<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=79&amp;sort_field=added" accessDate="2026-11-04T10:08:37+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>79</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2123" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2134">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2afb591c0c64a5ae67cbbb3805195c84.pdf</src>
        <authentication>eb7d7b3dfbb08957e0ffae37d57a05fa</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10717">
                    <text>AMERIKA DIENST

6. Dezember 1989

44

,1.
INHALT
DOKUMENTATION
Bush: Malta schafft den Rahmen für Fortschritte In vielen Bereichen
- Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow Baker erläutert amerikanische Haltung zur Einheit Deutschlands
- Interview des US-Außenministers mit CNN Bush unterzeichnet Vorlage zur Hilfe für Polen und Ungarn
- Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUND
Präsident Bushs Initiative beim Treffen von Malta
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

* * * * *

-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

""*"" c&amp;

Dokumentation

44

6. Dezember 1989
BUSH: MALTA SCHAFFT DEN RAHMEN FÜR FORTSCHRITTE IN VIELEN BEREICHEN
- Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow -

VALLETTA - (AD) - Bei der zum Abschluß der Gespräche in Malta am 3. Dezember
1989 gemeinsam mit Präsident Gorbatschow abgehaltenen Pressekonferenz erklärte
Präsident Bush, seine zweitägigen Gespräche hätten "den Rahmen für Fortschritte in einer großen Bandbreite von Bereichen" geschaffen.
In seiner Eröffnungsansprache erklärte Bush: "Wir stehen an der Schwelle eines brandneuen Zeitalters amerikanisch-sowjetischer Beziehungen". Bessere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sollten Bush
zufolge "eine Triebfeder für positive Veränderungen auf der ganzen Welt
sein". Der Präsident erklärte ferner: "Es gibt kein einziges Problem auf der
Welt - und ganz bestimmt nicht in Europa - zu dessen Lösung verbesserte amerikanisch-sowjetische Beziehungen nicht beitragen könnten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Bush: Meine Damen und Herren, Präsident Gorbatschow hat mir freundlicherweise den Vortritt gelassen. Und
meiner Ansicht nach kann niemand behaupten, der Salzwassergipfel sei
kein Abenteuer gewesen - zumindest
hier im Hafen nicht.
Zunächst möchte ich Ministerpräsident
Adami und den Maltesern meinen Dank
sagen für ihre herzliche und großzügige
Gastfreundschaft
aussprechen.
Ich möchte ferner dem Kapitän und der
Besatzung der Belknap für die großartige Unterstützung danken. Sie fingen wohl bereits an, mich als Dauergast zu betrachten. Und mein besonderer Dank geht an den Kapitän und
die Besatzung der Maxim Gorki für ihre Gastfreundschaft und auch an die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Crew der Slawa, die uns Amerikaner
sehr freundlich aufgenommen haben.
Ich habe Generalsekretär Gorbatschow
zuerst nach meiner Europareise Im Juli vergangenen Jahres auf ein informelles Treffen angesprochen. Die beeindruckenden - und hoffnungsvollen Veränderungen, die ich in Polen und
Ungarn beobachten konnte, haben mich
zu der Auffassung veranlaßt, daß es
an der Zeit sei, sich mit Generalsekretär Gorbatschow in Verbindung zu
setzen, um herauszufinden, was wir
gemeinsam leisten können, um die sich
uns bietenden Chancen zu ergreifen
und die Beziehungen zu fördern.
Gorbatschow hat dem Vorschlag eines
Treffens zugestimmt.
Darüber haben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir schnell Einigung erzielt, und
meiner Ansicht nach haben die außergewöhnlichen Entwicklungen in Europa
seit der Zeit, als das Treffen vorgeschlagen wurde, die Bedeutung unserer
Zusammenkunft noch unterstrichen.
Deshalb freue ich mich besonders darüber, daß wir uns getroffen haben.
Wir haben jetzt ein besseres Verständnis unserer gegenseitigen Ansichten. Wir haben den Rahmen für
Fortschritte in einer großen Bandbreite von Bereichen geschaffen. Und
obwohl es nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion ist,
die Zukunft Europas oder irgendeines
Volkes zu bestimmen, bin ich doch davon überzeugt, daß ein kooperatives
amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis
die Zukunft tatsächlich sicherer und
vielversprechender gestalten kann.
Es gibt kein einziges Problem auf der
Welt - und ganz bestimmt nicht in Europa - zu dessen Lösung verbesserte
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
nicht beitragen können. Bessere Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion stellen
einen Wert an sich dar, sollten aber
auch eine Triebfeder für positive
Veränderungen auf der ganzen Welt
sein.
Seit vierzig Jahren hat der Westen
Zusammenhalt für die Sache der Freiheit bewiesen.
Und jetzt befinden
wir uns angesichts der in der Sowjetunion stattfindenden Reformen an der
Schwelle zu einem brandneuen Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen. Wir können jetzt - jeder auf seine Weise - fast schon dazu
beitragen, daß die Teilung Europas
überwunden und die militärische Konfrontation dort beendet wird.
Wir
müssen mehr tun, um der Gewalt und
dem Leiden abzuhelfen, von denen so
viele Länder der Welt heimgesucht
werden und um die Bedrohungen für unser aller Zukunft zu beseitigen - die
Schädigung unserer Umwelt, die Verbreitung nuklearer und chemischer
Waffen, Technologietransfer für ballistische Raketen, Drogenhandel - und

unsere hier geführten Gespräche werden echten Fortschritten in diesen
Bereichen neuen Auftrieb geben.
Es bestehen ebenfalls gute Chancen,
um gemeinsame Möglichkeiten zu entwickeln. Zum Beispiel strebt die Sowjetunion jetzt eine engere Verbindung mit der internationalen Marktwirtschaft an - ein Schritt, den ich
auf jede erdenkliche Weise fördern
will.
Bei meiner Reise von Malta nach Brüssel und dem Treffen mit den NATOPartnern bin ich optimistisch, daß
wir mit Hilfe der engagierten Zusammenarbeit des Westens und bei engerer
Kooperation mit der Sowjetunion einen
dauerhaften Frieden verwirklichen und
die Ost-West-Beziehungen zu ständiger
Zusammenarbeit ausbauen können. Und
das ist eine Zukunft, die unserer
Völker würdig ist, bei der Gestaltung
dieser Zukunft möchte ich mithelfen,
und diese Zukunft haben Präsident
Gorbatschow und ich hier in Malta
eingeleitet.
Ich danke Ihnen.
Gorbatschow:
Meine Damen und Herren, Genossen, bei diesem Treffen
gibt es viele symbolische Akte und
einen, den es nie zuvor in der Geschichte gegeben hat, ist diese gemeinsame Pressekonferenz.
Das ist
gleichzeitig ein wichtiges Symbol.
Ich teile die Äußerung Präsident
Bushs, daß wir im allgemeinen mit den
Ergebnissen dieses Treffens zufrieden
sind.
Wir betrachten dieses Treffen - dem
Konzept nach war es ein informelles
Treffen, das von Präsident Bush vorgeschlagen wurde und meine Zustimmung
fand - als rein informell und ohne
die Einschränkung auf eine offizielle
Tagesordnung.
Wir
wollten
einen
freien Meinungsaustausch vornehmen,
weil die Zeit große Anforderungen an
unsere Länder stellt und damit die
Verantwortung ebenso an Bedeutung gewinnt wie die Rolle, die unsere beiden Länder spielen. Ich kann Ihnen

�versichern, daß wir uns in allen Gesprächen - die im Durchschnitt acht
Stunden dauerten - dieser Verantwortung bewußt waren.

Wir befürworten beide - natürlich
kann hier nur jeder für sich sprechen
- die Unterzeichnung dieses Dokuments
beim Gipfeltreffen.

Unsere Zusammenkunft war in allen Bereichen des Meinungsaustauschs von
Offenheit gekennzeichnet.
Es ist
heute schwierig und vielleicht wenig
sinnvoll, alle von uns erörterten
Teilbereiche
näher
zu
erläutern.
Dennoch möchte ich darauf hinweisen,
daß wir in allen Bereichen sehr offen
versucht haben, unsere Position darzulegen, die Situation der gegenwärtig stattfindenden Veränderungen auf
der ganzen Welt und in Europa zu bewerten und auf die Abrüstungsproblematik einzugehen.

Dieses Mal haben wir vor allem bilaterale Beziehungen erörtert, und ich
möchte meinerseits auf viele positive
Elemente und Punkte hinweisen, die
ich den Stellungnahmen und Äußerungen
Präsident Bushs entnehmen konnte.
Wir haben in allen Bereichen des politischen Dialogs in unseren Gesprächen, einschließlich der bilateralen
Beziehungen, die Beständigkeit und
Dauerhaftigkeit unseres politischen
Kurses bestätigt. Trotz der Tatsache, daß es sich hier um ein informelles Treffen handelte, haben wir
uns zum ersten Mal mit Präsident Bush
seit seinem Amtsantritt getroffen.
Und die Bestätigung der Dauerhaftigkeit dieses Kurses ist ein wichtiges
Element.

Wir haben den Ablauf der Verhandlungen in Genf und Wien angesprochen und
sind ferner auf die Verhandlungen
über die Ausarbeitung einer Konvention zum Verbot chemischer Waffen zu
sprechen gekommen. All diese Fragen
wurden eingehend erörtert.
Der Präsident und ich haben einen
Austausch über unsere jeweilige - in
Washington und Moskau vertretene Einstellung zu den Brennpunkten auf
unserem Planeten für notwendig erachtet.
Dieser Meinungsaustausch war
von besonderer Bedeutung und sehr
eingehend. Wir haben unsere jeweilige offizielle Haltung bekräftigt, daß
all diese - akuten - Probleme politisch gelöst werden müssen. Und meiner Ansicht nach war diese eine sehr
wichtige Feststellung der Fakten.
Wir haben aber nicht nur Probleme erörtert und unsere Positionen dargelegt. Meiner Ansicht nach haben beide Seiten vieles kundgetan, das bei
Berücksichtigung in künftigen Aktivitäten beider Regierungen dazu führen
wird, daß wir fest mit Fortschritten
rechnen können.
Das gilt für das
Thema der 50prozentigen Reduzierung
strategischer Offensivwaffen, und wir
sind optimistisch über die Möglichkeit, bereits im nächsten Jahr einen
Vertrag in Wien schließen zu können.

Von noch größerer Bedeutung ist die
Tatsache, daß wir bei diesem informellen Treffen den Grundstein für die
Aufstockung dieses Kapitals gelegt
haben.
Meiner Ansicht nach liegt
dies vor allem im Interesse unserer
beiden Länder und auch der gesamten
Staatengemeinschaft.
Wir haben gute Kontakte geknüpft.
Durch die freundliche, offene und
ehrliche Atmosphäre waren wir in der
Lage, gute Arbeit zu leisten. In unserer Situation wäre jede Übertreibung gefährlich. Wir sollten immer
wohlüberlegt handeln - um einen der
Lieblingsausdrücke von Präsident Bush
zu benutzen.
Unsere Welt und unsere Beziehungen
befinden sich an einem wichtigen
Scheideweg. Wir tragen große Verantwortung, wenn wir uns den Herausforderungen der Welt von heute stellen.
Und die Führer unserer beiden Länder
können nicht wie eine Feuerwehr handeln, auch wenn Feuerwehren sehr
nützlich sind. Das müssen wir uns
vor Augen führen, und dieser Punkt
war allgegenwärtig.

- 3-

�Ich möchte dem Präsidenten nochmals
für seine Idee danken, dieses Treffen
abzuhalten, mit dem wir - so hoffe
ich - beide zufrieden sind. Und ich
möchte den Maltesern und der Regierung von Malta meinen Dank für ihre
Gastfreundschaft aussprechen.
Herr
Präsident, ich danke Ihnen für die
Zusammenarbeit.
Bush:

Frage:
Präsident Gorbatschow, welches sind die von Ihnen angesprochenen Brennpunkte? Vielleicht El Salvador?
Konnten Sie Präsident Bush
überzeugen, daß die Sowjetunion ihren
Einfluß in Kuba und Nicragua geltend
machen würde, um Waffenlieferungen zu
stoppen?
Und waren Sie, Präsident
Bush, mit Präsident Gorbatschows Antwort zufrieden?

Vielen Dank.

Frage:
Herr Gorbatschow, Präsident
Bush hat Sie aufgefordert, den kalten
Krieg ein für allemal zu beenden.
Ist das Ihrer Ansicht nach jetzt geschehen?
Gorbatschow:
Zunächst einmal habe
ich dem amerikanischen Präsidenten
versichert, daß die Sowjetunion niemals einen heißen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten beginnen würde.
Und wir möchten unsere Beziehungen
auf eine Art und Weise entwickeln,
die größere Chancen zur Kooperation
eröffnet. Natürlich habe ich mit dem
Präsidenten eingehende Gespräche darüber geführt, wo wir jetzt stehen.
Wir haben beide erklärt, die Welt
trete nunmehr nach dem kalten Krieg
in eine neue Epoche ein. Dies ist
nur der Anfang. Wir stehen noch ganz
am Anfang unseres Weges - eines langen Weges in ein langfristig friedliches Zeitalter.
Deshalb sind wir einmütig zu dem
Schluß gekommen, welch besondere Verantwortung Länder wie die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion tragen.
Natürlich haben wir darüber lange Gespräche geführt, auf die ich bei dieser Pressekonferenz nicht näher eingehen möchte - das heißt, wir sollten
uns im Hinblick darauf, daß ein neues
Zeitalter einen neuen Ansatz erfordert, nicht so sehr auf diese Gespräche konzentrieren.
Viele Merkmale
des kalten Krieges sollten fallengelassen werden, etwa ... (unverständlich)..., das Wettrüsten, das Mißtrauen, psychologischer und ideologische Kontroversen usw. All das sollte der Vergangenheit angehören.

Gorbatschow:
Ist diese Frage an
mich gerichtet?
Dieses Thema ist
eingehend erörtert worden. Wir haben
dem Präsidenten erneut bestätigt, daß
wir Waffenlieferungen nach Mittelamerika eingestellt haben.
Wir haben
darüber hinaus unsere Position bekräftigt, daß wir dem dort stattfindenden politischen Prozeß und einer
Klärung der Lage positiv gegenüberstehen. Wir befürworten freie Wahlen
mit Vertretern der Vereinten Nationen
und anderen Ländern Lateinamerikas,
um die Zukunft Nicaraguas zu besiegeln.
Wir verstehen die Sorge der Vereinigten Staaten. Wir haben den diesbezüglichen Argumenten Präsident Bushs
sorgfältig zugehört und ihm unsere
grundsätzliche
Meinung
versichert,
daß wir einer politischen Klärung der
Lage in Mittelamerika positiv gegenüberstehen.
Meiner Ansicht nach - und ich möchte
nicht im einzelnen auf alle Gesprächspunkte eingehen, sondern zusammenfassend
erklären, daß
eine
Chance zum Frieden in dieser Region
besteht - Frieden liegt im Interesse
aller Völker in der Region und läuft
auch den Interessen der Vereinigten
Staaten keineswegs zuwider.
Bush:
Meine Antwort lautet, daß
wir - genau wie Präsident Gorbatschow
gerade erklärt hat - eingehende Gespräche über diese Fragen geführt haben. Ich werde nicht eher ruhen, bis
mit Hilfe freier und fairer Wahlen in
Nicaragua die vollständige Selbstbestimmung verwirklicht wird. Und Gorbatschow hat mir genug Gelegenheit

�geboten, meiner Sorge über diese Region Ausdruck zu verleihen. Er hat
auch seine Anliegen bekundet.
Ich
kann nicht sagen, daß zwischen uns
keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, aber wir hatten Gelegenheit,
diese zu erörtern.
Und wenn noch
Differenzen bestehen, so doch nur
noch in wenigen Bereichen. Aber alle
von Ihnen, die aus den Vereinigten
Staaten kommen, kennen unsere Sorge,
daß Nicaragua die Revolution nach El
Salvador exportiert anstatt freie und
faire Wahlen durchzuführen. Darüber
haben wir lange, eingehende Gespräche
geführt, und ich möchte dazu nur sagen, daß meiner Ansicht nach ein besseres Verständnis zwischen beiden
Parteien das Ergebnis dieser Gespräche war.
Frage:
Eine
Frage
der
Zeitung
Iswestija an Präsident Bush, wobei
wir Kommentare des Genossen Gorbatschow begrüßen würden. Seit langem
besteht das Problem des Ausbaus von
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Dies ist insbesondere angesichts unserer wirtschaftlichen Reformen und den damit einhergehenden
Schwierigkeiten ein dringliches Problem. In welchem Umfang ist dieses
Problem bei Ihrem Treffen erörtert
worden, welche Haltung nimmt Ihre Administration, Präsident Bush, zum
Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und
dazu ein, ob Kontakte amerikanischer
Firmen zur Sowjetunion gefördert werden sollen?
Bush:
Fragen zur Wirtschaft sind
eingehend erörtert worden. Wir haben
einige Ausführungen gemacht, wie wir
an der wirtschaftlichen Front enger
mit der Sowjetunion zusammenarbeiten
können, und ich werde die Durchführung in einigen von uns erörterten
Bereiche beobachten. Meiner Ansicht
nach waren die Gespräche über Wirtschaft am fruchtbarsten. Ich würde
ein Klima begrüßen, in dem amerikanische Unternehmer Gorbatschow bei seinen Bestrebungen um Reformen und
Glasnost unterstützen.
Meiner An-

sicht nach wäre ein Klima, in dem als
Ergebnis dieser Gespräche Investitionen in der Sowjetunion erfolgen, wir
dem Land in bestimmten Bereichen helfen und noch andere Länder eine gemeinsame Basis mit multilateralen Finanzorganisationen finden würden, eine große Bereicherung.
Meiner Ansicht nach wäre das tätsächlich ein
großes Plus.
Gorbatschow:
Dieser Antwort möchte
ich noch etwas hinzufügen. Zunächst
möchte ich die Äußerungen des Präsidenten bestätigen. Und zweitens kann
das, was bei dem Treffen stattgefunden hat, als politischer Impetus betrachtet werden, an dem es uns bei
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
gefehlt hat, der jedoch nunmehr Auftrieb bekommt und Gestalt annimmt,
wie sie unserem Leben heute entsprechen.
Der künftige Kurs dieses Prozesses
wird von der - rechtlichen und wirtschaftlichen - Vorgehensweise der Sowjetunion abhängen. Sie werden verstehen, daß wir heute eine entscheidende Hinwendung unserer Wirtschaft
zur Kooperation mit anderen Ländern
anstreben, so daß wir festes Mitglied
im Weltwirtschaftssystem werden.
Frage:
Angesichts der gespannten
Situation im Libanon - in welcher
Weise wurde die militärische Option
im Libanon erörtert? Und welche Entscheidungen haben Sie zum Nahen Osten
generell getroffen?
Die Frage geht
sowohl an Präsident Bush als auch an
Präsident Gorbatschow.
Gorbatschow:
Wir
konnten
nichts
zur Lage im Libanon sagen, weil sowohl die Vereinigten Staaten als auch
das sowjetische Volk Mitgefühl mit
der schwierigen Situation und den
Leiden dieser Menschen haben.
Wir
haben unsere Meinung ausgetauscht,
wobei wir in dieser Hinsicht gleicher
Meinung waren und übereingekommen
sind, den Meinungsaustausch fortzusetzen, wobei jeder seine Möglichkeiten ausschöpfen soll.

�Bush: Unsere - von Präsident Gorbatschow geteilten - Hoffnungen richten sich auf eine friedliche Lösung
der Libanonfrage.
Wir unterstutzen
das Dreiparteien-Abkommen, das von
Gorbatschow sehr aktiv gefördert wurde. Wir wollen keine Kämpfe mehr im
Libanon. Darin sind wir uns mit Gorbatschow voll und ganz einig. Daher
wurde der Libanon so eingehend erörtert und wir würden gern die Rückkehr
zu einem friedlichen, demokratischen
Libanon beobachten.
Meiner Ansicht
ist sich jeder in den Vereinigten
Staaten mit mir über die Unerträglichkeit der Kämpfe im Libanon im
klaren. Aber wir werden versuchen zu
helfen. Wir werden auf jede erdenkliche Art zu helfen versuchen.
Frage: Meine Frage richtet sich an
Präsident Bush. Als Präsident der
Vereinigten Staaten nehmen Sie erstmals an einem Gipfel teil, als Vizepräsident der vorigen Administration
haben Sie hingegen die Außenpolitik
mitbestimmt. Wie beurteilen Sie den
Kurs, den unsere beiden Länder zwischen Genf und Malta eingeschlagen
haben?
Bush:
Diese Frage ist leicht zu
beantworten, denn die Beziehungen
verbessern sich drastisch. In unserem Land gibt es ungeheure Unterstützung für das, was Präsident Gorbatschow in seinem Land unternimmt.
Für die Art und Weise, wie er friedlichen Veränderungen in Europa gegenübersteht, wird ihm viel Respekt gezollt und große Unterstützung zuteil. Bei diesem Treffen wurde all
das erreicht, was ich erhofft hatte.
Es war ein Treffen ohne Tagesordnung
und dennoch haben wir, auch nach Meinung Gorbatschows, sehr viele Themen
abgehandelt.
Wenn also mit einem
Treffen Beziehungen verbessert werden
können, dann ist das bei diesem Treffen sicherlich der Fall gewesen.
Frage:
Präsident Gorbatschow, haben Sie konkrete Vereinbarungen über
Instruktionen, Zeitpläne oder Termine
für die Verhandlungen über chemische

Waffen, Atomwaffen oder konventionelle Streitkräfte getroffen?
Gorbatschow:
Wir haben viel Zeit
für Gespräche über konkrete Fragen
zur Abrüstung und zu verschiedenen
Verhandlungen aufgewendet.
Nur als
Beispiel, und um Ihnen zu zeigen, daß
dies substantielle Gespräche waren,
teile ich Ihnen mit, daß unsere Außenminister bald zusammentreffen werden, die Anweisung erhalten haben,
eine Annäherung der Positionen zu erarbeiten.
Im Zusammenhang mit den
neuen interessanten Vorschlägen von
Präjident Bush über chemische Waffen,
die auf ein weltweites Verbot abzielen und bis dahin bestimmte Maßnahmen
vorsehen, besteht die Möglichkeit einer baldigen Annäherung.
Im Hinblick auf strategische Offensivwaffen zeigt die Analyse der Situation und die zur Vorbereitung des
Vertrags erteilten Instruktionen, daß
wir bis zur zweiten Junihälfte - und
das wurde offiziell beschlossen - die
notwendige Arbeit leisten, um die
grundlegenden
Bestimmungen
dieses
Vertrags zu erarbeiten, der dann in
den darauffolgenden Monaten unterschriftsreif würde.
Aus diesem Grund messe ich der hier
geleisteten Arbeit größte Bedeutung
bei. Natürlich gibt es Fragen, die
einer ausführlichen Erörterung bedürften, um Bedenken auf beiden Seiten auszuräumen. Unsere Bedenken im
Hinblick auf strategische Offensivwaffen und die Vorbereitung des Vertrags über den 50prozentigen Abbau
dieser Waffensysteme erstrecken sich
vor allem auf SLCMs. Wir haben mit
dem Präsidenten die Frage erörtert,
daß wir - das heißt die Sowjetunion angesichts der unterschiedlichen Kurse, die beim Abbau von Nuklearwaffen
und
konventionellen
Streitkräften
eingeschlagen wurden, an neuen Elementen in der Militärdoktrin der NATO-Staaten interessiert sind, wenn
wir eine Verteidigungsdoktrin erarbeiten wollen. Aus diesem Grund ist
es jetzt an der Zeit, die Gespräche

�über Seestreitkräfte aufzunehmen.
Ich möchte nochmals bekräftigen - und
ich glaube, der Präsident wird dem
zustimmen -, daß unsere Gespräche
sehr fruchtbar und ermutigend waren,
und wir daher mit Erfolg rechnen können.
Frage:
Präsident Gorbatschow, können Sie mir sagen, ob Ihr anfänglicher Optimismus gerechtfertigt war?
Gorbatschow:
Meiner Ansicht nach
gab es sowohl Grund für Optimismus
als auch Pessimismus, und ich möchte
hier nicht allzu sehr ins Detail gehen. Wenn ich Sie richtig verstanden
habe, zielt Ihre Frage darauf ab, inwieweit wir im Hinblick auf die Ergebnisse dieses Treffens von Optimismus oder Pessimismus sprechen können. Vor Beginn dieser Begegnung waren beide Seiten zurückhaltend und
haben eine ausgewogene, vorsichtige
Position bezogen. Das heißt jedoch
nicht, daß wir Pessimisten sind, sondern vielmehr sehr verantwortungsvoll
handelten.
Heute hat das Treffen
stattgefunden, und wir haben die Ergebnisse mit dem Präsidenten zusammengefaßt, und ich bin optmistisch
bezüglich der Ergebnisse und der sich
jetzt abzeichnenden Aussichten.
Frage: Präsident Bush, ich beziehe
mich auf die Frage der Seestreitkräfte, die Präsident Gorbatschow eben
gerade angeschnitten hat. Können Sie
uns sagen, was Sie Präsident Gorbatschow bezüglich Ihrer Haltung zum
Abbau der Seestreitkräfte und der
Haltung der NATO in diesem Zusammenhang mitgeteilt haben? Wenn die Sowjets tatsächlich bereit sind, zu einem defensiven Einsatzkonzept überzugehen, ist es dann nicht an der Zeit,
einige Kürzungen in diesem Bereich zu
erwägen?
Bush:
Bei unserem Treffen handelt
es sich nicht um Rüstungskontrollverhandlungen in dem Sinne, daß Differenzen ausgeräumt werden sollen. Wir
haben in der Frage der Seestreltkräfte noch Meinungsverschiedenheiten mit

der Sowjetunion - dessen sind wir uns
beide bewußt. Der Punkt ist jedoch,
daß wir diese Fragen in einer sehr
konstruktiven Atmosphäre erörtern und
der Staats- und Parteichef weiß, daß
ich hier keine Absprachen im Bereich
der Rüstungskontrolle treffen kann.
Meiner Ansicht nach sind die Seestreitkräfte kein Bereich, in dem wir
unmittelbare Erfolge verzeichnen können.
Wir haben über die ganze Bandbreite
dieser Themen gesprochen, jedoch keine Einigung bezüglich der besonderen
Frage der Rüstungskontrolle für Seestreitkräfte erzielt.
Dessen sind
wir uns beide bewußt.
Gorbatschow
hatte jedoch Gelegenheit, mir die Bedeutung dieses Themas zu erläutern.
Und als Bündnispartner haben wir die
Möglichkeit, das gesamte Spektrum von
Rüstungskontrollfragen
mit
unseren
Verbündeten zu erörtern. Es ist genau die Art von Atmosphäre für ein
Treffen, die er und ich uns vorgestellt hatten. Wir konnten Themen
besprechen, bei denen wir jahrelang
Meinungsverschiedenheiten hatten und
Wege finden, sie auszuräumen. Dies
ist uns in einigen wichtigen Bereichen gelungen.
Es bestehen jedoch
noch immer einige Differenzen, das
muß offen zugegeben werden.
Frage:
Haben Sie den sowjetischen
Vorschlag zu Helsinki II erörtert?
Und sind Sie bereit, im Hinblick auf
die Krise im Nahen Osten geraeinsam
mit der Sowjetunion die Initiative zu
ergreifen?
Gorbatschow:
Zunächst
zur
Frage
von Helsinki II. Meiner Ansicht nach
haben wir uns im Verlauf dieses Treffens auf die außerordentliche Bedeutung des KSZE-Prozesses verständigt
und seine positiven Ergebnisse festgehalten - Ergebnisse, dank derer die
tiefgreifenden Veränderungen in Europa und der Welt insgesamt fortgesetzt
werden können, da Europa aus vielfältigen Gründen großen Einfluß auf das
Weltgeschehen hat.
Sowohl Präsident Bush als auch Ich

- 7 -

�befürworten die Weiterentwicklung des
KSZE-Prozesses im Einklang mit den
Erfordernissen der heutigen Zeit, damit wir ein neues Europa auf der
Grundlage der Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen Ländern aufbauen können.
Wir haben erneut bekräftigt, daß es
sich hierbei um eine gemeinsame Angelegenheit aller europäischen Signatarstaaten der Schlußakte von Helsinki handelt, einschließlich der gesamten EG. Diese Tatsache fand in allen
Diskussionen über Europa und die
übrige Welt unter aktiver und konstruktiver Beteiligung der Vereinigten Staaten und Kanadas ihren Niederschlag. Aus diesem Grund befürworten
wir die Stärkung dieses Prozesses.
Die Umstrukturierung der KSZE-Institutionen sollte zu diesem Zeitpunkt
in einer Anpassung an die derzeitigen
Veränderungen bestehen.
Nehmen Sie
beispielsweise die NATO und den Warschauer Pakt. Sie sollten nicht länger militärische Bündnisse sein, sondern vielmehr militärpolitische und
später rein politische Bündnisse werden. Ihre Struktur würde sich also
entsprechend der Veränderungen auf
dem Kontinent wandeln.
Darüber hinaus bestehen berechtigte
Hoffnungen, daß der Gemeinsame Markt
und der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe unter aktiver Beteiligung der Vereinigten Staaten an den
Wirtschaftsprozessen zu größerer Offenheit gelangen werden. Unserer Ansicht nach müssen wir jetzt ensprechend den Erfordernissen der heutigen
Zeit Schritt für Schritt vorgehen,
die gesamte Verantwortung übernehmen,
ohne das Sicherheitsgefüge aus dem
Gleichgewicht zu bringen. Wir müssen
die Lage insgesamt, Stabilität und
Sicherheit
verbessern.
Um
diese
Punkte drehten sich unsere Gespräche,
und ich bin sicher, daß Präsident
Bush dem nur zustimmen und bekräftigen kann, daß wir übereinstimmende
Ansichten zu diesen Themen haben.

Frage: Das Treffen fand im Mittelmeer statt. Haben Sie das Problem
des Abbaus der militärischen Präsenz
im Mittelmeer erörtert?
Bush: Ist diese Frage an mich gerichtet?
Zunächst zum Abbau - wir
hatten keine spezifischen Zahlen im
Kopf. Gorbatschow hat die Frage der
Rüstungskontrolle für Seestreitkräfte
angeschnitten, und ich habe darauf
nicht beonders positiv reagiert. Wir
sind uns jedoch einig, daß wir den
KSE-Prozeß voranbringen und so abschließen wollen, daß Italien und die
anderen Länder fest im NATO-Bündnis
verankert sind. Wir haben zwar bei
diesen Themen nicht in allen Einzelheiten Einigung erzielt, aber das haben wir auch nicht erwartet.
Nun
möchte ich kurz.auf die Frage der gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Initiative eingehen. Um die Nahostfrage zu lösen, bedarf es keiner gemeinsamen Initiative. Wir haben jedoch festgestellt, daß die Sowjetunion im Libanon eine konstruktive Rolle
spielt und im gesamten Nahen Osten
versucht, das Dreiparteien-Abkommen
zu unterstützen, das auch die Vereinigten Staaten uneingeschränkt befürworten. Hier gibt es also Gemeinsamkeiten, was im Verlauf der Geschichte
vielleicht nicht immer der Fall war.
Und die Vereinigten Staaten haben es
auch nicht immer aus dem Blickwinkel
gesehen, welche konstruktive Rolle
die Sowjetunion spielen könnte.
Nach unseren und den zwischen Außenminister Baker und Schewardnadse geführten Gesprächen spielen die Sowjets eine konstruktive Rolle. Ich
möchte nochmals das Dreiparteien-Abkommen anführen. Ich bin sicher, daß
sie nach unseren Gesprächen unsere
Ansicht im Hinblick auf eine friedliche Lösung der Probleme im Nahen
Osten - sei es der Libanon oder Jordanien - teilen.
Hier haben wir
weitgehend Einigung erzielt.
Frage:
Präsident Gorbatschow, haben Sie Präsident Bush versichert,
daß die Sowjetunion...

�Gorbatschow: Ich kann dem, was Präsident Bush gesagt hat, nur hinzufügen, daß wir das Thema Naher Osten
sehr gründlich erörtert haben. Und
meines Erachtens haben wir Einigung
erzielt, unsere Möglichkeiten zu nutzen und einzugreifen, um eine Lösung
dieses anhaltenden Konflikts zu fördern, der die gesamte Weltlage negativ beeinflußt.
Wir sind uns darüber hinaus auch einig, daß wir eine realistische Chance
haben, den Einigungsprozeß in die Wege zu leiten. Da die Lage sich sehr
rasch ändert, dürfen wir diese Chance
nicht vergeuden.
Frage:
Ich gehöre zur Gruppe der
tschechoslowakischen
Journalisten.
Präsident Gorbatschow, haben Sie Präsident Bush zugesichert, daß die Veränderungen in Osteuropa unumkehrbar
sind und die Sowjetunion das Recht
auf militärische Intervention dort
aufgegeben hat?
Und an Präsident
Bush gleichermaßen die Frage: Haben
Sie infolge dieses Treffens größeres
Vertrauen, daß die Sowjets tatsächlich eine Abkehr von der BreschnewDoktrin vollzogen haben?
Gorbatschow:
Ich möchte mich hier
nicht als alleiniger Sprecher aller
europäischen Länder sehen. Das wäre
nicht richtig.
Wir sind ein Teil
Osteuropas, und damit ganz Europas.
Wir arbeiten in allen Bereichen mit
unseren Verbündeten zusammen, und unsere Bindungen sind tief.
Dennoch
bildet jede Nation eine eigenständige
Einheit in der Weltpolitik, und jedes
Volk hat das Recht, sein Schicksal
und das Schicksal seines Staates
selbst zu bestimmen.
Ich kann nur
meine eigene Einstellung erläutern.
Meines Erachtens wurden die Veränderungen in der Sowjetunion und in den
Ländern Osteuropas durch den Lauf der
Geschichte
selbst
herbeigeführt.
Niemand kann diesen Evolutionsprozeß
aufhalten, und die Probleme sollten
unter Berücksichtigung der Erfahrungen und des Potentials dieser Länder
auf einer neuen Grundlage gelöst wer-

den und Möglichkeiten eröffnen, um
alles Positive zu nutzen, das vom
Menschen geschaffen wurde.
Meiner
Ansicht nach sollten wir die Dynamik
dieser Prozesse begrüßen, da sie den
Wunsch der Menschen zum Ausdruck
bringen, ihre Gesellschaften demokratischer, menschlicher zu machen und
sich der Welt zu stellen. Daher fühle ich mich durch diesen Prozeß ermutigt, und ich glaube, daß die anderen
Länder ebenso denken.
Darüber hinaus beobachte ich tiefgreifende Veränderungen in anderen
Ländern, unter anderem in Westeuropa
und dies ist ebenfalls von Bedeutung,
da es sich um eine wechselseitige Bewegung handelt, dank derer sich die
Menschen auf dem Kontinent näher kommen und dabei gleichzieitg ihre eigene Identität bewahren. Es ist sehr
wichtig, sich dies vor Augen zu führen.
Frage:
Ich möchte im Namen der
tschechoslowakischen Journalisten eine Frage stellen. Wir erörtern die
Zukunft Europas...
Bush: Kann ich darauf kurz antworten?
Ohne Zweifel vollzieht sich
dort ein dramatischer Wandel. Niemand kann das bezweifeln. Und wenn
Präsident Gorbatschow von demokratischen und friedlichen Veränderungen
spricht, wird damit die bisherige
Doktrin zu Grabe getragen, die einen
anderen Ansatz verfolgte. Er weiß,
daß nicht nur der Präsident sondern
das ganze Volk der Vereinigten Staaten die Fortführung dieses demokratischen
Evolutionsprozesses
wünscht.
Dies ist meines Erachtens die beste
Art und Weise, diese Frage zu beantworten, da der Wandel so dramatisch
und so offensichtlich ist. Ich möchte jedoch hinzufügen, daß wir Gelegenheit hatten, dies sehr viel mehr
im Detail zu erörtern, als hier angebracht wäre.
Frage:
Präsident Bush, Sie haben
die Sowjetunion der Waffenlieferungen
nach El Salvador und Mittelamerika
beschuldigt, und Sie, Präsident Gor-

*

�batschow, haben diese Anschuldigungen
zurückgewiesen.
Jetzt sitzen Sie
beide hier nebeneinander - wer von
Ihnen ist im Recht?
Bush:
Vielleicht sollte ich diese
Frage als erster beantworten. Meiner
Ansicht nach haben wir keine solche
Beschuldigung gegenüber der Sowjetunion vorgebracht. Wir haben gesagt,
die Waffenlieferungen dorthin seien
eine unhaltbare Situation.
Meines
Erachtens haben die Nicaraguaner dies
nicht nur stillschweigend geduldet
sondern sogar ermutigt. Und die Beweise liegen auf der Hand. Aber ich
möchte hier die Worte des sowjetischen Außenministers nicht in Zweifel
ziehen. Er und Außenminister Baker
und Präsident Gorbatschow und ich haben darüber gesprochen. Meines Wissens hat er zu einem früheren Zeitpunkt gesagt, freie Wahlen seien der
richtige Weg. Ich habe ihn auch über
das Telephongepräch mit Oscar Arias
informiert, in dem er Castro und die
Sandinisten
dafür
verantwortlich
machte, die Revolution zu exportleren
und Mittelamerika zu unterminieren.
Zu diesem Thema könnten wir Meinungsverschiedenheiten haben, aber Ich wäre vorsichtig, wenn Sie sagen, ich
hätte sie dieser Waffenlieferungen
beschuldigt. Das habe Ich nicht, da
Außenminister
Schewardnadse
direkt
mit seinem Amtskollegen Baker in Verbindung getreten ist. Jeder weiß jedoch, daß es in Mittelamerika Unmengen von Waffen internationaler Provenienz gibt.
Unabhängig von ihrer
Herkunft untergraben sie jedoch die
Bestrebungen der Länder In der Region, die eine Fortführung des Demokratisierungsprozesses wünschen.
Gorbatschow:
Präsident
Bush
hat
das Gespräch über dieses Thema richtig erläutert. Wir wurden nicht beschuldigt, und wir mußten weder etwas
akzeptleren noch zurückweisen.
Wir
haben den Präsidenten über die bindenden Zusagen aus Nicaragua informiert, daß weder die Waffen noch
Flugzeuge eingesetzt werden. Und der
Präsident hat unsere Argumente ange-

nommen und ihnen zugestimmt. Im Hinblick auf das prinzipielle Vorgehen
möchte ich wiederholen, daß wir freie
Wahlen befürworten, damit dieser Konflikt mit politischen Mitteln gelöst
und die Situation sich normalisieren
kann.
Bush: Darüber hatte man sich geeinigt. Ich stimme dieser Beurteilung
zu. Dennoch habe ich immer noch das
Gefühl, daß Waffen nach El Salvador
geliefert werden. Wir haben eindeutige Beweise dafür.
Ich kann die
Darstellung der Fakten hier nicht widerlegen.
Aber es gibt Differenzen. Ich glaube
nicht, daß die Sandinisten unseren
sowjetischen Freunden die Wahrheit
gesagt haben. Und warum? Weil wir
mit lOOprozentiger Sicherheit wissen,
daß Waffen nach dort geliefert worden
sind.
Ich sage nicht, sowjetische
Waffen. Sie haben gesagt, sie liefern keine Waffen, und das akzeptiere
ich. Aber es werden Waffen dorthin
geliefert. Und ich sage, daß sie Außenminister Schewardnadse irregeführt
haben, als sie definitiv erklärten,
von Nicaragua gingen keine Waffenlieferungen nach El Salvador. Es gibt
also unterschiedliche Betrachtungsweisen bei dieser Frage. Und die beste Art und Weise, diese Differenzen
beizulegen, besteht in freien Wahlen
in Nicaragua. Was Castro anbetrifft
- auf ihn habe ich überhaupt keinen
Einfluß. Vielleicht stellt irgendjemand diese Frage an Präsident Gorbatschow. Aber weltweit gibt es hie
und da unterschiedliche Meinungen an
unterschiedlichen Orten.
Frage: Eine Frage an beide Präsidenten: Was ist mit Kuba?
Gorbatschow:

Was meinen Sie?

Frage: Oscar Arias hat offensichtlich Präsident Bush angerufen und ihm
gesagt, Kuba würde die Lage in der
Region durch Kommentare schüren...
Gorbatschow:
Latein- und

Wir haben die Lage in
Mittelamerika
erörtert

�und unsere Beurteilungen erläutert.
Anhand unserer eigenen Analysen und
Beurteilungen habe ich dem Präsidenten die sich abzeichnenden Konditionen zur Verbesserung der Lage erklärt, da sowohl die Vereinigten
Staaten als auch andere Länder den
Wunsch zur Normalisierung haben.
Frage:
Wie schätzen
in Deutschland ein?

sie

Gorbatschow:
Möchten Sie
deutschen Frage beginnen?
Frage:
Wollen
Präsident?

Sie

die

mit

te zu diesem Thema das letzte Wort
haben.
Gorbatschow:
Ja, und der Präsident
hat mir eine Botschaft in Englisch
gesandt. Ich spreche kein Englisch,
aber ich habe in Russisch geantwortet
- er spricht kein Russisch. Wir haben uns trotzdem verständigt.

Lage

der

antworten, Herr

Bush: Sehr gerne. Vielleicht wiederholt jemand die Frage noch einmal,
wenn ich antworten soll. War es die
Frage bezüglich Deutschland?
Frage: Ob die deutsche Frage erörtert wurde und ihre Haltung gegenüber
dem Kohl-Plan.
Bush: Die Vereinigten Staten haben
als Teil der NATO eine traditionelle
Position. In Helsinki wurde ein Konzept permanenter Grenzen formuliert.
Ich habe Präsident Gorbatschow gegenüber eindeutig klargestellt, daß wir
unsererseits nichts Unrealistisches
tun wollen, das zu Rückschritten in
einem Land oder zur Verwicklung des
eigenen Volkes in einem militärischen
Konflikt führen könnte.
Meines Erachtens haben wir also versucht, uns so zu verhalten, wie es
auch Präsident Gorbatschow angedeutet
hat - wohlüberlegt. Also nicht auf
der Berliner Mauer zu demonstrieren,
um zu zeigen, wie glücklich wir über
den Wandel sind.
Wir sind sehr
glücklich über die Veränderungen.
Ich habe von vielen führenden Politikern Erklärungen zur deutschen Frage
vernommen. Ich glaube nicht, daß es
den Vereinigten Staaten zukommt, das
Tempo des Wandels in irgeneinem Land
zu diktieren.
Dies ist Sache der
dort lebenden Menschen. Das ist unsere Position. Der Vorsitzende soll-

Ich möchte mich kurz fassen. In den
letzten Tagen habe ich mehrmals zu
dieser Frage Stellung genommen. Ich
kann nur bekräftigen, was ich bereits
früher erklärt habe, aber nach den
Gesprächen mit dem Präsidenten über
dieses Thema kann ich sagen, daß wir
dieses Problem auf der Grundlage des
KSZE-Prozesses behandeln, in dem die
Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs ihren Ausdruck fanden und der die Ergebnisse dieses Krieges festgeschrieben hat. Und das sind Realitäten.
Die Realität besteht darin, daß wir
heute in Europa zwei deutsche Staaten
haben - die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische
Republik -, die beide Mitglieder der
Vereinten
Nationen
und
souveräne
Staaten sind.
Die Geschichte hat es so entschieden. Und ich komme immer wieder auf
diesen Grundsatz zurück. Um Realisten zu bleiben, sollten wir erklären, daß die Geschichte selbst über
die Prozesse und das Schicksal des
europäischen Kontinents sowie über
das Schicksal beider deutscher Staaten entscheidet.
Ich bin der Meinung, daß dies eine von allen Seiten
geteilte Überzeugung ist. Und jede
künstliche Beschleunigung des Prozesses würde die Lage nur verschlimmern
und den Wandel in vielen europäischen
Ländern nur erschweren.
Wir würden diesem Prozeß durch eine
künstliche Beschleunigung oder das
Antreiben der gegenwärtig in beiden
Ländern stattfindenden Prozesse keinen Dienst erweisen.
Ich denke, wir können den Medien für
ihre Zusammenarbeit dankbar sein.
Wir wissen natürlich noch nicht, was

- 11 -

�sie über uns schreiben werden.
Bush:
...richtig, ihnen nachher zu
danken?
Nachdem sie ihre Berichte
verfaßt haben?
Gorbatschow:
Wir sollten ihnen im
voraus danken, und sie werden deshalb
in Zukunft bessere Bereichte verfassen.
Ich möchte Ihnen für Ihre Zusammenarbeit danken, Herr Präsident.
Frage:
Präsident
Bush, wie ist
denn jetzt die persönliche Beziehung
zwischen Ihnen beiden? Wären regelmäßige Kontakte, die vielleicht nicht
mehr als Gipfeltreffen zu bezeichnen
wären, hilfreich?
Bush:
Ich habe Präsident Gorbatschow schon vorher gekannt, und ich
überlasse es ihm, für sich selbst zu
sprechen, aber ich bin der Meinung,
daß wir ein gutes persönliches Verhältnis haben, und ich glaube, das
trägt zur Offenheit auf beiden Seiten
bei - daß wir unsere unterschiedlichen Meinungen sowie auch die Bereiche des Einvernehmens darlegen. Und
das ist ein sehr wichtiges Element
aufgrund der Position der beiden
Mächte und aufgrund der dramatischen
Veränderungen, die heute stattfinden.
Ich sage nicht, daß er aufgrund persönlicher Sympathien seit langem bestehende politische Positionen ändern
wird. Und wenn ich sage, daß ich ihn
mag, heißt das nicht, daß wir unsere
seit langem bestehenden Positionen
verändern werden. Es ist uns hier
jedenfalls gelungen, uns zu treffen
und über die Meinungsverschiedenheiten ohne Groll und so offen wie möglich zu sprechen. Und meiner Meinung
war dies ein sehr konstruktives Treffen. Ich hätte mir also kein besseres Ergebnis dieses Nichtgipfel-Gipfeltreffens wünschen können.
Was Ihre Frage nach regelmäßigen
Treffen angeht, so bin ich offen, ihn
so oft wie nötig zu treffen, um die
fortschrittliche Entwicklung in Gang

zu halten.
Wir haben bereits ein
Gipfeltreffen
verabredet.
Dieses
Gipfeltreffen wird die Tagesordnung
in der Rüstungskontrolle voranbringen. Und das ist gut so, weil ich
ihm gegenüber dargelegt habe, daß wir
ein START-Abkommen und ein KSE-Abkommen sowie hoffentlich ein Abkommen
über chemische Waffen erreichen möchten. Das ist eine sehr ehrgeizige
Tagesordnung.
Ich denke, wenn wir
uns nicht hier an den Tisch gesetzt
und miteinander gesprochen hätten, so
hätten wir vielleicht nicht verstanden, wie der andere über diese wichtigen Themen denkt.
Gorbatschow:
Ich möchte bestätigen, was Präsident Bush gesagt hat daß wir uns schon lange kennen. Aber
ich möchte hinzufügen - und darauf
habe ich mich nicht mit dem Präsidenten im voraus verständigt, aber es
ist auch kein Geheimnis -, daß wir
einen umfangreichen Meinungsaustausch
bei früheren Kontakten hatten und dadurch Verständnis für die Positionen
des anderen entwickelt haben.
Ich
möchte nur Governors Island oder unser Gespräch im Auto erwähnen, wodurch wir verstanden haben, worüber
wir gesprochen haben.
Ferner hat es einen Briefwechsel gegeben, und unser heutiges Treffen
stellt unsere Kontakte auf eine höhere Ebene. Ich bin über unsere Treffen und unsere Gespräche befriedigt,
einschließlich unserer beioden Gespräche unter vier Augen. Ich teile
die Ansicht des Präsidenten, daß persönliche Kontakte ein sehr wichtiges
Element in den Beziehungen zwischen
Staatschefs sind, und dies gilt tim so
mehr, da wir von den führenden Politikern von Ländern wie den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sprechen. Ich begrüße diese persönliche
Beziehung.
Der Präsident hatte ganz recht, als
er sagte, dies bedeute nicht, daß wir
unsere seit langem vertretenen Positionen um unserer persönlichen Beziehung willen aufgeben oder uns der
Verantwortung entziehen würden. Ich

- 12 -

�glaube, daß unsere persönlichen Kontakte uns dabei helfen, unserer Verantwortung gerecht zu werden und besser im Interesse unserer beiden Staaten und der gesamten internationalen
Staatengemeinschaft miteinander auszukommen. Ich persönlich möchte dem
Präsidenten für seine Zusammenarbeit
bei diesem Treffen danken, für die
Kooperation bei einem sehr wichtigen
amerikanisch-sowjetischen
Vorhaben.
Unser Anteil ist fifty-fifty.

* * * * *

- 13 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

$ &lt;

6. Dezember 1989

44

BAKER ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HALTUNG ZUR EINHEIT DEUTSCHLANDS
- Interview des US-Außenministers mit CNN BRÜSSEL - (AD) - In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN
hat Außenminister Baker am 4. Dezember 1989 darauf verwiesen, daß die Einheit
Deutschlands seit 40 Jahren und auch weiterhin Ziel der amerikanischen Außenpolitik sei. Der spezifische Charakter einer solchen Vereinigung solle jedoch
gegenwärtig nicht festgelegt werden, "denn Einheit kann vieles bedeuten".
Ferner müßten in der DDR vor einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten
"Selbstbestimmung ... freie und faire Wahlen mit mehreren Parteien" sowie "die
Entwicklung zu einer freien Marktwirtschaft" verwirklicht werden. Die Grenzen
in Europa "sollten nur mit friedlichen Mitteln verändert werden".
Nachfolgend
Wortlaut:

veröffentlichen

wir das

Interview mit dem US-Außenminister im

Frage: Sie kommen gerade vom Gipfeltreffen der Präsidenten Gorbatschow und Bush in Malta und werden
nun zusammen mit Präsident Bush die
Verbündeten unterrichten. Erwägt das
Bündnis nun weitere Reduzierungen der
konventionellen Streitkräfte in Europa, die über das hinausgehen, was bereits für den Abschluß eines Vertrags
mit der Sowjetunion vorgeschlagen
wurde?

Die vielfach von unseren Verbündeten
zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen, wir könnten uns auf irgendeine
Diskussion mit den Sowjets über einen
speziellen Vorschlag zur Reduzierung
der konventionellen Streitkräfte einlassen, waren also unbegründet. Und
meines Erachtens wird dies nach dem
Bericht des Präsidenten über sein
Treffen in Malta jetzt allgemein anerkannt.

Antwort:
Nein, das ist nicht der
Fall, und dieses Thema wurde in Malta
auch gar nicht behandelt - das heißt,
die weitere Reduzierung der konventionellen Streitkräfte wurde nicht in
solch spezieller Form mit Gorbatschow
angesprochen. Es gab nur eine sehr
allgemeine Diskussion über konventionelle Streitkräfte.

Frage: Haben Sie mit den Verbündeten über eine mögliche nächste Stufe
der Reduzierungen gesprochen?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Antwort: Nein. Heute morgen haben
wir ziemlich umfassend über die Bedeutung von Fortschritten in bezug
auf ein Abkommen über konventionelle
Streitkräfte und dessen Abschluß im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kommenden Jahr gesprochen, was dem
ursprünglich im vergangenen Mai von
der NATO vereinbarten Zeitplan entspricht, der auch von Präsident Bush
und Präsident Gorbatschow in Malta
gutgeheißen wurde - also ein Abschluß
im nächsten Jahr. Darüber wurde heute morgen ziemlich eingehend gesprochen.
Frage:
Ein weiteres Thema, das
heute morgen sicherlich zur Sprache
kam, ist die Zukunft Deutschlands.
Haben die Verbündeten darüber diskutiert und gab es einen Konsens darüber, wie diese Frage zu behandeln
ist?
Antwort:
Nun, darüber wurde gesprochen. Ich scheue mich ein wenig,
dies als Konsens zu bezeichnen, denn
es könnte sehr wohl unterschiedliche
Ansichten dazu geben, aber ich werde
Ihnen gerne unsere Haltung erläutern.
Unsere Haltung ist grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, daß die Einheit
Deutschlands ein seit 40 Jahren von
der NATO vertretenes politisches Ziel
ist. Aber Einheit kann vieles bedeuten. Sie kann in einem einzigen Bundesstaat oder in einer Konföderation
von Staaten verwirklicht werden. Wir
sollten also zum jetzigen Zeitpunkt
den genauen Charakter einer solchen
möglichen
Vereinigung
noch
nicht
festlegen.
Ein weiterer Grundsatz besteht darin,
daß dies nur nach der Verwirklichung
der Selbstbestimmung in der Deutschen
Demokratischen Republik, freien Wahlen - freien, fairen Wahlen mit mehreren Parteien - der Fall und Teil
eines schrittweisen Prozesses sein
sollte.
In dieser Hinsicht besteht
größtenteils Einmütigkeit, aber ich
scheue mich doch zu sagen, es herrsche ein Konsens, weil es einige
Staaten geben könnte, die bei dem einen oder anderen dieser Prinzipien
eine unterschiedliche Haltung einnehmen.
Bevor wir zum nächsten Thema kommen,
möchte ich noch ein weiteres Prinzip

nennen. Eine Vereinigung der beiden
deutschen Staaten betrifft natürlich
auch Grenzen. Ich bin sicher, daß es
hier wahrscheinlich unterschiedliche
Ansichten bei verschiedenen Mitgliedstaaten des Bündnisses geben wird,
und ich bin mir bewußt, daß auch einige Länder im Osten - etwa die Sowjetunion - eine andere Meinung vertreten, wenn es um die Grenzfrage
geht. Dem Standpunkt der Vereinigten
Staaten zufolge sollten wir uns an
die Sprachregelung der Schlußakte von
Helsinki halten, die davon ausgeht,
daß die Grenzen in Europa unverletzlich sind und nur mit friedlichen
Mitteln verändert werden sollten.
Frage:
Sind die
unverletzlich?

heutigen

Grenzen

Antwort:
Die
heutigen
Grenzen.
Dies gilt für die Grenzen Deutschlands, dies gilt für die Grenzen zwischen Deutschland und Polen, und das
geht aus der Schlußakte von Helsinki
hervor und entspricht der Position
der Vereinigten Staaten.
Es gibt da noch ein weiteres Element,
das zwangsläufig ins Spiel kommt,
wenn wir von der Vereinigung Deutschlands sprechen, und das sind die
Rechte und Pflichten der alliierten
Mächte.
Bis heute gibt es keinen
Friedensvertrag mit Deutschland. All
dies muß berücksichtigt werden, wenn
wir über die Frage der Wiedervereinigung Deutschlands sprechen.
Frage: Botschafter Walters hat angeblich behauptet, seiner Ansicht
nach könnte die Wiedervereinigung in
weniger als fünf Jahren verwirklicht
werden. Ist das auch die Ansicht der
Vereinigten Staaten?
Antwort: Nein. Ich bin nicht sicher, daß man das sagen kann. Dies
ist die Ansicht von Herrn Walters,
und Herr Walters hat auf diesem Gebiet große Erfahrung. Er ist unser
Botschafter in der Bundesrepublik,
aber es entspricht nicht der politischen Ansicht dieser Administration,
dafür einen bestimmten Zeitrahmen zu

- 2 -

�setzen, denn - wie ich bereits gesagt
habe - müssen zunächst diese zusätzlichen Schritte durch das Volk der
DDR vollzogen werden - Selbstbestimmung, freie und faire Wahlen, Fortschritte in Richtung auf eine freie
Marktwirtschaft und so weiter.
Frage:
Hat
Präsident Gorbatschow
über die Grenzen Deutschlands gesprochen? Hat er während des Gipfeltreffens im Hinblick auf die sowjetische
Haltung zur Wiedervereinigung und zur
innerdeutschen
Grenze
Flexibilität
gezeigt?
Antwort: Er hat uns gegenüber dasselbe gesagt wie in der abschließenden Pressekonferenz, bei der er erklärte, wir sollten die Frage der
Wiedervereinigung dem Urteil der Geschichte überlassen. Die Geschichte
soll entscheiden. Er hat ebenso erklärt, daß eine Wiedervereinigung der
Sowjetunion Probleme bereiten würde,
daß eine Forcierung dieses Themas zu
echten Spannungen führen könnte.
Frage: Die SED ist in den vergangenen beiden Tagen nahezu völlig zusammengebrochen. Eine Machtbasis von
Egon Krenz scheint heute nicht mehr
zu existieren. Ist die DDR gegenwärtig führungslos?
Antwort:
Nun, man muß vielleicht
sagen, daß dort gegenwärtig ein Übergang von einer Regierung zu einer anderen stattfindet.
Wie sich diese
Regierung neu konstitutieren wird,
kann ich Ihnen nicht beantworten.

sein, bevor die volle Selbstbestimmung verwirklicht wird, aber ich bin
überzeugt, daß sie entschlossen sind,
dorthin zu gelangen und daß sie dies
auch letzten Endes erreichen werden.
Frage: Nun, genau das meinen viele
ja, wenn sie die Situation in der DDR
als "instabil" bezeichnen, als eine
Lage, in der nicht feststeht, wer am
Ruder ist, ob es überhaupt eine Autorität gibt und so weiter. Haben Sie
mit Präsident Gorbatschow über die
Frage der Gewaltanwendung oder sowjetischen Druck auf Osteuropa oder über
die Bewältigung dieser Art von Instabilität gesprochen?
Antwort:
Der
Präsident hat mit
Präsident Gorbatschow darüber gesprochen und ihm sehr klar zu verstehen
gegeben, daß uns ein solches Eingreifen vor schwere Probleme stellen würde, so wie ich es bei zwei früheren
Anlässen auch dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse gegenüber getan habe, indem ich ihm erklärte, das
amerikanische Volk werde für Gewaltanwendung gegen friedlichen Protest
in Osteuropa keinerlei Verständnis
haben.
In beiden Fällen wurde uns
von der sowjetischen Führung versichert, daß dies außer Frage stehe.
Wenn ich mich recht erinnere, erklärte Schewardnadse mir gegenüber wörtlich: "Wir werden in Osteuropa keine
Gewalt anwenden. Das würde bedeuten,
daß die Perestrojka gescheitert ist."

Frage: Bedeutet dies Wahlen in naher Zukunft?
Antwort:
Meines Erachtens besteht
beim Volk der DDR ein echter Wunsch
nach Selbstbestimmung, und Selbstbestimmung kann ohne freie und faire
Wahlen mit mehreren Parteien nicht
verwirklicht werden. Gegenwärtig haben sich noch keine neuen Parteien
organisiert. Sie stehen erst am Anfang, die Parteien dort stecken noch
in den Kinderschuhen. Es wird also
noch eine Wegstrecke zurückzulegen
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

6. Dezember 1989

44

BUSH UNTERZEICHNET VORLAGE ZUR HILFE FÜR POLEN UND UNGARN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage für die
Polen- und Ungarnhilfe im Umfang von 938 Millionen Dollar erklärte Präsident
Bush am 28. November 1989, dieses Gesetz sei "ein wichtiger und positiver
Schritt einer von allen Parteien getragenen Außenpolitik".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Ich habe heute das "Gesetz zur Unterstützung der Demokratie in Osteuropa
(SEED)" unterzeichnet.
Mit dieser
Vorlage werden 938 Millionen Dollar
zur Unterstützung der Demokratisierung in Polen und Ungarn freigegeben. Ferner werden verschiedene Programme zur Förderung von Reformen in
diesen Ländern bewilligt, insbesondere für wirtschaftliche Stabilisierung, Handelsliberalisierung und Unternehmensfonds zur Entwicklung des
Privatsektcrs, Arbeitsmarktreform sowie verbesserten Umweltschutz.
Ein Jahr nähert sich dem Ende, das
künftigen Generationen als Wasserscheide in Erinnerung bleiben wird,
ein Jahr, in dem der menschliche

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Geist von den kühnen und mutigen Aktionen zweier Völker - der Polen und
Ungarn - neu befruchtet wurde.
Am Anfang dieses Jahres standen die
ersten Gespräche am runden Tisch in
Polen. Im April wurde eine Vereinbarung zwischen der polnischen Kommunistischen Partei und der Gewerkschaft
Solidarität abgeschlossen, die im
Juni zu Wahlen führte. Obwohl noch
nicht alle Sitze im Parlament frei
gewählt wurden, gelang es dem polnischen Volk, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen - und damit die politische Landschaft in Polen neu zu
gestalten. Am Ende stand die erste
nichtkommunistische Regierung Osteuropas seit 1948. Diese Regierung hat

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Umgestaltung der polnischen Gesellschaft weitergeführt. Ein neues
Wirtschaftsprogramm mit der Aussicht
auf Umwandlung Polens in eine Marktwirtschaft wurde vorgelegt.
Auch die Ereignisse in Ungarn haben
die Phantasie der Welt beflügelt. Im
Mai beschloß Ungarn, den Stacheldrahtzaun, der das Land vom Westen
trennte, niederzureißen. Im September applaudierte die ganze Welt Ungarn für die Entscheidung, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und Bewohnern der DDR zu erlauben, seine Grenzen in Richtung Westen zu passieren. In jüngster Zeit
hat Ungarn nahezu alle Attribute eines stalinistischen Staats abgelegt eine neue, auf demokratische Prinzipien gegründete Verfassung wurde verabschiedet, der Name des Landes wurde
von "Volksrepublik" zu "Republik Ungarn" geändert und die regierende
Kommunistische Partei löste sich auf,
um eine völlig andere und wesentlich
kleinere Sozialistische
Partei zu
schaffen, die mit allen anderen Parteien um die Stimmen des ungarischen
Volkes konkurrieren muß. Am 26. November 1989 fand in Ungarn ein Referendum statt, um über den Zeitpunkt
für freie Wahlen zu entscheiden.
Parlamentswahlen mit mehreren Parteien werden spätestens im nächsten Sommer abgehalten. Diese Wahlen bieten
die Aussicht, Ungarn politisch ebenso
zu verändern wie die Wahlen in Polen
jenes Land verändert haben.
Die Vereinigten Staaten haben sich
bei diesen Ereignissen nicht auf die
Rolle eines untätigen Zuschauers beschränkt.
Im April habe ich in
Hamtramck (Michigan) eine Reihe von
Schritten angekündigt, mit denen die
politischen und wirtschaftlichen Reformen in Polen unterstützt und Polen
Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden
sollte.
Seither hat meine Administration eng mit dem Kongreß zusammengearbeitet, und ich bin dankbar
dafür, daß viele der von uns vorgeschlagenen Maßnahmen in diesem Gesetz
enthalten sind.

Im Juli besuchte ich Polen und
Ungarn zu Gesprächen mit der dortigen
Führung und um mir selbst ein Bild
von den Veränderungen in diesen beiden Ländern zu machen.
Im Rahmen
dieses Besuchs hatte ich Gelegenheit,
eine Rede bei einer Sitzung des polnischen Parlaments zu halten und in
Budapest vor einer großen Zuhörerschaft an der Karl-Marx-Universität
über politische und wirtschaftliche
Reformen zu sprechen. Ich kündigte
eine Reihe von Maßnahmen an, mit denen die weitere Unterstützung der
Vereinigten Staaten für die anhaltenden Reformbestrebungen in Polen und
Ungarn demonstriert werden sollten.
Meine Administration hat seitdem tatkräftig an der Verwirklichung der von
mir vorgeschlagenen Maßnahmen gearbeitet.
Wo keine gesetzgeberischen
Maßnahmen erforderlich waren, haben
wir Fortschritte erzielt. Mit den
heute rechtskräftig werdenden Gesetzen können wir die noch anstehenden
Maßnahmen durchführen.
Wir wollen
diese Maßnahmen so schnell wie möglich verwirklichen.
Dieses Gesetz umfaßt eine weitere
Maßnahme, die ich im Oktober gefordert habe - die Genehmigung für den
Beitrag
zu einem Stabilisierungsfonds, den die polnische Regierung
erbeten und den wir bewilligt haben.
Ich gratuliere dem Kongreß zu seiner
schnellen Reaktion auf diese Bitte.
Wir arbeiten jetzt gemeinsam mit unseren wichtigsten Verbündeten und der
G-24 - der beim Pariser Weltwirtschaftsgipfel
ins Leben gerufenen
Gruppe zur Koordinierung der Hilfe
für Polen und Ungarn - um die für
diesen Fonds erforderliche zusätzliche Finanzierung zu erhalten.
Das Inkrafttreten dieses Gesetzes ist
ein wichtiger und positiver Schritt
einer von allen Parteien getragenen
Außenpolitik. Es besteht ein starker
nationaler Konsens im Hinblick auf
die Unterstützung Polens und Ungarns. Der Kongreß hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, der auf meine Anforderungen eingeht und darüber hin-

- 2 -

�aus eine Reihe zusätzlicher Programme
vorsieht, die gemeinsam unser nationales Ziel fördern wollen: politische und wirtschaftliche Freiheit in
Polen und Ungarn zu unterstützen.

ihm von der Verfassung zugestandene
Macht auszuüben, wurden solche Bestimmungen immer als Empfehlungen und
nicht als Vorschriften betrachtet.

Dankenswerterweise werden mir die
Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt vorgelegt. Die friedliche Revolution, die
in Polen stattgefunden hat, ist das
Werk vieler Menschen.
Einer nimmt
dabei jedoch eine herausragende Stellung ein: Lech Walesa. Er hat auch
in den dunkelsten Jahren des Kriegsrechts den Glauben nicht verloren.
Er hat die Möglichkeiten des Runden
Tisches erkannt und sich und seine
Organisation in den Dienst dieses historischen Prozesses gestellt. Kürzlich sprach er im Kongreß. Es ist
nicht mehr als angemessen, daß wir
anläßlich meiner Unterzeichnung dieser Maßnahmen diesen Mann würdigen.
Schließlich verfügen einzelne Bestimmungen des Gesetzes, daß verschiedene
Behörden in bestimmter Weise mit ausländischen Regierungsvertretern zusammenarbeiten und in unseren bilateralen Beziehungen oder multilateralen
Foren bestimmte Ziele verfolgt werden
sollen. Im Sinne der Praxis in der
Vergangenheit betrachte ich diese Bestimmungen als empfehlenswert, nicht
als obligatorisch.
Meiner Ansicht
nach steht diese Interpretation im
Einklang mit der ausdrücklichen Meinung des Kongresses über die Notwendigkeit "größtmöglicher Flexibilität"
bei der Durchführung dieser Gesetzesbestimmungen.
Andere Bestimmungen des Gesetzes sehen vor, daß der Präsident Berichte
mit seinen Empfehlungen über die angemessene Form der Hilfe für Polen
und Ungarn vorlegt. Die Verfasssung
erkennt ausschließlich dem Präsidenten das Recht zu, dem Kongreß von ihm
als erforderlich und zweckdienlich
erachtete Maßnahmen zur Prüfung vorzulegen. Da der Kongreß nicht per
Gesetz
vom
Präsidenten
verlangen
kann, unter bestimmten Umständen die

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VO"N'^

44

6. Dezember 1989

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVEN BEIM TREFFEN VON MALTA
- Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu den beim Treffen in Malta
am 2. und 3. Dezember 1989 vom amerikanischen Präsidenten vorgestellten Initiativen wurde am 4. Dezember 1989 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Präsident Bush und Staats- und Parteichef Gorbatschow haben bei ihrem
Treffen in Malta einen Meinungsaustausch
zu einer großen Bandbreite
von Themen - unter anderem zu den bemerkenswerten Ereignissen, die den
friedlichen und demokratischen Wandel
und Ost- und Mitteleuropa hervorgebracht haben - vorgenommen.

hungen wichtige neue Impulse zu geben. Der Präsident hat sich in seinen Äußerungen diesem Ziel persönlich
verschrieben.
In diesem Sinne hat der Präsident
folgende Vorschläge unterbreitet:

Der nächste Schritt
Der Präsident hat der Perestrojka
seine Unterstützung zugesichert und
vorgeschlagen, daß beide Spitzenpolitiker sich zum Ziel setzen sollten,
den amerikanisch-sowjetischen Bezie-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1.

Ein Gipfel soll in den letzten
beiden Juniwochen des nächsten
Jahres in den Vereinigten Staaten
stattfinden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2.

Das nachte Außenministertreffen
soll in Vorbereitung auf den Gipfel nächsten Monat in der Sowjetunion abgehalten werden.

5.

Gespräche über ein bilaterales
Investitionsabkommen sollen aufgenommen werden, zum Schutz amerikanischer Geschäftsleute, die
in der Sowjetunion investieren
wollen.

6.

Die Verbindungen zwischen der Sowjetunion und der OECD sollen
ausgebaut und die Wirtschaftskooperation zwischen Ost und West
durch den Wirtschaftskorb des
KSZE-Prozesses erweitert werden.

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
1.

2.

Beim Gipfel 1990 ist der Abschluß
eines Handelsabkommens vorgesehen, das der Sowjetunion den
Meistbegünstigungsstatus
einräumt, so daß der Präsident
gleichzeitig eine Aufhebung von
Jackson-Vanik verfügen kann. Zur
Verwirklichung dieses Ziels hat
der Präsident die sofortige Aufnahme von Verhandlungen über ein
Handelsabkommen vorgeschlagen und
den Obersten Sowjet aufgefordert,
die Neuordnung der Auswanderungsgesetze zu Beginn nächsten Jahres
abzuschließen.
Nach Abschluß der Uruguay-Runde
im kommenden Jahr soll der Beobachterstatus der Sowjetunion im
GATT gefördert werden. Der Präsident hat die Sowjetunion aufgefordert, die verbleibende Zeit zu
nutzen, um marktorientierte Preise einzuführen und Absatzmärkte
zu schaffen, so daß die Wirtschaft mit dem GATT-System kompatibel wird.

3. Die
amerikanisch-sowjetische
Wirtschaftskooperation soll ausgebaut werden. Der Präsident hat
einen Katalog mit Vorschlägen zu
einzelnen
Wirtschaftsprojekten
vorgelegt, unter anderem in den
Bereichen Finanzwesen, Landwirtschaft, Statistik, Mittelstandsförderung, Haushalts- und Steuerpolitik sowie eine Börse und Kartellgesetze.
4.

Gemeinsam mit dem Kongreß soll
nach dem Verzicht auf Jackson-Vanik die Aufhebung gesetzlicher Beschränkungen für Exportkredite
und -garantien
geprüft
werden.

Menschenrechte
Bis zum Gipfel 1990 sollen alle Probleme der Familienzusammenführung gelöst werden. Zu diesem Zweck hat der
Präsident eine • Liste mit auswanderungswilligen Personen überreicht.

Regionale Fragen
Der Präsident bekundete seine Enttäuschung über die sowjetische Politik
gegenüber Mittelamerika, die ihm zufolge nicht im Einklang mit dem neuen
Kurs steht, den die Sowjetunion in
Osteuropa und im Bereich der Rüstungskontrolle einschlägt. Nicaragua und Kuba bleiben der einzige
Störfaktor in den Beziehungen.

Rüstungskontrolle
1. Die Verwirklichung eines Verbots
chemischer Waffen soll durch das
amerikanische
Angebot
erzielt
werden, die Herstellung binärer
Waffen einzustellen, wenn die
multilaterale
Konvention
über
chemische Waffen in Kraft tritt.
Dies geschieht im Gegenzug dafür,
daß die Sowjets die Bedingungen
unseres UN-Vorschlags über ein
Verbot chemischer Waffen akzeptieren.
2.

- 2 -

Der Vorschlag wurde unterbreitet,
beim Gipfel 1990 ein Abkommen zur

�Zerstörung amerikanischer und sowjetischer chemischer Waffen bis
auf 20 Prozent des gegenwärtigen
Niveaus zu unterzeichnen.

satzkonzept und Statistiken über die
Waffenherstellung veröffentlicht.

Olympische Spiele
Die gemeinsame Unterstützung der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion für ein KSE-Gipfeltreffen 1990 mit gleichzeitiger Unterzeichnung eines KSE-Abkommens
wurde vorgeschlagen.
Der START-Prozeß soll beschleunigt werden, um alle Grundsatzfragen zu klären und wenn möglich, noch vor dem Gipfel 1990
einen Vertrag abzuschließen. In
diesem Rahmen hat der Präsident
vorgeschlagen, daß die Außenminister Baker und Schewardnadse bei
ihrer Zusammenkunft im Januar ihr
Augenmerk auf die drei noch bestehenden
Probleme
von
START
richten:
Luftgestützte Marschflugkörper (ALCMs), nicht stationierte Raketen und die Verschlüsselung telemetrischer Daten.

Es wurde der Vorschlag unterbreitet,
daß die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion gemeinsam die Wahl von
Berlin als Austragungsort der Olympischen Spiele im Jahr 2004 unterstützen.

Umwelt
1.

Im kommenden Herbst soll eine
Konferenz
veranstaltet
werden,
bei der ein Rahmenvertrag über
weltweite Klimaveränderungen ausgehandelt wird, nachdem ein von
der UN geförderter länderübergreifender Ausschuß über Klimaveränderungen seinen Abschlußbericht vorgelegt hat.

2.

Im kommenden Frühjahr soll ein
internationales Treffen im Weißen
Haus stattfinden, bei dem Regierungsvertreter aus den Bereichen
Wissenschaft, Umwelt und Wirtschaft auf höchster Ebene Fragen
der weltweiten Klimaveränderungen
erörtern. Der Präsident verlieh
seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Sowjets sich daran beteiligen und
ihrerseits
hochrangige
Beamte
entsenden.

Die Arbeit am Schwellenvertrag
und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken
(PNET) soll
bis
zur Unterschriftsreife beim Gipfel 1990
vollendet sein.
Der Sowjetunion wurde vorgeschlagen, sich an Bestrebungen zur effektiveren Einschränkung der Verbreitung von Raketen zu beteiligen, indem sie die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten mit dem System zur Kontrolle von Raketentechnologie aufgestellten
Einschränkungen
anerkennt .

Militärische Offenheit

Austauschprogramme
Der Austausch zwischen den Universitäten soll erheblich zunehmen und bis
zum Beginn des Studienjahres 1991
sollen zusätzlich 1 000 amerikanische
und 1 000 sowjetische Studenten im
jeweils anderen Land studieren können.

Zu militärischen Programmen sollen
mehr
Informationen
veröffentlicht
werden.
Der Präsident hat vorgeschlagen, daß die Sowjetunion ebenso
wie die Vereinigten Staaten Einzelheiten zu ihrem Militärhaushalt, Ein- 3 -

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10712">
                <text>06.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10713">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10714">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10715">
                <text>Amerikadienst 06.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10716">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Malta schafft den Rahmen für Fortschritte In vielen Bereichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker erläutert amerikanische Haltung zur Einheit Deutschlands&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des US-Außenministers mit CNN &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush unterzeichnet Vorlage zur Hilfe für Polen und Ungarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Initiative beim Treffen von Malta&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2124" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2135">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4b07ac2c255987a43dd3086bb57ee7c8.pdf</src>
        <authentication>a28adccc1e789e97f52f59b2773908e6</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10723">
                    <text>13. Dezember 1989

45

INHALT

DOKUMENTATION
Ein neues Europa, ein neuer Atlantlzlsmus; Architektur für ein neues
Zeitalter
- Rede von Außenminister James A. Baker vor dem Berliner Presseclub HINTERGRUND
Nationale Sicherheitsstrategie der USA für die neunziger Jahre
- Von Paul D. Wolfowitz -

Menschenrechte im Jahr 1989
- Von Richard Schifter -

Bessere Einhaltung der Schlußakte von Helsinki in Osteuropa
- Auszüge aus dem 27. HalbJahresbericht der KSZE -

Neueste Entwicklungen im Kampf gegen Drogen
- Bericht des US-Außenministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�«fc°s&gt;&lt;

'VON

AMERIKA DIENST

4

Dokumentation

13. Dezember 1989

45

EIN NEUES EUROPA, EIN NEUER ATLANTIZISMUS:
ARCHITEKTUR FÜR EIN NEUES ZEITALTER
- Rede von Außenminister Baker vor dem Berliner Presseclub BERLIN - (AD) In einer Rede vor dem Berliner Presseclub hat der amerikanische
Außenminister, James A. Baker, am 12. Dezember 1989 "eine neue Architektur"
für ein neues Zeitalter erläutert. Diese neue Architektur müsse "einen Rahmen
schaffen ... in dem die Teilung Europas überwunden und der Atlantik überbrückt
werden kann.
Baker unterstrich erneut die Unterstützung der Vereinigten Staaten und der
NATO für die deutsche Einheit. Dabei müßten jedoch Vorkehrungen getroffen
werden, "die den Bestrebungen des deutschen Volkes und den legitimen Sorgen
der Nachbarländer Deutschlands Rechnung tragen".
Bakers Rede vor dem Berliner Presseclub hat folgenden Wortlaut (es gilt das
gesprochene Wort):

Es ist eine große Ehre für einen Amerikaner, zum jetzigen Zeitpunkt in
dieser Stadt eine Rede zu halten.
Für mich und Millionen meiner Mitbürger steht Berlin seit einem halben
Jahrhundert im Brennpunkt der Geschichte.
Hier hat sich klar manifestiert,
was sich andernorts im Dunkeln
verbarg.
Hier hat Vieldeutiges seinen wahren Charakter enthüllt.
Hier haben wir Entscheidungen getroffen und die Positionen bezogen, mit denen die Welt von heute
gestaltet wurde.
Im Jahr 1945 wurde uns durch Bilder

United States Information Service
Embassy of the United States of America

des zerbombten Berlins der furchtbare
Preis des Krieges verdeutlicht.
Im Jahr 1948 verließen die Sowjets
den Alliierten Kontrollrat und verhängten die Blockade über Berlin die eindeutige Erklärung des kalten
Kriegs.
Im Jahr 1953 ging von Berlinern die
erste Volkserhebung gegen die sowjetische Tyrannei in Osteuropa aus.
Im Jahr 1961 wurde mit dem Bau der
Berliner Mauer das letzte Schlupfloch
aus dem Gefangenenlager der Nationen
verschlossen, zu dem der Ostblock
verkommen war.
Im Jahr 1971 kristallisierte sich im
Viermächteabkommen über Berlin das

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�}

schreckliche Dilemma der Entspannungspolitik - die Behauptung, daß
Zusammenarbeit zwischen Ost und West
auf der ständigen Teilung dieses Kontinents beruhe.
Dann geschah im Jahr 1989 ebenfalls
hier in Berlin das bedeutendste - und
gewiß dramatischste - Ereignis der
Nachkriegszeit.
Am 9. November wurde die Mauer zu einem Tor. Die Berliner feierten das
größte und glücklichste Wiedersehensfest der Geschichte. Und alle, die
wir diese Szenen mitverfolgten, fühlten erneut: Wir sind alle Berliner.
Erneut gingen Bilder von Berlin um
die Welt, Bilder, die von einer neuen
Realität kündeten. Die Wurzeln dieser neuen Realität lassen sich bis zu
jenen früheren Szenen zurückverfolgen
- den Szenen des dramatischen Wiederaufbaus West-Berlins nach dem Krieg,
den Szenen der alliierten Luftbrücke
in die blockierte Stadt, den Szenen
von amerikanischen und sowjetischen
Panzern, die einander am Checkpoint
Charlie gegenüberstanden.
Durch ihr Zusammenstehen in Berlin
und andernorts haben die westlichen
Staaten die grundlegenden Voraussetzungen für die Überwindung der Teilung Berlins, dieser Nation und dieses Kontinents geschaffen.
Im Zuge der jüngsten Entwicklungen
hat die Sowjetunion ein bemerkenswertes Maß an Realismus gezeigt. Präsident Gorbatschow gebürt das Verdienst
dafür,
als
erster
sowjetischer
Staatschef den Mut und die Weitsicht
besessen zu haben, die Unterdrückung
in Osteuropa zu beenden.
Der wahre Impuls für den Wandel kommt
jedoch aus einer völlig anderen Quelle: den Völkern Polens, Ungarns, der
Tschechoslowakei, Bulgariens und der
DDR.
Sie haben sich selbst befreit.
Von der Ostsee bis zur Adria hat eine

unwiderstehliche Bewegung an Kraft
gewonnen - eine Bewegung vom, durch
und für das Volk. In ihrer friedlichen, überwältigenden Mehrheit haben
die Völker Osteuropas dem Westen einen Spiegel entgegengehalten, in dem
sich die bleibende Macht unserer erhabensten Werte wiederspiegelt.
Um
Thomas Jefferson, den ersten Außenminister der Vereinigten Staaten zu zitieren: "Nichts ist im Buch der Geschichte eindeutiger festgeschrieben,
als daß diese Menschen frei sein sollen."
Diese Veränderungen bedeuten nichts
weniger als eine friedliche Revolution.
Wie Präsident Bush in der vergangenen
Woche erklärt hat, "besteht die vor
uns liegende Aufgabe darin, die
Früchte dieser friedlichen Revolution
zu konsolidieren und die Architektur
für einen kontinuierlichen, friedlichen Wandel bereitzustellen".
Als erster Schritt müssen freie Männer und Frauen freie Regierungen einsetzen. Der Weg dorthin mag schwierig oder sogar verwirrend erscheinen,
aber wir müssen ihn mit Verständnis
beschreiten.
Denn wahre Stabilität
erfordert Regierungen mit Legitimation, Regierungen, die auf die Zustimmung der Regierten gegründet sind.
Die Völker Osteuropas versuchen, solche Regierungen aufzubauen.
Unsere
Ansicht - wie sie Präsident Gorbatschow von Präsident Bush übermittelt
wurde - ist, daß die politischen und
wirtschaftlichen Reformen im Ostblock
sowohl die langfristige Stabilität in
Europa als auch die Aussichten der
Perestrojka verbessern können. Eine
legitime und stabile europäische Ordnung wird die legitimen sowjetischen
Interessen fördern und nicht bedrohen. Eine unrechtmäßige Ordnung wird
überhaupt keine Ordnung schaffen können.
Freie Menschen und freie Regierungen
sind die Bausteine eines ungeteilten,
freien Europas. In die Hoffnung auf

�ein ungeteiltes, freies Europa mischt
sich jedoch die Besorgnis einiger,
daß ein ungeteiltes Europa nicht
zwangsläufig
ein
friedliches
und
wohlhabendes
Europa
sein könnte.
Viele der Orientierungshilfen, die
uns sicher durch vierzig bisweilen
spannungsgeladene
und
bedrohliche
Jahre geleitet haben, sind nun überholt. Einige der entzweienden Fragen, die einst in Europa zu Konflikten führten, tauchen wieder auf.
Die Instrumente der westlichen Zusammenarbeit müssen sich dem Wandel in
Europa anpassen.
Gemeinsam müssen
wir eine neue Architektur für ein
neues
Zeitalter
entwerfen
und
schrittweise verwirklichen.
Diese neue Architektur muß den alten
Fundamenten und Strukturen Platz bieten, die - wie die NATO - ihre Gültigkeit behalten.
Gleichzeitig muß
sie der Tatsache Rechnung tragen, daß
diese auch neuen, gemeinsamen Zielen
dienen können. Die neue Architektur
muß den Bau von Institutionen weiterführen, die - wie die EG - dazu beitragen können, den Westen noch enger
zu verflechten und gleichzeitig als
offene Tür zum Osten zu dienen. Und
die neue Architektur muß einen Rahmen
schaffen - wie den KSZE-Prozeß -, in
dem die Teilung Europas überwunden
und der Atlantik überbrückt werden
kann.
Diese neue Struktur muß ferner zwei
spezielle Zwecke erfüllen.
Erstens
muß es als Teil der Überwindung der
Teilung Europas eine Chance geben,
die Teilung Berlins und Deutschlands
durch Frieden und Freiheit zu überwinden. Seit vierzig Jahren stehen
die Vereinigten Staaten und die NATO
für die deutsche Einheit, und wir
werden von diesem Ziel nicht abrücken.
Zweitens sollte diese Architektur
der Tatsache Rechnung tragen, daß die
Sicherheit der Vereinigten Staaten politisch, militärisch
und
wirtschaftlich - an die Sicherheit Europas gekoppelt bleibt. Die Vereinigten Staaten und Kanada teilen die

Nachbarschaft Europas.
Präsident Bush erklärte im vergangenen Mai:
"Die Vereinigten Staaten
sind und bleiben eine europäische
Macht." Dem fügte er letzte Woche
hinzu: "Die Vereinigten Staaten werden erhebliche Streitkräfte in Europa
unterhalten, solange unsere Verbündeten unsere Präsenz als Teil gemeinsamer
Sicherheitsanstrengungen
wünschen." Dies ist unsere Verpflichtung für eine gemeinsame Zukunft, eine Anerkennung der Notwendigkeit einer aktiven Rolle der Vereinigten
Staaten in Europa, einer Notwendigkeit, die sogar von Präsident Gorbatschow zugestanden wird.
Unser aller Aufgabe besteht also darin, gemeinsam auf ein neues Europa
und den neuen Atlantizismus hinzuarbeiten.
Neue Aufgaben für die NATO
Im Mai dieses Jahres schlug Präsident
Bush seinen NATO-Partnern vor, es sei
an der Zeit, sich über neue Aufgaben
für die NATO Gedanken zu machen.
Seit über vierzig Jahren hat das
Nordatlantische Bündnis den Frieden
in Europa sowohl durch Abschreckung
als auch durch den Dialog mit dem
Osten bewahrt. Heute bemüht sich die
NATO in Wien, eine neue Sicherheitsstruktur für Europa aufzubauen, in
der die militärische Komponente verringert und die politische aufgewertet ist. Dies ist die erste neue
Aufgabe der NATO.
Ein Abkommen über die konventionellen
Streitkräfte ist der Eckpfeiler dieser neuen Sicherheitsstruktur.
Im
Mai stimmte die NATO dem Plan Präsident Bushs zu, ein solches Abkommen
in einem zügigeren Zeitrahmen anzustreben.
Präsident Gorbatschow reagierte positiv auf diese Chance.
Wir sind einem Abkommen über die Begrenzung der konventionellen Streitkräfte vom Atlantik bis zum Ural inzwischen erheblich nähergekommen. In

- 3 -

�Malta schlug Präsident Bush ein Gipfeltreffen zur Unterzeichnung eines
solchen Abkommens im Jahr 1990 vor.
Heute möchte ich dem hinzufügen, daß
die Außenminister der 23 Staaten von
NATO und Warschauer Pakt ihr für Februar in Ottawa geplantes Treffen,
auf dem die Offene-Himmel-Verhandlungen eröffnet werden sollen, nutzen,
um den Stand der KSE-Verhandlungen in
Wien zu überprüfen und ihnen neue Impulse zu verleihen.
Im Zuge des Aufbaus einer neuen Sicherheitsstruktur zur Aufrechterhaltung der gemeinsamen Verteidigung
wird die Bedeutung der nichtmilitärischen Komponente der europäischen Sicherheit zunehmen. Rüstungskontrollabkommen, vertrauensbildende Maßnahmen und andere politische Konsultatiwereinbarungen werden an Bedeutung
gewinnen. In einer solchen Welt wird
sich die Rolle der NATO weiter fortentwickeln. Die NATO wird zu einem
Forum werden, in dem die westlichen
Staaten zusammenarbeiten, um Abkommen
zwischen Ost und West auszuhandeln,
durchzuführen, zu verifizieren und
auszubauen.

spektionen koordiniert.
Sie könnte
eine zentrale Anlaufstelle für von
den nationalen Regierungen bereitgestellte Informationen bilden, möglicherweise in Verbindung mit gemeinsamen europäischen Bemühungen im Rahmen
der Westeuropäischen Union.
Mit der Abschwächung der Ost-WestKonfrontation und Fortschritten bei
der
Ost-West-Zusammenarbeit
werden
weitere Herausforderungen für die europäische und atlantische Sicherheit
zutage treten. Diese weisen auf die
zweite neue Aufgabe der NATO hin.
Regionale Konflikte sind - zusammen
mit der Verbreitung von Raketen und
nuklearen, chemischen und biologischen Waffen - eine wachsende Gefahr.
Verstärkte Konsultationen der NATO zu
diesen Fragen können eine wichtige
Rolle bei der Formulierung gemeinsamer Haltungen des Westens gegenüber
diesen unterschiedlichen Bedrohungen
spielen.

In diesem Zusammenhang werden Durchführung und Verifizierung eines Abkommens
über
die
konventionellen
Streitkräfte eine große Herausforderung für das Fortbestehen der Sicherheit bedeuten. Die NATO muß hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Drittens sollte die NATO damit beginnen, weitere Initiativen zu erörtern, die der Westen - etwa im Rahmen
des KSZE-Prozesses - einleiten könnte, um wirtschaftliche und politische
Verbindungen zum Osten aufzubauen,
die Wahrung der Menschenrechte zu
fördern, zum Aufbau demokratischer
Institutionen beizutragen und im Einklang mit den westlichen Sicherheitsinteressen ein offeneres Umfeld für
Ost-West-Handel und Investitionen zu
gestalten.

Ich lade deshalb die Regierungen der
NATO-Partner dazu ein, die Schaffung
eines NATO-Stabs zur Verifizierung
von Rüstungskontrollabkommen in Erwägung zu ziehen.
Die Verifizierung
wird in nationaler Verantwortung verbleiben. Ein solcher neuer Stab wäre
jedoch in der Lage, den Regierungen
der Mitgliedstaaten bei der Überwachung der Einhaltung von RUstungskontrollabkommen und vertrauensbildenden
Maßnahmen in Europa zur Seite zu stehen.
Eine NATO-Organisation dieser
Art könnte wertvolle Dienste leisten,
indem sie die NATO-Partner unterstützt und die Durchführung von In-

Schließlich könnte die NATO ihren
größten und dauerhaftesten Einfluß
auf die Struktur des Wandels dadurch
zum Tragen bringen, daß sie den Staaten des Ostens einen fundamental anderen Ansatz in der Sicherheitspolitik vor Augen führt. Die NATO hat in
den vierzig Jahren ihres Bestehens
eine Vision der Zusammenarbeit, nicht
des Zwangs, offener Grenzen, nicht
eiserner Vorhänge aufgezeigt.
Die
Aussöhnung ehemaliger
Feinde, die
sich unter dem Schirm der kollektiven
Sicherheit der NATO vollzogen hat,
bietet den Staaten Osteuropas ein attraktives Modell internationaler Be-

�r

Ziehungen.

auf ein geeintes Europa.

Wie immer die von den Regierungen
Osteuropas gewählten Sicherheitsbeziehungen auch beschaffen sein werden, die NATO wird den westlichen Regierungen weiterhin ein optimales Instrument an die Hand geben, um ihre
Bemühungen für Verteidigung und Rüstungskontrolle zu koordinieren und
eine dauerhafte europäische Friedensordnung aufzubauen. Die Aufrechterhaltung eines vitalen Nordatlantischen Bündnisses wird den Interessen
Osteuropas und ganz besonders auch
den Interessen der Sowjetunion dienlich sein.

Dies war das Ziel von Monet und Schumann. Dies war das von den Vereinigten Staaten Marshalls und Achesons
unterstützte Ziel. Dies war das in
den Römischen Verträgen und in neuerer Zeit in der Einheitlichen Europäischen Akte niedergelegte Ziel. Die
Vereinigten Staaten unterstützen heute dieses Ziel ebenso energisch wie
vor vierzig Jahren.

Die Rolle
schaft

der

Europäischen

Gemein-

Die künftige Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft wird eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des neuen
Europas spielen.
Das Beispiel der westlichen Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft hat bereits drastische
Auswirkungen auf die Haltung des
Ostens zu wirtschaftlicher Freiheit
gehabt. Der Erfolg dieses großartigen europäischen Experiments hat
vielleicht mehr als jeder andere Faktor - die Osteuropäer zu der Erkenntnis veranlaßt, daß Menschen ebenso
wie Staaten effektiver miteinander
kooperieren, wenn sie die Freiheit
der Wahl haben. Die Wahlurne und der
freie Markt sind die grundlegenden
Instrumente der Wahlfreiheit.
Das europäische Experiment ist jedoch
nicht nur deshalb gelungen, weil es
dem aufgeklärten Eigeninteresse der
europäischen Erzeuger und Verbraucher
entgegenkam.
Dieses Experiment gelang, weil die Visionen seiner Begründer das rein materielle Element
einschlössen und
zugleich darüber
hinausgingen. Dieses Experiment war
erfolgreich, weil es auch die Aussicht auf das höhere Ziel einer Überwindung der politischen und wirtschaftlichen Grenzen in sich barg -

Selbstverständlich streben die Vereinigten Staaten eine Europäische Gemeinschaft an, die für die Zusammenarbeit mit anderen offen ist. Wir
gehen davon aus, daß die Amerikaner
vom Zugang zu einem europäischen Binnenmarkt ebenso profitieren werden,
wie die Europäer seit langem vom Zugang zu einem einzigen amerikanischen
Markt profitiert haben. Es ist für
uns alle lebensnotwendig, daß beide
Märkte offen bleiben - und daß beide
sich sogar weiter öffnen.
Während Europa seinem Ziel eines gemeinsamen Binnenmarkts näherkommt und
sich seine Institutionen für die Zusammenarbeit in Politik und Verteidigung herausbilden, werden die Bindungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Gemeinschaft
noch an Bedeutung gewinnen.
Wir
möchten, daß unsere transatlantische
Zusammenarbeit mit der europäischen
Integration und den institutionellen
Reformen Schritt hält.
Von diesem Ziel soll die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Gemeinschaft geleitet sein, um - entweder vertraglich oder in anderer Form geregelte entschieden verbesserte institutionelle und konsultative Verbindungen
zu schaffen. Ausgehend von gemeinsamen Idealen und Werten sehen wir uns
mit einer Reihe beide Seiten betreffende Herausforderungen konfrontiert
- in den Bereichen Wirtschaft, Außenpolitik, Umweltschutz, Wissenschaft
sowie auf zahlreichen anderen Gebieten. Es wäre daher sinnvoll, für die
gemeinsame Sache unsere Antworten ge-

- 5 -

�meinsam zu erarbeiten.
Wir schlagen vor, diese Idee im Einklang mit den europäischen Bestrebungen zu Schaffung eines europäischen
Binnenmarktes bis 1992 zu erörtern,
so daß die geplante Interaktion zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen
Gemeinschaft
entsprechend den Veränderungen innerhalb der
Gemeinschaft erfolgt.
Darüber hinaus ermutigen die Vereinigten Staaten die Europäische Gemeinschaft, die Zusammenarbeit mit
den Ländern Osteuropas fortzusetzen
und zu erweitern. Die Förderung politischer und wirtschaftlicher Reformen im Ostblock ist eine gegebene Berufung für die Europäische Gemeinschaft. Aus diesem Grund waren wir
über die beim Weltwirtschaftsgipfel
von Paris getroffene Vereinbarung
außerordentlich erfreut, daß die Europäische Kommission eine besondere
Rolle innerhalb der Gruppe der 24
übernehmen sollte, um Reformen in Polen und Ungarn zu unterstützen.
Die Vereinigten Staaten haben bei der
Gewährung wirtschaftlicher und finanzieller Unterstützung für Ungarn und
Polen eng mit der Europäischen Gemeinschaft zusammengearbeitet.
Die
Vereinigten Staaten haben nahezu 1
Milliarde Dollar an Hilfsleistungen
für diese beiden Länder aufgebracht.
In dieser Woche erwarten wir von dem
Treffen der Gruppe der 24, dem Stabilisierungsfonds in Höhe von 1 Milliarde Dollar so nahe wie möglich zu
kommen, den Polen als Hilfe bei der
Einführung einer konvertierbaren Währung und makroökomischen Reformen erbeten hat.
Dies sollte nur der Anfang unserer
gemeinsamen Arbeit sein. Polen und
Ungarn müssen vierzig Jahre wirtschaftlicher Stagnation überwinden und das wird Zeit und unsere kontinuierliche
Unterstützung
erfordern.
Während die Tschechoslowakei, Bulgarien und die Deutsche Demokratische
Republik politische und wirtschaftliche Reformen durchführen, die den be-

reits in Polen und Ungarn stattfindenden vergleichbar sind, sollten die
Maßnahmen der sich um die EG konzentrierenden Gruppe der 24 unserer Ansicht nach
erweitert werden, um
friedlichen Wandel auch in diesen
Ländern zu fördern.
Wenn die Nationen Osteuropas offenere
politische und wirtschaftliche Systeme erhalten, werden sie voraussichtlich neue Beziehungen mit der Europäischen Gemeinschaft, dem Europarat
und anderen Institutionen anstreben,
die sowohl Europa als auch der internationalen Staatengemeinschaft insgesamt dienen. Solche Bindungen sollten in der Tat das Fundament unserer
Strategie zum Wiederaufbau der Volkswirtschaften in Osteuropa durch Privatkapital und Eigeninitiative bilden: Private Investoren in Osteuropa
wollen sicherlich die Gewißheit, daß
sie ihre Produkte auf westlichen
Märkten verkaufen können.
Ich bin zuversichtlich, daß kreative
neue Vereinbarungen getroffen werden
können, um den Prozeß politischer und
wirtschaftlicher Reformen in den Ländern des Ostblocks zu ermutigen und
voranzutreiben, während gleichzeitig
die Integrität und Lebensfähigkeit
bestehender
Institutionen
erhalten
wird. Wir müssen den Ländern Osteuropas Hoffnung und Chancen bieten,
die sie auf ihrem Weg zu Demokratie
und wirtschaftlicher Freiheit ergreifen können. Die jüngste Arbeit an
einem Abkommen zwischen der EG und
den sechs Nationen der Europäischen
Freihandelsassoziation hat Vorbildcharakter für verbesserte Bindungen
mit anderen Ländern.
Zwischen dem Prozeß der europäischen
Integration und erweiterter Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Nachbarländern
in Ost und West sehen wir keinen Interessenskonflikt. Unseres Erachtens
hängt die Attraktivität der Europäischen Gemeinschaft für die Länder des
Ostblocks vor allem von ihrer kontinuierlichen Lebensfähigkeit ab. Und
die Lebensfähigkeit der Europäischen

- 6 -

�Gemeinschaft hängt wiederum von ihrem
anhaltenden Engagement für das Ziel
eines geeinten Europas ab, wie es
seine Gründerväter vorgesehen hatten
- frei, demokratisch und seinen nordamerikanischen Partnern eng verbunden.

Neue Aufgaben für die KSZE
Die Institution, die alle Nationen
des Westens und Ostens in Europa unter einem Dach vereinigt - die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - ist im Grunde ein
anhaltender Prozeß, der vor über 14
Jahren in Helsinki ins Leben gerufen
wurde. Es gab unterschiedliche Auffassungen über die Aufgaben dieses
KSZE-Prozesses. Einige sahen in der
Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr
1975 die Ratifizierung des Status
quo, das Äquivalent eines Friedensvertrages, der den Zweiten Weltkrieg
beendete und damit die Legimitation
der ständigen Teilung Europas darstellte. Andere sahen diesen Prozeß
jedoch als Mittel zur Überwindung
dieser Teilung.
Die Dynamik des KSZE-Prozesses hält
nach wie vor an. Im Jahr 1975 haben
die Regierungen Osteuropas - im Gegensatz zu ihren Bürgern - ihre Verpflichtung zur Wahrung der ganzen
Bandbreite
grundlegender
Menschenrechte vielleicht noch nicht ernst
genommen. Die in der Schlußakte von
Helsinki
festgeschriebenen
Verhaltensnormen werden aufgrund von internationalem Druck und Unruhen im Inland zunehmend eingehalten. Im vergangenen Monat konnten wir hier in
Berlin Zeuge einer der stolzesten Errungenschaften
des
KSZE-Prozesses
werden, als die DDR ihre Verpflichtung erfüllte, ihrem Volk freie Ausreise zu gewähren.
Jetzt ist es an der Zeit für weitere
Fortschritte des KSZE-Prozesses. Jeder der drei Körbe kann mit neuer
Substanz gefüllt werden.
Erstens kann der Korb Sicherheit
durch die zur Zeit in Wien stattfin-

denden Verhandlungen der 35 Nationen
über vertrauensbildende Maßnahmen an
Bedeutung gewinnen.
Die erörterten
Abkommen sollen dazu beitragen, Gewalt oder die Androhung von Gewalt
als Mittel zur Einschüchterung einer
europäischen Nation zu verhindern.
Abgesehen davon, daß sie das Risiko
eines Krieges weiter abbauen, können
vertrauensbildende Maßnahmen ein berechenbares Schema militärischer Interaktion institutionell verankern ein Schema, das praktisch nicht umkehrbar ist und eine neue Grundlage
für Vertrauen bildet.
Zweitens kann der relativ unterentwickelte Korb Wirtschaft mit neuen
Inhalten gefüllt werden.
In Malta
hat Präsident Bush Gorbatschow den
Vorschlag unterbreitet, daß wir dieses KSZE-Forum neu beleben könnten,
indem wir uns auf die konzeptionellen
und praktischen Fragen im Zusammenhang mit dem Übergang von einer stagnierenden Planwirtschaft zu freien,
konkurrierenden Märkten konzentrieren. Werm wir uns im nächsten Mai in
Bonn zur Erörterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit treffen, schlage
ich vor, dieses Thema in den Mittelpunkt zu stellen.
Drittens hat der KSZE-Prozeß im Bereich der Menschrechte die größten
Fortschritte erzielt. Ein Grundrecht
ist jedoch noch nicht vollständig institutionell festgeschrieben - das
Recht der Menschen, durch regelmäßige, freie und geheime Wahlen mit mehreren Parteien diejenigen zu wählen,
die sie regieren sollen.
Dies ist das vornehmste Menschenrecht
- das Recht, das alle anderen sicherstellt. Ohne freie Wahlen kann kein
Recht langfristig garantiert werden.
Mit freien Wahlen kann kein Recht
lange verweigert werden.
Am 31. Mai 1989 hat Präsident Bush in
Mainz eine neue Initiative im Rahmen
des KSZE-Prozesses angekündigt, die
zur Überwindung der Teilung Europas
beitragen soll.
Er forderte freie
Wahlen und politischen Pluralismus in

- 7 -

�allen Ländern Europas.
jetzt Wirklichkeit.

Dies

wird

Im Juni haben die Vereinigten Staaten
und Großbritannien bei der KSZE-Konferenz über Menschenrechte gemeinsam
die Initiaive für freie Wahlen unterstützt. Mit diesem Vorschlag wurden
alle 35 KSZE-Teilnehmerstaaten aufgefordert, regelmäßige und richtige
Wahlen mit mehreren Kandidaten auf
der Grundlage des universellen und
gleichberechtigten Wahlrechts in geheimer Abstimmung und unter der Aufsicht internationaler Beobachter zu
gestatten.
Jeder Bürger soll das
Recht haben, eine Partei zu gründen
oder ihr anzugehören, um ein wirklich
demokratisches
Verfahren
sicherzustellen.
Freien Wahlen sollte jetzt im KSZEProzeß höchste Priorität zukommen.
Im Jahr 1945 versprach Josef Stalin
freie Wahlen und Selbstbestimmung für
die Völker Osteuropas. Die Tatsache,
daß diese Wahlen nicht frei waren und
diesen Völkern nicht gestattet wurde,
ihr Schicksal selbst zu bestimmen,
war eine der Hauptursachen für den
kalten Krieg.
Jetzt wird dieses stalinistische Vermächtnis durch Menschen abgebaut, die
entschlossen sind, ihr Geburtsrecht
auf Freiheit
zurückzufordern.
Es
soll und wird ihnen nicht verwehrt
werden.
Nun da sich praktisch alle KSZE-Mitgliedstaaten auf dem Weg zu wirklich
funktionsfähigen repräsentativen Regierungen befinden, schlage ich die
Erwägung eines weiteren Schrittes
vor: Wir könnten die Parlamentarier
enger in den KSZE-Prozeß einbeziehen,
so daß sie nicht nur wie bisher als
Beobachter fungieren, sondern vielleicht eigene Treffen abhalten. Um
die Hinwendung zur Demokratie zu fördern, müssen wir die Institutionen
der Demokratie stärken.

Deutschland
neuen Europa

und

Berlin

in

einem

Ein neues - ungeteiltes und freies Europa muß Vorkehrungen treffen, die
den Bestrebungen des deutschen Volkes
und den legitimen Sorgen der Nachbarländer Deutschlands Rechnung tragen.
Am 28. November 1989 hat Bundeskanzler Kohl vor dem Bundestag einen Ansatz entwickelt, der die Verwirklichung der deutschen Bestrebungen in
Frieden und Freiheit zum Ziel hat.
Beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der NATO in der vergangenen Woche hat Präsident Bush die seit
jeher bestehende Unterstützung der
Vereinigten Staaten für das Ziel der
deutschen Einheit erneut bekräftigt.
Er formulierte vier Prinzipien, von
denen unsere Politik geleitet ist und
ich konnte erfreut feststellen, daß
diese Gedanken in einer von den
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft letzte Woche in
Straßburg veröffentlichen Erklärung
ihren Niederschlag gefunden haben.
Erstens muß die Selbstbestimmung ungeachtet des Ergebnisses
erfolgen.
Zu diesem Zeitpunkt
sollten wir eine bestimmte Vorstellung von Einheit weder befürworten noch ausschließen.
Zweitens
stellung

sollte die
der Einheit

Wiederherim Rahmen

der anhaltenden Verpflichtung der

Bundesrepublik Deutschland gegenüber der NATO und einer zunehmend
integrierten Europäischen Gemeinschaft und unter Berücksichtung
der Rechte und Pflichten der alliierten Mächte erfolgen.
Drittens muß die Wiederherstellung der Einheit im Interesse der
allgemeinen europäischen Stabilität friedlich und schrittweise
erfolgen.
Viertens
sollten wir in der
Frage der Grenzen unsere Unterstützung für die in der Schlußakte von Helsinki niedergelegten
Grundsätze bekräftigen.
Abschließend bemerkte Präsident Bush,
"die Überwindung der unnatürlichen

�Teilung Europas und Deutschlands muß
im Einklang mit und auf der Grundlage
von Werten erfolgen, die zu universellen Idealen werden, wenn alle Länder Europas Teil eines Commonwealth
freier Nationen werden".
Als Amerikaner bin ich stolz auf die
Rolle, die mein Land als Ihr Beistand
gespielt hat und weiterhin spielen
wird. Dieser so positive Weg wird
jedoch nicht leicht sein. Wir dürfen
nicht drängen. Er muß friedlich und
demokratisch gegangen werden.
Und
die legitimen Sorgen aller Mitgliedstaaten in dem neuen Europa müssen
berücksichtigt werden.
So wie Berlin im Herzen eines geteilten Europas stand, soll es im Herzen
eines ungeteilten und freien Europas
stehen - nicht länger als umkämpfte
Bastion der Freiheit, sondern als
Symbol der Hoffnung auf ein besseres
Leben.

Ein neues Europa, ein neuer Atlantizismus
Der sich heute in Osteuropa vollziehende Wandel berechtigt zu großen
Hoffnungen.
Ein
neues
Zeitalter
bringt jedoch unterschiedliche Sorgen
für uns alle mit sich. Einige dieser
Sorgen sind so alt wie Europa selbst,
andere wiederum ein neues Produkt des
Wandels.
Wenn der Westen das Gefüge der Zusammenarbeit aufgeben würde, das wir in
vierzig Jahren aufgebaut haben, würden diese Sorgen zu Problemen. Aber
die von uns geschaffenen Institutionen - die NATO, die Europäische Gemeinschaft und der KSZE-Prozeß - sind
lebensfähig. Auf demokratische Werte
gestützt, werden sie der Macht des
Volkes gerecht, die den neuen Kurs
der Geschichte bestimmt.
Noch wichtiger ist, daß diese Institutionen auch flexibel sind und sich
rasch verändernden Gegebenheiten anpassen können. Wenn wir uns anpassen
und unsere Zusammenarbeit untereinan-

der und mit den Nationen des Ostblocks erneuern und erweitern, werden
wir ein neues Europa auf der Grundlage eines neuen Atlantizismus schaffen.
Die NATO wird weiterhin das wichtigste Bindeglied zwischen Nordamerika
und Europa sein. Während RUstungskontrollabkommen und politische Vereinbarungen die immer noch lebenswichtige militärische Komponente der
europäischen Sicherheit zunehmend ergänzen, wird die NATO neue Aufgaben
übernehmen.
Die Europäische Gemeinschaft ist bereits
jetzt
der
wirtschaftliche
Stützpfeiler
im
transatlantischen
Verhältnis. Darüber hinaus wird sie
- vielleicht gemeinsam mit anderen
europäischen Institutionen - politische Aufgaben von zunehmender Bedeutung übernehmen. Sie hat es sogar
bereits getan, wie die Koordinierung
der westlichen Bestrebungen zur Unterstützung der Reformen in Osteuropa
durch die Gemeinschaft belegt.
Im
Verlauf dieses Prozesses sollten die
Bindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Gemeinschaft stärker werden, die von uns
erörterten Themen vielfältiger und
unsere gemeinsamen Bestrebungen grössere Bedeutung erlangen.
Gleichzeitig werden die Überschneidungen zwischen der NATO und den europäischen
Institutionen
zunehmen.
Diese Überschneidungen müssen zu einer Synergie, nicht zu Spannungen
führen.
Bessere Kommunikation zwischen europäischen und transatlantischen Institutionen wird vordringlich.
Der KSZE-Prozeß sollte zum wichtigsten Forum der Zusammenarbeit zwischen Ost und West werden. Sein Mandat wird mit zunehmender Festigung
dieser Zusammenarbeit an Bedeutung
gewinnen.
So wie sich die Veränderungen vollziehen und die Teilung Europas überwinden, so wird auch die Teilung
Deutschlands und Berlins in Frieden
und Freiheit überwunden werden.

- 9 -

�In diesem Herbst haben wir bei den
großen Demonstrationen in Leipzig,
Dresden und Berlin einen lauten Ruf
vernommen.
"Wir sind das Volk!",
rief die Menschenmenge der Partei zu,
die in ihrem Namen regierte. Auf der
anderen Seite der Erdkugel sprach
Lech Walesa vor dem amerikanischen
Kongreß und dankte den Vereinigten
Staaten für die Unterstützung der
Freiheit in Polen.
Er begann mit
Worten, die vor zweihundert Jahren
geschrieben wurden - Worten, die über
der amerikanischen Verfassung stehen:
"Wir, das Volk.
"Wir, das Volk..." und "Wir sind das
Volk" zieht sich wie ein roter Faden
durch die Geschichte von 1789 zu
1989. Was die Gründerväter Amerikas
wußten, wissen heute auch die Menschen in der DDR und Osteuropa - daß
Freiheit eine Segnung, aber kein Geschenk ist.
Daß das Tagewerk der
Freiheit niemals beendet ist und niemals
alleine
verrichtet
wird.
Zwischen dem Amerika des "Wir, das
Volk..." und dem Europa des "Wir sind
das Volk" kann es keine Teilung geben. Auf dieser Grundlage wir ein
neuer Atlantizimus gedeihen und ein
neues Europa entstehen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"V,oN^

13. Dezember 1989

45

NATIONALE SICHERHEITSSTRATEGIE DER USA FÜR DIE NEUNZIGER JAHRE
Von Paul D. Wolfowitz

(Der Autor ist Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel stützt sich im wesentlichen
auf eine kürzlich in der National Defense University gehaltenen Red*.)

Bevor wir ernsthaft über eine zukünftige Strategie nachdenken, müssen wir
das Umfeld verstehen, in dem das Verteidigungsministerium in den nachten
fünf Jahren operieren wird.
Ich
möchte es aus meiner Sicht kurz umreißen und mit der Lage im Inland beginnen.
Es besteht kein Zweifel daran, daß
der Verteidigungshaushalt in diesem
Jahr gekürzt wird und ich vermute, es
handelt sich hierbei nicht um die
letzten Kürzungen, obwohl der Anteil
der Verteidigungsausgaben am Bruttoso zialprodukt seit mehreren Jahren
rückläufig war.
Der ausschließlich
aus haushaltspolitischen Erwägungen
ausgeübte Druck auf den Verteidigungsetat wird jedoch anhalten - aufgrund des kontinuierlichen Defizits
und der wachsenden Belastung durch

United States Information Service
Embassy of the United States of America

andere Anforderungen, mit denen wir
uns konfrontiert sehen (der Kampf gegen Drogen oder die Erweiterung der
Gesundheitsfürsorge, um nur einige
Beispiele zu nennen). Die daraus resultierenden Kürzungen des Verteidigungshaushalts
können
beträchtlich
sein.
Das Verteidigungsministerium sieht in
diesen Einschnitten nicht schlicht
und einfach ein Übung, den Schmerz zu
verlagern oder eine Reihe kurzfristiger Notbehelfe, um vorübergehende
Zeiten der Not zu überbrücken. Wenn
in der Vergangenheit eine solche
Sicht der Dinge vorherrschte, unterminierten die infolgedessen vorgenommenen Kürzungen die Bereitschaft und
Qualität unserer Streitkräfte.
Die
unzulängliche Besoldung, die haus-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�haltspolitisch praktischen, aber operativ ruinösen Kürzungen der Mittel
für Wartung, Übungen usw. überließen
uns, um einen Stabsschef zu zitieren,
"eine ausgehöhlte Armee" - und das
galt nicht nur für die Armee. Wir
werden unsere Truppenstruktur erneuern und nicht nur an ihr herumschustern.
Dabei müssen wir natürlich den haushaltspolitischen Realitäten Rechnung
tragen, aber vor allem eine Anpassung
an neue strategische Gegebenheiten
vornehmen.
Hierbei
spielen
vier
grundlegende Aspekte des äußeren Umfelds eine Rolle.
Erstens sind wir alle außerordentlich
beeindruckt von der Liberalisierung
der Regime in Osteuropa und der unleugbar zunehmenden Offenheit in der
Sowjetunion. Die wichtigsten bisherigen Veränderungen waren vowiegend
politischer - spektakulärer - Natur,
aber wir haben guten Grund zu der Annahme, daß sich auch das Sicherheitsumfeld entscheidend verbessert. Der
Prozeß ist noch in vollem Gange. Wir
wünschen dem Reformpro zeß in der Sowjetunion Erfolg; aber wir müssen uns
auch für ein Scheitern wappnen.
Selbst wenn die Reformen in der Sowjetunion - wie wir hoffen - von Dauer sind, stehen wir dennoch auf lange
Sicht in Konkurrenz zur Sowjetunion,
wenn auch in unterschiedlicher Weise
und
anderem
Ausmaß
als
bisher.
Selbst wenn die Sowjets einschneidende Kürzungen ihrer militärischen Aufwendungen vornehmen, die für einen
Abbau der erdrückenden Last auf ihre
Volkswirtschaft unerläßlich sind, beabsichtigen
sie
zweifellos, eine
Weltmacht mit globalen Interessen zu
bleiben.
Und trotz Anzeichen, daß
die sowjetischen Militärausgaben ihren Höhepunkt überschritten haben,
müssen wir uns vor Augen führen, daß
unwiderlegbare Informationen über einen Abbau der sowjetischen Streitkräfte und ein Zurückschrauben der
militärischen Bestrebungen noch immer
nur vereinzelt und nicht schlüssig
sind und die Reduzierungen von einem

außerordentlich hohen Niveau aus vorgenommen werden.
Eine zweite elementare Tatsache ist,
daß wir uns mit einer Welt konfrontiert sehen, in der immer mehr Staaten militärische Macht haben, die alle das Recht für sich beanspruchen,
sie einzusetzen, wie es ihnen angebracht erscheint.
Ihnen allen ist
unsere Besorgnis über die Verbreitung
ballistischer
Raketen,
chemischer
Waffen und der Technologie zur Herstellung von Atomwaffen bekannt. Von
ebensolcher Bedeutung ist, daß zahlreiche Staaten der sogenannten Dritten Welt über modernste konventionelle Waffen wie Marschflugkörper verfügen, und zwar in großer Zahl. Die
Panzerflotte der irakischen Armee ist
beispielsweise in ihrer Größe derjenigen der Bundeswehr vergleichbar.
Potentielle Gegner in der Dritten
Welt sind kein triviales militärisches Problem mehr - wenn sie das je
waren: Grenada ist nicht die Art von
Krisenherd, wie wir ihn voraussichtlich allzu häufig erleben werden,
noch ist es die Herausfordrung, an
der wir unsere Erfordernisse messen
sollten.
Drittens ist die erste Realität zeitgenössischer Weltpolitik der Wandel in vielen Bereichen und unterschiedlichsten Dimensionen.
Selbst wenn
die sowjetische Bedrohung auf Dauer
verschwinden würde - und das Ist bei
weitem noch nicht der Fall - wird
amerikanische Macht dem Wunsch zahlreicher Länder entsprechend als Stabilisator erforderlich sein.
Trotz
all unserer Fehler sind wir als mächtiges aber saturiertes Land bekannt,
offen und toleranter als die meisten
anderen. Ein Abbau unserer Präsenz
in Übersee würde weltpolitisch gesehen logischerweise dazu führen, daß
die lokalen Mächte mehr Ressourcen
und Anstrengungen darauf verwenden,
selbst Sicherheit und Stabilität zu
erlangen. In einigen Teilen der Welt
hätte dies keine negativen Auswirkungen. In anderen würde es nicht nur
zu Verschwendung führen, sondern zu
wachsenden Spannungen, verschärften

- 2 -

�Rivalitäten
Krieg.

und

vielleicht sogar zu

Viertens stehen wir an der Schwelle
zu einer Phase revolutionären Wandels
in der Wehrtechnik. Die Sowjets, die
gewiefte Kenner dieser Materie sind,
bezeichnen sie sogar als "Revolution
militärischer Angelegenheiten".
Ihrer Ansicht nach ist sie den Veränderungen vergleichbar, die durch die
Erfindung der Atomwaffe oder - zu einem früheren Zeitpunkt der Geschichte
- durch die Verbindung von Flug zeug
und Panzer zur Strategie des Blitzkriegs, herbeigeführt wurden.
Die
heute in unseren Arsenalen gelagerten
Waffen und vor allem diejenigen, die
sich im nächsten Jahrzehnt dort befinden werden, verfügen über größere
Reichweite und Zielgenauigkeit und
sind in einem in der Geschichte der
Kriegführung ungekannten Maße todbringend.
Die Erfindung von "unsichtbaren" Plattformen wird die Art
des Luftkampfes verändern und der
allgegenwärtige Computerchip hat das
Führungswesen in einem Maße revolutioniert, das wir erst allmählich
verstehen lernen. Der Weltraum ist
zu einem zunehmend wichtigen Schauplatz militärischen Wettbewerbs geworden.
In der zweiten Hälfte der
neunziger Jahre kündigen sich noch
tiefgreifendere
Veränderungen
an,
wenn Waffen auftauchen werden, die
auf von den Sowjets gerne so be zeichneten "neuen physikalischen Prinzipien" basieren - Laser, leistungsstarke
Mikrowellen, elektromagnetische Kanonen usw.
Als ersten Schritt der anhaltenden
Bemühungen zur Verbesserung der Planung im Verteidigungsministerium haben wir ein neues, langfristiges Planungsdokument - die Richtlinie zur
Verceidigungsplanung
entwickelt,
die Teil der Bestrebungen zur Bewältigung dieser Situation ist und die
beste Anwendung knapperer Verteidigungsressourcen auf lange Sicht gewährleisten soll. Im einzelnen enthält sie Kernstücke der Innenpolitik
und Militärstrategie und formuliert
ein Junktim
zwischen Politik und

Strategie einerseits und die zu ihrer
Unterstützung erforderlichen Fähigkeiten andererseits. Verglichen mit
dem bisherigen stellt das neue Planungssystem einen Fortschritt dar.
Es ist unerläßlich, sich vor Augen zu
führen, was unsere neue Strategie auf
lange Sicht beinhaltet. Gelegentlich
machen wir den Fehler, unter einer
Strategie eine Art Blaupause eines
Gesamtplans zu verstehen. Historisch
gesehen war dies niemals der Fall,
wie gute Kenner der Geschichte des
Zweiten Weltkriegs oder der frühen
fünfziger Jahre wissen. Die Strategiefindung ist vielmehr ein stetiger
Prozeß, der jedoch aus einem umfassenderen Denkgebäude gespeist werden
muß.
Ich möchte hier einige der
wichtigsten Elemente dieser weitreichenden Vision nennen.
Geht man davon aus, daß die Sowjets
ihre Versprechungen erfüllen und ihre
Streitkräfte in Europa und andernorts
abbauen und vorausgesetzt, die Liberalisierung in der UdSSR hält an und
wird in Osteuropa mehr und mehr verankert, könnten wir die heute für die
Verteidigung
Europas
gebundenen
Streitkräfte reduzieren. Wir werden
jedoch für die absehbare Zukunft eine
bedeutende - und in der Tat lebenswichtige - Rolle in Europa beibehalten, darunter beträchtliche aktive
Streitkräfte und die Fähigkeit, sie
zu verstärken.
Insgesamt sind in
diesem Bereich erhebliche Verringerungen möglich.
Gleichzeitig müssen wir unsere Mobilisierungsfähigkeit verbessern. Nach
einer Reduzierung unserer aktiven
Streitkräfte werden wir die Fähigkeit
benötigen, unsere Militärmacht je
nach Bedarf aufzufüllen. Das bedeutet, daß wir der rüstungsbezogenen
industriellen Basis sowie der für eine Mobilisierung erforderlichen organisatorischen Infrastruktur mehr Aufmerksamkeit widmen müssen als bisher.
Es bedeutet ferner, daß wir uns zwingen, den Gedanken aufzugeben, nur mit
dem zu kämpfen, was wir haben - eine
kurzfristige Perspektive, die nicht

- 3 -

�mehr angemessen sein wird. Wir benötigen langfristig eine Skala von Mobilisierungsoptionen
als Versicherungspolice in diesem Zeitalter des
rapiden und in manchen Fällen revolutionären Wandels.
Darüber hinaus müssen wir uns auf das
konzentrieren, was man als "Stabilitätsmission" bezeichnen könnte. Zusät zlich zu der weiterbestehenden sowjetischen Herausforderung, die auch
in Zukunft beträchtlich sein wird,
und verschiedenen Bedrohungen in der
Dritten Welt, werden wir eindeutig
eine Weltmacht mit globalen Interessen bleiben. Wir werden in vielen
Teilen der Welt nach wie vor oberster
Garant der Ordnung sein. Wir werden
diesen Pflichten jedoch auf verschiedene Art und Weise gerecht werden,
möglicherweise mit weniger im Ausland
stationierten Streitkräften.
Wir sollten die zur Erforschung neuer, vielversprechender militärischer
Technologien erforderlichen Investitionen tätigen, darunter auch die mit
der Strategischen Verteidigungsinitiative verbundenen, aber nicht diese
allein. Der militärische Pessimismus
der Sowjets im Hinblick auf ihre Fähigkeit, mit uns bei der Entwicklung
militärischer Technologien gleichzuziehen, war ein wichtiger Faktor, der
zu ihrer Unterstützung der Perestrojka beigetragen hat. Mit zunehmendem
Umfang der Herausforderungen in der
Dritten Welt möchten wir ferner sicherstellen, daß wir potentiellen
Gegnern gegenüber im Vorteil sind.
Insbesondere werden wir in denjenigen
Bereichen auf Fortschritte drängen,
die es uns gestatten werden, Gewalt
anzuwenden, ohne mehr amerikanische
Soldaten zu gefährden als unbedingt
notwendig.
Ich habe nur einen Teil unseres neuen
strategischen Denkens angesprochen:
Wie ich bereits sagte, ist es ein dynamischer Prozeß, der sich einem sich
verändernden Umfeld im In- und Ausland anpassen wird.

* * * * *

�AMERIKA DIEN
VON

Hintergrundmaterial

&amp;

13. De zember 1989

45

MENSCHENRECHTE IM JAHR 1989
Von Richard Schifter

(Der Autor ist Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium. Der nachstehende Beitrag wurde einer Rede entnommen, die im Rahmen einer Konferenz des US-Außenministeriums zum
Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 1989 gehalten wurde.)

John Reed gab seinem Bericht über die
russische Oktoberrevolution den Titel
"Zehn Tage, die die Welt erschütterten". Vielen erschien dieser Titel
zu gewagt. Sie nahmen an, die dort
beschriebenen Ereignisse hätten nicht
die Bedeutung, die ihnen von John
Reed beigemessen wurde. Von der Warte des Jahres 1989 aus können wir jedoch sagen, daß Reed Recht hatte.
Die Ereignisse des Herbstes 1917 in
Petrograd waren dazu bestimmt, im
Lauf der Zeit die Entwicklung der
Welt für den Großteil des zwanzigsten
Jahrhunderts grundlegend
zu beeinflussen.

sche Störung andauerte. Meines Erachtens waren es rund 1 000 Tage, begannen diese wahrhaft welterschütternden Ereignisse kaum wahrnehmbar
vor etwa drei Jahren - im Dezember
1986 -, als in Gorki an eine Wohnungstür geklopft wurde. Als die Bewohner öffneten, erblickten sie vor
sich einige Arbeiter, die erklärten,
sie hätten Anweisung erhalten, ein
Telefon zu installieren. Wenige Tage
danach erfolgte der berühmte Telefonanruf von Michail Gorbatschow, der
Andrej Sacharow einlud, nach Moskau
zurückzukehren.

Und heute, am Tag der Menschenrechte
1989 können wir zweifellos feststellen, daß die Welt erneut erschüttert
wurde, und wir können dann darüber
diskutieren, wie lange diese seismi-

Kurz darauf kehrten abgemagerte, aber
dennoch hochgestimmte politische Gefangene aus dem GULAG zurück, und es
begann eine schrittweise, anfänglich
nahezu unmerkliche Lockerung der Un-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�terdrückungsmechanismen in der Sowjetunion. Mit der Zeit wurden wir
Zeugen, wie die Dynamik der Kräfte
des Wandels sich so sehr beschleunigte, daß uns in den letzten Monaten
schier der Atem wegblieb.
Da nur
noch Rumänien und Albanien als Diktaturen alten Stils in Osteuropa übrig
sind, können wir mit Fug und Recht
behaupten, daß der europäische Kontinent niemals zuvor in der Geschichte
der Nationalstaaten der Verwirklichung echter Freiheit so nahe war.
Es wurde die Frage gestellt, wie wir
auf das Drama reagieren sollten, das
sich heute vor unseren Augen abspielt. Ich meine, zunächst mit Respekt und Bescheidenheit.
Uns hat
entweder der Zufall der Geburt oder
das Glück, einwandern zu dürfen, dazu
verholfen, in diesem gesegneten Land
zu leben, in einem Land, das jedem
von uns die Chance gegeben hat, unser
Schicksal selbst in die Hand zu nehmen anstatt Spielball der Geschichte
zu sein. Den Gründern dieses Landes,
den Vätern unserer Verfassung gebührt
unser Dank für die Schaffung eines
Regierungssystems und einer Gesellschaftsordnung, die uns so gut gedient hat.
Anstatt uns also zu ideologischen
Siegern zu erklären, sollten wir denjenigen in Osteuropa die Hand reichen, die die Gültigkeit der Grundsätze erkannt haben, auf denen dieses
Land gegründet wurde und die wir in
die Wiege gelegt bekamen. Wir sollten erkennen, daß wir heute die einmalige Gelegenheit haben, die Sache
der Demokratie und der Menschenrechte
auf internationaler Ebene zu forden
und damit am Ende dieses gepeinigten
Jahrhunderts der Welt eine Chance zu
Frieden und Ruhe zu bieten.
Dafür gibt es jedoch nur eine Chance,
keine Gewißheit. In der letzten Zeit
haben so viele gänzlich unerwartete
Ereignisse stattgefunden, die wirklich Anlaß zu Euphorie geben und uns
in die Gefahr bringen können, die Zukunft zu optimistisch einzuschätzen.
Es wäre gleichzeitig jedoch ein ern-

ster Fehler, wenn wir nicht erkennen
würden, daß wir heute Chancen zur
Förderung der Menschenrechte haben,
die vor drei Jahren einfach nicht
existierten.
Wir alle waren dieses Jahr von den
Ereignissen in Budapest und Warschau,
in Berlin, in Sofia und schließlich,
nach 21 Jahren der Finsternis, durch
die Rückkehr des Prager Frühlings
tief bewegt. Wir müssen uns jedoch
verdeutlichen, daß die von der Bevölkerung in diesen fünf Hauptstädten
zum Ausdruck gebrachte Stimmung schon
immer bestanden hat. Der Grund, warum diese Empfindungen heute den Charakter von Regierung und Staat prägen
könnten, liegt in den Veränderungen,
die in Moskau stattgefunden haben.
Die Entwicklungen in Moskau werden
weiterhin die entscheidende Rolle in
der unmittelbaren Zukunft spielen.
Der Leiter der RUstungskontroll- und
Abrüstungsbehörde, Botschafter Lehmann, hat bei mehreren Gelegenheiten
darauf verwiesen, daß Fortschritte im
Bereich der Menschenrechte in der Sowjetunion sehr viel mehr als jede Rüstungskontroll- und
Inspektionsmaßnahme zur Gewährleistung unserer Sicherheit beitragen werden. Es gibt
guten Grund, dieser Beobachtung zuzustimmen. Unser seit 1945 bestehender
Konflikt mit der Sowjetunion wurde
nicht von solch herkömmlichen Gründen
für internationale Auseinanderset Zungen wie Konkurrenzkampf um Märkte und
Einflußbereiche geschürt. Er war von
einer Ideologie geleitet, die vorgab,
alle Antworten auf die so zlalen und
wirtschaftlichen Probleme der Menschheit zu haben und deren Anhänger alle
zur Verfügung stehenden Mittel einschließlich Gewalt und Subversion
nutzten, um denen das Paradies auf
Erden zu bringen, die davon noch
nicht überzeugt waren. Das war die
Ideologie der Macht, der wir widerstanden haben.
Die Begründung für den Einsat z von
Gewalt auf internationaler Ebene war
gleich2eitig der Grund für Gewaltanwendung im Inland. Diejenigen, die

- 2 -

�glaubten, sie hätten den Weg zu einer
besseren Welt gefunden, stürzten sich
in einen Kampf gegen alle, die im Wege standen - sei es im In- oder Ausland. Im Inland fand dieser Kampf in
der brutalen Unterdrückung von Menschenrechten
seinen Ausdruck.
Im
Ausland in massiver Aufrüstung und
Pressionen, Expansionismus und Subversion.
In der Tat ist das Thema Menschenrechte der Lackmustest
für alle
Aspekte der politischen und sozialen
Entwicklungen eines Landes und seinem
Verhalten auf der internationalen
Bühne. Eine Bewertung der Menschenrechtstendenzen in der Sowjetunion
hat daher große Bedeutung für unsere
Beurteilung der internationalen Szene.
Seit über 2 5 Jahren wissen wir um die
Existenz einer Menschenrechtsbewegung
in der Sowjetunion. Wir kennen die
Namen der mutigen Männer und Frauen,
die ihre Karriere, Stellung in der
Gesellschaft und häufig ihre Freiheit
geopfert haben, um ihren Glauben an
ein demokratisches Leben zu verteidigen. Was wir nicht wußten und für
viele von uns eine Überraschung war,
ist, daß die Überzeugung dieser Dissidenten von vielen sowjetischen Bürgern geteilt wurde, die nicht wagten,
den Mund aufzumachen. Noch erstaunlicher war, daß unter den Verfechtern
eines demokratischeren Systems Menschen waren, die Führungspositionen
innehatten und Verantwortung im System selbst trugen.
Als Präsident
Gorbatschow begann, die Unterdrückung
zu lockern, die so lange auf der sowjetischen Bevölkerung gelastet hatte, kamen auch diese heimlichen Demokraten im Establishment zum Vorschein.
Anstelle des politischen Monolithen
der vergangenen Jahre sehen wir in
der Sowjetunion heute ein breites
Meinungsspektrum, das von den radikalsten Befürwortern
von Reformen
über Verfechter schrittweiser Reformen an seinem äußersten Ende bis zu
denjenigen reicht, die eine Rückkehr
zur Autokratie herbeisehnen. Letztere Gruppe ist ein befremdliches Kon-

glomerat von Stalinisten und anderen,
die im Geiste noch Monarchisten sind.
Ferner gibt es die große Gruppe von
Sowjetbürgern, die sich verständlicherweise eher mit dem Alltag und ihrem persönlichen Lebensstandard beschäftigen als mit der politischen
Struktur des Landes.
Heute ist es offensichtlich, daß der
Erfolg der Reformer nicht nur im Interesse der Menschen in der Sowjetunion, nicht nur im Interesse der
osteuropäischen Nationen, sondern im
Interesse der ganzen Welt liegt.
Letztlich wird ihr Erfolg von ihren
eigenen Aktionen und den Reaktionen
ihrer Völker und sonst niemand abhängen. In dem Maße, in dem die Zusammenarbeit mit ihnen ihre Aussicht auf
Erfolg verbessert, müssen wir es zumindest versuchen. Es steht so viel
auf dem Spiel.
Das ist die Botschaft, die unser Präsident immer
wieder hervorgehoben hat.
Osteuropa ist nicht der einzige Ort,
an dem im vergangenen Jahr Fortschritte bei den Menschenrechten verzeichnet wurden. Ein weiteres Land,
das zielstrebig den Weg zur Demokratie verfolgt, ist Chile. In Namibia
sind freie Wahlen abgehalten worden.
Es besteht sogar Grund zu Hoffnung
auf Fortschritte bei der Wahrung der
Menschenrechte in Südafrika.
Eine allzu optimistische Schilderung
der Ereignisse des vergangenen Jahres
wird jedoch bedauerlicherweise den
Tatsachen nicht ganz gerecht. Osteuropa hat zwar dem Leninismus entsagt,
dieser hat jedoch in Lateinamerika
und Asien neue Opfer gefunden. Die
Tyrannen mit der längsten Amtszeit,
Kim II Sung und Fidel Castro, haben
ihre Länder immer noch im festen
Griff der Diktatur. Darüber hinaus
werden auch täglich aus allen Teilen
der Welt Menschenrechtsverlet zungen
gemeldet,
die
keiner
totalitären
Ideologie folgen - die Zeit ist also
eindeutig noch nicht reif, als daß
sich die Verfechter der Menschenrechte anderen Problemen zuwenden könnten.

- 3 -

�In China konnten wir nicht nur die
tragischen Ereignisse des 4. Juni und
die darauffolgende Unterdrückung beobachten. Auch in Fachzeitschriften
und anderen Publikationen wurde in
Angriffen auf unser Land erneut die
Behauptung vorgebracht, wir in den
Vereinigten Staaten wollten China unsere Maßstäbe bei den Menschenrechten
aufoktroyieren und würden uns damit
in die inneren Angelegenheiten des
Landes einmischen.
Die sogenannten
amerikanischen Maßstäbe werden dann
in klassischer kommunistischer Terminologie als bürgerliche Vorstellungen
abqualifiziert - die dem gegenwärtigen Entwicklungsstand der chinesischen Gesellschaft nicht gerecht würden.
Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, um nochmals auf Fakten hinzuweisen. Die gegenwärtig an China und
andere Länder angelegten Maßstäbe
sind keine amerikanischen Vorgaben.
Es sind allgemeingültige Maßstäbe,
die weltweit Anerkennung finden. Und
Kommentare über die mangelnde Einhaltung dieser Maßstäbe seitens einer
Regierung wird in der internationalen
Staatengemeinschaft nicht mehr als
Einmischung gewertet. Sie gelten als
angemessene Reaktion auf Fälle, bei
denen eine Regierung die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
festgelegten
Maßstäbe
ignoriert.
Chinas Stimmabgaben bei den Resolutionen der Vereinten Nationen zu Südafrika lassen keinen Zweifel an der
Meinung der Regierung der Volksrepublik China, Kommentare zu Menschenrechtsverlet zungen in anderen Ländern
seien angemessen und keineswegs eine
unrechtmäßige Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes.

te des einzelnen zu gewährleisten und
daß diese Regierungen ihre Macht nur
aus der Zustimmung der Regierten ableiten können. Diese Worte dokumentieren meines Erachtens nicht nur die
Auffassung der Vereinigten Staaten,
sondern aller demokratischen Volksvertretungen im KSZE-Prozeß. Sie dokumentieren sicherlich auch die Meinung einer großen Zahl und vielleicht
einer Mehrheit der Bürger in Ländern,
deren Regierungen diesen Grundsät zen
nicht gerecht werden.
Insbesondere
diesen Menschen - den KSZE-Beobachtern, den Mitgliedern der Charta 77,
der Solidarität und all denen, die
sich für die Sache der Freiheit einsetzen - müssen wir die Botschaft
übermitteln, daß sie nicht verzweifeln dürfen und sie an die letzte
Strophe des Liedes von den Moorsoldaten aus den dreißiger Jahren erinnern:
"Doch für uns gibt es kein
Klagen, ewig wird's nicht Winter
sein. Einmal werden froh wir sagen:
'Heimat, Du bist wieder mein.'"
Wenige von uns hätten je gedacht, daß
das Ende des Winters in Osteuropa so
unmittelbar bevorstand.
Wir hegen
die Hoffnung, daß diejenigen in Osteuropa, die der Demokratie und den
Menschenrechten verpflichtet sind, in
den kommenden Monaten ihre Gewinne
konsolidieren.
Wenn ihnen das gelingt, haben wir Grund zu der Annahme, daß die in den vergangenen Jahren
beobachtete Tendenz sich weltweit
fortset zen und die Allgmeine Erklärung der Menschenrechte wirklich allgemein anerkannt wird.
Für dieses
Ziel müssen wir alles in unserer
Macht Stehende tun.

Um auf die von mir eingangs erwähnten
positiven Entwicklungen zurückzukommen, möchte ich aus der Schlußbemerkung einer von mir am 28. Januar 1987
in Wien gehaltenen Rede zitieren.
Ich habe damals erklärt, wir in den
Vereinigten Staaten vertrauten auf
das Prinzip, daß Regierungen von Menschen eingesetzt wurden, um die Rech-

- 4-

* * * * *

.

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
13. Dezember 1989

45

BESSERE EINHALTUNG DER SCHLUSSAKTE VON HELSINKI IN OSTEUROPA
- Auszüge aus dem 27. HalbJahresbericht der KSZE WASHINGTON - (AD) - Dem 27. Halb Jahresbericht der KSZE über die "Durchführung
der Schlußakte von Helsinki und die Schlußdokumente von Madrid und Wien" zufolge konnte eine erhebliche Verbesserung bei der Einhaltung der KSZE-Ziele
beobachtet werden, auch wenn einige Ostblockstaaten noch immer ihre Verpflichtungen brechen. Der Bericht deckt den Zeitraum vom 1. April - 30. September
1989 ab und wurde dem Kongreßausschuß über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa von Außenminister Baker im Namen von Präsident Bush vorgelegt. Die
zahlreichen Ereignisse von ungeheurer Tragweite, die seit dem 30. September
1989 stattgefunden haben, wie die Öffnung der Berliner Mauer und die neue Führung in Bulgarien, der Tschechoslowakei und der DDR, werden im nächsten Halbjahresbericht der KSZE behandelt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Kapitel 1 des Berichts in wesentlichen Auszügen.
UdSSR
Im Berichtszeitraum konnte ein im
großen und ganzen positiver Kurs der
Sowjetunion bei der Durchführung der
Schlußakte
von Helsinki und der
Schlußdokumente von Madrid und Wien
beobachtet werden.
Darüber hinaus
waren einige beachtliche, wenn auch
nicht unumkehrbare Fortschritte zu
verzeichnen.
Zu den Fortschritten zählen die anhaltende Zahl der Auswanderer und die
Reformierung des Obersten Sowjets.
Das sowjetische Vorgehen während der
Unruhen in Tiflis Anfang April, bei
denen am 9. April mindestens 19 Demonstranten von sowjetischen Sicherheitskräften getötet wurden, belegt
in drastischer Weise, daß die Fort-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schritte nicht unumkehrbar sind und
institutionell verankert werden müssen.
Bemerkenswerterweise wurden auch die
in den vergangenen zwei Jahren erzielten entscheidenden Verbesserungen
bei der Wahrung der Menschenrechte
nicht beeinträchtigt, trotz größerer
Herausforderungen an das sowjetische
System während des Berichtszeitraums
wie der Bergarbeiterstreik und Massendemonstrationen ethnischer Minderheiten.
Das Streben der sowjetischen Führung
nach Glasnost und "Demokratisierung"
führte zu einer weiteren Öffnung der
sowjetischen Gesellschaft. Hier wurden die größten Fortschritte verzeichnet.
Der neue Kongreß der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volksdeputierten und der Oberste Sowjet nahmen eine gewisse Einschränkung des Machtmonopols der Kommunistischen Partei. Mit der Gründung
einer regionenübergreifenden parlamentarischen Gruppe wurde ein hochrangiges Forum für alternative Ansichten geschaffen.
Nach wie vor ist die Durchführung der
Schlußakte von Helsinki durch die Sowjets letztlich jedoch aufgrund von
bürokratischem Widerstand und fehlenden Institutionen unzulänglich, dank
derer der Bürger diese Widerstände
überwinden
könnte.
Menschenrechte
sind in der UdSSR weiterhin eher ein
politisches
Instrument
und
keine
rechtlich verankerte Gegebenheit.
Auf internationaler Ebene hat die Sowjetunion
ihre Verpflichtungen im
Rahmen der umfassenden vertrauensund sicherheitbildenden Maßnahmen des
Stockholmer Dokuments verwirklicht.
Die UdSSR wird mehr und mehr ein
lautstarker Verfechter multilateraler
Zusammenarbeit
zur Bekämpfung von
Terrorismus und zeigt darüber hinaus
auch wachsendes Interesse an bilateralen Ansätzen. Dagegen war die Sowjetunion praktisch nicht bereit,
wirksame, konkrete Schritte gegen
Staaten zu unternehmen, die Terrorismus fördern und auf die Moskau Einfluß hat.
Im Bereich menschlicher Kontakte kann
in der Sowjetunion eine beachtliche
Lockerung bei Reisen und Kontakten
mit dem Ausland beobachtet werden.
Im Verlauf des 27. HalbJahresberichts
der KSZE wurden die amerikanisch-sowjetischen
kulturellen
Beziehungen
und Austauschprogramme sehr stark erweitert. Die Zusammenarbeit mit der
Sowjetunion in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie
sowie beim Umweltschutz hat sich im
großen und ganzen verbessert.
Die Veröffentlichung und Verbreitung
von Informationen über Rundfunk und

Fernsehen in der Sowjetunion obliegt
nach wie vor ausschließlich der Regierung, der Kommunistischen Partei
und zur Unterstützung dieser Institutionen geschaffenen Organisationen.

Rumänien
Im Berichtszeitraum wies Rumänien eine amerikanische Demarche als unbefugte Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes zurück, in
der die Vereinigten Staaten gegen die
Verletzung des im Wiener Schlußdokuments
besonders
hervorgehobenen
Rechts auf freie Religionsausübung
protestierten.
Darüber hinaus verwahrte sich Rumänien gegen mehrere
Versuche der Vereinigten Staaten und
anderer Regierungen, das in Wien vereinbarte Instrumentarium der menschlichen Dimension zu aktivieren, mit
dem einzelne Regierungen auf von
KSZE-Mitgliedstaaten vorgebrachte Anfragen zu Menschenrechtsverletzungen
reagieren sollen.
Im Berichtszeitraum hat die rumänische Regierung die Vertrauens- und
sicherheitsbildenden Aspekte der KSZE
aktiv unterstützt und die ersten
sechs Grundsätze von Helsinki zu
Kernstücken ihrer Innen- und Außenpolitik erhoben. In den meisten anderen Bereichen ließ das Verhalten gegenüber den KSZE-Verpflichtungen zu
wüuschen übrig.
Obwohl die freie Religionsausübung in
der Verfassung verankert ist, wird
dieses Recht nach wie vor durch die
Regierung eingeschränkt und kontrolliert.
In einigen Regionen bestand auch weiterhin Besorgnis über die von der Regierung angekündigte Maßnahme, ländliche Gebiete zu "systematisieren"
oder zu modernisieren. Im Berichtszeitraum brachten die ungarischen
Minderheiten in Rumänien ihre anhaltende Besorgnis darüber zum Ausdruck,
daß die Maßnahmen der Regierung zur

- 2 -

�ländlichen Systematisierung die Bewahrung der ethnischen Identität dieser Minderheit untergraben.
In scharfem Gegensatz zu den Reformbestrebungen seiner sozialistischen
Nachbarn ist Rumänien auch heute noch
ein Paradebeispiel für eine bis ins
Letzte durchgeführte Planwirtschaft.
Bei rumänischen Exporten in und Importen aus den Vereinigten Staaten
war in den ersten sechs Monaten des
Jahres 1989 verglichen mit demselben
Zeitraum 1988 und 1987 ein drastischer
Rückgang
zu
verzeichnen. ..
Amerikanische Geschäftsleute konnten
keine Erleichterung der Geschäftstätigkeit wie leichteren Zugang zu Betrieben und Fabriken oder eine Verminderung der hohen Kosten für Eröffnung und Unterhaltung eines Büros in
Rumänien feststellen.
Obwohl beachtliche und in der Tat ermutigende Fortschritte bei der Zahl
von zum Zwecke der Familienzusammenführung in Rumänien ausgegebenen Pässe verzeichnet werden konnten, bleibt
noch sehr viel zu tun, bis die Einhaltung der Schlußakte von Helsinki
durch Rumänien als zufriedenstellend
bezeichnet werden könnte.

sche Partei Einschränkungen
Machtmonopols hingenommen.

ihres

Diese beeindruckenden Entwicklungen
sind die Folge der am runden Tisch
getroffen Vereinbarungen.
Das im
April nach langwierigen und mühsamen
Verhandlungen erzielte Abkommen führte zu einem beachtlichen Maß an Pluralismus und Demokratie in Polens politischem und wirtschaftlichem System.
Mit der Abkehr von 40 Jahren Einparteienherrschaft scheint Polen jetzt
auf dem Weg zu einer verbesserten
KSZE-Bilanz...
Bedauerlicherweise
stellen eine Vielzahl einzelner Faktoren - vor allem der Zustand der
krisengeschüttelten polnischen Wirtschaft - ein Potential dar, das ein
Hemmschuh für die vollständige Verwirklichung von Demokratisierung und
Pluralismus in Polen sein oder sie
sogar zum Scheitern bringen könnte.
Durch seine gewählten Vertreter hat
das polnische Volk jedoch größere
Kortrolle über seine Zukunft sowie
die Möglichkeit erhalten, eine aktive
und wirksame Rolle bei der Formulierung praktisch aller Maßnahmen der
Regierung
bis hin zur politischen
und wirtschaftlichen Verwaltung des
Landes zu spielen.

Polen
Ungarn
Seit der Machtübernahme durch die
Kommunisten Im Jahr 1948 hat Polen
die weitreichendsten und tiefgreifendsten Veränderungen seiner politischen Strukturen vorgenommen.
Zum
ersten Mal im Leben praktisch aller
Polen hatten sie Gelegenheit, an
wirklich demokratischen Wahlen teilzunehmen und ihre Wahl frei unter
Kandidaten höchst unterschiedlicher
Couleur zu treffen.
Erstmals seit
dem Ersten Weltkrieg hat das polnische Volk eine vorwiegend nichtkommunistische Regierung eingeführt - eine
einzigartige Errungenschaft im Warschauer Pakt. Und zum ersten Mal in
der Geschichte hat eine kommunisti-

In den vergangenen sechs Monaten haben die politisch Verantwortlichen
Ungarns entschiedene Schritte unternommen, um die vollständige Einhaltung der in der Schlußakte von Helsinki und den Schlußdokumenten von
Madrid und Wien formulierten Grundsätze institutionell zu verankern.
Einige der in den vergangenen zwei
Jahren erzielten Fortschritte könnten
umkehrbar sein, aber sie werden zunehmend institutionell festgeschrieben. Die im Berichtszeitraum von der
Regierung
unternommenen,
politisch
schwierigen Schritte wie die Öffnung
der Grenzen für DDR-Bürger auf ihrer

- 3 -

�Flucht in die Bundesrepublik Deutschland, belegen das entschiedene Engagement für dauerhafte Veränderungen.
Die
Regimekritiker
beschleunigten
gleichzeitig den Übergang zu einem
pluralistischen
Mehrparteiensystem
und lenkten das Land auf den Kurs zu
einer
Demokratie
westlichen
Stils...
Im Berichtszeitraum führte
das Regime offizielle Verhandlungen
und unterzeichnete ein historisches,
wenn auch einseitiges Abkommen mit
der Opposition, mit dem der Weg zu
freien Wahlen mit mehreren Parteien
geebnet wurde.
Ungarn ist das erste osteuropäische
Land, das offiziell der Genfer Konvention von 1951 und dem New Yorker
Flüchtlingsprotokoll beigetreten ist
und sich der internationalen Menschenrechtskonvention der Vereinten
Nationen verschrieben hat.
Die ungarische Regierung hat die Beilegung der Differenzen mit dem Nachbarland Rumänien durch die Aktivierung des KSZE-Instrumentariums angestrebt, offiziell ihr Mißfallen über
die chinesischen Militäraktionen gegen die Studenten auf den TiananmenPlatz zum Ausdruck gebracht und bekräftigt, daß Menschenrechte nicht
die innenpolitische Angelegenheit eines einzelnen Landes sind.
Negativ schlägt zu Buche, daß einige
der im Berichtszeitraum beobachteten
Errungenschaften zwar zunehmend institutionell festgeschrieben wurden,
aber dennoch möglicherweise umkehrbar
sein könnten, obwohl dies im In- und
Ausland einen beträchtlichen politischen Preis fordern würde.

Deutsche Demokratische Republik
Bis zu den dramatischen Ereignissen
nach den Feiern zum vierzigjährigen
Bestehen der DDR Anfang Oktober - die
im nächsten Bericht behandelt werden
- weigerte sich die DDR-Führung beharrlich, solche Reformen in Betracht
zu ziehen, die - wie in der Sowjet-

union und einigen anderen osteuropäischen Ländern - bedeutende Fortschritte
bei
der Einhaltung der
KSZE-Bestimmungen zur Folge hätten
haben können. Wo im Berichtszeitraum
positive Veränderungen zutage traten,
stellten sie zumeist den Versuch dar,
den im Wiener Schlußdokument enthaltenen Verpflichtungen nachzukommen.
Insgesamt blieb die Lage jedoch unbefriedigend, insbesondere im Hinblick
auf Menschenrechte und Grundfreiheiten (Prinzip VII) und humanitäre Zusammenarbeit (Korb III). Sie verschlechterte sich teilweise sogar im
Zuge von Bemühungen des Staates, gegenüber einer zunehmend freimütigen
Bevölkerung das Heft in der Hand zu
behalten.
Bis zu den jüngsten Ereignissen waren
Auswanderung und Reisen in den Westen
eher ein Privileg als ein Anrecht.
In diesem Sommer stellte sich die vom
Honecker-Regime
betriebene
Politik
der kontrollierten Zunahme von Reise- und
Auswanderungsmöglichkeiten
als Fehlschlag heraus, da sich zahlreiche, zumeist junge, DDR-Bürger bemühten, die DDR "illegal" zu verlassen.
An der schwer bewachten DDR-Grenze
wurde im Berichtszeitraum kein Nachlassen der Wachsamkeit festgestellt.

Tschechoslowakei
Die Einhaltung der KSZE-Bestimmungen
durch die Tschechoslowakei blieb in
der vergangenen sechs Monaten erheblich eingeschränkt, da beträchtliche
Defizite bei der Anwendung von Prinzip VII zu den grundlegenden Menschenrechten bestehen blieben.
Obwohl auch einige positive Entwicklungen stattfanden, wurde im Berichtszeitraum eine merkliche Zunahme von
Fällen beobachtet, in denen die Behörden Gewalt und verschiedene juristische und nichtjuristische Maßnahmen anwendeten, ... um unabhängige
politische Aktivitäten zu ersticken.
Die

tschechoslowakische

Bilanz

bei

�der Familienzusammenführung verbesserte sich im Berichtszeitraum erheblich, was teilweise auf den KSZE-Prozeß zurückzuführen ist. Aufgrund der
durchgeführten Reformen war die amerikanische Botschaft in Prag in der
Lage, alle anhängigen Fälle von Familienzusammenführung zu lösen.
Auch in anderen Bereichen der Freizügigkeit nahm die Tschechoslowakei eine positivere Haltung ein. Durch Reformen wurden die Möglichkeiten von
Auslandsreisen für CSSR-Bürger verbessert.
Trotzdem erhielten immer
noch nicht alle Bürger die Möglichkeit, ihre in der KSZE-Schlußakte
verbrieften Rechte auszuüben.
Das
Land hielt an seinen strengen Grenzkontrollen fest.
Bei
der Verbreitung
von Druck-,
Film- und
Tonerzeugnissen
ergaben
sich in der CSSR nahezu keine sichtbaren Verbesserungen. Generell wurde
in den bilateralen Beziehungen mit
den Vereinigten Staaten in den Bereichen Kultur und Bildung im Berichtszeitraum ein relativ hohes Niveau an
Aktivitäten aufrechterhalten.
Dies

und gestattete die Auswanderung von
über 300 000 anderen. Die Behörden
behaupteten, damit ihre KSZE-Verpflichtung zur Freizügigkeit zu erfüllen. In Wirklichkeit wurden viele
der Auswanderer gezwungen, binnen weniger Stunden das Land ohne Familienangehörige und ohne Hab und Gut oder
irgendeine echte Entschädigung für
den erzwungenen Verlust von zurückgelassenem Besitz zu verlassen.
Die Regierung beschränkte auch weiterhin den Informationsfluß, verweigerte der beträchtlichen türkischen
Minderheit ihre Rechte, behinderte
die Versammlungsfreiheit und setzte
Mitglieder verschiedener unabhängiger
Menschenrechtsgruppen
unter
Druck.
Im Berichtszeitraum gingen diese Maßnahmen zum ersten Mal über kurzfristige Festnahmen, Verbannung und die
faktische Ausweisung hinaus.
Glasnost blieb in Bulgarien zum größten
Teil ein nicht verwirklichtes Ziel.
Die allgemein kooperative Haltung des
Landes
zur
Familienzusammenführung
setzte sJch jedoch fort.
W'rtschaftsreformen

fanden,

wenn

ist teilweise auf ein im April 1986

überhaupt,

abgeschlossenes und 1988 verlängertes
bilaterales
Austauschabkommen
für
Kultur, Bildung und Wissenschaft zurückzuführen.

vom Parteiapparat kontrollierte zentrale Planung blieb Hauptmerkmal der
bulgarischen Volkswirtschaft.

Bulgarien
Die bulgarische Haltung zu Geist und
Buchstaben
zahlreicher
KSZE-Verpflichtungen, insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte und Grundfreiheiten, wies weiterhin erhebliche
Defizite auf. Dies schlug sich im
Berichtszeitraum besonders augenfällig im Massenexodus von Hunderttausenden
türkischstämmigen
Bulgaren
nieder.
Infolge
verbreiteter
Hungerstreiks
und friedlicher Demonstrationen türkischstämmiger Bulgaren im Mai, die
eine Wiederherstellung
ihrer Menschenrechte verlangten, verwies die
Regierung einige von ihnen des Landes

nur

zögernd

statt.

Die

Ein möglicherweise positiver Schritt
war die Verabschiedung des seit langem erwarteten Paßgesetzes im Mai,
das am 1. September in Kraft trat.
Das Regime benutzte jedoch weiterhin
bürokratische Hindernisse und administrative
Maßnahmen,
um
Menschenrechtsaktivisten Pässe zu verweigern.

Das Londoner Informationsforum
Das bei der Wiener KSZE Folgekonferenz vereinbarte Londoner Informationsforum fand vom 18. April bis zum
12. Mai 1989 statt. Diese Konferenz
sollte den KSZE-Staaten eine Gelegenheit verschaffen, "über die Verbesserung der Verbreitung, des Zugangs zu
und des Austauschs von Informationen,
die Zusammenarbeit im Informationswe-

- 5 -

�sen und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Journalisten zu sprechen".
Die Vereinigten Staaten erwarteten
von diesem Treffen eine offene Überprüfung der Einhaltung von Verpflichtungen im Informationsbereich durch
alle KSZE-Staaten, eine Gelegenheit
für Berater aus dem Privatsektor,
vollständig an der Arbeit des Forums
teilzunehmen und sie betreffende Fragen offen und ohne Einschränkung zur
Sprache zu bringen sowie größtmöglichen Zugang von Öffentlichkeit und
Medien zu diesem Forum. Die Vereinigten Staaten erhofften sich ferner,
daß die Konferenz einen weiteren Impuls für kooperative Bemühungen zur
Verbesserung des freien Informationsflusses und der Arbeit von Medienvertretern im Ausland geben würde. All
diese Ziele wurden erfüllt.
Das Londoner Informationsforum hat
keinen der eingebrachten 69 Vorschläge oder ein Schlußdokument verabschiedet. In Einklang mit den Bestimmungen des Wiener Schlußdokuments
müssen Vorschläge durch das Gastgeberland, also Großbritannien, zu der
für 1992 geplanten KSZE-Folgekonferenz in Helsinki vorgelegt werden.

bestimmten Fällen und Fragen im Bereich Menschenrechte zu antworten.
Vorschläge waren den französischen
Gastgebern zur weiteren Berücksichtigung beim nächsten für 1990 in Kopenhagen vorgesehenen Treffen der Konferenz über die menschliche Dimension
und letztlich der KSZE-Folgekonferenz
im Jahr 1992 vorzulegen. Das Pariser
Treffen endete ohne Schlußdokument.

Verhandlungen
über
Vertrauens- und
sicherheitsMldende Maßnahmen
Zu den 10 im Wiener Schlußdokument
festgelegten Aktivitäten zwischen den
Konferenzen gehörten auch Verhandlungen über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen.
Im Mandat für
diese Gespräche wurde deren Zweck
folgendermaßen erläutert:
"Auf den
bei der Stockholmer Konferenz bereits
erzielten Ergebnissen aufzubauen und
diese zu erweitern mit dem Ziel, eine
Reihe neuer, sich gegenseitig ergänzender Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen auszuarbeiten und
zu verabschieden, die der Reduzierung
des Risikos einer militärischen Konfrontation in Europa dienen."
Die Verhandlungen wurden am 7. März
1989 eröffnet.

Pariser Treffen zur Konferenz über
die menschliche Dimension der KSZE
Das Treffen fand wie vereinbart vom
30. Mai bis zum 23. Juni 1989 statt.
Die Vereinigten Staaten verfolgten
bei dieser Veranstaltung zwei Ziele,
die beide im Verlauf des Treffens erfüllt wurden. Es wurde eine gründliche Überprüfung der Bilanz aller
Teilnehmerstaaten bei der Einhaltung
der
KSZE-Verpflichtungen
vorgenommen. Das Treffen bot ferner eine Gelegenheit zu untersuchen, wie das Instrumentarium für die menschliche Dimension bis zu diesem Treffen angewendet wurde. Dieser bei der Wiener
KSZE-Folgekonferenz vereinbarte Mechanismus verpflichtet die KSZE-Staaten, auf Bitten um Information und
Vorstellungen anderer KSZE-Staaten zu

Der Westen brachte zu Beginn der Gespräche ein umfassendes Vorschlagspaket ein. Schwerpunkt der westlichen
Vorschläge war größere Offenheit und
Berechenbarkeit im Hinblick auf die
Streitkräfte und ihre Aktivitäten in
Europa. überdies erfüllte das Paket
die Bedingung des Mandats, auf den
Errungenschaften der Stockholmer KVAE
aufzubauen.
Die westlichen Vorschläge gruppierten
sich um drei Themenbereiche: Transparenz der militärischen Organisation, Transparenz militärischer Aktivitäten sowie Kommunikation und Kontakt«0. Ferner ... schlug der Westen
vor, eine Diskussion über Militärdoktrinen in Form eines Seminars abzuhalten.

�Auch der Osten erläuterte seine Vorstellungen zu Beginn der Verhandlungen. Diese waren jedoch ihrem Charakter nach wesentlich allgemeiner
gehalten als das westliche Verhandlungspaket. Gegen Ende des überprüfungszeitraums hatte der Osten im Gegensatz zum Westen noch immer keine
detaillierte Sprachregelung vorgelegt.
Ende September war die dritte Runde
voll im Gange. Beide Seiten hatten
sich einer Vereinbarung über einen
neutralen Text für das Seminar über
Militärdoktrinen angenähert, und es
schien wahrscheinlich, daß dieses Seminar im Januar 1990 stattfinden würde.

* * * * *

- 7 -

�WJH:

/Vif

iH4

Hintergrundmaterial

13. Dezember 1989

45

NEUESTE ENTWICKLUNGEN IM KAMPF GEGEN DROG'N
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Den nachfolgend veröffentlichten Bericht über neueste
Entwicklungen im internationalen Kampf gegen Drogen veröffentlichte das amerikanische Außenministerium im November 1989.
Drogenkonsum und Handel mit gesetzlich verbotenen Drogen stellen ebenso
sehr eine Bedrohung für die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten
wie für die Gesundheit und das Wohl
des Drogenabhängigen dar. Mit der
Drogenabhängigkeit der Beschäftigten
sinkt die Produktivität der Industrie, die militärische Einsatzbereitschaft ist bedroht, wenn Angehörige der US-Streitkräfte Drogen nehmen, das Image der Vereinigten Staaten wird durch Berichte über Drogenkonsum in Amerika geschädigt und das
vom Bürger für Drogen ausgegebene
Geld füllt die Taschen der Drogenbarone, deren Taktik der Gewalt die Sicherheit einiger unserer wichtigsten
Freunde und Verbündeten unterminieren.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Herstellung und Konsum
Gesetzlich verbotene Drogen werden
vorwiegend in den Entwicklungsländern
produziert und vor allem von Konsumenten in den reichen Industrieländern erworben. In zunehmendem Maße
sehen sich jedoch die Länder, in denen diese Drogen hergestellt und gehandelt werden, selbst mit Problemen
des Drogenkonsums konfrontiert.
In
der Vergangenheit haben die Regierungen sich gegenseitig die Schuld zugeschoben - die Konsumenten verurteilten die Hersteller, während die Herstellerländer behaupteten, die Drogenkonsumenten
«1or
Industrieländer
seien das Problem.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Das
Drogenproblem
hat
inzwischen
weltweite Dimensionen angenommen, denen sich kein Land mehr entziehen
kann. Spitzenpolitiker der Länder zu
beiden Seiten des Äquators und aller
ideologischen
Schattierungen
haben
Drogen den totalen Krieg erklärt.
Große Worte und Schuldzuweisungen
werden durch gemeinsame Bestrebungen
ersetzt, mit denen der Teufelskreis
von Drogenherstellung
und -konsum
durchbrochen werden soll.

Das US-Außenministerium ist die für
Amerikas Bestrebungen zur internationalen
Drogenbekämpfung
zuständige
Bundesbehörde und führt als solche
die wichtigsten Bestandteile der nationalen
Drogenbekämpfungsstrategie
von 1989 durch, im Rahmen derer die
Bush-Administration eine Liste internationaler
Prioritäten
aufgestellt
hat, die folgende Punkte umfaßt:

Die Sowjetunion, die lange Zeit die
Existenz von Drogenproblemen in ihrem
Land abgestritten hatte, beteiligt
sich nunmehr an wichtigen staatlichen
und privaten Programmen zur Eindämmung des Drogenkonsums. Die Regierung Kolumbiens - wo der größte Teil
des Kokains auf der Welt verarbeitet
wird - hat den Drogenhändlern den
Krieg erklärt. Bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat der
kolumbianische
Präsident
Virgilio
Barco die kolumbianischen Drogenbarone als "staatenlos" bezeichnet. "Sie
haben keine Heimat", erklärte Präsident Barco. "Kolumbien ist nicht ihr
Heimatland."

Eindämmung der Kokainlieferungen
durch Unterstützung der Polizei,
des Militärs und der Wirtschaft
in Peru, Bolivien und Kolumbien,
um die wichtigsten kokaverarbeitenden Regionen zu isolieren, die
Lieferung der zur Kokain-Herstellung
eingesetzten
chemischen
Stoffe zu blockieren, Kokain-Labors zur zerstören und die Ringe
der Drogenhändler zu zerschlagen. Diese Bestrebungen betreffen auch die Drogentransportwege
in dei Karibik.

Präsident Bush hat Maßnahmen angekündigt, die für Drogenabhängige, Hersteller und Händler gleichermaßen
gelten sollen. Bei einer Zusammenkunft von Vertretern des amerikanischen Drogenbekämpfungsamts erklärte
er im April 1989: "Wir sollten der
Tatsache ins Auge sehen: Die Amerikaner können den Andenstaaten nicht
die Schuld für unseren unersättlichen
Appetit auf Drogen geben."
Statt
Schuldzuweisungen an andere Länder
vorzunehmen, wollen die Vereinigten
Staaten mit. ihnen zusammenarbeiten,
um sowohl Angebot als auch Nachfrage
nach Drogen weltweit abzuschaffen,
denn - um den kolumbianischen Präsidenten Barco zu zitieren -: "das einzige Gesetz, gegen das Drogenhändler
nicht verstoßen, ist das Gesetz von
Angebot und Nachfrage".

-

Zerschlagung der Drogenkartelle,

Eindämmung der Heroinlieferungen
durch Einwirken auf andere Länder, um ihren Einfluß bei Opiumbauern geltend zu machen und damit die Herstellung und den Vertrieb von Heroin zu unterbinden.
-

Reduzierung der Marihuana-Lieferungen durch
strengere strafrechtliche Verfolgung im Ausland,
Vernichtung des Marihuanas und
Anstrengungen, mit denen verhindert werden soll, daß aus kleinen
Herstellern Großproduzenten werden.

-

Die Vereinigten Staaten wollen
die Europäische Gemeinschaft und
andere multilaterale
Foren zu
Maßnahmen ermutigen, um die Herstellung im Ursprungsland, Vertrieb in den Transitstaaten und
den Drogenkonsum in Europa zu bekämpfen.
Wir rechnen fest mit

- 2 -

�der europäischen Unterstützung im
Kampf gegen internationale und
regionale Drogenkartelle.
Andere internationale Zielsetzungen:
Bestrebungen zur Drogenbekämpfung
sollen in den bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten
mit fast allen Ländern hohe Priorität haben.
Die Vereinigten Staaten wollen
die Konvention der Vereinten Nationen über den unerlaubten Handel mit Drogen und psychotropen
Stoffen ratifizieren und auch andere Länder zur Ratifizierung
auffordern.
Rechtskräftige amerikanische Gesetze, denen
zufolge Entwicklungshilfe davon abhängig ist,
daß die Empfänger Drogenbekämpfungsstratgien unterstützen, sollen streng eingehalten werden.
Auf nationaler und internationaler Ebene sollen die Maßnahmen
gegen "Geldwäsche" der Gewinne
aus dem Drogenhandel verstärkt
werden.

Durchführung internationaler Drogenbekämpfungsmaßnahmen der Vereinigten
Staaten
Die wirkungsvolle Durchführung internationaler Drogenbekämpfungsprogramme
umfaßt Verbot, strafrechtliche Verfolgung von Drogenhändlern und Drogenvernichtung. Während das amerikanische Gesundheits- und Bildungsministerium den Drogenkonsum auf nationaler Ebene einzudämmen sucht, besteht
eine der wichtigsten Aufgaben des Außenministeriums darin, durch Kooperation mit anderen Ländern Druck auf
Drogenschmuggler und -händler auszuüben.
Im August 1988 schlössen sich 30 Länder im Rahmen der Internationalen
Drogenbekämpfungskonferenz zu einem
einmonatigen Kokainbekämpfungspro jekt

zusammen.
Die dreißig Länder (aus
Europa, Nord- , Mittel- und Südamerika) vereinbarten
eine gemeinsame,
konzertierte und multilaterale Drogenbekämpfungsstrategie, mit der die
Fähigkeit zur Beschlagnahmung von Kokain und Bargeld und die Verfolgung
Flüchtiger verbessert und scharf gegen Geldwäsche oder Verschleierung
der Herkunft von Drogengeldern vorgegangen werden soll. Die Vereinigten
Staaten haben vier Ländern Einheiten
der Nationalgarde zur Verfügung gestellt, die zusammen mit der amerikanischen Zollbehörde Frachtgut untersuchen sollen.
Gegenwärtig führen das US-Außenministerium und das Amt zur Drogenbekämpfung gemeinsam die Operation Snowcap durch, die verbotene Labors,
Drogenküchen und geheime Flugplätze
aufspürt, um sie zu zerstören. Die
meisten
Snowcap-Aktivitäten
werden
in Bolivien und Peru durchgeführt.
Seit Beginn der Operation im Jahr
1987 sind
zahlreiche Kokainlabors
zerstört und Tausende von Kilo Kokain
beschlagnahmt wor^n.

Internationale Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten können weder
die gesamte Verantwortung für die
Drogenbekämpfung
tragen
noch
den
Kampf ohne Unterstützung anderer Länder gewinnen.
Ein wichtiger Punkt
der amerikanischen Politik besteht
darin, ?ndere Länder zur Bekämpfung
des Drogenhandels zu ermutigen und
sich gleichzeitig für die Lösung großer Probleme des Drogenkonsums im eigenen Land einzusetzen.
Präsident
George Bush wird Anfang 1990 zusammen
mit den Staats- und Regierungschefs
aus Bolivien, Kolumbien und Peru an
einem Gipfeltreffen zur Drogenbekämpfung teilnehmen.
Da der größte Teil des Kokains über
das Karibische Becken, Mittelamerika
und Mexiko in die Vereinigten Staaten
gelangt, fördert die US-Regierung
insbesondere in den Transitstaaten
Drogenbekämpfungsprogramme.
In der

- 3-

�Karibik sind zentrale Fahndungszentren geschaffen worden, die Informationen sammeln und verbreiten, um
mehr Verhaftungen zu ermöglichen. 26
Länder des Karibischen Beckens haben
durch INTERPOL ihre Fähigkeit zur
Kommunikation untereinander und mit
den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden ausgebaut. In Lateinamerika
unterstützt
die
US-Regierung
die
Strafverfolgung, in dem sie Ausbildungsprogramme fördert und technische
Hilfestellung leistet. Neun der elf
Länder, mit denen die Vereinigten
Staaten gemeinsame Drogenbekämpfungsprogramme durchführen, befinden sich
im Karibischen Becken und in Lateinamerika.
(Die Vereinigten Staaten
führen wichtige Drogenbekämpfungsprogramme mit den Bahamas, Bolivien,
Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Jamaica, Mexiko, Pakistan, Peru, Thailand
und Venezuela durch.)
Vertreter der US-Regierung streben
bei der Drogenbekämpfung nach einem
internationalen Konsens. Beim Weltwirtschaftsgipfel der Industrieländer
im Juli 1989 forderte Außenminister
Baker die Bundesrepublik Deutschland,
Großbritannien, Frankreich, Italien,
Japan und Kanada auf, schärfer gegen
die Geldwäsche aus dem Drogengeschäft
vorzugehen. Die sieben Gipfelländer
riefen dazu eine Sonderkommission
über Wirtschaftskriminalität ins Leben, die im Herbst 1989 zusammentrat
und bis April 1990 Empfehlungen erarbeiten soll.
Ein neues amerikanisches Zentrum für Wirtschaftskriminalität wird den Vollstreckungsbehörden
Informationen zur Verfügung stellen,
mit denen die Geldwäsche bekämpft
werden kann.

wie etwa der pakistanischen Premierministerin Benasir Bhutto, hat Außenminister Baker bei der Eindämmung der
Herstellung und des Handels mit Drogen amerikanische Unterstützung zugesichert.
Ein wichtiger Meilenstein wurde am
19. Dezember 1988 bei einer internationalen Konferenz in Wien mit der
Verabschiedung
der Konvention der
Vereinten Nationen über den illegalen
Handel mit Drogen und psychotropen
Stoffen erzielt.
Die Unterzeichner
verpflichten sich untereinander zur
Hilfe bei strafrechtlicher Verfolgung. Die Intern«tlonale Zusammenarbeit bei der Drogenbekämpfung wird
obligatorisch und 67 Länder, einschließlich der Vereinigten Staatn,
haben die Konvention unterzeichnet.
Amerikanische Regierungsvertreter arbeiten darüber hinaus im Hinblick auf
Drogenprobleme mit Behörden der Vereinten Nationen und anderen internationalen
Organisationen
zusammen.
Der In Wien ansässige Fonds der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs ist die wichtigste
multilaterale Organisation im weltweiten
Kampf gegen Drogen.
Die
Vollversammlung der Vereinten Nationen plant für 1990 die Durchführung
einer Sondersitzung, bei der die Verbesserung Internationaler Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogen im Vordergrund stehen soll.

Beim seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse im
September 1989 in Wyoming hat Außenminister Baker die Durchführung eines
amerikanisch-sowjetischen
Abkommens
erörtert,
das
seit
Januar
1989
rechtskräftig
ist.
Das
Abkommen
sieht amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei der Drogenbekämpfung
vor. Bei seinen Zusammenkünften mit
anderen Spitzenpolitikern der Welt,

- 4-

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10718">
                <text>13.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10719">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10720">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10721">
                <text>Amerikadienst 13.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10722">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein neues Europa, ein neuer Atlantizismus: Architektur für ein neues Zeitalter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister James A. Baker vor dem Berliner Presseclub &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Sicherheitsstrategie der USA für die neunziger Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul D. Wolfowitz &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte im Jahr 1989&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Richard Schifter &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bessere Einhaltung der Schlußakte von Helsinki in Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem 27. Halbjahresbericht der KSZE &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neueste Entwicklungen im Kampf gegen Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des US-Außenministeriums &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2125" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2136">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8d364d39b6fac5dde88dcfca5768411a.pdf</src>
        <authentication>38af7298ba7763187ac0051c3fb64da2</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10729">
                    <text>20. Dezember 1989

46

INHALT
DOKUMENTATION
Partnerschaft und Wettbewerb: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten von Amerika und der europäischen Gemeinschaft
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -

Baker: Der Westen muß den Wandel In ganz Osteuropa unterstützen
- Rede des US-Außenministers in Brüssel -

Den Worten der Vereinigten Staaten werden in Osteuropa Taten folgen
- von Robert Mosbacher -

HINTERGRUND
Offene Himmel
- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^° s ^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

&amp;

20. Dezember 1989

46

PARTNERSCHAFT UND WETTBEWERB:
DIE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN
VON AMERIKA UND DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -

(AD) - In einer Ansprache vor dem Industrie-Club e.V., dem Harvard Club RheinRuhr und der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung Steuben-Schurz in Düsseldorf
gab Botschafter Walters am 5. Dezember 1989 einen historischen Rückblick und
bekräftigte erneut das Engagement der Vereinigten Staaten für den europäischen
Integrationsprozeß. Darüber hinaus verwies er auf die besondere Bedeutung der
Uruguay-Runde des GATT. Walters zufolge "waren und sind Amerikaner und Europäer in diesen Konferenzen Partner in dem Bestreben, den Welthandel effektiver
zu gestalten." Sie seien aber auch Kontrahenten, wenn es um politisch brisante Teilbereiche wie beispielsweise Subventionen für die Landwirtschaft geht.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich sehr über die Gelegenheit, heute abend zu Ihnen sprechen
zu können.
Mir wurde gesagt, daß
bisher jeder amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland
einen Vortrag in Düsseldorf gehalten
hat, und es ist mir daher eine besondere Ehre, diese Tradition fortzusetzen. Ich weiß es auch zu schätzen,
mit welchem Engagement der Düsseldorfer Industrie-Club, der Harvard Club
mxd die Deutsch-Amerikanische Vereinigung Steuben-Schurz für einen regen
Gedankenaustausch und eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschen
und Amerikanern eintreten.
Aber dieser Besuch in Düsseldorf
bringt auch persönliche Erinnerungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zurück. Erinnerungen, die in engem
und lebhaftem Bezug zum Thema meines
Vortrags stehen.
Im Jahre 1948 kam ich als Mitarbeiter
von Avereil Harriman nach Europa.
Harriman war damals Sonderbeauftragter unserer Regierung für den Wiederaufbau dieses Kontinents. Ich kam in
Bremerhaven an, und auf dem Weg nach
Paris fuhr ich auch durch diese Region.
Ich war erschüttert über das
Ausmaß der Zerstörung und Verwüstung.
Angesichts der Ruinen und der Not
konnte ich mir damals nicht vorstellen, daß ein Wiederaufbau Europas
noch zu meinen Lebzeiten möglich wäre.
Damals stand ich als junger amerikanischer Offizier inmitten zerbombter
und ausgebrannter Städte; heute

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einundvierzig Jahre später - bin ich
Botschafter meines Landes in einem
der wohlhabendsten Staaten dieser Erde. Damals waren gerade drei Jahre
vergangen seit eines der unmenschlichsten Regime in der Geschichte unterging; heute ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer
Staat und ein geschätztes Mitglied
der Gemeinschaft freier Völker. Gerade drei Jahre waren vergangen, daß
europäische
Nationen
gegeneinander
Krieg führten;
heute bilden die
Staaten Westeuropas eine immer enger
werdende wirtschaftliche und politische Gemeinschaft. Amerikaner und
Westeuropäer
sind
Verbündete
und
Partner. Dieses Bündnis basiert auf
gemeinsamen Werten, wie Demokratie,
Volkssouveränität und der Achtung der
Menschen- und Bürgerrechte. Wir können mit Stolz auf vierzig Jahre Frieden und Prosperität in diesem Teil
der Erde zurückblicken.
Eine wesentliche Grundlage für diese
Entwicklung war sicherlich der rasche
Wiederaufbau der desolaten Wirtschaft
in Europa nach dem Kriege. Dies wurde erreicht aufgrund des Willens und
der Schaffenskraft der europäischen
Völker, ihren zerstörten Kontinent
wieder aufzubauen und in Freiheit zu
leben. Ich erinnere mich an eine Begebenheit mit Harriman in der zerstörten Stadt Essen. Nach einem Besuch bei einer Familie, die in einem
Keller zwischen Trümmern lebte, fragte ich ihn: "Glauben Sie, daß man
diese Stadt jemals wieder aufbauen
kann?" Er sagte: "Haben Sie gesehen, was auf dem Tisch in diesem Keller stand?"
"Ja", erwiderte ich,
"eine Vase mit Blumen." "Nun", meinte er, "ein Volk, das inmitten dieser
Verwüstung Blumen auf dem Tisch hat,
kann auf diesen Ruinen etwas Neues
errichten." Wie viele meiner Landsleute bin ich wirklich beeindruckt
von der Leistung der Unternehmer und
Arbeitnehmer dieses Landes.
Einen weiteren Grund für die politische Neugestaltung und die schnelle
wirtschaftliche Gesundung der Alten
Welt sehe ich darin, daß diese Nach-

kriegsjahre für mich eine "Zeit der
Giganten" war. Jean Monnet, Robert
Schuman, Aleide de Gasperi, Paul
Henri Spaak und Konrad Adenauer waren
Männer mit Vision und Tatkraft. Sie
legten das Fundament für das moderne
Europa und die engen transatlantischen Beziehungen.
Gemeinsam schufen wir nach dem Zweiten Weltkrieg die politischen und
wirtschaftlichen Grundlagen für ein
enges und freundschaftliches Verhältnis zwischen der Alten und der Neuen
Welt. Natürlich trug dazu auch der
Beitrag meines Landes zum Wiederaufbau Europas bei. Bundeskanzler Kohl
sagte anläßlich des Besuchs von Präsident Bush im Mai dieses Jahres:
"Amerikas tiefe demokratische Überzeugung und politische Weitsicht haben damals entscheidend den Weg zur
Gründung unseres Staates geebnet.
Uns werden die großartige Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit in jener düsteren Nachkriegszeit immer in
Erinnerung bleiben." Ich glaube, es
ist einmalig in der Geschichte, daß
eine Siegermacht, die Tausende von
Männern auf dem Schlachtfeld verloren
hat, die Wirtschaft des Kriegsgegners
mit enormem Einsatz wieder aufbauen
hilft.
Unsere Soldaten sind durch halb Europa marschiert; wir hatten Deutschland
besetzt. Wir waren hier und fühlten
uns mitverantwortlich, eine stabile
Friedensordnung in Europa zu schaffen. Wir waren der Überzeugung, daß
wir sowohl die politischen als auch
die wirtschaftlichen Voraussetzungen
schaffen müßten, um einen erneuten
"Bürgerkrieg
der
Europäer",
wie
Churchill einmal sagte, zu verhindern. Aus diesen Überlegungen, aber
auch aus Gründen der Humanität angesichts der Not und des Elends, entschloß sich die Regierung Truman zu
einem Wiederaufbauprogramm, das ohnegleichen ist.
Von 1948 bis 1952 betrug die amerikanische Wirtschaftshilfe für Europa
rund 13 Milliarden Dollar.
Diese
Summe entsprach während dieses Zeit-

�raums jährlich zwischen fünf und zehn
Prozent des amerikanischen Bundeshaushalts oder zwei Prozent unseres
Bruttosozialprodukts.
Diese Unterstützung ermöglichte es den Europäern, die Produktion in vielen Bereichen wiederaufzunehmen und zu erweitern. Die eintretende positive Wirtschaf tsentwicklung erhöhte sowohl die
Akzeptanz der marktwirtschaftlichen
Ordnung als auch der demokratischen
politischen Systeme in Westeuropa.
In Anbetracht des Hegemonialstrebens
der Sowjetunion war es außerdem erforderlich, unsere Verteidigungsanstrengungen auf feste politische und
wirtschaftliche Grundlagen zu stellen.
Jedoch schon während des Krieges war
den Verantwortlichen klar, daß sich
die Fehler der Wirtschaftspolitik der
dreißiger Jahre nicht wiederholen
durften. Wirtschaftlicher Isolationismus und Nationalismus haben die
Wirtschaftskrisen zwischen den beiden
Kriegen verschärft und den Aufstieg
des Nationalsozialismus in Deutschland zumindest begünstigt. Maßnahmen, die zum Schutz der heimischen
Wirtschaft beabsichtigt waren, erwiesen sich als Bumerang.
Errichtete
eine Nation Importbarrieren, so folgten andere auf dem Fuß. Wertete ein
Land seine Währung ab, um für seine
Industrie Vorteile zu erzielen, so
folgten andere auf dem Weg in die Deflation mit unzähligen Firmenzusammenbrüchen und Massenarbeitslosigkeit.
Die Erfahrung der Zeit zwischen den
Kriegen hat gezeigt, daß Protektionismus und fehlende internationale
Abstimmung in wesentlichen Währungsfragen die gesamte Weltwirtschaft ins
Chaos stürzt. Es wurde deutlich, daß
Zusammenarbeit zwischen den Nationen
und supranationale Institutionen notwendig sind, um Stabilität und Berechenbarkeit im Währungsbereich und im
Welthandel zu erzielen. Ferner waren
wir damals wie heute davon überzeugt,
daß ein offenes Welthandelssystem eine
wesentliche
Voraussetzung
für
wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand ist. Gleichberechtigter Zugang
zu Rohstoffen und Märkten, sowie

Wettbewerb unter den Anbietern sind
Garanten für effizientes Wirtschaften
und Prosperität.
Ich glaube, die
Entwicklung der letzten vierzig Jahre
hat diese These bestätigt.
Mit dem Abkommen von Bretton Woods im
Juli 1944 legten 44 Staaten das Fundament für die Nachkriegswirtschaft.
Das
internationale
Währungssystem
wurde geordnet, Weltbank und Internationaler Währungsfonds gegründet. Am
1. Januar 1948 trat das Allgemeine
Zoll- und Handelsabkommen in Kraft
mit dem Ziel, den Welthandel zu liberalisieren. In der Zwischenzeit wurde dieses Abkommen durch mehrere Konferenzrunden erweitert. Wie Sie wissen, befinden wir uns gegenwärtig in
der sogenannten GATT Uruguay-Runde,
benannt nach dem Land, in dem diese
Verhandlungsrunde vereinbart wurde.
In diesen Konferenzen waren und sind
Amerikaner und Europäer Partner in
dem Bestreben, den Welthandel effektiver zu gestalten. Sie sind aber
auch Kontrahenten, wenn es darum
geht, gewisse für den einzelnen politisch brisante Teilbereiche vom freien Welthandel auszuklammern.
Die Marshallplanhilfe, ein reformiertes Weltwährungssystem und relativ
offene Märkte in Europa und den Vereinigten Staaten führten bald zu einem regen internationalen Warenaustausch. Häufig hört man, die Wiederaufbauhilfe sollte der amerikanischen
Industrie Absatzmärkte in Europa erschließen. Ganz sicherlich sahen eine Reihe unserer Firmen Chancen in
Europa. Aber andererseits gilt es zu
bedenken, daß der große heimische
Markt unseren Unternehmen hervorragende Möglichkeiten im eigenen Lande
bot.
Ich glaube, damals wie heute war es
ein Geben und Nehmen. Amerikanische
Firmen brachten nach dem Kriege Maschinen und technisches Wissen nach
Europa.
Mit amerikanischen Fertigungsmaschinen produzierten europäische Unternehmen auch bald für unseren Markt. Auf jeden Fall entstanden
in jenen Jahren vielfältige und enge

�Handelsbeziehungen und geschäftliche
Kontakte. Sie bildeten ein Fundament
nicht nur für die beispiellose wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch
für die transatlantischen Beziehungen
insgesamt.
Die amerikanische Wiederaufbauhilfe
hatte eine weitere bedeutende Funktion: sie brachte ehemalige Kriegsgegner zusammen.
Es war nicht unser
Ziel, von Amerika aus Finanzhilfe in
die einzelnen europäischen Länder zu
vergeben.
Vielmehr betonte General
Marshall, daß der Wiederaufbau eine
gemeinsame Aufgabe der Europäer sei,
die wir tatkräftig unterstützten.
Wir arbeiteten gemeinsam mit Vertretern der europäischen Länder an der
Durchführung des Marshallplanes. Die
Mitarbeit im Ausschuß für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
und
später in der OEEC trug wesentlich zu
einer Annäherung zwischen Deutschen
und Franzosen bei. Diese Zusammenarbeit war ein Grundstein für den weiteren Integrationsprozeß in Westeuropa.
Wir Amerikaner befürworteten stets
eine europäische Einigung. Wir handelten nach dem Zweiten Weltkrieg
nicht nach dem Motto "teile und herrsche", sondern wir wollten ein einiges, starkes Europa. Im Jahre 1947
war beispielsweise der spätere amerikanische Außenminister John Foster
Dulles einer derjenigen, die für eine
Föderation europäischer Staaten plädierte.
"Europe must federate or
perish", warnte er, "Europa muß sich
zusammenschließen oder es wird untergehen." Wir waren der Überzeugung,
daß Kleinstaaterei und Kirchturmspolitik nicht nur den europäischen Aufbauprozeß behindern, sondern auch der
kommunistischen Expansionspolitik Türen öffnen würde.
Wir ermutigten und unterstützten die
beteiligten Länder bei der Gründung
der Europäischen Gemeinschaft für
Kohle und Stahl am 18. April 1951.
Ebenso begrüßten wir die Schaffung
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit den Römischen Verträgen

sechs Jahre später.
Alle amerikanischen Präsidenten seit
dem Zweiten Weltkrieg legten großen
Wert und große Hoffnung auf eine enge
Partnerschaft mit einem geeinten Europa.
In einer Ansprache an der
Boston University am 19. Mai wiederholte Präsident Bush, was auch seine
Vorgänger schon betont hatten: "Ein
starkes, geeintes Europa bedeutet ein
starkes Amerika." Für meine Regierung ist und bleibt eine enge Kooperation mit Westeuropa von fundamentalem Interesse.
Es ist interessant sich zu erinnern,
daß die transatlantische Debatte um
die Schaffung der EWG ähnlich verlief
wie die Diskussion um die Errichtung
des Europäischen Binnenmarktes zum 1.
Januar 1993. Damals wie heute wollten wir eine Blockbildung wie in den
dreißiger Jahren verhindern. Damals
wie heute ging es um Fragen wie Handels- und Investitionsbarrieren gegenüber Unternehmen, die ihren Sitz
außerhalb der Gemeinschaft haben.
Wir sind bereits in den vierziger
Jahren für den freien Welthandel eingetreten und wollten in den folgenden
Jahrzehnten unsere Bemühungen fortsetzen, Hindernisse im Waren- und Kapitalverkehr
zu beseitigen.
Die
sechs EWG-Mitgliedstaaten waren aber
in ihrer Gründungsphase erst einmal
dabei, innerhalb der Gemeinschaft die
Bedingungen für einen Zollabbau zu
schaffen.
Gegenüber einer weiteren
Liberalisierung verhielten sie sich
sehr zurückhaltend.
Aus politischen Gründen waren wir bemüht, den Weg für einen erfolgreichen
Einigungsprozeß zu ebnen.
Außerdem
erzielten wir in jenen Jahren mit
Westeuropa einen hohen Handelsüberschuß. Daher nahmen wir einiges in
Kauf, was nicht unseren Prinzipien
des fairen Wettbewerbs und des offenen Marktes entsprach. Dazu gehörte
das agrarpolitische Konzept der EWG,
das schon damals gegen unsere wirtschaftlichen
Interessen
verstieß.
Niemand konnte jedoch voraussehen,

- 4 -

�welches Ausmaß der Subventionswettlauf im Agrarbereich einmal annehmen
würde. Kaum einer konnte ahnen, daß
die Landwirtschaft zu einer Dauerbelastung im transatlantischen Handel
werden würde.
Heute ist die EG auf wirtschaftlichem
Gebiet den Vereinigten Staaten ebenbürtig. Das Bruttosozialprodukt der
Europäischen Gemeinschaft entspricht
in etwa dem unseren und die Einwohnerzahl Westeuropas liegt weit über
der meines Landes. Auch das Bild der
Handelsbilanz hat sich zu unseren Ungunsten verändert. Im Jahre 1988 betrug unser Handelbilanzdefizit gegenüber der EG neun Milliarden Dollar.
Für europäische Unternehmen ist der
große amerikanische Markt aber nicht
nur für den Export, sondern auch für
Investitionen interessant.
Europäischen Direktinvestitionen von 157,6
Milliarden Dollar in den Vereinigten
Staaten im Jahre 1987 standen amerikanische Direktinvestitionen in der
EG von 122,3 Milliarden Dollar gegenüber.
Im Hinblick auf die wirtschaftliche
Stärke der EG besteht für Großzügigkeit unsererseits kein Grund mehr.
Daher treten wir mit größerem Nachdruck als früher für unsere Interessen ein. Europäische und amerikanische Unternehmen stehen im Wettbewerb
auf den Weltmärkten.
Und deshalb
brauchen wir gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen sowohl im bilateralen Handel als auch auf dem Weltmarkt insgesamt.
Unsere Handelspartner wissen um die
Attraktivität unseres Landes für Investitionen und Exporte: Wir bieten
stabile politische Verhältnisse, eine
liberale Wirtschaftsstruktur und einen offenen Markt von über 240 Millionen Menschen mit einer einheitlichen Sprache und Währung. Aber mein
Land kann nicht der Hauptabsatzmarkt
im Welthandel sein. Es kann auf die
Dauer nicht gut gehen, wenn andere
auf Exporte setzen und im eigenen
Land Handelsbarrieren und Wachstumshindernisse nicht beseitigen.

Unser Handelsbilanzdefizit geht zwar
seit 1987 zurück, wird aber in diesem
Jahr doch noch um die hundert Milliarden Dollar
liegen.
Steigende
Einfuhren bringen Immer größere Teile
unserer heimischen Industrie in Bedrängnis.
Unsere wettbewerbsfähige
Landwirtschaft wird immer ungeduldiger, wenn ihr Absatzmärkte verschlossen bleiben.
Amerikanische Dienstleistungsunternehmen klagen über Barrieren in einer Vielzahl von Ländern.
Daher besteht die Gefahr, daß auf
Grund verschiedener Erfahrungen im
In- und Ausland immer weniger Amerikaner für ein liberales Welthandelssystem eintreten.
In der amerikanischen Bevölkerung und
im Kongreß ist der Ruf nach Schutzmaßnahmen für die heimische Industrie
sehr laut geworden In den letzten
Jahren.
Sowohl Präsident Bush als
auch sein Vorgänger haben sich so gut
es ging protektionistischen Maßnahmen
widersetzt. Meine Regierung ist der
Meinung,
daß
Protektionismus
den
Strukturwandel
behindert
und
die
wirtschaftliche Entwicklung sowohl im
eigenen Lande als auch auf internationaler Ebene nicht voranbringt.
Wie ich in meinem historischen Rückblick betonte, war es das Ziel unserer Nachkriegspolitik, die Fehler der
dreißiger Jahre nicht zu wiederholen.
Wir wollen nun verhindern, daß die
Weltwirtschaft erneut von einer Protektionismuswelle erfaßt wird.
Präsident Bush tritt für eine Öffnung
der Märkte und für faire Wettbewerbsbedingungen weltweit ein.
Er ist
überzeugt, daß ein liberales und offenes Handelsystem, das auf klaren
und durchsetzbaren Regeln beruht,
dauerhaftes
Wirtschaftswachstum
am
ehesten gewährleistet.
Unsere Handelsbeauftragte, Carla Hills, formulierte die amerikanische Handelspolitik der neunziger Jahre mit folgenden
Worten:
"Wir wollen eine Welt, in
der Unternehmer und nicht Regierungsbürokraten über den Wettbewerb in Industrie und Landwirtschaft und den
internationalen Handel entscheiden."

- 5 -

�Die gegenwärtige GATT-Runde bietet eine große Chance, eine weitere
Liberalisierung des Welthandels zu
erreichen. Die Erfahrung der letzten
Jahrzehnte hat gezeigt, daß die Senkung der Zölle im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zu
einem beispiellosen Anstieg des internationalen Warenaustausches beigetragen hat. Nun ist es unser Ziel,
zu verbindlichen Regelungen für den
Abbau von nichttarifären Handelshemmnissen zu kommen.
Darüber hinaus
treten wir für eine Erweiterung des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens ein.
Bereiche wie Dienstleistungen, geistiges Eigentum und Landwirtschaft müssen endlich im Rahmen
des GATT geregelt werden.
Wir sind uns mit den Europäern in
vielen Punkten einig. Aber wie in so
vielen Dingen steckt der Teufel auch
hier im Detail.
Das Hauptproblem
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Europäischen Gemeinschaft sowohl
in der laufenden GATT-Runde als auch
auf bilateraler Ebene liegt im Agrarhandel. Die Vereinigten Staaten sind
ein traditionelles Exportland für
landwirtschaftliche Produkte. Gegenwärtig sind etwa zwanzig Prozent aller amerikanischen Ausfuhren Agrarexporte. Unsere Landwirtschaft könnte
ihre Exporte noch steigern, wären da
nicht die hochsubventionierten Agrarerzeugnisse aus der EG auf den internationalen Märkten. Zum einen treffen unsere Agrarexporteure auf einen
protektionistischen Wall um die EG.
Zum anderen konkurrieren subventionierte landwirtschaftliche Produkte
aus der EG auf dem Weltmarkt mit amerikanischen Erzeugnissen, die zum
Teil nun ebenfalls subventioniert
werden.
Der Subventionswettlauf zwischen der
EG und den USA hat inzwischen absurde
Ausmaße angenommen. Im letzten Jahr
gaben die Europäer etwa 120 Milliarden Dollar und wir Amerikaner etwa 75
Milliarden Dollar zur Unterstützung
der Landwirtschaft aus. Am 25. Oktober unterbreitete daher meine Regierung der GATT-Runde in Genf einen um-

fassenden Plan zur Reform des internationalen Agrarhandels. Unter anderem schlugen wir vor, die Exportsubventionen innerhalb von fünf Jahrer
zu beseitigen. Außerdem machten wir
Vorschläge zur graduellen Beseitigung
von Einfuhrbarrieren und von wettbewerbsverzerrenden
Unterstützungszahlungen im Agrarbereich weltweit.
Die EG hat vorschnell, wie ich meine,
unsere Vorschläge als unrealistisch
abgelehnt. Die Europäer argumentieren, ein drastischer Abbau der Agrarsubventionen wäre politisch nicht
machbar. Es läßt sich immer darüber
streiten, was politisch durchsetzbar
ist und was nicht. Aber Sie dürfen
nicht vergessen, daß das Farmsterben
im Mittleren Westen auch beträchtliche innenpolitische Auswirkungen hat.
Die amerikanische Öffentlichkeit akzeptiert nicht mehr, daß Handelsbarrieren
und
wettbewerbsverzerrende
Subventionen einen wichtigen Exportzweig behindern, während europäische
Güter im großen und ganzen ungehindert in unser Land kommen.
Seit Jahren ist die EG-Agrarpolitik
ein ständiger Stein des Anstoßes.
Wir führten Hähnchen- und Spaghettikriege. Wir stritten wegen der geplanten EG-Fettsteuer und belegten
Walnüsse und Dosenfrüchte gegenseitig
mit Strafzollen.
Ich glaube, die
zermürbenden Grabenkämpfe im Agrarbereich sind eine stetige Belastung für
unsere Handelsbeziehungen. Nicht nur
das. Ich sehe auch eine große Gefahr, daß Handelskonflikte zu einer
zunehmenden Belastung für die transatlantischen
Beziehungen
insgesamt
und damit für unser Sicherheitsbündnis werden. Dies müssen wir gemeinsam verhindern, und deshalb darf die
Uruguay-Runde nicht am Agrarprotektionismus der EG scheitern.
Aber der Abbau von Agrarsubventionen
wird nicht nur unseren Landwirten
Vorteile bringen. Auch die europäischen Steuerzahler und Verbraucher
würden davon profitieren.
Ferner
streben wir offene Märkte nicht allein für unsere Exportwirtschaft an,

- 6 -

�sondern für alle am Wettbewerb teilnehmenden Staaten. Die Öffnung des
japanischen
Rindfleischmarktes
ist
für die australischen Viehzüchter
mindestens ebenso ein Gewinn wie für
unsere Fleischexporteure.
Schließlich hätten mit dem Wegfall
hochsubventionierter Agrarexporte und
mit einer Öffnung unserer Märkte auch
die Länder der Dritten Welt eine
Chance,
ihre
landwirtschaftlichen
Strukturen zu entwickeln und zu verbessern. Es ist offensichtlich, daß
viele Entwicklungsländer ihre Wirtschaft nur dann voranbringen können,
wenn sie mangels Industriegüter Absatzmärkte für ihre Agrarprodukte
finden. Auch die deutsche Industrie
weiß, daß die Dritte Welt Einnahmen
aus Agrarausfuhren braucht, um beispielsweise Maschinen oder Fertigung sanlagen in der Bundesrepublik
kaufen zu können. Nicht zuletzt im
Hinblick auf eine Lösung der internationalen Verschuldungskrise sind offene Agrarmärkte für die hochverschuldeten Staaten von entscheidender
Bedeutung.

sicht
würde
sich
Protektionismus
zweifelsohne negativ auf die Einheit
der NATO auswirken.
Wir hoffen, daß im Hinblick auf 1992
die Europäer der Versuchung widerstehen, die innere Umstrukturierung mit
protektionistischen
Barrieren
nach
außen abzuschirmen. Ich weiß, es erfordert politischen Mut, bisher national regulierte Branchen nicht nur
dem Wettbewerb innerhalb der EG, sondern weltweit zu überlassen.
Aber
Protektionismus hier und da bringt
das ganze System in Gefahr. Staatlicher Schutz und Subventionen für einen Wirtschaftszweig in einem Land,
führen meist zu Gegenmaßnahmen in anderen Staaten.
Beispielsweise wäre
bei zunehmendem Protektionismus in
der EG eine restriktivere Handhabung
des neuen amerikanischen Handelsgesetzes nicht auszuschließen.

Ich glaube, enge Kontakte zwischen
Amerikanern und Europäern in Fragen
der Wirtschaft und des Handels sind
für die gesamten transatlantischen
Beziehungen außerordentlich wichtig.
Bei der Komplexität und dem Umfang
unseres Handels wird es immer Interessengegensätze geben. Aber es muß
alles getan werden, um zu verhindern,
daß Kontroversen um Hormone und Teigwaren unsere partnerschaftlichen Beziehungen insgesamt beeinträchtigen.

Lassen Sie mich kurz noch ein Problemfeld ansprechen, das Amerikaner
und Europäer schon seit Jahren beschäftigt: die Subventionen für den
Airbus. Im Rahmen der Übernahme von
MBB durch Daimler-Benz wurde ein gefährlicher Präzedenzfall dadurch geschaffen, daß die Bundesregierung das
Risiko
von
Wechselkursschwankungen
übernimmt. Ich bin der Meinung, es
wäre eine Katastrophe, wenn Regierungen anfingen, die Wechselkursrisiken
ihrer Industrie mit Subventionen abzusichern.
Im übrigen müßte sich
heute
jeder Geschäftsmann fragen,
wieso der Airbus trotz der enormen
Nachfrage nach Zivilflugzeugen immer
noch am Subventionstropf hängt.

Ich frage mich auch, ob das Atlantische Bündnis langfristig Bestand
haben könnte, wenn sich auf dem Gebiet der Wirtschaft ein europäischer
und ein nordamerikanischer Block gegenüberstünden?
Senator William V.
Roth betonte kürzlich, daß es in unserer modernen Welt unrealistisch wäre, Handels- und Sicherheitsfragen zu
trennen. Roth ist führendes Mitglied
des Finanzausschusses und der Vorsitzende der Arbeitsgruppe zu "Europa
1992" im Kongreß. Nach seiner An-

Europäer und Amerikaner müssen sich
hüten vor einer Politik, die kurzfristig vielleicht ein paar wirtschaftliche Vorteile bringt, aber langfristig unsere partnerschaftlichen Beziehungen aushöhlt.
Es gibt nicht
wenige, die dem Atlantischen Bündnis
seit dem Reformkurs Gorbatschows nur
noch sekundäre Bedeutung beimessen.
Ich aber sage, in einer Zeit der
enormen Veränderungen In den Staaten
des Warschauer Paktes, sind Einheit
und Standfestigkeit im Atlantischen

�Bündnis Voraussetzung für Stabilität
und gute Nachbarschaft in Europa.
Uneinigkeit im Westen und sei es eben
weil Handelsprobleme eskalieren, würde zu einer Destabilisierung mit unvorhersehbaren Folgen führen.
Wie ich schon eingangs erwähnte, begrüßen wir ausdrücklich den europäischen
Einigungprozeß.
Westeuropa
wird mehr und mehr mit einer Stimme
sprechen und eine größere Rolle in
der Weltpolitik und der Weltwirtschaft spielen.
Präsident Kennedy
hat bereits vor über fünfundzwanzig
Jahren von den zwei Pfeilern des Verteidigungsbündnisses
gesprochen.
Auch in der Weltwirtschaft ist Europa
zu einer tragenden Säule geworden.
Kein Land der Erde - auch die Vereinigten Staaten nicht - kann heute
noch als Lokomotive die Weltwirtschaft ziehen. Deshalb brauchen wir
ein einheitliches Europa als Partner
im Bemühen um weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt.
Heute ist allen klar, daß die Verflechtung der Weltwirtschaft eine enge und möglichst reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Staaten erfordert. War es nicht verblüffend und
erschreckend zugleich zu sehen, wie
am 19. Oktober 1987 an allen Börsen
der Welt die Wertpapierkurse in den
Keller stürzten?
Selten wurde die
Vernetzung und die Sprunghaftigkeit
der internationalen Finanzmärkte so
deutlich.
Viele Kommentatoren verglichen dieses Ereignis mit dem sogenannten Schwarzen Freitag im Jahre
1929 und sagten eine weltweite Rezession voraus. Wie Sie wissen, erwiesen sich diese Prognosen glücklicherweise als falsch. Im Gegenteil: die
Konjunktur in Europa ist hervorragend; in den Vereinigten Staaten
setzt sich das wirtschaftliche Wachstum fort, und die Experten sind sich
nicht einig, ob die amerikanische
Wirtschaft weiterhin zügig vorausfährt oder bereits zu einer weichen
Landung ansetzt.
Im Vergleich zu 1929 war eine Tatsache bemerkenswert:
die Regierungen

der führenden Wirtschaftsnationen waren sich einig, daß sie nur gemeinsam
die Finanzmärkte beruhigen und die
Weltwirtschaft vor Instabilität bewahren
konnten.
Wirtschaftliche
Stabilität und Kontinuität beruhen
heute auf einer engen Abstimmung der
Finanz- und Wirtschaftspolitik unter
den Industrieländern. Die Weltwirtschaftsgipfel, Konferenzen des Internationalen
Währungsfonds
und
der
Weltbank, und eine Vielzahl von Begegnungen von Regierungsmitgliedern
und Notenbankgouverneuren sind Beispiele für eine Politik, die Peter F.
Drucker
"Joint
leadership" nennt:
die großen WirtSchaftsnationen tragen
gemeinsam die Verantwortung für globale Aufgaben und arbeiten gemeinsam
an deren Lösungen. In diesem Zusammenhang sind das Plaza-Abkommen vom
September 1985 und das Louvre-Abkommen vom Februar 1987 zu nennen, in
denen die großen Industrienationen
gemeinsame Schritte in der Währungspolitik vereinbarten.
Natürlich muß diese Zusammenarbeit
noch verbessert werden. Es sind sich
zwar alle bewußt, daß heute im globalen Rahmen gedacht und gehandelt werden muß, aber nationale und regionale
Besonderheiten und Interessen spielen
natürlich auch im makroökonomischen
Bereich eine Rolle. Wir sind beispielsweise der Meinung, daß die Länder mit hohen Exportüberschüssen einen größeren Beitrag zu einem ausgeglichenen Welthandel leisten müßten.
Die Vereinigten Staaten und andere
Länder fordern daher die Bundesrepublik immer wieder auf, weniger auf
Wachstum durch Exporte zu setzen und
der Binnennachfrage mehr Gewicht beizumessen.
Die Bundesregierung und die Bundesbank wiederum kritisieren unser Haushaltsdefizit und die niedrige Sparquote in unserem Land. Wir müssen in
der Tat noch einige harte haushaltspolitische
Entscheidungen
treffen.
Ich möchte allerdings in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß aus
dem amerikanischen Verteidigungsetat
jährlich neunzig Milliarden Dollar

�für unsere Streitkräfte in Europa
ausgegeben werden.
Die Bundesrepublik Deutschland gibt beispielsweise
weniger als ein Drittel dieses Betrages für Verteidigungsausgaben im Jahr
aus. Außerdem darf man auch nicht
vergessen, daß unsere Soldaten jährlich ungefähr acht Milliarden Dollar
in Deutsche Mark umtauschen. Diese
Summe entspricht fast unserem Handelsdefizit mit der Bundesrepublik im
letzten Jahr.
Aber gemeinsame Anstrengungen müssen
nicht nur in Fragen der Weltkonjunktur unternommen werden. Nur gemeinsam können wir die internationale
Verschuldungskrise bewältigen. Alle
Industrieländer sind aufgerufen, sich
für die wirtschaftliche Entwicklung
der Staaten der Dritten Welt einzusetzen.
Dabei geht es um direkte
Wirtschaftshilfe ebenso, wie um eine
weitere Öffnung unserer Märkte für
Erzeugnisse aus der Dritten Welt.
Entwicklungshilfe ist ein wichtiger
Beitrag für eine gerechtere Welt.
Aber ich glaube, daß es noch viel
wichtiger ist, daß die Menschen in
der Dritten Welt ihr Brot selber verdienen können. Das erfordert allerdings, daß wir den Entwicklungsländern die Möglichkeit einräumen, ihre
Waren bei uns zu verkaufen um Devisen
zu erwirtschaften.
In dieser Hinsicht kann mein Land mit Stolz vergleichsweise beachtliche Ergebnisse
vorweisen.
Im Jahre 1987 betrugen beispielsweise
unsere Fertigwarenimporte aus der gesamten Dritten Welt mehr als das Doppelte von dem, was die EG aus diesen
Staaten einführte. Aus den hochverschuldeten Ländern importierten wir
im gleichen Jahr mehr als dreimal soviel Fertigerzeugnisse wie die EG.
Genauso bemerkenswert sind die unterschiedlichen Wachstumsraten an Einfuhren aus diesen Staaten zwischen
1980 und 1987: sie nahmen im Bereich
der Fertigwaren bei uns um über 200
Prozent und in der EG nur um 73 Prozent zu. Ich glaube, die wirtschaftliche Zukunft der Dritten Welt würde

um einiges besser aussehen, wenn die
Europäische Gemeinschaft ihre Importe
aus den Entwicklungsländern in etwa
auf unser Niveau brächte.
Gegenwärtig sind die politischen und
wirtschaftlichen Entwicklungen in der
DDR und in anderen Staaten des Warschauer Paktes für uns alle von besonderem Interesse. Wie Sie wissen,
entschlossen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten auf dem Pariser Gipfel
im Juli dieses Jahres zu einer gemeinsamen Wirtschaftshilfe für Polen
und Ungarn. Die EG-Kommission wurde
beauftragt, diese Hilfe zu koordinieren. Ich glaube, diese Tatsache unterstreicht unseren Wunsch nach Übernahme von Führungsaufgaben im internationalen Bereich durch die Europäische Gemeinschaft.
Europäer und Amerikaner müssen gemeinsam mit anderen Ländern Maßnahmen
zum Erhalt unserer natürlichen Lebensverhältnisse und unserer Umwelt
ergreifen. Die Erwärmung der Erdatmosphäre und die Beschädigung der
Ozonschicht
betreffen
die
ganze
Menschheit. Maßnahmen einzelner reichen nicht aus, um diese Probleme zu
lösen, und deshalb sind mehr denn je
internationale
Vereinbarungen
von
größter Wichtigkeit.
Das Abkommen
von Montreal zur Reduzierung von
Fluorkohlenwasserstoff ist ein wichtiger erster Schritt.
Flüchtlingsfragen, der internationale
Drogenhandel und die Verhinderung der
Weiterverbreitung von atomaren und
chemischen Waffen und Raketentechnologie sind weitere Herausforderungen,
die Amerikaner und Europäer gemeinsam
mit anderen bewältigen müssen. Aber
die Zeit ist bereits fortgeschritten,
und ich kann auf diese Punkte nicht
mehr näher eingehen.
Ich möchte nun schließen mit einem
Wort von Jean Monnet, der in seinen
Erinnerungen über die Vereinigten
Staaten schreibt: "Die größte Macht
der Welt zu sein, das ist eine einsame und gefährliche Stellung. Sie be-

- 9 -

�deutet fast unbegrenzte Verantwortung
gegenüber den anderen...".
Meine Damen und Herren, ich glaube,
meine Ausführungen haben gezeigt, daß
wir es begrüssen würden, wenn diese
Verantwortung auch von der Europäischen Gemeinschaft mitgetragen würde.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

20. Dezember 1989

46

BAKER:

DER WESTEN MUSS DEN WANDEL IN GANZ OSTEUROPA UNTERSTÜTZEN
- Rede des US-Außenministers in Brüssel -

BRÜSSEL - (AD) - In einer Ansprache vor der Gruppe der 24 Industrienationen
(G-24) bekräftigte der amerikanische Außenminister James Baker am 13. Dezember
1989, daß die koordinierten Hilfsleistungen für Ungarn und Polen nur eine erste Reaktion des Westens auf den wirtschaftlichen und politischen Wandel in
Osteuropa sind, jedoch auch die in der DDR, der Tschechoslowakei und Bulgarien
stattfindenden Veränderungen der Aufmerksamkeit des Westens bedürften. "Wir
müssen zur Unterstützung der Länder bereit sein, die auf dem Weg zu bedeutenden Fortschritten im politischen und wirtschaftlichen Bereich sind", erklärte
Baker, "und ich hoffe, daß im Zuge unserer Unterstützung einer wachsenden Zahl
reformwilliger Länder der Koordinierungsprozeß der G-24 Modellcharakter für
reibungslose und erfolgreiche westliche Zusammenarbeit behält."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Herr Präsident, liebe Kollegen,
die Vereinigten Staaten von Amerika
begrüßen diese Gelegenheit zu einer
Erörterung der dynamischen Ereignisse
in Osteuropa.
Der Multiplikatoreffekt der Macht des Volkes bringt ein
völlig neues Ost-West-Gefüge hervor.
Männer und Frauen treten friedlich
für die grundlegenden Menschenrechte
ein - in einem Maße, das zu Beginn
dieses Jahres undenkbar gewesen wäre.
1989 ist das Jahr, in dem die Völker
Osteuropas handelten, um Europa ungeteilt und frei zu machen.
Unsere Aufgabe besteht darin, diese
mutigen Reformbestrebungen zu unterstützen. Wenn auf den Straßen nicht
mehr demonstriert wird, wenn das Volk
eine neue Regierung gewählt hat, wenn
die Regierungen Diener des Volkes ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

worden sind - wenn all dies geschehen
ist, müssen die Volkswirtschaften soweit gesundet sein, daß Essen auf den
Tisch gestellt und die Regale der Geschäfte mit Waren gefüllt werden können. Neue Pläne für Wirtschaftsreformen müssen mit vierzigjähriger
Stagnation brechen und private Marktkräfte freisetzen. Hier können und
müssen wir helfen, wenn wir dem Ruf
der Geschichte Folge leisten wollen.
Bei der Unterstützung von Reformen in
Osteuropa haben die G-24 bereits eine
maßgebliche Rolle gespielt. Wie ich
gestern in Berlin erläutert habe, ist
die Bush-Administration außerordentlich erfreut über unsere beim Pariser
Weltwirtschaftsgipfel getroffene Abmachung, daß die EG-Kommission eine
besondere Rolle bei den Bemühungen
der G-24 übernehmen sollte, die Re-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�formen in Polen und Ungarn zu unterstützen. Seitdem haben wir im Wege
der Zusammenarbeit viel erreicht.
Was uns betrifft, so haben die Vereinigten Staaten über 1 Milliarde
Dollar an Hilfsleistungen für diese
beiden Länder bewilligt - den Großteil in Form von Darlehen.

I.

Hilfe für Polen

Ich hoffe, daß die G-24 heute die
letzten Einzelheiten des Stabilisierungsfonds für Polen in Höhe von 1
Milliarde Dollar klärt.
Die Polen
haben uns selbst darum gebeten, und
er ist zur Verwirklichung der Reformen unabdingbar. Die politisch Verantwortlichen in Polen sehen diesen
Fonds als entscheidend für den Erfolg
der geplanten Währungs- und Preisreform an.
Darüber hinaus hat der
Fonds für die Polen auch symbolische
Bedeutung als Indikator dafür, ob ihnen der Westen tatsächlich beisteht,
wenn sie schwierige Wirtschaftsentscheidungen zu treffen haben.
Als die Vereinigten Staaten Anfang
Oktober erstmals ihre Absicht bekanntgaben, ein Darlehen in Höhe, von
200 Millionen Dollar zum Stabilisierungsfonds beizusteuern, hofften wir,
eine Reihe anderer Länder - nicht nur
die sieben führenden Industrienationen - würden ebenfalls zu diesem
Fonds beitragen. Vor Beginn unseres
heutigen Treffens habe ich erfahren,
daß unser Ziel in greifbare Nähe gerückt ist, doch die Antwort einiger
potentieller Spender steht noch aus.
Als ehemaligem Finanzminister ist mir
klar, daß Versprechungen allein nicht
genug sind. Wir müssen sicherstellen, daß wir in den kommenden Wochen
die rechtlichen und technischen Details ausarbeiten, damit die Regierung von Ministerpräsident Masowiecki
und das polnische Volk unsere Hilfe
unverzüglich in Anspruch nehmen können, wenn sie ihr IWF-Programm verwirklichen und den neuen Haushalt
verabschieden. Aus diesem Grunde empfehle ich, daß jedes Land eine hochrangige Kontaktperson benennt, damit

die rasche Durchführung in allen Einzelheiten gewährleistet ist. Für die
Vereinigten Staaten hat Präsident
Bush meinem Stellvertreter, Larry
Eagleburger, diese Aufgabe zugedacht.
Ich möchte kurz einige der von den
Vereinigten Staaten im Rahmen der
Hilfe für Polen ergriffenen Maßnahmen
erwähnen.
Wir haben 240 Millionen
Dollar für den polnisch-amerikanischen
Unternehmensfonds
bewilligt.
Mit diesem Fonds sollen Privatinvestitionen in Polen gefördert werden.
In mancher Hinsicht scheint die Arbeit des Unternehmensfonds sich mit
den Aufgaben zu decken, die für die
vorgesehene Europäische Entwicklungsbank erwogen werden.
Ein Prüfung,
wie sich ihre Arbeit verbinden läßt,
könnte sich als nützlich erweisen.
Wir haben die Zustimmung des Kongresses zu zusätzlichen Hilfsleistungen
in Höhe von rund 200 Million Dollar
erhalten. Sie umfassen Programme in
den
Bereichen
Nahrungsmittelhilfe,
Energie, Umwelt, medizinische Versorgung, technische Ausbildung, Stipendien, Aktivitäten des Entwicklungsdienstes (Peace Corps), Ausbildung
von Arbeitskräften und technische Unterstützung ebenso wie Programme zur
Förderung demokratischer Institutionen. Darüber hinaus hat der Kongreß
200 Millionen Dollar für Handels- und
Darlehensgarantien bewilligt. Zusammengenommen werden wir also im Verlauf der nächsten drei Jahre Hilfsleistungen in Höhe von über 800 Millionen Dollar für Polen bereitstellen.
Wir haben versucht, diese Hilfe so
weit wie möglich in Form von Sofortkrediten zu gewähren. Die Polen benötigen vor allem Bargeld, damit sie
bei der Reform ihrer Wirtschaft und
der Umschuldung etwas Luft haben. Im
Hinblick auf das gesamte Mix an
Hilfsleistungen sollte Sofortkrediten
der Vorzug vor Garantien und Handelskrediten gegeben werden.
Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen
mitteilen zu können, daß wir die Arbeit an einem multilateralen Überbrückungskredit
aufgenommen
haben,

- 2 -

�der Polen so bald wie möglich ausgezahlt werden soll und zu dem wir 200
Millionen Dollar beitragen werden.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben,
daß Präsident Bush vor kurzem eine
von Landwirtschaftsminister Clayton
Yeutter angeführte Wirtschaftsdelegation auf Kabinettsebene nach Polen
entsendet hat, um herauszufinden, wie
wir Polen bei seinen strukturellen
Wirtschaftsreformen
helfen
können.
Sie konzentrierte sich insbesondere
auf den Finanz-, Agrar- und Industriesektor sowie den Arbeitsmarkt.
Polen muß jetzt in diesen lebenswichtigen mikroökonomischen Fragen Fortschritte erzielen, wenn Kraft und Erfindungsreichtum von Privatinitiativen Früchte tragen sollen. Die Delegation wird ihren Bericht in Kürze
vorlegen, und wir werden Ihnen die
Schlußfolgerungen natürlich mitteilen.
Polen sieht sich nach wie vor mit einer kritischen Wirtschaftslage konfrontiert, die schwere Entscheidungen
fordert. Eine Reihe von Ländern haben erfolgreich die sehr hohe Inflationsrate gedämpft, andere haben ihre
hohe Auslandsverschuldung abgebaut,
die Preisbindung aufgehoben, Subventionen
entschieden
gekürzt
oder
Staatsbetriebe privatisiert - aber
kein Land hat all diese Probleme nach
40 Jahren Planwirtschaft auf einmal
gelöst. Die Aufgabe ist erdrückend,
aber unsere gemeinsamen Bestrebungen
werden dazu beitragen, den Polen über
die vor ihnen liegenden Hürden hinwegzuhelfen.

II.

Prozeß besteht darin, potentiellen
Investoren die Gewißheit zu geben,
daß sie ungarische Produkte im Westen
verkaufen können.
Wir begrüßen es
deshalb, daß die Vereinigten Staaten,
die EG und mehrere andere Mitgliedstaaten der G-24 Ungarn in das allgemeine Präferenzsystem einbezogen haben und daß die Europäische Gemeinschaft den Abbau der noch bestehenden
Mengenbeschränkungen für ungarische
Produkte beschleunigen wird.
Die Vereinigten Staaten haben ferner
60 Millionen Dollar für einen ungarisch-amerikanischen
Unternehmensfonds bewilligt, der zum Aufbau von
Privatunternehmen
beitragen
soll.
Darüber hinaus haben wir in Ungarn
ein Programm unseres Entwicklungsdienstes eingeleitet und Programme
für technische Ausbildung, Studienbeihilfen, Umwelt und Arbeitswesen
ins Leben gerufen. Insgesamt werden
wir Ungarn in den nächsten drei Jahren Hilfe in Höhe von 80 Millionen
Dollar gewähren.
Der wichtigste Schritt für Ungarn ist
jedoch die Zustimmung des Parlaments
zu einem Programm des Internationalen
Währungsfonds und dessen erfolgreiche
Durchführung. Da Ziel des Programms
ein Abbau des Haushalts- und Handelsdefizits ist, wird dies für die Regierung mit schwierigen Entscheidungen verbunden sein. Bedeutende Zeiten erfordern jedoch mutige Entscheidungen.
Die Führung Ungarns kann
sich einen Platz In der Geschichte
sichern, indem sie tut, was getan
werden muß, damit die multilaterale
Hilfe für Ungarn in Gang kommt.

Hilfe für Ungarn

Darüber hinaus müssen wir uns den
Problemen Ungarns widmen, die zwar
anders gelagert sind als die polnischen, aber ebenso wichtig. Wir müssen dazu beitragen, Anreize für Privatinvestitionen zu schaffen, damit
Ungarns dringendem Kapitalbedarf abgeholfen wird. Ebenso wie in Polen
müssen wir in Ungarn die Grundlagen
für Selbsthilfe zu schaffen.
Ein entscheidender Schritt in diesem

III. Anhaltende Bemühungen und der
Koordinierungsprozeß
Gemeinsam haben wir einen guten Anfang bei der Unterstützung Polens und
Ungarns gemacht, aber es bleibt noch
viel zu tun. In den kommenden Monaten werden die neue polnische und die
neue ungarische Regierung vor schweren Herausforderungen stehen, wenn
beide den historisch bisher einmaligen Schritt von einer zentralen Plan-

- 3 -

�Wirtschaft zu
vollziehen.

einer

Marktwirtschaft

Meines Erachtens kann die EG bei diesem Prozeß eine besonders wichtige
Rolle spielen.
Die EG mit ihren
marktwirtschaftlichen Prinzipien hat
für die osteuropäischen Reformer eine
besondere
Anziehungskraft.
Vielleicht könnte die EG besondere Möglichkeiten für eine verbesserte wirtschaftliche
Interaktion
schaffen,
wenn die politischen und ökonomischen
Reformen bestimmte Niveaus erreicht
haben. So könnte die erste Stufe und die ersten Anreize - auf Niveaus
in Kraft treten, die sich schon bald
erreichen lassen.
Andere Niveaus
könnten sich der Art von Bindungen
annähern, wie sie die EG mit den Mitgliedstaaten der EFTA erreichen möchte. Eine solche Abfolge von Möglichkeiten könnte das wertvollste Angebot
bieten: Hoffnung.
Im Zuge fortschreitender Reformen in
Polen und Ungarn müssen wir ferner
kontinuierlich prüfen, wie wir die
Reformen am besten unterstützen können, insbesondere nach Einführung der
IWF-Vereinbarungen. Bei der Koordinierung
unserer
Hilfsanstrengungen
müssen wir sowohl mit dem IWF als
auch mit Weltbank, OECD und Pariser
Club zusammenarbeiten.
Wir sollten
dazu beitragen, daß die Maßnahmen
dieser jeweiligen Organisationen einander verstärken.

IV.
Neue
der G-24

Kandidaten

für

Maßnahmen

Schließlich können wir uns der Tatsache nicht verschließen, daß die Ereignisse in der Tschechoslowakei, der
Deutschen Demokratischen Republik und
auch in Bulgarien eindringlich belegen, daß unsere Bemühungen zur Koordinierung der westlichen Antwort nur
die erste Phase der anstehenden ökonomischen und politischen Reformen In
Osteuropa betreffen. Dies wurde mir
besonders nach meinem gestrigen Besuch der DDR klar. Sowohl Kirchenvertreter als auch Ministerpräsident
Modrow erklärten mir gegenüber, der

wirtschaftliche Fortschritt in der
DDR sei ein entscheidendes Element
zur
Gewährleistung
schrittweiser,
friedlicher Veränderungen - und vielleicht sogar dabei, eine Ausreisewelle in die Bundesrepublik zu verhindern.
Koordinierte Maßnahmen des Westens
zur Förderung demokratischer Institutionen, von politischem Pluralismus
und marktorientierten Volkswirtschaften werden weiterhin für die Aussichten auf erfolgreiche, unumkehrbare
Reformen entscheidend sein. Wir müssen bereit sein, Ländern zu helfen,
die substantielle Fortschritte zu ökonomischen und politischen Veränderungen machen, und ich hoffe, daß im
Zuge
unserer
Unterstützung
einer
wachsenden Zahl reformwilliger Länder
der Koordinierungsprozeß der G-24 Modellcharakter für reibungslose und
erfolgreiche westliche Zusammenarbeit
behält.

V.

Schlußbemerkungen

Abschließend
möchte ich Präsident
Delors und die EG-Kommission nochmals
zu ihrer Arbeit beglückwünschen. Der
Pariser Gipfel brachte für die EG eine neue Herausforderung, eine Herausforderung, deren Tragweite nur noch
größer werden kann. Meine Regierung
sieht der weiteren Koordinierung erwartungsvoll entgegen, in deren Rahmen wir uns bemühen werden, die Macht
des Volkes institutionell zu verankern und die Teilung Europas zu überwinden.
Die Kommission hat Bewundernswertes geleistet und verdient
unseren Beifall.
Ferner sehen wir - falls auch die anderen Teilnehmer zustimmen - ein Ministertreffen im nächsten Jahr vor,
auf dem die von uns erzielten Fortschritte überprüft und weitere Impulse gegeben werden sollen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

�^DS&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

20. Dezember 1989

46

DEN WORTEN DER VEREINIGTEN STAATEN WERDEN IN OSTEUROPA TATEN FOLGEN
von Robert Mosbacher

(Der Autor ist Wirtschaftsminister der Vereinigten Staaten und war Mitglied
der Delegation des Präsidenten für Polen. Der folgende Beitrag wurde exklusiv
für das IJS-Inf ormationsamt verfaßt.)

"Laßt den Worten Taten folgen." Diesen Appell richtete Lech Walesa im
vergangenen Monat während seiner Rede
vor beiden Häusern des Kongresses an
das amerikanische Volk.
Er sprach
dabei über Polens dringenden Bedarf
an Investitionen, um die Freiheit zu
unterstützen.
Die aus tiefstem Herzen kommende Antwort der Bush-Administration und des
amerikanischen Volkes ist ein uneingeschränktes Ja.
Wir unterstützen
das polnische Volk - und alle Völker
Osteuropas - in ihrem Streben nach
Freiheit. Und wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um zu ihrem Erfolg beizutragen.
Letzten Endes können jedoch nur die
Völker Osteuropas selbst die nachtei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ligen Auswirkungen einer 40jährigen
kommunistischen Mißwirtschaft überwinden. Aber wir können ihnen dabei
helfen, und das werden wir auch tun.
Der Kongreß hat ein Hilfspaket für
Polen und Ungarn in Höhe von 938 Millionen Dollar verabschiedet und sich
damit das Programm Präsident Bushs
für die Unterstützung politischer und
ökonomischer Reformen in diesen beiden Länder vollständig zu eigen gemacht.
Darüber hinaus haben die Vereinigten
Staaten im vergangenen Monat mit der
Unterzeichnung eines gemeinsamen Kommuniques über Telekommunikation und
der Aushandlung eines Abkommens zur
Verbesserung des Investitionsklimas
in Polen einen bedeutenden Schritt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�getan, um Polen in die Weltwirtschaft
einzugliedern und den Übergang des
Landes zur Demokratie zu fördern.

tionsförderung müssen die Länder Osteuropas ihr Rechts- , Rechnungs- und
Bankwesen und die Aufgaben der Banken
verändern. Gegenwärtig ist es beispielsweise für Unternehmen in Polen
Diese Maßnahmen waren das Ergebnis
nicht möglich, Akkreditive zu erhalder Reise einer von drei Kabinettsten. Es gibt keine Girokonten, wie
mitgliedern geleiteten Delegation des
wir sie kennen, und das RechnungswePräsidenten nach Polen. Die Delegasen ist mit dem international und in
tion trug der Tatsache Rechnung, daß
allen Industrieländern üblichen Syder Schlüssel zu verbesserten amerikani sch-polni sehen Wirt schaft sbezie- stem unvereinbar. Dies sind nur einige der Probleme, die mit einem
hungen in der umfassenden Beteiligung
Wirtschafts- und Handelsabkommen zu
des
amerikanischen
Privatsektors
lösen wären.
liegt. Die Bemühungen der Bush-Administration sind deshalb darauf ausgerichtet, die polnische Regierung Viertens:
Wenn Märkte erschlossen
und alle osteuropäischen Regierungen
werden sollen, müssen Käufer und Ver- zu ermutigen, ein Klima zu schafkäufer über genaue Statistiken zu
fen, das Investitionen amerikanischer
Wirtschaft und Handel verfügen. Die
Firmen begünstigt.
Vereinigten Staaten können technische
Hilfestellung leisten, damit Zahlen
über Verbraucherpreise, Handel und
Sicherlich werden Vereinbarungen zwiArbeitslosigkeit exakt und termingeschen den Vereinigten Staaten und anrecht vorliegen können.
deren osteuropäischen Staaten in Kürze folgen. Im Rahmen einer früheren
Delegationsreise nach Ungarn und PoFünftens: Unser Engagement für Menlen sind wir zu der Überzeugung geschenrechte ist integraler Bestandlangt, daß sich der Schlüssel zur
teil unserer Handelspolitik.
PoliVerbesserung
der
Ost-West-Wirttische Freiheit und wirtschaftliche
schaftsbeziehungen mit sechs PrinziFreiheit gehen Hand in Hand, und
pien charakterisieren läßt:
grundlegende Verbesserungen im OstWest-Handel werden in demselben Maße
erfolgen wie Fortschritte bei den
Erstens: Das Wachstum des Ost-WestMenschenrechten.
Handels muß auf soliden wirtschaftlichen Entscheidungen fußen. Wir können amerikanische Firmen nicht zwinSechstens: Obgleich wir den starken
gen, in Osteuropa geschäftlich tätig
Aufschwung im Handel mit Waren bezu werden, und es obliegt den dortigrüßen und fördern, die nicht für
gen Regierungen, ein attraktives und
strategische Zwecke eingesetzt werden
profitables wirtschaftliches Umfeld
können, sind doch nationale Sicherzu schaffen. Mit dieser Art Fördeheitsinteressen des Westens von höchrung werden reale Investitionen bester Bedeutung. Wir werden mit unsegünstigt, Arbeitsplätze geschaffen,
ren Verbündeten zusammenarbeiten, um
Grundkapital gebildet und der Lebenszu gewährleisten, daß nur Schlüsselstandard angehoben.
technologie kontrolliert wird, die
Exportkontrollen
für
solche Teile
werden aber bestehen bleiben.
Zweitens: Investitionen müssen ebenso wie Joint Ventures beim Ausbau von
Innerhalb dieses Rahmens werden wir
Wirtschaftsbeziehungenen
eine
entOsteuropa bei der Entwicklung eines
scheidende Rolle spielen. Die langwettbewerbsfähigen
Systems
helfen,
fristig wirkungsvollste Hilfe, die
das von freiem Unternehmertum gekennvon den Vereinigten Staaten geleistet
zeichnet und Schlüssel zur Integrawerden kann, besteht in Direktinvetion in die Weltwirtschaft ist. Und
stitionen amerikanischer Unternehmen.
wir werden Investitionen fördern und
Exportmärkte für amerikanische Waren
Drittens:
Zum Zweck der Investi-

�schaffen.
Präsident Bush hat erklärt: "Demokratische Kräfte in Polen haben um
die moralische, politische und wirtschaftliche Unterstützung des Westens
gebeten. Und der Westen wird dieser
Bitte nachkommen."

* * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

20. Dezember 1989

45

OFFENE HIMMEL
- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -

Die folgende Übersicht zu der von Präsident Bush vorgeschlagenen Initiative
Offene Himmel, die das häufige überfliegen von Territorium beteiligter Staaten zur Beobachtung der jeweiligen militärischen Aktivitäten und Einrichtungen
gestattet, wurde am 15. Dezember 1989 von der US-Delegation bei der NATO in
Brüssel veröffentlicht.
Hintergrund
Präsident Bush schlug das Konzept
Offene Himmel am 12. Mai 1989 in
einer Rede bei der Texas A and M
University vor. Die Verbündeten vereinbarten die weitere Ausarbeitung
der Initiatvie beim Gipfeltreffen im
Mai.
Seitdem hat die NATO an einem detaillierten Vorschlag gearbeitet.
Bei
der Sitzung des Nordatlantikrats am
14. und 15. Dezember 1989 vereinbarten die Minister einen gemeinsamen
Ansatz des Bündnisses bei der Aushandlung des Konzepts für Offene
Himmel. Für die im Februar in Ottawa stattfindende Konferenz über Offene Himmel wurde als Kernstück der
westlichen Haltung ein Papier über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

"Grundlegende
licht.

Merkmale'

veröffent-

Präsident
Bush
und
Außenminister
Baker haben beim NATO-Gipfel am 4.
Dezember beziehungsweise am 12. Dezember in Berlin den Westen aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die
zunehmende Offenheit in der Sowjetunion und in Westeuropa festzuschreiben. Die Vereinbarung der NATO über
ihre Haltung zu Offene Himmel für
die Konferenz in Ottawa demonstriert
möglicherweise
einen
wichtigen
Schritt in diese Richtung.

Zielsetzung
Offene Himmel ist eine Initiative
zur Förderung gegenseitiger Offenheit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der beteiligten Länder.
Sie würde
das häufige überfliegen von Territorium beteiligter Staaten zur Beobachtung der jeweiligen militärischen Aktivitäten und Einrichtungen gestatten
und damit Vertrauen und Sicherheit
fördern.
Das Konzept basiert auf folgenden
Grundsätzen, mit denen größtmögliche
Offenheit gewährleistet werden soll:
Verpflichtung der Beteiligten zu
stärkerer Transparenz durch uneingeschränktes überfliegen des
gesamten nationalen Territoriums
im Rahmen der Flugsicherheitsbestimmungen.
Die Beteiligten können solche Beobachtungsflüge einzeln oder gemeinsam mit ihren Verbündeten
durchführen.

Quartal über jedem Land vorgesehen.

Flugzeuge und Sensoren
Der Einsatz von unbewaffneten Starrflüglern der Zivilluftfahrt oder der
Streitkräfte zum Transport von Beobachtern des Gastgeberlandes ist gestattet, des weiteren ist eine Vielzahl von Sensoren erlaubt.

Perspektiven
Vom 12. bis 28. Februar 1990 soll in
Ottawa eine Konferenz stattfinden,
auf der ein Konzept für Offene Himmel vereinbart werden soll.
Die
Außenminister der NATO und des Warschauer Pakts werden an der Eröffnungssitzung vom 12. bis 14. Februar
teilnehmen. Außenminister Baker wird
die US-Delegation leiten.

Verpflichtung
der
Beteiligten,
BeobachtungsflUge auf der Basis
festgelegter Quoten durchzuführen
und zu dulden.
Die
Ausarbeitung
einheitlicher
Verfahrensweisen, mit denen sowohl Transparenz als auch Flugsicherheit
gewährleistet
werden
sollen.

Beteiligung und Umfang
Die Beteiligung an der Initiative
Offene Himmel steht anfänglich allen
Mitgliedern
des
Atlantischen
Bündnisses und des Warschauer Pakts
offen. Sie umfaßt alle Territorien
der Mitglieder in Nordamerika, Asien
und Europa. Alle Mitglieder sind zu
Beobachtungsflügen berechtigt.

Quoten
Die "Abrechnung" bei Offene Himmel
geschieht durch Quoten, mit denen die
Anzahl der überflüge begrenzt wird.
Diese Quoten sind abhängig von der
Fläche des jeweiligen Landes. Dennoch ist mindestens ein Flug pro
- 2 -

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10724">
                <text>20.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10725">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10726">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10727">
                <text>Amerikadienst 20.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10728">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft und Wettbewerb: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen&lt;br /&gt;den Vereinigten Staaten von Amerika und der europäischen Gemeinschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Der Westen muß den Wandel In ganz Osteuropa unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Worten der Vereinigten Staaten werden in Osteuropa Taten folgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Robert Mosbacher -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offene Himmel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2126" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2137">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c9ad07a745ddaa8e6b692a74b4e05db1.pdf</src>
        <authentication>24fcf01a5ab2f1b803c9053025c9a58a</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10735">
                    <text>^ e 2ofV

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

10. Januar 1990

J^*'
,&lt;c
A&lt;\cP ^ « 0
•A* ^^ rfT
e&gt;«f v ^
P.cfc'
^&lt;ÄV

SICHERHEITSPOLITIK

Maresca: Prämissen der Vergangenheit müssen überprüft werden
Rede des Chefunterhändlers bei den VSBM-Verhandlungen

Die Zeit ist reif für Dialog über Militärdoktrinen
Broschüre der ACDA zum VSBM-Seminar

THEMENINDEX 1989

(Zweites Halbjahr)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�S I C H E R H E I T S P O L I T I K
1

10. Januar 1989

MARESCA: PRÄMISSEN DER VERGANGENHEIT MÜSSEN ÜBERPRÜFT WERDEN
- Rede des Chefunterhändlers bei den VSBM-Verhandlungen HOUSTON - (AD) gen, Botschafter
Staaten und ihren
cherheitsbildende
Vergangenheit".

Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den VSBM-VerhandlunJohn Maresca, zufolge, basierten die von den Vereinigten
Verbündeten bei den Verhandlungen über Vertrauens- und SiMaßnahmen (VSBM) angeregten Vorschläge "auf Prämissen der

In einer am 4. Januar 1990 in der Texas A and M University gehaltenen Rede betonte Maresca, wie wichtig es sei, vertrauensbildende Maßnahmen in Zukunft
"über diese Prämissen" hinaus in ein "umfassenderes, flexibleres und weitreichenderes" Programm zu lenken. "Vertrauensbildung wird in den neunziger Jahren neue Herausforderungen bereithalten, die das Gleichgewicht zwischen Ost
und West nicht notwendigerweise berühren," erklärte Maresca.
Das vom 16. Januar bis 5. Februar 1990 in Wien unter der Schirmherrschaft der
VSBM geplante Seminar über Militärdoktrinen kann uns Maresca zufolge "für die
Pionierarbeit des Forums zur Vertrauensbildung Impulse geben, die in eine völlig neue Richtung weisen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Marescas Rede im Wortlaut.
Als dieses Plenum im vergangenen Jahr
zu Gesprächen über Vertrauensbildung
zusammentrat, verfolgten wir ein ganz
bestimmtes Ziel.
Dieses Ziel hat
seinen Ursprung in der Vergangenheit
und in der Gegenwart. Wir erörterten
die Ergebnisse der Stockholmer Konferenz sowie die Möglichkeiten, wie wir
bei den in Wien anlaufenden Verhandlungen über Vertrauensbildende Maßnahmen auf diesen Ergebnissen aufbauen könnten. Wir haben die später in
Wien vorgelegten Vorschläge und die
sich dabei möglicherweise ergebenden
Verbindungen vorweggenommen. Wir haben das Verhältnis des VSBM-Forums
von 35 Teilnehmerländern zum KSE-Forum mit 23 Mitgliedsstaaten angeschnitten und die Verbindungen zwischen
vertrauensbildende
Maßnahmen

und Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften.
Diese Gespräche waren angebracht,
sehr nützlich und trugen dazu bei,
daß alle Teilnehmer die in die Diskussion eingebrachten Ansätze verstanden.
Unsere Vorschläge wurden
bei Aufnahme der Verhandlungen im
vergangenen Frühjahr unterbreitet und
waren seither Gegenstand der Erörterungen. Es steht nunmehr außer Frage, daß es weite Bereiche gibt, in
denen ein Konsens möglich ist. Bei
einigen Vorschlägen, wie etwa vertrauensbildenden Maßnahmen bei unabhängigen Aktivitäten in der Luft oder
auf See wird unter Umständen keine
Übereinstimmung
zu erzielen sein.
Das bislang erzielte grundlegende Er-

�gebnis ist der sich abzeichnende Konsens über das Prinzip eines umfassenden
jährlichen
Informationsaustauschs, der von Ad-hoc-Inspektionen
begleitet sein und den Wahrheitsgehalt der gelieferten Informationen
verifizieren soll. Das scheint prinzipiell von allen Parteien akzeptiert
worden zu sein.
Darüber hinaus wurde vereinbart, ab
dem 16. Janaur 1990 ein dreiwöchiges
sicherheitspolitisches "Seminar" abzuhalten, an dem auch Stabschefs und
andere hochrangige Offiziere sowie
Vertreter des Verteidigungsministeriums teilnehmens sollen. Diese Teilnehmer werden ihre Politik und ihre
Doktrinen darlegen und sich gegenseitig zu Aspekten derjenigen Maßnahmen
befragen, die zu Zweifeln Anlaß geben. Das ist ein weiterer Vorstoß zu
einem relativ unerforschten Aspekt
militärischer Konfrontation, der aber
in diesem Forum mit 35 Teilnehmerstaaten die Tradition der Erforschung
neuer Bereiche der Rüstungskontrolle
fortführt. In diesem Fall werden wir
danach streben müssen, die Absichten
und Zielsetzungen der von uns beobachteten Streitkräfte zu verstehen die genaue Beurteilung ist das vielleicht schwierigste Element des Sicherheit spoli tischen Gleichgewichts.
Das Seminar ist ein ausgezeichneter
Prüfstein für das Hauptthema meiner
Ausführungen: Die Rolle der Vertrauensbildung in den neunziger Jahren,
einer Periode rapider Veränderungen
in Europa. Wie bereits im vergangenen Jahr möchte ich heute auch aus
persönlicher Sicht sprechen, und die
hier von mir vorgetragenen Gedanken
spiegeln nicht notwenigerweise die
Politik der Vereinigten Staaten wider.
Seit unseren Gesprächen in Houston im
vergangenen Jahr hat sich viel verändert. Die erste wichtige Veränderung
mit Auswirkungen auf die VSBM-Verhandlungen bestand in der Vorlage eines westlichen Vorschlags bei den
KSE-Verhandlungen, der Informationsaustausch in größerem Umfang und ein
System der Verifizierung vorsah. Im

letzten Jahr nahmen wir noch an, die
VSBM-Verhandlungen
wären
vor
den
KSE-Verhandlungen beendet. Aber angesichts von den Initiativen eines
Gipfeltreffens und eines NATO-Gipfels
ausgehenden Impulse ist die Wahrscheinlichkeit jetzt größer, daß das
KSE-Abkommen vor einer VSBM-Vereinbarung erzielt wird. Das ist natürlich
eine positive Entwicklung. Es bedeutet jedoch, daß der Hauptvorschlag
bei den VSBM-Verhandlungen beträchtlich an Bedeutung verliert.
All dies hat viele von uns zu der
Frage veranlaßt, worin die geeignete
Rolle für vertrauensbildende Verhandlungen zu einer Zeit besteht, in der
Rüstungskontrolle große Fortschritte
macht. Insbesondere fragen sich viele von uns bei den Verhandlungen, ob
alle Vorschläge, die derzeit auf dem
Wiener Verhandlungstisch liegen, entsprechend ihrer Pionierfunktion zu
mehr
Vertrauensbildung
beitragen,
oder ob das VSBM-Forum hinter den rapiden Fortschritten in den Bereichen
Sicherheit und Rüstungskontrolle zurückbleibt.
Die zweite bedeutende Entwicklung des
vergangenen Jahres mit Auswirkungen
auf die VSBM-Verhandlungen bestand
natürlich in den dramatischen Ereignissen in Osteuropa. Die Auswirkungen dieser Entwicklungen sind so umfassend, daß sie einer eingehenden
Analyse bedürfen.
Die erste Frage, die sich für die
VSBM-Verhandlungen durch die Ereignisse in Osteuropa stellt, ist eine
Erweiterung der Frage bezüglich ihrer
Rolle in Zeiten von Fortschritten bei
der Rüstungskontrolle: Worin besteht
die geeignete Rolle von Vertrauensbildung in Zeiten drastischer Veränderungen in Osteuropa? Traditionell
wurde Vertrauensbildung im Zusammenhang mit der Ost-West-Konfrontation
definiert, obwohl es immer klar war,
daß die VSBM-Verhandlungen nicht zwischen Blöcken stattfinden, sondern
vielmehr zwischen unabhängigen Ländern. Angesichts der raschen Veränderungen in Osteuropa muß die Frage

- 2 -

�heute lauten, ob Vertrauensbildung
die Aufgabe zukommt, Stabilität in
ganz Europa sicherzustellen, während
sich diese dramatischen Ereignisse
vollziehen. Dies würde natürlich eine umfassende Neuorientierung der
Verhandlungen und ihres bisherigen
Zwecks bedeuten. Wir müssen uns jedoch sehr sorgfältig überlegen, was
wir tun, damit es für die Zukunft von
Bedeutung ist.
Die Verantwortung, die wir übernehmen
sollten, könnte entschieden anders
als unsere derzeitigen Verhandlungen
gelagert sein.
Die Tradition der
Pionierarbeit
impliziert, daß das
VSBM-Forum sich eingehender mit den
durch die neuen Realitäten in Europa
stellenden umfassenderen Sicherheitsproblemen befassen sollte. Die Tatsache, daß vertrauensbildende Verhandlungen nicht
zwischen Blöcken
stattfinden bedeutet, daß wir besondere Fähigkeiten besitzen, etwas in
diesem Bereich zu tun, das zweifelsohne im Interesse aller Teilnehmerstaaten liegen sollte.
Eine andere Frage, die sich durch die
Entwicklungen in Osteuropa stellt,
lautet, ob Verhandlungen zwischen den
beiden
Militärblöcken
nach
einem
KSE-Abkommen wirklich weiterhin das
Hauptgewicht der konventionellen Rüstungskontrollbestrebungen in Europa
tragen können.
Innerhalb des Ostblocks scheinen einige Länder den Abzug der sowjetischen Streitkräfte von
ihrem Territorium zu verwirklichen.
Kann das Kräftegleichgewicht zwischen
NATO und Warschauer Pakt als Grundlage für Rüstungskontrollverhandlungen
gelten, wenn einige Länder auf der
einen Seite dieser Gleichung sich einer Konfrontation entziehen?
Wenn
die beiden Blöcke nicht länger als
echte Gesprächspartner in einer im
wesentlichen
bilateralen
Verhandlungsrunde
fungieren, welche Form
kann dann eingesetzt werden, um einen
Abbau der Rüstungen herbeizuführen?
Bietet die Form eines Forums von 35
Teilnehmerstaaten, mit der Bestimmung, daß jedes Land einzeln teilnimmt und sein auf Konsens gestützter

Entscheidungsprozeß eine Alternative?
Es dürfte in diesem Zusammenhang erwähnenswert sein, daß wir bei den
VSBM-Verhandlungen im vergangenen Monat die Unterbreitung eines gemeinsamen
französisch-ungarischen
Vorschlags über militärische Kontakte
erlebt haben. Es war der erste Vorschlag in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen, der gemeinsam von einem Mitglied des Warschauer Pakts und der NATO vorgelegt
wurde. Der Inhalt des Vorschlags war
natürlich weniger
interessant als
seine politische Bedeutung.
Diese
Entwicklung legt den Schluß nahe, daß
es in der Tat bestimmte Möglichkeiten
in einem nicht blockgebundenen Forum
gibt.
Eine dritte sich aus der gegenwärtigen Lage ergebende Frage betrifft die
allgemeine politische Rolle eines Sicherheit spoli tischen Verhandlungsprozesses mit 35 beteiligten Staaten in
einer Zeit raschen Wandels. Inwieweit ist ein solches Gremium für Gespräche über alle Seiten betreffende
Probleme nützlich?
Die Antwort auf
diese Frage wurde im Dezember offensichtlich, als die Ereignisse in Rumänien im VSBM-Forum zur übereinstimmendsten Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen führten, die wir
jemals bei einem KSZE-Treffen erlebt
haben. Sicherlich werden auch in Zukunft noch zahlreiche schwierige Momente auftreten, da die osteuropäischen Staaten ihre eigenen politischen Positionen noch definieren
müssen. Es mag sicherlich Entwicklungen geben, die das eine oder andere Land innerhalb des sich entwikkelnden
sicherheitspolitischen
Umfelds in Europa berücksichtigt wissen
möchte. Wir benötigen ein flexibles
Gremium mit Beteiligung aller europä-^
ischen Staaten sowie der Vereinigten
Staaten und Kandas, das bereitsteht,
um diesem Bedarf gerecht zu werden.
In dieser Hinsicht sind VSBM und KSE
nicht miteinander vergleichbar. Die
KSE muß einen Vertrag fertigstellen.
Das ist ihr Ziel. Die Verhandlungen

- 3-

�über Vertrauensbildung jedoch erreichen ihr Ziel teilweise schon durch
ihre bloße Existenz.
Das Bestehen
dieses Forums ist - wie das Seminar
über Militärdoktrinen - an sich bereits eine vertrauensbildende Maßnahme.
Die zur Diskussion stehenden
Maßnahmen sind weniger rigoros als
Rüstungsreduzierungen und lassen sich
deshalb leichter verwirklichen und
vereinbaren. Es mutet wie Ironie an,
daß gerade die relative Unkompliziertheit von Vereinbarungen und der
relative Mangel an Sicherheitsrisiken
diesen wesentlich politischeren Prozeß so bedeutsam machen, insbesondere
in der heutigen Zeit.
Gerade die
Tatsache
andauernder
Verhandlungen
über Vertrauensbildung trägt zur Stabilität bei.
Schließlich muß sich in der gegenwärtigen Lage die Frage stellen, ob Vertrauensbildung nicht einen flexibleren Ansatz in der Rüstungskontrolle
darstellt, der in einem immer mehr in
Fluß geratenden europäischen Umfeld
angebrachter wäre. Sicherlich wurden
die beiden Blöcke benötigt, um ein
Abkommen über gegenseitige ausgewogene Rüstungsreduzierungen zu erzielen.
Auch die Art von Rüstungsreduzierung,
wie sie auf der KSE zur Verhandlung
steht, wird weiterhin ein solches Forum erforderlich machen. Langfristig
könnte es jedoch wünschenswert sein,
durch Verhandlungen andere Ansätze
für die Sicherheit in einer Form zu
entwickeln, die der politischen Evolution mehr Freiraum einräumt als die
starre Formel von den beiden Blöcken.
Rüstungskontrolle ist nur ein Teil
der
allgemeinen
sicherheitspolitischen Lage in Europa. In einer umfassenderen Sichtweise hat Außenminister Baker erkannt, daß der Rahmen
des KSZE-Prozesses nun seinen Platz
als zentrale Institution für eine zusammenhängende und stabile Gesamtentwicklung der Beziehungen zwischen den
europäischen Staaten einnehmen muß.
Zweifelsohne bietet der in Helsinki
geschaffene
Rahmen
Vorteile:
Er
stellt die Rolle der Vereinigten
Staaten und Kanadas sicher, er grün-

det sich auf eine Reihe hervorragender
Prinzipien
zwischenstaatlichen
Verhaltens, er gestattet es den Militärbündnissen, eine wichtige aber begrenzte Rolle zu spielen, und durch
seinen eigenen, auf Konsens beruhenden Entscheidungsfindungsprozeß hat
er in der Vergangenheit wertvolle
Vereinbarungen hervorgebracht.
Ein
Rüstungskontrollprozeß innerhalb des
KSZE-Rahmens kann uns daher nur Vorteile bringen, und wir sollten ihn
deshalb nicht fürchten.
Vertrauensbildung wird in den neunziger Jahren neue Herausforderungen bereithalten, die das Gleichgewicht
zwischen Ost und West nicht notwendigerweise berühren. Das Seminar über
Militärdoktrinen könnte uns für die
Pionierarbeit des Forums zur Vertrauensbildung Impulse geben, die in eine
völlig neue Richtung weisen. So wird
zum Beispiel ein Tagesordnungspunkt
des Seminars die Militärhaushalte und
die militärische Haushaltsplanung betreffen.
Planung und Beschaffung
neuer Waffensysteme spiegeln die Absichten einer Regierung im militärischen Bereich wider, und natürlich
ist der Druck auf die Haushalte in
allen Industriestaaten eine treibende
Kraft für die Reduzierung der Verteidigungshaushalte. Wenn diese Fakten
in einer offeneren Atmosphäre behandelt werden könnten, um eine nüchternere Diskussion über nationale Pläne
und ein befriedigendes Niveau der Verifizierung zu ermöglichen, dann gibt
es allen Grund zu der Annahme, daß
das Ergebnis bedeutend zur Stabilität
und zur verantwortungsvollen Reduzierung der Militärausgaben beitragen
könnte. Es wäre zum Beispiel sicherlich billiger, sich im vorhinein darauf zu verständigen, neue Panzer
nicht zu entwickeln und zu beschaffen, als sie zu bauen und zu stationieren und danach über ihre Reduzierung und Beseitigung zu verhandeln.

- 4 -

Die grundsätzliche Frage im Hinblick
auf Vertrauensbildung lautet in den
neunziger Jahren: Welche Rolle, welche Funktion sollte die Vertrauensbildung in diesem neuen Zeitalter der

�Beziehungen in Europa erfüllen?
Bis
jetzt beruhten die in Wien vorgelegten Vorschläge auf den Annahmen der
Vergangenheit. Wir müssen über diese
Annahmen hinaus denken und den Weg zu
einem breiteren, flexibleren und umfassenderen
Vertrauen weisen, wenn
dieser Ansatz für Sicherheitsprobleme
in der Zukunft seine Bedeutung bewahren soll.

* * * * *

- 5 -

�S I C H E R H E I T S P O L I T I K
1

10. Januar 1990

DIE ZEIT IST REIF FÜR DIALOG ÜBER MILITÄRDOKTRINEN
- Broschüre der ACDA zum VSBM-Seminar -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von der amerikanischen
Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (ACDA) am 3. Januar 1990 als Hintergrundmaterial für das vom 16. Januar bis 5. Februar 1990 in Wien anberaumte
Seminar über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) und Militärdoktrinen im Wortlaut.

Das Seminar über Militärdoktrinen
bei den Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen (VSBM)
Geleitet von dem Entschluß, durch einen offenen und ehrlichen Gedankenaustausch zum besseren Verständnis
der militärischen Fähigkeiten und ihres Einsatzes zur Vertrauensbildung
beizutragen,
hat das Plenum beschlossen, ein Seminar über Militärdoktrinen zu veranstalten. Es wird integraler Bestandteil der Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen sein und vom 16. Januar bis 5.
Februar 1990 in Wien stattfinden.
Zweck

dieses Seminars ist, Gelegen-

heit zu Gesprächen über Militärdoktrinen in bezug auf Einsatzkonzept
sowie Struktur und Aktivitäten konventioneller Streitkräfte in der Zone
zu bieten. Andere Themen, die mit
Militärdoktrinen im Zusammenhang stehen und Auswirkungen auf die militärischen Fähigkeiten haben, könnten
ebenfalls erörtert werden.
Während
des
Seminars
wird
kein
Schlußbericht oder -dokument erarbeitet. Die Gespräche dienen als Hintergrundinformation für die Wiener
Verhandlungen.
Anhand der im Verlauf des Seminars
gewonnenen Erfahrungen könnte das
Plenum
geeignete
Schlußfolgerungen
ziehen.

�(Auszug aus dem Beschluß der Wiener
VSBM-Verhandlungen vom 20. Oktober.)
Die Zeit ist reif
Sicherheitspolitik

die Streitkräftestruktur im Zusammenhang mit Maßnahmen, Ausbildungsmustern und dem Militärhaushalt konzentrieren.

für Dialog über

Die dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in Osteuropa waren
unvorhersehbar. Das sicherheitspolitische Gefüge, das uns in den letzten
vierzig Jahren so vertraut geworden
ist, wird heute täglich erneut in
Frage gestellt und eine Prognose der
Ereignisse zunehmend erschwert.
Es ist nicht gewährleistet, daß wir
in diesem Jahr die Zukunft besser als
im vergangenen prognostizieren können. Wir müssen jedoch den Veränderungen in Osteuropa bei dem Versuch
Rechnung tragen, Sicherheit und Stabilität auf dem gesamten Kontinent zu
garantieren. Mehr denn je zuvor müssen wir solide neue Ansätze zum Problem der europäischen Sicherheit finden.
Dem Seminar über Militärdoktrinen
kommt in diesem Prozeß eine entscheidende Rolle zu. Es soll zum besseren
Verständnis der Absichten beitragen,
die der Streitkräftestruktur und den
Aktivtäten zugrunde liegen.
Dieses
Element des militärischen Gleichgewichts
bildet
offensichtlich
das
Kernstück für gegenseitiges Vertrauen
- war bisher jedoch äußerst schwierig
in den Griff zu bekommen. In Ermangelung
vollständiger
militärischer
Offenheit haben wir schlicht und einfach keine verläßliche Handhabe, um
die Motivationen einzuschätzen, von
denen die Streitkräfte geleitet sind.
Die Veranstaltung eines "Seminars"
über Sicherheitspolitik ist ein weiteres Wagnis auf dem relativ unerschlossenen Weg zur Lösung der Sicherheitsprobleme und
stellt eine
Fortführung der Pionierarbeit dar,
die bei den vertrauensbildenden Gesprächen der 35 Nationen geleistet
wurde. Die Tagesordnung wird das gesamte Spektrum der Sicherheitspolitik
umfassen, sich jedoch besonders auf

Persönliche Gespräche können durch
nichts ersetzt werden. Sie sind der
beste Weg, um Zweifel auszuräumen und
Antworten zu erhalten, Mißtrauen zu
zersteuen und Verständnis für die Absichten eines jeden Landes aufzubauen.
Das "Seminar" ist keine Verhandlungsrunde, und wir erwarten keine spezifischen Ergebnisse, aber ein
solcher Dialog ist zu diesem Zeitpunkt in der europäischen Geschichte
unabdingbar.
Zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse schneller überschlagen, als man
sich je hätte träumen lassen, brauchen wir derartige Gespräche. Ohne
sie werden unsere Rüstungskontrollbestrebungen höchstwahrscheinlich nicht
mit dem politischen Wandel Schritt
halten können und nicht den Beitrag
zu Sicherheit und Stabilität leisten,
den die Menschen weltweit erwarten.
Leiter der amerikanischen Delegation
bei den VSBM-Verhandlungen ist John
J. Maresca.
Hintergrund:
Vertrauens- und
cherheit sbildende Maßnahmen in
KSZE

Sider

Am 1. August 1975 haben 33 Länder Europas, die Vereinigten Staaten und
Kanada in Helsinki das Schlußdokument
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) - die
sogenannte Schlußakte von Helsinki unterzeichnet.
Die Schlußakte von
Helsinki liefert den 35 Teilnehmerstaaten ein dauerhaftes Rahmenwerk,
um in den Bereichen gegenseitige Sicherheit,
Wirtschaftsbeziehungen,
fundamentale
Menschenrechte
und
Grundfreiheiten ausgewogene und angemessene Fortschritte
zu erzielen.
Sie enthält eine Reihe vertrauensbildender Maßnahmen, mit denen einzelne
Länder ermutigt werden, sich gegenseitig über in Europa zu Lande statt-

- 2 -

�findende militärische Aktivitäten zu
benachrichtigen und Beobachter dazu
einzuladen.
Die Verhandlungen vlber Vertrauensund
Sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSBM) sind integraler Bestandteil
der KSZE und haben seither diese Rolle des Wegbereiters in der Rüstungskontrolle übernommen.
Bei Abschluß
eines KSZE-Folgetreffens in Madrid
1983 haben die 35 Länder vereinbart,
VSBM für ganz Europa auszuhandeln.
Dieser Bereich wurde bei den VSBMVerhandlungen in Stockholm und den
laufenden Wiener VSBM-Verhandlungen
abgedeckt. Damit wird ein Präzedenzfall für das bei den ebenfalls in
Wien
stattfindenden
Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte in
Europa erörterte Gebiet vom Atlantik
bis zum Ural geschaffen. In Stockholm hatten die Teilnehmerstaaten ein
wichtiges neues Recht auf Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, das ein nützlicher Vorläufer für das INF-Verifizierungssystem war. Das Stockholmer
VSBM-Dokument ist das einzige in jüngerer Zeit ausgehandelte heute in Europa gültige Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle.
Die VSBM-Verhandlungen wurden am 9.
März 1989 in Wien wieder aufgenommen.
Die Länder des Westens und Ostens sowie die neutralen/blockfreien Staaten
haben formelle Vorschläge unterbreitet. Die westlichen Länder schlugen
unter anderem Gespräche über Militärdoktrinen und Sicherheitspolitik "im
Stil von Seminaren" vor. Dieser Vorschlag wurde am 20. Oktober 1989 angenommen und damit eine weitere interessante und bahnbrechende Arbeit
eingeleitet.
Andere
Aspekte
des
westlichen Vorschlags, wie etwa einen
jährlichen Austausch von Informationen über Streitkräfte in Europa und
damit einhergehende Bewertungsmaßnahmen werden weitgehend unterstützt.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß
das Seminar über Militärdoktrinen zum
Erfolg der VSBM-Verhandlungen beitragen wird.

Hintergrund: Das Seminar über Militärdoktrinen
Die im Stil von Seminaren durchgeführten Gespräche über Militärdoktrinen stellen das erste offizielle Zusammentreffen hochrangiger Offziere
aus Europa, den Vereinigten Staaten
und Kanada zu einem solchen Austausch
dar.
Das ursprüngliche Konzept eines sicherheitspolitischen Dialogs geht auf
die Empfehlungen von Wissenschaftlern
aus Ost und West zurück. Ihre Ideen
wurden 1987 in einem Kommunique des
Warschauer Pakts aufgegriffen, in dem
ein Vergleich der Doktrinen beider
Bündnisse angeregt wurde.
Der Westen hat diese Ideen konkretisiert.
Bei Aufnahme der VSBM-Verhandlungen im März 1989 unterbreiteten alle 16 Mitglieder des Atlantischen Bündnisses den Vorschlag für
einen freien und offenen Ideenaustausch, mit dem Mißverständnisse über
die konventionellen Fähigkeiten ausgeräumt werden sollen.
Die osteuropäischen und die neutralen/blockfreien Länder haben diesen
Vorschlag für ein Seminar einhellig
unterstützt. Der westliche Vorschlag
hatte alle 35 Teilnehmerländer aufgefordert, im Stil eines Seminars die
Militärdoktrin im Hinblick auf das
Einsatzkonzept und die Struktur konventioneller Streitkräfte in Europa
zu erörtern, unter Einbeziehung von:
"Informationsaustausch über jährliche
Militärausgaben,
Informationsaustausch
über
die
Ausbildung
der
Streitkräfte mit Verweis auf militärische Handbücher, Bemühungen um Klärung von Entwicklungen, die Anlaß zu
Zweifeln bieten, wie etwa Veränderungen bei der Anzahl und dem Umfang angekündigter militärischer Aktivitäten.
Der Westen bemühte sich um rasche
Vereinbarungen zur Gestaltung und Tagesordnung für die Gespräche, damit
diese im Januar 1990 abgehalten werden konnten. Der Zielsetzung zufolge

- 3 -

�sollte das Seminar beizeiten zum Verhandlungsprozeß beitragen und das bei
den
VSBM-Verhandlungen
besprochene
Material ergänzen. Die 35 Teilnehmerstaaten stimmten der Tagesordnung
und dem Ablauf des Seminars im Oktober 1989 zu.
Das Seminar über Militärdoktrinen
wird vom 16. Januar bis 5. Februar
1990 in Wien stattfinden.

4.

AbSchlußerklärungen.

5.

Ende des Seminars.

(5. Februar)
(5. Februar)

(Auszug aus dem Beschluß der Wiener
VSBM-Konferenz vom 20. Oktober 1989.)

Die wichtigsten
nigten Staaten
General Colin
nungspunkt 2)

Sprecher der Verei-

L.

Powell

(Tagesord-

Tagesordnung
1. Eröffnung des Seminars durch den
Vorsitzenden. (16. Januar)
2.
Vorträge und Diskussionen über
Militärdoktrinen oder ähnliche Konzepte der Teilnehmerstaaten vor dem
Hintergrund ihrer Sicherheitspolitik
gemäß dem oben dargelegten Zweck des
Seminars. Dazu können auch geplante
Veränderungen in den Militärdoktrinen
gehören. Bei den Vorträgen wird der
Definition der verwendeten Terminologie
besondere
Aufmerksamkeit
geschenkt. (16. - 19. Januar)
3. In diesem Kontext wird die Diskussion über Militärdoktrinen oder
ähnliche Konzepte unter Berücksichtigung der folgenden Themenkreise geführt werden:
3A. Einsatzkonzept und Streitkräftestrukturen
(darunter
Organisation,
Führungsstrukturen,
Stationierung,
Unterstützungssysteme,
Mannschaftsstärke, Bewaffung und Ausrüstung, Bereitschaftsgrad, Beschaffungspläne).
(22. - 26. Januar)
3B.
Militärische Aktivitäten und
Ausbildung (darunter Manöver, Ausbildung von Soldaten, Benutzung einschlägiger Militärhandbücher). (29.
- 31. Januar).
3C.
Militärische Finanz- und Haushaltsplanung (einschließlich Aufstellung und Ansatz in den nationalen Gesamthaushalten,
Mittelzuweisung).
(31. Januar - 2. Februar)

Als
Vorsitzender
der
Vereinigten
Stabschefs ist General Powell der
wichtigste militärische Berater des
Präsidenten, des Verteidigungsministers und des Nationalen Sicherheitsrates. Von Januar 1987 bis Januar
1989 war er stellvertretender Referent und danach Referent des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit. General Powell hatte zuvor
Kommandos in Europa sowie auf jeder
Ebene der Armee inne. Aufgrund seiner breitgefächerten Erfahrung ist er
mit allen Aspekten der amerikanischen
Militär- und nationalen Sicherheitspolitik vertraut.

Generalmajor John D. Robinson (Tagesordnungspunkt 3A)
Generalmajor Robinson leitet das für
Streitkräftestruktur,
Mittelplanung
und Auswertung zuständige Direktorat
des Vereinigten Stabes.
Er diente
über 27 Jahre im Heer als Offizier
der Heeresfliegertruppe und begann
seine Laufbahn als Kampfflieger in
der 3. Panzerdivision des amerikanischen Heeres in Europa.
Von Juni
1986 bis Juli 1988 war er Kommandeur
des U.S. Army Training and Doctrine
Analysis Command in Fort Leavenworth
(Kansas).

Generalleutnant Edwin S. Leland, Jr.
(Tagesordnungspunkt 3B)
Generalleutnant Leland ist Stabschef
des European Command, das die Gesamtverantwortung für alle Ausbildungs-

�und Übungsmaßnahmen der amerikanischen Streitkräfte in Europa trägt.
Er diente über 27 Jahre im amerikanischen Heer als Offizier der Panzertruppe. Im Jahr 1974 erhielt er sein
erstes Kommando in Europa. Von Juli
1986 bis Juli 1988 war er kommandierender General der 1. Panzerdivision
des US-Heeres in Europa.
Dr. David
punkt 3C)

S.C.

Chu

(Tagesordnungs-

Dr. Chu ist seit 1981 Abteilungsleiter für Programmanalyse und -auswertung im US-Verteidigungsministerium.
Er ist für die Koordinierung und
Durchführung einer umfassenden Überprüfung von Programmvorschlägen zuständig, die von den vier Teilstreitkräften und militärischen Dienststellen unterbreitet wurden. Ferner ist
er für die Entwicklung von Alternativvorschlägen
verantwortlich,
die
dem Verteidigungsminister als Entscheidungshilfe dienen sollen. Dr.
Chu war von 1978 - 1981 stellvertretender Direktor für nationale Sicherheit und internationale Angelegenheiten im Haushaltsbüro des Kongresses.
Von 1970 bis 1978 war er für die Rand
Corporation tätig.

* * * * *

- 5 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (2. Halbjahr 1989)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST (2.
Halbjahr 1988) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die
wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe,
in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen
Rüstungskontrolle allgemein
Nukleare Streitkräfte
Konventionelle Streitkräfte
Biologische Waffen
Chemische Waffen
NATO
KSE
KSZE
VSBM
START
NST
Gipfel vor Malta

36,
31,
29
27
35
34,
27,
34
45
34
29,
30,
42,

38, 39, 42, 43, 44, 46
35, 36, 39, 41, 46

35, 36, 37
38

30, 36
42
43, 44

Amerikanisch-europäische
Beziehungen
Westliche Sicherheit - Die USA und
ihre NATO-Partner
Bush zum 28. Jahrestag des Mauerbaus
Bush/Proklamation und Ansprache zum Tag
der Deutsch-Amerikaner
Baker/Berliner Rede vom 12. 12. 89

30
31
37
45

Vereinigte Staaten
Nationale Energiestrategie
Nationale Sicherheitsstrategie
Eagleburger/Die amerikanische
Wi rt schaft/Handel/Finanzen
Sozialwesen in den USA
Pro-Kopf-Einkommen

29
45
35
35, 40, 42, 43
37, 38, 39, 40
39

Porträts
Colin Powell, Vorsitzender der
Vereinigten Stabschefs

31

�Internationale Probleme
Menschenrechte
Nicaragua
Kambodscha
Polen
Ungarn
Drogen
Umweltschutz
Weltwirtschaftsgipfel Paris
Zwei Weltkriege und ihre Lehren,
von Paul H. Nitze
Regionale Fragen

45
28
29
33, 36, 40, 43, 44
44
31, 34, 45
27, 28, 36, 40, 41
27
33
36

Wissenschaft und Technik
Shuttle-Flüge
Weltraum
Apollo - 20. Jahrestag
Forschung
Kernenergie

k

39
&gt;
28
27
30

28

29

&gt;

33

�REDEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
VERNON A. WALTERS
Nr. 40, 1. November 1989
Amerikanische Präsenz in Europa im Zeitalter von Glasnost und
Perestrojka
- Rede vor der Gesellschaft für Auslandskunde, 30. Oktober 1989 Nr. 46, 20. Dezember 1989
Partnerschaft und Wettbewerb; Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Gemeinschaft
Rede vor dem Industrie-Club e.V., dem Harvard Club Rhein-Ruhr und der
Deutsch-Amerikanischen Vereinigung Steuben-Schurz in Düsseldorf, 5.
Dezember 1989

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10730">
                <text>10.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10731">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10732">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10733">
                <text>Amerikadienst 10.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10734">
                <text>&lt;strong&gt;1. Sicherheitspolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maresca: Prämissen der Vergangenheit müssen überprüft werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Chefunterhändlers bei den VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zeit ist reif für Dialog über Militärdoktrinen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Broschüre der ACDA zum VSBM-Seminar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Themenindex 1989&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; (Zweites Halbjahr)&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2127" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2138">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/b9bfbeaef1b0cf54a3f42b6443f84a17.pdf</src>
        <authentication>4eeb1576d5b69dae5f087f71e0d74e92</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10741">
                    <text>„*
S ^,ff
^ A j y ;•v
2

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

jf^'^'S
„V # &gt; .V» &lt;V

17. Januar 1990

PANAMA

Eagleburger erläutert Angklage gegen Norlega
Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS

UMWELT

Amerikanisch-sowjetischer Umweltplan
Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms

DROGEN

Aufforderung zur Drogenbekämpfung ergeht an alle Länder der Welt
Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts

MARTIN LUTHER KING

Amerika muß vollständige Aufhebung der Rassentrennung verwirklichen
Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King

U m Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 - 339 23 66
Telex: 8-85432

�PANAMA
Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

EAGLEBURGER ERLÄUTERT ANKLAGE GEGEN NORIEGA
Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS

WASHINGTON - (AD) - Aus aktuellem Anlaß veröffentlichen wir die bereits am
31. August 1989 vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehaltene
Rede des stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger, in der die
Punkte der Anklageschrift gegen den ehemaligen panamaischen Präsidenten, General Manuel Antonio Noriega, dargelegt werden.
Nachfolgend der Wortlaut des Redetextes:

Als die Außenminister in den frühen
Morgenstunden des 24. August bei ihren Konsultationen
die Beratungen
über den Konflikt in Panama beenden
wollten, forderte der Vertreter Panamas meine Regierung wiederholt auf, und ich zitiere -, "Beweise gegen Noriega vorzulegen". Dieser - ein fähiger Strafverteidiger und ein Mann,
der im vergangenen Jahr an den Verhandlungen über dieses Problem mit
meiner Regierung teilnahm - tat dies
wohl wissend, daß die Vereinigten
Staaten ein Rechtsstaat sind und keinen Prozeß außerhalb des Gerichtssaals führen werden.
Er tat dies
auch wohl wissend, daß die meisten
Beweise gegen General Noriega der Geheimhaltung im Hinblick auf das Geschworenengericht unterliegen und wir
uns einer Straftat schuldig machten,

wenn wir diese Beweise vor dem Prozeß
enthüllen würden. Und er tat dies
meiner Ansicht nach in der Hoffnung,
daß wir aufgrund dieser Zwänge und
der fortgeschrittenen
Stunde dazu
schweigen würden.
Wir haben am 24. August zwar die
fortgeschrittene Stunde respektiert,
werden aber nicht dazu schweigen.
Wir werden nicht zulassen, daß Noriegas Vertreter die Grenzen überschreiten, die unsere Verfassung zum Schutz
der Rechte des Angeklagten zieht.
Wir dürfen uns nicht das Etikett der
Verfehlung anheften lassen, vor dem
Prozeß Nachweise als "Beweis" dafür
zu erbringen, daß die Anklagepunkte
gegen General Noriega leichtzunehmen
oder konstruiert sind. Aber wir werden auch nicht in die Falle gehen,

�die der Vertreter Panamas vielleicht
für uns auslegen wollte.
Wir werden
die Anklage gegen Noriega nicht aufs
Spiel setzen, indem wir die Rechte
verletzen, die ihm - wie jedem anderen Angeklagten auch - in unserem
Rechtswesen garantiert sind. Wir haben das auch nicht nötig, um die vom
Vertreter Panamas so nachdrücklich
geforderten "Beweise" zu erbringen.
Der Vertreter Panamas hat nicht nur
unser System der Strafverfolgung diskreditiert, sondern noch weitere Verleumdungen gegen mein Land und meine
Regierung erhoben. Er hat uns die
latente Absicht unterstellt, unseren
hehren Verpflichtungen zur friedlichen Durchführung des Panamakanalvertrags untreu zu werden und uns in die
inneren Angelegenheiten Panamas einzumischen. Auch diese Fakten möchte
ich Ihnen heute darlegen, damit Sie
sich selbst ein Urteil dazu bilden
können: Wer bedroht die Kanalverträge? Die Vereinigten Staaten oder General Noriega? Wer macht sich der
Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder schuldig, und
wer enthält dem panamaischen Volk das
Recht auf Selbstbestimmung vor? Die
Vereinigten Staaten oder General Noriega? Wer ist für die Destabilisierung des panamaischen Militärs und
der panamaischen Gesellschaft verantwortlich?
Die Vereinigten Staaten
oder General Noriega?
Herr Präsident, lassen Sie uns
dieser Stelle Bilanz ziehen.

an

Am 4. Februar 1988 wurden General Noriega und 15 weitere Angeklagte - dazu zählten Pablo Escobar, die Brüder
Ochoa und andere Mitglieder des berüchtigten Medellin-Kartells - von
einem Geschworenengericht der Bundesregierung in Miami (Florida) des Drogenhandels und ähnlicher Vergehen angeklagt.
Zur gleichen Zeit wurden
General Noriega und der panamaische
Geschäftsmann Enrique Pretelt von einem Geschworenengericht der Bundesregierung in Tampa (Florida) des Imports großer Mengen von Marihuana und

damit zusammenhängender
zichtigt.

Vergehen be-

Dazu möchte ich zunächst die Bedeutung und das Gewicht einer Anklage
nach dem Gesetz der Vereinigten Staaten erläutern.
Die strafrechtliche Verfolgung wird
eingeleitet, wenn eine Fahndungsbehörde der Bundesregierung, wie etwa
die Drogenbekämpfungsbehörde
(DEA),
glaubt, den Nachweis für eine Verletzung amerikanischer Gesetze erbringen
zu können. Dieser Nachweis kann sich
auf eine Untersuchung mit Zeugenbefragung, auf Indizien oder Bankauskünfte stützen. Die Untersuchungsbeamten legen diese Informationen dem
zuständigen Staatsanwalt vor.
Ein
Anklagevertreter prüft sie, um festzustellen, ob die Beweise für den
Tatbestand einer oder mehrerer Verbrechen ausreichen, bevor er den Fall
vor ein Geschworenengericht bringt.

•

Das
Geschworenengericht
("grand
jury") setzt sich aus 16 bis 23 willkürlich ausgewählten amerikanischen
Bürgern zusammen. Es steht unter der
Leitung eines Bundesrichters. Seine
Aufgabe ist die Prüfung der von den
Anklagevertretern vorgelegten Beweise. Es hat Vorladungsvollmacht, um
jemanden als Zeugen zu laden oder die
Möglichkeit zur Vorlage von Gegenbeweisen zu geben. Darüber hinaus kann
es Vorladungen ausstellen, um Bankauskünfte und andere Firmenbelege zu
erhalten.
Wenn ein Geschworenengericht zu dem
Schluß kommt, daß die Beweislage
"hinreichende Verdachtsmomente" für
die Annahme liefert, daß der oder die
Angeklagten Straftaten begangen haben, müssen diese Straftaten zusammen
mit einer Begründung in einer Anklageschrift eingehend erläutert werden. "Hinreichende Verdachtsmomente"
sind von amerikanischen Gerichten als
"ausreichende
Beweise"
definiert,
"denen zufolge eine Person nach bestem Wissen und Gewissen zu dem
Schluß gelangt, daß sich der Angeklagte schuldig gemacht hat".

»
*
*

�Strafverfahren
bei
Geschworenengerichten sind nicht öffentlich. Für
einen Staatsanwalt oder Geschworenen
gilt es als strafbare Handlung, Sitzungsprotokolle an die Öffentlichkeit
zu bringen.
Im allgemeinen dürfen
die von einem Geschworenengericht erbrachten Beweise nur in einem späteren Prozeß verwendet werden.
Nach unserem System kann der Prozeß
nur stattfinden, wenn der Angeklagte
persönlich vor Gericht erscheint.
Bis dahin muß der Staatsanwalt die
Beweise, auf die sich die Anklage
stützt, vorlegen und alle Zeugen vorladen. Richter und Geschworene hören
die Plädoyers von Staatsanwalt und
Verteidigung und verkünden das Urteil
"schuldig" oder "nicht schuldig".
Für diejenigen unter Ihnen, die aus
den vielen Ländern dieses Kontinents
kommen, in denen das bürgerliche
Recht gilt, möchte ich einen Vergleich anstellen. Wenn der Staatsanwalt sich an die Geschworenen wendet,
ist dies praktisch einer Anklage im
Sinne des bürgerlichen Rechts vergleichbar.
Wenn
die Geschworenen
nach ihrer Untersuchung formell Anklage erheben, entspricht dies dem
Abschluß der Untersuchungen, dem Resümee im zivilrechtlichen Prozeß.
Nur wenn der Angeklagte persönlich
beim Prozeß erscheint, kann der eigentliche Prozeß beginnen, das heißt
Klage erhoben werden.
Anklageschriften sind ernstzunehmende
Dokumente, die sich auf sorgfältige
Untersuchungen und das wohlüberlegte
Urteil unparteiischer Bürger gründen. Ich möchte mich jetzt dem Inhalt der beiden Anklageschriften zuwenden, die von den Geschworenengerichten in Florida gegen Noriega vorgebracht worden sind.
Vom Bezirksgericht der Vereinigten
Staaten im Mittleren Verwaltungsbezirk Floridas in Tampa sind General
Noriega und Enrique Pretelt in Tateinheit des Imports und Handels mit
Marihuana angeklagt.
Die Anklageschriften beschreiben den versuchten

Import von über einer Millionen Pfund
(Imperial - Anm. d. Red.) Marihuana
in die Vereinigten Staaten in den
Jahren 1983/84. Die Anklage erhebt
den Vorwurf, daß mehrere Millionen
US-Dollar - der Gegenwert für die von
Steven Michael Kalish und anderen importierten 280 000 Pfund Marihuana in
die Vereinigten Staaten - nach Panama
gebracht und mit Zustimmung und Unterstützung der Angeklagten in panamaischen Banken und Unternehmen gewaschen wurden. Es wird der Vorwurf
erhoben, daß Noriega und andere den
Import von 400 000 Pfund Marihuana in
die Vereinigten Staaten und die unerlaubte Geldwäsche von mehr als 100
Millionen Dollar in Panama unterstützt haben. Und sie kommen zu dem
Schluß, daß Kalish im Laufe der Zusammenarbeit Noriega und anderen etwa
eine Million Dollar gezahlt hat, weil
Noriega den Schmuggel von Marihuana
und die Geldwäsche innerhalb Panamas
zuließ.
Vom Bezirksgericht für den Südlichen
Verwaltungsbezirk Floridas in Miami
wird General Noriega vorgeworfen,
sein Amt als Leiter der Abteilung
Nachrichtendienste der Nationalgarde
Panamas und später als Oberkommandierender der umbenannten Streitkräfte
Panamas ausgenutzt zu haben, um als
Gegenleistung für Unterstützung und
Schutz internationaler Drogenhändler
Bestechungsgelder anzunehmen. Zu den
Personen, denen er beim Vertrieb von
Drogen und Geldwäscheoperationen in
Panama geholfen haben soll, gehören
Pablo
Escobar-Gaviria,
Gustavo
DeJesus
Gaviria-Rivero,
Jorge
Ochoa-Vasquez und Fabio Ochoa-Vasquez.
General Noriega schützte Kokainlieferungen aus Medellin in Kolumbien auf
ihrem Weg durch Panama in die Vereinigten Staaten. Darüber hinaus sorgte er für den Umschlag und Verkauf
von Äther oder Aceton - auch wenn
diese
zunächst
von
panamaischen
Streitkräften
beschlagnahmt
worden
waren - an das Medellin-Kartell. Er
gewährte den Mitgliedern des Medellin-Kartells nach dem Mord an dem kolumbianischen Justizrainister Rodrigo

- 3 -

�Lara-Bonilla 1984 Asyl und die Basis
für ihre Operationen.
Er schützte
ein in der Provinz Darien in Panama
errichtetes Kokain-Labor. Und er gewährleistete den sicheren Beförderung
von mehreren Millionen Dollar aus dem
Drogengeschäft auf panamaische Bankkonten. Als Gegenleistung für diese
Dienste erhielt Noriega über 4,6 Millionen Dollar.
Darüber hinaus wird in der Anklageschrift ein Flug mit einer Ladung von
über einer Tonne Kokain vom 5. Juni
1984 nach Miami zitiert.
Die Geschichte, die diese Anklageschriften erzählen, ist schlicht und
erschreckend. Es ist die Geschichte
derselben schamlosen Exzesse im Bereich der Kriminalität, wie sie in
der Politik stattgefunden haben. Als
Noriega im August 1983 Oberkommandierender der Streitkräfte wurde, nahm
die Korruption "im kleineren Stil"
ungeahnte Ausmaße an. Wo im Jahr
1982 noch 100 000 Dollar für den Umschlag von Drogenlieferungen in Panama gezahlt wurden, waren es 1984 bereits 4 Millionen Dollar, die für den
Schutz des Kartells selbst an Noriega
flössen. Was als privater Opportunismus begann, geriet dann immer mehr
zur schamlosen Ausnutzung eines öffentlichen Amtes und selbst Verrat an
engen Mitarbeitern. Was für eingie
wenige noch sicher war, wurde jetzt
zur Gefahr für alle: bei den panamaischen Streitkräften, in Panama und
auf dem gesamten Kontinent.
Versicherungen von Noriega und seinen
Handlangern, die Anklagepunkte der
Vereinigten Staaten entbehrten jeglicher Grundlage, sind unsinnig. Wie
oben ausgeführt, erheben die Anklageschriften selbst den Vorwurf wiederholter und bestimmter krimineller
Handlungen, an denen Noriega persönlich beteiligt war. Darüber hinaus
haben Zeugen vor Kongreßausschüssen
die Schuld Noriegas bestätigt, unter
anderem der frühere panamaische Generalkonsul General Blandon und am Drogenhandel und Geldwaschaktionen mit
Noriega Beteiligte wie Amjad Awan,

ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank
of Credit and Commerce International,
Noriegas früherer persönlicher Pilot
Floyd Carlton, der Drogenhändler Steven Kalish und andere Mitarbeiter Noriegas.
General Noriegas Vertreter zweifeln
die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen mit
dem Hinweis darauf an, es handle sich
dabei um Straffällige.
Das dürfte
für diejenigen von Ihnen keine Überraschung sein, die den Drogenhandel
bekämpft haben.
Drogenhändler verüben ihre Straftaten im allgemeinen
nicht in Gegenwart ehrlicher Bürger.
Zeugen sagen unter Androhung von
Strafe wegen Meineids aus. Wenn sie
vor den Geschworenen, dem Gericht
oder dem Kongreß falsch aussagen,
können sie dafür vor Gericht gestellt
und verurteilt werden.
Und unsere
Staatsanwälte und Geschworenen kennen
in der Regel den Hintergrund dieser
Zeugen.
Sie vergleichen daher die
Zeugenaussagen sorgfältig mit ihren
Unterlagen, den Indizien und Aussagen
anderer unbescholtener
Zeugen, um
herauszufinden, ob die Aussagen erhärtet werden oder widersprechen. In
diesem Fall sind die Geschworenen offensichtlich zu dem Schluß gekommen,
daß ausreichend glaubwürdige Beweise
für eine Anklage gegen Noriega vorliegen.
General Noriega hat Anwälte in den
Vereinigten Staaten mit seiner Verteidigung beauftragt. Sie haben die
Erhebung der Anklage vor einem amerikanischen Bundesgericht angefochten.
Sie
machen
seine
Immunität
als
"Staatschef" geltend.
Sie erheben
den Vorwurf, die Anklage sei politisch motiviert. Ihrer Ansicht nach
war sein Drogenhandel durch den Status der Immunität geschützt, da er
die Institutionen des Staats Panama
zur Ausübung dieser Aktivitäten benutzte. Zur Unterstützung dieser Behauptungen wurden Schriftsätze eingereicht und Argumente vorgebracht.
Keines ihrer Argumente hielt stand.
Das Gericht wies sie ab. Die Anklage
stand.

- 4 -

�stände und Antiquitäten im Wert
von mehreren Millionen Dollar erwarb,

Wir wollen also ein für allemal die
Behauptung widerlegen, General Noriega sei armer, bescheidener und ehrlicher Mann, der zu Unrecht angeklagt
wurde. Er wird vielmehr - als Ergebnis eines umfangreichen strafrechtlichen Verfahrens - vor amerikanischen
Gerichten der schwersten selbstverschuldeten Übertretungen amerikanischer Gesetze angeklagt. Er verdient
einen fairen Prozeß wie jeder andere
Angeklagte auch.
Und den wird er
auch bekommen - er verdient es, vor
Gericht gestellt zu werden.

mehrere Flugzeuge, unter anderem
drei Lear Jets und eine zweimotorige Maschine. Im Jahr 1984 erwarb er einen modernen Hubschrauber zur persönlichen Verwendung
im Wert von zwei Millionen Dollar. Ende des Jahres 1983 nahm
Steven Kalish Verhandlungen auf
und kaufte im Auftrag Noriegas
eine Boeing 727 für 2,2 Millionen
Dollar. Das Flugzeug wurde später zum Zweck der Geldwäsche eingesetzt,

Die Beweise für General Noriegas
Amtsmißbrauch
und
Korruption
beschränken sich nicht allein auf den
Drogenhandel.

drei Hochseejachten,
I, II und III.

General Noriegas privat und unrechtmäßig erworbene Profite widerlegen
das von seinen Vertretern gemalte anrührende, aber wenig überzeugende
Bild eines armen Jungen aus bescheidenen Verhältnissen, der durch Fleiß,
Leistung und Talent aufstieg, um Führer einer kleinen, aber angesehenen
Militäreinheit zu werden. Vorsichtigen Schätzungen zufolge beträgt Noriegas persönliches Vermögen (von dem
das meiste auf Nummernkonten im Ausland liegt) mindestens zwei oder drei
Milliarden Dollar. Zu diesem persönlichen Vermögen zählen:

Nur als Beispiel für die Verschwendungssucht der Familie Noriega hat Jose Blandon angeführt,
daß sich zu seiner Zeit als panamaischer Konsul in New York "eine
der Töchter Noriegas in New York
aufhielt und an einem einzigen
Tag in New Yorker Geschäften über
50 000 Dollar ausgab".
Das Protokoll der Anhörung im Senat enthält ferner eine für Noriega und seine Familie ausgestellte
Rechnung
des
Helmsey
Palace Hotels in New York über
Zehntausende von Dollar.

ein Ferienhaus am Maddensee in
Panama, ein Refugium in den Bergen mit einem Anwesen und mehreren Häusern auf 60 Acre Land in
der Provinz Chiriqui,

mehrere Luxusapartments in der
Dominikanischen Republik, wo Noriegas Frau Möbel, Kunstgegen-

Machos

Im Dezember 1987 verlieh sich Noriega selbst einen Orden, die Adler Medaille.
Die Kosten für
diesen aus Gold und Edelsteinen
gefertigten Orden beliefen sich
über 85 000 Dollar.
Und einem
Beobachter zufolge "erhielt Noriega diesen Orden weder für einen Sieg noch für einen Kampf".

ein luxuriöses Anwesen in Panama-Stadt, in dem etwa 50 wertvolle Ölgemälde hängen und ein Landhaus in der Nähe eines panamaischen Flughafens in Rio Hato,

ein Bauernhof in Frankreich, etwa
50 Minuten von Paris entfernt und
ein Luxusapartment in einem Nobelviertel von Paris,

die

Vor dem Kongreß hat ein ehemaliger
Mitarbeiter der Bank of Credit and
Commerce International ausgesagt, daß
Noriega im Jahr 1982 bei der Filiale
dieser Bank in Panama-Stadt ein Konto
eröffnete, von dem er behauptete, es
sei ein Konto des "Geheimdienstes".
Es wurde bis Anfang 1988 geführt.

- 5 -

�Nur er allein hatte Unterschriftsberechtigung für dieses Konto. Seine
Frau und seine drei Töchter besaßen
Kreditkarten, deren Rechnungen von
diesem Konto bezahlt wurden.
Das
Guthaben
auf
diesem
Girokonto
schwankte zwar, des öfteren betrug es
jedoch etwa 20 bis 25 Millionen Dollar.
Aufgrund rechtlicher Vorbehalte dürfen wir nicht alle Informationen
preisgeben, die uns über General Noriegas umfangreiche Geheimkonten vorliegen. Die Bankbelege sprechen jedoch für sich.
Sie enthüllen die
persönliche Vollmacht über mehrere
Millionen Dollar. Wie die Spitze eines Eisbergs erlauben sie uns, die
Tragweite von Noriegas Betrugsmanövern und Verbrechen zu erkennen.
General Noriegas illegale Aktivitäten
und der von ihm damit erworbene Wohlstand liefern die wahre Erklärung für
seine feste Absicht, dem Volkswillen
zum Trotz die Kontrolle über die Institutionen des panamaischen Staats
zu behalten.
Er ist kein Patriot
mit dem Willen, sein Volk vor Bedrohungen von außen zu schützen. Er ist
noch weniger ein Berufssoldat, der
seine militärische Institution zu erhalten versucht.
Wir sollten uns die Anfänge des Konflikts in Panama vor Augen führen.
Er hatte nichts mit dem Vereinigten
Staaten, dem Kanal oder einer äußeren
Bedrohung für Panama oder sein Militär zu tun. Der Konflikt ist vielmehr die Folge von Reaktionen zahlreicher panamaischer Bürger im Juni
1987 auf Vorwürfe gegen General Noriega, die vom damaligen stellvertretenden Kommandeur der panamaischen
Streitkräfte, Oberst Roberto Diaz
Herrera, erhoben worden waren.
Warum ging Oberst Diaz Herrera an die
Öffentlichkeit?
Die Antwort liegt
vielleicht darin begründet, wie Noriega die ihm unterstehende Institution behandelte. Im Zuge des tragischen Todes von General Omar Torrijos
Herrera im Jahr 1981 trafen die Offi-

ziere der Nationalgarde Panamas eine
Vereinbarung, um die Stabilität der
Institution und die Übergabe der Befehlsgewalt zu gewährleisten.
Einzelne wichtige Bestimmungen betrafen
auch Noriega, der diesen Vertrag feierlich unterzeichnet hatte. Es war
vorgesehen, daß er im März 1984 das
Kommando von General Paredes übernehmen würde und General Paredes für
seine Präsidentschaftskandidatur die
Unterstützung des Militärs sichern
würde. Und er sah den Rücktritt Noriegas zum 31. Juli 1987 vor.
Wir wissen, was dann geschah. Als
Paredes nicht mehr im Amt war, hintertrieb Noriega seine Kandidatur.
Und als für Noriega die Zeit des
Rücktritts gekommen war, feuerte er
statt dessen seinen bereits benannten
Nachfolger.
Diese
institutionelle
Erschütterung war wahrscheinlich der
Grund für Diaz Herreras Enthüllungen
und den darauffolgenden Meinungsumschwung im panamaischen Volk - ein
Umschwung, der bereits im Frühsommer
des Jahres 1987 zu Streiks und Demonstrationen führte und damit lange bevor die Anklage der Vereinigten Staaten, amerikanische Sanktionen oder
Manöver auch nur geplant waren. Und
diese Mißachtung der Institutionen
findet weiterhin statt. Wer hat den
Generalstab und die reguläre Kommandostruktur umgangen, indem er seine
eigene Schattenorganisation innerhalb
des Militärs aufgebaut hat? Wer hat
seine Helfershelfer befördert, seine
Widersacher eingesperrt und dabei das
Militärgesetz verletzt? Wer hat seine Streitkräfte gegen das eigene Volk
eingesetzt? Wer hat sie gegen seinen
engsten langjährigen Verbündeten die Vereinigten Staaten - und den
Rest der demokratischen Welt ins Feld
geschickt? Wer hat aus Mördern "Todesschwadrone" rekrutiert, um die
schmutzige Arbeit der Unterdrückung
zu leisten - die Arbeit, deren Zeuge
wir alle wurden, als die Sieger der
Wahl vom 7. Mai vor unseren Augen beschossen und geschlagen wurden? Wer
hat bewaffnete Truppen außer den gesetzlich erlaubten Sicherheitskräften
aufgestellt?

- 6 -

�Die Männer der Streitkräfte wissen,
wer ihre Standesloyalität mißachtet
und Schande über ihre Institution gebracht hat. Keine Bewegung, Ideologie, kein Feind von außen oder innen. Ein einzelner korrupter Mann.
Ein Mann, der keine Grenze kennt.
Ich möchte ein Beispiel für die Lügen
und Entstellungen anführen, die er
den eigenen Truppen und auch der Öffentlichkeit erzählt. Er behauptet wie bereits sein Vertreter am 24. August -, seine Probleme hätten begonnen, als er eine Bitte des damaligen
Nationalen Sicherheitsberaters Admiral John Poindexter um Unterstützung
der Widerstandsbewegung in Nicaragua
abschlug.
Diese Behauptung ist ein Widerspruch
in sich. Zahlreiche freundlich gesinnte Staaten vertraten zum Thema
Nicaragua eine andere Auffassung als
die Vereinigten Staaten.
Dennoch
pflegen wir zu Ihnen weiterhin normale Beziehungen. Auch die Tatsachen
stimmen nicht. An dem von General
Noriega beschriebenen Treffen mit Admiral Poindexter nahmen mehrere Personen teil, unter ihnen amerikanische
Diplomaten. Das Thema war keineswegs
Nicaragua - das wurde nur in einem
Nebenstz erwähnt. Das Thema war Panama.
Admiral Poindexter forderte
General Noriega zu einer politischen
Öffnung und Hinwendung zur Demokratie
auf. Natürlich nahm er diesen Rat
nicht an. Aber seine Einstellung zu
Nicaragua entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Ende August 1986 unterbreitete ein
persönlicher Vertreter Manuel Noriegas - einer dem Kongreß vorliegenden
Computerraitteilung von Oliver North
an den Nationalen Sicherheitsberater
zufolge - den Vorschlag, Noriega würde sich als Gegenleistung für eine
Zusage der amerikanischen Regierung
"sein (Noriegas) Image aufzupolieren"
und eine Verpflichtung zur Aufhebung
eines amerikanischen Verbots für Waffenlieferungen an die panamaischen

Streitkräfte der sandinistischen Führung "annehmen".
Selbstredend haben die Vereinigten
Staaten dieses "Angebot" eines Attentats zurückgewiesen.
Wie kann ein
Mann, der solch ein Angebot macht,
der im Dezember 1988 direkt an einem
geplanten Militärputsch
in Argentinien beteiligt war und der die
Guerillas und Drogenhändler in Kolumbien unterstützt, tatsächlich die
Frechheit besitzen, zu behaupten,
seine Probleme seien die Folge seiner
starken Abneigung gegen eine Intervention.
Dem Vertreter Panamas zufolge ist Noriegas Razzia in einer Kokainfabrik
in der Provinz Darien vom Mai 1984
ein Beweis für sein Bestreben zur Bekämpfung des Drogenhandels. Wie einige Zeugen vor einem Unterausschuß
des US-Kongresses erklärten, stellte
sich die Realität ganz anders dar.
Die Fabrik in Darien wurde ausgehoben, kurz nachdem Noriega über vier
Millionen Dollar vom Medellin-Kartell
dafür erhalten hatte, daß er den Anführern des Kartells sowie 70 bis 90
Leibwächtern Zuflucht gewährte, nachdem das Kartell den kolumbianischen
Justizminister Lara Bonilla ermordet
hatte.
Zuvor hatte Noriega einen
seiner Konkurrenten beim Schutz von
Drogenhändlern aus dem Feld geschlagen und mehrere Millionen Dollar vom
Kartell erhalten, damit diese die Fabrik aufbauen konnten. Nach dem Tod
Lara Bonillas veranlaßte der öffentliche Druck in Panama und Kolumbien
(und vielleicht auch der Druck der
Vereinigten Staaten) Noriega zum Handeln. Auf seinen Befehl hin schlössen die panamaischen Streitkräfte die
Fabrik.
Das Medellin-Kartell fühlte sich jedoch auf zweifache Weise betrogen.
Eine Intervention Fidel Castros war
notwendig, um den Streit zu schlichten. Schließlich erhielt das Medellin-Kartell den Generator von 40 Megawatt, den Maschinenpark, das ferti-

- 7 -

�ge Kokain, die zur Herstellung benötigten Chemikalien und die beschlagnahmten Flugzeuge zurück.
Damit möchte ich mich einigen Punkten
zuwenden, die der Vertreter Panamas
am 24. August angesprochen hat und
denen wir zustimmen können. Es gibt
Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung zwischen meiner Regierung, der
überwältigenden Mehrheit des panamaischen Volkes, der Regierung und
der Streitkräfte Panamas. Tatsächlich geht es dabei um Grundsätze, die
auch alle Mitglieder dieses Gremiums
akzeptieren.
Der erste Bereich ist die Bedeutung
der getreuen Durchführung der Kanalverträge.
Die Vereinigten Staaten sind zur Einhaltung bereit und ihrer Zeit voraus. Als der Vertrag am 1. Oktober
1979 in Kraft trat, haben die Vereinigten Staaten die Kanalzone aufgehoben und ihre Regierung abgesetzt.
Wir haben die Rechtsprechung und die
Regierungsfunktionen - einschließlich
der
Häfen,
Eisenbahnverbindungen,
Feuerlöschanlagen und Straßen - an
die Republik Panama abgegeben. Alle
im Vertrag benannten militärischen
Einrichtungen - unter ihnen Fort Gulick, Fort Randolph, Teile des Gebiets von Fort Clayton, Fort Kobbe
Beach, die Einrichtungen in Coco Solo
und Corozal, das Pacific Area Depot,
Teile von Fort Amador, das Gebiet
südlich von Quarry Heights und andere
- fielen zu einem bestimmten Zeitpunkt an Panama.
Seit Inkrafttreten des Vertrags wurden etwa 2 786 Wohneinheiten an Panama übergeben. Das sind 64 Prozent
aller Einheiten, die vor dem Vertrag
bestanden. Dabei sind die Vereinigten Staaten ihrem in den Verträgen
festgelegten Terminplan um Jahre voraus.
Die Vereinigten Staaten haben eine
stärkere Beteiligung Panamas auf allen Ebenen der Arbeit am Kanal gefördert. Im Jahr 1979 zählten lediglich

zwei Panamaer zur Piloteneinheit für
den Kanal. Heute sind es 56 von insgesamt 227 Piloten. Panamaer stellen
heute 25 Prozent aller Piloten, und
bis 1999 sollen ihr Anteil 95 Prozent
betragen. Ende Juli 1989 waren am
Panamakanal
1 009
amerikanische
Staatsbürger und damit weniger als
die Hälfte verglichen mit 1979 beschäftigt.
Gleichzeitig stieg die
Zahl der Zahl der bei der Panamakanal-Gesellschaft beschäftigten Panamaer auf insgesamt 5 521. Das ist
gegenüber 1979 ein Anstieg um 24 Prozent. Der Anteil der dort beschäftigten Panamaer beträgt 86 Prozent
und ist steigend. Panamaer sind in
die höheren Positionen der Verwaltung
aufgestiegen, und es werden immer
mehr.
Der Vertreter Panamas hat am 24. August die engen und respektvollen Beziehungen präzise beschrieben, die
nunmehr die gemeinsamen Bestrebungen
der amerikanischen und panamaischen
Streitkräfte bei ihrer Verteidigung
des Kanals gemäß der Kanalverträge
charakterisieren. Aber er hat nicht
erwähnt, wie im Februar 1988 Noriegas
Schikanen gegenüber den überwiegend
panamaischen Beschäftigten den Kanalbetrieb direkt bedrohte. Noriega bewies damit nicht nur Mißachtung der
Verträge, sondern auch gegenüber dem
Kanal selbst. Die Vereinigten Staaten waren dadurch gezwungen, von ihren im Vertrag niedergelegten Rechten
zur Verteidigung Gebrauch zu machen nicht in der bevorzugten Art und Weise einer Zusammenarbeit mit den panamaischen Streitkräften, aber dennoch
in vollem Einklang mit den Vertragsbestimmungen. In jüngster Zeit haben
diese Schikanen der Kanalarbeiter und
unseres militärischen Personals stark
abgenommen.
Der Vertreter Panamas erklärte gegenüber den Außenministern: "Die Vereinigten Staaten wollen Panama ruinieren, in die Knie zwingen, damit Panama einen neuen militärischen Vertrag
schließen muß, mit dem die Präsenz
der US-Streitkräfte verlängert werden
kann."

- 8 -

�Das ist ebenfalls Unsinn. ien Vertrag sdokumente
sehen
vor,
daß
US-Streitkräfte nur nach dem Jahr
2000 in Panama stationiert werden,
wenn beide Regierungen einverstanden
sind. Aber bis dahin sind es noch
zehn Jahre. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Thema niemals
angeschnitten, weil dies unserer Ansicht nach eine Entscheidung ist, die
nur dann getroffen werden kann, wenn
das Jahr 2000 in greifbare Nähe gerückt ist. Und auch, weil alle langfristigen Abkommen nur mit einer panamaischen Regierung geschlossen werden können, die vom Volk unterstützt
wird. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie und ist gleichzeitig aufschlußreich, daß die einzigen Panamaer, die angeboten hatten, amerikanische Stationierungsrechte über das
Jahr 200 hinaus zu gewähren, Sympathisanten von General Noriega waren.
Ende des Jahres 1988 boten sie Stationierungsrechte im Gegenzug für die
Normalisierung
unserer
Beziehungen
mit seiner Regierung an. Dieses Angebot wurde von uns kategorisch abgelehnt .
Ich lege dem Rat eine Reihe von Dokumenten über die Vertragserfüllung vor
und will im folgenden eine weitere
Reihe von Lügen widerlegen. Der Vertreter Panamas erklärte gegenüber den
Außenministern ebenfalls, die Vereinigten Staaten nutzten Einnahmen aus
dem Kanal zu Propagandazwecken gegen
Noriega und enthielten Panama die
Beiträge zur Sozial- und Krankenversicherung für die Löhne der Arbeiter
am Panamakanal vor.
Diese Behauptung
ist absichtliche
Täuschung.
Die Vereinigten Staten
kommen ihren Verpflichtungen und den
im Kanalvertag vorgesehenen Zahlungen
auch im Einklang mit den Forderungen
der Regierung Delvalle nach.
Die
Zahlungen werden auf ein Treuhandkonto der panamaischen Regierung geleistet. Die Nutznießer sind die Republik
Panama und
das panamaische
Volk. Die Mittel stehen jeder rechtmäßigen panamaischen Regierung in
vollem Umfang zur Verfügung. Was die

Sozialversicherungsbeiträge für die
Gehälter der panamaischen Bürger betrifft, so werden diese auf Weisung
von Präsident Delvalle aus humanitären Gründen an das Noriega-Regime
transferiert.
Ich bedauere jedoch,
sagen zu müssen, daß das Regime diese
Mittel entwendet und sie nicht in die
Kranken- und Rentenversicherung einzahlt.
Zu dieser Übersicht über die Vertragsdurchführung
möchte
ich
abschließend feststellen, daß die Vereinigten Staaten seit 1979 mehrere
hundert Millionen Dollar an Kapital
in den Kanal investiert haben und
zwischen fünf und sechs Millionen
Dollar jährlich aufwenden, um die Panamaer für die zum Betrieb des Kanals
erforderlichen Tätigkeiten auszubilden.
Sollte der Kanal heute oder
morgen geschlossen werden, würde die
amerikanische Wirtschaft zweifelsohne
einen Rückschlag hinnehmen müssen,
der Güterfernverkehr auf der Straße
nimmt jedoch rasch zu; ohne allzu hohe Kosten könnten alle Nahrungsmittel, die heute den Kanal passieren
müssen, von beiden Küsten der Vereinigten Staaten verladen werden. Im
Gegensatz dazu wäre der Schaden für
die Volkswirtschaften von Ländern ohne diese Alternativen - insbesondere
Nicargua, Ecuador und Peru - ebenso
wie für Panama selbst beträchtlich.
Für die Vereinigten Staaten ist das
Problem der Sicherheit von größerer
Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten
haben Verhandlungen über Vertragsabschlüsse aufgenommen, da sie zu der
Schlußfolgerung gelangt sind, daß die
Zukunft des Kanals auch für die internationale Schiffahrt am besten
durch die Übergabe des Kanals an eine
stabile und populäre Regierung in einem freundlich gesinnten Panama gewährleistet werden könnte. Kurzum:
Die Vereinigten Staaten haben sich
mit General Torrijos geeinigt, daß
der Schlüssel zur Sicherheit des Kanals in einem gut funktionierenden
Nachrichtendienst und freundlich gesinnten Volk liegt.

- 9 -

�Die Regierung der Vereinigten Staaten
ist nach wie vor davon überzeugt, daß
die Einhaltung der Panamakanalverträge im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Das akute Problem sind nicht die Verträge, sondern
das Fehlen einer stabilen Regierung
des Volkes in Panama.

sion bei jedem Schritt unterstützt.
Die Kommission hat die Parteien zu
persönlichen Gesprächen zusammengeführt.
Gemeinsam haben sie eine
ernstzunehmende Tagesordnung formuliert. Während der letzten Runde haben die Parteien die Einzelheiten
dargelegt, die eine Lösung der Krise
gestatten würden:

Ich möchte mich jetzt einem anderen
Thema zuwenden:
Unserer Unterstützung einer friedlichen und demokratischen Lösung der Probleme Panamas.
Im Februar 1988 hat der panamaische
Präsident von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch gemacht, General
Noriega seines Postens als Kommandeur
der panamaischen Streitkräfte zu entheben. Wie Ihnen bekannt ist, wurde
Präsident Delvalle dann von einer
Rumpfsitzung der von Noriega-Anhängern dominierten Nationalversammlung
unter Amtsanklage gestellt. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Maßnahme der Nationalversammlung haben
die Vereinigten Staaten erklärt, daß
sie eine verfassungsmäßige Zivilregierung in Panama unterstützen. Wir
sehen daher in Präsident Delvalle
weiterhin den rechtmäßigen Präsidenten Panamas. Da seine Absetzung gemäß der panamaischen Verfassung unrechtmäßig
war,
ist
Präsident
Delvalle bis zum Ablauf seiner Amtszeit heute nacht null Uhr weiterhin
Präsident von Panama.
Diese politische Krise hätte rechtmäßigerweise bei den Wahlen am 7. Mai
gelöst werden können und sollen. Noriega hat diese Wahl jedoch für ungültig erklärt, da er sie verloren
hatte. Am 17. Mai verurteilte die
OAS "die schwerwiegenden Ereignisse
und den Amtsmißbrauch von General Manuel Antonio Noriega während der Krise und den Wahlen in Panama".
Unser ehrenwerter Generalsekretär und
die ehrenwerten Minister von Guatemala, Trinidad und Tobago sowie Ecuador
haben mit den panamaischen Parteien
bei einer versuchten Machtübergabe
zusammengearbeitet.
Die Vereinigten
Staaten haben die Arbeit der Kommis-

die Entmachtung General Noriegas;
Bildung einer Ubergangsregierung
am 1. September;
neue, freie Wahlen binnen kürzester Zeit;
die Aufhebung der als Reaktion
auf die Krise in Panama von den
Vereinigten Staaten ergriffenen
Maßnahmen.
Die Vereinigten Staaten waren stets
bereit, ihren Teil beizutragen. Wir
wünschen eine baldige Beilegung der
Krise. Die von uns verhängten Maßnahmen waren mit Präsident Delvalle
abgesprochen, um Solidarität mit dem
panamaischen Volk beim Widerstand gegen das zu demonstrieren, was In
Wirklichkeit ein Militärputsch war.
Teil der Maßnahmen war eine Erklärung
gemäß dem International Emergency
Economic Powers Act (IEEPA), mit dem
die Kapitalanlagen der panamaischen
Regierung in den Vereinigten Staaten
eingefroren und Zahlungen amerikanischer Staatsbürger und Unternehmen an
das
Noriega/Solis-Regime
untersagt
werden.
Hierbei handelt es sich
nicht um "Sanktionen" im Sinne eines
allgemeines Handelsembargos oder anderer auf die Volkswirtschaft des
Landes ausgerichteter Maßnahmen, sondern vielmehr um ein Verbot für amerikanische Staatsbürger, Zahlungen an
das unrechtmäßige Noriega-Regime zu
leisten.
Diese Maßnahmen sind nicht die Hauptursache für die Wirtschaftskrise in
Panama.
Die Wirtschaftskrise ist
vielmehr ein Spiegelbild der politischen Krise. Privatleute und Unternehmen bringen ihr Kapital außer Lan-

- 10 -

�des und verlegen ihren Firmensitz,
wenn die Stabilität bedroht ist.
Wenn General Noriega wirklich glaubt,
die Freigabe der in den Vereingten
Staaten hinterlegten rund 300 Millionen Dollar würde die Wirtschaftskrise
lösen, warum gibt er dann nicht eine
entsprechende Summe des Betrags zurück, den er gestohlen hat? Das in
den Vereinigten Staaten hinterlegte
Geld trägt zugunsten des panamaischen
Volkes Zinsen und wird ihm zurückgegeben, wenn die demokratische Regierung wieder im Amt ist. Wird das von
General Noriega genommene Geld zurückgegeben?
Nichts würde meine Regierung oder das
amerikanische Volk mehr freuen als
die Aufhebung der derzeit verhängten
Maßnahmen und die Wiederherstellung
normaler Beziehungen mit einem demokratischen Panama.
Es gibt nur ein Hindernis bei der Lösung der Krise - und wir alle wissen,
um wen es sich handelt. Am 20. Juli
berichtete die OAS-Kommission, "Der
Verbleib von General Noriega im Amt
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte
wird sowohl von seinen Anhängern als
auch der Opposition als einer der
Faktoren - wenn nicht sogar der
Hauptfaktor - angesehen, der zur Lösung
der Krise bewältigt werden
muß." Dennoch weigert sich General
Noriega, Umstände zu benennen, unter
denen er bereit wäre, das von der OAS
so definierte Haupthindernis bei der
Lösung der Krise aus dem Weg zu räumen.
Bei all unseren Bestrebungen um eine
Lösung der politischen Krise haben
wir General Noriega und allen politischen Parteien und Gruppierungen in
Panama gegenüber eindeutig klargestellt, daß Fragen bezüglich der Zusammensetzung der panamaischen Regierung und der Rolle der Streitkräfte von den Panamaern selbst entschieden werden müssen - vielleicht durch
Vermittlung der übrigen lateinamerikanischen
Länder
aber
sicherlich
nicht der Vereinigten Staaten. So-

wohl unsere bilateralen Gespräche im
vergangenen Jahr als auch unsere Unterstützung des OAS-Ministertreffens
erfolgten ausschließlich auf dieser
Ebene.
Dies bringt uns zu unserem Hauptproblem zurück - der harten Wahrheit,
die dem Leiden des panamaischen Volkes zugrundeliegt. Das Problem heißt
Noriega und vor allem Noriegas Entschlossenheit, seine persönlichen Interessen und seinen persönlichen Profit vor seinen militärischen Stab,
vor sein Land und vor die internationale Staatengemeinschaft auf diesem
Kontinent und weltweit zu stellen.
Noriegas Habgier, sein persönlicher
Ehrgeiz und seine Selbstsucht sind
Ursache und Nährboden der Krise Panamas. So lange er und seine Gefolgschaft diese Realität nicht erkennen,
sie zu verschleiern versuchen oder
die Schuld dafür anderen zuweisen,
wird sich die Krise nur noch verschlimmern. Es gibt Zeiten, in denen
hehre
Grundsätze
uns
zwingen,
schlechte Menschen zu verteidigen.
Einige bringen das Argument vor, diese träfe auf Noeriega und Panama zu.
Sie argumentieren, als ob das Prinzip
der Nichteinmischung uns zwingen würde, alles zu akzeptieren, was Noriega
tut.
Nichteinmischung
bedeutet
jedoch
nicht, einzelne Verbrecher zu schützen. Sie bedeutet nicht, das gegen
unsere Familien und Kinder gerichtete
Eindringen von Drogenschmugglern in
unsere Gesellschaft zu fördern. Sie
bedeutet nicht, friedliche und diplomatische Aktionen souveräner Staaten
zur Unterstützung der Demokratie zu
verhindern. Und sie bedeutet nicht,
Verbrecher das Gute mit Füßen treten
zu lassen.
Man braucht nur Panamas Nachbarn im
Süden zu betrachten, um den augenfälligen Unterschied auszumachen.
Das
Regime in Panama gewährt den Drogenschmugglern und ihren Handlangern Unterschlupf und schützt die Banken,
über die sie ihr schmutziges Geld waschen.

�Das sind die Menschen, die der zivilisierten Gesellschaft in Kolumbien
den Krieg erklärt und diese mutige
Nation mit Attentaten, Bombenanschlägen, Entführungen und Drohungen bestraft haben, die am Lebensnerv der
ältesten
Demokratie
Lateinamerikas
zehren. Präsident Virgilio Barco mobilisiert alle Kräfte seines Landes zivile wie militärische - um die Würde und Achtung der Gesetze in diesem
Land wiederherzustellen.
Die große
Mehrheit der Kolumbianer aller politischen Parteien unterstützen ihn,
denn sein Kampf ist ihr Kampf. In
der Tat ist es ein Kampf, der im Namen von uns allen geführt wird. Die
Drogenbarone in Kolumbien stellen ohne Zweifel eine ebensolche Bedrohung
der Demokratie dar wie ein Eindringling; ihre Handlanger töten unsere
Kinder und korrumpieren unsere Gesellschaften. Und die Nationen der
Welt sollten das kolumbianische Volk
und seine demokratische Regierung sowohl moralisch als auch materiell unbeirrt unterstützen.

Kolumbien und Panama. Barco und Noriega. Gibt es einen größeren Gegensatz zwischen den moralischen Qualitäten des Besten und des Schlechtesten unter uns auf diesem Kontinent?
Wer verdient unsere Hilfe, wer sollte
aus unserer Mitte verstoßen werden?
Zumindest für die Vereinigten Staaten
ist die Antwort klar.

Das Menetekel ist unmißverständlich.
Das Muster ist klar. Indifferenz gegenüber
den erdrückenden Beweisen
können Noriega und seinesgleichen nur
ermutigen und ihnen Handlungsfreiheit
verschaffen.
Die Ausflüchte, die Drohgebärden, die
als Wahrheit verbrämte Propaganda alles, was Noriegas Verteidiger vorgebracht haben, um diesen Verbrecher
im Amt zu halten, ist aufgedeckt worden.
Noriegas Aktionen - detailliert aufgelistet in Zeugenaussagen, Anklageschriften, Quittungen, Konten, Privatbeteiligungen, in einer Beweiskette, die Verfehlungen internationalen
Ausmaßes belegt - sind unentschuldbar.
Aber auch unsere Untätigkeit wäre unentschuldbar. Es ist an der Zeit,
unser Schweigen zu brechen. Es ist
an der Zeit, unsere Zurückhaltung zu
überwinden. Wir müssen Noriega als
denjenigen entlarven, der er ist.
- 12 -

* * * * *

�UMWELT
Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AMERIKANISCH-SOWJETISCHER UMWELTPLAN
Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms

WASHINGTON - (AD) - Zum Abschluß einer einwöchigen Konferenz über Zusammenarbeit im Bereich der Umwelt haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
am 12. Januar 1990 ein Kooperationsprogramm für die Zukunft unterzeichnet.
Bei der Konferenz handelte es sich um das zwölfte Treffen des amerikanisch-sowjetischen Ausschusses über Kooperation im Bereich des Umweltschutzes. Die
nächste Konferenz wurde für die erste Hälfte des Jahres 1991 in Moskau geplant.
Für 1990 sind neue gemeinsame Forschungsprojekte in Bereichen wie der Erhaltung von Feuchtbiotopen, Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und
weltraumgestützter elektronischer Erforschung von Schadstoffen in der Atmosphäre vorgesehen. Erstmalig haben beide Länder die Zusammenarbeit in verschiedenen Teilbereichen der Polarkreisforschung vereinbart.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Januar 1990 in Washington veröffentlichte Gemeinsame Erklärung.
Am 23. Mai 1972 wurde in Moskau das
Abkommen über Kooperation im Bereich
des Umweltschutzes zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
unterzeichnet.
Diesem Abkommen zufolge werden "beide Seiten die Zusammenarbeit im Bereich des Umweltschutzes auf der Grundlage von Gleichheit,
Gegenseitigkeit
und
beiderseitigem
Vorteil ausbauen". Ferner ist eine
Zusammenarbeit
in zwölf Bereichen
vorgesehen, die praktisch alle wichtigen Probleme des Umweltschutzes,
den wirtschaftlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen und das Zusammenwirken von Mensch und Natur umfassen.
Zahlreiche amerikanische und
sowjetische Stellen, einschließlich
Regierungsbehörden und Ministerien,
wissenschaftliche Institutionen, Universitäten, multinationalen Unterneh-

men und privaten Umweltschutzorganisationen sind an der in dem Abkommen
vereinbarten Kooperation beteiligt.
Das zwölfte Treffen des auf der
Grundlage des Abkommens ins Leben gerufenen
amerikanisch-sowjetischen
Ausschusses über Kooperation im Umweltschutz fand vom 9. bis 12. Januar
1990 in Washington statt. Vorsitzende waren der Leiter des Umweltschutzamtes, William K. Reilly, und der erste Vorsitzende des Staatlichen Ausschusses für Umweltschutz der UdSSR
(GOSKOMPRIRODA), Valentin G. Sokolowski.
Das Plenum stimmte einem Projektbericht zu, der die Leistungen des gemeinsamen Programms in den Jahren
1988/89 würdigt und verabschiedete

�eine Vereinbarung über das Kooperationsprogramm für 1990. Dieses Programm enthält neue Forschungsprojekte
für Bereiche wie weltraumgestützte
elektronische Erforschung von Schadstoffen in der Atmosphäre, Erhaltung
von
Feuchtbiotopen, Denkmalpflege,
Transport radioaktiven Materials als
Folge der Katastrophe von Tschernobyl, stratosphärischen Ozon und seismologische
Beobachtung.
Erstmalig
wurde auch die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Polarkreisforschung vereinbart. Besondere Aufmerksamkeit wurde Umweltproblemen von
internationaler Tragweite gewidmet,
wie etwa Klimaveränderungen und integrierte Beobachtung der ökologischen
Verhältnisse auf der Erde und Problemen mit unmittelbaren Auswirkungen
für beide Länder, wie der Einführung
umweitschonender Technologien.
Die offizielle Fassung der AusschußProtokolle wird Ende Februar 1990 in
englischer und
russischer Sprache
veröffentlicht.
Zu den Ergebnissen der beim zwölften
Treffen des Gemeinsamen Ausschusses
erörterten Zusammenarbeit von Februar
1988 bis Dezember 1989 zählen zahlreiche Aktivitäten von beiderseitigem
Nutzen, etwa Treffen von Arbeitsgruppen, Symposien und Seminare über besondere Umweltprobleme, Entwicklung
und Vergleich von Methoden und Materialien, gemeinsame Experimente und
Expeditionen zu Wasser und zu Land.
Über 100 gegenseitige Besichtigungen
fanden statt, Berichte wurden erstellt und veröffentlicht und zahlreiche wissenschaftliche und technische Dokumente und Forschungsergebnisse ausgetauscht.
Gemäß diesem Abkommen werden beide
Seiten in Kürze die beim Gipfeltreffen im Dezember 1987 geforderte gemeinsame Studie über zukünftige Klimaveränderungen vorlegen.
Die Entsendung amerikanischer Seismologen in
die Sowjetunion nach dem Erdbeben in
Armenien im Dezember 1988 sowie sowjetischer Seismologen nach Kalifornien nach dem Loma Prieta-Erdbeben im

Oktober 1989 war in diesem Abkommen
vorgesehen.
Der stellvertretende Vorsitzende hat
eine konstruktive Bilanz der Umweltprobleme von internatioanler Tragweite einschließlich weltweiter Klimaveränderungen gezogen. Man kam überein, daß Zusammenarbeit bei Umweltproblemen weiter zu dem derzeit auf
höchster Ebene stattfindenden Dialog
zwischen beiden Regierungen beitragen
könnte.
Beim zwölften Treffen des Gemeinsamen
Ausschusses hielten auch Vertreter
sowjetischer und amerikanischer privater Umweltschutzorganisationen Vorträge. Beide Seiten sind sich der
wünschenswerten
kontinuierlichen
Teilnahme von Vertretern nicht staatlicher
öffentlicher
Organisationen
der Sowjetunion und der Vereinigten
Staaten bei der Arbeit im Rahmen des
zwischenstaatlichen
Abkommens
über
Umweltschutz bewußt, bis hin zu der
möglichen Vertretung durch solche Organisationen in beiden Delegationen
bei späteren Sitzungen des Gemeinsamen Ausschusses.
Es wird erwartet, daß die Sozioökologische Union unter Beteiligung anderer interessierter sowjetischer sozialer Verbände zusammen mit privaten
Organisationen
der
amerikanischen
Seite gemeinsame Vorschläge über die
Art und Weise ihrer Beteiligung gemäß
dem Abkommen erarbeiten werden. Als
Teil dieses Prozesses können private
Organisation
an
der Planung und
Durchführung von Aktivitäten im Rahmen des Abkommens unter besonderer
Berücksichtigung neuer Ansätze bei
der Lösung ökologischer Probleme im
Hinblick auf eine kontinuierliche
Wirt Schaftsentwicklung beteiligt werden.
Der sowjetische stellvertretende Vorsitzende hat seinem amerikanischen
Kollegen eine Kopie des ersten Berichts über die UmweltSituation überreicht, der je in der Sowjetunion
veröffentlicht wurde.
Die Übersetzung dieses 200 Seiten umfassenden

^"

�Dokuments ins Englische ist veranlaßt.
Mitglieder der sowjetischen Delegation wurden über die Erfahrungen des
Ingenieurkorps der US-Army in den Bereichen Wasserwirtschaft, Verwaltung
von Ressourcen und Umweltschutz unterrichtet. Im Programm der Delegation war ein Besuch der Einrichtungen
des Korps in der Umgebung von New
Orleans vorgesehen.
Das nächste Treffen des Gemeinsamen
Ausschusses ist für die erste Hälfte
des Jahres 1991 in Moskau geplant.

* * * * *

- 3

�DROGEN

Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AUFFORDERUNG ZUR DROGENBEKÄMPFUNG ERGEHT AN ALLE LÄNDER DER WELT
Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die ungesetzliche Herstellung von Drogen und
ihr Mißbrauch haben dem Internationalen
Suchtstoff-Kontrollamt
zufolge
"ein neues gefährliches Stadium" erreicht, wobei jeder Konsument illegaler Drogen für die durch den Drogenhandel verursachten schwerwiegenden
Probleme
persönlich
Verantwortung
trägt.
Der am 10. Januar 1990 veröffentlichte Bericht des Kontrollamts für 1989
verweist ferner darauf, daß die Frage
der Legalisierung einiger oder aller
Sucht Stoffe "nachdrücklich" verneint
werden sollte.
Eine solche Vorgehensweise würde signalisieren, daß
der Konsum von Drogen geduldet wird,
zu einer drastischen Zunahme des Dro-

genmißbrauchs und damit zusammenhängender Todesfälle führen, die Krankenkosten in die Höhe treiben sowie
Familien und
grundlegende soziale
Werte erschüttern würde.
Die Legalisierung von Suchtstoffen
oder "jede Lockerung der Kontrolle
ist moralisch nicht vertretbar und
läuft auf eine Auslieferung aller
Länder an die Drogenkartelle hinaus",
heißt es in dem Bericht.
Das Kontrollamt fordert Länder mit
weitverbreitetem
Drogenkonsum
auf,
energische Maßnahmen zur Eindämmung
und zum Abbau der Nachfrage zu treffen. Dem Bericht zufolge soll die
internationale
Staatengemeinschaft
"sofort und in größtmöglichem Umfang

�Regierungen
Hilfestellung
leisten,
die von Drogenhändlern unter Druck
gestzt werden".
Der 35 Seiten umfassende Bericht enthält Statistiken über Drogenmißbrauch
und Drogenhandel, Bekämpfungsstrategien einzelner Länder und Städte sowie regionale und weltweite Tendenzen
im Jahr 1989.
Die allgemeine Tendenz deutet darauf
hin, daß ein drastischer Anstieg von
Drogentoten, Drogenmißbrauch und Drogenhandel in vielen Regionen nach wie
vor weitverbreitet ist, die Drogenkriminalität schneller zunimmt als
alle anderen Straftaten, und die Beschlagnahme von Heroin, Kokain, Haschisch und Amphetaminen in manchen
Ländern Rekordzahlen erreicht. Eine
"neue und bedenkliche Entwicklung"
ist die erhebliche UmweltSchädigung
in Ländern, wo Mohn zur Opiumgewinnung und Koka angebaut werden.
In Lateinamerika ist der Drogenhandel
zu einem "wichtigen öffentlichen Thema" geworden. Schwer bewaffnete Kartelle mit unerschöpflichen finanziellen Mitteln betreiben weiterhin skrupellos die Unterwanderung politischer
Institutionen, stören die Volkswirtschaften und ermorden Regierungsvertreter und Privatpersonen" heißt es
in dem Bericht. Da der Drogenmißbrauch den gesamten Kontinent erfaßt,
riskiert Lateinamerika, zum wichtigsten Konsumenten seiner eigenen Erzeugnisse zu werden.
Als positive Entwicklung verweist das
Kontrollamt darauf, daß sich bei der
Drogenbekämpfung erste Erfolge von
Aufklärungsmaßnahmen
und
Informationskampagnen zeigen und verstärkte
internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich gute Resultate hervorbringt.
Die Tatsache, daß Crack in den Niederlanden nicht sehr verbreitet ist,
wurde auf gezielte Aufklärungskampagnen zurückgeführt. In den Vereinigten Staaten ist der seit 1985 erfolgte 37prozentige Rückgang bei der Zahl

der Drogenkonsumenten ähnlichen Kampagnen zu verdanken, die Drogenkonsum
als nicht akzeptables Sozialverhalten
darstellten.
In Frankreich erweisen sich vorbeugende Programme als "ermutigend, zumal eine jüngste Untersuchung bei Jugendlichen im Alter von 11 bis 20
Jahren zeigte, daß der Drogenkonsum
in dieser Altersgruppe stagniert",
heißt es in dem Bericht. Er führt
ferner Untersuchungen über den Drogenkonsum in Schweden an, die darauf
hindeuten, daß der Prozentsatz junger
Leute unter 20, die Drogen konsumieren, zurückgeht, obwohl ein starker
Anstieg bei beschlagnahmten Drogen
zeigt, daß diese leichter erhältlich
sind.
Das Kontrollamt erklärt die Vereinbarung der Konvention gegen den Handel
mit Suchtstoffen und Psychotropen
Stoffen im Dezember 1988 zu einem
Meilenstein. Im November 1989 hatten
bereits 77 Länder die Konvention unterzeichnet, und zwei Parteien hatten
sie ratifiziert. Das Kontrollamt erklärt, die baldige Durchführung der
Bestimmungen des Dokuments über die
Kontrolle
chemischer
Grundstoffe
könnte die internationalen Bestrebungen zum Abbau der illegalen Herstellung von SuchtStoffen stark verbessern.
In Hongkong, Malaysia, Indien, Spanien, Kanada und den Vereinigten
Staaten erlassene Gesetze zielen darauf ab, dem Drogenhandel Einhalt zu
gebieten und die nationale Gesetzgebung auf die Konvention abzustimmen.
Eine Reihe von Maßnahmen, die seit
1987 auf den Bahamas getroffen wurden
und die unabhängig oder in Zu sammarbeit mit der amerikanischen Küstenwache erfolgreich durchgeführten Operationen der Königlich Bahamischen
Streitkräfte haben dem Kontrollamt
zufolge den Drogenhandel positiv beeinflußt. "Das starke Engagement der
Bahamas und ihre beispielhafte Zusammenarbeit mit anderen Ländern zeitigen nunmehr Ergebnisse" schreibt der
Bericht.

�Die Schweiz ist sich dem Bericht zufolge ihrer Stellung im internationalen Finanzwesen bewußt und intensiviert ihre Bemühungen um ein Gesetz
zur Bekämpfung der Geldwäsche.
Der Bericht verweist auch auf Indien,
Pakistan, die Sowjetunion, Osteuropa,
Großbritannien, Mexico, die Vereinigten Staaten und Kanada sowie deren
Koordinierung und Zusammenarbeit mit
anderen Ländern. Er legt dar, wieviele Länder, unter ihnen Spanien und
Pakistan, ihre Mittel für Aufklärung
und Rehabilitation aufgestockt haben.
Die Zollbehörden der Sowjetunion haben mit über 25 westlichen Ländern
Vereinbarungen getroffen, und sind
mit den zuständigen Stellen in Kanada, Großbritannien, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und anderen
Ländern erfolgreich gegen Drogenhändler vorgegangen.
Trotz
Mexicos
gravierender
Wirtschaftsprobleme wurde dem Bericht zufolge der Etat für die Drogenbekämpfung um 174 Prozent erhöht, dabei ist
die Zahl der Mitarbeiter und Ausrüstungsgegenstände erheblich gestiegen
und innerhalb der Regierung die Stelle eines stellvertretenden Justizministers für Drogenermittlungen geschaffen worden.

schen Ländern bei der Drogenbekämpfung aus.
Das Kontrollamt fordert unverzügliche
technische Hilfe für die afrikanischen Länder und betont die Notwendigkeit "der Bekundung festen politischen Willens der Regierungen", umfassende Gesetze und Verwaltungsvorschriften zu erlassen, um sowohl den
Vertrieb als auch den Handel legaler
Drogen unter Kontrolle zu bringen.
Der Bericht verweist auf Besorgnis
über die Entwicklungen in Pakistan
und im Iran und bekundet die Hoffnung, im Jahr 1990 Beobachter in diese Länder entsenden zu können.
Das
Internationale
Suchtstoff-Kontrollamt besteht aus 13 unabhängigen
Experten und ist bestrebt - in Zusammenarbeit mit den Regierungen - die
Kultivierung, Herstellung und den
Konsum von Drogen in dem Maße einzuschränken, wie er für medizinische
und wissenschaftliche Zwecke erforderlich ist.

Der Bericht verweist auf einen starken Anstieg des Mohnanbaus zur Opiumgewinnung in Guatemala, das dennoch
ein Programm ins Leben gerufen hat,
um wichtige Chemikalien und Grundstoffe zu ermitteln, die bei der Herstellung von Kokain und Heroin verwendet werden. Das Programm könnte
für andere Länder Modellcharakter haben.
Obwohl die afrikanischen Regierungen
sich der schnellen Ausbreitung des
Drogenhandels in der Region und der
damit einhergehenden Gefahren für die
Gesundheit bewußt sind, nutzen Drogenhändler die Lücken im System der
Bekämpfung, die geringen Mittel, das
mangelnde Fachwissen und die fehlende
Zusammenarbeit unter den afrikani- 3 -

* * * * *

�MARTIN

LUTHER

KING

Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AMERIKA MUSS VOLLSTÄNDIGE AUFHEBUNG DER RASSENTRENNUNG VERWIRKLICHEN
Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King

WASHINGTON - (AD) - Obwohl sich Präsident Bush zufolge viele der dunkelsten
"Wolken des Rassismus" in den Vereinigten Staaten verzogen haben, muß die Nation "weiterhin an der Aufhebung der Rassentrennung und Verwirklichung der
Gleichberechtigung" arbeiten.
In einer Proklamation zum 15. Januar, der zum Gedenken an den Geburtstag des
Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King Jr. als gesetzlicher Feiertag begangen wird, verwies der Präsident darauf, daß King sich für die Befreiung aller
Menschen im ganzen Land von den "Fesseln der Rassentrennung und den Ketten der
Diskriminierung" eingesetzt habe.
In der Proklamation des Präsidenten heißt es, der Kampf gegen Vorurteile sei
"unsere erste Bürgerpflicht" und "die größte Ehre, die wie dem Andenken" an
den berühmten Führer der Bürgerrechtsbewegung erweisen können.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation im Wortlaut.

Wir begehen einen gesetzlichen Feiertag zum Gedenken an den Geburtstag
des
Baptistenpfarrers
Dr. Martin
Luther King Jr. und würdigen damit
ein Leben, das dem Kampf für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit gewidmet war. Mit Entschlossenheit, Mut
und großem Engagement für Gewaltlosigkeit setzte sich Dr. King dafür
ein, alle Menschen im ganzen Land von
den "Fesseln der Rassentrennung und
den Ketten der Diskrimierung" zu befreien.
Martin Luther King Jr. liebte sein
Land und glaubte fest an die in der
Unabhängigkeitserklärung niedergelegten beständigen Ideale:
"Folgende
Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich:
daß
alle
Menschen
gleich geschaffen sind, daß sie von

ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind,
daß dazu Leben, Freiheit und das
Streben nach Glück gehören."
Wohl
wissend, daß ein "geteiltes Haus
nicht standfest ist", widmete King
sein Leben dem Streben nach Aufhebung
der Rassentrennung und Verwirklichung
der Gleichberechtigung in den Vereinigten Staaten. Seiner Ansicht nach
ist unser Land vom richtigen Kurs,
wie er in unserer Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung niedergelegt ist, abgewichen. Er war entschlossen, darüber zu wachen, daß
Amerika den dort verankerten Prinzipien treu bleibt.
In Worten und Taten erinnerte Martin
Luther King Jr. alle Amerikaner an
die von Abraham Lincoln 1858 ausge-

�sprochene eindringliche Warnung an
die Bürger von Edwardsville (Illinois) vor den tragischen Konsequenzen, die eine weitere Billigung der
Sklaverei für die Vereinigten Staaten
haben könnte. Präsident Lincoln wußte - wie viele berühmte Amerikaner
vor ihm -, daß die Stärke unseres
Landes auf der Überzeugung beruht,
daß jedes Individuum von unschätzbaren Wert ist und die einzige Legitimation einer Regierung im Schutz der
gottgegebenen Rechte des Menschen besteht.
"Wenn diese Gesinnung zerstört wird," warnte Lincoln, "wird
damit die Saat der Tyrannei vor unserer eigenen Tür gesät. Wenn man sich
mit den Ketten der Knechtschaft vertraut macht, bereitet man seine Glieder darauf vor, sie zu tragen. Wenn
man gewohnt ist, die Rechte der anderen mit Füssen zu treten, hat man das
Talent
zur eigenen Unabhängigkeit
verloren und wird willkommenes Opfer
des ersten gerissenen Tyrannen, der
sich erhebt."
Ebenso wie Präsident Lincoln wußte
Martin Luther King, daß die Vereinigten Staaten kein großes freies Land
bleiben konnten, wenn den Menschen
ihre Rechte vorenthalten werden. Er
wußte, daß die amerikanische Verheißung von Freiheit und Gerechtigkeit
für alle Menschen im wunderbaren Plan
unseres Schöpfers angelegt ist, und
er wußte, daß diese Verheißung nicht
durch Bigotterie und Diskriminierung
entstellt werden darf.

Charakter
beurteilt wird", müssen
wir "weiterhin an der Aufhebung der
Rassentrennung und Verwirklichung der
Gleichberechtigung in den Vereinigten
Staaten arbeiten. Das ist unsere erste Bürgerpflicht - und die größte
Ehre, die wir dem Andenken an Dr.
Martin Luther King Jr. erweisen können.
Per Gesetz 98-144 ist der dritte Montag im Januar jedes Jahres ein gesetzlicher Feiertag zum Gedenken an
den Geburtstag von Martin Luther
King, Jr.
Aufgrund dessen erkläre ich, George
Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der mir von
der Verfassung und dem Gesetz zugestandenen Autorität Montag, den 15.
Januar 1990 zum Gedenktag für Martin
Luther King Jr.
Unterzeichnet am 9. Tag des Januar,
im Jahre des Herrn 1990 und im 215.
Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
(unterzeichnet) George Bush

Dr. King erzählte uns von seinem
Traum. Heute erkennen wir, daß es
kein Traum, sondern eine Vision war.
Im Sinne des Sprichworts: "Ohne Vision geht das Volk zugrunde" legte
uns King seine Hoffnungen und Zukunftspläne dar. Er hatte das "gelobte Land" gesehen und gab uns den
Anstoß, es mit ihm gemeinsam zu erblicken.
Obwohl sich heute viele der dunkelsten "Wolken des Rassismus" verzogen
haben, obwohl der Tag nähergerückt
ist, an dem "der Mensch nicht nach
seiner Hautfarbe, sondern nach seinem
- 2 -

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10736">
                <text>17.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10737">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10738">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10739">
                <text>Amerikadienst 17.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10740">
                <text>&lt;strong&gt;1. Panama&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger erläutert Anklage gegen Norlega&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetischer Umweltplan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufforderung zur Drogenbekämpfung ergeht an alle Länder der Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika muß vollständige Aufhebung der Rassentrennung verwirklichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2128" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2139">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/d80ee857293509ee967a0efdcee12ff0.pdf</src>
        <authentication>e0fdfd4206516924457ad81ee958e560</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10747">
                    <text>amcrika
dienet

JJ.S. Information Service
Embassy of t#\Jnited States of America

-^

&amp;

24. J a n u a r

1990

OST-WEST-BEZIEHUNGEN

Wiedervereinigung muß Anliegen Osteuropas berücksichtigen
Rede von Botschafter Walters vor der Friedrich-Ebert-Stiftung

SICHERHEITSPOLITIK

Powell: US-Truppenobergrenzen in Europa kein Tabu
Rede von General Powell beim Seminar über Militärdoktrinen
Umstrukturierung der Streitkräfte erforderlich
Rede von Les Aspin beim Nationalen Strategieforum

MENSCHENRECHTE

USA kritisch gegenüber Menschenrechtsverletzungen
Botschafter Abram entwirft Strategie für UN-Menschenrechtskommission

U m Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�O S T - W E S T

B E Z I E H U N G E N

Amerika Dienst 3

24. Januar 1989

WIEDERVEREINIGUNG MUSS ANLIEGEN OSTEUROPAS BERÜCKSICHTIGEN
Rede von Botschafter Walters vor der Friedrich-Ebert-Stiftung

BONN - (AD) - Die Überwindung der Teilung Deutschlands ist dem amerikanischen
Botschafter in der Bundesrepublik, Vernon Walters, zufolge nach wie vor Ziel
der Vereinigten Staaten und aller NATO-Partner. In einer Rede bei der Friedrich-Ebert-Stiftung erklärte Walters am 18. Januar 1990, der Prozeß der Wiedervereinigung müsse "die Anliegen aller Länder in Ost und West berücksichtigen". Wie Botschafter Walters ausführte, ist das Ziel der deutschen Einheit
"heute in greifbarere Nähe gerückt als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten
vierzig Jahren".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.

Zunächst möchte ich Ihnen für die
Einladung danken, hier bei der Friedrich-Ebert-Stiftung über ein Thema zu
sprechen, das nicht nur für die Deutschen, sondern auch für alle Europäer
und Amerikaner von größter Bedeutung
ist. Dieses Thema war in den Schlagzeilen zahlreicher Zeitungsberichte
und Kommentare, ist jedoch auch Gesprächsthema in Familien und unter
Freunden, wenn sie beim Essen zusammensitzen oder ihren Sonntagsspaziergang machen und das Thema Politik zur
Sprache kommt.
Einer meiner Freunde, ein renommierter Arzt, erzählte mir einmal eine
Geschichte aus seiner Zeit als Medizinstudent. Während einer Vorlesung
über Nierenheilkunde verwies der Professor auf die Gefahren unbedachter

Wiederholungen.
Er zitierte einen
Chirurgen, der sich bei der Visite
nach dem Befinden einer Frau erkundigte, der er gerade eine Niere entfernt hatte. Die Patientin erwiderte:
Herr Doktor, viel besser als
beim letzten Mal, als sie meine andere Niere entfernt haben!"
Botschafter Mallaby und Botschafter
Boidevaix haben vor mir bereits an
diesem Podium gestanden, um Ihnen den
britischen und französischen Standpunkt zu dem oben genannten Thema zu
erläutern. Ich möchte Wiederholungen
vermeiden - sollte es dennoch gewisse
Überschneidungen, geben, so nur aus
Gründen der Verdeutlichung.
Ich werde mich in meinen Ausführungen
des öfteren auf das Kommunique der

�Ministertagung des Nordatlantikrats
vom Dezember letzten Jahres beziehen,
und zwar aus zwei Gründen. Erstens
ist das Kommunique das jüngste Dokument über die Ansichten der NATO zu
einem breiten Spektrum von Fragenkomplexen, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen und damit ein wichtiges Dokument, das unsere ungeteilte
Aufmerksamkeit
verdient.
Zweitens
möchte ich die bisherige und zukünftige Bedeutung der NATO für historische, politische Entwicklungen hervorheben, die sich derzeit in Europa
vollziehen. Die NATO war und ist eine militärische und politische Institution von entscheidender Bedeutung.
Seit vierzig Jahren steht die NATO im
Brennpunkt
der westlichen Sicherheitspolitik. Die von den Grundsätzen
des Harmel-Berichts geleitete
klar formulierte Aufgabe und die Entschlossenheit der NATO haben den Ereignissen, die heute die Schlagzeilen
beherrschen, den Weg bereitet.
Angesichts der Herausforderungen und
Möglichkeiten
der neunziger Jahre
müssen wir eine Atempause einlegen
und uns noch einmal die tiefgreifenden Veränderungen vor Augen führen,
die 1989 in Osteuropa stattgefunden
haben. Heute vor einem Jahr hätte
sich keiner von uns träumen lassen,
in welchem Ausmaß sich die Länder des
Warschauer
Pakts innerhalb dieser
kurzen Zeitspanne von nur einem Jahr
verändern würden.
Das Kommunique
stellt dazu fest:
"Wir stehen an der Schwelle eines
neuen Zeitalters, in dem die demokratischen Werte, die das Herzstück unseres Bündnisses bilden
und Teil des europäischen Erbes
sind, auf dem ganzen Kontinent
zunehmend Geltung erlangen."
Die heutige Erörterung der deutschen
Frage wäre undenkbar ohne eine Bilanz
der Veränderungen, die sich innerhalb
von nur vier Jahren in der Sowjetunion und Osteuropa vollzogen haben.
Seit der Amtseinführung Gorbatschows
im Jahr 1985 hat die Sowjetunion den
Kurs ihrer Innenpolitik und nicht zu-

letzt die Zukunft Osteuropas mit einem Konzept verändert, das in einem
Wort zusammmengefaßt
werden kann:
"Glasnost".
Glasnost bedeutet nichts anderes als
die Einführung politischer Freiheiten
in eine Gesellschaft, die jahrzehntelang unbeugsamer stalinistischer Unterdrückung unterworfen war. Es ist
ein fundamentaler Grundsatz unserer westlichen - demokratischen Gesellschaften, daß ein Volk über seine Zukunft bestimmen kann.
Perestrojka
war ein Eingeständnis, daß Planwirtschaft nicht funktioniert. Was funktioniert, liegt auf der Hand - das
Prinzip der freien Marktwirtschaft.
Glasnost und Perestrojka und ihre
Auswirkungen verbreiteten sich wie
ein Lauffeuer in den anderen Ländern
Osteuropas.
Innerhalb kurzer Zeit
wurden die einstmals verhafteten und
zu Gefängnisstrafen verurteilten polnischen Gewerkschaftsführer Vertreter
der ersten nichtkommunistischen Regierung in Osteuropa.
Während Europäer in Ost und West und
nicht zuletzt Menschen in der ganzen
Welt von der Niederschlagung der
Freiheitsbewegung in China schockiert
waren, begannen die Menschen in der
DDR "mit Ihren Füssen abzustimmen",
um ihre Abkehr von der SED-Regierung
in der DDR zu demonstrieren.
Zunächst strömten sie in Scharen nach
Ungarn und Polen, um einen Ausweg aus
der Unterdrückung in Honeckers DDR zu
suchen. Diejenigen, die in der DDR
zurückblieben, gingen auf die Straße
- in Leipzig, Berlin und bald auch in
den anderen Städten der DDR.
Praktisch zur gleichen Zeit wurde
Schiwkow in Sofia gestürzt.
Vielleicht kann Bulgarien bald eine "fähige" freie Regierungsform finden.
Die Tschechoslowakei folgte als nächstes. Innerhalb weniger Wochen konnte das tschechische und slowakische
Volk Alexander Dubcek als Parlamentspräsidenten feiern, und das Ausmaß
des tiefgreifenden Wandels wird durch
die Tatsache symbolisiert, daß Vaclav

- 2 -

�Havel - früher Zielscheibe kommunistischer Repressionen - heute Präsident der Tschechoslowakei ist.

die erreichten Fortschritte der
Konsolidierung bedürfen.
Viele
Probleme sind noch zu lösen."

Rumänien schließlich mußte große Verluste an Menschenleben hinnehmen, ehe
Diktator Ceaucescu abgesezt war.

In jüngster Zeit wurde häufig darüber
diskutiert, ob der Wandel in Osteuropa unumkehrbar ist. Vor nicht allzu
langer Zeit sprachen die führenden
kommunistischen Ideologen Osteuropas
noch über den unvermeidlichen Sieg
von Sozialismus und Kommunismus weltweit.
Die Völker Osteuropas haben
noch einen langen und beschwerlichen
Weg vor sich. Sie werden Zeit und
Hilfe benötigen.

An dieser Stelle möchte ich die Außenminister der NATO zu den Ereignissen zitieren:
"Wir sind uns bewußt, daß jedes
Land in Europa seine eigene Individualität hat und daß diese
Vielfalt geachtet und ihr Gelegenheit zur Entfaltung gegeben
werden muß. Es ist Angelegenheit
eines jeden Landes in Osteuropa,
seine eigenen Probleme durch innere Reformen zu lösen."
In dieser Phase des insgesamt friedlichen Wandels hallte ein Satz durch
die Straßen Osteuropas:
"Wir sind
das Volk". Dieser Satz war unmißverständlicher Ausdruck
des Strebens
nach Freiheit und erwies sich als unaufhaltsame Triebfeder für Veränderungen. Innerhalb weniger Wochen haben Demokratie und Freiheit einen im
großen und ganzen friedlichen Kampf
gegen den Kommunismus und Stalinismus
der Nachkriegszeit gewonnen.

Wir befinden uns in einer Phase der
Veränderungen in den Ost-WestBeziehungen, in der alte Ansätze neu überdacht und neue Formen der Zusammenarbeit gefunden werden müssen. Wir im
Westen brauchen diese Veränderungen
nicht zu fürchten, da sie in unserem
Interesse liegen. Es wird uns eine
neue Chance geboten, ein früher konfliktreiches Verhältnis in Kooperation umzuwandeln. Wir sind uns einig, daß unser Ziel in der Erhaltung
eines friedlichen und stabilen Europas besteht.

Wie in dem Kommunique niedergelegt,
müssen wir jedoch Vorsicht walten
lassen. Ich zitiere:

Ein Schlüsselelement in diesem Prozeß
des Wandels ist die Beziehung zwischen den beiden deutschen Staaten.
Der Prozeß der Annäherung, der engeren Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten hat bereits begonnen.
Aber ebenso wie die Veränderungen in
Osteuropa alle Europäer und nicht zuletzt die Welt insgesamt betreffen,
so geht der Prozeß des Wandels zwischen den beiden deutschen Staaten
alle Europäer an und ist für sie von
Interesse. Dieser Prozeß hat seinen
Ursprung in der Nachkriegszeit und
bildet das Kernstück der politischen
Herausforderungen, mit denen Europa
sich seit 1945 konfrontiert sah:
Kann es tiefgreifende Veränderungen
geben?
Kann die Teilung Europas
friedlich überwunden werden?

"Wir sind uns bewußt, daß sich
die derzeit
... vollziehenden
Prozesse des Wandels noch in einem frühen Stadium befinden und

In Zeiten der Veränderungen in den
Ost-West-Beziehungen ist die deutsche
Frage immer wieder in der einen oder
anderen Form aufgetaucht. Es ist da-

Der kalte Krieg der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre ist praktisch vorüber. Der Westen ist als
Sieger daraus hervorgegangen.
Wir
sollten auf diesen Sieg stolz sein.
Nicht Gewalt trug den Sieg davon,
sondern die Ideen. Die sich nach dem
Krieg in Westeuropa als so erfolgreich erwiesenen westlichen Grundsätze erhalten jetzt ihre Chance in Osteuropa:
Freiheit, Demokratie und
freie Marktwirtschaften.

- 3 -

�her nicht verwunderlich, daß sie während der dramatischen Veränderungen
der späten achtziger Jahre erneut erörtert wird. Das war auch von Mitte
der fünfziger bis Anfang der siebziger Jahre der Fall.
Die Zielsetzungen
der Vereinigten
Staaten bei Beendigung des Zweiten
Weltkriegs unterschieden sich grundsätzlich von denen der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten strebten ein
friedliches und stabiles Europa an,
das sich bei seinem Wiederaufbau auf
die Stärke demokratischer Institutionen und den Gedanken nationaler Unabhängigkeit stützte. Nach einigen innenpolitischen Debatten wurde das
Konzept der Bestrafung der Besiegten
verworfen, wie es im "Morgenthauplan"
vorgesehen
war.
Die
Vereinigten
Staaten ließen sich vielmehr auf das
historische Experiment ein, Freiheit,
Offenheit und Wohlstand ihrer früheren Gegner zu fördern, um einer stabilen Zukunft Gestalt zu geben.
Bereits zur Zeit der Potsdamer Konferenz im Jahr 1945 ebneten die Vereinigten Staaten den Weg zur möglichst
baldigen
Wiederherstellung
lokaler
Selbstverwaltung mit dem Ziel der
allmählichen Wiedereinführung einer
Regierung in Deutschland.
Die Vereinigten Staaten strebten den
Wiederaufbau
der
Volkswirtschaften
Europas und die Gründung eines offenen Welthandelssytems an. Sie schlugen einen Kurs des massiven wirtschaftlichen Wiederaufbaus für die
westlichen Besatzungszonen Deutschlands und für Europa insgesamt ein.
Zwischen 1946 und 1949 wurden pro
Jahr über 5 Milliarden Dollar an
Wirtschaftshilfe für Europa geleistet, größtenteils im Rahmen des Marshallplans.
Der Marshallplan war
nicht
auf Westeuropa allein beschränkt, sondern wurde auch der Sowjetunion und Osteuropa angeboten.
Die Sowjetunion wies dieses Angebot
jedoch zurück und zwang die Staaten
Osteuropas und die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands, sich entsprechend zu verhalten.

Diese von den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion getroffenen Entscheidungen hatten unmittelbare und drastische Auswirkungen. Die Produktivität und Wirtschaftsleistung des Westens
erlebten
einen
Aufschwung.
I!! Mit der Währungsreform fing alles an. lll
Während die Vereinigten
Staaten das Banner des Wiederaufbaus
und freier Marktwirtschaften hochhielten, verlangten die Sowjets Reparationszahlungen und schrieben zentral gelenkte Wirtschaftssysteme vor,
wodurch der Ostblock nicht vom Wirtschaftsaufschwung des Westens profitieren konnte. Die enorme Kluft zwischen Ost- und Westeuropa hat sich
seitdem immer mehr vergrößert. Diese
Kluft wird zwischen der Bundesrepublik und der DDR besonders deutlich,
wo die Deutschen auf beiden Seiten im
Jahr 1945 mit den gleichen Voraussetzungen begannen.
Die Vision des Westens bestand aus
einem demokratischen Deutschland mit
einer dynamischen freien Wirtschaft.
Innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes nach Kriegsende sind die Vereinigten Staaten und ihre westlichen
Verbündeten allmählich dem Ziel nähergerückt, die westlichen Besatzungszonen Deutschlands aufzuheben.
Im Jahr 1949 wurde die Bundesrepublik
Deutschland gegründet, gefolgt von
einer Reihe von Schritten mit dem
Endziel, der Bundesrepublik die volle
Souveränität
zurückzugeben.
Diese
Schritte wurden von zahlreichen Vereinbarungen und Übereinkünften begleitet, insbesondere dem Deutschlandvertrag und den Pariser Verträgen
von 1955.
In Artikel 7, Absatz 2 des Deutschlandvertrags wird die Grundlage für
gemeinsame Schritte zur Verwirklichung des Ziels der Einheit des deutschen Volkes dargelegt. Hier heißt
es: "Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelung werden die Unterzeichnerstaaten zusammenwirken, um
mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine

- 4 -

�freiheitlich demokratische Verfassung
ähnlich wie die Bundesrepublik besitzt, und das in die europäische Gemeinschaft integriert ist."
Obwohl damals niemand in der Lage gewesen wäre, einen genauen Plan für
die Einheit Deutschlands zu entwerfen, haben die Westmächte und die
Bundesrepublik ihre Ziele klar umrissen und Prinzipien definiert, nach
denen der Prozeß ablaufen sollte.
Diese Ziele und Prinzipien waren
Grundlage für die Deutschlandpolitik
Adenauers und nachfolgender Bundesregierungen.
Die Vereinigten Staaten
stehen zu diesen Zielen und Prinzipien. Dem möchte ich nur hinzufügen,
daß unbeirrtes Festhalten an diesen
Zielen und Prinzipien - der Verankerung der Bundesrepublik im Westen das Ziel deutscher Einheit heute in
greifbarere Nähe gerückt hat als zu
irgendeinem anderen Zeitpunkt in den
letzten vierzig Jahren.

Beständigkeit westlicher Staaten zu
gewährleisten.
In eingehenden und
intensiven Konsultationen, wie sie
für eine multilaterale Organisation
beispiellos sind, konnte sich die
NATO der Herausforderung für ihre Sicherheit aus dem Osten stellen. In
gleicher Weise kann die NATO den Herausforderungen des Wandels in der
heutigen Zeit gerecht werden, indem
sie an ihrem obersten Gebot festhält,
den Frieden in Europa zu bewahren.
In dem Kommunique der Ministertagung
des Nordatlantikrates hieß es dazu:
"Das Atlantische Bündnis bildet
die wesentliche Grundlage für die
Sicherheit unserer Länder. Durch
die Erhaltung des Friedes während
der letzten vier Jahrzehnte hat
das Bündnis unseren Ländern Wohlergehen in Freiheit ermöglicht
und erlaubt, daß die demokratischen Werte andere Gesellschaften
inspirieren.
Inmitten von Wandel und Ungewißheit bleibt das Bündnis ein verläßlicher Garant des Friedens und
wird eine unverzichtbare Grundlage für Stabilität, Sicherheit und
Zusammenarbeit für das Europa der
Zukunft bilden."

Erlauben Sie mir, die drei Kriterien
dieses Ansatzes noch einmal zu wiederholen: erstens ein Prozeß friedlichen Wandels, zweitens eine verfassungsmäßige Struktur mit verbriefter
Selbstbestimmung des deutschen Volkes
und drittens Integration in die europäische Staatengemeinschaft.
Die Stärke der Staatengemeinschaft
Westeuropas läßt sich nicht nur auf
dynamische
und
anpassungsfähige
Volkswirtschaften und die politische
Legitimation
eines
jeden
Staates
durch frei gewählte, demokratische
Regierungen zurückführen, sondern wie ich bereits eingangs erwähnte die Entschlossenheit und Willenskraft
im NATOBündnis. Die NATO bietet aus
der Notwendigkeit der Abwehr einer
massiven Bedrohung ein Forum, in dem
sich politischer Konsens bilden kann,
um dieser Bedrohung der Sicherheit
entgegenzutreten und westliche Grundsätze zu verteidigen.
Es sollte kein Zweifel darüber aufkommen, daß die NATO unerläßlich ist,
wenn es darum geht, die Stärke und

Die Bundesrepublik ist ein wichtiger
Bündnispartner.
Die NATO hat als
Bündnis von den Beiträgen der Bundesrepublik sowohl im sicherheitspolitischen Bereich als auch im Hinblick
auf die von ihr übernommene politische Führungsrolle profitiert. Ebenso wie jedem anderen NATO-Mitglied
kommt die Stärke der NATO auch der
Bundesrepublik
zugute.
Jahrelang
enthielt jedes NATO-Kommunique einen
Passus zur Überwindung der Teilung
Europas und der Teilung Deutschlands. Dies ist ein Ziel aller Bündnispartner.
Die Wiedervereinigung beider Teile
Deutschlands ist ebenso ein Ziel wie
ein Prozeß. Als Prozeß muß sie die
Anliegen aller Länder in Ost und West
berücksichtigen. Der Westen befindet

- 5 -

�sich in der günstigen Situation, diesen Prozeß mit Hilfe der in der Nachkriegszeit geschaffenen Institutionen
lenken zu können.
Die
Europäische
Gemeinschaft
hat
nicht nur eine entscheidende Rolle
beim Aufbau
einer
starken Wirtschaftsgemeinschaft gespielt, sondern
den politischen Grundstein für den
Prozeß der europäischen Integration
gelegt.
1992 wird die Europäischen
Gemeinschaft an einem Scheideweg stehen.
Angesichts
der gravierenden
wirtschaftlichen Probleme Osteuropas
hat die Europäische Gemeinschaft jedoch nunmehr Gelegenheit, einen Integrationsprozeß mit wahrhaft europäischem Charakter zu fördern, der
sowohl West- als auch Osteuropa miteinbezieht. Die Europäische Gemeinschaft hat die ungeteilte Unterstützung der Vereinigten Staaten, die zusammen mit ihr die Herausforderungen
der Zukunft bewältigen wollen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf
die neue Bedeutung hinweisen, die dem
KSZE-Prozeß in dieser Zeit des Wandels zukommt. Seit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im
Jahr 1975 bietet der Rahmen der KSZE
eine Struktur, die nicht nur zur Respektierung der Menschenrechte in Osteuropa beigetragen hat, sondern auch
die Möglichkeit für eine stärkere
Ost-West-Kooperation in Handel, Wissenschaft, Technologie und Kultur
bietet. Im Bereich der Sicherheitspolitik verzeichnen wir bei der Erarbeitung wirksamer vertrauensbildender
Maßnahmen große Fortschritte.
Friedlicher Wandel erfordert auch einen spürbaren Abbau der Bedrohung.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion führen seit geraumer Zeit
ernsthafte und schwierige Verhandlungen über die Reduzierung nuklearer
Langstreckenwaffen.
Darüber hinaus
haben die beiden Militärbündnisse im
letzten Jahr Verhandlungen über Konventionelle Streitkäfte
in Europa
aufgenommen, mit dem Ziel einer Reduzierung dieser Streitkräfte in absehbarer Zukunft.
Präsident Bush hat

kurz vor seinem Besuch in der Bundesrepublik im Mai vergangenen Jahres
eine Reduzierung amerikanischer und
sowjetischer Truppen in Europa auf
jeweils 275 000 Mann vorgeschlagen.
Wir treiben diese Gespräche und Vorschläge energisch voran. Allerdings
sollten wir aus den INF-Verhandlungen
eine Lehre ziehen. Der Westen erreichte sein Ziel der vollständigen
Beseitigung einer ganzen Kategorie
von Nuklearwaffen durch Festhalten an
seiner Position und die Beibehaltung
einer starken Verteidigung.
Diese
Position muß auch in Zukunft gelten,
wenn wir unser Ziel ausgewogener
Truppenreduzierungen erreichen wollen.
Sie werden bemerkt haben, daß ich
noch nicht auf Berlin eingegangen
bin, aber Berlin nahm und nimmt sowohl in der deutschen Frage als auch
in den Ost-West Beziehungen eine
Schlüsselstellung ein.
Berlin erhielt im Vergleich zu den deutschen
Besatzungszonen am Ende des Zweiten
Weltkrieges einen Sonderstatus. Die
westliche Position ist über vier
Jahrzehnte hinweg unverändert geblieben. Berlin steht bis zu dem Tag unter der Verwaltung der vier Siegermächte, an dem es Hauptstadt eines
wiedervereinigten Deutschlands wird.
Berlins Bedeutung als Symbol für die
Teilung Deutschlands wurde in jüngster Zeit besonders deutlich, als am
9. November 1989 die Reisebeschränkungen aufgehoben und am 22. Dezember
1989 das Brandenburger Tor geöffnet
wurde.
In der Nachkriegszeit mußte der Sonderstatus von Berlin unbedingt aufrechterhalten werden, um die deutsche
Frage offen zu lassen. Sowohl die
Sowjetunion als auch die DDR versuchten immer wieder, die Berliner Westsektoren zu isolieren und die Stadt
wirtschaftlich zu ruinieren. Wiederum siegte westliche Beharrlichkeit.
Als die Russen im Jahr 1948 die Berlin-Blockade verhängten, antworteten

- 6 -

�die Amerikaner mit der Luftbrücke.
Als 1961 russische Panzer an der neu
erbauten Mauer auffuhren, erklärte
Präsident Kennedy: "Eines ist unmißverständlich klar. Wir werden für
Berlin
kämpfen."
Siebenundzwanzig
Jahre später stand Präsident Reagan
am Brandenburger Tor und forderte:
"Herr Gorbatschow, reißen Sie diese
Mauer nieder."
In dieser Zeit des Wandels bietet
auch Berlin Möglichkeiten zur Überwindung
der Teilung Deutschlands.
Der Westen hat darauf bestanden, daß
Berlin nicht zur geteilten Stadt wurde, da dies eine weitere Teilung
Deutschlands
bedeutet
hätte.
In
gleichem Maße hat der Westen darauf
bestanden, daß die Sowjetunion für
die Stadt insgesamt verantwortlich
bleibt, um sie direkt in den Prozeß
der Überwindung der Teilung Mitteleuropas einzubeziehen. Sie werden wohl
mit mir übereinstimmen, daß dieser
Prozeß ohne Mitwirkung der Sowjets
keinen Erfolg haben kann. In Berlin
bekennen sich die Alliierten zur Bundesrepublik, um die Überwindung dieser Teilung zu erzielen.
Es bleibt noch viel zu tun.
Das
Viermächteabkommen hat gezeigt, daß
Fortschritte für die Stadt sogar bei
diametral
entgegengesetzten
Standpunkten über ihren Status erzielt
werden konnten,. Im Jahr 1987 schlugen die Westmächte praktische Maßnahmen zur Verwirklichung weiterer Verbesserungen für Berlin und die Berliner vor. Erst letzten Monat stimmte
die Sowjetunion der Aufnahme solcher
Gespräche zu. Wir in den Vereinigten
Staaten stehen zu unseren Verpflichtungen gegenüber Berlin.

dervereinigung sei eine Frage der
Selbstbestimmung - eine Angelegenheit, über die die Deutschen selbst
zu entscheiden hätten. Im Dezember
1989 umriß der Präsident nach einem
Treffen mit NATO-Generalsekretär Wörner in Brüssel die amerikanische Haltung zur Wiedervereinigung in vier
Punkten.
1.

Selbstbestimung
muß
ungeachtet
des Ergebnisses erfolgen.
Zu
diesem Zeitpunkt sollten wir eine
bestimmte Vorstellung weder befürworten noch ausschließen.

2.

Die Wiederherstellung der Einheit
sollte im Rahmen der anhaltenden
Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der
NATO und einer zunehmend integrierten
Europäischen
Gemeinschaft und unter Berücksichtigung
der Rechte und Pflichten der alliierten Mächte erfolgen.

3.

Die Wiederherstellung der Einheit
muß im Interesse der allgemeinen
europäischen Stabilität friedlich
und schrittweise erfolgen.

4.

In der Frage der Grenzen sollten
wir unsere Unterstützung für die
in der Schlußakte von Helsinki
niedergelegten Grundsätze bekräftigen.

Bei seiner Berlin-Reise im letzten
Monat erläuterte Außenminister Baker
das Konzept für ein neues Europa.

In den vergangenen vierzig Jahre hat
sich zwischen den Vereinigten Staaten
und der Bundesrepublik eine enge
Freundschaft entwickelt. Uns verbinden ähnliche Ziele, gleiche Werte und
eine starke gemeinsame Interessenlage.
Die Zukunft Deutschlands liegt
in unserem beiderseitigen Interesse.
Im September letzten Jahres erklärte
Präsident Bush, eine eventuelle Wie- 7 -

"Der sich heute in Osteuropa
vollziehende Wandel berechtigt zu
großen Hoffnungen.
Ein neues
Zeitalter bringt jedoch unterschiedliche Sorgen für uns alle
mit sich. Einige dieser Sorgen
sind so alt wie Europa selbst,
andere wiederum ein neues Produkt
des Wandels.
Wenn der Westen das Gefüge der
Zusammenarbeit
aufgeben
würde,
das wir in vierzig Jahren aufgebaut haben, würden diese Sorgen
zu Problemen. Aber die von uns

�geschaffenen Institutionen - die
NATO, die Europäische Gemeinschaft und der KSZE-Prozeß - sind
lebensfähig.
Auf demokratische
Werte gestützt, werden sie der
Macht der Volkes gerecht, die den
neuen Kurs der Geschichte bestimmt.

guts als vielversprechend anzusehen.
Wir können vertrauensvoll in diese
Zukunft blicken.

Ich danke Ihnen.

Noch wichtiger ist, daß diese Institutionen auch flexibel sind
und sich rasch verändernden Gegebenheiten anpassen können. Wenn
wir uns anpassen und unsere Zusammenarbeit
untereinander
und
mit den Nationen des Ostblocks
erneuern und erweitern, werden
wir ein neues Europa auf der
Grundlage eines neuen Atlantizismus schaffen."
Abschließend möchte ich noch einen
Passus aus dem Kommunique der Ministertagung des Nordatlantikrats zitieren, der in derselben Formulierung
In der - eine Woche zuvor veröffentlichten - EG-Gipfelerklärung enthalten ist.
"Wir streben die Festigung des
Zustandes des Friedens in Europa
an, in dem das deutsche Volk in
freier
Selbstbestimmung
seine
Einheit
wiedererlangt.
Dieser
Prozeß muß sich auf friedliche
und demokratische Weise, unter
Wahrung der einschlägigen Abkommen und Verträge sowie sämtlicher
in der Schlußakte von Helsinki
niedergelegten Prinzipien im Kontext des Dialogs und der OstWest-Zusammenarbeit
vollziehen.
Er muß auch in die Perspektive
der europäischen Integration eingebettet sein."
Die Vereinigten Staaten unterstützen
diesen Gedanken vorbehaltlos in allen
Punkten. Er basiert auf einer Reihe
politischer Grundwerte, die wir alle
teilen und die zunehmend auch dort zu
wurzeln beginnen, wo sie viele Jahre
lang unterdrückt waren. Obgleich wir
die vor uns liegenden Probleme nicht
unterbewerten dürfen, ist die Zukunft
des Westens und westlichen Gedanken-

- 8-

* * * * *

�S I C H E R H E I T S P O L I T I K
Amerika Dienst 3

POWELL:

24. Januar 1990

US-TRUPPENOBERGRENZEN IN EUROPA KEIN TABU

Rede von General Powell beim Seminar über Militärdoktrinen

WIEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Colin L. Powell, bei der Eröffnung des Seminars
über Militärdoktrinen in Wien am 16. Januar 1990 gehaltene Rede. Es gilt das
gesprochene Wort.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte
ich zunächst auf die historischen Ereignisse verweisen, die diese in der
Geschichte
einmalige
Zusammenkunft
ermöglicht haben.
Heute vor sechs
Jahren versammmelten sich Vertreter
der 35 KSZE-Mitgliedstaaten in Stockholm zur Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Furopa (KVAE).
Diese
Konferenz fand zu einer Zeit statt,
in der die Kluft zwischen Ost und
West noch besonders tief war. In der
Sowjetunion gab es weder Glasnost
noch Perestrojka.
Die Rüstungskontrollverhandlungen waren an einem
Tiefpunkt angelangt.
Die Welt war
von Spannungen beherrscht, und es bestand wenig Anlaß zu Hoffnungen.

Was haben wir in der Zwischenzeit erreicht?
Ein KVAE-Abkommen, ein historischer
INF-Vertrag,
umfassende
Abrüstungsverhandlungen wurden in die
Wege geleitet, zwischen Ost und West
fanden Gipfeltreffen statt, und in
Osteuropa und der Sowjetunion vollzieht sich ein epochaler Wandel. Die
Welt stellt sich uns zu Beginn der
letzten 10 Jahre eines turbulenten
Jahrhunderts hoffnungsvoll und vielversprechend dar.
Auch von dem Veranstaltungsort dieses
Seminars bin ich beeindruckt. In die
Annalen der Geschichte ist dieser Palast im Zusammenhang mit einer der
bedeutendsten Konferenzen eingegangen: dem Wiener Kongreß. Die Teil-

�nehmer an dieser Konferenz vor nahezu
200 Jahren trugen sich mit der Absicht, ein stabiles Europa zu schaffen. Die heute vor uns liegende Aufgabe lautet anders: Dazu beizutragen, eine neue Ordnung in Europa zu
gestalten, die dem Wunsch unserer
Bürger nach einem Leben in Frieden,
Sicherheit
und
Freiheit
gerecht
wird.
Diese Konferenz darf also
nicht
routinemäßig
ablaufen.
Wir
müssen uns Erkenntnisse vermitteln.
Wir müssen Mauern einreißen und Brükken bauen. Wir müssen uns offen und
ehrlich äußern. Auf diesem Seminar
darf nicht nur geredet, sondern es
muß gearbeitet werden. Als hochrangige Offiziere unserer jeweiligen
Länder sind wir verpflichttet, zu dem
historischen Prozeß beizutragen, der
sich heute auf diesem Kontinent vollzieht.

Die Verfassung
Ich möchte in diesem Zusammenhang an
ein Ereignis erinnern, das mir seit
der Zeit meiner Rekrutierung als
Leutnant des amerikanischen Heeres im
Gedächtnis haften blieb.
Zu jener
Zeit mußte ich einen Eid auf die Verfassung
der
Vereinigten
Staaten
schwören. Die amerikanische Verfassung ist ein bemerkenswertes Dokument
- und stellt höchste Anforderungen an
diejenigen von uns, die sich für eine
militärische
Laufbahn
entscheiden.
Wir müssen ein Gelübde auf ein Dokument ablegen, das im Militär und insbesondere meiner Teilstreitkraft
dem Heer - ein notwendiges Übel
sieht, das in Zeiten der Krise von
Nutzen sein kann, aber ansonsten
sorgfältig im Auge behalten werden
muß.
Die Verfasser dieses Dokuments verlangten diesen Eid von mir, damit mir
und allen Soldaten eines unmißverständlich klar wird: unsere Aufgabe
besteht nicht nur darin, Land, Rohstoffe, einen Staat oder eine Regierung, sondern vielmehr eine Idee zu
verteidigen. Einer im Zeitalter der
Aufklärung geborenen Idee. Was wir

zu verteidigen gelobt hatten, waren
die Rechte des einzelnen in einem
Rechtsstaat. Bei einer Mobilmachung
mußte unsere "Bürgerwehr" diesem Eid
selbst in schwersten Krisen treu
bleiben.
Während der Debatten über die Verfassung definierte einer der Gründerväter, James Madison, die Stärke der
Vereinigten Staaten als vom Volke
ausgehend, das vereint hinter seiner
Regierung steht. Er schrieb: "Auch
mit einer Handvoll Truppen oder mit
nur einem einzigen Soldaten ist ein
geeintes Amerika als Objekt ausländischer Begierde abschreckender als ein
entzweites Amerika mit Hunderttausenden, zum Kampf bereiten Veteranen.""
In der Tat waren die Vorbehalte gegen
die Aufrechterhaltung eines "stehenden Heeres" so groß, daß einer der
Gründungsväter der Verfassung eine
Obergrenze von 2 000 Soldaten vorschlug. George Washington antwortete
darauf: "Eine glänzende Idee - wenn
wir auch all unsere Gegner davon
überzeugen können, keinen größeren
Militärapparat zu unterhalten."
Mit der Verfassung erhielt der Kongreß das Recht, den Krieg zu erklären
und
"Landstreitkräfte
aufzustellen
und zu unterhalten", begrenzte jedoch
die Mittelzuweisung vom Kongreß an
das Heer auf jeweils zwei Jahre. In
Anbetracht der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten ein vom Meer umgebenes Land sind und aus Gründen der Sicherheit und um Handel zu treiben von
Wasserstraßen abhängig sind, räumte
die Verfassung dem Kongreß das Recht
ein, Seestreitkräfte zu unterhalten,
ein Heer jedoch nur im Bedarfsfall
aufzustellen.
Aufgrund der Verfassung ist der Präsident Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Seine Machtbefugnisse sind jedoch denen seiner
Amtskollegen im Ausland nicht vergleichbar.
Vor allem fand in der Verfassung jedoch der Willen des Volkes seinen
Niederschlag. Er wird in den ersten
drei Worten der Verfassung auf einen

- 2 -

�Nenner gebracht, die lauten: "Wir,
das Volk..."
Der Regierung wurde
durch die Verfassung ihr Amt verliehen, aber die Machtbefugnis - die
Verantwortlichkeit - wurde dem Volk
übertragen.
Maßnahmen können rückgängig gemacht werden, gewählte Regierungsvertreter können kommen und
gehen, aber die Verfassung - das Gesetz des Landes, der Willen des Volkes - ist von Dauer.

so schnell von den Wirren des Krieges
freigemacht hat." Nach dem totalen
Krieg sehnten sich die Amerikaner
nach totalem Frieden.
Der Andrang
auf Entlassung aus dem Militärdienst
nach dem Zweiten Weltkrieg war so
groß, daß sechs Monate nach dem Endsieg bereits die Hälfte unserer 12
Millionen Soldaten ins bürgerliche
Leben zurückgekehrt war und binnen
Jahresfrist nur 3 Millionen im Dienst
blieben.

Die Vereinigten
sten Jahrhundert

Der Wunsch nach totalem Frieden findet auch in der Art und Weise seinen
Niederschlag, wie Amerikaner ihre militärisch
Verantwortlichen
sehen.
Dwight Eisenhower - einst Oberbefehlshaber in Europa, dann Dekan ist wegen seiner zwei Amtszeiten als
Präsident der Vereinigten Staaten,
wegen seiner Bereitschaft, der Sowjetunion mit Gedanken wie den "Offenen Himmeln" entgegenzukommen - ein
Gedanke, der jetzt Früchte trägt und seiner Warnung an das amerikanische Volk, sich vor den Gefahren der
"Rüstungsindustrie" zu hüten, in die
Geschichte eingegangen.
An Douglas
Macarther, Oberbefehlshaber Pazifik,
erinnert man sich als Urheber der Demokratie in Japan. Und George Marshall, Verteidigungsplaner im Krieg,
wird als Architekt des Friedens gewürdigt. Im Krieg unterstützen die
Amerikaner ihre Generäle, aber sie
gedenken ihrer nicht für das in
Kriegszeiten Zerstörte, sondern das
in Friedenszeiten Geschaffene.

Staaten im zwanzig-

Ich zeige diesen scheinbaren Widerspruch in unserer Verfassung im Hinblick auf Sinn und Zweck der Streitkräfte auf, um zwei wesentliche Kriterien der Militärdoktrin der Vereinigten Staaten hervorzuheben.
Erstens hatten wir von der Geburtsstunde unserer Republik an nationale Vorbehalte gegenüber großen stehenden
Heeren. In der Tat werden sie als
Abweichung von der Norm angesehen,
und entsprechen nicht dem Wesen einer
demokratischen Regierung.
Zweitens hat das amerikanische Volk
darauf bestanden, wenn die Aufstellung eines Heeres erforderlich werden
sollte, müßte sein Einsatzkonzept defensiven Charakter haben und die Begründung
für
seine
Größenordnung
schonungslos überprüft werden, so daß
seine Reihen bei der ersten besten
Gelegenheit gelichtet werden könnten. Während ich hier sitze, können
Sie sicher sein, daß der Kongreß in
Washington über Mittel und Wege nachdenkt, wie unser Heer bei nächster
Gelegenheit abgebaut werden kann.
Das Unbehagen, das wir Amerikaner gegenüber der Aufrechterhaltung eines
Militärapparates haben, wurde nach
dem Zweiten Weltkrieg besonders deutlich. Um Präsident Truman zu zitieren:
"Sobald die Feindseligkeiten
eingestellt sind, kehren die Amerikaner .. . unverdrossen und . . . unverzüglich in ihr bürgerliches Leben zurück.
Niemals hat es in der Geschichte ein Volk gegeben, das sich

Das Einsatzkonzept der Vereinigten
Staaten in der Nachkriegszeit
Dieser historische Exkurs ist für das
Verständnis der amerikanischen Militärdoktrin in der Nachkriegszeit unabdingbar.
Angesichts der bitteren
Erkenntnis vor 40 Jahren, daß Frieden
nicht möglich, Europa Opfer anhaltender Unterdrückung und im Fernen Osten
erneut Krieg ausgebrochen war, mußten
die Vereinigten Staaten eine schwere
Entscheidung treffen - sich wieder in
ihre historische Isolation zurückzuziehen oder weltweit eine Rolle als

- 3 -

�Garant der Sicherheit zu übernehmen,
die ihrer demokratischen Tradition
zuwiderlief.
Nachdem wir im 20.
Jahrhundert
mehrfach
einen
hohen
Preis dafür bezahlen mußten, daß wir
die Bedrohungen unserer Sicherheit
nicht erkannt haben, lösten wir das
Problem, indem wir uns für die Übernahme internationaler Verantwortung
und den Aufbau der für ihre Ausübung
erforderlichen Streitkräfte entschieden.
Dabei haben wir jedoch vier
eindeutige Grundsätze zur Bewältigung
der Bedrohung unserer Sicherheit in
der Nachkriegszeit entwickelt.
Erstens haben wir unser Einsatzkonzept nicht für Krieg sondern zur Abschreckung von Aggression ausgelegt.
Abschreckung - der Stützpfeiler unserer Militärstrategie - zielt darauf
ab, einen Angriff auf die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten zu verhindern.
Zweitens werden wir auf eine Herausforderung reagieren - wenn es sein
muß, mit Gewalt - um unsere Bürger,
unsere Verbündeten, unsere Interessen
und unsere Werte zu verteidigen. Die
"Bürgerwehr" wird sich im Zorn erheben und ihre Pflicht tun, wenn sie
gerufen wird. Aber ihre Pflicht wird
darin bestehen, worin sie immer bestanden hat: Reaktion proportional
zur Bedrohung. Wie Sie kürzlich beobachten konnten, scheuen wir uns also
nicht, unsere Bürger zu schützen, indem wir Tyrannen wie Mr. Noriega entmachten und Panama seinem Volk zurückgeben.
Drittens werden wir unserer Verpflichtung zu kollektiver Sicherheit
und Partnerschaft mit Nationen nachkommen, die unsere Grundwerte teilen. Gleichzeitig können wir von unseren Verbündeten nicht erwarten, ihre Sicherheit unseren Absichtserklärungen anzuvertrauen.
Aus diesem
Grund stellen wir an uns die gleichen
Anforderungen wie an sie: Streitkräfte aufrechtzuerhalten, die zur
Verteidigung
der Sicherheit aller
Bündnispartner fähig und verpflichtet
sind.

Und viertens werden wir uns nach wie
vor an die in der Verfassung niedergelegte Unterscheidung zwischen der
Aufstellung von Land- und Beibehaltung von Seestreitkräften halten.
Wir sind wie eine Insel inmitten
zweier großer Ozeane. Ostwärts liegen unsere Sicherheitsverpflichtungen
und unser wirtschaftliches Wohlergehen jenseits des Atlantiks. Westwärts liegen unsere Sicherheitsverpflichtungen und unser wirtschaftliches Wohlergehen im Pazifik. Sie alle sind Offiziere - was ich Ihnen erzähle, ist also nichts Neues: Seestreitkräfte können Sicherheit für
uns und unsere Verbündeten gewährleisten. Es gibt jedoch zwei Dinge, die
Seestreitkräfte nicht können:
sie
können kein Gebiet erobern und auf
sich alleine gestellt keine Kriege
gewinnen.
Ich möchte mich nunmehr der Rolle der
Vereinigten Staaten in der NATO zuwenden.
Der Gedanke kollektiver Sicherheit
ist zwar international, seine Wurzeln
hat er jedoch in Europa. Die ersten
Schritte auf dem Weg zur kollektiven
Sicherheit sind uns nicht leichtgefallen.
Die
Truman-Administration
war nicht um die Gründung des NATOBündnisses bestrebt. Wir wurden Mitglied in der NATO, weil wir uns darüber im klaren waren, daß sich Länder
aus zwei Gründen zusammenschließen:
entweder aufgrund gemeinsamer Werte
oder aufgrund einer Bedrohung für alle. Ende der vierziger Jahre hatten
unsere westlichen Verbündeten und wir
beide Gründe.
Im Mai 1945 schwiegen die Waffen in
Europa.
Aber die Instrumente des
Kriegs waren nur durch Instrumente
der Zwangsherrschaft ersetzt worden.
In ganz Osteuropa wurden befreite zu
besetzten Ländern. In diesen düstersten aller Zeiten - des politischen
Umsturzes in Prag und des militärischen Drucks auf Berlin - traten die
führenden Politiker Europas auf den
Plan. Sie hatten einen sehr unterschiedlichen Hintergrund: der engli-

- 4 -

�sehe Gewerkschafter Ernest Bevin, der
französische Wirtschaftspolitiker Robert Schuman, der belgische Jurist
Henri Spaak und der norwegische Geschieht slehrer Halvard Lange.
Ihre
Vision war jedoch dieselbe: kollektive Sicherheit, ein vom Krieg verwüstetes Europa von der Angst zu befreien, daß zwei Kriege nur der Auftakt für eine weitere Bedrohung seien
- eine Bedrohung, die ihre Freiheiten, ihr gemeinsames Erbe und ihr Leben zunichte machen.
Wie konnten wir dem Kontinent den
Rücken kehren, der Geburtsstätte der
Aufklärung und ihrer Ideale war, die
unsere Verfassung - und unsere Doktrin - beeinflußt haben. Wir haben
also reagiert. Wir haben Westeuropa
nicht als Schutzschild benutzt, sondern ein Schutzschild über Europa gebreitet. Die Sicherheit des Westens
ist damals wie heute unantastbar.

Die militärische Kräfteverteilung in
der NATO
Gemeinsame Werte bilden das Herzstück
kollektiver Sicherheit und das Rückgrat sind gemeinsame Risiken und
Pflichten.
Ich möchte an dieser
Stelle darauf eingehen, wie die Vereinigten Staaten, ihre Prinzipien und
ihre Militärdoktrin zur kollektiven
Sicherheit in Europa beitragen. Die
amerikanische Rolle in der NATO wird
von sechs Grundsätzen geleitet. Einige davon lassen sich unter dem
Oberbegriff
"Doktrin" zusammenfassen. Andere gehen über rein militärische Konzepte hinaus und sprechen
die Quintessenz kollektiver Sicherheit an.

Die sechs Grundsätze
Erstens stehen wir in Konsultationen. Wir drängen dem Bündnis unsere
Auffassungen oder unsere militärischen Strategien nicht auf. Konsultationen sind für das Bestehen der
NATO unabdingbar.
Demokratien sind
von Natur aus streitbar. Wir argu-

mentieren und debattieren, und unsere
Meinungsverschiedenheiten werden unter dem wachsamen Auge der Öffentlichkeit ausgetragen. Am Ende gehen
wir aus diesem freimütigen Prozeß jedoch gestärkt und nicht etwa geschwächt hervor. Darüber hinaus gewährleistet dieser Austausch den defensiven Charakter unserer gemeinsamen Sache. Es ist unvorstellbar, daß
ein Bündnis, dessen Einsatzkonzepte
und Ziele von der Öffentlichkeit in
16 demokratischen Ländern derart aufmerksam verfolgt werden, jemals einen
Angriff starten könnte.
Zweitens unterstützen die Vereinigten
Staaten das Konzept kollektiver Verteidigung, das heißt der gemeinsamen
Verteidigung gegen eine Bedrohung,
die so groß ist, daß sie die Verteidigung eines einzigen Landes außerkraftsetzen könnte. Aus diesem Grund
akzeptieren Amerikaner die ständige
Stationierung von US-Streitkräften im
Ausland trotz der damit verbundenen
Kosten.
Der erste Vorsitzende der
Vereinigten Stabschefs, General Omar
Bradley, unterstützte die Rückkehr
von US-Streitkräften nach Europa, so
daß "kein Zweifel über Amerikas Interesse an der Verteidigung - nicht Befreiung - Europas aufkommen kann".
Bis auf den heutigen Tag besteht die
größte Sorge unseres Bündnisses in
der wahnwitzigen Vorstellung, stark
überlegenen und für Großoffensiven
ausgerüsteten
Streitkräften
gegenüberzustehen. Ich möchte dem hinzufügen, daß wir von den Erklärungen
und ersten Beweisen einer historischen Neudefinition und Umstrukturierung der Doktrin und der Streitkräfte
des Warschauer Pakts im Sinne eines
defensiven Einsatzkonzpets sehr ermutigt sind.
Die Perspektiven, die
sich dadurch für schnelle Fortschritte bei der Abrüstung und nicht zuletzt für eine Neufassung aller Sicherheit svorkehrungen in Europa bieten, berechtigen zu neuer Hoffnung
auf endgültige Abkehr vom entzweienden Vermächtnis des Zweiten Weltkriegs.

- 5 -

�Drittens stützt sich die amerikanische Verpflichtung zur NATO auf Vorneverteidigung.
Diese Verpflichtung
zur Erhaltung territorialer Integrität an jedem potentiellen Angriffspunkt ist für die Verteilung der Lasten und Pflichten unabdingbar. Darüber hinaus erklärt es die NATO-Strategie, Druck auf die nachrückenden
Staffeln der Angreifer auszuüben,
weil der Nachteil der NATO bei wichtigen Truppenteilen keine erfolgreiche Verteidigung gegen aufreibende
Angriffe
schwerbewaffneter
Streitkräfte erlaubt.
Dennoch spiegelt
dies unter keinen Umständen die Absicht des Bündnisses wider, Territorium zu besetzen und zu annektieren.
Einem Bündnis, das sich unter den besten Voraussetzungen immer noch in
einer Position militärischer Unterlegenheit befindet, steht nicht die Option offensiver
Strategien offen.
Offensivstrategien
sind
mit
den
Grundsätzen des NATO-Bündnisses unvereinbar.
Viertens bleibt Amerika der Strategie
der flexiblen Reaktion verpflichtet.
Flexible Reaktion bedeutet glaubwürdige Abschreckung, und falls diese
versagt,
müssen
Feindseligkeiten
schnell beendet und der Status quo
wiederhergestellt werden.
Dazu ist
eine große Bandbreite von - konventionellen und nuklearen - Fähigkeiten
erforderlich.
Vor über 20 Jahren entschied sich die
NATO für die Eingliederung von Nuklearwaffen
in
ihre
Verteidigung.
Gleichzeitig haben alle NATO-Mitglieder daran gearbeitet, zu gewährleisten, daß ihre Anzahl mit den konventionellen Fähigkeiten des Bündnisses
und dem Klima allseitiger Sicherheit
vereinbar ist. Dadurch haben wir erfreulicherweise in den vergangenen
Jahren die Zahl der Nuklearwaffen in
den NATO-Arsenalen - sowohl einseitig
als auch auf den Verhandlungswege erheblich
reduziert.
Schließlich
sind wir - wie von den Staats- und
Regierungschefs im Mai vergangenen
Jahres vereinbart - zur Aufnahme wei-

terer Verhandlungen über die Reduzierung von Nuklearwaffen bereit, sobald
die in die KSE-Verhandlungen gesetzten Hoffnungen Wirklichkeit geworden
sind.
Fünftens handelt es sich bei den
US-Truppen nicht um eine Besatzungsstreitmacht. Präsident Bush zufolge
werden amerikanische Streitkräfte so
lange in Europa bleiben, wie die Regierungen
und
die
Öffentlichkeit
Westeuropas dies wünschen und das
Bündnis gemeinsam zu der Entscheidung
gelangt, daß sie weiterhin erforderlich sind.
Sechstens
schreiben
amerikanische
Streitkräfte und Interessen nicht die
militärischen Vorkehrungen des Bündnisses vor. Wir handeln als Bündnis. Unsere Soldaten werden in der
NATO ausgebildet. Bei meinem ersten
Kommando vor 32 Jahren war ich NATOLeutnant, dem 40 Soldaten in der Fulda Gap unterstellt waren. Heute werden vier der acht gemeinsamen Kommandobehörden im NATO-Bündnis von europäischen Offizieren geführt.
Die
Verbindung demokratischer politischer
Verfahrensweisen
und
militärischer
Entscheidungsfindung
ist
uns
auf
höchster Ebene gelungen. Unsere Stäbe denken zunehmend in globalen Dimensionen und entwickeln gemeinsame
Lösungen für militärische Probleme.
Noch wichtiger ist die Tatsache, daß
unsere Ausbildung und unsere Übungen
vom Oberbefehlshaber bis zum jüngsten
Soldaten im Bewußtsein gemeinsamer
Werte und hehrer Ziele stattfinden.
Wir halten an diesen sechs Grundsätzen fest, weil unsere Verbündeten daran glauben und sie im amerikanischen
Volk Unterstützung finden. Die amerikanische Verteidigungspolitik ist
tief verwurzelt. Seit über 200 Jahren hat das amerikanische Volk sein
Militär unterstützt, wenn es einen
Konflikt gab, der eine Reaktion der
Vereinigten Staaten erforderte. Ich
betone dabei das Wort "Reaktion".
Militärische Macht auf der Basis einer Offensive, eines begonnenen Kon-

- 6 -

�flikts oder der Besetzung von Territorium widerspricht
den Gesetzen,
Vorstellungen und der Tradition Amerikas.

Stadt über Reduzierungen im konventionellen Bereich.
Deshalb setzen
wir den Trend zu geringeren Verteidigungsausgaben und niedrigerer Streitkräfteniveaus fort und versuchen ihn
noch zu forcieren.

Perspektiven
Ich habe bereits über westliche Werte
gesprochen.
In Malta hat Präsident
Gorbatschow die Allgemeingültigkeit
dieser Werte betont. Er hat recht.
Wir haben sie niemals nur für uns beansprucht.
Heute werden wir Zeuge tiefgreifender
Veränderungen in der Sowjetunion und
Osteuropa - Veränderungen, mit denen
die Sicherheit aller KSZE-Staaten
verbessert werden kann. Die erfolgten Reduzierungen und der Abzug von
Streitkräften des Warschauer Pakts
ermutigen uns ebenso wie Erklärungen
der Sowjets, eine Politik der Zwänge
- wie die Breschnew-Doktrin - seien
Relikte der Vergangenheit.
Aber in Europa gibt es mehr zu tun
als militärische Reduzierungen. Präsident Gorbatschow hat von Demokratisierung gesprochen. Die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen sind beispiellos. In allen Ländern Osteuropas beobachten wir eine
starke Hinwendung
zum politischen
Pluralismus.
Für
die Vereinigten
Staaten ist wie für jede andere Demokratie Glasnost - öffentliche Diskussionen und Debatten über militärische
Strategien und Programme - ebenso
wichtig wie Perestrojka. Denn durch
echte Glasnost werden nicht mehr nur
einige wenige für nationale Sicherheit und Militärpolitik zuständig
sein, sondern alle werden Verantwortung tragen.
Die Amerikaner haben in den vergangenen vierzig Jahren - und im Laufe ihrer Geschichte - dokumentiert, daß
sie sich Herausforderungen stellen.
Ebensosehr sind Amerikaner bereit,
Chancen zu nutzen.
Präsident Bush
setzt sich für die amerikanische
Überwindung
des
Containment
ein.
Deshalb verhandeln wir in dieser

Die Zahl der in Europa stationierten
US-Streitkräfte ist kein Tabu.
Es
ist keine unumstößliche Tatsache, daß
die militärische Machtverteilung in
einem geteilten Europa so bleiben
soll wie in den vergangenen vierzig
Jahren. Die Vereinigten Staaten begrüßen die um uns herum vollziehenden
Veränderungen. Wir hoffen, daß der
Prozeß, in dem wir uns alle befinden,
zu dem Tag führen werden, an dem die
militärischen Anforderungen an beide
europäischen Bündnisse erheblich sinken. Darüber hinaus hoffen wir, daß
der in Ost und West gehegte Traum von
einer friedlichen Gemeinschaft demokratischer Staaten mit gemeinsamen
Werten Wirklichkeit wird.
Innerhalb und außerhalb des KSZE-Prozesses richten wir unsere Bestrebungen auf den Abbau von Spannungen und
Schranken,
Streitkräftereduzierungen
und Wiederherstellung von Vertrauen
zwischen einzelnen Ländern. Ich weiß
heute um unser aller Bewußtsein, daß
Ost und West das Ende des Zeitalters
der Konfrontation in Europa herbeiführen wollen. Der Geist der Demokratie durchdringt diesen Kontinent.
Mit diesem gemeinsamen Ziel vor Augen
können wir alle zusammenarbeiten, um
in ein neues Zeitalter des Friedens,
der Sicherheit und Freiheit in Europa
einzutreten.

Schlußbemerkung
Im Laufe dieses Seminars werden Sie
noch eingehender von anderen Amerikanern über unsere Politik und Doktrin
informiert werden. Generalmajor Robinson wird im einzelnen erläutern,
wie unsere Politik und Streitkräftestruktur ausgerichtet ist, um die
Ziele im Bereich der nationalen Sicherheit zu verwirklichen, die uns
das amerikanische Volk zuweist. Der

- 7 -

�Stellvertretende
Verteidigungsminister Chu wird erklären, wie wir Mittel für unsere Verteidigung von einem
sachkundigen, fordernden und mißtrauischen Kongreß erhalten, der seiner verfassungsmäßigen Rolle gerecht
wird. General Leland wird darlegen,
wie die Ausbildung der US-Streitkräfte in Europa erfolgt, damit sie ihre
Pflicht für unsere kollektive Sicherheit erfüllen können.
Nach Beendigung unserer Vorträge werden wir Sie hoffentlich vom defensiven Charakter unserer Doktrin überzeugt haben.
Sie werden erkennen,
daß wir eine Supermacht mir weltweiten Pflichten sind. Sie werden erkennen, daß unsere Streitkräfte bestehen, um unsere Werte zu schützen,
nicht, um sie aufzuzwingen. Sie werden erkennen, daß wir entschlossen
sind, alles in unserer Macht Stehende
zu tun, um unsere Freiheit und die
unserer Freunde zu bewahren.
Sie
werden erkennen, daß kein Land, das
sich den Zielen dieser Konferenz verpflichtet
fühlt,
die
Vereinigten
Staaten fürchten muß.
Dies ist eine historische Zusammenkunft, von der wir viel erwarten.
Ich freue mich auf die Vorträge meiner Kollegen.

* * * * *

-8

�S I C H E R H E I T S P O L I T I K

Amerika Dienst 3

VEREINIGTE STAATEN:

24. Januar 1990

UMSTRUKTURIERUNG DER STREITKRÄFTE ERFORDERLICH

Rede von Les Aspin beim Nationalen Strategieforum

WASHINGTON - (AD) - Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im amerikanischen Repräsentantenhaus, Les Aspin, erklärte am 19. Januar 1990 in einer Rede
beim Nationalen Strategieforum in Chicago, die Vereinigten Staaten müßten über
eine Umstrukturierung und Reduzierung ihrer Streitkräfte in einer Weüt nachdenken, in der die Sowjetunion nicht mehr die wichtigste militärische Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt.
Aspin zufolge ist eine solche Welt "vielleicht nur fünf bis zehn Jahre entfernt", die Vereinigten Staaten "benötigten dann zwar immer noch Streitkräfte,
aber mit ganz anderer Struktur als heute. Das Militär müßte umstrukturiert
und reduziert werden."
Aspin schlug dem Kongreß eine neue Strategie für Kürzungen des Verteidigungshaushalts angesichts der verminderten sowjetischen Bedrohung und der politischen Unwägbarkeiten in Osteuropa vor.
Nachfolgend veröffentlichen wir Aspins Rede im Wortlaut.
Im letzten Frühjahr hat Präsident
Bush seinen ersten Verteidigungshaushalt - verspätet - vorgelegt. Er war
von den Zeichen der Zeit gesetzt.
Dynamische Ereignisse fanden statt,
deren Ergebnis jedoch unsicher war.
Heute, nur einige Monate später, leben wir in einer neuen Welt. Ereignisse, die noch vor einigen Monaten
undenkbar gewesen wären, sind jetzt
Aufmacher in den Abendnachrichten.
In Osteuropa bröckelt das kommunistische Weltreich. Man kann sich den
Warschauer Pakt nicht mehr als geschlossenes Militärbündnis vorstellen, das Moskaus Anweisungen blinden
Gehorsam leistet. Zum ersten Mal in
einer Reihe von Generationen können
wir jetzt in Ansätzen - und ich betone: in Ansätzen - an eine Welt den-

ken, in der die Sowjetunion für die
Vereinigten Staaten nicht mehr die
wichtigste
militärische
Bedrohung
darstellt.
Wenn wir Glück haben, ist eine solche
Welt vielleicht nur fünf bis zehn
Jahre entfernt. Wie könnte sie aussehen?
Wir benötigten dann immer
noch Streitkräfte, aber mit ganz anderer Struktur als heute. Unser Militär müßte umstrukturiert und reduziert werden.
Die größten Veränderungen würden im
Heer stattfinden. Seit dem Zweiten
Weltkrieg ist das Heer mit der sowjetischen Bedrohung - vor allem den Sowjets in Europa - vor Augen aufgestellt und konzipiert worden.
Vor
dem Hintergrund
dieses Szenariums

�wurden vom Heer Waffen beschafft,
Taktiken
entwickelt
und
Übungen
durchgeführt. Wenn das Heer andere
Aufgaben - etwa einen Dschungelkrieg
in Vietnam oder eine Invasion in Grenada - zu erfüllen hatte, waren Veränderungen vorzunehmen. Wir nutzten,
was wir hatten, bei Neuerwerbungen
nahmen wir aber auf andere Situationen keine Rücksicht.
Die Frage, die sich jetzt stellt,
lautet: Wie würde das Heer aussehen,
wenn es nicht mehr gegen die Sowjetunion kämpfen, sondern Operationen in
Panama durchführen müßte? Es ist an
der Zeit, über diese Frae nachzudenken.
Aber die mögliche neue Welt hätte
nicht nur Auswirkungen auf das Heer.
Nehmen Sie zum Beispiel die Marine.
Heute hat sie vier Hauptaufgaben:
sie trägt mit U-Boot-gestützten Atomwaffen
zur nuklearen Abschreckung
bei, sie ist bereit, bei einem Konflikt zwischen den Supermächten für
die Kontrolle auf See zu kämpfen, sie
ist vorbereitet, um Streitkräfte ans
andere Fnde der Welt zu befördern was wir als Kräfteentsendung bezeichnen - und sie demonstriert überall
auf der Welt amerikanische Präsenz.
Zwei dieser Aufgaben dienen vordringlich
der
Bekämpfung
sowjetischer
Macht - nukleare Abschreckung mit
strategischen
Raketen
bestückten
U-Booten und Kontrolle auf See, um im
Fall eines Kriegs in Europa Nachschub
dorthin zu transportieren. Bei diesen Aufgaben spielen U-Boote und
Technologie
zur U-Boot-Abwehr die
wichtigste Rolle.

könnte sich die Marine in Zukunft
tatsächlich in geringerem Maße der
Kontrolle auf See und stärker der
Kräfteentsendung zuwenden, weil sich
in diesem Bereich wahrscheinlich ein
erhöhter Bedarf an Streitkräften ergeben wird.
Kurzum - die Zukunft
könnte für die Marine mehr Flugzeugträger und weniger U-Boote bedeuten.
Die Marine könnte sogar ihre Aufmerksamkeit verstärkt der sogenannten amphibischen Komponente zuwenden. Denken Sie nur an unsere Patrouillen im
Persischen Golf während des Konflikts
im Iran. Denken Sie nur an den beklagenswerten Zustand des Minenräumgeräts. Ich hoffe, daß die Marine in
den kommenden Jahren ihr Augenmerk
auch darauf richtet.
Am
militärischen
Erscheinungsbild
dieser neuen Welt muß noch viel getan
werden. Diese Welt gibt es jedoch
noch nicht. Auch wenn wir konkretere
Vorstellungen von ihren Strukturen
hätten, können wir heute nicht so
rechnen, als ob es sie bereits gäbe,
weil wir uns dessen nicht sicher sein
können. Was sollen wir in der Zwischenzeit tun?
Es haben bereits dynamische Ereignisse stattgefunden. Unsere Bürger weisen darauf hin, daß wir sie unter allen Umständen berücksichtigen müssen. Sie haben völlig recht.
Der Kunstgriff in diesem und vielleicht auch in den nächsten, Jahren
liegt darin, wie wir in einer Zeit
historischer Veränderungen und Unsicherheiten in der Sowjetunion unsere
Mittel verteilen.

Die beiden "anderen Aufgaben der Marine - Kräfteentsendung und militärische Präsenz - sind in Situationen
angemessen, die nichts mit der sowjetischen
Bedrohung
zu tun haben.
Kräfteentsendung und Präsenz wird von
Flugzeugträgern, den Marineinfantristen und Schlachtschiffen geleistet.

Heute möchte ich eine Reihe von
Grundsätzen - eine Strategie, wenn
Sie so wollen - aufzählen, die es uns
gestattet, beides zu tun, wenn der
Präsident uns in zehn Tagen seinen
Verteidigungshaushalt
vorlegt.
Es
gibt zwei Grundsätze, die wir hier
befolgen müssen.

Falls es in Zukunft tatsächlich keine
sowjetische
Bedrohung
mehr
gibt,

Der erste Grundsatz ist einfach. Wir
sollten unsere Anstrengungen verrin-

- 2

�daß sich die Produktionsquote
taktischer
Waffen
verringert
hat.
1989 betrug die Zahl der
hergestellten Panzer etwa 1 700.
Das ist etwa die Hälfte der normalen Produktion.
Erwartungsgemäß werden es 1990 etwa 900 Panzer - wiederum die Hälfte - sein.

gern oder unsere Ausgaben in den Bereichen kürzen, in denen die militärische Bedrohung tatsächlich abgenommen hat.
Das ist leichter gesagt als getan.
Der Kunstgriff besteht darin, die
richtigen Kategorien zu treffen. Um
das zu tun, müssen wir unseren alten
Gegner objektiv betrachten. Im folgenden einige unserer Einschätzungen.

Politische
Veränderungen.
Die
Ereignisse, wie wir sie in Osteuropa beobachten, werfen die berechtigte Frage über die Lebensfähigkeit des Warschauer Pakts
als Militärbündnis auf. Tatsächlich ist die Frage der weiteren
Präsenz sowjetischer Truppen in
Osteuropa noch offen.

Die Bereitschaft des Warschauer
Pakts zum Krieg.
Unsere Nachrichtendienste haben wiederholt
erklärt, der Warschauer Pakt benötige lediglich zwei Wochen zur
Vorbereitung einer Großoffensive
gegen die NATO. Jetzt sind ihren
Aussagen zufolge 34 bis 44 Tage
erforderlich.
Und das war vor
den jüngsten Ereignissen in Osteuropa.

Kräfteentsendung in andere Gebiete. Wie steht es mit sowjetischen Aktivitäten in anderen Teilen der Welt?
Die Aktivitäten
auf See sind drastisch - um etwa
25 Prozent - zurückgegangen. Sowjetische Streitkräfte im Fernen
Osten sind reduziert worden. Die
sowjetische Militärhilfe an andere Länder ist - wenn auch geringfügig - zurückgegangen. Die Fähigkeit der Sowjets zur Kräfteentsendung hat sich jedoch kaum
verringert.

Sowjetischer
Truppenabzug
aus
Osteuropa. Im Dezember 1988 hat
Gorbatschow die vollständige Beendigung des einseitigen Abzugs
bis 1990 verkündet. Und seinem
Versprechen sind Taten gefolgt.
Die Sowjets haben einseitig Panzer und andere Streitkräfte aus
Osteuropa abgezogen und reduzieren somit ihre Kampffähigkeit gegenüber der NATO um 10 bis 20
Prozent.

Die strategische Bedrohung. Hier
gibt es die geringfügigsten Veränderungen.
Die Sowjets haben
zwei neue ICBMs, die straßenmobile SS-25 und die schienenmobile
SS-24. Und sie modernisieren ihre riesigen SS-18, obwohl sie im
Sinne der Einschränkungen von
START umgerüstet sein könnten.
Sie verfügen über zwei strategische Bomber, den alten BEAR H und
den neuen BLACKJACK.
Darüber
hinaus stationieren sie gegenwärtig zwei moderne mit Raketen bestückte U-Boote, DELTA IV und
TYPHOON.

KSE-Verhandlungen.
Mit den im
Rahmen dieser Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte ausgehandelten Reduzierungen sollen
die Streitkräfte des Warschauer
Pakts halbiert werden. Allem Anschein nach wird das tatsächlich
der Fall sein - wenn das Abkommen
noch in diesem Jahr unterzeichnet
wird.
Modernisierung
konventioneller
Waffen.
Unsere eigenen Waffen
waren für die Sowjets in den vergangenen Jahren Gegenstand des
Neids - wenn man den Umfang betrachtet, in dem sie neues Gerät
einführen.
Unsere Nachrichtendienste informieren uns darüber,

Dieser kurze Überblick sowjetischer
Aktivitäten deutet darauf hin, daß
die Bedrohung - und damit unser militärischer Bedarf - vor allem in Europa abgenommen hat. Was könnten wir

- 3 -

�tun? Die Antworten liegen hauptsächlich in den Bereichen Personal und
Einsatzbereitschaft.
Im
folgenden
einige Einzelheiten.
Die NATO - und ihre amerikanische
Komponente - könnte die Bereitschaft ihrer vorne stationierten
Streitkräfte herabsetzen. Gegenwärtig besteht kaum noch die Bedrohung
eines
Überraschungsangriffs.
Mit dem Wort Bereitschaft beziehe ich mich etwa auf
die Intensität von Einsätzen und
Ausbildung
vorne
stationierter
Streitkräfte, die Anzahl und Dauer der Stationierungen von Marineeinheiten in Übersee und den
Umfang des Nachschubs an Bord.
Dann könnte die Mischung aktiver
und
Reserveeinheiten
verändert
werden. Wenn es Monate dauert,
bis sie kampfbereit sind, haben
auch wir einige Monat Zeit. Mehr
Streitkräfte können der Reserve
überstellt werden.
Wir könnten das Problem des Truppentransports
neu
überdenken.
Wenn uns mehr Zeit zur Verfügung
steht, benötigen wir vielleicht
nicht den kostspieligen Lufttransport.
Wir
könnten
den
Transport langsamer und kostengünstiger auf See durchführen.
Damit ergibt sich auch eine Frage
im Hinblick auf das Gerät. Wenn
wir bei den KSE-Verhandlungen einen zahlenmäßige Gleichstand erreichen, verringert sich die Bedrohung durch massierte Nachfolgestreitkräfte
des
Warschauer
Pakts - seit Jahren ein Problempunkt für die NATO. Es könnte
sein, daß wir keine teuren, risikoreichen und hochtechnologischen
Angriffswaffen mehr benötigen, um
die wir bisher bestrebt waren.
Dies sind nur einige Möglichkeiten,
wie wir mit den Veränderungen der
sich uns heute tatsächlich stellenden
Bedrohung fertig werden können. Aber
ich habe bereits darauf hingewiesen,

daß wir auch bei großen Unwägbarkeiten haushalten müssen.
Wie können
wir das tun? Durch Befolgung unseres
zweiten Grundsatzes, der darin besteht, einer Umkehr der von uns wahrgenommenen Tendenzen vorzubeugen.
Das erste Prinzip bezog sich vor allem auf Personal und Bereitschaft.
Dieses dagegen betrifft die Konstruktion neuer Waffensysteme.
Im Grunde könnten wir, um Unsicherheiten vozubeugen, weiterhin neue
Waffensysteme entwickeln, ohne sie
herzustellen, bis wir beobachten, ob
die sowjetische Bedrohung auf einen
potentiellen Einsatz hindeutet. Wir
könnten statt eines Systems, bei dem
wir Entwicklungen erwerben, ein echtes System der Forschung und Entwicklung
erarbeiten.
Es sollte ein
durchstrukturiertes System sein, im
Rahmen dessen zwischen Technologien
ausgewählt wird, Prototypen hergestellt, vorgeführt und bewertet und
dann bis zum Tag ihres potentiellen
Einsatzes gelagert werden.
In der Zwischenzeit könnten wir weiterhin die uns zur Verfügung stehenden Plattformen für Waffen herstellen. Diese Plattfomen - Flugzeuge,
Panzer und Schiffe - könnten im Hinblick auf ihre Feuerkraft und andere
Fähigkeiten weiter verbessert werden.
Die nächste Generation von
Plattformen würde jedoch nicht hergestellt, bis die Bedrohung den Schluß
zuläßt, daß wir sie benötigen.
Als Ergebnis dessen dürfen wir nicht
mehr die "Katze im Sack" kaufen. Das
Problem stellte sich mit der Dauer
der Entwicklung. Die sowjetische Bedrohung bedeutete schnellen Erwerb
neuer Waffen, wobei man sich auf Modelle und Entwürfe verlassen mußte
und keine Prototypen zur Verfügung
standen.
Bei der neuen Strategie
hätte man mehr Zeit, weil eine Kaufentscheidung hinausgezögert würde, um
zu beobachten, wie sich die Bedrohung
entwickelt.
Zu dieser Politik müßten noch andere

_ 4_

�Kriterien hinzukommen. Der Sammlung
und Auswertung nachrichtendienstlichen Materials muß große Bedeutung
zukommen. Wir müssen sicherstellen,
daß wir wissen, was der andere tut.
Dabei spielt auch die Rüstungsindustrie eine Rolle. Wenn wir uns darauf verlassen wollen, daß wir nach
Bedarf neue Waffen herstellen können,
müssen wir die entsprechende Fähigkeit der Industrie gewährleisten.
Dieser Ansatz würde nicht immer funktionieren. Wir können nicht gleichzeitig die Entscheidung zur Produktion aller Systeme zurückstellen.
Einige neue Waffen werden erforderlich sein, wenn auch in geringerer
Anzahl als bisher. Ich möchte Ihnen
dazu einige Leitlinien für die Entscheidung über neue Waffen darlegen.
Wir sollten ein neues System nur herstellen, wenn die folgenden drei Bedingungen erfüllt sind.
Erstens sollte kein neues Waffensystem in Produktion gehen, wenn
die wahrgenommene Bedrohung dies
nicht
ernsthaft
rechtfertigt.
Das heißt, entweder werden die
Sowjets besser oder wir müssen
ganz klar schlechter werden.
Zweitens muß die neu entwickelte
Technologie etwas leisten.
Das
mögen Sie für offensichtlich halten, es war jedoch bisher nicht
der Fall.
Drittens müssen die Konstrukteure
auch angesichts einer echten Bedrohung
und
funktionierender
Technologie beweisen, daß das bestehende Gerät für die betreffende Bedrohung nicht mehr weiter zu
entwickeln und zu verbessern ist,
bevor sie neues entwickeln.
Ich möchte einige Beispiele anführen,
wie dies funktionieren könnte. Die
Luftwaffe arbeitet derzeit an ihrem
Advanced Tactical Fighter (ATF), dem
taktischen
Kampfflugzeug
der
Zukunft. Mit der Produktion des ATF
werden wir abwarten, bis sich heraus-

stellt, ob die sowjetische Bedrohung
seine Produktion tatsächlich erforderlich macht. Wir arbeiten an einer
neuen Luft-Luft-Rakete, die unseren
derzeitigen Kampfflugzeugen ein enormes Potential verschafft.
Für das
Haushaltsjahr 1991 könnte der Streitkräfteausschuß die Produktion des ATF
zurückstellen und die heutige Generation von Kampfflugzeugen anschaffen F-15 und F-18.
Andererseits kann man berechtigterweise das Argument vorbringen, unsere
jüngste Klasse von Angriffs-U-Booten
biete praktisch keinen Raum für Verbesserungen mehr - und das meine ich
wörtlich. Konkret können die notwendigen Veränderungen nicht vorgenommen
werden. In der Zwischenzeit hat die
Bedrohung jedoch qualitativ zugenommen. Die sowjetischen U-Boote werden
besser und geräuschloser, obwohl es
vielleicht nicht mehr ganz so viele
gibt. Das führt zur Notwendikeit einer neuen SSN-21-Klasse von U-Booten
des Typs SEAWOLF.
Dies sind die Bestandteile der Strategie, die wir bei der Erörterung des
Haushalts für 1991 anwenden werden.
Bedauerlicherweise hat die Bush-Administration eine vernünftige Haushaltsdebatte bereits erschwert. Wie
ich schon im vergangenen Jahr ausgeführt habe, hat sie sich in zweifacher Weise geirrt.
Erstens hat sie keine ausreichenden
Informationen über die Veränderung
der sowjetischen Bedrohung zur Verfügung gestellt.
Die Administration
hat dem Kongreß beispielweise nicht
mitgeteilt, daß der Nachrichtendienst
seine Bemessung der Vorwarnzeit für
einen Angriff des Warschauer Pakts
von zwei Wochen auf sage und schreibe
44 Tage erhöht hat. Der Kongreß erfuhr davon durch Indiskretionen in
der Presse.
Zweitens begann sie von Kürzungen zu
reden, bevor überhaupt von einer
Strategie die Rede war. Verteidigungsminister Cheney gab bekannt, er
wolle die Wunschliste der Teilstreit-

- 5 -

�kräfte von 1992 bis 1998 um 180 Milliarden Dollar kürzen. Ohne irgendeine Begründung für diese Streichungen im Verteidigungshaushalt, die
mehr oder weniger willkürlich vorgenommen wurden.
Der Haushalt, der uns in 10 Tagen
vorgelegt wird, muß zweifelsohne gekürzt werden. Die Frage ist nur, wie
klug. Mit der von mir hier dargelegten Strategie hoffen wir, unseren
Kollegen neue Hilfsmittel für die
Haushaltsdebatte an die Hand geben zu
können. Diese Strategie ist die entscheidende Richtschnur.
Ich danke Ihnen.

* * * * *
- 6

�MENSCHENRECHTE
Amerika Dienst 3

24. Januar 1990

USA KRITISCH GEGENÜBER MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
Botschafter Abram entwirft Strategie für UN-Menschenrechtskommission

GENF - (AD) - Einem führenden Vertreter der amerikanischen Delegation zufolge beabsichtigen die Vereinigten
Staaten, im gesamten Verlauf der bevorstehenden
Jahresversammlung
der
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Menschenrechtsverletzungen "äußerst kritisch" zu beurteilen.
Botschafter Morris B. Abram, Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen in Genf
und seit langem im Bereich der Menschen- und
Bürgerrechte tätig, erklärte bei einer Pressekonferenz am
19. Januar 1990, der amerikanische
Ansatz sei international, unparteiisch und umfassend und werde permanente Menschenrechtsverletzungen wie
beispielsweise in Kuba nicht hinnehmen.

Die 46. Sitzung der Menschenrechtskommission, dem wichtigstem Überwachung sau sschuß der Vereinten Nationen
zur Wahrung der Menschenrechte weltweit, wird vom 29. Januar bis 9. März
1990 in Genf tagen.
Die amerikanische Delegation wird von Botschafter
Armando
Valladares
angeführt,
der
selbst einmal politischer Gefangener
in Kuba war.
"Wir planen eine Tour d'horizon, um
Bilanz der Fort- und Rückschritte im
Bereich der Menschenrechte im vergangenen Jahr zu ziehen", so Abram.
Er verwies darauf, daß die Sitzung
vor dem Hintergrund der "erfreulichen
und vielversprechenden Veränderungen"
in Osteuropa und Südamerika stattfindet.
"Wir erwarten die Anerkennung

�der Kommission für die Länder - Paraguay, Chile, Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn, um nur einige zu
nennen - die echte Fortschritte bei
der Verwirklichung der repräsentativen Demokratie gemacht haben", erklärte Abram.
Er fügte hinzu, "wir erwarten jedoch
die Kritik der Kommission an den Ländern, die ihrer bekundeten Absicht
zur Wahrung der internationalen Menschenrechtskonventionen nicht gerecht
geworden sind", wie der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte, in der
die Normen für diesen Bereich niedergelegt sind.
Abram führte als Beispiel Kuba an, wo
Verletzungen
der
Grundrechte
und
-freiheiten des einzelnen von der
Kommission mit anderen Maßstäben gemessen wurden als in den übrigen lateinamerikanischen Ländern.

Ausschußmitgliedern aus allen Regionen der Welt gebildete Arbeitsgruppe
Kuba im Jahr 1988 besucht und der
Sitzung im vergangenen Jahr von zahlreichen
Menschenrechtsverletzungen
berichtet hatte. Er erinnerte auch
daran, daß viele Kubaner "grausam behandelt" und verhaftet wurden, weil
sie vor der Gruppe als Zeugen ausgesagt und anderen Stellen über Kubas
Menschenrechtspraktiken
berichtet
hatten - ein Bruch des vor den Vereinten Nationen abgelegten Versprechens, daß in Kuba niemand wegen solcher Informationen bestraft würde.
Americas
Watch,
eine
unabhängige
Gruppe zur Überwachung der Menschenrechte, brachte vor, das kubanische
Regime habe im November drei weitere
Berichterstatter von Menschenrechtsverletzungen zu zweijährigen Gefängnisstrafen verurteilt, womit sich der
Anzahl der inhaftierten Beobachter
auf insgesamt 27 erhöht habe.

"Unparteiisches
Vorgehen
verlangt,
daß den sehr genau dokumentierten
Menschenrechtsverletzungen
in
Kuba
dieselbe Aufmerksamkeit gewidmet wird
wie beispielweise denen in Guatemala,
Chile und El Salvador", fuhr der Botschafter fort. Er stellte fest, Sonderberichterstatter
der
Kommission
wären in diese Länder entsandt worden. Im Falle von Chile mußte "trotz
zweier freier und fairer Wahlen" ein
gesonderter
Tagesordnungspunkt
bei
der
Jahresversammlung
aufgestellt
werden.

Im vergangenen Jahr wurde bei der
AusschußSitzung eine Resolution mit
der Verpflichtung für die kubanische
Regierung
verabschiedet,
"direkte
Kontakte" mit dem UN-Generalsekretär
über Menschenrechtsverletzungen und
in dem Bericht der Arbeitsgruppe aufgeworfene
Fragen
zu
unterhalten.
Amerikanische Regierungsvertreter erwarten die Berichterstattung des Generalsekretärs über diese Kontakte
vor der Kommission.

"Wenn diese Länder solchen Inspektionen unterzogen werden . .. wie um alles in der Welt kann dann Kuba ignoriert werden?", fragte Abram.

Abram betonte, die von den Vereinigten Staaten zu Kuba erwogene Resolution werde "fair, ausgewogen und unparteiisch" sein und damit eines der
vorrangigen Ziele der amerikanischen
Delegation erfüllen.

Er erklärte, die Vereinigten Staaten
würden im Verlauf der Sitzung eine
Resolution vorlegen, in der das
Castro-Regime wegen seiner "Mißachtung der Vereinten Nationen" kritisiert wird und Bestrebungen dieses
internationalen Gremiums zur Verbesserung der Menschenrechtssituation in
diesem Land enthalten sind.

Menschenrechte sind ein weiteres Thema, dem die Vereinigten Staaten Abram
zufolge besondere Bedeutung beimessen
und eine Angelegenheit "internationaler Beurteilung und Besorgnis", die
nicht als ausschließliche Domäne "innenpolitischer
Gesetze"
angesehen
werden darf.

Abram erinnerte daran, daß eine von

Die Vereinigten Staaten

- 2 -

sind ferner

�der Überzeugung, daß der Schutz der
Menschenrechte "die einzige Garantie
für einen dauerhaften Frieden" ist,
fügte
Abram
hinzu.
Die
"einzige
ethische und moralische Basis" der
Regierungen bestehe in freien und
fairen, regelmäßigen Wahlen und die
Institutionen der repräsentativen Demokratie "legen den Grundstein für
kontinuierliche Fortschritte im Bereich der Menschenrechte" und des internationalen Friedens.
Schließlich
wird
die amerikanische
Delegation die "Vorrangigkeit" bürgerlicher und politischer Rechte wie
Rede- und Meinungsfreiheit, das Recht
der freien Religionsausübung und das
Wahlrecht
vor wirtschaftlichen und
sozialen Rechten wie dem Recht auf
Befriedigung
der
Grundbedürfnisse
(Wohnung, Nahrung und medizinische
Versorgung)
hervorheben,
erklärte
Abram.
Wirtschaftliche und soziale Rechte,
stellte er fest, "kann man sogar im
Gefängnis
wahrnehmen.
Aber
warum
will niemand ins Gefängnis? Weil es
dort keine bürgerlichen und politischen Rechte gibt..."
Der Botschafter betonte, die Wahrung
der
bürgerlichen
und
politischen
Rechte "setze in jeder Gesellschaft
kreative
Kräfte
frei und
fördere
wirtschaftliche und soziale Entwicklungen am besten".

bessert habe.
Abram fuhr fort, voraussichtlich würden einige Länder Fragen zur Lage in
Panama vorbringen, obwohl sich seiner
Meinung nach die Situation für das
panamaische Volk infolge der jüngsten
amerikanischen
Operation in diesem
Land verbessert hat.
"Ich habe niemanden gehört ... der
gesagt hat, wir hätten keine Fortschritte für das Selbstbestimmungsrecht des Volkes in Panama erzielt",
so Abram, und in dieser Hinsicht war
die Panama-Operation "eine Verbesserung der Menschenrechte".
Abram erklärte ferner, die Kommission
sollte versuchen, die wachsenden Probleme ethnischer Minderheiten in der
Welt zu bewältigen. Ihm zufolge werden die Vereinigten Staaten die Kommission auffordern, ihrem Unterausschuß zur Verhinderung von Diskriminierung und zum Schutz von Minderheiten das Mandat zur Prüfung der Gegebenheiten zu erteilen, unter denen
harmonische ethnische Beziehungen am
besten gefördert werden können.
Im Verlauf der sechswöchigen Sitzung
beabsichtigt
die
Kommission,
Vorschläge zur Erweiterung der derzeit
43
Nationen
umfassenden
Mitgliedschaft auf möglicherweise 53 sowie
zur effektiveren Gestaltung ihrer Arbeit zu erörtern.

Andere
Themen, die voraussichtlich
bei der diesjährigen Sitzung erörtert
werden, sind Abram zufolge die Menschenrechtssituation in China - wo
die Vereinigten Staaten die Gewaltakte des vergangenen Sommers und darauffolgenden
Inhaftierungen
"bedauern", jedoch die kürzliche Aufhebung
des Kriegsrechts
"begrüßen" - und
Irak, von wo verheerende Nachrichten
kommen.
Er erklärte, auch das Thema Rumänien
werde in der Sitzung angeschnitten,
obwohl der Sturz der Ceaucescu-Diktatur die Menschenrechtssituation seit
der letzten Kommissionssitzung ver- 3 -

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10742">
                <text>24.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10743">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10744">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10745">
                <text>Amerikadienst 24.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10746">
                <text>&lt;strong&gt;1. Ost-West-Beziehungen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Wiedervereinigung muß Anliegen Osteuropas berücksichtigen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters vor der Friedrich-Ebert-Stiftung&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Sicherheitspolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Powell: US-Truppenobergrenzen in Europa kein Tabu &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von General Powell beim Seminar über Militärdoktrinen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umstrukturierung der Streitkräfte erforderlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Les Aspin beim Nationalen Strategieforum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA kritisch gegenüber Menschenrechtsverletzung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Abram entwirft Strategie für UN-Menschenrechtskommission&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2129" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2140">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/057bd0b09478361c53f862488ce3aba8.pdf</src>
        <authentication>38934815cb71589e6e4945b2afbb236c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10753">
                    <text>^eäf^&gt;

S r i o H &lt;*

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

31.Januar 1990

HAUSHALT

Bushs Haushaltsvorlage
Übersicht über den Haushaltsentwurf für 1991
Haushalt sieht Aufstockung der Auslandshilfe vor
Auszüge aus der Haushaltsvorlage 1991

ABRÜSTUNG

Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:
Amerikanische und sowjetische Vorschläge
Eine Übersicht des ACDA

DROGEN

Die Drogenbekämpfungsstrategie der USA für 1990
Nationaler Teil der Drogenstrategie

PANAMA

Partnerschaft mit Panama
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�HAUSHALT
31. Januar 1990

BUSHS HAUSHALTSVORLAGE
Übersicht über den Haushaltsentwurf für 1991
WASHINGTON - (AD) - In dem von Präsident Bush für das am 30. September 1991 endende Haushaltsjahr
vorgelegten Haushalt werden 36 Milliarden Dollar für zusätzliche Ausgaben, aber ein noch drastischerer Anstieg
bei den Einnahmen gefordert.
Haushaltspläne werden vom amerikanischen Kongreß nie genauso verabschiedet und durchgeführt, wie von der
Regierung vorgelegt. Wäre das in diesem Jahr der Fall, würde sich Schätzungen der Bush-Administration
zufolge das Haushaltsdefizit der Regierung von rund 123,8 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1990 auf 63,1
Milliarden Dollar im Jahr 1991 verringern.
Nachfolgend bringen wir wesentliche Auszüge aus dem von Präsident Bush am 29. Januar 1990 vorgelegten
Haushaltsentwurf.

Gesamtumfang des Haushalts

Verteidigungshaushalt

(Angaben in Mrd. Dollar)

Die Ausgaben des Verteidigungsministeriums werden
im Haushaltsjahr 1991 voraussichtlich um nur 1,9
Prozent auf 292,1 Milliarden Dollar aufgestockt. Die
Ausgabeermächtigung beliefe sich auf 1,3 Prozent,
was inflationsbereinigt 2,6 Prozent weniger Kaufkraft
bedeutet.

Einnahmen

1.170,2

Ausgaben

1.233.3

Haushaltsdefizit

63,1

Abbau des Defizits

Neue Vorschläge

Das amerikanische Haushaltsdefizit erreichte im
Haushaltsjahr 1986 Rekordhöhe. Von 1986 bis zu
dem für 1991 vorgelegten Haushaltsplan betrug das
Defizit in Milliarden Dollar:

Die neuen Haushaltsvorschläge legen besondere
Betonung auf Investitionsanreize, wie beispielsweise:

Haushaltsjahr

Defizit

1986

221,2

1987

149,7

1988

155,1

1989

152,0

1990 (geschätzt)

123,8

1991 (vorgelegt)

63,1

AMERIKA DIENST 4

Steuererleichterungen zur Ermutigung von
Familiensparguthaben
niedrigere Steuersätze für Kapitalerträge aus
langfristigen Investitionen
Steueranreize zur Ermutigung höherer Investitionen in Forschung und Entwicklung durch den
Privatsektor.
Weitere Vorschläge erstrecken sich auf folgende
Bereiche:
Aufstockung der Ausgaben für die Bekämpfung
des Drogenmißbrauchs unter Berücksichtigung
der Inflationsrate

Seite 1

�zusätzliche Wohnungsbeihilfen für Bedürftige
und Obdachlose

Vorschlag zur Ausgabenverteilung Im Haushaltsjahr 1991

Modernisierung des Flugsicherungssystems in
den USA

(Angaben in Prozent)

zusätzliche Mittel für Umweltschutz einschließlich Wiederaufforstung, Entsorgung von Giftmüll sowie Erforschung der weltweiten Klimaveränderungen
zusätzliche Ausgaben für wissenschaftliche
Zwecke.

Nationale Verteidigung

25

Leistungen an Privatpersonen
(einschl. Sozialversicherung)

43

Nettozinsen

14

Zuwendungen an Staaten und Kommunen

12

Sonstiges

6

Etat für Weltraumforschung und Wissenschaft
Im Haushaltsentwurf für 1991 wurden 15,8 Milliarden
Dollar an Ausgabeermächtigungen für Weltraumaktivitäten, einschließlich 15,1 Milliarden Dollar für die
NASA vorgeschlagen. Die Aufstockung des NASAEtats - 24 Prozent für 1990 - ist die einzige Erhöhung
bei einer wichtigen Regierungsbehörde. Sie umfaßt
die Finanzierung für 10 Flüge der Raumfähre im Jahr
1990, Baubeginn einer Raumstation sowie eine 47prozentige Aufstockung der Forschungsaktivitäten auf
Mond und Mars.
Weitere vorrangige Bereiche der Wissenschaft sind
biotechnologische Forschung und Entwicklung, Hochenergiephysik, AIDS-Forschung, Technologie für
Magnetschwebebahnen und der supraleitfähige Superbeschleuniger, der größte und leistungsfähigste
Nuklearteilchenbeschleuniger der Welt.

Staatliche Zuschüsse für die Landwirtschaft
Gegenwärtig gültigen Gesetzen zufolge werden Stützungaktionen für Preise und Einkommen der Landwirte im Haushaltsjahr 1990 voraussichtlich um 3,5 Milliarden Dollar steigen. Bush strebt mit seiner Haushaltsvorlage einen langsameren Anstieg der Ausgaben zur Stützung der Preise und Einkommen auf 2
Milliarden Dollar an, geht jedoch nicht im einzelnen
darauf ein, wo die 1, 5 Milliarden eingespart werden
sollen.
Im Haushalt werden größere Einsparungen prognostiziert, sofern bei den laufenden internationalen Handelsgesprächen eine Vereinbarung zum Abbau staatlicher Zuschüsse für die landwirtschaftliche Produktion
erzielt werden kann.

Seite 2

Einnahmequellen
Einkommenssteuer der Privathaushalte

43

Einnahmen aus der Sozialversicherung

34

Körperschaftssteuer der Unternehmen

11

Kredite

5

Indirekte Steuern

3

Sonstiges

4

Defizit als Prozentsatz des BSP
Im laufenden Haushaltsjahr, das am 30. September
1990 endet, wird das Defizit als Prozentsatz des BSP
dem Haushaltsbüro (Office of Management and Budget - OMB) zufolge etwa genauso hoch sein wie der
Durchschnitt sechs führender Industrienationen (Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan und Kanada).
Während des Zweiten Weltkriegs erreichte das amerikanische Haushaltsdefizit als Prozentsatz des BSP
einen Rekordstand von 31,6 Prozent. Der Höchststand nach 1946 wurde 1983 erreicht. Ab diesem
Zeitpunkt verlief die Entwicklung bis 1991 wie folgt:

Haushaltsjahr

Defizit als Prozentsatz
des BSP

1983

6,3

1984

5,0

1985

5,6

AMERIKA DIENST 4

�Haushaltsjahr

Defizit als Prozentsatz
des BSP

1986

5,7

1987

3,8

1988

4,0

1989

4,0

1990 (geschätzt)

3,3

1991 (vorgelegt)

2,4

Betrag im Wert von 15 Prozent der erwarteten Sozialversicherungsüberschüsse im Trustfonds in den neuen Fonds eingezahlt und zur Ablösung der Staatsverschuldung verwendet werden.

* * * *

*

Ausgaben der Bundesregierung als Prozentsatz
des BSP
Haushaltsjahr

Ausgaben als Prozentsatz
des BSP

1989

22,2

1990 (geschätzt)

21,8

1991 (vorgelegt)

20,9

Das Sozialwesen im Haushalt
Das amerikanische Sozialversicherungswesen wird
nicht als Haushaltstitel betrachtet, aber dennoch in die
Berechnung eingeschlossen, um die Ziele des GrammRudman-Hollings-Gesetzes zum Defizitabbau zu erfüllen. Wie der Leiter des Haushaltsbüros, Richard
Darman, in einer Einleitung zur HaushaHsvorlage schrieb,
wird dadurch der wahre Umfang des Haushaltsdefizits
verschleiert, weil der Trustfonds Überschüsse bildet,
um die in Zukunft erwartungsgemäß höheren Verpflichtungen abzuzahlen. Wenn die gegenwärtigen
Überschüsse im Sozialversicherungstrustfonds nicht
in die Defizitberechnungen einbezogen werden, würde
sich das Haushaltsdefizit real auf folgende Summen
belaufen:

Haushaltsjahr

Defizit

1990

183,4

1991

144,3

(Angaben in Milliarden Dollar)
Der Präsident schlägt als Teil seiner Vorlage für das
Haushaltsjahr 1991 die Einrichtung eines Fonds für die
Integrität der Sozialversicherung und zum Schuldenabbau vor, der den Sozialversicherungstrustfonds
ergänzt. Diesem Vorschlag zufolge würde 1993 ein

AMERIKA DIENST 4

Seite 3

�HAUSHALT
31. Januar 1990

HAUSHALT SIEHT AUFSTOCKUNG DER
AUSLANDSHILFE VOR
Auszüge aus der Haushaltsvorlage 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Kapitel Internationale Beziehungen
der von Präsident Bush am 29. Januar 1990 dem Kongreß übermittelten Haushaltsvorlage. Die Forderungen
beziehen sich auf das am 30. September 1991 endende Haushaltsjahr.

Die Zielsetzung der Ausgaben für Internationale Beziehungen besteht im Schutz und der Förderung der
Interessen der Vereinigten Staaten und ihres Volkes
über die Grenzen hinaus. In einer Welt mit 171
Ländern und fünf Milliarden Menschen - wobei amerikanische Interessen, Märkte und Investitionen überall
auf der Welt zum Tragen kommen - ist dies eine
ungeheure Aufgabe.
Dabei gibt es jedoch bestimmte vordringliche Prioritäten. Die Vereinigten Staaten müssen alles in ihrer
Macht Stehende tun, um den Übergang der Länder
Osteuropas zu Demokratien und freien Marktwirtschaften zu fördern. Sie müssen sich für verifizierbare
Abkommen im konventionellen und strategischen
Bereich einsetzen, die mit amerikanischen Interessen
im Einklang stehen. Sie müssen ihre politische, wirtschaftliche und diplomatische Macht einsetzen, um in
Krisengebieten wie dem Nahen Osten und Mittelamerika größere Stabilität herbeizuführen. In Nicaragua
müssen demokratische Lösungen angestrebt und in
Panama müssen diese verwirklicht werden. Obwohl
sich die weltweite Aufmerksamkeit den Menschen
zuwendet, die sich totalitärer Herrschaft widersetzen,
müssen die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtung
gleichermaßen nachkommen, bedrohte Demokratien
wie die Philippinen zu schützen.
Um auf die mit den politischen Veränderungen einhergehenden historischen Möglichkeiten - und damit gleichzeitig auf regionale und weltweite Bedrohungen - zu
reagieren, fordert die Haushaltsvorlage Aufstockungen bestimmter Programme für Internationale Beziehungen. Mit Investitionen in den Frieden - durch
Förderung von Demokratie, freier Marktwirtschaft und

AMERIKA DIENST 4

gemeinsamen Lösungen - wird das Konfliktrisiko und
damit die großen Summen, die Konflikte fordern abgebaut. Die Investitionen sind somit für die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit entscheidend,
und diesem Ziel kann man am besten in einer Weltordnung demokratischer Regierungen und freier Marktwirtschaften gerecht werden.
Ein Teil dieser zusätzlichen Investitionen wird in internationale Körperschaften wie die Vereinten Nationen
und die Weltbank fließen. In einer pluralistischeren
Welt werden die wichtigsten internationalen Institutionen erwartungsgemäß eine größere Rolle spielen als
im bipolaren Zeitalter der Supermächte. Diese Institutionen können bestimmten amerikanischen Interessen dienen. Das trifft für die Weltbank und den
Internationalen Währungsfonds zu, der die Vorschläge der Administration zur Verschuldung der Dritten
Welt sowie die Hilfe der amerikanischen Friedenstruppe für eine politische Lösung in Namibia unterstützt
hat. Wenn die internationalen Organisationen diese
Leistungen weiterhin erbringen wollen, setzt dies voraus, daß die Vereinigten Staaten ihre dort eingegangenen Verpflichtungen voll und ganz erfüllen. Die Haushaltsvorlage fordert 3,2 Milliarden Dollar zur Ablösung
der gegenwärtigen und aufgelaufenen amerikanischen
Zahlungsverpflichtungen, die in Verträgen und bindenden Abkommen mit diesen Organisationen eingegangen wurden.

Der Haushalt für Internationale Beziehungen
Wie die folgende Tabelle zeigt, soll die Ausgabeermächtigung für Internationale Beziehungen im Verlauf

Seite 1

�des Jahres 1990 um 1,4 Milliarden Dollar auf 20
Milliarden Dollar ansteigen. Die Ausgaben werden
schätzungsweise um 3,6 Milliarden Dollar auf 18,2
Milliarden Dollar aufgestockt werden, wofür zum Teil
der Wegfall größerer Einnahmen im Jahr 1991 verantwortlich ist.

1990 vorzeitig erfolgte Ablösung früherer Kredite für
militärisches Gerät und Dienstleistungen zurückzuführen. Diese vorzeitigen Zahlungen reduzieren die
Ausgaben 1990 um 1,7 Milliarden Dollar, sie sind
jedoch einmalig.

Internationale Beziehungen
(Angaben in Milliarden Dollar, Werte für 1990 und 1991 geschätzt)

(150) Internationale Beziehungen

1989

1990

1991

Auslandshilfe

13,0

14,0

14.9

Militärhilfe

(7,7)

(8.5)

(8,8)

Entwicklungs- und humanitäre Hilfe

(5.3)

(5,5)

(6,1)

3,9

4,3

5,3

Durchführung der Außenpolitik

(2,8)

(2.9)

(4,1)

Öffentlichkeitsarbeit

(1.1)

(1.3)

(1,2)

Internationale Finanzierungsprogramme

0,4

0,4

-0,2

Insgesamt

17,3

18,6

20,0

6,3

11,2

14,2

Militärhilfe

(1.5)

(6,3)

(8,8)

Entwicklungs- und humanitäre Hilfe

(4,8)

(4.9)

(5.4)

Diplomatie

4,0

4,1

4,5

Durchführung der Außenpolitik

(2,9)

(3.0)

(3,2)

Öffentlichkeitsarbeit

(1.1)

(1.2)

(1.3)

Internationale Finanzierungsprogramme

-0,7

-0,7

-0,5

Insgesamt

9,6

14,6

18,2

Ausgabeermächtigung:

Diplomatie

Ausgaben:
Auslandshilfe

Auslandshilfe
Die Haushaltsvorlage fordert 14,9 Milliarden Dollar
Ausgabeermächtigung und 14,2 Milliarden Dollar
Ausgaben für Auslandshilfe. Das sind jeweils 1 Milliarde beziehungsweise 3 Milliarden mehr als 1990. Ein
großer Teil des Ausgabenanstiegs 1991 ist auf die
Seite 2

Dem Bereich Auslandshilfe bei den Ausgaben für
Internationale Beziehungen (Militärhilfe, Entwicklungsund humanitäre Hilfe) kommt für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, weltweite Stabilität und
Wohlstand große Bedeutung zu. Unsere militärische

AMERIKA DIENST 4

�und wirtschaftliche Hilfe fördert wichtige außenpolitische Ziele der Vereinigten Staaten durch Programme,
die zum Beispiel demokratische Reformen in Osteruopa, Mittelamerika und Asien unterstützten, den internationalen Drogenhandel und die Drogenherstellung
bekämpfen, die Sicherheit unserer wichtigsten Verbündeten und Freunde schützen und das Wirtschaftswachstum in den ärmsten Ländern der Welt fördern.
An der Durchführung dieser Programme sind mehrere
Regierungsbehörden beteiligt, wobei das Außenministerium die außenpolitischen Leitlinien liefert.
Angesichts der jüngsten Veränderungen in der kommunistischen Welt und zunehmender Würdigung der
Vorteile eines marktorientierten Systems ist es bei der
Mittelvergabe notwendig, amerikanische Auslandshilfeprogramme und die amerikanische Beteiligung an
multilateralen Organisationen zu prüfen, um sicherzustellen, daß sie den Entwicklungen und Sicherheitserfordernissen der kommenden zehn Jahre gerecht
werden. Gleichzeitig sollten die tiefgreifenden Veränderungen nicht außer acht gelassen werden, die das
Auslandshilfeprogramm in den letzten Jahren erfahren
hat. Der Haushalt legt den Schwerpunkt eindeutig auf
Osteuropa, Drogenbekämpfung und die amerikanische Rolle bei den multilateralen Entwicklungsbanken.
Wenn sichergestellt sein soll, daß amerikanische
Auslandshilfe in einem Zeitalter rapider politischer und
wirtschaftlicher Veränderungen soeffektivwie möglich
eingesetzt wird, ist dazu enge Zusammenarbeit zwischen Administration und Kongreß erforderlich.

Militärhilfe
Die Haushaltsvorlage fordert 8,8 Milliarden Dollar an
Ausgabeermächtigung und Ausgaben für internationale Militärhilfe, jeweils 0,4 beziehungsweise 2,5 Milliarden Dollar mehr als 1990. Der große Anstieg der
Ausgaben spiegelt - nach einer Woge vorzeitiger
Zahlungen im Jahr 1990 (siehe oben) - die Rückkehr
zu einem traditionellen Gleichgewicht zwischen Ausgabeermächtigung und Ausgaben wieder. Die Militärhilfe fördert die Zielsetzungen der nationalen Sicherheit und der Au ßenpolitik, indem sie die sicherheitspolitische und wirtschaftliche Stabilität der amerikanischen Freunde und Verbündeten unterstützt.
Der Ankauf militärischer Güter und Dienstleistungen
wird durch die Finanzierung von Militär im Ausland
(Foreign Military Financing - FMF) gefördert, wirtschaftliche Stabilisierung durch den Fonds zur Wirtschaftsförderung (Economic Support Fund - ESF),
und der Austausch zwischen Angehörigen der Streitkräfte von Freunden und Verbündeten durch das
Programm für Internationale Bildung und Ausbildung
der Armee (International Military Education and Training - IMET).
Der größte Teil der angeforderten Militärhilfe - 5,1

AMERIKA DIENST 4

Milliarden Dollar oder 61 Prozent - fließt in die militärische und wirtschaftliche Unterstützung Israels und
Ägyptens. Die Förderung ihrer Bestrebungen um
einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten bleibt
vorrangiges Ziel amerikanischer Außenpolitik. In der
Haushaltsvorlage werden über2,1 Milliarden Dollar für
US-Militärstützpunkte in NATO-Ländern und auf den
Philippinen sowie zur Durchführung verbesserter
Programme in Mittelamerika beantragt.
Grund zur Beunruhigung liefert die Tatsache, daß der
Kongreß im Jahr 1990 88 Prozent der Konten an
Militärhilfe für 24 Länder gebunden hat. Diese Zweckbindung durch den Kongreß verhindert angemessene
Programme für so wichtige Länder wie Pakistan,
Thailand, die Philippinen und El Salvador. Die jüngsten Entwicklungen in Osteuropa und Panama unterstreichen die Notwendigkeit zu Flexibilität, damit
Möglichkeiten zur Ausübung der amerikanischen
Führungsrolle genutzt werden. Die Administration
bittet erneut um größere Flexibilität beim Einsatz von
Militärhilfe und arbeitet mit dem Kongreß zusammen,
um sicherzustellen, daß unsere Prioritäten im Bereich
der nationalen Sicherheit berücksichtigt werden. Darüber
hinaus wird die Administration im Jahr 1990 die Rolle
der Militärhilfe überprüfen, sofern amerikanische Streitkräfte bei eventuellen Engpässen und Bedrohungen
eingesetzt werden.

Drogenbekämpfung
Im Haushaltsentwurf werden 528 Millionen Dollar an
Ausgabeermächtigungen sowie 270 Millionen Dollar
an Ausgaben für internationale Drogenbekämpfung
(einschließlich der Bereitstellung von Mitteln für Militär- und Entwicklungshilfe) gefordert. Verglichen mit
dem Stand von 1990 nehmen diese Aktivitäten um
rund 80 Prozent zu. Mit den beantragten Mitteln wird
das zweite Jahr des Plans zur Unterbindung des
Kokainnachschubs aus den Andenstaaten Kolumbien,
Peru und Bolivien finanziert. Die größte Aufstockung
dieses Programms besteht in 175 Millionen Dollar
neuer Hilfsleistungen für die Volkswirtschaften der
Länder, die ihre Entschlossenheit zur ernsthaften
Bekämpfung des Drogenproblems unter Beweis stellen.
Im Jahr 1990 wurden im Rahmen der amerikanischen
Drogenbekämpfungsinitiative in den Andenstaaten 141
Millionen Dollar an Militärhilfe bereitgestellt, vor allem
um den Krieg Kolumbiens gegen die "Drogenbarone"
des Medellin- und Cali-Kartells zu unterstützen. Mit
außerordentlichem Mut und amerikanischem Beistand
hat die kolumbianische Regierung trotz zahlreicher
Angriffe des Drogenkartells gegen Regierungsbeamte
und unschuldige Bürger Drogenschmuggler und ihr
Vermögen unerbittlich aufgespürt. Im Haushaltsentwurf für 1991 wird sowohl weitere Militärhilfe der Vereinigten Staaten als auch Unterstützung der kokapro-

Seite 3

�duzierenden Länder beantragt, um die Kokaproduktion durch andere Wirtschaftsaktivitäten zu ersetzen.
Darüber hinaus fordert der Haushalt 150 Millionen
Dollar für weitere Drogenbekämpfungsmaßnahmen,
um den Strafvollzug bei der Drogenbekämpfung in den
Andenstaaten und weltweit zu unterstützen.

Entwicklungs- und humanitäre Hilfe
Laut Haushaltsvorlage werden 6,1 Milliarden Dollar an
Ausgabeermächtigungen und 5,4 Milliarden Dollar an
Ausgaben für Entwicklungs- und humanitäre Hilfe
beantragt, das sind 0,6 beziehungsweise 0,5 Milliarden Dollar mehr als 1990. Mit diesem Etat sollen
marktorientierte Volkswirtschaften durch Finanzmittel,
Investitionsvorhaben und technische Hilfe ermutigt,
Hilfsmaßnahmen nach Katastrophen sowie humanitäre Hilfe wie Flüchtlingsbetreuung bereitgestellt werden. Die Vorlage enthält 1,9 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen für vom amerikanischen Amt für
internationale Entwicklung (U.S. Agency for International Development - A.I.D.) verwaltete Programme zur
bilateralen Wirtschaftshilfe sowie 1,7 Milliarden Dollar
an Ausgabeermächtigungen für amerikanische Zahlungen an multilaterale Entwicklungsbanken wie die
Weltbank.

Besondere Unterstützung für Osteuropa und die
Philippinen
Bei der Aufstockung der Auslandshilfe für 1991 wird
besondere Betonung auf die Unterstützung der Demokratien im Ausland gelegt.
Laut Haushaltsvorlage werden 300 Millionen Dollar an
besonderen Hilfsmaßnahmen für die Länder Osteuropas beantragt, die sich auf dem Weg zur Demokratie
befinden und versuchen, freie Marktwirtschaften aufzubauen. Eine spezielle Gesetzesvorlage wird erarbeitet, in der die Zielsetzungen dieses Programms im
Zusammenhang mit bereits verabschiedeten Gesetzen formuliert werden, um einen Unternehmensfonds
für Polen und Ungarn sowie einen Stabilisierungsfonds für Polen bereitzustellen.
Darüber hinaus werden im Haushalt 200 Millionen
Dollar für besondere Unterstützung der Philippinen
beantragt. Aus dem Fonds wird der zweite Beitrag zu
multilateralen Bestrebungen zur Unterstützung tiefgreifender Wirtschaftsreformen finanziert, die zur
Konsolidierung der Demokratie auf den Philippinen
erforderlich sind.

Laut Haushaltsvorlage werden 451 Millionen Dollar an
Ausgabeermächtigungen sowie 435 Millionen Dollar
an Ausgaben für Flüchtlingsprogramme beantragt,
was einer Aufstockung von 82 beziehungsweise 49
Millionen Dollar gegenüber 1990 entspricht. Mit diesen
Mitteln soll die Aufnahme von bis zu 110 000 vornehmlich aus der Sowjetunion und Südostasien stammenden Flüchtlingen in die Vereinigten Staaten finanziert
werden. Darüber hinaus wird aus diesem Fonds der
amerikanische Beitrag zur Unterstützung von Flüchtlingen in Lagern im Ausland gestellt, die von internationalen Organisationen wie dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen verwaltet werden.
Schließlich sollen 25 Millionen Dollar Soforthilfe für
Engpässe bereitgestellt werden.

Multilaterale Entwicklungshilfe
Im Haushalt sind 3,2 Milliarden Dollar für Beiträge an
die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) eine Behörde der Weltbank - vorgesehen, die über die
nächsten drei Jahre geleistet werden sollen. Zusammen mit den 11,9 Milliarden Dollar an Beiträgen der
anderen Länder kann die IDA mit diesem Fonds von
1991 bis 1993 durchschnittlich 5,5 Milliarden Dollar in
Form von besonders günstigen langfristigen Krediten
an die ärmeren Entwicklungsländer vergeben. Mit
einem beträchtlichen Teil dieser Mittel werden Wirtschaftsreformen in den afrikanischen Ländern unterstützt, deren Regierungen marktorientierte Wirtschaftssysteme anstreben. Ferner enthält die Haushaltsvorlage 279 Millionen Dollar an Mitteln, die verschiedenen
multilateralen Entwicklungsbanken in den vergangenen Jahren versprochen, jedoch nicht bewilligt worden
waren. Aufgrund dieser Rückstände können die Vereinigten Staaten ihrer Führungsrolle in diesen Organisationen nicht gerecht werden. Ebenso wie die im
folgenden erörterten Rückstände bei den Vereinten
Nationen und ihnen nachgeordneten Behörden handelt es sich bei diesen Summen um offizielle Zahlungsverpflichtungen, die von den Vereinigten Staaten eingehalten werden müssen.

Bilaterale Entwicklungs- und Katastrophenhilfe
Das reguläre Entwicklungshilfeprogramm des A.I.D.
wird bei der Bereitstellung von Mitteln für die Empfängerländer auch in Zukunft größere Betonung auf die
Wirtschaftsleistung legen. Darüber hinaus wird in der
Haushaltsvorlage angesichts der Kosten der vergangenen Jahre eine Aufstockung der A.I.D.-Mittel um
zwei Drittel für internationale Katastrophenhilfe beantragt...

Flüchtlinge

Seite 4

AMERIKA DIENST 4

�Zahlungen an internationale Institutionen

Internationale Finanzprogramme

Bei der Verfolgung amerikanischer Interessen engagieren sich die Vereinigten Staaten nach wie vor für
eine wirksame Beteiligung an internationalen Organisationen. Obwohl Demokratie und freie Marktwirtschaften durch bilaterale Bestrebungen der Vereinigten Staaten gefördert werden können, kommt internationalen Organisationen in einer multipolaren Welt
zunehmende Bedeutung bei der Festigung der Errungenschaften zu, insbesondere im Hinblick auf grenzüberschreitende Probleme. Aus diesem Grund werden im Haushalt 1,4 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen und 0,9 Milliarden Dollar an Ausgaben
für diese Institutionen beantragt, was einer Aufstokkung von 721 beziehungsweise 187 Millionen Dollar
gegenüber 1990 entspricht. Die Vorlage enthält 794
Millionen Dollar für regelmäßige Zahlungen sowie 620
Millionen Dollar zur Begleichung der Rückstände bei
den amerikanischen Pflichtbeiträgen an die Vereinten
Nationen und ihnen nachgeordnete Behörden. Die
Restzahlungen würden über einen Zeitraum von fünf
Jahren erfolgen und für bestimmte Aktivitäten verwendet, auf die sich die Vereinigten Staaten und die
jeweiligen Organisationen geeinigt haben. Die Vereinigten Staaten engagieren sich weiterhin für Fortschritte bei einer zurückhaltenden Steuerpolitik und
Konzentration auf wesentliche Programme, wie dies in
den vergangenen Jahren bei internationalen Organisationen der Fall war...

Mit diesem Ausgabenfonds für Internationale Beziehungen werden mehrere führende Finanzinstitutionen
oder Konten unterstützt. Eine dieser Institutionen, die
Export-Import-Bank, gewährt zur Unterstützung amerikanischer Exporte vor allem auf Märkten der Entwicklungsländer Kredite, Bürgschaften und Versicherungen. Für 1991 stellt die Bank 500 Millionen Dollar an
Krediten und 10,6 Milliarden Dollar an Bürgschaften
und Versicherungen bereit. Die Adminstration schlägt
darüber hinaus einen Bewilligungsfonds in Höhe von
114 Millionen Dollar zur Förderung des amerikanischen Verhandlungsziels vor, die an Auslandshilfe
gebundenen Praktiken beträchtlich abzubauen, also
für besseren Auslandsumsatz Auslandshilfe mit regulären Exportkrediten zu verbinden.

*

AMERIKA DIENST 4

Auch zur Aufstockung der Ressourcen des Internationalen Währungsfonds wurden internationale Verhandlungen aufgenommen. Sie könnten einen größeren
Anteil der Vereinigten Staaten an diesen Ressourcen
zur Folge haben, der als amerikanische Quote bezeichnet wird. Da über den Umfang der höheren Quote
noch verhandelt wird, sieht der Haushalt keine Mittel
dafür vor. Jeder Quotenanstieg würde die Bewilligung
von Ausgabeermächtigungen erforderlich machen,
jedoch keine Ausgaben verursachen und daher das
Defizit nicht vergrößern.

* * *

*

Seite 5

�ABRÜSTUNG
31.Januar 1990

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND
WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
Eine Übersicht des ACDA
Die folgende Übersicht wurde am 22. Januar 1990 vom Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.

Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START)
Vereinigte Staaten
Stufenweise Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei
Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags.
Sowjetunion
Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf
gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags, wobei nach Phase 1 gleiche Obergrenzen gelten
müssen.
Vereinigte Staaten
Abschluß eines START-Abkommens unabhängig vom
Abschluß eines Vertrags über die Verteidigung im
Weltraum.
Sowjetunion
Abschluß des START-Vertrags unabhängig vom
Abschlu ß eines Vertrags über die Verteidung im Weltraum. Die Sowjets stehen jedoch auf dem Standpunkt,
daß sie ein Recht zur Kündigung eines ST ART-Ver-

AMERIKA DIENST 4

trags besitzen, wenn sie zu dem Schluß kommen
sollten, daß die Vereinigten Staaten den ABM-Vertrag
verletzen, wie er von den Sowjets interpretiert wird.
Vereinigte Staaten
Es können keine weiteren Rüstungskontrollverträge
mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange
diese nicht die Verletzung des ABM-Vertrags durch
das Radar von Krasnojarsk in einer verifizierbaren
Weise einstellt, die amerikanischen Kriterien entspricht.
Sowjetunion
Die Sowjets haben sich bereiterklärt, das Radar von
Krasnojarsk vollständig abzubauen.

Trägersysteme
Vereinigte Staaten
Eine Obergrenze von 1 600 strategischen Trägersystemen (SNDVs) für stationierte Interkontinentalraketen (ICBMs) und deren Abschußvorrichtungen, stationierte U-Boot-gestützte ballistische Raketen (SLBMs)
und deren Abschußvorrichtungen sowie schwere
Bomber.

Seite 1

�Sowjetunion
Etwa gleiche Haltung wie die Vereinigten Staaten. Es
bestehen jedoch weiterhin Unterschiede bei der Zählweise.

ICBMs zulässig. Entwicklung, Erprobung und Stationierung neuer Typen schwerer ICBMs verböten.

Wurf gewicht
Vereinigte Staaten

Gefechtsköpfe
Vereinigte Staaten
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich
der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs und SLBMs
sowie atomar bestückter ALCMs (luftgestützter Marschflugkörper) großer Reichweite; jeder nur mit atomaren
Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt als ein
Gefechtskopf.
Sowjetunion
Identisch mit US-Position. Einige Unterschiede bei der
Zählweise der ALCM-Gefechtsköpfe bleiben bestehen.

Das Wurfgewicht der sowjetischen ICBMs Und SLBMs
zusammengenommen wird um 50 Prozent des am 31.
Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichts reduziert.
Während der Dauer des Vertrags wird keine Seite
dieses Niveau überschreiten.
Sowjetunion
Im Prinzip identisch mit der US-Position, aber es
bestehen noch Meinungsverschiedenheiten über die
Festlegung der Zählweise des Wurfgewichts. Reduzierung von dem bei Unterzeichnung des Vertrags
bestehenden Niveau des Wurfgewichts.

Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
Vereinigte Staaten

Zwischenobergrenzen bei Gefechtsköpfen
Vereinigte Staaten
Zwischenobergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen und 3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs.
Sowjetunion
Zwischenobergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen. Im Falle einer Zwischenobergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs muß
eine ebensolche Zwischenobergrenze von 3 300
Gefechtsköpfen auf SLMBs eingeführt werden. Zwischenobergrenze von 1100 Gefechtsköpfen auf schweren Bombern.

Jeder Gefechtskopf auf ballistischen Raketen zählt als
ein Gefechtskopf unter derObergrenze von 6 000. Für
die bestehenden Typen wird eine Quote von Vor-OrtInspektionen festgesetzt, um zu verifizieren, daß die
beim Washingtoner Gipfel für stationierte Raketen
deklarierte und vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
nicht überschritten wird.
Für künftige Typen sowie Veränderungen in der Zahl
von Gefechtsköpfen auf bestehenden Typen müssen
die Verfahrensweisen noch festgelegt werden.
Sowjetunion
Bei den bestehenden Typen identisch mit der USPosition.

Schwere ICBMs

Mobile ICBMs

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten

Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot von
Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder bestehender Typen schwerer ICBMs.

Die Vereinigten Staaten haben das Verbot von mobilen ICBMs aufgehoben. Die START-Unterhändler
müssen jetzt die Einzelheiten für die Anwendung der
Begrenzungen auf mobile ICBMs sowie wirksame
Verifizierungsmaßnahmen ausarbeiten.

Sowjetunion
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion, Flugerprobung
oder Modernisierung bestehender Typen schwerer

Seite 2

Sowjetunion
Zulässig mit zahlenmäßigen Begrenzungen für Abschuß Vorrichtungen und Gefechtsköpfe.

AMERIKA DIENST 4

�Schwere Bomber
Vereinigte Staaten
Jeder schwere Bomber zählt als ein strategisches
Trägersystem. Jeder nur für Freifallbomben und
Angriffsraketen kurzer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber würde im Rahmen der Obergrenze von
6 000 als ein Gefechtskopf zählen. Eine vereinbarte
Zahl von schweren Bombern könnte durch Umrüstung
zu rein konventionellen Systemen von der SNDVObergrenze von 1 600 ausgenommen werden.
Sowjetunion
Identisch mit der US-Position, außer in der Frage, daß
eine sowjetische Zustimmung zur Umrüstung von
schweren Bombern zu rein konventionellen Systemen
von der amerikanischen Zustimmung zur sowjetischen
Position über Reichweite und Zuordnung von ALCMs
abhängig gemacht wird.

annehmbaren und wirksamen Methoden der Verifizierung solcher Begrenzungen. Dazu zählen Nationale
Technische Mittel (NTM), kooperative Maßnahmen
und Vor-Ort-Inspektionen. Bisher konnten die Vereinigten Staaten keinen wirksamen Ansatz zur Verifizierung von SLCMs erkennen. Angesichts eines fehlenden Plans für die wirksame Verifizierung haben die
Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß beide Seiten
nicht bindende Erklärungen zur Anzahl der nuklear
bestückten SLCMs abgeben.
Sowjetunion
Die Sowjets akzeptieren grundlegende Prinzipien.
Besondere Begrenzungen auf 400 nuklear bestückte
und 600 konventionell bestückte SLCMs werden vorgenommen. Die Sowjets haben bisher jedoch noch
keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen erarbeitet. Der sowjetische Ansatz würde ferner die amerikanische Politik untergraben, die Präsenz von Atomwaffen an einem bestimmten Ort weder zu bestätigen
noch zu dementieren. Dieses Konzept bildet einen
bedeutenden Stützpfeiler der Abschreckung.

ALCMs
Vereinigte Staaten
Vereinigte Staaten
ALCMs werden als luftgestützte, nuklear bestückte
Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 1 500
Kilometern definiert. Eine vereinbarte Zahl von ALCMs
(10) sollen jedem für ALCMs ausgerüsteten Typ schwerer Bomber zugerechnet und auf die Obergrenze von
6 000 Gefechtsköpfen angerechnet werden.

Die Vereinigten Staaten haben sich bereiterklärt,
sowjetische Vorschläge zur Ausklammerung aller mit
SLCM in Zusammenhang stehenden Fragen aus den
START-Verhandlungen zu prüfen. Die Vereinigten
Staaten lehnen Gespräche über die Begrenzung seegestützter Waffen ab.
Sowjetunion

Sowjetunion
ALCMs werden als luftgestützte Marschflugkörper mit
Reichweiten über 600 Kilometern definiert. Die Zahl
der einem ALCM-fähigen schweren Bomber zugerechneten ALCMs soll maximal so hoch sein wie die
Zahl, für die der jeweilige Typ ausgerüstet ist. Die
Anzahl der nuklear bestückten ALCMs soll im Rahmen
der vorgeschlagenen Zwischenobergrenze von 1 100
Gefechtsköpfen auf schweren Bombern begrenzt
werden, (siehe Zwischenobergrenzen für Gefechtsköpfe).

Die Sowjets haben vorgeschlagen, entweder das
gesamte Problem der SLCMs aus den START-Verhandlungen auszunehmen und in einem umfassenderen Komplex seegestützte Waffen zu behandeln oder
START auf die Verifizierung von SLCM zu konzentrieren und die Frage der SLCM-Begrenzungen in einem
separaten - aber mit START in Zusammenhang stehenden -, bindenden Abkommen auszuhandeln. In
beiden Fällen würden die Sowjets verbindliche, verifizierbare SLCM-Begrenzungen für den Abschluß eines
START-Vertrags voraussetzen.

SLCMs

Verifizierung der Einhaltung

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten

Beide Vertragsparteien werden eine für beide Seiten
annehmbare Lösung in der Frage einer Begrenzung
der Stationierung von nuklear bestückten SLCMs
(seegestützten Marschflugkörpern) größerer Reichweite erarbeiten. Eine solche Begrenzung bedeutet
keine Anrechnung dieser SLCMs im Rahmen der
Obergrenzen von 6 000 Gefechtsköpfen und 1 600
strategischen Trägersystemen. Beide Seiten verpflichten sich zur Schaffung von Obergrenzen für
diese Flugkörper und zur Erarbeitung von beiderseits

Die Bestimmungen müssen mindestens folgende Punkte
enthalten: Datenaustausch vor und nach der Durchführung von Reduzierungen; Vor-Ort-Inspektionen zur
Verifizierung von Daten und zur Beobachtung der
Beseitigung der Waffen; kontinuierliche Vor-Ort-Uberwachung von Zugängen und Gelände der entscheidenden Produktionsstätten, kurzfristig anberaumte
Inspektionen von Standorten, an denen vertragliche
begrenzte Systeme sowohl während als auch nach

AMERIKA DIENST 4

Seite 3

�dem Reduzierungszeitraum stationiert sind, Inspektio- Darüber hinaus haben die Vertragsparteien Informanen von Standorten, an denen eine Vertragspartei die tionen über die Technologie zur Identifizierung von
geheime Produktion, Lagerung, Instandsetzung oder Raketen ("tagging") ausgetauscht.
Stationierung vermutet.
Sowjetunion
Recht auf kurzfristig anberaumte Inspektionen von
"verdächtigen Standorten". Recht zur Beantragung Mit den Vereinigten Staaten wurden folgende Vereinvon Inspektionen von anderen "verdächtigen Standor- barungen erzielt:
ten". Falls die beschuldigte Partei die Inspektion
1.
Vorherige Benachrichtigung über eine wichtige
verweigert, muß sie sich aufrichtig um die Ausräu- strategische Übung mit strategischen Bombern pro
mung der Bedenken bemühen.
Kalenderjahr.
Sowjetunion
Die Sowjets haben den größten Teil der amerikanischen Haltung zur Verifizierung - insbesondere im
Bereich der Verfizierung mobiler ICBMs - akzeptiert,
obgleich es noch viele Detailfragen zu lösen gilt.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, das
beide Seiten vereinbaren, ihre Bestrebungen zu beschleunigen und sobald wie möglich mit der Durchführung von Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilisierung zu beginnen, um praktische Erfahrungen zu
sammeln und Fragen der Verifizierung schneller zu
lössen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen:
die Aufnahme von Vor-Ort-Inspektionen im Umkreis
und an den Zugängen zu bestimmten Raketenproduktionsstätten, Datenaustausch über die strategischen
Nuklearstreitkräfte beider Seiten, Verbot der Zurückhaltung von Daten, einschließlich der Verschlüsselung
telemetrischer Daten, über alle Abschüsse bestimmter
ICBMs und SLBMs, Erörterung des Problems von
SLBMs mit kurzer Flugzeit.
Sowjetunion
Die Sowjets haben das Prinzip von Maßnahmen zur
Verifizierung von Stabilität akzeptiert, einige eigene
Vorschläge unterbreitet und die amerikanischen Vorschläge in Genf eingehend erörtert.
Vereinigte Staaten
Mit den Sowjets wurden folgende Vereinbarungen
erzielt:
1.
Vorherige Benachrichtigung über eine wichtige
strategische Übung mit strategischen Bombern pro
Kalenderjahr.
2.
Vorführung eines bestimmten Bombers jeder
Seite, um die Verifizierungsmaßnahmen für ALCMbestückte schwere Bomber von nicht mit ALCM bestückten schweren Bombern zu unterscheiden.
3.
Darstellung der von beiden Seiten vorgeschlagenen Verfahren für Vor-Ort-Inspektionen von Wiedereintrittsflugkörpern der ballistischen Raketen beider Seiten.

Seite 4

2.
Vorführung eines bestimmten Bombers jeder
Seite, um die Verifizierungsmaßnahmen für ALCMbestückte schwere Bomber von nicht mit ALCM bestückten schweren Bombern zu unterscheiden.
3.
Darstellung der von beiden Seiten vorgeschlagenen Verfahren für Vor-Ort-Inspektionen von Wiedereintrittsflugkörpern der ballistischen Raketen beider Seiten.
Darüber hinaus haben die Vertragsparteien Informationen über die Technologie zur Identifizierung von
Raketen ("tagging") ausgetauscht.

Verteidigung im Weltraum
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten streben einen leichteren
gemeinsamen Übergang zu einem stabilisierenden
Gleichgewicht bei den offensiven und defensiven Streitkräften an, wenn sich eine effektive Verteidigung gegen
strategische ballistische Raketen als machbar erweist.
Die Vereinigten Staaten wollen sich darüber hinaus die
Option erhalten, in angemessenem Tempo und auf
kooperative Art und Weise moderne Verteidigungssysteme zu entwickeln und zu stationieren, wenn diese
bereit sind. Fragen der Verteidigung im Weltraum
sollten in einem neuen Vertrag behandelt werden, der
auf der Sprachregelung der gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington aufbaut und diese erläutert,
um die zweifelsfreie Bedeutung von Verpflichtungen
zu gewährleisten, die in künftigen Verträgen eingegangen werden.
Sowjetunion
Fragen der Verteidigung im Weltraum sollten jetzt in
Form eines Protokolls zum ABM-Vertrag und nicht in
einem neuen Vertrag über die Verteidigung im Weltraum abgehandelt werden. Das Protokoll würde erlaubte/verbotene Aktivitäten im Rahmen des ABMVertrags sowie Maßnahmen zur Berechenbarkeit
abdecken, um die Einhaltung des ABM-Vertrags zu
gewährleisten. Die Sowjets haben erklärt, sie würden
den Entwurf eines solchen Protokolls Anfang 1990

AMERIKA DIENST 4

�vorlegen. Probleme, über die sich die Vertragsparteien zum Zeitpunkt der Unterzeichnung eines STARTAbkommens nicht einigen konnten, sollten bei den im
Anschluß an START geführten Verhandlungen über
strategische Stabilität erörtert werden.
Vereinigte Staaten

zufolge liegt die Zahl 15 weit unter dieser Grenze.
Die Benachrichtigung über die Erprobung von Raketenabwehrsystemen im Weltraum würde im Protokoll
über die Berechenbarkeit (siehe unten) Eingang finden.

Mit der Sowjetunion kann kein weiterer Vertrag über
strategische Rüstungskontrolle geschlossen werden,
wenn sie nicht ihre Verletzung des ABM-Vertrags - das
Radar von Krasnojarsk - auf verifizierbare Art und
Weise und nach amerikanischen Kriterien korrigiert.
Die Vereinigten Staaten waren über die sowjetische
Ankündigung befriedigt, daß sie die Radarstation von
Krasnojarsk vollständig abbauen werden.

Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus vorgeschlagen, daß keine Partei auf der Grundlage des
ABM-Vertrags der Entwicklung, Erprobung oder Stationierung weltraumgestützter Sensoren der anderen
Seite widersprechen darf. Demgemäß kann jede Seite
uneingeschränkt weltraumgestützte Sensoren entwickeln, erproben oder stationieren. Dieser Vorschlag
wurde erarbeitet, um künftige Probleme mit der Verifizierung auszuschließen.

Sowjetunion

Sowjetunion

Die Sowjets haben zugestimmt, die Radarstation von
Krasnojarsk vollständig zu beseitigen.

Die Sowjets streben in Form eines Zusatzprotokolls
zum ABM-Vertrag Übereinstimmung zu im Rahmen
des ABM-Vertrags erlaubten und verbotenen Aktivitäten an. Die Sowjets würden Aktivitäten auf eine
Interpretation des ABM-Vertrags begrenzen, die restriktiver ist als beide Parteien dies 1972 vereinbart
haben und möglicherweise noch restriktiver als die
"enge Interpretation".

Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Beide Seiten haben vereinbart, den Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.
Sowjetunion
Beide Seiten haben vereinbart, den Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.

Die Sowjets haben die Initiative der Vereinigten Staaten zur Erprobung im Weltraum (ABM-Test-Satelliten)
und auch den Vorschlag über weltraumgestützte
Sensoren zurückgewiesen und geltend gemacht, sie
liefen dem ABM-Vertrag und der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington zuwider. Die Sowjets
haben den Vorschlag zu intensiven Gesprächen über
strategische Stabilität nach der Unterzeichnung eines
START-Vertrags unterbreitet.
Dauer des Vertrags/Koppelung

Aktivitäten im Rahmen des ABM-Vertrags
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben Initiativen vorgeschlagen, um die Bedeutung der Sprachregelung "erforderliche Forschung, Entwicklung und Erprobung wie im
ABM-Vertrag gestattet" klären zu helfen.
Um zu demonstrieren, daß die amerikanische Erprobung weltraumgestützter Komponenten von ABMSystemen, die auf "anderen physikalischen Prinzipien" beruhen und die Fähigkeit haben, eine ABMAbfangrakete zu ersetzen - was nach dem ABMVertrag erlaubt ist - nicht mit der Stationierung solcher
Komponenten gleichzusetzen ist, sind die Vereinigten
Staaten bereit, diese erlaubte Erprobung nur von
bestimmten ABM-Test-Satelliten aus durchzuführen.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die
Anzahl der gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten nicht die Zahl überschreiten soll, bei der
man gemeinhin bereits von einer Fähigkeit zur Stationierung ausgehen würde. Den Vereinigten Staaten

AMERIKA DIENST 4

Vereinigte Staaten
Ein Vertrag über Verteidigung im Weltraum wäre von
unbegrenzter Dauer. Der ABM-Vertrag wird eingehalten, bis jede Seite das Recht zur Stationierung wahrnimmt (siehe unter Übergang zur Verteidigung).
Der Vertrag über Verteidigung im Weltraum muß
unabhängig sein. Ein START-Vertrag sollte nicht an
die Lösung von Fragen der Verteidigung im Weltraum
gekoppelt sein. Die Vereinigten Staaten lehnen die
von den Sowjets vorgeschlagenen Vereinbarungen
als unerheblich ab, die ihnen das Rücktrittsrecht vom
START-Vertrag einräumen, wenn sie zu dem Schluß
gelangen, daß die Vereinigten Staaten den ABMVertrag verletzen, wie er von den Sowjets interpretiert
wird.
Sowjetunion
Die Sowjetunion hat zugestimmt, daß der Abschluß
eines START-Vertrags nicht von der Vereinbarung
eines Abkommens über Fragen der Verteidigung im
Seite 5

�Weltraum abhängig ist. Die Sowjets haben jedoch
angedeutet, daß sie sich das Rücktrittsrecht vom
START-Vertrag vorbehalten, wenn sie zu dem Schluß
gelangen, daß die Vereinigten Staaten die von ihnen
definierten Vereinbarungen übertreten haben und
entsprechende amerikanisch-sowjetische Erklärungen
vorgeschlagen.

Übergang zur Verteidigung
Vereinigte Staaten
Der ABM-Vertrag würde bei Abschluß eines Vertrags
über die Verteidigung im Weltraum in Kraft bleiben.
Dennoch dürfte jede Partei ihre Absicht bekanntgeben, eine auf strategische ballistische Raketen gestützte Verteidigung über die Einschränkungen des
ABM-Vertrags hinaus zu stationieren. Bei einer solchen Benachrichtigung würde die Partei, die die Initiative ergriffen hat, bestimmte Maßnahmen für einen
gemeinsamen Übergang zu einer Strategie vorschlagen, die Verteidigung beinhaltet und die Vertragsparteien würden intensive Gespräche über diese bestimmten Maßnahmen sowie strategische Stabilität
aufnehmen. Jede Seite wird nach drei Jahren das
Recht haben, eine strategische Raketenabwehr zu
stationieren, wenn sie die andere Partei sechs Monate
vorher unterrichtet. Nach diesem Zeitraum können
beide Seiten - vorbehaltlich anderer Vereinbarungen
beider Parteien - ihre Vorgehensweise frei bestimmen.
Sowjetunion
Die Sowjetunion ist mit einem Übergang zur Verteidigung über die im ABM-Vertrag gestattete hinaus nicht
einverstanden.
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität
werden nach Abschluß eines START-Vertrags aufgenommen. Die Sowjets schlagen vor, daß diese Gespräche sich mit den "Problemen der ABM-Verteidigung (beschäftigen) und dabei die neue Situation
berücksichtigen, die sich aus Reduzierungen bei den
strategischen Streitkräften ergibt". Wenn bei diesen
Gesprächen keine anderslautenden Vereinbarungen
getroffen werden, wird nach Ablauf des Abkommens
über Verteidigung im Weltraum jede Seite selbst ihre
weitere Vorgehensweise im Hinblick auf den ABMVertrag und den START-Vertrag bestimmen können,
wenn sie dabei die entsprechenden Modalitäten dieser
Verträge einhält. Die Sowjets vertreten daher die
Auffassung, daß beim Washingtoner Gipfel kein
"Stationierungsrecht" vereinbart wurde, jedoch die
nach dem ABM-Vertrag vorgesehenen Rechte den
Vertragspartnern als Leitlinien dienen.

Seite 6

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten
Die Beteiligten werden Möglichkeiten erörtern, um die
Berechenbarkeit in der Entwicklung der amerikanischsowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich
unter der Bedingung strategischer Stabilität zur Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges zu gewährleisten. Im Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen
und um für die strategischen Verteidigungsprogramme der jeweils anderen Seite Berechenbarkeit für alle
Beteiligten sicherzustellen, haben die Vereinigten
Staaten folgende Maßnahmen im Bereich der strategischen Verteidigung gegen ballistische Raketen vorgelegt, die auf der Grundlage von Gegenseitigkeit, Vergleichbarkeit und auf freiwilliger Basis verwirklicht werden
sollen: jährlicher Austausch von programmatischen
Daten und Expertentreffen, Informationsgespräche,
Besuche von Labors und Beobachtung von Versuchen. Die Vereinigten Staaten haben darauf verwiesen, daß die von den Sowjets vorgeschlagenen Verifizierungsmaßnahmen nicht durchführbar sind und die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gefährden könnten.
Sowjetunion
Die Beteiligten sollen Möglichkeiten erörtern, um Berechenbarkeit bei der Entwicklung eines amerikanischsowjetischen Verhältnisses im strategischen Bereich
zu gewährleisten und damit das Risiko eines Atomkriegs vermindern.
Die Sowjets haben einige amerikanische Konzepte für
vertrauensbildende Maßnahmen akzeptiert, einschließlich Datenaustausch, Expertentreffen und Beobachtung von Tests. (Die Sowjets haben den amerikanischen Vorschlag nicht akzeptiert, demzufolge Maßnahmen zur Berechenbarkeit Forschungsaktivitäten
einschließen, die nicht mit Nationalen Technischen
Mitteln zu erfassen sind.) Dennoch würden die Sowjets solche Maßnahmen obligatorisch machen, um
die Einhaltung des ABM-Vertrags und die Aushandlung des Abkommens über Verteidigung im Weltraum
zu gewährleisten. Darüber hinaus schlagen sie einen
Informationsaustausch vor, um zweifelhafte Situationen zu klären, ferner die Durchführung zwingender
Vor-Ort-Inspektionen bei bestimmten Einrichtungen,
die Anlaß zur Besorgnis geben sowie die Lösung von
Fragen der Einhaltung beim Ständigen Konsultativausschuß.
Vereinigte Staaten
Im Dezember 1989 haben sowjetische Regierungsvertreter auf Einladung der Vereinigten Staaten zwei

AMERIKA DIENST 4

�amerikanische Forschungseinrichtungen für die strategische Verteidigung gegen ballistische Raketen
besucht.
Sowjetunion
Im Dezember 1989 haben sowjetische Regierungsvertreter auf Einladung der Vereinigten Staaten zwei
amerikanische Forschungseinrichtungen für die strategische Verteidigung gegen ballistische Raketen
besucht.

* * * *

AMERIKA DIENST 4

*

Seite 7

�DROGEN
31.Januar 1990

DIE DROGENBEKÄMPFUNGSSTRATEGIE
DER USA FÜR 1990
Nationaler Teil der Drogenstrategie
WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen des Gesetzes zur Drogenbekämpfung von 1988 stellte der Präsident am
5. September 1989 seine erstes Strategiepapier zur Drogenbekämpfung im Inland vor. Dem Gesetz zufolge muß
der nationale Teil der Drogenstrategie jeweils zum 1. Februar vorliegen.
Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung des nationalen Teils der Drogenstrategie für 1990.

Die am 25. Januar 1990 veröffentlichte Strategie zur
Drogenbekämpfung im Inland ist eine Ergänzung des
im September 1989 vorgestellten Strategiepapiers.
Wie die vorherige Strategie besteht auch diese in
einem koordinierten und umfassenden Plan, der die
Bundesregierung, die Regierungen der Länder und
Gemeinden, den Privatsektor, Schulen, Colleges und
Universitäten, Kirchen und andere religiöse Gruppierungen sowie zahlreiche Gemeindeorganisationen
beteiligt. In dem Strategiepapier vom September 1989
wurde das Drogenproblem in den USA beschrieben
und die Drogenbekämpfungspolitik der Vereinigten
Staaten umrissen. In dem jetzt vorliegenden Teil des
Strategiepapiers wird aufgezeigt, wie die Durchführung der Drogenbekämpfungspolitik im einzelnen
aussieht: Aktivitäten und Verantwortlichkeiten der
Bundesministerien und -behörden, insbesondere Initiativen, die in diesem Haushaltsjahr in die Wege
geleitet werden sowie die zur Weiterführung der Regierungsmaßnahmen erforderliche Finanzierung. In
dem gesamten Strategiepapier werden Länder- und
Gemeinderegierungen aufgefordert, Pläne zur Drogenbekämpfung zu entwickeln und die notwendigen
Mittel für Aktivitäten zur Drogenbekämpfung aufzubringen, damit sie innenpolitisch zu gleichwertigen
Partnern werden.

AMERIKA DIENST 4

Das Grundprinzip der nationalen Strategie ist unerschütterlich: den Drogenkonsum durch die Steuerung
von Angebot und Nachfrage zu reduzieren. Alle im
ersten Strategiepapier enthaltenen Initiativen und
Vorschläge sind nach wie vor Bestandteil der natioalen
Drogenbekämpfungsstrategie. Dieser zweite Teil baut
darauf auf und unterzieht die Einzelheiten eines umfassenden Plans zur Drogenbekämpfung einer kritischen Überprüfung.
Die Strategie für 1990 folgt demselben Schema wie
das erste Strategiepapier. Sieben Kapitel - Strafvollzug, Drogentherapie, Aufklärung am Arbeitsplatz und
in der Gemeinde, internationale Initiativen, Unterbindung des Nachschubs, ein Forschungsprogramm sowie
nachrichtendienstliche Aktivitäten - bieten die Grundlage für die eingehende Erörterung von Problemen,
Maßnahmen und Aktivitäten, die mit der Drogenbekämpfung in den USA in Zusammenhang stehend. Im
Anhang sind die offizielle Aufstellung der Zentren des
Drogenhandels sowie eine umfassende Überprüfung
administrativer Fragen zum Drogenbekämpfungsprogramm der Bundesregierung und Etatvorschläge enthalten.
Für das Haushaltsjahr 1991 sieht die Administration
10,6 Millionen Dollar zur Drogenbekämpfung vor - dies

Seite 1

�entspricht einer Aufstockung von 4,3 Millionen Dollar
(oder 69 Prozent) seit dem Amtsantritt des Präsidenten vor einem Jahr und einem Anstieg von 1,1 Millionen
Dollar (12 Prozent) verglichen mit dem Haushaltsjahr
1990.
Auszüge aus dem nationalen Teil der Drogenstrategie
für 1990
Strafvollzug
Erweiterung der Spezialeinheiten zur Bekämpfung des
organisierten Verbrechens und Drogenbekämpfung
Bereitstellung von zusätzlichen 115 Millionen Dollarfür
weitere Fahnder und Agenten, Spezialisten für Wirtschaftsverbrechen, Erkennungsdienstler und Staatsanwälte.

Zusätzliche DEA- und FBI-Agenten
Weitere 151 Millionen Dollar für zusätzliche Agenten
der Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) und sonstiges Personal.
Erweiterung der technischen, Kommunikations- und
Informationseinrichtungen der DEA.

Zusätzliche Gefängnisse
Finanzierung von über 6 000 zusätzlichen Gefängnisplätzen im Haushaltsjahr 1991.
Gesetzesvorlage zur Todesstrafe
Gesetzesvorlage zur Anwendung der Todesstrafe bei
drei zusätzlichen Kategorien von Drogenkriminellen:
den wichtigsten Drogenbaronen, Drogenbarone, die
zur Behinderung der Justiz Attentate begehen sowie
Drogenhändlern, deren Tat den Tod eines Anderen
verschuldet hat.

Drogentherapie
Zusätzliche und bessere Therapien
1,5 Millionen Dollar Zuschüsse für die Behandlung
Drogenabhängiger und entsprechende Programme
der Bundesregierung.
Gründung des Büros für die Verbesserung der Drogentherapie beim Ministerium für Gesundheit und
Soziales, das bei der Behandlung Drogenabhängiger
landesweit die führende Rolle spielen und sein Augenmerk insbesondere auf Qualität und Wirksamkeit von
Behandlungsmethoden richten soll.

Zusätzliche FBI-Agenten, Erkennungsdienstler und
Fremdsprachenexperten.
Innovative Behandlung durch Seminare
Erweitertes Programm für chemische Grundstoffe
Operation Chemcon - ein in Zusammenarbeit von
DEA und Zollfahndung entwickeltes Programm - soll
auf alle inländischen Häfen ausgehnt werden, um zur
Herstellung illegaler Drogen geschmuggelte Chemikalien zu beschlagnahmen.

Etwa 200 Millionen Dollar für Programme zur Behandlung von Jugendlichen, Schwangeren und Kleinkindern sowie für Therapieplätze, deren Nachbereitung
und für Nachsorgeprogramme.

Behandlung schwangerer Frauen und Kleinkinder
Unterstützung der Staatsanwaltschaft
Einstellung von 700 zusätzlichen Staatsanwälten und
Angestellten für mit Drogen in Zusammenhang stehende Fälle bis zum Haushaltsjahr 1991 (wie in der
Initiative des Präsidenten zu Gewaltverbrechen verfügt).
Zusätzliche Anwälte und Angestellte für die Straf- und
Steuerrechtsabteilungen des Justizministeriums.

6 Millionen Dollar zur Verbesserung der Erfassung und
Behandlung drogenabhängiger Babys.

Umfassendere Drogentherapien
Mehr Berufsberatung, Ausbildung und Eingliederungshilfen für Drogenabhängige, die sich erfolgreich einer
Therapie unterzogen haben.

Schule, Gemeinde und Arbeitsplatz
Zusätzliche Gerichte

Mehr Aufklärung in der Schule

Schaffung von 75 zusätzlichen Richterämtern.

Maßnahmen für besonders gefährdete Jugendliche
und Minderheiten.

Zusätzliche Gerichtsdiener, Verwaltungsangestellte,
Justizbeamte sowie Pflichtverteidiger.

Seite 2

Zusätzliche Programme zur Vorbeugung gegen Drogenkonsum in der Schule und deren Auswertung.

AMERIKA DIENST 4

�Vorbeugung gegen Drogenkonsum in der Gemeinde
102 Millionen Dollar Zuschüsse als Anreiz für Gemeinden, die auf breiter Basis umfassende lokale Vorbeugeprogramme ins Leben rufen.

Bestrebungen zur Unterbindung des Drogennachschubs
Schwerpunkt an der Südwestgrenze
Zusätzliche Zoll- und Grenzbeamte werden an die
Südwestgrenze beordert.

Drogenfreie Wohnungen der öffentlichen Hand
150 Millionen Dollar für das Programm zur Bekämpfung des Drogenkonsums in Wohnungen der öffentlichen Hand.

Größere Rolle des Verteidigungsministeriums
Das Verteidigungsministerium soll eine größere Rolle
bei Fahndung und Unterbrindung des Drogenflusses
spielen und die für die Überwachung der Grenzen
zuständigen Behörden unterstützen.

Drogenfreier Arbeitsplatz
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor zur Entwicklung von Programmen für einen drogenfreien Arbeitsplatz.

Eindämmung des Arzneimittelmißbrauchs
Verstärkte Bestrebungen zur Aufklärung der Öffentlichkeit, insbesondere Jugendlicher, über die Gefahren des Arzneimittelmißbrauchs.

Internationale Initiativen
Erweiterung der Strategie in den Andenstaaten
215 Millionen Dollar für erweiterte militärische, polizeiliche und wirtschaftliche Hilfe an Kolumbien, Peru und
Bolivien.

Stärkere Kooperation mit Mexiko

Ein Forschungsprogramm
Größere Bandbreite von grundlegenden Informationen über Drogen
Bessere Einschätzung von Herstellung und Konsum,
wirtschaftliche Auswirkungen der Drogen, mehr Ausbildungsgeräte für den Strafvollzug.
Erweiterte Forschung zur Drogenstatistik.

Maßnahmen für Fortschritte auf kommunaler und
staatlicher Ebene
Entwicklung eines "Protokolls" über Anzeichen für
Drogenkonsum in den Bundesstaaten und Bestrebungen zur Drogenbekämpfung.

Medizinische und wissenschaftliche Forschung
Erweiterte Forschung zu Drogenabhängigkeit und
Schwangerschaft, AIDS und Drogen, Entwicklung der
medikamentösen Behandlung.

Gemeinsame Anstrengungen im Bereich des Strafvollzugs mit Mexiko, etwa bei der Untersuchung von
Fällen, die mit Drogen in Zusammenhang stehen, der
Zerschlagung von Geldwäscheoperationen und der
Erweiterung des mexikanischen Programms zur Unterbindung des Drogen konsums.

Stärkerer Einsatz von Technologie in der Drogenfahndung und erweiterte Forschung im Bereich des Strafvollzugs.

Stärkere Verfolgung von Wirtschaftskriminalität

Ein nachrichtendienstliches Programm

Geldwäsche und andere mit Drogen in Zusammenhang stehende Wirtschaftsverbrechen sollen durch
das im Finanzministerium geschaffene Netz zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität (Department of
Treasury's Financial Crimes Enforcement Network FINCEN) und die interministerielle Arbeitsgruppe für
Wirtschaftskriminalität im Drogenmilieu in der Administration höhere Priorität erhalten.

Zentrales Informationszentrum zur Drogenbekämpfung

AMERIKA DIENST 4

Gründung eines nationalen nachrichtendienstlichen
Zentrums zur Koordinierung und Sammlung relevanter Informationen aller Strafvollzugsbehörden, das
Informationen über Aufbau, Mitglieder, Finanzen,
Kommunikationswege und Aktivitäten von Drogenhänderringen vertreibt.

Seite 3

�Zentren des Drogenhandels
Fünf Zentren des Drogenhandels
New York, Los Angeles, Miami, Houston und die
Grenze im Südwesten gelten offiziell als Zentren des
Drogenhandels.
50 Millionen Dollar fließen In diese Bereiche, um die
polizeiliche Ermittlung und Aktivitäten zur Unterbindung des Drogennachschubs zu intensivieren.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 4

�PANAMA
31.Januar 1990

Partnerschaft mit Panama
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht mit dem Titel "Partnerschaft mit Panama: Ein Aktionsplan für
den wirtschaftlichen Wiederaufbau" wurde am 25. Januar 1990 von Weißen Haus veröffentlicht.
Der Präsident hat heute folgenden Aktionsplan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Panamas angekündigt:

I. Humanitäre Hilfe
Das Amt für Internationale Entwicklung (Agency for
International Development - A.I.D.) wird ein humanitäres Hilfsprogramm für Panama im Umfang von 42
Millionen Dollar ins Leben rufen, das folgende Punkte
umfaßt:
Ersatzwohnungen für die ehemaligen Bewohner des
Stadtviertels Chorillo,
Soforthilfe für öffentliche Bauarbeiten, insbesondere in
Panama-Stadt und Colon, aber auch im ländlichen
Raum,
Hilfe für Kleinuntemehmen, um den von den Plünderungen betroffenen Geschäften zu helfen,
technische Hilfe für die panamaischen Regierungsbehörden.
Das Finanz- und Verteidigungsministerium werden
Möglichkeiten erarbeiten, um matierelle Spenden
amerikanischer Firmen an panamaische Unternehmen zu erleichtern.
II. Kredite, Bürgschaften und Exportmöglichkeiten zur Stärkung des panamaischen Privatsektors
und zur Schaffung von Arbeitsplätzen
Die Export-Import Bank (Exim) wird bis zu 400 Millionen Dollar an kurz- und mittelfristigen Bürgschaften
übernehmen, um - über Exim selbst und ihre Tochtergesellschaft, die Foreign Credit Insurance Association
- den Absatz amerikanischer Produkte zur finanzieren.

AMERIKA DIENST 4

A.I.D. wird Mittel im Umfang von 15 Millionen Dollar
aus dem Programm für Handelskreditversicherungen
einsetzen, um zusätzliche Exim-Kredite an private
Kreditnehmer zu unterstützen.
Die Entwicklungsgesellschaft OPIC wird ihre Versicherungs- und Finanzierungsprogramme wiederaufnehmen, um amerikanische Privatinvestitionen in
Panama zu fördern. Das Programm wird auf 50
Millionen Dollar geschätzt.
Das Landwirtschaftsministerium wird für Panama ein
15 Millionen-Dollar-Programm (P.L. 480 Title 1) ins
Leben rufen sowie ein 15 Millionen-Dollar-Programm
der Preisstützungsbehörde für die Landwirtschaft.
Die US-Handelsbeauftragte wird
Panamas bis 1990 ausgesetzte Zuckerquote wiedereinführen und Panama im Rahmen der amerikanischen Maßnahmen für die im Jahr 1989 entgangene
Quote entschädigen. Das Programm hat einen Wert
von rund 28 Millionen Dollar,
ein Bildungsprogramm ins Leben rufen, um zu gewährleisten, daß Panama im Handel die Vorteile der CBIund GSP-Programme voll ausschöpfen kann und
die Importquoten für Baumwollhosen aufheben.
Das Verkehrsministerium veranlaßt eine Vereinbarung zwischen der US-Luftfahrtbehörde und der panamaischen Regierung, mit der technische Hilfe für einen
reibungslosen Flugverkehr von und nach Panama
geleistet wird.

Seite 1

�Das Außenministerium wird - wenn die panamaische
Regierung dies wünscht - dafür sorgen, daß der bereits
ausgehandelte Vertrag über bilaterale Investitionen
dem Kongreß erneut vorgelegt wird.

normalisieren kann, ferner für die Stabilisierung der
Außenhandelsbilanz und Unternehmenskredite, ein
Programm öffentlicher Investitionen, Umstrukturierung
des öffentlichen Sektors und Förderung der Entwicklung.

Das Finanzministerium wird:
Mit der panamaischen Regierung den Abschluß eines
Abkommens über den Austausch von Steuerinformationen (Tax Information Exchange Agreement - TIEA)
erörten, demzufolge amerikanische Firmen Ausgaben
für in Panama veranstaltete Kongresse absetzen können.
Nach einem TIEA könnte Panama auch Mittel gemäß
Abschnitt 936 in Anspruch nehmen,
mit anderen interessierten Behörden und Organisationen zusammenarbeiten und panamaischen Banken
technische Hilfesstellung leisten,
Gespräche mit der panamaischen Regierung im Hinblick auf den Abschluß ein Nachfolgeabkommens zu
Abschnitt 4702 des Gesetzes zur Drogenbekämpfung
von 1988 aufnehmen, um Informationen über umfangreiche finanzielle Transaktionen auszutauschen.
Das Wirtschaftsministerium wird die Leitung einer
Delegation zum Aufbau von Unternehmen in Panama
übernehmen sowie andere Bestrebungen zur Stimulierung von Handel und Investitionen in Panama.

Darüber hinaus wird die Administration:
sich dafür einsetzen, daß eine Gruppe von freundlich
gesinnten Geberländern gebildet wird, die Panama
beim Ausgleich seiner Rückstände bei den internationalen Finanzinstitutionen behilflich ist,
eine baldige und großzügige Umschuldung der panamaischen Schulden gegenüber ausländischen Regierungen unter der Schirmherrschaft des Pariser Clubs
anstreben und
Schritte unternehmen, um den Abschluß eines zufriedenstellenden Finanzierungspakets für die Verschuldung der panamaischen Handelsbank zu fördern, das
den Schuldenbetrag und den Umfang des Schuldendienstes im Zusammenhang mit einer verbesserten
Schuldenstrategie vorsieht.

* * * *

*

Das Verteidigungsministerium wird:
im Einklang mit den Bestimmungen des Panamakanalvertrags von 1977 umgehend den bevorzugten
Erwerb panamaischer Waren und Dienstleistungen
durch amerikanische Militärbehörden in Panama, die
Panamakanal-Kommission und andere amerikanische
Einrichtungen wieder aufnehmen,
die Rückkehr von Angehörigen amerikanischer Soldaten nach Panama autorisieren, wenn die militärische
Situation dies gestattet.
Darüber hinaus werden panamaische Handelsschiffe
weiterhin ungehinderten Zugang zu amerikanischen
Häfen haben.
III. Förderung dauerhaften wirtschaftlichen Wiederaufbaus
Großzügige, aber zeitlich befristete Außenwirtschaftshilfe ist erforderlich, um sicherzustellen, daß Panamas
Wirtschaft zu dauerhaftem Wachstum zurückkehrt.
Diese Maßnahme erfolgt gemeinsam mit den Vereinigten Staaten, Panama, anderen Geberländern und
internationalen Finanzinstitutionen.
Die Administration wird im Haushaltsjahr 1990 zusätzliche 500 Millionen Dollar an amerikanischer Hilfe für
Panama beantragen. Dieser Betrag soll von anderen
Programmen abgezweigt werden. Die 500 Millionen
Dollar würden verwendet, damit Panama seine Beziehungen zu den internationalen Finanzinstitutionen

Seite 2

AMERIKA DIENST 4

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10748">
                <text>31.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10749">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10750">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10751">
                <text>Amerikadienst 31.01.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10752">
                <text>&lt;strong&gt;1. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bushs Haushaltsvorlage&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über den Haushaltsentwurf für 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haushalt sieht Aufstockung der Auslandshilfe vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Haushaltsvorlage 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:&lt;br /&gt;Amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Drogenbekämpfungsstrategie der USA für 1990&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nationaler Teil der Drogenstrategie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Panama&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft mit Panama&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2130" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2141">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e80bd796c3cfa9df168f791de90aba9a.pdf</src>
        <authentication>617b4427e7e40dc6f4bd54710bc0da69</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10759">
                    <text>y$h

cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

7. Februar 1990

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

Bush für einschneidende amerikanischsowjetische Truppenreduzierungen in Europa
Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation

U.S.-AUSSENPOLITIK

Baker: Offizielle Reaktion Moskaus auf Bushs
Vorschlag erwartet
Rede des US-Außenministers im Auswärtigen
Ausschuß des Senats

SICHERHEITSPOLITIK

Seminar über Militärdoktrinen als Erfolg
bewertet
Abschlußerklärung von Botschafter
John Maresca

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR

LAGE

DER

NATION
7. Februar 1990

BUSH FÜR EINSCHNEIDENDE AMERIKANISCHSOWJETISCHE TRUPPENREDUZIERUNGEN
IN EUROPA
Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht zur Lage der Nation vom 31. Januar 1990 betonte Präsident Bush,
es sei jetzt "an der Zeit für Fortschritte bei einem konventionellen Rüstungsabkommen'* und schlug vor, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre in Mittel- und Osteuropa stationierten Truppen auf jeweils 195 000
Mann reduzieren.
"Diese Zahl stützt sich auf Empfehlungen unserer hochrangingen Militärberater", erklärte der Präsident, "und
soll amerikanische und europäische Interessen schützen und die Verteidigungsstrategie der NATO aufrechterhalten. Der unverzügiche Abschluß unserer Rüstungskontrollverhandlungen - im konventionellen Bereich sowie
bei chemischen und strategischen Waffen - muß jetzt unser vorrangiges Ziel sein. Dieser Zeitpunkt ist
gekommen." Die Vereinigten Staaten haben zur Zeit ca. 300 000, die Sowjets rund 575 000 Soldaten in Europa
stationiert.
Bush zufolge ist es jetzt auch an der Zeit, "den aufstrebenden Demokratien Osteuropas die Hand zu reichen und
auf unsere neuen Beziehungen zur Sowjetunion aufzubauen, um einen friedlichen Prozeß innenpolitischer
Veränderungen im Hinblick auf Demokratie und wirtschaftliche Möglichkeiten zu fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.
Herr Präsident, Herr Vorsitzender, verehrte Abgeordnete des amerikanischen Kongresses,
als ehemaliger Präsident des Senats und ehemaliges
Mitglied dieses ehrenwerten Hauses stehe ich heute
vor Ihnen. Als Präsident der Vereinigten Staaten habe
ich die Ehre, Ihnen heute über die Lage der Nation zu
berichten.
Heute abend werde ich weder über die "Lage der
Regierung" sprechen oder jede neue Initiative im einzelnen erläutern, die wir für nächstes Jahr planen noch
jeden einzelnen Punkt der Haushaltsvorlage erörtern.
Ich möchte Ihnen und dem amerikanischen Volk über
die Lage der Nation - und der Welt- berichten, über die
von uns beobachteten Veränderungen und die Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen
- und welche Auswirkungen dies alles auf die Vereinigten Staaten haben wird. Es gibt einzigartige Augenblicke in der Geschichte: Daten, die einen echten
Wendepunkt markieren. Die meisten der hier Anwesenden haben einen Großteil ihres Lebens in einer
Welt verbracht, deren Grundzüge im Jahr 1945 festge-

AMERIKA DIENST 5

legt wurden. Die Ereignisse jenes Jahres bestimmten
die Gestalt der Nationen, das Tempo des Fortschritts
und Freiheit oder Unterdrückung für Millionen von
Menschen auf der ganzen Welt.
1945 war der allgemeine Bezugspunkt - die Kompaßnadel, auf die wir uns in der Nachkriegszeit zum
gegenseitigen Verständnis verlassen haben. Das war
unsere Welt. Bis heute. Die Ereignisse des eben zu
Ende gegangenen Jahres - die Revolution von 1989 waren eine Kettenreaktion, ein so tiefgreifender Wandel, daß er den Anfang eines neuen Zeitalters im
Weltgeschehen markiert.
Denken Sie nur 12 Monate zurück - an die Welt von
damals - als das Jahr 1989 anbrach.
Vor einem Jahr lebte das panamaische Volk in Angst
unter der Knechtschaft eines Diktators. Heute ist die
Demokratie wiederhergestellt - Panama ist frei.
Die Operation "Gerechte Sache" hat dieses Ziel verwirklicht. Das in Panama stationierte Militär entspricht
heute in etwa wieder der Zahl wie vor der Operation.
Seite 1

�Und heute abend gebe ich bekannt, daß die zusätzlichen amerikanischen Truppen - die tapferen Männer
und Frauen unserer Streitkräfte, die dieser Mission
zum Erfolg verholten haben - noch vor Ende Februar
nach Hause zurückkehren werden.

Die heute vor uns liegende Herausforderung besteht
darin, dieses unvergleichliche demokratische System
noch besser zu machen.
Ein besseres Amerika, mit einem Arbeitsplatz für jeden, der Arbeit sucht.

Vor einem Jahr erklärte Lech Walesa in Polen, er sei
zu einem Dialog mit den kommunistischen Machthabern dieses Landes bereit. Heute sind Mitglieder der
Solidarität in der polnischen Regierung vertreten, die
das Schicksal eines freien Polens in die Hände genommen haben.

Ein Amerika, in dem Frauen sicher sein können, daß
ihre Kinder gut aufgehoben sind und liebevoll betreut
werden, während sie ihrer Arbeit nachgehen - und in
dem die Regierung zusätzliche Alternativen der Kinderbetreuung für die Eltern erarbeitet.

Vor einem Jahr war der Dramatiker und Regimekritiker
Vaclav Havel noch im Gefängnis in Prag. Heute ist
Vaclav Havel Präsident der Tschechoslowakei.

Ein Amerika, in dem wir die Forderungen einer sauberen Umwelt und starken Wirtschaft in Einklang bringen.

Und noch vor einem Jahr bemühte Erich Honecker in
der DDR die Geschichte als Leitfaden. Er sagte
voraus, die Berliner Mauer würde weitere hundert
Jahre überdauern. Heute - noch nicht einmal ein Jahr
später - ist es die Mauer, die Geschichte ist.

Ein Amerika, in dem "Made in USA" auf der ganzen
Welt als Symbol für Qualität und Fortschritt anerkannt
ist.

Bemerkenswerte Ereignisse - mit denen die lange
gehegten Hoffnungen des amerikanischen Volkes erfüllt
wurden. Ereignisse, die die traditionellen Ziele amerikanischer Politik rechtfertigen - einer auf ein einziges,
unerschütterliches Prinzip gegründeten Politik: die
Sache der Freiheit.
Amerika ist nicht nur als Nation sondern auch als
Traum in den Köpfen der Menschen allgegenwärtig.
Und während diese neue Welt Gestalt annimmt, stehen die Vereinigten Staaten im Mittelpunkt eines konzentrischen Kreises der Freiheit - heute, morgen und
im nächsten Jahrhundert.
Unser Land ist der immerwährende Traum eines jeden
Emigranten, der je seinen Fuß auf diese Ufer setzte und der Millionen von Menschen, die immer noch für
Freiheit kämpfen. Dieses Land - dieser amerikanische
Traum - war und ist eine neue Welt. Unsere neue Welt.
Bei einer Arbeiterkundgebung in Branik, einem Vorort
von Prag, ist dieser amerikanische Traum lebendig.
Ein Arbeiter in einem verschmierten Overall ergreift
das Wort vor den Fabriktoren. Er beginnt die Rede an
seine Mitbürger mit diesen Worten, den Worten einer
lange zurückliegenden Revolution:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, daß dazu Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Es ist kein Geheimnis, daß sich hier, in diesem Land,
die Tore der Freiheit vor langer Zeit geöffnet haben.
Die Eckpfeiler dieser freien Gesellschaft haben bereits
ihren festen Platz gefunden: Demokratie. Wettbewerb. Chancen. Privatinvestitionen. Verantwortungsvolle Verwaltung. Und natürlich Führung.

Seite 2

Ein Amerika, in dem jeder von uns die gleichen Chancen auf Leben, Arbeit und einen Beitrag zur Gesellschaft hat. Und ein Amerika, in dem unsere behinderten Mitbürger zum ersten Mal voll und ganz integriert
sind.
Ein Amerika, in dem jeder ein Dach über dem Kopf hat
und ein Amerika, in dem die Obdachlosen die Hilfe
erhalten, die sie zu einem menschenwürdigen Leben
benötigen.
Ein Amerika, in dem unsere Schulen gleichermaßen
Herausforderung und Unterstützung für Schüler und
Lehrer sind und in dem alle "es schaffen".
Ein Amerika, in dem jede Straße, jede Stadt, jede
Schule und jedes Kind drogenfrei ist.
Und schließlich ein Amerika, in dem kein Amerikaner
vergessen wird. Wir denken dabei in tiefstem Mitgefühl an unsere Geiseln, die wir bei all unseren Bestrebungen und all unserem Trachten niemals vergessen.
Das ist Teil der Zukunft, die wir verwirklichen wollen,
der Zukunft, die wir für uns gestalten können. Aber mit
Träumen allein kommen wir nicht weit. Wir müssen
unseren Horizont erweitern, uns auf lange Sicht engagieren. Unsere Zukunftspläne beginnen hier und jetzt.
Beim harten Wettbewerb auf den Weltmärkten sehen
sich die Vereinigten Staaten vor große Herausforderungen und Chancen gestellt. Wir wissen, daß wir in
der Weltwirtschaft der neunziger Jahre Erfolg haben
können, aber um dieser Herausforderung zu begegnen, müssen wir einige tiefgreifende Veränderungen
vornehmen - in entscheidendem Maße in uns selbst
investieren.
Ja, wir werden in die Vereinigten Staaten investieren.
Diese Administration ist entschlossen, die Bildung von
Kapital aller Art zu ermutigen. Materielles Kapital:
Angefangen mit unseren Farmen und Fabriken über

AMERIKA DIENST 5

�unsere Arbeits- und Produktionsstätten bis hin zu allem, was für Produktion und Lieferung von Qualitätsprodukten und hervorragenden Dienstleistungen erforderlich ist. Geistiges Kapital: Der Ursprung von
Ideen, die Produkte von morgen hervorbringen. Und
natürlich unser menschliches Kapital: Die geschickten
Arbeitskräfte, die wir benötigen werden, um auf den
Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein.
Ich kann Ihnen versichern, wenn wir das menschliche
Kapital ignorieren, verlieren wir unseren Erfindungsreichtum, der das Merkmal des amerikanischen Arbeitnehmers ist. Und der amerikanische Arbeitnehmer
ist der produktivste Arbeiter weltweit.
Wir müssen mehr sparen, Kapital für neue Investitionen akkumulieren, die mehr Arbeitsplätze und größeres Wachstum bedeuten. Dieser Gedanke steht hinter
einer neuen Initiative von mir - dem Familiensparplan
- den ich dem Kongreß morgen vorlegen werde.
Wir müssen die Kapitalertragssteuer senken und Risikobereitschaft - insbesondere in Kleinunternehmen ermutigen, da solche Schritte wiederum zu Wirtschaftsleistung, Arbeitsplätzen und einem besseren Leben für
uns alle führen.
Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um in
Amerikas Zukunft zu investieren. Der Haushaltsentwurf liegt vor. Das Geld ist da. Für Forschung und
Entwicklung - eine Rekordsumme. Für unsere Wohnungsbauinitiative - HOPE - mit der jedem, vom erstmaligen Eigenheimbesitzer bis zum Obdachlosen geholfen werden soll. Um Drogen von unseren Kindern
fernzuhalten: 70 Prozent mehr als bei meiner Amtsübernahme im Jahr 1989. Zur Erforschung des Weltraums und für das Bildungswesen - auch hier in
Rekordhöhe.
Und noch etwas. Bei der Konferenz überdas Bildungswesen im letzten Herbst haben sich die Gouverneure
und ich darauf geeinigt, Wege aufzuzeigen, um sicherzustellen, daß die Kinder vom ersten Tag, an dem sie
das Klassenzimmer betreten, lernwillig sind. Ich habe
dieses Versprechen erfüllt, indem ich eine Aufstokkung der Mittel in Rekordhöhe - zusätzliche 500 Millionen Dollar - für etwas vorgeschlagen habe, das uns
allen lieb und teuer ist: Head Start.
Bildung ist die Investition mit den größten Auswirkungen auf unsere Zukunft, da sie alles für unsere Kinder
bedeutet. Reale Verbesserungen in unseren Schulen
sind nicht schlicht und einfach eine Sache höherer
Ausgaben. Es geht darum, von unseren Schulen,
Lehrern, Kindern, unseren Eltern und uns selbst mehr
zu fordern und zu erwarten. Aus diesem Grund gebe
ich heute abend die Zielsetzungen des amerikanischen Bildungswesens bekannt, die zusammen mit
den Gouverneuren des Landes erarbeitet wurden:

AMERIKA DIENST 5

Bis zum Jahr 2000 muß jedes Kind mit Schulbeginn lernwillig sein.
Die Zahl der High-School-Absolventen in den
Vereinigten Staaten muß auf mindestens 90
Prozent erhöht werden.
Wir werden sicherstellen, daß die Diplome unserer
Schulen Bedeutung haben. In entscheidenden
Fächern müssen wir die Leistungen unserer
Schüler in der 4., 8. und 12. Stufe bewerten.
Bis zum Jahr 2000 müssen die amerikanischen
Studenten mit ihren Leistungen in Mathematik
und Naturwissenschaften weltweit an erster Stelle
stehen.
Jeder amerikanische Erwachsene muß des
Lesens und Schreibens kundig sein.
Jede Schule muß ein Umfeld schaffen, in dem
unsere Kinder lernen können - und jede Schule
in den Vereinigten Staaten muß frei von Drogen
sein.
Ehrgeizige Ziele? Natürlich. Leicht zu verwirklichen?
Weit gefehlt. Aber die Zukunft steht auf dem Spiel.
Dieses Land wird sich nicht mit weniger zufrieden
geben als einem ausgezeichneten Bildungswesen.
Dank dieser Investitionen werden die Vereinigen Staaten konkurrenzfähig bleiben. Und vom amerikanischen Volk weiß ich: Wir begrüßen Wettbewerb. Wir
können es mit unserer Erfindungsgabe und Energie,
Erfahrung und Technologie und unserem Unternehmergeist mit allen anderen aufnehmen. Wettbewerb
muß frei, aber fair sein. Amerika ist bereit.
Weil wir das wirklich meinen und weil wir zur Bewältigung der Herausforderung ernsthaft bereit sind, bringen wir unser Haus in Ordnung. Wir haben echte
Fortschritte erzielt. Vor sieben Jahren belief sich das
Haushaltsdefizit auf 6 Prozent unseres Bruttosozialprodukts. Im neuen Haushaltsentwurf, den ich vor
zwei Tagen vorgelegt habe, beträgt das Defizit nur
noch 1 Prozent des BSP.
Mit dieser Haushaltsvorlage werden die Bundesausgaben unter Kontrolle gebracht. Sie erfüllt die Zielsetzungen des Gramm-Rudman-Gesetzes, verringert das
Defizit weiter und gleicht den Haushalt bis 1993 aus ohne Steuererhöhungen.
Seien Sie versichert, daß die Bundesregierung immer
noch mehr als genug Geld ausgibt. Für die meisten
von uns sind 1,2 Billionen Dollar eine Menge Geld.
Wenn der Haushalt erst ausgeglichen ist, können wir
vorgehen wie jede Familie, die ihre Rechnungen bezahlen muß. Das werden wir nicht unseren Kindern
und Enkeln überlassen. Wir werden anfangen, unsere
Staatsschulden zu begleichen.

Seite 3

�Und es gibt noch etwas, das wir künftigen Generationen schuldig sind: verantwortungsvolle Verwaltung die Erhaltung der Umwelt als wertvolles amerikanisches Erbe.
Zum Zeichen dessen, wie ernst wir es meinen, verleihen wir der Umweltschutzbehörde den Status eines
Ministeriums. Damit streben wir nicht etwa mehr
Bürokratie an, sondern die Sicherheit, daß Umweltfragen sowohl im Inland als auch im Umgang mit anderen
Ländern den Stellenwert haben, der ihnen zukommt.

van damit beauftragen, im Rat für Innenpolitik die
Überprüfung von Empfehlungen über Qualität, Zugänglichkeit und Kosten unseres nationalen Gesundheitswesens zu leiten. Ich setze mich dafür ein, die
Kostenexplosion im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.

Die Lage der Regierung hängt von vielen in dieser
Kammer ab. Aber die Lage der Nation hängt von allen
Amerikanern ab. Wir müssen den demokratischen
Anstand bewahren, der Millionen Individuen zu einer
Nation macht. Ich war über die jüngsten Berichte von
Der diesjährige Haushalt sieht über 2 Milliarden Dollar Briefbomben, die im ganzen Land verschickt werden,
an Mehrausgaben für den Umweltschutz vor, wobei entsetzt. Jeder von uns muß sich mit Rassimus,
über 1 Milliarde in die Erforschung weltweiter Klima- Antisemitismus, Doppelmoral und Haß auseinanderveränderungen fließen soll. Mit einer Initiative, die ich setzen und sie verurteilen. Nicht nächste Woche oder
America The Beautlful nenne, sollen unsere Natio- morgen, sondern jetzt gleich.
nalparks und Wildreservate und die öffentlichen Freizeiteinrichtungen ausgebaut werden.
Die Lage der Nation hängt davon ab, ob wir unserem
Nachbarn helfen und uns die Probleme der GemeinUnd noch etwas wird dazu beitragen, dieses Land - schaft zu eigen machen. Wir müssen etwas tun, wenn
seine Wälder und Innenstädte - sauberzuhalten und wir gebraucht werden - die Hand ausstrecken und
den künftigen Generationen die Schönheit Amerikas einem Unbekannten in Not einen Lichtblick bieten. Wir
zu bewahren: ein Fonds, um eine Milliarde Bäume pro müssen uns nach einem hektischen Tag Zeit für unseJahr zu pflanzen.
re Kinder nehmen, ihnen vorlesen, bei den Hausaufgaben helfen und ihnen die Werte vermittein, die wir als
Heute möchte ich alle Kongreßabgeordneten daran Kinder gelernt haben. So erhalten wir die Nation.
erinnern: Das amerikanische Volk hat uns nicht hierhergeschickt, um zu streiten. Es gibt viel zu tun - und Jeder Schritt ist wichtig. Es summiert sich, und all
man hat uns hierhergeschickt, um es zu erledigen. Wir diese Dinge verleihen dem Begriff Demokratie Bedeumüssen zusammenarbeiten, um dem Willen des Vol- tung. Es macht jetzt und in Zukunft unsere Identität
kes Genüge zu tun. In den Bereichen saubere Luft, aus.
Kinderbetreuung, beim Gesetz über Verbesserung
des Bildungswesens, bei Kriminalität und Drogen ist es Solange wir uns an den amerikanischen Traum erinan der Zeit zu handeln. Ebenfalls bei der Agrargesetz- nern, und solange er unser Leitbild ist, wird die Nation
gebung, der Verkehrspolitik, der Reform der Herstel- gesund und stark bleiben.
lerhaftung und den steuerbegünstigten Förderbereichen für Gewerbegebiete. Es ist an der Zeit, daß wir Und denen, die den Weg verloren glauben, möchte ich
aus einem Brief des 20jährigen Sanitäters James
zusammenarbeiten.
Markwell zitieren, der beim 1. Bataillon der 75. RanUnd es gibt einen Bereich, von dem ich hoffe, daß wir gers diente. Der Brief trägt das Datum vom 18.
uns darin alle einig sind. Das ist unsere Verantwor- Dezember, dem Tag vor unserer Intervention in Panama. Es ist ein Brief, wie ihn Soldaten schreiben, in der
tung. Ich spreche hier vom Sozialwesen.
Hoffnung, daß er nie abgeschickt wird. Leider hat
Ich wende mich an jeden Amerikaner, der Sozialhil- Markwells Mutter diesen Brief erhalten und ihn mir
feempfänger ist, an jeden Amerikaner, der Beiträge zugesandt.
zahlt und an jeden, der darauf baut, wenn er in den
Ruhestand geht. Wir haben Ihnen etwas versprochen Hier einige seiner Gedanken: "Ich hatte nie Angst vor
- und wir werden unser Versprechen halten.
dem Tod, aber jetzt lauert er. (...) Ich habe wie jeder
andere auch gelernt, zu töten und zu retten. Dennoch
Wir haben das System im Jahr 1983 gerettet - und es fürchte ich mich vor dem Jenseits. (...) Trauere nicht
ist saniert. Unser Haushalt finanziert die heute gezahl- um mich, sondern denke an das Leben, das ich so gern
ten Leistungen voll und ganz - und stellt sicher, daß gelebt hätte. (...) Vergiß vor allem nicht, daß ich die
auch in Zukunft Sozialleistungen gezahlt werden. Das Armee gewählt habe. Ich habe mich für sie entschieletzte, was uns gelegen käme, wäre Unordnung im den."
Sozialwesen.
"Bitte denke daran, daß ich in die Armee eingetreten
Und es gibt noch ein weiteres Problem, das wir lösen bin, um meinem Land zu dienen und dafür zu sorgen,
müssen. Wir müssen die Empfehlungen der gegen- daß alle sich frei entscheiden und ihr Leben in Freiheit
wärtig durchgeführten Untersuchungen zum Gesund- leben können."
heitswesen sorgfältig prüfen. Und deshalb möchte ich
heute abend den Gesundheitsminister Dr. Louis Sulli- Markwell war einer der ersten bei den KampfhandlunSeite 4

AMERIKA DIENST 5

�gen in Panama, und er war unter den ersten Gefallenen.
Er wußte, woran er glauben sollte, und er hatte sich
den amerikanischen Traum bewahrt.
Ich habe heute abend über die Veränderungen des
letzten Jahres gesprochen. Vor uns liegt eine neue
Welt voller Herausforderungen und Möglichkeiten. Und
dabei muß eine Führungsrolle übernommen werden,
wie sie nur Amerika gewährleisten kann.
Vor fast vierzig Jahren prognostizierte Harry Truman in
seiner letzten Rede im Kongreß eine solche Zeit. Er
erklärte: "Wenn unsere Welt für die Menschen zu
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs stärker, einiger
und attraktiver wird, dann wird eine Zeit des Wandels
in der kommunistischen Welt anbrechen."
Dieser Wandel findet heute statt.
Vierzig Jahre lang haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten den Kommunismus in Schach gehalten und den Fortbestand der Demokratie gewährleistet. Heute mu ß beim Niedergang des Kommunismus
unser Ziel darin bestehen, den Fortschritt der Demokratie zu sichern. Die Führung dabei zu übernehmen,
dem Frieden den Weg zu ebnen und der Freiheit
Vorschub zu leisten - für einen großen und wachsenden Staatenbund freier Nationen.
Dem Kongreß und allen Amerikanern gegenüber erkläre ich, daß es an der Zeit ist, im In- und Ausland
einen neuen Konsens zu erarbeiten - eine gemeinsame Vision der friedlichen Welt, wie sie uns vorschwebt.
Auf unserem Kontinent ist es an der Zeit, daß alle
Menschen in Nord- und Südamerika in Freiheit leben.
Im Fernen Osten und Afrika ist es an der Zeit, daß sich
die freien Regierungen und freien Märkte entfalten, die
dem Fortschritt Vorschub geleistet haben.
Es ist an der Zeit, daß wir den aufstrebenden Demokratien Osteuropas die Hand reichen, damit dieser
Kontinent - der viel zu lange geteilt war - einer ungeteilten und freien Zukunft entgegensehen kann.
Und es ist an der Zeit, auf unseren neuen Beziehungen
zur Sowjetunion aufzubauen und einen friedlichen
Prozeß innenpolitischer Veränderungen im Hinblick
auf Demokratie und wirtschaftliche Möglichkeiten zu
fördern.
Wir befinden uns in einer Zeit großer Veränderungen,
großer Hoffnung und dennoch großer Unsicherheit.
Wir erkennen, daß die sowjetische militärische Bedrohung in Europa abnimmt, nehmen aber nur geringe
Veränderungen bei der Modernisierung strategischer
Waffen in der Sowjetunion wahr. Aus diesem Grunde
müssen wir unsere offensive Modernisierung strategischer Waffen und auch die Strategische Verteidigungsinitiative beibehalten.

AMERIKA DIENST 5

Aber es ist an der Zeit für Fortschritte bei einem
konventionellen Rüstungskontrollabkommen, mit dem
unsere Streitkräfte in Europa ein angemesseneres
Niveau erhalten - ein integriertes Verteidigungsprogramm, mit dem gewährleistet wird, daß die Vereinigten Staaten weiterhin ein Katalysator für friedliche
Veränderungen in Europa sein werden. Ich stehe dazu
in Konsultationen mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten - und habe erst heute
mit Präsident Gorbatschow telephoniert.
Ich vertrete die gleiche Meinung wie unsere europäischen Verbündeten, daß eine militärische Präsenz
der Vereinigten Staaten in Europa unabdingbar ist und
diese nicht allein an die sowjetische Militärpräsenz in
Osteuropa gekoppelt sein sollte.
Dennoch können die Streitkräfteniveaus noch weiter
abgebaut werden. Heute abend kündige ich daher
einen wichtigen neuen Schritt an - daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ihre in Mittel- und Osteuropa stationierten Truppen auf jeweils 195 000 Mann
reduzieren.
Diese Zahl stützt sich auf Empfehlungen unserer
hochrangigen Militärberater. Sie soll amerikanische
und europäische Interessen schützen und die Verteidigungsstrategie der NATO aufrechterhalten. Unser
Ziel muß jetzt im unverzüglichen Abschluß unserer
Rüstungskontrollverhandlungen - im konventionellen
Bereich sowie bei chemischen und strategischen Waffen
- liegen. Dieser Zeitpunkt ist gekommen.
Dennoch müssen wir uns eine bedauerliche Tatsache
vor Augen führen: In vielen Teilen der Welt sind
Konflikte - nicht Frieden - die Realität. Anhaltende
Feindseligkeiten und gegensätzliche Interessen bestehen weiterhin. Deshalb muß der Sache des Friedens von einem Amerika gedient werden, das stark und sicher - genug ist, um unsere Interessen und
Ideale zu verteidigen. Dieser amerikanische Traum
hat in den vergangenen vierzig Jahren dazu beigetragen, die Revolution von 1989 zu entfachen.
Hier in Amerika und in der ganzen Welt wird Geschichte neu geschrieben. Vor sechs Monaten, zu Beginn
dieser Zeit des Umbruchs, stand ich in Polen an den
Toren der Danziger Werft am Denkmal der gefallenen
Gewerkschaftsmitglieder der Solidarität. Es ist ein
Denkmal von schlichter Größe. Drei große Kreuze
erheben sich über den Steinen. Auf jedem Kreuz
befindet sich ein Anker - seit jeher das Symbol der
Hoffnung.
Der Anker in unserer heutigen Zeit heißt Freiheit. Er
hält uns fest in wechelvollen Zeiten - als Symbol der
Hoffnung für die ganze Welt. Und Freiheit liegt dem
Traum zugrunde, der Amerika ausmacht.
Es hängt von jedem einzelnen ab, diesen Traum zum
Leben zu erwecken. Unsere Anker waren immer der
Glaube und die Familie.
Seite 5

�In den letzten Tagen dieses ereignisreichen Jahres
wurde unserer Familie wiederum ein großes Glück
zuteil - wir konnten das Wunder des Lebens feiern, als
unser 12. Enkelkind geboren wurde.
Als ich den kleinen Jungen zum ersten Mal in den
Armen hielt, schienen die Probleme im In- und Ausland wieder in die richtige Perspektive gerückt zu sein.
Ich weiß, daß Sie jetzt denken:
Großvater.

Hier spricht der

Vielleicht haben Sie sogar recht. Aber ich habe im
letzten Jahr viele Kinder getroffen - hier in Amerika und
überall vom Femen Osten bis nach Europa. Alle
Kinder sind einzigartig. Und dennoch sind sie alle
gleich. Die jungen Umweltschützer, die ich in diesem
Monat bei einer Reise in die Everglades Floridas
getroffen haben. Die kleine Mannschaft, mit der ich in
Polen Baseball gespielt habe - und die von Warschau
aus gleich in die Weltklasse hätten überwechseln
können. Auch die Kinder, die krank oder allein sind Gott schütze all die verlassenen oder bereits drogenabhängigen Babys - die mit Problemen fertigwerden
müssen, die kein Kind haben sollte. Aber was die
Hoffnung und die Zukunft betrifft, sind alle Kinder
gleich. Voller Träume. Bereit, sich der Welt zu stellen.
Einzigartig, weil sie die Zukunft der Freiheit bedeuten.
Ihnen gehört diese neue Welt, über die ich gesprochen
habe.
Deshalb möchte ich Sie heute abend um etwas bitten.

Seite 6

Dabei möchte ich mich zunächst an meine Generation
wenden - die Großeltern im Lande. Sie sind unsere
lebendige Verbindung zur Vergangenheit. Erzählen
Sie Ihren Enkelkindern die Geschichte der Kämpfe, die
wir im In- und Ausland geführt haben. Von den Opfern,
die wir freiwillig für die Freiheit gebracht haben. Und
erzählen Sie ihnen auch Ihre eigene Geschichte - weil
jeder Amerikaner eine Geschichte erzählen kann.
Eltern: Ihre Kinder wollen von Ihnen die Richtung
gewiesen und die Leitlinien aufgestellt bekommen.
Erzählen Sie Ihnen von Werten wie Glaube und Familie.
Sagen Sie Ihnen, daß wir vor Gott eine Nation sind.
Lehren Sie sie, daß von all den Segnungen, die sie
erhalten können, Freiheit das wertvollste Geschenk
ist. Und von all dem, was sie geben können, Hilfe für
andere die größte Gabe ist.
Und den Kindern und Jugendlichen möchte ich auf den
Weg geben: Wir setzen unsere Hoffnung auf Euch - Ihr
seid alles, was Amerika in den vor uns liegenden
Jahren und Jahrzehnten bedeuten wird. Konzentriert
Euch auf die Vision eines neuen Jahrhunderts - Eures
Jahrhunderts. Auf Träume, die wir nicht sehen können. Auf Eure - und nur auf Eure - Zukunft.
Und schließlich wollen wir, daß alle Amerikaner - hier
in diesem Saal, dem symbolischen Zentrum der
Demokratie - ihren Treueschwur auf diesen amerikanischen Traum bekräftigen. Und wir wollen immer daran
denken, daß die Lage der Nation von jedem einzelnen
von uns abhängt.

AMERIKA DIENST 5

�U.S.-AUSSENPOLITIK
7. Februar 1990

BAKER: OFFIZIELLE REAKTION MOSKAUS AUF
BUSHS VORSCHLAG ERWARTET
Rede des US-Außenministers im Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die von Außenminister Baker am 1.
Februar 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats gehaltene Rede zu den außenpolitischen Zielen der
Vereinigten Staaten, insbesondere im Hinblick auf die Gespräche mit seinem sowjetischen Amtskollegen
Schewardnadse am 8. und 9. Februar 1990 in Moskau.
Außenminister Baker zufolge erwartet er bei seinem
Besuch in Moskau eine offizielle sowjetische Reaktion
auf Präsident Bushs Vorschlag neuer einschneidender Reduzierungen amerikanischer und sowjetischer
Kampftruppen in Europa.
In seinem Bericht zur Lage der Nation hatte der Präsident am 31. Januar 1990 Reduzierungen gefordert,
nach denen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion noch jeweils 195 000 Soldaten in Europa Mitte - der
Bundesrepublik, der DDR, Polen und der Tschechoslowakei - stationiert hätten.
Baker erklärte am 1. Februar 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats, Präsident Gorbatschow
hätte bei einem vor der Rede mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef geführten Telephonat auf Bushs
Vorschlag weder mit Ja noch mit Nein geantwortet.
"Wir erwarten eine Antwort von ihnen, und meines
Erachtens werden wir sie bei meinem Besuch in Moskau
erhalten, den ich Montag antrete," erklärte Baker.
Baker stellte sich dem Ausschuß, um die außenpolitischen Prioritäten der Administration für 1990 darzulegen und Unterstützung für Präsident Bushs Forderung
nach einem außenpolitischen Budget im Umfang von
20,8 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1991 zu
gewinnen.
Der Außenminister sprach sich für mehr "Flexibilität"
des Kongresses bei der Vergabe von Haushaltsmitteln
aus, damit die Vereinigten Staaten auf unvorhergesehene Ereignisse und Herausforderungen reagieren
können. Darüber hinaus bekundete er die Hoffnung
der Administration auf ein kooperativeres Verhältnis

AMERIKA DIENST 5

zur Sowjetunion und erläuterte amerikanische Pläne
zur Förderung der Demokratie in Osteuropa und anderen Ländern.
Bakers Gespräche mit Gorbatschow und dem sowjetischen Außenminister Schwardnadse dienen der
Vorbereitung eines Gipfeltreffens der Präsidenten Bush
und Gorbatschow in Washington Ende Juni.
Der Außenminister erklärte, Präsident Bush habe
"ausdrücklich" den Wunsch nach Abschluß eines
Abkommens über die Reduzierung konventioneller
Streitkräfte in Europa bekundet. Ihm zufolge sind
bedeutende Fortschritte im Hinblick auf dieses Ziel
bereits bei den Wiener Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) erzielt worden.
Baker betonte jedoch, der Präsident beabsichtige mit
seinem Vorschlag noch einschneidenderer Truppenreduzierungen keinesfalls, ein KSE-Abkommen zu
verzögern, zu verhindern oder zu komplizieren. Er erklärte, die westlichen Verbündeten stünden Bushs
Vorschlag generell positiv gegenüber, und er erwarte
aus dieser Richtung keine ernsthaften Bedenken.
"Wir müssen bei KSE-1 noch einige Probleme ausbügeln, insbesondere im Hinblick auf Flugzeuge und
Hubschrauber, obgleich wir sehr gute Fortschritte
machen", erklärte der Außenminister. Die Position
des Präsidenten beschrieb er wie folgt: "Wenn wir dies
schaffen, ohne den Abschluß eines KSE-Abkommens
- der sowohl in unserem als auch im Interesse der
Verbündeten liegt - im Jahr 1990 zu verzögern, zu
verhindern oder zu komplizieren, ziehen wir diesen
Weg vor."

Seite 1

�"Wenn dies jedoch dem Abschluß eines Abkommens
über konventionelle Waffen im Jahr 1990 im Weg
stünde, müßten wir einen Weg finden, um diese Probleme später zu lösen", erklärte Baker. "Der Präsident
hat ausdrücklich erklärt, er wünsche den Abschluß
eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte im
Jahr 1990."
Baker schlug zur diesjährigen Unterzeichnung eines
Abkommens über konventionelle Streitkräfte einen
Gipfel mit 23 Teilnehmerstaaten von NATO und Warschauer Pakt vor, mit dem Ziel, "den baldigen Abschluß eines KSE-Abkommens zu fördern" und den
"Prozeß stärker zu beschleunigen als dies sonst der
Fall sein würde".
Bei ihren Gesprächen am 8. und 9. Februar 1990 in
Moskau werden Baker und Schewardnadse hochrangige Arbeitsgruppen für fünf Bereiche der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung - Rüstungskontrolle, regionale Fragen, Menschenrechte, bilaterale
Beziehungen und länderübergreifende Probleme - zur
Seite stehen.
Bei ihrem Gipfeltreffen in Malta im Dezember vergangenen Jahres hatten Bush und Gorbatschow ihre
Minister angewiesen, die Verhandlungen über einen
Vertrag zur Verringerung strategischer Rüstungen
(START) abzuschließen, um ihn beim Gipfel im Juni
unterzeichnen zu können.
Der Außenminister erklärte gegenüber einem Senator
jedoch, die Hoffnung sei "zu hochgegriffen", daß ein
START-Vertrag in diesem Jahr vom Senat ratifiziert
würde. Wenn bei den noch ausstehenden Fragen
Übereinkunft erzielt würde, was Baker als "keine leichte Aufgabe" bezeichnete, würde es noch "Monate"
dauern, bis das komplexe Abkommen als Vertragswerk vorliege.
Auf die Frage eines anderen Senators erwiderte Baker, es sei "verfrüht", die Sowjetunion in ein Hilfsprogramm einzubeziehen, wie es für andere Länder Osteuropas existiere, "weil sie noch nicht die politischen
und wirtschaftlichen Reformen durchgeführt hat, wie
wir sie in Ländern wie Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beobachten".
In seiner Rede stellte Baker fest, die mit der Sowjetunion bisher bestehenden Spannungen "lassen tatsächlich zum großen Teil aufgrund der überall stattfindenden tiefgreifenden Veränderungen nach. Stabilisierende Rüstungskontrollbestrebungen machen Fortschritte. Die alte Welt dogmatischer Diktaturen macht
ganz langsam einer neuen Welt Platz - einer Welt der
Sicherheit, wohlhabender und gerechter Demokratien,
die jedoch als solche noch nicht existiert," warnte
Baker.
Er umriß fünf entscheidende außenpolitische Herausforderungen für die neunziger Jahre.

Seite 2

Die vordringliche Notwendigkeit zur Konsolidierung der Demokratie. "Ost und West bewegen
sich auf ein ungeteiltes und freies Europa zu",
erklärte Baker. "Im Hinblick auf unser Verhältnis zur Sowjetunion sondieren wir vier Bereiche
von beiderseitigem Interesse, in denen wir soweit
möglich statt Konflikten Kooperation erzielen
können."
Bestrebungen zur Unterstützung weltweiten
Wachstums, indem bilaterale und multilaterale
Marktprinzipien durch IWF, Weltbank und GATT
gefördert werden. "Von Osteuropa über Lateinamerika bis hin zu den Entwicklungsländern in
Afrika und Südasien machen sich Anzeichen
zum Abbau von staatlicher Kontrolle und Hindernissen für den Privatsektor bemerkbar, während die bankrotten Planwirtschaften aufgegeben werden", so Baker.
Die Notwendigkeit zu verbesserter Sicherheit
des internationalen Umfelds, die unabdingbar
ist, wenn Demokratie und freie Märkte gedeihen
sollen. "Revolutionäre Veränderungen in der
kommunistischen Welt und ein zunehmend
kooperatives amerikanisch-sowjetisches Verhältnis schaffen die politischen Bedingungen,
die zu dauerhafter und strategisch entscheidender Rüstungskontrolle unverzichtbar sind. Meines
Erachtens haben wir die historische Chance zu
einer Umwandlung des Sicherheitswettlaufs
zwischen Ost und West", führte Baker aus.
Die Notwendigkeit, mit allen - Verbündeten,
Freunden und traditionellen Gegnern gleichermaßen - neue weltweite Gefahren wie Umweltverschmutzung, Drogenhandel und Terrorismus
zu bekämpfen.
Die Notwendigkeit, "unsere Bündnisse und andere
wichtige Bindungen neu zu gestalten und zu
erneuern. Die Bewältigung dieser Herausforderung ist meiner Ansicht nach entscheidend, um
alle anderen in den Griff zu bekommen", erklärte Baker. "Wir müssen unsere atlantische und
pazifische Partnerschaft sowie internationale
Institutionen an die im großen und ganzen

günstigen Bedingungen anpassen, die diese
Partnerschaften und Organisationen geschaffen haben."
Dem Außenminister zufolge hat die Administration für
das am 1. Oktober 1990 beginnende Haushaltsjahr
1991 insgesamt 20,8 Milliarden Dollar an frei verfügbaren Ausgabeermächtigungen für auswärtige Beziehungen beantragt, was einer Aufstockung von 1,7
Milliarden Dollar gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr entspricht. "In diesem Zusammenhang", so
Baker, "unterbreiten wir folgende sechs Finanzierungsvorschläge:

AMERIKA DIENST 5

�300 Millionen Dollar zur Förderung von Strukturreformen, Entwicklung des Privatsektors, für
Handels- und Investitionsprogramme sowie Umweltschutzmaßnahmen in Osteuropa.
500 Millionen Dollar an zusätzlicher Wirtschaftshilfe für Panama zur Stützung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus durch Unternehmensförderung, öffentliche Investitionen und wirtschaftliche Stabilisierung im Haushaltsjahr 1990.
441 Millionen Dollar für Militär- und Wirtschaftshilfe sowie Drogenbekämpfungsmaßnahmen in
den Andenstaaten.
888 Millionen Dollar zur Begleichung der amerikanischen Zahlungsrückstände bei den Vereinten Nationen und anderen multinationalen Organisationen und Entwicklungsbanken.
270 Millionen Dollar für die neue amerikanische
Botschaft in Moskau.
Aufstockung der Mittel für das laufende Haushaltsjahr in Höhe von 70 Millionen Dollar zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms aufgrund der
weiteren Liberalisierung der sowjetischen Auswanderungspolitik."
Auf die Frage nach COCOM, dem zwischenstaatlichen Koordinationsausschuß für ost-westliche Handelspolitik mit Sitz in Paris, der sicherheitsempfindliche Exporte in kommunistische Staaten überwacht,
antwortete Baker, "der kontinuierliche Schutz sicherheitsempfindlicher Technologie für den strategischen
Bereich, insbesondere von Technologie mit potentieller militärischer Anwendung, ist von außerordentlich
großer Bedeutung." In diesem Zusammenhang erwähnte er das vom 14. bis 15. Februar 1990 in Europa
stattfindende COCOM-Treffen zu Osteuropa und stellte fest, daß die Vereinigten Staaten eine umfassende
Überprüfung ihrer Politik in die Wege geleitet haben.

"Wir möchten ein neues internationales Verhältnis mit
der Sowjetunion schaffen, indem wir sie drängen, zur
friedlichen Beilegung regionaler Konflikte beizutragen", so Baker. "Und wir streben eine demokratischere Sowjetunion an, in der Fortschritte bei den Menschenrechten durch einen Rechtsstaat und demokratische Verfahren fest verankert werden."
Bei der Beantwortung von Fragen verwies Baker darauf, daß die Vereinigten Staaten die Wiedervereinigung Deutschlands seit über 40 Jahren unterstützt
haben. "Dies ist nach wie vor ein Ziel unserer Politik",
erklärte er. Der Außenminister stellte fest, daß die
Vereinigten Staaten vier Prinzipien formuliert haben,
die in diesem Zusammenhang erwogen werden sollten:
Selbstbestimmung muß ungeachtet des Ergenisses erfolgen.
Die Wiederherstellung der Einheit sollte im
Rahmen der bleibenden Integration der Bundesrepublik in die NATO und der Schaffung
eines Europäischen Binnenmarktes erfolgen.
Die Wiederherstellung der Einheit muß im Interesse der allgemeinen europäischen Stabilität
friedlich und schrittweise erfolgen.
In der Frage der Grenzen sollten die Vereinigten
Staaten ihre Unterstützung für die in der Schlu ßakte von Helsinki niedergelegten Grundsätze
bekräftigen, mit denen die Unverletzbarkeit der
Grenzen, jedoch gleichzeitig die Möglichkeit
friedlicher Veränderungen anerkannt wird.

* * * *

*

Baker zufolge werden in Moskau voraussichtlich vor
allem die sowjetischen Fortschritte bei der Kodifizierung der liberalisierten Auswanderungspolitik erörtert,
die den Weg zur Meistbegünstigung durch die Vereinigten Staaten ebnen könnten. Er erklärte, er werde
die politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion drängen, eine "verantwortungsbewußte und konstruktive
Rolle" beim Streben nach Frieden in Mittelamerika zu
spielen und sie zu der angeblichen Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-29an Kuba befragen.

AMERIKA DIENST 5

Seite 3

�SICHERHEITSPOLITIK
7. Februar 1990

SEMINAR ÜBER MILITÄRDOKTRINEN ALS
ERFOLG BEWERTET
AbSchlußerklärung von Botschafter John Maresca
WIEN - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John Maresca, zufolge bewerten die Vereinigten Staaten das am 5.
Februar 1990 in Wien beendete Seminar über Militärdoktrinen als "Erfolg".
Der Zweck des Seminars - "größere Offenheit im Bereich der Militärdoktrinen" - sei erfüllt worden, erklärte
Maresca in seiner Abschlußerklärung. Dennoch existierten "insbesondere bei der sowjetischen Streitkräftestruktur und Militärpolitik noch bestimmte Realitäten, die wir schlicht und einfach nicht ignorieren können".
Gleichzeitig betonte Maresca, die Vereinigten Staaten seien "optimistisch im Hinblick auf die Entwicklung der
östlichen Doktrin, die sie in den kommenden Monaten und Jahren genau im Auge behalten werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Abschlu ßerklärung von Botschafter Maresca beim Seminar über Militärdoktrinen im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, mehrere Delegationen haben bisher ihre Ansicht zum Ausdruck gebracht, das Seminar
über Militärdoktrinen sei ein Erfolg gewesen. Meine
Delegation teilt diese Meinung - das Seminar war ein
Erfolg. Es hatte vor allem größere Offenheit im Bereich der Militärdoktrinen zum Ziel, und dieses Ziel ist
verwirklicht worden.
Dies soll jedoch nicht heißen, daß alle Differenzen
zwischen uns ausgeräumt worden sind. Insbesondere
bei der sowjetischen Streitkräftestruktur und Militärpolitik existieren noch bestimmte Realitäten, die wir schlicht
und einfach nicht ignorieren können. Diese wurden im
Verlauf der Diskussion deutlich und müssen jetzt nicht
noch einmal wiederholt werden. Wir sollten sie jedoch
bei unserer Standortbestimmung im Auge behalten
und sie gemahnen uns zur Vorsicht.
Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten optimistisch
im Hinblick auf die Entwicklung der Doktrin des Ostens, die sie in den kommenden Monaten und Jahren
genau im Auge behalten werden. Die neuen Elemente, die sich im Verlauf des Seminars abzeichneten,
deuten darauf hin, daß diese Entwicklungen einen
positiven Kurs nehmen.
Zusätzlich zu größerer Offenheit ist das Seminar über
AMERIKA DIENST 5

Militärdoktrinen der VSBM-Tradition gefolgt und hat in
neuen Bereichen der Rüstungskontrolle Pilotfunktion
übernommen. Meines Erachtens kann man mit Fug
und Recht sagen, daß das Seminar zu einem Vorreiter
der Rüstungskontrolle geworden ist. Erstmals in der
Geschichte der Rüstungskontrolle sind unsere ranghöchsten Offiziere zusammengekommen, um gemeinsam die kontroversesten Themen auf der sicherheitspolitischen Tagesordnung Europas zu erörtern. Diese
sowohl offiziellen als auch inoffiziellen Kontakte könnten sich auf lange Sicht als ebenso wichtig erweisen
wie die Debatten bei den offizielllen Seminarveranstaltungen.
Obgleich viele der von uns im Laufe des Seminars
gehörten Referate unser Interesse fanden, war meine
Delegation besonders von den Einlassungen mehrerer Länder Osteuropas in den Bann gezogen. Das
offensichtliche Bestreben, die in vielen Fällen noch
heftig umstrittene nationale Position freimütig darzulegen, wurde sehr begrüßt und spiegelte eindeutig die
tiefgreifenden politischen Veränderungen unserer Zeit
wider.
Darüber hinaus sind wir der sowjetischen Delegation
für ihre durchdachten Vorträge - und die vielen Antworten auf unsere direkten Fragen - dankbar. Wir haben
Seite 1

�den Eindruck gewonnen, daß die neue sowjetische
Doktrin des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus
der Verteidigung" zunehmend an Einfluß gewinnt,
wenngleich sie noch nicht alle Bereiche sowjetischer
Militärpolitik durchdrungen zu haben scheint. Nicht
zuletzt gibt es die sowjetischen Streitkräfte weiterhin,
und unsere Verteidigungsplanung muß diese rauhe
Wirklichkeit in Betracht ziehen, bis ein Gleichstand in
Europa erzielt ist.
Dennoch begrü ßen wir die Tatsache, daß hochrangige
sowjetische Offiziere bereit waren, sich an einem
solchen direkten Austausch zu beteiligen. Wir verstehen und würdigen die Bedeutung dieses Beitrags der
Sowjets. Aufgrund dessen haben wir jetzt ein besseres Verständnis des nunmehr von der Sowjetunion
eingeschlagenen Kurses, mit dem sie die Kräfteverteilung ihrer Streitkräfte weniger bedrohlich gestalten,
und wir sind uns auch bewußt, daß Veränderungen
Zeit erfordern. Wir werden diese Bestrebungen mit
Interesse beobachten. Eine Fortsetzung gegenwärtiger Tendenzen wird unser Vertrauen in die sowjetischen Absichten steigern.
Herr Vorsitzender, alle amerikanischen Teilnehmer
verlassen diese Konferenz mit dem Gefühl der Befriedigung, daß sie - wenn auch oft nur kurz - die Möglichkeit hatten, sich an einem geschichtsträchtigen Dialog
zu beteiligen. In diesem Sinne hat General Powell uns
eine persönliche Botschaft übermittelt, die wir allen

Delegationen zugänglich machen werden, in der er
den Wert dieses Seminars für die Förderung unseres
gemeinsamen Ziels hervorhebt - größerer Offenheit
als Schlüsselelement militärischer Stabilität.
Heute morgen wurde ich von einem Journalisten über
wahrhaft sensationelle Entwicklungen des Seminars
befragt. Ich habe geantwortet, es sei nicht unsere
Aufgabe, sensationelle Entwicklungen hervorzubringen. Ich erklärte ihm, wir arbeiteten an der langsamen,
stetigen Entwicklung von Stabilität und Vertrauen im
sicherheitspolitischen Bereich. Und meiner Ansicht
nach ist das Seminar diesem Ansatz gerecht geworden. Es war ein weiterer Schritt in unserem langsamen, stetigem Bestreben der Vertrauensbildung in
unserem Kreis. Herr Vorsitzender, wenn wir morgen
zu unseren Verhandlungen zurückkehren, besteht
unsere Herausforderung darin, zu gewährleisten, daß
wir aussagekräftige Abkommen verantwortungsvoll
vorantreiben, mit denen diese historische Entwicklung
in positivem Sinne vorangetrieben und ein Europa
geschaffen wird, in dem Sicherheit und Unabhängigkeit für alle Länder gesichert sind.
Ich möchte an dieser Stelle auch im Namen meiner
Delegation Herrn Botschafter Liedermann und dem
Sekretariat, den Dolmetschern und der österreichischen Regierung für ihre hervorragende Arbeit bei der
Organisation dieser wichtigen Veranstaltung danken.
Ich danke Ihnen, Herr Vorsitzender.

*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10754">
                <text>07.02.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10755">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10756">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10757">
                <text>Amerikadienst 07.02.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10758">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bericht zur Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush für einschneidende amerikanisch-sowjetische Truppenreduzierungen in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Offizielle Reaktion Moskaus auf Bushs&lt;br /&gt;Vorschlag erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers im Auswärtigen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Sicherheitspolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seminar über Militärdoktrinen als Erfolg&lt;br /&gt;bewertet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschlußerklärung von Botschafter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;John Maresca&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2131" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2142">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/1b13e212959334dbd3453f8d876c1151.pdf</src>
        <authentication>3621fc8b36c931f1fb59bd10ecd178a8</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10765">
                    <text>ciiriGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

#

k s»
«&lt;= ^

&gt;
&lt;?

*£^

/

*

.•./•

14. Februar 1990

DEUTSCHLANDPOLITIK

Diskussion über Hilfe für beide deutschen
Staaten
Bilaterale Gespräche Außenminister Bakers
in Ottawa

US - AUSSENPOLITIK

Baker rühmt die Revolutionen der Macht des
Volkes von 1989
Außenminister Baker vor dem Obersten Sowjet

Beachtliche Fortschritte zwischen USA und
UdSSR
Gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Erklärung

SICHERHEITSPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Bush: USA müssen starke Verteidigung
beibehalten
Rede des Präsidenten beim Commonwealth Club

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�DEUTSCHLANDPOLITIK
14. Februar 1990

DISKUSSION ÜBER HILFE FÜR BEIDE
DEUTSCHEN STAATEN
Bilaterale Gespräche Außenminister Bakers in Ottawa

OTTAWA - (AD) - Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge sondieren die Vereinigten Staaten
und mehrere andere Länder zur Zeit einen Mechanismus "zwei plus vier" für die Wiedervereinigung Deutschlands. Dabei würden die beiden deutschen Staaten
Lösungen für innere Probleme erarbeiten, während die
anderen vier Staaten ihnen bei ihren äußeren Problemen Hilfe leisten.
Die beiden deutschen Staaten würden sich inneren
juristischen, politischen und wirtschaftlichen Fragen
widmen. Die Unterstützung durch die vier ehemaligen
Besatzungsmächte - Großbritannien, Frankreich,
Sowjetunion und Vereinigte Staaten - würde sich auf
Fragen wie die deutsche Mitgliedschaft in der NATO
sowie den Verzicht auf Produktion und Besitz nuklearer, chemischer und biologischer Waffen erstrecken.
Ein amerikanischer Regierungsvertreter, der nach
Außenminister Bakers bilateralen Treffen mit Amtskollegen aus der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Rumänien, Polen und der Türkei am 12. Februar 1990 in Ottawa Journalisten über
diese Gespräche unterrichtete, erklärte, das Thema
der deutschen Einheit sei verschiedentlich in diesen
Diskussionen zur Sprache gekommen. Baker befindet
sich in Ottawa zu Gesprächen über Rüstungskontrolle
und sicherheitspolitische Vereinbarungen mit den
Au ßenministern der 23 Nationen, die an der Konferenz
"Offene Himmel" teilnehmen.
Der vorgeschlagene Mechanismus "zwei plus vier" ist
dem US-Regierungsvertreter zufolge "ein Beispiel für
zumindest eine Möglichkeit, um einige dieser legitimen
Sicherheitsinteressen zu behandeln, bei gleichzeitiger
Berücksichtigung der Prämisse, daß über die fundaAMERIKA DIENST 6

mentalen Fragen der deutschen Einheit vom deutschen Volk entschieden werden muß".
Auf Fragen zum Problem der Souveräntität erwiderte
der Regierungsvertreter, es sei zu erwarten, daß die
beiden deutschen Staaten im Zuge der Vereinigung
die volle Souveränität erlangen würden.
Die Frage der Vereinigung Deutschlands wurde aufgrund der für März in der Deutschen Demokratischen
Republik anberaumten Wahlen zum wichtigsten Tagesordnungspunkt, erklärte der US-Vertreter. Darüber hinaus habe dies viele dazu veranlaßt, ihrer Besorgnis über sicherheitspolitische Fragen sowie politische und wirtschaftliche Entwicklungen Ausdruck zu
verleihen sowie darüber, "wie sich diese in den umfassenderen europäischen Rahmen einordnen lassen".
Dem US-Vertreter zufolge ist es wichtig, daß in der
DDR freie und faire Wahlen abgehalten werden. "Ein
Schlüsselelement bei der Wiedervereinigung besteht
in einer legitimen Regierung in der DDR. Es ist unsere
feste Ansicht ..., daß eine legitime Regierung auf
Selbstbestimmung und der Zustimmung der Regierten
beruht", erklärte er.
"Dies ist zur Zeit eindeutig noch nicht der Fall."
Die Sowjets sind dem Regierungsvertreter zufolge
daran (am Prozeß der Erforschung) stark interessiert,
aber noch keine Verpflichtung für diesen Mechanismus eingegangen. Er beschrieb den sowjetischen
Ansatz als "sehr überlegt" und unverbindlich. Ferner
verwies er darauf, welche Bedeutung der Anerkennung der Sicherheitsinteressen der Sowjetunion zukommt. Moskau strebt Zusicherungen an, daß NATO-

Seite 1

�Truppen nach der Wiedervereinigung beider Teile
Deutschlands nicht weiter ostwärts vorrücken werden.
Die Sowjets erkennen dem Regierungsvertreter zufolge die Unvermeidbarkeit der Veränderungen im Hinblick auf Deutschland und sind daran interessiert, eine
"Rolle" bei der Gestaltung der Struktur zu spielen.
Der gesamte Prozeß muß "mit einer deutschen Entscheidung" und - so erklärte er - der Erkenntnis der
Deutschen beginnen, daß sie einen "Platz in einer
erweiterten Europäischen Gemeinschaft einnehmen
werde". Er verwies ferner darauf, Spekulationen darüber seien "verfrüht", welche Form sich aus den
gegenwärtig stattfindenden Diskussionen ergeben wird.
Der Regierungsvertreter vermittelte darüber hinaus
den Eindruck, diese Gespräche würden zu einem
Friedensvertrag führen.
Die vier Mächte haben nicht die Absicht, beide Teile
Deutschlands an der Einigung zu hindern, betonte er.
Er erklärte ferner, das gesamte Konzept des Prozesses bestehe darin, sechs Staaten zusammenzubringen, damit sie "ernsthafte Gespräche über Grundsatzfragen der Sicherheitspolitik führen".
Zur deutschen Mitgliedschaft in der NATO bemerkte
der Regierungsvertreter, das Bündnis sei ein freiwilli-

ger Zusammenschluß. "Natürlich wird das deutsche
Volk entscheiden müssen, wohin es gehören will",
erklärte er.
Der Vertreter erklärte, Bakers Gespräche mit Bundesaußenminister Genscher hätten ebenfalls die gerade
beendeten Besuche in die Sowjetunion behandelt und
die mit dem britischen Außenminister Hurd geführten
Diskussionen hatten unter anderem die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
und die Entwicklungen in Südafrika zum Inhalt.
Die Gespräche zwischen Außenminister Baker und
dem rumänischen Außenminister Celac konzentrierten sich dem Regierungsvertreter zufolge auf Fragen
wie die Bedeutung freier Medien und den Status von
Minderheiten in Rumänien. Er erklärte, bei Bakers
Zusammenkunft mit dem französischen Außenminister Dumas seien außer Deutschland viele Themenkreise erörtert worden, darunter KSE, der Nahe Osten,
Namibia, Südafrika und das Konzept Offene Himmel.
Mit den polnischen Außenminister Skubiszewski diskutierte Baker dem Regierungsvertreter zufolge über
KSE, die wirtschafltiche Lage in Polen und die Schlußakte von Helsinki, und die mit dem türkischen Außenminister Yilmaz erörterten Themen umfaßten Bulgaren, KSE, Offene Himel und eine Lösung für Armenien.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 6

�US - A U S S E N P O L I T I K
14. Februar 1990

BAKER RÜHMT DIE REVOLUTIONEN DER MACHT DES
VOLKES VON 1989
Außenminister Baker vor dem Obersten Sowjet
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem Ausschuß für internationale Angelegenheiten des Obersten
Sowjets erklärte US-Außenminister James Baker am 10. Februar 1990 in Moskau, er werde nunmehr Zeuge von
Revolutionen im Bewußtsein der Menschen, in den Beziehungen zwischen einzelnen Ländern und Zeuge der

Revolution "von Perestrojka, Glasnost und vor allem Demokratisierung" in der Sowjetunion. Er lobte in diesem
Zusammenhang die "Revolutionen der Macht des Volkes von 1989" und erklärte: "Heute beobachten wir die
Rückkehr der Vernunft."
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder.
Sie erweisen mir und meinem Land eine große Ehre,
indem Sie mir Gelegenheit geben, heute hier sein zu
dürfen. Ich trete hier als Vertreter der Vereinigten
Staaten von Amerika auf. Aber ich bin auch ein Zeuge,
der von historischen Ereignissen kündet. Ich lege vor
Ihnen Zeugnis ab von einer Revolution - einer Revolution in den Beziehungen zwischen Menschen, einer
Revolution in den Beziehungen zwischen einzelnen
Ländern und einer Revolution im Bewußtsein der
Menschen. Präsident Bush und ich haben wiederholt
erklärt: Wir wünschen Ihnen bei Ihrer Revolution von
Perestrojka, Glasnost und vor allem Demokratisierung
Erfolg.
Denn wir werden in diesem Land wie auch in den
Ländern Mittel- und Osteuropas Zeuge einer Umwandlung im Verständnis des Menschen für den
Menschen. Vor Perestrojka und den Revolutionen der
Macht des Volkes von 1989 regierte das Zentrum der
Macht rücksichtslos, unbarmherzig und irrational - in
großer Angst, der Einzelne würde Ansprüche geltend
machen, in großer Angst, daß Vernunft und Wahrheit
über Dogmatismus und Lügen triumphieren würden.
Das Zentrum der Macht behielt sich - von tiefer Unsicherheit geleitet - alle Entscheidungen vor und beraubte damit das Volk seiner Wahlmöglichkeiten. Diese
Machtkonzentration trieb die Länder in die Armut, da

AMERIKA DIENST 6

sich das Zentrum aufblähte und das Volk immer mehr
verarmte.
In dieser auf den Kopf gestellten Welt, in dieser Welt
der Finsternis bei vollem Tageslicht haben Worte ihre
ursprüngliche Bedeutung verloren. Tatsächlich hat
vor vierundfünfzig Jahren die neue sowjetische Verfassung dieser Kammer die oberste Regierungsautorität im Land verliehen. Trotz der Tatsache, daß der
Oberste Sowjet im Sinne der Bedeutung des Wortes
das Volk regierte, wissen wir bedauerlicherweise alle,
daß es tatsächlich von jemand anderem regiert wurde.
Heute beobachten wir jedoch, daß Worte ihre Bedeutung wieder erlangen. Heute beobachten wir die
Rückkehr der Vernunft. Heute trete ich vor die Gründerväter einer neuen Sowjetunion - der neuen Sowjetunion, die Sie aufbauen.
Diese einmalige Gelegenheit, hier vor sie zu treten,
symbolisiert etwas, von dem ich hoffe, es wird ein
neues Zeitalter - nicht nur in der sowjetischen Politik,
sondern in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen - werden. In dem Maße, wie Sie - die gewählten
Vertreter des sowjetischen Volkes - die Macht des
Volkes bestätigen und Entscheidungen treffen, die ihm
zugute kommen, werden universelle, demokratische
Werte Wurzeln schlagen. Und die Verwurzelung dieser Werte in Institutionen wie dieser sichert Ihr Land

Seite 1

�auf eine Art und Weise gegen die Risiken der Vergangenheit, wie das kein einzelner Staatsmann, auch
nicht in bester Absicht - vollbringen kann. Ich habe
bereits am Dienstag in Prag meinen Freund Außenminister Schewardnadse mit den Worten zitiert: "Nur
eine fest verankerte Demokratie kann Garantien gegen Machtmißbrauch bieten und eine Nation vor Unterdrückung schützen."
Die Stärkung der Macht des Obersten Sowjets kann
ein Schritt zu solch einer fest verankerten Demokratie
sein. Das ist ein entscheidender Schritt, weil eine
funktionsfähige Legislative die Grundwerte der Demokratie verkörpert: Unantastbarkeit des einzelnen,
Respektierung abweichender Meinungen, Rechtsstaatlichkeit, weil Vernunft über Willkür der Tagespolitik
triumphiert und das Recht der Menschen, ihr Schicksal
durch frei gewählte Vertreter zu bestimmen. Der freie
Austausch von Ideen in einer öffentlichen und gesetzlich festgelegten Debatte mäßigt politische Leidenschaften und fördert die Lösung gesellschaftlicher
Probleme durch Dialog statt Gewalt. Auf diese Weise
und durch kritische Aufsichtsfunktionen trägt eine
Legislative dazu bei, daß die Regierung dem Volk
gegenüber rechenschaftspflichtig bleibt.
In meinem Land wird genau diese Aufgabe vom Kongreß übernommen: Er fordert von mir Rechenschaft
gegenüber dem amerikanischen Volk. Wiederholt jedenfalls zu oft zum Mitzählen - werde ich gebeten, in
den Ausschüssen von Senat und Repräsentantenhaus zu erscheinen. Wiederholt werde ich zu allem
befragt, vom Verhalten gegenüber dieser großen Nation
bis zu den Aktivitäten eines Angestellten in einem
kleinen Konsulat auf der anderen Seite der Erde.
Immer wieder begebe ich mich zum Capitol Hill, um
meiner Verpflichtung gegenüber dem Volk der Vereinigten Staaten nachzukommen.
Diese Verpflichtung untermauert meiner Ansicht nach
unsere Politik gegenüber der Sowjetunion. Wie ich
bereits erläuterte, haben Präsident Bush und ich bei
verschiedenen Gelegenheiten erklärt, daß wir Perestrojka den Erfolg wünschen. Zum Teil wünschen wir
dies, weil Perestrojka und das neue Denken eine
sowjetische Außen- und Sicherheitspolitik versprechen,
die grundsätzlich für das amerikanische Volk eine
geringere Bedrohung darstellen als die feindseligen
staiinistischen Ansätze der Vergangenheit. Dies liegt
natürlich im Interesse des amerikanischen Volkes.
Aber Perestrojka und insbesondere Glasnost und die
Demokratisierung tragen auch zu einer sowjetischen
Innenpolitik bei, die dem sowjetischen Volk die Freiheit
verschafft, die es verdient. Innerhalb von nur fünf
Jahren erfahren Ihre Völker Freiheit auf eine Weise zumindest in den Augen ausländischer Beobachter die in der sowjetischen Geschichte ihresgleichen sucht.
Daraus folgt, daß der Kemgedanke amerikanischer
Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion eine Suche
nach Bereichen beiderseitigen Vorteils ist, die zu
Seite 2

andauernden Verbesserungen in unseren Beziehungen führen werden. Wir können die amerikanischsowjetischen Beziehungen umgestalten, indem wir
uns von der Konfrontation abwenden und mittels Dialog zu Kooperation gelangen, wie Außenminister
Schewardnadse es formuliert hat. Eins möchte ich
klarstellen: Meinungsverschiedenheiten und Konflikte
werden bestehen bleiben. Aber die Feindseligkeiten
der Vergangenheit können durch Verständnis und
Einfühlungsvermögen ersetzt werden. Und auch wenn
wir keine Übereinstimmung erzielen, muß nicht jeder
Streit in eine Krise münden und nicht jede Krise die
Aussicht auf einen Krieg erhöhen. Im kalten Krieg
wurde jede Krise als gefährliche Bedrohung betrachtet. Im Frieden von morgen sollten wir uns daran
erinnern, daß jede Krise eine Chance beinhaltet - die
Chance, eine bessere Welt hervorzubringen.
Ich möchte jetzt die Bereiche erörtern, von denen wir
annehmen, daß sich dort zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion diese Punkte beiderseitigen Vorteils am produktivsten erzielen lassen.
Zunächst möchten wir in Europa mit der Sowjetunion
und anderen Ländern des Kontinents zusammenarbeiten, um die unnatürliche Teilung Europas zu beenden - und ein ungeteiltes und freies Europa hervorzubringen. Bei den Revolutionen von 1989 hat Präsident
Gorbatschows weitsichtige Politik der Nichteinmischung
wichtigen Einfluß auf eine sehr turbulente Situation
genommen. Gorbatschow hat die friedliche Versöhnung der Region gefördert, und seine Aktionen haben
eine entscheidende Rolle bei der Schaffung rechtmäßiger Regierungen gespielt. Diese rechtmäßigen
Regierungen sind der Schlüssel für Stabilität und Frieden. Ich habe bereits in Prag erklärt, daß es sich
hierbei um friedliche und demokratische Revolutionen
handelt. Wir sollten alle zusammenarbeiten, damit es
so bleibt.
Eine Möglichkeit, wie dieser Ausschuß des Obersten
Sowjets unserer Ansicht nach helfen kann, ist die
Aufnahme unseres Vorschlags, in diesem Frühjahr
Delegationen von KSZE-Beobachtern nach Mittel- und
Osteuropa zu entsenden. Beobachtergruppen können gewährleisten, daß freie und faire Wahlen stattfinden und die gewählten Regierungen tatsächlich rechtmäßig sind.
Zweitens streben wir mit unserer Diplomatie bei regionalen Konflikten nach politischen und nicht militärischen Lösungen für die unterschiedlichen Krisen, von
denen die Stabilität weiterhin weltweit bedroht wird.
Bei einigen Krisen, zum Beispiel im Süden Afrikas und
in Südostasien, machen wir Fortschritte. Aber wir sind
nach wie vor beunruhigt über die Waffen, die Ihre
Regierung denjenigen liefert, die militärische Lösungen für Konflikte in für uns entscheidenden Regionen
anstreben. Um es ganz offen zu sagen, das amerikanische Volk und seine Kongreßabgeordneten können
nicht verstehen, wie ihre Regierung es sich leisten

AMERIKA DIENST 6

�kann, Milliarden Rubel an Hilfe in Länder wie Kuba und
Nicaragua fließen zu lassen, damit diese subversive
Aktionen bei unseren demokratischen Nachbarn durchführen. Dies ist umso unverständlicher, da es zu einer
Zeit geschieht, da Ihr Volk die kärglichen Ressourcen
so nötig braucht. Eine der Funktionen, die unser
Kongreß sorgfältig ausübt, ist die Überprüfung des
Entwicklungshilfehaushalts insbesondere für kritische
Regionen. Wenn Sie mir erlauben, möchte ich darauf
hinweisen, daß Sie im Hinblick auf Militärhilfe für
Mittelamerika dasselbe tun sollten.

Wesen einer Demokratie, daß sie immer bestrebt sein
muß, alles besser zu machen. Aber wir verfügen über
große Erfahrung in vielen Bereichen, die wir mit Ihnen
teilen können, etwa bei der Umsetzung des Schutzes
der Rechte des einzelnen in gesetzliche Bestimmungen und der Institutionalisierung pluralistischer politischer Organisationen. Meiner Ansicht nach war die
Ablehnung bestimmter politischer oder rechtlicher Mittel
durch das Zentralkomitee der Partei, mit denen das
Machtmonpopol hätte erhalten werden können, ein
ungeheurer Schritt zur Demokratie in der Sowjetunion.

Drittens können wir bei der Rüstungskontrolle echte
Fortschritte erzielen, um nicht nur nukleare, sondern
auch konventionelle und chemische Waffen zu kontrollieren. Ein großer Teil meiner Zeit in Moskau war
diese Woche Verhandlungen oder dem START-Vertrag gewidmet - ein Vertrag, über dessen grundlegende Bestimmungen hoffentlich eine Einigung erzielt
wird, wenn unsere Präsidenten das nächste Mal zusammentreffen. Darüber hinaus können wir einen
beiderseitigen Vorteil durch ein KSE-Abkommen erlangen, das ein Gleichgewicht der Streitkräfte in Europa sicherstellen und ein stabileres und vorhersehbares
strategisches Verhältnis dort kodifizieren wird.

Fünftens haben wir mit Ihren Fachleuten erörtert, wie
wir technisch zusammenarbeiten können, um Ihr planwirtschaftliches System in ein Gefüge umzuwandeln,
das marktwirtschaftliche Züge trägt. Ein weiterer
Austausch wird hilfreich sein, aber damit die Zusammenarbeit floriert, müssen noch einige gesetzliche
Veränderungen durchgeführt werden.

Bei chemischen Waffen hat Präsident Bush einen
praktischen Vorschlag unterbreitet, der die beste
Möglichkeit für ein weltweites Verbot dieser schrecklichen Waffen bietet. Ich bin dankbar, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion heute eine gemeinsame Verlautbarung über die Schlüsselelemente der
Initiative des Präsidenten veröffentlicht haben. Wir
möchten darüber hinaus beim Problem der Weiterverbreitung von Raketen an Länder der Dritten Welt mit
Ihrer Regierung effektiver zusammenarbeiten.
Langfristig wird Sicherheit verbessert, wenn Militärhaushalte öffentlich sind. In Prag habe ich vorgeschlagen, daß wir Möglichkeiten innerhalb der KSZE erwägen, um die Militärhaushalte aller 35 KSZE-Länder
öffentlich zugänglich zu machen. Ausschüsse der
Legislative wie dieser müssen eine entscheidende
Rolle spielen, um sicherzustellen, daß das Geld aller
vernünftig ausgegeben wird.
Viertens könnten wir Ihnen etwas für Ihren Versuch
anbieten, einen Staat auf der Grundlage von Rechtsstaatlichkeit aufzubauen. Ich behaupte nicht, daß die
amerikanische Demokratie perfekt ist. Es liegt im

* *

AMERIKA DIENST 6

Wir müssen ferner unsere Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung von Umweltproblemen intensivieren, die
das Wohlergehen aller bedrohen.
In diesen fünf Bereichen können wir Punkte beiderseitigen Vorteils für das sowjetische wie für das amerikanische Volk finden. Ich kann Ihnen nicht versprechen
- das kann niemand -, daß dieses Streben nach
Zusammenarbeit immer Früchte tragen wird. Aber
eins kann ich sagen. Das amerikanische Volk und das
Volk der Sowjetunion haben großen Respekt vor den
Leistungen des anderen. Jeder von uns ist Erbe
großer historischer und kultureller Traditionen. Dennoch haben wir vierzig Jahre lang einen kalten Krieg
gegeneinander geführt.
Jetzt ist es an der Zeit, das Vermächtnis der Konflikte
aufzugeben. Heute sehen wir uns in einer sich rasch
wandelnden Welt anderen Konflikten gegenüber.
Gemeinsam müssen wir versuchen, uns besser zu
verstehen. Gemeinsam müssen wir versuchen, wenn
möglich Übereinstimmung zu erzielen und auf der
Grundlage dieser Übereinstimmung zusammenzuarbeiten. Und wir müssen gemeinsam nach Möglichkeiten zur Erweiterung der Kooperation suchen.
Jetzt ist es an der Zeit, ein neues Erbe anzutreten.
Jetzt ist es an der Zeit, den kalten Krieg zu überwinden.
Ich danke Ihnen.

* *

*

Seite 3

�US-AUSSENPOLITIK
14. Februar 1990

BEACHTLICHE FORTSCHRITTE ZWISCHEN
USA UND UdSSR
Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung
WASHINGTON - (AD) - In einer am 10. Februar 1990 in Moskau im Anschluß an das zweitägige Treffen zwischen
dem amerikanischen Außenminister James A. Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Eduard A.
Schewardnadse abgegebenen gemeinsamen Erklärung ist von "beachtlichen Fortschritten" die Rede, die im
Verlauf des Treffens im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis erzielt wurden.
Der Erklärung zufolge wurden "zu mehreren Punkten der Tagesordnung spezielle Übereinkünfte erarbeitet",
unter anderem in folgenden Bereichen:
Lösung zahlreicher Fragen, um die Unterzeichnung eines Vertrags über die Verringerung strategischer
Rüstungen beim bevorstehenden Juni-Gipfel in Wahington zu ermöglichen,
grundsätzliche Übereinstimmung bezüglich eines Treffens der 35 KSZE-Nationen im Jahr 1990 sowie
Unterstützung von Entwicklungen in den Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, von denen sowohl die
Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion profitieren können.
Die gemeinsame Erklärung sieht darüber hinaus einen fruchtbaren Gedankenaustausch über regionale Probleme wie Mittelamerika, Afghanistan, Korea, Kambodscha, den Nahen Osten und Afrika vor.
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung im Wortlaut.

Im Rahmen der Vorbereitungen für das für Juni dieses
Jahres in Washington anberaumte Gipfeltreffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
kamen der amerikanische Außenminister James A.
Baker und sein sowjetischer Amtskollege Eduard A.
Schewardnadse von 7. bis 9. Februar 1990 in Moskau
zu Gesprächen zusammen. Ausgehend von ihrem
gemeinsamen Ziel, ein von Stabilität, konstruktivem
Denken und Kooperation geleitetes Verhältnis aufzubauen, erörterten sie ein breites Spektrum von Themenkomplexen auf der amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung. Der Außenminister wurde darüber
hinaus von Staats- und Parteichef Gorbatschow zu
einem offenen, breitgefächerten Gedankenaustausch
empfangen.
Die beiden Außenminister erörterten die Entwicklungen im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis seit dem
Ministertreffen in Wyoming und dem Gipfel vor Malta

AMERIKA DIENST 6

zwischen Präsident Bush und Staats- und Parteichef
Gorbatschow. Sie prüften die Aussichten für das
Gipfeltreffen unter besonderer Berücksichtigung der
Ziele und Prioritäten, wie sie von den beiden Politikern
in Malta formuliert worden waren.
Die beiden Außenminister stellten mit Genugtuung die
Fortschritte fest, die im amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis erzielt worden sind. Obwohl zwischen
beiden Seiten noch bestimmte gravierende Meinungsverschiedenheiten bestehen, ist ihr Verhältnis zunehmend von Verständnis, Zusammenarbeit und der Suche
nach beiderseitigen Vorteilen gekennzeichnet. Beide
Außenminister vertreten die Auffassung, ein freimütiger Dialog und anhaltende Bestrebungen zur Erarbeitung praktikabler und konkreter Lösungen werde die
beachtlichen Fortschritte noch vergrößern, die bis
heute zu verzeichnen waren.

Seite 1

�In dieser Hinsicht war das Ministertreffen in Moskau
ein nützlicher und wichtiger Schritt bei der Vorbereitung eines produktiven Gipfeltreffens. Die hochrangigen Gespräche wurden durch Arbeitsgruppen von
Experten für Rüstungskontrolle, regionale Konflikte,
Menschenrechte, grenzüberschreitende und bilaterale Themen sowie einer privaten Beratergruppe für
Wirtschaftsfragen ergänzt. Zu mehreren Punkten der
Tagesordnung wurden spezielle Übereinkünfte erarbeitet.

Die amerikanische Seite unterbreitete neue Vorschläge zur Verifizierung mobiler ICBMs, Vertragsdauer,
zeitlichen Abfolge der Reduzierungen sowie zusätzlichen Gefechtsköpfen für zukünftige Typen ballistischer Raketen. Die sowjetische Seite machte neue
Vorschläge zur Einhaltung. Die beiden Außenminister
wiesen ihre Unterhändler an, diese neuen Vorschläge
zu erörtern und die Bestrebungen zur Beilegung noch
bestehender Meinungsverschiedenheiten beim Vertragstext und den Zusatzprotokolle zu beschleunigen.

I

Beide Seiten erörterten die Wiener Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in Europa und bekräftigten ihre Entschlossenheit zum baldmöglichen Abschluß eines Vertrags im Jahr 1990. Die Seiten
diskutierten den von Präsident Bush am 31. Januar
1990 unterbreiteten Vorschlag zur Mannschaftsstärke
und den Vorschlag der NATO zu Flugzeugen vom
gleichen Tag. Als Ergebnis der Moskauer Gespräche
konnte eine Annäherung der Positionen zur Mannschaftsstärke verzeichnet werden. Beide Seiten einigten sich, ihre Gespräche im Rahmen der Wiener
Verhandlungen und bei der Ministerkonferenz "Offene
Himmel" in Ottawa fortzusetzen.

Die beiden Außenminister führten einen eingehenden
Gedankenaustausch über Probleme der Rüstungskontrolle und Abrüstung. Im Hinblick auf den Vertrag
über den Abbau und die Begrenzung strategischer
Offensivwaffen (START) bekräftigten sie ihr gemeinsames Ziel, bis zum Juni-Gipfel alle größeren Probleme zu lösen, um die Unterzeichnung des Vertrags bis
zum Ende des Jahres zu ermöglichen. Um dieses Ziel
voranzutreiben, einigten sich beide Seiten in einer
Reihe von Bereichen, beziehungsweise tauschten neue
Vorschläge aus.
Bei luftgestützten Marschflugkörpern (ALCMs) erzielten beide Seiten beachtliche Fortschritte mit einem
umfassenden Ansatz und einigten sich in allen ausstehenden Fragen, mit Ausnahme der Obergrenzen für
Reichweiten.
Darüber hinaus konnten auch bei seegestützten Marschflugkörpern (SLCMs) gute Fortschritte verzeichnet
werden. Beide Seiten einigten sich darauf, daß solche
Raketen für die Dauer des START-Vertrags durch
parallele, politisch bindende Erklärungen abgedeckt
werden. Die beiden Außenminister vereinbarten die
Erörterung der ausstehenden Fragen bezüglich SLCMs
bei den Genfer Verhandlungen.
Beide Seiten erzielten Einigung bezüglich zahlenmäßiger Obergrenzen für nichtstationierte ballistische
Raketen und die zugehörigen Gefechtsköpfe für alle
ICBMs des Typs, bei dem die Flugerprobung von
mobilen Abschußvorrichtungen aus vorgenommen
wurde. Andere nichtstationierte ballistische Raketen,
nichtstationierte Marschflugkörper und nichtstationierte schwere Bomberwaffen fallen unter keine zahlenmäßige Obergrenze. Ferner einigten sich die Seiten
auf Regeln bezüglich des Standorts und der Verlagerung aller nichtstationierten ballistischen Raketen.
Ferner vereinbarten beide Seiten wesentliche Bestandteile der Regeln für die Gewährleistung der Offenlegung telemetrischer Daten bei der Flugerprobung
für die unter START fallenden ballistischen Raketen.
Die Bestimmungen werden in den START-Vertrag
einbezogen, jedoch bereits zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung durch den Austausch von Schriftstücken verwirklicht.

Seite 2

Die beiden Außenminister führten intensive Gespräche über ihr Vorgehen bei ihrem gemeinsamen Ziel, im
Rahmen der Genfer Verhandlungen ein weltweites
Verbot der Entwicklung, Produktion, Lagerung und
des Einsatzes chemischer Waffen sowie deren Vernichtung durchzusetzen. Sowohl die amerikanische
als auch die sowjetische Delegation in Genf waren
angewiesen, Mittel und Wege praktischer Zusammenarbeit bei der Beseitigung chemischer Waffen zu erarbeiten. Beide Seiten gaben jeweils eine detaillierte
Erklärung zu chemischen Waffen ab.
In Gesprächen zur nuklearen Erprobung konnten auf
beiden Seiten Fortschritte bei der Lösung noch offener
Fragen verzeichnet werden. Ihrer Ansicht nach ist die
Vervollständigung der Verifizierungsprotokolle zu den
Schwellenverträgen von 1974 und 1976 zur Unterzeichnung beim Gipfeltreffen realistisch. Beide Seiten
einigten sich auf das Recht zur gleichzeitigen Anwendung von hydrodynamischen seismischen Messungen der Sprengkraft im jeweils anderen Land. Darüber
hinaus wurden einige traditionelle Probleme bezüglich
der Durchführung der hydrodynamischen Methode zur
Sprengkraftmessung gelöst. Beide Seiten legten die
drei seismischen Stationen im jeweiligen Land fest, in
denen die seismischen Sprengkraftmessungen vor
Ort vorgenommen werden sollen. Beide Seiten bekräftigten die Einhaltung der im September 1987 erzielten Übereinkunft im Hinblick auf die Verhandlungen über nukleare Erprobung.
Beide Außenminister brachten ihre Hoffnung zum
Ausdruck, daß die Konferenz "Offene Himmel" in
Ottawa - an der beide teilnehmen werden - erfolgreich

AMERIKA DIENST 6

�sein und zu einem baldigen Abkommen führen wird.
Ihrer Ansicht nach können Regeln bezüglich des
"Offenen Himmels" einen echten Beitrag zu Offenheit,
Transparenz und Stabilität leisten.
Beide Außenminister verwiesen auf die jüngsten
Konsultationen zwischen ihren Experten für chemische Waffen, Nichtweiterverbreitung, Raketentechnologiekontrolle und die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen. Sie einigten sich auf die Vorbereitung eines
Dokuments als Entscheidungshilfe für ihre jeweiligen
Regierungschefs, das sowohl die Grundsätze als auch
konkrete Schritte der Zusammenarbeit in allen Bereichen der Nichtweiterverbreitung chemischer Waffen,
Raketen und Atomwaffen abdeckt.
Beide Seiten führten Gespräche über das Problem der
Nichtweiterverbreitung von Raketen und Raketentechnologie. Sie verwiesen darauf, daß beide Seiten die
Exportrichtlinien der bestehenden Bestimmung für
Raketen einhalten, von der Raketen mit der Fähigkeit
zum Abschuß von mindestens 500 Kilogramm Nutzlast in einer Reichweite von mindestens 300 Kilometern erfaßt werden. Darüber hinaus einigten sie sich
auf die Fortführung der gemeinsamen Gespräche über
dieses Problem in der verbleibenden Zeit bis zum
Ministertreffen.
II
Bezüglich regionaler Probelem führten die beiden
Außenminister einen fruchtbaren und detaillierten
Gedankenaustausch. Sie bekräftigten ihre Unterstützung umfassender politischer, auf uneingeschränkte
nationale Aussöhnung gegründeter Schlichtungsverfahren, mit denen die friedliche Beilegung regionaler
Konflikte weltweit erleichtert werden könnte. Sie räumten noch bestehende Meinungsverschiedenheiten bei
einigen Fragen ein, verpflichteten sich jedoch zur
Fortsetzung der Arbeit in dieser Angelegenheit, um die
Differenzen weiter einzugrenzen. Beide Seiten hoben
die positive Rolle der Vereinten Nationen bei der
Beilegung mehrerer internationaler Konflikte hervor
und verwiesen auf die Notwendigkeit zu weiterer Intensivierung der Arbeit der Vereinten Nationen in diesem
Bereich.
Im Hinblick auf Mittelamerika bekräftigten die Außenminister die Bedeutung der Verwirklichung aller Aspekte des Esquipulas-Vertrags und der nachfolgenden
Abkommen. Beide Seiten kamen überein, daß die
Lösung der Konflikte in der Region gemäß Esquipulas
zum Abbau von Spannungen und zum Vorteil aller
Staaten beitragen würde. Sie wiederholten, daß kein
mittelamerikanisches Land auf seinem Territorium die
Unterstützung von Guerrillas gestatten darf und bekräftigten ihre Unterstützung für den Appell der mittelamerikanischen Präsidenten zur Beendigung der Militärhilfe an die Guerrillas durch Staaten außerhalb der
Region. Beide Seiten verwiesen auf die Bedeutung
unparteiischer und effektiver internationaler Beobach-

AMERIKA DIENST 6

tung des Wahlprozesses in Nicaragua. Sie verpflichteten sich zur Respektierung der Ergebnisse freier und
fairer Wahlen in Nicaragua und dazu, die Wahrung von
demokratischem Pluralismus und Menschenrechten
durch die gewählte Regierung zu unterstützen.
Beide Seiten betonten ihre uneingeschränkte Unterstützung für eine - wie in der Erklärung von San Isidoro
geforderte - ausgehandelte politische Lösung des
Konflikts in El Salvador. Sie verpflichteten sich zur
Unterstützung der Bestrebungen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zur Gewährleistung eines
dauerhaften Waffenstillstands und neuerlichen Verhandlugnen in El Salvador sowie für wirksameren
Einsatz des UNO-Apparats zur Überwachung der
Einhaltung bestehender und zukünftiger Abkommen in
Mittelamerika.
Beide Seiten führten konstruktive Gespräche über die
Bedingungen für eine politische Lösung in Afghanistan, einschließlich der Notwendigkeit einer Übergangsphase für einen nationalen afghanischen Dialog,
die Selbstbestimmung des afghanischen Volkes und
die Gründung einer auf eine breite Grundlage gestellten Regierung, die den friedlichen, unabhängigen und
blockfreien Status Afghanistans gewährleisten könnte. Sie kamen überein, die Erörterung von Themen im
Zusammenhang mit einer Lösung in Afgahnistan in
absehbarer Zukunft auf Expertenebene fortzusetzen.
Die beiden Außenminister sprachen über den Pazifik
und Nordostasien. Sie kamen überein, in Kürze
amerikanisch-sowjetische Konsultationen zu diesen
Themen abzuhalten. Sie verliehen dem Wunsch
Ausdruck, die Spannungen auf der koreanischen
Halbinsel abzubauen und den Dialog zwischen Nordund Südkorea zu unterstützen. Die sowjetische Seite
stellte fest, daß eine Vereinbarung zwischen der
Demokratische Volksrepublik Korea und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) über nukleare Sicherheit schon bald abgeschlossen werden
kann. Die amerikanische Seite verlieh dem Wunsch
Ausdruck, daß dieses Abkommen in Kürze geschlossen und gewissenhaft befolgt werden möge.
Beide Seiten bekräftigten ihre Bereitschaft, die Herbeiführung einer umfassenden politischen Lösung in
Kambodscha zu erleichtern. Sie gehen davon aus,
daß der Schlüssel für eine Lösung des Problems darin
besteht, die Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes durch freie und faire Wahlen unter
Aufsicht der Vereinten Nationen zu gewährleisten. Die
beiden Außenminister erklärten ihre Unterstützung für
eine erweiterte Rolle der UNO in Kambodscha. Sie
stimmten überein, daß Vertreter der fünf ständigen
Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates weitere Konsultationen über die Rolle der UNO führen sollten. Ferner
unterstrichen sie die Notwendigkeit einer Intensivierung der diplomatischen Bemühungen aller Parteien,
um den Schwerpunkt vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch zu verlagern und die Roten Khmer

Seite 3

�daran zu hindern, erneut die Macht zu ergreifen. Dazu
zählt auch die Unterstützung eines Moratoriums für
ausländische Militärhilfe an alle kambodschanischen
Fraktionen als Teil einer umfassenden Lösung. Die
beiden Außenminister drückten die Hoffnung aus, daß
das bevorstehende informelle Treffen in Jakarta bei
der Suche nach einer Lösung für den KambodschaKonflikt beitragen wird.

schiedener politischer Organisationen. 1990 könnte
ein wichtiges Jahr beim weiteren Abbau der Apartheid
und auf dem Weg zu einer demokratischen, nicht auf
Rassenzugehörigkeit gegründeten Nation werden. Sie
ermutigen alle Parteien zur Aufnahme von Verhandlungen, denn nur durch Verhandlungen wird es in
Südafrika echte und unumkehrbare Veränderungen
geben.

Die Außenminister bekräftigten die Notwendigkeit eines
aktiven Friedensprozesses im Nahen Osten, einschließlich der Bemühungen zur Einleitung eines palästinensisch-israelischen Dialogs, der zu einer umfassenden
politischen Lösung führt, an der alle einschlägigen
Parteien auf der Grundlage der Resolutionen 242 und
338 des UNO-Sicherheitsrats beteiligt sind. Sie verständigten sich darauf, die bilateralen Konsultationen
zu diesen Fragen fortzuführen.

III

Beide Seiten bekräftigten ihre Überzeugung von der
Notwendigkeit einer vollständigen Umsetzung der
Vereinbarungen von Taif. Sie unterstützen die Bemühungen des Dreier-Ausschusses der Arabischen Liga.
Sie bestätigten ihre Unterstützung für die nationale
Einheit und die rechtmäßig gewählte Führung des
Libanon.
Beide Seiten forderten erneut eine politische Lösung
des Konflikts zwischen Iran und Irak auf der Grundlage
der vollständigen Verwirklichung der Resolution 598
des UNO-Sicherheitsrats und verliehen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, weiterhin den Generalsekretär der
Vereinten Nationen bei der Erfüllung seiner Friedensmission zu unterstützen.
Die beiden Außenminister nahmen die Entwicklung in
Namibia mit Befriedigung zur Kenntnis, die auf die
Herbeiführung der vollständigen Unabhängigkeit unter
demokratischen Verhältnissen, in Frieden und Stabilität gerichtet ist und erkannten die wichtige Rolle der
Vereinten Nationen bei der Verwirklichung dieses Ziels
an. Sie äußerten sich besorgt darüber, daß sich der
Friedensprozeß in Angola weiter verlangsamt und
forderten die Einstellung der Feindseligkeiten sowie
Verhandlungen zwischen den Parteien mit dem Ziel,
eine dauerhafte politische Lösung zu finden.
Beide Seiten verliehen ihrer Besorgnis über die wachsende Drohung einer Hungersnot in Äthiopien Ausdruck und forderten die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, sich erneut zur Bewältigung dieses
tragischen humanitären Problems zusammenzuschließen. In der Erkenntnis, daß die inneren Konflikte in
Äthiopien nicht militärisch beigelegt werden können,
bekräftigten sie gleichzeitig ihre Unterstützung einer
politischen Lösung durch Verhandlungen.
Die beiden Minister begrü ßten die neue Entwicklung in
Südafrika, insbesondere die Erklärung von Präsident
De Klerk über die Freilassung politischer Häftlinge
sowie die Aufhebung des Verbots der Tätigkeit ver-

Seite 4

Die beiden Außenminister führten ein breitgefächertes
Gespräch über die Entwicklungen in Europa. Sie
bekräftigten die Schlüsselrolle des KSZE-Prozesses
bei der Entwicklung eines neuen Europas. Sie verständigten sich prinzipiell über die Abhaltung eines
Gipfeltreffens der 35 KSZE-Staaten im Jahr 1990. Ein
solches Treffen böte einen Anlaß zur Unterzeichnung
eines KSE-Abkommens und wäre eine Vorstufe für
das bereits vereinbarte Gipfeltreffen in Helsinki im Jahr
1992.
IV
Die Außenminister und ihre Experten führten eine
gründliche und sehr positive Diskussion über Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten. Es
gab einen breitgefächerten Meinungsaustausch über
Ein- und Ausreisepolitik und andere rechtliche Praktiken. Die sowjetische Seite bekräftigte ihre Absicht, in
Kürze ein neues Ausreisegesetz zu verabschieden.
Beide Seiten überprüften zustimmend geplante oder
bereits bestehende Programme zur Förderung eines
besseren Verständnisses der Institutionen, Gesetzgebung und Praktiken im Bereich der Menschenrechte
und humanitären Angelegenheiten im jeweils anderen
Land.
Beide Seiten unterstrichen die Notwendigkeit, internationalen Vereinbarungen und Normen im Bereich der
Menschenrechte wahrhaft universellen Charakter zu
verleihen und sicherzustellen, daß nationale Gesetze
und Praktiken mit diesen in Einklang stehen. Sie
stimmten überein, daß die bilaterale Zusammenarbeit
im Bereich Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten nunmehr zu einer Zusammenarbeit in multilateralen Foren erweitert werden kann, um die Sache
der Menschenrechte weltweit voranzutreiben. Mit
Blick auf das bevorstehende KSZE-Treffen über die
menschliche Dimension in Kopenhagen und darüber
hinaus verständigten sich beide Seiten femer, untereinander und mit anderen teilnehmenden Staaten einen
Gedankenaustausch über die vorzunehmenden Schritte zu führen, um die Passagen über die menschliche
Dimension in der Schlußakte von Helsinki und den
später verabschiedeten Schlußdokumenten praktische
Wirksamkeit zu verleihen. Beide Seiten sprachen
darüber hinaus über Maßnahmen, um die Effektivität
des Systems der Vereinten Nationen und anderer
internationaler Gremien im Bereich Menschenrechte
und humanitäre Angelegenheiten zu fördern
AMERIKA DIENST 6

�V

VI

Die Minister nahmen mit Befriedigung den Ausbau des
amerikanisch-sowjetischen Dialogs über transnationale Fragen zur Kenntnis. Beide Seiten unterstrichen
die Bedeutung der für das Jahr 1992 anberaumten
UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung, die
eine reale Möglichkeit zur Behandlung eines weltweiten Aktionsprogramms im Bereich Umweltschutz bietet. Beide Seiten waren sich über die Bedeutung einer
internationalen Rahmenkonvention zur Veränderung
des Erdklimas sowie über die Untersuchung konkreter
Vorschläge zur langfristigen Beobachtung von Umwelt
und Umweltverschmutzung einig. Sie diskutierten
über neue Ansätze für die intensivierte und erweiterte
bilaterale Zusammenarbeit im Umweltbereich, einschließlich Konsultationen hochrangiger Experten.
Ferner sprachen sie über eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Erforschung von Arktis und Weltraum.
Sie brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, die
Zusammenarbeit bei der Vorhersage von Naturkatastrophen und deren Milderung zu verstärken und
schlugen baldige technische Konsultationen beim
Katastrophenschutz vor.

Zu den bilateralen Beziehungen wurde eine breite und
sachliche Diskussion über Fragen des Handels und
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit geführt. Beide
Seiten bekräftigten ihre Unterstützung für die Entwicklung beiderseitig vorteilhafter Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. In dieser Hinsicht verwiesen sie auf die
Notwendigkeit zur Durchführung der beim Treffen von
Malta vereinbarten Initiativen.

Die Minister waren sich über die Bedeutung konkreter,
praktischer Maßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus einig. Darüber hinaus kamen sie überein, daß
das nächste Expertentreffen zur Fortführung des Dialogs über Terrorismusbekämpfung im März stattfindet
und dabei unter anderem beiderseitige Maßnahmen
zur Verhinderung und Bekämpfung terroristischer Akte
gegen den Luftverkehr zwischen beiden Ländern
besprochen werden sollen.
Beide Seiten äußerten den Wunsch, die illegale Herstellung und den Handel mit Drogen abzubauen. Sie
verständigten sich darauf, ihre gemeinsame praktische Arbeit zur Umsetzung der Regierungsvereinbarung von 1989 über die Bekämpfung des Drogenhandels zu intensivieren. Überdies untersuchten sie Bereiche für eine Ausweitung der Zusammenarbeit, etwa
bei der Behandlung Drogenabhängiger und der Verhinderung des Drogenmißbrauchs. Beide Seiten waren
sich über die Nützlichkeit konstruktiver Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen bei Drogenangelegenheiten einig und beabsichtigen, den Erfolg der Ende
Februar stattfindenden Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Drogenproblem zu fördern.
Beide Seiten nahmen die Bedeutung von Bemühungen ständiger Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats zur
Kenntnis, ein baldiges Abkommen über gegenseitig
annehmbare Bedingungen bezüglich der Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofs zu erlangen.
Beide Seiten brachten ihre Unterstützung für die regelmäßige Fortführung der amerikanisch-sowjetischen
Gespräche über U NO-Fragen zum Ausdruck, die Wege
zur weiteren Verbesserung der Effektivität dieser universellen internationalen Organisation eröffnen sollen.
AMERIKA DIENST 6

Sie bekräftigten ihr Engagement für den Abschluß
eines Handelsabkommens bis zum Gipfeltreffen im
Juni, wie in Malta vereinbart. Beide Seiten besprachen
Pläne, in naher Zukunft Verhandlungen über einen
bilateralen Investitions- und Steuervertrag aufzunehmen.
Beide Seiten überprüften ferner den Stand der Verhandlungen über ein Seeverkehrsabkommen, ein
erweitertes Zivilluftfahrtabkommen und ein Getreideabkommen. Sie stellten fest, daß - vorbehaltlich weiterer
Fortschritte - einige dieser Abkommen bis zum Gipfel
abschlußreif sein werden. Sie wollen diese Arbeit
unterstützen.
Beide Seiten überprüften den Stand der Projekte technischer Zusammenarbeit, die beim Gipfel vor Malta
vorgeschlagen wurden, und die bisher erzielten Fortschritte.
Beide Seiten diskutierten ferner über einen sowjetischen Beobachterstatus beim GATT. Die amerikanische Seite bekräftigte ihre bereits in Malta geäußerte
Haltung zu dieser Frage. Beide Seiten sprachen über
die Aussichten für eine sowjetische Zusammenarbeit
mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie nahmen ferner die
von der Bonner Wirtschaftskonferenz gebotenen
Chancen zur Kenntnis.
Die Minister nahmen eine detaillierte Bestandsaufnahme der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung vor und analysierten die qualitativen Veränderungen, die sich im Bereich der Zusammenarbeit
vollziehen. Sie nahmen einen Bericht ihrer Experten
über die Umsetzung des beim Außenministertreffen in
Wyoming verabredeten Arbeitsprogramms entgegen
sowie über den Stand der anhaltenden Verhandlungen
und Konsultationen über spezielle bilaterale Themen.
Die Experten auf beiden Seiten wurden angewiesen,
den Verhandlungsprozeß zu intensivieren, um neue
Vereinbarungen über bilaterale Zusammenarbeit bis
zum Gipfeltreffen im Juni fertigzustellen.
Die Minister äußerten sich befriedigt über die Fortschritte bei den Gesprächen über die Errichtung von
Kulturzentren in den beiden Hauptstädten. Beide
Seiten bekräftigten ihre Absicht, im Lauf dieses Jahres
die auf höchster Ebene getroffene Entscheidung zur
Einrichtung von Generalkonsulaten in Kiew und New
York zu verwirklichen.
Seite 5

�Beide Seiten vereinbarten, die Gespräche über die
beim Gipfeltreffen vor Malta vorgelegten Initiativen
über einen erweiterten Studentenaustausch fortzuführen.
Die Außenminister bekräftigten die Nützlichkeit eines
regelmäßigen Dialogs auf allen Ebenen - einschließlich der Ministerebene - zur Behandlung und Lösung
von Problemen der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit. In Zusammenhang mit den Vorbereitungen für das Gipfeltreffen im Juni kamen sie überein,
ihr nächstes Treffen in Washington zu veranstalten.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 6

�SICHERHEITSPOLITIK
14. Februar 1990

BUSH: USA MÜSSEN STARKE VERTEIDIGUNG
BEIBEHALTEN
Rede des Präsidenten beim Commonwealth Club
SAN FRANCISCO - (AD) - Obwohl "ein Ende des kalten Krieges in greifbare Nähe gerückt ist", sprach sich
Präsident Bush in einer Rede beim Commonwealth Club in San Francisco am 7. Februar 1990 für die
Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung der Vereinigten Staaten aus, "um sowohl einen Weltkrieg als auch
begrenzte Konflikte unter neuen Bedingungen abzuschrecken". Er verwies darauf, daß die Sowjetunion immer
noch über 560 000 Truppen in Europa und zwei neue mobile Interkontinentalraketen (ICBMs) stationiert hat
sowie über 10 000 strategische Waffen modernisiert.
"Das Weltgeschehen hat eine solche Dynamik entwickelt, daß man einfach nicht mit absoluter Sicherheit
vorhersagen kann, was als nächstes passieren wird", erklärte Bush. "Unsere Herausforderung besteht darin,
diese Übergangsphase der Welt von heute zur Welt von morgen bei gleichzeitiger Gewährleistung der Sicherheit
der Vereinigten Staaten in den Griff zu bekommen." Der Präsident verwies darauf, daß er den beiderseitigen
Abbau der Truppenstärke in Mitteleuropa auf 195 000 Mann vorgeschlagen habe, da "ein solcher Gleichstand
die weniger bedrohliche Zukunft ermutigt, die wir uns vorstellen und die zu berechtigten Hoffnungen Anlaß gibt".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich bin nach Kalifornien gekommen, um Ihnen eine
freimütige und hoffnungsvolle Botschaft über unsere
nationale Sicherheit zu übermitteln. Gestern habe ich
mich in Fort Irwin auch bei unseren Mitbürgern in
Uniform bedankt - nicht nur, weil sie zur Sicherheit und
Freiheit der Vereinigten Staaten beitragen, sondern
auch die positiven Veränderungen ermöglichen, die
derzeit weltweit stattfinden.
Ich wünschte, Sie hätten bei mir sein können, als ich
mit den jungen Soldaten gesprochen habe. Es ist
offensichtlich, warum unsere Gemeinsamen Stabschefs
mir immer wieder versichern, daß unsere Teilstreitkräfte über die besten, engagiertesten jungen Männer
und Frauen verfügen, die je in Uniform gedient haben.
Während sich die Bedrohung der amerikanischen
Sicherheit verlagert, muß eine Anpassung unserer
Verteidigungsstrategie vorgenommen werden. Im Jahr
1986 beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf 6,3
Prozent unseres Bruttosozialprodukts. Wie Sie wissen, habe ich dem Kongreß gerade meinen Haushaltsentwurf für 1991 vorgelegt, in dem im fünften aufeinan-

AMERIKA DIENST 6

derfolgenden Jahr eine Kürzung der Verteidigungsausgaben vorgenommen wurde, die jetzt nur noch 5
Prozent des BSP betragen.
Diese Haushaltsvorlage fällt in eine Zeit, in der sich die
bisher gekannte Nachkriegszeit - die Welt, die im Jahr
1945 begann - vor unseren Augen verändert. Um den
von uns eingeschlagenen Kurs verständlich zu machen, möchte ich zunächst Bilanz ziehen.
Die erste Politikergeneration in der freien Welt der
Nachkriegszeit hatte das warnende Beispiel ihrer
Vorgänger vor Augen. Sie erinnerte sich daran, daß
dem großen Krieg - dem Krieg, der das Ende aller
Kriege bedeuten sollte - Chaos und Konflikte folgten.
Sie erinnerte sich daran, daß weitsichtige Staatsmänner nach dem Ersten Weltkrieg versucht hatten, die
Zahl der Seestreitkräfte zu begrenzen - und sogar den
Krieg selbst ächteten. Aber bald wurden diese großen
Hoffnungen angesichts unkontrollierter Aggression
zunichte gemacht. Und kein Pakt konnte den Zweiten
Weltkrieg verhindern.

Seite 1

�Bis zum Jahr 1945 hatten unsere politisch Verantwortlichen einen aus bitterer Erfahrung gewonnenen Realitätssinn und einen aus der nüchternen Einschätzung
der Welt, wie sie war, geborenen Pragmatismus entwickelt. Und von Harry Truman bis Ronald Reagan
wurde unsere Stärke zum Schutzschild der Welt, unsere
Ideale von Freiheit und Demokratie zur Hoffnung der
Welt. Wir bezahlten teuer für die Verteidigung der
Freiheit - mit unserem nationalen Kapital und mit dem
Leben unserer Jüngsten und Tapfersten.
Aus diesem Grund haben sich unsere politisch Verantwortlichen in den vergangenen vierzig Jahren für den
Krieg gewappnet, auch wenn sie nach Frieden strebten. Es war unter der Truman-Administration in eben
dieser Stadt, wo die Männer und Frauen mit großen
Visionen und hehren Idealen aus der ganzen Welt
zusammenkamen, um einen Völkerbund zu gründen.
Und so wurden vor 45 Jahren in San Francisco die
Vereinten Nationen ins Leben gerufen.
Damals wie heute waren die Vereinigten Staaten um
ein Gleichgewicht zwischen ihrer Rolle als Friedensbewahrer und Friedensstifter bestrebt. Wir trugen dazu
bei, die Vereinten Nationen und die NATO zu gründen,
und selbst während wir dem sowjetischen Expansionismus Einhalt geboten, ermutigten wir Veränderungen in der Sowjetunion.
Die Gestalter dieser neuen Politik bezeichneten sie als
Containment und prognostizierten, daß die Sowjetunion sich eines Tages mit den Widersprüchen ihres
inhumanen, unlogisches Systems auseinandersetzen
müßte, wenn wir den einfachen Weg der Expansion
blockierten. Mit Containment sollten die Sowjets weder
besiegt noch gedemütigt werden. Das Ziel bestand in
der Bewahrung und Erweiterung der Freiheit und war
von der Hoffnung geleitet, eines Tages - wie George
Kennan es im Jahr 1947 formulierte, "den allmählichen
Niedergang der sowjetischen Macht" beobachten zu
können. Es hat nahezu ein halbes Jahrhundert gedauert, diese Strategie zu verfechten, aber jetzt haben wir
das Ergebnis vor Augen: Heute ist ein Ende des kalten
Krieges in greifbare Nähe gerückt.
Das sind gute Nachrichten. Denn niemand mit gesundem Menschenverstand sehnt sich nach dem kalten
Krieg zurück. Wir sind durch diese "Revolution von
1989" inspiriert und auch ermutigt, wenn beispielsweise ein Dichter und Regimekritiker in Prag vom Gefängnis zum Präsidentenpalast überwechselt. Wir sind
durch die Öffnung der Berliner Mauer ermutigt, die eine
Flutwelle auslöste, durch die das Schicksal eines
Tyrannen in Rumänien besiegelt wurde.
Aber wir sind noch für etwas anderes dankbar. Aufgrund unserer Stärke und der unserer Verbündeten
und dank der Demonstrationen für Freiheit und Demokratie in Osteuropa und sogar in der Sowjetunion sind
heute die Aussichten für einen dauerhaften Frieden
größer denn je zuvor. Wir können uns heute eine neue

Seite 2

Zukunft für die Nationen auf dem anderen Kontinent
vorstellen - ein wahrhaft ungeteiltes und freies Europa.
Wir gehen die ersten Schritte über eine Brücke, die von
anderen vor langer Zeit gebaut wurde. Es ist eine
Brücke, die uns von scheinbar endlosem Konflikt zur
Hoffnung auf dauerhaften Frieden führen kann. Aber
unabhängig davon, wie groß die Hoffnung ist, müssen
wir sicher sein, daß die Brücke standhält.
Als Präsident werde ich jeden Morgen vom Nachrichtendienst unterrichtet. Und ich erhalte die besten
Informationen, die dem Präsidenten einer Weltmacht
zur Verfügung stehen. Dennoch sind die Morgennachrichten häufig am Abend desselben Tages überholt.
Das Weltgeschehen hat eine solche Dynamik entwickelt, daß man einfach nicht mit absoluter Sicherheit
vorhersagen kann, was als Nächstes passieren wird.
Unsere Herausforderung besteht darin, diese Übergangsphase der Welt von heute zur Welt von morgen
bei gleichzeitiger Gewährleistung der Sicherheit der
Vereinigten Staaten in den Griff zu bekommen. Wenn
es um die Sicherheit dieses Landes geht, möchte ich
lieber vorsichtig als verwegen genannt werden.
Die Verwirklichung dieser vielversprechenden Zukunft
durch uns muß mit dem Verständnis der heutigen
Realitäten beginnen.
Nehmen Sie beispielsweise unseren jüngsten Vorschlag, der von unseren Verbündeten und Präsident
Gorbatschow positiv aufgenommen wurde. Ich habe
den beiderseitigen Abbau der Truppenstärke in Mittelund Osteuropa auf 195 000 Mann vorgeschlagen. Ein
solcher Gleichstand ermutigt die weniger bedrohliche
Zukunft, die wir uns vorstellen und gibt zu berechtigten
Hoffnungen Anlaß.
Aber im Augenblick haben die Sowjets noch immer
über 560 000 Soldaten in Mitteleuropa stationiert.
Im Bereich der strategischen Waffen haben wir bei den
START-Verhandlungen Fortschritte erzielt. Wir hoffen daher, die Anzahl der strategischen Waffen auf
beiden Seiten drastisch zu kürzen. Aus eben diesem
Grund befindet sich Außenminister Baker heute in
Moskau. Das ist die Zukunft, die wir uns vorstellen,
und auch sie birgt große Hoffnungen.
Aber wir dürfen nicht vergessen, daß die Sowjets im
Augenblick immer noch über 10 000 strategische Waffen
verfügen. Sie modernisieren sie. Sie haben zwei neue
mobile ICBMs stationiert, und ihre Ausgaben für strategische Verteidigung sind ihren Ausgaben für strategische Offensivstreitkräfte vergleichbar.
Der Präsident ist als Oberbefehlshaber der Streitkräfte
kraft der Verfassung zur Verteidigung und zum Schutz
der Vereinigten Staaten von Amerika verpflichtet.
Manche würden es gerne sehen, wenn ich die Verteidigung unseres Volkes auf vielversprechende, aber
noch unerfüllte Hoffnungen für die Zukunft stützte.

AMERIKA DIENST 6

�Das werde ich nicht tun. Ich bin entschlossen, gemeinsam mit den Sowjets die Bedingungen zur Verwirklichung eines neuen Friedens zu schatten. Aut internationaler Ebene bedeuten diese Bedingungen: Entlassung von Soldaten, Verschrottung von Panzern, Zerstörung nuklearer Raketen und ein weltweites Verbot
chemischer Waffen.
Unser maßvoller Ansatz wird vielfach als Bedrohung
für den Prozeß des Wandels angesehen. Meines
Erachtens ist dieser Ansatz unabdingbar für den Wandel,
die Sicherheit unseres Landes und der einzige Weg zu
einem dauerhaften Frieden. Wir haben bewiesen, daß
amerikanische Entschlossenheit sowjetische Reformen vorantreiben kann. Wir haben bewiesen, daß
amerikanische Stärke Katalysator für Rüstungskontrolle ist. Wir haben bewiesen, daß der amerikanische
Traum den Wandel beflügeln kann. Jetzt dürfen wir
nicht zulassen, daß Euphorie entsprungene Ungeduld
die von uns erhofften Ergebnisse gefährdet.
Erstens haben wir als Amerikaner immer die Verhinderung eines weiteren Weltkriegs als vordringlichstes
Ziel betrachtet. Diesem Ziel müssen wir auch weiterhin verpflichtet bleiben. Die - so stark an unsere eigene
Sicherheit geknüpfte - europäische Sicherheit, Stabilität und Freiheit erfordern amerikanische Präsenz. Die
Westeuropäer wollen, daß wir bleiben und verhindern,
daß wir uns in die Isolation zurückziehen. Meiner
Ansicht nach werden die neuen Demokratien Osteuropas dieselbe Meinung vertreten, wenn sich erst die
Wogen geglättet haben.
Wir müssen solange in Europa bleiben, wie wir gebraucht werden und erwünscht sind. Die Aussicht auf
einen weltweiten Frieden hängt damit von einer amerikanischen Präsenz an vorderster Front ab.
Zweitens werden wir natürlich weiterhin die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges reduzieren. Und aus
diesem Grund werde ich die ST ART-Verhandlungen
mit der Sowjetunion energisch vorantreiben. Rüstungskontrolle und strategische Modernisierung sind
jedoch keine konkurrierenden Strategien. Sie können
vielmehr zusammenwirken, damit diese Welt sicherer
wird.
Erst heute morgen habe ich die Lawrence Livermore
Laboratorien besucht und bin dort mit den Menschen
zusammengetroffen, deren Bestreben es ist, einen
Nuklearangriff gegen unser Land - ob von einer nuklearen Supermacht, Verrätern oder einer terroristischen
Vereinigung ausgeführt - noch unwahrscheinlicher
werden zu lassen als heute. Wenn die mir vorgeführte
Technik funktioniert - und dafür bestehen gute Aussichten - kann kein Angreifer sich des erfolgreichen
Angriffs mit ballistischen Raketen sicher sein. Darauf
basiert Abschreckung.
Und um es noch einmal klar und deutlich zu sagen:
Dieses rein defensive Konzept bedroht keinen einzi-

AMERIKA DIENST 6

gen Menschen auf der Welt. Gott bewahre uns - wenn
es jemals eingesetzt werden müßte, dann gegen Raketen
und nicht gegen Menschen.
Wenn Klagen über die Entwicklungskosten dieser
Technik laut werden, sollte man sich zunächst den
Preis vor Augen führen, der zu zahlen ist, wenn wir
nicht alles in unserer Macht Stehende tun, um Konflikte
abzuschrecken und Bürger und Städte Amerikas zu
schützen. Aus diesem Grund trachte ich danach, die
Sowjets bei unseren Gesprächen über die Verteidigung im Weltraum davon zu überzeugen, daß ein
größeres Vertrauen auf strategische Verteidigung zu
einer sichereren Welt beitragen wird.
Im folgenden möchte ich zur Strategie Stellung nehmen, die unserem Verteidigungshaushalt für 1991
zugrundeliegt:
Erstens ergeben sich neue Bedrohungen über die
traditionellen Gegensätze zwischen Ost und West in
den vergangenen 45 Jahren hinaus. Diese Möglichkeiten müssen in unserer Verteidigungsplanung stärker berücksichtigt werden. Denken Sie nur an die
Bedrohung durch libyschen und iranischen Terrorismus. Denken Sie an die Befreiung von Grenada und
Panama. Und denken Sie auch an den Einsatz, den
unsere amerikanischen Soldaten vor zwei Jahren im
Persischen Golf gezeigt haben, als sie die Öltransporte der westlichen Industrieländer sicherten. Dieser
Einsatz wurde auch von kleineren Ländern begrüßt,
die befürchteten, daß der Krieg zwischen Iran und Irak
ihre Freiheit gefährden würde.
Denken Sie auch daran, daß mehr als 15 Länder auf
der Welt bis zum Ende dieses Jahrzehnts ballistische
Raketen entwickelt haben werden - von denen viele
chemische und biologische Fähigkeiten haben. Darüber hinaus verbreiten sich auch nuklearfähige Waffen
zunehmend. Und es wird sich nicht vermeiden lassen,
daß hochentwickelte Waffen in die Hände derer gelangen, deren Haß auf Amerika und Mißachtung der
zivilisierten Gesellschaft allseits bekannt ist. Wir werden
weiterhin hart arbeiten, um diese gefährliche Weiterverbreitung zu verhindern. Und eins ist sicher: Wir
müssen bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Und
dazu werden wir bereit sein.
Und dann gibt es da noch die Drogenbarone - schon
jetzt eine Bedrohung für die Gesundheit und die Einstellung unseres Volkes. Sie nehmen nahezu das
Ausmaß eines geopolitischen Problems an. Und so
müssen sie auch - zu Wasser, zu Lande und in der Luft
- angegangen werden.
In Zukunft werden wir weiterhin die Fähigkeit haben
müssen, Aggression zu vereiteln, Raketen abzuwehren, Seewege zu schützen oder einem Drogenbaron
Einhalt zu gebieten. Wir benötigen Streitkräfte, die
sich an Bedingungen überall auf der Welt anpassen
können. Wir benötigen Beweglichkeit, Bereitschaft

Seite 3

�und Durchhaltefähigkeit. Wir benötigen Schnelligkeit
und "Unsichtbarkeit". Und wir werden Führungsstärke
benötigen.
Kurzum: wir müssen weiterhin sowohl einen Weltkrieg
als auch begrenzte Konflikte unter neuen Bedingungen abschrecken. Und dehalb haben wir umso mehr
Grund, unsere Streitkräfte weiterhin zu modernisieren.
Ich bete darum, daß es nicht noch einmal meine
traurige Pflicht sein wird, amerikanische Soldaten in
den Kampf zu schicken. Und wenn ich das tue, werde
ich mich vorsehen, um das Leben amerikanischer
Soldaten nicht aufs Spiel zu setzen.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß ich erst
gestern das nationale Ausbildungszentrum Fort Irwin
in der Nähe von Barstow besucht habe, wo sich unsere
Kampftruppen auf ihren Einsatz vorbereiten. Auf
diesem Stützpunkt wurden viele unserer Streitkräfte
ausgebildet, die so hervorragend in Panama gekämpft
haben. Sie haben Mut bewiesen. Vorbereitet zu sein,
ist darüber hinaus der beste Weg, um die Verhinderung von Kriegen zu gewährleisten. Und nachdem ich
unsere Soldaten gesehen und mit ihnen gesprochen
habe, kann ich behaupten, daß sie in der Tat den
Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind.
Damit wende ich mich meinem letzten Anliegen zu wie sich all diese Veränderungen in unserem Verteidigungshaushalt auf nationaler Ebene auswirken. In
diesem Zusammenhang wird vielfach von der Friedensdividende gesprochen. Nur wenige erörtern die
kurzfristig entstehenden Kosten für den Frieden. Und
wenn wir die Brücke in eine bessere Zukunft überqueren, werden Kosten entstehen - für verlegte Industriezweige und umgesetzte Arbeitnehmer, für Kommunen
- schmerzliche, persönliche Anpassungen müssen
vorgenommen werden.
Aber Amerika ist immer bereit gewesen, den Preis für
den Frieden zu zahlen. Ich weiß, daß einige der
Stützpunkte, auf denen Einsparungen vorgeschlagen
wurden, hier in der Nähe liegen. Aber dazu möchte ich
hier und jetzt sagen: Diesen Vorschlägen liegt keine
Politik zugrunde. Es heißt, es ginge um Staaten, die
von Demokraten regiert sind - es trifft aber genauso auf
Staaten mit einem republikanischen Gouverneur zu.
Ich habe den Kongreß gebeten, fair zu sein. Traditionelle Kritiker der Verteidigungsausgaben sollten sich
nicht eines anderen besinnen und die Schließung
eines Stützpunkts in ihrer Heimat blockieren. Es
entbehrt manchmal nicht einer gewissen Ironie, wenn
bestimmte Kongreßabgeordnete die Philosophie zu
vertreten scheinen: "Nehmen Sie ruhig einschneidende Kürzungen vor, aber bitte woanders."

Seite 4

Das kann und werde ich nicht akzeptieren. Der Steu
erzahler und die von unseren Entscheidungen Betroffenen verdienen es besser. Ich möchte Ihnen versichern: Wenn ein Stützpunkt schließt, hören damit
nicht die Sorge und das Engagement der Bundesregierung auf.
Entlassene Zivilisten werden bei der Besetzung anderer Stellen des Verteidigungsministeriums vorrangig
behandelt. Das Förderprogramm für Hausbesitzer
wird militärisches und ziviles Personal vor sinkenden
Immobilienpreisen schützen. Und das Büro für Wirtschaftliche Anpassung wird mit den Kommunen zusammenarbeiten, um neue Wirtschaftsbereiche zu
erschließen und neue Verwendungsmöglichkeiten für
die Stützpunkte zu finden. Die Bibel kündet davon,
daß Schwerter zu Pflugscharen werden sollen. Wir
wandeln militärische Landebahnen in Zivilflughäfen
um, Militärstützpunkte in Gewerbegebiete und Colleges sowie Lagerhallen für Raketen in Fabriken.
Ich weiß, daß das amerikanische Volk diese Maßnahmen für eine anhaltend starke Verteidigung unterstützen wird. Meine Reisen überall im Land sind mir
Beweis dafür. Wir benötigen die Mittel für Verhandlungen über Reduzierungen und die Gewährleistung des
Friedens. Ich werde die Unterstützung, Kooperation
und Empfehlungen des Kongresses benötigen.
Wir können uns jetzt eine Zeit vorstellen, in der die Welt
sicherer als jemals zuvor ist - wenn der Mensch von
heute all sein Konkurrenzdenken auf die Wirtschaft
konzentriert.
Ich werde mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um
diese Brücke zu einer sichereren Welt zu bauen. Und
wenn wir zusammenarbeiten, wird der Frieden selbst
die größte Dividende sein.

* * * *

*

AMERIKA DIENST 6

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10760">
                <text>14.02.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10761">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10762">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10763">
                <text>Amerikadienst 14.02.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10764">
                <text>&lt;strong&gt;1. Deutschlandpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diskussion über Hilfe für beide deutsche Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bilaterale Gespräche Außenminister Bakers in Ottawa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker rühmt die Revolutionen der Macht des Volkes von 1989&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker vor dem Obersten Sowjet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beachtliche Fortschritte zwischen USA und UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame amerikanische-sowjetische Erklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Sicherheitspolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: USA müssen starke Verteidigung beibehalten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten beim Commonwealth Club&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2132" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2143">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/3004a6f7aabe198fcb9329e8566645b1.pdf</src>
        <authentication>fb6c76199f34bbe6de880c80ec49f26a</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10771">
                    <text>cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

»»tforowAton gervtct
Etnbassy :-" ' ^ ^ Services
Deichmanns Aue 29
5300 Bonn 2
21. Februar 1990

DROGEN

Baker: Drogen sind ernsthafte Bedrohung der
weltweiten Sicherheit
Rede des Außenministers vor der UN-Drogenkonferenz

Die Erklärung von Cartagena
Eine Übersicht des Weißen Hauses

OST-WEST-BEZIEHUNGEN

Bush: KSE-Abkommen in greifbare Nähe
gerückt
Stellungnahme zu Vereinbarung,
Einheit Deutschlands

HILFE FÜR OSTEUROPA

Eagleburger erläutert Bedingungen für
US-Hilfe an Osteuropa
Rede des stellvertretenden Außenministers
bei der Amerikanischen Handelskammer

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DROGEN
21. Februar 1990

BAKER: DROGEN SIND ERNSTHAFTE BEDROHUNG
DER WELTWEITEN SICHERHEIT
Rede des Außenministers vor der UN-Drogenkonferenz
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Außenminister Baker zufolge "stellen Drogen eine ernsthafte Bedrohung der
weltweiten Sicherheit dar. Angesichts dieser bitteren Wahrheit haben wir uns zu dieser Sondersitzung versammelt." Vor der Drogenkonferenz der Vereinten Nationen verwies Baker am 20. Februar 1990 darauf, daß die
Drogenbekämpfungsstrategie der Bush-Administration "die Bewältigung des Drogenproblems in allen Aspekten
- Konsum, Handel, illegale Herstellung, Behandlung und Therapie - fordert."
Dem Au ßenminister zufolge haben sich die Teilnehmer beim Drogengipfel in Cartagena verpflichtet, "die Händler
von Drogen und Tod" auf allen Ebenen zu bekämpfen und vereinbart, alle Länder zur Ratifizierung der
Konvention der Vereinten Nationen über den unerlaubten Handel mit Drogen und psychotropen Stoffen zu
drängen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte,
dies sind vielversprechende Zeiten für die internationale Staatengemeinschaft. Von Südafrika bis nach
Osteuropa, von den demokratischen Bewegungen in
Asien bis zu der neuen Generation demokratischer
Regierungsvertreter in Lateinamerika vernehmen wir
den bewegenden Ruf der Freiheit. Menschen mit
Glauben, Überzeugung und Mut kämpfen und wappnen sich gegen übermächtige Schwierigkeiten.
Die alte Welt dogmatischer Diktaturen geht ihrem
Ende entgegen. Tragische Rückschritte zu Unterdrükkung dienen nur dazu, uns daran zu erinnern, daß die
neue Welt der sicheren, wohlhabenden und gerechten
Demokratien noch nicht gekommen ist. Und sie wird
nicht automatisch kommen. Wir alle müssen an ihrer
Verwirklichung arbeiten und sicherstellen, daß sie von
Dauer ist.
Ein Weltkrieg hat im Jahr 1945 zur Gründung dieser
Organisation geführt. Und mit feierlicher Entschlossenheit haben sich die Gründerväter der Vereinten
Nationen in der Präambel unserer Charta verpflichtet,
"nachfolgende Generationen vor der Geißel des Krieges
zu bewahren".

AMERIKA DIENST 7

Besonders heute, in diesen vielversprechenden Zeiten ist es unabdingbar, daß sich die Nationen der Welt
an die grundlegenden Ziele erinnern, die uns verbinden. Denn wenn es uns nicht gelingt, die Ziele der UNCharta - Frieden, Menschenwürde, Gerechtigkeit,
Wahrung der souveränen Rechte und des Völkerrechts, Sorge um das Wohlergehen aller Völker der
Welt - zu unterstützen, wenn wir nicht alles in unserer
Macht Stehende tun, um diese Ziele zu verwirklichen,
dann könnten wir in einer Zukunft enden, die unserer
traurigen Vergangenheit gleicht.
Selbst während wir gemeinsam an der Beendigung
von Kriegen und Konflikten arbeiten, gibt es andere
Probleme, die unaufschiebbar sind und ungeahntes
Leid über die Menschheit bringen. Selbst während wir
den Ruf nach Freiheit und Demokratie vernehmen,
dürfen wir einen anderen Ruf nicht überhören. Dieser
Ruf ist keine Bejahung der Freiheit, sondern ihre
Verneinung, nicht Förderung von Demokratie, sondern ihre Korrumpierung. Es ist der Ruf des Drogenabhängigen.
Dieser Ruf betrifft uns alle - und er ist dringend. Wir
vernehmen ihn aus unmittelbarer Nähe - vor meiner,
Ihrer und der Tür unserer Nachbarn weltweit. Keiner
von uns - nicht einer - ist vor der Drogengefahr sicher.
Seite 1

�Drogen stellen eine ernsthafte Bedrohung der weltweiten Sicherheit dar. Angesichts dieser bitteren Wahrheit haben wir uns zu dieser Sondersitzung versammelt. Wir sind uns der wachsenden Bedeutung der
Drogenbekämpfung voll und ganz bewu ßt. Ich möchte
insbesondere den Regierungen danken, die eine führende Rolle bei der Vorbereitung der Tagesordnung
gespielt haben.
Ich möchte Ihnen jetzt einen kurzen Überblick über den
umfassenden Ansatz geben, den meine Regierung in
die Wege geleitet hat, um mein Land und die Welt
insgesamt von illegalen Drogen zu befreien. Zunächst
möchte ich die Drogenstrategie der Vereinigten Staaten umreißen, die sich auf den unabdingbaren Abbau
des Drogenkonsums im Inland konzentriert. Zweitens
möchte ich Ihnen die Ergebnisse des Drogengipfels
von Cartagena mitteilen, bei dem Präsident Bush und
die Präsidenten von Kolumbien, Bolivien und Peru das
erste Drogenbekämpfungskartell der Welt gegründet
haben. Und abschließend möchte ich Ihnen die Erwägungen meiner Regierung darüber vermitteln, wie sich
die Vereinten Nationen am besten am weltweiten
Kampf gegen Suchtstoffe beteiligen können.
Die amerikanischen Bestrebungen
An oberster Stelle steht unsere Drogenstrategie. Das
amerikanische Volk sieht Drogen als Problem Nummer Eins für die Vereinigten Staaten. Und Präsident
Bush mi ßt dem Sieg im Drogenkrieg erste Priorität bei,
und daher hat er auch für mich erste Priorität. Das Büro
für Internationale Suchtstoff-Fragen im Außenministerium unter der Leitung von Herrn Levitsky hat ausgezeichnete Arbeit dabei geleistet, sicherzustellen, daß
die Drogenbekämpfungsproblematik zum unerläßlichen Bestandteil unserer diplomatischen Bemühungen geworden ist.
Unsere Drogenbekämpfungsstrategie fordert die
Bewältigung des Drogenproblems in allen Aspekten Konsum, Handel, illegale Herstellung, Behandlung
und Therapie. Meine Regierung mißt Präventivmaßnahmen, Behandlung und Therapie größere Bedeutung als je zuvor bei. Wir beabsichtigen, den Handel
mit allen illegalen Drogen zu unterbinden, nicht nur
Kokain.

Heroin, Marihuana und die sogenannten

Designerdrogen stellen ebenfalls ernsthafte Bedrohungen dar. Und wir nehmen das Problem des Anbaus
und Handels im Inland in Angriff.
Ein solch umfassender Ansatz erfordert eine Aufstokkung der Ressourcen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Bush wurde unser Etat zur Drogenbekämpfung
im Inland um 67 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar
erhöht und das Budget zur Drogenbekämpfung auf
internationaler Ebene, einschließlich der Unterbindung
des Nachschubs an den Grenzen und Küsten wurde
um 73 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar aufgestockt.
Wir sind uns der Tatsache voll und ganz bewußt, daß

Seite ?

das Problem des Drogenkonsums im Inland unsere
größte Herausforderung darstellt. Solange in den
Vereinigten Staaten eine unersättliche Nachfrage nach
Drogen besteht, sieht sich unser Land mit einem
endlosen, harten Kampf zur Unterbindung des Nachschubs konfrontiert. Wir machen Fortschritte. Der
Drogenkonsum im Inland ist von 1985 bis 1988 um 37
Prozent zurückgegangen, und im gleichen Zeitraum
hat sich der Kokainkonsum um die Hälfte reduziert.
Aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns.
Wir sind entschlossen, den Drogenkonsumenten in
den Vereinigten Staaten die nackten Tatsachen vor
Augen zu führen: Ihr Verhalten ist nicht nur eine
persönliche Schwäche. Die amerikanischen Konsumenten sind die Zahlmeister organisierter Mörder. Mit
den Profiten von jedem auf den Straßen der Vereinigten Staaten gekauften Kilo Kokain werden die Kugeln
bezahlt, die Demokratien ihrer Würde und Freiheit
berauben. Amerikanische Konsumenten leisten den
Drogenkartellen Vorschub, die ihrerseits regionale und
globale Instabilität schüren und ausbeuten. Wenn
Amerikaner ihre Sucht befriedigen und die Kartelle
bereichem, ist das so, als ob sie Terroristen unterstützten. Die amerikanischen Drogenkonsumenten sind
Handlanger der Kriminellen, die Kinder vergiften. Ihre
Sucht trägt überdies zur Verwüstung von Land bei.
Koka-Bauern haben große Waldflächen zerstört, die
Drogenhändler haben Millionen Liter chemischer
Grundstoffe in die Flüsse gekippt.
Ich bedaure sagen zu müssen, daß Rauschgift zu
einem Großunternehmen geworden ist, mit dem in
meinem Land ein Riesengeschäft gemacht wird. Im
vergangenen Herbst beschlagnahmten Fahnder in
Los Angeles ein Lager mit 22 Tonnen Kokain. Würde
man alle beschlagnahmten Ein-Kilo-Pakete aufeinanderhäufen, wäre dieser Berg 2,5 Kilometer hoch - ein
Berg des Elends, halb so hoch wie der höchste Berg
der Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge über
steigt der Straßenverkaufswert des beschlagnahmten
Kokains das jeweilige Bruttosozialprodukt von über
100 der in dieser Versammlung vertretenen Staaten.
Und das war nur ein einziges Lager. Stellen Sie sich
einmal die wahren Gebirge des Elends vor, die wir
nicht entdeckt haben.
So werden Konsum und Angebot, Abhängigkeit und
Ausbeutung, Gier und Gewalt zu einem Teufelskreis
wie bei einem Drachen, der sich in den Schwanz beißt.
Dieser Kreis des Elends und des Todes mu ß durchbrochen werden. Die Vereinigten Staaten tragen dazu
bei, ihn zu durchbrechen - sowohl im Inland als auch
zusammen mit unseren Partnern im Ausland.
Der Gipfel von Cartagena
Damit komme ich zu meinem zweiten Thema: Dem
Gipfeltreffen in Kolumbien vom letzten Donnerstag
(15. Februar 1990). Wie Sie wissen, sind Präsident
Bush und ich nach Cartagena gereist, wo wir mit

AMERIKA D.tNST 7

�unseren Amtskollegen aus Kolumbien, Bolivien und
Peru zusammentrafen. In Cartagena verpflichteten
sich die Gipfelteilnehmer dazu, die Händler von Drogen und Tod auf allen Ebenen zu bekämpfen - Produktion, Vertrieb, Finanzwesen und Konsum. Präsident
Bush brachte unmißverständlich sein Engagement
zum Abbau der Nachfrage nach Drogen in den Vereinigten Staaten zum Ausdruck. Wir stimmten überein,
daß Schuldzuweisungen zwischen Hersteller- und
Verbraucherstaaten zwecklos sind - Rauschgift ist
eine tödliche Bedrohung aller Staaten, die ihm ausgesetzt sind. Wir und die anderen Gipfelteilnehmer sind
entschlossen, dem Rauschgift das Genick zu brechen
und den illegalen Kartellen das Geschäft zu verderben.
Mit seiner Reise nach Cartagena hat der Präsident die
uneingeschränkte Entschlossenheit unserer Regierung unter Beweis gestellt, den Drogenkrieg solange
wie nötig zu führen. Wir haben unseren Partnern
versichert, daß wir nicht nachlassen werden, sie im
Kampf gegen Drogen zu unterstützen.

Präsident Barco hat oftmals sein eigenes Leben riskiert, um seine Nation aus dem Würgegriff der Drogenkartelle zu befreien. Zusammen mit Präsident Barco
sind sich die Präsidenten Bush, Garcia und Paz ihrer
Verantwortung bewußt, eine Führungsrolle bei der
Bekämpfung des Kokains, unseres gemeinsamen
Feindes, zu übernehmen.
In Cartagena haben wir zusammen die Notwendigkeit
von Entwicklung, Handel und Investitionen zur Stärkung von wachstumsorientierten wirtschaftspolitischen
Maßnahmen bekräftigt, um die Kosten der Drogenbekämpfungsprogramme wettzumachen. Wir kamen
überein, zur Schärfung des öffentlichen Bewußtseins
im Hinblick auf die schädlichen Auswirkungen von
Drogenproduktion, Drogenhandel und Drogenmißbrauch
auf unsere Länder zusammenzuarbeiten. Wir erklärten uns zurGewährung von Wirtschaftshilfe bereit, um
die Volkswirtschaften der Andenstaaten zu stärken.
Ferner kamen wir überein, die Strafverfolgungsbehörden unserer Länder zu stärken, um die Rauschgifthändler ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Präsident

Als Teil ihrer Unterstützung werden die Vereinigten

Bush erklärte gegenüber seinen Amtskollegen aus

Staaten in den Haushaltsjahren 1989 bis 1991 ihr
internationales Budget zur Drogenbekämpfung in
Kolumbien, Bolivien und Peru um das siebenfache
erhöhen. Unsere gesamte Wirtschaftshilfe für diese
Andenstaaten wird im nächsten Jahr mehr als verdoppelt, wenn diese Länder harte Programme zur Drogenbekämpfung einführen und solide wirtschaftspolitische
Maßnahmen anwenden.

den Andenstaaten, er werde diese Fragen beim Gipfel
in Houston mit der G-7 sowie auch mit anderen Industriestaaten erörtern. Die Vereinigten Staaten sind
bestrebt, die Konsultation und Zusammenarbeit mit
anderen Industriestaaten in bezug auf Drogen zu
verbessern und auszubauen, um die internationale
Unterstützung von Bemühungen zur Drogenbekämpfung in den Herstellerländern zu stärken.

Kolumbien war für den Gipfel der geeignete Ort. Wir
begrüßen die mutige Entscheidung Kolumbiens, Laboratorien zu beschlagnahmen und zerstören, Drogenkriminelle festzunehmen und zu verfolgen, Drogenhändler und Geldwäscher auszuliefern und die
Herausforderung des Kokain-Imperiums anzunehmen.

Schließlich stimmten wir und unsere Amtskollegen aus
den Andenstaaten überein, sobald wie möglich die
Konvention der Vereinten Nationen über den unerlaubten Handel mit Drogen und psychotropen Stoffen
zu ratifizieren. Im Falle ihrer Ratifizierung wird diese
Konvention aus dem Jahr 1988 die weltweite Zusammenarbeit in Bereichen wie Geldwäsche, Beschlagnahme von Vermögenswerten, Kontrolle chemischer
Grundstoffe, Auslieferung, Fahndung, Sammlung
nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und Informationsaustausch fördern. Ich freue mich, berichten zu können, daß Präsident Bush am 13. Februar 1990 für die
Vereinigten Staaten die Ratifizierungsurkunde unterzeichnet hat. Wir haben die unterzeichnete Ratifizierungsurkunde heute den Vereinten Nationen übergeben.

Keine Nation hat sich den Drogenbaronen so mutig
entgegengestellt oder größere Opfer gebracht. Keine
hier vertretene Nation kann das Schicksal Kolumbiens
unberührt lassen. Das Ausmaß der mit Drogen in
Verbindung stehenden Gewalt in Kolumbien ist selbst
für diejenigen unter uns schreckenerregend, die mit
der Gewalt, die auf solch traurige Weise ein Teil
unseres turbulenten Jahrhunderts war, unmittelbar in
Berührung gekommen sind.
In Kolumbien haben in einem kurzen, brutalen Jahrzehnt Drogenhändler aus Medellin und Cali über 1 000
Beamte, 12 Richter des Obersten Gerichtshofes, mehr
als zwei Dutzend Journalisten sowie über 200 Richter
und Justizangehörige ermordet, wobei die zahlreichen
Männer, Frauen und Kinder noch nicht erwähnt sind,
die zufälligerweise das Pech hatten, zur falschen Zeit
am falschen Ort zu sein. Und kein noch so langes
Waschen kann das an den Drogengeldern klebende
Blut entfernen. Die sogenannten Kokainkönige sind
Kriminelle - Kriminelle mit ungewöhnlicher Macht und
von ungewöhnlicher Brutalität.

AMERIKA DIENST 7

Die Ratifizierung durch alle Länder wird uns bei den
regionalen Drogenbekämpfungsbestrebungen unterstützen und darüber hinaus die weltweite Kooperation
gegen unerlaubte Drogenarten erhöhen.
Eine erweiterte Rolle der Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen spielen eine entscheidende
Rolle bei der Förderung weltweiter Kooperation. Es ist
unabdingbar, daß wir den besten Nutzen aus den
Instrumenten der Vereinten Nationen und dem System

Seite 3

�selbst ziehen, um unsere Bestrebungen auf nationalem und regionalem Niveau zu stützen.
Es gibt kein Land hier, daß so stolz oder so erhaben
wäre, daß es sich ohne fremde Hilfe von den Drogen
befreien könnte. Und es gibt kein Land, daß so klein
wäre, daß es diese wichtigen internationalen Bestrebungen nicht auf irgendeine Art und Weise unterstützen könnte. Gemeinsam können wir effektiver arbeiten als allein. Wir können miteinander mehr erreichen
als gegeneinander. Diese Sondersitzung bietet uns
allen - der gesamten Staatengemeinschaft - eine
Möglichkeit, Drogen entschieden zu bekämpfen.
Wir müssen diese Gelegenheit jetzt ergreifen. Wenn
wir sie verstreichen lassen, werden durch unsere
Handlungsunfähigkeit mehr Kinder zum Leiden und
zur Bedürftigkeit verdammt, Familien zerstört und mehr
Regierungen Opfer von Drogenkartellen. Und mehr
Fäden, die das Gewebe der zivilisierten Gesellschaft
zusammenhalten, werden sich lösen.
Deshalb sind der Präsident und ich vom günstigen
Zeitpunkt und der Effektivität dieser Sondersitzung
überzeugt. Wir haben die Möglichkeit, die Vereinten
Nationen auf Aktionskurs zu bringen.
Meine Regierung hegt die Hoffnung, daß die Verabschiedung des Globalen Aktionsplans und die dazugehörige politische Erklärung uns dem Ziel näher bringen, die internationale Staatengemeinschaft von der
Geißel der Drogen zu befreien - vorausgesetzt natürlich, das Programm verpflichtet zu konkreten Maßnahmen, es wird von allen Unterorganisationen der Vereinten Nationen durchgeführt und von ergänzenden
Bestrebungen auf nationalem und regionalem Niveau
unterstützt. Natürlich können wir als Mitglieder nicht
die Vereinten Nationen auffordern, etwas zu tun, was
wir zuhause nicht tun. Wir können die Vereinten
Nationen auch nicht bitten, ehrgeizige Programme
ohne finanziellen Hintergrund und eine starke Infrastruktur zu deren Durchführung zu verwirklichen. Wir
müssen unsere Prioritäten so ordnen, daß wir unsere
Ziele im Rahmen eines einheitlichen Ansatzes bei den
Vereinten Nationen und durch ein reales Nullwachstum der Programme in den Haushalten erreichen
können.
Der Globale Aktionsplan wird die von uns bereits
errichtete solide Grundlage festigen. Damit meine ich
die beiden bereits gültigen internationalen Drogenbekämpfungsabkommen und die von mir bereits erwähnte neue Konvention gegen den unerlaubten Handel mit
Drogen. Darüber hinaus haben v/ir andere Mandate,
wie sie etwa in dem Umfassenden Interdisziplinären
Entwurf der Internationalen Drogenkonferenz von 1987
und der im Dezember 19B9 verabschiedeten Resolution 44/141 der UN-Ger eralversammlung enthalten
sind. Alle diese Dokumente liefern uns sowohl die
rechtliche und programmatische Basis als auch die
Autorität zum weiteren Vorgehen. Dieser Instrumente

Seite 4

sollten wir uns effektiv bedienen, bevor wir darangehen, neue Abkommen zu entwerfen. Wir wollen unsere systemübergreifenden Bestrebungen verstärken
und größtmögliche Kooperation, Koordination und
Effektivität bei der Durchführung aller UN-Programme
sicherstellen.
Sicherlich gibt es guten Grund zur Verbesserung und
Stärkung unserer multilateralen Infrastruktur. Wir sind
uns einig, daß die Mitgliedstaaten mehr Mittel für die
Drogenbekämpfungsmaßnahmen der UNO bereitstellen sollen, um die entsprechenden Bestrebungen auf
nationaler Ebene zu ergänzen. Wir zeigen bei der
Zusammenarbeit mit anderen Regierungen mehr Einsatz als jemals zuvor, so daß die Vereinten Nationen
ein stärkerer, aufgeschlossenerer Partner bei der
Drogenbekämpfung sein können. Der Präsident und
ich hoffen, daß der Globale Aktionsplan mit Hilfe des
Generalsekretärs und aller Mitgliedstaaten dynamische Drogenbekämpfungsbestrebungen auf weltweiter Ebene belebt.
Bei unserem weltweiten Kampf gegen Drogen betrachten wir alle Nationen als natürliche Verbündete,
die wie wir entschlossen sind, sich dieser Geißel zu
widersetzen. Langjährige Freunde und erbitterte Gegner
gleichermaßen müssen sich bei ihren Bestrebungen
zusammenschließen. Tatsächlich sind vielfach trotz
politischer und wirtschaftlicher Differenzen Verbindungen eingegangen worden. Gemeinsam werden wir die
multinationalen Drogenimperien an allen Fronten
bekämpfen. Gemeinsam werden wir jede Regierung
zur Rechenschaft ziehen, die Drogenbaronen Zuflucht
gewährt, Geldwäsche zuläßt und ihre Augen vor Drogenmißbrauch und Drogenhandel verschließt. Wir
üben keine Nachsicht.
Schlußbemerkung
Ich habe zu Beginn meiner Ausführungen darauf verwiesen, daß wir in vielversprechenden Zeiten leben.
Freiheit und Demokratie sind auf dem Vormarsch, sie
sehen sich jedoch erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Zweifellos zählen Drogen zu ihren ärgsten
Feinden. Denn Freiheit und Demokratie sind universelle Ideale, die die Würde jedes einzelnen berühren.
Und wenn diese Ideale verwirklicht werden sollen,
muß jeder einzelne seiner Gesellschaft und der internationalen Staatengemeinschaft einen Beitrag leisten.
Ein Mensch, der unter den Einfluß von Drogen geraten
ist, wird zum Sklaven und ist nicht mehr frei oder
verantwortungsbewußt. Das gleiche gilt für eine Nation.
Aber solche Tragödien müssen nicht geschehen nicht unseren Bürgern, nicht unseren Ländern und
nicht der Staatengemeinschaft. Es liegt an uns - an
jedem von uns und an uns allen zusammen. Es steht
viel auf dem Spiel.
Wir wissen, daß wir die Welt nicht innerhalb einer
Generation von Drogen befreien können. Dennoch ist
AMERIKA DIENST 7

�es meiner Ansicht nach gerechtfertigt, optimistisch in
die Zukunft zu blicken. Mehr als jemals zuvor arbeiten
alle Länder der Welt gemeinsam am weltweiten Drogenproblem. Dazu haben die Vereinten Nationen
einen großen Teil beigetragen.

lern, wo Koka und Mohn angebaut werden, in den
Großstadtdschungeln, wo Korruption und Gewalt
regieren, in düsteren Hinterzimmern, wo Drogengeld
gewaschen wird und in den Untiefen der Seele - dort
vielleicht am meisten.

Von der Sowjetunion bis Jamaica, von Spanien bis
Malaysia schließen sich Länder im Kampf gegen Drogen
zusammen. Wir, die Völker der Welt, müssen diesen
Kampf fortführen - in den Dschungeln und den Bergtä-

Hier und heute müssen wir zum Wohle unserer Kinder
und Enkel alles menschenmögliche tun, um Gottes
Erde von der Geißel der Drogen zu befreien.

* *

AMERIKA DIENST 7

* *

*

Seite 5

�DROGEN
21. Februar 1990

DIE ERKLÄRUNG VON CARTAGENA
Eine Übersicht des Weißen Hauses
(Die folgende Übersicht zur Erklärung von Cartagena, die nach dem Gipfeltreffen der Präsidenten von Kolumbien, Bolivien, Peru und den Vereinigten Staaten zum Drogenproblem unterzeichnet wurde, hat das Weiße Haus
am 15. Februar 1990 veröffentlicht.)

Allgemeiner Hintergrund
In der Erklärung von Cartagena wird eine umfassende,
intensivierte Drogenbekämpfungsstrategie dargelegt,
um Produktion, Handel und Konsum illegaler Drogen
zu beenden. Unter Berücksichtigung der Tatsache,
daß die Problematik in jedem Land unterschiedlich
gelagert ist, sind sich die Präsidenten darin einig, daß
alle Glieder in der Kette des Kokainhandels gleichzeitig
bekämpft werden müssen.
In der Erklärung verpflichten sich die Regierungen
Boliviens, Kolumbiens, Perus und der Vereinigten
Staaten, die Herausforderung des Drogenproblems
aufzunehmen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.
Die Erklärung beinhaltet Absichtserklärungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit und alternativen Entwicklung sowie zur Bekämpfung illegaler Drogen. Sie
enthält ferner Initiativen in Diplomatie und Öffentlichkeitsarbeit.
Wirtschaftliche Aspekte und alternative Entwicklung
Die Erklärung unterstreicht die Bedeutung verstärkter
internationaler Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel
im Zuge der effektiven Verwirklichung von Strategien
zur Rauschgiftbekämpfung. Der Präsident wird den
Kongreß für die Haushaltsjahre 91-94 um die Bewilligung zusätzlicher Wirtschaftshilfe bitten. Die amerikanische Hilfe wird im Rahmen der Bemühungen im
Kampf gegen Drogen sowie solider wirtschaftspolitischer Maßnahmen der beteiligten Andenstaaten zur
Verfügung gestellt werden.

AMERIKA DIENST 7

Benötigt werden Mittel zur Unterstützung der Zahlungsbilanzen, für die Umstellung auf neue Anbauprodukte, soziale Programme sowie breitgefächerte Entwicklungsmaßnahmen, die das für die beteiligten Andenstaaten unerläßliche Wirtschaftswachstum sicherstellen werden.
Die Parteien werden sich ferner bemühen, zusätzliche
Wirtschafts- und Handelsinitiativen zu entwickeln. Die
Vereinigten Staaten werden dazu beitragen, Märkte
für die durch alternative Entwicklungsprogramme
geschaffenen Produkte zu fördern sowie Hilfe zur
Verfügung stellen, damit landwirtschaftliche Produkte
aus den Andenstaaten die amerikanischen Zulassungskriterien erfüllen.
Der Kampf gegen illegale Drogen
Die Präsidenten verpflichteten sich zu verstärkten
Anstrengungen in der Bekämpfung von Produktion,
Transport und Konsum illegaler Drogen durch Prävention, Strafverfolgung, Kontrolle von Waffen und chemischen Grundstoffen, Beschlagnahme, Einziehung und
Verteilung von Gewinnen aus dem Drogenhandel,
Koordinierung der beteiligten Strafverfolgungsbehörden, der Streitkräfte und der Gerichte im Rahmen der
nationalen Souveränität der beteiligten Länder sowie
eine Nettoreduzierung beim illegalen Anbau der KokaPflanze.
Die Parteien verpflichten sich zu einem umfassenderen Austausch von Informationen, auch nachrichtendienstlicher Art. Sie verabredeten, daß jedes Land auf
seinem eigenen nationalen Territorium seine Streitkräfte einsetzen kann. Die Vereinigten Staaten erklärten sich bereit, verstärkt Ausrüstung und Ausbildung

Seite 1

�für die Strafverfolgungsbehörden und Streitkräfte der
beteiligten Andenstaaten zur Verfügung zu stellen.

Folgetreffen innerhalb der nächsten sechs Monate
abzuhalten.

Die Parteien verpflichteten sich femer zur Stärkung
der Justizverwaltungen, insbesondere dem Schutz
von Richtern und Justizangestellten.

Das Gipfeltreffen ist Teil eines fortdauernden Prozesses, und die Parteien haben sich darauf verständigt,
weitere Schritte in diesem Bereich vorzunehmen,
darunter unter anderem den Abschluß bilateraler
Abkommen, die mit ihren Verpflichtungen zum Kampf
gegen das Rauschgift im Einklang stehen.

Diplomatische Initiativen und öffentliche Meinung
Die Gipfelteilnehmer geloben, das Bewußtsein der
Öffentlichkeit für das Drogenproblem zu schärfen,
indem sie interamerikanische Programme für die öffentliche Meinungsbildung sowie zur Dämpfung der
Nachfrage durchführen.

Die Vereinigten Staaten und Bolivien unterzeichneten
Vereinbarungen über Öffentlichkeitsarbeit, die Kontrolle chemischer Grundstoffe sowie die Kontrolle von
Waffenexporten.

Die Gipfelteilnehmer wollen in jedem erdenklichen
internationalen Forum die Zusammenarbeit im Kampf
gegen das Rauschgift fördern. Insbesondere fordern
die Parteien eine Weltkonferenz gegen den Rauschgifthandel im Jahr 1991.

Die Vereinigten Staaten und Peru unterzeichneten
Vereinbarungen über den Austausch von Informationen über Steuern sowie Öffentlichkeitsarbeit und tauschten Noten zum Auslieferungsverfahren aus.

Die Gipfelteilnehmer sind sich einig, ein hochrangiges

Über weitere Vereinbarungen mit Kolumbien wird zur
Zeit noch verhandelt.

*

Seite 2

*

*

*

AMERIKA DIENST 7

�OST-WEST-BEZIEHUNGEN
21. Februar 1990

BUSH: KSE-ABKOMMEN IN GREIFBARE
NÄHE GERÜCKT
Stellungnahme zu Vereinbarung, Einheit Deutschlands
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush erklärte am 14. Februar im Weißen Haus, die amerikanisch-sowjetische
Vereinbarung, daß jede Seitenichtmehrais 195 000 Soldaten in Mitteleuropa stationieren wolle, "ist ein wichtiger
Durchbruch, mit dem ein schwerwiegendes Hindernis für den baldigen Abschluß eines KSE-Vertrags aus dem
Weg geräumt wird".
Dem Präsidenten zufolge wurde bei der Konferenz Offene Himmel in Ottawa im Hinblick auf einen Prozeß, an
dessen Ende die Vereinigung beider deutscher Staaten steht, ein weiterer wichtiger Durchbruch erzielt.
"Diese Schritte lassen zusammen mit dem dynamischen Vormarsch der Demokratie in Osteuropa das von mir
im ersten Jahr meiner Präsidentschaft hervorgehobene Ziel eines ungeteilten und freien Europas in greifbare
Nähe rücken," erklärte Bush ferner.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Stellungnahme in Auszügen:

Bush: Ich möchte Außenminister Baker zu seiner
hervorragenden Arbeit in Ottawa gratulieren wie auch
dazu, daß er bei seinen Gesprächen in Moskau die von
mir und Präsident Gorbatschow - in Malta - vereinbarte
Tagesordnung weiter verfolgt hat. Und ich freue mich,
daß die 23 Mitglieder der Wiener Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa die von mir am
31. Januar 1990 im Bericht zur Lage der Nation vorgeschlagene NATO-Initiative akzeptiert haben, mit der
das Problem der Mannschaftsstärke gelöst werden
sollte.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion werden
jeweils nicht mehr als 195 000 Soldaten in Mitteleuropa stationieren. Und das wird die Obergrenze für auf
ausländischem Territorium stationierte sowjetische
Truppen sein. Die Vereinigten Staaten werden die
zusätzlichen 30 000 Soldaten in Europa außerhalb
Mitteleuropas stationieren.
Dies ist ein wichtiger Durchbruch, mit dem ein schwerwiegendes Hindernis für den baldigen Abschluß eines
KSE-Vertrags aus dem Weg geräumt wird. Und damit
wird dem Prinzip Geltung verschafft, daß US-Streitkräfte in Europa nicht mit sowjetischen Streitkräften in
Osteuropa gleichzusetzen sind.

AMERIKA DIENST 7

Ein weiterer wichtiger Durchbruch wurde bei der Vereinigung beider deutscher Staaten erzielt. Ich habe
gestern mit Bundeskanzler Kohl telephoniert, um letzte Einzelheiten der von Außenminister Baker in Ottawa
erzielten Vereinbarung zu erörtern.
Wir sind uns mit unseren deutschen Verbündeten
völlig einig. Die Dinge haben sich dort überaus schnell
entwickelt. Und der von uns erzielten Übereinkunft
zufolge werden die Außenminister beider deutscher
Staaten mit den Außenministem der vier Mächte - der
Vereinigten Staaten, Frankreichs, Großbritanniens und
der Sowjetunion - zusammentreffen, um außenpolitische Aspekte der Vereinigung beider deutscher Staaten zu erörtern. Und das bringt uns der Verwirklichung
des lang gehegten Wunsches nach deutscher Einheit
ein Stück näher. Im Mai vergangenen Jahres habe ich
in Mainz darauf verwiesen, daß dies ein Ziel ist, das wir
und unsere Verbündeten mit dem deutschen Volk seit
mehr als 40 Jahren teilen.
Diese Schritte lassen zusammen mit dem dynamischen Vormarsch der Demokratie in Osteuropa das
von mir im ersten Jahr meiner Präsidentschaft hervorgehobene Ziel eines ungeteilten und freien Europas in
greifbare Nähe rücken.

Seite 1

�Frage: Herr Präsident, warum hat Gorbatschow Ihrer
Ansicht nach ihrem Vorschlag über Truppenreduzierungen zugestimmt?

vorzuschreiben, wie dies letzten Endes aussehen soll.
Ich habe diese Frage offen gelassen. Aber ja, die
Entwicklung ging sehr rasch voran.

Bush: Meiner Meinung nach schien er ihm vernünftig.
Au ßenminister Baker hat ihn mit seinem Amtskollegen
Schewardnadse erörtert. Aber wir sind bei diesem
Vorschlag hart geblieben. Unserer Ansicht nach ist es
ein sehr vernünftiger Vorschlag. Er hat die einhellige
Unterstützung unserer Verbündeten. Die Ereignisse
überschlagen sich dort nahezu, das gilt als positiv, und
ich hoffe, es wird sich eine für Europa stabilisierende
Lösung ergeben.

Frage: War Ihnen nicht schon am Montag bewußt,
daß sich die Dinge in diese Richtung bewegten - was
ja schon am Dienstag zutage trat?

Frage: Außenminister Schewardnadse hat soeben in
Ottawa erklärt, er könne sich ein vereintes Deutschland vorstellen, in dem sowohl NATO als auch Warschauer Pakt eine Rolle spielen. Sie haben immer auf
die Rolle der NATO verwiesen. Diese Haltung werden
Sie wohl immer noch einnehmen, aber können Sie sich
auch eine Rolle des Warschauer Pakts vorstellen?
Bush: Ich sehe die Sache so, daß die Verbündeten die
Stabilität der US-Streitkräfte und eine einige NATO
wünschen - US-Streitkräfte in Europa und eine starke
NATO. Die dem Warschauer Pakt angehörenden
Länder Osteuropas wollen den Abzug sowjetischer
Truppen. Es ergibt sich also eine andere Gleichung.
Wir erörtern einen deutschen Verbleib in der NATO,
Flexibilität bei der Stationierung der Truppen in Deutschland, aber auch die Stärke der NATO. Ich habe bereits
erklärt, es sei - zumindest aus dem Blickwinkel Westeuropas - stabilisierend, und meiner Ansicht nach
werden Sie auch in Osteruopa viele Länder finden, die
uns dort als stabilisierenden Faktor betrachten.
Frage: Also kein Warschauer Pakt?
Bush: Diese Fragen werden gegenwärtig erörtert.
Meiner Ansicht nach vollziehen sich die Veränderungen so schnell, daß es schwierig ist, damit Schritt zu
halten. Aber dennoch möchte ich nochmals Außenminister Baker und seine Mitarbeiter würdigen, weil so
vieles schneller vollbracht wurde als ich es für möglich
gehalten hätte. Die Übereinkunft über Truppenreduzierungen ist nur ein Punkt.

Bush: Nein, es war uns am Montag überhaupt nicht
klar, daß wir am Dienstag ein solches Ergebnis haben
würden.
Baker: Wir waren auch nicht in Ottawa, möchte ich
hinzufügen.
Bush: Und das gleiche trifft auch auf die Einigung ü ber
den Truppenabzug zu. Sie müssen sich einmal darüber klar werden, daß wir es hier mit historischen
Veränderungen zu tun haben, und wir sollten uns
darüber freuen. Im Ernst, diese vollziehen sich sehr,
sehr rasch. Und die Tatsache, daß der Außenminister
diese Vereinbarung so schnell erreichen konnte - ich
meine sehr rasch nach unseren letzten Gesprächen
über dieses Thema - ist ein Beweis dafür. Aber er kann
das nicht allein tun, er benötigt dazu auch Veränderungen der beiden deutschen Staaten. Sie müssen sich
jedoch an folgendes erinnern: Modrow hat mit Kohl
gesprochen, und Jim Baker hat mit Schewardnadse
gesprochen, die führenden Politiker der NATO haben
sich getroffen. Am vergangenen Wochenende hatten
wir ein Gespräch mit Wörner. Zur Zeit finden also
vielfältige diplomatische Aktivitäten statt.
Aber es hat mich wirklich überrascht, daß sie bereit
waren, darüber Einigung zu erzielen - über die Truppen. Ich war jedoch der Ansicht, es sei richtig, in dieser
Frage unnachgiebig zu bleiben.
Frage: Wie stehen Sie angesichts dessen zu der von
einigen geäußerten Kritik, Sie legitimierten durch die
Zustimmung zu einem KSE-Abkommen mit 195 000
Soldaten ihre weitere Stationierung von so vielen
Truppen in Osteuropa und es sei an der Zeit, diese
Obergrenze zu senken?

Frage: Sie haben Montag erklärt, die Zeit sei für eine
Viermächtekonferenz über Deutschland noch nicht
reif. Hat sich von Montag bis zur Übereinkunft am
Dienstag etwas verändert?

Bush: Wir haben es mit einer Zeit dynamischer
Veränderungen zu tun. Wir versuchen - und dies habe
ich gestern und Jim Baker in der Vergangenheit zu
vermitteln versucht - diesem Prozeß eine gewisse
Stabilität zu verleihen. Unsere Verbündeten betrachten dies gewiß als eine gute, vernünftige Zahl.

Bush: Nun, ich überlasse es Herrn Baker, darauf
einzugehen. Aber sicherlich gab es eine Menge Veränderungen - keinen umfassenden Wandel, aber wie
Bundeskanzler Kohl mir gestern in einem Telefongespräch erklärte, hatte er das Gefühl, daß die Vereinbarung, über die Außenminister Baker gesprochen und
deren Einzelheiten er mit Außenminister Schewardnadse und den politisch Verantwortlichen der Verbündeten ausgearbeitet hat, ein sehr vernünftiger Schritt
war. Wir versuchen nicht, irgend jemandem dort

Was noch nicht berücksichtigt wurde - eine gewisse
Zeit ist erforderlich, damit sich dies auf das ganze
System auswirkt, und dies wird nach den Wahlen in
verschiedenen Ländern geschehen -, ist die Einstellung dieser Länder zur Präsenz sowjetischer Truppen.
Dem Außenminister ist es mit der Annahme unseres
Vorschlags gelungen, die Waffen abzukoppeln. Und
das ist gut so, weil die Westeuropäer - und meines
Erachtens auch, ich wiederhole dies, einige Osteuropäer unsere Anwesenheit dort wünschen und uns nicht

Seite 2

AMERIKA DIENST 7

�als Bedrohung, sondern als stabilisierenden Einfluß
betrachten. Die Osteuropäer scheinen die Anwesenheit der Sowjets dort abzulehnen, und ich habe den
Eindruck, daß Gorbatschow nicht entgegen dem allgemeinen Gefühl in Osteuropa dort bleiben möchte. Er
hat ja auch enorme Probleme an der Wirtschaftsfront.

che Zahlen gekoppelt werden sollte. Ich stimme dem
nicht zu. Meines Erachtens ist genau das Gegenteil
der Fall.

Unsere Einstellung ist folgende: Wir haben eine gute
Vereinbarung, eine kontinuierliche, stabilisierende
Vereinbarung, und danach sehen wir, wie sich die
Ereignisse weiterentwickeln. Aber jetzt sollten wir
diese Vereinbarung auch verwirklichen. Genau dies
möchte ich tun. Wir wollen dieses KSE-Abkommen
abschließen, es unterzeichnen und verwirklichen. Es
bestehen weiterhin einige technische Probleme.

Baker: Der Präsident hat erklärt, daß er es dieses Jahr
vollendet sehen möchte, und dies ist unser Ziel.

Baker: ...auch ein großer Unterschied bei den Reduzierungen.
Bush: Ja. Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, daß
die Sowjets wesentlich mehr abbauten als wir. Heute
haben wir eine Art von Entkoppelung, und dies ist
meines Erachtens stabilisierend. Bei der gestrigen
Pressekonferenz brachte jemand eine Frage vor, die
meiner Ansicht nach zumindest implizierte, daß dies
als destabilsierend betrachtet würde, daß es an glei-

*

AMERIKA DIENST 7

Frage: Wie bald kann ein KSE-Abkommen geschlossen werden?

Frage: Wie steht es mit START? Bereiten Sie
irgendwelche neuen Initiativen bei START vor? Es war
von einem Verbot mobiler Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) die Rede.
Bush: Ich hatte seit der Rückkehr des Ministers noch
nicht die Gelegenheit zu einem detaillierten Gespräch
mit General Scowcroft, und ich muß mit ihm darüber
sprechen. Aber raten Sie mal, was wir jetzt tun
werden? Wir werden hineingehen und genau über
dieses Thema sprechen.
Frage: Wird es schwierig sein, Länder zu finden, die
die Zahl 195 000 akzeptieren?
Bush: Oh nein.

* * *

*

Seite 3

�HILFE

FÜR

OSTEUROPA
21. Februar 1990

EAGLEBURGER ERLÄUTERT BEDINGUNGEN FÜR
US-HILFE AN OSTEUROPA
Rede des stellvertretenden Außenministers
bei der Amerikanischen Handelskammer
WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Bush zum Koordinator der US-Hilfe an Osteuropa ernannte Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger verwies am 16. Februar 1990 bei der Amerikanischen Industrieund Handelskammer auf die bereits an Polen und Ungarn geleistete umfangreiche Hilfe und erklärte: "Wir
müssen unsere Bemühungen nunmehr auf ganz Mittel- und Osteuropa und auch auf Jugoslawien ausdehnen."
Eagleburger stellte vier Bedingungen auf, nach denen die Vereinigten Staaten Osteuropa Hilfe zu leisten bereit
sind.
Fortschritte müssen erzielt werden "im Hinblick auf politischen Pluralismus, der sich auf freie und faire
Wahlen gründet und ein Ende des Machtmonopols der Kommunistischen Partei bedeutet".
Wirtschaftsreformen müssen Hinwendung zu einem marktwirtschaftlichen System bedeuten und "einen
breiten Privatsektor" schaffen.
"International anerkannte Menschenrechte - auch das Recht auf Auswanderung, Reisen und Redefreiheit - müssen stärker respektiert werden".
Mit den Vereinigten Staaten müssen "freundschaftliche Beziehungen" aufgenommen werden, die
"feindselige nachrichtendienstliche Aktivitäten und illegalen Technologietransfer" ausschließen.
Eagleburger versicherte ferner, die Vereinigten Staaten würden sich angesichts der sich in der Region
vollziehenden Entwicklungen und Reformen "ihrer Pflicht nicht entziehen" und erklärte: "Wir sehen der Zeit
entgegen, wenn sie sich eindeutig für eine repräsentative Demokratie entscheiden."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Im Jahr 1989 fanden auf dem europäischen Kontinent
die dramatischsten Veränderungen seit Ende des Zweiten
Weltkriegs statt. Von den Wahlen in Polen im Juni, bei
denen kommunistische Kandidaten eine totale Niederlage hinnehmen mußten, bis zum Sturz Ceausescus
Ende Dezember sind wir Zeuge des stetigen Vormarschs
von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten in ganz
Mittel- und Osteuropa geworden.
Dennoch können wir nur ein begrenztes Maß an Veränderungen aufnehmen, bis der Punkt der Gleichgültigkeit
erreicht ist und sich unser Blickwinkel verändert. Aus
diesem Grund ist es wichtig, sich immer wieder vor

AMERIKA DIENST 7

Augen zu führen, daß die demokratische Umwandlung Osteuropas nicht nur ein Zeichen des Sieges
amerikanischer Politik während des kalten Kriegs ist,
sondern auch an die Amerikaner erinnert, die in zwei
Weltkriegen ihr Leben für die Schaffung eines Europas gegeben haben, das wohlhabend, gefestigt und
frei ist.
Wir haben also einen großen Anteil am Erfolg der
Revolutionen in Osteuropa. Wir sehen uns mit der
Herausforderung und der Möglichkeit konfrontiert, zu
Wirtschaftswachstum und Stabilität beizutragen, die
der Region nach dem Ersten Weltkrieg versagt ge-

Seite 1

�blieben waren und die Freiheit zu konsolidieren, die
Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg verweigert
wurde.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß dies viel von uns
verlangt. Aber die Vereinigten Staaten dürfen sich
ihrer Pflicht nicht entziehen, und sie werden das auch
nicht tun. Ich werde Ihnen heute morgen darlegen,
daß wir umfangreiche Mittel für den wirtschaftlichen
Wiederaufbau Osteuropas einsetzen, dies jedoch auf
wohlüberlegte Weise tun. Unsere Hilfsmaßnahmen
sollten sich auf wirklich erfolgversprechende Projekte
konzentrieren und nicht auf viele Projekte verteilt werden,
die letztlich wenig bewirken.
Unser Ziel besteht darin, in der Region Reformen und
eigenständiges Wirtschaftswachstum so zu fördern,
daß enge Abstimmung mit unseren Verbündeten erkennbarwird und eine Überschneidung von Bemühungen vermieden und unser vergleichsweiser Vorteil im
Bereich der Hilfe maximiert werden kann. Darüber
hinaus möchte ich auch erläutern, daß unsere Pläne
für Mittel- und Osteuropa der Rolle die höchste Priorität beimessen, die Sie - der amerikanische Privatsektor - beim revolutionären Umbau dieser Volkswirtschaften spielen müssen.
Es liegt auf der Hand, daß ein neues Europa uns neues
Denken und eine neue Vision abfordern wird. Wir
haben die letzten 45 Jahre mit einem geteilten Europa
gelebt und betrachten Osteuropa immer noch als
fernen Ort. Aber diese Zeit ist vorbei oder geht
zumindest bald vorbei. Die Berliner Mauer ist gefallen.
Der Eiserne Vorhang ist offen. Wir dürfen Osteuropa
nicht mehr als Block ansehen, sondern müssen jedes
Land für sich im Kontext seiner eigenen Geschichte,
Hoffnungen und Potentiale betrachten. Unsere Politik
erfordert daher eine neue demokratische Differenzierung, die sich auf den Fortschritten gründet, die diese
Länder bei der Hinwendung zu demokratischen Gesellschaften mit marktorientierten Volkswirtschaften
machen.
Die Vereinigten Staaten haben unter den westlichen
Ländern die Führungsrolle übernommen, als es um
Hilfe für Polen und Ungarn ging. Wir müssen unsere
Bemühungen nunmehr auf ganz Mittel- und Osteuropa und auch auf Jugoslawien ausdehnen. Wir müssen
einen Prozeß und einen Rahmen entwickeln, um die
Umwandlung dieser kommunistisch regierten und
planwirtschaftlich orientierten Länder in pluralistische
Demokratien mit freien Marktwirtschaften zu bewältigen. Die Gewährung amerikanischer Hilfe wird vom
Ausmaß abhängen, in dem diese Länder Schritte zur
Realisierung von vier Zielsetzungen unternehmen, die
im beiderseitigen Interesse liegen.
Erstens wünschen wir uns Fortschritte im Hinblick auf
politischen Pluralismus, der sich auf freie und faire
Wahlen gründet und ein Ende des Machtmonopols der
Kommunistischen Partei bedeutet. Zweitens wün-

Seite 2

sehen wir uns Fortschritte im Hinblick auf Wirtschaftsreformen, die auf einem marktwirtschaftlichen System
mit einem breiten Privatsektor basieren. Drittens
müssen international anerkannte Menschenrechte auch das Recht auf Auswanderung, Reisen und Redefreiheit - stärker respektiert werden. Und viertens
wünschen wir uns die Bereitschaft jedes Landes, mit
den Vereinigten Staaten freundschaftliche Beziehungen aufzunehmen.
Wie Präsident Bush in seiner Rede in Hamtramck im
vergangenen April betonte, sind feindselige nachrichtendienstliche Aktivitäten und illegaler Technologietransfer keine freundlichen Akte. Bei der Entscheidung über den Umfang und die Zusammensetzung der
Hilfsmaßnahmen für die jeweiligen Länder lassen wir
uns von deren Hinwendung zu den oben genannten
Zielsetzungen leiten. Ich möchte hinzufügen, daß
nicht alle unsere Hilfsleistungen an Bedingungen
geknüpft sind. Zum Teil werden sie den Ländern nach
Bedarf zur Verfügung gestellt. In diesem Bereich
möchte ich humanitärer Hilfe besonderen Vorrang
einräumen, die darauf abzielt, Mängel zu beheben und
der neuen Regierung etwas Luft zu verschaffen. Die
an Rumänien gelieferten medizinischen Hilfsgüter und
die sowohl Polen als auch Rumänien zur Verfügung
gestellte Nahrungsmittelhilfe sind Beispiele dieser
Hilfsmaßnahmen.
Ich möchte hier auch die Unterstützung demokratischer Institutionen einschließlich der Förderung freier
Wahlen und politischer Reformen durch den Rechtsstaat nicht unerwähnt lassen. Freie Meinungsäußerung, unzensierte Medien und freie politische Parteien
müssen per Gesetz garantiert werden - und nicht nur
leere Worte sein - und wir sind mehr als bereit, in
diesen Bereichen zu helfen. Weiterer entscheidender
Bedarf besteht bei technischer Hilfe und Ausbildung,
die den Übergang zu einer marktorientierten Wirtschaft fördern sollen. Initiativen in diesem Bereich
beinhalten Unterrichtung in den Grundsätzen der
Marktwirtschaft, Ausbildung in Finanzwesen und
Buchführung sowie in Produktivität und Management.
Und nicht zuletzt leisten wir Hilfe im Bereich des
Umweltschutzes, um anhaltendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Säuberung der Umwelt zu fördern.
Hilfsmaßnahmen in diesen Bereichen tragen zur Förderung offener Märkte und offener Gesellschaften bei
und stellen eine Erweiterung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den jeweiligen
Empfängerländern dar. Über diese ersten Maßnahmen hinaus sind wir bereit, die Handels- und Investitionshemmnisse abzubauen, wenn die Länder Osteuropas die Anforderungen der amerikanischen Gesetzgebung erfüllen. Bilaterale Handels- und Investitionsabkommen, Meistbegünstigungsstatus, Gewährung
von Kreditgarantien für Exporte durch unsere ExportImport-Bank und die Preisstützungsbehörde für die

AMERIKA DIENST 7

�Landwirtschaft, Genehmigung für die Entwicklungsgesellschaft OPIC, in diesen Ländern tätig zu werden - all
dies sind Maßnahmen, von denen sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Länder Osteuropas profitieren
können.

Märkten entscheiden. Der Gesetzentwurf, den die Administration dem Kongreß übermittelt hat, bietet die
Flexibilität zu reagieren, wenn diese Länder in eine
neue Phase politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen eintreten.

Schließlich sind wir bereit, den Ländern, die sich der
schwierigen Aufgabe verschrieben haben, politische
und wirtschaftliche Reformen institutionell zu verankern, Hilfe zu leisten. Wir sind uns bewußt, daß der
Übergang von einer Planwirtschaft zu einer marktorientierten Wirtschaft viele Härten mit sich bringt.
Tatsächlich ist er nie zuvor vollzogen worden. Wir sind
jedoch der Überzeugung, daß dies der einzige Weg zu
anhaltendem Wachstum ist und werden daher den
Ländern wirtschaftliche Übergangshilfen gewähren,
die zur Selbsthilfe bereit sind. Unser Ansatz beinhaltet
bilaterale Maßnahmen wie Geld für den Stabilisierungsfonds, mit dem die galoppierende Inflation unter
Kontrolle gebracht und der Übergang zur Konvertierbarkeit der jeweiligen Währungen ermöglicht werden
soll. Darüber hinaus enthält er die Bereitstellung von
Kapital, um die Entwicklung des Privatsektors zu stimulieren - sei es auf bilateraler Basis durch Unternehmensfonds oder durch die Bereitschaft, eine Beteiligung an neuen multilateralen Institutionen wie der
vorgesehenen Europäischen Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung in Betracht zu ziehen.

Was Regierungen tun können, wird von uns getan.
Einige haben das Argument vorgebracht, wir würden
nicht genug tun, sollten aber mehr Geld bereitstellen.
In diesem Tenor wurden Rufe nach einem neuen
Marshallplan für Osteuropa laut. Zu solcher Kritik
möchte ich zwei Dinge sagen. Erstens gehen in der
Tat beträchtliche Ressourcen nach Osteuropa. Zahlen können irreführend sein. Wenn wir dieselben
Rechenexempel anstellen wie unsere Freunde und
Verbündeten - das heißt, wenn unsere Zahlen zusätzlich zu den tatsächlichen Haushaltsaufwendungen
gebundene Hilfe, Exportkredite und die Umschuldung
enthielten - wären unsere Hilfsleistungen insgesamt
unerreichbar.

Auch der Schuldenerlaß kann eine sehr wichtige
Maßnahme sein. Gemeinsam mit unseren Partnern
im Pariser Club sind wir zum Schuldenerla ß bereit. Die
Gewährung begünstigter Handelsprogramme wie dem
Allgemeinen Präferenzsystem fällt ebenfalls in diese
Kategorie wirtschaftlicher Übergangshilfen.
Schließlich können internationale Finanzinstitutionen
wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die
Weltbank unserer Ansicht nach wesentliche Hilfestellung bei der Integration Osteuropas in die Weltwirtschaft leisten. Wir werden die Bemühungen der reformwilligen Länder unterstützen, diesen Institutionen
beizutreten, wenn sie die Kriterien der Mitgliedschaft
erfüllen.
Wie Sie wissen, haben Polen und Ungarn den Weg zu
Reformen angeführt und sind daher Nutznießer unserer neuen Politik der Differenzierung. Die Tschechoslowakei ist offensichtlich entschlossen, politische und
wirtschaftliche Reformen rasch institutionell zu verankern, und Au ßenminister Baker hat in der vergangenen
Woche in Prag ein Paket amerikanischer Hilfsmaßnahmen angekündigt, das dieser Tatsache Rechnung
trägt.
Die anderen Länder Osteuropas ebnen - ebenso wie
Jugoslawien - in unterschiedlichem Maße den Weg zu
freien Wahlen und institutionell verankerten politischen
und wirtschaftlichen Reformen. Wir sehen der Zeit
entgegen, wenn sie sich eindeutig für eine repräsentative Demokratie und einen echten Übergang zu freien

AMERIKA DIENST 7

Sehr viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, daß wir uns
mit einer Situation befassen, die der Nachkriegszeit in
Westeuropa nicht vergleichbar ist, als wir eine Region
wiederaufbauen mußten, die physisch vernichtet war,
jedoch noch über die technischen Fähigkeiten, öffentlichen Institutionen und Markterfahrung verfügte, um
sich rasch zu erholen. In Osteuropa - das aus 40jähriger Abkapselung hervortritt und dem diese Fähigkeiten und Institutionen fehlen - müssen wir eine andere
Strategie anwenden. Wir dürfen vor der Verwirklichung wahrhaft marktorientierter Reformen keine
beträchtlichen Summen transferieren, wie es die Banken
des Westens in den siebziger Jahren getan haben.
Unser Hauptziel muß zumindest in den Anfangsstadien darin bestehen, die Fähigkeiten zum Aufbau
demokratischer Institutionen und das unternehmerische Know-how bereitzustellen, ohne die eine Privatisierung der osteuropäischen Volkswirtschaften schlicht
und einfach nicht gelingen wird. Kurzum: Wir müssen
darauf hinarbeiten, die Infrastruktur einer Marktwirtschaft zu schaffen - und hierbei kommt uns eine
entscheidende Rolle zu.
Der Aufbau einer soliden Infrastruktur ist ein Weg, um
die Bereitstellung westlichen Kapitals zu ermutigen. In
einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe streben wir
bewußt an, die uns zur Verfügung stehenden Instrumente - vornehmlich OPIC-Versicherung sowie EximKredite - einzusetzen, die als Katalysator für Investitionen des Privatsektors dienen werden. Wir bemühen
uns ferner darum, in der gesamten Region Schranken
gegen amerikanische Unternehmen abzubauen und
wenn möglich zu beseitigen. Ihr Fachwissen - sowie
Ihre finanziellen Ressourcen - sind unerläßlich, um
unsere umfassenden nationalen Ziele in Osteuropa zu
verwirklichen. Natürlich können wir als Regierung
sowohl im Bereich der Ressourcen als auch beim
Aufbau demokratischer Institutionen eine Menge tun,
aber Osteuropa wird sein schweres Vermächtnis der

Seite 3

�Unterentwicklung und Instabilität niemals überwinden,
wenn die Osteuropäer nicht lernen, wirtschaftlich selbstbewußt und unabhängig zu werden. Genau dies
müssen sie von Ihnen lernen.
Sie sind diejenigen, die unternehmerische Erfolgsrezepte vermitteln können. Ihre Handelstätigkeit, Ihr
Know-how und Ihre Investitionen können der Motor für
Wirtschaftswachstum und die politische Umgestaltung
Osteuropas sein. Es trifft zu, daß ausländische Unternehmen in der vor uns liegenden Übergangsphase ein
schwieriges Terrain vorfinden. Gesetze und politische
Bedingungen werden sich ändern. Neue Ideen werden mit alten Gewohnheiten kollidieren. Kredit-, Bankund Kommunikationswesen sowie andere für wirtschaftliche Tätigkeit wichtige Bereiche werden - zumindest zu Anfang - weit unter den westlichen Standards liegen.
Die Unternehmer, mit denen Sie es zu tun haben
werden, werden unerfahren und in ihren Erwartungen
oft unrealistisch sein, und sie werden sich ständig
selbst den Veränderungen anpassen müssen. Trotz
alledem bieten sich in Osteuropa ungewöhnliche
Chancen. Die Bedürfnisse liegen auf der Hand, und im
Hinblick auf Investitionen und Know-how orientieren
sich die Osteuropäer nach außen. Unsere Erfahrung,
unser Rat und unser Kapital werden benötigt und sind
willkommen.
Bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten hat
Lech Walesa amerikanischen Geschäftsleuten gegenüberwiederholt die Chancen in Polen betont. Eine
Delegation des Präsidenten, die unter Führung von
Landwirtschaftsminister Yeutter im vergangenen
November Polen besuchte, fand zahlreiche Bereiche
vor - darunter Landwirtschaft, Umwelttechnik, Telekommunikation, Bankwesen, Wohnungsbau und
Energiewirtschaft -, in denen westliche Investitionen
benötigt werden. Derselbe Bedarf besteht in ganz
Mittel- und Osteuropa. Die Privatisierung von Staatsunternehmen, dringend benötigte Infrastrukturprojekte, das Wachstum des Privatsektors sowie die Schaffung von Kapitalmärkten bieten große Möglichkeiten
für ausländische Firmen.
Die Osteuropäer bemühen sich ihrerseits zügig, ihre
Volkswirtschaften für ausländische Investititionen zu
öffnen. Polen hat ein umfassendes, vom IWF genehmigtes Programm zur strukturellen Anpassung in Angriff
genommen. Zu diesen Bemühungen gehört der Plan,
den Zloty konvertibel zu machen und neue Gesetze
über Bankwesen, Auslandsinvestitionen und Zollwesen einzuführen, um eine funktionsfähige freie Marktwirtschaft aufzubauen. Die DDR hat Gesetze verabschiedet, die Gemeinschaftsunternehmen sowie in
einigen Fällen die Mehrheitsbeteiligung ausländischer
Unternehmen an DDR-Firmen gestatten. Die Tschechoslowakei überarbeitet ihr Gesetz über Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ziel, ausländische
Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen zu gestat-

Seite 4

ten. Ungarn hat einen Aktienmarkt geschaffen und
bemüht sich aktiv um ausländische Investitionen. Das
Geschäft von General Electric mit Tungsram ist nur ein
Beispiel für die Möglichkeiten in diesem Land. Jugoslawien hat seine Währung konvertibel gemacht, einen
Aktienmarkt geschaffen und ein Programm für marktorientierte Wirtschaftsreformen eingeführt.
Ich bin mir Ihrer Verantwortung gegenüber Ihren Unternehmen und Ihren Aktionären bewußt. Natürlich
müssen Sie davon überzeugt sein, daß die Mischung
von Risiko und Rendite in Osteuropa mit anderen
Möglichkeiten konkurrieren kann. Es mag überdies
heute nicht leicht erkennbar sein, wann eine Investition
in Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei Gewinne
einbringen wird. Ich möchte Sie jedoch bitten, zugleich
aggressiv und geduldig zu sein. Wenn Sie mit Ihren
Investitionen warten, bis sich die Märkte in Osteuropa
vollständig stabilisiert haben, werden Sie wahrscheinlich feststellen, daß Sie bereits von ausländischen
Konkurrenten ausgestochen wurden. Andererseits
werden Sie wahrscheinlich enttäuscht werden, wenn
Sie in Erwartung schneller Profite in Osteuropa investieren.
Ich kann Ihnen ferner versichern, daß Ihre westeuropäischen Konkurrenten dort auf keinen Fall das schnelle Geld machen wollen. Am erfolgreichsten werden
also die amerikanischen Firmen sein, die unverzüglich
eine langfristige Präsenz in Osteuropa aufbauen - eine
Präsenz, von der ein Großteil unseres langfristigen
nationalen Einflusses in der Region abhängen wird.
Eine der ersten Amtshandlungen von Außenminister
Baker bestand darin, unsere diplomatischen Vertreter
im Ausland davon in Kenntnis zu setzen, daß die
Verbesserung der amerikanischen Exportleistung ein
vordringliches Ziel dieser Administration ist. Er erklärte den Missionsleitern im Ausland, sie sollten auf ihren
Posten als wichtigste Handelsbeauftragte fungieren
und sich persönlich für die Förderung amerikanischer
Exporte und die Unterstützung amerikanischer Firmen
engagieren. Er wies sie ferner an, sicherzustellen, daß
sich jeder Angehörige ihrer Mission für die Förderung
amerikanischer Wirtschaftsinteressen einsetzt. Damit
ist es uns ernst, wir meinen, was wir sagen und wir
beabsichtigen, Erfolg zu haben.
Wie Sie vielleicht wissen, hat mich der Präsident zum
Koordinator für die amerikanische Hilfe an Osteuropa
benannt. Ich betrachte die Unterstützung amerikanischer Privatunternehmen in Osteuropa als Kernstück
meiner Tätigkeit. Wir begrüßen es, daß viele amerikanische Firmen versuchen werden, gegen starke westeuropäische Konkurrenz einen Marktanteil zu erobern.
Die amerikanischen Unternehmen werden von ihrer
Regierung ein besonderes Maß an Unterstützung und
Beratung benötigen und gewiß auch verdienen. Ich
werde sicherstellen, daß Sie es erhalten.
Aus diesem Grund habe ich kürzlich unsere Botschaf-

AMERIKA DIENST 7

*

�ten in Osteuropa an den Wunsch des Ministers erinnert, daß die Unterstützung amerikanischer Geschäftsinteressen eine vordringliche Aufgabe des Au ßenministeriums sein solle. Eine Delegation, der auch ich
angehören werde, reist am Dienstag nach Polen,
Ungarn und Jugoslawien. Wir werden sondieren, wie
sich die Reformen dort entwickeln, und wir werden dort
Gespräche über unsere Hilfsbemühungen führen. Wir
werden unseren Gesprächspartner ferner mitteilen,
daß sie geschäftliche Vorschläge amerikanischer Fir-

men ernsthaft berücksichtigen sollten.
Die amerikanische Regierung nimmt die Herausforderung in Osteuropa an. Wir unterstützen die Gründung
von Demokratie und freiem Unternehmertum. Die
Herausforderung an die amerikanische Wirtschaft
besteht darin, die historischen Chancen zu ergreifen,
die sich heute im Herzen Europas bieten, um zu
beweisen, daß freies Unternehmertum und Freiheit
zwei Seiten derselben Münze sind.

*

AMERIKA DIENST 7

*

Seite 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10766">
                <text>21.02.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10767">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10768">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10769">
                <text>Amerikadienst 21.02.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10770">
                <text>&lt;strong&gt;1. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Drogen sind ernsthafte Bedrohung der weltweiten Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor der UN-Drogenkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erklärung von Cartagena&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Ost-West-Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: KSE-Abkommen in greifbare Nähe gerückt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme zu Vereinbarung, Einheit Deutschlands&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hilfe für Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger erläutert Bedingungen für US-Hilfe an Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des stellvertretenden Außenministers bei der Amerikanischen Handelskammer&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
