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und
Dokumentation

3

United States Information Service

2 . März 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter-Pressekonferenz vom 23. Februar 1977
- Auszüge -

WIRTSCHAFT
Präsident Carter legt revidierten Haushalt vor
- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar 1977

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Versuchszentrum für Geothermal-Anlagen
- USA intensivieren Erschließung der Erdwärme

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

4/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 23. FEBRUAR 1977
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Pressekonferenz
am 23. Februar 1977 neben innen- und energiepolitischen Fragen auch zu einer
ganzen Reihe außen- und verteidigungspolitischen Themen Stellung genommen, so
zum Verteidigungshaushalt, dem CIA, den Menschenrechten, Kuba und zur allgemeinen Außenpolitik.
In seiner Einleitung gab Präsident Carter bekannt, daß er dem Kongreß
eine Gesetzesvorlage übermittelt habe, in der er um die Vollmacht einer umfassenden Reorganisation der Exekutive ersucht. Er rechne mit einer raschen
Behandlung dieser Vorlage. Carter teilte ferner mit, daß er den Kabinettsmitgliedern und den Leitern von Bundesbehörden ein neues Programm vorgelegt habe,
um den übertriebenen Papierkrieg einzudämmen. Die neuen Verordnungen sehen
eine wesentliche Vereinfachung des Schriftverkehrs vor.
Der Präsident kündigte an, daß noch in dieser Woche eine Vorlage über
die Schaffung eines neuen Energieministeriums fertiggestellt und daß er voraussichtlich am 20. April in einer Ansprache vor beiden Häusern des Kongresses
dem amerikanischen Volk seine energiepolitischen Vorstellungen darlegen werde.
Schließlich

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�*

Schließlich brachte Carter seine Besorgnis über die Entwicklung der Inflation zum Ausdruck und erklärte, seine Wirtschaftsberater nähmen gegenwärtig eine eingehende Analyse des Problems vor und erarbeiteten entsprechende
Gegenmaßnahmen.

Schließlich habe er dem Kongreß ein Gesetz über die Aufhe-

bung der Preisvorschriften für

Fluggesellschaften vorgelegt.

Verteidic;ungshaushalt
Die Fragen und Antworten zum Verteidigungshaushalt haben folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben dem Wahlprogrammausschuß der Demo-

kratischen Partei erklärt, daß nach Ihrer Auffassung die gegenwärtigen Verteidiguncjsausgat' n um fünf bis sieben Milliarden Dollar gesenkt werden könnten.
Ich glaube, Sie haben Ihren Standpunkt seither etwas geändert.

Offensichtlich

hatten Sie in der kurzen Zeit, seit Sie im Amt sind, noch nicht die Gelegenheit, derartige Kürzungen im Budget Ihres Vorgängers vorzunehmen.
Aber wird es nicht so sein, daß auch der Verteidigungshaushalt im nächsten
J?.hr höher sein wird als der in diesem Jahr?
ANTWORT:

Wegen des inflationären Drucks und wegen der Unmöglichkeit, die

potentielle Bedrohung unseres Landes durch andere Länder vorauszuberechnen, ist
es schwer, genau vorauszusagen, wie hoch sich die Verteidigungsausgaben belaufen werden.
Trotz der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, um das vorgegebene
Budget zu überarbeiten - es waren drei Wochen harter Arbeit - ist es uns gelungen, die vorgeschlagenen Ausgaben um fast drei Milliarden Dollar zu senken
- etwa 2,75 Milliarden Dollar.

Dies wurde getan - und ich glaube Senator Stennis
- 2 -

�Stennis hat das kürzli.;:i ii; öffei.i.riehen Erklärungen bestätigt - ohne unsere
eigene Vemeidicungskapazität zu schwächen.
Die wesentlichen Einsparungen in den Verteidigungsausgaben, die unsere
Muskeln keineswegs schwächen, werden auf solchen Gebieten vorgenommen wie
vernünftige Überlegungen bei Waffen, langfristige Planung, Überprüfung bereits ausstehender Verteidigungskontrakte für Bau und Reparaturen, Neuordnung
der Prioritäten für die Entwicklung neuer Haffen, die sich in Zukunft als
außerordentlich kostspielig erweisen können, längere Dienstzeit von Personal
an Standorten vor einer Versetzung und vordringliche Korrektur von Ungerechtigkeiten und unfairen Maßnahmen bei dem System der Pensionierung.
All diese
aber ich werde
daß das Budget
besserungen in

Dinge können natürlich nicht in drei Wochen erreicht werden,
in meinen Bemühungen darum nicht nachlassen, und ich glaube,
für 197S, der erste Haushalt meiner Administration, diese Verbeträchtlichem Ausmaße zeigen wird.

FRAGE: Wird der Verteidigungshaushalt im nächsten Jahr tatsächlich niedriger liegen als der jetzt unterbreitete?
ANTWORT:

FRAGE:

Das kann ich noch nicht sagen.

In Beantwortung einer früheren Frage haben Sie, Herr Präsident,

erklärt, Sie könnten nicht sagen, ob der Verteidigungshaushalt im nächsten
Jahr höher oder niedriger liegen wird als in diesem Jahr.

Wenn ich es rich-

tig sehe, dann haben Sie früher erklärt, daß Sie ohne Rücksicht auf die Höhe
der Gesamtausgaben eine Senkung von fünf bis sieben Milliarden Dollar erreichen
wollten.

Halten Sie noch immer an dieser Zahl fest?

Fühlen Sie sich diesem

Ziel noch immer verpflichtet?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ja, die von mir bis jetzt vorgenommene Analyse des Verteidi-

gungshaushalts, die sich, wie Sie wissen, auf eine einmonatige Studie - neben
anderen - beschränkt hat, läßt erkennen, daß dies ein erreichbares Ziel ist.

FRAGE:

Herr Präsident, Sie sagten während des Wahlkampfes, die B-l

sei eine Verschwendung, und Sie haben auch versprochen, die Verschwendung aus
dem Verteidigungshaushalt herauszuschneiden.

Wann würden Sie damit rechnen,

die Produktion der B-l - im Gegensatz zur Forschung und Entwicklung der B-l einzustellen?
ANTWORT:

Ich meine, ich habe über 200 Millionen Dollar aus dem B-l-Pro-

gramm aus dem Budget herausgestrichen, das ich jetzt dem Kongreß vorgelegt
habe.
Ich habe ernsthafte Zweifel, ob die B-l in Zukunft im Mittelpunkt unserer
Verteidigungskapazität in der Luft stehen sollte. Aber ich habe noch einige
Monate Zeit, um eine Entscheidung in dieser Angelegenheit zu treffen.
Der Nationale Sicherheitsrat, dem, wie Sie wissen, der Außenminister,
der Finanzminister, der Verteidigungsminister und eine Reihe weiterer Regierungsmitglieder angehören und der eng mit mir zusammenarbeitet, nimmt gegenwärtig eine vollständige Oberprüfung vor, ob der B-1-Bomber benötigt wird.
Ich weiß noch nicht, ob wir uns entscheiden werden, die Arbeiten daran
fortzusetzen oder nicht, und ich weiß nicht, ob wir die Produktion dann vorantreiben werden oder nicht. Was dabei zum Teil eine Rolle spielt, ist die
Haltung der Sowjetunion. Wenn wir zu einem allgemeinen Nachlassen der Spannungen kommen, zu einer erkennbaren Verpflichtung der sowjetischen Seite zur
Abrüstung, dann würde es sicherlich weniger wahrscheinlich, daß wir mit der
B-l weitermachen würden.
Aber ich kann diese Frage nicht beantworten, ehe ich meine eigene Studie
völlig abgeschlossen habe, und ich glaube, daß diese bis Ende Mai abgeschlossen
sein dürfte.
CIA
- 4 -

�CIA
FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, es war korrekt, daß das Zentralamt

für Nachrichten und Abwehr (CIA) König Hussein und anderen ausländischen Persönlichkeiten Zahlungen zukommen ließ, und welche Schritte planen Sie, um
sich sachkundiger und verantwortlicher für das zu machen, was das CIA unternimmt?
ANTWORT:

Ich verfolge die Politik - und davon werde ich auch nicht ab-

gehen - nicht direkt zu irgendeiner spezifischen Aktivität des CIA Stellung
zu nehmen, aber ich kann Ihnen mitteilen, daß ich damit begonnen habe, eine
genaue Analyse aller CIA-Tätigkeiten vorzunehmen, die innerhalb der nächsten
Woche abgeschlossen sein wird.
Ich habe bereits sehr wesentliche Berichte erhalten. Ich habe die mehr
kontroversen Enthüllungen überprüft, die in den letzten Tagen veröffentlicht
worden sind - einige davon sind ganz falsch, einige enthalten einen gewissen
Grad an Genauigkeit. Diese Operationen sind auch von dem Geheimdienstkontrollgremium, einem unabhängigen Gremium, und ebenfalls vcn meinem Vorgänger im Amt,
Präsident Ford, überprüft worden.
Ich habe nichts Ungesetzliches oder Inkorrektes festgestellt.

Sollte ich

bei künftigen Überprüfungen, die in Kürze stattfinden werden, eine solche Inkorrektheit oder Ungesetzlichkeit feststellen, dann werde ich nicht nur unverzüglich korrigierende Maßnahmen treffen, sondern auch das amerikanische Volk
darüber unterrichten.
Ich kann vielleicht folgendes sagen: Es handelt sich hierbei um das sehr
schwierige Problem, wie in einer Demokratie angemessenes Geheimdienstmaterial
gesammelt, ausgewertet und benutzt werden kann, um die Sicherheit unseres Landes zu garantieren. Es liegt nicht in der amerikanischen Eigenart, Dinge im
geheinen zu tun. Historisch bedingt und auch noch in der heutigen Zeit, besteht
natürlich die Notwendigkeit, die Informationsquellen aus anderen Ländern zu
schützen.
In

�In einigen Fällen arbeiten andere Regierungen voll und ganz mit uns zusammen.

In anderen Fällen tun sie es nicht.

Aber ich will versuchen sicher-

zugehen, und das wird auch Stan Turner tun, der der nächste Direktor unseres
Geheimdienstes sein wird.

Er wird versuchen sicherzustellen, daß alles, was

wir unternehmen, nicht nur korrekt und gesetzlich, sondern auch voll vereinbar mit der Einstellung und Haltung des amerikanischen Volkes ist.
Ein weiterer Punkt, den ich noch anführen möchte, ist folgender:

Es

kann überaus schädlich für unsere Beziehungen zu anderen Ländern, für die
potentielle Sicherheit unseres Landes sogar in Friedenszeiten sein, wenn derartige Operationen, die legitim und korrekt sind, enthüllt werden.

Es ist

schwer für uns, eine Grundlage zu schaffen, von der aus wir in Kriegszeiten
einer Bedrohung erfolgreich begegnen könnten, wenn wir uns nicht an ein gewisses Maß von Geheimhaltung halten.
Ich bin ziemlich besorgt über die Anzahl von Leuten, die gegenwärtig Zugang zu dieser Art von Information haben, und ich habe gestern und heute mit
den führenden Politikern des Kongresses sehr eng zusammengearbeitet, um die
Gesamtzahl derjenigen, die einen solchen Zugang zu den Informationsquellen haben, zu reduzieren. Dies wird jedoch in den Grenzen erfolgen, die ich beschrieben habe: Korrektheit, Gesetzmäßigkeit und Auffassung des amerikanischen
Volkes zur Frage der Geheimhaltung. Ich werde alles in meinen Kräften stehende
tun, um keinen Fehler zu machen. Ich werde ferner auf einer kontinuierlichen
Basis die direkte persönliche Verantwortung für die Operationen aller Geheimdienste unserer Regierung übernehmen, um sicherzustellen, daß sie diesen Maßstäben entsprechen.

FRAGE:

Herr Präsident, wenn es falsche Informationen gegeben hat, wäre

es dann nicht angebracht, daß Sie die Dinge richtigstellen?
ANTWORT:

In mancher Hinsicht stellen wir die Dinge richtig, doch wenn

ich jetzt anfangen würde, jeden einzelnen Artikel, der in bezug auf das CIA
- cD -

�CIA geschrieben wurde, entweder in Zweifel zu ziehen oder zu bestätigen
- ob er nun korrekt oder falsch ist - dann würden diese Dinge, die notwendigerweise geheim sind, nicht mehr geheim sein.

FRAGE: Herr Präsident, um noch einmal auf (König) Hussein zurückzukommen: Als diese Meldung neulich veröffentlicht wurde, hat Ihr Pressesekretär
eine Stellungnahme abgegeben, die praktisch auf "kein Kommentar" hinauslief.
Er wurde dann weiter gefragt, ob Sie eine ähnliche Antwort gegeben hätten,
wenn diese Meldung während Ihres Wahl feidzuges veröffentlicht worden wäre,
und er antwortete darauf: "Nein, das weiß ich nicht."
Darf ich Sie also fragen, was Ihre Antwort gewesen wäre?

Wäre sie die

gleiche gewesen?
ANTUORT:

Das weiß ich nicht. (Gelächter)

FRAGE: Herr Präsident, zum gleichen Thema: Sie sagten vorhin, daß Ihre
Überprüfung der CIA-Aktivitäten nichts Ungesetzliches oder Inkorrektes erbracht habe, und fügten später hinzu, diese Aktivitäten seiner, legitiir. und
korrekt. Ist das nicht ein Werturteil, das die amerikanische Öffentlichkeit
vielleicht teilen möchte; wie kann sie dies jedoch, wenn Sie sich weigern,
der Öffentlichkeit irgendeinen Hinweis darauf zu geben, was Sie im Zuge dieser
Überprüfung in bezug auf Geldzahlungen festgestellt haben, einschließlich der
im geheinen gemachten?
ANTWORT: Das ist ein Werturteil. Es wurde von dem unabhängigen Geheimdienstkontrollgremium getroffen, das von Präsident Ford geschaffen und berufen wurde. Dieses Gremium hat sich dem Generalinspekteur, jedem Mitarbeiter
des CIA oder der Geheimdienste innerhalb des Verteidigungsninisteriums zur
Verfügung gestellt cder jedem anderen, dem auch nur Gerüchte über Inkorrektes
zu Gehör gekommen sine.
Das
- 7 -

�•

Das Gremium hat diese Operationen überprüft.

Es hat entsprechende Un-

tersuchungen angestellt, was in Übereinstimmung steht mit dem Präsidialerlaß
Präsident Fords an den Justizminister der Vereinigten Staaten und auch an den
Präsidenten.
Ich habe diese Korrespondenz gelesen.

Sie ist sehr umfangreich.

Ich

denke, ich kann sagen, daß auch der Ausschuß von Senator Inouye sowie die entsprechenden Ausschüsse des Repräsentantenhauses diese Informationen in der
Vergangenheit erhalten haben.

Ich habe mit Senator Inouye gesprochen, und

er hat mir bestätigt, was ich Ihnen gerade gesagt habe.

Ich denke, er würde

ebenfalls bestätigen, daß es im Zusammenhang mit jeder gegenwärtigen CIA-Operation nichts Inkorrektes oder Ungesetzliches gibt.

Menschenrechte
FRAGE: In Ihrem Schreiben an Herrn Sacharow erklärten Sie, daß die Vereinigten Staaten ihre guten Dienste anbieten würden, um die Freilassung der
aus Gewissensgründen Eingesperrten zu erreichen. Und Sie erklärten, Sie wollten weiterhin an einer Welt arbeiten, die den menschlichen Aspirationen entspricht. Wie Sie wissen, gibt es in vielen Ländern Menschenrechtsprobleme.
Und einige der Länder, wie den Iran und die Philippinen, unterstützen wir mit
Waffen und mit amerikanischer Hilfe. Das sind Länder, in denen viele Leute
glauben, daß wir einen stärkeren Hebel ansetzen könnten als in der Sowjetunion.
Was planen Sie, wenn überhaupt, um den Opfern der politischen Unterdrückung
in diesen Ländern zu helfen?
ANTWORT:

Ohne daß ich versuchen will., das mir zuzuschreiben, so kann ich

doch sagen, daß in der ganzen Welt eine wesentliche Bewegung in Gang gekommen
ist im Sinne dieser Sorge um die Menschenrechte.
einem Dutzend oder mehr Länder stattgefunden.
8 -

Ich meine, das hat wohl in

Es herrscht ein

zunehmendes

�zunehmendes Interesse an dem Standpunkt, den unsere eigene Regierung und unser
freies Land hier bezieht.

Ganz offensichtlich gibt es einen Entzug 6er Men-

schenrechte - selbst noch brutaler, als wir bisher darüber gesprochen haben.
Die Handlungen in Uganda haben die ganze zivilisierte Welt entsetzt, und,
wie Sie wissen, haben wir keine diplomatischen Beziehungen zu Uganda.
Aber hier handelt es sich um ein Ereignis, bei dem sowohl Botschafter
Young als auch ich unserer großen Besorgnis Ausdruck verliehen haben. Die
Briten überlegen gegenwärtig, ob sie die Vereinten Nationen ersuchen sollen,
die grauenhaften Morde zu untersuchen, die offensichtlich in Uganda stattfinden - nämlich die Verfolgung jener, die den Zorn von Herrn Amin hervorgerufen haben.
Ich habe meiner Besorgnis Ausdruck verliehen über politische
in Südkorea, in Kuba und in vielen - oder besser gesagt einigen amerikas, und ich werde das auch weiterhin tun. Ich habe niemals
gehabt, die Sowjetunion als einziges Land herauszustellen, in dem
rechte eingeschränkt werden.

Gefangene
Ländern Süddie Absicht
die Menschen-

Wir haben, wie ich meine, eine Verantwortung und eine rechtliche Pflicht,
unsere Mißbilligung über Verletzungen der Menschenrechte zum Ausdruck zu bringen. Die Schlußakte von Helsinki garantiert im sogenannten Korb 3, daß einige
dieser Menschenrechte unbedingt eingehalten werden müssen. Wir haben die
Schlußakte von Helsinki unterzeichnet.
Wir sind in gewisser Weise selbst schuldig, indem wir nicht jedem das
Recht geben, in unserem Lande überall hinzureisen, oder nach meiner Meinung
in unnötiger Weise den Besuch unseres Landes durch Leute einschränken, die
politisch anderer Meinung sind als wir.
So meine ich, daß wir alle, in unserem Lande und bei unseren Freunden
und Verbündeten und unter unseren potentiellen Gegnern, den Standpunkt einnehmen sollten, daß die Menschenrechte etwas sind, für das wir an erster Stelle
eine große Verantwortung tragen sollten. Und ich habe gegenüber der Sowjetunion
- 9 -

�A
Sowjetunion und anderen in Osteuropa klargemacht, daß ich nicht versuche,
eine einseitige Kritik gegen sie in Gang zu bringen, sondern daß ich viel
mehr versuche, in unserem eigenen Lande eine Norm zu setzen und meinen Be
sorgnissen in der ganzen Welt Gehör zu verschaffen, und daß ich nicht ein
bestimmtes Land herausgreifen will.

Kuba
FRAGE:

Herr Präsident, sind Sie bereit, das Handelsembargo gegen Kuba

als einen Schritt zur Normalisierung der Beziehungen aufzuheben?
ANTWORT:

Ich glaube, jeder wesentliche Schritt in unseren Beziehungen

zu Kuba muß von weiteren indirekten Besprechungen mit ihnen (den Kubanern) abhängen und auch von greifbaren Beweisen für uns, daß sie zur Wiederherstellung der „
grundlegenden Menschenrechte in Kuba bereit sind; das betrifft die Anzahl der
Gefangenen, die inhaftiert sind, die Haltung Kubas gegenüber überseeischen
Abenteuern wie in Angola sowie andere Angelegenheiten.
Ich kann deshalb nicht sagen, wie die Zukunft aussehen wird, Ich bin
jedoch bereit, diese Fragen mit den führenden Staatsmännern Kubas zu erörtern.
Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt unterhalten wir politisch keine direkten Beziehungen zu ihnen, allerdings werden durch Vermittler Stellungnahmen in der
einen wie der anderen Richtung ausgetauscht - wie beispielsweise durch meine
öffentlichen Erklärungen wie jetzt im Augenblick. Es erreichen uns jedoch
Botschaften von Leuten, die Kuba besuchen.

Allgemeine Außenpolitik
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben uns in Ihrer einführenden Erklärung

eine Art Terminkalender für Ihr innenpolitisches Programm unterbreitet.
- 10 -

Ich

�Ich hätte gerne gewußt, ob es einen ähnlichen Terminkalender auch hinsichtlich dessen gibt, was Sie in der Außenpolitik zwischen dem heutigen Tag und
dem Jahresende bezüglich des Nahen Ostens, Zyperns und des Panama-Vertrags
erhoffen?
ANTWORT:

Natürlich kann ich diese Frage nicht im einzelnen beantworten,

weil ich nicht weiß, welche Zusammenarbeit wir von anderen Nationen erhalten
werden.

Und ich weiß auch nicht, was diese Länder in den umstrittenen Gebie-

ten einander gegenüber zu tun gedenken.
Außenminister Vance ist gerade von einer Nahost-Reise zurückgekehrt, die
ich für sehr erfolgreich halte.

Er hat nicht nur mit den Regierungschefs und

deren Kabinettsmitgliedern deren eigene öffentlichen und privaten Positionen
hinsichtlich kontroverser Fragen, die bisher einen Frieden im Nahen Osten verhindert haben, sondiert, sondern er hatte auch die Gelegenheit, deren Haltung
zu den einzelnen Fragenkomplexen zu vergleichen - über welche Probleme Einvernehmen besteht und über welche man immer noch nicht einig ist.
Wir haben auch alle führenden Staatsmänner dieser Länder zu einem Treffen mit mir eingeladen. Alle haben diese Einladung angenommen, und ich werde
mit allen Staats- und Regierungschefs der miteinander im Streit liegenden
Länder des Nahen Ostens noch vor Ende Mai zusammenkommen.
Der erste Besuch

eines dieser Staatsmänner, der von Herrn Rabin, wird

- so glaube ich - am 12. Mai erfolgen.

Ihm werden dann die Regierungschefs

Ägyptens, Jordaniens, Syriens und Saudi-Arabiens folgen; und ich freue mich
auf die Zusammenkünfte mit ihnen.

Zu jenem Zeitpunkt hoffe ich, ein sehr kla-

res Bild der Rolle zu haben, die die amerikanische Regierung spielen sollte.
Das gleiche gilt für die Situation zwischen uns und der Türkei, zwischen uns
und Griechenland, sowie zwischen uns und Zypern.
Wir kennen unseren Willen anderen Völkern nicht aufzwingen; aber wenn sie
ehrlich nach einer Lösung streben, dann sind wir absolut bereit, unsere guten
Dienste als ein Land anzubieten, das Einfluß hat und daran interessiert ist,
- 11 -

�'

ist, ihnen bei der Lösung ihrer eigenen Schwierigkeiten zu helfen.

Aber in

erster Linie muß diese Initiative von den betroffenen Ländern selbst ausgehen.
Wir haben in der letzten Woche erneut mit den Erörterungen über einen
Panamakanal-Vertrag begonnen.

Wir verfügen dabei über zwei überaus gute Ver-

handlungsführer, und ich hoffe, daß sie Erfolg haben werden.

Zum gegenwärti-

gen Zeitpunkt vermag ich nicht zu sagen, in welchem Ausmaß ein Erfolg erzielt
worden ist. Wir stehen gerade erst am Anfang.
Wir sind also dabei, hinsichtlich aller umstrittenen Gebiete, einschließlich Südafrikas und anderer, auf die ich jetzt nicht näher eingehen kann, Sondierungen zu führen - und zwar um nach besten Kräften eine Möglichkeit für Lösungen in diesen Spannungsgebieten zu finden.
Wir treffen heute - ja praktisch war es schon die ganze Woche so - mit
britischen Vertretern zusammen, um erneut einen Vorschlag hinsichtlich der
Rhodesien betreffenden Fragen zu unterbreiten, und dann bleibt natürlich
immer noch Namibia und schließlich die Frage der Mehrheitsregierung in Südafrika.
Aber ich bin jetzt erst einen Monat im Amt. Ich behaupte nicht, daß
ich auf alles eine Antwort bereithabe; schließlich sind diese Fragen, die
nun schon seit 25 oder 30 Jahren bestehen, nicht leicht zu lösen. Aber wir
werden alles in unseren Kräften stehende tun - und zwar in aller Öffentlichkeit und mit allem Nachdruck. Wir werden unsere guten Dienste anbieten und
nicht versuchen, unseren Willen anderen Völkern aufzuzwingen.

Nach Veröffentlichung der Niederschrift der Pressekonferenz Präsident
Carters gab das Weiße Haus folgende "Mitteilung an die Presse" heraus:
Auf seiner Pressekonferenz am heutigen Nachmittag sprach der Präsident
von dem zukünftigen Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin
in den USA, wobei er erklärte, daß dieser Besuch wahrscheinlich am 12. März
- 12 -

�März stattfinden werde.
Eine Nachprüfung hat jedoch ergeben, daß dieser Besuch voraussichtlich
für den 7. und 8. März geplant ist.
Der Präsident hat ferner erklärt, daß die Vereinigten Staaten keine
diplomatischen Beziehungen zu Uganda unterhielten.
nicht ganz den Tatsachen.

Diese Erklärung entspricht

Zwar haben die Vereinigten Staaten ihre Mission aus

Uganda abgezogen und unterhalten damit keine direkte diplomatische Vertretung
in diesem Lande, doch werden die amerikanischen Angelegenheiten durch die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Uganda wahrcenommen; die
Republik Uganda unterhält eine amtierende Botschaft in Washington und hat hier
einen Geschäftsträger.

+ + + + +

- 13 -

�1

Wift/choft

I

United States Information Service

4/1977

PRÄSIDENT CARTER LEGT REVIDIERTEN HAUSHALT VOR
- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar -

Washington - (AD) - Präsident Carter hat am 22. Februar 1977 dem amerikanischen Kongreß seinen revidierten Haushalt vorgelegt, der sich in einigen
Punkten wesentlich von dem Voranschlag seines Vorgängers Gerald Ford unterscheidet.

Für das Hauhaltsjahr 1978 (vom 1. Oktober 1977 bis 30. September

1978) sind Ausgaben von 459,4 Milliarden Dollar und Einnahmen von 401,6
Milliarden Dollar vorgesehen, was zu einem Defizit von ca. 57,8 Milliarden
Dollar führt.

Der revidierte Voranschlag für das laufende Haushaltsjahr

1977 (vom 1. Oktober 1976 bis 30. September 1977) sieht Ausgaben von 417,4
Milliarden Dollar und Einnahmen von 349,4 Milliarden Dollar vor, was ein
Defizit von 68 Milliarden Dollar ergibt.
Im Vergleich zu den Voranschlägen der vorigen Administration liegen
die Ansätze Carters netto für 1977 um 6,2 Milliarden Dollar und für 1978
um 19,4 Milliarden höher.

Vor allem für die sozialen Aufgaben werden höhere

Beträge angesetzt, so z. B. für 1977 zusätzlich 1,2 Milliarden Dollar und
für 1978 zusätzlich 8,3 Milliarden Dollar für Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramme.

Dagegen hat Carter beim Verteidigungshaushalt gegen-

über den Voranschlägen Fords eine Kürzung um 2,755 Milliarden Dollar vorgenommen - jedoch die Mittel für die amerikanischen Streitkräfte in Europa erhöht.

Die

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�Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage deckt sich bei dem Haushaltsvoranschlag Carters im wesentlichen mit der im Ford-Voranschlag.

Für das

vierte Quartal 1977 wird mit einem Wachstum des Bruttosozialprodukts um etwa
6 Prozent gerechnet.

Die wesentlichen Daten werden wie folgt geschätzt:
(Kalenderjahr)
in Milliarden Dollar
1976

1977

1978

(laufende Dollar)

1 692

1 884

2 105

(feste Dollar 1972)

1 265

1 334

1 406

1 375

1 528

1 698

Löhne und Gehälter

890

992

1 108

Körperschaftsgewi nne

149

173

197

Bruttosozialprodukt

Einkommen (laufende Dollar)
Personal einkommen

BS0 Deflator (Prozent)

5,1

5,6

6,0

7,7

7,1

6,3

für Preisindex
Arbeitslosenrate (Prozent)

Präsident Carter hat angekündigt, daß sein Haushaltsvoranschlag im
nächsten Jahr eine radikale Abkehr von der bisherigen Praxis bringen werde,
während der jetzt vorgelegte Haushalt im wesentlichen noch der Haushalt
Präsident Fords sei. Die vorgeschlagenen Änderungen lassen jedoch schon jetzt
eine sorgfältige Überlegung erkennen. Präsident Carter hat es sich zum Ziel
gesetzt, bis 1981 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Haushalts ist das Konjunkturprogramm,
das für 1977 Steuererleichterungen und erhöhte Ausgaben von 15,7 Milliarden
Dollar und für 1978 von 15,9 Milliarden Dollar versieht.

DAZU

gehört ein

Einkommensteuernachlaß von 50 Dollar pro Kopf.

Die

�Die Kürzung des verteidigungshaushaltes stellt, wie von Präsident Carter
und von Verteidigungsminister Harold Brown betont wird, keine Schwächung der
Kampfkraft der amerikanischen Streitkräfte dar.

Die Ausgaben liegen für

das Haushaltsjah&gt;* 1978 trotzdem um 10,2 Milliarden Dollar höher als im
laufenden Haushaltsjahr.
Im einzelnen ergeben sich die von Carter vorgenommenen Einsparungen wie
folgt:
Von dem neuen überschalIbomber B-l sollen nur 5 statt 8 Maschinen

be-

schafft werden, was eine Einsparung von 280 Millionen Dollar bedeutet.
Die Kurzstrecken-Angriffsrakete (SRAM) die zur Bewaffnung der B-l gehört, wird ebenfalls in geringerer Stückzahl beschafft; Einsparung 24 Millionen Dollar.
Die volle Entwicklung der neuen Interkontinentalrakete M-X wird auf
1979 hinausgeschoben; Einsparung 160 Millionen Dollar.
Die Jahresproduktion des taktischen Kampfflugzeuges F-15 wird von 108
auf 78 Stück gesenkt; Einsparung 334 Millionen Dollar.
Die Modifizierung eines kommerziellen Großflugzeuges als Tanker/Lastflugzeug wird um ein Jahr verschoben;

Einsparung 227 Millionen Dollar.

Der Bau eines nuklear angetriebenen Kreuzers, zweier Lenkwaffenfregatten
und eines Angriffs-Unterseebootes wurde verschoben, was Einsparungen von fast
700 Millionen Dollar erbringt.
Dagegen werden unter anderem für die Verbesserung der Oberlebensfähigkeit der in Europa stationierten amerikanischen Flugzeuge 60 Millionen Dollar
mehr angesetzt, und ebenso 50 Millionen Dollar mehr für zusätzliche Wartungseinrichtungen für Waffen und Geräte in Europa.
Wortlaut

�Wortlaut der Botschaft des Präsidenten
Der Präsident hat seinen revidierten Haushaltsvoranschlag mit folgender
Botschaft an den Kongreß übermittelt:
"Ich lege heute Vorschläge für Änderungen im Haushalt 1978 vor.

Obwohl

ich noch nicht in der Lage war, dieses Budget (von Präsident Ford im Januar
1977 unterbreitet) in allen Einzelheiten zu analysieren, weichen diese Vorschläge wesentlich von denen der vorigen Administrator ab.
Es wurden Ansätze abgelehnt, die die Bürden für die älteren Menschen und
für jene unnötig erhöht hätten, die von MEDICARE, MEDICAID und dem Lebensmittelbon-Programm abhängen.
Ich habe Ansätze gestrichen, die den einzelstaatlichen und kommunalen
Behörden weitere finanzielle Belastungen auferlegt hätten.
Es wurden Änderungen vorgenommen, die es uns ermöglichen werden, unseren
Verpflichtungen auf so lebenswichtigen Gebieten wie Umweltschutz, Bildung
und Wohnungsbau rascher nachzukommen; und ich habe Maßnahmen vorgeschlagen,
um eine unannehmbare Inflation der Kosten im Gesundheitswesen unter Kontrolle
zu bringen.
Die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben ist verringert, während
unsere reale militärische Stärke erhöht wird.
Es sind Revisionen vorgenommen worden, die neue Prioritäten auf dem Gebiet
der Wasserversorgung und der Energie setzen, wobei größerer Nachdruck auf die
Energieeinsparung, die Entwicklung nicht-nuklearer Energiequellen und die
Ausweitung unseres Erdölvorratsprogramms gelegt werden. Später in diesem
Frühjahr wird zusammen mit dem Kongreß die Arbeit an einer umfassenden, langfristigen nationalen Energiepolitik abgeschlossen werden.
Dieser
- 4 -

�Dieser Haushaltsvoranschlag enthält ein wirtschaftliches Konjunkturprogramm, das die Arbeitslosigkeit senken und ein stetiges, ausgewogenes
wirtschaftliches Wachstum fördern wird.

Das Paket, das seit seiner ersten

Vorlage im Kongreß im vorigen Monat geringfügig verändert wurde, sieht für
1977 Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen von 15,7 Milliarden Dollar vor
und für 1978 von 15,9 Milliarden Dollar. Dies schließt ein einen Einkommensteuernachlaß von 50 Dollar pro Kopf; eine Erhöhung des allgemeinen Freibetrags; eine Senkung der Körperschaftssteuer, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern und die Investitionstätigkeit anzuregen; eine Ausweitung
der Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramme; eine Erhöhung der Ausgaben der öffentlichen Hand sowie zusätzliche Mittel für Zuwendungen an
einzelstaatliche und kommunale Behörden im Rahmen des anti-zyklischen
Finanzausgleichs.
Ich ersuche den Kongreß ferner um eine Verlängerung des Zusatzleistungsprogramms, das jetzt ausläuft, damit jeder Arbeitslose bis zum Ende dieses
Jahres bis zu 52 Wochen Arbeitslosenunterstützung beziehen kann.
*

Es gibt noch weitere wichtige Ziele, die in diesen Änderungen nicht
angesprochen werden, da meine Administration noch nicht die Zeit gehabt hat,
alle derzeitigen Steuer- und Ausgabenprogramme genau zu überprüfen und eigene
Vorschläge im Detail auszuarbeiten. Der Haushalt 1978 ist im wesentlichen
noch Präsident Fords Haushalt - mit den begrenzten Revisionen, für die
meine Administration die notwendige Zeit hatte. Diese Änderungen spiegeln
jedoch unsere sorgfältige Auswahl unter den vielen möglichen Optionen wider.
Sie sind wichtige erste Schritte auf dem Wege zu einer Bundesregierung, die
wirksamer funktioniert und besser auf die Erfordernisse unserer Bevölkerung
eingeht.
Im vorigen Jahr waren die Ausgabenansätze zu hoch, und die Gestaltung
der Wirtschaftspolitik wurde negativ beeinflußt.

Da die Zeit keine

detaillierte Oberprüfung der gegenwärtigen Vorausschätzungen erlaubte, habe
ich das Amt für Planung und Haushalt angewiesen, eine sorgfältige Untersuchung
- 5 -

�Untersuchung dieser Vorausschätzungen vorzunehmen.

Der Kongreß wird über

etwaige Revisionen unterrichtet werden.
Der in dem beiliegenden Dr'ument umrissene Haushaltsvoranschlag läßt
noch immer die gegenwärtiger! Überschneidungen und die schwerfällige Struktur
der Bundesregierung erkennen - eine Struktur, die ich mit Hilfe des Kongresses zu vereinfachen und zu verbessern gedenke.
Es war in diesen Revisionen des Haushalts 1978 noch nicht möglich, aber
künftige Budgets werden detaillierte, von der Null-Basis ausgehende Neufassungen der Ausgabenprogramme des Bundes, eine umfassende Reform des
Stueersystems und eine fundamentale Neuorganisation der Regierung enthalten."
+ + +

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I
I

Uli//en/choft
und'
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United States Information Service

4/1977

VERSUCHSZENTRUM FÜR GEOTHERMAL-ANLAGEN
USA intensivieren Erschließung der Erdwärme -

- (AD) - Das "Imperial Valley" in Kalifornien, auch "amerikanische
Sahara" genannt, zählt zu den trockensten Regionen in den Vereinigten
Staaten. Aber im Untergrund gibt es riesige Vorkommen naturheißen Wassers,
das für die Energiegewinnung zunehmend mehr an Interesse gewinnt.
Nach fünfjährigen Vorbereitungen konnte im Juni 1976 in Niland in der
Nähe des Salton-Sees eine Versuchsanlage der Gas- und Elektrizitätswerke
von San Diego (SDG &amp; E) in Betrieb genommen werden, die mit Heißdampf von
mehr als 300°C aus der Erde arbeitet und eine elektrische Leistung von 10
Megawatt erreicht.

An den Gesamtkosten von acht Millionen Dollar beteiligte

sich die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA mit 50 %.
Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wird sich in der Praxis zeigen, inwieweit die Ausrüstungen dem aggressiven Medium standhalten.

Denn die Sole

enthält gelöste Salze und Minerale in der Konzentration von 175 000 bis
250 000 ppm (parts per million - Teilchen pro 1 Million Teile Wasser).
Manche Probebohrungen im Gebiet des Imperial Valley förderten sogar Sole
mit 30 % Salzgehalt zutage.

Die hohe Salinität wurde in den letzten zwei

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

A
zwei Jahrzehnten, als Geothermal-Projekte in Nordkalifornien und| andernorts in den USA wachsende Unterstützung erfuhren, als zu hohes technisches
Risiko angesehen, um das 75 m unter dem Meeresspiegel liegende Imperial
Valley in die Programme einzubeziehen.
Inzwischen ist das "Pionierunternehmen" SDG &amp; E auch im Raum Heber
(Imperial Valley) fündig geworden.

Hier enthält die Sole nur 12 000 gelöste

Teilchen auf 1 Million Teile Wasser, hat allerdings eine niedrigere Temperatur.
Gegenwärtig wird unter ökologischen, wirtschaftlichen, tectinologisehen und
arbeitspolitischen Gesichtspunkten in einer Studie des Forschungsinstituts
der amerikanischen Energiewirtschaft (EPRI) geprüft, ob in diesem Gebiet
ein Erdwärme-Kraftwerk errichtet werden kann.

Vorläufig ist eine Pilot-

Anlage von 50 Megawatt elektrischer Leistung geplant.
Acht Städte und ein Landkreis in Nordkalifornien haben kürzlich ein
*
gemeinsames Programm zum Bau von Erdwärme-Kraftwerken in Angriff genommen,
die zusammen 165 Megawatt el. Leistung erbringen sollen. Für dieses Projekt
wird ein 580 großes Areal .im "Land der Geysire" erschlossen. Der Dampf
aus der Tiefe soll um 50 % unter dem heute üblichen Gestehungspreis für
Heißdampf im Heizkraftwerk liegen. Die neuen Geothermal-Kraftwerke können
die Stromversorgung für 165 000 Menschen sicherstellen - ein Heizkraftwerk
entsprechender Leistung würde 3 Millionen Faß (1 Faß - ca. 159 Liter) öl
pro Jahr verfeuern. Schon heute werden im Geysir-Distrikt von Nordkalifornien
(Sonoma-County) 608 Megawatt Strom aus Geothermal-Anlagen erzeugt. Man nimmt
an, daß sich allein in diesem Gebiet der Stromverbrauch bis zum Ende des
Jahrhunderts verdoppeln wird.
Wenn in den USA alle natürlichen Erdwärmequellen angezapft und nutzbar
gemacht werden könnten, würden sie eine Energiemenge zur Stromversorgung beitragen, die dem Verbrauch von ca. 60 Milliarden Faß öl entsprächen. (Zum
Vergleich: Die Jahresförderung an öl liegt gegenwärtig bei ca. 2,8 Milliarden
Faß, der Jahresverbrauch bei ca. 4,9 Milliarden Faß.) Aber die technologischen Schwierigkeiten waren bisher einfach zu groß, um Geothermalquellen
- 2 -

�Geothermalquellen in großem Maßstab zu erschließen.

Um diesen Schwierig-

keiten künftig begegnen sowie ökologische, wirtschaftliche und soziale Fragen
im Zusammenhang mit der Verwirklichung solcher Projekte besser lösen zu
können, wurde in East Mesa im Süden des Imperial Valley im Auftrag der ERDA
und der Bundesbehörde für Bodennutzung ein Versuchszentrum errichtet und im
Dezember 1976 eröffnet, wo von Wärmeaustauschverfahren über Korrosionsforschung bis zur Generatortechnik und Entsalzung der heißen Sole alle nur erdenklichen Probleme untersucht und optimal gelöst werden sollen.

Die

Versuchsanlage, mit einem Kostenaufwand von ca. 1 Million Dollar erbaut,
wird von Wissenschaftlern und Ingenieuren des Lawrence Berkeley Laboratory
der Universität Kalifornien betrieben.

Sie steht auch der Privatwirtschaft

und Wissenschaftlern anderer Universitäten zur Verfügung.

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1.&amp;nbsp; Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 23. Februar 1977 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt revidierten Haushalt vor &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar. 1977 - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Versuchszentrum für Geothermal-Anlagen&lt;br /&gt; &lt;em&gt;- USA intensivieren Erschließung der Erdwärme -&lt;/em&gt;</text>
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nroimocion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. März 1982

9 / B

INHALT

DOKUMENTATION
Eine neue Zukunft für Sicherheit und Rüstungskontrolle
- Rede des Direktors des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, auf dem
II. Internationalen Colloquium über Abrüstung in der Evangelischen
Akademie Tutzing, am 2. März 1982 -

Um Ubcr/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9/B

3. März 1982

EINE NEUE ZUKUNFT FÜR SICHERHEIT UND RÜSTUNGSKONTROLLE
- Rede des Direktors des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, auf dem
II. Internationalen Colloquium über Abrüstung ,in der Evangelischen Akademie
Tutzing am 2. März 1982 -

TUTZING - (AD) - Wir kommen heute, 37 Jahre nach dem verheerendsten Krieg
in der Geschichte der Menschheit, zusammen, in dem Bewußtsein, daß ein weiterer
solcher Konflikt noch verheerender wäre. Wir sind uns auch bewußt, daß Europa
seit 1945 die friedlichste und produktivste Periode seiner Geschichte erlebt
hat.

Bevor wir uns fragen, wie dieser Frieden aufrechterhalten werden kann,

sollten wir uns daran erinnern, wie er bisher gesichert worden ist.
Um die Mitte des 20. Jahrhunderts ist dem immer rascher werdenden Tempo
europäischer Kriegführung durch zwei Neuerungen im strategischen Denken des
Westens - kollketive Verteidigung und nukleare Abschreckung - Einhalt geboten
worden.

In jenen ersten Nachkriegsjahren schlössen die Nationen Westeuropas

zusammen mit den Vereinigten Staaten und Kanada ein Bündnis auf dem Grundsatz,
daß eine Bedrohung eines der Mitglieder eine Bedrohung aller darstelle. Das
Ziel ihres Bündnisses war rein defensiv.
Abschreckung.

Ihre Strategie war eine Strategie der

Diese Nationen wollten zusammenarbeiten, um das Risiko eines

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Risiko eines Krieges so gering wie möglich zu halten, indem sie das Risiko
für jeden potentiellen Aggressor in einem Krieg so groß wie möglich gestalteten.

Vor allem die Vereinigten Staaten, das stärkste Mitglied des Bündnisses,

proklamierten, daß sie einen Angriff auf ihre europäischen Verbündeten als einen Angriff auf sich selbst betrachten würden, und brachten ihre ganze militärische Macht ein, um vor einem solchen Angriff abzuschrecken.

Diese Verpflich-

tung bleibt auch heute die Grundlage der amerikanischen Verteidigungs- und
Außenpolitik und der Eckstein der Sicherheit Europas.

Grundsätze des Bündnisses
Seit seiner Gründung ist das westliche Bündnis auf bestimmten Prinzipien
gegründet, die heute noch so gültig sind, wie vor drei Jahrzehnten.
- Das westliche Bündnis ist ein rein defensives Bündnis. Die Streitkräfte
des Westens dienen dazu, unsere Freiheit und Unabhängigkeit zu schützen, und
nicht unseren Einfluß auszuweiten oder unsere Gegner zu nötigen.
- Das westliche Bündnis wird niemals als erstes Gewalt anwenden. Die
NATO wird niemals einen Konflikt auf welcher Ebene auch immer beginnen. NATOStreitkräfte werden niemals eine internationale Grenze verletzen. Wie Präsident Reagan erklärt hat: "Keine NATO-Waffen .konventionell oder nuklear, werden jemals in Europa eingesetzt, außer zur Zurückweisung eines Angriffs".
- Die Strategie des Westens ist eine Strategie der Abschreckung.

Der

Zweck der NATO-Streitkräfte besteht durch ihre Existenz und ihre bekannte Kapazität darin, jedem potentiellen Gegner die Aussicht zu verwehren, sich durch
militärische Maßnahmen,auf welcher Ebene auch immer, einen Vorteil zu sichern.
- Der Westen wird immer verhandeln.

Der Westen wird immer bereit sein, die

Ursachen der Spannungen durch Verhandlungen abzubauen und die Lasten und Risiken der Verteidigung durch verifizierbare Rüstungskontrollabkommen auf der Basis
gleicher Rechte und Begrenzungen zu verringern.
Die sowjetische
.

2

-

�«•'

Die sowjetische Aufrüstung
Während der ganzen siebziger Jahre demonstrierte der Westen weitgehend
sein Festhalten an diesen Prinzipien, vor allem seine Bereitschaft zu Verhandlungen. Es wurde eine Vielzahl neuer Rüstungskontroll Verhandlungen eingeleitet - auf dem Gebiet der Kernwaffen, der Kernwaffenversuche, der chemischen
Waffen, der biologischen und toxischen Waffen, der Strahlungswaffen, der konventionellen Streitkräfte in Europa und der Weitergabe konventioneller Waffen.
Auf vielen dieser Gebiete wurden Übereinkommen erzielt und in anderen Fortschritte festgestellt. Aber um ganz offen zu sein, so muß ich rückblickend
sagen, daß diese Ära der Verhandlungen die Erwartungen vieler in den Vereinigten Staaten nicht erfüllt hat, denn während dieser ganzen Periode des augenscheinlichen Fortschritts hat die Sowjetunion eine massive Aufrüstung vollzogen. Diese Aufrüstung wurde in einem Zeitraum vorgenommen, in dem der Westen
eine Entspannungspolitik verfolgte, in dem die Vereinigten Staaten ihre Militärhaushalte kürzten und in der die NATO praktisch keinerlei Modernisierung ihrer
Nuklearstreitmacht vornahm.
Die Verbesserungen der sowjetischen Streitkräfte fanden - und finden weiterhin - auf allen Ebenen und auf allen Gebieten statt. Wesentliche Verbesserungen
haben bei den konventionellen Streitkräften stattgefunden, die gegenüber Europa,
dem Fernen Osten und den öl reichen Regionen Südwestasiens stehen. Wesentliche
Verbesserungen haben bei den sowjetischen Luft- und Seelandetruppen stattgefunden, die in der Lage sind, sowjetische Macht in weiter entfernt liegenden
Regionen darzustellen. Wesentliche Verbesserungen haben auch bei den interkontinentalen Nuklearstreitkräften und bei den auf Europa gerichteten Nuklearstreitkräften der Sowjets stattgefunden. Auf diesem letzteren Gebiet haben
die Sowjets neue Generationen von Kurzstrecken-, Mittelstrecken- und Langstrekkenraketen mit Nukleargefechtsköpfen wie auch mehrere neue Typen von nuklearfähigen Flugzeugen entwickelt und sind dabei, sie rasch zu dislozieren.
Während der siebziger Jahre wandten die Sowjets elf bis 13 Prozent des
Bruttosozialprodukts für die Verteidigung auf, verglichen mit Zahlen von weniger als der Hälfte auf westlicher Seite. Während der siebziger Jahre nahm
- 3 -

�Jahre nahm die sowjetische Bereitstellung von Mitteln für die Streitkräfte mit
einer Rate von real vier bis fünf Prozent jedes Jahr zu, verglichen mit einem
tatsächlichen Rückgang der amerikanischen Verteidigungsausgaben.

Während der

siebziger Jahre haben die Sowjets ihrem Arsenal 1000 neue strategische Systeme
hinzugefügt und eine ganz neue Generation von Interkontinentalraketen eingeführt, während die Zahl der amerikanischen strategischen Systeme im wesentlichen
gleich blieb.
Rüstungskontrollanstrengungen finden natürlich nicht in einem Vakuum
statt, und es ist deshalb umso beunruhigender, wie sehr die sowjetische Aufrüstung in einer zunehmend militarisierten Politik der Sowjets ihren Niederschlag gefunden hat.

Im Jahr 1975 haben die Sowjets ihre wachsende militärische

Kapazität dazu benutzt, Tausende kubanischer Soldaten nach Afrika zu entsenden
und zu versorgen.

Im Jahr 1979 wurden sowjetische Soldaten selbst nach

Afghanistan befohlen, und heute befinden sich dort noch fast 100 000.

Während

des letzten Jahres haben wir erlebt, wie die Sowjetunion ihre militärische
Macht als politische Waffe benutzt hat, um massiven Druck gegen das polnische
Volk auszuüben.
Obwohl die Sowjets während dieses letzten Jahrzehnts ihre militärische
Kapazität auf allen Bereichen verbesserten, gaben sie doch dem Aufbau ihrer
nuklearen Mittel Streckensysteme, die Europa bedrohen, eine hohe Priorität.
Die Dislozierung der mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückten mobilen SS-20Raketen, gibt der Sowjetunion die Fähigkeit, genau und in großer Zahl Ziele
überall in Europa von Standorten aus zu treffen, die tief in der Sowjetunion
und weit jenseits des Bereichs irgendwelcher in Europa stationierten Systeme
der NATO liegen.

Im Frühjahr vorigen Jahres schrieb Bundeskanzler Schmidt,

daß die Einführung der SS-20 das militärische Gleichgewicht in Europa gestört
und für sich ein Instrument des politischen Drucks auf die Länder im Bereich der SS-20 geschaffen habe, gegen das der Westen bisher kein Gegengewicht habe.
Heute werden

�Heute werden die SS-20-Raketen weiterhin in immer größeren Zahlen disloziert.

Heute sind 280 SS-20-Raketen disloziert, die 840 Gefechtsköpfe

tragen - zusammen mit 300 SS-4- und SS-5-Raketen eine Gesamtzahl von 1140
weitreichende Gefechtsköpfen.

Gleichzeitig haben die Sowjets ein umfassen-

des Programm zur Verbesserung und Modernisierung der Kurz- und Mittelstrekkenraketenstreitmacht, die Europa bedroht, unternommen - einschließlich der
SS-21, SS-22 und SS-23 und neuer Flugzeuge, die nukleare Aufgaben übernehmen
können, wie die Typen Backfire, Fencer, Flogger und Fitter.
Es hat mich sehr interessiert, von Herrn Samjatin zu hören, daß die
Sowjets seit November keine neuen auf Europa gerichteten SS-20 mehr disloziert haben. Ich muß berichten, daß wir gegenwärtig keinen Beweis dafür haben, daß dem so ist, aber ich möchte ein oder zwei Bemerkungen dazu machen.
Es ist enttäuschend, daß dies, wenn diese Dislozierung eine Zeitlang eingestellt worden ist, nicht sehr viel früher geschah, ehe die Sowjets 280 SS-20Raketen disloziert haben, mit, wie ich schon sagte, 840 Gefechtsköpfen.
Wir besitzen keine Informationen, daß die Dislozierung der SS-20 für immer
eingestellt worden ist. Unsere Informationen besagen vielmehr, daß die
Sowjets planen, ihre SS-20-Aufrüstung fortzusetzen, und sie treffen sogar
die notwendigen Vorbereitungen vor Ort und andere Vorbereitungen, um über
300 SS-20 zu dislozieren. Aber wenn Herr Samjatin uns mitteilt, daß die
Sowjetunion die Dislozierung der SS-20 gänzlich eingestellt hat, dann begrüßen wir natürlich diesen Schritt.

Die Antwort des Westens
Die umfassende Natur der sowjetischen Aufrüstung erfordert eine Antwort
des Westens - nicht dahingehend, einen militärischen Vorteil, eine strategische
Überlegenheit, zu erlangen, sondern nur, um die Abschreckungsstrategie des

- 5 -

�«

Abschreckungsstrategie des Bündnisses zu erhalten.

Ein großer und ent-

scheidend wichtiger Schritt» der unternommen wurde, um diese Abschreckung
aufrechtzuerhalten, war die Entscheidung des Bündnisses vom Dezember 1979,
seine weitreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme zu modernisieren.

Diese Entscheidung ist das Angriffsziel einer konzertierten sowjetischen
Propagandakampagne geworden, die die legitimen Sicherheitsanliegen der Völker des Westens falsch dargestellt hat, um eine Reihe von Märchen bezüglich
dieser Dislozierungen in die Welt zu setzen.

- Diese Dislozierungen würden dem Bündnis keine Fähigkeit verleihen,
die es nicht vorher gehabt hätte, denn, wie die Sowjets selbst nie aufhören,
uns zu erinnern, gibt es andere Systeme in Europa, die sowjetisches Territorium erreichen können.
- Diese Dislozierungen würden nicht die strategischen Streitkräfte
der Sowjets in Frage stellen, denn diese Streitkräfte liegen zum größten
Teil außerhalb der Reichweite dieser neuen Systeme.

- Diese Dislozierungen würden das Risiko eines auf Europa begrenzten
Atomkrieges nicht erhöhen, sondern im Gegenteil dazu dienen, die Sowjets
daran zu erinnern, daß sie nicht hoffen dürfen, einen Atomkrieg auf das
Territorium anderer begrenzen zu können.

- Diese Dislozierungen sind Europa nicht aufgezwungen worden, sondern
wurden in einem echten Konsultationsprozeß und als Antwort auf ein Erfordernis beschlossen, das auf dieser Seite des Atlantik ebenso dringend verspürt wurde wie auf der meinigen.
- Diese Dislozierungen haben die Aussichten auf Rüstungskontrolle nicht
zurückgeworfen, sondern haben im Gegenteil die Sowjetunion gezwungen, zumindest
im Prinzip, die Notwendigkeit zu akzeptieren, ihre auf Europa gerichteten Kern- 5a -

�gerichteten Kernwaffen zu begrenzen.
- Diese Dislozierungen zielen nicht darauf ab, die Vereinigten Staaten
von Europa zu isolieren, sondern vielmehr, die strategische Einheit des Bündnisses zu verstärken und die Sowjetunion zu veranlassen, die Sicherheit Westeuropas nach gleichen Bedingungen zu behandeln wie ihre eigenen.

Eine neue Chance für die Rüstungskontrolle
Die Entscheidung von 1979 verspricht nicht nur erhöhte Aussichten für
die Abschreckung vor einem Krieg in Europa, sondern sie bietet auch die Aussicht auf eine ernsthafte Anstrengung, über einen Abbau der amerikanischen
und sowjetischen nuklearen Mittel Streckensysteme zu verhandeln. Als Ergebnis
der Demonstration dieser Entschlossenheit der NATO, ihre Nuklearstreitkräfte
zu modernisieren, wurde die Sowjetunion dazu bewogen, zum erstenmal Nuklearstreitkräfte, die die Verbündeten bedrohen, auf den Verhandlungstisch zu legen. Ohne Modernisierung gäbe es keine Aussicht auf Begrenzung der nuklearen
Bedrohung Europas durch die Sowjets.
Bereits in den ersten Tagen ihrer Amtszeit gab die Reagan-Administration
ihre Absicht bekannt, beide Teile des Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zu
verfolgen und vor allem Rüstungskontroll Verhandlungen mit der Sowjetunion
mit dem Ziel zu beginnen, diese Nuklearstreitkräfte zu begrenzen. Am 18. November vorigen Jahres hat Präsident Reagan nach Monaten intensiver Vorbereitung und eingehender Konsultation innerhalb des Bündnisses die amerikanischen
Ziele bei diesen Verhandlungen dargelegt und einen gerechten und weitreichenVorschlag unterbreitet. Er bot den völligen Verzicht auf den geplanten amerikanischen Dislozierungen der landgestützten Marschflugkörper und der PERSHING
II-Raketen an, wenn die Sowjets ihrerseits ihre SS-20-Raketen beseitigen und
die älteren SS-4- und SS-5-Raketen außer Dienst stellen, wie das angeblich ihre
Absicht ist. Die hinter diesem einfachen und geradlinigen Vorschlag stehende
Logik ist einfach: Wenn die Sowjets bereit sind, die Systeme abzubauen, die
dem Westen am meisten Sorge bereiten, dann sind die Vereinigten Staaten bereit,

�Staaten bereit, auf die Dislozierung jener Systeme zu verzichten, von denen
die Sowjets erklären, daß sie ihnen die meisten Sorgen bereiten - die Marschflugkörper und PERSHING II. Dieser Vorschlag hat die volle Unterstützung des
Bündnisses.

Er stellt die Grundlage für die amerikanische Position in den lau-

fenden INF-RüstungskontrollVerhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion dar,die am 30. September vorigen Jahres in Genf begonnen haben.
Die Grundsätze, die uns dabei geleitet haben, diese Position zu beziehen,
sind es wert, herausgestellt zu werden, denn sie verdeutlichen die Stellung
unserer INF-Zielsetzungen innerhalb der Gesamtpolitik des Bündnisses und unterstreichen die amerikanische Verpflichtung zu einer militärisch sinnvollen
Rüstungskontrolle:
- Das Abkommen sollte sich auf den dynamischsten und bedrohlichsten Aspekt
dieser Bedrohung konzentrieren:
größerer Reichweite.

auf die landgestützten INF-Raketen

Eine Verhandlung, die den Versuch machen wollte,

eine große Bandbreite anderer Systeme einzubeziehen, würde die Aufmerksamkeit von dieser Bedrohung ablenken und eine Kompliziertheit ins Spiel
bringen, die unsere Anstrengungen behindern würde, ein Abkommen zu erzielen.
- Begrenzungen sollten in ihrem Ausmaß globaler Natur sein. Aufgrund der
Reichweite, der Mobilität und der Transportfähigkeit der modernen INFRaketen, wie etwa der SS-20-Rakete, würden Begrenzungen, die sich nur
auf jene in Europa beziehen würden, die Bedrohung Europas nicht wirksam
verringern.
- Begrenzungen müssen paritätisch sein.

Parität zwischen den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion ist die einzig annehmbare Grundlage für ein
Abkommen.

Die Vereinigten Staaten können der Sowjetunion nicht erlauben,

entweder durch Verhandlungen oder durch Aufrüstung Überlegenheit zu gewinnen.
In einem

�- In einem Abkommen sollten die die Systeme dritter Parteien begrenzt
oder kompensiert werden.

Es wäre völlig unangebracht, in einer bilateralen

amerikanisch-sowjetischen Verhandlung über Systeme von Ländern zu verhandeln, die nicht mit am Verhandlungstisch sitzen.

Die Sowjetunion kann auf

keinen Fall erwarten, das Recht zu erhalten, Streitkräfte von der Größe aller anderen zusammengenommen zu unterhalten, da das Streben nach totaler
Sicherheit eines Landes die totale Unsicherheit der anderen zur Folge
hätte.
- Jegliches Abkommen muß verifizierbar sein. Angesichts der geringeren
Größe und der größeren Mobilität der INF-Systeme stellt dies bei den INFGesprächen eine noch größere Herausforderung dar als bei den Gesprächen
über strategische Waffen.
Der vom Präsident gewählte Weg, der nach intensiven Konsultationen mit
den Verbündeten eingeschlagen wurde, beruht auf diesen Grundsätzen.
- Der Vorschlag würde jenen sowjetischen Systemen Begrenzungen auferlegen,
die dem Westen die größte Sorge bereiten: den landgestützten INF-Raketen
größerer Reichweite, wie etwa die SS-20, und jenen amerikanischen Systemen,
hinsichtlich derer die Sowjets die größten Besorgnisse zum Ausdruck gebracht haben, nämlich die neuen landgestützten Marschflugkörper und die
PERSHING II-Raketen.
- Der Vorschlag fordert Begrenzungen auf globaler Grundlage anstatt Begrenzungen, die sich auf eine spezifische, willkürliche Region beziehen.
In ihrem Streben nach einer Eliminierung aller SS-20, SS-4 und SS-5 sind
die Vereinigten Staaten bereit, auf die Dislozierung der PERSHING II und
der landgestützten Marschflugkörper in allen Teilen der Welt zu verzichten.
- Der Vorschlag würde gleiche Begrenzungen auf Null-Niveau festsetzen.
Die Sowjets behaupten, sie wollten umfangreiche Verringerungen und Gleichheit. Unser Vorschlag stellt diese Behauptung auf die Probe.
Der Vorschlag
- 8 -

�- Der Vorschlag wurde mit klaren Vorstellungen hinsichtlich der Verifizierbarkeit vorgebracht.

Der totale Bann, den wir bei den bodengestutzten INF-

Raketen größerer Reichweite anstreben, ist leichter verifizierbar als jegliche numerische Begrenzung oberhalb des Null-Niveaus.

Die sowjetische Haltung
Die Sowjets gehen bei den INF-Systemen ihren eigenen zweigleisigen Weg.
Auf dem einen Weg versuchen sie, durch die Zurschaustellung von Macht, die Vereinigten Staaten von Europa abzuspalten.
durch Rüstungskontrolle und Propaganda.

Auf dem andern versuchen sie dies
Ihre Zielsetzung zeigt sich am deut-

lichsten in der Substanz der Vorschläge, die sie bisher vorgelegt haben.
Ein Jahrzehnt lang bestand die Sowjetunion darauf, daß die amerikanischen
Streitkräfte in Westeuropa bei SALT (den Gesprächen über die Begrenzung der
strategischen Rüstungen) mitgezählt werden sollten, nicht jedoch die sowjetischen
Streitkräfte in Osteuropa. Erst als sie vor der LRTNF-Entscheidung (Nukleare
Mittel Streckensysteme großer Reichweite) des Bündnisses aus dem Jahr 1979 standen, wurden die Sowjets durch den Zusammenhalt und die Entschlossenheit der
NATO dazu gezwungen, von dieser Position abzurücken - jedoch nur, um eine neue
Serie ähnlich einseitiger Vorschläge zu unterbreiten.
Im Jahr 1979 behaupteten die Sowjets, in Europa bestehe ein nukleares
Gleichgewicht. Aber sie dislozierten auch weiterhin SS-20-Raketen, die auf
Westeuropa zielen. Im Jahr 1980 sagten die Sowjets wieder, es bestehe ein
Gleichgewicht, und boten ein Moratorium bei den neuen Raketen an. Aber sie
machten mit der Dislozierung der SS-20 weiter. Im Jahr 1981 behaupteten die
Sowjets noch einmal, es bestehe ein Gleichgewicht. Und wieder bieten sie ein
Moratorium an. Aber noch immer fahren sie mit der Dislozierung der SS-20
fort.
Wäre eine dieser sowjetischen Erklärungen hinsichtlich eines bestehenden
Gleichgewichts korrekt, so wären die beiden anderen per definitionem falsch.
Denn seit 1979 hat der Westen keine neuen Raketen disloziert, während die Sowjets

�die Sowjets im selben Zeitraum mehr als 500 SS-20-Gefechtsköpfe disloziert
haben, ganz zu schweigen von der beträchtlichen Anzahl anderer neuer Raketen
und nuklearfähiger Flugzeuge, die nunmehr auf Europa gerichtet sind.
In der Tat ist keine der drei sowjetischen Behauptungen richtig. Und nur
wenige Leute im Westen haben auch je daran geglaubt. Die sowjetische Technik
ist in diesem Fall jedoch subtiler.als dies bei ihrem traditionellen Rückgriff
auf Falschinformationen und Täuschung üblich ist. Denn mit ihrem Angebot eines
Moratoriums auf weit auseinanderklaffendem Niveau besteht die Sowjetunion darauf, daß sie ein Recht auf nukleare sowie auf konventionelle Überlegenheit in
Europa habe. Die Sowjetunion besteht darauf, daß Westeuropa kein Recht darauf
habe, sich auf die amerikanische Stärke zu stützen, um die sowjetische Macht
und deren geographische Vorteile aufzuwiegen. Das ist die Botschaft hinter
dem Moratorium.

Erst angesichts der Aussicht auf neue INF-Raketendislozierungen in Westeuropa stimmte die Sowjetunion zu, ihre auf Europa gerichteten Systeme großer
Reichweite auf den TNF-Verhandlungstisch zu legen. Ihr erster Vorschlag galt
einem Moratorium bei der Dislozierung von Systemen "mittlerer Reichweite" in
Europa. Dieser Vorschlag ist offenkundig dazu entworfen, das derzeitige sowjetische Monopol bei den INF-Raketen größerer Reichweite beizubehalten und die
geplante Modernisierung der NATO wirkungsvoll zu blockieren. Außerdem würde
es nichts dazu beitragen, die Sowjets daran zu hindern, mit Dislozierungen östlich des Ural fortzufahren - Dislozierungen, die noch immer eine Bedrohung unserer Verbündeten darstellen würden. Zum erstenmal im Oktober 1979 veröffentlicht und seither in unterschiedlicher Form wiederholt, wird dieser unechte Vorschlag für ein Moratorium auch weiterhin von den Sowjets unterbreitet. In
jüngerer Zeit wurde er jedoch von einer weiteren Methode begleitet, die dem
gleichen Ziel dient.
Die Sowjets legten diesen zweiten Vorschlag öffentlich am 9. Februar durch
TASS dar.

Dieser Vorschlag würde den Sowjets das Recht einräumen, am Ende von

nahezu zehn Jahren angeblicher Verminderungen noch immer 300 SS-20-Träger
- 10 -

�i

SS-20-Träger mit mindestens 900 Gefechtsköpfen allein im europäischen Teil
der UdSSR zu haben - ein gewaltiger Anstieg bei den sowjetischen Nuklearkapazitäten trotz ihrer Behauptung einer Verringerung von zwei Dritteln. Er würde
auch in keinster Weise vorhandene sowjetische Systeme außerhalb des europäischen
Teils der UdSSR begrenzen. Diese dürften dann ohne Begrenzung zunehmen - und
könnten noch weiter vermehrt werden durch das Schlupfloch, das den Abzug von
angeblich "verringerten" Systemen aus dem europäischen Teil der UdSSR erlaubt.
Eine SS-20, dies muß man festhalten, wird nicht dadurch weniger bedrohlich,
daß sie aus Europa abgezogen wird - aber noch immer das Gebiet des Bündnisses
erreichen kann.
Kurz:

Der sowjetische Vorschlag würde nicht einmal die Zerstörung einer

einzigen SS-20-Rakete

erforderlich machen.

Die sowjetischen Verringerungen

könnten einzig durch die Außerdienststellung älterer Systeme wie der SS-4, und
SS-5

bewerkstelligt werden, von denen Herr Breschnew selbst sagte, daß sie

ihre nützliche Dienstzeit überdauert hätten.

Kurzum:

Dies ist, was die

sowjetischen Streitkräfte anbelangt, alles andere als ein Verringerungsvorschlag.
Wie ich bereits erwähnt habe, gehen die sowjetischen Vorschläge von der
Behauptung aus, daß ein "Gleichgewicht" bei den Nuklearwaffen "mittlerer Reichweite" in Europa bestehe. Sie könnten diese Behauptung durch nichts als Manipulation der Fakten stützen - z.B. durch Einschluß amerikanischer Systeme, die
nicht in Europa disloziert sind; amerikanischer Systeme, die noch nicht einmal dem sowjetischen Kriterium "Systeme mittlerer Reichweite" gerecht werden;
sowie durch Einschluß unabhängiger britischer und französischer Nuklearsysteme.
Die Sowjets ignorieren die Tatsache, daß die Disparität zu ihren Gunsten noch
größer würde, würden ihre nuklearfähigen Flugzeuge vergleichbarer Reichweiten
ebenfalls mit in die Rechnung einbezogen. Die sowjetische Behauptung, es bestehe ein Gleichgewicht, dient dazu, das sowjetische Monopol bei den landgestützten INF-Raketen größerer Reichweite zu vertuschen.
Für das Bündnis andererseits bestünde die Wirkung des sowjetischen Vorschlags in einer ernsthaften Beschneidung der bestehenden Kapazitäten.

Die

landgestützten INF-Raketen größerer Reichweite der Vereinigten Staaten würden
- 11 -

�Staaten würden auf dem derzeitigen Stand von Null festgeschrieben.

Der ameri-

kanischen Nuklearsysteme mittlerer Reichweite würden wirksam aus Europa eliminiert werden.
Das vorgeschlagene Ergebnis steht in Einklang mit der offensichtlichen
sowjetischen Einstellung, daß die UdSSR ein Recht habe, Streitkräfte von der
Stärke aller anderen zusammengenommen

zu unterhalten, und sie daher den Ver-

einigten Staaten überlegen sein müsse.
Zusammengefaßt:

der sowjetische

sogenannte Verminderungsvorschlag

- würde keine wirkungsvolle Rüstungskontrolle bringen;
- würde ein nukleares Übergewicht der Sowjetunion kodifizieren;
- würde den langfristigen politischen Ambitionen der Sowjetunion gegenüber Westeuropa dienen, wobei als ein erster wesentlicher Schritt die
USA von Europa abgekoppelt würden.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits bleiben in Genf ernsthaften Verhandlungen in gutem Glauben verpflichtet. Wir sind weiterhin der Überzeugung,
daß die einfache, geradlinige amerikanische Haltung.entwickelt im Lauf von
Konsultationen mit den Verbündeten, die beste und ausgewogenste Möglichkeit
eines baldigen Abkommens bietet, das zu wirklichen Verringerungen führt. Wir
haben kürzlich einen Vertragsentwurf zusammengestellt, der detaillierte Bestimmungen eines solchen Abkommens enthält - in dem Bemühen, unsere Gespräche in
Genf voranzubringen.
In dem Maße, in dem die Ernsthaftigkeit der bündnisweiten Verpflichtung
zur Durchführung der beiden Teile des Doppelbeschlusses vom Dezember 1979
offenbar wird, müssen die Sowjets zu der Einsicht kommen, daß ihnen ihr wichtigstes politisches und militärisches Ziel verwehrt wird:

Die Vereinigten

Staaten von ihren Verbündeten zu trennen und die Einheit zu erschüttern, die
dem Westen seine Stärke und seine Spannkraft während der vergangenen drei
Jahrzehnte gegeben hat. Sie müssen dazu gebracht werden, die Notwendigkeit
anzuerkennen, beträchtliche Begrenzungen ihrer eigenen Streitkräfte zu akzep- 12 -

�zu akzeptieren, wenn sie vergleichbare Begrenzungen amerikanischer Streitkräfte erzielen wollen, die ihnen Sorge bereiten.

Auf diesen Glauben an ihre

Einsicht müssen wir den Optimismus bei den Aussichten für die derzeit in Genf
stattfindenden Verhandlungen gründen.
Die INF-Gespräche sind Teil eines weiter gefaßten westlichen Vorstoßes
im Sinne der europäischen Sicherheit.

Seit über 30 Jahren hat diese Methode

- eine Kombination von kollektiver Verteidigung und nuklearer Abschreckung und
Rüstungskontrolle - Europa den Frieden gebracht - in einer Welt, die sonst
Szene häufiger, brutaler und zerstörerischer Konflikte war.

Während dieses

Zeitraums von über 30 Jahren hat der Westen beständig versucht, den Frieden
auf dem Verhandlungswege durch Abkommen mit der Sowjetunion zu konsolidieren,
die die Gefahr eines Krieges vermindern und ein stabiles Gleichgewicht auf niedrigerer Ebene der militärischen Macht erlauben sollten.

Diese Bemühungen sind

größtenteils an der unterschiedlichen Einstellung des Westens und der Sowjetunion hinsichtlich der Rüstungskontrolle gescheitert.
Charakteristischerweise legte der Westen Nachdruck auf präzise praktische
Maßnahmen zur Rüstungsreduzierung, während die Sowjetunion es vorzog, deklamatorische Erklärungen umfassender Absichten, aber begrenzten Inhaltes anzustreben. Während dieses Zeitraums war der Westen bemüht - und die Sowjets
lehnten dies ab - in die Rüstungskontrollabkommen Bestimmungen einzubauen,
um deren Einhaltung zu überwachen und sicherzustellen. Die Sowjetunion hat
stattdessen vorgeschlagen, daß die Abkommen sich auf Vertrauen stützen sollten - Vertrauen in den guten Willen und die guten Absichten der Sowjetunion.
Doch nichts in dem sowjetischen Verhalten rechtfertigt ein solches Vertrauen.
Nichts in der Natur des sowjetischen Systems läßt darauf schließen, daß seine
Führer oder Vertreter sich verpflichtet fühlen, sich an ein Abkommen zu halten, wenn dieses nicht mehr zum sowjetischen Vorteil ist. Im Gegenteil, die
sowjetische Ideologie lehnt die Moral der "Bourgeoisie" ab, und das sowjetische Verhalten läßt erkennen, daß die Sowjets Abkommen nur einhalten, wenn
ihre Einhaltung internationaler Überwachung unterliegt und wenn fühlbare Strafen mit einer Nichteinhaltung verbunden sind.
Anfang der
- 13 -

�Anfang der siebziger Jahre bestand die Aussicht, daß dieser durch sowjetische Geheimniskrämerei und westlichen Argwohn entstandene tote Punke durch
neue Technologien überwunden werden könnte.

Das erste Abkommen über eine Be-

grenzung strategischer Rüstungen, SALT I, daß 1972 abgeschlossen wurde, sollte
durch "nationale technische Mittel" verifiziert werden.

Damit waren Satelliten

sowie andere Technologien gemeint, die jeder Seite die Überwachung von Aktivitäten der anderen Seite gestatteten, ohne daß dadurch Zugang zum jeweiligen
Territorium gewährt wurde.

Noch während der Verhandlungen über das zweite

Abkommen über eine Begrenzung strategischer Rüstungen, SALT II, wurde jedoch
in wachsendem Maße deutlich, daß die kurze Zeitspanne, inder die Technologie
der Beobachtung der Technologie des Verschleierns überlegen war, zu Ende gegangen war.

Mit dem Einsatz beweglicherer und kleinerer Raketen können selbst

strategische Waffen nicht mehr in angemessener Weise nur durch "nationale technische Mittel" überwacht werden.

Verifizierung, Einhaltung und beiderseitiges Vertrauen
Wir sehen uns also wieder einmal den Hindernissen gegenüber, die die Erwartungen jener enttäuscht haben, die sich um eine Rüstungsbegrenzung auf dem
Verhandlungswege durch Abkommen bemüht haben. Solche Abkommen müssen auf beiderseitigem Vertrauen basieren, es kann jedoch ein solches Vertrauen nicht geben, wenn nicht die Einhaltung des Abkommens überwacht werden kann.
Ja, Abkommen, die nicht die Möglichkeiten bieten, ihre Verifizierung
sicherzustellen und die mit einer Einhaltung verbundenen Fragen zu lösen, führen zu der Unterminierung des Vertrauens, von dem jeder Fortschritt in der
Rüstungskontrolle abhängt.

Die Konvention aus dem Jahr 1975 über biologische

und toxische Waffen bietet in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel.

Die Sowjet-

union, ein Signatarstaat dieses Abkommens, hat der internationalen Gemeinschaft
niemals irgend eine Information darüber gegeben, welche Schritte sie ergriffen
hat, um sich an das Verbot der Produktion und der Lagerung biologischer und
toxischer Waffen zu halten.

Im Jahr 1980, als sich die Vereinigten Staaten um

eine Klärung von Berichten über den Ausbruch von Anthrax in der Stadt Swerdlowsk,
- 14 -

�.

Stadt Swerdlovsk, und zwar aus offenbar nicht natürlichen Ursachen bemühten,
weigerte sich die Sowjetunion, sich an Konsultationen zu beteiligen, die in
jenem Vertrag vorgeschrieben sind.

In jüngerer Zeit - und zwar als Reaktion

auf die wachsenden internationalen Besorgnisse hinsichtlich des brutalen Einsaztes tödlicher chemischer und toxischer Waffen seitens der Sowjetunion und
ihrer Verbündeten in Afghanistan, Laos und Kampuchea - haben die Sowjets alles
unternommen, um eine unparteiische Untersuchung der Vereinten Nationen zu
blockieren.
Vielleicht liegt es in der menschlichen Natur, Wahrheiten abzulehnen, die
zu schrecklich sind, als daß man sie sich vorstellen kann. Ohne Frage hat
sich die Weltgemeinschaft schon früher so verhalten.

In Europa und in meinem

eigenen Lande gibt es viele Leute, die Afghanistan, Laos, Kampuchea als weit
weg liegende Plätze betrachten, von denen sie wenig wissen und die sie noch
weniger angehen.

Und doch liegt die Gefahr, die durch die waffentechnische

Verwendung von Toxinen - durch ein .internationales Abkommen verboten und niemals
vorher vom Menschen unternommen - gar nicht so weit weg.

In einem Handbuch

für Militä'rchemie, das 1977 von den Streitkräften von der Deutschen Demokratischen Republik herausgegeben wurde, heißt es im Hinblick auf toxische Waffen wie folgt:
"Bis Mitte der sechziger Jahre zählte man die militärisch ausgewählten
Toxine zu den biologischen Kampfmitteln. Im Prinzip verstand man darunter
nur bakterielle Toxine. Heute ist es möglich, verschiedene Toxine synthetisch
herzustellen. Im Labormaßstab kann man gegenwärtig Toxine mit 10 bis 12
Aminosäuren synthetisieren. Toxine sind nicht lebende Substanzen und in diesem Sinne Chemikalien. Sie unterscheiden sich damit grundsätzlich von den biologischen Organismen, und man kann sie deswegen zu den chemischen Kampfstoffen
zählen. Ihrer Besonderheit wegen bezeichnet man sie als 'Toxinkampfstoffe1.
Ihr Einsatz im Gefecht würde nach den gleichen Prinzipien und mit den gleichen
Methoden erfolgen wie für chemische Kampfstoffe... Bei der Anwendung der
Toxinkampfstoffe im Gefecht kann die Atmosphäre über relativ große Flächen
vergiftet werden... Man kann mit Ausbreitungstiefen bis zu 6 km rechnen,
ehe die Toxinkonzentration unter die LCt 50 abfällt." (D.h. LCt 50 ist die
- 15 -

�ist die tödliche Konzentration.)
In dem Handbuch heißt es dann weiter, daß "Toxinkampfstoffe aerolisierbar sind.

Sie können überwiegend in Kleinstbomben, die sowohl in Luftab-

wurfmitteln als auch in Gefechtsköpfen operativ-taktischer Raketen untergebracht sind, zum Einsatz gelangen."
Die Erwähnung in einem militärischen Handbuch ist noch kein positiver
Beweis, daß der Warschauer Pakt in seinem Arsenal über Toxine verfügt.

Aber

die ins einzelne gehende Informationen über die Eigenschaften toxischer Waffen, wie sie in diesem ostdeutschen militärischen Handbuch enthüllt werden,
lassen doch eine Vertrautheit mit toxischen Waffen erkennen, die kein westliches Land besitzt, denn nirgendwo im Westen sind Toxine jemals im Krieg
angewandt oder zu diesem Zweck produziert worden.

Eine neue Zukunft für die Rüstungskontrolle
Die Bilanz der Rüstungskontrolle ist eine Bilanz der Frustration und
Enttäuschung.

Während der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts erwiesen sich

die Abkommen über Rüstungskontrolle und Abrüstung als eine Quelle des Konfliktes statt einer Kraft für den Frieden.
Während der ganzen Nachkriegszeit hat die Sowjetunion immer wieder die
Rüstungskontrolle als ein politisches Instrument mit dem Ziel eingesetzt, einseitige Vorteile zu erreichen. Trotz jahrzehntelanger Diskussion wurde nur
wenig Fortschritt hinsichtlich der Festlegung kooperativer Mittel zur Verifizierung von Rüstungskontrollbegrenzungen gemacht. Während der siebziger Jahre,
als die Rüstungskontrolle rasche Fortschritte zu machen schine, hatte dies
keine bremsende Wirkung auf das Tempo der sowjetischen Aufrüstung. Jetzt,
da wir in die achtziger Jahre eintreten, haben wir erfahren, daß Rüstungskontroi labkommen, die erst 1975 abgeschlossen wurden, flagrant verletzt werden.
Diese traurige
- 16 -

�X

Diese traurige Bilanz läßt also erkennen, daß Rüstungskontrollanstrengungen selten zu einem konkreten Abkommen geführt haben, und daß - selbst
wenn solche Abkommen erzielt worden sind - sie den Konflikt eher angeheizt als
Eintracht gestiftet haben.
Müssen wir also unsere Anstrengungen, Rüstungsreduzierungen zu erreichen,
und unsere Hoffnungen auf eine friedlichere Welt aufgeben?
Das ist weder meine Schlußfolgerung, noch ist es die Schlußfolgerung
meiner Regierung.

Trotz der Wunden, die der Rüstungskontrolle geschlagen

wurden, ist sie nicht tot.
lebung erfahren.

Sie muß jedoch eine neue Richtung und eine Neube-

Zur Mitte unseres Jahrhunderts wurde dem sich immer schnel-

ler drehenden Zyklus von Konflikt und Zerstörung Einhalt geboten durch die
Schaffung einer neuen Sicherheitsstruktur, die sich auf kollektive Verteidigung und nukleare Abschreckung stützt.

In den letzten Jahrzehnten dieses Jahr-

hunderts müssen wir^zu einer vergleichbaren neuen Methode für die Rüstungskontrolle gelangen,-, die auf folgenden Kriterien basiert.
- die Angestrebten Begrenzungen müssen bedeutsam sein.

Wenn die Rüstungs-

kontrolle von Wert sein soll, dann muß sie das Tempo der sowjetischen Aufrüstung
eindämmen und sicherstellen, daß gegenüber der westlichen Zurückhaltung eine
entsprechende sowjetische Zurückhaltung erfolgt.
- Die erreichten Begrenzungen müssen verifizierbar sein.

Nur durch die

enge Überwachung der Einhaltung eines jeden Schrittes nach vorne in der Rüstungs- ,
kontrolle können wir das Vertrauen schaffen, das notwendig ist, um diesen Prozeß weiter zu verfolgen.
Der von Präsident Reagan am 18. November unterbreitete Vorschlag stellt
den ersten Schritt in den Bemühungen der Vereinigten Staaten dar, die Rüstungskontrolle gemäß dieser neuen, produktiveren Linie in neue Kanäle zu leiten.
Bei jener Gelegenheit schlug Präsident Reagan bedeutsame beiderseitige und
gleichwertige Reduzierungen bei den nuklearen Mittel Streckensystemen vor.
Er schlug ferner ähnlich bedeutsame Reduzierungen bei den östlichen und west- 17 -

�und westlichen Streitkräften in Europa vor, die zu niedrigeren, gleichwertigen Truppenstärken führen. Er erklärte, das amerikanische Ziel bei Gesprächen
über eine strategische Rüstungsbegrenzung würde in gleicher Weise in wesentlichen Reduzierungen bestehen, die zu einer Gleichheit auf niedrigerem Niveau
führen.

Die künftigen Möglichkeiten
Die Aussichten auf Fortschritte auf jenen Gebieten der Rüstungskontrolle,
die von größtem Interesse für Europa sind, einschließlich der nuklearen und
der konventionellen Streitkräfte, werden direkt berührt von der sowjetischen
Sicht Europas und des Platzes Europas in der Welt.
Die Sowjetunion sieht Westeuropa als ein Anhängsel der beiden Supermächte.

Europa wird ein zweitklassiger Status zugewiesen, seine Sicherheit

zu einer abhängigen Funktion der sowjetischen Sicherheit gemacht.
Diese anti-europäische Sicht Europas kommt auf vielfältige Weise zum
Ausdruck.

Sowjetische Kommentatoren erklären uns, daß die neue amerikanische

PERSHING-Rakete eine unannehmbare Bedrohung der Sowjetunion darstelle, weil
sie der Sowjetunion nur eine kurze Vorwarnzeit

vor einem Angriff gewähre.

Doch welche Warnzeit vor einem vergleichbaren sowjetischen Nuklearangriff
hat denn Westeuropa - vielleicht 30 Sekunden.
Diese gleiche Art einer patronisierenden Haltung liegt der sowjetischen
Konzeption bezüglich der "vorgeschobenen Systeme" (FBS) zugrunde.

Irgendwie

bezieht sich dieser Begriff, selbst im westlichen Sprachgebrauch nur auf die
amerikanischen Streitkräfte.

Er wird jedoch niemals angewandt im Hinblick

auf die sowjetischen Raketen- und Luftstreitkräfte, die in Ostdeutschland,
Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei massiert sind und die Westeuropa bedrohen.

Mit anderen Worten, die amerikanische Militärpräsenz in Europa wird

als eine unnatürliche, historische Verirrung hingestellt, während die Militärhegemonie der Sowjets über Osteuropa und ihre Ansprüche an die westeuropäischen
- 18 -

�die westeuropäische

Sicherheitspolitik als ein natürliches sowjetisches Recht

angesehen werden sollen.
Die Sowjetunion setzt also voraus, daß Westeuropa mehr Sympathie für
die Probleme der sowjetischen Sicherheit aufbringen sollte als die Sowjetunion
für die Westeuropas.

Und bemerkenswerterweise weisen wir diese selbstsüch-

tigen sowjetischen Behauptungen nicht mit dem Spott zurück, den sie verdienen.

,

Im Gegenteil, wir erheben sie in den Stand intellektuell respektabler Argumente und befassen uns in unseren innenpolitischen Debatten ernsthaft mit ihnen. .
Während der vergangenen 30 Jahre hat der Westen eine lebensfähige Alternative zu der Einschätzung Europas durch Moskau als eine zweitklassige Geisel
der sowjetischen Macht geschaffen.

Diese atlantische Alternative ist aufge-

baut auf historischen, kulturellen und kommerziellen Bindungen.

Sie hat eine

gemeinsame Vorstellung vom Platz des Menschen in der Gesellschaft und der Art
und Weise, in der ein Austausch zwischen Gesellschaften geführt werden sollte.
Um jedoch überleben zu können, mußte diese Alternative eine Bündnisstruktur
schaffen, die den ihr den Namen gebendenOzean überspannt.
Dieses Atlantische Bündnis hat einen nach vorne weisenden und realistischen Vorschlag zur Begrenzung des Wachstums der Nuklearstreitkräfte des
Ostens und des Westens unterbreitet. Die Beseitigung der nuklearen Mittelstreckensysteme würde das nukleare Gleichgewicht in Europa stabilisieren.
Das wäre ein großer Schritt vorwärts zur Gewährleistung der Sicherheit der
Sowjets wie auch des Atlantischen Bündnisses. Es wäre wirklich kurzsichtig,
wollte man die Genfer Verhandlungsn als ein Podium zur Beeinflussung der
öffentlichen Meinung betrachten. Meine Regierung appelliert an die Sowjetunion, die echten Chancen zu nutzen, die uns heute in Genf geboten werden.

- 19 -

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mIERlIK

Information
und
Dokumentation

1

Dl ElN!ST

^

United States Information Service
Embassy of the United States of America
2. März 1983

10
INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Präsident Reagan vor der "American Legion"
- Wortlaut Weinberger:

Einfrieren der Kernwaffen würde Stillstand der

Rüstungskontroi 1verhandlungen bedeuten
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Initiativen Präsident Reagans zur Rüstungsverminderung
- Eine Chronologie Admiral Howe zu den Abrüstungsverhandlungen
- Erklärung des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im US-Außenministerium WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verstärkung der Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
- FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments Schwefelsäurewolken in der Stratosphäre
- Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. März 1983

10

REDE VON PRÄSIDENT REAGAN VOR DER "AMERICAN LEGION"
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. Februar 1983 vor
dem amerikanischen Kriegsteilnehmerverband "American Legion" in einer vielbeachteten Rede einen Oberblick über die Politik der Vereinigten Staaten während der ersten zwei Jahre seiner Amtszeit gegeben.

Amerika, so betonte der

Präsident, gehe mit einem "neuen Gefühl des Vertrauens" in die Zukunft.
Die Rede von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen heute über den Fortschritt berichten, den wir in den
letzten zwei Jahren in unserem Streben nach Frieden und Freiheit in einer unsicheren Welt gemacht haben.
In den letzten Tagen habe ich Berichte von vier leitenden Mitgliedern
dieser Administration erhalten, die von einer weltweiten Mission zurückgekehrt
sind.

Vizepräsident Bush fand eine herzliche Aufnahme in Europa, wo er dazu

beitrug, viele falsche Vorstellungen bezüglich der amerikanischen Politik auszuräumen.

Außenminister Shultz unternahm eine lange Reise durch den Fernen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�den Fernen Osten.

Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane

Kirkpatrick, kehrte von einer Mission in Süd- und Mittelamerika zurück. Und
mein Berater für nationale Sicherheit, Bill Clark, berichtete von Konferenzen mit unseren Rüstungskontroll Unterhändlern Paul Nitze und Ed Rowny.

Das Erbe der Vergangenheit
Die Berichte all dieser fähigen Regierungsvertreter haben uns einen
Überblick über den aktuellen Stand der internationalen Szene gegeben.

Es

ist ein ermutigender Überblick, der einen wesentlichen Fortschritt seit
jenem Tag im August 1980 erkennen läßt, als ich Sie um Unterstützung bat
und diese erhielt.

Die internationale Lage war damals wirklich besorgnis-

erregend für all jene, die sich Sorgen machten um Amerika und die Sache
des Friedens und der Freiheit.
Unser Land war das Ziel zahlloser politischer und terroristischer Angriffe auf der ganzen Welt.

In den Augen vieler unserer Freunde waren wir

ein unsicherer Verbündeter geworden.

In den Augen potentieller Gegner wa-

ren wir zu einer fragwürdigen Abschreckung vor einer Aggression geworden.
Unsere Position in den Vereinigten Staaten war bis auf einen unerträglichen
Stand gesunken, und unsere Stärke als Weltmacht war, an allen Maßstäben moralisch, politisch, militärisch, wirtschaftlich - gemessen,in einem solchen Maße zurückgegangen, daß die Feinde der Demokratie und der internationalen Ordnung glaubten, sie könnten diese Schwäche ausnützen.

Die Sowjets

haben ihre kubanischen Söldner nach Angola und Äthiopien entsandt; chemische
Waffen gegen unschuldige Laoten und Kambodschaner eingesetzt und sind in
Afghanistan einmarschiert - das alles ungestraft.

Das erniedrigendste Symbol

dieser traurigen Situation war das Schauspiel iranischer Terroristen, die
amerikanische Geiseln nahmen und sie und unser Land über ein Jahr lang demütigten.
Wie konnte

�Wie konnte all das geschehen?

Die Antwort ist:

aufgehört, ein Führer der Welt zu sein.

Amerika hatte einfach

Das war nicht die ausschließliche

Schuld eines Politikers oder einer Partei - und es wird einer wirklich überparteilichen Anstrengung bedürfen, das alles wieder in Ordnung zu bringen.
Zu lange bestand unsere Außenpolitik aus Reaktionen auf Krisen, Reaktionen auf politische Programme anderer und aus Reaktionen auf feindselige Handlungen der Gegner von Freiheit und Demokratie.

Wir standen immer im Wettbe-

werb auf dem Felde, das unsere Gegner wählten, mit Themen und Zeitpunkten
ihrer Wahl.

Und niemand weiß besser als Kriegsteilnehmer, daß man, wenn man

in der Defensive ist, nicht vorrücken kann.

Die einzige Bewegung, die einem

bleibt, ist der Rückzug.
Manche unserer Meinungsmacher hatten aufgehört, daran zu glauben, daß
wir eine Macht für das Gute in der Welt sind. Sie schämten sich, weil Amerika
reich war in einer Welt mit so viel Armut. Sie erklärten viel zu selten,
wenn überhaupt, daß Amerikas Reichtum nicht aus Ausbeutung oder vom bloßen
Glück stammt, sondern aus der harten Arbeit des amerikanischen Volkes, aus
der Risikofreudigkeit amerikanischer Investoren, aus dem schöpferischen Geist
amerikanischer Erfinder und Unternehmer und aus einem freien System der Anreize.
Zu viele unserer führenden Persönlichkeiten sahen die Sowjets als ein
Spiegelbild ihrer selbst. Wenn wir nur abrüsteten, dann würden die Sowjets
ein Gleiches tun. Sie verbrachten all ihre Zeit damit, die Welt so zu sehen,
wie sie sehen wollten, nicht, wie sie wirklich war und ist. Und so kann man
den Frieden nicht sichern.
Ihre Einstellung ließ den zentralen Bezugspunkt der Politik außer acht
- das Denken, die Herzen, die Sympathien, die Hoffnungen und Wünsche nicht
der Regierungen, sondern der Völker. Das 20. Jahrhundert hat die wachsende
Beteiligung aller Völker an der internationalen Politik gebracht - und Amerika war auf dem Weg dahin führend. Und doch haben selbst in diesem Zeitalter

- 3 -

�diesem Zeitalter der Massenkommunikation zu viele unserer Führer diese entscheidende Dimension außer acht gelassen.
Zu viele unserer verantwortlichen Politiker hatten den Bezug zu den
sich verändernden Realitäten der Welt verloren.

Ihnen fehlte die Einsicht,

daß Amerika, wenn es heute eine wirksame Macht des Friedens sein sill, erfolgreich um die Sympathien der Weltbevölkerung - der weltweiten Wählerschaft werben muß.

Wir können nicht einfach nur gegen dies und gegen das sein.

Wir

können nicht einfach nur defensiv auf die politischen Vorschläge anderer reagieren, sie manchmal kritisieren, uns manchmal mit ihnen abfinden, ohne positive Alternativlösungen für Grundprobleme des Menschen anzubieten.
Kurz gesagt, sie ließen unsere Pflicht außer acht, für den konstruktiven
Wandel zu arbeiten, nicht einfach nur den Status quo zu erhalten.

Ein Konsens für erneute amerikanische Führung
Glücklicherweise spürte das amerikanische Volk, wohin diese gefährliche
Reise ging. Und 1980 setzte ein nationales Wiedererwachen ein - ein Wiedererwachen, das zu einem neuen Pflichtgefühl führte, einem neuen Gefühl des
Vertrauens in Amerika und die universalen Prinzipien und Ideale, auf denen
unser freies System ruht. Es handelt sich hier nicht um eine arrogante Forderung, daß sich andere unserer Lebensweise anpassen sollen; es handelt sich
um die realistische Überzeugung, daß das amerikanische Experiment relativ und
erwiesenermaßen Erfolg gehabt hat. Was wir in Amerika heute erleben - trotz
der vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben ist die erneute Überzeugung, daß unser System richtig ist. Das System hat
uns nie im Stich gelassen. Wir haben das System im Stich gelassen, jedesmal
wenn wir die fundamentalen Prinzipien vergaßen, auf denen es beruht.
Wenn Amerika die ihm zustehende Rolle in der Welt spielen sollte, dann
mußten wir erst unser eigenes Haus in Ordnung bringen.

- 4 -

1

Ersten

und höchsten

�und höchsten Vorrang hatte die Wiederherstellung einer gesunden wirtschaftlichen Basis hier in unserem eigenen Lande.

Wir mußten der Inflationsspirale

Einhalt gebieten, die unser Land jahrelang heimgesucht hat, Not unter jenen
verbreitend, die von festen Einkommen leben müssen; die Märkte für langfristiges Kapital zerstörend; und die Zukunft unserer Kinder und Enkel verpfändend.
Dann mußten wir die Grundlage für einen Wiederaufschwung schaffen, der auf anhaltendem Wachstum beruht, ohne das Gespenst der Inflation wieder gegen uns
und die Welt loszulassen.
Wir haben unser erstes wirtschaftliches Ziel erreicht, und wir sind
der Erreichung des zweiten ein gutes Stück näher gekommen.

Die Inflation,

die 1979 und 1980 noch zweistellig war, betrug 1982 nur 3,9 Prozent und war
im letzten Quartal auf eine auf Jahresbasis umgerechnete Rate von nur 1,1 Prozent gesunken.
Die andere wesentliche Vorbedingung einer gestärkten und zielstrebigen
Außenpolitik war der Wiederaufbau der Grundlage unserer militärischen Stärke.
"Für den Krieg vorbereitet zu sein", so sagte George Washington, "ist... das
wirksamste Mittel, um den Frieden zu erhalten."

Gerade weil wir dem Frieden

verpflichtet sind, haben wir die moralische Pflicht, die Glaubwürdigkeit der
Verteidigung Amerikas zu gewährleisten.
Ich bin mir durchaus im klaren, daß viele wohlmeinende Menschen die
Ausgabe gewaltiger Summen Geldes für militärische Zwecke in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten bedauern.

Ähnliche Stimmen wurden auch in den

dreißiger Jahren laut, als die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr viel schlimmer waren als das, was wir heute mitmachen.

Aber weil man diesen Stimmen

nachgab, entstand ein katastrophales militärisches Ungleichgewicht, das die
Kräfte der Tyrannei und des Bösen in Versuchung führte und die Welt in einen
ruinösen Krieg stürzte.

Manche von Ihnen werden sich noch daran erinnern,

wie sie mit Holzgewehren exerzierten und Manöver mit Panzern aus Pappe abhielten.

Diese Erfahrung dürfen wir nicht noch einmal machen.
Zwei Jahrzehnte

�Zwei Jahrzehnte lang hat die Sowjetunion nichts anderes getan, als die
mächtigsten Streitkräfte in der Geschichte der Menschheit aufzubauen.

In

diesem Zeitraum begrenzten die Vereinigten Staaten ihre eigenen Militärausgaben bis zu dem Punkt, an dem unsere Investitionen in die Verteidigung
real zurückgingen, während sich die militärischen Investitionen der Sowjets
während der siebziger Jahre auf fast das Doppelte unserer eigenen beliefen.
Weder unsere Selbstbeschränkung, noch der Verzicht auf wichtige Waffensysteme,
noch die Ernte eines Jahrzehnts an Rüstungskontroi labkommen und -Verhandlungen
haben dem Streben der sowjetischen Führung nach weltweiter militärischer Überlegenheit Einhalt geboten, ja es nicht einmal verlangsamt.
Vor zwei Jahren haben wir mit der langen und schweren Aufgabe begonnen,
die amerikanische Verteidigung nach diesen Jahren der Unterfinanzierung und
Vernachlässigung wieder aufzubauen.

Heute stehen wir kurz davor, ein Ver-

teidigungsprogramm einzusetzen, das unsere Sicherheitserfordernisse erfüllt.
Wenn wir die Entschlossenheit zeigen, die militärischen Ausgaben auf dem notwendigen Stand zu halten, dann können wir das Gleichgewicht und die Abschrekkung wiederherstellen und den Frieden besser schützen.

Amerikas Ziel in den achtziger Jahren
Ich möchte mich jetzt unserer außenpolitischen Strategie zuwenden. Das
erste, was diese Administration tat, war das, was das amerikanische Volk nach
unserer Meinung von uns erwartete - nämlich eine realistische Betrachtungsweise der Welt und unserer Gegner einzuführen und die unverfälschte Wahrheit
über sie zu sagen. Wenn man schlechtes Benehmen auch noch entschuldigt, dann
ermutigt man die Leute, die sich schlecht benehmen,und lädt zur Aggression ein.
Wenn wir eine Politik der Ehrlichkeit und des Realismus gegenüber den
Sowjets verfolgen, dann heißt das nicht, daß keine produktiven Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern möglich wären. Was für solche Beziehungen notwendig ist, sind Zurückhaltung und Gegenseitigkeit.

- 6 -

Zurückhaltung muß in

�muß in Taten und nicht nur in Worten geübt werden. Wir achten das Völkerrecht und die Unabhängigkeit anderer Völker.

Alles was wir wollen, ist, daß

sich die Sowjets genauso verhalten.

Wiederherstellung der Beziehungen zu Verbündeten
Glücklicherweise ist Amerika in seinem Streben nach einer friedlichen,
gedeihlichen und humanen internationalen Ordnung keineswegs allein. Neben
uns stehen unsere Freunde und Verbündeten, vor allem die Demokratien Europas,
Lateinamerikas, Asiens und des Pazifik. Mit uns sind im Geiste auch Millionen von Menschen in Polen und anderen sowjetisch beherrschten Ländern, wie
auch im sowjetischen Imperium selbst. Ich habe dieser Tage ein Foto gesehen,
das aus Polen herausgeschmuggelt wurde. Das Foto zeigt einen kleinen Jungen
und ein ganz kleines Mädchen, die ein Pappschild tragen, auf dem steht:
"Unser Vater ist im Gefängnis für die Solidarität".
Die Aufrechterhaltung unserer Bündnispartnerschaften ist ein Schlüssel
unserer Außenpolitik. Der Grundpfeiler der Sicherheit Europas ist und bleibt
das NATO-Bündnis. Die NATO ist mehr als nur ein Militärbündnis. Sie ist ein
freiwilliger politischer Zusammenschluß freier Männer und Frauen auf der Basis
gemeinsamer Prinzipien und einer gemeinsamen Geschichte. Die Bindungen, die
uns mit unseren europäischen Verbündeten verknüpfen, sind nicht die harten
Bindungen der reinen Nützlichkeit oder die schweren Handschellen des Zwangs.
Sie sind so etwas wie das, was Abraham Lincoln das "mystische Band der Erinnerung" nannte, das Völker verbindet, die eine gemeinsame Vision haben.
Möge niemand auf der einen wie auf der anderen Seite des Atlantik daran zweifeln: Die Freiheit und die Unabhängigkeit der Verbündeten Amerikas sind
und bleiben uns so teuer wie die unsrigen.
Das fundamentale Ziel der sowjetischen Außenpolitik ist es, die Bande
zu zerbrechen, die uns mit unseren NATO-Partnern verbinden. Die wachsende
nukleare Bedrohung Europas, vor allem seit Mitte der siebziger Jahre, hat

- 7 -

�Jahre, hat ein politisches wie auch ein militärisches Ziel - die bewußte
Steigerung eines Gefühls der Unsicherheit unter den Völkern Westeuropas und
die Forderung nach Anpassung an die sowjetische Macht.
Das letztliche Ziel der Sowjets in Europa ist es, die Länder zu zwingen,
sich den sowjetischen Interessen zu sowjetischen Bedingungen anzupassen. Wir
sollten eigentlich alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen. Wir brauchen
nur bis zur Berliner Mauer und bis zum Eisernen Vorhang zu gehen. Die Wahrheit ist etwas, was wir und unsere NATO-Verbündeten ohne Zögern einsetzen
sollten, um den Vorwürfen und Drohungen gegen uns zu begegnen. Die Wahrheit
zu sagen, war eine der Hauptaufgaben, die Vizepräsident Bush auf seiner kürzlichen Europareise erfüllt hat. Er hat die Luft von Falschinformationen gereinigt - ja von bewußten Fälschungen.
- Er bekräftigte die fundamentale Verpflichtung Amerikas zum Frieden. Wir
betreiben keinen Imperialismus, keine Aggression oder Eroberung. Wir
bedrohen niemanden. Die sowjetischen Führer wissen nur zu gut, daß es
in den Vereinigten Staaten oder sonstwo im Westen keine politische Wählerschaft gibt, die für eine militärische Aktion wäre.
- Vizepräsident Bush bekräftigte unsere Verpflichtung zu ernsthaften,
beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungsverringerungen. Unser Vorschlag ist ernst gemeint und brächte wirkliche Verringerungen der Waffen und nicht nur ein Festschreiben des bestehenden Standes der Bewaffnung auf beiden Seiten.
- Der Vizepräsident hat auch meine Bereitschaft übermittelt, jederzeit
und überall mit Generalsekretär Andropow zusammenzutreffen und ein Abkommen zu unterzeichnen, das eine ganze Klasse von Waffen vom Antlitz
dieser Erde verbannen würde. Dieses Angebot gilt weiterhin.
- Und schließlich hat er unsere Überzeugung vermittelt, daß ein Erfolg
in den Bemühungen, die strategischen Arsenale beider Seiten wesentlich

•;&lt;
»

I

�Seiten wesentlich zu verringern, von der anhaltenden Einigkeit im
Bündnis und von der Entschlossenheit abhängt, die Wahrheit über die
Bedrohung zu sagen, vor der wir stehen.
Ich bin eine starke persönliche Verpflichtung eingegangen, bei den Verhandlungen in Genf über nukleare Mittel Streckensysteme ein Rüstungsverminderungsabkommen zu erreichen.

Wir und unsere Verbündeten sind uns voll und

ganz einig, daß mein Vorschlag für die völlige Beseitigung einer ganzen Klasse
von weiterreichenden, landgestützten INF-Raketen die beste und moralischste
Lösung ist und bleibt.

Wir verhandeln in Genf in gutem Glauben und wir nehmen

keineswegs eine "Alles oder Nichts"-Position ein.

Unsere Verhandlungen in

Genf gehen von vernünftigen Prinzipien aus, die nach langen und eingehenden
Konsultationen von allen unseren Verbündeten unterstützt werden.

Zu diesen

Prinzipien gehören:
- Die einzige Basis, auf der ein faires Abkommen erreicht werden kann,
ist die der Gleichheit der Rechte und Begrenzungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Daraus folgt, daß britische und französische strategische Systeme per
definitionem nicht Bestandteil dieser bilateralen Verhandlungen sind
und daher nicht über sie verhandelt werden kann.
- Ferner können sowjetische Vorschläge, die die Bedrohung lediglich von
Europa nach Asien verlagern würden, nicht als vernünftig betrachtet
werden.
- Und schließlich wird es, wie auf allen Gebieten der Rüstungskontrolle,
entscheidend wichtig sein, daß ein INF-Abkommen durch wirksame Verifizierungsmaßnahmen garantiert wird.
Wir betrachten diese Vorschläge als ein Angebot der besten Hoffnung
auf die Gewährleistung von Frieden und Stabilität durch die Verringerung der
INF-Systeme.

Zu diesem Zweck hat Botschafter Nitze die Anweisung, in Genf

�in Genf alle vorgeschlagenen Lösungen zu sondieren, die im Einklang mit den
Prinzipien stehen, hinter denen das Bündnis steht.
Wenn wir von Bündnissen, Freunden und Anliegen der Vereinigten Staaten
sprechen, dann müssen wir Asien besondere Aufmerksamkeit schenken.

Die ame-

rikanisch-japanischen Beziehungen sind und bleiben das Kernstück unserer
Asienpolitik.

Zusammen können die Vereinigten Staaten und Japan einen gewal-

tigen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik und zum technologischen Fortschritt
leisten, die wir für das wirtschaftliche Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt brauchen.

In Asien selbst werden wir weiterhin

unsere Partnerschaft zur Unterstützung des Friedens stärken.

Ministerpräsi-

dent Nakasone und ich haben während seines kürzlichen Besuches-in Washington
unsere Verpflichtung zu dieser Partnerschaft bekräftigt - und der Besuch von
Außenminister Shultz in Tokio hat das unterstrichen.
Unser Verhältnis zur Volksrepublik China ist ein weiterer wichtiger
Punkt - nicht nur für den Frieden und die Stabilität in Asien, sondern in
der ganzen Welt.

Während seines Besuches in Peking hat Außenminister Shultz

viele Stunden lang offene und nützliche Gespräche mit chinesischen Führern
geführt.

Das wichtigste Ergebnis dieser Gespräche war die Erkenntnis, daß

trotz unserer offenkundigen Differenzen beide Seiten diese Beziehung schätzen
und sich verpflichtet fühlen, sie zu verbessern.
Wenn wir unsere Beziehungen zu China ausbauen, dann werden wir unsere
anderen Freunde in diesem Gebiet nicht vergessen. Wir sind verpflichtet,
unsere Beziehungen zur Bevölkerung Taiwans zu pflegen, mit der wir eine lange
und ehrenhafte Verbindung haben. Unsere Bindungen zur Republik Korea bleiben
fest, und Truppen unserer beiden Länder schützen gemeinsam das geteilte Land
gegen eine drohende Aggression aus dem Norden.
In Südostasien arbeitet die Vereinigung Südostasiatischer Nationen
(ASEAN) zusammen, um das wirtschaftliche, kulturelle und bildungspolitische
Wachstum der Region zu fördern. Unser Land hat enge gegenseitige Bindungen
zur ASEAN und ihren einzelnen Mitgliedern. Der ANZUS-Pakt mit Australien und
- 10 -

�Australien und Neuseeland gehört zu den wichtigsten Beziehungen, die wir in
der heutigen Welt haben.

Die Erhaltung des Friedens
In vielen wichtigen Teilen der Welt fordern aktive Konflikte das Leben
unschuldiger Menschen, hemmen das wirtschaftliche Wachstum und blockieren
den wirtschaftlichen Fortschritt.

Die Vereinigten Staaten besitzen eine

einmalige Fähigkeit und die Pflicht, in diesen Regionen für den Frieden zu
arbeiten.
Im Nahen Osten arbeiten wir daran, die Völker dieses Gebietes zu überzeugen, daß dauerhafter Frieden und dauerhafte Sicherheit nur durch direkte
Verhandlungen und nicht durch die Anwendung bewaffneter Gewalt zustande kommen können. Ein sicherer und dauerhafter Frieden für Israel und seine arabischen Nachbarn, einschließlich einer Lösung des Palästinenserproblems, die
die legitimen Rechte dieses Volkes befriedigt, ist ein grundlegendes Ziel
unserer Außenpolitik. Wir haben eine neue Initiative eingebracht, die dazu
dienen soll, den in Camp David begonnenen Verhandlungsprozeß zu beschleunigen und auszuweiten. Dieser Prozeß erfüllte das Prinzip, besetztes Territorium für den Frieden zwischen Israel und Ägypten einzutauschen. Heute
möchte ich meinen Appell an die arabische Welt wiederholen, die Existenz
Israels und die Realität anzuerkennen, daß Frieden und Gerechtigkeit nur
durch direkte Verhandlungen gewonnen werden können. König Hussein sollte
in seinen Bemühungen unterstützt werden, ein gemeinsames jordanisch-palästinensisches Team zusammenzubringen, um über die Zukunft von Westjordanland, Gaza und Jerusalem zu verhandeln.

Wir arbeiten auch weiterhin an dem totalen Abzug aller ausländischen
Streitkräfte aus dem Libanon, damit dieses Land wieder ein unabhängiger, souveräner Staat werden kann.

Wir appellieren an Syrien, die PLO und Israel,

ihre Truppen so rasch wie möglich aus dem Libanon abzuziehen.

Eine weitere

Besetzung des Libanon durch diese Streitkräfte kann nur den Interessen jener
- 11 -

�Interessen jener dienen, die die Sache des Friedens untergraben wollen.
Diese Administration ist bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen,
um die Sicherheit der Nordgrenze Israels nach einem vollständigen Abzug
der israelischen Armee zu garantieren.

Wahrer Frieden kann nur aus frei

ausgehandelten Abkommen entstehen - nicht aus Lösungen, die mit Gewalt aufgezwungen werden.

Stärkung des internationalen Wirtschaftssystems
Die Welt erlebt eine Periode großer wirtschaftlicher Instabilität einer Instabilität, die sogar beträchtliche Gefahren für die Sicherheit
der Welt in sich birgt.

Wir und unsere Verbündeten müssen den politischen

Mut zeigen, bei der Durchführung der notwendigen Gegenmaßnahmen zusammenzuarbeiten, vor allem, wenn diese Gegenmaßnahmen kurzfristig Opfer fordern.
Noch nie hat es so gestimmt, daß wir alle jeder für sich hängen werden, wenn
wir nicht zusammenhängen.
Ein wesentliches Element unseres Verhältnisses zu Ländern in der ganzen
Welt ist die wirtschaftliche Verbindung, die uns mit Handelspartnern vereint.
Ich möchte heute nicht auf die Details unserer internationalen Handels- und
Wirtschaftspolitik eingehen, aber einen Punkt möchte ich doch hervorheben,
daß es unsere Politik ist und weiterhin sein wird, uns dem Protektionismus
im eigenen Land und im Ausland zu widersetzen und für die Fortführung des
freien Handels einzutreten, der der Welt so gute Dienste geleistet hat.

Fortschritt für die Entwicklungsländer
In engem Zusammenhang mit der Handels- und Wirtschaftskomponente unserer Außenpolitik steht unser Verhältnis zu den Entwicklungsländern. Ich
bin überzeugt, daß die Zeit für unser Land und für andere Länder gekommen
ist, sich den Problemen der Entwicklungsländer in einer direkteren und wenigefr

- 12 -

�und weniger "väterlichen" Weise zuzuwenden.

Tatsache ist, daß massive Zufüh-

rung von Auslandshilfe sich nicht nur als unwirksam erwiesen hat, die wirtschaftlichen Entwicklung der Dritten Welt anzuregen - in vielen Fällen war
sie sogar kontraproduktiv.

Diese Art Auslandshilfe ist nichts anderes als

Wohlfahrtszahlung in globalem Ausmaß - und genau so unwirksam und entwürdigend.

Unsere Wirtschaftshilfe muß sorgfältig gezielt sein und muß die Ener-

gien und Anstrengungen des privaten Sektors maximal nutzen.
Diese Denkweise kommt in der Initiative für das Karibische Becken zum
Ausdruck, die ich voriges Jahr verkündet habe. Ihr Ziel besteht darin, Handel, Hilfe und Investitionsanreize in einer ausgewogenen Vereinbarung zu kombinieren, die die Selbsthilfe der Menschen im Karibischen Becken anregt.
Immer wieder haben mir die Führer dieser Länder gesagt, daß sie keine Almosen
haben wollen, sondern Hilfe, um ihr eigenes Leben durch eigene Anstrengungen
zu verbessern.
Ein wichtiger Teil dieser Hilfe ist die Einführung wirksamer ManagementPraktiken und wirtschaftlichen Denkens, die so viel zur erfolgreichen Entwicklung in fortgeschrittenen Volkswirtschaften beigetragen wie der unsrigen.
Es gibt keine gefährlichere Fehleinschätzung als die Vorstellung, der Kapitalismus sei ein Wirtschaftssystem, in dem nur die Reichen profitieren. Wirtschaftliche Freiheit ist der stärkste Antrieb der Welt zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit. Sie hat in unserem Lande mehr Wohlstand geschaffen und ihn
breiter unter unser Volk verteilt als irgendeine andere bekannte Gesellschaftsform der Menschheit. Die Entwicklungsländer müssen ermutigt werden, mit der
wachsenden Vielfalt von Möglichkeiten der Gewinnbeteiligung und der Ausweitung des Kapitalbesitzes zu experimentieren, die wirtschaftliche Verbesserungen für ihre Bevölkerung bringen können.
Natürlich sind die wirtschaftlichen Probleme nicht die einzigen Probleme,
mit denen sich die Entwicklungsländer auseinandersetzen müssen. Die schwankende Mischung von Armut und sozialer und politischer Instabilität macht
viele dieser Länder zum natürlichen Ziel der Subversion durch den neuen Kolonialismus der totalitären Linken. Wenn Länder ihre ohnehin knappen Mittel von
- 13 -

�Mittel von der wirtschaftlichen Entwicklung abzweigen müssen, um gegen importierten Terrorismus oder Guerillakrieg zu kämpfen, dann bleibt der wirtschaftliche Fortschritt auf der Strecke.

Daher ist die Sicherheitshilfe ein

integraler Bestandteil unserer Hilfspolitik gegenüber Lateinamerika und der
Entwicklungswelt allgemein.
In Mittelamerika stehen wir vor einer besonderen Bedrohung, die ein
Risiko für unsere nationale Sicherheit darstellt.

Mittelamerika liegt zu

nahe bei uns, und es geht bei den Seewegen in der Karibik und beim Panamakanal um zu viel, als daß wir die Realität außer acht lassen könnten.

Das

Gespenst marxistisch-leninistisch kontrollierter Regierungen in Lateinamerika
mit ihren ideologischen und politischen Abhängigkeiten von Kuba und der
Sowjetunion stellt eine direkte Herausforderung dar, auf die wir reagieren
müssen.

Armut zusammen mit sozialer und politischer Instabilität stellen

eine schwankende Mischung dar, die der neue Kolonialismus der totalitären
Linken für seine eigenen zynischen Zwecke auszunutzen versucht.
Die Bestätigung der Demokratie in Costa Rica durch die dortigen Wahlen
im vorigen Jahr, der Obergang von einer Militärherrschaft zu einer gewählten Zivilregierung in Honduras und der Beginn einer Demokratie in El Salvador
mit den erfolgreichen Wahlen im März vorigen Jahres beweisen, daß wir auf
dem richtigen Wege sind.
Dank dieses Fortschritts wird die marxistische Revolution nicht mehr
als die unausweichliche Zukunft für Mittelamerika betrachtet. Die überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner spricht sich klar für Demokratie mit
freien Wahlen,freien Gewerkschaften, Religionsfreiheit und der Achtung der
Unantastbarkeit des Einzelmenschen aus.
Aber wirtschaftliche Reform braucht Zeit, um Fuß zu fassen, und die
Demokratie bedarf der besonderen Pflege in Ländern, in denen sie keine alte
Tradition hat. Wir müssen sicherstellen, daß die Regierungen in El Salvador
und anderen mittel amerikanischen Staaten sich selbst gegen die marxistische
Guerilla verteidigen können, die Waffen, Ausbildung und Geld über Kuba und
- 14 -

�Kuba und Nicaragua erhält.

Die Vereinigten Staaten können und werden nicht

zulassen, daß marxistischer Terror und marxistische Subversion in Mittelamerika die Oberhand gewinnen.
Gleichzeitig werden wir weiterhin durch unsere eigenen Bemühungen die
Anstrengungen anderer Demokratien unterstützen, alle Möglichkeiten der Versöhnung und des Friedens in Mittelamerika auszuschöpfen.
mand täuschen:

Aber möge sich nie-

Wir werden unsere Freunde niemals verlassen.

Und wir wer-

den niemals unsere Oberzeugung aufgeben, daß legitime politische Macht nur
aus freien, offenen und regulären Wahlen hervorgehen kann.
Botschafterin Kirkpatrick hat auf ihrer jüngsten Lateinamerikareise
eingehende Konsultationen mit Führern der Region gepflogen und ihnen versichert, daß wir an unseren gemeinsamen Anstrengungen festhalten, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die Sicherheitsanliegen zu unterstützen
und die Kräfte der Freiheit zu stärken.

Weltweite Förderung demokratischer Institutionen
Als ich im Juni vorigen Jahres vor dem britischen Parlament sprach,
habe ich das allumfassende Ziel unserer Außenpolitik aufgezeigt.

Ich be-

merkte, daß Amerikaner eine positive Vorstellung von der Zukunft der Welt
haben- eine realistische und eine idealistische Vorstellung.

Wir wollen

eine Welt, die mit Zustimmung der Regierten in Frieden und Freiheit lebt.
Bisher haben wir und die anderen Demokratien jedoch unsere Aufgabe nicht
sehr gut erfüllt, den aufstrebenden Nationen Demokratie und freie Wirtschaft
zu erklären.
Manche Leute argumentieren, daß jeder Versuch, das zu tun, eine Einmischung in die Angelegenheiten anderer bedeute - einen Versuch, anderen
die eigene Lebensweise aufzuzwingen.

Das ist es überhaupt nicht.

tion hat das Recht, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen.

Jede Na-

Aber zu be-

streiten, daß demokratische Werte für die heutige Entwicklungswelt eine echte
- 15 -

�eine echte Bedeutung haben

oder für die Millionen von Menschen, die vom

Kommunismus unterdrückt werden, hieße, die universelle Bedeutung des grundlegenden zeitlosen Glaubensbekenntnisses negieren, daß alle Menschen gleich
geschaffen sind - und daß sie vom Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen
Rechten ausgestattet worden sind.
Menschen, die heute in Afrika, Lateinamerika oder in Zentralasien leben, besitzen die gleichen unveräußerlichen Rechte, ihre eigene Regierung zu
wählen und über ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen, wie wir.
Indem sie die zeitlosen Werte und Wahrheiten miteinander verbanden,
haben Amerikaner immer die Realitäten der heutigen Welt hochgehalten und die
fange einer fundamental neuen Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik
geschaffen - einer Politik, die sich nicht schämt oder entschuldigt zu erklären, wie unsere kostbaren freien Institutionen funktionieren, und den
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu beschreiben, den sie in so einmaliger Weise fördern.
Geschichte ist kein Weg in die Dunkelheit, der unausweichlich zur
Tyrannei führt, wie uns die Kräfte des Totalitarismus glauben machen möchten. Im Gegenteil, eines zeichnet sich im Weltgeschehen deutlich ab - und
hat sich in jedem Jahr dieses Jahrhunderts immer deutlicher abgezeichnet -,
daß der Weg in die entgegengesetzte Richtung geht. Es ist die wachsende Entschlossenheit der Männer und Frauen aller Rassen und Herkunft, ihr Schicksal
selbst in die Hand zu nehmen und sich von Willkürherrschaft zu befreien.
Mehr als jede andere menschliche Triebfeder ist dies die treibende Kraft,
die die Menschheitsfamilie heute vereint - der brennende Wunsch, unbehindert
in einer Welt zu leben, die die Rechte des einzelnen und der Nationen achtet.
Ich würde zugeben, daß wir Unrecht hätten, wenn wir Stacheldraht spannen
müßten, um unsere Bürger daran zu hindern, das Land zu verlassen.
Nichts macht mich stolzer auf das Land, dem ich diene, als die Tatsache, daß Amerika wieder an der Spitze dieser Bewegung steht.

- 16 -

Wollen wir

�Wollen wir nicht mehr auf jene Stimmen hören, die uns nur zu lange unter
dem Gewicht eines Schuldkomplexes gebeugt sehen wollten.
Es ist Amerika, das die Beseitigung einer ganzen Klasse von Kernwaffen
vom Antlitz der Erde vorgeschlagen hat - das eine fünfzigprozentige Verringerung der strategischen Interkontinentalraketen vorgeschlagen hat.
Es ist Amerika, das zur Beendigung der Belagerung von Beirut beigetragen hat und aktiv daran arbeitet, den Friedensprozeß im Nahen Osten auszuweiten.
Es ist Amerika, das eng mit den afrikanischen Frontstaaten und unseren
europäischen Verbündeten zusammengearbeitet hat, um Frieden in Afrika zu
bringen - und das unermüdlich mit Großbritannien und Argentinien daran gearbeitet hat, eine friedliche Lösung des Konflikts im Südatlantik zu erreichen.
Es ist Amerika, das in Lateinamerika und anderswo in der Welt den Trend
zur Demokratie ermutigt - und mit den moslemischen und all den anderen Ländern zusammenarbeitet, die eine Beendigung der brutalen Besetzung Afghanistans
durch die Sowjets wollen.
Es ist Amerika, das sich anderen freien Völkern in der Forderung nach
Versöhnung und Beendigung der Unterdrückung in Polen anschließt.
Und, jawohl, es ist Amerika, das führend in der Welt ist, was die Beiträge zu humanitären und Flüchtlingsprogrammen sowie die Unterstützung von
Programmen anbetrifft, um den weniger glücklichen Ländern der Welt zu helfen.
Es ist an der Zeit, daß wir wieder eine unbestreitbare Wahrheit bekräftigen - daß Amerika die größte Friedensmacht in der heutigen Welt ist und
bleibt.
Trotz all
- 17 -

�Trotz all der Belastungen und Mühen der jüngsten schweren Prüfungen
sind die Vereinigten Staaten noch immer eine junge Nation - eine Nation,
die nicht nur aus ihrem materiellen Oberfluß und ihrer wirtschaftlichen
Macht immer wieder neue Stärke schöpft, sondern auch aus freien Idealen,
die heute noch so voller Leben sind wie sie vor zwei Jahrhunderten waren,
als eine kleine, aber tapfere Schar, die wir unsere Gründervä'ter nennen,
ihr Leben, ihr Schicksal und ihre heilige Ehre in die Schanze schlugen, um
Freiheit und Unabhängigkeit zu gewinnen.
Meine Mitlegionäre, der amerikanische Traum lebt - nicht nur in den
Herzen und Hirnen unserer eigenen Landsleute, sondern auch von Millionen
von Menschen auf der Welt in freien und unterdrückten Gesellschaften, die
von uns eine Führung erwarten. Solange dieser Traum lebt, solange wir ihn
verteidigen, hat Amerika eine Zukunft - und die ganze Menschheit hat Grund
zu hoffen.

+ + + + +

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10

2. März 1983

WEINBERGER: EINFRIEREN DER KERNWAFFEN WÜRDE STILLSTAND DER
RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN BEDEUTEN
• Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger erklärte am 25. Februar 1983 im Pentagon vor Mitgliedern des
amerikanischen Kriegsteilnehmerverbandes "American Legion Auxiliary",
daß ein Einfrieren der Kernwaffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt "alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte
machen würde."
Die wichtigsten Teile der Rede Weinbergers haben folgenden Wortlaut:
Blicken wir auf die Sowjetunion, so erkennen wir, daß sie seit 20
Jahren ständig eine immer gewaltigere militärische Macht aufhäuft.

Diese

Aufrüstung ließ in ihrem Tempo auch dann nicht nach, als sich die Vereinigten Staaten entschlossen, ihre eigenen Militärausgaben einzuschränken dies ging so weit, daß sie praktisch fast während der gesamten siebziger
Jahre real sogar zurückging.

Die Sowjets hingegen haben das Tempo auch

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Tempo auch bis jetzt noch nicht verlangsamt.

Ergebnis ihrer Aufrüstung

und unserer Vernachlässigung ist ein gefährliches Umkippen des militärischen
Gleichgewichts, das für die Aufrechterhaltung der Abschreckung und für die
Friedenssicherung von so entscheidender Bedeutung ist.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir die grundlegenden Fakten des
militärischen Gleichgewichtes begreifen - daß die sowjetischen Investitionen
in zukünftige militärische Kapazitäten rund doppelt so hoch sind wie die unsrigen; daß die Sowjets den Vereinigten Staaten in fast jeder Waffenkategorie
weit voraus sind.

Aber wir müssen auch über die schlichten Zahlen hinaus-

gehen und fragen, was die sowjetische Aufrüstung tatsächlich bedeutet - oder
bedeuten könnte.

Und wenn wir sie unter diesem Aspekt betrachten, entdecken

wir zwei Tatsachen der militärischen Kapazitäten der Sowjetunion, die uns
frösteln lassen und die über jeden Vergleich von Zahl gegen Zahl hinausgehen.
Die erste Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas entwickelt hat, was
man nur als eine offensive Militärstreitmacht interpretieren kann.
Im Bereich der Kernwaffen bauen die Sowjets z.B. auch weiterhin weit
mehr Interkontinentalraketen, als sie lediglich zur Vergeltung eines Angriffes
benötigen. Sie haben außerdem die Fähigkeit entwickelt, einige dieser Raketen
erneut zu laden und abzuschießen. Sie haben die Treffgenauigkeit ihrer Kernwaffen stark verbessert - zu einem großen Teil, wie ich hinzufügen muß, als
Folge der Technologien, die sie von uns übernommen haben - und sind nunmehr
in der Lage, die meisten unserer eigenen landgestützten Raketen durch einen
Erstschlag zu zerstören. Sie haben uns gegenüber angedeutet, daß sie glauben,
einen verlängerten Krieg austragen zu können - durch Verhärtung ihrer Raketensilos und durch den Schutz ihrer Hauptziele mit Hilfe einer großangelegten
Luftverteidigung. Schließlich weisen ihre Schriften, ihre militärische Doktri
und ihre Manöver darauf hin, daß sie die Möglichkeit der Führung eines tatsächlichen Atomkrieges in ihre Überlegungen einbeziehen.
Die gleiche

�Die gleiche offensive Entwicklung läßt sich bei ihren konventionellen
Streitkräften erkennen und bei ihrer Strategie für den Einsatz dieser Streitkräfte.

Die Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Paktes, die

einst langsam und schwerfällig waren, werden heute für plötzliche und überraschende Bewegungen weit über die eigenen Grenzen hinaus modernisiert,
disloziert und ausgebildet.

Die taktischen Luft- und Raketenstreitkräfte

der Sowjets werden rasch mit modernen Systemen ausgerüstet, die großangelegte Luftoffensiven führen können.

Die sowjetische Marine ist in Umfang und

moderner Ausrüstung in augenfälliger Weise erweitert worden und hat in zunehmendem Maße die Fähigkeit, unseren Handel zur See zu unterbrechen.
Die zweite Tatsache bezüglich der militärischen Macht der Sowjets ist
die, daß sie heute die ganze Welt umspannt. Gerade in den letzten Jahren
haben wir erlebt, daß die Sowjets zahlreiche Sicherheits- und Kooperationsabkommen in Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten und in Asien ausgehandelt
haben. Sie erwerben Stützpunkte in Übersee und pumpen massive Waffenlieferungen in die Dritte Welt - doppelt so viel, wie wir von 1977 bis 1981 geliefert haben. Sie setzen in Mittelamerika und in Afrika kubanische, ostdeutsche
und libysche Stellvertreter ein. Und in dem dramatischsten Fall sind sie
in Afghanistan einmarschiert und haben diesem Volk das Elend chemischer und
toxischer Waffen gebracht.
Es ist, kurz gesagt, der Sowjetunion erlaubt worden, ein einseitiges
Wettrüsten ohne jede Rücksicht auf uns durchzuführen.

Wäre diese Verlagerung

des Gleichgewichts weitergegangen, dann wären die Sowjets bald in der Lage
gewesen, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - aus der Gewißheit
heraus, daß wir nicht fähig wären, zu antworten.

Wir haben in Polen,

Afghanistan, in Osteuropa und anderswo erlebt, daß die Sowjetunion nicht
zögert, Schwäche auszunutzen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sowjet-

union glaubt, sie könnte mit uns einen Krieg anfangen und wir nicht die Kraft
und die Streitkräfte zur Vergeltung hätten.

Vor allem dürfen wir nicht zu-

lassen, daß die Sowjetunion glaubt, sie könnte einen Atomkrieg gegen die
Vereinigten Staaten führen und gewinnen.
Aus diesem
- 3 -

�Aus diesem Grunde ist unsere Administration der Oberzeugung, daß ein
Einfrieren der Kernwaffen zum jetzigen Zeitpunkt und unter den jetzigen Umständen gefährlich wäre.

Wir sind uns darüber im klaren, daß der Vorschlag,

die Kernwaffen auf dem jetzigen Stand einzufrieren, einer tiefen Ablehnung
des Krieges und einer tiefen Angst vor einem Atomkrieg entsprang.

Unsere

Administration teilt diese Gefühle voll und ganz. Aber wir sind überzeugt,
daß ein Einfrieren nicht nur die Möglichkeit eines Krieges nicht verringern,
sondern die Gefahren,vor denen wir alle stehen, stark erhöhen würde.
Ein Einfrieren zum jetzigen Zeitpunkt würde unseren obersten und ersten
Zielen von Frieden und Sicherheit zuwiderlaufen.

Es würde die Vereinigten

Staaten und ihre Verbündeten auf eine Position ständiger militärischer Unterlegenheit festlegen zu einer Zeit, da die Sowjetunion nicht nur ihr Arsenal
täglich vergrößert, sondern auch durch alle vorhandenen Anzeichen klar erkennen läßt, daß sie glaubt, einen Atomkrieg gegen die Vereinigten Staaten
gewinnen zu können.

Und dieser militärische Nachteil oder das Ungleichge-

wicht, wenn Sie so wollen, unterhöhlt die Abschreckung, die nach unserer Oberzeugung den Frieden bewahrt hat.
Aber ein Einfrieren der Kernwaffen würde nicht nur die Abschreckung
untergraben.

Der zweite, ebenso zwingende Grund, daß ein Einfrieren der Kern-

waffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklug wäre, ist der, daß dies alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte machen
würde.
Wenn wir echte Rüstungsverringerungen erreichen wollen, dann sind
mehrere Dinge notwendig: Beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln,
und das heißt, beide Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem Interesse liegt, in Verhandlungen einzutreten. Das ist kein übler Trick. Wir
haben dies zu Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister
Vance mit dem Vorschlag nach Moskau reiste, die Kernwaffen zu verringern.
Die Sowjets weigerten sich, überhaupt darüber zu sprechen. Aber in diesem
Jahr, als Präsident Reagan viel weitergehende RüstungsVerminderungen vorschlug,

- 4 -

�Rüstungsverminderungen vorschlug, zeigten sich die Sowjets sofort bereit,
darüber zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets in Genf mit uns am Verhandlungstisch und sprechen mit uns über die Beseitigung der bedrohlichsten und destabilisierendsten
nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa - die landgestützten Raketen.

Sie

kommen in Genf mit uns zusammen, um über Verringerungen unserer Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Der Grund für diesen grundlegenden Unterschied liegt nach unserer Überzeugung darin, daß die Sowjets ganz richtig begriffen haben, daß wir die lange und schwere Aufgabe begonnen haben - und fortzusetzen gedenken -, die Wirksamkeit unserer Abschreckung wiederzugewinnen.
Aber sich an den Verhandlungstisch zu setzen, ist erst der erste Schritt.
Diese Verhandlungen werden nicht zu den von uns gewünschten Ergebnissen führen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum
müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung fortsetzen.

+ + + + +

- 5 -

�2. März 1983

10

INITIATIVEN PRÄSIDENT REAGANS ZUR RÜSTUNGSVERMINDERUNG
- Eine Chronologie -

WASHINGTON - (AD) - 18. November 1981: In der ersten großen außenpolitischen
Rede seiner Präsidentschaft schlägt Ronald Reagan ein umfassendes Rahmenwerk für
neue Rüstungskontrollverhandlungen vor, das sich auf die Notwendigkeit umfassender
Verringerungen bei allen Waffentypen konzentriert - ein Schritt vorwärts von den
Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) zu Gesprächen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START).
Als einen ersten Schritt drängt Reagan auf amerikanisch-sowjetische Gespräche
über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF). Er kündigt die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten an, auf eine Dislozierung von 572 PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCM) in Westeuropa zu verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen abbaut.
Reagan stellt fest, daß die Sowjets in den vergangenen sechs Jahren - während
die Vereinigten Staaten keine neuen Mittelstreckenraketen dislozierten und
1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzogen - 750 Gefechtsköpfe auf mobilen,
treffgenauen Raketen dislozierten.
Der Präsident schlägt für Anfang 1982 die Eröffnung der START-Verhandlungen
vor. Er verpflichtet sich zu Vorschlägen über "wirklich ernsthafte Kernwaffenverit dem Ergebnis, daß es zu einem beiderseitig ausgewogenen und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausgewogenen und verifizierbaren Waffenniveau kommt".
Außerdem fordert der Präsident Anstrengungen, auch bei den konventionellen
Streitkräften in Europa zu Gleichheit auf niedrigerem Niveau zu gelangen.

Er

erklärt:" Die Verteidigungserfordernisse der Sowjetunion lassen kaum den Unterhalt
von heute mehr Kampfdivisionen in der DDR notwendig erscheinen, als die gesamte
Invasionsstreitmacht der Alliierten bei der Landung in der Normandie hatte".
Er unterstützt einen westlichen Vorschlag auf der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) über eine Abrüstungskonferenz in Europa.
30. November 1981: In Genf beginnen die INF-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

ChefUnterhändler sind Paul H. Nitze auf

amerikanischer und Yuli A. Kwisinski auf sowjetischer Seite.
9. Mai 1982: In einer Rede am Eureka-College kündigt Reagan an, daß die STARTVerhandlungen am 29. Juni in Genf beginnen werden.

Er setzt sich für eine schritt-

weise Reduzierung ein, die sich auf die destabilisierendsten Elemente der Nuklearwaffen konzentrieren soll.
In einer ersten Phase würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf Raketen um
ein Drittel auf etwa 5000 verringert werden; außerdem würde die Anzahl der Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBM) auf die Hälfte dieser Zahl begrenzt werden;
schließlich würde die Gesamtmenge der Raketen auf ein beiderseits gleiches Niveau etwa auf die Hälfte des derzeitigen amerikanischen Umfangs - gesenkt werden.
In einer zweiten Phase würden die Vereinigten Staaten weitere Verringerungen bei der
Gesamtzerstörungskraft der Arsenale beider Seiten anstreben - und dies auf einen
beiderseitig gleichen Umfang -, einschließlich einer jeweiligen Obergrenze beim
Wurfgewicht der Raketen unterhalb dem derzeitigen amerikanischen Umfang.
Die Vereinigten Staaten würden außerdem Bomber und andere strategische Systeme
auf gleiche Weise behandeln.
9. Juni 1982:

Reagan unterbreitet neue Vorschläge für die beiderseitigen und

ausgewogenen Truppenverringerungen (MBFR) in Mitteleuropa.
- 2 -

Diese Vorschläge, die

�Diese Vorschläge, die daraufhin von den westlichen Verbündeten am 8. Juli 1982 bei
den MBFR-Gesprä'chen in Wien dargelegt wurden, fordern Verringerungen bei den jeweils
entsprechenden Landstreitkräften des Nordatlantikpaktes und des Warschauer Paktes
in verifizierbaren Schritten auf insgesamt 700 000 Mann sowie auf eine Stärke von
900 000 für Land- und Luftstreitkräfte zusammengenommen.
11. Juni 1982: In seiner Berlin-Rede erklärt Reagan, daß Washington seine
Anstrengungen intensivieren wird, um Möglichkeiten für eine Verbesserung des Verständnisses und der Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Friedens- und Krisenzeiten zu untersuchen. Er unterstreicht, daß die
Vereinigten Staaten an Moskau mit Vorschlägen zur Vertrauensbildung herantreten
werden. Hierzu gehören ein Austausch auf Gebieten wie der vorherigen Benachrichtigung über größere strategische Manöver, die sonst falsch interpretiert werden
könnten, Vorabinformation bei Abschüssen von Interkontinentalraketen innerhalb wie
außerhalb der nationalen Grenzen sowie ein erweiterter Austausch von Daten über
die strategischen Streitkräfte.
17. Juni 1982: Auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen für Abrüstung
schlägt Reagan eine internationale Konferenz über Militärausgaben vor, um auf den
Arbeiten der Vereinten Nationen aufzubauen, durch die ein gemeinsames System für
Berechnung und Berichterstattung entwickelt werden soll.
14. Januar 1983: Auf einer Pressekonferenz betont Reagan die Bereitschaft
der Vereinigten Staaten "so lange am Verhandlungstisch zu bleiben, wie es auch nur
die geringste Chance gibt, Rüstungsverringerungen herbeizuführen, denn es ist dies
das wichtigste Problem, vor dem diese Generation steht." Er betont, daß Washington
"jeden ernsthaften Vorschlag in Erwägung ziehen wird", den Moskau zur Frage der
Rüstungsverringerung vorlegt.
31. Januar 1983:

Botschafter Edward Rowny, Chef der amerikanischen START-

Delegation, erklärt, daß die Sowjets "positives Interesse" an den von Reagan vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen gezeigt haben.

- 3 -

Ein amerikanisd-sowjetisches

�Ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über solche Maßnahmen würde, so Rowny,
"sehr hohe Priorität" auf seiner Tagesordnung für die Verhandlungen mit seinem
sowjetischen Gesprächspartner Viktor Karpow haben.
31. Januar 1983: Vizepräsident Bush verliest in Berlin einen "offenen Brief"
Präsident Reagans an Europa, in dem der Präsident dem sowjetischen Generalsekretär
Juri Andropow vorschlägt, daß "er und ich uns treffen, wo immer and wann immer es
ihm recht ist, um ein Abkommen zu unterzeichnen, welches gewährleistet, daß alle
amerikanischen und sowjetischen landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite von diesem Erdball verschwinden."
30. Januar - 10. Februar 1983: Bush besucht sieben westeuropäische Länder,
um die engstmögliche Koordination bei den Rüstungsverringerungsinitiativen zu
gewährleisten. Dabei erklärt er wiederholt, daß der amerikanische INF-Vorschlag
"kein Vorschlag des Alles-oder-Nichts ist".
Um diesen Aspekt zu unterstreichen, trifft Bush am 4. Februar in Genf mit den
sowjetischen Unterhändlern zusammen und drängt ihnen gegenüber darauf, einen ausgewogenen, gleichwertigen Vorschlag für eine einschneidende, verifizierbare Verringerung der sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen vorzulegen.

+ + + + +

- 4 -

�2. März 1983

10

ADMIRAL HOWE ZU DEN ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN
- Erklärung des Direktors des Büros für
politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium

WASHINGTON - (AD) - Am 17. Februar 1983 gab Admiral Jonathan T. Howe,
Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im Außenministerium, vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, folgende Erklärung ab:
Im vorigen Jahr begannen wir zwei großangelegte bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion zur Begrenzung sowohl der strategischen Nuklearwaffen als auch der nuklearen Mittel Streckenwaffen.

Bei der Formulierung

unserer Vorschläge für die START- und die INF-Verhandlungen hielten wir uns
an vier wesentliche Grundsätze - Gleichheit, Stabilität, Verifizierbarkeit
und militärisch bedeutsame Verringerungen.
Wir streben Vereinbarungen an, die zu einer gleichen Stärke der Streitkräfte auf beiden Seiten führen würden.

Wir streben Abkommen an, die die

strategische Stabilität dadurch vergrößern würden,daß eine besondere Betonung auf jene Systeme gelegt wird, die die größte Bedrohung für das überleben der Abschreckungsstreitkräfte darstellen.

In unserem Streben nach mili-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�nach militärisch bedeutsamen Verringerungen gehen wir über die bisherigen
Vereinbarungen hinaus, die den Umfang der Streitkräfte auf beiden Seiten
lediglich auf dem bestehenden, hohen Niveau festschrieben.

Durch unser Be-

harren auf wirksame Verifizierung zielen wir auf die Behebung des Problems
an, das uns schon lange bei den bestehenden Abkommen ärgert, nämlich unserer
Unfähigkeit, die Einhaltung durch die andere Seite sicherzustellen.
Wir gehen an diese Verhandlungen mit dem größten Ernst der Zielsetzung
heran.

Wie der Präsident sagte, besteht unser höchstes Ziel darin, das Ri-

siko eines Atomkrieges zu mindern.

Wir sind der Überzeugung, daß diese Ver-

handlungen sowie die Vorschläge, die die Botschafter Nitze und Rowny in Genf
vorlegen, die beste Möglichkeit zur Erlangung dieses Zieles bieten.

Natür-

lich wird unser Erfolg in großem Maß davon abhängen, ob die Sowjets mit den
gleichen ernsten Absichten verhandeln wie wir.

Lassen Sie mich nun auf den

derzeitigen Verhandlungsstand zu sprechen kommen.

START
Unsere START-Delegation unter der Führung von Botschafter Rowny ist
eben zur dritten Verhandlungsrunde nach Genf zurückgekehrt.

Während der

ersten beiden Runden haben beide Seiten ihre ursprünglichen Vorschläge dargelegt und die jeweils andere Seite um Erklärung von Einzelheiten ersucht.
Wie Botschafter Rowny Ihnen gesagt hat, war die Atmosphäre bei den Gesprächen
bislang ernsthaft und sachlich.
Unser START-Vorschlag eröffnet auf bedeutsame Weise neue Wege.

Zum

erstenmal schlagen wir direkte Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen von ballistischen Raketen vor.

Die Gesamtzahl von Raketengefechtsköpfen ist eine

wichtige Maßeinheit der strategischen Kapazität, die bei SALT I oder SALT II
nicht begrenzt wurde.

Wir haben bei START vorgeschlagen, die Anzahl der auf

Raketen dislozierten Gefechtsköpfe auf 5000 zu reduzieren.

Würde dieser Vor-

schlag in die Tat umgesetzt, wäre eine Verminderung der Anzahl der Raketengefechtsköpfe um ein Drittel die Folge.
Die Interkontinentalraketen
- 2 -

�Die Interkontinentalraketen (ICBM) mit Mehrfachgefechtsköpfen werden
allgemein als die destabilisierendsten strategischen Offensivwaffen angesehen.

Es ist zum Beispiel die sowjetische SS-18-ICBMjmit ihren zehn

großen, unabhängig voneinander auf Ziele ausrichtbaren Gefechtsköpfen, die
am meisten dazu beigetragen hat, die amerikanischen landgestützten ICBMSysteme verwundbar zu machen, und die dadurch die strategische Stabilität
untergraben 'hat.

Wir haben daher vorgeschlagen, daß nicht mehr als die

Hälfte der erlaubten Anzahl von Raketengefechtsköpfen (d.h. 2500) auf Interkontinentalraketen disloziert werden sollten.
Außerdem haben wir vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten und die
UdSSR die Anzahl ihrer dislozierten Raketen auf rund die Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Umfangs reduzieren sollten. Eine solche Verringerung
würde weit über die Begrenzungen hinausgehen, die in SALT II abgesprochen
worden waren.
Der amerikanische Vorschlag hält sich voll und ganz an das Prinzip
der Gleichheit. Er ist nicht getrieben von dem Wunsch nach strategischer
Überlegenheit; er fordert vielmehr ein gleiches Niveau bei Raketen und bei
Gefechtsköpfen auf beiden Seiten. Aufgrund der Asymmetrie der amerikanischen
und der sowjetischen Streitkräfte - letztere verfügen über eine größere Zahl
von ICBM - wird es notwendig sein, daß sie bei ihrer ICBM-Streitmacht größere
Reduktionen vornehmen, damit sie auf das beiderseitige gleiche Niveau an Gefechtsköpfen kommen. Ihrerseits werden die Vereinigten Staaten eine größere
Anzahl von Gefechtsköpfen beseitigen, die auf unterseebootgestützten Raketen
disloziert sind.
Der amerikanische START-Vorschlag würde die Abschreckung beträchtlich
erhöhen, und jeden Anreiz zum Beginn eines Atomkrieges vermindern.

Auch wenn

die Gefahr eines durch Zufall oder Fehleinschätzung ausbrechenden Atomkrieges
äußerst gering ist, müssen wir doch mit unseren Anstrengungen fortfahren,
eine solche Möglichkeit noch weiter zu verringern.

Aus diesem Grund haben

wir bei START eine Reihe Vertrauensbildender Maßnahmen vorgeschlagen.

Dazu

gehört die Vorankündigung von Abschüssen von Raketen, die vorherige Benach-

�vorherige Benachrichtigung über größere Manöver und ein Datenaustausch über
die strategischen Nuklearstreitkräfte.

Auch die Sowjets sind an Vertrauens-

bildenden Maßnahmen interessiert und wir hoffen, daß es in diesem Bereich zu
Fortschritten kommt.
Natürlich haben die Sowjets ihren eigenen START-Vorschlag auf den Tisch
gelegt, einen Vorschlag, dessen Elemente sie in einem Prawda-Artikel im Dezember veröffentlicht haben.

Ihr START-Vorschlag umfaßt die folgenden Ele-

mente :
- Verringerung der Anzahl schwerer Bomber und Raketenabschußeinrichtungen
auf 1800;
- Gesamtbegrenzung von Kernwaffen oder Gefechtsköpfen (die sie nicht im
einzelnen dargelegt haben);
- Verbot von Marschflugkörpern großer Reichweite; und
- Vertrauensbildende Maßnahmen nach eigenem Vorschlag.
Ich finde es ermutigend, daß die Sowjets Verringerungen bei Raketenabschußeinrichtungen und Bombern vorgeschlagen haben, die unter dem hohen Niveau von SALT II liegen. Auch könnte ihre erklärte Bereitschaft zur Begrenzung von Kernwaffen indirekt die Tatsache anerkennen, daß Begrenzungen bei
Raketenabschußeinrichtungen allein (wie bei SALT I und SALT II) nicht genügen.
Allerdings gibt es bei unseren Vorschlägen beträchtliche Unterschiede.
Die sowjetische Begrenzung auf 1800 bleibt erheblich hinter den Verringerungen
des amerikanischen Vorschlages zurück; außerdem haben die Sowjets bislang noch
nicht ihre vorzuschlagenden Begrenzungen der Gefechtsköpfe enthüllt. Ein Verbot von Marschflugkörpern ist für die Vereinigten Staaten unannehmbar. Generell haben die Sowjets sich geweigert, unser Grundprinzip zu akzeptieren,
demzufolge manche Waffen, wie etwa ICBM, eine ernsthaftere Bedrohung der Ab-

- 4 -

�der Abschreckung und der Stabilität darstellen als andere.
Wir hegen jedoch die Hoffnung, daß wir mit Geduld, in gutem Glauben
und mit der Unterstützung des Kongresses, der amerikanischen Öffentlichkeit
und unseren Verbündeten zu einem Abkommen gelangen können, das einen großen
Beitrag zur Verringerung eines Atomkriegsrisikos leisten wird.

Sollten die

Sowjets an diese Verhandlungen mit einer gleich positiven Haltung herangehen,
so sind wir zuversichtlich, daß echte Fortschritte erzielt werden können.

INF
Neben den vier grundlegenden Verhandlungsprinzipien der Gleichheit,
der Stabilität, der Verifizierbarkeit und der wesentlichen Verringerung, wie
sie oben erwähnt wurden, haben die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten für ein INF-Abkommen einige spezifische Kriterien festgelegt, die sich
aus den ganz besonderen Umständen dieser Verhandlungen herleiten lassen.
Wir haben klargestellt, daß ein solches Abkommen nicht die Systeme von Drittstaaten einbeziehen oder kompensieren kann, die nicht Verhandlungspartei
sind; daß es nicht europäische Sicherheitsprobleme nach Asien exportieren
darf; und daß es zu allererst und vor allen Dingen die Systeme begrenzen
soll, die beiden Seiten die größte Sorge bereiten, nämlich die landgestützten
INF-Raketen größerer Reichweite.
Wie Sie wissen, ergab sich die INF-Problematik als Ergebnis eines einseitigen, sowjetischen Ausbaus der Kernwaffen mittlerer Reichweite im Verlauf
der vergangenen sechs Jahre - insbesondere bei der neuen, mobilen, überaus
treffsicheren, mit drei Gefechtsköpfen bestückten SS-20-Rakete. Seit 1977
haben die Sowjets 333 dieser Raketen mit insgesamt rund 1000 Gefechtsköpfen
disloziert, einschließlich 99 Raketen mit 297 Gefechtsköpfen im Osten der
Sowjetunion. Zudem vervollständigen noch immer große Mengen an älteren SS-4und SS-5-Raketen vergleichbarer Reichweite diese SS-20-Streitmacht.
Diese INF-Dislozierungen
- 5 -

�Diese INF-Dislozierungen der Sowjetunion drohten, eine regionale Militärhegemonie der Sowjets zu schaffen.

Die Reaktion hierauf war der NATO-

Doppelbeschluß von 1979, wobei sich das Bündnis verpflichtete, 572 amerikanische PERSHING II und landgestützte Marschflugkörper (GLCM) zu dislozieren,
während gleichzeitig mit der Sowjetunion ein Abkommen angestrebt werden sollte, die INF-Systeme auf beiden Seiten zu begrenzen.

Die ersten NATO-Dislo-

zierungen sollen dem Plan zufolge gegen Ende dieses Jahres einsetzen, sollte
es bis dahin nicht zu einer INF-Vereinbarung kommen, die diese Dislozierungen
überflüssig machen würde.
Die Vereinigten Staaten haben ein INF-Abkommen vorgeschlagen, das die
Notwendigkeit von NATO-Dislozierungen beseitigen und die nukleare Bedrohung
für beide Seiten gewaltig verringern würde, indem alle landgestützten INFRaketen größerer Reichweite, woimmer aufgestellt, verboten würden.

Unsere

NATO-Verbündeten haben mit uns bei der Entwicklung dieser Position zusammengearbeitet und sie von Anfang an unterstützt.

Wir sind mit ihnen darin einig,

daß diese Lösung das wünschenswerteste INF-Ergebnis darstellt und daß wir unsere Anstrengungen fortsetzen sollten, es zu erreichen.
Gleichzeitig sind wir bereit, jedweden ernsthaften sowjetischen Vorschlag
in Erwägung zu ziehen. Der Präsident wiederholte diesen wichtigen Punkt in
seinem Bericht zur Lage der Nation, und Vizepräsident Bush bekräftigte ihn
durch die Unterstützung, die er während seines jüngsten Europabesuchs von
unseren Verbündeten erhielt.
Bislang werden die sowjetischen Vorschläge den grundlegenden Kriterien
für ein annehmbares Abkommen nicht gerecht - insbesondere dem Kriterium der
Gleichheit. Die sowjetische Taktik zielt - am Verhandlungstisch wie bei ihrer
machtvollen Propagandakampagne - darauf ab, die massiven sowjetischen Raketendislozierungen beizubehalten, die trotz eines sogenannten "einseitigen Moratoriums" andauern, das die Sowjets im März 1982 verkündet hatten, während
sie gleichzeitig die NATO von deren Dislozierungen abhalten will, die dieser
Bedrohung begegnen sollen. So besteht der von Andropow am 21. Dezember unter-

- 6 -

�21. Dezember unterbreitete Vorschlag auch weiterhin auf dem sowjetischen
Recht auf ein Monopol bei den INF-Raketen, einschließlich der uneingeschränkten Dislozierung östlich des Urals.
Am 27. Januar begann die vierte Runde der INF-Gespräche. Seit Beginn
der Runde hat unsere Delegation daran gearbeitet, mit den Sowjets die legitimen NATO-Sicherheitsbedenken zu untersuchen, die die sowjetischen Vorschläge unbeantwortet gelassen haben, und nach Zeichen echter Flexibilität
Ausschau zu halten, um auf diese NATO-Besorgnisse zu reagieren.
Es ist noch zu früh zu sagen, ob die Sowjets daran interessiert sind,
in dieser Runde einen ernsthaften Vorschlag zu unterbreiten oder ob sie lediglich politisch motivierte Erklärungen abgeben - in einer Anstrengung, das
Bündnis zu spalten und die NATO-Dislozierungen zu verhindern. Es bleibt unsere große Hoffnung, daß die Anstrengungen von Botschafter Nitze auf eine
positive sowjetische Reaktion treffen - rechtzeitig für ein Abkommen, bevor
die NATO-Dislozierungen Ende dieses Jahres beginnen. Sollten die Sowjets
jedoch noch nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, dann sollte es
keinen Zweifel daran geben, daß wir und unsere Verbündeten entschlossen sind
- wie dies während der jüngsten Reise des Vizepräsidenten demonstriert wurde -,
mit unseren geplanten Dislozierungen fristgerecht zu beginnen.

+ + + + +

- 7 -

�2. März 1983

10

VERSTÄRKUNG DER STRAHLENEMPFINDLICHKEIT VON TUMOREN
FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments

- (AD) - Ein als Verstärker für die Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
wirkendes neues Präparat hat jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) für die erste Phase einer klinischen Erprobung am Menschen freigegeben.

Es wurde von Dr. Martin Brown, Professor für

Radiologie an der Stanford-Universität in Palo Alto

(Kalifornien), gemein-

sam mit William Lee vom Internationalen SRI (Stanford Research Institute) in
Menlo Park (Kalifornien) im Jahr 1978 entwickelt und inzwischen in zahlreichen
Tierversuchen getestet.

Vorläufig trägt es noch die bei Experimentierprä-

paraten übliche Nummernbezeichnung, und zwar "SR-2508".
Sein Verstärkungseffekt zur Zerstörung von Tumorzellen durch ionisierende
Strahlung beruht auf dem Umstand, daß es, wie Brown erklärt, "Sauerstoff in
der Zelle vortäuscht".
selrolle.

Sauerstoff spiele in der Strahlentherapie eine Schlüs-

Bei der herkömmlichen Therapie schlägt die das Krebsgewebe durch-

dringende Röntgenstrahlung "Löcher" in den Molekül verband der DNS (Desoxyribonucleinsäure), d.h. in das genetische Material, das es der Zelle ermöglicht,
zu leben und sich zu vermehren.

Wenn sich Sauerstoff an die DNS-Bruchstellen

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Telex: 8-85432

�DNS-Bruchstellen anhänge

- und Sauerstoff ist in den meisten Zellen reich-

lich vorhanden -, sei eine bleibende Schädigung gewährleistet, so daß die
Tumorzelle abstirbt.

Aber schon vor etwa 25 Jahren erkannte man auch, daß

es in vielen, vielleicht sogar in allen Tumoren Zellen gibt, die keinen
Sauerstoff enthalten.

Und diesen Zellen kann Strahlung nichts anhaben, sie

erweisen sich gegen Radiotherapie resistent.

Aus ihnen kann der Tumor wie-

der zu wachsen beginnen, es kommt zu einem Rezidiv.

"Wenn man es mit Krebs

zu tun hat", so Brown, "genügt es nicht, den Tumor zu 99 Prozent zu zerstören.

Er muß in seiner Gesamtheit erreicht werden."
Man versuchte dieses Problem z. B. zu lösen, indem die Bestrahlung in

Kammern mit reiner Sauerstoffatmosphäre bei dreifachem Normaldruck vorgenommen wurde in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Sauerstoff in die kritischen Zellen einzuschleusen.

Auch die Verwendung anderer Strahlenarten,

etwa von Pi-Mesonen oder von Neutronen, bei denen die Zerstörung von Krebszellen nicht vom Sauerstoff abhängig ist, sollte die Effektivität erhöhen.
Zwar verbessern solche Verfahren die Erfolgsrate, sind aber überaus kostspielig und in manchen Fällen auch gefährlich.
Im Jahr 1974 entwickelten britische Wissenschaftler eine Verbindung
(Misonidazole), die den Durchbruch zu bringen schien.

Sie imitiert die Wir-

kungen von Sauerstoff in den Tumorzellen und macht sie gegen Strahlen
empfindlich, ohne gleichzeitig normales Gewebe zu beeinträchtigen.

Aber Un-

tersuchungen in der Folgezeit zunächst an Versuchstieren, dann auch am Menschen, zeigten, daß es bei der erforderlichen hohen Dosierung zu toxischen
Schädigungen an Gehirn- und Nervenzellen kommt.

Schmerzhaftes Prickeln und

Stechen in Händen und Füßen, Hörverlust und Desorientierung waren Nebenwirkungen, die die Anwendung des Präparats verbieten.
Brown und Lee vermochten die toxischen Nebenwirkungen ganz erheblich
zu vermindern.

Dies gelang ihnen durch eine Modifizierung der chemischen

Struktur von Misonidazole in der Weise, daß die Verbindung jetzt in Fett
so gut wie unlöslich ist.

Das bedeutet, daß sie auch die sog. Blut-Hirn-

Schranke nicht passieren kann.

Dies ist jenes System im Organismus, das den
- 2 -

�das den Stoffaustausch zwischen dem Blut und dem zentralen nervösen Organ
ermöglicht und aufgrund bestimmter Gegebenheiten reguliert.

Studien an tie-

rischem und menschlichem Gewebe zeigten inzwischen, daß das neue Präparat
SR-2508 ebenso wirksam wie Mesonidazole als "Sensibilisator" für die Zerstörung von Tumorzellen mittels Bestrahlung, aber fünf- bis zehnmal weniger
toxisch für Nervengewebe ist.
Norman Coleman, Assistenzprofessor für Radiologie, leitet die jetzt beginnende klinische Studie an der Stanford-Universität. Ob und inwieweit die
bei den Tierversuchen beobachteten sehr günstigen Ergebnisse auch beim Menschen möglich sind, bleibe abzuwarten. Voraussagen hierzu seien jedenfalls
nicht möglich. In die erste Phase der klinischen Erprobung sind insgesamt
150 Patienten aus allen Teilen der USA einbezogen, die sich nach Beratung
mit ihrem Arzt zur Verfügung gestellt haben. Als Beobachtungszentren für die
Studie wurden neben dem Klinikum der Stanford-Universität die Washington-Universität in St. Louis (Missouri), die Universität Kalifornien in San Francisco,
das Nationale Krebsinstitut in Bethesda (Maryland) und das Cross-Krebsinstitut in Edmonton (in der kanadischen Provinz Alberta) ausgewählt.

+ + + + +

- 3 -

�2. März 1983

10

SCHWEFELSÄUREWOLKEN IN DER STRATOSPHÄRE
• Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

- (AD) - Eine ausgedehnte neue Schicht aus winzigen Schwefelsäuretröpfchen, die in Höhen zwischen 29 000 und 35 000 m um die Erde zieht, entdeckten Wissenschaftler der Universität Wyoming in Laramie Ende Januar 1983 mit
Hilfe einer Ballonsonde. Wie die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF)
mitteilte, wurde mit einem am 1. Februar 1983 aufgelassenen zweiten Ballon
die vier Tage zuvor gemachte Entdeckung bestätigt. Der erste, mit 8400 cbm
Helium gefüllte Ballon erfaßte mit seinen Meßinstrumenten u.a. Partikel zwischen einem Millionstel und zwei Zehntausendstel Millimetern Größe, mit der
zweiten Ballonsonde wurden Partikel bis zu zwei Millionstel Millimetern
Durchmesser ermittelt. Die Dichte der Wolke, die eine Ausdehnung von mindestens 9000 km hat, ist mit ca. 500 Tröpfchen pro Kubikzentimeter anzunehmen. Normalerweise werden in diesem Höhenbereich Konzentrationen von nur
ein bis zwei Tröpfchen pro Kubikzentimeter gemessen.
Wie Dr. David J. Hofmann und Dr. James M. Rosen, beide Professoren
für Physik und Astronomie an der Universität Wyoming, im Zusammenhang mit
ihrer Entdeckung berichten, sei die Schicht deshalb erst jetzt registriert

Postfach 20 03 OO Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�jetzt registriert worden, weil zum einen die Tröpfchen noch zu klein seien,
um Laser-Licht, mit dem von der Erde aus die Atmosphäre zur Feststellung von
Aerosolen sondiert wird, zurückzustreuen.

Zum anderen hätten sich die Wolken

erst in all erjüngster Zeit gebildet.
"Ausgangsstoff" war Schwefeldioxid, das beim Ausbruch des Vulkans
El Chichon in Südostmexiko im April 1982 in riesigen Mengen bis in die Strato
Sphäre getragen wurde.

Die Schwefeldioxidmassen aus der explosionsartigen

Eruption zogen zunächst in Richtung der nördlichen Polarregion, wo sie, wie
die Wissenschaftler vermuten, im September oder Oktober ankamen.

In der

Stratosphäre wird das Schwefeldioxid in Schwefelsäuredampf umgewandelt.

Aus

dem Dampf entstehen winzige Tröpfchen von Schwefelsäure - ein Prozeß, der
durch die niedrigen Temperaturen im Winter intensiviert wird.

Nach Meinung

Prof. Hofmanns wurden dann die über der nördlichen Polarregion gebildeten
Partikel mit den Luftmassen um die Erde transportiert.. Die Auswirkungen der
El Chichon-Eruption auf die Stratosphäre hinsichtlich des Ausstoßes von
Schwefeldioxid seien ungefähr vierzigmal größer gewesen als die vom Ausbruch
des Vulkans Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington im Jahr zuvor.
Partikel wölken in der Stratosphäre als Folge des Vulkanausbruchs in
Mexiko hatte man bisher nur in knapp 26 000 m Höhe ermittelt. "Diese neuen
Tropfchenschwaden, die mit ca. 90 km pro Stunde dahintreiben, wurden vermutlich erst jetzt gebildet", meint Dr. Hofmann. "Sie werden sich zu größeren
Partikeln zusammenballen, so daß die Dichte auf etwa 100 Tröpfchen pro Kubikzentimeter zurückgeht. Allerdings bleibt die Konzentration groß genug, um
die Schwaden auch künftig orten zu können. Angesichts der geringen Partikelgröße werde es Jahre dauern, bis das Material in tiefere Luftschichten und
schließlich zur Erdoberfläche absinke.
Vorläufig seien, wie Dr. Hofmann erklärte, von den Schwefel Säureschwaden
in der Stratosphäre keine klimatischen Auswirkungen zu erwarten.

Wenn die

Tröpfchen aber verklumpen und z.B. um das Zehnfache größere Partikel bilden,
könnten sie "optisch aktiv" werden - d.h., sie könnten das Sonnenlicht streuen und bewirken, daß sich die Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche ver- 2 -

�Erdoberfläche verringert. Gegenwärtig sei noch nicht abzuschätzen, wann
damit zu rechnen sei und ob sie überhaupt größere Partikel bilden. Jedoch
bestehe die Möglichkeit, daß die Schwaden vorübergehend die Temperaturen
absinken lassen. Sie werden zu überaus farbenprächtigen Sonnenuntergängen
beitragen, weil sie auf Grund ihrer großen Höhe noch lange Zeit nach dem
Versinken der Sonne hinter dem Horizont ihr Licht reflektieren.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Präsident Reagan vor der "American Legion"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Einfrieren der Kernwaffen würde Stillstand der Rüstungskontrollverhandlungen bedeuten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Initiativen Präsident Reagans zur Rüstungsverminderung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Chronologie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Admiral Howe zu den Abrüstungsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Direktors des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verstärkung der Strahlenempfindlichkeit von Tumoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwefelsäurewolken in der Stratosphäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vulkanausbruch beeinflusst vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 . März 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

USA und NATO Rente ins am in die Zukunft

- Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan Carlueci:

INF bedeutet keine AbkoppelunR von Europa

- Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Remeinsame Sicherheit ist nicht teilbar - Die westliche Allianz
muß einig, und stark bleiben
- Von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RettunRsgerät für DISCOVERY-BesatzunR
Magnetisches Resonanzverfahren zum Aufspüren von GefäßverenRunR

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

9

2. März 1988
REAGAN:

USA UND NATO GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT

- Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan WASHINGTON - (AD) - In seiner vom Fernsehsender Worldnet des US-Informationsamtes übertragenen Ansprache anläßlich des bevorstehenden NATO-Gipfels
erklärte Präsident Reagan am 23. Februar 1988, auch nach dem INF-Vertrag würden 4 000 amerikanische Nuklearwaffen und 300 000 Soldaten "als Garantie für
die enge Verflechtung unserer jeweiligen Zukunft" in Europa stationiert bleiben.
Präsident Reagan wird Anfang dieses Monats in Brüssel mit den Staats- und
Regierungschefs der NATO-Mitgliedsstaaten zusammentreffen und bekräftigte in
diesem Zusammenhang erneut, daß die NATO "das Kernstück der Außenpolitik und
eigenen Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt". Reagan betonte ferner,
"ein Angriff auf München kommt einem Angriff auf Chicago gleich".
Nachfolgend veröffentlichen wir die per Satellit übertragene Fernsehansprache Präsident Reagans im Wortlaut.

In wenigen Tagen werde ich mich
auf dem Weg nach Europa zum Treffen
der Staats- und Regierungschefs des
Nordatlantischen Bündnisses befinden.
Dies ist unsere erste Zusammenkunft
nach der Unterzeichnung des INF-Vertrages
durch
Generalsekretär
Gorbatschow und mich in Washington im
Dezember vergangenen Jahres. Dieses
Abkommen war ein Schritt in Richtung
auf Frieden und Freiheit in der Welt
und ein entscheidender Sieg für das
Atlantische Bündnis. Bei dem bevorstehenden Gipfel werden wir also den
Erfolg einer vor mehr als acht Jahren

United States Information Service
Embassy of the United States of Ar

von uns in die Wege geleiteten Politik feiern können, und wir werden uns
die Frage stellen müssen: Was ist
als nächstes zu tun? Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen einige Gedanken vortragen, die wir uns in den
Vereinigten Staaten über das Bündnis,
den INF-Vertrag und den vor uns liegenden Weg machen.
Die NATO bildet das Kernstück der
Außenpolitik und eigenen Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Bewahrung Europas in Frieden, Freiheit und
Demokratie ist für die Bewahrung der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vereinigten Staaten in Frieden, Freiheit
und
Demokratie
unabdingbar.
Wenn die uns verbündeten Demokratien
nicht sicher sind, können wir nicht
sicher sein. Wenn Sie bedroht werden, sind wir bedroht. Wenn Sie sich
nicht im Frieden befinden, können wir
nicht in Frieden leben. Ein Angriff
auf Sie ist ein Angriff auf uns.
Dies ist nicht nur eine Sache vertraglicher Formulierungen, so wichtig
diese auch sein mögen.
Dies sind
Tatsachen - ebenso wie die Tatsache
bestehen bleibt, daß eine Bedrohung
der Sicherheit der Staaten Maine, New
York oder Kalifornien gleichzeitig
eine Bedrohung aller 50 amerikanischen Bundesstaaten ist. Kurz gesagt: Ein Angriff auf München kommt
einem Angriff auf Chicago gleich.
Wir Amerikaner haben uns mit der
Erkenntnis schwer getan, wie eng
Frieden und Freiheit der Vereinigten
Staaten mit dem Schicksal Europas
verflochten sind. Eine aus der Zeit
Präsident Washingtons stammende Tradition war es, "ständige Bündnisse"
zu vermeiden. Und dennoch befanden
wir uns bereits zweimal im Verlauf
dieses Jahrhunderts, als Frieden und
Freiheit in Europa auf dem Spiel
standen, inmitten eines Kampfes.
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges hatten wir gehofft, Frieden,
Freiheit und Demokratie seien in Europa endlich für immer gewährleistet.
Obwohl die Vereinigten Staaten über
mehrere Jahre hinweg bei Nuklearwaffen eine Monopolstellung einnahmen,
lag es uns fern, von diesem Vorteil
zum territorialen oder irgendeinem
anderen Nutzen zu profitieren. Wir
kehrten nach Hause zurück, legten unsere Unifomen ab und die Zivilkleidung wieder an und nahmen das normale
Leben mit unseren Familien in unseren
Gemeinden wieder auf. Die Europäer
sagen häufig, wir Amerikaner seien

naiv. Nun, vor 40 Jahren traf dies
wahrscheinlich zu.
Wir mußten bald lernen, daß die
Welt nach dem Krieg nicht dem entsprach, worum wir während all dieser
jahrelangen Kämpfe gebetet hatten.
Mit zunehmender Besorgnis und Ohnmacht mußten wir beobachten, wie die
Sowjets der in Jalta eingegangenen
Verpflichtung zur Durchführung freier
Wahlen in Osteuropa den Rücken kehrten.
In ganz Osteuropa blieb die
Rote Armee weiterhin eine in vollem
Umfang mobilisierte Besatzungsarmee.
Es gab Versuche, die Demokratien in
Westeuropa zu unterwandern und es gab
das sowjetische Abenteuer in Griechenland, das dem heutigen Unterfangen der Sowjets in Mittelamerika
nicht unähnlich ist.
Als Westeuropa - mit Hilfe des
Marshall-Plans - den Wiederaufbau in
Angriff nahm, begannen alle unsere
Nationen, sich des Charakters der sowjetischen Bedrohung der Demokratien
bewußt zu werden. Und so kamen wir angefangen mit dem Brüsseler Vertrag
von 1948, der die Gründung der Westeuropäischen Union (WEU) zur Folge
hatte und dann, ein Jahr später, des
Nordatlantikvertrages, der sich auf
Kanada und die Vereinigten Staaten
sowie andere europäische Nationen erstreckte - für die Sache der gemeinsamen Sicherheit und des Friedens zusammen. Bei der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrages erklärte Präsident Harry Truman, durch diese Partnerschaft "versuchen wir, einen von
Aggression und Machteinsatz freien
Frieden in der nordatlantischen Gemeinschaft hervorzubringen". Und er
fügte hinzu, "Dieses Gebiet war der
Brennpunkt der letzten beiden Weltkonflikte. Dieses Gebiet vor Krieg
zu bewahren wird ein großer Schritt
in Richtung auf dauerhaften Frieden
in der ganzen Welt sein."

�Frieden war stets das Ziel des
Bündnisses
und
der Zweck seiner
Streitkräfte und Strategien. Und für
nahezu 40 Jahre ist Frieden seine Errungenschaft gewesen - ein Zeitraum
europäischen Friedens, der in der Geschichte seinesgleichen sucht, in dem
wir in den Demokratien in Freiheit
leben und Wohlstand vermehren konnten.
Die Friedensstrategie der NATO
ist stets einfach gewesen - Abwendung
der Aggression, noch vor ihrem Beginn. Genug Stärke und Entschlossenheit beweisen, so daß kein Gegner
auch nur einen Moment lang glauben
könnte, Krieg mache sich bezahlt.
Zunächst bedeutete das atomare
Monopol der NATO einen nuklearen
Schutzschild. Später wurde eine flexiblere Reaktion erforderlich - mit
der wir auf jegliche Art von Agriff
reagieren konnten. Ja, strategische
Nuklearwaffen waren und sind - ebenso
wie andere Nuklearwaffen - nach wie
vor notwendig. Dies kam auch in der
von Präsident Mitterrand im Dezember
vergangenen Jahres abgegebenen Erklärung zum Ausdruck: "zwischen Ost und
West ist der Weltfrieden gewährleistet worden...
durch das nukleare
Gleichgewicht". Aber Mitte der sechziger Jahre mußten wir feststellen,
daß das strategische nukleare Gleichgewicht allein nicht ausreicht, um
den Frieden zu bewahren. Die Gegner
des Bündnisses dürfen sich nicht dem
Glauben hingeben, unsere einzig mögliche Antwort auf einen begrenzten
Angriff sei das Auslösen eines interkontinentalen nuklearen Schlagabtauschs. Sollten sie sich jedoch diesem
Glauben hingeben,
könnten sie bezweifeln, daß wir eine solche Antwort
riskieren würden und versucht sein,
uns auf die Probe zu stellen.
Das
ist natürlich genau der
Grund, warum die in der zweiten Hälf-

te der siebziger Jahre begonnene Stationierung der SS-20 Mittelstreckenraketen mittlerer Reichweite durch
die Sowjets solch eine bedrohliche
Herausforderung
darstellte.
Die
SS-20 waren nicht nur eine neue Waffe, sondern eine völlig neue Dimension der Bedrohung, der die NATO
nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hatte.
Ohne Provokation oder
Vorwarnung erschütterte die Sowjetunion die Grundstruktur des europäischen Friedens.
Wie hat der Westen reagiert? Im
Jahr
1977
lenkte
Bundeskanzler
Schmidt unser Augenmerk auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.
Im Dezember 1979 verabschiedete die
NATO den Doppelbeschluß.
Die Vereinigten Staaten versuchten zunächst mit den Sowjets zu verhandeln, um sie zum Abzug der SS-20
oder der Zustimmung zum niedrigst
möglichen Gleichstand amerikanischer
und sowjetischer Systeme zu bewegen.
Solange die Sowjets von der Aufgabe
dieser Raketen nicht überzeugt werden
könnten, würde die NATO ebenfalls
eine begrenzte Anzahl ihrer eigenen
INF-Raketen stationieren - die amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper.
Diese Entscheidung zielte nicht
auf die Stationierung von mehr Raketen in Europa, sondern auf das genaue
Gegenteil ab.
Wie Valery Giscard
d'Estaing sagte, bestand das "bevorzugte Ziel darin, die Sowjetunion zum
Abbau der SS-20 zu zwingen".
Und dies ist uns jetzt gelungen.
Es war nicht leicht. Die Europäer
wissen das nur zu gut. Sie haben
viele Demonstrationen - viele gewalttätige Demonstrationen - gegen die
Stationierung beobachtet. Sie hörten
die zornigen Stimmen, mit denen die

- 3 -

�Vereinigten Staaten und die NATO vermeintlicher Kriegsabsichten beschuldigt wurden.
Sie haben Wahlkämpfe
miterlebt, bei denen die Stationierung zum Thema gemacht wurde. Sie
haben beobachtet, wie die Sowjets auf die pazifistische Gesinnung setzend - meinen Vorschlag zum vollständigen Abbau der INF-Raketen längerer
Reichweite von 1981 als unrealistisch
und nicht ernstgemeint ablehnten,
später den Verhandlungstisch verließen und sowohl vor als auch nach
ihrer Rückkehr ein Ultimatum nach dem
anderen stellten.
Sie konnten den
Mut Ihrer politischen Entscheidungsträger bezeugen, als sie zum Entschluß des Bündnisses standen - vor
allem die politisch Verantwortlichen
der fünf Stationierungsländer: Großbritannien, Belgien, Italien, die
Niederlande und die Bundesrepublik
Deutschland.
Viele derjenigen, die jeden einzelnen Schritt der NATO-Politik angefochten haben, nehmen jetzt deren Erfolg für sich in Anspruch. Diejenigen, die gegen eine Stationierung waren, haben gewonnen - sagen sie.
Premierministerin Thatcher hat den
Kern der Sache getroffen, als sie
kürzlich erklärte, und ich zitiere:
"Ohne die Entschlossenheit der NATO
zur Stationierung wäre das INF-Abkommen nie unterzeichnet worden". Und
sie stellte fest, "die SS-20 wären
immer noch aufgestellt, und wir hätten keinerlei Argument zur Verfügung
gehabt, die Sowjets von ihrem Abbau
zu überzeugen". Und es sind nicht
nur die SS-20, die demontiert werden,
sondern auch die SS-4 und die sowjetischen INF-Raketen kürzerer Reichweite, die SS-12 und SS-23, die an
sich schon eine wachsende Bedrohung
der Sicherheit des Bündnisses darstellten, da sie konventionelle oder
chemische - und auch nukleare - Gefechtsköpfe tragen können. Der INF-

Vertrag bedeutet tatsächlich einen
Sieg für die NATO. Und er sollte den
Kritikern der NATO eine Lektion erteilen.
Ich bin mir bewußt, daß manche
bei dem Abkommen immer noch ein ungutes Gefühl haben. Einige sind über
den konventionellen und chemischen
Vorteil der Sowjets besorgt und darüber,
daß
die
Beseitigung
der
Pershing
II
und
landgestützten
Marschflugkörper den Westen diesen
sowjetischen Streitkräften gegenüber
noch verwundbarer macht. Andere betrachten voll Sorge das Bindeglied
zwischen den amerikanischen und den
europäischen Stützpfeilern der NATO.
Ihre bange Frage lautet, ob der Frieden noch sicher ist, wenn diese Waffen verschrottet worden sind?
Ich bin froh, darauf mit einem
eindeutigen "Ja" antworten zu können.
Die ca. 4 000 in Europa verbleibenden
Nuklearwaffen bilden ein starkes Bindeglied zwischen den Stützpfeilern
der NATO - ebenso wie die mehr als
300 000 amerikanischen Soldaten und
ihre Familien, die in Europa leben
und arbeiten. Die verbleibenden Nuklearwaffen sind gleichmäßig auf das
Gebiet der NATO verteilt - und nicht
in einem Land konzentriert und setzen
somit auch kein Land einem besonderen
Risiko aus.
Um den Frieden gewährleisten zu
können, müssen diese Nuklearwaffen an
ihrem gegenwärtigen Standort verbleiben bis wir auf dem Kontinent mehr
Ausgewogenheit bei den konventionellen Streitkräften erzielen können.
Aufgrund ihrer Existenz und der sowjetischen Kenntnis darüber können
wir das Gleichgewicht beibehalten,
das den Frieden erhält.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der NATO-Strategie der flexiblen Re-

- 4 -

�aktion unerschütterlich verpflichtet,
und wir in den Vereinigten Staaten
werden unseren Teil dazu beitragen,
um sicherzustellen, daß die NATO all
jene modernen - konventionellen und
nuklearen - Streitkräfte aufrechterhält, die für die Beibehaltung dieser
Strategie notwendig sind. Schließlich ist unser Ziel nicht ein von
Atomwaffen oder Panzern und Armeen
befreites Europa, sondern ein Europa,
in dem es keine Kriege gibt. Heute
haben wir ein solches Europa, ein Europa im Frieden, das wir erhalten
wollen.
Wenn wir uns die nächsten zehn
Jahre der NATO vor Augen führen, ist
es unsere Aufgabe, all unsere Streitkräfte für den Frieden - einschließlich der nuklearen Streitkräfte - modern und effektiv zu erhalten. Das
wird kontinuierliche Arbeit erfordern,
weil
Militärmaschinerien
schnell veralten. Ferner ist es notwendig, daß wir bei Entwicklung und
Erwerb von Waffen und Material intelligent vorgehen - damit wir für
unser Geld den besten Gegenwert erhalten. Ich selbst rechne mit dem
Pfennig und bin froh, daß die NATO
Wirtschaftlichkeit ernst nimmt.
Bessere Zusammenarbeit unter den
Ländern Westeuropas wird auch der
Verteidigungsplanung und anderen Bereichen förderlich sein, wie wir bereits im Persischen Golf gesehen haben. Und ich möchte hinzufügen, daß
wir Amerikaner eine Zusammenarbeit im
Verteidigungsbereich zwischen unseren
europäischen Partnern auf multilateraler wie auch auf bilateraler Ebene
befürworten, die ihrem Wesen nach der
Kooperation gleichen sollte, wie sie
die Westeuropäische Union und die
Deutschen, Franzosen und andere Regierungen im Rahmen des Bündnisses
demonstriert haben.

Diese Kooperation und Koordination ist für die Stärkung des europäischen Pfeilers im Bündnis - und
damit des gesamten Bündnisses - unabdingbar.
Wir Amerikaner werden unseren
Beitrag zum Erhalt eines starken
Bündnisses leisten.
Unsere Streitkräfte werden in Europa als Garantie
dafür bleiben, daß unsere und Ihre
Zukunft untrennbar verknüpft sind.
Wir werden weiterhin unsere Streitkräfte und den - starken und modernen
- nuklearen Schutzschild beibehalten.
Und wir werden unsere Strategische Verteidigungsinitiative nachdrücklich weiterverfolgen.
Ich muß
noch einmal darauf eingehen, daß zu
Beginn große Verwirrung über unser
SDI-Programm bestand. Es wurde vielfach als "Krieg der Sterne" bezeichnet. Es hieß, dadurch würden amerikanische Waffen gefährlich weit in
den Weltraum eindringen. Es wird jedoch zunehmend erkannt, daß durch
diese Technologie die Bedrohung durch
Waffen nicht erhöht, sondern begrenzt
wird. Sie wird Menschen schützen und
verteidigen. SDI birgt das Versprechen, die Last des nuklearen Terrors
von der Menschheit abzuwenden und
diese Welt sicherer zu machen.
Nicht nur die Vereinigten Staaten
besitzen ein Strategisches Verteidigungsprogramm.
In den letzten zehn
Jahren haben die Sowjets 200 Milliarden Dollar für ihre strategische Verteidigung ausgegeben.
Es wäre ein
schwerwiegender Fehler, dieses Programm nicht weiter zu verfolgen.
Noch bevor es endgültig Wirkung zeitigt, wird die Strategische Verteidigung Abschreckung stärken. Wer auch
immer den Westen mit einem Erstschlag
außer Gefecht zu setzen gedenkt, wird
seine Position überdenken müssen,
weil dadurch das sowjetische Vertrau-

�en auf den militärischen Erfolg eines
solchen Angriffs erschüttert wird.
Aber die Aufrechterhaltung der
Verteidigungsbereitschaft und -fähigkeit unserer Streitkräfte ist nicht
etwa der einzige Punkt auf der Tagesordnung des Bündnisses. Wir wollen
eine sicherere Welt, eine Welt mit
Streitkräften geringeren Umfangs und
weniger Waffen und gleichzeitig das
entscheidende Gleichgewicht beibehalten, das den Frieden gewährleistet.
Das ist das Ziel der gegenwärtig in
Genf geführten START-Verhandlungen ein 50prozentiger Abbau der strategischen
Arsenale
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.
Wir streben im Bündnis schon lange nach einer Behebung des Ungleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften in Europa.
Wir wünschen ferner größere Offenheit, mehr
Vertrauen und verbesserte Sicherheit,
von denen alle Länder profitieren.
Die erste Priorität aller neuen Verhandlungen muß die Beseitigung der
konventionellen Fähigkeiten zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven
sein.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß die Warschauer Pakt-Staaten sich
gemeinsam mit den NATO-Verbündeten
auf eine Korrektur des vor allem bei
Panzern und Artillerie - den am meisten bedrohenden Landstreitkräften bestehenden Ungleichgewichts konzentrieren. Ein von mehr Sicherheit gekennzeichneter Frieden erfordert, daß
keine Seite ohne Vorwarnung mit ihren
konventionellen Streitkräften einen
massiven Schlag ausführen kann. Ein
besseres Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften von Ost
und West macht erhebliche Reduzierungen bei den Warschauer Pakt-Staaten
erforderlich - umfangreichere als die
von uns gegebenenfalls vorzunehmenden

- weil ihre Streitkräfte größer und
in stärkerem Maße bedrohend sind.
Wir müssen verifizieren können, daß
sich die Stärke ihrer Streitkräfte im
vereinbarten Rahmen befindet.
Das
mag ehrgeizig klingen, aber wir haben
aus dem Erfolg des Bündnisses mit dem
INF-Vertrag gelernt, daß hochfliegene
Träume durch Solidarität, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen Wirklichkit werden können.
Schließlich streben wir auch bei
den Genfer Rüstungskontrollverhandlungen ein wirksames, verifizierbares
und wirklich weltweites Verbot aller
chemischen Waffen an.
Strategische
Rüstungsreduzierungen, ein Gleichgewicht bei den konventionellen Waffen, ein wirksames
Verbot chemischer Waffen - dies sind
unsere Prioritäten für alle Verhandlungen nach dem INF-Vertrag.
Und dennoch vernehmen wir im Vorfeld dieser Verhandlungen Stimmen,
die uns zu einer Abkehr von unserer
Strategie der Kombination von Stärke
und Verhandlungen veranlassen wollen.
Sie sind der Ansicht, die Sowjetunion
habe sich unter ihrer neuen Führung
gewandelt, und
im Zeitalter von
Glasnost könnten wir den Sowjets eher
trauen.
Aber können wir es uns leisten,
zu vergessen, daß Glasnost noch weniger Jahre vom Zeitalter des Gulag
trennen als die NATO besteht? Tatsächlich kollidiert in der Sowjetunion heute eine Politik mit Namen
Glasnost mit der Realität politischer
Unterdrückung.
Wir können es uns
nicht leisten, zu vergessen, daß wir
es mit einem politischen System, einer politischen Kultur und einer politischen Geschichte zu tun haben,
die viele Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte zurückzuverfolgen sind. Das

- 6 -

�Pendeln zwischen Glasnost und Gulag
ist weder neu noch gilt es ausschließlich für die Sowjetunion. In
der Geschichte hat dies immer wieder
stattgefunden, wenn ein neuer Zar auf
den Thron kam oder auch während der
Regierungszeit eines einzelnen Zaren.
Wir können es uns nicht leisten, unsere Sicherheit gegen potentielle Motive Einzelner oder moderne Theorien
neuer Führungsspitzen zu verpfänden.
Wir müssen an der Strategie der Stärke und des Dialogs festhalten, die
den Frieden erhalten und für uns beim
INF-Vertrag bemerkenswerte Leistungen
hervorgebracht hat.
Wir müssen uns vergegenwärtigen,
daß für die NATO das Problem nicht im
Heute oder Morgen besteht. Es geht
darum, wie Europa in 15 Jahren aussehen wird. Die Sowjets sprechen über
Offenheit bei internationalen Angelegenheiten. Im vergangenen Jahr habe
ich an der Berliner Mauer erklärt,
daß es für die Sowjets ein einfaches
Mittel gibt, um zu beweisen, wie
ernst sie es mit der Offenheit meinen. Sie können an der Grenze von
Ost nach West beginnen. Sie können
eine Ausweitung des zivilen Luftverkehrs nach Berlin zulassen, so daß
die Stadt zum zentralen Luftkreuz in
Mitteleuropa werden kann. Sie können
zusammen mit Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten
mehr internationale Zusammenkünfte in
Berlin fördern. Sie können Jugendlichen in Ostberlin den Besuch des
Westsektors erlauben, um dort an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie könnten gemeinsam mit den
Westmächten internationale Sportveranstaltungen in der ganzen Stadt gestatten und ermutigen. Und sie können die Berliner Mauer niederreißen.
Ich kann den Sowjets heute nur
sagen, daß ich meine Vorschläge in
Berlin schon vor neun Monaten unter-

breitet habe. Die Menschen in Berlin
und ganz Europa verdienen eine Antwort. Machen Sie einen Anfang. Bestimmen Sie einen Termin - ein festes
Datum - an dem sie die Mauer niederreißen werden und tun Sie es dann
auch. Dies wäre die eindrucksvolle
Demonstration wahren Engagements für
Offenheit.
In ganz Osteuropa und auch innerhalb der Sowjetunion blicken wir auf
die sowjetische Führungsspitze, damit
sie ihre Ernsthaftigkeit der in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen
für
Menschenrechte
unter
Beweis
stellt. Wir warten darauf, daß die
Sowjetunion nicht mehr länger in regionale Konflikte eingreift und in
stärkerem Maße den Reiseverkehr zwischen Ost und West fördert.
Dies
sind die Säulen, auf denen eine dauerhafte Verbesserung der Beziehungen
ruhen muß.
Die
grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten zwischen Ost und West
haben nichts mit dem Waffenniveau zu
tun. Wir mißtrauen uns nicht, weil
wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander
mißtrauen. Das ist eine Frage von
Werten, Überzeugungen und moralischen
Grundsätzen.
Das läßt sich an zahlreichen Beispielen belegen. Wie haben die Sowjets Deutschland und das deutsche
Volk nach dem Krieg behandelt? Was
haben die Demokratien getan? Wie behandeln die Sowjets Länder der Dritten Welt wie etwa Afghanistan oder
Äthiopien heute? Was tut dagegen der
Westen? Wie sieht es heute in Osteuropa aus? Und wie in Westeuropa?
Oder noch einfacher: Was verstehen die Sowjets unter Begriffen wie
Demokratie, Freiheit und Frieden?
Ich bedaure, sagen zu müssen, daß sie

- 7 -

�darunter nicht dasselbe verstehen wie
wir.
Verhandlungen zwischen Ost und
West bedeuten keinen Einklang moralischer Grundsätze oder Lebensstile.
Wir müssen dies öffentlich und wiederholt sagen. So lange wie der Unterschied zwischen Ost und West der
Unterschied
zwischen
Unterdrückung
und Freiheit ist, so lange wie Europäer im Osten nicht frei sprechen und
beten können, so lange wie riesige
Armeen in Osteuropa gegen den Westen
in Stellung gebracht und in gleicher
Weise zum Erstschlag wie die Truppen
der NATO nur zur Verteidigung gegen
einen Angriff ausgebildet werden - so
lange diese Situation in der Welt
vorherrscht, muß die Strategie und
Daseinsberechtigung der NATO darin
bestehen, die Aggrssion zu stoppen,
noch bevor sie ausgeführt wird.

Würde des Menschen, oder, wie Abraham
Lincoln gesagt hat, den Glauben daran, daß "kein Mensch das Recht hat,
einen anderen ohne dessen Zustimmung
zu beherrschen".
Wir alle halten
dieses Motto in Ehren. Wir verteidigen es gemeinsam. Wir haben das Dach
dieser großartigen Struktur eines
Bündnisses fest gefügt, um dieses
Motto gegen alle Stürme und Angriffe
abzustützen.
Die Atlantische Gemeinschaft ist
das Haus der Demokratie. Das Atlantische Bündnis ist der Bewahrer des
größten Vermächtnisses Europas an die
Zukunft - der Freiheit des Menschen
und der Herrschaft der Demokratie.
Das ist die Herausforderung, die sich
dem Bündnis jetzt stellt - stark zu
bleiben, so daß künftige Generationen
Frieden und Freiheit erleben werden
wie wir.

Ich habe bereits auf Äußerungen
Präsident Trumans anläßlich der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages hingewiesen. Bei dieser Gelegenheit hatte er ebenfalls im Zusammenhang mit dem Bündnis bemerkt, wir
seien "wie eine Gruppe von Hausbewohnern, die am selben Ort leben, und
die Entscheidung treffen, ihren gemeinsamen Interessen dadurch Ausdruck
zu verleihen, daß sich sich zu ihrem
gegenseitigen Schutz formell in einem
Verbund zusammenschließen".
In den vergangenen 40 Jahrn sind
wir im Bündnis noch enger zusammengewachsen. Heute leben wir zwar nicht
mehr nur am selben Ort, sondern in
einem einzigen Haus, einem Haus, das
eines Tages die gesamte Menschheit zu
seinen Bewohnern zählen kann - dem
Haus der Demokratie. "Im Haus meines
Vaters gibt es viele Wohnungen". Im
Haus der Demokratie gibt es viele
Sprachen und vielfältige nationale
Traditionen, aber nur ein Ideal - die

- 8-

Vielen Dank und Gott segne Sie.

* * * * * *

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'VON

AMERIKA DIENST

^ X

Dokumentation

^

2. März 1988

CARLUCCI:

INF BEDEUTET KEINE ABKOPPELUNG VON EUROPA

- Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld des am 2. und 3. März in Brüssel stattfindenden Gipfeltreffens der NATO-Partner stellte sich Verteidigungsminister
Carlucci am 26. Februar über Worldnet - dem Fernsehsender des US-Informationsamtes - den Fragen ausländischer Journalisten. Carlucci zufolge ist das Gipfeltreffen "lohnenswert", weil es "wichtig ist, daß Staats- und Regierungschefs einander über Rüstungskontrolle, Lastenteilung und andere Bereiche konsultieren. Der Verteidigungsminister betonte ferner, der INF-Vertrag würde
"keineswegs" zur Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten führen,
und er ging auch auf das noch auszuhandelde START-Abkommen ein, daß er als
"militärisch in unserem Interesse" bezeichnete.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Fernsehinterviews in Auszügen:
Moderator:
Herr Verteidigungsminister, wird der INF-Vertrag Ihrer
Ansicht nach eine Abkoppelung der
Vereinigten Staaten von der NATO mit
sich bringen?
Carlucci:
Keineswegs.
Die
Vereinigten Staaten engagieren sich
auch weiterhin in der NATO für eine
Strategie der flexiblen Reaktion.
Wir hegen nicht die Absicht, die Zahl
unserer in NATO-Ländern stationierten
300 000 Soldaten zu verringern.
Wir

unterhalten

in

Europa

etwa

United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 000 Nuklearwaffen.
Wir sind der
NATO voll und ganz verpflichtet. Der
INF-Vertrag deutet nicht im entferntesten darauf hin, daß es möglichweise in unserem Verhältnis mit Europa
zu einer Abkoppelung kommen könnte.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, Sie haben vor einigen Wochen
in München die Modernisierung der
noch in der Bundesrepublik stationierten Nuklearwaffen gefordert. Sie
haben über Kurzstreckenraketen gesprochen, die das Modell "Lance" ersetzen sollen.
Ein weiteres Ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sprächsthema waren die taktischen Boden-Luft-Raketen, nukleare Artillerie
und Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten.
Halten Sie diese Forderung immer
noch
aufrecht,
nachdem
Präsident
Reagan und Bundeskanzler Kohl übereingekommen sind, daß im Augenblick
in dieser Angelegenheit kein Entscheidungsbedarf besteht?
Carlucci:
Es geht hier nicht
um unsere Forderung.
Im Jahr 1983
sind
die
führenden
Politiker in
Montebello
zusammengekommen.
Die
Premierminister,
Präsidenten
und
Kanzler haben gemeinsam die Entscheidung zur Modernisierung der Nuklearwaffen getroffen.
Die Entscheidung
wurde vom Obersten Allierten Befehlshaber Europa (SACEUR) angenommen und
gilt immer noch.
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert.
Unsere nukleare
Artillerie wird modernisiert. Natürlich müssen alle Streitkräfte auf dem
Kriegsschauplatz mit modernstem Gerät
ausgerüstet sein. Es ist im Hinblick
auf ein Nachfolgemodell der Lance-Raketen noch keine spezielle Entscheidung gefallen, aber auch das war Bestandteil des Montebello-Beschlusses.
Das ist ein kontinuierlicher Prozeß. Es ist keine Frage meiner Forderungen, sondern
die Frage der
Durchführung einer von den Staatsund Regierungschefs des NATO-Bündnisses getroffenen Entscheidung.
Frage:
(Tonstörungen)
...
diese von ihnen genannten Waffen...
würden höchstwahrscheinlich deutsches
Territorium treffen.
Verstehen Sie
die Besorgnis über das besondere Risiko, das unser Land zu tragen gezwungen sein könnte?

Carlucci:
Wir
stimmen
nicht
zu, daß die Bundesrepublik Deutschland im Falle eines Nuklearkrieges
das einzige Ziel wäre. Meiner Ansicht nach würde es schwierig für Sie
werden, die anderen NATO-Verbündeten
davon zu überzeugen.
Einige
unserer
Mehrzweckkampfflugzeuge - die F-lll zum Beispiel sind in Großbritannien stationiert.
Darüber hinaus befinden sich noch
weitere
Mehrzweckkampfflugzeuge
in
den Benelux-Ländern. Sie alle wären
Ziele, so daß kein Grund zu der Annahme besteht, die Bundesrepublik sei
das einzige Ziel, wenn die Abschrekkung versagt. Natürlich hoffen wir,
daß die Abschreckung nicht versagt.
Frage: Falls es zu einem konventionellen Krieg kommen sollte,
würde der erste Schritt dazu in der
Bundesrepublik vorgenommen - könnte
es sein, daß die Kurzstreckenraketen
zur Explosion gebracht werden?
Carlucci:
Ich stimme dem wiederum nicht zu. Wenn es zu einem
konventionellen Krieg kommt, wird natürlich die andere Seite versuchen,
die Angriffsfähigkeiten aus der Luft
zu neutralisieren. Einige der Luftstreitkräfte sind nicht in der Bundesrepublik, sondern in anderen Ländern stationiert.
Tatsache ist, daß ein Angriff gegen einen Verbündeten einen Angriff
gegen alle Verbündeten bedeutet. Wir
sitzen hier alle in einem Boot. Es
gibt keine "Singularität".
Frage:
Besteht
seitens Ihrer
Regierung die Absicht - ich denke
hierbei an unsere Engpässe bei der
Besoldung der von uns in der Bundesrepublik benötigten Soldaten - die
Zahl Ihrer Soldaten in unserem Land
zu reduzieren?

- 2 -

�Carlucci:
Nein,
wir
hegen
nicht die Absicht, unsere Soldaten in
der Bundesrepublik zahlenmäßig zu reduzieren.
Wir haben noch ernstere
Haushaltsprobleme als die Bundesrepublik Deutschland.
Unserer Ansicht
nach sollten unsere Verbündeten einen
größeren Beitrag leisten.
Wenn Sie unsere Verteidigungsausgaben im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt betrachten, so sind diese
entschieden höher als die Verteidigungsausgaben der anderen Verbündeten. Es muß also von seiten unserer
europäischen
Verbündeten
vermehrte
Anstrengungen geben, einen Teil dieser Last zu übernehmen.
Frage:
Wie ist Ihre Reaktion
auf das, was Sie selbst in ihrem Bericht an den Kongreß moderne sowjetische Friedensoffensive genannt haben, mit der meiner Ansicht nach ein
Keil in die NATO getrieben werden
soll? Wie reagieren Sie auf (Tonstörungen) ... nur zu sehr auf historische Rüstungskontrollabkommen drängen und Europa auf eine noch gefährlichere Weise der sowjetischen Überlegenheit
ihrer
konventionellen
Streitkräfte aussetzen?
Sollte nicht gemäß den Vorschlägen von Frau Thatcher der Reduzierung
konventioneller
Streitkräfte
erste
Priorität eingeräumt werden, nachdem
bei MBFR so geringe Fortschritte erzielt worden sind oder auch angesichts der Übereinkunft, daß es ein
breiteres Forum und einen weitergefaßten Verhandlungsgegenstand - vom
Atlantik zum Ural - geben sollte?
Carlucci:
Wir müssen der sowjetischen
Rüstungskontrolloffensive
entgegentreten.
Ich weiß nicht, ob
das der richtige Begriff ist. Es
handelt sich hierbei sicherlich um
eine Propaganda-Offensive im Bereich

der Rüstungskontrolle, weil das INFAbkommen primär auf die Initiative
der NATO und nicht auf den Anstoß der
Sowjets zurückgeht.
Dort wird viel über Rüstungskontrolle gesprochen.
Wir dürfen Rüstungskontrolle nicht als Selbstzweck
betrachten, sondern als Mittel zur
Stärkung der Sicherheit der NATO.
Wenn das Abkommen diese Probe besteht, sollten wir es ausführen. Unserer Einschätzung nach besteht der
INF-Vertrag diese Probe. In diesem
Sinne haben wir auch im Senat argumentiert.
Im Hinblick auf die bei START
vorgesehenen 50prozentigen Reduzierungen sind wir der Ansicht, daß dies
auch militärisch in unserem Interesse
liegt.
Ich denke, es hat sich an
vielen Beispielen gezeigt, daß die
Sowjetunion in der Lage ist, ballistische Offensivraketen in einem Ausmaß
zu bauen, das - offen gesagt - weit
über das des Westens hinausgeht.
Es ist wichtig, daß wir Obergrenzen für diese Waffensysteme festsetzen können.
Gleichzeitig sind wir
auch der Ansicht, daß es wichtig ist,
die sogenannten Gespräche über Stabilisierung fortzuführen - über Reduzierungen im konventionellen Bereich.
Beim im vergangenen Herbst in Reykjavik abgehaltenen Außenministertreffen fiel die Entscheidung zugunsten
eines umfassenden Rahmenwerks für die
Rüstungskontrolle aus, mit dessen
Hilfe wir vom INF-Vertrag über das
START-Abkommen bis hin zu Reduzierungen bei den chemischen Waffen und im
konventionellen Bereich gelangen würden.
Wir müssen an all diesen Dingen
arbeiten.

- 3 -

Frage:

Ich

möchte

eine

Frage

�ohne unmittelbaren Bezug zur NATO
stellen. Herr Verteidigungsminister,
liegen Ihnen Informationen über die
mögliche Stationierung sowjetischer
Truppen und Panzer in Armenien zur
Kontrolle von Aufständen vor?
Carlucci:
Nein, darüber habe
ich keine Informationen. Es hat wohl
einige Presseberichte über sowjetische Truppen in diesem Gebiet gegeben. Ich kann das zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigen.
Frage:
Herr Carlucci, hat die
italienische Regierung bereits ein
Abkommen mit den Vereinigten Staaten
über den Transfer von 72 amerikanischen F-16 von Spanien zu einem militärischen Stützpunkt in Italien unterzeichnet?
Wenn dem so ist, zu
welchen Bedingungen?
Carlucci:
Die italienische Regierung hat kein solches Abkommen unterzeichent.
Wir betrachten dies
nicht als bilaterale Angelegenheit.
Weder die italienische Regierung noch
die Vereinigten Staaten sehen dies
als bilaterale Angelegenheit.
Sie
ist Sache der NATO und darüber wird
in Brüssel diskutiert werden.
Die italienische Regierung hat
eindeutig erklärt, sie betrachte die
Fähigkeit des 401. Taktischen Geschwaders als sehr wichtig für die
Südflanke der NATO und sei bereit, zu
überprüfen, was zur Erhaltung dieser
Fähigkeit getan werden kann.
Gleichzeitig muß die NATO selbst
herausfinden, welche Ressourcen für
die Infrastruktur des Geschwaders benötgit werden, aber dazu hat die italienische Regierung noch keine Entscheidung getroffen.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, um der Klarheit willen möchte

ich nochmals auf ihren jüngsten Besuch in Lissabon zurückkommen - vor
dem Besuch unseres Premierministers
in den Vereinigten Staaten.
Nach ihren Gesprächen mit Kollegen in Lissabon gab es Presseberichte, denen zufolge unser Verteidigungsminister mit Ihnen ein Abkommen
über die Bedingungen zur Nutzung der
Azoren geschlossen hat...
Als der
Premierminister sich in Washington
aufhielt, gab es wiederum Berichte
der amerikanischen und der hiesigen
Presse, daß kein Abkommen unterzeichnet wurde.
Tatsächlich bestanden
zahlreiche Meinungsverschiedenheiten.
Könnten Sie zunächst die Gespräche erläutern und auch über das sprechen, was in Lissabon mit dem Verteidigungsminister unterzeichent wurde
und was man hier dazu sagte. Und
könnten Sie zweitens etwas über Ihre
gestrigen Diskussionen mit unserem
Premierminister in Washington sagen?
Carlucci:
Es wurde kein Abkommen zwischen mir und dem Verteidigungsminister
unterzeichnet.
Wir
sind übereingekommen, daß ich eine
hochrangige Delegation militärischer
Vertreter nach Lissabon entsenden
würde, damit sie gemeinsam mit dem
portugiesischen Militär ihren Bedarf
an Ausrüstung bestimmen und dann
festlegen, wie wir bei der Deckung
dieses Bedarfs behilflich sein können.
Das Abkommen über die Azoren ist
eine vollendete Tatsache. Das Abkommen ist existent. Er steht nicht zur
Wiederverhandlung an.
Im Zusammenhang mit diesem Abkommen hat der Premierminister
vorgestern
hier
in
Washington um Konsultationen nachgesucht. Wir werden diese Konsultationen abhalten, zu denen meiner Ansicht
nach auch solche Dinge wie Wirtschafts- und Militärhilfe zählen

- 4 -

�welche Probleme es auch sonst geben
mag.
Gleichzeitig hat der Premierminister angedeutet, es sei keine Frage, daß die amerikanische Präsenz auf
den Azoren verringert werden sollte.
Deshalb haben wir diesen Konsultationen gerne entgegengesehen. Wir werden mit der portugiesischen Regierung
zusammenarbeiten, um ihr auf jede erdenkliche Weise zu helfen, ihre sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse zu decken.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, die Verteidigung Dänemarks
ist in starkem Maße von der Unterstützung durch die NATO und die Vereinigten Staaten abhängig. Inwieweit
sind Sie und die Vereinigten Staaten
bereit, Kürzungen des dänischen Verteidigungshaushalts
zu
akzeptieren
und uns dennoch Hilfe zu leisten?
Eine Reihe dänischer Politikern
glauben augenscheinlich, sie könnten
die Verteidigungsausgaben weiterhin
beschneiden, weil ihren Aussagen zufolge die Verteidigung Dänemarks im
Interesse der NATO liegt, so daß sie
uns ungeachtet unseres eigenen Tuns
helfen werden.
Wie lauten die Vorschläge der
NATO und der Vereinigten Staaten dazu?
Carlucci:
Wir
sind natürlich
enttäuscht, daß Dänemark einen derart
geringen Beitrag zu der gemeinsamen
Verteidigung leistet, indem es seine
eigenen Streitkräfte beibehält.
Wir haben mit der dänischen Regierung Konsultationen darüber abgehalten. Wir haben die dänische Regierung gedrängt, mehr zu tun. Ich
bin sehr wohl bereit, zuzugeben, daß
das NATO-BUndnis im Interesse der
Vereinigten Staaten liegt - darauf

haben wir immer hingewiesen.
Es
liegt jedoch auch im Interesse unserer Verbündeten.
Wir sitzen hier alle in einem
Boot. Es geht nicht um die Frage,
daß einer weniger tut und die anderen
zwingt, mehr zu tun. Es geht um die
Notwendigkeit für uns alle, mehr zu
tun. Wir hoffen also, daß Dänemark
in Zukunft bereit sein wird, seine
Anstrengungen im Bereich der Verteidigung zu verstärken. Das ist für
uns alle von Bedeutung.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, kann ich Ihnen bei dieser Gelegenheit eine Frage zur derzeitigen
Lage in Panama stellen? Die Möglichkeit einer militärischen Intervention
der Vereinigten Staaten in Panama
kann im Augenblick nicht ausgeschlossen werden - wie schätzen Sie die Situation in Panama angesichts der
scheinbar
neugewonnenen
Stärke
Noriegas ein?
Senator D'Amato hat
vor zwei Stunden amerikanische Militärintervention gefordert. Wird dies
im Augenblick ernsthaft erwogen oder
vollständig ausgeschlossen?
Carlucci:
Natürlich kann angesichts einer solchen Situation nichts
vollständig
ausgeschlossen
werden.
Ebensowenig werden ernsthafte Erwägungen angestellt.
Wir sind über
diese Wende der Ereignisse natürlich
nicht erfreut, es wäre jedoch verfrüht, zu diesem Zeitpunkt Maßnahmen
zu ergreifen.
Frage:
Sie sagten, als Ergebnis des INF-Vertrages werde es keine
Abkoppelung
amerikanischer
Truppen
von der Verteidigung Europas geben.
Hier stimme ich mit Ihnen überein.
Aber besteht nicht eine Abkoppelung
im Hinblick auf die Verwundbarkeit
der Sowjetunion, wenn die amerikanischen Raketen, die sowjetisches

- 5 -

�Territorium treffen können, abgezogen
werden?
Der Abbau auf sowjetisches Territorium
gerichteter
amerikanischer
Waffen war seit den siebziger Jahren
stets
Ziel
sowjetischer
Politik.
Bisher war sie zum Scheitern verurteilt, scheint jetzt jedoch Erfolg zu
haben. Meiner Ansicht nach besteht
tatsächlich eine Abkoppelung bei der
Verwundbarkeit der Sowjetunion und
der von Europa insgesamt.
Zweitens wird Ihren Ausführungen
nach die flexible Reaktion durch den
INF-Vertrag
nicht
beeinträchtigt.
Ist es nicht so, daß die flexible Reaktion sich auf die Qualität der Abschreckung gründet - auf die Gefahr
einer Eskalation - und trifft es
nicht ebenfalls zu, daß der INF-Vertrag einige Ungleichgewichte bei einer späteren Eskalation behebt?
Nachdem ich dies alles gesagt habe, möchte ich wie bereits zu Beginn
dieses Worldnets nochmals betonen,
daß ich dennoch eine Ratifizierung
des Vertrages befürworte.
Carlucci: Wir müssen zum Zweck
der Stationierung von Pershing-Raketen zurückkommen. Als Teil des Doppelbeschlusses bestand der Zweck darin, die Sowjets zu Verhandlungen
über den Abbau der SS-20, SS-4 und
SS-5 zu bewegen.
Dieses Ziel haben wir erreicht.
Es gibt andere Waffensysteme, die zu
einem Schlag gegen die Sowjetunion
fähig sind; zum Beispiel können die
in Ihrem Land stationierten F-lllBomber die Sowjetunion treffen. Und
die Unterseeboote der Poseidon-Klasse
der NATO können die Sowjetunion treffen.
Das

sowjetische

Territorium

ist

also nicht unverwundbar. Das Kernstück der flexiblen Reaktion besteht
in unserer Fähigkeit - wie von Ihnen
ausgeführt
- durch konventionelle
Streitkräfte und kriegsschauplatzgebundene Nuklearstreitkräfte zu strategischen Streitkräften hin zu eskalieren.
Strategische Streitkräfte können
die Sowjetunion zweifelsohne treffen.
Darin besteht die Verbindung zwischen
den Vereinigten Staaten und der NATO.
Meiner Ansicht
nach sollten die
Pershings und landgestützten Marschflugkörper nicht unter dem Aspekt eines Ungleichgewichtes bei den letzteren gesehen werden.
Betrachtet man diese Ungleichgewichte, warum sollte man dann nicht
auch die 300 000 amerikanischen und
60 000 britischen in der Bundesrepublik stationierten Soldaten berücksichtigen. Auch beim Mehrzweckkampfflugzeug bis hin zur nuklearen Artillerie und den Lance-Raketensystemen
bestehen noch alle möglichen Ungleichgewichte.
Das Kernstück unserer Abschrekkung, die Strategie der flexiblen Reaktion, bleibt intakt. In diesem Zusammenhang muß festgestellt werden,
daß unsere Vereinigten Stabschefs den
INF-Vertrag militärisch als Vorteil
für die NATO eingeschätzt haben, da
die SS-20, SS-4, SS-5 und insbesondere die SS-23 die Sowjets in die Lage
versetzten, entweder mit Nuklearwaffen oder in einigen Fällen sogar mit
chemischen Waffen einen Schlag gegen
Häfen und das Schienennetz der NATO
auszuführen.
Das Kernstück der Bündnisstrategie liegt in unserer Fähigkeit zur
Stärkung Europas.
Die Beseitigung
dieser Fähigkeit
auf sowjetischer
Seite hat unsere Fähigkeit zur Stär-

- 6 -

�kung Europas verbessert.
Dies ist unserer Ansicht nach ein
gutes Ergebnis und zahlenmäßig gesehen ein asymmetrischer Abbau. Zweifelsohne können die Sowjets einen
Ausgleich mit strategischen Systemen
schaffen, jedoch nicht ohne gewisse
Schwierigkeiten. Die NATO kann natürlich im Großen und Ganzen dasselbe
tun.
Frage:
Herr Minister, in zwei
Wochen werden Sie mit Ihrem sowjetischen Kollegen Jasow zusammenkommen. Ich würde gerne wissen, was Sie
von diesem Treffen erwarten.
Betrachten Sie es vorwiegend als einen
symbolischen Akt oder denken Sie, daß
(unverständlich)
ein
militärisches
Glasnost auf beiden Seiten kurzfristig fertige Ergebnisse hervorbringen
kann und welche Art von Ergebnissen?
Carlucci:
Diese
Frage
kann
wohl am besten mit einem Blick auf
die Tagesordnung beantwortet werden.
Wir haben vor, unsere jeweilige Militärdoktrin zu erörtern.
Dieser Vorschlag wurde von Generalsekretär Gorbatschow unterbreitet,
als er hier in Washinton zu Besuch
war und die Sowjets sprechen, wie Sie
wissen, von einer neuen Strategie des
vernünftigen Mindestmaßes an Verteidigungsfähigkeit. Wir sind uns nicht
ganz sicher, was darunter zu verstehen ist und möchten gerne mehr darüber hören.
Unsere Doktrin ist relativ bekannt, aber wir erläutern sie gerne
im einzelnen und insbesondere im Hinblick auf unsere Strategische Verteidigungsinitiative, die für niemanden
eine Bedrohung darstellt.
Zweitens beabsichtigen wir, die
RUstungskontrollangelegenheiten
von

den konventionellen über START bis
hin zu den Verhandlungen über chemische Waffen zu überarbeiten, nicht
als getrennten Verhandlungsgegenstand
- das ist Sache der Außenminister -,
sondern generell unter dem Aspekt von
Verteidigung und Sicherheit.
Drittens haben wir gebeten, daß
gefährliche Vorkommnisse auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Wie Ihnen allen sicherlich bekannt sein dürfte, wurde auf einige
unserer militärischen Verbindungsleute, die von der Bundesrepublik aus
für die DDR zuständig sind, geschossen.
Ein Beauftragter wurde brutal
ermordet. Bei dem Vorfall im Schwarzen Meer wurden unsere Schiffe beschädigt.
Unsere Piloten wurden von Laserstrahlen getroffen. Solchen Vorkommnissen muß Einhalt gebeten werden und
wir müssen sie mit unseren sowjetischen Kollegen besprechen.
Schließlich möchten wir dort, wo
es im Interesse des gegenseitigen
Verständnisses liegen könnte, eine
Reihe von Kontakten zwischen unseren
Militärs in die Wege leiten. Auch
dies möchten wir erörtern.
Frage:
Beabsichtigen die
einigten Staaten, ein Junktim
schen dem Abbau konventioneller
steme und der Unterzeichnung
START-Vertrages herzustellen?

VerzwiSydes

Carlucci:
Nein, diese beiden
Verhandlungen sollten im Wesentlichen
für sich alleine betrachtet werden.
Ein START-Abkommen ist noch in ziemlich welter Ferne. Die neuen Verhandlungen über konventionelle Systeme - die sogenannten "Gespräche über
Stabilisierung" - sind noch nicht
aufgenommen worden, und es handelt

- 7 -

�sich hierbei um Verhandlungen
Bündnis zu Bündnis.

von

Im Rahmen der KSZE nehmen auf unserer Seite ungefähr 26 Nationen an
den unterschiedlichsten Verhandlungen
teil, die eigentlich nicht miteinander verbunden werden können. Gleichzeitig ist es jedoch wünschenswert,
daß beide Verhandlungen aufgrund der
großen Asymmetrien im konventionellen
Bereich so schnell wie möglich vorankommen.
Frage:
Trotz
Ihrer
früheren
Ausführungen scheint in der Bundesrepublik ein echtes Problem bei der
weiteren Modernisierung der nuklearen
Arsenale kürzerer Reichweite zu bestehen.
Werden Sie beim NATO-Gipfel und
bei dem Nachfolgetreffen in Dänemark
im April
auf
den Beschluß von
Montebello drängen, oder werden Sie
das Gewicht auf Reduzierungen im konventionellen Gleichgewicht verlagern,
was anscheinend dem Wunsch der Deutschen, Briten und anderen entspricht?
Carlucci:
Ihre Frage zielt am
Wesentlichen vorbei.
Der Beschluß
von Montebello ist bereits durchgeführt.
Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert. Wir befassen uns
jetzt mit anderen Waffensystemen, die
für die taktische Luft-Boden-Rakete
geeignet sein könnten, die Teil des
Montebello-Beschlusses ist.
Die nukleare Artillerie ist in
beträchtlichem Umfang erneuert worden. Wir erörtern jetzt Systeme, die
als Nachfolger der Lance-Raketen in
Frage kommen könnten, aber wir sprechen hier von einem System, das im
Jahr 1995 stationiert werden soll,
und bis dahin ist ja noch etwas Zeit.
Der

Modernisierungsprozeß

macht

Fortschritte. Ich weiß nicht, welche
Entscheidungen getroffen werden müssen. Im Augenblick wird alles getan.
Frage: Herr Carlucci, wäre die
amerikanische Regierung bereit, diesem Montebelloprozeß der Modernisierung taktischer Nuklearwaffen Einhalt
zu gebieten, falls Herr Gorbatschow
einen Vorschlag zum Abbau aller nuklearen Gefechtsfeldwaffen kürzerer
Reichweite (SNF) im Rahmen einer
dreifachen Null-Lösung unterbreiten
würde, der mit einem Angebot zur Aufnahme von Verhandlungen über den Abbau konventioneller Streitkräfte gekoppelt wäre?
Carlucci:
Das
ist
natürlich
eine hypothetische Frage, die nicht
unbedingt beantwortet werden sollte,
da sie der anderen Seite Anhaltspunkte über unsere Verhandlungsposition
geben könnte. Ich möchte aber dennoch sagen, daß ich den Zusammenhang
zwischen diesen beiden Punkten nicht
ganz sehe. Der Modernisierungsprozeß
findet statt, und niemand hat seine
Aufgabe gefordert.
Ich weiß also nicht, warum wir
nicht einfach so weitermachen sollten
wie bisher. Wenn ein Vorschlag über
SNF unterbreitet wird, muß er im Zusammenhang mit dem Außenministertreffen von Reykjavik gesehen werden, bei
dem das schrittweise Vorgehen für die
RüstungskontrollVerhandlungen festgelegt wurde. Diesen Rahmen habe ich
bereits beschrieben, und wir werden
im Einklang damit verfahren müssen.
Frage:
Jeder scheint für den
NATO-Gipfel die Vorhersage anzustellen, daß er praktisch nicht mehr als
eine schlichte Wiederholung der NATOPläne sein wird.
Sehen Sie einen
Gipfel zu diesem Zeitpunkt als wirklich gerechtfertigt an?

.

%

�Carlucci:
Meiner Ansicht nach
ist ein Gipfel sehr nützlich.
Zu
diesem Zeitpunkt befinden wir uns
zweifelsohne an einem Wendepunkt unserer Beziehungen mit der Sowjetunion, die Ereignisse überstürzen
sich auch innerhalb des Bündnisses,
und es ist unerläßlich, daß die politischen Entscheidungsträger einander
zu Themenkomplexen wie Rüstungskontrolle, Lastenteilung, den Aktivitäten der nuklearen und der Verteidigungsplanungsgruppe sowie zum OstWest-Handel konsultieren.

stem für die taktische Luft-Boden-Rakete, die Teil des Montebello-Beschlusses ist, und wir erörtern auch
Systeme, die als Nachfolger der
"Lance" zur Stationierung im Jahr
1995 in Frage kommen könnten.
Der Prozeß macht also Fortschritte, und zu diesem Zeitpunkt sind mir
keine Unstimmigkeiten bekannt.

Es gibt eine Unmenge von Themen,
die erörtert werden müssen. Ein Gipfeltreffen muß keine spektakulären
Ergebnisse zeitigen, um erfolgreich
zu sein. Ein Gipfel hat dann Erfolg,
wenn er zum beständigen Zusammenhalt
des Bündnisses beiträgt, und ich bin
sicher, daß dies bei diesem Gipfeltreffen der Fall sein wird.
Frage:
Nach dem Abkommen zwischen Reagan und Gorbatschow vom vergangenen Dezember waren sich Bonn und
London uneinig über die Notwendigkeit
einer Modernisierung taktischer Nuklearwaffen in Europa. Erachten Sie
diese Modernisierung für notwendig,
und denken Sie, daß sie beim NATO—
Gipfel in Brüssel in der kommenden
Woche erörtert wird?
Carlucci:
Mir sind Unstimmigkeiten über die Modernisierung unbekannt. Die Entscheidung zur Modernisierung wurde von den Staats- und Regierungschefs in Montebello im Jahr
1983 getroffen. Meiner Meinung nach
haben alle dem Montebello-Beschluß
zugestimmt.
Der Modernisierungsprozeß kommt
voran.
Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert, die nukleare Artillerie wird modernisiert. Wir alle
befassen uns mit einem geeigneten Sy-

- 9-

�v Ä ^ &lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
2. März 1988

DIE GEMEINSAME SICHERHEIT IST NICHT TEILBAR DIE WESTLICHE ALLIANZ MUSS EINIG UND STARK BLEIBEN
Von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten -

Copyright (c); Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 46 vom 24. Februar 1988

WASHINGTON - Während der amerikanische Senat über das Mittelstrekkenabkommen berät, können wir damit
beginnen, das letzte Kapitel einer
Erfolgsgeschichte der NATO zu schreiben.
Im letzten Jahrzehnt hat das
westliche Bündnis auf eine unerhörte
sowjetische Drohung - die Stationierung der SS-20-Raketen - mit einer
gemeinsamen Politik reagiert. Diese
Politik beruhte auf Lastenteilung,
maßvollen Stationierungen und hartnäckigen Verhandlungen. Sie hat nun
zu einer Vereinbarung geführt, aufgrund derer die SS-20-Drohung gänz-

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Embassy of the United States of America

lich verschwinden wird. Ich möchte
zwei Faktoren hervorheben, die für
diesen Prozeß von besonderer Bedeutung waren: die grundlegende Überzeugung der NATO, daß gemeinsame Sicherheit nicht teilbar sei, und die
FUhrungsrolle
der
Bundesrepublik
Deutschland.
Das Mittelstreckenabkommen verbessert die westliche Sicherheit auf
zwei wesentliche Weisen. Erstens reduziert es die sowjetische nukleare
Drohung für die gesamte NATO, weil
schon stationierte Raketen und Ab-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schußrampen abgebaut werden, die mehr
als 1 600 Sprengköpfe tragen können eingeschlossen
sind
alle
SS-20-,
SS-4-, SS-5-, SS-12- und SS-23-Systeme. Im Gegenzug bauen die Vereinigten Staaten die etwa 400 landgestützten Marschflugkörper und Pershing-2Raketen ab, die sie in Europa stationiert hatten. Trotz dieser Reduzierungen bleibt die Fähigkeit der NATO
erhalten, einen Angriff mit einem
ganzen Arsenal nuklearer Kräfte abzuschrecken.
Zum zweiten hat dieser Prozeß der
Sowjetunion
klargemacht,
daß
die
westliche Allianz den politischen
Willen und den Zusammenhalt hat, bei
ihrer vereinbarten Politik zu bleiben
und
Einschüchterungsversuchen
oder
sowjetischen Propagandaoffensiven zu
widerstehen.
Die Forderung der NATO nach einer
Vereinbarung
wurde
hervorgerufen
durch die einseitige sowjetische Stationierung neuer und destabiliserender Waffen, die 1977 begann: Es handelte sich um die SS-20. Diese über
drei Sprengköpfe verfügende Rakete
hat eine größere Reichweite und ist
treffsicherer als die vorher stationierten SS-4- und SS-5-Raketen, die
nur einen Sprengkopf besitzen. Von
ihren Stationierungsorten auf sowjetischem Gebiet aus können die SS-20
Ziele in ganz Europa, im Nahen Osten,
in Nordafrika und in großen Teilen
Asiens und der pazifischen Welt erreichen. Die Transportfähigkeit der
SS-20 ermöglicht es auch, daß diese
Systeme schnell an anderen Orten stationiert werden können, um die Drohung gegenüber
irgendeinem sowjetischen Nachbarn stärker fühlbar zu
machen.
Befürchtungen angesichts dieses
Waffenaufwuchses der Sowjetunion äusserten zuerst europäische NATO-Mit-

glieder; der damalige Bundeskanzler
Helmut Schmidt drückte sie 1977 in
einer Rede in London erstmals drfentlich aus. Das führte zu Konsultationen innerhalb der NATO, die schließlich in den Doppelbeschluß des Jahres
1979 mündeten.
Der Doppelbeschluß
forderte einerseits eine begrenzte
Stationierung
amerikanischer
Pershing-2-Raketen
und
Marschflugkörper. Er rief andererseits die Sowjetunion dazu auf, Verhandlungen
über die Mittelstreckenwaffen zu führen, mit dem Ziel, ein Gleichgewicht
auf niedrigerem Niveau zu erreichen.
Viele dachten, der Doppelbeschluß
könne nie verwirklicht werden. Zuerst verweigerten die Sowjets sogar
Verhandlungen. Und Skeptiker behaupteten, daß die NATO die Stationierung
nie verwirklichen werde.
Aber die
solidarische Unterstützung für Verhandlungen und Stationierungen blieb
in der NATO trotz großen innenpolitischen Drucks erhalten - dank mutiger politischer Führung in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen Stationierungsländern.
Die Bundesrepublik spielte während der gesamten Zeit eine Schlüsselrolle, über den ganzen Konsultationsprozeß hinweg - in regelmäßigen
Treffen der NATO, in der "NATO Special Consultative Group" und "High
Level Group" sowie in Treffen der Minister und Regierungschefs - hatte
die Bundesrepublik großen Anteil an
der Bestimmung der Allianzpolitik.
Die Bundesrepublik half dabei, zu erkennen, daß man der Drohung der SS-20
begegnen müsse; sie half dabei, den
Doppelbeschluß der NATO zu entwikkeln; und sie war bei denen, die die
ursprüngliche "Null-Lösung" vorschlugen. Sie gehörte zu den fünf Verbündeten, die amerikanische Nuklearwaffen stationierten, und ging, zusammen
mit Italien und Großbritannien damit

- 2 -

�im Jahr 1983 voran, trotz innenpolitischer
Kontroversen,
sowjetischer
Drohungen und sogar angesichts des
Abbruchs der Verhandlungen durch die
Sowjetunion. Die Bundesrepublik erkannte auch die Notwendigkeit, die
sowjetische Nuklearrüstung
in den
Reichweiten von 500 bis 1 000 Kilometer zu begrenzen, und die Bundesregierung verhielt sich konstruktiv und
verantwortungsbewußt angesichts eines
sowjetischen Versuchs, der in letzter
Minute eine Vereinbarung verhindert
hätte,
nämlich
die
westdeutschen
Pershing-IA-Raketen in das Mittelstreckenabkommen einzubeziehen.
Auf diese Weise ist durch Stärke,
Einigkeit und intensive Konsultationen nicht nur das erste Abkommen in
der Geschichte erreicht worden, mit
dem nukleare Angriffswaffen reduziert
werden, sondern auch das erste Abkommen, das sich mit der sowjetischen
nuklearen Bedrohung der europäischen
NATO-Partner beschäftigt. Dieses Abkommen hat zudem das strengste Verifikationsregime in der Geschichte der
Rüstungskontrolle.
Natürlich löst das Mittelstrekkenabkommen nicht alle unsere Probleme. Dazu war es auch nie gedacht.
Im Nuklearzeitalter gibt es kein
"Sanktuarium" - weder in der NATO
noch im Warschauer Pakt. Es ist eine
unausweichliche Folge der Geographie,
daß einige NATO-Staaten der sowjetischen Drohung stärker ausgesetzt
sind als andere. Die Türkei, Norwegen und die Vereinigten Staaten haben gemeinsame völkerrechtliche Grenzen mit der Sowjetunion. Doch eine
Abschreckung, die auf dem Prinzip der
gemeinsamen Sicherheit beruht, bedeutet auch, daß der Angriff auf einen
Verbündeten ein Angriff auf alle ist.

Das Mittelstreckenabkommen stärkt
die NATO
Auf absehbare Zeit wird das strategische nukleare Arsenal der Sowjetunion weiterhin jede Nation auf der
Erde bedrohen, ob sie ein direkter
Nachbar ist oder auf der anderen Seite des Globus liegt. Das ist ein
Grund
dafür, warum Gedankenspiele
über
"atomwaffenfreie
Zonen" oder
"Korridore" in Europa sinnlos sind.
Es ist auch der Grund dafür, daß wir
die Erreichung eines überprüfbaren
Abkommens, mit dem dieses Langstrekkenarsenal halbiert werden soll, zu
unserer obersten Priorität erklärt
haben. Aber das Mittelstreckenabkommen ist besonders wichtig, weil es
die sowjetische Drohung gegen das
Territorium der europäischen NATOPartner reduziert, während es die
Drohung gegenüber den nordamerikanischen NATO-Mitgliedern nicht verändert. Von der Abrüstung der SS-12
und SS-23 haben diejenigen NATO-Verbündeten, die dem Warschauer PaktTerritorium am nächsten liegen, den
größeren Nutzen.
Indem das Mittelstreckenabkommen
die NATO stärkt, kommt es natürlich
uns allen zugute. Die Einheit des
Bündnisses
Ist
grundlegend.
Abschreckung ist unteilbar.
Deshalb
sind auf dem Territorium vieler Mitgliedstaaten der Allianz nukleare und
konventionelle Streitkräfte stationiert.
Nuklearfähige Trägersysteme
gehören zu den militärischen Kräften
vieler unserer Alliierten.
Dennoch bleiben die strategischen
Nuklearkräfte der Vereinigten Staaten
der letzte Garant der NATO-Abschrekkung. Auch nach dem Mittelstreckenabkommen werden die Vereinigten Staaten immer noch eine Schlachtordnung
nuklearer Systeme in Europa haben;
sie umfaßt luftgestützte Waffen, die

- 3 -

�in das sowjetische Territorium hineinreichen, und landgestützte Systeme. Der Oberste Alliierte Befehlshaber in Europa (SACEUR) verfügt weiterhin über seegestützte Raketen, die
der Verteidigung Europas zugeordnet
sind.
Die Abschreckungsmacht der
NATO in Europa muß und wird stark
bleiben. Mehr als 300 000 amerikanische Soldaten sind in Europa stationiert. Welch besseres Symbol der
Ankoppelung könnte es geben als diese
Amerikaner, die mit ihren Familien
unter den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland und den anderen alliierten Ländern leben und arbeiten?
Gleichzeitig hat sich die NATO
verpflichtet - und diese Verpflichtung bleibt bestehen -, nicht mehr
nukleare Waffen in Europa zu stationieren, als nötig sind, um die strategische Abschreckung aufrechtzuerhalten. Die NATO hat nie an einen
sinnlosen Aufwuchs ihrer nuklearen
Kräfte geglaubt.
Statt dessen hat
sie einseitig die amerikanischen nuklearen Kräfte in Europa wesentlich
reduziert, entsprechend der Entscheidung von Montebello aus dem Jahr
1983. Seit 1979 sind mehr als 2 400
amerikanische Nuklearwaffen zurückgezogen und nicht ersetzt worden. Der
Vorrat hat den niedrigsten Stand seit
20 Jahren erreicht. Doch die NATO
muß auch die diesem Abzug korrespondierende Verpflichtung von Montebello
ernst nehmen, die verbleibenden Nuklearkräfte zu modernisieren, damit
alles getan wird, um die Abschreckung
glaubwürdig zu halten.
Das Mittelstreckenabkommen wird
die Sicherheit der Allianz nicht nur
dadurch verbessern, daß es eine nukleare Drohung gegen Europa abbaut,
sondern auch dadurch, daß es die
wachsende Drohung entfernt, die im
Augenblick gegen unsere konventionelle
Verstärkungsfähigkeit
gerichtet

ist, nämlich die sowjetischen SS-12
und SS-23, die in der Lage sind, konventionelle, chemische oder nukleare
Sprengköpfe zu tragen. Es erübrigt
sich, hinzuzufügen, daß die gesamte
sowjetische Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit nicht auf einen
Schlag eliminiert werden kann. Wir
können auch nicht darauf vertrauen,
daß sich jenes sowjetische Verhalten,
das unsere Verteidigungsallianz in
erster Linie begründet hat, auf einmal grundlegend ändert.
Angesichts
der wachsenden sowjetischen Drohung
muß auch die NATO ihre Anstrengungen
verstärken, um das konventionelle Ungleichgewicht zu korrigieren.
Die Minister der Partnerstaaten
haben die wichtigsten Lücken unserer
konventionellen Rüstung erkannt und
unternehmen Anstrengungen, ihnen zu
begegnen. Das schließt das "Programm
zur Verbesserung der konventionellen
Verteidigung" (conventional defense
improvement program) ein. Wir müssen
diese Initiative mit Nachdruck weiterführen, denn diese Maßnahmen sind
wesentlich, wenn wir weiter darauf
vertrauen wollen, daß weder ein konventioneller noch ein nuklearer Krieg
in Europa je wieder geführt werden
kann. Gleichzeitig steht das Problem
der anhaltenden Ungleichgewichte bei
den konventionellen und chemischen
Waffen an obersten Stelle der Rüstungskontrollagenda, und wir werden
darauf achten, daß jede Verminderung
dieser Waffen nicht einem Verbündeten
zum Nachteil gereicht.
Doch die eigentliche Stärke der
NATO liegt in der Einigkeit über ihren Zweck. Unsere erfolgreiche Erfahrung mit dem Mittelstreckenabkom- .
men und die Führungsrolle, die dabei '
von der Bundesrepublik und den anderen Stationierungsländern der NATO
gespielt wurde, hat das Konzept der
gemeinsamen Sicherheit aller Allianz-

- 4 -

�mitglieder gestärkt. Die Vereinigten
Staaten bleiben diesem Konzept verpflichtet, nicht nur theoretisch,
sondern auch in der Struktur und den
Stationierungsorten
ihrer
Streitkräfte.
Weil wir die politisch schwierigen Stationierungen und ein ehrgeiziges RUstungskontrollziel seit 1979
verfolgt haben, haben die westlichen
Staaten einen historischen Vertrag
erreicht, der ihre Sicherheit verbessert. Das Mittelstreckenabkommen beweist auch den Wert jenes Ansatzes,
der im Harmel-Report vor 20 Jahren
beschlossen wurde: Verteidigung und
Dialog. Es zeigt, daß wir den Frieden in Freiheit erhalten können, wenn
wir einander vertrauen, einig und
stark bleiben, gleichzeitig aber vorsichtig und nachdrücklich verhandeln,
um die Abschreckung auf einem niedrigeren Waffenniveau zu verbessern.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

**

Wissenschaft und Technik
2. März 1988

RETTUNGSGERÄT FÜR DISCOVERY-BESATZUNG

WASHINGTON - (AD) - Der voraussichtlich im August startende Raumtransporter DISCOVERY, wird mit einem Rettungsgerät für die Astronauten ausgerüstet.
Es soll ihnen in einem Notfall die Möglichkeit geben, während der Gleitphase
vor einer Risikolandung den Orbiter rechtzeitig zu verlassen. Gegenwärtig befinden sich zwei Typen solcher Rettungsgeräte In der Erprobung.

Wie Arnold Aldrich, Direktor des
Raumtransportersystems der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt (NASA), kürzlich vor einem Senatsunterausschuß
erklärte, wäre jedoch keines der beiden Geräte in einer Notlage ähnlich
jener von Nutzen, wie sie vor zwei
Jahren mit dem CHALLENGER-Unglück
eintrat. Derzeit gibt es am Startplatz nur Rettungsmöglichkeiten für
den Fall, daß vor Beginn des Starts
eine
Gefahrensituation
eintritt.
Dann könnten sich die Astronauten in
große Körbe aus Drahtgeflecht flüchten, die auf der Ebene des Einstiegs

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Embassy of the United States of America

in den Orbiter auf der StartturmPlattform bereitstehen und an 360 m
langen Kabeln in sicherer Entfernung
zu Boden gebracht werden. Unterirdische Bunker bieten dort den notwendigen Schutz.
Dem Bericht zufolge würden bei
dem einen der Systeme in der Erprobungsphase kleine Raketen benutzt, um
die Besatzungsmitglieder nacheinander
mit ca. 900 kp Schubkraft (bei einer
vom Körper des Astronauten weggelenkten Strahlrichtung) aus der aufgesprengten Luke in sichere Distanz zum

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�Fluggerät zu ziehen.
Beim zweiten
System dient nach dem Öffnen der Luke
ein teleskopartig verlängerter Ausleger als "Schiene", an der die Astronauten über eine Seilverbindung entlanggleiten, bis sie sich in sicherer
Entfernung lösen. In beiden Fällen
erfolgt die Landung am Fallschirm.
Der als Kommandant für den
DISCOVERY-Flug vorgesehene Astronaut
Frederick Hauck plädiert für das
zweite System, falls sich beide bei
den Tests als gleichwertig erweisen.
Es habe den Vorteil, weniger Raum im
Orbiter zu beanspruchen und keine Explosivstoffe zu benötigen. Den Raumtransporter in seiner jetzigen Konstruktion auf ein anspruchsvolleres
Rettungssystem umzurüsten, erfordere
einige Jahre. Aus diesem Grund könnten prinzipielle Verbesserungen erst
bei der nächsten Generation solcher
Fluggeräte berücksichtigt werden.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Wissenschaft und Technik

**

2. März 1988

MAGNETISCHES RESONANZVERFAHREN ZUM AUFSPÜREN VON GEFÄSSVERENGUNG

- (AD) - Zur Diagnose und Lokalisierung von Ablagerungen in Arterien und
Venen, insbesondere in der Karotis (KopfSchlagader) und in den Herzkranzgefäßen, möchte eine Forschergruppe vom Elektronik-Laboratorium der StanfordUniversität (Kalifornien) die bisher üblichen Methoden durch die Anwendung eines von der Kernspintomographie abgeleiteten Verfahrens ersetzen.

Der Hauptvorteil der von Professor
Albert
Macovski
und
Dwight
Nishimura entwickelten Technik, die
in Kürze zur klinischen Erprobung
freigegeben wird, besteht darin, daß
der Patient weder einer Belastung
durch Strahlung noch den Risiken ausgesetzt wird, die sich bei den heute
üblichen invasiven Verfahren ergeben.
Dazu zählt zum Beispiel auch das Einspritzen von Kontrastmitteln für die
Druchführung einer Angiographie oder
Phlebographie.
Macovski

zufolge

erfordern

eine

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Röntgen-Angiographie, mit der Verengungen oder Verschlüsse von Blutgefäßen ermittelt werden oder eine Sondierung von Arterien mittels Katheter
die stationäre Aufnahme des Patienten. Das trifft auch bei nuklearmedizinischen Diagnostikverfahren zu.
Außerdem werden sie erst in einem
Stadium eingesetzt, in dem Symptome
für Störungen der Durchgängigkeit von
Blutgefäßen bereits offenkundig geworden sind.
Den Wissenschaftlern in Stanford
geht es nicht nur darum, Risiken für

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�den Patienten zu vermeiden, sondern
auch
Gefäßverengungen
bereits
im
Frühstadium zu erfassen. Und das ermöglicht
die MRI-Technik
(MRI "Magnetic Resonance Imaging"), die
Nishimura inzwischen an sich selbst
schon mehr als 200 Mal erprobt hat.
Unter der Einwirkung des vom MRI-Gerät erzeugten starken Magnetfeldes,
geben die Kerne von Wasserstoffatomen
typische Signale ab. Diese Signale
werden mittels Computer normalerweise
für die Bildgebung zum Beispiel zur
Darstellung innerer Organe und Gewebeschichten genutzt.

Verfahrens für die Diagnostik wird
gegenwärtig noch durch Vergleichsverfahren nach der üblichen Angiographie-Technik überprüft. An der sehr
viel komplizierteren Sichtbarmachung
der Durchgängigkeit der Herzkranzarterien
wird
noch
gearbeitet.
Nishimura berichtete auf einem Symposium der "Society for Magnetic Resonance" Ende Februar 1988 in Boston
über die neue Methode.

Macovski und Nishimura analysieren jedoch nur das Signal des in den
Gefäßen strömenden Blutes und filtern
das Signal des umgebenden "stationären" Gewebes aus. Für die Darstellung der Karotis-Arterien am Hals
sind zwei Aufnahmeserien erforderlich:
Bei der ersten Sondierung
richten sich die Protonen der Wasserstoffatome im Blut und des Umgebungsgewebes, die wie winzige Stabmagnete
reagieren, am Magnetfeld aus. Das
gilt ebenso für die Protonen des neu
einströmenden Blutes. Bei der zweiten Serie wird durch eine kleine, am
Nacken plazierte Spule ein zusätzliches Magnetfeld angelegt, das die
Protonen des ausströmenden Blutes als Stabmagneten gesehen - in bezug
auf
das
ursprüngliche
Magnetfeld
"kippen" läßt. Knochen und übriges
Gewebe in der Region, die abgebildet
wird, geben das gleiche Signal wie
zuvor ab. Vom Blut kommt dagegen ein
entgegengesetztes Signal. Mit Ausnahme der Blutdaten sind die beiden
Aufnahmeergebnisse
identisch.
Zur
exakten Auswertung werden die Signale
von Muskel- und Knochengewebe subtrahiert. Der ganze Vorgang nimmt etwa
vier Minuten in Anspruch und kann ambulant durchgeführt werden.
Die

Zuverlässigkeit

des

neuen
- 2 -

* * * * * *

�</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

2. März 1994

*

BOSNIEN

CLINTON: NATO-AKTION IN BOSNIEN
ERFÜLLTE UNO-MANDAT
Ausweitung des Krieges auf
Luftraum sollte verhindert werden

NAHER OSTEN

CLINTON BERAUMT TREFFEN ZWISCHEN
ISRAELIS UND PALÄSTINENSERN IN
WASHINGTON AN
Reaktion auf das Massaker in Hebron

AUSSENPOLITIK

SPIONAGE RUSSLANDS GEGEN
USA "INAKZEPTABEL"
Rede des Außenministers vor Kongreß

KSZE

DIE KSZE: STRATEGIE UND ZIELSETZUNG
Rede von Botschafter Kornblum

AUSLANDSHILFE

GLEICHBERECHTIGUNG IST SCHLÜSSELELEMENT DES AUSLANDSHILFEGESETZES
Rede von AID-Direktor Atwood

ARBEITSWELT

BESCHÄFTIGUNGSKRISE IM WESTEN
HAT EINE LANGE GESCHICHTE
Studie der American Express Bank

BEVÖLKERUNG

USA BEREITEN SICH AUF
BEVÖLKERUNGSKONFERENZ VOR
Vorbereitungssitzung im April in New York

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
2. März 1994

CLINTON: NATO-AKTION IN BOSNIEN
ERFÜLLTE UNO-MANDAT
Ausweitung des Krieges auf Luftraum sollte verhindert werden
WASHINGTON - (AD) - Die Durchsetzung der UNFlugverbotszone über Bosnien durch die NATO sollte
verhindern, "daß der Krieg auch aus der Luft geführt
werden könnte", erklärte Präsident Clinton am 28.
Februar 1994.
Der amerikanische Regierungschef erinnerte daran,
daß die NATO nicht auf Verletzungen der Flugverbotszone durch Hubschrauber reagiert hatte, die Personal
und Nachschub in das Konfliktgebiet brachten und
stellte fest, die Verletzung vom 28. Februar sei die
erste durch Starrflügler erfolgte seit September vergangenen Jahres. Er äußerte, eine Verletzung des
Flugverbots durch Starrflügler sei "bedeutend ernster,
da sie die Fähigkeit besitzen, an militärischen Vorhaben aus der Luft teilzunehmen".
Vier bosnisch-serbische Flugzeuge wurden abgeschossen, nachdem sie acht Bomben auf ein Krankenhaus
und ein Lager in der Nähe von Novi Travnik im von
Muslimen kontrollierten Zentralbosnien abgeworfen
hatten. Anderen Berichten zufolge waren die Ziele ein
Krankenhaus und eine Munitionsfabrik.
Frühwarnflugzeuge der NATO spürten um 5.31 Uhr
mitteleuropäischer Zeit sechs vom jugoslawischen
Unternehmen Soko gebaute Flugzeuge G-4 Super
Galeb (Seemöve) 'm der Flugverbotszone auf, so Admiral
Mike Boorda, der örtliche NATO-Befehlshaber. Auf
einer Pressekonferenz am 28. Februar im Hauptquartier der Allierten Streitkräfte Südeuropa in Neapel
erklärte Boorda, die Piloten an Bord der F-16 der
NATO, welche die Flugverbotszone der NATO patroullierten, hätten die serbischen Piloten gewarnt, die
Zone zu verlassen oder auf dem serbischen Militärflughafen Banja Luka zu landen. Die Serben ignorierten
ihm zufolge auch eine zweite Warnung, sie sollten die
Flugverbotszone verlassen oder landen, sonst würden
sie von den beiden F-16 der NATO angegriffen, die mit
amerikanischen Piloten an Bord vom NATO-Stützpunkt bei Aviano in Italien gestartet waren.

AMERIKA DIENST 9

Als die Super Galeb mit der Bombardierung begannen,
erhielten die F-16 die Erlaubnis zum Eingreifen und
schössen drei der Flugzeuge ab. Als eine zweite F-16
die vierte Super Galeb abschloß, verließen die zwei
verbleibenden Flugzeuge den Luftraum über Bosnien.
Laut Boorda wurden die beiden Super Galeb nicht von
den F-16 verfolgt und die amerikanischen Piloten
sahen auch nicht, ob die serbischen Piloten sich mit
dem Schleudersitz retten konnten.
Der französische General Jean Cot, der Oberkommandierende der UNO-Schutztruppen (UNPROFOR),
gab nach der Militäraktion des Bündnisses eine Erklärung ab, daß "alle Schritte der NATO-Operation in
strikter Übereinstimmung mit den zur Überwachung
der Flugverbotszone vereinbarten Verfahren" stattfanden.
Präsident Clinton stellte fest, es seien zwei Warnungen abgegeben worden. "Es wurde jeder Versuch
unternommen ... diesen Zusammenstoß zu vermeiden. ... Nach dem UN-Mandat (den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats) hatten die Vereinigten Staaten die
Aufgabe zur Durchsetzung des Flugverbots, um die
Möglichkeit auszuschließen, daß der Krieg auch aus
der Luft geführt werden könnte", so der Präsident.
Clinton äußerte sich vor Journalisten, als erdas Weiße
Haus verließ, um in Chicago Redetermine wahrzunehmen und in Pittsburgh mit dem britischen Premierminister John Major zusammenzutreffen. Clinton und
Major werden ein privates Abendessen in Pittsburgh
einnehmen, wo der Großvater und der Vater des
Premierministers gelebt hatten, und später gemeinsam nach Washington zurückkehren.
In Chicago antwortete der Präsident auf eine Frage,
Washington hätte wegen des Vorfalls im bosnischen
Luftraum mit russischen Regierungsvertretern "in Kontakt
gestanden" und Moskau darüber informiert, dies habe
"nichts mit den Aktionen um Sarajevo zu tun", stehe
aber in Zusammenhang mit der weiteren Durchset-

Seite 1

�zung der UNO-Flugverbotszone. Rußland hat unge- Gore äußerte Journalisten gegenüber, der Vorfall könnte
fähr 400 Soldaten entsandt, um sich an der Überwa- die Chancen für eine Lösung der Bosnienkrise erhöchung des Rückzugs serbischer Artillerie um Sarajevo hen und wies darauf hin, der Zwischenfall sende eine
zu beteiligen; die Serben befolgten das Flugverbot "klare und entschiedene" Botschaft, welche die Erkläunter Androhung von Luftschlägen der NATO.
rungen der NATO und der UNO "stärkt".
Vor seinem Treffen mit Präsident Clinton traf Premierminister Major im Weißen Haus mit Vizepräsident AI
Gore zusammen. Erteilte Reportern mit, die Flugverbotszone sei von den serbischen Flugzeugen "eindeutig verletzt" worden. "Es gab keinen Grund für die
Anwesenheit der Flugzeuge dort. Sie verfolgten feindliche Absichten", so Major.

Unterdessen erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry, der Vorfall sei "eine sehr klare
Demonstration von Seiten der NATO, daß sie zur
Durchsetzung des Flugverbots entschlossen ist".

Obwohl es schwierig sei, Spekulationen über die Motive
der bosnischen Serben anzustellen, so McCurry, reiche die Analyse der bosnisch-serbischen Aktion durch
Major stellte fest, die Serben seien gewarnt worden, zu das Außenministerium "von schierer Dummheit zu
landen oder den bosnischen Luftraum zu verlassen, einer Art Testfall für die NATO".
hätten die Warnungen jedoch ignoriert. "Sie beachteten diese Warnung nicht", so der Premierminister. "Sie Auf Fragen stellte er fest, Vertretern der NATO zufolge
wurden abgeschossen und konnten offen gesagt auch seien sieben T-55-Panzer am 28. Februar von einer
Reparatureinrichtung nahe Sarajevo entfernt und unnichts anderes erwarten."
ter Kontrolle der UNPROFOR gestellt worden.
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 9

�NAHER

OSTEN
2. März 1994

CLINTON BERAUMT TREFFEN ZWISCHEN ISRAELIS
UND PALÄSTINENSERN IN WASHINGTON AN
Reaktion auf das Massaker in Hebron
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton berief am 25. Februar 1994 als Reaktion auf den Zwischenfall in
Hebron die israelischen und palästinensischen Unterhändler in Washington ein und forderte sie zum Verbleib
am Verhandlungstisch auf, bis ihrem Rahmenabkommen Substanz verliehen worden sei.

Clinton erklärte, als unverzügliche Reaktion auf das
Massaker in der Abraham Moschee in Hebron im
Westjordanland habe Außenminister Christopher die
Zustimmung des israelischen Ministerpräsidenten
Yitzhak Rabin und des Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Yasser Arafat, zur
Einberufung der Sitzung in Washington erhalten.
Nachrichtenberichten zufolge hatte ein extremistischer
israelischer Siedler 20 Betende in der Moschee getötet
und über 100 verwundet.
Auf eine Frage antwortete Clinton, er habe das Treffen
in Washington aufgrund von "Umfang und Hintergrund"des Massakers sowie der Tatsache einberufen,
daß der Zeitpunkt "wegen der Vereitelung des Friedensprozesses zweifelsohne das Leben Hunderttausender beeinflußt. Ich hoffe, die Staatskunst der
Politiker in der Region und die Aufmerksamkeit für
dieses schreckliche Problem werden nicht nur das
entschärfen, was zu einer noch viel schlimmeren Runde
des Mordens und der Vergeltungsschläge führen könnte,
sondern auch tatsächlich dazu benutzt, das Ziel der
Mörder zu vereiteln und den Friedensprozeß zu beleben."
Clinton zufolge haben die beiden Politiker zugestimmt,
"ihre Unterhändler... möglichst bald nach Washington
zu entsenden, die dort bis zur Beendigung ihrer Arbeit
ununterbrochen tagen sollen". Die beiden Seiten
arbeiten an der Umsetzung der im September letzten
Jahres im Weißen Haus unterzeichneten Grundsatzerklärung. Sie fordert Israel auf, den Gaza-Streifen
und die Stadt Jericho im Westjordanland palästinensischer Verwaltung zu unterstellen.

AMERIKA DIENST 9

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
stellte fest, eine intensivere Runde der Gespräche in
Washington könne bereits in der kommenden Woche
beginnen sowie die israelischen und palästinensischen
Unterhändler einbeziehen, die in einer Reihe von Sitzungen in Taba und Kairo "ermutigende Fortschritte"
erzieh hätten. Die verbleibenden Themen würden sich
vermutlich um Sicherheitsfragen im Gaza-Streifen und
Jericho einschließlich der Rolle der palästinensischen
Polizei, der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Israel
und den Palästinensern sowie der Übergabe der
Regierungsgewalt von den Israelis an die Palästinenser in 45 oder 46 Orten drehen.
Ziel der Vereinigten Staaten, so der Beamte, sei "die
Beschleunigung der Verhandlungen... und ihrbaldiger
erfolgreicher Abschlu ß". Im "wesentlichen" beschränke sich die amerikanische Rolle auf "Unterstützung", er
räumte jedoch ein, Regierungsvertreter würden "aktiv"
vermitteln. Amerikanische Diplomaten, erläuterte der
hochrangige Beamte, würden Gespräche mit beiden
Seiten führen, deren Erfordernisse sondieren und
beurteilen, wie die jeweilige Seite die Position der
anderen interpretiert. "Wir können dazu beitragen, die
Differenzen auszumachen und manchmal bei der
Klärung des Verständnisses der Sichtweise der anderen Seite behilflich sein."
Dem Regierungsvertreter zufolge hat Clinton die Einladung nach Washington ausgesprochen, weil das
Massaker in der Moschee "das Potential zur Vernichtung der bereits erzielten Fortschritte hat. Wir wollten
sicherstellen, daß der Prozeß nicht vereitelt wird und
wir alles in unserer Macht Stehende tun, damit dieser
Fall nicht eintritt."

Seite 1

�Das Ziel der Vereinigten Staaten sei, auf ein möglichst
baldiges Abkommen zu drängen in der Überzeugung,
"daß dies die Gegebenheiten vor Ort in einer Weise
verändern wird, die eine langfristige friedliche Lösung
begünstigt".

Auf die Frage nach Berichten, denen zufolge die
israelischen Armee-Einheiten die Fortsetzung der
Schießereien erlaubt hätten, antwortete der Präsident:
"Wir wissen nicht, ob dies der Wahrheit entspricht.
Meiner Ansicht nach wollen die Israelis die Sicherheit
verbessern, wo sie können, und ich möchte dazu nicht
Sowohl Arafat als auch Rabin hätten die Einladung ohne Beweise oder stichhaltigen Grund zu der Annahnach Washington gerne angenommen, fügte der Beamte me, daß dies zutrifft, Stellung nehmen."
hinzu. Christopher habe den beiden Politikern erklärt,
"angesichts dieses Ereignisses und angesichts der Der Präsident erklärte, er verurteile die Morde stellverBedeutung einer Beschleunigung des Prozesses" sollten tretend für das amerikanische Volk "in schärfster Weise.
beide Seiten seines Erachtens ihre Unterhändler nach Ich bin empört und betrübt, daß solch ein abscheuliWashington entsenden. Beide Politiker hätten unver- cher Akt verübt werden konnte und bekunde mein
züglich zugestimmt. (Christopher, so der Regierungs- aufrichtiges Beileid für die Familien der Getöteten und
vertreter, hätte Arafat zweimal angerufen. Einmal, um Verwundeten."
seiner Betroffenheit und Sorge über das Massaker
Ausdruck zu verleihen und dann, um den PLO-Vorsit- Der Sprecher des Außenministeriums Michael McCurzenden zu einer Warnung seiner Anhänger vor Vergel- ry fügte hinzu, au ßer den Anrufen bei Rabin und Arafat
habe Außenminister Christopher auch mit seinem
tungsschlägen aufzufordern).
ägyptischen Amtskollegen gesprochen.
Ziel der Washingtoner Gespräche sei die Beendigung
der Gewalt nach dem Prinzip "Auge um Auge", von der "Alle Anrufe zielten auf die Zusammenarbeit mit den
die Region seit Generationen heimgesucht wird und Parteien ab, gute Ideen über unser Vorgehen in der
"eine völlig andere Zukunft zu schaffen. Worauf wir nächsten Woche zu entwickeln", so McCurry. "Die
drängen und hoffen müssen ist, daß die Dividenden Vereinigten Staaten haben die Absicht, die Parteien
des Friedens hoch genug zur Diskreditierung der zu Anfang nächster Woche hier in Washington zusamseiner Unterminierung Entschlossenen sind." Er be- menzubringen."
kräftigte, offensichtliches Ziel des Anschlags in der
Moschee sei "eindeutig die Verhinderung des Friedens McCurry erklärte, er habe weder einen Zeitplan für die
... Wenn wir ein Abkommen erlangen können ... ist Gespräche noch Anhaltspunkte, wann und wie die
dies der beste Weg zur Veränderung der Realitäten Delegationen zusammenkommen.
vor Ort in einer Weise, die auch die zur Vereitelung des Bei einem Phototermin mit dem zu Besuch weilenden
Friedens Entschlossenen diskreditieren wird."
kanadischen Außenminister Andre Quellet stellte
Außenminister Christopher Journalisten gegenüber
Der Präsident stellte fest, seines Erachtens "stehen fest: "Wir müssen Wege zu Beschleunigung der
beide Seiten kurz vor einem Abkommen" und er wolle Verhandlungen und Mittel finden, diesen schreckli"den Menschen in der Region ein Signal senden... daß chen Zwischenfall zur Belebung des Friedensprozesder Weg zum Frieden immer noch der richtige Weg ist". ses zu nutzen."
Mit dem Verweis auf die in einer Reihe von Gesprächen in Kairo und an anderen Orten erzielten beacht- Der Anschlag auf die Moschee löste weltweit Betroflichen Fortschritte verlieh er seiner Hoffnung Aus- fenheit aus und veranlaßte das US-Außenministedruck, "daß die Parteien die tragischen Ereignisse von rium, alle amerikanischen Staatsbürger vor Reisen
heute zu einem Katalysatorfür wertere Fortschritte und nach Ostjerusalem, ins Westjordanland und den GazaAussöhnung machen können".
Streifen zu warnen.
"Es kann kein Zufall sein", so Präsident Clinton, "daß
der Mörder im heiligen Monat Ramadan zugeschlagen

und einen Ort ausgewählt hat, der Muslimen und
Juden heilig ist. Sein offensichtliches Ziel war die
Zerstörung der sich jetzt zwischen den Palästinensern
und Israelis abzeichnenden historischen Versöhnung."
Clinton forderte "alle Parteien zur größtmöglichen
Zurückhaltung in einer äußerst emotionalen Situation
auf, fü r die wir alle Verständnis haben. Dem Präsidenten zufolge sind Extremisten auf beiden Seiten "entschlossen, die Araberund Israelis wieder in unendliche
Konflikte und Blutvergießen zu verstricken. Wir müssen sie daran hindern, die Hoffnungen, Visionen und
Wünsche der Menschen nach einem Leben in Frieden
zu vereiteln."

Seite 2

In einer schriftlichen Erklärung verurteilte Außenminister Christopher den Anschlag mit scharfen Worten,
bekundete den Familien der Getöteten und Verwundeten gegenüber sein Beileid und forderte alle Seiten auf,
Ruhe, Vernunft und Zurückhaltung zu bewahren.
"Akte der Gewalt wie dieser können nur den Zielen der
Feinde des Friedens dienen", äußerte der Außenminister. "Die Parteien im Friedensprozeß dürfen sich
durch diese Art von Gewalt nicht von der Fortsetzung
des Weges zum Frieden abhalten lassen, der allen
Menschen in dieser krisengeschüttelten Region dienen wird."
Bei der Pressekonferenz stellte McCurry fest, die
Vereinigten Staaten versuchten, alle Diskussionen im

AMERIKA DIENST 9

�Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen
Ansatz zum Friedensprozeß in Washington zu konzentrieren und alles in ihrer Macht Stehende zur Förderung von Fortschritten zu tun.

Die Vereinigten Staaten hätten stets ihre Bereitschaft
zur Beteiligung an den Verhandlungen erklärt, um
Hilfestellung zu leisten, wenn die beiden Parteien dies
als nützlich erachteten.

McCurry zufolge würden die beiden Seiten voraussichtlich direkt an den bisher in Paris geführten Gesprächen über die wirtschaftlichen Aspekte der Umsetzung der Grundsatzerklärung sowie an den Sitzungen in Kairo und Taba zu anderen Themen wie etwa
politische Fragen und die Formulierung einer Abschlußerklärung beteiligte Unterhändler entsenden.
Die Unterhändler, die in Washington direkte Konsultationen zu über den Umfang der Grundsatzerklärung
hinausgehenden Fragen unterhalten, könnten ebenfalls zur Teilnahme an den Erörterungen eingeladen
werden.

"Aufgrund der heutigen Tragödie in Hebron ist dies ein
kurzer Abriß des Geschehens. Die Parteien haben in
Konsultationen mit uns zugestimmt, die Gespräche
nach Washington zu verlagern, weil die Vereinigten
Staaten eine Rolle spielen sollen, die... bisher... noch
nicht klar umrissen ist. Zumindest können jedoch
unsere Büros und Einrichtungen hier genutzt werden,
um den Parteien bei Fortschritten zur Seite zu stehen",
führte McCurry aus.
"Angesichts des enormen Ausmaßes der heutigen
Tragödie, der Verluste an Menschenleben, der Tatsache, daß die Feinde des Friedensprozesses in der
Vergangenheit den Prozeß behindern und stören
konnten, war es aus der Sicht der Vereinigten Staaten
außerordentlich wichtig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um diesen Prozeß voranzubringen."

"Es liegt eine sehr arbeitsreiche Zeit vor uns", erläuterte der Sprecher. "Daß die Vereinigten Staaten zur
Belebung der Gespräche sowie mit Vorschlägen und
jeder Art von Unterstützung alles Erdenkliche zu Fortschritten beitragen, könnte die Dynamik etwas wandeln."

McCurry würdigte eine am 25. Februar vom israelischen Kabinett herausgegebene Erklärung "als sehr
durchgreifend und entgegenkommend", in der die von
der Regierung in Erwägung gezogenen Schritte zur
Eindämmung der in Hebron durch einen israelischen
Extremisten ausgeübten Art von Gewalt dargelegt
werden.

"Es ist außerordentlich wichtig, sich vor Augen zu
führen, daß die Palästinenser und die Israelis kurz vor
einem Abkommen standen, das den Weg zur offiziellen Umsetzung der vom PLO-Vorsitzenden Arafat und
Ministerpräsident Rabin im Weißen Haus unterzeichneten Grundsatzerklärung ebnen würde", erinnerte
McCurry die Journalisten.

"Die israelische Regierung vertritt die Auffassung, daß
diese Elemente in ernsthafter und gefährlicher Weise
die öffentliche Ordnung verletzen und jede rechtliche
Maßnahme ergriffen werden sollte, um sie zurückzuhalten", stellte der Sprecher fest. "Wir erachten dies
als eine sehr bedeutsame Aussage des Kabinetts."

"Der Rahmen eines Abkommens liegt in greifbarer
Nähe. Sie haben bei den bis heute geführten Gesprächen enorme Fortschritte erzielt. Der Zweck der
Zusammenkunft hier in Washington besteht in der
Beschleunigung dieses Prozesses und herauszufinden, ob sie die Arbeit an diesem endgültigen Text nicht
bald abschließen können."

* *

AMERIKA DIENST 9

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Seite 3

�AUSSENPOLITIK
2. März 1994

SPIONAGE RUSSLANDS GEGEN USA
"INAKZEPTABEL"
Rede des Außenministers vor Kongreß
WASHINGTON - (AD) - "Die Fortsetzung der russischen Spionagetätigkeit gegen die Vereinigten Staaten ist
inakzeptabel", erklärte Außenminister Christopher in einer Anhörung über die Herausforderungen der amerikanischen Außenpolitik vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats am 23. Februar 1994 und fügte hinzu, die
Verhaftung eines CIA-Mitarbeiters aufgrund des Verdachts der Spionage für Rußland sei "eine sehr ernste
Angelegenheit".
Im Hinblick auf Bosnien stellte der Außenminister fest, der jetzt in Sarajevo herrschende Waffenstillstand "ist das
Ergebnis einzigartiger gemeinsamer Bestrebungen", und die Vereinigten Staaten "verpflichten sich zu aktivem
Engagement im Friedensprozeß". Er warnte jedoch, "niemand sollte unsere Entschlossenheit zum Einsatz von
Gewalt bezweifeln, falls dieser erforderlich ist. Wenn schwere Waffen wieder um Sarajevo Stellung beziehen,
werden sie Ziel von Angriffen."
Christopher erwähnte ferner seinen für März anberaumten Besuch in Beijing, bei dem er chinesischen
Regierungsvertretern gegenüber die Bedeutung unterstreichen werde, die die Vereinigten Staaten Fortschritten
im Bereich der Menschenrechte zumessen. Es müßten "dringend" Fortschritte erzielt werden, wenn Präsident
Clinton den Meistbegünstigungsstatus für China erneuern soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Christopher.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich
freue mich, wieder vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Senats sprechen und Ihnen heute die Herausforderungen darlegen zu können, mit denen sich die
amerikanische Außenpolitik konfrontiert sieht. Ihr
Wissen und Ihre Unterstützung sind absolut unerläßlich für mich und diese Administration bei der Erarbeitung eines erfolgreichen Kurses für die Vereinigten
Staaten in der Zeit nach dem Kalten Krieg.
Als ich das letzte Mal vor diesem Ausschuß gesprochen habe, stellte ich fest, daß wir in einer Zeit leben,
in der wir nicht länger von den Forderungen des
Containment getrieben oder durch dieses strategische
Gebot begrenzt werden. Dieses neue Zeitalter läßt
sich nicht mit Schlagworten charakterisieren. In dieser
Zeit tiefgreifender Umwälzungen besteht unsere größte Aufgabe, Herr Vorsitzender, in der Festsetzung
eines klaren Kurses für die Außenpolitik dieser Nation:
Mit Sorgfalt die für dauerhafte Sicherheit und Wohlstand des amerikanischen Volkes vitalen Interessen
auszumachen und sie mit Zielstrebigkeit zu verfolgen.
Anfang dieses Monats unterbreitete der Präsident
dem Kongreß seinen Gesetzentwurf für Frieden,
AMERIKA DIENST 9

Wohlstand und Demokratie, der die übergreifenden
nationalen Sicherheitsziele der Vereinigten Staaten in
der Zeit nach dem Kalten Krieg definiert. Der Etat des
Präsidenten für das Haushaltsjahr 1995 steht im Einklang mit den in der Gesetzesvorlage dargelegten
Zielen. Ich möchte mich heute auf sechs Prioritäten im
Rahmen dieser allgemeinen Ziele konzentrieren. Es
sind die sechs strategischen Prioritäten unserer Außenpolitik, die ich im November letzten Jahres erstmals vor diesem Ausschu ß erläutert habe. Es sind die
Prioritäten, die wir meines Erachtens ansprechen
müssen, wenn wir die großen Herausforderungen
dieses Zeitalters des Wandels bewältigen wollen. Ich
freue mich berichten zu können, daß wir in jedem
dieser Bereiche eine starke Führungsrolle übernommen und beachtliche Fortschritte erzielt haben.
Nach diesem Überblick werde ich kurz darauf eingehen, wie wir unsere Ressourcen zur Förderung dieser
Prioritäten und unserer anderen außenpolitischen Ziele
einzusetzen gedenken. Unsere Haushaltsvorlage für
1995 ist der erste wirkliche Haushalt für auswärtige
Angelegenheiten nach dem Kalten Krieg. Die von uns
gesetzten strategischen Prioritäten, der von uns vor-

Seite 1

�gelegte Haushalt und die Neuorientierung unserer
Auslandshilfe durch das vorliegende Gesetz für Frieden, Wohlstand und Demokratie verkörpern Präsident
Clintons Vision der neuen Herausforderungen für die
amerikanische Außenpolitik im 21. Jahrhundert. Es
sind die Herausforderungen der Förderung von Demokratie, Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherheit
und der Konfrontation mit neuen und alten Bedrohungen unserer Sicherheit.
Vor einer Analyse unserer strategischen Prioritäten
und unseres Haushalts möchte ich jedoch die Ereignisse ansprechen, die zweifelsohne diesen Ausschuß
sowie das amerikanische Volk beschäftigen und die
direkte Auswirkungen auf eine dieser Prioritäten haben - unser Interesse an einem sicheren und stabilen
Europa. Ich möchte mit einer Beschreibung der heutigen Sachlage in Bosnien beginnen.

Clintons Vorschlag am 9. Februar die Unterstellung
der die Stadt bedrohenden schweren Waffen unter die
Kontrolle der UNO oder deren Abzug in eine Sperrzone
von 20 Kilometern außerhalb der Stadt an.
Bis heute, drei Tage nach dem Ablauf der 10tägigen
Frist, hat sich das Ultimatum als wirksam erwiesen.
Dies ist in hohem Maße der Entschlossenheit und
Solidarität des NATO-Bündnisses unter Führung der
Vereinigten Staaten zu verdanken. Im Lichte dieser
Zielstrebigkeit und nach direkten Gesprächen zwischen den Präsidenten Clinton und Jelzin haben die
Russen auf die Einhaltung des NATO-Ultimatums
durch die bosnischen Serben gedrängt.

Niemand sollte unsere Entschlossenheit zum Einsatz
von Gewalt bezweifeln, falls dieser erforderlich ist.
Wenn schwere Waffen wieder um Sarajevo Stellung
beziehen, werden sie Ziel von Angriffen. Wenn die
Bombardierung Sarajevos wieder beginnt, werden die
Bosnien
schweren Waffen, wo immer sie stationiert sind, AnWir blicken einem neuen und hoffnungsvolleren Kapi- griffen ausgesetzt. Wir werden genaue Luftüberwatel in Bosnien entgegen. Der jetzt in der umkämpften chung bereitstellen, wenn die UNO-Truppen angegrifStadt Sarajevo herrschende Waffenstillstand ist das fen werden oder um Hilfe ersuchen. Und wir werden in
Ergebnis einzigartiger gemeinsamer Bestrebungen der Erwägung ziehen, ob der zur Beendigung der BombarVereinigten Staaten, der Europäischen Union, der dierung von Sarajevo benutzte Ansatz an anderen
NATO, Rußlands und der Vereinten Nationen. Die Orten in Bosnien erfolgreich sein kann. Unsere InterVereinigten Staaten verpflichten sich zu aktivem essen haben kein Verfallsdatum - genausowenig wie
Engagement im Friedensprozeß im ehemaligen Jugo- die NATO-Entscheidung, die von diesen Interessen
slawien. Wir werden unser volles diplomatisches geleitet war.
Gewicht bei der Suche nach einer Lösung einbringen,
die das Morden beenden kann.
Auf Anweisung des Präsidenten arbeiten wir jetzt aktiv
mit den Parteien und anderen interessierten Nationen
Der Kongreß und das amerikanische Volk sollten ein an der Herbeiführung einer Lösung, die einen tragfähiklares Verständnis der unsere Aktionen leitenden gen bosnischen Staat und einen dauerhaften Frieden
nationalen Interessen haben. Präsident Clinton hat sicherstellt. Wir werden eng mit der bosnischen
diese Interessen in seiner Ansprache an die Nation am Regierung zusammenarbeiten, um ihre begründeten
vergangenen Samstag formuliert: Wir haben ein stra- Forderungen für eine Verhandlungslösung auszumategisches Interesse daran, eine Ausuferung "zu einem chen und zu deren Verwirklichung beizutragen. Wir
größeren europäischen Konflikt zu verhindern, insbe- zählen auf die Mitarbeit der Europäer und Russen, um
sondere zu einem Konflikt, der unsere Bündnispartner andere Parteien - vor allem die Serben - von einer
in der NATO bedrohen oder den Übergang zur friedli- Beilegung des Konflikts zu überzeugen. Sollte es eine
chen Demokratie in den ehemals kommunistischen tragfähige Lösung geben, bekräftigen die Vereinigten
Staaten unterminieren könnte". Wir haben ein politi- Staaten vobehaltlich der Zustimmung des Kongresses
sches Interesse an der Sicherstellung der Glaubwür- ihre Bereitschaft zur Beteiligung an Bestrebungen der
digkeit und Integrität des NATO-Bündisses, eines NATO zur Umsetzung der Lösung.
Bündnisses, das sich an uns um eine Führungsrolle bei
der Bewältigung dieser Krise gewandt hat. Wir haben Während unsere Initiative in den kommenden Wochen
ein Interesse an der Eindämmung der destabilisieren- vorangebracht wird, möchte ich nicht den Eindruck
den Flüchtlingsströme, die dieser Kampf in ganz Euro- erwecken, daß der Erfolg in greifbarer Nähe liegt. Die
pa hervorbringt. Und zweifelsohne haben wir ein Verhandlungen sind schwierig und außerordentlich
humanitäres Interesse an der Beendigung der Grau- komplex. Mit einem klaren Verständnis unserer Intersamkeit ethnischer Säuberungen und der Milderung essen und wie ihnen am besten gedient werden kann,
des Leids derjenigen, denen der Hungertod droht.
werden die Vereinigten Staaten jedoch den Parteien
mit der erforderlichen Sorgfalt und Ausdauer bei der
Diese Analyse unserer Interessen veranlaßte Präsi- Erlangung eines dauerhaften Friedens behilflich sein.
dent Clinton zum Vorschlag eines N ATO-Abkommens Die durch die Sarajevo-Initiative entstandene Dynamik
über die Androhung von Luftangriffen zur Beendigung und größere Glaubwürdigkeit eröffnen mehrere neue
des Mordens an Zivilisten in Sarajevo und zu neuem Möglichkeiten. Wir werden jeden Weg zum Frieden
Auftrieb für den Friedensprozeß. Wie Sie wissen, verfolgen.
ordnete die NATO nach der Zustimmung zu Präsident

Seite 2

AMERIKA DIENST 9

�Herr Vorsitzender, so wichtig und beunruhigend die
Probleme in Bosnien heute auch erscheinen mögen,
dürfen sie uns doch nicht von der Verfolgung umfassenderer außenpolitischer Ziele abhalten. Ich möchte
jetzt mit Ihnen unsere Fortschritte bei der Verwirklichung der sechs strategischen Prioritäten unserer
Außenpolitik sowie die sie und andere nationale Sicherheitsziele unterstützenden Ressourcen erörtern
und überprüfen.
1. Wirtschaftliche Sicherheit
In meiner letzten Rede vor diesem Ausschuß habe ich
wirtschaftliche Sicherheit als erste dieser Prioritäten
definiert. Ich habe dies absichtlich getan, selbst auf die
Gefahr hin, Außenpolitik als Orthodoxie zu bezeichnen. In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen
Wirtschaftsfragen das Kernstück unserer Innen- und
Außenpolitik bilden. Präsident Clinton ist mit beeindruckendem Erfolg der Vorreiter der wichtigsten und
ehrgeizigsten internationalen wirtschaftlichen Tagesordnung aller Präsidenten seit nahezu einem halben
Jahrhundert.
Am 4. November 1993 habe ich dargelegt, daß sich
den Vereinigten Staaten mit NAFTA, APEC und GATT
einzigartige Chancen bieten. Ich freue mich, daß wir
dieses Dreiergespann für die wirtschaftliche Zukunft
Amerikas auf den Weg gebracht haben.
Als der Kongreß das NAFTA verabschiedete, haben
wir Chancen für hochbezahlte Arbeitsplätze im Inland
im Exportbereich geschaffen und eine Brücke engerer
wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit mit
Lateinamerika - angefangen mit Mexiko - geschlagen.
Als der Präsident Veranstalter des erfolgreichen Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC)
war, erfaßten wir eine dynamische Region, die in
zunehmendem Umfang amerikanische Exporte anzieht und hochbezahlte amerikanische Arbeitsplätze
unterstützt. Als wir die Verhandlungen der UruguayRunde erfolgreich beendeten, schlössen wir das weitreichendste Handelsabkommen der Geschichte - ein
Abkommen, das Zölle senkt, Handelshemmnisse
abbaut, Wachstum ankurbelt, amerikanische Arbeitsplätze schafft und im nächsten Jahrzehnt 5 Billionen
Dollar zur Weltproduktion beiträgt.
Präsident Clintons Entschlossenheit, die Wirtschaftspolitik zum Kernstück der Außenpolitik zu machen, hat
sich in den Bereichen bewiesen, in denen wir Erfolg
hatten. Diese Entschlossenheit ist ebenso offenkundig in einem Bereich, in dem wir noch Erfolge anstreben: unseren Wirtschaftsbeziehungen zu Japan.
Diese Administration engagiert sich weiterhin, unsere
Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Japan auf
eine ebenso feste Grundlage wie unsere sicherheitspolitische und diplomatische Zusammenarbeit zu stellen. Die von Japan mit den Vereinigten Staaten und

AMERIKA DIENST 9

den meisten anderen Ländern erzielten Handelsüberschüsse sind nicht länger hinnehmbar.
Das mit Japan im Juli vergangenen Jahres geschlossene Rahmenabkommen zielt auf eine Erweiterung
des Marktzugangs und eine Behebung des inakzeptablen japanischen Handelsüberschusses mit der Wert
ab. Seit damals konnten wir jedoch keine zufriedenstellenden Fortschritte bei den jeweiligen Körben staatliche Beschaffung, Versicherung und Autos - oder
im Hinblick auf die makroökonomischen Schritte beobachten, die Japan unseren Erwartungen gemäß unternehmen sollte.
Wir erwägen unsere Optionen. Wir wollen keinen
Handelskrieg, wir wollen Handelschancen. Japan
muß seine Verantwortung als eine der größten Volkswirtschaften und Handelsnationen der Welt übernehmen. Das Land muß seine uns und der übrigen Welt
gegenüber eingegangenen Verpflichtungen einlösen.
Dies ist ein globales, nicht nur ein amerikanisches
Problem. Und alle von uns erzielten Fortschritte
werden sowohl der Weltwirtschaft als auch unserer
eigenen Volkswirtschaft helfen. Ich werde im kommenden Monat nach Japan reisen, um unsere Position
gegenüber den japanischen Regierungsvertretern zu
bekräftigen.
2. Rußland und die anderen neuen unabhängigen
Staaten
Herr Vorsitzender, seit der Amtsübernahme dieser
Administration gründet sich unsere Politik gegenüber
Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten auf zwei entscheidende Prämissen. Erstens liegen
die Reformen in der ehemaligen Sowjetunion im umfassenden Interesse der Vereinigten Staaten. Zweitens werden die Reformen nicht leicht sein und die
ständige und starke Unterstützung der internationalen
Staatengemeinschaft erfordern.
Wir sind uns der enormen Schwierigkeiten der Region
bei der vielschichtigen Umgestaltung von einer totalitären zu einer demokratischen Regierung, von einer
Kommando- zur Marktwirtschaft und von einem einzigen Imperium zu vielen neuen unabhängigen Staaten
bewußt. Wir müssen realistisch in unseren Erwartungen, unerschütterlich in unserer Unterstützung der
Reformen und unmißverständlich in unserer Ablehnung von Kräften sein, deren Politik unseren Interessen zuwiderläuft.
Wie Sie wissen, wurden gestern von einem Gericht in
Alexandria (Virginia) ein amerikanischer Mitarbeiter
des CIA und seine Frau offiziell der Spionage für die
ehemalige Sowjetunion und die Russische Föderation
angeklagt. Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit.
Gestern habe ich den russischen Geschäftsträger
einbestellt, um in schärfster Form gegen das Vorgehen des russischen Nachrichtendienstes zu protestieren. Botschafter Pickering sprach dieses Thema
Seite 3

�ebenfalls in Gesprächen mit hochrangigen russischen
Regierungsvertretern in Moskau an, und wir werden
diese Gespräche auf oberster Ebene in Washington
und Moskau fortsetzen. Der Präsident hat eine intensive Überprüfung der Auswirkungen dieses Falls auf
unsere nationale Sicherheit durch die Administration
angeordnet.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle erdenklichen Schritte unternehmen, um solche gegen unser
Land gerichteten Aktivitäten zu verhindern. Das Ausmaß der Auswirkungen dieses Vorfalls auf unsere
Beziehungen zu Rußland wird von den russischen
Aktionen in den nächsten Tagen abhängen.
Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben Ängste über die Zukunft Rußlands Wiederaufleben lassen.
Diese Ereignisse sollten jedoch vor dem Hintergrund
der amerikanisch-russischen Beziehungen gesehen
werden, die sich im letzten Jahrzehnt radikal verändert
haben.

Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki
verankert. Diese Prinzipien finden auch auf alle Aktivitäten russischer Truppen in den Nachbarstaaten
Anwendung.
Wir müssen ferner auf die Gewährleistung hinarbeiten,
daß Rußland und seine Nachbarstaaten ihre Konflikte
friedlich beilegen - Konflikte, die unser Interesse an
den wirtschaftlichen und politischen Reformen der
Region direkt betreffen. Unsere Bestrebungen zeitigen bereits Erfolge. Beispielsweise arbeiten wir aktiv
an dem uneingeschränkten und fristgerechten Abzug
aller russischen Truppen aus dem Baltikum in diesem
Jahr mit. Und im vergangenen Monat unterzeichnete
die Ukraine nach sorgfältigen diplomatischen Bestrebungen und Präsident Clintons persönlichem Einsatz
das trilaterale Abkommen mit den Vereinigten Staaten
und Rußland, mit dem die Weichen zur Beseitigung
der Nuklearwaffen vom Territorium der Ukraine gestellt werden.

Eine oberste Priorität von Präsident Clinton im Bereich
der nationalen Sicherheit ist die Gewährleistung, daß
der Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion nicht
neue Nuklearstaaten hervorbringt. Wir haben jetzt
verbindliche Zusagen, daß dies nicht der Fall sein wird.
Die Zustimmung der Ukraine zur Ratifizierung von
START I und ihre Verpflichtung, dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) beizutreten, ebnet den Weg zu
engeren Beziehungen zwischen unseren Nationen.
Damit sollten Spannungen in einer Region abgebaut
werden, die von vitalem Interesse für langfristigen
Die Gefahren in Rußland sind weiterhin sehr real. Wir Frieden und Stabilität in Europa ist. Wir haben unsere
müssen auf die Möglichkeit einer Umkehrung der Wirtschaftshilfe bereits verdoppelt. Darüber hinaus
Reformen und das Wiederaufleben eines aggressiven werden wir unsere Hilfe für die Zerlegung der ukrainirussischen Nationalismus aus der Asche des Kommu- schen Raketen und Trägersysteme erhöhen. Wir
nismus - selbst mit demokratischen Mitteln - vorberei- sehen Präsident Krawtschuks Besuch in Washington
tet sein. Gleichzeitig sollten wir nicht das Schlimmste nächste Woche erwartungsvoll entgegen.
annehmen, sondern eine echte Partnerschaft mit einem reformorientierten Rußland aufbauen. Das russi- 3. Europa und die NATO
sche Volk sollte keinen Zweifel an unserer Unterstützung haben, solange es weiterhin in die richtige Rich- Im vergangenen Monat hat Präsident Clinton in Eurotung geht, wie Präsident Clinton im vergangenen Monat pa die vitale Bedeutung der transatlantischen Beziein Moskau eindeutig klargestellt hat. Unsere Botschaft hungen für die amerikanische Sicherheit bekräftigt. Er
ist unmißverständlich: Die Entscheidung Rußlands umriß darüber hinaus seine Vision einer "neuen Sibezüglich seiner Zukunft wird Auswirkungen auf die cherheit" für ein neues Europa. Der Präsident erklärte,
Zukunft unserer Beziehungen haben.
daß Sicherheit "in der erfolgreichen Erweiterung der
militärischen Zusammenarbeit, demokratischen ReDer Präsident hat auch die Bedeutung unterstrichen, gierungen und Marktwirtschaften bestehen muß". Wir
die er der Unabhängigkeit und territorialen Integrität müssen den Übergang zu demokratischen Marktwirtder russischen Nachbarstaaten beimißt. Wir sind uns schaften im Osten unterstützen, indem wir ganz Eurobewußt, daß Rußland offenkundig ein Interesse an pa die Rechte und Pflichten des gleichen liberalen
den Entwicklungen an seinen Grenzen hat, einschließ- Handelssystems und den kollektiven Ansatz zur Silich berechtigter Sorgen über die Rechte gebürtiger cherheit einräumen, die für den Westen Pfeiler der
Russen im Ausland. Wir müssen jedoch - wie mit allen Stärke waren.
Nationen, Freund und Feind gleichermaßen - darauf
bestehen, daß das Verhalten Rußlands gegenüber Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus haben wir die
seinen Nachbarstaaten im Einklang mit den festgeleg- transatlantische Partnerschaft gestärkt, als die Vereiten Prinzipien des Völkerrechts steht, einschließlich nigten Staaten und die Europäische Union zum AbRespektierung der territorialen Integrität und Unab- schluß der Uruguay-Runde zusammenkamen. Das
hängigkeit anderer Staaten, wie in der Charta der Abkommen wird auf beiden Seiten des Atlantiks
Rußland hat einige beachtliche Fortschritte erzielt.
Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Land einen
gewählten Präsidenten, ein gewähltes Parlament und
eine Verfassung mit Bedeutung. Wir werden Zeuge
des kühnsten Experiments unserer Ära beim Aufbau
von Demokratie. Wir sehen auch die Anfänge einer
Marktwirtschaft, in der 40 Prozent der russischen
Erwerbstätigen jetzt im Privatsektor arbeiten und zwei
Drittel der Kleinbetriebe privatisiert sind.

Seite 4

AMERIKA DIENST 9

�Wachstum ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Es
wird auch den mittel- und osteuropäischen Nationen
bei dem harten Weg zu Wirtschaftsreformen behilflich
sein. Die westlichen Nationen und Institutionen müssen jedoch den Zugang zu den Märkten des Westens
noch erweitern.
Wir wissen, daß der Prozeß des Aufbaus demokratische Marktwirtschaften in Mittel- und Osteuropa noch
lange nicht beendet ist. Aus diesem Grund hat Präsident Clinton während seines Besuchs in Prag im
Januar eine umfassende Tagesordnung für die Region
vorgelegt. Neben den Bestrebungen zur Erweiterung
des Marktzugangs sindVir diesen Ländern beim Auffangen der sozialen Auswirkungen der Reformen
behilfich, fördern Investitionen des Westens und stehen ihnen bei der Gründung und Stärkung demokratischer Institutionen zur Seite.
Die neuen europäischen Demokratien streben auch
engere Beziehungen zu den sicherheitspolitischen
Institutionen des Westens an, insbesondere der NATO.
Und das Bündnis hat auf Präsident Clintons Appell zur
Einbeziehung des Ostens beim Aufbau dieser Beziehungen reagiert. Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar
stimmten die Verbündeten Präsident Clintons Initiative
einer Partnerschaft für Frieden zu, um das Engagement der NATO für den Osten zu vertiefen. Neun
Nationen haben bereits den offiziellen Prozeß zur
Beteiligung an der Partnerschaft eingeleitet, und wir
erwarten, daß bald weitere Staaten folgen werden. Die
Partner werden im weiteren Verlauf dieses Jahres
schon gemeinsame Übungen und Ausbildung mit der
NATO durchführen. Die Beteiligung an der Partnerschaft kann die gewohnheitsmäßige Kooperation und
politischen Konsultationen entwickeln und erweitern,
die der Lebensnerv des Bündnisses sind. Die Partnerschaft ist sowohl ein Weg zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen der europäischen Sicherheit als
auch der Anfang eines evolutionären Prozesses der
NATO-Erweiterung.
Unsere Vision für die weitere unerläßliche Rolle der
NATO beim Erhalt der transatlantischen Sicherheit
steht im Einklang mit unserer kontinuierlichen Unterstützung der europäischen Einheit. Durch unsere
gemeinsame Arbeit in der Uruguay-Runde, der NATO,
zu Bosnien und anderen Fragen haben wir unsere
politischen Beziehungen zur EU und einzelnen Staaten auf eine solide Grundlage gestellt.
Ich habe bereits über unsere Bestrebungen gesprochen, das Bündnis bei der Ermutigung einer Lösung in
Bosnien anzuführen. So wichtig sie sind, beschränken
sich unsere Bestrebungen in Bosnien nicht auf das
Anspornen des Bündnisses und anderer, eine politische Lösung zu ermutigen. Wir haben auch eine
Führungsrolle bei Bemühungen um die Milderung der
humanitären Katastrophe in Bosnien übernommen.
Wir haben die am längsten andauernde koordinierte
Luftbrücke zur Lieferung von Lebensmitteln und MediAMERIKA DIENST 9

kamenten in der Geschichte angeführt. Wir haben
mehr humanitäre Hilfslieferungen als jede andere Nation
bereitgestellt - im Wert von über 550 Millionen Dollar
seit Ausbruch des Konflikts. Darüber hinaus haben wir
eine Vorreiterrolle bei den Bestrebungen zur Einrichtung des Kriegsverbrechertribunals der Vereinten
Nationen übernommen, damit die internationale Staatengemeinschaft diejenigen zur Rechenschaft ziehen
kann, die Kriegsverbrechen in Bosnien begangen haben.
4. Asien und der Pazifik
Ein Aspekt der Außenpolitik dieser Administration mit
Signalwirkung ist die neue Betonung der Förderung
unserer Interessen in der asiatisch-pazifischen Region. Kein Gebiet der Welt ist von größerer Bedeutung
für uns als diese Region. Ihre dynamischen Volkswirtschaften und ihre explosiven Wachstumsraten machen sie zu einem entscheidenden Gebiet für amerikanische Exporte und Arbeitsplätze. Wir haben lebenswichtige Sicherheitsinteressen und -bündnisse in Asien.
Und wir haben ein Interesse an der Förderung demokratischer Werte in einem Teil der Welt, in dem Demokratie auf dem Vormarsch ist, es jedoch noch immer
repressive Regierungen gibt.
Wie Sie wissen, ging die erste Reise des Präsidenten
ins Ausland nach Asien. Bei dieser Reise erklärte der
Präsident im Juli letzten Jahres vor der koreanischen
Nationalversammlung: "Wir müssen uns stets vor
Augen halten, daß Sicherheit an erster Stelle steht." In
Asien beginnt diese Sicherheit mit unseren vertraglich

verankerten Bündissen mit Japan, Südkorea, Australien, Thailand und den Philippinen. Wir erhalten unsere vornestationierte militärische Präsenz im gesamten
Pazifik aufrecht. Und in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten beteiligen wir uns aktiv am Dialog über
regionale Sicherheit, einschließlich des regionalen
Forums des ASEAN, um Spannungen abzubauen und
den Rüstungswettlauf einzudämmen.
Der angedrohte Austritt Nordkoreas aus dem Nichtverbreitungsvertrag ist eine Herausforderung für die Sicherheit der Halbinsel und des globalen nuklearen
Nichtverbreitungsregimes. Die Vereinigten Staaten
arbeiten eng mit Südkorea, Japan und anderen in der
Region zusammen, um eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel und ein starkes internationales Nichtverbreitungsregime sicherzustellen.
Wir sind fest zur Erlangung dieser Ziele entschlossen.
Unser bevorzugter Weg ist Dialog. Wir waren ermutigt
von der Ankündigung Nordkoreas vor einer Woche, in
die von der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) geforderten Inspektionen einzuwilligen, um die
Kontinuität der Sicherheitsbestimmungen zu gewährleisten. Das Land muß jetzt ohne Verzögerung seiner
Verpflichtung nachkommen, möglichst bald und ohne
Störungen Inspektionen zuzulassen. Der zufriedenstellende Abschluß dieser Inspektionen wird der IAEO
dabei helfen, der internationalen Staatengemeinschaft

Seite 5

�zu versichern, daß keine Abzweigung von Material aus
Nordkoreas Atomanlagen stattfand. Obwohl dies eine
bedeutende Entwicklung ist, müssen die wichtigsten
Fragen noch gelöst werden. Wenn wir unsere Gespräche mit Nordkorea fortsetzen sollen, muß das Land
den Nord-Süd-Dialog mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Halbinsel wiederaufnehmen.
Die internationale Staatengemeinschaft strebt keine
Isolierung Nordkoreas an. Wenn der Staat seine
Atomwaffenoption aufgibt, seinen internationalen
Verpflichtungen nachkommt und Schritte zur Beachtung der internationalen Verhaltensnormen unternimmt,
steht die Tür für Nordkorea zur Verbesserung seiner
Beziehungen zur übrigen Welt offen.

und Vermißten führen würde. Der Präsident erklärte:
"Wir schulden es allen, die in Vietnam dienten sowie
den Familien derjenigen, deren Schicksal unbekannt
ist." Unsere Beziehungen zu Vietnam werden auch in
Zukunft von Fortschritten bei dieser Angelegenheit
geleitet sein. Zweifellos sollte die Entscheidung des
Präsidenten auch wirtschaftliche und diplomatische
Vorteile mit sich bringen, aber sie wären das Ergebnis,
nicht der Grund dieser Entscheidung. Wenn wir unsere Beziehungen weiterentwickeln, werden wir auch
Betonung auf Menschenrechtsfragen legen.
5. Naher Osten

Im Nahen Osten bleibt die Schaffung eines gerechten
und umfassenden arabisch-israelischen Friedens durch
Im Hinblick auf unsere umfassenderen Ziele im asia- direkte Verhandlungen eine hohe Priorität unserer
tisch-pazifischen Raum sind wir entschlossen, das Administration. Der Verhandlungsgegenstand ist
amerikanische Engagement in der Region zu verstär- komplex, wir sehen jedoch weiterhin Fortschritte. Der
ken und ein besseres Gleichgewicht bei unseren wich- Präsident und ich wollen weiterhin eine so umfassende
und aktive Rolle spielen, wie zur Sicherung weiterer
tigsten bilateralen Beziehungen zu schaffen.
Fortschritte erforderlich.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir der
Verbesserung unserer Wirtschafts- und Handelsbe- Das am 9. Februar in Kairo zwischen Israelis und
ziehungen zu Japan Priorität einräumen und gleichzei- Palästinensern geschlossene Abkommen zeigt, weltig unsere bedeutenden Verbindungen im politischen che Art von Fortschritten möglich ist. Es stellt einen
und Sicherheitsbereich aufrechthalten. Wir bemühen großen Schritt bei der Umsetzung der von den Israelis
uns auch um größere Ausgewogenheit bei unseren und der PLO am 13. September abgegebenen GrundBeziehungen zu China. Wir streben umfassende satzerklärung dar. Es löste einige schwierige SicherBeziehungen zu China an, welche die Beilegung von heitsfragen und bewies, daß die Parteien äußerst
Differenzen über Menschenrechtsfragen, Weiterver- komplexe Angelegenheiten direkt aushandeln und
breitung und Handel gestatten. Präsident Clinton praktische Lösungen finden können. Wir wünschen
wünscht den Aufbau eines positiveren Verhältnisses zwar eine Umsetzung des Abkommens, damit sich die
zu China, aber das Land mu ß auch bei den Menschen- Situation ändert, möchten jedoch auch, daß die Parteirechten insgesamt signifikante Fortschritte machen. en ein dauerhaftes Abkommmen schließen.
Als Ergebnis unserer Bemühungen wurden bei bilateralen Angelegenheiten, einschließlich der Menschen- Da die Israelis und Palästinenser direkt miteinander
rechte, gewisse Fortschritte erzielt. Um Mißverständ- verhandeln, bemühen sich die Vereinigten Staaten um
nissen vorzubeugen: Weitere Fortschritte bei den eine Unterstützung der Vereinbarungen. Wir versuMenschenrechtsfragen sind dringend erforderlich, wenn chen auch sicherzustellen, daß die auf der Konferenz
der Präsident dieses Frühjahr die Meistbegünstigungs- über Hilfe für den Nahen Osten im Oktober vergangenen Jahres beschlossene amerikanische und internaklausel erneuern soll.
tionale Wirtschaftshilfe für den Gaza-Streifen und die
Ich habe bei meinen Gesprächen mit Mitgliedern der Westbank zu Projekten führt, die das Leben der Palächinesischen Regierung im vergangenen Monat auf stinenserverbessern. Wir unterstützen Bestrebungen
diese Punkte hingewiesen und werde das kommenden des Privatsektors wie das Projekt "Erbauer des FrieMonat im Beijing erneut tun. Ich werde bekräftigen, für dens" führender arabisch-amerikanischer und jüdischwie ernst die Administration und der Kongreß gleicher- amerikanischer Wirtschaftsvertreter.
maßen diese Fragen erachten.
Wir haben auch aktiv Fortschritte auf anderen GebieAnfang dieses Monats gab der Präsident die Aufhe- ten der bilateralen Beziehungen gefördert. Das Trefbung unseres Handelsembargos gegen Vietnam sowie fen Präsident Clintons mit dem syrischen Präsidenten
die Einrichtung eines Verbindungsbüros in Hanoi Assad Mitte Januar in Genf war ein Schritt, der die
bekannt. Er tat dies kurz nachdem eine große Mehr- Weichen für die Wiederaufnahme von Verhandlungen
heit des Senats ihn dringend zur Beendigung des in Washington auf allen vier bilateralen VerhandlungsEmbargos aufgefordert hatte. Die Entscheidung des schienen stellte. Zu den israelisch-syrischen BeziePräsidenten fu ßte auf seiner Einschätzung der Koope- hungen fanden ernsthafte Verhandlungen statt, es
rationswilligkeit Vietnams und seiner Überzeugung, erfordert jedoch Zeit, den komplexen Sachverhalt bei
daß diese Aktion zu weiteren Fortschritten bei der den drei Hauptfragen Frieden, Rückzug und Sicherheit
Klärung des Schicksals unserer Kriegsgefangenen anzugehen. Auf anderen Gebieten kamen neue Energien

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AMERIKA DIENST 9

�und Ziele zutage. Beispielsweise werden zwischen
Israel und Jordanien Gespräche über praktische Fragen wie Wasser, Energie und Umwelt geführt.
Wir bemühen uns um den Abbau von Hindernissen in
der Region bei den arabisch-israelischen Kontakten.
Wir leisten harte Arbeit, um den anachronistischen
arabischen Boykott zu beenden. Wir haben bereits
Fortschritte dabei erzielt, Teile des sekundären und
tertiären Boykotts aufzuheben und sind entschlossen,
die mit diesen Praktiken einhergehende Diskriminierung amerikanischer Unternehmen zu beenden. Wir
werden nicht ruhen. Wir werden unsere Bestrebungen
fortsetzen, bis der Boykott vollkommen aufgehoben
ist.
Der Friedensprozeß stellt ein wichtiges Element unserer Regionalpolitik dar. Am Persischen Golf streben
wir auf unterschiedliche Arten eine Eindämmung der
vom Iran und Irak ausgehenden potentiellen Bedrohungen an. Unser Ziel ist die volle Einhaltung aller
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch den Irak,

einschließlich langfristiger Überwachung. Es ist verfrüht, eine Aufhebung der Sanktionen in Betracht zu
ziehen, wenn der Irak weiterhin die relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats verletzt.
Unsere Politik gegenüber dem Iran besteht aus aktiver
Eindämmung, ihre Ausrichtung und Methoden unterscheiden sich jedoch von unserer Politik gegenüber
dem Irak. Wir wollen eine Beendigung des iranischen
Strebens nach Massenvernichtungswaffen sowie der

Unterstützung des Landes für Terrorismus und Subversion, seines gewaltsamen Widerstands gegen den
Friedensprozeß und seiner Menschenrechtsverletzungen. Wir haben unsere Bereitschaft zum offiziellen
Dialog mit dem Iran deutlich gemacht. Wir wollen
jedoch, daß der Iran unsere Absicht klar versteht: Er
sollte und wird keine normalen Beziehungen zur internationalen Staatengemeinschaft und insbesondere zu
den Vereinigten Staaten unterhalten, solange er sein
unerhörtes Verhalten fortsetzt.
6. Nichtverbreitung und andere globale Fragen
Herr Vorsitzender, wir müssen unsere Bestrebungen
zur Kontrolle der Verbreitung von Atom- und hochentwickelten konventionellen Waffen fortsetzen. Solche
Waffen verleihen verbrecherischen Staaten u nverhältnismäßig viel Macht. Sie können Konflikte kleineren
Ausmaßes in Katastrophen großen Ausmaßes verwandeln. Wir verfolgen regionale Strategien zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Einschränkung
des Entstehens neuer Atommächte. Ich habe bereits
unsere Bestrebungen in Nordkorea angesprochen, wo
wir noch immer mit der unmittelbarsten Herausforderung konfrontiert sind, sowie die von uns in der früheren Sowjetunion erzielten Fortschritte, unserem bis
heute größten Erfolg. Andere Gebiete, auf die sich
unsere Besorgnis und Aufmerksamkeit richten, sind
der Nahe Osten und Südasien.

AMERIKA DIENST 9

Unsere regionalen Strategien werden ergänzt durch
weltweite Anstrengungen zur Beschränkung der Nachfrage nach Massenvernichtungswaffen und dem Angebot an sicherheitsempfindlichen Gütern. Wir streben die Einsetzung eines Regimes an, das anstelle der
COCOM-Liste für Transparenz und Zurückhaltung
beim Handel mit Waffen und sicherheitsempfindlichen
Technologien in instabilen Regionen sorgt. Wir bemühen uns um internationale Unterstützung für eine
unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr 1995. Gleichzeitig streben wir die
unverzügliche Aushandlung eines umfassenden Atomtestverbots an. Wir hoffen auch, daß der Ausschuß
frühzeitig Konsultationen über die Chemiewaffenkonvention aufnimmt, die das Hauptziel unserer Nichtverbreitungspolitik darstellt.
Unter Präsident Clinton haben die Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle bei globalen Fragen zurückgewonnen, die sich auf Sicherheit und Wohlstand für uns und
künftige Generationen auswirkt. Zu diesen Herausforderungen gehören die Förderung umweltverträglicher
Entwicklung, die Bewältigung der steigenden Zahl von
Flüchtlingen und Migranten, die Bekämpfung des
Terrorismus und illegalen Drogenhandels sowie die
Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten. Diese Probleme sind oft grenzüberschreitend und
stellen eine Gefahr für die politische, soziale und
wirtschaftliche Stabilität dar.
Umweltverträgliche Entwicklung versetzt die Menschen
in den Entwicklungsländern in die Lage, in der Weltwirtschaft Teilhaber, Produzenten und Konsumenten
zu werden. Sie erfordert eine gesunde globale Umwelt
sowie ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen
verfügbaren Ressourcen und der Bevölkerung. Im
vergangenen Jahr erneuerte Präsident Clinton die
amerikanische Führungsrolle bei Umweltfragen, als er
das beim Umweltgipfel von Rio 1992 erarbeitete Abkommen über Klimawandel und Artenvielfalt unterzeichnete. Dieser Vertrag liegt derzeit dem Senat vor,
und wir drängen auf seine zügige Ratifizierung.
Wir haben auch die Führungsrolle unserer Nation bei
der Stabilisierung des Bevölkerungswachstums geltend gemacht. Wir arbeiten mit anderen Nationen und
nichtstaatlichen Organisationen daran sicherzustellen, daß die in Kairo anberaumte internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Bevölkerung und
Entwicklung die weltweite Zusammenarbeit bei dieser
Frage fördert.
Vor zwei Wochen stellte Präsident Clinton die neue
Drogenkontrollstrategie der Administration vor. Obwohl Amerikas wichtigste Front im Kampf gegen Drogen die Senkung des Drogenmißbrauchs zu Hause
darstellt, sind wir auch der Überzeugung, daß diese
Geißel ebenfalls an der internationalen Front angegangen werden mu ß. In den wichtigsten Transit- und
Herstellungsländern werden wir unsere Anstrengungen auf die Stärkung demokratischer Institutionen, die

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�Bereitstellung wirtschaftlicher Alternativen zum Drogenhandel, die Förderung von Programmen zur Vernichtung von Drogen sowie die Zerschlagung der
Drogenkartelle konzentrieren.
Unser Engagement in der westlichen Hemisphäre
dient unserer gesamten globalen Tagesordnung sowie
unserer obersten Priorität - wirtschaftlicher Sicherheit.
Die bemerkenswerten Veränderungen auf der Welt
während der vergangenen Jahre zeichneten sich als
erstes in Lateinamerika ab, wo die Demokratie im
vergangenen Jahrzehnt dramatische Fortschritte
machte. Der Gipfel der amerikanischen Staaten, den
Präsident Clinton gegen Ende dieses Jahres veranstalten wird, richtet sich auf die Stärkung von Demokratie und guter Regierungsführung, die Ankurbelung
von Handel und Wirtschaftswachstum, die Eindämmung des Drogenhandels sowie andere Kernpunkte
umweltverträglicher Entwicklung, beispielsweise Umwelt
oder Bevölkerung.
Unsere Politik gegenüber Afrika unterstreicht die
Bedeutung, die wir Demokratie und Menschenrechten
beimessen. Afrika sieht sich im Hinblick auf den
Aufbau demokratischer Institutionen sowie auf Fortschritte bei der Erzielung einer umweltverträglichen
Entwicklung enormen Herausforderungen gegenüber.
Angesichts der vorherrschenden Armut und der Verschleppung von Menschen in Afrika werden internationale Hilfe und neue Privatinvestitionen vonnöten sein,
um Wirtschaftswachstum zu fördern und politischen
Wandel zu ermutigen.

heitspolitisches Ziel die Eindämmung der Sowjetmacht
sei. Selbst nach dem Ende des Kalten Krieges wurde
die nationale Sicherheit weiterhin eng definiert und
bezog nicht die Probleme und Möglichkeiten ein, die
durch den Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden waren. Wiedie neuen Prioritäten der Außenpolitik
Präsident Clintons demonstrieren, haben wir die Chance
erhalten - und ergriffen - die amerikanische Diplomatie
neu zu gestalten und die Sicherheit Amerikas in einer
von der Konfrontation der Supermächte befreiten Welt
zu erhöhen.
Der Etat des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1995
unterstützt unsere Hauptverantwortung, die nationale
Verteidigung aufrechtzuerhalten und den Frieden zu
fördern. Er erweitert auch das Konzept der nationalen
Sicherheit durch größere Betonung der Wirtschaftsinteressen Amerikas, des Aufbaus von Demokratien
sowie der Bewältigung der Bedrohungen durch die
Weiterverbreitung von Waffen, die Zerstörung der
Umwelt, schnelles Bevölkerungswachstum, illegalen
Drogenhandel und Terrorismus.
Diese Neudefinition der nationalen Sicherheit erfordert
auch Veränderungen bei der Struktur unseres Haushalts. Dieser ist in eine Anzahl sich gegenseitig
verstärkender Ziele aufgeteilt, die mit denen im Gesetz
über Frieden, Wohlstand und Demokratie dargelegten
übereinstimmen. Ich möchte mich jetzt diesen umfassenderen Zielen zuwenden.
Förderung von Wohlstand

Wie ich im Zusammenhang mit unserer obersten strategischen Priorität - wirtschaftlicher Sicherheit - bereits
andeutete, ist der Wohlstand der Nation untrennbar
mit Wachstum und Integration der Weltwirtschaft verbunden. Exporte sind die am schnellsten wachsende
Quelle hochbezahlter Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft. Dieser Haushalt finanziert aggressive Exportförderungsprogramme der Export-Import Bank, der
OPIC-Entwicklungsgesellschaft, des Amts für Handel
und Entwicklung sowie des Landwirtschaftsministeriums. Diese Programme werden durch die des Wirtschafts- und des Außenministeriums sowohl hier im
Haushalt 1995
Inland als auch in unseren Botschaften ergänzt. Die in
Herr Vorsitzender, ich habe gerade die von uns erziel- diesem Etat geforderte eine Milliarde Dollar stellt eine
ten Fortschritte bei der Förderung der derzeitigen Investition in amerikanische Arbeitsplätze und die
strategischen Prioritäten unserer Außenpolitik darge- wirtschaftliche Sicherheit Amerikas dar.
legt. Unsere umfassenderen außenpolitischen Ziele
sind in dem Gesetz über Frieden, Wohlstand und Aufbau von Demokratie
Demokratie enthalten und konkretisiert, das den Rahmen für unseren Etat 1995 für internationale Angele- Der Aufbau von Demokratie ist ein langer und schwiegenheiten bildet. Ich sollte an dieser Stelle noch riger Prozeß, der stetige und geduldige Unterstützung
hinzufügen, daß die in dem neuen Gesetz enthaltenen erfordert. Aber die Früchte des Erfolgs rechtfertigen
Reformen unseres Auslandshilfeprogramms einen gemessen an den Kosten des Scheiterns bei weitem
wichtigen Teil der gesetzgeberischen Tagesordnung unsere Anstrengungen.
dieser Administration darstellen.
Die von uns im Haushaltsjahr 1995 angeforderten 1,3
Milliarden
Dollar würden Programme zum Aufbau von
Herr Vorsitzender, mehr als 40 Jahre lang basierte der
Demokratie
in Mitteleuropa und der ehemaligen SoHaushalt für internationale Angelegenheiten auf der
wjetunion
finanzieren,
wo wir ein vitales Interesse an
Prämisse, daß unser vorrangiges nationales sicherDas afrikanische Land, auf das wir unser Hauptaugenmerk richten, ist natürlich Südafrika. Wir müssen dazu
beitragen sicherzustellen, daß alle Südafrikaner im
April an friedlichen, pluralistischen Wahlen teilnehmen
können. Mit Blick auf die Zeit nach den Wahlen
entwickeln wir ein Hilfspaket, um der Bevölkerung
Südafrikas an der Überwindung des Erbes der Apartheit zu helfen und in einem neuen demokratischen
Südafrika die Vorteile der Staatsbürgerschaft zu
gewährleisten.

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AMERIKA DIENST 9

�der Stärkung der neuen demokratischen Institutionen
haben. Unser Etat enthält auch einen neuen Posten
für Hilfe an die sich im Übergang zur Demokratie
befindlichen Länder. Der Großteil dieser Gelder wird
für Afrika, Lateinamerika und Asien aufgewendet.
Die Hauptkomponente unserer Programme für demokratischen Aufbau ist die Finanzierung der Nationalen
Stiftung für Demokratie, welche Institutionen fördert,
die Pluralismus, demokratische Regierungen, Staatsbürgerkunde, Menschenrechte und die Achtung der
Rechtsstaatlichkeit voranbringen. Um die Unterstützung der Demokratie auf eine breite Grundlage zu
stellen, müssen wir uns der neuesten Kommunikationstechnologie bedienen. Das US-Informationsamt
ist derzeit in einem Umstrukturierungsprozeß begriffen, um diese Rolle zu übernehmen.
Umwelt vertrag liehe Entwicklung
Wie im Zusammenhang mit unseren globalen Prioritäten bereits erwähnt, ist die Administration der Ansicht,
daß den ineinandergreifenden Bedrohungen von schnellem Bevölkerungswachstum, Armut und Umweltzerstörung zu wenig Aufmerksamkeit gezollt wird. Wenn
wir uns nicht mit diesen Krisen befassen, werden
große Teile der Welt kein umweltverträgliches Wirtschaftswachstum erzielen. Das Ergebnis werden
weitverbreitetes Leiden im Ausland und der Verlust
von Exportmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen, Arbeitnehmer und Landwirte sein. Durch die
Aufstockung unserer Fonds für Bevölkerungs- und
Umweltprogramme werden wir umweltverträgliche
Entwicklung fördern und in die Zukunft Amerikas investieren.
Die Vereinigten Staaten sind nicht die einzigen, die den
Versuch zur Lösung dieser Fragen unternehmen. Die
multilateralen Entwicklungsbanken und der IWF verfolgen ähnliche Ziele. Diese Institutionen vergaben
1993 Darlehen im Wert von mehr als 45 Milliarden
Dollar. Sie tragen am meisten zu weltweiter umweltverträglicher Entwicklung bei. Unser Beitrag zu diesen
Organisationen multipliziert die Effektivität unserer
Bestrebungen.
Schließlich enthält dieser Haushalt eine bescheidene
Erhöhung für eines der erfolgreichsten und am meisten bewunderten Programme Amerikas - das Peace
Corps.
Förderung des Friedens
Der größte Teil unseres Haushaltsauftrags - 6,4 Milliarden Dollar-soll der Förderung des Friedens dienen.
Über 80 Prozent dieser Gelder sind für die Aufrechterhaltung und Förderung des Friedens im Nahen Osten
vorgesehen. Zu einer Zeit, in der es so viel Hoffnung
- und so viele Gefahren - gibt, sind derartige Fonds von
entscheidender Bedeutung. Unsere Programme werden
unser fortgesetztes Engagement für die Sicherheit
Israels unterstützen, Ägyptens lebenswichtiger Rolle
AMERIKA DIENST 9

Rechnung tragen und neue wirtschaftliche Entwicklungsbestrebungen auf der Westbank und im Gazastreifen ermöglichen.
t

In diesem Teil des Haushalts sind auch Fonds für
Nichtverbreitung und Abrüstung enthalten - eine unserer wichtigsten strategischen Prioritäten. Dazu zählen
Gelder für das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention
sowie Bestrebungen zur Verlängerung des Nichtverbreitung svertrags und Stärkung der IAEO, die bei
unseren Bemühungen zur Verhinderung atomarer
Weiterverbreitung in Korea eine Schlüsselrolle spielt.
Zusätzlich enthält diese Haushaltskategorie Programme zur Bekämpfung von Drogenmißbauch, Terrorismus und Verbrechen. Diese kostengünstigen Programme haben direkte Vorteile für das amerikanische
Volk.
Wir haben auch Gelder für die UNO-Friedenssicherung angefordert. Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender,
hat die Administration ihre umfassende Prüfung unserer Friedenssicherungspolitik abgeschlossen und unterstützt einmütig die daraus gezogenen Schlußfolgerungen.
Unser Ziel ist nicht die Ausweitung unserer Verpflichtungen im Bereich der Friedenssicherung, sondern die
Einleitung eines Prozesses, der ein fundiertes Urteil
darüber ermöglicht, wann wir an friedenssichernden
Operationen teilnehmen und der UNO bei ihren entsprechenden Bemühungen Beistand leisten sollten.
Wir werden uns immer das Recht vorbehalten, zum
Schutz amerikanischer Interessen im Alleingang zu
handeln. Wenn jedoch ein kollektiver, multinationaler
Ansatz wie beispielsweise eine Friedenssicherungsoperation unseren Interessen am besten dient, wollen
wir ihr wirkungsvolles Funktionieren gewährleisten.
Wenn wir - wie ich persönlich : der Ansicht sind, daß
sorgfältig definierte UN-Friedenssicherungsoperationen ein wirksames Mittel zum Abbau von Spannungen
und der Abschreckung von Gewalt sind, und die Kosten einer solchen Aktion mit anderen geteilt werden
sollten, müssen wir unseren Verpflichtungen im Rahmen der Vereinten Nationen nachkommen. Wir erwarten, daß wir am Ende des Haushaltsjahrs bei der UNO
mit einer Milliarde Dollar für die Friedenssicherung im
Rückstand sind. Wenn wir keinen Weg zur Zahlung
dieser Rückstände finden, muß die UNO wahrscheinlich einige ihrer derzeitigen Operationen einstellen.
Wir erwarten in Kürze den Beginn der Konsultationen
mit dem Kongreß darüber, wie wir gemeinsam das
wachsende Problem der Finanzierung friedenssichernder Operationen angehen können.
Unseres Erachtens sollten das Außen- und Verteidigungsministerium eine gemeinsame Verantwortung
für die Organisation und Finanzierung friedenssichernder Operationen tragen. Wir werden unangenehme
Fragen stellen, bevor wir einer neuen f riedenssichernSeite 9

�den Mission zustimmen. Welche amerikanischen Interessen stehen auf dem Spiel? Ist die Mission klar
definiert und gibt es einen identifizierbaren Endpunkt?
Stehen Mittel zur Verfügung? Wir werden auch die
Bestrebungen von Botschafterin Albright zur Senkung
unserer veranschlagten Mittel für die Friedenssicherung und Einrichtung des Amts eines unabhängigen
Generalinspekteurs bei den Vereinten Nationen fortsetzen.

werden für Flüchtlings- und Katastrophenhilfe aufgewendet und sollen den Kauf von Nahrungsmitteln für
die Armen ermöglichen. Ich möchte hinzufügen, daß
wir hoffentlich durch die Förderung von Frieden, Wirtschaftswachstum und demokratischen Aufbau mit der
Zeit die Notwendigkeit derartiger Hilfsleistungen reduzieren können.

Ich möchte ferner einen entscheidenden Bestandteil
unserer Politik nicht unerwähnt lassen: Führung der
amerikanischen Streitkräfte bei friedenssichernden
Operationen. Ich möchte eindeutig klarstellen, daß
der Präsident niemals sein Oberkommando über die
amerikanischen Streitkräfte abtreten wird. Und unsere
Männer und Frauen in Uniform werden niemals in
Situationen entsandt werden, in denen Feindseligkeiten wahrscheinlich sind, wenn nicht eine ordnungsgemäße Führung gegeben ist.

Dieser Haushaltsantrag umfaßt 4,1 Milliarden Dollar
an Unterstützung für Operationen des Außenministeriums, des Amts für internationale Entwicklung sowie
unserer geschätzten Beiträgezu internationalen Organisationen. Der wirksame Einsatz von Diplomatie durch Berichterstattung, Krisenverhütung und die
geschickte Nutzung der Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen - ist für die erfolgreiche Verwirklichung der umfassenden Ziele der nationalen Sicherheit Amerikas von
entscheidender Bedeutung.

Unterstützung der Diplomatie

Wenn Operationen großen Umfangs oder Kampfhandlungen mit hohem Risiko in Betracht gezogen
werden und die Beteiligung der Amerikaner vonnöten
ist, werden wir wahrscheinlich nicht die operative Führung
der UNO über unsere Streitkräfte akzeptieren. Vielmehr werden wir uns normalerweise auf unsere Ressourcen oder die eines regionalen Bündnisses wie
beispielsweise der NATO verlassen oder auf eine
angemessene Koalition wie die für die Operation
Wüstensturm gebildete.

Das Außenministerium und andere für auswärtige
Angelegenheiten zuständige Behörden führen größere Reformen durch und arbeiten eng mit Vizepräsident
Gore an der Umstrukturierung der Regierung zusammen. Das Außenministerium hat eine umfassende
Neuorganisation und Reform seiner Operationen eingeleitet, um mit dem Tempo des Wandels hier und im
Ausland Schritt halten zu können. Zusätzlich unterstützt der Haushaltsantrag für 1995 entschieden den
Plan des Präsidenten für den Abbau aufgeblähter
Herr Vorsitzender, wir möchten auch Kooperation und Bürokratien durch substantielle Einsparungen auf diesem
Konsultationen zwischen Administration und Kongreß Gebiet.
bei friedenssichernden Operationen verbessern. Wir
haben eine Anzahl von Vorschlägen, die Ihre Sorgen Herr Vorsitzender, der Etat des Präsidenten für das
in Betracht ziehen, und freuen uns auf die Zusammen- Haushaltsjahr 1995 definiert unsere langfristigen politischen Ziele und finanziert die von mir dargelegten
arbeit mit Ihnen.
sechs strategischen Prioritäten. Es ist ein SparhausHumanitäre Hilfe
halt, der im Einklang mit dem Plan des Präsidenten
zum Abbau des Haushaltsdefizits steht. Es ist auch ein
Wir haben 1,6 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe Etat, der ein Thema hat, das uns allen am Herzen liegt:
angefordert. Diese Programme spiegeln den Charak- Investitionen in die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
ter des amerikanischen Volkes wider. Die Fonds
* *

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* *

AMERIKA DIENST 9

�KSZE
2. März 1994

DIE KSZE: STRATEGIE UND ZIELSETZUNG
Rede von Botschafter Kornblum
BONN - (AD) - Botschafter John C. Kornblum, Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), hielt am 24. Februar 1994 eine Rede vor dem Deutschen
Helsinki Komitee.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kornblum im Wortlaut.

Es ist eine besondere Ehre für mich, vor dem Deutschen Helsinki Komitee zu sprechen. Viele von Ihnen
wissen um meine enge Beziehung zu Deutschland und
meine lange und positive Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen in vielen Bereichen. Als der Vertreter
Amerikas bei der KSZE fühle ich mich mit Gruppen wie
Ihrer besonders eng verbunden.
Es gibt allerdings einen wichtigeren Grund, sich über
die Gelegenheit zu freuen, heute zu Ihnen sprechen zu
können. Fünf Jahre nach dem Niedergang des Kommunismus treten die Widersprüche dieser neuen Ära
deutlicher zutage. Internationale Institutionen stöhnen
unter der Last der Herausforderungen. Viele fragen
sich, ob unsere bestehenden Strukturen für diese
Zerreißprobe geschaffen sind.
Die KSZE ist mit einigen dieser Unsicherheiten konfrontiert worden. Die Methodik der KSZE eignet sich
nicht für schnelle Lösungen. Die KSZE leidet am
meisten unter dem nur allzu verständlichen Wunsch
unserer Völker, dringliche Probleme sofort zu lösen.
Deshalb bin ich besonders froh über diese Gelegenheit, mit einem informierten Forum wie dem Helsinki
Komitee über grundsätzliche Aspekte der KSZE sprechen zu können. Die Einigung auf die Prinzipien von
Helsinki war ein einzigartiges Ereignis, das sich wahrscheinlich nicht so leicht wiederholen läßt. Wir dürfen
nicht zulassen, daß uns Ungeduld den Blick auf die
längerfristige Bedeutung der KSZE und ihrer Methodik verstellt.
Nie zuvor in der Geschichte der KSZE war es wichtiger, daß auch die Öffentlichkeit dies versteht. Die
KSZE ist einzigartig in der Geschichte der Diplomatie.
Sie verkörpert das Versprechen zum Einsatz der
demokratischen Methode des Konsenses und der
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Aussöhnung zur Bewältigung der Ursachen von Instabilität.
Die KSZE wirkt manchmal schwerfällig und scheint
auf rasche Veränderungen nicht zu reagieren. Ihr
innovativer Ansatz zu Sicherheitsfragen muß verstanden und gepflegt werden, wenn sie dem Druck der
neuen Zeit standhalten soll. Wir sollten vor allem nicht
danach trachten, die KSZE zu verändern, nur weil
man mit Unzulänglichkeiten auf anderen Gebieten
nicht zurande kommt. Die KSZE sollte nie eine
"normale" internationale Organisation werden. Die
Stärkung ihrer Sonderstellung in Europa ist die beste
Art und Weise, zu ihrem Erfolg beizutragen.
Die Bedeutung der KSZE-Methodik
Die Sonderrolle der KSZE liegt in ihrer Methodik, die
ich als KSZE-Methodik bezeichnen möchte. Diese
Methodik verkörpert einen Ansatz zu internationaler
Kooperation, der nie zuvor versucht worden war. Die
meisten internationalen Organisationen beruhen auf
einer Satzung, einem Vertrag oder einem Regelwerk.
Diese Organisationen trachten danach, ihre Regeln in
einer formalen und bindenden Weise festzulegen.
Die Methodik der KSZE beruht nicht auf einem bindenden Vertragswerk und strebt dies auch nicht an. Sie
geht davon aus, daß Schwierigkeiten bestehen, die ein
verpflichtendes Abkommen unmöglich und eigentlich
auch nicht wünschenswert machen. Nicht wünschenswert deshalb, weil solche bindenden Verpflichtungen
das gemeinsame Anerkennen des Kooperationsprinzips unmöglich machen würden.
In der Schlu ßakte von Helsinki einigten sich die KSZEMitgliedstaaten statt dessen auf den Versuch, durch
Konsens auf der Basis von gemeinsamen politischen

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�Verpflichtungen Spannungen untereinander zu lösen. damals bedrängen uns heute Dutzende widersprüchSie machten deutlich, daß dieser Konsens dynamisch licher Herausforderungen. Die meisten davon lassen
und für ständige Verbesserungen offen sein sollte.
sich auf lange zurückliegende Ursachen zurückführen.
Statt bindender Verpflichtungen messen die KSZEMitgliedstaaten die Einhaltung der Normen an einem
Prozeß ständiger Konsultationen und der Überprüfung
ihrer Umsetzung. Durchgesetzt werden sie durch
politische Ermutigung und gelegentlich den Druck
anderer Teilnehmerstaaten.

Viele dieser Themen erfordern effizientere Instrumentarien, wie zum Beispiel die NATO. Ein langfristiger,
werteorientierter Rahmen wie die KSZE, die auf Kooperation, Offenheit und Konsens basiert, ist erforderlich, wenn wir demokratische Lösungen für die Sicherheitsprobleme der heutigen Zeit finden wollen.

Die KSZE wird von Offenheit und Demokratie geleitet.
Sie ist eher einbeziehend als ausschließend. Die
KSZE-M ethodik verlangt keinen ideologischen Gleichklang, sondern geht davon aus, daß zwischen den
vielen Mitgliedern Meinungsverschiedenheiten bestehen. Sie ist darauf ausgerichtet, diese unterschiedlichen Meinungen auf der Suche nach Konsens bei
Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse sorgfältig zu ergründen.

Um erfolgreich zu sein, muß diese aufwendige Methodik von einer breiten Öffentlichkeit verstanden und
getragen werden. Andernfalls scheint die KSZE verwirrt oder sogar machtlos. Regierungen werden sich
fragen, warum sie überhaupt Mitglied werden sollen.
Wenn die einzigartige Rolle der KSZE jedoch erhalten
bleiben soll, müssen ihre Ziele von der gesamten
Gesellschaft unterstützt werden. Ohne diese öffentliche Unterstützung würde die KSZE eine sterile Diplomatenversammlung.

Die Überprüfung der Umsetzung soll zu besseren
Leistungen anspornen statt sogenannte Verletzungen
zu bestrafen. Dadurch schafft die KSZE Kooperation
in Bereichen, wo Konflikt die Regel war. Die Methodik
der KSZE bringt Sicherheit und Kooperation in Bereiche, wo diese zuvor nicht existierten.
Der KSZE-Prozeß ist seinem Wesen nach langsam
und mühevoll. Er ziert darauf ab, die Ursache von
Konflikten zu beseitigen, statt ihre unmittelbaren
Symptome zu behandeln. Wenn das Verständnis und
die Unterstützung der Öffentlichkeit für solche langfristigen Bemühungen schwinden und schnell einfache
Lösungen gefunden werden sollen, werden unsere
Nationen jene Werkzeuge nicht mehr handhaben
können, die sich am besten für die Bewältigung der
komplexen Herausforderungen dieser neuen Zeit eignen.
Die KSZE in einer Zeit raschen Wandels
Um die Bedeutung der KSZE-Methodik für diese neue
Ära zu verstehen, muß eine wichtige Tatsache klargestellt werden. Der KSZE-Prozeß wurde für eine Ära
der Konfrontation entwickelt, in der Fortschritte erwartungsgemäß langsam und mühselig waren. Doch
sogar in den siebziger Jahren, als die Welt noch nicht
so schnellebig war, gab es Kritik an ihrer Arbeitsweise.
Die KSZE hat später bewiesen, daß ihre Methodik
eines der wesentlichen Instrumente des politischen
Wandels in der kommunistischen Welt darstellte.

Wie wird die KSZE für den einzelnen relevant?
Die KSZE benötigt privat organisierte Gruppen, wie
das Deutsche Helsinki Komitee, um der Öffentlichkeit
den Wert eines langsamen Konsensbildungsprozesses nahezubringen. Dabei müssen Sie uns helfen, den
direkten Bezug der KSZE zum täglichen Leben in
jedem Teilnehmerstaat aufrechtzuerhalten.
Die Hoffnungen und Ängste der Bürger im täglichen
Leben bilden das Kernstück der Arbeit der KSZE. Die
KSZE dient dem Frieden, indem sie diese Bedürfnisse
definiert und Mittel zu ihrer Bewältigung sucht. Diese
Mittel können dann in internationale politische Aktionen umgesetzt werden. Schließlich ist es die Verweigerung von Grundrechten wie Identität, Gemeinschaft,
wirtschaftlichem Wohlstand und politischen Rechten,
die den meisten gefährlichen Konflikten zugrunde liegt.
Privatinitiativen sind das unabdingbare Bindeglied
zwischen dem Bürger und den Regierungsvertretern,
die den KSZE-Prozeß verwalten. Das Deutsche Helsinki Komitee ist eine der aktivsten dieser Gruppen.
Ohne Ihr Interesse und Ihre Unterstützung könnte das
aufregende Experiment KSZE nicht fortgesetzt werden.
Die KSZE und Hoffnungen für die Zukunft

Wir alle sind uns des unglaublichen Erfolgs bewußt,
den die Methodik der KSZE bei der Überwindung der
Heute stehen wir dramatischen und schnell ablaufen- Teilung Europas hatte. Heute können wir uns über ein
den Entwicklungen gegenüber. Täglich sind wir mit Europa freuen, das frei von Konfrontationen und ideoTragödien konfrontiert. Man ist versucht, verpflichten- logischen Kriegen ist. Wir können über den Beginn
de Lösungen anzustreben oder zu glauben, Probleme eines neuen und hoffnungsvollen historischen Zeitalkönnten durch energische Umsetzung gelöst werden. ters nachdenken.
In Wirklichkeit aber sind die Probleme der Zeit nach
Von Hoffnung in einer Zeit zu sprechen, in der bewaffdem Kalten Krieg tief ergehend als jene, welche die Zeit
nete Konflikte im KSZE-Bereich zunehmen, mag
der Konfrontation ursprünglich ausgelöst haben. Im
unwissend oder sogar naiv sein, aber ich bleibe dabei.
Gegensatz zu der einen großen Konfrontation von
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AMERIKA DIENST 9

�Im Vergleich zu der massiven Unterdrückung und
militärischen Konfrontation, die unsere Welt vor fünf
Jahren noch charakterisierten, ist der Ausgangspunkt
für den Aufbau einer neuen friedlichen Ordnung in
Europa in der Tat hoffnungsvoll.
Durch die Unterzeichnung der Charta von Paris haben
sich die Regierungen von 53 Staaten den Zielen der
Demokratie und freier Märkte verpflichtet, die das
Kernstück der Prinzipien von Helsinki ausmachen.
Statt mit einer strengen ideologischen Teilung zu
kämpfen, können wir jetzt die Möglichkeit in Betracht
ziehen, eine Gemeinschaft freier Nationen zu schaffen, die von einem Ufer des Pazifiks bis zum anderen
reicht. Niemals in der neueren Geschichte waren die
Chancen für eine wirklich kooperative Sicherheitsstruktur größer.
Wir sollten jedoch auch die Konsequenzen eines
Scheiterns der KSZE-Methodik berücksichtigen. Wenn
auf KSZE-Prinzipien gegründete Sicherheitsstrukturen nicht geschaffen werden können, ist die Alternative
erneute Konfrontation oder ein autoritärer Ansatz. Die
Aufrechterhaltung der wertebezogenen KSZE-Methodik ist daher mehr als eine politische Option. Unterstützung der KSZE und ihrer Arbeit ist das deutlichste
Signal, daß unsere Länder bei ihrer Suche nach stabilem Frieden demokratische Methoden nicht aufgeben
werden.
Neue Probleme einer neuen Ära
Wenn Hoffnung gerechtfertigt ist, dann gibt es auch
Grund, nach unseren Erfolgschancen zu fragen. Dreimal
in diesem Jahrhundert haben Kriege und autoritäre
Regime die Demokratie in Europa zerstört. Zwei
dieser Kriege waren die größten Flächenbrände in der
Weltgeschichte. Der dritte - der Kalte Krieg - hatte den
böswilligsten Unterdrückungsapparat, den man sich
nur vorstellen kann, zur Folge.
Beim Fall der kommunistischen Regierungen Mittelund Osteuropas und der Sowjetunion kamen die schrecklichen Trümmer des Totalitarismus zutage. Die meisten Institutionen des normalen politischen und sozialen Lebens waren zerstört. Wirtschaftliche Strukturen
wurden durch die Konzentration der Produktion auf
militärische Güter verzerrt. Umweltprobleme waren
allgegenwärtig. Noch schlimmer war, daß die moralische und geistige Struktur stolzer Nationen völlig zerrissen war.
Wir alle sind uns der Konsequenzen nur zu bewußt.
Normale Prozesse der Heilung und Konsensbildung
wurden in den Ländern, die unter kommunistischer
Herrschaft standen, fünfzig Jahre oder länger unterdrückt. Die unkomplizierte Zusammenarbeit, die zwischen westeuropäischen Ländern selbstverständlich
geworden ist, konnte nicht in Gesellschaften Fuß
fassen, in denen nicht die Möglichkeit offenen Dialogs,
der Konsensfindung und Anpassung bestanden. Mili-

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tärische Planwirtschaften machten den Wohlstand,
der eine entscheidende Grundlage für den Frieden im
Westen war, unmöglich.
Als reichten diese Herausforderungen nicht aus, beraubte unser eigener Erfolg uns des Handlungsimpulses, den eine einzige, klar definierbare Bedrohung
liefert. Anstatt unsere Energien bündeln zu können,
müssen wir jetzt sowohl das Wesen der uns konfrontierenden Probleme als auch die Methoden des Umgangs mit ihnen neu definieren.
Traditionelle Instrumente, beispielsweise militärische
Macht, Wirtschaftshilfe oder diplomatische Verhandlungen, erweisen sich oft als wirkungslos bei grausamen Krisen wie der im ehemaligen Jugoslawien. Ist es
daher verwunderlich, wenn unsere eigene Zusammenarbeit im Westen belastet wurde?
Die KSZE-Normen als Wegweiser für die Zukunft
Die Unsicherheit dieser neuen Ära verleiht Verhaltensnormen und -richtlinien jetzt ebensolche Bedeutung
wie in der Zeit des Kalten Krieges. Die KSZE ist zum
flexibelsten und umfassendsten Wegweiser für die
Reise aus der alten Ära in eine neue, friedliche europäische Ordnung geworden. Ihr Engagement brachte
eine ausführliche Beschreibung der Funktionsweise
einer modernen, demokratischen Gesellschaft hervor.
Wenn wir diese Normen beibehalten und lernen, sie in
den neuen Situationen anzuwenden, dann besteht
keine Gefahr, vom Weg abzukommen.
Heute hat sich das Hauptaugenmerk der KSZE von der
Erörterung und Definition von Normen auf deren
Anwendung verschoben. Anstatt bei unwilligen Regierungen auf ihre Einhaltung zu drängen, muß die KSZE
nun helfen, diese Prinzipien angesichts wirtschaftlichen Niedergangs, interner Konflikte und unerfahrener Politiker zu etablieren. Sie müssen zur Grundlage
für die Errichtung neuer, demokratischer Strukturen
werden.
Ihrem Ruf von Offenheit und Flexibilität getreu, bot die
KSZE ihren Mitgliedstaaten ideale Rahmenbedingungen für die Erprobung innovativer Methoden, den
vielschichtigen Herausforderungen der neuen Zeit zu
begegnen. In nur drei Jahren schuf die KSZE eine
Struktur mit einem Sekretariat, einem permanenten
Beratenden Ausschuss und zahlreichen Aktivitäten
vor Ort.
Sie experimentierte mit neuen Konzepten wie beispielsweise der Integration sozialer, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Aspekte der Sicherheit in
ein umfassendes Konzept, welches das Verhältnis
zwischen den vielen Elementen des modernen Lebens
deutlich macht. Dieses neue Sicherheitskonzept schuf
die Grundlage für innovative Bestrebungen in Sachen
demokratische Entwicklung, präventive Diplomatie und
Konfliktlösung.

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�Durch die breitgefächerte Mitgliedschaft und den informellen Charakter der Strukturen hat die KSZE ihre
Glaubwürdigkeit als ein überparteiliches und flexibles
Instrument bewahrt. Dadurch kann sie sich oft solcher
Probleme annehmen, die für andere, formalere Organisationen nicht eng genug definiert oder zu umstritten
sind, so zum Beispiel der in der ehemaligen Sowjetunion entstandenen Konfliktherde. Die Rolle der KSZE
bei der Entwicklung eines Gemeinwesens in der kriegsbelasteten Republik Tadschikistan liefert hierfür ein
ausgezeichnetes Beispiel.
Zukunftsaussichten
Bis jetzt sind unsere mit der "neuen" KSZE gemachten Erfahrungen gut. Wie wird das aber in Zukunft
aussehen? Wir sind noch weit entfernt davon, viele der
in der ehemaligen kommunistischen Welt entstandenen Konflikte zu lösen. Und leider können wir noch
nicht die Ressourcen eines internationalen Forums,
einschließlich der KSZE, so erfolgreich und intensiv
einsetzen, wie wir sollten.
In den vergangenen drei Jahren fand ein in der neueren Geschichte einzigartiger Prozeß des Strukturaufbaus statt. Entsprechende nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Strukturen wurden im Vergleich
dazu in einem Zeitraum von nahezu zehn Jahren
erdacht und aufgebaut.
Jetzt, da die Welle von neuen Abkommen und Erklärungen abgeebbt ist, gibt es wirklich einen Mangel an
Strategien für den Einsatz der von uns entwickelten
Werkzeuge. Wie meistens in Zeiten großer Veränderungen in der Geschichte haben auch wir die belastende menschliche Eigenschaft, in den alten Verhaltensmustern zu bleiben, bis wir neue definiert haben.
Dies erklärt teilweise das Gefühl der Frustration und
sogar des Widerwillens, mit dem viele an die Errichtung einer neuen Sicherheitsordnung herangehen.
Die neuen Instrumente sind da, aber wir verwenden
noch unsere veralteten Gebrauchsanweisungen. Anstatt
immer neue Werkzeuge für immer neue Strukturen zu
schaffen, müssen wir unsere Strategien an die neuen
Situationen anpassen.
Wenn wir dabei Erfolg haben wollen, müssen zwei
grundsätzliche Erfordernisse erfüllt werden:
Wir müssen neue Gedanken- und Kooperationsmuster erlernen. Viele Regierungen konzentrieren ihre Bemü hungen immer noch auf die
traditionellen Konzepte der politischen Beziehungen und der Verteidigung. Man versucht
Verträge und Abkommen anzuwenden, wenn
es sich eigentlich um soziale Probleme handelt.
Lösungsvorschläge konzentrieren sich oft auf
klassische Durchführungskonzepte und nicht
so sehr auf langfristige politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Bürokratische Strukturen
innerhalb von Regierungen sind neuen AnfordeSeite 4

rungen gegenüber nicht aufgeschlossen und
weder Regierungen noch nichtstaatliche Organisationen haben die neue Beziehung zwischen
offizieller Autorität und privater Expertise zufriedenstellend definiert. Diese Beziehung muß
sich entwickeln, wenn viele der neuen Probleme
erfolgreich angegangen werden sollen.
Wir müssen weitreichende Strategien verfolgen, die demokratische und marktwirtschaftliche Entwicklungen integrieren. Der Ausdruck
"Sicherheit" kann nicht als eine Art von politischem Mechanismus betrachtet werden, der
angewendet wird, sobald Alarm ausgelöst wurde. Wir dürfen auch Sicherheit nicht länger
durch militärische Abkommen definieren. Für
die neuen demokratischen Staaten beginnt
Sicherheit mit Programmen zur Förderung von
Toleranz und multikulturellen Gesellschaften.
Mit anderen Worten, Sicherheitspolitik muß als
ein aktiver, fortschreitender Prozeß betrachtet
werden, der mit den fundamentalen Aspekten
nationaler Entwicklung beginnt.
Strategien für den Einsatz der KSZE
Wenn Einigkeit über diese Konzepte besteht, werden
die Erfordernisse einer Strategie für den Einsatz der
KSZE klarer. Eine solche Strategie muß meines
Erachtens auf folgenden Elementen basieren:
Die Einzigartigkeit der KSZE und ihre Methodik
sollten erhalten bleiben. Die KSZE kann keine
allgemeingültigen Lösungen für alle Probleme
bieten. Wir sollten auch nicht versuchen, ihr
Aufgabengebiet zu erweitern, wie dies andere
Organisationen tun. Die spezifische Rolle der
KSZE besteht in der Anwendung demokratischer Normen auf nationale Entwicklungen und
auf Versuche zur Lösung von Konflikten. Die
offene, flexible Struktur ist genau auf solche
Aufgaben ausgerichtet. Sie formaler zu gestalten und stärker auf Verträge zu gründen, mit
Durchführungsgewalt auszustatten, oder - wie
bisweilen vorgeschlagen - das Konsensprinzip
abzuschaffen, um die "Dinge zu beschleunigen", würde ihre grundlegenden Stärken untergraben.
Die Aktivitäten der KSZE sollten sich verstärkt
auf die langfristigen Ursachen von Problemen
konzentrieren. Strategien für die Verbindung
politischen Handelns mit grundsätzlichen Fragen politischer und wirtschaftlicher Entwicklung
sind noch von keiner Organisation entwickelt
worden. Die KSZE kann demonstrieren, wie
vielschichtige Sicherheitsaspekte in eine Operationsstrategie eingegliedert werden können.
Regierungen haben keineswegs ein Monopol
auf die Entwicklung solcher Strategien. Nichtstaatliche Experten und Organisationen können

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�einen großen Teil der Arbeit leisten, die für neue
Strategien notwendigen Anforderungen zu erforschen.
Es sollten phantasievollere Mittel fürdie Anwendung von Ressourcen im Rahmen der KSZE
gefunden werden. Die Regierungen begreifen
bis heute nur sehr langsam, welche Art von
Politik und welche Ressourcen diese neue Ära
braucht. Viele der Probleme, mit denen die
KSZE umgeht, erfordern Talente, die für gewöhnlich nicht in Regierungen zu finden sind.
Private Geld- und Personalquellen sollten ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit regierungsunabhängigen Organisationen gestärkt
werden.
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
und ihre Integration sollten verstärkt werden.
Wenn keine Organisation allein alles tun kann,
sollte es auch keine Konkurrenz zwischen Organisationen geben, die auf ähnlichen Gebieten
tätig sind. Die KSZE kann brauchbare Rahmenbedingungen bieten, durch die der Arbeit kleinerer Organisationen auf den Gebieten Politik,
militärische Sicherheit, Kultur, Medien, oder
Wirtschaft eine Struktur verliehen wird. Umgekehrt kann die KSZE ihre Expertise in die Arbeit
anderer Organisationen einbringen. Die Aufgaben der Europäischen Union, des Europarates
und der Partnerschaft für Frieden in der NATO
lassen auf zukünftige Zusammenarbeit hoffen.
Die KSZE knüpft bereits besondere Beziehungen zu den Vereinten Nationen. Künstliche
Hindemisse, welche die Kooperation zwischen
NATO und KSZE blockieren, sollten beseitigt
werden.
Grundinhalte sollten gleich bleiben
Meine heutigen Ausführungen zielten darauf ab zu
beschreiben, wie die KSZE zu Strategien beitragen
kann, welche die Herausforderungen einer neuen
historischen Ära angehen.

Der Großteil meiner Rede bezog sich zwar direkt auf
die KSZE, doch ist viel davon auch auf die Arbeit
anderer Organisationen oder Regierungen einzelner
Länder anwendbar. Meines Erachtens stehen wir erst
am Beginn einer Zeit einzigartiger grundlegender sozialer
und politischer Veränderungen. Unsere Gesellschaft
und unsere Lebensweise werden höchstwahrscheinlich weitaus stärker davon beeinflußt werden, als wir
uns heute vorstellen können.
Da die Veränderungen so grundlegend sein werden,
können noch keine Pläne oder Strukturen an die
Bedürfnisse der neuen Zeit angepaßt werden. Wir
können allerdings zugeben, daß wir uns auf unsicherem Boden befinden und daher flexibel bleiben müssen. Die KSZE ist die flexibelste und anpassungsfähigste aller Strukturen. Gleichzeitig ist sie den grundsätzlichen Werten und Normen der Demokratie fest
verbunden.
Diese zwei Erfordernisse - der Erhalt des Fundaments
der Freiheit und das gleichzeitige Streben nach größtmöglicher Flexibilität beim Umgang mit unmittelbaren
Herausforderungen - sind wahrscheinlich die wesentlichen Elemente einer erfolgreichen Sicherheitspolitik
der Zukunft. Insbesondere von Deutschland wird man
erwarten, daß es eine komplexe Strategie entwirft,
welche die Bindung an seine unmittelbaren europäischen Nachbarn stärkt und zugleich seine einzigartige
Rolle und gemeinsamen Interessen mit Partnern in
anderen Regionen bewahrt.
Die KSZE wird nicht das einzige europäische Sicherheitsorgan werden, wie manche glaubten. Sie wird
auch keine Erfolgsgarantie für Demokratie in den eben
erst befreiten Ländern des Ostens sein. Sie kann
jedoch die direkteste Verbindung von Werten und
konkreter Politik bilden. Wenn wir unsere Handlungsweise von den KSZE-Prinzipien leiten lassen, sind wir
auf dem richtigen Weg. Diese einzigartige Rolle sollte
nicht dem Druck des Augenblicks geopfert werden,
denn wir wissen derzeit nicht, in welche Richtung wir
uns bewegen.

* * * *

AMERIKA DIENST 9

*

Seite 5

�AUSLAN DSHILFE
2. März 1994

GLEICHBERECHTIGUNG IST SCHLÜSSELELEMENT
DES AUSLANDSHILFEGESETZES
Rede von AID-Direktor Atwood
WASHINGTON - (AD) - Das neue Auslandshilfegesetz der Clinton-Administration verfolgt das Ziel umweltverträglicher Entwicklung teilweise durch die Einrichtung von Programmen, die den Menschen, insbesondere
Frauen, "ein Gefühl von Beteiligung, Besitz und Gleichberechtigung" geben.
So charakterisierte der Direktor des US-Amts für internationale Entwicklung (U.S. Agency for International
Development - USAID), J. Brian Atwood, die Maßnahme, die offiziell als "Gesetz über Frieden, Wohlstand und
Demokratie" bezeichnet wird, in einer programmatischen Rede am 22. Februar 1994 bei der Konferenz des
Büros der für Bevölkerungsfragen zuständigen Behörden.
"Die Gesetzesvorlage zielt nicht darauf ab, anstelle der Entwicklungsländer zu handeln", erklärte er," sie ist Hilfe
zur Selbsthilfe - eine bürgerliche Gesellschaft aufzubauen, Fähigkeiten und Einkommen zu erwerben, in den
Menschen zu investieren, sein produktives Potential zu entfalten, seine Fortpflanzung zu kontrollieren". Atwood
zufolge ist diese Einstellung nicht visionär, sondern zeugt eher von "gesundem Menschenverstand".
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus der Rede von Direktor Atwood.

Die Demographen entwerfen ein Zukunftsbild, das uns
starr vor Angst macht. Noch zu Lebzeiten unserer
Kinder wird die Weltbevölkerung mit Sicherheit auf
acht Milliarden Menschen ansteigen. Diese Tatsache
ist die treibende Kraft hinter jeder entwicklungspolitischen Herausforderung. Ihre sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie ihre Konsequenzen für
Umwelt und Politik werden in den kommenden Jahrzehnten die amerikanischen Politiker konfrontieren.
Diese Tatsache ist so sicher wie die Zahl an sich. Alles,
was wir als Amt für Entwicklung und als Entwicklungsgemeinschaft unternehmen, wird zweifellos davon
beeinflußt werden. Unsere Herausforderung liegt dann
darin, wann diese Zahl erreicht wird und wieviel größer
sie noch werden kann.
Präsident Clinton und andere Administrationsmitglieder - Vizepräsident AI Gore, der Staatssekretär im
Außenministerium Timothy Wirth und ich - gehören zu
denjenigen, die verstehen, daß unsere größte Verantwortung darin besteht, den Politikern im In- und Ausland die aus diesen Zahlen resultierenden Konsequenzen zu vermitteln. Die Konsequenzen für die politische
Stabilität. Die Konsequenzen für die Umwelt. Die
Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum. Die
Konsequenzen für Familien und Gemeinden. Und

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letztlich die Konsequenzen für unseren Planeten und
die menschliche Gesellschaft.
Eine Tragödie zeichnet sich ab, deren Dimensionen
bereits erkennbar sind:
Die Tragödie unerfüllter Hoffnungen des Menschen, da Männer und Frauen weiterhin über
unzureichenden Zugang zu Informationen und
Verhütungsmitteln verfügen.
Die Tragödie von Frauen, Jugendlichen und
Kindern, die ständig krank sind und oftmals
sterben, weil die Gesellschaft nicht die erforderlichen geringen Investitionen in Gesundheitsfürsorge für Schwangere, Mütter, Familien und
Kinder tätigt.
Die Tragödie von Umweltzerstörung, Armut und
Hunger, die eng miteinanderverknüpft sind. Es
ist eine Tragödie, bei der das Land und die
Institutionen nicht an das Bevölkerungswachstum angepaßt sind. Haiti und Somalia sind die
deutlichsten Beispiele. Die wirkliche Tragödie
besteht darin, daß es noch mehr Beispiele geben
wird. Und wenn wir ihnen den Rücken zukehren
würden, wäre das die größte Tragödie überhaupt.
Seite 1

�Diese Situation erfordert eine präventive Diplomatie.
Es handelt sich hier nicht, wie manche vielleicht meinen, um "die Probleme anderer". Sie könnten alle
Amerikaner betreffen. Wir können uns ihren Auswirkungen nicht entziehen, und sie erfordern eine Politik,
die die Probleme von Grund auf angeht.

werden wir mit weniger M itteln mehr bewirken müssen.
Jede neue Idee, jedes vorgeschlagene Projekt und
jede Verwaltungsreform wird an diesem Maßstab
gemessen.

Diese Betonung des Ergebnisses - was wir mit jedem
zusätzlich investierten Dollar bewirken können - wird
Das ist der Grund dafür, daß die Administration das auch auf unsere neue Bevölkerungs- und Gesund"Gesetz über Frieden, Wohlstand und Demokratie" heitsstrategie bezogen. Diese Strategie wird von dem
gefördert hat, eine neue Charta für Auslandshilfe in der Gefühl für Dringlichkeit angetrieben, das wir alle haZeit nach dem Kalten Krieg. Sie fügt sich nahtlos in die ben. Sie soll weltweit etwas bewirken. Sie enthält die
von AID verfolgte Strategie für Entwicklung ein.
aus der Erfahrung gezogenen Lehren und die Überzeugung, daß unsere gesamten Programme vom Anfang
Wir haben darauf hingewiesen, daß wir ein einziges bis zum Ende die Menschen einbeziehen müssen, die
Ziel - umweltverträgliche Entwicklung - in den fünf als Nutznießer vorgesehen sind. Schließlich handelt
Bereichen verfolgen, die über die Umweltverträglich- es sich um eine Strategie, die immer stärker integrierte
keit von Entwicklung entscheiden: Demokratie, breit Ansätze erfordert, damit wir unsere bevölkerungs- und
gefächertes Wirtschaftswachstum, Umwelt, humani- gesundheitspolitischen Ziele erfüllen können.
täre Hilfe und Unterstützung der im Übergang befindlichen Nationen. Und natürlich Bevölkerung und Die Bevölkerungs- und Gesundheitsstrategie von AID
Gesundheit. Unsere Arbeit wird von einem geschärf- stellt vier miteinander verbundene Prinzipien und Ziele
ten Bewußtsein für die Interdependenz dieser Fragen in den Mittelpunkt:
geleitet.
Förderung der Rechte von Paaren und EinzelMachen sich korrupte und autoritäre Regierungen die
personen, frei und verantwortlich die Zahl ihrer
Mühe, Einrichtungen zur Gesundheitsfürsorge und
Kinder und den zeitlichen Abstand zwischen
Familienplanung bereitzustellen, die den Bedürfnisden Geburten festzulegen.
sen der Menschen Rechnung tragen? Können die
Verbesserung der Gesundheit des einzelnen,
Menschen arbeiten oder die Kinder lernen, wenn sie
unter besonderer Beachtung der gesundheitlihungrig oder krank sind? Können demokratische
chen Bedürfnisse von Frauen und Jugendlichen
Institutionen überleben, wenn die Menschen arbeitssowie der allgemeinen gesundheitlichen Belos sind und nicht das Gefühl haben, daß sie in ihrer
dürfnisse
von Säuglingen und Kindern.
Nation, ihrer Regierung oder bei ihrer Zukunft ein
Mitspracherecht haben? Ist eine Entwicklung umweltSenkung des Bevölkerungszuwachses auf ein
verträglich, wenn Frauen nicht gleichberechtigte BeNiveau, das eine umweltverträgliche Entwickteiligte und Nutznießer sind?
lung zuläßt.
Diese Fragen erinnern uns daran, daß das Streben
Einbeziehung der Zielgruppe in die Programme.
nach umweltverträglicher Entwicklung integrierte
Ansätze erfordert. Der Gesetzentwurf über Frieden, Im Rahmen dieser Strategie wird die Unterstützung
Wohlstand und Demokratie soll uns die hierzu erfor- der Familienplanungssysteme und -dienstleistungen
derlichen Werkzeuge an die Hand geben. Sobald er weiterhin im Mittelpunkt unserer Bestrebungen steGesetzeskraft erlangt hat, wird er Programme einlei- hen. Sie stellt bei weitem die kostengünstigste Interten, die den Menschen - insbesondere Frauen, dem vention dar, um Paaren und dem einzelnen eine Konversteckten wichtigen Entwicklungsfaktor - ein Gefühl trolle über die Zahl der Kinder zu geben und das
von Beteiligung, Besitz und Gleichberechtigung ge- Bevölkerungswachstum zu bremsen. Sie hat direkte
ben. Die Gesetzesvorlage zielt nicht darauf ab, anstel- Vorteile für die Gesundheit und das Wohlergehen von
le der Entwicklungsländer zu handeln, er ist Hilfe zur Frauen, Kindern und Familien. Insbesondere ist sie
Selbsthilfe - eine bürgerliche Gesellschaft aufzubau- entscheidend für eine umweltverträgliche Entwicken, Fähigkeiten und Einkommen zu erwerben, in den lung.
Menschen zu investieren, sein produktives Potential
zu entfalten, seine Fortpflanzung zu kontrollieren. Diese Die Einrichtung eines neuen Zentrums für BevölkeEinstellung ist nicht visionär, sondern zeugt eher von rung, Gesundheit und Ernährung wird die in diesen drei
Bereichen Tätigen zur Zusammenarbeit ermutigen.
gesundem Menschenverstand.
Das neue Zentrum soll ein Zusammenwirken dieser
Werden wir die für diese ehrgeizige Tagesordnung Programme ermöglichen, besonders bei der komplierforderlichen Mittel erhalten? Obwohl sich diese zierten Gesundheitsfürsorge für Schwangere. Es wird
Administration um den Abbau des Haushaltsdefizits uns die Erforschung von Verbindungen zu Programbemüht, ist sie auch unseren Zielen verpflichtet und men aus anderen Sektoren gestatten und unsere
sich unserer Bedeutung bewußt. Doch selbst unter bevölkerungs-und gesundheitspolitischen Bestrebunden besten haushaltspolitischen Voraussetzungen gen verstärken.
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AMERIKA DIENST 9

�Bei unseren politischen Gesprächen mit Gastländern
und anderen Gebern werden wir die Interdependenz
der Ziele umweltverträglicher Entwicklung hervorheben. Beispielsweise beobachten wir langfristige Auswirkungen auf die Familienplanung und verringerte
Kindersterblichkeit als Ergebnis der geförderten Bildung für Frauen und Mädchen. Wir erwarten eine
Verstärkung unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet
und arbeiten mit anderen Geberländern zusammen,
die vielleicht mehr tun können.

nach einem integrierten Ansatz sprechen, bedeutet
das kein Patentrezept, wie Familienplanungssysteme
funktionieren oder Dienstleistungen an der Basis
angeboten werden sollten. Das würde alles konterkarieren, was wir über Familienplanung und Gesundheitsfürsorge für Schwangere gelernt haben. Wir
müssen vermeiden, was einer unserer Kollegen als
den sogenannten "Schweizer-Armeemesser-Ansatz"
zu Dienstleistungen bezeichnet hat - alles zu tun
versuchen, und nichts davon gut zu machen.

Ein integrierter Planungsansatz bedeutet nicht, daß
wir schwachen Institutionen oder Anbietern von Dienstleistungen zusätzliche Lasten aufbürden. Vielmehr
beinhaltet er, eine Beschränkung der Aufmerksamkeit
auf bestimmte Ziele auf Kosten anderer zu vermeiden.
Etwas anderes würde zur Verschwendung begrenzter
Mittel führen und wäre zweifellos zum Scheitern verurteilt.

Einige sind besorgt, daß ein integrierterer Ansatz zu
Bevölkerungs-, Gesundheits- und Ernährungsfragen
es erschweren wird, Programme für Resultate in einem dieser Bereiche verantwortlich zu machen. Ich
teile diese Meinung nicht. Wir werden nach wie vor
unsere Leistungen anhand von Indikatoren wie Verwendung von Kontrazeptiva, Geburtenrückgang, Mütterund Kindersterblichkeit genau beobachten und weiterhin nach besseren Bewertungskriterien für die Auswirkungen unserer Programme suchen.

Da ich weiß, daß es eine Vielzahl von Gerüchten und
Diskussionen gab, möchte ich Ihnen versichern, daß
wir zu den bereits eingegangenen Verpflichtungen
stehen, die Gelder für Bevölkerungs-und Familienplanung sowie damit zusammenhängende Gesundheitsprogramme für Schwangere zu erhöhen.
In einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe ist die
Bevölkerungspolitik einer der wenigen Posten im
Haushalt von AID, bei dem eine reale Erhöhung der
Mittel stattfindet. Um sowohl unsere traditionellen
Bestrebungen bei der Familienplanung zu unterstützen als auch das Bevölkerungswachstum von Grund
auf und direkt anzugehen, habe ich die Anweisung
erteilt, daß ein Teil der für das Haushaltsjahr 1995 und
danach für Bevölkerungspolitik vorgesehenen zusätzlichen Gelder für eine begrenzte Zahl innovativer Aktivitäten zur Verfügung gestellt wird. Dazu sollen Programme zur Förderung der Bildung und Gleichberechtigung der Frau gehören, die ich bereits erwähnt habe.
Sie wurden speziell dafür entworfen, die Nachfrage
nach Familienplanungsprogrammen und ihre Nutzung
in der nahen Zukunft zu erhöhen. Die für diese
innovativen Aktivitäten bereitgestellten Gelder sollen
eine Ergänzung zur allgemeinen Finanzierung der
Bildung und Gleichberechtigung von Frauen unter
dem Fonds zur Förderung von Entwicklung darstellen.
Dies ist für uns alle ein neuer und vielversprechender
Ansatz. Wir werden Nachfragen nach dieser Art von
Nutzung sowie ihre Auswirkungen genau beobachten.
Obwohl ich der Verstärkung unserer bestehenden
Programme entschieden verpflichtet bin, engagiere
ich mich gleichermaßen für eine führende Rolle von
AID bei der Familienplanung. Wir haben auf diesem
Gebiet einen relativ großen Vorteil und werden nicht
den für die Familienplanung vorgesehenen Teil unserer Hilfe schmälern.
Auch zu einem weiteren Punkt sollte es keine Mißverständnisse geben. Wenn wir von unserem Wunsch
AMERIKA DIENST 9

Darüber hinaus wollen wir die schwierigeren Fragen
nicht außer acht lassen, wie etwa: Entsprechen die
Programme dem Bedarf der Nutznießer? Welche
Verbindungen bestehen zwischen den von uns unterstützten Eingriffen und Veränderungen bei der Familienplanung und der allgemeinen Gesundheitsfürsorge? Und haben wir umweltverträgliche Systeme eingeführt, die nicht nur in diesem, sondern in 5,10 oder
15 Jahren Ergebnisse erzielen?
Dieses letzte Kriterium ist von besonderer Bedeutung.
Es gibt eine länger werdende Liste von Ländern, in
denen AID einen maßgeblichen Beitrag zur Famlienplanung und zur Gesundheit geleistet hat, darunter
Mexiko, Jamaica, Bangladesch, Indonesien, Marokko,
Ägypten, Kenia und Simbabwe. Kolumbien wird in
Kürze der Liste führender Länder hinzugefügt, zu der
jetzt Thailand, Tunesien und Korea zählen. Die Ergebnisse waren die Folge von umweltverträglicher Entwicklung über einen Zeitraum von mehreren Jahren
hinweg-und dergeduldigen Bestrebungen der mit AID
zusammenarbeitenden Behörden.
Während wir auf Ergebnisse abzielen, sollten wir vor
allem die Perspektiven der Einzelpersonen im Auge
behalten, auf die sich Familienplanung und Gesundheitsdienste richten. Seit langem haben wir uns dem
Ziel verbesserter Gesundheitsfürsorge und leichtem
Zugang verschrieben. Wir müssen mehr Gespräche
mit unseren "Klienten" über die ihnen am größten
erscheinenden Hindernisse führen.
Neben den Müttern und Kindern - der Zielgruppe
unserer Programme - müssen wir den Bedürfnissen
von Jugendlichen, Männern, unverheirateten Frauen
und kinderlosen jungen Ehepaaren unsere Aufmerksamkeit widmen. Wir müssen den von uns geförderten
Organisationen bei der Suche nach besseren Wegen
zu ihrer Einbeziehung behilflich sein, sei es durch

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�Schulen oder Lokale, Freizeitzentren oder Versammlungsorte. Wir müssen die Macht der Massenmedien
besser nutzen, um Ideen und Informationen zu verbreiten.
Bei der Reaktion auf die Bedürfnisse von Frauen
sehen wir uns mit zusätzlichen Herausforderungen
konfrontiert. Berücksichtigung der Rolle der Geschlechter ist unabdingbar für die von uns geförderten Programme. Wir müssen die uneingeschränkte Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen der Familienplanung und - in der Tat - der Gesundheits- und Entwicklungsprogramme unterstützen. Wir müssen Frauen
bei der Überwindung der sie konfrontierenden Hindernisse zur Erlangung von Dienstleistungen und Anwendung unterschiedlicher Verhütungsmethoden behilflich sein. Wir müssen darauf achten, daßdie Programme auf die Frauen zugeschnitten sind. Und die Programme müssen die Unterstützung und Beteiligung
der Männer verbessern.
Bei dieser Zusammenkunft werden Sie vorau ssichtlich
die Verbindung zwischen Familienplanung und anderen Dimensionen der Gesundheitsfürsorge für Schwangere ansprechen. In einem Umfeld, in dem die Frauen
weiterhin aufgrund von Schwangerschaften und im
Kindbett sterben, wo HIV/AIDS und andere sexuell
übertragene Krankheiten eine zunehmende Zahl von
Opfern fordern und Frauen die effektive Anwendung
von Kontrazeptiva durch andere Probleme verwehrt
wird, müssen wir Programme entwerfen, die diesen
Realitäten Rechnung tragen und sie in Angriff nehmen.

Risiko eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs
eingehen oder - noch schlimmer - in einem Teufelskreis wiederholter Schwangerschaftsabbrüche gefangen sind, mit allen Implikationen des Leidens für sie,
ihre Kinder und andere Familienmitglieder.
Ich möchte betonen, daß der verbesserte Zugang zu
Informationen über Schwangerschaftsverhütung und
Dienstleistungen unser erster Ansatzpunkt zur Bewältigung der Tragödie unsicherer Schwangerschaftsabbrüche ist. Wir müssen die Qualität der Vorsorge und
die Anwendung sicherer und effektiver Methoden
verbessern. Wir müssen die Beratung verstärken und
das Verständnis von Frauen und ihren Partnern für
Gesundheitsfürsorge bei der Schwangerschaft und
der Entscheidung dafür vertiefen. Von ebensolcher
Bedeutung ist mitfühlende Behandlung der Frauen in
solch verzweifelten Umständen, daß sie keinen Ausweg als einen unsicheren Schwangerschaftsabbruch
sehen.
Dieses Thema, das an oberster Stelle der öffentlichen
Debatten in diesem Land steht, erhält für viele Frauen
in Entwicklungsländern noch zusätzliche Dringlichkeit.
Sie haben entschieden weniger Wahlmöglichkeiten
als Frauen hier, wohin sie sich um Hilfe wenden
können. Obwohl die Hindernisse nicht über Nacht
beseitigt werden können, wird diese Administration
weiterhin für das Prinzip der freien Entscheidung für
eine Schwangerschaft eintreten, einschließlich des
Zugangs zu sicherem und freiwilligem Schwangerschaftsabbruch.

Darüber hinaus müssen wir prüfen, wie wir die Erfordernisse von Frauen berücksichtigen können, die das

* *

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AMERIKA DIENST 9

�ARBEITSWELT
2. März 1994

BESCHÄFTIGUNGSKRISE IM WESTEN HAT
EINE LANGE GESCHICHTE
Studie der American Express Bank
WASHINGTON - (AD) - Die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten ist in den letzten 25 Jahren angestiegen und
könnte höher liegen als die von den Regierungen herausgegebenen offiziellen Zahlen vermuten lassen, so eine
Studie der American Express (Amex) Bank überdie Arbeitsmarktsituation in fünf führenden Industrieländern. Die
auf Daten ausden Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien basierende Analyse
wurde in der Januarausgabe 1994 von The Amex Bank Review publiziert.
Aus Anlaß der vom 13. -15. März 1994 in Detroit anberaumten Konferenz überdie Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt veröffentlichen wir einen in Washington Economic Reports
erschienenen Artikel von Ed Taishoff überdie Studie der American Express Bank als Teil einer Serie des Amerika
Dienstes zum Thema Arbeitswelt.

"Die Arbeitslosenquoten in den Industrieländern sind

während des Großteils der vergangenen 25 Jahre
angestiegen, hauptsächlich als Konsequenz eines
verlangsamten Wirtschaftswachstums", wird in dem
Bericht der Amerikan Express Bank festgestellt. Die
offiziellen Beschäftigungszahlen der Regierungen sind
eine "ernste" Untertreibung des tatsächlichen Anstiegs
der Arbeitslosigkeit, da sie zur Erwerbsbevölkerung
nicht die sogenannten "entmutigten" Arbeitnehmer
hinzuzählen - die die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aufgegeben haben, weil sie wahrscheinlich eine
Absage erhalten würden, soderBericht von Amex. Sie
mit einzurechnen würde die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den fünf genannten Industriestaaten effektiv auf über 10 Prozent ansteigen lassen.
Eine solche Bereinigung würde der Amex-Studie zufolge die offizielle Arbeitslosenquote für 1993 in den
Vereinigten Staaten von 6,4 auf 9,3 Prozent, in Frankreich von 12 auf 13,7 und in Großbritannien von 9,8 auf
12,3 Prozent erhöhen. In Japan hätte eine derartige
Anpassung noch drastischere Auswirkungen - einen
Anstieg der gemeldeten 2,7 Prozent auf 9,6 Prozent da der Pool der "entmutigten Arbeitnehmer" viele Frauen
enthält, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu
einem völligen Ausstieg aus dem Arbeitsleben neigen.
Daten zur Dunkelziffer der Arbeitslosen in Deutschland sind nicht verfügbar. Die letzte offizielle Angabe
der Arbeitslosenquote beträgt 9,1 Prozent.

AMERIKA DIENST 9

Während der jüngsten Rezession ging es den amerikanischen Arbeitnehmern besser als ihren europäischen Kollegen. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten überstieg nie die 8-Prozent-Marke, die
Zahlen in Europa waren jedoch zweistellig.
Stärkerer Anstieg von Arbeitsplätzen in den USA
Seit Beginn der sechziger Jahre nahm die Zahl der
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten stärkerzu als
in Europa. In dem Bericht werden zwei Erklärungen für
diese Entwicklung gegeben:
Es scheint eine Verbindung zwischen dem relativ langsamen Anstieg der Löhne und Gehälter
in den Vereinigten Staaten und hohem Beschäftigungsanstieg zu geben, insbesondere in den
sechziger und siebziger Jahren. In Europa
fanden schnellere Lohnerhöhungen statt. Obwohl
diese im Einklang mit der Produktivität standen,
"war der Zuwachs der Beschäftigung zu gering,
um steigende Arbeitslosigkeit zu verhindern".
In den Vereinigten Staaten gibt es weniger
strukturbedingte Arbeitslosigkeit als in Europa,
da amerikanische Arbeitnehmer mobiler und
eher als ihre europäischen Kollegen bereit sind,
den Arbeitsplatz und den Wohnort zu wechseln.
Folglich waren Ende der achtziger Jahre in den
Vereinigten Staaten nur 5 bis 6 Prozent aller

Seite 1

�Arbeitslosen Langzeitarbeitslose, in Europa
hingegen 30 bis 40 Prozent.
Der Fertigungsbereich war der Studie zufolge weniger
als andere Sektoren in der Lage, Arbeitsplätze zu
erhalten. Die Arbeitsplätze im Herstellungsbereich
sind im Vergleich zu ihrem Höchststand in Großbritannien um 18, in Deutschland um 9, in den Vereinigten
Staaten um 8, in Frankreich um 7 und in Japan um 3
Prozent gesunken. Der Hauptgrund für diese abnehmende Beschäftigung bei der Fertigung ist den AmexAnalysten zufolge "die Tendenz zur Produktivitätserhöhung".

Ende des traditionell sicheren Arbeitsplatzes?
Der Bericht verzeichnet wachsende Sorge darüber,
dies könne einen Verlust des traditionell sicheren
Arbeitsplatzes bedeuten, hält aber auch fest, die Tendenz
zur Teilzeitarbeit "gab wenig Anlaß zu Klagen, als die
Volkswirtschaften ein schnelleres Wachstum verzeichneten und die Arbeitslosigkeit sank oder unverändert
blieb".

Die Studie befaßt sich auch mit der Behauptung, die im
wachsenden Dienstleistungssektor geschaffenen neuen
Stellen seien relativ niedrig bezahlt und glichen weder
zahlenmäßig noch im Hinblick auf Löhne und Gehälter
Dennoch ist laut dem Bericht im vergangenen Jahr- den Verlust an Arbeitsplätzen im Fertigungsbereich
zehnt der Anteil dieser Staaten am Güterhandel - dem aus. Der schnellste Zuwachs von Arbeitsplätzen im
Großteil davon Fertigwaren - von 38 auf 44 Prozent Dienstleistungssektor sei nicht bei den niedrigen Lohnangestiegen und verzeichnete einzig in Großbritan- gruppen wie dem Einzelhandel oder Nahrungsmittelsektor zu verzeichnen, sondern vielmehr auf Gebieten
nien keine Zunahme.
wie Wirtschaft und Finanzen, deren Anteil an der
Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt Gesamtbeschäftigung sich seit den siebziger Jahren
darin, daß "die Vorteile der Industrieländer mit ihren verdoppelt hat oder in Bereichen wie Gemeinschaftshöheren Lohnkosten zunehmend in ihren äußerst und Sozialdiensten, öffentliche Verwaltung, Gesundkapitalintensiven Fertigungstechniken und fachbezo- heit, Bildung und Freizeitgestaltung.
genen Dienstleistungen liegen, auf Gebieten, wo diese
Staaten im allgemeinen bereits Erfolg haben".
"Der Hauptgrund für den langfristigen Anstieg der
Arbeitslosigkeit", so die Analyse von Amex, "ist das
Die Studie stellt fest, angesichts der Erweiterung von rückläufige Wirtschaftswachstum seit den sechziger
Handel und Kapitalfluß sowie attraktiveren Investi- Jahren auf ein Niveau, das nicht genügend neue
tionsmöglichkeiten in den Entwicklungsländern "wäre Arbeitsplätze schafft".
es überraschend, wenn arbeitsintensive Industriezweige in den reichen Industriestaaten ohne Schwierigkei- Die gute Nachricht ist jedoch, daß die für den Abbau
ten Wachstum verzeichnen könnten".
der Arbeitslosigkeit erforderliche Wachstumsrate "wohl
nicht auf Dauer ein Inflationsproblem schaffen wird",
Die Studie befaßt sich auch noch mit zwei anderen da die Kluft zwischen tatsächlichem und potentiellem
Bereichen: Dem stetigen Wachstum von Teilzeit- und Output beträchtlich bleibt.
zeitweiliger Beschäftigung sowie dem schnellen Zuwachs von Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich. Dem Bericht zufolge ist in Japan, Frankreich und
Großbritannien eine Wachstumsrate von ungefähr 3
Zwischen 1973 und 1992 stieg Teilzeitarbeit in ande- Prozent erforderlich, um die Arbeitslosigkeit abzubauren Industrieländernden stärker an als in den Vereinig- en, aber "selbst darüber liegende Wachstumsraten
ten Staaten, wo sie von 15,6 Prozent der gesamten werden über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg
Beschäftigung im Jahr 1973 auf 18,4 Prozent 1983 nicht die Inflation erneut anfachen". In den Vereinigten
anwuchs und 1992 wieder auf 17,5 Prozent sank. In Staaten ist laut Amex ein Wachstum von nur 2,3
Deutschland stieg sie von 10,1 Prozent 1973 auf 15,5 Prozent erforderlich, was "1994 äußerst wahrscheinProzent 1991, in Japan von 13,9 Prozent 1973 auf 20,5 lich ist".
Prozent im Jahr 1992 und in Großbritannien während
des gleichen Zeitraums von 16 auf 23,2 Prozent.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 9

�BEVÖLKERUNG
2. März 1994

USA BEREITEN SICH AUF
BEVÖLKERUNGS KONFERENZ VOR
Vorbereitungssitzung im April in New York
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten
mobilisieren ihre Ressourcen, um eine führende Rolle
bei der für den 5. bis 13. September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung zu übernehmen.

Wirth erklärte, in der Zwischenzeit würden eine Reihe
von 12 Treffen zu Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen abgehalten, von denen die Clinton-Administration
ausreichend Informationen bezüglich der in Kairo zu
erörternden Themen erhalten wird.

Timothy Wirth, Staatssekretär im US-Außenministerium, gab am 28. Februar bekannt, daß vom 4. bis 22.
April 1994 eine Vorbereitungssitzung in New York
stattfinden wird, und das State Department sowie das
Amt für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) bereits monatlich mit
nichtstaatlichen Organisationen zur Sondierung der in
Kairo zu erörternden Themen zusammengetroffen sind.

Wirth bestätigte die Zusage Japans in Höhe von 3
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg für Familienplanung und ähnliche Programme sowie Präventionsmaßnahmen gegen AIDS.
1 Milliarde Dollar sei für Familienplanung und verwandte Programme vorgesehen, wohingegen die restlichen
2 Milliarden Dollar für Programme zur Bekämpfung der
Kindersterblichkeit, Aufklärungsprogramme für Frauen und Vorbeugung gegen AIDS verwendet werden.

Wirth zufolge wird eine 23köpfige Delegation - zu
gleichen Teilen aus amerikanischen Regierungsvertretern und Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen zusammengesetzt - an der New Yorker Konferenz teilnehmen, wo "mindestens zwei Informationsveranstaltungen" über die Sicherheitsbedingungen in
Kairo stattfinden werden.
Neben Beamten des Außenministeriums und von AID
zählen zu der Delegation Vertreter des Gesundheitsministeriums und des Umweltschutzamts. Die aus den
Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen bestehende Hälfte der Delegation umfaßt Fachleute für
Familienplanung, Umweltschutz, Rechte von Frauen
und Minderheiten.
Einem Beamten in Wirths Büro zufolge werden mindestens 500 Teilnehmer aus 150 Ländern zu der Sitzung
in Washington erwartet.

Im gleichen Zeitraum haben die Vereinigten Staaten
Aufwendungen in Höhe von 9 Milliarden Dollar für
solche Programme geplant, stellten amerikanische
Regierungsvertreter fest.
Wirth zufolge sind auch Verhandlungen mit den Industrieländern und anderen potentiellen Geldgebern für
weitere Mittel zur Bewältigung des Bevölkerungswachstums beabsichtigt. Wirth wird in zwei Wochen zu
Gesprächen mit möglichen Geldgebern nach Europa
reisen.
Experten schätzen, daß bis zum Jahr 2000 mindestens 10 Milliarden Dollar pro Jahr zur Inangriffnahme
der Bevölkerungsexplosion benötigt werden - doppelt
so viel wie die jetzt aufgewendeten 5 Milliarden Dollar
pro Jahr.
Die Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung ist die dritte dieser Art. Die erste wurde 1974 in
Bukarest, die zweite 1984 in Mexiko abgehalten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 9

Seite 1

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dienet

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

08

2. März 1995

DATENAUTOBAHN

GLOBALES INFORMATIONSSYSTEM
ERFORDERT WELTWEITE ZUSAMMENARBEIT
Rede von Vizepräsident Gore bei G-7-Treffen

SICHERHEITSARCHITEKTUR

GESTALTUNG EINER NEUEN EUROPAISCHEN
SICHERHEITSARCHITEKTUR
von Richard C. Holbrooke

USA-UNO

DIE BEDEUTUNG DER AMERIKANISCHEN
FÜHRUNGSROLLE
von Richard L. Armitage

USA-GUS

BEGRÜNDUNG DER HILFE FÜR DIE GUS
Anhörung vor Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�DATENAUTOBAHN
1. März 1995

Globales Informationssystem erfordert
weltweite Zusammenarbeit
Rede von Vizepräsident Gore bei G-7-Treffen
BRÜSSEL - (AD) - Die Schaffung einer globalen Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure GM) erfordert Vizepräsident AI Gore zufolge die Mitwirkung von Regierungen und Privatwirtschaft.
"Die GM wird nicht an einem Ort zu einem Zeitpunkt von nur einer Gruppe geschaffen", äußerte er am 25.
Februar 1995 beim G-7-Treffen in Brüssel. "Sie wird das Produkt weltweiter Zusammenarbeit zwischen
Regierungen, Industrie und Bürgern sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Vizepräsidenten.

Mein Freund James Burke, der Historiker, erzählt
eine fesselnde Geschichte über die letzte Informationsrevolution und die daraus resultierenden Veränderungen.

billigere Vorgehensweise bei der Kopie von Büchern,
anstatt sich eines Schreibers zu bedienen, der für
eine Abschrift mehr verlangte, als bei einer Druckpresse tausend Exemplare kosten würden.

Vor über 500 Jahren suchte nicht weit von hier

Das Ergebnis: Nicht nur Bücher, sondern Aufklärung;

entfernt - in Deutschland - ein Goldschmied, dem ein

die wissenschaftliche Revolution, das Zeitalter der

gewinnträchtiges Geschäft entgangen war, weil er
ein wichtiges Datum verwechselt hatte, nach einer
Möglichkeit, seine Geschäftspartner zu beschwichtigen. Er beschloß, seine Fähigkeiten als Goldschmied zu nutzen, um eine bewegliche Drucktype
herzustellen und diese für seine neue Druckpresse
zu verwenden, mit der er das Buch drucken wollte,
das sich zweifellos verkaufen würde - die Bibel.

Aufklärung. Und das Symbol der politischen Revolution war das Dokument, auf das ich etwa 200 Jahre
nach seinem Entwurf vereidigt wurde - die Verfassung der Vereinigten Staaten.
All das geht letztlich auf einen Goldschmied zurück.
Was können wir aus dem spektakulären Erfolg
Gutenbergs lernen? Ich möchte zweierlei anführen.

In diesem Fall die Gutenberg-Bibel.
Erfindungen entspringen nur selten vollkommen
entwickelt und ohne etwas zuvor Dagewesenes dem
Gehirn. Und Gutenbergs Erfindung ist keine Ausnahme.

Erstens ist unsere Einstellung zur Zukunft und unsere
Fähigkeit zur Nutzung und Weiterentwicklung einer
neuen Idee immer durch die jeweiligen Umstände
eingeschränkt. Gutenberg hatte eine großartige Idee.
Es ist sein Verdienst, unsere Kultur revolutioniert zu
haben, weil er seine neue Idee zu einem Zeitpunkt
nutzte, an dem die Gegebenheiten für eine schnelle
Ausbreitung der Drucktechnik günstig waren.

Die bewegliche Metalltype war bereits 200 Jahre
zuvor in Korea erfunden worden. Aufgrund bestimmter Gegebenheiten wurde diese erste bewegliche Type jedoch nicht verbreitet. Der Konfuzianismus verbot die Vermarktung von Büchern, und
die königliche Presse Koreas druckte lediglich
klassische chinesische Literatur, nicht die populärere
koreanische Literatur.

Zweitens ist es unglaublich schwierig, Wandel zu
handhaben, zu leiten und zu prognostizieren - oder,
wie der Physiker Neils Bohr einst erklärte: "Es ist
sehr schwierig, Voraussagen zu machen, insbesondere wenn man über die Zukunft spricht."

Zu Gutenbergs Zeiten waren die Bedingungen
besser: Besseres Papier, bessere Metalle und
Sehhilfen. Und die Europäer waren bereit für eine

Wir sind hier zusammengekommen, um den Weg in
die Zukunft zu planen - zu einer Zeit, in der Prognosen schwieriger als je zuvor sind, aber auch zu einer

AMERIKA DIENST 08

Seite 1

�Zeit, in der unser Umfeld eindeutig einer schnellen
Ausbreitung neuer Fähigkeiten förderlich ist, Informationen zu verarbeiten und weiterzuleiten, die der
ganzen Menschheit zugute kommen. Dieser Weg
führt uns von unserer gemeinsamen Vision zu einer
neuen Realität. Ebenso wie die Menschen früher
von Dampfschiffen, Eisenbahnen und Autobahnen
träumten, träumen wir jetzt von einer globalen
Informationsinfrastruktur, die zu einer globalen
Informationsgesellschaft führen kann.
Unser heutiger Traum dreht sich jedoch nicht nur um
Technologie. Technologie ist ein Mittel zum Zweck.
Wir träumen von Kommunikation - der grundlegendsten menschlichen Strategie, derer wir uns bedienen, um unsere Kinder zu erziehen, zu heilen, mehr
Befugnisse zu erhalten und zu befreien.
In ihrer elementarsten Form ist Kommunikation der
Transfer von Informationen von einem Menschen zu
einem anderen.
Information wiederum ist der
Grundstoff des Wissens, und Wissen reift bisweilen wenn wir Glück haben - zu Klugheit. Und natürlich
ist es inzwischen eine Binsenwahrheit, daß die jetzt
im Anfangsstadium befindliche Informationsrevolution
letztlich unsere Vorstellungen von Kommunikation
und Information gleichermaßen verändern wird.
Die von Gutenberg herbeigeführten Veränderungen
sind unser gemeinsames Erbe. Die Veränderungen,
über die wir hier sprechen, werden unser gemeinsames Vermächtnis. Heute möchte ich einige der
Prinzipien darlegen, die nach Ansicht der ClintonAdministration bestimmen sollten, welches Vermächtnis wir hinterlassen.
Im vergangenen Jahr nahm ich in Buenos Aires an
der ersten Weltkonferenz über die Entwicklung des
Telekommunikationswesens teil, bei der ich die
amerikanische Vision einer globalen Informationsinfrastruktur darlegte, die stabilen und tragfähigen
wirtschaftlichen Fortschritt fördern, Demokratie
unterstützen, bessere Lösungen für weltweite
Umweltprobleme bieten, Gesundheitsfürsorge
verbessern und letztlich ein geschärftes Bewußtsein
unserer gemeinsamen Verantwortung für unseren
kleinen Planeten schaffen wird.
Bei der Konferenz in Buenos Aires wurden eine
Reihe grundlegender Prinzipien angenommen, die
unseres Erachtens die Bausteine der Gll sind:
Privatinvestitionen
Wettbewerb

universelle Dienstleistungen
flexible Bestimmungen.
Diese Grundsätze standen im Mittelpunkt der Diskussionen über die Gll in bilateralen, multilateralen
und regionalen Foren - zuletzt beim APEC-Treffen
vergangene Woche in Vancouver, aber auch im
vergangenen Dezember beim gesamtamerikanischen
Gipfel in Miami sowie in den Regierungsvereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland
sowie der Ukraine.
Sie werden auch den Schwerpunkt dieses Treffens
hier in Brüssel bilden, das auf Initiative Präsident
Clintons zurückgeht und dankenswerterweise von der
Europäischen Union unter der Leitung von Kommissionspräsident Santer und dem ehemaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors veranstaltet wird.
Erstmals nehmen mehr als 40 Vertreter des Privatsektors offiziell an einer derartigen Konferenz teil.
Sie und Hunderte von inoffiziellen Teilnehmern
demonstrieren bei dieser Konferenz eine beeindruckende Palette von Anwendungsmöglichkeiten, die
der Welt signalisieren, daß sich die G-7-Staaten zur
Übernahme einer Führungsrolle bei der Entwicklung
der Gll verpflichten, indem sie in Wort und Tat ein
Beispiel geben.
Die Tatsache, daß diese Konferenz überhaupt
stattfindet, steht im Einklang mit dem Ratschlag, den
Träumer vor langer Zeit von Mahatma Gandhi erhielten: "Ihr müßt selbst zu dem Wandel werden, den Ihr
in der Welt sehen möchtet."
Zudem sind aggressive Fortschritte bei einer Gll die
beste Möglichkeit zum Umgang mit den Anliegen, die
letztes Jahr beim Detroiter Gipfel der G-7 über die
Schaffung von Arbeitsplätzen hervorgehoben wurden.
Bei dieser Konferenz beschäftigten wir uns mit dem
Hauptdilemma, dem sich jede Regierung gegenübersieht: Wie können wir sicherstellen, daß unsere
Volkswirtschaften genug Arbeitsplätze bereitstellen?
Die erste Arbeitsplatzstudie der OECD legte den
Zusammenhang zwischen Arbeitsplätzen und unserer
heutigen Arbeit dar. Die Nationen, die am besten
zum Einsatz der neuen Technologien für eine auf
Wissen basierende Wirtschaft geeignet sind, konnten
auch die meisten Arbeitsplätze schaffen.
Die Gll wird nicht an einem Ort zu einem Zeitpunkt
von einer Gruppe geschaffen. Sie wird das Produkt
weltweiter Zusammenarbeit zwischen Regierungen,
Industrie und Bürgern sein.

offener Zugang

Seite 2

AMERIKA DIENST 08

�Aber wie können Staaten mit stark unterschiedlichen
Bedürfnissen, Kulturen und Technologien zusammenarbeiten?
Erstens indem sie erkennen, daß die Früchte unserer Zusammenarbeit offener Marktzugang für alle
Anbieterund Nutzer kreativer Inhalte sowie Informationsprodukte, -gerate und -dienstleistungen sein
sollten.
In der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts gibt es für
die Konkurrenten keinen Ersatz dafür, auf den Markt
zu gehen und unseren Nutzern die größtmögliche
Vielfalt von Produkten, Informationen und Dienstleistungen zu niedrigen Preisen anzubieten.
Zweitens setzt die Schaffung einer GH harten Wettbewerb voraus. Und diesen kann man nicht erzielen, indem man Konkurrenten ausschließt, sei es im
In- oder im Ausland.
Lebhafter Wettbewerb - das heißt, globaler Wettbewerb - führt zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Wir wollen diesen Termin für den gemeinsamen
Abbau unserer Investitionshemmnisse einhalten.
Zweitens wollen wir wirksame Rechte zum Schutz
von geistigem Eigentum für die Gll formulieren und
umsetzen. Wenn die Anbieter der Inhalte nicht
geschützt sind, wird es keine Inhalte geben, um die
Netze zu füllen und den Dienstleistungen Wert zu
verleihen.
Drittens sollten alle Parteien an der Entwicklung von
freiwilligen Konsensnormen für den Privatsektor durch
bereits bestehende internationale Organisationen wie
die internationale Fernmeldeunion, die internationale
Normenorganisation und die Internetgesellschaft
mitarbeiten. Die Schaffung wirklich globaler Netze
wird ein hohes Maß an Verbindungen untereinander
und an Interoperabilität erfordern.
Die Regierungen sind nicht die besten Richter in
Sachen Technologie, und staatliche Intervention birgt
das Risiko der Verabschiedung von Normen, die
letztlich entweder schlechter oder ungeeignet für die
Nachfrage des Marktes sind.

Aus diesem Grund möchte ich im Namen von Präsident Clinton die Botschaft dieser Konferenz deutlich
formulieren:
Wir unterstützen Wettbewerb auf
offenen Märkten, der jedem Unternehmen gestattet,
jedem Kunden jede Dienstleistung anzubieten.

In unserer Vision einer Informationsgesellschaft ist
die wertvollste Ressource - Information - gleichzeitig
auch die am häufigsten vorhandene.

Welche konkreten Maßnahmen müssen wir zur
Erreichung dieses Ziels ergreifen?

Ich hege die Hoffnung, daß ein offener Gedankenaustausch zu allen möglichen Themen und der beste
Zugang aller Bürger zu unterschiedlichen Kommunikationsmitteln Kreativität stimulieren wird.

Erstens müssen wir gemeinsam unsere Hindernisse
für ausländische Investitionen abschaffen. Über 60
Jahre lang haben die Vereinigten Staaten bei
bestimmten Dienstleistungen im Telekommunikationsbereich Beschränkungen für ausländische
Investitionen aufrechterhalten. In dieser Hinsicht
werden wir in diesem Jahr viel verändern. Wir
wollen entweder durch ein neues Gesetz oder durch
neue Vorschriften denjenigen Unternehmen aller
Länder die Tür für Investitionen in amerikanische
Telekommunikationsdienstleistungen öffnen, die ihre
eigenen Märkte geöffnet haben.
Wir sind uns jedoch auch bewußt, daß die Informationsgesellschaft mehr als nur einen stückweisen
Ansatz erfordert. Die hier vertretenen sowie andere
Regierungen haben eine historische Chance zur
Öffnung von Telekommunikationsmärkten weltweit
bei den Verhandlungen im Rahmen des allgemeinen
Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen.
Diese Verhandlungen müssen bis April 1996 abgeschlossen sein.

AMERIKA DIENST 08

Bei globaler Kommunikation handelt es sich nicht um
Konformität. Einige fürchten, daß wir unsere Eigenheiten verlieren, wenn wir die Distanz zwischen uns
und anderen verlieren. Aber bei Kommunikation geht
es um die Überbrückung von Unterschieden zwischen
Nationen und Menschen, nicht deren Ausmerzung.
Tatsache ist, daß auf Fehleinschätzungen gegründete
staatliche Maßnahmen, die Veränderungen zu
blockieren oder den Status quo zu bewahren versuchen, selbst Arbeitsplätze vernichtet haben.
Dieses Mal haben wir die Chance, es richtig zu
machen. Wir können Märkte öffnen und Arbeitsplatzchancen schaffen. Wir nutzen Bildung und Ausbildung, damit mehr Arbeitnehmer sich an den neuen
Arbeitsplatz anpassen können.
Die befreiende Wirkung dieser neuen Technologien
ist auf der ganzen Welt offenkundig. Satellitenstationen übermittelten den Helfern in Ruanda
medizinischen Rat. Radio- und Fernsehsendungen
haben in Südafrika die Rolle der Wahl in einer
Demokratie unterstrichen. Funktechnologien gestatten es aufstrebenden Nationen, das teure Stadium

Seite 3

�der Verkabelung eines Kommunikationsnetzes zu
überspringen - beispielsweise in Thailand, wo es
doppelt so viele Funktelefone gibt wie in den Vereinigten Staaten.

beschleunigen. Privatinvestitionen in unterschiedliche
Technologien bedeuten neue Kapitalquellen und
Fachwissen für reiche und arme Nationen gleichermaßen.

Die Auswirkungen sind auch im Bildungswesen
sichtbar. Eines der größten Handikaps für Lernwillige war die Distanz. Die Library of Congress in
Washington ist ein wunderbarer Ort. Wir müssen
jedoch sicherstellen, daß sie auch einem Schulmädchen aus meiner Heimatstadt Carthage in Tennessee, 900 Kilometer entfernt, zugänglich gemacht
wird. Dank Fernkursen können bereits viele Bürger
geographische Schwierigkeiten überwinden.

Computernetze haben völlig neue, rasch wachsende
Märkte geschaffen. Diese Netze helfen kleinen und
mittelständischen Unternehmen in armen und reichen
Ländern, effektivere Wettbewerber auf Weltmärkten
zu werden.

In Japan sind über 100 Institutionen durch Computer
und Satelliten miteinander verbunden und ungefähr
150.000 Studenten eingeschrieben.
In Indien gibt es fünf offene Universitäten und über
35 Fernkurse an herkömmlichen Universitäten.
Und in Kanada bietet das Knowledge Network
Studienkurse für Erwachsene an, die auf Inseln in
British Columbia leben.
In Frankreich sind die vor kurzem entdeckten Höhlenmalereien in der Ardeche, die im wirklichen Leben
kaum zu erreichen sind, Wissenschaftlern, Dozenten
und vor allem Kindern über Internet zugänglich.
Die Clinton-Administration hat sich dem Ziel verpflichtet, bis zum Ende dieses Jahrzehnts jedes
Klassenzimmer, jede Bibliothek, jedes Krankenhaus
und jede Klinik mit der nationalen und globalen
Informationsinfrastruktur zu verbinden.
Wir müssen unseren Lehrern und Schülern dieselbe
Kommunikationstechnologie bieten, die Expedienten,
Konstrukteure und Regierungsbeamte jeden Tag
nutzen.
Die Informationstechnologie ist ein entscheidendes
Element der Wirtschaftspolitik. Aber es gibt große
Hindernisse.
Wie können wir die harte Arbeit angehen, die vor
uns liegenden Hindernisse in Chancen umzuwandeln?
Erstens indem wir uns auf diejenigen konzentrieren,
die die Nachfrage nach Informationsprodukten und dienstleistungen bestimmen: Die Nutzer.
Die Nachfrage der Nutzer wird den Markt definieren.

In den Vereinigten Staaten haben unsere Auktionen
über Frequenzbereiche die Lizenzvergabe für persönliche Kommunikationsdienstleistungen beschleunigt
und führen zur Schaffung von Hunderttausenden
Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren - ein Anzeichen, daß Kommunikation eine Quelle für wirtschaftliche Veränderungen und Wachstum ist, nicht nur eine
Folge davon.
Es geht um den Schutz und die Erweiterung der
Meinungsfreiheit für alle unsere Bürger und darum,
dem einzelnen die Macht zur Erstellung der erforderlichen und gewünschten Informationen aus dem
reichhaltigen Fluß von Daten zu geben, mit denen er
jeden Augenblick konfrontiert wird.
Kommunikation ist der Anfang von Gemeinschaft.
Sei es durch Sprache, Kunst, Gebräuche oder
politische Philosophie - Menschen und Nationen
identifizieren sich durch die Kommunikation von
Erfahrungen und Werten. Ein globales Informationsnetz wird neue Gemeinschaften hervorbringen und
bestehende stärken, indem es die Art und Weise
bereichert, in der wir kommunizieren und kommunizieren können.
Ideen sollten nicht an Grenzen kontrolliert werden.
Wir können viel voneinander lernen und sollten
Praktiken und Maßnahmen anstreben, die die größte
Vielfalt von Meinungen einbeziehen, nicht ausschließen. Wir alle profitieren vom Austausch kultureller
Sichtweisen und Erfahrungen, der stattfindet, wenn
aufgeschlossene Menschen zusammentreffen.
Gleichzeitig wünschen die Nutzer der Gll den Schutz
ihrer Privatsphäre und werden diesen fordern. Wenn
man Amerikaner über die Informationstechnologie
befragt, ist dies ihre größte Sorge. Wir müssen
persönliche Daten und Kommunikation schützen.
Regierungen und
arbeiten, um neue
neue Maßnahmen
chen Schutz und
bieten.

Industrien müssen zusammenTechnologien, neue Normen und
zu entwickeln, die den erforderlidie Sicherheit der Privatsphäre

Wettbewerb zugunsten der Nutzer wird Innovation
und kostengünstige Installation neuer Technologien

Seite 4

AMERIKA DIENST 08

�Um die Privatsphäre und Finanztransaktionen zu
schützen und das Recht auf geistiges Eigentum
durchzusetzen, muß die GM sicher und zuverlässig
sein. Die OECD sollte weiterhin eine Führungsrolle
im Bereich der Computersicherheit übernehmen.
Glücklicherweise bieten uns die Technologie und
menschliche Erfindungsgabe neue Chancen zur
Erweiterung unserer Kommunikationsfähigkeiten.
Nehmen sie zum Beispiel nichtgeostationäre Satelliten. Sie bergen ein enormes Potential, insbesondere für weit entfernt liegende oder dünn besiedelte
Regionen und für Gesellschaften, die Vorteile der
Technologie des 21. Jahrhunderts zu nutzen, noch
bevor die Installation teurer landgestützter Netze
beendet ist. Diese modernen Technologien können
alles von Telefonanrufen bis zu medizinischen
Ferndiagnosen bereitstellen. Ebenso wie Internet
haben sie das Potential, Millionen von Menschen an
unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen
Situationen miteinander zu verknüpfen - und dies auf
wirtschaftliche Weise.
Jedes dieser Satellitensysteme auf niederen Umlaufbahnen - und darüber hinaus das mit dem Inmarsat-P-Konsortium verbundene System auf der mittleren Umlaufbahn - ist multinational, und jedes
Satellitenkonsortium begrüßt und strebt die Beteiligung von Industrie- und Entwicklungsländern an.
Natürlich behält jedes Land die Entscheidungsbefugnis bezüglich des Satellitensystems. Aber Länder,
die Lizenzen an diese internationalen Satellitenkonsortien vergeben, tragen dazu bei, daß ihre Unternehmen in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähiger
werden und ihren Bürgern profitable Satellitendienstleistungen bieten können.
Der Zweck unserer Zusammenkunft ist die Förderung unseres gemeinsamen Ziels einer globalen
Informationsinfrastruktur, die allen Ländern die
Vorteile einer globalen Informationsgesellschaft
verschafft.
Unsere heutige Herausforderung besteht in der
Schaffung der wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen und sozialen Bedingungen, die das Fundament für die Gll legen werden.

*

AMERIKA DIENST 08

Während wir über unsere gemeinsamen Grenzen und
Ozeane hinweg auf den Aufbau einer Gll hinarbeiten,
dürfen wir nicht nur an die heutigen Diskussionen
über Funkverbindungen und Satelliten denken. Wir
müssen unsere Arbeit in den Dienst einer globalen
Vision stellen, die in jeder Gemeinde und in jedem
Dorf der Welt realisiert werden kann.
Ich habe zu Beginn meiner Ausführungen über
Gutenberg gesprochen, dessen Entdeckungsreise
das Leben aller Menschen auf diesem Planeten
beeinflußt hat.
Es war keine leichte Reise. Es gab Skeptiker und
Feinde. Als sein Finanzier mit zwölf Bibeln nach
Paris kam, brachten ihn die Buchhändler vor Gericht
mit dem Argument, so viele identische Bücher
könnten nur das Werk des Teufels sein.
Sein Werk war eine Herausforderung an die Gesellschaft, sich dem Wandel zu stellen.
Und diese Gesellschaft lernte eine Lektion, die wir
nicht ignorieren können: Wir haben nicht die Wahl,
die Zukunft zu verzögern oder sie zu leugnen - wir
müssen uns auf sie vorbereiten.
Es gibt keinen besseren Weg der Vorbereitung auf
die Zukunft, als das Beste aus der Gegenwart zu
machen.
Aus diesem Grund sind gemeinsame Visionen so
unerläßlich. Wir haben jetzt die große Chance, die
Welt in einem neuen Licht zu sehen und ihre Funktionsweise sowie die Art und Weise zu überdenken,
in der wir in dieser Welt funktionieren sollten.
Ich habe heute die konkreten Schritte dargelegt, die
wir ergreifen müssen, um uns auf diese neue Entdekkungsreise zu begeben. Ausgestattet mit der beweglichen Drucktype des nächsten Jahrtausends
können wir mit dem Reichtum des Wissens und der
Kreativität des Menschen beladene Karawanen auf
Pfade des Lichts entsenden, die in jedes Dorf und zu
jedem Heim führen. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis dieser Vision und sehe unserer gemeinsamen Reise erwartungsvoll entgegen.

* * *

*

Seite 5

�SICHERHEITSARCHITEKTUR
1. März 1995

Gestaltung einer neuen europäischen
Sicherheitsarchitektur
von Richard C. Holbrooke
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Abteilungsleiters für europäische und kanadische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard C. Holbrooke, einem der Hauptverantwortlichen in der
Clinton-Administration für die Gestaltung einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur.

Eine der höchsten Prioritäten der Clinton-Administration ist die Schaffung einer neuen europäischen
Sicherheitsarchitektur zur Errichtung lebensfähiger
Strukturen umfassender europäischer Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheitspolitik in den
kommenden Jahren.
Hierbei handelt es sich um multilaterale Bestrebungen aller europäischen Länder, der Vereinigten
Staaten und Kanadas. Außenminister Christopher
erklärte, diese neuen Strukturen hätten einbeziehend
und kooperativ zu sein und Rußland müsse darin
eine wichtige Rolle spielen.
Die neue europäische Sicherheitsarchitektur ist
sowohl für die Definition der Rolle Amerikas in einem
neuen Europa als auch für die Schaffung dauerhaften Friedens auf dem gesamten Kontinent von
essentieller Bedeutung.
Grundlage hierfür sind zwei von den Vereinigten
Staaten Anfang Dezember ins Leben gerufene
Initiativen. Ministertreffen des Nordatlantikrats sowie
des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) in
Brüssel und der Budapester Gipfel der Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) setzten den Prozeß zur Förderung dieses
Konzepts in Gang.
In Brüssel einigten sich die Außenminister des
Bündnisses auf einen allmählichen, transparenten
Erweiterungsprozeß der NATO, auf eine Stärkung
des NATO-Programms Partnerschaft für den Frieden
zur Einbeziehung von europäischen Nichtmitgliedern
- viele davon aus dem ehemaligen Warschauer Pakt
• sowie auf die Entwicklung stärkerer Beziehungen
zwischen der NATO und Rußland außerhalb der
Partnerschaft für den Frieden. In Budapest wurden
Schritte zur Förderung der Rolle der OSZE bei

AMERIKA DIENST 08

Sicherheit und Konfliktbewältigung in Europa eingeleitet.
Die Vereinigten Staaten vertreten nicht die Ansicht,
das Bündnis könne oder solle die universelle Sicherheitsstruktur in Europa sein. Vielmehr sind wir
der Meinung, die NATO und die Europäische Union
sollten unsere gemeinsamen demokratischen Werte
durch kooperative Programme und letztlich eine
Erweiterung nach Osten projizieren, während die
OSZE sich für die Einrichtung eines umfassenderen,
alle einbeziehenden Forums für Konsultationen und

Aktionen bei Angelegenheiten einsetzt, die nicht in
den Zuständigkeitsbereich der NATO und der EU
fallen.
Besondere Betonung muß auf Konfliktverhütung und
Krisenmanagement gelegt werden, und die OSZE
kann in dieser Hinsicht als Konsultationsrahmen
dienen. Da die NATO weiterhin die Grundlage der
Sicherheit aller EU-Mitgliedstaaten ist, sollten ihre
Erweiterung sowie die der EU sich gegenseitig
stützen.
Während der ersten Jahreshälfte werden die Regierungen der NATO-Mitgliedstaaten prüfen, wie das
Bündnis erweitert werden kann, welche Grundsätze
diesen Prozeß leiten und welche Konsequenzen eine
erweiterte Mitgliedschaft haben wird.
In der zweiten Hälfte dieses Jahres wird die NATO
erste Konsultationen und Verhandlungen mit interessierten Partnern beginnen. Dieser Prozeß beinhaltet wahrscheinlich auch die Darlegung der Grundsätze einer NATO-Erweiterung, das "Wie" der Erweiterung sowie die Auswirkungen der Mitgliedschaft auf
mögliche neue Mitglieder.
Stabilität in Europa ist ein entscheidendes Ziel der
erweiterten NATO. Die Erweiterung richtet sich

Seite 1

�gegen niemanden und soll vor allem keine neuen
Trennlinien in Europa schaffen.

samer Übungen mit Partnernationen zu Wasser und
zu Land erhöhen.

Beim NATO-Ministertreffen im Dezember schlug
Außenminister Christopher mehrere grundlegende
Prinzipien für eine Erweiterung vor. Es wird sich um
einen allmählichen, durchdachten und transparenten
Prozeß handeln. Es sollen umfassende Konsultationen mit allen interessierten Parteien geführt werden,
und es wird "keine Überraschungen" geben, wie der
Außenminister es formulierte. Eine verfrühte Diskussion über den Zeitrahmen der Mitgliedschaft für
bestimmte Länder soll vermieden werden. Dieses
Jahr wird das "Wie" und "Warum" der Erweiterung,
nicht das "Wer" oder "Wann" den Schwerpunkt
bilden.

Die NATO-Minister haben bekräftigt, daß eine kooperative europäische Sicherheitsarchitektur die aktive
Partnerschaft mit Rußland erfordert und eine umfassende Tagesordnung für die Beziehungen der
NATO zu Rußland innerhalb und außerhalb der
Partnerschaft für den Frieden unterstützt. Sie wird
ein wichtiges Element unseres breitgefächerten
Ansatzes zur europäischen Sicherheit darstellen, und
während die NATO ihre erweiterte Rolle in Europa
definiert, ist es unerläßlich, eine parallele Schiene
des Dialogs mit Rußland zu verfolgen.

Obwohl es für die Mitgliedschaft keine starren
Kriterien gibt, sind einige wesentliche Erfordernisse
im Washingtoner Vertrag über die Gründung der
NATO enthalten. Neue Mitglieder müssen alle mit
einer Mitgliedschaft einhergehenden Rechte und
Pflichten übernehmen und sich nach bestimmten
grundlegenden Geboten richten, darunter Demokratie, Freiheit des einzelnen und Rechtsstaatlichkeit.
Ferner müssen sie in der Lage sein, die im Nordatlantikvertrag enthaltenen Prinzipien zu fördern und
einen Beitrag zur Sicherheit im nordatlantischen
Raum zu leisten.
Die an der NATO-Mitgliedschaft interessierten
Nationen werden einzeln und Land für Land in
Erwägung gezogen. Einige Länder werden der
NATO eher als andere beitreten, und kein Nichtmitgliedstaat der NATO wird ein Vetorecht bezüglich
der künftigen Mitgliedschaft eines anderen Landes
im Bündnis haben.
Die Entscheidung, die NATO-Erweiterung voranzutreiben, schmälert nicht die Bedeutung der Partnerschaft für den Frieden. In der Tat wird die Partnerschaft für den Frieden eine noch wichtigere Rolle als
Rahmen für die Entwicklung der Beziehungen der
NATO zu den neuen Demokratien im Osten übernehmen.
Für einige dieser neuen Partner wird die Partnerschaft der beste Weg zu einer möglichen NATOMitgliedschaft sein. Für andere wird sie den konkreten Beweis liefern, daß die NATO um ihre Sicherheit besorgt ist und die wesentlichen Mittel für
eine dauerhafte Kooperation mit der NATO und
anderen Partnern in Bereichen wie Friedenssicherung und humanitäre Hilfe bietet. Aus diesem Grund
hat sich die NATO zur Beschleunigung der Umsetzung individueller Partnerschaftsprogramme verpflichtet und wird in diesem Jahr die Anzahl gemein-

Seite 2

Diese neue Sicherheitsstruktur muß einbeziehend
und kooperativ sein, und Rußland wird eine wichtige
Rolle spielen.
Die beim Budapester-Gipfeltreffen getroffenen Entscheidungen stärken die OSZE und definieren eine
erweiterte Rolle der OSZE bei der europäischen
Sicherheit. Die in Budapest verabschiedeten Maßnahmen ergänzen die Bestrebungen innerhalb der
NATO zu kooperativen, integrierten Sicherheitsstrukturen für Europa und bieten der OSZE mehr
Fähigkeiten und Ressourcen.
Die beim Budapester Gipfel anwesenden Staats- und
Regierungschefs gaben eine politische Verpflichtung
ab, die OSZE zum Hauptinstrument in durch ihre
Missionen abgedeckten Bereichen zu machen. Die
OSZE in eine stabilere Organisation umzustrukturieren, die bedeutende Schritte bei der regionalen
Konfliktverhütung unternehmen kann, trägt zur
Konsolidierung unseres Ansatzes zu einer neuen, alle
einbeziehenden europäischen Sicherheitsarchitektur
bei. Die gestärkte OSZE wird allen Staaten in der
euroatlantischen Gemeinschaft ein Forum bieten, von
dem sie die ernsthafte Beschäftigung mit ihren
Sicherheitsbelangen erwarten können.
Diese Entscheidungen machen die OSZE weder zu
einem Ersatz für die NATO noch zu einem Instrument, Kriege wie den in Bosnien zu beenden. Sie
soll vielmehr Eskalationen am unteren Ende der
Skala effizient bewältigen und verhindern - oder wie
Präsident Clinton es formulierte, ein weiteres Bosnien
verhindern.
Die OSZE wird ein alle einbeziehendes Diskussionsforum für europäische Sicherheitsbelage sein, bei
dem alle Staaten das gleiche Mitspracherecht haben.
Sie wird sich weiterhin auf Menschenrechte und
Konfliktverhütung konzentrieren, ist aber jetzt auch
zur Erfüllung neuer Aufgaben in der Lage. Einigung
über die Bereitstellung von friedenssichernden
Streitkräften erzielt die OSZE auf dem Weg zu einer

AMERIKA DIENST 08

�bedeutsameren Sicherheitsorganisation mit größerer
Verantwortung, die ohne Rücksicht auf die alten
Trennlinien des Kalten Krieges operiert.
Der Ständige Rat der OSZE in Wien ist jetzt zum
Hauptgremium für politische Konsultationen und
Entscheidungsfindung geworden, obwohl die Außenminister der OSZE weiterhin jedes Jahr, und die
politischen Direktoren zweimal im Jahr zur Erarbeitung von politischen Richtlinien zusammenkommen
werden. Beim Budapester Gipfel wurde auch die
Entscheidung zu verstärkter Unterstützung des
Hochkommissars der Organisation für nationale
Minderheiten, Missionen präventiver Diplomatie
sowie des Büros für demokratische Institutionen und
Menschenrechte getroffen.
Die am Gipfeltreffen teilnehmenden Staats- und
Regierungschefs stimmten einem russischen Vorschlag zur Erörterung eines umfassenden europäischen Sicherheitsmodells für das 21. Jahrhundert zu
und räumten den Nichtmitgliedstaaten der NATO die
Möglichkeit zur Unterbreitung ihrer Gedanken über

*

AMERIKA DIENST 08

*

die Gestaltung einer zukünftigen europäischen
Struktur ein. Diese Entscheidung wird jedoch nicht
das Recht aller Staaten beeinträchtigen, ihre Sicherheitsarrangements einschließlich von Bündnisverträgen frei zu wählen oder zu ändern.
Beim Budapester Gipfel stellten die Vereinigten
Staaten die Einigung auf die Erarbeitung eines
umfassenden Rahmens für die Zukunft der konventionellen Stabilität, Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung sowie einheitlicher Prinzipien sicher,
die Normen für die europäischen Ziele bei der
Nichtverbreitung setzen.
Es muß noch viel getan werden, um die Budapester
Entscheidungen in die Praxis umzusetzen, und die
Vereinigten Staaten werden einer besseren Definition
der Rolle der OSZE in der sich entwickelnden euroatlantischen Sicherheitsarchitektur, der Stärkung der
Konsultationsprozesse und politischen Mechanismen
der OSZE sowie der Förderung der generellen
Fähigkeiten der OSZE im Bereich Frühwarnung und
Konfliktverhütung höchste Priorität einräumen.

*

*

Seite 3

�USA-UNO
1. März 1995

Die Bedeutung der amerikanischen Führungsrolle
von Richard L. Armitage
Aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens der Vereinten Nationen verweist der Autor darauf, daß die
Organisation "zur Erleichterung kollektiver Aktion gegründet wurde, nicht als alternative Supermacht". Die
Vereinigten Staaten sollten auf die Wiederherstellung dieser Vision hinarbeiten, die durch den Kalten Krieg
stark verzerrt wurde.
Richard L. Armitage war von 1983 bis 1989 Abteilungsleiter für internationale Sicherheitsbelange im USVerteidigungsministerium und bis Mai 1993 in einer Vielzahl friedensstiftender Missionen tätig. Er ist Präsident
von Armitage Associates, einer internationalen Beraterfirma in Arlington (Virginia).
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in The World &amp; I vom Juni 1994. Veröffentlichung und
Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The World &amp; I, einer Publikation von The Washington Times
Corporation. Copyright (c) 1994.

Die Vereinten Nationen sind eine Organisation von
Mitgliedern. Sie sind weder eine zentralistische
Weltregierung noch ein unabhängiger Staat. Die
Mitgliedschaft steht den Staaten offen, die "fähig und
willens" zur Übernahme der in der UN-Charta
niedergelegten Pflichten sind.
Während die Vereinten Nationen sich ihrem 50jährigen Bestehen nähern, sollten sich ihre Befürworter
und Gegner in den Vereinigten Staaten gleichermaßen darauf konzentrieren, was die Organisation ist
und was nicht. Was Förderer und Kritiker sehen, ist
das Bild einer Organisation, die völlig im Widerspruch zu ihrer Charta und Geschichte steht.
Befürworter und Gegner sind gleichermaßen an den
Punkt gelangt, die Vereinten Nationen nicht als
Organisation von Mitgliedern, sondern als autonome,
souveräne Institution - einen Superstaat - anzusehen, der von einem Generalsekretär geleitet wird,
der einem Topmanager der Welt gleichkommt.
Es ist eben diese verzerrte, uniformierte Sichtweise
der Vereinten Nationen, die eine Bestandsaufnahme
der Administration und die Debatte im Kongreß so
steril und irrelevant macht. Obwohl die meisten
Mitglieder die Vereinten Nationen als praktisches
Forum ansehen, ihre nationale Tagesordnung
durchzusetzen, reagieren die Amerikaner auf das
internationale Gremium, als ob es ein über das
seiner Mitglieder hinausgehendes eigenes Leben
und eine eigene Tagesordnung hätte.

AMERIKA DIENST 08

Präsident Clinton klagt, daß "die Vereinten Nationen
Nein sagen lernen müssen", als sei das wichtigste
Mitglied des Sicherheitsrats nur ein entfernter,
desinteressierter Zuschauer. Entsprechend sehen
einige Kongreßabgordnete, die von Verfechtern des
Dogmas "die Vereinigten Staaten sollten die Vereinten Nationen verlassen" der fünfziger und sechziger Jahre geschult wurden, den Generalsekretär als
ausländischen Potentaten und ihr eigenes Land als
erbärmliches, hilfloses Opfer.
Tatsache ist, daß die Bestandsaufnahme der Vereinten Nationen durch die Öffentlichkeit in den
Vereinigten Staaten von Extremisten und Reaktionären dominiert wird.
Am einen Ende des Spektrums sind Beamte, die ausgehend von ihren eigenen persönlichen Schwierigkeiten mit dem Vietnamkrieg vor 25 Jahren - die
Vereinigten Staaten als unmoralische Supermacht zu
sehen begannen, deren Hegemoniestreben am
besten durch Multilateralismus gemäßigt werden
könnte, der unwürdige nationalistische Impulse einem
objektiven internationalen Gremium unterstellt: den
Vereinten Nationen. In dem Maße, in dem die
Clinton-Administration zu einer Weltsicht gelangte,
war es das.
Am anderen Ende des Spektrums sind die reaktionären Unilateralisten, deren Überzeugungen - ob sie es
wissen oder nicht - in Isolationismus gründen. Auch
sie sehen die Vereinten Nationen als ausländisches

Seite 1

�Gremium, aber als einen schlechten Ort, an dem die
Vereinigten Staaten schmeicheln und überzeugen
müssen, statt das zu tun, was sie wollen, und wann
sie es wollen.
Für Anhänger dieser Denkschule waren die von
George Bush und Jim Baker als Reaktion auf die
Annexion Kuwaits durch den Irak übernommene
gekonnte Führungsrolle und geduldige Koalitionsbildung innerhalb der Vereinten Nationen dumme
Zeitverschwendung. Aus ihrer Perspektive geht es
den Vereinigten Staaten am besten, wenn sie im
Alleingang handeln - eine Sichtweise, die nicht von
der Geschichte untermauert wird und unzutreffend
ist im Hinblick auf die heute bestehende Welt.
Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine
Sichtweise der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UN, die Amerika kühn a)
als eine Kraft des Guten in der Welt und b) die
Vereinten Nationen als Plattform für die amerikanische Führungsrolle und Projektor amerikanischer
Werte und des Einflusses auf der ganzen Welt
einstuft. Dies war die Vision der Demokraten und
Republikaner - Franklin Delano Roosevelt, Arthur
Vandenberg, Wendell Wilkie und anderer - deren
Führungsrolle während des Zweiten Weltkriegs zum
Entstehen der Vereinten Nationen beitrug.
Roosevelt hätte Schwierigkeiten gehabt, die Demokraten als von Zweifeln über den Wert der Vereinigten Staaten als Kraft für das Gute in der Welt
geplagte Menschen zu erkennen. Vandenberg wäre
überrascht gewesen, die Republikaner noch immer
in der einem Krebs ähnlichen Sichtweise der Welt
verhaftet zu finden - der von Zeit zu Zeit hervorkrabbelt, nur um sich in seine Schale zurückzuziehen.
Die Vereinten Nationen wurden nicht als Alternative
zur Vorherrschaft einer Supermacht gegründet,
sondern zu deren Erleichterung. Ihre Gründer
antizipierten, daß die zentrale Aufgabe der Mitglieder
im von fünf Ständigen Mitgliedern beherrschten
Sicherheitsrat geleistet werden würde: Vereinigte
Staaten, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich
und China. Winston Churchill war der Überzeugung,
die "Großen Drei" (die fünf minus Frankreich und
China) würden die Bühne beherrschen. Roosevelt
und Stalin dachten wahrscheinlich an nur zwei
Mächte.

könnte. Der Sicherheitsrat war mit ständigen Sitzungen unter rotierender Präsidentschaft der Mitglieder
das spezifische Forum, in dem die Großmächte
kollektiv auf die Ermutigung "friedlicher Beilegung von
Streitigkeiten" hinarbeiteten und "Maßnahmen bei
Bedrohung oder Bruch des Friedens und bei Angriffshandlungen" ergriffen.
Nirgendwo in den Kapiteln VI und VII der Charta - die
zusammen das Kernstück der Daseinsberechtigung
der Organisation ausmachen - ist der Generalsekretär
auch nur erwähnt. Aus der Charta geht eindeutig
hervor, daß die Mitglieder des Sicherheitsrats sich
selbst für kollektive Erörterungen und Aktionen
organisieren müssen. Die Gründer benötigten 14
Kapitel, bevor sie etwas über "den höchsten administrativen Beamten der Organisation" - das heißt, den
Generalsekretär, sagten.
Nahezu 49 Jahre nach der Formulierung der Charta
werden wir jedoch Zeuge, wie der amerikanische
Präsident sich den Wünschen des obersten administrativen Beamten der Vereinten Nationen beugt.
Was ist geschehen?
Die Vereinten Nationen funktionierten ungefähr 45
Jahre lang auf eine Art und Weise, die ihre Gründer
nicht erwartet hätten. Obwohl Roosevelt kurz vor
seinem Tod eine Vorahnung der kommenden Ereignisse zu haben schien, wäre selbst er wahrscheinlich erstaunt über das Ausmaß gewesen, in dem die
Sowjetunion - eine Säule des Sicherheitsrats und
einer der wichtigsten Garanten der 1945iger Version
einer "neuen Weltordnung" - selbst zur in Kapitel VII
der Charta der Vereinten Nationen erwähnten "Bedrohung des Friedens" wurde. Als Ständiges Mitglied
des Sicherheitsrats mit einem Vetorecht ausgestattet,
stellten Stalin und seine Nachfolger sicher, daß das
von den Gründern vorgesehene gute Einvernehmen
der Großmächte nicht erzielt werden konnte, solange
die Sowjetunion existierte.
Angesichts der sowjetischen Bedrohung veränderte
sich die amerikanische Haltung zu den Vereinten
Nationen dramatisch. Da der Sicherheitsrat durch die
Vetos der Sowjetunion gelähmt war, interpretierten
die Vereinigten Staaten und gleichgesinnte Nationen
verschiedene Bestimmungen der Charta ziemlich
großzügig und nutzten die Generalversammlung zur
Erörterung und Verabschiedung von Resolutionen,
die von der Sowjetunion geförderte oder begangene
aggressive Akte beleuchten und verurteilen sollten.

Kolfektive Aktion
Der hinter der Gründung der Vereinten Nationen
stehende Gedanke war, den Völkerbund durch ein
Forum zu ersetzen, das dem Dritten Weltkrieg durch
die kollektive Aktion der Großmächte vorbeugen

Seite 2

Die Unfähigkeit der Generalversammlung zur Durchsetzung ihrer Resolutionen wiederum führte dazu,
daß der Generalsekretär vom Hauptverwaltungsbeamten zum Hauptfriedensstifter befördert wurde eine Rolle, die Dag Hammarskjold aus Schweden auf

AMERIKA DIENST 08

�bewundernswürdige und effektive Weise spielte.
Dank Hammarskjolds einzigartiger Präsenz und
unermüdlicher Diplomatie konnte der Westen verhindern, daß der kommunistische Block den größtmöglichen Vorteil aus dem Übergang der Dritten Welt
vom Kolonialismus zur Unabhängigkeit zog.
Die nahezu exponentielle Erhöhung der Mitgliederzahl der UNO in den sechziger Jahren schaffte die
begrenzte Nützlichkeit der Generalversammlung als
Forum für die Abwehr von Bedrohungen des Friedens praktisch ab.

Bevor wir jedoch die Arbeit von Giganten zunichte
machen, wäre es vielleicht angebrachter, das Vieh
einzusperren und wieder in Zaum zu legen. Dies
beinhaltet Konfrontation und die Übernahme schwerer
Lasten, wofür das außenpolitische Team der ClintonAdministration großes Talent gezeigt hat. Wenn
Clinton jedoch erst einmal das Vermächtnis des
größten Demokraten dieses Jahrhunderts - Franklin
Delano Roosevelt - erkannt und akzeptiert hat,
könnte er genau der richtige Mann für diese Aufgabe
sein.
Die amerikanische Führungsrolle

Statt dessen wurde die Versammlung zu einem
Podium für verschiedene Diktatoren aus Ländern der
Dritten Welt. Sinnlose Resolutionen, beispielsweise
die Zionismus mit Rassismus gleichsetzende,
wurden debattiert und bisweilen angenommen. Es
gab jedoch nie mehr einen Generalsekretär, der
Hammarskjold ebenbürtig war. Im Hinblick auf
Initiative war der passive U Thant das genaue
Gegenteil von ihm. Im Hinblick auf den Charakter
braucht man Hammarskjold nur Kurt Waldheim
gegenüberzustellen.
Der Zerfall der Sowjetunion und das Ende des
Kalten Krieges bieten den Vereinten Nationen eine
Gelegenheit, die Uhr zurückzudrehen und im Einklang mit der Charta einen Neuanfang zu machen.
Aber Frankensteins Monster ist aufgetaucht und
sprengt das Labor. Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali hat seine persönliche Meinung kundgetan,
die Vereinten Nationen als Institution seien mehr als
die Summe ihrer Mitglieder. Die Clinton-Administration, gelähmt durch ihre eigene Version des "Vietnam-Syndroms", unterstützte und ermutigte den
geschickten ägyptischen Bürokraten, indem sie ihm
erst die amerikanischen Streitkräfte in Somalia zur
Verfügung stellte und dann zu seinen Bedingungen
debattierte, wobei sie sich seiner Rhetorik, "die
Vereinten Nationen müssen Nein sagen können",
bediente.
Es ist gut möglich, daß 49 Jahre der Improvisation
zusammen mit einer aufgeblähten und ineffektiven
internationalen Bürokratie dazu geführt haben, daß
die Vereinten Nationen es nicht wert sind, gerettet zu
werden. Es könnte sein, daß es für die Vereinigten
Staaten besser wäre, ein anderes Forum für die
Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten und potentiellen Gegnern zu nutzen, um die kollektiven Sicherheitsfunktionen zu erfüllen, mit denen die Charta
die Großmächte betraut. Vielleicht sollte der Sicherheitsrat sich tatsächlich abspalten und BoutrosGhali mit der Leitung eines modernen Völkerbunds
zurücklassen.

AMERIKA DIENST 08

Die bevorstehende Aufgabe besteht darin, den
Generalsekretär aus der Friedenssicherung und
-Schaffung zu lösen und wieder zu seiner Aufgabe als
höchster administrativer Beamter einer Organisation
zurückzuführen, die dringend einer Erneuerung
bedarf. Aufgabe des Präsidenten ist es, den UNSicherheitsrat so arbeiten zu lassen, wie in der
Charta der Vereinten Nationen niedergelegt.
Der Präsident kann dieser Aufgabe nicht nachkommen, wenn er zuläßt, daß darüber debattiert wird,
welchen "UNO-Operationen" die Ehre der Präsenz
amerikanischer Streitkräfte zuteil wird. Der aus fünf
Ständigen und sechs Nichtständigen Mitgliedern
bestehende Sicherheitsrat entscheidet über friedenssichernde und friedensschaffende Operationen.
Keine derartige Operation irgendwo auf der Welt
sollte ohne die explizite Zustimmung und Führung
des einen Landes vonstatten gehen, das sowohl
Ständiges Mitglied im Sicherheitsrat als auch Großmacht ist - der Vereinigten Staaten.
Gemäß Artikel 99 der Charta kann der Generalsekretär "die Aufmerksamkeit des Sicherheitsrats auf jede
Angelegenheit lenken, die nach seinem Dafürhalten
geeignet ist, die Wahrung des Weltfriedens und der
internationalen Stabilität zu gefährden". Nachdem er
seiner Meinung Ausdruck verliehen hat, muß der
Generalsekretär nur gesehen, nicht gehört werden.
Es obliegt den Mitgliedern des Sicherheitsrats, die
geeigneten Maßnahmen zu ergreifen.
Schwerpunkt der Arbeit des Sicherheitsrats ist die
Verhinderung eines Dritten Weltkriegs. Wären die
Aktionen der NATO und der Russen in Bosnien vom
vergangenen Februar, mit denen der Beschießung
Sarajevos durch die Serben Einhalt geboten wurde,
tatsächlich auf Initiative des Rates zurückgegangen,
wäre das den Vorstellungen der Gründer der Vereinten Nationen sehr nahe gekommen.
Es ist nicht erforderlich, daß Soldaten blaue Helme
tragen, damit der Sicherheitsrat seinen Pflichten
wirklich nachkommt. Nationale Kontingente dürfen

Seite 3

�durchaus eng zusammenarbeiten, um eine Bedrohung des Friedens abzuwehren. Auf genau diese
Art wurde Kuwait befreit.
Blaue Helme werden allgemein mit Friedenssicherungsoperationen assoziiert. In dieser Hinsicht ist
das Vermächtnis von Hammarskjold lehrreich. Seine
Richtlinien für friedenssichernde Operationen lauteten: Die Streitkräfte sollten neutral sein, lediglich zur
Selbstverteidigung leicht bewaffnet, ihre Präsenz
sollte von den verfeindeten Parteien ausdrücklich
akzeptiert werden, die a) ihre Kämpfe einstellen und
b) vollständig mit den UNO-Streitkräften zusammenarbeiten würden. Wenn man die Situation in Bosnien und Somalia an diesen Kriterien mißt, zeigt
sich, wie gefährlich es ist, zur Friedenssicherung
vorgesehene Streitkräfte in feindliche Situationen zu
entsenden. Dasselbe könnte man von der multilateralen (jedoch nicht von den Vereinten Nationen
organisierten) Friedenssicherungsaktion im Libanon
von 1982 behaupten.
Obwohldie Führungsrolle der Vereinigten Staaten
bei der Friedensschaffung und -Sicherung unerläßlich ist, heißt das nicht, daß amerikanische Streitkräfte tatsächlich daran teilnehmen müssen. Wir
müssen uns einige grundlegende Fragen stellen: In
welchem Maße sind rein amerikanische nationale
Interessen betroffen? Würde die Präsenz von
Amerikanern die Operation erleichtern oder kom-

*

Seite 4

*

plizieren? Welchen einzigartigen Beitrag könnten die
amerikanischen Streitkräfte zu einer spezifischen
Operation leisten? Welche anderen tatsächlichen
oder potentiellen Verpflichtungen müssen vor einer
Entsendung amerikanischer Streitkräfte eingegangen
werden? Werden amerikanische Soldaten (wie sie
müssen) dem Kommando amerikanischer Offiziere
unterstehen?
Diese Fragen sind jedoch taktischer Natur und
letztlich bedeutungslos, wenn wir nicht zunächst eine
Bestandsaufnahme der amerikanischen Beziehungen
zu den Vereinten Nationen vornehmen. Tatsache ist,
daß die Weltorganisation 49 Jahre nach ihrer Gründung keineswegs den Vorstellungen ihrer Gründer
entspricht. Der Generalsekretär - vollendeter Bürokrat, der er ist - kann nicht dafür getadelt werden,
daß er Vorrechte geltend macht, die nicht in der
Charta der Organisation verankert sind.
Wenn den Amerikanern die Handlungsweise der
Vereinten Nationen mißfällt, liegt der Fehler bei uns.
Die Vereinten Nationen sind eine Organisation der
Mitglieder. Bestimmte Mitglieder sind "gleicher" als
andere. Wir sind die ersten unter den "Gleicheren".
Nach dem Ende des Kalten Krieges kann Präsident
Clinton - wenn er möchte - dort anknüpfen, wo
Franklin Delano Roosevelt und seine internationalistischen Verbündeten aus den Reihen der Republikaner
aufhörten.

*

*

AMERIKA DIENST 08

�U S A - G US
1. März 1995

Begründung der Hilfe für die GUS
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - James Collins, hochrangiger Koordinator im Büro des Sonderberaters des Ministers
für die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), erklärte am 22. Februar 1995 in einer Anhörung vor dem
Bewilligungsausschuß des Senats, die Administration sei entschieden gegen den Verkauf russischer
Atomreaktoren an den Iran. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext.

Herr Vorsitzender, ich begrüße die erste Gelegenheit
in diesem Jahr, bei einer Anhörung vor dem Unterausschuß das Verhältnis zwischen den außenpolitischen Zielen der Vereinigten Staaten und der
amerikanischen Hilfe an die neuen unabhängigen
Staaten darlegen zu können. Vor zwei Wochen
haben Sie die Ausführungen des Stellvertretenden
Außenministers Talbott über die amerikanische
Außenpolitik gegenüber Rußland vernommen. Ich
möchte mich heute eher auf die amerikanische
Politik in bezug auf die GUS insgesamt sowie die
Einbettung der amerikanischen Hilfe in diese Politik
konzentrieren, bevor ich das Wort an Botschafter
Simons, der die Hilfsleistungen gemäß dem FREEDOM Support Act koordiniert und erst vor kurzem
eine Delegation in die GUS geleitet hat, sowie an
Mr. Dine vom Amt für internationale Entwicklung
(Agency for International Development - AID) übergebe.
Das Gesetz über Auslandshilfe von 1961 gründete
sich auf die generelle und übergeordnete Prämisse,
daß die Welt interdependent geworden ist und noch
interdependenter wird. Das FREEDOM Support Act
von 1992 basiert auf der spezifischeren Prämisse,
daß Entwicklungen in den neuen unabhängigen
Staaten
"eine historische Chance für den Übergang zu
einer friedlichen und stabilen internationalen
Ordnung sowie für die Integration der unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in die Gemeinschaft demokratischer
Nationen bieten".
Wie der Stellvertretende Außenminister Talbott vor
zwei Wochen ausführte, ist diese Prämisse unseres
Erachtens nach wie vor gültig im Hinblick auf alle
neuen unabhängigen Staaten einschließlich Rußlands und das Schicksal der Reformen in Rußland

AMERIKA DIENST 08

und den anderen Ländern der GUS weiterhin verknüpft.
Ich bin mir bewußt, daß ein Großteil der Aufregung
über den Zusammenbruch des Kommunismus und
der Sowjetunion verflogen ist und einer gewissen
Müdigkeit Platz gemacht hat, während wir Zeuge des
Kampfes der neuen unabhängigen Staaten mit den
täglichen Mühen des Wiederaufbaus ihrer politischen
und wirtschaftlichen Systeme werden. Inmitten der
Berichte über ungleiche Leistung und häufig beunruhigende Herausforderungen für den Verlauf der
Reformen kann man leicht entmutigt werden und den
Blick für die bereits erzielten umfassenderen Fortschritte und unser vorrangiges Interesse an deren
Fortsetzung verlieren.
Die politische und wirtschaftliche Umgestaltung der
neuen unabhängigen Staaten ist weiterhin von
lebenswichtiger Bedeutung für die fundamentalen
amerikanischen Interessen. Der Erfolg dieser Umgestaltung hat wichtige Auswirkungen auf den internationalen Erfolg bei
der Reduzierung der Nuklearwaffenarsenale und
der Bekämpfung der Verbreitung von Nuklearwaffen und -material,
der Entwicklung einer neuen europäischen Sicherheitsordnung,
der Bekämpfung von internationalem Verbrechen,
Drogen und Terrorismus,
der Unterstützung der Entwicklung neuer Märkte
und Stärkung der Offenheit und Stabilität des
globalen Handelssystems sowie
der Ermutigung des Abbaus ethnischer Spannungen ohne Gewalt.

Seite 1

�Während diese neuen Länder auf die Gestaltung
neuer demokratischer und marktorientierter Institutionen in dem durch den Zusammenbruch des Kommunismus entstandenen Vakuum hinarbeiten,
können wir nicht davon ausgehen, daß der bevorstehende Weg eben oder leicht sein wird. Das
gelegentlich langsame Tempo bei der Formulierung
und Umsetzung von Gesetzen, die nach Meinung
von uns im Westen entscheidend für die Grundlagen
prosperierender Demokratien und Marktwirtschaften
sind, ist an sich schon ein Beweis, daß politischer
Pluralismus und Demokratie Fuß fassen. In einer
Demokratie ist die Entwicklung eines Wirtschaftsprogramms ebenso wichtig wie das Programm
selbst.
Wir müssen dieses Phänomen erkennen und unerschütterlich die Reformen angesichts ungleicher
und gelegentlich unberechenbarer Entwicklungen
unterstützen. Es steht zu viel auf dem Spiel, als daß
wir anders handeln könnten.
"Der amerikanischen Hilfe kommt eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung der Umgestaltung in diesen aufstrebenden Demokratien
zu. Die grundlegende Aufgabe der Umstrukturierung des politischen und wirtschaftlichen
Systems obliegt weiterhin diesen Ländern,
aber unsere Unterstützung der Reformer kann
eine wichtige Rolle bei der Verstärkung der
Bemühungen zur Schaffung von Prinzipien,
Mechanismen und Instrumenten spielen, die
als Grundlage für offene und freie Gesellschaften dienen werden."
Hilfe Ist eine knappe Ressource
Ich bin mir der schwierigen Entscheidungen bewußt,
mit denen sich der Kongreß und die Administration
beim Abwägen der zahlreichen innen- und außenpolitischen Erfordernisse bei anhaltend knappen
Haushaltsmitteln konfrontiert sehen. Ich weiß, wie
wichtig es ist, jeden Dollar aus dem Hilfsfonds klug
zur Erreichung der dringendsten strategischen Ziele
einzusetzen. Aus diesem Grund haben wir bei der
Integration der Hilfsprogramme in unsere umfassenderen außenpolitischen Bestrebungen eine Reihe
von Prinzipien verfolgt.
Erstens ist unsere Hilfe an Reformen gebunden. Im
Einklang mit Paragraph 498A des FREEDOM
Support Act berücksichtigen wir Fortschritte bei
politischen und wirtschaftlichen Reformen bei der
Zuweisung von Mitteln für die Region. Dies hat
Auswirkungen auf die Verteilung der Mittel unter den
Ländern und in den Ländern.

Seite 2

Zweitens streben wir eine enge Verbindung zwischen
unserem Hilfsprogramm und umfassenderen diplomatischen Bestrebungen an. Ein gutes Beispiel ist die
Gore-Tschernomyrdin-Kommission, eine von den
Präsidenten Clinton und Jelzin beim Gipfeltreffen von
Vancouver im April 1993 ins Leben gerufene Initiative. Die Kommission wurde ursprünglich zur
Verbesserung der bilateralen Zusammenarbeit in den
Bereichen Raumfahrt, Hochtechnologie und Energieinvestitionen gegründet. Die Kommission hat ihren
Aufgabenbereich erweitert und die Gebiete Umwelt,
Wissenschaft und Technologie, Rüstungskonversion
und öffentliches Gesundheitswesen einbezogen. Das
Komitee für Unternehmensentwicklung der Kommission war beim Abbau von Hemmnissen für Handel
und Investitionen und der Durchsetzung einer Reihe
von Investitionsprojekten besonders effektiv, vor allem
auf dem russischen Energiesektor.
Drittens ermutigen wir Verbindungen zum Privatsektor, da diese - nicht die Hilfe - die langfristige Grundlage unserer Beziehungen zur GUS bilden werden.
Die private Geschäftstätigkeit ist von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Handel und Investitionen. Aus diesem Grund verwenden wir einen zunehmenden Teil unserer Hilfe für die Unterstützung
traditioneller Geschäftsförderungsprogramme durch
die Entwicklungsgesellschaft OPIC, die Export-Import
Bank, das Amt für Handelsentwicklung und das
Wirtschaftsministerium. Aber enge Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern, Umweltschützem, politischen Interessengruppen und nichtstaatlichen Organisationen ist ebenso wichtig. Solche Austauschprogramme sind unabdingbar, um der GUS beim
Aufbau der bürgerlichen und repräsentativen Institutionen behilflich zu sein, die die Grundlage
politischer Demokratie bilden.
Viertens versuchen wir unseren Einfluß in der internationalen Staatengemeinschaft geltend zu machen.
Obwohl die Vereinigten Staaten bei der Reaktion auf
die Hilferufe der GUS eine Führungsrolle übernommen haben, kann kein Land diese Last auf sich
nehmen. Die Ukraine ist ein treffendes Beispiel. Als
die neue Regierung Kutschma Ende letzten Jahres
ein mutiges Reformprogramm in die Wege leitete,
arbeiteten die Vereinigten Staaten mit anderen
Geberländern der G-7 und den Hauptgläubigern der
Ukraine in der GUS - Rußland und Turkmenistan auf die Mobilisierung von Unterstützung aus dem
Ausland für die neuen Reformbestrebungen der
Ukraine hin. Auf unser Drängen schuldete Turkmenistan die Energiekredite der Ukraine um, und Rußland
hat jetzt Gespräche mit der Ukraine über Zahlungsrückstände der Energieschulden aufgenommen,
während das Land weiterhin Öl und Gas liefert. Wir
arbeiten auch mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und Japan zusammen, um an den von

AMERIKA DIENST 08

�der Ukraine im Frühjahr erwarteten IWF-Beistandskredit gekoppelte Unterstützung bereitzustellen.

die Rada zu erhalten und den Weg für das Inkrafttreten des START I-Vertrags zu ebnen.

Und schließlich legen wir besondere Betonung auf
die Herstellung von Kontakten zwischen der GUS
und Wirtschafts- und Sicherheitsinstitutionen des
Westens. Diese reichen von unserem Programm
Partnerschaft für den Frieden bis zur Ermutigung
eines GATT-Beitritts.

Wir erweitern ferner die Rüstungszusammenarbeit.
Truppen der Vereinigten Staaten und der Ukraine
nehmen an gemeinsamen Friedenssicherungsmanövern teil. Die Ukraine war das erste Land der GUS,
das der Partnerschaft für den Frieden beigetreten ist.
Die Kooperation in der Partnerschaft trägt zur Förderung der Kontakte zwischen dem Bündnis und der
Ukraine bei.

Die Ukraine: Ein Fallbeispiel
Herr Vorsitzender, ich weiß, daß Sie eine Führungsrolle bei der Unterstützung von Bestrebungen zur
Erleichterung der Umgestaltung in der Ukraine
übernommen haben und bin der Ansicht, die Bemühungen der US-Regierung im vergangenen Jahr sind
ein anschauliches Beispiel, wie wir die unterschiedlichen politischen Instrumente - von Diplomatie bis zu
Hilfe - zur Unterstützung der amerikanischen Interessen integrieren können.
Als großes und potentiell reiches Land mit über 50
Millionen Einwohnern hat die Ukraine eine Brückenfunktion zwischen Rußland und den anderen Ländern Mitteleuropas. Eine unabhängige, demokratische, wohlhabende und atomwaffenfreie Ukraine ist
der Schlüssel zu einem stabilen, sicheren und
ungeteilten Europa. Angesichts der Größe und Lage
des Landes kann die Ukraine eine wichtige Kraft für
regionale Stabilität, ein attraktiver Markt für Handel
und Investitionen der Vereinigten Staaten und ein
entscheidender Partner bei unseren globalen Nichtverbreitungsbestrebungen sein. Aus diesem Grund
haben wir auf eine Intensivierung der Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine
hingearbeitet.
Erstens haben wir Diplomatie zur Bekräftigung der
Botschaft eingesetzt, daß politische und wirtschaftliche Reformen der Schlüssel zur Stärkung der
Unabhängigkeit und Souveränität sowie zur Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums des Landes
sind. Wir haben die Ukraine auch aufgefordert, dem
Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und die Nuklearwaffen des Landes zurück nach Rußland zu
verlagern.
Im Bereich der Sicherheit haben die Vereinigten
Staaten Diplomatie zur Erleichterung des trilateralen
Abkommens eingesetzt, das dazu führte, daß die
Ukraine die Nuklearwaffen des Landes als Gegenleistung für Sicherheitszusagen aufgab. Wir haben
dies mit der Nunn-Lugar-Hilfe gekoppelt, um die
Zerlegung von Waffen zu unterstützen. Unsere
Unterstützung und diese Zusagen waren für Präsident Kutschma wichtig, um die Ratifizierung durch

AMERIKA DIENST 08

Im Bereich der Wirtschaft verstärkte die Administration die Reformbotschaft mit der Zusage von bilateraler Hilfe in Höhe von 350 Millionen Dollar im
Frühjahr letzten Jahres. Wir haben darauf hingearbeitet, ähnliche Zusagen von der internationalen
Staatengemeinschaft zu erhalten. Beim Gipfeltreffen
der G-7 im Juli in Neapel vereinbarten die Staatsund Regierungschefs auf Präsident Clintons Drängen
die Bereitstellung von über 4 Milliarden Dollar der
internationalen Finanzinstitutionen mit einer Laufzeit
von zwei Jahren zur Umgestaltung der ukrainischen
Wirtschaft.
Im vergangenen Herbst leitete die Ukraine unter der
Führung von Präsident Kutschma ein kühnes neues
Wirtschaftsreformprogramm ein, um die das Land
schwächende Wirtschaftskrise einzudämmen und die
Errungenschaften der ersten drei Jahre ukrainischer
Unabhängigkeit zu konsolidieren. Als Reaktion auf
diese Bestrebungen sagte Präsident Clinton bei
seinem Gipfeltreffen mit Präsident Kutschma der
Ukraine für 1995 zusätzliche 200 Millionen Dollar
Wirtschaftshilfe zu. Darin enthalten sind Hilfe für
Energie- und Lebensmittelimporte, technische Hilfe in
den Bereichen Privatisierung, Energiewirtschaft,
wirtschaftliche Umstrukturierung, Umwelt, Entwicklung
des Sozialsektors und demokratische Initiativen.
Im Einklang mit der in Neapel abgegebenen Zusage
der G-7 bewilligte der IWF eine Fazilität für die
Umgestaltung des Systems und stellte im Oktober
370 Millionen Dollar bereit. Die Verhandlungen über
einen IWF-Beistandskredit weitaus größeren Umfangs
in Verbindung mit den Bestrebungen der Ukraine,
1995 ein umfassenderes Reformprogramm durchzuführen, stehen kurz vor dem Abschluß.
Gleichzeitig haben wir die Europäische Union, Japan
und die Hauptgläubigerländer wie Rußland und
Turkmenistan zu ähnlichen Schritten aufgefordert, um
der Ukraine den Freiraum für die Bewältigung der
Herausforderungen eines wirtschaftlichen Wiederaufbaus zu geben.
"Als Ergebnis der mutigen Führungsrolle
Präsident Kutschmas, der Bestrebungen vieler

Seite 3

�Reformer im ganzen Land und westlicher Hilfe
sieht die Zukunft der Ukraine besser aus als
in den vergangenen beiden Jahren. Die
Herausforderungen sind jedoch immer noch
enorm, und Hilfe des Westens ist insbesondere angesichts der bevorstehenden dramatischeren Umstrukturierung erforderlich."
Integration in den Westen
Die Ukraine ist nur ein Beispiel für die von uns
unternommenen umfassenderen Bestrebungen, in
allen neuen unabhängigen Staaten Reformen zu
ermutigen. Diese Politik basiert hauptsächlich auf
der Annahme, es liege im nationalen Interesse der
Vereinigten Staaten, das Entstehen wohlhabender,
demokratisierter und marktorientierter unabhängiger
Staaten zu unterstützen, und die Integration dieser
Länder in die Weltgemeinschaft demokratischer
Staaten und Volkswirtschaften sei im Interesse
unserer Nation und der in der GUS lebenden Menschen.
Wir haben diese Idee auf vielfache Weise verfolgt
und uns dabei der Ressourcen und des Einflusses
der Vereinigten Staaten sowie unserer politischen
und wirtschaftlichen Führungsrolle in der Staatengemeinschaft bedient.
Die US-Regierung stand an vorderster Front bei der
Förderung und Umsetzung von Schritten zur Unabhängigkeit und Stärkung des Sicherheitsempfindens aller neuen unabhängigen Staaten. Wir haben
beispielsweise die frühzeitige und vollständige
Beteiligung aller neuen unabhängigen Staaten an
internationalen Gremien wie den Vereinten Nationen
und der jetzigen OSZE ermutigt und unterstützt.
Gemeinsam mit unseren westlichen Partnern riefen
wir neue Institutionen ins Leben, die unseres Erachtens der GUS helfen können, mehr Selbstvertrauen zu gewinnen und Fortschritte bei der Schaffung von Banden und Mustern der Zusammenarbeit
mit europäischen Institutionen zu machen. Die
Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats
(NAKR) und anschließend der Partnerschaft für den
Frieden eröffnete neue Chancen für alle neuen
unabhängigen Staaten zum Aufbau von Beziehungen zur NATO. Die Initiative unter Leitung der
Vereinigten Staaten zur Stärkung der KSZE durch
ihre Umwandlung in die OSZE und Ausstattung mit
größerer institutioneller Bedeutung bietet jedem der
neuen unabhängigen Staaten einen Weg zur Einbindung in das entstehende europäische Sicherheitssystem. Schließlich knüpften die Vereinigten Staaten eine Vielzahl bilateraler Kontakte, auch auf dem
Gebiet militärischer Zusammenarbeit, um in der GUS
ein verstärktes Sicherheitsgefühl zu entwickeln und

Seite 4

unsere Unterstützung für jeden einzelnen Nachfolgestaat der ehemaligen Sowjetunion als vollkommen
unabhängigem und souveränem Nationalstaat zu
unterstreichen.
Im wirtschaftlichen Bereich waren sich die Vereinigten
Staaten von Anfang an bewußt, daß die Zukunft der
GUS als Gemeinschaft stabiler, unabhängiger Staaten von ihrer Fähigkeit abhängen würde, auf marktwirtschaftlichen Prinzipien und Praktiken basierende
Volkswirtschaften zu entwickeln. Erfolg bei dieser
Anpassung wird für die GUS von essentieller Bedeutung sein, um sich in das Welthandels- und Weltwirtschaftssystem einzugliedern.
Obwohl wir wissen, daß Wirtschaftsreformen "hausgemacht" sein müssen, damit jeder der neuen
Staaten die einzigartigen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bewältigen kann, müssen
sie unseres Erachtens ihre Volkswirtschaften so
umstrukturieren, daß ihnen eine Zusammenarbeit mit
westlichen Institutionen wie dem GATT und der WTO
und letztlich eine Mitgliedschaft darin möglich ist.
Ferner haben wir internationale Bestrebungen angeführt, in Europa und andernorts eine Politik zu
verfolgen, die der GUS Möglichkeiten für umfassendere und breiter gefächerte Wirtschaftsbeziehungen
zur Außenwelt eröffnet.
Beispielsweise haben wir mit der Mehrheit der neuen
unabhängigen Staaten Handels- und Investitionsabkommen abgeschlossen. Wir gründeten bilaterale
Ausschüsse für unternehmerische Entwicklung, um
neue Wege für den Handel mit den Vereinigten
Staaten zu erschließen und das alte Monopolsystem
abzuschaffen, das sämtliche Wirtschaftsfunktionen
über die alte kommunistische Kommandozentrale
leitete. Ferner strebte die Administration eine Anpassung unserer Handelsgesetze an, um der einzigartigen Natur der "Volkswirtschaften im Übergang"
gerecht zu werden, einige den kommunistischen
Ländern auferlegte Strafen aufzuheben und erweiterte Handeisschancen zu fördern, von denen die
Vereinigten Staaten und die entstehenden Marktwirtschaften gleichermaßen profitieren.
Die Hilfe und Diplomatie der Vereinigten Staaten sind
von Bedeutung für die anderen neuen unabhängigen
Staaten, die sich um die Schaffung und den Erhalt
ihrer internationalen Identität bemühen. Unsere Hilfe
und unser diplomatisches Engagement - bilateral
sowie im Rahmen der OSZE und der UNO bei der
Beendigung regionaler Konflikte - sind für ihre zukünftige Stabilität von entscheidender Bedeutung.
Amerikanische Berater wirkten am Entwurf der
Verfassung Moldawiens mit. Unser diplomatisches
Engagement trug zur Beendigung der Kämpfe in

AMERIKA DIENST 08

�Moldawien sowie zu einem Grundsatzabkommen
über den Abzug der russischen Streitkräfte bei.

Juni 1996 würden Wahlen abgehalten, sind begrüßenswerte Zeichen.

Wir leisteten Armenien und Georgien substantielle
humanitäre Hilfe. Wir haben innerhalb des Gesetzesrahmens alles in unserer Macht Stehende
unternommen, um den nahezu einer Million Menschen in Aserbaidschan zu helfen, die durch den
Konflikt in Nagornyj Karabach vertrieben wurden.
Teilweise aufgrund der Bestrebungen unseres
Landes sowie der OSZE hält der Waffenstillstand in
Nagornyj Karabach bereits seit neun Monaten.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind weiterhin
beträchtlich. Arbeitslosigkeit sowie die erforderliche
Schrumpfung ineffizienter Staatsbetriebe beschwören
den Geist zunehmender sozialer Unruhen herauf.
Privatisierung und der Übergang zur Marktwirtschaft
haben die Verteilung des Wohlstands polarisiert und
den Weg für eine unkontrollierte Ausweitung von
Verbrechen und Korruption geebnet.

Wir haben uns für die Beendigung der Kommandowirtschaft in Zentralasien durch Privatisierungsprogramme eingesetzt und mit in der Region ansässigen amerikanischen Ölgesellschaften und Regierungen gemeinsam an der Entwicklung von Energiequellen und Ankurbelung ihrer Volkswirtschaften
gearbeitet.
Mit Hilfe unserer Programme zur Förderung von
Demokratie sowie anderer Bestrebungen haben wir
viel erreicht. In der Ukraine, in Usbekistan und
Kirgistan fanden Wahlen statt, die einen Präzedenzfall schaffen.
Pluralismus und Beteiligung der
Bürger am politischen Leben fassen Fuß.
Einschränkung der Rußlandhilfe
Die Administration unterstrich von Anfang an die
Bedeutung einer Unterstützung der russischen
Reformen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion befand
sich Rußland an vorderster Front der Reformbewegungen. Gleichzeitig sind wir - wie viele Politiker in
der GUS - der Ansicht, daß der Erfolg von Reformen
in Rußland entscheidend für die Aussichten auf
Reformen in ganz Eurasien ist.
Die Verlagerung des Schwerpunkts unserer Hilfe von
Rußland auf die anderen neuen unabhängigen
Staaten erfolgt entsprechend der politischen und
wirtschaftlichen Fortschritte Rußlands, denen Fortschritte andernorts folgen. Die von den Vereinigten
Staaten geleistete Hilfe war ein wichtiger Faktor bei
der Förderung von Stabilität in dieser schwierigen
Übergangszeit sowie der Unterstützung der neuen
Reformkräfte im postsowjetischen Rußland. Obwohl
die Ereignisse der letzten anderthalb Jahre in Rußland wichtige Fragen über die derzeitige Natur und
den zukünftigen Kurs der russischen Demokratie
aufgeworfen haben, gibt es auch Anzeichen dafür,
daß die russische Führung der Demokratisierung
und marktwirtschaftlichen Entwicklung verpflichtet
bleibt. Die Unterstützung Präsident Jelzins für ein
starkes wirtschaftliches Reformprogramm und seine
Bekräftigung letzte Woche, im Dezember 1995 und

AMERIKA DIENST 08

Um den Reformern bei der Bewältigung dieser
Herausforderungen beizustehen, müssen wir unsere
Hilfsleistungen für Rußland beibehalten, selbst wenn
wir unseren Schwerpunkt von humanitärer und
technischer Hilfe auf Handel und Investitionen sowie
die "zweite Welle" von Ländern verlagern, die nach
Demokratie und Reformen streben. Es besteht
immer noch kein Zweifel daran, daß das Scheitern
von Reformen und Demokratie in Rußland die
schwachen Reformbestrebungen in den meisten
anderen neuen unabhängigen Staaten zunichte
machen könnte.
Unsere zunehmende Konzentration auf andere
Reformländer spiegelt gleichzeitig eine andere
Realität wider - unsere Erkenntnis, daß der Erfolg
wirtschaftlicher und politischer Reformen in Ländern
wie der Ukraine und Belarus nicht nur deren Unabhängigkeit stärkt, sondern auch die Aussichten auf
den Erfolg der Demokratie in Rußland verbessert.
Im Haushaltsjahr 1996 wird sich der Großteil unserer
Hilfsbestrebungen auf die nichtrussischen GUSStaaten richten. Der Trend wird anhand der Zahlen
deutlich: Die Administration stellte im Haushaltsjahr
1993 200 Millionen Dollar für Rußland bereit, im
Haushaltsjahr 1994 1,6 Milliarden Dollar, im Haushaltsjahr 1995 344 Millionen und im Haushaltsjahr
1996 260 Millionen Dollar. 1994 wurden zwei Drittel
der amerikanischen GUS-Hilfe für russische Programme und Projekte verwendet; im Haushaltsjahr
1996 sind weniger als ein Drittel geplant.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich noch einmal auf meine
Eingangsbemerkung zurückkommen. Die historische
Umgestaltung zu Demokratie und Marktwirtschaft ist
noch nicht abgeschlossen, und wir haben ein vitales
nationales Interesse daran, alles in unserer Macht
Stehende zur Unterstützung freier und offener Gesellschaften in diesen Ländern zu unternehmen.
Meines Erachtens lohnt es sich, diese Interessen
nochmals aufzuführen:
Abbau des weltweiten
Atomwaffenarsenals, Gestaltung einer neuen Si-

Seite 5

�cherheitsordnung auf dem europäischen Kontinent,
der zwei Weltkriege erlebte, Abbau der ethnischen
Spannungen, die zu größerer Instabilität und Konflikten führen können, Bekämpfung von internationalem Verbrechen, Drogenhandel und Terrorismus, die
die Sicherheit all unserer Bürger bedrohen, Unterstützung der Entwicklung neuer Märkte sowie eines
stabilen und offenen Welthandelssystems, zu dem
die gut ausgebildeten Menschen, starke wissenschaftliche Grundlage und reichen natürlichen
Ressourcen der GUS einen wesentlichen Beitrag
leisten können.

Wir wissen um die knappen Haushaltsmittel, sind
jedoch davon überzeugt, daß die im Haushaltsantrag
der Administration vorgesehenen Mittel zur Förderung
unserer nationalen Interessen investiert werden
sollten. Wir werden weiterhin alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um mit diesen Dollars so viel
wie möglich zu erreichen - unser Hilfsprogramm in
unsere umfassenderen diplomatischen Bestrebungen
zu integrieren und unsere Mittel zusammen mit denen
der internationalen Staatengemeinschaft einzusetzen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 08

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                <text>&lt;strong&gt;1. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Globales Informationssystem erfordert weltweite Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Gore bei G-7-Treffen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Sicherheitsarchitektur&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gestaltung einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard C. Holbrooke&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-UNO&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der amerikanischen Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard L. Armitage&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Begründung der Hilfe für die GUS&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>an

Information
und
Dokumentation

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. April 1980

18

INHALT

INFORMATION
USA schieben Verhängung zusätzlicher Sanktionen gegen Iran auf
- Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten DOKUMENTATION
Unterstaatssekretär Saunders erläutert US-Politik in Südwestasien
HINTERGRUNDMATERIAL
Sawhill: Umfassendes Energieprogramm der USA
- Stellvertretender US-Energieminister vor der Auslandspresse Nahrungsmittel oder Kraftstoffe?
- Nachwachsende Energiequellen können Entscheidungszwang für die
Landwirtschaft bedeuten -

Um Übcf/enclung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. April 1980

18

USA SCHIEBEN

VERHÄNGUNG ZUSÄTZLICHER SANKTIONEN GEGEN IRAN AUF

- Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 1. April 1980 bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten die Verhängung zusätzlicher Sanktionen
gegen Iran, um die Freilassung der in Teheran festgehaltenen amerikanischen
Geiseln zu erreichen, aufgeschoben haben.

Diese Entscheidung folgte auf die

Rede des iranischen Staatspräsidenten Bani-Sadr zum Jahrestag der Islamischen
Republik, in der er die Übergabe der Geiseln von den Studenten an die Regierung ankündigte.

Amerikanische Regierungskreise in Washington wollten sich zu Einzelheiten über die Beziehungen zu iranischen Regierungskreisen nicht äußern.

In einer Rede vor der Bauarbeitergewerkschaft im amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL-CIO am gleichen Tag betonte Präsident Carter, daß es keinen Grund für Entschuldigungen gegenüber dem Iran gebe:

"Ich möchte eines

klarstellen", so sagte er, "Niemand in der Regierung der Vereinigten Staaten
hat sich bei irgend jemand in der Regierung des Iran entschuldigt...

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Der Grund

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Grund dafür ist, daß es nichts gibt, wofür wir uns entschuldigen müßten".
Carter bezeichnete die Rede Bani-Sadrs als eine positive Entwicklung, hob
jedoch gleichzeitig hervor, daß sich die Vereinigten Staaten niemals mit
der Geiselnahme abfinden werden.
Die Erklärung, die Präsident Carter im Weißen Haus vor der Presse abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Wie Sie sicher wissen, haben wir eine positive Entwicklung im Iran
angestrebt, und wir haben an die Übergabe der amerikanischen Geiseln aus
der Kontrolle der militanten Kräfte in die Fürsorge und den Schutz der iranischen Regierung gedacht.
Wenn es nicht zu dieser Maßnahme kommen sollte oder nicht gekommen ist,
haben wir weitere Sanktionen gegen den Iran erwogen und die iranische Regierung von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt.
Heute morgen hat der Präsident des Iran bekanntgegeben, daß die Kontrolle
über die Geiseln an die Regierung des Iran übertragen werden wird, was wir
als einen positiven Schritt betrachten.
Im Lichte dieser Maßnahmen betrachteten wir es als nicht angemessen,
jetzt weitere Sanktionen zu verhängen. Wir werden die Situation sehr sorgfältig verfolgen. Wir würden wünschen, daß diese positive Entwicklung weitergeht, und unsere Hauptüberlegungen und unsere ständigen Bemühungen werden
auf eine baldmöglichste Freilassung der amerikanischen Geiseln und ihre Rückkehr in unser Land und in die Freiheit ausgerichtet sein."

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. April 1980

18

UNTERSTAATSSEKRETÄR SAUNDERS ERLÄUTERT US-POLITIK IN SÜDWESTASIEN

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für nahöstliche und südasiatische Angelegenheiten im State Department, Harold H. Saunders, legte
am 24. März 1980 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Europa
und den Mittleren Osten die Grundzüge der amerikanischen Politik im Persischen
Golf, Südwestasien und dem Bereich des Indischen Ozeans dar.

Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:

Die Entwicklungen der letzten Monate haben die Aufmerksamkeit mit neuer
Intensität auf den Persischen Golf, auf Südwestasien und den Bereich des Indischen Ozeans gelenkt.

Unsere heutige Diskussion bietet eine jener Gelegen-

heiten, bei denen ich die Ehre habe, gemeinsam mit diesem Unterausschuß das
Rahmenwerk jenes Konzeptes zu entwickeln, innerhalb dessen die amerikanischen
Interessen in diesem kritischen Gebiet verfolgt werden.

Der Präsident selbst hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation
drei grundlegende Entwicklungen definiert, die dazu beigetragen haben, den
Herausforderungen Gestalt zu verleihen, vor denen wir in dieser Region stehen.
- Erstens:

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�- Erstens:

"Das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung

sowjetischer Militärmacht über ihre eigenen Grenzen hinweg;"
- zweitens:

"Die überwältigende Abhängigkeit der demokratischen In-

dustriestaaten von der 'Ölversorgung aus dem Mittleren Osten;" und
- drittens:

"Der Druck sozialen, religiösen, wirtschaftlichen und po-

litischen Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt, beispielhaft gezeigt durch die Revolution im Iran."
Wie der Präsident sagte:
von Bedeutung.

"Jeder dieser Faktoren ist für sich allein

Jeder wirkt sich auf die anderen aus. All diese Faktoren

müssen zusammen gemeistert werden."
Die landesweite Aufmerksamkeit, die sich nunmehr auf dieses Gebiet richtet, bedarf der Wiederholung zweier grundsätzlicher Gedanken, die in unseren
Diskussionen

über den Mittleren Osten und Südwestasien im Lauf der letzten

beiden Jahre regelmäßig aufgetaucht sind:
- Erstens: Mehr bedeutsame amerikanische Interessen überschneiden sich
heute in diesem Teil der Welt als in jedem anderen Bereich der Dritten Welt.
Diese Interessen werden heute zudem durch Maßnahmen der Sowjetunion herausgefordert.
- Zweitens:

In einer Weltregion raschesten Wandels besteht das Problem

für amerikanische Politiker nicht darin, wie man dem Wandel Einhalt gebieten
kann, sondern darin, seine Ursachen zu verstehen und zu einer Entscheidung zu
gelangen, wie man mit den Regierungen in diesem Gebiet zusammenarbeiten kann,
um ihn in eine konstruktive Richtung zu lenken.
Unsere Absicht hier und heute ist es, über die Politik nachzudenken, die
angesichts der Bedeutung unserer Interessen, ihrer Bedrohung und der komplexen
Kräfte, die in diesem Gebiet selbst am Werke sind, angemessen ist. Mit einem
Wort, ich möchte zu folgendem Punkt Stellung nehmen:
- 2 -

In Zusammenarbeit mit

�mit unseren Freunden und Verbündeten müssen wir eine breitgefächerte Reihe
von Hilfsmitteln zum Tragen bringen, um in einer anhaltenden Anstrengung unsere Interessen zu schützen und den Staaten in diesem Gebiet dabei zu helfen,
ihre Unabhängigkeit zu wahren und den Wandel in konstruktive Richtungen zu
lenken.

Unsere Politik kann sich nicht auf eingleisige Lösungen stützen,

sondern bedarf einer intensiven Anstrengung, die im Lauf der Zeit unsere
Rolle in dieser Region weiterhin ausweiten und vertiefen wird.

Die sowjetische Bedrohung
Eines der obersten Ziele in diesem Gebiet war für uns schon seit langem,
die Errichtung einer gegnerischen Position zu verhindern, die unseren Zugang
beeinträchtigen, die Sicherheit der Region untergraben und zu einer Konfrontation führen könnte. Im Nachklang des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan
ist dies noch dringlicher geworden, und es ist wichtig, die exakte Natur des
Problems zu definieren:
- In Afghanistan wurde die Drohung einer sowjetischen Aggression im Dezember Wirklichkeit.
- Beim Blick in die Zukunft müssen wir die Möglichkeit weiterer sowjetischer
Schritte ernstnehmen, auch wenn wir über die wahre Natur der sowjetischen Absichten keine Gewißheit haben können.

Seit langem schon wurden in dieser Re-

gion die Bedenken zum Ausdruck gebracht, daß es Ziel der Sowjets sei, einen
Zugang zu warmen Gewässern über Belutschistan hinweg zu erzielen oder sich in
Richtung auf den Persischen Golf zu bewegen mit dem zusätzlichen Ziel, die Ölquellen des Westens zu kontrollieren.
Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Tatsache, daß das anhaltende Fehlen
einer starken zentralen Autorität im Iran zur erneuten Besetzung von Teilen
dieses Landes durch die Sowjets wie am Ende des Zweiten Weltkrieges führen
könnte.

Die wachsende Stärke der kommunistischen Tudeh-Partei im Iran könnte
- 3 -

�könnte zu einer Situation beitragen, die die UdSSR ausnützen könnte.
Andere potentiell gefährliche Entwicklungen in dieser Region sind weniger leicht zu charakterisieren, da die genaue Natur der sowjetischen Beteiligung nicht klar zutage liegt. Zum Beispiel:
- Die Sowjetunion unterhält eine beachtliche Präsenz im Südjemen.

Auch

osteuropäische und kubanische Vertreter spielen dort eine wesentliche Rolle.
Als vor einem Jahr slidjemenitische Streitkräfte im Nordjemen einfielen, überquerten unseres Wissens weder Sowjets noch Kubaner die Grenze, aber die südjemenitischen Streitkräfte dürften nur mit solcher Unterstützung hierzu in
der Lage gewesen sein.
- Die Sowjetunion hat auch anderen Regierungen und Befreiungsorganisationen
in diesem Gebiet beträchtliche Unterstützung gewährt.

Dabei geht es nicht

darum, ob die Sowjets diese Regierungen oder Organisationen kontrollieren.
Das Problem ist, ob sich die Sowjets in eine Lage gebracht haben, in der sie
für ihre eigenen Absichten Vorteile aus Situationen ziehen, in denen die Interessen beider Seiten sich decken. Unter vielen solcher Umstände wird die
sowjetische Rolle augenscheinlich sein, aber der Grad unmittelbarer sowjetischer Verantwortlichkeit wird sich nur mit größerer Schwierigkeit feststellen
lassen.
- Eine ständige sowjetische Beherrschung Afghanistans würde die sowjetische Fähigkeit zur Unterstützung von Subversion und anderen Formen des
Drucks auf Regierungen in diesem Gebiet vergrößern.
- Sogar auf einem niedrigeren Niveau gibt es andauernde sowjetische Anstrengungen zur Durchdringung der verschiedenen Institutionen in diesem Gebiet in der Absicht, Vorteile aus instabilen Lagen zu ziehen, wo immer sie
können.
Die

- 4 -

�Die amerikanische Position und Politik
In seiner Botschaft über die Lage der Nation sprach der Präsident eine
Warnung aus, als er sagte:

"Unser

Standpunkt muß absolut klar sein:

ein

Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region des Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.

Und solch ein Angriff

wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer
Macht, zurückgewiesen werden."
Im Mittelpunkt unserer heutigen Diskussion steht die Frage:

Welche Po-

litik folgt aus dieser kraftvollen Erklärung zur amerikanischen Position?
In den Worten des Präsidenten lautet die Antwort: "...Wir sind bereit,
mit anderen Ländern der Region zusammenzuarbeiten, um einen kooperativen
Sicherheitsrahmen zu schaffen, der unterschiedliche Werte und politische Überzeugungen respektiert, jedoch die Unabhängigkeit, die Sicherheit und Prosperität aller fördert."
Während wir an der Stärkung unserer Beziehungen in dieser Region und
an der Zusammenarbeit mit den dortigen Staaten weiterarbeiten, um den sowjetischen Druck unter Kontrolle zu halten und eine ruhige Entwicklung zu fördern, müssen wir uns auch der Notwendigkeit bewußt sein, unsere Betrachtung
der komplexen Fragestellung dieser Region auf einem soliden strategischen Fundament aufzubauen, was folgendes beinhaltet:
- Eine starke amerikanische Wirtschaft, die weniger von ausländischem
öl abhängt;
- eine lebensfähige westliche Allianz, die in der Lage ist, mit den Golfstaaten in Verfolgung gemeinsamer Ziele wirkungsvoll zusammenzuarbeiten;
- eine verstärkte amerikanische Militärkapazität zur Darstellung unserer

�unserer Stärke in dieser Region auf eine Art und Weise, die Sicherheit
und Stabilität fördert;
- ein nationaler Wille, auf die Lösung einer der grundlegenden Ursachen
der Instabilität in diesem Bereich zu dringen, nämlich des Konfliktes
zwischen Israel und den Arabern; und
- eine Bereitschaft, Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, um das überleben und die Unabhängigkeit von Regierungen und Völkern in dieser Region zu fördern, die die konstruktive Zusammenarbeit mit uns für Friede und Menschenwürde suchen.
Indem wir diese einzelnen Fäden zu einer einheitlichen Strategie verflechten, können wir eine starke, entschlossene und verständnisvolle Führung
anbieten, die den meisten Staaten dieser Region zwingende Gründe dafür geben
wird, zu dem Schluß zu kommen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, eng
mit uns zusammenzuarbeiten, um die Kräfte der Aggression, der Unterdrückung
und des Chaos zu überwinden.
Die amerikanische Politik muß die diplomatischen, wirtschaftlichen, politischen wie auch die militärischen Elemente amerikanischer Macht zum Tragen
bringen. Sie muß die Beziehungen zwischen den Staaten in diesem Gebiet in
Rechnung stellen, die entschlossen sind, ihre eigene Unabhängigkeit zu bewahren. Eine einzige amerikanische Antwort allein kann die Herausforderung
nicht annehmen, die die vielschichtigen Entwicklungen in diesem Gebiet darstellen, und sie kann auch keinen Nutzen aus der großen Bandbreite von Hilfsmitteln ziehen, die zur Annahme dieser Herausforderung zur Verfügung stehen.
Unsere Anstrengung muß vielmehr vierfacher Art sein.

Unsere

�Unsere Antwort im Sicherheitsbereich

Es liegt auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten heute eine führende
Rolle spielen und bei der militärischen Kapazität die Hauptlast tragen müssen,
um die Sicherheit des Gebietes zu stärken; aber dabei ist es wesentlich, daß
wir auch weiterhin mit unseren Freunden in dieser Region und mit unseren Verbündeten außerhalb der Region zusammenarbeiten, die dort an diesem Gebiet
großes Interesse haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten die Briten im

Golfgebiet eine Hauptrolle.

In den fünfziger Jahren haben wir den Bagdad-

Pakt entwickelt, der später zur Zentralpaktorganisation wurde.

In den sieb-

ziger Jahren glaubten wir, der Iran sei eine Kraft für die Sicherheit in der
Region.

Heute hat sich die Lage geändert, und beides steht nicht mehr zur

Verfügung.

Wie der Präsident in seiner Botschaft über die Lage der Nation deutlich
machte, verstärken wir unsere Verteidigungsanstrengungen und verbessern wir
unsere Fähigkeit, amerikanische Streitkräfte rasch in entfernte Gebiete zu
dislozieren.

Die Vereinigten Staaten haben ihre eigene Flottenpräsenz im In-

dischen Ozean erhöht und verstärkt, wobei sie seit Ende des letzten Jahres
zwei Flugzeugträger-Kampfgruppen dort unterhalten und eine amphibische Einheit des amerikanischen Marinekorps angewiesen haben, sich ihnen gegen Ende
des Monats anzuschließen.

Wir führen außerdem mit einigen Staaten in der Re-

gion in Verbindung mit derzeitigen Flottenbewegungen Gespräche über die Nutzung bestimmter See- und Luftstützpunkte.

Wir werden unsere Fähigkeit zu stän-

diger Einsatzbereitschaft aufrechterhalten, um im Notfall die notwendigen zusätzlichen Streitkräfte zur Unterstützung bedrohter Länder in dieser Region
einzusetzen.

Wir werden unsere Mittel sorgfältig auswählen, um sicherzustel-

len, daß die amerikanischen Maßnahmen keine lokalen politischen Belastungen
hervorrufen, die die Wirksamkeit unserer Gesamtanstrengung vermindern könnten.

Wir haben außerdem unsere Beziehungen zu einer Reihe von Staaten in diesem Gebiet hinsichtlich unserer militärischen Versorgung weiter gepflegt.
Diese tragen nicht nur zu ihrer eigenen Fähigkeit hinsichtlich ihrer Selbst-

- 7 -

�Selbstverteidigung bei, sondern auch zu einem Gefühl der Stabilität und zur
Bereitschaft, sich an der gemeinsamen Sicherheitsanstrengung zu beteiligen.
Wie stark die Antwort auf die Herausforderung ausfällt, wird sowohl von
den Zusagen der Staaten dieser Region abhängen, als auch vom Umfang der Maßnahmen anderer Staaten.

Zu dem von mir erwähnten Ausbau unserer militärischen

Abschreckung kommt unsere dauernde Zielsetzung, die Sowjetunion einen konkreten Preis für ihre Aggression in Afghanistan zahlen zu lassen.

Solange

diese Invasion weitergeht, sollten wir und andere Staaten der Welt mit der
UdSSR nicht so umgehen, als ob nichts wäre.

Wir haben eine Reihe wirtschaft-

licher und anderer Sanktionen verhängt und von unseren Verbündeten eine ähnliche Anstrengung erbeten.

Diese Maßnahmen stehen nicht isoliert da.

Sie

sollen von der Sowjetunion in Verbindung mit der Verurteilung durch die überwältigende Mehrheit der Staaten und dem Widerstand des afghanischen Volkes
selbst gesehen werden.

Wir hoffen, auf diese Weise dazu beizutragen, die

Sowjets zu einer realistischen Beurteilung ihrer Haltung und zum Abzug ihrer
Streitkräfte aus Afghanistan zu bewegen.
.

Die politische Antwort
Die Vereinigten Staaten erstreben eine konstruktive Beziehung zu allen
Staaten in diesem Gebiet, die ihre eigene Unabhängigkeit bewahren wollen.
Wir erstreben keinen besonderen Vorteil für uns selbst.
Die Vereinigten Staaten haben jahrelang mit vielen der Regierungen in
diesem Gebiet zusammengearbeitet,um ihnen bei ihrem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt behilflich zu sein.

Ihre Entwicklung war stets eines un-

serer wichtigsten Ziele, denn wir waren der Ansicht, daß die Hilfe für diese
Regierungen bei dem Unterfangen, ihren Völkern eine umfassendere Beteiligung
an der Gestaltung ihrer Zukunft zu gewähren, sowohl in humaner als auch in
politischer Hinsicht entscheidend ist.
Die
- 8 -

�Die traditionellen Regierungen in dieser Region setzen sich nicht nur
mit dem intensiven Drang nach Wandel auseinander, der von moderner Technologie
und Erziehung, von Industrialisierung und hohen öleinnahmen herrührt, sondern
sie kämpfen auch mit dem Problem, wie das Interesse ihrer Bürger an politischer
Beteiligung bei der Festlegung der Richtung gestärkt werden kann, die ihre Länder einschlagen.

Beispielsweise war eines der Probleme der persischen Revolution der Mangel an breiter politischer Beteiligung an Entscheidungen, die eine wirtschaftliche Entwicklung mit sich brachte, die manchmal auf Kosten des Gefühls für
grundlegende islamische Werte ging.

Alle Führungsinstanzen in dieser Region

müssen sich auf ihre Weise und in ihrem eigenen nationalen Umfeld mit solchem Druck auseinandersetzen und ihn in konstruktive Bahnen lenken.

Die Vereinigten Staaten können bei diesem Unterfangen ein verläßlicher
Partner sein.

Die Vereinigten Staaten sind ohne weiteres in der Lage, mit

der Vielfalt vieler unterschiedlicher politischer Systeme in dieser Welt zu
leben, ja, diese zu fördern.

Dies spiegelt nur die Art und Weise wider, in

der unsere eigene Gesellschaft funktioniert, die mit Bürgern unterschiedlichen
rassischen oder nationalen Hintergrundes und unterschiedlicher wirtschaftlicher
und sozialer Interessen zuständekommt.

Um noch einmal den Iran als Beispiel zu nehmen:
ist eine Tatsache, die wir anerkennen.

Die Revolution im Iran

Es geht nicht um die Frage einer ame-

rikanischen Anstrengung, die Uhren dort zurückzudrehen, sondern darum, wie
die Vereinigten Staaten und die gegenwärtige Regierung des Iran miteinander
verkehren sollen.

Zusätzlich zu den schwerwiegenden, ja empörenden, mensch-

lichen Dimensionen der Geiselkrise stellt sich die weitere Frage, in welchem
Verhältnis die Vereinigten Staaten und der Iran zueinander stehen und welche
Geschäftsbeziehungen sie zueinander aufrechterhalten können, bis jede Seite
bereit ist, sich an die Prinzipien des Völkerrechts zu halten.

Würden diese

Prinzipien anerkannt und die Geiseln wohlbehalten freigelassen, wären die
Vereinigten Staaten bereit, zu einem angemessenen Zeitpunkt in Gespräche einzu-

- 9-

�einzutreten, um festzulegen, welche Grundlage für eine Beziehung zwischen
unseren beiden Ländern besteht.
Der Präsident hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation klargestellt:

"Wir sind der Überzeugung, daß es keine unüberwindlichen Differenzen

zwischen uns und irgendeinem islamischen Volk gibt. Wir achten den islamischen Glauben, und wir sind bereit, mit allen moslemischen Ländern zusammenzuarbeiten."

Beiläufig möchte ich hier betonen, daß allein die Geiselnahme

selbst eine Verletzung der islamischen Prinzipien und Tradition ist.

Die diplomatische Antwort:

Der arabisch-israelische Friedensprozeß

Die Rolle, welche auswärtige Mächte in dieser Region spielen werden,
wird sich teilweise aus ihrer Fähigkeit ergeben, bei der unparteiischen
Verminderung solcher Spannungen innerhalb der Region zu helfen, die ihre Verwundbarkeit gegenüber äußerer Ausbeutung steigern.
Es gibt keinen besseren Beweis für die Kraft wirkungsvoller Diplomatie
als den Erfolg, der in Camp David erzielt wurde, und den ägyptisch-israelischen
Friedensvertrag in seiner Folge. Die Vereinigten Staaten haben eine wesentliche Rolle dabei gespielt, bei der Erzielung einer Lösung des arabisch-israelischen Konflikts auf dem Verhandlungswege zu helfen, die die Sicherheit
Israels aufrechterhält und die Souveränität, territoriale Integrität und
die Unabhängigkeit aller Staaten in dieser Region respektiert - und wir werden
dies auch weiterhin tun.
Die Lösung des arabisch-israelischen Konflikts hat seit langem eine
erste Stelle unter unseren nationalen Zielsetzungen inne. Unsere Anstrengungen begannen lang vor der sowjetischen Invasion Afghanistans.

Kein an-

deres außenpolitisches Thema hat - wie Außenminister Vance hier letzte Woche
bemerkte - die Energien und die Aufmerksamkeit Präsident Carters in den letzten drei Jahren mehr beschäftigt.
Wir
- 10 -

�Wir werden auch weiterhin alles in unserer Macht stehende tun, um Israel und Ägypten bei der Vollendung ihrer Friedensaufgabe zu helfen.

Die

Sicherheit Israels ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg dieser
Anstrengung und liegt im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten,

Der Fortschritt zu einem gerechten und dauerhaften Frieden ist entscheidend wichtig, wenn wir einen weiteren Krieg vermeiden wollen, der die Gefahr
einer sowjetischen Intervention erhöhen würde.
Stabilität reicht noch weiter.

Aber die Notwendigkeit der

Wenn das Palästinenser-Problem nicht gelöst

wird, dann stellt es eine Ursache dar, die Unruhe in den arabischen Staaten
und in den Gefühlen der Bevölkerung der islamischen Staaten und der Staaten
der Dritten Welt auslösen kann.

In dieisozialen und politischen Entwicklun-

gen im Mittleren Osten sind Elemente der Palästinenser-Bewegung hineinverwoben und stellen Faktoren dar, die für die weitere künftige Stabilität des
Gebietes mitbestimmend sind.

Gleichzeitig ist es unerläßlich, daß das Pa-

lästinenser-Problem auf eine Weise gelöst wird, die die Sicherheit Israels
gewährleistet, denn ohne eine solche Zusicherung kann es keinen Frieden geben.

Die derzeitigen Verhandlungen wurden in Camp David als ein erster Schritt
zur Lösung der Fragen der West Bank und des Gaza-Streifens vereinbart.

Die

Besuche von Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin werden Gelegenheit
bieten, über den Stand dieser Verhandlungen zu sprechen.

Wir sind uns darüber

im klaren, wie wichtig es ist, auf den bereits erzielten historischen Erfolgen weiter aufzubauen und einen ständigen Fortschritt zu einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten zu erzielen.

Die wirtschaftliche Antwort

Im Golf und auf der Arabischen Halbinsel ist und bleibt es unsere Politik,
die dortigen Regierungen zur Zusammenarbeit im Interesse der Sicherheit und
des kontinuierlichen Wachstums der Region zu ermutigen, und unser Dialog über
wirtschaftliche Fragen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen.

- 11 -

Wir

�Wir haben mit den Regierungen bestimmter Golfländer, vor allem Saudi-Arabien,
eng in kooperativen diplomatischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Hilfsanstrengungen zusammengearbeitet, um die Staaten in der weiteren
Region zu stärken.
Die öl Produzenten in der Golfregion begrüßen unseren Fortschritt zu
einer wirksamen Energiepolitik.

In unseren Konsultationen mit ihnen, einschließ-

lich mehrerer Gespräche auf Kabinettsebene in den letzten sechs Mqnaten, haben
wir Fortschritte in unseren Bemühungen erzielt, das Gefühl für ein gemeinsames
Interesse von Produzenten und Konsumenten an e|inem geordneten Markt zu erwekken.

Dazu gehört eine Zurückhaltung der Verbraucherländer in der Nachfrage

und die Bereitschaft der Erzeuger, gelegentlich mehr öl anzubieten, als es
die Einkommenslage im eigenen Lande erfordern würde.
Dadurch haben bestimmte Erzeuger große finanzielle Überschüsse angehäuft.
Sie haben einen Teil dieser Mittel für die Entwicklungshilfe für andere Länder
eingesetzt, und sie haben sich als internationale Investoren verantwortungsbewußt verhalten. Es ist für unsere Interessen wichtig, daß wir mit diesen
Regierungen noch enger zusammenarbeiten, um ihre verantwortungsbewußte Beteiligung am internationalen Finanzsystem und ihre Zusammenarbeit zum Wohle stabiler Geldmärkte in der Welt und eines geordneten Wachstums der Entwicklungswelt zu stärken. Wir können auf diese Länder zählen, wenn es darum geht, sich
an den Kosten für die Gewährleistung der Sicherheit in dem Gebiet zu beteiligen, wobei wir allerdings nicht vergessen dürfen, daß wir die Last der Sicherheit für ein Gebiet, das von lebenswichtiger Bedeutung für uns ist, nicht anderen aufbürden können.
Die Geschichte der amerikanischen Beziehungen zu Saudi-Arabien und seinen
Nachbarn am Golf ist eine Geschichte des Transfers amerikanischer Technologie.
Wir werden weiterhin sowohl auf regierungsamtlichem Wege wie über den Privatsektör eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, amerikanisches technisches Wissen zu vermitteln, um diesen Ländern bei einer geordneten Entwicklung zu helfen.

Unsere Handelstätigkeit in der Region hat sich in zunehmendem
- 12 -

�zunehmendem Maße nützlich für unsere Wirtschaft entwickelt und hat Bindungen
gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen geschaffen, die unser Gesamtverhältnis zu den Staaten dieser strategisch wichtigen Region festigen.

Wir müssen

als Regierung und als Land weiterhin dazu beitragen, um diesen entscheidend
wichtigen Aspekt unseres Verhältnisses zu der Region zu fördern und zu stärken.

Zusammenfassung

Ich habe, kurz gesagt, dargelegt, wie komplex und wie mit einander zusammenhängend die Faktoren weiterhin sind, um die es bei dem Aufbau eines
kooperativen Sicherheitsrahmens im Gebiet des Persischen Golfes, Südwestaisens und des Indischen Ozeans geht, wenn es gilt, auf die dortigen Herausforderungen der Stabilität und Unabhängigkeit zu antworten.

Angesichts dieser Herausforderung muß unsere Antwort vielseitig sein.
Zu dieser Antwort werden gehören unsere militärische Bereitschaft, größere
Beiträge und Zusammenarbeit der betroffenen Länder der Region und unserer
Verbündeten sowie weitere Beziehungen der aktiven militärischen Versorgung
der Länder des Gebietes.

Weit über das Militärische hinausgehend müssen un-

sere Antworten unseren diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Einfluß nutzen, um die Regierungen der Region sowohl bei der wirtschaftlichen
Entwicklung ihrer eigenen Länder als auch bei der Bewahrung der politischen
Stabilität und der Sicherheit des Gebietes vor direkten Bedrohungen zu unterstützen - die von jenen geschürt oder gefördert werden, die ein Interesse an
der Schaffung von Instabilität haben.

Darüber hinaus müssen wir unsere eigene Wirtschaft festigen, unsere eigenen Bündnisse stärken und unsere eigenen wirtschaftlichen Interessen in der
Region auf eine Weise verfolgen, die es uns erlaubt, den Herausforderungen
unserer allgemeinen Interessen in dem Gebiet zu begegnen.

Die
- 13 -

�Die Hauptelemente der Antwort unserer Regierung auf die sowjetische Herausforderung in der Region stehen oder werden an ihren Platz gestellt.

Aber

der Aufbau und die Aufrechterhaltung dieser Position wird nachhaltige Anstrengungen in Zusammenarbeit mit den Regierungen der Region und mit anderen
Regierungen, die ein starkes Interesse an der Sicherheit der Region haben,
erfordern.

+ + + + +

•

14

�2. April 1980

18

SAWHILL: UMFASSENDES ENERGIEPROGRAMM DER USA
Stellvertretender US-Energieminister vor der Auslandspresse

- (AD) - Das jetzt "angemessen umfassende" Energieprogramm der
Vereinigten Staaten wird auch vom Ausland anerkannt.

Diese Meinung

vertrat John D. Sawhill, stellvertretender Energieminister der USA, bei
einem Gespräch mit Auslandsjournalisten im Pressezentrum des US-Amtes für
Internationale Kommunikation (USICA) in Washington Ende März nach seiner
Rückkehr von einer Tagung der OECD-Länder (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) in Paris. Die europäischen Länder und
Japan würdigten, wie Sawhill erklärte, das sehr gute amerikanische Programm
und die Tatsache, daß die USA aktiv geworden seien.

Jetzt komme es nicht

auf die Einführung von noch mehr Gesetzen, sondern auf die wirksame
Durchsetzung der vorhandenen Bestimmungen an.
Zu den wichtigen neuen Elementen des Energieprogramms Präsident
Carters zählten Sawhill zufolge die Benzinsparabgabe in Höhe von 10 Cents
pro Gallone (2,6 Cents pro Liter), das vom US-Kongreß am 27. März 1980
verabschiedete Gesetz zur Abschöpfung der Situationsgewinne aus der
Förderung von einheimischem Rohöl (die Abgaben der Mineralölindustrie a_n

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�an den Staat steigen dadurch in den nächsten 10 Jahren um 227 Milliarden
Dollar), ferner ein 88-Millionen-Dollar-Programm für die Herstellung von
Synthesebrennstoffen, die Umstellung von öl- auf Kohlefeuerung bei
Elektrizitätswerken und das vorgesehene Energie-Mobilisierungsamt, das
die Realisierung vordringlicher Energieprojekte beschleunigen soll.
Diese Initiativen sollen zusammen mit früheren Maßnahmen auf dem
Energiesektor die ölimporte der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1990
um 50 Prozent (bzw. etwa vier Millionen Faß - mehr als 570 000 Tonnen pro Tag) verringern.

Mit der Benzinsparabgabe wird angestrebt, den

Benzinverbrauch bis Ende dieses Jahres um eine Menge einzuschränken, die
100 000 Faß öl pro Tag (ca. 14 300 Tonnen) entspricht.

Auf der OECD-

Tagung habe die Meinung vorgeherrscht, daß man es beim Erdöl mit einem
"labilen" Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu tun habe, die
Möglichkeit für weitere Versorgungsschwierigkeiten groß und die Energiesituation bestenfalls als dürftig zu bezeichnen sei.
Von der Ministerkonferenz der Internationalen Energieagentur (IEA)
am 21./22. Mai erwartet Sawhill ein "Initiativen-Paket", das die 20 Mitgliedstaaten in die Lage versetzt, enger als zuvor zusammenzuarbeiten.
Es sei wichtig, Ziele abzustecken und Sollzahlen für die Verringerung
der ölimporte festzusetzen. "Ich halte es für ebenso bedeutsam", erklärte
er, "und ich hebe 'ebenso bedeutsam' hervor, daß wir in jedem Lande positive
Maßnahmen zur Erlangung dieser Ziele und Sollzahlen einführen... Zielsetzungen können in Situationen nützlich sein, in denen es für kurze Zeit
ein starkes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gibt", meinte
Sawhill. Ein Versorgungsengpaß führe leicht zu "sehr schwerwiegenden
Preis-Auswirkungen, die das Funktionieren unserer Wirtschaft stark beeinflussen. Mittel- und langfristig gesehen müssen wir uns jedoch auf die
Marktkräfte verlassen... und ich glaube, daß sich die IEA-Länder generell
über diese Prinzipien einig sind."
Sawhill
_____

- 2 -

�Sawhill setzte sich für eine "wirksamere und sinnvollere Kommunikation
mit den erdölexportierenden Ländern ein. Als sich im vergangenen Jahr eine
angespannte Versorgungslage entwickelte, "drängten sich die Verbraucherländer zum öl und trieben den Preis hoch", führte Sawhill aus.

"Wir

können den OPEC-Ländern (Organisation der erdölexportierenden Länder)
wirklich nicht zum Vorwurf machen, daß sie den steigenden Spot-Markt-Preisen
mit den vertraglich festgesetzten Preisen gefolgt sind".
Auf die Frage, wie er auf Kritik aus dem Ausland reagieren würde,
daß die Vereinigten Staaten "viel zu wenig zu spät tun", um durch Erhöhung
der Energiepreise die Nachfrage zu drosseln, erklärte John Sawhill: "Dem
hielte ich entgegen, daß im vergangenen Jahr der Energieverbrauch der
Vereinigten Staaten zurückgegangen ist. In den meisten anderen OECDLändern stieg er an. Per Saldo haben die Vereinigten Staaten während
der letzten ein oder zwei Jahre mehr Energie eingespart als die anderen
Industrieländer, was aber nicht für einen weiter zurückreichenden Vergleichszeiträum gilt." Sawhill äußerte sich überzeugt davon, daß mit der
Aufwärtsbewegung der Preise bis zur Höhe der tatsächlichen Kosten der
Ersatzbeschaffung und der Einführung der Benzinsparabgabe - die schließlich
beide weiter erhöht werden können, wenn sich dies als erforderlich erweisen
sollte - die Vereinigten Staaten "ein Programm in Gang gesetzt haben, das
den Wirkungsgrad, mit dem wir Energie nutzen, merklich verbessern wird".
Sawhill wies darauf hin, daß vor kurzem bei der Ankündigung des AntiInflations-Programms durch Präsident Carter von mancher Seite gefordert
worden sei, die Aufhebung der Rohölpreisbindung zu verlangsamen oder ganz
zu stoppen. Die Regierung habe jedoch entschieden, die Aufhebung der
Preisbindung im vorgesehenen Tempo weiterzuführen, so daß ab Oktober 1981
mit den Weltmarktpreisen gleichgezogen werde.

Internationaler

�- Internationaler Konsens über Nutzung der Atomenergie Vor dem Hintergrund der allgemeinen Energiesituation werde, wie
Sawhill weiter erklärte, die friedliche Nutzung der Kernenergie in zunehmendem Maße weltweit als akzeptable Möglichkeit zur Deckung des steigenden
Bedarfs betrachtet.

Das pro-nukleare Wahlergebnis in Schweden und Äußerungen

von Politikern in anderen Ländern zeigten "einen wachsenden Konsens... den
wir in der industrialisierten Welt brauche, um unsere Nuklearprogramme
auszubauen".

Die Regierung Carter nehme eine positive Haltung zum weiteren

Ausbau der Kernenergie als eine der Alternativen zur Einsparung von ImportÖl ein.
Die Vereinigten Staaten erzeugen gegenwärtig Atomstrom in einem
Umfang, der etwa 1,3 Millionen Faß ül (knapp 186 000 Tonnen) pro Tag
entspricht; bis 1985 dürfte sich laut Sawhill diese Menge mehr als verdoppelt
haben.

Ähnliche Steigerungen seien auch in den übrigen Ländern der OECD

vorgesehen.
Die drei Hauptprobleme, die in den Vereinigten Staaten den Ausbau
der Kernenergie verzögerten - Sicherheit, Entsorgung und das Risiko einer
Weiterverbreitung von Kernwaffen (Proliferation) - werden, wie Sawhill
erklärte, von der US-Regierung wirksam angegangen. "Wir haben aus den
Erfahrungen von Three Mile Island gelernt. Wir entwickeln jetzt bessere
Ausbildungsverfahren für das technische Personal von Atomkraftwerken.
Vielleicht setzen wir Bundesinspektoren in solchen Anlagen ein. Mit
Sicherheit werden bessere Evakuierungsmaßnahmen für den Notfall entwickelt.
Und auf Grund dieser Schritte wird, so meine ich, auch die Bevölkerung
mehr Vertrauen zur Sicherheit auf dem Nuklearsektor bekommen."
Auf den scheinbaren Widerspruch zwischen der Unterstützung der Kernenergie durch Präsident Carter und die von der Regierung vorgeschlagene
Verringerung der Etatmittel für den Ausbau der Kernkraft im Haushalts-

�Haushaltsjahr 1981 angesprochen, erklärte Sawhill: "Das Regierungsbudget
bestimmt nicht den Umfang, in dem unser Nuklearprogramm ausgebaut wird...
Die Regierung baut keine Atomkraftwerke.

Sie werden bei uns von der

Privatwirtschaft gebaut. Woran Sie sich orientieren müssen, ist das
Tempo, in dem Versorgungsunternehmen Atomkraftwerke in Auftrag geben und
bauen, und das Ausmaß, in dem neue Anlagen und Standorte genehmigt werden.
Und ich meine, dies wird in den nächsten Jahren zunehmen."
In dem Gespräch mit der Auslandspresse, ging Sawhill auf eine Anzahl
weiterer wichtiger Punkte ein. So müßten z.B. die Industrieländer den
ärmeren, nicht der OPEC angehörenden Ländern helfen, ihre einheimischen
Energiequellen zu entwickeln und mit den schwerwiegenden finanziellen
Problemen fertig zu werden, die sich aus den rapide steigenden Energiepreisen ergeben. Venezuela werde von den Vereinigten Staaten ermutigt,
seine Schweröl Produktion zu erweitern; die eigene Raffinerie-Kapazität
zur Verarbeitung von Schweröl soll ausgebaut werden. Auf mögliche Importrestriktionen für Autos angesprochen, erklärte Sawhill, ihm würde es
"widerstreben", die Einfuhr kleiner, wirtschaftlicher Autos aus Europa
und Japan zu beschränken, weil sie viel zu den Bemühungen der USA, Energie
zu sparen, beitragen.

+ + + + +

- 5 -

�2. April 1980

18

NAHRUNGSMITTEL ODER KRAFTSTOFFE?
Nachwachsende Energiequellen können Entscheidungszwang für
die Landwirtschaft bedeuten

- (AD) - Die immer größerem Anstrengungen in den Vereinigten Staaten
und in einer Reihe anderer Länder, Kraftstoffe aus Produkten der Landwirtschaft
herzustellen, machen es wahrscheinlich, daß "der ülpreis bald den Preis von
Nahrungsmitteln bestimmt". Diese Meinung vertritt Dr. Lester Brown, der Präsident des "Worldwatch Institute" in Washington. Dieses ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die sich mit der Untersuchung internationaler
Probleme befaßt.
In seiner kürzlich veröffentlichten Studie: "Nahrungsmittel oder Kraftstoffe: Neuer Wettlauf um die Anbaufläche der Erde" stellt Brown die These
auf, daß bei wachsender Inanspruchnahme von Alkohol aus landwirtschaftlichen
Produkten als Kraftstoff die Bauern die Wahl haben werden, entweder Nahrungsmittel oder Rohmaterial für Treibstoffe zu produzieren. Sie dürften sich,
wie Brown erklärt, für das entscheiden, was mehr einbringt.
Angesichts

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�Angesichts des ständig steigenden ölpreises sei kaum zu bezweifeln, daß
es schon in Kürze gewinnbringender sei, für Biosprit zu produzieren.

Eine

direkte Konkurrenz zwischen der wohlhabenden Minderheit, d.h. den Autofahrern,
und den Ärmsten der Menschheit sei bereits vorgezeichnet.

Letztere kämpfen

schon jetzt hart darum, sich die notwendigsten Nahrungsmittel zum überleben
zu beschaffen.
Alkohol läßt sich aus einer Vielzahl pflanzlicher Stoffe herstellen, u.a.
aus Zuckerrohr, Wurzeln wie Lavasse und den wichtigsten Getreidearten, vor
allem aus Mais und Weizen.

Brasilien z.B. verwendet Zuckerrohr für die Gewin-

nung von Äthanol, das mit Benzin vermischt den Kraftstoff Gasohol ergibt.
In den Vereinigten Staaten verwendet man für den gleichen Zweck Mais, in
Australien Weizen.
Dabei handelt es sich keineswegs um ein neues Rezept für Benzinersatz.
Die Verwendung von Äthanol geht in Brasilien bis Anfang der zwanziger Jahre
zurück, als die Regierung die Beimischung von fünf Prozent Äthylalkohol zu
Benzin forderte, um auf diese Weise der Zuckerindustrie zu helfen.

Im Zweiten

Weltkrieg produzierte das Land 150 Millionen Liter Äthylalkohol als Kraftstoffersatz.

In der Nachkriegszeit wollte man vom Alkohol zunächst nicht

mehr viel wissen.
im Jahr 1973.

Das änderte sich jedoch schlagartig mit dem ölpreisanstieg

In jenem Jahr schnellte in Brasilien die Äthanol Produktion

auf 665 Millionen Liter hoch, 1978 waren es bereits 2,5 Milliarden Liter, und
1985 dürfte die 10-Milliarden-Grenze schon weit überschritten werden.

Gegen-

wärtig ist eine Beimischung von 20 Prozent Äthanol zu Benzin vorgeschrieben.
Es kommen jedoch bereits Autos vom Fließband, die mit unvermischtem Äthylalkohol fahren - und von diesen werden 250 000 in den kommenden Jahren gebaut.
Die Kosten der Äthanol Produktion stellen allerdings noch ein erhebliches
Problem dar.

Die Verfahren haben sich in den vergangenen 50 Jahren kaum ge-

ändert, und Äthylkraftstoff ist teurer als Benzin.

Aber die Regierung will

erreichen, daß bis 1985 auf 27,8 Millionen Liter Benzin pro Tag verzichtet
werden kann.

Die Kosten des Programms, das allerdings nicht von dem Zwang zum

�zum Import von Erdöl im Umfang von 85 Prozent der erforderlichen Gesamtmenge
befreit, wird auf fünf Milliarden Dollar geschätzt.

Es gibt beispielsweise

noch keinen Ersatz für Dieselöl, das in Brasilien eine wichtige Energiequelle
darstellt.

Wissenschaftler sondieren gegenwärtig Möglichkeiten für eine um-

fangreichere Verwendung von Kohle, den beschleunigten Einsatz von Atomkraft
und die Gewinnung von Alkohol aus Holz und Müll.

Brown hebt hervor, daß Länder wie die Vereinigten Staaten, Australien
und andere Getreideexportländer in der Äthanol Produktion einen Weg sehen, ihre
Abhängigkeit von Importöl zu verringern.

Selbst ein Industrieland wie Öster-

reich, das seinen Überschußweizen nach Polen exportiert, erwäge jetzt eine
Umstellung auf Äthanol Produktion, damit ölimporte verringert werden könnten.
Pläne solcher Art kämen zu einer Zeit, in der die Anstrengungen um eine Steigerung der Nahrungsmittelversorgung der Armen dieser Welt nachgelassen haben.
Aber auch "ohne die Konkurrenz von Energiepflanzen wird sich die Welt sehr anstrengungen müssen, um im kommenden Jahrzehnt ein Absinken der Pro-Kopf-Produktion von Nahrungsmitteln zu vermeiden", meint Brown.

Dennoch wäre der Studie Browns zufolge ein Kompromiß denkbar:

Ein sorg-

fältig geplantes Produktionsprogramm für Alkoholtreibstoffe könnte sogar die
Nahrungsmittel Produktion fördern.

Die Landwirtschaft sollte, sobald die öl-

vorräte zu schwinden beginnen, als erste in die Lage versetzt werden, Fahrzeuge und Maschinen wie z.B. Bewässerungspumpen mit Äthanol zu betreiben und
auf diese Weise dazu beitragen, daß die Produktion von Nahrungsmitteln sichergestellt wird.

Außerdem könnte eine Industrie, die aus landwirtschaftlichen

Abfällen, Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie und zellulosehaltigem Material wie Maisstroh Alkoholtreibstoffe herstellt, sich einen wichtigen Platz
in der Energie-Wirtschaft sichern.

Nun komme es darauf an, so Lester Brown,

daß es den Regierungen gelingt, zur Produktion von Alkoholkraftstoffen zu ermutigen, ohne damit unbeabsichtigt einer Industrie den Boden zu bereiten, die
die Nahrungsmittel Produktion beeinträchtigen würde.

+ + + + +

- 3-

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2. April 1992

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GUS-HILFE

BUSH BITTET KONGRESS UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR GUS-HILFSPROGRAMM DER G-7
Rede von Präsident Bush

DAS GESETZ ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
VON 1992
Eine Übersicht des Weißen Hauses

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
2. April 1992

BUSH BITTET KONGRESS UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR GUS-HILFSPROGRAMM DER G-7
Rede von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat beide Häuser des Kongresses um ihre Unterstützung für ein von den
wichtigsten Industrieländern geschnürtes ehrgeiziges neues Paket internationaler Hilfe gebeten, mit dem
Demokratie und Wirtschaftsreformen in der GUS gefördert werden sollen.
Bei einer Rede vorder Presse im Weißen Haus kündigte Bush am 1. April einen 24-Milliarden-Dollar-Plan der
Gruppe der wichtigsten Industrieländer (G-7) an, im Rahmen dessen 1992 zur Förderung wirtschaftlicher
Reformen 18 Milliarden Dollar bereitgestellt werden plus 6 Milliarden Dollar zur Stabilisierung des Rubel. Zur
Gruppe der Sieben zählen neben den Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan und Kanada.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas länger
ist als üblich. Soeben bin ich mit den führenden
Politikern des Kongresses zusammengetroffen, um
die Unterstützung beider Parteien für ein neues, umfassendes und integriertes Programm zu erbitten, das
den Freiheitskampf in Rußland, der Ukraine und den
anderen neuen unabhängigen Staaten fördern soll, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind.
Die Revolution in diesen Staaten kommt an einem
Wendepunkt der Geschichte und hat begreifende Auswirkungen auf Amerikas nationale Interessen. Es
steht genausoviel auf dem Spiel wie zu anderen Zeitpunkten dieses Jahrhunderts. Unser Gegner der
letzten 45 Jahre, das Land, das eine weltweite Bedrohung für Frieden und Freiheit darstellte, ist nunmehr
bestrebt, der demokratischen Staatengemeinschaft
beizutreten.
Ein Sieg der Freiheit und Demokratie in der ehemaligen Sowjetunion bietet die Chance für ein«» neue Welt
des Friedens für unsere Kinder und Enkel. Aber wenn
diese demokratische Revolution niedergeschlagen wird,
könnten wir in eine Welt zurückfallen, die in mancher
Hinsicht gefährlicher wäre als die finsteren Jahre des
kalten Krieges.
Amerika muß sich dieser Herausforderung gemeinsam mit denen stellen, die uns im Kampf gegen den
imperialen Kommunismus beistanden - die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Japan, Frank-

reich, Kanada, Italien und andere. Gemeinsam haben
wir den kalten Krieg gewonnen, und heute müssen wir
den Frieden gewinnen.
Diese Anstrengung wird neue Ressourcen von den
demokratischen Industrieländern fordern. Aber das ist
nichts gegen den Preis, den wir zahlen müßten, wenn
Demokratie und Reform in Rußland und der Ukraine,
in Weißrußland, Armenien und den Ländern Zentralasiens scheitern würden. Dies erfordert das Engagement eines vereinigten Amerikas, das von einem
Konsens gestärkt ist, der sogar den erhitzten Parteienstreit eines Präsidentschaftswahlkampfes überlagert.
Heute fordere ich den Kongreß - Republikaner und
Demokraten gleichermaßen - sowie das amerikanische Volk auf, sich hinter diese gemeinsame Anstrengung zu stellen.
Unsere nationale Anstrengung muß Teil einer weltweiten Aktion sein. Ich habe mit Bundeskanzler Kohl,
Premierminister Major, Präsident Mitterrand und anderen wichtigen Verbündeten Kontakt aufgenommen,
um unsere Pläne zu erörtern und ihnen die hohe
Priorität zu versichern, die ich dem Erfolg dieses
Unternehmens beimesse. Im Hinblick darauf möchte
ich heute einen Plan ankündigen, der Demokratie in
den Staaten der früheren Sowjetunion fördern soll.
Dies ist ein komplexer Themenkreis, an dem monatelang gearbeitet wurde - innerhalb der Regierung,

Seite 1

�gemeinsam mit unseren wichtigsten Verbündeten und
mit den Spitzenpolitikern der neuen unabhängigen
Länder der ehemaligen Sowjetunion. Dabei mußten
eine Reihe von Dingen zusammenkommen, um zu
gewährleisten, daß wir es richtig machen.
Dazu möchte ich Ihnen etwas Geschichte liefern. Ich
hatte Außenminister Baker gebeten, unseren grundlegenden Ansatz in seiner Rede am 12. Dezember in
Princeton darzulegen. Ich habe dann in meiner Rede
am 22. Januar bei der Washingtoner Konferenz zur
Koordinierung humanitärer Hilfe über die Notwendigkeit gesprochen, sich um Rußland und die anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken zu kümmern.
Am 1. Februar habe ich diese Themen gemeinsam mit
Boris Jelzin in Camp David erörtert. Am selben Tag
traf Außenminister Baker Jelzins wichtigsten Wirtschaftsberater, IgorGaidar, um zu besprechen, wie wir
die Reformen in Rußland fördern könnten.
Eine Woche später kam Jim Baker bei seinem Treffen
mit Außenminister Kosyrew und Boris Jelzin in Moskau darauf zurück. Erst gestern hat der IWF mit
Rußland eine vorläufige Vereinbarung über sein Marktreformprogramm geschlossen. Nach Wochen intensiver Konsultationen in der G-7 hat Bundeskanzler Kohl
- der gegenwärtig den Vorsitz in der G-7 führt - die
Unterstützung dieser Gruppe für ein Rußland-Programm des IWF zugesichert.
Das von mir heute verkündete Programm baut auf
diesem Fortschritt auf und umfaßt drei wichtige Komponenten: Erstens haben die Vereinigten Staaten
gemeinsam mit ihren westlichen Verbündeten und den
internationalen Finanzinstitutionen an einem beispiellosen multilateralen Programm gearbeitet, um Reformen in den neuen unabhängigen Staaten zu unterstützen. Der Erfolg dieses Programms wird von ihrem
Engagement für Reformen und ihrer Bereitschaft
abhängen, mit der internationalen Staatengemeinschaft
zusammenzuarbeiten.
Rußland demonstriert dieses Engagement. Ich verkünde heute, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
sich an dem umfangreichen Paket multilateraler Finanzhilfe zu beteiligen, um Rußlands Reformen zu
fördern. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Verbündeten und dem IWF an der Entwicklung eines Währungsstabilisierungsfonds im Umfang von 6 Milliarden
Dollar, um das Vertrauen in den Rubel zu erhalten.
Darüber hinaus werden sich die Vereinigten Staaten
an multilateralen Bestrebungen beteiligen, 1992 etwa
18 Milliarden Dollar Finanzhilfe aufzubringen, um russische Bestrebungen zur Stabilisierung und Umstrukturierung der Wirtschaft zu fördern. Seit drei Monaten
arbeiten wir gemeinsam mit der russischen Regierung
an der Entwicklung eines Wirtschaftsreformplans, der
den wichtigsten Industrieländern die Gewährung von
Hilfe gestattet.

Seite 2

Wir arbeiten daran, bis Ende April alle Maßnahmen zu
diesem Paket im Umfang von 24 Milliarden Dollar
abzuschließen. Ich sichere in diesem Zusammenhang
die volle Kooperation der Vereinigten Staaten zu.
Zweitens werden die Vereinigten Staaten handeln, um
ihre eigene Kapazität für Hilfe an die neuen Staaten
auszubauen. Ich lege dem Kongreß einen umfangreichen Gesetzentwurf, das Gesetz zur Förderung der
Freiheit (Freedom Support Act) vor, um die Exekutive,
den Kongreß und darüber hinaus den Privatsektor für
ein umfassendes und integriertes Paket zur Förderung
der neuen Staaten zu mobilisieren.
Dieses Paket bewilligt eine Erhöhung der US-Quote
beim IWF von 12 Milliarden Dollar, die zur Förderung
Rußlands und der anderen neuen Staaten entscheidend ist. IWF und Weltbank werden die primäre
Finanzquelle für den Hilfebedarf der neuen Regierungen sein. Die Erhöhung der US-Quote beim IWF
wurde in der Haushaltsvereinbarung ausdrücklich
vorausgesetzt und verursacht keine zusätzlichen
Haushaltsausgaben.
Unterstützen Sie meine gegenwärtige Ermächtigung,
mit der G-7 und dem IWF zusammenzuarbeiten, um
das Stabilisierungsprogramm für Rußland zusammenzustellen und potentielle künftige Programme für andere
Staaten der früheren Sowjetunion zu fördern, die wichtige Reformen durchführen, einschließlich bis zu 3
Milliarden Dollar für Stabilisierungsfonds.
Damit würde auch die Gesetzgebung des kalten Kriegs
außer Kraft gesetzt, so daß die amerikanische Wirtschaft auf diesen neuen Märkten gleichrangig konkurrieren kann. Ich bin entschlossen, daß die amerikanische Wirtschaft die Chance erhalten soll, in den neuen
Staaten zu investieren und mit ihnen Handel zu treiben. Im Hinblick drauf habe ich verfügt, daß die
Vereinigten Staaten mit diesen Ländern so schnell wie
möglich Verträge über Handel und bilaterale Investitionen sowie Besteuerung schließen. Wichtige neue
Handelsbeziehungen können auch Arbeitsplätze in
diesem Land schaffen.
Das Paket wird den Einsatz der 500 Millionen Dollar
erweitem, die der Kongreß im vergangenen Jahr bewilligt
hat, um nicht nur die sichere Zerstörung von Nuklearwaffen herbeizufüren, sondern auch die allgemeineren
Ziele der Sicherheit von Atomreaktoren, Entmilitarisierung und Umwandlung der Rüstungsindustrie zu verwirklichen. Darüber hinaus wird ein Programm persönlicher Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten
und den Ländern der früheren Sowjetunion ins Leben
gerufen, um die Art dauerhafter persönlicher Beziehungen zwischen unseren Völkern und in Rußland das
Verständnis für demokratische Institutionen zu schaffen, wie sie für kontinuierlichen Frieden entscheidend
sind.

�Diese Bestrebungen werden unsere bestehenden
Programme vervollständigen und Hunderte von Geschäftsleuten aus der Staatengemeinschaft in die
Vereinigten Staaten führen sowie Hunderte von Mitarbeitern des Peace Corps in die neuen Staaten bringen.
Ich übergebe dieses Bewilligungsgesetz dem Kongreß und fordere ihn auf, in diesem Sinne zu handeln,
um den erforderlichen Ausgaben zuzustimmen, mit
denen dieses Gesetz in die Tat umgesetzt werden
kann.
Drittens kündige ich zusätzlich zu den 3,75 Milliarden
Dollar, die die Vereinigten Staaten seit Januar 1991
gewährt haben, heute 1,1 Milliarden Dollar an neuen
CCC-Kreditbürgschaften für den Erwerb amerikanischer Agrarprodukte an. Sechshundert Millionen davon
werden für US-Verkäufe an Rußland aufgewendet und
zusätzlich 500 Millionen für US-Verkäufe an die Ukraine und andere Staaten.
Ich möchte mit einem persönlichen Wort schließen.
Jeden Tag denke ich an die Herausforderung, dem
amerikanischen Volk eine friedliche Zukunft zu sichern. Ich glaube felsenfest, daß Präsident Jelzins
Reformprogramm jetzt für das russische Volk und die
Sicherheit des amerikanischen Volkes die größte
Hoffnung bietet, da wir die neuen Beziehungen zu
diesem großen Land definieren.
Präsident Jelzin hat sehr mutige Schritte zu Demokratie und freien Märkten unternommen. Ich bin davon
überzeigt, daß es in unserem nationalen Interesse
liegt, ihn dabei voll und ganz zu unterstützen.
*

Über 45 Jahre lang bestand die größte Verantwortung
von neun amerikanischen Präsidenten - Republikanern wie Demokraten - darin, den kalten Krieg zu
führen und zu gewinnen. Ich hatte das Privileg, mit
Ronald Reagan an diesen breitgefächerten Programmen zusammenzuarbeiten und jetzt das amerikanische Volk zu führen, um den Frieden zu gewinnen,
indem wir die soeben erst von der Tyrannei befreiten
Menschen empfangen und sie in der Gemeinschaft
demokratischer Staaten begrüßen.
Ich weiß, daß es Stimmen gibt, die fordern, wir sollten
uns zurückziehen, unsere Energie, unser Interesse
und unsere Ressourcen auf unsere vordringlichen
nationalen Probleme konzentrieren. Sie sind in derTat
sehr wichtig. Aber ich würde sie bitten, sich die
Konsequenzen hier in Amerika vor Augen zu führen,
wenn auf der ganzen Welt Frieden herrscht. Wir
müssen jetzt handeln. Wenn wir uns abwenden und
nicht alles in unserer Macht Stehende tun, damit
Demokratie in den Länder der alten Sowjetunion Fuß
fassen kann, werden wir für unser Versagen einen
hohen Preis zahlen müssen. Wenn wir der Herausforderung gerecht werden und den gleichen Mut haben
wie Präsident Jelzin, der ukrainische Präsident Krawtschuk, der armenische Präsident Ter-Petrosian, werden es uns viele künftige Generationen von Amerikanern danken, daß wir den Weitblick hatten, für Demokratie einzustehen und am Frieden in diesem Jahrzehnt und bis ins nächste Jahrhundert zu arbeiten.

*

Seite 3

�GUS-HILFE
2. April 1992

DAS GESETZ ZUR FORDERUNG
DER FREIHEIT VON 1992
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 1. April 1992 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu den Bestimmungen des Gesetzes zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) von
1992, das einen Rahmen für die amerikanische Hilfe an die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion bereitstellt.
I. Eine einmalige Chance zur Konsolidierung der
Freiheit
Der Zusammenbruch der Sowjetunion bietet den Vereinigten Staaten eine einmalige Chance dazu beizutragen, daß die Freiheit auf dem Boden Rußlands und
Eurasiens Wurzeln schlägt und gedeiht.
Der Erfolg von Demokratie und offenen Märkten
dort wird unmittelbar unserer nationalen Sicherheit zugutekommen.
Mehr Freiheit wird Wirtschafts- und Investitionsmöglichkeiten für Amerikaner schaffen und die
Chancen für Freundschaft zwischen unseren
Völkern vervielfachen.
Ebenso wie Demokraten und Republikaner im
kalten Krieg zusammenstanden, um für die
Freiheit zu kämpfen, müssen wir jetzt vereint
dafür wirken, den Frieden zu gewinnen.
II. Bereitstellung des Instrumentariums für eine
sicherere Weltordnung nach dem kalten Krieg
Das "Gesetz zur Förderung der Freiheit von 1992"
liefert einen flexiblen Rahmen, um die sich rasch
verändernden und unvorhersehbaren Ereignisse konstruktiv zu beeinflussen, die Rußland und Eurasien
umgestalten. Das Gesetz wird
Exekutive, Kongreß und Privatwirtschaft mobilisieren, um Demokratie und freie Märkte in
Rußland und Eurasien zu unterstützen;
unsere Bemühungen umfassend integrieren und
so gestalten, daß durch den Zusammenbruch
der Sowjetunion geschaffene militärische, politische und wirtschaftliche Möglichkeiten genutzt

und die Verantwortung mit anderen Mitgliedern
der internationalen Staatengemeinschaft geteilt
werden;
die Beschränkungen des kalten Kriegs aufheben, die immer noch die Regierung bei der Bereitstellung von Hilfe lähmen und die amerikanische Wirtschaft dabei behindern, Handel und
Investitionen mit den neuen unabhängigen
Staaten zu entwickeln.

III. Der umfassende und integrierte Plan hat 10
Hauptkomponenten
1. Das Gesetz erweitert die Befugnisse für die Bereitstellung humanitärer Hilfe, um zu gewährleisten, daß
der Grundbedarf gedeckt wird.
In Zusammenarbeit mit anderen Gebern werden die Vereinigten Staaten weiterhin Nahrungsmittel und medizinische Hilfe zur Verfügung
stellen, um die Gefahr humanitärer Notlagen
und von Instabilität zu verringern.
2. Das Gesetz fördert die nukleare Sicherheit und
Demilitarisierung, um nukleare Unfälle und die Verbreitung von Kernwaffen zu vermeiden.
Das Gesetz würde den zulässigen Einsatz der
500 Millionen Dollar erweitern, die im vergangenen Herbst für das Verteidigungsministerium
bewilligt wurden und eine Ermächtigung geben,
um die Bemühungen für Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Zerstörung
von Kernwaffen, die Bewältigung des Problems
der Abwanderung von Wissenschaftlern und
Technikern, die Verlegung der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte sowie Reaktorsicherheit
zu unterstützen.

Seite 1

�3. Das Gesetz erweitert die Hilfsmöglichkeiten für den
Aufbau freier Märkte.
Diese Programme gründen sich auf die Bemühungen der Völker in den neuen Staaten, sich
durch Privatisierung und marktorientierte Volkswirtschaften selbst zu helfen. Das Gesetz würde
die Programme im Rahmen des Gesetzes zur
Unterstützung der Demokratie in Osteuropa
(Support for East European Democracy - SEED)
auf die ehemalige Sowjetunion ausdehnen.
4. Das Gesetz verstärkt die Unterstützung demokratischer Institutionen.

9. Das Gesetz unterstützt eine amerikanische Führungsrolle beim Stabilisierungsfonds.
Das Gesetz unterstützt die bestehende Befugnis des Präsidenten, eine führende Rolle bei der
Organisierung und Unterstützung multilateraler
Bemühungen zur makroökonomischen Stabilisierung zu übernehmen. Das Gesetz entspricht
dem Sinne nach der im Kongreß verabschiedeten Hilfe von bis zu 3 Milliarden Dollar für die
amerikanische Unterstützung des internationalen Währungsstabilisierungsfonds, wenn diese
Staaten die notwendigen Reformen einleiten.

10. Das Gesetz erweitert die amerikanische Präsenz
Dieser Vorschlag hilft uns, Programme wie etwa und verstärkt die Kontakte zwischen den Bürgern.
"Amerika Häuser" zu erweitem, um Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit zu fördern.
Das Gesetz würde sowohl die Beziehungen
zwischen den Regierungen als auch die Arbeit
5. Das Gesetz verbessert den Zugang zu Krediten für
von Organisationen wie dem Peace Corps, dem
den Ankauf amerikanischer Nahrungsmittel.
Bürgerkorps Demokratie und anderen Gruppen
erleichtern,
um Kontakte zwischen den Bürgern
Das Gesetz ermutigt zur Fortsetzung amerikazu
fördern.
nischer Nahrungsmittelexporte in die neuen
Staaten, indem deren Engagement für Wirtschaftsreformen bei der Bestimmung ihrer Kreditwürdigkeit für CCC-Bürgschaften berücksichtigt wird.
6. Das Gesetz stimuliert Handel und Investitionen
durch Beseitigung der Beschränkungen des kalten
Krieges.
Das Gesetz würde den Präsidenten in die Lage
versetzen, durch den kalten Krieg verursachte
Beschränkungen aufzuheben, mit denen Maßnahmen von EXIM-Bank und OPIC zur Unterstützung amerikanischer Firmen behindert
werden, die versuchen, in den neuen Staaten
geschäftlich aktiv zu werden.
7. Das Gesetz unterstützt die Entwicklung des Privatsektors.

IV. Bewilligungen und Ermächtigungen
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist keinerlei Ermächtigung erforderlich, um den Rahmen für die umfassende
und integrierte Organisierung unserer Bemühungen in
die Wege zu leiten.
Im Hinblick auf Bewilligungen
existiert bereits ein Antrag von 620 Millionen
Dollar, dem der Kongreß noch zustimmen muß,
besteht darüber hinaus ein weiterer Bewilligungsantrag über 12 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigung für die Quotenerhöhung des IWF,
die keine zusätzlichen Ausgaben erfordert und
das Haushaltsdefizit oder das Haushaltssicherungsgesetz nicht betrifft.

Eine Umschichtung der Ausgabeermächtigungen wird
Das Gesetz fördert amerikanische Investitionen uns ferner erlauben, bestehende Kreditprogramme,
und Handel sowie lokale Untemehmensgrün- EXIM und OPIC anzuzapfen und damit die bestehendungen durch Unternehmensfonds, Program- den Quellen besser auszunutzen.
me für kleine und mittlere Unternehmen sowie
Fortbildungsmaßnahmen für wirtschaftliche Bis zur vollen Nutzung bestehender Programme und
Führungskräfte. Darüber hinaus unterstützt es bis uns eine bessere Schätzung dessen vorliegt, weldie weitere Lockerung der COCOM-Beschrän- che zusätzlichen Mittel gegebenenfalls benötigt wer•den, ist es verfrüht, über zusätzliche Bewilligungen zu
kungen.
diskutieren.
8. Das Gesetz legt Bedingungen für amerikanische
Pläne für Stabilisierungsfonds für andere GUSFinanzbeiträge durch den IWF fest.
Staaten
Eine Quotenerhöhung des IWF ist erforderlich,
um Ressourcen zur Unterstützung der Reform- Das Gesetz unterstützt die Befugnis des Präsidenten,
programme in Rußland und den anderen neuen einen Währungsstabilisierungsfonds für andere StaaStaaten bereitzustellen. Der amerikanische ten einzurichten, falls sich diese dafür qualifizieren.
Beitrag zu dieser Aufstockung, die keine zusätz- Der Umfang dieser Fonds wird von mehreren Faktoren
lichen Haushaltsmittel erfordert oder zum Defiabhängen: der Ernsthaftigkeit der Reformproqramme
zit beiträgt, wird durch andere Beiträge ergänzt.
Seite 2

�dieser Staaten, der Verfügbarkeit von IWF-Mitteln und
dem Typ des Stabilisierungsprogramms.
Der neueste Stand der Hilfen für die ehemalige
Sowjetunion
Bis heute haben die Vereinigten Staaten insgesamt
6,33 Milliarden Dollar (für die Haushaltsjahre 1991 93) zugesagt. Sechzig Prozent der Gesamtsumme
wurden bereits ausgezahlt.
CCC-Kreditbürgschaften: Bis zum 30. März 1992
hatten die Vereinigten Staaten über 24 Millionen Tonnen Nahrungsmittel geliefert und zu diesem Zweck
Bürgschaften in Höhe von über 3,5 Milliarden Dollar in
Anspruch genommen.

Nahrungsmittel und medizinische Hilfsgüter transportiert. Lieferungen von Nahrungsmittelhilfe des USLandwirtschaftsministeriums wurden Anfang März nach
Armenien, Moskau, St. Petersburg und dem Ural aufgenommen. 144 Millionen der angekündigten 165
Millionen Dollar wurden bereits zugesagt und bis zum
27. März 1992 für Nahrungsmittel ausgegeben.
Medizinische Hilfe: Als Teil der Initiative des Präsidenten vom Dezember 1990 wurden medizinische Hilfsgüter im Wert von 30 Millionen Dollar in die ehemalige
Sowjetunion geliefert.
Die EXIM-Bank hat 172 Millionen Dollar an Kreditbürgschaften und Versicherungen bewilligt.
Die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat allen Republiken Abkommen vorgeschlagen. Wir werden dieses
Frühjahr mehrere Abkommen unterzeichnen, auch mit
Rußland.

Die letzte CCC-Tranche von 250 Millionen Dollar wird am 1. April 1992 fällig. Die gesamten im
ersten Quartal fälligen 267 Millionen Dollar von
Kreditsumme und Zinsen der CCC wurden fristgerecht ausgezahlt. 1,1 Milliarden Dollar werden mit dem Paket angekündigt.

Das Handels- und Entwicklungsprogramm steht für
wirtschaftliche Aktivitäten in der GUS bereit.

Nahrungsmittelhilfe: Im Rahmen von Aktion Hoffnung
wurden mit 65 Flügen zu 24 Orten 2.200 Tonnen

Technische Hilfe: Ein Programm über 85 Millionen
Dollar wird verwirklicht.

*

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush bittet Kongress um Unterstützung für GUS-Hilfsprogramm der G-7&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gesetz zur Förderung der Freiheit von 1992&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation

I

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Grundlagenforschung als Investition in die Zukunft
- Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften
HINTERGRUNDMATERIAL
Drogenbekämpfung in weitem internationalen Rahmen
- US-Strategie für 1979 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwefeldioxid ist Gift für Flechten
- Pflanzen melden Umweltverschmutzung -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

GRUNDLAGENFORSCHUNG ALS INVESTITION IN DIE ZUKUNFT
Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter nahm in einer Ansprache,

die er am 23. April 1979 vor der Jahrestagung der Nationalen Akademie der
Wissenschaften in Washington gehalten hat, das Gedenkjahr zum 100. Geburtstag Albert Einsteins zum Anlaß, die Bedeutung von Wissenschaft und
Technik und insbesondere der Grundlagenforschung für die Zukunft Amerikas
und der gesamten Menschheit aufzuzeigen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, vor dieser berühmten Vereinigung sprechen
und gemeinsam mit Ihnen an dieser Gedenkfeier aus Anlaß des 100. Geburtstags von Albert Einstein teilnehmen zu dürfen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften war schon zur Zeit der
Geburt Albert Einsteins eine aufstrebende Institution.

Dr. Einstein

wurde 1952 kurz nach Zuerkennung der amerikanischen Staatsbürgerschaft _i_n_

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�»

in diese Akademie gewählt und damit deren neuestes und berühmtestes
Mitglied zugleich.

Seine Einwanderung in die Vereinigten Staaten war

das Ergebnis einer wohlüberlegten Wahl.

In dieser Hinsicht glich er

Tausenden von Wissenschaftlern aus allen Gebieten der Erde, die sich
von diesem Lande und seiner Atmosphäre der Geistesfreiheit, des Abenteuers
und der Aufgeschlossenheit gegenüber der wissenschaftlichen Wahrheitssuche
angezogen fühlten.
Diese Atmosphäre erfüllte das Leben Amerikas von den ersten Anfängen
als Nation an.

Männer wie Benjamin Franklin und Thomas Jefferson, Wissen-

schaftler und Staatsmänner in einem, zählten mit zu den Begründern unserer
nationalen Unabhängigkeit.

Ihr Einfluß ließ die junge amerikanische

Republik zu einem Land werden, in dem wissenschaftliches Streben nicht
nur ermutigte, sondern auch geachtet wurde.

Es ist bezeichnend, daß der

Kongreß und Präsident Lincoln diese Nationale Akademie der Wissenschaften
auf dem Höhepunkt unserer ernstestens nationalen Krise ins Leben gerufen
haben.

Sie bewiesen damit ein tiefes Verständnis der Bedeutung der

Wissenschaften für den Fortbestand der Nation.
Mein eigenes Interesse an den Wissenschaften setzte lange vor dem
Zeitpunkt ein, an dem ich erstmals daran dachte, in die Politik zu gehen.
Meine Tätigkeit als Ingenieur, Marineoffizier, Farmer und Geschäftsmann
lehrte mich verstehen, in welchem Maße Wissenschaft und Technik unser
Leben bereichern. Als Präsident wurde ich mir ihres Beitrages nur um
so deutlicher bewußt und ich arbeite heute entschlossen darauf hin, daß
sie ihren Beitrag auch in Zukunft leisten können. Es läßt sich kaum
etwas mit Sicherheit vorhersagen - aber was auch immer die Zukunft
bringen mag, werden wir besser auf sie vorbereitet sein, wenn wir ein
umfassendes nationales Programm zur Förderung von Wissenschaft und Technik
betreiben. Das ist der Grund dafür, daß ich in dieser Zeit der Beschränkung
der Haushaltausgaben energisch für ein solches Programm eintrete. Wissenschaftliche Arbeiten sind eine der wichtigsten Quellen unseres Wachstums

- 2 -

I

�Wachstums und unserer derzeitigen Prosperität, und sie bilden auch den
Schlüssel unserer Stärke in der Zukunft.

Das alles aber können wir nicht

als selbstverständlich ansehen.
In diesem Jahr der Hundertjahrfeier Albert Einsteins halte ich es
für wohl angebracht, daran zu erinnern, daß der Zukunftsglaube eine seiner
bemerkenswertesten Eigenschaften war.

Nur ein Optimist konnte sich der

unglaublich ehrgeizigen Aufgabe zuwenden, die sich Dr. Einstein selbst
gestellt hatte:

die Erforschung und Erklärung der dem Universum zugrunde

liegenden Ordnung.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen gelang es ihm,

unser Bild von den grundlegenden Realitäten zu verändern - mit Konsequenzen
für das Leben der Menschen und Völker, die noch auf Generationen hinaus
wirksam sein werden.
Sein ganzes Leben spürte Dr. Einstein nicht nur der Ordnung in der
natürlichen Umwelt nach in dem Bemühen, auch die Ordnung in der menschlichen
Welt zu verbessern.

Der Humanist Einstein kann uns ebensoviel lehren wie

der Physiker Einstein.

Er betrachtete die Forschung als ein Gutes an sich.

Er sah aber auch, daß die Nutzanwendung der Forschung nur so gut - oder so
schlecht - ist, wie die moralischen und politischen Entscheidungen, die
diese Nutzanwendung leiten.

Lassen Sie mich Einstein selbst zitieren:

"Die Sorge um den Menschen und sein Schicksal müssen stets das Hauptanliegen
aller technischen Bestrebungen sein - damit uns die Kinder unseres Geistes
zum Segen und nicht zum Fluch gereichen."
Der Baum der Erkenntnis ist immer schön, seine Früchte aber können
ebenso bitter wie süß sein. Unsere Aufgabe ist es, den Baum zu nähren
und jene Früchte zu ernten, die süß sind. Und in diese Aufgabe müssen
wir uns alle teilen: Wissenschaftler, Techniker, Wirtschaftler, Erzieher
und Vertreter des Staates und der Öffentlichkeit.
Ich hoffe, daß Wissenschaft und Technik in den Vereinigten Staaten

�Staaten auch weiterhin von der Einsteinschen Vision vom Wissen geprägt
werden, c.e besagt, daß das gute im Menschen immer im Vordergrund zu stehen hat.
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen kurz einige Ideen und Beobachtungen
vortragen:

zur Grundlagenforschung, zur Strategie der Energietechnologie,

zur industriellen Innovation, zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unter
den Ländern; und zur Rolle der Wissenschaft in dem Bestreben, ihre
schrecklichste Hervorbringung, die Atombombe, unter Kontrolle zu bringen.
Auf allen diesen Gebieten möchte ich Sie um Ihre Mithilfe bei der Mobilisierung unserer wissenschaftlichen Ressourcen im Dienst des amerikanischen
Volkes und der gesamten Menschheit dieser Erde bitten.
Der letzte Präsident, der vor einer Tagung der Nationalen Akademie
der Wissenschaften gesprochen hat, war John F. Kennedy,

über die Grund-

lagenforschung hat er folgendes gesagt: "Wir alle sind uns heute darüber
im klaren, daß der Fortschritt in der Technologie vom Fortschritt in der
Theorie abhängt;

daß äußerst abstrakte Forschungen zu den konkretesten

Ergebnissen führen können;

und daß das Gedeihen der Wissenschaften von

der Leidenschaft der Wissenschaftler abhängt, die grundlegenden wissenschaftlichen Fragen zu beantworten."
Ein Monat nach dem Tag, an dem Präsident Kennedy diese Worte gesprochen hat, wurde er ermordet. Damals begann in unserem Land eine
lange Periode eines politischen Traumas. Dennoch sollten im Bereich
der Wissenschaft und Technik aufregende Jahre folgen - Jahre bahnbrechender
neuer Entdeckungen in der Molekularbiologie, der Teilchenphysik und
auf vielen anderen Gebieten, Jahre auch des technologischen Fortschritts,
wie ihn die triumphale Landung des Menschen auf dem Mond symbolisierte.
Für Wissenschaftler, wie für viele andere, waren es aber auch schwierige
Jahre. Die amerikanische Wissenschaft fand sich bedroht von zwei sehr
unterschiedlichen Arten des Anti-Intellektualismus: vom romantischen
Anti-Rationalismus der Gegenkultur einerseits, und von der verschleierten

�verschleierten Feindseligkeit einer Administration, die der intellektuellen
und wissenschaftlichen Welt mißtraute, andererseits.
ernstere der beiden Bedrohungen.

Letztere war die

Die Bundespolitik gegenüber der Wissen-

schaft war infiziert von der allzu sehr vereinfachenden Suche nach raschen
Lösungen.

Forschungsarbeiten, die eine rasche Amortisation versprachen,

wurden reich

bisher dotiert, während man es zuließ, daß die Förderung der

Grundlagenforschung ins Hintertreffen geriet.

Damit wurde die Zukunft

unseres wissenschaftlichen und technologischen Primats aufs Spiel gesetzt.
Als ich mein Amt übernahm, war ich entschlossen, eine Umkehrung dieses
gefährlichen und kurzsichtigen Trends herbeizuführen.

Und ich versichere

Ihnen heute, daß ich für die Grundlagenforschung eintrete, ist sie doch
der Fels, auf dem sich unsere wissenschaftliche und technologische Zukunft
gründet.
Während der zwei Jahre meiner Administration habe ich eine Erhöhung
der Mittel für die Grundlagenforschung um über 25 Prozent vorgeschlagen.
Ich habe den Kongreß ersucht, dieser Erhöhung zuzustimmen, damit wir den
langfristigen Erfordernissen unseres Landes nachkommen können.
Ich habe ferner versucht, die Grundlagenforschung durch einzelne
Bundesbehörden zu verstärken und die nicht-haushaltbezogenen Probleme zu
lösen, die die Forschung an unseren Universitäten behindern - Probleme
der überflüssigen Reglementierung und einer übermäßigen Verbürokratisierung,
Sorgen mache ich mir auch darüber, ob schöpferische junge Wissenschaftler
ausreichende Chancen haben, ihr Teil zu unserem Bestand an Wissen in ihren
jeweiligen Tätigkeitsgebieten zu leisten.
Nach Schätzungen von Wirtschaftwissenschaftlern sind drei Viertel
des amerikanischen Wirtschaftswachstums in diesem Jahrhundert neuen
wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verdanken.

Das ist an sich schon

ein entscheidender Grund für uns, die Grundlagenforschung zu fördern, die
der Stützpfeiler unserer technologischen Stärke ist.

- 5 -

Der Wert der Grund-

�Grundlagenforschung ist aber der noch höher einzuschätzen.

Sie ist für

uns mehr als nur ein Mittel, die Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern
und den Anstoß zur Entwicklung neuer Industrien zu geben.
Hauptanliegen der Grundlagenforschung ist die Entdeckung neuer
Erkenntnisse über die Natur und das Universum.

Die Suche nach neuen

Erkenntnissen aber ist ein zentrales Anliegen des Menschsein.
Kein Problem illustriert die praktische Notwendigkeit von Wissenschaft
und Technologie für unser Land besser als das Energieproblem.
öl bleibt die wichtigste Energiequelle, und wir befinden uns in
der schmerzlichen Situation, uns hierin in bezug auf die Hälfte unseres
Erdölverbrauchs auf ein

geldgieriges und unzuverlässiges ausländisches

Kartell verlassen zu müssen.

Während ein wachsender Strom von aus-

ländischem öl in unser Land strömt, fließt ein Strom von Geld ins Ausland,
der die Gesundheit unserer Wirtschaft, die Stabilität unserer Währung
und auch die Sicherheit unseres Landes gefährdet.
Wissenschaft und Technik können dies ändern - aber nur dann, wenn
wir uns auf eine nationale Strategie der Entwicklung von alternativen
Energiequellen verpflichten. Wir haben eine solche Strategie entwickelt ein Strategie, die uns in die Lage versetzen wird, uns von den öleinfuhren
frei zu machen und uns in verstärktem Maße auf nicht-fossile Brennstoffe
zu stützen. Ich bin entschlossen, diese Strategie beizubehalten.
Im kommenden Jahrzehnt in etwa müssen wir uns weitgehend auf bereits
bekannte Technologien stützen.

Wir müssen aber jetzt schon den Weg für

künftige Forschungsarbeiten bereiten, indem wir uns der Sparsamkeit auf dem
Energiesektor befleißigen, die heimische Förderung an öl und Gas steigern,
in stärkerem Maße auf die Verwendung von Kohle übergehen, die Sicherheit
von Kernkraftwerken verbessern und die Verwendung der Solarenergie weiter-

- 6 -

�wei tervorantrei ben.
Von etwa 1990 an bis in das zweite Jahrzehnt des kommenden Jahrhunderts
hinweg werden wir eine dramatische und manchmal auch sehr schwierige Periode
des Übergangs durchmachen müssen. Die Einsparung von Energie wird zu einer
zwingenden Notwendigkeit werden, und die Zusammensetzung unserer Energieressourcen wird sich verändern insofern als wir uns in steigendem Maße
unkonventionellen Brennstoffquellen zuwenden werden: synthetischem Benzin
und Gas aus Kohle, Ölschiefer und anderen Energieträgern. Mit höherem
Wirkungsgrad arbeitende Kernreaktoren bieten eine Möglichkeit, die Uranvorräte
zu strecken. Wir werden neue Methoden finden, den Nutzungsgrad aller gebräuchlichen Energieträger zu steigern. Wir werden beginnen, die Sonnenenergie für eine weit größere Vielfalt von Verbrauchszwecken zu nutzen.
Bis zum zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts werden wir lernen, uns auf
saubere und im wesentlichen unerschöpfliche Energiequellen zu stützen. In
erster Linie kommen hierfür die Kernverschmelzung und Methoden der Solartechnik wie die photovoltaische Stromerzeugung in Frage.

Wir sind dabei, uns auf diese Stadien der Energieversorgung in der
Zukunft vorzubereiten. Unsere Forschungs- und Entwicklungsprogramme auf
dem Energiesektor sind umfassender als die aller unserer Verbündeten
zusammengenommen.
Wir müssen aber noch mehr tun. Das ist der Grund, weshalb ich zur
Ergänzung unserer normalen Haushaltmittel die Schaffung eines Energiesicherungsfonds vorgeschlagen habe. Der Energiesicherungsfonds wird
aus der Konjunkturgewinnsteuer auf unverdiente übermäßige Profite
gespeist werden, die den Mineralölgesellschaften infolge der Aufhebung
der öl Preiskontrollen - über alle erforderlichen Anreize zur Prospektierung
und Förderung von öl hinaus - zuwachsen werden.
Der Energiesicherungsfond wird jenen Hilfe gewähren, die am wenigsten

- 7 -

�wenigsten in der Lage sind, die Kosten kostspieliger Energie zu tragen.
Erheblictvi Summen sollen auch für die Finanzierung von Projekten verwendet
werden, die zur Sicherung der Energieversorgung in der Zukunft wichtig
sind:

die Anlage regionaler Erdölreserven, bessere Massenverkehrsmittel,

die Verwendung von Kohle und Ölschiefer und die Gewährung von neuen Anreizen für eine verstärkte Nutzung der Sonnenenergie.
Die Schaffung des Energiesicherungsfonds wird im Kongreß auf manchen
Widerstand

stoßen.

Dennoch machen wir Fortschritte, weil die breite

Öffentlichkeit unsere Vorschläge befürwortet.

Viele unter jenen, die noch

vor wenigen Wochen entschlossen waren, die Konjunkturgewinnsteuervorschläge
abzuwimmeln, haben den Kampf gegen sie aufgegeben.

Die Gegner dieser

Steuer bedienen sich einer neuen Strategie, die darauf hinausläuft, dem
amerikanischen Volk insofern Sand in die Augen zu streuen, als sie für
die Einführung einer Konjunkturgewinnsteuer eintreten, die in Praxis eine
Farce wäre - eine Steuer, die in erster Linie dem Zweck dienen würde,
Gesetzesmaschen aufzutun, um den Mineral öl gesell Schäften vier bis fünf
Milliarden Dollar an unverdienten Gewinnen über die sechs Milliarden
Dollar hinaus zu verschaffen, die sie aufgrund der Aufhebung der Preiskontrollen auch bei Einführung einer echten Konjunkturgewinnsteuer vereinnahmen werden.
Sie werden den Versuch unternehmen, diese Farce dem amerikanischen
Volk als eine Maßnahme zu verkaufen, die der Re-Investierung der Gewinne
dient. Es geht ihnen aber nicht um die Re-Investierung von Gewinnen,
es geht ihnen vielmehr um deren "Vertuschung," und um einen "Gegenzug".
Was unter den Teppich gekehrt werden soll, ist der Energiesicherungsfonds
und die durch ihn möglich werdende Hilfe für die Forschung und die Armen.
Und das was den ölgesellschaften zugeschanzt werden soll, ist das Geld,
das zur Finanzierung jener unerläßlichen Programme in Aussicht genommen
wird. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Mithilfe im Kampf um die Verabschiedung
einer ehrlichen Konjunkturgewinnsteuer zur Finanzierung eines echten

�echten Energiesicherungsfonds der dem ganzen Volk dienen soll.
Ich fordere Sie als Mitglieder der wissenschaftlichen und technischen
Welt auf, das Vertrauen des amerikanischen Volkes durch die Entwicklung
neuer Energietechnologien zu rechtfertigen, die von entscheidender Bedeutung für das künftige Wohlergehen unseres Landes sein werden.
Wir bedürfen der Innovation auch noch zu einem weiteren Zweck.
Neue Ideen sind von zentraler Bedeutung nicht nur für die Verminderung
der Abhängigkeit Amerikas von ausländischem öl, sondern auch für unsere
Bemühungen zur Eindämmung der Inflation, Steigerung der Produktivität,
für den Umweltschutz und zur Sicherung der Prosperität unseres Volkes.
Wir neigen zu der Auffassung, der Erfindungsreichtum der amerikanischen
Industrie sei eine Art unvermeidbares Geburtsrecht; Selbstgefälligkeit
aber ist das letzte, was wir uns leisten sollten. Viele unserer Industriezweige sind inzwischen unbeweglich geworden. Auf Innovation bedachte
Firmen in Ländern wie Japan und Westdeutschland stellen heute viele unserer
Wirtschaftsunternehmen in den Schatten. Unsere Wettbewerbsfähigkeit
läßt nach.
Wir müssen eine Umwelt schaffen helfen, in der neue Ideen und
Innovationsbereitschaft genutzt werden.
Die Bundesregierung trägt einen großen Anteil an der Verantwortung
hierfür.

Wir müssen staatliche Praktiken ändern, die die Innovations-

bereitschaft hemmen und politische Maßnahmen treffen, die zur Entwicklung
neuer Produkte und neuer Verfahren anregen.
Meine Regierung ist dabei, dieses lange Zeit hindurch vernachlässigte
Problem zu untersuchen.

Ich habe im vergangenen Jahr das Handelsministerium

angewiesen, eine umfassende Untersuchung der Innovationsbereitschaft der

- 9 -

�der Industrie einzuleiten.

Diese Untersuchung, an der sich etwa dreißig

Ministerien und Selbständige Bundesbehörden in Konsultation mit der
Industrie, den Gewerkschaften, den Universitäten und der breiten Öffentlichkeit beteiligten, ist nahezu fertiggestellt.

Ich bin gespannt auf die

Empfehlungen, die sich hieraus ergeben werden und ich bin bereit, sie zu
verwirklichen.
Viele unter Ihnen hier in diesem Raum sind Führungskräfte der
amerikanischen Geschäftswelt und Industrie, und ich fordere Sie auf, in
den Firmen, für die Sie tätig sind, auf Innovation bedacht zu sein.
Genau wie die Förderung der Grundlagenforschung durch den Staat sind
Investitionen der Industrie in neue Produkte und Verfahren und in die
Grundlagen- und die angewandte Forschung eine praktische Manifestation
des Zukunftsglaubens.
Seit Kepplers Tagen und schon zuvor waren Wissenschaftler stärker
international orientiert als andere.

In unseren Tagen hat die explosions-

artige Entwicklung auf den Gebieten der Kommunikation und der Technologie
den internationalen wissenschaftlichen Ideenaustausch leichter aber auch
um vieles wichtiger gemacht als zuvor.
Albert Einstein verfügte - auch für damalige Zeiten - über nur
bescheidene finanzielle Mittel. Er benötigte nicht viel mehr als einige
gespitzte Bleistifte und einen ruhigen Ort, an dem er nachdenken konnte.
Wie Sie wissen, erfordert die Aufgabe, auf seinen Arbeiten weiterzubauen,
sehr viel mehr Mittel. Viele der notwendigen Schlüsselversuche, sowohl
im Bereich der Grundlagen- als auch dem der angewandten Forschung sind
von geradezu monumentalem Ausmaß. Wir stehen in den vor uns liegenden
Jahren vor der Wahl, einige wenige Großprojekte durchzuführen, die wir
allein zu finanzieren vermögen, oder aber weit mehr derartige Projekte
in Zusammenarbeit mit anderen Nationen in Angriff zu nehmen.
Wir müssen
- 10 -

�Wir müssen auch weiterhin der Zusammenarbeit den Vorzug geben aus Gründen, die über die beträchtlichen Vorteile einer Teilung in die
Kosten und Ideen hinausgehen.

Die wissenschaftliche und technische Zu-

sammenarbeit mit unseren traditionellen Freunden kann bestehende Bande
stärken; die Zusammenarbeit mit anderen kann dazu beitragen, politische,
ideologische und kulturelle Spaltungen zu überbrücken.
Einer der wichtigsten Zwecke der internationalen Zusammenarbeit
auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik besteht darin, den
Entwicklungserfordernissen der ärmeren Länder der Erde gerecht zu werden.
Die Zukunft der hochentwickelten Länder hängt in zunehmendem Maße
von der der Entwicklungsläder ab. Dennoch ist nur etwa ein Prozent der
zivilen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Erde unmittelbar auf
die Probleme der ärmeren Hälfte der Menschheit zugeschnitten - auf die
Probleme der Armut, der Gesundheitsfürsorge, des Hungers, der Bildung
und der Rohstoffgewinnung. Auf allen diesen Gebieten sollten wir mehr
tun.
Vor einem Jahr schlug ich die Schaffung eines neuen Instituts
für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit vor, um die
Talente von Wissenschaftlern und Technikern in unserem Land mit denen
in den Entwicklungsländern in dem Versuch zu mobilisieren, Lösungen
für deren

kritischste Probleme zu finden.

Statt den Ländern der Dritten

Welt Hilfe zu gewähren sollten wir ihnen Hilfestellung in dem Bemühen
leisten, eigene Entwicklungsexperten und Fachkräfte heranzubilden, die
fähig sind, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Wir sind bereit,

ihnen Hilfestellung bei der Durchführung von Projekten im Bereich der
Landwirtschaft, der Medizin, der Industrialisierung und des Aufbaus
geeigneter Energiesysteme zu leisten, die für beide Seiten von Nutzen
sind.
Die

- 11 -

�Die Vorlage über die Errichtung des Instituts für wissenschaftliche
und technologische Zusammenarbeit wurde inzwischen vom Repräsentantenhaus
verabschiedet und steht gegenwärtig im Senat an.

Sie bedarf Ihrer vollen

Unterstützung.
Gestatten Sie mir nun, mich Fragen der Nutzung und Erforschung des
Weltraums zuzuwenden, wo unser Ziel - wie auf Erden - die Verbesserung des
Wohls der Menschheit in materieller und geistiger Hinsicht ist.
In der Zukunft werden wir von den über 100 Milliarden Dollar profitieren, die die Vereinigten Staaten in die Raumfahrt investiert haben.
Stützpunkten im All aus können wir die Welt verändern.

Von

Satelliten leisten

schon seit Jahren neue Beiträge auf Gebieten wie der Landwirtschaft,
der Überwachung der Umweltverhältnisse, der Nutzung der Bodenflächen, der
Projektierung von Lagerstatten, der Klimatologie und des Nachrichtenwesens.
Wenn erst einmal die Weltraumfähre zur Verfügung steht, werden wir
die beispiellose Fähigkeit haben, Forschungsarbeiten im All durchzuführen.
Wir gehen einer Blütezeit der Erforschung und industriellen Nutzung des
Raums entgegen, und es stehen uns Quantensprünge im Bereich der internationalen Zusammenarbeit bevor, die die Sache des Friedens und der
Weiterentwicklung des Menschen erheblich voranbringen werden.
Das Vordringen des Menschen in den Weltraum hat das menschliche
Bewußtsein auf alle Zeiten verändert.

Noch ist das Zeitalter der Er-

forschung der Tiefe des Weltraums durch bemannte Raumfahrzeuge nicht
angebrochen;

immerhin durchdringen unsere Sinne bereits die äußeren

Bereiche des Sonnensystems und noch fernere Regionen des Alls.

Wer

die atemberaubenden Bilder des Planeten Jupiter und seiner Monde gesehen
hat, die Voyager I zur Erde gefunkt hat, wird nicht leugnen wollen, daß
diese Bilder überrascht und angenehm berührt haben.

- 12 -

Wir können auf neue

�neue Überraschungen und erfreuliche Feststellungen zählen, wenn wir
noch tiefer in das Universum und seine Geheimnisse eindringen.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß von allen Früchten der
Wissenschaft die Kernwaffen die bittersten sind.

Und von allen Ver-

antwortlichkeiten der Nationen ist keine von größerer Dringlichkeit
als die Kontrolle über diese schrecklichste unter allen Bedrohungen
unseres Lebens und unserer Kultur.
Wir alle sind dankbar, daß der jüngste Reaktorunfall auf Three
Mile Island in Pennsylvania keine menschliche Schäden zur Folge hatte.
Er hat vielleicht sogar positive Konsequenzen. Er veranlaßt uns natürlich,
unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit der Kernenergie
zu verdoppeln. Und was noch wichtiger ist, er gemahnt uns lebhaft an
die schrecklichen Folgen eines Kriegs mit Kernwaffen.
Wir leben schon zu lange mit den Kernwaffen. Wir sind schon allzusehr an deren alles überschattende Präsenz in unserem Leben gewohnt.
Und wir sind allzusehr geneigt, zu vergessen, welche Schrecken uns letzten
Endes bevorstünden: Der sofortige Tod von Millionen und tödliches Siechtum
für weitere Millionen; die Vernichtung des Kulturerbes der Menschheit;
und die Verseuchung der Luft, des Bodens und des Wassers auf ungezählte
Generationen hinaus. Einem nuklearen Austausch mit allen Mitteln fiele
nicht weniger als die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unserer
Spezies zum Opfer.
Als Präsident Kennedy dieses Gremium vor 16 Jahren ansprach, hatte
der Senat gerade den Vertrag über das Verbot von Kerwaffenversuchen in
der Atmosphäre ratifiziert, dem ersten bedeutsamen Schritt zu einer
Kontrolle der Nuklearwaffen. Der SALT II-Vertrag, der sich nunmehr der
Fertigstellung nähert, ist Teil desselben Prozesses: des langwierigen
und langsamen Fortschritts in Richtung auf die Vernunft, die sich auf

- 13 -

�auf das gegenseitige Eigeninteresse stützt.

Und nach SALT II wird dieser

Prozeß fortgeführt werden mit einem umfassenden Verbot von nuklearen
Tests und mit SALT III als Ziel.
SALT II wird das Risiko eines Kriegs mit Kernwaffen durch Verminderung
des Umfangs der strategischen Rüstungen, Beschränkungen der Entwicklung
neuer Waffensysteme und seinen Beitrag zu stabileren politischen Beziehungen zur Sowjetunion vermindern.

Viele der Probleme der Beurteilung

des Vertrages sind technisch sehr vielschichtig, und das amerikanische
Volk wird auf die wissenschaftliche Welt blicken, die mithelfen kann,
eine öffentliche Debatte von geistigem Niveau zustandezubringen.

Viele

unter Ihnen haben damals große Anstrengungen auf die Debatte über den
SALT I-Vertrag verwandt.

Sie haben eine entscheidende Rolle in dem

Bemühen gespielt, einen Konsens
bringen.

in bezug auf jenen Vertrag zustandezu-

Heute ersuche ich Sie,jene Mühe einmal mehr aufzuwenden.

Wenn es auch die Naturwissenschaften waren, die uns die Kernwaffen
eingebracht haben, so ist doch nicht weniger wahr, daß die Wissenschaft
auch die außerordentlichen Mittel an die Hand gibt, die Einhaltung von
Verträgen bezüglich jener Waffen zu verifizieren. In der angelaufenen
großen Debatte über SALT II, kommt der Mitwirkung von Wissenschaftlern
entscheidende Bedeutung zu.
Albert Einstein hat einmal gesagt: "Die Wichtigkeit der Sicherung
des Weltfriedens war auch den wirklich Großen früherer Generationen bekannt.

Der technische Fortschritt unserer Zeit aber hat diese ethischen

Postulate zu einer Frage von Leben und Tod für die zivilisierte Menschheit
werden lassen.

Er macht es zu einer moralischen Pflicht, aktiven Anteil

an der Lösung der Probleme des Friedens zu nehmen - zu einer Pflicht,
der sich kein gewissenhafter Mensch entziehen darf."
Diese Worte waren prophetischer als man zu der Zeit wissen konnte,

�konnte, als sie gesprochen wurden:
der ersten Atombombe.

über ein Jahrzehnt vor der Zündung

Ich fordere Sie dringend auf, jener Worte in

einer Zeit eingedenk zu bleiben, in der wir im Begriff stehen, den
SALT Il-Vertrag zu schließen - den nächsten Schritt in Richtung auf eine
Rüstungskontrolle und den Frieden.
Die Amerikaner hatten einst einen zweifelsfreien Glauben an die
Wissenschaft als Heilsbringer. Heute sind wir gegenüber der Wissenschaft
wie auch gegenüber vielen anderen Dingen skeptischer. Dennoch blicken
wir auch heute noch auf Wissenschaftler und Techniker, auf die medizinische
Forschung und die Ärzte, unsere Erfinder und Denker und wir erwarten von
ihnen eine Verbesserung unseres eigenen Lebens wie des Lebens unserer
Kinder.
Die Sorge bezüglich des derzeitigen Status von Wissenschaft und
Technik in den Vereinigten Staaten läßt
unsere neuen Anstrengungen
zu einem Grundstein der Schaffung eines neuen und soliden Fundaments
für unsere gemeinsame Zukunft werden. Ich zähle auf die Mitglieder
dieser Akademie, auf die gesamte wissenschaftliche und technische Welt,
auf den Kongreß und auf das Volk unseres Landes, sich diesen Bemühungen
um ein größeres Amerika anzuschließen.

+ + + + +

- 15 -

�2. Mai 1979

16

DROGENBEKÄMPFUNG IN WEITEM INTERNATIONALEN RAHMEN
- US-Strategie für 1979 -

- (AD) - Eindämmung des Drogenmißbrauchs und des illegalen Handels mit
Suchtstoffen sind Hauptziele des Programms für 1979, das der Präsidialbeirat
für die Strategie der Bekämpfung von Drogenmißbrauch kürzlich Präsident Carter
vorlegte. Der neue Plan der Kommission unterscheidet sich vom bisherigen Vorgehen sowohl in bezug auf die Art und Weise, wie das Problem angegangen wird,
als auch auf die jeweiligen Schwerpunkte. So werden jetzt z.B. die wirtschaftlichen Aspekte des Drogenhandels und weit gefaßte internationale Initiativen
besonders betont.
Während man sich bisher auf bestimmte Drogen konzentrierte, gilt nunmehr
die Aufmerksamkeit dem Studium von Verhaltensaspekten bei Personen, die drogenabhängig geworden sind oder für die große Gefahr besteht, in diesen Strudel hineingerissen zu werden. Und so ist es nur folgerichtig, daß auch die Behandlung
und Rehabilitation Drogenabhängiger wieder in die allgemeinen Aufgaben der Gesundheitsdienste einbezogen werden.
Im Rechtsvollzug wird man dem neuen Plan zufolge alles tun, um das Angebot
an illegalen Drogen zu verringern, illegal hergestellte Drogen stärker unter

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�unter Kontrolle zu bringen, ihre Weiterleitung in illegale Kanäle zu blockieren
und das Geschäftsrisiko der Drogenhändler durch verstärkte Fahndungsmaßnahmen,
gerichtliche Verfolgung und Beschlagnahme ihres Vermögens zu vergrößern.

Damit

diese Ziele realisiert werden, setzt sich die Strategie-Kommission für Maßnahmen
ein, die die Überwachung an den Landesgrenzen zur Unterbindung des Einschmuggeins
von Drogen erheblich verstärken.

Sie fordert außerdem die besondere Unterstützung

der Fahrung nach den führenden Hintermännern des illegalen Drogenhandels, um
Händlerringe zu zerschlagen oder aktionsunfähig zu machen.
Im Strategieplan für 1979 wird hervorgehoben, daß eine wirksame Rehabilitation mit der Therapie Hand in Hand gehe.

Es wird empfohlen, Drogenabhängige

mehr Chancen zur Einbeziehung in Berufsausbildungs- und Arbeitsvermittlungsprogramme zu bieten. Als "erstrangige Adressaten für diplomatische, wirtschaftliche
und technische Zusammenarbeit" in dem Versuch, die Drogenproduktion zu drosseln,
werden zehn Länder genannt:

Burma, Thailand, Laos, Mexiko, Afghanistan und

Pakistan als Herkunftsländer für Opium, Bolivien und Peru als Herkunftsländer
für Koka-Blätter, und schließlich Ekuador und Kolumbien als Hauptproduzenten und
Bezugsquellen für Kokain. Außerdem sei Kolumbien das Herkunftsland extrem großer
Mengen von Marihuana - alles Drogen, die in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt und dort illegal abgesetzt werden.
Entsprechend der "Strategie 1979" sind vielfältige außenpolitische Programme der Vereinigten Staaten vorgesehen, die gemeinsam mit anderen Ländern und
den internationalen Organisationen durchgeführt werden sollen, um das Angebot
an Drogen schon in deren Herkunftsländern zu verringern. Zu den Programmen gehören diplomatische Initiativen, Vernichtung von drogenhaltigen Pflanzen, Entwicklung ländlicher Gebiete und Anti-Suchtstoffbestimmungen für internationale
Institutionen wie die Asiatische Entwicklungsbank, den Afrikanischen Entwicklungsfonds und die Inter-Amerikam"sehe Entwicklungsbank.
Wie die Strategie-Kommission erklärt, ergeben sich im Zusammenhang mit
Marihuana, Phencyclidin (PCP) und Kokain spezielle Probleme. Der Beirat setzt
sich dafür ein, den persönlichen Besitz und den Gebrauch von Marihuana weniger
- 2 -

�weniger hart zu bestrafen, jedoch nicht ganz auf eine Bestrafung zu verzichten,
um die von der Bundesregierung verfolgte Politik nicht zu unterminieren.
Bundesstrafbestimmungen für den Handel mit Drogen würden beibehalten.
Jedoch stünde es den einzelnen Bundesstaaten frei, "auch künftig einschlägige
Gesetze zu verabschieden, die sie für geeignet erachten".

Drogenmißbrauch und

Drogenhandel seien als komplexe, fließende Phänomene anzusehen, auf die auch
weiterhin flexibel reagiert werden müsse - mit mannigfaltigen Wegen und Aktionen
des Vorgehens.

"Die Strategie 1979 unterstreicht die Notwendigkeit, auch weiter-

hin Mittel für diese Programme bereitzustellen", erklärt die Kommission, "sie
erforderlichenfalls neu zu bewerten und anzupassen und viel Mühe darauf zu verwenden, das Leid zu verringern, das Drogenmißbrauch und Drogenhandel in unserem
Land anrichten."
Mitglieder des Präsidialbeirats für die Strategie der Bekämpfung von Drogenmißbrauch sind u.a. der Außenminister, der Finanzminister, der Verteidigungsminister, der Justizminister, der Minister für das Gesundheits-, Bildungs- und
Sozialwesen, der Direktor des Amtes für Planung und Haushalt, der Leiter des
Amtes für ehemalige Wehrdienstangehörige sowie sechs Vertreter privater Institutionen.

+ + + + +

- 3 -

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

SCHWEFELDIOXID IST GIFT FÜR FLECHTEN
• Pflanzen melden Umweltverschmutzung -

- (AD) - Eine Anzahl von Heizkraftwerken im amerikanischen Bundesstaat
Ohio verwenden neuerdings zur Überwachung der Luftqualitä't in der Umgebung des
Betriebes u.a. Flechten - Pflanzen, die zu den ältesten und primitivsten Organismen auf unserer Erde gehören.
dioxid (S02) enthält.

Sie geben "Alarm", wenn die Luft Schwefel-

Schwefeldioxid, das hauptsächlich beim Verheizen von

Kohle auftritt, ist einer der Hauptbestandteile verschmutzter Luft.

Es kann,

wenn bestimmte Konzentrationen Überschritten werden, die Gesundheit beeinträchtigen und schwere Materialschäden, insbesondere an Bauwerken, hervorrufen.

Strenge Umweltschutzgesetze zwangen die amerikanische Industrie, Verfahren
und Vorrichtungen zu entwickeln, um die Abluft der Fabrikkamine von S0 2 weitgehend zu reinigen.

Aber völlig auszufiltern ist Schwefeldioxid mit den heute

verfügbaren Mitteln nicht.

Da außerdem der Schwefelgehalt der Kohle aus den

verschiedenen Abbaugebieten sehr stark schwankt und bestimmte atmosphärische
Bedingungen zu einem "Stau" von Belastungsstoffen in der Luft führen können, ist
es für die Heizkraftwerke oft schwierig, die sehr niedrigen Grenzwerte einzuhalten.

Deshalb suchen die Unternehmen nach Vorwarnsystemen, um ein Ansteigen der

SOp-Konzentration frühzeitig zu erfassen und im Betrieb geeignete Gegenmaßnahmen

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�Gegenmaßnahmen treffen zu können.
Bei niedriger Konzentration ist S0 2 in der Luft jedoch sehr schwer zu messen.

Eine überraschende und relativ einfache Lösung für dieses Problem fand Dr.

Emanuel Rudolph, Professor der Botanik an der Staatsuniversität Ohio.

Er be-

nutzt als S02-Indikator Flechten, die überaus empfindlich auf solche Abgase reagieren,

überraschend ist diese Tatsache deshalb, weil Flechten zu den robustesten

pflanzlichen Organismen überhaupt zählen.

Sie existieren sogar auf eisfreiem Ge-

stein in der Antarktis, also in der kältesten Region der Erde,an Orten, an denen
es praktisch kein anderes pflanzliches Leben gibt.
Prof. Rudolph hatte beobachtet, daß in der Nachbarschaft bestimmter Kraftwerke Flechten, ausgestorben zu sein schienen.

Bei der Untersuchung dieses Phä-

nomens stellte sich heraus, daß Flechten kein S0 2 vertragen.

Wenn davon nur ein

Hundertstel der Menge in der Luft vorhanden ist, die für den Menschen als schädlich gilt, kümmern die Pflanzen dahin und gehen schließlich ein.
Inzwischen entwickelte der Botanikprofessor mit seinen Studenten in Laborversuchen eine ganze Reaktionsskala der Flechten auf Schwefeldioxid an Hand von
Farbänderungen, die auf bestimmte Konzentrationen von S0 2 in der Luft und Dauer
seiner Einwirkung auf die Pflanzen schließen lassen. Die Reaktionstafel gibt
z.B. an, bei welchem Schwefeldioxidgehalt die Flechten ihre grünliche Färbung verlieren - was schon 30 Minuten nach Einsetzen der SO^-'^ergiftung" geschehen kann.
Wachsen sie in der Umgebung eines Kraftwerks, das zur Stromerzeugung fossile
Brennstoffe benutzt, überhaupt nicht mehr, so ist dies eine Vorwarnung für eine
Belastung der Atmosphäre mit Schwefeldioxid, lange ehe gefährliche Konzentrationen
erreicht sind. Wie die Mitarbeiter Prof. Rudolphs feststellten, stört SO^ den
Stoffwechsel der Pflanzen und tötet sie bei entsprechend langer Einwirkung ab.

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