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Dokumentation

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17. Januar 1973

Inhalt
INFORMATION:
USA wollen Vietnam-Konflikt zu Ende bringen
-Einseitige Einstellung der Bombardierung
USA werden in Helsinki die Frage der Freizügigkeit nicht aufgeben
Von Peter Karegeannes

HINTERGRUNDMATERIAL:
Drogenverbrecher in der Defensive
Von Ron Moxness

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon ordnet Aufhebung der meisten Lohn-und Preiskontrollen an
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-KongreßNixon fordert Reform des internationalen Handelssystems
-Wortlaut des Schreibens an den US^Kongreß«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Kooperation - ein Schlüssel zur Umweltverbesserung
-Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"Zellkulturen in Gewebedichte gezüchtet
Strahlströme und Erdkrustenbewegur.g

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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3/1973

USA WOLLEN VIETNAM-KONFLIKT ZU ENDE BRINGEN
-Einseitige Einstellung der Bombardierung-

WASHINGTON --(AD)— Der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, betonte
am 16. Januar erneut, das Hauptziel der Vereinigten Staaten bestehe darin,
den Vietnam-Konflikt zu Ende zu bringen. Unter Hinweis auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen mit der anderen Seite lehnte Ziegler es ab, zu Einzelheiten Stellung zu nehmen oder sich zeitlich festzulegen.
Der Sprecher bestätigte, daß der amerikanische Verhandlungsführer,
Dr. Henry Kissinger, nach Washington zurückgekehrt sei und bis Ende der Woche
in der amerikanischen Hauptstadt bleiben werde. Präsident Nixon habe nicht
die Absicht, sich vor seiner Amtsantrittsrede am Sonnabend zum VietnamProblem zu äußern.
Am 15. Januar hatte Fräsident Nixon die Einstellung aller Angriffe aus
der Luft oder von See her auf Nordvietnam angeordnet. Diese einseitige
Friedensgeste der Vereinigten Staaten trat am 15. Januar um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft und gilt für den gesamten Bereich Nordvietnams
nördlich des 17. Breitengrades. Wie aus der Bekanntgabe des Weißen Hauses
hervorging, schließt der Befehl des Präsidenten auch eine weitere Verminung

-1-

�Verminung nordvietnamesischer Häfen aus. Die bereits gelegten Minen sollen
jedoch erst nach Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens geräumt
werden.
Der Sprecher des Weißen Hauses hatte am 15, Januar die folgende wichtige
Ankündigung gemacht:
"Aufgrund des Fortschrittes bei den Verhandlungen zwischen Dr. Kissinger
und Sonderberater Le Duc Tho hat Präsident. Nixon angeordnet, daß die Bombardierung, Beschießung und weitere Verminung (der Küsten) von Nordvietnam eingestellt wird. Diese Anordnung trat heute am 15. Januar um lOrOO Uhr Washingtoner Zeit in Kraft.
Die von mir angeführte Anordnung des Präsidenten gilt für Kampfhandlungen
nördlich des 17. Breitengrades, also für ganz Nordvietnam."

-2-

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3/1973

USA WERDEN IN HELSINKI DIE FRAGE DER FREIZÜGIGKEIT NICHT AUFGEBEN
Von Peter Karegeannes

HELSINKI --(AD)-- Wenn die Vertreter von 34 Ländern jetzt in Helsinki zur
zweiten Runde der vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) zusammengekommen sind, dann werden
sie an der Erörterung der Frage der Freizügigkeit von Personen und Ideen
nicht vorbeikommen. Die westlichen Länder und vor allem die Vereinigten Staaten haben die Frage der Freizügigkeit als eines der wichtigen Themen für
eine Konferenz herausgestellt. In der ersten Phase der Vorbereitungsgespräche fanden sie bei den Sowjets und den Delegierten der anderen Staaten des
Warschauer Paktes nur wenig Gegenliebe.
Zwar hat die parteiamtliche "Prawda" die Forderungen des Westens als
"unverschämt" und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer
Staaten bezeichnet, aber doch auf eine vorherige Äußerung von Parteichef
Breschnew hingewiesen, in der dieser die Freizügigkeit keineswegs abgelehnt
hatte. Wie die sowjetische Nachrichtenagentur TASS berichtete, hat Breschnew
am 21. Dezember vorigen Jahres erklärt: "Auch wir sind dafür - natürlich nur,
wenn eine solche Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Souveränität, der
Gesetze und der Gepflogenheiten eines jeden Landes stattfindet und wenn sie

-1-

�sie zur gegenseitigen geistigen Bereicherung der Völker, zu einem wachsenden
Vertrauen unter ihnen und zur Förderung der Ideen des Friedens und guter
Nachbarschaft beiträgt."
Diese Äußerungen können als ein Anzeichen einer größeren Flexibilität
angesehen werden. Inwieweit sich das nun in der Praxis der Vorbereitungsgespräche in Helsinki niederschlagen wird, bleibt abzuwarten. Es wird eine der
Hauptaufgaben der Delegierten sein, dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Die Vereinigten Staaten haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß sie
einen echten Fortschritt in der Frage der Freizügigkeit von Personen, Ideen
und Informationen als ein konkretes Zeichen dafür betrachten, daß eine KSZE
stattfinden kann. Die USA sind weiter der Auffassung, daß dem Fortschritt
in den Ost-West-Beziehungen durch eine KSZE gedient sei, die sich konkret mit
den Fragen des menschlichen Kontaktes und den dazu notwendigen Maßnahmen beschäftigt.
Die Grundprinzipien der Freizügigkeit liegen längst fest. Damit brauchte
sich eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa nicht mehr
zu befassen. Es geht jetzt vielmehr um ganz konkrete Schritte zur Verwirklichung einer größeren Freizügigkeit, die schon in Artikel 19 der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen - und auch in anderen weltweit akzep-r
tierten Konventionen und Vereinbarungen - garantiert wird.
Natürlich enthalten all diese Dokumente sogenannte Vorbehaltsklauseln,
die aber für den echten Ausnahmefall und nicht - wie in den Ländern des Warschauer Paktes - dazu gedacht sind, Buchstaben und Absicht der Erklärung zu
negieren.
Starre Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Menschen tragen zu
Spannung und Mißtrauen bei und stehen einer echten Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Wege. Ein stetiger Abbau dieser Beschränkungen würde

-2-

�•t

würde wesentlich zur Entspannung beitragen und würde den Hoffnungen und Wünschen der europäischen Völker entgegenkommen. Eine KSZE wird sich nach westlicher Auffassung mit der Frage der Liberalisierung nicht nur der kulturellen
Zusammenarbeit befassen müssen, wobei der Westen sicherlich einsehen muß, daß
diese Liberalisierung nur schrittweise kommen kann.

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3/1973

DROGENVERBRECHER IN DER DEFENSIVE
Von Ron Moxness

--(AD)-» Die nahezu 100 amerikanischen Sonderfahnder im Ausland und die
fast 15 000 Angehörigen des amerikanischen Zolls, die sich unter anderem
auf das Aufspüren von Rauschgiftschmugglern konzentriert haben, treffen
den internationalen Rauschgifthandel empfindlich. Von Mitte 1971 bis
Mitte 1972 zum Beispiel wurden aufgrund der Recherchen von Beamten der
amerikanischen Bundeszentrale für Narkotika und gefährliche Drogen
(BNDD) 7 671 Händler festgenommen - 62 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Eine wesentliche Rolle spielte dabei die enge Zusammenarbeit von Behörden innerhalb der USA und die Einschaltung ausländischer Stellen in die
Überwachung und Fahndung.
Eine ständig steigende Zahl von ausländischen Händlern und Schmugglern wird an den Grenzen der USA gefaßt. Der amerikanische Zoll verhaftete
- ebenfalls von Mitte 1971 bis Mitte 1972 - 7 820 Personen wegen Verstößen gegen das Rauschgiftgesetz von 1970 und erreichte die Verurteilung
wegen einschlägiger Delikte in 2 200 weiteren Fällen. Gleichzeitig beschlagnahmte er 284 kg Heroin, 23 kg Opium, 171 kg Kokain, nahezu 145 t
Marihuana und fast 5 t Haschisch. Die größte Menge Heroin, nämlich 110 kg,

�110 kg, wurden aus dem Chassis eines nach Puerto Rico gebrachten französischen
Kraftwagens geholt, in das das Rauschgift eingeschweißt worden war. Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit wurden zwei Franzosen festgenommen. Aufgrund eines Tips amerikanischer Rauschgiftfahnder wurde ein zweites Auto aus
Frankreich in Valencia (Spanien) beschlagnahmt. Es enthielt 112 kg Heroin,
Die Schmuggler sind recht einfallsreich und finden immer wieder neue Verstecke. Zwar kam der doppelte Kofferboden noch nicht aus der Mode, aber neuerdings sind auch Schuhe, Wäsche und Toilletenartikel, Kunstgegenstände, Geschenkartikel in Weihnachtspaketen und selbst Elektrogeräte (z.B. Lautsprecher
für Stereoanlagen aus Hongkong) recht beliebt.
Wie amerikanische Beamte von Rauschgiftdezernaten erklärten, ist es vor
allem dem Einsatz von besonders geschultem Personal, von Hunden, die Rauschgift selbst dann noch wahrnehmen, wenn es mit Zwiebelgeruch und anderen "Düften"
getarnt ist, und der intensiven Benutzung von Computer-Karteien zu verdanken,
daß die Risiken der Rauschgifthändler immer größer werden. Auch Diplomatenpässe
sind kein Schutz mehr, wie der Fall eines Bürgers der Philippinen zeigt, der im
vergangenen Jahr wegen Heroin-Schmuggels zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt
wurde.
Aufgrund des amerikanischen Rauchgiftgesetzes von 1970 können auch Personen wegen Rauschgiftschmuggels in den USA vor Gericht gestellt werden, wenn sie
nie zuvor amerikanischen Boden betreten haben. Dies gilt z.B. in Fällen, wo
"zwei oder mehrere Personen Rauschgift oder andere, unter Kontrolle stehenden
Substanzen herstellen oder verteilen mit dem Zweck, sie in amerikanisches Territorium zu verbringen oder verbringen zu lassen." Nach Aussage eines BNDD-Sprechers "verletzt jeder, auch wenn er nie in den USA gelebt hat, das amerikanische
Gesetz gegen Verschwörungen zur Einfuhr und Verteilung von Heroin, der irgendwo
im Ausland - von Marseille bis Hongkong - ein Heroin-Laboratorium betreibt und
das Rauschgift an einen Zwischenträger verkauft, von dem er weiß oder annehmen

-2-

�annehmen kann, daß es dieser in die USA weiterbefördern wird."
Der Handel mit "unter Kontrolle stehenden Substanzen" wie Heroin, Kokain
oder Methadon kann 15 Jahre Haft in einem amerikanischen Gefängnis und Geldstrafen bis zu 25 000 Dollar einbringen. Haschisch-und Marihuanaschmuggel
-Straftaten, in die eine immer größere Anzahl von Personen verwickelt istwerden mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft. Ein ähnliches Strafmaß ist
bei Handel mit Amphetaminen, Barbituraten und Halluziogenen, z.B. LSD, zu erwarten.
Diese gesetzlichen Bestimmungen trugen in letzter Zeit viel dazu bei,
daß einige der berüchtigsten amerikanischen und ausländischen Händler gefaßt
und die großen internationalen Schmuggelringe teilweise zerschlagen werden konnten. Ende November fällte z.B. ein Bundesgericht in New York das Urteil über
20 von BNDD-Beamten überführte Rauschgifthändler - nach ihrer Staatsangehörigkeit Bürger der USA, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Argentiniens und der
Schweiz. Sie hatten Heroin im Verkaufswert von 130 Millionen Dollar in die USA
eingeschmuggelt und abgesetzt. Der Drahtzieher des Unternehmens, Christian
David, bekannte sich am 1. Dezember 1972 für schuldig, 30 kg Heroin empfangen,
versteckt und transportiert zu haben. Er wurde zu 20 Jahren Haft in einem amerikanischen Zuchthaus (ohne Bewährung) und 20 000 Dollar Geldstrafe verurteilt.
Die brasilianische Polizei hatte ihn festgenommen; wegen des Mordes an einem
französischen Polizeikommissar war er schon von französischen Behörden gesucht
worden.
Mit einer Haftstrafe bis zu 20 Jahren hat der Korse Paul Auguste Ricord
(62) zu rechnen, wenn am 29. Januar 1973 wegen seiner Beteiligung am Einschmuggeln von Rauschgift in die Vereinigten Staaten das Urteil über ihn gesprochen
wird. Er gilt als der Kopf einer Rauschgifthändlerbande, auf die ca. 50 Prozent
des während der letzten fünf Jahre in die Oststaaten der USA eingeschmuggelten
Heroins entfallen. Ricord war im März 1971 in Paraguay festgenommen und von

-3-

�von den Behörden dieses südamerikanischen Staates an die Vereinigten Staaten
ausgeliefert worden. Umgekehrt geht auch das Ausland scharf gegen amerikanische Staatsbürger vor, die wegen Rauschgiftdelikten mit den Landesgesetzen
in Konflikt kommen. Das US-Außenministerium gab kürzlich bekannt, daß 934
von insgesamt 1 460 US-Bürgern, die in 60 Staaten in Gefängnissen sitzen,
wegen Verletzung der Gesetze gegen Narkotika-und Rauschgiftmißbrauch verurteilt wurden.

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3/1973

PRÄSIDENT NIXON ORDNET AUFHEBUNG DER MEISTEN LOHN-UND PREISKONTROLLEN AN
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongreß»
WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat am 11. Januar die Aufhebung der
meisten Lohn-und Preiskontrollen angeordnet. Die Botschaft des Präsidenten
über den Beginn der Phase III seines wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
an den amerikanischen Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Im Jahre 1969 betrug die Jahresrate des Preisauftriebs in den Vereinigten Staaten rund 6 Prozent. Während meiner ersten Amtszeit ist diese Rate
fast auf die Hälfte gesenkt worden, und heute haben die Vereinigten Staaten
die niedrigste Inflationsrate aller Industriestaaten der freien Welt,
In den letzten eineinhalb Jahren wurde dieser Rückgang der Inflationsrate von einer schnellen wirtschaftlichen Expansion begleitet. Die zivile
Beschäftigung stieg im letzten Jahr schneller an als jemals zuvor in unserer
Geschichte, und die Arbeitslosigkeit ging erheblich zurück. Wir haben heute
eine der höchsten wirtschaftlichen Wachstumsraten aller Industriestaaten.

Kurz

-1-

�Kurz gesagt, 1972 war ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft. Ich rechne damit, daß 1973 und 1974 sogar noch besser sein werden.
Sie können in der Tat die besten Jahre werden, die unsere Wirtschaft jemals
gehabt hat, vorausgesetzt, daß wir den Willen haben und klug genug sind,
auf dem öffentlichen wie auf dem privaten Sektor eine entsprechende Wirtschaftspolitik zu verfolgen.
In den letzten Wochen haben Mitglieder meiner Regierung unsere Wirtschaftspolitik überprüft,um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Ich weiß
die fruchtbaren Ratschläge und die ausgezeichneten Anregungen sehr zu
schätzen, die wir in unseren Konsultationen mit dem Kongreß erhalten haben.
Wir sind ferner dankbar für die starke Unterstützung, die uns von hunderten
von namhaften Persönlichkeiten gewährt wurde, die die Gruppen der Wirtschaft,
der Gewerkschaften, der Landwirtschaft und der Verbraucher wie auch die allgemeine Öffentlichkeit vertraten. Diese Gespräche waren für uns äußerst
nützlich, um verschiedene grundlegende Schlußfolgerungen über die Zukunft
unserer Wirtschaft zu ziehen.
Ein wichtiger Punkt, der sich herauskristallisiert, wenn wir auf das in
der Vergangenheit Erreichte und die Aussichten für die Zukunft blicken, ist
die zentrale Rolle, die die Währungs-und Haushaltspolitik der Regierung
spielte. Wir können nicht die Inflation unter Kontrolle halten, wenn wir
nicht die Regierungsausgaben unter Kontrolle halten. Aus diesem Grunde habe
ich darauf bestanden, daß unsere Ausgaben im Finanzjahr 1972/73 nicht über
250 Milliarden Dollar hinausgehen und daß unser Haushaltsvoranschlag für das
Finanzjahr 1973/74 nicht die Einnahmen übersteigt, die das derzeitige Steuersystem bei Vollbeschäftigung erbringen würde. Ich hoffe und erwarte, daß der
Kongreß diesen Haushalt mit einer gleichen Auffassung von Haushaltsdisziplin
aufnehmen wird. Die Stabilität unserer Preise hängt von der Zurückhaltung
seitens des Kongresses ab.
Wenn

~2~

�Wenn wir jetzt in ein neues Jahr und in eine neue Amtszeit dieser Regierung eintreten, dann beginnen wir gleichzeitig auch eine neue Phase unseres wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms. Meines Erachtens hat das System
von Kontrollen, die seit 1971 bestanden, ganz wesentlich zur Stärkung unserer
Wirtschaft beigetragen. Heute unterbreite ich dem Kongreß ein Gesetz, durch
das das grundlegende Gesetzeswerk, auf dem dieses System basiert - das Gesetz
zur Stabilisierung der Wirtschaft -, um ein weiteres Jahr bis zum 30. April
1974 verlängert wird.
Auch wenn wir uns der Notwendigkeit einer weiteren Zurückhaltung bei
Preisen und Löhnen auf Seiten der Regierung bewußt sind, so sehen wir doch
den Tag kommen, da wir die Vorteile stabiler Preise ohne die Nachteile einer
solchen Zurückhaltung haben können. Ich glaube, wir können uns auf diesen
Tag vorbereiten und sein Kommen beschleunigen, indem wir das derzeitige
System (von Preis-und Lohnkontrollen) so modifizieren, daß es in einem
stärkeren Maße auf der freiwilligen Mitarbeit des privaten Sektors durch vernünftige Preis-und Lohnentscheidungen basiert.
In der Phase III wird die vorherige Billigung von Änderungen bei Löhnen
und Preisen durch die Bundesregierung nicht mehr erforderlich sein, besonders
problematische Gebiete ausgenommen. Die Bundesregierung wird, nach Beratung
mit Unternehmern und Gewerkschaften, Richtlinien für das private Verhalten
ausarbeiten, die sich selbst tragen. Dies besagt, daß Unternehmen und Arbeiter
künftig selbst entscheiden können, ob ihr Verhalten diesen Normen entspricht.
Zunächst und ganz generell werden wir uns auf die freiwillige Mitarbeit des
privaten Sektors in bezug auf eine vernünftige Beachtung der Normen verlassen.
Die Regierung wird jedoch weiterhin die Vollmacht - und die Pflicht - haben,
einzugreifen und Maßnahmen zu stoppen, die mit unseren antiinflationistischen
Zielsetzungen nicht zu vereinbaren wären. Ich habe als grundlegendes Ziel dieses Programms eine weitere Senkung der Inflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2
Prozent oder noch weniger gesetzt.
Aufgrund

3-

�Aufgrund dieses Programms kann ein großer Teil des Apparates der Bundesregierung, der sich in den Phasen I und II so sehr bewährt hat, abgebaut werden, darunter die Preiskommission, der Lohnausschuß, der Ausschuß für das
Gesundheitswesen, der Ausschuß für Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten und
den Kommunalverwaltungen und der Beirat für Renten. Denen, die als Angehörige dieser Gremien und deren Stäbe so hervorragende Dienste geleistet haben
- vor allem dem Vorsitzenden des Lohnausschusses, Richter George H. Boldt,
und dem Vorsitzenden der Preiskommission, C. Jackson Grayson Jr. - gilt mein
tiefer Dank wie auch der ihrer Landsleute für ihre hingebungsvolle und wirksame Arbeit.
Dieses neue Programm wird von dem Lebenshaltungskostenrat verwaltet werden. Der neue Direktor des Rates wird John T. Dunlop sein. Dr. Dunlop tritt
die Nachfolge von Donald Rumsfeld an, dem, wenn er nun aus diesem Amt ausscheidet, der tiefe Dank des Landes für seine hervorragende Arbeit gilt.
Im Rahmen unseres neuen Programms werden besondere Anstrengungen unternommen werden, um die Inflation auf Gebieten zu bekämpfen, wo der Preisauftrieb besonders störend war, vor allem, um gegen die steigenden Lebensmittelpreise anzugehen. Unser Anti-Inflationsprogramm wird nicht hundertprozentig
erfolgreich sein, solange seine Auswirkungen nicht auch bis auf die örtlichen
Supermärkte und die kleinen Kolonialwarenläden durchschlagen.
Ich ordne daher an, daß unser gegenwärtiges bindendes System zur Kontrolle
von Löhnen und Preisen mit besonderem Nachdruck bei solchen Firmen fortgesetzt
wird, die mit der Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln zu tun haben.
Ich setze ferner einen neuen Ausschuß für die Überprüfung der Politik der Regierung ein, soweit diese die Lebensmittelpreise berührt, und einen Beirat von
nicht der Regierung angehörenden Persönlichkeiten, der andere Wege zur Erreichung von Preisstabilität in den Lebensmittelgeschäften prüfen soll. Ich werde
diesen Beirat ersuchen, seine besondere Aufmerksamkeit neuen Wegen zur Senkung

-4-

�•

Senkung der Kosten und zur Steigerung der Produktivität an allen Punkten der
Kette, von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Verteilung der Lebensmittel, zu schenken. Ferner ist vom Landwirtschaftsministerium und vom Lebenshaltungskostenrat gestern und heute eine Reihe von wichtigen Schritten verkündet worden, um die Lebensmittelpreise so weit wie möglich - durch Steigerung
des Lebensmittelangebotes - niedrig zu halten. Meines Erachtens werden alle
diese Anstrengungen uns in die Lage versetzen, dem Ansteigen der Lebensmittelkosten auf wirksame Weise Einhalt zu gebieten, ohne den wachsenden Wohlstand
der amerikanischen Farmer zu beeinträchtigen. Weitere besondere Maßnahmen, die
zur Bekämpfung der Inflation ergriffen werden, sind die Beibehaltung der gegenwärtigen bindenden Kontrollen auf dem Gesundheits-und dem Bausektor und die
Beibehaltung des gegenwärtigen erfolgreichen Programms für Zinsen und Dividenden.
Die von mir heute verkündete neue Politik kann noch größere Preisstabilität mit weniger restriktiver Bürkratie bringen. Ihr Erfolg wird jedoch jetzt
von einem festen Willen zur Selbstbeschränkung sowohl innerhalb der Bundesregierung wie auch in der allgemeinen Öffentlichkeit abhängen.
Wenn der Kongreß unseren neuen Haushalt mit einem hohen fiskalischen Verantwortungsbewußtsein aufnimmt und wenn die Öffentlichkeit weiterhin den gleichen Geist der freiwilligen Mitarbeit zeigt, der während der Phasen I und II
so wichtig war, dann können wir die Inflationsrate unter 2 1/2 Prozent drücken
und eine noch nie zuvor dagewesene Ära eines umfassenden und stabilen Wohlstandes einleiten . (Ende Botschaft)

-Künftiges Programm basiert auf Freiwilligkeitin einer gleichzeitig herausgegebenen Erklärung betont das Weiße Haus, daß
der Phase III des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms des Präsidenten,
die auf Freiwilligkeit im Kampf gegen die Inflation basiert, umfassende Kon-

-5-

�Konsultationen mit über 400 Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens vorangingen.
Nach dem modifizierten System wird die Regierung Richtlinien für das private Verhalten aufstellen, die dem nationalen Anti-Inflationsziel entsprechen.
Die Leitzahlen für Löhne werden nach Anhören von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgearbeitet werden. Die Sozialpartner werden künftig selbst entscheiden, ob ihr Verhalten diesen Richtlinien entspricht, und ihre Entscheidungen
bedürfen nicht mehr der vorherigen Billigung. Doch wird erwartet, daß sie sich
an die Richtlinien und Ziele halten. Der Regierung wird eine Nachprüfung ermöglicht werden, ob ihr Verhalten den Richtlinien entspricht. Sie
wird ferner ermächtigt sein, dort bindende Leitzahlen für das künftige Verhalten festzulegen, wo das freiwillige Verhalten den Zielen des Programms nicht
entspricht. Zu diesem Zweck hat der Präsident um die Verlängerung des Gesetzes
zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr nachgesucht. Besondere Programme
werden auf dem Lebensmittel-, dem Gesundheits- und dem Bausektor sowie für
Zinsen und Dividenden beibehalten. Nach Auflösung des Lohnausschusses und der
Preiskommission wird der Lebenshaltungskostenrat allein die Phase III des Programms überwachen.
Als allgemeine Richtlinie für die Preise gilt, daß künftige Preiserhöhungen nicht über die Kostensteigerungen hinausgehen sollen. Aber auch wenn die
Kosten höher liegen, dürfen die Preise nicht erhöht werden, wenn die Gewinne
des Unternehmens die Grundspanne übersteigen. Unabhängig hiervon kann ein Unternehmen bei Kostensteigerungen seine Preise jedoch heraufsetzen, wenn solche
Preiserhöhungen 1,5 Prozent pro Jahr nicht übersteigen. Als Anhalt sollen auch
weiterhin die von der Preiskommission in der Vergangenheit ausgearbeiteten Bestimmungen gelten.
Bei den Löhnen können die derzeitigen Richtlinien des Lohnausschusses als
Anhalt für das Maximum an angemessenen Lohnerhöhungen dienen, solange sie

-6-

�sie nicht modifiziert werden. Ein Beirat der Sozialpartner soll den Lebenshaltungskostenrat dahingehend beraten, ob und inwieweit Modifzierungen vorgenommen werden sollen.
Alle neuen Bestimmungen und Erfordernisse sollen mit sofortiger Wirkung
in Kraft treten.

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NIXON FORDERT REFORM DES INTERNATIONALEN HANDELSSYSTEMS
-Wortlaut des Schreibens an den US-Kongreß-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat erneut eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert, die zu einem weiteren Abbau der tarifären wie auch der nicht-tarifären Handelsschranken führen sollte. In einem
Begleitschreiben zu dem 16. Jahresbericht über das Programm für Handelsabkommen an den amerikanischen Kongreß gab der Präsident ferner seiner Zuversicht Ausdruck, daß in einem solchen internationalen System der Welthandel
auf einer gerechten Basis für alle Beteiligten ausgeweitet werden kann.
Das Schreiben des Präsidenten an den US-Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Gemäß Paragraph 402 (A) des Gesetzes über die Ausweitung des Handels
von 1962 unterbreite ich hiermit den 16. Jahresbericht des Präsidenten zu
dem Programm über Handelsabkommen. Dieser Bericht erfaßt die Entwicklungen
in den 12 Monaten bis zum 31. Dezember 1971.
Dieses Jahr bildete einen historischen Wendepunkt in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Die sich immer mehr verschärfenden Krisen
im Frühjahr und im Sommer 1971 zeigten auf dramatische Weise,daß die von

�von uns am Ende des zweiten Weltkrieges entwickelten Regeln und Mechanismen überholt und ungerecht waren. Vor diesem Hintergrund hatte die
Regierung im August eine Reihe von Maßnahmen verkündet, die zu einem Teil
darauf abzielten, eine weitere Schädigung der wirtschaftlichen Position
der Vereinigten Staaten zu verhindern. Noch wichtiger war jedoch, daß Maßnahmen ergriffen wurden, um den Weg für eine Reform des Handels-und des
Währungssystems der Welt durch multilaterale Zusammenarbeit zu öffnen.
Gleichlaufend mit den monetären Konsultationen, die zu dem SmithsonianAbkommen vom Dezember 1971 führten, haben die Vereinigten Staaten bilaterale
Gespräche mit ihren wichtigsten Handelspartnern aufgenommen. Diese Gespräche führten 1972 zu einem Abbau verschiedener ausländischer Handelsschranken für unsere Exporte, der für uns von großem Wert war. Noch bedeutsamer
war jedoch, daß die Vereinigten Staaten, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Japan zu dem Schluß gelangten, daß dauerhafte Lösungen nur auf
dem Wege über umfassende Verhandlungen gefunden werden können. Das Ergebnis dieser Gespräche war eine Vereinbarung, aktiv auf den Beginn einer
neuen Runde umfassender Verhandlungen im Jahre 1973 hinzuarbeiten, die alle
Elemente der Handelspolitik einschließen.
Die Länder der Welt haben jetzt Gelegenheit, eine neue Ära der internationalen Beziehungen einzuleiten, für die Verhandlungen über alle außenpolitischen Fragen statt Konfrontationen charakteristisch sind.
Unsere Hauptziele bei der Reform des internationalen Handelssystems
sind der Abbau der bestehenden tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken für unsere Agrar-wie auch unsere Industrierzeugnisse, die Ausarbeitung
neuer Bestimmungen für eine fairere Abwicklung des Welthandels und die
Erschließung neuer Möglichkeiten für die ärmeren Länder, damit sie sich
die für ihre wirtschaftliche Entwicklung benötigten Devisen verdienen
können. So weitgesteckte Ziele lassen sich nur in einem Rahmen erreichen,

-2-

�erreichen, der eine gerechte Aufteilung der Vorteile und der Pflichten
bietet und der ein Schutzsystem einschließt, das den durch den ausländischen
Wettbewerb geschädigten Industrien Zeit gibt, sich den veränderten Handelsformen anzupassen.
Vorschläge, die den Vereinigten Staaten die Teilnahme an wirksamen
Verhandlungen ermöglichen, werden gegenwärtig innerhalb der Regierung eingehend geprüft. In den kommenden Monaten wird die Regierung eng mit den
Mitgliedern des Kongresses zusammenarbeiten, um zu entscheiden, wie wir am
besten den Aufgaben und der Große der vor uns liegenden Möglichkeiten entsprechen können.
Ich bin zuversichtlich, daß wir einen Rahmen für die Weltwirtschaft
schaffen können, in dem der Handel auf einer für alle Beteiligten gerechten Basis expandieren kann - und so zu Frieden und Wohlstand für alle
Länder der Welt beiträgt.

-H-K

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KOOPERATION - EIN SCHLÜSSEL ZUR UMWELTVERBESSERUNG
- Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"-

--(AD)— Autoausstellungen sind in Detroit nichts besonderes. Aber die Fahrzeuge, die Mitte Januar 1973 beim Jahreskongreß der amerikanischen Kraftfahrzeugingenieure in der "Cobo Hall" gezeigt wurden, hatten eine ungewöhnliche Anziehungskraft für Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Zu besichtigen waren die in drei verschiedenen Größenklassen konzipierten Modelle für
das "experimentelle Sicherheitsauto", kurz ESV ("Experimental Safety Vehicle")
genannt - Modelle der in den USA von General Motors und Ford entwickelten
ESV-Fahrzeuge (große Limousinen) und der in Europa von Daimler-Benz, VW und
Fiat gebauten Fahrzeuge der Mittel-und Kleinwagenklasse. Bei dem in Silbergrau und Weiß gehaltenen Mercedes-Modell schien die Verbindung von eleganter
Linienführung und attraktiver Ausstattung mit den rigorosen technischen Anforderungen besonders gut gelungen zu sein. Das Sicherheitsauto soll zum Beispiel einen Frontalzusammenstoß bei 80 km/st ohne Schaden für die Insassen
überstehen und in bezug auf Brems-und Steuerungsverhalten, Betrieb und Bedienung, Beleuchtung und Sicht besondere Sicherheitsmerkmale aufweisen.

In

• 1-

�In Serie werden die in Detroit gezeigten Modelle wohl nie gebaut, dafür
sind sie viel zu kostspielig. Aber die Entwicklungsarbeiten, die auch auf abgasarme Motoren ausgedehnt werden, zeigen Möglichkeiten auf, wie die heute
üblichen Typen unter den besonderen Aspekten von Sicherheit und Umweltschutz
bei tragbaren Kosten verbessert werden könnten.
"Straßensicherheit und Sicherheitsfahrzeug" zählen zu den Projekten, die
vom CCMS-Ausschuß der NATO vorrangig gefördert werden. Denn allein in den
Mitgliedsstaaten der NATO fordern Verkehrsunfälle weit über 100 000 Todesopfer pro Jahr. Elf Mitgliedsstaaten der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft arbeiten mit Japan und Schweden gemeinsam an der Lösung der zahllosen technischen und organisatorischen Aufgaben. Diese erfassen, noch dazu
in Verbindung mit den übrigen CCMS-Modellprojekten wie Wasser-und Luftreinhaltung, Stadtverkehr und Massenverkehrsmittel, Gesundheitswesen, Raumplanung
und Katastrophenhilfe,viel mehr akute Umweltprobleme, als es vielleicht auf
den ersten Blick den Anschein haben mag.
Manchen ist es noch immer unverständlich, daß sich ein NATO-Gremium
überhaupt mit Umweltfragen befaßt. Aber die 1969 geschaffene CCMS-Gruppe
(CCMS = "Committee on the Challenges of Modern Society" - Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft) soll und kann helfen, die mit einem riesigen
wissenschaftlich-technischen und organisatorischen Apparat in der militärischen Zusammenarbeit gesammelten Erfahrungen auch dafür zu nutzen, vordringliche Umwelt-und Gesellschaftsprobleme wirksam anzugehen.
Es ist bezeichnend für die heutige Situation, daß auf dem Programm der
Konferenz von Detroit auch ein Seminar stand, auf dem die "Kosten und Vorteile des Automobils für die Gesellschaft" debattiert wurden. Zum ersten Mal befaßten sich Ingenieure und Vertreter der Autoindustrie, die traditionsgemäß
Fragen wie Antrieb, Leistung, neue Modelle, neue Technologien und Produktionsverfahren am meisten interessieren, mit sozialpolitischen Problemen.
Russell

�Russell E. Train, der Berater Präsident Nixons in Umweltfragen, richtete den dringenden Appell an die Teilnehmer, alles in ihren Kräften stehende
zu tun, um den hohen Preis, den die menschliche Gesellschaft für die Annehmlichkeit der Benutzung von Kraftfahrzeugen zu zahlen habe, zu reduzieren. Die
Toten und Verletzten von Verkehrsunfällen, verschmutzte Luft, das Auswuchern
der Städte, ein völlig veränderter Charakter der Stadtzentren, Verbrauch unvorstellbarer Mengen fossiler Brennstoffe und anderer Naturschätze, und über
all dem der Verlust des Gemeinschaftssinns, des Gefühls, irgendwo wirklich
zuhause zu sein - das alles summiere sich zu einem astronomisch hohen, zu
hohen Preis.
"Technologien müssen auch ein Gefühl für Grenzen, müssen ein gewisses
Verständnis dafür vermitteln, was wir

nicht

haben können...". Dieses

Wort von Daniel P. Moynihan, dem ehemaligen Sonderbeauftragten Präsident
Nixons für Städteplanung, bezeichnete Train als ein unabdingbares Grundprinzip der Technik von heute. Allerdings bedeute es für Öffentlichkeit, Staat
und Industrie in vielen Fällen eine "harte Nuß", sich daran zu orientieren.
Im Zusammenhang mit dem so liebgewordenen Auto erfordere es Konzessionen und
wohl auch die Aufgabe mancher Bequemlichkeiten, wenn soziale Bedürfnisse wie
mehr Sicherheit und weniger Gefahren für die Allgemeinheit und sparsamerer
Umgang mit Energiequellen im Vordergrund stünden, gleichzeitig aber allumfassende Informationen über die günstigsten Verbesserungen oder Alternativen
zum "System Auto und Verkehr" noch fehlen. Die Zeit dränge. Gegenmaßnahmen
könnten nicht so lange aufgeschoben werden, bis alle in Frage stehenden Probleme durchanalysiert seien.
Mr. Train verwies in diesem Zusammenhang auf einen jüngst erschienenen
Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), der die verschiedensten Maßnahmen zumindest für die Lösung einiger
Probleme vorschlägt - Einrichtung von Fußgängerzonen und Zonen mit stundenweisen Sperrzeiten in den Städten für Personen und Lastkraftwagen; ausgeklügelte

3

�ausgeklügelte Vorschriften, Gebühren und Verbote für das Parken^ besondere
Gebühren für Pendler zwischen Vororten und verstopften Stadtzentren^ Anreize
für Personenmitnahme in Pkwsj gleitende Arbeitszeit; besser durchdachte Regional-, Städte- und Verkehrsplanung. Bemühungen um die Durchsetzung von Verbesserungen sollten die Behörden, so Train, im Interesse der Sache durch enge Zusammenarbeit fördern, anstatt wirksame Fortschritte durch Eigenbrötelei, Kompetenzüberlappungen, ja selbst Gegensätzlichkeit der Verordnungen zu blockieren.

.4-

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3/1973

ZELLKULTUREN IN GEWEBEDICHTE GEZÜCHTET

--(AD)-- Eine Wissenschaftlergruppe der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes of Health-NIH' entwickelte ein Verfahren,
das es erlaubt, Zellkulturen mit einer Dichte zu züchten, die nahezu der
von natürlichen Körpergeweben entspricht. Den Schlüssel dafür bildet ein
ausgeklügeltes Netzwerk für die künstliche Zirkulation der Nährlösungen.
Bei Anwendung der heute üblichen Methoden können zwar Kulturen aus vielen Typen menschlicher und tierischer Zellen gewonnen werden. Aber sobald ein
bestimmter Dichtegrad erreicht ist, der allerdings noch weit unter dem des
natürlichen Gewebes liegt, vermehren sich die Zellen nicht mehr und wachsen
nicht weiter. Eine Ursache dafür dürfte in der ungenügenden Zuführung von
Nährstoffen und unzureichender Abführung von Abbauprodukten zu suchen sein,
wofür im normalen Gewebe die Kapillaren sorgen. Auch laufen unter Reagenzglasbedingungen Zellfunktionen anders ab als im natürlichen Gewebe, wo die
Zellen miteinander in Kontakt stehen und ihre Aktivität gegenseitig beeinflussen.
Die natürlichen Bedingungen versucht die Forschergruppe ^Dr. Richard
A. Knazek, Dr. Petro M. Gullino, Dr. Peter 0. Kohler und Dr. Robert L. Dedrick)
dadurch weitgehend nachzuahmen, daß in den Kulturschalen die Nährlösung durch

• 1 -

�I

durch Bündel dünner, poröser Röhrchen gepumpt wird. Die Zellen wachsen an
der Oberfläche und zwischen den Röhrchen, durch die,dem Blut vergleichbar,
ständig die Nährlösung strömt. Die Röhrchen sind porös genug,um Sauerstoff
und Nährstoffe ausdringen zu lassen und Abbauprodukte der Zellen aufzunehmen
und abzutransportieren.
Dr. Knazek und Dr. Gullino, die in der Abteilung Tumorphysiopathologie
des Nationalen Krebsforschungsinstituts arbeiten, hoffen nun, mit Hilfe des
neuen Verfahrens auch auf ihrem speziellen Gebiet weiterzukommen. So könnten
beispielsweise durch eine Veränderung der Hormone und anderer Substanzen in
den Nährlösungen die Bedingungen besser untersucht werden, unter denen das
Wachsen der verschiedensten Typen von Krebsgewebe gefördert oder blockiert
wird.
Die neue Methode erleichtert es außerdem, spezifische Zellprodukte aus
den Kulturen zu extrahieren und so die Auf-und Abbauprozesse bei der Zellentwicklung besser im Detail kennenzulernen, als dies bisher möglich war. Sie
zeigt ferner Möglichkeiten auf, um menschliche Hormone, die derzeit noch
sehr schwer zu gewinnen, für die Behandlung bestimmter Erkrankungen aber
äußerst wichtig sind, in größeren Mengen zu produzieren.

+++

-2-

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3/1973

STRAHLSTRÖME UND ERDKRUSTENBEWEGUNG
«-(AD)— Mit Seismographen des amerikanischen Bundesamtes für Meeres-und
Atmosphärenforschung (NOAA) wurden im Gebiet von Neumexiko wellenähnliche
Bewegungen der Erdkruste von äußerst langer Frequenz aufgezeichnet, die mit
Störungen im atmosphärischen Strahlstrom in ca. 14 000 m Höhe in Zusammenhang gebracht werden. Die Schlußfolgerung, daß Druckwellen, die von Strahlstrom-Störungen ausgehen, direkt oder indirekt zur Erdoberfläche übertragen
werden, untermauerte Alvaro F. Espinosa, Geophysiker an den NOAA-Instituten
von Boulder (Colorado), durch die Meßdaten für den Luftdruck während der betreffenden Zeit und mit theoretischen Modellen für die Beziehungen ErdeAtmosphäre, die ähnliche Effekte voraussagen.
Die seismischen Wellen wurden durch neuartige Seismographen der Erdbebenforschungsstation von Albuquerque registriert, die für schwache Bebenwellen mit sehr langen Perioden besonders empfindlich sind. Die Periodendauer betrug sechs bis zehn Minuten, was noch nie zuvor gemessen worden war.
Angesichts ihrer hohen Empfindlichkeit erfassen diese Seismometer, wie
Espinosa erklärte, Druckbelastungen der Atmosphäre sogar noch genauer als
die für solche Messungen "zuständigen" empfindlichen Barographen.

Auswirkungen

�Auswirkungen in umgekehrter Richtung, nämlich von der Erde zur Hochatmosphäre, beobachtete Dr. Kenneth Davies vom NOAA-Laboratorium zur Erforschung des erdnahen Raumes. Er konnte nachweisen, daij auch zwischen Erdbeben
und Störungen in der Ionosphäre Zusammenhänge bestehen. Espionosa bestätigte,
daß bei Ionosphärenuntersuchungen in verschiedenen Bereichen Störungen ermittelt wurden, die zeitlich mit der Aufzeichnung von Erdbebenwellen zusammenfielen. Er vermutet, daß sich Störungen im Strahlstrom nach oben in die
Ionosphäre und nach unten zur Erdoberfläche fortpflanzen. Auch Wirbelstürme
und atmosphärische Sturmfronten können die Erdoberfläche vorübergehend deformieren, wie bei seismischen Messungen im Sommer 1972 vom Fiat-River-Observatorium in Missouri festgestellt wurde. Aber Strahlströme spielen nach
Meinung Espinosas eine wichtigere Rolle dabei, um über atmosphärische Druckwellen mit Periodenlängen von 6 500 m bis fast 18 000 m periodische Bodenwellen in Gang zu setzen.

-2-

�</text>
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                <text>1. Information&lt;br /&gt;USA wollen Vietnam-Konflikt zu Ende bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einseitige Einstellung der Bombardierung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden in Helsinki die Frage der Freizügigeit nicht aufgeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Peter Karegeannes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenverbrecher in der Defensive&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ron Moxness&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wirtschaft&lt;br /&gt;Präsident Nixon ordnet Aufhebung der meisten Lohn- und Preiskontrollen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon fordert Reform des internationalen Handelssystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kooperation - ein Schlüssel zur Umweltverbesserung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zellkulturen in Gewebedichte gezüchtet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlströme und Erdkrustenbewegung</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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17. Januar 1990

PANAMA

Eagleburger erläutert Angklage gegen Norlega
Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS

UMWELT

Amerikanisch-sowjetischer Umweltplan
Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms

DROGEN

Aufforderung zur Drogenbekämpfung ergeht an alle Länder der Welt
Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts

MARTIN LUTHER KING

Amerika muß vollständige Aufhebung der Rassentrennung verwirklichen
Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King

U m Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 - 339 23 66
Telex: 8-85432

�PANAMA
Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

EAGLEBURGER ERLÄUTERT ANKLAGE GEGEN NORIEGA
Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS

WASHINGTON - (AD) - Aus aktuellem Anlaß veröffentlichen wir die bereits am
31. August 1989 vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehaltene
Rede des stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger, in der die
Punkte der Anklageschrift gegen den ehemaligen panamaischen Präsidenten, General Manuel Antonio Noriega, dargelegt werden.
Nachfolgend der Wortlaut des Redetextes:

Als die Außenminister in den frühen
Morgenstunden des 24. August bei ihren Konsultationen
die Beratungen
über den Konflikt in Panama beenden
wollten, forderte der Vertreter Panamas meine Regierung wiederholt auf, und ich zitiere -, "Beweise gegen Noriega vorzulegen". Dieser - ein fähiger Strafverteidiger und ein Mann,
der im vergangenen Jahr an den Verhandlungen über dieses Problem mit
meiner Regierung teilnahm - tat dies
wohl wissend, daß die Vereinigten
Staaten ein Rechtsstaat sind und keinen Prozeß außerhalb des Gerichtssaals führen werden.
Er tat dies
auch wohl wissend, daß die meisten
Beweise gegen General Noriega der Geheimhaltung im Hinblick auf das Geschworenengericht unterliegen und wir
uns einer Straftat schuldig machten,

wenn wir diese Beweise vor dem Prozeß
enthüllen würden. Und er tat dies
meiner Ansicht nach in der Hoffnung,
daß wir aufgrund dieser Zwänge und
der fortgeschrittenen
Stunde dazu
schweigen würden.
Wir haben am 24. August zwar die
fortgeschrittene Stunde respektiert,
werden aber nicht dazu schweigen.
Wir werden nicht zulassen, daß Noriegas Vertreter die Grenzen überschreiten, die unsere Verfassung zum Schutz
der Rechte des Angeklagten zieht.
Wir dürfen uns nicht das Etikett der
Verfehlung anheften lassen, vor dem
Prozeß Nachweise als "Beweis" dafür
zu erbringen, daß die Anklagepunkte
gegen General Noriega leichtzunehmen
oder konstruiert sind. Aber wir werden auch nicht in die Falle gehen,

�die der Vertreter Panamas vielleicht
für uns auslegen wollte.
Wir werden
die Anklage gegen Noriega nicht aufs
Spiel setzen, indem wir die Rechte
verletzen, die ihm - wie jedem anderen Angeklagten auch - in unserem
Rechtswesen garantiert sind. Wir haben das auch nicht nötig, um die vom
Vertreter Panamas so nachdrücklich
geforderten "Beweise" zu erbringen.
Der Vertreter Panamas hat nicht nur
unser System der Strafverfolgung diskreditiert, sondern noch weitere Verleumdungen gegen mein Land und meine
Regierung erhoben. Er hat uns die
latente Absicht unterstellt, unseren
hehren Verpflichtungen zur friedlichen Durchführung des Panamakanalvertrags untreu zu werden und uns in die
inneren Angelegenheiten Panamas einzumischen. Auch diese Fakten möchte
ich Ihnen heute darlegen, damit Sie
sich selbst ein Urteil dazu bilden
können: Wer bedroht die Kanalverträge? Die Vereinigten Staaten oder General Noriega? Wer macht sich der
Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder schuldig, und
wer enthält dem panamaischen Volk das
Recht auf Selbstbestimmung vor? Die
Vereinigten Staaten oder General Noriega? Wer ist für die Destabilisierung des panamaischen Militärs und
der panamaischen Gesellschaft verantwortlich?
Die Vereinigten Staaten
oder General Noriega?
Herr Präsident, lassen Sie uns
dieser Stelle Bilanz ziehen.

an

Am 4. Februar 1988 wurden General Noriega und 15 weitere Angeklagte - dazu zählten Pablo Escobar, die Brüder
Ochoa und andere Mitglieder des berüchtigten Medellin-Kartells - von
einem Geschworenengericht der Bundesregierung in Miami (Florida) des Drogenhandels und ähnlicher Vergehen angeklagt.
Zur gleichen Zeit wurden
General Noriega und der panamaische
Geschäftsmann Enrique Pretelt von einem Geschworenengericht der Bundesregierung in Tampa (Florida) des Imports großer Mengen von Marihuana und

damit zusammenhängender
zichtigt.

Vergehen be-

Dazu möchte ich zunächst die Bedeutung und das Gewicht einer Anklage
nach dem Gesetz der Vereinigten Staaten erläutern.
Die strafrechtliche Verfolgung wird
eingeleitet, wenn eine Fahndungsbehörde der Bundesregierung, wie etwa
die Drogenbekämpfungsbehörde
(DEA),
glaubt, den Nachweis für eine Verletzung amerikanischer Gesetze erbringen
zu können. Dieser Nachweis kann sich
auf eine Untersuchung mit Zeugenbefragung, auf Indizien oder Bankauskünfte stützen. Die Untersuchungsbeamten legen diese Informationen dem
zuständigen Staatsanwalt vor.
Ein
Anklagevertreter prüft sie, um festzustellen, ob die Beweise für den
Tatbestand einer oder mehrerer Verbrechen ausreichen, bevor er den Fall
vor ein Geschworenengericht bringt.

•

Das
Geschworenengericht
("grand
jury") setzt sich aus 16 bis 23 willkürlich ausgewählten amerikanischen
Bürgern zusammen. Es steht unter der
Leitung eines Bundesrichters. Seine
Aufgabe ist die Prüfung der von den
Anklagevertretern vorgelegten Beweise. Es hat Vorladungsvollmacht, um
jemanden als Zeugen zu laden oder die
Möglichkeit zur Vorlage von Gegenbeweisen zu geben. Darüber hinaus kann
es Vorladungen ausstellen, um Bankauskünfte und andere Firmenbelege zu
erhalten.
Wenn ein Geschworenengericht zu dem
Schluß kommt, daß die Beweislage
"hinreichende Verdachtsmomente" für
die Annahme liefert, daß der oder die
Angeklagten Straftaten begangen haben, müssen diese Straftaten zusammen
mit einer Begründung in einer Anklageschrift eingehend erläutert werden. "Hinreichende Verdachtsmomente"
sind von amerikanischen Gerichten als
"ausreichende
Beweise"
definiert,
"denen zufolge eine Person nach bestem Wissen und Gewissen zu dem
Schluß gelangt, daß sich der Angeklagte schuldig gemacht hat".

»
*
*

�Strafverfahren
bei
Geschworenengerichten sind nicht öffentlich. Für
einen Staatsanwalt oder Geschworenen
gilt es als strafbare Handlung, Sitzungsprotokolle an die Öffentlichkeit
zu bringen.
Im allgemeinen dürfen
die von einem Geschworenengericht erbrachten Beweise nur in einem späteren Prozeß verwendet werden.
Nach unserem System kann der Prozeß
nur stattfinden, wenn der Angeklagte
persönlich vor Gericht erscheint.
Bis dahin muß der Staatsanwalt die
Beweise, auf die sich die Anklage
stützt, vorlegen und alle Zeugen vorladen. Richter und Geschworene hören
die Plädoyers von Staatsanwalt und
Verteidigung und verkünden das Urteil
"schuldig" oder "nicht schuldig".
Für diejenigen unter Ihnen, die aus
den vielen Ländern dieses Kontinents
kommen, in denen das bürgerliche
Recht gilt, möchte ich einen Vergleich anstellen. Wenn der Staatsanwalt sich an die Geschworenen wendet,
ist dies praktisch einer Anklage im
Sinne des bürgerlichen Rechts vergleichbar.
Wenn
die Geschworenen
nach ihrer Untersuchung formell Anklage erheben, entspricht dies dem
Abschluß der Untersuchungen, dem Resümee im zivilrechtlichen Prozeß.
Nur wenn der Angeklagte persönlich
beim Prozeß erscheint, kann der eigentliche Prozeß beginnen, das heißt
Klage erhoben werden.
Anklageschriften sind ernstzunehmende
Dokumente, die sich auf sorgfältige
Untersuchungen und das wohlüberlegte
Urteil unparteiischer Bürger gründen. Ich möchte mich jetzt dem Inhalt der beiden Anklageschriften zuwenden, die von den Geschworenengerichten in Florida gegen Noriega vorgebracht worden sind.
Vom Bezirksgericht der Vereinigten
Staaten im Mittleren Verwaltungsbezirk Floridas in Tampa sind General
Noriega und Enrique Pretelt in Tateinheit des Imports und Handels mit
Marihuana angeklagt.
Die Anklageschriften beschreiben den versuchten

Import von über einer Millionen Pfund
(Imperial - Anm. d. Red.) Marihuana
in die Vereinigten Staaten in den
Jahren 1983/84. Die Anklage erhebt
den Vorwurf, daß mehrere Millionen
US-Dollar - der Gegenwert für die von
Steven Michael Kalish und anderen importierten 280 000 Pfund Marihuana in
die Vereinigten Staaten - nach Panama
gebracht und mit Zustimmung und Unterstützung der Angeklagten in panamaischen Banken und Unternehmen gewaschen wurden. Es wird der Vorwurf
erhoben, daß Noriega und andere den
Import von 400 000 Pfund Marihuana in
die Vereinigten Staaten und die unerlaubte Geldwäsche von mehr als 100
Millionen Dollar in Panama unterstützt haben. Und sie kommen zu dem
Schluß, daß Kalish im Laufe der Zusammenarbeit Noriega und anderen etwa
eine Million Dollar gezahlt hat, weil
Noriega den Schmuggel von Marihuana
und die Geldwäsche innerhalb Panamas
zuließ.
Vom Bezirksgericht für den Südlichen
Verwaltungsbezirk Floridas in Miami
wird General Noriega vorgeworfen,
sein Amt als Leiter der Abteilung
Nachrichtendienste der Nationalgarde
Panamas und später als Oberkommandierender der umbenannten Streitkräfte
Panamas ausgenutzt zu haben, um als
Gegenleistung für Unterstützung und
Schutz internationaler Drogenhändler
Bestechungsgelder anzunehmen. Zu den
Personen, denen er beim Vertrieb von
Drogen und Geldwäscheoperationen in
Panama geholfen haben soll, gehören
Pablo
Escobar-Gaviria,
Gustavo
DeJesus
Gaviria-Rivero,
Jorge
Ochoa-Vasquez und Fabio Ochoa-Vasquez.
General Noriega schützte Kokainlieferungen aus Medellin in Kolumbien auf
ihrem Weg durch Panama in die Vereinigten Staaten. Darüber hinaus sorgte er für den Umschlag und Verkauf
von Äther oder Aceton - auch wenn
diese
zunächst
von
panamaischen
Streitkräften
beschlagnahmt
worden
waren - an das Medellin-Kartell. Er
gewährte den Mitgliedern des Medellin-Kartells nach dem Mord an dem kolumbianischen Justizrainister Rodrigo

- 3 -

�Lara-Bonilla 1984 Asyl und die Basis
für ihre Operationen.
Er schützte
ein in der Provinz Darien in Panama
errichtetes Kokain-Labor. Und er gewährleistete den sicheren Beförderung
von mehreren Millionen Dollar aus dem
Drogengeschäft auf panamaische Bankkonten. Als Gegenleistung für diese
Dienste erhielt Noriega über 4,6 Millionen Dollar.
Darüber hinaus wird in der Anklageschrift ein Flug mit einer Ladung von
über einer Tonne Kokain vom 5. Juni
1984 nach Miami zitiert.
Die Geschichte, die diese Anklageschriften erzählen, ist schlicht und
erschreckend. Es ist die Geschichte
derselben schamlosen Exzesse im Bereich der Kriminalität, wie sie in
der Politik stattgefunden haben. Als
Noriega im August 1983 Oberkommandierender der Streitkräfte wurde, nahm
die Korruption "im kleineren Stil"
ungeahnte Ausmaße an. Wo im Jahr
1982 noch 100 000 Dollar für den Umschlag von Drogenlieferungen in Panama gezahlt wurden, waren es 1984 bereits 4 Millionen Dollar, die für den
Schutz des Kartells selbst an Noriega
flössen. Was als privater Opportunismus begann, geriet dann immer mehr
zur schamlosen Ausnutzung eines öffentlichen Amtes und selbst Verrat an
engen Mitarbeitern. Was für eingie
wenige noch sicher war, wurde jetzt
zur Gefahr für alle: bei den panamaischen Streitkräften, in Panama und
auf dem gesamten Kontinent.
Versicherungen von Noriega und seinen
Handlangern, die Anklagepunkte der
Vereinigten Staaten entbehrten jeglicher Grundlage, sind unsinnig. Wie
oben ausgeführt, erheben die Anklageschriften selbst den Vorwurf wiederholter und bestimmter krimineller
Handlungen, an denen Noriega persönlich beteiligt war. Darüber hinaus
haben Zeugen vor Kongreßausschüssen
die Schuld Noriegas bestätigt, unter
anderem der frühere panamaische Generalkonsul General Blandon und am Drogenhandel und Geldwaschaktionen mit
Noriega Beteiligte wie Amjad Awan,

ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank
of Credit and Commerce International,
Noriegas früherer persönlicher Pilot
Floyd Carlton, der Drogenhändler Steven Kalish und andere Mitarbeiter Noriegas.
General Noriegas Vertreter zweifeln
die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen mit
dem Hinweis darauf an, es handle sich
dabei um Straffällige.
Das dürfte
für diejenigen von Ihnen keine Überraschung sein, die den Drogenhandel
bekämpft haben.
Drogenhändler verüben ihre Straftaten im allgemeinen
nicht in Gegenwart ehrlicher Bürger.
Zeugen sagen unter Androhung von
Strafe wegen Meineids aus. Wenn sie
vor den Geschworenen, dem Gericht
oder dem Kongreß falsch aussagen,
können sie dafür vor Gericht gestellt
und verurteilt werden.
Und unsere
Staatsanwälte und Geschworenen kennen
in der Regel den Hintergrund dieser
Zeugen.
Sie vergleichen daher die
Zeugenaussagen sorgfältig mit ihren
Unterlagen, den Indizien und Aussagen
anderer unbescholtener
Zeugen, um
herauszufinden, ob die Aussagen erhärtet werden oder widersprechen. In
diesem Fall sind die Geschworenen offensichtlich zu dem Schluß gekommen,
daß ausreichend glaubwürdige Beweise
für eine Anklage gegen Noriega vorliegen.
General Noriega hat Anwälte in den
Vereinigten Staaten mit seiner Verteidigung beauftragt. Sie haben die
Erhebung der Anklage vor einem amerikanischen Bundesgericht angefochten.
Sie
machen
seine
Immunität
als
"Staatschef" geltend.
Sie erheben
den Vorwurf, die Anklage sei politisch motiviert. Ihrer Ansicht nach
war sein Drogenhandel durch den Status der Immunität geschützt, da er
die Institutionen des Staats Panama
zur Ausübung dieser Aktivitäten benutzte. Zur Unterstützung dieser Behauptungen wurden Schriftsätze eingereicht und Argumente vorgebracht.
Keines ihrer Argumente hielt stand.
Das Gericht wies sie ab. Die Anklage
stand.

- 4 -

�stände und Antiquitäten im Wert
von mehreren Millionen Dollar erwarb,

Wir wollen also ein für allemal die
Behauptung widerlegen, General Noriega sei armer, bescheidener und ehrlicher Mann, der zu Unrecht angeklagt
wurde. Er wird vielmehr - als Ergebnis eines umfangreichen strafrechtlichen Verfahrens - vor amerikanischen
Gerichten der schwersten selbstverschuldeten Übertretungen amerikanischer Gesetze angeklagt. Er verdient
einen fairen Prozeß wie jeder andere
Angeklagte auch.
Und den wird er
auch bekommen - er verdient es, vor
Gericht gestellt zu werden.

mehrere Flugzeuge, unter anderem
drei Lear Jets und eine zweimotorige Maschine. Im Jahr 1984 erwarb er einen modernen Hubschrauber zur persönlichen Verwendung
im Wert von zwei Millionen Dollar. Ende des Jahres 1983 nahm
Steven Kalish Verhandlungen auf
und kaufte im Auftrag Noriegas
eine Boeing 727 für 2,2 Millionen
Dollar. Das Flugzeug wurde später zum Zweck der Geldwäsche eingesetzt,

Die Beweise für General Noriegas
Amtsmißbrauch
und
Korruption
beschränken sich nicht allein auf den
Drogenhandel.

drei Hochseejachten,
I, II und III.

General Noriegas privat und unrechtmäßig erworbene Profite widerlegen
das von seinen Vertretern gemalte anrührende, aber wenig überzeugende
Bild eines armen Jungen aus bescheidenen Verhältnissen, der durch Fleiß,
Leistung und Talent aufstieg, um Führer einer kleinen, aber angesehenen
Militäreinheit zu werden. Vorsichtigen Schätzungen zufolge beträgt Noriegas persönliches Vermögen (von dem
das meiste auf Nummernkonten im Ausland liegt) mindestens zwei oder drei
Milliarden Dollar. Zu diesem persönlichen Vermögen zählen:

Nur als Beispiel für die Verschwendungssucht der Familie Noriega hat Jose Blandon angeführt,
daß sich zu seiner Zeit als panamaischer Konsul in New York "eine
der Töchter Noriegas in New York
aufhielt und an einem einzigen
Tag in New Yorker Geschäften über
50 000 Dollar ausgab".
Das Protokoll der Anhörung im Senat enthält ferner eine für Noriega und seine Familie ausgestellte
Rechnung
des
Helmsey
Palace Hotels in New York über
Zehntausende von Dollar.

ein Ferienhaus am Maddensee in
Panama, ein Refugium in den Bergen mit einem Anwesen und mehreren Häusern auf 60 Acre Land in
der Provinz Chiriqui,

mehrere Luxusapartments in der
Dominikanischen Republik, wo Noriegas Frau Möbel, Kunstgegen-

Machos

Im Dezember 1987 verlieh sich Noriega selbst einen Orden, die Adler Medaille.
Die Kosten für
diesen aus Gold und Edelsteinen
gefertigten Orden beliefen sich
über 85 000 Dollar.
Und einem
Beobachter zufolge "erhielt Noriega diesen Orden weder für einen Sieg noch für einen Kampf".

ein luxuriöses Anwesen in Panama-Stadt, in dem etwa 50 wertvolle Ölgemälde hängen und ein Landhaus in der Nähe eines panamaischen Flughafens in Rio Hato,

ein Bauernhof in Frankreich, etwa
50 Minuten von Paris entfernt und
ein Luxusapartment in einem Nobelviertel von Paris,

die

Vor dem Kongreß hat ein ehemaliger
Mitarbeiter der Bank of Credit and
Commerce International ausgesagt, daß
Noriega im Jahr 1982 bei der Filiale
dieser Bank in Panama-Stadt ein Konto
eröffnete, von dem er behauptete, es
sei ein Konto des "Geheimdienstes".
Es wurde bis Anfang 1988 geführt.

- 5 -

�Nur er allein hatte Unterschriftsberechtigung für dieses Konto. Seine
Frau und seine drei Töchter besaßen
Kreditkarten, deren Rechnungen von
diesem Konto bezahlt wurden.
Das
Guthaben
auf
diesem
Girokonto
schwankte zwar, des öfteren betrug es
jedoch etwa 20 bis 25 Millionen Dollar.
Aufgrund rechtlicher Vorbehalte dürfen wir nicht alle Informationen
preisgeben, die uns über General Noriegas umfangreiche Geheimkonten vorliegen. Die Bankbelege sprechen jedoch für sich.
Sie enthüllen die
persönliche Vollmacht über mehrere
Millionen Dollar. Wie die Spitze eines Eisbergs erlauben sie uns, die
Tragweite von Noriegas Betrugsmanövern und Verbrechen zu erkennen.
General Noriegas illegale Aktivitäten
und der von ihm damit erworbene Wohlstand liefern die wahre Erklärung für
seine feste Absicht, dem Volkswillen
zum Trotz die Kontrolle über die Institutionen des panamaischen Staats
zu behalten.
Er ist kein Patriot
mit dem Willen, sein Volk vor Bedrohungen von außen zu schützen. Er ist
noch weniger ein Berufssoldat, der
seine militärische Institution zu erhalten versucht.
Wir sollten uns die Anfänge des Konflikts in Panama vor Augen führen.
Er hatte nichts mit dem Vereinigten
Staaten, dem Kanal oder einer äußeren
Bedrohung für Panama oder sein Militär zu tun. Der Konflikt ist vielmehr die Folge von Reaktionen zahlreicher panamaischer Bürger im Juni
1987 auf Vorwürfe gegen General Noriega, die vom damaligen stellvertretenden Kommandeur der panamaischen
Streitkräfte, Oberst Roberto Diaz
Herrera, erhoben worden waren.
Warum ging Oberst Diaz Herrera an die
Öffentlichkeit?
Die Antwort liegt
vielleicht darin begründet, wie Noriega die ihm unterstehende Institution behandelte. Im Zuge des tragischen Todes von General Omar Torrijos
Herrera im Jahr 1981 trafen die Offi-

ziere der Nationalgarde Panamas eine
Vereinbarung, um die Stabilität der
Institution und die Übergabe der Befehlsgewalt zu gewährleisten.
Einzelne wichtige Bestimmungen betrafen
auch Noriega, der diesen Vertrag feierlich unterzeichnet hatte. Es war
vorgesehen, daß er im März 1984 das
Kommando von General Paredes übernehmen würde und General Paredes für
seine Präsidentschaftskandidatur die
Unterstützung des Militärs sichern
würde. Und er sah den Rücktritt Noriegas zum 31. Juli 1987 vor.
Wir wissen, was dann geschah. Als
Paredes nicht mehr im Amt war, hintertrieb Noriega seine Kandidatur.
Und als für Noriega die Zeit des
Rücktritts gekommen war, feuerte er
statt dessen seinen bereits benannten
Nachfolger.
Diese
institutionelle
Erschütterung war wahrscheinlich der
Grund für Diaz Herreras Enthüllungen
und den darauffolgenden Meinungsumschwung im panamaischen Volk - ein
Umschwung, der bereits im Frühsommer
des Jahres 1987 zu Streiks und Demonstrationen führte und damit lange bevor die Anklage der Vereinigten Staaten, amerikanische Sanktionen oder
Manöver auch nur geplant waren. Und
diese Mißachtung der Institutionen
findet weiterhin statt. Wer hat den
Generalstab und die reguläre Kommandostruktur umgangen, indem er seine
eigene Schattenorganisation innerhalb
des Militärs aufgebaut hat? Wer hat
seine Helfershelfer befördert, seine
Widersacher eingesperrt und dabei das
Militärgesetz verletzt? Wer hat seine Streitkräfte gegen das eigene Volk
eingesetzt? Wer hat sie gegen seinen
engsten langjährigen Verbündeten die Vereinigten Staaten - und den
Rest der demokratischen Welt ins Feld
geschickt? Wer hat aus Mördern "Todesschwadrone" rekrutiert, um die
schmutzige Arbeit der Unterdrückung
zu leisten - die Arbeit, deren Zeuge
wir alle wurden, als die Sieger der
Wahl vom 7. Mai vor unseren Augen beschossen und geschlagen wurden? Wer
hat bewaffnete Truppen außer den gesetzlich erlaubten Sicherheitskräften
aufgestellt?

- 6 -

�Die Männer der Streitkräfte wissen,
wer ihre Standesloyalität mißachtet
und Schande über ihre Institution gebracht hat. Keine Bewegung, Ideologie, kein Feind von außen oder innen. Ein einzelner korrupter Mann.
Ein Mann, der keine Grenze kennt.
Ich möchte ein Beispiel für die Lügen
und Entstellungen anführen, die er
den eigenen Truppen und auch der Öffentlichkeit erzählt. Er behauptet wie bereits sein Vertreter am 24. August -, seine Probleme hätten begonnen, als er eine Bitte des damaligen
Nationalen Sicherheitsberaters Admiral John Poindexter um Unterstützung
der Widerstandsbewegung in Nicaragua
abschlug.
Diese Behauptung ist ein Widerspruch
in sich. Zahlreiche freundlich gesinnte Staaten vertraten zum Thema
Nicaragua eine andere Auffassung als
die Vereinigten Staaten.
Dennoch
pflegen wir zu Ihnen weiterhin normale Beziehungen. Auch die Tatsachen
stimmen nicht. An dem von General
Noriega beschriebenen Treffen mit Admiral Poindexter nahmen mehrere Personen teil, unter ihnen amerikanische
Diplomaten. Das Thema war keineswegs
Nicaragua - das wurde nur in einem
Nebenstz erwähnt. Das Thema war Panama.
Admiral Poindexter forderte
General Noriega zu einer politischen
Öffnung und Hinwendung zur Demokratie
auf. Natürlich nahm er diesen Rat
nicht an. Aber seine Einstellung zu
Nicaragua entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Ende August 1986 unterbreitete ein
persönlicher Vertreter Manuel Noriegas - einer dem Kongreß vorliegenden
Computerraitteilung von Oliver North
an den Nationalen Sicherheitsberater
zufolge - den Vorschlag, Noriega würde sich als Gegenleistung für eine
Zusage der amerikanischen Regierung
"sein (Noriegas) Image aufzupolieren"
und eine Verpflichtung zur Aufhebung
eines amerikanischen Verbots für Waffenlieferungen an die panamaischen

Streitkräfte der sandinistischen Führung "annehmen".
Selbstredend haben die Vereinigten
Staaten dieses "Angebot" eines Attentats zurückgewiesen.
Wie kann ein
Mann, der solch ein Angebot macht,
der im Dezember 1988 direkt an einem
geplanten Militärputsch
in Argentinien beteiligt war und der die
Guerillas und Drogenhändler in Kolumbien unterstützt, tatsächlich die
Frechheit besitzen, zu behaupten,
seine Probleme seien die Folge seiner
starken Abneigung gegen eine Intervention.
Dem Vertreter Panamas zufolge ist Noriegas Razzia in einer Kokainfabrik
in der Provinz Darien vom Mai 1984
ein Beweis für sein Bestreben zur Bekämpfung des Drogenhandels. Wie einige Zeugen vor einem Unterausschuß
des US-Kongresses erklärten, stellte
sich die Realität ganz anders dar.
Die Fabrik in Darien wurde ausgehoben, kurz nachdem Noriega über vier
Millionen Dollar vom Medellin-Kartell
dafür erhalten hatte, daß er den Anführern des Kartells sowie 70 bis 90
Leibwächtern Zuflucht gewährte, nachdem das Kartell den kolumbianischen
Justizminister Lara Bonilla ermordet
hatte.
Zuvor hatte Noriega einen
seiner Konkurrenten beim Schutz von
Drogenhändlern aus dem Feld geschlagen und mehrere Millionen Dollar vom
Kartell erhalten, damit diese die Fabrik aufbauen konnten. Nach dem Tod
Lara Bonillas veranlaßte der öffentliche Druck in Panama und Kolumbien
(und vielleicht auch der Druck der
Vereinigten Staaten) Noriega zum Handeln. Auf seinen Befehl hin schlössen die panamaischen Streitkräfte die
Fabrik.
Das Medellin-Kartell fühlte sich jedoch auf zweifache Weise betrogen.
Eine Intervention Fidel Castros war
notwendig, um den Streit zu schlichten. Schließlich erhielt das Medellin-Kartell den Generator von 40 Megawatt, den Maschinenpark, das ferti-

- 7 -

�ge Kokain, die zur Herstellung benötigten Chemikalien und die beschlagnahmten Flugzeuge zurück.
Damit möchte ich mich einigen Punkten
zuwenden, die der Vertreter Panamas
am 24. August angesprochen hat und
denen wir zustimmen können. Es gibt
Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung zwischen meiner Regierung, der
überwältigenden Mehrheit des panamaischen Volkes, der Regierung und
der Streitkräfte Panamas. Tatsächlich geht es dabei um Grundsätze, die
auch alle Mitglieder dieses Gremiums
akzeptieren.
Der erste Bereich ist die Bedeutung
der getreuen Durchführung der Kanalverträge.
Die Vereinigten Staaten sind zur Einhaltung bereit und ihrer Zeit voraus. Als der Vertrag am 1. Oktober
1979 in Kraft trat, haben die Vereinigten Staaten die Kanalzone aufgehoben und ihre Regierung abgesetzt.
Wir haben die Rechtsprechung und die
Regierungsfunktionen - einschließlich
der
Häfen,
Eisenbahnverbindungen,
Feuerlöschanlagen und Straßen - an
die Republik Panama abgegeben. Alle
im Vertrag benannten militärischen
Einrichtungen - unter ihnen Fort Gulick, Fort Randolph, Teile des Gebiets von Fort Clayton, Fort Kobbe
Beach, die Einrichtungen in Coco Solo
und Corozal, das Pacific Area Depot,
Teile von Fort Amador, das Gebiet
südlich von Quarry Heights und andere
- fielen zu einem bestimmten Zeitpunkt an Panama.
Seit Inkrafttreten des Vertrags wurden etwa 2 786 Wohneinheiten an Panama übergeben. Das sind 64 Prozent
aller Einheiten, die vor dem Vertrag
bestanden. Dabei sind die Vereinigten Staaten ihrem in den Verträgen
festgelegten Terminplan um Jahre voraus.
Die Vereinigten Staaten haben eine
stärkere Beteiligung Panamas auf allen Ebenen der Arbeit am Kanal gefördert. Im Jahr 1979 zählten lediglich

zwei Panamaer zur Piloteneinheit für
den Kanal. Heute sind es 56 von insgesamt 227 Piloten. Panamaer stellen
heute 25 Prozent aller Piloten, und
bis 1999 sollen ihr Anteil 95 Prozent
betragen. Ende Juli 1989 waren am
Panamakanal
1 009
amerikanische
Staatsbürger und damit weniger als
die Hälfte verglichen mit 1979 beschäftigt.
Gleichzeitig stieg die
Zahl der Zahl der bei der Panamakanal-Gesellschaft beschäftigten Panamaer auf insgesamt 5 521. Das ist
gegenüber 1979 ein Anstieg um 24 Prozent. Der Anteil der dort beschäftigten Panamaer beträgt 86 Prozent
und ist steigend. Panamaer sind in
die höheren Positionen der Verwaltung
aufgestiegen, und es werden immer
mehr.
Der Vertreter Panamas hat am 24. August die engen und respektvollen Beziehungen präzise beschrieben, die
nunmehr die gemeinsamen Bestrebungen
der amerikanischen und panamaischen
Streitkräfte bei ihrer Verteidigung
des Kanals gemäß der Kanalverträge
charakterisieren. Aber er hat nicht
erwähnt, wie im Februar 1988 Noriegas
Schikanen gegenüber den überwiegend
panamaischen Beschäftigten den Kanalbetrieb direkt bedrohte. Noriega bewies damit nicht nur Mißachtung der
Verträge, sondern auch gegenüber dem
Kanal selbst. Die Vereinigten Staaten waren dadurch gezwungen, von ihren im Vertrag niedergelegten Rechten
zur Verteidigung Gebrauch zu machen nicht in der bevorzugten Art und Weise einer Zusammenarbeit mit den panamaischen Streitkräften, aber dennoch
in vollem Einklang mit den Vertragsbestimmungen. In jüngster Zeit haben
diese Schikanen der Kanalarbeiter und
unseres militärischen Personals stark
abgenommen.
Der Vertreter Panamas erklärte gegenüber den Außenministern: "Die Vereinigten Staaten wollen Panama ruinieren, in die Knie zwingen, damit Panama einen neuen militärischen Vertrag
schließen muß, mit dem die Präsenz
der US-Streitkräfte verlängert werden
kann."

- 8 -

�Das ist ebenfalls Unsinn. ien Vertrag sdokumente
sehen
vor,
daß
US-Streitkräfte nur nach dem Jahr
2000 in Panama stationiert werden,
wenn beide Regierungen einverstanden
sind. Aber bis dahin sind es noch
zehn Jahre. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Thema niemals
angeschnitten, weil dies unserer Ansicht nach eine Entscheidung ist, die
nur dann getroffen werden kann, wenn
das Jahr 2000 in greifbare Nähe gerückt ist. Und auch, weil alle langfristigen Abkommen nur mit einer panamaischen Regierung geschlossen werden können, die vom Volk unterstützt
wird. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie und ist gleichzeitig aufschlußreich, daß die einzigen Panamaer, die angeboten hatten, amerikanische Stationierungsrechte über das
Jahr 200 hinaus zu gewähren, Sympathisanten von General Noriega waren.
Ende des Jahres 1988 boten sie Stationierungsrechte im Gegenzug für die
Normalisierung
unserer
Beziehungen
mit seiner Regierung an. Dieses Angebot wurde von uns kategorisch abgelehnt .
Ich lege dem Rat eine Reihe von Dokumenten über die Vertragserfüllung vor
und will im folgenden eine weitere
Reihe von Lügen widerlegen. Der Vertreter Panamas erklärte gegenüber den
Außenministern ebenfalls, die Vereinigten Staaten nutzten Einnahmen aus
dem Kanal zu Propagandazwecken gegen
Noriega und enthielten Panama die
Beiträge zur Sozial- und Krankenversicherung für die Löhne der Arbeiter
am Panamakanal vor.
Diese Behauptung
ist absichtliche
Täuschung.
Die Vereinigten Staten
kommen ihren Verpflichtungen und den
im Kanalvertag vorgesehenen Zahlungen
auch im Einklang mit den Forderungen
der Regierung Delvalle nach.
Die
Zahlungen werden auf ein Treuhandkonto der panamaischen Regierung geleistet. Die Nutznießer sind die Republik
Panama und
das panamaische
Volk. Die Mittel stehen jeder rechtmäßigen panamaischen Regierung in
vollem Umfang zur Verfügung. Was die

Sozialversicherungsbeiträge für die
Gehälter der panamaischen Bürger betrifft, so werden diese auf Weisung
von Präsident Delvalle aus humanitären Gründen an das Noriega-Regime
transferiert.
Ich bedauere jedoch,
sagen zu müssen, daß das Regime diese
Mittel entwendet und sie nicht in die
Kranken- und Rentenversicherung einzahlt.
Zu dieser Übersicht über die Vertragsdurchführung
möchte
ich
abschließend feststellen, daß die Vereinigten Staaten seit 1979 mehrere
hundert Millionen Dollar an Kapital
in den Kanal investiert haben und
zwischen fünf und sechs Millionen
Dollar jährlich aufwenden, um die Panamaer für die zum Betrieb des Kanals
erforderlichen Tätigkeiten auszubilden.
Sollte der Kanal heute oder
morgen geschlossen werden, würde die
amerikanische Wirtschaft zweifelsohne
einen Rückschlag hinnehmen müssen,
der Güterfernverkehr auf der Straße
nimmt jedoch rasch zu; ohne allzu hohe Kosten könnten alle Nahrungsmittel, die heute den Kanal passieren
müssen, von beiden Küsten der Vereinigten Staaten verladen werden. Im
Gegensatz dazu wäre der Schaden für
die Volkswirtschaften von Ländern ohne diese Alternativen - insbesondere
Nicargua, Ecuador und Peru - ebenso
wie für Panama selbst beträchtlich.
Für die Vereinigten Staaten ist das
Problem der Sicherheit von größerer
Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten
haben Verhandlungen über Vertragsabschlüsse aufgenommen, da sie zu der
Schlußfolgerung gelangt sind, daß die
Zukunft des Kanals auch für die internationale Schiffahrt am besten
durch die Übergabe des Kanals an eine
stabile und populäre Regierung in einem freundlich gesinnten Panama gewährleistet werden könnte. Kurzum:
Die Vereinigten Staaten haben sich
mit General Torrijos geeinigt, daß
der Schlüssel zur Sicherheit des Kanals in einem gut funktionierenden
Nachrichtendienst und freundlich gesinnten Volk liegt.

- 9 -

�Die Regierung der Vereinigten Staaten
ist nach wie vor davon überzeugt, daß
die Einhaltung der Panamakanalverträge im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Das akute Problem sind nicht die Verträge, sondern
das Fehlen einer stabilen Regierung
des Volkes in Panama.

sion bei jedem Schritt unterstützt.
Die Kommission hat die Parteien zu
persönlichen Gesprächen zusammengeführt.
Gemeinsam haben sie eine
ernstzunehmende Tagesordnung formuliert. Während der letzten Runde haben die Parteien die Einzelheiten
dargelegt, die eine Lösung der Krise
gestatten würden:

Ich möchte mich jetzt einem anderen
Thema zuwenden:
Unserer Unterstützung einer friedlichen und demokratischen Lösung der Probleme Panamas.
Im Februar 1988 hat der panamaische
Präsident von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch gemacht, General
Noriega seines Postens als Kommandeur
der panamaischen Streitkräfte zu entheben. Wie Ihnen bekannt ist, wurde
Präsident Delvalle dann von einer
Rumpfsitzung der von Noriega-Anhängern dominierten Nationalversammlung
unter Amtsanklage gestellt. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Maßnahme der Nationalversammlung haben
die Vereinigten Staaten erklärt, daß
sie eine verfassungsmäßige Zivilregierung in Panama unterstützen. Wir
sehen daher in Präsident Delvalle
weiterhin den rechtmäßigen Präsidenten Panamas. Da seine Absetzung gemäß der panamaischen Verfassung unrechtmäßig
war,
ist
Präsident
Delvalle bis zum Ablauf seiner Amtszeit heute nacht null Uhr weiterhin
Präsident von Panama.
Diese politische Krise hätte rechtmäßigerweise bei den Wahlen am 7. Mai
gelöst werden können und sollen. Noriega hat diese Wahl jedoch für ungültig erklärt, da er sie verloren
hatte. Am 17. Mai verurteilte die
OAS "die schwerwiegenden Ereignisse
und den Amtsmißbrauch von General Manuel Antonio Noriega während der Krise und den Wahlen in Panama".
Unser ehrenwerter Generalsekretär und
die ehrenwerten Minister von Guatemala, Trinidad und Tobago sowie Ecuador
haben mit den panamaischen Parteien
bei einer versuchten Machtübergabe
zusammengearbeitet.
Die Vereinigten
Staaten haben die Arbeit der Kommis-

die Entmachtung General Noriegas;
Bildung einer Ubergangsregierung
am 1. September;
neue, freie Wahlen binnen kürzester Zeit;
die Aufhebung der als Reaktion
auf die Krise in Panama von den
Vereinigten Staaten ergriffenen
Maßnahmen.
Die Vereinigten Staaten waren stets
bereit, ihren Teil beizutragen. Wir
wünschen eine baldige Beilegung der
Krise. Die von uns verhängten Maßnahmen waren mit Präsident Delvalle
abgesprochen, um Solidarität mit dem
panamaischen Volk beim Widerstand gegen das zu demonstrieren, was In
Wirklichkeit ein Militärputsch war.
Teil der Maßnahmen war eine Erklärung
gemäß dem International Emergency
Economic Powers Act (IEEPA), mit dem
die Kapitalanlagen der panamaischen
Regierung in den Vereinigten Staaten
eingefroren und Zahlungen amerikanischer Staatsbürger und Unternehmen an
das
Noriega/Solis-Regime
untersagt
werden.
Hierbei handelt es sich
nicht um "Sanktionen" im Sinne eines
allgemeines Handelsembargos oder anderer auf die Volkswirtschaft des
Landes ausgerichteter Maßnahmen, sondern vielmehr um ein Verbot für amerikanische Staatsbürger, Zahlungen an
das unrechtmäßige Noriega-Regime zu
leisten.
Diese Maßnahmen sind nicht die Hauptursache für die Wirtschaftskrise in
Panama.
Die Wirtschaftskrise ist
vielmehr ein Spiegelbild der politischen Krise. Privatleute und Unternehmen bringen ihr Kapital außer Lan-

- 10 -

�des und verlegen ihren Firmensitz,
wenn die Stabilität bedroht ist.
Wenn General Noriega wirklich glaubt,
die Freigabe der in den Vereingten
Staaten hinterlegten rund 300 Millionen Dollar würde die Wirtschaftskrise
lösen, warum gibt er dann nicht eine
entsprechende Summe des Betrags zurück, den er gestohlen hat? Das in
den Vereinigten Staaten hinterlegte
Geld trägt zugunsten des panamaischen
Volkes Zinsen und wird ihm zurückgegeben, wenn die demokratische Regierung wieder im Amt ist. Wird das von
General Noriega genommene Geld zurückgegeben?
Nichts würde meine Regierung oder das
amerikanische Volk mehr freuen als
die Aufhebung der derzeit verhängten
Maßnahmen und die Wiederherstellung
normaler Beziehungen mit einem demokratischen Panama.
Es gibt nur ein Hindernis bei der Lösung der Krise - und wir alle wissen,
um wen es sich handelt. Am 20. Juli
berichtete die OAS-Kommission, "Der
Verbleib von General Noriega im Amt
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte
wird sowohl von seinen Anhängern als
auch der Opposition als einer der
Faktoren - wenn nicht sogar der
Hauptfaktor - angesehen, der zur Lösung
der Krise bewältigt werden
muß." Dennoch weigert sich General
Noriega, Umstände zu benennen, unter
denen er bereit wäre, das von der OAS
so definierte Haupthindernis bei der
Lösung der Krise aus dem Weg zu räumen.
Bei all unseren Bestrebungen um eine
Lösung der politischen Krise haben
wir General Noriega und allen politischen Parteien und Gruppierungen in
Panama gegenüber eindeutig klargestellt, daß Fragen bezüglich der Zusammensetzung der panamaischen Regierung und der Rolle der Streitkräfte von den Panamaern selbst entschieden werden müssen - vielleicht durch
Vermittlung der übrigen lateinamerikanischen
Länder
aber
sicherlich
nicht der Vereinigten Staaten. So-

wohl unsere bilateralen Gespräche im
vergangenen Jahr als auch unsere Unterstützung des OAS-Ministertreffens
erfolgten ausschließlich auf dieser
Ebene.
Dies bringt uns zu unserem Hauptproblem zurück - der harten Wahrheit,
die dem Leiden des panamaischen Volkes zugrundeliegt. Das Problem heißt
Noriega und vor allem Noriegas Entschlossenheit, seine persönlichen Interessen und seinen persönlichen Profit vor seinen militärischen Stab,
vor sein Land und vor die internationale Staatengemeinschaft auf diesem
Kontinent und weltweit zu stellen.
Noriegas Habgier, sein persönlicher
Ehrgeiz und seine Selbstsucht sind
Ursache und Nährboden der Krise Panamas. So lange er und seine Gefolgschaft diese Realität nicht erkennen,
sie zu verschleiern versuchen oder
die Schuld dafür anderen zuweisen,
wird sich die Krise nur noch verschlimmern. Es gibt Zeiten, in denen
hehre
Grundsätze
uns
zwingen,
schlechte Menschen zu verteidigen.
Einige bringen das Argument vor, diese träfe auf Noeriega und Panama zu.
Sie argumentieren, als ob das Prinzip
der Nichteinmischung uns zwingen würde, alles zu akzeptieren, was Noriega
tut.
Nichteinmischung
bedeutet
jedoch
nicht, einzelne Verbrecher zu schützen. Sie bedeutet nicht, das gegen
unsere Familien und Kinder gerichtete
Eindringen von Drogenschmugglern in
unsere Gesellschaft zu fördern. Sie
bedeutet nicht, friedliche und diplomatische Aktionen souveräner Staaten
zur Unterstützung der Demokratie zu
verhindern. Und sie bedeutet nicht,
Verbrecher das Gute mit Füßen treten
zu lassen.
Man braucht nur Panamas Nachbarn im
Süden zu betrachten, um den augenfälligen Unterschied auszumachen.
Das
Regime in Panama gewährt den Drogenschmugglern und ihren Handlangern Unterschlupf und schützt die Banken,
über die sie ihr schmutziges Geld waschen.

�Das sind die Menschen, die der zivilisierten Gesellschaft in Kolumbien
den Krieg erklärt und diese mutige
Nation mit Attentaten, Bombenanschlägen, Entführungen und Drohungen bestraft haben, die am Lebensnerv der
ältesten
Demokratie
Lateinamerikas
zehren. Präsident Virgilio Barco mobilisiert alle Kräfte seines Landes zivile wie militärische - um die Würde und Achtung der Gesetze in diesem
Land wiederherzustellen.
Die große
Mehrheit der Kolumbianer aller politischen Parteien unterstützen ihn,
denn sein Kampf ist ihr Kampf. In
der Tat ist es ein Kampf, der im Namen von uns allen geführt wird. Die
Drogenbarone in Kolumbien stellen ohne Zweifel eine ebensolche Bedrohung
der Demokratie dar wie ein Eindringling; ihre Handlanger töten unsere
Kinder und korrumpieren unsere Gesellschaften. Und die Nationen der
Welt sollten das kolumbianische Volk
und seine demokratische Regierung sowohl moralisch als auch materiell unbeirrt unterstützen.

Kolumbien und Panama. Barco und Noriega. Gibt es einen größeren Gegensatz zwischen den moralischen Qualitäten des Besten und des Schlechtesten unter uns auf diesem Kontinent?
Wer verdient unsere Hilfe, wer sollte
aus unserer Mitte verstoßen werden?
Zumindest für die Vereinigten Staaten
ist die Antwort klar.

Das Menetekel ist unmißverständlich.
Das Muster ist klar. Indifferenz gegenüber
den erdrückenden Beweisen
können Noriega und seinesgleichen nur
ermutigen und ihnen Handlungsfreiheit
verschaffen.
Die Ausflüchte, die Drohgebärden, die
als Wahrheit verbrämte Propaganda alles, was Noriegas Verteidiger vorgebracht haben, um diesen Verbrecher
im Amt zu halten, ist aufgedeckt worden.
Noriegas Aktionen - detailliert aufgelistet in Zeugenaussagen, Anklageschriften, Quittungen, Konten, Privatbeteiligungen, in einer Beweiskette, die Verfehlungen internationalen
Ausmaßes belegt - sind unentschuldbar.
Aber auch unsere Untätigkeit wäre unentschuldbar. Es ist an der Zeit,
unser Schweigen zu brechen. Es ist
an der Zeit, unsere Zurückhaltung zu
überwinden. Wir müssen Noriega als
denjenigen entlarven, der er ist.
- 12 -

* * * * *

�UMWELT
Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AMERIKANISCH-SOWJETISCHER UMWELTPLAN
Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms

WASHINGTON - (AD) - Zum Abschluß einer einwöchigen Konferenz über Zusammenarbeit im Bereich der Umwelt haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
am 12. Januar 1990 ein Kooperationsprogramm für die Zukunft unterzeichnet.
Bei der Konferenz handelte es sich um das zwölfte Treffen des amerikanisch-sowjetischen Ausschusses über Kooperation im Bereich des Umweltschutzes. Die
nächste Konferenz wurde für die erste Hälfte des Jahres 1991 in Moskau geplant.
Für 1990 sind neue gemeinsame Forschungsprojekte in Bereichen wie der Erhaltung von Feuchtbiotopen, Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und
weltraumgestützter elektronischer Erforschung von Schadstoffen in der Atmosphäre vorgesehen. Erstmalig haben beide Länder die Zusammenarbeit in verschiedenen Teilbereichen der Polarkreisforschung vereinbart.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Januar 1990 in Washington veröffentlichte Gemeinsame Erklärung.
Am 23. Mai 1972 wurde in Moskau das
Abkommen über Kooperation im Bereich
des Umweltschutzes zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
unterzeichnet.
Diesem Abkommen zufolge werden "beide Seiten die Zusammenarbeit im Bereich des Umweltschutzes auf der Grundlage von Gleichheit,
Gegenseitigkeit
und
beiderseitigem
Vorteil ausbauen". Ferner ist eine
Zusammenarbeit
in zwölf Bereichen
vorgesehen, die praktisch alle wichtigen Probleme des Umweltschutzes,
den wirtschaftlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen und das Zusammenwirken von Mensch und Natur umfassen.
Zahlreiche amerikanische und
sowjetische Stellen, einschließlich
Regierungsbehörden und Ministerien,
wissenschaftliche Institutionen, Universitäten, multinationalen Unterneh-

men und privaten Umweltschutzorganisationen sind an der in dem Abkommen
vereinbarten Kooperation beteiligt.
Das zwölfte Treffen des auf der
Grundlage des Abkommens ins Leben gerufenen
amerikanisch-sowjetischen
Ausschusses über Kooperation im Umweltschutz fand vom 9. bis 12. Januar
1990 in Washington statt. Vorsitzende waren der Leiter des Umweltschutzamtes, William K. Reilly, und der erste Vorsitzende des Staatlichen Ausschusses für Umweltschutz der UdSSR
(GOSKOMPRIRODA), Valentin G. Sokolowski.
Das Plenum stimmte einem Projektbericht zu, der die Leistungen des gemeinsamen Programms in den Jahren
1988/89 würdigt und verabschiedete

�eine Vereinbarung über das Kooperationsprogramm für 1990. Dieses Programm enthält neue Forschungsprojekte
für Bereiche wie weltraumgestützte
elektronische Erforschung von Schadstoffen in der Atmosphäre, Erhaltung
von
Feuchtbiotopen, Denkmalpflege,
Transport radioaktiven Materials als
Folge der Katastrophe von Tschernobyl, stratosphärischen Ozon und seismologische
Beobachtung.
Erstmalig
wurde auch die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Polarkreisforschung vereinbart. Besondere Aufmerksamkeit wurde Umweltproblemen von
internationaler Tragweite gewidmet,
wie etwa Klimaveränderungen und integrierte Beobachtung der ökologischen
Verhältnisse auf der Erde und Problemen mit unmittelbaren Auswirkungen
für beide Länder, wie der Einführung
umweitschonender Technologien.
Die offizielle Fassung der AusschußProtokolle wird Ende Februar 1990 in
englischer und
russischer Sprache
veröffentlicht.
Zu den Ergebnissen der beim zwölften
Treffen des Gemeinsamen Ausschusses
erörterten Zusammenarbeit von Februar
1988 bis Dezember 1989 zählen zahlreiche Aktivitäten von beiderseitigem
Nutzen, etwa Treffen von Arbeitsgruppen, Symposien und Seminare über besondere Umweltprobleme, Entwicklung
und Vergleich von Methoden und Materialien, gemeinsame Experimente und
Expeditionen zu Wasser und zu Land.
Über 100 gegenseitige Besichtigungen
fanden statt, Berichte wurden erstellt und veröffentlicht und zahlreiche wissenschaftliche und technische Dokumente und Forschungsergebnisse ausgetauscht.
Gemäß diesem Abkommen werden beide
Seiten in Kürze die beim Gipfeltreffen im Dezember 1987 geforderte gemeinsame Studie über zukünftige Klimaveränderungen vorlegen.
Die Entsendung amerikanischer Seismologen in
die Sowjetunion nach dem Erdbeben in
Armenien im Dezember 1988 sowie sowjetischer Seismologen nach Kalifornien nach dem Loma Prieta-Erdbeben im

Oktober 1989 war in diesem Abkommen
vorgesehen.
Der stellvertretende Vorsitzende hat
eine konstruktive Bilanz der Umweltprobleme von internatioanler Tragweite einschließlich weltweiter Klimaveränderungen gezogen. Man kam überein, daß Zusammenarbeit bei Umweltproblemen weiter zu dem derzeit auf
höchster Ebene stattfindenden Dialog
zwischen beiden Regierungen beitragen
könnte.
Beim zwölften Treffen des Gemeinsamen
Ausschusses hielten auch Vertreter
sowjetischer und amerikanischer privater Umweltschutzorganisationen Vorträge. Beide Seiten sind sich der
wünschenswerten
kontinuierlichen
Teilnahme von Vertretern nicht staatlicher
öffentlicher
Organisationen
der Sowjetunion und der Vereinigten
Staaten bei der Arbeit im Rahmen des
zwischenstaatlichen
Abkommens
über
Umweltschutz bewußt, bis hin zu der
möglichen Vertretung durch solche Organisationen in beiden Delegationen
bei späteren Sitzungen des Gemeinsamen Ausschusses.
Es wird erwartet, daß die Sozioökologische Union unter Beteiligung anderer interessierter sowjetischer sozialer Verbände zusammen mit privaten
Organisationen
der
amerikanischen
Seite gemeinsame Vorschläge über die
Art und Weise ihrer Beteiligung gemäß
dem Abkommen erarbeiten werden. Als
Teil dieses Prozesses können private
Organisation
an
der Planung und
Durchführung von Aktivitäten im Rahmen des Abkommens unter besonderer
Berücksichtigung neuer Ansätze bei
der Lösung ökologischer Probleme im
Hinblick auf eine kontinuierliche
Wirt Schaftsentwicklung beteiligt werden.
Der sowjetische stellvertretende Vorsitzende hat seinem amerikanischen
Kollegen eine Kopie des ersten Berichts über die UmweltSituation überreicht, der je in der Sowjetunion
veröffentlicht wurde.
Die Übersetzung dieses 200 Seiten umfassenden

^"

�Dokuments ins Englische ist veranlaßt.
Mitglieder der sowjetischen Delegation wurden über die Erfahrungen des
Ingenieurkorps der US-Army in den Bereichen Wasserwirtschaft, Verwaltung
von Ressourcen und Umweltschutz unterrichtet. Im Programm der Delegation war ein Besuch der Einrichtungen
des Korps in der Umgebung von New
Orleans vorgesehen.
Das nächste Treffen des Gemeinsamen
Ausschusses ist für die erste Hälfte
des Jahres 1991 in Moskau geplant.

* * * * *

- 3

�DROGEN

Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AUFFORDERUNG ZUR DROGENBEKÄMPFUNG ERGEHT AN ALLE LÄNDER DER WELT
Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die ungesetzliche Herstellung von Drogen und
ihr Mißbrauch haben dem Internationalen
Suchtstoff-Kontrollamt
zufolge
"ein neues gefährliches Stadium" erreicht, wobei jeder Konsument illegaler Drogen für die durch den Drogenhandel verursachten schwerwiegenden
Probleme
persönlich
Verantwortung
trägt.
Der am 10. Januar 1990 veröffentlichte Bericht des Kontrollamts für 1989
verweist ferner darauf, daß die Frage
der Legalisierung einiger oder aller
Sucht Stoffe "nachdrücklich" verneint
werden sollte.
Eine solche Vorgehensweise würde signalisieren, daß
der Konsum von Drogen geduldet wird,
zu einer drastischen Zunahme des Dro-

genmißbrauchs und damit zusammenhängender Todesfälle führen, die Krankenkosten in die Höhe treiben sowie
Familien und
grundlegende soziale
Werte erschüttern würde.
Die Legalisierung von Suchtstoffen
oder "jede Lockerung der Kontrolle
ist moralisch nicht vertretbar und
läuft auf eine Auslieferung aller
Länder an die Drogenkartelle hinaus",
heißt es in dem Bericht.
Das Kontrollamt fordert Länder mit
weitverbreitetem
Drogenkonsum
auf,
energische Maßnahmen zur Eindämmung
und zum Abbau der Nachfrage zu treffen. Dem Bericht zufolge soll die
internationale
Staatengemeinschaft
"sofort und in größtmöglichem Umfang

�Regierungen
Hilfestellung
leisten,
die von Drogenhändlern unter Druck
gestzt werden".
Der 35 Seiten umfassende Bericht enthält Statistiken über Drogenmißbrauch
und Drogenhandel, Bekämpfungsstrategien einzelner Länder und Städte sowie regionale und weltweite Tendenzen
im Jahr 1989.
Die allgemeine Tendenz deutet darauf
hin, daß ein drastischer Anstieg von
Drogentoten, Drogenmißbrauch und Drogenhandel in vielen Regionen nach wie
vor weitverbreitet ist, die Drogenkriminalität schneller zunimmt als
alle anderen Straftaten, und die Beschlagnahme von Heroin, Kokain, Haschisch und Amphetaminen in manchen
Ländern Rekordzahlen erreicht. Eine
"neue und bedenkliche Entwicklung"
ist die erhebliche UmweltSchädigung
in Ländern, wo Mohn zur Opiumgewinnung und Koka angebaut werden.
In Lateinamerika ist der Drogenhandel
zu einem "wichtigen öffentlichen Thema" geworden. Schwer bewaffnete Kartelle mit unerschöpflichen finanziellen Mitteln betreiben weiterhin skrupellos die Unterwanderung politischer
Institutionen, stören die Volkswirtschaften und ermorden Regierungsvertreter und Privatpersonen" heißt es
in dem Bericht. Da der Drogenmißbrauch den gesamten Kontinent erfaßt,
riskiert Lateinamerika, zum wichtigsten Konsumenten seiner eigenen Erzeugnisse zu werden.
Als positive Entwicklung verweist das
Kontrollamt darauf, daß sich bei der
Drogenbekämpfung erste Erfolge von
Aufklärungsmaßnahmen
und
Informationskampagnen zeigen und verstärkte
internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich gute Resultate hervorbringt.
Die Tatsache, daß Crack in den Niederlanden nicht sehr verbreitet ist,
wurde auf gezielte Aufklärungskampagnen zurückgeführt. In den Vereinigten Staaten ist der seit 1985 erfolgte 37prozentige Rückgang bei der Zahl

der Drogenkonsumenten ähnlichen Kampagnen zu verdanken, die Drogenkonsum
als nicht akzeptables Sozialverhalten
darstellten.
In Frankreich erweisen sich vorbeugende Programme als "ermutigend, zumal eine jüngste Untersuchung bei Jugendlichen im Alter von 11 bis 20
Jahren zeigte, daß der Drogenkonsum
in dieser Altersgruppe stagniert",
heißt es in dem Bericht. Er führt
ferner Untersuchungen über den Drogenkonsum in Schweden an, die darauf
hindeuten, daß der Prozentsatz junger
Leute unter 20, die Drogen konsumieren, zurückgeht, obwohl ein starker
Anstieg bei beschlagnahmten Drogen
zeigt, daß diese leichter erhältlich
sind.
Das Kontrollamt erklärt die Vereinbarung der Konvention gegen den Handel
mit Suchtstoffen und Psychotropen
Stoffen im Dezember 1988 zu einem
Meilenstein. Im November 1989 hatten
bereits 77 Länder die Konvention unterzeichnet, und zwei Parteien hatten
sie ratifiziert. Das Kontrollamt erklärt, die baldige Durchführung der
Bestimmungen des Dokuments über die
Kontrolle
chemischer
Grundstoffe
könnte die internationalen Bestrebungen zum Abbau der illegalen Herstellung von SuchtStoffen stark verbessern.
In Hongkong, Malaysia, Indien, Spanien, Kanada und den Vereinigten
Staaten erlassene Gesetze zielen darauf ab, dem Drogenhandel Einhalt zu
gebieten und die nationale Gesetzgebung auf die Konvention abzustimmen.
Eine Reihe von Maßnahmen, die seit
1987 auf den Bahamas getroffen wurden
und die unabhängig oder in Zu sammarbeit mit der amerikanischen Küstenwache erfolgreich durchgeführten Operationen der Königlich Bahamischen
Streitkräfte haben dem Kontrollamt
zufolge den Drogenhandel positiv beeinflußt. "Das starke Engagement der
Bahamas und ihre beispielhafte Zusammenarbeit mit anderen Ländern zeitigen nunmehr Ergebnisse" schreibt der
Bericht.

�Die Schweiz ist sich dem Bericht zufolge ihrer Stellung im internationalen Finanzwesen bewußt und intensiviert ihre Bemühungen um ein Gesetz
zur Bekämpfung der Geldwäsche.
Der Bericht verweist auch auf Indien,
Pakistan, die Sowjetunion, Osteuropa,
Großbritannien, Mexico, die Vereinigten Staaten und Kanada sowie deren
Koordinierung und Zusammenarbeit mit
anderen Ländern. Er legt dar, wieviele Länder, unter ihnen Spanien und
Pakistan, ihre Mittel für Aufklärung
und Rehabilitation aufgestockt haben.
Die Zollbehörden der Sowjetunion haben mit über 25 westlichen Ländern
Vereinbarungen getroffen, und sind
mit den zuständigen Stellen in Kanada, Großbritannien, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und anderen
Ländern erfolgreich gegen Drogenhändler vorgegangen.
Trotz
Mexicos
gravierender
Wirtschaftsprobleme wurde dem Bericht zufolge der Etat für die Drogenbekämpfung um 174 Prozent erhöht, dabei ist
die Zahl der Mitarbeiter und Ausrüstungsgegenstände erheblich gestiegen
und innerhalb der Regierung die Stelle eines stellvertretenden Justizministers für Drogenermittlungen geschaffen worden.

schen Ländern bei der Drogenbekämpfung aus.
Das Kontrollamt fordert unverzügliche
technische Hilfe für die afrikanischen Länder und betont die Notwendigkeit "der Bekundung festen politischen Willens der Regierungen", umfassende Gesetze und Verwaltungsvorschriften zu erlassen, um sowohl den
Vertrieb als auch den Handel legaler
Drogen unter Kontrolle zu bringen.
Der Bericht verweist auf Besorgnis
über die Entwicklungen in Pakistan
und im Iran und bekundet die Hoffnung, im Jahr 1990 Beobachter in diese Länder entsenden zu können.
Das
Internationale
Suchtstoff-Kontrollamt besteht aus 13 unabhängigen
Experten und ist bestrebt - in Zusammenarbeit mit den Regierungen - die
Kultivierung, Herstellung und den
Konsum von Drogen in dem Maße einzuschränken, wie er für medizinische
und wissenschaftliche Zwecke erforderlich ist.

Der Bericht verweist auf einen starken Anstieg des Mohnanbaus zur Opiumgewinnung in Guatemala, das dennoch
ein Programm ins Leben gerufen hat,
um wichtige Chemikalien und Grundstoffe zu ermitteln, die bei der Herstellung von Kokain und Heroin verwendet werden. Das Programm könnte
für andere Länder Modellcharakter haben.
Obwohl die afrikanischen Regierungen
sich der schnellen Ausbreitung des
Drogenhandels in der Region und der
damit einhergehenden Gefahren für die
Gesundheit bewußt sind, nutzen Drogenhändler die Lücken im System der
Bekämpfung, die geringen Mittel, das
mangelnde Fachwissen und die fehlende
Zusammenarbeit unter den afrikani- 3 -

* * * * *

�MARTIN

LUTHER

KING

Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AMERIKA MUSS VOLLSTÄNDIGE AUFHEBUNG DER RASSENTRENNUNG VERWIRKLICHEN
Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King

WASHINGTON - (AD) - Obwohl sich Präsident Bush zufolge viele der dunkelsten
"Wolken des Rassismus" in den Vereinigten Staaten verzogen haben, muß die Nation "weiterhin an der Aufhebung der Rassentrennung und Verwirklichung der
Gleichberechtigung" arbeiten.
In einer Proklamation zum 15. Januar, der zum Gedenken an den Geburtstag des
Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King Jr. als gesetzlicher Feiertag begangen wird, verwies der Präsident darauf, daß King sich für die Befreiung aller
Menschen im ganzen Land von den "Fesseln der Rassentrennung und den Ketten der
Diskriminierung" eingesetzt habe.
In der Proklamation des Präsidenten heißt es, der Kampf gegen Vorurteile sei
"unsere erste Bürgerpflicht" und "die größte Ehre, die wie dem Andenken" an
den berühmten Führer der Bürgerrechtsbewegung erweisen können.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation im Wortlaut.

Wir begehen einen gesetzlichen Feiertag zum Gedenken an den Geburtstag
des
Baptistenpfarrers
Dr. Martin
Luther King Jr. und würdigen damit
ein Leben, das dem Kampf für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit gewidmet war. Mit Entschlossenheit, Mut
und großem Engagement für Gewaltlosigkeit setzte sich Dr. King dafür
ein, alle Menschen im ganzen Land von
den "Fesseln der Rassentrennung und
den Ketten der Diskrimierung" zu befreien.
Martin Luther King Jr. liebte sein
Land und glaubte fest an die in der
Unabhängigkeitserklärung niedergelegten beständigen Ideale:
"Folgende
Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich:
daß
alle
Menschen
gleich geschaffen sind, daß sie von

ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind,
daß dazu Leben, Freiheit und das
Streben nach Glück gehören."
Wohl
wissend, daß ein "geteiltes Haus
nicht standfest ist", widmete King
sein Leben dem Streben nach Aufhebung
der Rassentrennung und Verwirklichung
der Gleichberechtigung in den Vereinigten Staaten. Seiner Ansicht nach
ist unser Land vom richtigen Kurs,
wie er in unserer Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung niedergelegt ist, abgewichen. Er war entschlossen, darüber zu wachen, daß
Amerika den dort verankerten Prinzipien treu bleibt.
In Worten und Taten erinnerte Martin
Luther King Jr. alle Amerikaner an
die von Abraham Lincoln 1858 ausge-

�sprochene eindringliche Warnung an
die Bürger von Edwardsville (Illinois) vor den tragischen Konsequenzen, die eine weitere Billigung der
Sklaverei für die Vereinigten Staaten
haben könnte. Präsident Lincoln wußte - wie viele berühmte Amerikaner
vor ihm -, daß die Stärke unseres
Landes auf der Überzeugung beruht,
daß jedes Individuum von unschätzbaren Wert ist und die einzige Legitimation einer Regierung im Schutz der
gottgegebenen Rechte des Menschen besteht.
"Wenn diese Gesinnung zerstört wird," warnte Lincoln, "wird
damit die Saat der Tyrannei vor unserer eigenen Tür gesät. Wenn man sich
mit den Ketten der Knechtschaft vertraut macht, bereitet man seine Glieder darauf vor, sie zu tragen. Wenn
man gewohnt ist, die Rechte der anderen mit Füssen zu treten, hat man das
Talent
zur eigenen Unabhängigkeit
verloren und wird willkommenes Opfer
des ersten gerissenen Tyrannen, der
sich erhebt."
Ebenso wie Präsident Lincoln wußte
Martin Luther King, daß die Vereinigten Staaten kein großes freies Land
bleiben konnten, wenn den Menschen
ihre Rechte vorenthalten werden. Er
wußte, daß die amerikanische Verheißung von Freiheit und Gerechtigkeit
für alle Menschen im wunderbaren Plan
unseres Schöpfers angelegt ist, und
er wußte, daß diese Verheißung nicht
durch Bigotterie und Diskriminierung
entstellt werden darf.

Charakter
beurteilt wird", müssen
wir "weiterhin an der Aufhebung der
Rassentrennung und Verwirklichung der
Gleichberechtigung in den Vereinigten
Staaten arbeiten. Das ist unsere erste Bürgerpflicht - und die größte
Ehre, die wir dem Andenken an Dr.
Martin Luther King Jr. erweisen können.
Per Gesetz 98-144 ist der dritte Montag im Januar jedes Jahres ein gesetzlicher Feiertag zum Gedenken an
den Geburtstag von Martin Luther
King, Jr.
Aufgrund dessen erkläre ich, George
Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der mir von
der Verfassung und dem Gesetz zugestandenen Autorität Montag, den 15.
Januar 1990 zum Gedenktag für Martin
Luther King Jr.
Unterzeichnet am 9. Tag des Januar,
im Jahre des Herrn 1990 und im 215.
Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
(unterzeichnet) George Bush

Dr. King erzählte uns von seinem
Traum. Heute erkennen wir, daß es
kein Traum, sondern eine Vision war.
Im Sinne des Sprichworts: "Ohne Vision geht das Volk zugrunde" legte
uns King seine Hoffnungen und Zukunftspläne dar. Er hatte das "gelobte Land" gesehen und gab uns den
Anstoß, es mit ihm gemeinsam zu erblicken.
Obwohl sich heute viele der dunkelsten "Wolken des Rassismus" verzogen
haben, obwohl der Tag nähergerückt
ist, an dem "der Mensch nicht nach
seiner Hautfarbe, sondern nach seinem
- 2 -

* * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST
'V, D N #

17. Februar 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Shultz umreißt Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Ansprache von Außenminister Shultz -

INFORMATION
"Thomas A. Edlson-Prels" für Erfinder
- P r ä s i d e n t Reagan s c h l ä g t Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Aspirin senkt Herzinfarkt-Risiko
- Ergebnis e i n e r F ü n f - J a h r e s s t u d i e an 22 000 Personen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

17. Februar 1988

SHULTZ UMREISST STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN

BEZIEHUNGEN

- Ansprache von Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge stellt die jüngste Bewegung im Verhältnis zur Sowjetunion "einen hoffnungsvollen Auftakt langfristig
angelegter und zielstrebiger Bemühungen zur Schaffung eines neuen Musters konstruktiverer Beziehungen dar".
In seiner am 5. Februar 1988 vor der Henry M. Jackson Schule für Internationale Studien in Seattle gehaltenen Ansprache erklärte Shultz, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen "werden stets einzigartig sein" und es sei
unwahrscheinlich, daß sie "jemals dessen verlustig gehen, was nach wie vor ein
von starkem Argwohn und großen Gegesätzen geprägtes Element ist".
Nachfolgend bringen wir die Rede von Außenminister Shultz in wesentlichen
Auszügen.

Scoop Jackson war der Überzeugung, der Westen müsse bezüglich der
Sowjetunion eine realistische Haltung
einnehmen.
Er setzte Vertrauen in
die Fähigkeit des Westens, die Stärke
zur Bewältigung dieser Realität aufzubringen.
Wenn wir unsere Stärke
und
unseren Realismus
beibehielten
und geradeheraus die Unstimmigkeiten
zwischen Ost und West angingen, könnten wir seiner Auffassung nach letztlich die Bedingungen für neue amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
schaffen, die sowohl Frieden als auch
Freiheit sicherstellten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese Sicht des Problems und seine Lösung hat sich als gut erwiesen.
Amerika hat seine Stärke wiedergewonnen und ist realistisch geblieben.
Dies wiederum hatte
einschneidende
Auswirkungen auf den Gang, umfang und
die Produktivität der amerikanischsowjetischen Beziehungen. Der Tempowechsel im Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion findet auch als Teil eines umfassenderen
Wandels
unserer
Welt
statt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Diese Veränderungen
sind gelegentlich
unauffällig,
gelegentlich
drastisch.
Die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben Einfluß auf
diese Veränderungen und sind in hohem
Maße davon betroffen.
Die sich abzeichnenden Merkmale
des weltweiten Wandels sind überall
um uns herum auszumachen:
- Die
Geschwindigkeit
technologischer Innovationen und der Mittel zur Verbreitung dieser Technologien in weltweitem Umfang.
Wissenschaftliche,
wirtschaftliche und politische Belange haben jetzt eine weltweite Dimension erhalten.
- Wachsende wirtschaftliche Interdependenz zusammen mit dem Entstehen neuer Zentren wirtschaftlichen Wohlstands,
insbesondere
in Asien.
- Die Verteilung politischer Macht,
obwohl Schlüsselelemente der bipolaren Welt der Nachkriegszeit
fortbestehen.
- Und der gemeinsame Nenner aller
dieser Veränderungen:
Das Gebot
des Wissens - seine Entdeckung,
Weitergabe als Information sowie
die für seine Anwendung erforderliche Bildung.
Die Geschwindigkeit menschlicher
Transaktionen
wird beschleunigt. Offenheit und
Kommunikation sind der Schlüssel
zur Schaffung und
Beherrschung
dieses Wandels.
Das Ergebnis unter dem Strich ist
eine starke und ermutigende Tendenz
zu Demokratie, Offenheit und Freiheit, sowohl in als auch unter den
Nationen. Die Länder, die in diesen
Tagen wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Fortschritt zu verzeich-

nen haben, sind diejenigen, die grössere Freiheit der Märkte und innerhalb ihrer politischen Institutionen
auf ihr Banner geschrieben haben. In
einer Welt, in der Information und
Innovation die Triebfeder der heutigen Zeit sind, fallen Gesellschaften,
die Innovation unterdrücken und den
freien Informationsfluß beschränken,
mehr und mehr zurück.
Die Veränderungen, die zur Zeit
in der Sowjetunion stattfinden, sind
in diesem Sinne außerordentlich reaktiv, ein zögerlicher und banger Versuch, mit der Dynamik und Kreativität
des Westens Schritt zu halten.
In
diesen Tagen hören wir viel vom "neuen Denken". Wir sollten uns jedoch
vergegenwärtigen, was dies bedeutet.
Es ist das Bestreben, die Realität
einer Welt in den Griff zu bekommen,
die nicht von der Sowjetunion und ihren Verbündeten gestaltet wird, sondern der Gemeinschaft freier Nationen
- und der Macht der Freiheit.
Eine Konsequenz dieses Wandels
birgt neue Hoffnung auf ein mögliches
Ende des bitteren Experiments mit dem
Totalitarismus, das für weite Teile
des 20. Jahrhunderts die Hoffnungen
der Menschheit für eine auf Frieden
und Freiheit gegründete menschliche
Gemeinschaft
zunichte gemacht hat.
Aber dieses Experiment ist noch nicht
beendet
und muß bewältigt werden.
Das bedeutet, daß die amerikanischsowjetischen Beziehungen in den vor
uns liegenden Jahrzehnten eines unserer Hauptanliegen bleiben werden.
Die Frage, mit der wir uns konfrontiert sehen ist, ob wir ein amerikanisch-sowjetisches Verhältnis gestalten können, das uns beiden gestattet, unsere Energien weniger auf
gegenseitige Konfrontationen zu verschwenden, sondern auf die Bewältigung der Herausforderungen des weit-

�weiten Wandels, und zwar in unseren
Ländern
sowie auch als bedeutende
Mächte in einem komplexen internationalen Umfeld auszurichten.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg
entstanden Welt war bipolar.
Die
Gravitation, die durch die Konzentration wirtschaftlicher
und militärischer Macht in zwei so unterschiedlichen Systemen wie denen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ausgeübt wurde, war unerhört stark.
Die Macht beider dieser ehemaligen
Verbündeten bestand vornehmlich darin, die Handlungsfreiheit des anderen einzuschränken.

und Verbesserungen des Lebensstandards in der unmittelbaren Nachkriegszeit haben gemeinsam mit dem Eindruck
amerikanischer Schwäche nach unserem
Abzug aus Vietnam vorübergehend die
wachsenden Probleme des Systems und
ihre Bedeutungslosigkeit als Modell
für die sich entwickelnde Welt verschleiert.
Die politisch
der Sowjetunion
einer Verlagerung
tion" und gingen
aggressiv vor:

- Die
Sowjets
legten
weiterhin
übermäßige Betonung auf militärische Stärke, mit einer militärischen
Aufrüstung,
die
selbst
nach der Erlangung strategischer
Parität keinerlei Anzeichen eines
Nachlassens sichtbar werden ließ
und die offensichtlich auf sowjetische Expansion zu Lasten der
Sicherheit anderer Nationen ausgerichtet war.

Der zentrale Punkt der amerikanischen Außenpolitik nach 1945 war
die Begrenzung des Mißbrauchs sowjetischer Militärmacht.
Die Eindämmungspolitik
versuchte das Problem
direkt in den Griff zu bekommen und
führte zur Gründung der NATO und eines weltweiten Systems von Bündnisbeziehungen.
Amerikanische Bestrebungen, das Weltwirtschaftssystem wiederzubeleben trugen dazu bei, Moskau
Expansionsoptionen zu verweigern.

- Moskau verließ sich weiterhin auf
Macht - oder die Bereitstellung
der Machtmittel - um ihren Einfluß im Ausland zu vergrößern.
Die Tendenz erreichte mit der Invasion in Afghanistan im Jahr
1979 ihren Höhepunkt, aber keinesfalls ihr Ende.

Aber die in der Nachkriegszeit
entstandene bipolare Welt wurde durch
die auf weltweiter Ebene sich beschleunigenden Veränderungen ständig
unterhöhlt - Veränderungen, durch die
politische, wirtschaftliche und militärische Macht breit gestreut wurde.
Das strikt zentralisierte sowjetische
System mit seinem Beharren auf der
Aufrechterhaltung eines Informationsmonopols konnte mit vielen der wichtigsten Tendenzen nicht zur Deckung
gebracht werden.
Dennoch hat die Sowjetunion im
großen und ganzen bis vor kurzem die
Augen vor der Bedeutung dieser Tendenzen verschlossen. Die sowjetische
Errungenschaft strategischer Parität

Verantwortlichen in
sprachen daher von
der "Kräftekorrelaim In- und Ausland

- In der Zeit nach Stalin und den
letzten Jahren der Breschnew-Führung erreichte die Unterdrückung
von Dissidenten im Inland ihren
Gipfel, entgegen der feierlichen
internationalen
Unterfangen
der
Sowjetunion und trotz der wachsenden Tendenz zu Demokratie und
Offenheit überall auf der Welt.
Ende der siebziger Jahre begannen
die Sowjets jedoch, sich den im Umbruch
befindlichen
Realitäten
zu

- 3 -

�stellen.
Selbst
die
Sowjets beschreiben diesen Zeitraum jetzt als
einen der Stagnation und des Irregeleitetseins.
Die Vereinigten Staaten versuchten ihrerseits zunächst, die eindimensionale Entspannung aufrechtzuerhalten, die nicht als Hemmschuh für
sowjetischen Unilateralismus gedient
hatte.
Aber im Anschluß an diese
Phase des Zögerns reagierte Amerika.
Mit der Wahl Ronald Regans verliehen die Amerikaner im Jahr 1980
ihrer Bereitschaft Ausdruck, alles
Erforderliche zu tun, um sowjetischen
Expansion!smus einzudämmen, selbst in
einer Welt, die sich in hohem Maße
von der unterschied, wie sie nach den
Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges
entstanden war.
Vom ersten Tage an hat Präsident
Reagan eine dreigliedrige Strategie
verfolgt.
Von entscheidender Bedeutung war
die Wiederherstellung amerikanischer
Stärke
Modernisierung
unserer
Streitkräfte, Bildung von Vertrauen
und Einheit unserer Blindnisse, Ankurbelung unserer Wirtschaft, Ermutigung
der Verbreitung von Demokratie und
Freiheit auf der ganzen Welt. Dafür
waren und sind die Entschlußkraft und
Wachsamkeit des Westens erforderlich
und dies wird auch in Zukunft so
bleiben.
Wir versuchten, die neugewonnene
Stärke Amerikas im Einklang mit einer
realistischen Würdigung
des Wesens
der sowjetischen Gesellschaft und ihrcv
Politik zum Tragen zu bringen.
Statt sich nur auf die militärische
Aufrüstung zu konzentrieren, die ein
Symptom des Ost-West-Konfllktes ist,
versuchte
die
Reagan-Administration
vielmehr, die gesamte Bandbreite von

Themen in Angriff zu nehmen, die das
Verhältnis belasteten.
- Wir begnügten uns nicht mit halben Schritten bei der Rüstungskontrolle, sondern setzten uns
die Erlangung von Abkommen zum
Ziel, mit denen die Arsenale tatsächlich verringert, die Sicherheit verbessert und die wirksam
verfizierbar sein würden.
- Statt erfolglos über die Intervention sowjetischer Streitkräfte
und sowjetischer Vasallen in Entwicklungsländer zu schimpfen, arbeiteten wir mit denjenigen zusammen, die zur Verteidigung ihrer Freiheit und der Beweisführung bereit sind, daß der Preis
für Abenteurertum hoch und nachhaltig ist.
- Statt Menschenrechte als unangenehmen, nachträglichen
Gedanken
abzutun, erkannten wir an, daß
diese
Probleme beständiger und
positiver
Teil
internationaler
Beziehungen sind, denen wir in
unserer Sicht der Welt und für
unsere Sicherheit zentrale Bedeutung beimessen.
Wir haben sie
zum
integralen Bestandteil des
Dialogs gemacht, dem der ihm gebührende Stellenwert in Diskussionen auf allen Ebenen zukommt.
Statt bilaterale Beziehungen als
Anreiz oder Vergünstigung für sowjetische Schritte in anderen Bereichen
anzusehen, haben unsere Begegnungen
ein hohes Maß gegenseitigen Nutzens
erreicht.
Unsere Betonung von Stärke und
Realismus haben den Dialog mit Moskau
nicht verhindert.
Tatsächlich versuchten wir, diesen Dialog produktiv
zu gestalten, indem wir die Sowjets
von der Bedeutung eines Wandels in

�ihrem Verhalten bei Themen überzeugen
wollten, an denen die Vereinigten
Staaten - und die Welt insgesamt ein legitimes Interesse haben.
Wir
haben darauf bestanden, daß der Dialog das gesamte Spektrum solche Interessen abdeckt, von Rüstungskontrolle und regionalen Konflikten bis
hin zu Menschenrechten und bilateralen Angelegenheiten, und wir haben
die amerikanischen Ziele in jedem
dieser Bereiche klar umrissen.
Wir
haben betont, daß alle der umfassenden Themenkomplexe dieser Tagensordnung in engem Zusammenhang stehen, in
der Überzeugung, daß stabile und konstruktive
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen erzielt und aufrechterhalten werden können, wenn Moskau zu
konkreten Schritten zur Lösung der
kritischen Probleme bereit ist. Die
Sowjets scheinen diese Realität in
zunehmendem Maße zu begreifen.
Wir sind uns der Tatsache bewußt,
daß sich ungewöhnliche Umstände ergeben können, in denen Fortschritte in
einem Bereich von denen in anderen
Bereichen
abhängig
gemacht
werden
müssen, insbesondere angesichts sowjetischer Handlungen, von denen die
Grundlage eines stabilen Friedens untergraben wird.
Dennoch können wir unmöglich erwarten, mit einer Politik, die gebietet, daß kein Problem gelöst werden
kann, solange nicht alle gelöst sind,
irgend etwas zu erreichen. Die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
sind zu schwierig und komplex, als
daß dies zu einer praktischen Option
gemacht werden könnte.
Die Mängel eines undifferenzierten Junktims als Instrument der Politik sind über die Jahre offensichtlich geworden.
Eine solche Politik
beraubt uns der Möglichkeit, realistische Vereinbarungen anzustreben, die
- 5

westlichen
Interessen
dient.
Sie
überläßt den Sowjets die Initiative,
das Tempo und den Umfang der Beziehungen zu uns und unse:cn Verbündeten
zu bestimmen.
Sie durchbricht die
Beständigkeit und Disziplin, die für
die
erfolgreiche
Verfolgung
einer
langfristigen
Strategie
für
eine
friedlichere und demokratischere Welt
unentbehrlich sind.
Und was am wichtigsten ist: So,
wie es in der Vergangenheit gehandhabt wurde, hat das Junktim nie funktioniert. Wenn sich die Sowjetunion
zum Beispiel aus Afghanistan zurückzieht, wird sie dies nicht tun, weil
die Vereinigten Staaten ein Getreideembargo verhängten oder Rüstungskontrollvereinbarungen
blockieren, die
der westlichen Sicherheit
dienlich
sind.
Stattdessen wird die Sowjetunion das Schicksal Afghanistans zurück in die Hände des afghanischen
Volkes legen, weil die Afghanen mutig
und entschlossen gekämpft haben und
weil die Weltgemeinschaft unter Führung der Vereinigten Staaten letztlich dort reagiert hat, wo eine Reaktion wirksam ist - unmittelbar auf
dem Boden, mit materieller und politischer Unterstützung.
Trotz solcher Untaten wie des sowjetischen Abschusses eines koreanischen Verkehrsflugzeuges
im Jahr
1983 und sowjetischer Spionageaktivitäten
gegen
unsere
Botschaft
in
Moskau hat Präsident Reagan auf unserer Tagesordnung beharrt, unsere Abrüstungsunterhändler in Genf belassen
und unseren Dialog mit Moskau auf
höchster Ebene weiterverfolgt.
Ein
Ergebnis dessen ist der INF-Vertrag,
der unsere Verhandlungsziele erfüllt
und einen eindrucksvollen Beitrag zur
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten
und der Verbündeten leisten wird.
Am

Ende

der

ersten

Amtsperiode

�des Präsidenten hatten die Vereinigten Staaten und der Westen damit begonnen, neue Bedingungen auszuarbeiten.
Noch bevor Mikhail Gorbatschow
Generalsekretär wurde, hatte die Sowjetunion begonnen, auf diese zu reagieren. Nachdem der Versuch, den Westen durch Drohungen und Boykott zu
RUstungskontrollverhandlungen zu den
sowjetischen Bedingungen zu zwingen,
fehlgeschlagen war, kehrten die Sowjets im Jahr 1985 zu den Gesprächen
Über
Nuklear- und
Weltraumwaffen
(NST) an den Verhandlungstisch zurück.
Innerhalb
der
Sowjetunion
selbst hatten die Realitäten der im
Wiederaufstieg begriffenen, selbstbewußten Vereinigten Staaten, eines Umschwungs zugunsten von Demokratie und
freiem Unternehmertum in den Entwicklungsländern, der Unfähigkeit sowjetischer Vasallenregime, ihren Zugriff
zur Macht zu konsolidieren und des
anschwellenden Chors internationaler
Verurteilung
sowjetischer
Menschenrechtspraktiken zu einer Vertrauenskrise geführt.
Zunehmend
wurde es den sowjetischen Bürgern - und endlich auch
den politisch Verantwortlichen - bewußt, daß das
sowjetische
System
nicht mehr funktionierte und daß die
Sowjetunion Gefahr lief, noch mehr
ins Hintertreffen zu geraten.
Der
Prozeß, sich den heutigen Realitäten
anzupassen, beschleunigte sich noch
mit dem Amtsantritt von Generalsekretär Gorbatschow.
Was konkrete Resultate auf der
umfassenden Tagesordnung, die von der
Reagan-Administration verfolgt wurde,
anbetrifft, so ist die Bilanz zunehmend stattlich.
- Die Sowjetunion hat unseren realistischen und umfassenden Rahmen
zur praktischen Behandlung der
Ost und West trennenden Probleme
- 6

akzeptiert.
Durch
Einbeziehung
des gesamten Spektrums der Probleme in die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, hat dieser
Rahmen unserem Dialog
Struktur
und Richtung - eine Tagesordnung
- geliefert.
Sicherlich reicht
der Dialog allein nicht aus; was
zählt, ist ein Wandel im sowjetischen Verhalten. Die Schaffung
des Rahmens war jedoch ein bedeutender Schritt zu den in der Folgezeit erzielten Fortschritten.
- Wir haben den INF-Vertrag abgeschlossen, der sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer
Raketen - als auch aufgrund seiner beispiellosen Verifizierungsmaßnahmen bemerkenswert ist.
-

Wir haben bedeutende Fortschritte
auf dem Weg zum Abschluß eines
Vertrages erzielt, der die strategischen Atomwaffenarsenale der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion halbieren würde.
- Wir haben die Kommunikation zwischen den Regierungen verbessert,
indem wir dem Heißen Draht eine
neue Dimension gegeben und eine
Vereinbarung über die Errichtung
von Zentren zur Verringerung des
Nuklearen Risikos in Washington
und Moskau abgeschlossen haben.
- Wir sind Zeugen eines bescheidenen Fortschritts
bei Menschenrechten
und humanitären Fragen
geworden, und wir haben einen regelmäßigen Meinungsaustausch über
regionale Konflikte eingerichtet,
Themen, die die Sowjets früher
als Tabus oder als für die Rüstungskontrolle
zweitrangig
zurückwiesen.

�- Wir haben dem Projekt zu bilateralen,
kooperativen
Programmen
neues Leben eingehaucht, die von
menschlichen
Kontakten
zwischen
jungen Leuten bis hin zu verbesserten Flugverbindungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der
UdSSR
und
wissenschaftlichen,
kulturellen und Lehreraustauschprogrammen reichen.
Diese Programme tragen dazu bei, die von
den Sowjets seit langem aufrechterhaltenen künstlichen Schranken
abzubauen und können auf beide
Länder befruchtend wirken.
Dies ist ein hoffnungsvoller Auftakt zu langfristig angelegten und
zielstrebigen Bemühungen zur Schaffung eines neuen Musters konstruktiverer Beziehungen.
Die in der jüngeren Vergangenheit
erzielten
Vereinbarungen
sowie die
Aussichten auf künftige Fortschritte
beruhen in Wahrheit auf dem amerikanischen "neuen Denken" und auf Neuerungen sowohl in unserer breitangelegten Strategie sowie in unseren Lösungen für spezielle Probleme.
Alle die von mir gerade aufgeführten
Vereinbarungen
rühren
von
amerikanischen Initiativen und Ideen
her.
Und es gibt noch viele mehr,
wie etwa einschneidende Reduzierungen
der
strategischen
Atomwaffen,
die
Aussichten
für
Verhandlungslösungen
regionaler Konflikte und Veränderungen der sowjetischen Praktiken im Bereich der Menschenrechte, die den
westlichen
Interessen gute Dienste
erwiesen haben.
Überdies ist der gegenwärtig in
den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen stattfindende Prozeß in Gang
gekommen, weil er beim amerikanischen
Volk auf breite Unterstützung stößt.
Zum ersten Mal seit Jahren herrscht

über die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion ein starker innenpolitischer Konsens.
Wenn dieser
Konsens bewahrt werdeu kann - und
dies sollte der Fall sein -, wird die
amerikanische Politik gegenüber der
Sowjetunion durch eine fast beispiellose Kontinuität und Stabilität gestärkt werden und sich weiterhin als
dynamisch und schöpferisch bei der
Suche nach Problemlösungen erweisen.
Ein besseres Verhältnis zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
liegt sicherlich im Bereich des Möglichen. Ein solches Verhältnis würde
von der Offenheit gekennzeichnet, unsere Unterschiede anzuerkennen, der
Initiative, sie zu lösen, wo wir dies
können und der Fähigkeit, unsere Differenzen friedlich zu behandeln, wo
der Wettbewerb andauert, wie dies sicherlich der Fall sein wird. Während
eines seiner Besuche in Washington im
vergangenen Herbst mag der sowjetische
Außenminister
möglicherweise
Ähnliches gedacht haben. Er brachte
ein Argument vor, das mich tief beeindruckte.
Er stellte fest, daß in den letzten Jahren die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion in verschiedenen
Bereichen eine bemerkenswerte Anzahl
von Schritten unternommen hätten. Er
kam zu dem Schluß, wir seien an einem
Punkt angelangt, an dem unsere quantitativen Fortschritte einen qualitativen Wandel im Charakter unseres
Verhältnisses
ermöglichten.
Wir
schienen uns in Richtung auf ein normaleres Verhältnis zu bewegen, erklärte er.
Ich habe seither viel über die
Worte des Außenministers nachgedacht
und bin zu dem Ergebnis gekommen, daß
ich ihm zustimme und gleichzeitig widerspreche.

- 7 -

�Es fällt mir schwer, zu glauben,
daß unsere Beziehungen zur Sowjetunion jemals "normal" in dem Sinne
sein werden, in dem wir normale Beziehungen
zu den meisten
anderen
Staaten unterhalten.
Es gibt nur
zwei Supermächte auf der Welt.
Wir
unterscheiden uns enorm in unserer
Einstellung zur Rolle des einzelnen
in unseren Gesellschaftssystemen sowie in unseren Beziehungen zu anderen
Ländern. Das Verhältnis zwischen uns
wird immer einzigartig sein. Es erscheint
unwahrscheinlich,
daß
das
amerikani sch-sowjeti sehe
Verhältnis
jemals dessen verlustig gehen wird,
was nach wie vor ein von starkem Argwohn und großen Gegensätzen geprägtes
Element ist.
Auch denke ich nicht, daß die Akkumulation
einzelner Abkommen oder
kooperativer Vereinbarungen an sich
einen Quantensprung zu einem qualitativ verschiedenen Verhältnis erbringen werden.
Die
Verschiedenheiten
zwischen uns und das von diesen hervorgerufene Mißtrauen sind zu tief
verwurzelt.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß Abkommen allein einen solchen Abgrund nicht überbrücken können.
Ich bin jedoch davon überzeugt,
daß der Außenminister in einem Sinne
recht hatte. Man kann sagen, daß wir
an der Schwelle eines dauerhafteren
amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses stehen. Auf amerikanischer Seite
besteht zum ersten Mal seit vielen
Jahren ein starker Konsens in der
Frage, wie wir mit der Sowjetunion
umgehen
sollten.
Auf
sowjetischer
Seite mag - zum ersten Mal überhaupt
und aus Notwendigkeit - eine Bereitschaft vorhanden
sein, die sowjetische Sicherheit und andere Interessen auf eine Art und Weise zu überprüfen, die internationalen Normen
eher gerecht wird.

So interessant die gegenwärtig in
der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen sein mögen, müssen wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie
diese Veränderungen konkret die in
unserer breitgefächerten Tagesordnung
verankerten Interessen beeinflussen.
Wir müssen mit der Sowjetunion so umgehen, wie sie ist und nicht, wie wir
sie uns wünschen.
Das sowjetische
System beginnt gerade mit Versuchen,
die Wirtschaft zu reformieren.
Es
hat die Oberfläche struktureller politischer Reformen kaum angekratzt.
Wir haben noch keinerlei Veränderungen festgestellt, die darauf hindeuten, daß die Sowjetunion von ihrem
historischen
Ziel
abgerückt
sein
könnte, das internationale System zu
ihrem Vorteil zu verändern.
Deshalb sollten wir in genau dem
Maß den Wandel in der Sowjetunion begrüßen - und dem sowjetischen Volk
dabei Erfolg wünschen -, wie sich die
sowjetischen Anstrengungen zur Modernisierung
mit
den
amerikanischen
Hoffnungen auf eine sicherere Welt
und ein produktiveres amerikanischsowjetisches Verhältnis decken.
Wir
sind überdies davon überzeugt, daß
Fortschritte in den Bereichen, die
von größtem Interesse für die Vereinigten Staaten und die Welt sind,
auch den Menschen in der Sowjetunion
am meisten dienen würden.
Was also können wir realistisch
in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während dieser Periode des
Wandels in der Sowjetunion und weltweit erwarten?
Unser Endziel hat sich nicht geändert - eine Sowjetunion, die mit
anderen Staaten und ihrem eigenen
Volk durch Dialog anstatt Einschüchterung
umgeht.
Dies
würde
eine
durchgreifende
Veränderung
darstellen, die einen guten Teil der ge-

- 8 -

�schlchtltchen Entwicklung der Weltpolitik. In diesem Jahrhundert umkehren
würde.
Dieses Ziel liegt noch in
weiter Ferne, und auf dem Weg zu seiner Realisierung werden wir mit vielen Unsicherheiten in bezug auf Umfang, Dauerhaftigkeit und Bedeutung
des Wandels in der Sowjetunion und im
internationalen
Umfeld
konfrontiert
sein.
Es wäre deshalb falsch und unrealistisch, wenn wir die Ablösung
des
internationalen
Sicherheitssystems in absehbarer Zukunft erwarten
würden.
Unsere Sicherheit, Freiheit
und unser Wohlstand werden weiterhin
auf atomarer Abschreckung, unserem
System der Bündnisse, unseren Bemühungen zur Ausdehnung und Stärkung
der Demokratie und einer freien Weltwirtschaft, vor allem aber auf unserer eigenen Stärke und unserem Willen
zur Verteidigung unserer Interessen
und Werte beruhen.

gungshaushalt - ebenso wie entschiedene Unterstützung der Bereiche Sicherheit und Wirtschaft - sind unerläßlich, wenn wir auch in Zukunft andere Optionen Moskaus verhindern wollen.
Gleichzeitig sehen wir bessere
Möglichkeiten denn je zuvor, ausgeglichene, wirkungsvolle und nachprüfbare Rüstungskontrollabkommen zu erzielen, die vorhandene Ungleichgewichte abbauen und größere Stabilität
und
Vorhersehbarkeit
der
militärischen Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen mit sich bringen würden.

Wir können jedoch am Aufbau eines
Verhältnisses zur Sowjetunion arbeiten, das auch bei andauerndem Wettstreit weniger gefährlich sein wird.
Gleichmäßiger Fortschritt auf unserer
gesamten
vierteiligen
Tagesordnung
mit der Sowjetunion liefert einen
Plan zur Verwirklichung dieses Ziels,
einen Rahmen für Maßnahmen, mit denen
die
Internationale
Stabilität
gestärkt und die Bedingungen für künftige Fortschritte verbessert werden.
Auf militärischer Ebene haben wir
uns für die kommenden Jahre zum Ziel
gesetzt, uns den Konsequenzen der
massiven sowjetischen Aufrüstung seit
Mitte der siebziger Jahre zu stellen.
Dazu sind anhaltende und energische
Bemühungen
der Vereinigten
Staaten
und unserer Verbündeten bei der Modernisierung und Stärkung der konventionellen und nuklearen Abschreckung
erforderlich. Ein gesunder Verteidi- 9 -

- Das
INF-Abkommen
würde
einen
wichtigen Teil der sowjetischen
militärischen
Aufrüstung
der
siebziger Jahre vollständig beseitigen, die In der Stationierung von SS-20-Raketen und der
älteren
SS-4-Raketen
sowie der
Bedrohung durch sowjetische Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite bestand.
Die Ratifizierung und vollständige Durchführung des Vertrages wird ganz
erheblich zur westlichen Sicherheit beitragen.
- Der nächste Schritt ist ein nachprüfbares Abkommen zum 50prozentigen Abbau amerikanischer und
sowjetischer strategischer Offensivwaffen und die Schaffung eines
stabilen Gleichgewichts bei strategischen
Nuklearwaffen.
Wir
werden hart arbeiten, einen solchen Vertrag bis zum diesjährigen
Besuch
Präsident
Reagans
in
Moskau fertigzustellen.
Die Sowjetunion hat sich zu ähnlichen
Anstrengungen
verpflichtet.
Zahlreiche entscheidende Bestandteile des Vertrages sind bereits
in greifbare Nähe gerückt, doch
es bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf Fragen
der Verifizierung.
In den kom-

�menden Monaten wird die Erarbeitung eines Vertrages in hohem
Maße von der Bereitschaft der Sowjetunion abhängen, bei der Lösung dieser vielschichtigen Probleme kooperativ und kreativ mit
uns zusammenzuarbeiten.
Um herauszufinden, ob sich das
strategische
Gleichgewicht
möglicherweise zunehmend auf einer
auf
Vertetdigungssystemen
beruhenden Abschreckung
statt ausschließlich auf die Androhung nuklearer Vergeltung gründen könnte, werden wir SDI auch weiterhin
energisch verfolgen.
Da sowjetische
strategische
Verteidigungsprogramme bereits existieren
und SDI in Zukunft das Fundament
für einen sichereren Weg zur Gewährleistung des internationalen
Friedens
bereiten
könnte, ist
dieses Programm unerläßlich.
- Wir und unsere Verbündeten werden
unsere Bestrebungen zur Schaffung
größerer Stabilität und Offenheit
bei den konventionellen militärischen
Streitkräften in Europa
unbeirrt fortsetzen.
Wir werden
uns auch weiter darum bemühen,
ein wirklich weltweites und verifizierbares
Verbot
chemischer
Waffen zu erreichen, die Weiterverbreitung nuklearer Waffen zu
verhindern
und
Schritt
für
Schritt realistische Fortschritte
im Hinblick auf Atomversuche anzustreben, wobei mit den erforderlichen Verbesserungen bei der
Verifizierung bestehender Begrenzungen des Schwellenvertrages und
des Vertrages über Nuklearsprengungen zu friedlichen Zwecken begonnen werden muß.
Nach wie vor werden wir auf konkrete sowjetische Schritte zum freieren Fluß von Menschen, Informationen

und Ideen drängen, wie er in der
Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr
1975 und den nachfolgenden Dokumenten
im Rahmen des Helsinki-Prozesses niedergelegt wurde.
Ohne die in den
vergangenen
Monaten
unternommenen
Schritte schmälern zu wollen, werden
wir beharrlich darauf bestehen, daß
immer noch getrennt lebenden Familien
die Zusammenführung mit ihren Angehörigen gestattet werden muß, daß Ausreisewilligen die Genehmigung erteilt
wird, daß Gläubige bei der Ausübung
ihrer Religion nicht behindert und
ihre Rechte durch entsprechende Institutionen geschützt werden sollten.
Die Menschenrechtsfrage wird für
die Amerikaner erst gelöst sein, wenn
frühere Verstöße behoben sind und
keine neuen vorkommen. In Anbetracht
des Wesens des sowjetischen Systems
mag diese Situation noch entfernt
sein, aber es kann und muß kontinuierliche Schritte in diese Richtung
geben. Osteuropa ist - wie Präsident
Reagan in seiner Berlin-Initiative im
vergangenen Juni festgestellt hat ein Ort, an dem wir einen wirklichen
Wandel der Politik erwarten.
Auf dem Gebiet regionaler Konflikte können wir nicht davon ausgehen, daß die Sowjetunion ihre traditionelle Neigung zur Erweiterung ihrer
politischen Einflußsphären
und
zur Ausdehnung ihrer militärischen
Macht auf andere Regionen der Welt
aufgegeben hat.
Daher müssen die
Vereinigten Staaten bereit sein, diejenigen zu unterstützen, die für ihre
Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen
wollen. Wenn die Sowjetunion jedoch
zum Überdenken ihrer in der Vergangenheit
bezogenen
Position
bereit
ist, werden wir dazu beitragen, Frieden und nationale Aussöhnung für Regionen herbeizuführen, die derzeit
noch von Konflikten zerrissen sind.

- 10 -

�- Im Hinblick auf die zentrale Frage Afghanistan haben die Sowjets
die Vordringlichkeit des unverzüglichen Abzugs ihrer Truppen
und die Notwendigkeit der Gewährung der Selbstbestimmung fllr das
afghanische
Volk
eingestanden.
Wir erwarten von der sowjetischen
Führung, daß sie dieser Einsicht
Taten folgen läßt und unverzüglich einen Plan für den raschen,
vollständigen
und
unwiderruflichen Abzug ihrer Streitkräfte
bis zum Jahresende vorlegt.
- Ebenso werden wir die Sowjetunion
zur Mitarbeit bei konkreten Bemühungen drängen, ausgehandelte politische Lösungen in andere Regionen der Welt hineinzutragen,
wo sowjetische Vasallen gegen ihr
eigenes Volk und gegen ihre Nachbarn kämpfen.
Auf der Ebene der bilateralen Beziehungen haben wir durch Vereinbarungen
schon Rahmenbedingungen geschaffen, die konkreten amerikanischen Interessen dienen: bei der zivilen Luftfahrt, der Zusammenarbeit
im All und Austauschprojekten in den
Bereichen Kultur und Wissenschaft.
Im Verlauf des Washingtoner Gipfels
haben der Präsident und Generalsekretär Gorbatschow weitere Gebiete umrissen, auf denen beide Seiten einander viel zu geben haben. Hierzu gehören auch möglicherweise unschätzbare Maßnahmen
bei
der
Bewältigung
weltweiter
Veränderungen, zum Beispiel bilaterale
und multilaterale
Bemühungen bei der Erforschung der
Auswirkungen
globaler
Klimaveränderungen und der Umwelt, oder bei der
Erkundung der Aussichten von Kernfusion als unbegrenzte
Energiequelle
und bei der Nutzbarmachung von Gebieten wachsender Bedeutung, wie etwa
der Antarktis.

Was können wir tun, um unsere
Aussichten auf eine Verwirklichung
dieser Ziele zu maximieren?
Unsere Hauptaufgabe ist nach wie
vor Bedingungen zu schaffen, die Einfluß auf das sowjetische Verhalten
haben. Der Schlüssel hierzu ist die
Stärke und Wachsamkeit des Westens.
Wenn es uns gelingt, diese Bedingungen zu schaffen, werden die bereits
erstellten
Rahmenbedingungen
weiterhin ein bedeutendes Mittel zur
Verwirklichung dieses Ziels sein. Es
war nie zuvor so wichtig, daß beide
Seiten einen bestimmten gemeinsamen
Ansatz entwickeln, wenn wir jene qualitativ
neuen Beziehungen
schaffen
wollen, nach denen wir streben.
Während dem Besuch von Generalsekretär
Gorbatschow in Washington
habe ich bei einer Tischrede eine
Reihe von Richtlinier, angesprochen,
die beim Ausbau unserer bisherigen
Leistungen auf beide Seiten Anwendung
finden könnten.
Sie sind es wert,
wiederholt zu werden.

- 11 -

- Erstens: Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sind so bedeutend
wie einzigartig.
Sind
sind bedeutend, weil wir beide
aufgrund unserer Führungsrolle in
der Welt eine ungeheure Last tragen.
Sie sind einzigartig, weil
wir im Nuklearzeitalter trotz unserer fundamentalen Gegensätze zu
beiderseitigen
Verpflichtungen
aufgerufen sind. Wie Generalsekretär Gorbatschow in seinem Buch
geschrieben hat:
"Es gibt keine
Möglichkeit, voneinander
loszukommen."
- Zweitens:
Unsere Beziehung wird
auch weiterhin schwierig gestaltet sein. Wir haben entgegengesetzte
Philosophien,
politische

�Systeme und nationale Interessen.
Unsere
Grundwerte, Systeme und
Interessen
werden
fortbestehen,
auch wenn die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit wächst.

heutigen
unterscheiden,
ebenso
wie von der Nachkriegswelt der
vergangenen 40 Jahre, die unser
Denken so sehr geprägt hat.
- Damit kommen wir zum
sechsten
Punkt:
Die Erkenntnis, daß Offenheit für Ideen, Informationen
und Kontakte der Schlüssel zu
künftigen Erfolgen ist. Die konzeptionellen Durchbrüche in den
Bestimmungen
des
INF-Vertrages
zur Verifizierung und Inspektion
vor Ort sind nur ein Beispiel für
die
gewaltige
Anziehungskraft,
die die Offenheit bereits in einem
zentralen Bereich amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen
ausübt.

- Drittens: Wir müssen realistisch
bleiben und angesichts der Höhen
und Tiefen unserer Beziehung Extreme vermeiden, sei es durch
Feindseligkeit
oder
Euphorie.
Der beste Ansatz im Umgang miteinander ist Nlichernheit, Pragmatismus
und
Sachlichkeit
beim
Streben nach der Lösung konkreter
Probleme.
- Viertens:
Über
unsere
Unterschiede müssen wir deutlich und
offen miteinander reden.
Daher
haben wir den Sowjets gegenüber
immer wieder die zentrale Bedeutung betont, die wir den Menschenrechten beimessen, wie sie
in der Allgemeinen Erklärung und
der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind.
Die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft stellten am 5. Dezember
fest: "Die Wahrung der Menschenrechte und der Freiheit ist unabdingbare Voraussetzung für Vertrauen, Verständnis und Zusammenarbeit." Wir haben auch in aller
Offenheit regionale Probleme angesprochen. Auch die Sowjets haben mit ihrer Meinung nicht zurückgehalten.
Und
wir
haben
Fortschritte erzielt. Wie Präsident Reagan erklärt hat, schulden
wir uns gegenseitig den Tribut
der
Aufrichtigkeit,
und
diese
Aufrichtigkeit wird Lösungen zeitigen.
- Fünftens: Wir müssen in die Zukunft schauen, ohne die Lehren
der Vergangenheit zu vergessen.
In fünf oder zehn Jahren wird die
Welt
sich grundlegend von der

•

Meine Tischrede schloß ich mit
dem Appell an die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion, dauerhafte Fortschritte für Beziehungen anzustreben,
die von mehr Offenheit, Vorhersehbarkeit, Stabilität und Konstruktiv!tat
geprägt sind.
In dieser Zeit des
Wandels bieten neue Muster der Beziehungen meiner Ansicht nach auch neue
Möglichkeiten zu Zusammenarbeit und
Fortschritten, und wir sollten uns
solche Gelegenheiten zunutze machen.
Der
Generalsekretär
hat
sich
nicht dazu geäußert, ob er mit mir
übereinstimmt oder nicht.
Ich bin
aber davon überzeugt, daß - wie die
Erfahrung gelehrt hat - ein nicht so
realistischer, unflexibler, und weniger zukunftsweisender Ansatz der Aufgabe nicht gewachsen ist.
Ich bin ferner der Auffassung,
daß wir für unseren Teil die Herausforderungen und die uns durch den
derzeitigen Elan in den amerikanischsowjetischen
Beziehungen
gegebenen
Möglichkeiten mit der gleichen Führungskraft, dem gleichen
Vertrauen
und den gleichen Neuerungen angehen

- 12 -

t

�können, die auch unsere nationale
Haltung zu Veränderungen auf anderen
Gebieten, von der Politik zur Technologie, bestimmt haben.
Wir erkennen heute an, daß in der
Sowjetunion ein möglicherweise wichtiges Experiment in die Wege geleitet
wird. Es beinhaltet die Möglichkeit
zu weit zufriedenstellenderen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen als
wir sie in der Nachkriegszeit gekannt
haben - Beziehungen, die ein konstruktives Element in einer sich verändernden Welt sein können.
Amerikaner sind bereit, engagiert
und mit schöpferischer Kraft an der
Gestaltung dieser Beziehungen zu arbeiten. Dieses Ziel ist erreichbar,
wenn die sowjetische Führung bereit
ist, mit uns gemeinsam aus dem Wandel
zum Besseren eine fortdauernde Realität zu machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

17. Februar 1988

"THOMAS A. EDISON-PREIS" FÜR ERFINDER
- Präsident Reagan schlägt Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor -

WASHINGTON - (AD) - Auf Wunsch Präsident Reagans soll ein Fonds mit zehn
Millionen Dollar eingerichtet werden, aus dem zehn Jahre lang Preise für die
Entwicklung von Technologien und Geräten gezahlt werden, die die Lebensqualität generell verbessern. Der Preis, nach dem Erfinder Thomas A. Edison benannt, könnte beispielsweise für Methoden vergeben werden, die die Vorhersage
von Naturkatastrophen erleichtern und aufzeigen, wie deren Auswirkungen zu
mildern wären. Weitere Schwerpunkte könnten die Verwertung und Beseitigung
von Müll und Abfall aller Art sowie die Entwicklung von Vorrichtungen sein,
die Behinderungen überwinden helfen.

Die Verlautbarung des Weißen Hauses vom 27. Januar 1988 besagt u.a.,
daß mit dem Preis humanitäre Ziele
gefördert und Fortschritte für das
"Allgemeinwohl" erreicht werden sollen.
Der Vorschlag wird im Rahmen
des Haushalts 1989 dem amerikanischen
Kongreß unterbreitet.
Im Besonderen
ist beabsichtigt,

- den Ideenaustausch unter den wissenschaftlichen
Disziplinen
zu
fördern;

- Erfinder
anzuspornen, sich auf
Gebieten zu betätigen, die der
Allgemeinheit
Nutzen
bringen
könnten,
kommerziell
aber zunächst wenig lohnend erscheinen;

Ein Gremium von 15 hervorragenden
Persönlichkeiten
aus
Wissenschaft,
Technik,
Kunst,
Regierungsbehörden
und Bürgerschaft, dessen Mitglieder
auf jeweils fünf Jahre, aber mit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

das Interesse junger Menschen an
Wissenschaft
und Technik, aber
auch an den Möglichkeiten zu fördern, die Innovationen und Technik bieten.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Überlappender Amtszeit ernannt werden, soll einmal jährlich bis zu drei
preiswürdige Ziele nennen und die Höhe des dafür jeweils vorgesehenen
Geldpreises bestimmen.
Dieser kann
einige Millionen oder einige Hunderttausend Dollar betragen. Über einen
Zeitraum von vier Jahren können bis
zu sieben Projekte gleichzeitig laufen. Federführend werde das amerikanische Handelsministerium sein, erklärte Marlin Fitzwater als Sprecher
des Weißen Hauses.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Februar 1988

ASPIRIN SENKT HERZINFARKT-RISIKO
- Ergebnis einer Fünf-Jahresstudie an 22 000 Personen WASHINGTON - (AD) - Daß Aspirin, seit Jahrzehnten als Schmerz- und Rheumamittel bekannt, unter Umständen auch eine vorbeugende Wirkung gegen Herzattakken haben könnte, wurde seit Ende der sechziger Jahre vermutet. Die seinerzeit in Angriff genommenen Studien waren jedoch, was Dauer und Personenkreis
betraf, nicht umfassend genug, um sichere Schlußfolgerungen zuzulassen. Dies
aber erlaubt eine kürzlich beendete Fünf Jahresstudie mit mehr als 22 000 Probanden, über die in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" am
28. Januar 1988 berichtet wurde. Am Tag zuvor gaben amerikanische Wissenschaftler, unter ihnen Dr. Claude Lenfant, Direktor des Nationalen Herz-, Lungen- und Blutinstituts der "National Institutes of Health" (NIH), und Dr.
Lawrence Cohen, Professor für Innere Medizin am Klinikum der Yale-Universität,
auf einer Pressekonferenz in Washington bereits die wichtigsten Details bekannt .

Alle Teilnehmer an der Studie waren Arzte im Alter zwischen 40 und 84
Jahren (da Frauen allgemein weniger
infarktgefährdet sind, wurden weibliche Kollegen nicht einbezogen).
Alle Probanden mußten gesund sein;
frühere
Herz-Kreislauferkrankungen,
Gicht, Magengeschwüre und Störungen
der
Nieren- oder
Leberfunktionen
schlössen eine Teilnahme aus. So
blieben schließlich von mehr als
59 000 Ärzten, die sich gemeldet hatten, 22 071 übrig.
Sie wurden in
zwei Gruppen unterteilt. Die eine
mit 11 034 Probanden nahm seit 1981

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jeden zweiten Tag eine Tablette mit
325 mg Azetylsalizylsäure (Aspirin)
ein, die zweite Gruppe erhielt ein
Placebo-Präparat ohne Medikamenteninhaltsstoff . Die Leitung der Studie
hatte
Dr. Charles
H. Hennekens
(Harvard-Universität und "Brigham and
Women's Hospital") in Boston; der
sich ebenfalls als Proband zur Verfügung stellte. Die gewählte Dosierung
stellt die niedrigst mögliche Konzentration für Gaben von Azytylsalizylsäure dar, um als Aggregationshemmer
für die Thrombozyten zu wirken.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dieser Effekt wurde ganz offensichtlich erreicht: Bei der erstgenannten Gruppe kam es im Verlauf der
fünf Jahre in 104 Fälle zu Herzattakken (fünf mit tödlichem Ausgang). In
der Placebogruppe wurden 189 Infarktfälle registriert, davon 18 mit tödlichem Ausgang. Das Medikament vermag also das Verklumpen von Blutplättchen und damit das Verstopfen
der für die Blut Versorgung des Herzmuskels so wichtigen Herzkranzarterien zu reduzieren. Das Herzinfarktrisiko verringerte sich um 47 Prozent . Noch nicht geklärt ist die
Frage, weshalb die Zahl der Schlaganfälle infolge von Gehirnblutungen in
der Aspirin-Gruppe mit 80 um zehn höher lag als in der Kontrollgruppe.
Die Wissenschaftler warnten auf
der Pressekonferenz dringend davor,
daß Laien nun ohne ärztliche Empfehlung und ärztliche Kontrolle Aspirin
einnehmen, um gegen einen Herzinfarkt
vorzubeugen.
"Ich hoffe, daß dies
jetzt nicht als Wundermittel für ein
ewiges Leben angesehen wird", sagte
Dr. Lenfant. Ärzte sollten das Präparat in erster Linie für Patienten
in Erwägung ziehen, bei denen Hochdruck,
hohe
Blutcholesterinwerte,
Diabetes oder die Häufung von Herzattacken in der Familie festgestellt
werden. Das gelte nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen mit bestimmten
Risikofaktoren.
Vorsicht
sei jedoch in jedem Fall geboten,
weil, wie die Schlaganfall-Statistik
aus der Studie zeige, bei manchen
Personen Aspirin möglicherweise die
Gefahr einer Gehirnblutung erhöhe.
Und dies könne katastrophale Folgen
haben. Auch rektale Blutungen oder
Reizungen der Magenschleimhaut werden
unter Aspirin-Medikation beobachtet.
Aus allen diesen Gründen sei ärztliche Kontrolle bei regelmäßiger Einnahme notwendig. Dann sei allerdings
in Verbindung mit der Ausschaltung

anderer Risikofaktoren wie Rauchen,
falscher Ernährung und Bewegungsmangel denkbar, daß in den USA pro Jahr
bis zu 100 000 Menschen weniger Opfer
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden. Diese machen derzeit 48 Prozent
der Todesursachen aus.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz umreißt Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Thomas A. Edison-Preis" für Erfinder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan schlägt Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aspirin senkt Herzinfarkt-Risiko&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnis einer Fünf-Jahresstudie an 22.000 &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Personen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

17. Februar 1993

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^^T^T-"^^;

^&gt;0

BOSNIENS« X^i OU^ a ^ ' ' '

CHRISTOPHER SKIZZIERT DIPLOMATISCHE BEMÜHUNGEN DER USA
ZU BOSNIEN
Erklärung bei Pressekonferenz

MENSCHENRECHTE

USA FORDERN RESOLUTION GEGEN
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM
EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN

-ßV;

Erklärung von Botschafter Schifter
GATT

GATT MUSS GRUNDLICH ÜBERHOLT
WERDEN
Rede von Botschafter Seitz

HANDEL

KONGRESSWIRD FAST-TRACK-MANDAT
WAHRSCHEINLICH AN BEDINGUNGEN
KNÜPFEN
Antrag auf einjährige Verlängerung erwartet

FRAUEN

FRAUSEIN IN DEN NEUNZIGER JAHREN:
EIN DRAHTSEILAKT
von Rosalyn Wiggins Berne

PORTRAT

"FRONTKÄMPFERN GEGEN DAS
VERBRECHEN"
Janet Reno - Clintons designierte Justizministerin
BARTHOLOMEW ZUM SONDERGESANDTEN
FÜR BOSNIENGESPRÄCHE ERNANNT
Porträt von Botschafter Reginald Bartholomew

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN
17. Februar 1993

CHRISTOPHER SKIZZIERT DIPLOMATISCHE
BEMÜHUNGEN DER USA ZU BOSNIEN
Erklärung bei Pressekonferenz
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher hat am 10. Februar 1993 erklärt, die Clinton-Administration
werde sich aktiv an den diplomatischen Bemühungen beteiligen, eine politische Lösung für den Konflikt im
ehemaligen Jugoslawien zu erreichen.
Bei einer Pressekonferenz im State Department gab Christopher bekannt, daß der Präsident den amerikanischen Botschafter bei der NATO, Reginald Bartholomew, zum US-Gesandten bei den von den internationalen
Schlichtern Cyrus Vance und Lord David Owen geleiteten Verhandlungen ernannt hat. Bartholomew wird vor
Gesprächen bei den Vereinten Nationen in New York zu Beratungen mit dem russischen Präsidenten Jelzin nach
Moskau reisen.
Präsident Clinton hat allen Beteiligten verdeutlicht, erklärte Christopher, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
"ihren Teil zur Implementierung und Durchsetzung eines für alle Parteien annehmbaren Abkommens beizutragen... Dies ist ein gemeinsames Problem, und wir müssen die Lasten gemeinsam tragen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung Außenminister Christophers bei der Pressekonferenz
am 10. Februar im Wortlaut.

Ich gebe heute eine Reihe von Schritten bekannt, die
Präsident Clinton im Hinblick auf das ehemalige Jugoslawien beschlossen hat. Der Präsident ist der Überzeugung, es sei an der Zeit, daß sich die Vereinigten
Staaten aktiv und direkt an den multilateralen Bemühungen beteiligen, eine gerechte und funktionsfähige
Lösung für diesen äußerst gefährlichen Konflikt zu
finden.
Gleich zu Beginn unserer Administration erben wir
eine tragische und gefährliche Situation. In den vergangenen zwei Jahren sind die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens in eine dunkle Periode des Terrors
und Blutvergießens versunken. In diesem Zeitraum
hat der Westen wiederholt Gelegenheiten verpaßt,
frühzeitige und wirksame Maßnahmen zu ergreifen,
die möglicherweise eine Verschärfung des Konflikts
verhindert hätten. Wie Präsident Clinton im Wahlkampf wiederholt erklärte, hätte eine frühzeitiges und
energisches Signal durchaus einen Großteil der Aggressionen, des Blutvergießens und der "ethnischen
Säuberungen" abschrecken können. Weil diese
Maßnahmen nicht ergriffen wurden, sind wir heute mit
einer wesentlich schwerer in den Griff zu bekommenden Lage mit entschieden schwierigeren Optionen
konfrontiert. Trotzdem müssen wir die Umständeso in
AMERIKA DIENST 7

Angriff nehmen, wie sie sich darstellen, und wir sind
entschlossen, dies zu tun.
Diese Umstände haben tiefliegende Wurzeln. DerTod
Präsident Titos und das Ende der kommunistischen
Herrschaft über das ehemalige Jugoslawien haben
den Deckel auf dem brodelnden Kessel uralten ethnischen Hasses gelüftet. Dies ist ein Land, in dem
mindestens drei Religionen und ein halbes Dutzend
ethnischer Gruppen jahrhundertelang miteinander
gestritten haben. Es ist der Geburtsort des Ersten
Weltkrieges. Es ist seit langem die Wiege europäischer Konflikte. Dies ist auch heute noch so.
Im vergangenen Jahr haben Cyrus Vance und Lord
Owen unermüdlich nach einer Verhandlungslösung
gesucht. Obwohl sie Fortschritte erzielt haben, wurde
ihr Lösungsvorschlag von den Konfliktparteien nicht
akzeptiert, und das Töten geht weiter.
Dieser Konflikt mag weit entfernt von unseren Küsten
liegen, aber unseren Anliegen steht er nicht fern. Wir
können es uns nicht leisten, ihn zu ignorieren. Lassen
Sie mich erklären, warum dies der Fall ist.
Wir können den Zoll an Menschenleben nicht ignorieren. Die "ethnischen Säuberungen" wurden durch
Seite 1

�Massenmord, systematische Prügel sowie die Vergewaltigung von Muslimen und anderen, durch Dauerbeschu ß auf Unschuldige in Sarajevo und andernorts, die
gewaltsame Vertreibung ganzer Dörfer, inhumane
Behandlung von Gefangenen in Internierungslagern
sowie die Blockierung von Hilfslieferungen für Kranke
und verhungernde Zivilisten angestrebt. Greueltaten
wurden auch von anderen Parteien begangen. Unser
Gewissen wehrt sich gegen die Idee, solche Brutalität
passiv zu akzeptieren.

einfach sein werden, wir wissen, daß es aufgrund
früherer Untätigkeit weniger Optionen gibt, wir erwarten keine Wunder, glauben aber, daß wir etwas bewirken können. Wir unterstützen entschieden die Bemühungen der Vereinten Nationen und der Europäischen
Gemeinschaft, durch die Vance-Owen Verhandlungen zu einem Abkommen zu gelangen, das Bosnien
den Frieden bringt. Um die bestmögliche Kommunikation zwischen uns sicherzustellen, hat Präsident Clinton heute einen unserer Spitzendiplomaten zum Abgesandten unserer Regierung bei diesen Gesprächen
Neben diesen humanitären Interessen haben wir auch ernannt: Botschafter Reginald Bartholomew. Herr
direkte strategische Anliegen. Die anhaltende Zerstö- Bartholomew diente als Botschafter der Vereinigten
rung eines neuen Mitgliedstaates der UNO stellt das Staaten im Libanon und in Spanien und ist gegenwärtig
Prinzip in Frage, wonach international anerkannte Botschafter bei der NATO. Ihm sind derartige Krisen
Grenzen nicht gewaltsam verändert werden sollten. nicht unbekannt. Er ist der richtige Mann für diese
Darüber hinaus kennt dieser Konflikt selbst keine Aufgabe. Die Vereinigten Staaten werden sich durch
natürlichen Grenzen. Er droht auf neue Regionen, wie seine Bemühungen, die Zusammenarbeit mit Minister
etwa den Kosovo und Mazedonien, überzugreifen. Er Vance und Lord Owen und mit anderen Mitteln an der
könnte sodann zu einem größeren Balkankrieg wer- Suche nach neuen Lösungen des Konflikts beteiligen,
den, ähnlich denen, die vor dem Ersten Weltkrieg die hoffentlich von allen Parteien akzeptiert werden
stattfanden.
können.
Umfangreichere Feindseligkeiten könnten weitere
Nationen erfassen, etwa Griechenland, Albanien und
die Türkei. Der Flüchtlingsstrom, der bereits Hunderttausende umfaßt, könnte anschwellen. Die politische
und wirtschaftliche Kraft Europas, die bereits durch die
Integration der ehemals kommunistischen Staaten
geprüft wird, würde weiter belastet.

Zweitens erklärt der Präsident den Bosniern, Serben
und Kroaten, daß Verhandlungen die einzige Möglichkeit zur Lösung dieses Konflikts darstellen. Den Parteien kann keine Lösung aufgezwungen werden, einmal aus Prinzip, aber auch weil eine auferzwungene
Lösung viel schwieriger aufrechtzuerhalten wäre als
eine freiwillig von den Parteien akzeptierte. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, daß jede Partei die Bereitschaft
Es gibt in diesem Zusammenhang noch einen umfaszeigen muß, eine Lösung zu akzeptieren, die ihren
senderen Imperativ. Die Reaktion der Welt auf die
Zielen nicht völlig entspricht. Aus diesem Grund
Gewalt im ehemaligen Jugoslawien ist eine frühe und
dringen wir darauf, daß sich die Parteien nicht von
entscheidende Probe darauf, wie sie die Anliegen
ernsthaften Verhandlungen zurückziehen. Die Verethnischer und religiöser Minderheiten in der Welt
antwortung für die Ausarbeitung einer funktionierennach dem Kalten Krieg behandeln wird. Diese Frage
den Lösung liegt überwiegend bei den beteiligten
betrifft ganz Osteuropa. Sie erstreckt sich auf die
Parteien, aber wir werden diesen Verhandlungen unsere
Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in denen der
ernstgemeinte Unterstützung angedeihen lassen.
Zusammebruch des Kommunismus 25 Millionen Russen
zu ethnischen Minderheiten in anderen Republiken Drittens wird der Präsident Maßnahmen ergreifen, um
gemacht hat. Und sie betrifft auch andere Kontinente. die Durchsetzung von Wirtschaftssanktionen zu verDie Vorgänge im ehemaligen Jugoslawien werfen die
Frage auf, ob ein Staat die Rechte seiner Minderheiten
so behandeln darf, daß er diese Minderheiten auslöscht, um "ethnische Reinheit" zu erlangen. Anmaßende Tyrannen und ängstliche Angehörige von Minderheiten warten ab, ob "ethnische Säuberungen" eine
Politik darstellen, die die Welt toleriert. Wenn wir die
Ausbreitung der Freiheit und das Entstehen friedlicher,
multiethnischer Demokratien fördern wollen, muß unsere
Antwort ein eindeutiges Nein sein.

schärfen, den politischen Druck auf Serbien zu verstärken und Serbien von einer Ausweitung des Krieges
abzuhalten. Wir haben den Serben mitgeteilt, daß wir
die wirtschaftlichen und politischen Kosten von Aggressionen erhöhen wollen. Wir werden mit unseren
Verbündeten, den Russen und anderen zusammenarbeiten, um dieses Ergebnis zu erzielen. Wir sind
weiterhin bereit, gegen die Serben vorzugehen, wenn
diese im Kosovo einen Konflikt auslösen. Zusätzlich
werden wir auf eine verstärkte internationale Präsenz
in Mazedonien hinwirken.

Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die folgenden
Viertens arbeitet der Präsident während des Fortsechs Schritte beschlossen.
gangs der Verhandlungen darauf hin, das Leiden und
Erstens hat der Präsident entschieden, daß die Verei- Blutvergießen zu verringern. Er ruft alle Konfliktparteinigten Staaten sich aktiv und direkt an den Vance- en dazu auf, den Artilleriebeschuß und andere Arten
Owen-Verhandlungen beteiligen und das Gewicht von Gewaltanwendung einzustellen. Allen Beteiligten
amerikanischer Diplomatie zur Geltung bringen wer- teilte er mit, die Einhaltung der Flugverbotszone über
den. Wir wissen, daß diese Verhandlungen nicht Bosnien sollte im Rahmen einer UNO-Resolution
Seite 2

AMERIKA DIENST 7

�durchgesetzt werden. Er drängte darauf, daß den
Notleidenden humanitäre Hilfe gewährt werden sollte,
und zur Zeit denken wir über weitere Aktionen zur
Förderung verstärkter Hilfsleistungen nach. Zudem
stellen wir ein Team der amerikanischen Regierung
zusammen, um auf Dringlichkeitsbasis eine Einschätzung zu weiterer humanitärer Hilfe vorzunehmen. Der
Präsident wünscht die baldmögliche Einsetzung eines
Kriegsverbrechertribunals bei der Vereinten Nationen,
um Gerechtigkeit walten zu lassen und von weiteren
Greueltaten abzuschrecken.
Fünftens hat der Präsident Schritte unternommen, um
allen Betroffenen die Bereitschaft der Vereinigten Staaten
zu verdeutlichen, ihren Teil zur Implementierung und
Durchsetzung eines für alle Parteien annehmbaren
Abkommens beizutragen. Wenn es ein tragfähiges
Abkommen mit Verfügungen zu seiner Verwirklichung
gibt, wären die Vereinigten Staaten bereit, zusammen
mit den Vereinten Nationen, der NATO und anderen zu
seiner Implementierung und Durchsetzung einschließlich einer möglichen militärischen Beteiligung der
Vereinigten Staaten beizutragen. Dies ist ein gemeinsames Problem, und wir müssen die Lasten gemeinsam tragen.
Sechstens und letztens hat der Präsident umfassende
Konsultationen mit unseren Freunden und Verbündeten über diese Aktionen geführt. Er und ich haben
bezüglich unserer Absichten mit Dutzenden Staatsund Regierungschefs gesprochen. Vor allem hat der
Präsident heute telephonisch mit Präsident Jelzin
konferiert, um seine persönliche Bitte zu übermitteln,
daß unsere beiden Nationen eng und kooperativ bei
dieser Suche nach einer friedlichen Lösung zusammenarbeiten. Darüber hinaus wird der Präsident Botschafter Bartholomew nach Moskau entsenden, um
unser Vorgehen zu erörtern, bevor Botschafter Bartholomew für die Verhandlungen nach New York zurückkehrt.
Ich möchte verdeutlichen, was wir mit diesen Schritten
zu erzielen hoffen. Wir werden versuchen, so auf die
Vance-Owen-Verhandlungen aufzubauen, daß wir eine
gerechte, praktikable und dauerhafte Lösung hervorbringen. Wir werden die Erhaltung der Überlebensfähigkeit von Bosnien als Staat anstreben. Wir hoffen,
daß unser direktes Engagement bei diesen Verhandlungen ebenso wie die anderen von mir angekündigten
Schritte die Parteien zu unverzüglichen Verhandlungen und zur Erarbeitung einer Lösung ermutigen werden,
die für alle akzeptabel ist und vor allem einen echte
Chance hat, zu funktionieren. Insbesondere erwarten
wir, daß unsere Bereitschaft zur Beteiligung an der
Verwirklichung eines solchen Abkommens dazu beiträgt, die Besorgnis der bosnischen Regierung und
anderer zu zersteuen, die sie bezüglich der Durchführbarkeit des Abkommens zum Ausdruck gebracht haben.
*

AMERIKA DIENST 7

*

Ich möchte auch eindeutig klarstellen, was wir mit
diesen Schritten nicht bezwecken. Wir wollen den
Parteien keine Lösung aufzwingen. Unseres Erachtens besteht der schnellste, beste und dauerhafteste
Weg zur Beendigung des Blutvergießens im ehemaligen Jugoslawien in der Schaffung eines Umfelds, in
dem alle Parteien die Aushandlung einer politischen
Lösung als in ihrem eigenen Interesse liegend ansehen.
Die Vereinigten Staaten sind nicht der Weltpolizist. Wir
können unsere Streitkräfte nicht entsenden, um jeden
bewaffneten Konflikt auf der Welt zu beenden. Dennoch sind wir die Vereinigten Staaten von Amerika.
Wir haben beispiellose Macht und Einfluß. Wir haben
uns der Stabilität Europas verpflichtet. Unsere Werte
und Interessen geben uns Grund, zur Schaffung internationaler Normen für die faire Behandlung von Minderheiten beizutragen. Daher haben wir Grund, uns
aktiv an diesen Bestrebungen zu beteiligen.
Dies ist ein wichtiger Augenblick für die Rolle unserer
Nation in Europa und weltweit in der Zeit nach dem
Kalten Krieg. Er stellt unsere Fähigkeit auf die Probe,
neue Ansätze zur Au ßenpolitik in einer Welt zu erarbeiten, die sich grundlegend verändert hat. Er erprobt
unser Engagement für den Aufbau von Demokratie
und die Unterstützung eines Umfelds, in dem Demokratie Wurzeln schlagen und gedeihen kann.
Er stellt unsere Bereitschaft und die unserer Verbündeten auf die Probe, unseren Institutionen der kollektiven Sicherheit wie der NATO dabei behilflich zu sein,
Wege zu sondieren, die den Bedürfnissen eines neuen
Zeitaltersgerecht werden. Und er erprobt, was wir aus
diesem blutigen Jahrhundert gelernt haben und mißt
unsere Entschlußkraft, unverzügliche, konzertierte
Aktionen gegen systematische ethnische Verfolgung
zu unternehmen.
Vor dem Hintergrund der verheerenden Kämpfe des
20. Jahrhunderts kann heute keine Großmacht die
Risiken eines Engagements in einem Balkankonflikt
auf die leichte Schulter nehmen. Keine Großmacht
kann jedoch auch die wahrscheinlichen Konsequenzen außer acht lassen, wenn man den Balkankonflikt
weiter wüten läßt. Jetzt in enger Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten und Freunden zu handeln, bietet die beste Chance, diese Flammen des Konflikts zu
ersticken, bevor sie ein Untergrundfeuer werden, das
später ausbrechen u nd alles vernichten könnte .Indem
wir jetzt handeln, können wir unter Beweis stellen, daß
nicht jede Krise zu einer Entscheidung zwischen Untätigkeit und einseitiger Intervention der Vereinigten
Staaten werden muß. Angesichts des großen Leidens
und des Diktats unserer Eigeninteressen können wir
es uns nicht leisten, weiter Gelegenheiten ungenutzt
verstreichen zu lassen, auf eine Lösung dieses Konflikts hinzuarbeiten.
*

*

Seite 3

�MENSCHENRECHTE
17. Februar 1993

USA FORDERN RESOLUTION GEGEN
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM
EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Erklärung von Botschafter Schifter
GENF - (AD) - Die UN-Menschenrechtskommission muß dem amerikanischen Botschafter Richard Schifter
zufolge "eine Resolution verabschieden, in der die Empörung der Völkergemeinschaft" über die Ereignisse im
ehemaligen Jugoslawien zum Ausdruck kommt.
"Aber die Staatengemeinschaft muß noch mehr tun", erklärte Schifter am 9. Februar 1993 vor der Kommission.
"Sie mu ß all jenen, die weitere Aktionen dieser Art in Erwägung ziehen oder zu anderer Zeit u nd an anderen Orten
ähnliche Taten begehen könnten, die Botschaft übermitteln, daß sie bei Mord und Vergewaltigung nicht
ungestraft davonkommen werden."
"Wenn der Präzedenzfall Nürnberg in Vergessenheit geraten ist, ist es erforderlich, all jene, die eine solche
Gedächtnisstütze benötigen, daran zu erinnern, daß Kriegsverbrechen in der Tat Straftatbestände sind und
Missetäter letztlich bestraft werden", stellte Schifter fest.
Wir veröffentlichen die Erklärung Schifters nachfolgend im Wortlaut.

Die Schrecken Bosniens gehören sicherlich zu den
größten Tragödien, von denen die Menschheit in der
zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts heimgesucht wurde.
Eigentlich hätten wir davon ausgehen können, daß die
50 Jahre zurückliegenden Erfahrungen Europas als
Schutzimpfung gedient und die Wiederholung von
Greueltaten der Art verhindert hätten, wie sie im vergangenen Jahr im ehemaligen Jugoslawien stattfanden. Wir müssen uns die Frage stellen: Was ist falsch
gelaufen? Was war die Ursache der Bestialität, deren
Zeugen wir geworden sind?
Diejenigen unter uns, die sich mit internationalen
Menschenrechtsfragen beschäftigen, müssen sich eine
weitere, forschende Frage stellen. Wir müssen wissen, welche positiven Leistungen unter diesen Umständen von den Dokumenten vollbracht wurden, die
von diesem Gremium und anderen Organen des UNOSystems oder durch die Schlußakte von Helsinki hervorgebracht wurden. Was müssen wir tun, damit die
hier verfaßten Anweisungen funktionieren, damit unsere Dokumente über diesen Saal hinaus mit Leben
erfüllt werden?
Zweifellos wohnt der Kriegführung eine Tendenz zur
Entmenschlichung inne. Und doch bemühen sich die
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Armeen häufig darum, die Disziplin aufrechtzuerhalten, eine Unterscheidung zwischen Kombattanten und
Nichtkombattanten zu treffen. Sie müssen insbesondere den Status von Frauen und Kindern als Nichtkombattanten respektieren. Warum ist die Erfahrung in
Bosnien so anders? Was hat zu den Massenmorden
und Massenvergewaltigungen geführt? Was hat im
Jahr 1992 die Erinnerungen an die SS-Einsatzgruppen
von 1941 zu neuem Leben erweckt?
Die Antwort auf diese Frage liegt in dem Begriff, der
benutzt worden ist, um die Aktionen der Missetäter zu
beschreiben: "ethnische Säuberung". Dieser Begriff
impliziert, daß Personen anderer ethnischer Zugehörigkeit unsauber sind, daß sie beseitigt werden sollten,
wie man Schmutz beseitigt.
Was bringt diese Geisteshaltung hervor, die eine gesamte
Kategorie von Menschen verurteilt, die dazu führt, daß
eine Gruppe eine andere als Untermenschen betrachtet und sie deshalb folgerichtig zu Opfern abstempelt?
Ein Song aus einem Musical, das in meinem Land vor
einigen Jahrzehnten gespielt wurde, beschrieb, wie
solche Gedanken bereits in frühester Jugend eingeimpft werden. In dem Lied heißt es: "Du mußt gut
erzogen werden, bevor du sechs oder sieben oder acht
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�bist, damit du all die Menschen haßt, die von deinen
Verwandten gehaßt werden." Dieser ethnische Haß,
der einigen Menschen seit Generationen eingeprägt
wurde und lange Zeit schwelte, ist heute in hellen und
schreckenerregenden Flammen ausgebrochen.

Serben werden lange mit Scham an diese schrecklichen Vergehen zurückdenken müssen, mit denen ihre
nationale Sache inzwischen verbunden wird.

Daß im Gegensatz dazu ein demokratisches System
positiv reagieren kann, wenn es in der Frage des
Besonders tragisch ist die Tatsache, daß dieser Aus- menschlichen Anstands gefordert wird, wurde durch
bruch von Furchtund Haß viele Menschen mitgerissen die jüngsten Erfahrungen Deutschlands unterstrichen.
und zu Gewalttaten veranlaßt hat, die in der Vergan- Die Hunderttausenden, wenn nicht Millionen, die auf
genheit weder Anzeichen des Hasses noch eine Nei- die Straße gingen, um ihrer Empörung über die Gegung zur Gewalt gezeigt hatten. Die schockierendsten waltakte einer kleinen Gruppe von Rassisten AusVerbrechen wurden kürzlich von einigen gegen Nach- druck zu verleihen, sind lebendiger Beweis für die
barn begangen, mit denen sie in Frieden lebten und Tatsache, daß demokratische Gesellschaften das
gegen die sie keinen Groll zu hegen schienen. Wie Problem des Rassenhasses wirksam behandeln können. Gesellschaften, die von nach persönlicher Verkam es dazu?
herrlichung strebenden Diktatoren geführt werden,
Traurige Erfahrungen haben gezeigt, daß in einem reagieren hingegen auf die Launen dieser Diktatoren,
System ohne demokratische Kontrollen eine skrupel- und im ehemaligen Jugoslawien haben sie dies getan.
lose Führung die Leidenschaften der Menschen aufpeitschen und zumindest einige dazu bringen kann, die Wie der von dem Sonderberichterstatter vorgelegte
abscheulichsten Brutalitäten gegen Menschen zu Bericht zeigt, haben alle an dem schrecklichen Kampf
begehen, die sie nicht als Feinde betrachteten, bis sie im ehemaligen Jugoslawien beteiligten ethnischen
einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, um ihre Gruppen Kriegsverbrechen begangen. Aber diese
Nachbarn zu fürchten und zu hassen.
Bemühungen zur nüchternen Beschreibung der Fakten in einer umfassenden allgemeinen Erklärung sollDer Sonderberichterstatter Tadeusz Mazowiecki hat ten uns nicht davon abhalten, ins Detail zu gehen. Herr
wirklich hervorragende Arbeit dabei geleistet, diese Mazowiecki hat uns Beweise geliefert. Wir müssen
Kommission, die Generalversammlung und den Si- anerkennen, daß die größte Zahl der ungeheuerlichcherheitsrat sowie durch uns die Völkergemeinschaft sten Menschenrechtsverletzungen von Serben beüber die erschreckenden Ereignisse in Bosnien-Herze- gangen und an bosnischen Muslimen verübt wurden.
gowina zu informieren. In dürren, technischen Worten Obwohl alle Kriegsverbrechen eine Verurteilung verhat er uns eine Definition der "ethnischen Säuberung" dienen, müssen wir feststellen, daß die in Bosnien von
gegeben: Ich zitiere nun aus Paragraph 9 seines serbischen Truppen begangenen Verbrechen dem
Berichts an die Generalversammlung und den Sicher- Sonderberichterstatter zufolge systematisch und willheitsrat vom 17. November 1992:
kürlich verübt werden. Sie spiegeln eindeutig eine auf
hoher Ebene beschlossene Politik wider. Mazowiecki
"Der Begriff ethnische Säuberung bezieht sich hat dies folgendermaßen ausgedrückt:
auf die Beseitigung von Mitgliedern anderer ethnischer
Gruppen durch die ethnische Gruppe, die die Kontrolle
"Viele der in den serbisch kontrollierten Gebieüber ein bestimmtes Gebiet ausübt. Ein breites Spek- ten als Mittel zur Erlangung der ethnischen Säuberung
trum von Methoden wird angewendet, um dieses Ziel angewandten inhumanen Praktiken finden ebenfalls in
zu erreichen, darunter Drohungen, Belästigungen und den von der Regierung kontrollierten Teilen Bosniens
Einschüchterung, Einsatz von Explosivstoffen gegen und der Herzegowina sowie in der sogenannten 'KroaHäuser, Geschäfte und geschäftliche Einrichtungen, tischen Gemeinschaft von Herzegowina-Bosnien' statt.
oder ihr Beschlu ß Zerstörung von Gotteshäusern und Nach den besten derzeit verfügbaren Informationen
kulturellen Einrichtungen, gewaltsamer Transfer oder werden in den von der Regierung kontrollierten GebieUmsiedlung von Bevölkerungen, summarische Exe- ten keine systematischen, mit ethnischen Säuberunkutionen, die Verübung von Greueltaten, die Terror gen in Zusammenhang stehenden Menschenrechtsunter der Bevölkerung verbreiten sollen, wie etwa verletzungen begangen, und die stattfindenden VerletFolter, Vergewaltigung und Verstümmelung von Lei- zungen, die durchaus stark zu verurteilen sind, scheichen sowie die Beschießung ziviler Bevölkerungszen- nen nicht Teil einer vorsätzlichen Kampagne zur
tren."
Säuberung dieser Gebiete von der serbischen Bevölkerung zu sein. In den von der 'Kroatischen GemeinWir verurteilen alle Aspekte der sogenannten ethnischaft von Herzegowina-Bosnien' kontrollierten Geschen Säuberungen, aber wir müssen uns besonders
bieten gibt es mehr Beweise für vorsätzliche Bemüauf Mord, Folter und Vergewaltigung konzentrieren.
hungen, die serbische Bevölkerung zur Abreise zu
Im Hinblick auf diese Kategorien scheußlicher Verbrezwingen. Allerdings wird im allgemeinen ein begrenzchen, von denen alle verabscheuungswürdig sind,
teres Spektrum von Maßnahmen angewandt, und die
wird Bosnien aufgrund der Politik der serbischen TrupBemühungen sind nicht so systematisch wie in den
pen, Frauen massenhaft Gewalt anzutun, lange Zeit in
serbisch kontrollierten Gebieten."
Erinnerung bleiben. Alle anständigen und ehrbaren

Seite 2

AMERIKA DIENST 7

�Nachdem die Tatsache, daß Greueltaten begangen
wurden, eindeutig festgestellt wurde, müssen wir uns
der Frage widmen, was diese Kommission derzeit im
Hinblick auf Bosnien tun kann. Zunächst müssen wir
eine Resolution verabschieden, in der die Empörung
der Völkergemeinschaft über die Massenmorde, über
die Massenvergewaltigungen, überall die Schrecken,
die im ehemaligen Jugoslawien verübt worden sind,
zum Ausdruck kommt. Insbesondere den vielen anständigen und ehrbaren Serben, den Anhängern der
Demokratie in ganz Serbien, müssen wir eine Botschaft darüber senden, was die Menschheit von den in
ihrem und im Namen der nationalistischen Sache
begangenen Greueltaten hält.
Die Völkergemeinschaft muß jedoch noch mehr tun.
Sie muß all jenen eine Botschaft übermitteln, die
weitere Aktionen dieser Art in Erwägung ziehen oder

*

AMERIKA DIENST 7

*

zu anderer Zeit und an anderen Orten ähnliche Taten
begehen könnten, daß sie bei Mord und Vergewaltigung nicht ungestraft davonkommen werden. Wenn
der Präzedenzfall Nürnberg in Vergessenheit geraten
ist, ist es erforderlich, all jene, die eine solche Gedächtnisstütze benötigen, daran zu erinnern, daß Kriegsverbrechen in der Tat Straftatbestände sind und Missetäter letztlich bestraft werden. Sie sollten sich des
Nürnberger Prozesses gegen SS Obergruppenführer
Ohlendorf und seine Mitangeklagten erinnern, an das
Urteil in diesem Fall und die verhängte Strafe. Wir
sollten vom System der Vereinten Nationen erwarten,
einen Mechanismus ins Leben zu rufen, um diese
Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen. Dies
ist die Botschaft, die wir dem Sicherheitsrat senden
sollten.

*

*

Seite 3

�GATT
17. Februar 1993

GATT MUSS GRÜNDLICH ÜBERHOLT WERDEN
Rede von Botschafter Seitz
LONDON - (AD) - Das GATT bedarf "einer gründlichen Überholung", erklärte der Botschafter der Vereinigten
Staaten in Großbritannien, Raymond Seitz, am 9. Februar 1993.
In einer Rede vor dem nationalen Bauernverband stellte Seitz fest, daß sich die Handelsbedingungen in den
neunziger Jahren von denen zu Zeiten der Gründung des GATT drastisch unterscheiden. Er verwies auf die
Zunahme nichttarifärer Handelshemmnisse sowie die Ausgrenzung von Dienstleistungen, intellektuellem
Eigentum und Landwirtschaft.
Seitz zufolge sei die Clinton-Administration damit befaßt, die Angelegenheit zu überprüfen und Konsultationen
zum GATT mit den Verhandlungspartnern zu führen. Die Frage sei von entscheidender Bedeutung, weil wir
heute in einer Weltwirtschaft leben, in der internationaler Handel und Investitionen den Schlüssel zu weltweitem
Wirtschaftswachstum darstellen, fügte er hinzu.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Seitz im Wortlaut.

Eine der immerwährenden Fragen zu internationalen
Beziehungen - in akademischen Kreisen und Elfenbeintürmen erörtert - lautet, ob sich die Geschichte in
einem unendlichen Zyklus von Ereignissen wiederholt.
Das ist die von der konservativen Schule (Sow-andReap School) vertretene These. Sie ist der Ansicht,
daß die menschliche Natur und menschliche Verhaltensweisen konstant sind und es daher naiv sei zu
erwarten, daß sich der Zustand der Menschheit in
irgendeiner grundlegenden Weise verbessern kann.
Die entgegengesetzte Schule argumentiert, die Geschichte sei mehr oder weniger linear, sie könne aus
ihren eigenen Fehlern lernen, Verhalten verbessern oder, falls dies nicht gelingt - konstruktiv gelenkt werden. Zivilisation ist Fortschritt und Aufklärung. Das
sind die Thesen der innovativen Schule (Bigger Watermelon School). Nicht zuletzt ist es ziemlich lange her,
seit jemand am Marble Arch gevierteilt wurde - eine
Tätigkeit, die jetzt die Presse übernommen hat.
Als Diplomat stehe ich natürlich irgendwo zwischen
diesen beiden sich widersprechenden Schulen. Als
Amerikaner vertraue ich darauf, daß die Dinge sich
verändern und besser gemacht werden können. Als
gelegentlich in Europa Ansässiger bin ich skeptisch,
ob eine Nation sich von ihrer Vergangenheit befreien
kann.

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Während der jüngsten Wahlkampagne in den Vereinigten Staaten war das Wahlkampflied des Kandidaten Bill Clinton "Don't Stop Thinking About Tomorrow".
Ich stimme mit diesem zukunftsorientierten Optimismus überein, obwohl ich im Geiste vor mich hinsumme
"But Don't Stop Thinkin' About Yesterday Either".
Wenn ich mir die heutige Wert betrachte, stelle ich trotz
der vor uns liegenden Mehrdeutigkeiten, Unsicherheiten und Besorgnis zumindest eine erstaunliche Entwicklung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fest.
Es ist das bemerkenswerte Tempo der Globalisierung,
das unser Zeitalter charakterisiert.
Wir legen große Distanzen zurück, ohne einen zweiten
Gedanken daran zu verschwenden. Wir sprechen
mittels reflektierender, von Satelliten ausgestrahlter
Signale von entgegengesetzten Hälften der Erdkugel
miteinander. Massen von Informationen werden praktisch ohne zeitliche Verzögerung durch ein globales
Netz von Transaktionen übermittelt. Die Finanzmärkte in New York, London und Tokio arbeiten rund um die
Uhr und können bis zu einer Billion Dollar an einem
einzigen Tag wechseln.
Wenn Unternehmen heute nicht global denken, schließen sie sich automatisch vom Handelsgebiet mit der
größten Expansion aus. Mit Blick auf die Zukunft steht

Sehe 1

�außer Frage, daß die Zukunft von internationalem
Wirtschaftswachstum und Entwicklung in internationalem Handel und Investitionen liegt.

gesprächen bisher. Indem sie sich mit ausländischen
Handelsschranken befaßt, reicht die Uruguay-Runde
weit in das innenpolitische Gefüge all ihrer Teilnehmerstaaten hinein. Sie ist ein mutiges und riskantes
Es ist aufschlußreich, die internationalen Handels- und Unternehmen.
Investitionszahlen der fünfziger und neunziger Jahre praktisch einer Generation - zu vergleichen. 1950 Im Rahmen der Uruguay-Runde wird die Landwirtwurde der internationale Handel auf 650 Milliarden schaft als besondere Herausforderung angesehen und
Dollar beziffert. 1990 belief er sich auf 6,8 Billionen noch kompliziert durch den Gedanken der SelbstverDollar - eine zehnfache Aufstockung in realen Zahlen. sorgung mit Nahrungsmitteln, seit langer Zeit bestehende Abhängigkeit von der Regierung, die ExtravaBei Investitionen betrug die Zahl im Jahr 1950 265 ganzen der Produktion und - in jeder unserer Kulturen
Milliarden Dollar und 19901,6 Billionen Dollar - sechs- - die romantische Idee einer kleinen Farm in der Nähe
mal so viel. Praktisch das gesamte Wirtschaftswachs- eines verschlafenen Dorfes, goldene Kornfelder, den
tum der Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren die Scholle bearbeitenden Farmer,... die 20 Morgen
kann auf Exporte zurückgeführt werden.
und ein Esel, die einfachen Tugenden des ländlichen
Lebens und die gute Mutter Erde.
In Europa belief sich der Handelswert 1950 auf 204
Milliarden Dollar, 1990 auf 2,8 Billionen Dollar. Das Trotz dieser Schwierigkeiten muß Landwirtschaft auf
Export- und Importgeschäft ist nichts Neues für Groß- der Tagesordnung der Uruguay-Runde stehen, wenn
britannien. Fürdie Vereinigten Staaten betrug es 1950 der Prozeß der umfassenden Handelsliberalisierung
weniger als 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fortgeführt werden soll. Wir können nicht von den
und beläuft sich heute auf 21 Prozent. Wir sind derzeit Entwicklungsländern und anderen potentiellen Nahdie größte Handelsnation der Welt.
rungsmittelexporteuren fordern, sie sollten ihre Märkte
für Industrieprodukte öffnen, wenn wir auf unseren
Dieser explosive Zuwachs von Handel und InvestitioMärkten nicht dasselbe mit landwirtschaftlichen Pronen in den letzten vierzig Jahren erfolgte nicht zufällig.
dukten tun.
Er war eine Folge der eindeutigen Entscheidung der
internationalen Staatengemeinschaft am Ende des Auch sollten wir nicht die Bedeutung der zwei Drittel
Zweiten Weltkriegs, sich mit den in der Vergangenheit der Weltbevölkerung umfassenden Entwicklungslängemachten Fehlern auseinanderzusetzen und Institu- der als potentielle Abnehmer landwirtschaftlicher Protionen aufzubauen, die ein liberales Gefälle des Welt- dukte übersehen. Wenn wir weitere Fortschritte machen
wirtschaftssystems gewährleisteten.
wollen, muß über alles verhandelt werden.
Daher wurde 1947 das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen ins Leben gerufen, das bei der Festsetzung der Spielregeln eine unerläßliche Rolle übernommen hat. Ohne das GATT hätten uns Handelskriege
und Fehlschläge des Systems wahrscheinlich schon
vor langer Zeit heimgesucht.

Es wäre darüber hinaus ein - wenn auch bequemer Fehler uns vorzumachen, daß die Landwirtschaftsreform einzig und allein oder hauptsächlich von internationalen Überlegungen geleitet wird. Die wirkliche
Triebkraft liegt im Inland. Als Nationen können wir es
uns einfach nicht mehr leisten, die landwirtschaftliche
Aber selbst die effizienteste Maschinerie mu ß von Zeit Produktion auf dieselbe Art und Weise und in demselzu Zeit gewartet werden. Trotz einer Folge von Han- ben Umfang zu subventionieren wie in der Vergangendelsgesprächen im Verlauf der Jahre bedarf das GATT heit.
einer gründlichen Überholung. Nichttarifäre Handels- Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten die
hemmnisse haben sich vervielfacht und bewirken jetzt vom Steuerzahler unterstützten Landwirtschaftssubeine ernsthafte Verzerrung des Handelssystems. Das ventionen in den achtziger Jahren von 26 Milliarden
GATT muß sich damit befassen.
Dollar auf 6,5 Milliarden Dollar gesenkt, obwohl der
Trend
sich jetzt wieder umkehrt. Die berühmten ButDarüber hinaus gibt es überhaupt keine GATT-Regeln
terberge
und Weinseen - nicht der internationale Druck
für die Bereiche, die proportional einen immer größehaben
die
Europäische Gemeinschaft zu einer Reren Teil des Welthandels ausmachen - Dienstleistunform
ihrer
Gemeinsamen
Agrarpolitik veranlaßt. Als
gen, Investitionen, geistiges Eigentum und LandwirtSteuerzahler
bringen
die
Europäer
jedes Jahr 47 Milschaft. Und selbst wo Regeln existieren, können sie in
liarden
Dollar
für
Landwirtschaftssubventionen
auf, als
vielen Fällen nicht angemessen durchgesetzt werden.
Konsumenten
zahlen
die
Europäer
nochmals
ungeSie müssen gestärkt und bessere Wege gefunden
fähr
84
Milliarden
Dollar.
werden, um Steitfälle gerecht und unverzüglich zu
lösen.
Die Uruguay-Runde ist also nicht nur eine weitere
Übung zur Senkung von Zöllen. Sie ist zweifellos die
ehrgeizigste und umfassendste Runde von HandelsSeite2

Nebenbei gesagt möchte ich hier nicht vorgeben, ein
freier internationaler Markt sei aus moralischer Sicht
dringend geboten. Das ist er nicht einmal in wirtschaftlicher Hinsicht. Subventionen werden aus allen mög-

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�liehen Gründen und in den verschiedensten Formen
gewährt. Um einen Vergleich anzustellen .könnte man
nationale Steuerkodizes oder Energiekosten als Subventionen bezeichnen - oder als Bestrafung. Subventionen können aus Gründen der nationalen Sicherheit
gerechtfertigt sein - beispielsweise bei der Beschaffung im Verteidigungswesen - oder aus sozialen Gründen, beispielsweise im Kohlebergbau. Wenn es um
Subventionen geht, gibt es keinen erkennbaren Heiligen auf der Welt.
Das Problem mit den Subventionen besteht jedoch
darin, da ß sie rasch zu Ansprüchen werden, und selbst
wenn sich ihr Zweck überlebt hat sie bereits so tief im
Wirtschafts- und Haushaltssystem verwurzelt sind,
daß ihre Abschaffung oder auch nur ihre Kürzung als
Gefährdung der bestehenden Ordnung angesehen
wird, die ihren eigenen Charakter und auf dieser Grundlage wirkliche Erwartungen entwickelt hat. In politischer Hinsicht ist es nahezu unmöglich, die innenpolitischen oder internationalen Verzerrungen von Subventionen anzusprechen, wenn man nicht nachweisen
kann, daß ein größerer oder umfassenderer Gewinn
erzielt werden kann.
Dies ist der Fall bei dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen in den Vereinigten Staaten und dem
Binnenmarkt in Europa. Nicht jeder, aber die überwiegende Mehrheit hat davon einen Vorteil. Dasselbe gilt
für die Uruguay-Runde, wo es Absprachen mit dem
Landwirtschaftssektor sowie zwischen dem Landwirtschaftssektor und anderen Wirtschaftsbereichen wie
dem Dienstleistungssektor gibt. Dies ist die Quintessenz des Fast-track-Mandats des Präsidenten: Die
größeren Gewinne gibt es nur in einem Gesamtpaket.
Von Anfang an war man sich bewußt, daß ein Landwirtschaftsabkommen zwischen Amerika und der EG
- die zusammen nahezu 40 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte der Welt exportieren - der Dreh- und
Angelpunkt einer erfolgreichen Uruguay-Runde wäre.
Das schließlich im November letzten Jahres in Blair
House nach fast einjährigen äußerst schwierigen
Verhandlungen erzielte Abkommen ist nicht so wertreichend, wie wir das gewünscht hätten. Die Exportsubventionen würden um lediglich 21 Prozent gekürzt das liegt unter den vom GATT-Sekretariat empfohlenen 24 Prozent und ganz entschieden unter den 100
Prozent, die wir und viele andere anfangs zu erreichen
versuchten. Meines Erachtens stellt es jedoch einen
vernünftigen Kompromiß dar.
Trotz der gegenwärtigen Pattsituation in Genf haben
wir noch die Hoffnung, daß die Abkommen von Blair
House zu dem Schlüssel werden, der die Tür zu
werteren Verhandlungen öffnet, während sie andere
Länder wie beispielsweise Japan ihrerseits zu Angeboten im Bereich der Landwirtschaft ermutigen.
Zu diesem für die Uruguay-Runde entscheidenden
Zeitpunkt überprüft die Clinton-Administration erneut

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die Angelegenheit und konsultiert mit ihren Hauptverhandlungspartnern. Nur drei Wochen nach seiner
Amtsübernahme wird der neue US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor diesen Donnerstag mit Sir Leon
Brrttan zusammentreffen. Und in drei Wochen läuft
das Fast-track-Mandat des Präsidenten rechtskräftig
aus. Nach sechs langen Verhandlungsjahren, in denen
die Vereinigten Staaten an der Spitze der Bemühungen um einen Abschluß der Uruguay-Runde standen,
sucht Präsident Clinton nach einem eindeutigen Signal
dafür, daß Europa ebenso bereit ist wie Amerika, die
für einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
nötigen schwierigen Entscheidungen zu treffen. Bis
jetzt hat die Aussicht, schwierige Entscheidungen treffen
zu müssen, nicht zu einem Abkommen, sondern nur
zur Aufschiebung geführt.
Meines Erachtens besteht die Tendenz, die Differenzen über die Handelspolitik zwischen den demokratischen und republikanischen Administrationen zu überschätzen. Beide haben beständig die Liberalisierung
des Handels unterstützt und Präsident Clinton hat
klargemacht, daß er diese Tradition fortsetzen wird. Er
ist bereit, zur Öffnung der Märkte die Handelsschranken zu senken, wenn andere seinem Beispiel folgen.
Sollte dies nicht der Fall sein, ist er bereit, zur Sicherstellung gleicher Chancen unsere Handelsgesetze
durchzusetzen. Die jüngsten Aktionen im Stahlbereich und bei der staatlichen Beschaffung sind hierfür
Beispiele.
Vom Standpunkt Washingtons aus sind nicht die Vereinigten Staaten mit ihrem riesigen offenen Markt die
Verfechter des Protektionismus. Wenn man am Ufer
des Potomac steht, erscheint das Ausland protektionistisch und viele Länder scheinen bereit, sich unsere
Offenheit zunutze zu machen, aber nur wenige gewillt,
anderen dieselben Privilegien einzuräumen. Das muß
aufhören.
Meine Sorge über Washington bezieht sich nicht auf
die protektionistische Mentalität, sondern auf die steigende Frustration, daß sechs Jahre multilateraler
Verhandlungen nicht zu einem gerechten Handesabkommen geführt haben, so daß zu Hause die Bereitschaft wächst, die Ungerechtigkeiten auf unilateraler
Ebene zu bewältigen. So verständlich dieser Ansatz
auch sein mag, er lad zur Vergeltung ein, die ihrerseits
wieder zu Vergeltung führt, und so driftet die Welt in
Richtung nationaler Maßnahmen und kleinerer Märkte. Wir alle haben eine lange Zeit am Rande dieses
Abgrunds gestanden.
Es wurden Parallelen zwischen unserer jetzigen Situation und den dreißiger Jahren gezogen, als die wirtschaftliche Misere die Nationen dazu verleitete, den
genau das Gegenteil bewirkenden Fehler des konkurrierenden Protektionismus zu begehen. Ich glaube
nicht, daß wir zur Wiederholung dieser Geschichte
verurteilt sind. Wir haben meiner Meinung nach unsere Lektion gelernt...

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�HANDEL
17. Februar 1993

KONGRESS WIRD FAST-TRACK-MANDAT
WAHRSCHEINLICH AN BEDINGUNGEN KNÜPFEN
Antrag auf einjährige Verlängerung erwartet

WASHINGTON - (AD) - Falls der Kongreß dem erwarteten Antrag Präsident Clintons auf Verlängerung der
Fast-track-Verhandlungsvollmacht stattgibt, wird er
dies wahrscheinlich mit gewissen Bedingungen verknüpfen, insbesondere der Wiedereinführung des Super
301-Gesetzes, erklären Mitarbeiter des Kongresses.
"Es ist noch kein Handelsgesetz ohne Zusätze verabschiedet worden", stellte der parlamentarische Assistent von Senator Jay Rockefeiler, William Reinsch,
am 12. Februar 1993 fest. Reinschs Stellungnahme
erfolgte einen Tag nachdem der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor bekanntgegeben hatte, daß Clinton eine Verlängern ng des Fast-track-M andats anstreben werde, um die seit langem auf der Stelle tretende
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche
abzuschließen, die bereits sechseinhalb Jahre andauert.
Im Rahmen des Fast track muß der Kongreß ein
ausgehandeltes Handelsabkommen innerhalb gewisser Fristen und ohne Zusätze verabschieden oder
ablehnen. Unter den Teilnehmern an der UruguayRunde herrscht Übereinstimmung, daß eine endgültige Einigung nicht vordem 2. März 1993 erzielt werden
kann, dem Tag, an dem die bestehende Fast-trackVollmacht ausläuft.
Rockefeiler prognostiziert, Clinton werde eine einjährige Verlängerung beantragen, so Reinsch. Ein Mitarbeiter der Demokraten im Senat äußerte die gleiche
Erwartung.
In Kongreßkreisen wurde erklärt, der Handelskommissar der Europäischen Gemeinschaft, Sir Leon Brittan,
der am 11. und 12. Februar 1993 Washington besuchte, habe in vertraulichen Unterredungen auf eine
wesentlich kürzere Verlängerung, nämlich um zwei
oder drei Monate, gedrängt.
In den letzten Wochen hat Senator Max Baucus, der
Vorsitzende des Handelsunterausschusses des Se-

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natsfinanzausschusses, von einer sechsmonatigen
Verlängerung gesprochen, während der Vorsitzende
des Finanzausschusses selbst, Senator Patrick Moynihan, diesen Quellen zufolge zwei Jahre erwähnt hat.
Ein Mitarbeiter erklärte, Baucus könnte einem Gesetzentwurf zustimmen, der für bilaterale Handelsgespräche eine größere Verlängerung des Fast-track-Mandats vorsehe als für die multilaterale Uruguay-Runde.
Baucus ist energischer Befürworter einer erfolgreichen Uruguay-Runde, während zahlreiche andere
Kongreßmitglieder, nach deren Einschätzung diese
Verhandlungen für die amerikanische Wirtschaft bisher wenig Vorteile gebracht haben, bilaterale Lösungen der amerikanischen Handelsprobleme bevorzugen.
Einige Mitglieder wünschen darüber hinaus starke
einseitige Abhilfemaßnahmen für Handelsprobleme.
Baucus hat bereits eine Gesetzesvorlage eingebracht,
die eine Wiedereinführung der Super 301-Bestimmung des US-Handelsgesetzes auf fünf Jahre vorsieht. Die von den amerikanischen Handelspartnern
verurteilte Super 301-Bestimmung mit der darin enthaltenen offenen Androhung von Vergeltungsmaßnahmen hat vor ihrem Auslaufen im Jahr 1990 erfolgreich Märkte in Japan, Brasilien, Südkorea und Taiwan
geöffnet.
Von Baucus wird erwartet, daß er sich nachdrücklich
um die Verknüpfung seiner Super 301 -Vorlage mit der
Verlängerung des Fast track einsetzen wird. Er hat
einen weiteren Gesetzentwurf eingebracht, der bei
Verletzungen von Handelsabkommen Vergeltungsmaßnahmen vorsieht, und könnte anstreben, auch
dieses Vorhaben mit dem Fast track zu verbinden.
Im Repräsentantenhaus ist Mehrheitsführer Dick
Gephard Berichten zufolge dabei, seine Strategie im
Handelsbereich zu überprüfen. Niemand im Repräsentantenhaus wollte sich an Spekulationen über
mögliche Zusätze zum Fast-track-Mandat beteiligen.

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�Ein Indiz könnte jedoch die Zahl von Handelsgesetzen Verlängerung wird es sicherlich am einfachsten masein, die 1992 vom Repräsentantenhaus verabschie- chen, ein Abkommen zu erzielen", so Brittan.
det wurden, jedoch keine Gesetzeskraft erlangten.
Die Geschichte ist jedoch nicht auf seiner Seite. Zu
Mit 280 zu 145 Stimmen verabschiedete das Haus ein Beginn der Uruguay-Runde im Jahr 1986 hatte Präsiwichtiges Gesetz, das Super 301 einbezog, sowie dent Reagan um das Fast-track-Mandat gebeten. Es
mehrere auf Japan abzielende Bestimmungen: zur wurde ihm schließlich im August 1988 innerhalb des
Begrenzung japanischer Automobilexporte in die Ver- 1100seitigen Allgemeinen Handels- und Wettbewerbseinigten Staaten und um Druck auf Japan zur Beseiti- gesetzes von 1988 gewährt, das von neun Senatsausgung von Importschranken gegen amerikanischen Reis, schüssen, 11 Ausschüssen des Repräsentantenhauamerikanische Automobile und Ersatzteile auszuü- ses und 17 Vermittlungsunterausschüssen von Senat
und Repräsentantenhaus erarbeitet worden war.
ben.
Ein weiteres 1992 vom Repräsentantenhaus verab- Rockefeller-Mitarbeiter Reinsch prognostizierte, die
schiedetes Gesetz sah eine Erhöhung der Einfuhrzölle Mitglieder des Kongresses würden der Verlängerung
auf japanische Kleinbusse von 2,5 auf 25 Prozent vor. des Fast track zustimmen, auch wenn ihnen weder die
Fortsetzung der Uruguay-Runde noch die Preisgabe
Ein im Jahr 1992 zweimal vom Repräsentantenhaus eines Teils der verfassungsmäßigen Macht des Konverabschiedeter Gesetzentwurf hätte neuen, im Aus- gresses zur Regelung des Handels sehr gefalle. Die
land mit Subventionen gebauten Schiffen das Anlau- meisten Parlamentarier mögen es überdies nicht, wie
fen amerikanischer Häfen untersagt. Die treibende das Fast-track-Mandat die verbleibende Macht des
Kraft hinter diesem Gesetzentwurf, der Vorsitzende Kongresses im Haushaltsausschuß des Repräsentandes Handelsunterausschusses im Haushaltsausschuß tenhauses sowie im Finanzausschuß des Senats
des Repräsentantenhauses, Sam Gibbons, hat be- konzentriert, fügte er hinzu.
reits begonnen, den Entwurf für eine Neuvorlage zu
überarbeiten.
Trotzdem werden sie Reinsch zufolge der Verlängerung wahrscheinlich zustimmen, weil dies dem Wunsch
In einer Pressekonferenz am 12. Februar erklärte Präsident Clintons entspreche. Darüber hinaus würBrittan seine Präferenz für die Verabschiedung eines den sie versuchen, die von ihnen befürworteten Zusätgestrafften Gesetzentwurfs durch den Kongreß um ze anzubringen. "Die Leute werden versuchen, soviel
der Uruguay-Runde willen. "Eine nicht überfrachtete wie möglich hinzuzufügen", erklärte Reinsch.

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�FRAUEN
17. Februar 1993

FRAUSEIN IN DEN NEUNZIGER JAHREN:
EIN DRAHTSEILAKT
von Rosalyn Wiggins Berne
In der bei FOCUS Women's Week, Charlottesville (Virginia), am 4. Oktober 1990 gehaltenen Rede erläutert die
Verfasserin, wie sich die amerikanische Gesellschaft verändern muß, um den Bedürfnissen berufstätiger
Frauen, ihrer Ehemänner und Kinder gerecht zu werden und zeigt Wege auf, wie diese Familien einen Ausgleich
zwischen den Ansprüchen von Arbeit und Familie schaffen.
Die Autorin ist Forschungsassistentin am Olsson Center for the Study of Applied Ethics der University of Virginia
Darden School.
Die nachfolgende Rede darf nur ungekürzt mit folgendem Zusatz veröffentlicht werden: Mit freundlicher
Genehmigung von Rosalyn W. Berne und Vital Speeches of the Day. Copyright (c) 1990 Rosalyn W. Berne.

Ich habe meinem Babysitter gegenüber erwähnt, daß
ich heute abend vor Ihnen sprechen werde. Nachdem
ich ihr das Thema erläutert hatte, sah sie mich etwas
verwundert an, also versuchte ich einen anderen Ansatz
und fragte sie, ob ihre Mutter außer Haus tätig war, als
sie und ihre Geschwister aufwuchsen. Sie zögerte
einen Moment und antworte dann: "Nun, ich nehme
an. In jenen Tagen hatten wir kein fließendes Wasser,
also holte sie Wasser aus dem Brunnen unten im Dorf.
Wir hatten Ofenheizung, also trug sie Holz herauf zum
Haus. Sie mußte die ganze Wäsche machen, die
Hühner füttern und den Garten bestellen und all das,
also denke ich, man könnte sagen, daß sie immer
gearbeitet hat." Unser Babysitter ist 40 Jahre alt.
"Jene Tage" lagen für sie nicht allzulange zurück.
Nachdem ich ihr zugehört hatte, wurde mir bewußt,
daß meine heute abend an Sie gerichteten Worte nicht
auf alle Frauen Anwendung finden. Das Thema betrifft
Frauen, die eine Wahl haben. Und obwohl wir theoretisch alle die Wahl haben, gibt es für einige von uns
praktisch keine.
Meine heute abend vorgetragenen Gedanken sind das
Ergebnis eines ziemlich umfassenden Studiums der
jüngsten Literatur zu diesem Thema, von Interviews,
die ich mit zwanzig Frauen geführt habe sowie meiner
persönlichen und beruflichen Erfahrung.
1954 schrieb Ann Morrow Lindberg Gifts From the
Sea und stellte folgendes fest:
"Was für einen Drahtseilakt Frauen jeden Tag
unseres Lebens vollführen. Ein Trapezkünstler
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ist nichts dagegen. Sehen Sie uns an. Wir
balancieren jeden Tag mit einem Stapel Bücher
auf dem Kopf auf einem Drahtseil. Kinderwagen, Sonnenschirm, Küchenstuhl - alles unter
Kontrolle. Ruhig jetzt! Es ist nicht das einfache,
sondern das Leben in seiner Vielfalt, vor dem
uns die klugen Manne warnen. Es führt nicht zu
Vereinigung, sondern zu Zersplitterung. Es
birgt keinen Charme, es zerstört die Seele. Und
ich gelange zwangsläufig zu der Schlußfolgerung: Dies gilt nicht nur für mein Leben, es ist
das Leben von Millionen Frauen in Amerika. Ich
betone Amerika, weil die amerikanische Frau
heute mehr als jede andere Frau das Privileg
hat, sich für ein solches Leben zu entscheiden."
Als diese Worte vor 35 Jahren gedruckt wurden, war
die Welt ein völlig anderer Ort. Die Rollen von Männern
und Frauen waren klar definiert. Und obwohl es
sicherlich Frauen gab, die Pionierarbeit bei ihrer beruflichen Laufbahn leisteten, waren die meisten von keinem Zweifel getrübt, daß ihre Hauptaufgabe in der
Familie bestand. Wenn sie aus finanziellen Gründen
Geld verdienen mußten, taten sie es. Die Konzentration lag jedoch nicht auf unserer persönlichen Entwicklung, sondern vielmehr auf dem Engagement der
Frauen im Haushalt. Wohlhabende Frauen, die bei der
Verfolgung ihrer Karriere einiges riskierten, wurden
nicht ernst genommen, sondern eher als etwas Neues,
"ganz Hübsches", angesehen. In jenen Tagen wurden
Frauen zur Heirat ermutigt, damit sie versorgt wären,
und eine gute Partie zu machen, bedeutete, einen
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�Mann zu finden, der es geschafft hatte, so daß man
nicht arbeiten mußte. Frauen der Mittelschicht, die
arbeiteten, taten dies aus wirtschaftlicher Notwendigkeit und riskierten das Stigma, ihre Männer hätten nicht
genug Erfolg, um es ihnen ermöglichen zu können, zu
Hause zu bleiben. Gleichgültig, ob sie aus Vergnügen
oder Notwendigkeit arbeiteten - Frauen waren immer
noch vor allem Mütter und Ehefrauen. Zu jener Zeit
bedeutete die Geburt eines Kindes die Rückkehr vom
Arbeitsplatz in den Haushalt, und in den meisten Fällen
blieben wir mit unseren Kleinen solange zu Hause, bis
sie eingeschult wurden. Frauen arbeiteten bewußt aus
persönlicher und gesellschaftlicher Verpflichtung, um
ihre Verantwortung für die Familie und Gesellschaft zu
erfüllen. In diesem Umfeld schrieb Lindberg über die
Zersplitterung und Vielfalt des Lebens der Frau. Stellen Sie sich vor, was sie zu sagen hätte, wenn sie heute
schreiben würde.

ze liegendes Einkommen. Heutzutage herrscht in
weniger als9,9 Prozent der amerikanischen Haushalte
eine Situation, in der der Mann Geld verdient und die
Frau zu Hause den Haushalt führt und die Kinder
versorgt.

Wenn ich heute an einem Wochentag mit meinem
Sohn zu dem Spielplatz in der Nachbarschaft gehe,
finden wir leere Schaukeln, ruhige Bänke und Einsamkeit. Vor 35 Jahren wäre derselbe Park vom Lärm
spielender Kinder, schreiender Babys und plaudernder Frauen erfüllt gewesen, deren Diskussionen sich
darum gedreht hätten, sich gegenseitig in dem von
ihnen geführten Leben zu bestärken. Heute nicht.
Heute spielen die meisten Kinder in Tagesstätten oder
im Hinterhof bei ihrem Babysitter.

Das Privilegium der Wahlfreiheit hat jedoch einen
bitteren Nachgeschmack, denn die Wahlfreiheit bringt
auch die natürliche Verpflichtung und den Wunsch mit
sich, sich zu entscheiden. Obwohl unsere Wahlfreiheit
uns Freiheit gebracht hat, hat sie unser Leben auch
hektischer, bruchstückhafter und komplizierter gemacht.
Harte Arbeit ist für Frauen nichts Neues. Im Gegenteil:
In vielerlei Hinsicht war das Leben in der Vergangenheit noch viel härter. Der Streß der heutigen Zeit ist
anders als das Leid der Vergangenheit. Die Lasten,
die wir heute tragen, sind mehr psychischer als physischer Natur. Heutzutage geht es mehr um eine
unklare Rollendefinition, um Schuld, mangelnde Unterstützung und den emotionalen Streß eines von
zahlreichen widersprüchlichen Verpflichtungen gekennzeichneten Lebens.

Das Leben heute unterscheidet sich beträchtlich von
den Tagen, als unsere Mütter die Kinderwagen in den
Park schoben. Soweit ich das beurteilen kann, ist es
eine sehr viel kompliziertere Welt, besonders für
amerikanische Frauen. Wir haben nicht nur einen
Stapel Bücher auf dem Kopf, der sich mit Familie und
Haushalt befaßt, sondern alle Hände voll mit unserer
Karriere zu tun. Heute sind über 80 Prozent der
berufstätigen Frauen auch Mütter und führen ihren
Haushalt. Ob dieser Lebensstil aus wirtschaftlicher
Notwendigkeit, wirtschaftlicher Präferenz oder aus
dem Wunsch nach beruflichem Fortschritt und intellektueller Erfüllung gewählt wurde - die Wahl ist getroffen.
Und mit dieser Wahl haben wir uns schwierige und
mühselige Konsequenzen eingehandelt.

Das ist eine Tatsache. Tatsache ist aber auch, daß
Frauen in wirtschaftlicher und beruflicher Hinsicht mehr
Chancen haben als je zuvor. Wir haben mehr Möglichkeiten, unsere Rolle als Individuum und als Frau zu
definieren. Wir haben, was unseren Beruf, unseren
Partner, unseren Nachwuchs und unseren Lebensstil
betrifft viel mehr Entscheidungsfreiheit. Vor 35 Jahren
wäre es fürunsere Mütter schwierig, umnichtzu sagen
unmöglich gewesen, einen M.B.A. zu erwerben, Ärztin, Steuerberaterin, Geistliche, Elektrikerin, Computerfachfrau, Zahnärztin oder Nachrichtensprecherin
zu werden.

In der Vergangenheit hatten nur sehr wenige Frauen
die Wahlfreiheit, die wir heute genießen, und machten
auch von ihr Gebrauch. Heutzutage sind mehr Frauen
gleichberechtigte oder wichtigste Geldverdiener in einem
Haushalt. Aufgrund des Anstiegs der Lebenshaltungskosten müssen zwei Familienmitglieder Geld
verdienen, damit wir den Lebensstandard beibehalten
können, den wir von unseren Eltern gewöhnt sind.
Daher stehen Frauen unterdem Druck, Geld zu verdienen und den Haushalt zu führen. Der Umfang und die
Schwierigkeit der Rolle der Frau in unserer Zeit gehen
Halten Sie sich die folgende Statistik vor Augen:
weit über das hinaus, was unsere Eltern sich vorgeDie Zahl berufstätiger Frauen mit Kindern unter einem stellt haben, als sie vor 30,40 oder 50 Jahren erwachJahr stieg im letzten Jahrzehnt um 70 Prozent. 73 sen wurden.
Prozent aller berufstätigen Frauen sind im geburtsfähigen Alter und Frauen mit Kindern unter sechs Jahren Das Problem besteht nicht darin, daß wir Wahlfreiheit
sind der am schnellsten wachsende Teil des Arbeits- haben. Die meisten Frauen sind wohl den Frauen
kräftepotentials. Die Zahl der geschiedenen, verwit- dankbar, die in früheren Zeiten mit Hingabe, Schweiß
weten oder alleinlebenden berufstätigen Frauen mit und Tränen die Chancen erkämpft haben, die wir heute
Kindern unter 18 Jahren stieg zwischen 1971 und 1982 haben. Die meisten von uns nutzen begeistert die sich
um 76 Prozent. Im Jahr 1984 waren 11 Millionen uns bietenden Möglichkeiten. Der technologische
Männer und 6 Millionen Frauen die alleinigen Geldver- Fortschritt hat uns soviel Zeit gegeben, wie unsere
diener in ihrer Familie. In nahezu 20 Prozent aller Großmütter nie hatten. Das Problem liegt darin, daß
amerikanischen Familien ist eine Frau der Ernährer, wir in dieser Zeit unsere neugewonnenen Optionen
und ein Drittel von ihnen hat ein unter der Armutsgren- genutzt haben und versuchen, einen Ehemann, KinSeite2

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�der, Arbeit für das Gemeinwohl, Einkaufen, Wäschewaschen, Reparaturen im Haus, Kochen, politische
Tätigkeit, Elternpflegschaftssitzungen und Karriere
unter einen Hut zu bringen. Eine Karriere, bei der
Frauen Gleichberechtigung fordern, was bedeutet,
daß sie ebenso wie die Männer 50 oder 60 Stunden pro
Woche arbeiten, um auf derselben Ebene wie Männer
Erfolg zu haben. Die Frauen von heute fahren Autos,
Traktoren, Schiffe und Einkaufswagen. Sie tragen
Monteuranzüge, maßgeschneiderte Kostüme, Schürzen und Umstandskleider. Sie tragen Aktenkoffer,
Einkaufstaschen und Kettensägen, Ziegelsteine, Staubsaugerund Taschenrechner, Aktenordner und Babys.
Vor 35 Jahren schrieb Anne Morrow Lindberg:
"Eine Frau zu sein bedeutet, Interessen und
Pflichten zu haben, die sich in alle Richtungen
erstrecken, ausgehend vom Mutterherz, wie die
Speichen von der Radnabe ausgehen. Das
Muster unseres Lebens ist hauptsächlich kreisförmig. Wir müssen in alle Himmelsrichtungen
offen sein, gegenüber Ehemann, Kindern, Freunden, dem Heim, der Gesellschaft, wir müssen
ausgestreckt, enthüllt sein, so empfindlich wie
ein Spinnennetz, das auf jeden Windhauch
reagiert. Wie schwierig ist es dann für uns,
inmitten dieser widersprüchlichen Spannungen
ein Gleichgewicht zu finden, und wie wichtig ist
das doch für ein gut funktionierendes Leben."
Das schrieb sie vor einer Generation in einer im
Wandel begriffenen, aber dennoch traditionellen
Gesellschaft. Heute jedoch leben wir inmitten eines
radikalen, gesellschaftlichen Umbruchs, in einer Übergangszeit sich schnell ändernder Rollenvorstellungen,
Verpflichtungen und Erwartungen. Erwartungen, die
andere an uns haben, und Erwartungen, die wir selbst
an uns haben. Den unterschiedlichen Interessen und
Bestrebungen der Frau sind nur wenige natürliche
Grenzen gesetzt, wenn überhaupt...und das ist ein
Traum, der für viele Töchter nur wahr wurde, weil ihre
Mütter hart dafür arbeiteten. Aber dieser Traum birgt
aus verschiedenen Gründen auch Elemente eines
Alptraums. Einmal befinden wir uns mitten in einer
Phase des Umbruchs, in einer sozioökonomischen
Struktur, die noch nicht an die Rollen angepaßt ist, die
wir zu spielen versuchen. Es ist ein Alptraum, weil viele
berufstätige Mütter das Gefühl haben, daß sie alleingelassen werden. Die meisten von uns bekommen
sehr wenig Verständnis von Seiten unserer Arbeitgeber, die nie zuvor gebeten wurden, unser Interesse an
unserer Familie oder unsere Verpflichtungen ihr gegenüber mit uns zu teilen oder sich für unsere Doppelbelastung zu Hause und am Arbeitsplatz zu interessieren. Frauen haben sich viel stärker an die Arbeitswelt
angepaßt als Männer an die Welt des Haushalts und
der Kindererziehung, und Frauen müssen sich vielleicht damit abfinden, daß Männer einfach keine Lust
dazu haben, soviel im Haushalt zu tun wie wir. Paare
mit zwei berufstätigen Partnern und alleinerziehende
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berufstätige Mütter sehen sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, einen Betreuer für ihre Kinder zu finden,
und dann müssen sie sich auch noch fragen, ob die
Betreuung gut ist. Viele von uns haben die zusätzliche
Verpflichtung, sich um ihre alternden Eltern zu kümmern. Berufstätige Frauen benötigen eine flexiblere
Arbeitszeit und wollen sich doch profilieren. Wieviele
von uns kämpfen noch für gleiche Bezahlung und
vergleichbare Anerkennung? Viele Frauen, die sich
den Änderungen anpassen und eine Vielzahl von
Pflichten erfüllen, fragen sich jetzt, ob das, was sie
versuchen, überhaupt möglich ist. Möglich zumindest
ohne die großen Opfer, die eine Begleiterscheinung
bei dem Streben nach diesem Lebensstil zu sein
scheinen.
Achtzig Prozent der berufstätigen Frauen sind Mütter
oder Ehefrauen, die, aus welchem Grund auch immer,
beschlossen haben, zahlreiche und miteinander konkurrierende Rollen zu spielen. Diese Entscheidung
macht ihr Leben streßreich und wenig ausgeglichen,
aber die Vorteile sind offensichtlich. Frauen genießen
mehr wirtschaftliche Vorteile, größere Unabhängigkeit
und ein verstärktes Selbstbewußtsein, das aus dem
Bewußtsein resultiert, in der Arbeitswelt einen wertvollen Beitrag zu leisten. Aber irgendetwas stimmt nicht.
Fast jede der 22 Frauen, mit denen ich sprach, und
nahezu alle von mirgelesenen Bücherund Broschüren
zu diesem Thema lassen auf eine tiefliegende und
weitverbreitete Unzufriedenheit bei denjenigen schließen, die alles bewältigen wollen.
Vielleicht müssen wir als Individuen und als Partner
realistisch sein und nicht nur über die Vorteile, sondern
auch über die notwendigen Opfer im Zusammenhang
mit dieser Entscheidung nachdenken. Wir sollten uns
beispielsweise ganz ehrlich fragen, ob wir das Wohlergehen unserer Kinder auf's Spiel setzen, wenn wir uns
für eine anspruchsvolle Vollzeitkarriere entscheiden.
Ein Amerikaner war dieser Ansicht und verlieh kürzlich
seiner Besorgnis in einem Zeitungsartikel Ausdruck:
"Ich bin der festen Überzeugung, daß viele der
Probleme, die wir mit unseren Kindern haben,
von der Tatsache herrühren, daß unsere Gesellschaft die Mutterschaft nicht mehr schätzt
und achtet. Mutter zu sein und zumindest in den
ersten vier Jahren der Entwicklung des Kindes
zu Hause zu bleiben, hat Frauen, insbesondere
Akademikerinnen, derart gebrandmarkt, daß sie
nicht mehr als vollwertige Person erscheinen.
Unsere Prioritäten haben sich geändert, so daß
wir mehr Wert aufs Geldverdienen oder auf Ichbezogene im Zusammenhang mit unserer Karriere stehende Ziele legen. Wir halten nicht
länger das Einzige, das uns wirkliches Glück
bringen kann, für unsere höchstes Gut - unsere
Kinder. Die Vorstellung, die Gegenwart für die
Zukunft unserer Kinder zu opfern, erscheint
seltsam und veraltet. Wer würde in der heutigen
Welt noch vorschlagen, daß Frauen ihr Leben
Seite 3

�lang Hausfrau sein sollten. Aber wenn nicht unsere Kinder sorgen und unseren Ehemännern eine
Frauen und Männer aller Gesellschaftsschich- fröhliche und liebende Gattin sein.
ten in stärkerem Maße die Bereitschaft zeigen,
regelmäßig an der Entwicklung ihrer Kinder Das Szenarium der perfekten Karrierefrau und Mutter
mitzuwirken, selbst wenn das von ihnen Opfer ist ein brutaler Mythos. Es ist der Mythos der Cläre
erfordert, kann die Regierung nichts tun, unsere Huxtible, der Ehefrau in der populären Cosby-Show im
Abwärtsbewegung hin zu einem Land dritter Femsehen. Cläre Huxtible - eine erfolgreiche Rechtsanwältin, die am Ende eines Tages bei Gericht in ein
Klasse aufzuhalten."
schönes, sauberes, aufgeräumtes Haus zurückkehrt,
Könnte er recht haben? Es handelt sich hier um eine um glückliche, gut angepaßte, lachende Kinder zu
Angst, die die meisten berufstätigen Mütter - bewußt begrüßen. Sie ist die aufopfernde und liebevolle
oder unbewußt - hegen. Es ist nicht erstaunlich, daß Ehefrau eines bewundernden, verständnisvollen
so viele von uns um ihr Gleichgewicht ringen, wenn Mannes. Cläre Huxtible: die Frau mit dem schönen
anscheinend so viel von unseren Entscheidungen Körper, dem strahlenden Lächeln, die stets die Ruhe
abhängt. Aber was ist mit der anderen Seite? Der und Kontrolle bewahrt. Da ist sie und grüßt uns jeden
Seite, die fragt, warum immer die Frau auf ihre Karriere Donnerstag Abend um 8 Uhr - die Verkörperung perfekter Anmut. Sie stellt das vollkommene Gleichgeverzichten soll?
wicht dar, das zu erlangen so viele von uns so verzweiKinder führen fast notwendigerweise dazu, daß die felt bestrebt sind. Die Wahrheit ist: Sie existiert nicht
Frau einen Teil ihrer Karriere aufgibt. Die meisten und kann auch nicht existieren.
Frauen fanden, daß die Wiedereingliederung in die
Arbeitswelt nach einem längeren Mutterschaftsurlaub Jede, die diesen Weg beschritten hat, weiß - irgendwo
äußerst schwierig ist. Im Management tätige Mütter müssen Kompromisse gemacht werden, und sie tut
verzichten wirklich auf die Chance, die oberste Spros- dies. Die Realität ist, daß gute Kinderbetreuung kostse der Karriereleiter im Unternehmen zu erreichen. spielig und sehr schwer zu finden ist. Die Realität ist,
Obwohl 90 Prozent der im Management tätigen Män- daß ehrgeizige ganztägig berufstätige Mütter der
ner Kinder haben, gilt das für nur 35 Prozent ihrer Gesellschaft insgesamt voraus sind, die sich immer
Kolleginnen. In einer Untersuchung aus dem Jahr noch an ihre Präsenz im Erwerbsleben gewöhnen
1986 über die 413 Frauen, die in den größten amerika- muß. Solange dies der Fall ist, werden die meisten
nischen Unternehmen eine führende Position haben, Frauen Schmerz und Frustration zu spüren bekomkam man zu dem Ergebnis, daß der typische Frauen- men. Wir werden uns fragen, warum unsere Arbeitgetyp hierfür 44jährig, verheiratet, kinderlos, protestan- ber nicht verstehen, daß bei dem kranken Baby jetisch und weiß ist und pro Woche weniger als 10 mand zu Hause bleiben muß, und daß wir dieser
Stunden mit Hausarbeit verbringt. Diese Frauen sind jemand sind. Wir werden die Frage stellen, warum es
der Ansicht, daß man um des beruflichen Erfolgs willen so schwierig ist, eine gut bezahlte Teilzeitbeschäftiauf die Mutterschaft verzichten muß.
gung zu finden, die unserem Wissen und unseren
Fähigkeiten entspricht. Und wir werden uns fragen,
Opfern wir gesunde Beziehungen mit unseren Män- warum wir ständig das Gefühl haben, nicht genug zu
nern? Vielleicht nicht. Eine neuere Studie enthüllte, tun, tatsächlich, warum wir versuchen, alles unter
daß der höchste Grad an ehelicher Zufriedenheit bei einen Hut zu bringen. Einem neueren und zunehberufstätigen Paaren festgestellt wurde. Andererseits mend verbreiteten Trend zu folge verlassen erwerbstäkönnten Ehemänner ganztägig berufstätiger Mütter tige Mütter sogar ihren Arbeitsplatz und kehren zu
auch eine zusätzliche Belastung spüren. Auch sie traditionellen familiären Rollen zurück - ein Trend, der
kommen nach Hause und finden Haushaltsarbeiten seine eigenen Opfer und Belohnungen mit sich bringt.
vor, die zu erledigen sind. Es ist mehr Arbeit für Mann
und Frau, wenn sie nach einem vollen Arbeitstag nach Erwerbstätige Frauen, Hausfrauen und Mütter, FrauHause kommen.
en, die beides tun, Ehemänner, Väter, Arbeitgeberund
der Gesetzgeber... befinden sich alle in einer ÜberOb der Kompromiß nun Kindererziehung, Ehe, Karrie- gangsphase - und reagieren langsam auf sich rasch
re oder schlicht Selbstbehauptung oder -erhaltung verändernde Rollen, Erwartungen und Pflichten von
betrifft, Opfer sind unvermeidlich. Hausfrauen und Frauen ebenso wie Männern. Die meisten Männer
Mütter haben mir erzählt, daß es angesichts der ge- müssen auf das von ihren eigenen Vätern, die in einer
genwärtigen sozialen Muster emotional schwierig ist, gänzlich anderen Welt lebten, überlieferte Rollenmoals Vollzeithausfrau voll anerkannt zu werden und in dell zurückgreifen. Aber auf diese Vorbilder kann man
dieser Tätigkeit persönliche Erfüllung zu finden. sich nicht mehr verlassen, und deshalb begeben sich
Ganztägig berufstätige Frauen haben mir erklärt, es auch die Männer auf neues, unerschlossenes Terrain.
sei in der heutigen Kultur einfach unrealistisch anzunehmen, wir könnten in einem Erwerbssektor, der In der Zeitung Chicago Tribüne erschien ein interesgroßen zeitlichen Einsatz belohnt, erfolgreich sein und santer Artikel unter der Überschrift Männer nur schlepam Ende des Tages mit Energie und Begeisterung für pend zur Mithilfe im Haushalt bereit. Der Artikel
beginnt:
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�"Da ist sie, Ms. America. Gekleidet für den
Erfolg. Attachekoffer in der einen Hand, an der
anderen ein Kind im Vorschulalter. Rasche
Aufsteigerin am Arbeitsplatz. Supermutti zu
Hause. Die Frau, die alles hat. Das Modell der
neunziger Jahre. Was sie ebenfalls hat, sind der
Großteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung und ein Mann, der weit geschickter ist, sich vor
seinem fairen Anteil zu drücken als sie dabei, ihn
durch Schmeicheleien, Verhandlungen oder
sanfte Überredung zur Mithilfe zu bewegen."

Wie können Frauen in den neunziger Jahren ein Gleichgewicht finden? Persönlich halte ich dies nicht für
möglich, solange wir uns entschließen, zahlreiche,
miteinander in Konflikt stehende und gesellschaftlich
nicht unterstützte Rollen zu spielen. Was wir tun
können, ist, was Frauen stets getan haben: uns zu
beugen, anzupassen, durchzusetzen und auf die Anforderungen jedes einzelnen Moments zu reagieren
und dann kurz innezuhalten, um uns zu erneuern.

Können wir alles haben? Ja. Wennwirdamitzufrieden
sein können, bei allem, was wir tun, weniger als 100
Der Verfasser fährt fort, daß sich die unterschwelligen Prozent oder auch 85 Prozent zu geben. Wenn wir mit
Gefühle von Männern im Hinblick auf die Übernahme dem Gefühl leben können, daß nichts unsere volle und
von Pflichten im Haushalt viel weniger stark verändert aufopfernde Aufmerksamkeit erhält. Wenn wir bei
haben als die Gefühle der Frauen im Hinblick auf die unseren Standards und Erwartungen Kompromisse
schließen können.
Erlangung einer Identität am Arbeitsplatz.
Auch die Arbeitgeber verwenden überholte Modelle,
die auf dem ethischen Fundament des Rechts auf
Arbeit gründen, wobei das Engagement am Arbeitsplatz an die erste Stelle gesetzt und die Betreuung der
Familie von jemand anderem übernommen wird, dessen Pflicht es ist, sich darum zu kümmern. Die
demographische Entwicklung zwingt jedoch immer
mehr dazu, dieses Thema auf die Tagesordnung zu
setzen, und die Arbeitgeber müssen sich ernsthaft mit
dem wachsenden Anteil von Frauen an der Erwerbsbevölkerung befassen. Heute wird nämlich allgemein
die Prognose vertreten, daß bis zum Jahr 2000 61
Prozent der Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt Frauen sein werden. Das bedeutet, daß Veränderungen
unvermeidlich sind. Steuervergünstigungen für Arbeitgeber, die Familienurlaub, job-sharing, Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeiten anbieten, könnten notwendige Kosten wirtschaftlicher Tätigkeit sein.

Es gab eine Zeit - und sie ist noch nicht einmal lange
her -, daß ich danach trachtete, alles zu haben, und in
diesem Bestreben sehr hart arbeitete. Lassen Sie
mich in einer Zusammenfassung in wenigen Minuten
erläutern, wie ich mich persönlich um Ausgeglichenheit und Vollkommenheit bemüht habe.

Im Oktober 1989, als ich im sechsten Schwangerschaftsmonat war, verließ ich meine Stellung als Leiterin der Zulassungsstelle an der Darden Graduate
School of Business Administration, um die Position der
Stellvertretenden Verwaltungsleiterin an der University of Virginia zu übernehmen. Zu jener Zeit war ich
zugleich Teilzeitdoktorandin im Fach Ethik. Ich weiß
nicht, ob es mein Ego oder pure Torheit war, aber ich
war voll und ganz davon überzeugt, daß ich Mutter
eines Neugeborenen, Doktorandin und Ehefrau sein
und alles gut leisten konnte. Ich arbeitete sehr hart an
dieser Vision. Ich nahm vier Wochen MutterschaftsurAuch die Gesellschaft hinkt hinterher. Meines Erach- laub und kehrte voller Energie an meinen Arbeitsplatz
tens müssen wir Tätigkeit im Haushalt und Kinderer- zurück. Und dann brachten die Betreuer der Kindertaziehung neu bewerten, damit Frauen und Männer, die gesstätte eines Tages sechs Kinder, darunter meinen
sich für diese Rolle entscheiden, genügend soziale Sohn Ari, in den Rundbau, in dem sich mein Büro
Unterstützung haben und es berufstätigen Männern befand. Ich stillte Ari und gab ihn dann dem Betreuer
leichter fällt, ehemals Frauen vorbehaltene Rollen zu zurück. Als sie weggingen - mein Baby, fünf andere
übernehmen. Die Ehe muß weiter entwickelt werden, Kinder und zwei Erwachsene - schössen mir Tränen in
damit berufstätige Paare Vorbilder der Zukunft werden die Augen, und dann wurde ich von einem Gefühl des
können. Vielleicht müssen wir auch fragen, ob wir Schmerzes überwältigt. Ich wurde mir bewußt, wie
unsere Kinder mit Werten aufziehen können, die glei- sehr ich unseren Sohn liebte und daß jemand anderes,
che Pflichten im Haushalt und am Arbeitsplatz vorse- den ich noch nicht einmal kannte, ihn aufzog. Mit
hen. Wäre es nicht hilfreich, wenn wir unseren Söhnen einem Mal brachen all meine Ziele, Träume und Werte
Kochen, Saubermachen und das Wechseln von Win- zusammen, und ich begann die von mir getroffenen
deln mit einem Gefühl der Befriedigung und Wert- Entscheidungen anzuzweifeln. Nach zwei Wochen
schätzung beibringen könnten? Sollten wir nicht auch schmerzhafter Gewissenserforschung und Diskussiounsere Töchter lehren, sich nicht länger für eigene nen mit meinem Mann war mir klar geworden, daß ich
Fehler zu entschuldigen und aufzuhören, unrealisti- einen Weg finden mußte, um mehr Zeit mit Ari zu
schen Normen und selbst auferlegten Schuldgefühlen verbringen. Glücklicherweise stellte mich mein früheanzuhängen? Schuldgefühle darüber, dort draußen rer Arbeitgeber, ein glühender Bewunderer arbeitenzu sein, während jemand anders für unsere Kinder der Mütter, erneut für eine Position mit flexibler Arsorgt. Schuldgefühle wegen staubiger Fensterbretter. beitszeit ein, die meine beruflichen, akademischen
Schuldgefühle darüber, daß wir am Ende des Tages zu und mütterlichen Bedürfnisse unterstützt.
müde sind, um mit unseren Männern und Kindern
"qualitativ hochwertige Zeit" zu verbringen.
AMERIKA DIENST 7

Seite 5

�Die Entscheidung, eine lukrative, ziemlich verantwortungsvolle Vollzeitstelle aufzugeben, um ein Leben als
Mutter mit weniger profilierter beruflicher Stellung zu
führen, war für mich genau die richtige Entscheidung.
Für andere Frauen mag dies jedoch nicht gelten. Es ist
eine individuelle Wahl, und meiner Meinung nach ist es
nicht an sich eine moralisch richtige oder falsche Wahl,
sondern nur eine unter vielen. Aber meine und die
zahlloser anderer Frauen von heute war keine Wahl
ohne Schmerzen und einen gewissen Kummer wegen

der gebrachten Opfer. Wer weiß, welche Auswirkungen dies auf meine künftige Karriere hat? Zum jetzigen
Zeitpunkt werde ich jedoch den geringeren Verdienst
und den niedrigeren Status gerne für die vielen wundervollen Stunden zu Hause mit der Familie und ein
gesunderes, ausgeglicheneres Leben akzeptieren.
Lindberg schließt ihr Buch mit dem Satz: "Wir können
nicht alle schönen Muscheln des Meeres besitzen."
Vielleicht ist dies die Realität für Frauen in den neunziger Jahren.

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AMERIKA DIENST 7

�PORTRAT
17. Februar 1993

FRONTKÄMPFERIN GEGEN DAS VERBRECHEN"
Janet Reno - Clintons designierte Justizministerin

WASHINGTON - (AD) - Mit seiner Nominierung der
Staatsanwältin Janet Reno aus Miami als zukünftige
Justizministerin ist Präsident Clintons Wahl eigenen
Äußerungen zufolge auf eine "Frontkämpferin gegen
das Verbrechen" gefallen, die "sich fürsorglich für die
Allgemeinheit einsetzt".

setzen, "rassische, ethnische oder geschlechtsbedingte Diskriminierung und Disharmonie in Amerika zu
beenden, indem ich Gesetzen Geltung verschaffen
werde, die allen Amerikanern Chancengleichheit sichern und der Gewährung der Bürgerrechte sehr hohe
Priorität einräumen werde".

Reno "hat ihr Leben der Aufgabe geweiht, ihre Gemeinde zu einem sicheren Ort zu machen, Kindern
Kummer und Sorgen zu ersparen, die Gewalt in der
Familie zu bekämpfen und den Familien zu helfen",
erklärte Clinton auf einer Pressekonferenz, bei der er
Janet Renos Nominierung zur Justizministerin bekanntgab. "Sie hat wirklich den Menschen an erste
Stelle gestellt."

Reno erklärte, es sei eines ihrer Ziele, sich der amerikanischen Gesetze zu bedienen, um alles Menschenmögliche dafür zu tun, "Amerikas Kinder vor Mißbrauch und Gewalt zu schützen und jedem von ihnen
die Gelegenheit zu geben, starke, gesunde und unabhängige Bürger zu werden."

Seit 1978 ist die 54jährige Reno Justizministerin in
Dade County (Florida), einer der Regionen der Vereinigten Staaten mit der höchsten Kriminalitätsrate. Ihre
Mitarbeiter beschreiben sie als intelligente, hart arbeitende und engagierte Expertin mit untadeligem Ruf.
Reno ist Clinton zufolge bereit, die Probleme des
Justizministeriums anzugehen, da sie als Chefanklägerin in einer "komplizierten, vielfältigen städtischen
Gemeinschaft" viele Erfolge zu verzeichnen hatte, in
der sie 900 Angestellten, einschließlich 230 Staatsanwälten vorstand, die mehr als 120.000 Fälle pro Jahr
bearbeiteten, 40.000 davon Kapitalverbrechen.
Clinton bezeichnete Reno als "faire" Staatsanwältin,
die mit "innovativen Programmen" zur Bekämpfung
von Verbrechen, Gewalt und Drogenmißbrauch Pionierarbeit geleistet habe. "Sie rief ein landesweit
gepriesenes Drogenprogramm der Gerichte ins Leben" und begann ein "Polizeiprogramm auf Gemeindeebene, das zur Verbrechensbekämpfung in verwahrlosten städtischen Gebieten dienen sollte", so der
Präsident.
Reno erklärte, sie wolle ein Justizministerium aufbauen, das "das Spiegelbild einer Regierung sei, in der die
Menschen aus ganz Amerika an erster Stelle stehen".
Sie versprach, sich im Justizministerium dafür einzu-

AMERIKA DIENST 7

Obwohl Reno, wie sie selbst erklärte, "persönlich gegen
die Todesstrafe ist", hat ihr Büro seit ihrer Tätigkeit als
Staatsanwältin von Dade County 80 Todesurteile wegen
Mordes erwirkt.
"Wenn die Beweislast und das Gesetz die Todesstrafe
rechtfertigen, werde ich sie einfordern, so wie ich es
konsequent getan habe", erklärte sie. "Ich werde in
bestimmten Situationen, so wie es das Gesetz vorschreibt, dafür eintreten, wenn wir solche Strafen
erwirken können."
Reno, die alleine lebt, wurde in Miami geboren und ging
in Dade County zur Schule. Im Jahr 1960 erhielt sie
ihren Bachelor of Arts an der Cornell University und
legte 1963 ihr Juraexamen an der Harvard University
ab. Nach zehnjähriger Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei wurde sie 1978 von Gouverneur Askew zur Staatsanwältin des 11. Gerichtsbezirks von Florida ernannt.
Sie war die erste Staatsanwältin Floridas und wurde
fünfmal wiedergewählt.
Reno ist für ihr Umweltbewußtsein und ihre Leidenschaft für Sport im Freien bekannt, darunter bootfahren, campen und wandern. Sie ist die Tochter der
beiden bereits verstorbenen Journalisten aus Florida,
Henry und Jane Wood Reno. Ihr Vater, ein dänischer
Einwanderer, berichtete 40 Jahre lang im Miami Herald über polizeiliche Aktivitäten.

Seite 1

�Reno war in zahlreichen Ausschüssen und den Einsatzgruppen der Amerikanischen Anwaltsvereinigung
(American Bar Association - ABA) tätig. 1992 wirkte
sie in der ABA-Einsatzgruppe mit, um eine Strategie
zur Beseitigung rassischer und ethnischer Befangenheit aus dem Rechtssystem auszuarbeiten. 1988 war
sie Mitglied der landesweiten AIDS-Einsatzgruppe.

Figur im Bundesstaat Florida", schrieb H.T. Smith, ein
renommierter afroamerikanischer Rechtsanwalt aus
Miami in einem Artikel der Washington Post. "Sie ruft
jeden zurück, der sie anruft. Ihre Präsenz ist in der
ganzen Gemeinde zu spüren. Die Menschen haben
das Gefühl, daß sie mit ihren Problemen zu ihr kommen können... Ich war einer ihrer schärfsten Kritiker,
und in den letzten 12 Jahren hat sie mich davon
Reno ist in ganz Florida wegen ihres Dienstes an der überzeugt, daß sie grundehrlich ist, daß Rasse und
Anwaltschaft und an der Gemeinschaft bekannt. 1980 Geschlecht bei ihren Entscheidungen in personalpoliwurde sie von der Grand Jury Association zur Bürgerin tischer Hinsicht und vor Gericht keine Rolle spielen."
des Jahres ernannt. 1990 wurde sie vom Miami-DadeZweig der Nationalen Vereinigung der Sozialarbeiter Reno "betrachtet das Gesetz fast als Religion", sagte
zur Bürgerin des Jahres aus dem öffentlichen Leben Sandy D'Alemberte, Rechtsanwalt aus Miami, in eiernannt.
nem Interview der New York Times. "Sie glaubt
wirklich, daß ihre Tätigkeit in der Justiz eine Berufung
Einige von Renos Mitarbeitern bezeichnen ihre politi- ist und sie die Aufgabe hat, unser System gerechter zu
schen Fähigkeiten als ihr hervorstechendstes Merk- gestalten."
mal. Reno ist "die am besten zugängliche politische

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AMERIKA DIENST 7

�PORTRAT
17. Februar 1993

BARTHOLOMEW ZUM SONDERGESANDTEN FÜR
BOSNIENGESPRÄCHE ERNANNT
Porträt von Botschafter Reginald Bartholomew

WASHINGTON - (AD) - Botschafter Reginald Bartholomew, der am 10. Februar 1993 zum amerikanischen
Sondergesandten für die von den internationalen
Schlichtern Cyrus Vance und Lord David Owen geleiteten Friedensverhandlungen ernannt wurde, ist seit
dem 20. Juli 1992 Ständiger Vertreter der Vereinigten
Staaten bei der NATO in Brüssel.
1989 war Bartholomew zum Staatssekretär für internationale Sicherheitsfragen berufen worden. Dabei
war er für Rüstungskontrolle, Nichtverbreitung, Militärhilfe und Waffenlieferungen, nukleare Angelegenheiten, Technologietransfer und -kontrollen, wissenschaftliche und technologische Angelegenheiten sowie andere
internationale Sicherheitsfragen zuständig.
Bartholomew war von 1986 bis 1989 Botschafter in
Spanien und von 1983 bis 1986 Botschafter im Libanon.

Büros für militärpolitische Angelegenheiten im USAußenministerium.
Von 1968 bis 1974 war Bartholomew im höheren
Dienst des Verteidigungsministeriums tätig. Zu seinen
Verwendungen gehörten die des Leiters des politischen Planungsstabes im Büro *ür internationale Sicherheitsangelegenheiten sowie des Leiters der Expertengruppe im Pentagon für die Beiderseitigen und
Ausgewogenen Truppenreduzierungen (MBFR).
Zu seinen jüngsten Auszeichnungen irn Staatsdienst
zählen in den Jahren 1986 und 1988 verliehene P-esidential Meritorious Service Awards sowie im Jahr 1990
der Presidential Distinguished Service Award.
Vor seinem Eintritt in den Staatsdienst lehrte Bartholomew 1963-64 Sozialwissenschaften an der University
of Chicago und war von 1964 bis 1968 Dozent für
Staatswissenschaften an der Wesleyan University.

1982 und 1983 war er im Rang eines Botschafters
amerikanischer Sonderunterhändler für die Verhandlungen über militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und
Griechenland. 1981-82 diente er im Außenministerium als Sonderkoordinator für Zypern.

Bartholomew erhielt 1958 am Dartmouth College einen Bachelor of Arts, studierte von 1958 bis 1961
Politologie an der University of Chicago und erhielt
1960 seinen M.A. im Fach internationale Beziehungen. Er ist Mitglied des Council on Foreign Relations
sowie des International Institute for Strategie Studies.
1979-81 fungierte Bartholomew als Abteilungsleiter im Bartholomew wurde 1985 von der Wesleyan UniversiAußenministerium und Leiter des Büros für militärpo- ty sowie 1987 vom Hobart and William Smith College
die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaften
litische Angelegenheiten.
verliehen.
1977-79 war er zum Nationalen Sicherheitsrat abgeordnet und leitete Operationen in Zusammenhang mit Bartholomew wurde am 17. Februar 1936 in Portland
den Ost-West-Beziehungen, der UdSSR und Osteuro- (Maine) geboren. Er lebt mit seiner Frau Rose-Ann,
pa.
geb. Dognin, in Washington. Das Ehepaar hat vier
Kinder.
Von 1974 bis 1977 war er Erster Stellvertretender
Leiter des politischen Planungsstabes und danach des
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und
Dokumentation

08-85432

5

17. März 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am
12. März 1976 Kissinger zieht außenpolitische Bilanz
- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976

HINTERGRUNDMATERIAL:

Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

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Telex:

0 8 - 8 54 3 2

5/1976

PRÄSIDENT FORD ZUR AUSSENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -

CHICAGO - (AD) - Präsident Ford hat in einer vielbeachteten Rede vor dem
Chicago Council of Foreign Relations am 12. März 1976 die großen Linien der
amerikanischen Außenpolitik aufgezeigt. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihre Fragen zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten zu beantworten.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, hat

Ihre Organisation sehr viel früher als jeder andere Amerikaner die Bedeutung
der internationalen Rolle erkannt, die der Verlauf der Geschichte unserem Lande aufgebürdet hat.
Seit über einem halben Jahrhundert haben Sie wesentlich dazu beigetragen,
daß unsere Bürger die außenpolitischen Probleme der Vereinigten Staaten besser
verstanden haben. In den entscheidend wichtigen dreißiger Jahren kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa hat einer ihrer früheren Ratsvorsitzenden, der verstorbene Gouverneur Stevenson, Ihre Ziele klar dargelegt.
"Nur wenn wir uns die Probleme bewußt machen, vor denen unsere geplagte
Welt steht, können die Freiheit und die Privilegien, die wir heute schon als
selbstverständlich voraussetzen, für die künftigen Generationen der noch Unge- 1 -

�Ungeborenen gesichert werden".

Jahre später, als ich für General Eisenhower

einen heftigen Wahl kämpf gegen Gouverneur

Stevenson führte, hätte ich mir

nicht träumen lassen, daß ich sie beide heute hier in Chicago zitieren würde.
Aber ich kann das tun, weil die Annalen des öffentlichen Dienstes für
Amerika eindeutig ausweisen, daß sowohl Präsident Eisenhower als auch Gouverneur
Stevenson,

obwohl sie politische Rivalen waren, als es darauf ankam und die

nationalen Interessen der Vereinigten Staaten auf dem Spiele standen, nachhaltige und überzeugte Verfechter unserer überparteilichen Nachkriegspolitik des
Friedens durch Stärke waren.
Präsident Eisenhower hat unsere nationale Zielsetzung in klaren Worten
ausgesprochen:
"Wir streben nach dem Frieden, weil wir wissen, daß Frieden das Klima der
Freiheit ist.

Und wir streben heute, wie zu keiner anderen Zeit, nach ihm,

weil wir durch die Gewalt moderner Waffen gewarnt sind, daß Frieden das einzige
Klima überhaupt sein könnte, in dem menschliches Leben möglich ist ...
Wir sind aufgerufen, den Preis für diesen Frieden zu zahlen. Um der Drohung jener zu begegnen, die die Herrschaft durch Gewalt suchen, müssen wir die
Kosten für unsere eigene notwendige militärische Stärke aufbringen und anderen
beim Aufbau ihrer Sicherheit helfen." Unsere Politik des Friedens durch Stärke
ist nicht erst jetzt von mir erfunden worden. Sie ist bereits in unseren Geschichtsbüchern vorzufinden, wenn wir den weisen Ratschlag George Washingtons
lesen:
"Auf den Krieg vorbereitet zu sein, ist eines der wirksamsten Mittel
um den Frieden zu erhalten." Frieden durch Stärke war ein Thema in meinem
ersten politischen Wahl kämpf, als ich dem verstorbenen Senator Arthur Vandenberg,
meinem großen Freund und Mentor aus Grand Rapids, in der Unterstützung der
NATO, des Marshall-Plans und der Hilfe für Griechenland und die Türkei folgte.
Frieden durch Stärke war meine ständige Richtschnur in den 553 Abstimmungen über Fragen der Verteidigung und der Außenpolitik als Mitglied des Kongresses

�Kongresses der Vereinigten Staaten, als führendes republikanisches Mitglied
des Bewilligungsunterausschusses des Verteidigungsausschusses und als Fraktionsführer der Minderheit im Repräsentantenhaus.
mein ständiges Ziel als Präsident gewesen.

Frieden durch Stärke ist

Lassen Sie mich erklären, was

ich unter Frieden durch Stärke verstehe - nicht mit der Rhetorik eines Wahljahres, sondern anhand von Fakten.

Lassen Sie mich unsere nationale Sicher-

heitspolitik darlegen - nicht mit Worten, sondern mit dem, was wir tatsächlich für den Frieden in der Welt und die Aufrechterhaltung der Stärke im eigenen Land getan haben.
In meinen ersten Worten nach Ablegung des feierlichen Eides als Präsident habe ich mich zu einer ununterbrochenen und ernsthaften Suche nach Frieden verpflichtet. Ich sagte damals: "Amerika wird stark und einig bleiben,
aber seine Stärke wird der Sicherheit und der Würde der gesamten Menschheit,
wie auch unserer eigenen kostbaren Freiheit gewidmet bleiben."
Man braucht sich nur an Pearl Harbor zu erinnern um zu wissen, daß
Schwäche zum Krieg einlädt.
gend einer Front.

Aber heute kämpfen keine Amerikaner mehr an ir-

Es gibt viele ernsthafte - meiner Meinung nach jedoch kurz-

sichtige - Menschen, die glauben, daß die Milliarden für die Verteidigung für
andere Programme besser ausgegeben werden könnten.
Ich bin überzeugt, daß ausreichende Ausgaben für die nationale Verteidigung eine Versicherungspolitik sind - eine Versicherungspolitik für den
Frieden, auf die zu verzichten wir uns in der heutigen Welt nicht leisten können.

Wir brauchen diese Lebensversicherung, da wir einem mächtigen Gegner ge-

genüberstehen, der mit tödlichen Waffen gerüstet ist, und dessen Grundsätze
und Zielsetzungen sich von den unsrigen fundamental unterscheiden.

Wir werden

daran arbeiten, die Konfrontation abzubauen und eine nukleare Katastrophe zu
vermeiden.

Aber wir müssen auch bereit sein, Herausforderungen entgegenzu-

treten, wo immer und wann immer sie auftreten.
Es ist kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten und die UdSSR in der
politischen und wirtschaftlichen Ideologie fundamental verschieden sind.

Wir

�Wir werden niemals aufhören, die Grundsätze zu verteidigen, für die wir eintreten - Freiheit, Rechte des Einzelnen, und unsere tiefe Überzeugung, daß
eine Regierung da ist, um ihren Bürgern zu dienen.
doppelte:

Unsere Aufgabe ist eine

die Ideale des amerikanischen Volkes zu verteidigen und zu fördern

und, wo immer möglich, die Spannungen und Konfrontationen abzubauen, die zur
nuklearen Katastrophe führen könnten.

Um das zu tun, müssen wir eine Position

der unbezweifelbaren Stärke aufrechterhalten.
Aus diesem Grunde habe ich einige Monate nachdem ich Präsident wurde,
dem Kongreß den höchsten Friedensverteidigungshaushalt in der Geschichte unseres Landes mit über 104 Milliarden Dollar vorgelegt.

Bedauerlicherweise

kürzte der Kongreß meinen Voranschlag um über 6 Milliarden Dollar.
In diesem Jahr habe ich dem Kongreß erneut einen Rekordverteidigungshaushalt von 112,7 Milliarden Dollar unterbreitet.
Der jetzt dem Kongreß vorliegende Haushaltsvoranschlag für die Verteidigung ist der Ausdruck meiner Entschlossenheit, die Verteidigung Amerikas - sowohl strategisch als auch konventionell - auf dem Stande aufrechtzuerhalten,
den unsere nationale Sicherheit erfordert. Dazu gehört eine Zunahme von 7,4
Milliarden Dollar in realer Kaufkraft zum Kauf neuer Waffensysteme, zur weiteren Verbesserung der Einsatzbereitschaft der vorhandenen Streitkräfte und zur
Verstärkung bestimmter Teile der Streitkräfte, während wir überall unnötiges
Fett abschneiden.
Der Voranschlag enthält Mittel für 16 neue Schiffe für unsere Marine und
die weitere Modernisierung der Flotte, einschließlich nukleargetriebener Unterseeboote und Lenkwaffenfregatten.

Ich werde mehr Mittel anfordern, wenn eine

derzeitige Studie zeigen sollte, daß die Marine noch rascher verstärkt werden
muß.
Die Arbeit am Trident-Unterseeboot, dem B-l Bomber, den Flugkörpern mit
Luftstrahltriebwerk

(Cruise Missiles) und ballistischen Raketen, einem neuen

Jagdbomber für die Marine und die Luftwaffe, modernen Panzern, Amphibien- 4 -

�Amphibienfahrzeugen und Infanteriefahrzeugen wird weitergeführt werden.
So wie wir unermüdlich an der Aufrechterhaltung der Elemente der Stärke
Amerikas gearbeitet haben, so habe ich geduldig nach dem Frieden durch diese
Stärke gestrebt.

Ich bin dreimal als Präsident nach Europa gereist, um un-

sere NATO-Verpflichtung mit unseren westlichen Verbündeten zu bekräftigen, unsere Wirtschafts- und Energiepolitiken mit den demokratischen Industrienationen
zu koordinieren, und unseren Handel und unsere Kontakte mit den Völkern Osteuropas zu verbessern und sie unserer Freundschaft zu versichern.
Ich ging nach Europa, um den Führern der Länder des Warschauer Pakts
- ja den Führern von 33 europäischen Nationen aus Ost und West - zu erklären,
daß die Nachkommen der Europäer in Amerika noch heute nach den Grundsätzen
leben, die hier vor 200 Jahren verkündet worden sind, daß alle Menschen - nicht
nur Amerikaner, sondern alle Männer und Frauen überall - von ihrem Schöpfer
mit unveräußerlichen Rechten auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück ausgestattet worden sind.
Ich habe ihnen unumwunden erklärt, - und ich bin stolz, das heute erneut
zu erklären - daß wir Amerikaner noch immer an diese Grundsätze glauben - daß
sie die Richtschnur unserer nationalen Politik bleiben - und daß sie weiterhin
Millionen von Menschen, die sich in Europa und sonstwo in der Welt nach Freiheit sehnen, Hoffnung geben.
Ich bin zweimal als Präsident nach Asien gereist, um unsere lebenswichtige Partnerschaft mit dem Nachkriegsjapan und unseren anderen freien Verbündeten zu stärken und unsere Beziehungen zu China weiter zu verbessern.

All

dies ist entscheidend wichtig für den friedlichen Fortschritt im Rahmen meiner pazifischen Doktrin.

Ich traf ferner in Wladiwostok mit Generalsekretär

Breschnew zusammen, und wir haben dort ein vorläufiges Übereinkommen über die
Begrenzung des unkontrollierten strategischen Nuklearwettrüstens zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten erreicht.

Wie Sie wissen,

verhandeln

wir noch immer über die Details eines solchen Abkommens, und ich kann noch
nicht sagen, wann oder sogar ob diese Verhandlungen abgeschlossen werden.

Aber

�V

Aber ich kann sagen, daß seitdem die Russen im Jahre 1949 ihre erste Kernexplosion ausgelöst haben, jeder Präsident der Vereinigten Staaten versucht
hat, dieses tödliche Duell zu bremsen oder zu beenden, und wir sind dem heute
seither am nächsten gekommen.

Und ich will heute auch ohne Zögern sagen, daß

ich niemals irgend einem solchen Vertrag zustimmen oder ihn dem Senat der Vereinigten Staaten zur Ratifizierung vorlegen werde, wenn ich nicht absolut überzeugt bin, daß er im besten Interesse der Vereinigten Staaten und des Friedens
in der Welt liegt.
Wenn wir ein gutes SALT II-Abkommen erlangen, dann wird es für die
nächsten sieben bis zehn Jahre den strategischen Waffen eine Grenze nach oben
setzen.
stecken.

Es wird die Russen zwingen, in ihren gegenwärtigen Plänen zurückzuUm ein solches Abkommen wirklich verifizieren zu können, werden wir

die Nachrichtendienst-Kapazität der Vereinigten Staaten als die beste in der
Welt aufrechterhalten müssen.
Aus diesem Grunde habe ich eine grundlegende Reform zur Stärkung und
Verbesserung unserer nachrichtendienstlichen Tätigkeit im Ausland angeordnet
und gleichzeitig weiteren Mißbräuchen der Rechte von Amerikanern Einhalt geboten. Dies fällt beides in den Aufgabenbereich und die Verantwortung des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber ich werde nicht zulassen, daß irgendjemand unsere Kapazität der weltweiten nachrichtendienstlichen Tätigkeit zerstört.
Ich bin im übrigen der Meinung, daß es an der Zeit ist, damit aufzuhören,
Amerika und die Institutionen Amerikas herabzusetzen. Ich glaube an dieses
Land, an die Güte seiner Menschen und die Rechtschaffenheit seiner Zielsetzung.
Weil wir unsere große Stärke und unseren großen Einfluß benutzt haben, um anderen zu helfen, sind die Vereinigten Staaten in der Lage, eine positive Rolle
als Friedensstifter in der Welt zu spielen.
Das Sinai-Abkommen zwischen Israel und Ägypten vom September vorigen
Jahres funktioniert gut und ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten. Wir stärken unsere alten und neuen Freund- 6 -

�Freundschaften mit den Nationen Lateinamerikas und Afrikas, und ich habe das
Kuba Castros und seine sowjetischen Schirmherren vor jedem weiteren bewaffneten Abenteurertum auf einem Kontinent dieser Erde gewarnt. Wir stehen in den
Vereinten Nationen für unsere Grundsätze ein, und wir werden das auch weiterhin
tun.

Wir fördern unseren Außenhandel und haben wieder eine positive Zahlungs-

bilanz hergestellt - zu einem guten Teil durch die Anstrengungen amerikanischer
Farmer, deren Produktivität eine unserer größten Faktoren unserer Stärke für
den Frieden ist.
Frieden und Stärke sind Teil einer einzigen Politik, die zwei Seiten
derselben Medaille. Außenminister Kissinger und unser Mitbürger aus Illinois,
Verteidigungsminister Rumsfeld, führen eine einzige amerikanische Politik aus.
Ein gutes Beispiel dafür erscheint diese Woche in der Ausgabe der Zeitschrift
"U.S. News and World Report", die ausführliche Interviews mit meinen beiden
Kabinettsmitgliedern enthält. Sie wurden getrennt gefragt, und keiner kannte
die Antworten des anderen. Aber die Politik,die sie darlegen, ist klar und
eindeutig übereinstimmend. Sie haben verschiedene Aufgaben, aber ein einziges
Ziel. Dieses Ziel - Frieden durch Stärke - ist in diesen schwierigen und gefährlichen Zeiten die richtige Politik für unser Land.
Lincoln rief die beunruhigten Amerikaner seinerzeit auf, daran zu glauben,
daß Recht Macht schafft.

Er hat die Stärke nicht vernachlässigt, die aus

materieller Macht entsteht. Auch wir können das nicht. Aber ebensowenig
dürfen wir die Rechtschaffenheit dessen vergessen, für das wir in der Welt eintreten.

Wir treten für die Freiheit ein - weil Freiheit Recht ist. Wir tre-

ten für den Frieden ein - weil Frieden Recht ist.
Wir treten für die Stärke ein - unsere nationale Stärke, die sowohl den
Frieden als auch die Freiheit sichert - für uns selbst und für andere - weil
diese Art der Stärke Recht ist und sicherlich die Oberhand behalten wird.

+ + + + +

�amerika dienst
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United
53

States

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5/1976

KISSINGER ZIEHT AUSSENPOLITISCHE BILANZ
- Rede des amerikanischen Aussenministers in Boston am 11.März BOSTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat am
11. März in einer Rede vor dem World Affairs Council in Boston in einer aussenpolitischen Bilanz seine Politik gegenüber den Kritikern im eigenen Lande
verteidigt und gleichzeitig die Sowjetunion gewarnt, daß verbesserte Beziehungen zwischen beiden Ländern "kein zweites Angola" vertrügen. Neben den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen behandelte Kissinger unter anderem die NATO
und die Dritte Welt. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Botschafter Lodge, verehrte Gäste und Freunde!
Ich weiß die Ehre, die Sie mir heute zuteil werden lassen, besonders zu
schätzen, nicht nur, weil sie mir von alten Freunden in Massachusetts zugedacht
wird, sondern auch wegen des Namens, der damit verbunden ist. In seiner langen
Laufbahn als Parlamentarier, Gouverneur und Außenminister verkörperte
Christian Herter die Ideale des selbstlosen öffentlichen Dienstes und verantwortungsbewußten Patriotismus, die die großen Führer unserer Nation immer gekennzeichnet haben. Vor allem war Christian Herter ein Mann, der an sein Land
und an das Gute seines Landes glaubte. Er begriff die entscheidende Rolle, die
dieses Land um der Sicherheit, des Fortschritts und der Gerechtigkeit willen
in der Welt spielen muß.
In

- 1 -

�In diesem Wahljahr, zehn Jahre nach Christian Herters Tod, täten wir
alle gut daran, uns seiner Weisheit zu erinnern. Amerika ist auch heute noch
das große und gute Land, an das er geglaubt hat, und unsere Beteiligung an
der internationalen Szene ist noch genau so entscheidend, wenn wir in unserer
Zeit den Frieden und ein besseres Leben für die Menschheit erleben wollen.
Wir dürfen niemals vergessen. c M '•r'-^re
liegen hat, die über dieses Wahljahr

Nation bleibende Interessen und An-

.inaus bewahrt werden müssen.

Wir können eine Zeit der nationalen Erneuerung erleben - in der Amerikaner frei ihren Gesellschaftsvertrag neu aushandeln. Wenn aber das Streben nach
kurzfristigen Vorteilen die Oberhand ü h T alle anderen Überlegungen behält,
dann kann ^s eine Periode irreführender Vereinfachungen, weiterer Spaltungen
und steriler gegenseitiger Beschuldigungen werden.
Diese Administration ist seit vielen Monaten bereit, ihre Politik, ihre
Prämissen und ihre Vorstellungen von der Zukunft dem amerikanischen Volk vorzulegen. Der Präsident hat oft über unsere Anliegen und Hoffnungen in der Welt
gesproch»
Ich habe allein während der letzten 14 Monate 17 große Reden gehalten, 20 große Pressekonferenzen abgehalten und zahllose Interviews gegeben,
und ich habe 39 mal vor Kongreßausschüssen Rede und Antwort gestanden.
"

•

Natürlich kann es unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Politik geben, die in einer komplexen und gefährlichen Welt zu verfolgen sei. Wer aber
die heutige Politik in Frage stellt, der hat die Verpflichtung, über Kritik,
Schlagworte und Beschimpfungen hinauszugehen und im Detail darzulegen, welche
Vorstellungen und Alternativen er hat, was das wohl kosten würde und wie die
Chancen und Risiken aussehen.
Amerika hat eine schwierige Zeit durchgemacht - da unsere Institutionen
angegriffen, unsere Zielsetzungen angezweifelt, und unser Wille in Frage gestellt wurde. Es ist jetzt an der Zeit, wie Adlai Stevenson sagte, "mit dem
amerikanischen Volk ein ernstes Wort zu reden".
Als

�Als Nation stehen wir vor neuen Gefahren und Chancen. Aber weder die Gefahren noch die Chancen werden auf unsere Entscheidungen im kommenden November
warten, und sie kennen beide zutiefst von dem beeinflußt werden, was wir in
der Zwischenzeit sagen und tun. Komplexe Realitäten können nicht durch nostalgische Vereinfachungen aus der Welt geschafft werden.
Durch die ganzen Wirren dieses Jahrzehnts hat unsere Außenpolitik unsere
fundamentalen Ziele mit Energie und Ausdauer verfolgt:
- Seit über einem Jahrzehnt leben wir zum ersten Mal in Frieden. Kein
Amerikaner braucht irgendwo auf der Welt zu kämpfen.
- Unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten in der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sind niemals stärker gewesen.
- Mit der Volksrepublik China ist eine neue und dauerhafte Beziehung angebahnt und gefördert worden.
- Die Konfrontation im Herzen Europas hat nachgelassen. Ein ViermächteAbkommen über Berlin hat anderthalb Jahrzehnte der Krise und Konfrontation
abgelöst.
- Wir haben ein Interims-Abkommen zur Begrenzung strategischer Rüstungen
mit der Sowjetunion ausgehandelt, das der zahlenmäßigen Ausweitung sowjetischer
strategischer Programme Einhalt geboten und gleichzeitig die Durchführung eigener notwendiger Programme erlaubt hat.
- Wir verhandeln gegenwärtig über ein langfristiges Abkommen, das, wenn
erfolgreich abgeschlossen, zum ersten Mal in der Geschichte der Gesamtzahl
strategischer Waffen eine obere Grenze setzen und de Sowjetunion zwingen wird,
einige ihrer bestehenden Systeme abzubauen.
- Hinsichtlich einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten ist ein bedeutsamer
Fortschritt erreicht worden. Es bleibt noch viel zu tun und es gibt noch viele
Gefahren, aber zum ersten Mal seit der Gründung des Staates Israel ist der
Friedensprozeß in Gang gekommen.
- In

- 3 -

�- In unseren Beziehungen zu Lateinamerika zeichnet sich eine neue Reife
und ein neuer Auftrieb ab, der die sich wandelnden Realitäten in der westlichen Hemisphäre und die wachsende Bedeutung dieser Länder auf der internationalen Bühne widerspiegelt.
- Die Vereinigten Staaten haben die globale Führungsrolle bei der Ausarbeitung einer umfassenden Agenda für eine neue und beiderseits nützliche Beziehung

zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten übernom-

men.
- Wir haben in allen internationalen Gremien wie auch in unseren bilateraler Beziehungen die Rechte und Würde des Menschen verteidigt.
Das ist eine ansehnliche Liste amerikanischer Leistungen, die über Parteigrenzen hinausgeht, denn das meiste ist unter Zusammenarbeit beider Parteien erreicht worden. Es entspricht den Idealen des amerikanischen Volkes,
es kündet für unsere Nation eine anhaltende Rolle moralischer und politischer
Führung an - wenn wir die Einsicht, den Willen und die Einheit an den Tag
legen, um die uns von der Geschichte gebotene Chance zu ergreifen.
Vor 30 Jahren begann dieses Land sich zum ersten Mal in Friedenszeiten
dauerhaft in außenpolitischen Angelegenheiten zu engagieren. Wir haben Großes
erreicht und wir können dies auch weiterhin tun, solange wir bereit sind, uns
der Tatsache zu stellen, daß wir in einer komplexeren Zeit leben:
- Die Sowjetunion ist heute eine Supermacht. Wir hätten nichts tun können, was diese Entwicklung verhindert hätte, nach dem Anstoß, den zwei Generationen industriellen und techpologisehen Fortschritts dem militärischen und
wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion gegeben haben. Aber zusammen mit
anderen müssen wir sicherstellen, daß russische Macht und russischer Einfluß
nicht in eine Expansion sowjetischer Kontrolle und Herrschaft über die Grenzen
der UdSSR hinaus umgesetzt werden. Das ist eine Vorbedingung für eine konstruktivere Beziehung.
- Heute

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�- Heute sind Dutzende neuer Nationen entstanden und haben neue Einflußzentren geschaffen. Diese Nationen stellen beharrliche Ansprüche an das globale System, sie bringen ihre neue wirtschaftliche Macht ins Spiel und sie
streben nach einer größeren Rolle und einem größeren Anteil an der Prosperität der Welt.
- Heute sind die Kräfte der Demokratie zu neuerlicher schöpferischer
Kraft und zu neuerlichem Weitblick aufgerufen. In einer Welt der Vielfältigkeit - in einer Welt des Gleichgewichts und der Koexistenz, des Wettbewerbs
und der Interdependenz - sind es unsere demokratischen Werte, die unserem
Opfer wahre Bedeutung und unseren Anstrengungen die Zielsetzung geben. So
hat der Zusammenhalt der demokratischen Industrienationen eine moralische
ebenso wie eine politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Die Amerikaner sind ein realistisches Volk, das die Definition einer
Herausforderung niemals als eine Prophezeiung des Untergangs oder als ein
Zeichen des Pessimismus angesehen hat. Statt dessen haben wir es immer als
einen Aufruf zum Kampf betrachtet. Die Tapfersten, so sagt Thukydides, sind
sicherlich jene, die den klarsten Blick für das vor ihnen liegende haben, ob
Sieg oder Gefahr, und doch nicht zögern, den Dingen zu begegnen. Das ist seit
je die Bewährungsprobe der Demokratie gewesen - und es ist seit je die Stärke
des amerikanischen Volkes gewesen.
Lassen Sie mich jetzt auf die bleibenden Interessen Amerikas eingehen:
Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit.

Gleichgewicht und Frieden
Seit Anbruch des Atomzeitalters bildeten die Beziehungen zwischen -den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gleichsam den Dreh- und Angelpunkt
für die Furcht der Welt vor einer Katastrophe oder für ihre Hoffnungen auf
Frieden.
In einer Zeit, in der zwei Länder über die Macht verfügen, die Welt innerhalb weniger Stunden in eine Trümmerwüste zu verwandeln, gibt es kein

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�kein dringlicheres und höheres Gebot, als sicherzustellen, daß die Beziehungen
zwischen den Supermächten wirksam und vernünftig gestaltet werden. Dies ist
eine Aufgabe, wie es sie noch nie bisher gegeben hat. In der Geschichte haben
ideologischer Konflikt und geopolitische Interessen, wie sie für die gegenwärtige internationale Situation charakteristisch sind, nahezu unabänderlich
in einem Konflikt geendet. Aber in dem Zeitalter der thermonuklearen Waffen
und des strategischen Gleichgewichtes würde die Menschheit eine solche Wiederholung der Geschichte nicht überleben. Keine noch so harte Rhetorik kann an
diesen Realitäten etwas ändern. Die Zukunft unseres Landes und der Menschheit
hängt davon ab, wie gut es uns gelingt, eine Konfrontation ohne Preisgabe
unserer lebenswichtigen Interessen zu vermeiden, und wie gut es uns gelingt,
stabile, zu mehr Hoffnungen berechtigende Beziehungen ohne Preisgabe von Prinzipien zu errichten.
Wir stehen daher vor der Notwendigkeit, eine zweigleisige Politik zu verfolgen: Auf der einen Seite sind wir entschlossen, zu verhindern, daß die
sowjetische Militärmacht für eine politische Expansion eingesetzt wird; wir
werden eine solche abenteuerliche Politik entschlossen einzuschränken suchen
und ihr mit Entschiedenheit entgegentreten. Zugleich aber können wir nicht
jeden politischen Disput zu einer zentralen Krise aufbauschen, noch können wir
uns damit zufrieden geben, Außenpolitik mit Krisenmanagement gleichzusetzen.
Es ist unsere Pflicht, auf eine positivere Zukunft hinzuarbeiten. Wir müssen
Widerstand gegen Druck und unverantwortliches Verhalten mit echten Bemühungen
um den Aufbau einer kooperativen Welt verbinden.
Die Geschichte kann uns bei diesen Bemühungen leiten - oder auch fehlleiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Staatsmänner und Völker eine Generation lang unter dem Trauma der Erfahrungen von München; sie glaubten, daß die
Geschichte bewiesen habe, wie töricht es ist, einem Gegner zu gestatten, ein
Übergewicht an Macht zu erlangen. Dies war und bleibt eine entscheidend wichtige Lehre.
Eine

�Eine spätere Generation wurde durch die Vietnamerfahrungen geläutert;
es steht fest, daß Amerika sich niemals wieder zu stark expon^ren oder sich
übernehmen wird, indem es sich in weit entfernte Kriege ohne klaren strategischen Sinn einläßt. Auch dies ist eine Lehre von entscheidender Bedeutung.
Gleich wichtig jedoch und zu oft unbeherzigt ist die Lehre, die eine frühere Generation erfahren mußte. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es ein
tatsächliches Mächtegleichgewicht. Krise nach Krise führte die Länder zur Konfrontation und dann zum Rückzug auf den Kompromiß. Stabilität wurde als
Selbstverständlichkeit betrachtet, bis - ohne irgend einen erkennbaren Entschluß zum Sturz des internationalen Systems - eine Krise, die wie jede andere
begann, außer Kontrolle geriet. Ein Land nach dem anderen schlitterte in einen
Krieg hinein, dessen Ursachen sie nicht verstanden,aber aus dem sie sich auch
nicht heraushalten konnten. Die Folgen waren der Tod von vielen Millionen Menschen, die Zerstörung der weltweiten Ordnung und innenpolitische Umstürze, unter deren Auswirkungen die Menschheit immer noch zu leiden hat.
Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, so dürfen wir nicht nur die
Lehren herausgreifen und annehmen, die uns zur Inspiration dienen. Die Geschichte dieses Jahrhunderts zeigt uns:
- daß ein Ungleichgewicht der Macht zur Aggression ermutigt;
- daß die Übernahme zu großer Verpflichtungen innenpolitisch nicht tragbar ist;
- und daß ein Gleichgewicht, das auf einer ständigen Konfrontation basiert, letztlich in einer Katastrophe enden wird.
Aber in den Lehren der Geschichte liegt keine Automatik; jede Generation
muß sie auf ganz konkrete Fälle anwenden.
Es steht außer Zweifel, daß Frieden in erster Linie auf der Erhaltung
eines Gleichgewichts globaler Stabilität beruht. Wenn man sich letztlich nicht
auf Stärke stützen kann, wird aus Ausgleich bald Kapitulation. Mäßigung ist
nur bei denen eine Tugend, von denen man glaubt, daß sie auch anders könnten.

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�könnten.
Diejenigen, die ein übertriebenes Bild von der sowjetischen Stärke und
der amerikanischen Schwäche malen, leisten unserem Land damit keinen Dienst,
genausowenig wie die, die zögern, Widerstand zu leisten, wenn wir herausgefordert werden, oder die, die nicht die Chancen sehen, die sich uns bieten, um
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen durch eigenes selbstsicheres Handeln
zu gestalten. Die sowjetische Stärke ist ungleich; die Schwächen und Enttäuschungen im sowjetischen System sind offenkundig und eindeutig dokumentiert
worden. Trotz des zwangsläufigen Zuwachses an Stärke bleibt die Sowjetunion
bei einer Gesamtbewertung der militärischen, wirtschaftlichen und technologischen Stärke weit hinter uns und unseren Verbündeten zurück; es wäre äußerst
unbesonnen, wollte die Sowjetunion die großen demokratischen Industriestaaten
herausfordern. Und auch die sowjetische Gesellschaft ist nicht länger mehr abgeschirmt gegen die Einflüsse und die Anziehungskraft der Welt außerhalb ihrer
Grenzen oder unberührt von der Notwendigkeit, Kontakte zu der übrigen Welt zu
unterhalten.
Die großen demokratischen Industrienationen verfügen über die Mittel, um
der sowjetischen Expansion Einhalt zu gebieten und das sowjetische Verhalten
zu mäßigen. Wir dürfen auf diese Verantwortung nicht verzichten, indem wir
uns selbst entweder dadurch schwächen, daß wir unsere Verteidigung nicht genügend unterstützen oder uns weigern, unsere Macht zur Verteidigung unserer
Interessen einzusetzen. Wir müssen zusammen mit unseren Verbündeten immer das
tun, was zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit notwendig ist.
Es ist richtig, daß wir nicht der Polizist der Welt sein können. Nicht
alle lokalen Kriege und regionalen Konflikte wirken sich auf die globale Stabilität oder das nationale Interesse Amerikas aus. Aber wenn eine der Supermächte diese Konflikte systematisch zu ihrem eigenen Vorteil ausnützt, und
durch ihre Intervention die Waagschalen entscheidend nach der einen oder anderen Seite beeinflußt, dann wird mit der Zeit das Gesamtgleichgewicht berührt
werden. Wenn man zuläßt, daß in lokalen Krisen das Abenteurertum Erfolg hat,

�hat, dann ist ein gefährlicher Präzedenzfall mit größeren Konsequenzen geschaffen. Andere Nationen werden ihre Politik nach ihrer Vorstellung des
herrschenden Trends einrichten. Unsere Fähigkeit, künftige Krisen zu kontrollieren, wird geringer werden. Und wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten wird, dann wird Amerika letztlich vor schwereren Entscheidungen, höheren
Kosten und ernsteren Krisen stehen.
Unsere Verpflichtung geht jedoch über die Erhaltung des Gleichgewichts
der Kräfte hinaus. Ein bloßes Gleichgewicht ist eine zu brüchige Grundlage
für unsere Zukunft auf lange Sicht. Ein Gleichgewicht des Terrors, das ständig
auf die Probe gestellt wird, bringt keine Ruhe. Wir müssen der doppelten Versuchung der Provokation und des die Hände in den Schoß-legens widerstehen.
Unser Kurs muß gerade sein und darf nicht dem folgen, was gerade in Mode ist.
Wir müssen eine Politik verfolgen, die unsere Gegner respektieren, die unsere
Verbündeten unterstützen und an die unser Volk glaubt und die es trägt.
Darum haben wir versucht, mit der Sowjetunion die Schatten einer nuklearen Katastrophe zu vertreiben - indem wir konkrete Probleme wie Berlin zu
lösen - und die Konfrontation abzubauen suchten, und indem wir über die Begrenzung strategischer Rüstungen verhandelten, um das Wettrüsten zu verlangsamen. Und wir haben die Aussicht auf kooperative Beziehungen auf wirtschaftlichem und anderen Gebieten angeboten, wenn die politischen Verhältnisse ihre
Verwirklichung und Weiterentwicklung erlauben.
Es steht außer Frage, daß dieser Prozeß nur auf der Basis der Gegenseitigkeit vor sich gehen kann. Er kann nicht den ständigen Versuch überleben,
einseitige Vorteile anzustreben. Er kann vor allen Dingen kein weiteres Angola überleben. Wenn die Sowjetunion bereit ist, sich einer echten Koexistenz
zu stellen, dann sind wir bereit, jede nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um ein System der Zurückhaltung und des beiderseitigen Interesses zu
gestalten, das der Koexistenz einen zuverlässigeren und positiveren Charakter
geben und beiden Seiten bewul. machen wird, was durch eine Konfrontation verloren ginge und was durch Kooperation gewonnen werden kann. Wenn eine nachhaltige Reaktion auf einen sowjetischen Übergriff erforderlich werden sollte,
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�sollte, dann, dessen sind wir gewiß, wird der Präsident die Unterstützung des
amerikanischen Volkes - und unserer Verbündeten - in dem Maße besitzen, in
dem er demonstrieren kann, daß uns die Krise aufgezwunger, wurde und daß sie
nicht daraus resultierte, daß wir Chancen für eine Verbesserung der Aussichten für den Frieden verpaßt haben.
Es gibt keine Politik, die in Bälde, wenn überhaupt, den Wettstreit und
die nicht zu vereinbarenden ideologischen Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion aus der Welt schaffen wird. Ebensowenig
werden alle Interessen miteinander vereinbar sein. Wir befinden uns in einem
sich hinausziehenden Prozeß eines unvermeidbaren Auf und Ab. Aber es gibt
keine Alternative für die Politik der Bestrafung des Abenteurertums und der
Anreize für die Zurückhaltung. Was schlagen jene, die so leichtfertig von
Einbahnstraßen oder Konzessionen ohne Gegenleistungen sprechen, konkret vor,
was dieses Land tun sollte? Was ist denn eigentlich genau aufgegeben worden?
Welche Risiken würden sie eingehen? Welche Veränderungen unserer Verteidigungsposition, welchen Stand an Ausgaben über welchen Zeitraum würden sie genau vorschlagen? Wie würden ihre Vorschläge für die Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in einer Ära strategischer Gleichwertigkeit
konkret aussehen?
Es wäre an der Zeit, daß wir eine Antwort auf alle diese Fragen bekämen.
Wir müssen - und wir werden - kurz gesagt, die beiden großen Linien
unserer Politik gegenüber der Sowjetunion weiter verfolgen: Festigkeit angesichts von Druck und Weitblick in der Arbeit für eine bessere Zukunft. Dazu
sind wir durchaus fähig. Das schulden wir unserem Volk, unserer Zukunft, unse
ren Verbündeten und der übrigen Menschheit.
Die

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�Die Weltgemeinschaft
Die politischen Umwälzungen dieses Jahrhunderts haben eine weitere Aufgabe hervorgebracht - die fundamentale Notwendigkeit der Neugestaltung der
Struktur internationaler Beziehungen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist
das internationale System im echten Sinne global. Die Entkolonialisierung und
die Ausweitung der Weltwirtschaft haben zur Geburt von Dutzenden neuer Nationen und neuer Zentren der Macht und Initiative geführt. Unsere heutige Welt,
in der es beinahe 150 Nationen gibt, kann zur Brutstätte zunehmender Wirtschaftskriege, politischer Instabilität und ideologischer Konfrontation werden
oder sie kann zu einer Gemeinschaft werden, die von einer beispiellosen
internationalen Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Die Interdependenz der
Nationen - die Unteilbarkeit unserer Sicherheit und unserer Prosperität kann unseren gemeinsamen Fortschritt beschleunigen oder unseren gemeinsamen
Niedergang..
Daher müssen wir über ein Gleichgewicht der Macht in den Ost-West-Beziehungen hinausstreben, daher müssen wir über das Messen der Kräfte in den
Nord-Süd-Beziehungen hinauskommen und eine echte Weltgemeinschaft aufbauen.
Wir müssen das in unserem eigenen Interesse tun, denn das heutige Geflecht wirtschaftlicher Beziehungen verknüpft das Schicksal der ganzen Menschheit. Der Preis und das Angebot von Energie, die Handelsbedingungen, die Ausweitung der Lebensmittelproduktion der Welt, die technologischen Grundlagen
der wirtschaftlichen Entwicklung, der Schutz der Umwelt, die Rechtsnormen, die
für die Ozeane der Welt und den Weltraum gelten - all dies sind Anliegen, die
alle Nationen angehen und die nur im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit befriedigend bewältigt werden können.
Auch hier müssen wir den langen Atem einer vielfältigen Politik haben.
Wir müssen Taktiken der Konfrontation widerstehen, aber unser größeres Ziel
muß es sein, neue internationale Beziehungen zu gestalten, die kommende Jahrzehnte überdauern werden. Wir werden uns durch Druck oder Drohungen nicht in
Panik bringen lassen. Aber es liegt in unserem eigenen Interesse, ein inter-

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�internationales Wirtschaftssystem zu schaffen, das alle Nationen als legitim
ansehen werden, weil sie selbst ein Interesse daran haben, und weil sie selbst
es als gerecht betrachten.
Als stärkste Macht der Welt könnten die Vereinigten Staaten eine Ära des
Wirtschaftskrieges überleben. Aber selbst wir würden davon getroffen werden,
und kein Amerikaner, der an das humane Erbe seines Landes glaubt, könnte eine
Befriedigung in der Welt finden, die im Gefolge der Konfrontation entstünde.
Die Vorteile einer gemeinsamen Anstrengung liegen so sehr auf der Hand, und die
Aussichten eines Wirtschaftskrieges wären so schädlich, daß es keine moralische oder praktische Alternative zu einer Welt der erweiterten Zusammenarbeit
gibt.
Daher haben die Vereinigten Staaten auf der Welternährungskonferenz im
Jahre 1974, in der Sondersitzung der UN-Vollversammlung im September vorigen
Jahres und auf der gegenwärtigen Konferenz über internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Paris im Angebot von Programmen der praktischen Zusammenarbeit die Führung übernommen. Wir haben eine Vielzahl von Vorschlägen vorgelegt, um die Exporterlöse zu sichern, um das Wachstum von Industrie und Landwirtschaft zu beschleunigen, um bessere Bedingungen für den Handel mit und
für Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu schaffen und um das Los
der ärmsten Länder zu erleichtern - und sind energisch bestrebt, sie durchzusetzen. Auf jedem wichtigen Gebiet haben wir Formen der Zusammenarbeit zwischen
allen Ländern vorgeschlagen - dies schließt die anderen Industriestaaten, die
jetzt reich gewordenen ölproduzenten und auch die Entwicklungsländer selbst
ein.
Der Westen - und in einem sehr großen Maße unser Land - verfügt über die
Hilfsquellen, die Technologien, das Wissen, die Organisationsfähigkeit und den
guten Willen, die Anreiz und Einladung für eine Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern sind. In dem weltweiten Dialog zwischen den Industriestaaten
und den Entwicklungsländern fallen die kommunistischen Länder durch ihr Fehlen
und in der Tat durch ihre Interesselosigkeit auf.
Doci

- 12 -

�Doch gerade in dem Augenblick, in dem die großen demokratischen Industriestaaten den Bestrebungen der Entwicklungsländer zu entsprechen beginnen, suchen viele von ihnen durch Gewalt das zu erpressen, was ihnen in Wirklichkeit bereits freiwillig angeboten worden ist.
Die Vereinten Nationen und andere internationale Gremien werden nur zu
oft durch unsachliche Abstimmungen, undurchführbare Resolutionen und willkürliche Verfahren beherrscht. Länder, die ursprünglich die Blockfreiheit gewählt
haben, um sich gegen den Druck globaler Koalitionen zu wehren, haben jetzt
selbst einen starren ideologischen, in Konfrontation stehenden eigenen Block
gebildet. Einer der herausragendsten Blöcke in der Welt ist heute ironischerweise der fast automatische Zusammenschluß der Blockfreien.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, verantwortungsbewußt und
positiv auf die Ansprüche von Ländern zu reagieren, die ernsthaft nach Gerechtigkeit und einem ausgewogenen Weltwirtschaftssystem streben. Der Fortschritt hängt jedoch von einem Geist der gegenseitigen Achtung, des Realismus
und der praktischen Zusammenarbeit ab. Es soll sich niemand täuschen: Erpressung wird nicht funktionieren und wird sicherlich nicht akzeptiert werden. Es
geht um zu viel, als daß man mit selbstgerechten großen Worten oder einem Imponiergehabe weiterkommen würde.
Es geht nicht einfach nur um die wirtschaftlichen Vereinbarungen für das
nächste Vierteljahrhundert, sondern um die Legitimität der internationalen
Ordnung.
Die Technologie und die Realitäten der Interdependenz bieten unserer Generation die Chance, die Beziehungen zwischen den Industrienationen und den
Entwicklungsländern für das nächste Vierteljahrhundert zu bestimmen. Es wird
an der Qualität des staatsmännischen Denkens liegen, um zu erkennen, daß unsere Notwendigkeiten, unsere praktischen Hoffnungen und unsere moralischen Zielsetzungen miteinander verknüpft sind. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich
dieser Aufgabe zu stellen.
Die

- 13 -

�Die moralische Einheit der großen Demokratien
Wenn wir uns anstrengen, Frieden und Fortschritt aufzubauen, so spiegelt
dies unseren tiefverwurzelten Glauben an die Freiheit und an die Hoffnung auf
eine bessere Zuku.ift für die ganze Menschheit wider. Das sind Werte, die wir
mit unseren engsten Verbündeten, den großen demokratischen Industrienationen,
gemeinsam haben. Die Widerstandsfähigkeit unserer Länder, sich aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder zu erholen und ihre Zusammenarbeit zu festigen,
hat eine Bedeutung, die weit über unser unmittelbares Wohlergehen hinausgeht. Denn so wie Außenpolitik ohne ein Element des Pragmatismus undenkbar ist,
so ist der Pragmatismus ohne zugrundeliegende moralische Zielsetzung wie ein
steuerloses Schiff.
Zusammen mit ihren Verbündeten haben die Vereinigten Staaten über 30 Jahre
lang den Frieden auf der Erde gewährleistet und die Weltwirtschaft getragen.
Der Geist der Erneuerung und des Fortschritts unserer Gesellschaften sucht
seinesgleichen und findet sicherlich nichts Ebenbürtiges in jenen Gesellschaften, die sich als "revolutionär" bezeichnen. Selten in der Geschichte haben
Bündnisse wie das unsrige unter sich so stark verändernden globalen und geopolitischen Verhältnissen überlebt oder gar sich positiv entwickelt. Die
Ideale der demokratischen Industrienationen bieten die Motivation für unsere
Anstrengungen zur Verbesserung der Beziehungen zum Osten, zum Dialog mit der
Dritten Welt und zu vielen anderen Sphären gemeinsamer Anstrengungen.
Unsere Bindungen mit den großen demokratischen Industrienationen sind daher keine Bündnisse in dem üblichen Sinne, sondern eine Union im Grundsatz
der Verteidigung von Werten und einer Lebensform.
Genau in diesem Zusammenhang müssen wir über die Möglichkeit besorgt sein,
daß kommunistische Parteien in Regierungen von NATO-Ländern an die Macht kommen, oder mit an die Macht kommen. Letztlich muß diese Entscheidung natürlich
von den Wählern der jeweiligen Länder selbst getroffen werden. Aber niemand
sollte glauben, daß diese Fragen unserer Regierung keine Sorge bereiten.
Ob

�Ob einige der kommunistischen Parteien in Westeuropa tatsächlich von
Moskau unabhängig sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, solange ihre
Wahlinteressen so weitgehend mit ihren Ansprüchen zusammenfallen. Ihre innerparteilichen Verfahren - ihre leninistischen Grundsätze und Dogmen - sind und
bleiben die Antithese der demokratischen Parteien. Und sollten sie an die
Macht kommen, dann träte dies ein, nachdem sie Jahrzehnte lang Programme und
Werte vertreten haben, die unseren traditionellen Bindungen zuwiderlaufen.
Schon aus dieser Vergangenheit heraus würden sie ohne Frage der Sicherheit und
den westlichen Verteidigungsanstrengungen, die nicht nur für die Freiheit Europas, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Macht in der
Welt so entscheidend wichtig sind, nur eine niedrige Priorität einräumen. Sie
wären versucht, ihre Wirtschaft sehr viel stärker nach dem Osten auszurichten.
Wir müßten damit rechnen, daß westeuropäische Regierungen, in denen die Kommunisten eine beherrschende Rolle spielen, günstigstenfalls die Politik ihrer
Länder auf eine Position der Blockfreien hinsteuern würden. Die politische
Solidarität und die kollektive Verteidigung des Westens,und damit die NATO,
würden unvermeidlich geschwächt, wenn nicht untergraben.
Und in unrerem Lande würde die Verpflichtung des amerikanischen Volkes,
das Gleichgewicht der Kräfte in Europa aufrechtzuerhalten, so gerechtfertigt
es auch aus pragmatischen, geopolitischen Gründet wäre,

4

er moralischen

Grundlage entbehren, auf der sie 30 Jahre lang beruhte.
Wir betrachten die Einheit der großen demokratischen Industrienationen
als von entscheidender Bedeutung für alles, was wir in der Welt tun. Aus diesem Grunde waren wir bestrebt, unsere Zusammenarbeit auf Gebiete über unsere
gemeinsame Verteidigung hinaus auszuweiten - auf eine verbesserte politische
Konsultation, auf die Koordinierung unserer Haltung bei Verhandlungen mit dem
Osten, auf die Unterstützung unserer jeweiligen Wirtschaftspolitiken, auf die
Entwicklung einer gemeinsamen Energitpolitik und auf die Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte bei dem immer wichtiger werdenden Dialog mit den Entwicklungsländern. Wir haben auf all diesen Gebieten bemerkenswerte Fortschritte
erzielt. Und wir sind entschlossen, hier weiterzumachen. Es gibt keine höhere
Priorität für unsere Außenpolitik.
Die

�Die Debatte im eigenen Lande
So sieht also unsere Außenpolitik in großen Zügen aus:
- Wir besitzen mit unseren Verbündeten zusammen die militärische und
wirtschaftliche Macht, um eine Aggression zu verhüten.
- Wir besitzen das Selbstvertrauen und den Weitblick, über die Konfrontation hinaus zu einem Abbau der Spannungen und letztlich einer kooperativen
Welt zu gelangen.
- Wir verfügen über die Mittel, die Technologie und das organisatorische
Genie, um ein neues Verhältnis mit den Entwicklungsländern aufzubauen.
- Wir haben den moralischen Mut, zusammen mit unseren Verbündeten in
einer turbulenten und sich rasch verändernden Welt das Banner der Freiheit
hochzuhalten.
Die vor uns liegenden Aufgaben sind gewaltig. Aber nicht jede Generation
erhält die Chance,eine neue internationale Ordnung zu gestalten. Wenn wir die
Chance verpassen, dann werden wir in einer Welt des Chaos und der Gefahr leben.
Wenn sie verwirklicht wird, dann werden wir in eine Ära des Friedens und des
Fortschritts und der Gerechtigkeit eintreten.
Aber wir können unsere Hoffnungen nur als geeintes Volk verwirklichen.
Unsere Aufgabe - und ihre Lösung - liegen in uns selbst. Das größte Problem
unserer Außtenpolitik ist unsere Spaltung im Innern. Das dringendste Erfordernis unserer Außenpolitik ist nationaler Zusammenhalt und eine Rückkehr zu dem
Bewußtsein, daß wir in der Außenpolitik alle in einem gemeinsamen nationalen
Unterfangen engagiert sind.
Die Welt beobachtet mit Verwunderung - unsere Gegner mit hämischer Freude
und unsere Freunde mit wachsender Sorge -,wie Amerika in einer Orgie der
Selbstzerfleischung es darauf anzulegen scheint, seinen Einfluß zu untergraben
und seine Leistungen in der Weltpolitik zu zerstören.
Sie

�Sie erlebte, wie unsere Politik in Afrika, im östlichen Mittelmeer, in
Lateinamerika, in den Ost-West-Beziehungen durch willkürliche Maßnahmen des
Kongresses unterminiert wird, deren Wirkung rückgängig zu machen Jahrzehnte
dauern kann.
Sie erlebte, wie unsere Nachrichtendienste durch fortwährende wahllose
Angriffe schwer geschädigt werden.
Sie erlebte, daß ein Land praktisch nicht mehr in der Lage ist, sich
mit der Diskretion zu verhalten, die in der Diplomatie unerläßlich ist.
Sie erlebte, wie Enthüllungen von unrechtmäßigen Handlungen im Ausland
seitens amerikanischer Firmen den politischen Strukturen befreundeter Nationen
schweren Schaden zufügen. Was auch immer an unrechten Dingen geschehen sein
mag - und so verdammenswert sie auch sein mögen - so sollte man sie doch in
einer Art und Weise behandeln, die im Einklang mit unseren eigenen juristischen Verfahren und mit der Würde verbündeter Nationen steht.
Sie erlebte, wie manche Kritiker plötzlich so tun , als ob die Sowjets
alle Riesen seien, und als ob Amerika, trotz aller Beweise des Gegenteils,
eine zweitklassige Nation würde. Diese Kritiker wissen, daß diese falschen
und verantwortungslosen Behauptungen gefährlich sind, da sie, wenn sie weitergehen, unsere Verbündeten und unsere Gegner überzeugen könnten, daß wir
schwach seien, was die einen zur Anpassung, die anderen zum Abenteurertum
veranlassen könnte.
Sie erlebt, daß diese Administration - die von den einen Kritikern für
nachhaltige Reaktionen auf den Ex^nsionismus in Südost-Asien, im Nahen Osten
und in Afrika gescholten worder ist

gleichzeitig

von einer anderen

Gruppe von Gegnern beschuldigt wird, sie ließe einseitige Gewinne der
Sowjets zu.
Sie erlebt, daß diese Administration, deren Verteidigungshaushalte in
den letzten sieben Jahren vom Kongreß um rund 39 Milliarden Dollar gekürzt
worden sind, gleichzeitig beschuldigt wird, die Verteidigung Amerikas zu

- 17 -

�zu vernachlässigen.
Auch das amerikanische Volk erlebt das alles mit und es fragt sich, wie
das enden soll. Es weiß, daß wir weder unseren Verantwortungen noch den geopolitischen Realitäten der Welt um uns herum entkommen können.

Ein großes

Volk, das die Ereignisse nicht bewältigt, wird bald von ihnen überwältigt
werden.
Wenn eine Gruppe von Kritikern die RüstungskontrollVerhandlungen untergräbt und die Aussicht auf konstruktivere Bindungen mit der Sowjetunion ausschließt, während eine andere Gruppe an unseren Verteidigungshaushalten und
Nachrichtendiensten nagt und den amerikanischen Widerstand gegen sowjetisches
Abenteurertum schwächt, dann werden beide zusammen, ob sie es wollen oder
nicht, damit enden, daß sie die Fähigkeit des Landes zerstören, eine starke,
schöpferische, gemäßigte und kluge Außenpolitik zu führen. Das Ergebnis wird
die Lähmung sein, wer auch immer im November gewinnen mag. Und wenn Amerika
nicht fähig ist, zu handeln, dann werden es andere tun, und wir und alle anderen freien Völker der Erde werden den Preis dafür zu zahlen haben.
Unser Problem ist also gleichzeitig komplex und auch einfacher als in
früheren Zeiten. Die Herausforderungen sind beispiellos, aber die Lösungen
liegen in unserer Hand. Diese Administration hat Vertrauen in die Stärke, die
Widerstandskraft und die Lebensfähigkeit Amerikas. Wenn wir den Geist Amerikas
zusammennehmen und unsere Einheit wiederherstellen, werden wir eine entscheidende und positive Wirkung auf eine Welt ausüben, die mehr denn je sich auf unser
Leben auswirkt und nach unserer Führung schreit.
Jene, die an Amerika glauben.werden dem amerikanischen Volk die Wahrheit
sagen:
- Daß wir stark sind und in Frieden leben,
- daß es keine leichten oder endgültigen Antworten auf unsere Probleme
gibt,
- daß wir eine langfristige und verantwortungsbewußte Außenpolitik ohne

�ohne Ausweichen und ohne Pausen führen müssen,
- daß das im Augenblick Erreichbare unweigerlich hinter dem Idealen
zurückbleiben wird,
- daß unserer Macht und unseren Zielen Grenzen gesetzt sind,
- daß wir trotzdem über die Stärke und Entschlossenheit verfügen, unsere
Interessen und die Überzeugung zur Bewahrung unserer Werte zu verteidigen,
- und daß wir schließlich die Chance haben, unseren Kindern eine kooperativere; gerechtere und friedlichere Welt zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.
Wenn wir das 200. Jahr unseres Bestehens begehen, dann feiern wir Ideale,
die vor bald 350 Jahren an den Küsten von Massachusetts Form und Gestalt angenommen haben. Wir haben als geeintes Volk Großes erreicht. Es bleibt noch
viel zu tun. Das Werk dieses Landes in der Welt ist keine Last, sondern ein
Triumph - und der Maßstab kommender Größe.
Amerikaner haben immer Geschichte gemacht und sich nie von der Geschichte
treiben lassen. Wir, die gegenwärtige Generation von Amerikanern, werden
nicht dahinter zurückstehen. So möge dieses Jahr das Ende unserer Spaltung
bringen. Möge es der Beginn einer Ära nationaler Versöhnung und der neuen
Hingabe aller Amerikaner an ihr gemeinsames Schicksal sein. Wollen wir doch
klar erkennen, was vor uns liegt - Sieg und Gefahr - und gemeinsam vorwärts
schreiten, um die Zukunft zu meistern.

XXX

- 19 -

�• amerika dienst
^ U n i t e d
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Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

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5/1976

ATOMWAFFENSPERRE BLEIBT ZIEL DER US-POLITIK
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger
nahm am 9. März 1976 vor dem Sehatsausschuß für Regierungstätigkeit zur Politik der Vereinigten Staaten in der Frage der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen Stellung.

Wir geben im folgenden die Äußerungen Außenminister Kissingers

in wesentlichen Auszügen im Wortlaut wieder:
"Die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen ist bereits in der sechsten
Administration ein primäres außenpolitisches Ziel der Regierung der Vereinigten
Staaten, wobei auf Grund amerikanischer Initiativen, die die Ernsthaftigkeit
dieser Politik demonstrierten, wesentliches erreicht worden ist.
Ich erwähne hier z.B. die Annahme bilateraler Sicherungsmaßnahmen und
Kontrollen in unseren mit anderen Regierungen einzeln abgeschlossenen Verträgen
über Zusammenarbeit, die Schaffung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien und das Inkrafttreten des Atomwaffensperrvertrages. Als
ein Ergebnis dieser Schritte ist die Zahl der Staaten mit Kernwaffen stark begrenzt ...
Lassen

�Lassen Sie mich betonen, daß die Verfolgung einer energisch betriebenen
Sperrpolitik für Nuklearwaffen ein elementares Prinzip der Außenpolitik dieser
Regierung darstellt.
- Wir sehen in der Notwendigkeit, die Gefahr eines Nuklearkrieges zu verringern, das Kernstück unserer Politik.

Wenn weitere Staaten in den Besitz von

Kernwaffen gelangten, würde die Stabilität weltweit gefährdet, und regionale
Konflikte liefen Gefahr, zum Nuklearkrieg zu führen mit möglichen katastrophalen
Folgen nicht nur für die unmittelbar beteiligten Länder, sondern auch für alle
Großmächte.
- Wir sehen in der friedlichen Beilegung regionaler Konflikte und in
einer stabileren Weltordnung fundamentale Ziele der Vereinigten Staaten.

Aber

in einer Welt mit vielen Atommächten würden sich erhöhte politische Spannungen
und verstärkte Instabilität auf Grund der Befürchtungen ergeben, daß - ob von
vornherein gewollt oder infolge Fehleinschätzung einer Situation - Atomwaffen
eingesetzt werden könnten.
- Wir unterstützen das weltweite Ziel, Quellen für Substitutionsenergie
zu finden, um die Abhängigkeit vom öl zu verringern.
•

Dennoch könnte eine weitere Proliferation dem beständigen Wachstum friedlicher Nuklearenergie im Dienste des Bedarfs der Menschheit entgegenstehen oder
sie gar völlig abwürgen, wenn sowohl Exporteure als auch Importeure das Vertrauen in die Fähigkeit des internationalen Systems verlieren, wirksame Verfahren
für die Realisierung der Vorzüge friedlicher nuklearer Energie und gleichzeitig
zur Ausschaltung des ihr nun einmal innewohnenden Sicherheitsrisikos zu finden .. .
Ich brauche diesem Ausschuß nicht zu sagen, wie schwierig es ist, eine
Strategie zu entwickeln, die erfolgreich garantieren kann, daß das Anwachsen
der Anzahl von Ländern mit Atomwaffen in den nächsten Jahrzehnten verhindert
wird. Aber ich kann gar nicht stark genug unsere Überzeugung betonen, daß die
Anstrengung zur Eindämmung der nuklearen Proliferation unternommen werden kann

�kann und muß, selbst wenn wir nicht sicher sein können, daß eine weitere
nukleare Proliferation völlig und wirksam blockiert wird.
In dem hier beschriebenen Rahmen haben wir in den letzten zwei Jahren
erhebliche Anstrengungen unternommen, um das weltweite Schema der Proliferationssperre zu stärken.

Diese Strategie enthielt zwei verstärkende Elemente:

- Multilaterale Aktionen, um gemeinsam mit anderen Staaten der Aufgabe
der weltweiten Proliferationssperre gerecht zu werden; und
- eine nationale Exportpolitik auf nuklearem Gebiet, die sicherstellt,
daß die Vereinigten Staaten weiterhin eine führende Rolle bei der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen spielen ...

Multilaterale Strategie
Beschränkungen auf amerikanischer Seite allein werden wenig bewirken,
wenn sich andere nukleare Lieferländer weigern, die gleichen Beschränkungen
zu praktizieren.

In Erkenntnis dieses Sachverhalts verfolgen wir eine Politik

der Konsultation mit anderen nuklearen Exportländern in dem Bemühen, gemeinsame Normen für Sicherheitsmaßnahmen und andere einschlägige Kontrollen im
Zusammenhang mit Nuklearexporten für friedliche Zwecke zu formulieren.

Ich bin

überzeugt, daß diese Anstrengungen in beachtlichem Umfang erfolgreich waren.
Auf Grund dieser Konsultationen haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, als Teil der nationalen Politik ihre künftigen Nuklearexporte gewissen Grundsätzen unterzuordnen. Wir wurden davon unterrichtet, daß eine Anzahl anderer Länder dies ebenfalls zu tun beabsichtigt.
Wie bereits von anderen Regierungsvertretern in den letzten Wochen in
ihren Aussagen vor einem anderen Senatsausschuß erwähnt wurde, zählen zu diesen Grundsätzen:
- Vorkehrungen

�- Vorkehrungen für die Anwendung von IAEO-Sicherheitsbestimmungen bei
Exporten von Material, Ausrüstungen und Technologien;
- Verbote der Inanspruchnahme von Unterstützung zur Zündung nuklearer
Sprengsätze jeglicher Art, einschließlich jener für

"friedliche Zwecke";

- Erfordernisse für sicherheitstechnische Maßnahmen bei nuklearen Ausrüstungen und Materialien;
- Anwendung einschränkender Maßnahmen in bezug auf den Transfer sensitiver Technologien (z.B. Anreicherung und Wiederaufarbeitung);
- Befürwortung multinationaler regionaler Anlagen für Wiederaufarbeitung
und Anreicherung; und
- Sonderbedingungen zur Regelung des Gebrauchs oder Rücktransfers von
sensitiven Materialien, Ausrüstungen und Technologien.
Dies sind signifikante Grundsätze, die das Niveau und den Umfang internationaler Kontrollen für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen erheblich
über den Stand von vor wenigen Jahren weiterentwickelt haben.
Aber es ist wichtig, zu erkennen, daß künftige Anstrengungen zur Verbesserung und Ausweitung dieser Prinzipien notwendig und daß unsere eigenen Anstrengungen Teil eines progressiven und sich noch entwickelnden Prozesses sind;
wir werden sie in enger Konsultation mit anderen üeferländern fortsetzen.
Ein zweites wichtiges Element unserer internationalen Proliferationssperrstrategie sind unsere Anstrengungen, die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags auf breitestmöglicher Basis sicherzustellen. Die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags ist ein Schlüsselelement dafür, die nukleare Proliferation
zu verhindern, denn damit ist eine umfassende Verpflichtung von Staaten ohne
eigene Atomwaffen verbunden, keine nuklearen Sprengsätze zu entwickeln - eine
Verpflichtung, die durch IAEO-Sicherheitsmaßnahmen in allen, friedlichen

�friedlichen Zwecken dienenden Nuklearanlagen des betreffenden Landes überprüft wird.

Ein Schlüsselelement auch deshalb, weil sie Sicherungsmaßnahmen

bei nuklearen Exporten erfordert ...
Ein weiteres wesentliches Merkmal unserer internationalen Strategie
- und in der Tat ein Merkmal, das den von uns erzielten Fortschritt in Konsultationen mit anderen Lieferländern noch unterstreicht und ein Grundelement
des Atomwaffensperrvertrags selbst darstellt - ist das umfassende Sicherheitssystem der Internationalen Atomenergie-Organisation

(IAEO).

Selbst wenn Empfängerländer nicht Partner des Atomwaffensperrvertrags
sind, sieht das IAEO-System international anerkannte Sicherungsmaßnahmen vor,
um zu gewährleisten, das nukleare Exporte für friedliche Zwecke verwendet
werden ...
Zwar kann ein Sicherungssystem keine absolute Garantie verschaffen, daß
alle nur erdenklichen Arten von Abzweigungen, und seien sie noch so geringfügig, erfaßt werden;

das braucht es auch nicht.

Was es aber bewirken muß

- und was die IAEO zuverlässig erreicht - ist ein außerordentlich großes Risiko, entdeckt zu werden, für denjenigen, der eine mißbräuchliche Verwendung
beabsichtigt.
Wir wissen, daß manche die Eignung und Qualität der im Laufe der Jahre
entwickelten internationalen Kontrollen für nukleare Materialien und Anlagen
in Frage stellen. Jedoch existierten in dem einen Fall, in dem ein nuklearer
Sprengsatz unter Verwendung vom Ausland bezogener Ausrüstungen gezündet wurde,
weder Sicherungsvorkehrungen an der betreffenden Anlage noch hinsichtlich der
damit hergestellten Produkte. Folglich war in diesem Fall auch die Frage angemessener Sicherungsvorkehrungen einfach nicht gegeben. Tatsächlich wurde uns
seit der Einführung von Sicherungsmaßnahmen kein einziges Lande bekannt, das
durch irgendwelche Abzweigung von nuklearem Material, welches entweder bilateralen oder IAEO-Sicherheitsmaßnahmen unterliegt, zu Atomwaffen gekommen
wäre ...

Ein

�Ein weiteres Element in unserer internationalen Strategie ist dazu bestimmt, dem wohl

heikelsten Problem der Atomwaffensperre, dem wir uns gegen-

übersehen - zu begegnen - nämlich dem Problem der sogenannten sensitiven Technologien wie Wiederaufbereitung, Anreicherung und Produktion von Schwerem
Wasser.
cher

Das Problem wurde immer stärker akut, je mehr Länder am Erwerb sol-

"sensitiven"

Anlagen Interesse zeigten.

Im Sinne der Risiken für die

Ausweitung des Kreises von Atommächten ergibt sich durch Plutonium-Aufarbeitungsanlagen im Ausland das größte unmittelbare Problem.

Dies ist ein un-

glücklicher Umstand, da für die meisten Länder - für jene ohne besonders umfangreiche Atomkraftwerksprogramme - die wirtschaftlichen Vorteile der Aufarbeitung verbrauchter Kernbrennstoffe auch künftig zweifelhaft sind.
Als ein Ergebnis wachsenden Erkennens der direkten Gefahr einer Proliferation wenden offenbar Liefer- als auch Empfängerländer für sogenannte
sensitive Technologien Beschränkungen an und treffen rigorose Sicherheitsvereinbarungen.

Was dies betrifft, so begrüßen wir außerordentlich den Ent-

schluß (Süd)-Koreas, keine eigene nationale Aufbereitungsanlage zu errichten;
wir hoffen, daß auf diese Weise multilaterale Bemühungen um die Entwicklung
von Alternativen zu nationalen Kapazitäten gefördert werden.
Ein Vorgehen, durch das eventuell die künftigen Erfordernisse gewisser
Länder hinsichtlich Wiederaufarbeitung auf möglichst wirtschaftliche Weise
erfüllt und gleichzeitig einige unserer Besorgnisse wegen der durch solche
Anlagen gegebenen Proliferationsgefahr entfallen, wäre die Schaffung eines
multinationalen Regional Zentrums für den Brennstoffzyklus. Vor der UN-Vollversammlung habe ich mich im vergangenen Jahr persönlich für diese Konzeption
eingesetzt.
Solche Anlagen - für Management, Betrieb und wohl auch Eigentumsrechte
wäre mehr als nur ein Land zuständig - würden den Anreiz zur Errichtung
kleiner und unwirtschaftlicher nationaler Anlagen verringern und zusätzlich
nützliche Sicherheiten gegen eine einseitige Abschaffung von Proliferationssperrmaßnahmen gewährleisten, insbesondere dort, wo gleichzeitig andere Einrichtungen für den Brennstoffzyklus wie z.B. zur Fabrikation und Lagerung nuk-

�nuklearer Materialien vorhanden sind.

Sie würden auch die Anwendung inter-

nationaler Sicherheitsmaßnahmen erleichtern.

Die IAEO untersucht gegenwärtig

das multinationale Konzept in einer Studie.

Das letzte Schlüsselelement unserer internationalen Strategie der Proliferationssperre betrifft die Frage der technischen Sicherungsmaßnahmen für
nukleare Anlagen und Materialien, im besonderen aber die Sorge, daß eine
Minderheiten-

oder Terroristengruppe sich nuklearer Materialien bemächtigen

könnte.

In unseren Konsultationen mit anderen Ländern, bei denen es darum ging,
die Anwendung angemessener technischer Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten,
haben wir ausgezeichnete Mitarbeit gefunden.

Hauptlieferländer bauen heute

in ihre Abkommen über nukleare Zusammenarbeit Bestimmungen ein, die von den
Empfängerländern spezielle technische Sicherungsmaßnahmen zum Schutz nuklearer
Materialien und Ausrüstungen in angemessenem Umfang verlangen ...

Wir verfolgen auch unseren Vorschlag für eine internationale Konvention
weiter, die Normen für den technischen Schutz nuklearer Materialien setzt,
damit die internationale Zusammenarbeit erleichtert wird und Verfahrensweisen
auf diesem Gebiet vereinheitlicht werden ...

US-Politik auf nationaler Ebene

Auf nationaler Ebene lassen Politik und Praktiken der US-Regierung gerade auf diesem Gebiet unsere besonders intensive Beschäftigung mit dem Problem der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.

Unsere Politik ist

in mancher Hinsicht strenger als die anderer Lieferländer.

Die grundlegende Prämisse der Beteiligung der USA an nuklearen Programmen
seit mehr als 20 Jahren war und ist die weltweite Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie unter wirksamen Kontrollen.
Wir
- 7 -

�Wir gingen davon aus, langfristige Garantien für die Versorgung mit
angereichertem Uran in Verbindung mit der besonders wirtschaftlichen amerikanischen Reaktortechnologie anzubieten und als Gegenleistung die Zustimmung
zu wirksamen Sicherungsvereinbarungen zu erhalten ...
Wie ich bereits früher ausführte, steht unsere nukleare Exportpolitik
voll im Einklang mit den Grundsätzen, die auf Grund von Konsultationen unter
der Lieferländer akzeptiert wurden, und geht auf einigen Gebieten sogar noch
ein Stück weiter.

So zielte unsere Grundhaltung z.B. bei Aufarbeitung, An-

reicherung und Schwerwasserproduktion darauf ab, den Export solcher sensitiven
Technologien zu vermeiden.

Zur Gewährleistung angemessener Kontrollen erließ

die Exekutive im Jahr 1972 Sonderregelungen für alle auf diesen Gebieten vorgeschlagenen Transaktionen ...
Was das allgemeine Problem der Aufarbeitung betrifft, so geben die Vereinigten Staaten der IAEO technische und finanzielle Unterstützung bei deren
Studie über nukleare Regional Zentren für den Brennstoffzyklus. Wir dringen
außerdem darauf, daß mit dem Problem befaßte Staatengruppen untereinander die
Möglichkeiten dieser Konzeption erörtern ...
In Verfolg der technischen Sicherheitsmaßnahmen haben wir es als Ergebnis von Konsultationen unter Lieferländern so gehalten, daß die Exportgenehmigung für größere Mengen sensitiven nuklearen Materials nur dann erteilt
wird, wenn gev/ährleistet ist, daß im Empfängerland angemessene technische
Schutzmaßnahmen angewandt werden; amerikanische Expertengruppen für Sicherheitstechnik haben im Zusammenhang damit zahlreiche Länder besucht, um sich
über deren Schutzsysteme zu informieren und ihre Wirksamkeit zu beobachten.
Vor dem Hintergrund der von uns auf internationaler Ebene verfolgten
Strategie und im Interesse der nationalen Politik halte ich es für angemessen,
hier einigen Kritikern unserer nuklearen Exportpolitik zu antworten - Kritikern, die meines Erachtens zu strikte Einschränkungen fordern, welche für unsere Bemühungen um eine Proliferationssperre einen ernsten Rückschlag, nicht

�nicht aber einen Fortschritt bedeuten.

Diese Vorschläge reichen von einem

totalen Moratorium für unsere nuklearen Exporte und einem Embargo für nukleare Transferaktionen in Länder, die keine Partner des Atomwaffensperrvertrages sind, bis zu Vorschlägen, nuklearen Exporten in Nicht-Mitgliedstaaten
nur dann zuzustimmen, wenn diese genehmigte IAEO-Sicherungsmaßnahmen für alle
ihre friedlichen Atomprogramme akzeptiert haben.
Alles in allem sind wir der Meinung, daß durch die Annahme auch nur
eines dieser Vorschläge z.B.:
- eine Anzahl internationaler Vereinbarungen über Zusammenarbeit bei
friedlichen Atomprogrammen dem Geiste, ja womöglich auch dem Buchstaben nach
verletzt würden; auch Artikel Vier des Atomwaffensperrvertrags zählt dazu;
- unseren politischen Beziehungen zu einer großen Zahl von Ländern, die
mit uns langfristige Abkommen geschlossen haben, weit über den nuklearen Bereich hinaus Schaden erwachsen würde;
- weitere Zweifel an der Zuverlässigkeit amerikanischer Lieferverpflichtungen und an der Beständigkeit unserer Politik ausgerechnet in einem Augenblick auftauchen würden, in dem wir uns solche Zweifel am wenigsten leisten
können;
- der Einfluß geschmälert würde, der jetzt im Sinne unserer Ziele in
bezug auf die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zum Tragen käme, da es
unwahrscheinlich ist, daß derartige Vorschläge von allen wichtigen Lieferländern befürwortet werden; und
- als Folge davon die Zusammenarbeit der Lieferländer leicht auseinanderbrechen und es erneut zu einem relativ unkontrollierten Wettbewerb unter anderen Lieferländern kommen könnte ...
Die Probleme der Proliferation sind kompliziert und ebensowenig raschen
- 9 -

�raschen wie einfachen Lösungen zugänglich.

Will man die künftige Ausweitung

von Möglichkeiten zum Bau von Kernwaffen blockieren, ist es erforderlich,
komplexe politische und technische Maßnahmen beharrlich zu verfolgen, welche
die Bestrebungen zur Proliferation abschwächen und gleichzeitig wirksame
Kontrollen dagegen errichten.

Diese Regierung ist diesem Ziel strikt verpflich-

tet, und ich weiß, daß wir auf den US-Kongreß zählen können, mit uns zusammenzuarbeiten, damit die Erreichung dieses lebenswichtigen Zieles gewährleistet
wi rd ...
Um in unseren Bemühungen um den Proliferationsstop erfolgreich zu sein,
müssen wir die inzwischen geschaffenen multilateralen und nationalen politischen Grundlagen bewahren und auf ihnen weiterbauen.

Wie ich bereits sagte,

erfordert dies die ständige Bereitschaft zur Konsultation mit den Empfängerländern und die konstruktive Unterstützung internationaler Mechanismen, die unserer Proliferations-Sperrpolitik Beständigkeit geben können."

+ + + + +

- 10 -

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                <text>Amerikadienst 17.03.1976</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger zieht außenpolitische Bilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuss für Regierungstätigkeit&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>17. März 1982

11/A
I N H A L T

INFORMATION
Hang nennt fünf Punkte für den Spannungsabbau in Mittelamerika
DOKUMENTATION
Reagan proklamiert 21. März zum Afghanistan-Tag
WIRTSCHAFT
Grundzlige der amerikanischen Agrarpolitik
- Ausführungen von Hormats, Brock und Block vor dem US-Kongreß HINTERGRUNDMATERIAL
Stoessel äußert sich zum Problem der sowjetischen Erdgasleitung
Botschafter Fields: Verifizierbarkeit und Einhaltung von Abkommen
über Kernwaffenteststopps entscheidend
- Erklärung des amerikanischen Vertreters beim Abrüstungsausschuß •
Unterstaatssekretär Enders:

Bedeutsame Reformen in El Salvador

US-Experten:

Guerilla in El Salvador wird von außen unterstützt

US-Experten:

Hoffnungsvolle Zeichen für Wahlen in El Salvador

Beweise für militärische Rüstung in Nicaragua
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Dritter Einsatz der Raumfähre "COLUMBIA"
- Start voraussichtlich am 22. März zu siebentägigem Testflug -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�11

17. März 1982

HAIG NENNT FÜNF PUNKTE FÜR DEN SPANNUNGSABBAU IN MITTELAMERIKA
- Von unserer Sonderkorrespondentin Judy Aita -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
fünf Punkte genannt, die zu einem Abbau der Spannungen und einer Lösung der
Probleme in Mittelamerika beitragen würden: bilaterale Nichtangriffspakte,
Anwendung der amerikanischen Neutralitä'tsakte, regionale Verpflichtung zur
Einstellung der Einfuhr schwerer Waffen, verstärkte amerikanische Hilfe und
Beendigung des Engagements Nicaraguas in El Salvador.
Diese Punkte wurden in jüngerer Zeit zwischen amerikanischen, mexikanischen, kubanischen und nicaraguanischen Regierungsvertretern erörtert und
auch am vergangenen Wochenende zwischen Haig und seinem mexikanischen Kollegen
Jorge Castaneda besprochen.
Außenminister Haig gab am 15. März 1982 in New York eine Pressekonferenz,
auf der er die Ergebnisse der Besprechungen der fünf Außenminister darlegte,
deren Länder an der Initiative Präsident Reagans für das Karibische Becken
beteiligt sind, und widersprüchliche Pressemeldungen über amerikanisch-

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�über amerikanisch-mexikanische Friedensgespräche klarstellte.
Haig bezeichnete die eingangs erwähnten fünf Punkte als die Grundlage
für die amerikanischen Gespräche mit Mexiko und Nicaragua. Er könne zwar nicht
für Castaneda sprechen, so betonte Haig, aber er bezweifle, ob dem mexikanischen Außenminister wirklich feste Zusagen seitens Nicaraguas vorlägen. Zumindest halte er den Optimismus Castanedas für "subjektiv". Haig wies in diesem
Zusammenhang darauf hin, daß Mexiko nicht das einzige Land sei, über das die
USA mit Nicaragua Kontakt hätten; nicht zuletzt sei die Botschaft der Vereinigten Staaten in Managua noch da.
Der amerikanische Außenminister betonte ferner, die jüngsten Gespräche
mit Mexiko hätten nichts mit den kommenden Wahlen in El Salvador zu tun. Die
Wahlen seien eine Sache der Bevölkerung von El Salvador, aber sie seien ein
wichtiger Markstein auf dem Wege zum Pluralismus. Die USA, so unterstrich
Haig, dürften in ihrer Politik nichts unternehmen, "was diesen sehr wichtigen
Prozeß gefährden könnte".
Der amerikanische Außenminister erinnerte erneut, wie schon auf früheren
Pressekonferenzen, an das Engagement der Sowjetunion und Kubas in der Region,
die Waffen liefern und Aufständische ausbilden. Trotzdem würden die Vereinigten
Staaten die Sowjetunion nicht in Verhandlungen über Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre einbeziehen, sondern diese Probleme würden auf bilateraler
Basis behandelt. Die Administration werde der Öffentlichkeit und dem Kongreß
weiterhin Beweise für die Einmischung Kubas und Nicaraguas in die Probleme
der Region unterbreiten. Haig räumte ein, daß der Vorfall mit einem Zeugen,
der vor der Presse seine Aussagen änderte, "peinlich" gewesen sei. Aber niemand könne es verdenken, wenn die Administration versuche, "die Fakten so auf
den Tisch zu legen, wie sie ihr bekannt sind ..., und was der Zeuge während
des Interviews sagte, ist weniger relevant als die Tatsache, daß es sich um
einen Nicaraguaner handelte, der in El Salvador kämpfte".
Schließlich erklärte

�Schließlich erklärte Haig, daß die Vereinigten Staaten der Regierung
von Nicaragua deutlich zu verstehen gegeben haben, daß sie die Einführung
von sowjetischen MIG-Jägern als "ernste Entwicklung" betrachten würden. Die
Behauptung des nicaraguanisehen Außenministers Miguel d'Escoto, es bestünden
keine solchen Pläne, widersprächen den Erkenntnissen der amerikanischen Geheimdienste. Immerhin würden nicaraguanische Piloten für Hochleistungsflugzeuge in Osteuropa ausgebildet.
Haig bezeichnete ferner die Situation in El Salvador als ein globales
Problem, nicht nur ein regionales oder lokales.
+++++

- 3 -

�i mIERl

1Dl El V)

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

U.März 1982

REAGAN PROKLAMIERT 21. MÄRZ ZUM AFGHANISTAN-TAG
- Wortlaut der Proklamation -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer am 10. März
1982 veröffentlichten Proklamation den 21.März zum Afghanistan-Tag bestimmt.
An diesem Tag soll in allen Teilen der Vereinigten Staaten der Tapferkeit
des afghanischen Volkes gedacht und die anhaltende sowjetische Invasion in
Afghanistan verurteilt werden.
Die Proklamation des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Im Dezember 1979 marschierte die Sowjetunion ohne Provokation und mit
überwältigender Macht in Afghanistan ein. Seither hat die Sowjetunion mit
jedem nur erdenklichen Mittel versucht, ihre Kontrolle über Afghanistan zu
behaupten.
Das afghanische Volk hat der Sowjetunion getrotzt und ihr mit einer
Tapferkeit Widerstand geleistet, die in der modernen Geschichte nur wenige
Parallelen hat. Das afghanische Volk hat einen schrecklichen Preis für seinen
Kampf um die Freiheit bezahlt. Seine Dörfer und Heime sind zerstört worden,
die Menschen wurden durch Kugeln, Bomben und chemische Waffen ermordet. Ein

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�Ein Fünftel des afghanischen Volkes ist ins Exil getrieben worden.

Und doch

geht der Kampf weiter.
Die internationale Gemeinschaft - unter Einschluß der Vereinigten Staaten
und anderer Regierungen in aller Welt - hat die Invasion Afghanistans als eine
Verletzung aller Verhaltensregeln und des Völkerrechts gebrandmarkt und einen
Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan gefordert.

Jedem Land und je-

dem Volk ist der afghanische Widerstand zu einem Anliegen geworden, denn die
afghanischen Freiheitskämpfer verteidigen die Prinzipien der Unabhängigkeit
und der Freiheit, die die Grundlage der weltweiten Sicherheit und Stabilität
bilden.
Es ist daher angebracht, daß das Europaparlament, der Kongreß der Vereinigten Staaten und Parlamente in aller Welt den 21. März 1982 zum AfghanistanTag bestimmt haben, um der Tapferkeit des afghanischen Volkes zu gedenken und
die anhaltende sowjetische Invasion in diesem Land zu verurteilen.
Der Afghanistan-Tag bietet Gelegenheit, sich nicht nur diese Ereignisse
vor Augen zu halten, sondern auch die Prinzipien, um die es geht, wenn ein
Volk um die Freiheit kämpft, seine eigene Zukunft zu bestimmen; um sein Recht,
frei von ausländischer Einmischung zu sein; und um das Recht, seine Religion
gemäß dem Gebot des Gewissens auszuüben.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 21.März 1982 zum Afghanistan-Tag.
Zum Zeugnis dessen habe ich am 10. März im Jahre des Herrn 1982 und im
206. Jahre der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika diese Proklamation unterzeichnet.
(gezeichnet)
Ronald Reagan

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•

111IEI

gj

Er

Ulift/chcifl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

17. März 1982

GRUNDZÜGE DER AMERIKANISCHEN AGRARPOLITIK
Ausführungen von Hormats, Brock und Block vor dem US-Kongress

Washington - 0\D) - Der Unterstaatssekretä'r für Wirtschafts- und Handelsfragen im amerikanischen Außenministerium, Robert D. Hormats, der amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, William E. Brock, und der
amerikanische Landwirtschaftsminister, John R. Block, haben am 9. März 1982
vor dem Landwirtschaftsausschuß des Repräsentantenhauses Grundzüge der
Handelspolitik der Vereinigten Staaten, vor allem auf dem Agrarsektor, dargelegt. Sie gingen dabei vor allem auf das Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft und zu Japan ein.
Nachfolgend die Ausführungen im Hinblick auf die Politik gegenüber der
Europäischen Gemeinschaft:
Unterstaatssekretär Hormats:
Diese Administration hat sich dem Aufbau eines liberalisierten Welthandelssystems verpflichtet, das den landwirtschaftlichen Exporten erhöhte Chancen
einräumt. Bei großen Vorräten und einer zögernden Nachfrage in der ganzen Welt
brauchen unsere Farmer mehr denn je Exportchancen. Aber die gegenwärtige

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Telex: 08-85432

�die gegenwärtige internationale Rezession verschärft den Wettbewerb auf Märkten
in Drittländern und den Druck auf andere Regierungen, protektionistische Maßnahmen einzuführen oder aufrechtzuerhalten.
Während des vergangenen Jahres haben wir unsere Anstrengungen darauf
konzentriert, anderen Ländern besser begreiflich zu machen, welchen Wert die
Vereinigten Staaten Fragen des Agrarhandels beimessen. Die Tage sind längst
vorbei, da wir Maßnahmen einfach ignorieren könnten, die unsere Märkte bedrohen,
oder da wir Agrarhandelsprobleme als geringfügige Elemente unserer Beziehungen
behandeln könnten. Unter kraftvoller Federführung durch das Landwirtschaftsministerium haben amerikanische Regierungsvertreter diesen Punkt gegenüber
anderen Regierungen auf zahlreichen bilateralen und multilateralen Treffen
aktiv und nachdrücklich zum Ausdruck gebracht. Ein wichtiges Beispiel ist das
beispiellose Treffen von Außenminister Haig, Landwirtschaftsminister Block
und Botschafter Brock am 11. Dezember 1981 in Brüssel mit EG-Präsident Thorn
und Landwirtschaftskommissar Dal sager. Bei diesen Gesprächen ging es in der
Hauptsache um die Landwirtschaft.
Unsere bilateralen Bemühungen, das Handelsklima für Agrarexporte zu
verbessern, konzentrieren sich auf einen verbesserten Marktzugang für unsere
Erzeugnisse und die nachhaltige Verteidigung unserer Position auf den Weltmärkten. Multilateral machen wir in steigendem Maße vom Rahmen des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) Gebrauch, um Maßnahmen anzugreifen, die
unsere Handelsrechte schmälern. So stellen wir beispielsweise Handelspraktiken
der EG auf den Gebieten Weizenmehl, Geflügel, Zucker, Teigwaren, Zitrusfrüchte
und Dosenfrüchte sowie Rosinen in Frage. ...
Ich möchte mich jetzt unseren Agrarhandelsbeziehungen zur Europäischen
Gemeinschaft zuwenden. Unsere Agrarexporte in die EG beliefen sich im Haushaltsjahr 1981 auf 8,9 Milliarden Dollar, d.h. 20 Prozent der gesamten amerikanischen Agrarexporte. Die EG ist ein Hauptabnehmer von landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Vereinigten Staaten, und uns ist sehr viel daran gelegen,
unseren Zugang zum EG-Markt aufrechtzuerhalten. Trotzdem zeigt der langfristige
Trend bei den Importen vieler Erzeugnisse nach unten. So haben die EG-Länder
beispielsweise in den sechziger Jahren jährlich netto rund 20 Millionen Tonnen

- 2 -

�20 Millionen Tonnen Getreide importiert; 1980-81 war die EG ein Nettoexporteur
an Getreide. Wir müssen ferner erkennen, daß die EG-Praktiken an Exportsubventionen unsere Verkäufe auf anderen, expandierenden Märkten für landwirtschaftliche Exporte bedrohen.
Der Handel, vor allem der Agrarhandel, findet natürlich nicht in einem
Vakuum statt. Auf beiden Seiten des Atlantik werden außenhandelspolitische
und politische Fragen durch innenpolitische Probleme und Hoffnungen und Wünsche
bestimmt. Unsere Agrarpolitik im eigenen Lande spiegelt weitgehend unser
marktorientiertes Wirtschaftsdenken wider, wobei nur bei ganz wenigen Produkten
nicht marktgerechte Preise gestützt werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik der
Europäischen Gemeinschaft wurde in den sechziger Jahren hauptsächlich mit dem
Ziel in die Wege geleitet, einen einheitlichen Binnenmarkt zu schaffen, ein
steigendes Einkommen der Bauern zu sichern und eine größere Selbstversorgung
an Lebensmitteln zu erreichen. Politisch war die Entwicklung einer Gemeinsamen
Agrarpolitik ein wesentliches Element für die Entstehung der Gemeinschaft.
Die Verwirklichung der Gemeinsamen Agrarpolitik wurde im wesentlichen
durch hohe Stützpreise ohne echte Produktionskontrollen erreicht. Variable
Grenzabgaben für die meisten Produkte schirmen den Binnenmarkt vor der Konkurren?,
anderer, leistungsfähigerer Erzeuger ab. (Im Rahmen des GATT ist die EG verpflichtet, keine Grenzabgaben für Sojabohnen zu erheben, die heute fast die
Hälfte der amerikanischen Agrarexporte in die EG ausmachen.) Die Durchführung
der Gemeinsamen Agrarpolitik führte als erstes zu einer Selbstversorgung in
wichtigen Erzeugnissen und dann zu großen Überschüssen. So betrug beispielsweise die Selbstversorgung der EG 1978-79 an Weichweizen 118 Prozent, an Gerste
113 Prozent, an Zucker 124 Prozent, an Butter 119 Prozent. Die Kosten der
Gemeinsamen Agrarpolitik erreichten schwindelerregende Höhen - die Gesamtkosten - unter Einschluß der Aufwendungen der Mitgliedstaaten für nationale
Agrarprogramme - nähern sich 40 Milliarden Dollar. Die Kosten für die Verbraucher
in der EG, die sowohl hohe Preise für Lebensmittel bezahlen als auch den Export
der Überschußbestände durch ihre Steuern subventionieren, sind enorm.
Die Reaktion der Gemeinschaft auf die Probleme der Überschüsse besteht
in einem aggressiven und stark subventionierten Exportprogramm. Die EG ist

- 3 -

�EG ist heute der drittgrößte Exporteur an Weizen - nach den USA und Kanada
und vor Australien und Argentinien -; der größte Exporteur der Welt an Geflügel und der zweitgrößte Exporteur an Rindfleisch. Sie ist ein wichtiger
und expandierender Exporteur von Molkereierzeugnissen und Zucker sowie auch
verarbeiteter Agrarprodukte.
Unsere Reaktion auf die Zielrichtung der EG-Politik und -Praxis ist
nachhaltig: Wir verstehen zwar die Probleme der europäischen Führer bei der
Verbesserung der Gemeinsamen Agrarpolitik, aber wir haben eine Verantwortung
gegenüber unseren landwirtschaftlichen Erzeugern, daß wir unsere Besorgnisse
und Interessen deutlich und wirksam geltend machen. Wir haben seit langem
die Einigung Europas unterstützt, und das war und ist seit einer Generation
ein fundamentaler Aspekt der amerikanischen Politik. Aber wir haben auch
unterstrichen, daß es nicht fair ist, die Kosten für interne Agrarprogramme
den Handelspartnern Europas aufzubürden.
Mit dem zunehmendem Eindruck, daß die Bemühungen um eine Reform der
Gemeinsamen Agrarpolitik unzureichend sind, treten unsere Anstrengungen in
eine neue Phase. Wir haben uns öffentlich und vertraulich nachdrücklich und
eindeutig für die Notwendigkeit einer Agrarhandelspolitik der EG ausgesprochen,
die die Auswirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik auf andere Exportländer
nicht außer acht läßt. So haben wir auf einer Reihe von Konferenzen in diesem
und im vorigen Jahr gegenüber der EG unterstrichen, daß:
- die Vereinigten Staaten gegen ein expansives Exportprogramm der EG
sind, das auf einer übertriebenen Anwendung von Exportsubventionen und
anderen umstrittenen Maßnahmen beruht;
- wir weiterhin nachhaltige Maßnahmen ergreifen, um unseren Zugang zu
den EG-Märkten selbst zu schützen und im Einklang mit der liberalen Handelspolitik dieser Administration den Zugang zu verbessern suchen werden, wo das
möglich ist, indem wir für einen Abbau der Schranken eintreten, die gegenwärtig unsere Fähigkeit vermindern, unsere Erzeugnisse in der Gemeinschaft zu
vermarkten;
- wir weiterhin gegen unfaire Exportkonkurrenz auf Drittmärkten eintreten

- 4 -

�Drittmärkten eintreten werden. Dazu werden die volle Anwendung der GATT-Verfahren zur Regelung von Handelsstreitigkeiten sowie, soweit angemessen, Forderungen in anderen Gremien gehören. Wir werden auf diesem Wege eine Reform
der Gemeinsamen Agrarpolitik zu fördern versuchen, indem wir die Fähigkeit der
EG verringern, Exporte an die Stelle einer echten Reform zu setzen. ...
Die Ausführungen von Brock zum Handel mit der EG haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,
es ist mir eine Freude, heute mit Ihnen über Probleme der Agrarhandelspolitik zu sprechen. Ich habe mich während der letzten Monate vor mehreren
Kongreßausschüssen geäußert, um die Auffassung der Administration zu einer
Reihe von Handelsproblemen und die Art und Weise darzulegen, mit der wir sie
anpacken. Statt die Ausführungen meines Vorredners zu wiederholen, möchte ich
kurz einige der Probleme zusammenfassen und dann Ihre Fragen beantworten.
Lassen Sie mich mit der Anmerkung beginnen, daß die Administration Ihr
Interesse an der Förderung und Ausweitung des Exports amerikanischer Agrarerzeugnisse teilt. Zu diesem Zweck haben wir uns daran gemacht, die Verzerrungen des internationalen Handels zu beseitigen, die solche Exporte behindert haben.
Wie Sie wissen, haben wir sehr grundlegende Meinungsverschiedenheiten
mit der Europäischen Gemeinschaft in der Frage ihrer Exportsubventionen für
eine Reihe von Erzeugnissen. Die Leute der EG behaupten, die Regeln des GATT
und der Subventionskodex erlaubten ihnen, ihre Exporterstattungsbeträge dazu
zu benutzen, Anteile am Weltmarkt zu gewinnen. Wir sind jedoch der Auffassung,
daß sie einen ungerechtfertigt großen Anteil am Welthandel mit ihren Subventionen
gewonnen haben. Wir stehen daher im Schlichtungsprozeß bezüglich Weizenmehl,
Geflügel, Zucker und Teigwaren. Wir befinden uns ferner im Konsultationsprozeß wegen eingedösten und getrockneten Früchten, wobei es um eine Subvention
für die Verarbeitung im eigenen Lande geht.
Neben dem Problem der Subventionen besteht das Problem der Vorzugsabmachungen mit Mittelmeerländern, die für die Zitrusfrüchte aus diesen Ländern
sehr viel niedrigere Zölle vorsehen als für entsprechende Früchte aus den

- 5 -

�aus den Vereinigten Staaten. Wir haben bezüglich dieses alten Problems
Konsultationen nach Artikel XXIII Absatz 1 mit der Gemeinschaft noch in diesem
Monat beantragt.
Herr Vorsitzender, Sie und die Mitglieder des Ausschusses sind sich als
Architekten der amerikanischen Agrarpolitik darüber im klaren, daß diese im
Grunde zwar auf die Wahrung der einheimischen Interessen abzielt, daß wir
uns jedoch auch unserer internationalen Verpflichtungen durchaus bewußt sind.
Wir betrachten unsere Beziehung zur Gemeinschaft im gleichen Lichte. Wie ich
schon bei anderen Gelegenheiten gesagt habe: Solange die Gemeinsame Agrarpolitik keine Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten hat, sollte sie als
eine rein interne Angelegenheit der EG betrachtet werden. Wenn sie sich jedoch
auf unseren Handel auszuwirken beginnt, dann haben wir ein legitimes Recht,
uns zu beschweren. Die Fälle, die wir vor das GATT gebracht haben, stellen
keine Anfechtung der Gemeinsamen Agrarpolitik dar, sondern einfach die Anerkennung der Tatsache, daß wir und die Gemeinschaft uns uneinig darüber sind,
wie weit ihre Agrarhandelspolitik in Einklang mit ihren Verpflichtungen im
Rahmen des GATT steht. Wir ersuchen unparteiische Fachleute zu entscheiden,
wessen Interpretationen richtig sind.
Am 28. Januar 1982 hat die EG-Kommission einen Vorschlag veröffentlicht,
daß sie dem Rat empfehlen wird, die Einfuhrabgabe auf Kleie zu erhöhen. Die
Abgabe auf Kleieimporte ist nicht festgelegt. Wir haben andere Exporteure von
Kleie, die größere Lieferinteressen an diesen Produkten haben als wir, unterstützt, als sie vorstellig wurden. Wir sind jedoch sehr besorgt, daß die Vorschläge zur Erhöhung der Zölle auf Kleie zu Vorschlägen führen werden, die
Zölle auch für andere Futtermittel, wie Maisgluten, zu erhöhen, bei denen wir
ein wesentliches Lieferinteresse haben. Wir benutzen jede Gelegenheit, der
EG und Vertretern der Mitgliedsländer unsere Besorgnis über die geplanten
Maßnahmen zum Ausdruck zu bringen, die unsere Exporte dieser Erzeugnisse gefährden würden. ...
Der amerikanische Landwirtschaftsminister Block verteidigte zunächst die
Entscheidung Präsident Reagans, das Getreideembargo gegen die Sowjetunion
aufzuheben, und kündigte verstärkte Exportanstrengungen der USA auf dem

- 6 -

�auf dem Landwirtschaftssektor an. Zur Politik gegenüber der EG führte er aus:
Eine der Auswirkungen des Abschwungs des Wirtschaftswachstums in der Welt
war eine Verschlimmerung des Protektionismus und anderer handelsverzerrender
Tendenzen bei einigen unserer Handelspartner, was mehr denn je eine auf
Expansion der Exporte ausgerichtete Handelspolitik notwendig macht.
Diese Tendenzen sind in der Politik der Europäischen Gemeinschaft immer
deutlicher sichtbar geworden. Wir sind besonders besorgt über die übertriebene
und zunehmende Anwendung von Exportsubventionen durch die EG und die Bedrohung
des Zugangs zum EG-Markt für amerikanische Exportgüter.
Es ist keine Frage, daß die Anwendung von Subventionen der EG durch die
Gemeinsame Agrarpolitik die amerikanische Landwirtschaft geschädigt hat. Die
Subventionen beeinträchtigen den amerikanischen Handel mit anderen Ländern und
drücken auf die amerikanischen Preise. ...
Die aggressive Anwendung von Subventionen durch die EG ist nicht auf Getreide beschränkt. Die EG hat sich bei einer Reihe wichtiger Agrarerzeugnisse
von einem starken Importeur zu einem wichtigen Exporteur entwickelt - vor
allem durch die Anwendung von Subventionen; unter anderem bei Rind- und Kalbfleisch, Weizen, Zucker und Geflügel.
Die Vereinigten Staaten sind ferner besorgt über den Zugang zum EG-Markt
selbst für viele Produkte, die durch variable Importabgaben und andere Maßnahmen geschützt sind.
Die dringendsten Besorgnisse hinsichtlich der potentiellen amerikanischen
Exportverluste betreffen EG-Erörterungen über eine interne Besteuerung von
pflanzlichen ölen, die einen amerikanischen Markt im Wert von über 3 Milliarden
Dollar für Sojabohnen und Sojabohnenerzeugnisse bedrohen würden, sowie Gespräche über die Behinderung des Marktzugangs für Nichtgetreide-Futtermittel ein Markt im Werte von rund 700 Millionen Dollar jährlich.
Die Administration hat bereits vor einiger Zeit beschlossen, daß die
Vereinigten Staaten nicht länger etwas dulden würden, was wir als unfaire
Handelspraktiken der EG betrachten.
Man kam
- 7 -

�Man kam zu der Erkenntnis, daß die frühere Methode, die Dinge fragmentarisch zu betrachten, wobei die Industrieinteressen Amerikas einen Weg
und die Agrarinteressen einen anderen Weg gingen, nicht funktioniert.
Um diese Anstrengungen unter einen Hut zu bringen, hat das amerikanische
Landwirtschaftsministerium die Führung bei der Ausarbeitung einer interministeriellen Strategie für die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der
EG übernommen. Dieser Plan wurde vom Kabinett gebilligt, und zum ersten Mal
nehmen die Vereinigten Staaten einen einheitlichen, von der ganzen Regierung
getragenen Standpunkt zu den Problemen des Agrarhandels mit der Europäischen
Gemeinschaft ein.
Seit Frühjahr vorigen Jahres ist unsere Botschaft bezüglich der Handelspolitik der Gemeinschaft durch Staatssekretär Lodwick und mir, durch die
Minister Haig und Baldridge, Botschafter Brock und andere übermittelt worden.
Die Botschaft besagt ganz einfach, daß die Vereinigten Staaten nicht
länger Handelsverzerrungen durch unfaire EG-Praktiken hinnehmen werden. Wir
sind bereit und willens, mit der EG an der Lösung von Handelsproblemen zu
arbeiten, aber wenn das nicht gelingen sollte, dann sind wir bereit, unsere
Handelsrechte zu verteidigen.
Wir waren sehr erfreut, als im Sommer vorigen Jahres die Gemeinschaft
nach sehr nachhaltigen amerikanischen Vorstellungen zumindest vorläufig ihren
Vorschlag zurückstellte, eine interne Steuer auf pflanzliche öle einzuführen.
Wir waren ferner über die Ergebnisse des ersten historischen Treffens von Außenminister Haig, Botschafter Brock und mir mit Präsident Thorn, Landwirtschaftskommissar Dalsager und anderen hohen Vertretern der Gemeinschaft in Brüssel im
Dezember vorigen Jahres erfreut.
Während dieser sehr offenen Gespräche kam man überein, daß Agrarprobleme
die schwierigsten seien und ihre Lösung oberste Priorität erfordere.
Wir kamen im Februar erneut zusammen, als, wie Sie wissen, Mitglieder
des Kongresses mitbeteiligt waren, um die Entschlossenheit der USA zum Ausdruck zu bringen, ihre Handelsrechte zu schützen. Für diesen Monat sind weitere
Gespräche vorgesehen. ...
+++++
- 8 -

�11

17. März 1982

STOESSEL ÄUSSERT SICH ZUM PROBLEM DER SOWJETISCHEN ERDGASLEITUNG

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Walter Stoessel, hat darauf hingewiesen, daß es wahrscheinlich für die
Vereinigten Staaten aussichtslos sei, das Erdgasgeschäft zu blockieren, durch
das westeuropäische Länder sowjetisches Erdgas beziehen werden. "Weiterhin
darauf zu drängen, die Erdgasleitung zu stoppen, wäre wahrscheinlich aussichtslos, und würde zudem zu großer Spannung im Atlantischen Bündnis führen", sagte
Stoessel am 10. März 1982 im Verlauf eines Gespräches mit einer Gruppe von
Amerikanern osteuropäischer Abstammung.
Die Vereinigten Staaten haben wiederholt gegenüber westeuropäischen Regierungen ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß eine Abhängigkeit bei der
Energieversorgung von der UdSSR sie potentiell in eine Lage der Verwundbr^keit
gegenüber strategischer Erpressung durch die Sowjetunion versetzen würde. Zudem ist Washington der Meinung, daß die harte Währung, die Moskau an dem Erdgasgeschäft verdient, die industrielle Entwicklung der Sowjetunion zum Nachteil des Westens beschleunigt.
"Es ist deutlich geworden, daß die Leitung gebaut werden kann - gleich,
welche Haltung wir einnehmen, und egal, was wir tun. Die Sowjets könnten es

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�könnten es auch alleine machen. Es wäre dann teurer, und es käme zu Verzögerungen, aber es würde gehen", sagte Stoessel.
In Washington ging es um die Frage, ob man versuchen sollte, den Bau der
10 Milliarden Dollar teuren Leitung zu verhindern, indem europäischen Tochterfirmen amerikanischer Gesellschaften verboten würde, Ausrüstung an die Sowjetunion zu verkaufen, die für den Bau notwendig ist. Die Reagan-Administration
hat bisher zu dieser Frage noch keine formelle Entscheidung bekanntgegeben.
Stoessel sprach auch über die Reise, die Staatssekretär Buckley vom
13.-19. März nach Europa führt, um die Regierungen dort dazu zu drängen, bei
Finanzkrediten für Moskau restriktiver zu sein. "Wir sind der Überzeugung,
daß es nötig ist, daß wir zusammen mit unseren Verbündeten die Lage analysieren
und zu einer konzertierten Haltung gelangen, bei der wir nicht mehr länger die
Entwicklung der sowjetischen Industrie subventionieren."
Stoessel bezeichnete es als Ziel der Mission Buckleys, "diese Frage der
Kredite zu prüfen und Vereinbarungen auszuarbeiten, damit wir in Zukunft in
diesem Bereich rationaler und zurückhaltender handeln können."
Buckley wird von hohen Beamten des Verteidigungs-, des Finanz- und des
Handelsministeriums sowie des Nationalen Sicherheitsrats begleitet. Besucht
werden Bonn, London, Paris, Rom und Brüssel.
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�11

17. März 1982

BOTSCHAFTER FIELDS: VERIFIZIERBARKEIT UND EINHALTUNG VON
ABKOMMEN OBER KERNWAFFENTESTSTOPPS ENTSCHEIDEND
Erklärung des amerikanischen Vertreters beim Abrüstungsausschuß -

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen des UNAbrüstungsausschusses um eine wirksame Verifizierung eines Abkommens über die
Einstellung von Atomversuchen und dessen Einhaltung.
Botschafter Louis Fields, der amerikanische Vertreter beim Abrüstungsausschuß - die bedeutendste multilaterale Stelle für Abrüstungsverhandlungen erklärte am 11. März 1982, daß wirksame Verifizierung und Einhaltung zu den
Hauptsorgen im Zusammenhang mit der Frage eines

umfassenden Testverbots ge-

hörten.
"Meine Delegation ist der Ansicht, daß der Ausschuß in dieser Hinsicht einen
nützlichen Beitrag leisten kann. Sollte es zu einem Konsens über die Einsetzung
eines Unterausschusses kommen, der jene Themen festlegt und diskutiert, die
mit Verifizierbarkeit und Einhaltung zusammenhängen und mit denen man sich bei
jeder Art von umfassendem Teststöppabkommen auseinanderzusetzen hätte, so würde
sich meine Delegation einem solchen Konsens anschließen."
Fields verwies

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Telex: 08-85432

�Fields verwies jedoch darauf, daß die Haltung der amerikanischen Regierung
hinsichtlich des Gesamtproblems eines umfassenden Teststopps unverändert sei.
"Das Ziel einer völligen Einstellung von Atomexplosionen bleibt Element innerhalb des gesamten Spektrums der langfristigen Rüstungskontrollziele der Vereinigten Staaten. Wir glauben jedoch nicht, daß unter den derzeitigen Umständen
ein solcher Bann dabei hilfreich sein könnte, die Bedrohung durch die Kernwaffen zu vermindern oder die Stabilität des nuklearen Gleichgewichts aufrechtzuerhalten."
Auch wenn die Vereinigten Staaten für eine Arbeitsgruppe sind, die sich
mit der Verifizierbarkeit und der Einhaltung eines umfassenden Teststoppabkommens auseinandersetzt, so sind sie jedoch, nach Fields Worten, der Ansicht, daß die Errichtung eines Unterausschusses für das Thema eines Banns
von Atomtests "nicht der wirkungsvollste Weg zu sein scheint, dem man derzeit
folgen sollte."
Fields erklärte darüber hinaus, daß die Einsetzung eines solchen Unterausschusses im Rahmen des Abrüstungsausschusses zwecks Verhandlungen über die
nukleare Abrüstung "derzeit kein produktiver Schritt wäre, besonders angesichts der Tatsache, daß solche Verhandlungen bereits zwischen einigen der
Kernwaffenstaaten begonnen haben." "Ich erinnere zudem an die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen die Atomwaffenstaaten daran erinnert wurden, daß sie
die Hauptverantwortung für die Aufnahme solcher Verhandlungen haben", fügte
Fields hinzu und verwies noch einmal darauf, daß die Vereinigten Staaten
Präsident Reagans Programm zur Verminderung der Atomwaffen "aktiv verfolgen".
"Die Elemente der amerikanischen Kernwaffenkontrollpolitik - einschließlich der derzeitigen Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme
und der Vorbereitungen zum Beginn von Verhandlungen über die Verminderung der
strategischen Rüstung - sind zwingender Beweis für den Ernst, den die Vereinigten
Staaten der Kernwaffenkontrolle und der Abrüstung beimessen", sagte Fields.
Seine Delegation beteilige sich aktiv an den Anstrengungen des Abrüstungsausschusses, ein Abkommen über ein multilaterales Verbot von radiologischen
Waffen zu erreichen. Zudem arbeiteten die Vereinigten Staaten "hart daran,

�"hart daran, das Fundament für ein umfassendes und verifizierbares Verbot der
chemischen Waffen zu legen. Präsident Reagan hat erklärt, daß ein solches Verbot - wirksam und verifizierbar - Ziel der Vereinigten Staaten ist und daß er
beabsichtigt, dieses Ziel innerhalb dieses Forums tatkräftig zu verfolgen".

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17. März 1982

UNTERSTAATSSEKRETÄR ENDERS: BEDEUTSAME REFORMEN IN EL SALVADOR

BUENOS AIRES - (AD) - Der Unterstaatssekretär für interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Thomas Enders, ist der Ansicht, daß sich in El Salvador ein "Mittelweg" zwischen den beiden Extremen
von rechts und links entwickelt. Die derzeitige reformbereite Regierung unter
Jose Napoleon Duarte sowie die bevorstehenden Wahlen am 28. März in diesem
mittel amerikanischen Land, so sagte er am 9. März 1982 auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires, böten die Hoffnung, daß El Salvador "sich die erste
legitime Regierung geben wird, die es jemals hatte".
Obgleich offensichtlich sei, daß "es noch einen langen Kampf geben wird",
erkannte Enders in der Regierung Duarte einen Initiator sozialer wie politischer
Reformen: "Sie hat eine der bedeutsamsten Landreformen durchgesetzt, die jemals
in dieser Hemisphäre versucht wurden". Bereits jetzt seien die größten Landgüter aufgeteilt, und es gebe nunmehr 32 000 Landbesitzer anstelle der bisherigen 242, denen Güter in Größenordnungen von über 500 Hektar gehörten.
Außerdem werde das Kleineigentum, das bisher von Tagelöhnern und Kleinpächtern
bewirtschaftet wurde, noch in diesem Jahr zugeteilt.
Enders unterstrich,

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�Enders unterstrich, daß der erste Schritt bei den politischen Reformen
die Wahlen seien. "Dem müssen jedoch die Schaffung einer Verfassung sowie
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen folgen."
Außerdem verwies Enders darauf, daß Costa Rica, Honduras und El Salvador
eine mittel amerikanische, demokratische Gemeinschaft geformt haben, "um wirtschaftliche und politische Unterstützung anderer Demokratien zu erbitten.
Kolumbien, Venezuela und die Vereinigten Staaten haben auf dieses Ersuchen
reagiert. Es gibt also eine kollektive Aktion."
Enders wies erneut darauf hin, daß die nicaraguanische Regierung die
Miskito-Indianer in großem Umfang unterdrücke und sie zum Verlassen ihrer
Dörfer und zum Leben in Regierungslagern zwinge. Zum Zeitpunkt, als er
Washington verlassen habe, so Enders, lebten bereits rund 6 000 MiskitoFlüchtlinge in Lagern in Honduras, nachdem sie der Verfolgung durch die
Sandinisten entflohen waren.
Teil der amerikanischen Anstrengung, die subversiven Tätigkeiten Kubas
in Mittelamerika einzuschränken, sei die Errichtung eines Rundfunksenders
- Radio Marti. Dies stelle eine Möglichkeit dar, "das Monopol bei Nachrichten
und politischen Kommentaren zu brechen, das der kubanische Rundfunk gegenüber
seinem eigenen Volk hat."
Das kubanische Volk hat den Worten Enders zufolge für die "sehr ehrgeizigen außenpolitischen Abenteuer Kubas in den vergangenen zwanzig Jahren
in Afrika und nunmehr in Mittelamerika" mit seinem niedrigen Lebensstandard
teuer bezahlt. "Abenteuer dieser Art wären nicht möglich, wenn das kubanische
Volk genauer wüßte, was seine eigene Regierung tut."
Auf eine Frage nach der Wirkung von Präsident Reagans Initiative für das
karibische Becken räumte Enders ein, daß sie spät komme; es sei jedoch besser,
"es jetzt zu tun, als es nie zu tun". Zwei Drittel der Regierungen im karibisehen Raum seien Demokratien, und die Initiative ziele darauf ab, daß sie
dies durch das Angebot von Hilfe für ihre "zerbrechlichen und bedrohten Volkswirtschaften" auch blieben.
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17. März 1982

US-EXPERTEN: GUERILLA IN EL SALVADOR WIRD VON AUSSEN UNTERSTÜTZT

WASHINGTON - (AD) - Leitende Beamte früherer demokratischer wie republikanischer Administrationen in den Vereinigten Staaten gaben am 10. März 1982
ihrer festen Oberzeugung Ausdruck, daß die Guerilla in El Salvador Unterstützung aus nicaraguanischen und kubanischen Quellen findet.
Nach einer Unterrichtung im Außenministerium, bei der ihnen Geheimmaterial über Mittelamerika vorgelegt wurde, erklärten die Beteiligten, es läge
nicht im Interesse der Vereinigten Staaten, alle verfügbaren Informationen zu
veröffentlichen, die die Unterstützung der Guerillatätigkeit in El Salvador
von außen dokumentieren.
William P. Rogers, ehemaliger Außenminister unter Präsident Richard Nixon,
erklärte jedoch, die der Gruppe vorgelegten Beweise seien "überwältigend" gewesen.
"Ich glaube,

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�"Ich glaube, es gibt keinerlei Zweifel hinsichtlich der Tatsache, daß
die Guerilla in El Salvador von Nicaragua und Kuba Unterstützung und Leitung
erhält", sagte Rogers.

"Jeder, der an diesem Treffen teilgenommen hätte,

wäre davon überzeugt worden, daß der Standpunkt der amerikanischen Regierung
fundiert ist. Dies war die gemeinsame Ansicht aller Anwesenden."
Brent Scowcroft, Sicherheitsberater unter Präsident Gerald Ford, erklärte, die Informationen des Außenministeriums seien ein "sehr überzeugender Beweis" für äußere Unterstützung der Guerilla-Aktivitäten in El Salvador.
"Sie waren zutiefst beunruhigend" und boten Beweise für "Unterstützung seitens Nicaraguas und in gewissem Umfang seitens Kubas."
Robert Strauss, amerikanischer Repräsentant für Handelsverhandlungen
unter Präsident Jimmy Carter, stellte fest, daß die Mitteilungen "eindrucksvolles Beweismittel" gewesen seien, die "auf überzeugende

Weise" die äußere

Einmischung in El Salvador belegten. Wegen des nationalen Interesses könne
er das Zögern der Reagan-Administration verstehen, "wirklich umfassend vor
die Öffentlichkeit zu treten" und die sensitiven Geheiminformationen vorzulegen.
Lloyd Cutler, ein Berater Präsident Carters, stellte befriedigt fest,
daß "diese Geheiminformationen die unvermeidliche Schlußfolgerung zulassen,
daß die nicaraguanische Regierung die salvadorianische Guerilla materiell
unterstützt, um ihre Streitkräfte zu organisieren und zu kommandieren und
daß sie ihnen die meisten ihrer Waffen und die Transportmittel zur Verfügung
stellt."

Es sei auch deutlich geworden, daß "die kubanische Regierung un-

mittelbar an Nicaraguas Militärhilfe für die Guerilla in El Salvador beteiligt ist."
Sol Linowitz, unter Präsident Carter Sonderbeauftragter für den Nahen
Osten und ehemals Botschafter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
unterstrich die umfassende Information, die die Gruppe erhalten hatte, und
nannte die Beweise "glaubwürdig und einen Grund zur Sorge."
Anne Armstrong,

�Anne Armstrong, Vorsitzende des Beraterausschusses des Präsidenten

für

Auslandsaufklärung und ehemalige amerikanische Botschafterin in Großbritannien,
stellte fest:

"Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, daß dieser Auf-

ruhr von den Nicaraguanern und den Kubanern gelenkt wird, sehr wahrscheinlich
auch von anderen."
Leo Cherne, Stellvertretender Vorsitzender des Beraterausschusses, erklärte, er verlasse das Treffen "völlig überzeugt, daß die Veröffentlichung
des uns vorgelegten Materials die weitere Möglichkeit der Vereinigten Staaten,
solches Geheimmaterial zu erhalten, gefährden" würde. Cherne ließ keinen
Zweifel daran, daß "die Beweise äußere Einmischung in El Salvador zeigen."

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17. März 1982

US-EXPERTEN: HOFFNUNGSVOLLE ZEICHEN FÜR WAHLEN IN EL SALVADOR
- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola-Neely -

WASHINGTON - (AD) - Wenn es der Guerilla in El Salvador nicht gelingt,
die Wähler am Wahltag vor einer Stimmabgabe abzuschrecken, dann könne es in
diesem Land aufgrund der Wahlen eine demokratische Regierung geben.
Dies ist die Ansicht des amerikanischen Wahlforschers Richard Scammon,
der zusammen mit seinem Kollegen Howard Penniman als Mitglied der von den USA
benannten Beobachtergruppe für die Wahlen in El Salvador von einem ersten Besuch dieses Landes nach Washington zurückgekehrt ist.
Scammon wies darauf hin, daß trotz der Guerilla-Drohungen und bürgerkriegsähnlicher Unruhen in Venezuela im Jahre 1963 die Bevölkerung eine demokratische Regierung gewählt habe, die sie heute noch unterstütze. Dasselbe
habe sich 1966 in der Dominikanischen Republik nach dem Sturz von Trujillo
ereignet.
Sowohl Scammon als auch Penniman zeigten sich beeindruckt von den Vorbereitungen, die in El Salvador für die Wahlen am 28. März getroffen werden.
Alles sei gut organisiert und verlaufe nach Plan, sagten die beiden

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�die beiden amerikanischen Wahlforscher. Nach ihren Beobachtungen und Feststellungen unterstütze der Großteil der Bevölkerung die Wahlen, über eventuelle
Manipulierungen der Wahl zeigten sich die amerikanischen Experten nicht allzu
besorgt. Dies sei nicht so einfach, sagte Scammon, wenn mehrere Hundert ausländische Pressevertreter und Beobachter Zeuge des Wahlprozesses seien. Auch
die sechs an der Wahl beteiligten Parteien sowie die Gewerkschaften wollen
Beobachter zu den rund 300 Wahllokalen überall im Lande entsenden.
Die Wahlbeteiligung bereitet nach Ansicht der amerikanischen Beobachter
die größte Sorge; es ist schwierig, die Zahl der stimmberechtigten Wähler zu
schätzen und auch, in welchem Ausmaß die Drohungen der Guerilla gegenüber den
Wählern Erfolg haben werden. Nach Schätzungen der zuständigen Stellen in El
Salvador gibt es nur etwa 1,4 Millionen Stimmberechtigte im Lande. Viele
Wähler dürften den Urnen fernbleiben, wenn sie fürchten, daß die GueriHeros
im Falle der Stimmabgabe ihre Häuser niederbrennen oder ihnen die Finger abhacken. Deshalb soll statt der roten Farbe, die Spuren an den Fingern der
Wähler hinterlassen würde, eine andere Methode angewandt werden, die nur mit
Hilfe ultravioletter Strahlen bei den Betroffenen auszumachen wäre.
Die Regierung kann nicht viel für den Schutz der Wähler tun. Armeeeinheiten
werden in der Nähe der Wahllokale stationiert, um für den Fall von Unruhen einzugreifen. Nach der Wahl wäre es jedoch schwierig, die Wähler vor Vergeltungsmaßnahmen der Guerilla zu schützen. Unter diesen Umständen schätzt Penniman
die Wahlbeteiligung nur auf etwa vierzig Prozent.
Nach den Worten Scammons ist der Wahl kämpf in vollem Gange. Jeder der
sechs Parteien ist im Rundfunk und im Fernsehen freie und gleiche Sendezeit
eingeräumt worden. Jeder Stimmberechtigte, der über die erforderliche Identitätskarte verfügt, kann in einem Lokal seiner Wahl seine Stimme abgeben, was
für die Menschen in den Flüchtlingslagern eine Erleichterung bedeutet. Der
Wahlmechanismus ist einfach und für jedermann verständlich. Die Stimmzettel
tragen nur den Namen der sechs Parteien und deren Symbole - für jene, die
nicht lesen können. Der Wähler braucht nur die Partei seiner Wahl anzukreuzen.
Die beiden amerikanischen Wahlexperten rechnen mit inoffiziellen Ergebnissen etwa sechs bis neun Stunden, nachdem die Wahllokale um 18.00 Uhr
- 2 -

�um 18.00 Uhr Ortszeit geschlossen haben. Sie werden mit den übrigen Mitgliedern
der amerikanischen Beobachtergruppe rechtzeitig vor der Wahl nach El Salvador
zurückkehren, um sich ein Bild von dem eigentlichen Wahlverlauf zu machen.
Scammon und Penniman waren bereits als Wahlbeobachter in Vietnam, Ulster,
Zimbabwe und der Dominikanischen Republik.
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17. März 1982

BEWEISE FÜR MILITÄRISCHE ROSTUNG IN NICARAGUA
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Die Reagan-Administration hat sich zu dem außergewöhnlichen
Schritt entschlossen, vom amerikanischen Geheimdienst gesammeltes Material
zu veröffentlichen, um damit die Behauptung zu untermauern, daß Nicaragua
auf dem Wege ist, sich zur stärksten Militärmacht Mittelamerikas zu entwikkeln - und dies mit Hilfe Kubas und der Sowjetunion.
Der rasche Ausbau der Streitkräfte in Nicaragua geht dabei weit über
die Verteidigungserfordernisse des Landes hinaus.
Die von der amerikanischen Regierung veröffentlichten Luftaufnahmen
sind Beweise einer gewaltigen Ausweitung der militärischen Einrichtungen
Nicaraguas.

Seit die Sandinisten vor zweieinhalb Jahren an die Macht gelang-

ten, wurden 36 neue Kasernen gebaut - bei der Machtübernahme waren es 13.
Die neuen Standorte sind - wie die Fotos zeigen - im Stil der Garnisonen in
Kuba und in der Sowjetunion angelegt.

Bei einigen dieser Militärlager zei-

gen die Fotos deutlich Panzer und Flugabwehrgeschütze.
Außerdem ist

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Telex: 08-85432

�Außerdem ist Nicaragua dabei, mindestens vier Flugplätze auszubauen.
Luftaufnahmen vom Januar zeigen einen Flugplatz, dessen Landebahn nunmehr
verdoppelte Länge

hat.

Die einzige plausible Erklärung dafür ist, daß der

Flugplatz dazu dienen soll, modernste sowjetische MIG-Kampfflugzeuge aufzunehmen.
Die Regierung der Sandinisten baut ein stehendes Heer von über 25 000
Mann auf.

Zusammen mit der Miliz bedeutet dies eine militärische Kapazität

von insgesamt fast 70 000 Mann - mit Abstand die größte in Mittelamerika.
In Nicaragua befinden sich derzeit über 2000 kubanische Militärberater
- sowie weitere 50 bis 75 Berater aus der Sowjetunion.
Kein einziger der Nachbarn von Nicaragua verfügt über so viele Soldaten
und Waffen.

Costa Rica hat noch nicht einmal eine Armee.

sich die Frage:

Warum diese fieberhafte Aufrüstung?

Deshalb stellt

In den Vereinigten

Staaten herrscht die Sorge, daß dies den Aufbau eines militärischen Stützpunktes in Nicaragua signalisiert, der als Ausgangsbasis für Aggressionen
gegen die Nachbarn dienen könnte.

Schon jetzt verfügen die Vereinigten Staa-

ten über Beweise, daß Nicaragua sowjetische Waffen an die Linksguerilla in
El Salvador weitergibt.
Die Regierung unternahm den außergewöhnlichen Schritt einer Veröffentlichung von geheimen Luftaufnahmen, um die amerikanische Öffentlichkeit über
die Gefahr zu unterrichten, die die militärische Aufrüstung in Nicaragua darstellt.
Die Vereinigten Staaten versuchen noch immer, die Beziehungen zu
Nicaragua zu normalisieren.

Sie würden gern den Zusicherungen der Sandinista-

Regierung Glauben schenken, daß sie keine offensive Militärkapazität entwickelt.

Aber die Beweise sprechen eine andere Sprache.

+ + + + +

�Wi//cn/chcift
und Technik

•

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

17. März 1982

DRITTER EINSATZ DER RAUMFÄHRE "COLUMBIA"
Start voraussichtlich am 22. Mä'rz zu siebentägigem Testflug
Von 6. Weiss

- (AD) - Jack R. Lousma (46), Oberst des Marinekorps und Astronaut mit
59 Tagen Flugerfahrung an Bord von SKYLAB im Jahr 1973, wird zusammen mit dem
"Neuling" C. Gordon Füll ertön (45), Oberst der Luftwaffe, den amerikanischen
Raumtransporter COLUMBIA beim dritten Testflug führen. Wenn alles nach Plan
verläuft, wird der "Space Shuttle" am 22. März 1982 starten, etwas mehr als
sieben Tage (insgesamt 171 Stunden) im Weltraum bleiben und in dieser Zeit
die Erde 116 Mal umkreisen.
Die Testflugphase schließt auch noch den vierten Einsatz ein.
soll am 7. Juli 1982 beginnen und ebenfalls sieben Tage dauern.

Dieser

Erst dann

kann die Entwicklung der Raumfähre als im großen und ganzen als abgeschlossen
gelten, obgleich auch in der Folgezeit noch einige Änderungen wie z.B. Verwendung eines wesentlich leichteren Außentanks (Gewichtseinsparung zugunsten der
Nutzlasten) vorgesehen sind.

Während der ersten vier Flüge werden die even-

tuell noch bestehenden Risiken der neuen Technologie und die Möglichkeiten für
weitere Verbesserungen im Betrieb und bei der Ausrüstung ausgelotet. Trotz der

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�Trotz der technischen Pannen beim zweiten Flug (12. - 14. November 1981)
und dessen Abkürzung von 114 auf 54 Stunden hat sich inzwischen das Gesamtprogramm von der Konzeption und Ausführung her als überaus erfolgreich und
bahnbrechend für die Zukunft der bemannten Raumfahrt erwiesen.
Der Raumtransporter ist das erste Gerät, das wiederverwendbar ist und,
mit Tragflächen und Steuerklappen ausgerüstet, in der erdnahen Luftschicht
wie ein Flugzeug operiert und schließlich wie dieses landet.

Schon jetzt

hat es den Anschein, daß die damit gewonnenen Erkenntnisse dazu führen werden, beim Bau und Betrieb bestimmter Windkanal typen und anderer Anlagen zur
aerodynamischen Forschung gewisse Änderungen vorzunehmen.

Auch die Konstruk-

tion künftiger Raumfluggeräte sowie von schnellen, hochfliegenden Flugzeugen
dürfte nicht unbeeinflußt bleiben.
.

Überholungszeiten werden kürzer
COLUMBIA mit den anmontierten Feststoffraketen samt Außentank für
flüssigen Wasserstoff und Sauerstoff (Treibstoff für die drei Haupttriebwerke)
steht bereits seit dem 16. Februar wieder an der Startrampe 39 A von Kap
Canaveral.

Zwei

Monate war der Orbiter nach dem Huckepacktransport auf einer

Boeing 747 von Kalifornien nach Florida im Hangar gründlich inspiziert und
überholt worden, ehe er zum Aufrichten und für den Zusammenbau mit dem Außentank und mit den Feststoff-"Boostern" in die riesige Montagehalle des KennedyRaumflugzentrums gezogen
deutlich kürzer:

wurde.

Die Wartungs- und Oberholungszeiten werden

Waren vor dem ersten Flug (12. - 14. April 1981) noch 612

Tage im Hangar und 35 Tage in der Montagehalle erforderlich, so dauerte die
Vorbereitung für den zweiten Flug 103 bzw. 21 Tage und ging bei dem jetzt bevorstehenden dritten Flug auf 69 Tage (von denen aber nur 47 "echte" Arbeitstage im Hangar waren) und 114 Tage in der Montagehalle zurück.
George Page, Flugdirektor der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA für
das Space-Shuttle-Programm, erklärt dies u.a. mit der inzwischen sehr viel
größeren Routine der Technikergruppen im Umgang mit dem neuartigen Fluggerät und mit verbesserten Hilfsmitteln zur Durchführung der Hangar- und Montage- 2 -

�und Montagearbeiten.

Auch seien die einzelnen Aufgaben nach dem zweiten Flug

im November 1981 weit weniger umfangreich als nach dem ersten Flug gewesen.
Wichtige Punkte waren z.B. der Ersatz (und die gründliche Untersuchung durch
die Herstellerfirma) der Brennstoffzelle, wegen der der zweite Flug vorzeitig
beendet wurde, der Einbau größerer Brennstoffzellen-Tanks zur Erzeugung von
mehr Strom und Wasser angesichts der vorgesehenen längeren Flugdauer, der Ersatz eines schadhaften Hilfsstromaggregats und von 449 Kacheln des Hitzeschildes.
Nach dem ersten Flug war CLUMBIA mit Hitzeschildschäden zurückgekommen,
die die Montage von 1872 neuen Keramikplatten notwendig machten. Nach der
Rückkehr vom zweiten Flug fielen an manchen Schutzplatten Blasenbildung, Verfärbung und verkohlte Streifen in der Oberflächenschicht auf - bei einigen
Silikatplatten war diese sogar teilweise abgeplatzt. Die Ursachen werden
noch untersucht (als Ursache der Blasenbildung wird Feuchtigkeitsaufnahme bei
starken Regengüssen vor dem Start vermutet). Jedoch waren die Schäden insgesamt viel geringer als nach dem ersten Flug, obgleich das von Joe Engle
durchgeführte Wiedereintrittsmanöver weitaus "aggressiver" war als das von
John Young.

Programm für STS-3
Beim dritten Einsatz der COLUMBIA (STS-3, Abkürzung für "Space Transportation System, Mission 3") ist ein äußerst umfangreiches technologisches und
wissenschaftliches Arbeitsprogramm vorgesehen. Zwar konnten sich Joe Engle
und Richard Truly über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Sie erfüllten trotz
der verkürzten Flugdauer dank der Flexibilität des Programms alle wichtigen
Zielsetzungen.

Die Ausbeute an Meßdaten und Versuchsergebnissen (ausgenommen

das Pflanzenwachstumsexperiment mit Samen einer Zwergart von Sonnenblumen,
für das die Zeit zu kurz war) war überraschend umfangreich.
Auch dieses Mal ist COLUMBIA eine fliegende Meßstation mit mehr als 3500
Sensoren,

über 1100 technische Tests hat die NASA für die vier TestfVüge vor- 3 -

�Testflüge vorgesehen. Mikrophone, Sensoren zum Erfassen von Zug- und Druckbelastungen an den Bauteilen, Instrumente zum Messen von Geschwindigkeiten,
Drücken, Temperaturen, Lärmpegeln und Geräuschen, von Gasen, die im gesamten
System frei werden, von Biegekräften und Materialreaktionen an der Zelle liefern eine Flut von Daten. Selbst winzige Staubpartikel, die sich möglicherweise beim Start vom Fluggerät lösen, in der Ladebucht schweben und Messungen mit Instrumenten oder Teleskopen stören könnten, werden unter Beobachtung
gehalten.
Während beim Unternehmen STS-2 Rückkehrmanöver und Landung teilweise
manuell gesteuert wurden, übernehmen bei STS-3 und STS-4 Computer die volle
Kontrolle - vom Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bis zum Ausrollen und
Stillstand auf der Landepiste.

Der Eintrittswinkel in die Atmosphäre soll

künftig flacher gehalten werden und statt 40 Grad, wie bisher, weniger als
38 Grad (schließlich sogar nur 28 Grad) betragen.

Die mechanische und ther-

mische Belastung ist dann größer. Aber der Orbiter ist für solche Beanspruchungen ausgelegt.
Auch Lousma und Fullerton werden, wie Engle und Truly, Experimente mit
dem CANDARM ausführen - jenem mehrgliedrigen, 15 m langen "Robotarm", mit
dem Nutzlasten verschiedenster Größe und Masse im Weltraum abgesetzt oder
eingeholt werden können.

Er wird z.B. im Verlauf der Mission STS-3 einen

Abluftmonitor (environmental contamination monitor), der zahlreiche Sensoren
und Meßinstrumente enthält, in bestimmte Positionen außerhalb der geöffneten
Ladebucht bringen und der direkten Einwirkung von Gasen und anderen Emissionen
der COLUMBIA aussetzen.

Zweck dieses Experiments ist es, herauszufinden,

ob vom Orbiter emittierte Partikel und Gase die Meßdaten anderer Instrumente
oder von wissenschaftlichen Nutzlasten beeinträchtigen oder verfälschen könnten, und wie dem zu begegnen sei. Während des bevorstehenden Fluges wird
auch erstmals ein System erprobt, das künftigen NASA-Kunden die Möglichkeit
bietet, eigene Instrumentensätze oder Mini-Laboratorien zur Durchführung bestimmter Aufgaben im nahezu schwerelosen Zustand auf einen Orbiter-Flug mitzugeben und gegen "Platzmiete" im Nutzlastraum installieren zu lassen.

Vor

allem kleinere Firmen, Laboratorien oder auch einzelne Forscher und selbst

�und selbst Oberschulen

werden - vermutlich schon beim nächsten Flug,

STS-4 - diese Dienstleistung der NASA in Anspruch nehmen.

Ende Januar 1982

lagen bereits Anmeldungen von fast 200 potentiellen Kunden zur Mitnahme von
320 Experimentierkanistern vor.
Pro Flug können bis zu 15 solcher Mietraum-Kanister zugeladen werden,
von denen einer bis zu 12 verschiedene Experimentierausrüstungen enthält.
Der kleinste Mietplatz mißt 0,135 cbm und kann 90 kg Experimentiermaterial
und Ausrüstungen aufnehmen. Kostenpunkt: Ca. 3000 Dollar. Die NASA fordert,
daß die Versuche automatisch laufen und nicht der Wartung durch die Astronauten bedürfen. Der beim STS-3-Flug an Bord installierte Kanister ist allerdings nur eine Attrappe von 182 kg Masse. Im Behälter befinden sich akustische
Meßgeräte, Vibrations-, Druck-, Wärme- und Beschleunigungssensoren, deren
Daten künftigen Kunden helfen sollen, die Parameter bei der Anlage ihrer eigenen Experimente zu berücksichtigen und, falls erforderlich, Schutzvorkehrungen gegen eine Beeinträchtigung der Versuche zu treffen.

Temperaturextreme
In einem jetzt erstmals durchgeführten Versuch will die NASA herausfinden, wie sich extreme Temperaturen auswirken: Die Besatzung wird den Orbiter zunächst 80 Stunden lang in einer Position halten, in der die Nase zur
Sonne gerichtet ist. Später geschieht dasselbe 30 Stunden lang mit dem Heck,
zuletzt für 26 Stunden mit der Ladebucht. Die jeweils der Sonne zugekehrten
Segmente werden sehr heiß, alle übrigen nehmen äußerst tiefe Temperaturen an.
Es ist wichtig, zu wissen, wie groß die Temperaturunterschiede werden können
und ob sich die Laderaumtore auch dann noch schließen lassen, wenn das Fluggerät ungleiche Wärmewerte aufweist. Ein rasches Schließen der Tore könnte
z.B. im Fall einer schwerwiegenden Panne notwendig werden, die die vorzeitige
Rückkehr zur Erde verlangt. Mit offenen oder unvollständig geschlossenen Toren wäre jedoch die Rückkehr nicht möglich.

Die NASA-

�Die NASA-Abteilung für Weltraumforschung und Technologie-Anwendung
hat Versuche aus verschiedenen Gebieten vorbereitet:

Untersuchung des mög-

lichen Einflusses von Schwerelosigkeit auf das Wachstum faseriger bzw. holziger Anteile am pflanzlichen Gewebe, z.B. bei Setzlingen von Gurken,
Hafer und Erbsen; elektrische Felder und atmosphärische Teilchen in der Umgebung der Raumfähre; Wärmeverteilung innerhalb des Fluggeräts; Erfassung von
Strahlen in bestimmten Spektralbereichen, Beobachtung von Eruptionen auf der
Sonne.
Für künftige Produktionsaufgaben im Weltraum ist ein weiteres Elektrophorese-Experiment zur Trennung biologischer Substanzen in der Schwerelosigkeit von Bedeutung.

Mit Hilfe dieser Technik hofft man,Impfstoffe mit hö-

herem Reinheitsgrad und wirksamere Arzneimittel herstellen zu können.
"Monodisperse Latex Reactor" dient einem ähnlichen Zweck.

Der

Im praktisch

schwerelosen Zustand sollen Kugelchen ganz bestimmter Größe als Träger für
Arzneistoffe hergestellt werden.

Die gleichmäßige Ausbildung der Kugelchen

ist im Weltraum eher als unter irdischen Bedingungen zu erreichen.
Um ca. 645 kg ist der externe Flüssigtreibstoff-Tank im Vergleich zum
COLUMBIA-Flug im November 1981 leichter.

Die Herstellerfirma verzichtete

auf den weißen Anstrich des riesigen Behälters und hielt auch die Schicht der
aufgesprühten Schaummasse zur thermischen Isolierung um einige Millimeter
dünner. Mit der NASA wurde inzwischen vereinbart, das Tankgewicht für STS-7
auf 32,35 Tonnen zu reduzieren (beim Tank für STS-3 beträgt es 34,4 Tonnen,
bei STS-2 waren es noch 35,05 Tonnen).

+ + + + +

- 6-

�</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. März 1982

11/B

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

Breschnew-Plan geht nicht weit genug

- Erklärung des US-Präsidenten zum sowjetischen Vorschlag Erklärung des Weißen Hauses zum Moratoriums-Vorschlag Breschnews
- Wortlaut Ost-West-Spannungen gefährden KSZE-Prozeß
- Rede des US-Delegierten vor der Vertagung der Madrider Konferenz

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

17. März 1982

REAGAN: BRESCHNEW-PLAN GEHT NICHT WEIT GENUG
Erklärung des US-Präsidenten zum sowjetischen Vorschlag

OKLAHOMA CITY - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 16. März 1982 zu
dem jüngsten Moratoriums-Vorschlag des sowjetischen Staats- und Parteichefs
Breschnew, dieser Plan sei einfach nicht gut genug, weil er nicht weit genug
gehe. Der amerikanische Präsident stellte diese erste Reaktion auf die Erklärung Breschnews an den Anfang einer Rede, die er vor dem Staatsparlament
von Oklahoma hielt.
Die Ausführungen Reagans haben folgenden Wortlaut:
Bevor ich heute morgen meine geplante Rede halte, möchte ich erneut zur
Frage der nuklearen Rüstungskontrolle Stellung nehmen - zu einem Thema, das al
len Amerikanern, unseren Verbündeten, den Menschen in aller Welt ein großes
Anliegen ist.

Die Hoffnung aller Menschen in allen Teilen der Welt ist der

Friede - Frieden nicht nur für diese Generation, sondern auch für alle kommenden Generationen.

Um den Frieden zu bewahren, um ihn für die Zukunft zu

sichern, dürfen wir nicht nur die Produktion nuklearer Waffen einfrieren, wir
müssen vielmehr das ungeheure Ausmaß reduzieren, das bereits besteht.
Jene, denen

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Telex: 08-85432

�Jene, denen der Friede ernst ist, jene, die wirklich das Potential für
die nukleare Zerstörung verabscheuen, müssen einen Anfang zu einem tatsächlichen Rüstungsabbau machen.

Präsident Breschnew hat ein einseitiges Mora-

torium für eine weitere Dislozierung von SS-20-Raketen gegen Westeuropa vorgeschlagen.

Ich sage heute, wie ich es schon gestern gesagt und es (in meiner

Rede) am 18. November klargemacht habe, daß ein Einfrieren einfach nicht gut
genug ist, weil dies nicht weit genug geht. Wir müssen über ein Einfrieren
hinausgehen.
Wollen wir doch einmal einige Tatsachen hinsichtlich des militärischen
Gleichgewichts in Europa betrachten. Die Sowjetunion verfügt derzeit über
300 brandneue SS-20-Raketen mit 900 dislozierten Gefechtsköpfen.

Sie kann

jedes Ziel in Europa treffen. Die NATO hat keine landgestützten Raketen, die
die UdSSR treffen könnten.
Wenn Präsident Breschnew nun anbietet, die Dislozierungen der auf Westeuropa gerichteten Raketen zu stoppen, so vergißt er zu erwähnen, daß es sich
um mobile Raketen handelt.

Es spielt keine Rolle, wo man sie aufstellt, denn

man kann sie überall hinbewegen, auch wieder zurück auf Westeuropa gerichtet.
Und selbst von Gebieten östlich des Ural

aus könnten sie immer noch Ziele

im größten Teil Westeuropas erreichen.
Unser Vorschlag, der gegenwärtig auf dem Verhandlungstisch in Genf liegt,
sieht vor, daß wir keine Mittelstreckenraketen in Europa dislozieren, wenn die
Sowjets ihrerseits zustimmen, das, was sie jetzt dort haben, voll und ganz abzubauen. Das ist nur fair. Das bedeutet Null auf beiden Seiten. Und wenn
es Präsident Breschnew ernst ist mit einer wirklichen Rüstungskontrolle - und
ich hoffe, es ist ihm ernst - dann wird er sich einer tatsächlichen Rüstungsreduzierung anschließen.

+ + + + +

�Dokumentation

ll

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11

17. März 1982

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM MORATORIUMS-VORSCHLAG BRESCHNEWS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 16. März 1982 in einer Erklärung eine erste Stellungnahme zu dem Vorschlag des sowjetischen Staats- und
Parteichefs Breschnew abgegeben, keine weiteren SS-20-Raketen mehr westlich
des Urals aufzustellen.

Dieser Vorschlag wird in Washington als ein Versuch

betrachtet, die sowjetische Überlegenheit festzuschreiben, die NATO zu spalten und der Sowjetunion eine unangefochtene Hegemonie in Europa zu gewähren.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Bei näherer Untersuchung ist das von Präsident Breschnew angebotene
"einseitige Moratorium" weder einseitig noch ein Moratorium.
Das Angebot, das hat Präsident Breschnew klargemacht, ist auf den europäischen Teil der Sowjetunion begrenzt

und läßt es damit der Sowjetunion frei,

ihren Aufbau von SS-20 östlich des Urals, durchaus in Reichweite Westeuropas,
fortzusetzen.

Wie wir bereits bei vielen Gelegenheiten festgestellt haben,

ist eine SS-20 bei ihrer Reichweite und Mobilität eine Bedrohung der NATO,
wo immer sie stehen mag.
Präsident

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�Präsident Breschnew verbindet sein "einseitiges" Angebot mit der Bedingung, daß die westlichen Vorbereitungen für die Dislozierung landgestützter
Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen, die im Dezember 1979 vereinbart
wurde, nicht fortgesetzt werden.

Diese Vorbedingung plus der Tatsache, daß

die Sowjets sowohl westlich als auch östlich des Urals Standorte für neue
SS-20-Raketen vorbereitet haben, demonstriert, daß es sich um eine Propagandageste handelt und daß die Sowjets in Wirklichkeit gar nicht die Absicht haben,
ihre Rüstung mit SS-20 zu stoppen.
Die sowjetische SS-20-Streitmacht übersteigt bereits die Dimensionen der
zu erwartenden Bedrohung, als die NATO im Dezember 1979 den Beschluß faßte,
amerikanische Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen in Europa zu dislozieren und durch Rüstungskontrolle eine Verringerung der geplanten Stärken der
weitreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme auf beiden Seiten anzustreben.
Die Sowjets verfügen heute über 300 dislozierte SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen.

Der Vorschlag Breschnews zur Einfrierung zielt, wie vorherige

sowjetische Erklärungen während der letzten drei Jahre, darauf ab, die Aufmerksamkeit von der gewaltigen Zunahme der sowjetischen Kapazitäten abzulenken,
die bereits stattgefunden hat, und von dem gewaltigen Übergewicht, das die
Sowjetunion damit erreicht hat.
Es ist bedauerlich, daß die Sowjets keine echte Zurückhaltung geübt haben, ehe sie mit ihrer SS-20-Aufrüstung begannen.

Die NATO ihrerseits hat be-

züglich der nuklearen Mittel Streckensysteme über ein Jahrzehnt lang Zurückhaltung geübt - die von den Sowjets ausgenutzt wurde.
Alles in allem ist der Vorschlag Präsident Breschnews weder ein Beweis
für sowjetische Zurückhaltung noch ist er geeignet, ein Rüstungskontroi labkommen zu fördern.

Wie frühere solche sowjetische Einfrierungsvorschläge

sucht auch dieser die sowjetische Überlegenheit zu legitimieren; der Sowjetunion freie Hand bei der Fortsetzung ihrer Aufrüstung zu lassen; das NAT0Bündnis zu spalten; die amerikanischen Dislozierungen zu stoppen und damit
der Sowjetunion eine unangefochtene Hegemonie über Europa zu sichern.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben in Genf konkrete Vorschläge für die völlige
Beseitigung von Raketen auf beiden Seiten unterbreitet, wie von Breschnew in
seinen heutigen Ausführungen zitiert wurde. Wir bedauern, daß die Sowjetunion
offensichtlich Propagandagesten einer Konzentration auf ernsthafte Verhandlungen in Genf vorzieht.

Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden mit voller

Unterstützung durch die Verbündeten weiterhin an der Durchführung beider Teile
des Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 über die Dislozierung neuer Systeme
in Europa und echte Rüstungskontrollanstrengungen festhalten, die nach unserer
Hoffnung die Dislozierung letztlich unnötig machen werden.
Der Vorschlag Breschnews, die Operationen von Raketen-Unterseebooten zu
begrenzen, ist ebenfalls kein ernsthafter Vorschlag. Amerikanische Unterseeboote sind, da sie sich in weiten Seegebieten bewegen können, unverwundbar vor
einem sowjetischen Angriff und stellen daher eine stabile Abschreckungsmacht
dar. Ihr Operationsgebiet in den Weltmeeren zu begrenzen, würde ihre Verwundbarkeit erhöhen und das Vertrauen in ihre Abschreckungskapazität aushöhlen.
Der sowjetische Vorschlag dient daher ausschließlich dem eigenen Interesse.
Nachdem sie einen großen Prozentsatz unserer landgestützten Interkontinentalraketen durch ihre große Interkontinentalraketenrüstung verwundbar gemacht
haben, versuchen die Sowjets jetzt mit ihrem Vorschlag, das Vertrauen, das wir
in das seegestützte Segment unserer Abschreckung haben, zu vermindern.
Der Vorschlag für das Verbot der Dislozierung landgestützter weitreichender Marschflugkörper ist eine weitere durchsichtige Bemühung, den Doppelbeschluß der NATO von 1979 zu Fall zu bringen. Der Vorschlag läßt im übrigen,
indem er sich auf seegestützte wie auf landgestützte Marschflugkörper großer
Reichweite konzentriert, die Marschflugkörper kürzerer Reichweite außer acht,
die die Sowjetunion gegenwärtig auf ihren Kriegschiffen disloziert.
Und schließlich möchten wir erneut die vier Prinzipien bekräftigen, die
den Rüstungskontroilbemühungen der Reagan-Administration zugrunde liegen.
Wir streben nach Abkommen, die
- eine

�- eine wesentliche Verringerung in den Arsenalen beider Seiten herbeiführen ;
- gleich sind, denn unausgewogene Abkommen können, wie ein ungleiches
Kräfteverhältnis, Zwang oder Aggression beflügeln;
- verifizierbar sind, denn wenn es um unsere nationale Sicherheit geht,
dann können Abkommen nicht einfach nur auf Vertrauen beruhen; und
- die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten fördern, da Rüstungskontrolle kein Selbstzweck ist, sondern ein wichtiges Mittel zur Sicherung
von Frieden und internationaler Stabilität.
Diese vier Prinzipien hat der Präsident in seiner Rede vom 18. November
1981 hervorgehoben. Sie unterstreichen unsere Position bei den gegenwärtigen
Genfer Verhandlungen über die Beseitigung der amerikanischen und sowjetischen
nuklearen Mittel Streckensysteme großer Reichweite. Sie bilden ferner die
Grundlage für unsere Einstellung zu Verhandlungen mit der Sowjetunion über
die Verringerung der strategischen Rüstungen - die START-Verhandlungen.

+ + + + +

- 4 -

�m
E
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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Märt 1982

11

OST-WEST-SPANNUNGEN GEFÄHRDEN KSZE-PROZESS
Rede des US-Delegierten vor der Vertagung der
Madrider Konferenz -

MADRID - (AD) - Vor dem Plenum der KSZE-Folgekonferenz, die am 12.
März 1982 vertagt wurde, erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation,
Botschafter Max Kampelman, daß "wir diese Phase unseres Treffens heute im
vollen Bewußtsein dessen beenden, daß der Helsinki-Prozeß gefährdet ist."
Allerdings unterstrich Kampelman zugleich die Bedeutsamkeit der Tatsache,
daß die 35 teilnehmenden Nationen im November nach Madrid zurückkehren werden, um den Versuch zu unternehmen, ein Abkommen über ein konkretes KSZESchlußdokument zu erzielen.
Die Rede von Botschafter Kampelman hat folgenden Wortlaut:
Unser Treffen in Madrid war schwierig. Die derzeitige Sitzungsperiode,
die nun zu Ende geht, war eine besonders traurige. Die störenden Erschütterungen, die durch die Spannungen zwischen Ost und West hervorgerufen werden,
haben sicherlich unsere Beratungen beeinflußt. Wir beenden diese Phase unseres

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Phase unseres Treffens heute im vollen Bewußtsein dessen, daß der HelsinkiProzeß gefährdet ist.
Unser Treffen begann im September 1980 unter dem Schatten der sowjetischen
Invasion Afghanistans und der fortdauernden bewaffneten Besetzung dieses Landes. Jede Woche dieser Vorkonferenz sowie der Hauptkonferenz, die im November
jenes Jahres begann, brachte neue Spannungen mit sich - in dem Maße, in dem
wir das sowjetische Verhalten erkannten und das nur als Verachtung, wenn nicht
gar als Verhöhnung der Schlußakte von Helsinki interpretiert werden konnte.
Die Unterdrückung der Menschenrechte durch die Sowjetunion hat in den vergangenen Jahren in einem unübertroffenen Maße stattgefunden. Während des Zeitraums unserer Sitzungen in Madrid gab es mindestens 248 neue politische Verhaftungen, wobei die meisten einzelne Menschen betrafen, die versuchten, ihre religiösen Rechte wahrzunehmen. Allein 52 Mitglieder der sowjetischen Helsinkiüberwachungsgruppen befinden sich im Gefängnis oder im inneren Exil, 15 davon
wurden eingesperrt, seit wir unsere Verhandlungen begonnen haben.
Während die sowjetischen Delegierten hier die Einhaltung der Bestimmungen
aus Korb 3 über menschliche Erleichterungen proklamierten, ging die Auswanderung aus der Sowjetunion drastisch zurück. So durften zum Beispiel im vergangenen Monat weniger als 300 Juden die Sowjetunion verlassen - die niedrigste
Zahl der letzten Zwölf Jahre. Die Störung von Rundfunksendungen hat sich verstärkt - eine Verhöhnung der Schlußakte, aber eine nutzlose und kostspielige
Geste, angesichts der Tatsache, daß die Unterdrückung nicht mehr länger vor
den Augen der Welt draußen verborgen werden kann.
Und dann kam Polen. Während der ersten Woche dieser Phase unserer Konferenz vor einem Monat sprachen hier fast 20 Außenminister, die größte Zusammenkunft dieser Art seit Unterzeichnung der Helsinki-Obereinkommen im Jahre 1975.
Wie unterschiedlich und eloquent sie auch ihre Worte wählten, so bleibt die
Botschaft stets dieselbe: Die Sowjetunion und die polnischen Behörden müssen
ihre Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki respektieren und eirf-

�und einhalten, wenn diese Konferenz ihre Zielsetzungen erreichen soll.
Es ist kein Wunder, daß wir nicht in der Lage waren, mit unserer Arbeit
für ein konkretes und ausgewogenes Schlußdokument voranzukommen. Die Bürger
meines Landes und vieler anderer Länder stellen den Sinn, die Wünschbarkeit
und die Richtigkeit in Frage, neue Versprechen wie in der Schlußakte von Helsinki von jenen zu akzeptieren, die ihren alten Versprechungen aus dem Jahr
1975 nicht gerecht werden.
Aber es sind nicht nur Konflikt, Spannung und Geringschätzung kennzeichnend für unsere Konferenz. Wir treffen heute eine Entscheidung, um diese Phase
unserer Konferenz zu einem Ende zu bringen. Aber wir treffen auch eine Entscheidung darüber, am 9. November wieder zusammenzutreten - und das ist bedeutsam.
Wir tun dies, wie ich meine, weil wir den Wert unseres Dialogs zu schätzen wissen. Unsere Erörterungen sind in sich selbst wichtig. Verständigung bringt nicht
immer Übereinkommen, aber Übereinkommen ist auch nicht ohne vorherige Verständigung möglich.
Wir sprechen hier miteinander; wir waren hier; wir kommen wieder hierher;
wir versuchen etwas, wir machen Vorschläge; wir lehnen etwas ab und wir versuchen
es erneut. Wir tun dies, weil es für uns alle um die Segnungen des Friedens geht.
Sie sind zu kostbar, als daß wir sie einfach gehen lassen könnten. Deshalb arbeiten wir daran, diesen Prozeß in Gang zu halten. Wir arbeiten trotz der Frustr
tionen, der Enttäuschung der langwierigen Treffen, des Argumentierens und sogar
der gelegentlichen persönlichen Verleumdungen, die bedauerlicherweise ein unvermeidlicher Teil des Meinungsaustausches zu sein scheinen.
Das Ziel unserer Anstrengungen ist der Frieden.
Frieden ist eine komplizierte Idee. Er ist das höchste, was staatsmännische Kunst erreichen kann. In einem begrenzten Sinne ist es die Abwesenheit
von Krieg, und dies ist in sich selbst ein lobenswertes Ziel. Aber in einem
richtigen Sinne muß es mehr als das sein. Es muß ein Netzwerk der Beziehungen

- 3 -

�der Beziehungen sein, auf Ordnung gegründet - auf Ordnung, auf Zusammenarbeit
und auf Recht, wenn es von Dauer sein soll.
Ich bin sicher, daß die Geschichte die Schlußakte von Helsinki einen der
bedeutsamsten Meilensteine unseres Jahrhunderts auf dem Weg zum Frieden nennen
wird. Sie ist gekennzeichnet dadurch, daß sie eine Reihe von Maßstäben gesetzt
hat, die durch die Unterschriften aller unserer Staatsoberhäupter beglaubigt
wurden und deren Erfüllung für das Erreichen von Frieden unabdingbar ist.
Unser modernes Zeitalter der Diplomatie ist charakterisiert durch das
Streben nach Rüstungskontroll Vereinbarungen. Diese sind wichtig. Auf unserer
eigenen Tagesordnung steht eine Konferenz über vertrauensbildende Maßnahmen,
um sich unserer Sorge hinsichtlich eines überraschenden militärischen Angriffes anzunehmen. Die gewissenhafte Einhaltung der Helsinki-Schlußakte

könnte

sich jedoch als von noch größerer Bedeutung bei der Suche nach dem Frieden
erweisen.
Die Abrüstungsvereinbarungen nach dem Ersten Weltkrieg verhinderten nicht
den Zweiten Weltkrieg. Das SALT-I-Abkommen und die SALT-II-Verhandlungen verhinderten nicht das schlimmste Jahrzehnt des Kalten Krieges und hielten nicht
die ungeheuere Aufrüstung beim Nukleararsenal der Welt auf. Wir müssen jede
Gelegenheit zu Verhandlungen über Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung
ergreifen. Aber die Erzielung des Friedens erfordert mehr.
Das einzigartige Ingredienz der Schlußakte von Helsinki besteht darin,
daß sie die integrierte Totalität unserer Beziehungen widerspiegelt. Die
Verpflichtung zu den Menschenrechten, die wir alle 1975 eingingen, ist für
den Frieden ebenso notwendig wie unsere Verpflichtung zum Respekt vor den
Grenzen des anderen und davor, sich der Anwendung von Gewalt gegen einen
anderen Staat zu enthalten.
Die Betonung der Schlußakte auf kulturellen und wissenschaftlichen Austausch, menschliche Kontakte, Handel, Emigration und Zusammenführung von

- 4 -

�ZusammenfUhrung von Familien stellt entscheidende Komponenten bei der Erarbeitung des Geflechtes des Friedens dar.
Die Maßstäbe der Schlußakte von Helsinki gründen sich auf dem Prinzip,
daß im Mittelpunkt von allem der Mensch steht. Unser Streben nach Frieden
geht darum, den Menschen und die Zivilisation zu bewahren, die er sich schafft.
Alexander Solschenizin sagte es so: "Es ist höchste Zeit, sich daran zu
erinnern, daß wir zu allererst der Menschheit zugehören und daß der Mensch
sich von der Welt der Tiere durch den Gedanken und die Sprache auszeichnet.
Diese sollten natürlich frei sein. Wenn wir in Ketten gelegt werden, werden
wir wieder in den tierischen Zustand zurückkehren."
Wir alle, genau wie unsere Gesellschaften, können nicht mit unseren Wünschen Schritt halten. Wir wachsen, indem wir versuchen, sie zu erreichen. Unsere eigene Delegation hat unsere Mängel beim Namen genannt. Wir haben auch
unsere Fehler nicht verborgen. Aber wir bemühen uns darum, unserer Verantwortung gegenüber unseren Idealen und der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden, und wir sind voller Stolz auf das von uns Erreichte.
Wir freuen uns über die Früchte unseres Wirtschaftssystems, auch wenn es
manchmal unzulänglich ist. Und wir haben Vertrauen in unsere politischen und
sozialen Systeme. Wir kennen unsere Stärken. Und wir wissen auch, daß sechs
Jahrzehnte nach einer Revolution, die Brot und Freiheit versprach, die Sowjetunion und ihr Volk weder das eine noch das andere haben. Das Streben nach einem
erfüllteren Leben für die vielen Menschen in der Sowjetuion hat zur Anhäufung
militärischer, politischer und polizeilicher Macht in den Händen weniger geführt.
Wir brauchen keine Mauern, keine strengen bürokratischen Regeln und keine
Strafandrohungen, um unsere Menschen davon abzuhalten, unser Land zu verlassen.
Millionen kommen zu uns, um amerikanische Bürger zu werden. Ich habe den Verdacht, daß jene, die Mauern aus Stein und Papier bauen, genau wissen, daß eine

- 5 -

�I

daß eine große Zahl ihrer Bürger unsere Lebensweise, die Lebensweise der Demokratie und Freiheit, wählen würde, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wäre.
Unsere unterschiedlichen Systeme sind Realitäten, mit denen wir leben und
mit denen wir auch weiterhin zu leben lernen müssen. Die Schlußakte von Helsinki
stellt fest, daß wir miteinander in Frieden verkehren müssen. Der Wettbewerb z w i schen den Systemen muß, in dem Maße, in dem es ihn gibt, ein Wettbewerb ohne Gewalt sein, wenn unsere Zielsetzungen des Friedens und der Sicherheit erreicht
werden sollen. Es ist unsere tiefe Sorge, daß das Verhalten der Sowjetunion ihre Verpflichtung zu diesem entscheidenden Ingredienz der Friedensformel der
Schlußakte von Helsinki in Zweifel zieht. Vor wenigen Tagen hielt der Leiter
der jugoslawischen Delegation eine eindrucksvolle Rede, aus der ein Teil einen
überaus wichtigen Beitrag zu dieser Diskussion darstellt. In Anspielung auf das
Abkommen von Jalta sagte er, daß die Schlußakte von Helsinki einen Grundsatz
festschreibe, der den Begriff der "Einflußsphären" zurückweist.
Am Neujahrstag erklärte der französische Präsident Mitterand in einer ähnlichen Botschaft, daß es Zeit für Überlegungen sei, "von Jalta loszukommen".
Historiker sprechen häufig vom "Mythos" von Jalta. Sie sagen, daß die Geschichte falsch interpretiert würde, wollte man Jalta mit Einflußsphären gleichsetzen. Das Abkommen von Jalta gründete auf der Annahme, daß den Völkern Osteuropas freie Wahlen garantiert würden, damit sie ihre eigenen Regierungen wählen könnten und diese Regierungen dann frei wären, um ihre eigenen Bündnisse
zu wählen. Das fand nie statt.
Die Teilung Europas entlang vorbestimmter Linien kann und sollte nicht
bleibender Bestandteil der Geopolitik sein. Der Mythos von Jalta ist zusammen
mit der ihn begleitenden sogenannten "Breschnew-Doktrin" eine Gefahr für den
Frieden. Er steht der notwendigen friedlichen Veränderung im Wege und kann,
wenn er weiter lebendig bleibt, späteren Aufruhr bringen, der unsere Stabilität im Osten wie im Westen bedrohen wird. Veränderung wird kommen. Ihre Stürme werden uns ebenso unvermeidlich erreichen wie es die Stürme der Jahreszeiten
- 6 -

�der Jahreszeiten tun. Sie werden im Osten ebenso wehen

wie bei uns, denn

Leben braucht Veränderung. Die große Frage besteht darin, ob diese Veränderung auf friedlichem Wege kommen kann.
Die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki wurden von uns allen 35 hier
akzeptiert und wurden einzeln von jedem Staat unterzeichnet. Es gab keine verschiedenen Vereinbarungen, die sich darauf gegründet hätten, ob wir von Ost
oder West kamen. Es gab keine zwei Maßstäbe. Die von der Schlußakte anerkannte
Soveränität war die Soveränität von 35 Staaten, deren Unabhängigkeit nicht
durch "Einflußsphären" modifiziert war.
Diejenigen von uns, die Vertrauen in unsere Gesellschaften haben, und eine
Verpflichtung zum Frieden, müssen Wege finden, Einklang untereinander zu erzielen, während wir uns darum bemühen, unsere Systeme den Entwicklungen der Zivilisation anzupassen. Ich bin der Überzeugung, daß orthodoxe Zwänge, schwerfällige Militärmaschinerien und alptraumhafte Ängste ein schweres Gewicht bilden,
die eine Bewegung in Richtung auf Harmonisierung und Schlichtung behindern,
die für den Frieden so notwendig sind. Diejenigen, die durch ihre Unbeweglichkeit dergestalt gefangen gehalten werden, werden von der Geschichte verdammt.
Herrscher, die das Volk fürchten, das sie beherrschen, fürchten sich
schließlich selbst, fürchten ihre Alpträume, fürchten das Unbekannte, fürchten die Zukunft und fürchten um sich selbst und ihre Staaten. Dann versuchen
sie, anderen Furcht einzuflößen. Aber Furcht schafft keine Loyalität. Liebe
und Stolz gegenüber der eigenen Regierung und der eigenen Gesellschaft müssen durch Respekt und nicht durch Furcht erworben werden. In einer Atmosphäre
der Angst kann kein Frieden gedeihen. Auch dies ist eine Lektion, die uns die
Schlußakte von Helsinki lehrt.
Das Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Freiheit steht auf der
Tagesordnung des 20. und 21. Jahrhunderts; es kommt zu dem Streben nach politischer Freiheit hinzu, daß im 18. und 19. Jahrhundert begann, und auch heute
noch beständig seinen Weg geht. Zu glauben, daß die wirtschaftlichen und sozialen Forderungen der Völker ohne politische Freiheit erreicht werden können,
- 7 -

�werden können, oder daß Brot und Spiele die Völker befriedigen und sie dazu
bringen, ihr Verlangen nach Freiheit zu vergessen, wäre ein

schwerer Irrtum.

Wer glaubt, daß politische Freiheit neben wirtschaftlichen und sozialen Mängeln überleben kann, macht sich eines gleich schweren Irrtums schuldig. Meine
eigene Regierung ist sich völlig bewußt, daß diese politischen, sozialen und
wirtschaftlichen Ziele ein Ganzes bilden. Sie als Antithesen zu betrachten,
untergräbt und gefährdet unseren sogenannten Frieden.
Ich gehe auf all das ein, weil eine echte Besorgnis zur Sprache gebracht
und erwogen werden muß. Diejenigen, die stark von den Lehren Lenins beeinflußt
sind, sehen die Interessen des Ostens und des Westens als unvereinbar an. Dieser Glaube an die historische "Unversöhnlichkeit" ist mit der Realität des Nuklearzeitalters nicht zu vereinbaren. Ich bin der Meinung, daß er der sorgfältigsten Überlegung bedarf. Wir verwerfen den Gedanken, daß der Weltfrieden nur
nach "gerechten Kriegen" erreicht werden kann.
Der Glaube, daß nur die letztendliche Niederlage des Kapitalismus, zu der
es der Gewalt bedarf, einen solchen "gerechten Frieden" mit sich bringen kann,
bedeutet in Wirklichkeit, die Schlußakte von Helsinki in Frage zu stellen
und den Weltfrieden zu bedrohen.
Was uns angeht, so können wir keine Friedenserklärungen als echt akzeptieren, wenn sie von dem Glauben an die Doktrin begleitet werden, daß der Krieg
ein Gesetz der Geschichte ist und daß es eine Pflicht ist, diesen Krieg vorzubereiten, zu ihm zu ermutigen und ihn für den unvermeidlichen Sieg über die
bestehende Ordnung zu führen. Diese Philosophie steht im Widerspruch zu den
Zielsetzungen und Grundsätzen der Schlußakte von Helsinki. Für sie gibt es in
einer Welt, wie sie die Schlußakte sieht, keinen Platz.

Sie hat ganz gewiß

keinen Platz in einem Nuklearzeitalter. Sie ist eine Bedrohung unserer Sicherheit und des Friedens.
Ich schließe mit einigen freimütigen Beobachtungen über die Zukunft unserer Konferenz und die Aussichten auf ein Abkommen, wenn wir im November wieder

�November wieder zusammentreten.
Die Besorgnisse von vielen von uns kamen uneingeschränkt zur Sprache.
Die Verletzungen der Helsinki-Schlußakte, die zu der jetzigen Sackgasse geführt haben, wurden umfassend dokumentiert. Die einzige Reaktion war ein Versuch, diese Konferenz mit leeren Ermahnungen zu ertränken. Aber das einzige
Ziel dieses Drängens bestand darin, uns die niederdrückende Realität vergessen zu machen, die uns von der Sowjetunion auferlegt wurde.
Wir vergessen nicht, daß unsere Verpflichtung zu echter Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa es uns nicht erlaubt, uns von Angeboten auf leichte,
doch leere Abkommen verleiten zu lassen - Abkommen, die schon im Augenblick
ihrer Unterzeichnung entehrt wären.
Es ist das Ziel der amerikanischen Delegation, ein Abkommen zu erzielen,
wenn wir dadurch unsere beiderseitige Sicherheit und unser Ziel des Friedens
und der Zusammenarbeit in Europa fördern können. Wir warten voller Geduld auf
Entwicklungen, wir warten auf konkrete Schritte. Nur dies wird unsere erneuerten Energien für ein Abkommen rechtfertigen, wenn wir wieder zusammentreffen.
Das Angebot betäubender Worte bei fortdauernder Verletzung der Bestimmungen
der Schlußakte von Helsinki kann nicht das Abkommen bringen, das wir suchen.
Sollte es zu der bedauerlichen Situation kommen, daß wir kein Abkommen
zustandebringen können, wenn wir im Herbst wieder zusammentreffen, so wird es
für unsere Unfähigkeit nur eine Erklärung geben. Es wäre die Tatsache anhaltender und schwerer Verletzungen der Schlußakte von Helsinki.
Und Schuld wäre der anhaltende Einsatz der Militärmacht der Sowjetunion
zur Unterdrückung ihrer Nachbarn - direkt, wie in Afghanistan und durch den
offenkundigen Druck, der andere dazu zwingt, die Unterdrückung anstatt Kompromiß und Versöhnung zu wählen, wie dies die Methode war, als man die Wünsche des polnischen Volkes nach größerer Freiheit und mehr Würde unterdrückte.
Wir streben

�Wir streben nach dem echten Schlußdokument,für das hier so viele so lange
gearbeitet haben. Wir sind der Überzeugung, daß das Dokument, das uns von den
acht neutralen und blockfreien Staaten nach großen und gewissenhaften Anstrengungen vorgeschlagen wurde, bestimmt die Grundlage für ein solches Abkommen bieten kann, vervollständigt, wenn nötig, durch Vorschläge, die bereits dargelegt
wurden und ergänzt, wenn möglich, durch eine Reflektion dessen, was sich seit
der Vorbereitung dieses Papiers ereignet hat.
Unsere Delegation wird auch im November bereit sein, mit ihren Anstrengungen für echte Sicherheit, Zusammenarbeit und Frieden zwischen allen unseren Völkern fortzufahren. Wir drängen diejenigen darauf, die die Arbeit dieser Konferenz
gefährt haben, die notwendigen Schritte außerhalb dieses Treffens zu unternehmen, die eine aktive und ernsthafte Behandlung in Richtung auf eine konstruktive
Beendigung unserer Arbeit in Madrid möglich machen würden.
Was wir hier fordern, ist nicht mehr und nicht weniger als eine echte Anstrengung, die Schlußakte von Helsinki einzuhalten. Wir suchen keinen Streit.
Was wir suchen, ist eine gemeinsame und eine echte Anstrengung für den Frieden.

+ + + + +

�</text>
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11

17. März 1993

RUSSLAND

CLINTON STREBT UNTERSTÜTZUNG DER
G-7 FÜR RUSSISCHE REFORMEN AN
Handelsminister Brown: USA engagieren
sich für Rußlandhilfe

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE DER
US-AUSSENPOLITIK
Erklärung vor Haushaltsausschuß
des Repräsentantenhauses

TERRORISMUS

STRAFRECHTLICHE VERFOLGUNG DER
FÜR DEN ANSCHLAG AUF DAS WORLD
TRADE CENTER VERANTWORTLICHEN
UNABDINGBAR
Erklärung von Botschafter McNamara

MEDIEN

300 JAHRE ZEITUNGSWESEN IN
AMERIKA
von Stephen Bates

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�RUSSLAND
17. März 1993

CLINTON STREBT UNTERSTÜTZUNG DER G-7 FÜR
RUSSISCHE REFORMEN AN
Handelsminister Brown: USA engagieren sich für Rußlandhilfe
WASHINGTON - (AD) - In der Überzeugung, daß die
Hilfe für den Reformprozeß in Rußland nicht bis zum
Weltwirtschaftsgipfel im Juli aufgeschoben werden
kann, hofft Präsident Clinton darauf, die Industriestaaten zu einer verstärkten Kampagne zu bewegen, um
den Übergang Rußlands zur Marktwirtschaft zu beschleunigen.
"Der wichtigste Punkt ist: Ich glaube nicht, daß wir bis
Juli warten können", um hier zu handeln, erklärte
Clinton am 9. März 1993 bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten
Mitterrand im Anschluß an private Gespräche im Weißen
Haus. DieStaats-undRegierungschefsderführenden
Industriestaaten (G-7) werden im Juli in Tokio zusammentreffen.

Mitterrand. "Meines Erachtens ist es sogar notwendig,
weil es Probleme gibt", mit denen Jelzin bei der Entwicklung des Reformprozesses konfrontiert ist.
Bei einem privaten Treffen und einem Arbeitsessen im
Weißen Haus bekräftigten die beiden Präsidenten,
was Clinton als "die lange und bedeutende Freundschaft" zwischen Washington und Paris bezeichnete.

Auf die Herausforderungen fürden Westen im Zeitalter
nach dem Kalten Krieg verweisend, äußerte Clinton,
Washington und Paris müßten sowohl im politischen
als auch im wirtschaftlichen Bereich eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus erklärte der Präsident: "Wir
müssen unsere Unterstützung für die schwierige
Umgestaltung zur Demokratie bekräftigen, die heute in
der ehemaligen Sowjetunion sowie in Mittel- und OstMit dem Hinweis, er werde sich nach der Reise des europa stattfindet, unser Interesse an enger Zusamfranzösischen Staatspräsidenten nach Rußland in dieser menarbeit zur Förderung des Friedens im Nahen Osten
Woche erneut mit Mitterrand beraten, stellte Clinton und an anderen Orten der Welt bekräftigen sowie
fest, er werde im Rahmen der G-7 handeln, jedoch Demokratie und Wirtschaftswachstum auf der ganzen
nicht notwendigerweise bei einem formellen Treffen Wert fördern. Heute morgen haben wir einen sehr
dieser Koalition. Der Kommunikationsdirektor des guten Anfang gemacht."
Weißen Hauses, George Stephanopoulos, erklärte
darüber hinaus später, eine baldiges Treffen werde Clinton stellte fest, Mitterrand und er hätten Rußland,
nicht notwendigerweise auf der Ebene der Staats- und Bosnien-Herzegowina sowie Fortschritte auf dem Weg
Regierungschefs stattfinden, sondern Clinton könnte zu einer europäischen Union erörtert und planten
sich dafür entscheiden, die Initiative in Koordination darüber hinaus Gespräche über Handelsfragen, den
mit den Finanz- oder Außenministern zu verfolgen.
Nahen Osten und andere Themen. Unter Berufu ng auf
die "französische Führungsrolle" bei der Lösung von
"Ich werde versuchen, andere zum Handeln zu bewe- Handelsproblemen erklärte Clinton, er sei "äußerst
gen", erklärte Clinton, "ob ein förmliches Treffen der hoffnungsvoll, daß die Vereinigten Staaten und FrankG-7 möglich ist oder nicht." Er werde bis zu seinen reich Partner bei der Neuformulierung unserer geKonsultationen mit Mitterrand nach dem Besuch des meinsamen Interessen und bei der Hinführung der
französischen Präsidenten in Moskau am 16. März G-7 zu koordinierten Maßnahmen zugunsten weltweiabwarten, vielleicht sogar bis zu seinem eigenen Gip- ten Wirtschaftswachstums sein können".
feltreffen mit dem russischen Präsidenten Jelzin in
Vancouver am 3. und 4. April.
Am Vorabend seines Treffens mit Mitterrand war Clinton am 8. März eine Stunde lang mit dem ehemaligen
Mitterrand schloß sich der Aufforderung Clintons zu Präsidenten Nixon zusammengetroffen, der ein fühdringender Hilfe für Jelzin und für den Prozeß der render amerikanischer Befürworter der Hilfe für Rußpolitischen und wirtschaftlichen Reformen an, die mit land geworden ist. Nixon drängt die Vereinigten Staadem russischen Präsidenten identifiziert werden. "Ich ten, ihre Hilfe für Rußland im Rahmen des Freedom
befürworte" ein baldiges Treffen der G-7, erklärte
AMERIKA DIENST 11

Seite 1

�Support Act drastisch zu erhöhen. Der ehemalige
Präsident möchte, daß die westlichen Staaten die rein
ökonomischen Aspekte der Hilfeleistung, wie etwa die
Maßstäbe des Internationalen Währungsfonds, übergehen und Unterstützung selbst dann gewähren, wenn
ein Teil der Gelder verschwendet würde. Er begründet
seine Haltung mit dem Argument, die Hilfe sei gerechtfertigt, weil ein demokratisches Rußland dem Westen
Einsparungen bei den Verteidigungshaushalten gestatte.
Auf Fragen über Berichte, er befürworte ein baldiges
Treffen der G-7 zur Beschleunigung der Hilfe für
Moskau, antwortete Clinton, er denke, ein solches
Treffen "könnte nützlich sein", aber er wisse nicht, ob
"ein Treffen möglich ist".

Clinton erklärte, die Vereinigten Staaten wären daran
interessiert, sich Bemühungen der Vereinten Nationen
zur "Sicherung" eines von den Parteien vereinbarten
Abkommens anzuschließen, und Mitterrand stellte fest,
Frankreich würde die Bereitstellung von Truppen für
solche UNO-Bemühungen in Erwägung ziehen. Unter
Berufung auf seine Gespräche mit Mitterrand erklärte
Clinton, er sei "sehr erfreut... über die Möglichkeiten,
die uns vielleicht zur Verfügung stehen, um bei der
Sicherung eines Friedens in Bosnien zusammenzuarbeiten".
Der Präsident äußerte, Mitterrand und er seien sich
einig, "es würde ein Irrtum sein, wenn Frankreich seine
Truppen erhöht - oder die Vereinigten Staaten Truppen entsenden -, um sich an diesem Konflikt zu beteiligen, daß wir jedoch beide bereit sein sollten, unseren
Beitrag zur Sicherung des Abkommens zu leisten, falls
der Vance-Owen-Prozeß eines hervorbringen sollte".

Clinton verwies darauf, daß Japan seine Bereitschaft
zur Gewährung bedeutender Unterstützung für Moskau von der Lösung des Streits über die Kurilen
abhängig gemacht und "viel in das bevorstehende Handelsminister Brown: USA engagieren sich für
Treffen (den Wirtschaftsgipfel) im Juli gesteckt" habe. Rußlandhilfe
Ohne Treffen auf Gipfelebene, so der Präsident zu
einem Reporter, "gibt es vielleicht einen anderen Weg,
die G-7 in den Versuch einzubeziehen, die Lage in
Rußland zu behandeln. Der wichtige Punkt, den ich
betonen möchte, ist der, daß ich nicht glaube, daß wir
bis Juli warten können, bis die wichtigsten Länder der
Welt, die sich über die Ereignisse in Rußland Sorgen
machen und den politischen und wirtschaftlichen Reformkurs dort beibehalten möchten, Maßnahmen
ergreifen."

Der amerikanische Handelsminister Ron Brown erklärte am 9. März 1993, die Vereinigten Staaten wollten Rußland durch verstärkte staatliche Hilfe bei der
Durchsetzung der Reformen helfen. Auch stellte er in
Aussicht, daß private amerikanische Unternehmen
Milliarden Dollar in die russische Wirtschaft investieren
würden, falls in Rußland die Wirtschaft weiter reformiert wird. "Wir wollen dem zwischen Demokratie und
Unsicherheit schwankenden Rußland unter die Arme
greifen", bemerkte er.

Der Präsident äußerte, ein Grund für die Hilfe an
Moskau sei, daß man eine Ausweitung russischer
Waffenverkäufe in alle Wert verhindern wolle. "Einer
der Gründe, warum es meines Erachtens so wichtig
ist, daß wir uns intensiv bemühen, den Russen die
Mittel zur Wiederherstellung von Wirtschaftswachstum und Chancen sowie zur Bewahrung politischer
Freiheit zu geben, besteht darin, daß sie, wenn ihnen
andere Optionen immer weiter verschlossen werden,
sich mehr und mehr... gezwungen sehen, sich auf ihre
Fähigkeit zum Verkauf von Waffen als einzige Möglichkeit zu stützen, um Devisen zu verdienen", erläuterte er.

Brown sprach auf einer Konferenz, die von der Vereinigung der Investoren in Übersee, dem Fonds für
Demokratie und Entwicklung, der US-Behörde für Internationale Entwicklung und der Russischen Botschaft gefördert wurde.

Clinton stellte fest, er habe Mitterrand erklärt, er sei ebenso wie Mitterrand - nicht bereit, Truppen nach
Bosnien zu entsenden, um den streitenden Fraktionen
dort eine Lösung aufzuzwingen. "Wir lehnen die
Einbeziehung amerikanischer Bodentruppen ab, um
ein Abkommen zu erzwingen oder uns auf irgendeine
andere Weise an dem derzeitigen Konflikt zu beteiligen", so Clinton. Mitterrand verwies später darauf, er
stimme mit der amerikanischen Haltung überein, die
mit seiner eigenen identisch sei. Die 5.000 französischen Soldaten in diesem Gebiet seien lediglich mit
der Verteilung humanitärer Hilfsgüter befaßt.

Seite2

Er betonte, Präsident Clintons Haushaltsgesuch reflektiere sein Engagement für die Unterstützung Rußlands. "Es umfaßt zusätzliche Gelder für Hilfeleistungen an Rußland - 700 Millionen Dollar im kommenden
Jahr verglichen mit 417 Millionen in diesem Jahr",
stellte er fest.
Brown hob im Zusammenhang mit dem Handelsministerium jedoch "die schnelle Ausweitung von Handel
und Investitionen zwischen Ru Bland und den Vereinigten Staaten" hervor. Ihm zufolge deuten die in Amerika
vorliegenden Zahlen darauf hin, daß sich die Investitionen amerikanischer Unternehmen in Rußland derzeit
auf 400 Millionen Dollar belaufen. "Das bedeutet, daß
noch genügend Raum für Wachstum bleibt", stellte er
fest.
Brown antwortete auf entsprechende Fragen, das
Handelsministerium habe "Potential für Investitionen
in Rußland in Höhe von 4 Milliarden Dollar" in Bereichen wie Energieversorgung und Nahrungsmittelindu-

AMERIKA DIENST 11

�strie entdeckt. Ihm zufolge sind jedoch "weitere Reformen erforderlich", damit solche Investitionen in großem Umfang erfolgen können. Zur Sicherung "der in
Rußland benötigten massiven Beteiligung amerikanischer Unternehmen muß die russische Regierung ein
günstiges Investitionsklima schaffen", fügte er hinzu.

und St. Petersburg aus, eröffnet zwei neue Niederlassungen des Foreign Commercial Service und errichtet
zwei amerikanische Geschäftszentren. Zu diesen
Einrichtungen werden russische Geschäftsleute Zugang haben, die Kontakte zu amerikanischen Unternehmen knüpfen wollen."

Brown zufolge werden in Rußland in dieser Hinsicht
große Anstrengungen unternommen. Er wies jedoch
auf die folgenden spezifischen Hindernisse hin:
"Sicherzustellen, daß ausstehende Forderungen amerikanischer Unternehmen beglichen
werden."

Brown zufolge gibt es für amerikanische Unternehmen
ein "Fenster der Gelegenheit", Zugang zu den Sektoren des russischen Marktes zu erhalten, die niemals
zuvor für ausländische Konkurrenz geöffnet wurden,
einschließlich solcher Bereiche wie Konversion der
Rüstungsindustrie, Telekommunikation, Sicherheit von
Kernkraftwerken und Entwicklung von Energieträgern.

"Versprechungen bezüglich einer Steuerbefreiung für Exporte bestimmter Investitionsprojekte
einzuhalten oder die Einführung entsprechender Verfahren, die neue Investitionen nach sich
ziehen."

Auf dem russischen Markt sind "fast die Hälfte der
Kohle-, Erdöl- und Erdgasreserven der Welt" zu finden, so Brown. "Wenn Rußland der Übergang zu einer
Marktwirtschaft gelingt, könnte es die am schnellsten
wachsende Wirtschaft des 21. Jahrhunderts werden".

"Prioritäten für die Nutzung der Bürgschaften
der amerikanischen Export-Import-Bank und Bereitstellung angemessener unumschränkter
Garantien."

Auf die Frage, ob die Jelzin-Regierung auf dem Weg
hin zu Reformen eine Kehrtwendung mache, antwortete Brown: "Nein, ich bin nicht dieser Ansicht. Offensichtlich wird von vielen Seiten Druck ausgeübt".

Schutz der Eigentumsrechte. "Hier ist wahrscheinlich ein neues Gesetz vonnöten", stellte
er fest.

Er kündigte an, er werde Rußland im nächsten Monat
einen Besuch abstatten. Er und der stellvertretende
Premierminister Aleksandr Shokhin werden gemeinsam
den Vorsitz über den russisch-amerikanischen
Unterstützung amerikanischer Investoren bei
Ausschuß
für Wirtschaftsentwicklung übernehmen,
der Überwindung bürokratischer Hürden. "Ein
der
ihm
zufolge
"ein Forum für Diskussionen darüber
hochrangiger Ombudsmann bei der russischen
sein
wird,
wie
man
Hindemisse im Bereich des bilateRegierung könnte eine Hilfe sein", erklärte er.
ralen Handels beseitigen und einen Rahmen für die
Was die Unterstützung der US-Regierung für amerika- Wirtschaft bilden kann."
nische Unternehmen anbelangt, stellte Brown fest,
das Handelsministerium 'baut seine Büros in Moskau
* * * *

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 3

�AUSSENPOLITIK
17. März 1993

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE DER
US-AUSSENPOLITIK
Erklärung vor Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - In den kommenden Jahren wird die amerikanische Außenpolitik Außenminister
Christopher zufolge in Schlüsselbereichen von nationalem Interesse verankert sein. Dazu gehören die
Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft sowie die "Modernisierung unserer Streitkräfte für ein neues
Zeitalter".
Die US-Au ßenpolitik wird unter der Clinton-Administration darüber hinaus von der Bedeutung "des Schutzes der
Demokratie als bestem Mittel zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit bei gleichzeitiger Erweiterung des
Wirkungsbereichs von Freiheit, Menschenrechten, Wohlstand und Frieden" geleitet sein, erklärte Christopher
am 10. März 1993 vor dem Unterausschuß fürdie Ministerien für Handel, Justiz, Äußeres, fürdie Gerichtsbarkeit
und verwandte Behörden, der dem Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses untersteht.
Christopher forderte die Verabschiedung des Wirtschaftsprogramms des Präsidenten mit dem Hinweis, die
Unterstützung dieser Initiative sei die "wichtigste Einzelmaßnahme", die der Kongreß durchführen könne, um zu
gewährleisten, daß die amerikanische Außenpolitik "wirksam amerikanische Interessen auf der ganzen Welt
fördert".
Die Erklärung Christophers vordem Unterausschuß hat folgenden Wortlaut.

Ich freue mich, meinen ersten offiziellen Termin als
Außenminister im Kongreß vor diesem Unterausschuß
zu haben. Ich bin mir bewußt, wie wichtig Sie für die
Arbeit des Außenministeriums sind. Unsere gemeinsame Herausforderung besteht darin, eine neue Außenpolitik für eine Welt zu konzipieren, die sich grundlegend verändert hat. Heute möchte ich mit Ihnen
erörtern, wie wir unsere Mittel am besten einsetzen
können, um diese außergewöhnliche Herausforderung zu bestehen.
Die Mitglieder dieses Unterausschusses sind auf einzigartige Weise dafür qualifiziert, diese harte Arbeit zu
leisten, nämlich neue Prioritäten festzulegen und den
Einsatz der Mittel des Außenministeriums so zu planen, daß diese Prioritäten verwirklicht werden. Mein
Erscheinen hier signalisiert den Anfang von Beziehungen, die, wie ich hoffe, auf allen Seiten von Offenheit
und Zusammenarbeit geprägt sein werden. Diese
Offenheit und diese Zusammenarbeit werden meines
Erachtcns entscheidend sein, wenn unser Land das
grundverschiedene Spektrum von Herausforderungen
bewältigen soll, das sich uns in der neuen Welt, in der
wir leben, darstellt.

AMERIKA DIENST 11

Wir werden eng zusammenarbeiten, umdie Prioritäten
zu identifizieren und neue Strategien zu formulieren.
Darüber hinaus müssen wir eng zusammenarbeiten,
um unsere Außenpolitik dem amerikanischen Volk
gegenüber zu erläutern und zu rechtfertigen. Wie ich
in meiner Bestätigungsanhörung erklärt habe, können
es sich Außenpolitiker heute nicht mehr leisten, die
Öffentlichkeit zu ignorieren, da eine reale Gefahr besteht,
daß die Öffentlichkeit die Außenpolitik ignoriert. Wir
müssen zusammenarbeiten, um das Interesse zu erläutern, das das amerikanische Volk an einer aktivistischen und internationalistischen Außenpolitik hat. Wir
müssen klar und häufig die Notwendigkeit präventiver
Diplomatie erläutern, der Behandlung von Problemen
bevor sie zu Krisen werden, wir müssen die Priorität
betonen, die wir der Sicherung offenen und fairen
Handels sowie der Erweiterung neuer Märkte beimessen und die Vorteile unterstreichen, die unserem Volk
aus der aktiven Förderung der Demokratie entstehen.
Dazu gehören ein reduzierter Verteidigungshaushalt,
mehr wirtschaftliche Möglichkeiten, eine sauberere
Umwelt und eine sicherere Welt.

Seite 1

�Mit dieser Orientierung gedenke ich das Land zu
bereisen, um unsere außenpolitischen Initiativen zu
erläutern und die Unterstützung des amerikanischen
Volkes anzustreben. Ich werde am 22. dieses Monats
in dieser Mission nach Chicago reisen. Ich hoffe, Sie,
die Mitglieder des Unterausschusses, werden in Ihren
Wahlkreisen und im ganzen Land dasselbe tun.

Präsident Clinton wird sie vollbringen. Obwohl unsere
Administration noch keine zwei Monate alt ist, haben
wir bereits begonnen, unsere Außenpolitik auf einen
neuen Kurs zu bringen, unsere außenpolitischen
Haushalte neu zu orientieren und unsere Institutionen
zu reformieren. Ich möchte Sie heute an meinen
Gedanken zu jedem dieser Bereiche teilhaben lassen.

Kollektiv sollten wir gemeinsam mit dem amerikanischen Volk unsere Außenpolitik, unsere Rolle - die
Rolle Amerikas - in einer sehr neuen Welt definieren.
Wir müssen aufs Neue darüber nachdenken, wie wir
mit neuen Bedrohungen und schwierigen Herausforderungen ebenso wie mit atemberaubenden Chancen
umgehen. Und wir müssen unsere außenpolitischen
Institutionen sorgfältig untersuchen, um sicherzustellen, daß auch sie die Realitäten eines neuen Zeitalters
und nicht die einer vergangenen Ära in Betracht ziehen.

Der neue Kurs unserer Politik

Mit dem Wandel Schritt halten

Die amerikanische Außenpolitik wird in den kommenden Jahren auf den von Präsident Clinton genannten
drei "Säulen" unseres nationalen Interesses ruhen:
der Wiederbelebung unserer Wirtschaft, der Modernisierung unserer Streitkräfte für ein neues Zeitalter und
dem Schutz der Demokratie als bestem Mittel zur
Gewährleistung der nationalen Sicherheit bei gleichzeitiger Erweiterung des Wirkungsbereichs von Freiheit, Menschenrechten, Wohlstand und Frieden.
Unsere Parole muß stets Aktion, nicht Reaktion heißen, rechtzeitige Vorsorge, anstatt kostspieliger Heilung.

Ich kann diesen letzten Punkt nicht genug betonen.
Das Außenministerium in der uns bekannten Form,
das Amt für Internationale Entwicklung, das US-Infor- Ich möchte diese Säulen im einzelnen erläutern:
mationsamt, das Amt für Rüstungskontrolle und AbrüErstens müssen wir die amerikanische Wirtschaft
stung - sie alle sind Werkzeuge des Kalten Krieges.
erneuern. Die wichtigste Einzelmaßnahme, die der
Sie wurden in einem Zeitalter entwickelt, als unsere
Kongreß durchführen kann, um zu gewährleisten, daß
Nation mit einer überwältigenden Herausforderung
die amerikanische Außenpolitik wirksam amerikanikonfrontiert war - der Eindämmung der kommunistische Interessen auf der ganzen Welt fördert, ist die
schen Bedrohung. Mit dem Zusammenbruch der
Verabschiedung des Wirtschaftsprogramms des PräSowjetunion ist diese Bedrohung verschwunden. Die
sidenten - und zwar sobald wie möglich. Wir können im
Politik des Containment hat ihren Zweck erfüllt und
Ausland nicht stark sein, wenn wir nicht im Inland stark
ihren rechtmäßigen Ehrenplatz in der Geschichte einsind. In der Weltwirtschaft nach dem Kalten Krieg gibt
genommen.
es keine reine Innenpolitik. Ich kann Ihnen von meinen
jüngsten
Reisen ins Ausland sagen, daß die "ganze
Und doch spiegeln unsere außenpolitischen InstitutioWelt
zusieht",
während wir unsere wirtschaftliche Lage
nen im großen und ganzen nach wie vor Imperative
in
Angriff
nehmen.
des Kalten Krieges wider. Die Landkarten haben sich
schneller verändert als die Geisteshaltungen. HausPräsident Clintons Wirtschaftsprogramm, das im einhalte und Bürokratien sind weiterhin auf die Realitäten
zelnen in seiner Rede vor dem Kongreß und in seiner
einer vergangenen Welt zugeschnitten. Für unsere
Rede an der American University dargelegt wurde,
Institutionen, einschließlich des Außenministeriums,
fordert amerikanische Unternehmen, Arbeitnehmer
war es auf vielfältige Art und Weise einfacher, mit jener
und Bauern auf, auf den Weltmärkten zu gewinnen,
Welt umzugehen. Nahezu jede Politik oder jedes
unsere Abhängigkeit von ausländischen Kreditgebern
Programm konnte mit dem Hinweis auf den weltweiten
zu reduzieren und unsere ausländischen VerpflichtunKampf gegen den Kommunismus gerechtfertigt wergen zu erfüllen. Wir haben nach wie vor die mächtigste
den. Nun, dieser Kampf ist vorüber, und diese simple
Volkswirtschaft der Welt mit riesigen Produktions-,
Begründung ist eine Angelegenheit der VergangenDienstleistungs- und Agrarsektoren. Wir bilden den
heit.
größten Markt der Welt und sind ihr führender ExporHier wie in anderen Dingen auch hat sich das amerika- teur. Wir müssen alle uns zur Verfügung stehenden
nische Volk als klug erwiesen. Es weiß, daß unsere Instrumente benutzen - darunter die makroökonomiMaßnahmen angesichts der Tatsachen einer komple- sche Koordinierung der Industriestaaten, das Aushanxen und ungewissen Welt immer wieder aufs neue auf deln eines neuen GATT-Abkommens, die rasche und
den Prüfstand gestellt werden müssen. Es verlangt - erfolgreiche Vollendung des Nordamerikanischen
zu Recht -, daß jeder ausgegebene Dollar seine Inter- Freihandelsabkommens mit parallelen Vereinbarunessen und seine Werte fördert. Es versteht, daß die gen über den Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt
Form unserer außenpolitischen Institutionen mit neu- sowie energische Exportförderungsmaßnahmen -, um
en Funktionen in Einklang stehen muß. Und das Wachstum im Inland zu erzeugen und Schranken
gegen unsere Waren und Dienstleistungen weltweit
amerikanische Volk erwartet Taten.
abzubauen.
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AMERIKA DIENST 11

�Zweitens müssen wir unsere Sicherheitsstrukturen
modernisieren, um den Realitäten der Welt nach dem
Kalten Krieg gerecht zu werden. Dies beginnt mit der
Anpassung unserer Streitkräfte an neue und alte
Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit. Aber wir
müssen noch weiter gehen. Gemeinsam mit unseren
Partnern müssen wir unsere Bündnisse weiterhin so
gestalten, daß sie neue Aufträge erfüllen können.
Solidere friedenssichernde und sogar friedensschaffende Fähigkeiten sind angesichts des Potentials an
ethnischen Konflikten erforderlich, die unser Gewissen belasten und den internationalen Frieden bedrohen. Nachhaltigere Nichtverbreitungsregime sind
ebenfalls unerläßlich, wenn wir die Entwicklung neuer
und gefährlicher Bedrohungen auf internationaler Ebene
verhindern möchten.
Drittens müssen wir die demokratische Revolution
ermutigen, die einen Großteil der Welt erfaßt hat.
Durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten tun wir mehr, als die allgemeingültigen Werte zu
ehren, auf denen unsere Nation gründet. Wir tragen
dazu bei, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand zu
sichern. Demokratien führen keine Kriege gegen ihre
Nachbarn. In Diplomatie, Wirtschaft, Handel, Rüstungskontrollvereinbarungen und beim weltweiten
Umweltschutz sind sie verläßlichere Partner. Wir
sollten keine Illusionen hegen: Demokratie läßt sich
nicht von oben verordnen. Ihrem Charakter nach muß
sie von unten aufgebaut werden. Durch Unterstützung
für den Aufbau demokratischer Institutionen im ehemaligen Sowjetblock und andernorts sollten wir uns
diesen Prozeß zu eigen machen und ihn fördern. Wir
sollten dies durch kollektives Engagement leisten,
indem wir in einer aktiven Partnerschaft mit den anderen großen Demokratien zusammenarbeiten.

einem wirklich konzentrierten Haushalt, der Prioritäten
setzt und dafür die erforderlichen Mittel bereitstellt.
Wie Sie wissen, ist unsere Haushaltsvorlage noch
nicht abgeschlossen. Ich kann deshalb die von uns
beantragten Mittel nicht im einzelnen erörtern. Ich
kann jedoch einige unserer Haushaltsprioritäten herausstellen. Alle sind auf eine oder mehrere der von mir
erwähnten Säulen zugeschnitten: wirtschaftliche
Erneuerung, neue Sicherheitsstrukturen und Förderung der Demokratie. Unsere Prioritäten haben jedoch
auch noch ein weiteres wichtiges Thema gemeinsam:
alle stellen Investitionen in die Zukunft dar.
Unser Haushalt wird die internationale Unterstützung
der amerikanischen Wirtschaft betonen. Das Außenministerium muß eng mit anderen Behörden wie dem
Handelsministerium, EXIM, OPIC, TDP und AID zusammenarbeiten, um eine umfassende und koordinierte Exportstrategie zu konzipieren. Wir müssen
jedoch noch mehr tun: Indem wir die Fähigkeiten des
Ministeriums zur Unterstützung der Wirtschaft ausbauen, müssen wir das Ministerium zu einer "Amerikaabteilung" für amerikanische Unternehmer im Inund Ausland machen und damit die vom Foreign
Commercial Service geleistete wichtige Arbeit ergänzen. Die Dividenden von morgen auf die Investitionen
von heute in die Wirtschaftsförderung sind klar: Wirtschaftswachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen
hier im Inland.

Eine weitere Hauptpriorität gilt der Nichtverbreitung.
Wenn die Gesetzlosigkeit Saddam Husseins die zivilisierte Welt eines gelehrt hat, dann dieses: Massenvernichtungswaffen, insbesondere in Kombination mit
Raketentechnologie, können einen kleinen Tyrannen
zu einer Bedrohung des Weltfriedens u nd der Stabilität
werden lassen. Den neuen Staaten der ehemaligen
Die Neuorientierung unserer Mittel
Sowjetunion bei der Kontrolle von atomaren SubstanHerr Vorsitzender, eine erfolgreiche Außenpolitik kommt zen und dem verantwortlichen Umgang damit behilfnicht aus heiterem Himmel. Sie erfordert Mittel: finan- lich zu sein, ihnen und anderen Staaten bei der Errichtung effektiver Exportkontrollsysteme für Massenverzielle und menschliche Ressourcen.
nichtungswaffen und Trägersysteme zu helfen, die
Wie Sie, bin ich mir voll und ganz der Haushaltseng- internationalen Regime für Anbieter zu stärken, bestepässe bewußt, unter denen wir arbeiten. Unsere hende und neue Rüstungskontrollabkommen für konHaushaltskrise ist real. Dasselbe gilt für Präsident ventionelle und nichtkonventionelle Waffen zu unterClintons Willen, sie in Angriff zu nehmen. Auf auswär- stützen - all das mu ß Teil einer umfassenden Strategie
tige Angelegenheiten entfällt ein sehr kleiner Anteil des zur Eindämmung und tatsächlichen Umkehrung der
Gesamthaushalts. Der Betrieb des Außenministe- Weiterverbreitung sein.
riums nimmt noch weniger in Anspruch. Aber die
Zeiten, in denen wir selbst den winzigsten Posten im Eine weitere Priorität stellen verstärkte multinationale
Bundeshaushalt übersehen konnten, sind vorbei.
friedensschaffende- und friedenserhaltende Maßnahmen dar. Das Ende des Kalten Krieges hat lange Zeit
Der Haushalt für auswärtige Angelegenheiten im unterdrückte ethnische, religiöse und regionale KonHaushaltsjahr 1994, den wir in wenigen Wochen vor- flikte im ehemaligen Ostblock und anderswo entfeslegen werden, wird dieser Realität Rechnung tragen. selt. Es eröffnete jedoch auch neue Möglichkeiten für
Es wird ein harter Haushalt für harte Zeiten sein. Es die internationale Zusammenarbeit. Unsere Aufgabe
wird ein flexibler Haushalt sein, der Einsparungen nicht besteht darin, uns diese Zusammenarbeit zunutze zu
als Härte betrachtet, die durchlitten werden muß, machen, um Konflikte einzudämmen und - was noch
sondern als Aufforderung zu Innovationen. Vor allem wichtiger ist - zu verhindern.
jedoch bedeutet er einen Schritt beim Übergang zu

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�Die sich in Somalia und auf dem Balkan abspielende
Tragödien sind ein grausiges Zeugnis der abwartenden Haltung der internationalen Staatengemeinschaft
- ein Preis, den die Menschen tagaus tagein in Form
von Leid, Entbehrung und Tod zu zahlen haben. Hier
können und müssen internationale friedenserhaltende
Maßnahmen - insbesondere bei den Vereinten Nationen - eine entscheidende Rolle spielen. Die Fähigkeit
zu schnellerem, effektiverem und präventivem Handeln mu ß verbessert werden. Die Vereinigten Staaten
müssen bereit sein, den ihnen zukommenden Beitrag
zu leisten. Millionen Dollar, die in die Erhaltung des
Friedens investiert werden, führen vielleicht später zur
Einsparung Hunderter von Millionen bei Hilfsleistungen. Wir dürfen jedoch nie vergessen, daß die Erhaltung des Friedens nicht nur Dollar einspart - sie rettet
Menschenleben. Und sie verhindert unter Umständen
größere Gefahren, die langfristig sogar eine größere
militärische Intervention erforderlich machen könnten.
Ich weiß, daß dieser Unterausschuß die Finanzierung
friedenserhaltender Maßnahmen unterstützt hat. Ich
freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen um
sicherzustellen, daß wir weiterhin unserer Verantwortung gerecht werden.

schen Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen. Durch
die Bekämpfung internationaler Geißeln wie Drogenhandel und Terrorismus machen wir Amerika und die
Welt zu einem sichereren Ort. Das sind Investitionen
in den Menschen, die beim Menschen Ergebnisse
zeitigen.
Diese Prioritäten - diese Investitionen - werden bei der
Präsentation unseres Haushalts für 1994 vorherrschend
sein. Einige erfordern vielleicht eine leichte Erhöhung
der Ausstattung mit Finanzmitteln, andere hingegen
nicht. Alle sind jedoch ein Spiegelbild unserer neuen
Ausrichtung, und alle bewegen sich im Rahmen fest
vorgegebener Grenzen.
Institutionelle Reformen

Ebenso wichtig wie die Höhe unserer Ausgaben im
Bereich der Außenpolitik ist die Art und Weise, wie wir
das Geld verwenden. Die Herausforderungen der
neunziger Jahre haben das Außenministerium bereits
mit neuer Flexibilität und Disziplin versehen. Angesichts des Zusammenbruchs des ehemaligen Sowjetimperiums haben wir in nur zwei Jahren 20 neue
Botschaften und Konsulate eröffnet. Angesichts der
haushaltspolitischen Realitäten haben wir in ZusamUnser Haushalt wird auch die Demokratie, insbeson- menarbeit mit dem Kongreß die Schließung anderer
dere in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Dienststellen begonnen. Wir überprüfen erneut die
fördern. Wenn in der ehemaligen Sowjetunion demo- Personalausstattung des Außenministeriums und
kratische Regierungen und freies Unternehmertum anderer Behörden in alten und neuen Auslandsvertrevorherrschen, wird Amerika nicht nur Partner im Frie- tungen. Das Außenministerium wird jedoch mehr tun
den, sondern auch einen riesigen und schnell wach- müssen, als lediglich die schwierigen Entscheidungen,
senden Markt für amerikanische Güter und Dienstlei- mit denen wir konfrontiert werden, zu akzeptieren. Wir
stungen gewinnen. Sollte dieses kühne Freiheitsexpe- müssen für das Zeitalter nach dem Kalten Krieg eine
riment jedoch scheitern, wären wir wieder mit einem grundlegende Neuorganisation vornehmen.
unsicheren Europa konfrontiert und unsere Verteidigungsausgaben würden wieder steigen. Die Unter- Ich bin davon überzeugt, daß das Außenministerium
stützung der Demokratie in der ehemaligen Sowjetuni- nur auf die zahlreichen Herausforderungen dieses
on und auf der ganzen Welt ist nicht nur das Ausstrek- Zeitalters reagieren kann, wenn wir die Art und Weise
ken einer helfenden Hand. Vielmehr stellt sie eine unseres Umgangs mit schwierigen und komplexen
Investition in die Sicherheit und den Wohlstand Ame- Problemen, die die traditionellen bürokratischen Grenrikas dar, eine Investition in unsere Zukunft. Wie der zen überschreiten, verbessern. Wir müssen durch
Präsident vor einigen Tagen in seiner Rede vor der Kreativität die Wirksamkeit unserer Politik erhöhen
American University festgestellt hat: "Wenn wir bereit und die Verwaltung der vielen von uns durchgeführten
waren, Billionen von Dollar zur Bekämpfung des Programme beschleunigen. Eine starre Bürokratie,
Kommunismus im Kalten Krieg auszugeben, sollten eine veraltete Arbeitsteilung oder ein beschwerlicher
wir sicherlich zur Investition eines Bruchteils dieser Entscheidungsfindungsprozeß sind ein Luxus, den wir
Summe bereit sein, um den Erfolg der Demokratie zu uns nicht leisten können.
unterstützen, wo der Kommunismus scheiterte."
Aus diesem Grund, Herr Vorsitzender, engagiere ich
Unser Etat für das Haushaltsjahr 1994 wird auch einer mich für eine breit angelegte Reform der Organisation
neuen globalen Tagesordnung angepaßt sein. Die und Arbeitsweise des Außenministeriums.
Kontrolle der Bevölkerungsentwicklung und der
Umweltschutz können bei unserer Außenpolitik nicht Der Plan zur Neuorganisation, den ich letzten Monat
zweitrangig sein. Wir unterstützen arme Länder bei angekündigt habe, umfaßt die Ernennung eines Stellihrem Bemühen um umweltverträgliches Wachstum vertretenden Au ßenministers sowie von fünf Staatssedurch die Ermutigung zu verantwortungsvollen Bevöl- kretären zu meinen wichtigsten außenpolitischen
kerungsprogrammen. Durch unser aktives Engage- Beratern. Die Ressorts wurden etwas geändert, um
ment im Kampf gegen die Zerstörung unserer Umwelt den Aufgaben nach dem Kalten Krieg Rechnung zu
können wir die Lebensqualität in armen und reichen tragen. Am wichtigsten ist unser Plan, einen neuen
Ländern gleichermaßen verbessern - und amerikani- Staatssekretär für globale Angelegenheiten einzuset-

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AMERIKA DIENST 11

�zen, der für so unterschiedliche Gebiete wie Menschenrechte, Demokratisierung, Umwelt, Flüchtlingsfragen, Drogenhandel und Terrorismus verantwortlich
sein wird. Die Ernennung von Senator Tim Wirth dessen Leistungen Ihnen allen wohlbekannt sind durch Präsident Clinton zeigt klar die Bedeutung, die
die Administration unserer globalen Tagesordnung
beimißt.

ten sicherzustellen, daß mein Ministerium Amerika in
all seiner Vielfalt widerspiegelt. Kurz gesagt, wir
müssen das Außenministerium neuorganisieren.

Aber das ist noch nicht alles. Ich habe Dr. Wharton
gebeten, die Rolle des Amts für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) zu
untersuchen und mir bis Ende April Empfehlungen zu
geben. AID muß - ebenso wie das Außenministerium
Unsere Neuorganisation wird auch eine neue Ausrich- - einfach Änderungen vornehmen. Wir freuen uns auf
tung unserer wichtigsten außenpolitischen Initiativen die Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Ummit sich bringen - am bemerkenswertesten ist die strukturierung unserer Hilfsprogramme, die die neuen
Ernennung eines Sonderbotschafters und Sonderbe- außenpolitischen Prioritäten reflektieren sollen, beiraters für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion. spielsweise die Förderung der Demokratie, die VerPräsident Clinton ernannte Strobe Talbott - einen besserung unserer wirtschaftlichen KonkurrenzfähigVertrauten, Freund und Fachmann auf diesem keit und die Unterstützung des Friedensprozesses.
Gebiet -, um das gesamte Spektrum unserer Bezie- Und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen
hungen mit dieser lebenswichtigen aber unbeständi- bei der Überarbeitung und Umgestaltung der Rolle des
Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung und des
gen Region zu leiten.
US-Informationsamts im Angesicht der geänderten
Unser Plan zur Neuorganisation wird auch die übertrie- Situation nach dem Kalten Krieg sowie der Rolle der
ben hierarchische Anordnung des Außenministeriums Internationalen Rundfunkbehörde.
abbauen und unseren politischen Prozeß rationalisieren. Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Zahl unserer Aufgrund der Notwendigkeit einer wirklich integrierten
Referatsleiter und gleichrangigen Amtsträger um bis Außenpolitik ist nichts Geringeres vonnöten.
zu 40 Prozent zu senken. Wir beabsichtigen, den
Entscheidungsfindungsprozeß möglichst zu straffen. Schlußbemerkung
Unser Ziel ist eine schnellere Entscheidungsfindung,
Bei meiner Vorbereitung dieser Erklärung war ich
eine offenere und vor allem bessere Politik.
erstaunt über die enorme Ähnlichkeit zwischen den
Einige dieser Initiativen habe ich durch entsprechende Herausforderungen, denen sich das AußenministeAnweisungen in die Wege geleitet. Mit anderen wird rium gegenübersieht, und denen, mit denen die gesich der Kongreß befassen müssen. Bei der Durchfüh- samte Nation konfrontiert wird. Die Aufforderung
rung der institutionellen Reformen werden wir Ihren Präsident Clintons, mehr zu investieren, den Menschen an die erste Stelle zu setzen, findet am Sitz des
Rat und die Zusammenarbeit mit Ihnen erbitten.
Außenministeriums ebenso große Resonanz wie im
Institutionelle Reformen sind für ein effektiv arbeiten- ganzen Land. Ich werde mich dafür einsetzen, daß
des Außenministerium von derartiger Bedeutung, daß das Außenministerium auf den Aufruf des Präsidenten
ich den Stellvertretenden Außenminister Wharton - reagiert.
einen Mann mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und
großer Erfahrung - gebeten habe, unsere Bemühun- Dieser Ruf nach Erneuerung ist auf fundamentale und
gen um die Organisation eines Außenministeriums für einzigartige Weise ein amerikanisches Charakteristidas 21. Jahrhundert zu leiten. Neben der Umsetzung kum. Er ist ein Echo unserer Geschichte. 1862, als
unseres derzeitigen Plans zur Neuorganisation habe unsere Nation ihre größte Krise durchlebte, schrieb
ich Dr. Wharton damit beauftragt, die Art und Weise, in Abraham Lincoln: "Da wir mit einem neuen Fall
der wir in der Exekutive den Haushaltsprozeß für konfrontiert werden, müssen wir neu denken und
internationale Angelegenheiten leiten, zu überwachen handeln." Glücklicherweise ist unser Fall heute weniund zu verbessern. Wir müssen einfach eine verbes- ger brenzlig als Lincolns, aber sein Gebot ist heute
serte Einschätzung der politischen Prioritäten und ebenso zwingend wir vor 100 Jahren. Und es gilt für
unsere Außenpolitik genauso wie für unsere InnenpoVerteilung von Geldern vornehmen.
litik.
Auch bat ich das andere bedeutende Mitglied des
neuen Management-Teams des Außenministeriums, Der Kalte Krieg ist vorbei und damit auch die Notwenden designierten Staatssekretär Brian Atwood, sich digkeiten, die Amerikas Rolle in der Welt definierten,
bei seinen Bemühungen auf eine Modernisierung des unsere Politik bestimmten und entschieden, wie wir
Außenministeriums zu konzentrieren. Wir müssen unsere außenpolitischen Einrichtungen organisierten.
über die Finanzierung unserer Aktivitäten klarer Re- Die Zeit ist gekommen, neu zu denken. Die Zeit ist
chenschaft ablegen können. Wir müssen Investitio- gekommen, neu zu handeln. Beides erfordert Weitnen in eine verbesserte Ausbildung unseres Personals sicht. Beides erfordert harte Arbeit. Beides erfordert
tätigen, sowohl im auswärtigen als auch im allgemei- Mut. Und beides erfordert eine wirkliche Partnernen Staatsdienst. Wir müssen unablässig daran arbei- schaft: Eine Partnerschaft zwischen Demokraten und

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�Republikanern, eine Partnerschaft zwischen dem
Kongreß und der Exekutive, und vor allem eine Partnerschaft zwischen dem amerikanischen Volk und
seiner Regierung.

Herr Vorsitzender, was mich betrifft, so beginnt meine
Partnerschaft mit diesem Unterausschuß am heutigen
Tag.

* * * * *

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�TERRORISMUS
17. März 1993

STRAFRECHTLICHE VERFOLGUNG DER FÜR DEN
ANSCHLAG AUF DAS WORLD TRADE CENTER
VERANTWORTLICHEN UNABDINGBAR
Erklärung von Botschafter McNamara
WASHINGTON - (AD) - Sollten die Ermittlungen ergeben, daß eine ausländische Terrorgruppe oder ein
ausländischer Staat in irgendeiner Weise an dem jüngsten Bombenanschlag auf das World Trade Center beteiligt
war, werden die Vereinigten Staaten "nicht ruhen oder sich zufrieden geben, bis die Verantwortlichen der
Gerechtigkeit zugeführt worden sind", stellte Botschafter Thomas McNamara, der Koordinator für die Bekämpfung von Terrorismus im US-Außenministerium, in einer Anhörung vor dem Unterausschuß für internationale
Sicherheit, internationale Organisationen und Menschenrechte des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 12. März 1993 fest und fügte hinzu: "Für den Staat gibt es keine höhere Pflicht als den Schutz
seiner Bürger."
Trotz der bei der Bekämpfu ng der Bedrohung des Terrorismus erzielten Fortschritte, so McNamara, mu ß und wird
unsere Reaktion in "kontinuierlicher Wachsamkeit, Verbesserung unserer Fähigkeiten und vertiefter Zusammenarbeit bestehen, um die Sicherheit der Amerikaner und amerikanischer Interessen weltweit zu gewährleisten."
Obwohl Terroranschläge im Jahr 1992 verglichen mit 1991 um 40 Prozent abgenommen haben, erklärte
McNamara, "sind amerikanische Staatsbürger und deren Eigentum nach wie vor die Hauptziele der Terroristen
auf der ganzen Welt." Nahezu 40 Prozent der 1992 verübten terroristischen Anschläge waren auf amerikanische
Ziele gerichtet, so McNamara.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext der Erklärung von Botschafter McNamara.

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Ausschusses,

Vereinigten Staaten 1968 mit der Erstellung solcher
Statistiken begannen. Die internationalen Terroranschläge verringerten sich 1992 auf 362, das niedrigste
ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, Ihnen die
Niveau seit 17 Jahren. Dies ist eine Abnahme von 40
Ansichten des Außenministeriums zu den Trends beim
Prozent verglichen mit den 1991 verzeichneten 557
internationalen Terrorismus darlegen zu können.
Anschlägen, eine Zahl, die durch eine Serie geringerer
Ich bin Botschafter Thomas E. McNamara und derzeit Zwischenfälle zu Zeiten des Golfkriegs aufgebläht wurde.
als Koordinator der Terrorismusbekämpfung im Au- Wichtiger ist, daß die Zahl der Zwischenfälle 1992 weit
unter den 650 bis 700 Vorfällen pro Jahr Mitte der
ßenministerium tätig.
achtziger Jahre lag.
1992 im Rückblick
Trotz der Abnahme der Gesamtzahl von ZwischenfälIch werde mich im weiteren Verlauf meiner Ausführun- len sind jedoch amerikanische Staatsbürger und deren
gen dem Bombenanschlag auf das World Trade Cen- Eigentum nach wie vor die Hauptziele der Terroristen
ter zuwenden, der uns alle zutiefst beschäftigt. Zu- auf der ganzen Welt. Nahezu 40 Prozent der 1992
nächst möchte ich jedoch einen Überblick über die verübten terroristischen Anschläge waren auf amerikagenerellen Trends des internationalen Terrorismus nische Ziele gerichtet.
geben, die im großen und ganzen positiv sind.
Glücklicherweise war die Zahl der amerikanischen
1992 konnte praktisch die größte Abnahme internatio- Opfer so niedrig wie nie zuvor. 1992 wurden zwei
naler Terroranschläge verzeichnet werden, seit die Amerikaner getötet und einer verletzt, im Gegensatz zu
AMERIKA DIENST 11

Seite 1

�sieben toten und 16 verletzten Amerikanern im Jahr
zuvor.

Unglücklicherweise ist der Terrorismus oft ein Nebenprodukt solcher Konflikte. In Zukunft müssen wir sie
gut überwachen, um auf jedwede terroristische KonseAm 8. Januar 1992 wurde der in den Vereinigten quenz vorbereitet zu sein.
Staaten eingebürgerte Jose Lopez von Mitgliedern der Nationalen Befreiungsarmee in Kolum- In diesem Zusammenhang kann ich darüber berichbien entführt und umgebracht.
ten, daß wir mit verschiedenen Regierungen in der
Region zusammenarbeiten, um der möglichen BedroAm 10. Juni vergangenen Jahres wurde Feld- hung durch den Terrorismus entgegenzuwirken. In
webel Owell Hernandez in Panama getötet, als zahlreichen Staaten wurden die Gesetze und die Sidas von ihm gesteuerte Fahrzeug der US-Ar- cherheitsdienste im Inland demokratisch gestaltet. Viele
mee aus einem vorbeifahrenden Auto mit einem von ihnen arbeiten mit westlichen Regierungen zuAutomatikgewehr beschossen wurde. Ein wei- sammen, einschließlich der der Vereinigten Staaten,
terer in dem Fahrzeug befindlicher amerikani- um ihre Fähigkeiten zur Bekämpfung des Terrorismus
scher Soldat wurde verwundet. Keine Gruppe zu verbessern.
bekannte sich verantwortlich. Dieser Anschlag
fand unmittelbar vor dem Besuch Präsident Eine andere Region, über die wir uns große Sorgen
Bushs in Panama statt.
machen, ist Nordafrika und der Nahe Osten. Es gab
dort ein beunruhigendes erneutes Aufleben neuer,
Der schrecklichste internationale Terroranschlag ge- radikaler Gruppen, die zur Durchsetzung ihrer politischah am 17. März 1992, als eine gewaltige, in einem schen Ziele Zuflucht zu Gewalt nehmen. Solche
Lastwagen versteckte Bombe die Israelische Bot- Gruppen stellen sowohl für nationale Regierungen als
schaft in Buenos Aires zerstörte. Die Explosion mach- auch für die internationale Staatengemeinschaft neue
te die Botschaft dem Erdboden gleich und beschädigte Herausforderungen dar. Viele haben sich extremistieine nahegelegene Kirche, eine Schule und ein Senio- sche islamische Ideologien zu eigen gemacht. Ich
renheim. 29 Personen wurden getötet und 242 ver- möchte das, was für alle offensichtlich sein sollte, ganz
wundet. Die Islamische Heilsfront, ein Deckname für klar ausdrücken: Unser Problem ist nicht der Islam.
die vom Iran geförderte Hisbollah-Gruppe, übernahm Unser Problem sind diejenigen, die zur Erreichung
die Verantwortung für den Anschlag und belegte diese ihrer politischen Ziele Angst und Schrecken verbreiBehauptung mit der Veröffentlichung eines Videoban- ten.
des der Botschaft, das während der Überwachung vor
der Explosion aufgenommen worden war. Dies ist ein Obwohl es in den letzten Jahren weniger terroristische
weiterer Punkt auf der allzulangen Liste krimineller Zwischenfälle gab, bleibt weiterhin eine beträchtliche
direkterodervon Mittelsmännern ausgeübter Machen- Bedrohung bestehen. Wir dürfen in unserer Wachschaften des Iran auf dem Gebiet des Terrorismus.
samkeit nicht nachlassen. Ebenso wie wir den heutigen Bedrohungen begegnen, müssen wir weiterhin
Wie während der vorangegangenen drei Jahre mu ßte wachsam sein, um neu entstehende Gefahren zu
Lateinamerika 1992 mehr internationale Terroranschlä- entdecken und ihnen zu begegnen, bevor sie für die
ge hinnehmen als jede andere Region. Ausländer- nationalen Interessen der Vereinigten Staaten eine
feindliche Übergriffe in dieser Region waren vornehm- größere Gefahr darstellen.
lich gegen amerikanische Ziele gerichtet, obwohl mehr
Israelis und Argentinier infolge des Bombenanschlags Amerikanische Politik
auf die Botschaft ums Leben kamen. Linksgerichteter
Terrorismus nimmt besonders in Europa ab. Ethni- Ich bin davon überzeugt, daß der Hauptgrund für
sche und separatistische Gruppen in Europa, Lateina- dieses allmähliche Nachlassen des Terrorismus in der
merika, Südasien und im Nahen Osten waren jedoch verstärkten internationalen Zusammenarbeit der letzim vergangenen Jahr aktiv und geben weiterhin Anlaß ten Jahre liegt. Die Staaten sind in immer stärkerem
Ausmaß zur Zusammenarbeit bereit und weniger
zur Sorge.
versucht, mit terroristischen Organisationen einen
Handel einzugehen. Die Vereinigten Staaten waren
Die Zukunft
führend in dem Drängen auf eine solche ZusammenDie tiefgreifenden Veränderungen der vergangenen arbeit und bei ihrer Bekämpfung solcher AbmachunJahre in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion gen. Wir haben weiterhin denjenigen Aspekten der
zählen zu den wichtigsten dieses Jahrhunderts. Wie Angelegenheit unsere Aufmerksamkeit gewidmet, die
so häufig, haben Veränderungen - so positiv sie auch für unseren Erfolg entscheidend sind: ein Ende der
sein mögen - oft jedoch unerwünschte Konsequenzen. Unterstützung durch den Staat, eine Stärkung der
Rechtsstaatlichkeit, die Weigerung, Terroristen durch
Das ist hier der Fall. In zahlreichen Gebieten OsteuroKonzessionen zu unterstützen und die Verstärkung
pas und der ehemaligen Sowjetunion sind Gewalt und
der Maßnahmen zur Vereitelung terroristischer Gelange unterdrückte ethnische Konflikte entstanden, die
waltakte.
zu enormem menschlichen Leid führen.

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AMERIKA DIENST 11

�Die Hauptsäule unserer Politik besteht darin, die staatlichen Gönner des Terrorismus zu einer Einstellung
ihrer Unterstützung zu drängen. Staatliche Unterstützung für den Terrorismus findet statt, wenn eine Regierung Waffen, Ausbildung und Ausbildungsstätten,
geheimdienstliche Unterstützung, Gelder, Reisedokumente, Schutz vor Verfolgung und ähnliche Hilfe zur
Verfügung stellt. Dadurch werden die Gefahr und der
tödliche Charakter von internationalen terroristischen
Gruppen erhöht. Im Endeffekt sind Terroristen, die
kein Operationsgebiet und keine Einrichtungen zur
Verfügung haben, den Strafverfolgungsbehörden
ausgeliefert.

genden Resolutionen 731 und 748 des Sicherheitsrates sind das jüngste und bedeutsamste Anzeichen
dieser geänderten Haltung.

Die Resolution 748 des Sicherheitsrates verhängt
Sanktionen, die eine vollkommene Unterbrechung der
Flugverbindungen zu Libyen, das Verbot der Lieferung
von Flugzeugteilen und eine ähnliche Regelung zu
militärischer Ausrüstung, Einzelteilen und Dienstleistungen an Libyen beinhalten sowie die Forderung,
daß die Staaten die Anzahl ihrer nach Libyen entsandten Diplomaten verringern sollten. Diese Sanktionen
sind in nahezu allen Fällen wirksam, und die Vereinigten Staaten gehen schnell gegen mögliche VerletzunWir waren erfolgreich dabei, auf diese Staaten größe- gen vor. Diese Sanktionen bleiben in Kraft, bis Libyen
ren Druck auszuüben - insbesondere auf den Irak und in vollem Umfang den Forderungen des UN-SicherLibyen. Wir haben auch Vorteile aus dem Zusammen- heitsrates nachkommt. Wir beraten mit unseren Verbruch kommunistischer Regime in Osteuropa und der bündeten Großbritannien und Frankreich, wie die
Sowjetunion gezogen. Jüngste Enthüllungen aus den bestehenden Sanktionen am besten verstärkt werden
Akten dieser Regime haben den Beweis für das ge- können, um Libyen zu ihrer Einhaltung zu zwingen.
bracht, was wir schon vor Jahren vermuteten: Einige
dieser Staaten haben den gegen den Westen gerich- Die Bemühungen der Vereinigten Staaten und anderer
Nationen, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und das
teten Terrorismus unterstützt.
Gesetz auf Terroristen anzuwenden, sind ein weiteres
In unserer jüngsten Untersuchung über staatliche Schlüsselelement unserer Politik. Terroristen werden
Unterstützung des Terrorismus bezeichneten wir sechs in zunehmendem Maße identifiziert, aufgespürt, festStaaten - Kuba, Iran, Irak, Libyen, Nordkorea und genommen, vor Gericht gestellt und für ihre VerbreSyrien - als Förderer des Terrorismus. Zwei andere chen bestraft. Die Vereinigten Staaten arbeiteten
Länder - Pakistan und der Sudan - werden weiterhin beispielsweise erfolgreich mit Griechenland bei dem
beobachtet und könnten möglicherweise ebenfalls auf Prozeß gegen Mohammed Rashid zusammen, der
wegen des Bombenanschlags auf eine Maschine der
die Liste gesetzt werden.
Pan Am im Jahr 1982 angeklagt war. Zehn Jahre nach
Keiner dieser den Terrorismus unterstützenden Staa- dem Bombenanschlag wurde Rashid schuldig gesproten hat die terroristische Option vollkommen aufgege- chen und zu einer langen Gefängnisstrafe in Athen
ben, noch den Kontakt zu Terroristen nahestehenden verurteilt.
Gruppen abgebrochen. Das iranische Regime hat seit
seiner Machtübernahme 1979 den staatlichen Terro- Wir stärken die Rechtsstaatlichkeit auch, indem wir bei
rismus praktiziert; gegenwärtig ist es der gefährlichste der Verbesserung des Justizwesens und der StrafverUnterstützerdesTerrorismusund hatweltweite Reich- folgungsbehörden anderer Länder behilflich sind, die
weite. Syrien behält enge Kontakte zu verschiedenen Opfer terroristischer Gewalttaten sein könnten. Durch
Gruppen bei, die im Rahmen des internationalen Ter- die Ausbildung im Rahmen des Antiterrorismusprororismus tätig sind, und erlaubt ihnen, in syrisch kon- gramms des Außenministeriums haben wir die Fähigtrolliertem Gebiet zu üben und in Damaskus Büros zu keit anderer Regierungen, Terroristen zuvorzukomerrichten. Saddam ist mit terroristischen Mitteln gegen men, gegen sie zu ermitteln und sie zu verfolgen,
Regimegegner, UNO-Funktionäre und Mitarbeiter verbessert. 1992 durchliefen 1.125 hochrangige Beamte
westlicher Hilfsorganisationen vorgegangen. Libyen aus 25 Ländern eine solche Ausbildung, wodurch die
gestattet weiterhin Operationen terroristischer Grup- Gesamtzahl derjenigen, die im Rahmen dieses Propen auf seinem Territorium, Kuba und Nordkorea gramms ausgebildet wurden, auf ungefähr 14.000 aus
haben noch nicht alle Verbindungen zu Terroristen 75 Nationen stieg.
abgebrochen.
World Trade Center
Die Regierungen waren in zunehmendem Maße bereit, sich sichtbar gegen den Terrorismus zu erheben Bevor ich die Rolle des Außenministeriums bei den
und - was noch wichtiger ist - bei der Bekämpfung des Ermittlungen zum Anschlag auf das World Trade Center
Terrorismus zu helfen. Dies wurde deutlich während erörtere, möchte ich den Familien der Opfer kondolieder Operation Wüstensturm, als die terroristische In- ren und sie des Engagements von uns allen im State
frastruktur des Irak durch die aggressiven Maßnah- Department versichern, die Schuldigen vor Gericht zu
men zahlreicher Nationen auseinanderbrach. Die bringen. Auch wenn unsere Rolle bei terroristischen
Verurteilung der libyschen Bombenanschläge auf Pan- Anschlägen im Inland begrenzt ist, werde ich kurz
Am-Flug-103 und UTA-Flug-772 durch den UN-Si- darauf eingehen, was wir in solchen Fällen tun, um den
cherheitsrat sowie die Verabschiedung der herausra- Ermittlem zu helfen.
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�Alle Botschaften wurden beauftragt, eingehend über
sämtliche Informationen zu berichten, die sie über den
Bombenanschlag in Erfahrung bringen, damit die
Gemeinsame Arbeitsgruppe Terrorismus in New York
von allen in Übersee zur Verfügung stehenden Informationen oder Ideen profitieren kann. Das Ministerium
beantwortet darüber hinaus besondere Anfragen der
Arbeitsgruppe im Hinblick auf Indizien, die Maßnahmen in Übersee erfordern.

Aufspürung dieser Sprengstoffe zu ermöglichen. Unser
Ziel war die Erarbeitung eines internationalen Abkommens, das die Abschreckung von Terroristen fördern
und zur Verhinderung von Anschlägen mit Plastiksprengstoffen beitragen würde. Ein Ergebnis dieser
Bemühungen ist die Konvention über die Markierung
von Plastiksprengstoffen (Convention on the Marking
of Plastic Explosives for Purposes of Detection), die
1991 in Montreal abgeschlossen und seither von den
Vereinigten Staaten und 45 anderen Ländern unterDas Ministerium hat Erfahrung bei der Aufklärung von zeichnet wurde.
Sprengstoffanschlägen mit Autobomben, und wir informieren die Ermittler vor Ort in New York über unsere Die US-Armee hat die technische Erprobung abgeErkenntnisse. Vertreter des Ministeriums sind an den schlossen, die anfänglich überwiegend aus Mitteln des
Ermittlungen beteiligt, und das Büro für diplomatische Außenministeriums für Forschung und Entwicklung
Sicherheit hat der Arbeitgruppe spezielle Detektoraus- bei der Terrorismusbekämpfung finanziert wurde, um
rüstung zur Verfügung gestellt, die zur Identifizierung zu gewährleisten, daß die erforderlichen Veränderunexplosiver Verbindungen beitragen kann.
gen bei amerikanischen Plastikspreng Stoffen keine
nachteiligen Folgen für Umwelt, Arbeitsschutz oder
Darüber hinaus nehmen die Nachrichtendienste eine nationale Sicherheit nach sich ziehen. Aufgrund dieintensive Bestandsaufnahme bereits gesammelter ser Tests ist die Armee nun bereit, ab Januar 1994
nachrichtendienstlicher Erkenntnisse vor, um Informa- Plastiksprengstoffe mit dem Markierungsstoff zu protionen auszumachen, die den Ermittlungen potentiell duzieren.
nützen könnten.
Die Regierung wird die Konvention in absehbarer
Herr Vorsitzender, die Ermittlungen stecken noch in Zukunft dem Senat zur Ratifizierung vorlegen. Darüden Kinderschuhen und konzentrieren sich auf die ber hinaus streben wir die Zustimmung des KongresSammlung forensischer Beweismittel. Darüberhinaus ses zu damit in Zusammenhang stehenden Durchfühliegt die Hauptverantwortung für diese Ermittlungen rungsgesetzen an. Wir hoffen, wir können im Hinblick
beim FBI und der New Yorker Polizei, die in der auf die rasche Verabschiedung der DurchführungsgeGemeinsamen Arbeitsgruppe Terrorismus zusammen- setze eng mit Ihnen und dem Ausschuß zusammenararbeiten. Da es sich um ein schwebendes Verfahren beiten.
handelt, kann ich mich nicht weiter dazu äußern oder
spekulieren, ob dieser Bombenanschlag einen Akt des Darüber hinaus wird das Ministerium erneut den Koninternationalen Terrorismus darstellt. Dasselbe gilt im greß um die Verabschiedung von DurchführungsgeHinblick auf die mögliche Rolle verschiedener interna- setzen zu zwei wichtigen Verträgen zur Terrorismustionaler Terroristen.
bekämpfung ersuchen: dem Protokoll zur Verhinderung ungesetzlicher Gewaltakte auf internationalen
Herr Vorsitzender, gleichzeitig möchte ich eindeutig Flughäfen von 1988 (Protocol for the Suppression of
feststellen: Wenn sich ergeben sollte, daß eine aus- Unlawful Acts of Violence at Airports Serving Internaländische terroristische Gruppe oder ein solcher Staat tional Aviation) und der Konvention zur Verhinderung
auf irgendeine Weise am Anschlag auf das World ungesetzlicher Angriffe auf die Sicherheit der SeeTrade Center beteiligt war, werden die Vereinigten schiffahrt von 1988 (Convention for the Suppression of
Staaten nicht ruhen oder sich zufrieden geben, bis die Unlawful Attacks Against the Safety of Maritime NaviVerantwortlichen der Gerechtigkeit zugeführt werden. gation). Diese Verträge haben das Prinzip "verfolgen
Für den Staat gibt es keine höhere Pflicht als den oder ausliefern" auf Angriffe gegen Flughäfen oder
Schutz seiner Bürger. Ich kann Ihnen versichern, daß Seeziele erweitert, um eine Wiederholung solcher
dies der Ansicht des Präsidenten, des Ministers und Akte wie der Anschläge auf die Flughäfen in Rom und
von uns allen im Ministerium entspricht.
Wien im Jahr 1985 und der Entführung des Passagierschiffes Achille Lauro 1986 zu verhindern.
Die nächsten Schritte
Bevor ich meine Ausführungen abschließe, möchte ich Der Senat hat die Verträge 1989 gutgeheißen, aber die
jedoch noch die nächsten Schritte erörtern, für die wir Verabschiedung von Durchführungsgesetzen wurde
verzögert, seit sie in das Allgemeine Gesetz zur Verden Kongreß um Unterstützung bitten.
brechensbekämpfung (Omnibus Crime Bill) aufgeNach der Zerstörung der Pan-Am-Maschine durch nommen wurden. Ich hoffe, Ihr Ausschuß kann zur
einen Plastiksprengsatz im Dezember 1988 verstän- Verabschiedung in diesem Jahr beitragen und uns
digten sich die Vereinigten Staaten und wichtige euro- damit gestatten, unsere internationalen rechtlichen
päische Länder darauf, chemische Markierungsstoffe Verpflichtungen einzuhalten.
zu identifizieren, die beim Herstellungsprozeß in PlaIch möchte noch eine andere Angelegenheit ansprestiksprengstoffe eingearbeitet werden könnten, um die
chen, die meines Erachtens von Belang sein könnte.
Seite 4

AMERIKA DIENST 11

�Das Außenministerium wird in naher Zukunft einen
Gesetzentwurf sowie die Ankündigung einer Neuorientierung von Programmen im Zuge der Reorganisierung des Ministeriums vorlegen. Einer der Vorschläge
sieht die Zusammenlegung der politischen Büros und
Dienststellen, die derzeit mit Betäubungsmitteln und
Terrorismus befaßt sind, zu einem einzigen Büro vor,
das darüber hinaus Befugnisse in Zusammenhang mit
internationaler Polizeiarbeit und Rechtsangelegenheiten erhalten soll.
Diese Neuorganisation wird einen gewissen, seit langem angestrebten Synergieeffekt bei der Verwaltung
des Ministeriums erzielen. Es ist eine Veränderung,
die ich seit langem befürworte und die in keiner Weise
die Bedeutung der Terrorismusbekämpfung beziehungsweise die Konzentration darauf verringert. Zu
den Funktionen des Abteilungsleiters für Betäubungsmittel, Terrorismus und Verbrechen (NTC) wird die
Rolle des Koordinators für Terrorismusbekämpfung
gehören. Er wird weiterhin durch einen engagierten
und professionellen Mitarbeiterstab hervorragend
unterstützt werden, der einem Stellvertretenden Abtei-

*

AMERIKA DIENST 11

lungsleiter unterstellt und einzig und allein für internationale Terrorismusangelegenheiten zuständig sein
wird.
Das Ministerium wird darüber hinaus das Programm
zur Unterstützung der Terrorismusbekämpfung aus
dem Büro für diplomatische Sicherheit ausgliedern
und in dieses neue Büro integrieren. Diese Veränderung wird dazu beitragen, eine enge Verbindung zwischen unseren politischen Initiativen zur Terrorismusbekämpfung sowie unseren operativen Programmen
zu gewährleisten, mit denen die Fähigkeiten von
Gastgeberländern zur Terrorismusbekämpfung verbessert werden sollen.
Herr Vorsitzender, trotz der Fortschritte und Erfolge
besteht weiterhin eine ernste Bedrohung durch den
Terrorismus, insbesondere den staatlich geförderten.
Unsere Reaktion muß und wird in kontinuierlicher
Wachsamkeit, Verbesserung unserer Fähigkeiten und
vertiefter Zusammenarbeit bestehen, um die Sicherheit der Amerikaner und amerikanischer Interessen
weltweit zu gewährleisten.

* * *

*

Seite 5

�MEDIEN
17. März 1993

300 JAHRE ZEITUNGSWESEN IN AMERIKA
von Stephen Bates
Der Verfasser des nachstehenden Beitrags würdigt die 300jährige Tradition des amerikanischen Zeitungswesens und beschreibt einige der Probleme, denen sich die frühe amerikanische Presse ausgesetzt sah, die heute
von der Verfassung geschützt ist. Der Artikel gehört zu einer Serie von Beiträgen über die US-Medien, die wir
künftig in unregelmäßiger Folge veröffentlichen weiden.
Stephen Bates ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim American Enterprise Institute und Autor von If No News,
Send Rumors: Anecdotes of American Journalism.
Der Artikel darf in ungekürzter Form mit folgendem Zusatz nachgedruckt werden: Nachdruck mit Genehmigung
von The American Enterprise. Copyright (c) American Enterprise Institute for Public Policy Research.
Die amerikanische Presse entstand vor dreihundert
Jahren. Publick Occurrences Both Forreign and
Domestick kam am 25. September 1690 in Boston auf
den Markt. Obwohl die Zeitung von Benjamin Harris
nicht mit heutigen zu vergleichen ist - sie wies weder
Schlagzeilen noch Illustrationen auf und umfaßte lediglich drei kurze Seiten von 18 mal 28 Zentimetern gibt es doch eine tiefergehende Kontinuität.

Grund anzunehmen, daß der Vater über seine Beziehung zur Frau des Sohnes gelogen hat". Etwa 250
Jahre später bezeichnete ein Journalismushistoriker
diese Nachricht keusch als "Skandal, (der) den französischen König und seine Schwiegertochter betraf.
Was um 1690 akzeptabel gewesen war, war für die
vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu schlüpfrig
geworden.

Die Nachrichten, über die 1690 berichtet wurde, wären
auch dem Zeitungsleser von 1990 geläufig. Die erste
Nummer von Publick Occurrences enthielt Lokalnachrichten (die Pocken hatten "stark nachgelassen",
aber "Fieber und Schüttelfrost" nahmen zu), einen
Tadel der Regierungspolitik (die indianischen Verbündeten Großbritanniens benahmen sich "auf eine Art
und Weise, die für jeden Engländer zu barbarisch ist"),
einen detaillierten Bericht über einen Selbstmord (ein
Witwer, der seit dem Tod seiner Frau "still und grämlich" gewesen war, wurde "an einem Seil hängend, das
man zum Anbinden von Kälbern benutzt hatte", gefunden) und eine Spur von Gewalt (ein Hauptmann hatte
zwei Indianern "die Gesichter zerschnitten und die
Bäuche aufgeschlitzt"). Auch einige nationale und
internationale Nachrichten erschienen, die ohne Quellenangabe von britischen Zeitungen abgeschrieben
waren - eine Praxis, die einen Londoner Verleger
veranla ßte, Harris als "Plagiator und Pressepiraten" zu
bezeichnen.

Eine andere Zeitung aus der Kolonialzeit wollte ein
solch breites internationales Nachrichtenspektrum
abdecken wie die New York Times von heute. John
Campbells zwei Seiten umfassendes Wochenblatt
Boston News-Letter kündigte an, es wolle alle aus
Europa eingehenden Nachrichten vollständig und in
der Reihenfolge ihres Eingangs abdrucken. Die Nachrichten sprengten schon bald den vorgesehenen
Rahmen, aber Campbell weigerte sich, seinen ehrgeizigen Plan zu modifizieren. Als der News-Letter im
Jahr 1718 den europäischen Nachrichten über ein Jahr
hinterherhinkte, erweiterte Campbell widerwillig den
Umfang der Zeitung, um dies wettzumachen.

Ein Beitrag aus Publick Occurrences würde hervorragend in den National Enquirer passen, ein amerikanisches Massenblatt von heute. Der Sohn des Königs
von Frankreich, so die Zeitung, "hat kürzlich gegen ihn
revoltiert und hat - falls die Berichte zutreffen - allen
AMERIKA DIENST 11

Die Verleger der Kolonialzeit versuchten ebenso hartnäckig wie die Graphiker von USA Today (eine besonders graphikorientierte amerikanische Tageszeitung),
ihre Produkte attraktiv zu gestalten. Die ersten Zeitungen waren teuer (Männer machten sie bisweilen ihrer
Angebeteten zum Geschenk), und einzelne Exemplare wurden von Leser zu Leser weitergegeben. Einige
Verleger waren so aufmerksam, daß sie bei jeder
Ausgabe eine Seite frei ließen, damit der Abonnent
persönliche Nachrichten niederschreiben konnte, bevor
er sie Freunden zusandte.

Seite 1

�Viele der frühen Zeitungen erzielten nie Gewinne. Um mann Benjamin Franklin schrieb, daß nahezu alles
ein Auskommen zu haben, fungierte John Campbell Veröffentlichte "einige und vielleicht zu viele beleidigen
gleichzeitig als Leiter eines Postamts. Dasselbe galt wird", und deshalb machten sich die Herausgeber bald
für den Verleger der Pennsylvania Gazette, Benja- "eine Gleichgültigkeit gegenüber Richtigkeit oder Falschmin Franklin, der gerissen andere Zeitungen von der heit der in ihren Druckerzeugnissen enthaltenen MeiPostverteilung in Philadelphia ausschloß. Benjamin nungen zu eigen". Wo Franklin den Journalisten riet,
Harris betrieb weiterhin ein Kaffeehaus und ein Buch- Kritik zu ignorieren, forderte John Adams, der später
geschäft. Einige Verleger verkauften nebenher Texti- der zweite Präsident der Vereinigten Staaten wurde,
lien.
dazu auf, sie zu genießen. In einem Brief an die
Boston Gazette schrieb Adams, die von den "MachtNahezu alle Verlegerstellten ihre Druckpressen gegen gierigen" gegen die Zeitung vorgebrachten "abgedroBezahlung für religiöse Traktate, Almanachs, Flug- schenen, unverschämten Vorwürfe von Rufmord und
blätter, Geschäftsformulare und Druckschriften zur Volksverhetzung" bedeuteten "für uns um so mehr
Verfügung. Die Auftragsarbeiten konnten zu Konflik- eine Ehre". Die Haltung von Adams lebt fort: Morton
ten führen wenn, was häufig der Fall war, die Regie- Kondracke von The New Republic betrachtet es als
rung der wichtigste Kunde war. Nachdem die Boston eine seiner größten Leistungen, daß er vom Weißen
Gazette im Jahr 1757 religiöse Gefühle verletzt hatte, Haus unter Nixon auf die Liste von Gegnern gesetzt
teilten die "selectmen" (Stadtratsabgeordneten) der wurde.
Stadt ihrem Verleger mit, "wenn Sie weiterhin Dinge
dieser Art abdrucken, dürfen Sie keine weiteren Vortei- Mit Zunahme der Spannungen zwischen Briten und
le mehr von uns erwarten". Der Verleger versprach, Kolonisten lernten die Herausgeber mehrere Lektiovorsichtiger zu sein.
nen, die auch später noch Bestand hatten. Sie entdeckten, daß sie Bedrohungen ihrer Profite, wie das
Aufstieg und Fall des Wettbewerbs
Stempelgesetz, als Bedrohungen von Grundfreiheiten
aller Menschen darstellen konnten. In ihren FußstapDie verwundbarsten Zeitungen waren die, die lokale
fen haben Verleger des zwanzigsten Jahrhunderts
Konkurrenten hatten. 1721 versuchten Freunde, James
bisweilen behauptet, der erste Zusatz zur amerikaniFranklin (Bens älteren Bruder) davon zu überzeugen,
schen Verfassung befreie sie von der Pflicht, Steudaß die Gründung einer Zeitung eine Torheit sei.
er-, Kartell- und Arbeitsgesetze sowie BebauungspläCampbeils Boston News-Letter, so behaupteten sie,
ne einzuhalten. Die Zeitungsverleger der Kolonialzeit
habe den Markt gesättigt - einen ansehnlichen Markt,
erlebten, wie die Auflagen explodierten: Die des
da der News-Letter damals die einzige Zeitung in den
Connecticut Courant erreichte 8.000 im Jahr 1781,
amerikanischen Kolonien war. Franklin ignorierte den
was mehr war als die Auflage der meisten Londoner
Rat, und sein New-England Courant bestand fünf
Zeitungen. Die Herausgeber entdeckten, daß sich
Jahre.
Zeitungen mit schlechten Nachrichten am besten
verkaufen
lassen. Damals wie heute gilt, was der
Mit wachsendem Konkurrenzdruck entstanden HunJournalist
Walter
Lippmann einmal trocken folgenderderte von Zeitungen, und durch Zusammenschlüsse
maßen
formulierte:
"Krieg ist sensationeller als Friekam es zu Namensänderungen und Schließungen.
den."
The American Minerva wurde 1793 in New York
gegründet. Im Jahr 1797 wurde die Zeitung in Commercial Advertiser umbenannt, 1904 in The Globe, Die Pioniere der Presse unterhielten komplexe Bezie1923 in The Sun and The Globe, 1950 in New York hungen zur Regierung. Bezeichnend hierfür ist der Fall
World-Telegram/The Sun und 1966 in World Jour- von Benjamin Harris. Er plante, seine Publick Occurnal Tribüne. 1967 stellte World Journal Tribüne, rences "einmal im Monat (oder häufiger, wenn eine
das eine Fortsetzung von 38 verschiedenen Zeitungen Vielzahl von Ereignissen stattfindet") zu veröffentlidarstellte, das Erscheinen vollständig und ohne Nach- chen. Als die erste Ausgabe erschien, ordnete der
königliche Gouverneur jedoch die dauernde Einstelfolger ein.
lung der Zeitung an, weil Harris die Einholung der
So viele Zeitungen wurden eingestellt oder schlössen erforderlichen Genehmigungen versäumt hatte.
sich mit anderen zusammen, daß heute weniger als 20
Städte konkurrierende Tageszeitungen haben, nach- Harris hatte sich schon früher staatlichen Anordnundem es vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch gen widersetzt. In London war er bereits mehrmals
nahezu 700 gegeben hatte. Die Zeitungsindustrie festgenommen, an den Pranger gestellt und wegen
erzielt Gewinne von 20 Prozent vor Steuern - nahezu Veröffentlichung aufrührerischer Schriften inhaftiert
doppelt soviel wie die amerikanische Fertigungsindu- worden. Wenn er jemals Gedanken gehegt haben
strie -, und einige Zeitungen erreichen sogar 40 Pro- mag, die Einstellungsverfügung für Publick Occurrences zu mißachten, so gab er sie jedoch bald auf.
zent.
Die königlichen Behörden vergaben einen Druckauftrag
an ihn, der wesentlich höhere Gewinne versprach
Die Zeitungen der Kolonialzeit wurden häufig kritisiert,
als
die
Zeitung. Harris' Karriere im amerikanischen
und schon bald fanden die Herausgeber MöglichkeiJournalismus
fand ein abruptes Ende.
ten, die Kritik abzubiegen. Der amerikanische StaatsSeite 2

AMERIKA DIENST 11

�Mit immer selteneren Ausnahmen müssen sich die
Verleger von heute kaum Sorgen über Einstellungsverfügungen machen. Statt dessen sorgen sie sich um
mögliche Beschränkungen der Zigarettenreklame,
Steuern auf den Verkauf von Einzelexemplaren, Begrenzung der Aufstellung von Zeitungsautomaten auf
bestimmte Gebiete, Arbeitsschutzbestimmungen für
die Benutzung von Computermonitoren sowie Gesetze, die den Zeitungen die Benutzung von Altpapier
vorschreiben. Auf nahezu alle diese Bedrohungen
reagieren die Verleger mit der Berufung auf den ersten
Verfassungszusatz und, wenn dies nutzlos ist, mit
Lobbyismus, Einflußnahme und "Arbeit mit der Regierung" - wie der Titel einer Präsentation bei der Messe
der Vereinigung amerikanischer Zeitungsverleger im
Jahr 1990 lautete.
Einige Aspekte des Journalismus der neunziger Jahre
haben keine kolonialen Wurzeln. Der kalifornische
Ventura County Star - Free Press wurde wegen
*

AMERIKA DIENST 11

*

fahrlässiger Verursachung seelischen Leides verklagt,
weil die Zeitung eine falsche Lotterienummer veröffentlicht hatte, die Manuel Hernandez kurze Zeit und
fälschlich zu der Annahme veranlaßte, er habe 11
Millionen Dollar gewonnen. Endlose Marktanalysen
ergeben, daß "Bugs Bunny" bei Lesern zwischen 18
und 49 Jahren die beliebteste Zeichentrickfigur ist,
während 6-17jährige "Garfield" bevorzugen. Und die
kalifornische Zeitung Orange County Register setzte
einen Reporter auf ein Gebiet an, an das Benjamin
Harris noch nicht gedacht hatte: Einkaufszentren.
Die Erstausgabe von Publick Occurrences gab an,
sie werde "die Umstände öffentlicher Angelegenheiten" und "denkwürdige Vorfälle göttlicher Vorsehung"
aufzeichnen. In den Tagen von AIDS ist dies nicht
minder als in den Tagen von Schüttelfrost eine treffende Beschreibung des Auftrags der Presse. Nach 300
Jahren lebt das Vermächtnis der verkürzten Karriere
von Benjamin Harris fort.

*

*

Seite 3

�</text>
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