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U.S. Information Service
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Embassyofthe United States of America \ J I V H I
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16. Oktober 1991

41

NEUER OBERSTER RICHTER

SENAT BESTÄTIGT THOMAS MIT 52 ZU 48
STIMMEN ALS OBERSTEN RICHTER
Anhörung über die Vorwürfe sexueller
Belästigung ergebnislos

DIE SOWJETISCHE
MILITÄRMACHT

STREITKRÄFTE IM UMBRUCH: 1991
Vorwort des Verteidigungsministers
zum Pentagon-Bericht

US-STREITKRAFTE

"VORNEPRÄSENZ" ALS KERNSTÜCK
DER US-STREITKRÄFTESTRUKTUR
Rede von General Powell vor der Vereinigung
der Atlantischen Gesellschaften

DROGEN

DROGENMISSBRAUCH UND DER
EINFLUSS VON THERAPIEZENTREN
Die Behandlung verschiedener
Bevölkerungsgruppen

KUNST

CIRCA 1492: ART IN THE
AGE OF EXPLORATION
Ausstellung in der National Gallery
of Art in Washington

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NEUER

OBERSTER

RICHTER
16. Oktober 1991

SENAT BESTÄTIGT THOMAS MIT 52 ZU
48 STIMMEN ALS OBERSTEN RICHTER
Anhörung über die Vorwürfe sexueller Belästigung ergebnislos

WASHINGTON - (AD) - Nach wochenlangen Debatten
über seine Rechtsauffassungen und seinen Charakter
hat der Senat Richter Clarence Thomas in seinem Amt
im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten
bestätigt.
Der Senat stimmte am 15. Oktober 1991 mit 52 zu 48
Stimmen für Thomas, wobei sich 11 Demokraten den
41 von 43 Republikanern im Senat anschlössen, um
Präsident Bushs Kandidaten - einen konservativen 43
Jahre alten schwarzen Richter am Berufungsgericht zum Richter am Obersten Gerichtshof zu machen, der
dem ausscheidenden Thurgood Marshall nachfolgt.
Präsident Bush, der sich in dem ganzen turbulenten
Prozeß nachdrücklich für Thomas ausgesprochen hatte,
veröffentlichte eine Erklärung, mit der er seine Freude
über die Entscheidung des Senats bekundete. "Das
Land und das Gericht profitieren davon, einen Mann
mit Prinzipien zu haben, der den Problemen und
Möglichkeiten aller Amerikaner sensibel gegenübersteht," erklärte der Präsident.
Die Endabstimmung folgte auf drei Tage spannende
und oft spektakuläre Anhörungen vor einem rasch
einberufenen Rechtsausschuß des Senats zu in letzter Minute bekanntgewordenen Anschuldigungen,
Thomas habe eine frühere Mitarbeiterin sexuell belästigt.
Der gesamte Senat war bereit, am 8. Oktober nach
umfangreichen Anhörungen über Thomas Qualifikationen für das Oberste Gericht abzustimmen, in denen
Thomas im allgemeinen die Bestrebungen mancher
Senatoren abwehren konnte, seine Meinung zu Abtreibung und anderen möglichen Probleme des Obersten
Gerichtshofs in Zweifel zu ziehen.
Aber am Vorabend dieser Abstimmung erhielten die
Medien ein vertrauliches Protokoll des FBI über Beschuldigungen von Anita Hill, einer Juraprofessorin der
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University of Oklahoma, die vor zehn Jahren bei zwei
Bundesbehörden für Thomas gearbeitet hatte, er habe
ihr ungebührliche Aufmerksamkeit geschenkt, sie
wiederholt um Verabredungen gebeten, mit seiner
sexuellen Potenz geprahlt und ihr Szenen aus pornographischen Filmen geschildert.
Der Ausschuß hatte Kenntnis von Hills' Vorwürfen,
bevor er Thomas Nominierung an den Senat zum
Beschluß durch Fraktionszwang mit einer Stimmengleichheit von 7 zu 7 weiterleitete.
Die Veröffentlichung der Anschuldigungen - offensichtlich von einem der Senatoren des Ausschusses
oder einem ihrer Mitarbeiter durchgesickert - führte zu
einer Welle der Entrüstung von Frauen- und anderen
Gruppen, die sich beschwerten, das Gremium habe
das ernste Problem der sexuellen Belästigung ignoriert.
Dies führte zur Verschiebung der Abstimmung um eine
Wophe, wobei der Ausschuß weitere Anhörungen
anordnete, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Bei den landesweit ausgestrahlten Anhörungen, die
am Freitag, den 11. Oktober wiederaufgenommen
wurden, trug Hill noch mehr und detailliertere Anschuldigungen vor, die von Thomas vehement und kategorisch geleugnet wurden, und er beschwerte sich, gedrängt
zu werden, etwas Nichtexistentes zu beweisen. In den
Anhörungen wurden sexuelle Begriffe ausgesprochen,
die niemals zuvor in einem Senatsverfahren zu hören
waren, es kam zu den heftigsten Debatten zwischen
Republikanern und Demokraten, an die man sich
erinnern kann.
In langen Befragungen warf Hill am 11. Oktober Thomas vor, er habe sich - oftmals hinter verschlossenen
Türen und niemals vor Zeugen - ungebührlich verhalten, als sie für ihn beim Bildungsministerium und bei
der Gleichstellungsbehörde (Equal Employment OpSeite 1

�portunity Commission - EEOC) gearbeitet habe. Sie
erklärte, seine Bemerkungen seien die unausgesprochene Aufforderung gewesen, "Sex mit ihm zu haben".

Senatoren - konfrontiert mit zwei diametral entgegengesetzten Aussagen zweier beeindruckender, wortgewandter Zeugen - gegenübersahen.

Thomas Befürworter im Ausschuß versuchten ihre
Anschuldigungen als unglaubwürdig zurückzuweisen.
Sie fragten wiederholt, warum sie nicht damals gegen
Thomas vorgegangen sei, warum sie ihm zur EEOC
gefolgt sei, als er die Stelle wechselte, warum sie ihn
nach Aufgabe ihrer Stelle mehrmals und anscheinend
in freundlicher Absicht angerufen und warum sie 10
Jahre gewartet habe, um das Thema der angeblichen
Belästigung öffentlich zur Sprache zu bringen.

Der derzeitige Senatspräsident und frühere Mehrheitsführer, Demokrat Robert Byrd, ergriff das Wort mit
der Feststellung, nach Ansicht praktisch aller Fernsehübertragungen habe er seine Meinung geändert und
werde jetzt gegen Thomas stimmen.

In einer emotional geführten Anhörung am 11. und 12.
Oktober wies Thomas Hills' Beschuldigungen als
"Unsinn" zurück und erklärte: "Ich kann mich an nichts
erinnern, was ich Anita Hill gesagt oder getan habe,
das als sexuelle Belästigung mißverstanden werden
könnte". Er gab zu, ihre Anhörung nicht verfolgt zu
haben.
Thomas, wie Hill schwarz, argumentierte, die Versuche zur Vereitelung seiner Nominierung gründeten
sich auf rassistische Vorbehalte, und das Verfahren,
dem er sich unterziehen müsse, sei eine "hochmoderne Form der Lynchjustiz an vermessenen Schwarzen".
Während einer Marathonsitzung am 13. Oktober gaben
ein kalifornischer Richter, ein amerikanischer Universitätsprofessor für Rechtswissenschaften und zwei
andere Juristen, die Anita Hill kannten, zu Protokoll, sie
hätte ihnen Anfang und Mitte der achtziger Jahre
mehrmals anvertraut, sexuell belästigt zu werden.
Diese Anhörung befaßte sich mit den Vermutungen
von Thomas' Befürwortern, Hill habe diese Behauptungen in Absprache mit ungenannten "Interessengruppen" erst jetzt mit der Absicht fabriziert, die Bestätigung des Konservativen Thomas zu verhindern.
Dieser Anhörung folgten jedoch über ein Dutzend
Zeugen, die Aussagen über Thomas' Integrität machten. Unter ihnen waren viele Frauen, die früher für ihn
gearbeitet hatten und aussagten, er sei in ihrer Gegenwart stets höflich und zuvorkommend gewesen, 'ind
sexuelle Belästigung sei nicht mit seinem Wesen in
Einklang zu bringen.
Bei einer der Endabstimmung vorausgegangenen
eintägigen Debatte im Senat wurden am 15. Oktober
eine Reihe häufig recht eloquenter Reden gehalten,
die die verwirrende Situation beleuchteten, der sich die

"Ich glaube Anita Hill", stellte er fest.
Byrd fuhr fort, er sei erstaunt und enttäuscht über
Thomas' offenkundige Weigerung gewesen, den
Aussagen seiner Anklägerin Gehör zu schenken. Dies
stelle Thomas' juristische Kompentenz und seine
Fähigkeit als Richter in Frage, erklärte er.
Im Hinblick auf das Argument, "im Zweifel für den
Angeklagten", bestand Byrd darauf, daß ein solcher in
einem Gerichtsverfahren zulässiger Ansatz in einer
gesetzmäßigen Anhörung zur Bestätigung für den
Obersten Gerichtshof unangebracht sei. Hier, so
Byrd, sollte jeder Zweifel zugunsten des Gerichts und
der Nation, nicht des Kandidaten, ausgeräumt werden.
Senator Alan Dixon, einer der Thomas unterstützenden Demokraten, erklärte jedoch, Thomas "stehe das
Recht der angenommenen Unschuld" zu. Da die
Anhörung vor dem Ausschuß nicht das Gegenteil
bewiesen habe, "können Professor Hills Anschuldigungen nicht dazu verwendet werden, eine Abstimmung gegen Richter Thomas zu rechtfertigen" und
seine Entscheidung werde sich auf eher traditionelle
Themen stützen, stellte Dixon fest.
Republikanische Befürworter wie die AusschußmitgliederOrrin Hatch und Alan Simpson insistierten, Hills
Aussalgen seien schlicht und einfach nicht glaubwürdig
gewesen und Thomas sei aufgrund der vorliegenden
Tatsachen der Bestätigung würdig.
Der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Joseph Biden,
der) die Anhörung leitete, erklärte, er werde gegen
Thomas stimmen, weil er die Ansichten des Richters
"zu Themen, die Konsequenzen für die Zukunft dieser
Nation haben" inakzeptabel fände. Indem er seine
Besorgnis darüber zum Ausdruck brachte, daß das
Ergebnis als Entscheidung zugunsten der Glaubwürdigkeit des Richters gegenüber Hills gesehen würde,
erklärte Biden, "Wir stimmen über die Zukunft der
Nation, nicht über den Charakter dieses Mannes ab."

*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 41

�DIE

SOWJETISCHE

MILITÄRMACHT
16. Oktober 1991

STREITKRÄFTE IM UMBRUCH: 1991
Vorwort des Verteidigungsministers zum Pentagon-Bericht
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentichen wir das Vorwort von Verteidigungsminister Cheney zum
diesjährigen Bericht des Pentagons über die sowjetische Militärmacht mit dem Titel "Streitkräfte im Umbruch".

Wir werden stets die Bilder vom 19. bis 21. August
1991 vor Augen haben - den russischen Präsidenten
Jelzin auf einem Panzer in den ersten Stunden des sowjetischen Staatsstreichs, als er dem Putsch den
Kampf ansagte, Tausende von Moskauer Bürgern, die
Menschenketten gegen Panzer bildeten, die das russische Parlament zu überrollen drohten und den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow bei seiner Rückkehr nach Moskau nach dem gescheiterten Putsch.
Vor allem aber werden wir uns an den Triumph der
Demokratie über die Anstifter des Staatsstreichs, den
Sturz des Lenin-Denkmals und die Straßen voller
Menschen erinnern, die die Aussicht auf Selbstbestimmung feierten. Diese Bilder spiegelten die Ereignisse
wider, deren Zeuge die Welt in Prag, Ostberlin und
anderen osteuropäischen Städten in den Jahren 1989
und 1990 geworden war - die Ablehnung des Kommunismus und der Erfolg derjenigen, die Freiheit anstrebten.
Man kann sich schwerlich des Gefühls der Euphorie
über diese Ereignisse und den Zusammenbruch der
repressiven Institutionen erwehren, die das sowjetische Leben über 70 Jahre lang beherrscht haben.
Heute bieten sich zahlreiche Gelegenheiten für demokratisches Wachstum in der ehemaligen Sowjetunion.
Obwohl der Putsch gescheitert ist, bleiben jedoch noch
viele grundlegende politische, nationale und wirtschaftliche Probleme bestehen. Diese außerordentlich
komplexe Gesellschaft lebt in über 11 Zeitzonen,
umfaßt über 100 verschiedene Volksgruppen und hat
eine Bevölkerung von 275 Millionen. Sie hat lange
unter einem inkompetenten politischen System gelitten und die Härten und Verzerrungen einer Planwirtschaft erduldet. Weder die Wirtschaftsreformen zur
Umwandlung dieser Gesellschaft in eine freie Marktwirtschaft noch die politischen Reformen zur Schaffung effektiver Institutionen mit Rechenschaftspflicht
gegenüber den Menschen werden sich über Nacht
vollziehen.
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Nach den bemerkenswerten Ereignissen Mitte August
und der andauernden Unberechenbarkeit jedes Aspekts
des Lebens in Rußland und den anderen Republiken
haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr Die
sowjetische Militärmacht nicht zu veröffentlichen. In
dieser Publikation wurden die Tendenzen im sowjetischen Militär sowie der politische und wirtschaftliche
Kontext, in dem die sowjetischen Streitkräfte operierten, im einzelnen dargelegt . Aufgrund des sehr
unsicheren Charakters so vieler Belange mit direktem
Einfluß auf militärische und nationale Sicherheitsfragen haben wir absichtlich eine Reihe von Themen nicht
erörtert, die in der Ausgabe 1991 von Die sowjetische
Militärmacht enthalten gewesen wären.
Statt dessen konzentriert sich Streitkräfte im Umbruch auf die nüchternen Fakten über die Streitkräfte
dieses Landes. Es ist eine Momentaufnahme der im
August 1991 demonstrierten Fähigkeiten, mit neuesten Informationen über die Zeit nach dem Staatsstreich, soweit wir diese beibringen konnten. Unseres
Erachtens liefert der Bericht so viele Informationen wie
möglich, die zweifelsohne Thema politischer Debatten
werden. Dieses Detail kann für amerikanische und
sowjetische Bürger wie auch für die interessierten
Leser weltweit gleichermaßen von Bedeutung sein.
Aus diesem Grund haben wir Beobachtungen darüber
angestellt, wie die Zentralbehörden der Sowjetunion
und die Republiken den Grundstock für die Neugestaltung militärischer Verantwortung nach dem Scheitern
des Staatsstreichs legen.
Die Bedeutung einer solchen Publikation wurde mir
während meines ersten offiziellen Besuchs als Verteidigungsminister in der Sowjetunion im Oktober 1990
bewußt. Ich traf mit den beiden Ausschüssen des
Obersten Sowjet zusammen, die sich mit Verteidigung
und internationalen Angelegenheiten befassen. Die
Sitzung selbst war beispiellos. Nachdem ich eine

Seite 1

�kurze Erklärung abgegeben hatte, führten wir eine
lebhafte Diskussion über das breite Spektrum militärischer und sicherheitspolitischer Themen. Ich war
angesichts der bisherigen Geschichte amerikanischsowjetischer Beziehungen über die Aufrichtigkeit und
Freimütigkeit dieser Diskussion überrascht. Ich war
noch überraschter, als ein Ausschußmitglied aufstand,
um ein Argument vorzubringen und zu dessen Bekräftigung ein Dokument hochhielt - die Ausgabe 1990 von
Die sowjetische Militärmacht. Ein anderes Ausschußmitglied erzählte mir, dieser Bericht sei die einzig verläßliche Quelle über militärische Beschaffung
und die Verteidigungsausgaben in seinem Land. Die
Ausschußmitglieder waren besonders wißbegierig über
die Investitionen ihrer Regierung in Nuklearwaffen - ein
Bereich, der in diesem Bericht behandelt wird.
Das sowjetische Imperium wurde durch Eroberung
geschaffen und durch den Zwang der Kommunistischen Partei, des KGB und des Militärs zusammengehalten. Seit dem gescheiterten Staatsstreich befindet
sich jede dieser Institutionen in einem bemerkenswerten Auflösungsprozeß. Eine - die Kommunistische
Partei - wurde ihrer Macht enthoben oder zumindest
weitestgehend eingeschränkt. Es sollte uns daher
nicht überraschen, daß die Union selbst geschwächt
und ihre Zukunft zweifelhaft ist. Selbst der Name des
Landes wird sich wahrscheinlich ändern.
Was während dieser Übergangsphase in der sowjetischen Geschichte geschieht, wird tiefgreifende Auswirkungen auf die amerikanische Politik haben. Dies
ist eine Zeit großer Unsicherheit für die Sowjetunion
und den Westen. Die ehemalige UdSSR ist nach wie
vor eine Atommacht inmitten einer Revolution - eine
Situation, die in der Geschichte ihresgleichen sucht.
Der Fortbestand enormer militärischer Fähigkeiten in
einem Staat, der sich in den Geburtswehen einer
Revolution und dem damit einhergehenden Potential
für Gewalt und Chaos - befindet, stellt eine neue Art der
Sicherheitsbedrohung für die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten dar. Der Einsatz von Gewalt zur
Beilegung seit langem schwelender ethnischer, territorialer und wirtschaftlicher Konflikte ist bereits in einigen
Republiken offenkundig. Wenn sich solche Koniiikte
ausbreiten sollten, Massen von Flüchtlingen die Grenzen überqueren oder die Konfrontationen die Bedrohung oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen beinhalten würde, könnten regionale Konflikte leicht
zu einer weltweiten Krise eskalieren.
Der wahrscheinlich einzige Punkt, über den Einigung
besteht, ist, daß wir einfach nicht wissen, was die
Zukunft für die ehemalige Sowjetunion bereithält. Es
gibt jedoch fünf grundlegende Fragen bezüglich der
Art der Krise, die die ehemalige Sowjetunion durchmacht. Die Beantwortung jeder dieser Fragen wird das
Maß bestimmen, in dem die ehemalige Sowjetunion in
Zukunft als ernsthafte Sicherheitsbedrohung angesehen werden muß.

Seite 2

Die ersten Frage betrifft die Union selbst. Präsident
Gorbatschow und andere unternehmen drastische
Schritte zur Rettung der Union, und einige Politiker in
den Republiken arbeiten hart, um einen "gemeinsamen Wirtschaftsraum" zu schaffen. Es sind jedoch
auch mächtige soziale und politische Kräfte am Werk,
die ehemalige Sowjetunion auseinanderzureißen.
Die drei von Stalin als Teil eines Handels mit Hitler
annektierten Baltenstaaten haben ihre Unabhängigkeit wiedererlangt, und die anderen Republiken haben
Souveränitäts- oder Unabhängigkeitserklärungen verabschiedet. Einige bauen neue Streitkräfte auf. Die
Spannungen zwischen den Republiken nehmen zu,
und im Transkaukasus, in Moldawien und Zentralasien
bekämpfen sich einzelne Volksgruppen. Ob diese
Pressionen in Gewalt ausarten und welche Auswirkungen diese Gewalt auf das Tempo der Reformen in der
ehemaligen Sowjetunion - und die Sicherheit ihrer
Nachbarn - haben werden, ist allgemein Anlaß zur
Sorge.
Das zweite Problem betrifft politische Macht und Autorität. Seit einiger Zeit sind die Kanäle der Autorität
zwischen der Zentralregierung und den Republiken
und in den Republiken geschwächt oder ernsthaft
gestört. Die Behörden der Exekutive auf allen Ebenen
sehen sich jetzt vor ernsthaften Schwierigkeiten, ihre
Entscheidungen durchzusetzen. Lokale Ratsversammlungen benötigen Zeit, um Erfahrung und Autorität zu
gewinnen, politische Leitlinien zu entwerfen oder
Regierungsstellen anzuweisen, die ihnen nominell
unterstehen, und die Bürger selbst müssen die Bedingungen der politischen und wirtschaftlichen Macht
festlegen. Die alltäglichen Verfahren einer demokratischen Regierung in einer großen vielfältigen Nation
müssen noch gelernt werden und brauchen Zeit, um in
der früheren Sowjetunion zu reifen.
Das dritte Problem betrifft die Wirtschaftskrise, in der
sich die Sowjetunion befindet. Offiziellen sowjetischen
Statistiken zufolge ist das Bruttosozialprodukt in der
ersten Hälfte dieses Jahres in der Sowjetunion um 10
Prozent gefallen, wobei sich der Rückgang noch beschleunigen könnte. Nachschub an Lebensmitteln
und Brennstoffen für diesen Winter gibt Anlaß zur
Sorge, und eine Hyperinflation liegt nach wie vor im
Bereich des Möglichen. Darüber hinaus könnte sogar
die beste langfristige Wirtschaftspolitik kurzfristig soziale
Unruhen und Verschiebungen in der Wirtschaft verschärfen, bevor sie Vorteile bringt.
Viertens steht die Frage der Bereitstellung von Mitteln
für das sowjetische Militär im Raum. Seit einiger Zeit
wird ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen dem
ausdrücklichen Reformprogramm des Kreml und den
anhaltend hohen Ausgaben für den Militäretat und die
Rüstungsindustrie beobachtet. Einerseits hat die
Sowjetunion den politischen Charakter ihrer Gesellschaft und Außenpolitik mit Glasnost und Perestrojka

AMERIKA DIENST 41

�verändert. Präsident Gorbatschow hat beispiellose
politische Reformen eingeführt und in Bereichen der
Weltpolitik kooperiert, in denen es jahrelang nur Spannungen und Mißtrauen gegeben hatte. In den letzten
Jahren haben die Sowjets mit sich rapide verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen gekämpft, und
es gab vielfältige Bestrebungen, um den wirtschaftlichen Niedergang unter Kontrolle zu bekommen.

Wirtschaft, Reduzierungen der Streitkräfte und Außenpolitik. Angesichts der ungewissen politischen
Situation, der angespannten Wirtschaftslage und des
Mangels an demokratischen Traditionen in der sowjetischen Gesellschaft gelangen sowjetische und westliche Beobachter zu der Überzeugung, das Risiko des
Rückfalls in alte autoritäre Strukturen bestehe weiterhin.

Andererseits hat die ehemalige Sowjetunion trotz politischer Reformen und einer starken wirtschaftlichen
Rezession weiterhin ungeheure Summen für ihr Waffenarsenal ausgegeben und die Produktion in der
Rüstungsindustrie auf einem Niveau weitergeführt,
das alle möglichen Verteidigungserfordernisse bei
weitem überstieg. Die Frage wurde laut: Warum gibt
ein Land in außergewöhnlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und kurz vor dem Bankrott 15 bis 17 Prozent
- einigen sowjetischen Ökonomen zufolge sogar 33
Prozent - seines Bruttosozialprodukts für Rüstung
aus? Wir hoffen, insbesondere angesichts des gescheiterten Staatsstreichs, daß die Führung in Rußland und den anderen Republiken diese Frage mit
drastischen Kürzungen im Militärhaushalt beantworten wird.

Wir hegen ähnliche Hoffnungen für die ehemalige
Sowjetunion wie die Reformer. Obwohl das Verhältnis
der Republiken untereinander von den Menschen selbst
entschieden werden muß, ist es wichtig, daß jeder
Zusammenschluß freiwillig ist und sich auf demokratische Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft gründet. Wir fordern die Achtung der Menschenrechte auf der Basis des Respekts für den einzelnen einschließlich der Gleichbehandlung von Minderheiten und fordern die Einhaltung internationaler
Gesetze und Verpflichtungen. Wir wünschen uns eine
Entmilitarisierung der Wirtschaft und Gesellschaft, die
Umwandlung der enormen Rüstungsindustrie in eine
zivile Produktion, die Umleitung von Mitteln zum Wohl
der Bevölkerung und Beiträge zu weltweiter Stabilität.

Schließlich stellt sich noch die Frage nach dem Charakter der zukünftigen sowjetischen Außenpolitik. Die
Sowjetunion hat sich von der doktrinären internationalen Politik der Vergangenheit abgewandt und spielt
jetzt in der Weltpolitik eine konstruktivere Rolle. Am
bemerkenswertesten war die Rolle des Kreml während
der demokratischen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa, als die sowjetischen Streitkräfte keinen Versuch unternahmen, die Hinwendung zur Unabhängigkeit von Moskau aus zu behindern. Nach der irakischen Invasion in Kuwait haben die Sowjets internationale Bestrebungen zur Vertreibung der irakischen
Streitkräfte aus Kuwait unterstützt. Sowjetische Diplomaten haben an dem Vertrag über Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) und auch am Vertrag über
die Verringerung strategischer Rüstungen (START)
mitgearbeitet. Nach dem Putsch hat die sowjetische
Regierung versprochen, ihre militärische Präsenz in
Kuba zu verringern, und sie will ebenso wie wir aufhören, den streitenden Parteien in Afghanistan todbringende Waffen zu liefern.
Natürlich wirft die neue Machtverteilung in der früheren
Sowjetunion Fragen über die künftige Außenpolitik
auf. Die Vereinigten Staaten haben sowjetische Erklärungen begrüßt, ihre Rüstungskontrollabkommen und
anderen internationalen Verpflichtungen einhalten zu
wollen.
Der gescheiterte Putsch vom 19. - 21. August war
eindeutig ein Sieg für die demokratischen Reformer in
der gesamten Sowjetunion. Obwohl es neue Hoffnung
auf einen Übergang zur Selbstregierung und Marktwirtschaft gibt, bleiben noch Fragen offen über die
Union, die politische Autorität, Wiederbelebung der

AMERIKA DIENST 41

Wir können viel tun, um diesem Land in Not zu helfen.
Wir müssen jedoch Gewißheit haben, daß unser Handeln
im Einklang mit unserer eigenen Sicherheit und unseren langfristigen Zielen steht. Bei aller Unsicherheit
und Unberechenbarkeit der politischen Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion ist eines klar:
unsere eigene Sicherheit wird am besten gewährleistet durch eine objektive Bewertung der weltweiten
Herausforderungen, die sich uns stellen, ungeachtet
ihres Ursprungs.
Aus diesen Gründen müssen wir kritisch beobachten,
wie sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Revolutionen in der ehemaligen Sowjetunion auf ihre
militärischen Fähigkeiten auswirken. Die sowjetische
Politik im Hinblick auf diese Fähigkeiten, wie Rüstungsausgaben und -produktion, Streitkräfteniveaus,
das Tempo der Modernisierung und Stationierung sind
echte Indikatoren für militärische Reformen in der
ehemaligen Sowjetunion.
Die Menschen in der ehemaligen Sowjetunion befinden sich an einem Scheideweg der Geschichte. Wenn
die gegenwärtige Krise zu Repression, Anarchie oder
Bürgerkrieg führt, werden die ehemalige Sowjetunion
und die Welt sich mit zunehmenden Gefahren konfrontiert sehen. Wenn die frühere Sowjetunion diese
Gefahren jedoch vermeidet, weiterhin einen demokratischen Weg beschreitet und eine Politik verfolgt, die
zu friedlicheren Beziehungen und reduzierten militärischen Fähigkeiten führt, sind die Zukunftsaussichten
vielversprechend. Die erfolgreiche Einführung eines
demokratischen politischen Systems und freier Marktwirtschaft werden eine bessere Chance für die Sicherheit beider Seiten mit erheblich verminderten Streitkräfteniveaus bieten.

Seite 3

�US-STREITKRAFTE
16. Oktober 1991

"VORNEPRÄSENZ" ALS KERNSTÜCK
DER US-STREITKRÄFTESTRUKTUR
Rede von General Powell bei der
Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften
WASHINGTON - (AD) - Dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Colin Powell, zufolge wird
"Vornepräsenz" - die dauerhafte Stationierung amerikanischer Streitkräfte - in Europa, den Mittelmeeranrainerstaaten, Südwestasien sowie im Pazifik ein Schlüsselelement der neuen amerikanischen Streitkräftestruktur
sein.
"Die in Europa vorne stationierten Streitkräfte werden entschieden reduziert. In den kommenden Jahren werden
sie von rund 300.000 auf 150.000 Mann abgebaut", erklärte Powell. "Wir dürfen jedoch nicht nur paramilitärische
Streitkräfte haben. Wir müssen eine echte Streitmacht unterhalten, die von unseren Freunden in Europa und
denjenigen auf der anderen Seite des Atlantiks, die uns vielleicht Böses wünschen, als solche angesehen wird",
fuhr Powell fort.
Bei der 37. Generalversammlung der Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (ATA) stellte der General am
9. Oktober 1991 fest, die amerikanischen Streitkräfte in Europa würden "besser in die verbündeten Streitkräfte
integriert", bestünden aus "einem in multinationale Korps eingegliederten Korps mit zwei Divisionen statt zwei
nationalen Korps mit vier Divisionen".
"Obwohl wir das der NATO zur Verfügung stehende Mix nuklearer Gefechtsfeldwaffen erheblich verändern,
werden wir sie nicht vollständig abschaffen. Das entscheidende nukleare Bindeglied bleibt in Form von
Mehrzweckkampfflugzeugen bestehen", führte Powell aus.
Im Hinblick auf Südwestasien stellte er fest: "Unsere Vornepräsenz wird etwas umfangreicher sein als bisher
und wird eine praktisch die ganze Zeit stationierte Trägerkampftruppe sowie eine amphibische Bereitschaftsgruppe umfassen. Gleichzeitig wird die Zahl der amerikanischen Truppen in Südkorea, Japan und auf den
Philippinen reduziert."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von General Powell in wesentlichen Auszügen.

Ein Schlüsselelement (der neuen amerikanischen
Militärstrategie) ist Vornepräsenz - die Sicherstellung
unserer vorne stationierten Streitkräfte im Atlantik,
beiderseits des Atlantiks, in Europa, im Mittelmeer und
in Südwestasien.

In Südwestasien wird unsere Vornepräsenz jedoch
etwas umfangreicher sein als in der Vergangenheit
und eine praktisch die ganze Zeit stationierte Trägerkampftruppe sowie eine amphibische Bereitschaftsgruppe umfassen.

Zweifelsohne werden die in Europa vorne stationierten
Elemente drastisch reduziert - und besser in die verbündeten Streitkräfte integriert - als die Streitmacht,
die den Frieden in unserer Generation bewahrt hat: ein
in multinationale Korps eingegliedertes Korps mit zwei
Divisionen statt zwei nationalen Korps mit vier Divisionen. Weniger als vier taktische Jagdgeschwader statt
mehr als acht.

Unsere Streitkräftestruktur und unsere Strategie sehen auch die Fähigkeit zur Machtentfaltung und Verstärkung beiderseits des Atlantiks vor, sollte dies in
Krisenzeiten erforderlich werden, und wir haben in
unserer Strategie und Streitkräftestruktur die Fähigkeit
bewahrt, die Streitkräfte gegebenenfalls bei Fehleinschätzungen unsererseits oder für den Fall neu zu
formieren, daß die Welt sich doch nicht als so friedlich
entpuppt wie wir dachten.

AMERIKA DIENST 41

Seite 1

�Diese Streitkräfte, die wirfür unsere atlantischen Interessen in unsere Struktur integrieren, müssen sehr
flexibel sein. Sie müssen bereit sein, in Konflikten
geringer Intensität zu kämpfen.
Operation Provide Comfort - unser zusammen mit den
Streitkräften Ihrer Länder in der Türkei und im Nordirak
durchgeführtes humanitäres Hilfsprogramm - ist ein
gutes Beispiel für transatlantische Bedürfnisse geringer Intensität.
Unsere Atlantischen Streitkräfte müssen auch bereit
sein, in mit modernsten Waffen ausgetragenen Konflikten mittlerer oder hoher Intensität zu kämpfen, mit
denen wir uns konfrontiert sehen könnten. Die Gefechte, die wir in der kuwaitischen und irakischen
Wüste, in der Luft und im Golf geführt haben, waren
Gefechte hoher Intensität, die modernste Technologie
erforderten.
Wir haben im Grunde einen europäischen Krieg in der
Wüste geführt, und das einzige, was fehlte, waren
Berge, Nebel und viele Bäume.
Daher müssen unsere Atlantischen Streitkräfte über
schwere Streitkräfte verfügen und Gefechte hoher
Intensität in der Luft, zu Lande, auf dem Wasser und
am Strand führen können. Sie werden wichtige aktive
Komponenten sowie den Großteil unsere Reservestreitkräfte umfassen.
Sie müssen ferner strategisch beweglich sein sowie
schnell und in großem Umfang von einem Gebiet des
Atlantiks zum anderen und wieder zurück verlegt werden
können.
Wir haben darüber hinaus vitale Interessen in anderen
Gebieten der Welt, wenn auch nicht so unmittelbar
durch die Ereignisse in der Sowjetunion betroffene wie
Europa. Ich denke, der Pazifik steht hier an erster
Stelle.
Seit über 40 Jahren haben unser Engagement und
unsere Präsenz im und am Pazifik uns sowie unseren
Freunden und Verbündeten in der Region einen Schutzschild geboten. Unsere Freunde haben auf unsere
Vornepräsenz im Pazifik als Kreisel gezählt, der in der
Region das Gleichgewicht herstellt und die Richtung
weist.
Die Strategie unseres Präsidenten konzentriert sich
daher zu Recht weiterhin auch auf unsere Interessen
jenseits des Pazifiks.
Unsere damit einhergehende Militärstrategie für den
Pazifik wird sich auf Vornepräsenz aber mit reduzierten Zahlen konzentrieren. Wie Sie wissen, werden wir
in Korea und Japan und natürlich auf den Philippinen
Stützpunkte schließen.
Unsere Streitkräftestruktur für den Pazifik war immer
bescheiden - ein sparsamer Einsatz der Kräfte und
Mittel auf dem Gefechtsfeld. Dies wird auch in Zukunft
Seite 2

so bleiben, mit Betonung auf leichten Streitkräften,
Seestreitkräften, Militärhilfe sowie Übungen mit unseren Freunden in der Region.
Andere Bedürfnisse diktieren auch die Art der von uns
benötigten übergreifenden Streitkräftestruktur. In den
24 Monaten meiner Amtszeit als Vorsitzender waren
die anderen Stabschefs und ich mit einer Vielzahl von
Krisen und unvorhergesehenen Ereignissen konfrontiert. Panama und die Philippinen, Liberia und Somalia, El Salvador und dem Drogenkrieg. Wüstenschild,
Wüstensturm, Provide Comfort-im Nordirak und Sea
Angel in Bangladesch.
Für diese Art von Bedingungen und für die Bewältigung
der Situationen in anderen Regionen der Welt, die
nicht in das atlantische und pazifische Gefüge passen,
benötigen wir eine Ansammlung von Streitkräften, die
wir als Eventualfallkräfte bezeichnen: eine aus allen
Teilstreitkräften zusammengesetzte Streitmacht, die
rasch in jede Region der Welt, wo sie benötigt wird,
verlegt werden kann, ein Gefechtsfeld über den Atlantik oder Pazifik hinweg verstärken oder sich au ßerhalb
dieser Gefechtsfelder engagieren kann - häufig zusammen mit unseren Verbündeten.
Und schließlich werden wir weiterhin ausreichende
strategische Streitkräfte benötigen - Nuklearstreitkräfte. Wir sind verpflichtet, sie auf dem neuesten Stand
und effektiv zu halten.
Präsident Bush hat in Konsultationen mit anderen
Staats- und Regierungschefs eine spektakuläre Initiative in die Wege geleitet, um Umfang und Gestaltung
des nuklearen Arsenals der Vereinigten Staaten - und
wie es jetzt aussieht auch der Sowjetunion - zu verändern. Dies ist die größte Veränderung bei der Dislozierung amerikanischer Nuklearwaffen seit ihrer Integration in unsere Streitkräfte.
Diese Initiative macht die Welt bereits zu einem sichereren Ort. Präsident Bush hat uns alle auf eine neue
moralische Ebene gehoben. Wir und die Sowjetunion
steigen jetzt von der thermonuklearen Leiter herab.
Ich werde an diesem Wochenende in Wien mit meinem
sowjetischen Amtskollegen Lobow zusammentreffen,
um diese atemberaubenden neuen Entwicklungen zu
erörtern.
Diese Entwicklungen können jedoch nicht per se über
die Tatsache hinwegtäuschen, daß die Sowjetunion
nach wie vor die einzige Nation auf der Welt mit der
Fähigkeit zur Vernichtung der westlichen Zivilisation
mit thermonuklearen Waffen binnen einer halben Stunde
ist.
Deshalb müssen unsere strategischen Streitkräfte sowohl in der herkömmlichen strategischen Triade von
Systemen als auch unseren Verteidigungsprogrammen mit ballistischen Raketen - weiterhin tragfähig und
glaubwürdig sein.

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�Ich sollte hinzufügen, obwohl wir das der NATO zur
Verfügung stehende Mix nuklearer Gefechtsfeldwaffen erheblich verändern, werden wir sie nicht vollständig abschaffen. Das entscheidende nukleare Bindeglied bleibt in Form von Mehrzweckkampfflugzeugen
bestehen.
Diese vier konzeptionellen Streitkräftepakete - Atlantische Streitkräfte, Pazifische Streitkräfte, Eventualfallkräfte und Strategische Streitkräfte - bilden die Grundlage für die Größenordnung und Gliederung unserer
militärischen Kräfteverteilung. Das Ergebnis ist die
Basisstreitmacht - das Minimum an Streitkräften, das
zur Bewältigung der ständigen Bedürfnisse in einer
sich verändernden Welt benötigt wird.
Diese vier Streitkräftepakete müssen auch von soliden
und reagierenden militärischen Transport- und Weltraumfähigkeiten sowie kontinuierlichen Forschungsund Entwicklungsprogrammen unterstützt werden und
der Verpflichtung zur Neuformierung der Streitkräfte,
*

AMERIKA DIENST 41

falls sich unsere Prognosen für eine vielversprechendere Zukunft als falsch erweisen sollten.
Sie wird weiterhin eine echte, keine Scheinstreitmacht
sein. Eine Streitmacht, die, wenn sie zur Ausübung
einer militärischen Mission aufgefordert wird, keinen
Zweifel an ihrer Fähigkeit läßt, dies zu tun. Wie Sie
sehen, haben wir die Basisstreitmacht darüber hinaus
auf unsere regionalen Interessen zugeschnitten.
Wir reduzieren unsere Streitkräfteniveaus in einer Art
und Weise, die nicht länger auf einen Weltkrieg mit der
Sowjetunion ausgerichtet ist. Im Falle eines Weltkriegs - sollte er je nochmals wahrscheinlich werden müßten wir unsere Streitkräfte neu formieren.
Aus unserer Sicht haben wir die richtige Kombination
von Streitkräften geschaffen, um jegliche Aggression
abschrecken, unseren Erfordernissen der Vornepräsenz gerecht werden, auf jede Krise reagieren und
gegebenenfalls zusätzliche Streitkräfte neu formieren
zu können.

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Seite 3

�DROGEN
16. Oktober 1991

DROGENMISSBRAUCH UND DER
EINFLUSS VON THERAPIEZENTREN
Die Behandlung verschiedener Bevölkerungsgruppen
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel ist der erste in einer Serie über die Behandlung von
Drogenabhängigen in den USA.

Mit neun Jahren fing Louis Marsit an, seinem Vater
Bierflaschen zu entwenden. Dann folgten wiederholte
Episoden von Drogenmißbrauch, er geriet mit dem
Gesetz in Konflikt und unternahm Selbstmordversuche. Mit 18 verlie ß er die Schule, und acht Jahre später
saß er im Gefängnis. Bei seiner Verhandlung bat er
den Richter, ihn in ein Therapiezentrum für Drogenabhängige in Maryland - "Second Genesis" - einzuweisen.
Ein Jahr später ist Louis nicht mehr drogenabhängig
und aktives Mitglied seiner Gemeinde. Louis bekundete kürzlich bei der Eröffnungsfeier eines neues Therapiezentrums seine feste Überzeugung: "Wenn es
'Second Genesis' nicht gegeben hätte, wäre ich heute
nicht hier. Ich wäre tot."
Louis ergreifende Geschichte steht für viele Millionen
ehemals Drogen- und Alkoholabhängiger, die einem
der Tausenden in den letzten zehn Jahren in den
Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt entstandenen Therapiezentren ihre Rehabilitation verdanken.
Dies war auch die Botschaft, die viele Sprecher den
3.000 Teilnehmern der 14. Weltkonferenz der Therapiezentren kürzlich in Montreal zu vermitteln suchten.
Ihnen zufolge hat die Idee der Therapiezentren dort
Erfolg, wo andere Bestrebungen im Kampf gegen
Drogen versagt haben.
In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Konsumenten illegaler Drogen drastisch gesunken, von 23 Millionen im Jahr 1985 auf unter 13 Millionen 1990. Der
Mißbrauch der am meisten verbreiteten illegalen Droge Kokain ist in der Risikogruppe der 18- bis 25jährigen
um 45 Prozent gesunken. Jüngste Untersuchungen
weisen auf eine geringe Zahl neuer Konsumenten von
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"Crack" hin, der populären Form des Kokains, die
gebraucht wird. Der Konsum von Marihuana ist seit
1973 auf dem niedrigsten Stand.
Allein in den Vereinigten Staaten gibt es etwa 700
therapeutische Einrichtungen, die quer durch alle
Bevölkerungsschichten und alle Altersgruppen Behandlungen durchführen. Es gibt spezielle Programme für Schulkinder und Jugendliche, Häftlinge, Fabrikarbeiter, Schwangere und Mütter mit Kindern. Darüber hinaus gibt es Fürsorgeprogramme für Senioren
und Obdachlose. Die Behandlung kann von drei
Monaten bis zu drei Jahren dauern.
Der Leiter des Büros des Präsidenten für nationale
Drogenpolitik, Robert Martinez, erklärte den Konferenzteilnehmern, die Therapiezentren vermittelten die
Art von klaren, hilfreichen Werten, die größtenteils
zum Rückgang des Drogenmißbrauchs führen.
"Nahezu alle der erfolgreichen Programme basieren
auf dem Ethos der persönlichen Verantwortung, dem
Einhalten strenger Regeln, persönlichen Opfern und
Sanktionen für Fehlverhalten", erklärte er. "Tatsächlich gibt es wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten als
Unterschiede zwischen effektiven Strafmaßnahmen
und einer effektiven Behandlung."
Die Therapiezentren bieten ein sehr streng geregeltes
drogenfreies Umfeld, das im Rahmen des Entzugs
Sanktionen und Strafen verhängen, aber auch Privilegien zubilligen kann. Mitglieder des Zentrums sind Teil
einer "Familiengruppe", nicht Patienten wie in anderen
Institutionen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der
Organisation der Gemeinschaft und sind positive
Vorbilder für andere.

Seite 1

�Der Vizepräsident des Daytop Village in New York,
David Deitch, erklärte, das Modell der Therapiezentren gehe davon aus, daß Drogenabhängigkeit ein
Problem der Person insgesamt ist und soziale, moralische, psychologische, erzieherische und familiäre
Probleme gelöst werden müssen. Ob die Behandlung
nach der Schule, ambulant oder als langfristige Wohngemeinschaft stattfindet - das Konzept bleibt dasselbe.
"Das Konzept geht von der Idee aus, daß neue Verhaltensweisen unter allen Umständen möglich sind", erklärte
Deitch, "und wir betrachten das Leben in einem Zentrum als Weg zu diesen Veränderungen".
Daytop ist das größte gemeinnützige Therapiezentrum der Welt, in dem über 3.000 Menschen aller
Altersstufen behandelt werden. Es bietet eine Vielzahl
von Programme an, um den pädagogischen, emotionalen und psychologischen Bedürfnissen der Teilnehmer gerecht zu werden. Darüber hinaus gibt es viele
andere:
Das Arete Center in Saginaw (Michigan) behandelt
Personen, die nach dem Bundesgesetz für Straftaten
(keine Gewaltverbrechen) verurteilt wurden und nach
ihrer Inhaftierung wieder resozialisiert werden sollen.
Die Bewohner des Zentrums erhalten die Möglichkeit
zu arbeiten und zahlen für einen Teil ihres Aufenthalts.
Das Apple Center in Hauppauge (New York) bietet
hochgradig Drogenabhängigen und psychisch kranken Süchtigen eine langfristige Behandlung im Zentrum. Femer kümmert es sich um obdachlose Drogenabhängige.
Das Westeare Center in Las Vegas (Nevada) bietet
Ausreißern und obdachlosen Jugendlichen Hilfe bei
Konflikten sowie Obdach und hilft jungen Menschen,
die aufgrund von Alkohol- oder Drogenmißbrauch in
Not geraten sind.
Das Amity Center in Tucson (Arizona) führt Programme durch, bei denen Schwangeren im Rahmen ihrer
Drogentherapie pädagogische Fähigkeiten vermittelt
werden. Bei diesem Pilotprogramm können Kleinkinder nach der Geburt bei ihren Müttern bleiben, weil
Untersuchungen belegen, daß sich viele Mütter überhaupt nicht in Behandlung begeben oder diese abbrechen, wenn ihre Kinder bei Verwandten oder Pflegefamilien untergebracht werden.
Den Konferenzteilnehmern zufolge gewinnt die Methode der Therapiezentren auf der ganzen Welt immer
mehr Anhänger. Von den Gemeinden eingerichtete
Zentren in anderen Ländern wenden sowohl traditionelle als auch experimentelle Behandlungsmethoden
an, zum Beispiel helfen Rekonvaleszenten anderen,
von ihrer Sucht loszukommen, und es werden Psychologen eingesetzt. Einige Therapiezentren in Süditalien
werden von der Kirche unterhalten.

Seite 2

Der Leiter des Nationalen Instituts für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse - NIDA),
Charles Schuster, erklärte den Konferenzteilnehmern,
die Effektivität der Behandlung Drogenabhängiger lasse
sich in zahlreichen Studien bis in die siebziger Jahre
zurückverfolgen. Ihm zufolge kamen die Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß über 90 Prozent derjenigen, die eine Behandlung abschließen, danach
drogenfrei blieben. Eine Verbesserung wurde auch bei
denjenigen erkannt, die ihre Behandlung nicht abschlössen, aber lange Zeit an Programmen teilnahmen.
Regierungsvertreter erklärten, die Bundesausgaben
für Therapiezentren hätten sich nahezu verdoppelt
und seien von 870 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1989 auf über 1,6 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1992 gestiegen.
Der Präsident der Therapiezentren in Amerika, Daniel
Heit, erläuterte, die Abbruchrate sei in den ersten
Behandlungsmonaten immer am größten, aber sogar
dieser Trend kehre sich um. Er erklärte, das von ihm
geleitete Zentrum zur Behandlung von Jugendlichen in
Pennsylvania und Virginia habe seine Durchhaltequote in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht.
Deitch zufolge sind sich sogar diejenigen, die eine
Therapie frühzeitig abbrechen, der Option bewußt,
daß sie etwas zur Überwindung ihrer Abhängigkeit tun
können und sind beim weiteren Drogenkonsum zurückhaltender. Experten schätzen, daß es in den
Vereinigten Staaten immer noch über 5,7 Millionen
Drogenabhängige gibt.
"Obwohl wir immer noch einen bedauerlicherweise
großen Kern von chronischen Drogenkonsumenten
haben, die einer Behandlung bedürfen, beobachten
wir eine Verlangsamung der Ausbreitung des Drogenmißbrauchs gegenüber den späten siebziger und frühen achtziger Jahren," erklärte Deitch. "Das ist ein
wichtiger Punkt. Die Behandlung funktioniert, und das
hat sich auf diesem Wege gezeigt."
Der Präsident des Rats für Alkohol- und Drogenpolitik
in Kalifornien, Andrew Mecca, erklärte, einer der wichtigsten Faktoren hinter dem Erfolg der Therapiezentren sei ihre Fähigkeit, das Selbstwertgefühl des einzelnen wieder zu wecken.
"Das Selbstwertgefühl wird in einem Umfeld gestärkt,
dem sich jemand zugehörig fühlt, das ihm ein Gefühl
von Bedeutung verleiht, ihn für seine Leistungen belohnt und seine Kompetenz anerkennt," erklärte Mecca.
"Geheilte Drogenabhängige sind tatsächlich mit dem
klassischen Helden zu vergleichen, derfortging, um zu
erobern und mit neuen Einsichten und Weisheiten
zurückkehrte, die er an andere weitergab, damit sie

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�nicht dasselbe durchmachen mu ßten," fuhr er fort. "Je
mehr wir meiner Ansicht nach in den Grundsatz der
Therapiezentren investieren, daß gewöhnliche Menschen gemeinsam ungewöhnliche Dinge tun können...
ist dies wirklich der beste Hoffnungsschimmer, den wir
an die nächste Generation weitergeben können."
Der Leiter der Abteilung Therapieverbesserung im
Büro für Alkohol, Drogenmißbrauch und psychisch
Kranke, Dr. Benny Primm, berichtete, daß eine steigende Zahl von Therapiezentren vielen Drogenabhängigen entweder eine psychiatrische Betreuung anbieten oder die Notwendigkeit dafür erkennen. Ihm
zufolge belegen Untersuchungen, daß bei der Hälfte
der Personen mit einem Abhängigkeitsproblem eine
psychische Krankheit diagnostiziert wurde und 28
Prozent von ihnen an Depressionen leiden oder manisch-depressiv sind.
Primm erläuterte ferner Forschungsergebnisse, denen zufolge der Konsum illegaler Drogen bei vielen
dieser Menschen eine Selbstbehandlung ist, weil sie
mit ihrem Alltag nicht zurechtkommen, die oftmals von
Armut und Hoffnungslosigkeit geprägt ist.
"Diese Menschen haben vielfach keinen Zugang zu
guter psychologischer Beratung und stolpern infolgedessen über ein Mittel, das Ihren Schmerz lindert,"
erklärte Primm. "Wenn wir die Notwendigkeit des
Einsatzes von Psychiatern bereits in einem frühen
Behandlungsstadium erkennen, können wir möglicherweise das Bild der Abhängigkeit in der Gesellschaft
verändern."
Der Stellvertretende Direktor für Nachfragereduzierung im Büro für nationale Drogenkontrollpolitik, Dr.
Herbert Kleber, erklärte, der Gelegenheitskonsument
von Drogen sei der Schlüssel zum Drogenproblem.
"Der Konsument harter Drogen ist nicht das klassische
Beispiel," konstatiert Kleber. "Niemand möchte der
stolpernde Betrunkene, der psychotische Kokainkonsument oder ausgebrannte Heroinabhängige sein. Als
Beispiel dient derjenige, der Drogen konsumieren und
sich in einen Rausch versetzen kann, dabei aber
seinen Arbeitsplatz, seine Familie, Gesundheit und
sein Eigentum behält."

Kleber zufolge kann diesem Irrtum nur abgeholfen
werden, indem Experten die Gefahren des Drogenmißbrauchs in wissenschaftlichen Forschungen aufzeigen, Pädagogen die Informationen und - noch wichtiger - das Beispiel der "unglücklichen prominenten
Vorbilder" vermitteln, deren Leben durch den Drogenkonsum beeinträchtigt worden ist. Kleber erläuterte,
die Berichterstattung über den plötzlichen Tod des
Basketballstars der Maryland University, Len Bias,
infolge einer Überdosis Kokain im Jahr 1986 sei ein Katalysator für Bestrebungen zur Aufklärung der Öffentlichkeit gewesen.
Kleber erklärte ferner, ein weiterer Irrtum bestehe in
der Annahme, die meisten Drogenabhängigen seien
arm und arbeitslos. Ihm zufolge stehen 68 Prozent in
einem Beschäftigungsverhältnis und über 70 Prozent
gehören Mehrheitsgruppen - nicht etwa Minderheiten
-an.
"Obwohl die sozial und wirtschaftlich Benachteiligten
unter den Abhängigen überrepräsentiert sind, stellen
sie nicht die Mehrheit der Abhängigen", erklärte Kleber.
Redner bei der Konferenz berichteten, jüngsten Untersuchungen zufolge sei einer von fünf Arbeitnehmern
zwischen 18 und 25 Jahren in den Vereinigten Staaten
abhängig. Der US-Handelskammer zufolge kostet
Drogenabhängigkeit die Arbeitgeber jährlich über 60
Milliarden Dollar, Alkoholabhängigkeit noch mehr.
Eine 1988 von Gallup durchgeführte Untersuchung
erbrachte, daß 28 Prozent der größten US-Unternehmen jetzt Drogentests durchführen, um den Mißbrauch
einzuschränken und Arbeitsunfälle zu verringern. Zwei
Drittel dieser Unternehmen bieten ihren Arbeitnehmern Therapien an. NIDA hat in diesem Jahr ein
Programm ins Leben gerufen, damit kleinere Firmen
ebenso wie viele Großunternehmen drogenfreie Arbeitsplätze schaffen können.
"Wir versuchen, einen drogenfreien Arbeitsplatz zu
schaffen, an dem Unternehmen die Politik bestimmen,
Mitarbeiter und Vorgesetzte informieren und angemessene Drogentests durchführen", erklärte Kleber.
"Für den Gelegenheitskonsumenten ist die Botschaft
klar - wenn Du abhängig bist, werden wir Dir helfen,
wenn Du weiterhin Drogen konsumierst, gehörst Du

nicht mehr an diesen Arbeitsplatz."
*

AMERIKA DIENST 41

* * *

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�KUNST
16. Oktober 1991

CIRCA 1492: ART IN THE AGE OF EXPLORATION
*

Ausstellung in der National Gallery of Art In Washington

WASHINGTON - (AD) - Dem Kustos der National
Gallery, J. Carter Brown, zufolge ist die Welt das
Thema der Ausstellung Circa 1492: Art in the Age of
Exploration, die vom 12. Oktober 1991 bis zum 12.
Januar 1992 in der National Gallery of Art in Washington gezeigt wird.
Die Ausstellung ist Teil der Feierlichkeiten zum 500.
Jahrestag der Entdeckungen von Christoph Kolumbus. Brown erklärte gegenüber Mitarbeitern des USInformationsamts am 30. September 1991 in Washington: "Mit dem 500. Jahrestag der Reise von
Christoph Kolumbus bietet sich uns eine einzigartige
Gelegenheit, über einen Meilenstein in der Geschichte
der Menschheit nachzudenken, der ungeachtet seiner
Interpretation als Scheideweg in der Weltgeschichte
angesehen werden muß.
Brown erläuterte femer die Zielsetzung von Circa
1492, aus dem beständigen Blickwinkel von Kunst und
kulturellen Errungenschaften das von uns etwas vage
als "Zeitalter der Entdeckungen" bezeichnete Jahrhundert zu beurteilen, seine Bedeutung in der Vergangenheit und auch für die Gegenwart im Hinblick auf das
herannahende Jahr 2000.
"Unser Glaube an die Zeitlosigkeit und Bedeutung
dieses Themas hat sein Gegenstück in der Gro ßzügigkeit und enthusiastischen Unterstützung gefunden, die
wir von unseren Kollegen sowie von Regierungen und
Leihgebern aus der ganzen Welt erfahren haben,"
erklärte Brown.
Die Ausstellung ist Brown zufolge die umfangreichste
in der 50jährigen Geschichte der National Gallery. Sie
umfaßt etwa 600 Exponate, von denen einige zum
ersten Mal in den Vereinigten Staaten gezeigt werden.
Brown verwies ferner darauf, daß die Ausstellung nur
in der National Gallery zu sehen sein wird. "Es ist sehr
schwierig, 600 Exponate zu transportieren, und wir
sind allen Ländern, die sich an der Ausstellung beteiligen, außerordentlich dankbar."
AMERIKA DIENST 41

Brown zufolge stellen die Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und dekorativen Objekte, Landkarten und
wissenschaftlichen Instrumente der Circa 1492 die
künstlerischen Leistungen der wichtigsten Zivilisationen in Europa, Afrika, Asien und Amerika dar.
Folgende Länder stellten der National Gallery Leihgaben zur Verfügung: Belgien, Chile, China, Costa Rica,
Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik,
Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Irland,
Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea Mexiko,
die Niederlande, Nigeria, Österreich, Peru, Polen,
Portugal, Puerto Rico, Saudi-Arabien, Spanien, Schweden, Schweiz, Taiwan, Türkei und die Vereinigten
Staaten.
Leonardo da Vincis Bildnis "Dame mit Hermelin" aus
dem Czartoryski-Museum in Krakau und seine "Studien zu den Proportionen des menschlichen Körpers
nach Vitruv" aus der Galleria dell'Accademia in Venedig sind Brown zufolge erstmals in den Vereinigten
Staaten zu sehen.
Brown erläuterte, das Bildnis "Dame mit Hermelin" sei
eines der drei erhaltenen weiblichen Porträts, die
Leonardo mit ziemlicher Sicherheit zugeschrieben
werden. Die anderen sind die Mona Lisaim Louvre und
das Bildnis der Ginevra de'Benci, das mit Mitteln des
Ailsa Mellon Bruce Fonds 1967 von der National
Gallery of Art erworben wurde.
Brown verwies darauf, daß die Ausstellung nach drei
Hauptthemen gegliedert ist: "Europe and the Mediterranean World", "Toward Cathay", and "The Americas".
"Europe and the Mediterranean World" bietet einen
Überblick über die Erkenntnisse und Spekulationen im
mittelalterlichen Europa über den Osten und erforscht
die wichtigsten politischen Mächte im Mittelmeerraum
zu Kolumbus' Zeiten - Portugal, Spanien, die Königreiche im westlichen Afrika, die Stadtstaaten Italiens und
die islamischen Imperien - sowie die wesentlichen
intellektuellen und geistlichen Strömungen jener Zeit.

Seite 1

�Die Ausstellung umfaßt eine Auswahl der schönsten
erhaltenen wissenschaftlichen Instrumente aus dem
15. Jahrhundert sowie Landkarten über sich aufgrund
der Forschungsreisen wandelnde Darstellungen der
Welt.
Dieser Bereich befaßt sich mit den Entwicklungen
während der Renaissance bei der Wiedergabe der
Perspektive und der Darstellung des menschlichen
Körpers. Sie schließt mit Werken von Leonardo da
Vinci und Albrecht Dürer ab, den typischsten Vertretern von Kunst und Wissenschaft der Renaissance,
deren weitreichende Interessen die gesamte Bandbreite des Strebens nach Wissen jener Zeit verkörpern, erläuterte Brown.
Der Bereich "Toward Cathay" bietet eine Übersicht
über die Zivilisationen Ostasiens im späten 15. Jahrhundert. In der Welt des Jahres 1492 zählten die
Kulturen des Fernen Ostens zu den ältesten, wohlhabendsten und technologisch am weitesten entwickelten der Welt.
"Toward Cathay" umfaßt Gemälde, Skulpturen, Kalligraphien und dekorative Kunstwerke aus Japan, Korea, China und Indien. Von besonderem Interesse ist
Brown zufolge der neue Stil monochromer Gemälde,
der in China, Korea und Japan in dieser Periode gängig
war.
Das abschließende Element der Ausstellung, 'The
Americas" bietet einen Überblick über die Zivilisationen auf dem nord- und südamerikanischen Kontinent
vor der Ankunft der Europäer.
*

Seite 2

*

Insgesamt liegt die Betonung auf der Rolle, die Kunstwerke in unserem Verständnis der Kulturen gespielt
haben, die sie hervorbrachten, erklärte Brown. Die
Azteken werden als Schöpfer eines komplexen kosmologischen Systems dargestellt, das sich auf alle
Aspekte ihres Lebens erstreckte und sich in den ausgestellten Exponaten widerspiegelt, so Brown. Diese
reichen von monumentalen Skulpturen bis zu wertvollen Handschriftenrollen, die Aufzeichnungen über religiöse Erkenntnisse enthielten.
'The Americas" zeigt femer Exponate geometrischer
Stoffmuster der Inkas, beeindruckende Skulpturen der
Woodlands-Indianer aus Nordamerika sowie brillianten, von den Tupinamba in Brasilien gefertigten farbigen Federschmuck. Dieser Bereich schließt mit einer
umfangreichen Auswahl von mit großer Kunstfertigkeit
hergestellten Goldobjekten aus Kolumbien und Costa
Rica.
Die Ausstellung erstreckt sich auf rund 2.700 m2 im
Ostflügel der National Gallery of Art. Die 30 Ausstellungsräume wurde speziell konzipiert, um die in der
Ausstellung gezeigten Kulturen besonders hervorzuheben und sie durch Graphiken und Texte zu ergänzen.
Brown zufolge wurde von der National Geographie
Society eine Sonderreihe von Karten für die Ausstellung und den 672 Seiten umfassenden Ausstellungskatalog entworfen. Der Katalog wird von der Yale
University Press in Zusammenarbeit mit der National
Gallery of Art herausgegeben.

* *

'

AMERIKA DIENST 41

�</text>
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                    <text>cimerikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

20

16. Oktober 1996

WAHLEN '96

DIE BESTÄNDIGKEIT EINER ÜBERPARTEILICHEN AUSSENPOLITIK
von Robert D. Schulzinger
DER FAKTOR AUSSENPOLITIK IM
AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF
von Stephen Hess
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT UND
HANDEL: SCHLÜSSELTHEMEN DER
DEMOKRATEN
Interview mit Professor Zbigniew Brzezinski
FÜHRUNGSROLLE UND KONTIUNITÄT:
SCHLÜSSELTHEMEN DER REPUBLIKANER
Interview mit General Brent Scowcroft
AUSSENPOLITIK UND DER PRÄSIDENT
SCHAFTSWAHLKAMPF 1996
Wichtige Internetseiten
AUSSENPOLITIK UND DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF 1996
Bibliographie

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax:0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�WAHLEN

'9 6
16. Oktober 1996

Die Beständigkeit einer überparteilichen Außenpolitik
von Robert D. Schulzinger

WASHINGTON - (AD) - "Eine von zwei Parteien getragene Außenpolitik ist tief in der politischen Kultur der
Vereinigten Staaten verwurzelt", so der Verfasser des nachfolgenden Artikels, der angefangen mit den
Präsidentschaftswahlen von 1952 beschreibt, wie erfolgreiche Präsidentschaftskandidaten beim Umgang mit
anderen Nationen in die Fußstapfen ihrer Vorgänger traten.
Robert D. Schulzinger ist Geschichtsprofessor an der University of Colorado in Boulder. Er war Personalberater
des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen und gehört derzeit dem Beratungsausschuß für historische
Publikationen des US-Außenministeriums an. Er schrieb unter anderem folgende Bücher: American Diplomacy
in the Twentieth Century, Present Tense: The United States since 1945, Henry Kissinger: Doctor of
Diplomacy sowie The Wise Men of Foreign Affairs: The History of the Council on Foreign Relations.

Sechs der elf amerikanischen Präsidentschaftswahlen
nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu einem Parteiwechsel im Weißen Haus. Dreimal lösten die Republikaner die Demokraten ab (1952, 1968 und 1980),
und dreimal traten die Demokraten an die Stelle der
Republikaner (1960, 1976 und 1992). In jedem dieser
Wahlkämpfe versprach der siegreiche Kandidat eine
Außenpolitik, die sich grundlegend von der des
derzeitigen Amtsinhabers aus der anderen Partei
unterschied. Nach seiner Amtsübernahme trat er dann
jedoch beim Umgang mit anderen Nationen in die
Fußstapfen seines Vorgängers.
Eine von zwei
Parteien getragene Außenpolitik ist tief in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten verwurzelt.
Der Anfang wurde im Wahlkampf 1952 gemacht, als
Dwight D. Eisenhower, der Kandidat der Republikaner,
zusagte, über die von der Truman-Administration
gegenüber der Sowjetunion verfolgte Eindämmungspolitik hinaus die Kommunisten in Osteuropa und
Asien wieder zurückzudrängen. Bald nach seinem
Amtsantritt ordnete Eisenhower jedoch eine grundlegende Überprüfung der amerikanischen Außenpolitik
an, die zu dem Schluß führte, daß sich die Außenpolitik
auf die langsame, geduldige Eindämmung der sowjetischen Aggression konzentrieren sollte. Während
seiner zweiten Amtszeit verfolgte Eisenhower einen
noch gemäßigteren Kurs, als er mit einer neuen

AMERIKA DIENST 20

Generation führender sowjetischer
Entspannung einleitete.

Politiker

die

Was Eisenhower als kluge Vorgehensweise zur
Entschärfung der Spannungen zwischen den Supermächten ansah, kritisierten prominente Demokraten
bei ihrem Streben nach der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei 1960 als gefährliche Gleichgültigkeit gegenüber der Verteidigungsfähigkeit der Nation. Einer von ihnen - John F. Kennedy- stellte bei seiner erfolgreichen Bewerbung um das
Präsidentenamt die Wiederherstellung der militärischen Macht seines Landes und seiner Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Sowjetunion in den Mittelpunkt
seiner außenpolitischen Agenda. In den ersten 21
Monaten seiner Amtszeit begegnete Kennedy kommunistischen Staaten und Revolutionsbewegungen,
insbesondere in den Entwicklungsländern, weitaus
entschiedener als es Eisenhower 1959 und 1960
getan hatte. Nachdem er jedoch im Oktober 1962
während der Kubakrise am Rande eines Krieges
gestanden hatte, verstärkte Kennedy dramatisch
Eisenhowers frühere Bestrebungen, die Gefahr eines
Atomkriegs zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion zu verringern.
Als der Republikaner Richard Nixon 1968 den Demokraten Hubert Humphrey beim Kampf um die Präsidentschaft besiegte, versprach er, im die Vereinigten

Seite 1

�Staaten so stark entzweienden Vietnamkrieg einen
"ehrenhaften Frieden" zu erlangen. Humphrey verlor
die Wahl mit nur einem halben Prozentpunkt, weil
letztlich nicht genug Amerikaner der Ansicht waren,
daß er sich ausreichend von der äußerst unpopulären
Vietnamkriegspolitik Präsident Lyndon B. Johnsons
distanziert hatte. Als Nixon jedoch Präsident wurde,
verfolgte er die von der Johnson-Administration
entwickelte Politik der Vietnamisierung - den Südvietnamesen einen größeren Teil der Kampfhandlungen
zu überlassen. Nixon und Henry Kissinger, sein
wichtigster außenpolitischer Berater und Außenminister, fanden weithin öffentliche Zustimmung zur
Förderung der Entspannungspolitik mit der Sowjetunion, dem Auftauen der eingefrorenen Beziehungen
zur Volksrepublik China und der Einleitung des
Friedensprozesses zwischen Arabern und Israelis. All
diese Initiativen wurzelten in den unter der JohnsonAdministration entwickelten Plänen.
1976 war der Glanz von Kissingers Außenpolitik
verblaßt. Der Demokrat Jimmy Carter gewann in
diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen teilweise
durch Angriffe auf Kissingers anmaßende Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen im
Ausland
und seine
Konzentration auf die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. 1977 und
1978 widmete die Carter-Administration den Beziehungen zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern mehr Aufmerksamkeit, aber 1979 und 1980
konzentrierten sich die Vereinigten Staaten erneut auf
die wachsenden Spannungen im Verhältnis zur
Sowjetunion. Die sowjetische Invasion in Afghanistan
im Dezember 1979 war für die Amerikaner ein großer
Schock. Im letzten Jahr seiner Präsidentschaft hatte
Carter den größten Zuwachs der Verteidigungsausgaben seit 20 Jahren gefordert. Seine Wiederentdekkung der von der Sowjetunion ausgehenden Bedrohung rettete ihn jedoch nicht vor der Niederlage
gegen den republikanischen Kandidaten Ronald
Reagan, der 1981 mit der im Vergleich zu sämtlichen
Kandidaten seit 1952 militantesten antisowjetischen
Plattform gewählt wurde. In der Praxis entsprach
jedoch auch Reagan dem Muster, daß ein Präsident im
Großen und Ganzen in die außenpolitischen Fußstapfen seines Vorgängers tritt. Die Aufrüstung
während Reagans erster Amtszeit entsprach den
Plänen von Carters letzten Verteidigungsgesuchen.
Während seiner zweiten Amtszeit wurde Reagan, der
früher die Entspannungspolitik als Garantie für "Friedhofsruhe" verhöhnt hatte, der engagierte Verfechter
des Abbaus der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Als Reagan bei seinem Besuch in Moskau 1988
gefragt wurde, warum er seine scharfe, antisowjetische
Rhetorik eingestellt habe, antwortete er: "Sie haben
sich geändert." Das war tatsächlich der Fall. Ende
1991 war die Sowjetunion von innen her zerfallen und
existierte nicht mehr. Der Kalte Krieg, der vier Jahr-

Seite 2

zehnte lang der Fokus der amerikanischen Außenpolitik gewesen war, hatte bereits zwei Jahre früher zu Beginn der Präsidentschaft des Republikaners
George Bush - geendet. In der Zeit nach dem Kalten
Krieg wurde Bush große Anerkennung für seine
außenpolitischen Fähigkeiten gezollt, insbesondere die
Zusammenstellung der multinationalen Koalition, die
1991 die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieb.
Im Wahlkampf 1992 wurde Außenpolitik eindeutig zu
einem zweitrangigen Thema. Der Wahlsieger, der
Demokrat Bill Clinton, kritisierte Bush zwar hauptsächlich wegen der schlechten Wirtschaftslage, versprach
aber auch eine Kursänderung bei der Außenpolitik.
Clinton griff Bush wegen seiner Gleichgültigkeit
gegenüber Menschenrechtsverletzungen in China,
seinem Widerstreben gegen eine Militärintervention in
Bosnien sowie seiner offensichtlichen Feindseligkeit
gegenüber den vor Unterdrückung geflohenen haitianischen Flüchtlingen an. Nach seiner Amtsübernahme
unterschied sich Clinton beim Umgang mit auswärtigen
Angelegenheiten jedoch weitaus weniger von seinem
Vorgänger als seine Rhethorik im Wahlkampf hätte
vermuten lassen. Ebenso wie Bush bemühte sich
Clinton um die Riege freundschaftlicher politischer und
wirtschaftlicher Beziehungen zur Volksrepublik China trotz der Menschenrechtsverletzungen in dem Land.
Clinton entschied sich schnell gegen ein Eingreifen in
die Kampfhandlungen in Bosnien. Seiner Administration gelang 1995 jedoch die erfolgreiche Vermittlung
des Friedensabkommens zwischen den Kriegsparteien
in Bosnien. Auch in Haiti setzte Clinton anfänglich die
Politik der Bush-Administration fort, die er früher als
Abschiebung der Flüchtlinge in ihre Heimat kritisiert
hatte. 1994 setzte sich die Clinton-Administration
energischer für die Wiederherstellung der Demokratie
in Haiti ein.
Mitten im Wahlkampf 1996 kritisierte der republikanische Herausforderer des Präsidenten, Bob Dole,
Clintons Mangel an außenpolitischer Kohärenz, seine
exzessive Abhängigkeit von den Vereinten Nationen
und seine fehlende Bereitschaft zum angemessenen
Einsatz von militärischer Macht. Als Senator unterstützte Dole jedoch Clintons Entscheidung zur Entsendung amerikanischer Truppen nach Bosnien Ende
1995. Als die Clinton-Administration im September
1996 den Einsatz von Marschflugkörpern gegen den
Irak als Vergeltung für die Angriffe des Landes auf
kurdische Städte anordnete, unterstützte Dole den
Militärschlag.
Ungeachtet dessen, wie sehr die Präsidentschaftskandidaten im Zeitalter nach dem Zweiten Weltkrieg
die Unterschiede zwischen ihrer außenpolitischen
Haltung und der ihrer Kontrahenten betonten, verfolgten Administrationen der Demokraten und Republikaner gleichermaßen während des Kalten Krieges und
danach eine bemerkenswert ähnliche außenpolitische
Linie. Während des Kalten Krieges befürworteten sie

AMERIKA DIENST 20

�die Eindämmung der Sowjetunion und die Vermeidung
eines Weltkrieges, und nach 1989 sorgten sie für eine
starke Einbeziehung der Vereinigten Staaten in
internationale Angelegenheiten.
Die Amerikaner wählen 1996 auch einen neuen
Kongreß. Entweder behalten die Republikaner ihre
derzeitige Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus, oder die Demokraten erobern sie in einer oder in
beiden Kammern zurück. Unabhängig davon, welche
Partei im Kongreß das Sagen hat, lassen die im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg gemachten Erfahrungen auf eine Fortsetzung der überparteilichen amerikanischen Außenpolitik schließen. In 22 der letzten 50
Jahren stellte eine Partei den Präsidenten und hatte
gleichzeitig die Mehrheit in beiden Häusern des
Kongresses, 22 Jahre lang stellte eine Partei den
Präsidenten und die andere hatte die Mehrheit in
beiden Häusern des Kongresses, und sechs Jahre
lang teilten sich beide Parteien die Kontrolle des
Kongresses.
Der Kongreß und der Präsident haben oft unterschiedliche Ansichten zur Außenpolitik. Das Bemerkenswerte an diesen Meinungsverschiedenheiten ist
die Tatsache, daß sie nicht so sehr parteipolitischer
Natur als vielmehr themenbezogen sind. Beispielsweise wurde die demokratische Truman-Administration
1947 und 1948 beim Entwurf des Marshallplans und
der Verbreitung der Truman-Doktrin von einem
republikanischen Kongreß unterstützt. Andererseits
wurde die demokratische Johnson-Administration
wegen des Vietnamkriegs von Kongreßabgeordneten
aus den eigenen Reihen kritisiert.

Als die Demokraten 1993 und 1994 die Mehrheit im
Kongreß hatten, genoß die Clinton-Administration
zweifelsohne mehr Unterstützung der Gesetzgeber bei
außenpolitischen Fragen als unter dem republikanisch
dominierten Kongreß 1995 und 1996. Die letzten
beiden Jahre zeigen jedoch, daß Regierungserfahrung
zu einer Mäßigung der in der Hitze des Wahlkampfs
vertretenen extremen Positionen führt. Als die Republikaner 1995 den Kongreß neu gestalteten, schienen sie zur Abschaffung der für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Institutionen, Streichung der
Auslandshilfe und Lähmung der Handels- und Menschenrechtspolitik der Clinton-Administration bereit.
1996 suchten die republikanischen Abgeordneten im
außenpolitischen Bereich jedoch nach Gemeinsamkeiten mit der Clinton-Administration.
Seit dem Ende des Kalten Krieges herrscht in den
Vereinigten Staaten breite Übereinstimmung hinsichtlich der Außenpolitik der Nation. Jüngste Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß die meisten Amerikaner trotz Differenzen über Stil und Einzelheiten der
Ansicht sind, daß ein starkes Engagement der Vereinigten Staaten auf der Welt für ihr Land lebenswichtig ist. Ihres Erachtens benötigt Amerika in einem
immer noch gefährlichen Umfeld Freunde und Verbündete. Sie halten militärische Macht immer noch für ein
wichtiges Element bei internationalen Angelegenheiten. Sie möchten, daß ihr Land Demokratie, Menschenrechte, freie Märkte und freien Handel fördert.
Die Erfahrung der letzten 50 Jahre legt nahe, daß
entweder eine zweite Clinton-Administration oder eine
neue Dole-Administration diese grundlegenden
außenpolitischen Ziele verfolgen werden.

* *

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�WAHLEN

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16. Oktober 1996

Der Faktor Außenpolitik im amerikanischen
Präsidentschaftswahlkampf
von Stephen Hess

WASHINGTON - (AD) - Im nachfolgenden Artikel gibt der Verfasser Beispiele dafür, wann die Außenpolitik den
hauptsächlich innenpolitisch dominierten Präsidentschaftswahlkampf beeinflußt. Ein Auslöser kann Hess zufolge
eine Krise sein, die amerikanische Bürger - entweder als Soldaten oder als Geiseln - direkt betrifft.
Stephen Hess ist seit 1972 Senior Fellow für Regierungsstudien an der Brookings Institution in Washington. Er
war Redenschreiber für Präsident Eisenhower, stellvertretender Referent für städtische Angelegenheiten unter
Präsident Nixon und Berater Präsident Carters für die Neuorganisation des Präsidialamts. Hess ist Verfasser von
15 Büchern, darunter The Presidential Campaign, Organizing the Presidency sowie Presidents and the
Presidency.

Am ersten Sonntag im September, als der Präsident
den Einsatz von Marschflugkörpern gegen den Irak
anordnete, kritisierte Robert Dole die "Führungsschwäche" Bill Clintons beim Umgang mit Saddam
Hussein. Am nächsten Tag, nachdem die Marschflugkörper ihr Ziel erreicht hatten, kam der republikanische Präsidentschaftskandidat zu dem Schluß, daß
Angriffe auf seinen Gegner aus der Demokratischen
Partei ein Fehler gewesen waren und bot "ohne
Zögern oder Bedenken" den amerikanischen Streitkräften Unterstützung an. Die Reform Party von Ross
Perot weigerte sich jedoch, sich hinter den Präsidenten
zu stellen und erklärte: "Krieg ist kein Mittel für Politiker, ein positives Image zu kreieren und in den
Meinungsumfragen aufzuholen." Erstaunlicherweise
ist Außenpolitik bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wieder zu einem Thema geworden.
Es ist erstaunlich, weil die amerikanischen Wähler
hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind und die
meisten Wahlen von innenpolitischen Überlegungen
dominiert werden, insbesondere der Wirtschaftslage.
Als Clintons Wahlkampfmanager von 1992, James
Carville, bei einer Besprechung erklärte: "Es ist die
Wirtschaft, du Dummerchen" - seine anschauliche
Methode, die Wahlkampfmitarbeiter zu warnen, nicht
von ihrer grundlegenden Botschaft abzulassen wiederholte er lediglich eine Binsenwahrheit der
amerikanischen Politik.

AMERIKA DIENST 20

Clinton hielt tatsächlich mehrere obligatorische
außenpolitische Reden, in denen er allgemein die
Bedeutung des Welthandels ansprach. Es gelang ihm
jedoch, von außenpolitischen Themen abzulenken, die
traditionell die Stärke der Republikaner gewesen sind erst unter Ronald Reagan, dem Kandidaten von 1980
und 1984, der sich oftmals um ein gegen die Sowjetunion gerichtetes Amt zu bewerben schien, und
anschließend unter George Bush, dessen Beliebtheitsgrad nach dem Golfkrieg auf 90 Prozent anstieg.
Es gibt verschiedene Arten, wie Außenpolitik und
nationale Sicherheitsfragen sich einen Platz im
vorwiegend innenpolitischen Terrain der amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe erobern:
Die erste ist offensichtlich eine während des Wahlkampfs auftretende Krise, wie die irakische Militärinvasion in kurdisches Gebiet in diesem Jahr. Der Wahlkampf zwischen Dwight Eisenhower und Adlai Stevenson im Jahr 1956 gestaltete sich infolge von zwei
internationalen Krisen komplizierter - dem Aufstand in
Ungarn und dem Einmarsch von Israelis, Franzosen
und Briten in Ägypten. Alle Kandidaten, die nicht der
Regierungspartei angehören, machen sich Sorgen
über sogenannte "Oktober-Überraschungen", bei
denen die Nation daran erinnert wird, daß der Kandidat
der Regierungspartei auch Oberbefehlshaber der

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�Streitkräfte werden könnte. Und die Nation neigt zu
patriotischem Verhalten.
Zweitens: Wenn eine internationale Frage zu einer
innenpolitischen wird, weil sie amerikanische Bürger
entweder als Soldaten oder als Geiseln direkt betrifft.
Jüngste Beispiele sind der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und die Stürmung der US-Botschaft im Iran 1979.
Diese Ereignisse hatten beträchtliche Auswirkungen
auf die Wahl von Eisenhower (1952), den Verzicht
Lyndon Johnsons auf eine erneute Kandidatur (1968),
die Wiederwahl Richard Nixons (1972) und die
Niederlage Jimmy Carters (1980).
Drittens: Ein Fehler eines Kandidaten, wie ihn beispielsweise Präsident Gerald Ford und Senator Barry
Goldwater begingen. Ford stellte bei seiner Debatte
1976 mit Carter eine falsche Behauptung hinsichtlich
der sowjetischen Vorherrschaft in Osteuropa auf,
während Goldwater, der 1964 Kandidat der Republikaner war, unaufgefordert eine Erklärung über die
Entlaubung in Vietnam aufgrund des Einsatzes von
Nuklearwaffen gab, was ihm das Image eines "Atombombers" verlieh.
Viertens: Die Kandidaten wissen, daß bestimmte
Länder für verschiedene Gruppen von Amerikanern
eine besondere Bedeutung haben. Doles Vorschlag,
im Mai 1999 die US-Botschaft nach Jerusalem zu
verlegen, gefällt den Amerikanern jüdischer Herkunft,
während Clintons Intervention im Friedensprozeß in
Nordirland von den Amerikanern irischer Herkunft
begrüßt wird. Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu Castros Kuba haben Auswirkungen in
Florida, einem Bundesstaat mit einer Vielzahl von
Wählerstimmen, ebenso wie Einwanderungsfragen in
Bundesstaaten mit einer Grenze zu Mexiko besondere
Bedeutung zukommt.
Fünftens: Die Kandidaten sprechen manchmal aufgrund früherer Erfahrungen und Interessen außenpolitische Fragen an. Mehrere Präsidentschaftskandidaten gehörten dem Senatsausschuß für auswärtige
Beziehungen oder dem Streitkräfteausschuß an.
George Bush war Botschafter in China, Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und
Direktor des Nachrichtendienstes CIA. Dole - der
einen Aufschub der bosnischen Wahlen mit der
Behauptung forderte, "diese Wahlen werden Betrug
sein, aber Betrug mit Billigung der Vereinigten Staaten" - hat seit langer Zeit bestehende, entschiedene
Ansichten über den Konflikt im ehemaligen Jugoslawien.
Sechstens: Die Kandidaten werden durch das Wahlprogramm ihrer Partei bestimmten Ansichten verpflichtet. Es gibt vergleichsweise große Unterschiede
in diesen Dokumenten, die bestimmen, warum die
Wähler für Republikaner, Demokraten oder eine der
kleineren Parteien stimmen. In den Wahlprogrammen

Seite 2

von 1996 verpflichten sich die Republikaner beispielsweise, "die Verringerung der Verteidigungsausgaben
unserer Nation rückgängig zu machen", und die
Demokraten argumentieren, "die Republikaner wollen
mehr für die Verteidigung ausgeben als das Pentagon
beantragt". (Die Plattform der Reform Party befaßt
sich nicht mit internationalen Beziehungen.)
Jeder Erklärung zur wichtigen Rolle der Außenpolitik
bei den Wahlen müssen ernsthafte Bedenken entgegengehalten werden: In den Vereinigten Staaten gibt
es während der Präsidentschaftswahlkämpfe keine
verantwortungsbewußte Debatte über außenpolitische
Fragen. Die amerikanischen Wähler wissen nicht viel
über außenpolitische Angelegenheiten. Und das
außenpolitische Interesse der Wähler geht nicht über
den grundlegenden Wunsch nach Frieden hinaus.
Außenpolitik als Wahlkampfthema beschränkt sich auf
die Frage, wer das Land am besten aus einem Krieg
heraushalten kann. Sehr technische Fragen wie die
internationale Finanzlage oder sogar explosive
Situationen, die das amerikanische Militär mit großer
Wahrscheinlichkeit nicht betreffen, spielen für Wahlmandate keine Rolle. Die Appelle der Kandidaten sind
grundlegend, sogar primitiv. "Ich habe es schon früher
gesagt, und ich sage es immer wieder: Eure Jungs
werden nicht in irgendwelche Kriege ins Ausland
geschickt", erklärte Franklin Roosevelt 1940.
Da die Wähler weniger Interesse an außenpolitischen
als an innenpolitischen Fragen haben und weniger
darüber wissen, ist klar, daß die internationalen
Fragen, für die die Wähler sich interessieren, ein sehr
großes Anliegen darstellen. Die Außenpolitik wird nur
dann zu einer beherrschenden Wahlkampffrage, wenn
sie die Wähler an einer empfindlichen Stelle trifft. Das
Engagement der Amerikaner in Vietnam war ein
solcher Fall, und Perot würde gerne die Beteiligung der
Amerikaner am Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA und am Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommen GATT zu einer weiteren entscheidenden Frage machen.
Senator Daniel Patrick Moynihan vertritt die weithin
verbreitete Meinung, "bei Wahlen präsentieren wir uns
selten von unserer besten Seite". In einem Wahlkampf
werden die Fragen immer stark vereinfacht, allzu sehr
dramatisiert und aufgebauscht. Vielleicht sollte man in
der Praxis nicht erwarten, daß Präsidentschaftswahlen
ein angemessenes Medium für eine objektive, gründliche, ausgewogene Überprüfung der Politik sind.
Obwohl diese Beobachtung für innenpolitische und
internationale Fragen gleichermaßen zutrifft, sind
letztere angesichts ihrer Komplexität, Geheimhaltung
und des begrenzten Wissens der Wähler noch unergründlicher. Daher kann man als Faustregel im
Wahlkampf festhalten: Alle Fragen werden schlecht,
und die außenpolitischen Fragen am schlechtesten
gehandhabt.

AMERIKA DIENST 20

�Es gibt keine geographischen oder geometrischen
Veränderungen in der amerikanischen Politik, die
darauf hindeuten, daß außenpolitische Themen bei
zukünftigen Wahlkämpfen mit größerer oder geringerer
Wahrscheinlichkeit angesprochen werden. Oder daß
sie mit mehr Verantwortungsbewußtsein als in der
Vergangenheit gehandhabt werden. Die Ironie liegt
darin, daß die außenpolitischen Versprechungen der
Kandidaten wahrscheinlich wenig mit den außenpolitischen Krisen gemein haben, mit denen ein
Präsident tatsächlich konfrontiert wird. Aufgrund der
jüngeren Geschichte kann man sagen, daß den

Wählern besser gedient wäre, wenn sich die Kandidaten mit den folgenden Fragen befassen würden:
Was würden Sie tun, wenn eine feindliche Macht
Angriffsraketen auf Kuba stationieren, wenn Nordkorea
eine Atomwaffe einsetzen oder wenn in Bosnien ein
Krieg zwischen Muslimen und Serben ausbrechen
würde? Bedauerlicherweise beantworten die Präsidentschaftskandidaten keine hypothetischen Fragen.
Täten sie es, wäre das Ergebnis weitaus interessanter
- und zweifelsohne nützlicher - als die jetzt beim
Präsidentschaftswahlkampf geführten außenpolitischen Debatten.

* *

AMERIKA DIENST 20

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�WAHLEN

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16. Oktober 1996

Internationale Zusammenarbeit und Handel:
Schlüsselthemen der Demokraten
Interview mit Professor Zbigniew Brzezinski

WASHINGTON - (AD) - Professor Zbigniew Brzezinski zufolge spielt Außenpolitik zwar keine große Rolle bei
Präsidentschaftswahlkämpfen, der Nahe Osten und die NATO-Erweiterung sind jedoch zwei Themen, die "den
Ausgang der Wahlen beeinflussen, aber auf keinen Fall entscheiden könnten". Obwohl es nur marginale
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten zum Thema Außenpolitik gäbe, behauptet er, die
Demokraten tendierten zu einer größeren Betonung von Handel, internationaler Zusammenarbeit und
ökologischen Belangen.
Brzezinski war Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Carter und Fakultätsmitglied der Universitäten
Harvard und Columbia. Jetzt ist Brzezinski Berater am Zentrum für strategische und internationale Studien und
Professor der amerikanischen Außenpolitik an der Schule für moderne internationale Studien der Johns Hopkins
University in Washington. Das Interview führte die freie Journalistin Wendy S. Ross im September 1996.

Frage: Welche Rolle spielt die Außenpolitik Ihrer
Ansicht nach im derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf?

Das zweite Thema ist die NATO-Erweiterung. Dieses
Problem ist ein spezielles Anliegen, besonders für die
Amerikaner, die aus Zentraleuropa stammen.

Antwort: Ich glaube nicht, daß die Außenpolitik eine
wichtige Rolle im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf
spielt. Diese Kampagne konzentriert sich vornehmlich
auf innenpolitische Themen. Darüber hinaus gibt es
zu diesem Zeitpunkt keine größeren Krisen - mit
Ausnahme des irakischen Problems - die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit fesseln und ein echtes
Interesse an Außenpolitik wecken.

Die von dem jeweiligen Kandidaten zu diesen beiden
Themen eingenommenen Positionen könnten in
gewissem Maße das Wahlverhalten einiger wichtiger
religiöser und ethnischer Gruppen beeinflussen.

Frage: Gibt es außenpolitische Themen, die das
Wahlergebnis beeinflussen könnten?

Antwort: In etwas vager Weise tendieren die Demokraten eher zu einer Betonung von Multilateralismus,
internationaler Zusammenarbeit, ökologischen Belangen und so weiter. Mit anderen Worten: Wenn man
sarkastisch sein wollte, könnte man sie als die "Tagesordnung derjenigen, die Gutes tun" bezeichnen. Im
Gegensatz dazu sind die Republikaner mehr an
Fragen wie Macht, militärischer Bereitschaft und dem
nationalen Einsatz von Gewalt interessiert. Wiederum
vereinfacht, könnte man sie als die "SchwarzeneggerTagesordnung" bezeichnen.

Antwort: Es gibt einige Themen, die den Ausgang der
Wahlen beeinflussen, aber auf keinen Fall entscheiden
könnten. Vor allem zwei drängen sich auf. Das erste
ist der Nahe Osten. Dieses Thema könnte - aufgrund
der Probleme mit dem Irak, dem relativ kurz zurückliegenden Golfkrieg und dem großen Interesse vieler
Amerikaner an der Zukunft Israels - das Wahlverhalten
in einigen Teilen der Vereinigten Staaten beeinflussen.

Frage: Sehen Sie grundlegende philosophische
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten bei außenpolitischen Themen?

Ich möchte jedoch betonen, daß dies nur marginale
Unterschiede sind. Und es gibt heute keine grundle-

AMERIKA DIENST 20

Seite 1

�gende philosophische Kollision zwischen Republikanern und Demokraten, teils, weil es keine größeren
internationalen Krisen gibt, die entscheidende Trennlinien schaffen.
Frage: Welche außenpolitischen Themen sind zu
diesem Zeitpunkt für die Demokratische Partei von
größter Bedeutung?
Antwort: Neben den von mir bereits erwähnten würde
ich Handel weit oben auf die Liste setzen, weil Handel
das Arbeitsleben in den Vereinigten Staaten betrifft,
eine besondere Bedeutung für die amerikanische
Erwerbsbevölkerung hat und mit dem Thema Wohlstand in Zusammenhang steht. Handel ist ein Bereich,
in dem die Clinton-Administration große Leistungen
vorweisen kann.
Frage: In welchem außenpolitischen Bereich haben
die beiden Präsidentschaftskandidaten Ihrer Ansicht
nach die größten Meinungsverschiedenheiten?
Antwort: Ich möchte nochmals betonen, daß es keine
grundlegenden, sondern nur marginale Meinungsverschiedenheiten gibt. Die Republikaner befürworten
beispielsweise eine etwas entschiedenere Reaktion
auf die jüngste Herausforderung durch den Irak. Von
den Republikanern weiß man, daß sie sich für ein
etwas früheres Datum der NATO-Erweiterung ausgesprochen haben als bisher von dem Kandidaten der
Demokratischen Partei angedeutet wurde.
Die Republikaner haben kritisiert, wie die Demokraten
das Thema China behandelten. Die Republikaner
tendierten zu einer Betonung der Menschenrechtsdimension. Bei diesem Thema gibt es jedoch unter
den Republikanern selbst Meinungsverschiedenheiten,
weil die Unternehmer, die vielleicht mehr dem republikanischen Kandidaten zugeneigt sind, kein
Interesse daran haben, die Menschenrechtsfrage zu
einem wichtigen Anliegen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu machen.
Frage: Einige Republikaner sagen, die jüngsten
Luftangriffe auf den Irak seien in diesem Wahljahr aus
politischen Gründen ausgeführt worden. Wie lautet
Ihre Antwort auf diese Beschuldigungen?
Antwort: Ich glaube wirklich nicht, daß es sich hierbei
überhaupt um eine Beschuldigung handelt. In einem
Wahljahr können die von nationalen Interessen
geleiteten Entscheidungsträger offensichtlich die
politischen Konsequenzen außenpolitischer Entscheidungen nicht völlig außer Acht lassen. In der Tat
ist es so, daß die Vorgehensweise des Präsidenten im
Hinblick auf den Irak von den Republikanern generell
unterstützt wurde, aber dann erklärten sie, es müßte
mehr getan werden.

Seite 2

Frage: Glauben Sie, daß die Politik in den vergangenen Wochen bei außenpolitischen Themen im Kongreß eine maßgebliche Rolle gespielt hat - beispielsweise bei der Senatsentscheidung, Maßnahmen zur
Chemiewaffenkonvention zu vertagen?
Antwort: Die Vertagung des Abschlusses der Chemiewaffenkonvention war eine politische Entscheidung, und die Bestrebungen, sie zu verabschieden,
waren ebenfalls eine politische Entscheidung. In
diesem Sinn haben beide Seiten ein politisches Spiel
gespielt und jeder kalkulierte, das negative Ergebnis
wäre für die andere Seite im innenpolitischen Bereich
schädlicher. Der Grund für die Vertagung war, daß die
Republikaner nicht als Gegner der Konvention ins
Protokoll eingehen wollten, gleichzeitig jedoch die
Ansicht vertraten, die Chemiewaffenkonvention sei
nichtsehr effektiv und einfach nur ein weiterer Vertrag
ohne jeden Biß.
Frage: Und die Meinung der Clinton-Administration
zur Chemiewaffenkonvention?
Antwort: Die Clinton-Administration äußerte, sie sei
dennoch ein Schritt zu einer internationalen Ordnung nicht idiotensicher, aber dennoch ein Schritt zu
engerer internationaler Zusammenarbeit bei der
Eindämmung der Verbreitung von Chemiewaffen.
Das waren die Argumente, die zu diesem Thema
vorgebracht wurden. Aber dahinter stand auf beiden
Seiten eine politische Rechnung. Die Demokraten
hofften, den Republikanern wäre es peinlich, wenn es
den Anschein hätte, daß sie in irgendeiner Weise
Chemiewaffen befürworteten, und die Republikaner
hofften, man könnte die Demokraten des Wunschdenkens bezichtigen.
Frage: Glauben Sie, daß die beiden großen politischen Parteien außenpolitische Themen während der
Präsidentschaftswahlkämpfe
besser
abhandeln
könnten?
Antwort: Diese Frage ist leicht zu beantworten. Die
Antwort lautet offensichtlich "Ja". Tatsache ist, daß
außenpolitische Themen im Verlauf dieses Wahlkampfs - und bedauerlicherweise während der meisten
Wahlkämpfe der vergangenen Jahre - nicht in ernsthafter und verantwortungsvoller Weise behandelt
wurden. Ich hoffe, daß es beispielsweise möglich sein
könnte - und meines Erachtens möglich sein sollte eine Debatte der Präsidentschaftskandidaten ausschließlich der Erörterung von Außenpolitik
zu
widmen. Ich hoffe, es ist möglich, ernsthafte Diskussionen zwischen den Anhängern der jeweiligen
Kandidaten zu führen, die sich mit den außenpolitischen Themen befassen. Solche Veranstaltungen
würden zur Information der Öffentlichkeit über außenpolitische Fragen beitragen und vielleicht eine klarere

AMERIKA DIENST 20

�Definition alternativer Ansätze zu außenpolitischen
Problemen herausarbeiten.
Frage: Wie schätzen Sie das Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit über auswärtige Angelegenheiten und ihr Interesse daran ein?
Antwort: Ich muß sagen, daß es insgesamt relativ
gering ist. Die amerikanische Öffentlichkeit besitzt ein
sehr geringes Wissen der ausländischen Geschichte,
überhaupt kein Wissen ausländischer Geographie und
hat ein relativ geringes Interesse an auswärtigen
Angelegenheiten. Meines Erachtens ist dies die Folge
der kontinentalen Isolation, gewisser Unzulänglichkeiten im Bildungswesen, aber auch auf die amerikanischen Medien zurückzuführen, die sich nur mangelhaft mit Außenpolitik befassen.
Das habe ich besonders gemerkt, als ich im August
außerhalb von Washington war und im Radio die
Morgennachrichten von CBS hörte, die sich CBSWeltnachrichtenüberblick nennen. Es gab praktisch
nichts außer einer Zusammenfassung absolut trivialer
Geschichten, die sich fast ausschließlich um innenpolitische Angelegenheiten drehten. Obwohl die
Morgennachrichten Weltnachrichtenüberblick hießen,
erfuhr ich buchstäblich überhaupt keine Weltnachrichten. Dasselbe galt für die Abendnachrichten. An
dem Ort, an dem ich mich befand, konnte ich nur die
Fernsehnachrichten auf CBS TV empfangen, die auch
vorgeben, Weltnachrichten zu sein. Aber tatsächlich
gab es keine ernsthafte Berichterstattung über irgendein wichtiges internationales Thema.

mend auf den letzten Seiten. Tatsache ist, daß
Amerika sehr viel mehr mit sich selbst beschäftigt ist.
Die Institutionen und Organisationen, die den Horizont
der amerikanischen Öffentlichkeit erweitern könnten
und es meiner Meinung nach tun sollten, versagen
kläglich.
Frage: Welche Rolle spielte die Außenpolitik bei den
Präsidentschaftswahlkämpfen 1976 und 1980?
Glauben Sie, daß das Geiseldrama im Iran teilweise
dafür verantwortlich war, daß Carter 1980 nicht
wiedergewählt wurde?
Antwort: Meines Erachtens spielte die Außenpolitik
im Jahr 1976 auf zwei Ebenen eine Rolle. Zum einen
wurde die Entspannungspolitik von Nixon und Ford
von den Demokraten kritisiert, weil sie Menschenrechte nicht ausreichend berücksichtigte.
Und zum
anderen machte Präsident Ford in der Debatte der
Präsidentschaftskandidaten eine Aussage über
Osteuropa, die zu implizieren schien, daß der kommunistische Satellitenstaat Polen seiner Ansicht nach ein
völlig unabhängiger Staat sei. Das war für die Demokraten natürlich ein gefundenes Fressen, und sich
nutzten es politisch effektiv aus.
1980 trug das Geiseldrama im Iran zweifelsohne zur
Niederlage der demokratischen Administration bei.
Die demokratische Administration wurde als inkompetent, unentschlossen und schwach sowie einfach
unfähig angesehen, mit der andauernden nationalen
Demütigung fertigzuwerden.
Die Republikaner
brachten diese Punkte natürlich vor und konnten
dadurch politisch beträchtlich an Boden gewinnen.

Amerikanische Zeitungen, selbst führende nationale
Zeitungen, bringen internationale Nachrichten zuneh-

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�WAHLEN

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16. Oktober 1996

Führungsrolle und Kontinuität:
Schlüsselthemen der Republikaner
Interview mit General Brent Scowcroft

WASHINGTON - (AD) - General Brent Scowcroft zufolge ist die Rolle der Außenpolitik beim derzeitigen
Präsidentschaftswahlkampf unerheblich und wird wahrscheinlich keinen großen Einfluß auf das Wahlverhalten
der Amerikaner haben, es sei denn, vor der Wahl finden auf der internationalen Bühne "dramatische Ereignisse"
statt. Die Schlüsselthemen der Republikaner im Bereich der Außenpolitik sind bei diesem Wahlkampf
"Führungsrolle und Kontinuität", so der General.
Scowcroft war Referent für nationale Sicherheitsfragen der Präsidenten Ford und Bush sowie Militärbeauftragter
unter Präsident Nixon. Im Rahmen seiner militärischen Laufbahn hatte Scowcroft Ämter in der Organisation der
Vereinigten Stabschefs, im Hauptquartier der US-Luftwaffe sowie im Büro des Abteilungsleiters für internationale
Sicherheitsfragen im Verteidigungsministerium inne. Scowcroft ist Gründer und Präsident von The Forum for
International Policy, einer überparteilichen, gemeinnützigen Organisation, die unabhängige Meinungen zu
wichtigen außenpolitischen Fragen abgibt. Ferner ist er Präsident von The Scowcroft Group, einer Beraterfirma
für weltweit expandierende und investierende Unternehmen. Das Interview führte der Chef vom Dienst Dian
McDonald im September 1996.

Frage: Wie würden Sie die Rolle der Außenpolitik im
derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf charakterisieren?
Antwort: Ich würde sagen, sie ist wahrscheinlich so
unmaßgeblich wie bei allen Wahlkämpfen, an die ich
mich erinnern kann. Die Außenpolitik wird sporadisch
angesprochen, ist jedoch kein wichtiges Thema im
Wahlkampf.
Frage: Glauben Sie, daß es außenpolitische Themen
gibt, die zu diesem Zeitpunkt potentielle Auswirkungen
auf den Ausgang der Wahlen haben könnten?
Antwort: Das glaube ich nicht, es sei denn, es
geschehen dramatische Ereignisse, die Auswirkungen
haben würden. Aber abgesehen davon glaube ich das
nicht. Die Außenpolitik wird eine untergeordnete Rolle
beim Wahlkampf spielen. Und meines Erachtens wird
Präsident Clinton generell sagen, daß er in der
Außenpolitik ein guter Präsident war, daß er die
Tradition der amerikanischen Außenpolitik fortgesetzt
hat, stark gewesen ist und nicht vor dem Einsatz von

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Gewalt zurückschreckte, wenn dieser angebracht war.
Und Senator Dole wird wahrscheinlich sagen: "Es gibt
keine Führung. Unsere Politik war von einer Veränderung nach der anderen gekennzeichnet. Es gab
keine Kontinuität, keine Strategie. Wir benötigen eine
kontinuierliche Außenpolitik, die durch Stärke untermauert wird, und der Präsident hat eine Aushöhlung
unseres Militärs zugelassen." Mir scheint, daß dies
das zugrundeliegende Thema sein wird, aber es wird
nicht die Einstellung vieler Wähler ändern. Sollte
jedoch etwas dramatisches geschehen, wie etwa im
Irak, mit China und der Verbreitung von Raketen, dann
könnte das Auswirkungen auf die Wahl haben. Aber
das wäre ein unvorhergesehenes Ereignis.
Frage: Die amerikanische Politik gegenüber illegalen
Einwanderern wird als das umstrittenste außenpolitische Thema für Präsident Clinton und Senator
Dole bezeichnet. Stimmen Sie dieser Einschätzung
zu?
Antwort: Meiner Ansicht nach ist es ein äußerst
emotionsgeladenes Thema. Aber Ihre Formulierung ist

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�mir zu stark. Erstens möchte ich in Frage stellen, daß
es wirklich ein außenpolitisches Thema ist. Es ist ein
innenpolitisches Thema. Und es ist für einige wenige
wichtige Staaten wie Kalifornien, Texas und Florida
von entscheidender Bedeutung. Aber im übrigen Land
ist es ein eher abstraktes Thema und wird daher nicht
allzu viele Wähler beeinflussen.
Frage: Glauben Sie, daß es ein entscheidender Faktor
sein könnte, wie Kalifornien wählt?
Antwort: Ich denke, ja. Aber wie Sie wissen, ist man
dort nicht unbedingt nach Parteien in unterschiedliche
Lager gespalten. Es wird jedoch mehr als in jedem
anderen Staat in Kalifornien ein entscheidendes
Thema sein, danach vielleicht in Florida.
Frage: Welche außenpolitischen Themen sind für die
Republikanische Partei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
von besonderer Bedeutung?
Antwort: Auch wenn es einige spezifische Themen
wie Bosnien und Haiti gibt, sind Führungsrolle und
Kontinuität die Themen, die die Republikaner betonen
würden.
Frage: Welche Rolle und welchen Charakter hat die
Sicherheitspolitik Ihrer Ansicht nach in den Wahlen,
jetzt, da der Kalte Krieg Geschichte ist?
Antwort: Während des Kalten Krieges waren die
Wahlen häufig das Forum von Debatten darüber, wer
gegenüber dem Kommunismus eine schwache
Haltung einnahm, wer unsere militärische Stärke nicht
aufrechterhielt und so weiter und so fort. Diese
Themen sind verschwunden. Und nach dem Ende des
Kalten Krieges ist das amerikanische Volk meines
Erachtens im Augenblick im Großen und Ganzen nicht
besonders an Außenpolitik interessiert.
Deshalb
werden die jeweiligen Wahlkampfmanager auf der
Suche nach Themen, die von Interesse für das Volk
sind, wahrscheinlich keine in der Außenpolitik finden,
weil es nichts mehr gibt, was die Menschen so interessiert, wie es die Bedrohung durch eine aggressive
Sowjetunion tat.
Frage: Sehen Sie einen grundlegenden philosophischen Unterschied zwischen den Republikanern und
den Demokraten bei außenpolitischen Themen?
Antwort: Ja, meiner Ansicht nach gibt es generelle
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten. Aber wie Sie wissen, ist es etwas schwieriger,
diese Unterschiede auszumachen, weil es unterschiedliche Demokraten und unterschiedliche Republikaner gibt. Aber in dem Maße, in dem man eine
Unterscheidung treffen kann, würde ich sagen, daß
diese zweierlei Art ist. Zum einen ist es das Ausmaß,
in dem die militärische Stärke eine Rolle in der Außenpolitik spielen muß: Wie stark müssen wir militärisch im

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Vergleich zu unserer Wirtschaft sein? Und zum
anderen ist es wirklich das Ausmaß, in dem die
Themen Menschenrechte und Demokratie zu operativen Elementen der Außenpolitik werden. Es gibt
grundsätzliche Elemente für beide Parteien. Aber die
Demokraten tendieren dazu, sie operativer als die
Republikaner in dem Sinne zu machen, was unsere
Außenpolitik sein sollte.
Nehmen wir zum Beispiel China. Die Demokraten
pflegen zu sagen: "Das wichtigste im Hinblick auf die
amerikanisch-chinesischen Beziehungen ist die
Menschenrechtsbilanz Chinas, und wir müssen die
Chinesen bestrafen, bis sie ihre Menschenrechtsbilanz
in Ordnung gebracht haben." Die Republikaner
pflegen zu sagen: "China ist eine Großmacht. Wir
haben viele Interessen in China - viele sehr wichtige
Interessen, darunter auch die Menschenrechte. Aber
sie sollten die Beziehungen nicht dominieren."
Frage: Glauben Sie, daß die Republikaner während
dieses Wahlkampfs zögern, die außenpolitische Bilanz
des Präsidenten zu kritisieren?
Antwort: Nein, meines Erachtens zögern sie überhaupt nicht. In der Tat glaube ich, daß es eine gewisse Tendenz dazu gibt, insbesondere im Hinblick auf
die Führungsrolle. Aber wie ich bereits gesagt habe,
wird die Außenpolitik kein vorherrschendes Thema
sein, da sie den amerikanischen Wähler nicht so sehr
zu interessieren scheint.
Frage: Könnten Sie kurz Präsident Bushs wichtigste
außenpolitische Erfolge zusammenfassen, und
glauben Sie, daß der amerikanische Wähler diese
Leistungen im Präsidentschaftswahlkampf 1992 aus
dem Blick verloren hat?
Antwort: Meiner Ansicht nach gab es eine Reihe
wichtiger Leistungen. Die herausragendste war das
Ende des Kalten Krieges. Es war natürlich nicht
George Bush, der das Ende des Kalten Krieges
bewirkte. Hier waren Elemente im Spiel, die nicht nur
einer bestimmten Person zugeschrieben werden
können. Aber die Tatsache, daß eine so tiefgehende
und bittere Konfrontation, wie diejenige, die den Kalten
Krieg motivierte, in so kurzer Zeit enden konnte, ohne
daß ein Schuß abgefeuert wurde, ist meines Erachtens
erstaunlich. Und die Tatsache, daß der Kalte Krieg wenn Sie so wollen - stillschweigend endete und nicht
mit einer Atombombe, war eine besondere Leistung
von George Bush. Dazu kam seine Fähigkeit, die
Sowjetunion dazu zu bringen, nicht nur die Wiedervereinigung Deutschlands zu akzeptieren, sondern auch
eine Wiedervereinigung innerhalb der NATO.
Die andere Leistung, wegen der die meisten Menschen heute George Bush erinnern werden, ist der
Golfkrieg. Und da hat er meiner Ansicht nach hervorragende Arbeit geleistet in dem Sinne, daß er die

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�Aggression erkannte und eine Koalition zur Eindämmung der Aggression und ihrer Abwehr mobilisierte. Er mobilisierte die internationale Staatengemeinschaft über die Vereinten Nationen, um diese Aggression zu verurteilen und die Aktionen zu ihrer
Abwehr zu genehmigen.
Und nachdem er diese Ziele erreicht hatte, beendete
er den Golfkrieg. Dies ist einer der eindeutigsten Fälle,
wie man mit einer nicht provozierten Aggression
umgehen sollte. Ob ich glaube, daß der amerikanische Wähler diese Leistungen im Jahr 1992 aus dem
Blick verloren hat? Ich denke folgendes. Das Ende
des Kalten Krieges vollzog sich - aus der Perspektive
des amerikanischen Volkes - so mühelos, daß es
irgendwie unvermeidlich schien und niemand viel
Aufmerksamkeit darauf verwendete, wievieler Mühen
es bedurfte, daß er auf diese Weise endete. Präsident
Bush erhielt enorm viel Zustimmung für den Golfkrieg.
In der Tat stieg seine Popularität auf ungefähr 90
Prozent. Aber das Gedächtnis der Menschen ist kurz,
es gab eine wirtschaftliche Malaise im Inland und dann
erklärte der damalige Gouverneur Clinton erfolgreich:
"Unsere wirklichen Probleme liegen hier im Inland, und
wir haben einen Präsidenten, der zuviel Zeit für die
Außenpolitik aufwendet."
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß die Republikaner
und/oder Demokraten in Präsidentschaftswahlkämpfen
außenpolitische Themen geschickter handhaben
könnten? Und wenn das der Fall ist, welchen Rat
würden Sie ihnen zur Verbesserung des Umgangs mit
Außenpolitik bei den amerikanischen Wahlen geben?
Antwort: Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
Meines Erachtens sollte - soweit das möglich ist Außenpolitik im Wahlkampf entsprechend ihrer
Verdienste behandelt werden. Das ist jedoch sehr
schwierig. Bisher haben die Parteien - wenn während
eines Wahlkampfs Krisen auftraten - im Schulterschluß
einstimmig gehandelt. Meiner Meinung nach sollte

*

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Außenpolitik ein Wahlkampfthema sein, wird aber
hoffentlich vor dem Hintergrund ihrer Leistungen und
nicht ihrer Persönlichkeiten erörtert. Ich bin jedoch
nicht sehr optimistisch, daß das geschieht.
Frage: Könnten Sie vor dem Hintergrund Ihrer derzeitigen Tätigkeit im The Forum for International
Policy und der The Scowcroft Group noch etwas
über das Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit
über außenpolitische Angelegenheiten und ihr Interesse daran sagen? Wie könnte man den jetzigen
Zustand ändern und würden Sie empfehlen, das
Interesse der Amerikaner an internationalen Fragen zu
vertiefen?
Antwort: Das derzeitige Wissen ist relativ gering, und
geringer als während der meisten Zeit im Kalten Krieg.
Meiner Meinung nach ist das darauf zurückzuführen,
daß das amerikanische Volk traditionsgemäß relativ
isoliert ist, Außenpolitik zwei große Ozeane entfernt
stattzufinden scheint und kein Bestandteil unseres
täglichen Lebens ist. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem
wir wahrscheinlich entweder die Grundlage für eine
Welt schaffen, die besser mit unseren Werten vereinbar ist, oder zulassen, daß die Welt einmal mehr in
einen Gefahrenzustand abdriftet, aus der wir sie - wie
schon so oft in diesem Jahrhundert - retten müssen.
Es gibt viele Menschen, die diese Botschaft verbreiten
können, und The Forum for International Policy
bemüht sich ebenfalls darum. Letztlich obliegt es
jedoch insbesondere dem amerikanischen Präsidenten, immer wieder darauf hinzuweisen, daß
Außenpolitik wichtig ist und warum sie wichtig ist und
alles zur Förderung unserer Interessen zu unternehmen. Wieder einmal verläßt sich das amerikanische
Volk in Friedenszeiten darauf, daß sein Präsident das
Richtige tut. Und es gibt ihm eine Menge Spielraum.
Daher ist die vom Präsidenten übernommene Führungsrolle meines Erachtens von entscheidender
Bedeutung.

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16. Oktober 1996

Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996
Wichtige Internetseiten

Anmerkung: USIS übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt und die Verfügbarkeit der genannten Quellen.
Diese liegt ausschließlich bei den Anbietern.

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AMERIKA DIENST 20

Kennedy School Online Political Information Network
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�W AH L E N '9 6
16. Oktober 1996

Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996
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                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Herbstwahlen 1962&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner bejahen Kennedys Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wahlergebnisse im Spiegel der amerikanischen Presse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gute Wahlergebnisse auch für Negerkandidaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Das Porträt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Felix Frankfurter&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Ehemaliger Richter am Obersten Bundesgericht der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum 80. Geburtstag (15. Nov. 1962) eines großen Juristen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Medizin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus der medizinischen Technik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektronischer Kehlkopf jetzt über Weltgesundheitsorganisation lieferbar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektroschock gegen Herzflimmern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regeneration von Konservenblut für Herzoperationen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Forschungsprojekte&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Universität Chicago - Zentralstelle für amerikanische "Ohrenbanken"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herzforschungsinstitut für New Yrok&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Therapie-Verfahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Magenunterkühlung statt Operation bei Zwölffingerdarmgeschwür&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infusion zelltoxischer Substanzen in Tumorgewebe</text>
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22

16. November 1976

Inhalt
DOKUMENTATION
Kissinger sichert reibungslosen Obergang zu
- Anweisung an US-Auslandsvertretungen Was ich tun werde: Carters Ausblick
(TIME INTERVIEW) Nachdruck mit Genehmigung des Nachrichtenmagazins TIME
HINTERGRUNDMATERIAL
Neue US-Nuklearpolitik verlangt konzertierte Aktion
Von Nick Harrison
Rosalynn Carter
Die künftige First Lady der USA
INFORMATION
Amerikanische Beteiligung auf der Kölner Internationalen Hausratsmesse 1977
WIRTSCHAFT
Die amerikanische Handelspolitik: Rückblick und Vorausschau
Von Botschafter Frederick B. Dent
Mit freundlicher Genehmigung von THE INTERNATIONAL ESSAYS FOR BUSINESS
DECISION
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Wissenschaftler wollen verantwortungsbewußte Forschung
Selbstbeschrä'nkung und Kontrolle bei genetischen Experimenten
Straffung internationaler Programme für künftige Nahrungs-, Wasser- und
Energieversorgung
Gasisolierte Höchstspannungsleitung
Batterien mit höherer Leistung
Neuartiges Elektrodenmaterial - Interessant für Industrie, Wirtschaft und
militärische Zwecke - Vorteile für die Raumfahrt

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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22/1976

KISSINGER SICHERT REIBUNGSLOSEN ÜBERGANG ZU
- Anweisung an US-Auslandsvertretungen -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Henry Kissinger
hat die diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten in aller Welt
am 4. November 1976 ersucht, ihn bei seinen Bemühungen um einen reibungslosen Übergang von der alten zur neuen Administration zu unterstützen. Das
Schreiben Kissingers an die Auslandsmissionen hat folgenden Wortlaut:
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist eine überparteiliche Angelegenheit.

Die bleibende Zielsetzung Amerikas - die Erhaltung des Frie-

dens, die Gewährleistung des Fortschritts und die Förderung der Freiheit und
der Menschenrechte - wird von allen Amerikanern gemeinsam vertreten; alle
Amerikaner haben sich diesen Zielen verschrieben.

Die Fachleute des Außen-

ministeriums und des Auswärtigen Dienstes sind ein entscheidend wichtiges Instrument für die Verwirklichung der Ziele Amerikas im Ausland.

Ich weiß, daß

man sich auf sie verlassen kann, wenn es gilt, mit Hingabe, Patriotismus und
Können zu arbeiten - Eigenschaften, die für den Auswärtigen Dienst und die
anderen Fachleute des Außenministeriums charakteristisch sind.

Für die kom-

menden Wochen haben sie keine wichtigere Aufgabe, als einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Ich

�Ich habe heute den Stellvertretenden Staatssekretär für Verwaltung,
Lawrence Eagleburger, zum Übergangs-Koordinator des Ministeriums ernannt
und ihn angewiesen, dafür zu sorgen, daß das Außenministerium uneingeschränkt
mit dem Übergangs-Team des gewählten Präsidenten zusammenarbeitet, sobald es
ernannt ist, und diesem Unterlagen und Personal auf Ersuchen zur Verfügung
stellt und ihm in jeder anderen Weise behilflich ist.
Bis zum 20. Januar 1977 wird die Verantwortung für die außenpolitischen
Beziehungen der Vereinigten Staaten selbstverständlich weiterhin bei Präsident
Ford und bei mir liegen. Alle ausländischen Regierungen sollten sich darüber
im klaren sein, daß diese Administration in der ihr verbleibenden Zeit weiterhin die Freunde Amerikas unterstützen und seinen Gegnern Widerstand leisten
wird.

Keine Nation braucht sich Sorgen zu machen, daß wir unseren Verpflich-

tungen nicht nachkommen könnten.

Keine Nation sollte fälschlicherweise glau-

ben, daß jetzt eine Zeit gekommen wäre, die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten auf die Probe zu stellen.

Wir haben die Absicht, der neuen Administra-

tion eine funktionierende Außenpolitik zu übergeben.
Während der Übergangszeit wird der gewählte Präsident seine eigenen politischen Vorstellungen zur Verwirklichung nach seinem Amtsantritt formulieren.
Ich möchte jeden daran erinnern, daß mit Spekulationen über die Politik der
neuen Administration gegenüber ausländischen Regierungen dem gewählten Präsidenten und den Vereinigten Staaten ein schlechter Dienst erwiesen würde.
Wir müssen alle mitarbeiten, um einen ordnungsgemäßen und schöpferischen
Übergang zu gewährleisten, und immer im Auge behalten, daß die außenpolitischen
Leistungen der neuen Administration die Leistungen des ganzen amerikanischen
Volkes sein werden und daß die Welt sich auf unsere Zielbewußtheit, Festigkeit
und Einigkeit stützt.

+ + + + +

- 2 -

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22/1976

WAS ICH TUN WERDE: CARTERS AUSBLICK
(TIME-INTERVIEW)
Nachdruck mit Genehmigung des Nachrichtenmagazins TIME
(c) 1976 Time, Inc.

Der Chefkorrespondent des Nachrichtenmagazins TIME, Murray Gart, und der
Washingtoner Korrespondent des Magazins,
Stanley Cloud, haben den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Jimmy
Carter, über seine Pläne und Vorstellungen
für sein kommendes Amt befragt. Nachfolgend das in der Ausgabe vom 15. November
1976 veröffentlichte Interview:

FRAGE:

Was steht auf Ihrer Tagesordnung als sofort zu erledigen? Was

hat bei einem Ausblick auf die Zukunft größten Vorrang?
ANTWORT:

Eine der Zusagen, die ich gemacht habe, ist, meine außenpo-

litischen Berater sowie die führenden Vertreter des Kongresses zusammenzurufen, um einige Tage an einem abgeschiedenen Ort zu verbringen.

Wir wollen

dabei über unsere außenpolitischen Erfolge und Fehlschläge sowie über die vor
uns liegenden großen Aufgaben diskutieren, und wir sind darauf vorbereitet,
über fast jedes einzelne Land zu sprechen.

Ich möchte sicherstellen, daß meine

�meine Kenntnisse und mein Wissen auf diesem Gebiet so umfassend wie möglich
sind und daß Einmütigkeit besteht - zumindest eine gemeinsame Verständigung
darüber, welchen Kurs wir in den nächsten vier Jahren steuern werden.

Dies

wird ein augenfälliges Abweichen von dem darstellen, wie gegenwärtig verfahren wird.

Ich bin der Meinung, daß Mr. Kissinger dem Kongreß nur dann ge-

stattet hat, an dem Entscheidungsprozeß teilzuhaben, wenn ihm dies - politisch gesehen - ratsam erschien.
FRAGE:

Würde Ihr Außenminister in dieser Gruppe vertreten sein?

ANTWORT:

Ich denke doch, wenngleich ich zur Zeit noch keine Vorstellung

habe, wer der Außenminister sein könnte.

Ich habe folgendes vor:

Ich werde

nach der gleichen allgemeinen Prozedur verfahren, um die wesentlichsten Regierungsvertreter auszuwählen, wie dies im Sommer bei der Aufstellung des Kandidaten für die Vizepräsidentschaft der Fall war, nämlich eine sorgfältige Beurteilung der Qualifikationen der einzelnen Leute vorzunehmen, einschließlich
der Qualifikationen anderer, die für den Posten eines Außenministers in Frage
kommen könnten.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Hat dieser Prozeß bereits begonnen?
Ja, aber ich habe mich noch nicht direkt daran beteiligt.
Welches sind Ihre innenpolitischen Pläne für die nächste Zeit?

ANTWORT: Ich beabsichtige, mit Unternehmern und mit Gewerkschaftsführern
zusammenzuarbeiten, um den Rahmen für eine freiwillige Zurückhaltung in der
Lohn- und Preisfrage abzustecken. Ich möchte soweit wie möglich auf einer
rein freiwilligen Basis auf dieses Ziel hinarbeiten. Vielleicht wäre das für
die gesamten vier Jahre
den Kongreßvertretern werkschaften - über die
allem auf den Gebieten,

angebracht. Ich möchte darüber hinaus mit den führenund ohne Frage auch mit den Unternehmern und den Geschnelle Schaffung neuer Arbeitsplätze sprechen, vor
wo ein Minimum an Regierungsausgaben erforderlich ist.
- 2 -

�ist»

Der Wohnungsbau muß ganz dringend wiederbelebt werden, und ich möchte

im Hinblick auf den Wohnungsbau für ältere Mitbürger alles in meinen Kräften
stehende tun. Wir sind auch darauf vorbereitet, so meine ich, in der Zeit
zwischen der Wahl und dem Ende dieses Jahres - und wiederum in Zusammenarbeit
mit den führenden Vertretern der betroffenen Gruppen - einigermaßen umfassende
Mittel und Wege hinsichtlich des Verkehrswesens, der Energie und der Sozialreformen zu entwickeln.
FRAGE: Wird dies alles seinen Niederschlag in der Botschaft über die
Lage der Nation finden?
ANTWORT: Das hoffe ich. Und wenn ich hier etwas nicht erwähne, so möchte
ich nicht, daß der Eindruck entsteht, es gehöre nicht dazu - wie beispielsweise
das Gesundheitswesen. Ganz zweifellos gehören hierher das Gesundheits- und
das Erziehungswesen. Ich möchte auf keinen Fall, daß irgend jemand annimmt,
ich hätte diese Probleme außer acht gelassen. Wir haben in dieser Hinsicht
bereits beachtliche Fortschritte erzielt. Ganz offensichtlich sind die meisten
größeren Unternehmer geneigt, republikanisch zu wählen. Das war schon immer so,
aber ich glaube doch, daß sie bestrebt sein werden, mir bei der Suche nach einer
Lösung dieser Probleme zu helfen. Darüber bin ich in keiner Weise besorgt.
Ich bin auch Geschäftsmann, und ich spreche ihre Sprache.
FRAGE:

Hoffen Sie, daß die Vorschläge für eine Steuerreform schon bis zu

dem Zeitpunkt ausgearbeitet sein können, an dem der neue Kongreß zusammentritt?
ANTWORT: Nein, das wird nicht möglich sein. Dazu sind einige weitere
Studien erforderlich, und ich möchte das nicht mit leichter Hand abtun. Ich
möchte niemanden irreführen, aber die Arbeit ist bereits in vollem Gange, und
zwischen heute und dem 20. Januar wird zusammen mit den Beratern, aber auch
mit Leuten wie Senator Russell Long (dem Vorsitzenden des Finanzausschusses
des Senats) und dem Abgeordneten AI Ullman (dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses) eine Menge an Arbeit geleistet werden. Ich
möchte annehmen, daß mehrere Monate des nächsten Jahres ins Land gehen werden,

�werden, bevor wir spezifische Vorschläge zur Behandlung durch den Kongreß
unterbreiten können.
FRAGE:

Denken Sie an eine überparteiliche Besetzung Ihrer Administra-

tion - in dem Sinne, daß zumindest ein Republikaner Ihrem Kabinett angehört?
ANTWORT:

Ich bin geneigt, Leute aus beiden Parteien einzusetzen, aber

ich möchte mich wirklich nicht auf einen Renommier-Republikaner festlegen.
Ich werde vielmehr jeden Fall auf Verdienste und Leistungen hin prüfen, und
ich würde sagen, daß auf dieser Grundlage - rein auf der Grundlage der Verdienste und Leistungen - einer der zwölf Kabinettsmitglieder wahrscheinlich
ein Republikaner sein wird.
FRAGE:

Anschließend an das, was sie bereits ausgeführt haben - gibt es

so etwas wie eine Liste von Dingen, die Sie in den ersten hundert Tagen Ihrer
Präsidentschaft erledigt sehen möchten?
ANTWORT: Wir werden versuchen, bis zum Zusammentreten des Kongresses im
Januar ein Alternativbudget (zu dem von Präsident Ford unterbreiteten) fertig
zu haben. Wir führen bereits Konsultationen mit den führenden Vertretern der
Haushaltsausschüsse im Repräsentantenhaus und im Senat sowie mit anderen führenden Persönlichkeiten im Kongreß, so daß wir rasche Fortschritte in dem Bemühen machen können, daß das erste Budget meiner Administration eine Antwort
auf die Fragen gibt, die ich aufgeworfen habe,und die Versprechungen einlöst,
die ich gegeben habe.
Aber das ist ein gewaltiges Unterfangen. Eines der Dinge, die wir zu tun
gedenken, ist die Entsendung einer kleinen Arbeitsgruppe in die Büros der republikanischen Kabinettsmitglieder, die dann etwa folgendes sagen werden: "Wir
sind nicht hier, um Ihre Ministerien zu leiten. Wir wollen nur lernen und
fragen, was Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen in den nächsten vier Jahren tun würden, um Ihr Ministerium aktiver, effektiver und wirksamer zu machen. Wir hoffen,
daß Sie mit uns zusammenarbeiten werden". Und ich glaube, daß sie dies tun
werden. So bin ich bereits vorgegangen, als ich zum Gouverneur gewählt worden

�r

worden war, und es hat sehr gut geklappt.

Insbesondere möchte ich, daß die

wichtigsten Beamten mir beim Verständnis helfen, wie ihre Arbeit und der Einsatz ihrer Untergebenen effektiver gestaltet werden kann.
FRAGE: Was gedenken Sie hinsichtlich der Schaffung von guten Beziehungen
zu den führenden Vertretern beider Häuser des Kongresses zu tun?
ANTWORT:

Da ist bereits sehr viel getan worden.

Ich habe Ihnen hier

dargelegt, was ich hinsichtlich der Konsultationen mit dem Kongreß auf dem
Gebiet der Außenpolitik tun werde; und dasselbe gilt für das Gesundheits- und
Sozialwesen, für Steuern und Landwirtschaft.
FRAGE:

Würden Sie die Berater in Studiengruppen zusammenfassen?

ANTWORT:

Unbedingt, Leute von außen!

FRAGE: Sie haben gesagt, daß Ihr Weg zur Reorganisation der Regierung
darin bestehen wird, den Kongreß um exekutive Vollmacht zur Herbeiführung der
Veränderungen zu ersuchen und dem Kongreß ein späteres Veto-Recht einzuräumen.
Wann werden Sie den Kongreß um diese Vollmacht ersuchen?
ANTWORT: Sofort, damit wir mit dem Planen beginnen können. Ich möchte,
daß der Kongreß den Präsidenten anweist, die Exekutive zu reorganisieren, wobei dem Kongreß das spätere Recht des Vetos zu einzelnen Vorschlägen zustehen
soll. Das würde der ganzen Sache gewaltigen Auftrieb geben. Man könnte in
ein Ministerium gehen und sagen: "Das und das wollen wir tun. Das Gesetz
sagt, daß es getan werden muß, und ich bin der Präsident und ich führe die
Anweisungen des Kongresses aus und mein eigenes Versprechen an das amerikanische Volk."
FRAGE:

Wie ließe sich Ihr Weg mit der Hoover-Kommission vergleichen?

(Anm. der Redaktion:

Die Hoover-Kommission wurde im Jahre 1947 eingesetzt

und von dem früheren Prsäidenten Hoover geleitet.
- 5 -

Die überparteiliche Gruppe

�Gruppe untersuchte Wege zur Straffung der Regierung.

Der Kongreß hat später

einioe der vorgeschlagenen Reformen, darunter vor allem die Schaffung eines
Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen, verwirklicht.)
ANTWORT:

Es handelt sich um etwas ähnliches, aber ich werde sehr viel

stärker selbst engagiert sein.
FRAGE:

Wird Ihnen eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sehr

angesehen ist, helfend zur Seite stehen?
ANTWORT: Ich neige dazu, mehr als nur eine Person heranzuziehen. Ich
werde wahrscheinlich eine Arbeitsgruppe angesehener amerikanischer Bürger einsetzen - sechs bis zehn Leute, die sich hauptamtlich damit beschäftigen, und
ihre Dienste der Nation ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Das sind meine
derzeitigen Vorstellungen. Ich behalte mir das Recht vor, Änderungen (in den
Empfehlungen) vorzunehmen, aber ich möchte der Vorsitzende einer Gruppe sein;
es gilt daran zi: gehen, das weiterzuentwickeln. Es ist ein großes Unterfangen,
und wenn wir eine vom Kongreß und vom Präsidenten isolierte getrennte Kommission
hätten, dann würde ihr das von ihrer potentiellen Stärke, die sie haben muß,
nehmen.
FRAGE:

Wären Sie dann nicht gebunden, die Vorschläge der Kommission

auszuführen?
ANTWORT: Ja, ich wäre dafür verantwortlich. Als ich Gouverneur war,
erklärte ich einer Studiengruppe in Georgia, die sechs Monate lang hauptamtlich (mit der Reorganisation der Regierung) beschäftigt war und der insgesamt
etwa 120 Personen angehörten, daß sie sich keine Sorgen um die Politik machen
sollte. "Lassen Sie uns Empfehlungen ausarbeiten, die für unseren Staat das
Beste sind," so sagte ich. "Aber schwächen Sie keineswegs Ihre Empfehlungen
ab, weil Sie meinen, daß sie nicht durchführbar seien. Wenn wir Streit mit
der Legislative bekommen, dann werden wir uns direkt an die Bevölkerung wenden
und sie die Entscheidung treffen lassen." Und wir hatten in Georgia einen

�einen außerordentlichen Erfolg.

Wenn man das, was vorgeschlagen wird, ab-

schwächt oder sich aus Erwägungen politischer Zweckdienlichkeit dazu zögernd
und zaudernd verhält, dann nimmt man dem gesamten Prozeß viel von seiner
Stärke und Kraft.

Seine Einfachheit, seine Geschlossenheit und Vollständig-

keit, der offenkundige Vorteil der Veränderungen für die Nation - das sind
die Hauptanziehungspunkte, die man hat.

Wenn man die aus politischen Erwä-

gungen vorzeitig preisgibt, dann ist das, was man dem amerikanischen Volk
bietet, bei weitem nicht mehr so attraktiv.
FRAGE:

Werden Sie nach Ihrem Dafürhalten für Ihren Null-Haushaltsansatz

die Billigung des Kongresses brauchen?

(Nach genanntem System muß jede Re-

gierungsstelle beim Haushaltsansatz von Null ausgehen und jeden angeforderten
Cent begründen.)
ANTWORT:

Es ist nicht erforderlich, daß der Kongreß das Verfahren des

Präsidenten zur Ausarbeitung seines eigenen Haushalts billigt,

übrigens

nimmt die Neigung des Kongresses zu einerTechnik der BudgetaufStellung auf
der Nullbasis sehr rasch zu.

Auch das "Sunset-Law" gehört hierher, das ja

de facto dazu führt, daß jedes Programm alle fünf Jahre auf seine Wirksamkeit
überprüft wird.
FRAGE:

Wieviele von den hundert oder mehr Personen, die den Kern Ihrer

Administration bilden werden, haben Sie in Gedanken bereits ausgewählt?
ANTWORT:

Keine.

Ich habe das bewußt vermieden.

sicht gar nicht besonders scheu.

Ich bin in dieser Hin-

Es sind ungefähr 75 Personen, die ich selbst

auswählen werde, und unter diesen 75 Positionen habe ich noch keine einzige
Person für eine bestimmte Position festgelegt.

Ganz gewiß gibt es im Lande

eine Reihe von Leuten, die ich sehr ernsthaft auffordern würde, in die Regierung einzutreten, Gouverneure oder Bürgermeister oder vielleicht auch einige Kongreßmitglieder oder führende Persönlichkeiten der verschiedensten Berufsgruppen.
FRAGE:

�FRAGE:
schließen?
ANTWORT:

Wie lange wird es dauern, um diesen Prozeß einigermaßen abzuDie ersten dreißig Tage?
Das bezweifle ich.

Ich möchte doch sehr sorgsam und vorsich-

tig vorgehen5und im übrigen gibt es nichts, was einen künftigen Außenminister,
auch wenn er noch nicht offiziell nominiert wurde, hindern könnte, sich voll
und ganz an der Ausarbeitung einer künftigen Außenpolitik zu beteiligen. Die'
eigentliche Identifizierung eines Kabinettsmitglieds (nach außen) ist nicht
so wichtig wie die Tatsache, daß mir diese Person beim;Prozeß des Übergangs
hilft.

Ich fühle mich nicht unter Zeitdruck.

FRAGE:

Was hoffen Sie speziell in der Politik gegenüber Südafrika, dem

Nahen Osten und Asien zu erreichen?
ANTWORT: Lassen Sie mich mehr generell als speziell sprechen. Ich hoffe
nach besten Kräften eine Position zu schaffen, in der unser Land der Führer
der Welt ist - nicht auf der Basis militärischer Macht oder wirtschaftlichen
Drucks oder politischer Einflußnahme, sondern auf der Basis der Tatsache, daß
wir in Ordnung und anständig sind; daß wir jedem Land gegenüber, so gut wir
können, eine Position einnehmen, die dem entspricht, was das Beste für die Menschen ist, die dort leben. Ich trete nachdrücklich für eine Mehrheitsregierung
in Rhodesien und in Südafrika ein. Ich habe vor, die Welt das wissen zu lassen.
Zweitens, ich plane, diplomatische Vertreter zu ernennen, die ausgezeichnete Leistungen vorweisen können, und ich werde sie grundsätzlich auf der Basis
ihrer Fähigkeiten und nicht als Belohnung für politische Gunstbezeigungen ernennen. Das ist ein Versprechen, für das ich mein Ehrenwort gegeben habe, und
ich werde es halten.
Eine weitere Sache ist, die Entwicklungsländer als einzelne Länder und
nicht als Block zu behandeln.

Und das würde nicht nur für die Länder Afrikas,

sondern auch für jene in Lateinamerika und Osteuropa gelten.

Ich möchte nach

besten Kräften ein gutes Verhältnis auf den Gebieten des Handels, des Kulturaustauschs, des Studentenaustauschs, des Tourismus und der Auslandshilfe festi-

�festigen. Ich werde dabei mich selbst, die Mitglieder meines Kabinetts und
vielleicht gelegentlich Gouverneure (von Einzelstaaten) und Mitglieder meiner
eigenen Familie als Sonderbotschafter einsetzen, um, wie ich hoffe, eine "Weltordnung" zu erreichen statt Machtpolitik. Weltordnung heißt für mich, den
Frieden zu suchen.
FRAGE:

Das klingt ganz ähnlich wie die Politik Kissingers, nur unter an-

derem Namen?
ANTWORT: Ich habe keinen Aspekt von dem, was ich gesagt habe, gefunden,
der mit dem vereinbar wäre, was Kissinger gesagt hat,
FRAGE: Den Frieden dadurch zu erhalten, indem man anderen Ländern begreiflich macht, daß der Frieden in ihrem eigenen besten Interesse liegt - ist
das nicht in etwa das, was Kissinger sagt?
ANTWORT: Ich glaube, daß in Kissingers Außenpolitik eine Neigung liegt,
die Welt in zwei Machtblöcke aufzuteilen und die Länder beinahe zu zwingen,
Stellung zu beziehen: "Ich bin für die Vereinigten Staaten und gegen die Sowjetunion" oder "Ich bin für die Sowjetunion und gegen die Vereinigten Staaten".
Ich meine,damit nimmt man eine ständig spaltende Haltung in der Weltpolitik ein.
Ich will versuchen, von dieser Haltung wegzukommen und mit anderen Ländern auf
individueller Basis zu verkehren - nach der Überlegung, was für ihre eigene
Bevölkerung gut ist. Ich möchte sie nicht zwingen, zwischen uns (und der Sowjetunion) zu wählen, sondern sie sollen unser Land wählen, weil unser System am
besten funktioniert und weil ihr Handel mit uns und ihr offenes Gefühl für uns
in ihrem eigenen Interesse lägen/
FRAGE:

Sie werden mit ausländischen Staatsmännern in persönlichen Kon-

takt treten müssen?
ANTWORT:

Jawohl, ich werde das sofort tun, vor allem mit den Führern der

wichtigen Nationen.

Ich bin von vielen von ihnen eingeladen worden, entweder
- 9 -

�)

entweder in ihr Land zu kommen - oder sie zu einem Besuch hier zu empfangen.
Aber ich habe absichtlich bis nach den Wahlen gewartet*
das Beste.

Ich meine das war

Aber ich werde den Kontakt zur Sowjetunion, der Volksrepublik

China, den wichtigen europäischen Ländern und Kanada und Mexiko herstellen.
FRAGE:

Sie haben wiederholt gesagt, daß Sie in der ersten Woche im Amt

eine allgemeine Amnestie für Wehrdienstverweigerer im Vietnamkrieg verkünden
wollen.

Werden Sie dieses Versprechen einlösen?

ANTWORT:

Ich werde alle meine Versprechen einlösen»

FRAGE: Das wird vermutlich gleich nach Ihrer Amtsübernahme einen hohen
Vorrang haben?
ANTWORT:

Das ist richtig.
i

FRAGE: Manche Leute haben Ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß sie
in Ihrem politischen Denken einen Hang zur Gleichmacherei entdeckt hätten.
Wie stehen Sie zu der Frage der Gleichheit im Gegensatz zur Initiative des Einzelnen?
ANTWORT: Ich hege keine Neigung, eine homogene Gesellschaft herbeizuwünschen, in der jemand, der stark oder begabt oder hervorragend ist - oder
auch nur Glück hat - bestraft wird und seiner Existenz - ich meine jetzt seine
finanzielle Existenz - beraubt wird und diese unter jene verteilt wird, die
weniger hoch veranlagt sind. Ich möchte keine Steuersätze mit Strafcharakter
für die oberen Einkommen, aber ich werde weiterhin Mittel und Wege suchen, um
sicherzustellen, daß diejenigen, die unterprivilegiert sind, die chronisch arbeitslos sind, deren Familien unter früheren Diskriminierung zu leiden hatten,
in den Prozeß der Regierung und des privaten Lebens eingegliedert werden.
Ich glaube,diejenigen, die in der Regierung Entscheidungen treffen, und
diejenigen, die mit Einfluß gesegnet waren, sind wohl kaum jene gewesen, die zu
leiden hatten, wenn die Regierung einen Fehler gemacht hat. Ich möchte, daß
- 10 -

�daß wir davon abkommen, und ich glaube, die Mächtigen im Lande möchten das
auch.

Es muß nicht sein, daß die großen Gauner frei ausgehen - sie kommen

niemals ins Gefängnis - und daß der Durchschnittsamerikaner, der ein Gesetz
übertritt, sehr viel eher ins Gefängnis wandert.

Das ist nicht in Ordnung;

das ist nicht fair und das ist nicht anständig.
Es gibt noch immer unfaire Unterschiede. Es gibt sie noch immer im
Steuersystem. Es gibt sie noch immer bei den Berufschancen, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche. Selbst wenn der Kongreß ein Gesetz verabschiedet,
das ausdrücklich der Unterstützung der Armen dienen soll, dann gehen die aufgewandten Steuergelder oft eher an die wohlhabenderen Menschen, an die besser
organisierten, an jene, die sich besser vernehmlich machen können, die die
komplizierten Bestimmungen der Gesetze besser begreifen, die sich besser darauf
verstehen, Zuwendungen einzuheimsen. Ich möchte sicherstellen, daß dieser
Trend umgekehrt wird. Ich glaube, ich kann meine Anliegen dem amerikanischen
Volk mit Gesprächen am Kamin und ähnlichem durchaus nahebringen, und es wird
sicherlich eine breite Unterstützung für Veränderungen geben.

+ + + + +

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22/1976

NEUE US-NUKLEARPOLITIK VERLANGT KONZERTIERTE AKTION
Von Nick Harrison

- (AD) - Für die Durchführung der von Präsident Ford angekündigten
neuen Nuklearpolitik der Vereinigten Staaten sind besondere Maßnahmen und
Aktionsprogramme verschiedener staatlicher Stellen erforderlich:
Auf internationaler Ebene soll, so beschloß Präsident Ford, durch beschleunigt vorgetragene diplomatische Initiativen in Zusammenarbeit mit
nuklearen Liefer- und Käuferländern versucht werden, die Kontrolle der Technologie zu erreichen, die für die Abtrennung von Plutonium von nuklearen
Abbrandelementen notwendig ist.

Plutonium, das aus Reaktor-Abfallprodukten

mit chemischen Methoden einer mehreren Nationen zugänglichen Technologie
extrahiert werden kann, ist sowohl für weitere Energieproduktion als auch
für die Herstellung von Waffen verwendbar.
Für die Vereinigten Staaten selbst hat Präsident Ford die amerikanische
Politik hinsichtlich der Aufarbeitung von Kernbrennstoff zur Plutoniumgewinnung geändert und betont, die Gefahr einer weltweiten Verbreitung von Kernwaffen sei so groß geworden, daß ein mindestens dreijähriges Moratorium für
die technologische Weiterentwicklung erforderlich sei.
Mit der Durchführung des neuen Planes Präsident Fords für die Nuklear-

�8
Nuklearpolitik, der am 28. Oktober 1976 bekannt gegeben wurde, sind der
Außenminister und der Leiter der amerikanischen Behörde für Energieforschung
und Entwicklung (ERDA - U.S. Energy Research and Development hdministration)
beauftragt.

Jeder von ihnen hat dabei, ebenso wie der Präsident selbst, eine

besondere Rolle zu übernehmen.

Auch der amerikanische Kongreß, die Wirt-

schaft und Industrie der USA, internationale Kontrollbehörden und die Regierungen vieler anderer Länder sind eingeschaltet.
Der Leiter der ERDA hat die vordringlichste Aufgabe zu erfüllen - die
Revision der Politik und der Programme seiner Behörde, welche bisher auf der
Voraussetzung basierten, daß in den Vereinigten Staaten die Plutoniumaufbereitung auch weiterhin betrieben werde.

Die Behörde wird umgehend die Privat-

wirtschaft zur Ausweitung der Lagereinrichtungen für Abbrandelemente ermutigen,
die andernfalls zur Gewinnung von Plutonium aufbereitet worden wären.

Präsi-

dent Ford hat die ERDA angewiesen, bis 1978 Demonstrationsprogramme für alle
Phasen der nuklearen Entsorgungstechnik aufzustellen und bis 1985 eine Anlage
für die Endlagerung von kommerziellen hochaktiven Rückständen fertigzustellen.
m

Als Alternative zur Plutonium-Extraktion wird die ERDA die Möglichkeiten
einer Wiederverwendung von Kernbrennstoff für die Energieproduktion unter Verzicht auf die Abtrennung des Plutoniums vom Abbrandmaterial erforschen. Jedoch müssen nach Weisung Präsident Fords alle Verfahren, die in diesem Zusammenhang untersucht werden, mit internationalen Zielsetzungen vereinbar sein.
Wie der Präsident in seiner Erklärung zur Nuklearpolitik ausführte, könne
keine Nation, auch nicht die Vereinigten Staaten, wirklich hoffen, von sich
aus die Verbreitung der Aufbereitungstechnik und die hieraus resultierende
Verfügbarkeit von Plutonium wirksam unter Kontrolle zu bringen. Er appellierte
an alle Nationen, "maximale Zurückhaltung" in der Weitergabe der Technik der
Plutoniumgewinnung und von Ausrüstungen zur Abfall-Aufbereitung während der
Drei-Jahres-Frist zu üben, die die Vereinigten Staaten einhalten wollen.
Bei den Bemühungen auf diplomatischer Ebene zur Kontrolle einer Kernwaffen-Pro! iferation, gleichzeitig aber auch zur Deckung des Weltbedarfs an^
- 2 -

�an Kernenergie, kommt dem Außenminister eine wichtige Aufgabe zu.

Er lei-

tete bereits einen Konsultationsprozeß ein, bei dem die Länder, die Kernbrennstoff liefern, über die neue Politik informiert wurden, noch ehe die
Öffentlichkeit davon erfuhr.

Lieferländer werden auch künftig dringend er-

sucht, ihre Abnehmer mit Kernbrennstoff, nicht aber mit technischen Informationen und Ausrüstungen zu versorgen,

die zur Produktion von Waffen benutzt

werden könnten.
Der Außenminister wurde im Rahmen der Politik Präsident Fords ermächtigt,
weiterhin Verhandlungen und Konsultationen zu führen, um:
- die Möglichkeiten für koordinierte Anstrengungen mit dem Ziel zu sondieren, daß die Belieferung mit sicheren und wirtschaftlichen Kernbrennstoffen
weltweit gewährleistet wird;
- multinational kontrollierte Lagerzentren für überschüssiges Plutonium
aus nicht-militärischen Einrichtungen und für Reaktor-Abbrandelemente zu
schaffen;
- verbesserte technische Sicherheitsnormen für nukleare Anlagen zu entwickeln und anzuwenden;
- bestehende Abkommen mit den neuen amerikanischen Kriterien und etablierten internationalen Richtlinien in Einklang zu bringen.
- gemeinsam mit der Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde der USA
(NRC - Nuclear Regulatory Commission) darauf hinzuarbeiten, daß die Kontrollen
der Nicht-Weiterverbreitung im Zusammenhang mit Exportgenehmigungen noch stärker betont werden;
- andere Nationen zur Teilnahme an der Ausarbeitung eines Programms zur
Begutachtung von Aufbereitungsverfahren einzuladen.
Der
- 3 -

�f

I
Der Außenminister und der Leiter der ERDA wurden außerdem beauftragt,
gemeinsam mit anderen Nationen alles daran zu setzen, um dem Sicherheitsprogramm der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) mehr Gewicht zu
verschaffen.
(

Präsident Ford erklärte, er werde sich um die Zustimmung des amerikanischen Kongresses zu Gesetzen bemühen, die die Ausweitung der Kapazitäten
der Vereinigten Staaten für die Produktion von angereichertem Uran erlauben
und die Rolle des Landes als zuverlässiger Lieferant von Kernbrennstoff stärken.

Der Präsident ist auch dafür verantwortlich, daß auf Verletzungen von

Sicherheitsabkommen mit den USA als Partnerland entsprechend reagiert wird.
Zu der von Präsident Ford skizzierten umfassenden und vorausschauenden Politik
der Vereinigten Staaten in bezug auf nukleare Hilfsquellen gehören spezielle
Schritte seitens offizieller Vertreter der USA und anderer Nationen, damit
der Bedarf an Nuklearenergie weltweit gedeckt, gleichzeitig aber nicht unnötig die Proliferation von Kernwaffen riskiert wird.

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22/1976

ROSALYNN CARTER
Die künftige First Lady der USA

Die künftige First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika, Rosalynn
Smith Carter, wurde im Jahre 1927 als Tochter der Eheleute Allie Murray und
Edgar Smith in dem Landstä'dtchen Plains im Südwesten des Staates Georgia geboren.
Hier ging sie zur Schule - zusammen mit Jimmy Carter, ihrem späteren
Mann.

Sie besuchte anschließend das Georgia Southwestern College in Americus

im Staate Georgia, das sie 1946 mit dem Abschlußexamen verließ.

In diesem

Jahre beendete auch Jimmy Carter seine Ausbildung an der amerikanischen Marineakademie und heiratete im Sommer Rosalynn.
Die folgenden sieben Jahre, in denen Carter aktiv in der amerikanischen
Marine diente, führten das Paar weit in der Welt herum. In dieser Zeit wurden
ihnen drei Söhne geboren: Jack (1947), Chip (1950) und Jeff (1952). Ihr
viertes Kind, Tochter Amy, wurde 1967 geboren.
Im Jahre 1953 kehrten die Carters in ihre Heimatstadt Plains zurück und
eröffneten ein kleines Geschäft für Saatgut und Düngemittel.

Rosalynn führte

die Bücher, während ihr Mann das eigentliche Geschäft und die vom Vater über- 1 -

�übernommene Erdnußfarm leitete.

Es gelang den Carters,das Geschäft zu einem

ertragreichen Unternehmen auszubauen, das die Farmer des umliegenden Kreises
mit landwirtschaftlichem Bedarf belieferte.
Im Jahre 1962 wurde Jimmy Carter in den Senat des Staates Georgia gewählt, ein Amt, das er zwei Legislaturperioden hindurch bekleidete.
mit begann für Rosalynn der Eintritt in das politische Leben.

Und da-

Nach einer in-

tensiven Kampagne wurde Carter dann im Jahre 1970 zum Gouverneur des Staates
Georgia gewählt.

Mit der gleichen Energie und dem unermüdlichen Einsatz, mit

dem Jimmy Carter seine Wahlkampagne geführt hatte, war seine Frau auf der politischen Bühne für ihn eingetreten und hatte in der Zeit des Wahlkampfs überall im Staate Georgia für ihren Mann geworben.
Als Frau des Gouverneurs und First Lady des Staates Georgia setzte sich
Mrs. Carter mit großer Hingabe für die Sache der geistig Behinderten und
seelisch Kranken ein, ein Gebiet der Krankenfürsorge, für das sie schon immer
ein besonderes Interesse gehabt hatte.

Sie besuchte die entsprechenden Pflege-

einrichtungen und -anstalten des Staates Georgia und arbeitete eine Zeitlang
als Freiwillige im Bezirkskrankenhaus in Atlanta.
Außerdem übernahm sie den Ehrenvorsitz für das vom Staate Georgia für
die Sonder-Olympiade behinderter Kinder aufgestellte Team und begleitete dieses
zu den Spielen nach Kalifornien im Jahre 1972. Sie arbeitete auch im Ausschuß
des Gouverneurs für die Verbesserung der Betreuung der geistig Behinderten und
seelisch Kranken im Staate Georgia mit.
Ein vom Verkehrsministerium des Staates Georgia eingeführtes Programm
zur Verschönerung der Straßen fand in der Frau des Gouverneurs eine aktive
Fürsprecherin und energische Mitarbeiterin.
Als im Jahre 1975 die Amtszeit Carters als Gouverneur endete, zogen er
und seine Frau Rosalynn mit der siebenjährigen Tochter Amy zurück nach Plains.
Sie gehören hier der Baptistengemeinde von Plains an.
Am
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�i

Am 20. Januar begann Carter dann seine Kampagne um die Nominierung
zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten und die Wahl zum amerikanischen
Präsidenten mit der aktiven Mithilfe seiner Frau.

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AMERIKANISCHE BETEILIGUNG AUF DER KÖLNER INTERNATIONALEN HAUSRATSMESSE 1977

Ab Januar 1977 öffnet das neue U.S. International Marketing Center in
Köln seine Tore, um - unter anderem - in verstärktem Maße die Beteiligung
amerikanischer Hersteller an großen deutschen und anderen europäischen Messen
zu fördern.
Die erste Ausstellung, an der sich unter der Schirmherrschaft des U.S.
International Marketing Centers etwa 30 Firmen aus USA beteiligen, ist die
Internationale Hausratmesse in Köln vom 12. bis 14. Februar 1977.
Der amerikanische Gemeinschaftsstand bietet unter anderem Haushaltmaschinen und -gerate aller Art, Küchengeräte, die vornehmlich der Arbeitsersparnis dienen, Reinigungsgeräte und -materialien, Kleinmöbel und Korbwaren,
Schneidgeräte, Bestecke und Feinmetallwaren.

Darüber hinaus wird alles zu

sehen sein, was zu einer kultiviert gedeckten Tafel gehört; außerdem Geschenkartikel sowie diverse Gegenstände aus dem Bereich Kunst und Handwerk.
Wenngleich der amerikanische Marktanteil auf diesem Sektor in Deutschland bisher noch sehr gering ist, so rechnen sich die Hersteller dennoch gute
Absatzchancen für ihre Produkte aus.

In den 23,7 Millionen Haushalten der Bundes-

republik wurden 1975 rund 9 Milliarden DM für Hausrat ausgegeben; und dieser Markt

�Markt soll sich in den kommenden 3 Jahren jährlich zwischen 3 und 5 Prozent
steigern.
Weitere Informationen und komplette Programme über das Angebot des USGemeinschaftsstandes bis Januar 1977 noch durch:
US-Handelszentrum Frankfurt am Main
Bockenheimer Landstraße 2-4
6000 Frankfurt am Main
Tel.: 72 08 Ol
Ab Mitte Januar durch:
US-International Marketing Center
ABC-Haus
Bahnhofstraße 9-11
5000 Köln

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22/1976

DIE AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK: RÜCKBLICK UND VORAUSSCHAU
Von Botschafter Frederick B. Dent
Mit freundlicher Genehmigung von THE INTERNATIONAL ESSAYS FOR
BUSINESS DECISION
(c) 1976 The Annual International Trade Conference of the Southwest

Als Sonderbeauftragter des Präsidenten
für Zoll- und Handelsverhandlungen und
früherer Handelsminister der USA gehört
Botschafter Dent zu den führenden Gestaltern der amerikanischen Handelspolitik.
Vor seinem Eintritt in den Regierungsdienst hatte Dent, der in New Jersey geboren ist und an der Yale-Universität
studierte, leitende Positionen in der
Wirtschaft inne.

Eine 200-Jahr-Feier ist, wie jedes Jubiläum, der rechte Zeitpunkt zu
einer Überprüfung und - wie zu hoffen - zu einem erneuten Bekenntnis zur eigenen geschichtlichen Vergangenheit. Es ist aber zugleich auch der Zeitpunkt,
den Blick nach vorn zu richten und die Zukunft zu bedenken. Wenn wir in diesem
Jahr die Amerikanische Revolution feiern, so denken wir auch über die Veränderungen nach, die zwei Jahrhunderte der Erfahrungen uns gebracht haben,und wel- 1 -

�welches Rüstzeug uns diese Veränderungen für eine nur allzu ungewisse Zukunft
geben - mit anderen Worten,wir machen uns Gedanken über die amerikanische Revolution.
In keinem Bereich des wirtschaftlichen Lebens unserer Nation hat der Prozeß der Evolution eine größere Signifikanz gehabt als in der Bedeutung, die der
Außenhandel für uns einnahm.

Um seine Signifikanz in die richtige Perspektive

zu rücken, ist ein kurzer Blick auf den zurückliegenden Geschichtsverlauf von
Nutzen.

Der Handel war natürlich das Lebenselement, ja das Herzblut der Ameri-

kanischen Kolonien - wie es die Bostoner Tea Party so dramatisch bezeugte.

Die

schnellen amerikanischen Segler - die Yankee Clippers - waren in dem nachfolgenden dreiviertel Jahrhundert die Träger des amerikanischen Wohlstands.
Dann kam die große Wende zum Westen, der Vorstoß in ein Landgebiet von
kontinentalem Ausmaß und die Entdeckung und Erschließung unserer reichsten Lager
an Bodenschätzen.

Nachdem

die industrielle Revolution Amerikas den Bürger-

krieg und den Ersten Weltkrieg durchstanden hatte, wandte sich das Interesse in
unserem Lande ganz nach innen, und der legendäre "Yankee Trader" war zum "SmootHawley Protektionisten" geworden.

Das war der erste Wendepunkt für die amerika-

nische Handelspolitik.
Auf ihn folgte - wenn wir bei unserem kurzen Abriß der Entwicklungen bleiben - der zweite und fundamentale Wendepunkt in unserer nationalen Einstellung
zum Außenhandel. Mit dem Programm gegenseitiger HandelsVereinbarungen von 1934,
das in den Krisen und Wirren einer weltweiten Rezession als Gesetz verabschiedet
wurde, setzten wir den Kurs fest, auf dem wir im Verlauf eines knappen Jahrzehnts
zur mächtigsten Industrienation der Welt werden sollten - ein Kurs, der fest auf
eine noch größere Expansion und Liberalisierung des Welthandels ausgerichtet war.
Meine These ist, daß wir diesen Kurs im Verlauf der letzten 42 Jahre - das
heißt in einem Zeitraum, der mehr als ein Fünftel unserer gesamten Geschichte
als Nation ausmacht, im Grunde nicht geändert haben. Wir haben Rezessionen, den
Zweiten Weltkrieg und verschiedene regionale Kriege durchgestanden, wir haben die

�»

die umwälzendsten Veränderungen dramatischster Art in der Wissenschaft und
der Weltpolitik erlebt und wir haben in sechs großen multilateralen Handelsverhandlungen nach dem Zweiten Weltkrieg an einer Handelspolitik festgehalten,
die einen gewaltigen Beitrag nicht nur zu unserem eigenen wirtschaftlichen
Wachstum und unserer Wirtschaftsstärke

geleistet

hat, sondern auch zu der der

Staaten in Westeuropa, zu der Kanadas und Japans und - wenn auch in geringerem
Maße - zu der der Entwicklungsländer in Lateinamerika, Asien und Afrika.
Jetzt sind wir auf dem Weg, die fraglos zweitschlimmste weltweite Rezession in der Geschichte zu überwinden, die für die Staaten nicht nur hohe
Arbeitslosenziffern und Marktschrumpfungen brachte, sondern auch eine Verfünffachung der Energiekosten, durch die eine verheerende Inflation angefacht wurde.
Und was bekommen wir jetzt über einen freieren Handel zu hören? Was hält
die Welt von den hochherzigen Prinzipien der Deklaration von Tokio des Jahres
1973, die unsere derzeitige siebente Runde der multilateralen Handelsgespräche
in Gang setzte - Prinzipien, die erneut bekräftigt und beteuert wurden in der
Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), auf
dem Wirtschaftsgipfel der Industrienationen in Rambouillet und im Neunziger-Ausschuß für Handelsverhandlungen der Tokio-Runde in Genf?
Wir hören, daß die Welt, geführt von den Vereinigten Staaten, im Begriff
stehe, zu dem alten, nur das Eigeninteresse

berücksichtigenden Handelsprotek-

tionismus der zwanziger und dreißiger Jahre zurückzukehren, der nach Ansicht
vieler Fachleute und Historiker wesentlich zur Großen Depression und zum Zweiten
Weltkrieg beigetragen hat, wenn nicht sogar die eigentliche Ursache war.
Wenn diese Behauptungen auch glücklicherweise nicht den Tatsachen entsprechen, so bleibt doch die sehr ernsthafte Frage, warum sie in der Welt gerne
geglaubt und als gültig akzeptiert werden.

Warum hat sich ein solcher Pessi-

mismus ausgebreitet? Wo liegen seine Wurzeln?
Man
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�A

Man muß offen zugeben, daß es vielfache Ursachen dafür gibt.

Niemand

kann die Tatsache leugnen, daß sich beinahe jeder Staat in der Welt auf Grund
der internationalen Rezession einem wachsenden protektionistischen Druck ausgesetzt sieht.

Es ist auch richtig, daß die Handelsverhandlungen der Tokio-Runde

in Genf keinen dramatischen Fortschritt erbracht haben und daß sie nicht - wie
ursprünglich vorgesehen - Ende 1975 erfolgreich abgeschlossen werden konnten.
Von einigen Ländern wurden außerdem im Verlauf der letzten 12 bis 18 Monate Maß
nahmen auf dem Gebiet des Handels getroffen, die weitaus restriktiver sind, als
man es sich hätte wünschen können.
Da sich die Kritik vor allem gegen die Vereinigten Staaten richtet, ist
es wichtig,hier nach der Antwort zu suchen.
Eine Hauptursache für das Befremden und die Besoronis liegt in dem völlig
falschen Verständnis des Handelsgesetzes von 1974, das doch die wesentliche
Basis für unsere Teilnahme an der Tokio-Runde und die Verhandlungen selbst bietet.
Die Schwierigkeit ist, daß dieses Handelsgesetz allzu vielen Leuten immer
gerade als das erscheint, was es ihrem Wunsch nach sein sollte oder wofür sie
es jeweils aus ihrer spezifischen Sicht halten.
Die durch dieses Gesetz der Exekutive erteilte Vollmacht für Verhandlungen ist so groß wie noch nie in der amerikanischen Geschichte und durchaus beeindruckend. Es ist jedoch keineswegs so etwas wie eine Lizenz für freie Jagd,
mit der man automatisch alle noch verbliebenen tarifären und m'chttarifären
Handelsschranken, die auf der Welt und im eigenen Land existieren, abschließen
könnte.
Es ist bezeichnend, daß eines der Hauptanliegen dieses Gesetzes in der
Behebung von Mißständen und der Behandlung von Beschwerden auf dem Gebiet des
Binnenhandels liegt - wozu auch die Liberalisierung der Anwendungsweisen der
sogenannten "Ausweichklausel" zur Importentlastung gehört; ferner die Festset- 4 -

�Festsetzung kürzerer Fristen für die Behandlung von Beschwerden auf dem Gebiet
des Binnenhandels durch die Exekutive sowie die Aufstellung des Begriffs der
"Vernünftigkeit" und Fairness und der Auswirkungen und Legalität der Außenhandel spraktiken.

All dies aber reicht nicht aus, um eine Kritik dieses Gesetzes

als "protektionistisch" zu rechtfertigen.
Will man also die wahre Bedeutung des Handelsgesetzes verstehen, so
ist es nützlich, sich eine Reihe historischer Fakten vor Augen zu führen.
Einmal hat sich in unserem Lande seit vielen Jahren immer mehr die übereinstimmende Meinung herausgebildet, daß alle unsere internationalen Verhandlungen, wozu auch die Verhandlungen auf dem Gebiet des Außenhandels gehören,
weitaus mehr von

Erwägungen der Außenpolitik als von unseren innenpolitischen,

vor allem auch unsere"! nationalökonomischen Interessen bestimmt gewesen seien.
Was nun die Handelspolitik anbetrifft, so spezifiziert sich hier die allgemeine Überzeugung dahingehend, daß wir die legitimen Beschwerden unserer eigenen Industrie und Arbeiterschaft in bezug auf den Handel nicht angemessen
berücksichtigt hätten,als die traditionelle Hürde der Einfuhrzölle wesentlich
gesenkt wurde, nur um durch üppig ins Kraut schießende sogenannte nichtzollursächliche Handelsschranken ersetzt zu werden, zu denen auch so schwer zu
identifizierende und in den Griff zu bekommende Praktiken gehören

wie Re-

gierungsinterventionen in Form von Importquoten, Beschaffungspraktiken, Exportsubventionen, variable Importsteuern, Präferenzen bei Zoll- und Exportkontrollen.
Diese allgemeine Ansicht entwickelte sich unabhängig von dem Platz, den
Amerikas Exporte im internationalen Handel einnahmen,oder der Tatsache, daß
Amerika in fast allen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wachsende und beständige Handelsüberschüsse erzielte.

Die Wiedererstarkung anderer Industrienationen,

ihre wachsende Konkurrenzfähigkeit auf den amerikanischen Exportmärkten und
schließlich die zunehmende Schwäche des amerikanischen Dollar auf den internationalen Devisenmärkten bestärkte und verschärfte diese Auffassung in unserem
Lande.
Sieht
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�Sieht man sie im Zusammenhang mit dem ölembargo und der daraus resultierenden weltweiten Rezession,dann sind diese Züge von Eigeninteresse in unserem Handelsgesetz eigentlich weit weniger überraschend als die Tatsache,
daß die nun wahrhaft protektionistische Burk-Hartke-Gesetzesvorlage in vier
Sitzungsperioden des Kongresses scheiterte.
Es ist nun eben einmal eine Tatsache, daß die Vereinigten Staaten, was
den Außenhandel anbetrifft, nicht in die Vorkriegsmentalität zurückgefallen
sind, genauso wenig wie unsere tragische Erfahrung in Vietnam uns dazu bewogen hat, für einen politischen und diplomatischen Isolationismus zu stimmen.
In einfachen Worten gesagt, jetzt, da wir die Niederlage verspürt haben,
sind wir uns der Tatsache bewußt geworden, daß andere imstande sind zu siegen
- oder in der Sprache des Außenhandels ausgedrückt: daß wir anderen industriell
entwickelten Nationen nicht länger helfen müssen, das Ziel eines Konkurrenzvorteils zu erreichen.

Die meisten von ihnen sind an diesem Ziel längst ange-

kommen .
Das bedeutet nicht, daß wir als Handelsnation unsererseits die Konkurrenzfähigkeit verloren hätten.

Ganz im Gegenteil, seit wir 1971 den Dollar abge-

wertet haben, sind wir auf dem Weltmarkt wieder mit ganz erheblicher Vehemenz
in Erscheinung getreten, wie es der Handelsüberschuß des letzten Jahres in Rekordhöhe von 3,8 Milliarden Dollar beweist.
Wie hat sich nun vor diesem Hintergrund gesehen die amerikanische Handelspolitik seit der Verabschiedung der Handelsgesetze entwickelt?
Hier wäre als erstes Element der vermehrte Anteil des privaten Sektors
und die Beteiligung des Kongresses an der Formulierung der amerikanischen Handelspolitik und den Verhandlungspositionen bei multilateralen Verhandlungen
hervorzuheben.
Dies

�Dies, wie die liberalisierten Verfahren für die Behandlung von Beschwerden des Binnenhandels, wurde bewußt in das Gesetz als Moment des Ausgleichs
und Gegengewichts im besten Sinne der amerikanischen Tradition eingearbeitet.
Allzuoft vergessen wir, daß Artikel II der Verfassung der Exekutive die Führung
der Außenpolitik überträgt, die Regelung des Außenhandels aber der Legislative
vorbehält.
Seitdem im Jahre 1934 die ersten Handelsvereinbarungen Gesetz wurden,
hat der Kongreß die Vollmacht zur Aushandlung internationaler Handelsabkommen
an die Exekutive delegiert. In dem Gesetz von 1974 gewährte der Kongreß eine
größere Vollmacht als je zuvor, schrieb aber in diesem gleichen Gesetz auch
spezifische und klar definierte größere Rollen sowohl für den Kongreß als auch
für den privaten Sektor - für Industrie, Landwirtschaft, Arbeitnehmer, Einzelhandel, Dienstleistung und Gewerbe und Verbraucher - bei der Formulierung und
Billigung der Durchführung dieser Vollmacht vor.
Zehn designierte Kongreßvertreter aus dem Finanzausschuß des Senats und
dem Ha'jshaltsausschuß des Repräsentantenhauses sowie ein Stab von Beratern
und 882 Männer und Frauen, die als private Bürger in 45 Beratergruppen sitzen,
repräsentieren das erwähnte breite Spektrum,und sie alle haben jetzt eine festumrissene Rolle bei der Entwicklung der amerikanischen Handelspolitik und der
Verhandlungspositionen gemäß dem neuen Handelsgesetz.
Das sind einige der Elemente, die die Öffentlichkeit gerne übersieht
oder mißversteht, wenn sie im Jahr des 200jährigen Bestehens der USA die amerikanische Außenhandelspolitik beurteilt.
Unsere Handelspolitik hat sich nicht geändert: ihre Gestaltung und Durchführung hat sich aus einer Sache der einsamen Beschlüsse einiger weniger Fachleute zu einer öffentlichen Angelegenheit entwickelt.
Das läßt noch immer die Frage offen: Ist Amerika protektionistisch geworden?
Um
- 7 -

�•

Um diese Frage zu beantworten, sollten wir einmal die Tatsachen überprüfen.

Bei den über 100 Beschwerde-Petionen, die im Rahmen des Handelsge-

setzes eingereicht wurden, um Schutz vor Importen zu erhalten oder unfaire
oder ungesetztliche Außenhandelspraktiken abzuwehren, ist folgender Stand zu
berichten:
Abgeschlossen sind 51 Fälle.

Von diesen haben acht zur Einführung von

Einfuhrbeschränkungen geführt - fünf zu Ausgleichszöllen und zwei zu Strafen
wegen Dumping; 45 Fälle wurden ohne restriktive Maßnahmen abgeschlossen.

Rund

50 Fälle sind noch anhängig; bei elf davon liegen positive Beweise vor, es
wird jedoch noch mit den entsprechenden Handelspartnern verhandelt.

Die üb-

rigen Fälle sind noch nicht in das Entscheidungsstadium eingetreten.
Selbst wenn man davon ausgeht, daß es bei den acht Fällen, über die noch
international verhandelt wird, zu Importrestriktionen kommen sollte, so bedeutet
das immer noch, daß bei weniger als zwei von zehn solcher Beschwerden restriktive Maßnahmen ergriffen werden

und daß in über der Hälfte dieser Fälle mit

unseren Handelspartnern darüber verhandelt wird.
Diese Fälle werden im Rahmen eines komplizierten interministeriellen
Verfahrens geprüft - wobei oft bis zu elf Ministerien und Bundesbehörden beteiligt sind - bis das Kabinett dem Präsidenten die entsprechenden Empfehlungen
unterbreitet. Bei der Gestaltung unserer Außenhandelspolitik kommen also alle
relevanten Faktoren zum Tragen,und alle Beteiligten - Unternehmer, Arbeitnehmer
und Verbraucher - werden gehört.
Unsere größten Hoffnungen setzen wir auf die multilateralen Handelsverhandlungen in Genf, wenn es gilt,langfristige Lösungen für derzeitige Probleme
des Managements des Handels zu finden und zu einer dauerhaften Verbesserung des
internationalen Handelssystems zu gelangen - zu einem Handelssystem, das mit
dem wachsenden Umfang des Welthandelsvolumens mit möglichst wenig Einschränkungen fertig werden kann.
Amerika
- 8 -

�Amerika selbst hat ein wachsendes Interesse an diesem Handel, der an
diesem jüngsten Wendepunkt unserer Geschichte als Handelsnation zum bedeutsamsten Faktor werden konnte.

Obwohl wir dem Volumen nach schon lange die

größte Handelsnation der Welt sind, so wird der Handel heute immer mehr zu
einer lebenswichtigen Angelegenheit für die amerikanische Wirtschaft.

Nicht

nur unsere Exporte haben sich in den letzten Jahren auf einen Stand von 100
Milliarden Dollar verdoppelt, auch der Anteil dieses Handels am Bruttosozialprodukt hat sich von 4 Prozent auf 8 Prozent verdoppelt. Und was noch wichtiger
ist, rund 16 Prozent unserer Gesamtproduktion fließen in den internationalen
Handel - ein Prozentsatz,wie er für die Weltproduktion insgesamt zutrifft.
Einfuhren von kritischen Rohstoffen gewinnen immer mehr Bedeutung für unsere
Stärke und Sicherheit im eigenen Lande.
Wenn wir auf das vor uns liegende dritte Jahrhundert unserer Geschichte
blicken, dann sehen wir Amerika als ein Land, das sich keineswegs vom internationalen Wettbewerb weg nach innen wendet, sondern das eine immer wichtigere
Führungsrolle im internationalen Handel spielen wird. Wir laden unsere Handelspartner ein, sich zusammen mit uns an die oft langsame und mühselige, aber
lebenswichtige Aufgabe zu machen, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen
sich alle Nationen der wichtigen Vorzüge eines freieren und faireren internationalen Handels erfreuen können.

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US-WISSENSCHAFTLER WOLLEN VERANTWORTUNGSBEWUSSTE FORSCHUNG
Selbstbeschränkung und Kontrolle bei genetischen Experimenten
Straffung internationaler Programme für künftige Nahrungs-,
Wasser- und Energieversorgung

- (AD) - Eine Kommission zur Überwachung und Gewährleistung von Sicherheitsmaßnahmen bei Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Gen-"Transplantation"
und Neukombination von Genen aus DNS-Molekülen, die von Organismen nicht-verwandter Art stammen, hat Anfang Oktober 1976 die amerikanische Stanford-Universität (Kalifornien) eingesetzt.
senschaftler der Fachrichtungen

Dem 12köpfigen Gremium gehören sechs Wis-

Biochemie, Pharmakologie, Medizin und Patholo-

gie an, von denen jedoch nur drei an Projekten der Gen-Kombination arbeiten.
Weitere Mitglieder sind ein Ingenieur als Spezialist für den Bau und Betrieb
sicherer Forschungseinrichtungen, ein Jurist, ein Theologe sowie je ein Vertreter der Universitätsverwaltung, der Öffentlichkeit und der Studentenschaft.
Den Vorsitz führt Dr. Allan M. Campbell (47), Professor der Mikrobiologie und
Genetik; er befaßt sich allerdings nicht mit Gen-Transplantation.
Das Verfahren der DNS-Rekombination, das es ermöglicht, gezielt Gene
aus dem Erbmaterial eines Organismus zu entnehmen und sie in Chromosomen eines
anderen Organismus einzubauen, ist in der Genetik umstritten.

-l -

Meist werden

�t

werden Bakterien als Empfänger-Organismen verwendet, um die Organisation komplexer Chromosomen zu studieren.

Die Forschung könnte auf diese Weise Mög-

lichkeiten schaffen, um beispielsweise durch das Einfügen bestimmter Gene in
die DNS leicht zu züchtender Bakterien

regelrechte "Bakterienfabriken" aufzu-

bauen, die medizinische Substanzen wie Insulin, Hormone oder Antibiotika synthetisieren.

Diese Technik könnte auch, wie ihre Befürworter sagen, z.B. für die

Landwirtschaft Bedeutung gewinnen, wenn sich auf Nutzpflanzen das Gen übertragen ließe, das Bakterien die Fähigkeit gibt, Stickstoff zu binden.

Ein Erfolg

würde die weltweite Abhängigkeit von Düngemitteln erheblich verringern.

Auch

wäre es denkbar, Mikroorganismen in großen Massen zu züchten, die Nahrungseiweiß
und andere wirtschaftlich wichtige Naturprodukte synthetisieren.
Von Anfang an waren sich die Wissenschaftler im klaren, daß bei derartigen Experimenten auch biologisch gefährliche Gen-Kombinationen zustande kommen können.

Deshalb beschlossen die Teilnehmer einer Konferenz amerikanischer

Mikrobiologen in Asiiomar (Kalifornien) im Jahr 1974, bestimmte Experimente vorläufig auszusetzen, bis bindende Sicherheitsrichtlinien vorlägen.

Diese wurden

inzwischen von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National
Institutes of Health) ausgearbeitet und im Juni 1976 veröffentlicht.
Schweden hat sie bereits übernommen. In der Sowjetunion werden sie ebenfalls anerkannt und wie amtliche Richtlinien gewertet. Dies gab anläßlich der
16. ICSU-Generalversammlung in Washington (11. - 17. Oktober 1976) Dr. W. J.
Whelan von der Universität Miami bekannt. Im ICSU (International Council of
Scientific Unions) sind 41 nichtpolitische Organisationen der Welt zusammengeschlossen, darunter 17 internationale wissenschaftliche Vereinigungen (z.B. für
Geophysik, Geodäsie, Biologie, Biophysik, Weltraumforschung), neun wissenschaftliche Komitees, Kommissionen etc., die etwa 700 000 Wissenschaftler repräsentieren. Auch die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) ist
dem ICSU angeschlossen.
Auf der Konferenz von Washington, an der 500 Wissenschaftler aus 45 Ländern teilnahmen, standen sowohl reine Fachthemen als auch Fragen zu Diskussion,

�Diskussion, die beispielsweise der Rolle von Wissenschaft und Technik in
der wirtschaftlichen Entwicklung von Nationen und der Sicherung eines lebenswerten Lebens künftiger Generationen galten.
fordert:

U.a. wurden behandelt oder ge-

Überprüfung der weltweiten Wetterforschungsprogramme, gemeinsame

Forschungsanstrengungen zur Steigerung der Nahrungsmittel Versorgung der Menschheit, Verwertung der Erkenntnisse aus der 10-Jahres-Studie des ICSU zu den
Wasserreserven der Erde, Schaffung eines internationalen Programms zur Planetenforschung und Erderkundung, und Bildung eines neuen internationalen Komitees,
das genetische Forschungsexperimente überwacht.

Das mit einem Jahresetat von

172 000 Dollar auszustattende COGENE (Committee on Genetic Experimentation)
gibt dem ICSU die Möglichkeit, sowohl als internationales Clearing-House für
Informationen und Ausbildung in der genetischen Forschung tätig zu sein, gleichzeitig aber auch beratende und kontrollierende Funktionen auszuüben.
Eine Anzahl europäischer Länder, darunter die Bundesrepublik und Japan
haben inzwischen auf der Grundlage der amerikanischen Richtlinien eigene Sicherheitsvorkehrungen getroffen bzw. vorbereitet.

Zu ihnen gehören beispielsweise

spezielle bauliche Maßnahmen und Experimentiereinrichtungen sowie streng gehandhabte Versuchsprotokolle ähnlich jenen, die in der medizinischen Forschung
beim Umgang mit gefährlichen Viren oder Mikroorganismen geführt werden müssen.

- 3 -

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22/1976

GASISOLIERTE HÖCHSTSPANNUNGSLEITUNG

- (AD) - Ein mit fast 1 000 000 Dollar dotierter Entwicklungsauftrag
für Instrumente zur Überwachung und Steuerung des Stromflusses in gasisolierten Höchstspannungsleitungen von 1200 Kilovolt wurde von der US-Behörde für
Energieforschung und Entwicklung (ERDA) an die General Electric Co. in
Schenectady (New York) vergeben.

Die Instrumente sollen bereits serienmäßig

gebaut werden, wenn der in großen Kraftwerksblöcken produzierte Strom über
Höchstspannungsleitungen verteilt und zu den Verbrauchszentren transportiert
werden muß.
Systeme mit sehr hoher Spannung haben beim Stromtransport nicht nur
geringere Energieverluste, sondern sie sind auch in bezug auf Materialien
und Platzbedarf für die Installation der Leitungen rentabler.

Zahlreiche

amerikanische Fachleute sind der Ansicht, daß sich gasisolierte Kabel besonders gut für den unterirdischen Stromtransport unter Höchstspannung (1200 kV)
eignen.

Dazu sind jedoch Instrumente für die kontinuierliche Überwachung und

rasche Lokalisierung von Störpunkten unerläßlich.

+ + + ++

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22/1976

BATTERIEN MIT HÖHERER LEISTUNG
Neuartiges Elektrodenmaterial - Interessant für Industrie, Wirtschaft
und militärische Zwecke - Vorteile für die Raumfahrt

- (AD) - Eine völlig neue Gruppe von Hochleistungsbatterien - sie speichern, gemessen an Größe und Gewicht, bis zu 20 mal mehr Energie als die heute
üblichen Autobatterien - wird z. Zt. am Lawrence-Livermore-Laboratorium der
Universität Kalifornien untersucht.

Bei ihnen werden Materialien verwendet,

die normalerweise heftig miteinander reagieren, nämlich Lithium und ein wäßriger Elektrolyt.
Die "Bändigung" dieser Chemikalien geht auf eine Entdeckung von Ingenieuren der Raumfahrtabteilung der Fa. Lockheed vom Jahr 1969 zurück: Wenn
ein elektrischer Strom durch die Grenzzone zwischen Lithium und der wäßrigen
Lösung geschickt wird, bildet sich eine chemische Schutzschicht, die unerwünschte Reaktionen zwischen beiden Komponenten verhindert. Die daraufhin angestellten Untersuchungen und Berechnungen ergaben, daß derartige Batterien
z.B. für den Kraftfahrzeugantrieb (kleine und mittelgroße Wagen) geeignet
wären. Unter der Leitung des Physikchemikers Dr. John F. Cooper werden gegenwärtig die speziellen Merkmale von Batterien auf Lithium-Basis untersucht.
Vor allem interessiert die Schutzschicht, die vermutlich aus Lithiumhydroxid
besteht.

Außerdem

�Außerdem soll herausgefunden werden, ob sich auch Metalle wie Kalzium,
Magnesium, Aluminium, Natrium und deren Legierungen für Batterien eignen würden.

Dabei handelt es sich um sog. Primärelemente, bei denen die Elektroden

durch den Betrieb verbraucht werden und, da sie nicht wieder aufgeladen werden
können, durch neue ersetzt werden müssen.

Die US-Behörde für Energieforschung

und Entwicklung (ERDA) prüft z. Zt. die Möglichkeiten für eine Beteiligung der
Industrie an dem Projekt.

Sekundärelemente
Wiederaufladbar ist dagegen die Lithium-Schwefel-Batterie, die am Argonne
National Laboratory, einer direkt der ERDA unterstellten Institution, entwickelt
worden ist. Sie arbeitet mit Elektroden aus einer Lithiumlegierung und einem
Metallsulfid.

In einer Marktstudie will die ERDA jetzt die Anwendungsmöglich-

keiten für diesen Batterietyp, der sowohl für den Umweltschutz als auch für
die Verminderung der Abhängigkeit von Erdöl und Mineralöl Produkten Bedeutung
hätte, in Industrie und Bergbau, bei Kraftfahrzeugen und Flugzeugen und auf dem
militärischen Sektor ermitteln lassen.

Produzenten "herkömmlicher" Batterien

beteiligen sich an dieser Untersuchung.
Gemeinsam mit der Industrie beabsichtigen Ingenieure des Argonne-Instituts
bis Anfang 1979 ein mit ihren neuen Batterien betriebenes Versuchsauto zu entwickeln, das im Stadtverkehr mit häufigem Anfahren und Halten 160 km Reichweite,
im außerstädtischen Verkehr 240 km Reichweite haben und eine Fahrgeschwindigkeit
von 80 - 90 km/st erreichen soll. Die Batterie kann über Nacht mit gewöhnlichem
Haushaltsstrom neu aufgeladen werden. Das Versuchsfahrzeug, ein Vorläufer von
serienmäßigen Klein- und Kompaktwagen mit Elektroantrieb, wird ca. 1135 kg
wiegen; davon entfallen 363 kg auf die Batterien. Durch weitere technische Verbesserungen könnte bis 1985 das Batteriegewicht auf 250 kg weiter reduziert
werden. Im Vergleich dazu wäre für den Elektroantrieb bei gleicher Leistung
unter Verwendung der heuteüblichen Bleiplatten-Säure-Batterien eine Akku-Aus-

�Akku-Ausrüstung im Gewicht von 1180 kg erforderlich.

Speicher für Kraftstrom
Die Lithium-Schwefel-Batterien könnten sogar für Kraftwerke interessant
werden. Sammelbatterien, aus Tausenden von Einheiten aufgebaut, könnten in
Zeiten geringer Inanspruchnahme des Netzstromes geladen werden und bei Spitzenbelastung ihre Energie wieder abgeben.
Auf diese Weise würde der Einsatz zusätzlicher Turbinen zur Bedarfsdeckung in Spitzenbelastungszeiten überflüssig;
außerdem könnten die Generatoren im Dauerbetrieb auf ihrer günstigen Leistungsstufe gehalten werden. Wenn man die Batterien in der Nähe der Bedarfszentren
stationierte, verringerten sich auch die Kosten für den Energietransport.
ERDA und das Industrie-Forschungszentrum für Kraftstrom (EPRI) fördern
z. Zt. ein Entwicklungsprogramm der Fa. Rockwell (Canoga Park, Kalifornien)
für Batterien mit hoher Speicherkapazität.
für 300 Wattstunden erprobt.
System weiter ausbaufähig ist.

Gegenwärtig werden Kompaktzellen

Die bisherigen Versuche haben gezeigt, daß das
Im Jahr 1982 soll ein auf fünf Megawattstunden

ausgelegtes System im Verbundnetz erprobt werden.

Trockenzellen für Raumfahrtgeräte
Statt mit den bisher üblichen Nickel-Cadmium-Elektroden werden die
Batterien eines neuen Versuchssatelliten der US-Marine mit Nickel-WasserstoffElektroden arbeiten. Diese neuartigen Batterien sind nach fünfjähriger Entwicklungszeit jetzt für die Raumfahrt anwendungsreif geworden. Sie haben eine
Lebensdauer von mehr als 10 Jahren, während Nickel-Cadmium-Batterien als Quelle
für Betriebsstrom während des Fluges im Erdschatten, d.h. in den Perioden, in
denen die Solarzellen keinen Strom produzieren können, nur 4 bis 7 Jahre voll
funktionsfähig bleiben.

An
- 3 -

~~

�An dem Navigations-Testsatelliten NTS-2, der von der US-Marine im März
1977 in eine kreisförmige Umlaufbahn in 20 100 km Höhe (12 Stunden Umlaufzeit)
eingeschossen werden soll, will man auch leistungsfähigere Sonnenzellen erproben.

Das Gerät hat außerdem zwei Quarzuhren und zwei Cäsium-Atomuhren an

Bord, die auf ihre Eignung als Signalgeber zur exakten Zeit- und Positionsbestimmung getestet werden sollen.
stoff-Maser.

Noch 10 bis 100 mal genauer wären Wasser-

Im Auftrag des Marine-Forschungsamtes der USA wird an der Mini-

aturisierung solcher Systeme gearbeitet; in der gegenwärtig vorliegenden Ausführung sind sie zu groß, um in einem Raumfahrtgerät untergebracht werden zu
können.
Die Nickel-Wasserstoff-Zellen, eine Entwicklung der C0MSAT Laboratorien,
können 4 bis 8 mal größer als die bisher üblichen Ni-Cadmium-Trockenzeller
wieder aufgeladen werden.

Sie haben eine wesentlich höhere Energiedichte und

zeigen - über die Messung des Wasserstoffdruckes - den Grad der Batterieladung
direkt an.

Einem möglichen Nachteil, nämlich dem Aussickern von Wasserstoff,

versuchen die Wissenschaftler der COMSAT-Laboratorien zu begegnen, indem anstelle von Wasserstoff eine chemische Verbindung in der Form eines Hydrids
als sichere*Wasserstoffträger benutzt wird.

- 4 -

�</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Keine Entschuldigung für Menschenrechtsverletzungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Text der Menschenrechtserklärung des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte stehen im Mittelpunkt der US-Außenpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem neuernannten US-Unterstaatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, Elliot Abrams -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumtransporter: Ideale Messplattform im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wissenschaftliches Programm beim zweiten COLUMBIA-Flug ein beachtlicher Erfolg -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7-oN

1 6 . Dezember 1987

44

I N H A L T
DOKUMENTATION
Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden
- Gemeinsame AbSchlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reagan: 'Fortschritte* bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt
- Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des
Gipfeltreffens Enge Konsultationen mit den Europäern über INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag
- Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technische Vorvereinbarungen über Raumstation
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST y
VON

*

Dokumentation
16.

44

. '87

VERHANDLUNGEN ÜBER STRATEGISCHE WAFFEN SOLLEN INTENSIVIERT WERDEN
Gemeinsame ^bsch'ußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow -

WASHINGTON - (AD) Präsident Reagan und Generalsekretär Gc
Ihr Washingtoner Gipfeltreffen mit einem Appell an ihre unterhandlet in Genf
abgeschlossen, die Arbeiten an einem Vertrag zur 50prozentige i Reduzierung
strategischer Raketen "zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen, am best-n
zeitig genug, um den Vertrag in der ersten Hälfte des Jahres 198(3 "u unt\e\zeichnen".
lachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Schlußerklärung

Der
Präsident
der
Vereinigten
Staa'-.en
von
Amerika,
Ronald
w.
Reagan, und der Generalsekretär des
Zentralkomitees
der
Kommunistischen
Partei der Sowjetunion, Michail S.
Gorbatschow, haben sich vom 7. bis
10. Dezember 1987 in Washington getroffen.
Teilnehmer an diesem Treffen waren auf amerikanischer Seite Vizepräsident George Bush; Außenminister
George
P. Shultz; Verteidigungsminister Frank c. carlucci; Stabschef
Howard H. Baker; Präsidentenberater

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in fori lau :

General Colin L. Powell; d-sr E i
des
Außenminist&lt;:. riums ,
Bouschaf t*.-1
Max M. Kampelman,- der Botschafter Z'.r
besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in
Riistungskontrollf ragen,
Paul H. Nitze; der Sonderberater d' s
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontroi 1fragen,
Botschaft-t
Edward L. Rowny; der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe, Jr. ; der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Ja;:k
F. Matlock; die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Angelegenheiten im
Rozanne L. Ridgway.

Außenministerium,

Auf
sowjetischer
Seite
nahmen
teil:
Das Mitglied des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister Eduard A. Schewardnadse; das
Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
jakowlew;
Sekretär
des
Zentralkomitees der KPdSU Anatoli F. Dobrynin;
der Stellvertretende Vorsitzende des
Ministerrates der UdSSR, Wladimir M.
Kamenzew; der Chef des Generalstabs
der Streitkräfte der UdSSR und Erste
Stellvertretende Minister für Verteidigung der UdSSR, Marschall Sergej F.
Achromejew; der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatoli S. Tschernajew; der
Leiter der Allgemeinen Abteilung des
Zentralkomitees der KPdSU, Waleri I.
Boldin; der Stellvertretende Außenminister
der
UdSSR,
Alexander
A.
Bessmertnich;
der
Botschafter
der
UdSSR in den Vereinigten Staaten von
Amerika, Juri V. Dubinin; das Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR, Viktor P. Karpow;
der Botschafter zur besonderen Verwendung, Alexei A. Obukov.
In Verlauf des offiziellen Besuchs, der während des Genfer Treffens der beiden Staatsmänner im November 1985 vereinbart worden war,
hielten der Präsident und der Generalsekretär
umfassende
und detaillierte Gespräche über das gesamte
Spektrum der beide Länder betreffenden Fragen ab, darunter die Reduzierung von Waffen, Menschenrechte und
humanitäre Fragen, die Beilegung regionaler Konflikte und die bilateralen Beziehungen. Die Gespräche waren
offen und konstruktiv und spiegelten
sowohl
die
fortbestehenden
Unterschiede zwischen beiden Seiten wider
als auch ihr Verständnis dafür, daß

diese Unterschiede keine unüberwindlichen Hindernisse für Fortschritte
in Bereichen beiderseitigen Interesses darstellen.
Sie bekräftigten ihr starkes Engagement für einen aktiven, die ganze
Bandbreite des Verhältnisses umfassenden Dialog.
Beide Staatsmänner unterzogen die
bis jetzt bei der Verwirklichung der
in Genf und Reykjavik vereinbarten
breitgefächerten Tagesordnung erzielten Fortschritte einer Überprüfung.
Sie waren besonders zufrieden über
den Abschluß bedeutender Vereinbarungen in einigen Bereichen dieser Tagesordnung in den vergangenen zwei
Jahren.
Der Präsident und der Generalsekretär bekräftigten die grundsätzliche
Bedeutung ihrer Treffen in Genf und
Reykjavik, bei denen das Fundament
für konkrete Schritte in einem Prozeß
gelegt wurde, durch den die strategische Sicherheit verbessert und das
Konfliktrisiko
verringert
werden
soll. Sie werden sich weiterhin von
ihrer ernsthaften Überzeugung leiten
lassen, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.
Sie sind entschlossen, jeden Krieg zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, ob nuklear oder konventionell,
zu verhindern. Sie werden nicht nach
militärischer Überlegenheit streben.
Beide Staatsmänner erkannten die
besondere Verantwortung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an,
nach realistischen Wegen zur Verhinderung einer Konfrontation zu suchen
und ein dauerhafteres und stabileres
Verhältnis zwischen ihren Ländern zu
fördern. zu diesem zweck vereinbarten sie, den Dialog zu intensivieren
und aufkommende Tendenzen zu kon-

�struktiver
Zusammenarbeit
in allen
Bereichen ihrer Beziehungen zu ermutigen, sie sind davon überzeugt, daß
sie damit auch, gemeinsam mit anderen
Nationen, zu einer Zeit zum Aufbau
einer sichereren Welt beitragen werden, in der die Menschheit in das
dritte Jahrtausend eintritt.

I.

RÜSTUNGSKONTROLLE

Der INF-Vertrag
Die
beiden Staatsmänner
unterzeichneten den Vertrag über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer Reichweite zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.
Dieser vertrag ist von historischer Bedeutung sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer ganzen Kategorie amerikanischer
und sowjetischer
Atomwaffen
- als
auch wegen des innovativen Charakters
und Umfangs seiner Verifizierungsbestimmungen.
Diese gemeinsame Errungenschaft leistet einen erheblichen
Beitrag zu größerer Stabilität.

Die Verhandlungen über Nuklear- und
Weltraumwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär diskutierten die Verhandlungen
über Reduzierungen der strategischen
Offensivwaffen.
Sie nahmen die erheblichen Fortschritte zur Kenntnis,
die im Hinblick auf den Abschluß eines Vertrages zur Durchführung des
Prinzips einer 50prozentigen Reduzierung erzielt wurden.
Sie vereinbarten, ihre Verhandlungsführer in Genf
zu instruieren, auf die Fertigstellung des Vertrages zur Reduzierung
und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen und aller damit verbundenen Dokumente zum frühestmöglichen

Zeitpunkt
hinzuarbeiten, am
besten
zeitig genug, um den Vertrag während
des
nächsten
Treffens
der
beiden
Staatschefs in der ersten Hälfte des
Jahres 1988 zu unterzeichnen. In Anerkennung der Tatsache, daß Bereiche
der Übereinstimmung wie auch unterschiedlicher Meinungen detailliert im
gemeinsamen Vertragstext-Entwurf enthalten sind, vereinbarten sie, ihre
Unterhändler anzuweisen, die Lösung
dieser Fragen innerhalb des gemeinsamen
Vertragstext-Entwurfs
zu
beschleunigen, darunter die frühzeitige
Übereinkunft
über Vorschriften
für
die wirksame Verifizierung.
Dabei
sollten
die
Unterhändler
auf den Vereinbarungen über eine 50prozentige Reduzierung aufbauen, die
in Reykjavik erzielt und anschließend
weiterentwickelt
wurden
und
sich
jetzt in den vereinbarten Teilen des
gemeinsamen
START-Vertragstext-Entwurfs widerspiegeln, der in Genf entwickelt wird, darunter die Übereinkunft über Obergrenzen von maximal
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen,
6 000
Gefechtsköpfen,
1 540 Gefechtsköpfen auf 154 schweren
Raketen; darunter die vereinbarte Regel über den Nachweis für schwere
Bomber und deren nukleare Bewaffnung
sowie eine Vereinbarung, daß als Ergebnis der Reduzierungen das gesamte
Wurfgewicht der ICBMs und SLBMs der
UdSSR auf ein Niveau verringert wird,
das etwa 50 Prozent unter dem derzeitigen Stand liegt und daß dieses Niveau von keiner Seite überschritten
wird.
Eine solche Vereinbarung wird
in beiderseitig befriedigender Weise
festgehalten.
Die folgenden Fragen sollten
vordringlich behandelt werden:

als

(a) Die zusätzlichen
Schritte,
die notwendig sind, um sicherzustellen, daß die Reduzierungen die stra3 -

�tagische Stabilität verbessern werden.
Dazu wird eine Obergrenze von
zusammengenommen 4 900 Gefechtsköpfen
auf ICBMs und SLBMs innerhalb der Gesamtobergrenze von 6 000 gehören.
(b) Die Regeln zur Ermittlung der
Zahl von atomar bewaffneten luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs)
langer
Reichweite, die
jedem
Typ
schwerer
Bomber
zugeordnet
werden
kann.
Die Delegationen sollen konkrete Regeln in diesem Bereich definieren.
(c) Die Regeln zur Ermittlung der
Anzahl
existierender
ballistischer
Raketen.
Die Seiten gehen von der
Annahme aus, daß die bestehenden Typen ballistischer Raketen mit der
folgenden
Zahl
von
Gefechtsköpfen
stationiert sind. In den Vereinigten
Staaten:
Peacekeeper
(MX):
10;
Minuteman III: 3; Minuteman II: 1;
Trident I: 8; Trident II: 8; Poseidon: 10. In der Sowjetunion: SS-17:
4; SS-19: 6; SS-18: 10; T.S-24: 10;
SS-25: 1; SS-11: 1; SS-13: 1; SS-N-6:
1; SS-N-8: 1; SS-N-17: 1; SS-N-18: 7;
SS-N-20: 10 und SS-N-23: 4. Es werden Verfahren entwickelt werden, um
die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe
auf stationierten
ballistischen Raketen jedes Typs sicherzustellen. Falls eine der Seiten die
Anzahl der für einen Typ ballistischer Raketen gemeldeten Gefechtsköpfe ändert, werden beide Seiten
sich gegenseitig vorab informieren.
Es soll außerdem eine Übereinkunft
darüber geben, wie Gefechtsköpfe auf
künftigen Typen ballistischer Raketen, die von dem Vertrag über die Reduzierung und Begrenzung der Strateyischen Offensivwaffen erfaßt werden,
gezahlt werden.
(d) Die Parteien sollen eine beiderseitig annehmbare Lösung in der
Frage der Begrenzung der Stationie-

rung von weitreichenden atomar bewaffneten SLCMs finden.
Solche Begrenzungen werden nicht die Zählung
der weitreichenden nuklear bewaffneten SLCMs innerhalb der Grenzen von
6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen
offensiven
Trägersystemen
berühren.
Beide Parteien verpflichteten sich, obergrenzen für solche
Raketen festzusetzen und beiderseitig
annehmbare und wirksame Methoden zur
Verifizierung solcher Grenzen anzustreben, zu denen die Verwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen und Inspektionen vor
Ort gehören könnten.
(e) Aufbauend auf den Bestimmungen des Vertrags über die Beseitigung
ihrer Raketen mittlerer und kürzerer
Reichweite sollen zu den Maßnahmen,
mit deren Hilfe die Vorschriften des
Vertrags über die Reduzierung und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen
verifiziert
werden
können,
mindestens gehören:
1. Austausch von Daten, darunter
Erklärungen jeder Seite über zahl
und Standort der vertraglich begrenzten Waffensysteme
und der
Einrichtungen,
in denen
solche
Systeme sich befinden sowie Benachrichtigungen in angemessener
Form.
Zu diesen
Einrichtungen
gehören Standorte und Einrichtungen zur Produktion und Endmontage, Lagerung, Erprobung und Stationierung von durch diesen Vertrag erfaßten Systemen.
Solche
Erklärungen werden zwischen beiden Seiten vor der Vertragsunterzeichnung ausgetauscht und nach
seinem
Inkrafttreten
in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben.
2. Grundinspektionen, um diese
Angaben sofort nach Inkrafttreten
des Vertrages zu verifizieren.

�8. Maßnahmen zur verbesserten Beobachtung von Aktivitäten zur Reduzierung und Beschränkung strategischer
Offensivwaffen
durch
Nationale Technische Mittel. Dazu würden die Offenlegung von
vertraglich beschränkten Objekten
auf
Raketenbasen,
Bomberstützpunkten und U-Boothäfen an Orten
und zu Zeiten, die von der inspizierenden Partei gewählt werden
können, zählen.

3. Vor-Ort-Beobachtung
der zur
Erreichung der vereinbarten Grenzen notwendigen Vernichtung strategischer Systeme.
4.
Ständige
Vor-Ort-Uberwachung
der
unmittelbaren Umgebung
und
der Ein- und Ausgänge wichtiger
Produktions- und
Unterstützungseinrichtungen,
um
den
Ausstoß
dieser Anlagen zu bestätigen.
5. kurzfristig anberaumte Inspektion vor Ort von:
(i) bekanntgegebenen
Standorten
während des Prozesses der Reduzierung auf vereinbarte Grenzen;
(ii) Standorten, in denen von
diesem Vertrag betroffene Systeme
nach Erreichung der vereinbarten
Grenzen verbleiben;
(iii) Standorte, in denen sich
solche
Systeme
früher
befanden
(bekanntgegebene ehemalige Standorte) .
6. In Einklang mit vereinbarten
Verfahrensweisen
das Recht zur
Durchführung
kurzfristig
anberaumter Inspektionen von Standorten, an denen von einer Seite die
potentielle verdeckte Stationierung, Produktion, Lagerung oder
Instandsetzung strategischer Offensivwaffen vermutet wird.
7. Regelungen für das Verbot der
Tarnung oder anderer Handlungen,
durch die die Verifizierung durch
nationale technische Mittel
behindert wird.
Solche Vorschriften würden ein verbot der Verschlüsselung telemetrischer Daten
beinhalten
sowie
vollständigen
Zugang zu allen während eines Raketenfluges
gesendeten
telemetrischen Daten gewährleisten.

Die
Staatsmänner
beider
Länder
trugen den Vorbereitungen des Vertrages über Strategische Offensivwaffen Rechnung und wiesen ihre Delegationen in Genf an, ein Abkommen auszuarbeiten, mit dem beide Seiten sich
verpflichten, den ABM-Vertrag, so wie
er im Jahr 1972 unterzeichnet wurde,
einzuhalten und gleichzeitig ihre erforderliche
Forschung,
Entwicklung
und Erprobung fortzuführen, wie sie
der ABM-Vertrag gestattet und sich
für einen bestimmten Zeitraums nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.
intensive Diskussionen über die Stabilität im strategischen Bereich sollen
nicht später als drei Jahre vor Ende
des zu bestimmenden Zeitraum beginnen, und danach wird jede Seite vorbehaltlich anderslautender beiderseitiger Vereinbarungen - den weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten frei
bestimmen können.
Eine solche Vereinbarung muß denselben rechtlichen
Status haben wie der Vertrag über
Strategische Offensivwaffen, der ABMVertrag und ähnliche, rechtsverbindliche Abkommen. Dieses Abkommen wird
auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Art und Weise aufgezeichnet
werden.
Deshalb weisen beide Seiten
jetzt
ihre Delegationen an, diese
Fragen vorrangig zu behandeln.
Beide Seiten sollen bei der Entwicklung
der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen

- 5 -

�Bereich Möglichkeiten zur Sicherstellung der Berechenbarkeit unter der
Bedingung
strategischer
Stabilität
diskutieren, um das Risiko eines Nuklearkrieges zu verringern.

Andere Rüstungskontrollfragen
Der Präsident und der Generalsekretär haben eine große Bandbreite anderer Fragen der Rüstungsbegrenzung
und -reduzierung
besprochen.
Beide
Seiten betonten die Bedeutung produktiver Verhandlungen zu Fragen der Sicherheit und von Fortschritten in den
wichtigsten Bereichen der Rüstungsbegrenzung und -reduzierung durch beiderseitige, verifizierbare Abkommen,
die Sicherheit und Stabilität verbessern.
Atomtests
Beide Statsmänner begrüßten die
am 9. November 1987 erfolgte Aufnahme
umfassender,
stugfenweiser
Verhandlungen im Einklang mit der am 17.
September 1987 in Washington abgegebenen gemeinsamen Erklärung der Aussenminister der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.
Die amerikanische und die sowjetische Seite sind
übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
schrittweise Verhandlungen aufzunehmen, die in einem einzigen Forum
durchgeführt werden. Bei diesen Verhandlungen werden sich beide Seiten
als ersten Schritt auf wirkungsvolle
Verifizierungsmaßnahmen einigen, die
eine Ratifizierung des amerikanischsowjetischen
Schwellenvertrages
von
1974 und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 ermöglichen werden, weitere Verhandlungen
über
unmittelbare
Beschränkungen bei Atomtests vorantreiben, die schließlich zum Endziel ei-

ner
vollständigen
Einstellung
von
Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Rüstungskontrollprozesses führen
werden. Mit diesem Prozeß würde unter anderem als erste Priorität das
Ziel einer Reduzierung von Nuklearwaffen und letztlich deren Abschaffung verfolgt. zum Zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die amerikanisch-sowjetischen Verträge von 1974 und 1976
beabsichtigen beide Seiten die Planung
und
Durchführung
gemeinsamer
Versuche zur Verifizierung auf dem
Testgelände der jeweils anderen Seite.
Diese
Verifizierungsmaßnahmen
werden
in angemessenem Umfang bei
weiteren Beschränkungen von Atomtests
verwendet werden, die in Zukunft erzielt werden können.
Die beiden Staatsmänner begrüßten
ebenfalls
die prompte Vereinbarung
beider Seiten für einen Austausch von
Experten zum Besuch des Testgeländes
der jeweils anderen Seite im Januar
1988 und zur Ausarbeitung und späteren Durchführung
eines Gemeinsamen
Versuchs zur Verifizierung auf dem
jeweils
anderen
Testgelände.
Die
Richtlinien für das Experiment sind
in der Erklärung des amerikanischen
und des sowjetischen Außenministers
vom 9. Dezember 1987 niedergelegt.
Beide Staatsmänner verwiesen auf die
Bedeutung dieser Vereinbarungen für
die Entwicklung wirkungsvollerer Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken von 1976.

Nichtverbreitung von Kernwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär
bestätigten das
fortdauernde
Engagement
der vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion für die Nichtver-

�breitung nuklearer Waffen und insbesondere für die Stärkung des Atomwaffensperrvertrages.
Beide
Politiker
drückten
ihre Befriedigung
darüber
aus, daß sich sei" ihrer letzten Zusammenkunft auch andere Parteien an
den Vertrag gehalten haben und bekräftigten erneut ihre Absicht, gemeinsam mit anderen Staaten zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen,
um eine allseitige Einhaltung des
Vertrages herbeizuführen.
Der Präsident und der Generalsekretär bekundeten ihre Unterstützung
der internationalen Zusammenarbeit im
Bereich der nuklearen Sicherheit und
der
Bemühungen
zur
Förderung
der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
unter verstärktem schütz der IAEO und
angemessener
Exportkontrollen
für
nukleare
Materialien,
Geräte
und
Technologie.
Die
Politiker
sind
übereingekommen, daß bilaterale Konsu L1-. itionen über die Nichtverbreitung
konstruktiv und nützlich waren und
fortgeführt werden sollten.

Zentren
gerung

zur

nuklearen

Risikoverrin-

Beide Politiker begrüßten die am
15. September 198 7 in Washington erfolgte Unterzeichnung des Abkommens
zur Errichtung von Zentren zur nuklearen Risikoverringerung in ihren
Hauptstädten.
Das Abkommen wird unverzüglich verwirklicht werden.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner bekundeten ihr
Engagement für die Aushandlung einer
ver ifizierbaren, umfassenden und wirkungsvollen
internationalen
Konvention über das Verbot und die Zerstör m g chemischer Waffen.
Sie begrüßten den bisher erzielten Fortschritt

und bestätigten erneut die Notwendigkeit zu eingehenderen Verhandlungen
für den Abschluß einer wahrhaft weltweiten
und
verifizierbaren Konvention, an der alle Staaten, die chemische
Waffen
besitzen,
beteiligt
sind.
Die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion sprechen sich im Hinblick auf chemische Waffen sowohl auf
bilateraler als auch auf multilateraler Basis für größere Offenheit und
eingehendere
Vertrauensbildung
aus.
Sie haben vereinbart, regelmäßige Expertengespräche
über das wachsende
Problem der Verbreitung und Nutzung
chemischer Waffen fortzusetzen.

Konventionelle Streitkräfte
Der Präsident und der Generalsekretär haben die Bedeutung diskutiert,
die der Aufgabe zukommt, den Grad der
militärischen Konfrontation in Europa
im Bereich der Streitkräfte und d-^r
konventionellen
Waffen
abzubauen.
Beide Politiker sprachen sich für den
baldigen Abschluß der Arbeit in Wien
über das Mandat für Verhandlungen zu
diesem Thema aus, so daß zum frühestmöglichen
Zeitpunkt
substantielle
Verhandlungen im Hinblick auf die Erarbeitung konkreter Maßnahmen aufgenommen werden können.
Sie erkennen
ferner die Anwendung der Bestimmungen
der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa als
wichtigen Faktor zur Förderung der
gegenseitigen Verständigung und Verbesserung der Stabilität an und sprachen sich für die Fortführung und
Konsolidierung dieses Prozesses aus.
Der Präsident und der Generalsekretär
haben
vereinbart,
ihre
jeweiligen
Vertreter anzuweisen, die Anstrengungen zur Erlangung von Lösungen für
noch anstehende Probleme zu intensivieren.

- 7 -

�Ferner wären die wiener Verhandlungen (über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mitteleuropa) Gegenstand der Diskussion.

Folgetreffen der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa
Es wurde von beiden Seiten Entschlossenheit bekundet, gemeinsam mit
den anderen 33 Teilnehmerstaaten der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in
Europa
(KSZE),
die
Wiener KSZE-Folgekonferenz zu einem
erfolgreichen
Abschluß zu bringen,
der sich auf ausgewogene Fortschritte
in allen wichtigen Teilen der Schlußakte von Helsinki und des Madrider
Schlußdokuments gründet.

II. MENSCHENRECHTE UND
HUMANITXRE FRAGEN
Die Politiker führten eine eingehende und lebhafte Diskussion über
Menschenrechte und humanitäre Frage
und deren Stellenwert im amerikanischen-sowjetischen Dialog.

III. REGIONALE FRAGEN
Der Präsident und der Generalsekretär führten eine umfassende, offene
und sachliche Diskussion über regionale Fragen, wie etwa Afghanistan,
den
iranisch-irakischen
Krieg, den
Mittleren Osten, Kambodscha, den Süden Afrikas, Mittelamerika und andere
Bereiche.
Sie
bekannten
sich
zu
ernsthaften Unterschieden, waren sich
jedoch über die Bedeutung ihres regelmäßigen Meinungsaustausches einig.
Beide Politiker gingen auf die zunehmende Bedeutung einer Beilegung regionaler Konflikte ein, um internationale Spannungen abzubauen und die

Ost-West-Beziehungen
zu
verbessern.
Sie vereinbarten, es solle das ziel
des Dialogs zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in diesen
Bereichen sein, die an diesen regionalen Konflikten beteiligten Parteien
bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen, die ihre Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit
fördern.
Beide Politiker
betonten
die Bedeutung einer Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen und anderer
internationaler Institutionen, um ZUi
Lösung
regionaler
Konflikte beizutragen.

IV. BILATERALE ANGELEGENHEITEN
Der Präsident und der Generalsekretär haben den Stand der bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in seinen
Einzelheiten besprochen. Sie erkannten den Nutzen einer fortgesetzten
Erweiterung und Stärkung von Kontakten, Austausch und Zusammenarbeit auf
bilateraler Ebene an.

Bilaterale Verhandlungen
Nach Prüfung des Standes der laufenden
Verhandlungen
zwischen
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bei einer Reihe besonderer bilateraler Fragen forderten beide Politiker zu eingehenderen Anstrengungen ihrer Vertreter auf, die darauf
abzielen, für beide Seiten vorteilhafte Abkommen in folgenden Bereichen
zu erlangen: Handelsschiffahrt, Fischerei, Seenotrettung, Radionavigationssysteme,
amerikanisch-sowjetische Seegrenzen und Zusammenarbeit
im Transportwesen
und anderen Bereichen.
Mit
Befriedigung
verzeichneten
sie ihre Übereinstimmung über den im

�Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Luftverkehrsabkommens erfolgten Ausbau
des
direkten
Passagierflugdienstes, einschließlich der gemeinsamen Bedienung der Linie New YorkMoskau durch pan American Airways und
Aeroflot sowie über Erneuerung des
amerikanisch-sowjetischen
Abkommens
über die Weltmeere.

Menschliche
programme

Kontakte

und

Austausch-

Beide
Politiker
verzeichneten
Fortschritte bei der Durchführung des
amerikanisch-sowjetischen Allgemeinen
Austauschabkommens in den Bereichen
Erziehung, Wissenschaft, Kultur und
Sport, das bei ihrem Genfer Treffen
im November 1985 unterzeichnet wurde,
und sie vereinbarten die Weiterführung von Bemühungen, um Hindernisse
für weitere Fortschritte in diesen
Bereichen zu beseitigen.
Sie drückten ihre Befriedigung darüber aus und
bekundeten ihre Absicht, im Januar
1988 gemeinsam den 30. Jahrestag des
ersten Austauschabkommens zu begehen.
Beide Politiker bestätigten die
Bedeutung
von
Kontakten
und
Austauschprogrammen zur Erweiterung der
Verständigung zwischen ihren Völkern.
Sie verzeichneten mit besonderer Befriedigung Fortschritte bei der Entwicklung menschlicher Kontakte, wie
sie im Rahmen der bei ihrem Genfer
Treffen von 1985 ins Leben gerufenen
Initiative erfolgten - ein Prozeß, an
dem in den vergangenen zwei Jahren
Zehntausende amerikanischer und sowjetischer
Bürger
beteiligt waren.
Die
Staatsmänner
bestätigten
ihren
anhaltenden Einsatz für den Ausbau
dieser Kontakte, auch im Bereich des
Jugendaustauschs.

Initiative zu weltweiten Klima- und
UmweltVeränderungen
Unter Bezugnahme auf die im November 1985 in Genf erzielte Übereinkunft zur Zusammenarbeit bei der Erhaltung der Umwelt haben beide Politiker eine bilaterale Initiative gebilligt, deren Rahmen gemeinsame Studien zu weltweiten Klima- und Umweltveränderungen mittels einer Zusammenarbeit in beide Seiten betreffenden
Bereichen unternommen werden sollten.
Darunter
Schutz
und Erhaltung des
stratosphärischen
Ozons
und
durch
verstärkten Datenaustausch gemäß dem
amerikanisch-sowjetischen
Umweltschutzabkommen und dem Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union Sozialistischer
Sowjetrepubliken über eine Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. in diesem Zusammenhang wird
eine eingehende Studie über das Klima
der Zukunft erstellt werden.
Beide
Seiten
werden weiterhin
umfassende
internationale und bilaterale Zusammenarbeit im zunehmend wichtigen Bereich
weltweiter
Veränderungen
von
Klima und Umwelt fördern.

Bereiche der Zusammenarbeit
Der Präsident und der Generalsekretär haben die weitere Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern
der
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion
und anderer Länder zur Nutzung der
kontrollierten thermonuklearen Fusion
zu friedlichen Zwecken unterstützt.
Sie bekräftigen die Absicht der Vereinigten Staaten und der UdSSR, unter
der Schirmherrschaft der internationalen Atomenergiebehörde mit der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM)
und Japan zusammenzuarbeiten, um im
Viererverbund das Konzept für einen
Test-Fusionsreaktor zu erarbeiten.

- 9 -

�Beide Politiker verzeichneten mit
Befriedigung die im Rahmen des bilateralen Abkommens über die friedliche
Nutzung
von
Kernenergie
erzielten
Portschritte
zur
Errichtung
einer
ständigen
Arbeitsgruppe
im Bereich
Sicherheit von Kernreaktoren, und
sie erklärten ihre Bereitschaft zur
Entwicklung einer weiteren Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Handel
Beide Seiten erklärten ihre einhellige Unterstützung für die Erweiterung
beiderseitig
vorteilhafter
Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen.
Sie haben ihre Handelsminister angewiesen, die amerikanisch-sowjetische
gemeinsame Wirtschaftskommission einzuberufen, um konkrete Vorschläge zur
Verwirklichung dieser Zielsetzung zu
entwickeln, auch im Rahmen des Langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union sozialistischer Sowjetrepubliken zur Förderung wirtschaftlicher,
industrieller und technischer Zusammenarbeit.
Beide Seiten kamen üborein, daß wirtschaftlich lebensfähige
Joint Ventures, die sich im Einklang
mit den Gesetzen und Verordnungen
beider Länder befinden, bei der weiteren Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle spielen könnten.

Der Präsident und der Generalsekretär
vereinbarten
die
Entwicklung
bilateraler
Zusammenarbeit
bei der
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels.
Sie kamen überein, daß
EU diesem Zweck zu Beginn des Jahres
1988 erste Konsultationen in angemessenem Rahmen stattfinden sollten.
Sie
vereinbarten
ferner,
auf
jüngsten Kontakten aufzubauen und eine wirkungsvollere Zusammenarbeit zu
entwickeln, um die Sicherheit des
Luft- und
Seeverkehrs
zu
gewährleisten.

Diplomatische Vertretungen
Beide
Politiker
tauschten
ihre
bnaiichten über Wege zur Förderung umFauaendei Kontakte und einer zusamiiMuuibftit in Beieichen aus, die die
aik'ischen Regionen betreffen.
Sie
erklärten ihre Unterstützung für die
Entwicklung einer bilateralen und regionalen Zusammenarbeit zwischen den
Ländern der arktischen Regionen in
Ji^sen Bereichen, einschließlich der
Koordination
der
wissenschaftlichen
Forschung und des Umweltschutzes in
der Region.

Beide Seiten waren sich über die
Bedeutung angemessener, sicherer Einrichtungen für ihre jeweiligen diplomatischen und konsularischen Vertretungen einig und betonten die Notwendigkeit, Probleme über die Funktionsweise von Botschaften und Generalkonsulaten konstruktiv und auf der Basis
der Gegenseitigkeit anzugehen.

V. WEITERE ZUSAMMENKÜNFTE

Beide Politiker begrüßten den Abschluß von Verhandlungen zur Instituilisieiung des von den Vereinig»•&lt;:!". Städten, der Sowjetunion, Franke n uud Kanada gemeinsam betriebe. ii we! Lraiimgeötützten weltweiten Bf—
kundungs- und
Rettungssystems

Der Präsident und der Generalsekretär kamen überein, daß offizielle
Kontakte auf allen Ebenen weiter ausgebaut und intensiviert werden sollten, mit dem Ziel der Herbeiführung
praktischer und konkreter Ergebnisse
in allen Bereichen des amerikanischsowjetischen Verhältnisses.

10 -

�Generalsekrtär
Gorbatschow
erneuerte die von ihm bereits beim
Genfer
Gipfeltreffen
an
Präsident
Reagan
ausgesprochene
Einladung
zu
einem Besuch der Sowjetunion.
Der
Präsident nahm dankend an.
Der Besuch wird in der ersten Hälfte dos
Jahres 1988 stattfinden.

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

16. Dezember 1987

44

REAGAN:

"FORTSCHRITTE" BEI GESPRXCHEN ÜBER START-VERTRAG ERZIELT

Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung vor der Abreise von Generalsekretär Gorbatschow aus Washington am 10. Dezember 1987 erklärt, das mit der Sowjetunion unterzeichnete INF-Abkommen "sollte als ein Anfang betrachtet werden, nicht als Ende". "Auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über strategische Waffen (START) sind einige Fortschritte erzielt worden. "
Bei derselben Gelegenheit erklärte Gorbatschow:
"Heute sind die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler Sicherheit nähergekommen.
Aber dieses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun."
Die Ansprachen Reagans und Gorbatschows haben folgenden Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Herr
Generalsekretär.
Die letzten Tage waren
in der Tat ereignisreich für uns beide wie auch für unsere Landsleute,
die dem Verlauf unserer Gespräche gefolgt sind.
Ich freue mich nach Erledigung unserer Tagesordnung berichten zu können, daß dieser Gipfel ein
klarer Erfolg gewesen ist. Wie der
Stern auf der Spitze des Weihnachtsbaums der Nation, dessen Licht seit
dem Abend Ihrer Ankunft, Herr Generalsekretär, leuchtet, so hat dieser
Gipfel den Horizont mit Hoffnung für
alle Menschen guten Willens erhellt.

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Embassy of the United States of America

Es ist nun, da wir auseinandergehen,
die Aufgabe beider Seiten, sicherzustellen, daß der Glanz nicht verblaßt
und wir unsere Verpflichtungen weiterhin erfüllen, wenn wir die nächsten Schritte zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen unseren Ländern
und Völkern einleiten.
Ich bin überzeugt, daß sowohl der
Generalsekretär wie auch ich selbst
auf unsere Treffen mit dem Gefühl zurückblicken können, etwas erreicht zu
haben. Wir haben bewiesen, daß Gegner selbst angesichts grundsätzlicher

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Telex: 8-85432

�philosophischer
Unterschiede
offen
und
respektvoll
miteinander
reden
und, wenn sie ausdauernd genug sind,
Bereiche
der
Gemeinsamkeit
finden
können.
Wir haben die gewichtigen
Unterschiede, die zwischen uns stehen, nicht außer acht gelassen; viele
davon bleiben selbstverständlich weiterhin bestehen.
Einer meiner Vorgänger,
Präsident
Franklin
Roosevelt, hat einmal gesagt: "Geschichte kann nicht durch Wunschdenken umgeschrieben werden."
in diesem Geist
waren unsere Gespräche freimütig und
dazu
angetan,
einen
gedankenvolle
Meinungsaustausch über die entscheidenden uns bedrängenden Fragen zwischen unseren Regierungen zu eröffnen.
Unsere Gespräche über das Themas
Menschenrechte
haben
unterstrichen,
welchen Stellenwert wir in den westlichen Demokratien der Wahrung der
Grundfreiheiten beimessen.
Ich bin
befriedigt darüber, daß wir bei diesem Gipfel diesen Bereich tiefempfundener Bedeutung diskutiert und die
Fortführung des Dialogs über die Menschenrechte auf höchster Regierungsebene sichergestellt haben.
Unsere Diskussion der regionalen
Konflikte war nicht minder aufrichtig.
Diese Konflikte fordern immer
noch einen hohen Zoll an Menschenleben und bilden eine schwere Belastung
der Ost-West-Beziehungen.
Der Generalsekretär und ich nahmen dabei verschiedene Standpunkte ein - und zwar
unverblümt -, und allein aus diesem
Grund waren unsere Gespräche in diesem
Bereich
nützlich.
überdies
stimmten wir darin überein, daß es
notwendig ist, wahre politische Lösungen für diese Konflikte anzustreben. Bis jetzt können wir uns jedoch
nicht mit dem Erreichten zufrieden
geben. Wir müssen nun bei der Suche
nach politischen Lösungen vorwärtsdrängen, mit denen die Sache des

Friedens und der Freiheit für die unter diesen Kriegen leidenden Menschen
gefördert wird. Die Tür ist geöffnet
worden, und sie wird für ernsthafte
Gespräche über die Beendigung dieser
regionalen Konflikte offenbleiben.
Was
offene
Türen
angeht,
so
stimmten Herr Gorbatschow und ich darin überein, daß freiere und umfangreichere persönliche Begegnungen sowie der Abbau künstlicher Schranken
zwischen den Völkern der Sowjetunion
und
der
Vereinigten
Staaten
wünschenswert sind.
Wie ich in meiner
Begrüßungsansprache sagte, sollte die
Tatsache, daß zwischen unseren beiden
Regierungen Meinungsverschiedenheiten
bestehen, unsere Völker nicht davon
abhalten, Freunde zu sein.
Natürlich war die größte Errungenschaft dieses dreitägigen Treffens
die Unterzeichnung eines Vertrags zur
Beseitigung
einer
ganzen
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen.
Ein anderer meiner Vorgänger, ein Präsident, den ich seit meiner Jugend bewundere, nämlich Calvin
Coolidge, hat einmal gesagt:
"Geschichte wird nur durch Taten gemacht." Nun, es bedurfte enormer Anstrengungen und fast übermenschlicher
Ausdauer
seitens
der
Unterhändler
beider Parteien, aber das Endprodukt
ist ein Vertrag, der wirklich Geschichte machen wird.
Er liegt im
Interesse unserer beiden Völker, aber
ich kann nicht umhin, zu glauben, daß
die Menschheit insgesamt der große
Gewinner ist. Endlich haben wir damit begonnen, diese tödlichen Waffen
wirklich zu beseitigen, statt lediglich ihr Anwachsen zu begrenzen.
So stolz wir auf den INF-Vertrag
auch sind, sollte er als ein Anfang
betrachtet werden, nicht als Ende.
Weitere Reduzierungen von Waffen sind
jetzt möglich.
Ich freue mich, daß

�auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über die Reduzierung strategischer Waffen
in den vergangenen
drei Tagen einige Fortschritte erzielt wurden.
Einzelne Abkommen werden für sich
genommen nicht zu dauerhaftem Fortschritt führen.
Wir benötigen ein
realistisches Verständnis unserer gegenseitigen Absichten und Ziele, ein
Verfahren für die Behandlung von Meinungsverschiedenheiten in praktischer
und aufrichtiger Art und Weise, und
es erfordert Geduld, Kreativität und
Ausdauer, um das zu erreichen, wofür
wir uns auf den Weg gemacht haben.
Als ein Ergebnis dieses Gipfels wurde
der Rahmen für den Aufbau einer solchen Beziehung gestärkt.
Ich bin fest entschlossen, von
diesem Rahmen Gebrauch zu machen.
Mein Ziel - das meiner Meinung nach
auch das Ihre ist - liegt in einer
konstruktiveren
Beziehung
zwischen
unseren Regierungen - und zwar eher
in langfristigen denn in vorübergehenden
Verbesserungen.
Gemeinsam
können wir eine Zukunft für unsere
Völker schaffen, die von mehr Sicherheit und Wohlstand, und eine Welt,
die von mehr Frieden gekennzeichnet
ist. Wir sind uns beide der schwierigen Herausforderungen und der besonderen
Verantwortung
bewußt, die
diese Aufgabe mit sich bringt.
Während des Zweiten Weltkriegs,
als so viele junge Russen an der
Front
dienten, wurde
das
Gedicht
"Warte auf mich" zu einem Gebet auf
den Lippen der russischen Familien,
die den Tag herbeisehnten, an dem die
Familie glücklich wiedervereint wäre.
Die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt ist noch immer offen, Herr Generalsekretär.
Sie war
lange genug offen.

Herr Generalsekretär Gorbatschow,
Frau Gorbatschow.
Es war gut, daß
Sie nach Amerika gekommen sind.
Es
war eine Freude für meine Gattin und
für mich, Sie hier empfangen zu dürfen.
Ihr Besuch war von kurzer Dauer, aber ich hoffe doch, daß Sie ein
besseres Verständnis des Geistes und
Wesens der Vereinigten Staaten mit
nach Hause nehmen und wenn sie nach
Moskau zurückkehren, wäre ich Ihnen
dankbar, wenn Sie dem sowjetischen
Volk
die
besten
Wünsche
für
ein
friedliches
und erfolreiches
neues
Jahr
von unserem Volk
übermitteln
würden.
Vielen Dank und gute Reise.

Generalsekretär
Gorbatschow:
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Mrs. Reagan, meine Damen und Herren,
in diesen letzten Stunden vor
unserer Abreise stellen wir mit Zufriedenheit fest, daß der Besuch in
Washington, insgesamt gesehen, unsere
Hoffnungen erfüllt hat.
Hinter uns
liegen drei Tage intensiver Arbeit,
nüchterner und offener Diskussionen
über die herausragenden Probleme der
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
sowie über die bedeutenden Aspekte
der
gegenwärtigen
internationalen
Lage.
Es
ist
viel
erreicht
worden.
Insbesondere möchte ich nochmals den
Schritt hervorheben, der in der Geschichte des Nuklearzeitalters seinesgleichen sucht:
Die Unterzeichnung des Vertrags, in dessen Rahmen
die beiden militärisch und strategisch größten Mächte die Verantwortung zur tatsächlichen Zerstörung eines Teils ihrer Nuklearawaffen übernommen haben. Wir hoffen, auf diese
Weise den Prozeß der nuklearen Abrüstung in Gang zu setzen.

- 3 -

�In unseren Gesprächen mit Präsident Ronald Reagan haben wir bei den
Kernfragen
dieses
Prozesses
Fortschritte erzielt, indem wir uns auf
substantielle Reduzierungen bei den
strategischen Offensivwaffen der Welt
geeinigt haben, obwohl noch ein gutes
Stück Arbeit vor uns liegt. Wir hatten einen
fruchtbaren Gedankenaustausch, der zu einer Klärung der jeweiligen Position im Hinblick auf regionale Konflikte, Verbesserung unserer bilateralen Kontakte und Menschenrechte beigetragen hat.
in einigen dieser Bereiche werden wir aller Voraussicht nach schon bald definitive Lösungen ausarbeiten können,
die sowohl unseren Vorstellungen als
auch denen •'er anderen Länder gerecht
werden.
Ein nützliches Ergebnis der
Washingtoner Gespräche war, daß es
uns gelungen ist, eine Art Tagesordnung für gemeinsame zukünftige Bemühungen zu formulieren.
Dadurch wird
der Dialog zwischen unseren beiden
Ländern auf eine Grundlage gestellt,
die besser einzuschätzen und zweifellos konstruktiv ist.
Während dieser Besuch sich auf
meine Gespräche mit dem Präsidenten
der Vereinigten Staaten konzentrierte, möchte ich in keiner Weise die
Bedeutung der Zusammenkünfte mit Mitgliedern des Kongresses, anderen politischen Entscheidungsträgern, Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens, Vertretern des Geschäftslebens,
aus Wissenschaft und Kultur sowie der
Medien
schmälern.
Solche Kontakte
tragen dazu bei, zu einem besseren
und tiefergehenden Verständnis voneinander zu gelangen und sie bieten
vielfältige Möglichkeiten, die eigenen
Ansichten,
Beurteilungen
und
selbst
vorherrschende
Klischeevorstellungen zu überprüfen.
Alles dies ist von Bedeutung, sowohl in der Politik an sich als auch

in dem Prozeß, unsere Völker und Lander einander näher zu bringen. Diese
Treffen haben den Eindruck noch verstärkt, daß sich in der amerikanischen
Gesellschaft
zunehmend
der
Wunsch nach besseren sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
abzeichnet.
Mit anderen Worten, wir konnten hier
eine Bewegung
beobachten, die der
Einstellung entspricht, die im sowjetischen Volk sein langem vorherrscht.
Indem ich Abschied von Amerika
nehme, freue ich mich gleichzeitig
auf ein erneutes Wiedersehen, in der
Hoffnung, dann nicht nur die Hauptstadt zu sehen, sondern auch von
Angesicht
zu Angesicht mit diesem
außergewöhnlichen
Volk
zusammenzutreffen, um mit einfachen Amerikanern plaudern
und einen
lebhaften
Gedankenaustausch vornehmen zu können.
Meiner Überzeugung nach wird alles, was wir im Verlauf unserer Zusammenkünfte und Gespräche erreicht
haben, mit der Zeit beträchtlich zu
einer Verbesserung des Klimas in der
ganzen Welt und in Amerika beitragen,
in dem Sinne, daß es zu einer richtigeren und toleranteren Einschätzung
meines Landes - der Sowjetunion - geführt hat.
Heute sind die Sowjetunion und
die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler
Aber dieSicherheit nä'hergekommen.
ses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun und wir
müssen uns ohne weitere Verzögerungen
an &lt;3ie Arbeit machen.
Herr Präsident, verehrte Bürger
der Vereinigten Staaten. Wir danken
für Ihre Gastfreundschaft und wünschen allen Amerikanern Erfolg, Gesundheit und Frieden.
Ich danke Ihnen. Auf Wiedersehen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

16. Dezember 1987

44

ENGE KONSULTATIONEN MIT DEN EUROPÄERN OBER INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Bei den Verhandlungen, die zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über Mittelstreckenwaffen (INF) führten, haben die europäischen Außen- und Verteidigungsminister
die Anstrengungen der Vereinigten
Staaten einhellig unterstützt, einschließlich "unserer Vorlage der Null-Lösung", die letztlich akzeptiert wurde, erklärte Präsident Reagan am 14. Dezember 1987 in seiner Rede vor dem Institut für Strategische und Internationale
Studien in Washington.
"Unsere Verbündeten haben uns beigestanden, und wir
haben ihnen beigestanden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre, hier vor dem Institut für Strategische
und
internationale
Studien
(CSIS) zu sprechen, und erst recht zu
diesem Zeitpunkt, im 25. Jahr seines
Bestehens.
In den vergangenen 25
Jahren hat das CSIS einen außergewöhnlichen Umfang an Intelligenz und
Scharfblick in unsere nationale Sicherheitpolitik eingebracht, der seine Wurzeln gleichermaßen
im Hochschulbereich, der Diplomatie und dem
Geschäftsleben hat. Sie haben - intellektuell und moralisch - immer die
höchsten Ansprüche gestellt. sie ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben immer das Prinzip der Überparteilichkeit
hervorgehoben
und betont,
daß sich jede erfolgreiche Außenpolitik nicht auf einen Konsens der Republikaner oder Demokraten, sondern auf
einen Konsens aller Amerikaner stützen muß.
Daß ich heute hierher gekommen
bin, um mit Ihnen, den Fachleuten auf
diesem Gebiet, über Rüstungsreduzierungen zu sprechen - würde es Sie
überraschen, zu erfahren, daß es mich
an eine Anekdote erinnert?
Die Geschichte handelt von einem Mann, der

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Telex: 8-85432

�nach seinem Tod zum Himmelstor kommt,
wo Petrus ihn willkommen heißt und zu
ihm sagt: "Sie sind der jüngste Neuzugang von der Erde. Die Leute, die
schon einige zeit hier sind, möchte
gern hören, was dort unten passiert.
Können Sie dazu etwas erzählen?"
"Vielleicht", antwortete der Mann.
"Ich bin der einzige überlebende des
Hochwassers von johnstown. in dieser
Eigenschaft bin ich herumgereist und
habe bei vielen Gelegenheiten im ganzen Land Reden gehalten, in denen ich
die Schrecken und den Umfang der Katastrophe
beschrieben
habe.
Vielleicht würde sie das interessieren".
"Ich glaube schon", antwortete Petrus.
So erhielt er sein Publikum und
Petrus erklärte, ohne etwas über das
Thema zu sagen, es würden interessante Geschehnisse auf der Erde beschrieben, stellte ihn dann vor, und
als er zum Rednerpult ging, trat
Petrus zurück
und sagte:
"Dieser
Mann mit dem Bart in der zweiten Reihe außen heißt - Noah".
Aber es versteht sich von selbst,
daß unsere Nation bei jedem von Ihnen
eine große Dankesschuld
abzutragen
hat. Und ich würde gern einige Worte
des Dankes an jemanden richten, der
während seiner Amtszeit als Ihr Präsident dieser Institution und dieser
Nation unermüdlich gedient hat: Joe
Jordan, würden Sie sich bitte erheben?
Und auch an ein weiteres Mitglied, eines, dem wir als dem Gründer
dieser
Institution
unseren
Dank
schulden und dem wir bei seinen Vorbereitungen für seine Tätigkeit als
Ihr zukünftiger Präsident alles Gute
wünschen. Der frühere NATO-Botschafter und mein ehemaliger Sonderberater, David Abshire, soll sich bitte
erheben. Und ich freue mich auch, im
Publikum meinen ehemaligen Nationalen
Sicherheitsberater, Bud McFarlane, zu

erblicken.
Gerade habe ich von der Notwendigkeit
gesprochen, unsere
Politik
auf einen amerikanischen Konsens zu
stützen, weder auf eine einseitige
noch auf eine parteiliche Übereinkunft über die Ziele unserer Nation
in der Welt, sondern auf einen Konsens, der wahrhaft in dem Willen und
den Werten des amerikanischen Volkes
selbst verwurzelt ist. Bestimmte Aspekte dieses Konsens wurden uns von
unseren Gründervätern übergeben - vor
allem unsere Liebe zum Frieden und
unsere enge Bindung an die Freiheit,
Freiheit nicht nur für uns allein,
sondern, um mit Lincoln zu sprechen:
"Auch die Hoffnung, daß eine Zeit
kommen wird, in der die Bürde von den
Schultern
aller
Menschen
genommen
wird".
Was jedoch den Konsens über einen
besonderen politischen Weg betrifft,
mit dem diese amerikanischen Werte in
die Tat umgesetzt werden - diesen politischen Konsens müssen wir mit jeder wichtigen Entwicklung in unserer
Außenpolitik
selbst
hervorbringen.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Der von mir und Generalsekretär
Gorbatschow vergangene Woche unterzeichnete Vertrag bedeutet, wie Sie
wissen, eine historische Errungenschaft und einen wichtigen Schritt
hin zu einer sichereren Welt.
Aber
es besteht die Hoffnung auf noch
größere Fortschritte, die unsere Sicherheit stärken und die Ost-West-Beziehungen auf eine solidere Grundlage
stellen können. Und ich möchte Ihnen
dazu einige meiner Gedanken mitteilen.
Zunächst einmal zum historischen
INF-Vertrag selbst. Jeder von Ihnen
kennt natürlich den Hintergrund, wie
er sich im vergangenen Jahrzehnt ent-

�wickelt hat.
Aber erlauben Sie mir
dazu einige Ausführungen, da es wichtige punkte hervorzuheben gilt.
Im Jahr 1977 haben die Sowjets
erstmalig
ihre
SS-20
stationiert.
Dabei handelte es sich nicht um eine
weitere
taktische
Waffe
kürzerer
Reichweite, ähnlich denen, die sich
bereits in den Waffenarsenalen befanden und die zum beschränkten Gebrauch
auf dem Gefechtsfeld bestimmt waren.
Dabei handelte es sich auch nicht um
eine
weitere
Interkontinentalwaffe
längerer Reichweite wie die bereits
im Besitz der Vereinigten staten und
der
Sowjetunion
befindlichen.
Die
SS-20 war eine neue bedrohliche nukleare Mittelstreckenrakete
und in
der Lage, Ziele in Asien und überall
in Westeuropa zu treffen - Minuten
nach dem Start. Sie ist fähiger und
ausgereifter als ihre Vorgänger.
Die NATO hat auf dem Gebiet keine
vergleichbare Waffe als Gegengewicht
zu dieser neuen Bedrohung.
Trotzdem
haben die Sowjets diese neuen Waffen
kontinuierlich stationiert. Bis 1979
hatten sie etwa 130 INF-Raketen mit
etwa 390 Gefechtsköpfen disloziert,
im Jahr 1982 waren es bereits 300 Raketen mit mehr als 900 Gefechtsköpfen. Für unsere Freunde und Verbündeten in Europa und Asien stellten
diese Raketen eine massive und völlig
neue Dimension der Bedrohung dar
und damit komme ich zu meinem ersten
Punkt.
Mit
dem
von
mir
und
Herrn
Gorbatschow unterzeichneten INF-Vertrag wird nicht beabsichtigt, oberflächliche Verschiebungen in den Arsenalen der Supermächte vorzunehmen,
im Sinne von Zügen auf einem Schachbrett. All das jüngst vernommene Gerede über Zahlen, zahlen und nochmals
Zahlen könnte viele zu dieser Annahme
veranlaßt haben. Dennoch sollten wir

uns vor Augen führen, daß der Vertrag
etwas wirklich Greifbares hervorbringen will:
nicht die Neuordnung von
Zahlen, sondern die Abschaffung einer
ernsthaften Gefahr für unsere NATOVerbündeten und unsere eigenen Truppen in Europa sowie auch für unsere
Freunde und Verbündeten in Asien.
Wir erinnern uns alle daran, daß
es Bundeskanzler Helmut Schmidt war,
der in der NATO eine Führungsrolle
übernahm, als es darum ging, dieser
neuen Bedrohung zu begegnen. Bei einer Zusammenkunft im Jahr 1979 verabschiedete die NATO ihren berühmt gewordenen Doppelbeschluß.
Der erste
Schritt: die Stationierung einer begrenzten Anzahl unserer eigenen INFRaketen.
Der zweite Schritt:
die
Nutzung der mit den NATO-eigenen Stationierungen
demonstrierten
Einheit
und Stärke, um die Sowjets wieder an
den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Das ziel dieser Entscheidung der
NATO war niemals die ständige Stationierung amerikanischer INF-Raketen.
Die amerikanischen Stationierungen wurden immer als Mittel zum Zweck
betrachtet. Der zur Zeit des Doppelbeschlusses von 1979 amtierende französische Präsident Giscard d'Estaing
schrieb kürzlich, "die Stationierung
war eine taktische Übung mit dem bevorzugten ziel, die Sowjets zur Abschaffung ihrer SS-20 zu zwingen".
Zweifellos beabsichtigten die Sowjets, die Entschlossenheit der NATO
auf eine Probe zu stellen.
Und natürlich mußte die Stationierung unserer Pershing II und landgestützten
Marschflugkörper unter scharfem Protest und sogar Massendemonstrationen
erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Rede
in Bonn im Jahr 1982. Tausende von

- 3 -

�Demonstranten
marschierten
singend
über einen Fluß.
Und ich mußte unwillkürlich denken: Was für eine Ironie. Genau für die Sicherung des von
ihnen gewünschten Friedens hat sich
die NATO zur Stationierung der Raketen entschlossen, gegen die sie jetzt
protestieren, und eben diese von ihnen bekämpften Raketen helfen dabei,
ihre Freiheit zum Protest zu sichern.
Dennoch stand die NATO fest zusammen. Es wurde mit der Stationierung unserer Raketen begonnen.
Und
als wir Stärke zeigten und als klar
wurde, daß wir nicht einzuschüchtern
waren - erst danach nahmen die Sowjets ernsthafte Verhandlungen auf.
Der INF-Vertrag stellt den Höhepunkt
- den historischen Höhepunkt - dieses
langen und mühseligen Prozesses dar.
Einen
ersten
und
wichtigen
Schritt zum Aufbau eines dauerhafteren Friedens. zwei abschließende Bemerkungen über den Prozeß selbst.
Erstens ergibt sich aus dem, was
ich gerade beschrieben habe (...) daß
dies nicht allein eine Anstrengung
der Amerikaner, sondern ganz eindeutig eine Anstrengung des Westens war.
Von Anbeginn hatte die NATO erklärt,
daß wir bereit sein sollten, die Stationierungen der NATO auszusetzen, zu
verändern oder rückgängig zu machen,
wenn die Sowjets die Bedrohung durch
ihre SS-20 abschaffen würden.
Bei
allen Außenministertreffen der NATO
seit 1980 haben europäische Außenund
Verteidigungsminister
die
Anstrengungen der Vereinigten Staaten
zum Abschluß eines Vertrages einhellig unterstützt, einschließlich unserer Vorlage der Null-Lösung. Und bei
einer Reihe von Punkten in diesem
Prozeß haben unsere Verbündeten um
Veränderung oder Neugestaltung unserer Position bei den Verhandlungen
gebeten.
Unsere Verbündeten
haben
uns beigestanden, und wir haben ihnen

beigestanden.
Zweitens wird der Vertrag der
NATO eine wirksame nukleare Abschrekkung belassen, wie dies bereits vor
der ersten Stationierung sowjetischer
SS-20 im Jahr 1977 der Fall war. In
ihrem Abschlußkommunique des Treffens
vom vergangenen Monat haben die NATOVerteidigungsminister - eben die mit
der Absicherung der Sicherheit der
Verbündeten betrauten Regierungsvertreter - erklärt, der Vertrag "ist
durch die im Verlauf der letzten Jahre demonstrierte Entschlossenheit und
Solidarität der verbündeten Regierungen ermöglicht worden. Wir sind zuversichtlich, daß der INF-Vertrag in
naher Zukunft unterzeichnet und ratifiziert werden wird".
Und Premierministerin Thatcher nannte den Vertrag - und ich zitiere hier ihre unnachahmlichen Worte - "ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, ein zusätzliches Zeiches guten Willens und eine
schöne Art und Weise, das Jahr zu beenden". Angesichts der Tatsache, daß
mit dem Vertrag Ziele der NATO erreicht werden und daß er die einhellige Unterstützung unserer NATO-Verbündeten hat, aber, was noch wichtiger ist, angesichts unserer Pflicht
zur Erlangung eines sichereren Friedens durch unsere Arbeit zur Verbreitung der Freiheit, müssen wir am Ende
diesen Vertrag als Errungenschaft von
historischer
Bedeutung
würdigen.
Niemand hat vor dieser ersten Stationierung gedacht, die NATO sei "entnuklearisiert" worden.
Niemand hat
geglaubt, daß die Vereinigten Staaten
und Westeuropa auf irgendeine Art und
Weise voneinander abgekoppelt worden
seien. Ebensowenig können diese Vorwürfe gegen den Vertrag vorgebracht
werden.
Ich weiß, daß manche in Europa
und in den Vereinigten Staaten
vielleicht sogar einige der hier An-

- 4 _

�wesenden - diesen Vertrag skeptisch
betrachten. ich begrüße die Anhörungen zu seiner Ratifizierung im Senat
als ein Forum, in dem jedes mit dem
Vertrag
verbundene
Anliegen untersucht werden kann. Ich bin überzeugt
davon, daß die Anhörungen durch ihren
Verlauf
selbst Besorgnis
ausräumen
und zum erforderlichen Konsens beitragen werden. Erlauben Sie mir, Ihnen in der Zwischenzeit einige Beobachtungen darzulegen, die meiner Ansicht nach einen wichtigen Teil dieses Dialogs ausmachen sollten.
Innerhalb von drei Jahren werden
wir gemeinsam mit den Sowjets all unsere
INF-Raketen
vollständig
verschrotten.
Dabei werden die Sowjets
etwa viermal soviele stationierte Gefechtsköpfe vernichten wie die Vereinigten Staaten. Die Sowjets werden
nicht nur ihre SS-20 und SS-4 abbauen, sondern ebenfalls ihre ballistischen Kurzstreckenraketen der Typen
SS-12 und SS-23. Diese Kurzstreckenraketen
können mit chemischen und
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückt und gegen militärische Ziele
innerhalb der NATO eingesetzt werden
- besonders gegen solche Häfen, Depots und Landebahnen, die für den
Nachschubplan der NATO wichtig sind.
Damit wird es in drei Jahren keine
amerikanischen oder sowjetischen INFRaketen in Europa, in Asien und auf
der ganzen Welt mehr geben. Eine gesamte Kategorie nuklearer Waffen wird
abgeschafft sein.
Das System der Verifizierung wird
das strengste in der Geschichte der
RüstungskontrollVerhandlungen
sein
und weitreichende Auswirkungen haben.
Zum ersten Mal werden die Sowjets
Vor-Ort-lnspektionen
zulassen, einschließlich
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen. Wir werden die Fähigkeit erlangen, auf Verdacht hin sofort zu Ihnen zu gehen. Und sie kön- 5

nen bei uns dasselbe tun.
Das
ein bemerkenswerter Durchbruch.

ist

Was wir hier vor uns sehen, ist
ein neuer Ansatz in den Ost-West-Beziehungen - ein wirkungsvoller, verifizierbarer Vertrag, der nicht nur zu
einer Rüstungskontrolle führt, sondern zu den ersten Reduzierungen von
Nuklearwaffen
in
der
Geschichte.
Bundeskanzler Kohl hat den INF-Vertrag - und ich zitiere hier seine
Worte "einen großen Erfolg für das
Atlantische Bündnis" genannt.
Wir sollten jedoch gemeinsam über
den Vertrag hinausschauen um unsere
Strategie für die Zukunft zu betrachten.
Es ist
jedoch zunächst
einmal
klar, daß es unerläßlich ist, die
Stärke des Bündnisses zu erhalten.
Lassen Sie mich Ihnen von unserer
Seite versichern, daß unsere amerikanischen Soldaten in Westeuropa stationiert
bleiben
werden.
Und
ich
frage
mich,
welche
überzeugendere
Form
einer
"Ankopplung"
es
geben
könnte als diese Hunderttausende von
Amerikanern und ihre Familien, die
unter unseren europäischen Verbündeten leben und arbeiten?
Lassen wir weiterhin keinen Zweifel darüber aufkommen, daß unser Engagement für die NATO-Strategie der
flexiblen
Reaktion
fest
bestehen
bleiben und sicherstellen wird, daß
eine Aggression auf keinem Niveau erfolgreich sein kann. wir werden insbesondere in der Luft und zur See eine moderne nukleare Abschreckung aufrechterhalten.
Unser Engagement für
die ständige Bereitschaft der NATO,
wenn dies notwendig wird, auf jedwede
Form der Aggression zu reagieren,
bleibt ebenfalls bestehen.
Wie Sie wissen, tun wir, was wir

�können, um die nukleare Bedrohung zu
verringern.
Darüber
hinaus dränge
ich auf einen wirksam verifizierbaren
START-Vertrag, mit dem amerikanische
und sowjetische strategische Waffen
um 50 Prozent abgebaut werden.
und
während
des gerade
abgeschlossenen
Gipfels wurden in diesem Bereich weitere Fortschritte erzielt.

diesem Jahr in West Point erklärt habe, schien die NATO in den vergangenen 40 Jahren ein Bündnis zwischen
einzelnen
Partnern
und einem viel
stärkeren Partner zu sein. Die NATO
muß jedoch zunehmend ein Bündnis zwischen Gleichgestellten werden, vielmehr noch ein Bündnis zwischen zwni
Kontinenten.

Als
weiteren
wesentlichen
Bestandteil unserer Strategie für eine
sichere Zukunft werden wir unser SDIProgramm
weiter
vorantreiben.
Wie
ich vergangenen Donnerstag (10. Dezember) in meiner Rede an die Nation
erklärt habe, werden wir eine strategische
Verteidigung
stationieren,
wenn diese zur Stationierung bereit
ist.

Mit den Worten eines Mitglieds
unseres Kuratoriums, Henry, Kissinger,
müssen die Vereinigten Staaten - und
ich zitiere hier - "im Verteidigungsbereich
eine europäische
Id^nti t.xt'.
begrüßen, die letztlich dte Kooperation im Atlantischen Bündnis beflügeln wird.

Das ist die amerikanische Position. Im Hinblick auf unsere Verbündeten haben wir in den vergangenen
Jahren zunehmend die Bereitschaft erlebt, innerhalb des weiter gesteckten
Rahmens des Bündnisses für Westeuropa
eine größere, enger koordinierte Rolle anzustreben.
Wir haben zum Beispiel die Veröffentlichung einer Erklärung
der Westeuropäischen
Union
zur europäischen Sicherheit erlebt,
eine französisch-deutsche Zusammenarbeit
im
Verteidigungsbereich
und
Schritte Großbritanniens und Frankreichs zur Modernisierung ihrer unabhängigen nuklearen Abschreckung.
All dies begrüßen wir. Ich. möchte gerade darauf hinweisen, daß es
die Sowjets von 1981 bis zum Beginn
des Jahres 1986 für einen, jeden INFVertrag zur Bedingung gemacht haben,,
daß französische und britische Nuklearstreitkräfte
einbezogen
werden.
Wir haben uns dieser Forderung vehement und erfolgreich widersetzt. Wir
haben erklärt, unter keinen Umständen
für unsere Verbündeten verhandeln zu
können.
Wie ich bereits früher in

In diesem Sinne werden wir und
unsere Verbündeten bald Verhandlungen
mit dem Osten über eine Behebung des
Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften in Europa aufnehmen, während wir natürlich alle
notwendigen Schritte unternehmen, um
unsere
eigenen
konventionellen
Streitkräfte
zu stärken.
Und wir
messen der Beseitigung des gegenwärtig' zugunsten der Sowjets bestehenden
Ungleichgewichts bei den chemischen
Waffen, eine gleichermaßen hohe Priorität bei, sowohl bei den Verhandlungen als auch im Hinblick auf die Modernisierung unserer eigenen Streitkräfte, und wir handeln hier in dem
Verständnis, daß dieses Ungleichgewicht vor weiteren Reduzierungen bei
den nuklearen Streitkräften der NATO
behandelt werden muß.
Obwohl ich heute fast ausnahmslos
über Rüstungskontrolle gesprochen habe, möchte ich betonen, daß unser
Verhältnis mit den Sowjets viel mehr
umfaßt. Rüstungskontrolle stellt nur
einen Punkt auf der in vier Teile gegliederten Tagesordnung dar, der wir
uns in Genf, Reykjavik und Washington
gewidmet haben und auf der wir auch

- 6 -

�in Moskau bestehen werden. Die anderen drei Punkte lauten: echte Kooperation in bilateralen Angelegenheiten, solide und dauerhafte Verbesserungen bei den Menschenrechten, und,
was regionale Konflikte angeht, eine
Beendigung
weltweiter
sowjetischer
Anstrengungen,
gewaltsam
totalitäre
Regime zu errichten.
Einheit,
Stärke,
Beharrlichkeit
und Einmütigkeit - dies sind die Lektionen der INF-Verhandlungen, und sie
müssen die Grundlage bilden, auf der
wir und unsere Verbündeten neue Verhandlungen aufnehmen.
Dennoch sollten wir zur gleichen
Zeit, in der wir auf Offenheit und
Realismus bestehen - darauf, wenn Sie
so wollen, daß wir mit den Füßen fest
auf dem Boden bleiben - keine Angst
davor haben, zu träumen und unsere
Herzen beflügeln zu lassen.
"Verspottet
nicht
unsere
Träumer",
schreibt Heinrich Heine, "Ihre Worte
sähen die Freiheit".
Wer hätte in
der schwierigen Zeit der späten siebziger und frühen achtziger Jahre - in
der Zeit der Demonstrationen für einen Atomwaffenstopp hier und Massendemonstrationen in Europa - gedacht,
daß
ein
Vertrag,
wie
ihn
Herr
Gorbatschow und ich vergangene Woche
unterzeichnet haben, jemals erzielt
würde.
Wir
wollen dennoch
realistisch
sein, aber auch große Träume träumen.
Und wir wollen uns daran erinnern,
daß vielleicht das wichtigste Anliegen für die Rolle unserer Nation auf
der Welt dieses ist: als Amerikaner
ist es unsere Pflicht, den Frieden zu
sichern und gleichzeitig unermüdlich
für die Freiheit zu arbeiten.
Vielen Dank.

Gott schütze Sie.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

4

16. Dezember 1987

44

AMERIKANER UND SOWJETS VEREINBAREN GEMEINSAMES VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz und sein sowjetischer Kollege
Schewardnadse veröffentlichten am 9. Dezember 1987 eine gemeinsame Erklärung,
derzufolge die beiden Supermächte ein gemeinsames Experiment zur Verifizierung
von Atomtests durchführen werden. Dieses Experiment soll der Verbesserung der
Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von 1974 und den Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von 1976 dienen.
Die Erklärung der Außenminister hat folgenden Wortlaut:

Im Einklang mit der am 17. September 1987 in Washington verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zu den
Problemen in Zusammenhang mit Atomtests sind die Vereinigten Staaten
und die UdSSR damit befaßt, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment zu
entwerfen. Dieses Experiment soll so
bald wie möglich auf dem Versuchsgelände des jeweiligen Vertragspartners
(in Semipalatinsk bzw. in Nevada) zum
Zweck der Ausarbeitung verbesserter
Verifizierungsmaßnahmen
für
den
Schwellenvertrag
von 1974 und den
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

friedlichen Zwecken von 1976 durchgeführt werden.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Ausmaß
für
zukünftige
Vereinbarungen
über die Begrenzung von Atomtests Anwendung finden, die in der Folgezeit
erzielt werden könnten.
Für
das
gemeinsame
Verifizierungsexperiment wird jede Seite der
anderen die Gelegenheit bieten, die
Sprengkraft von einer oder zwei Explosionen auf dem Versuchsgelände jeder Seite zu messen. Die Sprengkraft
soll nicht unter 100 Kilotonnen und

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Telex: 8-85432

�nahe bei 150 Kilotonnen liegen.
Zum Zweck des gemeinsamen Verifizierungsexperiments wird jede Seite auf der Grundlage strikter Gegenseitigkeit - die Gelegenheit haben, die
Sprengkraft der Explosionen zu Verifizierungszwecken zu messen, und zwar
unter
Anwendung
folgender
Mittel:
teleseismischer Methoden sowie, auf
dem Versuchsgelände des Partners, hydrodynamischer Methoden zur Messung
der Sprengkraft durch einen stationären Satelliten.
Zur Bestimmung der
Sprengkraftnorm sieht das Experiment
die Messung der Sprengkraft auf hydrodynamischem Wege im Sprengschacht
vor.
Das gemeinsame Verifizierungsexperiment ist nicht dazu ausgelegt,
statistisch relevante Ergebnisse zu
liefern. Vielmehr wird es so durchgeführt werden, daß alle anderen von
beiden Seiten ausgesprochenen Bedenken im Hinblick auf die Methoden behandelt werden, die von der jeweils
anderen Seite zur Verifizierung des
Schwellenvertrags von 1974 und des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken von 1976 vorgeschlagen wurden. Beide Seiten haben
außerdem vereinbart, daß das Experiment ausreichende Informationen ergeben wird, um diese Bedenken zu zerstreuen, indem ein Beispiel für die
Wirksamkeit der in dem gemeinsamen
Ver ifizierungsexperiment
angewandten
Verifizierungsmethoden geliefert sowie ihre Durchführbarkeit und Unaufdringlichkeit
veranschaulicht
wird.
Das Experiment wird somit die Grundlage für die Vereinbarung solcher Verifizierungsmaßnahmen
liefern,
die
von jeder Seite zur Verifizierung der
Einhaltung der Bestimmungen der Verträge von 1974 und 1976 angewandt
werden könnten.
Es wurde Einverständnis darüber erzielt, daß in Zukunft
jede
Seite
berechtigt
sein
- 2

wird, jede einzelne oder alle dieser
vereinbarten
Verifizierungsmaßnahmen
anzuwenden.
Um eine Vereinbarung über besondere technische und organisatorische
Parameter des gemeinsamen Verifizierungsexperiments zu entwickeln und zu
erlangen, sind beide Seiten übereingekommen, Ad-hoc-Arbeitsgruppen
für
ihre Verhandlungen zu bilden.
Um sich
auf
die
Planung
und
Durchführung des gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vorbereiten
zu
können, haben beide Seiten verabredet, Delegationen auszutauschen, die
das Testgelände der jeweils anderen
Seite besuchen. Diese Besuche, - in
der UdSSR auf dem Versuchsgelände von
Semipalatinsk und in den Vereinigten
Staaten auf dem Versuchsgelände von
Nevada, werden im Januar 1988 als
Vorbereitung auf die nächste Genfer
Verhandlungsrunde stattfinden.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,DN &amp;

16. Dezember 1987

44

DER INF-VERTRAG
Ein kurzer Abriß des US-Amts für Rüstungskontrolle -

- (AD) - (Die folgende Übersicht wurde am 8. Dezember 1987, dem Tag der
Unterzeichnung des Vertrags zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Sowjetunion über die Beseitigung der Mittelstreckenraketen kürzerer und
längerer Reichweite durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow,
vom US-Amt für Rüstungskontrolle (ACDA) veröffentlicht.)

Der INF-Vertrag verpflichtet die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Beseitigung aller landgestützten
ballistischen
Systeme und
Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5 500 Kilometern und
gibt beiden Seiten das Recht, Verifizierungsmaßnahmen
durchzuführen, um
die Einhaltung des Vertrages zu überwachen.
Der INF-Vertrag besteht aus vier
Hauptdokumenten, in denen die grundsätzlichen
Verpflichtungen
und die
Mittel zur Durchführung dieser Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

pflichtungen definiert werden.
Dies sind:
- Die Vertragsartikel, denen zufolge die Vereinigten Staaten und
die
UdSSR verpflichtet
werden,
innerhalb von drei Jahren alle
ihre Systeme mittlerer und kürzerer Reichweite abzuschaffen und
solche Systeme von diesem Zeitpunkt
verboten
sind.
Außerdem
sind diesen Artikeln gemäß Regelungen für die Vereinfachung einer wirksamen Verifizierung der

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Tel.: 0228-339 2035
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�Vertragseinhaltung zu akzeptieren.
- Die Regierungsvereinbarung (Memorandum of Understanding) über die
Daten, das die Daten mit Stand
vom 1. November 1987 enthält, die
vor Unterzeichnung durch die Parteien im Hinblick auf Orte, Zahlen und Charakteristika der Raketensysteme mittlerer und kürzerer
Reichweite beider Seiten ausgetauscht wurden.
- Das Inspektionsprotokoll, in dem
die Verfahren für die Durchführung der vereinbarten Inspektionen vor Ort, darunter kurzfristig
anberaumte Inspektionen und die
ständige Überwachung von Ein- und
Ausgängen, festgelegt werden.
- Das
Beseitigungsprotokoll,
das
eine
detaillierte
Beschreibung
der vertraglich geregelten Verfahren zur Vernichtung von Raketen, Abschußvorrichtungen, Unterstützungseinrichtungen,
Unterstützungsgebäuden und Unterstützungsgerät enthält.

Die grundsätzlichen Vertragsverpflichtungen
Der Vertrag sieht vor, daß die
Parteien
alle
ihre
Raketensysteme
mittlerer und kürzerer Reichweite beseitigen und verbietet den Parteien,
nach diesem Zeitpunkt solche Systeme
herzustellen.
Er gebietet zusätzlich
die Beseitigung der mit diesen Raketen in Zusammenhang stehenden Einrichtungen.
Die Mittelstreckensysteme sind in zwei Phasen innerhalb von
drei Jahren zu beseitigen; die Kurzstreckenraketen müssen innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten beseitigt werden.
Die im vertrag

genannten Mittel-

streckensysteme
sind
die
amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper (GLCM) sowie die
sowjetischen SS-20, SS-4 und SS-5.
Die im Vertrag genannten Systeme kürzerer Reichweite sind die amerikanische Pershing IA und die sowjetischen SS-12 und SS-23. Die Regierungsvereinbarung zu den Daten unterteilt diese Systeme in zwei Kategorien:
stationierte und nichtstationierte Systeme. Jede Seite hat mit
Stand vom 1. November 1987 Daten zu
Zahl, Orten und technischen Charakteristika ihrer INF-Raketensysteme geliefert.
Wenn diese Daten nach Inkrafttreten
des Vertrages auf den
neuesten Stand gebracht worden sind,
werden sie durch Inspektion verifiziert.
über die besonders aufgelisteten
zu vernichtenden amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketensysteme hinaus definiert der Vertrag diese Kategorie von Systemen allgemeiner durch
ihre Reichweite (d. h. 500 - 5 500
Kilometer) und verpflichtet jede Seite, solche Systeme während der - unbegrenzten - Vertragsdauer weder herzustellen noch zu besitzen.
Nach Inkrafttreten des INF-Vertrags darf keine Seite Raketen mittlerer oder kürzerer Reichweite herstellen oder im Flug erproben oder
Abschußvorrichtungen für sie herstellen. Während es beiden Seiten jedoch
verboten ist, Raketen kürzerer Reichweite
überhaupt
abzuschießen, wird
ihnen innerhalb der ersten sechs Monate der Vertragsdauer gestattet, bis
zu
100 Mittelstreckenraketen
abzuschießen, allerdings nur zum Zwecke
ihrer Vernichtung.
Solche Abschüsse
zu Vernichtungszwecken dürfen nicht
auf eine Art und Weise durchgeführt
werden, die nützliche
Erkenntnisse
für die Entwicklung von Raketen hervorbringt. Außerdem unterliegen die-

- 2 -

�ten
und
nichtstationierten
Abschußvorrichtungen
zu den Vernichtungseinrichtungen zu transportieren.
Die
verbleibenden
nichtstationierten Raketen kürzerer Reichweite müssen innerhalb
eines Jahres zu den Vernichtungseinrichtungen transportiert werden.

se Abschüsse der Inspektion vor Ort.
Der Vertrag gibt beiden Parteien
das Recht, ein System einzurichten,
das die ständige Anwesenheit von Inspektoren zur Überwachung von Raketeneinrichtungen auf dem Territorium
des Vertragspartners vorsieht.
Die
Vereinigten
Staaten werden in dem
Fall das Recht haben, solch eine Inspektion
einer
sowjetischen
SS-20Einrichtung in Wotkinsk durchzuführen, während den Sowjets gestattet
wird, eine amerikanische Einrichtung
für Pershing
II-Raketen
in Magna,
Utah, zu inspizieren.

Der dreijährige Reduzierungszeitraum

- Der Transfer von INF-Raketen zwischen ihren genehmigten Standorten hat innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erfolgen.
Der Vertrag fordert ferner, daß
die Vereinigten Staaten und die UdSSR
die Benachrichtigung von vertragsrelevanten Handlungen vornehmen. Diese
umfassen:

Um die Verifizierung zu vereinfachen, sieht der Vertrag eine Reihe
von Verpflichtungen
zur
Begrenzung
der
INF-Aktivitäten
innerhalb
des
dreijährigen
Reduzierungszeitraums
vor, darunter die folgenden:
- Mittelstreckensysteme
und
ihre
Abschußvorrichtungen
dürfen
nur
in ihren festgelegten Stationierungsgebieten
oder
Unterstützungseinrichtungen, wie etwa Lagerungs-,
Instandsetzungs- oder
Beseitigungseinrichtungen
untergebracht sein oder zwischen diesen
in der vereinbarten Weise
verlegt werden.
Alle zugelassenen Orte sind durch geographische
Lage und Größe im Datenaustausch
benannt und definiert.
Befindet
sich
irgendein
vertraglich begrenzter Gegenstand an einem vertraglich nicht zugelassenen Ort,
so bedeutet dies eine Verletzung
des Vertrags.
- Innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Vertrags sind alle stationierten Raketen kürzerer
Reichweite sowie alle stationier-

- Ursprungs- und Bestimmungsort von
im Transfer befindlichen Raketen
und
Abschußvorrichtungen,
einschließlich
von
in
bestimmten
Zeitabständen zu liefernden Informationen über ihren Standort.
- Daten über die Eliminierung von
Stationierungsgebieten,
Stützpunkten
und
Unterstützungseinrichtungen.
- Datum, Ort, Anzahl und Typ von
Raketen und Abschußvorrichtungen,
die auf einem dafür bestimmten
Gelände vernichtet werden sollen.
- Datum, Ort und Typ von Raketen,
die durch Abschuß vernichtet werden sollen.
Nachdem
der
Vertrag
in Kraft
tritt, werden die Daten auf den neuesten stand gebracht.
Im Anschluß
daran
erfolgt
die Benachrichtigung
über Änderungen dieser Daten in vorgeschriebenen Zeitabständen.

- 3 -

Alle

diese

Benachrichtigungen,

�einschließlich der fortgeschriebenen
Daten und Inspektionen werden durch
die Zentren zur nuklearen Risikoverminderung übermittelt.

Beseitigungsverfahren
Der Vertrag
und das Protokoll
über die Beseitigung enthalten die
allgemeinen
Richtlinien
und spezifischen Verfahren für die Beseitigung
von
Raketen,
Abschußvorrichtungen,
Unterstützungseinrichtungen und -gerät.
- Raketensysteme
werden
in vollständigen
Organisationseinheiten
abgebaut, um die Aufgabe der Verifizierung zu erleichtern.
- Die
Vernichtung
erfolgt
schließlich in beiderseitig
einbarten Einrichtungen.

ausver-

- im Einklang mit den oben genannten Bestimmungen können maximal
100 Mittelstreckenraketen
durch
Abschuß vernichtet werden.
- Die
wichtigsten
Unterstützungseinrichtungen
werden an ihrem
Standort vernichtet.

Verifizierungsverpflichtungen
Während die Vereinigten Staaten
zur Überwachung des Vertrags weiterhin ihre Nationalen Technischen Mittel (NTM) anwenden, besteht ein zusätzliches wichtiges Mittel zur Erleichterung der Verifizierung in dem
neu
in
den
Vertrag
aufgenommenen
Recht auf Inspektionen vor Ort.
Die Inspektionen vor Ort umfassen
folgende Typen:
- Grundinspektionen

-

Sie

tragen

zur
Verifizierung
des
anfänglichen Austauschs fortgeschriebener Daten bei und enthalten das
Recht
auf
vor-Ort-lnspektionen
vereinbarter und in der Regierungsvereinbarung
aufgeführter
Standorte innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Vertrags. Dies erstreckt sich - zusätzlich zu den Standorten in der
Sowjetunion - auch auf Einrichtungen
und
Stützpunkte in der
Deutschen Demokratischen Republik
und der Tschechoslowakei, wo die
Sowjetunion Raketensysteme kürzerer Reichweite stationiert hat.

,

- Abschlußinspektionen - Nach Beseitigung der Stützpunkte und Raketenunter stützungsei nri cht ungen, ha
ben die Vereinigten Staaten das
Recht zur Durchführung von Inspektionen, um festzustellen, daß
vertraglich verbotene Handlungen
beendet worden sind.
Falls die
Vereinigten
Staaten
dies
wünschen, können sie in allen diesen
Standorten
eine
Abschlußinspektion durchführen.
- Beseitigungsinspektionen
Die
Vereinigten
Staaten
haben
das
Recht, die Vernichtung von Raketen und Abschußvorrichtungen am
Ort der Beseitigung zu beobachten.
Das Verfahren zur Beseitigung ist im Protokoll über die
Beseitigung
vorgeschrieben
und
die
Vereinigten
Staaten
sind
durch die Inspektionen in der Lage, die Durchführung dieser Verfahren
zu
beobachten.
Dieses
Recht zur Beobachtung der Beseitigung von Raketen und Abschußvorrichtungen ist nicht durch irgendeine Quote begrenzt.
- Kurzfristig anberaumte Inspektionen - Nach Inkrafttreten des Vertrags haben die Vereinigten Staa-

.

�ten und die UdSSR 13 Jahre lang
das Recht, eine bestimmte Anzahl
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen vereinbarter Standorte pro
Jahr durchzuführen.
Damit haben
die Vereinigten Staaten in den
ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages - das heißt,
bevor alle Systeme beseitigt worden sind - das Recht auf jährlich
20 kurzfristige Inspektionen von
gegenwärtig noch in Betrieb befindlichen Stützpunkten und Einrichtungen, sowie derjenigen, die
bis dahin beseitigt sein werden.
In den ersten fünf Jahren nach
der vollständigen Beseitigung von
INF-Raketensystemen
können
die
Vereinigten Staaten 15 vor-OrtInspektionen pro Jahr durchführen.
Im Verlauf der nächsten
fünf Jahre können die Vereinigten
Staaten
zehn entsprechende Inspektionen pro Jahr durchführen.
Überwachung der Ein- und Ausgänge
von Produktionsstätten - Im speziellen
Fall
der
sowjetischen
SS-25 ICBMs, die in einer Einrichtung zusammengebaut wird, in
der früher SS-20-Raketen montiert
wurden, hat die Sowjetunion ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben, den Vereinigten
Staaten
den Bau eines permanenten Uberwachungssystems in den Einrichtungen zur Endmontage der SS-25
in Wotkinsk in der Nähe des Urals
zu gestatten oder in jeder anderen Einrichtung, in der in Zukunft die Endmontage der SS-25
vorgenommen werden könnte.

spektionen vor Ort zur Verifizierung der Einhaltung des INF-Vertrags haben sich die Parteien dazu verpflichtet, keinen Einfluß
auf die NTM der anderen Seite zu
nehmen sowie spezifische Schritte
zur
Verbesserung
der
Fähigkeit
der anderen Seite zu unternehmen,
Überwachungen mittels NTM durchzuführen.
Die besondere Verifizierungskommission - Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR haben sich ferner
darauf geeinigt, eine besondere
Verifizierungskommission zu gründen, die auf Bitte jeder Seite
zur Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Einhaltung des
Vertrags einberufen werden kann.

Ratifizierung und Dauer des Vertrags
Alle
Vertragsdokumente
einschließlich
der
Regierungsvereinbarung über den Datenaustausch, das Inspektionsprotokoll sowie das Beseitigungsprotokoll unterliegen der Ratifizierung.
Der
INF-Vertrag
ist von unbegrenzter
Dauer.
Jede Partei kann
sich vom Vertrag zurückziehen, sollte
sie zu dem Schluß gelangen, daß aussergewöhnliche, im Zusammenhang mit
dem Inhalt des Vertrags stehende Ereignisse ihre vornehmsten Interessen
gefährden.

Detaillierte Verfahren zur Durchführung aller der oben genannten Inspektionen sind im Inspektionsprotokoll enthalten.
- Nationale Technische Mittel - Zusätzlich zur Genehmigung von In- 5 -

* * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

16.Dezember 1987

44

TECHNISCHE VORVEREINBARUNGEN ÜBER RAUMSTATION
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

WASHINGTON - (AD) - Die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) hat
jetzt Vorverträge an vier amerikanische Firmen zum Bau einer Raumstation vergeben. Die Anfang Dezember von NASA-Administrator Dr. James C. Fletcher bekanntgegebenen Vereinbarungen mit der Boeing Aerospace Company, McDonnell
Douglas Astronautics Company, General Electric Company und Rockwell International (Rocketdyne Division) bilden die Vorstufe zu offiziellen Verträgen,
die eine Laufzeit von ca. zehn Jahren hätten und Aufwendungen von ca. fünf
Milliarden Dollar erforderten. Einzelheiten werden noch ausgehandelt.

Gegenüber
Journalisten
verwies
Fletcher jedoch darauf, daß der Bau
einer Raumstation, der auf der Basis
vorliegender Pläne auf 14 Milliarden
Dollar veranschlagt wird, von Budgetbewilligungen abhänge, die der amerikanische Kongreß erst nach den Gesprächen
und Abmachungen
mit dem
Weißen Haus zum Abbau des Haushaltsdefizits
verabschieden
könne.
Die
jetzt vorgesehene Station, die Mitte
der
neunziger
Jahre
betriebsbereit
sein soll, ist erheblich kleiner als
die ursprüngliche Version.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Gerüstkonstruktion, Kontrollsysteme und Vorrichtungen zur Aufnahme von Nutzlasten und anderer Untersysteme würden von einer Firmengruppe
unter Führung von McDonnell Douglas
entwickelt (Kosten: ca. 1,9 Milliarden Dollar).
Boeing erhielt den Zuschlag für den Bau von zwei Druckmodulen, in denen Astronauten leben und
arbeiten können (Kosten: 750 Millionen Dollar).
General Electric hatte
als einziger Anbieter Pläne für die
Konstruktion
einer
freifliegenden,
unbemannten
Forschungsplattform
zum
Einsteuern in eine polare Umlaufbahn

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�vorgelegt
(Kosten:
800
Millionen
Dollar).
Und Rocketdyne machte das
Angebot, die Systeme zur Stromversorgung zu entwickeln und herzustellen
(Kosten:
1,6
Milliarden
Dollar).
Die erste Stufe der Errichtung einer
Raumstation, die sich über insgesamt
elf Jahre erstreckt, wäre damit technisch gesichert. in der zweiten stufe würden einige Erweiterungsbauten
vorgenommen (Kosten: ca. 1,5 Milliarden Dollar).
Den jetzt vorliegenden Plänen zufolge soll die Raumstation der Forschung für wissenschaftliche und kommerzielle
Zwecke
dienen
und
als
Startplattform für künftige Flüge zum
Mond und Mars benutzt werden. In die
Gerüststruktur, die an beiden Enden
mit Solarzellen bestückte Stromkollektoren trägt, sind im Zentrum vier
Druckmodule eingefügt.
zwei liefern
die USA, die beiden anderen Japan und
die Europäische Raumfahrtbehörde ESA.
Mit der Montage der Station im Orbit
soll 1994 begonnen werden. Die Teile
werden in ca. 19 Raumtransporterflügen in die Erdumlaufbahn gebracht.
Die Raumstation bietet acht Personen
Unterkunft.

Die Verhandlungen mit Kanada hinsichtlich einer Beteiligung sind bisher am weitesten gediehen.
Kanada
wird den mechanischen Arm beisteuern,
der für die Montagearbeiten erforderlich ist.
Mit Japan und Westeuropa
wird derzeit noch über den Zugang zu
Stationselementen und zu Forschungsdaten verhandelt.
Wie NASA-Administrator Fletcher erklärte, würden die
Vereinigten
Staaten ungeachtet
des
Fortgangs der Gespräche mit den internationalen Partnern die Raumstation in Angriff nehmen.
Er zweifle
aber nicht daran, daß "sie an Bord
kommen werden".

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Abschlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: "Fortschritte" bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enge Konsultationen mit den Europäern über INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans vor dem CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der INF-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technische Vorvereinbarungen über Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA wählte die Vertragsfirmen aus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy ofibg Uni ted States of America
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16. Dezember 1992

50

5300
KSZE

EAGLEBURGER FORDERT ENERGISCHERE
MASSNAHMEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN
Rede bei KSZE-Außenministertreffen

MENSCHENRECHTE

BUSH: IM BEREICH MENSCHENRECHTE
BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Proklamation des Präsidenten
MENSCHENRECHTSPOLITIK MUSS
IDEALISMUS UND REALITÄT VERBINDEN
von Paul Wolfowitz
ENGAGEMENT FÜR MENSCHENRECHTE
SCHWERPUNKT DER BEMÜHUNGEN
IN SOMALIA
Rede von Staatssekretär Kanter

SERBIEN

KOSTEN DER SERBISCHEN UND
MONTENEGRINISCHEN POLITIK
EXTREM HOCH
Ansprache von Robert Rackmales

PORTRÄT

LANGJÄHRIGER PERSÖNLICHER FREUND
ALS CLINTONS STABSCHEF
Thomas F. "Mack" McLarty
BENTSEN ALS FINANZMINISTER
NOMINIERT
Langjähriges Senatsmitglied hat
starke wirtschaftliche Interessen

bitte wenden
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�PORTRÄT

CLINTON ERNENNT PARTEIVORSITZENDEN
DER DEMOKRATEN ZUM HANDELSMINISTER
Porträt von Ron Brown
DESIGNIERTER ARBEITSMINISTER LEGT
BETONUNG AUF AUS- UND FORTBILDUNG
Porträt von Robert Reich
CLINTON SIEHT HERAUSFORDERUNGEN
FÜR DESIGNIERTE GESUNDHEITSMINISTERIN
Porträt von Donna Shalala
PANETTA ZUM DIREKTOR DER HAUSHALTSBEHÖRDE ERNANNT
Renommierter Experte im Kongreß
CLINTON BERUFT HANDELSEXPERTIN ALS
WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSBERATERIN
Erste Frau als Vorsitzende des Rats
der Wirtschaftsberater
RUBIN IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
GLEICHERMASSEN ERFAHREN
Wirtschaftsberater Robert Rubin
UMWELTSCHUTZGRUPPEN BEGRÜSSEN
BROWNERS NOMINIERUNG
Clinton ernennt Leiterin des EPA

�KSZE
16. Dezember 1992

EAGLEBURGER FORDERT ENERGISCHERE
MASSNAHMEN IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede bei KSZE-Außenministertreffen
STOCKHOLM - (AD) - US-Außenminister Eagleburger hat erklärt, die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) müsse "energischere Maßnahmen beschließen, um zu beginnen, eine unerträgliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien "zu revidieren".
Beim Treffen des KSZE-Ministerrats in Stockholm stellte Eagleburger am 14. Dezember 1992 fest, eine mögliche
Maßnahme sei es, Personen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, namentlich zu
identifizieren und zu gewährleisten, daß sie persönlich zur Verantwortung gezogen werden.
Im Hinblick auf die ehemalige Sowjetunion müsse die KSZE "eine effektivere Rolle dabei spielen, durch
Überwachung der Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte... die aktuellen und potentiellen ethnischen
Konflikte zu behandeln".
"Nur, wenn wir den Willen aufbringen, unser neues ungeteiltes und freies Europa sowohl einzeln als auch kollektiv
zu verteidigen", erklärte Eagleburger, "können wir sicherstellen, daß die Demokratie sich gegen Aufruhr als
kennzeichnendes Merkmal des Zeitalters nach dem Kalten Krieg durchsetzen wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Wir kommen heute hier in Stockholm zusammen,
nachdem wir die Schwelle zu einem neuen Zeitalter
bereits längst überschritten haben. Bisher hat dieses
neue Zeitalter noch keinen Namen. Wir beschreiben
es vorläufig lediglich als Negation dessen, was ihm
vorausging - als Zeitalter nach dem Kalten Krieg.
Ironischerweise sind wir, die den Namen nicht kennen
können, den die Geschichte dieser Zeit einmal geben
wird, diejenigen, deren Handlungen seine spätere
Bezeichnung am meisten bestimmen werden. In der
Tat liegt es in unserer Macht, zu entscheiden, ob die
Historiker dies als ein Zeitalter der Demokratie oder als
Zeitalter des Aufruhrs bezeichnen werden.

daß wir uns in einer Übergangsphase zwischen einer
alten Ordnung befinden, die tot oder im Sterben begriffen ist, und einer neuen, die noch in den Geburtswehen
liegt.

Glücklicherweise hat die internationale Staatengemeinschaft zumindest die Entschlossenheit bewiesen, für
eine zivilisiertere Weltordnung zu handeln, als sie mit
den Notlagen in Kuwait und Somalia konfrontiert wurde. Die bedeutsamere und vor allem schwieriger zu
bewältigende Herausforderung, der wir uns noch stellen müssen, ist die Notwendigkeit, neue internationale
Strukturen zu entwickeln, um die weltweiten Veränderungen in dieser neuen Ära zu bewältigen. Kurzum:
Mit dem Niedergang des Kommunismus ist zumindest Dies ist eine Zeit für den Aufbau von Institutionen, die
klar, wo die Bestrebungen der Menschheit liegen: Sie der Periode nicht unähnlich ist, die unmittelbar auf den
sind allgemein auf die Freiheit und damit auf die Zweiten Weltkrieg folgte.
Demokratie gerichtet. Ebenso klar ist jedoch, daß der
Zusammenbruch des statischen internationalen Sy- Während jedoch die Nachkriegsinstitutionen über Jahre
stems des Kalten Krieges eine weltweite Dynamik des - sogar Jahrzehnte - hinweg entwickelt wurden, zeigt
Wandels freigesetzt hat, die - ungezügelt - diese das anhaltende Gemetzel im ehemaligen JugoslaBestrebungen überwältigen und auf lange Sicht Insta- wien , da ß wir den Luxu s von Zeit nicht besitzen und wir
bilität androhen könnte. Die irakische Besetzung in der Tat das Rennen gegen die Zeit, die Kräfte des
Kuwaits, der Hunger in Somalia und "ethnische Säube- Hasses und des Zerfalls verlieren könnten, die die
rungen" auf dem Balkan verdeutlichen die Tatsache, neue demokratische Ordnung in Europa bedrohen.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Jugoslawien ist eine schockierende Mahnung, daßdie
Barbarei in unserer Mitte existiert und wir das neue
Europa weder zivilisiert noch sicher nennen können,
bevor wir nicht solidere Mechanismen entwickelt haben, um diese und ähnliche Krisen in den Griff zu
bekommen.

Demgemäß möchte ich die folgenden Themen als
vordringlich für die Tagesordnung dieses Treffens
vorschlagen.

Erstens sollten wir auf den Beschlüssen von Helsinki
aufbauen und eine KSZE-Strategie entwickeln, die
agiert und nicht reagiert, die frühe Warnzeichen für
Wenn wir jedoch ehrlich sind, werden wir tiefer schür- Instabilität entdeckt und präventive diplomatische
fen und das ehemalige Jugoslawien als Spiegel unse- Maßnahmen ergreift. Wir müssen frühzeitig genug
rer eigenen düsteren Seite erkennen - ein Spiegel bestrebt sein, den Ausbruch von Konflikten zu verhindessen, was auch aus uns werden könnte, wenn wir dern, denn andernfalls werden wir uns - wie im Falle
dem ethnischen Haß und der Intoleranz gegenüber der Jugoslawiens - in einer Lage befinden, in der wir
Vielfalt erliegen würden, die wir dieses Jahr auch in ständig auf neue Schrecken reagieren.
Westeuropa und Nordamerika erlebt haben. Jugoslawien sollte uns bewußt machen, daß unsere Hoffnun- Die KSZE hat diese Lektion gelernt und mehrere
gen auf ein Leben in einer friedlicheren und zivilisierte- Beobachtermissionen auf dem Balkan und in der
ren Welt unauflöslich mit der Art und Weise verbunden ehemaligen Sowjetunion stationiert, darunter im Kosovo, in der Wojwodina, dem Sandschak, in Mazedonien
sind, wie wir uns im eigenen Land verhalten.
und Georgien. Wir begrü ßen die Arbeit dieser MissioGenau aus diesem Grund ist die KSZE heute in der Tat nen.
von solch entscheidender Bedeutung. Sie bringt unsere
Überzeugung zum Ausdruck, daß ein wahrhaft demo- Letztlich werden wir jedoch an den Ergebnissen
kratisches Europa ein friedliches Europa sein wird, gemessen, und meines Erachtens haben wir das
daß ein Europa, das seine Geschichte ethnischen Potential der KSZE für präventive Diplomatie bei den
Hasses überwindet, seine unendliche Geschichte aktuellen Krisen noch nicht vollständig ausgeschöpft.
mörderischer Auseinandersetzungen nicht wiederho- Besonders auf dem Balkan müssen wir energischere
len muß. Die KSZE verkörpert das revolutionäre Maßnahmen beschließen, um zu beginnen, eine unerKonzept, demzufolge sich Sicherheit in Zukunft mehr trägliche Situation zu revidieren.
aus der Wahrung von Menschenrechten und demoWir müssen die Personen namentlich identifikratischen Prinzipien als aus vergangenen Mechaniszieren, die im ehemaligen Jugoslawien Verbremen des Kräftegleichgewichts ableitet.
chen gegen die Menschlichkeit begangen haben und gewährleisten, daß sie persönlich zur
Die KSZE mu ß jedoch mehr sein als nur das Gewissen
Verantwortung
gezogen werden - genau wie
Europas, wenn sie ihrem ehrgeizigen Ziel gerecht
dies
mit
Hitlers
Komplicen
in Nürnberg geschah.
werden möchte. Gemeinsam mit den anderen Säulen
der politischen und Sicherheitsarchitektur Europas
Wir müssen die KSZE-Missionen erweitern, um
muß die KSZE angesichts wachsender Instabilität in
die Durchführung von UN-Sanktionen zu unterihrer Arbeit effektiver und lösungsorientierter werden.
stützen und damit den Druck auf diejenigen zu
verstärken, die den Krieg weiter anheizen.
Unser Treffen in Helsinki hat gerade diese Rolle der
KSZE bekräftigt und ihr eine Vielzahl von Instrumenten
Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln,
gegeben, um die Arten von destabilisierenden Verändas Übergreifen des Krieges auf benachbarte
derungen zu bewältigen, mit denen wir konfrontiert
Regionen und Länder zu verhindern - insbesonsind. Wie die sich verschlechternde Lage in Jugosladere dadurch, daß wir hier und jetzt eine umwien demonstriert, wurden diese Instrumente bedaufangreiche Mission im Kosovo zusagen. Laserlicherweise weder vollständig weiterentwickelt, noch
sen Sie mich in diesem Zusammenhang festhaben wir sie so gut oder so unmittelbar eingesetzt, wie
stellen, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits
wir es hätten tun können. Unser heutiges Ziel muß
auf vordringlicher Basis einen Beitrag zu dieser
deshalb darin bestehen, den Schwerpunkt der KSZE
erweiterten Mission leisten werden.
auf die Wurzeln der Instabilität in Europa zu legen und
die Organisation zu ermutigen, einen aktiveren Ansatz
Schließlich müssen wir, wenn wir unsere Unterzur Problemlösung zu wählen. Sicherlich gibt es auch
stützung für die Schaffung sicherer Gebiete in
Fragen struktureller Reformen und Ressourcen, mit
Bosnien für die Hunderttausenden von Opfern
denen wir uns ebenfalls beschäftigen müssen. Vor
der "ethnischen Säuberung" erklären, sicherallen Dingen sind der politische Wille und die Fühstellen, daß diese humanitären Bemühungen
rungskraft aller Mitgliedstaaten erforderlich, das genicht mißbraucht werden, um die Ergebnisse
samte Potential der KSZE-Mechanismen auszuschöpdieser abscheulichen Politik zu verfestigen.
fen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Die KSZE muß ferner eine effektivere Rolle dabei
spielen, durch Überwachung der Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte in allen Staaten der
GUS und durch die Beschleunigung von Konfliktverhütungsmissionen an Orten wie Georgien und Moldawien die aktuellen und potentiellen ethnischen Konflikte zu behandeln. Die uneingeschränkte Unterstützung
der Minsk-Gruppe durch alle KSZE-Staaten ist unerläßlich, um den Frieden in Nagorny-Karabach zu sichern. Natürlich muß die internationale Staatengemeinschaft ihre Strategien zur Verhütung, Eindämmu ng und Beendigu ng solcher Konflikte an d ie speziellen Bedingungen in den einzelnen Regionen anpassen. Alle Bemühungen sollten jedoch im Rahmen der
KSZE-Prinzipien und des politischen Engagements
der KSZE stattfinden. Deshalb sollten wir bereit sein,
verantwortungsbewußte Friedenssicherungsbemühungen Rußlands und anderer GUS-Staaten unter dem
Dach der KSZE zu unterstützen.

terten Arten aktiveren politischen Engagements werden von uns allen zusätzliche Leistungen in Gestalt
von Finanzmitteln, Ausrüstung und Personal erfordern. Einige, und ich zögere nicht, die Vereinigten
Staaten hier einzubeziehen, haben bisher erhebliche
Mittel zugesagt. Aberwir alle können mehr tun. Wenn
die KSZE ihre Missionen erfüllen soll, muß unsere
Übereinstimmung im Hinblick auf Rechte durch einen
Konsens über die Pflichten untermauert werden.

Abschließend möchte ich meine Ansicht bekräftigen,
daß es - so wichtig unsere Bemühungen zur Stärkung
dieser Organisation auch sein mögen - letztlich Aufgabe der Mitgliedstaaten selbst ist, die schwere Arbeit
der Verteidigung des Friedens unserer demokratischen Ordnung zu leisten. Es obliegt jedem einzelnen
unter uns, die Normen der KSZE für das politische
Verhalten innerhalb unserer Grenzen aufrechtzuerhalten. Und es ist unsere kollektive Aufgabe, die KSZEMechanismen zur Konfliktverhütung und zum KrisenZweitens müssen wir die KSZE organisatorisch an- management zu unterstützen, die ich heute hier erörpassen, um eine wirksame Reaktion auf die Herausfor- tert habe.
derungen der Konfliktverhütung und des Krisenmanagements zu gewährleisten. In ihrer jetzigen Verfas- Wir können nicht erwarten, daß unsere Probleme von
sung ist die KSZE kaum in der Lage, die gegenwärti- einem deus ex machina gelöst werden. Weder die
gen Herausforderungen - geschweige denn die dro- Vereinigten Staaten noch die KSZE selbst können
henden - administrativ in den Griff zu bekommen. diese Rolle spielen - obwohl ich garantieren kann, daß
Benötigt werden ein Verwaltungschef für die verschie- die Vereinigten Staaten mit ihren europäischen Partdenen KSZE-Institutionen, ein zwischen den Konfe- nern zusammenarbeiten werden, um der KSZE zum
renzen hochrangiger Vertreter tagendes Gremium zur Erfolg zu verhelfen. Am wichtigsten ist jedoch, daß wir
Bewältigung der Tagesgeschäfte sowie mehr admini- die Vision, den Mut und die Solidarität bewahren, mit
strative Geschlossenheit und Fähigkeiten. Ich bin denen sowohl die demokratischen Nationen des
gewiß, daß diese Ziele ohne Schwächung der Stärken Westens als auch die Völker, die im Osten nach
der KSZE - Kreativität, Flexibilität und politische Re- Freiheit strebten, die gewaltigen Gefahren und Herchenschaftspflicht - erlangt werden können. Wir müssen ausforderungen des Kalten Krieges überwanden. Wenn
sicherstellen, daß die Organisationen weiterhin frei wir etwas in diesem Jahrhundert gelernt haben, dann
das, daß weder Frieden noch Freiheit ohne Opfer
von bürokratischen Schwächen bleibt.
bewahrt werden können. Nur, wenn wir den Willen
Schließlich müssen wir uns darüber im klaren sein, aufbringen, unser neues ungeteiltes und freies Europa
daß weder die gestärkte Rolle der KSZE noch die von sowohl einzeln als auch kollektiv zu verteidigen, könmir skizzierten institutionellen Reformen etwas bewir- nen wir sicherstellen, daß die Demokratie sich gegen
ken werden, wenn die Mitglieder nicht ein mit Ressour- Aufruhr als kennzeichnendes Merkmal des Zeitalters
cen untermauertes Engagement unter Beweis stellen. nach dem Kalten Krieg durchsetzen wird.
Die Konfliktverhütungsmissionen und die von mir erör* *

AMERIKA DIENST 50

*

Seite 3

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

BUSH: IM BEREICH DER MENSCHENRECHTE
BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, daß trotz "großer Fortschritte" im Bereich der Menschenrechte "noch vieles zu tun bleibt, um die friedliche Beilegung von Konflikten, die Schaffung stabiler demokratischer
staatlicher Institutionen sowie die allgemeine Einhaltung internationaler Menschenrechtsabkommen zu fördern".
Anläßlich der Proklamierung des 10. Dezembers als Tag der Menschenrechte, des 15. Dezembers als Bill-ofRights-Tag und der am 10. Dezember beginnenden Woche als Woche der Menschenrechte verwies Bush darauf,
die Vereinigten Staaten würden "nicht hinnehmen", daß der Konsens über internationale Menschenrechtsnormen "von denjenigen ausgehöhlt wird, die vorgeben, ihr besonderer wirtschaftlicher, sozialer oder politischer
Kontext entbinde sie von ihrer Verpflichtung zum Schutz der Rechte des einzelnen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.

Diese Woche gedenken wir der Ratifizierung unserer bestehen geblieben - ein Maßstab, an dem wir die
Bill of Rights am 15. Dezember 1791. Dabei danken Rechtmäßigkeit amerikanischer Gesetze und Instituwir nicht nur für das fortbestehende, gesetzlich veran- tionen messen.
kerte Vermächtnis der Freiheit unseres Landes, sondern wir feiern auch ihre Rolle bei der Förderung der Im Lauf der Zeit hat sich die Bill of Rights auch als
Eckpfeiler erwiesen: Heute erkennen wir dieses große
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Dokument als Grundlage neuerer Urkunden der Freiheit
an, darunter die Allgemeine Deklaration der
Unsere Bill of Rights garantiert neben anderen GrundMenschenrechte,
die von der Generalversammlung
freiheiten die Religions-, Rede-und Pressefreiheit. Sie
der
Vereinten
Nationen
am 10. Dezember 1948 verabbekräftigt das Recht der Menschen, Waffen zu besitschiedet
wurde.
zen und zu tragen. Sie stellt sicher, daß niemand ohne
ordentliches Gerichtsverfahren des Lebens, der Freiheit oder des Eigentums beraubt werden darf und In der Erkenntnis, daß die Wahrung "der allen Angehögarantiert das Recht des Bürgers auf Sicherheit vor rigen der menschlichen Familie zukommenden Würde
unangemessener Durchsuchung oder Festnahme ihrer sowie ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die
Person, Häuser, Papiere und Effekten. Die Bill of Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden bilRights etabliert ferner grundsätzliche Regeln der Fair- det", bekräftigten die Unterzeichner der Deklaration,
neß im Rechtssystem unseres Landes, darunter das daß "jedermann das Recht auf Leben, Freiheit und
Recht auf ein Geschworenenverfahren, den Beistand Sicherheit seiner Person" habe. Die Unterzeichner
eines Anwalts und die Freiheit vor grausamer und erklärten ebenso, "alle Menschen sind vordem Gesetz
außergewöhnlicher Bestrafung. Schließlich behält die gleich und haben ohne Unterschied Anrecht auf gleiBill of Rights den Bundesstaaten beziehungsweise chen Schutz durch das Gesetz". Sie vereinbarten,
dem Volk solche Befugnisse vor, die nicht von der Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit für alle
Verfassung auf die Bundesregierung übertragen wer- Menschen zu respektieren, ohne Ansehen von Rasse,
Nationalität, Geschlecht oder Glauben und erklärten,
den.
"jedermann hat das Recht, sei es direkt oder durch
In den vergangenen 200 Jahren wurden unserer Ver- Vermittlung von frei gewählten Vertretern, sich an
fassung siebzehn Zusätze hinzugefügt, aber die Bill of öffentlichen Angelegenheiten seines Landes zu beteiRights ist als leuchtendes Symbol unserer Freiheit ligen". Diese Grundsätze wurden erneut im Jahr 1975

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�bekräftigt, als die Vereinigten Staaten, Kanada und 33
europäische Staaten in Helsinki gemeinsam die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unterzeichneten.

Absage, Menschenrechtsabkommen unter Berufung
auf besondere sozioökonomische Bedingungen oder
religiöse und kulturelle Traditionen zu verwässern oder
zu verzerren. Nachdem wir so lange für die Anerkennung eines internationalen Maßstabs für die Menschenrechte gekämpft haben, der in grundlegenden
Normen von Moral und Gerechtigkeit verwurzelt ist,
werden wir nicht hinnehmen, daß dieser Konsens von
denjenigen ausgehöhlt wird, die vorgeben, ihr besonderer wirtschaftlicher, sozialer oder politischer Kontext
entbinde sie von ihrer Verpflichtung zum Schutz der
Rechte des einzelnen. Die für Juni 1993 anberaumte
Weltmenschenrechtskonferenz wird den Vereinigten
Staaten eine weitere Gelegenheit verschaffen, um die
Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und die
gemeinsame Pflicht aller Regierungen zu bekräftigen,
sie zu bewahren.

Obwohl wir im Hinblick auf die in Helsinki vorgesehenen und bei KSZE-Folgekonferenzen in Kopenhagen,
Genf und Moskau bekräftigten Ziele große Fortschritte
gemacht haben, wissen wir, daß immer noch vieles zu
tun bleibt, um die friedliche Beilegung von Konflikten,
die Schaffung stabiler demokratischer staatlicher Institutionen sowie die allgemeine Einhaltung internationaler Menschenrechtsabkommen zu fördern. Als wir im
Jahr 1789 für unsere Verfassung eine Bill of Rights
vorschlugen, stellte James Madison klug fest, ein
solches Dokument werde die Demokratie stärken,
indem es eine Tyrannei der Mehrheit verhindere, in der
der Wille einer großen Zahl von Bürgern gegen die
Rechte weniger gerichtet werden könnte.
Aus diesem Grund proklamiere ich, George Bush,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
Das Wiederaufleben ethnisch begründeter Gewalt und der mir durch die Verfassung und die Gesetze der
bitterer nationalistischer Rivalität hat die Dringlichkeit Vereinigten Staaten verliehenen Autorität, hiermit den
des Schutzes von Minderheitenrechten unterstrichen. 10. Dezember 1992 zum Tag der Menschenrechte und
Wie sie dies in der Vergangenheit bereits konsequent den 15. Dezember 1992 zum Bill-of-Rights-Tag und
getan haben, fordern die Vereinigten Staaten alle fordere alle Amerikaner auf, die am 10. Dezember
Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki und 1992 beginnende Woche als Woche der Menschender Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte auf, rechte zu begehen. Ich appelliere an alle Amerikaner,
ihre feierliche Verpflichtung zum Schutz der Rechte diese Woche mit geeigneten Feiern und Aktivitäten zu
des einzelnen unabhängig von Rasse, Nationalität würdigen.
oder Glauben zu erfüllen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am diesem achten Tag
In der Erkenntnis, daß weiterhin nicht nur in den des Dezembers im Jahr des Herrn neunzehnhundertRegionen, die Teil der KSZE sind, sondern auch in undzweiundneunzig und im Jahr zweihundertundsiebanderen Regionen der Welt schwere Menschenrechts- zehn der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten hierauf
verletzungen begangen werden, erteilen die Vereinig- meine Unterschrift geleistet.
ten Staaten darüber hinaus jeglichem Versuch eine
* * * * *
•

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

MENSCHENRECHTSPOLITIK MUSS IDEALISMUS
UND REALISMUS VERBINDEN
von Paul Wolfowitz
Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel gründet sich auf seinen
Vortrag über internationale Angelegenheiten mit dem Titel "Alte Ideen und neue Realitäten: Die Verwirklichung
der Ziele Amerikas in der Welt nach dem Kalten Krieg", den er am 3. Dezember 1992 an der Yale University
gehalten hat.

Im Licht der idealistischen Traditionen der amerikanischen Außenpolitik ist die Förderung demokratischer
Werte ein wiederkehrendes Thema in unserer Geschichte. Es hat sich jedoch insbesondere unter den
letzten drei Präsidentschaften zu einem expliziten
außenpolitischen Ziel entwickelt. Präsident Carter
legte besondere Betonung auf Menschenrechte in der
amerikanischen Außenpolitik. Präsident Reagan weit davon entfernt, das Thema Menschenrechte außer
acht zu lassen - förderte aktiv Demokratie an so
unterschiedlichen Orten wie El Salvador und Korea,
Chile und den Philippinen sowie - historisch am bedeutendsten und augenf ällisgsten - in der Sowjetunion. In
der Tat verpflichtete er die Vereinigten Staaten zur
Unterstützung von Freiheit und Demokratie innerhalb
der Grenzen des ehemaligen sowjetischen Blocks in
einer verglichen mit den bisherigen Präsidenten beispiellosen Weise und mit einer Zuversicht, die jetzt
erstaunlich weitblickend erscheint. Reagan erklärte
zum Beispiel: "Der Westen wird den Kommunismus
nicht eindämmen, sondern überwinden. Er wird sich
nicht damit aufhalten, ihn öffentlich zu brandmarken,
sondern ihn als ein bizarres Kapitel in der Geschichte
der Menschheit verwerfen, dessen letzte Seiten immer
noch geschrieben werden." Er machte solche Feststellungen bereits 1981, was dazu führte, daß nicht nur
seine Kritiker, sondern auch einige seiner Anhänger
seinen Realitätssinn in Frage stellten. Heute, da jeder
behauptet, niemand habe diese Entwicklungen vorhergesehen, zollen ihm wenige Tribut für seine Prognosen.

tisch gewählten Regierung in Panama zur Macht verhalfen und den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion lebenswichtige Hilfe gewährten.

Als jemand mit der festen Überzeugung, daß dieser
demokratische Fortschritt sowohl die amerikanischen
Interessen als auch Ideale fördert, war es für mich ein
Privileg, in diesem Prozeß während der Reagan- und
Bush-Administrationen eine Rolle spielen zu können,
insbesondere im Hinblick auf die amerikanische Politik
in Ostasien und den aufstrebenden Demokratien im
ehemaligen sowjetischen Imperium. In den vergangenen vier Jahren haben meine Erfahrungen meine
Überzeugung noch untermauert, daß die eng definierte "realistische" Perspektive, derzufolge die amerikanische Außenpolitik sich ausschließlich darauf konzentrieren sollte, wie andere Regierungen die amerikanischen Interessen berühren statt vielmehr darauf, wie
sie ihr eigenes Volk behandeln, tatsächlich nicht so
realistisch ist wie sie zu sein vorgibt. Zum einen
ignoriert sie die Tatsache, daß eine so eng gefaßte
Außenpolitik sich niemals der uneingeschränkten
Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung erfreuen und daher niemals über die Stärke verfügen
wird, die sich aus breiter innenpolitischer Unterstützung ableitet. Noch wichtiger ist, sie ignoriert die
Realität, daß die Rolle der Vereinigten Staaten als
Vorreiter der Demokratie uns weltweit Freunde gewonnen hat, demokratische Länder sich als diejenigen
erwiesen haben, die ihre Interessen am ehesten als
deckungsgleich mit unseren ansehen und daher die
Präsident Bush hat das Engagement für Menschen- verläßlichsten Verbündeten sind, und die Ziele der
rechte und Demokratie mit Maßnahmen und Aktionen Demokratie im ehemaligen sowjetischen Imperium für
fortgeführt, die das kommunistische Nicaragua zur die Sicherheit der Vereinigten Staaten unkalkulierbare
Veranstaltung von Wahlen veranlaßten, der demokra- Vorteile hervorgebracht haben.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Eine rein "idealistische'' Sicht wäre mir jedoch ebenso
ungemütlich, die den Schluß nahelegt, unsere Menschenrechtspolitik sollte nicht an den von ihr erzielten
Ergebnissen, sondern an der Reinheit unserer Intentionen gemessen werden. Dieser Sichtweise zufolge
wäre eine Politik hochherziger Proteste und kategorischer Weigerung, sich mit Regierungen zu befassen,
die unseren Standard nicht erfüllen, offenkundig einer
vorzuziehen, die unter Einsatz weniger antiseptischer
Mittel zu einer echten Verbesserung der Menschenrechtssituation führt.

klasse hervorbringen, die eine mächtige Kraft für den
demokratischen Wandel darstellen werde. Er hatte
absolut recht, als erdie engen amerikanischen Verbindungen zum koreanischen Militär aufrechterhielt und
unmißverständlich die amerikanische Verpflichtung
für die Sicherheit Südkoreas bekräftigte, weil dies
unter anderem unsere Fähigkeit maximierte, das Militär von einer Intervention zur Unterbrechung des
demokratischen Prozesses abzuhalten.

Viele kritisierten diesen Ansatz. Sie waren der Meinung, wir sollten die südkoreanische Regierung verurEine wirklich effektive Menschenrechtspolitk (und dies teilen und isolieren, wenn ihre politisch Verantwortliist meines Erachtens ein grundlegender Punkt) muß chen westliche Forderungen im Hinblick auf die Besich auf die realistischen Chancen konzentrieren, handlung von Dissidenten nicht erfüllten. Präsident
systemimmanente politische Veränderungen zu för- Reagan hat die Einzelfälle nicht ignoriert. Tatsächlich
dern und ihre Methoden anpassen - sei es anhand von nutzte er seinen Einfluß, um die koreanische RegieÖffentlichkeitsarbeit oder vertraulicher Diplomatie, rung zu bewegen, Kim Dae Jungs Todesurteil im Jahr
Zuckerbrot und Peitsche im wirtschaftlichen und mili- 1981 umzuwandeln und ihm später zu gestatten, aus
tärischen Bereich, spezifischem Druck oder Vertrauen seinem Exil in den Vereinigten Staaten nach Korea
auf langfristige Tendenzen - im Einklang mit ihrer zurückzukehren. Er befürwortete jedoch eine breitere
Analyse dieser Möglichkeiten.
Perspektive zur Frage der Menschenrechte und konzentrierte sich auf die wesentlich größeren FortschritFühren Sie sich den wichtigen Fall Südkorea vor te, die durch grundlegende politische Veränderungen
Augen. Dieses Land hat in den vergangenen 10 erzielt werden konnten, anstatt durch die Behandlung
Jahren bemerkenswerte Fortschritte zur Demokratie von Einzelfällen.
erzielt, obwohl diese Fortschritte nicht annähernd so
häufig in den Schlagzeilen waren wie die mehr drama- Ich habe mich mit solchen Einzelfällen befaßt, und sie
tischen Revolutionen. Südkorea steht jedoch vor der sind wichtig. Einzelne Erfolge bringen ein hohes Maß
zweiten freien Präsidentschaftswahl, in der dieses Mal an persönlicher Befriedigung, aber sie sind kein Ersatz
das Feld von zwei Kandidaten angeführt wird, die unter für die harte Arbeit und Geduld, die erforderlich sind,
dem alten Militärregime Dissidenten waren. Ich habe um die zugrundeliegenden politischen Kräfte zu beeinKim Dae Jung, einen dieser Kandidaten, zum ersten flussen. Diese Art von Erfolg stellt sich langsamer ein,
Mal getroffen, als er für eine unsichere Zukunft - und wenn sie es tut, ist es wesentlich schwieriger, die
einschließlich möglicher Inhaftierung -1985 aus sei- Verdienste daran jemandem zuzuordnen, doch ist sie
nem Exil in den Vereinigten Staaten nach Korea zu- wesentlich bedeutsamer.
rückkehrte. Unser nächstes Zusammentreffen erfolgte vor nur wenigen Monaten, als er mich als einer der Eine Politik zur Förderung systematischen demokratiführenden Kandidaten für die nächste demokratisch schen Wandels sollte anhand gewisser Richtlinien
gewählte Präsidentschaft der Republik Korea im angestrebt werden. Ich biete dazu vier Faustregeln an.
Pentagon besuchte.
Regel 1: Obwohl Reden allein gewiß nicht ausreichen,
Der Fortschritt, der sich im Gegensatz zwischen die- ist es wichtig, eindeutig über die von uns befürworteten
sen beiden Ereignissen manifestiert, resultierte nicht Prinzipien zu reden. Als Präsident Reagan 1984 nach
primär aus unseren Bemühungen für Kim Dae Jung - Beijing reiste, bekräftigte er in seiner Hauptrede das
obwohl wir solche Bemühungen unternahmen und Engagement der Vereinigten Staaten für Demokratie,
dabei erfolgreich waren -, sondern aus der von uns obwohl er sich einer offenen Kritik an China enthielt.
verfolgten Strategie zur Förderung grundsätzlicher Die Botschaft wurde jedoch deutlich sichtbar - sichtbar
Veränderungen im politischen System Südkoreas, genug, um die Chinesen zu veranlassen, die geplante
Veränderungen, die nicht nur Kim Dae Jung, sondern Liveübertragung der Rede zu zensieren. Dieser Akt
der Zensur an sich hat jedoch eine eindringlichere
dem gesamten koreanischen Volk zugute kamen.
Botschaft ausgesandt als ein direkter scharfer Angriff
Als Präsident Reagan vor zehn Jahren nach Südkorea auf die chinesische Politik bewirkt hätte und hat - als
reiste, wurde er kritisiert, weil er dieses Land trotz Nebeneffekt - der Rede des Präsidenten unter der
seiner zweifelhaften Menschenrechtsbilanz besuchte. chinesischen Elite eine breite Leserschaft gesichert.
Aber Präsident Reagan hatte recht, als er sich darauf
konzentrierte, den koreanischen Präsidenten Chun Regel 2: Ein Schlüssel zur Maximierung des amerikazur Erfüllung seiner Verpflichtung zu bewegen, nach nischen Einflusses liegt darin, daß die amerikanische
einer Amtszeit im Jahr 1988 den friedlichen Macht- Regierung mit einer einheitlichen Stimme spricht. Es
wechsel durchzuführen, und als er davon ausging, das ist schwierig, die Auswirkungen der amerikanischen
Wirtschaftswachstum Koreas würde eine neue Mittel- Politik gegenüber dem Schah in seinen letzten zwei
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�Regierungsjahren einzuschätzen, weil verschiedene
Vertreter der Carter-Administration völlig unterschiedliche Ansichten zum Ausdruck brachten und es den
Anschein hatte, daß sie am einen Tag den Schah
unterstützten und ihm am nächsten in den Rücken
fielen. Das Ergebnis einer solchen Praxis besteht
darin, überhaupt keine Politik zu haben, oder - noch
schlimmer - diejenigen zu ermutigen, die unseren
Einfluß untergraben wollen, damit wir uns auf die
Formulierung konzentrieren, die ihnen am nützlichsten
ist.

einen Putsch unterstützen sollten. Wir förderten zwar
die demokratische Bewegung auf den Philippinen,
aber diese Art von Ratschlägen war nicht nur eine
grobe Überschätzung unseres Einflusses - hätte Marcos
von Präsident Reagan eine solche Auffordern ng erhalten, hätte er sie sofort zurückgewiesen -, sondern
übersah auch auf gravierende Weise die Bedeutung,
die eine wirklich philippinische Lösung sowohl für die
Vereinigten Staaten als auch für die Philippinen hat.

Einflusses ist die Stärkung der bedeutenden prodemokratischen Kräfte, die in anderen Ländern bereits tätig
sind, anstatt anderen unsere eigenen Lösungen aufzuoktroyieren. Im letzten Jahr von Marcos als Präsident der Philippinen bestanden viele amerikanische
Beobachter darauf, daß Präsident Reagan Marcos zur
Abdankung bewegen sollte, oder die Vereinigten Staaten einen Nachfolger ernennen und in seinem Namen

Wir mußten sehr vorsichtig sein, um die philippinischen Institutionen nicht zu destabilisieren, während
wir Druck auf Marcos ausübten. Statt dessen konzentrierten wir unseren Druck auf Marcos vor allem darauf,
ihn zu einer Änderung seiner Politik zu bewegen, die
genau jene Institutionen schwächte, indem die Armee
politisiert, der Wahlprozeß korrumpiert und die ökono-

Regel 4: Wenn wir auf andere Regierungen Druck
ausüben, damit sie einen Wandel herbeiführen, dann
Wir haben versucht, im Zeitraum von 1982 -1986 aus müssen wir uns auch die wirklichen Alternativen vor
diesen Erfahrungen zu lernen - der Periode, die zu der Augen halten. Das kann man auch durch eine Paraph"People's Power-Revolution auf den Philippinen führ- rasierung des Hippokratischen Eides ausdrücken: "Vor
te. Zu jener Zeit war ich im Außenministerium als allem darf man nichts verschlimmern."
Leiter der Ostasienabteilung verantwortlich für die
Koordinierung unserer Philippinenpolitik auf hoher Wir müssen daran denken, daß nicht jeder Wandel
Ebene. Im großen und ganzen hatten wir - und zwar zum Besseren führt, selbst bei unerwünschten Regiin nicht geringem Maß dank der Führungsrolle von men. Was den Iranern nach dem Sturz des Schahs
Außenminister Shultz - Erfolg dabei, eine einheitliche passierte, sollte hier als Warnung dienen. Die RegieBotschaft der Unterstützung demokratischer Refor- rung des Schahs hatte sich sicher der Menschenmen auf den Philippinen und der Ablehnung einer Art rechtsverletzungen schuldig gemacht, aber das nachvon Destabilisierung zu vermitteln, die einertotalitären folgende Regime läßt ihn im Vergleich richtig gütig
kommunistischen Revolution zur Macht verholten haben erscheinen. Zweifellos ist sein Sturz auf sein eigenes
Versagen zurückzuführen. Aber der von den Vereinigkönnte.
ten Staaten in dem Glauben an die Möglichkeit einer
Bedenken Sie, daß ich von einer einheitlichen Stimme besseren Alternative ausgeübte Druck, der sein Regigesprochen habe. Es ist nicht nur hoffnungslos, zu me schwächte, war auf tragische Weise fehlgeleitet
erwarten, daß die amerikanische Regierung mit einer und zu siegesgewiß.
Stimme spricht, es ist noch nicht einmal notwendigerweise eine gute Sache. Tatsächlich gibt es Zeiten, in Wenn der auf eine Regierung ausgeübte Druck im
denen Spannungen zwischen Exekutive und Legisla- Hinblick auf eine Änderung ihrer Menschenrechtspolitive nützlich sein können, wenn diese beiden Teile der tik zu stark ist, können die führenden Politiker dadurch
Regierung ein Stück nach dem Muster "guter Polizist, isoliert und zu noch repressiveren Maßnahmen veranböser Polizist" spielen. Es gab eine Reihe von Anläs- laßt werden. Was noch schlimmer ist: Ein derartiger
sen, bei denen wir Präsident Marcos warnten, wenn er Druck könnte nicht nur zu einer Schwächung des
nicht mit uns zusammenarbeite, würde es unmöglich, Regimes führen, sondern auch die für einen langfristinoch einschneidendere Optionen des Kongresses gen politischen Prozeß notwendigen Institutionen
abzuwenden. Dieses Spiel ist jedoch nicht mehr untergraben.
nützlich, wenn der Kongreß die Außenpolitik praktisch
Bei der Entwicklung der amerikanischen Politik gegenübernimmt und die Exekutive der Glaubwürdigkeit
über den Philippinen haben wir oft an die iranische
beraubt, indem er eine Lage schafft, in der wir nicht
Parallele gedacht und uns gefragt, ob Druck auf das
eine, sondern zwei - oder vielleicht 536 - AußenpolitiMarcos-Regime nicht das Risiko beinhaltete, daß alles
ken haben. Auch ist es von Nachteil, wenn der
noch viel schlimmer wird. Insgesamt waren wir davon
Kongreß so scharfe Kritik an der Exekutiven übt, daß
überzeugt, daß eine lebensfähige Alternative zu Marim Ausland die Freunde der Demokratie entmutigt und
cos existierte, daß eine Fortsetzung seiner Herrschaft
die Feinde der Demokratie in dem Gefühl ermutigt
die Philippinen in der Tat auf einen Weg führen würde,
werden, der Präsident oder seine Administration beder das größte Risiko eines Sieges des Kommunismus
fürworteten die undemokratische Seite der Angelebeinhaltete - angesichtsderverabscheuungswürdigen
genheit.
Menschenrechtspraktiken der Neuen Volksarmee wirkRegel 3: Eine der größten Quellen amerikanischen lich entsetzliche Aussichten.

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�mie von Vetternwirtschaft bestimmt wurde. Wir mußten gegen ständige Bemühungen des Kongresses
angehen, die Unterstützung für das philippinische Militär
einzustellen, während wir gleichzeitig seine Reform
förderten. Wir erkannten, daß eine Berufsarmee auf
den Philippinen ein entscheidendes Hindernis für einen kommunistischen Sieg und das für eine erfolgreiche Demokratie benötigte Bollwerk war.
Das Beispiel China veranschaulicht viele dieser Punkte, die meiner Meinung nach für eine realistische Politik
der Unterstützung von Freiheit und Demokratie von
zentraler Bedeutung sind. Vielleicht handelt es sich
hier auch um das wichtigste und schwierigste Beispiel
für eine solche Politik. Wir werden unseren Einfluß
durch eine Förderung dessen, was die chinesischen
Kommunisten ängstlich die "friedliche Revolution" Chinas
nennen, verstärken - das heißt, seine allmähliche
Annahme der politischen und wirtschaftlichen Ideen
des Westens - und nicht durch eine internationale
Isolierung Chinas. Wir sollten alles in unserer Macht
Stehende tun, um die Kräfte in der chinesischen
Gesellschaft einzubeziehen und zu stärken, die friedlichen Wandel ermutigen, einschließlich des sich so
schnell entwickelnden neuen Unternehmertums.
Die wirtschaftliche Dynamik, die einen Großteil Ostasiens gewandelt hat, zeigt auch in China ihre Wirkung. Durch die Forderung nach zunehmendem Handel
und seine Unterstützung, durch Kontakte mit der westlichen Welt auf den Gebieten Wissenschaft und Bildung, eine Dezentralisierung der politischen Macht
und verstärkte Aufklärung der chinesischen Bevölke-

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rung über die Welt außerhalb ihres Landes sowie ihre
Funktionsweise stellt dieser Prozeß für uns eine sehr
mächtige Kraft dar. Die Zurücknahme der Meistbegünstigungsklausel für China würde genau dieser
Evolution, die wir ermutigen sollten, außerordentlich
schaden; dies ist eine Waffe mit nur einem Schuß
Munition und würde wenig bewirken außer den Amerikanern die Genugtuung zu verschaffen, ihrem Mißfallen über die Menschenrechtspraktiken in China Ausdruck zu verleihen. Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit, das zu tun: Wir sollten bei ernsteren Angelegenheiten unsere Stimme erheben und unseren Einflußgeltend machen, beispielsweise bei der Unterstützung der demokratischen Initiativen von Hongkongs
neuem Gouverneur Chris Patten, China an seine Verpflichtung "ein Land, zwei Staatssysteme" für die Zeit
nach Beendigung der britischen Herrschaft im Jahr
1997 zu erinnern oder so China zum Gewaltverzicht
gegen Taiwan zu bewegen. In dieser Hinsicht ist die
jüngste Erklärung des künftigen Präsidenten Clinton,
er schätze den durch die amerikanische Politik herbeigeführten Fortschritt und halte eine Isolation Chinas
nicht für die richtige Antwort, ein begrüßenswertes
Zeichen.
Es ist leicht zu verkünden, daß wir für die Menschenrechte eintreten, und wir können unseren moralischen
Bedenken durch symbolische Schritte Ausdruck verleihen. Eine ernstzunehmende Menschenrechtspolitik
erfordert jedoch einen verantwortungsvollen Umgang
mit unserem Einfluß und die Bereitschaft, selbst in
Ländern engagiert zu bleiben, in denen Menschenrechtsverletzungen zu beobachten sind.

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�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

ENGAGEMENT FÜR MENSCHENRECHTE
SCHWERPUNKT DER BEMÜHUNGEN IN SOMALIA
Rede von Staatssekretär Kanter
WASHINGTON - (AD) - Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der humanitären Hilfsaktion in Somalia
ist einem hohen Vertreter des US-Außenministeriums zufolge das jüngste Beispiel des amerikanischen
Engagements für die Menschenrechte.
"Das Ausmaß unseres Engagements für die Verteidigung der Menschenrechte in Somalia könnte nicht
offenkundiger sein", erklärte der für politische Angelegenheiten zuständige Staatssekretär Arnold Kanteram 10.
Dezember 1992 anläßlich eines Seminars zum Tag der Menschenrechte.
Kanter verwies darauf, daß einige der schwersten Menschenrechtsverletzungen, die gegenwärtig auf der Welt
begangen werden, von Konflikten ausgingen, die durch ein Wiederaufflammen des Nationalismus, von
ethnischem Haß, zivilen Unruhen und Anarchie hervorgerufen würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Kanters Rede im Wortlaut.
I. Warum wir hier sind
Abteilungsleiter Dennis, verehrte Gäste, meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre, mit ihnen
gemeinsam den Tag der Menschenrechte zu begehen. Sie fragen vielleicht, welche Vorteile ein solcher
Gedenktag mit sich bringt? Warum sind wir heute hier
versammelt?

und diejenigen zu bestrafen, die ihre Pflicht zur
Einhaltung internationaler Normen menschlicher Anständigkeit nicht erfüllen.

Wir sind hier versammelt, um den Männern und Frauen, die ihr Leben der Unterstützung der Menschenrechte widmen, zu sagen: Wir würdigen Ihr Engagement, wir sind dankbar für Ihre unermüdlichen Bemühungen, und wir respektieren Sie als Vorbilder für
Um es schlicht auszudrücken, wir sind heute hier, um unsere gemeinsame Achtung der Menschenwürde.
eine Botschaft auszusenden:
Den internationalen Organisationen, die sich für die
an diejenigen, die des Rechts auf Rede- oder Menschenrechte einsetzen, sage ich: Wir würdigen
Versammlungsfreiheit beraubt sind,
Ihre Sachkenntnis, ihren Mut und Einfallsreichtum.
Ihre Arbeit richtet die Besorgnis und Aufmerksamkeit
an diejenigen, die die Regierung, die über sie
der internationalen Staatengemeinschaft auf diejeniherrscht, nicht selbst wählen können,
gen, die sonst leiden - und oft nicht überleben - würden.
an diejenigen, die Opfer von Folter, Terror und
Den privaten gemeinnützigen Organisationen und
ethnischer Säuberung sind,
Institutionen, die Briefe schreiben, Telegramme senan diejenigen, die sich bemühen, ihren Mitmen- den, Wahlen beobachten und organisieren, möchte ich
schen zu helfen, und diejenigen, die deren Qualen sagen: Sie vereinigen in beispiellosem Maß unsere
humanitären Impulse mit den technischen Fähigkeiverursachen.
ten, die den Traum von Freiheit und Demokratie WirkDaß die Vereinigten Staaten ihr historisches lichkeit werden lassen.
Engagement als weltweite Führungsmacht für
die Förderung und den Schutz der Menschen- Und den Ländern, die - wie das unsere - danach
trachten, im Hinblick auf die Menschenrechte und
rechte erneuern,
häufig unvollkommen das Beste zu tun, sage ich: Wir
ihre Entschlossenheit bekräftigen, die zu unter- applaudieren Ihren Bemühungen und respektieren
stützen, die die Rechte und Menschlichkeit ihrer Ihre Entschlossenheit.
Bürger wahren
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�II. Was wir bisher erreicht haben

Einklang mit Artikel 21 der Allgemeinen Deklaration
voll und ganz der Ansicht, daß alle Menschen das
Heute begehen wir den 44. Jahrestag der Allgemeinen Recht haben, sei es direkt oder durch Vermittlung von
Deklaration der Menschenrechte. Darüber hinaus frei gewählten Vertretern, sich an öffentlichen Angelekönnen wir die Tatsache feiern, daß Akzeptanz und genheiten ihres Landes zu beteiligen. Um dieses
Wahrung der Menschenrechte heute wesentlich ver- Zieles willen
breiteter sind als vor 44 Jahren. Dies ist das Ergebnis
vieler Faktoren - der unermüdlichen Bemühungen von
haben wir uns für freie und faire Wahlen in
Menschen wie Ihnen, des Wiederaufbaus Europas,
Namibia, Pakistan, El Salvador und schon bald
der modernen Kommunikationsmittel und der Bildung,
in Kenia eingesetzt, indem wir Ländern juristiprimär jedoch des durchschlagenden Erfolges, der in
sche und technische Hilfe geleistet haben, die
politischen Systemen zum Ausdruck kommt, die die
auf der ganzen Welt Fortschritte auf dem Weg
Rechte des einzelnen achten - und des völligen Scheizur Demokratie machen.
terns derjenigen, die dies nicht geleistet haben. In
Wir stellen den nichtstaatlichen OrganisatioLateinamerika und Afrika haben wir erlebt, wie Diktanen, die zur Abhaltung und Beobachtung dieser
turen der Demokratie gewichen sind, und gerade erst
Wahlen mit dem Ziel beitragen, deren Freiheit
haben wir gesehen, wie der Zusammenbruch der
und Fairneß zu gewährleisten, finanzielle Mittel
Sowjetunion und ihrer Herrschaft über Osteuropa den
zur Verfügung.
Widerstand gegen die Wahrung der Menschenrechte
und Demokratie dort geschwächt hat, wo er einst am
Wir liefern Hilfe in Länder, die demokratische
stärksten ausgeprägt war.
Verhältnisse anstreben. So werden zum Beispiel durch das Freedom Support Act über 400
Darüber hinaus haben wir gesehen, daß MenschenMillionen Dollar an Hilfe für die Republiken der
rechte nicht länger als Luxus betrachtet werden, den
ehemaligen Sowjetunion bereitgestellt. Diese
sich nur die Reichen leisten können oder der nur im
Unterstützung wird ihnen dabei helfen, den
Westen geschätzt wird. Das Grundprinzip der MenÜbergang zu friedlicheren, demokratischen und
schenrechte - die Wahrung der gleichen und unveräumarktorientierten
Ländern zu bewältigen.
ßerlichen Würde aller Menschen - ist allgemeingültig.
Um die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit zu fördern,
stellen wir weltweit Ländern Hilfe zur Verfügung, um
den Zugang des einzelnen Bürgers zu juristischen
Wir begrüßen diese wachsende Akzeptanz der Men- Leistungen zu verbessern, ihr Rechtssystem zu reforschenrechte, und ich erneuere an diesem Ort heute mieren und ihnen dabei zu helfen, die Bedeutung
unser Versprechen, bei ihrer Förderung weiterhin eine ordentlicher Verfahren sowie des Schutzes der Rechte
Führungsrolle zu spielen. Die Menschenrechte waren aller Bürger, einschließlich von Minderheiten, zu verein Kernstück der amerikanischen Außenpolitik und stehen.
werden dies auch bleiben. Dies ist so, weil die Menschenrechte in unseren Werten und unserer Geschich- Der Aufbau von Marktwirtschaften
te verwurzelt sind und weil eine Welt, die diese Rechte
Vom Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg bis
respektiert, im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
zum Freedom Support Act von 1992 haben die VereiDie Würde und Gleichberechtigung des einzelnen, das nigten Staaten dazu beigetragen, stabile, marktorienRecht eines Volkes auf Bestimmung seiner Regierung tierte Volkswirtschaften aufzubauen, die eine Grundlaund das Recht auf faire Behandlung vor dem Gesetz ge für die Entwicklung demokratischer Werte und der
sind Eckpfeiler der amerikanischen Republik. Als Menschenwürde bereitstellen. Wenn die Regierung
Amerikaner halten wir diese Wahrheiten für selbstver- die Produktionsmittel einer Gesellschaft kontrolliert,
ständlich. Darüber hinaus glauben wir, daß Regierun- wird der einzelne unserer Ansicht nach weniger Freigen, die ihren Bürgern gestatten, frei zu sprechen und heit haben, seine Meinung zu sagen - aus Angst,
sich zu versammeln, ihre Führung zu wählen und vor seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Wo wirtschaftliche
dem Gesetz mit Würde und Anstand behandelt zu Freiheit Wurzein schlägt, wird unserer Überzeugung
werden - selbst in Zeiten innenpolitischer Krisen -, nach politische Freiheit erblühen. Dieses Jahr haben
stabiler, friedlicher und wohlhabender sind und weit die Vereinigten Staaten wie in den letzten Jahrzehnten
weniger dazu neigen, Konflikte mit ihren Nachbarn zu mehr als jede andere Nation Milliarden Dollar für die
Erleichterung dieser entscheidenden Aufgabe zur
entfachen.
Verfügung gestellt. Die Administration und der KonDie Förderung von Demokratie und Rechtsstaat- greß haben zusammengearbeitet und über 10 Milliarden Dollar zur Erreichung unserer Ziele in den Bereilichkeit
chen wirtschaftliche Entwicklung und humanitäre
Die Fördeoing demokratischer Werte und der Rechts- Hilfe bewilligt. Ich möchte hier kurz einige der wichtigstaatlichkeit sind elementare Prioritäten unserer welt- sten Elemente ansprechen:
weiten außenpolitischen Bemühungen. Wir sind im
III. Das amerikanische Engagement für die Menschenrechte

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AMERIKA DIENST 50

�Wir stellen Geldmittel bereit, um mehr als 70
Ländern zu umfassendem umweltverträglichen
Wirtschaftswachstum zu verhelfen.
Durch unsere technische Hilfe wird die Entwicklung des Privatsektors und die Weiterentwicklung demokratischer Institutionen ermöglicht.

zungen der Menschenrechte - sei es Folter,
politische Einschüchterung oder Verschwinden
- , wo immer sie auch begangen werden. Mit
Hilfe von Informationen aus vielen Organisationen, deren Vertreter hier anwesend sind, ist es
uns allein in den letzten vier Jahren gelungen,
die Freilassung von Hunderten von Gefangenen aus über 20 Ländern zu bewirken.

Wir zahlen großzügige Beiträge an multilaterale
Entwicklungsbanken, auf bilateraler Ebene durch Und wir verhängen Sanktionen gegen MenschenrechtsWirtschaftsförderungsprogramme sowie Millio- verletzer - so wie wir es mit dem Iran, Libyen, Südafrinen Dollarfreiwilliger Zuschüsse an UNO-Orga- ka, Serbien und Montenegro, Somalia und China genisationen wie zum Beispiel UNICEF und das tan haben.
Entwicklungsprogramm UNDP.
Wo wir nun schon bei China sind, mu ß offen auch eine
Die Bestrafung der Menschenrechtsverletzer
Warnung ausgesprochen werden. Menschenrechte
Die Vereinigten Staaten arbeiten auf allen Ebenen der stehen an erster Stelle unserer außenpolitischen Ziele
Diplomatie, bi- und multilateral an der Aufdeckung von und das wird auch so bleiben. Aber weder sie noch ein
Menschenrechtsverletzungen, erregen die Aufmerk- anderer Punkt können der einzig entscheidende Faksamkeit der Völkergemeinschaft und fordern bei Ver- tor unserer Politik gegenüber einem Land sein. Nachstößen von dem jeweiligen Land wenn möglich einen dem wir alle Zeugen der brutalen Mißachtung der
fundamentalen Menschenrechte auf dem Platz des
Preis.
Himmlischen Friedens waren, haben wir von allen
Unsere Jahresberichte über Menschenrechte in Ländern der Wert Chinas Menschenrechtsverletzunjedem Land der Welt veröffentlichen Informatio- gen gegenüber die härteste Position eingenommen.
nen über die Situation in den jeweiligen Län- Unser Sanktionsprogramm ist nach wie vor das widerdern, sind für unsere eigene Entscheidungsfin- standsfähigste der Wert. Wir glaubten jedoch damals
dung von Bedeutung und stärken die weltweiten - und ich glaube das auch heute noch - daß wir unsere
Ziele zunichte machen würden, wenn wir eine Politik
Verhaltensregeln.
der Isolation oder Konfrontation verfolgen würden, um
Wir richten im Rahmen internationaler Organi- Chinas Verhalten zu beeinflussen. Wir haben in unsesationen die weltweite Aufmerksamkeit auf rem Dialog mit China über die Menschenrechte Fortunerhörte Menschenrechtsverletzer. Die Verei- schritte gemacht - wir erreichten die Freilassung von
nigten Staaten haben dieses Jahr mit Erfolg politischen Gefangenen und ermöglichten es denjeniResolutionen in der Generalversammlung des gen, die es wünschen, zu emigrieren - aber bei weitem
UNO-Sicherheitsrats unterstützt, um Menschen- nicht so vielen wie wir gerne sähen.
rechtsverletzungen in Kuba und im Sudan aufWir täuschen uns nicht über die erzielten Fortschritte,
zuzeigen.
sondern geben zu, daß sie nicht ausreichen. Es steht
Die Vereinigten Staaten haben entschieden das weiterhin an erster Stelle unserer politischen TagesPrinzip unterstützt, daß jeder, der sich Men- ordnung, in China auf allen Ebenen auf die Achtung der
schenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen Menschenrechte zu dringen. Gleichzeitig verfolgen
schuldig macht, einzeln zur Rechenschaft gezo- wir die erfolgreiche Politik, durch Engagement in China
gen werden muß. Aus diesem Grunde haben einen Wandel herbeizuführen. Die von uns ermutigte
wir internationale Bemühungen zur Gründung wirtschaftliche Liberalisierung und Reform in China
einer UNO-Expertenkommission zu den Greu- hat ein unwiderstehliches Drängen auf Wandel nach
eltaten im ehemaligen Jugoslawien angeführt. sich gezogen. Jeder, der einmal in Südchina und
Und wir haben dem UNO-Generalsekretär vier Zeuge der dort stattfindenden Umgestaltung war, weiß,
Berichte über die dortigen Menschenrechtsver- daß wir Erfolg haben.
letzungen vorgelegt, alle mit dem Ziel, die Täter
dieser barbarischen Verbrechen vor Gericht zu Die Förderung von Frieden und Stabilität
bringen.
Das sich am stärksten entfaltende Gebiet unserer
In anderen Teilen der Welt stellen wir ganz oder Menschenrechtspolitik ist das der humanitären Hilfe.
teilweise unsere Hilfe an die Länder ein, in Einige der schwerwiegendsten Menschenrechtsverdenen gravierende Menschenrechtsverletzun- letzungen in der heutigen Welt rühren von Konflikten
gen zu beklagen sind, beispielsweise Indone- aufgrund von wiederauflebendem Nationalismus, ethnischem Haß oder mangelnder bürgerlicher Ordnung
sien, Togo, Kamerun und Kenia.
und Anarchie her. Die Vereinigten Staaten haben eine
Wir erheben regelmäßig auf höchster Regie- Reihe bedeutsamer Anstrengungen unternommen, um
rungsebene Einspruch gegen ernsthafte Verlet- Frieden und Stabilität auf der Welt zu fördern und bei

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�der Verhinderung und Lösung dieser Konflikte zu
helfen - Konflikte, die das Recht der Menschen auf
Leben und ihre Niederlassungsfreiheit in ihrem Heimatland bedrohen.

Leben gekommen. Jedes vierte somalische Kind unter
fünf Jahren mußte bei der Hungersnot sein Leben
lassen. Wir haben das Leiden im Fersehen gesehen:
Kinder mit hervortretenden Augen und aufgeblähten
Bäuchen, Dörfer mit Menschen, die eher Skeletten
Präsident Bush hat zur Unterstützung der inter- gleichen als Menschen. Wir sahen uns mit dem
nationalen Maßnahmen zur Friedenssicherung möglichen Tod von einer Million oder mehr Menschen
bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten konfrontiert. Und warum? Weil Kriegstreiber, Verbredie Agenda für den Frieden des Generalsekre- cher und jugendliche Banditen zufrieden sind, ihre
tärs unterstützen und unser nationales Engage- Nachbarn und die Hilfe für sie vor unseren Augen
ment für die Erweiterung unserer Fähigkeiten verfaulen zu sehen?
zur Friedenserhaltung und die der Vereinten
Nationen eindeutig dargelegt. Wir haben die Aufgrund unseres Mitgefühls für das somalische Volk
Friedensbemühungen der Vereinten Nationen und unseres Entsetzens über diesen enormen Verlust
von Zypern über den Libanon bis nach Kambod- an Menschenleben haben wir eine Mission zur Rettung
scha und dem ehemaligen Jugoslawien ent- Somalias vor dem Verhungern in die Wege geleitet.
schieden unterstützt, ebenso wie die regionalen Das Ausmaß unseres Engagements zur Verteidigung
Maßnahmen zur Friedenssicherung der KSZE, der Menschenrechte in Somalia könnte nicht offenkundiger - oder wertvoller sein. Wir versprechen mehr als
WEU, NATO und anderer.
Nahrungsmittel und Geld, wir entsenden 28.000
Wir leisteten Hilfe zur Förderung der Stabilität in Amerikaner unter Einsatz aller erforderlichen Mittel,
den von Drogenhändlern und Terroristen heim- um Somalia vor dem Verhungern zu retten. Kontingesuchten Ländern.
gente aus Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten
und Asien werden sich beteiligen. Ihr Auftrag ist rein
Wir unterstützen die Bestrebungen der UNO zur humanitär: die Hilfslieferungen sicherzustellen und
Ächtung von Ländern wie Irak und Libyen, deren den Weg für die UN-Friedenstruppen sowie den ProAktionen ihre Nachbarstaaten destabilisieren zeß der politischen Aussöhnung zu bereiten.
und unser Gefühl grundlegender menschlicher
Würde verletzen.
Wir können keine größere Verpflichtung zur VerteidiWir stellen Millionen Dollar an Katasfrophenhilfe gung der Menschenrechte eingehen als das Leben
für von künstlich verursachten und Naturkata- unserer jungen Soldaten zur Rettung des Lebens
strophen betroffene Menschen zur Verfügung - anderer aufs Spiel zu setzen.
von den nahezu 20 Millionen aufgrund der Dürre
im südlichen Afrika vom Hungertod Bedrohten
bis zu den Bestrebungen, die Flüchtlinge und
Vertriebenen im ehemaligen Jugoslawien und
nördlichen Irak mit Nahrungsmitteln, Kleidern,
Decken und Unterkunft zu versorgen.

Schlußbemerkung

Als Regierung und als Volk sind wir stolz auf die
amerikanische Führungsrolle und die Bilanz der Vereinigten Staaten bei der Verwirklichung von Menschenrechten. Unser Engagement gründet sich auf starke
überparteiliche Unterstützung, die vor allem die offene
Wir liefern massive Hilfe an die Opfer von Rechts- Geisteshaltung der Amerikaner widerspiegelt.
verletzungen. Allein in diesem Jahr werden die
Vereinigten Staaten durch den Bewilligungs- Die Tatsache, daß ein Großteil der Welt in jüngster Zeit
fonds für Migration und Flüchtlingshilfe sowie in eine Phase zunehmender ethnischer Gewalt und
den Nothilfefonds des Präsidenten nahezu 700 Bürgerkriege getreten zu sein scheint, stellt für uns
Millionen Dollar an Hilfe für die Opfer politischer, eine Herausforderung dar. Wir gedenken daher des
gesellschaftlicher und religiöser Verfolgung Tags der Menschenrechte als Ausdruck unserer Verbereitstellen.
pflichtung zur Bewältigung dieser Herausforderung.
Wir wollen nicht auf das zurückblicken, was wir geleiSomalia
stet haben, sondern nach vorne auf das, was wir tun
können und müssen, um wachsenden Respekt für
Das jüngste und vielleicht anschaulichste Beispiel des
Menschenrechte und das menschliche Leben zu föramerikanischen Engagements für Menschenrechte ist
dern. Es ist eine Herausforderung, zu deren Bewältidie von uns übernommene Führungsrolle bei der Hilfe
gung sich die Vereinigten Staaten - als unabdingbarer
für Somalia. Dort werden wir Zeuge einer MenschenTeil unserer Au ßenpolitik - verpflichtet haben. Und es
rechtstragödie monumentalen Ausmaßes. Über 250.000
ist eine Herausforderung, die wir - obwohl wir bezüglich
Somalier sind an Unterernährung oder durch hungerder Mittel oder Strategien unterschiedlicher Meinung
bedingte Krankheiten gestorben. 30.000 Menschen sind - gemeinsam angehen werden.
vornehmlich Zivilisten - sind bei den Kämpfen ums
* * * * *

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AMERIKA DIENST 50

�SERBIEN
16. Dezember 1992

KOSTEN DER SERBISCHEN UND
MONTENEGRINISCHEN POLITIK EXTREM HOCH
Ansprache von Robert Rackmales
BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Geschäftsträger Robert Rackmales sprach am 8. Dezember 1992 vor
dem Institut für Weltpolitik und -Wirtschaft über "Die Aussichten für die Beziehungen zwischen Belgrad und
Washington".
Nachfolgend veröffentlichen wir seine Ausführungen im Wortlaut.

In nur wenigen Wochen werden die neuen Regierungen in Belgrad und Washington mit Entscheidungen
konfrontiert, die für unsere künftigen Beziehungen von
lebenswichtiger Bedeutung sind. Diese Beziehungen
befinden sich offensichtlich in einer Krise, und ich
werde gleich einige meiner Ansichten darüber darlegen, wie diese Krise entstand. Es ist jedoch nicht mein
Ziel, eine weitere Diskussion über die Geschichte zu
beginnen und darüber zu debattieren, wer was hätte
tun können, und wann man die in einem Großteil des
ehemaligen Jugoslawiens stattfindende schreckliche
Tagödie hätte verhindern können. Es wird bereits auf
übertriebene, um nicht zu sagen besessene Art und
Weise immer wieder über vergangene Missetaten der
anderen gesprochen. Das mag im Moment vielleicht
Genugtuung bereiten, lenkt jedoch ab von dem für die
Einschätzung der gegenwärtigen Situation des Landes und die Entwicklung einer Politik zur Erreichung
einer Zukunft in Sicherheit und Wohlstand für die
Bürger notwendigen nüchternen Nachdenken.
Vor dieser Zuhörerschaft brauche ich nicht darauf
hinzuweisen, daß eine Zukunft in Sicherheit und
Wohlstand fürdie Bürgervon Serbien und Montenegro
wohl kaum erreichbar ist, wenn das jetzige Ausmaß an
Isolierung von der Völkergemeinschaft und Konfrontation mit ihr bestehen bleibt, geschweige denn, wenn es
verstärkt wird. Ich kenne bereits viel zu viele Familien,
deren jüngere Mitglieder in anderen Ländern ein produktiveres Leben führen wollen. Wenn dieses Land
erfolgreich sein soll, kann es sich nicht leisten, einige
der fähigsten Mitglieder der kommenden Generation
zu verlieren. Wir wissen, daß ein Land lange Zeit in
fast völliger Isolation überleben kann - Libyen, Burma
oder Albanien vor dem Jahr 1990 sind Beispiele hierfür. Ich kann jedoch nicht glauben, daß diese Länder
AMERIKA DIENST 50

attraktive Modelle für ein Volk darstellen, das sich
seiner aktiven Einbeziehung in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Region und Europas rühmte. Es ist eine traurige Ironie der jetzigen
Situation, daß diejenigen, die in den Jahren nach 1948
mutig die ihnen auferzwungene Isolation durchbrachen, in Osteuropa die ersten waren, die ihre Grenzen
öffneten und Beziehungen zu Organisationen wie der
OECD anknüpften, jetzt stärker isoliert sind als jemals
vor 1948.
Unglücklicherweise hat eine anhaltende Kampagne in
den staatlichen Medien viele wohlmeinende Menschen
hier davon überzeugt, daß Belgrads Isolation einfach
auf die böswilligen Motive anderer Länder, natürlich
einschließlich der Vereinigten Staaten, zurückzuführen ist. Ich werde Ihre und meine Zeit nicht mit einer
detaillierten Widerlegung der wilden Anschuldigungen
verschwenden, wie unserem angeblichen Interesse
an der Errichtung eines islamischen Fundamentalistenstaates in Bosnien, um uns bei den islamischen
Staaten beliebt zu machen, oder den üblichen
Falschmeldungen über die vorgebliche Macht der albanischen oder kroatischen Lobbyisten im amerikanischen Kongreß oder die paranoiden Fantasien über
obskure internationale Verschwörungen. Tatsächlich
ist es ganz offensichtlich, daß diejenigen, die derartigen Unsinn venbreiten, normalerweise die zynische
Absicht verfolgen, ihre politischen Förderer von der
Verantwortung für die jetzige Situation des Landes zu
befreien. In diesem Sinne erkenne ich die Verantwortung, die Frage anzusprechen, die mir öfter als jede
andere gesteift wird: Warum behandeln die Vereinigten Staaten, die in zwei Weltkriegen unser Verbündeter waren, Serbien und Montenegro jetzt als Gegner
und verhängen Sanktionen und andere StrafmaßahSehe 1

�men gegen sie? Ich stelle fest, daß genau diese Frage
am Ende von Dr. Petkovics kürzlich veröffentlichter
Untersuchung über 100 Jahre der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Jugoslawien gestellt wird, und daß sie eine ernstzunehmende Antwort
verdient.

Monate nach Unterzeichnung der Charta von Paris
erkannte die Welt folglich mit wachsender Ungläubigkeit und Bestürzung, daß eine neue und verhängnisvolle Bedrohung der friedlichen demokratischen Ordnung in Europa aufgetaucht war - eine Bedrohung, die
den faschistischen Bewegungen der zwanziger und
dreißiger Jahre besorgniserregend ähnlich war. Genau
Diese Antwort muß mit einer Untersuchung der Natur wie diese vermischte die neue Bedrohung Elemente
und der Ziele der Allianz, die im Zweiten Weltkrieg des übertriebenen Nationalismus, der Verherrlichung
gegen Faschismus und Aggression kämpfte, eingelei- militärischer Stärke, des Vertrauens in paramilitäritet werden. Nachdem die Vereinigten Staaten und ihre sche und kriminelle Organisationen, die weitverbreitewestlichen Verbündeten Zeugen des Scheiterns ihrer te Ausnutzung von Angst und Einschüchterung, die
Anstrengungen waren, die Welt trotz des unglaubli- Verteufelung von Gegnern, die besessene Beschäftichen Leids und der Opfer des Ersten Weltkrieges für gung mit tatsächlicher oder eingebildeter Ungerechtigdie Demokratie zu sichern, sahen sie die Notwendigkeit gegen die eigene Gruppe sowie die Ausnutzung
keit, ein Gerüst von Werten und Prinzipien bekanntzu- von Propaganda, um die eigenen Anhänger von der
geben, die als ihre fundamentalen Kriegsziele und als Weltmeinung zu isolieren und sie gegen Kritiker im InCharta für die Nachkriegszeit dienen sollten. Der erste und Ausland zu mobilisieren.
fundamentale Ausdruck dieser Ziele war die am 14.
August 1941 von Präsident Roosevelt und Premiermi- Keines dieser Phänomene war einzigartig für Serbien
nister Churchill bekanntgegebene Atlantikcharta. In oder das ehemalige Jugoslawien. Das Anwachsen
diesem Dokument stellten die Verbündeten fest, daß von extremistischen nationalistischen Bewegungen,
sie nach der endgültigen Zerschlagung des Naziter- die aus Haß gegründet wurden und zu Gewalttätigkeit
rors "einen Frieden, der allen Nationen die Mittel an die neigen, ist in großen Teilen Europas zu beobachten Hand gibt, ein Leben in Sicherheit zu führen", suchten von Frankreich über Deutschland bis Rußland. Aber
und allen Menschen "ein Leben befreit von Angst und während die Regierungen dieser Länder versucht haben,
Not" ermöglichen wollten. Im letzten Absatz der Atlan- diese antidemokratischen Bewegungen zu bekämptikcharta werden "alle Nationen der Welt aus realisti- fen, hat die Regierung Serbiens, gelinde gesagt, eine
schen und geistigen Motiven" dazu aufgerufen, "auf freundliche Umgebung für diejenigen geschaffen, die
Gewalt zu verzichten."
Verbrechen begingen, die die Menschheit schockierten. Diese Verbrechen wurden unter dem Banner der
An diese Prinzipien, die in der Charta der Vereinten "Selbstbestimmung" begangen, haben aber tatsächNationen weiter kodifiziert wurden, dachten die Alliierlich nichts mit diesem Konzept zu tun.
ten direkt nach dem Krieg, als die Sowjetunion mit Hilfe
von Gewaltanwendung und Einschüchterung die Völ- Aus Zeitgründen kann ich nicht auf Einzelheiten der
ker Osteuropas unterwarf. Die westliche Antwort Serie tragischer Ereignisse eingehen, die in dem entbestand nicht nur in der erforderlichen Eindämmung setzlichen, noch andauernden Blutbad in Bosniender sowjetischen Militärmacht und ihres politischen Herzegowina ihren Höhepunkt fanden. Es gibt ganz
Einflusses, sondern auch in der noch deutlicheren offensichtlich große Unterschiede zwischen dem Urteil
Formulierung von Prinzipien und Normen demokrati- der Völkergemeinschaft über diese Ereignisse und
schen Verhaltens als Grundlage einer Ordnung in dem vieler hier lebender Menschen. Ich sagte bereits
Europa für die Zeit nach dem Kalten Krieg. Jetzt ist zu Anfang meiner Ausführungen, daß es wenig hilfdeutlich geworden, daß die KSZE-Schlußakte in der reich ist, wenn hier eine Debatte über die in der ersten
Nachkriegsgeschichte Europas einen viel größeren Hälfte dieses Jahres stattgefundenen Ereignisse
Wendepunkt darstellte, als man sich bei ihrer Unter- angeregt wird, bei denen alle Parteien Fehler gemacht
zeichnung im Jahr 1975 bewu ßt war. Ihre Bestimmun- haben. Es ist jedoch meine Pflicht, die drei Hauptgrüngen zu Menschenrechtsfragen (an deren Formuliede zu nennen, warum in den Augen der meisten
rung ich in meiner Eigenschaft als Mitglied der KSZEMenschen auf der Welt die Hauptlast der VerantworArbeitsgruppe Anfang der siebziger Jahre in Washing- tung für die Tragödie von Bosnien-Herzegowina bei
ton in geringem Ausmaß mitgewirkt habe) spielten den Serben liegt.
eine bedeutende Rolle als stimulierende Kraft für den
Erstens wurden die frühesten Gewalttaten (vor ihrer
Demokratisierungsprozeß in Osteuropa und schließlich in der Sowjetunion selbst. Der Sieg dieser Kräfte Aufdeckung) von paramilitärischen Einheiten aus Serbien
in den Jahren 1989,1990 und 1991 führte zum ersten und Montenegro begangen, die gegen Nichtserben
Mal seit 1945 zu der realen Hoffnung, daß sich Europa Akte der Gewalt und der Einschüchterung begingen.
Der Krieg brach nicht spontan aus sondern wurde,
kurz vor einem neuen, beispiellosen Zeitalter der Sicherheit, demokratischen Freiheiten und friedlichen ohne daß eine nennenswerte Bedrohung der Sicherheit der serbischen Bevölkerung vorlag, von außen
Zusammenarbeit befand. Die Unterzeichnung der
Charta von Paris im Jahr 1991 war ein Symbol für diese bewußt angezettelt.
Hoffnungen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Zweitens hat der Krieg zwar zu Grausamkeiten gegen
unschuldige Opfer aus allen drei ethnischen Gruppen
geführt, aber die größte Greueltat - der systematische
Beschuß und die Aushungerung großer Städte durch
ihre Belagerung - wurde von serbischen Truppen
begangen, die als einzige die Mittel und den Willen
haben, solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit in
großem Ausmaß zu begehen. Genau diese Verbrechen haben mehr als alles andere die Welt zum
Handeln veranlaßt. Mehr als in jedem anderen Krieg
in diesem Jahrhundert sind vor allem die Zivilisten das
Hauptziel militärischer Aktionen, was eine Verhöhnung der Genfer Konventionen darstellt.
Drittens wurde die Politik der Vertreibung unschuldiger, aus einer anderen ethnischen oder religiösen
Gruppe stammender Zivilisten aus ihren Häusern, die
sogenannte "ethnische Säuberung", von den serbischen Truppen in Bosnien in einem Ausmaß betrieben, das alles seit den Zeiten des Nationalsozialismus
in Europa Geschehene in den Schatten stellt. Niemand hat ethnische Säuberung "erfunden" - leider war
sie schon seit Menschengedenken ein brutaler Bestandteil unserer Geschichte. Im gegenwärtigen Krieg
waren die Serben Opferderselben Praxis. Aber nichts,
was die anderen Konfliktparteien taten, kommt der
systematischen, von offizieller Seite begonnenen
Kampagne der ethnischen Säuberung gleich, die von
den bosnisch-serbischen Truppen - bei Beginn des
Konfliktes in Zusammenarbeit mit der jugoslawischen
Armee - durchgeführt wurde.
All dies bedeutet nicht, daß wir den Leiden der zahlreichen serbischen Kriegsopfer gegenüber gleichgültig
oder unsensibel sind. Die von den Vereinigten Staaten
für internationale Organisationen wie den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) oder
UNICEF bereitgestellten über 140 Millionen Dollar an
humanitärer Hilfe wurden in nichtdiskriminierender Weise
an alle verteilt, auch die serbischen Flüchtlinge und alle
betroffenen ethnischen Gruppen in den Kriegszonen
von Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise behinderten die bosnisch-serbischen Streitkräfte selbst am
häufigsten die Hilfskonvois, die den belagerten Städten Hilfe bringen wollten, und zwangen damit den
UNHCR zu einem Zeitpunkt, jegliche Hilfe für Ostbosnien einzustellen. Im Gegensatz zu der Empörung, die
die Blockade der Hilfslieferungen weltweit auslöste,
legten die offiziellen Medien hier Indifferenz gegenüber dem Leiden der NichtSerben an den Tag - eine
Tatsache, die wenig zur Verbesserung des Images
von Serbien in der Welt beigetragen hat.
Die Serben dürfen nicht für Maßnahmen verantwortlich gemacht werden, die ohne ihre Zustimmung durchgeführt und mutwillig von den offiziellen Medien verzerrt werden. Ihr Interesse am Wohlergehen ihrer
Mitbürger in Bosnien-Herzegowina ist natürlich und
legitim. Selbst die offiziellen Medien können inzwischen die Tatsache nicht mehr verschleiern, daß die

AMERIKA DIENST 50

Politik der Gewaltanwendung und ethnischen Säuberung die Zukunft aller Völkergemeinschaften in diesem
Land untergraben hat. Alle Berichte über das Leben in
"befreiten" Städten wie Foca und Visegard bestätigen
die Aussicht auf langfristige Armut und Elend. Die
beste Hilfe, die Serben ihren Brüdern in BosnienHerzegowina anbieten können, ist, darauf zu bestehen, daß die verheerende Politik aufgegeben wird, die
ihrem Volk nur Elend beschert hat.
Blickt man über die vordringlichen Themen der Krise in
Bosnien-Herzegowina hinaus, so hängt die Wiedereinnahme des rechtmäßigen Platzes von Serbien und
Montenegro in der Weh und die Wiederherstellung der
traditionell freundschaftlichen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten auch von einer amtierenden
Regierung ab, die zu bindenden Verpflichtungen in der
Lage ist, auf deren Einhaltung man vertrauen kann.
Offen gesagt, berechtigt die Bilanz der vergangenen
18 Monate nicht zur Hoffnung. Die Beispiele nichteingehaltener Zusagen, leerer Deklarationen, von Erinnerungslücken und des Umschreibens der Geschichte
können hier nicht alle aufgezählt werden. Ich möchte
feststellen, daß die Bundesregierung von Dobrica Cosic
und Milan Panic diese Mängel zu Recht in der Erkenntnis des Schadens zu beheben versucht hat, den unseriöses Verhalten gegenüber der übrigen Welt auf den
internationalen Stand von Serbien und Montenegro
hat. Obwohl es ihr gelungen ist, eine Tür zu der
internationalen Staatengemeinschaft offen zu halten,
reichten ihre Bestrebungen jedoch angesichts der
verfestigten Opposition nicht aus, mit der sie sich
konfrontiert sahen.
Nehmen Sie beispielsweise den Vanceplan. Diesem
Abkommen stimmten führende Politiker in Belgrad unter ihnen der serbische Präsident Milosevic, die
Präsidentschaft von Restjugoslawien und der damalige ranghöchste Offizier der jugoslawischen Bundesarmee, General Kadijevic, - vor nahezu einem Jahr zu.
Ungeachtet dieser Unternehmungen ist die Bilanz der
Einhaltung durch Belgrad eine Kette gebrochener
Versprechen. Die Stationierung der UNO-Schutztruppe UNPROFOR wurde genehmigt, andere zentrale
Aspekte wurden jedoch verzögert oder niemals erfüllt:
Der Abzug der letzten Einheiten der jugoslawischen Armee aus Kroatien dauerte bis zum
Herbst. Präsident Cosic wurde dafür von eben
denjenigen hart kritisiert, die vor fast einem Jahr
Cyrus Vance ihr Wort dafür gegeben hatten.
Weder die Demobilisierung noch Entwaffnung
der serbischen Miliz in den von der UNO geschützten Gebieten hat stattgefunden. Belgrader Behörden haben ihre Hände angesichts
dieses Problems in Unschuld gewaschen und
jede Verantwortung für Waffen weit von sich
gewiesen, mit denen die Serben vor Ort von der
jugoslawischen Armee ausgerüstet wurden.

Seite 3

�In serbisch kontrollierten Gebieten Kroatiens
wurde die "ethnische Säuberung" fortgesetzt.
Sowohl Serben als auch Nichtserben sind Opfer
der Gesetzlosigkeit. Das örtliche Rechtssytem
ist seiner Funktion enthoben.
Heute ist die Mißachtung der Rechtsstaatlichkeit nicht
nur ein Problem in den von der UNO geschützten
Gebieten, sondern bereitet auch Serbien und Montenegro zunehmend Anlaß zur Sorge. Bewaffnete paramilitärische Einheiten und Banden haben Gemeinden
in Wojwodina und Sandschak terrorisiert und dennoch
sehen sich die Gericht außerstande, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Im Kosovo ist es
praktisch unmöglich, von Gesetz zu sprechen, wenn
der Notstand herrscht. Die Welt und besonders mein
Land können nicht verstehen, wie es internationalen
Kriminellen gestattet wird, die persönlich für die Ermordung unbewaffneter Zivilisten in Kroatien und ähnliche
Greueltaten in Bosnien verantwortlich sind, sich frei zu
bewegen, sich als Geschäftsleute auszugeben - oder
sich sogar als Kandidaten für das Parlament aufstellen
zu lassen. Die ins Ausland vermittelte Botschaft lautet:
Hier wird Gewehren die Vorherrschaft über das Gesetz eingeräumt. Um Präsident Cosic zu zitieren: Die
den Paramilitärs gegebene freie Herrschaft bedroht
jeden in den beiden Republiken Lebenden - und ich
möchte hinzufügen, ungeachtet seiner Nationalität.

Bosnien-Herzegowina führte am 30. Mai 1992 zur
Verhängung von Sanktionen durch die Vereinten
Nationen. Die Profite aus Handel, technischer Hilfe zur
Umstrukturierung der Wirtschaft sowie des Finanzflusses - für die Entwicklung und letztlich den Wohlstand
von Serbien und Montenegro entscheidend - sind
eingefroren.
Es steht außer Frage, daß diese Sanktionen in Kraft
bleiben werden, bis die Bedingungen von Resolution
752 des UN-Sicherheitsrats und der nachfolgenden
Resolutionen erfüllt sind. Wie wir kürzlich beobachten
konnten, veranlaßten Beweise für die Verletzung der
Übergangsbestimmungen für Sanktionen die Vereinten Nationen am 16. November zu einer weiteren
Verschärfung des Sanktionsregimes. Gegebenenfalls
werden weitere Schritte unternommen.
Am 22. September entschied die UN-Generalversammlung, daß die "Föderative Republik Jugoslawien" nicht
die Fortsetzung der "Sozialistischen Republik Jugoslawien" ist und die FRJ als neues Land einen Antrag auf
Mitgliedschaft in der UNO und ihren Organisationen
stellen muß. Diese Entscheidung wird weitgehend
angewandt: von der OECD bis zu Weltbank und IWF,
von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation bis
zum GATT.

Seit Verhängung der Sanktionen habe ich eine Reihe
von
der Regierung und den Oppositionsparteien vorAll dies hat jedoch auch Auswirkungen auf die Position
gelegter
"Wirtschaftsprogramme" gesehen. Sie waren
von Serbien und Montenegro im Ausland. Das Prosich
in
einem
einig: Der Unmöglichkeit der Verwirkliblem, auf das ich mich beziehe, ist umfassender als die
chung
eines
rationalen
wirtschaftlichen Entwicklungsoffizielle Duldung von Kriminellen. Zeitweise ist es für
programms
solange
die
Sanktionen in Kraft sind. Der
ausländische Beobachter unklar, ob ein institutionaliPreis
für
Serbien
und
Montenegro für die aktuelle
siertes Regierungssystem - wie das Konzept von der
Politik
ist
die
internationale
Isolation und kontinuierliKSZE verstanden wird - hier überhaupt existiert. Selbst
che
Dezimierung
der
Wirtschaft.
als Serbien und Montenegro sich in diesem Frühjahrzu
einer Föderation zusammengeschlossen haben, mißInternational bleibt der Handel eingefroren.
achteten die Regierungen der Republiken die Autorität
Ausländische Investitionen fließen in andere
des Staates weiterhin. Die Besetzung des HauptquarLänder. Wissenschaftliche und akademische
tiers der Bundespolizei durch die serbische RepublikAustauschprogramme gehören der Vergangenpolizei in Mißachtung der Gerichtsbeschlüsse ist nur
heit an.
ein Beispiel für die Bereitschaft der Behörden der
Republik, ihre eigenen Regeln aufzustellen. Obwohl
Im Inland sind die Volkswirtschaften von Serdie Bundesverfassung die Bundesregierung mit der
bien und Montenegro bereits schwer angeschlaFührung der auswärtigen Angelegenheiten für die beiden
gen, nicht nur durch die Sanktionen, sondern
Republiken beauftragt, gibt es keine einheitliche Auauch aufgrund jahrzehntelanger Planwirtschaft
ßenpolitik. Zumindest im Falle Serbiens ertaubt die
und sozialistischer Selbstverwaltung. InsbeVerfassung der Republik darüber hinaus den serbisondere die derzeitige Politik der serbischen
schen Behörden ausdrücklich, die ihnen nicht genehRegierung ist ein Rückschritt und verschleiert
men staatlichen Maßnahmen zu ignorieren. Ein solnur vorübergehend die Auswirkungen der Sankches System ist bestenfalls verwirrend und untergräbt
tionen und einer anachronistischen Volkswirtdie Fähigkeit jedes politisch Verantwortlichen, eine
schaft. Im nächsten Jahr werden nur weitere
ernsthafte Außenpolitik zu betreiben und die Welt
massive Arbeitslosigkeit, Produktionsrückgang
davon zu überzeugen, daß er Verpflichtungen eingeund galoppierende Inflation zu beobachten sein.
hen kann.
Bisher wurden die Auswirkungen der Sanktionen
Das Fehlen einer effektiven, verantwortungsbewuß- besonders aufgrund der laschen Durchsetzung teilten staatlichen Autorität und die Unterstützung der weise umgangen und durch die Vergabe neugedruckRegierungsvertreter der Republik für den Krieg in ter Dinarscheine an Arbeiter (die häufig nicht arbeiten),

Seite 4

AMERIKA DIENST 50

�Bauern und Rentner verdeckt. Wir alle wissen jedoch,
daß es so etwas wie ein kostenloses Mittagessen nicht
gibt. Die Hyperinflation wird noch mehr Dinare verschlingen, bis der Wert des Dinars völlig vergeudet ist.
Wie werden die ohnehin untätigen Arbeiter dann bezahlt? Jugoslawiens neuester Dinar hat bereits seit
Juni dieses Jahres 85 Prozent an Wert verloren.
Es ist ein Fehler anzunehmen, Serbien und Montenegro könnten das Ende der Sanktionen abwarten, die
UNO würde allmählich ermüden und die Blockade
aufheben. Das wird sie nicht tun. Die Sanktionen
wurden gerade verschärft und werden gegebenenfalls
weiter verschärft.

und Femsehanbietern auf ausgewogener und bezahlbarer Grundlage Frequenzen zugänglich machen. Sie
kann sicherstellen, daß private Publikationen Zugang
zu Verbrauchsmaterial, Geräten und einem zuverlässigen Verteilungssystem erhalten. Darüber hinaus
darf die Regierung nicht wegsehen, wenn Journalisten
von radikalen Politikern bedroht werden und Firmen
von Werbemaßnahmen oder Geschäften mit unabhängigen Medien entmutigt werden.

Kurzum, Objektivität bedeutet, daß man unter Nutzung so vieler Quellen wie möglich alle verfügbaren
Informationen offenlegt und nicht nur eine Seite der
Geschichte präsentiert. Objektive Medien unterscheiden eindeutig zwischen Tatsache und Meinung. DieEs ist auch ein Fehler, sich in dem Glauben zu wiegen, ser Maßstab muß auf sämtliche gesendeten Informaeine Umgehung der Sanktionen würde irgendwie tionen angewendet werden, nicht nur auf die Abendermöglichen, daß das Leben weitergeht wie bisher. nachrichten. Medien, die dies nicht tun, produzieren
Selbst vor den Sanktionen wurden 10 bis 20 Prozent Propaganda, keine Nachrichten.
des serbischen Handels auf dem "grauen" Markt abgewickelt - außerhalb des Gesetzes. Wie hoch ist der Genau dies bedeutet Ausgewogenheit in der BerichtProzentsatz heute? 30? 40 oder noch höher? Wieviel erstattung über Wahlen. Es bedeutet nicht, einer
Wirtschaft außerhalb des Gesetzes - mit Schwarz- Gruppe oder politischen Partei einen kurzen Abschnitt
märkten, offizieller Korruption und Schutzbanden - am Ende der Nachrichten zu widmen. Ich fürchte, die
wollen Serbien und Montenegro dulden? Haben sie Medien in Serbien und Montenegro - besonders die
einmal Fuß gefaßt, sind Kriminelle und Korruption offiziellen Medien - erfüllen die Kriterien für Objektivität
außerordentlich schwer wieder zu beseitigen. Die und Fairneß bei weitem nicht.
Folge einer auf das reine Überleben ausgerichteten
Volkswirtschaft wird letztlich Armut und wachsende Zuschauer von TV Belgrad hatten keine ausgewogene
Kriminalität sein, wenn organisierte Banden die lukra- Erklärung, warum UNO-Resolution 787 zur Verschärtiven Schwarzmärkte übernehmen und sich bei Regie- fu ng der Sanktionen verabschiedet wurde. TV Belgrad
rungsvertretern einschmeicheln, die sie mit Konzes- räumte Radovan Karadzic und Ratko Mladic lange
Sendezeit ein, um ihre Meinung zu den Vorgängen in
sionen belohnen können.
Bosnien kundzutun. Über die Ansichten der anderen
Der freie Informationsfluß ist eine weitere grundlegen- Konfliktparteien oder der Mitgliedstaaten des UN-Side Komponente des KSZE-Prozesses und eines der cherheitsrats, die für die Resolution gestimmt hatten,
Schlüsselelemente einer funktionierenden Demokra- wurde jedoch kaum berichtet.
tie. In der Tat wird die Fairness der Wahlen vom 20.
Dezember bereits aufgrund der restriktiven Medien- Auch die westlichen Medien begehen Fehler. Die
landschaft in Serbien und Montenegro in Zweifel gezo- westlichen Medien sind jedoch ebenso wenig in einer
gen. In seiner Beurteilung der Lage vor den Wahlen für antiserbischen Verschwörung miteinander verbunden
den Zeitraum Mitte November stellte das Internationa- wie all die Länder der Vereinten Nationen, die für die
le Republikanische Institut (IRI) fest: "Nach Ansicht Verhängung der Sanktionen stimmten. Wenn die
der Fernseh- und Sonderinformationsprogramme ist Medien nicht immer völlig objektiv sind, so sind sie
das IRI der Überzeugung, daß die serbischen und doch grundsätzlich ehrlich. Wenn sie mehr über
montenegrinischen elektronischen Medien nach wie serbische Angriffe und Beschießungen sowie, ja, über
vor als massive Propagandamaschinerie dienen. Dem Greueltaten berichten, so informieren sie über das,
IRI liegen Beweise dafür vor, daß die Fernsehnach- wozu sie Zugang haben und was sie selbst sehen und
richten in der Woche vor der Entsendung der Untersu- erfahren können. Was sie sehen und erfahren, ist das,
chungsmission vom 17.-22. November auf das Ni- worüber sie berichten.
veau einer Vorwahlmanipulation durch die Regierungspartei gesunken war." Es bedarf kaum besonderer Was können die politisch Verantwortlichen in Serbien
Erwähnung, daß die Fortsetzung solcher Praktiken und Montenegro tun, um die Isolation und internationaalle Bemühungen untergraben wird, die Wert davon zu le Verurteilung zu überwinden, die künftige Generatioüberzeugen, die bevorstehenden Wahlen seien frei nen gefährdet?
und fair.
Erfüllung der bei der Londoner Konferenz getroffenen Vereinbarungen sowie Einsatz des
Was zur Korrektur dieses entstellten Bildes erforderpolitischen, moralischen und wirtschaftlichen
lich ist, sind radikale Veränderungen der MediengesetEinflusses, den Belgrad besitzt, um zu gewährze und -politik. Dazu kann die Regierung mehrere
leisten, daßdie Führung der bosnischen Serben
Schritte unternehmen. Sie kann privaten Rundfunkdasselbe tut.
AMERIKA DIENST 50

Seite 5

�Dem seibischen und montenegrinischen Volk
die Wahrheit sagen. Solange Serben und Montenegriner ein ehrliches Bild dessen entbehren,
was in Bosnien-Herzegowina geschieht, wird es
schwierig sein, die katastrophale Politik zu ändern.
Wahrung der Rechtsstaatlichkeit in Serbien und
Montenegro. Solange es paramilitärischen
Kräften und gewöhnlichen Verbrechern gestattet wird, den Durchschnitt sbürgerstraflos einzuschüchtern und zu terrorisieren, wird die Bereitschaft und Fähigkeit Belgrads, das Völkerrecht
einzuhalten, in Zweifel gezogen.
Herstellung von Chancengleichheit für die Wahlen
am 20. Dezember, indem faire Behandlung der
Opposition in den staatlich kontrollierten Medien gewährleistet wird, die heute gegen sie

eingestellt sind, und indem man dem serbischen
Volk die Chance gibt, in einem echten demokratischen Prozeß für die Kandidaten seiner Wahl
zu stimmen.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß die Zukunft
der Beziehungen zwischen Belgrad und Washington
vor allem von der Bereitschaft der von den Wählern
dieses Landes am 20. Dezember bestimmten Entscheidungsträger abhängt, sich erneut die Werte zu
eigen zu machen, für die wir gemeinsam gegen den
Faschismus gekämpft haben, sich wieder der Welt der
neunziger Jahre anzuschließen und politische Maßnahmen aufzugeben, die drohen, uns über ein halbes
Jahrhundert zurückzuwerfen und die Bemühungen
einer ganzen Generation hier zunichte zu machen, die
die Chance verdient, ein besseres Leben aufzubauen.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

LANGJÄHRIGER PERSÖNLICHER FREUND
ALS CLINTONS STABSCHEF
Thomas F. "Mack" McLarty

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von Thomas F. "Mack" McLarty zu seinem Stabschef hat der
künftige Präsident Bill Clinton einen langjährigen Freund,
erfolgreichen Geschäftsmann und Politiker ausgewählt,
um die Aufsicht über seine Mitarbeiter zu führen und
seine Zeit im Weißen Haus zu organisieren.

Seine Wahl als Abgeordneter des Kongresses von
Arkansas im Jahr 1969 machte den 23jährigen zum
jüngsten Volksvertreter in der Geschichte des Bundesstaates. Teilweise aufgrund des Einflusses seiner
Familie wurde McLarty, als er Ende zwanzig war, in
den Vorstand des Erdgasunternehmens Arkla Inc. in
Lousiana gewählt. McLarty beschloß schließlich, ganz
McLarty, 46, ist für sein freundliches Wesen und seine bei Arkla zu arbeiten. Ihm gelang schnell der Aufstieg
gesellschaftlichen Fähigkeiten bekannt, und politische innerhalb des Unternehmens, und 1985 wurde er
Analytiker prophezeien, daß er seine eigene Persön- dessen Vorsitzender. Presseberichten zufolge ist
lichkeit und seine Vorrechte denen Clintons unterord- McLarty jetzt Millionär.
nen wird. Auch nimmt man an, daß McLarty Clinton
verschiedene Ansichten vorlegen wird, anstatt auf Ebenso wie Clinton engagierte sich McLarty im politiseiner eigenen zu bestehen.
schen Leben von Arkansas. Er war Parteivorsitzender
der Demokraten in Arkansas, war während Clintons
McLarty, der Clinton schon seit seiner Kindheit kennt, Wahlkampagnen für das Amt des Gouverneurs als
erklärte, es werde seine Aufgabe sein, dem neuen Schatzmeister tätig und beriet auch andere Politiker
Präsidenten die Wahrheit zu sagen. Und erversprach, aus Arkansas.
Clinton gegenüber "immer direkt (ehrlich) zu sein", um
sicherzustellen, daß Clinton als Führer der Nation nicht Zu seiner neuen Rolle merkte McLarty an: "Ich habe
isoliert wird.
mein Leben im Herzen des Landes (außerhalb Washingtons) verbracht... aber durch meine Erfahrung
McLarty und Clinton besuchten zusammen in Hope, als... Geschäftsmann, in der Legislative des BundesArkansas, den Kindergarten. McLartys Familie war staates und als ehemaliger Parteivorsitzender kenne
wohlhabend und besaß die örtliche Autohandelsnie- ich Washington gut und weiß, wie der Verwaltungsapderlassung von Ford, Clintons weniger begüterter Stief- parat dort funktionieren muß."
vater die von Buick. Ihre Freundschaft blieb auch
bestehen, als sie erwachsen waren und dauert bereits McLarty lebt gegenwärtig mit seiner Frau Donna in
ihr ganzes bisheriges Leben.
Little Rock, Arkansas. Sie haben zwei Kinder.
Nachdem er seinen Abschluß an der University of
Arkansas gemacht hatte, baute McLarty den Autohandel der Familie zu einem der größten Transportunternehmen der Region aus.
* * * * *

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Seite 1

�PORTRAT
16. Dezember 1992

BENTSEN ALS FINANZMINISTER NOMINIERT
Langjähriges Senatsmitglied hat starke wirtschaftliche Interessen

WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Clinton hat Senator Lloyd Bentsen als Chef des Finanzministeriums nominiert. Dies ist zweifellos der wichtigste
wirtschaftspolitische Posten in der amerikanischen
Regierung.
Durch die Entscheidung für Bentsen, der seit 22 Jahren Mitglied des Senats ist, scheint Clinton die Aussichten zu verbessern, seine wirtschaftspolitischen
Programme im Kongreß durchzusetzen und eine seit
vier Jahren andauernde Pattsituation in Schlüsselbereichen der Steuer- und Ausgabenpolitik zu beenden.
Bei der Ankündigung der Nominierung für das Finanzressort erklärte Clinton am 10. Dezember 1992, Bentsen zeichne sich besonders dadurch aus, daß er den
Respekt der amerikanischen Finanzwelt genieße und
gleichzeitig Mitgefühl für die finanziell weniger Begünstigten zeige.

Er verwies auf seine Frustration darüber, daß die
Bemühungen zur Verabschiedung eines harten Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung, einer Wahlkampfreform und eines Steuergesetzes, das wirtschaftliche
Anreize zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Ankurbelung der Konjunktur einbezog, am Veto von Präsident Bush scheiterten.
Der in Texas geborene Bentsen bringt in seine Position
eine umfassende Kenntnis des Kongresses sowie
langjährige Erfahrung in der Beschäftigung mit
Steuer-, Handels- und Gesundheitspolitik ein.
Er war 1970 nach einem Sieg über George Bush in den
Senat eingezogen.

Es wird erwartet, daß die Nominierung Bentsens, der
für seine staatsmännische Haltung im Finanzausschuß
des Senats und seine Leistungen als Kandidat der
Demokratischen Partei für das Amt des Vizepräsiden"Wenn man in der amerikanischen Politik die Worte ten im Jahr 1988 gerühmt wurde, den Finanzmärkten
Statur, Würde und Respekt ausspricht, denkt man an die Sicherheit vermittelt, daß die wirtschaftspolitischen
den Namen Lloyd Bentsen", erklärte Clinton. "Ich hatte Schaltstellen des Landes in guten Händen sind und
ihre Interessen berücksichtigt werden.
ihn seit langem für diese Position im Sinn."

Bentsen, der Clintons wichtigster wirtschaftspolitischer In den Jahren seiner Tätigkeit als Vorsitzender des
Sprecher sein wird, teilte Reportern nach der Ankündi- Finanzausschusses des Senats, des Gemeinsamen
gung mit, die nächste Administration erbe ein doppel- Steuerausschusses, als Mitglied des Gemeinsamen
tes Defizit sinkender Investitionen und unausgegliche- Wirtschaftsausschusses sowie des Senatsausschusner Haushalte.
ses für Handel, Wissenschaft und Verkehr hat Bentsen
die Interessen der Wirtschaft stärker unterstützt als die
"Wir sind entschlossen, beide auf ein normales Maß zu meisten anderen demokratischen Parlamentarier.
begrenzen", erklärte Bentsen. "Was es (das amerikanische Volk) fordert, sind keine Wunder, sondern Als eines der wohlhabendsten Mitglieder des Senats
Fortschritte, und die wird es bekommen."
mit einem Nettoeinkommen von über 10 Millionen
Dollar, das er aus Beteiligungen an Immobilien, RanAuf den kritischen Hinweis, seine Berufung bringe ches, Landwirtschaft, Bergbau, öl und Gas bezieht,
einen Ansatz des "business as usual" in die Clinton- war Bentsen ein energischer Befürworter von SteuerAdministration, erwiderte Bentsen: "Ich habe all diese erleichterungen für Immobilieninteressen sowie ölGeschichten über meine Position als Insider gehört. und Gasproduzenten.
Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mich seit zwölf
Jahren wie ein Au ßenseiter fühle und der Pattsituation Obwohl er die Senkung der Kapitalertragsteuer theoüberdrüssig bin."
retisch befürwortet, lehnte Bentsen eine solche Redu-

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�zierung ab, als Präsident Bush sich weigerte, diese mit unterstützt, obwohl er der Meinung war, es müsse
einer Steuererhöhung für Besserverdienende zu ver- mehr getan werden, um damit zusammenhängende
knüpfen.
Arbeits- und Umweltfragen zu behandeln.
Darüber hinaus hat er sich für eine Anhebung der Von politischen Aktionskomitees wurde Bentsens
Summe eingesetzt, die Einzelpersonen auf steuerfreie Unterstützung bestimmter politischer Programme weder
Rentenkonten einzahlen können sowie dafür, die von Liberalen noch von Konservativen als besonders
Verwendung dieser Mittel für die Finanzierung von prägnant eingestuft.
Ausbildung und Wohneigentum zu gestatten.
Obwohl Bentsens Ausscheiden aus dem Senat ClinEr hat eine Reduzierung der Sozialversicherungssteu- tons Unterstützung im Finanzausschuß schwächen
er mit dem Argument abgelehnt, sie werde das Defizit könnte, hat der als wahrscheinlicher Nachfolger Bentsteigern und die Anhebung anderer Steuern erfordern. sens als Ausschußvorsitzender angesehene Senator
Daniel Patrick Moynihan bereits erklärt, seine wichtigBentson spielte gemeinsam mit dem für das Amt des ste Priorität werde es sein, "das Programm des PräsiDirektors der Haushaltsbehörde nominierten Leon denten durch den Kongreß zu bringen".
Panetta eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung des
1990 verabschiedeten auf fünf Jahre angelegten Pakets Die Gouverneurin von Texas, Ann Richards, hat die
zum Defizitabbau um 500 Milliarden Dollar.
Besorgnis geäußert, Bentsens Ausscheiden könnte
den Republikanern eine Chance eröffnen, einen Sitz
"Mehr als die meisten Demokraten im Kongreß ver- im US-Senat zu erringen.
traut er auf den Markt und militärische Stärke ... aber
er ist ebenso stark davon überzeugt, daß die Armen Der 71jährige Bentsen wurde zum ersten Mal 1948 in
und Hilflosen Schutz und Beistand vom Staat benöti- den Kongreß gewählt, schied jedoch nach sechs Jahren
gen", schrieb das National Journal in seiner letzten aus, um ein Versicherungsunternehmen in Houston
Zweijahresanalyse der Kongreßmitglieder.
aufzubauen. Erverbrachte 16 Jahre als Unternehmer
in Houston und wurde vor seinem Sieg bei der SenatsIn Handelsfragen war Bentsen eines der einflußreich- wahl von 1970 Präsident von Lincoln Consolidated,
sten Kongreßmitglieder. Er ist grundsätzlich Befür- einer Finanzholding.
worter des freien Handels, hat jedoch Besorgnis über
japanischen Protektionismus geäußert. Er hat das Er wurde am 11. Februar 1921 in Mission (Texas)
Handelsgesetz Super 301 unterstützt, das amerikani- geboren und schloß im Jahr 1942 sein Jurastudium an
sche Regierungsvertreter für Handelsfragen auffor- der juristischen Fakultät der University of Texas ab.
dert, einseitige Maßnahmen gegen als unfair angese- Danach trat er in die US-Armee ein. Im Zweiten
hene Handelspartner zu verhängen.
Weltkrieg wurde er als B-24-Pilot und Staffelkommandeur zum Major befördert. Er wurde mit dem DistinBentsen hat ein Junktim zwischen Auslandshilfe und guished Flying Cross ausgezeichnet.
Handel befürwortet, die Initiative für das Karibische
Becken durch den Kongreß geleitet und das Nordame- Mit seiner Frau Beryl Ann, geb. Longino, die auch als
rikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) energisch B.A. bekannt ist, hat er zwei Söhne, Lan und Lloyd III.
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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON ERNENNT PARTEIVORSITZENDEN
DER DEMOKRATEN ZUM HANDELSMINISTER
Porträt von Ron Brown

WASHINGTON - (AD) - Ron Brown hat dazu beigetragen, die Demokratische Partei im Präsidentschaftswahlkampf 1992 hinter Bill Clinton zu vereinen. Jetzt
möchte Clinton, daß Brown Wirtschaft und Regierung
zur Bewältigung einer weiteren großen Herausforderung, dem internationalen Wettbewerb, vereint.

Darüber hinaus wird er für die erfolgreiche Organisation des demokratischen Konvents für Clinton in New
York verantwortlich gemacht, wobei er die erforderlichen Kompromisse mit so unterschiedlichen führenden Persönlichkeiten der Partei wie Jackson, dem
Clinton-Gegner Jerry Brown aus Kalifornien und Gouverneur Mario Cuomo aus New York aushandelte.

Der von Clinton für das Amt des Handelsministers
berufene 51jährige Brown wird vom Wall Street Jour- Ferner wird ihm Anerkennung gezollt, weil er die
nal als "der Washingtoner Insider schlechthin" be- Bemühungen der Demokratischen Partei bei Finanzierung, Forschung und Strategie reformierte, die zum
zeichnet.
Wahlsieg Clintons im November beitrugen.
Er war 11 Jahre als Rechtsanwalt fürdie Bürgerrechtsorganisation National Urban League tätig und diente Seit 1982 ist Brown als Lobbyist für die wichtige in
darüber hinaus als mit der ständigen Vertretung beauf- Washington ansässige, für Unternehmen tätige Antragter Anwalt und Stabsdirektor für Senator Edward waltskanzlei Patton, Boggs and Blow tätig, bei der er
Kennedy sowie als juristischer Chef berater des Justiz- Teilhaber ist.
ausschusses des Senats.
Wenn es Opposition gegen seine Berufung für das
Brown unterstützte Kennedys erfolglose und entzwei- Handelsressort geben sollte, dann wäre dies eine
ende Bewerbung gegen den Amtsinhaber Präsident mögliche Quelle. Zu seinen Klienten zählten Japan Air
Jimmy Carter um die Präsidentschaftsnominierung Lines, 21 japanische Elektronikfirmen sowie die eheder Demokratischen Partei im Jahr 1980. Seither hat malige Regierung Haitis unter Jean-Claude "Baby
sich Brown jedoch häufig um die Einheit der Partei Doc" Duvalier.
bemüht.
Brown erklärte am 12. Dezember 1992 während der
Der Nachrichtenagentur Reuter zufolge erklärte sich Pressekonferenz in Little Rock, bei der Clinton seine
Brown 1988 nur auf Drängen von Parteifunktionären, Berufung bekanntgab, er werde seine Erfahrung eindie darauf bedacht waren, Konflikte mit dem Präsi- setzen, um das Handelsministerium zu motivieren,
dentschaftskandidaten Michael Dukakis zu entschär- Clintons Ziel der wirtschaftlichen Erneuerung zu verfen, bereit, den Auftritt seines Mitstreiters für die Bür- wirklichen.
gerrechte, Jesse Jackson, beim demokratischen Par"Das wird Teamarbeit sein", stellte Brown in einer
teikonvent zu organisieren.
vorbereiteten Erklärung fest. "Die Erhöhung der ExDem 1989 zum Vorsitzenden des Nationalen Aus- porte, Förderung neuer Technologien, Unterstützung
schusses der Demokraten gewählten Brown wird das der wirtschaftlichen Entwicklung - all dies erfordert
Verdienst zugeschrieben, Clinton während des Vor- integriertes, behördenübergreifendes Handeln, das
wahlkampfs um die Nominierung 1992 vor möglichen die alten Grenzen zwischen Wirtschaft, Gewerkschafschädlichen Auseinandersetzungen innerhalb der ten und Regierung überschreitet."
Partei bewahrt zu haben.
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AMERIKA DIENST 50

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

DESIGNIERTER ARBEITSMINISTER LEGT
BETONUNG AUF AUS- UND FORTBILDUNG
Porträt von Robert Reich

WASHINGTON - (AD) - Obwohl der vom künftigen
Präsidenten Clinton für das Amt des Arbeitsministers
nominierte Robert Reich viel über Arbeitsfragen publiziert hat, ist er kein Wirtschaftswissenschaftler.
Aber Reich - Dozent an der Harvard University, profilierter Autor, prominenter Fernsehkomentator, Verfasser von Leitartikeln und Mitbegründer des Economic
Policy Institute - ist ein langjähriger Freund von Bill
Clinton.
Seit sie sich als Rhodes-Stipendiaten an der Oxford
University kennenlernten und gemeinsam die juristische Fakultät von Yale besuchten, haben Clinton und
Reich kontinuierlich über Wirtschaft und Politik diskutiert.
Clinton hat Reich zum Leiter der Wirtschaftsgruppe
des Übergangsteams ernannt. Obwohl bisherige
Arbeitsminister nicht viel zur Wirtschaftspolitik zu sagen
hatten, könnte Reich aufgrund seiner langen Verbindung zu Clinton einen Unterschied bewirken.
Aus Reichs Sicht erfordert die zunehmend grenzenlose Weltwirtschaft mit multinationalen Unternehmen,
die ihre Produktion in den Ländern ansiedeln, wo sie
die profitabelsten Möglichkeiten vorfinden, eine neue
amerikanische Beschäftigungspolitik.
Reich zufolge werden Arbeitsplätze im Fertigungsbereich in andere Länder verlagert. Obwohl die Zahl der
Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor zunimmt, werden die Gehälter aufgrund der Einwanderer niedriggehalten.

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AMERIKA DIENST 50

Was die Vereinigten Staaten benötigen, so Reich, sind
mehr Wissenschaftler, Ingenieure, Berater, KünstlerMenschen, die er als symbolische Analytiker bezeichnet, die ihr Wissen und ihre Kreativität dazu verwenden, den Wert von Waren und Dienstleistungen zu
steigern, die andere Menschen produzieren. Sie lösen
die großen Probleme und werden gut bezahlt.
Amerikanische und ausländische Firmen werden sich
nur dann in den Vereinigten Staaten ansiedeln, wenn
sie gut ausgebildete Arbeitskräfte und hochentwickelte Technologie sowie ein ausgebautes Straßen- und
Kommunikationsnetz vorfinden.
Um die Zahl der symbolischen Analytiker aufzustokken, erläutert Reich, sind bessere Aus- und Fortbildung erforderlich als die meisten der privilegierten
Amerikaner heute erhalten sowie ausreichende Ernährung und Gesundheitsfürsorge für Kinder, um eine
solche Ausbildung zu gewährleisten.
"Statt die Rentabilität der unter ihrem Banner segelnden Unternehmen zu erhöhen oder die weltweite Beteiligung ihrer Bürger zu erweitern, besteht die wirtschaftliche Rolle einer Nation darin, den Lebensstandard ihrer Bürger durch eine Aufstockung dessen zu
verbessern, was sie zur Weltwirtschaft beitragen",
schrieb Reich in seinem 1991 veröffentlichten Buch
The Work of Nations.
Zur Zeit ist Reich Dozent für Politologie an der John F.
Kennedy School of Government der Harvard University. Unter der Ford-Administration war Reich persönlicher Referent des Stellvertretenden Justizministers
und während der Carter-Administration Leiter für politische Planung der staatlichen Handelskommission.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON SIEHT HERAUSFORDERUNGEN FÜR
DESIGNIERTE GESUNDHEITSMINISTERIN
Porträt von Donna Shalala
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill Clinton vertraut darauf, daß Donna E. Shalala, die er als
nächste Gesundheitsministerin (Secretary of Health and Human Services - HHS) nominiert hat, das Fachwissen besitzt, um sich nach ihrem Amtsantritt im Januar einer Reihe beängstigender Herausforderungen zu stellen
und diese in den Griff zu bekommen.

In einer Pressekonferenz am 11. Dezember 1992
bezeichnete Clinton eine vollständige Reform des
amerikanischen Gesundheitswesens, die Beschäftigung mit der eskalierenden AIDS-Krise des Landes
sowie die Erweiterung des Head-Start-Programms,
das darauf abzielt, Vorschulkindern aus einkommensschwachen Familien eine ausreichende Ernährung
und Bildungschancen zu garantieren, als vordringlichste dieser Herausforderungen.
Gleichzeitig, so betonte der gewählte Präsident, wird
kein Ministerium der Bundesregierung stärker dazu
angehalten werden, das Anwachsen des US-Haushaltsdefizits in den nächsten vier Jahren eindämmen
zu helfen.

Als Zeugnis für ihren Erfolg bei der Leitung der sechstgrößten Universität des Landes wurde ihr im Jahr 1992
von der amerikanischen Gesellschaft für öffentliche
Verwaltung der Preis für Verdienste um den öffentlichen Dienst sowie vom amerikanischen Politologenverband der jährlich vergebene Preis für besondere
Forschungsleistungen in Urbanistik verliehen. Zuvor
war sie vom Wirtschaftsmagazin Business Week
bereits zu einer der fünf besten Verwaltungsfachleute
im höheren Bildungswesen und von Ladies Home
Journal zu einer der 50 einflußreichsten Frauen in den
Vereinigten Staaten erklärt worden.
Vor ihrer Tätigkeit bei der University of Wisconsin in
Madison war die designierte Ministerin sieben Jahre
lang Rektorin des zur City University of New York
gehörenden Hunter College.

"Alle Berge, die Donna Shalala in der Vergangenheit
erstiegen hat, sind nichts im Vergleich zu der Aufgabe,
vor der sie nun steht", erklärte Clinton.
Darüber hinaus war sie von 1972 - 79 au ßerordentliche
Professorin für Politologie und Pädagogik an der CoShalala, die zur Zeit Professorin für Politologie und lumbia University, von 1970 - 72 Professorin für PoliRektorin der University of Wisconsin in Madison ist, tologie am Bemard M. Baruch College (ebenfalls Teil
verwies darauf, daß sie als Kind und junge Erwachse- der City University of New York) sowie von 1965 - 70
ne stets davon geträumt hatte, einen wichtigen Beitrag Leiterin des Fachbereichs Urbanistik und später Assizum Aufbau einer besseren Wert zu leisten.
stentin des Dekans der Syracuse University.
"Diesen Traum habe ich immer noch", erklärte sie.

Kurz nach ihrem Collegeexamen im Jahr 1962 reagierte
Seitdem sie 1988 in Madison als erste Frau die Leitung Shalala auf den Appell Präsident John F. Kennedys
einer großen Universität des Mittelwestens übernahm, an die Jugend Amerikas und trat in den Entwicklungshat sich Shalala auf die Verbesserung der Collegeaus- dienst Peace Corps ein. Sie ging zwei Jahre in den
bildung, die Anwerbung und Beibehaltung hervorra- Iran, wo sie Englischunterricht gab und bei der Gegender Dozenten, Mitarbeiter und Studenten, die meindeentwicklung half.
Modernisierung der Forschungseinrichtungen und Während der Carter-Administration war sie erneut im
Verbesserung der Chancen für Frauen und Angehöri- öffentlichen Dienst tätig und von 1977 - 80 als Abteige von Minderheiten konzentriert.

AMERIKA DIENST 50

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�lungsleiterin im Ministerium für Wohnungsbau und
Stadtentwicklung (HUD) für politische Konzepte und
Forschung zuständig.
~. ^ . „ L . « L . .
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....
Die 51 jahnge Shalala wurde als Tochter libanesischer
Eltern am 14. Februar 1941 in Cleveland (Ohio) gebo-

ren. Nach dem Besuch öffentlicher Schulen erhielt sie
1962 am Western College for Women (Oxford, Ohio)
ihr Bakkalaureat. 1968 legte sie an der Syracuse
University ihre Magisterprüfung ab und promovierte
^^ 1 g 7 0 i n Soziologie

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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

PANETTA ZUM DIREKTOR DER
HAUSHALTSBEHÖRDE ERNANNT
Renommierter Experte im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von Leon
Panetta zum Direktor der US-Haushaltsbehörde hat
sich derkünftige Präsident Clinton für einen in Finanzfragen äußerst versierten Experten des Landes entschieden.
Panetta, 54, seit 1977 Mitglied des Repräsentantenhauses, war seit 1979 für zunächst 6 Jahre im Haushaltsausschuß des Hauses tätig. 1989 trat er die
Nachfolge seines Kollegen im Repräsentantenhaus,
William Gray, als Vorsitzender dieses Gremiums an.

Zwei Jahre später arbeitete er am Entwurf eines Abkommens mit der Reagan-Administration mit, das zu
Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989 führte - ein Pakt, den
Reagan später öffentlich brandmarkte, weil er sich zu
stark auf die Steuerseite stützte.

Panetta genießt den Ruf, Meister des unergründlichen
Haushaltsverfahrens zu sein. Und obwohl er au ßergewöhnlich geschickt in der Erfassung der kleinsten
Details ist, vermittelt er eine deutliche Sicht des Gesamtbildes. Bei der Übernahme des Ausschu ßvorsitEr war einer der Unterhändler des Kongresses in den zes stellte er fest: "Mit dem Haushalt geben Sie eine
langen und häufig kontroversen Haushaltsdebatten Erklärung ab, wo die Nation steht und in welche
der Bush-Administration im Herbst 1990, die zu einem Richtung Sie sie dirigieren wollen."
auf fünf Jahre befristeten Haushaltsplan führten, der
zumindest im Augenblick noch in Kraft ist.
Obwohl er wortgewandt für die Reduzierung des enormen Haushaltsdefizits eintritt, bewirkte Panetta doch Diese Vereinbarung sollte Präsident Bush in ernsthaf- unterstützt von der Bush-Administration - einen Sinte politische Schwierigkeiten bringen, da sie eine Abkehr neswandel im Kongreß, der einen ausgeglichenen
von seinem Wahlkampfversprechen des Jahres 1988 Haushalt durch ein Änderung der amerikanischen
"keine neuen Steuern" während seiner Amtszeit be- Verfassung zwingend vorschreiben wollte.
deutete.
Er verwarf diesen Ansatz als Trick und brachte eine
Im Rahmen der Bestimmungen des Etats können die eigene Gesetzesvorlage ein, die einen ausgeglicheGesetzgeber zumindest theoretisch keine neuen nen Etat bis zum Haushaltsjahr 1998 durch die KomAusgaben vorschlagen ohne ausgleichende Kürzun- bination von schrittweisen Ausgabenkürzungen in
gen bei anderen Programmen oder Steuererhöhungen Gesamthöhe von 725 Milliarden Dollar und Steuererzu deren Finanzierung. Obwohl der Mechanismus höhungen über diesen Zeitraum hinweg zum Ziel hat.
weit davon entfernt ist, perfekt zu funktionieren, erklä- Sein Gesetzentwurf lag dem Repräsentantenhaus
ren Panetta und andere an der Erarbeitung des Pakts jedoch noch nicht vor, als sich der Kongreß im Oktober
Beteiligte, das Defizitproblem wäre - so gravierend es vertagte.
ist - ohne diese Vereinbarung um etliche Millionen
Dollar schlimmer.
Panetta gelingt es, seine Konzentration auf Haushaltsfragen durch die Fähigkeit auszugleichen, sich über
Die zähen Verhandlungen von 1990 waren nicht das sich selbst und die Probleme lustig zu machen. Eine
erste Mal, bei dem Panetta sich in den Mittelpunkt der geistreiche Bemerkung, die mit Gelächter quittiert
Haushaltserörterungen stellte: 1985 war er ein Prota- wird, ist Standard bei seinen häufigen Pressekonfegonist bei der Aushandlung des Gramm-Rudman- renzen.
Haushaltsausgleichsgesetzes zwischen Repräsentantenhaus, Senat und dem damaligen Präsidenten Ronald Unter seinen Kollegen auf dem Capitol Hill ist er sehr
Reagan.
beliebt - ein Bonus, der der Clinton-Administration
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�zugute kommen wird, wenn sie ihre Programme durch
den Kongreß bringen will.

Schutz der Küstengewässer vor öl- und Erdgasbohrungen stark gemacht.

Inzwischen als gemäßigter bis liberaler Demokrat
eingeschätzt, begann Panetta seine politische Laufbahn als Republikaner.

Als Sohn italienischer Einwanderer wurde Panetta in
Monterey (Kalifornien) geboren, dem Wahlkreis, den
er heute vertritt. Er machte 1960 seinen Abschluß an
der University of Santa Clara und legte 1963 dort sein
Juraexamen ab. Von 1964 bis 1966 diente er in der
US-Armee.

Er war juristischer Assistent von Thomas Küchel,
einem republikanischen Senator aus Kalifornien und
danach Leiter des US-Büros für Bürgerrechte unter
der Nixon-Administration. 1970 wurde er aus diesem
Amt entlassen, nachdem er sich über die seines Erachtens zu langsamen Bestrebungen der Administration zur Beseitigung der Rassentrennung beschwert
hatte, und wechselte im Jahr darauf die Partei.

Nach seiner Tätigkeit für Küchel und das Büro für
Bürgerrechte war Panetta persönlicher Referent des
New Yorker Bürgermeisters John Lindsay und praktizierte dann als Rechtsanwalt, bis er sich 1976 für den
Kongreß aufstellen ließ.

Obwohl Haushaltspolitik Panettas Stärke im Kongreß
Panetta und seine Frau Sylvia haben drei Söhne. Die
ist, war er aktives Mitglied des LandwirtschaftsausFamilie wohnt weiterhin in Kalifornien. Panetta fliegt
schusses, schützte die Interessen der Agrar- und für gewöhnlich am Wochenende nach Hause. WähFertigungsindustrie in seinem vorwiegend ländlichen rend der Arbeitswoche in Washington wohnt er zusamWahlbezirk, der sich von der kalifornischen Küste ins men mit drei Kongreßabgeordneten in einem StadtInland erstreckt. Er hat sich für Umweltthemen wie den haus auf dem Capitol Hill.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON BERUFT HANDELSEXPERTIN ALS
WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSBERATERIN
Erste Frau als Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater

WASHINGTON - (AD) - Die vom künftigen Präsidenten Clinton getroffene Wahl für den Posten des Vorsitzenden des Rats der Wirtschaftsberater (CEA) läuft
den traditionellen Mustern für diesen Posten des
Chefberaters in Wirtschaftsfragen zuwider.
Die Professorin für Volks- und Betriebswirtschaft an
der University of California (Berkeley), Laura D'Andrea
Tyson, ist bekannter für ihre Werke über Handels- und
Investitionsprobleme als über umfassendere makroökonomische Fragen, auf die sich die meisten ihrer
Vorgänger spezialisiert hatten.
"Laura Tysons wegbereitende Arbeiten über internationale Wettbewerbsfähigkeit und Handel, Produktions- und Technologiefragen haben unser Verständnis dessen verbessert, was die Vereinigten Staaten
zum wirtschaftlichen Erfolg in der neuen Weltwirtschaft benötigen", erklärte Clinton bei der Bekanntgabe dieser Berufung am 11. Dezember 1992. "Als
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater wird sie
in die wirtschaftlichen Analysen dieselbe Integrität
einbringen wie Leon Panetta und Alice Rrvlin in den
Haushaltsprozeß. Darüber hinaus wird sie eine beeindruckende Arbeitsbilanz in speziellen ökonomischen
Bereichen mitbringen, die meines Erachtens außerordentlich wichtig ist."

strie unterstützt Tyson darüber hinaus Gesetze, die es
den Vereinigten Staaten erlauben würden, einseitige
Maßnahmen gegen Länder zu ergreifen, denen unfaire Handelspraktiken unterstellt werden.
"Bisweilen hat man nur die Wahl zwischen Untätigkeit
einerseits und bilateralen Abmachungen oder einseitigen Handlungen andererseits", schrieb sie in ihrem
Buch. "Unter gewissen Umständen sind die Kosten
der Untätigkeit für das wirtschaftliche Wohlergehen
der Vereinigten Staaten unannehmbar hoch."
Reportern teifte Tyson am 11. Dezember mit, die
traditionelle Rolle des CEA, den Präsidenten in makroökonomischen und technischen Fragen zu beraten, werde nach wie vor von übergeordneter Bedeutung sein.
Darüber hinaus gab sie jedoch zu verstehen, daß ihre
Arbeit über Industriepolitik und Wettbewerbsfähigkeit
eine wichtige Rolle in der Tätigkeit des CEA spielen
werde.

"In den letzten Jahren ... hat die Wirtschaftswissenschaft zu erkennen begonnen, daß ein gesundes
makroökonomisches Umfeld keine Garantie für die
langfristige Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft
darstellt", erklärte sie. "Wir benötigen sicherlich eine
Tyson wird die erste Frau in der Position eines Vorsit- gesunde Haushaltspolitik. Wir benötigen gewiß eine
gesunde Geldpolitik. Aber wir brauchen auch andere
zenden des CEA sein.
Dinge. Wir benötigen ein faires und vertretbares
In ihrem neuesten Buch "Who's Bashing Whom?" Krankenversicherungssystem. Wir benötigen eine
(etwa: "Wer schlägt auf wen ein?") setzt sich Tyson für erstklassige nationale Infrastruktur. Wir benötigen
engere Beziehungen zwischen Wirtschaft und Regie- eine starke Produktionsbasis. Wir brauchen wettberung ein, um der japanischen und deutschen Konkur- werbsfähige amerikanische Unternehmen. Wir brauchen neue Technologien, um unsere Unternehmen
renz entgegenzutreten.
wettbewerbsfähiger zu machen und unsere Umwelt zu
Als Befürworterin verstärkter Steuergutschriften und verbessern sowie die wichtigsten Umweltherausfordeöffentlicher Technologiefinanzierung für Branchen wie rungen der Zukunft in den Griff zu bekommen. Wir
die Halbleiter-, Flugzeug- und Supercomputerindu- benötigen ein offenes Welthandelssystem."

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�Clinton erklärte, wegen des Primats der Wirtschaft
werde dem Rat der Wirtschaftsberater in seiner Administration eine zentralere Rolle zukommen als in jeder
Administration seit Präsident Kennedy in den frühen
sechziger Jahren.
Ihm zufolge hat Tyson sowohl "einen außerordentlichen analytischen Ruf... (als auch) die Fähigkeit, die
zugrundeliegenden politischen und globalen Realitäten zu verstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit als
Amerikaner beeinflussen".

Neben ihrem jüngsten Bush über Wettbewerbsfähigkeit hat Tyson zahlreiche Arbeiten über die Volkswirtschaften in Osteuropa und Japan vorzuweisen.
Tyson erwarb ihr Bakkalaureat am Smith College und
promovierte am Massachusetts Institute of Technology in Volkswirtschaft.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

RUBIN IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
GLEICHERMASSEN ERFAHREN
Wirtschaftsberater Robert Rubin

WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Bill Clinton ausgewählte Direktor des neuen Nationalen Wirtschaftsrates ist Berichten zufolge ein Mann, der das Funktionieren der Weltmärkte versteht und auch die
Politik liebt.

Am 10. Dezember 1992 kündigte Clinton an, er habe
Robert Rubin, 54jährigen Vorsitzenden der gigantischen Investmentgesellschaft an der Wall Street,
Goldman, Sachs &amp; Company, als Wirtschaftsberater
des Präsidenten ausgewählt. Rubin soll den neuen
Wirtschaftsrat, dem Clinton selbst Vorsitzen wird,
koordinieren und leiten.
Rubin, der bereits während der Wahlkampagne für
Clinton als Wirtschaftsberater tätig war, hat Berichten
des Wirtschaftsmagazins Business Week zufolge auf
jedem Finanzmarkt - vom Wertpapier- bis zum Rohstoffmarkt - gearbeitet.

Rubin wird als langjähriger Freund von Robert Strauss
bezeichnet, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der
Demokratischen Partei, gegenwärtigen amerikanischen
Botschafter in Rußland und früheren Handelsbeauftragten.
Rubin, der schon lange politisch aktiv ist, hat nicht nur
für Clinton, sondern auch für die ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten Walter Mondale und Michael Dukakis Geldmittel aufgebracht.
Laut Business Week ist Rubin ein Freund von Mario
Cuomo, Gouverneur des Bundesstaates New York,
und David Dinkins, Bürgermeister von New York City.

Rubin bestand die Abschlußprüfung an der Havard
University 'summa cum laude', besuchte die London
School of Economics, machte einen Abschluß in Jura
an der Yale University, war zwei Jahre als Jurist tätig
und begann 1966 bei Goldman. Ende der siebziger
Jahre war er für die Börsengeschäfte des UnternehEs wird berichtet, die beiden hätten dem Unternehmen mens verantwortlich.
durch Diversifizierung neue Märkte erobert, in der
Rohstoffabteilung durch Devisengeschäfte Erfolg gehabt
und ihre Investitionen bis nach Mexiko, Rußland und
Spanien ausgedehnt.

In ihrer Ausgabe vom 23. November pries die Zeitschrift die "geschäftstüchtige Strategie" von Rubin und
Stephen Friedman - beide seit 1990 Mitvorsitzende
von Goldman - zur Erzielung hoher Bruttogewinne der
Gesellschaft im Jahr 1991.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

UMWELTSCHUTZGRUPPEN BEGRÜSSEN
BROWNERS NOMINIERUNG
Clinton ernennt Leiterin der EPA

WASHINGTON - (AD) - Carol Browner, die ehemalige
parlamentarische Direktorin von einem der stärksten
Verfechter des Umweltschutzes im amerikanischen
Senat - dem jetzt gewählten Vizepräsidenten AI Gore
- wurde vom künftigen Präsidenten Clinton als Leiterin
des höchsten Postens für Umwehfragen der Vereinigten Staaten nominiert.

und innovative Führungskraft bei der Verwirklichung
von Fortschritten im Umweltbereich" ist.
Michael McCIoskey, Vorsitzender des Sierra Club,
einer der größten Umweltschutzgruppen, stellte in
einer Erklärung fest: "Ihre Ernennung ist eine
100prozentige Abkehr von der Polititk der Reaganund Bush-Administrationen, die Sonderinteressen über
die der amerikanischen Mittelschicht stellten."

In den vergangenen zwei Jahren leitete die 36jährige
die Abteilung für Umweltfragen des Staates Florida.
Davor war sie anderthalb Jahre als Leiterin des Mitar- Ihm zufolge hat sie als Leiterin des Umweltschutzambeiterstabs von Senator Gore tätig, der mit der Formu- tes von Florida Wiederverwertung der Verbrennung
von Abfall Vorrang eingeräumt und den Kampf zur
lierung von Gesetzesvorlagen betraut ist.
Erhaltung der Feuchtgebiete und zum Schutz der
Ihre Nominierung als Leiterin des Umweltschutzamtes Küsten vor öl- und Erdgaserschließungen angeführt.
(Environmental Protection Agency - EPA) wurde von
Umweltschutzgruppen begrüßt, die der Bush-Admini- Kurz nachdem sie im Jahr 1979 ihr Juraexamen abgelegt hatte, wurde Browner die mit der ständigen Vertrestration äußerst kritisch gegenüberstanden.
tung beauftragte Anwältin eines Ausschusses des
"Die Gemeinde der Umweltschützer nimmt ihre Ernen- Parlaments von Florida. 1983 zog sie als Stellvertrenung positiv auf, erklärte ein Sprecher des Fonds zur tende Direktorin von Citizen Action - einer BasisorgaVerteidigung der Umwelt, als er um eine Stellungnah- nisation - nach Washington.
me dieser gemeinnützigen Gruppe gebeten wurde.
"Ihre Tätigkeit in Senator Gores Büro wird geschätzt", 1986 wurde Browner M itarberterin von Senator Lawton
Chiles und trat drei Jahre später dem Mitarbeiterstab
stellt er fest.
des Senatsausschusses für Energie und Rohstoffe
Der Geschäftsführer des Fonds, Fred Krupp, bezeich- bei, bevor sie zu Gores Stab überwechselte.
nete es als "ausgezeichnete Entscheidung", da sie
unter Beweis gestellt habe, daß sie eine "talentierte Browner ist verheiratet und hat einen fünfjährigen
Sohn.
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                <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger fordert energischere Maßnahmen im ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei KSZE-Außenministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2.Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: im Bereich Menschenrechte bleibt noch viel zu tun&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtspolitik muss Idealismus und Realität verbinden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Wolfowitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Engagement für Menschenrechte Schwerpunkt der Bemühungen in Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Kanter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Serbien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kosten der serbischen und montenegrischen Politik extrem hoch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Robert Rackmales&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langjähriger persönlicher Freund als Clintons Stabchef&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Thomas F. "Mack" McLarty&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bentsen als Finanzminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Langjähriges Senatsmitglied hat starke wirtschaftliche Interessen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton ernennt Parteivorsitzenden der Demokraten zum Handelsminister &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Ron Brown&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Designierter Arbeitsminister legt Betonung auf Aus- und Fortbildung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Robert Reich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton sieht Herausforderungen für designierte Gesundheitsministerin &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Donna Shalala&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Panetta zum Direktor der Haushaltsbehörde ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Renommierter Experte im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton beruft Handelsexpertin als wichtigste Wirtschaftsberaterin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste Frau als Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rubin in Wirtschaft und Politik gleichermaßen erfahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wirtschaftsberater Robert Rubin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutzgruppen begrüßen Browners Nominierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Clinton ernennt Leiterin des EPA&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>N^Ü?7«

V^ *«?

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
50

16. Dezember 1993

NAFTA

NAFTA UNTERSTREICHT
FÜHRUNGSROLLE DER USA
Erklärung Präsident Clintons
bei Unterzeichnung des NAFTA

GATT

URUGUAY-RUNDE GEHT ÜBER URSPRÜNGLICH GESETZTE ZIELE HINAUS
Erklärung des
US-Handelsbeauftragten

EINIGUNG ZWISCHEN USA UND EU
BEI URUGUAY-RUNDE BEKANNTGEGEBEN
Abschluß der Handelsgespräche

NICHTVERBREITUNG

USA BEKÄMPFEN VERBREITUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Ausführungen von
Verteidigungsminister Aspin

RUSSLAND

USA GRATULIEREN RUSSLAND
ZU HISTORISCHEN WAHLEN
Erklärung des Weißen Hauses

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

USA UND ITALIEN BEKÄMPFEN GEMEINSAM
ORGANISIERTES VERBRECHEN
Erklärung von Präsident Clinton

MENSCHENRECHTE

CLINTON: MENSCHENRECHTE MÜSSEN
HOHE PRIORITÄT BEI DEN VEREINTEN
NATIONEN BEHALTEN
Proklamation zum Menschenrechtstag

SHATTUCK: MENSCHENRECHTSPOLITIK
DER USA STREBT ENDE DER FOLTER AN
Erläuterungen bei Pressekonferenz

�NAFTA
15. Dezember 1993

NAFTA UNTERSTREICHT FÜHRUNGSROLLE DER USA
Erklärung Präsident Clintons bei Unterzeichnung des NAFTA
WASHINGTON - (AD) - Die Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free
Trade Agreement - NAFTA) durch die Vereinigten Staaten signalisiert das Engagement der Vereinigten Staaten
für ihre Verantwortung zu Führungsstärke in der Welt, erklärte Präsident Clinton bei der Unterzeichnungszeremonie zur Inkraftsetzung des NAFTA.
Der Präsident fügte hinzu: "Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Weltwirtschaft mit all ihren Versprechungen und Gefahren ist jetzt die zentrale Tatsache im Leben hartarbeitender Amerikaner."
Der Präsident gab seine Erklärung am 8. Dezember 1993 ab, bevor er das Gesetz in demselben Saal des
Wirtschaftsministeriums unterzeichnete, in dem Präsident Truman 1949 den Nordatlantikvertrag zur Gründung
der NATO unterzeichnet hatte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede Präsident Clintons.

Ich freue mich außerordentlich, Sie alle hierzu sehen.
Ich danke Speaker Foley und dem Vorsitzenden der
Republikanischen Partei Bob Michel für ihre Anwesenheit am heutigen Tag. So viele verdienen ein Wort des
Dankes. Der Vizepräsident hat ausgezeichnete Arbeit
geleistet. Ich möchte drei weiteren Persönlichkeiten
danken - Laura Tyson, der Vorsitzendendes Rates der
Wirtschaftsberater, Bob Rubin, dem Vorsitzenden
meines nationalen Wirtschaftsteams sowie einem
Mitglied des Repräsentantenhauses aus der Republikanischen Partei, das nicht erwähnt wurde - dem
Abgeordneten David Dreier, der mit mir an einem
regnerischen Tag nach Lousiana fuhr, um für das
NAFTA zu werben. Ich würde gerne noch viele andere
erwähnen; Ihnen allen danke ich jedoch für das, was
Sie getan haben.

Ein besonderes Wort des Dankes gilt dem Kabinett,
weil wir etwas Einzigartiges versuchen. Wir versuchen, unsere gesamten Ministerien und führenden
Kabinettsmitglieder zur Zusammenarbeit an all den
Dingen zu bewegen, die für uns von Bedeutung sind.
Viele von ihnen haben trotz ihrer vollen Terminkalender einen Großteil ihrer Freizeit und ihrer Arbeitszeit
hierzu verwendet. Ich danke den bereits erwähnten
ehemaligen führenden Politikern sowie unserem Militär. Da General Powell hier anwesend ist, möchte ich
besonders hervorheben, daß die hochrangigen Offiziere, mit denen ich über das NAFTA sprach, vielleicht
die das Freihandelsabkommen am stärksten unterstützende Gruppe waren. Der Grund dafür ist meines
Erachtens die von ihnen in den letzten Jahrzehnten
gemachte Erfahrung. Sie wußten, daß wir es uns nicht
leisten konnten, vor unserer Verantwortung zu FühWährend der Kampagne für das NAFTA unterstützte rungsstärke und unserem konstruktiven Engagement
der Vizepräsident bei unseren Treffen diese Position, in der Welt zurückzuschrecken. Und viele von ihnen,
lange bevor wir wußten, ob wir hierherkommen würden die noch Uniform tragen, durften und sollten das nicht
oder nicht. Es ist mir auch ein Bedürfnis, Mickey in der Öffentlichkeit sagen. Meines Erachtens darf ich
Kantor und Mack McLarty persönlich für die insbeson- das heute jedoch. Ich war von ihren Worten zutiefst
dere in den letzten Tagen der Verhandlungen mit bewegt.
mexikanischen Handelsvertretern und der mexikanischen Regierung von ihnen geleistete Arbeit zu dan- Ich möchte auch all jenen Bürgern besonderen Dank
ken. Auch möchte ich hier die Vertreter Mexikos und aussprechen, die uns geholfen haben - führenden
Kanadas begrüßen und sie herzlich willkommen hei- Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Umßen. Sie sind unsere Partner in einer Zukunft, die wir weltschützern, die hieran arbeiteten - von denen viele
zusammen aufbauen wollen.
starker Kritik ausgesetzt waren, insbesondere in der

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�Umweltschutzbewegung und in Kreisen der Arbeitnehmer. Ich möchte eine Gruppe besonders hervorheben, die für unseren Erfolg von zentraler Bedeutung
war - die Kleinunternehmer, von denen sich viele
organisierten und uns zur Hilfe eilten. Sie haben
wirklich etwas bewirkt.

jetzt wirkliche Fortschritte im Hinblick auf ein weltweites Handelsabkommen, das von derartiger Bedeutung
ist, daß die materiellen Vorteile des NAFTA für unser
Land dagegen gering erschienen.

Heute haben wir die Chance, das zu tun, was unsere
Eltern vor uns taten. Wir haben die Chance zur
Ich möchte die Gelegenheit nicht versäumen, meinem Neugestaltung der Weh. In diesem neuen Zeitalter
guten Freund Bill Daley und dem Kongreßabgeordne- wird unsere nationale Sicherheit ebenso von unserer
ten Bill Frenzel für ihre bei der Mobilisierung dieser Fähigkeit zum Abbau ausländischer HandelsschranBestrebungen geleistete Hilfe zu danken, obwohl die ken abhängen wie von unserer Fähigkeit zur Durchbeiden bereits erwähnt wurden. Der Kongreßabgeord- brechung entlegener Schutzwälle. Wir sind wieder
nete Frenzel schrieb mir kürzlich einen wunderbaren einmal führend und entdecken dabei eine grundlegenBrief und schickte mir eine seiner berühmten Karikatu- de Wahrheit über uns selbst. Wenn wir führen, schafren über das N AFTA, die ich jetzt rahmen lasse. Diese fen wir Sicherheit und Wohlstand für unser eigenes
beiden Persönlichkeiten repräsentieren den parteien- Volk.
übergreifenden Geist, der angesichts des Rufs nach
Wandel im Kongreß und im ganzen Land vorherrscht. Es war eine harte Lektion. In diesem Jahrhundert
Ich hoffe, daß wir in den vor uns liegenden Tagen, wurden wir zweimal zur Definition unserer Rolle in der
Monaten und Jahren mehr davon sehen werden. Es Welt gezwungen. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen
wir uns zurück und bauten protektionistische Schutzwar sehr schön.
wälle um unsere Nation. Das Ergebnis war eine große
Diese ganze Angelegenheit hat sich als ein für unsere Depression und letztlich ein weiterer schrecklicher
Nation entscheidender Zeitpunkt erwiesen. Vor eini- Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgten wir
gen Minuten sprach ich mit einem der hier Anwesen- einen anderen Kurs - wir wendeten uns der Welt zu.
den, der mir erzählte, daß er die Abstimmung von Begnadete Politiker beider politischen Parteien errichChina aus im internationalen Fernsehen verfolgt habe. teten eine neue Ordnung auf der Grundlage kollektiver
Und er fuhr fort, man hätte dabei sein müssen um Sicherheit und erweiterten Handels. Sie legten ein
verstehen zu können, wie wichtig das NAFTA für die Fundament der Stabilität und schufen dabei die Bedinübrige Welt war. Nicht wegen seiner Bestimmungen - gungen, die zum Entstehen der großartigen amerikada es im Grunde genommen eine Handelsvereinba- nischen Mittelschicht führten, einem der echten Wirtrung zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und schaftswunder in der gesamten Geschichte der ZiviliKanada ist - sondern weil es zum Symbol für den sation. Ihre Staatskunst zeigt sich noch heute - am
Kampf um die Geisteshaltung in unserem Land wurde IWF und der Weltbank, dem GATT und der NATO.
und dafür, wie wir unsere eigenen beträchtlichen
Herausforderungen in einer äußerst schwierigen und In diesem Auditorium unterzeichnete Präsident Harry
Truman im Jahr 1949 eines der grundlegenden Dokusich rasch wandelnden Welt angehen.
mente dieses goldenen Zeitalters amerikanischer
. Ich bin der Ansicht, daß wir jetzt eine Entscheidung Führung - den Nordatlantikvertrag zur Gründung der
getroffen haben, die uns den Aufbau einer Weltwirt- NATO. "Mit diesem Vertrag hoffen wir einen Schutzschaftsordnung erlaubt, die mehr Wachstum, mehr schild gegen Aggression und die Angst vor Aggression
Gleichberechtigung, verbesserten Umweltschutz sowie zu schaffen", erklärte Truman seinen Zuhörern, "ein
eine größere Chance für den Weltfrieden fördert. Wir Bollwerk, das es uns gestattet, uns der wirklichen
stehen kurz vor einem weltweiten Wirtschaftswachs- Aufgabe der Regierung und der Gesellschaft zu widtum, das auf die Tatsache zurückzuführen ist, daß die men, der Aufgabe, unseren Bürgern ein erfüllteres und
Vereinigten Staaten sich im entscheidenden Moment glücklichereres Leben zu ermöglichen.''
für Wettbewerb anstatt Rückzug entschieden.
Die von Truman und Acheson, Marshall und VandenIn wenigen Minuten werde ich durch meine Unter- berg aufgebauten Institutionen haben jetzt ihre Arbeit
schrift dem Nordamerikanischen Freihandelsabkom- vollendet. Der Kalte Krieg ist vorüber. Die grausame
men Gesetzeskraft verleihen. Das NAFTA wird die Gewißheit der Auseinandersetzung mit dem Kommuzwischen unseren drei Nationen bestehenden Han- nismus wurde durch die euphorische Ungewißheit des
delsschranken abbauen. Es wird die weltweit größte internationalen wirtschaftlichen Wettbewerbs ersetzt.
Handelszone errichten und bis 1995zur Schaffung von Die große Frage des Tages lautet, wie Sicherheit für
200.000 Arbeitsplätzen allein in diesem Land führen. unser Volk zu einer Zeit gewährleistet werden kann, in
Die von unserer Administration ausgehandelten Zu- der Wandel die einzige Konstante ist.
satzabkommen über Umweltschutz und Arbeit werden
dieses Abkommen zu einer treibenden Kraft für sozia- Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Weltwirtlen Fortschritt sowie Wirtschaftswachstum machen. schaft mit all ihren Versprechungen und Gefahren ist
Das von uns durch die Ratifizierung des NAFTA be- jetzt die zentrale Tatsache im Leben hartarbeitender
zeugte Vertrauen trägt bereits Früchte. Wfr madhfcn * Amerikaner. Sie bereichert das Leben von Millionen
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AMERIKA DIENST 50

�Amerikanern, aber zu viele dieser Winde des Wandels
unterhöhlen die Basis ihrer Sicherheit.
Seit zwei Jahrzehnten arbeiten die meisten Menschen
mehr für weniger. Anscheinend sichere Arbeitsplätze
gingen verloren. Und obwohl Amerika wieder die
produktivste Nation auf der Welt ist, birgt eben diese
Produktivität den Samen weiterer Unsicherheit. Schließlich bedeutet Produktivität, daß dieselbe Anzahl Menschen mehr-oder sehr häufig, daß weniger Menschen
mehr - produzieren können. Mit einer solchen Welt
sehen wir uns konfrontiert.
Wir können den globalen Wandel nicht aufhalten. Wir
können den überall vorherrschenden internationalen
Wettbewerb nicht außer Kraft setzen. Wir können nur
von seinen Energien profitieren. Wir müssen uns jetzt
verdeutlichen, daß der einzige Weg zu weiterem
Wohlstand für ein wohlhabendes Land in Exporten
besteht - einfach neue Kunden für die von ihm produzierten Waren und Dienstleistungen zu finden. Das,
meine amerikanischen Mitbürger, ist die vom Kongreß
mit der Abstimmung über die Ratifizierung des NAFTA
getroffene Entscheidung.
Ich bin dankbar für die vom Kongreß in diesem Jahr
beim Defizitabbau und der Zinssenkung sowie der
Schaffung von mehr Wohnraum und Arbeitsplätzen
geleistete Arbeit. Wenn sich unsere nationale Wirtschaftspolitik dank unserer Fähigkeiten langfristig zum
Nutzen unseres Volkes auswirken soll, müssen wir
jedoch eine Außenwirtschaftspolitik haben, dank der
sich Produktivität nicht nur in höheren Einkommen für
unsere Unternehmen ausdrückt, sondern in mehr
Arbeitsplätzen und höheren Einkommen für unsere
Bürger. Das bedeutet mehr Kunden. Es gibt keinen
anderen Weg - wederfürdie Vereinigten Staaten, noch
für Europa oder Japan oder irgendein anderes wohlhabendes Land der Welt.
Aus diesem Grund bin ich dankbar, daß wir nach der
NAFTA-Abstimmung im Repräsentantenhaus ein so
gutes Gespräch mit den Wirtschaftsvertretern des
asiatisch-pazifischen Raums in Washington hatten.
Ich bin dankbar, daß - wie von Vizepräsident Gore und
Stabschef Mack McLarty vor zwei Wochen bei ihrem
Treffen mit Präsident Salinas angekündigt - die Nationen dieses Kontinents im nächsten Jahr zu einem
Wirtschaftsgipfel zusammenkommen, bei dem geplant wird, wie die Vorteile des Handels auf alle aufstrebenden demokratischen Marktwirtschaften Nord- und
Südamerikas ausgeweitet werden können.
Und jetzt freue ich mich, daß wir die Chance zur
Sicherung des größten Durchbruchs haben. Unterhändler aus 112 Nationen arbeiten auf den Abschluß
der Verhandlungen über eine neue Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens hin - ein historischer weltweiter Pakt, der einen globalen Wirtschaftsaufschwung ankurbelt, liegt jetzt in greifbarer Nähe.
Ich möchte eines unmißverständlich klarstellen. Wir

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können und sollten uns nicht mit einem schlechten
GATT-Abkommen zufriedengeben. Wir werden jedoch in unseren Bestrebungen zur Sicherstellung eines
guten Abkommens in diesen letzten Tagen nicht nachlassen. Wir sind bereit, unseren Beitrag zum Erfolg
dieser Verhandlungen zu leisten, aber wir bestehen
darauf, daß andere Nationen auch das Ihre tun. Wir
dürfen diese Chance nicht vergeuden. Ich fordere alle
Nationen der Welt auf, diesen Moment zu nutzen und
die Verhandlungen über ein gutes GATT-Abkommen
in der nächsten Woche abzuschließen.
Ich sage allen, selbst unseren Unterhändlern: Rasten
und ruhen Sie nicht. Bringen Sie die Verhandlungen
zum Abschluß. Ich habe Mickey Kantor neulich gesagt, daß wir die mühevolle Arbeit am NAFTA mit
einem Urlaub bei den GATT-Gesprächen belohnen
werden.
Meine amerikanischen Mitbürger, Stück für Stück wird
all dies die Bedingungen für umweltverträgliche globale Expansion schaffen. So bedeutend sie auch sind unsere Ziele müssen noch ehrgeiziger sein. Die
Vereinigten Staaten dürfen sich nicht mit weniger
zufriedengeben als einem neuen Handelssystem, von
dem alle Nationen durch stabilen Handel profitieren,
der unsere Mittelschicht schützt und anderen Nationen
die Chance zum Aufbau einer Mittelschicht gibt. Damit
wird die Lage der Arbeitnehmer und die Umwelt verbessert. Damit wird sichergestellt, daß unsere Maßnahmen unsere Werte widerspiegeln.
AusdiesemGrundmußunsereTagesordnung weitreichend sein. Wir stellen fest, daß dynamischer Handel
nicht zum Raubbau an der Umwelt führen darf. Wir
streben neue institutionelle Arrangements an um zu
gewährleisten, daß der Handel die Wert sauberer als
zuvor hinterläßt. Wir fordern die Arbeitnehmer aller
Länder auf, sich Rechte zu sichern, die wir jetzt als
selbstverständlich erachten, sich zu organisieren und
einen ordentlichen Lebensunterhalt zu verdienen.
Wir werden darauf bestehen, daß erweiterter Handel
fair zu unseren Unternehmen und Regionen ist. Kein
Land sollte Kartelle, Tochtergesellschaften oder Einfuhrvorschriften benutzen, um unsere Produkte aus
seinen Regalen fernzuhalten. Und wir müssen darauf
hinarbeiten, daß unsere Bürger die persönliche Sicherheit zur vertrauensvollen Beteiligung an diesem
neuen Zeitalter haben. Jeder Arbeitnehmer muß die
erforderliche Aus- und Fortbildung erhalten, um von
den Vorteilen des internationalen Wettbewerbs profitieren zu können, statt seine Lasten zu tragen.
Im nächsten Jahr wird unsere Administration ein umfassendes Gesetz zur Umgestaltung unseres Beschäftigungssystems in ein Wiederbeschäftigungs- und
Umschulungssystem für das 21. Jahrhundert vorlegen. Und vor allem sage ich Ihnen, wir müssen die
Umstrukturierung der breiten politischen Koalition für
erweiterten Handel anstreben. Seit Jahrzehnten haben

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�arbeitende Männer und Frauen sowie ihre Vertreter
Maßnahmen unterstützt, die uns Wohlstand und Sicherheit gebracht haben. Grund dafür war unsere
Erkenntnis, daß erweiterter Handel uns allen nutzt, wir
jedoch eine Verpflichtung zum Schutz der Arbeitnehmer haben, die den Löwenanteil der Last des Wettbewerbs tragen, indem wir ihnen die Chance zur Umschulung bieten sowie dazu, einer neuen, unterschiedlichen und letztlich sichereren Arbeit nachzugehen. In
den vergangenen Jahren ist dieser Sozialpakt auseinandergebrochen. Das darf nicht weiterhin der Fall
sein.

sowie den arbeitenden Männern und Frauen in diesem
Land. Es bedeutet größere Produktivität, weniger
Arbeitslose, effizientere Arbeit, höhere Löhne und
mehr Sicherheit für unsere Bürger. Wir müssen dies
tun.

Wir streben ein neues und offeneres globales Handelssystem nicht nur um seiner selbst willen, sondern
um unsertwillen an. Gute Arbeitsplätze, eine sich
bezahlt machende Karriere und ein erweiterter Horizont für die Amerikaner der Mittelschicht können nur
durch die Erweiterung von Exporten und globalem
Wachstum sichergestellt werden. Zu lange war unser
Wenn ich in wenigen Minuten meine Unterschrift unter Schritt unsicher, während sich der Boden unter unsedas NAFTA-Gesetz setze, tue ich dies mit folgendem ren Füßen bewegte. Heute, da ich dem NordamerikaVersprechen: Für die Männer und Frauen unseres nischen Freihandelsabkommen mit meiner Unterschrift
Landes, die Angst vor diesen Veränderungen hatten Gesetzeskraft verleihe und weitere Fortschritte beim
und in ihrem Widerstand gegen das NAFTA einen GATT fordere, haben wir meines Erachtens Fuß geAusdruck dieser Ängste sahen, die meines Erachtens faßt. Und ich bitte Sie alle, standfest zu sein - sich
und meines Wissens falsch, aber dennoch legitime bewußt zu machen, daß wir der Wert von heute und
morgen nicht den Rücken zukehren können. Wir
Ängste waren.
müssen uns den Herausforderungen stellen, sie verDie Vorteile dieses Abkommens werden auch für Sie trauensvoll annehmen, uns mit den Problemen ehrlich
von Vorteil sein. Ich bitte die Gegner des NAFTA zur und offen auseinandersetzen und die Vorteile dieser
Zusammenarbeit mit uns, um die Umsetzung der Welt für uns alle zum Tragen bringen. Amerika ist, wo
Vereinbarungen zu Arbeitsfragen sowie derZusatzab- es ein sollte - an der Führungsspitze, das Tempo
kommen zu gewährleisten, und ich appelliere an alle, bestimmend und das Vertrauen unter Beweis stellend,
die an das NAFTA glauben, gemeinsam mit mir auf das wir alle benötigen, um uns dem morgen zu stellen.
den Kongreß einzuwirken, um das beste Ausbildungs- Wir sind zum Wettbewerb bereit und können gewinund Umschulungsprogramm für Arbeitnehmer der Welt nen. Ich danke Ihnen.
hervorzubringen. Wir schulden es den Unternehmern

* * * * *

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�GATT
15. Dezember 1993

URUGUAY-RUNDE GEHT ÜBER URSPRÜNGLICH
GESETZTE ZIELE HINAUS
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union (EU) erzielten Einigung über Fragen
einer Reform des Welthandels, die im Falle ihrer Annahme durch die anderen Teilnehmerstaaten der UruguayRunde den spiralförmigen Anstieg der Agrarsubventionen beenden, die Märkte für Dienstleistungen öffnen,
Schutz geistigen Eigentums gewähren, die Subventionen für die zivile Luftfahrtindustrie senken und die Zölle
abbauen soll.
"Die Vereinigten Staaten und Europa werden jetzt Seite an Seite an einem erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen arbeiten", erklärte der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor am 14. Dezember 1993 nach einer
Nachtsitzung in Genf mit EU-Chefunterhändler Sir Leon Brittan. "Wir sind sogar über die vor sieben Jahren im
uruguayischen Punta del Este gesetzten ehrgeizigen Ziele hinausgegangen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des US -Handelsbeauftragten im Wortlaut.

Ich freue mich ankündigen zu können, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische Union eine umfassende Einigung über alle ausstehenden Fragen der
Uruguay-Runde erzielen konnten. Mit diesem Durchbruch in der Runde lösten wir einen gordischen Knoten. Die Vereinigten Staaten und Europa werden jetzt
Seite an Seite an einem erfolgreichen Abschlu ß dieser
Verhandlungen arbeiten.
Ich habe am Dienstag darauf hingewiesen, daß wir den
Entwurf eines wahrhaft historischen Handelsabkommens vorliegen haben. Heute wissen wir, daß es
erzielt werden kann. Die Uruguay-Runde wird mehr
Handelshemmnisse abbauen als jedes andere Handelsabkommen in der Geschichte. Sie wird zu einer
Steigerung amerikanischer Exporte führen - von denen jetzt 10 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten abhängen - und erstmals internationale
Handelsrichtlinien für die Bereiche Dienstleistungen,
Landwirtschaft, geistiges Eigentum und Investitionen
festlegen.
Wir sind sogar über die vor sieben Jahren im uruguayischen Punta del Este gesetzten ehrgeizigen Ziele
hinausgegangen. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union werden ihre Zölle - Steuern, die wir
alle zahlen - anstelle der ursprünglich vorgesehenen
Senkung um ein Drittel um die Hälfte reduzieren. Wir
werden im Dienstieistungsbereich, indem mehr alsdie

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Hälfte aller amerikanischen Arbeitnehmer tätig ist,
neue große Märkte öffnen. Wir werden dem spiralförmigen Anstieg der sinnlosen Agrarsubventionen, die
unseren Staatshaushalt in den Bankrott treiben und
die Weltmärkte für amerikanische Farmer verzerren,
ein Ende setzen.
Die Grundlage der amerikanischen Wirtschaft ist die
Kreativität, Innovationsfreudigkeit und Erfindungsgabe unserer Bürger. Die Uruguay-Runde wird den
illegalen Mißbrauch mit Patenten, Urheberrechten,
Warenzeichen und anderen Rechten geistigen Eigentums beenden.
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist für dauerhaftes
Wirtschaftswachstum und die Schaffung guter Arbeitsplätze in Amerika, Europa und auf der ganzen
Welt von essentieller Bedeutung. Im nächsten Jahrzehnt wird die Weltwirtschaft aufgrund des Abbaus
von Handelshemmnissen und der Öffnung von Märkten als Ergebnis dieser Runde 6 Billionen Dollar hinzugewinnen.
Sir Leon Brittan und ich haben zahllose Stunden an
dieser Übereinkunft gearbeitet. Wir rufen die anderen
Regierungen der Wert dazu auf, über die begrenzten
Interessen weniger Staaten hinaus auf die viel größeren Vorteile dieses Abkommens für alle Völker dieser
Wert zu schauen. Es bleiben noch zwei Tage. Jetzt ist

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�die Zeit gekommen, denselben Mut, politischen Willen
und Weitblick zu zeigen, den die Vereinigten Staaten
und die Europäische Union an den Tag gelegt haben.
Es steht viel auf dem Spiel. Die Gewinne sind real. Die
Zeit drängt. Wir müssen - und wollen - Erfolg haben.

Staaten zur Liberalisierung ihrer Vorschriften ermutigen und beinhaltet Mittel, um Trittbrettfahrer zur Einhaltung der Bestimmungen zu zwingen. Amerikanische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit
führend. Unsere Finanzeinrichtungen in Übersee
schaffen Einkommen und fördern die amerikanischen
Sir Leon Brittan und ich trafen in der Nacht zusammen, Exporte und Investitionen im Ausland.
um die drei Angelegenheiten zu lösen, die die Vereinigten Staaten und die Europäische Union spalteten: Audiovisueller Bereich. Wir waren nicht in der Lage,
Luftfahrt, Finanzdienstleistungen und der audiovisuel- unsere Differenzen über Fragen im Unterhaltungsbele Bereich.
reich beizulegen. Um die Runde voranzubringen, sind
sich die Vereinigten Staaten und die EU einig geworWir haben diese Fragen gelöst und den Weg für einen den, daß sie uneins sind. Unsere Differenzen bleiben
Abschluß der Uruguay-Runde bereitet. Die Bedeu- jedoch bestehen.
tung dieser Runde für die Weltwirtschaft kann gar nicht
genug betont werden, und wir bitten andere Nationen, Fernsehprogramme, Spielfilme und Tonaufnahmen gemeinsam mit uns die Runde zu einem größtmögli- dieser Sektor ist für die Gesundheit und Vitalität der
chen Erfolg zu machen.
amerikanischen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Millionen von Amerikanern arbeiten in diesen
Luftfahrt. Wir haben eine Einigung erzielt, um unsere Branchen. Noch wichtiger ist, daß unsere Filme,
Differenzen im Bereich der Luftfahrt gerecht und im Fernsehprogramme und Tonaufnahmen nahezu auf
Interesse beider Seiten zu lösen. Wir haben uns die ganze Welt, einschließlich Europa, Anziehungsgeeinigt, die Luftfahrt unter das neue Subventionsab- kraft ausüben.
kommen zu stellen, das zu größerer Disziplin bei der
Vergabe von Subventionen und einem stärkeren, Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten
schnelleren, bindenden System zur Beilegung von und Europa überdie Fragen in der UnterhaltungsinduMeinungsverschiedenheiten führen soll. Auch einig- strie sind wohlbekannt.
ten wir uns auf eine einjährige Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel der Erweiterung und Verbes- In den letzten Jahren hat die Europäische Gemeinserung des GATT-Abkommens überdie zivile Luftfahrt schaft eine Rundfunkrichtlinie erlassen, die von den
Mitgliedstaaten die Ausstrahlung möglichst mehrheitaus dem Jahr 1979.
lich europäischer Programme fordert.
Finanzdienstleistungen. Die Vereinigten Staaten
strebten ein Abkommen über Finanzdienstleistungen Die EU-Mitgliedstaaten haben die Subventionen für
an, innerhalb dessen die Staaten substantiellen Markt- ihre Filmemacher stark erhöht, teilweise mit aus der
zugang und Sonderbehandlung einzelner Länder Besteuerung ausländischer Filme gewonnenen Gelanbieten, was eine bedingungslose Meistbegünsti- dern.
gungsklausel ermöglichen sowie jetzt und in Zukunft Nahezu alle EU-Staaten erheben eine Leerkassettenunbeschränkten Zugang zu unserem Markt erlauben abgabe und verteilen die daraus resultierenden Einwürde. Da bis zum 15. Dezember nur ein Tag bleibt, künfte nach einem für amerikanische Künstler und
ist es leider offensichtlich, daß viele Länder nicht bereit Produzenten nicht gerechten Schema. Diese Maßoder in der Lage sein werden, gute Angebote vorzulenahmen wurden von wachsender Rhethorik über eine
gen. Unter diesen Umständen konnten und wollten wir
"kulturelle" Invasion durch amerikanische Filme und
unsere Märkte nicht für alle ganz öffnen. Wir mußten
Musik begleitet.
eine Möglichkeit für den Umgang mit Trittbrettfahrem
finden, was uns auch gelungen ist.
Die Vereinigten Staaten verfolgten im Unterhaltungsbereich klare Ziele: Wir wollten einen kalkulierbaren
Die Europäische Union und wir stimmten überein, daß und fairen Zugang zum europäischen Markt und die
wir und andere bereit sind, im Bankwesen und bei faire Behandlung unserer kreativen Bürger.
anderen Finanzdienstleistungen eine Befreiung von
der Meistbegünstigungsklausel zuzulassen, und die Wir strebten jedoch auch eine sowohl für die VereinigVereinigten Staaten werden das auch tun. Wir haben ten Staaten als auch fürdie EU-Mitgliedstaaten günstijedoch ein sechsmonatiges Moratorium nach Inkraft- ge Lösung an. Folglich haben die Vereinigten Staaten
treten des Abkommens beschlossen, nach dessen während der zweiwöchigen Verhandlungen über diese
Ablauf die Staaten ihre Angebote und Befreiungen von Angelegenheit eine Idee nach der anderen zur Lösung
der Meistbegünstigungsklausel abändern können. Bis dieser Frage auf eine für beide Seiten gerechte Weise
dahin werden wir eine Reihe von soliden Regeln für im Rahmen eines Gesamtpakets vorgelegt.
Finanzdienstleistungen ausarbeiten.
Die Europäische Union lehnte jeden unserer VorschläDieses Abkommen wird die Finanzmärkte öffnen. Es ge ab. Stattdessen bot sie Konsultationen und andere
hat die Grundlage dafür geschaffen. Es wird andere Schritte an, die weit von wirklichem Marktzugang oder

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�wirklich gerechter Behandlung eines Landes entfernt
sind.
Aufgrund der Unzulänglichkeit der Vorschläge der EU
und ihrer mangelnden Bereitschaft zur Annahme der
von uns gemachten Vorschläge, beschlossen wir,
unsere Angebote für den audiovisuellen Bereich zurückzunehmen und eine Befreiung von der Meistbegünstigungsklausel in Anspruch zu nehmen.

Wir beschlossen, keine bedeutungslosen Halblösungen zu akzeptieren. Vielmehr sind wir der Ansicht, daß
wir die Interessen unserer Künstler, Darsteller und
Produzenten - und den freien Informationsfluß auf der
ganzen Welt - am besten fördern können, indem wir
uns alle uns zustehenden Rechte vorbehalten, um auf
uns diskriminierende Praktiken in diesen Bereichen zu
reagieren.

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�GATT
15. Dezember 1993

EINIGUNG ZWISCHEN USA UND EU BEI
URUGUAY-RUNDE BEKANNTGEGEBEN
Abschluß der Handelsgespräche

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben bei der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche eine umfassende Einigung
erzielt und damit den Weg für abschließende Gespräche der am weitreichendsten internationalen Handelsverhandlungen bereitet.
"Heute wissen wir, daß es (eine wahrhaft historisches
Handelsabkommen) erzielt werden kann", erklärte der
US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor am 14. Dezember 1993 auf einer Pressekonferenz, bei der er
zusammen mit dem für die Außenhandelspolitik der
Europäischen Union zuständigen Kommissar Sir Leon
Brittan die Einigung bekanntgab.
In den letzten Monaten der Uruguay-Runde hatte die
festgefahrene Situation zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Union über von der
Landwirtschaft bis zu Finanzdienstleistungen reichende Themen das Ergebnis der globalen Handelsgespräche, an der über 100 weitere Staaten teilnahmen,
in Frage gestellt. Im letzten Moment erzielten die
beiden größten Handelsmächte der Welt Einigung
über alle Fragen mit Ausnahme des Schutzes der
europäischen Film- und Fernsehindustrie aus "kulturellen" Gründen.
"Mit diesem Durchbruch in der Runde lösten wir einen
gordischen Knoten", stellte Kantor fest. Die Einigung
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union wurde im letzten Moment erzielt - weniger
als 48 Stunden vor Ablauf der Frist für den Abschluß
der Uruguay-Runde. Wenn Präsident Clinton dem
Kongreß das globale Handelspaket nicht bis zum 15.
Dezember 24.00 Uhr vorlegt, verliert er sein FastTrack-Mandat, das eine Annahme ohne Abänderungen oder eine Ablehnung des Werkes vorsieht.
Sir Leon Brittan rief die anderen Nationen zur Unterstützung der Vereinigten Staaten und der EU beim
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde auf. "Der

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heutige Tag stellt einen Meilenstein in der Geschichte
des Welthandels dar", behauptete er.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor wies darauf hin, das als Ergebnis der Uruguay-Runde erzielte
Abkommen werde zu einer Halbierung der Zölle und
der Öffnung neuer großer Märkte im Dienstleistungsbereich führen, "in dem mehr als die Hälfte der amerikanischen Arbeitnehmer tätig ist". Zudem werde es
"dem spiralförmigen Anstieg der sinnlosen Agrarsubventionen, ... die die Weltmärkte für amerikanische
Farmer verzerren", ein Ende setzen.
Er fügte hinzu, im kommenden Jahrzehnt würden der
Abbau der Handelshemmnisse und die Öffnung der
Märkte eine Ankurbelung der Weltwirtschaft in Höhe
von 6 Billionen Dollar darstellen.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
erzielten einen Durchbruch beim Agrarhandel und
erreichten Kantor zufolge die Öffnung seit langem
geschlossener Agrarmärkte. Er zeigte sich jedoch
enttäuscht darüber, daß der Streit über die Film- und
Fernsehindustrie nicht beigelegt werden konnte. Die
Vereinigten Staaten und die EU "sind sich einig geworden, daß sie uneins sind", und werden folglich beide
nicht dem Abkommen der Uruguay-Runde über die
audiovisuellen Dienstleistungen beitreten.
Ein Streit über Subventionsregeln im Luftfahrtbereich,
der die Runde zum Entgleisen zu bringen drohte,
wurde durch ein gesondertes amerikanisch-europäisches bilaterales Abkommen über große Zivilflugzeuge gelöst, das die vorgeschlagenen GATT-Regeln
über Subventionen nicht antastet.
Im Bereich des Marktzugangs für Industrieprodukte
einigten sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Union auf eine Abschaffung der Zölle für pharmazeutische Produkte, Baugerät, Agrargerät, medizinische Geräte, Spirituosen, Bier, Möbel und Spielzeug.

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�Im Rahmen der multilateralen Handelsvereinbarungen sollen einer Übersicht der Vereinigten Staaten zu
dem Abkommen zufolge auch Zölle auf forstwirtschaftliche Produkte abgeschafft werden, falls Japan und die
anderen Handelspartner dem Beispiel folgen.

schen Union. Er stellte jedoch fest, nach Bekanntgabe
des Abkommens seien noch einige neue Vorschläge
über Finanzdienstleistungen, Textilien und geistiges
Eigentum vorgelegt worden. Ihm zufolge muß auf
jedem dieser Gebiete am letzten Verhandlungstag ein
"empfindliches Gleichgewicht" geschaffen werden.
Peter Sutherland, der Generaldirektor des GATT, "Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir die Uruguaybegrü ßte den Abschlu ß der bilateralen Verhandlungen Runde morgen zum Abschluß bringen können", äuzwischen den Vereinigten Staaten und der Europäi- ßerte er in einer schriftlichen Erklärung.

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�NICHTVERBREITUNG
15. Dezember 1993

USA BEKÄMPFEN VERBREITUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Ausführungen von Verteidigungsminister Aspin

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten benötigen Verteidigungsminister Aspin zufolge einen aggressiveren Ansatz bei der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, um Präsident Clintons Politik
umzusetzen.

Stelle der alten Sowjetunion getreten, sowjetisches
Nuklearmaterial oder -technologien fänden den Weg
zum Schwarzmarkt, das gekaufte Fachwissen über
Waffen gelange zu den Verbreitern von Massenvernichtungswaffen und unverantwortliche, einstmals unter
dem Einfluß der Sowjetunion stehende Staaten - wie
Nordkorea - verfolgten aggressiv ihre eigenen Waffenprogramme.

Im September hatte Clinton vor der UN-Generalversammlung geäußert: "Eine unserer wichtigsten Prioritäten muß die Verhinderung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen sein, seien sie atoma- Darüber hinaus fördere die Weltwirtschaft Aspin zufolge die Verbreitung von Technologie und erschwere
rer, chemischer oder biologischer Art."
das "Aufspüren illegaler, für die Entwicklung von Warfen
Indem er diese Politik in einer am 7. Dezember 1993 nützlicher Materialien und Technologien".
vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften in
Washington gehaltenen Rede bekräftigte, warnte Aspin "Wir sehen uns einer größeren Verbreitungsgefahr
jedoch auch, daß wir uns "in einem neuen Zeitafter gegenüber als je zuvor", stellte der Verteidigungsminibefinden", in dem die von diesen Waffen ausgehende ster fest und fügte hinzu: "Eine Politik der Verhinderung durch Verweigerung ist nicht genug. Es handelt
Bedrohung noch größer sei.
sich nicht nur um Nuklearwarfen. Alle potentiell gefähr"Die bisherige Gefahr bestand in Tausenden Gefechts- lichen Nationen sind zumindest zur Herstellung bioloköpfen in der Sowjetunion. Die neue uns konfrontie- gischer und chemischer Kampfstoffe in der Lage."
rende nukleare Gefahr liegt vielleicht in einigen wenigen Instrumenten in den Händen verbrecherischer Laut Aspin verfolgt die neue Initiative einen fünf Punkte
Staaten oder sogar Terrorgruppen", erläuterte der umfassenden Ansatz:
Verteidigungsminister.
Verdeutlichung gegenüber allen Parteien, daß
es eine neue, aggressive Politik gibt,
Aspin stellte fest, die Politik der Abschreckung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung von Waffen habe
Kauf von Artillerie zur besseren Lokalisierung
während des Kalten Krieges gut funktioniert. Er fügte
und
Zerstörung von Massenvernichtungswafjedoch hinzu, heute "sehen wir uns mit dem Potential
fen,
eines wesentlich verschärften Verbreitungsproblems
konfrontiert", weil der Zusammenbruch der SowjetuniEntwicklung neuer Strategien für die Auseinanon und die Freisetzung ihrerTechnologien die Verbreidersetzung mit Gegnern, die solche Waffen
tung von Massenvernichtungswaffen fördern könne.
besitzen,
"Wir haben eine neue Aufgabe in Angriff genommen",
stellte Aspin fest. "Wir haben ein neues Problem
erkannt und handeln, um ihm mit der Nichtverbreitung
von Massenvernichtungswaffen zu begegnen."
Mehrere Gefahren zusammengenommen machten die
Welt noch gefährlicher als früher, so Aspin. Vier
ehemalige sowjetische Nuklearstaaten seien an die
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Sammlung verbesserter nachrichtendienstlicher
Erkenntnisse über die Programme und Arsenale unverantwortlicher Staaten und
Koordinierung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Verbreitung solcher Waffen.

Seite 1

�Die Initiative fördere einen Konsens bezüglich der Verteidigung gegen einige wenige ballistische RakeGrößenordnung der Bedrohung, reduziere die militäri- ten aufbauen können, die von unverantwortlichen
sche Nützlichkeit von Massenvernichtungswaffen, halte Staaten oder Terroristen abgefeuert werden könnten.
den Preis solcher Waffen hoch, um die Nachfrage zu
verringern und senke die Verletzbarkeit potentieller Ein hochrangiger Vertreter des VerteidigungsministeOpfer solcher Waffen, führte der Verteidigungsmini- riums hatte zuvor im Pentagon prognostiziert, daß der
Einsatz oder potentielle Einsatz von Massenvernichster aus.
tungswaffen durch solche Gruppen "ein sich abzeichAspin würdigte die Verabschiedung des Nunn-Lugar- nendes Problem ist".
Zusatzartikels durch den Kongreß, im Rahmen dessen
die Vereinigten Staaten Geld und Fachwissen bereit- Im Hinblick auf die nach dem Golfkrieg entdeckten
stellen, um den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei unerwartet modernen Nuklearwaffenprogramme des
der Zerstörung der sowjetischen Arsenale behilflich zu Irak fügte der Vertreter des Verteidigungsministeriums
hinzu: "Wir wollen eine solche Überraschung nicht
noch einmal erleben." Die neue Politik zusammenfasEr bekräftigte, die Vereinigtes Staaten strebten eine send erklärte er gegenüber Reportern: "Wenn man
Klärung zum ABM-Vertrag an, damit sie eine regionale etwas nicht verhindern kann, mu ß man sich schützen."

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�RUSSLAND
15. Dezember 1993

USA GRATULIEREN RUSSLAND ZU
HISTORISCHEN WAHLEN
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von der Pressestelle des Weißen Hauses zu den
Wahlen in Rußland herausgegebene Erklärung.

Die Vereinigten Staaten gratulieren der Regierung und
dem Volk Rußlands zu den am gestrigen Tag abgehaltenen historischen Wahlen. Der 12. Dezember 1993
war ein bedeutender Tag für die Entwicklung des
demokratischen Systems in Rußland. Die Wahlen
wurden friedlich und geordnet organisiert und durchgeführt. Beobachter meldeten keine Unregelmäßigkeiten beim Wahlgang. Das Bild von Millionen Russen
beim Gang zur Wahlurne, um über ihre Zukunft zu
entscheiden, ist ein dramatisches Beispiel für die in
den zwei Jahren seit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion beim Aufbau einer demokratischen Zukunft gemachten Fortschritte.
Mit der Annahme einer neuen Verfassung und den
Wahlen für eine neue Legislaturperiode hat sich das
russische Volk der letzten Relikte des alten sowjetischen Systems entledigt und sie durch neue, gesetzlich verankerte Institutionen ersetzt, die eine Grundlage für die kontinuierliche Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft legen. Die Vereinigten Staaten
und die internationale Staatengemeinschaft haben
großes Interesse am Erfolg dieses Prozesses.

In den kommenden Tagen werden die bei den Parlamentswahlen abgegebenen Stimmen gezählt und die
neue Duma wird mit den Vorbereitungen für ihre Eröffnungssitzung beginnen. Genaue Ergebnisse der Wahlen
oder die Zusammensetzung des Parlaments liegen
noch nicht vor. Präsident Jelzin hat seiner Bereitschaft
zum Beginn eines konstruktiven Dialogs mit den verschiedenen darin vertretenen politischen Kräften
Ausdruck verliehen. Wir erhoffen eine entsprechende
Haltung von seiten aller führenden Politiker Rußlands.
Am Beginn eines neuen Zeitalters und der Entwicklung
demokratischer Institutionen in Rußland werden die
Vereinigten Staaten ihre uneingeschränkte Unterstützung für die politischen und wirtschaftlichen Reformen
in diesem Land fortsetzen. Der Präsident sieht seinem
für Januar geplanten Besuch in Moskau sowie den
Gesprächen mit Präsident Jelzin und anderen Politikern über den weiteren Aufbau einer Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten u nd Ru Bland erwartungsvoll entgegen. Vizepräsident Gore wird morgen
abend in Moskau eintreffen und in seinen Treffen mit
russischen Politikern die amerikanische Unterstützung
für Demokratie und Wirtschaftsreformen unterstreichen.

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�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
15. Dezember 1993

USA UND ITALIEN BEKÄMPFEN GEMEINSAM
ORGANISIERTES VERBRECHEN
Erklärung von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1993 abgegebenen Erklärung äußerte Präsident Clinton, bei
ihrem andauernden Kampf gegen die Mafia und andere internationale Verbrechersyndikate hätten sich die
Vereinigten Staaten ebenso wie die italienische Regierung verpflichtet, "zurückzuschlagen, die Straßen
zurückzuerobern und diejenigen zu bestrafen, deren kriminelles Verhalten am Gefüge unserer Gesellschaften
zerrt und das Leben unserer Bürger bedroht".
Als Beweis für die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten verwies er auf die hochrangigen Gespräche des
Direktors der amerikanischen Bundespolizei FBI, Louis Freeh, und des Abteilungsleiters für Strafverfolgung im
US-Finanzministerium, Ronald Noble, mit italienischen Regierungsvertretern am vergangenen Wochenende zur
Erörterung neuer Schritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Beim andauernden Kampf gegen die Mafia und andere
internationale Verbrechersyndikate erneuern die Vereinigten Staaten ihr Versprechen der Solidarität mit der
Regierung und dem Volk Italiens sowie deren Unterstützung.

lungsleiter für Strafverfolgung im Finanzministerium,
an diesem Wochenende zu hochrangigen Gesprächen mit italienischen Regierungsvertretern zur Erörterung neuer Schritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Italien auf.

Das organisierte Verbrechen ist eine Geißel, die in
unseren beiden Nationen einen schrecklichen Tribut
gefordert hat - durch Rauschgift verwüstete, durch
Gewalt verrohte, durch Mord zerstörte Existenzen.

Direktor Freeh und Abteilungsleiter Noble führen heute
in Palermo Gespräche über diese gemeinsamen
Bestrebungen bei der Strafverfolgung. Sie werden
unterstreichen, was wir und alle Nationen Richter
Giovanni Falcone - dem beim Kampf gegen die italienische Mafia ermordeten mutigen Juristen - schulden
und dem Einsatz anderer tapferer Italiener, die ihr
Leben jeden Tag beim Kampf gegen das organisierte
Verbrechen aufs Spiel setzen.

Die Vereinigten Staaten haben sich ebenso wie die
italienische Regierung verpflichtet, zurückzuschlagen,
die Straßen zurückzuerobern und diejenigen zu bestrafen, deren kriminelles Verhalten am Gefüge unserer Gesellschaften zerrt und das Leben unserer Bürger
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist erfreut, daß
bedroht.
wir Italien bei der Suche nach Richer Falcones MörAus diesem Grund weise ich das Justizministerium dern behilflich sein konnten. FBI-Laborexperten haund das Finanzministerium an, alles in ihrer Macht ben die Verarbeitung von DNA-Beweisen am SchauStehende zur Verbesserung der Zusammenarbeit platz des Verbrechens in Sizilien erleichtert. Ihre Hilfe
zwischen amerikanischen und italienischen Strafver- erwies sich als der entscheidende Faktor für die vor
folgungsbehörden zu tun.
kurzem erfolgte Anklage gegen eine große Zahl von
Verdächtigen.
Als Beweis unserer Entschlossenheit halten sich Louis
Freeh, der Direktor des FBI, und Ronald Noble, Abtei-

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Seite 1

�Direktor Freeh übermittelt darüber hinaus unsere
Botschaft der Verpflichtung gegenüber den italienisehen Strafverfolgungsbeamten und unserer Zusammenarbeit mit ihnen. Ihre kontinuierliche und ent-

schlossene Unterstützung hat den amerikanischen
Strafverfolgungsbeamten zu echten und greifbaren
Fortschritten bei der Bekämpfung der Mafia in den
Vereinigten Staaten verholten.

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�MENSCHENRECHTE
15. Dezember 1993

CLINTON: MENSCHENRECHTE MÜSSEN
HOHE PRIORITÄT BEI DEN
VEREINTEN NATIONEN BEHALTEN
Proklamation zum Menschenrechtstag
WASHINGTON - (AD) - Mit der Erklärung, daß den Menschenrechten weiterhin hohe Priorität bei den Vereinten
Nationen eingeräumt werden muß, forderte Präsident Clinton am 10. Dezember 1993 die "Berufung eines
Hochkommissars für Menschenrechte und die effektive Arbeit des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien".
In einer Proklamation zum Menschenrechtstag umriß Clinton weitere zum Schutz der Menschenrechte zu
ergreifende Schritte einschließlich der Ratifizierung der internationalen Konvention über die Abschaffung aller
Formen von rassischer Diskriminierung.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Proklamation des Präsidenten, die den 10. Dezember 1993 zum
Menschenrechtstag, den 15. Dezember zum Tag der Bill of Rights und die Woche vom 10. Dezember zur
Menschenrechtswoche erklärt.

Dieses Jahr markiert den 45. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menchenrechte. Die Universalität
dieser Rechte und die gemeinsame Verpflichtung aller
Regierungen, für sie einzutreten - die in der Erklärung
verankerten Aussagen - wurden bei der Weltkonferenz
über Menschenrechte im Juni in Wien bekräftigt. Die
Erklärung ist der Grundstein für die Erarbeitung eines
internationalen Konsenses über die Menschenrechte,
weil sie die gemeinsamen Interessen fördert, die wir
mit anderen Nationen teilen. Sie erkennt an, daß allen
Menschen bestimmte unveräußerliche Rechte zustehen - das Recht auf Leben, Freiheit und Unverletzbarkeit der Person, das Recht auf Schutz vor willkürlicher
Festnahme und Inhaftierung sowie das Recht auf
Schutz vor Massenexekutionen und Folter. Die AllgeUnsere Bill of Rights garantiert unsere grundlegenden meine Erklärung der Menschenrechte geht über sozioFreiheiten, einschließlich der Religions-, Rede- und ökonomische Bedingungen sowie religiöse und kultuPressefreiheit. Seit über 200 Jahren war sie ein relle Traditionen hinaus, denn die Umstände von Geburt,
leuchtender Wegweiser für sozialen Wandel, der unser Geschlecht, Kultur oder geographischer Herkunft können
Verständnis dieser Grundfreiheiten vertieft und diese das Streben des menschlichen Geistes nach dem
Grundrechte für alle unsere Bürger gewährleistet hat. Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde nicht
Wir gedenken des Tages der Bill of Rights noch immer einschränken. Diese Sehnsucht nach einer Verbessefeierlich, weil die Sicherstellung der Achtung der rung der Lebensbedingungen des Menschen ist kein
Menschenrechte in den Vereinigten Staaten niemals westlicher Exportartikel. Sie ist ein angeborener Wunsch
aufhört - es ist ein andauernder Prozeß.
des Menschen.

Thomas Paine hat einmal geschrieben, "hätten wir
einen Platz, an dem wir stehen können, könnten wir die
Welt verbessern". Der Dezember markiert den Jahrestag von zwei bahnbrechenden Ereignissen im
andauernden Kampf zur Gewährleistung des Schutzes der Menschenrechte und der Schärfung des
Bewußtseins der Welt für diese allen zustehenden
Freiheiten. Am 15. Dezember 1791 wurde die amerikanische Bill of Rights ratifiziert. Und anderthalb
Jahrhunderte später, am 10. Dezember 1948, verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten
Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Beide Dokumente haben den Blick zahlloser
Menschen geschärft - und ihr Leben verbessert.

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Seite 1

�Wenn wir über Menschenrechte sprechen, beziehen
Wir müssen alles Erforderliche unternehmen,
um die Konvention über die Abschaffung aller
wir uns auf reale Menschen an realen Orten. Die in der
Formen von Diskriminierung der Frau zu ratifiErklärung enthaltenen grundlegenden Garantien werzieren.
den manchen hohl erscheinen, wenn die Worte nicht in
sinnvolle Aktionen umgewandelt werden. Wir haben
Die Bill of Rights und die Allgemeine Erklärung der
noch viel zu tun:
Menschenrechte verankern die folgende für alle MenWir müssen durch die Berufung eines Hoch- schen und alle Nationen zeitlos gültige Wahrheit: Die
kommissars für Menschenrechte und die effek- Achtung der Menschenrechte ist die Grundlage für
tive Arbeit des Kriegsverbrechertribunals für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.
das ehemalige Jugoslawien sicherstellen, daß
die Menschenrechte auf der Tagesordnung der Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der
Vereinten Nationen hohe Priorität behalten.
mir durch die Verfassung und die Gesetze der VereiWir müssen zügig handeln, um die Zustimmung nigten Staaten verliehenen Befugnis den 10. Dezemdes Senats zur Ratifizierung der internationalen ber 1993 zum Menschenrechtstag, den 15. Dezember
Konvention über die Beseitigung aller Formen 1993 zumTagderBillofRightsund die Woche vom 10.
rassischer Diskriminierung zu gewinnen.
Dezember 1993 zur Menschenrechtswoche. Ich rufe
alle Amerikaner dazu auf, diese Tage und diese Woche
Wir müssen Gesetze zur Durchsetzung der mit angemessenen Programmen, Feierlichkeiten und
Konvention gegen die Folter erlassen, um unser Aktivitäten zu begehen.
Engagement für die weltweit angestrebte Abschaffung dieser abscheulichen Menschenrechts- Unterzeichnet am 10. Tag des Dezember, im Jahre
verletzung zu unterstreichen.
des Herrn 1993 und im 218. Jahr der Unabhängigkeit
der Vereinigten Staaten von Amerika.

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�MENSCHENRECHTE
15. Dezember 1993

SHATTUCK: MENSCHENRECHTSPOLITIK DER
USA STREBT ENDE DER FOLTER AN
Erläuterungen bei Pressekonferenz

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
räumt der Ausbreitung von Demokratie weltweit und
der Beendigung von Folterungen durch Regierungen
oberste Priorität ein, erklärte John Shattuck, Abteilungsleiterfür Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, am 8. Dezember 1993 bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des
Menschenrechtstages.
Der 10. Dezember markiere den 45. Jahrestag der
Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Genf und biete eine Gelegenheit,
"Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, was
erreicht wurde und was noch zu tun bleibt", erklärte
Shattuck.
"Meine Regierung möchte insbesondere alle Regierungen aufrufen, die Praxis der Folter bis zum Jahr
2000 abzuschaffen." Shattuck beschrieb das Problem
als "weitverbreitet" und fügte hinzu: "Die Grundvoraussetzung zur Beendigung der Folter ist politischer
Wille."
Shattuck stellte fest, die Vereinigten Staaten würden zum ersten Mal - eine Beurteilung ihrer Einhaltung
verschiedener internationaler Verträge vornehmen und
den Bericht der UN-Menschenrechtskommission vorlegen.
"Ich sage hier öffentlich, daß die Menschenrechtsbilanz der Vereinigten Staaten in keiner Weise perfekt ist
und von der Regierung, unabhängigen Organisationen
sowie der freien Presse einer ständigen Prüfung unterzogen wird. Ich möchte insbesondere auf die Rolle der
freien Presse bei der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern einschließlich der Vereinigten Staaten verweisen."
Shattuck äußerte gegenüber den Journalisten auch,
daß die Vereinigten Staaten die Einrichtung eines
Hochkommissars für Menschenrechte befürworten ein zur Zeit von den Vereinten Nationen erörtertes

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Thema. "Damit würde den Programmen der Vereinten
Nationen Auftrieb verliehen und sichergestellt, daß
Menschenrechten der ihnen gebührende Platz als eine
der Säulen des UN-Systems zukommt."
Obwohl Shattuck kurz auf diese und andere umfassendere Themen einging, verwendete er einen Großteil der Pressekonferenz auf die Beantwortung spezifischer Fragen zu China, Haiti, Israel, Ägypten, Burma,
dem ehemaligen Jugoslawien und zu anderen Ländern.
Shattuck, der vor kurzem von Besuchen in Israel und
Ägypten zurückgekehrt war, antwortete auf eine Frage, er habe in beiden Ländern "sehr ausführliche
Gespräche über das Thema Folter" geführt sowie die
generelle Behandlung von Gefangenen.
Er beschrieb Präsident Clintons Ansatz zu Menschenrechtsfragen als "sehr umfassende und ausgewogene
Anwendung dieser Normen in allen Ländern, mit denen wir bilaterale Beziehungen unterhalten".
Shattuck bekräftigte die amerikanische Position, daß
die Vierte Genfer Konvention auf die von Israel besetzten Gebiete Anwendung findet und stellte fest, die von
den Vereinigten Staaten mit Israel geführten Gespräche - und die Jahresberichte des US-Außenministeriums überdie dortige Menschenrechtssituation - spiegelten diese Auffassung eindeutig wider.
Shattuck zufolge ist Washington nicht "gegen" die Bindung von Auslandshilfe an die Menschenrechtsbilanz
eines Empfängerlandes, er betonte jedoch im weiteren Verlauf der Pressekonferenz, Washington treffe
"nicht alle Entscheidungen zu Auslandshilfe ausschließlich auf der Grundlage der Menschenrechte". Er
machte diese Aussage als Antwort auf eine Frage zu
Israel, das den größten Teil der amerikanischen Auslandshilfe erhält.
Menschenrechte standen auf der Tagesordnung von
jedem Besuch Außenminister Christophers im Nahen
Seite 1

�Osten, "und stehen zweifelsohne dieses Mal auf der
Tagesordnung", stellte Shattuck fest. Er betonte jedoch, Christophers derzeitiger Besuch in der Region
habe den Friedensprozeß zum Ziel.

Im Hinblick auf die "tragische Menschenrechtssituation" in Haiti äu ßerte Shattuck seine Absicht, dem Land
in der kommenden Woche einen Besuch abzustatten
und bekräftigte die Sichtweise der Vereinigten Staaten, daß Demokratie und Menschenrechte Hand in
Im Hinblick auf China äußerte Shattuck, das Engage- Hand gehen. "Die Zukunft der Menschenrechte in Haiti
ment für dieses Land bilde ein "Kernstück" von Präsi- hängt von der Wiedereinführung der Demokratie und
dent Clintons Außenpolitik in seinem ersten Amtsjahr. der Wiedereinsetzung ins Amt des demokratisch
Gespräche zu einem breiten Spektrum von Themen - gewählten Präsidenten von Haiti, Präsident Aristide,
wie Handel und nukleare Nichtverbreitung - seien auf ab." Die derzeitige Politik der Vereinigten Staaten,
höchster Ebene geführt worden, bis hin zu einem haitianische Asylbewerber abzufangen, habe "ernstTreffen zwischen Präsident Clinton und seinem chine- hafte Schwierigkeiten" hervorgerufen, erklärte Shatsischen Amtskollegen Jiang Zemin.
tuck und fügte hinzu, eine Rückkehr zur Demokratie in
Haiti könnte eine Änderung dieser Politik bewirken.
"Meines Erachtens gibt es zweifelsohne Bestrebungen seitens der chinesischen Regierung zur Einhal- Auf die Frage nach der Situation im ehemaligen Jugotung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte slawien stellte Shattuck fest, die Vereinigten Staaten
wie alle Nationen es zu tun bestrebt sind...", antwortete hätten eine Führungsrolle im UN-Sicherheitsrat beim
Shattuck. Auf die Frage, ob China weiterhin der Drängen auf die Einrichtung eines KriegsverbrecherMeistbegünstigungsstatus eingeräumt würde, stellte tribunals zur Prüfung der Situation übernommen.
er fest, Clintons Präsidialerlaß fordere "insgesamt
beträchtliche Fortschritte bei den Menschenrechten in "Das Kriegsverbrechertribunal ist zum jetzigen ZeitChina" und eine Entscheidung werde in diesem Kon- punkt das wichtigste und überwältigende Signal für
text getroffen.
eine Menschenrechtskatastrophe" im ehemaligen
Jugoslawien.
Shattuck hatte vor kurzem eine 10tägige Reise nach
China unternommen und war der erste hochrangige "...Sowohl der Außenminister als auch die BotschafMenschenrechtsvertreter der Vereinigten Staaten, der terin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten NatioTibet einen Besuch abstattete. Auf die Frage, ob nen, Madeleine Albright, haben Erklärungen abgegeAußenminister Christopher eine Reise nach China ben ..., daß sich die Vereinigten Staaten verpflichten,
beabsichtige, antwortete Shattuck, bevor dies der Fall die Beweise auf jede Spur hin zu überprüfen und keine
sei, müßten in China "maßgebliche" Fortschritte bei Fragen des Friedensprozesses dem Vorgehen des
den Menschenrechten erzielt werden.
Kriegsverbrechertribunals im Rahmen der UN-Statuten im Wege stehen sollten", erläuterte Shattuck.
In seinen Ausführungen über Hongkong erläuterte
Shattuck, die erneute Unterstellung unter die chinesi- Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz antwortete
sche Regierungsgewalt beleuchte einen weiteren Shattuck einem Reporter, die Vereinigten Staaten
Brennpunkt der amerikanischen Außenpolitik. "Die erachteten Vergewaltigung als eine Form der Folter,
demokratische Beteiligung ist eine der Säulen von insbesondere, wenn sie im Rahmen der Kampagne
Präsident Clintons Außenpolitik, und wir hoffen natür- der "ethnischen Säuberung" angewandt würde. Die
lich, eine Verpflichtung zur andauernden Beteiligung amerikanischen Vertreter beim Kriegsverbrechertribuim Hinblick auf Hongkong ... und den Schutz der nal "weiden die Position vertreten..., daß ein wesentGrundrechte der Bürger von Hongkong zu erhalten." licher Bereich bei den Ermittlungen zu ethnischen
Säuberungen (im ehemaligen Jugoslawien) der systeEinem Journalisten, der nahelegte, die neue Konzen- matische Einsatz von Vergewaltigung sein sollte".
tration der Vereinigten Staaten auf Handel sei nur ein
Ersatz für die Bekämpfung des Kommunismus im In einer kurzen Erörterung der MenschenrechtssituaKalten Krieg, antwortete Shattuck: "...ich möchte tion in Indien stellte Shattuck fest, die Vereinigten
eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten Staaten seien "erfreut", daß die Regierung in NeuMenschenrechte keinem Handels- oder Wirtschafts- Delhi Menschenrechtsorganisationen den Zutritt zum
Land gestattet hätte. "Das war ein von uns vehement
thema unterordnen...".
verfolgtes Anliegen", so Shattuck.
Er verwies darauf, daß die Zustimmung der Vereinigten Staaten zum Nordamerikanischen Freihandelsab- Er beschrieb Burma als "das kritischste Menschenkommen (North American Free Trade Agreement - rechtsproblem der heutigen Welt". Die Vereinigten
NAFTA) "eben aus dem Grund möglich war, weil die Staaten hätten "alle Instrumente der Diplomatie" dort
Menschenrechtssituation und die Demokratie sich in eingesetzt, beobachteten die Lage, und "wir hoffen
Mexiko verbessert haben" und der Einsatz des Instru- natürlich, daß es schon sehr bald eine Verbesserung
mentes NAFTA "mehr Anreize zu Menschenrechts- der Menschenrechtssituation in Burma geben wird".
verbesserungen" biete.

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AMERIKA DIENST 50

�Auf die Frage, vermeintlich werde in der amerikanischen Politik "mit zweierlei Maß gemessen" - insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Muslimen
- verwies Shattuck darauf, daß die islamischen Staaten zu den stärksten und wichtigsten Verbündeten Washingtons zählten und religiöse Konflikte in keiner
Weise auf die muslimische Welt begrenzt seien.
"Zweifelsohne beobachten wir sie in anderen Teilen
der Welt. Das Thema betrifft auch das heutige Afrika
und Teile des Fernen Ostens."
Indem er sich der Menschenrechtsproblematik allgemein zuwandte, stellte Shattuck fest, die amerikanische Delegation bei der Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien 1993 sei sich über die "äußerst
enge Verbindung zwischen Entwicklung, Menschenrechten und Demokratie" einig gewesen.

Zur Zeit gebe es einen "Überhang" an internationalen
Verträgen, die von den Vereinigten Staaten erörtert
würden, einschließlich Verträgen zu Rassendiskriminierung, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Rechten sowie den Rechten von Kindern und Frauen.
Er nannte drei Bereiche, in denen ein "überwältigender
Konsens" zu Menschenrechten bestehe: Das Recht
auf persönliche Integrität (Freiheit von Folter, Massenexekutionen, etc.), das Recht auf Redefreiheit und "in
gewissem Maße" auf politische Beteiligung sowie die
Gewährung grundlegender Wirtschafts- und Sozialrechte.
"Dies sind nicht Werte der Vereinigten Staaten, sondern der Welt", erklärte Shattuck.

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                <text>Amerikadienst 16.12.1993</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA unterstreicht Führungsrolle der USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Clintons bei Unterzeichnung des NAFTA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uruguay-Runde geht über ursprüngliche gesetzte Ziele hinaus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA bekämpfen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA gratulieren Russland zu historischen Wahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA und Italien bekämpfen gemeinsam organisiertes Verbrechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Menschenrechte müssen hohe Priorität bei den Vereinten Nationen behalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation zum Menschenrechtstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shattuck: Menschenrechtspolitik der USA strebt Ende der Folter an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen bei Pressekonferenz&lt;/em&gt;</text>
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V^ N ^

amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

16. Dezember 1998

25

AMERIKA MÖCHTE, DASS SIE ERFOLG
HABEN

NAHER OSTEN

Ansprache von Präsident Clinton

HOLOCAUST-KONFERENZ

ALBRIGHT: WIR MÜSSEN DIE ARBEIT DER
WIEDERGUTMACHUNG BEENDEN
Rede der Außenministerin bei der
Holocaust-Konferenz

MENSCHENRECHTE

MENSCHENRECHTE UND AUSSENPOLITIK
Rede von Außenministerin Albright

NATO

DIE NATO - BEREIT FÜR DAS
21. JAHRHUNDERT
von Madeleine K. Albright

TECHNOLOGIE

EINE GLOBALE STRATEGIE ZUR LÖSUNG
DES JAHR 2000-PROBLEMS
von Jonathan Spalter

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�NAHER

OSTEN

16. Dezember 1998

Amerika möchte, daß Sie Erfolg haben
Ansprache von Präsident Clinton

GAZA - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, die Präsident Bill Clinton am 14. Dezember 1998
im Rahmen seiner Nahostreise bei einem Mittagessen in Gaza gehalten hat.

Herr Vorsitzender Arafat, Frau Arafat, verehrte
Mitglieder der palästinensischen Gemeinde, liebe
Kollegen und Freunde, im Namen meiner Familie und
unserer gesamten Delegation danke ich Ihnen für
Ihren herzlichen und wirklich denkwürdigen Empfang.
Herr Vorsitzender, wie in Wye River versprochen, bin
ich nach Gaza gekommen, um über die Vorteile des
Friedens auf der Grundlage gegenseitigen Respekts
zu sprechen. Ich weiß, daß die Umstände seit 1993
und der Unterzeichnung des Friedensabkommens für
Sie weiterhin schwierig sind, aber es gibt Grund zur
Hoffnung. Erstmals in der Geschichte der palästinensischen Bewegung haben das palästinensische Volk
und seine gewählten Vertreter jetzt die Chance, ihr
eigenes Schicksal auf ihrem eigenen Land zu bestimmen.
Ich bin stolz darauf, der erste amerikanische Präsident
zu sein, der bei der Gestaltung Ihrer Zukunft an der
Seite des palästinensischen Volkes steht. Ich möchte
unterstreichen, daß diese Zukunft wegen der von
Ihnen eingegangenen Verpflichtung möglich ist,
in Frieden und gegenseitiger Achtung Seite an Seite
mit Ihren Nachbarn zu leben.
All dies hätte man sich in den dunkelsten Jahren des
Kampfes kaum vorstellen können, als die meisten
Menschen davon ausgingen, der Nahe Osten würde
immer aus zwei bewaffneten und getrennten Lagern
bestehen. Manchmal erfordert es mehr Mut und
Stärke, Frieden zu schließen, als einen Krieg fortzusetzen. Ich danke dem Vorsitzenden Arafat, daß er
die Stärke, den Mut und die Weisheit bewiesen hat,
Frieden zu schließen und dann nicht vom Weg des
Friedens abzuweichen.

AMERIKA DIENST 25

Ich danke dem Vorsitzenden und allen Palästinensern,
die die Idee unterstützen, daß Palästinenser und
Israelis gemeinsam auf dem Land ihrer Väter leben
können. Ich danke Ihnen für Ihre Überzeugung, daß
das Land, das der Welt den Islam, das Judentum und
das Christentum gab, die Heimat aller Menschen sein
kann, die einen Gott lieben und jedes Menschenleben
respektieren, das der eine Gott geschaffen hat.
Amerika möchte, daß Sie Erfolg haben und will Ihnen
bei der Schaffung der Gesellschaft helfen, die Sie
verdienen - einer Gesellschaft auf der Grundlage der
Achtung der Menschenrechte, Menschenwürde und
Rechtsstaatlichkeit, einer Gesellschaft, die zu Toleranz erzieht, Bildung hohen Wert beimißt und endlich
die Chance bekommt, die kreativen Begabungen ihrer
Menschen gegen den destruktiven Sog von Hoffnungslosigkeit und Armut freizusetzen.
Ich denke an Sie zu diesem hoffnungsvollen Zeitpunkt
wie an eine Familie, die nach allzu vielen Jahren der
Zerrüttung und Verzweiflung wieder zusammenkommt, an eine Gemeinschaft von Gläubigen, die
beim Aufbau eines Nahen Ostens helfen, in dem die
Menschen aller Glaubensrichtungen in Sicherheit und
Frieden zusammenleben können, an ein Volk, das
ebenso wie der Olivenbaum weltweit wegen seiner
Bindung an dieses Land und jetzt an den Frieden
bekannt ist, an eine Gesellschaft, die von Ihnen
verlangt, was Sie zu Recht von anderen verlangen.
Der vor uns liegende Weg mag hart und unsicher sein,
aber der Weg, von dem Sie sich abgewandt haben, ist
voll selbstzerstörerischer Gewalt und damit voll
vernichtendem Haß. Daher haben wir keine Alternative zu dem vor uns liegenden Weg.

Seite 1

�Morgen werden meine Familie und ich gemeinsam mit
dem Vorsitzenden und Frau Arafat die Chance haben,
Bethlehem zu besuchen, den Weihnachtsbaum zu
Beginn der Weihnachtszeit anzuzünden, die für uns
Christen so wichtig ist. Das nächste Mal, wenn die
Menschen in Bethlehem Weihnachten feiern, werden
wir an der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend
stehen, das 2000 Jahre seit der Geburt des Christkinds markiert, welches den Christen als Prinz des
Friedens bekannt wurde, ein Jude war und vom Islam
anerkannt wird.
Wenn das alles möglich war, dann können wir doch
sicherlich eine Lösung für diese Probleme finden und
die Zukunft angehen.

Ich schließe mit den Worten des Dichters Hafez
Ibrahim: Menschen einer hoffnungsvollen Zukunft, wir
benötigen eine Führung, die aufbaut, und Menschen,
die die Aufbauarbeit leisten. Menschen einer hoffnungsvollen Zukunft, wir benötigen die Weisheit, die
berät, und eine Hand, die befreit. Menschen einer
hoffnungsvollen Zukunft, wir brauchen Sie - füllen Sie
die Lücke, machen Sie sich an die Arbeit. Menschen
einer hoffnungsvollen Zukunft, lassen Sie den morgigen Tag nicht wie den gestrigen in verstaubter
Existenz verstreichen. Menschen einer hoffnungsvollen Zukunft, Ihr Land fordert Sie dringend zum
Denken auf.
So Gott will, werden wir wie Einer denken, fühlen und
handeln.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�HOLOCAUST-KONFERENZ

16. Dezember 1998

Albright: Wir müssen die Arbeit der
Wiedergutmachung beenden
Rede der Außenministerin bei der Holocaust-Konferenz

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede, die US-Außenministerin Madeleine Albright am 1. Dezember 1998 bei der Eröffnung der Holocaust-Konferenz in Washington
gehalten hat.

Ich freue mich, Sie im Namen von Präsident Clinton
und des amerikanischen Volkes bei dieser Konferenz
hier in Washington über im Holocaust geraubte
Vermögenswerte begrüßen zu dürfen. Zuerst möchte
ich Miles Lerman und dem amerikanischen Holocaust
Memorial Museum für ihre Mitwirkung an der Veranstaltung dieser Konferenz und ihre unermüdlichen
Bestrebungen danken, die Erinnerung an die grauenhaftesten Verbrechen der Geschichte lebendig zu
halten und daraus zu lernen.
W r sind hier, um den weiteren Weg zum Abschluß der
Arbeit zu planen, gestohlene Vermögenswerte an die
Überlebenden und Familien der Holocaust-Opfer
zurückzugeben oder sie dafür zu entschädigen. Diese
Aufgabe begann vor über fünf Jahrzehnten sogar noch
vor Beendigung des Kriegs, als in der Londoner
Erklärung von 1943 die Plünderungen durch die Nazis
verurteilt wurden.
In der frühen Nachkriegszeit unternahmen die Alliierten in gutem Glauben Entschädigungsbestrebungen,
die jedoch unvollständig blieben. Noch Jahrzehnte
später blieb die Arbeit unbeendet, blieben entscheidende Fragen unbeantwortet, wesentliche Dokumente
ungeprüft und kritische Probleme ungelöst.
Erst in den letzten Jahren, als die Überlebenden des
Holocaust immer älter wurden und sich das Jahrhundert dem Ende zuneigte, erhielt die Suche nach
Antworten neuen Auftrieb, was das Verdienst vieler
Menschen ist. Zweifelsohne hätte die Weltöffentlichkeit weiterhin die Augen vor diesem Thema verschlossen, wenn der World Jewish Congress sowie

AMERIKA DIENST 25

andere jüdische und öffentliche Interessengruppen
nicht bemerkenswerte Arbeit geleistet hätten. Angesichts beängstigender Hindernisse waren sie unermüdlich, kreativ und äußerst effektiv.
Wir stehen auch in der Schuld der zahlreichen hier
vertretenen Regierungen, die sich großzügig und
eingehend mit diesem Thema befaßt haben. Insbesondere möchte ich Außenminister Robin Cook und
der britischen Regierung für ihre aufschlußreichen
Veröffentlichungen und Erklärungen sowie für die
Veranstaltung der bahnbrechenden Konferenz über
Nazigold in London im vergangenen Jahr danken. Ich
bin auch sehr stolz auf Staatssekretär Stu Eizenstat
und sein Team, die in zwei Berichten an die USRegierung mit rigoroser Objektivität erschöpfend die
historische Entwicklung herausgearbeitet haben. Stu,
wir alle schulden Dir unglaublich viel.
Das alles ist wichtige und harte Arbeit. Sie verlangt,
qualvolle Erinnerungen aufzufrischen, einfachen
Ausflüchten zu begegnen, unbequeme Fragen zu
stellen und zu beantworten. Vor allem verlangt sie,
daß wir bei unserer Suche nach der Wahrheit trotz der
Tatsache nicht nachlassen, daß im Zusammenhang
mit dem Holocaust die grausame Wahrheit unbegreiflich ist.
In den letzten Jahren hat die Welt viel getan, um
Fakten über die heimliche Weitergabe und Aneignung
von geplündertem Nazigold aus der Versenkung zu
holen. Nicht weniger als 17 Historikerausschüsse
befassen sich aus der Perspektive ihres jeweiligen
Landes mit dem Thema. Die Tripartite Gold Com-

Seite 1

�mission hat ihre Arbeit beendet, und nahezu 60
Millionen Dollar wurden dem Hilfsfonds für die Opfer
der Verfolgung durch die Nazis zugesagt, der bei der
Londoner Konferenz ins Leben gerufen wurde.
Wir hoffen, daß Fortschritte beim Nazigold als Katalysator für ähnliche Fortschritte bei den Vermögenswerten dienen werden, auf die wir uns diese Woche
konzentrieren - Versicherungen, Kunstgegenstande
und Gemeinschaftseigentum.
Für jeden dieser
Bereiche sind Experten aus der ganzen Welt hierhergekommen - von Regierungen und Nichtregierungsorganisationen, Unternehmensvorständen und Universitäten. Wir sind hier, um unsere Ansichten zu
vergleichen und Wissen auszutauschen, Themenbereiche abzustecken und einen Konsens über ein
möglichst schnelles, gründliches und faires weiteres
Vorgehen zu erreichen.
Die historischen und rechtlichen Herausforderungen
variieren von Frage zu Frage, aber das moralische
Gebot bleibt das Gleiche, ob wir die Auszahlung von
Lebensversicherungen an die Familien der in den
Lagern Umgekommenen anstreben, die Kunstwerke
an den Wänden eines Museums in Warschau untersuchen oder die Entschädigung für eine bis auf die
Grundmauern niedergebrannte Synagoge in der
Tschechischen Republik festsetzen. Daher hoffe ich,
daß wir in einer von Bedrohungen freien Atmosphäre
konstruktiv zusammenarbeiten können, um spezifische Prinzipien zu entwickeln und die besten
Praktiken für den Umgang mit Kunstwerken, Versicherungspolicen und anderen Themen zu finden.
Ich hoffe auch, daß unsere Arbeit von bestimmten
übergeordneten Geboten geleitet wird. Das erste
lautet, daß unser Ziel Gerechtigkeit sein muß, obwohl
Gerechtigkeit in diesem Zusammenhang eine äußerst
relative Bezeichnung ist. Wir wissen sehr wohl um
unsere Unfähigkeit, den Holocaust-Opfern wahre
Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. W r können
niemanden wieder zum Leben erwecken, und wir
können auch nicht die Geschichte neu schreiben.
Aber wir können ein größeres Gleichgewicht herstellen, indem wir unsere Zeit, Energie und Mittel
für die Suche nach Antworten, die Rückgabe von
Eigentum und die Begleichung gerechtfertigter
Ansprüche einsetzen.
Unser zweites Gebot muß Offenheit sein. Da der Lauf
der Zeit so viel verdunkelt hat, müssen wir nach der
Wahrheit suchen.
Das bedeutet, daß Forscher
Zugang zu alten Archiven bekommen müssen, und
damit meine ich nicht teilweisen, sporadischen oder
möglichen Zugang, sondern uneingeschränkten
Zugang - überall und sofort.

entsprechendem Handeln nicht die Last einiger,
sondern aller ist. Dies ist eine globale Aufgabe. Wie
die Vereinigten Staaten durch die Deklassifizierung
von Dokumenten und die Gründung ihres eigenen
Beratungsausschusses
des
Präsidenten
für
Holocaust-Vermögenswerte anerkannt haben, ist jede
Nation, jedes Unternehmen, jede Organisation, jeder
Einzelne dazu verpflichtet, zur vollständigen Aufdeckung der Geschichte beizutragen. Auf diesem
Gebiet ist keiner von uns ein bloßer Zuschauer,
niemand ist neutral. Was auch immer geschieht - wir
alle sind Schauspieler auf der Bühne der Geschichte.
Das vierte Gebot unserer Arbeit ist Dringlichkeit. Die
verbliebenen Überlebenden des Holocaust haben
bereits ein fortgeschrittenes Alter. Mehr als fünf
Jahrzehnte sind vergangen, seit die Nazis raubten und
mordeten. Während Dokumente verloren gehen und
die Erinnerung verblaßt, wird eine effektive Entschädigung immer schwieriger. Daher wollen wir
geloben, daß wir bis zum Beginn des neuen Jahrhunderts alles in unserer Macht Stehende unternehmen werden, um die unerledigten Geschäfte des alten
Jahrhunderts abzuschließen.
Schließlich dürfen wir nicht vergessen, daß unsere
hiesigen Bestebungen einem doppelten Zweck
dienen. Der erste besteht in der Suche nach einem
gemeinsamen Ansatz bei den noch verbleibenden
Fragen im Zusammenhang mit den Holocaust-Vermögenswerten. Der zweite besteht in verbesserter
Aufklärung über den Holocaust sowie in Erinnerung
und Forschung. Diese Aufgabe hat kein Ende. Sie
muß immer wieder erneuert werden wie sich die
menschliche Rasse erneuert - Generation um Generation, damit uns die Realität des Holocaust immer vor
Augen steht und nie aufhört, uns zu bedrücken.
Es ist ermutigend, daß in den Monaten vor dieser
Konferenz beträchtliche Fortschritte gemacht wurden.
Die amerikanische Vereinigung der Direktoren von
Kunstmuseen hat Grundsätze und Richtlinien für den
Umgang mit Kunstwerken aus der Zeit des Holocaust
formuliert. Es wurde eine internationale Kommission
unter Leitung des früheren US-Außenministers Larry
Eagleberger gebildet, die sich mit ausstehenden
Versicherungsleistungen befassen soll. An dieser
Kommission beteiligte Unternehmen haben der
Errichtung eines Fonds für humanitäre Hilfsleistungen
in Höhe von 90 Millionen Dollar und der Prüfung ihrer
Bücher zur Identifizierung ausstehender Forderungen
aus der Holocaust-Ära zugestimmt. Und auf Initiative
Schwedens wurden einzigartige zwischenstaatliche
Bestrebungen zur Förderung der weltweiten Aufklärung über den Holocaust eingeleitet. Wir hoffen,
daß sich alle Länder an diesen Bestrebungen beteiligen.

Unser drittes Gebot lautet zu verstehen, daß die
Verpflichtung zur Suche nach der Wahrheit und

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�Der Kampf um die Aufdeckung der ganzen Wahrheit
über die Vermögenswerte aus dem Holocaust ist
heftig, aber heilsam. Nur durch einen aufgeklärten
und ehrlichen Umgang mit der Vergangenheit können
wir in der Gegenwart Frieden und in der Zukunft
Vertrauen schaffen. Das gilt für Nationen und Institutionen gleichermaßen, und es gilt auch für die
Menschen.

Diese Lektion nicht zu vergessen - darum geht es bei
diesen Bestrebungen zur Erforschung und Wiedergutmachung im Zusammenhang mit den HolocaustVermögenswerten. Denn es geht um sehr viel mehr
als Gold, Kunstgegenstände und Versicherungspolicen. Es geht um die Erinnerung daran, daß das
Blut keines Menschen mehr oder weniger wert ist als
unser eigenes.

Ich kann diese Ausführungen nicht abschließen, ohne
kurz ein Thema anzusprechen, für das ich noch nicht
die richtigen Worte gefunden habe und wohl auch nie
finden werde. Es betrifft meine Großeltern, die - wie
ich erst kürzlich erfuhr - jüdischer Herkunft waren und
gemeinsam mit Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen im Holocaust starben.

Manche sagen, wir alle seien Gefangene der
Geschichte und die Menschheit sei dazu verdammt,
ihre schlimmsten Fehler immer wieder zu begehen.
Manche betrachten den Holocaust als unberechenbare Konsequenz eines einzigen gestörtes Geistes als einen Unfall der Geschichte, dessen Wiederholung
wir nicht befürchten müssen. Wieder andere weisen
auf die letzten Jahrzehnte hin und fragen, ob nicht die
Zeit gekommen ist, zu vergessen, weiterzumachen,
offene Fragen unbeantwortet und die restliche Wahrheit unbekannt zu lassen. Und es gibt auch immer
noch einige, die abstreiten, daß das alles überhaupt
geschehen ist.

Als ich jung war, dachte ich nicht oft an meine Großeltern. Ich wußte nur, daß ich keine hatte. Ich war ein
Säugling, als sie mich zum letzten Mal sahen. Jetzt
bin auch ich bereits Großmutter, und ich betrachte
meine Enkelkinder voller Liebe und mit großem Stolz.
Heute bin ich mir sicher, daß ich früher ebenfalls
Gegenstand solcher Zuneigung war - nicht nur von
Seiten meiner Eltern, sondern auch von deren Eltern.
Und wenn ich jetzt in meinem 62. Lebensjahr über
mein Leben nachdenke, denke ich auch an das Leben
meiner Großeltern in ihren letzten Jahren, Monaten
und Tagen.
Ich denke an die Gesichter im Holocaust Museum, an
Yad Vashem und die lange Namensliste an der Wand
der Pynkas-Synagoge in Prag, darunter die Namen
meiner Großeltern, Olga und Arnost Korbel und
Ruzene Spieglova. Ich denke an das Blut, das in den
Adern meiner Familie fließt. Spielt es eine Rolle, was
für Blut es ist? Das sollte es nicht, es ist weiter nichts
als Blut, das seine Aufgabe erfüllt. Aber für Hitler
spielte es eine Rolle, und das spielt für uns eine Rolle,
denn es ist der Grund für den Tod von sechs Millionen
Juden. Aus diesem Grund mußten so viele unschuldige, unersetzbare Menschen dieses Leiden
erdulden - Menschen, die liebten und das Leben
mit ihrer Wärme, ihrem Lächeln und ihren Umarmungen bereicherten; Menschen, deren Leben grausam
und viel zu früh endete; Menschen, deren Leben und
Leiden wir nie vergessen oder dem Vergessen
preisgeben dürfen, selbst wenn wir gelegentlich
absichtlich unser kollektives Gedächtnis aufrütteln
müssen.
Die Menschen auf der Welt unterscheiden sich durch
ihre Sprache, Kultur, Geschichte und Religion. Solche
Unterschiede bereichern das Leben und machen es
interessant. Aber der Holocaust schreit danach, daß
wir nie wieder zulassen dürfen, daß diese Unterschiede das Menschsein überdecken, das uns
verbindet. Wir dürfen nie zulassen, daß der Stolz auf
uns selbst zu Haß gegen sie wird.

AMERIKA DIENST 25

Als Antwort darauf müssen wir zugeben, daß wir nicht
alles wissen und auch nicht die Macht haben, den
Charakter des Menschen zu verändern oder Prophezeiungen anzustellen. Aber wir haben die Macht der
Erinnerung und können sicherstellen, daß die Toten
in unseren Herzen immer lebendig bleiben. Wir haben
die Macht der Vernunft und können das Richtige vom
Falschen unterscheiden. Wir haben die Macht der
Hoffnung und können für eine Zeit der "Wahrhaftigkeit,
aus der Erde wird sie sprossen, und Gerechtigkeit,
aus den Himmeln wird sie herunterblicken" - wie der
Psalm besagt - beten.
Und wir haben die Macht zu wählen. Wir können den
Holocaust mit Verzweiflung betrachten oder wir
können schwören, nie wieder zuzulassen, daß
Selbstgefälligkeit, Angst oder Verzweiflung Tatenlosigkeit entschuldigen.
W r kommen diese Woche hier nicht zusammen, um
Wunder zu bewirken, sondern um alles in unserer
Macht Stehende zu tun, Dunkelheit durch Licht,
Ungerechtigkeit durch Fairness, Streit durch Konsens
und Falschheit durch Wahrheit zu ersetzen. Das ist
das Äußerste, was wir tun können. Das ist das
Mindeste, was wir tun müssen. Das schulden wir der
Vergangenheit, das ist unsere Hoffnung für die
Zukunft und das ist - im weitesten Sinne - die Hoffnung für die Welt.
Gestatten Sie mir, Sie nochmals zu dieser Konferenz
zu begrüßen. Mögen unsere gemeinsamen Bestrebungen zum Erfolg führen. Vielen Dank.

Seite 3

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1998

Menschenrechte und Außenpolitik
Rede von Außenministerin Albright

ATLANTA - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt den vorbereiteten Text der Rede von
Außenministerin Madeleine K. Albright bei der Rosalynn Carter-Vortragsreihe in der Emory University vom 3.
Dezember 1998.

Es ist mir eine große Freude, hier in Atlanta - der Stadt
der Olympischen Spiele - zu sein und Ihre berühmte
Universität und das Institute of Women's Studies
besuchen zu dürfen.
Wie Sie wissen, konnte ich aufgrund der Nahostgespräche in Wye nicht im Oktober kommen. Damals
sagte ich mir, die schlechte Nachricht ist, daß ich
absagen muß. Die gute Nachricht ist, daß niemand
besser versteht, wie sich Nahostverhandlungen
hinziehen können, als Präsident Carter und seine
Frau.
Und die wirklich gute Nachricht ist, daß wir tatsächlich
etwas erreicht haben. Der Friedensprozeß, der vor 20
Jahren in Camp David wirklich begann, ist endlich
wieder auf dem richtigen Weg.
Ich bin also sehr froh, jetzt hier zu sein. Ein weiterer
Grund, warum ich mich freue, hier zu sein, ist, daß mir
die akademische Welt gefällt. Vorträge mag ich
besonders gern. In Washington werde ich immer
ermahnt, mich kurz zu fassen. Bedauerlicherweise bin
ich eine ehemalige Dozentin und rede oft 50 Minuten
lang.
Ich verspreche, heute Nachmittag nicht ganz so lange
zu reden, aber ich möchte doch näher auf einThema
eingehen, das für einen Vortrag mit diesem Titel in
diesem Institut besonders angebracht ist. Das Thema
ist die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
grundlegende Menschenrechte, die Frauenrechte
beinhalten und untrennbar mit ihnen verbunden sind.
Da ich in meiner Dozierlaune bin, werde ich mit einer
kleinen Geschichte beginnen.

AMERIKA DIENST 25

In diesem Monat vor 50 Jahren kamen Vertreter von
Nationen der ganzen Welt unter der Führung einer
anderen großartigen amerikanischen First Lady,
Eleanor Roosevelt, zusammen, um die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte zu unterzeichnen.
Seit ihrer Unterzeichnung wurde diese Erklärung in
Dutzende nationaler Verfassungen aufgenommen oder
es wurde Bezug auf sie genommen, und sie wurde
viele Male bekräftigt. Sie ist das Kernstück des von
uns vorgebrachten Arguments, daß die Achtung der
Menschrechte die Verpflichtung nicht nur einiger
weniger, sondern jeder Regierung ist.
Die Einwohner von Atlanta sollten stolz darauf sein,
daß Präsident Jimmy Carter so viel getan hat um
sicherzustellen, daß die Prinzipien der Erklärung im
Mittelpunkt der Außenpolitik der Vereinigten Staaten
stehen.
Aus strategischen und persönlichen Gründen legte
Präsident Carter sehr viel größere Betonung auf die
Menschenrechte als seine Vorgänger. Und damit
stärkte er Amerikas Anspruch auf moralische Führung,
beschleunigte die globale Menschenrechtsbewegung,
befreite - direkt oder indirekt - viele politische Gefangene und rettete zahlreiche Leben.
Präsident Carters Entschlossenheit zur Förderung der
Menschenrechte trug dazu bei, eine bessere Welt zu
schaffen. Sie ist aber noch weit davon entfernt, eine
perfekte Welt zu sein.
Viele verweisen heute auf die Kluft zwischen den in der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergelegten Idealen und den Menschenrechtsverletzungen,

Seite 1

�die 50 Jahre nach der Unterzeichnung dieses Dokuments noch stattfinden.

menschliche Ressource. Das soll nicht heißen, daß
Frauen Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden.

Die Skeptiker gelangen zu der Schlußfolgerung, daß
wir genauso gut aufgeben könnten, daß es - egal, was
wir sagen oder tun - immer Unterdrückung und
Diskriminierung geben wird. Bei dieser Sichtweise ist
die Verletzung von Menschenrechten nur ein weiteres
trauriges Spiegelbild der Grenzen der menschlichen
Natur.

In vielen Gesellschaften leisten die Frauen zusätzlich
zur Austragung und Ernährung der Kinder den Großteil
der Arbeit, die nicht in Verbindung mit Kindern steht.
Dennoch wird den Frauen häufig der Besitz von Land
und ein Mitspracherecht in der Regierung verweigert,
während Mädchen von Schulen ausgeschlossen
werden und weniger Nahrung erhalten als Jungen.

Darauf würde ich antworten, wie Katherine Hepbum
Humphrey Bogart in dem Film "African Queen" antwortete: "Es war die Natur, Mr. Allnut, wegen der wir in
diese Welt gesetzt wurden - um uns darüber zu
erheben."

Unsere Diplomatie ist die Zusammenarbeit mit anderen, um das zu ändern, denn wir wissen aus Erfahrung, daß Gesellschaften die Fesseln der Armut
besser durchbrechen können, wenn Frauen die Macht
zu einer eigenen Entscheidung haben. Die Geburtenraten stabilisieren sich. Die Verbreitung von AIDS und
anderen sexuell übertragbaren Krankheiten verlangsamt sich. Das Umweltbewußtsein nimmt zu. Und
sozial konstruktive Werte werden eher an die Jüngeren weitergegeben.

Die Clinton-Administration vertritt die Auffassung, wenn
wir die Art von Zukunft aufbauen wollen, die wir
möchten, dann müssen wir darauf bestehen, daß
gravierende
Menschenrechtsverletzungen nichts
Unvermeidliches und vor allem nicht Natürliches sind.
Wir müssen darauf hinweisen, daß für den Folterer
Grausamkeit eine Entscheidung ist. Für den Menschenrechtsverletzer ist Gewalt eine Entscheidung.
Für den Bigotten ist Intoleranz eine Entscheidung.
Und wenn wir die Macht der Entscheidung haben,
haben wir die Macht zu Veränderungen.
Darüber hinaus ist die Unterstützung von Menschenrechten nicht nur eine Art von internationaler Sozialarbeit. Sie ist unerläßlich für unsere Sicherheit und für
unser Wohlergehen, denn Regierungen, die die
Rechte ihrer eigenen Bürger mißachten, werden
wahrscheinlich nicht die Rechte eines anderen
respektieren.
In diesem Jahrhundert wurde praktisch jeder größere
Akt internationaler Aggression von einem Regime
ausgeführt, das politische Rechte unterdrückte.
Solche Regime lösen wahrscheinlich auch eher
Unruhen aus, indem sie Minderheiten verfolgen,
Terroristen Unterschlupf gewähren, Drogen schmuggeln oder im Geheimen Massenvernichtungswaffen
bauen. Und sie sind nicht nur die Feinde von politischer Freiheit, sondern auch von sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung.
In jeder Gesellschaft werden Menschen, die frei sind,
ihre Gedanken auszusprechen, sich gewerkschaftlich
zu organisieren und ihr Kapital zu investieren, einen
sehr viel größeren Beitrag leisten als die durch Unterdrückung Verkümmerten. Das gilt für Männer, und es
gilt auch für Frauen.
In unserem Zeitalter ist es offensichtlich, daß kein Land
sein Potential ausschöpfen kann, wenn es sich selbst
den vollen Beitrag der Hälfte seiner Bevölkerung
versagt. Bedauerlicherweise sind Frauen heute in zu
vielen Ländern immer noch eine unterbewertete

Seite 2

Entsprechend sind unsere Auslandshilfeprogramme so
gestaltet, daß sie Frauen bei der Rechtsreform und
Zugang zu Bildung, Krediten und Gesundheitsfürsorge
behilflich sind.
Und dank der Führungsrolle und aktiven Beteiligung
einer anderen großartigen First Lady, Hillary Clinton,
haben wir die Initiative Vital Voices ins Leben gerufen.
Dieses Projekt bringt Frauen aus der ganzen Welt
zusammen, um öffentlich-private Partnerschaften
aufzubauen und ihnen dabei zu helfen, sich vollständig
am wirtschaftlichen und politischen Leben unserer
Nationen zu beteiligen.
In den vergangenen Jahren haben wir große Fortschritte erzielt. Aber dennoch finden in vielen Ländern
immer noch verabscheuungswürdige Menschenrechtsverletzungen an Frauen statt. Dazu zählen erzwungene Abtreibungen und Sterilisierungen, in die Prostitution verkaufte Kinder, rituelle Verstümmelungen,
Mitgiftmorde und häusliche Gewalt.
Einige sagen, das alles sei kulturell bedingt, und wir
könnten nichts dagegen tun. Ich sage, es ist ein
Verbrechen, und wir alle haben die Verantwortung,
dem Einhalt zu gebieten.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten ihre
Empörung über die Menschenrechtsverietzungen an
chinesischen Frauen in Indonesien während der
Aufstände im Mai zum Ausdruck gebracht.
Aus diesem Grund waren die Vereinigten Staaten der
stärkste Verfechter des internationalen Kriegsverbrechertribunals für Ruanda und den Balkan. Denn wir
sind entschlossen, daß die Verantwortlichen für
ethnische Säuberungen zur Rechenschaft gezogen
werden sollten, und diejenigen, die Vergewaltigung nur

AMERIKA DIENST 25

�als eine weitere Taktik des Krieges ansehen, für ihre
Verbrechen Rede und Antwort stehen müssen.
Aus diesem Grund haben wir wichtige diplomatische
und Strafverfolgungsinitiativen in die Wege geleitet, um
den Menschenhandel mit Frauen und Mädchen zu
stoppen. Und schließlich haben wir Null Toleranz für
diejenigen, die illegale Drogen verkaufen. Wir sollten
noch entschiedener dabei vorgehen, diejenigen, die
Menschen kaufen und verkaufen, aufzuspüren, sie
davon abzuhalten und ins Gefängnis zu bringen.
Und das ist der Grund, warum wir im Namen der
Frauen und Mädchen in Afghanistan sprechen, die
Opfer aller Fraktionen in dem erbitterten Bürgerkrieg
ihres Landes wurden. Die mächtigste dieser Fraktionen, die Taliban, scheinen entschlossen zu sein, die
afghanischen Frauen wieder aus dem anbrechenden
21. Jahrhundert ins 13. Jahrhundert zurückzuwerfen.
Die einzigen Frauenrechte, die sie anscheinend
anerkennen, sind die Rechte, still und unsichtbar,
ungebildet und arbeitslos zu bleiben.
Die afghanischen Frauen und Mädchen haben uns um
unsere Hilfe gebeten, und wir helfen ihnen. Wir haben
unsere Unterstützung für Bildung und Ausbildung
erhöht. Und wir haben klargestellt, daß die Anführer
jeder afghanischen Fraktion Frauen nicht als Sklavinnen, sondern als Menschen behandeln und die
Menschenrechte respektieren müssen, wenn sie
international akzeptiert werden wollen.
Eines der grundlegendsten Menschenrechte für
Frauen und Männer ist in Artikel 18 der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte niedergelegt, der
besagt:
"Jeder hat das Recht auf Gedanken-,
Gewissens- und Religionsfreiheit."
Von Anfang an haben die Amerikaner an dieses Recht
geglaubt. Es ist unsere Überzeugung und unsere
Erfahrung, daß Nationen stärker sind und das Leben
ihrer Bürger sehr viel mehr bereichert wird, wenn die
Menschen die Freiheit haben, sich für ihre Religion zu
entscheiden, sich dazu zu bekennen und sie auszuüben.
Unter Präsident Clinton haben wir die amerikanische
Verpflichtung zu religiöser Freiheit in unsere bilateralen
Beziehungen integriert.
Wir sprechen dieses Thema direkt in Gesprächen mit
ausländischen Politikern an.
Wir werfen in regionalen Organisationen und in den
Vereinten Nationen ein Schlaglicht darauf.
Wir berücksichtigen die Politik anderer Regierungen
gegenüber religiöser Freiheit, wenn wir die Entscheidung treffen, ob wir Hilfe oder andere Vergünstigungen zur Verfügung stellen.

AMERIKA DIENST 25

Und wir haben besondere Anstrengungen unternommen, um zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten in Regionen wie Nordirland, dem Nahen Osten und
dem Balkan beizutragen, wo sich religiöse Spaltungen
mit anderen Faktoren verbunden haben, um Gewalt
auszulösen oder den Frieden zu gefährden.
Wir tun dies alles, weil religiöse Freiheit grundlegend
für unsere eigene Identität ist; weil ihre Verweigerung
Angst, Flucht, Kämpfe oder sogar einen totalen Krieg
verursachen kann; und weil Intoleranz - wenn sie nicht
in einem Gebiet bekämpft wird - wachsen und sich
verbreiten kann, bis sie zu einer Wildnis des Hasses
wird.
Bei allem, was wir tun, betonen wir, daß unsere
Maßnahmen weder für noch gegen eine besondere
religiöse Überzeugung gerichtet sind. Im Verlauf der
Zeit wurden Menschen praktisch aller Glaubensrichtung an dem einen oder anderen Ort verfolgt.
Jedes Mal wurden wir dadurch weniger. Deshalb
haben wir alle ein Interesse daran, daß das kostbare
Recht der religiösen Freiheit für jeden, überall, an
jedem Tag geschützt wird.
Ein weiterer Bereich, den wir in unserer Menschenrechtspolitik betonen, ist die Redefreiheit.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sieht
vor, daß jeder das Recht auf Meinungsfreiheit hat, und
Ideen über die Medien weitergeben und erhalten darf.
Die bloße Bedeutung dieses Rechts veranlaßt Diktatoren, es zu verweigern. Denn für einen Diktator ist die
Wahrheit oft unbequem - und manchmal eine tödliche
Bedrohung.
Aus diesem Grund versuchen die Staats- und Regierungschefs von Nationen wie Nordkorea, Libyen, Irak,
Kuba, Burma und Serbien, die Wahrheit zu fassen zu
bekommen, sie wie einen Hund zu prügeln, wie Brot zu
rationieren oder wie Ton zu formen. Ihr Ziel ist es, ihre
eigenen Mythen zu schaffen, ihre eigenen Fehler zu
vertuschen, Ressentiments umzudirigieren und in
ihrem Volk eine Furcht vor Wandel auszulösen.
Atlanta - die Heimat von CNN - ist die globale Informationshauptstadt. Die Übertragungen dieses Senders
haben viel dazu beigetragen, die Fähigkeit repressiver
Regierungen zur Kontrolle dessen zu verringern, was
ihre Bürger wissen und wann sie es wissen.
Die Fortschritte der Informationstechnologie tragen nur
zu unserer Überzeugung hier in den Vereinigten
Staaten bei, daß die Wahrheit sich letztlich als stärker
als jeder Diktator erweist. Aber das wird nicht geschehen, wenn diejenigen, die ihre eigenen Freiheiten zu
schätzen wissen, still bleiben, wenn anderen Freiheiten verweigert werden.

Seite 3

�In diesem Sinne lehnen wir Bestrebungen zur Unterdrückung unabhängiger Stimmen wie das jüngste
unentschuldbare Vorgehen des serbischen Präsidenten Milosevic gegen Journalisten in seinem Land
vehement ab.
Wir fördern auch unabhängige Sendungen über die
Voice of America und andere Medien. Wir unterstützen regionale Initiativen wie die Benennung eines
Sonderberichterstatters zur Überwachung von Drohungen gegen Reporter in dieser Hemisphäre. Und auf
der ganzen Welt unterstützen wir die Sache der
Redefreiheit sowohl diplomatisch als auch materiell.
In einer mit dem Informationsfluß in Zusammenhang
stehenden Angelegenheit führt die Clinton-Administration jetzt eine Überprüfung von Dokumenten durch, die
ein Licht auf Menschenrechtsverletzungen während
der Pinochet-Ära in Chile werfen können. Das USAußenministerium hat in diesem Bereich Dokumente
freigegeben und zur Verfügung gestellt, und ich bin
entschlossen, dies gemäß den Richtlinien der Administration weiterhin so schnell wie möglich zu tun.
Ein weiteres in der Allgemeinen Erklärung verankertes
Recht ist das Recht auf Beteiligung an der Regierung,
entweder direkt oder über frei gewählte Vertreter.

In Indonesien beispielsweise müssen die Politiker den
Wunsch ihres Volkes nach weitreichenden politischen
Reformen erfüllen, die ethnischen Teilungen überwinden, fair die Wünsche der Bewohner von Osttimor
und Iryan Java behandeln und weitere Verletzungen
der Menschenrechte verhindern.
In Kambodscha muß die neue Koalitionsregierung die
bisherige Gewohnheit von Konfrontation und Korruption ablegen und einen Weg finden, um auf der
Grundlage demokratischer Prinzipien zusammenzuarbeiten.
In unserer eigenen Hemisphäre ist der vielversprechende neue kolumbianische Präsident entschlossen,
die durch Drogenkartelle, Guerillas, paramilitärische
Einheiten und Armut entstandenen Gefahren zu
überwinden. Und wir sind entschlossen, zu helfen.
In Afrika besteht eine Chance zu historischen Fortschritten in Nigeria - der größten Nation des Kontinents. Während der vergangenen zwei Jahrzehnte
haben Militärregierungen die natürlichen Ressourcen
des Landes geplündert, ethnische Teilungen ausgenutzt und Menschenrechte brutal mißbraucht.

Für die Vereinigten Staaten ist dies ein grundlegendes
Recht. Und wir fühlen uns ermutigt, daß das Recht auf
demokratische Regierungsführung in den vergangenen Jahrzehnten weltweit wachsende Zustimmung als
Grundstein für den Schutz des gesamten Spektrums
der Menschenrechte erhalten hat.

Die neue Interimsführung hat einen echten Bruch mit
dieser traurigen Vergangenheit versprochen. In dieser
Woche werden Kommunalwahlen und im nächsten
Jahr Nationalwahlen abgehalten.
Unabhängige
politische Parteien wurden zugelassen. Politische
Gefangene wurden freigelassen. Bekannte im Exil
Lebende wie der Emroy University-Professor Wole
Soyinka sind nach Hause zurückgekehrt.

Natürlich wissen wir, daß jedes Land mit seiner
eigenen Geschwindigkeit und auf seinem eigenen Weg
zur Demokratie gelangen muß. Aber Länder, die
bereits solche Systeme eingeführt haben, können
helfen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Entwicklungen uneingeschränkt. Die Nigerianer verdienen es,
in Freiheit zu leben. Aber der vor uns liegende Weg
wird schwierig. Und die Nigerianer haben allzu oft
erlebt, daß Versprechen nicht eingehalten wurden.

Erstens durch die Verteidigung ihrer eigenen Freiheit
und der der gesamten demokratischen Gemeinschaft,
so daß keine in die Reihe der Demokratien eintretende
Nation durch Feinde von innen oder außen gezwungen ist, sie zu verlassen.

Der Kurs Nigerias wird - so wie es sein muß - von
seinem eigenen Volk bestimmt. Aber die internationale
Gemeinschaft muß alles in ihrer Macht Stehende tun,
um die Bewegung zu einem politischen System zu
unterstützen, an dem sich alle Nigerianer beteiligen
können und in dem die Rechte aller geschützt sind.
Das ist eine oberste Priorität der Administration und
auch für das Carter Center, das weiß ich.

Und zweitens, indem man den im Übergang befindlichen Nationen beim Aufbau dauerhafter demokratischer Institutionen behilflich ist.
Aus diesem Grund bilden amerikanische Regierungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen heute
von Asien über Afrika bis zu den Anden Richter aus,
entwerfen Handelskodizes, helfen der Zivilgesellschaft
und tragen zur Konsolidierung der Freiheit bei.
In den kommenden Monaten können wir zahlreiche
wichtige Tests der Demokratie erwarten.

Seite 4

Während wir auf das neue Jahrhundert blicken,
können wir davon ausgehen, daß der vielleicht größte
Test für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in China stattfindet, wo mehr als ein
Fünftel der Weltbevölkerung lebt.
Die Vereinigten Staaten haben ein vitales Interesse an
Nichtverbreitung, Sicherheit in Asien und der regionalen Wirtschaft, die von den Entscheidungen betroffen
sein wird, die China trifft. Deswegen führen wir einen

AMERIKA DIENST 25

�Dialog mit den chinesischen Politikern, um die Zusammenarbeit zu erweitem und uns bei Meinungsverschiedenheiten aneinander anzunähern.
Seit Beginn dieses Dialogs war das Thema Menschenrechte eines der schwierigsten. Die Bedeutung,
die wir ihm beimessen, tand ihren Niederschlag sowohl
in privaten Gesprächen als auch in allen von Präsident
Clinton während der jüngsten Gipfeltreffen in Washington und Peking gemachten öffentlichen Aussagen zur
Unterstützung demokratischer Werte.
Wir sind uns bewußt, daß das chinesische Volk jetzt
sehr viel mehr Freiheit zu wirtschaftlichen Entscheidungen, Freizügigkeit und zur Wahl der Dorfausschußpolitiker hat als die vorherige Generation.
Bedauerlicherweise haben wir beim Schlüsselthema
Menschenrechte immer noch große Bedenken. Wir
haben die Freilassung einiger Gefangener aus Gewissensgründen in den vergangenen Monaten begrüßt,
sind jedoch beunruhigt darüber, daß andere regelmäßig für das im Wesentlichen gleiche Vergehen
aufgegriffen werden. Es ist auch kein Schritt nach
vorne, wenn zwar einige Diskussionsmöglichkeiten
eröffnet, aber Einzelpersonen wie Xu Wenli und
andere wegen der Ausübung des Rechts auf organisierte politische Redefreiheit schikaniert, festgenommen und inhaftiert werden.
Insgesamt ist das Tempo der Fortschritte zur vollständigen Respektierung der Menschenrechte enttäuschend.
Dennoch erprobt die demokratische Bewegung Chinas
weiterhin die Grenzen des Möglichen. Das ist an sich
schon ein willkommenes Zeichen. Wir können hoffen,
daß sich das Ausmaß gestatteter Redefreiheit mit der
Zeit und mit dem offensichtlicher werdenden Zusammenhang zwischen politischer Offenheit und
wirtschaftlichem Wohlstand zum Nutzen von China
und der Welt gleichermaßen erweitert.
Obwohl sich die Einzelheiten unseres Ansatzes zur
Förderung von Demokratie von Land zu Land unterscheiden werden, sind die grundlegenden Ziele gleich.
Wir versuchen, wo immer wir können, die Entwicklung
freier Institutionen und Praktiken zu ermutigen. Einige
verwerfen diese Bestrebungen als unrealistisch wegen
der Annahme, daß Demokratie in weniger entwickelten
Nationen möglich ist. Andere argumentieren, wir seien
"hegemonistisch", indem wir versuchen, demokratische Werte aufzuzwingen.
In Wahrheit verstehen wir sehr gut, daß Demokratie
aus dem Wunsch des Einzelnen nach Beteiligung an
den Entscheidungen entstehen muß, die sein Leben
bestimmen. Aber wir sehen diesen Wunsch in allen
Ländern. Und es gibt für uns keinen besseren Weg,
Achtung für andere zu zeigen, als die Unterstützung

AMERIKA DIENST 25

ihres Rechts auf Gestaltung ihrer eigenen Zukunft und
die Wahl ihrer Politiker. Im Gegensatz zur Diktatur ist
Demokratie nie ein Zwang - sie ist per definitionem
immer eine Entscheidung.
Vor Jahren wurde sich nicht weit von hier entfernt ein
junges Schulmädchen der Welt dort draußen zum
ersten Mal voll bewußt, als ihre Lehrerin ihr sagte, in
Europa sei der Krieg ausgebrochen und es sei wichtig
für Amerikaner, darüber Bescheid zu wissen. Und
gleichzeitig verließ auf der anderen Seite des Ozeans
ein in die Arme seiner Eltern gekuscheltes Kleinkind
seine Heimat in der Tschechoslowakei, um Hitlers
Armee zu entfliehen.
Ich bin heute nur hier, weil Amerika wie das junge
Schulmädchen - Rosalynn Smith - in ihrem Klassenzimmer in Plains verstanden hat, daß die Freiheit und
Sicherheit der Vereinigten Staaten von der Freiheit und
Sicherheit der Freunde im Ausland abhängen.
Vor einem halben Jahrhundert rettete die amerikanische Führungsrolle Europa vor dem größten Übel,
das die Welt je erlebt hat. Im Verlauf dieses Jahrhunderts hat die amerikanische Führungsrolle einen
Unterschied bewirkt - nicht nur in meinem Leben,
sondern auch im Leben von Millionen anderen, die von
amerikanischen Soldaten beschützt, durch amerikanische Hilfe unterstützt oder von amerikanischen
Idealen inspiriert wurden.
Heute gilt ebenso wie während der Carter-Präsidentschaft, daß Amerika nicht jeden Konflikt beenden,
jedes Übel beheben oder jedes Problem lösen kann.
Auch andere müssen ihren Beitrag leisten. Letztlich
müssen die Menschen jedes Landes über ihr eigenes
Schicksal entscheiden.
Dennoch kommt den Vereinigten Staaten die Führungsrolle zu. Nicht wegen unserer militärischen
Macht, auch wenn diese wichtig ist, oder unserer
wirtschaftlichen Stärke, auch wenn diese eine Rolle
spielt - sondern wegen dem, für das wir in der Welt
eintreten.
Und das ist im Kern die einfache, aber ausschlaggebende Annahme, daß jeder Einzelne zählt.
Das ist die Philosophie Amerikas von seiner besten
Seite.
Das war die treibende Kraft hinter der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte.
Das ist die Überzeugung, die dieses Institut zur
Förderung des Studiums von Frauen anregt.
Das ist die Grundlage der Arbeit des Carter Center bei
der Unterstützung von Demokratie und Freiheit und
der Bekämpfung von Verbrechen und Krankheiten.

Seite 5

�Und das ist der Grund, warum Rosalynn Carter einen
Großteil ihres Lebens der Pflege von geistig Behinderten, der Betreuung von Flüchtlingen und der Verbreitung von Bildung gewidmet hat.
Man sagt, daß jede Arbeit, die etwas wert ist, in gutem
Glauben verrichtet wird. Heute Nachmittag wollen wir
alle geloben, den Glauben zu bewahren, daß jede
verhinderte Verletzung der Menschenrechte, jeder
freigelassene Gefangene aus Gewissensgründen, je-

des niedergerissene Hindernis für Gerechtigkeit und
jedes Land, das aus der Dunkelheit in das Licht der
Freiheit tritt, unser Leben bereichem, andere inspirieren und die Grenzen dessen, was auf dieser Welt
erreichbar ist, erweitem wird.
Ich verspreche Ihnen, dafür mein Bestes zu geben,
und bitte Sie respektvoll um Ihre Unterstützung.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 25

�NATO
16. Dezember 1998

Die NATO - bereit für das 21. Jahrhundert
von Madeleine K. Albright

WASHINGTON -(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Außenministerin Madeleine K. Albright,
der auf Deutsch erstmals in der Süddeutsche Zeitung vom 7. Dezember 1998 erschienen ist.

Morgen werden meine Amtskollegen in der NATO und
ich in Brüssel zusammentreffen und die Tagesordnung
für den im April 1999 anberaumten NATO-Gipfel in
Washington aufstellen, bei dem die führenden Vertreter des Bündnisses den 50. Jahrestag der Gründung der NATO feiern und die Staats- und Regierungschefs der Tschechischen Republik, Ungarns und
Polens erstmals als NATO-Mitglieder begrüßen
werden.
Wir sollten stolz auf das sein, was das Bündnis in
seinem ersten halben Jahrhundert erreicht hat. Aber
wir dürfen nicht selbstgefällig sein. Heute sind wir mit
anderen, aber nicht weniger schwierigen Themen
konfrontiert als unsere Vorgänger vor 50 Jahren.
Obwohl es laut Kalender nicht ganz richtig ist, wird der
Washingtoner Gipfel als das erste Gipfeltreffen des 21.
Jahrhunderts betrachtet. Es wird nicht nur die Vergangenheit feiern, sondern den Kurs der NATO für die
Zukunft planen.
In Brüssel werden wir unsere Bestrebungen fortsetzen,
eine NATO für das 21. Jahrhundert zu schaffen: Ein
größeres, flexibleres Bündnis, das der kollektiven
Verteidigung verpflichtet ist, einem breiten Spektrum
von Bedrohungen der gemeinsamen Interessen der
NATO begegnen und partnerschaftlich mit anderen
Nationen und Organisationen an der Förderung von
Sicherheit, Wohlstand und Demokratie im und für den
gesamten transatlantischen Raum zusammenarbeiten
kann.
Beim Washingtoner Gipfel werden unsere führenden
Politiker ein neues strategisches Konzept vorlegen einen Plan für die Zukunft des Bündnisses. Die NATO
des 21. Jahrhunderts muß den neuen strategischen
Gegebenheiten Rechnung tragen.
Obwohl der

AMERIKA DIENST 25

Großteil Europas mehr Sicherheit genießt als zu jedem
anderen Zeitpunkt in unserer Erinnerung, können das
Territorium und die Interessen des Bündnisses von
verschiedenen Gefahren aus mehreren Quellen
bedroht werden. Präsident Clinton erklärte im Mai in
Berlin: "In Zukunft muß das Bündnis unsere erweiterten Grenzen verteidigen und uns vor Bedrohungen
unserer Sicherheit schützen, die von jenseits der
Grenzen kommen: Der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, ethnischer Gewalt, regionalen
Konflikten."
Bosnien und der Kosovo sind die jüngsten Beispiele
dafür, daß die NATO handeln muß, wenn sich Konflikte
außerhalb ihrer unmittelbaren Grenzen auf die Interessen des Bündnisses auswirken. Das neue strategische Konzept des Bündnisses muß das richtige
Gleichgewicht zwischen der Bestätigung der zentralen
Stellung der kollektiven Verteidigungsmissionen der
NATO und der Reaktion auf solche Krisen finden.
Gemeinsam müssen wir sowohl unsere Flexibilität als
auch unsere Fähigkeit verbessern, das gesamte
Spektrum möglicher Bedrohungen der Interessen des
Bündnisses fernzuhalten, abzuschrecken und, falls
nötig, darauf zu reagieren.
Die Hauptaufgabe der NATO wird immer die Verteidigung vor Aggression bleiben. Das ist der Kern des
Washingtoner Vertrags. Aber die Gründerväter des
Bündnisses unterschieden auch zwischen dem, wozu
uns der Vertrag verpflichtet und dem, was er uns
erlaubt. Wenn je gemeinsame Militäraktionen zum
Schutz der vitalen Interessen des Bündnisses erforderlich sein sollten, ist es sinnvoll, die einheitliche
Militärsstruktur und die während der letzten 50 Jahre
aufgebaute Gewohnheit der Zusammenarbeit zu
nutzen.

Seite 1

�Neben dem Streben nach Übereinstimmung über eine
neue Vision für das 21. Jahrhundert wird die Aufgabe
des Washingtoner Gipfels darin bestehen sicherzustellen, daß die NATO über die Mittel zur Umsetzung
dieser Vision verfügt. Wir benötigen Streitkräfte, die
auf die Missionen des 21. Jahrhunderts ausgerichtet,
dafür ausgerüstet und darauf vorbereitet sind. Verteidigungsminister Cohen arbeitet eng mit den Verteidigungsministem der NATO-Mitgliedsländer an Vorschlägen zur Modernisierung der NATO-Streitkräfte
zusammen. Unser Ziel besteht darin, beim Washingtoner Gipfel Einigung über ein langfristiges Programm
zur Entwicklung der richtigen Fähigkeiten zu erlangen,
die sowohl die Selbstverteidigung als auch die Fähigkeit zur schnellen und effektiven Reaktion auf Krisen
gewährleisten.
Aus diesem Grund begrüßen wir es, daß der britische
Premierminister Blair die Europäer dazu aufgerufen
hat, Möglichkeiten für die Übernahme von Verantwortung für ihre eigene Sicherheit und Verteidigung zu
sondieren. Unsere Interessen sind klar: Wir wollen
ein handlungsfähiges Europa. Wir wollen ein Europa
mit modernen, flexiblen Streitkräften, die in der Lage
sind, Feuer im Hinterhof Europas zu löschen und mit
uns im Rahmen der NATO an der Verteidigung
unserer gemeinsamen Interessen zusammenzuarbeiten. Die europäischen Bestrebungen, mehr für die
Selbstverteidigung Europas zu tun, erschweren nicht
unser weiteres Engagement, sondern erleichtem es
vielmehr.
Wir werden alle Vorschläge zur europäischen Verteidigung und Sicherheit vor dem Hintergrund einer
einfachen Frage prüfen: Machen sie unsere Zusammenarbeit effektiver? Ebenso wie Premierminister
Blair sind wir der Ansicht, daß der Schwerpunkt auf der
Verbesserung der praktischen Fähigkeiten liegen
sollte, die Europa in das Bündnis einbringt.
Die Krise im Kosovo zeigt, wie die praktische europäische Verteidigungsfähigkeit zur Erfüllung der NATOMissionen beitragen kann. Dank der Initiative Frankreichs und der von Deutschen, Briten, Italienern und
anderen Verbündeten geleisteten Beiträge entsendet
die NATO eine gesamteuropäische Schutztruppe
("extraction force") für die OSZE-Beobachter, die in die
krisengeschüttelte Provinz geschickt werden. Die
Truppe untersteht dem Kommando der NATO und
basiert auf soliden europäischen Fähigkeiten. Sie stellt
unter Beweis, wie in der Realität europäische Streitkräfte innerhalb der NATO mit großem Erfolg zusammenarbeiten können. Wir begrüßen die Bereitschaft der Regierung der ehemaligen jugoslawischen
Republik Makedonien, diese Truppe aufzunehmen.
Der Kosovo lehrt noch eine andere Lektion: Politischer
Wille ist wichtiger als zusätzliche institutionelle Strukturen. Bevor wir gemeinsam handelten, bestand das
Kosovo-Problem nicht in einem Mangel an angemes-

Seite 2

senen Institutionen, sondern einem Mangel an Übereinstimmung über den Einsatz der vorhandenen
Institutionen.
Während die Europäer nach den besten Wegen
suchen, ihre außen- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit zu organisieren, liegt der Schlüssel
darin sicherzustellen, daß jede institutionelle Veränderung im Einklang mit den Grundprinzipien steht,
die der atlantischen Partnerschaft seit 50 Jahren so gut
gedient haben. Das bedeutet die Vermeidung von
Abkopplung, Duplizität und Diskriminierung.
Erstens wollen wir Abkopplung vermeiden: Die NATO
ist Ausdruck der unerläßlichen transatlantischen
Verbindung. Sie sollte eine Organisation souveräner
Verbündeter bleiben, in der die europäische Entscheidungsfindung nicht von der übergeordneten
Entscheidungsfindung des Bündnisses abgekoppelt

Zweitens wollen wir Duplizität vermeiden: Die Verteidigungsmittel sind zu knapp, als daß die Verbündeten
Streitkräfteplanung, Einrichtung von Befehlsstrukturen
und Beschaffungsentscheidungen doppelt vornehmen
könnten - einmal innerhalb der NATO und erneut in der
Europäischen Union. Und drittens wollen wir jede
Diskriminierung von NATO-Mitgliedern vermeiden, die
nicht der EU angehören.
Das von Premierminister Blair dargelegte Ziel steht im
Einklang mit diesen Prinzipien. Wir sehen den Gesprächen mit allen europäischen Verbündeten und
Partnern über die Stärkung der europäischen Handlungsfähigkeit erwartungsvoll entgegen.
Der Washingtoner Gipfel muß sich insbesondere mit
der Herausforderung der sehr realen Bedrohung
unseres Volkes, Territoriums und unserer Streitkräfte
durch Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme befassen. Wir müssen die allgemeinen
Bestrebungen des Bündnisses verbessern, der
Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten und solche
Angriffe abzuschrecken, zu verhindern und uns davor
zu schützen. Die Bestrebungen der NATO sollten
existierende Mechanismen und Anstrengungen zur
Kontrolle der Weiterverbreitung ergänzen und nicht
verdrängen.
Die von uns angestrebte NATO des 21. Jahrhunderts
wird der zentrale Pfeiler einer weitaus größeren
nordatlantischen Gemeinschaft geteilter Risiken und
Pflichten von Demokratien sein, die immer mehr
Sicherheit und Wohlstand genießen. Die Tür zur
NATO bleibt für beitrittswillige Länder offen, und das
Bündnis sollte sich noch aktiver darum bemühen,
ihnen beim Durchgang durch diese Tür zu helfen.
Die NATO-Erweiterung ist kein einmaliges Ereignis; die
ersten neuen Mitglieder werden nicht die letzten sein.

AMERIKA DIENST 25

�Aber der Washingtoner Gipfel sollte unsere Fähigkeit
verbessern, in Zusammenarbeit mit allen Partnemationen ungeachtet ihres Beitrittswillens Sicherheit und
Stabilität auf diese größere Gemeinschaft auszuweiten. Die besondere Partnerschaft der NATO mit
der Ukraine ist ein wichtiges Element dieser allgemeinen Bestrebungen.

*

Wir möchten, daß Rußland intensiv und aktiv an dieser
Partnerschaft des 21. Jahrhunderts teilnimmt. Meine
Amtskollegen und ich werden diese Woche mit dem
russischen Außenminister Iwanow im Ständigen
Gemeinsamen NATO-Rußland-Rat zusammentreffen,
wo wir unsere Bestrebungen zur Verbesserung der
Zusammenarbeit im Geiste der Grundakte zwischen
der NATO und Rußland fortsetzen werden, die im Juni
ihren zweiten Jahrestag feiern wird. Truppen des
Bündnisses und Rußlands sind in Bosnien weiterhin
Seite an Seite tätig. Gemeinsam arbeiten wir an einer
möglichen russischen Beteiligung am Luftverifizierungsregime im Kosovo. Wir planen die Einrichtung
eines militärischen Verbindungsbüros in Moskau.
Gemeinsam schulen wir ehemalige russische Offiziere
um, entwickeln kooperative Antworten auf zivile Not-

fälle sowie gemeinsame Ansätze zu Nichtverbreitung
und Umweltschutz - alles Anzeichen dafür, daß die
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
weitere Fortschritte machen.
Die Lektion dieses Jahrhunderts - des blutigsten
Jahrhunderts überhaupt - lautet, daß Europa und
Amerika durch Zusammenarbeit ihre Interessen und
Werte effektiver voranbringen können als im Alleingang. Wenn wir uns nicht einig sind, kann das in eine
Sackgasse und sogar zu Krisen führen. Wir möchten,
daß nachfolgende Generationen in 50 Jahren sagen,
daß wir unsere Lektion gelernt und auf die zahlreichen,
uns im neuen Jahrhundert konfrontierenden Herausforderungen richtig angewandt haben. Dieses neue
Jahrhundert wird heute durch unsere gemeinsame
Antwort auf die Instabilität im westlichen Balkan
gestaltet. Und es wird großenteils durch die Entscheidungen gestaltet, die wir kommende Woche und
in den nächsten Monaten treffen werden. Ich bin
zuversichtlich, daß dies die richtigen Entscheidungen
für die Zukunft unseres großartigen Bündnisses sein
werden.

* * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�TECHNOLOGIE

16. Dezember 1998

Eine globale Strategie zur Lösung
des Jahr 2000-Problems
von Jonathan Spalter

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Jonathan Spalter, der auf Deutsch
erstmals in der Berliner Zeitung vom 11. Dezember 1998 erschienen ist. Jonathan Spalter ist Vorsitzender der
Arbeitsgruppe internationale Öffentlichkeitsarbeit von Präsident Clintons Kommission für die Computerumstellung
auf das Jahr 2000. Er ist femer ein beigeordneter Direktor im US-Informationamt.

Der Schlüssel zur Bewältigung des Jahr 2000-Problems besteht darin, es nicht als rein technisches
anzusehen, sondern als eine diplomatische Herausforderung, die sorgfältige internationale Koordinierung
und eine integrierte Informationskampagne zur
Aufklärung der Weltöffentlichkeit erfordert.
Aus diesem Grund ist die Konferenz der Vereinten
Nationen über das Jahr 2000-Problem, die Ende
dieser Woche in New York stattfindet, so wichtig. Zum
ersten Mal werden die Leiter der nationalen Jahr 2000Programme zusammenkommen, um ein breites
Spektrum von Themen anzusprechen, darunter
internationale Zusammenarbeit und Eventualfallplanung.
Experten betonen, das "Jahrtausendproblem" - der
Programmierfehler, der im Jahr 2000 einen Zusammenbruch der Computer bewirken könnte - sei an sich
nicht schwer zu beheben. Aber in einem Zeitalter, in
dem Computerinteraktionen in Sekundenschnelle
Kontinente umspannen, könnte der Dominoeffekt eines
Systemzusammenbruchs in einem Land nahezu
unverzüglich ein Chaos in anderen Ländern verursachen. Die Größenordnung des Problems und
seine transnationalen Auswirkungen sind die Herausforderung. In unserer vernetzten Welt ist das System
nur so gut wie sein schwächstes Glied.
Ein Unternehmen in einem Land ist vielleicht auf das
Jahr 2000-Problem vorbereitet. Aber was ist mit
seinen Tochtergesellschaften, Lieferanten, Vertreibern
und Kunden - in Übersee und im Inland gleicherma-

AMERIKA DIENST 25

ßen? Und was ist mit dem Bank- und Finanzsystem,
auf das es sich verläßt, oder der Regierungsbehörde,
die eine Quelle unerläßlicher Informationen sein
könnte?
Zur Zeit gibt es große Unterschiede bei der Vorbereitung auf das Jahr 2000-Problem. In Rußland
ergab eine jüngste Studie, daß ein beträchtlicher
Prozentsatz größerer Unternehmen noch nicht einmal
davon gehört hatte. In China und Indonesien belegte
eine ähnliche Studie, daß bei den derzeitigen Fortschritten weniger als die Hälfte der Firmen bis Ende
nächsten Jahres für das Jahr 2000-Problem gerüstet
sein werden. In großen Teilen Lateinamerikas und
Afrikas ist das Problem noch gravierender.
Selbst in Westeuropa und Nordamerika bleibt noch viel
zu tun. Obwohl beispielsweise Unternehmen und
Regierungsbehörden in den Vereinigten Staaten
schnelle Fortschritte machen, sind sie weiterhin
anfällig, da Milliarden Codierungen noch geändert
werden müssen. Der geschätzte Preis für die Lösung
des Problems könnte über 75 Milliarden Dollar betragen.
Die Kosten für kleinere Länder mit weniger entwickelten Volkswirtschaften und rudimentärerer Infrastruktur
werden sehr viel niedriger sein, aber ein Computerproblem zu einer nationalen Priorität in Regionen der
Welt zu machen, in denen das Leben ein täglicher
Überlebenskampf ist, wird - gelinde gesagt - schwierig
sein. Eine koordinierte globale Strategie muß Hilfe für
die Nationen beinharten, die keine Mittel zur an-

Seite 1

�gemessenen Bewältigung des Problems haben. Das
ist nicht nur gute Politik - es ist aufgeklärtes Eigeninteresse.
Man muß jedoch betonen, daß das Jahr 2000-Problem
nicht nur ein technisches ist. Die Weltöffentlichkeit
muß nicht nur entsprechend über den Umfang und die
Bedeutung des Problems informiert werden, sondern
auch über seine Natur, so daß die unvermeidlichen
Störungen, die irgendwann irgendwo in den ersten
Tagen des Jahres 2000 auftreten, nicht weltweite
Angst oder sogar Panik auslösen.
Aus diesem Grund kommt Regierungen, die gemeinsam und im Rahmen der Vereinten Nationen handeln,
so eine wichtige Rolle dabei zu, die Welt sicher durch
dieses Problem zu steuern.
In den Vereinigten Staaten ist Präsident Clintons
Kommission für die Computerumstellung auf das Jahr
2000 Initiator für eine umfassende Aufklärungskampagne. Der US-Kongreß trägt das Seine dazu bei
und verabschiedet Maßnahmen wie die jüngste
Gesetzesvorlage zur Beschränkung der Haftung von

Unternehmen, die offen über ihre Vorbereitungen auf
die Computerumstellung sprechen.
Es muß jedoch noch viel getan werden, und die
Vereinigten Staaten können viel von Frankreich,
Großbritannien und anderen Ländern lernen, die
eigene Maßnahmen zur Bewältigung des Problems
verabschiedet haben. In der Tat ist einer der Vorzüge
einer globalen Strategie, daß wir alle voneinander
lernen und die besten Ansätze und Hilfsmittel übernehmen können. Was das Jahr 2000-Problem anbetrifft,
hat kein Land ein Monopol für die besten Ideen.
Internationale Organisationen wie die Weltbank und
regionale Gruppen wie die OAS und die OECD
arbeiten bereits hart am Austausch von Informationen
und der Hervorhebung des Problems. Die UN-Konferenz ist jedoch die erste Gelegenheit, um alle Regierungen in die Erarbeitung gemeinsamer Lösungen für
das Jahr 2000-Problem einzubeziehen. Wir müssen
sicherstellen, daß die erforderliche Vorarbeit geleistet
wird, um alle durch dieses Problem gestellten technischen und diplomatischen Herausforderungen zu
überwinden.

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Seite 2

AMERIKA DIENST 25

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                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerika möchte, dass sie Erfolg haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Präsident Clinton &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Holocaust-Konferenz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright: Wir müssen die Arbeit der Wiedergutmachung beenden &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Außenministerin bei der Holocaust-Konferenz&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte und Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NATO&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die NATO - bereit für das 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Madeleine K. Albright&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Technologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine globale Strategie zur Lösung des Jahr 2000-Problems &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jonathan Spalter&lt;/em&gt;</text>
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