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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
5. J u l i 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
INHALT&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
f&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
BAKER:&#13;
&#13;
NUR WIRTSCHAFTLICHE FREIHEIT KANN OSTEUROPA BELEBEN&#13;
&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge birgt das in Westeuropa&#13;
zur Blüte gelangte System freier Marktwirtschaften in freien Ländern auch&#13;
Hoffnungen für Osteuropa. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 29.&#13;
Juni 1989 erklärte Baker Journalisten gegenüber, Präsident Bush messe diesem&#13;
Thema beim bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli besondere Bedeutung&#13;
zu. "Der Präsident wird das freie Unternehmertum in einer demokratischen Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der Völker Osteuropas darstellt", so Baker.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.&#13;
Beim 40. Jahrestag der Gründung&#13;
der NATO im vergangenen Monat hat&#13;
Präsident Bush einen ehrgeizigen Vorschlag für die Zukunft unterbreitet,&#13;
der vorsieht, aus einem geteilten Europa ein neues Europa zu schaffen,&#13;
ein Europa das ungeteilt, frei und&#13;
sicher ist. Seine bevorstehende Reise nach Polen und Ungarn belegt sein&#13;
persönliches Interesse und seine Unterstützung des demokratischen Wandels und der Wirtschaftsreformen in&#13;
dieser Region.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen haben wir&#13;
uns vornehmlich darauf konzentriert,&#13;
wie die Verantwortung für unsere größeren&#13;
Sicherheitsbedürfnisse&#13;
unter&#13;
Freunden und Partnern besser aufgeteilt werden könnte.&#13;
Bei dem nur&#13;
sechs Wochen später stattfindenden&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Weltwirtschaftsgipfel werden wir beraten, wie wir unsere jeweiligen&#13;
Stärken am besten koordinieren können, um die sich in Osteuropa stellenden Herausforderungen und grenzüberschreitende Probleme wie Umweltfragen zu bewältigen und natürlich&#13;
weiterhin eine expandierende und florierende Weltwirtschaft zu gewährleisten.&#13;
Die Reise des Präsidenten findet&#13;
in einer Zeit des Umbruchs statt. In&#13;
einer Zeit der Chancen und Hoffnungen&#13;
in Europa - Ost wie West. Seine Auftritte und Reden in Polen, Ungarn,&#13;
Paris und den Niederlanden werden besonders hervorheben, daß unser gemeinsamer Respekt westlicher Werte&#13;
das Bindeglied bildet, das die Völker&#13;
Europas und Amerikas und viele andere&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Völker der Welt eint.&#13;
&#13;
pekten des Gipfeltreffens bilden.&#13;
&#13;
Der Präsident wird das freie Unternehmertum -i. einer demokratischen&#13;
Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der&#13;
Völker Westeuropas darstellt.&#13;
Gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten werden die Vereinigten Staaten diese Länder Osteuropas ermutigen, den Übergang zu freien, demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu vollziehen.&#13;
&#13;
Das Gipfeltreffen bietet eine Gelegenheit für die westlichen Staatsund Regierungschefs, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, die sie zur Unterstützung des Wandels ergreifen könnten, der sich heute in Osteuropa&#13;
vollzieht. Natürlich werden sie wie&#13;
immer auch über verschiedene regionale Themen beraten. Zum Beispiel die&#13;
jüngsten&#13;
tragischen&#13;
Ereignisse in&#13;
China, die Aussichten auf Frieden im&#13;
Nahen Osten, Demokratie in Mittelamerika usw.&#13;
&#13;
Soweit wie möglich werden wir&#13;
diesen Ländern dabei behilflich sein,&#13;
die notwendigen politischen Reformen&#13;
durchzuführen und ihnen bei der Verwirklichung der erforderlichen Wirtschaftsreformen helfen.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf die Weltwirtschaft werden sich die Themen aller&#13;
Voraussicht nach auf dieselben Bereiche konzentrieren wie bei den vergangenen Gipfeltreffen. Meiner Ansicht&#13;
nach wird man die Schuldenkrise der&#13;
Dritten Welt, den Welthandel und die&#13;
Koordinierung der Wirtschaftspolitik&#13;
diskutieren.&#13;
&#13;
Der Präsident wird insbesondere&#13;
hervorheben, wie wichtig die Entwicklung eines aktiven Privatsektors, eines pluralistischen politischen Systems und einer offenen Gesellschaft&#13;
ist.&#13;
Der Weltwirtschaftsgipfel am&#13;
15. und 16. Juli in Paris wird sich&#13;
vornehmlich a XJ. vier Hauptgebiete&#13;
konzentrieren.&#13;
Irstens, den Schutz&#13;
und die Erweiterung der gemeinsamen&#13;
Werte des Westens, insbesondere in&#13;
Osteuropa; zweitens die Weltwirtschaft; drittens die Umwelt und viertens die Bewältigung internationaler&#13;
Probleme wie Drogenhandel, internationalen Terrorismus und Waffenhandel.&#13;
Die offiziellen&#13;
Sitzungen des&#13;
Gipfels werden sich wie bisher mit&#13;
Wirtschaftsthemen befassen. Für die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
werden&#13;
sich jedoch andere Möglichkeiten zur&#13;
Erörterung wichtiger politischer Themen ergeben.&#13;
Großes Interesse wird meiner Ansicht daran bestehen, wie der Präsident die Aussichten für politische&#13;
und wirtschaftliche Reformen in Polen&#13;
und Ungarn einschätzt.&#13;
Und natürlich werden die Entwicklungen in Osteuropa das Bindeglied zwischen den&#13;
politischen und wirtschafliehen As-&#13;
&#13;
Bezüglich der Umweltprobleme werden sich die Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich intensiv mit der&#13;
Erörterung von Möglichkeiten befassen, wie solche Probleme wie die&#13;
weltweite&#13;
Klimaveränderung,&#13;
Rodung&#13;
der Wälder, Erhaltung der Meere,&#13;
Giftmüll und Ozonschwund angegangen&#13;
werden können.&#13;
Wie ich bereits erwähnte, werden&#13;
Themen von internationalem Interesse&#13;
sicherlich den Drogenhandel, Terrorismus und die Weiterverbreitung von&#13;
Waffen betreffen.&#13;
Seit dem ersten Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet im Jahr 1974&#13;
haben die Vertreter der führenden Industrienationen des Westens diese Tagungen zur Bewältigung der Herausforderungen einer zunehmend interdependenten Welt genutzt. Die Gipfeltreffen haben sich auch als nützliches&#13;
Forum für ein gemeinsames Engagement&#13;
für die vordringlichsten politischen&#13;
Probleme erwiesen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach werden wir in diesem Jahr Gelegenheit haben, den Grundstein für unsere gemeinsame Reaktion auf eine&#13;
&#13;
�sich veränderende Welt zu legen, Insbesondere im Hinblick auf Europa.&#13;
Insgesamt&#13;
gesehen&#13;
bietet&#13;
der&#13;
Weltwirtschaftsgipfel eine Chance zur&#13;
Bekräftigung der westlichen Werte wie&#13;
politische Freiheit und marktwirtschaftlich&#13;
orientierte&#13;
Volkswirtschaften und als Beweis dafür, daß&#13;
wir gemeinsam eine Reihe neuer und&#13;
unterschiedlich gelagerter Herausforderungen angehen können, während die&#13;
Nachkriegszeit von einer neuen Ära&#13;
abgelöst wird.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ich wollte eine Frage zum&#13;
Weltwirtschaftgipfel&#13;
stellen, aber&#13;
neue Schlagzeilen verdrängen dieses&#13;
Thema immer wieder. Die Mitglieder&#13;
des&#13;
Repräsentantenhauses&#13;
scheinen&#13;
sich auf begrenzte Sanktionen gegenüber China geeinigt zu haben. Sie&#13;
sind sicherlich darüber informiert.&#13;
Unterstützt die Regierung dieses Maßnahraenpaket?&#13;
Antwort: Nein, das tut sie nicht.&#13;
Ich möchte kurz darauf eingehen. Bei&#13;
einer öffentlichen Anhörung letzte&#13;
Woche hat der Präsident meiner Ansicht nach den richtigen Kurs bezüglich dieser gemäßigten Antwort auf&#13;
die tragischen Ereignisse in China&#13;
eingeschlagen, und er hat von Anfang&#13;
an den richtigen Kurs verfolgt. Er&#13;
hat seine Empörung und sein Mitgefühl&#13;
unmißverständlich zum Ausdruck gebracht.. Darüber hinaus hat er eine&#13;
Reihe von - unserer Ansicht nach zumindest bemerkenswerten - Maßnahmen&#13;
im Wege von Sanktionen ergriffen, die&#13;
sich primär auf militärische Angelegenheiten beziehen, aber auch auf&#13;
hochrangige Besuche und Austauschprogr,imme. Ich möchte auf diese lange&#13;
Liste von Sanktionen nicht im einzelnen eingehen.&#13;
Meiner Ansicht nach - die sicherlich von vielen Amerikanern geteilt&#13;
wird - versteht kein gewählter Regierungsvertreter&#13;
in den Vereinigten&#13;
Staaten China besser als der Präsident der Vereinigten Staaten, der&#13;
seinem Land in China mehrere Jahre&#13;
&#13;
lang gedient hat. Aus meiner Sicht&#13;
stand und steht er an erster Stelle&#13;
der Staats- und Regierungschefs der&#13;
Welt im Hinblick auf seine Worte und&#13;
Taten zu dieser Tragödie. Natürlich&#13;
sind wir uns des Wunsches gewählter&#13;
Regierungsvertreter bewußt, zu diesem&#13;
Thema Stellung nehmen und abstimmen&#13;
zu wollen, aber wir sind der festen&#13;
Überzeugung, daß die Führungsrolle in&#13;
diesem Fall bei der Regierung und damit beim Präsidenten der Vereinigten&#13;
Staaten als Oberbefehlshaber und als&#13;
jemandem liegen sollte, der in China&#13;
betreffende Angelegenheiten bestens&#13;
versiert ist.&#13;
Frage: Wird der Präsident sein Veto gegen dieses Maßnahmenpaket einlegen?&#13;
Antwort:&#13;
Das ist noch nicht endgültig entschieden, da wir bisher&#13;
versucht haben, gemeinsam mit dem&#13;
Kongreß eine Erklärung auszuarbeiten,&#13;
die dem Wunsch des Kongresses Rechnung trägt, zu diesem Thema Stellung&#13;
zu nehmen und abzustimmen, die aber&#13;
gleichzeitig die von uns notwendig&#13;
erachtete Flexibilität des Präsidenten gewährleistet, auf die jeweilige&#13;
Situation zu reagieren.&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie einen reibungslosen Verlauf des Gipfeltreffens&#13;
bezüglich&#13;
der&#13;
Wirtschaftsfragen?&#13;
"Super 301" hat meiner Ansicht nach&#13;
viel Ärger hervorgerufen - das ist&#13;
der den Handel betreffende Teil. Der&#13;
von Handelsminister Brady vorgelegte&#13;
Plan zur Behebung der Schuldenkrise&#13;
der Dritten Welt ist von den Banken den Handelsbanken - nicht uneingeschränkt&#13;
angenommen&#13;
worden.&#13;
Und&#13;
drittens hat es bei der OECD den Anschein, als ob die G-7 unterschiedliche Ansichten zur Inflation hätten.&#13;
Werden sich diese Probleme beim Gipfeltreffen alle in Wohlgefallen auflösen, oder werden wir noch mehr darüber hören?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, ich denke, all das&#13;
wird beim Gipfel Gestalt annehmen,&#13;
obwohl wir abwarten und beobachten&#13;
müssen, wie sich die Dinge entwik-&#13;
&#13;
- 3-&#13;
&#13;
�kein. Meiner Ansicht nach wird es wie meist bei diesen Gipfeltreffen lebhafte Diskussionen geben. Es ist&#13;
nicht alles schon "vorgekaut", wie&#13;
einige behaupten. Es wird sicherlich&#13;
eine eingehende Erörterung der Schuldenkrise der Dritten Welt und makroökonomischer&#13;
politischei&#13;
Maßnahmen&#13;
geben.&#13;
Die kontinuierliche Bekämpfung der Inflation ist von vorrangiger Bedeutung, muß aber immer gegen&#13;
die Aufrechterhaltung und Erweiterung&#13;
einer produktiven Weltwirtschaft abgewogen werden.&#13;
Diese Themen werden sicherlich&#13;
erörtert werden. Ein weiteres Thema&#13;
ist zweifelsohne die erneute Ankurbelung des Koordinierungsprozesses der&#13;
Wirtschaftspolitik.&#13;
Ich kann Ihnen&#13;
hier natürlich nicht felsenfest versichern, daß sich keine weiteren Differenzen ergeben werden, weder auf&#13;
der politischen noch auf der wirtschaftlichen Seite. Aber ich denke,&#13;
die Meinungsverschiedenheiten werden&#13;
wie bisher beigelegt werden.&#13;
Frage:&#13;
Sie sagten, der Präsident&#13;
besitze umfassende Kenntnis der chinesischen Angelegenheiten, sei aber&#13;
von den Entwicklungen und der Härte&#13;
der Reaktion auf die prodemokratischen Proteste überrascht gewesen.&#13;
Wie schätzt er die heutige Lage ein?&#13;
Stimmt es, daß die chinesische Führung die totale Kontrolle Chinas um&#13;
jeden Preis übernehmen will und es&#13;
offensichtlich ist, daß wir bisher&#13;
keinen großen Eindruck hinterlassen&#13;
haben.&#13;
Können wir überhaupt etwas&#13;
bewirken? Und ist es so wichtig, daß&#13;
wir weiterhin diplomatische Beziehungen mit China auf höchster Ebene unterhalten, während China die Unterdrückung fortsetzt?&#13;
Antwort:&#13;
Der Grundsatz der Menschenrechte, zu dem ich mich noch&#13;
kürzlich bekannt habe, muß ein Grundprinzip unserer Außenpolitik sein.&#13;
Das war, ist und wird meiner Ansicht&#13;
nach auch in ferner Zukunft der Fall&#13;
sein.&#13;
Es ist ein außerordentlich&#13;
wichtiger Grundsatz.&#13;
Aber es ist&#13;
nicht der einzige Grundsatz, von dem&#13;
&#13;
unsere Außenpolitik geleitet ist. Es&#13;
kann und darf nicht der einzige&#13;
Grundsatz sein, der das Ausmaß der&#13;
Reaktion der Vereinigten Staaten auf&#13;
eine Situation wie diese bestimmt.&#13;
Wenn wir das Verhältnis für wichtig erachten und es zu bewahren suchen, dann heißt das noch nicht, um&#13;
jeden Preis, und es ist nicht nur aus&#13;
wirtschaftlichen Gründen wichtig. Es&#13;
hat Bedeutung für die Wirtschaft: soviel ist klar. Aber es ist auch unter geopolitischen und geostrategischen Gesichtspunkten wichtig.&#13;
Frage:&#13;
Sie erklärten, der Präsident habe seine Empörung unmißverständlich&#13;
zum&#13;
Ausdruck&#13;
gebracht.&#13;
Meiner Ansicht nach hat er sich jedoch nicht im einzelnen zu den Exekutionen geäußert.&#13;
Antwort: Er hat die Ereignisse auf&#13;
dem Platz des Himmlischen Friedens&#13;
verurteilt. Ich kann mit Sicherheit&#13;
sagen, daß wir vom Podium des Außenministeriums entsprechende Erklärungen abgegeben haben. Auch ich habe&#13;
mich bei zahlreichen Gelegenheiten&#13;
dazu geäußert. Ich kann Ihnen nicht&#13;
mehr genau sagen, wo und wann der&#13;
Präsident seine Empörung zum Ausdruck&#13;
gebracht hat. Ich möchte jedoch im&#13;
Namen der gesamten Administration erklären, daß wir die Ereignisse auf&#13;
dem Tiananmen-Platz verurteilen. Wir&#13;
möchten, daß man sich im Hinblick auf&#13;
die Bestrafung Beschränkungen auferlegt. Und wir verurteilen die Bestrafung derjenigen, die nichts anderes tun, als ihre grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten auszuüben.&#13;
Frage:&#13;
Vor kurzem war Mr. Hawke&#13;
hier und hat den Begriff Barberei benutzt. Er hat an die Emotionen appelliert. Weder Sie noch der Präsident scheinen das tun zu wollen.&#13;
Antwort: Wir werden keine flammende Rhetorik benutzen. Wenn es Leute&#13;
gibt, die das von uns verlangen, so&#13;
steht ihnen das zu. Aber wir haben&#13;
nicht die Absicht, weil eine maßvolle&#13;
Antwort unserer Ansicht nach das&#13;
&#13;
�richtige ist. Das Ereignis fordert&#13;
eine Antwort, die unsere Empörung unmißverständlich zum Ausdruck bringt,&#13;
aber nicht zu einer stark emotionalisierten Reaktion führt, in der flammende Rhetorik eine Rolle spielt.&#13;
Und damit gehen Sanktionen in angemessener Form einher. Diese Punkte&#13;
haben wir auch verwirklicht.&#13;
Frage: Wird damit nicht das politische Problem geschaffen, das jetzt&#13;
mit den Kongreßabgeordneten zutage&#13;
tritt, die eine Resolution mit scharfen Formulierungen verabschieden wollen?&#13;
Und werden Sie damit nicht in eine Rolle gedrängt, in der sie die&#13;
Kontrolle verlieren könnten, indem&#13;
sich möglicherweise beide Kammern des&#13;
Kongresses für eine Resolution aussprechen, gegen die Sie ihr Veto einlegen müssen?&#13;
Antwort: Manchmal ist der richtige&#13;
Kurs nicht unbedingt der politisch&#13;
populäre Kurs.&#13;
Frage: Wie soll er denn aussehen?&#13;
Antwort: Wir sind auf dem richtigen Kurs. Unserer Ansicht nach ist&#13;
dies aus außenpolitischer Sicht ganz&#13;
klar die richtige Maßnahme. Und offen gesagt - ich glaube, in diesem&#13;
Land gibt es viele Leute, die eingehend über die Situation nachdenken&#13;
und mit uns übereinstimmen.&#13;
Frage: Wie ist der Stand der Diskussionen mit den führenden Politikern auf dem Capitol Hill zu diesem&#13;
Problem?&#13;
Antwort:&#13;
Die erste Frage lautete:&#13;
Können wir die vorgeschlagene Gesetzesänderung insgesamt unterstützen?&#13;
Und darauf habe ich geantwortet: In&#13;
ihrer gegenwärtigen Form können wir&#13;
sie nicht unterstützen.&#13;
Und eine&#13;
weitere Frage lautete:&#13;
Heißt das,&#13;
Sie würden dagegen Ihr Veto einlegen?&#13;
Worauf ich geantwortet habe: So weit&#13;
sind wir noch nicht, aber ich habe&#13;
erklärt, wir können sie nicht unter-&#13;
&#13;
stützen. Es gibt einige Punkte in&#13;
der Änderung, die unsere Zustimmung&#13;
finden.&#13;
In der Änderung wird klar&#13;
zum Ausdruck gebracht, daß die Vereinigten Staaten bei solchen - wichtigen außenpolitischen - Angelegenheiten einmütig sprechen und der Präsident die Führungsrolle und die Flexibilität haben sollte, auf eine ihm&#13;
angemessen erscheinende Art und Weise&#13;
zu reagieren. Diese Erklärung in der&#13;
gegenwärtigen Form der Änderung wird&#13;
gerade erwogen. Aber es gibt darin&#13;
noch andere Punkte, denen wir nicht&#13;
zustimmen können.&#13;
Frage: Wenn Sie flammende Rhetorik&#13;
vermeiden, ziehen Sie dann langfristig die Möglichkeit in Betracht, daß&#13;
Gorbatschow nicht überleben wird, andere Leute wie etwa die alten Konservativen an die Macht kommen und dami t&#13;
mit China das alte Dreiecksverhältnis&#13;
wie unter Nixon-Kissinger wieder Bedeutung erlangt?&#13;
Antwort: Meiner Ansicht nach haben&#13;
wir es nicht damit zu tun, daß China&#13;
dem Beispiel der Sowjetunion folgt.&#13;
Hier liegt nicht das Problem, sondern&#13;
es ist vielschichtiger.&#13;
Frage:&#13;
Die Solidarität hat einen&#13;
Appell an den Westen gerichtet, in&#13;
den nächsten Jahren Hilfe in Höhe von&#13;
10 Milliarden Dollar zu leisten.&#13;
Dies scheint die Summe dessen, was&#13;
einige Politiker des Bündnisses zu&#13;
leisten bereit sind, erheblich zu&#13;
übersteigen.&#13;
Gibt es Konfliktstoff&#13;
im Hinblick darauf, was die Polen&#13;
gern hätten und was der Westen zu tun&#13;
bereit ist, um Polen zu helfen?&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, ob ich&#13;
das Konfliktstoff nennen würde. Natürlich möchte Polen, daß wir alles&#13;
in unserer Macht Stehende tun, und&#13;
wir wollen auch das tun, was möglich&#13;
ist. In der Größenordnung, von der&#13;
Sie sprechen, ist das jedoch gegenwärtig kaum möglich. Dazu möchte ich&#13;
sagen, daß wir unter keinen Umständen&#13;
die Fehler der siebziger Jahre wiederholen wollen, in denen wir viele&#13;
Kredite mit zahlreichen Konzessionen&#13;
&#13;
�und Subventionen gewährt haben, ohne&#13;
daß damit angemessene Reformen in der&#13;
Wirtschaft einhergegangen wären. Und&#13;
infolgedessen werden sie jetzt von&#13;
einer großen Schuldenlast niedergedrückt, und es hat ihnen nicht zu einer marktwirtschaftlich orientierten&#13;
Wirtschaft verholfen.&#13;
&#13;
angedeutet habe,, mit Osteuropa befassen wird, weiß ich nicht, warum wir&#13;
nicht auch darüber sprechen sollten,&#13;
was dort getan werden kann. Liberalere Bedingungen im Pariser Club sind&#13;
eine Form der Erleichterung. Es ist&#13;
sicherlich eine Erleichterung für den&#13;
Kapitalfluß.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Welche Ziele verfolgt&#13;
Präsident mit seinem Besuch dort?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Aber bestehen nicht Meinungsverschiedenheiten zwischen Ihnen&#13;
und den anderen Mitgliedern des Pariser Clubs? Besteht nicht die Schwierigkeit, daß diese liberalere Auffassungen vertreten als Sie?&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Sicherlich&#13;
verfolgt&#13;
er&#13;
welche, aber die muß er selbst darlegen. Das ist insbesondere so weit im&#13;
Vorfeld der Reise nicht meine Aufgabe.&#13;
Frage:&#13;
Würden Sie bei Gesprächen&#13;
mit Ihren Amtskollegen eine Art von&#13;
Schuldennachlaß unterstützen?&#13;
Oder&#13;
erschöpft sich bei der Frage ihrer&#13;
Schulden unsere Bereitschaft bereits&#13;
in den Konzepten der Hamtramck-Rede,&#13;
das heißt, mit eienr Art Umschuldung?&#13;
Ich denke, die meisten Schulden&#13;
werden von den deutschen Banken getragen, nicht so sehr von amerikanischen.&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, wieviel&#13;
Prozent die amerikanischen Banken genau tragen, aber die Schulden sind&#13;
offiziell bekannt. Beim Gipfel von&#13;
Toronto sind die sieben Industrieländer zusammengekommen und haben den&#13;
armen Ländern südlich der Sahara einige recht liberale Bedingungen und&#13;
einen sehr großen Schuldennachlaß gewährt.&#13;
Ich weiß nicht, ob es bei&#13;
diesem Gipfel ähnlich geartete Vorschläge geben wird, und mit meinem&#13;
Hinweis darauf will ich nicht sagen,&#13;
daß es welche geben wird.&#13;
Wir haben vor kurzem ein Gesetz&#13;
verabschiedet, dessen Abschnitt 572&#13;
es den Vereinigten Staaten gestattet,&#13;
in besonderen Fällen einen Schuldennachlaß zu gewähren.&#13;
Das bezieht&#13;
sich jedoch nicht auf Schulden wie&#13;
bei der Export-Import-Bank.&#13;
Aber&#13;
Schuldennachlaß wird ganz sicher eines der wichtigsten Themen sein, die&#13;
wir beim Gipfel erörtern werden, und&#13;
da sich der Gipfel, wie ich bereits&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich bin nicht sicher, ob&#13;
ihre Äußerungen zum Pariser Club zutreffend sind. Es bestehen geringfügige&#13;
Meinungsverschiedenheiten,&#13;
ob&#13;
Kredite der Weltbank erst nach Beendigung eines IWF-Programms gewährt&#13;
werden sollten, aber was den neuen&#13;
Zeitplan des Pariser Clubs im Hinblick auf den technischen Ablauf betrifft, könnte es Differenzen geben.&#13;
Das ist normal.&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Könnten Sie uns den Punkt&#13;
erläutern, an dem Sie und andere&#13;
Wirtschaftspartner sich zur Zeit befinden?&#13;
Antwort:&#13;
Warum befragen Sie dazu&#13;
nicht morgen Minister Brady, der darüber besser Bescheid weiß.&#13;
Es hat&#13;
täglich damit zu tun. Ich möchte dazu nur sagen, daß wir - gemäß den&#13;
Äußerungen des Präsidenten in seiner&#13;
Hamtramck-Rede - einen neuen liberalen Zeitplan im Pariser Club befürworten und nicht auf vorheriger Beendigung eines IWF-Programms bestehen&#13;
werden - was normalerweise unseren&#13;
Gepflogenheiten wie auch den aller&#13;
anderen Mitglieder des Pariser Clubs&#13;
entspricht.&#13;
Frage:&#13;
Besteht&#13;
die&#13;
Möglichkeit,&#13;
daß die Gipfelländer sich auf einen&#13;
umfassenderen Plan zur Hilfe für Osteuropa einigen, oder sind Sie der Ansicht, daß jedes Land eigene Maßnahmen ergreifen wird, um Osteuropa Hilfe zu gewähren?&#13;
&#13;
•&#13;
*&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
Ich&#13;
hoffe und wünsche&#13;
mir, daß es allgemeine Grundsätze&#13;
giht, an die sich alle zu halten bereit sind, wie etwa beim Gipfel in&#13;
Toronto zur Kreditvergabe an Osteuropa. Sicherlich hat sich die Situation seit dem Gipfel im Laufe des Jahres verändert. Es mag jedoch Länder&#13;
geben, die auf bilateraler Ebene weitergehen möchten, und das sollten sie&#13;
ruhig tun. Das würde einem allgemeinen Ansatz zu einigen Punkten nicht&#13;
widersprechen. Zum Beispiel ist Polen bei der Bundesrepublik Deutschland besonders hoch verschuldet. Der&#13;
Kredit wurde unter der Bedingung gewährt, daß Polen einigen Deutschen&#13;
die Ausreise gestattet. Und es wird&#13;
erwogen, die Rückzahlung dieses Kredits insgesamt oder in Teilen zu erlassen. Und hier würden andere Länder nicht mitziehen, weil sie nicht&#13;
in derselben Situation sind.&#13;
&#13;
hat meiner Ansicht nach das Gegenteil&#13;
bewirkt. Er hatte sicherlich keine&#13;
positiven Auswirkungen. Als wichtigste Tatsache sollte man sich also bei&#13;
dem Versuch, Ländern zu einer marktwirtschaftlich orientierten Politik&#13;
zu verhelfen, vor Augen führen, daß&#13;
sie selbst bereit sein müssen, die&#13;
notwendigen Reformen durchzuführen,&#13;
die sie auf diesen Weg bringen.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Die Bitte der Solidarität&#13;
um etwa 10 Milliarden Dollar Hilfe&#13;
beruht auf ihrer Einschätzung, daß&#13;
ohne Hilfe in diesem Umfang in Polen&#13;
die&#13;
Situation&#13;
umschlagen&#13;
könnte.&#13;
Sind Sie besorgt darüber, daß der Westen nicht in notwendigem Umfang Hilfe leisten könnte, um die Verschärfung einer politischen Krise in Polen&#13;
zu verhindern?&#13;
Antwort:&#13;
Der Schlüssel ist darin&#13;
zu suchen, daß politische Reformen&#13;
und Wirtschaftsreformen sich nicht&#13;
gleich&#13;
schnell&#13;
vollziehen.&#13;
Das&#13;
trifft für Polen in gleichem Maße zu&#13;
wie für die Sowjetunion und China.&#13;
Das scheint sich als Grundprinzip&#13;
durchgesetzt zu haben. In Polen müssen unbedingt die notwendigen Reformen durchgesetzt werden, um den Weg&#13;
zu einem marktwirtschaftlich orientierten System einschlagen zu können.&#13;
Und wir sollten das auf jede erdenkliche Weise unterstützen. Aber wenn&#13;
wir lediglich Nachlässe gewähren oder&#13;
Kredite mit vielen Konzessionen vergeben, ohne daß damit Reformen einhergehen, bringen wir sie damit nicht&#13;
auf den Weg, den sie einschlagen wollen. Diesen Kurs haben wir in den&#13;
siebziger Jahren verfolgt.&#13;
Und er&#13;
- 7-&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�^J^&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
USA BETONEN BEDEUTUNG VON NUKLEARWAFFEN IN EUROPA&#13;
- Bericht des Verteidungsministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nuklearstreitkräfte in Europa, insbesondere nukleare&#13;
Kurzstreckensysteme (SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer&#13;
Reichweite von unter 500 Kilometern - "spielen nach wie vor eine entscheidende&#13;
Rolle in der Strategie des Bündnisses", erklärte der Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Robert Joseph, in einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats. Dem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge seien Nuklearwaffen in Europa "seit langem als unabdingbar für die Aufrechterhaltung&#13;
der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reaktion und Vorneverteidigung eingestuft worden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amerikanischen Regierungsvertreters im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute&#13;
die Gründe dafür darlegen zu können,&#13;
warum Nuklearstreitkräfte in Europa insbesondere nukleare Kurzstreckenraketen (short-range nuclear forces SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer Reichweite von unter 500 Kilometern - nach wie vor eine entscheidende Rolle in der Strategie des Bündnisses spielen. Wie Sie&#13;
wissen, haben die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfeltreffen im&#13;
vergangenen Monat die Notwendigkeit&#13;
solcher Nuklearstreitkräfte für die&#13;
"absehbare Zukunft" bekräftigt. Aus&#13;
diesem Grund möchte ich unser laufendes Modernisierungsprogramm für nukleare&#13;
Gefechtsfeldwaffen&#13;
(theater&#13;
nuclear forces - TNF) und die besonderen Vorteile der Stationierung dieser Systeme erläutern. Und schließ-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lich möchte&#13;
ich unsere nächsten&#13;
Schritte vor dem Hintergrund des&#13;
jüngsten Gipfeltreffens erörtern. In&#13;
diesem Zusammenhang möchte ich unsere&#13;
Position zu den SNF-Verhandlungen sowie die Herausforderungen darlegen,&#13;
mit denen sich die Vereinigten Staaten bei der Aufnahme von SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion konfrontiert sehen.&#13;
&#13;
Rolle von TNF in der Strategie des&#13;
Bündnisses&#13;
Die Notwendigkeit nuklearer Gefechtsfeldwaffen in Europa - einschließlich SNF-Raketen und Geschützen - ist seit langem als unabdingbar&#13;
für die Aufrechterhaltung der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reak-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tion und Vorneverteidigung eingestuft&#13;
worden. Für die NATO leitet sich die&#13;
Notwendigkeit von Nuklearwaffen nicht&#13;
vornehmlich aus der Existenz der Nuklearwaffen des Warschauer Pakts ab.&#13;
Die Bestandserfordernisse der NATO&#13;
gründen sich vielmehr auf die Bedrohung des Warschauer Pakts insgesamt&#13;
und unsere Analyse dessen, was zur&#13;
Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Abschreckung&#13;
erforderlich ist. Es ist das massive&#13;
Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften zugunsten des Warschauer Pakts, von dem unsere Berechnungen vor allem geleitet sind. Während mit einem Abbau der Bedrohung&#13;
oder der Behebung der heute zwischen&#13;
NATO und Warschauer Pakt bestehenden&#13;
Ungleichgewichte&#13;
die&#13;
Notwendigkeit&#13;
von Nuklearstreitkräften in Europa&#13;
verringert würde, hätte dies jedoch&#13;
keine Auswirkungen auf die Rolle, die&#13;
Nuklearstreitkräfte in unserer Strategie dauerhaft spielen.&#13;
Die nuklearen Gefechtsfeldwaffen&#13;
der NATO leisten einen Beitrag zur&#13;
Abschreckung&#13;
eines&#13;
konventionellen&#13;
Angriffs, indem sie die Planung des&#13;
Warschauer Pakts erschweren und den&#13;
Pakt mit der Aussicht einer Eskalation zu von der NATO festgesetzten&#13;
Bedingungen&#13;
konfrontieren.&#13;
Damit&#13;
tragen sie dazu bei, den Warschauer&#13;
Pakt im unklaren darüber zu lassen,&#13;
wie, wann und wo die NATO auf einen&#13;
Angriff&#13;
reagieren würde.&#13;
Darüber&#13;
hinaus untergraben diese Systeme&#13;
insbesondere SNF - das Vertrauen des&#13;
Warschauer Pakts in die Fähigkeit zur&#13;
Massierung seiner zahlenmäßig überlegenen&#13;
konventionellen&#13;
Streitkräfte&#13;
zum Durchbruch durch die Vorneverteidigung der NATO oder zur Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Stoßkraft eines Angriffs. Zweifelsohne schrecken also&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO den&#13;
Einsatz von Nuklearwaffen des Gegners&#13;
ab, indem sie die Fähigkeit zu entsprechender Reaktion demonstrieren.&#13;
Sollte die Abschreckung versagen,&#13;
würden diese Waffen eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Warschauer Pakt von der Einstellung von Aggression, dem Abzug der Truppen aus&#13;
dem Bündnisgebiet und der Wiederher-&#13;
&#13;
stellung der Abschreckung zu überzeugen. Um dem Gegener jegliches Vertrauen zu nehmen, er könne sein Ziel&#13;
in Form eines Angriffs jedweder Art&#13;
erreichen, ohne einen unannehmbaren&#13;
Tribut zu zahlen, müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO ein breites&#13;
Spektrum von Optionen anbieten, um&#13;
Ziele vom unmittelbaren Gefechtsfeld&#13;
bis in die Tiefe des gegnerischen Gebiets, einschließlich der Sowjetunion, zu treffen.&#13;
Vor diesem Hintergrund vereinbarten die Minister der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO in Montebello im Jahr 1983, den Bestand an&#13;
Atomwaffen in Europa um 1 400 zu reduzieren - im Anschluß an einen ähnlichen, 1979 angekündigten einseitigen Abbau von 1 000 Waffensystemen während sie gleichzeitig übereinkamen, daß die NATO handeln müsse, um&#13;
sicherzustellen, daß die verbleibenden Gefechtsköpfe und ihre Trägersysteme reaktions-, überlebensfähig und&#13;
effektiv sind. Die Minister der NPG&#13;
beauftragten daraufhin den Obersten&#13;
Alliierten&#13;
Befehlshaber&#13;
Europa&#13;
(SACEUR), Empfehlungen zur Durchführung des Montebello-Beschlusses zu&#13;
entwickeln.&#13;
Ich weiß, daß ich hier nicht ins&#13;
Detail der von SACEUR in seiner Studie über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen aus dem Jahr 1985 (NWRS-85)&#13;
gegebenen Empfehlungen gehen muß, die&#13;
dem Ausschuß sicherlich bekannt sein&#13;
dürften. Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, daß SACEUR eine Reihe&#13;
von Modernisierungserfordernissen für&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO im&#13;
einzelnen darlegte - und ich möchte&#13;
betonen, daß es sich hierbei um das&#13;
Jahr 1985 handelte - einschließlich&#13;
eines Nachfolgesystems für die rasch&#13;
veraltende Lance-Rakete (follow-on to&#13;
Lance - FOTL), eine Luft-Boden-Abstandsrakete, mit der die Uberlebensfähigkeit von Mehrzweckkampfflugzeugen gesteigert werden sollte sowie&#13;
moderne nukleare Artilleriegeschosse&#13;
als Ersatz für die derzeitigen veralteten Geschosse, im Verhältnis von&#13;
unter 1 zu 1.&#13;
&#13;
�In unmittelbar vor der Unterzeichnung des INF-Vertrags begonnener&#13;
Arbeit prüfte die NPG, wie die&#13;
NATO-Streitkräfte nach dem INF-Vertrag strukturiert sein sollten. Beim&#13;
Treffen der NPG im April 1988 verabschiedeten&#13;
die&#13;
Minister&#13;
einen&#13;
schrittweisen Ansatz zur Umstrukturierung der Nuklearstreitkräfte der&#13;
NATO im Anschluß an den Abzug der&#13;
INF-Raketen.&#13;
Dabei&#13;
überarbeiteten&#13;
sie den in Montebello gesteckten Rahmen und bekräftigten die anhaltende&#13;
Unterstützung der nationalen Bestrebungen zur Verwirklichung der aus dem&#13;
Montebello-BeSchluß&#13;
resultierenden&#13;
Erfordernisse.&#13;
Um den Konsens der NATO bei der&#13;
weiteren Modernisierung der Nuklearstreitkräfte der NATO zu gewährleisten, überprüfte die NPG dann die&#13;
Rolle von SNF in der Abschreckungsstrategie der NATO.&#13;
Als Ergebnis&#13;
dieser Überprüfung kamen die NPG-Minister bei ihrem Treffen im Oktober&#13;
1988 Uberein, daß die NATO in absehbarer Zukunft unterschiedliche, überlebensfähige und flexibel einsetzbare&#13;
Nuklearstreitkräfte in Europa über&#13;
alle Reichweiten hinweg benötigt,&#13;
einschließlich SNF.&#13;
Im Januar 1989 legte SACEUR dem&#13;
Bündnis die Ergebnisse seiner Studie&#13;
über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen (NWRS-88) vor, in der die Erkenntnisse der NPG über notwendige&#13;
kontinuierliche Modernisierung, insbesondere die Entwicklung einer Tomahawk-Schiffabwehrrakete (Tomahawk anti-ship missile - TASM) und eines&#13;
Nachfolgesystems für die Lance-Rakete&#13;
zur Einführung Mitte der neunziger&#13;
Jahre bestätigt wurden. SACEUR zufolge ist angesichts der derzeitigen&#13;
und zukünftigen Unzulänglichkeiten im&#13;
nuklearen Einsatzkonzept der NATO die&#13;
Stationierung dieser Systeme erforderlich, um das Ausmaß an Sicherheit&#13;
zu gewährleisten, das die Abschrekkung untermauert. NWRS-88 kommt zu&#13;
dem Schluß, daß die Stationierung der&#13;
modernisierten Systeme und die damit&#13;
einhergehende&#13;
Umstrukturierung&#13;
der&#13;
Kurzstreckenrakten der NATO mit einer&#13;
&#13;
Verlagerung auf längere Reichweiten&#13;
das Bündnis in die Lage versetzen&#13;
würde, seinen nuklearen Bestand in&#13;
Europa erheblich zu reduzieren. Und&#13;
schließlich verweist NWRS-88 darauf,&#13;
daß ein Abbau der konventionellen Bedrohung Möglichkeiten für eine weitere Verringerung des nuklearen Bestands der NATO eröffnet, während&#13;
gleichzeitig die Notwendigkeit für&#13;
Uberlebensfähige und operativ flexible SNF aufrechterhalten würde.&#13;
&#13;
Warum die&#13;
lich ist&#13;
&#13;
Modernisierung&#13;
&#13;
erforder-&#13;
&#13;
In absehbarer Zukunft wird unsere&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion weiterhin sowohl konventionelle als auch&#13;
nukleare Waffen erforderlich machen.&#13;
Der Montebello-Beschluß und die jüngsten Arbeiten der NPG und Militärbehörden der NATO, insbesondere SACEURs&#13;
NWRS-88, bieten eine klare Richtlinie&#13;
für die Gewährleistung der dauerhaften Glaubwürdigkeit&#13;
der Abschrekkungsstrategie der NATO mit einem Minimum an Nuklearwaffen.&#13;
Wir sind&#13;
übereingekommen, daß spezifische Entscheidungen unserer Verbündeten heute&#13;
nicht erforderlich sind und eine Entscheidung über die Stationierung des&#13;
FOTL erst 1992 getroffen werden muß.&#13;
Dennoch bleibt die Notwendigkeit für&#13;
FOTL, TASM und ein modernes AFAPS&#13;
heute bestehen, und die NATO-Mitgliedstaaten haben wiederholt und öffentlich - zuletzt beim NATO-Gipfeltreffen im vergangenen Monat - ihre&#13;
kontinuierliche&#13;
Unterstützung&#13;
der&#13;
amerikanischen Bestrebungen bei der&#13;
Erfüllung dieser Anforderungen bekräftigt&#13;
&#13;
FOTL und TASM&#13;
An erster Stelle der Debatte über&#13;
die SNF-Modernisierung steht die seit&#13;
langem erkannte Notwendigkeit für ein&#13;
FOTL. Gelegentlich wurde das Argument vorgebracht, wir sollten versuchen, die Lebensdauer der Lance zu&#13;
verlängern, um die politischen Nachteile der Stationierung eines neuen&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Systems zu vermeiden.&#13;
Das Hauptargument, das hier angeführt werden sollte - das aber nahezu&#13;
immer Übersehen wird - lautet, die&#13;
Lance-Rakete entspricht nicht den Anforderungen der NATO.&#13;
Im Einklang&#13;
mit der Arbeit der NPG hat SACEUR die&#13;
Notwendigkeit einer Boden-Boden-Rakete (surface-to-surface missile - SSM)&#13;
längerer&#13;
Reichweite&#13;
festgestellt.&#13;
Die begrenzte Reichweite der Lance,&#13;
ihr kompliziertes Ladeverfahren und&#13;
die geringe Anzahl von Abschußvorrichtungen, von denen aus die Rakete&#13;
abgefeuert werden kann, sind insgesamt gesehen der Uberlebensfähigkeit&#13;
des Systems in erheblichem Maße abträglich.&#13;
Nachdem ihre Lebensdauer&#13;
bereits einmal verlängert worden ist,&#13;
veraltet die - auf die Technologie&#13;
der sechziger Jahre gegründete&#13;
Lance jetzt rasch. Ein zweites Programm zur Verlängerung der Lebensdauer (service life extension program SLEP) würde diesen Zustand fortsetzen&#13;
und die Abschreckung der NATO unterminieren, indem die Abhängigkeit vom&#13;
Mehrzweckkampfflugzeug (dual capable&#13;
aircraft - DCA) vergrößert würde.&#13;
Daß die DCA auf relativ wenigen&#13;
Stützpunkten in Europa stationiert&#13;
sind, macht sie für Präventivschläge&#13;
des Warschauer Pakts anfällig. Dai—&#13;
über hinaus würde größeres Vertrauen&#13;
auf DCA als nukleares Trägersystem&#13;
bedeuten, daß für konventionelle Operationen weniger Mehrzweckkampfflugzeuge zur Verfügung stünden.&#13;
Verlängerug der Lebensdauer von&#13;
Lance würde uns ferner zwingen, eine&#13;
Streltkräftestruktur aufrechtzuerhalten, die gegebenenfalls anderweitig&#13;
eingesetzt werden könnte. Das FOTL&#13;
wird mit einem Mehrfachraketenwerfersystem (MLRS) bestückt und der entsprechenden Streitkräftestruktur versehen.&#13;
Mit der Beibehaltung der&#13;
Lance würde die Option zunichte gemacht, das für die ausschließlich nuklearfähige Lance eingesetzte Personal zur GrUndung von vier zusätzlichen&#13;
MLRS-Mehrzweckbatai Honen&#13;
zu&#13;
verwenden. Um sich eine Vorstellung&#13;
von der vergeudeten Artilleriefeuer-&#13;
&#13;
kraft machen zu können, sollte man&#13;
bedenken, daß eine Salve von 12&#13;
8-Inch-Raketen&#13;
aus einer MLRS-Abschußvorrichtung der Feuerkraft von&#13;
88 155 mm Haubitzen entspricht. Darüber hinaus ginge die Fähigkeit dieser vier Bataillone verloren, als&#13;
Trägersystem für konventionell bestückte taktische Raketensysteme des&#13;
Heeres (Army tactical missile System&#13;
- ATACMS) für Ziele in der Tiefe des&#13;
gegnerischen Gebiets zu dienen.&#13;
Im Gegensatz dazu wird ein FOTL&#13;
längerer Reichweite - das voll und&#13;
ganz im Einklang mit dem INF-Vertrag&#13;
steht - wichtige Vorteile mit sich&#13;
bringen.&#13;
Eine&#13;
längere Reichweite&#13;
wird natürlich die Zielerfassung in&#13;
der Tiefe des gegnerischen Gebiets im&#13;
Hinblick auf wichtige feste und mobile Ziele verbessern. Darüber hinaus&#13;
wird FOTL den zunehmenden Einsatz der&#13;
NATO DCA für tiefer im gegnerischen&#13;
Gebiet liegende Ziele und bei konventionellen Einsätzen verbessern.&#13;
Es&#13;
wird die Uberlebensfähigkeit der Systeme verbessern, weil es die Rückschlagfähigkeit erhöht und für bessere Flexibilität bei den Einsätzen&#13;
sorgt, wie etwa die Unterstützung angrenzender Truppen.&#13;
Bei den FOTL&#13;
werden MRLS-Abschußvorrichtungen zum&#13;
Einsatz kommen, womit die Möglichkeit&#13;
zu weitverzweigter Stationierung gegeben ist. Damit wird Solidarität im&#13;
Bündnis bekundet und der gemeinsame&#13;
Beitrag und Einsatz aller Mitglieder&#13;
für die Sicherheit des Bündnisses bekräftigt.&#13;
Eine taktische Luft-Boden-Rakete&#13;
für das Mehrzweckkampfflugzeug der&#13;
NATO ist von ebenso entscheidender&#13;
Bedeutung.&#13;
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden angesichts der Beseitigung von INF-Raketen bei der Gewährleistung der Abschreckung und Ankoppelung der Verteidigung Europas an&#13;
die strategischen Streitkräfte der&#13;
Vereinigten Staaten natürlich eine&#13;
größere Rolle spielen. Eine vielfach&#13;
in NATO DCA - wie in den Kampfflugzeugen F-lll, F-15E, F-16 und Tornado&#13;
- stationierte TASM wird die verbesserte Luftverteidigung des Warschauer&#13;
&#13;
�Pakts abwehren und unsere Fähigkeit&#13;
verbessern, stark verteidigte und&#13;
tief im Territorium des Warschauer&#13;
Pakts liegende Ziele zu treffen. Die&#13;
Erweiterung der Reichweite effektiver&#13;
DCA, ihre verbesserte Uberlebensfähigkeit und - mit der Stationierung&#13;
der TASM - stärkere Eindringfähigkeit&#13;
wird die Abschreckung der NATO erheblich verbessern.&#13;
Um termingerechte und angemessene&#13;
Entscheidungen über die Stationierung&#13;
modernisierter&#13;
Systeme&#13;
treffen zu&#13;
können, haben die Vereinigten Staaten&#13;
Mitte des Jahres 1988 Entwicklungsprogramme für FOTL und TASM ins Leben&#13;
gerufen. Sowohl TASM als auch FOTL&#13;
werden erwartungsgemäß der Reichweite&#13;
von SACEUR und den Erfordernissen für&#13;
die Fähigkeit eines Einsatzbeginns&#13;
entsprechen. Ende vergangenen Jahres&#13;
haben die Vereinigten Staaten die Abschußvorrichtung M270 für das MLRS&#13;
des FOTL ausgewählt, und wir untersuchen gegenwärtig für FOTL in Frage&#13;
kommende Raketen, mit dem Ziel einer&#13;
endgültigen Entscheidung bis Mitte&#13;
der neunziger Jahre. Darüber hinaus&#13;
haben die Vereinigten Staaten im November 1988 eine zweite modifizierte&#13;
Version der Kurzstreckenangriffsrakete (SRAM) ausgesucht, die den Erfordernissen der TASM gerecht wird, und&#13;
gegenwärtig&#13;
werden&#13;
Untersuchungen&#13;
über den Aufbau und die Integration&#13;
der TASM durchgeführt.&#13;
Bis heute wurden für die Finanzierung dieser beiden wichtigen Programme nur sehr begrenzte Mittel bereitgestellt.&#13;
Die Mittel für FOTL&#13;
wurden gekürzt. Wir haben 15 Millionen Dollar angefordert und 7,5 Millionen Dollar erhalten.&#13;
Die volle&#13;
Finanzierung für FOTL und TASM in den&#13;
Haushaltsjahren 1990 und 1991 ist&#13;
nicht umfangreich, aber dennoch von&#13;
entscheidender Bedeutung, um die erforderlichen&#13;
Stationierungstermine&#13;
einhalten zu können.&#13;
In&#13;
höchstem&#13;
Maße&#13;
effektive&#13;
SNF-Streitkräfte erfordern, daß die&#13;
älteren nuklearen Artilleriegeschosse&#13;
von 155 mm und 8-Inches kontinuier-&#13;
&#13;
lich durch Geschosse größerer Reichweite und einbebaute moderne Sicherheitsvorkehrungen&#13;
ersetzt&#13;
werden.&#13;
Die Kombination von Alter, schwieriger Monate, unzureichender Sprengkraft&#13;
und der sehr kurzen Reichweite gegenwärtiger Systeme schränken ihre Verwendbarkeit ein. Eine modernisierte&#13;
nukleare Artillerie wird weiterhin&#13;
einen wichtigen Beitrag zur Abschrekkung leisten, einmal indem sie eine&#13;
Gefahr&#13;
für&#13;
führende&#13;
strategische&#13;
Staffeln darstellt und indem sie ein&#13;
sichtbares Zeichen für Zusammenhalt&#13;
im Bündnis setzt.&#13;
In den Wochen vor dem NATO-Gipfel&#13;
der Staats- und Regierungschefs hat&#13;
die Sowjetunion ihre Kampagne zur&#13;
Spaltung des Bündnisses über Fragen&#13;
der Modernisierung und Rüstungskontrolle intensiviert.&#13;
Die NATO demonstrierte&#13;
jedoch&#13;
Geschlossenheit&#13;
und vereinbarte&#13;
ein Gesamtkonzept&#13;
über Rüstungskontrolle und Abrüstung,&#13;
in dem die unerläßliche Rolle nuklearer Waffen in der NATO-Strategie wie&#13;
auch die Verpflichtung der NATO bekräftigt&#13;
wurde,&#13;
ihre&#13;
nuklearen&#13;
Streitkräfte gegebenenfalls auf dein&#13;
neuesten&#13;
Stand&#13;
zu&#13;
halten.&#13;
Die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
der&#13;
NATO-Mitgliedstaaten&#13;
vereinbarten,&#13;
daß land-, see- und luftgestützte Systeme in Europa notwendige Bestandteile des Abschreckungskonzepts der&#13;
NATO sind.&#13;
In diesem Zusammenhang&#13;
hat das Bündnis erneut seine Unterstützung&#13;
für&#13;
amerikanische&#13;
Forschungs- und&#13;
Entwicklungsprogramme&#13;
bekräftigt, mit denen die in Montebello angeregten Bedingungen erfüllt&#13;
werden sollen. Wir haben - wie bereits beim NPG-Treffen im April vereinbart, daß spezifische Entscheidungen über die Stationierung von&#13;
FOTL nicht vor 1992 getroffen werden&#13;
müssen.&#13;
Das Bündnis hat darüber hinaus&#13;
den sehr begrenzten Umfang des von&#13;
der Sowjetunion angekündigten Plans&#13;
zum Abzug von 500 Nuklearwaffen aus&#13;
Osteuropa erkannt, insbesondere, wenn&#13;
man ihn mit der enormen Zahl der noch&#13;
verbleibenden&#13;
Waffen&#13;
vergleicht.&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�Darüber hinaus verblaßt der sowjetische Plan verglichen mit den seit&#13;
1979 von der NATO einseitig aus Europa abgezogenen 2 400 nuklearen Waffen&#13;
- dem Fünffachen der von den Sowjets&#13;
angekündigten Zahl.&#13;
Angesichts der&#13;
massiven Überlegenheit des Warschauer&#13;
Pakts bei den SNF - das Ergebnis eines aggressiven jahrzehntelangen Modernisierungsproramms - hat das Bündnis die Sowjetunion aufgefordert, ihre Kurzstreckenraketensysteme einseitig zu reduzieren.&#13;
&#13;
barungen bieten eine solide Grundlage&#13;
für die Aufrechterhaltung militärischer Stärke und politischer Solidarität, wie sie für die Sicherheit des&#13;
Bündnisses entscheidend sind.&#13;
Auch&#13;
im Hinblick auf die SNF-Verhandlungen, von denen man glaubte, sie würden zu einem "gescheiterten" Gipfel&#13;
führen, ist das Bündnis zu einem außergewöhnlichen Konsens über die angemessene Rolle und den Stellenwert&#13;
der Rüstungskontrolle in unserer Sicherheitspolitik gelangt.&#13;
&#13;
Schließlich hat das Bündnis auch&#13;
seine Prioritäten in der Rüstungskontrolle dargelegt. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO stehen weiterhin zu ihren 1987 in Reykjavik zur&#13;
Rüstungskontrolle vereinbarten Zielsetzungen und haben darüber hinaus&#13;
bekräftigt, daß die Behebung des konventionellen&#13;
Ungleichgewichts&#13;
zwischen NATO und Warschauer Pakt - und&#13;
damit der wichtigsten Bedrohung für&#13;
die Sicherheit in Europa - weiterhin&#13;
in Europa für das Bündnis erste Priorität hat. Angesichts der Tatsache,&#13;
daß die überwiegenden konventionellen&#13;
Streitkräfte des Warschauer Pakts der&#13;
Hauptbeweggrund für die Stationierung&#13;
von&#13;
NATO-Kurzstreckensystemen&#13;
ist,&#13;
sind&#13;
wir&#13;
übereingekommen,&#13;
daß&#13;
SNF-Verhandlungen zur Erlangung einer&#13;
teilweisen Reduzierung der Zahl amerikanischer und sowjetischer landgestützter&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
auf&#13;
gleiche und verifizierbare Niveaus&#13;
unter dem gegenwärtigen Stand in der&#13;
NATO nur Sinn haben, wenn ein Abkommen zur Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa Anwendung findet. Das Bündnis erkennt den&#13;
Grundsatz der SNF-Verhandlungen an,&#13;
schließt eine "dritte Null-Lösung"&#13;
aus und vereinbart, daß ausgehandelte&#13;
Reduzierungen nicht verwirklicht werden, bis die Ergebnisse der KSE-Verhandlungen durchgeführt worden sind.&#13;
Damit liegt die noch zu leistende Arbeit bei den gegenwärtig in Wien&#13;
stattfindenden&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE).&#13;
&#13;
Wenn wir über die KSE-Verhandlungen hinaus die Möglichkeit amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen über&#13;
SNF ins Auge fassen, müssen wir die&#13;
Herausforderungen kennen, die sich&#13;
uns stellen.&#13;
&#13;
Die beim Gipfel erzielten Verein-&#13;
&#13;
Verhandlungen - ob sie nun Löhne&#13;
und Gehälter, Zölle oder Rüstungen&#13;
betreffen - sind immer am erfolgreichsten, wenn alle Verhandlungspartner&#13;
gleiche&#13;
Ziele&#13;
verfolgen.&#13;
Leider ist dies bei NATO und Sowjetunion zum Thema Kurzstreckenraketen&#13;
nicht der Fall.&#13;
Die Sowjets haben&#13;
ein Endziel vor Augen - die Entnuklearisierung Europas.&#13;
Angesichts der&#13;
Rolle, die Nuklearwaffen bei der Erhaltung der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion spielen, müssen wir eine Entnuklearisierung Europas vermeiden, mit der die Glaubwürdigkeit der&#13;
Abschreckung ausgehöhlt und die NATO&#13;
verwundbar würde (auch angesichts erheblicher Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften des Warschauer Pakts). Das wird nicht einfach sein, da die Vorschläge einer&#13;
"dritten Null-Lösung" aus vielfältigen politischen und technischen Gründen auf viele einen großen Reiz ausüben. Das Bündnis muß entschlossen&#13;
zusammenstehen, damit die gegenwärtigen Verhandlungen zur Finanzierung&#13;
unserer Sicherheit nicht den gegenteiligen Effekt haben.&#13;
Darüber hinaus sind insbesondere&#13;
die in wirksam verifizierbaren Begrenzungen für SNF immanenten Schwierigkeiten entmutigend.&#13;
Die Systeme&#13;
sind klein, sehr mobil und sowohl nu-&#13;
&#13;
�klear wie auch nichtnuklear einsetzbar. Mit dem Versuch, die sich mit&#13;
den Mehrzwecksystemen stellenden Herausforderungen&#13;
durch&#13;
Abbau&#13;
aller&#13;
SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
zu&#13;
lösen,&#13;
würden unsere konventionellen Fähigkeiten&#13;
unannehmbar&#13;
eingeschränkt.&#13;
Mit der Ausstattung unserer SNF-Systeme mit "außen sichtbaren Unterscheidungen" würde die Uberlebensfähigkeit der Systeme geschwächt und&#13;
nichts getan, um unsere Verifizierungsprobleme im Hinblick auf sowjetische SNF-Systeme zu lösen. Darüber&#13;
hinaus bleibt immer noch das Problem&#13;
der Verifizierung von Begrenzungen&#13;
von Kurzstreckenraketen bestehen, die&#13;
leicht auf SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
umgeladen werden können. Wir müssen&#13;
sicherlich die Verifizierungslektion&#13;
der KSE berücksichtigen, bevor wir&#13;
erwägen, wie wir Systeme wirksam verifizieren und mögliche Fehlerquellen&#13;
ausschalten können.&#13;
&#13;
strebungen zur Spaltung des Bündnisses fortführen, wie sie das auch vor&#13;
dem Gipfel dokumentiert hat. Die Bewahrung von Einigkeit unter 16 souveränen Staaten ist unter keinen Umständen eine leichte Aufgabe. Aber&#13;
ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis, wie bereits zu Beginn der achtziger Jahre angesichts sowjetischer&#13;
Versuche, es über die INF-Stationierungen zu entzweien, denselben Mut&#13;
und dieselbe Entschlossenheit an den&#13;
Tag legen wird, um seine Freiheit zu&#13;
bewahren.&#13;
&#13;
Darüber hinaus besteht die Gefahr, daß es angesichts unserer prinzipiellen Zustimmung zu SNF-Verhandlungen unter bestimmten Umständen für&#13;
das Bündnis politisch schwierig sein&#13;
wird, die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu ergreifen, um die&#13;
anhaltende&#13;
Glaubwürdigkeit&#13;
unseres&#13;
Abschreckungskonzepts zu gewährleisten. Ich bin sicher, daß der Warschauer Pakt nicht dieselben politischen Schwierigkeiten hat wie der Westen und sein Modernisierungsprogramm&#13;
fortführen wird.&#13;
Das Bündnis&#13;
wie&#13;
auch der Kongreß bei seiner Abstimmung über den Verteidigungshaushalt&#13;
für das Finanzjahr 1990 - muß sich&#13;
vor Augen führen, daß keine Modernisierung dieselben Auswirkungen haben&#13;
wird wie das Akzeptieren einer dritten Null-Lösung.&#13;
Abschließend möchte ich nochmals&#13;
auf den Umfang hinweisen, in dem sich&#13;
die NATO-Regierungen über die absolute Notwendigkeit effektiver und moderner&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
einig&#13;
sind, mit denen unsere vereinbarte&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion gestützt wird.&#13;
Die Sowjetunion wird&#13;
natürlich erwartungsgemäß ihre Be- 7 -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�:eOSK&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Wirtschaft&#13;
&#13;
^rioN&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der Gesamtindex der führenden Konjunkturindikatoren, mit dem sich Prognosen zur&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung aufstellen lassen, ist im Mai gefallen. Berichten des Handelsministeriums zufolge ist dies das dritte Mal in den&#13;
letzten vier Monaten.&#13;
Der Index fiel im Mai um 1,2 Prozent, wobei 9 der 11 Indikatoren zu&#13;
dem Rückgang beitrugen, erklärte das&#13;
Ministerium am 28. Juni 1989.&#13;
Seit Beginn des Jahres 1989 stieg&#13;
der Index im Januar um 0,8 Prozent,&#13;
ging im Februar um 0,4 Prozent und im&#13;
März um 0,6 Prozent zurück, stieg im&#13;
April um 0,6 Prozent und sank dann im&#13;
Mai um 1,2 Prozent.&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Der Index parallel zur Konjunkturentwicklung erstellter Indikatoren, der anhaltende wirtschaftliche&#13;
Aktivitäten widerspiegelt, fiel im&#13;
Mai um 0,2 Prozent, nachdem er im&#13;
April um 0,4 Prozent gestiegen und im&#13;
März um 0,2 Prozent gesunken war.&#13;
Der Pressesprecher des Weißen&#13;
Hauses, Marlin Fitzwater, kommentierte diese Zahlen mit den Worten: "Die&#13;
Wirtschaft ist gesund und wächst&#13;
langsamer, was einen geringeren Druck&#13;
auf die Inflation und die Zinssätze&#13;
bedeutet, und wir sind immer noch der&#13;
Ansicht, daß die Wirtschaft in guter&#13;
Verfassung ist."&#13;
Folgende Indikatoren trugen zu&#13;
den von April bis Mai rückläufigen&#13;
Leitindi zes bei:&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�-&#13;
&#13;
Die Geldmenge (in Dollar von 1982&#13;
gerechnet) ging von 2,41 Billionen Dollar auf 2,39 Billionen&#13;
Dollar zurück.&#13;
&#13;
Beim Index für Baugenehmigungen&#13;
war ein Anstieg von 106,4 auf&#13;
107,4 zu verzeichnen.&#13;
&#13;
Der Preisanstieg hei konjunkturabhängigem Gütern ging von 0,8&#13;
auf 0,52 Prozent zurück.&#13;
&#13;
Darby prognostiziert anhaltende Expansion der amerikanischen Wirtschaft&#13;
&#13;
Der Index der Verbrauchererwartungen sank von 83,2 auf 80,1&#13;
Punkte.&#13;
Der Anteil der Lieferanten mit&#13;
Lieferschwierigkeiten&#13;
(was&#13;
auf&#13;
eine gestiegene Nachfrage hindeutet) nahm von 53,2 auf 49,3 Prozent ab.&#13;
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Arbeitnehmer in der&#13;
verarbeitenden Industrie ging von&#13;
41,2 auf 41,0 Stunden zurück.&#13;
Kaufverträge und Aufträge für Gewerbebetriebe und Maschinen gingen (in Dollar von 3 982) von 48,9&#13;
Milliarden Dollar auf 46,15 Milliarden Dollar zurück.&#13;
Die Zunahme beim Rückstand der&#13;
nicht ausgeführten Bestellungen&#13;
von langlebigen Verbrauchsgütern&#13;
(in Dollar von 1982) sank von&#13;
2,69 Milliarden Dollar auf 2,26&#13;
Milliarden Dollar.&#13;
Die durchschnittliche Zahl erstmaliger Anträge auf staatliche&#13;
Arbei tslosenunterstütznng&#13;
stieg&#13;
von 299 000 auf 312 000 pro Woche.&#13;
Die Zahl neuer Aufträge der Hersteller für Verbrauchsgüter und&#13;
Maschinenen fiel (in Dollar des&#13;
Jahres 1982) von 89,75 Milliarden&#13;
Dollar auf 88,01 Milliarden Dollar.&#13;
&#13;
Zwei Indikatoren hatten positive Auswirkungen auf den Leitindex:&#13;
Der Index für den Preis von 500&#13;
Stammaktien stieg von 302,25 auf&#13;
313,93.&#13;
&#13;
Dem Staatssekretär für Handel und&#13;
Wirtschaft, Michael Darby, zufolge&#13;
können weder Indikatoren für eine Rezession noch für eine Konjunkturüberhitzung oder Inflation der amerikanischen Wirtschaft beobachtet werden.&#13;
Die führenden Konjunkturindikatoren der Regierung, die im Mai um 1,2&#13;
Prozent fielen, decken sich mit anderen Anzeichen für eine Verlangsamung&#13;
des Wirtschaftswachstums auf ein gemäßigteres Niveau, erklärte Darby am&#13;
28. Juni 1989 vor Journalisten.&#13;
Dank der Anwendung einer restriktiveren Geldpolitik im Verlauf der&#13;
letzten beiden Jahre zur Ermutigung&#13;
eines gemäßigteren Wachstums hat die&#13;
amerikanische Bundesbank dieses Ziel&#13;
erreicht, so Darby.&#13;
Darby schrieb den jüngst gestiegenen Verbraucherprei.sindex (CPI) dem&#13;
Ansteig der Ölpreise und den Auswirkungen der Dürre des Jahres 1988 zu.&#13;
Mit Ausnahme von Lebensmitteln und&#13;
Treibstoff ist der CPI im Fallen begriffen.&#13;
"Angesichts der von der amerikanischen Bundesbank seit 1987 verfolgten Politik gibt es keine Gründe für&#13;
eine anhaltende Inflation", erklärte&#13;
Darby.&#13;
Darby zufolge zielt die Politik&#13;
der Bush-Administration auf einen Abbau der Inflation und letztlich deren&#13;
vollständige&#13;
Beseitigung&#13;
ab.&#13;
Er&#13;
sieht keine Diskrepanz zwischen der&#13;
amerikanischen Position zur Inflation&#13;
und der Position der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten,&#13;
die sich aus dem Weltwirtschaftsgipfel in Paris im Juli ergeben könnte.&#13;
Obwohl&#13;
&#13;
- 2&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Dollardevisenkurs&#13;
&#13;
in&#13;
&#13;
�den vergangenen Monaten einen höheren&#13;
Wert erzielt hat, prognostiziert Darby eine weitere Ahnahme des amerikanischen Handelsdefizits.&#13;
Das Handelsdefizit spiegelt den&#13;
Zufluß ausländischen Kapitals in die&#13;
Vereinigten Staaten wider, so Darby.&#13;
Er beschrieb den jüngsten Anstieg der&#13;
Sparrate bei Privatkonten als positiv&#13;
für die internationale Bilanz der&#13;
Vereinigten Staaten.&#13;
Um die nationalen Spareinlagen&#13;
aufzustocken, ist es der Regierung&#13;
Darby zufolge gelungen, die Ausgaben&#13;
der öffentlichen Hand im Verhältnis&#13;
zum Bruttosozialprodukt zu senken.&#13;
Dieser Prozentsatz entspricht heute&#13;
dem der wichtigsten Handelspartner&#13;
der Vereinigten&#13;
Staaten, erklärte&#13;
Darby.&#13;
Der Abbau der Staatsausgaben müßte Darby zufolge fortgesetzt, dürfe&#13;
aber nicht "übereilt" werden.&#13;
"Ein gemäßigtes Tempo&#13;
richtige Gangart", so Darby.&#13;
&#13;
ist&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
- 3&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. July 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
'DUNKLER FLECK" IN TURBULENTER NEPTUN-ATMOSPHÄRE&#13;
(AD) - Die unbemannte amerikanische Forschungssonde VOYAGER 2, der&#13;
wichtige Erkenntnisse über die Planeten Jupiter, Saturn und Uranus zu&#13;
verdanken sind, hat ihr nächstes&#13;
Ziel, den Planeten Neptun, schon seit&#13;
einem Jahr avisiert. Am 25. August&#13;
1989 wird sie ihn im Abstand von nur&#13;
5 000 km passieren.&#13;
Gespannt warten die Wissenschaftler auf Bilder und Meßdaten aus der&#13;
Nähe. Denn die Fernsehaufnahmen, die&#13;
VOYAGER 2 in den letzten Wochen z.B. im Mai dieses Jahres aus 135&#13;
Millionen km Entfernung - von Neptun&#13;
übermittelte, werfen schon jetzt neue&#13;
Fragen auf. So gibt es noch keine&#13;
Erklärung dafür, weshalb die Atmosphäre dieses zweitletzten Außenplaneten in unserem Sonnensystem so turbu-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lent ist. Darauf lassen jedenfalls&#13;
die immer wieder auftretenden und&#13;
verschwindenden hellen und dunklen&#13;
Regionen in der Atmosphäre schließen.&#13;
Schließlich erhält Neptun (Durchmesser:&#13;
50 000 km, Rotationszeit 18&#13;
Stunden) infolge seiner großen Entfernung von unserem Zentralgestirn&#13;
nur ein Tausendstel der Sonnenenergie, die die Atmospäre der Erde in&#13;
Bewegung hält.&#13;
Seit Anfang Juni wird der Planet&#13;
in Rotation zu jeweils einem Fünftel&#13;
erfaßt.&#13;
Ähnlich wie bei Jupiter&#13;
fällt eine ringartige Struktur der&#13;
Atmosphäre auf, und ähnlich wie bei&#13;
Jupiter zeigt sich in der Atmosphäre&#13;
ein langgestreckter dunkler Fleck.&#13;
Im Vergleich zur Größe des Planeten&#13;
entspricht seine Ausdehnung der des&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�"Roten Flecks" in der Jupiteratmosphäre. Wie "Aviation Week &amp; Space&#13;
Technology" (Ausgabe v. 26. Juni&#13;
1989) berichtet, wird auf Grund der&#13;
unterschiedlichen&#13;
Sichtbarkeit&#13;
bei&#13;
Aufnahmen mit vier Farbfiltern und&#13;
ohne Farbfilter vermutet, daß es sich&#13;
um ein Phänomen in tieferen Schichten der Atmosphäre handelt.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
r/&#13;
&#13;
u&#13;
&#13;
•""*•&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
&lt;&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
FUSIONSFORSCHUNG MIT ZWEI SCHWERPUNKTEN&#13;
(AD) - Auf Vorschlag des US-Energieministeriums soll sich die Entwicklung von Methoden der Kernverschnelzung zur Energieerzeugung auf&#13;
zwei Systeme konzentrieren. Das eine&#13;
ist das Tokamak-Verfahren zur magnetischen Einschließung des Plasmas,&#13;
das zweite System der Kernverschmelzung durch Implosion unter Einwirkung&#13;
von Laserenergie oder Partikelstrahlen auf winzige, mit dem "Brennstoff"&#13;
Deuterium gefüllte Kügelchen vor.&#13;
&#13;
hält jedoch nach Beratung mit Experten eine Aufstockung der Mittel für&#13;
diese Projekte um ca. 100 Millionen&#13;
Dollar in den nächsten Jahren für&#13;
notwendig.&#13;
Nach Ansicht des Beratungsausschusses für das magnetische&#13;
Fusionsprojekt ist jedoch nicht abzusehen, wann oder ob überhaupt mit Tokamak-Maschinen die "Zündung" für eine sich selbst erhaltende kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion zu&#13;
erreichen ist.&#13;
&#13;
Im Haushaltsjahr 1990 hatte die&#13;
US-Regierung für die magnetische Fusionsforschung 349 Millionen Dollar,&#13;
für entsprechende Projekte mit Laserund Strahlenenergie&#13;
169 Millionen&#13;
Dollar angefordert. der Direktor der&#13;
Abteilung Energie-Forschung im USEnergieministerium,&#13;
Robert&#13;
Hunter,&#13;
&#13;
Bei den Förderprogrammen des USEnergieministeriums lag bisher das&#13;
Schwergewicht auf der Entwicklung der&#13;
"Tokamak-Maschine&#13;
mit&#13;
Kompaktzündung"(CIT - Compact Ignition Tokamak). Dieses in den Laboratorien der&#13;
Princeton-Universtät&#13;
gebaute&#13;
Gerät&#13;
gilt als eine der leistungsfähigsten&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
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&#13;
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&#13;
�Maschinen dieser Art in der Welt. Es&#13;
soll 1996 den Betrieb aufnehmen.&#13;
Starke Magnetfelder pressen das durch&#13;
Vorheizung ionisierte Plasma aus Kernen von schwerem Wasserstoff unter&#13;
weiterer Aufheizung auf über 100 Millionen Grad so stark zusammen, daß&#13;
die Atomkerne verschmelzen und dabei&#13;
Energie abgeben. Für die Energiegewinnung wird das Verfahren aber erst&#13;
dann interessant, wenn sich eine Fusionsreaktion in kontrollierter Form&#13;
selbst erhält und mehr Energie erzeugt als sie verbraucht.&#13;
Bisher wurde jedoch noch nicht&#13;
einmal der "break-even point" erreicht, der Punkt, wo sich Energieverbrauch und Energieerzeugung die&#13;
Waage halten.&#13;
Haupthindernis ist&#13;
nach wie vor der Umstand, daß sich&#13;
die magnetische Einschließung noch&#13;
nicht stabilisieren läßt. Immer wieder bricht "Brennmaterial" aus der&#13;
Magnetfeldbarriere aus. Zwar befindet sich eine Vakuumzone zwischen ihr&#13;
und der Brennkammerwandung.&#13;
Wenn&#13;
auch nur wenige Atomkerne des schweren Wasserstoffs sie überwinden, können sie Metallatome aus der Wandung&#13;
herausschlagen, die dann das Plasma&#13;
verunreinigen und die Fusionsreaktion&#13;
stören.&#13;
Wie Hunter erklärte, umriß Energieminister James Watkins die wesentlichen Prinzipien einer umfassenden&#13;
neuen Politik zur Erschließung der&#13;
Fusionsenergie in der Weise, daß beide Programme zur Fusionsforschung neu&#13;
belebt werden und sich auf die ungelösten oder auch noch unbekannten&#13;
Probleme konzentrieren sollen. Mit&#13;
neuen Versuchsausrüstungen dürfte man&#13;
in etwa zehn Jahren bis zur Zündung&#13;
von&#13;
Fusionsreaktionen&#13;
vorgedrungen&#13;
sein. Anfang des nächsten Jahrhunderts wird sich dann beurteilen lassen, welche Technologie am besten geeignet ist, um kommerzielle Fusionsreaktoren zu entwickeln.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
</text>
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&#13;
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                <text>Amerikadienst 05.07.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Außenministers im &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konjunkturindikatoren des Monats Mai&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

Sonderdienst

*

PRÄSIDENT BUSHS BESUCH IN POLEN UND UNGARN VOM 9.-13. JULI 1989

INHALT

Bush; Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen
- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament Das Aktionsprogramm für Polen
- Eine Übersicht des Weißen Hauses USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität
Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn
- Eine Übersicht des Weißen Hauses * * * * *

United States Information Service
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Tel.: 0228-339 2035
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�I

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

BUSH:

ZEITPUNKT FÜR EINEN EIGENEN WEG POLENS IST GEKOMMEN

- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament -

WARSCHAU - (AD) - Vor dem neuen, demokratisch gewählten polnischen Parlament erklärte Präsident Bush, jetzt sei "innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen eigenen Weg einzuschlagen."
In seiner Rede am 10. Juli 1989, dem zweiten Tag seiner zehntägigen Europareise, erinnerte der Präsident daran, daß die geteilte Welt des modernen
Zeitalters ihren Ursprung vor 50 Jahren in Polen hatte. Er erklärte, das polnische Volk "kann heute zur Überwindung der Teilung Europas beitragen."
Bush erläuterte den neuen Gesetzgebern, "jetzt ist es an der Zeit,, um
sich über Containment hinaus einer zu lang hinausgezögerten Welt - einer besseren Welt - zuzuwenden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender
Jaruselski,
Präsident Kosakiewicz und Senatspräsident Stelmachowski, Ministerpräsident Rakowski, verehrte Senatoren und
Delegierte. Im Namen des Volkes der
Vereinigten Staaten habe ich die Ehre, die neugewähiten Abgeordneten des
polnischen
Parlaments zu begrüßen.
Meine heutige Anwesenheit hier ist
ein Beweis dafür, daß wir in einer
außergewöhnlichen und in der Tat sensationellen Zeit leben.
Die Macht und das Potential dieses Augenblicks wurden mir erstmals
deutlich, als ich ein auf der ganzen
Welt verbreitetes Photo sah, auf dem
der
Staatsratsvorsitzende
General
Jaruzelski und von der Gewerkschaft
Solidarität
Arbeiterführer
Lech
Walesa Seite an Seite bei der Eröff-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nungssitzung des Parlaments abgebildet waren - als Symbol des neues
Fortschritts in Polen.
Glauben Sie
mir, damit wurde der ganzen Welt ein
Zeichen gesetzt.
Polen und die Vereinigten Staaten
sind, so heißt es, durch Verwandtschaft und Kultur miteinander verbunden.
Aber unsere Völker verbindet
noch mehr als nur Empfindungen.
Mit der Verfassung vom 3. Mai
1791 eilte Polen seiner Zeit und den
anderen Staaten Osteuropas im Streben
nach Freiheit und demokratischen Idealen weit voraus, ebenso wie die amerikanische Verfassung von 1787 neue
Maßstäbe zum Schutz der Rechte des
einzelnen setzte.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Seit Jahrzehnten - seit den Friedensverträgen von Versailles - sind
die Vereinigten Staaten für Unabhängigkeit, Freiheit und den Wohlstand
Polens eingetreten.
Und wir sind
stolz auf unser frühes und langfristiges Engagement für die Selbstbestimmung Polens. Ich stehe heute als
amerikanischer Präsident vor Ihnen,
der diese hehre Verpflichtung erneuern will.
Ich verstehe etwas von der Arbeit, die Sie hier aufnehmen, weil
ich selbst zunächst im amerikanischen
Kongreß in den Dienst an der Öffentlichkeit eintrat.
Demokratisch gewählte Legislativen sind für die Menschheit eines der besten Foren für
Diskussionen und Dialog. Und obwohl
ich bereits in Polen war, hätte ich
nicht gedacht, daß ich dieses Land so
bald wieder besuchen würde - jedenfalls nicht unter so veränderten Umständen. Ebenso werden viele von Ihnen nicht erwartet haben, hierher zu
kommen und in diesem oder überhaupt
einem polnischen Parlament zu arbeiten. Ihre Leistung hat alle Erwartungen übertroffen und verdient unsere Anerkennung.
Als der polnische Astronom Kopernikus vor etwa 450 Jahren die natürliche Ordnung der Planeten entdeckte
und den Mut hatte, das Wissen der damaligen Zeit in Zweifel zu ziehen,
änderte sich die Welt ein für allemal.
Ebenso wird Polen von diesem
Jahr an, in dem es das natürliche
Verhältnis zwischen Menschen und Regierung
neu
festlegt, vollständig
verändert werden.
Heute hat der Umfang der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Polen in der Tat kopernikanischen Stellenwert. Ein grundlegender Wandel in der Betrachtungsweise,
die den Menschen in den Mittelpunkt
stellt. Ein neuen Verständnis davon,
daß die Regierten die echte Quelle
anhaltenden
sozialen
Friedens und
wirtschaftlichen Wohlstands sind, um
den sich die Regierung dreht und dem
sie dient.

Polen hat ein reiches demokratisches Erbe. Die Verfassung vom 3.
Mai war ein Geniestreich. Heute am
Anbruch des dritten Jahrhunderts dieses Dokuments sind Sie aufgefordert,
diesem genialen Akt zeitgenössische
Taten
entgegenzusetzen
und
einen
friedlichen Übergang zu einer politischen und wirtschaftlichen Erneuerung
durch eine repräsentative Regierung
zu schaffen, die den Willen des Volkes widerspiegelt.
Ich konnte vor einigen Wochen
hier in Europa beobachten, daß Ost
und West am Ende eines Zeitalters und
am Beginn
eines neuen angelangt
sind.
Der
Staatsratsvorsitzende
Jaruzelski hat kürzlich über Polen
gesagt, "das Licht der Nation war
tiefgreifenden Veränderungen unterworfen, und es ist gutes Recht der
Gesellschaft, zu fragen, wann wieder
ein Sonnenstrahl über Polen scheinen
wird". Das trifft in der Tat nicht
nur für Polen, sondern auf die Beziehungen zwischen Ost und West insgesamt zu.
Die Reihe der Unruhen und großen
Veränderungen setzt sich von Polen
bis zum Pazifik fort. Sie ist oftmals anregend, wie etwa hier in Warschau. Aber manchmal ist sie auch
furchterregend, wie gegenwärtig in
China. Aber der Umfang der Veränderungen, wie wir ihn auf der ganzen
Welt wahrnehmen, zwingt uns, in uns
zu gehen und zu Gott aufzuschauen,
damit uns eine seltene Mischung aus
Mut und Zurückhaltung zuteil wird.
Die Zukunft birgt sowohl Hoffnung
als auch Unsicherheit. Polen und Ungarn befinden sich an einem Scheideweg:
jeder hat seinen eigenen Weg
der Reformen ohne Gewähr für leichten
Erfolg eingeschlagen.
Den Menschen
dieser Länder - und dem Mut ihrer
Führer - gebührt unsere Bewunderung.
Der Weg ist steinig. Aber jetzt ist
innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen
eigenen Weg einzuschlagen.
Am Tag, an dem die Gewerkschaft

�Solidarität wiederzugelassen wurde,
habe ich meine Unterstützung und Bewunderung für das jetzt in Polen begonnene politische
Experiment zum
Ausdruck gebracht. Inzwischen haben
Sie ein gutes Stück dieses Weges zurückgelegt und auch die bemerkenswerten Wahlen durchgeführt, die dieses
Parlament hervorgebracht haben. Und
wir wollen uns vor Augen führen, was
dieses Experiment - nicht nur für Polen, sondern für Europa und die ganze
Welt - bedeuten kann.
Die geteilte Welt des modernen
Zeitalters hatte hier - genau hier in
Polen - vor 50 Jahren ihren Ursprung. Ihr Land und nahezu das gesarate Europa waren zunächst belagert
und dann von totalitären Kräften besetzt. Ein mutiges Polen war unser
Verbündeter.

In dieser schrecklichen

Zeit haben Franklin Roosevelt und
Winston Churchill die Atlantik-Charta
entworfen, in der die Grundlage aufgestellt wurde, auf der wir eine bessere Welt hervorzubringen hofften,
einschließlich der Freiheit von Mangel und Furcht und dem Recht der Menschen, die Regierungsform zu wählen,
unter der sie leben wollen.
Aber Sie wissen besser als irgendjemand sonst, daß die Welt, wie
wir sie uns wünschten, nicht entstand. Stalinistische Regime beherrschten ein Drittel des Kontinents.
Der Kalte Krieg begann. Die Länder
des Westens schlössen sich zur Verteidigung demokratischer Prinzipien
zusammen. Und wir unterbreiteten den
Vorschlag, daß der Marshallplan auch
auf Osteuropa ausgedehnt werden sollte. Aber auch das traf nicht ein.
Die Strategie des Westens - die
Strategie des Containment - war ein
Mittel
zum
Zweck,
aber
niemals
Selbstzweck.
Es gab keinen Ersatz
für ein freies und vereintes Europa.
Und wir vergaßen weder die gescheiterten und vereitelten Hoffnungen des
Jahres 1945, noch das Versprechen einer besseren Welt. Das gleiche galt
für das polnische Volk. Ihr Land war
ein Konfliktherd. Nun wird es zu ei-

nem Beispiel des Wandels.
Der Kalte Krieg begann in Polen,
und heute kann das polnische Volk zur
Überwindung der Teilung Europas beitragen. Jetzt ist es an der Zeit, um
sich über Containment hinaus einer zu
lang hinausgezögerten Welt - einer
besseren Welt - zuzuwenden. Und heute haben es uns zwei Entwicklungen
endlich ermöglicht, die Grundsätze
der Atlantik-Charta einzulösen, für
die die Vereinigten Staaten und Polen
als Verbündete gekämpft haben. Eine
ist der offensichtliche Fehlschlag
des klassischen stalinistischen Systems. Die andere besteht im unbeugsamen Willen des Volkes - verkörpert
durch führende Politiker in Polen und
Ungarn, die sich mit Ehrlichkeit,
Kreativität und auch Mut um die Überwindung der Fehler der Vergangenheit
bemühen.
Die Welt betrachtet dies
mit Bewunderung.
Und nun besteht - teilweise auch
durch Ihre Bemühungen - für uns alle
eine echte Gelegenheit, ein Europa
aufzubauen, von dem viele geglaubt
haben, es sei in den vierziger Jahren
für immer zerstört worden.
Dieses
Europa, das Europa unserer Kinder,
wird offen, ungeteilt und frei sein.
Wir können dies auf zwei Wegen
erreichen.
Erstens muß ein neues
Ost-West-Verhältnis auf einem erheblich verringerten RUstungsniveau beruhen. Ich nehme General Jaruzelskis
Äußerungen zu diesem Thema zur Kenntnis und unterstütze Ihn. Wir im Westen haben drastische Reduzierungen
der konventionellen Streitkräfte in
Europa vorgeschlagen, Reduzierungen,
die Aussichten auf die Umgestaltung
der militärischen Landkarte Europas
und eine Verringerung des Kriegsrisikos in sich bergen. Die neue Bereitschaft Moskaus, diesen westlichen
Rahmen für Reduzierungen von Truppen,
Panzern, Flugzeugen und anderen Waffenkategorien zu akzeptieren, läßt
uns hoffen, daß die Verhandlungen in
Wien erfolgreich sein werden.
Ein
guter Anfang wurde gemacht. Von beiden Seiten werden konstruktive Vor-

- 3 -

�Schläge unterbreitet. Wir sind entschlossen, uns voll und ganz für einen baldigen und erfolgreichen Abschluß dieser Gespräche einzusetzen.

am runden Tisch liegt das Schicksal
Polens heute mehr denn je in polnischer Hand. Und dort muß es für immer bleiben.

Zweitens werden Reduzierungen der
r
Streitkräfte weiterreichend und tragg
fähiger sein, wenn sie gleichzeitig
mit politischen Veränderungen einhere
gehen.
Übermäßige
Waffenarsenale
m
sind unseres Erachtens ein Symptom
r
und nicht die Ursache politischer
e
Spannungen.
In Europa beruhen diese
n
Spannungen
auf einer unnatürlichen
und grausamen Teilung.

Ihre Verantwortung für die Zukunft Ihres Landes ist immens.
Polens Freunde, einschließlich des amerikanischen Volkes, wollen, daß Polen
frei, wohlhabend, demokratisch
und
unabhängig ist - getreu den besten
Traditionen Ihres Landes. Und diese
Regierung
schreitet
in einer Zeit
großer Schwierigkeiten und Herausforderungen mit einem Sinn für Realismus
und Mut in die Zukunft. Lech Walesas
Solidarität fühlt sich der Gründung
von Institutionen in Polen tief verpflichtet, die dem ganzen Volk dienen
werden. Schon aufgrund seiner bloßen
Existenz fördert dieses Parlament den
Pluralismus. Die Kirche hat sich in
stürmischen
Zeiten als Quelle der
geistigen Führung und Einheit erwiesen.
Über allen steht jedoch das
polnische Volk, das unerschütterlich
auf produktive Veränderungen hingearbeitet hat.

Der Entschluß Polens zu politischen Reformen - und auch die Schritte Ungarns in die gleiche Richtung g
haben deshalb auch große Bedeutung
über ihre Landesgrenzen hinaus. Indem Sie durch den Volkswillen legitimierte politische Strukturen schafe
fen, können Ihre Reformen Grundlage
von Stabilität, Sicherheit und Wohln
stand sein, nicht nur hier, sondern
s
in ganz Europa, heute und bis ins
nächste Jahrhundert.
Um Michail Gorbatschow zu zitieren:
"Allseitige Sicherheit beruht
t
auf der Anerkennung des Rechts jedes
s
Landes auf Wahl seines eigenen Weges
•s
der
gesellschaftlichen
Entwicklung
g
sowie auf der Absage an Einmischung
g
in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.
Eine Nation kann sich
h
für Kapitalismus oder Sozialismus entscheiden.
Dies ist ihr souveränes
s
Recht." Dem stimme ich grundsätzlich
h
zu.
Ich hätte jedoch vielleicht gesagt, daß sich das Volk eines jeden
n
Landes entweder für eine freie Marktwirtschaft oder für den Sozialismus
s
frei entscheiden kann. Das ist sein
n
Recht.
Der Westen ist also darum bemüht,,
die Sicherheit eines Landes weder anzutasten, zu bedrohen, noch sich einzumischen, sondern dazu beizutragen,,
engere
und
dauerhaftere
Bindungen
n
zwischen Polen und dem übrigen Europa
a
zu knüpfen.
Als

Ergebnis

der

in
Vereinbarungen

Doch selbst unter den besten Bedingungen
sind
der
repräsentativen
Regierung besondere Herausforderungen
zu eigen. Sie erfordert Geduld, Toleranz sowie ein Geben und Nehmen
zwischen
politischen
Gegnern.
Ihr
Vorzug besteht darin, daß sie der politischen Führung und ihrer Politik
Legitimität
verleiht.
Sie
stattet
Regierungen
und Gesellschaften
mit
dem Mandat für harte Entscheidungen
aus.
Und durch die Beteiligung des
Volkes erhält dieses Anteil an den
getroffenen Entscheidungen,
Über 200 Jahre lang haben die
Amerikaner Auseinandersetzungen über
politische und wirtschaftliche Interessen, über die Rechte des einzelnen
und die Bürgerrechte sowie über die
Rolle einer loyalen Opposition geführt.
Die Demokratie ist kein Abschluß, sie ist ein Prozeß - und ihre
Vervollkommnung hört nie auf.
Die
Geschichte hat die Amerikaner aber
unmißverständlich gelehrt: Die Demokratie funktioniert.

- 4 -

�Wir verstehen in meinem Land die
enormen
wirtschaftlichen
Probleme,
mit
denen
sie
konfrontiert
sind.
Wirtschaftliche Entbehrungen sind eine Gefahr, die jedes große demokratische Experiment bedrohen können. Und
ich muß zu Ihnen offen sprechen.
Wirtschaftliche Reformen und Gesundung können nicht ohne Opfer vonstatten gehen.
Selbst in einer so leistungsfähigen Wirtschaft wie der unseren diskutieren wir weiterhin über
Rolle und Grenzen des Staates - wie
der
Privatsektor
reguliert
werden
soll ohne Innovationen abzuschrecken,
wie unser enormes
Haushaltsdefizit
reduziert
werden
kann,
wie
ein
Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und unternehmerischer Effizienz geschaffen werden
kann, wie man den durch Veränderungen
hervorgerufenen schmerzhaften Beeinträchtigungen begegnen soll -, um der
Produktivität, des Fortschritts und
des Wohlstands willen.
Die Reform der polnischen Wirtschaft bedeutet eine historische Herausforderung.
Für die eigenen Anstrengungen Polens kann es keinen Ersatz geben.
Ich möchte jedoch vor
Ihnen heute betonen, daß Polen nicht
allein
ist.
Aufgrund der enormen
Tragweite dieser Stunde sind die Vereinigten Staaten bereit, Ihnen in dem
Maße zu helfen, wie Sie sich selbst
helfen.
In Hamtramck in Michigan habe ich
vor drei Monaten eine Politik zur Unterstützung der Reformen in Polen erläutert, die damals gerade begonnen
hatten. Ich habe bestimmte, sorgfältig ausgewählte Maßnahmen vorgeschlagen, um die sich hier vollziehenden
und künftigen Reformen anzuerkennen.
Diese Politik baut auf das dynamische
Zusammenspiel zwischen Fortschritt in
Polen und westlichem
Engagement
nicht auf zweifelhafte Kredite, die
ohne Rücksicht auf die notwendigen
Reformen zugesagt werden.
Das war
die Bilanz der siebziger Jahre. Polen und die Vereinigten Staaten sollten diesen Fehler nicht wiederholen.

Bei den in Hamtramck angekündigten Maßnahmen haben wir Fortschritte
erzielt.
Neue Gesetzentwürfe werden in die
Wege geleitet, im Rahmen derer polnische Exporteure dank der Meistbegünstigungsklausel
auf
amerikanischen
Märkten
besser konkurrieren
können
und die unseren privaten Investitionsgesellschaften
in
Übersee
geschäftliche
Transaktionen
in Polen
gestatten, indem sie Garantien für
Investitionen leisten und einen Anreiz für amerikanische Investitionen
in Gemeinschaftsunternehmen in Polen
bieten.
Die Vereinigten Staaten schlagen
ein Abkommen über private Geschäftstätigkeit vor, das Kontakte zwischen
dem wachsenden Privatsektor in Polen
und amerikanischen Geschäftspartnern
fördern wird. Wir hoffen, schon bald
ein Abkommen zu erzielen, damit wir
auf
diese offensichtlich
einmalige
Gelegenheit aufbauen können.
In den Vereinigten Staaten besteht großes Interesse an und Bewunderung für die Ereignisse in Polen
und
der unmißverständliche
Wunsch,
dem Reformprozeß behilflich zu sein.
Am 6. Juli 1989 leitete ich ein Symposium im Weißen Haus, an dem an der
Förderung von Investitionen. Handel
und wissenschaftlichen Austauschprogrammen mit Polen und Ungarn interessierte
Amerikaner
teilnahmen.
Und
ich kann Ihnen mehr denn je versichern, daß das amerikanische Volk an
Ihrem demokratischen Experiment teilhaben wird.
Ich habe erklärt, die Vereinigten
Staaten werden auf den Reformprozeß
in Polen reagieren.
Selbst in der
kurzen Zeit seit Hamtramck ist sehr
viel geschehen. Es ist mir daher eine besondere Ehre, heute unsere Absicht bekanntgeben
zu können, zum
Wohle eines stabilen und florierenden
Polens
mehr
tun
und
noch
einen
Schritt weiter gehen zu wollen.
Erstens werde

- 5 -

ich

beim

bevorste-

�henden Weltwirtschaftsgipfel in Paris
den Vorschlag unterbreiten, daß die
Teilnehmerstaaten - die G-7 - ihre
Zusammenarbeit und konzertierten Aktionen zur Förderung demokratischer
Reformen in Polen und Ungarn intensivieren und einen sinnvollen Beitrag
zum Prozeß des Wandels leisten. Wir
werden beim Gipfeltreffen mit unseren
Partnern
zusammenarbeiten
und mit
aufgestockten
Hilfsleistungen
und
technischer Unterstützung des Westens
unverzüglich zur Tat schreiten. Diese konzertierte Aktion wird bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club und den IWF ergänzen
und sich mit erforderlichen Wirtschaftsreformen, der Verwaltung von
Krediten, Ausbildungsinitiativen, Sozialversicherung, Wohnungsbau und anderen, für Polen entscheidenden Themen befassen.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds in
Höhe von 100 Millionen Dollar zur
Kapitalisierung und Ankurbelung des
polnischen
Privatsektors
bereitzustellen
- und wir werden entsprechende Beiträge von den anderen Gipfelteilnehmern ermutigen.
Drittens werde ich die Weltbank
auffordern, einen wirtschaftlich lebenswichtigen Kredit in Höhe von 325
Millionen Dollar zu vergeben, damit
die polnische Landwirtschaft und Industrie das Produktionsniveau erreichen, zu dem sie eindeutig fähig sind.
Und viertens werde ich meine Kollegen im Westen bitten, eine frühzeitige und großzügige Umschuldung der
polnischen Kredite zu befürworten.
Dies könnte einen Zahlungsaufschub
für die in diesem Jahr fälligen Rückzahlungen in Höhe von 5 Milliarden
Dollar bedeuten, wenn unsere Verbündeten und Freunde im Pariser Club
auch dazu bereit sind, liberalere
Zahlungsbedingungen anzubieten.
Ich
beabsichtige, dieses Thema mit meinen
Kollegen beim Gipfeltreffen in Paris
zu erörtern.
Fünftens

sollte

wirtschafIticher

Fortschritt nicht auf Kosten unseres
gemeinsamen Erbes, unseres gemeinsamen Vermächtnisses - der Umwelt
stattfinden.
Eine gesunde Ökologie
und eine starke Wirtschaft können und
müssen
nebeneinander
bestehen.
Luft- und Wasserverschmutzung kennen
keine Grenzen. Und diese Sorge besteht weltweit. Vor etwa zwei Jahren
habe ich Krakau besucht - ehemals
Sitz der polnischen Könige - eine
Stadt, die von der UNESCO als internationale Sehenswürdigkeit eingestuft
worden ist. Heute kämpft Krakau gegen die Umweltverschmutzung, seine
kostbaren
Baudenkmäler
fallen der
Zerstörung anheim. Krakau muß gerettet werden.
Und die Vereinigten
Staaten werden helfen. Ich werde den
Kongreß um 15 Millionen Dollar für
ein Gemeinschaftsunternehmen mit Polen zur Bekämpfung der Luft- und Wasserverschmutzung dort bitten.
Sechstens und letztens begann ich
meine Ausführungen mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe unserer beiden
Nationen. Es ist mir eine Ehre, heute bekanntgeben zu können, daß die
Vereinigten Staaten in Warschau ein
Kultur- und Informationszentrum gründen und Polen bitten werden, ein entsprechendes Zentrum in den Vereinigen
Staaten ins Leben zu rufen. Damit
können unsere beiden Länder zum ersten Mal Bildungs- und Kulturprogramme außerhalb ihren jeweiligen Botschaften und Konsulate durchführen.
Die Wahlen, aufgrund derer wir
uns alle heute hier versammelt haben,
bedeuten, daß der vom polnischen Volk
eingeschlagene Weg ein Weg des politischen Pluralismus und der wirtschaftlichen Wiedergeburt ist. Der
vor uns liegende Weg ist lang, aber
der einzige, der zu Wohlstand und sozialem Frieden führt. Polens Fortschritte auf diesem Weg werden den
Weg zu einem neuen Zeitalter in ganz
Europa weisen - ein Zeitalter, das
sich auf gemeinsame Werte und nicht
nur geographische Nähe gründet. Die
westlichen Demokratien
werden dem
polnischen Volk und den anderen Völkern dieser Region zur Seite stehen.

- 6 -

�Demokratie liegt im Zeitgeist.
Wie alle Regierungsformen kann Demokratie zwar verteidigt aber niemals
aufgezwungen werden. Wir glauben an
die Demokratie. Denn obwohl Demokratie für viele ein Traum sein mag, ist
sie meiner Ansicht nach ohne jeden
Zweifel der Menschheit vorbestimmt.
Vor zweihundert Jahren wurden von
drei Nationen demokratische Verfassungen verabschiedet, in denen der
starke Einfluß der Aufklärung Zeugnis
von Gedanken ablegte, die Bestand haben.
Die amerikanische Verfassung war
die erste und hat sich in der Geschichte über 200 Jahre unseres Bestehens als Republik bewährt.
In
Frankreich wurde die konstitutionelle
Demokratie in diesem Sommer vor zwei
Jahrhunderten verkündet. Und in wenigen Tagen werden die Staats- und
Regierungschefs aus allen Ländern der
Welt in Paris zusammenkommen, um ihren Jahrestag feierlich zu begehen.
Am 3. Mai 1991 wird auch die polnische Verfassung 200 Jahre alt. Ihre Verfassung aus dem Jahr 1791 wurde
widerrufen, aber niemals vergessen.
Und heute lautet der Ruf dieser Generation, das Versprechen einer freien
polnischen Republik einzulösen. Solange der Geist Polens lebt, ist Polen nicht verloren.
Die Vereinigten Staaten wünschen
Ihnen viel Erfolg bei der Bewältigung
der schwierigen Probleme von heute.
Ich beglückwünsche General Jaruzelski
zu seiner Führungsstärke und danke
für die herzliche Gastfreundschaft,
die er mir zuteil werden ließ. Ich
grüße die Vorsitzenden und Mitglieder
dieser beiden hervorragenden gesetzgebenden Körperschaften.
Gott in
seiner unendlichen Weisheit und Güte,
weilt unter uns. Möge Gott Sie und
Ihre Bestrebungen segnen. Lang lebe
Polen. Ich danke Ihnen.

* * * * *
- 7

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

DAS AKTIONSPROGRAMM FÜR POLEN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht des Weißen Hauses zur wirtschaftlichen und kulturellen Unterstützung der Vereinigten Staaten für Polen
wurde am 10. Juli 1989 in Warschau veröffentlicht:

Das Aktionsprogramm für Polen

Das Maßnahmenpaket setzt sich wie
folgt zusamen:

In seiner Rede vor dem polnischen
Parlament am 10. Juli 1989 stellte
der Präsident ein umfassendes Paket
mit sechs Maßnahmen vor, um Polen bei
der Bewältigung der historischen Herausforderungen der neunziger Jahre zu
helfen. Diese Maßnahmen berücksichtigen die gegenwärtig stattfindenden
demokratischen Veränderungen in Polen.
Mit diesen Maßnahmen wird der
Tatsache Rechnung getragen, daß erfolgreiche marktwirtschaftliche Reformen und die Demokratisierung in
Polen sowie in anderen Ländern des
östlichen Zentraleuropas die Grundlage für Stabilität und Sicherheit Europas schaffen können.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Konzertierte internationale Maßnahmen.
Der Präsident schlägt
ein
verstärktes
konzertiertes
Vorgehen der Regierungen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und
Japans zur Unterstützung der auf
politischem Pluralismus gegründeten wirtschaftlichen Reformen und
Gesundung in Polen vor. Dies
wird ein wichtiges Thema des
Weltwirtschaftsgipfels in Paris
sein.
-

Der Polnisch-Amerikanische Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines mit
100 Millionen Dollar ausgestatteten Unternehmensfonds zur Unter-

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�Stützung privater Unternehmer in
Polen vor. Er wird andere führende Staaten ermutigen, ähnliche
Initiativen zu ergreifen.
Weltbankdarlehen.
Der Präsident
wird die Weltbank ermutigen, Polen zwei wirtschaftlich lebensfähige Projektkredite in Gesamthöhe
von 325 Millionen Dollar zu bewilligen.
Umschuldung.
Der Präsident hat
erklärt, die Vereinigten Staaten
würden im Pariser Club eine großzügige und rasche Umschuldung für
Polen unterstützen. Diese würde
Polens finanzielle Beziehungen zu
seinen Gläubigern normalisieren
und Polen erlauben, in beiderseitigen Vereinbarungen mit seinen
Gläubigern die Rückzahlung von
etwa 5 Milliarden Dollar in diesem Jahr aufzuschieben.
Eine Umweltinitiative. Der Präsident ist der Ansicht, daß die
wirtschaftliche Erholung nicht zu
Lasten der Umwelt, des Erbes der
Menschheit, gehen darf. Aufgrund
seines in Mainz verkündeten Vorschlags zur Umweltzusammenarbeit
zwischen Ost und West wird der
Präsident den Kongreß um die Bewilligung von 15 Millionen Dollar
für ein Gemeinschaftsprojekt mit
Polen zur Bekämpfung der Luftund Wasserverschmutzung in der
großartigen
mittelalterlichen
Stadt Krakau bitten.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel ihre konzertierte Aktion verstärken, um die auf politischen
Pluralismus gegründeten Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn zu unterstützen.
Ergänzende
Bemühungen
führender demokratischer Industriestaaten werden ein kräftiger Impuls
zu wirtschaftlicher
Gesundung und
Fortschritten in diesen Staaten sein,
die sich gegenwärtig an einem Wendepunkt befinden. Andere interessierte
Länder könnten ebenfalls zu diesem
Prozeß beitragen.

Umfang
Zu diesen Bemühungen wird die Zusammenarbeit mit den Regierungen Polens und Ungarns sowie mit anderen
staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in diesen Ländern gehören, um Informationen zu sammeln und
den Meinungsaustausch zu Themen beiderseitigen Interesses zu gewährleisten.
Die beteiligten Regierungen
werden ferner gegebenenfalls mit Vertretern von IWF, Weltbank, EG-Kommission und anderen multilateralen und
privatwirtschaftlichen
Institutionen
zusammenarbei ten.
Der Themenkatalog könnte enthalten:
Notwendige Wirtschaftsreformen,

Einrichtung eines Kulturzentrums.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre
Austauschprogramme
erweitern, um die Kontakte mit der zunehmend offenen Gesellschaft in
Polen auszuweiten. Die Vereinigten Staaten werden in Warschau
ein Kulturzentrum eröffnen, und
Polen kann ein vergleichbares
Zentrum in den Vereinigten Staaten einrichten.

Verstärkte
konzertierte
Maßnahmen
des Westens für Polen und Ungarn

Zeitrahmen und Konditionen
neue Kredite und

für

konkrete Unterstützung für Privatisierung und Privatunternehmen, Umweltprojekte, Managementund Ausbildungsinitiativen, soziale Absicherungsnetze zur Begleitung der Umstrukturierung, Wohnungsbau etc.
Mit diesen Bemühungen würden die
bestehenden Institutionen wie Weltbank, Pariser Club oder IWF nicht um-

�gangen oder ersetzt,

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die den polnischen Privatsektor unterstützen
oder von ihm verwaltet werden,

Die nächsten Schritte

Finanzierung teilweise oder vollständig privater Exportvorhaben,

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den politisch
Verantwortlichen der anderen Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel Großbritannien,
Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Japan, Italien und Kanada - erörtern.

Der Polnisch-Amerikanische
mensfonds

Gemeinschaftsunternehmen zwischen
privaten polnischen und amerikanischen Investoren (z.B. Ermutigung zur Teilnahme privater polnischer Firmen an Gemeinschaftsunternehmen) .

UnternehKredite der Weltbank

Vorschlag
Vorschlag
Die wirtschaftliche Gesundung Polens wird einen starken unternehmerischen Sektor erfordern, der rasch
wächst und Wohlstand zum Nutzen der
gesamten Nation schafft. Um diesen
Prozeß zu fördern, hat der Präsident
die Einrichtung eines "Polnisch-Amerikanischen Unternehmensfonds" durch
Polen und die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen. Der Präsident bittet
den Kongreß um die Bewilligung von
100 Millionen Dollar für diese Initiative. Der Fonds wird von einem
Gremium hervorragender amerikanischer
und polnischer Vertreter verwaltet
werden.

Der Präsident wird die Weltbank
auffordern, zwei wirtschaftlich lebenswichtige Kredite für Projekte in
Polen in Höhe von 325 Millionen Dollar zu vergeben. Die Kredite für industrielle Unstrukturierung und agroindustrielle Entwicklung zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der
polnischen Exporte zu verbessern.

Hintergrund
Der Kredit zur Industriellen Umstrukturierung (250 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

Zweck

Einfuhr von Technologie und Gerät, die bei Umstrukturierungsprojekten von Betrieben verwendet
werden, die Chemiefasern, petrochemische Produkte, Polypropylen
zur Verpackung, Spanplatten und
Stickstoff herstellen sowie

Mit dem Fonds wird die Entwicklung des Privatsektors in Polen gefördert. Er ist befugt, für bewilligte Projekte Kredite in harten Währungen oder Subventionen bei Risikokapital zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Subventionen,
eventuell Gründung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Firmen
(z.B. Bereitstellung finanzieller
Mittel für Unternehmer, um sich
in staatliche Firmen einzukaufen),

die mit technischer Hilfe aus dem
Ausland verbundenen Devisenkosten
für diese Projekte.
Der Kredit für Agro-Industrielle
Entwicklung
(75 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

- 3 -

Kauf von Gerät und Lizenzenzen im
Ausland sowie Devisenkosten für
technische Unterstützung von Be-

�trieben, die in der Verarbeitung
von
Gefrierobst
und
Gemüse,
Fleisch oder anderen Formen der
Nahrungsmittelverarbeitung
tätig
sind.
Die Kredite haben eine
17jährige Laufzeit mit einer tilgungsfreien Zeit von 6 Jahren vor
Rückzahlung.
Eine polnische Bank wird das Geld
an einzelne Unternehmen weiterverleihen. Die Kredite an diese Darlehensnehmer sowie ihre Rückzahlung erfolgt
in Dollar zur Erleichterung der Rückzahlung des Gesamtkredits an die
Weltbank.

Amerikanisch-polnisches
dung sa bkommen

zeichnet.
Verhandlungen
über die beiden
ausstehenden
bilateralen
Abkommen
wurden zu Beginn dieses Jahres wiederaufgenommen, als die polnische Regierung versuchte, dieses Problem mit
ihren Gläubigern zu lösen.

Abkommen und nächste Schritte
Am 10. Juli 1989 haben die Vereinigten Staaten von Amerika und Polen die beiden ausstehenden bilateralen Abkommen unterzeichnet, mit denen
die Umschuldungen von 1985 und 1987
abgedeckt sind.

Umschul-

Vorschlag
Der Präsident wird seine Amtskollegen im Pariser Club bitten, eine
baldige und großzügige Umschuldung
der polnischen Schulden zu befürworten.

Hintergrund
Polens Auslandsschulden in Höhe
von fast 40 Milliarden Dollar stehen
vorwiegend bei westlichen staatlichen
Gläubigern aus.
Der bei den Vereinigten Staaten
ausstehende Teil dieser Auslandsverschuldung beläuft sich auf ca. 2,2
Milliarden Dollar, meist in Form von
Kreditgarantien, die von der amerikanischen Preisstützungsbehörde für die
Landwirtschaft und der Import-ExportBank vergeben wurden.

Damit wird der Weg für weitere
Abkommen zwischen Polen und seinen
Gläubigern über die Umschuldung der
Verschuldung gegenüber ausländischen
Regierungen und internationalen Institutionen geebnet.
Ein Umschuldungsvorschlag des Pariser Clubs zu den Verpflichtungen
aus dem Schuldendienst, die 1989 fällig werden, würde Polen gestatten,
Zahlungen in Höhe von etwa 5 Milliarden Dollar aufzuschieben.
Ein
neues
Umschuldungsabkommen
des Pariser Clubs würde die Finanzbeziehungen Polens normalisieren und
Exportkreditbehörden eine rechtliche
Grundlage zur Wiederaufnahme von Krediten gewähren, wenn die Regierungen
entscheiden, daß solche Kredite gerechtfertigt sind.
Umweltinitiativen
Vorschlag

Der Pariser Club stimmte in den
vergangenen acht Jahren viermal einer
Umschuldung des polnischen Schuldendienstes an staatliche Gläubiger zu.
Bis März 1989 hatte Polen jedoch
noch keine Verhandlungen über die bilateralen Abkommen zu den letzten
beiden Umschuldungen Ende 1985 und
1987 aufgenommen oder diese unter-

Der Präsident hat die Notwendigkeit neuer internationaler Bemühungen
zur Erhaltung und Verbesserung der
Umwelt - des gemeinsamen Erbes der
Menschheit - betont. In Weiterführung seiner Mainzer Rede, in der OstWest-Zusammenarbeit bei Umweltfragen
besonders hervorgehoben wurde, hat
der Präsident drei Umweltinitiativen

�für Polen in Höhe von insgesamt 15
Millionen Dollar verkündet, die sich
vor allem auf die schöne mittelalerliche Hauptstadt Krakau konzentrieren. Diese herrliche Stadt, die von
der UNESCO zur Sehenswürdigkeit erklärt wurde, ist ernsthaft von Umweltverschmutzung bedroht.

Nachrüstung
kraftwerks

lar für ein System zur Überwachung
der Luftreinhaltung im Stadtgebiet
von Krakau als Teil des nationalen
polnischen
Uberwachungssystems,
zu
dem folgende Geräte zählen sollen:
Monitore und andere Geräte zur
Messung
von
Schwefeldioxid,
Stickstoffoxid,
Makroteilchen,
Kohlenmonoxid, Ozon und Blei,

eines bestehenden KohleGeräte zur Datenspeicherung und
-Verarbeitung.

Hierbei handelt es sich um eine
10-Millionen-Dollar-Initiative,
im
Rahmen derer ein bestehendes Kohlekraftwerk in der Nähe von Krakau mit
neuer sauberer Kohleverstromungstechnik ausgestattet werden soll. Diese
Nachrüstung wird die Schwefeldioxidemissionen einer 100 MW-Fabrik um
60-65 Prozent
verringern.
Stickstoffoxid-Emissionen werden ebenfalls
abgebaut.
In der Anfangsphase des Projekts
wird eine Bewertung der wichtigsten
Kohlekraftwerke in der Umgebung von
Krakau vorgenommen, um die besten
Strategien zur Kontrolle dieser Anlagen festzulegen. Dann würde eine Anlage bestimmt und diese mit der für
sie optimalen Technik ausgestattet.
Nach der Auswahl tritt das Projekt in die Entwurfsphase, wobei dann
die Herstellung und Installierung der
Geräte vorgenommen würde.
Das Projekt würde dann durchgeführt und mit einer Ergebnisanalyse
abschließen.
Erwartungsgemäß
wird
Polen
die
Verantwortung
für die
Durchführung des Projekts übernehmen
und den Vereinigten Staaten das Datenmaterial zur Verfügung stellen.
Die Vereinigten Staaten werden Polen
gegenbenenfalls technische Hilfestellung leisten.

Wasserqualität und Wasserversorgung
Hierbei handelt es sich um eine
Initiative in Höhe von 4 Millionen
Dollar zur Verbesserung der Wasserqualität und der Wasserversorgung
Krakaus.
Mit dem Programm für Umweltschutz
und Wasserwirtschaft für die Jahre
1986 bis 2010 als Leitlinie wird die
Umweltschutzbehörde
(EPA) gemeinsam
mit polnischen Experten den gegenwärtigen und künftigen Bedarf Krakaus an
Trinkwasser und Abwasser ermitteln
und danach die den örtlichen Bedingungen am besten angepaßten Methoden
auswählen und erproben.
Um die optimalen preiswertesten
technischen Lösungen zu finden, wird
das Programm Strömungsdaten von Flüssen beobachten und Daten über die Gesundheit einer Reihe von im Wasser
lebenden Spezies sammeln, die Reinheit von Fluß- und Trinkwasser prüfen
und
verbrauchsorientierte
Maßstäbe
für die Wasserversorgung aufstellen.
Das Programm wird Wiederaufbereitung, Verhinderung
der Umweltverschmutzung und preiswerte Methoden
wie etwa die Verwertung von Abwasser
für den Boden betonen.

Das System zur Überwachung der Luftreinhaltung

Abkommen über den Austausch von Kulturzentren

Es handelt sich hierbei um ein
Projekt im Umfang von 1 Million Dol-

Zweck

- 5-

�Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten aufgefordert, phantasievolle
Bildungs- und Kulturprogramme mit Polen zu unterstützen. Gemäß dem am
10. Juli 1989 unterzeichneten Abkommen können die Vereinigten Staaten in
Warschau ein Kultur- und Informationszentrum eröffnen, und Polen hat
das Recht zur Einrichtung eines solchen Zentrums in den Vereinigten
Staaten.

Fernseh- und Videovorführungen,
Durchführung von Seminaren mit
Experten, Wissenschaftlern
und
Prominenten aus dem kulturellen
Leben,
englische
kurse.

und

polnische

* * * * *

Hintergrund
Dies ist das erste Mal, daß beide
Länder die Möglichkeit haben, Öffentlichkeitsarbeit und Kulturprogramme
außerhalb von Botschaften und Konsulaten zu veranstalten. Die Zentren
werden dennoch als integraler Bestandteil des diplomatischen Dienstes
beider Länder betrachtet.
Das amerikanische Zentrum in Polen wird unter der Leitung des US-Informationsamts stehen, das ähnliche
Zentren in vielen Ländern der Welt
unterhält.
In Warschau muß noch ein Standort
für das neue amerikanische Zentrum
gefunden und eingerichtet werden wir hoffen jedoch auf seine Eröffnung
zu Beginn des Jahres 1990. Die Kosten für Errichtung und Betrieb werden sich im ersten Jahr auf etwa 1,1
Million Dollars belaufen.

Dienstleistungen
Die Zentren werden Dreh- und Angelpunkt zahlreicher kultureller Aktivitäten und der Öffentlichkeitsarbeit sein und folgende Leistungen anbieten:
eine Bibiliothek, die als Präsenzbibliothek fungiert und ausleiht, mit einem Bestand an Periodika, Filmen, Videokassetten und
anderen Materialien,
Förderung von Konzerten, Liederabenden, Ausstellungen, Filmen,
- 6-

Sprach-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

USA WOLLEN RISIKO EINES KRIEGS IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität -

BUDAPEST - (AD) - Die Vereinigten Staaten arbeiten "Tag und Nacht" an einem umfassenden Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle mit der Sowjetunion, "zur Stärkung der Stabilität in Europa und Verringerung des Kriegsrisikos", erklärte Präsident Bush am 12. Juli 1989 in einer Ansprache vor Studenten der Karl-Marx-Universität. "Es besteht kein Zweifel daran, daß wir uns an
der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden", fügte Bush hinzu und versicherte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow, um den Eintritt in dieses neue Zeitalter zu beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident,
Herr Ministerpräsident,
verehrte Frau Nemeth,
Herr Dr. Csaki,
meine Damen und Herren,
meine Frau und ich freuen uns
außerordentlich, wieder in Budapest
zu sein. Und ich bin sehr stolz darauf, daß ich als erster amerikanischer Präsident Ungarn besuche.
Es
entbehrt vielleicht nicht einer gewissen Ironie, daß ich meine Rede in
einer nach Karl Marx benannten Universität halte.
Wenn es in Ungarn
schon einer gewissen Ironie nicht
entbehrt, dann erst recht nicht in
den Vereinigten Staaten. Aber meine
heutige Anwesenheit gibt weniger zur
Überraschung Anlaß, sondern ist vielmehr Beweis für die Tatsache, daß die
Vereinigten Staaten den ungehinderten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ideenwettstreit begrüßen. Und meines
Wissens hat etwa 50 Mitglieder des
Lehrkörpers dieser berühmten Universität entweder als Student oder Dozent die Vereinigten Staaten von Amerika besucht. Für unser Land ist das
ein sehr positives Zeichen und ich
freue mich, daß Sie den Weg zu uns
gefunden haben.
Die Hauptaufgabe einer Unviersität liegt in der Förderung von Wettbewerb - dem ungehinderten Ideenwettstreit. Und dieser Geist bringt uns
einander näher - ein Geist, von dem
ein
herausragender
Dozent
an
der
Karl-Marx-Universität mit Namen Imre
Nagy geleitet war.
Als die Trauerprozession zu seinen Ehren vor einigen Wochen über den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heldenplatz zog, vernahm man die
Stimme Ungarns, als die ungarische
Nationalhymne gesungen wurde. Und in
dieser schlichten, traurigen Zeremonie sah die Welt mehr als einen Akt
der Würde - einen Akt der Versöhnung.
Wir wurden Zeuge eines Akts der Wahrheit. Und auf diesem Fundament der
Wahrheit, das fester als Stein ist,
haben die Ungarn begonnen, eine neue
Zukunft aufzubauen. Eine Generation
hat gewartet, um Imre Nagys Mut Ehrerbietung bezeugen zu können - mögen
hundert Generationen dies im Gedächtnis bewahren.
Während Ungarn seine natürliche
Rolle in europäischen Angelegenheiten
wiederentdeckt, blickt die Welt in
der Hoffnung auf Inspiration erneut
auf Ungarn. In den Vereinigten Staaten gibt es ein bekanntes Sachbuch
mit dem Titel Budapest 1900. Dr.
John Lukacs beschreibt liebevoll das
Budapest seiner Erinnerung, mit seiner lebhaften Börse und berühmten
Oper - eine Zeit, in der Europas erste elektrische Untergrundbahn unter
den attraktiven Geschäften des Andrassy Boulevards verkehrte.
Eine Stadt, die Paris in ihrer
Pracht den Ruf streitig machte, Wien
mit seiner Musik und London mit seiner Literatur. Ein Zentrum der Wissenschaft, das die Welt aufgeklärt
und Genies wie Josef Pulitzer und
Bela Bartok hervorgebracht hat, zum
Stolz der Vereinigten Staaten. Aber
seit vierzig Jahren ist diese herrliche Stadt, diese große Nation - die
in jeder Hinsicht das Zentrum des
Kontinents bildet - von Europa und
dem Westen getrennt.
Aber heute öffnet sich Ungarn erneut dem Westen gegenüber - wird zu
einem Lichtstrahl der europäischen
Kultur. Und ich sehe Menschen, Farben, Kreativität, Experimente.
Ich
sehe einen neuen Anfang für Ungarn.
Und die bloße Atmosphäre dieser Stadt
Budapest
ist
elektrisierend
und
strahlt vor Optimismus.
Ihr Volk und Ihre politisch Ver-

antwortlichen - Regierung und Opposition gleichermaßen - haben keine
Angst, mit der Vergangenheit zu brechen und im Geiste der Wahrheit zu
handeln. Es gibt kein besseres Beispiel als eine schlichte Tatsache:
Die Karl-Marx-Universität
hat Das
Kapital von der Liste der Pflichtlektüre gestrichen.
Einige Historiker bringen das Argument vor, der Marxismus sei aus einem menschlichen Impuls heraus entstanden. Aber Karl Marx spürte nur
eine Faser der menschlichen Existenz
auf und übersah den Rest - die farbenprächtigen und vielschichtigen Facetten der Menschheit. Er sah den
Menschen als glücklos - unfähig, seine Umgebung oder sein Schicksal zu
bestimmen. Aber der Mensch ist nicht
von unpersönlichen wirtschaftlichen
Kräften geleitet. Er Ist nicht bloß
ein Objekt, das sich nach den mechanischen
"Gesetzen" der Geschichte
richtet.
Der Mensch ist vielmehr phantasievoll und erfindungsreich. Er ist
ein Künstler, mit einem angeborenen
Drang, Schönheit zu schaffen und zu
genießen. Er ist liebendes Mitglied
einer Familie und ein treuer Patriot
seines Volkes. Der Mensch ist dynamisch und entschlossen, seine Zukunft
selbst in die Hand zu nehmen.
Das lange unterdrückte kreative
Genie des ungarischen Volkes gelangt
in Ihren Schulen, Geschäften und Kirchen zu neuer Blüte. Und dies ist
mehr als eine vergängliche Saison der
Freiheit. Dies ist Ungarn, das zu
seinen normalen, traditionellen Werten zurückkehrt. Ein Ungarn, das zu
sich selbst findet.
Lange Zeit zum Schweigen verurteilte Stimmen sind jetzt wieder zu
vernehmen.
Eine unabhängige Tageszeitung wird heute auf den Straßen
verkauft.
Private
Rundfunk- und
Fernsehstationen werden alles senden,
von Nachrichten bis zur Musik von
Stevie Wonder, und Radio Freies Europa wird hier in Budapest sein erstes

- 2 -

�Osteuropa-Büro eröffnen.
Entlang Ihrer Grenze zu Österreich wird das häßliche Symbol der
Teilung Europas und Isolierung Ungarns abgebaut, wird der Stacheldraht
zusammengerollt und in Ballen aufgeschichtet. Zum ersten Mal hat der
Eiserne Vorhang begonnen, sich aufzutun.
Und Ungarn, Ihr großartiges
Land, weist den Weg.
Die Sowjetunion hat Truppen abgezogen, und ich betrachte dies ebenfalls als Schritt zur Überwindung der
europäischen Teilung.
Während sich
der Abzug dieser Truppen vollzieht,
sollte die sowjetische Führung wissen, daß sie durch friedlichen Wandel
alles gewinnen kann und nichts zu
verlieren oder zu fürchten hat. Wir
können - und ich bin dazu entschlossen - zusammenarbeiten, um die Politik des Containment und den Kalten
Krieg zu überwinden.
Einer der wichtigsten Schritte
zur Überwindung des Containment besteht in der Entspannung der militärischen Konfrontation in Europa. Zu
diesem Zweck haben die NATO-Partner
auf dem Gipfeltreffen im Mai meinen
Vorschlag einer umfassenden Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle aufgegriffen - eine Initiative, mit der die Zahl der Panzer,
Schützenpanzer, Geschütze, Kampfflugzeuge, Angriffshubschrauber sowie der
von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion auf ausländischem Territorium
in
Europa
stationierten
Streitkräfte auf niederigere, gleiche
Niveaus verringert würden.
Diese Fragen mögen sehr komplex
sein, aber wir arbeit en Tag und Nacht
an einem soliden, historischen Abkommen zur Stärkung der Stabilität in
Europa und Verringerung des Kriegsrisikos.
Und wir sind entschlossen,
dies in naher Zukunft zu erreichen.
Es besteht kein Zweifel daran,
daß wir uns heute an der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden. Ferner kann kein Zweifel daran bestehen,

daß Ungarn sich an der Schwelle grosser, historischer Veränderungen befindet.
Sie entwickeln eine echte
Verfassung - und Sie bereiten demokratische Wahlen mit mehreren Parteien vor.
Dies ist teilweise deshalb möglich, weil mutige Männer und Frauen
Oppositionsparteien gegründet haben.
Und dies ist teilweise möglich, weil
die politisch Verantwortlichen in Ungarn das Äußerste an politischem Mut
zeigen - den Mut, sich dem Urteil des
Volkes in freien Wahlen zu unterwerfen.
Um jedoch bei den Reformen erfolgreich zu sein, benötigen Sie
Partner - Partner, die zur Förderung
dauerhaften Wandels in Ungarn beitragen. Und ich bin heute hier, um Ungarn die Partnerschaft der Vereinigten Staaten von Amerika anzubieten.
Drei lebenswichtige Bereiche nehmen
in unserer Partnerschaft einen besonderen Stellenwert ein - Wirtschaft,
Umwelt sowie demokratischer und kultureller Austausch.
Die Vereinigten Staaten glauben
an die Beschleunigung des produktiven
Wandels, nicht an dessen Verzögerung.
Dies ist also unser Leitprinzip - die
Vereinigten Staaten werden Unterstützung nicht zum Zweck der Erhaltung
des Status quo gewähren, sondern um
Reformen voranzutreiben.
Natürlich wird der Unternehmergeist Ungarns immer noch von der Bürde der Vergangenheit belastet.
Es
gibt noch Reminiszenzen an die stalinistische Wirtschaft - riesige, unwirtschaftlich
arbeitende
Fabriken
und ein verwirrendes Preissystem, das
von kaum jemand verstanden wird sowie
massive Subventionen, mit denen wirtschaftliche Entscheidungen vernebelt
werden - all dies bedeutet eine Verlangsamung dessen, was Sie normalerweise erreichen könnten. Es ist ein
ökonomischer Zauberwürfel, der sich
einer Lösung entzieht.

- 3-

Die

Umsetzung

des

Übergangs

zu

�einer
produktiven
Volkswirtschaft
wird Sie als Volk auf die Probe stellen. Die Preise einiger Waren werden
steigen. Einige unwirtschaftlich arbeitende Unternehmen und Fabriken
werden schließen. Aber der ungarische Staat überläßt die Führung der
Geschäfte zunehmend den Ladeninhabern
und die Bauernhöfe zunehmend den Bauern. Die einmal entfesselte schöpferische Kraft des Volkes wird eine Eigendynamik entwickeln. Dies wird Ihnen einen größeren Schatz eintragen
als nur der von Ihnen geschaffene
Reichtum. Es wird ihnen die Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal geben das Schicksal Ungarns.
Wie ich schon erklärt habe, werden die Vereinigten Staaten Ihnen bei
der Umgestaltung zu einer erfolgreichen Volkswirtschaft als Partner zur
Seite stehen.
Am vergangenen Donnerstag (dem 6.
Juli 1989) hatte ich im Weißen Haus
führende Vertreter aus Industrie,
Bildungswesen, Gewerkschaften und anderen Bereichen zu Gast, um über die
neuen privatwirtschaftlichen Möglichkeiten zu sprechen, die sich nun in
Ungarn eröffnen. Und ihre Reaktion
war enthusiastisch. Dies galt besonders für die Amerikaner ungarischer
Abstammung, die so stolz darauf sind,
eine Brücke zwischen ihrem neuen Land
und ihrer alten Heimat zu bauen. Solange unsere beiden Regierungen den
Weg ebnen, können die Völker der Vereinigten Staaten und Ungarns das
übrige tun - die Völker können das
übrige tun.
In diesem Geist verkünde ich nun
die folgenden Maßnahmen.
Erstens, wie ich schon in Warschau erklärt habe, werde ich auf dem
Weltwirtschaftsgipfel in Paris eine
konzertierte Aktion des Westens für
Polen und Ungarn vorschlagen, um Ihre
Reformen durch wirtschaftliche und
technische Hilfe der Gipfelteilnehmer
zu unterstützen.
Natürlich werden
unsere Bemühungen für Ungarn speziell
auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten

sein.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds von
25 Millionen Dollar zu bewilligen,
der eine Quelle neuen Kapitals zur
Belebung des ungarischen Privatsektors bilden soll. Ich werde ferner
parallele Bemühungen der anderen Gipfelteilnehmer ermutigen.
Drittens werde ich nach Verabschiedung des von Ihrem Ministerrat
vorgeschlagenen neuen Auswanderungsgesetzes durch Ihr Parlament unseren
Kongreß davon in Kenntnis setzen, daß
sich Ungarn in völliger Übereinstimmung mit dem Jackson-Vanik-Zusatz zu
unserem Handelsgesetz aus dem Jahr
1974 befindet. Für kein Land sind
bisher die Beschränkungen dieses Zusatzes aufgehoben worden. Ich freue
mich deshalb, Ihnen mitteilen zu können, daß Ungarn das erste Land sein
wird. Dieser Schritt wird Ungarn den
freiesten Zugang zum amerikanischen
Markt für den längsten Zeitraum geben, der unseren Gesetzen gemäß möglich ist.
Viertens sind die Vereinigten
Staaten bereit, Ihrem Land Zugang zu
unserem Allgemeinen Begünstigungssystem zu geben, das selektive Zollerleichterungen bietet. Einfach ausgedrückt werden es Ihnen die letzteren
beiden Maßnahmen gestatten, sich die
Vorteile des größten Einzelmarkts in
der ganzen Welt zunutze zu machen.
Fünftens haben wir den Entwurf
für ein Abkommen erarbeitet, mit dem
die Gesellschaft für private Investitionen im Ausland (Overseas Private
Investment Corporation) - auch OPIC
genannt - in Ungarn tätig werden
kann. Und wenn unser Senat die entsprechende Gesetzgebung verabschiedet, wird OPIC Sicherheiten geben
können und damit amerikanische Investitionen in ungarischen Privatfirmen
ermutigen. Durch OPIC werden amerikanische Geschäftsleute das ungeheure
Potential Ungarn aus erster Hand erleben können.

- 4-

�Private Investitionen sind für
Ungarn ungemein wichtig. Sie bedeuten
Arbeitsplätze,
Innovationen,
Fortschritt. Vor allem schaffen Privatinvestitionen aber eine bessere
Zukunft für Ihre Kinder und eine bessere Zukunft für Ungarn.
Und dennoch kann wirtschaftlicher
Fortschritt nicht auf Kosten der
Luft, die wir atmen und des Wassers,
das wir trinken, durchgesetzt werden.
Vor sechs Wochen habe ich in Mainz
die Zusammenarbeit zwischen Ost und
West bei Umweltfragen vorgeschlagen.
Und deshalb werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, fünf Millionen
Dollar für die Gründung eines internationalen Umweltzentrums für Mittelund Osteuropa zu bewilligen, das seinen Sitz hier in Budapest haben wird.
Es soll private und staatliche Investoren und Organisationen zusammenführen, die sich mit der ökologischen
Krise befassen sollen.
Schließlich
ist die Erde unser gemeinsames Erbe,
und ihr Schicksal betrifft alle Länder, nicht nur Ost und West.
Ungarn hat in Mittel- und Osteuropa eine Führungsrolle übernommen,
als es darum ging, die Sorge seiner
Bürger um sauberere Luft und saubereres Wasser anzusprechen. Und jetzt
können Sie noch mehr tun und mit dem
Westen
zusammenarbeiten,
um
eine
Brücke der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik zu schlagen.
In diesem Zusammenhang freue ich
mich auch, Ihnen mitteilen zu können,
daß die Vereinigten Staaten ein Abkommen zwischen unseren beiden Ländern vorgeschlagen haben, um wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung und
in besonderen Bereichen wie etwa Umwelt, Medizin und Reaktorsicherheit
zuzulassen.
Ich hoffe, daß dieser Besuch auch
zu einem erweiterten Austausch zwischen Ost und West führen wird, so
daß unsere Wissenschaftler, unsere
Künstler und unsere UmweltschUtzer
voneinander lernen können; so daß un-

sere Soldaten und Politiker über
Frieden sprechen und unsere Studenten
- Gott schütze sie - die Zukunft erörtern können.
Aber Diskussion erfordern eine
gemeinsame Sprache.
Englischunterricht ist einer der beliebtesten amerikanischen Exportartikel.
Und Sie
als Studenten wissen, daß Englisch
die Lingua franca der Weltwirtschaft
und damit der Schlüssel für Geschäfte
von Hongkong bis Toronto ist. Um also mehr Ungarn die Weitmärkte zu öffnen, freue ich mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß das Peace Corps erstmals in einem europäischen Land zum
Einsatz kommen wird. Und damit werden die Lehrer des Peace Corps in Budapest und den 19 anderen Bezirken
Englisch unterrichten.
Mit
diesen
Austauschprogrammen
wollen wir Ihnen bei Ihrem Streben
nach einem neuen Anfang als demokratisches Ungarn helfen. Deshalb stellen die Vereinigten Staaten Osteuropa
über 6 Millionen Dollar für Projekte
im Bildungswesen und im kulturellen
Bereich zur Verfügung.
Wir werden
Mittel für eine Reihe wichtiger neuer
amerikanisch-ungarischer
Austauschprogramme bereitstellen - für Kongreßabgeordnete und Gesetzesexperten,
Gewerkschafter
und
Geschäftsleute,
Rechtsexperten,
Kommunalpolitiker,
Lehrer
und
junge Menschen.
Wir
schaffen eine Reihe neuer Stipendien,
damit Ungarn an amerikanischen Universitäten studieren können. Und wir
werden mit Stiftungsgeldern Lehrstühle für Amerikanistik an Ihren Universitäten einrichten und viele Tausend
Bücher finanzieren, die dann Regale
Ihres neuen Internationalen Management Centers und die Bibliotheken der
Schulen und Universitäten Ungarns
füllen werden.
Und die Vereinigten Staaten werden in den nächsten Jahren auch ein
Amerika Haus im Zentrum von Budapest
eröffnen.
Heute hat der bekannte
amerikanische Architekt Robert Stern
seinen Entwurf für dieses Zentrum
vorgestellt, das als offenes Haus der

- 5 -

�Bücher, Zeitschriften und Videokassetten - als offenes Haus für Ideen fungieren wird.
Zusammenfassend möchte ich sagen
- wirtschaftliche Reformen und demokratischer Wandel, Zusammenarbeit im
kulturellen Bereich und bei Umweltfragen bergen große Chancen und große
Herausforderungen. Für Ungarn bleibt
noch viel zu tun, ebenso für die Vereinigten Staaten und Ungarn, wenn sie
zusammenarbeiten, um diese bessere
und dynamische Zukunft aufzubauen.
Ihre Herausforderung ist enorm
und von historischer Bedeutung: die
Strukturierung
politischen
Wandels
und eines dezentralisierten Wirtschaftssystems auf den Trümmern eines
gescheiterten stalinistischen Systems.
Und bei der Möglichkeiten, die
Sie haben, um die Ihnen eigene Initiative, Kreativität und den Erfindungsreichtum unter Beweis zu stellen, bin ich der Überzeugung, daß Sie
die Herausforderung bewältigen werden. Sie stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters wirtschaftlicher
Entwicklungen und realer politischer
Veränderungen.
Und ich bin der festen Überzeugung, daß Sie bereit sind, sich der
Zukunft zu stellen.
Ich sehe ein
Land, das bereits seinen Weg macht.
Ich sehe ein Land, dessen Menschen
ein reiches Potential in sich bergen
moralischen Mut.
Ich sehe ein
Land, daß seine Vergangenheit hinter
sich läßt und sich seinem Schicksal
stellt.
Ich beglückwünsche Sie zu
dem Weg, den Sie bereits zurückgelegt
haben.
Und wir wollen uns den vor uns
liegenden Möglichkeiten gleichermaßen
stellen. Die Geschichte soll von uns
sagen, daß wir die Generation waren,
unter der Europa ungeteilt und frei
wurde.
Ich danke Ihnen.
alle. Vielen Dank.
*****

Gott segne Sie

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

DAS PROGRAMM ZUR FÖRDERUNG DER REFORMEN IN UNGARN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht über Präsident Bushs Programm zur Förderung der Reformbestrebungen in Ungarn wurde am 12. Juli 1989 in Budapest vom Weißen Haus
veröffentlicht.

BUDAPEST - (AD) - In Ungarn ist
eine Zeit dynamischer Veränderungen
in Politik und Wirtschaft eingeleitet
worden. Präsident Bush hat verschiedene Maßnahmen angekündigt, um die
bereits
umfangreichen
Anstrengungen
Ungarns zur Entwicklung privaten Unternehmertums und eines freien politischen Systems zu fördern.

Ungarisch-Amerikanischer
Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines Unternehmensfonds im Umfang von 25
Millionen Dollar vor, um den Ungarn beim Ausbau ihres Privatsektors zu helfen, der bereits zu
den größten in Mittel- und Osteuropa zählt.

Konzertierte Aktion des Westens.
Der Präsident schlägt eine konzertierte Aktion der Regierungen
der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans vor, mit der
Wirtschaftsreformen und der Wiederaufbau
in
Ungarn
gefördert
werden
sollen.
Das wird ein
wichtiges
Thema
beim
Pariser
Weltwirtschaftsgipfel sein.

Meistbegünstigungsklausel.
Der
Präsident hat seine Absicht bekundet, Ungarn die Meistbegünstigung ohne jährliche Prüfung einzuräumen,
sobald
Ungarn
seine
neuen Auswanderungsgesetze verabschiedet hat. Dieses neue Gesetz
wird gemäß dem Jackson-Vanik-Zusatz den Anforderungen nach freier Ausreise entsprechen.
Ungarn
würde damit das erste Land des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Warschauer Pakts, das voll und
ganz Im Einklang mit Jackson-Vanik stünde.
Umweltinitiative. Präsident Bush
hat Umweltpolitik zu einem Eckpfeiler seines Plans zur Unterstützung von Reformen in Osteuropa erklärt. Der Präsident will
den Kongreß bitten, fünf Millionen Dollar für die Einrichtung
eines regionalen Umweltzentrums
in Budapest bereitzustellen. Das
Zentrum wird Experten aus dem
Privatsektor und der Regierung
sowie Organisationen zusammenführen, um ökologische Probleme zu
erörtern.
Austausch. Der Präsident hat eine erhebliche
Erweiterung der
Austauschprogramme mit Ungarn und
anderen Ostblockländern angekündigt.
Das
US-Informationsamt
(USIA) wird 1,6 Millionen Dollar
für diese neuen Programme bereitstellen.
Abkommen über Wissenschaft und
Technologie (Science and Technology - S und T). Der Präsident
hat die Absicht der Vereinigten
Staaten bekundet, ein Rahmenabkommen mit Ungarn zu S und T abzuschließen. Wir stellen uns ein
breit angelegtes Programm wissenschaftlicher und technischer Zusammenarbeit in Bereichen gemeinsamen Interessens und gemeinsamen
Fachgebieten vor wie etwa Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft, Medizin, Energie und Reaktorsicherkeit.
Peace Corps. Der Präsident hat
die
Einrichtung
eines
Peace
Corps-Programms in Ungarn angekündigt, das hauptsächlich ungarische Bestrebungen zur Entwicklung und Erweiterung des Englischunterrichts
unterstützen
soll.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Gipfelteilnehmer ihre gemeinsamen
Anstrengungen verstärken, um Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn
zu fördern, die auf politischem Pluralismus basieren.
Einander ergänzende Bestrebungen der führenden demokratischen Industrieländer werden
dem Wirtschaftsaufschwung
und dem
Fortschritt dieser Länder an ihrem
Wendepunkt
großen Auftrieb geben.
Andere Interessierte Länder könnten
ebenfalls zu diesem Fortschritt beitragen.
Umfang
Die Bestrebungen werden Arbeit
mit den Regierungen Polens und Ungarns umfassen wie auch mit anderen
offiziellen und unabhängigen Organisationen in diesen Ländern, um Informationen zu sammeln und Reaktionen
auf Probleme beiderseitigen Interesses festzuhalten. Beteiligte Regierungen werden gegebenenfalls auch mit
Vertretern von IWF, Weltbank, der EGKommission und anderen multilateralen
und privatwirtschaftlichen Institutionen zusammenarbeiten.
Hierbei könnten folgende Bereiche
angesprochen werden:
notwendige Wirtschaftsreformen,
Termine und Konditionen für neue
Kredite und
konkrete Unterstützung zur Privatisierung und für Privatunternehmen, Umweltprojekte, Ausbildungsprogramme,
Netze
sozialer
Sicherheit, die auch Umstrukturierung und Wohnungswesen einschließen.
Diese Bestrebungen würde bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club oder den IWF nicht
umgehen oder ersetzen.
Der nächste Schritt

Konzertierte Aktion des Westens für
Ungarn und Polen

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den Staats- und
2 "

�Regierungschefs der anderen Gipfelländer erörtern - mit Großbritannien,
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Japan, Italien und Kanada.

Ungarisch-amerikanischer
mensfonds

Unterneh-

Vorschlag
Ungarn hat eine Reihe von Schritten zum Ausbau seines Privatsektors
unternommen, der Wohlstand zum Nutzen
der gesamten Nation schaffen kann.
Auf Anregung des Präsidenten werden
die Vereinigten Staaten und Ungarn
einen "Ungarisch-amerikanischen Unternehmensfonds" ins Leben rufen.
Der Präsident bittet den Kongreß um
25 Millionen Dollar für diese Initiative.
Zweck
Der Fonds wird die Entwicklung
des zunehmenden Privatsektors fördern. Er wird autorisiert sein, Kredite in harter Währung oder Subventionen für bewilligte Projekte zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Fördermittel,
mögliche Einrichtung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Unternehmen (zum Beispiel Hilfe für Unternehmer, sich in Staatsfirmen einzukaufen) ,

Ungarn;

Meistbegünstigungsstatus

Vorschlag
Der Präsident hat angekündigt,
mit der Verabschiedung des neuen Auswanderungsgesetzes durch das ungarische Parlament wird er den Kongreß
davon in Kenntnis setzen, daß der
Jackson-Vanik-Zusatzartikel zum Handelsgesetz von 1974 von Ungarn voll
und ganz eingehalten wird.
Ungarn
qualifiziert
sich
damit für den
Meistbegünstigungsstatus für den im
Rahmen unserer Gesetzgebung gewährten
maximalen Zeitraum, der jährlich automatisch verlängert wird.

Hintergrund
Am 26. Juni 1989 hat der ungarische Ministerrat den endgültigen Entwurf eines neuen Auswanderungsgesetzes genehmigt, der dem ungarischen
Parlament zur Verabschiedung vorgelegt werden soll.
Der genehmigte
Entwurf enthält Bestimmungen, die zur
Erfüllung der in Abschnitt 402 des
Jackson-Vanik-Zusatzartikels
enthaltenen Bedingungen zur freien Auswanderung unabdingbar sind.
Im Rahmen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels zum Handelsgesetz von
1974 ist der Präsident befugt, die
Verweigerung des Meistbegünstigungsstatus' für Zölle an ein Land, das
Auswanderungen
maßgeblich
einschränkt, aufzuheben, wenn eine solche Aufhebung die Ziele des Zusatzartikels fördern würde.

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die Ungarns Privatsektor unterstützen oder von ihm geleitet werden,
Finanzierung von ganz oder teilweise privaten Exportprojekten,
Joint Ventures zwischen privaten
ungarischen und amerikanischen Investoren (zum Beispiel, indem man die
Beteiligung ungarischer Privatfirmen
an Joint Ventures fördert).

- 3 -

Im Hinblick auf Ungarn hat der
Präsident dieses Verfahren seit
1978 jedes Jahr angewandt.
Ungarn ist auf dem Wege der vollständigen Einhaltung der Bestimmungen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels.
Ungarn wird das erste
Warschauer Pakts sein,
Auswanderung gesetzlich
hat und praktiziert und

Land des
das freie
verankert
damit die

�Bestimmungen des Jackson-VanikZusatzartikels erfüllt.
Ein regionales Umweltzentrum
dapest

4.

Obwohl das Zentrum in oder in der
Umgebung von Budapest errichtet
werden soll, besteht seine Aufgabe vornehmlich darin, staatliche
und private Gremien und Gruppen
aus Ost und West für die Bereitstellung von Mitteln und direkte
Teilnahme an den Projekten zu gewinnen.

in Bu-

Vorschlag
Der Präsident hat die Gründung
eines Umweltzentrums für 5 Millionen
Dollar vorgeschlagen, das in Budapest
errichtet werden soll.
Damit wird
die vom Präsidenten in Mainz unterbreitete Initiative in die Praxis umgesetzt, Ost- und Mitteleuropa bei
der Bewältigung ihrer Umweltprobleme
behilflich zu sein.

Zweck
Dieses Zentrum wird als Einrichtung für gemeinsame Forschungstätigkeit fungieren, in dem Experten aus
Regierung und Privatwirtschaft sowie
gemeinnützige Vereine aus den Vereinigten Staaten, West- und Osteuropa
sich mit Umweltfragen einschließlich
Energiewirtschaft und Reaktorsicherheit befaßen.

Umfang
Bei dem Zentrum soll es sich um
eine mit privaten und staatlichen
Mitteln geförderte Organisation handeln. Ihre Arbeit konzentriert sich
darauf, ein Potential von Mitarbeitern zur umfassenden Verbesserung der
Umwelt und zum Schutz von Aktivitäten
in der Region heranzubilden.
-

Verbesserung von Technologie und
Verfahren zur Reaktorsicherheit.

Austauschprogramm mit Ostmitteleuropa
Vorschlag
Der Präsident hat erweiterte und
phantasievolle Austauschprogramme gefordert. Das US-Informationsamt wird
von den für 1990 bewilligten Mitteln
6,1 Millionen Dollar zur Verfügung
stellen, um diese neue Initative zur
Unterstützung der Hinwendung zu demokratischen Werten und Institutionen
durch erheblich erweiterte Kontakte
auf wissenschaftlicher und kultureller Ebene und von Mensch zu Mensch zu
verwirklichen.
Diese
Initiative
konzentriert
sich vornehmlich auf Ungarn und Polen, erstreckt sich jedoch auch auf
andere Länder in der Region.
Im
nächsten Jahr wird das neue, staatlich geförderte Austauschprogramm bereits Hunderte von Teilnehmern haben.
Die Initiative
Aspekte:

umfaßt

folgende

Politische, gesellschaftliche und
rechtliche Institutionen

Das Zentrum verleiht Laborgeräte
und veranstaltet Seminare und andere Austauschprogramme.
Besondere Betonung wird auf folgende Probleme gelegt:

1.

Grenzüberschreitende
Umweltprobleme
2. Giftmüllentsorgung
3. Alternative,
umweltfreundliche
Energiequel1en
- 4 -

Das John Marshall-Studienprogramm
für Rechtswissenschaften.
über
50 Anwälte, Juristen und Parlamentarier besuchen die Vereinigten Staaten, um die amerikanische
Rechtsprechung und Gesetzgebung
zu studieren.
Besuche von Fachleuten des Kongresses, um die neue demokratische Gesetzgebung in Ungarn und

�Jugend,
tausch

Polen kennenzulernen.
Konsultationen von Vertretern der
ostmitteleuropäischen politischen
Parteien mit amerikanischen Parteiverbänden, um die Mechanismen
demokratischer Wahlen kennenzulernen.

Übersetzung und Verteilung von
bis zu 100 000 Büchern, Zeitschriften und Videokassetten über
das politische und wirtschaftliche System der Vereinigten Staaten in den Landessprachen.

Austauschinitiative.
Unterstützung des amerikanischen Privatsektors bei der Entwicklung von
Jugend- und anderen Austauschprogrammen in Ost- und Mitteleuropa.
Mehrere hundert amerikanische und
europäische Bürger wären in diese
intensivierte Austauschinitiative
einbezogen.

Umweltschutz und
turdenkmälern

Initiative für freie Marktwirtschaft
Alexander Hamilton-Stipendien im
Bereich
Management.
Praktika,
Aus- und
Fortbildungsprogramme
für mindestens 50 Unternehmer und
Manager.
Besuche von amerikanischen Unternehmern und Management-Experten
zur Beratung privater Unternehmen
und Genossenschaften.

Erhaltung von Kul-

Austausch von Spezialisten für
Umweltschutz und die Erhaltung
von Kulturdenkmälern.

Entsendung amerikanischer Fachleute für Recht vind öffentliche
Verwaltung an ostmitteleuropäische Forschungseinrichtungen.
Besuche
"zukünftiger
Führungskräfte" unter 30 Jahren aus Ostmitteleuropa in den Vereinigten
Staaten.
Für dieses Programm
sind ca. 100 Teilnehmer vorgesehen.

Studentenaus-

Einrichtung
von Noah WebsterLehrstühlen
für
amerikanische
Sprache und Literatur an Universitäten Mittel- und Osteuropas.

Samuel Gompers Gewerkschaftsführer-Austauschprogramme.
Reiseund Studienprogramme für Gewerkschafter in den Vereinigten Staaten.
-

Schüler- und

Vereinbarung mit Ungarn
Wissenschaft und Technik

!• Bereich

Umfang
Der Präsident hat die Absicht der
Vereinigten Staaten verkündet, mit
Ungarn ein Rahmenabkommen über Wissenschaft und Technik abzuschließen.
Wir stellen uns darunter ein breitgefächertes Programm wissenschaftlicher
und technologischer Zusammenarbeit in
Bereichen von gemeinsamem Interesse
und Fachwissen vor, etwa in Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft,
Medizin, Energie, Geologie und Reaktorsicherheit.

Zweck
Unterstützung von Management-Ausbildungsprogrammen
und -instituten durch amerikanische Ausbilder, Lehrmittel sowie Kurzseminare. Hunderte von Management-Experten in Ostmitteleuropa würden
von diesen breitgefächerten Bemühungen profitieren.

Die Vereinbarung würde eine qualitativ
hochwertige
Zusammenarbeit
bei Forschungsprogrammen entwickeln
und umsetzen.

- 5 -

Die Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik trägt Ungarns
ausgezeichnetem
wissenschaftll-

�ehern Potential Rechnung.
Die Vereinbarung ergänzt zudem
die Umweltinitiative des Präsidenten für Osteuropa durch Koordinierung von Forschungsvorhaben,
Bereitstellung des erforderlichen
Grundkapitals und Ermutigung von
Kontakten im Umweltbereich.

Die Vereinigten Staaten und die
Regierung Ungarns haben prinzipiell
vereinbart, ein Peace Corps-Programm
einzurichten, das sich primär auf die
Unterstützung ungarischer Bemühungen
zur Entwicklung und Ausweitung des
Englischunterrichts
konzentrieren
soll.
Die Aufnahme der Tätigkeit des
Peace Corps in Ungarn stellt eine
neue Ära für die amerikanischen
Freiwilligen in Übersee dar. Das
ungarische Programm, das schon im
Herbst 1989 mit der Ausbildung
für einen Einsatz Anfang 1990 beginnen könnte, hat den Englischunterricht in Budapest und allen
19 Bezirken des Landes zum Ziel.

Die nächsten Schritte
Wir erwarten in Kürze die Entsendung einer technischen Delegation
nach Ungarn, um abschließend über die
Vertragsbedingungen zu verhandeln und
detaillierte Vereinbarungen über die
Finanzierung auszuarbeiten.

Finanzierung

Die Freiwilligen

Von beiden Seiten entrichtete
jährliche Beiträge in Höhe von je etwa einer Million Dollar oder der entsprechende Betrag in ungarischer Währung würden die Umsetzung dieser Vereinbarung ermöglichen.

Heute gibt es nahezu 6 000 Freiwillige und Praktikanten in 65 Staaten Amerikas, Afrikas, Asiens und des
Pazifiks. Ungarn wird das erste europäische Land sein, in das amerikanische Freiwillige entsandt werden.

Die Vereinigten Staaten können
eine vernünftige und spürbare
Rendite erwarten, die wesentlich
über den für die Vereinigten
Staaten
entstehenden
Kosten
liegt, da ein solches Grundkapital häufig wesentlich höhere Dividenden in Form von wissenschaftlichen Innovationen und Anreizen für weitere Mittelvergabe
durch die beteiligten technischen
Behörden abwirft.

In der gesamten Welt bieten diese
Freiwilligen des Peace Corps ihre
Fähigkeiten
in
einem
breiten
Spektrum von Programmen an, darunter Gesundheit für Mutter und
Kind, Ernährung, SÜßwasserfischerei , Ausbau der Landwirtschaft,
Lehrerausbildung,
Beratung
von
Kleinunternehmen,
öffentliche
Verwaltung, Erschließung von Bodenschätzen, Energie, Ingenieurwesen und Industriedesign.

Dieses Programm wird andere mit
Polen und Jugoslawien bestehende,
wertvolle amerikanische Programme
im Bereich Wissenschaft und Technik ergänzen.

Ein Freiwilliger muß amerikanischer Staatsbürger mit einem Mindestalter von 18 Jahren sein. Es
gibt keine obere Altersgrenze,
nahezu 500 Freiwillige sind über
50.

Das
Peace
Corps
Staaten in Ungarn
Das Programm

der

Vereinigten
Ausbildung
Alle Freiwilligen werden eine
Sprach- und landeskundliche Ausbildung in Ungarn durchlaufen, bevor sie
- 6 -

�an die Schulen entsandt werden. Ein
Hauptschwerpunkt wird die Erlernung
der ungarischen Sprache sein.
Zu
Landeskunde zählen Ungarns Geschichte, Sitten- und Gebräuche sowie soziale und politische Systeme.

* * * * *

- 7-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Präsident Bushs Besuch in Polen und Ungarn vom 9.-13. Juli 1989&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem polnischen &lt;br /&gt;Parlament&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Aktionsprogramm für Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

26. J u l i 1989

28
INHALT
DOKUMENTATION

"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI

HINTERGRUND
Apollo - zwanzig Jahre danach
- Amerikas letztes großes Wagnis

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesunder Regenwald von großem Wert
- Umwandlung in Weide- und Farmland unwirtschlaftlich

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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"""*'

AMERIKA DIENST
Dokumentation

Ä&lt;

28

26. Juli 1989
"FRIEDEN UND DEMOKRATIE" LEERE VERSPRECHUNGEN DER SANDINISTEN
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bieten die in Nicaragua anstehenden Wahlen dem Regime der Sandinisten eine weitere Gelegenheit, ihre im
Jahr 1979 gegenüber der OAS und im vergangenen Jahr im Esquipulas-Abkommen gegebenen Versprechen "zur Errichtung einer Demokratie" in Nicaragua einzulösen.
In einer vom Weißen Haus am 19. Juli 1989 veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident jedoch auf einen offensichtlichen "neuerlichen Versuch zur
Verhinderung freier und fairer Wahlen. In scharfem Gegensatz zu den Nachbarländern, die den Weg der Demokratie gewählt haben, demonstriert die Regierung
der Sandinisten lediglich, daß sie den freien politischen Wettstreit fürchtet."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush zu Nicaragua im Wortlaut:
Vor zehn Jahren herrschte hier
und in Lateinamerika allgemein Befriedigung darüber, daß die Revolution gegen Somoza in Nicaragua triumphiert hatte und damit endlich der
Demokratie eine Chance gegeben würde. Im Jahr 1979 verpflichteten sich
die Sandinisten gegenüber der OAs zur
Errichtung einer Demokratie, und sie
erneuerten diese Verpflichtung mit
der Unterzeichnung des Friedensabkommens für Mittelamerika vor nahezu
zwei Jahren. Trotz dieser Versprechen wurde die Verpflichtung bis heute nicht eingelöst.
Die Vereinigten Staaten wollten
die Hinwendung zur Demokratie unterstützen. Wir hatten durch die Einstellung der Militärhilfe zum Sturz
Soraozas beigetragen. Ermutigt durch
das Versprechen der Sandinisten ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

genüber der OAS stellten wir der
neuen nicaraguanischen Regierung 118
Millionen Dollar an wirtschaftlicher
und humanitärer Hilfe zur Verfügung.
Dies war erheblich mehr als jedes andere Land dem neuen Regime gewährte
und auch mehr Hilfe, als wir in den
vier Jahren davor für die Regierung
Somoza bereitgestellt hatten.
Trotz der Unterstützung der Vereinigten Staaten und anderer Regierungen haben die Sandinisten unverzüglich einen Kurs eingeschlagen, mit
dem sie die Macht in ihren Händen
konzentrieren konnten, trieben ihr
Land in den wirtschaftlichen Ruin und
zwangen Hunderttausende zur Flucht.
Sie bauten mit Hilfe Kubas, der Sowjetunion und anderer kommunistischer
Länder die größten Streitkräfte Mittelamerikas auf. Die Sicherheitspo-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lizei und sandinistische Schlägertrupps verfolgten und Inhaftierten
Oppositionsmitglieder aus politischen
Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen, der katholischen Kirche und der
Miskitoindianer.
Wahlen wurden um
fünf Jahre verschoben und als sie
endlich stattfanden, war der Opposition nach den Grundregeln der Sandinisten kein freies und gerechtes Konkurrieren erlaubt.
Heute, da die Augen der Welt auf
ihnen ruhen, haben die Sandinisten
wiederum Gelegenheit, Frieden und Demokratie eine Chance zu geben. Aber
trotz des herannahenden Jahrestages
der Verpflichtungen von Esquipulas
ist nur der neuerliche Versuch zu erkennen, freie und faire Wahlen zu
verhindern. In scharfem Gegensatz zu
den Nachbarländern, die den Weg der
Demokratie
gewählt
haben, demonstriert die sandinistische Regierung
lediglich, daß sie einen freien politischen Wettstreit fürchtet.

kontrollieren.
Zwei
amerikanische
Diplomaten wurden aufgrund ihrer Beobachtung eines Wahlkampfs der Opposition ausgewiesen, und EG-Vertreter
protestierten gegen Behinderungen anderer Mitglieder des diplomatischen
Corps durch die Sandinisten. Diese
Aktionen stehen in scharfem Gegensatz
zu den Erfahrungen in El Salvador, wo
Beobachter von allen Seiten - auch
Kritiker der Regierung -• begrüßt wurden.
Darüber hinaus entspricht das
neue Mediengesetz nicht demokratischen Maßstäben und enthält nur vage
Bestimmungen, mit denen eine Diffamierung der Regierung verfolgt und
durch das Inneministerium bestraft
werden kann. Im Gegensatz zu anderen
Länder Mittelamerikas ist die Regierung per Gesetz Eigentümer der Fernsehanstalten. Umfragen sind nur mit
Genehmigung der Regierung erlaubt und
die Sandinisten damit in der Lage,
dem Volk das wahre Ausmaß ihrer Unbeliebtheit vorzuenthalten.

Die reformierten Wahlgesetze der
Sandinisten wurden der Opposition gegen ihren Widerstand aufoktroyiert
und sehen einen Wahlrat vor, in dem
die Sandinisten die Mehrheit haben.
Bestimmungen
zur Finanzierung der
staatlichen Wahlkampagne benachteiligen Parteien, die nicht an der letzten Wahl teilgenommen haben. Um jede
Chance auszuräumen, daß ausländische
Mittel an die Opposition die offizielle Begünstigung der sandinistischen Partei aushöhlen, verfügt das
Gesetz die Zahlung von 50 Prozent der
ausländischen Mittel an den Wahlrat.
Diese Bestimmungen gelten nicht für
die sandinistische Partei.

Die Sandinisten haben auch auf
andere Weise ihre Angst vor freien
Wahlen dokumentiert. Zahlreiche Demonstrationen der Opposition mußten
abgesagt werden, weil die Regierung
die Genehmigung verweigerte. Gewerkschaften wurden bedroht, weil die Demonstration
ihrer
wirtschaftlichen
Macht eine Bedrohung für die Sandinisten darstellt.
In jüngster Zeit
wurden zahlreiche Privatunternehmer
enteignet - nicht aufgrund von Gesetzesübertretungen - sondern in dem
offensichtlichen Versuch, Kritik an
der Politik der Sandinisten im Keim
zu ersticken.

Auf dem Papier sind ausländische
Wahlbeobachter zugelassen, aber die
Praktiken der Sandinisten deuten auf
den Wunsch hin, diese zu behindern.
Zum Beispiel haben die Sandinisten
Vertreter der Nationalen Stiftung für
Demokratie als "CIA-Agenten" gebrandmarkt, einen Beobachter von Freedom
House ausgewiesen und Amerikanern Visabestimmungen auferlegt, um die Berichterstattung über die Wahlen zu

Die Maßnahmen
der Sandinisten
werden von einer staatlichen Propaganda unterstützt, die Opposition mit
mangelnder Staatstreue und Kritik mit
Loyalität gegenüber einer ausländischen Macht gleichsetzt. Die Sandinisten haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß sie den Wunsch
der Opposition nach Dialog zu ignorieren gedenkt. Vergangene Woche hat
Präsident Ortega in San Jose seinen

- 2 -

�Wunsch nach Veränderungen bekundet.
Wir sind gespannt, ob er sie auch
durchführen wird, weil die Aussichten
für eine nationale Aussöhnung düster
sind, wenn die Opposition und der nicaraguanische Widerstand in diesem
Prozeß keine gleichberechtigten Partner werden.
Wir erwarten darüber hinaus, daß
die Sandinisten andere Veränderungen
vornehmen, um ihren Verpflichtungen
von Esquipulas nachzukommen.
Kürzlich entdeckte Waffenverstecke in El
Salvador deuten darauf hin, daß die
Sandinisten ihre subversive Tätigkeit
in den Nachbarnländern nicht aufgegeben haben. Obwohl wir keine todbringenden Waffen mehr an die Widerstandskämpfer
liefern, rüsten die
Sandinisten mit Hilfe neuer Lieferungen aus Kuba und anderen kommunistischen Ländern weiterhin auf.
Und
jetzt machen sie mit dem Noriega-Regime in Panama - einer Diktatur im
Stile Somozas - gemeinsame Sache.
Das Überparteiliche Abkommen mit
dem Kongreß bietet die Gelegenheit zu
besseren Beziehungen zwischen unseren
Ländern. Wir streben die Verwirklichung von Demokratie und nationaler
Aussöhnung in Nicaragua an. Wir sind
weiterhin zu positiven Reaktionen bereit, wenn die Sandinisten ihre Versprechen erfüllen - die sie der OAS
vor 10 Jahren, in Esquipulas, und erneut letzten Februar in El Salvador
gegeben haben - damit die Nicaraguaner ihre demokratischen Rechte wahrnehmen können.
Trotz der düsteren Aussichten unterstützen wir weiterhin freie Wahlen
und Demokratie in Nicaragua und hoffen inständig, daß das nicaraguanische Volk im nächsten Jahr wirklich
etwas zu feiern haben wird.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
26. Juli 1989

28

BUSH FORDERT KONTINUIERLICHE ERFORSCHUNG DES WELTRAUMS
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache anläßlich des 20. Jahrestags der
Landung amerikanischer Astronauten auf dem Mond nannte Bush bemannte Weltraumflüge "die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt"
und gab Pläne für ein kontinuierliches Programm zur Erforschung des Weltraums
in den kommenden Jahren bekannt.
Bush zufolge besteht ein erster Schritt seines Projekts im Bau einer permanenten amerikanischen Raumstation in den neunziger Jahren, der im 21. Jahrhundert die Errichtung eines ständigen amerikanischen Stützpunkts auf dem Mond
und eine bemannte Mission zum Mars folgen sollen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich danke Ihnen allen sehr herzlich.
Ich stehe vor einem der am
häufigsten besichtigten Orte der Welt
einem Symbol amerikanischen Muts
und Erfindungsreichtums. Und vor mir
stehen jene, deren Genie dieses Vermächtnis zu verdanken ist - die Männer und Frauen des amerikanischen
Astronautenkorps.
Wir sind sehr stolz, an dieser
einmaligen Versammlung amerikanischer
Veteranen des Weltalls teilnehmen zu
können - und zusammen mit drei der
größten Helden dieses oder jedes anderen Jahrhunderts auf diese Bühne zu
stehen - der Mannschaft von Apollo XI.
Es mutet unglaublich an, daß bereits 20 Jahre vergangen sein sollen.
Neil und Buzz haben den Moon-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

walk 15 Jahre, bevor Michael Jackson
auch nur einen Gedanken daran verschwendete, erfunden.
Michael Collins - der ehemalige
Direktor dieses berühmten Museums und
gleichzeitig der mutige Pilot, der
alleine den Mond umkreiste, während
Neil und Buzz den Mond betraten.
Mike - ich glaube, Sie sind wohl der
einzige Amerikaner über 10, der in
dieser Nacht die Mondlandung nicht im
Fernsehen verfolgt hat.
Später heute abend, wenn sich die
Menge aufgelöst hat und die Sonne untergegangen ist, wird ein fast voller
Mond aus der Dunkelheit aufgehen und
auf ein Amerika scheinen, das in
Wohlstand und Frieden lebt. Diejenigen, die alt genug sind, sich an die

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�historische Nacht vor 20 Jahren zu
erinnern, sollten heute abend gemeinsam mit ihren Kindern und Enkelkindern ins Freie treten, ihre Augen zum
Himmel richten und ihnen von der amerikanischen Flagge erzählen, die noch
immer stolz auf diesem fernen Boden
des Mondes weht.
Und diejenigen, die noch nicht
geboren waren oder noch zu jung sind,
um sich daran zu erinnern und Kinder
dieses neuen Jahrhunderts sind, sollten ihre Augen zum Himmel richten und
mit uns gemeinsam einen großen Traum
träumen, einen amerikanischen Traum,
einen Traum ohne Ende.
Die Apollo-Mission.
Der erste
Mensch auf dem Mond. Einige verglichen es mit Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen, andere hielten es
für unmöglich, weil es nie zuvor gewagt worden war. Aber Amerika hat
diesen Traum geträumt, Amerika hat
ihn verwirklicht: am 16. Juli 1969.
Die Sonne ging ein zweites Mal auf an
jenem Morgen, als diese drei Pioniere
mit Saturn V in einem gleißenden Feuerball in den Wolken verschwanden.
Eine Million Menschen hielten zusammen mit der Hälfte des amerikanischen
Kongresses den Atem an, als die Erde
unter ihren Füßen erbebte und unsere
Sicht des Himmels sich für immer wandelte.
Drei Tage und drei Nächte dauerte
diese gefährliche, einmalige, atemberaubende Reise. Und wir alle erinnern uns an jene Nacht.
Mein Frau Barbara und unsere
Tochter Dorothy befanden sich mit mir
in unserem roten Backsteinhaus am
Rande Washingtons, wo wir hingezogen
waren, um Houston im amerikanischen
Kongreß zu vertreten. Unser 12 Jahre
alter Sohn Marvin war mit Freunden
von uns auf einer Reise in den Westen
und erinnert sich daran, wie sie an
einem Motel an der Straße anghielten,
um zuzusehen.
Unser zweiter Sohn,
der in jenem Sommer 16jährige Jeb,
unterrichtete Englisch in einem kleinen mexikanischen Dorf, das noch kei-

nen Strom hatte und
Mondlandung im Radio.

verfolgte

die

Die Landung selbst war schrecklich. Alarmlampen leuchteten auf und
eine Überlastung des Computers drohte, die Mission abzubrechen, während
die Mondfähre Tausende von Metern
über dem Mond hing. Armstrong übernahm die manuelle Kontrolle, um einen
mit Felsbrocken übersäten riesigen
Kratersee zu umfliegen. Dann leuchteten andere Alarmlampen auf und
zeigten einen Treibstoffverlust an die Sicht war jetzt durch Mondstaub
getrübt - und die Flugsicherung begann mit dem Countdown für den Abbruch der Mission.
Amerika - und die ganze Welt lauschten mit zugeschnürter Kehle und
einem Gebet auf den Lippen. Es blieb
nur noch für 20 Sekunden Treibstoff.
Und dann kamen die Worte aus dem
All: Houston. Hier ist die Raumstation. Der Adler ist gelandet."
Innerhalb einer Generation ist
der Mensch von den Dünen von Kitty
Hawk bis zum Staub einer anderen Welt
vorgedrungen. Apollo ist ein Monument der unvergleichlichen Fähigkeit
unserer Nation, rasch und erfolgreich
auf eine klar definierte Herausforderung zu reagieren sowie der Bereitschaft Amerikas, für eine große Belohnung auch ein großes Risiko einzugehen.
Wir hatten eine Herausforderung,
wir haben ein Ziel gesetzt, und wir
haben dieses Ziel erreicht.
Dies ist heute nicht nur eine Gelegenheit, den Astronauten und ihren
Kollegen, sondern auch den Tausenden
von talentierten Männern und Frauen
im ganzen Land unseren Dank auszusprechen, die mit ihrem Engagement,
ihrer Kreativität und ihrem Mut diesen Traum verwirklicht haben. Es ist
also an der Zeit, dem amerikanischen
Volk für sein Vertrauen zu danken,
denn der Erfolg von Apollo wurde von
dem Elan und der Kühnheit einer gesamten Nation ermöglicht, die sich

- 2 -

�einem Traum verschrieben hat.
In dem Gebäude hinter mir werden
die Zeugnisse von Apollo und dessen
Vorgängern aufbewahrt - von den Triumphen
Armstrongs,
Yeagers, Lindberghs und der Gebrüder Wright. Und
in den Nationalarchiven auf der anderen Seite dieser großen Rasenfläche
werden die Dokumente aufbewahrt, die
jene große Idee ins Leben riefen,
durch die dies alles ermöglicht wurde
- das größte Experiment der Freiheit
und Vielfalt in der Welt.
Dieser Ort, zwischen diesen beiden Vermächtnissen gelegen, ist eine
geeignete Stätte, um den Blick in die
Zukunft zu richten.
Denn, die Apollo-Astronauten haben mehr als Flagen und Fußabdrücke
auf dem Mond hinterlassen. Sie hinterließen auch eine unvollendete Aufgabe. Denn selbst vor 20 Jahren erkannten wir bereits, daß das Endziel
der Vereinigten Staaten nicht darin
bestand, dorthin zu reisen und wieder
zurück, sondern dorthin zu reisen und
von dort aus weiter.
Mike Collins hat dies am besten
in dem Satz zusammengefaßt:
"Der
Mond
ist
kein
Bestimmungsort,
er
weist lediglich die Richtung."
Der Weltraum ist die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt, und es steht außer Frage, daß der Mensch im 21.
Jahrhundert wieder seinen Heimatplaneten zu Entdeckungs- und Forschungsreisen verlassen wird.
Was einst
kaum denkbar erschien, ist heute unvermeidlich.
Die Zeit ist gekommen, um über
kurzfristige
Projekte
hinauszudenken. Wir müssen uns erneut für ein
dauerhaftes
Programm der bemannten
Erforschung
des
Sonnensystems
und
auch der dauernden Besiedelung des
Weltraums engagieren. Wir müssen uns
für eine Zukunft engagieren, in der
Amerikaner und Bürger aller Staaten
im Weltraum leben und arbeiten werden.

Heute sind die Vereinigten Staaten die reichste Nation der Erde mit
der mächtigsten Volkswirtschaft der
Welt. Unser Ziel ist nichts geringeres als die Vereinigten Staaten zur
ersten Weltraumfahrernation zu machen.
Von den Reisen des Christoph Columbus über den Oregon Trail bis zur
Reise zum Mond hat die Geschichte
stets gelehrt, daß wir niemals verloren haben, wenn wir auf Überwindung
unserer Grenzen gedrängt haben.
Zu Beginn dieses Monats berichtete ein Nachrichtenmagazin, das Apollo-Programm habe reale Dividenden erbracht und wäre selbst zum doppelten
Preis
ein
Sonderangebot
gewesen.
Apollo wurde als bestes Renditeobjekt
seit Leonardo da Vincis Skizzenblock
bezeichnet.
Im Jahr 1961 bedurfte es noch einer Krise, dem Wettlauf zum Weltraum,
um die Dinge in Gang zu setzen. Heute haben wir keine Krise, wir haben
eine Chance.
Um diese Gelegenheit beim Schopf
zu
ergreifen,
schlage
ich
keinen
Zehnjahresplan wie bei Apollo vor.
Ich schlage ein anhaltendes langfristiges Engagement vor.
Erstens, für das kommende Jahi—
zehnt, für die neunziger Jahre, die
Raumstation 'Freiheit', unseren entscheidenden nächsten Schritt bei all
unseren Weltraumprojekten.
Als nächstes, im nächsten Jahrhundert, zurück zum Mond.
Zurück in
die Zukunft, und dieses Mal zurück,
um dort zu bleiben.
Und dann - und dann eine Reise
ins Morgen, eine Reise zu einem anderen Planeten, eine bemannte Mission
zum Mars.
Jede Mission soll und wird die
Grundlagen für die nächste legen, und
der Weg zu den Sternen beginnt wie
vor 20 Jahren bei Ihnen, dem amerika-

- 3 -

�nischen Volk, und er führt weiter
diese Straße entlang zum amerikanischen Kongreß, in dem über die Zukunft der Raumstation und unsere Zukunft als Raumfahrernation entschieden wird.
Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden - heute,
da wir uns anschicken, ins nächste
Jahrhundert einzutreten.
Wie William Jennings Bryan kurz
vor der letzten Jahrhundertwende erklärte: "Das Schicksal ist keine Sache des Zufalls. Es ist eine Sache
der Wahl. Es ist keine Sache, auf
die man einfach wartet. Es muß errungen werden."
Und denjenigen, die vor den Herausforderungen der Zukunft zurückschrecken oder an unseren Erfolgschancen zweifeln, möchte ich folgendes sagen:
Bis heute handelt es sich bei den
einzigen Fußspuren auf dem Mond um
amerikanische Fußabdrücke. Die einzige Fahne auf dem Mond ist die amerikanische Flagge. Und das Wissen,
mit dem dieses Meisterstück vollbracht wurde, ist amerikanisches Wissen. Was Amerikaner träumen, können
sie auch verwirklichen.
In zehn Jahren, am 30. Jahrestag
dieses außerordentlichen und erstaunlichen Flugs, erweist man den Apollo-Astronauten nicht dadurch Achtung,
daß man sie zu neuen Ehrenbezeigungen
nach Washington einhält, sondern indem die Raumstation "Freiheit" einsatzfähig und benutzbar wird.
Sie
wird eine neue Brücke zwischen den
Welten schlagen und eine Investition
in Wachstum, Wohlstand und die technologische Vormachtstellung unseres
Landes bedeuten.
Darüber hinaus wird die Raumstation ein Sprungbrett für die Erde
als wichtigstem Planeten im Sonnensystem sein.

Erst vor einigen Tagen habe ich
in Europa darauf hingewiesen, daß die
Zerstörung der Umwelt nicht vor den
Grenzen Halt macht.
Wir brauchen
groß angelegte nationale und internationale Initiativen, um neue Lösungen für die Zerstörung des Ozons, die
zunehmende Erderwärmung und den sauren Regen zu finden. Diese Initiative - Mission für den Planeten Erde
- ist entscheidender Bestandteil unseres Weltraumprogramms und ruft uns
den Anblick ins Gedächtnis, der die
Astronauten am stärksten beeindruckt
hat. Wenn ich mich recht erinnere,
waren es nicht der Mond oder Sterne,
sondern die - kleine, zerbrechliche,
wertvolle blaue Kugel - Erde, die
sich über der Wüstenlandschaft des
Meeres der Ruhe erhob.
Die Raumstation ist ein erster
und notwendiger Schritt für die weitere bemannte Erforschung des Weltalls, für den wir Senator Glenn, Neil
Armstrong und den vielen Astronauten,
derer wir heute gedenken, dankbar
sind, aber es ist eben nur ein erster
Schritt.
Und heute bitte ich meine rechte
Hand, unseren fähigen Vizepräsidenten
Dan Quayle, die Leitung des Nationalen Weltraumrats zu übernehmen und
insbesondere

zu

ermitteln,

was

für

die nächste Runde der Erforschung an
Geld, Personal und Material notwendig
und an
internationaler Zusammenarbeit durchführbar ist und realistische Terminpläne aufzustellen, die
Meilensteine auf unserem Weg darstellen. Der Weltraumrat wird mir sobald
wie möglich konkrete Empfehlungen zu
einem neuen stetigen Kurs zum Mond,
dem Mars und anderen Planeten aussprechen.
Es gibt viele Gründe zur Erforschung des Universums, aber zehn sehr
naheliegende, warum Amerika niemals
aufhören darf, zu neuen Ufern aufzubrechen - die zehn mutigen Astronauten, die das größte Opfer für die Sache der Weltraumforschung gebracht
haben. Sie haben ihren Platz im Himmel eingenommen, damit Amerika seinen

�Platz bei den Sternen bekommen kann.
Ebenso wie sie und ebenso wie Kolumbus träumen wir von entfernten
Ufern, die wir noch nie gesehen haben.
Warum auf den Mond? Warum auf
den Mars? Weil die Menschheit prädestiniert ist, zu streben, zu suchen
und zu entdecken und weil Amerika
prädestiniert ist, dabei die Führungsrolle zu übernehmen.
Vor sechs Jahren hat Pionieer 10
die Umlaufbahnen von Neptun und Pluto
verlassen und hat als erstes von Menschen geschaffenes Werk das Sonnensystem mit unbekanntem Ziel verlassen.
Seine Reise dauert jetzt schon fünf
Amtzeiten von Präsidenten und befindet sich 4 Milliarden Meilen von der
Erde entfernt.

In den kommenden Jahrzehnten werden wir den Weg von Pioneer 10 verfolgen. Wir werden zu Nachbarsternen
reisen und in neue Welten aufbrechen,
um das Unbekannte zu entdecken. Das
wird nicht mehr in meinem Leben und
vielleicht auch nicht im Leben meiner
Kinder der Fall sein, aber mit der
Verwirklichung eines Traums der nächsten Generationen muß in unserer Generation begonnen werden. Wir können
morgen nicht den nächsten großen
Schritt für die Menschheit tun, wenn
wir heute keinen einzigen Schritt
vorangehen.
Ihnen
allen,
unserem
fähigen
NASA-Direktor und allen, die viel geleistet
haben,
insbesondere
den
Astronauten - wir wünschen Ihnen viel
Glück bei Ihren Unternehmungen, wohin
sie Sie auch führen mögen. Ihnen allen viel Glück, und Gott segne die
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V(DN &amp;

APOLLO - ZWANZIG JAHRE DANACH
Amerikas letztes großes Wagnis Von Charles Murray

Der folgende Artikel erschien erstmals am 20. Juli 1989 im Wall Street
Journal. Der Autor Charles Murray ist Mitarbeiter am Manhattan Institute und
hal: zusammen mit Catherine Bly Cox das Buch "Apollo: The Race to the Moon"
(Simon Ä Schuster, 1989) veröffentlicht.
(C) Wall Street
vorhehalten.

Journal. 1989 Dow Jones and Company, Inc.

Als John F. Kennedy nm 25. Mai
1961 der Nation die Aufgabe übertrug,
bis zum Ende des Jahrzehnts zum Mond
fliegen, sollten
folgende Menschen
sie ausführen:
Am Langley Forschungszentrum im
ländlichen Virginia war Bob Gilruths
Arbeitsgruppe für den Weltraum tätig,
eine bunt zusammengewürfelte Gruppe
aus einigen hundert Menschen, von einer kleinen Schar fähiger kanadischer
und britischer Ingenieure verstärkt,
die sich nach Langley aufgemacht hatten, nachdem die kanadische Regierung
einen großen Rüstungsauftrag rückgängig gemacht hatte. Im Marshall Weltraumflugzentrum
in
Alabama
waren
Wernher von Brauns' Deutsche tätig,
die nach dem Zweiten Weltkrieg nach
Amerika kamen und einige hundert Süd-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Alle Rechte

staatler aus kleinen Orten in Georgia, Alabama und Mississippi, die
nach Huntsviile gekommen waren. um
für Sie zu arbeiten. An den primitiven Abschußanlagen in Cape Canaveral
waren Deutsche und Amerikaner zu finden, die von der Arbeitsgruppe für
den Weltraum, den Streitkräften und
beteiligten Unternehmen dorthin geschickt worden waren.
Außer den Deutschen und den Kanadiern handelte es sich hier nicht um
eine handverlesene Elite.
Kaum ein
Amerikaner
hatte
eine
renommierte
Universität, das MIT oder die kalifornische technische Hochschule besucht. Sie sprachen vielfach starken
Dialekt, und nicht
wenige
hatten
Schwierigkeiten
mit der Grammatik.
Sie waren keine Manager - lediglich

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�Ingenieure für Flugtechnik, Flugzeugmechaniker und Raketentechniker, die
klares Design liebten und gerne fliegen.
Ihr Arbeitgeber, die NASA, steckte noch in den Kinderschuhen und wurde von einem Wohnhaus am Lafayette
Square gegenüber dem Weißen Haus geleitet.
Die Ingenieure in Langley,
Marshall und Cape Canaveral nannten
es noch nicht einmal "Hauptquartier",
sondern bezeichneten es lieber als
"Washingtoner Büro", womit sie nicht
viel zu tun hatten. Langley und Marshall fauchten sich inzwischen an wie
böse Katzen - jeder in der Gewißheit,
seine
Ideen
seien
die
richtigen.
Aber die NASA jener Tage vibrierte
förmlich vor Energie und Kreativität
und war ein Ort, an dem der "Senior",
der die Abteilung leitete, um die
dreißig Jahre alt und seine Mitarbeiter um die zwanzig waren. Sie waren
(wie auch die Veteranen jener Jahre
immer wieder betonen) zu unerfahren,
um zu wissen, daß ihre Arbeit etwas
Unmögliches war.
Sie taten folgendes:
Als
Kennedy
1961
seine
Rede
hielt, hatte die größte Rakete in
Amerikas Arsenal kaum genug Schubkraft, um eine Ein-Mann-Kapsel in die
Erdumlaufbahn zu befördern, und eine
von vier Raketen explodierte bereits
in der Abschußphase.
Nur sechseinhalb Jahre später startete die NASA
die erste Saturn V, eine Rakete von
der Größe und dem Gewicht eines Zerstörers.
Bereits in ihrer ersten
Flugphase entwickelte sie eine Schubkraft von 7,5 Millionen Pfund und war
damit 40mal so stark wie die stärkste
Rakete aus dem Jahr 1961. Und diesmal versagte sie nicht - und auch
später niemals.
Seitdem ist weder
von den Vereinigten Staaten, den Sowjets oder irgendjemandem sonst eine
so große oder so zuverlässige Rakete
gebaut worden wie Marshalls Saturn V.

Die
Welt

komplizierteste

Maschine

der

Die Langley-Arbeitsgruppe - inzwischen
in Houston angesiedelt
baute auch zwei verschiedene, von
vorn
bis
hinten
völlig
neuartige
Raumschiffe, die Apollo-Kommandokapsel und die Mondfähre, die beide unabhängig voneinander um den Titel der
kompliziertesten
Maschine der Welt
hätten ringen können. In Cape Canaveral
errichtete die
Apollo-Gruppe
die Montagehalle für das Raumschiff den größten umbauten Raum der Welt,
mit Türen, groß genug, daß das UNOGebäude
hindurchgepaßt
hätte,
auf
sandigem Boden, an einem Ort, der in
regelmäßigen Abständen von Hurrikanen
heimgesucht wird.
Sie bauten eine
Zugmaschine mit einer Transportfläche
von der Größe eines Baseballfelds,
die eine Saturn V drei Meilen eine
Steigung mit einem Neigungswinkel von
5 •* hinauf transportieren konnte
ohne daß die Spitze der Saturn. 120
Meter oberhalb ihrer Rampe, sich jemals um mehr als die Größe eines Basketballs aus der Vertikalen bewegt
hätte.
Dann lernten die Flugtechniker,
die 1961 nur AI Shepards einfachen
suborbitalen Lob kannten, wie man bemannten Raumflug betreibt - Langzeitflüge, Spaziergänge und Begegnungen
im All, Navigation in der Tiefe des
Weltraums, Andocken, Flug zum und
Rückflug vom Mond.
Mit nur wenigen
primitiven
Anhaltspunkten
und
ein
paar Telefonleitungen zu den beteiligten Unternehmen wurden die Flugtechniker, deren Arbeit nur in Ansätzen im Kontrollraum sichtbar wurde, zu dem tüftelnden, versierten und
hochqualifizierten
Team,
das
die
Apollo-Missionen am Leben erhielt unter anderem dabei, die Mannschaft
von Apollo XIII nach einer Katastrophe auf halbem Weg zum Mond sicher
zur Erde zurückzubringen, eine Meisterleistung, die vom Bodenpersonal

'

i

v

�1

und der Flugmannschaft die Beanspruchung der Systeme weit über die
Entwurfsspezifikationen hinaus erforderte.
Als Beobachter dieser Wunder haben wir im großen und ganzen die
fal-schen Lehren gezogen:
Apollo sollte ein Triumph hochmodernen Managements sein. Tatsächlich
aber war die NASA selbst in ihren besten, produktivsten und kreativsten
Jahren ein dezentralisiertes, höchst
"ineffizientes" Konglomerat halbautonomer Zentren, in denen jungen Burschen riesige Budgets, große Freiheit
gewährt und unrealistisch ehrgeizige
Aufgaben gestellt wurden. Und obwohl
einige der Appolo-Techniker hervorragende Manager wurden, trifft eine
Überprüfung des von ihnen angewandten
Managementsystems nicht den Kern der
Sache.
Was für Apollo sprach, war ein
harter Kern an Führungskräften, denen
Arroganz und Hierarchiedenken fremd
waren - oft nahmen führende Manager
einen beruflichen Abstieg hin, um die
Arbeit auszuführen, die zu dem Zeitpunkt am vordringlichsten war. Apollo hatte FUhrungskräfte, die auf allen Ebenen miteinander kommunizierten, ungeachtet hierarchischer Strukturen oder Referenzen auf dem Papier
- sogar einige High School-Absolventen hatten entscheidenden Anteil am
Erfolg der Apollo-Mission.
Und trotz seiner gigantischen
Größe weckte Apollo eine Familienzusamraengehörigkeit, die keine Führungsstruktur
vermitteln
konnte.
Techniker, die Grissom und White und
Chaffee nie getroffen hatten, waren
zutiefst betroffen, als diese drei
Astronauten in einem Feuer auf der
Abschußrampe ihr Leben ließen.
Um Raketenstarts sorgten sie sich
wie Mütter, die ihre Kinder in den
Krieg ziehen sehen. Sie feierten eine gelungene Landung mit dem leidenschaftlichen Stolz frischgebackener
Väter. Nach den zahllosen Stunden,

die sie ihrer Arbeit widmeten, darf
man nicht fragen. Einige der Apollo-Leute haben dafür folgenden Satz
parat:
"Die sechziger Jahre sind
spurlos an mit vorübergegangen."
Wir zogen eine weitere törichte
Lehre, indem wir glaubten, Apollo
verkörpere all das, was die Nation
leisten könne, wenn sie sich nur mit
aller Kraft darum bemühte ("Wenn dieses Land einen Menschen zum Mond
schicken
kann,
dann
können
wir
auch..."). Wir dachten, soziale Probleme ließen sich mit ebensolchen gigantischen
Anstrengungen
lösen.
Apollo hat uns jedoch eindringlich
vor Augen geführt, warum die technische Konstruktion eine der vornehmsten und anspruchsvollsten Aufgaben
ist und warum "die Konstruktion des
Sozialwesens" weiterhin einen Widerspruch in sich bedeutet.
Aber die größte Dummheit besteht
vielleicht darin, daß manch einer
Apollo immer noch unter dem Gesichtspunkt bewerten, wie das Geld anders
hätte ausgegeben werden können - als
ob jene 25 Milliarden Dollar für
Apollo einen Fonds bildeten, den man
für die Hungerhilfe oder die Krebsbekämpfung eingesetzt hätte, wenn er
nicht für Apollo ausgegeben worden
wäre. Vielleicht hätten die Menschen
des Jahres 1961 ebenso enthusiastisch
für den Kampf gegen den Hunger eintreten sollen wie für die Reise zum
Mond, aber dem war nicht so.
Wir sollten es nicht im Nachhinein überbewerten. Apollo begann so
subtil und so kühn wie ein Spiel ohne
Limit, in dessen Verlauf man einen
Haufen Chips in die Mitte des Spieltischs schiebt. Es fügte sich in die
lange und geschätzte Tradition großer
amerikanischer Prahlereien - überschwenglicher, übertriebener, grandioser, chauvinistischer Prahlereien -,
daß wir die Briten schlagen und die
Rocky Mountains überqueren, mehr Mais
anbauen und höhere Gebäude errichten
könnten als jeder andere. Eine fast
kindliche Prahlerei, die vielleicht
nur in jungen Nationen entstehen

- 3 -

�kann.
Vielleicht sind wir seither
älter geworden, und Apollo war die
letzte dieser Prahlereien. Wenn dies
aber der Fall war, dann war es ein
ungeheuerliches Unterfangen. Dennganz
gleich, wie man die Bedeutung von
Apollo
im kosmischen Ganzen bewerten mag, man sollte sich stets vor
Augen führen: Bei Gott, wir haben es
durchgezogen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

C$

Wissenschaft und Technik

26. Juli 1989

28

GESUNDER REGENWALD VONGROSSEM WERT
- Umwandlung In Weideund Farmland unwirtschaftlich -

(AD) - Der wirtschaftliche Nutzen
der tropischen Regenwälder ist grösser, wenn sie konsequent als Lieferanten für Produkte wie eßbare Früchte, Öle, Gummi und Pharmazeutika genutzt werden, als wenn zur Holzgewinnung und für die Umwandlung in Weiden
und Äcker gefordert wird.
In der
britischen
Zeitschrift Nature vom
29. Juni 1989 veröffentlichten drei
amerikanische Wissenschaftler die Ergebnisse einer über DreiJahresstudie,
im Rahmen derer detaillierte Untersuchungen
zu den genannten Fragen
durchgeführt werden.
Dr. Charles M. Peters, Pflanzenökologe am Institut für Wirtschaftsbotanik des Botanischen Gartens New
York, Alwyn H. Gantry, Botaniker am
Botanischen Garten von Missouri, und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dr. Robert 0. Mendelsohn, Professor
dür Forstwirtschaft an der Universität Yale, kommen zu dem Schluß, daß
die Tropenwälder einen erheblich höheren Wert haben als bislang angenommen und die tatsächlichen Marktvorteile der Bauholzgewinnung gegenüber
dem Marktwert der anderen Ressourcen
relativ gering seien.
Die Wissenschaftler berücksichtigten den Marktwert aller kommerziell verwertbaren
Naturstoffe von einem Hektar des artenreichen Tropenwaldes im Amazonasgebiet.
"Unsere Studie zeigt zum ersten
Mal, daß es wichtige wirtschaftliche
Gründe für die Unversehrtheit des Regenwalds gibt", erklärte Dr. Peters.
Das untersuchte Areal am Rio Nanay.
einem Nebenfluß des Amazonas, in der

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�Nähe des Dorfes Mishana 30 km südwestlich der Stadt Iquitos (Peru) umfaßt 842 Bäume. Davon wurden 41 Prozent zum Abernten von Früchten, für
Holz- und Gummi gewinnung und damit
für Produkte genutzt, die in Iquitos
verkauft werden. Der Wert des Landes
würde unter Zugrundelegung des Marktwerts von Produkten wie Früchten und
Latex (ohne Holz) bei einem Ertrag
über 50 Jahre auf 6 820 Dollar betragen. Würde die gleiche Fläche nur
für Bauholz und Rohstoffe zur Papierherstellung genutzt, verringerte sich
im gleichen Zeitraum der Bodenwert
auf 3 184 Dollar, bei Umwandlung in
Weideland auf 2 960 Dollar. Die Dollar-Angaben spiegeln den kumulativen
Wert aller künftigen Erträge in 50
Jahren wider, wurden jedoch - wie etwa bei der Wertermittlung langfristiger Anleihen - in heutigen Dollar berechnet. .
Die Vergleiche zeigen Dr. Peters
zufolge, daß mit dem kontinuierlichen
Abernten der Naturprodukte der intakte Wald mehr Ertrag bringt als durch
Roden und Umwandlung in Weideland
oder Anlegen von Bauholzplantagen.
Die Einheimischen im Amazonasgebiet
nutzten tropische Wälder in einer
Weise, die ökologisch auf die Dauer
tragbar und wirtschaftlich vernünftig
ist und überdies ihr Einkommen sichert.
"Millionen von Menschen tun
dies", erklärte Peters.
"Aber das
gesamte Handelsnetz ist so diffus und
so schwer zu erfassen, daß diese Art
von Aktivitäten in Regierungsstatistiken oder volkswirtschaftlichen Berechnungen gar nicht auftauchen. Die
Politiker haben dies bisher übersehen." Auch sollte man keine Naturparks schaffen und die Menschen verzweifelt aus den Wäldern herauszuhalten suchen, damit diese geschützt
werden, sondern große Waldbezirke zum
Ernten von Früchten, Latex und Pharmazeutika reservieren. Damit fänden
die Einheimischen eine Erwerbsquelle
und der Schaden am Wald würde begrenzt.

* * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 26.07.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Apollo - zwanzig Jahre danach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikas letztes großes Wagnis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesunder Regenwald von großem Wert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umwandlung in Weide- und Farmland &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;unwirtschaftlich&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2. August 1989

29

INHALT
DOKUMENTATION
Baker; Slhanouk soll Ubergangsregierung In Kambodscha leiten
- Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz -

HINTERGRUND
Die nationale Energiestrategie der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des Energieministeriums USA; Start-Runde nimmt sachlichen und produktiven Verlauf
- Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Der Weltraum als Wirtschaftsfaktor
- Mittel- und langfristige Programme der USA -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

*

29

2. August 1989

BAKER:

SIHANOUK SOLL ÜBERGANGSREGIERUNG IN KAMBODSCHA LEITEN

- Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz PARIS - (AD) - Außenminister Baker hat bei der Eröffnung der internationalen Kambodscha-Konferenz in Paris am 30. Juli 1989 erklärt, die Vereinigten
Staaten befürworteten eine Ubergangskoalitionsregierung in Kambodscha unter
der Führung von Prinz Sihanouk. Prinz Sihanouk verkörpere "das Volk der Khmer
und dessen Streben nach Einheit und nationaler Aussöhnung". Obwohl die Roten
Khmer für die Zukunft Kambodschas keine Rolle spielen sollten, seien die Vei—
einigten Staaten auch dann zur Unterstützung Sihanouks bereit, falls dieser
die Einbeziehung aller Khmer-Fraktionen in einer Übergangsregierung wünsche.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des amerikanischen Außenministers im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender,
meine Damen und Herren,

Exzellenzen,

stellvertretend
für
Präsident
Bush und das amerikanische Volk möchte ich Präsident Mitterrand unseren
aufrichtigen
Dank aussprechen.
Er
hat die Initiative zur Organisierung
dieser Konferenz ergriffen, und er
ist sich der Tragweite unserer Gespräche bewußt.
Ferner verdienen der Präsident
von Indonesien, Suharto, Außenminister Alatas, sein Vorgänger Dr. Mochtar sowie deren Amtskollegen aus den
ASEAN-Staaten unseren Dank.
Sie haben trotz aller Widrigkeiten die Vision eines friedlichen und wohlhabenden
Südostasiens
aufrechterhalten.
Sie haben sich über lange Zeit und
mit aller Energie dafür eingesetzt,

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Embassy of the United States of America

daß wir heute an diesem Punkt anlangen konnten. Alle von uns an diesem
Ort beschlossenen Maßnahmen sollten
die
langandauernden
Bemühungen der
ASEAN ergänzen.
Außerdem möchte ich UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar, einem wahren Mann des Friedens, für seine anhaltenden
Bemühungen
zur Beilegung
regionaler Konflikte meinen Respekt
bezeugen.
Wir sind heute hier zusammengekommen, weil eineinhalb
Jahrzehnte
der Gewalt und vietnamesischer Aggression vom Volk Kambodschas einen
fürchterlichen Tribut gefordert haben. Die Hand in Hand gehenden Tragödien des Massenmordes durch die Roten Khmer und der vietnamesischen Besatzung haben über eine Million Kam-

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Telex: 8-85432

�bodschaner das Leben gekostet. Dem
Verlust an Menschenleben müssen wir
die Wunden hinzurechnen, die der Gesellschaft und Kultur des Khmer-Volkes zugefügt wurden sowie die Instabilität, die der ganzen Region dauerhaften Schaden zugefügt hat.
Das
Ausmaß des Terrors, von dem das kambodschanische Volk heimgesucht wurde,
können wir nicht nachvollziehen - es
übersteigt die Leidensfähigkeit eines
jeden Volkes.
Besetzung sollte beendet, der
walt Einhalt geboten werden.
Leiden muß aufhören. Wir wissen,
der Weg zur inneren Aussöhnung
Kambodscha voraussichtlich lang
steinig ist. Aber heute tun wir
ersten Schritte.
Während wir
nach vorn schreiten, sollten wir
der möglichen Gefahren auf diesem
bewußt sein.

GeDas
daß
für
und
die
nun
uns
Weg

Kambodscha und die gesamte internationale Staatengemeinschaft stehen
vor einem tragischen Dilemma. Vielleicht läßt sich dieses Dilemma am
besten mit einem Beispiel aus der
Folklore Kambodschas erklären, in der
von dem Tag die Rede ist, an dem das
Volk der Khmer die Wahl hat, entweder
von einem Tiger oder von einem Krokodil gefressen zu werden. Diese Konferenz wurde in dem festen Glauben
einberufen, daß Kambodscha eine solche Tragödie erspart werden kann. Es
gibt eine Alternative zu den Zähnen
der Roten Khmer oder dem Rachen fremder Militärherrschaft. Diese Alternative besteht in einer umfassenden
Regelung, die dem Volk Kambodschas
sowohl Sicherheit als auch eine Chance zur Wahl seiner eigenen Regierung
gibt, eine Regelung, die durch außen- und innenpolitische Vereinbarungen zusammengehalten wird.
Der Zweck dieser Konferenz liegt
in der Arbeit an dieser Regelung.
Wir müssen den politischen Weg finden, auf dem Kambodscha aus der durch
Krieg zerrütteten Vergangenheit in
eine konstruktive
Zukunft geführt
werden kann. Durch sorgfältig auf-

einander abgestimmte internationale
Maßnahmen und nationale Aussöhnung
können wir diesen Weg ebnen. Und obwohl dieser Weg schwierig sein wird,
ist eine umfassende Regelung meines
Erachtens der geeignetste Weg zu einer besseren Zukunft.
Zunächst möchte ich das internationale Umfeld ansprechen.
In den
vergangenen Jahren konnten wir einen
dramatischen Abbau von Spannungen
weltweit beobachten. Wir sehen eine
zunehmende
Bereitschaft,
regionale
Konflikte auf dem Verhandlungswege zu
lösen. Darüber hinaus macht sich die
wachsende Erkenntnis breit, daß die
dauerhafte Lösung regionaler Konflikte von der Artikulierung des Volkswillens abhängt.
Unsere heutige Sitzung wird von
dieser neuen Richtung in der internationalen Politik geleitet. Aber die
Anzeichen der internationalen Aussöhnung bedürfen eines weiteren Signals,
das dieses Mal nicht von der internationalen Staatengemeinschaft oder von
kambodschanischen Volk oder - um es
etwas konkreter zu formulieren - von
ihren politisch Verantwortlichen gesetzt wird.
Für die Vereinigten
Staaten wie für alle anderen Länder
liegt es auf der Hand, daß alle Maßnahmen, die wir zur Unterstützung
Kambodschas ergreifen könnten, sich
auf den Willen der kambodschanischen
Parteien
selbst
zu
Fortschritten
gründen
müssen.
Ein
dauerhafter
Frieden erfordert die Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes.
Internationale Aussöhnung kann nicht
zum Ersatz für nationale Aussöhnung
werden.
Aus diesem Grund vertreten wir
die Ansicht, daß eine Lösung, die
Aussichten auf Erfolg hat, ihrem
Charakter nach umfassend sein muß.
Alles andere käme einem Rezept für
anhaltenden Krieg gleich. Der derzeitige Kampf gegen Besetzung wäre
der Bürgerkrieg von morgen und würde
ein bereits geschwächtes Land weiter
zerrütten.

^

�Die
unerschütterliche
Position
der Vereinigten Staaten, ASEAN und
unserer Verbündeten und Freunde bei
der jahrzehntelangen Suche nach Frieden in Kambodscha hat stets in einer
umfassenden Lösung bestanden. Unsere
gemeinsame Entschlossenheit zur Förderung dieser Position hat dazu beigetragen, den Weg für dieses Treffen
zu ebnen, insbesondere unsere unerbittliche Ablehnung von Aggression
und Besetzung durch Vietnam.
Heilung der Wunden und Überwindung der Teilung Kambodschas ist eine
Aufgabe, die höchste Führungsqualitäten verlangt. Kambodscha hat diese
Qualitäten
in Gestalt von Prinz
Sihanouk. Er verkörpert das Voik der
Khmer und ihr Streben nach Einheit
und nationaler Aussöhnung.
Aus diesem Grund muß der Prozeß
der nationalen Aussöhnung durch die
Bildung einer Ubergangskoalitionsregierung
unter der Führung Prinz
Sihanouks erfolgen. Sie muß auf echter Gewaltenteilung basieren und dem
Prinzen und dem nichtkommunistischen
Widerstand die Regierungsgewalt übertragen.

sion Vietnams geschaffen wurde. Wir
sind uns jedoch bewußt, daß Teile
dieses Regimes wahrscheinlich in eine
Ubergangskoalition aufgenommen werden.
Ich fordere alle Konferenzteilnehmer auf, die notwendige Aussöhnung
unter Prinz Sihanouks Führung zu unterstützen.
Ein
wirksamer
internationaler
Kontrollmechanismus unter der Schirmherrschaft
der Vereinten Nationen
kann im Friedensprozeß eine entscheidende Rolle spielen. Er kann einen
friedlichen Übergang von vietnamesischer Besetzung zu freien Wahlen erleichtern und die externen und internen Aspekte einer umfassenden Lösung
miteinander verbinden.
Solch ein
Mechanismus würde drei vordringlichen
Zielen dienen:
-

Die Vereinigten Staten vertreten
eindeutig die Ansicht, daß die Roten
Khmer in der Zukunft Kambodschas keine Rolle spielen sollten. Wir sind
jedoch bereit, Prinz Sihanouk zu unterstützen, sollte er es für notwendig erachten, die Einbeziehung aller
Gruppen der Khmer in eine Koalition
oder Übergangsregierung zu gestatten. Das Ausmaß unserer Unterstützung für jede kambodschanische Regierung wird jedoch direkt vom Grad einer Beteiligung der Roten Khmer an
dieser Regierung - sofern überhaupt abhängen. Es müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, daß Pol
Pot und andere für Massenmorde verantwortliche Führer der Roten Khmer
Kambodscha niemals wieder beherrschen
werden.
Wir können eine Fortsetzung des
gegenwärtigen Regimes in Phnom Penh
nicht dulden, das durch die Aggres-

- 3-

Erstens würde er die internationale Verifizierung des Abzugs aller vietnamesischen Truppen und
Berater gewährleisten.
Zweitens würde der Mechanismus
während der Übergangsphase durch
Maßnahmen der Friedenssicherung,
etwa durch Überwachung des Waffenstillstands
und
Überprüfung
der Aufstellung von Soldaten unterschiedlicher kambodschanischer
Gruppierungen, die Aussichten für
Stabilität verbessern.
Darüber
hinaus würde er die Einstellung
ausländischer Militärhilfe an die
vier Parteien überwachen.
Drittens würde der internationale
Kontrollmechanismus
eine
entscheidende Rolle im politischen
Ubergangsprozeß spielen. In seinem Rahmen würde eine Volkszählung beobachtet und die Rückführung von Flüchtlingen überwacht.
Als
wichtigste
Aktion
würden
freie und faire Wahlen überwacht
und verifiziert. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, den Wahlsieger in jedem Fall anzuerkennen.
Letztlich sind solche Wahlen der
Schlüssel zu einem unabhängigen,
neutralen und friedlichen Kambodscha.

�Unserer Ansicht nach verfügen nur
die Vereinten Nationen über die Erfahrung, die Mittel und die Glaubwürdigkeit, um sich die immense Verantwortung einer so komplexen Reihe von
Maßnahmen aufzubürden.

in starkem Maße bestimmen, ob solch
ein gerechter und dauerhafter Frieden
in Kambodscha entstehen wird öder ob
Kambodschas Zukunft der Tragödie seiner jüngsten Vergangenheit ähneln
wird.

Ich muß wiederum darauf hinweisen, daß die innen- und außenpolitischen Aspekte des Schlichtungsprozesses untrennbar miteinander verknüpft
sind.
Ohne
nationale
Versöhnung
fehlt uns die Basis für den von mir
beschriebenen
internationalen
Kontrollmechanismus.
Tatsächlich wäre
dieser Mechanismus ohne eine anerkannte Ubergangsregierüng nicht funktionsfähig.

Der Zweck dieser Konferenz besteht nicht darin, die Tragöde zu
verlängern, sondern den Weg zu einer
ganz anderen Zukunft zu finden. Meiner Ansicht nach werden wir diesen
Weg durch eine umfassende Vereinbarung finden. Und obwohl die jüngste
Vergangenheit nur zu geringen Hoffnungen Anlaß gibt, sind wir an einem
Punkt angelangt, an dem das Gebot internationaler Versöhnung sich mit der
Notwendigkeit nationaler Aussöhnung
verbindet.

Zur Förderung dieses wichtigen
Prozesses nationaler Aussöhnung ist
es entscheidend, daß Vietnam jetzt
und in Zukunft eine verantwortungsvolle Rolle übernimmt. Es muß seine
Verpflichtung zum Rückzug bis zum 30.
September erfüllen und darf nicht zurückkehren. Aber nach mehr als zehnjähriger Besatzungszeit werden Hanois
politische und moralische Verpflichtungen nicht allein dadurch erfüllt,
daß die Truppen abgezogen und entweder Chaos oder, ein gewaltsam eingesetztes Regime hinterlassen werden.
Meiner Ansicht nach bestehen zwischen uns kaum Unstimmigkeiten darüber, daß unsere gemeinsamen Pflichten für die regionale Sicherheit und gegenüber dem kambodschanischen
Volk - nicht mit dem Abzug der Vietnamesen erfüllt sind. Der Truppenabzug kam zustande, weil wir an unseren
Prinzipien festgehalten haben: wir
sind der vietnamesischen Aggression
entgegengetreten und haben uns geweigert, sie als Dauereinrichtdng zu akzeptieren. Jetzt, da die vietnamesische Besetzung zu Ende geht, müssen
wir zusammenarbeiten, um ein unabhängiges, neutrales und politisch stabiles Kambodscha aufbauen zu helfen.
Was wir hier bei dieser Konferenz
leisten - oder nicht leistet! - wird
- 4

«
»

Ich möchte Ihnen unsere Position
zusammenfassen.
Die
Vereinigten
Staaten engagieren sich für einen
fairen politischen Prozeß. Wir unterstützen eine umfassende Vereinbarung, die nicht nur einen vollständigen und verifizierten Abzug vietnamesischer Truppen, sondern auch ein nationales Abkommen und einen Internationalen
Kontrollmechanismus
vorsieht. Wir werden die Ergebnisse gut
vorbereiteter und überwachter, freier
und fairer Wahlen respektieren.
Mit Hilfe aller Teilnehmerstaaten
dieser Konferenz kann die Zeit bis zu
dem Tag verkürzt werden, an dem die
blutgetränkte
Erde Kambodschas zu
fruchtbaren Feldern eines friedlichen
und wohlhabenden Volkes werden kann.
Die Ruinen von Angkor Wat erinnern an
vergangene
Leistungen
der
Roten
Khmer. Jetzt ist die Zeit gekommen,
um dieser Zeit etwas Ebenbürtiges
entgegenzusetzen.
Wir müssen den
Grundstein für einen neuen Und dauerhaften Frieden in Kambodscha und ganz
Südostasien legen.
Vielen Dank.
*****

«.

�«fc°s&gt;&lt;

'VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

29

2. August 1989
DIE NATIONALE ENERGIESTRATEGIE DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des Energieministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seinen Energieminister, Admiral
James D. Watkins, angewiesen, eine Nationale Energiestrategie (NES) zu konzipieren, die den Rahmen für die Energiepolitik und Entscheidungen über einzelne
Programme liefern soll.
Diese Aufgabe wird nicht leicht sein. Wir müssen unseren steigenden Bedarf an Energie zu tragbaren Preisen, unser Engagement zur Schaffung einer sichereren, gesunderen Umwelt, unsere Verpflichtung zur Bewahrung einer konkurrenzfähigen Wirtschaft und unser Ziel, die Abhängigkeit von unsicheren Energiequellen zu verringern, miteinander in Einklang bringen.

Die Nationale Energiestrategie
Diese wird besondere kurz-, mittel- und
langfristige
Zielvorgaben
enthalten,
um
Energieangebot
undnachfrage auszugleichen.
Sie wird den Schutz der Gesundheit, Sicherheit und Umwelt sowie die
Sicherstellung
einer
angemessenen
Energieversorgung in den Mittelpunkt
stellen, um eine gesunde, wachsende
und konkurrenzfähige Volkswirtschaft
zu erhalten.
Sie wird in umfassenden Konsultationen mit der Öffentlichkeit entwickelt werden.
Eine

erste

Reihe

öffentlicher

United States Information Service
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Anhörungen wird
im August und
September, beginnend mit dem 1.
August 1989, in Washington veranstaltet werden.
Eine weitere Reihe von Anhörungen
zu
besonderen
Fragen
wird
im
Spätherbst stattfinden.
Das Ministerium wird während des
ganzen Prozesses eng mit dem Kongreß sowie mit Vertretern der
Bundesstaaten und Gemeinden zusammenarbeiten.
Der Energieminister wird den ersten Entwurf der NES bis zum 1. April
1990 dem Kongreß zuleiten.
Die NES
wird in den darauffolgenden 12 Monaten verfeinert und weiterentwickelt
werden.

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�Energiefragen
deutung

von entscheidender Be-

Notwendigkeit von erweiterten Kapazitäten
bei
der Stromgewinnung.
Der Bedarf an höheren Kapazitäten
könnte durch einschneidende Bemühungen zur Energieeinsparung verringert
werden, aber trotzdem werden neue
Kraftwerke zur Deckung des Bedarfs
einer wachsenden Volkswirtschaft erforderlich sein.

Entwicklungsländern
den können.

geteilt

wer-

*****

Schutz der von der Energiegewinnung betroffenen Umwelt. Das amerikanische Volk verlangt zu Recht die
Reduzierung von Schadstoffemissionen,
einer verbesserten
Entsorgung
von
Sondermüll sowie technologische Verbesserungen, um Öl- oder Chemieunfälle zu verhindern oder deren Folgen zu
beseitigen.
Energiegewinnung sowie Transporte
müssen in einer die Umwelt nicht
beeinträchtigenden Art und Weise
abgewickelt werden.

Die Veränderung des Erdklimas
Die Veränderung
des Erdklimas
wird in der NES zentralen Stellenwert
einnehmen. Wir müssen
-

in den Bereichen, in denen wissenschaftliche
Übereinstimmung
besteht, energische Maßnahmen ergreifen.
Diejenigen Bereiche für weitere
Untersuchungen auswählen, in denen solche Übereinstimmung noch
nicht besteht.
Bei wissenschaftlicher Unsicherheit Maßnahmen
ergreifen, die
auch in anderer Hinsicht sinnvoll
sind, etwa Wirkungsgrad, Verringerung von FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe),
Wiederaufforstung.

-

Entscheiden, wie technologische
Gegenmittel bewertet und mit den
- 2 -

*

�AMERIKA DIENST
^7

^

C&amp;

Hintergrundmaterial

2. August 1989

29

USA: START-RUNDE NIMMT SACHLICHEN UND PRODUKTIVEN VERLAUF
- Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler GENF - (AD) - Dem stellvertretenden Leiter der amerikanischen Delegation,
Linton Brooks, zufolge betrachten die Vereinigten Staaten die elfte Runde der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Rüstungen als "sachlich geführt" und "in Teilbereichen produktiv".
In einem am 28. Juli 1989 in Genf geführten Interview erklärte Linton
Brooks, die Unterhändler hätten zahlreiche Routinefragen abgeklärt, "die keine
Schlagzeilen machen werden".
"Wir haben die sachliche Gesprächsführung unserer Verhandlungspartner sehr
begrüßt", erklärte Brooks, aber es muß noch "viel geduldige Arbeit" geleistet
werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in Auszügen:

Die gegenwärtige Runde der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) wurde am 19. Juni
in Genf aufgenommen. Sie wird am 7.
August vertagt, damit in den Hauptstädten beider Länder Konsultationen
stattfinden können, bevor sie im
Herbst wiederaufgenommen wird.
Die
START-Verhandlungen
sind Teil der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
(NST), die 1985 in Genf begannen und
auch Verteidigung im Weltraum umfassen.
Bei START streben beide Seiten
ein Abkommen an, mit dem stationierte
strategische Offensivwaffen (mit einer Reichweite von über 5 500 Kilometern) um 50 Prozent reduziert, die

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Gefechtsköpfe jeder Seite auf 6 000
begrenzt werden und die Zahl der Trägersysteme - Interkontinentalraketen
(ICBM), unterseebootgestützte ballistische Raketen (SLBM) und schwere
Bomber - jeder Seite auf 1 600 verringert wird.
Brooks verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten neue Ideen
zur Förderung der Verifizierung unterbreitet hätten.
Brooks zufolge
sollen damit "die Endfassung des
START-Abkommens beschleunigt und verbessert werden, indem man bestimmte
Erfahrungen bei einigen Details der
Verifizierung
gewinnt", bevor der
Vertrag geschlossen wird.
Der amerikanische Vorschlag zur
Verifizierung umfaßt seinen Erklärun-

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�gen zufolge sieben Punkte:
vorherige Benachrichtung
gischer Übungen.

strate-

Abkommen über die Enstellung der
Entwicklung von SLBMs mit kurzer
Flugzeit. "Die Idee besteht darin,
daß die strategische Stabilität behindert wäre, wenn beide oder eine
der beiden Seiten über eine SLBM verfügten, die ihr Ziel sehr schnell erreichen und damit zur Sorge über einen Erstschlag Anlaß geben könnte",
erklärte Brooks. "Es ist technisch
möglich, die Energie einer ballistischen Rakete so einzusetzen, daß ihr
Flug vom Abschußpunkt zum Ziel beschleunigt wird. Der einzige Grund
dafür wäre eine Verkürzung der Vorwarnzeit, denn was die Vorwarnzeit
verkürzt, wirkt in der Regel destabilisierend. "

"weil man in der Praxis Erfahrungen
sammelt, die sich nicht am Verhandlungstisch erwerben lassen".
Der START-Unterhändler beharrte
jedoch darauf, daß die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zur Verifizierung weder als Vorbedingung für
die Weiterführung der START-Verhandlungen noch als unverzichtbares Paket
betrachten.
"All dies sind gute Ideen, und
wir sind bereit, sie alle zu behandeln und andere nicht zu behandeln,
wenn dies die Dinge (für die andere
Seite) vereinfacht", erklärte Brooks.

über

Ferner betonte er, daß "die Vereinigten Staaten
diese Vorschläge
nicht als Verzzögerung oder Ablenkung
vom Hauptziel - der Erarbeitung eines
guten START-Vertrages - betrachten.
Unseres Erachtens ist das Gegenteil
der Fall. Da noch viel Arbeit zu tun
bleibt, werden diese Ideen dazu beitragen, die Arbeit zu beschleunigen,
indem sie einem weitgehend auf dem
Papier ablaufenden Prozeß praktische
Erfahrung hinzufügen."

Vorausgehende
Vorführungen
bestimmter
Inspektionstechniken,
die mit der zulässigen Höchstzahl
der auf ein Trägersystem montierten Gefechtsköpfe zusammenhängen.

Brooks weigerte sich, die Reaktion der sowjetischen Delegation auf
amerikanische Verifizierungsvorschläge zu kommentieren. Er vermerkte lediglich, der sowjetische Sprecher habe sich "positiv dazu geäußert".

Abkommen "jetzt" über bestimmte
Verbote zur Verschlüsselung telemetrischer
Daten
(Chiffrierung
von Daten über Raketentests).
Sofortiger
Datenaustausch
strategische Streitkräfte.

Technische
Demonstrationen
von
und
Diskussionen
über
das
"tagging" - eine Methode zur
Identifizierung einzelner Raketen
und anderer unter die voraussichtlichen
START-Begrenzungen
fallender Träge.rsysteme im Rahmen
von kurzfristig anberaumten Inspektionen.
Regelmäßige Überwachung bestimmter Produktionsstätten für ICBMs,
um das Vertrauen in die Verifizierung eines Vertrags zu erhöhen.
Brooks zufolge würde die Verwirklichung dieser Maßnahmen den Abschluß
eines START-Abkommens beschleunigen,

Die Vereinigten Staaten hätten im
Rahmen der gegenwärtigen Gesprächsrunde keine weiteren bedeutenden neuen Vorschläge unterbreitet und führten ihre "geduldige Arbeit zur Verringerung von Meinungsverschiedenheiten" zu den anderen noch aus den früheren Verhandlungsrunden fortbestehenden
"Schlüsselbereichen"
fort.
Dazu gehören:
Das sowjetische Beharren auf
einem Junktim zwischen den START-Verhandlungen und einem Abkommen über
Weltraumverteidigung: "Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß
Stabilitätsverbesserungen
im Rahmen
von START ihre eigenen Vorzüge haben

�und START nicht in Abhängigkeit von
den Verhandlungen über strategische
Verteidigungssysteme geraten sollte."

die Sowjets seien immer noch für eine
"genaue zahlenmäßige Obergrenze bei
SLCMs".

- Luftgestützte Marschflugkörper
(ALCMs):
Zu den ALCMs "haben wir
vereinbart, daß mit dem Vertrag nicht
versucht werden soll, die ALCMs einer
täglichen
Zählung
zu unterziehen,
sondern daß wir jedem schweren Bomber
automatisch eine bestimmte Anzahl von
ALCMs zurechnen werden. Wir sind uneinig darüber, wie diese Zahl berechnet werden soll. Die Sowjets sind
der Ansicht, sie sollte der Höchstkapazität eines solchen Bombers entsprechen, während
die Vereinigten
Staaten davon ausgehen, die Zahl solle näher an der Zahl erwartungsgemäß
tatsächlich von einem solchen Bomber
getragener Systeme liegen."
Beide
Seiten sind sich ferner uneinig über
die vertraglich festzulegende Begrenzung der Reichweite von ALCMs: die
Vereinigten Staaten wünschen nur die
Einbeziehung von ALCMs mit Reichweiten über 1 500 km, während die Sowjetunion alle ALCMs mit Reichweiten
von über 600 km erfassen möchte.

Untergrenzen
bei
ballistischen
Raketen: Brooks zufolge befürworten
die Vereinigten Staaten Untergrenzen
bei ballistischen Raketen, um "beide
Seiten zu ermutigen, ihre Streitkräfte in Richtung auf Stabilisierung zu
führen". Es bestehe bereits ein Abkommen über eine Obergrenze von 6 000
Gefechtsköpfen, von denen nur 4 900
auf ballistischen Raketen montiert
sein dürfen. Die Gefechtsköpfe beziehen
ICBM- und
SLBM-Nukleargefechtsköpfe mit ein, ebenso wie mit
Nuklearwaffen bestückte schwere Bomber, die jeweils als ein Gefechtskopf
gezählt werden, so Brooks. Die Vereinigten Staaten strebten eine Untergrenze zwischen 3 000 und 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs an, stellte
Brooks fest, aber "die Sowjets haben
es bisher abgelehnt", dieser Zahl zuzustimmen.

Mobile ICBMs:

"Die amerikanische

Position lautet- nach wie vor, daß
solche ICBMs aufgrund der schwierigen
Verifizierung des Standorts mobiler
Raketen verboten werden sollten", erklärte Brooks. Ihm zufolge besitzen
die Vereinigten Staaten derzeit keine
mobilen Raketen, die Sowjetunion hingegen sowohl schienen- als auch straßenmobile ICBMs.
Unterseebootgestützte Marschflugkörper
(SLCMs):
"Die Vereinigten
Staaten sind der Ansicht, daß es keine Mittel und Wege, zur Verifizierung
solcher
Raketen
gibt",
erklärte
Brooks.
Darüber hinaus lehnen die
Vereinigten Staaten Vorschläge ab,
die "die Operationen von Schiffen,
von denen unsere Sicherheit und die
der NATO abhängt, stören würden, und
die eine Verletzung unserer traditionellen Politik, die Präsenz von Nuklearwaffen an Bord von Schiffen weder zu bestätigen noch zu bestreiten,
darstellen würden". Er stellte fest,
- 3

Schwere
ballistische
Raketen:
Beide Seiten sind übereingekommen,
daß es auf keiner Seite mehr als 154
schwere Raketen mit maximal 1 540 Gefechtsköpfen geben soll, so Brooks.
Dies käme einem 50prozentigen Abbau
des derzeitigen sowjetischen Arsenals
gleich und würde die Vereinigten
Staaten nicht betreffen, die "keine
hat". Er fügte hinzu, die Vereinigten Staaten strebten letztlich die
Beseitigung schwerer Raketen an und
befürworteten daher Bestimmungen im
START-Vertrag, mit denen die weitere
Modernisierung und Erprobung schwerer
Raketen verhindert würde.
Modernisierung der Systeme von
Drittländern: Brooks zufolge hat die
Sowjetunion ihre Forderung aufgegeben, die unabhängigen britischen und
französischen
nuklearen
Abschrekkungssysteme in die START-Verhandlungen einzubeziehen, aber die Sowjets
"würden die Art von Unterstützung
ausschließen, die wir Großbritannien
in den vergangenen 25 Jahren bei der
Modernisierung
seiner
unabhängigen
nuklearen Abschreckung gewährt ha-

�ben. Und das ist für uns einfach unannehmbar. "
Brooks erklärte ferner, bei zahlreichen entscheidenden, noch zu besprechenden
Einzelheiten
bestünden
noch "reichlich Meinungsverschiedenheiten".
Der Text des gemeinsamen STARTVertragsentwurfs, der ca. 400 Seiten
umfaßt, so Brooks, besteht aus dem
Vertrag, einem Anhang mit Definitionen, getrennten Protokollen über Inspektion, Umwandlung und Beseitigung,
dem Wurfgewicht ballistischer Raketen
(Messung
der
Vemichtungsfä'higkeit)
sowie
einer
Regierungsvereinbarung
mit einer Aufstellung von Daten.
Brooks wollte sich im Hinblick
auf den Abschluß eines START-Vertrags
keinen Spekulationen hingeben.
"Für
die Vereinigten Staaten ist letztlich
entscheidend", erklärte er, "daß wir
die Stabilität verbessern und das Risiko eines Kriegs verringern ..., und
wir müssen unsere Arbeit fortsetzen,
bis wir einen Vertrag geschlossen haben".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2. August 1989

29

DER WELTRAUM ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR

- Mittel- und langfristige Programme der USA -

(AD) - In einer Feierstunde anläßlich
der 20. Wiederkehr der ersten Landung
von Menschen auf dem Mond (20. Juli
1969) kündigte Präsident George Bush
ein Langzeitprogramm der Vereinigten
Staaten für die bemannte Erforschung
des Sonnnensystems an. Nach der Errichtung der Raumstation FREEDOM im
kommenden Jahrzehnt sei der nächste
Schritt - wohl zu Beginn des nächsten
Jahrhunderts - die Rückkehr zum Mond
und der Aufbau einer bemannten Mondbasis. Der Erdtrabant könne, so der
Präsident, später als Ausgangspunkt
für den bemannten Flug zum Planeten
Mars und eine weitergehende Erforschung des Weltraums durch den Menschen dienen. Es sei Aufgabe von Vizepräsident Dan Quayle, Vorsitzender
des "National Space Council" (Nationaler
Raumfahrtbeirat)
im
Weißen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Haus, mit Experten zu ermitteln, was
in Bezug auf den Bedarf and Geld,
Personal und Material sowie an internationaler Zusammenarbeit "für die
nächste Runde der Forschungsaktivitäten erforderlich ist."
Schon seit einigen Jahren werden
bei der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) Studien dazu ausgearbeitet. Namhafte Wissenschaftler, u.a.
Dr. Thomas 0. Paine, zur Zeit der
APOLLO-Flüge Leiter der NASA und in
den achtziger Jahren Vorsitzender der
"Nationalen Raumfahrtkomission" des
US-Kongresses, befürworten die jetzt
von Präsident Bush vorgeschlagenen
Projekte.
Viele Forscher sehen in
einer
erweiterten
Weltraumnutzung
auch neue Chancen für die Wirtschaft.

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�So berichtete Richard Ott Direktor der NASA-Abteilung für kommerzielle Projekte, daß derzeit 50 Universitäten und 135 Firmen in Studien
investierten, die an 16 NASA-Zentren
zur kommerziellen Erschließung des
Weltraums durchgeführt werden.
Sie
reichen von der Züchtung von Protein-Kristallen in der Schwerelosigkeit
für neue oder verbesserte pharmazeutische Produkte bis zur kommerziellen
Fernerkundung der Erde mit Fotos und
Meßdaten. In einem solchen NASA-Zentrum an der Universität von Houston
berichtete im Jahre 1986 Dr. Paul
Chu, daß der Durchbruch zu Hochtemperatur-Supraleitern
gelungen
sei.
Diese Entdeckung löste weltweit Bestrebungen aus, neue Materialien für
dieses zukunftsträchtige Spezialgebiet der Elektrotechnik zu entwickeln.
Die nächste Phase der Partnerschaft von NASA und Industrie ist die
Absprache von Gemeinschaftsunternehmen, bei denen die NASA den Firmen,
die mit eigenen Mitteln Experimente
durchführen, ihre Raumfahrzeuge zur
Verfügung stellt.
So beabsichtigt
die Fa. Rockwell International an
Bord von Raumtransportern möglichst
fehlerfreie Kristalle zu erzeugen, um
noch bessere Halbleiterchips für noch
schnellere Computer anbieten zu können. Auch wird erwogen, Metall-Legierungen von geringem Gewicht und
besonders hoher Festigkeit, von denen
bereits mehr als 400 in die engere
Wahl kommen, unter Mikrogravitation,
d.h. im fast-schwerelosen Zustand im
Weltraum herzustellen. Die geplante
Raumstation FREEDOM wäre z.B. d?r geeignete Ort für solche Experimente.
Das Interesse der Europäer und Japaner zeige, daß sie,die Beteiligung an
der Raumstation als Einstieg in neue
Zukunftstechnologien betrachten, so
Ott. In den drei Labormodulen, die
von den USA, der Europäischen Weltraumagentur ESA und Japan gebaut werden, sei u.a. Metallverarbeitung im
Weltraum vorgesehen.
Fernmeldesatelliten dienten inzwischen einer Branche, die damit
drei Milliarden Dollar Jahresumsatz

erreiche. Sie ermöglichten mehr als
zwei Drittel der weltweiten Sprechverbindungen und praktisch sämtliche
weltweiten Fernsehübertragungen. Vor
drei Jahren erhielten Privatfirmen
die Genehmigung, kommerzielle Satelliten zu starten.
Noch in diesem
Jahr werde eine von der Fa. McDonnell
Douglas gebaute DELTA-Rakete einen
indischen Satelliten in den Weltraum
befördern, berichtete Ott. Bis Mitte
1993 sind von McDonnell Douglas und
einigen anderen Unternehmen 28 kommerzielle Starts für inund ausländische Auftraggeber, u.a. Italien, Japan, Großbritannien und Indonesien
vorgesehen.
Die Entwicklung kleinerer, leichterer und wirtschaftlicherer Satelliten dank der Miniaturisierung dürfte
das Geschäft weiter beleben.
Sie
können für Photographien, zur Datenübermittlung und sogar zur Materialverarbeitung im Weltraum benutzt werden. Ein solcher Mini-Satellit wiegt
ca. 225 kg und kostet etwa eine Million Dollar - ein "herkömmlicher" Satellit hingegen wiegt bis zu 14 Tonnen und kostet mehrere hundert Millionen Dollar. Bis Ende der neunziger Jahre dürften einige Hundert der
Mini-Geräte gestartet werden.
Fernerkundung der Erde ist ein
Gebiet, das vor allem angesichts der
wachsenden Sorge um die Umwelt kontinuierlich erweitert wird.
Geräte
wie der amerikanische LANDSAT und der
französische SPOT sondieren fortlaufend Kontinente und Meere aus ca. 650
km Höhe und tragen dazu bei, bewirtschaftete Flächen und Waldgebiete auf
Schädigungen zu überwachen, die Erschließung von Ölund Mineralvorkommen
zu unterstützen und die Bodennutzung
in städtischen und ländlichen Gebieten zu kartieren. Neue Systeme wie
das beim Raumtransporter eingesetzte
Bildradar eröffnen immer mehr Möglichkeiten der Fernerkundung.
Auch
die Sowjetunion stellt jetzt Erdaufnahmen zur Verfügung, Japan und Thailand haben unbemannte Erkundungssatelliten gestartet. Der größte Zuwachs in diesem Fachbereich ist bei

- 2 -

�Analyse und Interpretation der visuellen und durch Messung von Satelliten ermittelten Daten zu verzeichnen.
In den kommenden fünf bis zehn
Jahren stehen Umweltfragen im Vordergrund.
So ist es bereits möglich,
die zunehmende Versteppung und den
Verlust
an tropischen
Regenwäldern
(der zum Anstieg des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre und damit zu
Klimaveränderungen, dem "Treibhauseffekt" führen) recht genau zu verfolgen.
Das auf 15 Jahre angesetzte Projekt "Mission zum Planeten Erde" das
sehr gründliche geophysikalische und
chemische, geologische und geobiologische Studien umfaßt, dürfte im Verlauf der nächsten zehn Jahre in Angriff genommen werden.
Es erfordert
neue große Erdbeobachtungssatelliten,
die von den USA, Europa und Japan
entwickelt und gestartet werden. Unbemannte Weltraumplattformen als Träger modernster Instrumente zur Fernerkundung liefern erstmals vom umfassende Beobachtungen des gesamten Erdballs darüber, was menschliche Aktivitäten, die Tierund Pflanzenwelt auf
unserer Erde bewirken und wie natürliche Prozesse .davon beeinflußt werden.
Das Institut für Weltraumstudien,
eine gemeinnützige Organisation zur
Mitfinanzierung
von
Weltraumforschung, schlug kürzlich den Start einer kleinen Robotersonde zum Mond
vor. Sie soll in den nie vom Sonnenlicht
erreichten
polnahen Regionen
des Mondes nach Wasser suchen. Theoretisch könnte es dort unter der
Oberfläche
Wasservorkommen
in
der
Form von Eis geben.
Die Entdeckung
von Wasser auf dem Mond würde die
Wirtschaftlichkeit der Raumforschung
einschneidend verbessern und den Aufbau bemannter Mondbasen erheblich beschleunigen.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Sihanouk soll Übergangsregierung in Kambodscha leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die nationale Energiestrategie der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Energieministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;USA: Start-Runde nimmt sachlichen und produktiven Verlauf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Weltraum als Wirtschaftsfaktor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mittel- und langfristige Programme der USA&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^ &lt;£

8. März 1989

10
INHALT

A

DOKUMENTATION
Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert
- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die VSBM-Verhandlungen
- Hintergrundmaterial zu den VSBM WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Durchfallerkrankungen bei Kindern
- Orale Rehydration sehr oft wichtiger als Medikamente

* * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
4

^v*-

V,QN

Dokumentation

- x

&amp;

10

8. März 1989
UNGLEICHGEWICHTE IM AUSSENHANDEL VERRINGERT
r

- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Regierung zufolge wird sich die im
Jahr 1988 festgestellte positive Entwicklung bei der Erlangung eines besseren
Gleichgewichts im Welthandel in den kommenden zwei Jahren fortsetzen.
Diese Vorhersage ist im Jahresbericht zur Entwicklung im Handel enthalten,
der dem Kongreß am 1. März 1989 vom Finanzministerium und dem Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) zugeleitet wurde. Darin wird ein weiterer Rückgang
des US-Handelsdefizits sowie der Außenhandelsüberschüsse Japans, Europas und
der asiatischen Schwellenländer prognostiziert.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht im Wortlaut:

Teil I: Einführung
Das Allgemeine Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz
von
1988
(P.L. 100-418) enthält Verpflichtungen, denen zufolge Berichte zu verschiedenen Themenbereichen vorzulegen
sind, darunter in Abschnitt 1641 die
Verpflichtung zur Vorlage eines Jahresbericht zur Entwicklung im Handel.
Auslösendes Moment für diesen Bericht
war die verbreitete Besorgnis über
die Entstehung erheblicher Ungleichgewichte im US-Handel und in der USLeistungsbilanz sowie die Auswirkungen wirtschaftlicher Tendenzen und
Maßnahmen im Ausland auf diese Ungleichgewichte.

und

Der Bericht soll eine Uberpüfung
Analyse der maßgeblichen wirt-

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Embassy of the United States of America

schaftlichen Entwicklungen in Ländern
und Ländergruppen beinhalten, die
wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten sind, Prognosen für Entwicklungen der verschiedenen makroökonoraisehen Variablen im Berichtszeitraum und dem darauf folgenden
Jahr, Schlußfolgerungen und Empfehlungen für einen Kurswechsel zur Verbesserung der Aussichten sowie eine
Übersicht über die Auswirkungen von
Marktschranken und sonstigen unfairen
Praktiken auf den amerikanischen Handel.
Dem Gesetz zufolge ist der Bericht gemeinsam vom Finanzministerium
und dem Büro des US-Handelsbeauftragten in Konsultation mit dem Vorsitzenden des Zentralbankrats (Federal
Reserve Board) zu erarbeiten.
Der

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�Bericht ist dem Finanzausschuß des
Senats sowie dem Haushaltsausschuß
des Repräsentantenhauses jeweils bis
zum 1. März eines jeden Jahres vorzulegen.

Teil II;
Überprüfung
jüngster Entwicklungen

Dies ist der erste nach P.L.
100-418, Abschnitt 1641 unterbreitete
Bericht. Teil II enthält eine Überprüfung und Analyse jüngster makroökonomischer Entwicklungen in Ländern
oder Ländergruppen, die wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten
sind sowie einen Überblick über die
wichtigsten neuen Entwicklungen in
der amerikanischen Wirtschaft. Teil
III beinhaltet Prognosen für die
gleichen Länder und Ländergruppen im
Hinblick auf entscheidende makroökonomische Entwicklungen in den Jahren
1989 und 1990. Die beiden Hauptteile
sind folgendermaßen gegliedert: Abschnitt 1 behandelt Wirtschaftswachstum, steuerpolitische Tendenzen sowie
Leistungs- und
Handelsbilanzentwicklungen in den Industriestaaten; Abschnitt 2 überprüft wichtige wirtschaftliche Entwicklungen in anderen
Teilen der Welt, darunter die nicht
der OPEC angehörenden Entwicklungsländer, die asiatischen Schwellenländer sowie die OPEC-Staaten. Teil IV
enthält eine Einschätzung der von
diesen Prognosen aufgeworfenen politischen Fragen und Teil V behandelt
die Auswirkungen von Marktschranken
und anderen unfairen Praktiken auf
den amerikanischen Handel.

Das reale Wirtschaftswachstum in
den Industriestaaten war im Jahr 1988
nahezu überall erheblich stärker als
weithin erwartet, insbesondere angesichts der von den Turbulenzen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 ausgelösten Besorgnis. Tatsächlich erhöhte sich das durschnittliche reale
Wachstum
des
Bruttosozialprodukts
(BSP) in den OECD-Ländern im Jahr
1988 auf geschätzte 4 Prozent und lag
damit wesentlich über der durchschnittlichen Wachstumsrate des vorigen Jahrzehnts.

Der Leser wird ferner auf den vom
Finanzministerium
im Oktober 1988
vorgelegten Bericht an den Kongreß
über die internationale Wirtschaftsund Wechselkurspolitik hingewiesen,
der detailliert auf wichtige Probleme
eingeht, darunter die Entwicklungen
bei den Wechselkursen und eine genauere Untersuchung wichtiger historischer Tendenzen der jüngeren Vergangenheit liefert. Auch dieser Bericht
wurde gemäß den Verpflichtungen des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
von 1988 (P.L.
100-418) erstellt.

1. Entwicklungen
staaten

und

Analyse

in den Industrie-

A.
Wichtige Entwicklungen
Vereinigten Staaten

in

den

Da die wirtschaftlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ein
wichtiger Bestimmungsfaktor für die
Leistung in anderen Industriestaaten
sind, wird ein kurzer Überblick über
diese Entwicklungen dazu beitragen,
die folgenden Erörterungen in den
richtigen Kontext zu stellen.
Das
reale Wachstum des BSP in den Vereinigten Staaten stieg im Jahresdurchschnitt von 3,4 Prozent im Jahr 1987
auf 3,8 Prozent im Jahr 1988. Vergleicht man jedoch jeweils das letzte
Quartal der Jahre 1987 und 1988, so
verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum von 5,0 Prozent auf 2,7 Prozent. (Letztere Meßmethode trägt dazu bei, die Wachstumstendenz im Verlauf des Jahres einzuschätzen - Beschleunigung oder Verlangsamung -,
obwohl sie auch empfindlicher auf
Entwicklungen
in den Anfangs- und
Schlußquartalen reagiert.)
Dieser allgemeine Eindruck einer
Verlangsamung des Wachstums in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1988 ist
jedoch irreführend, bedenkt man die
durch die Dürre des vorigen Jahres
verursachten nachteiligen Auswirkungen. Bereinigt man die BSP-Daten um

�die Dürreschaden, tritt ein gänzlich
verändertes Bild zutage: Das reale
Wachstum des BSP in den Vereinigten
Staaten stieg im Jahresdurchschnitt
noch stärker auf 4,1 Prozent und verlangsamte sich beim Vergleich der 4.
Quartale weniger drastisch auf 3,3
Prozent. Die Bereinigung um die Dürreschäden ist besonders eindrucksvoll
beim Vergleich der 4. Quartale, da
die Negativeinflüsse der Dürre auf
das BSP in der zweiten Jahreshälfte
stärker zu Buche schlugen.

Dienstleistungen insgesamt 0,8 Prozentpunkte zum realen BSP-Wachstum
bei; die verbesserte Nettoexportleistung verursachte also ca. 20 Prozent
des amerikanischen Gesamtwirtschaftswachstums des vergangenen Jahres, obwohl die Ausfuhren nur 13 Prozent des
gesamten realen BSP ausmachen. Unter
dem Blickwinkel des BSP betrachtet,
setzte sich im Jahr 1988 der außenwirtschaftliche Anpassungsprozeß für
die Vereinigten Staaten also fort und
verstärkte sich sogar noch.

Die Auswirkungen
der weiteren
Verringerung der Defizite in der amerikanischen Handels- und Leistungsbilanz wirken sich eindeutig in den nationalen Bilanzen aus. (N.B.: Für
die Außenbewertung einer Volkswirtschaft gibt es zwei Maßstäbe. Die
Zahlungsbilanz, d.h. die Handels- und
Leistungsbilanz, mißt den nominellen
Dollarwert des internationalen Umschlags von Gütern (Handelsbilanz)
oder von Gütern und Dienstleistungen
(Leistungsbilanz). Das Bruttosozialprodukt (BSP) enthält das außenwirtschaftliche Element, indem es Einund Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen auf realer, d.h. preisbereinigter
Grundlage,
beinhaltet.
Durch die Trennung des binnenwirtschaftlichen Elements (i.e. privater
und öffentlicher Verbrauch sowie Investitionen) vom außenwirtschaftlichen Element (Ein- und Ausfuhren) und
die inflationsbereinigte Darstellung
beider Elemente lassen sich mit dem
BSP-Maßstab deren relative Beiträge
zum realen Gesamtwachstum der Wirtschaftsleistung identifizieren.)

Die Anpassung wird ferner deutlich sichtbar, wenn man die Zahlungsbilanz als Maßstab anlegt. Wie in
der obigen Zusammenfassung erläutert,
verringerten sich das US-Handelsdefizit im Jahr 1988 um geschätzte 35
Milliarden Dollar und das Leistungsbilanzdefizit um ca. 20 Milliarden
Dollar.
In Prozent des BSP ausgedrückt, was den internationalen Vergleich mit Ländern unterschiedlicher
Größe erleichtert, verringerte sich
das US-Leistungsbilanzdefizit von 3,4
Prozent im Jahr 1987 auf 2,8 Prozent
im Jahr 1988.

Die Zunahme der Binnennachfrage
in den Vereinigten Staaten betrug im
Jahr 1988 3,0 Prozent, war also im
Vergleich zu 1987 unverändert. Das
Wachstum des BSP übertraf demzufolge
sowohl 1987 als auch 1988 das der
Binnennachfrage erheblich. Wie oben
ausgeführt, beleuchtet diese Kluft
den positiven Nettobeitrag des außenwirtschaftlichen Elements zum Gesamtwachstum der US-Wirtschaft seit 1986.
Im Jahr 1988 trug die starke Realzunahme bei den Ausfuhren von Waren und

Die größten Verbesserungen beim
US-Handelsdefizit im Jahr 1988 wurden
gegenüber den Industriestaaten erzielt (ca. 20 Milliarden Dollar), die
zusammen 64 Prozent der amerikanischen Ausfuhren aufnehmen. Innerhalb
dieser Gruppe wurde das amerikanische
Defizit gegenüber Westeuropa (27 Prozent der amerikanischen Gesamtausfuhr) mehr als halbiert, von 27 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar:
das US-Defizit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ging ausschließlich aufgrund verstärkter Exporte um
ca. 3 Milliarden Dollar zurück, und
das amerikanische Handelsdefizit gegenüber
Großbritannien
verbesserte
sich um fast 4 Milliarden Dollar zu
einem
geringen
Überschuß.
Das
Gleichgewicht im amerikanischen Handel mit der EG verlagerte sich um 12
Milliarden Dollar von einem Defizit
von 21 Milliarden Dollar zu einem Defizit von 9 Milliarden Dollar. Die
Verbesserungen der US-Handelsbilanz
gegenüber Japan (das für etwa 12 Pro-

- 3 -

�zent der amerikanischen Ausfuhren und
20 Prozent der amerikanischen Einfuhren verantwortlich ist) erreichten
ca. 4 Milliarden Dollar.
Auch in der Handelsbilanz der
Vereinigten Staaten mit den Entwicklungsländern ergab sich im Jahr 1988
ein erheblicher Defizitabbau. Gegenüber dieser Gruppe, die 33 Prozent
der amerikanischen Exporte aufnimmt
(also mehr als Westeuropa) verringerte sich das US-Defizit um 13 Milliarden Dollar, von 59 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 auf 46 Milliarden im
Jahr 1988. Das US-Handelsdefizit gegenüber Mexiko (dem drittgrößten amerikanischen Exportmarkt nach Kanada
und Japan) verringerte sich um 3 Milliarden Dollar.
Diese Verschiebung
wurde jedoch teilweise von einem Anstieg des US-Handelsdefizits gegenüber Brasilien um 1 Milliarde Dollar
wettgemacht.
Die Verschiebung im US-Defizit
gegenüber den Entwicklungsländern war
etwa zur Hälfte dem Rückgang des Defizits gegenüber den Schwellenländern
Asiens zuzuschreiben, der 5,5 Milliarden Dollar betrug. (Diese Gruppe
macht 11 Prozent der US-Exporte und
14 Prozent der US-Importe aus). Diese Verbesserungen wurden zum Großteil
im Handel mit Taiwan erzielt, demgegenüber das amerikanische Defizit von
17 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar zurückging.
Andererseits blieb
das Defizit gegenüber Korea nahezu
unverändert.
Schließlich wurde das amerikanische Defizit gegenüber den OPEC-Ländern um 4 Milliarden Dollar verringert, was hauptsächlich und - betrachtet man den allgemeinen Rückgang
bei den Importen der OPEC-Staaten überraschenderweise auf einen Anstieg
der amerikanischen Ausfuhren in diese
Länder zurückzuführen
ist.
Angesichts der Entwicklung der Ölpreise
im Jahr 1988 verringerten sich die
amerikanischen
Einfuhren
aus
den
OPEC-Ländern um nahezu eine Milliarde
Dollar.

B.
Entwicklungen
striestaaten

in

anderen

Indu-

Das in den Industriestaaten im
Jahr 1988 verzeichnete beschleunigte
Wirtschaftswachstum beruhte auf einer
Reihe von Faktoren. Erstens verbesserte sich die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen in der ersten
Jahreshälfte drastisch. Damit vollzog sich nach dem extremen Pessimismus, der nach den Ereignissen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 vorgeherrscht hatte, ein Umschwung. Die
Auswirkungen dieser Veränderung kamen
im privaten Verbrauch zum Ausdruck,
der eindeutig höher lag als anfänglich erwartet, sowie - und dies ist
der wichtigste Bereich - in erheblich
erhöhten realen Ausgaben für Investitionen.
Zweitens stieg die reale
Wachstumsrate im Welthandel volumenmäßig um etwa 50 Prozent (von fast 6
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 9
Prozent im Jahr 1988), was sowohl ein
Echo auf das höhere allgemeine Wachstum in den Industriestaaten als auch
einen Beitrag zu diesem Wachstum darstellt.
Drittens
erhielten
die
Wachstumsraten zu Beginn des Jahres
1988 durch einige besondere Faktoren
- einen milden Winter und zusätzliche
Arbeitstage in Europa - deutlichen
Auftrieb.
Wie oben bereits festgestellt,
trug die stärkere Investitionstätigkeit im Jahr 1988 erheblich zur allgemeinen Verbesserung der Binnennachfrage in den Industriestaaten außerhalb der Vereinigten Staaten bei.
Tatsächlich stiegen die Bruttoinvestitionen real in jedem der sechs
ausländischen
Teilnehmerstaaten
am
Weltwirtschaftsgipfel (Japan, Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien, Italien und Kanada),
in einigen Fällen sogar drastisch
(Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien) . In der Gruppe der 12
EG-Staaten stieg das Investitionswachstum von etwa 4,5 Prozent im Jahr
1987 auf geschätzte 7,5 Prozent im
vergangenen Jahr, ein unerwartet gutes Resultat, das allgemein auch in

�den anderen europäischen Staaten erzielt wurde.
Die Entwicklungen bei einer weiteren wichtigen Komponente der Binnennachfrage, dem privaten Verbrauch,
verlief jedoch weniger einheitlich.
Die Wachstumsraten beim Verbrauch
stiegen in Japan, Großbritannien und
den Niederlanden
an, blieben in
Frankreich im wesentlichen unverändert und gingen in den anderen Ländern dieser Gruppe allgemein zurück.
Für die EG insgesamt wird für das
Jahr 1988 eine geringfügige Abnahme
des privaten Verbrauchswachstums angenommen. Mit 3,5 Prozent lag es jedoch immer noch über den durchschnittlichen Wachstumsraten in der
ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. Obwohl
Verallgemeinerungen
schwierig
sind, spiegelten sich in diesem Rückgang in gewisser Weise die Auswirkungen der Zurückhaltung bei den Realverdiensten und eine etwas höhere Inflationsrate wider.
Zusammengenommen
belegen
diese
Tendenzen, daß zusätzlich zur quantitativen Verbesserung des Wirtschaftswachstums bei unseren wichtigsten
Handelspartnern unter den Industriestaaten im Jahr 1988 ebenfalls eine
qualitative Verbesserung erzielt wurde.
Insbesondere verbreiterte sich
die Kluft zwischen dem Anstieg der
Binnennachfrage und dem Gesamtwachstum des BSP in den führenden Uberschußländern - ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Geschwindigkeit
der Anpassung von Handel und Leistungsbilanz -, besonders gegenüber
Japan.
Insgesamt stieg die durchschnittliche Wachstumsrate der Binnennachfrage in den sechs anderen Gipfelstaaten von 4,3 Prozent im Jahr 1987
auf geschätzte 5,5 Prozent im Jahr
1988. Das durchschnittliche Wachstum
des BSP betrug jeweils 3,4 und 4,4
Prozent.
Die Kluft zwischen dem
Wachstum der Binnennachfrage und dem
allgemeinen Wirtschaftswachstum blieb
für diese Ländergruppe real bei ca. 1
Prozent. Das gleiche Gesamtbild er-

gibt sich für die Gruppe der EG-Staaten als Ganzes, obwohl das Wachstum
der Binnennachfrage in den kleineren
europäischen Volkswirtschaften schätzungsweise um die Hälfte über dem
Wachstum des BSP lag.
Was bestimmte Länder angeht, so
lag im Jahr 1988 unter den Gipfelteilnehmern
wiederum
Japan
beim
Wachstum
an
der
Spitze;
seine
BSP-Wachstumsrate stieg von 4,5 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 6,0
Prozent im Jahr 1988. Die Binnennachfrage (insbesondere der private
Verbrauch und die Investitionen) war
erneut mit einer realen Steigerung
von 8 Prozent die treibende Wachstumskraft.
Für die Bundesrepublik
Deutschland ergibt sich ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so beeindruckendes Bild. Das Gesamtwachstum
des BSP stieg nach einem enttäuschenden Ergebnis von 1,8 Prozent im Jahr
1987 im Jahr 1988 stark an (auf etwa
3,6 Prozent). Mit den Investitionen
als wichtigster Stütze erhöhte sich
das Wachstum der Binnennachfrage von
3,1 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 3,9 Prozent im Jahr 1988.
Die Lücke zwischen dem Wachstum der
Binnennachfrage und dem Wachstum des
BSP verringerte sich infolgedessen in
der Bundesrepublik Deutschland erheblich von 1,3 Prozent im Jahr 1987 auf
0,3 Prozent im Jahr 1988.
Der Anstieg des Wachtums der Binnennachfrage lag in Großbritannien im
Jahr 1988 erheblich höher (vielleicht
5,8 Prozent), was großenteils auf
stark gestiegenen Investitionen beruhte. Auch in Kanada und Italien
war das Wachstum der Binnennachfrage
ausschlaggebende Kraft für das BSP;
in Frankreich und Belgien stiegen
beide um 3,5 Prozent, während in den
Niederlanden die Wachstumsraten bescheidenere 2,5 Prozent erreichten.
In der wichtigen Gruppe der sechs
anderen
Gipfelteilnehmer
insgesamt
(die ausschließlich wegen Japan und
der Bundesrepublik Deutschland einen
Gesamtüberschuß in der Leistungsbilanz aufweist) übte das außenwirt-

- 5 -

�schaftliche Element im Jahr 1988 netto eine Sogwirkung aus, d.h. die Nettoexporte von Gütern und Dienstleistungen nahmen real ab. Sowohl für
Japan als auch für die Bundesrepublik
Deutschland war dies das dritte Jahr
der Anpassung in Folge. (In den Vereinigten Staaten leistete umgekehrt
die Erhöhung der Nettoexporte einen
positiven Beitrag zum Wachstum des
BSP seit 1987).

C.

Steuer- und Haushaltspolitik

Die Haushaltsdefizite in den Industriestaaten
lagen insgesamt im
Jahr 1988 niedriger, was hauptsächlich auf automatische Stabilisierungseffekte aufgrund des oben beschriebenen
stärkeren
Wirtschaftswachstum zurückgeführt werden kann.
Insbesondere das höhere Wachstum und
größere Unternehmensgewinne führten
zu einem starken Anstieg der Steuereinnahmen während andererseits die
Ausgaben für öffentliche Unterstützungsprogramme wie etwa die Arbeitslosenversicherung im allgemeinen weniger stark anstiegen oder sogar zurückgingen. Die Anspannung der Haushaltslage im Jahr 1988 scheint hauptsächlich
eher
konjunkturelle
als
strukturelle Gründe zu haben.
Berechnungen von Experten der
OECD zufolge hatten die grundlegenden
fiskalischen Maßnahmen in den Industriestaaten im Jahr 1988 eine geringfügig abschwächende Wirkung, während sie 1987 etwas expansionsorientierter waren. Die OECD schätzt, daß
die "konjunkturbereinigte" fiskalische Gesamtposition der 6 Gipfelstaaten um 0,2 Prozent des BSP zum Überschuß tendierte, während sie sich im
Jahr 1987 um 0,3 Prozent des BSP abgeschwächt hatte.
Nach Abzug der
Auswirkungen automatischer Stabilisatoren (fiskalische Sogwirkung) und
einzelner politischer Veränderungen
vollzog sich also in der allgemeinen
fiskalischen Position der Regierungen
(d.h. unter Einbeziehung aller Regierungsebenen) der sechs Staaten zusammengenommen ein Umschwung von gering-

fügiger Ausweitung (0,3 Prozent des
BSP) im Jahr 1987 zu einer milden Abschwächung Im Jahr 1988. In diesem
Zweijahreszeitraum waren also fiskalischen Rahmenbedingungen der Gruppe
der sechs Gipfelteilnehmer durchweg
neutral ausgelegt. Die OECD schätzt
ferner, daß die gleichen Zahlen auf
die
europäischen
Volkswirtschaften
allgemein zutreffen.
Zwischen den verschiedenen Ländern ergaben sich jedoch einige wichtige Unterschiede. In Japan wurden
die großen Zuwächse bei den öffentlichen Investitionen und eine Senkung
der Einkommensteuern gegen Ende des
Jahres 1988 von einem höheren wachstumsbedingten Steueraufkommen wettgemacht, was in einem geringfügigen Anstieg des kleinen (0,4 Prozent des
BSP) allgemeinen staatlichen Überschusses resultierte. In der Bundesrepublik Deutschland trugen die im
Januar 1988 in Kraft getretenen Einkommensteuersenkungen zu einer gewissen Steigerung des staatlichen Defizits auf geschätzte 2,1 Prozent des
BSP im Jahr 1988 bei. Nach mehreren
Jahren konjunkturabschwächender Maßnahmen bleibt das bundesdeutsche Defizit, in Prozent des BSP ausgedrückt, immer noch weit unter den Niveaus zu Beginn der achtziger Jahre.
In
Großbritannien
verbesserte
sich die allgemeine fiskalische Position im Jahr 1988 weiter, wobei der
Überschuß auf 1,4 Prozent des BSP anwuchs. Die Ausgaben blieben weiterhin innerhalb relativ restriktiver
Zielvorgaben, während die Steuereinnahmen von dem starken Wachstum und
den Privatisierungsmaßnahmen profitierten. In anderen Ländern wird das
Gesamtbild von andauernden Bemühungen
zur Zügelung des Ausgabenwachstums im
Verein mit Steuereinnahmen geprägt,
die höher liegen als vorhergesehen.
Deshalb lagen die im Jahr 1988 erzielten Defizite im Vergleich zum BSP
etwas niedriger.

D.

Die Außenbilanzen

�Obwohl die Entwicklungen bei den
Außenbilanzen der einzelnen Industrieländer im Jahr 1988 naturgemäß
unterschiedlich ausfielen, sind in
wichtigen Bereichen eindeutige Fortschritte zu einem besseren internationalen Gleichgewicht erzielt worden. Die amerikanischen Defizite im
Handel und in der Leistungsbilanz
gingen sowohl nominell wie auch als
prozentualer Anteil am BSP zurück.
Das Gegenstück zu dieser amerikanischen Anpassung konnte im Jahr 1988
bei den geringeren außenwirtschaftlichen Überschüssen in Japan, der EG
(und Europa im weiteren Sinne) und
den
asiatischen
Schwellenländern
festgestellt werden.
Japans
Leistungsbilanzüberschuß
verringerte sich von 87 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf 79,5 Milliarden Dollar im Jahr 1988. Darin kommt
sowohl der Rückgang des Handelsüberschusses als auch ein Zuwachs des im
Dienstleistungs- und
Kapitalverkehr
mit dem Ausland erzielten Defizits
zum Ausdruck.
Die wichtigste Entwicklung beim Handel war die sehr
starke Zunahme des Einfuhrvolumens
(ca. 16 Prozent) im Vergleich zum Anstieg des Ausfuhrvolumens von ca. 4,5
Prozent.
Da jedoch die Ausfuhren
insgesamt nahezu das doppelte der Gesarateinfuhren erreichten, wurde der
Handelsüberschuß um weniger als 1
Milliarde Dollar (auf 96 Milliarden
Dollar) verringert.
Kanadas Bilanz im Warenhandel erreichte im Jahr 1988 einen Überschuß
von 7,2 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 1 Milliarde Dollar seit 1987,
während die realen Wachstumsraten bei
Importen und Exporten gleichermaßen
anstiegen. Da jedoch das traditionell hohe Defizit
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr unter dem
Stand von 1987 lag, verringerte sich
das Defizit in der Leistungsbilanz
auf geschätzte 7 Milliarden Dollar.
Der Leistungsbilanzüberschuß der
Europäischen Gemeinschaft insgesamt
fiel von ca. 37 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 15 Milliar-

den Dollar im Jahr 1988. Beim Abschneiden der verschiedenen Länder
ergaben sich jedoch starke Unterschiede. Die außergewöhnlichste Entwicklung war ein nahezu sechsfacher
Anstieg
im
Leistungsbilanzdefizit
Großbritanniens, von 4,4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf geschätzte 25
Milliarden Dollar
im Jahr 1988.
Hierfür waren teilweise die geringeren Einnahmen aus der Erdölförderung
verantwortlich, der Löwenanteil dieses Umschwungs ist jedoch auf die
stark gestiegenen Einfuhren von Investitionsgütern zurückzuführen.
Der Handelsüberschuß der Bundesrepublik Deutschland
wiederum erreichte in DM ausgedrückt einen neuen
Rekordstand (etwa im Wert von 73 Milliarden Dollar), was hauptsächlich
auf den wesentlich gestiegenen Ausfuhren von Investitionsgütern in andere EG-Länder beruhte. Als Ergebnis
dessen wuchs der Überschuß der bundesdeutschen Leistungsbilanz um ca. 4
Milliarden Dollar auf nahezu 49 Milliarden Dollar (die Bundesrepublik
Deutschland weist ein großes und weiter wachsendes Defizit im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr auf), während es im Vergleich zum BSP leicht
auf geschätzte 3,9 Prozent zurückging.
Im Jahr 1988 wies das Gesamtbild
der Leistungsbilanzen
der übrigen
EG-Länder nur geringfügige Veränderungen
auf.
Frankreichs
Defizit
stieg in bescheidenem Umfang auf etwa
4,5 Milliarden Dollar, blieb jedoch
als Prozentsatz des BSP relativ niedrig, wie es im großen und ganzen
auch in Italien der Fall war. In den
übrigen Ländern der EG konnten ebenso
wie in Europa insgesamt einige bemerkenswerte
Entwicklungen
beobachtet
werden: das Defizit aller nordischen
Länder zusammengenommen blieb mehr
oder weniger gleich und belief sich
auf ca. 9 Milliarden Dollar; der
Überschuß aller Benelux-Länder stieg
von ungefähr 6 Milliarden Dollar auf
ca. 9 Milliarden Dollar und das neu
aufgenommene EG-Mitglied Spanien hatte eine defizitäre Leistungsbilanz
aufzuweisen.

- 7 -

�2. Entwicklungen
dustriestaaten

außerhalb der In-

Im Jahr 1988 war die Wachstumskurve der Entwicklungsländer im grossen und ganzen zufriedenstellend, obwohl das reale Wachstum insgesamt verglichen mit den Industrienationen
- hinter 1987 zurückblieb. Insbesondere ging die von Experten des Finanzministeriums ausgemachte BSP-bezogene durchschnittliche reale Zuwachsrate der 137 nicht der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer von
ca. 3,7 Prozent im Jahr 1987 auf vorläufig geschätzte 3,1 Prozent im vergangenen Jahr zurück.
Wie gewöhnlich waren jedoch gravierende Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern und Ländergruppen
zu beobachten, von denen ein Großteil
von Entwicklungen in einigen der
größten Volkswirtschaften betroffen
waren.
In Lateinamerika war beim
durchschnittlichen
realen
Wachstum
eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen, in den Schwellenländern
Asiens blieb es jedoch relativ stark.
Das generell rückläufige Wachstum
in den Entwicklungsländern war im
Jahr 1988 nahezu ausschließlich den
negativen Entwicklungen in einigen
wenigen lateinamerikanischen Volkswirtschaften zuzuschreiben.
Insbesondere Brasilien hatte 1988 ein reales Nullwachstum (nach 2,9 Prozent im
Jahr 1987) zu verzeichnen, und Mexikos Wachstumsrate fiel von ca. 1,5
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte
0,5 Prozent im Jahr 1988. Infolgedessen verlangsamte sich der Zuwachs
des BSP ingesamt von 2,5 Prozent im
Jahr 1987 auf 1,4 Prozent im Jahr
1988. In den übrigen nicht zur OPEC
gehörenden Entwicklungsländern entsprach das reale Wachstum dem Stand
des Jahres 1987, lag also knapp unter
4 Prozent.
Die Schwellenländer Asiens (Taiwan, Korea, Singapur, Hongkong) führten das Wachstum erneut eindeutig an
und verzeichneten ebenso wie im Jahr
1986 durchschnittliche Zuwachsraten

von ca. 10 Prozent im Jahr 1988: Koreas Zuwachsrate blieb bei rund 12
Prozent, während Taiwans Wachstum auf
immer noch beeindruckende 8 Prozent
fiel.
Bei der Leistungsbilanz der nicht
der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer insgesamt war ein geringes Defizit von 1 Milliarde Dollar im
Jahr 1988 zu verzeichnen, verglichen
mit einem Überschuß von 4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987. Ebenso wie bei
den oben erörterten Wachstumszahlen
bestanden
gravierende
Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern und
Regionen.
Der gemeinsame LeistungsbilanzUberschuß der asiatischen Schwellenländer sank im Jahr 1988 um geschätzte 5 Milliarden Dollar auf ca. 26
Milliarden Dollar. Diese Bereinigung
war ausschließlich der Halbierung des
Überschusses von Taiwan zuzuschreiben, von ca. 18 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 9,6 Milliarden Dollar für 1988; ungefähr 4 Milliarden Dollar dieser bereinigten
Summe ergaben sich jedoch aus besonderen und wahrscheinlich einmaligen
Goldkäufen.
Koreas Überschuß stieg
hingegen weiter auf ca. 14 Milliarden
Dollar an.
Andere entscheidende Entwicklungen der Leistungsbilanz von Nichtmitgliedstaaten der OPEC waren:
eine
dramatische Verschlechterung der Position Mexikos, dessen Überschuß von
3,4 Milliarden Dollar sich in ein für
1988 geschätztes 3 Milliarden-Defizit
von verwandelte; eine beachtliche gegenläufige Entwicklung war in Brasiliens Leistungsbilanz zu beobachten,
die nach einem Defizit von ungefähr 1
Milliarde Dollar im Jahr 1987 einen
vorläufigen Überschuß von 4, 4 Milliarden Dollar für 1988 verzeichnete.
Trotz dieser bedeutenden Leistungsbilanzverlagerungen
innerhalb
der einzelnen Länder hat sich unter
dem Strich die Bilanz der lateinamerikanischen Länder in den vergangenen
Jahren (in Dollar) insgesamt relativ

�wenig verändert. Das Defizit von 17
Milliarden Dollar des Jahres 1986
wurde auf 11 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 abgebaut, wo es sich im
vergangenen Jahr einpendelte.
Die vier asiatischen Schwellenländer (Korea, Taiwan, Hongkong und
Singapur) wurden besonders wichtige
Akteure im Welthandelssystem.
Seit
1970 hat sich ihr Anteil an den Exporten weltweit mehr als verdreifacht
und beläuft sich derzeit auf 7,4 Prozent.
Darüber hinaus verzeichnen
diese
Volkswirtschaften
gemeinsam
Außenhandelsüberschüsse, die maßgeblich zu den heutigen weltweiten Ungleichgewichten
beitragen.
Taiwan
und Korea konnten jüngst große Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen zwei- bis viermal höher als die von
Japan und der Bundesrepublik Deutschland gemessen am BSP. (Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß Korea erst seit 1986 ein Leistungsbilanzdefizit zu verzeichnen hat).
Die für zunehmende Außenhandelsüberschüsse der asiatischen Schwellenländer verantwortlichen Faktoren
variieren von Land zu Land und erschweren eine Verallgemeinerung. In
nicht unerheblichem Maße tragen hierzu Vorteile bei den Produktionskosten
sowie die Betonung auf Exportproduktion auf Kosten des Verbrauchs im Inland und einer Verbesserung des Lebensstandards bei. Die Schwellenländer haben natürlich von der Ausweitung des Welthandels im allgemeinen
und der Expansion der amerikanischen
Wirtschaft im besonderen profitiert,
obwohl dies auch für die übrige Welt
zutrifft. Unterbewertete Wechselkurse waren ferner ein wesentlicher Faktor im Falle von Korea und Taiwan.
Alle 13 OPEC-Staaten verzeichneten 1988 eine beträchtliche Zunahme
ihres Leistungsbilanzdefizits, da sie
aufgrund
des
etwas
20prozentigen
Preisverfalls von OPEC-Öl erheblichen
Einbußen bei ihren Einnahmen aus Ölund Erdgasexporten hinnehmen mußten.
Nachdem das Defizit von 26 Milliarden
Dollar im Jahr 1986 auf weniger als

11 Milliarden Dollar im Jahr 1987 gesunken war, verdoppelte es sich 1988
auf 20 Milliarden Dollar.
(Obwohl
die OPEC-Staaten für gewöhnlich einen
erheblichen Handelsüberschuß aufweisen können, war dieser in jüngster
Zeit unbeständig und wird von einem
enormen Defizit im Dienstleistungs
und Kapitalverkehr mit dem Ausland
überschattet).

Teil III; Voraussichtliche Entwicklungen für 1989 und 1990
Vor einer Prognose der Entwicklungen in diesem und im kommenden
Jahr sollten zunächst einige der
Grundvoraussetzungen aufgezeigt werden, auf die sich die Analyse gründet. Erstens basieren alle Prognosen
für die einzelnen Länder und Ländergruppen auf den heutigen Gegebenheiten.
Für die Vereinigten Staaten
geht man von der Annahme aus, daß das
Haushaltsdefizit
entsprechend
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz abgebaut
wird.
Für den Betrachtungszeitraum
werden keine Vermutungen darüber angestellt, welche Veränderungen bei
der Steuer- oder Geldpolitik vorgenommen werden könnten.
Zweitens wird davon ausgegangen,
daß die Wechselkurse nominal auf dem
derzeitigen Niveau konstant bleiben.
Und schließlich stellen die in der
Haushaltsvorlage der Administration
enthaltenen Vorhersagen die Grundlage
für die Perspektiven der amerikanischen Wirtschaft dar, die an sich
schon ein wesentlicher Faktor für die
wirtschaftliche Leistung der führenden
amerikanischen
Handelspartner
sind.
Als Ergebnis dieser einzelnen
Grundvoraussetzungen sind die im folgenden erörterten Tendenzen keine
"über den Daumen gepeilte" Prognosen
der Wirtschaftslage für 1989 und
1990. Sie sind vielmehr, vorbehaltlich einer politischen Kursänderung,
"die bestmögliche Beurteilung" -der
künftigen Situation.

- 9 -

�Die jüngsten Vorhersagen und Statistiken deuten darauf hin, daß der
derzeitige wirtschaftliche Aufschwung
der Industrieländer voraussichtlich
1989 und 1990 - und damit im siebten
und achten aufeinanderfolgenden Jahr
- anhalten wird. Man geht jedoch im
großen und ganzen davon aus, daß das
Tempo des gesamten Wachstums sich
verglichen mit 1988 etwas verringern
wird.
Ebenso wie 1988 wird die
Wachstumsrate des Welthandels wahrscheinlich
weiterhin
beträchtlich
über dem Realwachstum des BSP liegen
und damit den derzeit stattfindenden
außenwirtschaftlichen
Anpassungsprozeß unterstützen und gleichzeitig
eine solide Grundlage und einen Anreiz für weltweites Wachstum bieten.
Die Inflation in den Industrienationen wird voraussichtlich bis ins Jahr
1990 gemäßigt bleiben. Eine generelle Übersicht über die steuerpolitischen Entwicklungen erweist sich
als etwas schwieriger: viele Länder
werden nach wie vor - mit wechselndem
Druck - eine Politik verfolgen, die
darauf ausgerichtet ist, das Haushaltsdefizit und die Notwendigkeit
öffentlicher
Anleihen
abzubauen.
Nicht zuletzt bleiben jedoch auch
Steuerreformen und generelle Steuererleichterungen die politische Zielsetzung in vielen anderen Ländern.
1. Prognosen
Wirtschaft

für die amerikanische

Die amerikanische Wirtschaft wird
1989 und 1990 voraussichtlich weiterhin von anhaltendem Wachstum gekennzeichnet sein.
Nach dem teilweise
durch die Dürre des letzten Jahres
verursachten
rückläufigen
Wachstum
wird die BSP-Zuwachsrate (im Vergleich der 4. Quartale) offiziellen
Schätzungen zufolge bis auf 3,5 Prozent im Jahr 1989 aufholen und sich
im Jahr 1990 auf diesem Prozentsatz
einpendeln. (N.B.: Diese Zuwachsrate für 1989 bewertet aufgrund der negativen Auswirkungen der oben erwähnten Dürre, die sich Ende des Jahres
1988 bemerkbar machten, zugrundeliegende wirtschaftlichen Antriebskraft

zu hoch).
Die Wachstumsrate der Vereinigten
Staaten wird im Jahresdurchschnitt
wahrscheinlich etwas niedriger ausfallen, sich aber über beide Jahre
hinweg in der Größenordnung von 3 bis
3,5 Prozent bewegen. Den Vorhersagen
zufolge wird die Zuwachsrate bei der
Inlandsnachfrage weiterhin 2,5 bis 3
Prozent betragen.
Damit wird der
Außenhandel nach wie vor positiv zum
Gesamtwachstum beitragen, mit realen
Zuwächsen bei den Exporten, die voraussichtlich beträchtlich über dem
Anstieg bei den Einfuhren liegen.
Auf der Grundlage der Zahlungsbilanz
wird ein weiterer Abbau des amerikanischen Handels- und Leistungsbilanzdefizits erwartet; angesichts der
steigenden Kosten zur Tilgung der
Schulden wird sich der Abbau des Handelsdefizits nicht in vollem Umfang
auf die Leistungsbilanz niederschlagen.

2. Prognosen für die anderen Industrienationen
A.

Wirtschaftswachstum

Das reale Wirtschaftswachstum der
Industriestaaten wird in diesem Jahr
voraussichtlich etwas zurückgehen und
sich zwischen 3,0 und 3,5 Prozent bewegen, was einer Rückkehr zu den Zahlen des Jahres 1987 entspricht. Dieser gemäßigte Rückgang ist im großen
und ganzen auf die erwartungsgemäß
rückläufige Zuwachsrate bei den Investitionen zurückzuführen, die nach
dem außergewöhnlichen Auftrieb des
Jahres 1988 im Jahr 1989 wieder ein
ausgewogeneres Niveau erreichen wird.
Obwohl für 1990 noch keine Prognosen

gewagt werden können, lassen erste
Studien auf einen weiteren - wenn
auch bescheideneren - Wachstumsrückgang der führenden ausländischen Industrienationen schließen. Man geht
davon aus, daß sich das reale Wachstum der sechs anderen Gipfelteilnehmer 1990 durchschnittlich auf knapp 3
Prozent belaufen wird.

�Unter
den
Konjunkturberatern
herrscht weithin Überinstimmung, daß
der BSP-Zuwachs der Bundesrepublik in
diesem Jahr etwas hinter die entschieden höhere Rate des letzten Jahres zurückfallen wird und damit vor
allem die dämpfende Wirkung einzelner
Steuererhöhungen auf das verfügbare
Einkommen und gesteigerten Privatverbrauch widerspiegelt. Auch in Japan
wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aller Voraussicht nach rückläufig sein - wenn auch aus anderen
Gründen - und sich in einer Größenordnung bewegen, die noch weit über
der
Wachstumsrate
anderer
Länder
liegt. Insbesondere sollte die Steigerung des Privatverbrauchs in Japan
stabil bleiben, während die Investitionszuwächse - im Jahr 1988 ein besonders dynamischer Faktor - beträchtlich abflachen.
Angesichts der Größe der Bundesrepublik Deutschland und der Auswirkungen ihrer Wirtschaftpolitik auf
die anderen Länder des Europäischen
Währungssystems überrascht es nicht,
daß die Wachstumsleistung der vier
größten europäischen Volkswirtschaften
(Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und Italien) nicht entscheidend von der Tendenz in der Bundesrepublik abweichen
wird.
Großbritannien
wird
wahrscheinlich die im Jahr 1988 verzeichneten massiven Zuwachsraten bei Investitionen und Privatverbrauch angesichts
der
jüngsten
restriktiven
Geldpolitik
nicht
aufrechterhalten
können; die reale BSP-Zuwachsrate
wird voraussichtlich auf einen konstanteren Prozentsatz zurückfallen.
Frankreich hatte im Jahr 1988 keine
vergleichbaren außergewöhnlichen Entwicklungen zu verzeichnen, aber sowohl die Verbrauchs- als auch die Investitionskurve wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr abflachen.
Die Aussichten für das übrige Europa sind innerhalb wie außerhalb der
EG im großen und ganzen gleich: verlangsamtes Wachstum des BSP und der
Inlandsnachfrage, zum Teil infolge
der Anpassung von Investitionen an

niedrigere Wachstumsraten. Insbesondere wird eine Verlangsamung der
BSP-Zuwächse in den nicht am Gipfel
teilnehmenden europäischen Ländern um
einen halben Prozentpunkt auf 2 3/4
Prozent erwartet.
Der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den sechs anderen Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel sollte insgesamt weiterhin den weltweiten BSPZuwachs übertreffen. Die Größenordnung, in der der Anstieg der Inlandsnachfrage über dem BSP-Zuwachs liegt,
wird sich wahrscheinlich in diesem
Jahr beträchtlich verringern.
Darüber hinaus bestehen nach wie vor wesentliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern.
Zusammengenommen
wird der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den vier führenden Ländern Europas
(wie auch in den kleineren europäischen Ländern) erwartungsgemäß ungefähr ebenso hoch ausfallen wie der
BSP-Zuwachs - also knapp 3 Prozent
ausmachen.
Die Uberbrückung der Kluft von
Inlandsnachfrage und BSP-Wachstum in
den vier führenden Ländern Europas im
Verlauf dieses Jahres wird voraussichtlich auch auf die anderen Länder
Auswirkungen haben. In der Bundesrepublik Deutchland, Frankreich und
Großbritannien werden die Zuwachsraten der Inlandsnachfrage beträchtlich
fallen - obwohl aus anderen als den
oben erwähnten Gründen - und den gesamten BSP-Zuwachs mit nach unten
ziehen. Vom Blickwinkel einer Anpassung des Handels aus betrachtet, läßt
die
mögliche
Uberbrückung
dieser
Kluft den Schluß zu, daß im Verlauf
dieses Jahres weitere begrenzte Fortschritte in Richtung auf eine Behebung des Ungleichgewichts beim Handel
der vier führenden europäischen Länder erzielt werden können. Im Gegensatz dazu wird die Zunahme der Inlandsnachfrage in Japan voraussichtlich weiterhin über dem BSP-Zuwachs
liegen, obwohl sich auch hier die
Kluft verglichen mit 1988 wahrscheinlich verringern wird.

- 11 -

�Zu diesem frühen Zeitpunkt einer
Prognose lassen Analysen anhaltende
gemäßigte BSP-Zuwächse in den Industrienationen für 1990 vermuten, das
damit zum achten aufeinanderfolgenden
Jahr der Expansion werden könnte.
Während die Wachstumskurve generell
relativ zufriedenstellend im quantitativen Sinne erscheint, trifft dies
qualitiativ weniger zu. Unsere Vorhersagen deuten insbesondere darauf
hin, daß das Muster des Inlands- verglichen mit dem Gesamtwachstum sich
wahrscheinlich nicht stark vom diesjährigen unterscheiden wird.
In den sechs anderen Gipfelstaaten wird sich das BSP-Wachstum voraussichtlich etwas verlangsamen und
knapp unter 3 Prozent liegen. Die
Wachstumsraten in den beiden größten
ausländischen Volkswirtschaften - Japan und der Bundesrepublik Deutschland - werden sich erwartungsgemäß
etwas weiter verlangsamen, wenn auch
aus anderen Gründen. Trotz der Verwirklichung der letzten Stufe einer
mehrjährigen Steuerreform in der Bundesrepublik
werden
Steuersenkungen
von ca. 0,5 Prozent voraussichtlich
den Privatverbrauch nicht entscheidend ankurbeln.
Der Verbrauchszuwachs wird wahrscheinlich durch einen
Anstieg der Sparrate begrenzt und die
Zunahme von Investitionen wird sich
voraussichtlich nach zwei relativ
starken Jahren verlangsamen.
Wenn
diese
Ansichten
sich
bestätigen,
könnte das BSP-Wachstum in der Bundesrepublik
ans
untere Ende des
Wachstums der anderen Gipfelstaaten
zurückfallen.
Im Gegensatz dazu wird in Japan
die Zuwachsrate beim Privatverbrauch
aller Voraussicht nach im gleichen
Tempo wie 1989 steigen, es wird jedoch
ein
ziemlich
beträchtlicher
Rückgang von Investitionen in Produktionsstätten
und
Gerät
erwartet.
Dennoch wird die für 1990 prognostizierte BSP-Zuwachsrate Japans voraussichtlich weit über dem Durchschnitt
der anderen Gipfelstaaten liegen.

Die Wachstumsraten werden wahrscheinlich auch in Italien und Frankreich - den anderen beiden führenden
Volkswirtschaften auf dem europäischen Kontinent - etwas zurückgehen.
Im Gegensatz dazu könnte sich das reale BSP-Wachstum in Großbritannien
etwas stabilisieren, da die Exportsituation sich weiter verbessert und
der Privatverbrauch sich nach einem
in diesem Jahr erwartungsgemäß schwachen Wachstum erholt.
Zum heutigen Zeitpunkt geht man
davon aus, daß das übrige Europa sich
1990 auf einer Wachstumskurve von
rund 2,5 Prozent befinden wird. Spanien, Portugal und die Türkei werden
voraussichtlich wiederum die Spitzenreiter sein, während das reale Wachstum in Dänemark und Schweden relativ
langsam bleiben wird.
Die gesamte
Zuwachsrate der EG wird natürlich
stark von den Entwicklungen in den
vier führenden Volkswirtschaften beeinflußt und daher wahrscheinlich auf
ca. 2,5 Prozent fallen.

B.

Steuer- und Haushaltspolitik

Wenn
die
Haushaltspolitik
so
bleibt wie gegenwärtig vorhergesehen
- wovon man ausgehen muß - wird die
Steuer- und Hauhaltslage
der OECD
insgesamt (wiederum konjunkurbereinigt) im Zeitraum von 1989 bis 1990
im großen und ganzen neutral sein.
Dennoch wird es einige wesentliche
Unterschiede zwischen den einzelnen
Ländern geben.
In den Vereinigten
Staaten wird die Steuerpolitik darauf
ausgerichtet sein, die Grundvoraussetzungen zum Abbau des Haushaltsdefizits zu erfüllen. In Japan wird
der Haushaltsfehlbetrag aller Voraussicht nach etwas ansteigen, was auf
die Kombination einer Reihe von Steueränderungen bei einem gleichzeitigen
geringen Anstieg der Staatsausgaben
zurückzuführen ist. Die von der Bundesrepublik Deutschland für diesen
Zeitraum angestrebte Politik besteht
aus einer Kombination einzelner Steuererhöhungen mit höheren Sozialleistungen für 1989 und weiteren Einkom-

�mensteuersenkungen im Jahr 1990. Das
gesamte Haushaltsdefizit der Bundespublik (als Prozentsatz des BSP) wird
daher im Jahr 1989 fallen und 1990
ansteigen; durchschnittlich wird es
jedoch für 1989-1990 weit unter dem
der Jahre 1987 und 1988 liegen.
Großbritannien konnte trotz Steuersenkungen im Jahr 1988 einen Umschwung zu einem Haushaltsüberschuß
verzeichnen, und - verglichen mit dem
BSP - werden die Jahre 1989 und 1990
wahrscheinlich
leicht
ansteigende
Überschüsse bringen. Frankreich kann
insgesamt höhere Ausgaben bei einzelnen Inlandsprogrammen bei gesenkten
Körperschafts- und
Verbrauchssteuern
aufweisen, bei seinem relativ geringen Defizit werden jedoch wenig Änderungen insgesamt erwartet. Die gegenwärtige Politik eines generellen
Staatsdefizits, das als Prozentsatz
des BSP relativ hoch ist (11,5 Prozent im Jahr 1988), wird in Italien
im wesentlichen unverändert bleiben.
Entsprechend wenig Veränderungen werden für das kanadische Haushaltsdefizit bis 1990 erwartet.
Die kleineren europäischen Länder
haben die Defizite der öffentlichen
Hand als Prozentsatz des BSP seit Anfang der achtziger Jahre kontinuierlich abgebaut, und dieser Trend wird
voraussichtlich anhalten.
Insbesondere wird das durchschnittliche Defizit wahrscheinlich in diesem und im
nächsten Jahr unter 2 Prozent gehalten werden können - verglichen mit
der Fünf-Prozent-Marke
des Jahres
1983.

C.

Außenbilanzen

Die Prognosen für die Leistungsbilanz der Industrienationen in den
Jahren 1989 und 1990 deuten darauf
hin, daß der Anpassungsprozeß im Aussenhandel andauern wird, wenn auch
mit weniger einheitlichen Verbesserungen als wünschenswert erscheinen
mag.
Die internationalen Handelsflüsse werden natürlich vor allem
durch die oben erörterten Wachstums-

tendenzen beeinflußt. Daher wird angesichts des erwarteten leicht rückläufigen Wachstums der Industrieländer in den Jahren 1989 und 1990 insgesamt auch die reale Expansion (das
heißt der Volumenzuwachs) des Handels
zurückgehen. Dennoch sollte sich der
Zuwachs des Handelsvolumens in den
OECD-Ländern immer noch als relativ
stabil erweisen und erneut in einer
Größenordnung von 2 : 1 über dem
BSP-Zuwachs liegen. In der Tat könnte das durchschnittliche Wachstum des
Handelsvolumens von 1989 bis 1990 höher ausfallen als je in irgendeinem
anderen Dreijahres-Zeitraum seit Mitte der siebziger Jahre.
Vorläufige Prognosen deuten darauf hin, daß der Leistungsbilanzüberschuß der sechs anderen Gipfelstaaten insgesamt in diesem und erneut im Jahr 1990 zurückgehen wird.
Im einzelnen bedeutet dies, daß nach
dem geschätzten Überschuß von 88 Milliarden Dollar im Jahr 1988 der gesamte Überschuß der sechs anderen
Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel den Prognosen zufolge im Jahr
1989 auf 74 Milliarden Dollar und
1990 auf 64 Milliarden Dollar fallen
wird. Das heißt, der gesamte Überschuß dieser Gruppe wird seit seiner
Rekordhöhe von 123 Milliarden Dollar
im Jahr 1986 nahezu halbiert sein.
Der größte Umschwung könnte sich
in Japan vollziehen, dessen Leistungsbilanzüberschuß den Erwartungen
zufolge einen starken Rückgang von
den ca. 80 Milliarden Dollar des vergangenen Jahres verzeichnen wird.
Rund die Hälfte dieses prognostizierten Rückgangs ist dem rückläufigen
Handelsüberschuß (in Dollar) zuzuschreiben und der Rest einem Anstieg
im Dienstleistungs- und Transferdefizit Japans.
In der Bundesrepublik Deutschland
stellt sich jedoch ein anderes Bild
dar. Nachdem sich die Exportzuwächse
nach einem kurzen Einbruch im Jahr
1987 (größtenteils aufgrund der Zusammensetzung der deutschen Exportgüter und der stärkeren Auslandsnach-

- 13 -

�frage nach Investitionsgütern) erholt
hatte, wird der deutsche Handelsüberschuß wahrscheinlich bis 1990 leicht
ansteigen.
Trotz der erwartungsgemäßen Zunahme des herkömmlichen Defizits beim Dienstleistungsverkehr mit
dem Ausland wird der Leistungsbilanzüberschuß der Bundesrepublik daher
wahrscheinlich im großen und ganzen
unverändert bestehen bleiben.
Auf
regionaler Ebene ist die deutsche
Handelsbilanz vor allem durch einen
starken Anstieg der Überschüsse mit
den anderen EG-Ländern gekennzeichnet, und diese Entwicklung wird voraussichtlich anhalten.
In den anderen Gipfelstaaten werden keine dramatischen Veränderungen
erwartet. Die Aufblähung des britischen
Handels- (und
Leistungsbilanz-) defizits im vergangenen Jahr
wird sich wahrscheinlich bis 1990
nicht umkehren. Frankreich, Italien
und Kanada werden gemeinsam im Jahr
1990 wohl das gleiche Leistungsbilanzdefizit wie 1988 zu verzeichnen
haben.
Die kleineren OECD-Länder werden
zusammengenommen wahrscheinlich einen
Anstieg ihres relativ geringen gemeinsamen
Leistungsbilanzdefizits
aufweisen, was vor allem auf das erwartete höhere Defizit Spaniens zurückzuführen ist. Unter den anderen
Ländern sind Überschüsse und Defizite
in Dollar relativ gering, und es werden keine tiefgreifenden Veränderungen erwartet. Die Tendenzen der Leistungsbilanz in der OECD insgesamt
werden bis 1990 im wesentlichen den
Entwicklungen der sieben führenden
Industriestaaten folgen.

2.
Prognosen
striestaaten

für

die

Nichtindu-

Die
Entwicklungsländer
werden
1989 zusammen wahrscheinlich etwas
höhere reale Zuwächse zu verzeichnen
haben, die bis 1990 mit Hilfe des erwarteten
anhaltenden
gemäßtigten
Wachstums der Industriestaaten relativ ausgeglichen bleiben werden. Die

Tendenzen in Lateinamerika werden erneut von den Entwicklungen in Mexiko
und Brasilien beherrscht werden. In
beiden Fällen legen die derzeitigen
Entwicklungen
einen
bescheidenen
Wachstumszuwachs in diesem Jahr nahe,
mit einem etwas höheren realen Zuwachs auch in Argentinien. Für die
Region insgesamt erwarten wir ein Absinken der Wachstumskurve auf 3,5 bis
4 Prozent bis 1990.
Die Wachstumsaussichten für die
asiatischen Schwellenländer sind nach
wie vor ziemlich gut.
Obwohl die
zwei größten Volkswirtschaften - Taiwan und Korea - wahrscheinlich einen
Rückgang ihrer derzeitigen zweistelligen Wachstumsraten hinnehmen müssen, sollte das Wachstum noch bei ca.
9 beziehungsweise 7 Prozent liegen.
Diese Prognosen bedeuten Wachstumsraten der Schwellenländer insgesamt in
einer Größenordnung von 7 bis 8 Prozent in diesem und im nächsten Jahr.
Zu diesem verlangsamten Wachstumsszenarium werden die rückläufige Export-Expansionsrate und ein Anstieg
der
Import-Zuwachsrate
beitragen.
Traditionell verfolgen die Schwellenländer
eine
relativ
konservative
Steuerpolitik, was geringe direkte
Wachstumsanreize
von
öffentlicher
Seite und anhaltende Steuerüberschüsse bedeutet.
Eine Bewertung der jüngsten Entwicklungen
beim
Wirtschaftwachstum
der
OPEC-Länder
vorzunehmen
und
glaubwürdige Prognosen für die Zukunft aufzustellen, ist angesichts
der ernsthaften Probleme bei der
Übermittlung von Zahlen aus zwei der
größten Länder - Iran und Irak - sowie Schwankungen bei den Ölpreisen
außerordentlich schwierig. Wir weichen von den jüngsten Prognosen des
IWF nicht sehr weit ab, die darauf
hindeuten, daß das durchschnittliche
Wachstum der OPEC-Staaten voraussichtlich von ca. 1 Prozent im Jahr
1988 auf ungefähr 2 Prozent im Jahr
1989 ansteigen wird. Natürlich wird
das Bild in diesem und im nächsten
Jahr erheblich von den Ö'lpreisentwicklungen abhängen.
Wenn die öl-

- 14 -

�preise auf dem gegenwärtigen Stand
bleiben (was eine von vielen Möglichkeiten ist) und vorbehaltlich anderer
außerordentlicher Entwicklungen könnte die Wachstumsrate der OPEC im Jahr
1990 insgesamt wiederum zwischen 1,5
bis 2 Prozent liegen.
Das
Leistungsbilanzdefizit
der
Entwicklungsländer, die keine OPECMitglieder sind, wird Prognosen zufolge in diesem Jahr von schätzungsweise 29 Milliarden Dollar (1988) auf
etwa 39 Milliarden Dollar ansteigen.
Etwa die Hälfte dieses Sprungs ist
auf einen Rückgang bei den Gesamtüberschüssen der Schwellenländer zurückzuführen, die Restsumme spiegelt
eine erwartete Steigerung von 2 Milliarden Dollar im Defizit Lateinamerikas und vereinzelte Zuwachsraten
bei. den restlichen Entwicklungsländern wider, die keine OPEC-Mitglieder
sind.
Die Entwicklungen in den Leistungsbilanzen
der
Schwellenländer
werden wie üblich vor allem von Korea
und Taiwan beeinflußt. Koreas großer
Überschuß wird sich in diesem Jahr
angesichts der
sich abzeichnenden
Trends niedrigerer Zuwachsraten bei
den Exporten und höherer Zuwächse bei
den Importen erwartungsgemäß verringern. In Taiwan wird sich die bereits 1988 erfolgte Anpassung in diesem Jahr fortsetzen und den Leistungsbilanzüberschuß weiter verringern. Diese Voraussage hängt jedoch
in erheblichem Maße von höheren Importen ab. In beiden Ländern wird
ein weiterer Abbau des Überschusses
für 1990 vorhergesagt, der jedoch
wahrscheinlich nicht den gleichen Umfang haben wird wie in diesem Jahr.
Angesichts dieser Grundannahmen
für die beiden größten Volkswirtschaften sollte die Zuwachsrate der
Leistungsbilanz aller Schwellenländer
sowohl 1989 (auf 21 Milliarden Dollar) als auch 1990 (auf 18 Milliarden
Dollar) sinken.
Diese Leistungsbilanzprojektionen verschleiern jedoch
einen stärkeren zugrundeliegenden Anpassungsprozeß in den jeweiligen Han-

delsbilanzen. Sowohl Korea als auch
Taiwan weisen zunehmende Überschüsse
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr aus, die sinkende Zuwachsraten
im Warenhandel ausgleichen. Während
wir im Zeitraum von 1988 bis 1990 einen Abbau um 8 Milliarden Dollar bei
den Überschüssen der Leistungsbilanz
aller Schwellenländer erwarten, wird
der Abbau des Defizits im Warenhandel
voraussichtlich 11 Milliarden Dollar
betragen.
Wenn unsere Vorhersagen
eintreffen, wird der Handelsüberschuß
aller Schwellenländer insgesamt im
Jahr 1990 auf unter 10 Milliarden
Dollar sinken.
Zu den wichtigen Entwicklungen,
die 1989 und 1990 das Leistungsbilanzdefizit der Länder Lateinamerikas
beeiflussen werden, zählen: die erheblich abgebauten Überschüsse Brasiliens gegenüber 1988 und geringfügig
niedrigere Defizite in Mexiko. Insgesamt wird für das Leistungsbilanzdefizit Lateinamerikas im Jahr 1989
eine geringfügige Zunahme (auf 13
Milliarden
Dollar)
prognostiziert,
auf die eine leichter Rückgang folgt
(auf 11 Milliarden Dollar).
Angesichts des oben beschriebenen erwarteten Wachstums in den Industrieländern und der hier angeführten Tendenzen im Handel sehen wir keine dramatischen Entwicklungen voraus.
Die
Überschüsse im Handel werden in Lateinamerika insgesamt nahezu unverändert bleiben und weiterhin etwa 27
bis 28 Milliarden Dollar betragen.
Die Entwicklungen in der Leistungsbilanz
der OPEC-Staaten für
1989/90 werden sicherlich von der Situation auf den internationalen ölmärkten und dem Ausmaß beeinflußt, in
dem die Förderländer darauf einwirken
können.
Angesichts des erwarteten
langsameren Wachstums in den Industrieländern in diesem und im nächsten Jahr und angesichts der weltweiten Überschußproduktion deuten Überlegungen zu Angebot und Nachfrage
nicht darauf hin, daß in naher Zukunft ein starker Druck auf die Preise entstehen wird. Ein geringfügiger
Anstieg im Handelsüberschuß der OPEC

- 15 -

�würde ihr Leistungsbilanzdefizit
gleichem Umfang verringern.

in

Teil IV
Die zugrundeliegenden kurzfristigen Zielsetzungen der Industrieländer, insbesondere derjenigen mit einem erheblichen Ungleichgewicht im
Außenhandel, werden dieselben bleiben
wie in den vergangenen Jahren. Insgesamt müssen sie gewährleisten, daß
reales Wachstum in einem stetigen
Tempo anhält, der Inflationsdruck
eingedämmt wird und der Anpassungsprozeß im Außenhandel im Rahmen eines
gesunden und wachsenden internationalen
Handels- und
Finanzssystems
bleibt. Diese Ziele gelten auch für
Nicht-Industrieländer.
Über diese allgemeinen Zielsetzungen bestehen keine Unstimmigkeiten. Tatsächlich spiegeln sie einen
klaren internationalen Konsens wider
und sind oftmals und eingehend von
den Teilnehmern der jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel, im Rahmen der regulären Treffen von Finanzministern und Zentralbankpräsidenten
und bei den halbjährlichen Treffen
des IWF Interim-Ausschusses bekräftigt worden.
Sicherlich bestehen unvermeidbare
Meinungsverschiedenheiten
über
die
relative Bedeutung der verschiedenen
Zielsetzungen und die beste Methode
ihrer Verwirklichung. Um diese Differenzen erörtern und auszuräumen zu
können, haben die Gipfelländer den
Prozeß zur Koordinireung ihrer Wirtschaftspolitik weiterentwicklet und
verstärkt.
Internationale Zusammenarbeit in der Wirtschaft war ein zentrales Thema der letzten drei Wirtschaftsgipfel (1986 in Tokio, 1987 in
Venedig, 1988 in Toronto) und wird
auch beim bevorstehenden Gipfeltreffen in Paris einen hohen Stellenwert
haben (Dieser Prozeß wurde im Bericht
des Finanzministeriums an den Kongreß
über Internationale Wirtschafts- und
Währungsppolitik vom Oktober 1988
ausführlich behandelt, auf den hier

verwiesen werden soll).
Der Prozeß der politischen Zusammenarbeit hat einen eindeutigen und
soliden Konsens über die grundlegenden Bestandteile hervorgebracht, mit
denen das gemeinsame Ziel eines Abbaus des Ungleichgewichts im Außenhandel hervorgebracht und gleichzeitig der Weg zum Wachstum offen gehalten werden soll. Im weitesten Sinne
erfordert die anhaltende Anpassung
unterstützende makroökonomische Entwicklungen auf den Weltmärkten. Die
Industrieländer müssen auf dem Pfad
nicht-inflationären Wachstums bleiben, um den Welthandel zu stimulieren
und wachsende Märkte für ihre eigenen
Exporte und die Exporte der Entwicklungsländer zu schaffen, um den Zielsetzungen
der
Schuldenbegleichung,
Wachstum und Entwicklung gerecht zu
werden.
Die Teilnehmer verpflichten sich
zu einem grundlegenden politischen
Kurs, der notwendig ist, um diese
Zielstzungen in echte Fortschritte
umzuwandeln. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich ihrerseits zum Abbau ihres Haushaltsdefizits, zur Verbesserung ihrer interntionalen Wettbewerbsfähigkeit und Erhöhung ihrer
Sparrate. Für die Länder mit großen
Überschüssen im Außenhandel - insbesondere Japan und die Bundesrepublik
- bedeutet dies die Anwendung makroökonomischer struktureller Maßnahmen,
mit denen offene, wachsende Binnenmärkte geschaffen werden können. Im
wesentlichen muß der Zuwachs bei der
Nachfrage im Inland in den Überschußländern groß genug sein, um den konjunkturabschwächenden Effekt rückgängiger Überschüsse auszugleichen.
Es setzt sich jedoch zunehmend
die Erkenntnis durch, daß die meisten
Volkswirtschaften unter strukturellen
Beschränkungen für Wachstum und Anpassung leiden, mit denen die Wirksamkeit steuerund währungspolitischer
Maßnahmen abgeschwächt wird.
Aus
diesem Grunde ist der Umfang des Koordinierungsprozesses erweitert worden, der zusätzlich zu seiner tradi-

- 16 -

�tionellen Betonung makroökonomischer
Politik eine besondere Überprüfung
der ergänzenden Rolle, die strukturelle Reformen spielen können, einschließen soll. In Toronto hat jedes
Teilnehmerland besonderen strukturellen Reformen zugestimmt, unter anderem: einem Abbau von Verkrustungen
auf dem Arbeitsmarkt, die Flexibilität behindern und hohe Arbeitslosenraten begünstigen; einer Verringerung
von Subventionen, die den ungehinderten Verkehr von Rohstoffen im Inland
und über alle Grenzen hinweg behindern; der Reformierung eines Steuersystems, das keine Risikoübernahme
und keine Innovationen fördert und
die Nachfrage unterdrückt; einer Liberalisierung der Finanzmärkte und
einem Abbau belastender Vorschriften
und übermäßige Einmischung des Staates in den Privatsektor.
Der politische Koordinierungsprozeß
ist
somit
entwicklungsfähig.
Durch die besondere Berücksichtigung
makroökonomischer und struktureller
Erwägungen und Prüfung der weitreichenderen Konsequenzen einzelner politischer Maßnahmen ist er in hohem
Maße geeignet, mittelfristige Lösungen für die hier anliegenden mittelfristigen Probleme zu finden.
Die Notwendigkeit einer angemessenen makroökonomischen und strukturellen Politik ist jedoch nicht auf
die
Industrienationen
beschränkt.
Die Entwicklungsländer müsen dabei
auch eine wichtige Rolle spielen.
Zum Beispiel müssen die Schwellenländer dafür Sorge tragen, daß ihre
Wechselkurse sich im Einklang mit den
Kräften des Marktes und ihrer wirtschaftlichen Stärke bewegen, um zu
ausgewogenerem Handel und weiterer
weltweiter
Anpassung
beizutragen.
Darüber hinaus sind in den Schwellenländern weitere politische Veränderungen wie etwa strukturelle Reformen
notwendig, um die Nachfrage im Inland
als Quelle des Wachstums und im Falle
Koreas und Taiwans Maßnahmen zur Liberalisierung des Handels und Kapitalflusses anzufachen.
Seit Mitte
des Jahres 1986 haben die Vereinigten

Staaten mit den vier Ländern - insbesondere mit Korea und Taiwan - Gespräche über diese Probleme geführt.
Darüber hinaus untersucht die OECD
Möglichkeiten zur Eröffnung eines informellen Dialogs mit den Schwellenländern und konzentriert sich dabei
auf gemeinsame Pflichten zur Förderung offener Märkte für Handel, Investitionen
und
andere
finanzielle
Transaktionen.
Im allgemeinen müssen die Entwicklungsländer und insbesondere die
hochverschuldeten
Volkswirtschaften
sicherstellen, daß ihre politischen
Maßnahmen die Nachfrage im Inland und
die Kapitalbildung unterstützen, die
Inflation eindämmen und angemessene
finanzielle Unterstützung
von den
Handelsbanken und den internationalen
Finanzinstitutionen ermutigen.
Der
Abbau der ernsthaften Ungleichgewichte in diesen Volkswirtschaften ist
eine wichtige mittelfristige Herausforderung, die sowohl im makroökonomischen als auch in den strukturpolitischen Bereichen eine fundierte Politik erfordert.
Steuerdefizite und Vermehrung der
Geldmenge müssen unter Kontrolle gebracht und die Kapitalflucht eingedämmt werden. Die Investitionspolitik muß den Rückfluß von ausländischen Mitteln zur Unterstützung der
Investitionen im Inland ermutigen,
Verzerrungen bei den relativen Prei&gt;sen - auch bei Zinssätzen und Wechselkursen - müssen abgebaut und übermäßige Vorschriften und staatliche
Einmischung abgeschafft werden, und
die Handelspolitik sollte eine stärkere Integration in das Welthandelssystem ermutigen.
Glücklicherweise tritt zunehmend
die Erkenntnis der Entwicklungsländer
zutage, daß eine marktorientierte Politik
die
besten Aussichten für
Wachstum, Entwicklung und weltweite
wirtschaftliche Integration bietet.
Zusätzlich zur Ermutigung dieser gewandelten Einstellungen ist es von
entscheidender Bedeutung
daß die
Volkswirtschaften der Industrienatio-

- 17 -

�nen materielle Unterstützung leisten,
indem sie offene und erweiterungsfähige Märkte erhalten, Verzerrungen im
Welthandelssystem abbauen und den internationalen Finanzinstitutionen angemessene Unterstützung leisten. Der
politische Koordinierungsprozeß ist
integraler Bestandteil dieser umfassenden Bemühungen.

Teil V
Der Kongreß fordert die Berichterstattung
über
ausländische
Beschränkungen für den amerikanischen
Handel im durch Abschnitt 1304 des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes von 1988 revidierten
Jahreswirtschaftsbericht.
Das
Gesetz fordert ferner nach Möglichkeit die Quantifizierung der geschätzten
Auswirkungen
einzelner
Schranken für den Export amerikanischer Waren und Dienstleistungen und
amerikanische Direktinvestitionen im
Ausland. Dieser Bericht wird bis zu
seinem Fälligkeitstermin am 30. April
1989 dem Kongreß vorliegen.
Aufgrund des Zweimonatszeitraums
zwischen den vorgeschriebenen Vorlageterminen der beiden Berichte befindet sich der Jahreswirtschaftsbericht
jetzt bei Abschluß des Jahresberichts
zur Entwicklung im Handel gerade in
Vorbereitung.
Zur Auflistung der
Handelsschranken und ihrer Auswirkungen auf Handel und Direktinvestitionen der Vereinigten Staaten wird der
Kongreß daher auf den bald erscheinenden Jahreswirtschaftsbericht verwiesen.
Bei der Interpretation der Auswirkungen von Handelsschranken auf
den Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten ist Sorgfalt geboten.
Manche Handelsschranken haben
unter Umständen erhebliche Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Exporte, Importe, Produktion und in geringerem Maße auch auf besondere bilaterale Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten. Dennoch haben Handelsschranken
vergleichsweise
geringe

Auswirkungen auf das Ungleichgewicht
im amerikanischen Handel insgesamt.
Wenn man die geschätzten Auswirkungen einzelner Handelsschranken auf
den Handel insgesamt betrachtet, würde man die Auswirkungen überbewerten,
die amerikanische Exporte insgesamt
auf die Abschaffung ausländicher Handelsschranken haben. Der Definition
nach läßt die Analyse des "teilweisen
Gleichgewichts", mit der Auswirkungen
von Handelsschranken geschätzt werden, keine Rückschlüsse von den Auswirkungen einzelner Handelsschranken
auf das gesamte Gleichgewicht im Handel zu.
Handelsschranken sind von großer
Bedeutung, weil sie mikroökonomische
Unzulänglichkeiten (falsche Mittelvergabe) auf nationales und internationales Umfeld transponieren und den
Gesellschaften die Kosten für das
Wohlergehen der Wirtschaft aufbürden.
Dennoch sind ihre Auswirkungen auf
das Gleichgewicht des Handels insgesamt oder dessen Schätzung beschränkt.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

10

8. März 1989

USA FORDERN SOWJETS ZUR BETEILIGUNG AM ABBAU DER CHEMISCHEN WAFFEN AUF
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE WIEN - (AD) - US-Außenminister Baker hat im Rahmen seiner Rede bei der Eröffnung der Wiener Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE) am 6. März 1989 erklärt, die Vereinigten Staaten untersuchten zur
Zeit die Möglichkeit eines Abzugs chemischer Waffen aus Europa. Dabei forderte er die Sowjetunion auf, sich der Initiative anzuschließen und ihre "enormen
Arsenale" an chemischen Waffen zu zerstören. Baker appellierte ferner an die
internationale Staatengemeinschaft, sich der "Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen" zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut:
Verehrte Ministerkollegen, meine Damen und Herren,
wir treffen uns heute in einer
historischen Umgebung. Wien ist sicherlich ein lebendes Denkmal der
Schöpfungskraft
westlicher
Kultur.
Diese Stadt ist ferner ein Scheideweg
der Zivilisation.
Es erinnert uns
daran, daß Europa und die Leistungen
Europas
stets
die
geographischen
Grenzen überschritten haben, um die
Welt insgesamt zu beeinflussen.
Wien steht jedoch auch für fehlgeschlagene Hoffnungen. Verhandlungen und Abkommen, die zur Schaffung
eines anhaltenden Friedens in Europa
gedacht waren, wurden allzu oft durch
Krieg zunichte gemacht. Zu oft bedeutete der Mangel an Sicherheit in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Europa einen Mangel an Sicherheit für
die ganze Welt. Unser Ziel besteht
darin, die Sicherheit Europas zu verbessern
und damit ebenfalls die
Grundlagen des Weltfriedens zu stärken.
Meines Erachtens benötigen wir
eine umfassendere Perspektive, eine
gemeinsame Vision dessen, was wir anstreben und warum, wenn wir Erfolg
haben wollen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren
Europa und die Welt mit zwei gänzlich
entgegengesetzten Auffassungen konfrontiert.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten in Westeuropa
vertraten die Vision freier Völker,
die in einem Rechtsstaat mit geschützten Rechten des Einzelnen leb-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten und deren demokratisch gewählte
Regierungen diesen Völkern gegenüber
verantwortlich waren.
Wir sind der Meinung, und wir
halten an dieser Überzeugung fest,
daß die Rede- und Religionsfreiheit,
die Freiheit von Furcht und die Freiheit zur Wahrnehmung wirtschaftlicher
Möglichkeiten natürliche Rechte freier Menschen überall waren und sind.
Wir waren gewiß, und wir haben auch
heute die Gewißheit, daß freie Märkte
und Eigeninitiative das sicherste Rezept für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt sind. Wir waren und
sind bestrebt, unsere Sicherheit in
einer Koalition freier Staaten zu gewährleisten, die durch gemeinsame
Werte und nicht nur durch gemeinsame
Interessen verbunden sind. Und wir
hatten damals, wie auch heute, die
Vision eines Europas im Frieden, dessen Nationen die Freiheit besitzen,
sich unterschiedlich zu entwickeln,
aber sich gemeinsam gegen den Krieg
wenden.
Unsere Vision war nicht die einzige Vision. Es gab auch eine andere
Haltung, die den teuersten Werten des
westens entgegengesetzt war.
Der
Wettstreit zwischen diesen beiden Visionen brachte uns das schwierige
Vermächtnis, mit dem wir heute leben.
Ein gewaltsam gegen den Willen seiner
Völker geteiltes Europa. Ein Europa,
das der Kontinent mit den meisten
Waffen ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehnts eröffnen sich uns neue Horizonte, Horizonte, die uns eine Chance bieten,
die Konflikte der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Die andere Vision
verändert sich. Sie verändert sich,
weil wir im Westen unserer Vision
treu geblieben sind. Und sie verändert sich, weil sich in der Sowjetunion der Realismus durchzusetzen beginnt.
Perestrojka, Glasnost, Demokratisierung sind die Schlagworte des
"neuen Denkens". Es gibt ermutigende
Entwicklungen bei den Menschenrechten

und in der Betonung des Prinzips der
Rechtsstaatlichkeit.
Volkswirtschaften, die sich einst im eisernen Griff
zentralisierter
Lenkung
befanden,
werden befreit, und die Rolle der Eigeninitiative ist von Staat anerkannt
worden. Unlängst erklärte Generalsekretär Gorbatschow, "auch die Weltpolitik sollte vom Primat der universellen menschlichen Werte geleitet
werden". In öffentlichen Bekundungen
wird die sowjetische Außenpolitik mit
verringerter Betonung des Einsatzes
von Gewalt umgestaltet.
Minister
Schewardnadse hat dies heute erneut
bekräftigt, und das ist gut so.
Niemand kann vorhersehen, wohin
dieser
Prozeß
führen
wird
oder
selbst
ob er andauern wird.
Wir
können jedoch nicht die Realität dessen außer acht lassen, was heute in
Europa geschieht.
In seinem Roman
"Die Besessenen" schrieb Dostojewski:
"Das Feuer brennt im Geist des Menschen, nicht auf den Dächern von Häusern."
Die revolutionären Veränderungen in jenem Teil Europas, der
sich immer noch hinter einem rostenden Eisernen Vorhang befindet, sind
vor allem Veränderungen im Geist der
Menschen, in ihrer Vision von der Zukunft. Die Menschen wollen Freiheit:
Gedankenfreiheit, Freiheit zuhause,
Freiheit am Arbeitsplatz und frei gewählte Regierungen. Und diese Freiheiten werden die von Stagnation und
Tyrannei geschlagenen Wunden heilen.
Ich schlage vor, daß wir uns der
Schaffung eines neuen Europas verpflichten - eines Europas, das auf
folgenden Freiheiten gegründet ist:
Der Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Die
Legalität
der
Gewerkschaft
Solidarität
sollte beispielsweise die Norm
und kein Thema von Verhandlungen
sein.
Der Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Die Beobachter
der KSZE-Vereinbarungen sollten
beispielsweise geehrt und nicht
von ihren Regierungen verfolgt
werden.
Der Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht der Freizügigkeit wahrzunehmen. So sollte
der Forscher in Prag zum Beispiel
in der Lage sein, die Bücher zu
bekommen, die er benötigt. Verwandte in Hamburg und Dresden
sollten nicht länger durch Stacheldraht
voneinander
getrennt
sein, und Berlin sollte nicht von
einer Mauer geteilt werden, die,
wie wir vorigen Monat erst wieder
gesehen haben, weiterhin Menschen
das Leben kostet, die nach Freiheit streben.
Schließlich der Freiheit aller
Europäer vor militärischer Einschüchterung oder einem militärischen Angriff. Diejenigen im Westen sollten frei von der Furcht
sein, daß die massiven Streitkräfte unter sowjetischem Befehl
über sie herfallen werden. Diejenigen im Osten sollten frei von
der Furcht sein, daß eine bewaffnete
sowjetische
Intervention,
wie sie durch die Breschnew-Doktrin gerechtfertigt wurde, erneut
angewendet wird, um ihnen die
Wahlmöglichkeit zu nehmen.
"Neues Denken" und die Breschnew-Doktrin sind einander diametral
entgegengesetzt.
Wir fordern Generalsekretär Gorbatschow heute auf,
der Breschnew-Doktrin eine Absage zu
erteilen - ohne den Schatten eines
Zweifels.
Möge das "neue Denken"
dieses Überbleibsel des Zeitalters
der Stagnation hinwegfegen.
Diese vier Freiheiten sind untrennbar miteinander verbunden. Sie
sind die Prinzipien des neuen Europas, sie sind die Schlüssel, mit de-

nen die Tür zum europäischen Haus der
Zukunft geöffnet wird. Wie der amerikanische Präsident Abraham Lincoln
einmal gesagt hat: "Ein Haus, das in
sich geteilt ist, kann nicht bestehen." Ein Kontinent, der von einer
Mauer geteilt Wird, kann nicht sicher
sein. Ein sicheres und wohlhabendes
Europa kann niemals auf der Grundlage
künstlicher Schranken, der Furcht und
der Verweigerung der Unabhängigkeit
gegründet werden.
Ich freue mich, Ihnen berichten
zu können, daß wir einige Fortschritte bei der Verwirklichung dieses neuen Europas erzielt haben - Fortschritte, auf denen wir alle aufbauen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hat
mit den Dokumenten von Helsinki, Madrid, Stockholm und jetzt Wien die
Verpflichtungen
der Staaten immer
präziser definiert.
Wir haben die
Freiheit des einzelnen sowie das Konzept der Offenheit und der vertrauensbildenden Maßnahmen
im Sicherheitsbereich erneut bekräftigt. Wir
unterstützen
diesen
Prozeß.
Die
Schlußakte von Helsinki verkörpert
unsere Vision von Europa. Und die
sicherheitspolitische Dimension der
NATO hatte stets das Ziel der Kriegsverhinderung
Auch der wirtschaftliche Wandel
ist ein wichtiges Merkmal des neuen
Europas. Die Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts im Jahr 1992, der
zum Vorteil aller, die Handel treiben
möchten, nach außen orientiert ist,
würde sicherlich die Hoffnungen derjenigen erfüllen, die nach dem Krieg
zu Recht die Vision der wirtschaftlichen Union als Stützpfeiler für Frieden und Freiheit hegten. Zentral gelenkte Volkswirtschaften legen nach
und nach die Zwangsjacke der ausgedienten
marxistisch-leninistischen
Theorien ab. Der Wunsch nach verstärkten Handelskontakten ist stark
und wird noch stärker.
Es besteht ferner eine echte Möglichkeit für alle Industriestaaten,
im Westen wie im Osten, bei neu er-

- 3 -

�kannten übernationalen Problemen zusammenzuarbeiten. Gefahren für unsere Umwelt setzen zum Beispiel die
grundlegendste Sicherheit aller Erdenbewohner aufs Spiel. Erst letzte
Woche haben die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten
beschlossen, die Benutzung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe
(FCKW) bis
zum Jahr 2000 einzustellen, unter der
Voraussetzung daß bis dahin Ersatzstoffe gefunden werden, was wir annehmen. Wir hoffen, daß die Sowjetunion in Erwägung zieht, sich im
Geist des "neuen Denkens" uns anzuschließen.
Dies sind
Fortschritte.
Aber
während die alte Ära vor den Horizonten des neuen Europas zurücktritt,
sind diese Horizonte immer noch zu
weit entfernt.
Immer noch stehen
sich die Waffen und Armeen gegenüber.
Dieser Kontinent wird immer noch von
einem Eisernen Vorhang geteilt. Zu
viele Regierungen haben nach ihrer
feierlichen Unterzeichnung von Verpflichtungen auf die Menschenrechte
abweichende Meinungen gewaltsam unterdrückt.
Bei dieser Tour d'horizon bleiben
wichtige Frage unbeantwortet. Werden
diesen neuen Worten Taten folgen oder
wird es sich um eine bloße Wiederholung der Vergangenheit, um erneut
enttäuschte Hoffnungen handeln?
Werden Ost und West gemeinsam in
der Lage sein, die im Zeitalter des
Wettbewerbsdenkens
aufgebauten
Schranken
niederzureißen?
Werden
diese Schranken endlich abgebaut, die
Berliner Mauer, der Stacheldraht und
die Wachtürme endlich der Vergangenheit angehören?
Wird die Sowjetunion ihre Außenpolitik in Europa entmilitarisieren,
wird sie aufhören, die Demokratien
mit abertausenden von Panzern zu bedrohen?
Die Aussagen von Außenminister
Schewardnadse haben mich ermutigt,
als er von einem umfassenden Abbau

der Streitkräfte sprach.
In jüngster Zeit hatten wir allen
Grund zu Hoffnungen über das neue
sowjetische Denken. Aber sowohl Realitätsbewußtsein als auch Vernunft
erfordern eine Erprobung dieses neuen
Denkens, um sicherzustellen, daß es
sich hierbei um eine neue Politik und vor allem - um einen Wandel in
der
Stationierungspolitik
handelt.
Wir haben sondiert, ob Ost und West
gemeinsam nicht umkehrbare Schritte
unternehmen können, die in Richtung
auf ein Europa der Freiheiten gehen.
Darüber hinaus haben wir versucht,
das Niveau militärischer Konfrontation abzubauen.
Auch hier sind Fortschritte zu
verzeichnen. Als Reaktion auf einen
von den Vereinigten Staaten unterbreiteten Vorschlag hat sich die Sowjetunion gemeinsam mit den Vereinigten Staaten an den Verhandlungstisch
begeben, um einen Vertrag über Mittelstreckenraketen zu erarbeiten, mit
dem eine gesamte Kategorie nuklearfähiger Raketen beseitigt wird.
Der
Vertrag enthält in der Geschichte der
Abrüstung einmalige Bestimmungen, vor
allem im Hinblick auf Verifizierung
und asymmetrische Abrüstung bis zum
Gleichstand. Auch bei den START-Gesprächen haben wir ermutigende Fortschritte in Richtung auf einen Abbau
der strategischen Streitkräfte erzielt. Und sobald unsere Übersicht
fertiggestellt ist, sehen wir weiteren Schritten auf dem Weg zu Abrüstung und Rüstungskontrolle entgegen.
Präsident Bush zufolge messen die
Vereinigten Staaten der Kontrolle und
Vernichtung chemischer Waffen hohe
Priorität bei. Seit der Vorlage des
Vertragsentwurfs zur Achtung chemischer Waffen auf der ganzen Welt auf
einer wirksam verifizierbaren Grundlage im Jahr 1984 haben die Vereinigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen eine führende Rolle gespielt.
Wir werden auch in Zukunft diese Bestrebungen zu unserem ersten Anliegen
machen. Bis diese Waffen auf verifizierbare Art und Weise vernichtet

�worden sind, werden die Vereinigten
Staaten jedoch ein Minimum an chemischen Abschreckung aufrechterhalten.
Vor kurzem konnten wir die positive Resonanz auf Präsident Reagans
Forderung nach einer Konferenz über
den Einsatz chemischer Waffen verbuchen - und den Erfolg dieser Konferenz unter dem Vorsitz der französischen Regierung. Es steht außer Frage, daß einige Länder zu Taten bereit
sind.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Bewältigung dieses Problems die Führung zu übernehmen. Und
es ist mir eine große Ehre, bekanntgeben zu dürfen, daß Präsident Bush
als einen ersten Schritt die neue Administration angewiesen hat, Mittel
und Wege für die Beseitigung der in
der Bundesrepublik Deutschland gelagerten chemischen Waffen aufzuzeigen.
Die frühzeitige Beseitigung dieser
Waffen erfordert die Bereitstellung
sicherer Lagerungsstätten sowie die
Erarbeitung praktischer Pläne zu ihrer Vernichtung.
Aber einseitiges
Vorgehen ist nicht genug. Die Sowjetunion verfügt über enorme Lagerbestände an chemischen Waffen, die
Europa bedrohen.
Aus diesem Grund
fordern wir die Sowjets auf, mit uns
gemeinsam die Vernichtung ihrer enormen Lagerbestände dieser furchterregenden Waffen voranzutreiben.
Und nicht zuletzt müssen wir auch
die Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen ansprechen.
Hier
können wir auf unsere jüngsten Pariser Erfolge aufbauen.
Unser Vorschlag geht dahin, Regierungen und internationale Vertreter der chemischen Industrie zusammenzubringen.
Wir haben gemeinsam
mit Australien die generelle Frage
der Verbreitung sowie die Veranstaltung einer Konferenz zu diesem Thema
erörtert.
Seit einigen Jahren hat
Australien international eine führende Rolle bei dem Versuch gespielt,
der Verbreitung
chemischer Waffen
Einhalt zu gebieten, auch als Vorsit-

zender der australischen Gruppe westlicher mit chemischer Produktion befaßter Staaten. Ich freue mich daher
besonders, Ihnen mitteilen zu können,
daß Australien zugestimmt hat, die
Initiative zur Veranstaltung einer
solchen Konferenz zu ergreifen.
Zweck dieser Konferenz wird sein,
das wachsende Problem des internationalen Transfers von chemiewaffenfähigem Material und der entsprechenden
Technologie zu erörtern. Wir hoffen,
ein besseres Informationssystem über
diesen todbringenden Handel aufbauen
zu können.
Fortschritte bei nuklearer Rüstungskontrolle und chemischen Waffen
sind jedoch nicht genug. Es wird uns
niemals gelingen, die Ost-West-Beziehungen auf einen nicht umkehrbaren
Kurs in Richtung auf dauerhafte Verbesserungen zu bringen, wenn wir uns
nicht mit dem enormen militärischen
Ungleichgewicht bei den konventionellen Waffen in Europa auseinandersetzen. Wir können das Problem klar umreißen. Eine riesige, von schwer gepanzerten Einheiten angeführte und
massiver
Feuerkraft
unterstützte
Streitmacht ist von der Sojwtunion
und
Ihren Verbündeten aufgestellt
worden. Diese Streitmacht ist gegen
den Westen gerichtet.
Wir im Westen haben uns dieser
Bedrohung seit Anbeginn des Kalten
Krieges gegenübergesehen. Heute gehen die Streitkräfte der Sowjetunion
und des Warschauer Pakts weit über
das erkennbare Maß an Verteidigung
hinaus.
Bei Panzern ist der Warschauer Pakt der NATO im Verhältnis 3
zu 1 überlegen. Bei der Artillerie
ist der Warschauer Pakt im Verhältnis
3 zu 1 überlegen. Und bei Schützenpanzern ist der Warschauer Pakt der
NATO im Verhältnis 2 zu 1 überlegen.
Diese
sich. Und
hat, sind
sten für
geeignet.

- 5 -

Prozentsätze sprechen für
wie die NATO festgestellt
diese Streitkräfte am beeine Invasion Westeuropas

�Es ist dieses breite Spektrum sowjetischer Macht, das Europa gegen
seinen Willen teilt und europäische
Hoffnungen
zur
Geisel
möglicher
feindseliger Absichten der Sowjets
macht.
In jüngster Zeit haben wir gehört, die sowjetische Militärdoktrin
würde geändert, um das sogenannte
"vernünftige
und
ausreichende"
Streitkräfteniveau zu erreichen. Und
im Dezember hat Generalsekretär Gorbatschow vor den Vereinten Nationen
die
sowjetische
Absicht
erklärt,
50 000 Soldaten, 5 000 Panzer und anderes ausgewähltes Gerät aus bestimmten Gebieten Osteuropas abzuziehen.
Auch einige osteuropäische Regierungen haben einen einseitigen Truppenabbau angekündigt.
Dies ist ein Anfang - ein sehr
guter Anfang. Es ist ein hoffnungsvoller Anfang und natürlich beobachten wir, ob den Worten Taten folgen.
Ebenso klar ist die Notwendigkeit,
noch weiter zu gehen. Selbst nach
diesen Reduzierungen hätte der Warschauer Pakt noch einen Vorteil von 2
zu 1 bei Panzern und Artillerie. Die
militärische Überlegenheit des Warschauer Pakts im konventionellen Bereich, insbesondere bei den für Offensivoperationen wichtigsten Komponenten, macht eine Invasion in der
Tat möglich.
Dies sind harte Tatsachen. Und
es sind diese Tatsachen, die einer
Änderung bedürfen, wenn unsere Verhandlungen
erfolgreich
und unsere
Fundamente eines neuen Europas von
Dauer sein sollen. Der Rüstungskontrollprozeß muß sich jetzt stark auf
dieses Ungleichgewicht zwischen Ost
und West konzentrieren.
Die Vereinigten Staaten haben geraeinsam mit den anderen westlichen
Teilnehmerstaaten an diesen Gesprächen ernsthafte Vorschläge zur Behebung der Ungleichgewichte bei den
konventionellen Landstreitkräften und
zur Einführung weitreichender vertrauensbildender und stabilisierender

Maßnahmen erarbeitet.
Unser Ansatz konzentriert sich
auf die Verwirklichung einschneidender Reduzierungen bei entscheidenden
militärischen Fähigkeiten, die auf
eine Invasion ausgerichtet sind. Wir
schlagen zum Beispiel eine Obergrenze
für die gesamte Rüstung in Europa vor
sowie eine Obergrenze von 40 000 für
alle von den 23 Teilnehmerstaaten an
den KSE-Verhandlungen
stationierten
Panzer.
Darüber hinaus sind die
westlichen Teilnehmerstaaten in naher
Zukunft zur Einführung neuer vertrauensbildender Maßnahmen bereit, die
darauf abzielen, die Transparenz zu
erhöhen und die Möglichkeit eines
Überraschungsangriffs zu verringern.
Letztlich wird Stabilität natürlich
nur dann erreicht, wenn kein Land in
der Lage ist, ein anderes durch Waffengewalt zu beherrschen.
Ich möchte jedoch nochmals betonen, daß Veränderungen im militärischen Gleichgewicht nur einen Teil
des Prozesses darstellen. Nur wenn
die Ursachen der historischen Teilung
Europas beseitigt sind, wir Freizügigkeit und den freien Fluß von Informationen erreicht haben, wenn alle
Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung genießen - nur dann wird es
möglich sein, die militärische Konfrontation vollständig zu beseitigen.
Mit anderen Worten: wir können keine
Symptome beseitigen, wenn wir uns
nicht eingehend mit den Ursachen auseinandersetzen.
Es ermutigt mich,
daß immer mehr Menschen aus Ost und
West diesen Zusammenhang verstehen.
Wir müssen gemeinsam daran arbeiten,
um weitreichende Veränderungen hervorzubringen, mit denen die Teilung
dieses Kontinents beendet werden kann.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit
vernunftbegabten Menschen auf der
ganzen Welt, um Erfolge zu erlangen.
Wir werden in einigen Tagen in eben
diesen Räumen die Verhandlungen aufnehmen und dabei ein klares Ziel, solide Grundsätze und eindeutig definierte Zielsetzungen vor Augen haben.
—

�Unser Ziel bei diesen Verhandlungen besteht wie bei allen Rüstungskontrollverhandlungen in der Verhinderung des Krieges - jedes Krieges,
sei er nuklear oder konventionell -,
Abschreckung von Aggression und Steigerung der Stabilität auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau.
Wir
werden jeden Vorschlag nicht nur im
Hinblick auf die Anzahl der reduzierten Waffen, sondern nach seinen Auswirkungen auf Abschreckung und Stabilität beurteilen.
Zur Verwirklichung dieses Ziels
bestätigen wir erneut das Zweckbündnis zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten.
Wir sind uns seit langem bewußt, daß
"Europa Amerika ebenso braucht wie
Amerika Europa", wie NATO-Generalsekretär Manfred Wörner es formulierte.
Als einzelne würden wir Opfer der historischen Entwicklungen, heute können wir den Weg der Weltgeschichte
selbst positiv beeinflussen.
Unsere
Verhandlungsziele
sind
eindeutig definiert. Erstens - und
darauf habe ich bereits hingewiesen haben die NATO-Verbündeten gleiche
Obergrenzen
bei
wichtigen
Ausrüstungsgegenständen auf einem Niveau
gefordert, das unter dem gegenwärtigen
der
NATO-Streitkräfte
liegt.
Dies wäre der beste Schritt in Richtung auf ein sicheres Europa auf niedrigerem RUstungssniveau.
Zweitens sollte kein Staat Fähigkeiten besitzen, mit denen sich eine
Invasion ausführen ließe.
Drittens sollte ein System gegenseitiger Offenheit und Transparenz
bei militärischen Angelegenheiten erweitert werden, mit dem Vertrauen gefördert, Absichten geklärt und folglich die Stabilität gestärkt werden
kann.
Darüber hinaus hoffen wir, daß
alle Staaten Doktrinen und Streitkräftestrukturen erarbeiten, die eine
Verteidigungsabsicht glaubwürdig widerspiegeln.

Im Rahmen der fortschreitenden
Verhandlungen werden wir gemeinsam
mit unseren Verbündeten alle Möglichkeiten für Fortschritte in Erwägung
ziehen. Das gegenwärtige Streitkräfteniveau und die Struktur der Streitkräfte in Europa sind nicht in Stein
gemeißelt. Sie sind das Produkt der
Geschichte, das Ergebnis von Konflikten. Und sie können geändert werden.
Wenn die Vergangenheit als Leitlinie dienen kann, haben wir viele
Vorschläge zu erwarten, die eine Perfektionierung der Abrüstung versprechen, wenn wir nur das Konzept der
Abschreckung aufgeben würden. Winston Churchill hat dazu sinngemäß gesagt, Perfektionismus sei an einem
Pfarrer bewundernswert, für einem Politiker jedoch nicht durchführbar.
Die Möglichkeiten sind zu kostbar,
als daß sie in radikalen, aber nicht
realisierbaren Vorschlägen verschenkt
werden dürften. Wir müssen stattdessen bei der Arbeit für den Frieden
Sorgfalt walten lassen, Schritt für
Schritt vorgehen und jeden Schritt
verifizieren.
Ich habe heute von dem neuen Europa der Freiheiten gesprochen, von
den neuen Horizonten, die sich einem
Kontinent eröffnen, der vor 40 Jahren
aufgrund unvereinbarer Vorstellungen
geteilt wurde.
Mit der Annäherung
dieser Vorstellungen aneinander könnte die Möglichkeit bestehen, die alten Hindernisse zu beseitigen, die
Europa im Wege stehen. Dies ist unsere Aufgabe. Wir müssen endlich die
konventionellen Ungleichgewichte und
Verschleierungen beseitigen, die so
lange die Sicherheit Europas und damit den Weltfrieden bedroht haben.
Der entscheidende Schritt wird
nicht leicht sein. Er wird neue Herausforderungen
und
möglicherweise
schwierige Situationen heraufbeschwören. Aber wir dürfen uns dieser Aufgabe nicht entziehen.
Ich habe darauf verwiesen, daß
ein besseres Verständnis des Europas
der Zukunft die Last erleichtern

- 7 -

�wird. Wir können bereits einen Teil
dieses Horizonts eines friedlicheren
und wohlhabenderen Europas erkennen,
für das so viele Opfer gebracht wurden. Obwohl es erkennbar ist, dürfen
wir es nicht als selbstverständlich
hinnehmen. Es ist an uns, den nächsten - wenn nicht den letzten
Schritt auf diesem Weg zu tun.
Prophezeiungen werden nur wenigen
von Gott zuteil, aber jeder Mensch
verfügt über Phantasie. Wir können
die Zukunft durch den Nebel der Veränderungen nur schwer erkennen, aber
wir können uns die Welt vorstellen,
wie wir sie uns wünschen. Das ist
der Zweck unserer Übung.
Lassen Sie uns gemeinsam vorgehen, um ein Europa aufzubauen, wie
wir es gern hätten, ein freies, offenes, sicheres und wohlhabendes Europa, ein ungeteiltes Europa, das der
ganzen Menschheit als Beispiel dienen
kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. März 1989

10

DIE VSBM-VERHANDLUNGEN
- Hintergrundmaterial zu den VSBM -

WIEN - (AD) - Am 9. März 1989
werden in Wien offiziell die auf die
Vertrauens- und
Sicherheitsbildenden
Maßnahmen (VSBM) aufbauenden Gespräche eröffnet, die während der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) im Jahr 1896
vereinbart wurden. Teilnehmen werden
alle 35 am KSZE-Prozeß beteiligten
Staaten.
Die VSBM sind darauf ausgerichtet, Mißtrauen und Mißverständnisse
bei militärischen Fähigkeiten und Absichten durch größere Offenheit bei
militärischen Angelegenheiten abzubauen. Unter VSBM sind beispielsweise Benachrichtigung und Beobachtung
militärischer Übungen und Vor-Ort-Inspektionen zu verstehen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die VSBM wurden mit der Schlußakte von Helsinki im Jahr 1975 ins Leben gerufen, mit der die freiwillige
Benachrichtigung und Beobachtung bestimmter
militärischer
Aktivitäten
ermutigt wurde. Die Stockholmer Konferenz, die von 1984 bis 1986 dauerte, stellte eine Erweiterung der Maßnahmen von Helsinki dar und machte
sie obligatorisch.
Die Stockholmer Maßnahmen basierten im wesentlichen auf westlichen
Vorschlägen und beziehen Berechenbarkeit, Offenheit und Vertrauen in den
Ausbildungs- und
Ubungsprozeß
der
Streitkräfte in Europa ein. Die Maßnahmen erstreckten sich ferner auf
den Austausch der Jahresübersicht
über militärische Aktivitäten, die
Benachrichtigung
über
militärische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Übungen oberhalb einer vereinbarten
Obergrenze,
Einladungen
in
alle
KSZE-Staaten zur Beobachtung größerer
Übungen sowie Ad-hoc-Inspektionen militärischer Aktivitäten als Verifizierungsmittel.
Die Durchführung der Stockholmer
VSBM war ermutigend. Seit Inkrafttreten der Maßnahmen im Jahr 1987
konnte größere Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten
in Europa beobachtet werden. In den
zwei Jahren seit ihrem Inkrafttreten
traten die KSZE-Staaten bei über 35
militärischen Aktivitäten in 12 Ländern formell als Beobachter auf. Von
Ost und West wurden jeweils 18 VorOrt-Inspektionen durchgeführt.
Intensivere Kontakte der Militärs untereinander haben zu besserem Verständnis beigetragen.
Dies
sind
ermutigende
erste
Schritte.
Aber es kann noch sehr
viel mehr getan werden. In Wien werden die westlichen Verbündeten eine
Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vorschlagen, die darauf
ausgerichtet sind, diesen vertrauensbildenden Prozeß voranzubringen.
Zur Förderung der Offenheit bei
militärischen
Organisationen
beabsichtigen die Verbündeten, einen Vorschlag für einen weitreichenden, umfassenden jährlichen Informationsaustausch über militärische Organisationen, die wichtigsten Stationierungen
von Waffen, Personal und Gerät im Gebiet vom Atlantik bis zum Ural zu unterbreiten. Die NATO wird ferner die
Schaffung
eines
Auswertungssystems
vorschlagen, das zur Beurteilung des
Informationsaustauschs gedacht ist.
Um darüber hinaus größere Offenheit bei militärischen Aktivitäten zu
erlangen, beabsichtigt das Bündnis,
die Einbeziehung detaillierterer Informationen in die Benachrichtigung
über militärische Übungen, verbesserter Verfahren zur Beobachtung militärischer Aktivitäten und verstärkter
Verfizierungsmaßnahmen.

Schließlich wird das westliche
Bündnis zusätzliche Maßnahmen vorschlagen, die darauf abzielen, Kontakte und Kommunikation zwischen den
KSZE-Teilnehmerstaaten im militärischen Bereich zu verbessern, den Zugang des Militärpersonals und der Medienvertreter zu erleichtern sowie
das gegenseitige Verständnis militärischer Fähigkeiten, Verhaltensweisen
und des Einsatzkonzepts zu erleichtern. Das Bündnis wird ferner den
Vorschlag zu einem organisierten Gedankenaustausch über eine Militärdoktrin unterbreiten, mit der die tatsächlichen Struktur, Fähigkeiten und
Aufstellung der Streitkräfte in Europa abgedeckt wird.
Der Westen nimmt die VSBM-Gespräche also mit einer Reihe positiver,
zukunftsorientierter Vorschläge auf,
mit denen die Offenheit über militärische Strukturen und Aktivitäten in
Europa nachhaltig verbessert werden
könnte. Wir sind ferner bereit, andere Vorschläge zu überprüfen, die
zur militärischen Offenheit und Berechenbarkeit beitragen.
Diese Gespräche sowie die getrennt stattfindenden Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) schlagen eine neues Kapitel in der Geschichte der europäischen Sicherheit und Zusammenarbeit
auf. Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß militärische Konfrontation in Europa das Ergebnis - und
nicht die Ursache - der politischen
Teilung Europas ist.
Aus diesem
Grund müssen Bestrebungen zum Abbau
der Spannungen auf dem Kontinent
nicht nur die Sicherheitsbelange,
sondern auch den zugrundeliegenden
poltitischen Konflikt und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte
und Freiheiten durch einige Länder
ansprechen.

Frage:
Worin besteht der Unterschied
zwischen den Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) und den Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbil-

�dende Maßnahmen (VSBM)?
Antwort:
Das Mandat, die Teilnehmer und der Inhalt der beiden Verhandlungen sind unterschiedlich gelagert. Während beide Sicherheit und
Stabilität zum Ziel haben, streben
die KSE den Abbau von Ungleichgewichten bei den konventionellen Streitkräften vom Atlantik bis zum Ural sowie ein höheres Maß an Sicherheit und
Stabilität
auf
einen
niedrigeren
Streitkräfteniveau an.
Obwohl die
KSE-Gespräche im Rahmen der KSZE
stattfinden, sind die Verhandlungspartner Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts. Die VSBM-Verhandlungen
hingegen
konzentrieren
sich auf Offenheit und Berechenbarkeit im Bereich militärischer Informationen und Aktivitäten.
An den
VSBM-Verhandlungen nehmen alle 35
Teilnehmerstaaten der KSZE teil.
Frage: Welche VSBM stehen zur Verfügung?
Antwort:
Das
Schlußdokument
von
Stockholm sieht folgende Bestimmungen
vor:
eine 42tägige vorherige Benachrichtigung über militärische Aktivitäten, bei denen mehr als
13 000 Soldaten oder 300 Panzer
(bei
Luftsturm- oder LandungsUbungen 3 000) beteiligt sind.
Obligatorische Beobachtng militärischer Aktivitäten mit mehr als
17 000 Soldaten (5 000 bei Luftsturm- oder Landungsübungen.
Austausch einer Jahresübersicht
über Aktivitäten, die der Benachrichtigung unterliegen.
Keine Aktivitäten mit mehr als
40 000 Soldaten, wenn diese nicht
vorher in der Jahresübersicht angekündigt worden sind.
Keine Aktivitäten mit mehr als
75 000 Soldaten, wenn diese nicht
zwei Jahre zuvor in der JahresUbersicht zwei Jahre zuvor angekündigt worden sind.
Ein System der Vor-Ort-Inspektion.

Antwort:
Das gesamte Europa, wie
es das Mandat der Stockholmer KVAEVerhandlungen vorsah.
Frage: Betreffen die VSBM auch USStreitkräfte?
Antwort:
Insofern
amerikanische
Streitkräfte auf dem Gebiet der KVAE
stationiert sind, ja.
Frage: Der Warschauer Pakt hat die
Einbeziehung
unabhängiger
See- und
Luftübungen in die VSBM-Verhandlungen
vorgeschlagen.
Warum
stimmen die
Vereinigten Staaten dem nicht zu?
Antwort:
Das
Mandat,
das
die
Stockholmer
KVAE-Verhandlungen
und
auch die nachfolgenden VSBM-Verhandlungen steuerte, sieht vor, daß die
VSBM die Manöver der Landstreitkräfte
in Europa abdecken. Dennoch müssen
gemäß dem Schlußdokument von Stockholm LuftSturmangriffe und Landungen
von Amphibienfahrzeugen
einer bestimmten Größenordnung gemeldet und
beobachtet
werden.
Unabhängige
Luft- und Seeübungen fallen daher
nicht unter die Bestimmungen des Verhandlungsmandats der VSBM.

Frage:
Welchen geographischen Raum
decken die VSBM-Verhandlungen ab?
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

8. März 1989

10

DURCHFALLERKRANKUNGEN BEI KINDERN
Orale Rehydration sehr of wichtiger als Medikamente

(AD). - Als eine ihrer besonders
wichtigen Funktionen betrachtet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) die
Bekämpfung von Diarrhö bei Babies und
Kleinkindern in Ländern der Dritten
Welt. Jedes Jahr sterben dort 4,5
bis 5 Millionen Kinder unter fünf
Jahren an Durchfallerkrankungen. Sie
stellen nach den Erkrankungen der Atraungsorgane die zweithäufigste Todesursache dar. Und dies, obgleich eine
relativ einfache Therapie zur Verfügung steht, die im akuten Stadium
zwar nicht heilen, aber Leben retten
kann. Es ist die sogenannte orale
Rehydrations-Therapie (ORT), eine Methode, mit der der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten (Natrium und
Kalium) ausgeglichen und bei der
durch Glukosezusatz die Resorption
unterstützt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als Hauptursache für die Diarrhöen bei Kleinkindern (etwa 80 Prozent der Todesopfer sind noch keine
zwei Jahre alt) gelten Rotaviren, die
durch Nahrung, Wasser und Hautkontakt
übertragen werden. Selbst gegen Desinfektionsmittel sind sie äußerst widerstandsfähig. Obgleich nur sehr
wenige Entwicklungsländer noch keine
nationalen Programme zur Bekämpfung
von Durchfallerkrankungen besitzen,
werden gegenwärtig erst etwa 60 Prozent der Kinder in diesen Staaten davon erreicht. Dennoch liegt dieser
Prozentsatz bereits über dem von der
WHO vor einigen Jahren angestrebten
Ziel von 50 Prozent bis 1990.
Die Entwicklung der ORT-Methode
geht in die sechziger Jahre zurück,
als man herausfand, daß ein aus Glu-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kose, Salz und Wasser gemischtes Getränk gegen die durch Druchfall verursachte Dehydration ebenso wirksam
war wie aufwendige und oft quälende
Infusionen im Krankenhaus. Medikamente, z.B. Antibiotika, sind ohnehin
nicht wirksam, andere nur unter ganz
bestimmten, eng begrenzten Voraussetzungen angebracht. Dagegen kann
die Rehydrationslösung auf Glukosebasis aus Zutaten bereitet werden, die
praktisch in jeder Küche vorhanden
sind, und für die meisten Mütter ist
es einfach, sie anzuwenden. Das
Hauptproblem besteht jedoch darin,
daß weder die Menge der Ausscheidung
nocht die Dauer der Krankheit verringert werden. Nur der Flüssigkeitsverlust und die Gefahr der hypertonen
Dehydration, die bis zum Koma und
Atemstillstand führen kann, wird behoben.
In Abänderung der Zusammensetzung
der Lösungen, die weltweit von der
WHO verteilt werden, schlagen Wissenschaftler heute die Verwendung von
Lösungen vor, die statt Glukose pulverisierten Reis und andere Nährmittel enthalten. Sie ersetzen nicht
nur den Flüssigkeitsverlust, sondern
verkürzen auch die Dauer der Erkrankung. Man kann den Reis als Brei mit
Salzzugabe kochen oder andere Nährmittel, z.B. Sorghumoder Maispulver
verwenden. Noch werden die neuen
Mixturen klinisch getestet, um die
erforderlichen Mengen von Stärke und
Protein für die Eingabe von Salzen
und Wasser in den Körper bestimmen zu
können. Eine Anwendung in großem Umfang dürfte frühestens in zwei bis
drei Jahren zu erwarten sein.
Aber auch die simple ORT-Lösung
hat sich in manchen Ländern, etwa in
der Sahel-Zone, noch kaum durchgesetzt. Selbst in afrikanischen Ländern mit guter Salzversorgung erreicht die Anwendung kaum zehn Prozent. Nach WHO-Angaben dürfte zwar
die Verwendung in manchen lateinamerikanischen Ländern mehr als 20 Prozent betragen, in anderen dagegen,
etwa Guatemala und Peru, wird die Lösung bei nicht einmal fünf Prozent

der Fälle von Kinder-Diarrhö eingesetzt. Ähnlich ist es im Jemen, während die Rehydrationstherapie in Bangladesch bereits bei 51 Prozent der
Erkrankten angewandt wird. Als Musterland erweist sich Ägypten: Plakataktionen, Fernsehund Radiosendungen haben dazu geführt, daß die ORTMethode zwischen 1983 und 1986 von
ursprünglich nur 1,5 Prozent Anwendungsbreite auf 98 Prozent ausgeweitet werden konnte. Gegenwärtigen
Schätzungen zufolge ist anzunehmen,
daß in Ägypten Todesfälle bei Kindern
unter zwei Jahren als Folge von Diarrhö-Erkrankungen auf etwa die Hälfte
zurückgegangen sind.
Alan Woods, der Chef der US-Behörde für Internationale Entwicklung
(AID), betont, daß für einen Erfolg
von ORT-Programmen mehr erforderlich
sei als nur die Bereitstellung von
Lösungen zur oralen Rehydration für
die Entwicklungsländer. Voraussetzung sei vielmehr, innerhalb der Länder der Dritten Welt Kapazitäten zur
Produktion und Verteilung der Lösungen zu schaffen. Auch müßten die erforderlichen Informationen an die Familien herangebracht werden, wann und
wie die Lösungen anzuwenden seien und
wie wichtig es ist, das Kind ohne Unterbrechung während und nach Diarrhö-Erkrankungen zu füttern.
Schließlich müßten finanzielle Mechanismen für die Fortführung der Programme entwickelt werden. "Wir wissen, daß wir eine ganze Generation
von Müttern durch regelrechte Kampagnen mit der oralen Rehydrationstherapie vertraut machen können", meint
Woods. "Aber die Kenntnis der Wirksamkeit dieser Therapie muß Eingang
in die Gesellschaft finden - in das
Gesundheitssystem ebenso wie in die
nachfolgende Müttergeneration. So
bedeutet die ORT-Methode auch für
Dorfhelfer und Ärzte eine sehr wichtige Aufgabe."
Daß auch in Industrieländern,
beispielsweise in den Vereinigten
Staaten, Todesfälle bei Kindern infolge Durchfallerkrankungen noch eine
Rolle spielen, war das überraschende

- 2 -

�Ergebnis einer Studie der Zentren für
Krankheitsüberwachung (Centers for
Disease Control) in Atlanta (Georgia). Der Studie zufolge starben
zwischen 1973 und 1983 mehr als 5 500
amerikanische Kinder im Alter zwischen einem Monat und vier Jahren an
Diarrhö - die Mehrzahl in den Südstaaten während der Wintermonate.
Allerdings ging die jährliche Todesrate von 719 im Jahr 1973 auf 372 im
Jahr 1983 zurück. In den USA sind
Durchfallerkrankungen die Ursache für
ca. zwei Prozent der Kindersterblichkeit. In dem Bericht, der dies als
"vermeidbar" bezeichnet, heißt es
weiter, daß jedes Jahr etwa 200 000
Kinder unter fünf Jahren wegen Diarrhö stationär behandelt werden müßten. Die meisten amerikanischen Kinderärzte seien sich noch immer nicht
der Sicherheit und Wirksamkeit der
oralen Rehydrationstherapie bewußt
und hielten an der kostspieligen und
oft gar nicht angebrachten medikamentösen Therapie fest.

* * * * *

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht zur Entwicklung im Handel&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die VSBM-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundmaterial zu den VSBM&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchfallerkrankungen bei Kindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Orale Rehydration sehr oft wichtiger als &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikamente&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
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4

9. August 1989

30
DOKUMENTATION

USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar
- Rede von Botschafter Richard Burt USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum
- Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz -

HINTERGRUND
Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner
- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

*
Integriertes Entsorgungsprogramm fUr Atomanlagen
- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
4-7

Dokumentation

Ä&lt;

9. August 1989

30

USA LEGEN VERIFZIERUNGSMASSNAHMEN FÜR START-ABKOMMEN DAR
- Rede von Botschafter Richard Burt GENF - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen, Botschafter Richard Burt, erläuterte am
3. August 1989 seinen Vorschlag an die Sowjetunion, die Verhandlungen sollten
sich "jetzt sofort" auf eine Reihe von Maßnahmen zu Verifizierung und Stabilität konzentrieren, "die auch Niederschlag in der Endfassung des Vertrags über
die Reduzierung Strategischer Rüstungen (START) finden könnten".
Botschafter Burt beschrieb Präsident Eushs Initiative zu Verifizierung und
Stabilität im einzelnen und erklärte, sie "ergänzt die bisher in Genf geleistete Arbeit". Er verwies ferner darauf, "diese Initiative zielt darauf ab,
die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht sie zu verzögern". Burt ging
darüber hinaus auf Bereiche ein, in denen Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten bestehen und verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf mobile Interkontinentalraketen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Burts Rede im Wortlaut.

Ich danke Botschafter Friedersdorf für seine freundliche Einführung, und es ist mir eine Ehre, beute
hier gemeinsam mit den Mitgliedern
und Nichtmitgliedern der Abrüstungskonferenz die jüngsten Entwicklungen
unserer
bilateralen Gespräche über
Kern- und
Weltraumwaffen
zu
erörtern.
Meines Wissens ist Präsident
Benbima gerade für den Monat August
zum Präsidenten der Konferenz bestimmt worden. Meine Hoffnungen und
besten Wünsche für eine erfolgreiche
und produktive Sitzungsperiode während Ihrer Amtszeit begleiten Sie.
Ich freue mich auch darüber, hier einige alte Freunde wiederzusehen.
Die Runde XI der START-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion war nützlich
und
konstruktiv.
Die
Vereinigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Staaten haben diese Runde als Sondierungsgespräche betrachtet, die politische Position beider Parteien zu
klären und das Grundrauster des gemeinsamen Vertragsentwurfs zu bestätigen.
Tatsächlich haben wir den
Eindruck, in vielen Bereichen - einschließlich des sehr wichtigen Punkts
über die Durchführung effektiver Verifizierung - mehr als das erreicht
zu haben.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Kollegen eine gründliche Überprüfung
wichtiger
Vertragsbestimmungen
und
noch strittiger Fragen vorgenommen.
Er ist ein erfahrener Unterhändler
und leitet eine fähige Arbeitsgruppe,
die über fundiertes Fachwissen verfügt. Meiner Ansicht nach haben wir
gesunde Arbeitsbeziehungen aufgenommen - obgleich sich im Laufe dieser

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Runde gezeigt hat, daß er ein weit
besserer Tennisspieler ist als ich.
Im Hinblick auf den Vertrag und
die Protokolle, aus denen der gemeinsame
START-Vertragsentwurf
besteht,
hat auf der Ebene der Arbeitsgruppen
ein guter Austausch
stattgefunden.
Beide Seiten haben fruchtbare Gespräche geführt und die verschiedenen Alternativen erörtert.
Wir haben den
Text gemeinsam verbessert, ausgeklammerte Punkte geklärt und Unstimmigkeiten in kleinen, aber wichtigen
Teilbereichen ausgeräumt.
Der Prozeß war sachlich, unpolemisch und konzentrierte sich auf Inhalte und nicht auf Rhetorik. In allen Bereichen hat ein nützlicher Austausch
stattgefunden.
Obwohl
bei
diesen Verhandlungen immer noch bedeutsame
Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion bestehen, haben beide
Seiten meiner Ansicht nach jetzt ein
besseres Verständnis der Beweggründe,
die der Position des anderen zugrundeliegen.
Ich vertrete daher die
Auffassung, daß meine
sowjetischen
Kollegen und ich den Grundstein dafür
legen konnten, was hoffentlich nächsten Monat in den Vereinigten Staaten
zwischen den Außenministern Baker und
Schewardnadse in eine produktive Diskussion über START münden wird.
Bevor ich näher auf einige Bereiche eingehe, die im Mittelpunkt meiner
Gespräche
mit
Botschafter
Nasarkin standen, möchte ich zu den
Grundprinzipien Stellung nehmen, von
denen die amerikanische
Delegation
sich in Runde XI leiten ließ und die
für zukünftige Runden von Beduetung
sind.
Die Vereinigten Staaten sind mit
Präsident Bushs festem Versprechen zu
den Genfer Verhandlungen zurückgekehrt, "wir werden hart arbeiten, um
faire und weitreichende Abkommen auszuhandeln, die dem Frieden dienen.
Nichts hat höhere Priorität."

- 2

Bei ihrem Amtsantritt hat die
Bush-Administration
eine
umfassende
Überprüfung
über die amerikanische
Sicherheits- und
Rüstungskontrollpolitik
durchgeführt.
Als
Ergebnis
dieser Überprüfung ist der Präsident
zu dem Schluß gekommen, das vordringlichste Ziel strategischer Rüstungskontrolle bestehe in der Erlangung
verifizierbarer
Abkommen,
das
das
Kriegsrisiko mindern.
Das Risiko eines Atomkrieges kann
durch
ein
stabileres
nukleares
Gleichgewicht
abgebaut werden, bei
dem die Abschreckung gestärkt wird
und eine Abmachung über Krisenstabilität weiterhin gilt.
Eine solche
Abmachung besteht, wenn jede Seite
von einem Erstschlag abgehalten wird,
weil der für einen solchen Schlag zu
zahlende Preis und das damit einhergehende Risiko mögliche Vorteile bei
weitem aufwiegen.
Aus diesem Grund
besteht ein wesentlicher Bestandteil
zur Aufrechterhaltung der Krisenstabilität im Besitz überlebensfähiger
Streitkräfte zur Vergeltung. In diesem Zusmmenhang muß man sich wiederum
vor Augen führen, daß Rüstungskontrolle einseitige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer effektiven Abschreckung lediglich ergänzen, nicht
aber ersetzen kann.

T

*

Einschneidende Reduzierungen der
strategischen Streitkräfte können die
Stabilität verbessern, wenn sie in
geeigneter Weise durchgeführt wei—
den.
Größere Stabilität könnte etwa
durch
folgende Regelungen
erreicht
werden:
Erstens Reduzierung der Verwundbarkeit, da, wie ich schon sagte,
überlebensfähige Streitkräfte die
Anreize für einen Erstschlag verringern.
-

Zweitens
mehr
Transparenz,
da
Stabilität durch größere Offenheit im Hinblick auf Umfang und
Charakter
der
strategischen
Streitkräfte und Aktivitäten jeder Seite gefördert wird.

f

*•

�Drittens verbesserte Berechenbarkeit, weil die Stabilität größer
ist, wenn Ungewißheiten über die
künftige Entwicklung der Streitkräfte auf beiden Seiten verringert werden.
Die
START-Verhandlungen
haben
bisher einen umfangreichen gemeinsamen Vertragsentwurf hervorgebracht,
der die Bereiche der Übereinstimmung
und Gegensätze widerspiegelt. Zu Beginn dieser Runde haben wir die Absicht der Vereinigten Staaten bekräftigt, von der Grundlage des bestehenden gemeinsamen Vertragsentwurfs auszugehen. Insbesondere haben wir unsere anhaltende Zustimmung zur Struktur der bereits vereinbarten Oberund Untergrenzen bekräftigt.
Diese
sehen 1 600 offensive strategische
Trägersysteme, 6 000 nachweisbare Gefechtsköpfe, 4 900 Gefechtsköpfe auf
Interkontinentalraketen
(ICBMs) und
unterseebootgestützten
Raketen
(SLBMs), 1 540 Gefechtsköpfe auf 154
schweren Interkontinentalraketen sowie eine etwa 50prozentige Reduzierung des Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen vor. Obwohl wir unsere Unterstützung der
grundsätzlich vereinbarten zahlenmäßigen Obergrenzen und anderer im gemeinsamen Vertragsentwurf enthaltener
amerikanischer Positionen bestätigen,
behalten wir uns das Recht zur Unterbrei tung neuer Ideen und anderer Änderungen vor, die unserer Meinung
nach
zur
Uberlebensfähigkeit
der
Streitkräfte und Stabilität beitragen
würden.
Um sicherzustellen, daß Verbesserungen bei der Uberlebensfähigkeit
langfristig wirksam bleiben, müssen
diese mit der Erfordernis in Einklang
gebracht werden, daß Umfang und Charakter der heute bestehenden und
künftigen strategischen Streitkräfte
transparent und berechenbar sein müssen und Vereinbarungen sich wirksam
verifizieren lassen.
Mobile ICBMs
sind hier ein Fallbeispiel: dasselbe
Merkmal, das die Uberlebensfähigkeit
der ICBMs erhöht - nämlich ihre Mobilität -, macht gleichzeitig eine ein-

deutige Verifizierung komplizierter.
Die amerikanische
Haltung zum
Verbot mobiler ICBMs bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unverändert. Unsere
Entscheidung zu den mobilen ICBMs
hängt sicherlich teilweise von der
Unterstützung ab, die der amerikanische Kongreß dem Programm des Präsidenten zur ICBM-Modernisierung gewährt. Jedenfalls haben wir der sowjetischen Seite zu verstehen gegeben, daß wir zur Überprüfung unserer
im Licht der von den Sowjets in den
vergangenen Jahren stationierten über
hundert mobilen ICBMs erhobenen Forderung nach einem Verbot bereit sind,
wenn sich beide Seiten auf ein Vorgehen einigen können, das die wirksame
Verifizierung zahlenmäßiger Begrenzungen für mobile ICBMs gestatten
würde.
Obwohl noch viel zu tun
bleibt, hat Runde XI eine eindeutige
Klärung der Erfordernisse und Beschränkungen erbracht, die straßenund schienenmobilen Systemen auferlegt werden müssen.
Als Teil unserer umfassenden Verhandlungsbemühungen und hervorragendes Beispiel der neuen von den Vereinigten Staaten in Runde XI eingebrachten Ideen haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, beide Seiten
sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um sich auf bestimmte, in
der Vergangenheit von beiden Seiten
vorgeschlagene
Verifizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen zu einigen und
mit deren Anwendung so bald wie möglich zu beginnen. Ich muß gegenüber
den Teilnehmern der Abrüstungskonferenz die Rolle der Verifizierung in
den heutigen RUstungskontrollverhandlungen nicht eigens betonen. Unsere
Initiative zu Verifizierung und Stabilität trägt dieser zentralen Bedeutung Rechnung.
Auf Anweisung
des Präsidenten
wurde den Sowjets insbesondere vorgeschlagen,
die
START-Unterhändler
sollten sich jetzt auf folgende Vertfizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen
konzentrieren, die schließlich im
START-Vertrag ihren Niederschlag fin-

- 3 -

�den würden:
1) Unverzügliche und gegenseitige Einrichtung einer Überwachung von
Umgebung sowie Ein- und Ausgängen bestimmter Raketenproduktionsstätten in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, um unser Vertrauen in die
Genauigkeit der angemeldeten Arsenale
mobiler
Interkontinentalraketen
zu
erhöhen.
2) Sofortiger Austausch von ausgewählten
Daten
zu den
nuklearen
Streitkräften jedes Landes, um uns
bei der Erarbeitung geeigneter Inspektionsverfahren zu helfen und die
Verifizierung des START-Vertrages zu
erleichtern.
3)
Beendigung der Verschlüsselung telemetrischer Daten von Interkontinentalraketen sowie der Verweigerung von Daten über bestimmte Abschüsse von ICBMs und SLBMs, so daß
jedes Land ein besseres Verständnis
von
neuen
Entwicklungen
in
den
Streitkräften des anderen entwickeln
kann.
4)
Gegenseitige Übungsinspektionen, um Verfahren vorzuführen, mit
denen verifiziert werden soll, daß
die von den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion für diesen bestimmten
Raketentyp vereinbarte Zahl der Wiedereintrittsflugkörper auf bestimmten
ballistischen
Raketen
nicht
überschritten wird.
Eine gegenseitige
Demonstration könnte den Unterhändlern helfen, solide Inspektionsvorschriften für diese beispiellos einschneidenden Inspektionen zu entwikkeln.
5)
Gegenseitige Vorführung von
Technologien zur Identifizierung ballistischer Raketen, ein häufig auch
als "tagging" bezeichnetes Verfahren,
um den Austausch technischer Informationen über erfolgversprechende Ansätze zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind ferner der Ansicht, daß beide Länder von
einer Einigung auf zwei zusätzliche

Maßnahmen
profitieren
können, . die
trotz der Tatsache, daß sie in unseren
bisherigen
Verhandlungen
noch
nicht zur Sprache gekommen sind und
selbst nicht Teil des START-Vertrages
sein würden, als getrennt vereinbarte
Maßnahmen die strategische Stabilität
erhöhen würden.
1)
Aufgrund
des Außenminister
James Baker von der Sowjetunion unterbreiteten Vorschlags sind wir bereit, das Problem der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen mit
kurzer Flugzeit zu behandeln. Darunter würden auch die bisweilen so bezeichneten niedrigen Flugbahnen fallen.
2) Ferner schlagen wir vor, daß
beide Länder einen in einem früheren
Briefwechsel
besprochenen
Vorschlag
verwirklichen, demzufolge die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sich
gegenseitig
über
eine
große
strategische Übung pro Jahr in Kenntnis setzen würden.
Die Initiative des Präsidenten zu
Verifizierung und Stabilität ergänzt
die bisher in Genf geleistete Arbeit.
Diese Initiative zielt darauf
ab, die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht zu verzögern: Der
START-Vertrag wird beispiellose Verifizierungsbestimmungen enthalten.
Es
ist von vorrangiger Bedeutung, die
Probleme so früh wie möglich zu erkennen,
so daß
die
Verhandlungen
nicht durch ungelöste technische Verifizierungsfragen
unnötig
in
die
Länge gezogen werden. Die frühzeitige Durchführung dieser Maßnahmen wird
den beiden Ländern Erfahrung in Verifizierungsverfahren
vermitteln,
so
daß wir in Genf realistische Bestimmungen erarbeiten können.
Die Vereinigten Staaten betrachten
die
amerikanische
Initiative
nicht als alles oder nichts. Obwohl
wir zu jeder Maßnahme ein Abkommen
erzielen wollen, sind wir bereit, nur
die Themen anzusprechen, zu deren Erörterung die Sowjets bereit sind.
Darüber hinaus sollen aus der Sicht

�der Vereinigten Staaten alle Maßnahmen auf Gegenseitigkeit beruhen und
daher auf beide Länder In gleichem
Maße Anwendung finden.
Bis heute haben wir mit der sowjetischen Seite Sondierungsgespräche
geführt, dank denen wir die Initiative zu Verifizierung und Stabilität im
einzelnen beschreiben können. Unseren Erwartungen zufolge wird der amerikanischen Initiative zu Verifizierung und Stabilität bei dem Treffen
zwischen Außenminister Baker und seinem Amtskollegen Schewardnadse ein
hoher Stellenwert beigemessen.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Amtskollegen detaillierte Gespräche
über wichtige Bereiche geführt, in
denen beide Seite unterschiedliche
Meinungen vertreten - eine Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe, schwere
ICBMs, ALCMs/schwere Bomber, SLCMs
und das Junktim zwischen START und
dem ABM-Vertrag. Diese Gespräche waren keine abgedroschenen, rhetorischen Wiederholungen bekannter Themen, sondern vielmehr von Offenheit
und Substanz gekennzeichnet.
Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Auffassung, daß Einigung über eine Untergrenze von 3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfen auf stationierten ICBMs erzielt werden sollte.
Beide Länder könnten von der zusätzlichen Berechenbarkeit einer solchen
Begrenzung profitieren, da die ICBMSysteme nach wie vor hervorragend für
den Einsatz bei einem Präventivschlag
geeignet sind und daher destabilisierender wirken als andere Kategorien
strategischer Offensivwaffen.
Schwere ballistische Raketen haben eine besonders destabilisierende
Wirkung. Aus diesem Grund halten die
Vereinigten Staaten an ihrer Position
fest, daß der START-Vertrag die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung neuer modernisierter schwerer
ICBMs ebenso verbieten sollte wie die
Produktion oder Stationierung zusätzlicher schwerer ICBMs des bereits bestehenden Typs. Beide Länder sollten

es sich darüber hinaus zur Aufgabe
machen, keine Flüge mit den bestehenden Typen schwerer ICBMs zu unternehmen und auf die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung schwerer
SLBMs zu verzichten. Die amerikanische Position zu schweren Raketen
würde wirksam zu einem Gleichstand
beitragen, indem sie letztlich zum
stufenweisen Abbau der sowjetischen
SS-18 Streitmacht führen würde, die
für sich alleine schon das destabilisierendste Waffensystem in der heutigen Welt darstellt.
Im Hinblick auf Bumberwaffen haben die Vereinigten Staaten ihre bisherige Position bezüglich Zählung,
Reichweite und Erkennbarkeit luftgestützter
Marschflugkörper
(Air
Launcbed Cruise Missiles - ALCM) bekräftigt. Wir schlagen daher weiterhin vor, daß ALCMs nach dem Gesetz
der
Zugehörigkeit
gezählt
werden
sollten, das jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber angesichts der
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
unabhängig von der Zahl, mit der er
tatsächlich bestückt ist, eine vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen zugesteht.
Die Vereinigten Staaten
halten ferner nach wie vor die Position aufrecht, daß nur nuklearbestückte
Luft-Boden-Marschflugkörper
mit einer Reichweite über 1 500 Kilometern unter die START-Obergrenzen
fallen sollten.
Die amerikanische
Position zu
seegestützten Marschflugkörpern (SeaLaunched Cruise Missiles - SLCMs)
bleibt fest.
Konventionelle SLCMs
sind nicht Bestandteil des amerikanisch-sowjetischen strategischen atomaren Gleichgewichts und sollten daher nicht in dieses Abkommen einbezogen werden. Nach gründlicher Überprüfung sind die Vereinigten Staaten
zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Vorschläge zu SLCM keine
wirksame Verifizierung vorsehen. Die
angeblich geeignete verfügbare Technologie
zum
Aufspüren
nuklearer
SLCM-Gefechtsköpfe in großer Entfernung und der Unterscheidung von anderen Nukleargefechtsköpfen ist nicht

- 5 -

�zuverlässig. Die jüngste sowjetische
Demonstration im Schwarzen Meer hat
diese
Schlußfolgerung
bekräftigt.
Die Umgehung von auf diese Technologien gegründeten Bestimmungen wäre
demzufolge einfach. Selbst wenn die
Technologien so angelegt sind, daß
sie nukleare SLCMs zuverlässig aufspüren
und
unterscheiden
können,
scheint es immer noch höchst fraglich, ob wirksame Verfizierungsmaßnahmen entwickelt werden könnten.
Die Vereinigten Staaten kennen heute
noch keine Mittel und Wege, um Obergrenzen bei der Produktion und Lagerung von SLCMs wirksam verifizieren
zu können - was angeblich der Kern
des SLCM-Verifizierungsproblems ist.
Aus diesem Grund sehen die Vereinigten Staten eine nicht bindende
Darlegung der Pläne für nuklearbestückte SLCMs beider Länder vor. Da
nukleare SLCMs für einen Erstschlag
weder geeignet noch durch ihn verletzbar sind, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß der
amerikanische Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die
Hand gibt, um Vertrauen aufzubauen,
daß nukleare SLCMs die START-Obergrenzen nicht umgehen.
Abschließend möchte ich die Beziehung zwischen START und anderen
Verhandlungen ansprechen.
In jüngster Zeit wurde die Frage aufgeworfen, ob der Abschluß eines START-Vertrags für die Bush-Administration
niedrigeren Stellenwert einnimmt als
der Abschluß eines KSE-Vertrags, oder
ob wir START vorbehaltlich von Fortschritten bei KSE verzögern wollen.
Beides trifft nicht zu. Die Bush-Administration mißt sowohl den STARTals auch den KSE-Verhandlungen hohe
Priorität bei. Obwohl der Präsident
seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht
hat, daß ein KSE-Abkommen in sechs
bis zwölf Monaten abgeschlossen werden kann, hat er kein Junktim zwischen Fortschritten bei START und denen bei KSE hergestellt.

die Fertigstellung eines START-Abkommens nicht von der Lösung der dornigen Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum abhängig gemacht werden.
Seit 1972, als der ABM-Vertrag in
Kraft trat, hat die Größenordnung und
Macht der nuklearen Bedrohung um ein
vielfaches zugenommen. Eine Schlüsselvoraussetzung dieses Vertrags war
jedoch, daß Gespräche über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen
bald folgen würden. Aus diesem Grund
sollten die Sowjets mit uns gemeinsam
einen STABT-Vertrag abschließen, wenn
es soweit ist, und zwar ohne Bedingungen. Ein getrennter Vertrag über
die Verteidigung im Weltraum - ein
Thema, das Botschafter Cooper in Kürze im einzelnen ansprechen wird
sollte ebenfalls für sich allein und
in einem eigenen Zeitrahmen ausgehandelt werden.
Die
Schlußfolgerungen
unserer
strategischen Übersicht und die Geschichte der Verhandlungen zu diesen
Themen haben die Vereinigten Staaten
überzeugt, daß die vor ihnen liegende
Aufgabe sehr umfangreich ist. Es ist
bereits sehr viel geleistet worden,
dennoch bleibt noch viel zu tun.
Meines Erachtens wird es uns mit
ernsthaften, konstruktiven Verhandlungen gelingen, beachtliche Fortschritte zu erzielen. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet,
auf ihre bisherigen Leistungen aufzubauen , um Abkommen zur Erfüllung unserer Zielsetzungen zu erzielen: das
Risiko eines Kriegs zu verringern,
über das Containment hinauszugehen
und Sicherheit und Stabilität weltweit zu verbessern.

Da ein stabilisierender Abbau im
Interesse beider Länder liegt, sollte
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

30

9. August 1989

USA:

FORTSCHRITTE BEI ABWEHRSYSTEMEN IM WELTRAUM

- Rede von Botschafter Henry Cooper bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Gesprächen über
Weltraumverteidigung, Henry Cooper, zufolge besteht "zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen, nichtnuklearen Verteidigung gegen ballistische Raketen". Vor der Genfer Abrüstungskonferenz stellte der Botschafter am 3. August
1989 fest: "Wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete - bei weitem das gefährlichste,
den Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine 'absolute
Waffe' sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Botschafters im Wortlaut:

Ich freue mich, vor der Abrüstungskonferenz zum Stand der Gespräche über Verteidigung
im Weltraum
sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
zunächst
einige
Hintergrundinformationen liefern.
Seit Beginn unserer Gespräche im
März 1985 waren die Vereinigten Staaten bestrebt, einen in der Zukunft
möglichen
kooperativen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei offensiven und defensiven Streitkräften zu erleichtern, falls sich
eine
wirksame
Verteidigung
gegen
strategische Raketen als machbar erweisen sollte.
Präsident Bush hat
uns angewiesen, den Vereinigten Staaten die Option auf Entwicklung und wenn diese verfügbar sind - Stationierung moderner Verteidigungssysteme

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu erhalten.
Wir gehen davon aus,
daß Stabilität und Sicherheit aller
Staaten mit solchen Verteidigungssystemen verbessert werden können, insbesondere, wenn sie schrittweise und
in kooperativer Weise eingeführt werden.
Es besteht eindeutig die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen,
nichtnuklearen
Verteidigung
gegen
ballistische Raketen.
Große
Fortschritte
bei
Datenverarbeitung,
Sensortechnik, Mikroelektronik, Material- und Antriebstechnik und gerichteter
Energie haben
möglicherweise
ein Fenster zu einer neuen und sichereren Welt geöffnet.
In den vergangenen sechs Jahren haben es unsere
Wissenschaftler und Techniker mit ihren schöpferischen Gaben verstanden,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�diese Fortschritte auszubauen. Heute
verlassen
innovative
nichtnukleare
Verteidigungskonzepte die Labors und
stellen sich der Erprobung.
Wenn
sich unsere Hoffnungen verwirklichen
lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete bei weitem das gefährlichste, den
Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine "absolute
Waffe" sein.
Unsere sowjetischen Kollegen und
andere sind der Meinung, man müsse
diese Entwicklungen mit großer Besorgnis beobachten. Ich möchte mich
direkt mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Tatsächlich wird von vielen Sprechern die Meinung geäußert,
die Öffentlichkeit solle zu der Überzeugung gelangen, daß verantwortungsbewußte Politiker den technologischen
Fortschritt nicht zu einer Verteidigung gegen ballistische Raketen nutzen sollten.
Mit anderen Worten:
der technologische Fortschritt sollte
nur dazu benutzt werden, die Wirksamkeit der von offensiven ballistischen
Raketen dargestellten Bedrohung zu
erhöhen - selbst wenn es technisch
möglich wäre, sich gegen diese Bedrohung zu verteidigen oder sie zu abzuschwächen und damit die Abschreckung
stabiler zu machen. Natürlich argumentieren die Sowjets nicht in dieser
Weise.
Stattdessen lenken sie die
Aufmerksamkeit auf irreführende Auseinandersetzungen über den ABM-Vertrag.
So behaupten die Sowjets zum Beispiel fälschlicherweise, unser SDIProgramm verletze aufgrund seiner offen erklärten Zielsetzung den ABMVertrag.
Natürlich wissen sie es
besser - und wußten schon seit Unterzeichnung des ABM-Vertrags im Jahr
1972 besser Bescheid. Der damalige
Verteidigungsminister,
Marschall
Gretschko, erklärte während des Ratifizierungsprozesses vor dem Obersten
Sowjet, daß der ABM-Vertrag "der
Durchführung von Forschungs- und Erprobungsarbeiten, die darauf abzielen, das Problem einer Verteidigung
des Landes gegen einen Angriff mit

Atomraketen zu lösen, keinerlei Beschränkungen auferlegt".
Die Sowjets und wir sind sich also der Tatsache bewußt, daß der ABMVertrag für Forschung und Erprobung
mit dem Ziel, herauszufinden, ob eine
wirksame Verteidigung machbar ist,
keinerlei Beschränkung enthält. Und
die Sowjets haben selbst ein sehr
großes Interesse an strategischen
Verteidigungssystemen und führen ihre
eigenen damit zusammenhängenden Forschungsarbeiten
und
Experimente
durch.
Im November 1987 erwiderte
Generalsekretär Gorbatschow im amerikanischen Fernsehen auf eine Frage
über sowjetische Aktivitäten in diesem Bereich, daß "die Sowjetunion
praktisch alles tut, was die Vereinigten Staaten tun". Obwohl er des
weiteren erklärte, die Sowjetunion
werde ihr SDI nicht bauen oder stationieren, sind es Fähigkeiten und
nicht Absichten, die zählen.
In der Tat unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits beute weit mehr
als die Vereinigten Staaten. Der Umfang ihrer Zivil- und Luftverteidigung sucht seinesgleichen.
Ferner
besitzen sie das einzige stationierte
ABM-System auf der Welt, das sie gegenwärtig modernisieren - und das ist
dem ABM-Vertrag zufolge ihr gutes
Recht. Einige ihrer Aktivitäten gehen sicherlich über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus. Die Handlungen
der Sowjets zeigen also eindeutig,
daß sie nicht Verteidigungssysteme
schlechthin ablehnen - sie lehnen nur
die amerikanischen ab.
Zusätzlich zu ihren Angriffen auf

SDI behaupten die Sowjets, der ABMVertrag lege für alle Zeiten die einzige stabile strategische Regelung
fest: Eine Regelung die eine Stationierung von Verteidigungssystemen
gegen strategische Raketen erheblich
einschränkt. Sie können nicht erklären, warum wirksame Verteidigungssysteme gegen die bedrohlichste offensive Wafe, die strategische Rakete,
destabilisierend wirken würde - wäh-

- 2 -

�rend ihre Verteidigungssysteme in anderen Bereichen, etwa der Luftverteidigung, stabilisierend sind. Ferner
trifft es schlicht und einfach nicht
zu, daß mit dem ABM-Vertrag politisch
eine bestimmte, für alle Zeit gültige
strategische Regelung geschaffen wurde.
Im Gegenteil, der ABM-Vertrag
trug ausdrücklich der Tatsache Rechnung, daß sich die strategische Lage
in Zukunft verändern könnte.
Entsprechend bieten seine Bestimmungen
Raum für Gespräche und Änderungen.
Der ABM-Vertrag bietet darüber
hinaus einen bestimmten Mechanismus,
der besagt, daß keine Seite gegen die
Entscheidung der anderen, sich aufgrund übergeordneter Interessen zurückzuziehen und Verteidigungssysteme
außerhalb seiner Bestimmungen zu stationieren, ein Veto einlegen kann.
Die Vereinigten Staaten haben 1972
deutlich erklärt, solch ein Grund
könne die Tatsache sein, daß innerhalb von fünf Jahren kein Abkommen
zur drastischen Reduzierung strategischer Offensivwaffen erzielt wird.
Solch ein Abkommen wurde nicht geschlossen.
Heute - siebzehn Jahre
später - versuchen die Sowjets, ein
anderes Junktim zu dieser Voraussetzung des ABM-Vertrages aufzustellen.
Sie erklären, eine strenge Einhaltung
des
ABM-Vertrags
sei
für
einen
START-Vertrag zwingend erforderlich.
In der Zwischenzeit haben sich seit
1972 die strategischen Offensivwaffen
der Sowjets vervierfacht, während
sich unsere verdoppelt haben. Das
heißt, sogar gemäß den in START antizipierten erheblichen Reduzierungen
werden mehr strategische Waffen übrigbleiben als 1972. Der Zeitpunkt
für den Abschluß eines START-Vertrages, wie er 1972 vorgesehen war - ohne weitere Beschränkungen für eine
strategische Verteidigung - ist seit
langem überfällig.
Gleichzeitig verstehen wir das
Interesse der Sowjets an der Gewährleistung der Berechenbarkeit, da auf
beiden Seiten Forschung und experimentelle Arbeit fortgeführt werden
und Reduzierungen bei den strategi-

schen
Offensivwaffen
stattfinden.
Auch wir möchten die Berechenbarkeit
sicherstellen - nicht nur jetzt und
in naher Zukunft, sondern auch in
fernerer Zukunft, wenn mit Hilfe noch
ausgereifterer Technologien eine effektive Verteidigung geschaffen werden kann, die eine stärkere Rolle in
den strategischen Streitkräften beider Seiten spielen kann. Darin liegt
eine Grundlage für ein Abkommen im
Rahmen des Vertrags über Verteidigung
im Weltraum. Und obwohl noch Unstimmigkeiten in Schlüsselbereichen bestehen und wir langsamer vorankommen,
als wir uns das wünschen würden, gab
es gewisse Fortschritte in Richtung
auf ein solches Abkommen.
Besondere amerikanische Vorschläge haben angedeutet, wie diese Berechenbarkeit sichergestellt werden
könnte. Wir haben, auf den Vorschlag
von Premierministerin Thatcher, 1986
erste Vorschläge über "Maßnahmen zur
Berechenbarkeit"
unterbreitet.
Zu
Beginn des Jahres 1988 haben die Vereinigten Staaten offiziell ein Protokoll über Maßnahmen zur Berechenbarkeit im Rahmen eines Vertrags über
Verteidigung im Weltraum vorgelegt.
Obwohl noch keine Vereinbarung über
den besonderen Zweck des Protokolls
besteht, arbeiten beiden Seiten konstruktiv an einem gemeinsamen Entwurf. Insbesondere sind sich beide
Seiten darüber einig, daß sie nach
diesem Protokoll mit Hilfe der Zentren nur Reduzierung des nuklearen Risikos einen jährlichen Datenaustausch
über ihre Aktivitäten zu Entwicklung,
Erprobung Stationierung, Modernisierung und Austausch der Raketensysteme
zur strategischen Verteidigung durchführen wollen. Die Vereinigten Staaten wünschen sich darüber hinaus vor
Beginn der offiziellen Entwicklungsphase einen Datenaustausch über Forschungsaktivitäten.
Bei der Erarbeitung dieses Protokolls sind die Parteien ferner übreingekommen, Expertentreffen durchzuführen und auf der Grundlage des
jährlichen
Datenaustauschs
weitere
Aktivitäten zu planen, die auch Be-

- 3 -

�suche der Testgelände des anderen zur
Beobachtung bestimmter Tests vorsehen
könnten, wobei die einladende Seite
das Programm bestimmen würde. Wiederum würden die Vereinigten Staaten
weitergehen und auch gegenseitige Besuche in Labors befürworten, die sich
außerhalb der Testgelände befinden
könnten, ferner die Beobachtung von
Tests, die nicht notwendigerweise auf
Testgeländen stattfinden müßten sowie
Aktivitäten, die nicht unbedingt mit
Nationalen Technischen Mitteln zu beobachten sind. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
diese Maßnahmen nur praktikabel sind,
wenn sie freiwillig, vergleichbar und
auf der Grundlage von Gegenseitigkeit
durchgeführt werden.
Obwohl sie die Idee solcher vertrauensbildender Maßnahmen akzeptieren, betonen die Sowjets auch die
Entwicklung neuer Verifizierungsmaßnahmen, einschließlich von für die
Vereinigten Staaten nicht akzeptablen
Vor-Ort-Inspektionen.
Natürlich unterstützen die Vereinigten Staaten
gemeinsame
Verifizierungsmaßnahmen,
wenn sie etwas leisten können, ohne
die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zu verletzen, wenn sie erforderlich,
den Umständen angemessen sind und die
zur Verhandlung stehenden Systeme betreffen. Aber in diesem Fall wird
die Verifizierung des ABM-Vertrags in
seiner 1972 unterzeichneten Fassung
von den Nationalen Technischen Mitteln geleistet. Da die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Berechenbarkeit größere
Transparenz bei den Aktivitäten beider Seiten hervorbringen und einige
Verifizierungsziele vorantreiben würden, handelt es sich hierbei im wesentlichen um vertrauensbildende Maßnahmen.
In jedem Fall konnte der im Hinblick auf dieses Protokoll erzielte
erhebliche Fortschritt keine große
öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
lenken.
Die Betonung lag vielmehr
auf sowjetischen Drohungen, es könne
kein START-Vertrag ohne eine Verein-

barung geschlossen werden, sich für
einen bestimmten Zeitraum nicht aus
dem ABM-Vertrag zurückzuziehen.
Tatsache ist, daß die Vereinigten
Staaten ßeit 1986 erklärt haben, sie
würden dem Abschluß eines separaten
Vertrags von unbegrenzter Dauer zustimmen, der auch eine Phase des
Nichtrückzugs umfaßt - nicht jedoch
als Preis für einen START-Vertrag,
der um seiner selbst willen geschlossen werden sollte. Die Vereinigten
Staaten sind vielmehr bereit, der sowjetischen Forderung nach einer Phase
des Nichtrückzugs nachzukommen, wenn
die Sowjets drei Bedingungen der Vereinigten Staaten erfüllen.
Erstens
werden die Vereinigten Staaten nach
der Phase des Nichtrückzugs die Freiheit haben, ohne weitere Berücksichtigung des ABM-Vertrags und nach einer sechsmonatigen Vorwarnzeit Verteidigungssysteme
zu
stationieren.
Zweitens bleiben die gemäß dem Völkerrecht bestehenden Rechte auf Rückzug und Kündigung, sofern sie nicht
mit der Stationierung an sich zusammenhängen, unberührt. Drittens darf
es in der Phase des Nichtrückzugs
keine Unstimmigkeiten über Forschung,
Entwicklung und Erprobung - auch im
Weltraum - geben. In diesem Zusmmenhang möchte ich hervorheben, daß die
Vereinigten Staaten das SDI-Programm
jetzt und in Zukunft im Einklang mit
allen internationalen Abkommen, einschließlich des ABM-Vertrags, durchführen werden.
Zwei dieser drei amerikanischen
Bedingungen wurden in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
vom 10. Dezember 1987 behandelt, einem wichtigen Meilenstein in unseren
Verhandlungen, mit dem es uns in Genf
möglich war, ein Abkommen mit demselben rechtlichen Status wie der ABMund der START-Vertrag auszuarbeiten.
Erstens wurde in Washington vereinbart, daß "intensive Diskussionen
über die Stabilität im strategischen
Bereich nicht später als drei Jahre
vor Ende des zu bestimmenden Zeitraums (des Nichtrückzugs) aufgenommen

- 4 -

�werden sollten, und danach wird jede
Seite - vorbehaltlich anderslautender
beiderseitiger Vereinbarungen - den
weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten
frei bestimmen können". Damit wurde
ein neues System nach der Phase des
Nichtrückzugs anerkannt, demzufolge
jede Seite über die Stationierung von
Raketensystemen zur Verteidigung ohne
Berücksichtigung
des
ABM-Vertrags
entscheiden könnte. Die Position der
Vereinigten Staaten besagt, daß die
Einschränkungen des ABM-Vertrags weiterhin gelten, bis eine Partei von
ihrem "Stationierungsrecht" Gebrauch
macht.
Darüber hinaus wurde zweitens
vereinbart, daß beide Seiten "den
ABM-Vertrag in der 1972 unterzeichneten Version einhalten, während sie
die im Rahmen des ABM-Vertrags erlaubte Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen". Generalsekretär Gorbatschow stimmte dieser amerikanischen Sprachregelung zu, die von
den Sowjets in den vorausgegangenen
18 Monaten in Genf mit dem Argument
abgelehnt worden war, die Vereinigten
Staaten würden darunter die Erprobung
auf anderen physikalischen Prinzipien
beruhender weltraumgestutzter ABM-Systeme und ihrer Komponenten im Weltraum verstehen.
Hier in Genf haben die Sowjets
versucht, diese Vereinbarung des Washingtoner
Gipfels
herunterzuspielen. Im ersten Fall strebten sie eine Beendigung des Vertrags über Verteidigung im Weltraum mit Ablauf der
Nichtrückzugsphase an, womit die vereinbarten neuen Maßnahmen nach dieser
Phase null und nichtig würden. Der
von amerikanischer Seite vorgeschlagene Vertrag über Verteidigung im
Weltraum ist unbegrenzt gültig und
gewährleistet das "Recht zu Stationierung" zusammen mit den entsprechenden
Benachrichtigungsverfahren.
Im zweiten Fall haben die Sowjets erklärt, der "weiten Auslegung" des
ABM-Vertrags nicht zuzustimmen, obwohl die Genfer Verhandlungsprotokolle eindeutig belegen, daß sie verstanden haben, daß die Vereinigten

Staaten die "weite Auslegung" bei der
Formulierung meinten, der Generalsekretär Gorbatschow beim Gipfeltreffen
in Washington zugestimmt hat.
Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten klargestellt, daß der Abschluß eines Vertrags über Verteidigung im Weltraum von der Klärung dieser Formulierung in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
abhängt, um ein klares gegenseitiges
Verständnis der genehmigten Erprobung
zu gewährleisten. Um dies zu verwirklichen und um die Diskussion über
Kontroversen über die Auslegung des
ABM-Vertrags
hinauszuführen,
haben
die Vereinigten Staaten drei Initiativen in die Wege geleitet. Erstens
haben sie die von mir bereits erwähnten Maßnahmen
zur Berechenbarkeit
vorgeschlagen.
Zweitens haben die
Vereinigten Staaten in Anbetracht der
unlösbaren Verifizierungsprobleme und
der vordringlichen Entwicklung neuer,
stablisierender
weltraumgestützter
Sensoren den Vorschlag unterbreitet,
daß beide Seiten übereinkommen, auf
der Grundlage des ABM-Vertrags die
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung weltraumgestutzter Sensoren
der anderen Seite nicht abzulehnen.
Drittens haben wir im vergangenen Oktober eine Garantie für Erprobung im
Weltraum gegeben, die der von den Sowjets vorgebrachten Besorgnis über
die Stationierung von ABM-Systemen im
Weltraum oder die Errichtung eines
Stützpunkts für eine solche Stationierung Rechnung trägt.
In dieser
Garantieerklärung haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, daß
sie nur eine begrenzte Anzahl bestimmter Komponenten weltraumgestützter ABM-Systeme von ABM-Erprobungssatelliten aus erproben werden, die auf
anderen physikalische Prinzipien beruhen und fähig sind, ABM-Abfangraketen zur Abwehr ballistischer Raketen
oder ihrer Elemente während des Fluges zu ersetzen. Die Anzahl dieser
amerikanischen ABM-ErprobungsSatelliten, die sich gleichzeitig in der
Erdumlaufbahn befinden, wird nicht
niedriger sein, als dies realistisch
gesehen der Fähigkeit stationierter

- 5 -

�Systeme entsprechen würde. Im Zusammenhang mit dieser Garantieerklärung
haben wir Benachrichtigungsverfahren
vorgeschlagen, die sich auf die Erprobung
von
ABM-Versuchssatelliten
beziehen.
Obwohl die Sowjets noch nicht zugestimmt haben, sind wir zufrieden,
daß diese Initiativen von einer soliden
technischen
und
politischen
Grundlage ausgehen und sich gerecht
mit der Besorgnis beider Seiten auseinandersetzen.
Sie werden beiden
Seiten Berechenbarkeit im Hinblick
auf alle Verteidigungsaktivitäten mit
strategischen Raketen gewähren. Sie
geben die Garantie, daß über die Bestimmungen des ABM-Vertrags für einen
festgelegten Zeitraum keine Stationierung moderner Verteidigungssysteme
vorgenommen wird - sollte es dazu
kommen, garantieren sie, daß vorher
umfangreiche Diskussionen über die
Stabilität im Strategischen Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattgefunden
haben müssen.
Die
amerikanischen
Initiativen
zielen auch darauf ab, sicherere und
stabilere zukünftige Maßnahmen zu erarbeiten, bei denen die Sicherheit
beider Seiten und der ganizen Welt
sich auf die immer bedeutendere Rolle
einer effektiven nichtnuklearen Verteidigung gegen die bedrohlichste
Waffe der modernen Technologie - die
ballistische Offensivrakete - gründet, unabhängig davon, ob sie mit "nuklearen, konventionellen oder chemischen Gefechtsköpfen bestückt ist.
Diese Prognose Scheint sich voll und
ganz mit jüngsten sowjetischen Erklärungen zu decken, denen zufolge die
UdSSR ihre Militärstrategie insgesamt
ändert und ihr defensiven Charakter
verleiht. Und diese Prognose deckt
sich auch vollständig mit dem allseits bekannten sowjetischen Interesse an Verteidigung, generell gesprochen. Daher werden wir uns in Geduld
fassen und eine positive sowjetische
Reaktion abwarten.
In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß wir eine nützliche
Runde unserer Verhandlungen beenden.
Die amerikanische Seite hat die Kontinuität der amerikanischen Position
zur Verteidigung im Weltraum betont
und mit dem Protokoll in Verbindung
stehendes neues Material zur Verfügung gestellt.
Obwohl die Sowjets
kein neues Material vorgelegt und
sich geweigert haben, die Positionen
beider Seiten in «einem Gemeinsamen
Entwurf des Vertrags über die Verteidigung im Weltraum zu verankern, haben sie konstruktiv am Protokoll des
Gemeinsamen Entwurfs mitgearbeitet.
In dieser Runde schien sich auch,
ausgehend von der gemeinsamen Erkenntnis, daß es keine absolute Waffe
gibt - sei sie offensiv oder defensiv
- eine leichte Verlagerung in Richtung auf eine umfassendere Erörterung
des
Offensiv-Defensiv-Verhältnlsses
abzuzeichnen. Wohin eine solche Diskussion angesichts fortschreitender
technischer
Möglichkeiten
führen
wird, ist unklar, aber es wäre höchst
unwahrscheinlich, zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß wirksame Verteidigungssysteme nicht stationiert
werden sollen, wenn sie sich als
machbar erweisen sollten. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, es
sei sinnvoll, wirksame Verteidigungssysteme zu entwickeln, wenn fortschreitende Technologien dies ermöglichen und sie zu Stationieren, wenn
sie fertig sind - vorzugsweise in gemäßigtem Tempo und auf kooperative
Art und Weise.
Abschließend möchte ich die Arbeit des Weltraumausschusses hier bei
der
Abrüstungskonferenz
würdigen.
Wie Sie meiner Beschreibung der Gespräche über die Verteidigung im
Weltraum entnehmen können, ist die
Arbeit in diesem Bereich außerordentlich kompliziert.
Verständnis auf
diesem Gebiet aufzubauen, ist kein
leichter Prozeß, und ich beglückwünsche den Weltraumausschuß zu der geleisteten Arbeit, größeres Verständnis für dieses Thema zu wecken. Während auf bilateraler Ebene zunächst
ein grundsätzlicher Rahmen geschaffen

�werden muß, haben die Vereinigten
Staaten nach wie vor Interesse an den
mit Rüstungskontrolle
im Weltraum
verbundenen Themen bei der Abrüstungskonferenz und wollen diese weiterhin prüfen. Aber die Vereinigten
Staten haben noch keine praktischen
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle im
Weltraum ausgemacht, die auf multilateraler Ebene behandelt werden können.
•
*

Herr Präsident, es war mir eine
Ehre und ein Vergnügen, vor dieser
Konferenz sprechen zu dürfen.
Ich
verfolge Ihre Arbeit aufmerksam und
wünsche der Konferenz einen erfolgreichen Verlauf.
Ich danke Ihnen,
Herr Präsident.

* * * * *

- 7-

i

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

30

9. August 1989

WESTLICHE SICHERHEIT:

DIE USA UND IHRE NATO-PARTNER

- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

Die folgende regionale Übersicht zur Sicherheit des Westens wurde vom Außenministerium im Juni 1989 veröffentlicht.

Westliche Sicherheit:
ihre NATO-Partner

USA und

es zum am schwersten bewaffnetenen
Kontinent der Welt machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen
sich die von der Bedrohung des Naziregimes befreiten Völker Europas ;nit
zwei
diametral
entgegengesetzten
Sichtweisen
der Zukunft
konfrontiert. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten in Westeuropa sahen
ein Zeitalter der Demokratie vor
sich, das von der Freiheit des einzelnen und wirtschaftlichem Wohlstand
geprägt sein sollte, wie sie sich auf
der Grundlage freier Marktwirtschaft
entfalten können. Gemeinsam mit unseren Verbündeten bildeten wir &gt;;ln
Bollwerk gegen die von der Sowjetunion vertretene gegensätzliche Sichtweise - die Europa gegen den Willen
seiner Völker willkürlich teilte und

Anzeichen, daß die Sowjetunion durch Glasnost, Perestrojka, Demokratisierung und "neues Denken" - ihre
Vision der Zukunft ändert, bedeuten
nicht, daß die notwendige Solidarität
der Verbündetenen hinfällig geworden
ist. Mit Interesse und Wachsamkeit
beobachten wir die Veränderungen in
der Sowjetunion.
Die Vereinigten
Staaten
begrüßen
Glasnost, Perestrojka, neues politisches Denken und
die ersten zögernden Schritte in
Richtung auf Demokratisierung. Die
Vereinigten Staaten erwarten jedoch
greifbare Anzeichen, daß die Sowjets
ihr Verhalten im Hinblick auf militärische Expansion der Sowjetunion, Beschaffungsvorhaben
und Aufstellung

Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von
Streitkräften,
Militärdoktrin,
Menschenrechte, regionalen Konflikte
und militärische Unterstützung totalitärer Staaten geändert haben, bevor
sich die Haltung der Verbündeten in
den Beziehungen mit dem Ostblock entscheidend ändern kann.
Darüber hinaus ist die ehemals
von den Sowjets vertretene Sichtweise
eines in ideologische Lager aufgespaltenen Europas nicht der einzige
Grund für westliche Bündnisse und
Freundschaften.
In den vergangenen
vierzig Jahren haben die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner starke
politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzlich gemeinsame Interessen verknüpft sind. Bei den westlichen Verbündeten selbst haben enorme Veränderungen stattgefunden, und die Rolle
der Vereinigten Staaten ist heute wesentlich weniger vorherrschend als
nach dem Zweiten Weltkrieg. Weit davon entfernt, ein negatives Anzeichen
schwindenden Einflusses der Vereinigten Staaten zu sein, sind die Veränderungen der bestmögliche Beweis dafür, daß unsere politischen Maßnahmen
funktioniert haben. Obwohl die Vereinigten Staaten nicht die Hauptquelle von Ressourcen für Europas politische, wirtschaftliche und militärische Stärke sind, spielen sie eine
einzigartige Rolle als Katalysator
für Zusammenarbeit.
Die entscheidendste Entwicklung
in der Reaktion der Verbündeten auf
die Herausforderungen der Nachkriegszeit war die Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im April 1949. Mit
diesem Dokument wurde die Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO)
geschaffen, die vielfach als das
wirksamste und dauerhafteste Verteidigungsbündnis der modernen Geschichte angesehen wird. Die NATO ist ein
rein defensives Bündnis: sie erhebt
keine Gebietsansprüche gegenüber anderen Nationen und ihre Mitglieder
haben sich verpflichtet, ihre Streitkräfte nur zur Verteidigung des Bündnisgebiets einzusetzen. Während die

NATO im Jahr 1989 ihren 40. Jahrestag
feiert, werden kontinuierliche Konsultationen zwischen den Vereinigten
Staaten und den Verbündeten zu einem
umfassenden Ansatz nicht nur bei
Ost-West-Fragen führen, sondern das
westliche Bündnis bei der Bewältigung
der vor ihm liegenden Herausforderungen auch stärker als je zuvor machen.
Diese Übersicht prüft die grundsätzlichen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten, während die NATO eine
Neubewertung eines sich verändernden
Sicherheitsklimas vornimmt und darauf
reagiert.

|

v
(Die
ursprünglichen
Mitglieder
der NATO waren: Belgien, Dänemark,
Frankreich, Großbritannien, Island,
Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal und die
Vereinigten Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Spanien und die Türkei traten später
bei, wodurch sich die Zahl der NATOMitgliedstaaten
auf
16
erhöhte.
Frankreich zog sich im Jahr 1966 aus
der integrierten militärischen Struktur der NATO zurück, ist jedoch noch
Mitglied des Bündnisses).
Politische Beziehungen
In einer Ansprache beim Treffen
der europäischen
Außenminister in
Wien umriß Außenminister Baker am 6.
März 1989 "vier Freiheiten", die vom
Westen als Grundsteine für Demokratie
und friedliche Beziehungen angesehen
werden:
Die Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
wäre die Legalität der Gewerkschaft Solidarität die Norm und
nicht Thema kontroverser Verhandlungen gewesen.
Die Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

t
v

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
würden die Beobachter der KSZEVereinbarungen zu den Menschenrechten nicht von ihren Regierungen verfolgt.
Die Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, wäre Wissenschaftlern der
Zugang zu Lehrmaterial niemals
verweigert worden - und die Berliner Mauer wäre nur noch Bruchstein.
Die Freiheit aller Europäer nicht
nur von einem militärischen Angriff sondern auch von militärischer Einschüchterung. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, sähen sich die Westeuropäer
nicht einer überwältigenden militärischen Streitmacht im Osten
gegenüber und die Osteuropäer wären in der Lage, eigene politische Entscheidungen ohne Furcht
zu treffen, von sowjetischen Panzern "überstimmt" zu werden, wie
es in der DDR im Jahr 1953, in
Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 der Fall war.
Dank dieser durch die Kraft freier Marktwirtschaften und enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
genährten
unerschütterlichen
Verpflichtung zu diesen vier Grundsätzen
konnte Westeuropa sich mit Hilfe des
Marshall-Plans von der Verwüstung des
Zweiten Weltkriegs schneller erholen
als die meisten noch so optimistischen Planer erwartet hatten. Infolgedessen hat sich ein Teil der Macht
und des Einflusses der Vereinigten
Staaten auf die westeuropäischen Verbündeten verlagert.
Diese Entwicklung ist sowohl positiv als auch wünschenswert. Dennoch stellt sie uns
vor neue Herausforderungen, während
die Vereinigten Staaten und ihre Ver-

bündeten Mittel und Wege ergründen,
um sowohl den Nutzen als auch die Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu
verteilen.
Die Westeuropäer gewöhnten sich
daran, daß die Vereinigten Staaten
einen Großteil der Kosten für die gemeinsame Verteidigung trugen. Heute
jedoch,
da
die
Volkswirtschaften
Westeuropas
amerikanische
Wirtschaf tsinteressen in den Vereinigten
Staaten und der ganzen Welt herausfordern, wird von den Amerikanern die
Meinung vertreten, Westeuropa sei nun
in der Lage, einen größeren Anteil
zur gemeinsamen Verteidigung beizutragen. Die Tatsache, daß das westliche Bündnis sogar inmitten einer
Debatte über solch grundlegende Fragen weiter an Stärke gewinnt, ist der
beste Beweis dafür, daß der demokratische Austausch von Ideen die einzige Garantie für dauerhaften Frieden
und Freundschaft bietet.
Gerade weil, sich die NATO aus
funktionierenden Demokratien zusammensetzt, muß die öffentliche Meinung
in vielen Staaten berücksichtigt werden, bevor wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Entscheidungen gefällt werden. Zum Beispiel wurde der amerikanisch-sowjetische Vertrag zur Beseitigung der
nuklearen Mittelstreckenraketen (INF)
ermöglicht, weil sich die Menschen in
mehreren westeuropäischen Demokratien
trotz sowjetischer Schachzüge dafür
aussprachen, zunächst INF-Systeme zu
stationieren. Diese gemeinsame Handlungsweise der Verbündeten setzte
Moskau in Zugzwang, da die Sowjets
vor der Stationierung der westlichen
INF-Systeme ein Monopol bei diesen
Waffen besaßen und keinen Anlaß zu
ernsthaften
Verhandlungen
sahen.
Wichtige Beschlüsse zur Sicherheit
der Verbündeten sowie zu den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen müssen der Überprüfung durch die
Öffentlichkeit aller 16 Mitgliedstaaten standhalten.
Die
westlichen
Bündnispartner
sind sich seit langem der Tatsache

- 3 -

�bewußt, daß ihre Freiheit und ihr
Wohlstand am besten geschützt werden,
wenn sie ein wirksames Abschreckungspotential aufrechterhalten und gewisse Arrangements mit dem Osten treffen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), die zum ersten Mal im Jahr
1972 in Helsinki zusammentraf, hat
sich bemüht, den Kern der politischen
und militärischen Probleme zu behandeln, die zur Instabilität in Europa
beitragen.
Folgetreffen im Rahmen
des sogenannten "KSZE-Prozesses" wurden zu verschiedensten Themen, von
den Menschenrechten bis zur friedlichen Beilegung von Konflikten und Umweltfragen einberufen.

Namen "flexible Reaktion" bekannte
Strategie, die auch heute noch gültig
ist. Die NATO ist bereit, jede ihr
zur Verfügung stehende Waffe einzusetzen, um einem Akt der Aggression
in geeigneter Weise entgegenzutreten.
Der Warschauer Pakt muß die
Möglichkeit in Betracht ziehen, daß
die NATO jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel einsetzen könnte - einschließlich der Atomwaffen -, wenn
die Truppen des Warschauer Pakts in
Westeuropa
einmarschierten.
Diese
Flexibilität dient der Abschreckung
eines Krieges, indem der anderen Seite
unmißverständlich
klargemacht
wird, daß der Westen geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um jeder Form
von Aggression zu begegnen.

Die nukleare Rüstungskontrolle

Auf beiden Seiten erschienen atomare Kurzstreckenwaffen, und die sowjetisch geführten Truppen und Panzer
des Warschauer Pakts waren denen des
Westens weiterhin zahlenmäßig weit
überlegen. Dies war ein entscheidender Faktor in der Verteidigungsstrategie des Bündnisses, weil die stärkste Militärmacht der NATO, die Vereinigten Staaten (Tausende von Meilen
von der Grenze zwischen Ost und West
entfernt), nicht in der Lage war,
konventi onelle
Streitkräfte
rasch
nach Europa zu verlegen.

Um
eigener
propagandistischer
Vorteile willen versucht die Sowjetunion häufig, die NATO-Strategie der
"flexiblen Reaktion" und unsere Bemühungen um Abschreckung eines Krieges
falsch darzustellen. So würde Moskau
es beispielsweise vorziehen, wenn wir
den Ersteinsatz nuklearer Waffen ausschlössen und Europa in eine "atomwaffenfreie Zone" verwandelten.
In
der Vergangenheit schlug Moskau ferner ein "Einfrieren" der Atomstreitkräfte auf den gegenwärtigen Niveaus
vor. Der wahre Charakter dieser sowjetischen Argumente wird deutlich,
wenn man in Betracht zieht, daß bei
Abwesenheit eines glaubwürdigen nuklearen Abschreckungspotentials die
konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts das Umfeld der europäischen Sicherheit beherrschen würden. Überdies hat die Geschichte gezeigt, daß selbst bei Vorhandensein
gleicher konventioneller Streitkräfteniveaus konventionelle Streitkräfte
allein einen Krieg nicht verhindern.
Es ist die auf einem glaubwürdigen
Mix moderner atomarer und konventioneller Waffen gegründete NATO-Strategie der Abschreckung, die in den vergangenen 40 Jahren den Frieden in Europa bewahrt hat.

Als Antwort auf die massive Aufrüstung des Ostblocks verabschiedete
die NATO im Jahr 1967 eine unter dem

Aufgrund dessen haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
die Frage der nuklearen Rüstungskon-

In den ersten Nachkriegsjahren
befand sich das militärische Gleichgewicht in Europa im Fluß. Es wurde
von Versuchen der Sowjets geprägt,
anderen Regierungen den Willen Moskaus aufzuzwingen.
Die amerikanischen strategischen
oder atomaren
Langstreckenraketen bildeten ein Gegengewicht zur Überlegenheit der Sowjetunion
bei den konventionellen
Streitkräften. Nach 1948 stellte die
Entwicklung von Atomwaffen durch die
Sowjetunion eine zusätzliche Bedrohung Europas und der Vereinigten
Staaten dar.

- 4 -

�trolle unter dem umfassenden Gesichtspunkt der westlichen Sicherheit
in Angriff genommen. Die Reduzierung
von Waffen ist kein Selbstzweck, unser Ziel besteht vielmehr in der Verbesserung der westlichen Sicherheit
und regionalen Stabilität. Die Vorschläge des Westens zur konventionellen Rüstungskontrolle zielen auf die
Beseitigung der Ungleichgewichte bei
den konventionellen Streitkräften und
auf die Verbesserung der Stabilität
ab.
Es gibt drei grundlegende Kategorien
landgestützter
Atomraketen:
Kurzstreckensysteme (SNF) mit einer
Reichweite unter 500 Km, Mittelstrekkensysteme mit Reichweiten zwischen
500 und 4 500 Km sowie Langstreckenoder strategische Systeme - Interkontinentalraketen
(ICBMs), unterseebootgestUtzte
ballistische
Raketen
(SLBMs) und schwere Bomber - mit einer Reichweite über 5 500 Km.
Die einzige von den Vereinigten
Staaten und der UdSSR vollständig
verbotene Kategorie von Atomraketen
sind
die
Mittelstreckensysteme
(INF).

Die

Sowjetunion

begann

mit

der Stationierung landgestützter Systeme, die Ziele in Westeuropa erreichen konnten, in den fünfziger Jahren. Die gefährlichsten dieser INFWaffen waren die modernen SS-20-Raketen, die von den Sowjets seit 1977
stationiert wurden.
Die westlichen
Bündnispartner einigten sich im Hinblick auf INF auf einen "zweigleisigen" Ansatz - die Stationierung neuer
INF-Systeme, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, bei gleichzeitigen Verhandlungen mit den Sowjets, um
die SS-20 und andere sowjetische
INF-Raketen zu beseitigen.
Angesichts der Stationierung amerikanischer INF-Raketen stimmte die UdSSR
einem amerikanischen Vorschlag zu,
der ein vollständiges, verifizierbares Verbot aller Mittelstreckensysteme vorsieht.
Die strategischen Atorastreitkräfte sind Thema der Gespräche zur Ver-

ringerung
strategischer
Rüstungen
(START) mit dem Ziel, das Risiko eines Atomkriegs zu verringern.
Das
Ziel der Vereinigten Staaten bei den
START-Verhandlungen ist die Herbeiführung eines ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens, mit
dem ein stabileres atomares Gleichgewicht geschaffen und damit der Anreiz
für jede Seite verringert wird, einen
Erstschlag durchzuführen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, daß
ein START-Vertrag in der Zukunft möglich ist, zunächst jedoch noch eine
Reihe schwieriger Fragen gelöst werden muß.
Dazu gehören:
mobile
ICBMs, see- und luftgestützte Marschflugkörper
sowie Untergrenzen für
ICBM-Gefechtsköpfe. In vielen dieser
Fälle bildet die Verifizierung die
schwierigste Herausforderung.
Die NATO sieht sich weiterhin der
unmittelbaren Bedrohung einer großen
Zahl atomarer Kurzstreckensysteme des
Warschauer
Pakts
ausgesetzt,
die
kürzlich noch erheblich modernisiert
wurden. In dem im Mai 1989 von der
NATO verabschiedeten
"Gesamtkonzept
für Rüstungskontrolle und Abrüstung"
bekräftigt die NATO ihre Haltung,
derzufolge es in vorhersehbarer Zukunft keine Alternative zur auf einem
geeigneten Mix angemessener und wirksamer nuklearer und konventioneller
Streitkräfte
gegründeten
Strategie
der Abschreckung gibt. Land-, seeund luftgestützte nukleare Systeme in
Westeuropa, darunter
auch landgestützte Raketen, werden weiterhin benötigt und gegebenenfalls modernisiert werden müssen. Im Einklang mit
der Verpflichtung der NATO, nur die
Mindestzahl der zur Aufrechterhaltung
dieser Strategie erforderlichen Atomwaffen beizubehalten, hat das Bündnis
bereits einseitige Kürzungen bei den
nuklearen Kurzstreckensystemen vorgenommen. Die Anzahl der landgestützten Gefechtsköpfe in Westeuropa wurde
seit 1979 um über ein Drittel abgebaut und erreichte somit ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Eine
Modernisierung solcher Systeme würde
zu weiteren Reduzierungen führen.

- 5 -

�Konventionelle Rüstungskontrolle
Präsident Bush und Außenminister
Baker betrachten die konventionellen
Streitkräfte als einen der vorrangigsten Bereiche in der Rüstungskontrolle. Außenminister Baker hat das Problem sehr einfach umrissen: "Die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben
eine ungeheure von schwer bewaffneten
Einheiten angeführte und starker Feuerkraft unterstützte Streitmacht stationiert. Diese Streitmacht ist auf
den Westen gerichtet."
Panzer und
Artillerie des Warschauer Pakts sind
der NATO im Verhältnis 3 zu 1 überlegen, und der Warschauer Pakt hat bei
Schützenpanzern einen Vorteil von 2
zu 1. Selbst wenn alle von Generalsekretär Gorbatschow und dem Warschauer Pakt angekündigten einseitigen Streitkräftereduzierungen vorgenommen würden, hätte der Warschauer
Pakt immer noch doppelt soviel Panzer
und Artillerie.
Am 9. März 1989 sind im Rahmen
des KSZE-Prozesses zwei neue autonome
Verhandlungen in Wien eröffnet worden. Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
decken das gesamte europäische Territorium des Warschauer Pakts und der
NATO-Staaten vom Atlantik bis zum
Ural ab. Bei den separaten Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) haben
alle beteiligten 35 KSZE-Länder das
Ziel, "Offenheit" zwischen Ost und
West hervorzubringen.
KSE.
Beim
NATO-Gipfeltreffen
am 29. Mai 1989 hat Präsident Bush
die Verbündeten aufgefordert, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten den
weitreichendsten westlichen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
zu unterbreiten, der jemals in der
Nachkriegszeit vorgelegt wurde. Der
Präsident hat mit Zustimmung der NATO
folgende Verbesserungen zum nunmehr
in Wien vorliegenden KSE-Vorschlag
der NATO vorgeschlagen:
Erstens sollen die Bündnispartner
die Zustimmung des Ostblocks zu den

vom Westen vorgeschlagenen Begrenzungen bei wichtigen Bereichen ihrer
Landstreitkräfte festklopfen.
Dazu
zählen Obergrenzen für die Anzahl der
Panzer
(20 000 für jede Seite),
Schützenpanzer (28 000 für jede Seite) und Artilleriegeschütze (16 500
bis 24 000 für jede Seite, je nach
Lösung von Fragen der Definition).
Das reduzierte Gerät würde zerstört.
Mit dieser Bestimmung würde der Ostblock verpflichtet, Zehntausende von
Waffensystemen zu vernichten und seine Vormachtstellung in diesen wichtigen Bereichen militärischer Stärke
aufzugeben.

,
\

Zweitens muß der Westen seinen
Vorschlag so erweitern, daß damit zum
ersten Mal das Konzept konventioneller Rüstungskontrolle auch alle landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Gebiet vom Atlantik bis
zum Ural abdeckt. Jede Seite wäre
verpflichtet, ihren Bestand auf 15
Prozent unter der gegenwärtigen Gesamtmenge der NATO zu reduzieren.
Alles reduzierte Gerät würde verschrottet. Wiederum würde trotz beiderseitig vorgenommener erheblicher
Kürzungen der Ostblock seine gegenwärtige Vormachtstellung bei diesen
Streitkräften verlieren.
Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf einen gemeinsamen Stand von etwa
275 000 Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte einigen, die außerhalb
des nationalen Territoriums im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural stationiert sind. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, ihre Kampftruppen um 20
Prozent zu reduzieren, um diesen
Stand zu erreichen. Bei dieser Reduzierung auf einen Gleichstand müßten
die Sowjets ihre 600 000 Mann starken
Truppen in Osteuropa um 325 000 Soldaten reduzieren.
Die auf beiden
Seiten abgezogenen Soldaten würden
entlassen.
&lt;
Viertens müßten beide Seiten ihren Zeitplan für den Abschluß eines
KSE-Abkommens im oben beschriebenen
Kontext und die Durchführung der er-

- 6 -

(

i

�Landes (etwa sowjetischer Truppen
in der DDR) sollten zusätzliche
Begrenzungen gelten. Diese beiden Punkte würden zusammengenommen sicherstellen, daß kein einzges Land Europa mit Waffengewalt
beherrschen könnte.

forderlichen Reduzierungen beschleunigen. Die Sowjetunionm strebt dabei
als Ziel das Jahr 1997 an, während
die Vereinigten Staaten innerhalb von
sechs Monaten bis zu einem Jahr ein
Abkommen erzielen und die Reduzierungen bis 1992 oder 1993 vornehmen wollen.

Die Beseitigung von Fähigkeiten
zur
Durchführung
von
Überraschungsangriffen und großen Offensivoperationen. Die Arten von
Waffensystemen, bei denen der
Ostblock die größten Vorteile hat
- Panzer, Artillerie und Schützenpanzer - sind solche Systeme,
die für den Einfall und die Besetzung von Terrotorium - dem
Hauptziel eines jeden Aggressors
von entscheidender Bedeutung
sind.

Die NATO hat als Ziel für die
Vorlage dieser Verbesserungen zusammen mit den Verifizierungsbestimmungen die Eröffnung von Runde III der
KSE am 7. September 1989 avisiert.
Wenn die Sowjetunion und ihre Verbündeten Bereitschaft zur Änderung ihrer
nationalen Prioritäten signalisieren
und
ihre ungeheuren militärischen
Aufstellungen reduzieren, sind die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bereit, an der Verwirklichung
der seit langem gehegten Hoffnung eines sicheren und weniger militarisierten Europas mitzuwirken.

Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß jeder Rüstungskontrollvertrag wirksam verifizierbar sein muß und Inspektionen
verstärkt
durchgeführt
werden
sollen.

Die westlichen Verbündeten verfolgen bei KSE vier Hauptzielsetzungen:
Die Errichtung eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts konventioneller Streitkräfte auf niedrigerem Niveau. Die gegenwärtige
Konzentration
konventioneller
Streitkräfte
zwischen
Atlantik
und Ural stellt das größte jemals
aufgestellte destruktive Potential konventioneller Streitkräfte
dar.
Allein die Präsenz einer
solchen massiven Feuerkraft bedroht die Sicherheit Europas.
Die Behebung von Stabilität und
Sicherheit abträglichen Ungleichgewichten. Es ist das erhebliche
Ungleichgewicht bei Panzern, Artillerie und Schützenpanzern, das
die Stabilität und Sicherheit Europas am stärksten bedroht. Insbesondere sollte es keinem einzigen Land erlaubt sein, mehr als
einen festgelegten Anteil aller
Waffensysteme zu besitzen, die
alle Parteien haben.
Für die
Stationierung von Soldaten auf
dem Territorium eines anderen

VSBM. Mit Hilfe der VSBM soll
das Risiko für bewaffnete Konflikte
abgebaut werden, die aufgrund von
Mißverständnissen oder Fehleinschätzungen militärischer Fähigkeiten und
Absichten in Europa entstehen könnten. Nach dem erfolgreichen Abschluß
des Stockholmer Abkommens von 1986
und der zweieinhalbjährigen Erfahrung
mit seiner Durchführung werden die 35
Teilnehmerstaaten der KSZE erneut in
Wien zusammenkommen, um zusätzliche
Maßnahmen zu erarbeiten. Der westliche Vorschlag konzentriert sich dabei
auf Maßnahmen zur Förderung von Offenheit und Transparenz von militärischen Strukturen, Gerät und Aktivitäten und verringert damit die Wahrscheinlichkeit, daß solche Waffen jemals eingesetzt werden.
Ausblick
Wirtschaftliche, soziale und politische Veränderungen in der Sowjetunion und Osteuropa finden genau zu

- 7 -

�dem Zeitpunkt statt, an dem die
Volkswirtschaften und Demokratien der
Verbündeten einen Aufschwung erfahren. Neue Ufer liegen jetzt vor einem Kontinent, der vor vierzig Jahren
durch einen Konflikt zweier gegensätzlicher Visionen geteilt wurde.
Mit dem nachlassenden Konflikt könnte
es möglich sein, alte Hindernisse auf
Europas Weg in die Zukunft zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten und ihre
NATO-Verbündeten arbeiten gemeinsam
an der Beseitigung der größten Hindernisse - insbesondere des konventionellen Ungleichgewichts und den
Schleiern der Geheimhaltung, die sich
lange über die Sicherheit Europas und
den Weltfrieden gelegt haben. Dieser
Prozeß wird nicht leicht sein, aber
einem freien, offenen, sicheren und
wohlhabenden Europa den Weg bereiten.

* * * * *

- 8-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

30

9. August 1989

INTEGRIERTES ENTSORGUNGSPROGRAMM FÜR ATOMANLAGEN

- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

(AD). - Der Energieminister der Vereinigtes Staaten, Admlral James D.
Watklns, kündigte am 1. August 1989
Im Nationalen Presseklub in Washington einen auf zunächst fünf Jahre angesetzten Plan zur Entsorgung an nuklearen
Produktionsstätten an.
Er
ist Teil des wenige Tage zuvor bekanntgegebenen Programms zum Aufbau
einer "Nationalen Energiestrategie",
mit deren Hilfe das Land seinen Energiebedarf weit in das nächste Jahi—
hundert hinein decken kann.
Mehr denn je muß Watkins zufolge
nach Energietechnologien gesucht werden, bei denen keine Abfälle erzeugt
werden oder, falls sie nicht zu vermeiden sind, diese ordnungsgemäß entsorgt werden. Das gilt z.B. für die
festen
Rückstände
von
Entschwefe-

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lungsanlagen in Kohleund Heizölkraftwerken aber ebenso für die Rückstände
aus der Produktion von Kernmaterial
für Verteidigungszwecke.
Aus vielerlei Gründen
befindet
sich Watkins zufolge der letztgenannte Komplex in einem desolaten Zustand.
Eine Reihe von Anlagen Ist
überaltert. Manche mußten wegen notwendiger
S1eherheitsVerbesserungen
abgeschaltet werden, was bereits zu
einer Verknappung von Tritium führte.
Erst kürzlich hat man den Bau
eines
neuen
Produktionsreaktors
ernsthaft in Erwägung gezogen.
Infolge fragwürdiger Prioritäten in der
Vergangenheit und sich häufig ändernder Betriebsvorschriften sind Umweltprobleme In diesen Anlagen weit verbreitet; Gesundheitsund Sicherheits-

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Telex: 8-85432

�Vorkehrungen sind erst im nachhinein
getroffen worden und daher noch unvollständig. Ursprünglich waren sie
in den Betrieben nicht vorgesehen.
Der jetzt vorgesehene Fünfjahresplan gibt Auskunft darüber, wie das
Energieministerium die Einhaltung von
Gesetzen,
Betriebsbestimmungen
und
Abkommen zum Schutz der Gesundheit
von Mensch und Umwelt in den Einrichtungen, die Forschung für Verteidigungsprogramme, an Kernenergie und
Energie allgemein betrieben, gewährleisten will. Die auf 90 Tage angesetzte öffentliche Erörterung des Dokuments beginnt nach Bekanntgabe im
Bundesregister am 28. August. Nur
die nationale Sicherheit betreffende
Aktivitäten unterliegen weiterhin der
Geheimhaltung.
An der Ausarbeitung des Planes
waren Fachleute und Dienststellen des
Energieministeriums, Gouverneure der
betroffenen Bundesstaaten, gewählte
Vertreter des Indianerreservate sowie
Repräsentanten des Nationalen Gouverneursrats, der Nationalen Konferenz
der Parlamente der Bundesstaaten und
des Nationalen Verbandes der Justizminister
beteiligt.
Anschließend
wurde der Plan dem Ausschuß für Atommüll
bei
der Nationalen Wissenschaftsakademie vorgelegt.
Die von
all diesen Gremien vorgebrachten Bedenken wurden berücksichtigt.
"Wir
planen ein lebendiges Dokument - keinen starren Fünfjahresplan", sagte
Watkins.
Zum ersten Mal werden zur Korrekturmaßnahmen, Umweltschutz und Entsorgung sowie angewandte Forschung
und Entwicklung, für Verteidigungsprogramme, Kernenergie und Energieforschung in ein Gesamtprogramm integriert. Man wird alle wissenschaftlich anwendbaren Möglichkeiten nutzen, um Probleme an Ort und Stelle zu
lösen, statt sie ständig zu verlagern.
Technologien zur Behandlung
vou deponiertem Abfall, die nicht
dessen Abtransport erfordern, haben
dabei höchste Priorität.

Bereits bekannte Verseuchung an
stillgelegten Anlagen darf sich nicht
ausbreiten.
Verseuchung in anderen
Betrieben, über deren Art und Ausmaß
Unklarheit besteht, muß im Rahmen
realistischer technischer und zeitlicher Planung sowie zur Bereitstellung
der erforderlichen Mittel analysiert
werden. Gesundheitsdaten der Mitarbeiter aus dem Energieministerium unterstehenden
Betrieben
sollen zur
wissenschaftlichen Auswertung freigegeben und Gesundheitsrisiken beim
früherem, gegenwärtigem und künftigem
Betrieb der Anlagen bewertet werden.
Watkins verwies auf die Notwendigkeit, intensiv und kompetent auf
die Ziele des Planes hinzuarbeiten,
um sich auch die Unterstützung des
Kongresses zu sichern. Risiken für
die menschliche
Gesundheit müssen
wirksam abgebaut werden.
Am Forschungsund Entwicklungsprogramm sind
Universitäten, die Industrie, nationale Laboratorien und andere Bundesbehörden zu beteiligen, um Prioritäten und notwendige Projekte zu steuern und neue bzw. verbesserte Technologien zur Abfallminimierung und Entsorgung anzuwenden. Der Personalbedarf mit engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern ist den Aufgaben entsprechen zu berücksichtigen.
Watkins schätzt, daß die Entseuchung, Entsorgung und Wiederherstellung der Umwelt bei nuklearen Anlagen
30 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Der Kostenaufwand wird vielfach auf
150 Milliarden Dollar veranschlagt,
was Watkins als zu hoch ansieht.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Richard Burt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Regionale Übersicht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Integriertes Entsorgungsprogramm für Atomanlagen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fünfjahresplan des US-Energieministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ ü N

$ &lt;

*

16. August 1989

31
DOKUMENTATION
Bush sieht künftiges Europa ohne Berliner .Mauer
- Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauersbaus -

INFORMATION
Ppv«JJ_je_ilt_ in seiner neuen Position ein hervorragender Ruf voraus
- Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
-"wöchentliche "Übersicht WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Baker: Kampf gegen Drogen oberstes Ziel amerikanischer Politik
- US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie -

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Dokumentation
31

16. August 1989

BUSH SIEHT KÜNFTIGES EUROPA OHNE BERLINER MAUER
- Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauerbaus WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung Präsident Bushs zum 28. Jahrestag des
Baus der Berliner Mauer zufolge hat sich "eine historische Gezeitenwende vollzogen".
Die Welt strebe heute nach einer "Zukunft Europas in Einheit und
Freiheit", in der "Berlin, das deutsche Volk und Europa nicht länger von einer
Mauer geteilt sind".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Vor 28 Jahren wurde im Herzen
Berlins eine Barriere aus Stahl und
Beton errichtet. Sie steht dort noch
immer - und sie ist heute mehr denn
je das Relikt einer vergangenen Epoche und einer gescheiterten Philosophie.
Der Stacheldraht, der eine großartige
Stadt durchschnitt, brachte
zudem in krasser, unmenschlicher Weise die unnatürliche Teilung Europas
zum Ausdruck.
Über die von ihr in
all den Jahren verursachten tragischen Folgen hinaus - etwa die brutale Trennung von Freunden und Verwandten -, hat die Berliner Mauer die
freie Welt mit einer ihr gänzlich
fremden Vision geschlossener Gesellschaften konfrontiert, in denen die
Grundfreiheiten verweigert werden.

Die mutige Bevölkerung von WestBerlin hütet für uns alle das kostbare Feuer der Freiheit. Die Stadt gedeiht und profitiert von ihrem innovativen Geist und der Ausweitung internationaler Bindungen. Ihre kulturelle Vielfalt, ihr wirtschaftlicher
Elan und ihr politischer Pluralismus
sind Früchte des grenzenlosen Ideenreichtums, der in einer demokratischen Gesellschaft zum Tragen kommt.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, zur Freiheit und Lebensfähigkeit Berlins beigetragen zu haben.
Wir stehen weiterhin fest zu unserer
Verpflichtung, die Sicherheit und das
Wohlergehen der Stadt zu sichern. In
einem Jahr, in dem sich die Luftbrükke zum vierzigsten Male jährt, kommen
diesen
historischen Bindungen
zwischen Amerikanern und Berlinern eine

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�besondere Bedeutung zu.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich darüber hinaus für die Verbesserung der Lebensbedingungen der
Berliner und streben danach, den Tag
näherrilcken zu lassen, an dem die
Stadt wieder ungeteilt ist. Zusammen
mit unseren britischen und französischen Alliierten haben wir eine Initiative vorgeschlagen, mit der solche
Fortschritte verwirklicht werden sollen. Wir möchten, daß Berlin durch
erweiterte Flugverbindungen verstärkt
Zugang zur Welt erhält, daß die Stadt
ein Zentrum internationaler Begegnungen und sportlicher Wettbewerbe wird,
und wir wollen Begegnungen zwischen
den Menschen fördern, die zu besserem
Verständnis führen.
Wie ich am 31. Mai in Mainz erklärt habe, möchten wir Berlin zu einem Ort der Zusammenarbeit machen,
nicht zu einem Ort der Konfronta-

tion. Wir haben die Sowjetunion aufgefordert, ihrer Verantwortung für
Berlin im Rahmen des Viermächtestatus
gerecht zu werden und mit uns bei der
Verwirklichung dieser Ziele zusammenzuarbeiten. Wir warten weiterhin auf
eine - wie wir hoffen - positive Antwort.
Wir begehen diesen traurigen Jahrestag mit neuer Entschlossenheit,
die Teilung Berlins und Europas zu
überwinden. Stellvertretend für das
Volk der Vereinigten Staaten bekräftige ich die Verpflichtung dieser Nation für die Freiheit und den Wohlstand Berlins.
Eine
historische
Gezeitenwende
hat sich vollzogen, und heute streben
wir nach einem Europa in Einheit und
Freiheit. Wie wir heute den Jahrestag des Mauerbaus begehen, so werden
wir unweigerlich einen Tag erleben,
an dem Berlin, das deutsche Volk und
Europa nicht länger geteilt sind.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

V,DN #

16. August 1989

31

POWELL EILT IN SEINER NEUEN POSITION EIN HERVORRAGENDER RUF VORAUS
- Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs -

hochrangige
schwarze Offizier des
amerikanischen Heeres wird ranghöchster Offizier aller Teilstreitkräfte
sein, wenn ihn der Senat in seinem
Amt bestätigt.

Als Vorsitzender der Vereinigten
Stabschefs unterstehen Powell alle
amerikanischen
Teilstreltkräfte.
Diese Aufgabe hat größere Bedeutung
als jemals zuvor. Seit dieses Amtes
im Jahr 1947 ins Leben gerufen wurde,
hat der Vorsitzende die Aktivitäten
der Stabschefs von Heer, Marine,
Luftwaffe und Marinekorps koordiniert. Im Laufe der Amtszeit des gegenwärtigen
Vorsitzenden,
Admlral
William Crowe, hat der Kongreß eine
Änderung der mit diesem Amt verbundenen Aufgaben vorgenommen.

Die Betätigung gilt als fast sicher, da Powell bei den Kongreßabgeordneten wie auch bei den Streitkräften und den amerikanischen Verbündeten im Ausland hohes Ansehen genießt.

Der Vorsitzende ist nunmehr, ungeachtet in welcher der vier Teilstreitkräfte er bisher gedient hat,
direkter
Oberkommandierender
der
Streitkräfteverbände und höchster Mi-

WASHINGTON - (AD) - Dem General
des Heeres Colin Powell eilt der Ruf
von guter Urteilsfähigkeit, Intelligenz und Diplomatie für sein Amt als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs voraus.
Powell wurde am 10. August 1989
von

Präsident

Bush

nominiert.

Der

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Telex: 8-85432

�litärberater des Präsidenten.
Im
Hinblick auf die Kommandostruktur bedeutet das, er ist lediglich Bush und
Verteidigungsminister Cheney gegenüber verantwortlich.

1958 schloß er die Offiziersausbildung ab und wurde Leutnant im
Heer.
Von 1962-63 kämpfte er in
Vietnam. Er wurde verwundet und erhielt das Purple Heart.

Powell muß Cheney beraten, wie
Ausgabenkürzungen für Programme des
Pentagons in der gegenwärtig schwierigen Haushaltslage zu verwirklichen
sind.

Powell kehrte 1968 nach Vietnam
zurück, befehligte ein Jahr lang als
stellvertretender Kommandeur ein Infantriebataillon
und
war
später
Stabsoffizier im Divisionshauptquai—
tier. Er wurde zum Kommandeur eines
Infantriebataillons in Südkorea und
später zum Kommandeur einer in den
Vereinigten
Staaten
stationierten
Brigade befördert.

Schließlich besteht die wichtigste Aufgabe Powells wohl darin, amerikanische politische Entscheidungsträger über die Implikationen von Rüstungskontrollvorschlägen
etwa
zum
Abbau amerikanischer und sowjetischer
Waffenarsenale oder den noch schwierigeren Vorschlägen bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zu beraten.
Powell genießt ebenso wie Crowe
den Ruf eines militärischen Vordenkers. Er gilt allgemein als vorbildlicher Offizier und vereinigt große
militärische Erfahrung mit politischem und diplomatischem Geschick.
Er verfügt über Erfahrung bei Gipfeltreffen der Supermächte und im Umgang
mit Spitzenpolitikern.
Der Amtsanwärter steht bei den
amerikanischen Verbündeten in hohem
Ansehen. Ein Berater der britischen
Premierministerin Thatcher bezeichnete Powell einmal als den Militärvertreter, der ihn am meisten beeindruckt habe.
Seit Beginn der Bush-Administration hat Powell als Kommandeur aller
Streitkräfte auf dem amerikanischen
Kontinent gedient - als Oberkommandierender der Streitkräfte, dem größten Befehlsbereich der amerikanischen
Streitkräfte.
Powell wurde am 5. April 1937 als
Kind jamaikanischer Einwanderer in
New York City geboren. Er erwarb an
der City University of New York ein
Bakkalaureat in Geologie und an der
George Washington University einen
Magister in Betriebswirtschaft.

1972 hatten Powells hervorragende
militärische Leitungen die Aufmerksamkeit hochrangiger Regierungsvertreter erregt. Daraufhin erhielt er
1977 eine Stellung im Büro des Verteidigungsministers. In den nächsten
Jahren stieg sein Bekanntheitsgrad im
Pentagon, und 1983 wurde er schließlich persönlicher Militärberater des
damaligen
Verteidigungsministers
Caspar Weinberger.
1986 übernahm
Powell erneut einen Befehlsbereich
als Kommandierender General des Fünften Korps, eines Teils der US-Streitkräfte in Westeuropa.
Vielleicht fühlte sich General
Powell wohler als Führer von Soldaten, als er 1987 zunächst das Angebot
für die Mitarbeit im Stab des Nationalen
Sicherheitsberaters
Franks
Carlucci ausschlug.
Powell änderte
seine Meinung über den Eintritt in
den Nationalen Sicherheitsrat (NSC)
erst, als Präsident Reagan ihn persönlich um die Übernahme des Amts
bat. Als Carlucci Verteidigungsminister wurde, bestimmte Reagan Powell
zum Nationalen Sicherheitsberater und
Leiter des NSC.
Diese Beförderung zum Leiter des
NSC wurde vom damaligen stellvertretenden Führer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Cheney, unterstützt.
Im Pentagon erklärte der Sprecher
Pete Williams am 10. August, Cheney
sei mit dem jetzt nominierten Vorsit-

�zenden der Vereinigten Stabschefs zusammengetroffen, als dieser das V.
Korps in der Bundesrepublik befehligte.
Darüber hinaus arbeiteten sie zusammen, als der damalige Abgeordnete
Cheney in den Ausschüssen zur IranContra Affäre und des Nachrichtendienstes tätig war, während Powell
als Carluccis Berater beim NSC fungierte.
"Sie arbeiteten besonders intensiv an Problemen wie der Finanzierung
der Contras, so daß bei zu Cheneys
Amtszeit viel miteinander zu tun hatten. Cheney hat eine sehr hohe Meinung von General Powell,"
erklärte
Williams.
Unmittelbar
vor Aufgabe
seines
Amtes
nominierte
Präsident
Reagan
Powell
für
seine
Beförderung
vom
Drei-Sterne-General zum Vier-SterneGeneral .

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
16. August 1939

31

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 11. August 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, Krasnojarsk, SLCMs, Sari Shagan, SDI, ACDA und chemische
Waffen.

Keine Reaktion der Sowjets auf
amerikanische START-Initiative

die

Die sowjetischen Unterhändler haben nicht offiziell auf die während
der am 7. August 1989 in Genf zu Ende
gegangenen jüngsten Runde der Verhandlungen
über
die Verringerung
strategischer Rüstungen (START) unterbreitete amerikanische Verfizierungsinitiatlve reagiert.
Der sowjetische Chefunterhändler
Juri Nasarkin räumte nur ein, die
vorgeschlagenen amerikanischen Verifizierungsmaßnahmen
"könnten
hilfreich" sein.
Der amerikanische ChefUnterhändler
bei
den
START-Verhandlungen,
Richard Burt, ist der Ansicht, beide

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Seiten seien in der Lage gewesen,
"den Grundstein für ein hoffentlich
konstruktives Gespräch zwischen Außenminister Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse zu
legen", wenn sich beide im nächsten
Monat in den Vereinigten Staaten
treffen.
Der amerikanische Verifizierungsvorschlag behandelt Themen wie die
kontinuierliche Überwachung bestimmter Produktionsstätten für ballistische Raketen und den Datenaustausch
über Nuklearstreitkräfte.
Die Initiative soll Burt zufolge verwirklicht werden bevor ein Vertrag geschlossen ist, um die Verhandlungen
zu "beschleunigen".
"Obwohl bei den Gesprächen kein

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�größerer Durchbruch zu verzeichnen
war, wurden Fortschritte in kleinen,
aber entscheidenden Bereichen des 450
Seiten umfassenden Vertragsentwurfs
erzielt", erklärte Burt und fügte
hinzu: "Wir halten den Kurs auf stabilisierende Reduzierungen, mit denen
das Risiko eines Nuklearkriegs in den
neunziger Jahren und darüber hinaus
abgebaut wird."
Burt zufolge ist die amerikanische Position im Hinblick auf ein
Verbot mobiler Interkontinentalraketen (ICBMs) "derzeit unverändert".
Die Administration könne diese Position überdenken, wenn beide Seiten
"sich auf Bestimmungen einigen, mit
denen die wirksame Verifizierung zahlenmäßiger Obergrenzen bei mobilen
ICBM-Systemen ermöglicht wird", erklärte er. Die Sowjets besitzen bereits zwei einsatzfähige Systeme,
während die Bush-Administration versucht, zwei Systeme zu stationieren.
Zwischen beiden Seiten bestehen
noch Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Grenzen bei ICBM-Gefechtsköpfen, luftgestützten Marschflugkörpern und den Zählvorschriften für
strategische
Bomber,
seegestützte
Marschflugkörper sowie im Hinblick
auf die sowjetischen Bestrebungen,
ein Junktim zwischen START und dem
ABM-Vertrag herzustellen.
Die nächste Runde der START-Verhandlungen beginnt am 25. September
1989.

Keine Lösung der Kontroverse über
das Radar von Krasnojarsk in Sicht
Dem amerikanischen Unterhändler
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Verteidigung im
Weltraum (DST) zufolge ist keine Lösung der Kontroverse über das Radar
von Krasnojarsk in der Sowjetunion in
Sicht.
Botschafter Henry Cooper erklärte
am 7. August 1989, "bis die Probleme
mit dem Radar von Krasnojarsk zu un-

serer Zufriedenheit gelöst sind, werden die Vereinigten Staaten an ihrer
Politik festhalten, im strategischen
Bereich keine zusätzlichen Rüstungskontrollabkommen zu schließen."
Die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, das Radar von Krasnojarsk verletze den ABM-Vertrag aus
dem Jahr 1972 und streben seine vollständige Beseitigung an. "Das Radar
muß mitsamt seinen Grundmauern abgerissen werden", erklärte der Botschafter.
In seiner Ansprache vor der Abrüstungskonferenz am 3. August 1989 unterstrich Botschafter Cooper, daß die
Sowjets "im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits sehr viel mehr
tun als die Vereinigten Staaten".
Ihm zufolge sucht "die Größenordnung der zivilen und Luftverteidigung
der Sowjetunion ihresgleichen in der
Welt" und "einige ihrer Aktivitäten
gehen eindeutig über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus".

SLCM-Verfizierungsverfahren
nicht zuverläßig

noch

Trotz
"detaillierter"
Studien
sind die Vereinigten Staaten weiterhin der Überzeugung, daß es keine
"wirksame" Art und Weise der Verifizierung seegestützter Marschflugkörper (SLCM) gibt.
Botschafter Richard Burt gab eine
Erklärung zu dem kürzlich von amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftlern im Schwarzen Meer durchgeführten Experiment zur Identifizierung nuklearbestückter SLCMs ab.
"Die angeblich geeignete verfügbare Technologie zum Aufspüren nuklearer SLCM-Gefechtsköpfe
in großer
Entfernung und zur Unterscheidung von
anderen Nukleargefechtsköpfen ist in
beiden Fällen unzuverlässig", erklärte Burt.
Burt

zufolge

ist die beste Art

�und Weise, die Umgehung eines Abkommens über SLCMs zu verhindern, "Berechenbarkeit herzustellen und beiden
Seiten eine Idee dessen zu vermitteln, was die andere Seite plant".

*

Unverbindliche
Absichtserklärungen zu den SLCM-Plänen beider Seiten
sind "der beste Weg", so Burt.
"Da
nuklearbestückte
SLCMs
für
einen
Erstschlag weder geeignet noch durch
ihn verletzbar sind", erklärte Burt,
"vertreten
die Vereinigten Staaten
die Auffassung, daß der amerikanische
Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die Hand gibt, um
Vertrauen aufzubauen, daß nuklearbestückte SLCMs die START-Obergrenzen
nicht umgehen."

Beobachter haben nur eine
sche Laser-Anlage besichtigt

Sowjetische
Regierungsvertreter
nehmen an, bei der Anlage handele es
sich um eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung, in der Niederleistungslaser gegen sowjetische Flugzeuge und Satelliten eingesetzt werden.

Bush benennt Hanmer zum neuen Stellvertretenden Direktor der ACDA
Präsident
Bush
beabsichtigt,
Stephen Read Hanmer zum neuen Stellvertretenden Direktor der amerikanischen
Rüstungskontroll- und
Abrüstungsbehörde (ACDA) zu nominieren.

sowjeti-

Das amerikanische Verteidigungsministerium hält an der Aussage fest,
daß Kongreßmitglieder und Privatpersonen, die im Juli die Sowjetunion
besuchten, nur eine der zahlreichen
sowjetischen
Laser-Anlagen
in Sari
Shagan gesehen haben.
Nach Ansicht der von der inoffiziellen Reisegruppe zur Verfügung gestellten
Videobänder
erklärte
das
Verteidigungsministerium am 3. August
1989, daß in der Anlage in Sari
Shagan
"andere
Laser-Einrichtungen
untergebracht sind", die eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten darstellen könnten.

\
J

kanische Forscher an, daß in Sari
Shagan ein Hochenergielaser zur Satellitenabwehr untergebracht ist.

Dem Verteidigungsministerium zufolge sollte die von den Amerikanern
besichtigte Anlage "nicht als repräsentativ für den sowjetischen Stand
der Waffentechnik angesehen werden"
mit dem Hinweis, daß "es eine Reihe
anderer sowjetischer Anlagen gibt ...
die sich mit Forschung und Entwicklung von Laserwaffen befassen".
In der vom Pentagon jährlich veröffentlichten
Publikation
Die
sowjetische Militärmacht deuten ameri-

Hanmer, der im Rahmen der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen amerikanischer Chefunterhändler für strategische Offensivwaffen war, würde
Nachfolger von George Murphy.
Hanmer hat eine Reihe ziviler Positionen im Verteidigungsministerium
bekleidet und war auch bei der amerikanischen NATO-Vertretung.

Sowjets
akzeptieren
den
Vorschlag
frühzeitiger Vor-Ort-Inspektionen von
Chemiewaffenanlagen
Jüngsten
Berichten
zufolge hat
die
Sowjetunion
dem
amerikanischen
Vorschlag zur Inspektion von Chemiewaffenanlagen zugestimmt, noch bevor
ein Vertrag über das weltweite Verbot
dieser Waffen geschlossen ist.
Frühzeitige
Inspektionen
werden
voraussichtlich
Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten über
den Umfang des sowjetischen Chemiewaffenbestands beilegen.
Schätzungen
über den Umfang des Bestands variieren zwischen 50 000 bis 300 000 Tonnen.
Informelle

amerikanisch-sowjeti-

�sehe Gespräche über technische Einzelheiten bei Chemiewaffen werden erwartungsgemäß im August in Genf aufgenommen.

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�AMERIKA DIENST
VON

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Wissenschaft und Technik

31

16. August 1989

BAKER: KAMPF GEGEN DROGEN, OBERSTES ZIEL AMERIKANISCHER POLITIK
- US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie -

(AD) - Präsident George Bush erklärte
während seines Europabesuchs, daß die
neue Welt jetzt rasch Gestalt annimmt. Es ist eine Welt, in der das
Streben nach Demokratie offensichtlich wird. Aber die Kräfte, die Demokratie
bedrohen,
sind
ebenfalls
deutlich erkennbar: Die Drogenepidemie bedeutet eine direkte Herausforderung für die Demokratie, erklärte
Außenminister Baker kürzlich anläßlich
der
Vereidigung
von
Melvyn
Levitsky als Abteilungsleiter für internationale Suchtstoff-Fragen (INM)
im Außenministerium.
"Wer der Sucht
verfällt, wird bald deren Sklave und
hört auf, ein freier Mensch, ein
freier oder informierter Bürger zu
sein". Und was dem einzelnen geschehe, betreffe auf ganz ähnliche Weise
die gesamte Nation.
Die Drogenmafia

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unterwandert
staatliche
Institutionen, bis die Demokratie selbst auf
dem Spiel steht. Demokratie und Drogen
bekämpfen
sich
gegenseitig
"letztlich geht es um unsere Freiheit
und unsere Menschenwürde", erklärte
Baker. In diesem Kampf gibt es keinen Sieger oder Verlierer.
Es ist
ein Kampf an Millionen Fronten, in
jedem Gemeinwesen, in der Schule,
beim Sport und in der Wirtschaft, an
jedem Tag und jedem Ort. Insbesondere der Anbau von Pflanzen, aus denen
Narkotika gewonnen werden, muß in
Südamerika, in der Karibik, in Südostund
Südwestasien
unterbunden
werden. Die USA werden auch künftig
mit den zuständigen Regierungen zusammenarbeiten, um Alternativen für
solche Anpflanzungen zu entwickeln.
Ein weiterer Punkt ist die gemeinsame

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�Fahndung der Regierungsbehörden, um
die Aktivitäten der Drogenmafia zu
unterbinden, ihre Flugplätze, Labors
und Arsenale zu zerstören, "ehe das
Gift den Weg zu uns findet". Training, technische Hilfe und Informationen
werden
Regierungsstellen
und
Privatwirtschaft von den USA angeboten.
Unser Leben, unsere Familien,
unsere Freiheit und unsere Ehre stehen auf dem Spiel, und deshalb muß
der Kampf gegen Drogen oberstes Ziel
amerikanischer Politik sein.
In einem Kurzlehrgang für Agrarwissenschaftler und Ökologen informierte INM Anfang August über die in
der Landwirtschaft zur Unkrautbekämpfung und zur Vernichtung von Anpflanzungen zur Suchtstoffgewinnung verwendeten Herbizide und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. An
dem Seminar in Beltsville (Maryland)
nahmen Wissenschaftler der UN-Abteilung für Suchtstoffe in Wien sowie
Experten aus Belize, Jamaika, Kolumbien, Mexiko, Pakistan, Peru, Trinidad und Tobago teil. All diese Länder werden von INM bei der Vernichtung von Drogenanpflanzungen unterstützt.
Die erteilten Informationen
basieren auf Erfahrungen bei der Anwendung von Herbiziden in den Vereinigten Staaten. Die Präparate könnten auch in den genannten Ländern zur
Drogenpflanzenvernichtung, aber ebenso bei landwirtschaftlichen Produktionsprogrammen
eingesetzt
werden,
erklärte Dr. Joe Antognini, Leiter
des
Laboratoriums
für
tropische
Pflanzen
im
US-Landwirtschaftsministerium.
Zu den von INM geförderten Programmen zählen die chemische Vernichtung von Opiummohn mit 2,4-D in Mexiko und Pakistan, die manuelle Vernichtung von Coca-Sträuchern in Peru,
Bolivien, Equador, Brasilien und Kolumbien sowie die manuelle und chemische Vernichtung von Marihuana-Anpflanzungen
in Kolumbien, Jamaika,
Belize, Guatemala und Mexiko.
Als
rihuana

Vernichtungsmittel gegen Mawird normalerweise Glyphosat

eingesetzt, in Mexiko Paraquat. Guatemala benutzt Glyphosat auch zur
chemischen
Bekämpfung
von
Schlafmohn-Anpflanzungen.
In Peru wurden
verschiedene
Herbizide
wie
etwa
Tebuthiuron gegen Coca-Pflanzen erprobt. Die Versuche werden gegenwärtig ausgewertet. All diese Herbizide
werden
in den Vereinigten Staaten
nach Prüfung und Einzelzulassung für
spezielle Zwecke durch die US-Umweltschutzbehörde EPA zur Unkrautbekämpfung
auf
Feldern, Weideland,
auf
Landstraßen, Autobahnen und Grünflächen in Wohngebieten eingesetzt. Paraquat darf allerdings nur mit Sondergenehmigung angewandt werden. Mit
Glyphosat werden im Rahmen der von
Bundesbehörden
durchgeführten
Programme Marihuana-Anpflanzungen in den
USA vernichtet. Manche Bundesstaaten
setzten für den gleichen Zweck das
Präparat 2,4-D ein.
Bevor ein Herbizid bei einem von
der
INM-Abteilung geförderten
Programm verwendet wird, muß ein Gutachten über die Unbedenklichkeit für Umwelt und Gesundheit in dem betreffenden Land oder der betreffenden Region
ausgearbeitet werden.
Die gegenwärtig laufenden Tests in Peru sind Teil
dieses Prozesses, erklärte Eric Rosenquist
vom
US-Außenministerium.
Seminare dieser Art fördern die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen amerikanischen und ausländischen Fachleuten und liefern technische Informationen für die Vernichtung von rauschgifthaltigen Pflanzen
mit Hilfe von Herbiziden.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush sieht künftiges Europa ohne Berliner Mauer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauersbaus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Powell eilt in seiner neuen Position ein hervorragender Ruf voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt; Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Kampf gegen Drogen oberstes Ziel amerikanischer Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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'VON

30. August 1989

33

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bushs Glückwünsche an den neuen polnischen Premierminister
- Erklärung des Präsidenten zu Polen -

HINTERGRUND
Zwe1 Weltkriege und ihre Lehren
- Von Paul H. Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Letzte Station; Neptun
- VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem

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Dokumentation

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30. August 1989

BUSHS GLÜCKWÜNSCHE AN DEN NEUEN POLNISCHEN PREMIERMINISTER
- Erklärung des Präsidenten zu Polen -

KENNEBUNKPORT -(AD) - Bei einer Ansprache im Jachthafen von Kennebunkport
am 24. August 1989 übermittelte Präsident Bush dem neuen polnischen Premierminister seine Glückwünsche und besten Wünsche für sein Amt. Dem Präsidenten
zufolge werden wir in Europa Zeuge "eines faszinierenden Wandels .. . der sich
so rasch vollzieht, daß er noch vor sieben Monaten nicht absehbar gewesen wäre, als ich Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Der Präsident brachte in
einem Glückwunschschreiben seine "uneingeschränkte Unterstützung" für Tadeusz
Mazowiecki als neuem Premierminister zum Ausdruck, "bei dem Versuch, sein Land
wirtschaftlicher Gesundung und demokratischem Wandel zuzuführen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Ich möchte Herrn Mazowiecki meine
Glückwünsche zu seiner Wahl zum Premierminister
von Polen
aussprechen
und ihn unserer uneingeschränkten Unterstützung versichern bei dem Versuch, sein Land wirtschaftlicher Gesundung und demokratischem Wandel zuzuführen.
Darüber hinaus möchte ich
Staatspräsident Jaruzelski zu seiner
politischen Weitsicht bei der Unterstützung einer Regierung beglückwünschen, die den echten Willen des polnischen Volkes widerspiegelt und die
Solidarität - unter der Führung von
Lech Walesa - zu ihrer konstruktiven
Rolle bei diesem neuen Anfang in Polen.
Seit der Vereinbarung am Runden
Tisch vom vergangenen April ist Polen
den Weg demoratischer Veränderungen

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gegangen. Die Wahl im Juni, die Einberufung des neuen polnischen Parlaments, die Wahl von General Jaruzelski zum Staatspräsidenten und jetzt
die Wahl von Tadeusz Mazowiecki zum
Premierminister sind weitere dramatische Signale eines historischen Prozesses.
Diese Entwicklungen bergen
nicht
nur
das
Versprechen
eines
friedlichen demokratischen Übergangs
in Polen sondern auch eines umfassenderen Prozesses europäischer Aussöhnung zu einem ungeteilten und freien
Europa.
Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens am Runden Tisch
zwischen der polnischen Regierung und
der Solidarität habe ich in meiner
Rede in Hamtramck die Unterstützung
der Vereinigten Staaten bei den wirt-

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�schaftlichen und politischen Reformen
in Polen zugesichert.
Bei Besuchen
in Warschau und Danzig im vergangenen
Monat haben wir diese Unterstützung
bekräftigt und Hilfsmaßnahmen angekündigt. Das polnische Volk und seine neue Regierung können bei der Bewältigung der vor ihnen liegenden
ernsten wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer kontinuierlichen
Unterstützung
gewiß
sein.

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�«fc°s&gt;&lt;

VON

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30. August 1989

33

ZWEI WELTKRIEGE UND IHRE LEHREN
- Von Paul H. Nltze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor hat von Anbeginn des Zweiten Weltkriegs nahezu fünfzig Jahre lang wichtige Posten in der amerikanischen Regierung innegehabt und der Reagan-Administration als ChefUnterhändler bei den START-Verhandlungen gedient.

Eine der Hauptaufgaben eines Kulturkreises besteht darin, auf die
Lehren der Geschichte sensibel und
aufgeschlossen zu reagieren, weil das
der Schlüssel zum Überleben dieses
KuLturkreises sein kann. Am 1. September jährt sich der Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs zum fünfzigsten
Mal - und der Erste Weltkrieg brach
vor etwa 75 Jahren aus. Welche Lehren hat die Welt aus ihren Erfahrungen mit diesen beiden großen Fehlschlägen staatsmänniscben Handels gezogen?
Ein großer Teil der Veröffentlichungen über den Ersten Weltkrieg
beschäftigt sich mit dem Schuldigen
an diesem Krieg.
Die weitaus interessantere Frage lautet jedoch, ob es
möglicherweise ein destabilisierendes

strukturelles Moment im militärischen
Gefüge der damaligen Mächte war, das
es seinen Politikern unmöglich machte, zu verhindern, daß eine ernste
politische Krise unkontrollierbar ihren Lauf nahm und in einen allgemeinen Krieg mündete.
Ein solches Moment - die Notwendigkeit für vergleichsweise schnelle
Mobilisierung von Streitkräften - war
tatsächlich
der Struktur militärischer Planungen und Streitkräfte der
wichtigsten
Teilnehmer
am
Ersten
Weltkrieg immanent.
Wenn eine der
führenden Mächte mobilisierte, würde
eine Kettenreaktion ausgelöst und eine rivalisierende und nicht aufzuhaltende Mobilisierung aller Streitkräfte nach sich ziehen. Als Folge ergab
sich eine militärisch instabile Si-

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�tuation, in der es nur noch der Entzündung eines Funkens bedurfte, um
einen
unkontrollierbaren
Großbrand
hervorzubringen.
Dieser Funken wurde am 28. Juni
1914 mit der Ermordung des österreichischen Großherzogs durch Serben
in Sarajewo entfacht.
Österreich
stellte an Serbien umfangreiche Forderungen, die das von den Russen unterstützte
Serbien nicht erfüllen
wollte. Daraufhin begann Österreich
seine Streitkräfte zu mobilisieren,
was bei den Russen zu einer Mobilisierung an der Nordgrenze führte.
Daraufhin verfügte Deutschland die
allgemeine Mobilmachung.
Frankreich
sah sich zu einer Reaktion veranlaßt
- und damit war das Feuer außer Kontrolle geraten.
Der Erste Weltkrieg hatte ungeheure Konsequenzen.
Frankreich und Großbritannien waren wirtschaftlich und politisch ausgebrannt, ihre Weltreiche bestanden
noch, erwiesen sich aber eher als Belastung denn als Stütze. Die Reiche
der Österreicher und Türken waren
zerstört. Deutschland war zu einem
kleineren, wirtschaftlich verkümmerten und politisch instabilen Staat
geworden.
Rußland wurde jetzt von
einer marxistisch-leninistischen Führung regiert.
Die unsachgemäße Handhabung des
Friedens nach dem Krieg führte zu ungerechten,
willkürlich
gezogenen
Grenzen und instabilen wirtschaftlichen und militärischen Vereinbarungen. Damit wurde ein Prozeß eingeleitet, der ebenso unweigerlich in
den Zweiten Welkrieg führte, wie dies
bereits vor dem Ersten Weltkrieg der
Fall gewesen war.
Die Vereinigten Staaten gingen
als stärkste Weltmacht aus dem Krieg
hervor.
Aber aufgrund der fehlgeschlagenen Friedensverhandlungen nahmen sie entscheidende zehn Jahre lang
von einer aktiven Rolle in der Weltpolitik Abstand.

Die von Präsident Woodrow Wilson
in seiner Rede im Kongreß am 8. Januar 1918 vorgestellten 14 Punkte versprachen eine Nachkriegzeit mit Einschränkungen und vernünftiger Gerechtigkeit für die überlebenden - Sieger
und Verlierer gleichermaßen - des Ersten Weltkriegs. Aber Wilson wurde
krank, vom Kongreß abgelehnt und von
den Siegermächten in Europa ausmanövriert. Die den Besiegten auferlegten Bedingungen waren so hart und ungerecht, daß sie unweigerlich in eine
wirtschaftliche
Katastrophe
münden
und den Ruf nach Rache laut werden
lassen mußten.
Darüber hinaus lenkte die zehn
Jahre nach dem Krieg ausgebrochene
Große Depression die Aufmerksamkeit
stärker auf Probleme in Wirtschaft
und Handel als auf militärische und
strategische Fragen.
Ein schwacher
Völkerbund kämpfte auf ineffektive
Weise mit gegenwärtigen Weltproblemen, eine langfristige weltpolitische
Strategie lag brach.
Mit dem Aufstieg Hitlers änderte
sich alles.
Nach dem Angriff Stalins auf
Finnland und dem darauf folgenden
Nichtangriffspakt mit Hitler wurde
die Lage schnell für diejenigen hoffnungslos, die sowohl den Zweiten
Weltkrieg
als
auch
ein
HitlerDeutschland mit einer unanfechtbaren
Vorherrschhaft über Westeuropa vermeiden wollten. Sie entchieden sich
für Krieg.
Als Hitlers erster Angriff von
den Russen zurückgeschlagen und eine
Niederlage für ihn und die Briten immer wahrscheinlicher wurde, machten
sich Washington und die anderen Verbündeten mehr Gedanken über den Frieden und die Bedürfnisse der Welt in
der Nachkriegszeit.
Bei der Konferenz von Bretton Woods erarbeiteten
Diplomaten und Wirschaftsexperten die
Grudlagen für eine Weltbank und einen
Internationalen Währungsfonds.
Später wurde ein Allgemeines Zoll- und
Handelsabkommen ausgearbeitet.

�Diese drei Institutionen sollten
Kredite für einen enormen weltweiten
Anstieg von Produktion und Handel gewähren, relative Stabilität schaffen,
damit die Währungen der verschiedenen
Handelsländer und Blöcke konvertierbar wurden und gegen Zölle und Vereinbarungen vorgehen, die mit Hilfe
des Handels einer Ländergruppe gegenüber einer anderen unfaire Vorteile
verschaffen könnten.
Intensive Arbeit wurde bei der
Konferenz von Dumbarton Oaks am Entwurf einer Organisation der Vereinten
Nationen geleistet, die größere Entscheidungsbefugnis
und
mehr
Handlungsspielraum haben sollte als der
Völkerbund.
Um den vom Krieg am meisten zerstörten Ländern beim Wiederaufbau ihrer Fabriken und ihrer Infrastruktur
zu
helfen,
schlug
Außenminister
George Marshall - mit Zustimmung des
Kongresses - ein umfangreiches gemeinsames Programm vor, das der unmittelbaren Notwendigkeit des europäischen
Wiederaufbaus
entgegenkam.
Der Marshallplan übertraf mit seinem
Erfolg alle Erwartungen.
Das schwierigste Problem bestand
darin, herauszufinden, was mit den
besiegten Deutschen, dem japanischen
Kaiser und dem japanischen Volk zu
geschehen hatte.
Es wurde die Meinung vertreten, sie sollten nicht nur
als frühere Feinde, sondern als potentielle künftige Gegner betrachtet
werden und deshalb nicht die Möglichkeit zum Wiederaufbau erhalten. Eine
andere Auffassung besagte, ein Anfang
sollte gemacht werden, um sie wieder
in die Staatengemeinschaft einzugliedern.
Die
unnachgiebigere
Gruppe
siegte in den politischen Kämpfen,
aber im Lauf der Durchfuhrungsphase
war die konstruktivere Gruppe erfolgreich.
Ein Frieden mit Strafmaßnahmen wurde vermieden.
Die amerikanische Nachkriegspolitik durchlief zwei Phasen.
Während
der bis Februar 1947 dauernden Phase

gründete sich diese Politik auf den
Versuch einer Fortsetzung des Kriegsbündnisses mit der Sowjetunion in
Friedenszeiten im Vertrauen darauf,
daß dieses Bündnis die Vereinten Nationen zu den ursprünglich für sie
bestimmten
Aufgaben
zurückzuführen
und dann im Vertrauen darauf, daß
Großbritannien sich wie vor dem Ersten Weltkrieg weiterhin mit den Einzelheiten
der Weltordnung
befassen
würde. Als sich beide Elemente dieses Ansatzes als nicht praktikabel
erwiesen, wurde die zweite Phase der
Nachkriegspolitik
eingeleitet.
Sie
forderte sehr viel mehr Initiative,
Verantwortungsbewußtsein
und
FUhrungskraft von den Vereinigten Staaten.
Im Rahmen dieser überarbeiteten
Politik wurde den Vereinigten Staaten
die Führungsrolle bei der Schaffung
einer neuen Weltordnung zugewiesen.
Diese Ordnung würde politische, wirtschaftliche und militärische Aspekte
umfassen.
Innerhalb dieser Ordnung
hätte jedes Volk und jede Nation einen angemessene Platz, einschließlich
der Sowjetunion und ihren Vasallen,
falls sie sich zur Zusammenarbeit
entschließen.
Sollten die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten jedoch
die Schaffung einer solchen Ordnung
bekämpfen, wäre es Aufgabe der Vereinigten Staaten, den von Aggression
bedrohten Staaten bei der Verteidigung dieser Ordnung Beistand zu leisten.
Bei der Schaffung des neuen Systems wurde der Versuch unternommen,
die entscheidenden Lektionen zu berücksichtigen, die zur Katastrophe
der beiden Weltkriege geführt hatten. Die besiegten ehemaligen Gegner
wurden erneut in die Staatengemeinschaft aufgenommen und erhielten die
Gelegenheit,
ihr
politisches
und
wirtschaftliches Potential voll und
ganz auszuschöpfen.
Die von dem amerikanischen Diplomaten George Kennan
vorgeschlagene
Containment-Politik wurde im Rahmen

- 3-

�eines allgemeinens Systems gemeinsamer Sicherheit auf der Grudlage der
Charta der Vereinten Nationen entwikkelt.
Und als offensichtlich wurde,
daß die Sowjetunion ihre Verpflichtungen gemäß der Charta weder einhalten noch durchführen würde, gründeten
die Vereinigten Staaten und die Mehrzahl der europäischen nichtkommunistischen
Nationen die Organisation
des Nordatlantikvertrags (NATO) zur
Bewahrung ihrer Sicherheit und zum
Aufbau einer militärischen Abschrekkung der sowjetischen Macht.
Dann wurde eine ernsthafte Rüstungskontrollpolitik entwickelt, die
darauf abzielte, mögliche Schwankungen im strukturellen Gefüge der Nuklearstreitkräfte auf der Welt zu beheben oder zu verhindern.
Gemeinsam mit den kontinuierlichen Bereitstellung und Modernisierung
der
Abschreckungsstreitkräfte
haben diese Maßnahmen zu dem beigetragen, was sehr leicht als radikale
Veränderung
des
sicherheitspolitischen Umfelds der Welt in die Geschichte eingehen könnte.
Noch sehr viele neue und schwierige Aufgaben sind zu bewältigen,
aber 50 Jahre später kann die Staatengemeinschaft stolz auf das Ausmaß
sein, in dem sie von den Fehlern und
Versäumnissen der beiden Weltkriege
gelernt hat und eine Wiederholung
wirksam verhindern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^TiaN ^

Wissenschaft und Technik

30. August 1989

17

LETZTE STATION: NEPTUN
- VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem
(AD) - "Die Sonde arbeitet bewundernswert. . .Sie tut genau das, was
wir ihr vorgegeben haben." Norman
Haynes,
Projektmanager
für
das
VOYAGER-Programm der NASA, fand sogar
am 24. August, dem Tag der größten
Annäherung und des Vorbeifluges der
amerikanischen
Forschungssonde
VOYAGER 2 am Planeten Neptun, Zeit
zum Gespräch mit Journalisten. Gespannt verfolgten alle Beobachter im
Jet Propulsion Laboratory (JPL - Pasadena, Kalifornien) den Ablauf der
Begegnung mit Neptun und, fünf Stunden später, mit dessen Mond Triton.
Das Doppel-Rendezvous war die letzte
Station und noch einma] ein Höhepunkt
der schon zwölf Jahre währenden Entdeckungsreise der Sonde zu den Großplaneten unseres Sonnensystems.
Am
20. August 1977 in Kap Canaveral ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

startet, hatte die Route zunächst zu
Jupiter (9.7.1979), weiter zu Saturn
(25.8.1981)
und
dann
zu
Uranus
(24.1.1986) geführt. Wie zuvor schon
VOYAGER 1, PIONEER 10 und PIONEER 11,
wird nun auch VOYAGER 2 das Sonnensystem verlassen.
Etwa sieben Milliarden Kilometer
hatte der Forschungsroboter seit seinem Start zurückgelegt, als er mit
nur 32 km Abweichung vom berechneten
Kurs in 4 860 km Abstand zur Wolkenobergrenze die Nordpolarregion des
Neptun passierte. Unter der vorausberechneten Einwirkung der Gravitationskraft
des
Planeten erfuhr er
gleichzeitig eine Kursänderung nach
Süden, die in den folgenden paar
Stunden die Beobachtung des Mondes
Triton aus ca. 39 800 km Entfernung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ermöglichte. Nie zuvor war die Sonde
einem Ziel ihrer Untersuchungen so
nahe gekommen. Verständlich, daß es
vor allem in der letzten Phase des
Anfluges für die Zeitplanung der
Funkbefehle auf Sekunden ankam - noch
dazu angesichts der Tatsache, daß die
Signale in einer Richtung vier Stunden und sechs Minuten benötigten und
somit bis zu einer Rückmeldung mehr
als acht Stunden vergingen.
Am frühen Morgen des 25. August
1989 verschwand VOYAGER 2 für über
eine Stunde hinter dem Neptun. Als
er aus dem Schatten des Planeten im
Süden wieder hervorkam, war die Erfassung seiner Funksignale während
ihres Durchgangs durch die Atmosphäre
samt den Veränderungen, die sie dabei
erfuhren, von besonderer Bedeutung.
Denn sie ergeben Hinweise auf die Zusammensetzung der Gashülle, in der
wegen der blaugrünen Färbung des im
Fernrohr nur undeutlich zu erkennenden Himmelskörpers u.a. Methan vermutet wird.
Nur wenige Funkmeßdaten wurden
sofort übermittelt. Die Masse ist,
ebenso wie die Daten zu den Programmpunkten "Ringsystem", "Tritonatmosphäre" sowie "Gravitationsfelder von
Neptun und Neptunmond Triton", auf
Band gespeichert, um erst in ein paar
Wochen abgerufen zu werden.
Wie
Prof. G. Leonard Tyler (Stanford-Universität), der Leiter dieser Teilprogramme im VOYAGER-Projekt, sagte,
werde die Ananlyse ohnehin Jahre in
Anspruch nehmen.
Daß auch Neptun ein Ringsystem
besitzt, brachten erst die zwei Tage
vor dem Rendezvous von VOYAGER 2 aufgenommenen Fotos an den Tag. Als erster wurde ein dünner, wohl aus
Staubteilchen bestehender geschlossener Ring in 27 300 km Abstand zur
Wolkenobergrenze entdeckt. Ein zweiter Ring könnte sich 10 000 km weiter
draußen befinden. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht sicher, ob
auch er geschlossen ist, oder ob es
sich um mehrere Ringsegmente handelt.

Bisher war nämlich auf Grund ca.
10 Jahre zurückliegender Fernrohrbeobachtungen beim Durchgang des Neptun
vor einem Stern angenommen worden,
daß sich in seiner Umgebung Materieansammlungen nur in der Form von "Bögen", nicht aber in der Form vollständiger Ringe fänden. Einige solcher "Bögen von fünf bis acht Kilometern Breite sind auf Fotos aus den
letzten 12 Anflugtagen zu erkennen.
Die Segmente, die man möglicherweise
dem äußeren Ring zuordnen kann, finden sich in der Nachbarschaft des von
VOYAGER
2 entdeckten Neptunmondes
"1989 N 4" und enthalten neben Staub
und Eis Materiebrocken recht unterschiedlicher Größe. Der innere Ring
dagegen sei auffallen dunkel, erklärte Dr. Bradford A. Smith, Leiter des
Teams für die Bildauswertung. Er habe Ähnlichkeiten mit den dünnen,
schmalen Ringen, die VOYAGER 2 am
Uranus fand.
Insgesamt sechs neue Monde entdeckte man bisher auf den Nahfotos
vom Neptun. Der erste, "1989 N 1"
benannt, hat 420 km Durchmesser und
umkreist den Planeten 72 800 km von
seinem Zentrum entfernt. "1989 N 4"
zieht 21 000 km tiefer seine Bahn.
"1989 N 5" und "1989 N 6", die erst
auf Fotos der letzten Tage ausgemacht
wurden, sind mit 90 und 50 km Durchmesser recht kleine Körper ca 24 000
und 26 000 km außerhalb der Atmosphäre. Die Bahnen der neuen Trabanten
seien nahezu kreisförmig und ziemlich
regelmäßig, sagte ein Sprecher des
JPL. Da ihre Umlaufebene der Äquatorebene des Planeten entspricht,
dürften sie etwa zur gleichen Zeit
wie Neptun und in dessen Nähe entstanden sein.
Nicht so der Mond Triton.
Er
wurde 1846 entdeckt, also im gleichen
Jahr wie Neptun selbst. Die Wissenschaftler beschäftigt er schon seit
langem, weil er bei 355 000 km Abstand den Planeten rückläufig, d.h.
entgegen dessen Rotationsrichtung umkreist. Seine Bahn ist zum Neptunäquator um 20 Grad geneigt.
Mit
2 784 km Durchmesser ist der blau und

�rosa
schimmernde
Mond
kleiner,
gleichzeitig kälter und heller als
bislang vermutet. Er zeigt deutlich
jahreszeitliche Schwankungen und besitzt eine dünne Atmosphäre, die vermutlich aus Methan und Stickstoff besteht.
Dank VOYAGER 2 konnten die Wissenschaftler in Pasadena durch die
Atmosphäre auf die Oberfläche sehen.
Was sie dort ausmachten, ist geradezu
sensationell:
Gletscher, Felsformationen, Gebirgskämme, flache Krater
mit gefrorenen Rändern, Schnee - auf
der SUdhälfte vermutlich sogar Sumpfland. Aufgrund seiner ungewöhnlichen
Umlaufbahn wird seit langem vermutet,
daß Triton vor Jahrmilliarden in einer ganz anderen Region entstand.
Auf seiner kosmischen Wanderung könnte er mit einem Neptunmond kollidiert
und dann infolge der Massenanziehung
des Planeten von diesem "eingefangen"
worden sein. Sein Auftauchen im Trabantensystem des Neptun dürfte für
die Bahnen der anderen Monde erhebliche Störungen und Veränderungen bedeutet haben. So führen manche Wissenschaftler die stark elliptische
Bahn des Mondes Nereide (1949 entdeckt) mit Scheitelpunkten bei 1,4
Millionen und 9,65 Millionen Kilometern Abstand von Neptun auf dieses
Ereignis zurück. Nereide, ein Körper
von ca. 400 km Durchmesser, umkreist
Neptun in "normaler" Umlaufrichtung,
jedoch in einer Bahnebene mit 30 Grad
Neigung zu dessen Äquator.
Es wird angenommen, daß Triton
durch spätere Kollisionen mit Neptun-Trabanten deren Zahl innerhalb
eines bestimmten Höhenbereichs erheblich reduzierte.
Vermutlich haben
die Materieansammlungen in Neptunnähe
etwas damit zu tun. Die weitere Auswertung der Fotos - ca. 8 000 Aufnahmen wurden gemacht - dürfte noch manche neuen Erkenntnisse bringen.
Der vor fast drei Monaten entdeckte dunkle oder "Blaue Fleck" unterhalb des Neptun-Äquators ist eine
Turbulenzzone von der Ausdehnung des
Erddurchmessers.
Sie ist mit dem

"Roten Fleck" in der Jupiter-Atmosphäre vergleichbar.
Zum ersten Mal
waren jetzt Wissenschaftler auch in
der Lage, Wolkenschatten auf einem
anderen Planeten zu beobachten. Die
unerwarteten Schatten, so Dr. Bradford Smith, stammen von dünnen weißen
Wolken hoch in der Atmosphäre. Die
Region zwischen diesen und der tieferliegenden, ziemlich gleichmäßigen
Wolkendecke sei relativ klar. Eine
solche Struktur der Atmosphäre habe
man noch bei keinem Großplaneten gesehen. Im Auflicht der Sonne war in
der Südpolarregion sogar die Höhendifferenz zu bestimmen, die mit ca.
50 bis 75 km Zwischenraum zwischen
den dünnen cirrusähnlichen Wolken und
der tiefen Wolkenschicht ungewöhnlich
groß ist.
Wie Smith weiter berichtet, rasen
Windströmungen
mit
Überschallgeschwindigkeit um den Planeten. Sie
wurden vor allem nahe dem "Großen
dunklen Felck" beobachtet.
Dabei
scheinen die Scherkräfte so groß zu
sein, daß die Cirrus-Wolken, ähnlich
wie die Wolkenhaube eines Berges
"stillstehen", obgleich sie infolge
rascher Verdunstung fortlaufend durch
neue ersetzt werden. Der Wind blase
mit ca. 200 km pro Minute. Wegen
dieses Effekts sei es bislang nicht
möglich gewesen, die tatsächlichen
Strömungsund Rotationsgeschwindigkeiten am "Dunklen Fleck" in der Tiefe
der Atmosphäre zu ermitteln.
Die
strömungsaktive
Atmosphäre
überrascht die Forscher umso mehr,
als Neptun in 4,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der Sonne nur ein
Tausendstel
der
Sonnenenergiemenge
der Erde erhält.
Offenbar besitzt
der Planet eine noch unbekannte innere Wärmequelle.
Auch registrierte
VOYAGER 2 intensive Emissionen von
Radiostrahlung des Neptun. Sie lassen die Existenz eines Magnetfeldes
ähnlich dem der Erde, vielleicht in
Verbindung mit dem Auftreten von Polarlichtern, vermuten. Solche Felder
entstehen durch die Bewegung flüssiger Massen im Planetenkern.
Auch
Merkur, Jupiter, Saturn und Uranus

- 3 -

�besitzen ein Magnetfeld, Venus und
Mars dagegen nicht. Da das Magnetfeld mit dem Planeten rotiert, dürfte
anhand der Maßdaten jetzt auch die z.
Zt. mit 17 bis 18 Stunden angenommene
Rotationsgeschwindigkeit des Neptun
genauer bestimmt werden können.

grammieren
bestimmter
Bordsysteme
auszuschalten bzw. zu kompensieren.
So haben nicht nur die Forscher, sondern auch die Raumfahrtingenieure aus
dieser "Großen Planetentour" viel gelernt.

Die Wissenschaftler nehmen an,
daß Neptun aus einer inneren Schicht
von Gestein und Eis und einer oberen
Schicht besteht, in der sich vor allem Wasserstoff und Helium finden.
Die Atmosphäre dürfte Wasserstoff und
Methan, vielleicht auch geringe Mengen Stickstoff enthalten. über ihre
Dichte sollen die Radiosignale von
VOYAGER 2 beim Austritt aus dem Neptunschatten Auskunft geben. übrigens
fand die Sonde kurz vor dem Rendezvous neben einer dunklen "Manschette"
um die Südpolregion ein weiteres, im
Vergleich zum "Großen Fleck" jedoch
kleineres Turbulenzzentrum auf der
SUdhalbkugel.
Der äußerste Planet, Pluto, blieb
für VOYAGER außer Sichtweite. Auf
seinem Weg um die Sonne, der für einen Umlauf 247 Jahre in Anspruch
nimmt (Neptun: 165 Jahre), befindet
er sich jetzt in einer weit entfernten Position innerhalb der Neptunbahn. VOYAGER 2 wird sicherlich noch
geraume Zeit Signale senden. Seine
drei thermoelektrischen Generatoren,
die Ihre Energie aus dem natürlichen
radioaktiven Zerfall von Plutonium
238 beziehen, könnten sogar noch 30
Jahre lang arbeiten. Jedoch wird die
Datenaufnahme nicht zuletzt aus Kostengründen reduziert werden.
Nach
Abschluß des Neptun-Projektes wird
das VOYAGER 2 Meßprogramm unter der
Bezeichnung
"VOYAGER
Interstellar
Mission" weitergeführt.
Zwar begannen die Kameras und
manche Sensoren nach zwölf Jahren im
Weltraum gewisse Alterserscheinungen
zu zeigen.
Dennoch blieben ihre
Funktionen erstaunlich gut, wie die
bisherige wissenschaftliche Ausbeute
zeigt. Im Laufe der Jahre aufgetretene
Schwierigkeiten
verschiedener
Ursache versuchte man durch Umpro- 4 -

* * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 30.08.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bushs Glückwünsche an den neuen polnischen Premierminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu Polen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwei Weltkriege und ihre Lehren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul H. Nitze&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Letzte Station: Neptun&lt;br /&gt;&lt;em&gt;VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

34

13. September 1989

•

INHALT

i
DOKUMENTATION

Bush: Drogenbekämpfung muß Im In- und Ausland erfolgen
- Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie Maresca: "Beachtliche Fortschritte" bei VSBM-Gesprächen
- Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation -

HINTERGRUND
Bush; Drogenmißbrauch muß weltweit bekämpft werden
- Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten Bush steht voll und ganz hinter dem Zeitplan für KSE-Phase I
- Interview mit KSE-Chefunterhändler Ledogar -

Ostblock akzeptiert NATO-Zeitplan für KSE
- Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den
KSE-Verhandlungen -

Die Verbreitung chemischer Waffen
- Eine Übersicht -

* * * * *

Eine Amerikadienst-Ausgabe Nr. 32 ist nicht erschienen. Auf Nr. 31
folgt also unmittelbar Nr. 33. Wir bitten um Verständnis.

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

34

13. September 1989
BUSH:

DROGENBEKÄMPFUNG MUSS IM IN- UND AUSLAND ERFOLGEN

- Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie -

WASHINGTON - (AD) - Indem er das Drogenproblem als die gravierendste Bedrohung der Vereinigten Staaten in der heutigen Zeit brandmarkte, umriß Präsident Bush am 5. September 1989 eine vier Punkte umfassende Strategie zur Bekämpfung des Drogenhandels und -konsums in den Vereinigten Staaten und "jenseits unserer Grenzen, wo das Kokain und Crack angebaut und weiterverarbeitet
wird, das auf den Straßen Amerikas gekauft wird".
In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erörterte Bush eine
FünfJahresstrategie, die "gelegentlichem Drogenkonsum überhaupt kein Verständnis entgegenbringt" und die Verpflichtung zu Hilfsleistungen der Vereinigten
Staaten "an die bedrängten Regierungen" der Drogen produzierenden Staaten enthält, die versuchen "die internationale Drogenmafia zu zerschlagen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Seitdem ich meinen Amtseid geleistet habe, hatte ich jetzt zum ersten
Mal das Gefühl, ein Problem sei von
solcher Brisanz und so bedrohlich,
daß ich beschlossen habe, mich direkt
an Sie - die Bürger der Vereinigten
Staaten - zu wenden. Wir sind uns
alle einig, daß die gravierendste Bedrohung, mit der sich unsere Nation
im Inland heute konfrontiert sieht,
das Drogenproblem ist.
Drogen haben unseren Glauben an
unser Justizsystem erschüttert. Unsere Gerichte, unsere Gefängnisse,
unser Rechtssystem stehen kurz vor
dem Zusammenbruch. Aufgrund des Drogenproblems schnellen die Soziallasten in die Höhe. Kurzum: Drogen
zehren am Lebensnerv der Nation.

Schaltet man die Abendnachrichten
ein oder schlägt die Morgenzeitung
auf, so sieht man, womit einige Amerikaner bestens vertraut sind, wenn
sie nur einen Schritt vor die Tür machen:
Unser ernsthaftestes Problem
heute ist Kokain und insbesondere
Crack.
War ist verantwortlich.
es Ihnen geradeheraus sagen.

Ich will

Jeder, der Drogen nimmt.
Jeder, der Drogen verkauft.
Und jeder, der die Augen vor dem
Problem verschließt.
Heute abend werde ich Ihnen aufzählen, wie viele Amerikaner Drogen

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�nehmen. Ich werde Ihnen unsere nationale Strategie erläutern, mit der
wir jeden Aspekt dieser Bedrohung bewältigen wollen. Und ich werde Sie
bitten, sich für das zu engagieren,
was ein sehr schwerer Kampf zu werden
verspricht.
Das ist Crack-Kokain, das vor einigen Tagen von Agenten der Drogenbekämpfungsbehörde
(Diug
Enforcement
Administration, DEA) in einem Park
gegenüber dem Weißen Haus beschlagnahmt wurde. Es hätte genausogut Heroin oder PCP sein können. Es sieht
so unverfänglich aus wie Bonbons,
aber es verwandelt unsere Städte in
Schlachtfelder und ermordet unsere
Kinder. Damit wir uns nicht falsch
verstehen:
Dieser Stoff ist Gift.
Manche haben Drogen als harmloses
Freizeitvergnügen
bezeichnet.
Das
sind sie nicht. Drogen sind eine reale und entsetzlich gefährliche Bedrohung unserer Nachbarschaft, unsere
Freunde und unserer Familien.
Keiner von uns ist in Sicherheit.
Wenn
Vierjährige auf Spielplätzen
spielen, die mit Spritzen und Crackampullen übersät sind - es bricht mir
das Herz. Wenn Kokain - eine der
töd]ichsten und
süchtig machenden
Drogen - Schulkindern zur Verfügung
steht - Schulkindern - so ist das empörend. Und wenn jedes Jahr Hunderttausende von Babies zur Welt kommen,
deren Mütter drogenabhängig sind
Frühgeburten, die unheilbar krank geboren werden - dann sind selbst die
hilflosesten unter uns in Gefahr.
Das sind die Schicksale hinter
der Statistik. Aber auch die Zahlen
sprechen für sich selbst. Ich möchte
Ihnen die Ergebnisse einer kürzlich
erstellten Meinungsumfrage des Bundesinstituts für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) vorlegen.
Sie stellt einen Vergleich
zwischen dem Drogenkonsum heute und
vor drei Jahren an. Sie teilt uns
einige gute Nachrichten und einige
sehr schlechte Nachrichten mit. Zuerst die gute Nachricht.

Wie Sie der graphischen Darstellung entnehmen können, schätzte die
Regierung im Jahr 1985, daß 23 Millionen Amerikaner "gewohnheitsmäßig"
Drogen einnahmen - das heißt, mindestens einmal im vorausgegangenen Monat. Letztes Jahr verringerte sich
diese Zahl um über ein Drittel. Das
bedeutet, nahezu 9 Millionen weniger
Amerikaner sind gelegentliche Drogenkonsumenten. Gute Nachrichten.
Weil wir unsere Einstellung im
Inland gegenüber Drogen geändert haben, hat der gelegentliche Drogenkonsum abgenommen. Wir haben vielen zu
danken: Unseren mutigen Polizeibeamten, Kirchenführern, Lehrern,
Gemeindevertretern sowie Unternehmern
und Gewerkschaftsfunktionären.
Darüber hinaus sollten wir auch den Medien für ihre umfassende Berichterstattung und Kommentare sowie ihre
Sendezeit und den Raum danken, den
sie den Aufklärungskampagnen über
Drogenmißbrauch gewidmet haben. Und
schließlich
möchte
ich
Präsident
Reagan und seiner Frau meinen Dank
dafür aussprechen, daß sie diese Kampagne in die Wege geleitet haben.
Sie alle haben die Wahrheit gesprochen - Drogenkonsum ist falsch und
gefährlich.
Aber so sehr wir angesichts dieser positiven Bilanz beruhigt sein
könnten, es gibt auch schlechte Nachrichten - sehr schlechte Nachrichten.
Rund 8 Millionen Menschen haben im
vergangenen
Jahr Kokain genommen,
fast 1 Million hat e3 häufig, einmal
pro Woche oder öfter konsumiert.
Das bedeutet, trotz der Tatsache,
daß der Kokainkonsum insgesamt gesunken ist, hat sich der häufige Konsum
in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt. Und aus diesem Grund sind
die gewohnheitsmäßigen Kokainkonsumenten - insbesondere Crackkonsumenten - das vordringlichste Drogenproblem.
Wie also lautet unser Plan? Zunächst verlasse ich mich auf das, was
die Erfahrung lehrt: Keine isolierte

�Maßnahme wird zu einer Abnahme des
Drogenkonsums führen, so spektakulär
oder magisch sie auch klingen mag.
Um den Kampf gegen abhängig machende
Drogen wie Crack gewinnen zu können,
benötigen wir mehr als eine Strategie
auf Bundesebene.
Wir brauchen eine
landesweite Strategie, eine, die jede
Schule, jeden Arbeitsplatz erreicht
und jede Familie einbezieht.
Heute habe ich dieses Dokument,
unsere erste nationale Strategie an
den Kongreß weitergeleitet. Sie wurde dank der intensiven Arbeit unseres
ersten Direktors für Drogenbekäinpfungsmaßnahmen, Bill Bennett, entwikkelt. Während der Erarbeitung dieses
Plans haben wir Gepräche mit Vertretern der Bundesregierung, Einzel Staaten und Gemeinden, Polizeibeamten und
Fachleuten für Bildungswesen, Prävention urd Rehabilitation geführt. Wir
haben mit Eltern und Kindern gesprochen. Wir haben alles, was die Bundesregierung in der Vergangenheit gegen Drogen unternommen hat, einer genauen
Überprüfung
unterzogen:
Was
funktioniert hat und - um ehrlich zu
sein - was schiefgelaufen ist.
Zu
häufig haben die Verantwortlichen in
der Regierung getan, als ob ihr Teil
des Problems - sei es die Bekämpfung
der
Drogenproduktion,
des
Drogenschmuggels oder der Nachfrage nach
Drogen - das einzige Problem sei.
Aber mit Einzelkämpfen wird dieser
Krieg nicht gewonnen, sondern nur in
Gemeinschaftsarbeit.
Heute
abend
kündige
Ich
eine
Strategie an, in der das koordinierte, gemeinsame Engagenment aller Bundesbehörden ihren Niederschlag gefunden hat. Mit anderen Worten: Dieser
Plan ist so umfassend wie das Problem
selbst.
Mit dieser Strategie haben
wir endlich einen Plan an der Hand,
der unsere Ressourcen, unsere Programme und die Menschen koordiniert,
die sie durchführen.
Unsere Waffen in dieser Strategie
sind:
Das
Rechtssystem
und
die
Strafgerichtsbarkeit, unsere Außenpolitik,
unsere
Behandlungsprogramme

sowie unsere Schulen und Präventivprogramme. Die wichtigsten erforderlichen Waffen haben wir also bereits
zur Hand.
Vvas bisher gefehlt hat,
war eine Strategie für Ihren wirksamen Einsatz.
Ich möchte die vier Hauptelemente
unserer Strategie umreißen.
Erstens sind wir zur Durchsetzung
der Gesetze entschlossen, um unsere Straßen
und die Nachbarschaft sicher zu machen. Für den
Anfang schlage ich daher vor, daß
wir die staatliche Unterstützung
für die Strafverfolgung auf Einzelstaaten- und
Gemeindeebene
mehr als verdoppeln.
Amerikaner
haben ein Recht auf Sicherhett in
ihrem Heim und ihrer Umgebung.
Nur wenn wir hart gegen Drogenkriminelle vorgehen - viel härter als
bisher - werden wir eine sichere
Nachbarschaft haben. In manchen Fällen bedeutet dies härtere Strafen.
Aber sehr viel häufiger bedeutet es
nur gerechte und sichere Strafe. Wir
haben alle Geschichten über Drogenhändler gehört, die - wieder und wieder - geschnappt und verhaftet, aber
niemals bestraft werden. Nun, jetzt
haben die Zeiten sich geändert: Wenn
Sie Drogen verkaufen, werden Sie geschnappt.
Und wenn Sie geschnappt
werden, folgt die Anklage. Und wenn
Sie einmal verurteilt sind, werden
Sie Ihre Zeit absitzen. Geschnappt.
Angeklagt. Bestraft.
Darüber hinaus schlage ich vor,
daß wir unsere Strafgerichtsbarkeit
auf allen Ebenen erweitern - auf der
Ebene der Gemeinden, Einzelstaaten
und der Bundesregierung gleichermassen. Wir brauchen mehr Gefängnisse,
mehr Zuchthäuser, mehr Gerichte, mehr
Anklagevertreter.
Aus diesem Grund
bitte ich heute abend um die Aufstokkung der drogenbezogenen Bundesausgaben für Strafverfolgungsmaßnahmen in
Höhe von nahezu 1,5 Milliarden Dollar.
Obwohl wir mit illegalem Drogenkonsum in praktisch jeder Gemeinde

- 3 -

�konfrontiert sind, ist es nirgendwo
schlimmer als in unseren Sozialwohnungen. Wir alle wissen, die Armen
haben es in dieser Welt niemals
leicht gehabt.
Aber bisher wurden
sie auf ihrem Heimweg von der Arbeit
wenigstens nicht überfallen und ausgeraubt. Und ihre Kinder mußten sich
auf dem Schulweg nicht vor Kugeln
ducken. Aus diesem Grund veranschlage ich 50 Millionen Dollar für die
Verbrechensbekämpfung
in
sozialen
Wohnungsbauprojekten - die dazu beitragen sollen, die Ordnung wiederherzustellen und die Drogenhändler für
immer zu vertreiben.
Das zweite Element unserer Strategie ist grenzüberschreitend und
hat die Länder zum Ziel, in denen
das Kokain und Crack angebaut und
weiterverarbeitet wird, das auf
den
Straßen
Amerikas
gekauft
wird. Allein in Kolumbien haben
vom Kokainkartell gedungene Mörder einen führenden Staatsmann
erschossen, fast 200 Richter und
sieben Mitglieder des Obersten
Bundesgerichts ermordet. Die bedrängten Regierungen der Drogen
produzierenden
Länder
schlagen
zurück und kämpfen für die Zerschlagung
der
internationalen
Drogenmafia.
Sicherlich stimmen
Sie wie auch ich dem mutigen
Staatspräsidenten von Kolumbien,
Virgilio Barco, zu, der erklärt
hat, wenn Amerikaner Kokain nehmen, dann bezahlen die Amerikaner
für Mord. Die amerikanischen Kokainkonsumenten müssen begreifen,
daß unser Land dem gelegentlichen
Drogenkonsum überhaupt kein Verständnis
entgegenbringt.
Wir
tragen die Verantwortung, unsere
mutigen Freunde in Kolumbien in
ihrem Kampf nicht im Stich zu
lassen.
Die vor zwei Wochen angekündigten
65 Millionen Dollar an Soforthilfe
waren nur ein erster Schritt bei der
Unterstützung der Andenstaaten in ihrem Kampf gegen die Kokainkartelle.
Kolumbien
hat bereits Lieferanten
verhaftet, Tonnen von Kokain be-

scnlagnahmt und palastähnliche Häuser
der Drogenkönige konfisziert.
Aber
Kolumbien siebt sich einem langen,
harten Kampf gegenüber, und deshalb
müssen wir bereit sein, noch mehr zu
tun.
Im Rahmen unserer Strategie werden für nächstes Jahr über 250 Millionen Dollar an Militärhilfe und polizeiliche Unterstützung für die drei
Andenstaaten Kolumbien, Bolivien und
Peru zur Verfügung gestellt. Das ist
der erste Teil unseres Fünfjahresprogramms, das sich auf 2 Milliarden
Dollar beläuft und die Bekämpfung der
Produzenten, Händler und Schmuggler
zu Ziel hat.
In der vergangenen Woche hatte
ich eine Unterredung mit Präsident
Barco und wir hoffen, mit den Regierungschefs der betroffenen Länder einen in der Geschichte bisher einmaligen Drogengipfel abzuhalten, zur Koordinierung einer interamerikanischen
Strategie zur Bekämpfung der Kartelle. Wir werden mit unseren Verbündeten und Freunden zusammenarbeiten insbesondere mit den Teilnehmern am
Wirtschaftsgipfel - um mehr im Kampf
gegen Drogen zu tun. Ferner werde
ich den Senat bitten, die im Dezember
vergangenen
Jahres
verabschiedete
Drogenkonvention der Vereinten Nationen zu ratifizieren.
Um den Drogenfluß auf dem Weg in
die Vereinigten Staaten zu unterbinden, schlage ich über 1,5 Milliarden
Dollar für Abfangmaßnahmen vor. Bessere behördenübergreifende Zusammenarbeit kann zusammen mit modernsten
nachrichtendienstlichen Erkenntnissen
und der Technologie des amerikanischen Verteidigungsministeriums dazu
beitragen, die Drogen an unseren
Grenzen aufzuhalten.
Unsere Botschaft an die Drogenkartelle lautet:
Die Zeiten haben
sich geändert. Wir werden jeder Regierung helfen, die unsere Hilfe
wünscht. Auf Wunsch werden wir zum
ersten Mal die geeigneten Mittel der
amerikanischen Streitkräfte zur Ver-

�fügung stellen. Wir werden unseren
Kampf gegen Drogenschmuggler auf hoher See, Im internationalen Luftraum
und an unseren Grenzen intensivieren.
Wir werden den Fluß von Chemikalien
aus den Vereinigten Staaten unterbinden, die zur Weiterverarbeitung von
Drogen verwendet werden. Wir werden
internationale
Abkommen
erarbeiten
und durchsetzen, mit denen die Drogendollar bis zu den obersten Bossen
und Geldgebern zurückverfolgt werden
können. Und dann werden wir diesen
Geldwäschern Handschellen anlegen und
sie hinter Gitter bringen - genau wie
jeden Drogenhändler auf der Straße.
Und für die Drogenbosse die Todesstrafe.
Der dritte Teil unserer Strategie
befaßt sich mit der Behandlung
Drogenabhängiger.
Experten zufolge gibt es zwei Millionen Drogenabhängige in den Vereinigten
Staaten, die mit geeigneter Behandlung von der Droge loskommen
können. Gegenwärtig erhalten jedoch nur 40 Prozent wirklich Hilfe. Das ist einfach nicht genug.
Viele, die Behandlung nötig hätten, kümmern sich nicht aus eigenem
Antrieb darum, und einige, die sich
darum bemühen, werden auf Wartelisten
gesetzt. Die meisten Programme wurden für Heroinabhängige entworfen,
aber heute sind die Kokainkonsumenten
das Hauptproblem.
Es ist an der
Zeit, daß wir unsere Behandlungssysteme ausweiten und denjenigen, die
es nötig haben, mehr solcher Hilfen
bereitstellen.
Ich schlage deshalb
heute abend Mehrausgaben des Bundes
von 321 Millionen Dollar für die Behandlung Drogenabhängiger vor.
Mit dieser Strategie werden wir
mehr leisten.
Wir werden mit den
Einzelstaaten zusammenarbeiten.
Wir
werden die Unternehmer ermutigen,
Hilfsprogramme für ihre Beschäftigten
einzurichten, um den Drogenkonsum zu
bekämpfen.
Weil Drogenabhängigkeit
ein solch grausames Erbe ist, werden
wir darüber hinaus die Suche nach
Möglichkeiten intensivieren, um dro-

genabhängigen
helfen.

werdenden

Müttern

zu

Viertens müssen wir den Drogenkonsum verhindern noch bevor er
beginnt. Leider beginnt er schon
früh - bei vielen Kindern schon
vor dem Teenageralter.
Er beginnt jedoch nicht so, wie Sie
vielleicht denken mögen, durch
einen Dealer oder einen Süchtigen, der um den Schulhof herumlungert.
Noch häufiger kommen
unsere Kinder zum ersten Mal
durch Freunde oder durch ältere
Geschwister mit Drogen in Kontakt. Anpassungsdruck trägt zur
Verbreitung
des
Drogenkonsums
bei.
Anpassungsdruck kann auch
dazu beitragen, ihn zu stoppen.
Ich schlage eine Aufstockung der
Bundesmittel für Präventionsprogramme
in Schulen und Gemeinden um 250 Millionen Dollar vor, mit denen jungen
Menschen und Erwachsenen geholfen
werden kann, den Verlockungen zum
Ausprobieren von Drogen zu widerstehen. Darüber hinaus schlage ich noch
etwas vor. Jede Schule, jedes College und jede Universität - und jede
Arbeitsstätte - müssen im Hinblick
auf den Drogenkonsum von Schülern,
Studenten und Arbeitnehmern harte,
aber faire Maßnahmen ergreifen. Diejenigen, die keinerlei Maßnahmen dieser Art einleiten, werden kein Bundesmittel mehr erhalten. Punkt.
Auch dem Privatsektor kommt eine
Rolle zu. Ich habe mit einem Unternehmer namens Jim Burke gesprochen,
der erklärte, er werde von dem Gedanken - eigentlich einem Alptraum
verfolgt, daß irgendwo in den Vereinigten Staaten zu jedem beliebigen
Zeitpunkt ein Mädchen im Teenageralter, das eigentlich in der Schule
sein sollte, stattdessen ein kokainsüchtiges Kind gebärt. Jim hat deshalb gehandelt. Er stellte sich an
die Spitze einer aus privaten Mitteln
finanzierten Partnerschaft zur Drogenbekämpfung, um mit Werbe- und Medienfirmen zusammenzuarbeiten.
Ihre
Partnerschaft ist heute entschlossen,

- 5 -

�mit unserer Strategie zusammenzuarbeiten, indem sie Aufklärungskampagnen im Wert von einer Million Dollar
pro Tag - und das für jeden Tag in
den nächsten drei Jahren - produziert, also eine Milliarde Dollar an
Werbung zur Förderung des Feldzugs
gegen Drogen bereitstellt.

verwirklicht werden - und zwar sofort. Das nächste Haushaltsjahr beginnt in nur 26 Tagen. Ich bitte also heute abend den Kongreß, der uns
bei der Formulierung dieser Strategie
unterstützt hat, uns bei seiner unmittelbaren Verwirklichung zu helfen.
Wir können diesen Kampf gegen
Drogen bezahlen ohne Steuern zu erhöhen oder das Haushaltsdefizit zu vergrößern. Wir haben dem Kongreß unseren Plan zugeleitet, der aufzeigt,
wie er in den Grenzen unserer überparteilichen Haushaltsvereinbarung zu
finanzieren ist.

Als Präsident besteht eine meiner
vornehmsten Pflichten darin, die Aufmerksamkeit der Nation weiter auf unsere Offensive gegen Drogen zu lenken. Ich werde also nächste Woche in
einer besonderen Fernsehansprache den
Feldzug gegen Drogen in die Klassenzimmer tragen und hoffe, daß er jede
Schule und jeden jungen Amerikaner
erreichen wird. Die Erziehung gegen
Drogen beginnt jedoch nicht im Klassenzimmer oder vor dem Fernseher.
Sie muß zu Hause und in der Nachbarschaft beginnen. Eltern und Familien
müssen ein Beispiel für ein drogenfreies Leben geben. Und wenn Familien
auseinanderbrechen,
müssen
Freunde und Nachbarn helfen.

Ich weiß, daß manch einer trotzdem sagen wird, wir gäben nicht genug
aus.
Aber diejenigen, die unsere
Strategie nur nach deren Kosten beurteilen, verstehen einfach das Problem
nicht. Täuschen wir uns nicht: Wir
alle haben in der Vergangenheit gesehen, daß unsere schwierigsten Probleme mit Geld allein nicht zu lösen
sind.

Dies sind die wichtigsten Elemente unserer Strategie zur Drogenbekämpfung. Sie alle sind darauf ausgerichtet, sich gegenseitig zu verstärken und ein umfassendes Ganzes zu
ergeben, um das Problem an allen Ekken und Enden energisch zu bekämpfen.
Dies ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, daß wir eine
wirklich umfassende Strategie haben.

Unsere Strategie benötigt diese
Mittel, um durchschlagend und wirksam
zu sein. Es gibt jedoch nichts, was
mit einem vereinten Amerika, einem
entschlossenen Amerika und einem zornigen Amerika vergleichbar wäre. Unsere Wut über Drogen vereint uns,
schweißt uns in diesem einen Aktionsplan zusammen, einem Angriff an allen
Fronten.

Wie Sie sich denken können, ist
ein solcher Ansatz nicht billig. Im
vergangenen Februar habe ich im Drogenbudget für das kommende Jahr einen
Zuwachs von 700 Millionen Dollar beantragt. In den letzten sechs Monaten sorgfältiger Untersuchungen haben
wir einen unmittelbaren Bedarf von
weiteren 1,5 Milliarden Dollar festgestellt.
Mit diesen zusätzlichen
2,2 Milliarden Dollar wird unser Drogenbudget im Jahr 1990 nahezu 8 Milliarden Dollar erreichen - dies ist
der stärkste Zuwachs in unserer Geschichte.

Dies ist die schwerste innenpolitische Herausforderung seit Jahrzehnten, und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen - nicht als Demokraten oder Republikaner, als Liberale oder Konservative, sondern als
Amerikaner. Der Schlüssel liegt in
einer koordinierten, gemeinsamen Anstrengung. Wir haben auf den Antrag
des Kongresses zur Erstellung der ersten nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung aufrichtig reagiert. Ich
werde mich auf die führende Rolle und
die überparteiliche Unterstützung der
demokratischen Mehrheit und unserer
republikanischen Abgeordneten im Kongreß stützen. Unsere Mitbürger ver-

Dieses

Programm

muß

vollständig

�dienen Zusammenarbeit, nicht Konkurrenz, eine nationale Anstrengung,
keinen Parteienstreit.

auf dem Spiel.

Um einen Anfang zu machen, muß
der Kongreß nicht nur zu dieser nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung handeln, sondern auch zu unserem
Paket zur Verbrechensbekämpfung vom
letzten Mai. Mit diesem Paket sollen
Strafen verschärft, die Strafverfolgung verstärkt und 24 000 neue Gefängnisplätze geschaffen werden.

Vor nicht allzu langer Zeit las
ich in einer Zeitung die Geschichte
über einen kleinen Jungen namens
Dooney, der bis vor kurzem in einem
Crack-Haus in einem Vorort von Washington labte. In Dooneys Nachbarschaft zucken Kinder beim Geräusch
von Schüssen nicht zusammen, und wenn
sie spielen, tun sie so, als verkauften sie einander kleine weiße Steine,
die sie Crack nennen.

Sie und ich wissen, daß die Bundesregierung dies nicht allein bewältigen kann. Die Einzelstaaten müssen
schärfere Bundesgesetze durch schärfere Staatsgesetze ergänzen - die Bestimmungen für Kautionen, Bewährung,
Hafturlaub und Verurteilungen verschärfen.

Das Leben Zuhause war so grausam,
daß Dooney seine Lehrer bat, auf dem
Boden der Schule schlafen zu dürfen.
Und als man ihn nach der Zukunft
fragte, erwiderte der sechsjährige
Dooney:
"Ich möchte keine Drogen
verkaufen, aber wahrscheinlich muß
ich es tun."

Wir benötigen Ihre Hilfe. Wenn
Menschen in Ihrem Bekanntenkreis Drogen nehmen, helfen Sie Ihnen, davon
loszukommen. Wenn Sie Eltern sind,
sprechen Sie mit Ihren Kindern über
Drogen - noch heute abend.

Nun, Dooney muß keine Drogen verkaufen. Kein Kind in den Vereinigten
Staaten soll so leben müssen. Zusammen, als Volk, können wir diese Kinder retten. Wir haben bereits die
nationale Einstellung der Toleranz in
eine Haltung der Verurteilung verändert. Aber der Krieg gegen Drogen
wird nur nach hartem Kampf gewonnen
werden, Nachbarschaft
um Nachbarschaft, Häuserblock um Häuserblock,
Kind um Kind.

Rufen Sie Ihre lokale Beratungsstelle an. Seien Sie ein großer Bruder oder eine große Schwester für ein
Kind in Not. Beteiligen Sie sich an
Ihrem
nachbarschaftlichen
Uberwachungsprogramm.
Ob Sie Ihre Zeit
oder Ihre Talente einbringen, jeder
zählt.
Jedes Unternehmen, das Drogen vom
Arbeitsplatz verbannt.
Jede Schule, die hart gegen Drogenkonsum vorgeht.
Jede Nachbarschaft, in der Drogen
nicht willkommen sind.

Wenn wir diesen Krieg als geteilte Nation führen, dann haben wir ihn
schon verloren. Aber wenn wir diesem
Unheil als vereinte Nation entgegentreten, wird es nichts als eine Handvoll nutzloser Chemikalien darstellen.
Sieg. Sieg über die Drogen ist
unser Anliegen, eine gerechte Sache,
und mit Ihrer Hilfe werden wir gewinnen.

Am wichtigsten jedoch ist jeder
von Ihnen, der sich weigert, wegzusehen. Jeder von Ihnen zählt.
Natürlich werden für einen Sieg
harte Arbeit und Zeit erforderlich
sein. Aber zusammen werden wir gewinnen - zu viele junge Leben stehen
- 7 -

*****

�^°^&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

34

13. September 1989
MARESCA:

"BEACHTLICHE FORTSCHRITTE" BEI VSBM-GESPRÄCHEN

- Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation -

WIEN - (AD) - Bei den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) sind bereits "beachtliche Fortschritte" erzielt worden,
erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter John Maresca,
bei der Eröffnung der dritten Verhandlungsrunde am 8. September 1989 in Wien.
Was die VSBM-Gespräche erreicht haben, hat auch "maßgeblichen und positi- ven
Einfluß auf die Rüstungskontrolle insgesamt gehabt", fügte Maresca hinzu. Dem
Botschafter zufolge können die Verhandlungen jetzt "sehr wohl Fortschritte
machen, aber frühzeitige positive Schlußfolgerungen können nur gezogen werden,
wenn Vorschläge, bei denen voraussichtliche kein Konsens erzielt werden kann,
ausgeklammert werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Maresca im
Wortlaut.

Wie die anderen Redner am heutigen Vormittag möchte auch ich die Befriedigung meiner Delegation zum Ausdruck bringen, zur Eröffnung dieser
dritten Verhandlungsrunde wieder in
Wien sein zu können. Wir sehen weiteren fruchtbaren Sitzungen und der
engen Zusammenarbeit mit Ihnen allen
gerne entgegen.
Herr Vorsitzender, während der
Sommerpause bin ich zu Konsultationen
nach Washington zurückgekehrt.
In
den Gesprächen mit hochrangigen Vertretern des Weißen Hauses, des Aussen- und
Verteidigungsministeriums
sowie anderen Regierungsinstitutionen
habe ich von den beachtlichen Fortschritten berichtet, die wir bei diesen Verhandlungen bisher verzeichnen
konnten. Bei meinen Gesprächen habe

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ich den Eindruck gewonnen, daß Washington den VSBM-Verhandlungen zunehmende Bedeutung beimißt.
Die
politisch
Verantwortlichen
meines Landes sind sich der besonderen Bedeutung von Rüstungskontrolle
bei den im Rahmen der KSZE geführten
Verhandlungen voll und ganz bewußt.
Es wird immer deutlicher, daß die zunächst bei den 35 KSZE-Teilnehmerstaaten verzeichneten Erfolge auch
maßgeblichen und positiven Einfluß
auf die Rüstungskontrolle insgesamt
gehabt haben. Helsinki hat die Tür
zur Beobachtung von Übungen geöffnet.
In Madrid wurde zum ersten Mal Einigung über die Zone vom Atlantik bis
zum Ural erzielt. In Stockholm wurde
das Konzept von Ad-hoc-Inspektionen
verabschiedet.
Diese Entwicklungen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�haben den Weg zu Fortschritten in anderen Bereichen der Rüstungskontrolle
geebnet.
1

Es liegt für mich auf der Hand,
daß diese Vorreiterfunktion auch Einfluß auf die Wiener Verhandlungen gehabt hat. Der reguläre Austausch militärischer Informationen hat meiner
Ansicht nach jetzt auch Eingang in
dieses Forum gefunden. Dies stellt
einen wichtigen Schritt nach vorne
dar, der ausschließlich positive Auswirkungen auf das gesamte Spektrum
der derzeit stattfindenden Rüstungskontrollgespräche haben wird. Natürlich haben wir uns noch nicht auf alle Einzelheiten des Informationsaustauschs geeinigt. Eine Herausforderung liegt in der Erarbeitung eines
Konsenses zu den unterschiedlichen
Ansätzen, die in dem westlichen Vorschlag, dem inoffizellen polnischen
Papier des vergangenen Sommers und
dem von den neutralen und blockfreien
Delegationen unterbreiteten Vorschlag
enthalten sind. Meines Erachtens ist
jedoch mit der grundsätzlichen Zustimmung zu einem solchen Austausch
bereits ein Durchbruch erzielt worden.
Es gibt noch einen anderen Bereich, in dem diese Verhandlungsrunde
den Weg nach vorne weist - und der
besteht in der vorgeschlagenen Erörterung der jeweiligen Militärdoktrin
in Form eines Seminars. Auch hier
scheint sich umfassende Zustimmung
zum Konzept eines solchen Seminars
abzuzeichnen. Ich habe den Eindruck,
daß die Ad-hoc-Arbeitsgruppe, die mit
der Vorbereitung dieses Seminars befaßt ist, jetzt zu einer sachlichen
Erörterung der Tagesordnung und Modalitäten für diese Veranstaltung in
der Lage ist. Wenn unsere Bestrebungen erfolgreich sind, wird diese Verhandlungsrunde zum ersten Informationsaustausch über Militärdoktrin zwischen den jeweiligen Regierungen führen, der je stattgefunden hat. Dialog ist insbesondere in der heutigen
Zeit von vorrangiger Bedeutung und
meine Delegation würde in der Zustimmung zu einem solchen Seminar eine
Errungenschaft von beachtlicher mög- 2

licher Tragweite sehen.
Zusätzlich zu den beeindruckenden
Fortschritten im Hinblick auf den Informationsaustausch und das Seminar
zur Militärdoktrin konnten auch in
anderen Bereichen bedeutende Fortschritte verzeichnet werden.
Unter
der generellen Bezeichnung "Verbesserungen der Stockholmer Maßnahmen" haben sich einige Gemeinsamkeiten abgezeichnet. Es scheint sich jetzt die
umfassende Zustimmung zu dem Gedanken
abzuzeichnen, daß unser Schlußdokument eine Reihe von Verbesserungen
der Stockholmer Maßnahmen enthalten
sollte, die unserer einhelligen Meinung nach zur besseren Verwirklichung
eines Dokuments führen werden, das
bereits als Erfolg der Rüstungskontrolle eingestuft worden ist. Auch
diese Bereiche scheinen reif für weitere Fortschritte im Verlauf dieser
Verhandlungsrunde.
Herr Vorsitzender, bei diesen
Verhandlungen können jetzt sehr wohl
Fortschritte
erzielt werden.
Wir
müssen jedoch auch realistisch sein.
Die Gemeinsamkeiten, die sich in den
ersten beiden Verhandlungsrunden abgezeichnet haben, können nur zu frühzeitigen positiven Schlußfolgerungen
führen, wenn Vorschläge, bei denen
voraussichtlich kein Konsens erzielt
werden kann, ausgeklammert werden.
Das ist zweifelsohne die schwierigste
- wenn nicht sogar schmerzlichste Aufgabe, mit der wir uns konfrontiert
sehen, aber ein Sondierungsprozeß ist
unabdingbar und wir werden uns ihm
stellen.
Meine Delegation ist zur
Zusammenarbeit mit Ihnen allen bereit, um diese Gespräche auf der
Grundlage eines Konsenses voranzubringen. Das ist unser gemeinsames
Ziel für Runde III.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

13. September 1989

34

BUSH: DROGENKONSUM MUSS WELTWEIT BEKÄMPFT WERDEN
Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Formulierung einer amerikanischen Strategie
zur Bekämpfung der weltweiten Verbreitung von Drogen sind Präsident Bush zufolge Programme unabdingbar, mit denen andere Länder zum Kampf gegen die Herstellung und den Handel mit Drogen auf internationaler Ebene ermutigt werden
sollen. In seinem Strategiepapier zur nationalen Drogenbekämpfung betonte
Bush am 5. September 1989, daß die Vereinigten Staaten die Kosten und Verantwortung für die Drogenbekämpfung nicht alleine tragen könnten. Aus diesem
Grund, so Bush, "muß ein Eckpfeiler unserer internationalen Drogenpolitik die
Entschlossenheit sein, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und sie zur Mobilisierung ihrer Ressourcen im Kampf gegen den Drogenschmuggel zu ermutigen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Teil des Strategiepapiers des Präsidenten, der sich mit internationalen Belangen befaßt, im Wortlaut.
Internationale Prioritäten
Zerschlagung
Drogenmafia.
-

und

Auflösung

Nachrichtenerfassung gegründet.
der

Verringerter
Kokainnachschub.
Den drei Kokain produzierenden
Andenstaaten wird Hilfe bei der
Strafverfolgung sowie militärische und wirtschaftliche Unterstützung gewährt, um die wichtigsten Koka-Anbaugebiete zu isolieren, Lieferungen von zur KokainVerarbeitung verwendeten Chemikalien abzufangen, die Kokain-Hydrochlorid verarbeitenden Labors
zu zerstören und Drogenhändlerringe auszuheben. Im Transitbereich werden die Maßnahmen verstärkt, und im Karibischen Becken
wird ein gemeinsames Zentrum zur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Unterbindung des Heroinnachschubs
durch Bestrebungen, andere Länder
zu überzeugen, auf Opiumanpflanzer einzuwirken und Heroinverarbeitung und -vertrieb abzubauen.
Unterbindung des Marihuananachschubs durch verstärkte Strafverfolgung im Ausland und Vernichtung der Felder sowie durch Bestrebungen, Länder mit geringen
Marihuanaanpflanzungen davon zu
abzuhalten, große Mengen anzubauen.
Unterstützung
der
Vereinigten
Staaten und Ermutigung von Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und auf multilateraler

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ebene, die die Anbau- und Transdtländer, Verteilernetze sowie
den Verbrauch in Europa zum Ziel
haben. Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft beim Kampf
gegen die internationale und regionale Drogenmafia.
Andere internationale Ziele:
Das Drogenproblem wird ein Punkt
der bilateralen Außenpolitik.
Ratifizierung der Konvention der
Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen
und
psychotropen
Stoffen
durch die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen noch zu verabschiedenden Verträgen über gegenseitige Rechtshilfe. Andere Länder werden zur Ratifizierung der
Konvention aufgefordert.
Unterstützung des Genehmigungsverfahrens für Auslandshilfe der
Vereinigten
Staaten,
um
eine
wirksamere Einhaltung der amerikanischen
Drogenbekämpfungsziele
in den Anbau- und Transitländern
zu gewährleisten.
Bilaterale und multilaterale Bestrebungen
zur Bekämpfung der
Geldwäsche
auf
internationaler
Ebene.
Internationale Initiativen
Die Herkunft der gefährlichsten
Drogen, die unser Land bedrohen, ist
im wesentlichen auf internationaler
Ebene zu suchen. Wenige ausländische
Bedrohungen sind kostspieliger für
die
amerikanische
Volkswirtschaft.
Keine richtet mehr Schaden an unseren
nationalen Werten und Institutionen
an oder zerstört mehr Leben in den
Vereinigten
Staaten.
Während die
meisten internationalen Bedrohungen
potentiell bestehen, sind die im Drogenhandel resultierenden Schäden und
Gewalttaten alles beherrschende Realität. Drogen sind eine entscheidende Bedrohung unserer nationalen

Sicherheit.
Eine umfassende Drogenkontrollstrategie muß Programme zur wirksamen
Bekämpfung der Herstellung und des
Handels mit Drogen auf internationaler Ebene beinhalten. Diese Programme, die auf die Herstellung von Drogen im Ausland abzielen, unterstützen
die damit einhergehenden Konzepte der
Abschreckung
und
Vernichtung
und
stellen eine Erweiterung der Strafgerichtsbarkeit im Inland dar, indem
die Bekämpfung der multinationalen
Drogenmafia über unsere Grenzen hinausgetragen wird.
Sie tragen dazu
bei, daß wir den Drogenhandel vom Anbau bis zur Ankunft in den Vereinigten Staaten unterbinden können und
das Problem nicht nur auf unseren
Straßen in Angriff nehmen.
Wirksame internationale Bestrebungen gestatten uns, in diesem Kampf
auf die Ressourcen anderer Nationen
zurückzugreifen. Unser Land kann die
Verantwortung oder Kosten der Drogenbekämpfung nicht alleine übernehmen.
Genausowenig können wir erwarten, die
Bedrohung ohne gegenseitige Unterstützung zu bekämpfen. Ein Eckpfeiler unserer internationalen Drogenpolitik muß die Entschlossenheit sein,
mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und sie zur Mobilisierung ihrer
Ressourcen im Kampf gegen den Drogenhandel zu ermutigen. Nur durch umfassende, gemeinsame internationale
Bestrebungen können wir den Drogennachschub aus dem Ausland verringern
und andere Länder ermutigen, uns in
unseren Bemühungen zur Drogenkontrolle zu unterstützen und die Drogengefahr selbst zu bekämpfen.
In den meisten Fällen werden die
Drogen nicht von den Konsumenten ins
Land gebracht - Einzelpersonen, die
genug für den eigenen Bedarf oder den
ihrer Freunde einschmuggeln.
Die
Mehrzahl vor allem der gefährlichsten
Drogen wird von multinationalen Verbrechersyndikaten angebaut, verarbeitet und in die Vereinigten Staaten
verschifft oder geliefert.
Unsere
internationalen Bestrebungen zur Dro-

�genbekämpfung müssen sich daher vornehmlich auf die Gruppen und ihre
Bosse richten, die den Handel gefährlicher Drogen in die Vereinigten
Staaten und andere Länder organisieren und kanalisieren. Jedes einzelne
Element dieser Organisationen muß von
der Herstellung, Verarbeitung, Lieferung, Verteilung bis hin zu den Finanznetzen bekämpft werden. Im Einklang mit unseren und den Gesetzen
anderer Länder müssen wir handeln, um
den internationalen Drogenhandel zu
zerschlagen und aufzulösen, so daß
die Drogenhändler um ihr Geschäft gebracht werden. Darüber hinaus müssen
wir in größtmöglichem Umfang den
Transport und Handel mit Drogen in
den Erzeugerländern vereiteln, da die
Unterbindung des Drogenschmuggels in
die Vereinigten Staaten ein unverhältnismäßig komplizierteres, teureres und weniger wirksames Mittel zum
Abbau des Drogennachschubs in unser
Land ist.

Kokain, Heroin, Marihuana und andere
Drogen
Heute stellen zwei Drogen - Kokain und Heroin - die ernsthafteste Bedrohung der Vereinigten Staaten dar.
Praktisch das gesamte in den Vereinigten
Staaten konsumierte Kokain
stammt von in Peru (60 Prozent), Bolivien (30 Prozent) und Kolumbien (10
Prozent) angebautem Koka. 80 Prozent
des in den Vereinigten Staaten angebotenen Kokains wird in Kolumbien
verarbeitet und verschifft. Zusätzlich zu den Verbrechen und Gewalttaten, die der Kokainhandel in den Vereinigten Staaten mit sich bringt, ist
die Kokain herstellende Industrie direkt für Gewalt, drogenbezogene Korruption und Einschüchterung durch die
Drogenhändler gegenüber Einzelpersonen und Regierungen in den Andenländern verantwortlich, in denen das Kokablatt angebaut wird.
Sie alle
schließen sich zusammen, um die Bemühungen der Regierungen der Andenstaaten bei der Drogenbekämpfung zu vereiteln.

Darüber hinaus ist der Kokainhandel in der Andenregion nur eine von
vielen Bedrohungen.
Wirtschaftliche
Unsicherheit und politische Rebellion
sind ebenso ernsthafte Herausforderungen für demokratische Institutionen und die Stabilität in diesem Gebiet. Diese drei Faktoren gehen Hand
in Hand: die isolierte Bewältigung
eines Problems, ohne gleichzeitig
auch die anderen anzugehen, wird
wahrscheinlich nicht zu einem Abbau
des Kokainnachschubs
führen.
Die
Herausforderung besteht darin, die
Regierungen der Kokain herstellenden
Länder zur Zusammenarbeit mit uns zu
motivieren, um der Kokainindustrie
einem empfindlichen Schlag zu versetzen, während diese Länder gleichzeitig ihre eigenen Programme zur Drogenbekämpfung durchführen. Umfassende und kontinuierliche mehrjährige
Bestrebungen, die wirtschaftliche und
militärische Unterstützung sowie Hilfe bei der Strafverfolgung beinhalten, werden zur Verwirklichung dieses
Ziels in die Tat umgesetzt.
Die
Zielsetzung dieser Bestrebungen muß
folgendermaßen
lauten:
Isolierung
der Hauptanbaugebiete von Koka in Peru und Bolivien, Unterbindung von
Lieferungen der zur Kokainverarbeitung unerläßlichen chemischen Grundstoffe in diesen Ländern, Zerstörung
der Einrichtungen, in denen KokainHydrochlorid verarbeitet wird, Zerschlagung der Drogenhändlerringe sowie Vernichtung der Kokaernte, wenn
dies mit einer wirksamen Strategie
gewährleistet werden kann. Wir können und müssen diese Ziele mit einem
möglichst geringen direkten Einsatz
amerikanischen Personals verwirklichen.
Das ist ein entscheidender
Punkt. Die Länder der Region müssen
die Hauptlast selbst tragen.
Um die regionale Unterstützung
dieser Zielsetzungen zu verbessern,
müssen wir die Zusammenarbeit mit den
Regierungen der Koka anbauenden Länder intensivieren. Dies sollte die
Einberufung einer Drogen-Gipfelkonferenz der Andenstaaten im kommenden
Jahr beinhalten. Unsere Teilnahme an
einer solchen Konferenz würde einen

- 3 -

�umfassenden Gedankenaustausch zu dem
Problem gestatten, uns Gelegenheit
zur Erläuterung unserer angebots- und
nachfrageorientierten Strategien geben und im Idealfall ein Abkommen
zwischen den Vereinigten Staaten und
den Andenstaaten über unsere Hauptziele und Strategien in dieser Region
hervorbringen. Darüber hinaus könnte
die
Koordinierung
der
regionalen
Strafverfolgung unter den Andenstaaten erwogen werden sowie gemeinsame
Maßnahmen zum Abbau der Nachfrage
nach Drogen in diesen Staaten. Zur
weiteren Unterstützung von Kokainbekämpfungs- und
Drogenkontrollprogrammen, die auf Opium und andere Substanzen abzielen, sollten die Vereinigten Staaten diplomatische Initiativen in die Wege leiten, um erweiterte Zusagen für materielle Hilfe
aus anderen Geber- und Verbraucherländern sicherzustellen.
Da die überwiegende Mehrheit der
Kokainlieferungen über Mittelamerika,
Mexiko und die Karibik in die Vereinigten Staaten gelangen, müssen wir
darüber hinaus verstärkt Programme
zur Verbesserung der Drogenbekämpfung
in diesen Transitgebieten entwickeln.
In diesem Zusammenhang hat die jüngste Erweiterung des gemeinsamen Zentrums zur Nachrichtenerfassung, dank
dem die Vereinigten Staaten und die
Regierungen des Karibischen Beckens
nachrichtendienstliche
Erkenntnisse
über Drogenziele sammeln und austauschen konnten, wertvolle Möglichkeiten eröffnet. Mit der verbesserten
Technik können 26 Länder der Karibik
miteinander und mit den amerikanischen Strafvollzugsbehörden über INTERPOL Verbindung aufnehmen, was zu
einer weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit in diesem Gebiet beigetragen hat.
Zusätzlich zur Unterstützung dieser Bemühungen können die
Vereinigten Staaten einen entscheidenden Beitrag zu den Strafverfolgungsmaßnahmen der Transitländer leisten, von Ausbildung und technischer
Hilfe bis hin zu operativer Unterstützung der Drogenbekämpfungsmaßnahmen. Auch hier müssen die Organisationen und Personen, die den Drogen-

handel leiten und handhaben, im Mittelpunkt stehen.
Opium und sein gefährlichstes Derivat, Heroin, werfen eine Reihe von
Problemen auf, die ganz anders gelagert sind als bei Kokain. Der Umfang
der weltweiten Heroinproduktion, der
weit über den derzeitigen Konsum in
den Vereinigten Staaten hinausgeht,
wächst weiter an. Mit Ausnahme von
Thailand hat jedes Opium produzierende Land im Jahr 1988 sein bisheriges
Produktionsniveau
aufrechterhalten
oder aufgestockt, und die Gesamtzunahme der Opiumproduktion wird 1989
voraussichtlich
anhalten.
In den
beiden führenden Opium produzierenden
Regionen hat Südostasien die Stelle
von Südwestasien
als Hauptversorgungsquelle für unser Land eingenommen.
Die Vereinigten Staaten haben jedoch keinen zwingenden Einfluß auf
die wichtigsten Opium produzierenden
Länder der Welt. Infolgedessen haben
Bestrebungen zum Abbau des Nachschubs, die regionale und internationale Organisationen
oder Entwicklungshilfe umfassen, wenig Aussicht
auf eine maßgebliche Verringerung der
Opiumernten. Eine Strategie zur Eindämmung des Heroinnachschubs in die
Vereinigten Staaten muß daher ausschließlich auf drei Pfeiler gegründet sein:
Überzeugung der Länder,
die Einfluß auf die Opiumanpflanzer
haben, diesen direkt geltend zu machen und Ermutigung von Strafverfolgung und Erntevernichtungsprogrammen
in den Ländern, in denen die Vereinigten Staaten einen gewissen Einfluß
haben; Ausübung des amerikanischen
Einflusses auf Länder, die Verarbeitungs- und Verteilungszentren sind zum
Beispiel
Malaysia,
Thailand,
Hongkong und China und als wirksamstes Mittel Anwendung von Abfangmaßnahmen an der amerikanischen Grenze,
insbesondere in den Ankunftshäfen.
Bessere strategische und operative
nachrichtendienstliche
Erkenntnisse
(die im folgenden Kapitel behandelt
werden) sind unabdingbar zur Verwirklichung dieser Ziele.

�Kolumbien ist der Hauptlieferant
für in den Vereinigten Staaten konsumiertes Marihuana und stellt rund 40
Prozent des gesamten amerikanischen
Bedarfs.
Mexiko produziert 25 Prozent des Verbrauchs in den Vereinigten Staaten und 10 Prozent kommen aus
anderen Ländern. Der übrige amerikanische Markt - 25 Prozent - wird aus
dem Inland beliefert.
Um die Marihuanalieferungen aus dem Ausland einzudämmen, müssen wir Abkommen mit den
Hauptanbauländern
abschließen,
um
ausländische
Strafverfolgungsmaßnahmen durch Avisbildung, logistische und
nachrichtendienst1iche
Unterstützung
zu verbessern. Darüber hinaus müssen
wir dabei behilflich sein, genaue
Schätzungen des Ernteertrags vorzunehmen, auf die sich mit Drogenkontrolle in Verbindung stehende Aktivitäten gründen.
Ferner müssen wir
Erntevernichtungsprogramme
dort unterstützen, wo sie die beste Anwendung finden.
Ein zweites Hauptmerkmal unserer Strategie muß darauf ausgerichtet sein, noch kleine Cannabisanpflanzer in Mittel- und Südamerika, Ostasien und Afrika davon abzuhalten, führende Marihuanalieferanten
zu werden.
Multilaterale Bestrebungen der Verbraucherländer müssen gemeinsam mit bilateralen Initiativen
und
wirksamer
Öffentlichkeitsarbeit
an die spezifischen Gegebenheiten der
Länder angepaßt werden.
In bestimmten Gebieten und unter
gewissen Umständen könnten Erntevernichtungsmaßnahmen
der
beste
und
wirtschaftlichste Ansatz sein, um den
weiteren Anbau von Pflanzen zu verhindern, aus denen Drogen gewonnen
werden können.
In anderen Ländern
kann es genau das Gegenteil bewirken
und Bauern in die Reihen regierungsfeindlicher Rebellen treiben oder in
andere Gebiete vertreiben, die nicht
so leicht zugänglich sind.
Vernichtungsmaßnahmen
funktionieren
wahrscheinlich am besten in solchen Gebieten, in denen wenig oder kein Widerstand vom Gastland geleistet wird,
wo
Strafverfolgungsmaßnahmen
das
Rückgrat der Schmuggelringe gebrochen
haben und Ernteerträge gesunken sind,

wo die Wahrscheinlichkeit einer Ernteverlagerung - die Anpflanzer verlagern ihre Produktion in andere Gebiete - begrenzt ist und echte Beschäftigungsalternativen
bestehen
oder
leicht geschaffen werden können. Bei
Vernichtungsprogranmen muß sorgfältig
von Fall zu Fall abgewogen werden im Hinblick auf mögliche Auswirkungen
auf die Gesamtproduktion des Landes,
auf Rentabilität und Nutzen im Vergleich zu anderen Drogenbekämpfungsprogrammen im selben Land oder Gebiet
und auf ihre möglichen politischen
Konsequenzen.
Zusätzlich zu Kokain, Opium und
Marihuana bedrohen andere gefährliche
Drogen und Substanzen die Nation.
Die Einfuhr von Grundstoffen zur Herstellung
von Methylamphetaminen in
heimischen Labors stellt ein besonderes Problem in den westlichen und
südwestlichen Staaten dar, das nur
noch von Crack als Hauptdrogenproblem
übertroffen wird.
Die illegale Einfuhr von Ergotamin, das bei der Herstellung von LSD verwendet wird und
der Schmuggel von MDMA ("ecstasy")
sowie von Amphetaminen müssen weitere
Ziele unserer Bestrebungen sein.
Um diese eben genannte Reihe von
Problemen bewältigen zu können, müssen
wir
verhindern,
daß Drogenschmuggler Material im großem Umfang
über die kontrollierten aber meist
nicht genügend bewachten Landgrenzen
oder auf dem Luft- oder Seeweg ins
Land bringen. Dies erfordert erweiterte
Vollstreckungsmaßnahmen
der
Grenzposten,
zusätzliche
Fahrzeugund Containerinspektionen und - im
Falle importierter Chemikalien - Einführung
umfassender
internationaler
Kontrollen
und gemeinsamer Uberwachungs- und Strafverfolgungsprogramme
mit anderen Ländern.

Außenpolitische Initiativen
Wir haben durchgreifende Bemühungen unternommen, um einen internationalen
Konsens
über die
Bedrohung
durch den Drogenhandel zu erreichen.

- 5 -

�Ein bedeutender Meilenstein wurde mit
der am 18. Dezember des vergangenen
Jahres in Wien verabschiedeten Konvention der Vereinten Nationen gegen
den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen erzielt.
Die Konvention fordert die
Bestrafung
von
Produktion, Anbau,
Transport und Handel von Kokain, Heroin, Marihuana und anderen gefährlichen Drogen. Ferner fordert sie, daß
der Handel mit chemischen Grundstoffen sowie die Geldwäsche unter Strafe
gestellt werden und liefert einen
Rahmen für die Beschlagnahme von Vermögen, die Auslieferung von Drogenhändlern, die Abtretung von Strafverfahren, Ausbildungsmaßnahmen und andere Formen der Zusammenarbeit.
Die Konvention ist für wirksame
internationale Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung
des
Drogenhandels
von
grundlegender Bedeutung. Die Vereinigten Staaten müssen sie sobald wie
möglich ratifizieren und Durchführungsgesetze erlassen, um sie wirksam
werden zu lassen. Ferner müssen wir
die Ratifizierung durch andere Länder
zu einer vordringlichen Frage in unseren bilateralen Beziehungen machen,
insbesondere mit den wichtigsten Herstellungs- und
Transitländern
für
Drogen.
In anderen Bereichen Von außenpolitischem Interesse bieten gewisse
Länder und Regionen sowohl den internationalen Drogenhändlern als auch
dem Interesse der Vereinigten Staaten
an der Zerschlagung des internationalen Drogenhandels besondere Möglichkelten.
Dazu gehören: Westeuropa,
wo Drogen zunehmend als unmittelbare
Bedrohung betrachtet werden und der
Konsum, insbesondere von Kokain und
Heroin, ständig zunimmt. Die Sowjetunion und Osteuropa, wo innerhalb von
wenigen Jahren asiatisches Heroin und
andere Drogen das soziale Geflecht
durchdrungen haben. Dies führte im
Juni des vergangenen Jahres zur ersten Ostblockkonferenz über Drogenbekämpfung in Taschkent. Begrenzte und
selektive Zusammenarbeit in mehreren
anderen Ländern und Regionen könnte

den Vereinigten Staaten hohen Nutzen
bei der Bekämpfung von Drogenhändlern
und deren Organisationen einbringen.
Die
amerikanischen
Initiativen
müssen auf bestimmte Situationen zugeschnitten sein.
Im Hinblick auf
Europa zum Beispiel wird die amerikanische Strategie vier Ziele verfolgen: Erstens, der Europäischen Gemeinschaft bei der Entwicklung durchschlagender Maßnahmen, Strategien und
Programme zur Reduzierung der Nachfrage mit dem Ziel zu helfen, den europäischen Drogenmarkt auszuhöhlen,
die Profite aus dem Drogenhandel einschneidend zu verringern und den internationalen Drogenhandel zu schwächen. Zweitens, die Europäischen Gemeinschaft bei der Stärkung ihres eigenen Mechanismus zur Reduzierung des
Angebots zu unterstützen, insbesondere bei Strafverfolgungsmaßnahmen sowie Austausch von Aufklärungsergebnissen und Informationen. Drittens,
die Einbindung von Staaten der Europäischen Gemeinschaft in multilaterale Bemühungen mit den Vereinigten
Staaten, um die Produktion, Weiterverarbeitung und den Handel, insbesondere von Kokain und Heroin, in den
Produktions- und Transitländern unter
Kontrolle zu bekommen. Schließlich,
Sicherung der Unterstützung seitens
der EG für Maßnahmen internationaler
und regionaler Organisationen mit Beteiligung der Herstellungsländer und
-gebiete, insbesondere dort, wo die
Vereinigten Staaten über wenig oder
gar keinen direkten Einfluß verfügen.
Wir müssen bereit sein, unser
Wissen und unser Anliegen mit der Sowjetunion und den osteuropäischen
Staaten zu teilen und diese an kooperativen Maßnahmen zur Drogenbekämpfung teilhaben zu lassen.
Ferner
sollten wir willens sein, von anderen
Ländern, zu denen wir minimale oder
gar keine diplomatischen Beziehungen
unterhalten,
angebotene
besondere
Chancen zu nutzen.
So könnte zum
Beispiel Kuba den Transit von Drogenflugzeugen auf dem weg in die Vereinigten Staaten effektiv blockieren,
anstatt ihn zu fördern. Die kubani-

- 6 -

�sehe Regierung hat die Fähigkeit, den
gegenwärtigen Drogenhandel erheblich
zu stören. Es bleibt abzuwarten, ob
sie dies mit dem nötigen Nachdruck
tun wird.
Eine durchgreifende internationale Strafverfolgung ist ein vordringliches Anliegen.
In demselben Umfang, in dem wir ürogenkonsumenten
und Drogenhändler in unserem eigenen
Land für ihre Taten zur Verantwortung
ziehen, müssen wir anderen Staaten
dabei helfen, ihre Fähigkeiten zur
Strafverfolgung sowie ihre gesetzlichen Möglichkeiten zur Bestrafung von
Drogentätern auf deren Territorium zu
stärken. Falls nötig, sollten ausländischen Behörden Fortbildung bei
der Strafverfolgung, besondere Ausrüstung und logistische Unterstützung
gewährt werden. Die Mechanismen zum
Austausch strafrechtlich relevanter
Informationen mit ausländischen Regierungen sollten ebenfalls verbessert werden.
Wir sollten uns um Abkommen mit
den wichtigsten Herkunftsländern von
Drogen bemühen, um die internationale
Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung zu verbessern. Solche kooperativen Bemühungen sollten beinhalten:
Gegenseitige Rechtshilfeabkommen, die
amerikanische
Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzen, im Ausland
vor amerikanischen Gerichten verwertbares Beweismaterial zu sammeln und
die ermittlungstechnische und strafrechtliche Unterstützung zwischen den
Vereinigten Staaten und den Vertragspartnern erleichtern würden; Auslieferungsabkommen; Abkommen zur Stärkung der in anderen Staaten bestehenden Gesetze gegen Verschwörung; bedeutende Maßnahmen zur Beschlagnahme
von Vermögen und gezielte finanzielle
Maßnahmen. Die schon seit vielen Monaten dem Senat vorliegenden Rechtshilf eabkommen müssen ratifiziert werden.
Wir sollten ferner auf die Beteiligung der Industriestaaten - darunter die EG-Mitgliedstaaten, Japan,
Australien und Kanada - bei der Bil-

dung einer ständigen Konsultativgruppe zur Unterstützung von Maßnahmen
zur Drogenbekämpfung durch die Herkunftsländer drängen.
Wir müssen weiterhin den Ländern
bei ihren Programmen zur Drogenbekämpfung durch bestehende internationale und
regionale Organisationen
helfen - einschließlich der Vereinten
Nationen. Unsere Unterstützung dieser Organisationen muß jedoch gute
Aussichten für die Verstärkung des
internationalen Engagements zur Drogenbekämpfung in sich bergen.
Die
amerikanische Unterstützung kann kein
Ersatz für die Konzentration und den
Einfluß sein, der durch speziell auf
Drogen ausgerichtete bilaterale und
multilaterale Abkommen
zum Tragen
kommt.
Konzertierte, von den führenden
Politikern der verschiedenen Staaten
geleitete internationale Bemühungen
sind notwendig, um in der Weltmeinung
zum Drogenproblem einen grundlegenden
Umschwung herbeizuführen. Vorrangige
Aufmerksamkeit sollte der baldmöglichen Einberufung eines Drogengipfels
zukommen, auf dem Herkunfts-, Transit- und Verbraucherländer vertreten
sind - jedoch nur nach sorgfältiger
Vorbereitung, einschließlich Konsultationen mit allen beteiligten Staaten sowie nur nachdem wir mit den politisch Verantwortlichen der Andenstaaten zusammengetroffen sind.
Die rechtlich vorgeschriebene Bescheinigung für wichtige Drogenherstellungs- und Transitländer kann zur
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels und der Drogenherstellung
eingesetzt werden.
Diese nach der
Verabschiedung
des Gesetzes gegen
Drogenmißbrauch von 1986 in Kraft getretene
Bescheinigungsvorschrift
stellt eine direkte Beziehung zwischen der amerikanischen Unterstützung für wichtige Herstellungs- und
Transitländer von Drogen und deren
positivem Verhalten bei der Drogenbekämpfung her. Der Präsident muß die
Angemessenheit der Bemühungen dieser
Länder zur Unterbindung von unerlaub-

- 7 -

�ter Produktion, Handel und Geldwäsche
oder ihre umfassende Zusammenarbeit
mit amerikanischen Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels bescheinigen. Falls der Präsident einem Land
diese Bescheinigung verweigert oder
wenn der Kongreß sein Veto gegen die
Bescheinigung
einlegt, müssen die
Vereinigten Staaten den Großteil ihrer Wirtschafts- und Militärhilfe zurückbehalten. Das gleiche gilt für
die Unterstützung von Krediten durch
die Weltbank oder andere Institutionen. Der Präsident behält die Option, Konzessionen beim Handel zu gewähren.
Die Androhung der Verweigerung
dieser Bescheinigung kann die Beziehungen mit Ländern belasten, in denen
für uns wichtige außenpolitische Interessen auf dem Spiel stehen. Richtig eingesetzt kann sie jedoch ein
wichtiges Instrument darstellen, um
ausländische Regierungen zu motivieren, bei der Bekämpfung des Drogenhandels Hilfe zu leisten. Überdies
unterstützt das Bescheinigungsverfahren unsere Position, daß in demselben
Maße, wie wir uns für die Verringerung der unersättlichen Nachfrage
nach Drogen in unserem Land einsetzen, sich auch jede ausländische Regierung für die Eindämmung des Drogenproblems auf ihrem eigenen Territorium engagieren muß. Kurzum: Regierungen müssen für ihre Leistungen
oder Versäumnisse verantwortlich gemacht werden. In den bilateralen Beziehungen mit Herstellungs- und Transitländern von Drogen müssen die Vereinigten Staaten deshalb die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit unseren Bemühungen zur Drogenbekämpfung
sowie davon unabhängiger effektiver
Maßnahmen zur Unterbindung des Drogenhandels betonen.
Ferner müssen
wir bereit sein, denjenigen Ländern
die Bescheinigung zu verweigern, die
willentlich den Drogenhändlern gestatten, ihre Operationen von deren
Territorium aus durchzuführen.
Um
die Wirksamkeit des Bescheinigungsverfahrens zu stärken, sollten wir
ferner danach streben, mit jedem Herstellungs- und Transitland jährliche

und langfristige Zielvorgaben zu vereinbaren.
Auch in der diplomatischen Öffentlichkeitsarbeit ist ein energisches, koordiniertes Programm unerläßlich, wenn die Vereinigten Staaten
beabsichtigen, die Unterstützung ihrer internationalen Ziele in der Drogenbekämpfung zu verbreitern. In der
Vergangenheit wurden die Programme in
diesem Bereich durch den Mangel an
Bedeutung abgeschwächt, der dem Drogenproblem als außenpolitisches Anliegen von unserem Land beigemessen
wurde. In der diplomatischen Öffentlichkeitsarbeit müssen wir ein breitgefächertes, sinnvolles Programm in
einer Art und Welse entwickeln und
zum Ausdruck bringen, die das Ausmaß
der internationalen Ablehnung gegenüber Drogen verstärkt und staatliche
und private Maßnahmen zur Beseitigung
von Drogenproduktion, -handel und
-verbrauch in der ganzen Welt fördert.
Unsere Programme in der Öffentlichkeitsarbeit
sollten anderen
Ländern dabei helfen, die Nachfrage
nach Drogen zu verringern und sollten
die internationale Unterstützung für
bilaterale und multilaterale Strategien und Programme der Vereinigten
Staaten fördern. Insbesondere sollten sie sich auf die Verbraucherländer konzentrieren. Alle erdenklichen
Anstrengungen
sollten
unternommen
werden, um diesen Ländern die benötigten Informationen über erfolgreiche amerikanische Strategien und Programme zur Senkung der Nachfrage zu
verschaffen.

Die Abzweigung chemischer Grundstoffe und Geldwäsche
Aus dem kommerziellen Handel abgezweigte Chemikalien sind für die
Herstellung von Kokain, Heroin und
Drogen wie Methylamphetamin, PCP and
LSD unerläßlich.
Tatsächlich wird
das meiste in unser Land geschmuggelte Kokain mit Hilfe von Chemikalien
verarbeitet, die von amerikanischen
Unternehmen exportiert wurden, und
fast alle Methylamphetamine, LSD und

- 8 -

�PCP werden mit Hilfe von Chemikalien
amerikanischer Firmen illegal hergestellt. Einige Firmen und Vertreiber
sind unwissentlich darin verstrickt.
Andere sind kriminelle Komplizen. In
beiden Fällen müssen wir versuchen,
den Vertrieb von chemischen Substanzen zu unterbinden, die zur Herstellung von Drogen benutzt werden, ob
sie in das betreffende Land eingeschmuggelt oder dort produziert werden.
Drei Strategien werden benötigt.
Wir müssen strenge Kontrollen für die
Ausfuhr
von Chemikalien einführen,
die zur unerlaubten Herstellung von
Kokain in Südamerika verwendet werden.
Energische Maßnahmen sind vonnöten, um die Abzweigung chemischer
Substanzen zur unerlaubten Herstellung von Drogen innerhalb der Vereinigten Staaten zu unterbinden. Diese
beiden Strategien werden von einem
Eckpfeiler
der Gesetzgebung unterstützt, dem Gesetz über Abzweigung
und Verkehr chemischer Substanzen von
1988 (Chemical Diversion and Trafficking Act), mit dem ein System zur
Identifizierung, Überwachung und Kontrolle chemischer Lieferungen eingeführt wird, die für den unerlaubten
Drogenhandel abgezweigt werden könnten. Ferner müssen wir auf Vereinbarungen
zur
internationalen
Zusammenarbeit dringen, die einschneidende Kontrollen zur Verhinderung der
Abzweigung chemischer Substanzen unterstützen (wie etwa die obengenannte
UNO-Konvention) sowie die Einführung
von Gesetzen im Ausland, die mit unseren
vergleichbar
sind.
Darüber
hinaus müssen wir uns um die Schaffung
von
Ermittlungs- und
Uberwachungsprogrammen in anderen Ländern
bemühen, die eng mit amerikanischen
Strafverfolgungsbehörden
zusammenarbeiten.

Märkte einzudringen - und diese potentiell zu dominieren -, amerikanische und ausländische Beamte zu korrumpieren sowie ausländische Regierungen zu destabilisieren.
Die Lösung dieses Problems erfordert Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene, und
die durch einen Erfolg in diesem Bereich zu gewinnenden Vorteile sind
potentiell sehr hoch. Neben unseren
Bemühungen im Inland - die in diesem
Bericht getrennt behandelt werden müssen wir die Fähigkeiten und Ressourcen anderer
Staaten ins Spiel
bringen, um dazu beizutragen, die im
Ausland angelegten Erträge aus Drogengeschäften zu identifizieren, aufzuspüren, einzufrieren
und zu beschlagnahmen.
Wir müssen weiterhin
auf Internationale Abkommen dringen,
wie etwa die UNO-Konvention, mit denen durchgreifende Maßnahmen zur Kriminalisierung
und
Bestrafung
der
Geldwäsche gefördert werden.
In unseren bilateralen Beziehungen werden
wir andere Regierungen drängen, Geldwäsche
durch
Verabschiedung
einschneidender Maßnahmen unter Strafe
zu stellen und gegen diejenigen Sanktionen zu verhängen, die das internationale Finanzsystem mißbrauchen, um
unrechtmäßig erworbene Mittel zu verschleiern und über nationale Grenzen
zu transferieren.

Ein weiterer entscheidender Bereich, der Anlaß zu Besorgnis gibt,
ist die Geldwäsche. Der Umfang ihres
aus
dem
Drogenhandel
erworbenen
Reichtums
verschafft
ausländischen
Drogenhändlern die Fähigkeit sowohl
in rechtmäßige als auch in illegale
- 9 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. September 1989

34

BUSH STEHT VOLL UND GANZ HINTER DEM ZEITPLAN FÜR KSE-PHASE I
- Interview mit KSE-ChefUnterhändler Ledogar -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefunterhändler bei den Verhandlungen Über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE), Botschafter Stephen Ledogar, wird am 7. September 1989 mit dem Auftrag von Präsident Bush in die
Sitzungsrunde in Wien gehen, "auf rasche Fortschritte zu einem verifizierbaren
Abkommen hinzuarbeiten".

Der Präsident steht "voll und
ganz" hinter dem beim NATO-Gipfeltreffen im Mai vorgeschlagenen Zeitplan von 6 bis 12 Monaten, erklärte
Ledogar in einem Interview am 31. August 1989.
Der beim NATO-Gipfeltreffen am
Ende der zweiten KSE-Sitzungsrunde im
Juli in Form eines Rahmenabkommens
unterbreitete Vorschlag "forderte den
Ostblock auf", im Einklang mit dem
vorgeschlagenen Zeitplan auf ein Phase I-Abkommen hinzuarbeiten, so Ledogar.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Obwohl "umfangreiche und detaillierte
Verhandlungen
erforderlich
sind" bevor ein Abkommen erzielt werden kann, "scheint es nach wie vor im
Bereich
des Möglichen", daß der
NATO-Zeitplan
eingehalten
werden
kann, erklärte Botschafter Ledogar.
Bis heute hat sich der Warschauer
Pakt "sehr sachlich und ernsthaft
verhalten", fügte er hinzu. "Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß
sich dies ändern wird".
Aber der Westen kann nicht all
die zu bewältigenden Probleme selbst

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lösen.
"Wir brauchen vernünftige
Partner", erläuterte der Botschafter.
Der
ChefUnterhändler
erklärte,
die Hochrangige Arbeitsgruppe (HLTF)
der NATO sei damit befaßt, Einzelheiten der westlichen Position zu Informationsaustausch, Verifizierung, Stabilisierungs- und
Nichturogehungsmaßnahmen zu erarbeiten. Diese Einzelheiten würden in dem Dokument enthalten sein, das die NATO am 7. September vorlegt, fügte er hinzu.
Eine weitere Frage, die nach wie
vor einen Großteil der Aufmerksamkeit
des Chefunterhändlers erfordern wird,
lautet, wie präzise Definitionen der
fünf "Zähleinheiten" - Waffenkategorien - erarbeitet werden können, mit
denen sich das KSE-Abkommen befaßt.
Im März unterbreitete die NATO
ihren Vorgeschlag zu Obergrenzen bei
Panzern, Schützenpanzern und Geschützen. Im Juli wurden Obergrenzen für
Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber
hinzugefügt.
Gemäß den NATO-Vorschlägen würden beide Seiten jede der
fünf Waffenkategorien auf gleiche Niveaus reduzieren, die unterhalb des
derzeitigen NATO-Stands liegen.
Trotz der Bestrebungen der Sowjetunion werden die Gespräche über
Rüstungskontrolle bei den Seestreitkräften nicht in die KSE-Verhandlungen einbezogen. Darauf einigten sich
alle 23 Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts in dem Mandat
vom Januar 1989, mit dem die Verhandlungen ins Leben gerufen wurden, erklärte er.
Ledogar zufolge sind die vorgeschlagenen Obergrenzen bei Panzern
und Schützenpanzern jetzt für die Unterhändler beider Seiten in greifbare
Nähe gerückt, bei Geschützen sind die
Positionen jedoch noch weit voneinan- 2

der entfernt. Dies könnte sich ändern, wenn eine gemeinsame Definition
der Geschütze erarbeitet werden kann,
erklärte er. Der Warschauer Pakt hat
die Zahlen für Kampfflugzeuge und
Hubschrauber noch nicht vorgelegt.
Bis heute haben die Warschauer
Pakt-Staaten die Position vertreten,
nur für Angriffe auf Ziele am Boden
ausgerüstete Flugzeuge - und ihre Definition, welches Gerät in diese Kategorie fällt - sollten in ein KSEAbkommen einbezogen werden. "Meiner
Ansicht nach wissen sie, daß sie eine
unlogische und schwer zu haltende Position vertreten", erklärte der Botschafter. Die Position der NATO ist
"zweifelsohne logischer", fügte er
hinzu.
Wenn der Westen weiterhin das
Prinzip verfolgt "gleich aussehende
Waffen werden gleich gezählt", sollte
es möglich sein, die Unstimmigkeiten
in der Position des Ostblocks zu beheben, erklärte Ledogar. Das Festhalten an dieser Position würde bedeuten, daß alle Flugzeuge des gleichen Typs als solche aufgeführt werden, unabhängig von der jeweiligen
Bauart, mit der die militärischen Fähigkeiten eines Flugzeugs verändert
werden können, stellte der Botschafter fest.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Hintergrundmaterial

4

34

13. September 1989

OSTBLOCK AKZEPTIERT NATO-ZEITPLAN FÜR KSE
- Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den KSE-Verhandlungen -

WIEN - (AD) - Der Warschauer Pakt hat Botschafter Stephen Ledogar, dem
amerikanischen ChefUnterhändler bei den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) zufolge die "Herausforderung" des sechs- bis 12raonatigen Zeitplans der NATO zum Abschluß eines Phase I-Abkommens angenommen.
Bei einer Pressekonferenz in der Wiener Hofburg erklärte Ledogar am 7. September 1989, die Zustimmung des Ostblocks zu dem Zeitplan sei "eine sehr positive
Entwicklung". Weder der Warschauer Pakt noch die NATO haben bei der Eröffnung
der dritten Runde der Gespräche Vorschläge unterbreitet. Ledogar verwies jedoch darauf, daß er einen Vorschlag des Bündnisses "recht bald" erwarte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar 1m Wortlaut.

Heute wurde die dritte Runde der
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) eröffnet.
Heute vormittag war eine Plenarsitzung anberaumt, die im Hinblick
auf
den
allgemeinen
Tenor
sehr
fruchtbar verlaufen ist und von einer
positiven Einstellung gekennzeichnet
war.
Bei den Einzelheiten ließ sie
jedoch noch zu wünschen übrig.
Wir
haben es begrüßt, daß der Ostblock
die Herausforderung der NATO angenommen hat, die am 30. Mai 1989 von den
Staats- und Regierungschefs der NATO
formuliert wurde und die ein erstes
KSE-Abkommen binnen 6 bis 12 Monaten
und die Durchführung des Abkommens
bis 1992 oder 1993 zum Ziel hat.
Dies ist eine sehr positive Entwicklung. Wie ich bereits erwähnt habe,
war die Atmosphäre sehr freundlich,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit einer Reihe von Absichtserklärungen, Fortschritte erzielen zu wollen,
es wurden jedoch keine Vorschläge unterbreitet.
Heute nachmittag findet
eine
Arbeitsgruppensitzung
statt.
Nun bin ich gerne zur Beantwortung
von Fragen bereit.

Frage:
Warum hat die NATO heute
keine
Stabilisierungsvorschläge
unterbreitet?
Antwort:
Nun, sie
ganz ausformuliert.

waren

noch

nicht

Frage:
Besteht
eine
Möglichkeit,
daß morgen oder in Kürze Stabilisierungsmaßnahmen vorgeschlagen werden?
Antwort:

Die

Konsultationen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

und

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Verhandlungen dauern auch untereinander noch an und ich möchte daher auf
die Probleme nicht im einzelnen eingehen. Es gibt jedoch einen offensichtlichen Schuldigen, der unsere
Bestrebungen in vielen Bereichen kontinuierlich erschwert, und das ist
die geographische Realität.
Frage: Wer ist das?
Antwort:
Es handelt sich hierbei
nicht um eine Person. Die Schwierigkeit liegt im BUndnisgebiet selbst,
das sich wie eine schmale Sichel in
der Form des Neumonds um den riesigen
Kreis
des
Warschauer
Paktgebiets
krümmt.
Wenn
man versucht, die
Streitkräfte des Ostblocks aus Mitteleuropa zu verbannen, lassen sich
Probleme für die Verbündeten nur
schwer vermeiden, die an unseren sogenannten Flanken stationiert sind.
Frage: Wo liegen die größten Probleme bei diesen Verhandlungen?
Antwort:
Wie ich bereits erwähnt
habe, möchte ich auf die Probleme
nicht im einzelnen eingehen, aber der
Aspekt der Geographie sollte im Auge
behalten werden. Es ist eine Tatsache, daß von unseren 16 BUndnisstaaten einige vollständig innerhalb und
andere größtenteils oder ganz außerhalb des Anwendungsbereichs liegen.
Dies
führt
zu
unterschiedlichen
Sichtweisen bestimmter Themenkomplexe. Wir sind uns jedoch meiner Ansicht nach zu 98 Prozent einig, nicht
nur im Hinblick auf die Stabilisierungsmaßnahmen, sondern auch bei allen vier Abschnitten des Kapitels, an
dem wir den ganzen Sommer gearbeitet
haben. Ich erwarte also, daß hier
binnen Kürze etwas in Bewegung gerät.
Frage:
Besteht
die
Möglichkeit,
daß das Paket, das sie heute unterbreiten sollten, morgen oder nächste
Woche vorgelegt wird?
Antwort: Für morgen ist keine Plenarsitzung anberaumt. Man könnte eine einberufen, nehme ich an. Wir bemühen uns jedoch, nicht mit dem Ab-

lauf der anderen hier in Wien abgehaltenen Verhandlungen in Konflikt zu
geraten.
Die nächste Plenarsitzung
findet am kommenden Donnerstag statt.
Frage:
Wo
liegen
die
größten
Schwierigkeiten bei den Verhandlungen?
Antwort: Ich möchte nicht über die
Schwierigkeiten
sprechen,
sondern
vielmehr die Chancen hervorheben, da
wir bei diesen Verhandlungen mit
atemberaubender Geschwindigkeit vorgegangen sind, wenn man es einmal mit
unseren bisherigen Erfahrungen bei
der konventionellen Rüstungskontrolle
vergleicht und sich vor Augen führt,
daß wir dieses Unterfangen erst am 9.
März 1989 begonnen haben. Wir hatten
nur 10 oder 12 Sitzungswochen und haben ganz enorme Fortschritte erzielt.
Aus diesem Grund würde ich es vorziehen, die Betonung auf die Chancen zu
legen. Es trifft sicherlich zu, daß
es Bereiche gibt, in denen wir im Augenblick noch sehr weit voneinander
entfernt sind. In einigen dieser Bereiche können meiner Ansicht nach die
Meinungsverschiedenheiten
ausgeräumt
werden, und wir arbeiten derzeit an
neuen Initiativen unsererseits, die
dazu beitragen können, diese Differenzen zu überbrücken.
Wir warten
jedoch auch auf Initiativen der anderen Seite, die ihrerseits zu Lösungen
beitragen könnten.
Frage:
Grinewski zufolge sind die
Definitionen das schwierigste Problem. Stimmen Sie dem zu?
Antwort: Ja, in dem Sinne, daß das
Problem, das wir als erstes lösen
wollen, die Definitionsfrage ist.
Sie ist der Baustein, ohne den keine
wirksamen Fortschritte bei einer Reihe anderer Themen erzielt werden können. Wir müssen genau wissen, was
man unter einem Panzer oder einem
Schützenpanzer versteht, damit dieses
Fahrzeug bei der Gesamtbewertung entsprechend gezählt wird. Das klingt
ganz einfach, ist in Wirklichkeit jedoch sehr schwer. Aber wir machen
Fortschritte.

- 2 -

�Was die anderen Definitionsfragen
anbetrifft, stellen Flugzeuge zum
jetzigen Zeitpunkt die größte Herausforderung dar. Bei Kampfpanzern und
Schützenpanzern haben wir uns angenähert.
Im Hinblick auf Geschütze
sieht es auch nicht allzu schlecht
aus und wir haben bereits Vorstellungen, wie das Ungleichgewicht behoben
werden kann.
Die Definition der
Flugzeuge wird schwierig sein. Wir
sind nach wie vor optimistisch, aber
wir sind auch realistisch, weil es
sich um eine schwierige Aufgabe handelt.
Frage:
Sollten die landgestützten,
nuklearfähigen Flugzeuge der Sowjetunion Ihrer Ansicht nach in diese
oder die START-Verhandlungen einbezogen werden?
Antwort:
Unsere
Definition
der
Flugzeuge schließt Nuklearfähigkeit
nicht aus, sondern würde zahlreiche
Typen
von
Mehrzweckkampfflugzeugen
einbeziehen. Eine Vielzahl von Flugzeugtypen würden unserer Definition
nach von diesen Verhandlungen abgedeckt. Andere würden in den Rahmen

Antwort:
Wir werden Ihren neuen
Vorschlag einer Überprüfung unterziehen. Es gab Anzeichen, daß sie ein
bißchen weitergehen würden, als wir
als "vernünftig" bei diesem Themenkomplex bezeichnen würden. Wir erachten eine Position, die unter dem
Strich die Hälfte ihrer Luftstreitkräfte ausschließen, aber alle unsere
Luftstreitkräfte einbeziehen würde,
als unvernüftige Position. Ich möchte hier jedoch keine hypothetischen
Fragen beantworten und mit Ihnen Verhandlungen aufnehmen. Ich bedauere,
dies sagen zu müssen, aber ich brauche offizielle Verhandlungspartner,
die die Meinung der Sowjets und des
Warschauer Vertrags vertreten, bevor
ich alternative Positionen erörtere.
Frage:
Die NATO hat erklärt, sie
erwarte eine Antwort des Warschauer
Pakts auf ihren am 13. Juli 1989 unterbreiteten Vorschlag zu Flugzeugen.
Grinewski hat jedoch gesagt, der Ostblock habe bereits geantwortet. Können Sie das bitte klären. Trifft es
also zu, daß die NATO Mehrzweckkampfflugzeuge einbezogen hat, aber nicht
beabsichtigt, sie zu reduzieren?

der Genfer Verhandlungen fallen.

Frage: Sehen Sie Probleme zwischen
diesen beiden Verhandlungsrunden?
Antwort: Nein, ich sehe keine Probleme voraus.
über Munition wird
beispielsweise nicht im Rahmen der
KSE-Gespräche
verhandelt.
Während
der Mandatsgespräche kam dem Problem
bei den Mehrzweckkampfflugzeugen besondere Bedeutung zu. Es hat außerordentlich viel Zeit und Mühe erfordert, aber wir haben es bewältigt.
Zwischen den beiden Seiten bestehen
keine Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Grenzlinie bei Mehrzwecksystemen mehr. Im Rahmen dieser Verhandlungen sprechen wir nicht über
Nuklearwaffen.
Frage: Teilen Sie den sowjetischen
Einwand gegen die Einbeziehung ihrer
Luftverteidigungsflugzeuge
in
die
Verhandlungen?

Antwort:
Zunächst zum Thema Flugzeuge - ich kenne Botschafter Grinewskis Aussage nicht im einzelnen,
habe aber gehört, was er Ihnen zufolge gesagt hat. Wenn die Sowjets weiterhin darauf bestehen, daß bestimmte
Flugzeugtypen aufgrund ihrer spezifischen Rolle
ausgeschlossen werden
müssen, bedarf das einer detaillierten Analyse und wir werden uns damit
zum gegebenen Zeitpunkt befassen.
Solche Ausgrenzungen müßten natürlich
auf beide Seiten gleichermaßen anwendbar sein. Wir werden keine Vereinbarungen akzeptieren, bei denen
das Kriterium für Einbeziehung westlicher Flugzeuge die Fähigkeit ist,
wohingegen das Kriterium für die Einbeziehung östlicher Flugzeuge angeblich Rolle und Mission ist. Äpfel
sind Apfel und Birnen sind Birnen das gilt für beide Seiten. Das ist
meiner Ansicht nach eine vernünftige
Position.

- 3 -

�Zu Ihrer zweiten Frage kann ich
nur zwei Punkte wiederholen. Erstens
macht keine Seite die vorgeschlagenen
Definitionen der Zähleinheiten publik, noch beantworten wir spezifische Fragen darüber, welche Gerätetypen auf beiden Seiten unter diese Definitionen fallen würden. Ich kann
also das Vertrauen hier nicht brechen
und über bestimmte Flugzeuge sprechen. Ich kann bestätigen, daß auf
beiden Listen eine Reihe von Mehrzweckkampfflugzeugen aufgeführt sind,
die zusätzliche zur konventionellen
Fähigkeit auch nuklerfähig sind. Ich
kann mir kaum ein Flugzeug vorstellen, das nuklearfähig, aber nicht
gleichzeitig auch konventionell einsetzbar ist. Wie sollte man sonst
ausbilden? Wie man nun die Reduzierungen aufteilt, die sich aus einem
Abkommen ergeben - das ist keine Frage zwischen Ost und West. Diese Frage ist dem jeweiligen Bündnis vorbehalten. Aus diesem Grund haben wir
eine vereinbarte Obergrenze für Flugzeuge, die Reduziereungen auf der
Seite der NATO erforderlich machen
und wir werden dann Verhandlungen untereinander aufnehmen, wie diese vorgenommen werden. Einige der Verbündeten haben bereits angedeutet, daß
sie Kürzungen bei ihren Kategorien
sicherlich ablehnend gegenüberstehen
würden - aber dies ist eine Angelegenheit, die nur die NATO betrifft.
Ein Großteil dessen kann dank der generellen
Flexibilität
verwirklicht
werden, über die wir 16 bei den Reduzierungen - sollten sie beschlossene
Sache sein - verfügen.
Frage:
Gerüchten
aus
Washington
zufolge verlassen Sie diesen Posten
bald. Haben Sie eine Kommentar dazu
abzugeben?
Antwort:
Tut mir leid, kein Kommentar.
Es ist das Vorrecht des
Weißen Hauses, solche Ankündigungen
zu machen. Ich bin Berufsdiplomat im
auswärtigen Dienst und unterstehe dem
Präsidenten. Ich werde hingehen, wohin immer und wann immer es ihm beliebt.

Frage:
Botschafter
Grinewski hat
die amerikanische Position zu leichten Panzern kritisiert. Können Sie
einen Kommentar zur westlichen Position abgeben?
Antwort:
Ich möchte lieber nicht
ins Detail gehen. Ich kann nur sagen, bei diesen Verhandlungen fühlen
wir uns durch die nüchterne und
ernsthafte Einstellung unserer Verhandlungspartner aus dem Ostblock ermutigt.
Wenn es Probleme gab, so
hatten sie bisher einen bestimmten
realistischen und logischen Grund.
Wir überprüfen diesen Themenkomplex
zur Zeit um herauszufinden, ob wir
zur Beilegung der Differenzen nicht
die Definitionen der Arbeitsgruppen
einbringen können. Neue Technologien
sind ein realistischer Aspekt. Andererseits wollten wir nicht in die Position geraten, schwere Panzer zugunsten der leichteren Panzer zerstören
zu müssen, die einige von uns für bestimmte Zwecke benötigen, die nicht
notwendigerweise in den Rahmen der
europäischen
Gegebenheiten
fallen.
Wir arbeiten daran.
Frage:
Bedeutet die Tatsache, daß
Sie heute keinen NATO-Vorschlag unterbreiten konnten, daß es eine tiefe
Spaltung innerhalb der NATO gibt?
Antwort:
Nein - das trifft ganz
und gar nicht zu. Es bestehen noch
Probleme und dabei handelt es sich um
ernsthafte und komplexe Themenbereiche. Wir sind weiterhin entschlossen, unsere fertiggestellten Kapitel
in dieser Verhandlungsrunde so bald
wie möglich vorzulegen, aber keiner
von uns möchte etwas festlegen, das
nicht richtig ist und nicht von allen
unterstützt wird. Ich möchte die bestehenden
Meinungsverschiedenheiten
nicht bagatellisieren, aber es handelt sich hierbei um kontinuierliche
Verhandlungen innerhalb des Bündnisses. Selbst während wir verhandeln,
arbeiten wir an diesen Fragen und wir
werden letzte Hand an diese vier Kapitel legen und sie so bald wie möglich vorlegen. Damit meine ich: In
dieser Verhandlungsrunde.

- 4 -

�Frage:
Können Sie etwas über die
vertrauensbildenden Maßnahmen sagen,
die sie Ihrem Vorschlag zufolge bald
einfuhren wollen?
Antwort: Nein, lieber nicht. Vertrauensbildende Maßnahmen ist eigentlich ein Begriff, der auf die anderen
Verhandlungen zutrifft. Wir bezeichnen sie als stabilisierende Maßnahmen, nicht nur zur Unterscheidung,
sondern auch, weil die Maßnahmen, mit
denen wir uns befassen, sehr eng mit
Reduzierungen verbunden sind und ihr
Zweck darin besteht, die Wirkung der
Reduzierungen im Hinblick auf verbesserte Stabilität und Sicherheit zu
erweitern.
Ich möchte hier aber
wirklich nicht zu einzelnen Maßnahmen
zitiert werden. Eine Reihe von Maßnahmen ist vorlagereif. Ich bin sicher, einige von Ihnen sind bestens
unterrichtet und wenn ich Ihnen jetzt
die fertiggestellten nenne, werden
einige von Ihnen sofort in der Lage
sein, die Maßnahme auszumachen, mit
der wir noch ein kleines Problem haben - und dann bin ich in Schwierigkeiten.
Frage:
Können Sie sagen, ob es
sich nur um eine oder zwei oder um
mehrere handelt?
Antwort:
Es sind nicht nur eine
oder zwei, sondern auch nur ein oder
zwei Wörter oder eine oder zwei Zahlen in diesen Maßnahmenpaketen.
Frage:
Botschafter
Grinewski zufolge sind eines der Hauptprobleme
die stationierten Truppen. Was meinen Sie dazu?
Antwort: Dazu hätte ich gerne weitere Einzelheiten und auch heute bestand ein Teil des Problems darin,
daß wir nur allgemeine Fakten vorliegen hatten. Erstens hat der Ostblock
darauf bestanden, Fragen der Mannschaftsstärke in diese Verhandlungen
miteinzubeziehen. Unsere ursprüngliche Position, die immer noch sehr
viel für sich hat, lautete, daß Personal logischerweise Zug um Zug mit
dem Gerät reduziert wird. Aber der

Ostblock sagte "nein", es muß bestimmte Grenzen geben. Unserer Ansicht nach müßten diese Grenzen verifizierbar sein und wir können sowjetische Streitkräfte in der Sowjetunion nicht mit einem vernüftigen Maß an
Vertrauen verifizieren. Und wir können die Streitkräfte des Ostblocks
aufgrund der Fragen bezüglich paramilitärischer
Streitkräfte,
Grenzschutzposten, Milizen usw. nicht mit
einem hohem Maß an Vertrauen verifizieren.
Unsere Konzession war folgende:
Da wir der Ansicht sind, daß wir
großes Vertrauen in unsere Fähigkeit
zur Verifizierung der sowjetischen
Truppen in Osteuropa setzen können,
sollten wir uns darauf konzentrieren.
Es erscheint uns also logisch, gleiche Obergrenzen zu haben, und es erscheint uns logisch, daß wir über die
Streitkräfte der beiden Supermächte
sprechen, die außerhalb ihrer Heimatländer stationiert sind. Deshalb haben wir den Vorschlag in der vorliegenden Form gestaltet. Unseres Erachtens ist er in sich schlüssig.
Wenn Herr Grinewski besondere Vorstellungen bezüglich der niederländischen, belgischen, kanadischen, französischen und britischen Streitkräfte
hat, so sollte er seine Vorschläge
erläutern, seine Zahlen vortragen und
seine Sprachregelung vorlegen.
Der
klarere Weg in bezug auf die Frage
der Mannschaftsstärke ist jedoch der,
den wir vorgeschlagen haben.
Frage: Trifft es zu, daß die Positionen Norwegens und der Türkei heute
die Haupthindernisse auf dem Weg zu
Fortschritten sind?
Antwort:
Nein, das trifft nicht
zu. Ich muß leider noch einmal wiederholen, daß ich mich nicht darauf
einlassen werde, bestimmte Länder
herauszugreifen, die besondere Haltungen einnehmen.
Ich habe ferner
bereits erklärt, daß viele Probleme
aus der Tatsache herrühren, daß unterschiedliche geographische Gegebenheiten die Suche nach einem einfachen
Weg zu einer Lösung erschweren, die

- 5-

�von allen Teilnehmern getragen wenien
kann.
Zu diesen unterschiedlichen
geographischen Voraussetzungen gehört
die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten und Kanada nur mit Streitkräften beteiligt sind, nicht mit ihrem Territorium. Wenn Sie versuchen,
komplexe Maßnahmen auf eine Art and
Weise anzuwenden, die Schwerpunktbildungen auf verschiedenen Teilen Europas vermeiden - was zu getrennten
Verhandlungen über den Norden, den
Süden oder die Mitte führen würde und sich um allgemeingültige Maßnahmen bemühen, mit denen jeder leben
kann, dann ist zumeist die Geographie
die Wurzel allen Übels. Das bedeutet
nicht, daß die Vereinigten Staaten,
die Türkei oder Norwegen das Prob Lern
sind. Es bedeutet, daß die Geographie Probleme verursacht.
Frage:
Wie lange wird die NATO
brauchen, um einen Vorschlag zu präsentieren?
Antwort:
Ich weiß es nicht. Aufgrund meiner Kenntnis der gegenwärtig
unternommenen Bemühungen gehe ich davon aus, daß dies schon bald der Fall
sein wird. Ich hoffe es.
Frage:
Ihren vorherigen Bemerkungen entnehme ich, daß Sie eine Vorlage dieses Papiers vor dem nächsten
Donnerstag ausschließen?
Antwort: Das ist die nächste planmäßige Gelegenheit. Ich schließe die
Möglichkeit
der Einberufung einer
außerplanmäßigen Plenarsitzung nicht
aus, aber sage auch keine vorher.
Frage:
Wie sehen die amerikanischen Wünsche im Hinblick auf die
Überwachung der Produktionseinrichtungen aus, und ist dies ein Problem
innerhalb des Bündnisses?
Antwort:
Die Frage der Produktionsstätten muß, wie auch Botschafter
Grinewski anscheinend erklärt hat, in
Betracht gezogen werden.
Wie man
dies nun genau tut, ist eine schwierige Frage.
Diejenigen unter uns,
die in Europa keine Produktionsstät-

ten besitzen, neigen dazu, die Vorteile einer einschneidenden Überwachung östlicher Produktionseinrichtungen zu betonen. Diejenigen unter
uns, die in Westeuropa Produktionsstätten besitzen, neigen zu Besorgnis
über den Umfang der Rechte, die dem
Osten auf Gegenseitigkeit eingeräumt
würden.
Frage: Wäre es für die UdSSR nicht
leicht, bei jedem START-Vertrag zu
betrügen, indem sie einige ihrer
strategischen Bomberstreitkräfte dem
KSE-Reglement unterwirft?
Antwort:
Wir sind nicht der Ansicht, daß es für sie leicht wäre,
auf diese Weise zu betrügen. Wir befassen uns hier mit konventionellen
Fähigkeiten. Und ich sehe eigentlich
nur wenige - einige würden sogar sagen keine - Flugzeuge, die rein nuklear sind. Wenn es eine konventionelle Fähigkeit gibt, dann wird sie
In diese Verhandlungen einbezogen.
Ich möchte versuchen, Ihnen das folgendermaßen zu erklären:
Es gibt
keine rein nuklearen Kanonen. Jedes
einzelne Artilleriegeschütz über ein
Kaliber von etwa 152 mm hinaus ist
heute nuklearfähig.
Ob ein großes
Geschütz wirklich dafür eingerichtet,
ob die Bedienungsmannschaft dazu ausgebildet und ob dieses Geschütz für
eine nukleare Rolle vorgesehen ist,
können wir in bezug auf die andere
Seite nicht immer sagen. Was unsere
Seite betrifft, so wissen wir, daß
nur einige unserer Bedienungsmannschaften für 155mm und 8 Inch-Geschütze in den Vereinigten Staaten
für eine mögliche nukleare Fähigkeit
vorgesehen
und
ausgebildet
sind.
Wenn die Waffe selbst nuklearfähig
ist, dann besitzt sie also eine doppelte Fähigkeit - eigentlich eine
dreifache, wenn Sie chemische Munition berücksichtigen oder wenn Sie noch
hinzufügen wollen, daß sie Leuchtmunition verschießen kann, dann besitzt
sie eine Mehrfachfähigkeit. Wir denken also nicht über nukleare Kanonen
nach.
Ebensowenig denken wir über
rein nukleare Flugzeuge nach.

�Frage:
Wenn
einige
jedoch
Langstreckenflugzeuge
in den START-Gesprächen abhandeln, wie können diese
dann auch in Ihre einbezogen werden?

kräfte werden ausgeklammert, und das
ist in dem Mandat für die Gespräche
so vorgesehen. Ich erwarte in diesem
Zusammenhang keine Probleme.
Vielen
Dank.

Antwort:
Ich stelle fest, daß Sie
sich sehr stark mit diesem Problem
beschäftigen. Mir bereitet es keine
Schwierigkeiten.
* * * * *
Frage:
Aber die
Schwierigkeiten?

Franzosen

macnen

Antwort:
Auch
hier
möchte
ich
nicht die Liste der französischen
Flugzeuge durchgehen, die in unserer
Definition enthalten sind.
Ich kann
Ihnen sagen, daß auf unserer Liste
der Flugzeuge, die in diese Verhandlungen einbezogen werden sollen, einige französische Flugzeuge stehen,
die der französischen Planung zufolge
strategische Rollen haben.
Frage:
Beide Bündnisse haben Probleme damit, daß durch die Einführung
neuer Waffensysteme Bestimmungen umgangen werden. Können Sie dazu Stellung nehmen?
Antwort:
Nein, das kann ich nicht.
Offensichtlich sind Sie über die internen Konsultationen im Osten weit
besser informiert als ich. Was aber
die westlichen angeht, so enthält Ihre Frage Informationen, die nur Eingeweihten bekannt sind. Ich kann das
bestätigen.
Ich möchte jedoch nicht
weiter gehen, denn ich müßte dann
einzelne NATO-Partner herausgreifen,
die besonders starke Positionen haben.
Auch diejenigen, die nicht in
Europa sind, aber Ausrüstung nach Europa bringen, müssen angemessen berücksichtigt werden.
Darüber möchte
ich nicht hinausgehen.
Frage:
Werden die
Seestreitkräfte
unter den NATO-Mitgliedern überhaupt
besprochen?
Antwort:
Nein, das ist nicht der
Fall - außer insoweit, daß landgestützte Marinefliegerkräfte in unsere
Definition der Kampfflugzeuge einbezogen werden.
Aber die Seestreit- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

13. September 1989

34

DIE VERBREITUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Eine Übersicht -

(Die folgende Übersicht über die Verbreitung chemischer Waffen wurde im
September von der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz
von Regierungen und Industrieunternehmen gegen chemische Waffen veröffentlicht, die vom 18. bis 22. September 1989 in Canberra stattfinden wird.)
Im Jahr 1984, als der damalige
amerikanische Vizepräsident Bush bei
der Genfer Abrüstungskonferenz einen
Vertragsentwurf einbrachte, der die
vollständige
Verbannung
chemischer
Waffen aus den Arsenalen aller Länder
vorsah, besaßen Schätzungen zufolge
nur fünf Staaten chemische Waffen.
Bis heute ist diese Zahl auf etwa 20
angestiegen, und noch mehr Länder unternehmen Anstrengungen, um chemische
Waffen zu beschaffen. Viele dieser
Staaten befinden sich in instabilen
Weltregionen. Eine Reihe von Faktoren hat die Verbreitung chemischer
Waffen gefördert: sie sind relativ
preiswert, erfordern zu ihrer Herstellung wenig technisches Know-how,
und sie werden im allgemeinen auf der
Grundlage von chemischen Wirkstoffen
und Technologien hergestellt, die le-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gitimen industriellen Zwecken dienen.
Die weitverbreitete Verfügbarkeit von
mehrfach
verwendbaren
chemischen
Wirkstoffen und Geräten hat die Beschaffung chemischer Waffen erleichtert und das Problem ihrer Kontrolle
verschärft.
Die Verbreitung chemischer Waffen
erhöht das Risiko ihres Einsatzes beträchtlich, der eine Verletzung des
Genfer Protokolls von 1925 darstellt,
das den Einsatz chemischer Waffen
verbietet. Sowohl der Irak als auch
der Iran haben im Golfkrieg chemische
Waffen eingesetzt.
Zusätzlich hat
der Irak im vergangenen Jahr chemische Waffen gegen seine eigenen kurdischen
Staatsbürger
eingesetzt.
Trotz des gegenwärtigen Waffenstillstands bemühen sich beide Seiten wei-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ter um die Beschaffung von Bestandteilen zur Herstellung chemischer
Waffen. Das Problem geht jedoch über
Iran und Irak, hinaus.
Mit Hilfe
westlicher Unternehmen und Arbeitskräften aus den Entwicklungsländern
hat der libysche Revolutionsf iihrer
Muammar Gadhafi die größte Produktionsstätte für chemische Waffen in der
Dritten Welt geschaffen.
Berichten
zufolge hat Libyen chemische Waffen
im Tschad eingesetzt. Leider ist Libyen jedoch nicht das einzige Land,
das geheime chemische Fabriken in der
Wüste oder abgelegenen Gebieten versteckt.
Neben der Verbreitung chemischer
Waffen war die in jüngster Zeit beobachtete Verbreitung von Trägersystemen eine weitere beunruhigende Entwicklung.
Eine wachsende Zahl von
Staaten besitzt oder entwickelt Mittelstreckenraketen, die in erheblichem Umfang chemische Waffen transportieren können. Damit wird dem gefährlichen Problem der Verbreitung
chemischer Waffen eine neue Dimension
hinzugefügt.
Schätzungen
zufolge
werden bis zum Jahr 2000 mindestens
15 Entwicklungsländer ihre eigenen
ballistischen Raketen herstellen.
Chemische Waffen sind ein weltweites Problem.
Die beschleunigte
Verbreitung und Anwendung chemischer
Waffen sind Bedrohungen für die Sicherheit aller Mitglieder der internationalen
Staatengemeinschaft
und
gefährden die Verwirklichung unseres
gemeinsamen Ziels - den Abschluß eines weltweiten Vertrags zur Beseitigung dieser gesamten Waffenkategorie.
Die
internationale
Staatengemeinschaft muß energische Maßnahmen ergreifen, um der gefährlichen Verbreitung und dem rechtswidrigen Einsatz
dieser Waffen Einhalt zu gebieten.
Sowohl die Regierungen und als auch
die Industrie müssen sich gemeinsam
darum bemühen.

* * * * *

- 2

�</text>
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VON

4

20. September 1989

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Die amerikanische Außenpolitik In einer Zelt des Umbruchs
- Von Lawrence S. Eagleburger US-Handelspolitik setzt große Hoffnungen in Uruguay-Runde
- Rede der US-Handelsbeauftragten in London Baker; Neue US-Position zu mobilen Raketen
- Erklärung d:»s amerikanischen Außenministers -

HINTERGRUND
Die Verhandlungen über chemische Waffen
- Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen Industrie und Regierung bekämpfen chemische Waffen gemeinsam
- Von Richard Clarke und Will Carpenter Die Vernichtung chemischer Waffen
- Ijbersicht über das Programm der Vereinigten Staaten Das amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung
- Eine Übersicht des US-Informationsamtes -

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35

20. September 1989

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK IN EINER ZEIT DES UMBRUCHS
- Von Lawrence S. Eagleburger -

Der Autor ist Stellvertretender Außenminister. Der folgende Artikel stützt
sich auf die am 13.September 1989 anläßlich der Gedenkfeier für Samuel D.
Berger in der Georgetown University in Washington gehaltene Rede.
Uns allen ist das Klischee bekannt, daß die Früchte des Sieges in
der Niederlage gesät werden.
Ein
Ausdruck dieser altbekannten Wahrheit
ist, daß Menschen ebenso wie ganze
Nationen fähig sind, aus ihren Fehlern zu lernen und die Lektion der
Niederlage auf ihr nächstes Rendezvous mit dem Schicksal anzuwenden.
Wir Amerikaner sind uns der dem
Erfolg immanenten Gefahren jedoch
meist sehr viel weniger bewußt. Wir
sind ein selbstbewußtes und optimistisches Volk und in unserer Einstellung zu internationalen Angelegenheiten tendieren wir dazu, uns auf die
Herausforderungen des Augenblicks zu
konzentrieren und den langfristigen
Aspekten
sowie der Notwendigkeit,
Vorsorge für eine im permanenten Um-

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bruch begriffene Welt zu treffen, wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts haben wir
zwei große Siege über die Mächte der
Aggression und des Totalitarismus davongetragen. Aber bei beiden Gelegenheiten haben wir es im Verlauf des
Konflikts versäumt, weit über das aktuelle Geschehen und die Aussicht auf
Sieg hinauszublicken und der Tatsache
Rechnung zu tragen, daß unsere Siege
an sich schon die Welt verändern und
uns mit einer Reihe neuer Probleme,
Herausforderungen und Verantwortlichkeiten konfrontieren würden.
Fairerweise muß jedoch gesagt
werden, daß die Vereinigten Staaten
tatsächlich eine wichtige Lehre aus
den bitteren Erfahrungen der Zeit
zwischen den beiden Weltkriegen gezo-

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�gen haben, und zwar die Erkenntnis
der Notwendigkeit einer aktiven Rolle
der Vereinigten Staaten und die Übernahme von Verantwortung bei der Bewahrung des internationalen Friedens
und der Stabilität. Zum dritten Mal
in diesem Jahrhundert riskieren wir
heute jedoch, Opfer unseres eigenen
Erfolges zu werden. Wir vernehmen
von allen Seiten, daß der als kalter
Krieg bekannte gnadenlose ideologische und militärische Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion jetzt zu Ende geht. Und
wir hören, daß dieser Krieg im großen
und ganzen zu unseren Bedingungen zu
Ende geht.
Obwohl ein Großteil der Diskussionen über dieses Thema meines Erachtens verfrüht ist, besteht kein
Zeifel daran, daß wir in eine neue
Ära internationaler Beziehungen eintreten, die größtenteils das Produkt
unserer erfolgreichen Nachkriegspolitik ist. Es ist jedoch jetzt nicht
an der Zeit, uns selbst auf die
Schulter zu klopfen.
Zufriedenheit
über unseren Erfolg macht sachliches
Nachdenken über die neuen außenpolitischen Herausforderungen nicht überflüssig, die uns in den kommenden
Jahren erwarten. Wir betreten Neuland und wir werden einen anderen
Kompaß als den benötigen, der uns bis
heute sicher durch die zweite Hälfte
des 20. Jahrhunderts geleitet hat.
Zunächst möchte ich mich jedoch
in einigen selbstgefälligen Betrachtungen ergehen. Die Geschichte wird
lehren, daß die Vereinigten Staaten
sich - obwohl sie den kalten Krieg
nicht vorhergesehen hatten - den Herausforderungen und Verantwortlichkeiten einer Weltmacht voll und ganz gestellt haben, die er uns aufgezwungen
hat. Was haben wir erreicht? Erstens haben wir dazu beigetragen,
Westeuropa vor wirtschaftlichem Ruin
und vielleicht permanentem Abstieg zu
bewahren, indem wir den Grundstein
für die beeindruckende Stärke und den
heutigen Wohlstand dieses Kontinents
gelegt haben. Zweitens haben wir die
Führungsrolle bei der Gründung eini-

ger
multilateraler
Institutionen
übernommen, die erstmals in der Geschichte die rationelle Verwaltung
einer unabhängigen, internationalen
freien Marktwirtschaft gestatteten.
Drittens haben wir unsere ehemaligen
Gegner - die Bundesrepublik Deutsch] and und Japan - in der Reihe demokratischer Nationen des Westens willkommen geheißen, die Feindseligkeiten
der Vergangenheit begraben und einen
Krieg zwischen uns für immer undenkbar gemacht. Und viertens haben wir
gemeinsam mit unseren NATO-Partnern
ein Bollwerk gegen sowjetische Expansion in Europa und weltweit gebildet.
Das sind keine geringen Errungenschaften. Es ist für eine Demokratie
nicht leicht, die Entschlußkraft und
den für eine erfolgreiche und in sich
geschlossene Außenpolitik erforderlichen öffentlichen Konsens zu bewahren. Unsere Aufgabe wurde durch die
Tatsache noch zusätzlich erschwert,
daß wir nur ein Land in einer Koalition von Demokratien waren und uns
mit einem mächtigen Gegner konfrontiert sahen, dessen Missionseifer nur
noch durch seine scheinbar grenzenlose Fähigkeit, die Bedürfnisse seines
Volkes zu ignorieren und enorme Ressourcen der Beschaffung des Instrumentariums für Einschüchterung und
Aggression zu opfern, in den Schatten
gestellt wurde. Wir hatten Erfolg,
weil wir und unsere Verbündeten einig
waren, daß die Bedrohung, der wir uns
gemeinsam gegenübersahen, unmittelbar
und real war und weil die Völker des
Westens bereit waren, die zur Bewältigung dieser Bedrohung erforderlichen Opfer zu bringen.
Unser Erfolg spricht für sich
selbst.
Kollektiv ist der Westen
heute stärker als jemals zuvor seit
dem Zweiten Weltkrieg.
Wir haben
Wohlstand und Sicherheit. Wir haben
Vertrauen in unsere Aufgabe und in
die Gültigkeit - und Allgemeingültigkeit - unserer demokratischen Ideale.
Andererseits ist der Kommunismus als
Staatsphilosophie und Wirtschaftsform
in Auflösung begriffen.
Heute ist
Kommunismus das Refugium von Despoten

�und Oligarchen, die sich verzweifelt
an die Macht klammern aber wissen,
daß sie von der Geschichte verurteilt
sind.
Von Osteuropa bis Nicaragua
und von Äthiopien bis Kuba sind kommunistische Volkswirtschaften anerkannte Fehlschläge.
Die Geschichte
des vergangenen Jahrzehnts ist weltweit eine nahezu fehlerlose Bilanz
marktorientierter Reformen und des
Sieges demokratischer Kräfte über
Diktaturen des linken und rechten politischen Spektrums.
Aber die Bilanz unserer Leistungen ist nicht das Thema meiner heutigen Ansprache.
Stattdessen möchte
ich absichtlich Nachdenken über die
diametral entgegengesetzten Herausforderungen provozieren, mit denen
sich die Vereinigten Staaten bei ihrem Weg ins nächste Jahrhundert auf
der internationalen Bühne konfrontiert sehen. Wir müssen uns vor Augen führen, daß die bipolare Welt der
Nachkriegszeit, in der die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion das
Weltgeschehen beherrschten und die
Tagesordnung für ihre jeweiligen Verbündeten bestimmten, zu Ende ist.
Wir bewegen uns jetzt in Richtung auf
- oder sollte ich sagen zurück in denn seit Menschengedenken liegt dies
in der Natur internationaler Beziehungen - eine Welt, in der Macht und
Einfluß unter einer Vielzahl von
Staaten aufgeteilt wird.
Natürlich wurde diese Entwicklung
vom Westen insofern begrüßt, als sie
eine Abnahme der sowjetischen Wirtschaftsmacht und den Prozeß politischen Zerfalls widerspiegelt, der
heute für Osteuropa symptomatisch zu
sein scheint. Aber machen wir uns
nichts vor. Wenn es stimmt, daß wir
als Sieger aus dem kalten Krieg hervorgegangen sind, dann sind wir ebenso wie die Sowjets hinter uns ziemlich außer Atem durchs Ziel gekommen. Sowohl die Sowjets als auch
wir sehen uns mit einer offensichtlich geringeren Fähigkeit konfrontiert, Ereignisse zu beeinflussen und
unsere jeweiligen Interessen weltweit
in dem bisher gewohnten Maße zu för- 3

dern.
Das soll nicht heißen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion aufhören werden, die einzigen
wirklichen Supermächte der Welt zu
sein oder daß die Sowjets auch in absehbarer Zukunft nicht die Hauptbedrohung für die Sicherheitsinteressen
des Westens darstellen.
Noch wird
die multipolare Welt, auf die wir uns
zwangsläufig zubewegen angesichts der
Existenz und der tatsächlichen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
ein sichererer Ort sein als das Zeitalter des kalten Krieges, das wir
jetzt hinter uns lassen.
Bei all
seinen Risiken und Unsicherheiten war
der kalte Krieg durch ein bemerkenswert stabiles und berechenbares Beziehungsgeflecht zwischen den Großmächten gekennzeichnet.
Ein kurzer
Blick in die Geschichtsbücher wird
uns lehren, daß wir das über den
Zeitraum von der Geburtsstunde der
europäischen Nationalstaaten bis zum
Ausbruch
des
Zwweiten
Weltkriegs
nicht sagen können.
Daher leben wir in einer Zeit des
Umbruchs, einer Zeit der Risiken und
Chancen.
Es besteht Aussicht, daß
die Ostblockländer letztlich der demokratischen Staatengemeinschaft beitreten und die Entwicklungsländer von
den Segnungen des Fortschritts profitieren können, indem sie marktorientierte Reformen durchführen. Es besteht jedoch auch die Gefahr, daß ein
Wandel im Ostblock sich als zu destabilisierend erweisen könnte, um fortgeführt werden zu können und die Länder der Dritten Welt unter der Last
der Verschuldung und des Zerfalls zusammenbrechen, was wiederum zu gravierenden Instabilitäten führen könnte.
Wenn es eine Botschaft gibt, die
ich heute abend übermitteln möchte,
so lautet sie folgendermaßen: Unsere
Fähigkeit, den Herausforderungen in
den Ost-West- und den Nord-Süd-Beziehungen zu begegnen, wird maßgeblich
davon abhängen, wie gut die führenden
westlichen
Industrienationen
den

�Übergang zu einem neuen Beziehungsgeflecht und zu einer Neuverteilung der
Verantwortlichkeiten
untereinander
bewältigen.
Zweifelsohne hat sich
das Kräftegleichgewicht zwischen den
Vereinigten Staaten, Westeuropa und
Japan im vergangenen Jahrzehnt verlagert. Wir können etwas gegen unsere
Handels- und Haushaltsdefizite tun,
aber wir stehen der unumstößlichen
Tatsache machtlos gegenüber, daß wir
in
internationalen
Angelegenheiten
nicht länger wie gewohnt unseren Willen bekommen werden.
Wie wir mit
dieser Tatsache fertigwerden und wie
sich unsere westlichen Partner an ihre neugewonnene Unabhängigkeit und
Verantwortung gewöhnen, wird darüber
entscheiden, ob der stabile internationale Rahmen, für dessen Stützung
die Vereinigten Staaten in der Nachkriegszeit soviel getan haben, weiterhin zum Nutzen aller funktionieren
wird oder ob wir zu den dunklen Tagen
der Autarkie, des Unilateralismus und
Protektionismus
zurückkehren,
die
sich in den zwanziger und dreißiger
Jahren als höchst schädlich für den
Westen erwiesen haben.
Die Verlagerung des Kräftegleichgewichts zwischen den führenden westlichen
Industrienationen
bedeutet
nicht, daß die Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle aufgeben müssen.
Im Gegenteil, die Vereinigten Staaten
werden noch bis weit ins nächste
Jahrhundert hinein die einzige Großmacht sein, die in der Lage - oder
zumindest bereit - ist, global zu
denken und Maßnahmen zu erarbeiten,
die im allgemeinen politischen, wirtschaftlichen
und
sicherheitspolitischen Interesse des Westens liegen.
Dies ist uns nicht immer gelungen,
noch haben wir es notwendigerweise
aus reinem Altruismus getan, aber es
ist und bleibt eine Tatsache, daß
keiner unserer westlichen Partner
über die globale Einflußsphäre verfügt oder in der Lage ist, bei der
Bewahrung und Erweiterung der institutionellen Mechanismen die Führungsrolle zu übernehmen, die für die Erhaltung
der internationalen wirtschaftlichen und politischen Stabili-

tät unabdingbar ist. Unsere Fähigkeit zur Übernahme dieser Rolle mag
abgenommen haben, aber nicht die Notwendigkeit, es zu tun.
Damit die Vereinigten Staaten
diese Rolle weiterhin spielen können,
ist jedoch die Erkenntnis unserer demokratischen Partner im Westen erforderlich, daß zunehmender Wohlstand
und Einfluß mit wachsender Verantwortung einhergeht. Westeuropa muß auf
seinem Weg zur Schaffung eines europäischen Binnenmarktes bis Januar
1993 beispielsweise kontinuierliche,
offene Handelsbeziehungen
mit den
Vereinigten
Staaten
sicherstellen,
wenn wir die Spirale des Protektionismus und damit die zwangsläufige
Verschlechterung
der
transatlantischen Beziehungen vermeiden wollen.
Gleichermaßen werden die Japaner die
Tatsache akzeptieren müssen, daß sie
es sich nicht länger leisten können,
nur ihren eigenen Vorteil auf Kosten
der Stabililtät des internationalen
Systems insgesamt im Auge zu behalten. In dieser Hinsicht müssen sowohl die Vereinigten Staaten als auch
Westeuropa die institutionellen Mittel und Wege finden, um die Japaner
in engere Konsultationen zu einem
breiten
Spektrum
politischer
und
wirtschaftlicher Themen einzubeziehen, so daß sie die kreative und positive internationale Rolle spielen
können, die ihnen rechtmäßig und
zwangsläufig zukommt.
Die Anpassungsprobleme, mit denen
wir uns im Westen konfrontiert sehen,
sind verschwindend gering, verglichen
mit denen der Sowjets heute. Die Sowjetunion durchläuft eine Phase, die
nur als Krise massiven Ausmaßes beschrieben werden kann. Michail Gorbatschow hat die Klugheit und Einsicht besessen, daß radikale Veränderungen erforderlich sind, um sein
Land vor permanentem Abstieg zu bewahren.
Dies ist jedoch nicht das
erste Mal, daß der Kreml einen ideologischen Rückzug angetreten hat, um
nationale Gesundung zu stimulieren.
In den zwanziger Jahren hat Lenin ihn
zum ersten Mal mit seinem marktorien-

- 4 -

�tierten neuen Wirtschaftsplan vollzogen und Stalin opferte während des
großen patriotischen Krieges gegen
Nazi-Deutschland die Ideologie zugunsten des russischen Nationalismus.
Wir müssen uns dieses Kapitel der Geschichte ebenso wie die Tatsache vor
Augen führen, daß Gorbatschow kein
Antikommunist ist und beabsichtigt,
die Sowjetunion so stark wie irgend
möglich zu machen.
Dennoch trifft es zu, daß die von
Gorbatschow eingeleiteten Veränderungen zu ersten realistischen Hoffnungen auf eine Umgestaltung des sowjetischen Systems und auf eine qualitative Verbesserung der Ost-West-Beziehungen Anlaß geben. Wie Präsident
Bush erklärt hat, bietet sich heute
die Gelegenheit zur Überwindung der
seit dem Ende des Krieges bestehenden
Teilung Europas zu Bedingungen, in
denen unsere demokratischen Prinzipien ihren Niederschlag finden. Offensichtlich hat Gorbatschow begriffen,
daß sein Land wirtschaftlich nicht
konkurrieren kann, solange die Ressourcen nicht aus dem militärischen
Bereich abgezogen werden und die Sowjetunion nicht ins nachindustrielle
Zeitalter eintreten kann, wenn sie
ihre Gesellschaft nicht der Welt
draußen öffnet und die Beziehungen
mit dem Westen auf eine normale
Grundlage stellt. Aus diesen Gründen
hat er hoffnungsträchtige Erklärungen
zur Abrüstung abgegeben und die abenteuerlichen Eskapaden in Übersee mehr
oder weniger aufgegeben, die so ausserordentlich zur Festigung der Solidarität im Westen Anfang der achtziger Jahre beigetragen haben.
Und darin liegt eine Gefahr für
die westlichen Interessen: Mit der
wachsendenen Erkenntnis in der westlichen Öffentlichkeit, daß die sowjetische Bedrohung abgenommen hat, wird
sich unter den NATO-Mitgliedstaaten
eine Tendenz abzeichnen, beim Ausbau
ihrer Beziehungen mit dem Ostblock zu
wetteifern.
Bereits
jetzt werden
Stimmen laut, die fordern, wir müßten
Maßnahmen ergreifen, um den Erfolg
von Gorbatschows Reformen sicherzu-

stellen. Das ist jedoch weder Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik
noch die unserer westlichen Verbündeten. Unsere Aufgabe besteht letztlich darin, politische Maßnahmen zu
erarbeiten, die unseren Interessen
dienen - gleichgültig, ob Gorbatschow
Erfolg hat oder nicht. Und unser gemeinsames Ziel sollte die Aufrechterhaltung des Konsenses im Sicherheitsbereich sein, der dem Westen in den
vergangenen vierzig Jahren so gut gedient hat, bis der Prozeß demokratischer Reformen im Ostblock wirklich
unumkehrbar geworden ist.
Das ist leichter gesagt als getan. Wenn die westliche Tendenz zu
Unilateralismus bei Handelsangelegenheiten auch auf die Beziehungen mit
dem Ostblock im Sicherheitsbereich
zutrifft, könnte die Sowjetunion die
NATO-Mitgli edstaaten
gegeneinander
ausspielen und Konzessionen bei Handel und Rüstungskontrolle erhalten,
ohne ihr System auf eine Art und Weise zu reformieren, die einzig und allein zu einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Ost und
West führen können.
Zweifelsohne liegt es ebensosehr,
wenn nicht noch mehr im europäischen
als in unserem Interesse, die finanzielle
Unterstützung
rein
kosmetischer Reformen in der Sowjetunion
zu vermeiden oder RUstungskontrollabkommen zu erzielen, mit denen die Fähigkeit der NATO zur Abschreckung von
Aggression unterhöhlt wird.
Letztlich sind die Europäer von der Geographie her verdammt, im Schatten der
sowjetischen Militärmacht zu leben,
unabhängig davon, ob die Sowjetunion
langfristig
soviele
Veränderungen
vornimmt wie wir alle hoffen. Und
während das Engagement der Vereinigten Staaten für die NATO unerschütterlich bestehen bleibt, müssen unsere europäischen Verbündeten - insbesondere in Anbetracht der Schaffung
eines europäischen
Binnenmarkts
größere Verantwortung für ihre Verteidigung übernehmen und eine gerechtere Arbeitsteilung im Bündnis einführen, die der relativen Stärke un-

- 5 -

�serer Volkswirtschaften Rechnung trägt.
Es gibt noch einen weiteren
Grund, warum die Europäer bei der
Verwaltung ihrer Interessen mehr Verantwortung übernehmen müssen.
Wir
entdecken jetzt, daß der Reformprozeß
im Ostblock und die Lockerung der sowjetischen Kontrolle über Osteuropa
lang unterdrückte ethnische Auseinandersetzungen und Nationalitätenkonflikte an die Oberfläche bringt und
die deutsche Frage wieder auf die internationale Tagesordnung setzt. Obwohl die amerikanische Politik einen
stabilisierenden Einfluß auf die Behandlung dieser Fragen haben kann,
sind
es
letztlich
die
Europäer
selbst, die das politische Hauptinteresse daran haben, den Übergang zu
einem neuen und ungeteilten Europa
friedlich und reibungslos zu gestalten. Darüber hinaus ist der kooperative und multilaterale Ansatz, der in
der Nachkriegszeit ein wohlhabendes
und sicheres Westeuropa geschaffen
hat, der Schlüssel zur Überwindung
der Instabilität und Unberechenbarkeit, die der multipolaren Ära innewohnt, in die ganz Europa heute eintritt.
Die Vereinigten
Staaten sehen
sich im nächsten Jahrzehnt auch in
ihren Beziehungen zu den Entwicklungsländern neuen Herausforderungen
gegenüber.
Auch hier scheint sich
der Nachkriegskampf zwischen liberaler Demokratie und kommunistischen
oder dirigistischen
Ideologien um
Seele und Geist der Völker in der
Dritten Welt in eine für den Westen
günstige Richtung zu entwickeln. Wir
sollten die unterschwellige Bedeutung
des Trends zu Demokratie und freien
Marktreformen, dessen Zeuge wir heute
in einem Großteil der Entwicklungsländer werden, jedoch realistisch beurteilen. Tatsache ist, daß dieser
Trend gegen die amtierenden Regierungen überall auf der Welt und aller
politischen Schattierungen gerichtet
ist - Regierungen, die mit Problemen
wie Bevölkerungsexplosion, Arbeitslosigkeit
und
stagnierendem
Wirtschaftswachstum überfordert sind.

Zweifelsohne sind viele der Probleme in den Entwicklungsländern ihnen selbst zuzuschreiben. Wenn sie
jedoch zu den notwendigen Reformen
bereit sind, müssen wir im Westen mit
kreativen Ansätzen zur Bewältigung
des Schuldenproblems und mit dem Maß
an Investitionen reagieren, das viele
Länder zunächst gescheut haben, jetzt
aber dringend empfehlen. Wenn es uns
nicht gelingt, angemessen auf die
Schuldenkrise zu reagieren, könnte
sich der Trend zu Demokratie in den
Entwicklugnsländern als kurzlebig erweisen. Darüber hinaus könnten einige der noch im Entstehen begriffenen
Nationalstaaten der Dritten Welt in
ihre ethnischen oder regionalen Bestandteile zerfallen, während die gut
bewaffneten die Lösung ihrer Probleme
im Inland durch Aktionen im Ausland
anstreben könnten. Und es könnte geschehen, daß die Instabilität in den
Entwicklungsländern bis vor unsere
Türschwelle in Europa und den Vereinigten Staaten exportiert wird.
Schließlich gibt es noch eine
weitere Reihe von Problemen, mit denen wir uns auf unserem Weg ins nächste Jahrhundert konfrontiert sehen,
deren Lösung die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten oder jedes anderen
Staates übersteigt und die daher einen kollektiven Ansatz erfordern. Es
handelt sich hierbei um Probleme wie
die Verbreitung von Waffen, internationalen Drogenschmuggel, Terrorismus
und die Gefährdung der Umwelt. Diese
Probleme machen nicht an Grenzen halt
und es gibt keine nationalen oder
rein unilateralen Lösungen für sie.
Wenn Michail Gorbatschow seine
Aussage ernst meint, daß wir unsere
ideologischen Differenzen und den militärischen Wettstreit beilegen müssen, um uns der fundamentalen Bedrohung des Überlebens auf unserem Planeten zuwenden zu können, so hat er
in den Vereinigten Staaten einen bereitwilligen Partner. Aber die Mehrzahl der von mir genannten Probleme die in den kommenden Jahren voraussichtlich die internationale Tagesordnung beherrschen werden - können

- 6 -

�nicht allein im Rahmen der Ost-WestBeziehungen gelöst werden.
Nehmen
wir zum Beispiel Probleme wie Umweltverschmutzung und die Verbreitung von
Waffen. Wir in den Industrienationen
befinden uns heute in der peinlichen
Lage, die Entwicklungsländer bitten
zu müssen, auf Methoden der Wirtschaf tsentwicklung zu verzichten, die
wir selbst vor nicht allzu langer
Zeit praktiziert haben und die zum
Teil für unseren heutigen Wohlstand
verantwortlich sind.
Ebenso bitten
wir viele dieser Nationen, auf die
Produktion von Waffen zu verzichten,
die wir selbst besitzen und die in
einer gefährlichen und unberechenbaren Welt zu unserer Sicherheit beitragen.

tionären Veränderungen, die heute die
Welt erfassen, sind umkehrbar und
können nicht allein durch die Bemühungen der Vereinigten Staaten weitergeführt werden. Sie können jedoch
fortgeführt und die bestehenden Gefahren zu Chancen gemacht werden,
wenn die westlichen Demokratien ihre
Verpflichtung zu einem kollektiven
und kooperativen Ansatz bei der Bewältigung der Hauptprobleme erneuern,
mit denen wir uns konfrontiert sehen.
Und dafür ist an erster Stelle die
amerikanische FUhrungsrolle erforderlich.

Zweifelsohne ist die Zusammenarbeit zwischen Ost und West zur Behebung vieler unterschwelliger politischer und regionaler Spannungen unabdingbar, die die Wurzel grenzüberschreitender Probleme wie Terrorismus
und Verbreitung von Waffen sind. Die
Herausforderung, die Drogenkartelle
zu zerschlagen und insbesondere die
Gefährdung der Umwelt zu beseitigen,
hat jedoch eine internationale Dimension und macht gemeinsame Bemühungen
der Nationen erforderlich, die zur
Mobilisierung der zu ihrer Lösung
notwendigen Ressourcen wohlhabend genug sind.
Ich hatte nicht die Absicht, ein
düsteres Bild des internationalen Umfelds zu zeichnen, das uns im nächsten Jahrzehnt und im kommenden Jahrhundert erwartet. Die Zeit des Umbruchs, in der wir uns heute befinden, kann erfolgreich gemeistert werden, wenn wir der Tatsache Rechnung
tragen, daß wir uns anderen Herausforderungen als in den vergangenen 40
Jahren gegenübersehen.
Militärisch
gesehen sind wir heute stark. Wirtschaftlich gesehen sind wir heute
stark. Und es ist nur eine Frage der
Zeit, bis wir den Triumph demokratischer Werte in Ländern beobachten
können, in denen dies noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Aber die positiven und sogar revolu- 7-

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20. September 1989

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US-HANDELSPOLITIK SETZT GROSSE HOFFNUNGEN IN URUGUAY-RUNDE
- Rede der US-Handelsbeauftragten In London LONDON - (AD) - Der US-Handelsbeauftragten Carla Hills zufolge ist eine
tiefgreifende Reform des Welthandelssystems erforderlich, um zu verhindern,
daß regionale Handelsblöcke gebildet werden und die verschiedenen Staaten sich
in zerstörerische Handelskriege drängen lassen. Diese Reform sollte in der
derzeitigen Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche errreicht werden,
erklärte Frau Hills am 14. September 1989 in London. Aus diesem Grund bilde
die Runde "für die Vereinigten Staaten die höchste Priorität im Bereich des
Handels".
Nachfolgend
Wortlaut.

veröffentlichen wir die Rede der US-Handelsbeauftragten im

Der Handel ist mit London untrennbar verbunden. Seit Jahrhunderten gehören sie zusammen wie eine
steife Brise und die Segel eines
Schoners.
Ein offener Handel ist
Eckpfeiler Ihres Wohlstands.

Ich bin heute hierher gekommen,
um Ihnen zu versichern, daß die Handelspolitik der Bush-Administration
vom Geist Humes, Smiths und Ricardos
geleitet und dem Ausbau des offenen
Handels verpflichtet ist.

Drei berühmte Briten - David
Hume, Adam Smith und David Ricardo sind die geistigen Helden derjenigen
unter uns, die heute das freie Handelssystem verteidigen und ausbauen
möchten. Dieses System besteht noch,
aber es unterliegt schweren Belastungen - es wird von Regierungen auf die
Probe gestellt, die das freie Spiel
der Marktkräfte behindern, den Handel
verzerren und den Wettbewerb hemmen.

Zu Beginn dieses Jahres hat Präsident Bush eine umfassende Überprüfung des Welthandelssystems und unserer Handelspolitik vorgenommen. Ich
möchte Ihnen kurz die Ergebnisse unserer Erörterungen schildern und Ihnen insbesondere die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik,
unsere
Strategie zu deren Verwirklichung und
die zentrale Bedeutung der UruguayRunde für diese Politik erläutern.

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�Die amerikanische Handelspolitik für
die neunziger Jahre

schlossenen Maßnahmen zugrunde, darunter:

Ich versichere Ihnen, daß wir eine klare Vision der von uns angestrebten Welt haben: Eine Welt, in
der die Unternehmer und nicht Regierungsbürokraten bestimmen, wie industrielle und landwirtschaftliche Unternehmen
miteinander
konkurrieren
und die Staaten Handel treiben.

Unsere Verhandlungen im Stahlund Schiffbaubereich, die auf
den Abbau staatlicher Subventionen und die Öffnung der Märkte
zielen.

Die Politik der Bush-Administration ist auf die Öffnung der Märkte
nicht auf deren Abschottung gerichtet, auf die Schaffung eines kontinuierlich
wachsenden
Welthandelssystems, das auf klaren und durchsetzbaren Regeln beruht.
Der Präsident hat zur Umsetzung
dieser Vision eine dreifache Strategie entwickelt, die von uns mit aller
Energie durchgeführt wird:
Erstens, wir verpflichten uns und wir fordern unsere Handelspartner zu einer ebensolchen Verpflichtung auf - zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
multilateraler
Handelsgespräche
in der für Dezember 1990 gesetzten Frist.
-

Zweitens, wir werden - auf eine
Art und Weise, die vollständig
mit
unseren
Zielen
in
der
Uruguay-Runde übereinstimmt - bilaterale und regionale Initiativen zur Marktöffnung weiterverfolgen.
Schließlich werden wir die Stärke
unseres Binnenmarkts zur Förderung
unserer
Ziele
in
der
Uruguay-Runde einsetzen.

Unsere eindeutige und dauerhafte
Unterstützung der Schaffung eines
Binnenmarkts durch die Europäische Gemeinschaft (EG) und unsere
Forderung
an
diese, die
Schranken nicht nur innerhalb Europas sondern auch zwischen Europa und seinen Handelspartnern abzubauen.
Unsere Durchführung des Handelsgesetzes von 1988 in einer Weise,
die den Welthandel von staatlicher Einmischung befreit.
Unser Besuch in Mexiko im vergangenen Monat, in dessen Verlauf
wir die Kreativität der Regierung
Salinas begrüßt haben, mit der
Zölle und Handelsschranken abgebaut werden und eine Umstrukturierung der mexikanischen Volkswirtschaft vorgenommen wird.
Unser für den nächsten Monat vorgesehener Besuch in der Pazifikregion, um die Entwicklung zu
marktwirtschaftlichen
Handelsund
Investitionsregelungen
in
dieser Region zu stärken.
Unser anhaltender Widerstand gegen protektionistischen Druck in
unserem eigenen Land, darunter
Versuche, ausländische Investitionen zu begrenzen.

Manchmal müssen wir die Regierung
auch drängen, wettbewerbsfeindliche
Praktiken zu beseitigen, die ebenfalls den Handel einschränken können.
Unsere gemeinsame Initiative
mit Japan gegen strukturelle Hemmnisse zum Beispiel zielt darauf ab,
sichtbare und "unsichtbare" Hemmnisse, die den Wettbewerb in beiden Ländern stark einschränken, zu beseitigen.
- 2-

Das grundsätzliche Ziel unserer
Strategie besteht darin, den Staat
aus der Wirtschaft zu verdrängen:
aus der Stahlproduktion, aus dem Verkauf von Getreide, aus der Viehmast,
dem Schiffbau und den vielen anderen
Bereichen, in denen der Staat den
Handel verzerrt. Dieses Ziel liegt
allen unseren in jüngster Zeit be-

�Die Uruguay-Runde
Jede dieser Maßnahmen zur Marktöffnung betrifft bestimmte Probleme.
Sie allein werden jedoch die so dringend benötigte durchgreifende Reform
des Welthandelssystems nicht bewirken
können.

ternationalen Regeln für fairen Wettbewerb nicht zufriedenstellend abgedeckt. Und wenn Regeln unzureichend
sind oder gar nicht existieren, werden aus Handelsstreitigkeiten Handelskriege, werden Exporteure behindert und bedienen sich ineffiziente
Industrien aus staatlichen Quellen.
Die Kosten sind schwindelerregend:

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat
das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) - die wichtigste Plattform für internationale Handelsgespräche - sieben erfolgreiche Runden
zur Senkung von Zöllen zwischen den
bedeutenden Handelsnationen der Welt
gefördert.
Diese Runden haben zum
Abbau von Hemmnissen und Ausbau des
Handels geführt. Als Ergebnis sind
unsere Volkswirtschaften in den vergangenen vier Jahrzehnten schneller
gewachsen als in jedem vergleichbaren
Zeitraum der Weltgeschichte.

Die Europäer gaben letztes Jahr
nahezu 120 Milliarden Dollar zur
Stützung der Landwirtschaft aus,
die Vereinigten Staaten fast 75
Milliarden.
Das sind pro Kopf
300 bis 400 Dollar jährlich.
In der EG wurden zusätzlich 50
Milliarden Dollar für Subventionen an europäische Stahlunternehmen,
Schiffbau
und
andere
Branchen verschwendet. Das sind
weitere 150 Dollar pro Jahr, die
jedem Verbraucher aus der Tasche
gezogen werden.

Das GATT fördert auch weiterhin
den Ausbau des Handels, und es hat
eine wachsende Mitgliederzahl unterschiedlicher Volkswirtschaften aufgenommen. Am schwersten wiegt jedoch
die Tatsache, daß es eine verbreitete
Akzeptanz, wenn auch nicht immer die
Einhaltung, gewisser Grundprinzipien
hervorgebracht hat - etwa die nationale Behandlung -, die den offenen
Handel unterstützen.
Das Problem besteht jedoch darin,
daß das Handelssystem den GATT-Rahmen
sprengt. Während die Zölle gesenkt
wurden, haben die nichttarifären Handelshemmnisse zugenommen.
Überdies
sind vom GATT kaum oder garnicht abgedeckte Bereiche wie etwa Landwirtschaft
oder
geistiges
Eigentum,
Dienstleistungen und Investitionen,
heute von erheblich größerer Bedeutung als früher.
Um es griffig zu formulieren:
Das GATT gleicht einem Zwei-ZimmerBungalow
auf
einem
unbezahlbaren
Grundstück: Die Vorteile einer Renovierung überwiegen deren Kosten bei
weitem. Insgesamt werden über 1 Milliarde Dollar aus dem Handel mit Gütern und Dienstleistungen von den in-

Der unzureichende Schutz geistigen Eigentums kostet amerikanische Software-Entwickler, Arzneimittelfirmen und andere Exporteure jährlich über 40 Milliarden
Dollar.
Ihre europäischen Konkurrenten verlieren nochmals etliche Milliarden. Diese Piraterie blutet die Produktivität des
Ruhrgebiets ebenso aus wie die
des Silicon Valley.
Dies kann nicht so weitergehen.
Die Runde ist unsere beste Chance zu
kontrollieren, was sonst bald außer
Kontrolle geraten könnte.
Aus diesem Grund hat Präsident
Bush die - im Jahr 1986 in Punta del
Este in Uruguay eröffnete - UruguayRunde zur höchsten Priorität der Vereinigten Staaten im Bereich des Handels erklärt.
Gegenwärtig arbeiten
100 Staaten in Genf am Ausbau des
GATT, an seiner Stärkung als Institution, der Ausdehnung seines Geltungsbereichs auf die Landwirtschaft und
seiner Ausweitung auf neue Problembereiche wie etwa Dienstleistungen,
geistiges Eigentum und Investitionen.

- 3 -

�Meine Botschaft an Europa ist
einfach - und dringend. Wir müssen
nach ehrgeizigen Ergebnissen streben. Wenn wir uns nur mit Randsymptomen beschäftigen, werden wir uns
auf eine risikoreiche Politik und
Handelsblöcke einstellen müssen. Zu
lange schon haben wir auf Veränderungen im Welthandel nur reagiert. Die
Runde ist für dieses Jahrhundert die
letzte Chance zum Handeln:
Zum Handeln in der Landwirtschaft.
Das Ziel der Vereinigten
Staaten ist die vollständige Beseitigung aller den Handel verzerrenden
Maßnahmen, wobei den Landwirten eine
Frist zur Anpassung an die Marktkräfte eingeräumt wird. Im vergangenen
Monat haben wir vorgeschlagen, alle
nichttarifären Handelshemmnisse - wie
Quoten und variable Abgaben - in Zölle umzuwandeln, die offen sichtbar
sind und damit leichter reduziert
werden können.
Noch diesen Monat
werden wir in Genf einen umfassenden
Vorschlag
präsentieren,
demzufolge
die Landwirte anbauen können, was sie
möchten und wann sie möchten und womit sie ein angemessenes Einkommen
ohne staatliche Einmischung erzielen
können. Unseres Erachtens wird die
Runde ohne eine grundlegende Reform
im Agrarbereich scheitern. Von einer
solchen Reform werden wir alle profitieren: Eine Reform könnte drei Millionen neue Arbeitsplätze in Europa
schaffen, das amerikanische Haushaltsdefizit um 37 Milliarden Dollar
senken und die Reallöhne in Japan um
2,5 Prozent erhöhen.
Zum Handeln, um den Marktzugang
für Industrieprodukte sicherzustellen. Die Vereinigten Staaten fordern
ihre Handelspartner auf, eine künftige Welt ohne Zölle ins Auge zu fassen. Wir sind heute dazu bereit, mit
anderen zusammenzuarbeiten, um dies
in Schlüsselberelchen schon in der
jetzigen Runde zu erreichen.
Zum Handeln, um die Rechte an
geistigem Eigentum zu schützen. Wir
haben im vergangenen Jahr einen weitreichenden Vorschlag unterbreitet.
- 4

Die Unterhändler erarbeiten zur Zeit
ein Abkommen, daß in der Praxis folgende Regelungen enthalten soll:
a)

Patentschutz für pharmazeutische,
chemische und andere Produkte,

b) Urheberrechtsschutz für Tonträger
und Computersoftware,
c) Schutz von Betriebsgeheimnissen
für Herstellungsverfahren und Daten sowie
d) wirksame Strafverfolgung, um die
Fälschung von Warenzeichen und
das Raubkopieren urheberrechtlich
geschützter Materialien wie Bücher, Filme und Tonaufzeichnungen
zu beenden.
Zum Handeln, um sicherzustellen,
daß internationale Regeln für fairen
Wettbewerb auf Dienstleistungen Anwendung finden. Britische und französische Versicherungsgesellschaften,
amerikanische Reiseveranstalter und
andere Dienstleistungsfirmen müssen
im Ausland Filialen eröffnen können
und wie ortsansässige Firmen behandelt werden. Wir werden unsere Vorstellungen zu einem umfassenden Abkommen im Oktober auf den Tisch legen.
Zum Handeln, um Beschränkungen
von Auslandsinvestitionen abzubauen.
Amerikanische und japanische Automobilhersteller, deutsche Investitionsgüterproduzenten und andere Unternehmen müssen in Übersee investieren
können ohne dazu gezwungen zu werden,
einen inländischen Partner zu beteiligen, einen bestimmten Prozentsatz
ihrer Produktion zu exportieren, im
Inland hergestellte Teile zu verwenden oder irgendeine von einem Dutzend
anderer
Investitionsbedingungen
zu
erfüllen. Ich war gerade in Genf, wo
unsere Berater aus dem Privatsektor
und ich zwei Tage damit verbracht haben, den von uns im Juli unterbreiteten Vorschlag zu den Investitionen zu
erörtern.
Zum Handeln, um den Handel verzerrende Subventionen abzubauen. Ich

�Zum Handeln, um den Handel verzerrende Subventionen abzubauen. Ich
habe die amerikanische Initiative zu
Stahl und Schiffbau erwähnt, aber das
Problem geht über diese beiden Bereiche hinaus.
Subventionen zerstören
die Wirtschaft und runieren die öffentlichen Haushalte. Wir können Arbeitnehmern und Regionen effektiver
helfen ohne auf wettbewerbsfeindliche
Subventionen
zurückzugreifen.
Die
Vereinigten Staaten werden zum Jahresende einen ehrgeizigen Plan zur
Begrenzung von Subventionen vorlegen.
Und zum Handeln, um Streitigkeiten zu beenden. Wir benötigen neue
Mechanismen, um unsere Differenzen
beizulegen bevor der unvermeidliche
Streit zu einem bedauerlichen Krieg
eskaliert. Wenn wir Handelspartnern
neue Vorstellungen
zur Erörterung
vorlegen, so durchlaufen diese sämtliche Instanzen von der Schlichtung
zur "Berufungsüberprüfung" bis zu einem
richtigen
"GATT-Gerichtshof".
Was auch immer das Endergebnis sein
mag, wir benötigen ein System, das
schnell, fair und effektiv ist.
Die Zeit ist kurz, die Aufgabe
gewaltig. Bis zum Ende dieses Jahres
müssen die Staaten alle verbleibenden
Vorschläge in jeder der 15 Verhandlungsgruppen auf den Tisch legen.
Die Vereinigten Staaten haben zahlreiche Vorschläge unterbreitet. Wir
werden die noch ausstehenden bis zum
Jahresende vorlegen. Bis Mitte des
Jahres 1990 werden sich die Staaten
darum bemühen, in jedem Bereich Vereinbarungen zu erzielen. Danach müssen wir diese Vereinbarungen bis zum
Treffen der GATT-Minister in Brüssel
im November 1990 in einem Paket verankern.

Schlußbemerkungen
Europa und die Vereinigten Staaten haben bei der Förderung der Freiheit in der ganzen Welt Hand in Hand
zusammengearbeitet.
Ob bei Rede-,
Religions- oder politischer Freiheit

- wir haben für das Recht der Menschen überall gekämpft, ihre eigene
Wahl zu treffen.
Die Wahlfreiheit ist das unauslöschliche Bindeglied zwischen unserem politischen und unserem ökomischen System.
Politische Freiheit
und wirtschaftliche Freiheit sind interdependent. Jeder sollte das Recht
haben, zu entscheiden, wie, wann und
wo er Güter und Dienstleistungen frei
auf einem fairen Markt kaufen oder
verkaufen möchte.
Das ist Wettbewerb: die grundlegende Stärke unserer beiden Nationen. David Ricardo
bezeichnete dies im Jahr 1817 als die
Freiheit zu tun, was jeder von uns am
besten kann.
Darum geht es in der UruguayRunde - Wettbewerb. Deshalb ist sie
der Mittelpunkt unserer Handelspolitik und der Schlüssel zur Zukunft des
Welthandels. Wenn die Runde erfolgreich sein soll, so müssen unseres
Erachtens
bestimmte
Vereinbarungen
erzielt werden:
Eine
grundlegende
Agrarhandels,

Reform

des

die Ausdehnung der GATT-Regeln
auf die "neuen Bereiche" Dienstleistungen,
Investitionen
und
geistiges Eigentum,
erweiterter Marktzugang
Warenhandel,
-

für

den

Beseitigung
handelsverzerrender
Subventionen und
ein faires und wirksames Schlichtungsverfahren bei Streitfällen.

Die Vereinigten Staaten streben
keinen unfairen Vorteil an, aber wir
werden nicht einseitig abrüsten. Wir
streben offene Märkte nicht zum alleinigen Vorteil amerikanischer Unternehmer an.
Wir engagieren uns
vielmehr voll und ganz dafür, unsere
Stärke zur Öffnung der Märkte für alle, die auf diesen Märkten konkurrie-

- 5 -

�ren möchten, einzusetzen.
Wir waren zum Beispiel erfolgreich bei der Öffnung des japanischen
Rindfleischmarkts, von der die australischen
Viehzüchter
mindestens
ebenso profitiert haben wie unsere.
Insbesondere für die weniger entwickelten Länder muß die von uns angestrebte Offenheit gelten, damit sie
ebenfalls zu Märkten für unsere Produkte werden können und an der dem
Welthandelssystem innewohnenden Verantwortung teilhaben.
Wir streben
also an, was wir schon immer angestrebt haben - Freiheit und Fairneß,
für Landwirte und Industriearbeiter
in der ganzen Welt.
Jeder Zyklus diplomatischer Bemühungen fügt der Geschichte ein eigenes Kapitel hinzu.
Unseres sollte
unseren Wagemut und nicht unsere Ängste widerspiegeln, unser Vertrauen
und nicht unsere Unsicherheit. Das
Handelssystem, das diese Qualitäten
am besten verkörpert, ist dasjenige,
das am meisten zu ihrer Entwicklung
beiträgt. Wenn die Uruguay-Runde Erfolg hat, werden wir ein Kapitel angefügt haben, das der vor 40 Jahren
geleisteten Arbeit würdig ist - ein
Kapitel, das von Hoffnung und Wohlstand für die nächste Generation erfüllt ist.

* * * * *

- 6

�;eos&gt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

35

20. September 1989

BAKER:

NEUE US-POSITION ZU MOBILEN RAKETEN

- Erklärung des amerikanischen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge werden die Vereinigten
Staaten nicht länger darauf bestehen, daß ein Vertrag über die Verringerung
strategischer Rüstungen (START) ein Verbot mobiler Interkontinentalraketen
(ICBMs) enthält. In der am 19. September 1989 bei einer Pressekonferenz abgegebenen Erklärung unterstrich der Außenminister, die neue Position der Vereinigten Staaten ziele darauf ab, bis zu seinem vorgesehenen Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse "den Ball ins Rollen zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Außenministers im Wortlaut ,

Die
START-Verhandlungen
finden
vor dem Hintergrund
tiefgreifender
Veränderungen
in
der
Sowjetunion
statt.
Wir können Fortschritte erkennen, aber wir sind uns auch der
Herausforderungen und des Drucks bewußt, denen sich die Sowjets ausgesetzt sehen.
Dafür gibt es keine Patentlösungen. Keiner von uns kann ihre Probleme für sie lösen. Da sie die Lektion der - wie Generalsekretär Gorbatschow es bezeichnete - "Ära der Stagnation" gelernt haben, wissen die
Sowjets, daß es an ihnen ist, die erforderlichen grundlegenden Strukturreformen durchzuführen.
Gorbatschow
hat es als "Revolution" bezeichnet
und wir stimmen mit dieser Charakterisierung Uberein.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Frage lautet also: Was können und sollten wir tun? Die Antwort
darauf ist, daß wir Punkte von beiderseitigem
Nutzen
finden sollten,
Vorteile,
die
ihnen
helfen
und
gleichzeitig unseren Interessen dienen. Dieser Ansatz erfordert sicherlich von beiden Seiten eine gewisse
Kreativität.
Meines Erachtens wird das Ministertreffen dieser Strategie Rechnung
tragen.
Wir befassen uns jetzt mit
einer erwetterten Tagesordnung - die,
wenn Sie mir diese Bemerkung gestatten, auf unseren Vorschlag hin bei
früheren Treffen zwischen uns erweitert wurde.
Ich möchte kurz unser
Vorgehen erläutern, das unserer Ansicht nach zu unserem beiderseitigen
Vorteil dient.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zunächst muß fairerweise gesagt
werden, daß die Sowjets sich am besten auf Reformen im Inland konzentrieren können, wenn das internationale Umfeld stabil und positiv gestaltet ist. Und das ist einer der
Gründe, warum wir sie gedrängt haben,
regionale Konflikte mit uns gemeinsam
zu lösen.
Sie könnten dadurch Milliarden Dollar sparen, die sie immer
noch
zur
Unterstützung
derjenigen
aufwenden, die den Konflikt schüren in Mittelamerika, Kambodscha, Afghanistan, Kuba, Äthiopien und anderen
Regtonen der Welt -, was unseres Erachtens eine unhaltbare Situation ist.
Zweitens könnte Rüstungskontrolle
den
Sowjets
reale
wirtschaftliche
Vorteile verschaffen, wenn sie positiv auf unsere Initiative zu den konventionellen Streitkräften reagieren.
Meiner Ansicht nach liegt es an Ihnen, jetzt t^inen Schritt zu tun - und
wir hoffen, daß sie ihn tun werden.
Darüber hinaus können meiner Ansicht nach beim bevorstehenden Ministertreffen Fortschritte im gesamten
Spektrum
der
Rüstungskontrolltheraen
erzielt werden.
Wir werden Vorschläge unterbreiten, die darauf abzielen, den nun 15
Jahre währenden Stillstand bei Atomtests zu durchbrachen und damit den
Weg für die Ratifizierung von zwei
Verträgen im nächsten Jahr zu ebnen.
Im Bereich der chemischen Waffen
können wir uns meiner Ansicht nach
berechtige Hoffnungen auf ein Abkommen über den Austausch von Daten über
den Bestand an chemischen Waffen machen, das einen ersten praktischen
Schritt
zu
echter
Kontrolle
und
letztlich einem vollständigen Verbot
dieser Waffen bedeuten könnte.
Bei den START-Verhandlungen erwarten wir eine positive Reaktion der
Sowjets auf unsere Initiativen zur
Verifizierung
und
Stabilisierung.
Wie Präsident Bush bereits bei der
Ankündigung dieser Initiativen andeutete, würde ein Abkommen in diesem

Bereich natürlich eine spätere Ratifizierung erleichtern.
Ich vermute,
daß das Thema START auch in dem angekündigten Schreiben zu den Rüstungskontrollverhandlungen
breiten
Raum
einnehmen
wird,
das
Außenminister
Schewardnadse eigenen Aussagen zufolge mitbrigen wird.
Obwohl w" r gehofft hatten, dieses Schreiben noch
vor dem Ministertreffen zu erhalten,
damit wir an den in dieser Woche angesprochenen Themen arbeiten können,
wissen wir eine Antwort zu schätzen,
wann immer sie uns erreicht.
Um den Ball jedoch jetzt ins Rollen zu bringen, gebe ich hiermit bekannt, daß wir vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses zur Finanzierung unserer mobilen ICBMs unsere
Forderung eines Verbots mobiler ICBMs
im Rahmen des START-Vertrags aufgehoben haben. Wir werden unsere STARTUnterhändler in Genf anweisen, die
entsprechenden Details für die auf
mobile ICBMs angewandten Obergrenzen
sowie wirksame Verifizierugsmaßnahmen
auszuarbeiten.
Drittens können wir einen konstruktiven
Beitrag
zu
Perestrojka
leisten, wenn wir die sich abzeichnenden Reformprozesse in Polen und
Ungarn unterstützen. In dieser Woche
werde ich Außenminister Schewardnadse
unsere Absicht bekanntgeben, uns maßgeblich an den Bestrebungen dieser
beiden Länder zur Selbsthilfe zu beteiligen.
Und schließlich können unsere Bemühungen
zur
Institutionalisierung
des Dialogs mit der Sowjetunion über
das Thema Menschenrechte und Erweiterung unserer gemeinsamen
Maßnahmen
zur Bewältigung grenzüberschreitender
Probleme wie Umweltfragen
Glasnost
unterstützen, indem sie eine pluralistische Gesellschaft in der Sowjetunion fördern.
Ich werde Außenminister Schewardnadse eine Liste möglicher
Umweltinitiativen
überreichen
und hoffe, daß wir eine Vereinbarung
über eine Erklärung zu den Menschenrechten, der Rechtsstaatlichkeit und
anderen Themen erzielen.

- 2 -

�Wir versuchen den Geist der Offenheit zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten zu ermutigen
und hoffen, daß unser Treffen in Wyoming von diesem Geist getragen sein
wird.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

35

20. September 1989

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen -

(Die nachfolgende Übersicht mit dem Titel "Die Verhandlungen über chemische
Waffen im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz" wurde im September 1989 von
der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen j*egen chemische Waffen veröffentlicht, die vom
18. bis 22. September 1989 stattfindet.)

Das Kernstück
der Politik der
Vereinigten
Staaten
zu
chemischen
Waffen besteht in dem Ziel, einen
Vertrag über das vollständige Verbot
chemischer Waffen abzuschließen. Ein
Verbot wäre die beste Antwort auf die
durch den illegalen Einsatz und die
Verbreitung
chemischer Waffen
entstandene Bedrohung.
Um wirksam sein
zu können, müßte der Vertrag weltweite Gültigkeit besitzen und wirksam
verifizierbar
sein.
Solange
die
weltweite Ächtung chemischer Waffen
nicht verwirklicht ist, behalten die
Vereinigten Staaten sich die Option
zur Aufrechterhaltung eines wirksamen
Abschreckungspotentials und das Recht
auf einen Vergeltungsschlag mit diesen Waffen für den Fall vor, daß ein
anderes Land gegen uns oder unsere
Verbündeten chemische Waffen einsetzt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Hintergrund
Seit 1981 haben die Vereinigten
Staaten aktiv an den Verhandlungen
über chemische Waffen bei der 40 Nationen umfassenden Genfer Abrüstungskonferenz
teilgenommen.
Im April
1984 unterbreitete der damalige Vizepräsident Bush der Genfer Abrüstungskonferenz einen umfassenden Vertragseatwurf, der ein Verbot der Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Lagerung, des Transports und Einsatzes
chemischer
Waffen
vorsieht.
(Das
Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925
verbietet nur den Ersteinsatz chemischer Waffen in einem Krieg.)
Seit
dieser Zelt dient der amerikanische
Vertragsentwurf als Grundlage für die
Verhandlungen über chemische Waffen.
Alle 40 bei der Genfer Abrüstungskon-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ferenz verhandelnden Nationen haben
ein Dokument erarbeitet, das mehrere
Elemente des amerikanischen Vertragsentwurfs einschließlich dem Prinzip
der Offenheit enthält.

Hindernisse
Das
wirksame,
verifizierbare,
weltweite Verbot chemischer Waffen
stellt eine einzigartige Herausforderung für die Rüstungskontrolle dar.
Zahlreiche Länder haben Zugang zu
Technologie und Chemikalien (sogenannten chemischen Grundstoffen), die
für die Herstellung chemischer Waffen
erforderlich sind. Viele Länder besitzen darüber hinaus eine hochentwickelte
kommerzielle
Chemieindustrie, die problemlos für die Herstellung chemischer Waffen umgewandelt werden könnte.
Obwohl bei den Genfer Verhandlungen Einigung zu einer Reihe kontroverser Punkte erzielt wurde, sind
weite Teile des Vorschlags noch ungelöst. Diese umfassen die Gewährleistung der wirksamen Verifizierung,
Überwachung der kommerziellen Chemieindustrie, um sicherzustellen, daß
sie keine chemischen Waffen herstellt, Entwurf des Organisationsrahmens, in dem die Bedingungen des Abkommens ausgeführt würden, Erarbeitung von Einzelheiten, wie die Vernichtung der Lager und Produktionsstätten chemischer Waffen vorgenommen
werden könnte sowie Schutz der im
Verlauf von Inspektionen gewonnenen
Daten.

Offenheit und Verifizierung
Die Vereinigten Staaten haben der
Förderung der für ein wirksames Verbot erforderlichen Offenheit den Weg
geebnet, indem sie umfassende Informationen über die Zusammensetzung und
den Standort der amerikanischen Lager
und
Produktionsstätten
chemischer
Waffen zur Verfügung gestellt haben.
Als Teil der Verifizierungsmaßnahmen
haben die Vereinigten Staaten seit

langem auf kurzfristig anberaumten,
obligatorischen
Ad-hoc-Inspektionen
vor Ort als einem Mittel zur Verifizierung der Einhaltung eines Abkommens über chemische Waffen bestanden.
Einschließlich der Sowjetunion akzeptieren jetzt die meisten Länder dieses Prinzip.
Einzelheiten wie die
Inspektionsverfahren und der Schutz
sicherheitsempfindlicher Anlagen, die
keine chemischen Waffen herstellen,
müssen noch abgesprochen werden.
Darüber hinaus muß das Problem
erörtert werden, wie angegebene Lager
und
Produktionsstätten
aufgespürt
werden können.
Routineinspektionen
militärischer und ziviler Anlagen,
die im Rahmen eines Abkommens über
chemische Waffen angegeben worden
sind, werden die Inspektionsmaßnahmen
ergänzen. Da die Vereinigten Staaten
ein weltweites Verbot chemischer Waffen anstreben, müßte ein internationales Gremium zur Durchführung und
Überwachung des Verbots geschaffen
werden.
Die Teilnehmer der Genfer Abrüstungskonferenz haben sich auf Bestimmungen zur Überwachung und Verifizierung solcher Anlagen von der Bekanntgabe bis zur letztlichen Vernichtung geeinigt. Diese Bestimmungen beinhalten
systematische VorOrt-Inspektionen, die an die kontinuierliche Überwachung mit von den internationalen Inspektoren vor Ort angebrachten Geräten gekoppelt sind.
Einzelne Kriterien und die zur Durchführung dieser Bestimmungen erforderlichen Verfahren müssen noch ausgearbeitet werden.
Einmal vollständig,
stellen sie einen wirksamen Mechanismus zur Vertrauensbildung und Verifizierung dar.

Vernichtung
Waffen

der

Lager

chemischer

Im Rahmen des Abkommens würden
die Lager chemischer Waffen mit Ablauf einer zehnjährigen Übergangsperiode ab dem Datum des Inkrafttretens
eines Abkommens über chemische Waffen

- 2 -

�vernichtet sein. Die Reihenfolge und
das Verhältnis, in dem die Lager chemischer Waffen zerstört würden, müssen noch endgültig ausgearbeitet werden. Ferner werden Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der jeweiligen Nation während der Übergangsperiode bei der Genfer Abrüstungskonferenz angesprochen.

renz vorgelegt, die über die Einbeziehung des Vorschlags in einen Vertragsentwurf über chemische Waffen
befindet. Darüber hinaus haben die
Vereinigten Staaten einen bilateralen
Datenaustausch über chemische Waffen
mit der Sowjetunion erörtert, der aus
amerikanischer Sicht eine vertrauensbildende Maßnahme zur Unterstützung
eines möglichen weltweiten Verbots
dieser Waffen darstellen würde.

Zerstörung
der
Produktionsstätten
für chemische Waffen
Schlußfolgerung
Der Entwurf des Abkommens fordert
die Zerstörung der Produktionsstätten
für chemische Waffen in einer Art und
Weise, mit der sichergestellt wird,
daß weder das Gerät noch die Gebäude
jemals wieder verwendet oder aufgebaut werden können. Einzelheiten der
angewandten Zerstörungsmethoden und
-techniken werden ausgehandelt und
variieren je nach Aufbau der Anlage,
Art der produzierten chemischen Waffen und ihrer Trägersysteme.

Die amerikanisch-sowjetischen bilateralen Konsultationen über chemische
Waffen
Zur Erleichterung multilateraler
Verhandlungen über chemische Waffen
haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion in Genf 12 DJskussionsrunden auf Expertenebene zur Erörterung der technischen Details und Einzelheitpn eines Vertrags über chemische Waffen abgehalten.
Diese Gespräche haben Fortschritte beim Verbot chemischer Waffen zum Ziel. Am
1. August 1989 haben die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion sich auf
Verfahren und Modalitäten zur Durchführung kurzfristig anberaumter Adhoc-Inspektionen geeinigt.
Die Arbeit an anderen gemeinsamen Papieren
einschließlich der Reihenfolge, in
der chemische Waffen nach Inkrafttreten eines Vertrags über chemische
Waffen vernichtet werden sollen, wird
fortgesetzt. Wenn beide Seiten ihre
Zustimmung gegeben haben, wird die
vorgeschlagene Reihenfolge der Vernichtung der Genfer Abrüstungskonfe-

Ein Ende der Verhandlungen ist
unmöglich vorherzusagen. Die Vereinigten Staaten werden darauf bestehen, einen guten Vertrag auszuhandeln
- gleichgültig, wie lange es dauern
wird. Sie werden jedoch ihre Sicherheit oder die ihrer Verbündeten nicht
aufs Spiel setzen, indem sich übereilt ein Verbot beschließen, das die
nationale Sicherheit aller Vertragsparteien nicht verbessert.

Teilnehmerstaaten
stungskonferenz

der

Genfer

Ägypten
Äthiopien
Algerien
Argentinien
Australien
Belgien
Brasilien
Bulgarien
Bundesrepublik Deutschland
Burma
Deutsche Demokratische Republik
Frankreich
Großbritannien
Indien
Indonesien
Iran
Italien
Japan
Jugoslawien
Kanada
Kenia
Kuba
Marokko
Mexiko
Mongolei

- 3 -

Abrü-

�Niederlande
Nigeria
Pakistan
Peru
Polen
Rumänien
Schweden
Sri Lanka
Tschechoslowakei
Ungarn
UdSSR
Venezuela
Vereinigten Staaten von Amerika
Volksrepublik China
Zai're

Beobachterstaaten bei der Genfer
rtistungskonferenz
Bangladesch
Chile
Dänemark
Finnland
Griechenland
Heiliger Stuhl (Vatikan)
Irak
Irland
Jordanien
Katar
Li byen
Malaysia
Neuseeland
Nordkorea
Norwegen
Oman
Österreich
Portugal
Schweiz
Senegal
Simbabwe
Spanien
Südkorea
Syrien
Türkei
Tunesien
Vietnam

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'%r,oN **

35

20. September 1989

INDUSTRIE UND REGIERUNG BEKÄMPFEN CHEMISCHE WAFFEN GEMEINSAM
- Von Richard Clarke und Will Carpenter -

(Richard Clarke ist der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen gegen chemische
Waffen, die vom 18. bis 22. September 1989 in Canberra stattfindet und Will
Carpenter Vertreter der Industrie in der amerikanischen Delegation und Vizepräsident der Monsanto Agricultural Company.)

Die in dieser Woche in Canberra
(Australien) veranstaltete Konferenz
gegen chemische Waffen bietet eine
weitere Gelegenheit, die ausgesprochen enge Zusammenarbeit zwischen Regierung und Chemieindustrie der Vereinigten Staaten bei der Eindämmung
der Verbreitung dieser heimtückischen
Waffen und letzlich ihrer vollständigen Verbannung unter Beweis zu stellen.
In keinem anderen Bereich von
Rüstungskontrolle und Sicherheitspolitik arbeiten Regierung und Industrieunternehmen so effektiv zusammen.
Im vergangenen Jahrzehnt haben
wir einen beschleunigten Prozeß der
Mißachtung internationaler Normen gegen den Einsatz chemischer Waffen beobachtet.
Wer kann jemals die ihm
letzten Jahr im Fernsehen gezeigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schrecklichen
Bilder
unschuldiger
Frauen
und
Kinder
vergessen, die
durch
den weitverbreiteten
Einsatz
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak vom plötzlichen Tod ereilt wurden?
Der Bestand an chemischen Waffen
nimmt rasch zu. Unseren Schätzungen
zufolge sind heute rund 20 Nationen
im Besitz dieser Waffen.
Die Welt
befindet sich in einem Wettlauf um
den Besitz chemischer Waffen.
Dies
muß ein Ende haben. Die Länder und
Völker der Dritten Welt sind von der
gefährlichen
Verbreitung
chemischer
Waffen am meisten betroffen.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
gemeinsam mit zahlreichen anderen Nationen an der Erstellung eines umfas-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�senden, wirksam verifizierbaren und
wirklich weltweiten Vertrags über das
Verbot von Entwicklung, Produktion,
Transport, Lagerung und Einsatz chemischer Waffen. Darüber hinaus sehen
die Vereinigten Staaten in der Durchführung eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen die beste Lösung des gefährlichen Problems ihrer
Verbreitung. Im Jahr 1984 hat der
damalige Vizepräsident Bush einen
Vertragsentwurf bei der Genfer Abrüstungskonferenz eingebracht, und die
Verhandlungen stützen sich auf diesen
Text. Es ist eine schwierige Aufgabe, da die Verifizierung eines solchen Vertrags - sicherzustellen, daß
andere ihn nicht umgehen - absolut
notwendig und äußerst schwierig ist.

Verstärkte Exportkontrollen
Zur Kontrolle des Exports von
Grundstoffen für chemische Waffen
(solche Chemikalien, die zur Produktion todbringender chemischer Wirkstoffe verwendet werden) hat die amerikanische Regierung mit uneingeschränkter Unterstützung der Industrieunternehmen
weitreichende
Exportrestriktionen verhängt. Für amerikanische Industrieunternehmen sind
diese Bestimmungen aufgrund ihres lobenswerten Ziels mehr als gerechtfertigt: doppelt verwendbare Chemikalien dürfen nur für legitime Zwecke exportiert werden. Die Regierung arbeitet mit den Industrieunternehmen
zusammen, um sicherzustellen, daß
diese Kontrollen effektiv durchgeführt werden und konsultiert die Industrieunternehmen
regelmäßig,
um
festzustellen, ob zusätzliche Kontrollen erforderlich sind.
Bedauerlicherweise haben die Kontrollen die Beschaffung von Chemikalien durch solch problematische Länder wie Syrien, Libyen, Iran und Irak
nicht verhindert.
Die Länder, die
auf ihren Besitz besonders erpicht
sind, werden immer geschickter im Umgehen der Kontrollen. Um die Aussage
von Reginald Bartholomew, dem Unterstaatssekretär
im
Außenministerium

vor dem amerikanischen Senat im vergangenen Juni zu zitieren: "Wir haben es den potentiellen Verbreitern
und anderen erschwert, in den Besitz
von Grundstoffen für chemische Waffen
zu gelangen. Aber", warnte er, "Länder, die beabsichtigen, solche Chemikalien zu beschaffen, können dies immer noch tun."

Verschärfte Inspektionsverfahren
Die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Industrieunternehmen ist
für das erfolgreiche Verbot chemischer Waffen unabdingbar. Unsere Zusammenarbeit erstreckt sich auf die
Gewährleistung, daß mit Inkrafttreten
eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen durch Inspektionen der
Chemieindustrie festgestellt wird, ob
illegale Aktivitäten stattfinden
ohne die lebenswichtigen Unternehmensinteressen zu gefährenden.
Im vergangenen Februar haben die
amerikanische Regierung
und Industrieexperten beispielsweise gemeinsam im Rahmen eines 14 Nationen umfassenden Versuchs zur Erprobung von
Inspektionsverfahren für Chemieunternehmen eine Inspektion der AKZO-Chemieanlage in West Virginia durchgeführt. Dieses Experiment dient als
Grundlage für eine realistische Datenbank für zukünftige multilaterale
Verifizierungsexperimente und für einen Vertrag über das Verbot chemischer Waffen.
Die Chemieindustrie der Vereinigten Staaten sammelt derzeit Daten
über mehrfach verwendbare Chemikalien, die potentiell als chemische Waffe eingesetzt werden können. Diese
Bestrebungen werden den amerikanischen Behörden dabei behilflich sein,
die illegale Umwandlung dieser Chemikalien aufzudecken.
Darüber hinaus
könnten sie dazu beitragen, die Wirkung von Exportkontrollen und eines
Verbots chemischer Waffen an sich abschließend zu beurteilen.
Die Unterstützung seitens der In-

�dustrie hat positive Auswirkungen auf
die Genfer Verhandlungen gehabt und
zu Fortschritten in mehreren Problembereichen wie Handhabung vertraulicher Daten, Durchführung von Betriebsinspektionen sowie die Bestimmung der Materialien, die in Kontrollmaßnahmen einbezogen werden sollen, geführt.

Weitergabe von Daten
Die amerikanische Regierung und
die Industrieunternehmen stellen sich
gegenseitig Informationen über Chemikalien zu Verfügung, die unseres Erachtens nicht in den freien Handel
mit Ländern gelangen sollten, die
Terrorismus offen unterstützen oder
gutheißen. Bisher haben wir gemeinsam an der Überwachung des Exports
von 40 Chemikalien gearbeitet, die
wir und eine Reihe der Handelspartner
auf eine Liste gesetzt haben.

eines Verbots chemischer Waffen erfordert eingehende Inspektionen einiger Chemieanlagen und bedarf daher
beispielloser Zusammenarbeit zwischen
Regierung und Industrieunternehmen.
Ein Teil unserer Bemühungen besteht
in der Erarbeitung wirksamer Verifizierungsmaßnahmen, um sicherzustellen, daß alle Vertragsparteien darauf
vertrauen können, daß dieser Vertrag
eingehalten wird.
Wir erarbeiten
neue Wege, um die Einhaltung zu gewährleisten, die voraussetzen, daß
die Industrieunternehmen sich in noch
höherem Maße selbst überwachen.
Die Chemieindustrie wird zum Beispiel weiterhin ihre Kunden überprüfen, um sich zu vergewissern, daß die
Käufer mit Einsatz, Handhabung und
Lagerung dieser Chemikalien vertraut
und sie für legitime Zwecke bestimmt
sind. Ebenso wie andere Industrieprogramme werden diese Bestrebungen
die Arbeit an einem internationalen
Vertrag erleichtern.

Die amerikanische Regierung ist
damit befaßt, andere Länder davon zu
überzeugen, ihre Chemieexporte so
sorgfältig zu überwachen wie wir.
Amerikanische Chemieproduzenten stellen amerikanischen Regierungsbehörden
freiwillig Informationen über verdächtige Aufträge für sensitive Materialien und Technologien zu Verfügung. Der amerikanische Verband der
Chemieproduzenten
arbeitet an der
Formalisierung dieses Verfahrens, indem er ein Informations- und Referenzsystem aufbaut, anhand dessen Unternehmen die Regierungsbehörden zu
bestimmten
Aufträgen
konsultieren
können und das diesen Behörden gestattet, die Chemieproduzenten bezüglich bestimmter "unerwünschter Käufer" zu warnen.

Chemieunternehmen mit Betrieben
in mehreren Ländern haben das größte
Interesse an einem wirksamen weltweiten Verbot chemischer Waffen. Eine
Welt ohne chemische Waffen würde
freie Märkte für den Handel mit Chemikalien ohne Einschränkungen fördern
und erweitern.
In gleicher Weise
wollen die Industrieunternehmen gewährleisten, daß ihre Betriebe über
jeden Verdacht erhaben sind und auch
ihre Kunden die internationalen Normen einhalten. Die führenden Organisationen der Chemieindustrie unterstützen unsere Unterhändler in Genf
in jeder Hinsicht einmütig bei ihrer
Arbeit an einem umfassenden, wirksam
verifizierbaren und wirklich weltweiten Verbot chemischer Waffen.

Ergänzung der Verifizierungsmaßnahmen des Vertrags

* * * * *

RUstungskontrollmaßnahmen sollten
nur dann ratifiziert werden, wenn sie
verifizierbar
sind.
Alles andere
würde den gesamten Rüstungskontrollprozeß gefährden. Die Verifizierung
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,oN &amp;

35

20. September ]989

DIE VERNICHTUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Übersicht über das Programm der Vereinigten Staater -

(Die folgende Übersicht über das Programm der Vereinigten Staaten zur Vernichtung chemischer Waffen wurde im September von der amerikanischen Delegation
bp' der Internatioalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen geveröffentlicht, die vom 18. bis 22. September 1989 in
;&gt;/n chemische Waffen
Canberra stattfindet.)

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das einzige Land, das sich
öffentlich
zur
Vernichtung
eines
Großteils ihres Bestands an chemischen Waffen bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt verpflichtet haben. In dem
am 8. November 1985 in Kraft getretenen öffentlichen Gesetz 99-145 ist
verankert, daß der Verteidigungsminister die Vernichtung des gesamten
amerikanischen Bestands an unitären
todbringenden chemischen Wirkstoffen
und Munition vornehmen wird. Dem Gesetz zufolge muß der Bestand an unitären Wirkstoffen bis 30. April 1997
vernichtet sein.
Das Gesetz findet
darüber hinaus auch auf in Europa gelagerte unitäre chemische Waffen der
Vereinigten Staaten Anwendung.
Wir
beabsichtigen, die in Europa gelagerten chemischen Waffen vor 1992 zum

Johnston Atoll
zu verlagern,
termingemäß ab.

im Pazifischen
Das Programm

Ozean
läuft

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1970 mit der systematischen Vernichtung ihrer unitären Senfgaswirkstoffe
durch
Verbrennen
begonnen.
1973 wurde das Programm auf die Vernichtung von Nervengas durch Neutralisation erweitert.
Millionen Pfund
beider Wirkstoffe wurden im Rocky
Mountain Arsenal in Colorado vernichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren diese
größtenteils
veralteten
Waffen
26
Jahre alt. Seit 1979 ist eine kleine
Pilotanlage zur Vernichtung unitärer
chemischer Waffen im Tooele Army Depot in der Nähe von Salt Lake City
(Utah) in Betrieb (diese Anlage wurde
im Jahr 1983 von den Teilnehmerstaa-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten der Genfer Abrüstungskonferenz
und 1987 von sowjetischen Experten
besichtigt).
In der Anlage in Tooele können
Vernichtungstests an allen Arten von
todbringenden Wirkstoffen und Munition vorgenommen werden. Die dort verwendete Technologie ist erfolgreich
in anderen Vernichtungsanlagen angewandt worden. Anhand der in den Anlagen in den Rocky Montains und in
Tooele gemachten Erfahrungen haben
die Vereinigten Staaten eine Vernichtungsanlage in Pine Bluff (Arkansas)
entworfen, die im Mai 1988 in Betrieb
genommen wurde. In Pine Bluff wird
heute BZ vernichtet, ein bewußtseinsverändernder
halluzinogener
Wirkstoff.
Bis Oktober dieses Jahres
wird der gesamte Bestand der Vereinigten Staaten an diesem Wirkstoff
vernichtet sein. In der Zwischenzeit
ist die erste, in jeder Hinsicht mit
modernster
Technologie
ausgestatte
Vernichtungsanlage für chemische Waffen der Welt auf dem Johnston Atoll
gebaut worden, die bis Ende des Jahres in Betrieb genommen wird.

Vereinigten Staaten ca. 15 Millionen
Pfund an chemischen Waffen vernichtet
haben.
Umweltverträgliche Methoden
zur Vernichtung von Nervengas sind
teuer und zeitaufwendig.
Auch bei
Senfgas ergeben sich Schwierigkeiten.
Die jährlichen Lagerungskosten für
den Bestand an unitären chemischen
Waffen belaufen sich auf rund 63,8
Millionen Dollar, wovon ein Großteil
für Sicherheitsmaßnahmen aufgewendet
wird.
Schätzungen der US-Army zufoge
wird dieses Programm ungefähr 3 Milliarden Dollar kosten. Es wird im
Einklang mit strengsten Umweltvorschriften und unter Einhaltung der
Sicherheitserfordernisse
durchgeführt.
Als Folge dieses Programms
werden die Vereinigten Staaten einen
sehr viel geringeren Bestand an chemischen Waffen haben, der nur noch
aus binären chemischen Waffen besteht, die entschieden sicherer zu
handhaben und zu lagern sind.

* * * * *

Am 23. Februar 1988 hat die USArmy ein Entscheidungsprotokoll veröffentlicht, in dem die Vernichtung
des Bestands an unitMren chemischen
Waffen der Vereinigten Staaten in den
acht Lagern in den Vereinigten Staaten und in der Vernichtungsanlage für
chemische Waffen auf dem Johnston
Atoll im Pazifischen Ozean gefordert
wird. Die Standorte in den Vereinigten Staaten sind: Aberdeen Proving
Ground in der Nähe von Edgewood (Maryland), Anniston Army Depot bei Anniston
(Alabama),
Lexington
Blue
Grass Army Depot bei Richmond (Kentucky), Newport Army Ammunition Plant
bei Newport (Indiana), Pine Bluff Army Ammuniton Plant, Pueblo Army Depot
Activity in der Nähe von Pueblo (Colorado) , das Tooele Army Depot und
die Umatilla Army Depot Activity bei
Hermiston (Oregon).
Am 4. April 1989 hat Botschafter
Friedersdorf die Genfer Abrüstungskonferenz darüber informiert, daß die
- 2 -

�v^°S^&lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

20. September 1989

35

DAS AMERIKANISCHE FORSCHUNGSPROGRAMM ZUR BIOLOGISCHEN VERTEIDIGUNG
- Eine Übersicht des US-Informationsamts -

Hintergrund
Im Jahr 1969 haben die Vereinigten Staaten einseitig und bedingungslos auf Programme zur Entwicklung und
Herstellung biologischer Waffen und
Wirkstoffe verzichtet. Die Vernichtung aller derartigen Bestände wurde
angeordnet. Im Jahr 1970 wurde dieses einseitige Verbot auf Toxine (von
lebenden Organismen produzierte giftige Chemikalien) ausgeweitet.
Im Jahr 1972 unterzeichneten die
Vereinigten Staaten die Konvention
über biologische Waffen (BWC). Dieser von 111 Staaten unterzeichnete
Vertrag untersagt Entwicklung, Produktion, Lagerung, Besitz sowie die
Lieferung von biologischen Wirkstoffen oder Toxinen an andere Staaten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten standen im
Kampf für ein weltweites Verbot biologischer Waffen, der zur Konvention
über biologische Waffen führte, an
vorderster Front. Die BWC trat im
Jahr 1975 in Kraft.
Das schon während des Zweiten
Weltkriegs ins Leben gerufene amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung (BDRP) wurde
nach dem im Jahr 1969 erklärten Verzicht auf biologische Waffen fortgeführt - jedoch als rein auf Verteidigung ausgerichtetes Programm und nach
der Unterzeichnung der BWC im Jahr
1972 im Einklang mit Artikel I der
BWC, der den Besitz geringfügiger
Mengen biologischer Wirkstoffe und
Toxine zu "prophylaktischen, schützenden oder anderen friedlichen Zwek-

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Telex: 8-85432

�ken" gestattet.
Zum Zeitpunkt der Umsetzung der
Konventton über biologische Waffen
waren alle von der BWC verbotenen militärischen
Bestände
biologischer
Wirkstoffe und Toxine, Waffen, Ausrüstung oder Trägersysteme der Vereinigten Staaten bereits einseitig zerstört worden. Die zuvor für biologische Waffen oder Toxine benutzten
amerikanischen Einrichtungen wurden
für andere Zwecke umgerüstet.
So
sind beispielsweise die militärischen
Einrichtungen von Fort Detrick (Maryland) und Pine Bluff Arsenal (Arkansas), die in der Vergangenheit biologische Zwecken dienten, heute dem
US-Gesundheitsmini sterium unterstellt.
Seit dem Inkrafttreten der BWC im
Jahr 1975 hat kein Land die Vereinigten Staaten jemals beschuldigt, Programme zur Entwicklung offensiver
biologischer Waffen durchzuführen.

Die gegenwärtige Situation
Das Forschungsprogramm zur biologischen
Verteidigung
konzentriert
sich heute wie in den vergangenen 20
Jahren ausschließlich auf defensive
Systeme. Seine Ziele sind die Entwicklung
medizinischer
Schutz- und
Behandlungsmöglichkeiten (Impfstoffe,
Medikamente), von Schutzkleidung, Dekontamlnierungsverfahren und verbesserten Aufspürfähigkeiten auf dem Gefechtsfeld.
In den Jahren 1980 und 1986 gab
es zwei Konferenzen zur Überprüfung
der BWC, die nächste ist für 1991
vorgesehen.
Bei beiden Konferenzen
haben die Vereinigten Staaten bekräftigt, daß sie alle Bestimmungen der
Konvention
vollständig
einhalten.
Insbesondere bei der zweiten Konferenz forderten die Vereinigten Staaten einen jährlichen Informationsaustausch über die Forschungsmaßnahmen
aller Parteien, der so offen wie möglich sein sollte.
Darunter sollte
auch das BDRP fallen. Die Vereinigten Staaten betonen seit jeher ihren

Wunsch, Programme weiterzuführen, in
deren Rahmen Forscher aus verschiedenen Ländern in den Laboratorien anderer Staaten arbeiten können.

Die Verbreitung biologischer Waffen
Trotz amerikanischer Bemühungen
enthält die Konvention über biologische Waffen keine Verifikationsregelung. Bei der Unterzeichnung der BWC
im Jahr 1972 wurde vier Staaten der
Besitz biologischer Waffen unterstellt. Amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus, daß heute
mindestens zehn Staaten nachweislich
oder vermutlich biologische Waffenprogramme unterhalten.
Noch im Jahr 1988 hatte die Administration dem Kongreß berichtet, sie
sei zu der Überzeugung gelangt, daß
die Sowjetunion ein Programm zur offensiven
biologischen
Kriegführung
unterhält.
In diesem Zusammenhang
warten die Vereinigten Staaten immer
noch auf eine zufriedenstellende amtliche Erklärung zu dem beispiellosen
Ausbruch von Milzbrand im Jahr 1979,
von dem Hunderte von Menschen in
Swerdlowsk betroffen waren. Die Sowjetunion behauptet, der Ausbruch
dieser Krankheit habe auf dem Verzehr
von verseuchtem Fleisch beruht. Dies
Angelegenheit falle daher in den Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens, und es bestehe keinerlei weitergehende Verpflichtung zu Konsultationen gemäß der BWC. Die Vereinigten Staaten verweisen darauf, daß die
Mehrheit der Infizierten über die
Atemwege und nicht über den Darmbereich von Milzbrand befallen wurden.
Die Vereinigten Staaten nehmen an,
daß die Sowjets außer Milzbrand Tularämie, Pest und Cholera für Zwecke
der biologischen Kriegführung entwikkelt haben.

Programmumfang
Die Vereinigten Staaten wurden
sich nur langsam der Tatsache bewußt,
daß sich eine wachsende Zahl von Län-

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�dem mit offensiv ausgerichteten Programmen zur biologischen Kriegführung
beschäftigen.
Nachdem die Beweise
für die zunehmende Zahl von Ländern,
die offensive biologische Waffen entwickeln, unübersehbar geworden waren,
beschlossen die Vereinigten Staaten
eine erhebliche Aufstockung der Mittel für das BDRP, um dieser wachsenden Bedrohung gerecht zu werden. Wie
in jedem Fall, wenn man praktisch bei
Null beginnt und die für ein Projekt
zur Verfügung stehenden Mittel rasch
erhöht, erscheint der prozentuale Zuwachs als sehr hoch.
Der für Verhandlungspolitik zuständige
Unterabteilungsleiter
im
US-Verteidigungsministerium,
Jim
Hinds, hat am 17. Mai 1989 vor dem
Ausschuß des Senats für Regierungsangelegenheiten eindeutig festgestellt,
daß "es die anhaltende Entwicklung
dieser Waffen durch andere erforderlich macht, daß die Vereinigten Staaten defensive Fähigkeiten beibehalten, um den Einsatz biologischer Waffen gegen unsere Streitkräfte zu verhindern. ... Dies zwingt uns dazu,
wirksame Forschungsprogramme zu Verteidigungszwecken weiterzuführen, mit
denen wir unsere Streitkräfte immunisieren, behandeln und defensiv ausrüsten können, falls sie auf einem biologisch verseuchten Gefechtsfeld operieren müssen."

Defensive Forschung
Viele Wissenschaftler beteiligen
sich an der medizinischen Forschung
im Rahmen des BDRP. Ihre Erkenntnisse werden häufig in Fachzeitschriften
veröffentlicht. Das BDRP unterliegt
keinerlei Geheimhaltung.
Der Kongreß, die Vereinten Nationen, Aufsichtsbehörden, Wissenschaftler aus
der ganzen Welt, Bürgerinitiativen
und die Medien haben jederzeit Zugang
zu Informationen über das BDRP.
Das einzige mit dem BDRP in Verbindung stehende und der Geheimhaltung unterliegende Element sind die
Mittel und Quellen, mit deren Hilfe

die Vereinigten Staaten Informationen
darüber sammeln, welche Länder biologische Waffen entwickeln und wie ausgefeilt diese Waffen sind.
In diesem Jahrhundert wurden fast
unweigerlich
tödlich
verlaufende
Krankheiten wie Pocken erfolgreich
ausgemerzt. Andere, nur gelegentlich
tödlich verlaufende Krankheiten wie
Polio und Röteln werden zunehmend unter Kontrolle gebracht. Das Bindeglied bei der Ausrottung und/oder
Kontrolle dieser Krankheiten ist die
Verwendung kleiner Mengen des die
Krankheit auslösenden Stoffs - unter
streng kontrollierten Bedingungen -,
um Gegenmittel, Impfstoffe oder ein
anderes Schutzsystem zu entwickeln
und erproben.
Diese wissenschaftlich-medizinische Methode liegt auch
dem Teil des BDRP zugrunde, der sich
mit Giften und Toxinen beschäftigt.
Ein kritischer Einwand zum BDRP
lautet, es gäbe keine eigentliche Unterscheidung zwischen offensiver oder
defensiver Forschung zu biologischen
Waffen. Diese Behauptung läßt einige
Realitäten außer acht. Abgesehen von
der Grundlagenforschung ist die gesamte Methodologie bei der Art von
Arbeiten, wie sie für offensive im
Vergleich zu defensiven biologischen
Waffen durchgeführt würden, grundsätzlich verschieden und für jeden
qualifizierten Wissenschaftler offensichtlich. Von Anbeginn basiert defensive Forschung auf anderen Postulaten und Hypothesen als Forschung
mit offensiven Zielsetzungen. Diese
grundverschiedenen Ansätze sind unter
Wissenschaftlern,
insbesondere
bei
den zahlreichen Wissenschaftlern aus
aller Welt, die regelmäßig BDRP-Einrichtungen
besuchen,
wohlbekannt.
Wenn das Ziel des amerikanischen BDRP
tatsächlich darin bestünde, offensive
Systeme zu entwickeln, wäre dies jedermann aufgrund der offenkundigen
Bemühungen ersichtlich, die zur Verstärkung von Virulenz oder toxischer
Wirkung sowie zur Herstellung der
enormen Mengen notwendig sind, die
weit über den zur Produktion von
Impfstoffen benötigten liegen.

- 3 -

�Neue Entwicklungen
Die jüngsten Entwicklungen in der
Gentechnik haben Einhaltung und Verifizierung der BWC erheblich kompliziert. Das Aufspüren von genetisch
veränderten
Substanzen
ist
sehr
schwierig.
Aufgrund der wachsenden
Bedeutung der Gentechnologie in der
Weltwirtschaft ist es leider für viele Staaten auch leichter geworden,
von der Konvention verbotene tödliche
Substanzen herzustellen.
Diese neue und erschreckende Realität der Gentechnik stellt das Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung vor große Herausforderungen. Es müssen jetzt noch energischere Bemühungen unternommen werden,
um die amerikanischen Streitkräfte
vor dem Einsatz und möglichen Mißbrauch dieser Technik zu schützen.

* * * * *

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