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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

18

3 . Mai 1989
I N H A L T

DOKUMENTATION
Cheney: Reduzierung nuklearer Gefechtsköpfe möglich
- Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU -

HINTERGRUNDMATERIAL
Eröffnungsrunde der VSBM-Verhandlungen "generell positiv'
- Interview mit Botschafter Maresca -

WIRTSCHAFT
Bericht des US-Handelsbeauftragten zur Bundesrepublik
- Auszüge aus dem Bericht des Handelsbeauftragten Neuer Handelsbericht veröffentlicht
- Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsidialamt für Wissenschafts- und Technologlepolltlk
- Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert t

Nationaler Raumfahrt-Beirat wiedereingesetzt

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

^

3. Mai 1989

18

CHENEY:

REDUZIERUNG NUKLEARER GEFECHTSKÖPFE MÖGLICH

- Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Verteidigungsminister Cheney zufolge könnte die NATO "die Anzahl der in Europa stationierten Gefechtsköpfe" reduzieren, sobald das Nukleararsenal modernisiert ist.
Bei einem Symposium der National Defense University erklärte Cheney am 24.
April 1989 weiter, er könne sich "keine Bedingungen" vorstellen, unter denen
die NATO alle ihre nuklearen Streitkräfte aus Europa abziehen würde. "Ein
solches Vorgehen würde die Abschreckung entscheidend schwächen, weil unserer
Strategie der flexiblen Reaktion zunichte gemacht würde", so Cheney.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache des amerikanischen Verteidigungsministers im Wortlaut.
Seit ich Minister geworden bin,
hat sich mir etwas in einer Weise
verdeutlicht, wie es niemals der Fall
gewesen wäre, als ich noch Mitglied
des Kongresses war. In welche Richtung wir auch immer bei unserer Überprüfung der Sicherheitsstrategie der
vergangenen Monate geblickt haben,
wir kommen immer wieder auf unser erstes Prinzip zurück - die Notwendigkeit der Geschlossenheit im westlichen Bündnis. Mit dieser Geschlossenheit kann praktisch jede Zukunft
bewältigt werden.
Ohne sie wird
selbst die einfachste Aufgabe zu einer Belastung der internationalen Beziehungen.
Vom täglichen Funktionieren des
internationalen
Wirtschaftssystems
bis hin zu Rüstungskontrolle und Ein-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

dämmung wären alle Bestrebungen
Westens nach Sicherheit ohne die
scheidende Einheit zwischen den
einigten
Staaten
und Europa
Scheitern verurteilt.

des
entVerzum

Paradoxerweise sind die Werte,
die das Wesen dieser Verbundenheit
mit Europa ausmachen - im Gegensatz
zu den Werten, die den Ostblock zusammenhalten - Güter wie freie Meinungsäußerung, Wettbewerb und Wahlfreiheit. Mit anderen Worten, Werte,
die das Wesen eines Büdnisses ausmachen, das sich in einer solch lebhaften Diskussion befindet, daß die
übrige Welt zweifellos beeindruckt
von unserer Fähigkeit ist, eine gemeinsame Politik zu erarbeiten und
beizubehalten.

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Telex: 8-85432

�Heute feiern wir den Erfolg und
die Stärke des wichtigsten Resultats
dieser Geschlossenheit. Es gibt vieles, auf das wir stolz sein können,
wenn wir eine Bestandsaufnahme der
ersten 40 Jahre der NATO vornehmen.
Dennoch hat jeder von uns noch wichtige Fragen bezüglich der Zukunft unseres Bündnisses in einem sich wandelnden internationalen Umfeld.
Wir sollten uns jedoch vor Augen
führen, daß unser Unbehagen nichts
Neues ist. In seinem Bericht über
die feierliche Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags am 4. April 1949
hielt Dean Acheson fest, die MarineBand "verlieh dem Ereignis einen unerwarteten Realitätsbezug", indem sie
zwei Lieder aus dem Musical Porgy und
Bess spielte:
"Ich habe viel von
Nichts" und "Es muß nicht zwangsläufig so sein".
Aber selbst angesichts Achesons
nüchterner Sicht der Zukunft ist die
offensichtlichste Tatsache im Hinblick auf das 40jährigen Bestehen der
NATO nicht das ungenutzte Potential,
sondern ihr außerordentlicher Erfolg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging
es Gewinnern und Verlierern in Europa
gleich schlecht, abgesehen vom Ausmaß
der Vernichtung, das sie umgab. Der
durch die schreckliche Zerstörungskraft des modernen Krieges verursachte wirtschaftliche Zusammenbruch ging
einher mit einer politischen Krise,
deren
Größenordnung
ihresgleichen
sucht. Der Bruch des Kriegsbündnisses, Angst vor Machtübernahmen und
geschwächte europäische Staaten sowie
die zunehmende Kriegstreiberei der
Sowjetunion schufen eine düstere Bedrohung des neugefundenen Friedens in
Europa.
Auf der anderen Seite des Atlantiks war Amerika nur zu gern bereit,
zu dem überholten und gefährlichen
Isolationismus zurückzukehren. Nachdem der Krieg gewonnen war, standen
wir kurz vor dem Verlust des Friedens. In dieser Phase der Nabelschau
traten sowohl in Europa als auch in

den Vereinigten Staaten einige herausragende Politiker auf, die zunächst den Weg bereiteten und dann
die Grundlage für den Frieden schufen, dessen wir '^ns heute erfreuen.
Heute wird der Erfolg des Bündnisses praktisch als selbstverständlich hingenommen.
Nicht nur wirtschaftliche und politische Stabilität
wurden wiederhergestellt und Amerika
gab seinen traditionellen Isolationismus auf sondern in jüngster Zeit
konnten wir auch einen Wandel in der
Ideologie unseres Hauptgegners beobachten, der in der Geschichte seinesgleichen sucht. Während wir uns vor
nicht allzu langer Zeit noch fragten,
warum Demokratien zugrunde gehen, erleben wir heute das allmähliche Entstehen von Demokratien in einer Reihe
von Ländern der Dritten Welt und fragen uns, ob die Freiheit in Osteuropa
und vielleicht sogar in der Sowjetunion den Sieg über den Kommunismus
erringen wird.
Obwohl man geteilter Meinung darüber sein kann, warum dies so Ist,
liegen die Gründe meiner Ansicht nach
auf der Hand.
Seit Bestehen des
Bündnisses haben wir militärische
Stärke bewahrt und waren zur Verteidigung unserer Freiheit bereit. Weder der Aufschwung unserer Volkswirtschaften noch die Verbreitung der Demokratie sind lediglich auf irgendeinen mysteriösen Prozeß oder bloßes
Glück
zurückzuführen.
Eindämmung,
flexible Reaktion und die dahinterstehende Verpflichtung zu militärischer Stärke haben weltweit ein Umfeld geschaffen, in dem die Nationen
ihre eigenen Entscheidungen treffen
können und in dem unser mächtigster
Gegner gezwungen wurde, sich mit der
Stagnation seiner Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Es steht außer Frage, daß sich in
der Sowjetunion und in Osteuropa ein
tiefgreifender Wandel vollzieht, und
es besteht kein Zweifel, daß diese
Reformen eine besondere Herausforderung an die NATO darstellen. Glasnost und Perestrojka sind willkommene

�Signale, nicht nur für den Westen,
sondern insbesondere für diejenigen,
die unter der kommunistischen Herrschaft zu leiden hatten.

dukts für die Verteidigung aus,
während die Vereinigten Staaten
weniger als 6 Prozent dafür aufwenden.

Wir begrüßen Gorbatschows neues
Denken in der Außen- und Verteidigungspolitik. Seit Beginn des kalten
Krieges haben wir auf ein neues Denken in Moskau gewartet und wir haben
allen Grund zu der Hoffnung, daß die
Sowjets zu einem stabilisierenderen
Faktor in der Weltpolitik werden.

Die
Rüstungsproduktion
behält
insgesamt das in der BreschnewÄra vorgegebene hohe Tempo bei.
Wir besitzen zum Beispiel keinerlei Beweise dafür, daß die Sowjets ihre Jahresproduktion von
3 500 Panzern verringert haben.

Unsere erste Pflicht ist es jedoch, die sowjetischen Fähigkeiten zu
verstehen und das sowjetische Vorgehen richtig einzuschätzen. Wir können die gute Absicht loben, aber wir
müssen uns mit der Realität auseinandersetzen.
Darüber hinaus ist Vorsicht angebracht, wenn wir solch kritische Themen behandeln wie unsere Bewertung
der militärischen Bedrohung der Sowjetunion. Trotz der Worte, die wir
von Generalsekretär Gorbatschow vernehmen, ist und bleibt die Sowjetunion militärisch ein Gigant mit enormer
Zerstörungskraft und einer Geschichte, die uns Wachsamkeit und Festigkeit lehrt.
Gorbatschows bisherige Amtszeit
liefert in der Tat noch kein klares
Bild von jemandem, der ausschließlich
von wohlwollenden Intentionen gegenüber der NATO geleitet ist. Lassen
Sie uns einige Fakten prüfen:
Selbst wenn die Sowjets die von
Gorbatschow in seiner Rede vor
den Vereinten Nationen am 7. Dezember 1988 erwähnten Streitkräfte vollständig abbauen würde, wären die Streitkräfte des Warschauer Pakts denen der NATO bei
Panzern, Geschützen und Divisionen zahlenmäßig immer noch im
Verhältnis von 2:1 überlegen.
Trotz der Reden über einen reduzierten Militärhaushalt gibt Moskau offenbar weiterhin 15 bis 17
Prozent seines Bruttosozialpro- 3 -

Das neue Denken in der Außenpolitik hat die Sowjets nicht davon
abgehalten, ihre Militärhilfe für
Nicaragua von ca. 280 Millionen
Dollar im Jahr 1985 auf über 500
Millionen Dollar im Jahr 1988 zu
erhöhen - fünfmal soviel, wie unsere gegenwärtige Hilfe an El
Salvador.
Bei einem Thema, das für die NATO
von großer Bedeutung ist - der
Modernisierung
der
nuklearen
Kurzstreckensysteme - sind die
Sowjets leider zu ihrer sattsam
bekannten Haltung zurückgekehrt.
So hat Außenminister Schewardnadse im März dieses Jahres erklärt: "Die Modernisierung kann
das in Europa entstehende echte
Vertrauen zerstören."
Und erst
kürzlich hat Gorbatschow in London verkündet, die Sowjets hätten
die Modernisierung ihrer Kurzstreckensysteme eingestellt. Betrachtet man die von den Sowjets
gegenwärtig unternommenen Modernisierungsanstrengungen, so können diese beiden Erklärungen bestenfalls als bizarr bezeichnet
werden.
Schon seit über zehn Jahren modernisieren
die
Sowjets
ihre
Kurzstreckensysteme.
Sie haben
alte und wenig zielgenaue FROGSysteme durch die moderne SS-21
ersetzt. Unter Staats- und Parteichef Gorbatschow hat sich die
Zahl der SS-21-Abschußvorrichtungen sogar mehr als verdoppelt.
Zusätzlich ersetzt Moskau seine
vom INF-Abkommen betroffenen SS-

�23-Raketen durch SCUD-Flugkörper.
Die Modernisierung von Flugzeugen
dauert ebenso wie die der Artilleriesysteme an.
Infolge dieser Modernisierung besitzt der Warschauer Pakt bei
atomaren Kurzstreckenraketer. eine
Überlegenheit
von
sage
und
schreibe 16:1.
Zusammengenommen deuten diese unter Gorbatschow vorgenommenen Maßnahmen darauf hin, daß wir im Hinblick
auf Veränderungen in unserem Einsatzkonzept sehr vorsichtig vorgehen müssen. Überdies besteht kein Zweifel,
daß die Politik des Bündnisses, die
den Frieden über 40 Jahre bewahrt
hat, ständiger Bekräftigung bedarf.
Dies war meines Erachtens die
deutliche Botschaft, die von unserem
jüngsten Treffen der Nuklearen Planungsgruppe in Brüssel übermittelt
wurde. Die Vereinigten Staaten konnten ihr Engagement für das Bündnis
bekräftigen und der NATO versichern,
daß die Kürzungen, zu denen wir im
Verteidigungshaushalt der Vereinigten
Staaten gezwungen sind, die Verteidigung der NATO auf keinen Fall schwächen werden.
Die
Nukleare
Planungsgruppe
stellte eindeutig fest, daß zur Abschreckung weiterhin atomare und konventionelle Waffen gehören müssen.
Ich kann mir keine Bedingungen vorstellen, unter denen wir den Abzug
aller Kernwaffen aus Europa vornehmen
könnten. Ein solches Vorgehen würde
die Abschreckung entscheidend schwächen, weil unsere Strategie der flexiblen Reaktion zunichte gemacht würde.
Aufgrund dessen brachte die NPG
ihre anhaltende Unterstützung für die
in Montebello eingegangene Verpflichtung zum Ausdruck, ein glaubwürdiges
nukleares Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten.
Das Bündnis wird
den notwendigen Zeitplan für eine
solche Modernisierung ausarbeiten.

Es sind Forderungen nach Verhandlungen mit Moskau über eine dritte
Null-Lösung erhoben worden. Wir dürfen nicht in diese gefährliche Falle
gehen.
Eines der Hauptziele des
Kreml ist die Entnuklearisierung Europas.
Betrachtet man dieses Ziel
und die gefährlichen Bedingungen, die
sich bei dessen Verwirklichung ergeben könnten, so muß das Bündnis weiterhin diese Forderung nach einer
dritten Null-Lösung entschlossen ablehnen.
Wenn wir heute nicht den
Willen besitzen, dieser Option entgegenzutreten, könnten wir ihn dann
wirklich in irgendwelchen Verhandlungen über Kurzstreckensysteme aufbringen?
Zusätzlich zur nuklearen Modernisierung sind gemeinsame Verbesserungen in der konventionellen Verteidigung unerläßlich.
Abschreckung und
Verteidigung ebenso wie unsere Hoffnung auf ein günstiges Ergebnis der
Gespräche über die konventionellen
Streitkräfte in Europa beruhen auf
diesen Verbesserungen. Wir haben gewiß aus der Vergangenheit gelernt,
daß wir nichts gewinnen, wenn wir In
der Hoffnung einseitig Verbesserungsprogramme begrenzen oder auf sie verzichten, daß die Sowjets darauf ebenso großzügig antworten.
Wir beabsichtigen, auf der von
der Reagan-Administration hinterlassenen
starken
Sicherheitsgrundlage
aufzubauen und eine beständige Politik zu verfolgen, die weiterhin der
absoluten Notwendigkeit eines soliden
westlichen Bündnisses Rechnung trägt,
das auf eine faire Teilung von Aufgaben, Risiken und Verantwortlichkeiten
gegründet ist.
Ich bin mir der mannigfachen Forderungen nach einer grundlegenden
Neueinschätzung unserer Bündnisse und
nach umfassenden Neuerungen in der
nationalen Sicherheitspolitik bewußt.
Keiner dieser Vorschläge ist jedoch
zur Zeit für uns attraktiv.
In den Vereinigten Staaten besteht ein starker Wunsch nach Neue-

�rungen. Trotz der eindeutigen Erfolge unserer nationalen Sicherheitsstrategie wird vielfach immer noch
die Meinung vertreten, wir sollten
auf die sowjetischen Reformen mit einer Wende in unserer Strategie der
Eindämmung reagieren.
Zu häufig haben wir in der Vergangenheit ein Auf und Ab der amerikanischen Macht erlebt, haben wir gesehen, wie unsere Interessen sprunghaft von einer Region zu einer anderen wechselten, wenn verschiedene Administrationen den Schwerpunkt verlagerten. Dies ist die Art von unsteter Politik, sei es in Haushaltsfragen oder in unseren Auslandsverpflichtungen, die diese Administration zu vermeiden trachtet.
Wir sind schließlich eine mächtige Nation, die Teil einer mächtigen
Koalition ist. Wir müssen nicht auf
jeden Vorschlag oder jede Verlagerung
in der Politik unseres Hauptgegners
reagieren. Die Welt ist viel komplexer. Mit anderen Worten: Wir haben
andere Anliegen als die Sowjetunion
und wir beabsichtigen, diesen Anliegen die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
In der Tat ist es die Komplexität
der Welt, mit der wir konfrontiert
sind, die von uns eine stetige und
berechenbare
Außen- und
Verteidigungspolitik verlangt, die auf einer
realistischen Einschätzung der internationalen Politik beruht.
Ich weiß, daß der Ruf nach Beharrlichkeit
und
Strategie keinen
Stoff
für aufregende Schlagzeilen
liefert. Er ist jedoch die richtige
Formel für ein großartiges Bündnis
wie das unserige, ein Bündnis, das
aus der Vergangenheit gelernt hat und
das beabsichtigt, auf seinen Erfolgen
aufzubauen.

* * * * *
- 5

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3. Mai 1989

18

ERÖFFNUNGSRUNDE DER VSBM-VERHANDLUNGEN "GENERELL POSITIV
- Interview mit Botschafer Maresca -

WASHINGTON - (AD) - Die letzten
Monat in Wien eröffnete Runde der
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
war dem amerikanischen ChefUnterhändler, Botschafter John Maresca zufolge
"im großen und ganzen positiv".
Ein Beweis dafür ist, daß sowohl
die NATO als auch der Warschauer Pakt
bereits erste Vorschläge unterbreitet
haben, erklärte Maresca in einem Interview am 27. April 1989. Dies
steht im Gegensatz zu den früheren
Stockholmer Gesprächen, bei denen es
nahezu neun Monate dauerte, bevor die
ersten Vorschläge vorgelegt wurden,
fügte Maresca hinzu.
Die Vorschläge der beiden Bündnisse "überschneiden sich in gewissen

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Punkten", vor allem in den vom Westen
bevorzugten Bereichen, stellte der
Botschafter fest, der vom Osten unterbreitete Plan ließe jedoch Einzelheiten vermissen, fügte er hinzu.
Die Position der NATO stützt sich
im wesentlichen auf den ursprünglich
in Stockholm gemachten Vorschlag, der
damals jedoch vom Osten abgelehnt
worden war. Er fordert die 35 betroffenen Nationen auf, "umfassende
Informationen" über ihre Streitkräfte
in Europa zur Verfügung zu stellen,
die die Kommandostruktur, die genauen
Stellungen der Streitkräfte in Friedenszeiten sowie die Art des wichtigsten in Europa stationierten Geräts
beinhalten sollten. Alle diese Informationen würden jährlich vorgelegt, "so daß man im Lauf der Zeit

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�eine Entwicklung bezüglich der jeweiligen Streitkräfte feststellen könnte", erklärte Maresca.

handlungen stattfinden, um ihnen einen gewissen Auftrieb zu verleihen,
fügte er hinzu.

Darüber hinaus fordert der NATOVorschlag alle Nationen auf, sich gegenseitig jährlich über ihre Pläne
zur Stationierung von neuem militärischen Croßgerät zu informieren. Dem
Botschafter zufolge sei ein solches
Vorgehen als Maßnahme gegen die sowjetische Tendenz gedacht, heimlich
neue Systeme zu stationieren. Insgesamt gesehen würden die westlichen
Vorschläge die Stabilität und Berechenbarkeit
in Europa vergrößern,
fügte er hinzu.

Maresca erklärte, trotz ermutigender Anzeichen enthielten die Vorschläge des Ostens Positionen, die
der Westen für "inakzeptabel" hält,
vor allem folgende:

In der Schlußakte von Helsinki
haben sich die 35 Nationen der NATO,
des Warschauer Pakts sowie die neutralen und blockfreien Nationen auf
zwei
Inspektionsmethoden
geeinigt.
Die erste Methode gestattet die Beobachtung von militärischen Manövern.
Die andere räumt jeder Nation das
Recht ein, kurzfristig (binnen 48
Stunden) anberaumte Ad-hoc-Inspektionen aller militärischen Einrichtungen
der 35 Nationen zu fordern.
Auf diese Maßnahmen aufbauend,
enthält der NATO-Vorschlag jetzt eine
dritte Art von Inspektion, bei der
tni] itärisehe Einrichtungen in regelmäßigen Abständen aufgesucht würden,
um das dort stationierte Gerät zu inspizieren und zu zählen - ein Gedanke, der Maresca zufolge der militärischen Lage in Europa "ein zusätzliches Element der Stabilität" verleihen würde.
Ein weiterer Vorschlag des Westens, der vom Warschauer Pakt offensichtlich gut aufgenommen wurde, ist
der Gedanke, ein Seminar über Militärdoktrin und -politik zu veranstalten.
"Es ist ein günstiger Zeitpunkt" für diese Art von Übung, erklärte Maresca, und verwies darauf,
daß Themen wie die Mililtärdoktrin
und der Verteidigungshaushalt der Sowjetunion bei solchen Seminaren erörtert werden könnten. Er hoffe, das
Seminar werde noch während der Ver-

Zonen: Der Osten versucht, die
Streitkräfte des Westens innerhalb
noch festzulegender Zonen zu begrenzen. Das den Staaten des Warschauer
Pakts zur Verfügung stehende riesige
Territorium - Osteuropa plus die gesamte Sowjetunion westlich des Urals
- verglichen mit dem der NATO versetzt den Westen jedoch eindeutig in
eine schwächere Position, erklärte
der Botschafter.
Begrenzungen: Der Osten will den
Aktivitäten der westlichen Streitkräfte bestimmte Obergrenzen oder Begrenzungen auferlegen. Ohne Reduzierungen des Warschauer Pakts auf gleiche Obergrenzen würde sich auch dies
zu einem Vorteil für die Sowjetunion
auswirken. Um ihre geringere Anzahl
an Streitkräften wettzumachen, muß
die NATO ihre Fähigkeit zur Durchführung von Großmanövern aufrechterhalten, stellte er fest.
Unabhängige Luft- und Seemanöver:
Das ursprüngliche Mandat, auf das
sich sowohl die Stockholmer als auch
die Wiener VSBM-Gespräche stützen,
legt besondere Betonung auf die landgestützten
Streitkräfte,
womit
Luft- und Seeoperationen ausgeschlossen werden. Das Problem liege auf
der Hand, daß Luftübungen "außerordentlich schwer zu überwachen sind",
erklärte Maresca.
Die NATO lehnt Verhandlungen über
Seemanöver ab, da die Vereinigten
Staaten ihre Bereitschaft aufrechterhalten müssen, Europa im Falle einer
militärischen Konfrontation auf europäischem Gebiet auf dem Seeweg zu
verstärken, bemerkte der Botschafter.
Zusammengenommen

könnten

Maresca

�zufolge diese Aspekte der vom Osten
unterbreiteten Vorschläge als "Vorteilbildende Maßnahmen" beschrieben
werden.
Die zweite Sitzungsperiode der
Wiener Gespräche ist für den 5. Mai
1989 anberaumt und soll bis Mitte Juni dauern. Der Botschafter erwartet,
daß die 35 Nationen bald Arbeitsgruppen zur Erörterung bestimmter Probleme bilden werden.
Bezüglich eines
solchen Vorgehens scheine ein "Konsens" zu bestehen.
Mit Blick auf die Zukunft stellte
Maresca fest, die VSBM-Gespräche müßten über ihre Fortschritte bei der
für Frühjahr 1992 in Helsinki angesetzten KSZE-Zwischenbilanz berichten.
"Das wirkt in gewisser Weise
wie eine Frist", erklärte Maresca und
fügte hinzu, ein Abkommen könnte möglicherweise vor diesem Zeitpunkt erzielt werden.

* * * * *

�»

AMERIKA DIENST

&gt;

Wirtschaft

^ON

3. Mai 1989

18

BERICHT DES US-HANDELSBEAUFTRAGTEN ZUR BUNDESREPUBLIK
- Auszüge aus dem Bericht des Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den die Bundesrepublik
Deutschland betreffenden Teil des Nationalen Handelsberichts über ausländische
Handelshemmnisse, der am 28. April 1989 vom Büro des Handelsbeauftragten veröffentlicht wurde.

Bundesrepublik Deutschland
Im Jahr 1988 belief sich das Handelsdefizit mit der Bundesrepublik
auf 13,1 Milliarden Dollar und war
damit 3,2 Milliarden Dollar niedriger
als 1987. Der Warenexport in die
Bundesrepublik betrug 14,3 Milliarden
Dollar, was verglichen mit 1987 einem
Anstieg von 2,6 Milliarden Dollar
oder 22,2 Prozent entspricht.
Die
Bundesrepublik Deutschland war 1988
der fünftgrößte Exportmarkt der Vereinigten Staaten. Amerikanische Importe aus der Bundesrepublik beliefen
sich 1988 auf insgesamt 27,4 Milliarden Dollar und lagen damit um 2,1
Prozent unter den Zahlen des Jahres
1987.
Die

direkten

Auslandsinvestitio-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen der Vereinigten Staaten in der
Bundesrepublik
betrugen 1987 24,4
Milliarden Dollar, waren also 3,6
Milliarden Dollar höher als 1986.
Die amerikanischen Direktinvestitionen in der Bundesrepublik konzentrieren sich vornehmlich auf nichtelektrische
Maschinen,
Transportausrüstungen und Mineralöl.

1. Normen, Erprobung, Beschriftung,
Zulassungsverfahren
Bestimmungen für sterile medizinische
und diagnostische Geräte
Die kürzlich in der Bundesrepublik
Deutschland
veröffentlichten
medizinischen Normen werden den Herstellern in den Vereinigten Staaten

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�voraussichtlich übermäßige Belastungen auferlegen.
In bestimmten Fällen erscheinen die neuen Normen unnötig vage. Die amerikanische Industrie vertritt die Auffassung diese
Normen seien ohne angemessene Berücksichtigung
der
Interessen anderer
Staaten verfaßt worden.
Die neuen Bestimmungen betreffen
steriles medizinisches und diagnostisches Gerät.
Besonders umstrittene
Bereiche sind unter anderem die Bestimmungen für Arneimittelproben und
Beschriftungen.
Eine Verfügung des Gesetzes bestimmt die Lagerung von Arzneimittelproben auf dem Gelände des Importeurs
statt auf dem des exportierenden Unternehmens. Vertreter der amerikanischen Industrie sind der Auffassung,
diese Bestimmung würde zusätzliche
Kosten in Höhe von 8 bis 10 Millionen
Dollar pro Jahr für die Importfirma
verursachen.
Eine Bestimmung, die
sich auf mehrere Wirkstoffe enthaltende
Arzneimittel
bezieht, wird
ebenfalls Mehrkosten verursachen, da
die Hersteller gezwungen sind, bestimmte Kontingente speziell für den
westdeutschen Markt zu beschriften.
Es ist schwierig, die Mehrkosten
genau vorauszusagen, die diese Richtlinien den amerikanischen Herstellern
medizinischer
Produkte
auferlegen
könnten. Man geht jedoch davon aus,
daß sie nachteiligen Auswirkungen auf
die Exporte medizinischer Produkte
der Vereinigten Staaten in die Bundesrepublik haben könnten.
Die Vereinigten S.taaten verwahren
sich weiterhin gegen die in der Vergangenheit angewandte Praxis der Bundesrepublik, die interessierten Parteien zu benachrichtigen, wenn neue
medizinische
Normen
verabschiedet
werden sowie gegen die übermäßigen
Kosten, die einige dieser Normen den
amerikanischen
Herstellern
voraussichtlich auferlegen werden. Amerikanische Regierungsvertreter werden
diese Themen weiterhin auf bilateraler Ebene mit ihren Kollegen in der

Bundesrepublik anschneiden.

2.

Staatliche Beschaffungen

Ausschluß ausländischer Firmen
der Liste befähigter Anbieter

von

Acht der 1 000 bundesdeutschen
Stromversorgungsunternehmen sind für
80 Prozent der Stromerzeugung des
Landes verantwortlich. Vertreter der
Bundesregierung versichern, ihr Markt
für schweres elektrisches Gerät (HEE)
sei offen.
Obwohl Verträge öffentlich ausgeschrieben werden, unterhalten die
bundesdeutschen Stromerzeuger keine
Liste der befähigten Anbieter. Entscheidungen über die Befähigung eines
Unternehmens werden vom Versorger von
Vertrag zu Vertrag auf der Grundlage
seiner Entscheidung über die Zuverlässigkeit des Anbieters und anderer
Faktoren gefällt. Bisher wurde keinem ausländischen Unternehmen der Zuschlag zum Bau eines Turbinengenerators erteilt.
Der bundesdeutsche Markt für Turbinengeneratoren und Transformatoren
wird auf rund 350 Millionen Dollar
pro Jahr geschätzt.
Amerikanische
Firmen sind zuversichtlich, daß sie
einen beträchtlichen Marktanteil für
sich gewinnen könnten, wenn die Beschaffungpraktiken offen und transparent würden.
Die Vereinigten Staaten sprechen
über dieses Thema mit Vertretern der
Bundesregierung, utr auf mehr Transparenz und Marktzugang zu drängen.
Diese umfassenden sondierenden Gespräche erstrecken sich auch auf diejenigen Versorgungsunternehmen, die
bestimmten Einfluß auf Beschaffungsentscheidungen der Bundesrepublik für
schweres elektrisches Gerät haben.
Gleichzeitig wird durch Verhandlungen
im Rahmen des GATT versucht, die Beschaffung von schwerem elektrischem
Gerät gemäß dem Regierungsbeschaffungskodex des GATT einzubeziehen.

�In ähnlicher Weise sind die Konsultationen mit der Europäischen Gemeinschaft darauf ausgerichtet, den
Zugang zum Binnenmarkt für amerikanische Hersteller von schwerem elektrischem Gerät zu sichern. Unabhängig
vom tatsächlichen Besitzer der Einrichtung versucht die EG ihre Richtlinien für diesen priviligierten Bereich auf alle öffentlichen Versorgungsunternehmen anzuwenden. Wie im
Entwurf vorgesehen, würde die Richtlinie diesen Unternehmen die Vorschrift gestatten, daß 50 Prozent aus
"heimischer" odr lokaler Produktion
zu stammen haben.

3.

Andere Handelshemmnisse

Regierungssubventionen für den Airbus
Die Airbus-Subventionen sind nach
wie vor ein Hauptstreitpunkt zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik.
Im Juni 1987 kündigte
die Bundesregierung Subventionen in
Höhe von 1,65 Milliarden Dollar für
das
kommerzielle
Flugzeugprogramm
Airbus A 330 und A 340 an. Seit 1967
belief sich die gesamte Unterstützung
der Bundesrepublik für die AirbusProgramme auf über 5,6 Milliarden
Dollar, von denen bisher 2,3 Milliarden Dollar ausgegeben worden sind.
Die Subventionen der Bundesregierung gingen an Messerschmidt-BölkowBlohm (MBB), ein im öffentlichen Besitz befindliches Unternehmen in der
Bundesrepublik.
Eine Tochtergesellschaft von MBB, die Deutsche Airbus,
ist zu 38 Prozent Partner der Airbus
Industries. MBBs Partner im AirbusKonsortium
sind
Unternehmen
aus
Frankreich, Großbritannien und Spanien. Jedes dieser Unternehmen erhält zusätzlich umfangreiche Subventionen von der Regierung des jeweiligen Landes.

Handelsabkommen über die Zivilluftfahrt stehen. Die Vereinigten Staaten haben sowohl auf bilateraler Ebene als auch im GATT-Flugzeugausschuß
Diskussionen zu diesem Thema in die
Wege geleitet.
Im Herbst 1988 hat die Bundesregierung Pläne zur Privatisierung von
MBB durch den Verkauf der Kapitalmehrheit des Unternehmens an Daimler-Benz verlauten lassen. Um Daimler davon zu überzeugen, die Kontrolle über MBB zu übernehmen, mußte die
Bundesregierung die ausstehenden Verpflichtungen im Rahmen des AirbusProgramms, einschließlich einer Wechselkursgarantie in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar umstrukturieren. Garantierte Wechselkurse für einen bestimmten Zeitraum für neue AirbusProgramme sind eine zusätzliche finanzielle Verpflichtung von nahezu 1
Milliarde Dollar.
Ferner mußte sie
einen 20prozentigen Anteil am neuen
MBB-Unternehmen
für
Zivilluftfahrt
übernehmen.
Genaue Schätzungen der
möglichen Verpflichtungen für diese
Wechselkursgarantien
bis ins Jahr
2000 liegen nicht vor und könnten den
Budgetrahmen sprengen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Rechtmäßigkeit dieser Verfügungen im
Sinne des GATT-Subventionenkodex in
Frage gestellt und am 20. März 1989
Konsultationen gemäß dem Kodex gefordert.
Die Vereinigten Staaten werden
das Thema Airbus weiterhin mit den
zuständigen Vertretern der Bundesregierung bei der Suche nach Wegen zum
völligen Abbau oder der Begrenzung
von Subventionen durch die AirbusPartnerregierungen verfolgen.

* * * * *
Die Vereinigten Staaten haben die
Frage aufgeworfen, ob die von den
vier Regierungen für ihre Mitglieder
des Airbus-Konsortiums gewährten Subventionen im Einklang mit dem GATT- 3

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

3. Mai 1939

18

NEUER HANDELSBERICHT VERÖFFENTLICHT
- Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet -

WASHINGTON - (AD) - Der vierte
Jahresbericht der US-Regierung über
ausländische Handelsschranken findet
mehr Beachtung als die drei vorhergehenden. Dieses Jahr benutzt das Büro
des US-Handelsbeauftragten (USTR) den
Bericht mit dem Titel "National Trade
Estimate (NTE) Report on Foreign
Trade Barriers" als ein Kriterium für
die Feststellung der Länder, denen
bei einer Reihe von Untersuchungen in
Fällen unfairen Handels, die Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen könnten, vorrangige Bedeutung beigemessen
wird.
Bei einer Informationsveranstaltung am 28. April 1989 erklärte der
ständige Berater des USTR, Joshua
Bolton, jedoch, der Bericht sei für
die Regierung bei der Festlegung der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Prioritäten für Untersuchungen gemäß
"Special 301" in Fällen der Verletzung von Rechten an geistigem Eigentum sowie gemäß "Super 301" in anderen Fällen von unfairen Handelsbeschränkungen nur einer von vielen
Faktoren.
Abschnitt 301 des amerikanischen
Handelsgesetzes
ist die schärfste
Waffe des USTR gegen unfaire Handelspraktiken.
Dem Handelsgesetz von
1988 zufolge muß der USTR bis zum 30.
Mai in Fällen von "Super 301" und
"Special 301" die vordringlich zu behandelnden Länder benennen und binnen
eines Monats Untersuchungen gegen
diese Länder einleiten.
Verständlicherweise wird in diesem Bericht den Ländern, deren Han-

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�delsvolumen mit den Vereinigten Staaten am größten ist, der meiste Raum
gewidmet. "Die Seitenzahl sagt wahrscheinlich nichts darüber aus, wo die
schwerwiegendsten Probleme liegen,"
räumte Bolton ein.
Die längsten Abschnitte betreffen
jedoch Kanada, Brasilien, die Europäische Gemeinschaft (EG) und Südkorea
mit je 10 Seiten sowie Japan mit 18
Seiten. Der diesjährige Bericht enthält
Informationen
über
Handelsschranken in 34 Staaten sowie in der
Europäischen Gemeinschaft
und den
Ländern
des
Golfkooperationsrats.
Ägypten ist zum ersten Mal darin enthalten, während sieben Länder, die
vormals getrennt behandelt wurden,
heute im Abschnitt über die EG erscheinen.
Der Bericht führt mehrere japanische Handelsschranken zum ersten Mal
auf, darunter staatliche Marktinterventionen zugunsten von in Japan hergestellten Kommunikationsgeräten und
Personalcomputern, die das japanische
Betriebssystem TRON verwenden.
Dem
Bericht zufolge erarbeitet das japanische Bildungsministerium gegenwärtig technische Richtlinien für die
angestrebte unfaire Beschaffung von
2,2 Millionen TRON-Personalcomputern,
durch die einer japanischen Gruppe
von Unternehmen besondere Vorteile
verschafft werden.
Japan unterhält weiterhin unfaire
Quoten bei Weizen, Gerste, Reis,
Schellfisch, Hering, Kabeljau, Makrelen und Tintenfisch. Ferner wurden
Mängel im bis zu sechs Jahren dauernden japanischen Patentverfahren sowie
bei der Registrierung von Markenzeichen aufgedeckt, die bis zu vier Jahren dauern kann.
Der Bericht kritisiert das geschlossene
Ausschreibungsverfahren
für Bauprojekte in Japan, ein Vertriebssystem, mit dem der Marktzugang
amerikanischer Zulieferer in der Automobilindustrie behindert wird sowie
staatliche Schranken gegen amerikanische Satelliten und Supercomputer.

Dem Bericht zufolge verletzt Japan immer noch das Handelsabkommen
von 1986, in dem der US-Halbleiterindustrie
verstärkter
Marktzugang
versprochen wurde.
Aufgrund dieses
Vertragsbruchs erhalten die Vereinigten Staaten Handelssanktionen in Höhe
von 165 Millionen Dollar jährlich gegenüber japanischen Produkten aufrecht .
Auch von der Europäischen Gemeinschaft wird, wie der Bericht feststellt, ein Handelsabkommen verletzt.
Obwohl sich die EG zu Zollsenkungen
bei Kraftpapier und Pappe bereiterklärt hat, weigert sie sich nach wie
vor, die notwendigen Anpassungen bei
der
Produktdefinition
vorzunehmen,
durch die der vorgeschriebene Mindestweichholzanteil von 80 Prozent
abgeschafft würde.
Das
Handelsgesetz
von
1988
schreibt gemäß Abschnitt 301 eine
formelle Entscheidung des USTR über
Vergeltungsmaßnahmen
zwingend
vor,
wenn ein Handelsabkommen gebrochen
wurde.
Der Bericht kritisiert das EG-System variabler Abgaben auf Einfuhren
von Getreide, Zucker, Milchprodukten,
Rindfleisch, Geflügel, Eiern, Schweinefleisch und verarbeiteten Produkten. "Es dient dazu, eine Abgabe zu
erheben, die ausreicht, um die Preise
von Importprodukten über das EGPreisniveau zu verteuern", stellt der
Bericht fest.
Ferner wird der umfassende Einsatz von Exportsubventionen für Weizen, Rindfleisch, Milchprodukte, Geflügel, Nudeln sowie von Produktionsquoten für Ölsaaten und proteinhaltige Feldfrüchten durch die EG kritisiert. Zum EG-Verbot für amerikanisches Rindfleisch von hormonbehandelten Tieren enthält der Bericht keine
neuen Erkenntnisse. Nachdem die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1989
Vergeltungszölle gegen Agrarimporte
aus der EG verhängten, haben beide
Seiten am 18. Februar 1989 eine Expertengruppe
eingesetzt,
um
den

�Streit innerhalb von 75 Tagen zu
schlichten. Die Verhandlungen dauern
an.
Neben vielen anderen Beschwerden
bleiben dem Bericht zufolge die Subventionen Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens
und Spaniens für den Airbus "ein besonders strittiger Bereich zwischen
den Vereinigten Staaten und der EG".
Ferner wird in dem Bericht erklärt,
der EG sei schon am 19. Januar 1989
von den Vereinigten Staaten Priorität
beim Abbau von unfairen Beschränkungen beim Zugang zum Telekommunikationsmarkt eingeräumt worden.
Der
Stand der Verhandlungen mit der EG
oder dem anderen vordringlich zu behandelnden Land, Südkorea, im Telekommunikationsbereich wird nicht erörtert.
Korea erhält Quoten bei Hunderten
von Gütern aufrecht, wobei besonders
rigorose Kontrollen für Importe von
Futtergetreide, Sojabohnen und Erdnüssen gelten - "für Erdnüsse wurde
die Quote auf Null gesetzt", stellt
der Bericht fest.
Korea verbietet
die Einfuhr amerikanischer Orangen,
während es selbst Orangen in die Vereinigten Staaten exportiert.
Im April 1989 verkündete Korea
ein Dreijahrespaket für eine Liberalisierung im Agrarbereich, das von
der amerikanischen Regierung zur Zeit
geprüft wird. Korea verhängt ungewöhnlich restriktive Gesundheitsbestimmungen für die Einfuhr von Obst,
um die heimischen Erzeuger zu schützen. So werde zusätzlich zur Erhebung einer 45prozentigen Abgabe zum
Beispiel das Aussehen von frischen
Kirschen durch die Vorschrift zur
Desinfektion bei unnötig hohen Temperaturen beeinträchtigt und ihre Regallebensdauer reduziert.
Der Bericht bezeichnet die koreanische Haltung zur Durchsetzung von
Patent-, Urheber- und Markenzeichenrechten als lax. Der ungenügende Urheberrechtsschutz allein koste die
amerikanische Industrie schätzungs- 3

weise 100 Millionen Dollar jährlich.
Bei Dienstleistungen im Rechnungs-,
Rechts- und Finanzwesen, Werbung sowie im Seeverkehr, im Transport- und
Telekommunikationswesen
unterhält
Südkorea
erhebliche
Beschränkungen
für Investitionen und Marktzugang,
möglicherweise unter Verletzung eines
Vertrages aus dem Jahr 1956. Korea
erhält einen recht hohen Durchnschnittszollsatz
von 12,7 Prozent
aufrecht.
Die hohen Zölle Taiwans sind das
Hauptimporthemmnis dieses Landes, wobei der Durchschnittssatz 12 Prozent
beträgt und Spitzenzölle von bis zu
50 Prozent für Agrarprodukte gefordert werden.
Taiwan wendet Normen
und Inspektionsvorschriften auf diskriminierende Weise an. Importiertes
Geflügel und rotes Fleisch werden regelmäßig inspiziert, während dies bei
heimischen Erzeugnissen augenscheinlich nicht der Fall ist.
Taiwan untersagt ausländische Investitionen in 55 Industriezweigen,
darunter die meisten Immobiliengeschäfte und -dienstleistungen sowie
die öffentlichen Versorgungseinrichtungen, während Investitionen in vielen anderen Bereichen beschränkt werden, darunter Bergbau, chemische Düngemittel,
Pharmazie,
medizinische
Dienstleistungen und Rechnungswesen.
Indien, das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt, lag bei
den amerikanischen Exporten im Jahr
1988 an 24. Stelle.
"Indiens Geflecht von Marktzugangsschranken bildet ein ernstes und seit langem bestehendes Hindernis für amerikanische
Exporte", stellt der Bericht fest.
"Obwohl einige amerikanische Firmen
einzelne für den Export in Frage kommende Produkte bestimmt haben, haben
die meisten Exporteure angesichts der
umfassenden quantitativen Beschränkungen und hohen Zölle aufgegeben."
Dem Bericht zufolge bilden die
Zulassungsbestimmungen weiterhin die
wirksamste
Importschranke
Indiens.
Die meisten Konsumgüter werden nicht

�zugelassen, obwohl Indien einzelne
Zulassungskontrollen
für
Industrie
und Außenhandel gelockert hat.
Zusätzlich zu restriktiven Importzulassungsverfahren benutzt Brasilien hohe Zölle und quantitative
Beschränkungen, um amerikanische Exporte zu verhindern.
Brasilien unterhält eine Liste
von 1 000 Produkten, für die Importzulassungen verweigert werden. Durch
das "Gesetz über ähnliche Produkte"
werden andere Erzeugnisse beschränkt,
darunter etwa 90 Prozent von Importen
im
Maschinen- und
Kapitalgüterbereich, die konkurrierenden brasilianischen Produkten "ähnlich" sind.

* * * * *

- 4-

�A£°S^&lt;

AMERIKA DIENST
6

VON

#

Wissenschaft und Technik
3. Mai 1989

18

PRÄSIDIALAMT FÜR WISSENSCHAFTS- UND TECHNOLOGIEPOLITIK
Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert

(AD) - Der Physiker Prof. D.
Allan Bromley wurde von Präsident
George Bush als neuer Direktor des
"Amtes für Wissenschaftsund Technologiepolitik" im Weißen Haus nominiert.
Wird seine Ernennung, wie erwartet,
vom US-Senat bestätigt, tritt er die
Nachfolge von Dr. William R. Graham
an. Der Präsident beabsichtigt ausserdem, Prof. Bromley als ständigen
persönlichen Berater in wissenschaftlich-technischen Fagen heranzuziehen
- eine Funktion, die Dr. Graham nicht
innehatte.
Schon seit 1972 ist Allan Bromley
Inhaber des Henry Ford II-Lehrstuhls
für Physik an der 1701 gegründeten
Yale-Universität in New Haven (Connecticut). Dort leitete er von 1970
bis 1977 die Physikalische Fakultät

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und steht seit Jahren dem A.W.
Wright-Institut für Kernstrukturforschung als Direktor vor. Diese Fachrichtung ist Bromleys eigentliches
wissenschaftliches Spezialgebiet, auf
dem er internationalen Ruf genießt.
Nicht von ungefähr wurde er 1985 zum
Präsidenten der Internationalen Union
für reine und angewandte Physik gewählt. Zu jener Zeit äußerte er wiederholt seine Besorgnis darüber, daß
bei amerikanischen Physikern die Tendenz bestehe, sich gegenüber der internationalen Gemeinschaft der Wissenschaftler zu isolieren. Er drang
darauf, Kontakte mit Wissenschaftlern
in anderen Ländern, wo seinem Empfinden nach wichtige Fortschritte in der
Forschung erzielt wurden, zu verbessern.

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�Mitglied des wissenschaftlichen
Beraterstabes des Weißen Hauses war
D. Allan Bromley bereits seit 1981.
Ebenso gehörte er den Beratergremien
der Nationalen Akademie der Wissenschaften ("National Academy of Sciences") und der Nationalen Wissenschaftsstiftung
("National
Science
Foundation") an.
Der langiährige
Freund
Präsident Bushs bekleidete
außerdem mehrmals leitende Positionen
in Instituten und Firmen. Im Jahr
1982 war er Mitglied des gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Komitees
für Grundlagenforschung, 1978 Leiter
einer Gruppe amerikanischer Nuklearwissenschaftler bei deren Besuch in
der Volksrepublik China. Prof. Bromley ist Inhaber der Ehrendoktorwürde
einer Anzahl inund ausländischer Universitäten in Europa, der Universitäten Frankfurt, Straßburg und Padua.
Im vergangenen Jahr wurde er vom USPräsidenten mit der Nationalen Wissenschaftsmedaille
ausgezeichnet.
Ebenfalls 1988 verlieh ihm das Trinity College in Hartford (Connecticut)
einen akademischen Ehrengrad, wobei
Bromleys "beharrlicher Forschergeist
bei der Aufklärung des fundamentalen
Wesens der Materie und seine großen
Anstrengungen, Wissenschaft für jedermann zugänglich zu machen", besonders gewürdigt wurden.
Prof. Bromley stammt aus Kanada
und ist naturalisierter amerikanischer Staatsbürger. Er studierte an
der "Queen's University" in Kingston
(Ontario) und erwarb an der Universität Rochester (New York) den Doktorgrad. Von 1956 bis 1960 war er in
einer Forschungsabteilung der kanadischen Atomenergie-Behörde in leitender Position tätig. Bromley ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

"V"

&lt;£

Wissenschaft und Technik
3. Mai 1989

18

NATIONALER RAUMFAHRT-BEIRAT WIEDEREINGESETZT

(AD) - Auf Weisung von Präsident
George Bush wurde der Nationale Raumfahrt-Beirat, in den siebziger Jahren
unter Präsident Nixon seiner Aufgabe
entbunden, wiedereingesetzt, um die
zivilen, kommerziellen und militärischen Weltraumprogramme der Vereinigten Staaten zu koordinieren.
Dem
12-köpfigen Gremium unter der Leitung
von Vizepräsident Dan Quayle gehören
u.a. die Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung, Finanzen, Handel und Verkehr an, ferner
der Stabschef des Weißen Hauses, der
Direktor des US-Nachrichtendienstes
CIA sowie der Chef der US-Bundesbehörde für Luftund Raumfahrt (NASA).
Auch Leiter der Haushaltsabteilung,
Richard Darman, wurde in den Beirat
berufen.

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Embassy of the United States of America

"Ich bin zuversichtlich, daß der
Raumfahrt-Beirat Klarheit und Logik,
Kontinuität und verbindliches Engagement in unsere Bemühungen, den Weltraum zu erforschen und zu erschließen
bringen wird", sagte der Präsident
bei einer kurzen Feierstunde im Weissen Haus.
"Mit FREEDOM müssen wir
eine bemannte Raumstation schaffen.
Wir müssen zu Investitionen von privater Seite ermutigen, und wir müssen
unsere nationale
Sicherheit durch
wirksame Verteidigungsaktivitäten im
Weltraum gewährleisten", fügte Präsident Bush hinzu.
Der Raumfahrt-Beirat hat die Aufgabe, die amerikanische Raumfahrtpolitik einschließlich ihrer langfristigen Ziele zu überprüfen, Empfehlungen zur Raumfahrtpolitik auszuar-

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�beiten und eine enge Koordinierung
sowie Technologieaustausch zwischen
dem zivilen, militärischen und kommerziellen Raumfahrtsektor zu fördern.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cheney: Reduzierung nuklearer Gefechtsköpfe möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eröffnungsrunde der VSBM-Verhandlungen "generell positiv'&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Botschafter Maresca&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht des US-Handelsbeauftragten zur Bundesrepublik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Bericht des &lt;br /&gt;Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Handelsbericht veröffentlicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsidialamt für Wissenschafts- und Technologlepolltlk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationaler Raumfahrt-Beirat wiedereingesetzt</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

10. Mai 1989

19

I N H A L T

DOKUMENTATION
Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen
~ Rede de^s~lTs-BotschaFters bei "der-Er Öffnung der 35. deutschamerikanischen Freundschaftswoche -

HINTERGRUNDMATERIAL

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen

- Wöchentliche Ü b e r s i c h t Atomare Ki^jrtj^y^jasyjsjtenie
- "Eine IJbeTsTcht der ACDA'"
VSBM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg j^ur JVenus
~ T n ~2y0~km~Höhe vöiTYordT dVsTYa^mtransVorters ATLANTIS gestartet

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

10. Mal 1989

19

WALTERS ZUM STAND DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung
der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche -

(AD) - In einer Ansprache anläßlich der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanische Freundschaftswoche am 7. Mai 1989 in Stuttgart nahm Botschafter Walters
zum gegenwärtigen Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen und zum OstWest-Verhältnis Stellung. Dem Botschafter zufolge haben die deutsch-amerikanischen Beziehungen "durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg und
das enge Verhältnis der Nachkriegszeit eine seltsam emotionale Qualität erhalten".
Einen Höhepunkt der Feierstunde bildete die Verleihung der Lucius D.
Clay-Medaille an den (nicht anwesenden) Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,
dessen Arbeit für das beiderseitige Verständnis hierdurch gewürdigt wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Botschafters im Wortlaut.
Herr Bundesaußenminister,
Herr Ministerpräsident,
Herr Oberbürgermeister,
Frau Frank,
meine Damen und Herren,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, so kurz nach meiner Ankunft
in der Bundesrepublik mit Ihnen gemeinsam die jährlich stattfindende
Freundschaftswoche des Verbands der
Deutsch-Amerikanischen Clubs eröffnen
und gleichzeitig im Namen des Kongreßabgeordneten Lee Hamilton die Lucius D. Clay-Medaille in Empfang nehmen zu dürfen.
Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs hat dem Kongreßabgeordneten Hamilton eine große und verdiente Ehre erwiesen. Ebenso wie er

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bedauere auch ich, daß er heute nicht
anwesend sein kann, um die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen.
Ich kenne Lee Hamilton seit vielen Jahren. Er ist eines der fähigsten und engagiertesten Mitglieder
des Repräsentantenhauses. Er verfügt
dort über großen Einfluß, insbesondere in seinem Spezialbereich Auswärtige Angelegenheiten. Er ist schwierigen Problemen oder Aufgaben nie aus
dem Weg gegangen - seine Arbeit als
Vorsitzender
des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Iran-Contra-Affäre ist Beweis dafür. Als
Vorsitzender des Unterausschusses für
Europa und den Nahen Osten im Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses muß er sich mit einer Reihe heikler, kritischer Fragen auseinander-

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�setzen. Als Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des Kongresses ist er vehementer Gegner internationaler Handelshemmnisse. Obwohl die Ansichten des Kongreßabgeordneten Hamilton zu zahlreichen Themen von denen der Reagan- und BushAdministration - und meinen eigenen abweichen, hat er sich stets für Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und
der Exekutive eingesetzt.

bührt Ihnen viel von diesem Verdienst.
Und dennoch müssen sich heute
viele von Ihnen sehr frustriert fühlen. Nachdem S^e so lange und intensiv für die deutsch-amerikanische
Freundschaft gearbeitet haben, hat es
den Anschein, als ob die täglichen
Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern heute schlechter sind als je
zuvor in den vergangenen 40 Jahren.

Heute sollten wir uns jedoch vor
allem
daran
erinnern,
daß
Lee
Hamilton ein großer Freund der Bundesrepublik und der Deutschen ist.
dnd aus dierem Grund ist er Vorsitzender der Studiengruppe Deutschland
des amerikanischen Kongresses und unterstützt das Jugendaustauschprogramm
zwischen Kongreß und Bundestag. Er
hat immer wieder bewiesen, daß er die
Bedeutung
enger
deutsch-amerikanischer Bindungen zu würdigen weiß.
Mindestens ebenso wichtig ist, daß
der Kongreßabgeordnete Hamilton der
Tatsache Rechnung trägt, daß Zusammenarbeit nicht ^usr^hließlich Sache
der R' öierungen ist. Er ist ebenso
wie ich davon überzeugL, daß unsere
Beziehungen sich auf menschliche Kontakte und Freundschaften zwischen
ganz
"gewöhnlichen" Deutschen und
Amerikanern gründen müssen.

Aus den Vereinigten Staaten vernehmen wir Beschwerden darüber, daß
die Deutschen nicht länger bereit
seien, ihren Anteil an unserer gemeinsamen Verteidigung
zu tragen.
Kurzsichtig drängten sie auf einen
Rüstungsabbau, der die gesamte NATO
in Gefahr bringen könnte. Sie seien
Gorbatschows "Offensive des Charmes"
kritiklos
erlegen.
Die
deutsche
Agrar- und
Handelspolitik
schädige
sowohl die Vereinigten Staaten als
auch die um ihr Überleben kämpfenden
Länder der Dritten Welt. Und obwohl
die Deutschen mit allen Handel treiben würden, hielten sie sich aus gefährlichen regionalen Konflikten heraus, statt zu deren Lösung beizutragen.
Die Präsenz der verbündeten
Streitkräfte werde eher als Last denn
als Beitrag zur Sicherheit der Bundesrepublik angesehen.

Diesen Punkt brauche ich Ihnen
gegenüber - die Sie aktiv an der Arbeit der Deutsch-Amerikanischen Clubs
teilnehmen - nicht zu betonen. Über
viele Jahre hinweg haben Sie private
Energien und Mittel freigesetzt, um
deutsche und amerikanische "Normalbürger" zusammenzubringen. Sie haben
dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und die in den Lehrbüchern, Unterrichtsräumen und Medien so häufig
wiederholten falschen Bilder zurechtzurücken.
Sie haben unseren jungen
Menschen geholfen, dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Sie haben das
Leben Tausender amerikanischer Soldaten und ihrer Familien bereichert.
Wenn Deutsche und Amerikaner heute
bereit sind, einander zu mögen und zu
unterstützen - und meiner Ansicht
nach sind sie dazu bereit - so ge-

Auf dieser Seite des Atlantiks
hören wir, daß die Vereinigten Staaten die deutsche Souveränität nicht
respektierten. Die Amerikaner machten sich zuwenig Gedanken über die
besondere Gefahr, der sich die Deutschen an der Frontlinie der NATO-Verteidigung ausgesetzt sehen. Amerika
versuche, den Konsequenzen seiner eigenen Verschwendung zu entfliehen,
indem es den deutschen Steuerzahler
auspresse, die deutschen Bauern in
die Armut dränge und die deutschen
Produzenten von ausländischen Märkten
vertreibe.
Daß die Amerikaner von
den Deutschen Dankbarkeit für die
Präsenz ausländischer Truppen erwarteten, die mit ihren Manövern und
Tiefflügen den Tagesablauf beeinträchtigen.

�Anschuldigungen wie diese dürfen
nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Selbst wenn sie selten
mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalten - und häufig nicht einmal das
- stehen sie doch für Gefühle, die
uns entzweien können. Menschen, die
sich wie Sie eingehend mit den
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
auseinandersetzen, kommt daher eine
besondere Verantwortung zu. Es ist
Ihre Aufgabe - unsere Aufgabe - den
Bürgern unserer beiden Länder komplexe Probleme leichter verständlich zu
machen, unsere Schwierigkeiten in die
richtige Perspektive zu setzen und in
einen Kontext zu betten, der uns falsche Schlußfolgerungen aus alltäglichen Ereignissen vermeiden läßt.
Natürlich gibt es Probleme in unserem Verhältnis. Es gibt echte Meinungsverschiedenheiten, von denen einige tatsächlich divergierende nationale Interessen widerspiegeln.
Es
wäre dumm und gefährlich, vorzugeben,
solche
Unterschiede
existierten
nicht.
Unser
Verständnis
der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
scheint jedoch von einer ungewöhnlichen Anzahl von Trugschlüssen belastet zu sein.
Drei dieser Trugschlüsse fallen besonders ins Auge.
Erstens, der Trugschluß der Neuheit.
Sowohl Amerikaner als auch
Deutsche haben wiederholt mit einem
gerüttelt Maß an Angst auf beiden
Seiten das "Ende der Nachkriegszeit"
in unseren Beziehungen verkündet.
Dasselbe haben wir in den Jahren des
Vietnamkriegs und während der Raketendebatte Anfang der achtziger Jahre
gesagt.
Bei
der
Eröffnung
der
deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim betonte Botschafter
Burns vor sieben Jahren die grundlegende Stärke der deutsch-amerikanischen Freundschaft und stellte die
Frage:
"Warum ist der öffentliche
Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in der letzten Zeit so mißtönend geworden?"
Auch aus seiner
Sicht gehörten zur Aufrechterhaltung
von Beziehungen zwischen zwei einander freundschaftlich gesonnenen aber

auch konkurrierenden Staaten, deren
Interessen so eng miteinander verflochten sind, tatsächlich manchmal
auch Mißtöne.
Zweitens gibt es den Trugschluß
der Identität. Es ist allzu leicht besonders für Amerikaner -, zu vergessen, daß Deutsche und Amerikaner
nicht völlig gleich sind. Wie könnten wir dies auch sein? Geopolitisch
und historisch ist Amerika mit Europa
verbunden, zugleich aber liegt es
weit davon entfernt. Durch die Tatsachen der europäischen Geographie,
seit langem bestehende Handelsverflechtungen und eine jahrhundertealte
Politik- und Kulturgeschichte werden
die Deutschen jedoch zwangsläufig daran erinnert, daß sie sich mitten auf
der großen Wasserscheide zwischen Ost
und West befinden. Es trifft zu, daß
wir eine reiche gemeinsame Kultur und
zahlreiche Grundwerte teilen.
Wir
glauben beide an Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Aber es gibt auch eine ganze
Reihe deutsch-amerikanischer Gegensätze - Stabilität kontra Mobilität,
Sicherheit kontra Möglichkeiten, Homogenität kontra Vielfalt. Wir sind
nicht gleich, und wenn wir Amerikaner
so beurteilen, als seien sie Deutsche
oder Deutsche, als seien sie Amerikaner, tun wir einander unrecht.
Drittens besteht ein gefühlsmäßiger Trugschluß. Durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg
und das enge Verhältnis der Nachkriegszeit erhalten die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine seltsam
emotionale Qualität. Jede Meinungsverschiedenheit wird unabhängig vor
ihrer "wirklichen" Bedeutung gern zu
einer Krise zwischen den beiden Ländern hochstilisiert. Jeder Deutsche,
der die Vereinigten Staaten kritisiert, ist "antiamerikanisch", jeder
nörgelnde
Amerikaner
"antideutsch"
eingestellt.
Ich
möchte
nochmals
betonen:
Zwischen uns bestehen reale Meinungsverschiedenheiten und reale Probleme,
die gelöst werden müssen. Ich bilde

- 3 -

�mir nicht ein, daß wir immer derselben Meinung sein können oder sollten
- dies wurde uns in den vergangenen
zehn Tagen erneut deutlich vor Augen
geführt.
Und,
Herr
Minister
Genscher, ich gehe davon aus, daß Sie
in mir, wie in jedem amerikanischen
Botschafter, den sie kennengelernt
haben, in vielen Dingen einen energischen Anwalt der amerikanischen Haltung sehen werden. Ich hoffe, Sie
werden dasselbe für Ihre Seite tun.
Ich hoffe jedoch auch, daß wir beide
- und alle, die Sie hier versammelt
sind - im Gedächtnis behalten werden,
daß unsere Aufgabe in der Lösung von
Problemen besteht - so partiell, unvollkommen und unbefriedigend unsere
Lösungen auch häufig sein mögen.
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen wir sowohl vor den von
mir erwähnten Trugschlüssen als auch
deren Spiegelbildern auf der Hut
sein. Wir sollten uns nicht von Emotionen überwältigen lassen - aber wir
sollten auch nicht zu dem Schluß kommen, es bestehe kein Grund zur Sorge
um di i deutsch-amerikanischen Bezieh e -en. Während wir uns unsere Verschiedenartigkeit vor Augen halten,
müssen wir nicht zwangsläufig zu der
Schlußfolgerung gelangen, die Unterschiede zwischen uns seien so groß,
daß keinerlei Gemeinsamkeiten bestehen. Vor allen Dingen sollten wir
den Trugschluß des vermeintlich Neuen
vermeiden ohne in eine ebenso gefährliche geistige Starrheit zu verfallen. Die Welt verändert sich wirklich. Wer hätte vor einem Jahrzehnt
Gorbatschow und "Glasnost" vorhersehen können? Wir hätten gelacht, wenn
uns jemand erzählt hätte, das sowjetische Regime werde bald Demonstrationen auf dem Roten Platz und Autonomiebestrebungen in den Baltischen Republiken tolerieren, die Werke von
Nabokow und Solschenitzyn veröffentlichen, einen ersten, unsicheren Versuch freier Wahlen wagen oder echte
Begrenzungen ihrer Streitkräfte anbieten.

zen würden - aber wir wären noch törichter, wenn wir die Geschehnisse
dort ignorieren würden. Wir im Westen müssen versuchen, diese Veränderungen zu verstehen, auf sie zu reagieren und sie weiter voranzutreiben.
Wir müssen dies gemeinsam tun. Diese
Veränderungen machen es zwingend erforderlich, daß Deutsche und Amerikaner enger zusammenarbeiten als je zuvor - selbst, wenn Veränderung auch
bedeutet, daß dies häufig schwieriger
erscheint als jemals zuvor.
Eine wichtige Veränderung hat besondere Auswirkungen auf die deutschamerikanische Freundschaft. Noch vor
wenigen Jahren wurde die politische
und intellektuelle Szene in der Bundesrepublik ebenso wie in den Vereinigten Staaten von denjenigen beherrscht, die lebhafte persönliche
Erinnerungen an den Krieg und die unmittelbare
Nachkriegszeit
hatten.
Nun ist hier eine neue Generation
herangewachsen,
deren
dominierende
Eindrücke
im
Hinblick
auf
die
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
von den Konflikten der sechziger und
siebziger Jahre geprägt wurden, nicht
von dem Wiederaufbau der späten vierziger oder der engen Zusammenarbeit
der fünfziger Jahre. In den Vereinigten Staaten gibt es eine "Nachfolgegeneration", die praktisch überhaupt kein Bild von Deutschland hat.
Während also unsere Zusammenarbeit in einer sich verändernden Welt
immer mehr an Bedeutung gewinnt,
nimmt unser Wissen über den Partner
ständig ab.
Das ist gefährlich.
Wenn wir nicht in der Lage sind, die
Gesellschaft des andern zu verstehen,
werden wir nicht effektiv miteinander
kommunizieren oder unsere jeweiligen
politischen Maßnahmen und Ziele richtig einschätzen können. Es ist deshalb unabdingbar, daß wir alles in
unserer Macht Stehende zur Gewährleistung der Kontinuität der deutschamerikanischen Freundschaft tun, indem wir unsere jungen Menschen zusammenbringen.

Wir wären töricht, wenn wir das
Tempo des Wandels 4a Orlen überschät- 4 -

Als

Botschafter

der

Vereinigten

�Staaten
in
der
Bundesrepublik
Deutschland beabsichtige ich, mich
voll und ganz für die Bewahrung der
Bindungen einzusetzen, die in den
vergangenen vierzig Jahren soviel zu
unserer Sicherheit und unserem Wohlstand beigetragen haben. Ich weiß,
daß Präsident Bush und viele andere
Amerikaner ebenso entschlossen sind,
dies zu tun. Ich weiß, daß viele
Mitglieder Ihrer Regierung, angefangen mit Bundeskanzler Kohl, die gleiche Überzeugung hegen. Aber nur mit
Ihrer Hilfe werden wir Erfolg haben.
Unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen hängen letztlich von
persönlichen Beziehungen ab.
Auf
diesem Gebiet sind Sie, die Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen Clubs
überall in diesem Land sowie ihre
Partnerorganisationen in den Vereinigten Staaten die wahren Experten.
Im Grunde meines Herzens bin ich
ein Optimist.
Über vierzig Jahre
lang hat das Bündnis seine Meinungsverschiedenheiten lösen können. Ich
spiele die heute bestehenden Differenzen nicht herunter. Aber ich bin
zuversichtlich, daß wir sie nicht nur
überwinden werden, sondern daß letztlich das Verhältnis zwischen unseren
beiden Ländern enger als je zuvor
sein wird.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

19

10. Mai 1989

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über
den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen sowie chemische Waffen.

Europäisch-amerikanische
über Kurzstreckenraketen
zu

Kontroverse
spitzt sich

Die
Kontroverse
über
atomare
Kurzstreckensysteme (SNF) - ob modernisiert, verhandelt oder eine Kombination von beidem vorgenommen werden
soll - hielt diese Woche an.
Die britische Premierministerin
Thatcher, die eine Modernisierung befürwortet, traf mit Bundeskanzler
Kohl zusammen, der für baldige Verhandlungen der NATO mit der Sowjetunion über Obergrenzen für atomare
Kurzstreckensysteme
und
Geschütze
eintritt.
Premierministerin
Thatcher ist
beunruhigt
über
die zahlenmäßige

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Überlegenheit der Sowjets bei SNF von
7:1. Ebenso wie Präsident Bush befürwortet sie ein Nachfolgesystem für
die derzeitige westliche Version der
Kurzstreckenrakete Lance und lehnt
Gespräche über einen Abbau der SNF
mit Moskau ab.
Premierministerin
Thatcher zufolge sind SNF "für die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
unabdingbar".
Laut im Anschluß an das Treffen
vom 30. April 1989 in Deidesheim veröffentlichten Presseberichten gelang
es Thatcher und Kohl nicht, ihre Differenzen zu bereinigen. Premierministerin Thatcher, die auf einen Kommentar zur deutschen Position verzichtete, erklärte nur, die Gespräche
seien "sehr offen und sehr freundlich" gewesen.
Kohl zufolge werde

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Telex: 8-85432

�seine Regierung versuchen, in den Wochen vor dem NATO-Gipfeltreffen Ende
Mai "die Grundlage für eine gemeinsame Entscheidung" über SNF zu erarbeiten.
In Washington erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 3. Mai, die Aufnahme von
SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion
"wäre ein schwerer Fehler, da es keine gemeinsame Grundlage gibt, auf der
solche Verhandlungen aufbauen könnten
... weil Moskau die Beseitigung aller
Nuklearsysteme aus Europa anstrebt.
Eine solche Entnuklearisierung des
Kontinents würde dann die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion
zum entscheidenden Kriterium für die
Sicherheit Europas machen."
Präsident Bush "mißt Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte
höchste Priorität bei", so Fitzwater.
"Wir müssen uns zuerst mit den konventionellen Streitkräften auseinandersetzen. Die Reihenfolge ist aufgrund der Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften entscheidend", über die die Sowjetunion und
ihre Verbündeten im Warschauer Pakt
verfügen, erklärte Fitzwater.
Paul Nitze, der ehemalige ChefUnterhändler bei den RUstungskontrollverhandlungen, erklärte der New York
Times gegenüber, es sei ein Fehler,
keine Gespräche mit der Sowjetunion
über SNF-Reduzierungen aufzunehmen.
Ihm zufolge könnte die Opposition der
Bundesrepublik gegen den amerikanischen Ansatz eine Krise für Bonn und
das gesamte NATO-Bündnis hervorrufen.
Die amerikanische Politik ist "für
Europa politisch unmöglich", stellte
er fest. Seinen Argumenten zufolge
übertrifft der sowjetische Bestand an
Kurzstreckenraketen den des Westens
und SNF-Gespräche könnten zur Behebung des Ungleichgewichts eingesetzt
werden. Er habe erst kürzlich Außenminister Baker über die möglichen
Folgen der von Bush bei Kurzstreckensystemen vertretenen Politik gewarnt.
Auf dem Capitol Hill legten in

der Zwischenzeit der Vorsitzende des
Streitkräfteausschusses des Senats,
Sam Nunn, gemeinsam mit Ausschußmitgliedern eine dreiteilige RUstungskontrollstrategie vor: die Bundesrepublik würde die Stationierung einer
Lance-Nachfolgerakete
akzeptieren;
die Vereinigten Staaten würden Verhandlungen über Kurzstreckensysteme
unter der Voraussetzung zustimmen,
daß die Obergrenze für diese Raketen
mindestens 50 Stück betragen würde
und SNF-Verhandlungen an Fortschritte
beim
Abbau
der
konventionellen
Streitkräfte in Europa gebunden seien.
Der amerikanische Verteidigungsminister Cheney erklärte Nunn gegenüber, er würde die Reduzierung des
sowjetischen
SNF-Bestands
auf ein
gleiches Niveau mit dem Westen begrüßen, wenn jedoch SNF-Verhandlungen
in die Wege geleitet würden, gäbe es
seiner Ansicht nach ernsthaften politischen Druck im Hinblick auf die
vollständige Beseitigung dieser Raketen. Er verwies darauf, daß die amerikanischen taktischen Nuklearraketen
in Europa nicht zur Abwehr sowjetischer Raketen sondern gegen sowjetische
konventionelle
Fähigkeiten
stationiert seien.
Cheney zufolge sei ein dreigleisiger Ansatz sicherlich eines Tages
in Erwägung zu ziehen, ebenso wie das
Weiße Haus bestehe er jedoch darauf,
daß die erste Priorität bei der Rüstungskontrolle dem Abbau konventioneller Streitkräfte zukomme.
Ebenfalls für SNF-Verhandlungen
trat eine überparteiliche Gruppe ehemaliger Vertreter der Regierungen
Reagan, Nixon und Carter ein - der
Ausschuß für Nationale Sicherheit -,
der am 1. Mai 1989 einen Bericht mit
dem Titel "Neues Denken in der sowjetischen Verteidigungspolitik - Neue
Chancen für amerikanische RUstungskontrollinitiativen" vorgelegt hatte.
Der Bericht stellt fest, "klügeres Strategiedenken, der interne politische Nutzen eines Abbaus für die
NATO und die Tatsache, daß die Recht-

�fertigung dieser (SNF) Waffen an sich
abnimmt" deuten alle auf eine Möglichkeit zur Reduzierung einer beträchtlichen Anzahl dieser Systeme
hin.
Darüber hinaus wird erklärt,
der bloße Beginn von SNF-Verhandlungen bedeute nicht zwangsläufig, daß
alle diese Waffen beseitigt werden
würden - was die Bush-Administration
vehement zu vermeiden versucht hat.

f

s

Der Bericht forderte ferner, Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen (START) dürften nicht verzögert werden, "während
man auf Fortschritte beim Abbau konventioneller Rüstungen wartet", da
solche Verhandlungen sich aller Voraussicht nach in die Länge ziehen
würden.
Im Weißen Haus schloß Fitzwater
die Möglichkeit eines Kompromisses
zum Thema Verhandlungen nicht aus,
betonte jedoch: "Wir haben Position
bezogen."

Größere Offenheit
sprächen

bei

den

VSBM-Ge-

Die Vereinigten Staaten wollen
sich bei der neuen Runde der Wiener
Gespräche über Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSBM)
auf größere Offenheit in den OstWest-Beziehungen konzentrieren, erklärte der amerikanische Chefunterhändler John Maresca.
In einem Interview mit der "Stimme Amerikas" erläuterte Maresca einige der in dieser Hinsicht vom Westen
unterbreiteten Vorschläge:
&gt;

Jährlicher
Informationsaustausch
unter den 35 in Wien verhandelnden
KSZE-Teilnehmerstaaten, der
eine Beschreibung aller Streitkräfte umfaßt.
Erweiterte Inspektionen. Zusätzlich zu den derzeitigen zwei Inspektionsmethoden - Beobachtung
militärischer Übungen und "Adhoc-Inspektionen"
militärischer
- 3

Aktivitäten - möchte der Westen
eine dritte Art der Inspektion
einführen, ... um die über Truppenstärke zur Verfügung gestellten Informationen auszuwerten das heißt, Inspektionen zu ermöglichen, solches Gerät wie Panzer
beispielsweise
routinemäßig
zu
zählen.
Solche
Inspektionen
könnten ein "besseres Bild darüber vermitteln, wie die normale
Truppenstärke aussieht".
Seminare, "bei denen führende Militärs zusammenkommen, ihre jeweilige
Politik erläutern und
Fragen beantworten würden".
Die neue Verhandlungsrunde ist
vom 5. Mai bis Mitte Juni 1989 vorgesehen.

Geringe
Fortschritte
chemischer Waffen

beim

Verbot

Beim am 27. April 1989 beendeten
ersten Teil der Genfer Abrüstungsverhandlungen wurde ein "gerüttelt Maß"
an technischen Einzelheiten für ein
Verbot chemischer Waffen erarbeitet,
bei umfassenderen Themen, wie beispielsweise der Verifizierung, wurden
jedoch nur "minimale" Fortschritte
erzielt, erklärt der amerikanische
Vertreter
bei
den
Verhandlungen,
James Granger.
Die aus 40 Nationen zusammengesetzte Genfer Abrüstungskonferenz hat
auf der Grundlage eines amerikanischen Vertragsentwurfs aus dem Jahr
1984 ein umfassendes und wirksames
weltweites Verbot der Entwicklung,
Produktion, Lagerung Weitergabe und
des Einsatzes chemischer Waffen zum
Ziel. Die Konferenz muß sich mit einer Tagesordnung von über 30 Verhandlungsthemen befassen.
Der "Höhepunkt" der in diesem
Jahr erzielten Fortschritte, erklärte
Granger dem US-Informationsamt (USIA)
gegenüber, bestand in probeweisen Inspektionen
ziviler
Chemiefabriken,
die von einigen Teilnehmerstaaten der

�Genfer
Abrüstungskonferenz,
einschließlich der Vereinigten Staaten,
durchgeführt worden waren.
"Diese probeweisen Inspektionen
der jeweiligen Länder haben gezeigt,
wie schwierig es ist, zivile Einrichtungen zu inspizieren, die mit der
Herstellung von Chemikalien befaßt
sind", führte Granger aus. Sollte
ein Vertrag erzielt werden, müßte jeder Unterzeichnerstaat die Inspektion
seiner chemischen Industrien zulassen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen Waffen oder verbotene
chemische Bestandteile
für solche
Waffen produzieren.
Weitere, in diesem Jahr bezüglich
der technischen Einzelheiten einer
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte
beinhalten Granger zufolge Treffen
technischer Experten aus den jeweiligen Hauptstädten mit Delegationsmitgliedern in Genf über Listen chemischer Substanzen, die im Rahmen der
Übereinkunft verboten
oder streng
kontrolliert
werden
sollen.
Die
nächste dreimonatige Sitzungsperiode
der Genfer Abrüstungskonferenz ist
für den 13. Juni 1989 anberaumt.

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

10. Mai 1989

19

ATOMARE KURZSTRECKENSYSTEME
- Eine Übersicht der ACDA -

Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 5. Mai 1989 herausgegebene Übersicht des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) zu
den atomaren Kurzstreckensystemen.
Landgestützte ballistische Raketen kurzer Reichweite (SNF) oder - in
der Sprachregelung
des Warschauer
Pakts taktische
und einsatzfä'hige
taktische ballistische Raketen - können Ziele in einer Entfernung von bis
zu 500 Kilometern treffen. Diese Systeme werden vom INF-Vertrag nicht
erfaßt. Der Warschauer Pakt hat bei
diesen Systemen gegenwärtig einen
überwältigenden Vorsprung.
Obwohl sowjetische Regierungsvertreter in jüngster Zeit darauf verwiesen haben, daß sie ihre Kurzstrekkensysteme nicht modernisieren werden, haben sie in den vergangenen
zehn Jahren bei diesen Systemen ein
umfangreiches Modernisierungsprogramm
verfolgt, das auch Raketen und nukleare Artillerie umfaßt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der Gesamtumfang der in den letzten zehn Jahren erfolgten Modernisierung von Kurzstreckensystemen erlaubt
dem Warschauer Pakt die Modernisierung eines modernen und im höchsten
Maße effektiven, direkt gegenüber der
NATO stationierten Kurzstreckenarsenals.
Bis Anfang der achtziger Jahre
haben die Sowjets ihre zahlreichen,
alten und wenig zielgenauen Boden-Boden-Raketen des Typs FROG durch die
modernen,
zuverlässigen
und
sehr
treffsicheren
gelenkten
SS-21 ersetzt. Diese Modernisierungsmaßnahme
der Sowjets ist in Osteuropa fast
vollständig durchgeführt worden. Infolgedessen ist die Zahl der Abschußvorrichtungen für SS-21 unter Gorbatschow erheblich gestiegen.

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Telex: 8-85432

�Darüber hinaus haben die Sowjets
die
militärische
Fähigkeit
ihrer
SS-21 verbessert, indem sie Bataillone der SS-21 zu Brigaden unter zentraler Kontrolle der Armee ausbauen.
Diese Reorganisation gewährt längere
Abschußzeit und nutzt die Zuverlässigkeit und Zielgenauigkeit der SS-21
besser aus.
Die Sowjets ersetzen ihre Raketen
des Typs SS-23 (die dem INF-Vertrag
zufolge abgezogen und verschrottet
werden) durch die Rakete vom Typ SCUÜ
mit einer Reichweite von 300 Kilometern.
Als Ergebnis dieser Modernisierung und Umstrukturierung hat der
Warschauer Pakt jetzt eine ungleich
ernstzunehmendere Fähigkeit bei den
Kurzstreckensystemen. Aufgrund eigener Angaben ist der Warschauer Pakt
bei den nicht vom INF-Vertrag erfaßten Kurzstreckenraketen und Abschußvorrichtungen westlich des Urals im
Verhältnis
11,8 zu 1 überlegen.
(Quelle: Erklärung des Ausschusses
der Verteidigungsminister
im Warschauer Pakt "Zum Verhältnis der
Stärke von Streitkräften und Rüstungen des Warschauer Pakts und der NATO
in Europa und den angrenzenden Gewässern" vom 1. Juli 1988, veröffentlicht am 30. Januar 1989. In dieser
"Erklärung" behauptet der Warschauer
Pakt, die NATO habe 136 "Abschußvorrichtungen für taktische Raketen".
Diese Zahl schließt jedoch französische Abschußvorrichtungen für Kurzstreckenraketen ein, die nicht zur
NATO gehören, sondern der unabhängigen nationalen Abschreckung Frankreichs zuzurechnen sind).
Berechnungen der NATO zufolge haben die Sowjets bei den Abschußvorrichtungen für diese Systeme einen
Vorteil von 16:1. Die jährlich in
der Nuklearen Planungsgruppe zusammenkommenden
NATO-Verteidigungsminister haben die sowjetische Vormachtstellung bei den Kurzstreckensystemen
als "massiv und unannehmbar" bezeichnet.

Der Warschauer Pakt gibt zu, in
Europa westlich des Urals mehr als
1600 Raketen und Abschußvorrichtungen
der Typen FROG, SS-21 und SCUD zu besitzen. Davon sind mehr als 1 200
sowjetischen
Einheiten
zuzuordnen.
Allein die sowjetischen Streitkräfte
östlich des Urals übertreffen zahlenmäßig die Kurzstreckensysteme der
NATO, und diese Systeme sind natürlich mobil.
Die Absichtserklärung der Sowjets
zum Abzug von 24 Abschußvorrichtungen
für taktische Nuklearraketen hätte
bei ihrer Verwirklichung nur geringe
Auswirkungen
auf
die
sowjetische
Überlegenheit bei diesen Systemen, da
der Warschauer Pakt viel mehr dieser
Mehrzwecksysteme
(mit konventionellen, chemischen und nuklearen Fähigkeiten) besitzt als die NATO. Tatsächlich würden diese angekündigten
Reduzierungen weniger als zwei Prozent der Abschußvorrichten für die
Kurzstreckensysteme
des
Warschauer
Paktes ausmachen.
Darüber hinaus hat der Warschauer
Pakt einen erheblichen Vorteil bei
nuklearfähigen
Artilleriegeschützen.
Seit 1980 hat die Sowjetunion ältere,
gezogene Haubitzen durch neue Geschütze auf Selbstfahrlafetten ersetzt (einschließlich der Waffen mit
152, 203 und 240 mm), die viel mobiler sind und stärker feuern.
Die
neue Artillerie erhöht die Bandbreite
ihrer nuklearen Optionen auf einem
europäischen Kriegsschauplatz.
Am 12. April haben Minister der
Warschauer Pakt-Staaten Einzelgespräche über taktische Nuklearsysteme in
Europa verlangt und die NATO aufgefordert,
ihre
Nuklearstreitkräfte
nicht zu modernisieren. Im Hinblick
auf die Vorteile des Warschauer Pakts
bei diesen Systemen und angesichts
des zehnjähirgen Modernisierungsprogramms für die Kurzstreckensysteme
kommt dies nicht überraschend. Der
Warschauer Pakt scheint nur Widerspruch gegen die Modernisierung der
NATO und nicht gegen seine eigenen
Modernisierungen einzulegen.

�Perspektiven der NATO

d

Zur Erhaltung einer wirksamen und
glaubwürdigen Abschreckung
in den
neunziger Jahren muß die NATO ihre
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräfte modernisieren. Die Verteidigungsstrategie der NATO basiert
auf der Abschreckung eines Krieges
durch vornestationierte Streitkräfte
und eine Politik der flexiblen Reaktion. Die NATO hat über Jahre hinweg
eine effektive Abschreckung aufrechterhalten, indem sie eine glaubwürdige
Mischung nuklearer und konventioneller Streitkräfte in Europa stationierte.
Diese Streitkräfte müssen
auf dem neuesten Stand gehalten werden.
Konventionelle
Verteidigungsmaßnahmen allein können keinen dauerhaften Frieden gewährleisten. Nur Nuklearwaffen können einen potentiellen
Aggressor mit einem inakzeptablen Risiko konfrontieren.
Aus diesen Grunde würde ein Verzicht auf die Modernisierung und Umstrukturierung
der
NATO-Nuklearstreitkräfte die Verteidigungsbande
zwischen den Vereinigten Staaten und

ihren europäischen NATO-Verbündeten
schwächen und gleichzeitig für die
Sowjets den Wert ihrer Überlegenheit
im konventionellen Bereich steigern.

,

Die NATO setzt sich weiterhin für
die Erhaltung der Mindestzahl an modernsten Nuklearwaffen ein, die erforderlich sind, um die konventionellen und nuklearen Streitkräfte der
Sowjets abzuschrecken. Seit 1979 hat
die NATO einseitig ihr Arsenal nuklearer Gefechtsköpfe in Europa um
2 400 und damit auf den niedrigsten
Stand seit zwanzig Jahren abgebaut.
Weitere Reduzierungen sind möglich,
wenn wir moderne Systeme stationieren.
* * * * *
- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

19

10. Mal 1989
VSBM SIND VON OPTIMISMUS, REALITÄTSSINN UND VERNUNFT GELEITET
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem ChefUnterhändler bei den Wiener Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John
Maresca, zufolge ist das gegenwärtige Klima in den Ost-West-Beziehungen "zur
Förderung des Programms von Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren".
In seinem Vorwort zu einer Veröffentlichung des Außenministeriums zum Prozeß über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen mit dem Titel "Stärkung
der Stabilität durch Offenheit" erklärte Maresca, der Westen habe Grund, "über
die Aussichten zur Hinwendung in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft für Europa wahrhaft optimistisch zu sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir das Vorwort und den Bericht des Außenministeriums in wesentlichen Auszügen:
Unser Ziel eines stabilen und sicheren Europa ist durch den KSZE-Prozeß in greifbare Nähe gerückt. Die
1986 in Stockholm erfolgte Verabschiedung einer Reihe militärischer
Vertrauens- und
sicherheitsbildender
Maßnahmen hat erheblich zu einem verbesserten Informationsfluß über militärische Aktivitäten beigetragen und
in diesem Bereich Berechenbarkeit und
Offenheit eingeführt. In Wien streben wir eine Erweiterung der Maßnahmen von Stockholm an, um den sich auf
gegenseitigen
Respekt,
Kooperation
zwischen Ost und West und gemeinsames
Interesse an Sicherheit und Stabilität gründenden Prozeß der Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu fördern.
Wir

können

über

die Aussichten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für Schritte in Richtung auf eine
stabilere und sicherere Zukunft für
Europa wahrhaft optimistisch sein.
Das Klima in den Ost-West-Beziehungen
ist zur Förderung des Programms von
Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren.
Das Versprechen eines
"Neuen Denkens" in der Sowjetunion
und anderen Ländern Osteuropas birgt
in sich die Möglichkeit eines Wandels
in der Einstellung dieser Regierungen
gegenüber ihren Nachbarn und Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realitätssinn und Vernunft geleitet sein. Ebenso wie Chancen bestehen, die es zu nutzen gilt, gibt es
Realitäten, die wir nicht ignorieren
dürfen.
Der kalte Krieg war kein
Trugbild, sondern eine reale weltpo-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�litische Tatsache mit erkennbaren
Merkmalen: der politischen Teilung
Europas,
der
Militarisierung
der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei im großen ud ganzen unvereinbaren Gesellschaftssystemen und Volkswirtschaften.
Obwohl
eine Verbesserung in den Ost-West-Beziehungen stattgefunden hat, bleibt
die Teilung Europas bis heute bestehen.
Es kann nicht erwartet werden,
daß einzelne Länder ihre Streitkräfte
abbauen, wenn sie nicht darauf vertrauen können, daß ihre Nachbarn ihnen gegenüber keine feindlichen Absichten hegen. Massive Stationierungen von Offensivstreitkräften des
Warschauer
Pakts
in
Mitteleuropa
schaffen keine Vertrauensbasis. Wenn
dann noch geschlossene Grenzen, Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Vereinigungen und die
Verschleierung hinzukommt, die bei
nahezu allen militärischen Angelegenheiten des Warschauer Pakts stattfindet, ist es nicht verwunderlich, daß
der Westen vierzig Jahre lang seine
Nachh. rt» im Osten mit Mißtrauen und
An^st betrachtet hat.
Die Sicherheit einzelner Länder
kann mit militärischen Mitteln allein
weder eindeutig gemessen noch letztlich erreicht werden.
Tatsächlich
ist die militärische Konfrontation,
die Europa seit vierzig Jahren belastet, Auswirkung - nicht Ursache der politischen und sozialen Teilung
des Kontinents. Echte und dauerhafte
Sicherheit für alle Länder und Völker
Europas kann nur auf einer Grundlage
des Vertrauens geschaffen werden: dem
Vertrauen der Länder in ihre Nachbarn
und dem Vertrauen der Bürger in ihre
Regierungen.
Unsere Bestrebungen sind somit
nur Teil eines umfassenderen Prozesses. Das von uns angestrebte Vertrauen und die Offenheit bei militärischen Angelegenheiten muß auf das
Verhältnis zwischen Regierungen und
Regierten in ganz Europa erweitert
werden. Nur wenn Ideen Menschen und

Informationen
Grenzen
frei
überschreiten können und einzelne Menschen überall ein Mitspracherecht bei
Entscheidungen haben, die ihr Leben
betreffen, werden wir in der Lage
sein, ein wahrhaft sicheres und stabiles Europa hervorzubringen.
Die von uns in Wien geführten
Verhandlungen sind ein wichtiger Teil
dieses Gesamtbildes. Sie zielen auf
erhöhte Stabilität und Sicherheit in
Europa durch größere Offenheit und
gegenseitiges Verständnis im militärischen Bereich ab. Bei diesem Unternehmen erzielte Erfolge können nur
an verbesserter Sicherheit für alle
35 Teilnehmerstaaten gemessen werden.
Wir werden uns bei diesen Verhandlungen auf kein Abkommen einlassen, das
die Fähigkeit des Westens zu seiner
eigenen Verteidigung aushöhlt.
Wir werden als Teil unserer kontinuierlichen Aufgabe für einen Beitrag zu Stabilität und Sicherheit
dieses Kontinents alle Möglichkeiten
ausloten und alle Vorschläge in Erwägung ziehen. Wir erwarten, daß alle
35 Staaten dieser Zielsetzung zustimmen. Wir sind in diesem Bereich vorsichtig, nicht etwa naiv.
Wir hoffen inständig
daß diese
/erhandlungen
zur
Sicherheit
und
letztlich zur Freiheit aller Europäer
beitragen werden.

Die Rolle der Vertrauensbildung
der Rüstungskontrolle

in

Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen haben in jüngster
Zeit Eingang in den Sprachschatz gefunden. Im Gegensatz zu traditionellen
Rüstungskontrollverhandlungen,
die Kriegswaffen zu reduzieren suchen, betreffen VSBM keine Begrenzungen von Fähigkeiten der Streitkräfte
oder deren Struktur. Vielmehr versuchen sie die Wahrscheinlichkeit zu
verringern, daß diese Waffen jemals
eingesetzt werden. VSBM zielen auf
den Abbau von Mißtrauen und Mißverständnissen über militärische Fähig-

�keiten und Absichten ab, indem sie im
militärischen Umfeld mehr Offenheit
und Berechenbarkeit schaffen.
Jüngste Verbesserungen
in den
Ost-West-Beziehungen
wie etwa der
1987 zwischen den Vereinigten Staaten
und der Union Sozialistischer Sowjetrepubliken geschlossene Vertrag über
die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite (INF) haben in Europa und Nordamerika neue
Hoffnungen auf ein bevorstehendes
Zeitalter
anhaltender
Fortschritte
beim Abbau von Waffen geweckt. Tatsächlich führen Ost und West gegenwärtig eine große Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen
über
strategische, konventionelle und chemische Waffen.
Insbesondere diese Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen konzentrieren sich
auf ein grundsätzliches Problem der
Rüstungskontrolle - das Problem gegenseitigen Mißtrauens.
Mit einer
Reihe ausgehandelter Maßnahmen zur
Verbesserung der Offenheit und Transparenz in militärischen Angelegenheiten erhöhen die 35 KSZE-Teilnehmerstaaten den Informationsumfang über
die militärischen Fähigkeiten und Absichten des jeweils anderen stufenweise. Die Verhandlungen gehen von
der Annahme aus, daß verbesserte
Transparenz und Offenheit das Risiko
eines Krieges durch Fehlkalkulation
verringern kann. Tatsächlich können
Ost und West nur in einem Klima gegenseitigen Vertrauens Fortschritte
im Hinblick auf größere Sicherheit
auf niedrigeren Streitkräfteniveaus
erzielen.
Aber das Konzept des Vertrauens
geht über militärische Angelegenheiten hinaus.
Der Westen betrachtet
die militärische Konfrontation in Europa als Auswirkung - nicht als Ursache - der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Teilung des Kontinents.
In der Nachkriegszeit waren
die militärischen Fähigkeiten und Absichten der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten in Osteuropa lange ver-

schleiert.
Mißtrauen und Mißverständnisse
beherrschten
die
OstWest-Beziehungen.
Das
Ziel
des
KSZE-Prozesses besteht in der gleichzeitigen Förderung militärischer Sicherheit, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und humanitärer Werte und damit in der Veränderung des Charakters
dieser Beziehungen.

Bilanz der Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments von 1986
Die VSBM des Stockholmer Schlußdokuments traten am 1. Januar 1987 in
Kraft. In den ersten beiden Jahren
der Durchführung von KVAE haben sich
viele KSZE-Staaten aktiv an der Verwirklichung des Stockholmer Schlußdokuments beteiligt.
KVAE-Jahresplanung.
Mehr
als
die Hälfte der KSZE-Staaten haben ihre Jahresplanung zu militärischen Aktivitäten vorgelegt. Einige geplante
Aktivitäten sind zurückgestellt oder
abgesagt worden und in einigen Fällen
sind angekündigte Aktivitäten in die
Kalender aufgenommen worden.
KVAE-Benachrichtung.
Zum
31.
März 1989 sind der KVAE insgesamt 97
Aktivitäten angezeigt worden.
Eine
Benachrichtigung
ist erfolgt über
sechs Aktivitäten ohne Vorabinformation, d.h. über Übungen für den
Ernstfall, die alle von NATO-Staaten
durchgeführt wurden. Die NATO-Staaten haben 38 Aktivitäten angezeigt,
einige freiwillig, da die Zahl der
beteiligten
Streitkräfte
unterhalb
der Grenze lag, die eine Benachrichtigung zwingend erforderlich macht.
Die Warschauer Pakt-Staaten haben 53
Aktivitäten gemeldet und darüber hinaus freiwillige Meldungen gemacht.
Neutrale und blockfreie Staaten haben
sechs Aktivitäten gemeldet.
Im ersten Jahr haben zahlreiche
Staaten bei der Erstellung einzelner
Meldungen Fehler oder Auslassungen
begangen. Ferner gab es bei der Bereitstellung fristgerechter Meldungen
technische Probleme.
Manche Länder

- 3 -

�lieferten umfassendere Beschreibungen
und Informationen als andere. Andere
Länder lieferten Informationen, die
über die im Schlußdokument festgelegten Anforderungen hinausgingen. Die
meisten Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten konnten korrigiert werden,
nachdem die einzelnen Länder mit den
Anforderungen vertraut waren.
KVAE-Beobachtungsprogramme.
Insgesamt gab es 36 Beobachtungsprogramme zu militärischen Aktivitäten,
zu denen alle KSZE-Länder eingeladen
wurden. Die NATO-Staaten haben 18,
der Warschauer Pakt 15 Beobachtungsprogramme durchgeführt. Die neutralen und blockfreien Staten haben drei
Programme abgehalten, von denen eines
auf freiwilliger Basis stattfand.
Obwohl die Warschauer Pakt-Staaten nur einige ihrer militärischen
Aktivitäten meldeten und ihre zu beobachteten Aktivitäten niemals für
alle KSZE-Staaten öffneten - wie es
den Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki entspräche - ist ihre Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments doch ermutigend.
Im Laufe des Jahres 1988 wurden
von amerikanischen Beobachtern Verbesserungen bei vielen Beobachtungsprogrammen des Warschauer Pakts wahrgenommen, aber die Sowjetunion ist
weiterhin im Hinblick auf ihre Bestimmungen zur Beobachtung wenig entgegenkommend.
Die Sowjetunion legt
oftmals die Beobachtungsmodalitäten
sehr eng aus und liefert häufig nur
eine Minimierung
an Informationen
über die Aktivität, zu der Beobachter
Zugang haben. Amerikanische Beobachter haben an allen sowjetischen Beobachtungsprogrammen teilgenommen und
festgestellt, daß die Sowjets nicht
auf Fragen oder Forderungen nach Veränderungen ihrer Beobachtungsprogramme reagiert haben und nur begrenzte
Kontaktmöglichkeiten zu den beteiligten Streitkräften schaffen.
KVAE-Inspektionen.
In den Jahren 1987 und 1988 wurden Inspektionen
zum integralen Bestandteil der Stock-

holmer Vereinbarungen.
Seit März
1989 sind insgesamt 18 KVAE-Inspektionen durchgeführt worden: neun vom
Westen und neun vom Osten. An acht
der neun vom Osten durchgeführten Inspektionen
waren
amerikanische
Streitkräfte beteiligt.
Der vom Westen bei den Wiener
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen unterbreitete Vorschlag
Am 9. März 1989, dem Eröffnungstag der Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen, schlugen die 16 westlichen
Verbündeten eine Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vor,
die darauf abzielen, den Prozeß der
Vertrauensbildung in Europa voranzutreiben.
Die 12 Maßnahmen werden
ebenso wie der damit in Verbindung
stehende Vorschlag für einen Gedankenaustausch über Militärdoktrin und
deren Anwendung auf die derzeitigen
Truppenstationierungen im folgenden
beschrieben.

I.
Transparenz
nisationen

militärischer

Orga-

Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, größere Offenheit und mehr
Vertrauen bezüglich der Streitkräfteaufstellung des jeweiligen Teilnehmerstaats herbeizuführen. Dies wird
durch regelmäßigen Informationsaustausch über die Landstreitkräfte in
der Zone sowie über wichtige Waffenstationierungsprogramme erzielt.
Maßnahme 1: Austausch militärischer
Informationen
Die Teilnehmerstaaten werden Informationen über militärische Organisation, Anzahl von Streitkräften und
Gerät in der Zone austauschen. Dies
beinhaltet jährlichen Austausch von
Informatioen über:
—

die
Kommandoorganisation
der
Landstreitkräfte in der Zone;

�diese zeitlich begrenzten Besichtigungen
werden
von
Personen
durchgeführt,
die
bereits
im
Gastland akkreditiert oder vom
besuchenden Staat dafür bestimmt
worden sind;

die Bestimmung der Heeresgroßverbände, bis hin zur Divisionsebene;
die
normalen
Friedensstandorte
dieser Einheiten;
die Personalstärke dieser Einheiten;

Beobachtern wird die Besichtigung
der wichtigsten Waffensysteme und
Geräte gestattet;

die wichtigsten Waffensysteme und
das diesen Einheiten zugeteilte
Gerät;
Landgestützte Lufteinheiten
deren Flugzeugstärke.

die entsprechenden Vorkehrungen
für den Beobachtungsbesuch werden
vom Gastland veranlaßt, dessen
Vertreter das Beobachterteam jederzeit begleitet.

und

Dies beinhaltet ferner die unverzügliche Benachrichtigung über:
die Verlegung von Heeresgroßverbänden innerhalb der Zone von einem Friedensstandort zu einem anderen, wie oben ausgeführt;
die Einberufung einer beträchtlichen Anzahl von Reservisten.

II. Transparenz und Berechenbarkeit
militärischer Aktivitäten
Diese Maßnahmen bauen auf den in
Stockholm vereinbarten Maßnahmen auf
und stellen eine Verbesserung dar, da
sie größere Offenheit zur Folge haben
und die Berechenbarkeit militärischer
Aktivitäten verbessern.

Maßnahme
2:
Informationsaustausch
über die wichtigsten Stationierungsprogramme für konventionelle Streitkräfte.

Maßnahme 4: Verbesserte Informationen bei der Jahresplanung

Jeder Teilnehmerstaat wird die
anderen über die in Maßnahme 1 genannten
wichtigsten
konventionelle
Waffensysteme und das Gerät informieren, das er in der KVAE-Zone über einen bestimmten Zeitraum hinweg bei
seinen Streitkräften einzuführen gedenkt.

Die Teilnehmerstaaten werden bei
ihrer
Jahresplanung
umfangreichere
und detailliertere Informationen über
zukünftige militärische Aktivitäten
zur Verfügung stellen. Diese beziehen sich auf Bestimmung, Anzahl und
Art der Heeresverbände bis hin zur
Divisionsebene, die zur Teilnahme an
angemeldeten Aktivitäten in der Zone
vorgesehen sind.

Maßnahme 3: Schaffung eines Stichproben-Auswertungssystems
Um die gemäß Maßnahmen 1 und 2
gelieferten Informationen auswerten
zu können, werden die Teilnehmerstaaten ein Stichproben-Auswertungssystem
einführen, mit dem:
sie das Recht auf vorher angekündigte Besichtigungen von Friedensstandorten gemäß Maßnahme 1
haben;

Maßnahme 5: Verbesserte Informationen bei der Benachrichtigung
Zur Verbesserung der Benachrichtigung über militärische Aktivitäten
werden die Teilnehmerstaaten umfangreichere und detailliertere Informationen über das Engagement ihrer
Streitkräfte, die wichtigsten Waffensysteme sowie das bei solchen Aktivitäten der Landstreitkräfte eingesetzte Gerät zur Verfügung stellen.

- 5 -

�Maßnahme 6: Verbesserung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden die
Beobachtung durch detailliertere Informationsveranstaltungen,
Bereitstellung besserer Karten und den Einsatz von mehr BeobachtungsgerMt erleichtern. Um die Möglichkeiten des
Beobachters zur Auswertung des Umfangs der Aktivitäten zu verbessern,
werden die Teilnehmerstaaten darüber
hinaus ermutigt, eine Luftaufnahme
des
tlbungsgebiets
bereitzustellen.
Ferner wird die Dauer des Beobachtungsprogramms erweitert.

Maßnahme 7: Lockerung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden Beobachter zu angemeldeten Aktivitäten
einladen, wenn die Anzahl der eingesetzten Soldaten 13 000 oder mehr beträgt oder wenn über 300 Panzer daran
teilnehmen.

Maßnahme 8: Verbesserung der Inspektionsobergrenzen
Die Teilnehmerstaaten werden folgende Maßnahmen zur wesentlichen Verbesserung der Inspektionen verabschieden:
Erhöhte Anzahl
tionen;

passiver

Inspek-

Verkürzung des Zeitraums zwischen
Inspektionsantrag und Zugang der
Inspektoren zum benannten Gebiet;
Auf Antrag der Inspektoren Erlaubnis zu einer Luftaufnahme vor
Beginn der Inspektion;
-

Verbesserung von Gerät und Fernmeldeeinrichtungen, die das Inspektionsteam benutzen darf;

Verbesserung der Informationsveranstaltungen für die Inspektoren.

Maßnahme 9: Lockerung der Obergrenze
für längerfristig anberaumte Benachrichtigung größerer Aktivitäten
Die Teilnehmerstaaten werden keine militärischen Aktivitäten durchführen, die vorheriger Benachrichtigung unterliegen und mehr als 50 000
Soldaten umfassen, es sei denn, sie
fallen unter
die im Stockholmer
Schlußdokument vereinbarten Regelungen.

III.

Kontakte und Kommunikation

Diese Maßnahmen
durch Kommunikation
militärischer Ebene
die militärischen
Teilnehmerstaaten zu

zielen darauf ab,
und Kontakte auf
das Wissen über
Fähigkeiten der
verbessern.

Maßnahme 10: Verbesserter Zugang für
akkreditiertes Personal, das mit militärischen Angelegenheiten befaßt ist
Um das Prinzip größerer Offenheit
in militärischen Angelegenheiten zu
verwirklichen und das gegenseitige
Vertrauen zu stärken, werden die
Teilnehmerstaaten die ReiseVorkehrungen des mit militärischen Aktivitäten
befaßten akkreditierten Personals erleichtern und ihm bei der Kontaktaufnahme mit Regierungsvertretern behilflich sein.
Einschränkungen für
akkreditiertes Personal in der KVAEZone sollten gelockert werden.

Maßnahme 11: Entwicklung von Kommunikationsmitteln
Zusätzlich zur Benutzung der diplomatischen Kanäle für die Übermittlung von mit den vereinbarten Maßnahmen in Verbindung stehenden Fakten
(Terminpläne, Benachrichtigung usw.)
werden die Teilnehmerstaaten ermutigt, weitere Vorkehrungen in Erwägung zu ziehen, um den schnellstmöglichen Austausch von Informationen
sicherzustellen.

�Maßnahme 12: Gleiche Behandlung der
Medienvertreter
Die Teilnehmerstaaten werden ermutigt, Medienvertretern die Teilnahme an beobachteten militärischen Aktivitäten zu gestatten; wenn Medienvertreter eingeladen werden, wird das
Gastland diese Vertreter aller Teilnehmerstaaten zulassen und sie unterschiedslos behandeln.

Gedankenaustausch Über Militärpolitik
Vertrauensbildung ist ein dynamischer Prozeß, der durch den offenen
und freimütigen Gedankenaustausch erweitert wird und darauf ausgerichtet
ist, Mißverständnisse
und falsche
Darstellungen
der
militärischen
Fähigkeiten abzubauen.
Zu diesem
Zweck werden die Teilnehmerstaaten
bei den bevorstehenden Verhandlungen
von folgenden Möglichkeiten Gebrauch
machen:
Erörterung von die Durchführung
der im Stockholmer Schlußdokument
vereinbarten Regelungen betreffenden Themen;
In Veranstaltungen mit Seminarcharakter Diskussion der Militärdoktrin im Zusammenhang mit Einsatzkonzept und Struktur der konventionellen Streitkräfte in der
KVAE-Zone, einschließlich:
Informationsaustausch über
jährlichen Militärausgaben;

ihre

Informationsaustausch
über
die
Ausbildung ihrer Streitkräfte unter
Verwendung
militärischer
Handbücher;
Verdeutlichung von Entwicklungen,
die zu Unsicherheit Anlaß geben,
wie beispielsweise Veränderungen
bei Anzahl und Ablauf der angemeldeten militärischen Aktivitäten.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Wissenschaft und Technik
10. Mai 1989

19

RADARSONDE MAGELLAN AUF DEM WEG ZUR VENUS
In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTIS gestartet

(AD) "Präzision"
war
das
Schlüsselwort sowohl für den Start
des Raumtransporters ATLANTIS min
seiner interplanetaren Fracht, der
Venussonde Magellan, am 4. Mai 1989
von Kap Canaveral, als auch für das
Absetzen der Sonde und Zünden ihrer
Triebwerke in der Erdumlaufbahn. Das
sogenannte Startfenster war seit dem
28. April täglich nur kurze Zeit geöffnet und schließt sich am 28. Mai
1989 wieder für zwei Jahre. Nur innerhalb dieser vier Wochen hatte ein
zum richtigen Tageszeitpunkt vorgenommener Start Sinn, wenn die VenusRadarsonde MAGELLAN ihr Ziel überhaupt erreichen soll. Damit ist im
August 1990 zu rechnen. Bis dahin
wird sie aus einer Erdumlaufbahn abgeschossen und auf interplanetare Geschwindigkeit beschleunigt, die Sonne

United States Information Service
Embassy of the United States of America

eineinhalb Mal umrundet und sich ihr
dabei auf die Entfernung der VenusUmlaufbahn genähert haben. Um in eine Umlaufbahn um den Planeten Venus
eintreten zu können, ist dann so
starkes Abbremsen erforderlich, daß
die Instrumente einem Druck standhalten müssen, der 10 g, d.h. der zehnfachen Erdbeschleunigung, entspricht.
Wenige Stunden nach dem Eintritt
von ATLANTIS in die Erdumlaufbahn
(Höhe 270 km, Neigung zum Äquator
28,9 Grad) hatten Kommandant David M.
Walker und Kopilot Ronald J. Grabe
das Fluggerät durch komplizierte Lagesteuerungsmanöver in eine ganz bestimmte Position zu bringen:
Das
Heck der ATLANTIS mußte in Flugrichtung, der "Bauch" in Richtung Sonne
und die geöffnete Ladebucht mit der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Nutzlast MAGELLAN in Richtung Erde
stehen. Denn bis zum Absetzen sollte
die Sonde weder extremer Hitze noch
Kälte ausgesetzt sein, außerdem vor
dem Aufprall von Sauerstoffatomen,
die auch in der dünnen Hochatmosphäre
noch vorhanden sind, auf empfindliche
Instrumente geschützt werden.
Die
drei
Missionsspezialisten
Norman E. Thagard, Mary L. Cleave und
Mark C. Lee waren verantwortlich dafür, daß alle Prozeduren zum überprüfen und Aktivieren der Systeme des
3,5 Tonnen schweren und 6,3 m langen
Forschungssatelliten samt der Systeme
seiner
zweistufigen
Antriebsrakete
(Gewicht: 9,1 Tonnen) ordnungsgemäß
durchgeführt
wurden.
Rund
sechs
Stunden
nach
dem
Eintritt
von
ATLANTIS in den Erdorbit schwebte
MAGELLAN, von Befestigungen gelöst
und durch einen Federmechanismus in
Bewegung gesetzt, aus der Ladebucht.
Walker setzte den Raumtransporter zurück und steuerte in eine etwas tiefere Bahn, um in sicherem Abstand die
Zündung der ersten Feststoff-Raketenstufe der MAGELLAN-Sonde abzuwarten.
Für die Zündung selbst war der Leiter
der Abteilung Weltraumwissenschaften
der NASA (US-Behörde für Luftund
Raumfahrt), Dr. L.A. Fisk, verantwortlich.
Zuvor waren bereits die
Sonnenenergie-Kollektoren des interplanetaren
Fluggeräts
ausgefahren
worden, um sie vor Erschütterungen
besser zu schützen. Die zweite Raketenstufe beschleunigt kurze Zeit später die Sonde auf die notwendige Geschwindigkeit für die interplanetare
Reise.
Nach
der
PIONIER-VENUS-Mission
vom Jahr 1978 haben Planetenforscher
in den USA und mit ihnen zahlreiche
ausländische Kollegen ab August 1990
wieder Gelegenheit, über ein amerikanisches Forschungsgerät topographische Daten von der Oberfläche des
Planeten Venus zu bekommen. Da dieser ständig von dichten Wolken verdeckt ist, sind Fernrohruntersuchungen nicht möglich. Für die Radarstrahlen der MAGELLAN-Sonde sind die
Wolken jedoch durchlässig. Im Gegen-

satz zu den Radarbildern früherer
amerikanischer und sowjetischer Venus-Sonden, auf denen die kleinsten
erkennbaren Objekte ca. 600 m Durchmesser haben, dürfte das Auflösungsvermögen bei den von MAGELLAN übermittelten Bildern bei 60 bis 90 m
liegen. Das bedeutet, daß viel mehr
Einzelheiten auf der teilweise sehr
gebirgigen und zerklüfteten Oberfläche unseres "Schwesterplaneten" ausgemacht werden können.
Nach dem Freisetzen von MAGELLAN
standen für die ATLANTIS-Astronauten
Erdbeobachtungen und einige wissenschaftliche und technische Experimente auf dem Programm. Vier Tage nach
ihrem Start kehrten sie zur Erde zurück und landeten mit dem Orbiter auf
dem Lufthafenstützpunkt Edwards in
Kalifornien.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomare Kurzstreckensysteme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VSM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg zur Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTNIS gestartet&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>20

17. Mai 1989

I N H A L T

DOKUMENTATION

USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"
- Rede von Präsident Bush in Texas -

Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwacher zu bezeichnen
- Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats

HINTERGRUNDMATERIAL
f

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Ü b e r s i c h t -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
S t r e i t f r a g e "Kalte Kernfusion"
- W i s s e n s c h a f t l e r warten auf exakte Angaben zum Versuch und
seinen R e s u l t a t e n -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

17. Mai 1989

20

USA WÜRDEN "RÜCKKEHR DER SOWJETUNION IN DIE WELTORDNUNG BEGRÜSSEN"
- Rede von Präsident Bush in Texas COLLEGE STATION, TEXAS - (AD) - In seiner Ansprache bei der Texas Agricultural and Mechanical University erörterte Präsident Bush am 12. Mai 1989
die Ergebnisse der außenpolitischen Bilanz seiner Administration im Hinblick
auf die Sowjetunion und das Ziel der Vereinigten Staaten, "die Rückkehr der
Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen".
Der Präsident erklärte, westliche Politik müsse die Entwicklung der
Sowjetunion zu einer offenen Gesellschaft ermutigen. "Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und ungeheure
Vorstellungskraft erfordern". Ihm zufolge müßte der Kreml positive Schritte
unternehmen: die sowjetischen Streitkräfte reduzieren, der von den Sowjets
eingegangenen Verpflichtung zur Förderung der Selbstbestimmung aller Länder
Ost- und Mitteleuropas nachkommen, mit dem Westen an diplomatischen Lösungen
für regionale Konflikte auf der ganzen Welt arbeiten, einen dauerhaften politischen Pluralismus und Wahrung der Menschenrechte erreichen und gemeinsam mit
dpn Vereinigten Staaten internationale Probleme behandeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut:

Wir müssen uns vor Augen führen,
daß keine Generation ihrer Geschichte
entfliehen kann. Nicht die Eltern wir teilen den brennenden Wunsch, daß
unsere Kinder und deren Kinder eine
bessere und sicherere Welt kennenlernen. Nicht die Studenten - Ihre Eltern und Großeltern haben einen Weltkrieg erlebt und Amerika beim Wiederaufbau der Welt geholfen. Sie haben
das Drama der durch sowjetische Subversion und Gewalt in der Nachkriegszeit geteilten Länder erlebt, die jedoch von der - mit der Berliner Luftbrücke am besten dokumentierten - Reaktion der Verbündeten versorgt wurden.
Kluge Persönlichkeiten - Truman,
Eisenhover, Vandenberg, Rayburn sowie
Marshall, Acheson und Kennan - haben

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Containment-Strategie erarbeitet.
Sie vertraten die Ansicht, daß sich
die Sowjetunion, wenn man ihr den
leichten
Expansionskurs
verweigert,
nach innen und den Widersprüchen ihres
ineffizienten, repressiven und
inhumanen Systems zuwendet.
Und sie
haben recht behalten.
Die Sowjetunion stellt sich dieser harten Realität jetzt öffentlich.
Containment war erfolgreich.
Es
war deshalb erfolgreich, weil unsere
demokratischen
Grundsätze,
Institutionen und Werte gefestigt sind und
immer waren.
Es war erfolgreich,
weil unsere Bündnisses stark sind und
stark waren und weil die Überlegenheit freier Gesellschaftssysteme und
freier Marktwirtschaft über den stagnierenden Sozialismus nicht zu leug-

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Telex: 8-85432

�nen ist.
Wir nähern uns der Lösung eines
historischen Streits zwischen zwei
Visionen in der Nachkriegszeit
einer Vision der Tyrannei und des
Konflikts und einer anderen von Demokratie und Freiheit. Die von meiner
Administration gerade abgeschlossene
Bilanz der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen weist einen neuen Weg zur
Lösung dieses Streits.
Unser Ziel ist hoch gesteckt - es
ist ehrgeiziger als alles, was meine
Vorgänger für möglich hielten. Unsere Bilanz deutet darauf hin, daß 40
Jahre Beharrlichkeit uns eine einzigartige Gelegenheit geboten haben.
Jetzt ist es an der Zeit, sich
einer über Containment hinausgehenden
neuen Politik zuzuwenden - einer Politik der neunziger Jahre, die dem
gesamten Umfang des Wandels Rechnung
trägt, der auf der ganzen Welt und
auch in der Sowjetunion stattfindet.
Insgesamt geht das Ziel der Vereinigten Staaten über eine einfache
Eindämmung des sowjetischen Expansionismus hinaus - wir streben die Integration der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft an. Während sich die
Sowjetunion größerer Offenheit und
Demokratisierung zuwendet - und damit
der Herausforderung verantwortungsbewußten internationalen Verhaltens gerecht wird - werden unsere Schritte
nicht lange auf sich warten lassen.
Letztlich ist es unser Ziel, die
Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen.
Die Sowjetunion bekundet ihre Absicht, mit der Welt in Frieden leben
zu wollen und kritisiert ihre eigene
Politik der Nachkriegzeit. Dies können wir nur begrüßen. Aber ein neues
Verhältnis kann nicht nur von Moskau
erklärt oder von anderen ausgerufen
werden. Es muß verdient werden. Es
muß verdient werden, weil Versprechungen niemals ausreichen. Die Sowjetunion hat früher bereits ein kooperativeres Verhältnis versprochen,

nur um dann ihren Kurs zu ändern und
erneut eine kriegerische Haltung einzunehmen. Die sowjetische Außenpolitik unterlag fast jahreszeitlichen
Schwankungen - Wärme kam vor Kälte,
Tauwetter vor Frost.
Wir streben
eine Freundschaft an, die kein Klima
des Mißtrauens und der Verdächtigungen kennt.
Wir hoffen, daß Perestrojka die
Sowjetunion zu einem Bruch - einem
definitiven Bruch - mit der Vergangenheit veranlaßt.
Wer hätte gedacht, daß wir einmal die Überlegungen des Zentralkomitees auf der Titelseite der Prawda lesen könnten
oder den Dissidenten Andrei Sacharow
in der Nähe der Machthaber sitzen sähen? Wer hätte sich jemals träumen
lassen, daß ein sowjetischer Staatsund
Parteichef
auf
den
Straßen
Moskaus und Washingtons um Stimmen
wirbt? Dies sind hoffnungsvolle und
in der Tat bemerkenswerte Anzeichen.
Niemand darf an unserem ernsthaften
Wunsch nach Fortsetzung und Erfolg
der Perestrojka zweifeln. Aber die
nationale
Sicherheit
Amerikas und
seiner Verbündeten darf sich nicht
auf Hoffnung allein verlassen. Sie
muß sich auf Taten gründen. Wir halten nach dauerhaftem, fest verwurzeltem wirtschaftlichen und politischen
Wandel Ausschau.
Obwohl wir die Hoffnung auf eine
Überwindung des Containment hegen,
stehen wir erst am Anfang eines neuen
Weges. Viele Gefahren und Unsicherheiten liegen noch vor uns. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Sowjetunion erschreckende militärische Fähigkeiten erworben hat. Damit mußten
meine Vorgänger leben. Damit haben
unsere Verbündeten immer leben müssen. Und damit werde ich leben müssen.
Bei unserem Streben nach Frieden
müssen wir stark bleiben. Das Ziel
unserer militärischen Stärke besteht
keineswegs in der Ausübung von Druck
auf eine schwache sowjetische Wirtschaft oder im Streben nach militärischer Vorherrschaft.
Es besteht
2 -

�vielmehr in der Abschreckung eines
Krieges. Es besteht in der Verteidigung unseres Landes und unserer Verbündeten - und darüber hinaus wollen
wir die Sowjets davon überzeugen, daß
sich weitere expansionistische Bestrebungen nicht lohnen und davon,
daß ein Streben nach Frieden lohnenswert ist.
Die Politik des Westens muß die
Entwicklung der Sowjetunion zu einer
offenen Gesellschaft ermutigen. Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die
Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und eine ungeheure Vorstellungskraft erfordern - die ich Ihnen
erklären möchte. Ich sehe vor mir
eine westliche Hemisphäre demokratischer
wohlhabender
Länder, die
nicht mehr von einem Kuba oder einem
Nicaragua mit den Waffen Moskaus bedroht wird. Ich sehe eine Sowjetunion, die ihre Verbindungen zu terroristischen Ländern - wie Libyen abbricht, die für die rechtmäßige Sicherheit ihrer Nachbarn eine Bedrohung darstellen.
Ich sehe vor mir
eine Sowjetunion, die Chinas Integrität respektiert und die Territorien
im Norden Japans zurückgibt - als
Auftakt zu dem Tag, an dem alle grossen Länder Asiens harmonisch zusammenleben werden.
Aber um diese Vision Wirklichkeit
werden zu lassen, muß die Sowjetunion
positive Schritte unternehmen:
Erstens: Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte. Obwohl bereits
kleine Schritte unternommen worden
sind, besitzt der Warschauer Pakt
über 30 000 Panzer, mehr als zweimal
soviel Artillerie und hunderttausend
Soldaten mehr in Europa als die NATO.
Sie sollte ihre Streitkräfte im Verhältnis zu ihren berechtigten Sicherheitsinteressen auf ein weniger bedrohliches Niveau abbauen.
Zweitens: Einhaltung der von den
Sowjets - in den letzten Tagen des
Zweiten Weltkriegs - eingegangenen
Verpflichtung
zur
Förderung
der
Selbstbestimmung aller Länder Ost-

und Mitteleuropas.
Dies erfordert
insbesondere die Aufgabe der Breschnew-Doktrin. Eines Tages sollte es
möglich sein, von Moskau nach München
zu fahren, ohne einen einzigen Wachturm oder einen Stacheldrahtzaun zu
sehen. Kurz gesagt: Reißt den Eisernen Vorhang nieder.
Drittens: Zusammenarbeit mit dem
Westen an positiven, praktischen
und nicht nur rhetorischen - Schritten für diplomatische Lösungen regionaler Konflitke auf der ganzen Welt.
Ich begrüße den sowjetischen Truppenabzug aus Afghanistan und das AngolaAbkommen. Aber auf der ganzen Welt
gibt es noch mehr zu tun. Wir sind
bereit. Wir sollten die Ärmel aufkrempeln und uns an die Arbeit begeben.
Viertens: Erlangung eines dauerhaften politischen Pluralismus und
Wahrung
der
Menschenrechte.
In
Moskau haben bereits dramatische Ereignisse stattgefunden. Wir sind von
den beschränkten, aber dennoch mit
mehreren
Kandidaten
stattfindenden
Wahlen beeindruckt. Wir sind ferner
beeindruckt von der größeren Toleranz
gegenüber Dissidenten. Darüber hinaus macht eine neue Offenheit über
die Ära Stalin Eindruck auf uns. Herr
Gorbatschow, geben Sie jetzt nicht
auf.
Fünftens: Zusammenarbeit bei der
Behandlung internationaler Probleme,
wie des internationalen Drogenhandels
und den Gefahren für unsere Umwelt.
Wir können unseren Kindern eine bessere Welt schaffen.
Wenn sich die Sowjetunion der Rüstungskontrolle und Reformen zuwendet, wird sie im Westen hilfsbereite
Partner finden. Wir streben verifizierbare, stabilisierende Rüstungskontrolle
und
Reduzierungsabkommen
mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten an. Dennoch ist Rüstungskontrolle an sich kein Ergebnis, sondern
ein Mittel, um zur Sicherheit Amerikas und zum Frieden auf der Welt beizutragen.
Ich habe Außenminister

- 3 -

�Baker angewiesen, den Sowjets Vorschläge für eine Wiederaufnahme der
START-Verhandlungen im Juni zu unterbreiten. Und wie Sie wissen, haben
die Sowjets zugestimmt.
Unser Konzept ist klar. Bei den
START-Verhandlungen wollen wir das
Risiko eines Atomkrieges abbauen.
Bei den begleitenden Verhandlungen
über Verteidigung im Weltraum werden
wir die Erhaltung unserer Optionen
zur Stationierung eines modernen Verteidigungssystems
zum Ziel haben,
wenn dies fertiggestellt ist. Bei
den Atomtests werden wir weiterhin
die notwendigen Verbesserungen zur
Verifizierung in den bestehenden Verträgen anstreben, damit diese durchgeführt werden können.
Wir werden
nach wie vor ein verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen
anstreben. Wir unterstützen die Bestrebungen der NATO zürn Abbau der offensiven sowjetischen Bedrohung in
den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa. Und ich habe
bereits darauf hingewiesen, daß all
diesen Zielen ganz einfach Offenheit
zugrundeliegt.
Unmißverständlich weht ein neuer
Wind über die Steppen und Städte der
Sowjetunion hinweg.
Warum sollte
dieser neuer Geist der Offenheit
nicht zunehmen, und Warum sollten
nicht weitere Schranken fallen? Offen für Auswanderung, für Diskussionen, offen für den Luftverkehr - Offenheit soll die Veröffentlichung und
den Verkauf verbotener Bücher und
Zeitungen in der Sowjetunion bedeuten. Den 19 000 sowjetischen Juden,
die im vergangenen Jahr ausgereist
sind, sollen all diejenigen folgen
dürfen, die in diesem Jahr ausreisen
wollen. Offenheit darf keine geringere Bedeutung haben als Freizügigkeit und den freien Austausch von Büchern und Ideen zwischen Ost und
West. Und darüber hinaus sollte sie
eine weitere Bedeutung erlangen.
Vor 34 Jähren ist Präsident
Eisenhower in Genf mit der sowjetischen
Führungsspitze
zusammenge-

troffen, die nach dem Tod Stalins
einen neuen Ansatz gegenüber dem
Westen versprach.
Er schlug einen
Plan namens "Offene Himmel" vor, im
Rahmen dessen unbewaffnete Flugzeuge
aus den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion das Territorium des anderen Landes überfliegen durften. Damit könnten militärische Aktivitäten
regelmäßig überprüft und laut Präsident Eisenhower "die Welt davon überzeugt werden, daß wir ... die Gefahr
verringern und die Spannungen abbauen" .
Präsident Eisenhowers Vorschlag
stellte die sowjetische Bereitschaft
zur Öffnung ihrer Gesellschaft auf
eine Probe, der der Kreml nicht
standhielt. Wir Wollen diesen Vorschlag erneut untersuchen, aber auf
einer breiteren, eingehenderen und
radikaleren Basis - der sich hoffentlich auch die Verbündenten auf beiden
Seiten
anschließen
werden.
Wir
schlagen vor, daß Länder, die diesen
Vorschlag prüfen möchten, bald zusammenkommen, um außerhalb ariderer Rüstungskontrollverhandlungen die notwendigen technischen Einzelheiten zu
erarbeiten.
Solche Überwachungsflüge ließen
zusammen mit Satelliten eine regelmäßige Prüfung auf beiden Seiten zu.
Ein solch beispielloser Zugang zum
Territorium deö jeweils arideren würde
der Welt die Bedeutung des Konzepts
der Offenheit dokumentieren. Die Bereitschaft der Sowjets zur Akzeptanz
eines solchen Konzepts an sich würde
ihr Engagement für Veränderungen bekunden.
Wo
Zusammenarbeit
stattfiridet,
kanri es umfassendere Wirtschaftsbeziehungen geberi.
Aber die sowjetische Innenpolitik hat die Wirtschaftsbeziehungen gelähmt. Sie haben unter Moskaus Praxis, dem Westen
uriter dem Mäntelchen des Handels
Technologie
zu stehlen; gelitten.
Ein Ende der Benachteiligung amerikanischer Firmen wäre ein hilfreicher
Schritt.
Geschäfte und finanzielle
Tränsaktionen könnten auf der Basis

�normaler Handelsbeziehungen
führt werden.

durchge-

Und wenn die Sowjetunion
ihre
Auswanderungsgesetze
internationalen
Standards anpaßt und ihre neuen Gesetze buchstabengetreu verwirklicht,
bin ich bereit, mit dem Kongreß eine
zeitweise
Aufhebung
des
JacksonVanik-Zusatzartikels zu verfügen und
damit den Status der Meistbegünstigung auf die Sowjetunion zu erweitern. Die soeben von mir beschriebene Politik betrifft Sie alle.
Heute legen Sie ihr Examen ab.
Sie werden einen Beruf ergreifen und
eine Familie gründen. Und Sie werden
Amerikas Elite im nächsten Jahrhundert werden. Was für eine Welt werden Sie kennenlernen?
Möglicherweise
wird die Weltordnung der Zukunft eine
echte Staatengemeinschaft sein.
Es ist eine traurige Wahrheit,
daß wir durch nichts eher dazu gezwungen werden, unsere Verbundenheit
als Menschen zu erkennen als durch
eine Naturkatastrophe.
Ich denke dabei an die Sowjetrepublik Armenien
vor einigen Monaten - eine schuldlos
verursachte Tragödie, eine Zerstörung
wie im Krieg, jedoch nicht durch einen Krieg verursacht.

Mein Sohn nahm unseren zwölfjährigen Enkel mit nach Eriwan. Am Ende
des Tages, an dem sie die Verwundeten
getröstet und den Hinterbliebenen Mut
zugesprochen hatten, setzten sie sich
gemeinsam zwischen die Trümmer und
weinten.
Wie können unsere beiden
Länder diesen schlichten Ausdruck der
Fürsorge noch steigern?
Wie können
wir uns gegenseitig den guten Willen
unseres Volkes übermitteln?
Vor 43 Jahren hat der junge Leutnant Albert Kotzebue, der 1945 hier
an dieser Universität sein Examen abgelegt hat, als erster amerikanischer
Soldat den Sowjets an der Elbe die
Hand gereicht. Wir sind wieder bereit, die Hand auszustrecken und bereit, eine ausgestreckte Hand entgegenzunehmen.
Die Zeit ist erneut
reif für Frieden.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

%r,os e&lt;

17. Mai 1989

20

SOWJETISCHE BEDROHUNG NOCH NICHT ALS SCHWÄCHER ZU BEZEICHNEN
- Rede von Staatssekretär Kimmltt vor dem Unterausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für politische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium, Robert Kimmitt, zufolge sollte das westliche
Bündnis die militärische Bedrohung durch die Sowjets noch nicht als schwächer
ansehen. Am 10. Mai 1989 erklärte Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats
für die Bewilligung von Verteidigungsausgaben, es sei voreilig, die sowjetische Bedrohung als "erheblich abgebaut" zu betrachten.
Ihm zufolge wird der NATO-Gipfel Ende Mai "erneut die zentrale Bedeutung
des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten herausstellen
und darüber hinaus die vor uns liegenden Herausforderungen behandeln: Modernisierung der Streitkräfte, RüstungskontrollVerhandlungen und die Notwendigkeit besserer Lastenverteilung.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Kimmitts im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, ihre Jahre an
der Spitze des Unterausschusses für
die Verwendung von Mitteln im Ausland
haben Ihnen ein gutes Urteil über die
zur Ausübung
einer wirkungsvollen
Außenpolitik
erforderlichen
Mittel
verschafft.
Der Verteidigungshaushalt steht in enger Beziehung zu dieser Aufgabe, und deshalb freue ich
mich über die Möglichkeit, hier vor
dem Unterausschuß zu sprechen, um
über die Auswirkungen von Entscheidungen zum Verteidigungshaushalt auf
die amerikanische Außenpolitik zu
sprechen.
Ich möchte darum bitten,
daß der Wortlaut meiner Rede in das
Protokoll aufgenommen wird.

Der Umgang mit der Sowjetunion
Die

amerikanische

Militärstrate-

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gie basiert seit langem auf gemeinsamer Sicherheit, Abschreckung, Vorneverteidigung und flexibler Reaktion.
Diese Verteidigungsstrategie
zielt darauf ab, einer massiven,
weltweiten
militärischen
Bedrohung
durch die Sowjets entgegenzutreten.
In jüngster Zeit konnten wir potentielle Veränderungen wahrnehmen, da
die Sowjets zur Durchsetzung ihrer
Ziele in geringerem Maße auf die Androhung oder den Einsatz militärischer Mittel zu vertrauen scheinen
und in ihrer Außenpolitik weniger den
Klassenkampf betonen.
Wir hoffen,
daß die versprochene Neuorientierung
der sowjetischen Politik und Doktrin
zu Veränderungen im Umfang und der
Struktur der sowjetischen Streitkräfte führt und die Bedrohung abbaut,
die sie für unsere nationalen Interessen darstellt.

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�Es wäre jedoch höchst voreilig,
die sowjetische Bedrohung als erheblich abgebaut zu betrachten. Sicher
hat die Sowjetunion Reduzierungen bei
der Truppenstärke und den konventionellen Streitkräften sowie niedrigere
Verteidigungsausgaben angekündigt und
beseitigt ihre Mittelstreckenraketen
im Einklang mit dem INF-Vertrag.
Dennoch modernisieren
die Sowjets
weiterhin ihre strategischen Atomstreitkräfte mit neuen Klassen von
raketenbestückten U-Booten, strategischen Raketen und Bombern längerer
Reichweite.
Ihre
konventionellen
Streitkräfte
moderner
gepanzerter
Fahrzeuge, Artilliere und taktischer
Kampfflugzeuge sind mit 4,5 Millionen
Soldaten unter Waffen nach wie vor
nahezu die größten der Welt. In den
letzten zehn Jahren hat die Sowjetunion ihre Fähigkeit zum Einsatz ihrer Streitkräfte in entfernten Teilen
der Welt verbessert. Die Sowjets haben kürzlich das größte militärische
Transportflugzeug
der Welt vorgestellt, und der Prototyp einer neuen
Klasse großer Flugzeugträger steht
kurz vor seiner Vollendung
Obwohl
die von Gorbatschow bekundeten Absichten zur Reduzierung der militärischen Stärke der Sowjetunion lobenswert sind, konnten wir eine Umsetzung
dieser Ankündigungen in erhebliche
Veränderungen bei den Fähigkeiten und
der Struktur der sowjetischen Streitkräfte noch nicht beobachten.
Auf regionaler Ebene scheinen die
Sowjets den ausgehandelten Lösungen
einiger Konflitke offener gegenüberzustehen und zeigen ein zunehmendes
Bewußtsein für den Preis einer anhaltenden Expansion.
Dennoch liefern
sie immer noch Waffen und unterhalten
nachrichtendi enstliche
Verbindungen
mit Satellitenstaaten, deren Engagement für die Normen internationalen
Verhaltens in Zweifel zu ziehen ist.
Der Verkauf von Bombern längerer
Reichweite des Typs SU-24 an Libyen
macht dies deutlich. Immer noch gehen umfangreiche Lieferungen an Nicaragua, Angola und Kuba und die Lieferungen militärischer
Güter nach
Libyen, Afghanistan und Nordkorea haben zugenommen.

Wie Sie wissen, weilt Außenminister Baker gegenwärtig zu Gesprächen mit der sowjetischen Führungsspitze in Moskau.
Diese Zusammenkünfte sind Teil langfristiger Bemühungen, die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über
so kritische Punkte wie Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, Menschenrechte, bilaterale und zwischenstaatliche Fragen beizulegen.
Wir
sind uns in höchsten Maße bewußt, daß
dies eine günstige Zeit für die Behandlung unserer Probleme ist. Präsident Bush und Außenminister Baker
sind entschlossen, diese Chancen zu
nutzen. Eine starke Verteidigung und
Wachsamkeit bei der Sicherung unserer
Interessen sind für die Bestrebungen
um den Aufbau kooperativerer OstWest-Beziehungen von entscheidender
Bedeutung.
Wir begrüßen das Interesse des
Unterausschusses an dem Beziehungsgeflecht zwischen Außenpolitik und Verteidigungshaushalt.
Die Administration und der Kongreß müssen zusmmenarbeiten, um zu gewährleisten, daß
haushaltspolitische
Entscheidungen
auf eine Weise getroffen und ausgeführt werden, die im Einklang mit unseren nationalen Interessen und siehe rheitspoli tischen
Zielsetzungen
steht.

Der SchlUssel zur Minimierung

von Problemen liegt im gesamten Prozeß bei der Bewertung von Auswirkungen haushaltspoitischer Entscheidungen auf die Außenpolitik.
Die militärischen Fähigkeiten unseres Landes sind in den vergangenen
zehn Jahren notwendigerweise erheblich verstärkt worden. Eine starke
Verteidigung ist für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten weiterhin von entscheidender Bedeutung und
verkörpert die Fähigkeit und Entschlossenheit
unseres
Landes
zum
Schutz unserer Freiheit. Eine starke
und von einer gesunden Wirtschaft unterstützte
Verteidigung,
gesunde
Bündnisse und eine aktive Diplomatie,
die alle zusammen von angemessenen
nachrichtendienstlichen
Fähigkeiten
gestützt werden, bilden die Grundlage

�unserer nationalen Sicherheit.
Wir sehen uns nunmehr neuen Herausforderungen und auch neuen Möglichkeiten gegenüber, die sich aus
grundlegenden Veränderungen im internationalen Umfeld ergeben. Die bemerkenswerteste dieser Veränderungen
ist die Verteilung wirtschaftlicher,
politischer und militärischer Macht,
Fortschritte in den Bereichen Technik
und Kommunikation, die Verbreitung
der Demokratie und des Konzepts der
freien Marktwirtschaft und das Phänomen Gorbatschow.
Unsere Pläne und
Maßnahmen müssen diesen Veränderungen
im Ausland und auch den wirtschaftlichen und steuerpolitischen Gegebenheiten im Inland angepaßt werden.
Amerikas Führungsspitze hat viele
dieser Veränderungen in die Wege geleitet.
Unsere Unterstützung für
Länder, die unseren Einsatz für Demokratie und die Wahrung der Menschenwürde teilen, war eine treibende
Kraft beim Aufbau der Bedingungen für
Frieden und Wohlstand. Die erneuerte
Tatkraft des westlichen Bündnisses
hat für den weiteren Prozeß Vorbildcharakter und dient als Leitlinie,
und die jetzt von uns in der Sowjetunion und anderen Ländern beobachteten Veränderungen spiegeln zum Teil
Bedingungen wider, zu denen wir beigetragen haben.
Unsere diplomatischen Bemühungen
haben mit Unterstützung der militärischen Stärke zur echten Chance einer
Lösung für einige der dringlichsten
regionalen Konflikte und zu Fortschritten in Fragen der Sicherheit
und Rüstungskontrolle geführt.
Die
Situation stellt uns vor große Möglichkeiten, und die Administration
befindet sich inmitten einer umfassenden Bilanz ihrer nationalen Sicherheit, die dem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld gerecht
werden soll. Diese Bilanz wird die
Integration unserer diplomatischen,
militärischen
und
wirtschaftlichen
Mittel zu einem einheitlichen strategischen Konzept in der amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik sicherstellen.

Unsere
Verteidigungsbestrebungen
und unsere auswärtigen Beziehungen
sind also eng miteinander verknüpft,
und ich möchte kurz darauf eingehen,
wie der Verteidigungshaushalt und die
amerikanische Außenpolitik in verschiedenen Bereichen zusammenhängen:
im Umgang mit der Sowjetunion, der
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
mit Freunden und Verbündeten, Verhandlungen über strategische Waffen
und Rüstungskontrolle sowie Stationierungen oder Manövern im Ausland.

Nichtsowjetische Bedrohung
Obwohl wir kurz vor der Lösung
einiger der beunruhigendsten regionalen Konflikte der letzten Jahre zu
stehen scheinen, besteht in politisch
instabilen Regionen weiterhin ein hohes Konfliktpotential, das in einigen
Fällen noch ansteigt. Bestimmte regionale Militärregime, deren Streitkräfte mit immer moderneren Waffen
ausgerüstet sind, stellen für ihre
unmittelbaren Nachbarn - und in geringerem Maße auch für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten - eine Bedrohung dar.
Für diese regionalen Bedrohungen
lassen sich bedauerlicherweise zahllose Beispiele anführen.
Im Nahen
Osten ist der Irak aus dem Golfkrieg
mit
umfangreicheren,
moderneren
Streitkräften
und
größeren
politischen
Ambitionen
hervorgegangen.
Der Iran bleibt unberechenbar und unterstützt nach wie vor den internationalen Terrorismus. Die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
anderem mit chemischen Gefechtsköpfen
- nach Libyen, Syrien, dem Iran, Irak
und in andere Länder - und die Gefahr
der Weiterverbreitung von Atomwaffen
stellen
eine
zunehmende Bedrohung
dar. Der Frieden bleibt für den Libanon nur ein Hoffnungsschimmer, und
der grundsätzliche Konflikt zwischen
Israelis und Arabern scheint nach wie
vor unlösbar zu sein. In SUdasien
liegt
eine Konfrontation
zwischen
Nachbarstaaten weiterhin im Rahmen
des Möglichen. In Mittelamerika bietet die trotz ermutigender diploma-

- 3-

�tischer Entwicklungen weiterhin bestehende Möglichkeit für subversive
Aktivitäten Kubas und Nicaraguas die eine mögliche Lösung auf diplomatischem Wege erschweren könnten - den
Vereinigten Staaten weiterhin Anlaß
zur Sorge. Anhaltende Konflikte in
Kambodscha, Äthiopien, dem Sudan und
anderen Teilen Afrikas und Asiens
fordern immer noch zahlreiche Menschenleben und festigen regionale Instabilität.
Angesichts
dieser
regionalen
Spannungen benötigen die Vereinigten
Staaten in absehbarer Zukunft die Fähigkeit zur Übertragung militärischer
Macht zum Schutz unserer Interessen
in instabilen Regionen. Unsere militärische Präsenz ist - auch wenn sie
nur begrenzt eingesetzt wird - in
vielen für die Vereinigten Staaten
entscheidenden
Bereichen
letztlich
der Garant für regionale Stabilität.

Sicherheitspolitische Zusammenarbeit
und Lastenverteilung
Für unsere Freunde und Verbündeten wie auch für die internationale
Stabilität ist unsere anhaltende Fähigkeit zur Erfüllung unserer Verteidigungspflichten in Übersee von entscheidender Bedeutung. Unser sicherheitspolitisches Konzept basiert auf
der Vornestationierung amerikanischer
Streitkräfte und auf Programmen für
Sicherheitsleistungen.
Etwa
drei
Viertel dieser vorne stationierten
Streitkräfte stehen der NATO, Japan
und Korea zur Verfügung, wo sie zur
gemeinsamen Verteidigung
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beitragen.
Der amerikanische
Beitrag zur
NATO ist die umfangreichste unserer
militärischen Aktivitäten in Übersee. Die NATO feiert in diesem Jahr
ihr 40jähriges Bestehen, und sie
bleibt unser bester Garant für den
Frieden in Europa. Der NATO-Gipfel
in diesem Monat wird die zentrale
Rolle des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
bekräftigen und darüber hinaus die

vor uns liegenden Herausforderungen
behandeln:
Modernisierung
der
Streitkräfte,
Rüstungskontrollverhandlungen sowie die Notwendigkeit
einer
besseren
Lastenverteilung.
Diese Probleme berühren unsere Haushalt sentScheidungen und umgekehrt und
sowohl unsere NATO-Verbündeten als
auch der Warschauer Pakt werden unsere Aktionen und Absichten genau beobachten. Wir müssen unser Engagement
für die Verteidigung Europas und die
weiterhin
bestehende
Notwendigkeit
für
umfangreiche
vornestationierte
konventionelle und nukleare Streitkräfte der Vereinigten Staaten bekräftigen.
Die Sowjetunion verfügt nach wie
vor über ungeheure militärische Stärke. Als Reaktion darauf müssen wir
sicherstellen, daß unsere Verteidigungsbündnisse die für unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten erforderlichen Streitkräfte aufrechterhalten. Alle von uns beabsichtigten
Veränderungen müssen sorgfältig erwogen werden, auf den bekannten Fähigkeiten unserer Gegner basieren und in
enger Abstimmung mit unsren Verbündeten entwickelt werden.

Lastenverteilung
Wir erarbeiten sowohl in engen
Konsultationen mit unseren europäischen Verbündeten als auch in multilateralen Rüstungskontrollverhandlungen neue Methoden zur Bewältigung des
Problems der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Verteidigung in einem
Zeitalter abnehmender Ressourcen.
Andere Verbündete, wie etwa Japan, haben einen größeren Teil der
gemeinsamen Sicherheitslast übernommen, indem sie mehr Auslandshilfe
leisten. Erwartungsgemäß werden sie
noch mehr tun.
Zusätzliche Hilfe
kann eine wertvolle Rolle bei der
Förderung regionaler Stabilität und
der Sicherheit
friedlicher Länder
spielen.

�ropa zieht.

Strategische und konventionelle
Rüstungskontrolle
In einer Zelt knapper Verteidigungshaushalte
müssen
wir
unsere
Prioritäten bei den Verteidigungsausgaben eingehend analysieren. Die gegenläufigen Erfordernisse von Haushaltskürzungen und der Modernisierung
von Streitkräften werden sich auf alle strategischen und konventionellen
Rüstungsprogramme
der
Vereinigten
Staaten auswirken, und amerikanische
Entscheidungen über Ausgaben und die
Stellung der Streitkräfte werden unsere Fähigkeit zum Aushandeln erfolgreicher RUstungskontrollabkommen beeinflussen.
Wenn wir den Anschein erwecken,
daß wir zur einer Bereitstellung von
Mitteln für die Modernisierung und
Erhaltung
unserer
strategischen
Streitkräfte nicht bereit sind, werden die Sowjets geringere Bereitschaft zu konstruktivem Verhalten
zeigen, wenn wir die START-Verhandlungen
wiederaufnehmen.
Ähnliche
einseitige Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften der Vereinigten Staaten würden lediglich einem bereits großen sowjetischen Vorteil Vorschub leisten und darüber
hinaus unsere Fähigkeit zum Aushandeln von Reduzierungen bei den Wiener
KSE-Gesprächen
einschränken.
Bei
diesen Gesprächen scheinen wir generelle Übereinstimmung über den Umfang
erster Reduzierungen sowie über einige Kategorien des zu reduzierenden
Geräts (Panzer, Artillerie und Schützenpanzer) und Schlüsselfragen der
Verifizierung erzielt zu haben. Des
Warschauer Pakt fordert eine Reduzierung von Flugzeugen. Unseres Erachtens ist das unklug, da solche Begrenzungen weder verifizierbar wären
noch militärisch ins Gewicht fielen,
da Flugzeuge schnell in Konfliktzonen
zurückgebracht werden könnten.
In
enger Abstimmung mit unseren Verbündenten streben wir nach einem Ergebnis, das die Verteidigungsfähigkeit
des Bündnisses erhält und gleichzeitig alle Vorteile aus einer möglicherweise
einmaligen
Gelegenheit
zum Abbau des Konfliktrisikos in Eu-

Sowohl bei den strategischen als
auch bei den konventionellen Waffen
gestatten uns die Modernisierungprogramme erhebliche Einflußnahme bei
den Verhandlungen. Wie das Beispiel
des INF-Vertrages zeigt, kann die bekundete
Modernisierungsabsicht
für
die Erzielung eines lohnenden Abkommens entscheidend sein. Wir müssen
sicherstellen, daß jegliche Veränderungen im Verteidigungshaushalt nicht
unsere Fähigkeit
zu erfolgreichen
Verhandlungen unterminieren.

Stationierungen und gemeinsame
Manöver
Außerhalb des Rahmens unserer
formellen Bündnisse fördert die zeitweise Bereitstellung amerikanischer
Streitkräfte
unsere
Interessen in
vielen Bereichen, in denen wir nicht
permanent militärisch präsent sind.
Damit wird die militärische Zusammenarbeit erweitert und friedlichen Ländern Sicherheit geboten, wie dies etwa im Persischen Golf geschah. Sie
fördert darüber hinaus die Entwicklung gesunder Beziehungen zwischen
den Streitkräften, mit denen unsere
diplomatischen
Bestrebungen
sowie
Einfluß und Prestige der Vereinigten
Staaten gefördert werden.
Weniger
zeitweise Stationierungen oder gemeinsame Manöver könnten zusammen mit
zurückgehenden Mitteln bei den Hilfsprogrammen den amerikanischen Einfluß
in vielen Teilen der Welt schmälern,
in denen wir keine Bündnisse haben
oder permanent militärisch sind.
Wie Außenminister Baker in seiner
Anhörung vor dem Senat im Amt erklärte, kann mit einer realisitischen
Führungsrolle der Vereinigten Staaten
die Gelegenheit genutzt werden, in
ein friedlicheres und glücklicheres
Zeitalter überzugleiten. Ein umfangreiches Programm liegt vor uns. Angesichts der Beschränkungen im Haushalt müssen wir herausfinden, wie unsere politische und militärische Effektivität bei gleichzeitigen notwendigen Anpassungen unserer Regierungs-

- 5 -

�ausgaben beibehalten werden kann.
Zur Gewährleistung des anhaltenden
Wachstums und der Sicherheit der Vereinigten Staaten wie auch der ganzen
Welt müssen wir bereit sein, eine
starke diplomatische, wirtschaftliche
und militärische Präsenz in denjenigen Teilen der Welt aufrechtzuerhalten oder aufzubauen, in denen wir
wichtige Interessen haben. Wir sind
der Überzeugung, daß durch die gemeinsamen Anstrengungen des Kongresses und der Administration die Verwirklichung dieses wichtigen Ziels
sichergestellt wird.

* * * * * *

�reo ST&gt;

^7

"*"

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^&lt;

17. Mai 1989

20

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 11. Mai 1989
von US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Arnerikaniseh- sowjeti sehes Treffen
führt zur Wiederaufnahme ßer
Gespräche
Bei Beendigung der Treffen vom
10. und 11. Mai 1989 mit seinem Amtskollegen Schewardnadse erklärte Aussenminister Baker, "wir haben uns auf
eine Wiederaufnahem der Rüstungskontrollverhandlungen in vollem Umfang geeinigt".
Baker zufolge würden die Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zwischen
dem 12. und 19. Juni in Genf wiederaufgenommen, wobei "ein genauer Termin auf diplomatischem Wege festgesetzt wird".
Der Ständige Konsultativausschuß
(SCC) wird sein Treffen Mitte Juni
fortsetzen, erklärte Baker, um Themen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

im Zusammenhang mit dem ABM-Vertrag
aus dem Jahr 1972 sowie der damit
verbundenen Verifizierung und Einhaltung des Vertrags zu erörtern.
Baker stellte ferner fest, daß
die Gespräche über ein Verbot von
Atomversuchen am 26. Juni 1989 in
Genf wiederaufgenommen würden.
"Am Rande der Genfer Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen werden wir im nächsten Monat bilaterale
Gespräche über chemische Waffen führen", erklärte Baker.
Die amerikanischen
und sowjetischen Regierungsvertreter sprachen
ferner über die konventionellen Rüstungskontrollverhandlungen
in Wien
sowie über vertrauensbildende Maßnahmen.

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�Sie kamen überein, "das Rüstungskontrollprogramm zu erweitern und dem
Problem chemischer Waffen und der
Verbreitung von Raketen größere Aufmerksamkeit zu widmen", stellte Baker
fest.

SNF-Diskussion beherrscht Rüstungsfcontro^ldialog
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse brachte im Verlauf seiner Gespräche mit Außenminister Baker
in Moskau das Thema der Modernisierung der Lance-Raketen sowie Verhandlungen über einen Abbau solcher Waffen zur Sprache.
Bei
Beendigung
der
Gespräche
stellte Baker fest, das NATO-Bündnis
"ist im Hinblick auf die Anzahl der
gegenwärtig stationierten taktischen
atomaren Kurzstreckensysteme ins Hintertreffen geraten".
Baker zufolge
haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion aufgefordert, "ihre atomaren Kurzstreckenwaffen abzubauen, um
das Ungleichgewicht geradezurücken.
Und unserer Meinung nach sollte dies
geschehen, bevor wir überhaupt die
Frage von Verhandlungen anschneiden."
Dem vorausgegangen war ein am 5.
Mai zwischen Präsident Bush und Bundeskanzler Kohl begonnener transatlantischer Dialog.
Im Anschluß an
ihre erste private Unterredung erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, infolge der
Gespräche verstünden die beiden Regierungschefs die jeweilige Position
etwas besser und fügte hinzu, "wir
freuen uns immer über ein Ausloten
von Mitteln und Wegen, mit denen die
Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den Bündnispartnern über die Modernisierung und die Frage von Verhandlungen überbrückt werden können".
Die Vereinigten Staaten suchen
"einen Punkt, an dem in etwa ein
Gleichgewicht bei der Kräfteverteilung und Streitkräftestruktur des
Warschauer
Pakts
und
der
NATO
herrscht, bevor sie das Thema SNF anschneiden", stellte Fitzwater fest.
Jedes Gespräch, das zu "einer Entnu-

klearisierung Europas führen würde,
wäre nicht begrüßenswert", fügte er
hinzu.
Im Anschluß an die Gespräche zwischen Bush und Kohl gab die Bundesrepublik bekannt, daß Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg die Vereinigten Staaten vom 17. - 19. Mai zu
weiteren SNF-Gesprächen mit seinem
Amtskollegen Cheney besuchen und Aussenminister Genscher nach Großbritannien reisen werde.
Das Thema SNF löst in Washington
weiterhin heftige Kontroversen aus,
und der Vorsitzende des Unterausschusses des Repräsentantenhauses für
Europa und den Nahen Osten, Lee
Hamilton, erklärte, seiner Ansicht
nach könnten die Vereinigten Staaten
ihre Position nicht aufrechterhalten,
Verhandlungen über SNF abzulehnen.
Hamilton zufolge sollten die Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle und SNF aneinander gekoppelt
werden und die Vereinigten Staaten
sollten ihre ablehnende Haltung zu
SNF-Verhandlungen aufgeben, wenn "wir
zu Verhandlungen über alles andere
bereit sind:
wir verhandeln über
atomare Langstreckensysteme, wir verhandeln über Mittelstreckensysteme,
aber wir sind nicht bereit, über
Kurzstreckensysteme zu verhandeln meiner Meinung nach können wir diese
Position nicht aufrechterhalten."
In der NBC-Fernsehsendung "Meet
the Press" betonte Hamilton, die Stationierung der SNF sei für die Glaubwürdigkeit der Abschreckungsstrategie
der NATO unabdingbar.
"Meiner Ansicht nach kann man das von der Regierung vorgebrachte Argument nicht
von der Hand weisen, man unternehme
eine Gratwanderung zum vollständigen
Abbau aller Waffensysteme, wenn man
Verhandlungen über diese Waffensysteme aufnimmt. Angesichts der sowjetischen Überlegenheit bei den konventionellen Waffen sind wir dagegen.
Die Administration ist meiner Ansicht
nach gut beraten, wenn sie Vorsicht
walten läßt.
Auf die Frage, ob die Vereinigten
Staaten überhaupt nicht zu Verhand-

�lungen bereit seien, antwortete Verteidigungsmnister Cheney am 7. Mai,
"zum jetzigen Zeitpunkt nicht ... im
Augenblick sollte das Schlüsselelement der Rüstungskontrolle in Europa
im Abbau der konventionellen Streitkräfte bestehen; die Sowjets haben
einen überwältigenden Vorsprung im
konventionellen Bereich, und wir haben in Wien einen Vorschlag unterbreitet (ebenso wie die Sowjets) ...
demzufolge die atomaren Kurstreckensysteme jetzt nicht im Mittelpunkt
stehen sollten".
In einem Interview der ABC-Nachrichtensendung "This Week With David
Brinkley" erklärte Cheney, Atomwaffen
seien für Europa wichtig, weil "sie
gegen die konventionellen und nicht
gegen die nuklearen Fähigkeiten der
Sowjets gerichtet sind. Solange das
Ungleichgewicht fortbesteht, benötigen wir diese Atomwaffen."
Ein ehemaliger Rüstungskontrollberater der Reagan-Administration erklärte, seiner Ansicht nach könne
keine Bundesregierung der Modernisierung der veralteten Lance-Rakete oder
Verhandlungen mit den Sowjets über
SNF irgendwelcher Art zustimmen. In
dem gemeinsamen Interview mit Cheney
erklärte
Botschafter
Paul Nitze,
"Dieses Thema ist geeignet, die Bundesrepublik und die NATO in zwei Lager zu spalten."
Er verwies auf die bereits von
Bundeskanzler Kohl abgegebene Erklärung, er wolle durch Verhandlungen
nicht alle SNF abschaffen - eine Meinung, die seiner Ansicht nach von der
Mehrheit
der Bundesbürger geteilt
wird. Nitze zufolge sollten die beiden Bündnisse gleiche Obergrenzen für
SNF anstreben.
"Ich bin nicht sicher, ob die Sowjets dem zustimmen
werden, aber wir sollten es zumindest
versuchen", drängte er.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, wurde in derselben Sendung
wie Nitze interviewt und erklärte,
die Beseitigung aller SNF "ist inakzeptabel."
Dies
sollte
vielmehr
durch "Mandatsgespräche" als durch

Verhandlungen über SNF vermieden werden. "Damit erhält man eine Feuerpause zwischen den Mandatsgesprächen
und den SNF-Verhandlungen an sich",
fügte er hinzu.
Er erklärte, er hege "gewisse
Sympathie" für die von der Bush-Administration vertretene Ansicht, einmal
begonnene SNF-Gespräche "lösen einen
Erdrutsch aus und am Ende haben wir
eine dritte Null-Lösung (die Beseitigung aller landgestützten Atomwaffen)
und diese Gespräche werden am Ende
weit über die konventionellen Abrüstungsgepräche hinausgehen. Für die
Vereinigten Staaten wäre das die
schlechteste aller möglichen Lösungen."

Keine Veränderung bei der Politik
der Vereinigten Staaten zur Truppenpräsenz in Europa
Der Widerstand der NATO-Mitgliedstaaten gegen die Modernisierug von
SNF hat die Diskussionen im amerikanischen Kongreß über einen möglichen
Truppenabzug aus Europa angeheizt,
das Weiße Haus hat jedoch betont, die
Regierung halte an der bisherigen Politik fest.
Die SNF sind "Bestandteil der
flexiblen Reaktion und Teil der Strategie, die hinter unserer Truppenpräsenz in Europa steht", erklärte der
Sprecher des Weißen Hauses am 9. Mai
1989. "Im Augenblick besteht keinerlei Absicht zu einem Kurswechsel in
dieser Politik."
Verteidigungsminister Cheney betonte am 7. Mai, "wir können uns keine Umstände vorsteilen, unter denen
wir amerikanische Truppen in Westeuropa stationiert haben würden und
nicht gleichzeitig einen beträchtlichen Anteil der aus atomaren Kurzstreckensystemen
bestehenden
Abschreckung aufrechterhalten würden.
Das ist eine Tatsache."
In einem Leserbrief in der Ausgabe der New York Times vom 10. Mai
1989 erklärte der Verteidigungsminister, "Nachdem wir 40 Jahre lang

- 3 -

�zur Abschreckung eines Krieges beigetragen
haben,
beabsichtigen
wir
nicht, irgendetwas zu tun, das die
NATO schwächen könnte. Wir haben die
Absicht, unser weltweites Engagement
aufrechtzuerhalten und sind dabei vom
Konzept der Stärke und Wachsamkeit
geleitet, das bisher gewährleistet
hat, daß der Kalte Krieg kalt bleibt."

die Aufmerksamkeit von den Wiener
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) abzulenken. Er betonte, es bestünden größere Chancen als je zuvor, "um herauszufinden, ob wir ein Abkommen über
konventionelle
Rüstungen
erzielen
können".

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, unterbreitete am 7. Mai
jedoch den Vorschlag, die Vereinigten
Staaten könnten "zwar nicht in diesem
Jahr, aber in den kommenden Jahren"
ihre Truppen aus der Bundesrepublik
abziehen, wenn sie sich weigern würde, der Stationierung von SNF auf ihrem Gebiet zuzustimmen.
"Wenn der
Wunsch nach einer dritten Null-Lösung
- der Beseitigung aller Atomwaffen besteht, dann rückt das Thema "keine
Atomwaffen, keine Truppen" wieder in
den Vordergrund", erklärte er.

Reduzierungen im strategischen
Bereich bleiben P~riorität~~bei der
Rüstungskontrolle

Lehman will konventionelle Rüstungsgespräche_ voranbringen
Am 10. Mai 1989 erteilte der Auswärtige Ausschuß des Senats seine Zustimmung zur Nominierung von Botschafter Ronald Lehman als designiertem Direktor der amerikanischen RUstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
(ACDA).
Die Bestätigung durch den
Senat steht noch aus.
In seiner Anhörung vor dem Senat
erklärte Lehman am 5. Mai, die Verhandlungen über strategische und konventionelle Rüstungen stünden für ihn
nach seiner Bestätigung durch den Senat an erster Stelle.
Auf die Frage, ob ein START-Vertrag seiner Ansicht nach noch vor Ende des Jahres unterzeichnet werden
könnte, erklärte Lehman, angesichts
der Verifizierungsprobleme reiche die
Zeit bis Ende des Jahres 1989 wohl
nicht aus, um ein Abkommen zu erzielen.
Lehman erklärte ferner, sollte
sich die NATO mehr mit Kurzstreckensystemen befassen, liefe sie Gefahr,

Der neue ChefUnterhändler für
Kern- und Weltraumwaffen erklärte am
5. Mai vor dem Senat, dem Abschluß
eines START-Vertrages, komme "in der
Rüstungskontrolle erste Priorität" zu.
Vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats
bezeichnete
Botschafter
Richard Burt dies als vordringlichen
Punkt, da die Sowjetunion "das einzige Land der Welt ist, das über die
Kapazitäten verfügt, um dieses Land,
seine Menschen und seine Werte zu
zerstören".
Bei der Anhörung vor dem Senat
warnte Burt - der Außenminister Baker
zu seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse
am 10. und 11. Mai nach Moskau begleitet hatte, um einen Termin zur
Wiederaufnahme der Gespräche im Juni
auszuhandeln - davor, daß die Lösung
der schwierigsten Fragen bei START
noch bevorstünde, wie etwa mobile Raketen, Verifizierung und die Verfahrensweisen bei den luft- und seegestützten Marschflugkörpern.
Burt bestand darauf, daß Bestrebungen zum Abschluß eines START-Vertrages ohne Einbeziehung von Einschränkungen der Strategischen Verteidigungsinitiative zur Raketenabwehr (SDI) erfolgen müssen. Ein solcher Vertrag "muß unsere Optionen zur
Entwicklung und Stationierung einer
strategischen Verteidigung schützen".
Der Ausschuß vertagte am 10. Mai
die Abstimmung über Burts Nominierung
auf Wunsch des Abgeordneten des republikanischen Abgeordneten Jesse Helms.

- 4 -

�"Grundsätzliche" Unterstützung von
Sanktionen bei chemischen Waffen
Der Abteilungsleiter für militärpolitische Angelegenheiten im Außenministerium, H. Allen Holmes, erklärte am 4. Mai gegenüber dem Kongreß,
die Bush-Administration sei "grundsätzlich" bereit, gesetzliche Sanktionen gegen Länder zu unterstützen,
die chemische Waffen einsetzen oder
ihrer Weiterverbreitung Vorschub leisten.
Er bestand jedoch darauf, daß jeder neue Gesetzentwurf "der Exekutive
vorgelegt werden muß und es keine automatische Reaktion oder rückwirkende
Anwendung" geben dürfe.
Holmes erklärte, die Vereinigten
Staaten ermutigten ihre Verbündeten
"zur Verstärkung der Exportkontrollen" und hätten auf diplomatischem
Wege versucht, Libyen vom Erwerb der
Fähigkeit zur Herstellung chemischer
Waffen abzuhalten.
"Obwohl wir nicht für uns in Anspruch nehmen können, den Handel mit
Material und Technologie für chemische Waffen unterbunden zu haben, haben wir es einzelnen Ländern doch erheblich erschwert, die Fähigkeit zur
Herstellung chemischer Waffen zu beschaffen oder zu erweitern", erklärte
Holmes.
Holmes verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten in Genf weiterhin um die Aushandlung eines weltweiten Verbots chemischer Waffen bestrebt sein werden.

* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Mai 1989

20

STREITFRAGE "KALTE KERNFUSION"
- Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch
und seinen Resultaten -

WASHINGTON - (AD) - Forscher in aller Welt sind dabei, die Experimente der
Chemiker Stanley Pons (Universität Utah, USA) und Martin Fleischmann (Universität Southampton, England) auf der Basis der bisher erhaltenen Informationen
zu wiederholen. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich, offenbar auch die
Meßmethoden und Meßgeräte. Der Schlußfolgerung der beiden als Elektrochemiker
durchaus respektierten Wissenschaftler, mit einem Palladiumstab als Kathode
und einer um diesen plazierten Platinspirale als Anode in einem Gefäß mit
schwerem Wasser bei Raumtemperatur, ohne zusätzlichen Druck und nur mit Strom
aus einer Autobatterie, eine kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion unter
Energiegewinn erzielt zu haben, begegnet die Mehrheit der Experten mit wachsender Skepsis.
Pons und Fleischmann erläuterten
ihre Beobachtung des vierfachen Energiegewinns (in Form von Wärme) mit
einer durch elektrochemische Vorgänge
vorbereiteten, dann im Kristallgitter
des Palladiumstabes zustandegekommenen Verschmelzung
von Deuteronen,
d.h. von Kernen des schweren Wasserstoffs
Deuterium.
Wassermoleküle
werden unter Stromeinwirkung zersetzt
und in Sauerstoff- und Wasserstoffionen aufgespalten. Dabei spielt es
keine Rolle ob es sich um lechtes
Wasser (H2O) oder schweres Wasser
(D2O) handelt.
Die elektrisch positiven Ionen - im ersten Fall Protonen (Kerne des normalen Wasserstoffs
H), im zweiten Fall Deuteronen (Kerne
des schweren Wasserstoffs D, bestehend aus einem Proton und einem Neutron) - wandern zum elektrisch nega-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tiven Pol, der Kathode. Das Halbedelmetall Palladium ist für Wasserstoff besonders stark aufnahmefähig.
Die beiden Chemiker vermuten, daß die
bei
Stromfluß
in das
PalladiumKristallgitter einsickernden Deuteronen nach gewisser Zeit so dicht darin
"gepackt" sind, daß die gegenseitige
Abstoßung der Teilchen gleicher elektrischer Ladung überwunden wird und
es zur Kernverschmelzungen kommt.
Dabei wird Energie frei - aber nach
Meinung der Nuk!earphysiker geht die
Rechnung
mit
den
von
Pons und
Fleischmann ermittelten Umsetzungsdaten nicht auf. Ein sehr wichtiger
und bekannter Faktor fehle - nämlich
Gammastrahlung oder ein dichter Strom
freigesetzter Neutronen.
Vor

einem

Ausschuß

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des

ameri-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kanischen
Kongresses
bezeichnete
Fleischmann am 26. April 1989 das Experiment, über das er und Pons am 23.
März auf einer Pressekonferenz in
Salt Lake City zum ersten Mal berichtet hatten, als eine Form von Fusion,
die der Wissenschaft zuvor unbekannt
gewesen sei.
Sein Kollege und er
hätten jahrelang mit bestimmten Materialien und chemischen Reaktionen im
elektrischen
Feld
experimentiert.
Was sie jetzt erreicht hätten, sei
"kein Schuß ins Blaue" gewesen, sondern basiere auf logischen Überlegungen zu der Fragestellung, was unter
gegebenen Bedingungen geschehen werde. "Natürlich müssen jetzt die theoretischen Überlegungen und Hypothesen verbessert werden ... und diese
Forschung ist eindeutig Sache der
ganzen wissenschaftlichen Welt", sagte Fleischmann.
Angesichts des wachsenden weltweiten Interesses an "kalter Kernverschmelzung" wies das amerikanische
Energieministerium ungeachtet der gegenwärtigen Unklarheiten seine nationalen Laboratorien an, Forschungen zu
verstärken, die zum Verständnis des
Phänomens führen könnten. Energieminister James D. Watkins möchte alle
Möglichkeiten sondiert wissen, die
vielleicht
zur Erschließung einer
neuen Energiequelle führen könnten.
Er verwies jedoch darauf, daß der
Prozeß, der bei den Experimenten zu
der berichteten Freisetzung von Wärme
geführt habe, bisher nicht bekannt
sei - ob es sich nun um einen nuklearen, chemischen, mechanischen oder
anderen Vorgang gehandelt habe. Das
Parlament des amerikanischen Bundesstaates Utah bewilligte inzwischen
fünf Millionen Dollar zur Durchführung weiterer Experimente.
(Bisher
waren von den beiden Wissenschaftlern
ca. 100 000 Dollar dafür aufgewandt
worden.) Unter der Leitung von James
Fletcher, der kürzlich als Chef des
US-Amtes
für
Luft- und
Raumfahrt
(NASA) zurücktrat, sollen die Studien
für das Projekt von Utah aufgeteilt
und die Gelder an Universitäten und
Privatunternehmen vergeben werden.

Kernfusion ist der Prozeß im Innern der Sterne, also auch in unserer
Sonne, bei dem mehr Energie freigesetzt als verbraucht wird. Er wird,
ließe er sich technisch nutzen, als
ideal angesehen, weil dabei relativ
wenig radioaktiver Abfall entsteht.
Und der Brennstoff, schweres Wasser,
wäre in großen Mengen billig aus
Meerwasser zu gewinnen.
Im nicht
kontrollierten Ablauf
besitzt der
Prozeß ein ungeheures Zerstörungspotential
(z.B.
Wasserstoffbombe).
Seit Mitte der fünfziger Jahre beraühen sich Forscher in der ganzen Welt
darum,
eine
kontrollierte,
sich
selbst
erhaltende
Wasserstoff-Fusionsreaktion
zustandezubringen.
Dies aber war bisher nur bei sehr hohen Temperaturen mit mehreren Millionen Grad für sehr kurze Zeit möglich,
und reichte nicht aus, um wenigstens
bis zum "break-even point", d.h. zum
Gleichgewicht
zwischen
Energieverbrauch und Energiegewinn, zu gelangen. In letzter Zeit konzentrierten
sich in den USA viele Hoffnungen auf
die
mit
Magnetkräften
arbeitende
"Compact Ignition Tokamak"-Maschine,
die an der Universität Princeton errichtet werden soll, und auf die
"Nova"-Maschine am Lawrence Livermore
National Laboratory, wo mit enorm hoher Laser-Energie Deuterium in winzigen Kügelchen zum Verschmelzen gebracht wird.
Die Experimente von Pons und
Fleischmann
wurden
inzwischen
in
zahlreichen Instituten der Vereinigten Staaten sowie von Wissenschaftlern in Italien, in der Sowjetunion,
in Ungarn, Indien, Brasilien und in
der Bundesrepublik Deutschland teilweise oder ganz nachvollzogen. Aber
nur ganz selten fand man ähnliche Ergebnisse, die dann häufig nicht wiederholbar waren. Die meisten amerikanischen und europäischen Forschergruppen sind nicht überzeugt, daß es
sich bei dem in Utah beobachteten
Phänomen
um
Kernfusion
handelte.
Pons und Fleischmann berufen sich jedoch darauf, nicht nur die Freisetzung von Wärme, sondern auch von Neutronen sowie die Bildung von Tritium

v

i
*

�und Helium festgestellt zu haben also von erwarteten Nebenprodukten
der
Kernverschmelzungsreaktionen.
Auch sei der "break-even point" überwunden worden.
Die Reaktion habe
mehr Energie erbracht als verbraucht.
Pons und Fleischmann erklärten
ferner, nach dem von ihnen angewandten Prinzip könnten Großanlagen zur
Erzeugung von Wärme und Strom gebaut
werden. Das würde bedeuten, daß saubere, billige Energie praktisch unbegrenzt verfügbar wäre. Ein einziges
Gramm Deuterium setze so viel Energie
frei wie in ca. 9500 Litern Benzin
enthalten sei. Allerdings müsse, so
Fleischmann, zum Verständnis der Vorgänge weiter an den wissenschaftlichen
Grundlagen
gearbeitet
und
außerdem der Wert des Verfahrens für
die Energieökonomie gründlich untersucht werden.
Eine Forschergruppe an der Stanford-Universität (Kalifornien) unter
Leitung von Prof Robert A. Huggins
(Werkstoffwissenschaftler) berichtete
am 18. April, den Fusionstest erstmals in einem Experiment mit exakten
Kontrollbedingungen durchgeführt zu
haben. Man habe zwei Versuchsreihen
nebeneinander laufen lassen, wobei
einige
Palladium-Platin-Zellen
mit
schwerem Wasser, andere mit normalem
(leichtem) Wasser gefüllt waren. Ergebnis: Die Schwerwasser-Version erbrachte 50 Prozent mehr Wärmeenergie,
als verbraucht wurde, die Leichtwasser-Version brachte dagegen keinen
Wärmeüberschuß. Dies wurde als Anzeichen für eine nukleare, nicht für
eine chemische Reaktion verstanden,
da alle denkbaren chemischen Reaktionen in Verbindung mit leichtem Wasser
genauso
ablaufen
müßten wie mit
schwerem Wasser.
George Chapline,
Physiker am Lawrence Livermore National Laboratory, meinte dazu jedoch,
das Experiment der Stanford-Gruppe
beweise "nicht zwangsläufig", daß die
Wärmeentwicklung auf nukleare Reaktionen zurückzuführen sei.

giert, ebenfalls Neutronen aus einer
"kalten Kernfusion" im Labor beobachtet zu haben. Ihren ersten Angaben
hätten
Meßfehler
zugrundegelegen,
sagten beispielsweise Forscher am
Georgia
Institute
of
Technology.
Professor
Ronald
Ballinger
vom
Massachusetts Institute of Technology
(MIT) in Cambridge berichtete dem
Kongreßausschuß, daß seines Wissens
keine Forschergruppe - vielleicht mit
Ausnahme der Stanford-Universität die experimentellen Ergebnisse, die
an der Universität Utah erzielt wurden, habe nachvollziehen können. Am
MIT sei bisher keines der Ergebnisse
bestätigt worden "ungeachtet der Tatsache, daß wir ... sehr viel genauere
und empfindlichere Strahlenmeßmethoden anwenden als die Universität
Utah". Ihm und den anderen Gruppen
fehlten
ohnehin
genügend
wissenschaftliche Details der Utah-Versuche, die garantieren, "daß wir die
Experimente
tatsächlich
genauso
durchführen".
Fleischmann bezeichnete es als
Zeitvergeudung anderer Forschergruppen, nach großen Mengen von Neutronen
und anderen herkömmlichen Begleitproduktion einer Kernfusion zu suchen.
Vielmehr sei man an der Universität
Utah auf eine bislang unbekannte Art
von Kernfusion gestoßen, die als ungewöhnliches
Nebenprodukt
Helium-4
freisetze, dazu sehr viel Wärme und
einige andere Produkte.

Forscher aus anderer Institutionen haben inzwischen Aussagen korri- 3 -

�</text>
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Ä&lt;

24. Mai 1989

21
I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush:

Vereinigte Staaten begrüßen Entstehung eines Vereinten Europas

- Rede an der Boston University -

Bush "wäre erfreut" über ein wiedervereinigtes Deutschland
- Interview des Präsidenten mit der Washington Times -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

COCOM und der Ost-West-Dialog
- Von Botschafter Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Umweltschäden aus dem Weltraum kartiert
- Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig -

Satellitenbrücke für medizinische Problemfälle
- USA richten Direktverbindung nach Armenien ein -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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\os

Dokumentation

^

21

24. Mai 1989

BUSH:

VEREINIGTE STAATEN BEGRÜSSEN ENTSTEHUNG EINES VEREINTEN EUROPAS
- Rede an der Boston Unlverslty -

BOSTON - (AD) - In Gegenwart des französischen Präsidenten Mitterrand hat
Präsident Bush am 21. Mai 1989 im Rahmen einer Abschlußfeier an der Boston
University erklärt, die Vereinigten Staaten begrüßten "die Entstehung Europas
als Partner bei der Führung der Welt" und seien bereit, gemeinsam "neue Konsultations- und Kooperationsmechanismen zu politischen und globalen Problemen"
zu entwickeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Als Absolventen der Boston University nehmen Sie das Diplom einer
großen
Institution
und noch etwas
mehr mit sich - das Wissen um die
Vergangenheit und Verantwortung für
die Zukunft. Schauen Sie sich unsere
Welt an.
Die Staaten unterliegen
solch
radikalen Veränderungen, daß
sich das internationale System, wie
sie es im nächsten Jahrhundert vorfinden werden, von dem heutigen so
sehr unterscheiden wird, wie die heutige
Welt
von der Zeit
Woodrow
Wilsons.
Wie werden sich die Vereinigten Staaten auf die vor ihnen
liegenden
Herausforderungen
vorbereiten?
Gerade im Hinblick auf Ihre Zukunft und nach Diskussionen und Bestandsaufnahmen
richten wir unsere
Außenpolitik darauf aus, diese Zeit
außergewöhnlicher
Veränderungen und

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Chancen zu bewältigen. Ich habe ausgeführt, wie diese Administration Reformen in Osteuropa fördern wird und
wie wir mit unseren Freunden in Lateinamerika zusammenarbeiten werden.
In Texas habe ich zu einer anderen
Gruppe
von
Universitätsabsolventen
über unsere neue Haltung zur Sowjetunion gesprochen, die über eine Politik der Eindämmung hinausgeht, um zu
versuchen, die Sowjets in die internationale Staatengemeinschaft zu integrieren und ihnen zu helfen, die
Früchte
internationaler
Zusammenarbeit zu ernten.
Heute möchte ich mich jedoch der
Zukunft Europas widmen, jener Mutter
der Nationen und Ideen, die so sehr
ein Bestandteil Amerikas ist. Es ist
diesem
Anlaß
angemessen,
daß ich
dieses Forum mit einem besonderen
Freund Amerikas teile - Präsident

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�Mitterrand, Sie stehen beim amerikanischen Volk in besonderem Ansehen.
Ich erinnere mich gut an unser Treffen in Yorktown im Jahr 1981 aus Anlaß des 200. Jahrestages des ersten
französisch-amerikanischen Kampfs für
die Freiheit. Schon bald werde ich
in Paris mit Ihnen zusammenkommen, um
den 200. Jahrestag des französischen
Kampfs für Freiheit und Gleichheit zu
begehen.
Dies ist nur ein Beispiel für das
besondere Band zwischen unseren beiden Kontinenten. Sehen Sie sich nur
diese Stadt an. Von der alten Old
North Church bis zu Paul Reveres Heim
im Herzen des italienisch geprägten
Nordteils der Stadt und unseren berühmten,
gesangserfüllten
irischen
Kneipen - die alte und die neue Welt
sind in Boston untrennbar miteinander
verbunden.
Aber wenn wir auf die
Tradition der alten Welt zurückschauen, müssen wir auch den Blick nach
vorn auf das neue Europa richten.
Historische Veränderungen werden Ihren Werdegang und ihr Leben prägen.
Die sich in Westeuropa vollziehenden Veränderungen
sind weniger
dramatisch als diejenigen, die im
Osten stattfinden, aber sie sind deshalb nicht weniger grundlegend. Die
Nachkriegsordnung, die im Jahr 1945
ihren Ausgangspunkt
hatte, erhält
einen völlig neuen Charakter. Zwar
bleiben gewisse Grundzüge bestehen,
da unser Bündnis mit Westeuropa von
jenen zynischen Mächteallianzen der
Vergangenheit
gänzlich
verschieden
ist. Es gründet sich auf weit mehr
als die Wahrnehmung eines gemeinsamen
Gegners. Es gründet sich auf Bande
der Kultur, Blutsverwandtschaft und
gemeinsamer Werte. Während wir den
Blick auf das 21. Jahrhundert richten, sollten Amerikaner und Europäer
sich gemeinsam der Worte von Raymond
Aron erinnern, der das Bündnis als
"moralische
und
geistige
Gemeinschaft" bezeichnete.
Unsere Ideale
entsprechen denen der amerikanischen
Bill of Rights und der französischen
Erklärung der Menschenrechte.
Und
gerade weil die Ideale dieser Gemeinschaft einen solch universellen Charakter besitzen, befindet sich die

Welt heute im Umbruch.
Ein neues Jahrhundert bietet heute die Aussicht auf ein vereintes
Europa.
Wie Sie wissen, befinden
sich die Staaten Westeuropas bereits
auf dem Weg zu verstärkter wirtschaftlicher Integration mit dem ehrgeizigen Ziel, bis zum Jahr 1992
einen europäischen
Binnenmarkt zu
schaffen.
Die Vereinigten Staaten
haben häufig erklärt, sie strebten
nach der Überwindung alter Feindschaften, einer Integration Europas.
Gleichzeitig hatten einige Amerikaner
ein historisch zwiespältiges Verhältnis gegenüber einem geeinteren Europa.
Zu dieser Ambivalenz gesellte
sich Besorgnis im Hinblick auf die
Aussicht des europäischen Binnenmarkts im Jahr 1992. Aber was andere
auch immer denken mögen, diese Administration ist sich einig. Unserer
Überzeugung
zufolge
bedeutet
ein
starkes, vereintes Europa ein starkes
Amerika.
Das Bruttoinlandsprodukt Westeuropas ist etwa ebenso hoch wie das
unsere, und seine Bevölkerungszahl
übertrifft die unserige. Auf vielen
Gebieten nimmt die europäische Wissenschaft
weltweit
eine
führende
Stellung ein, Bildungs- und Ausbildungsniveau der europäischen Arbeitnehmer sind sehr hoch.
Die Vereinigten Staaten begrüßen
die Entstehung Europas als Partner
bei der Führung der Welt. Wir sind
bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten neue
Konsultations- und Kooperationsmechanismen zu politischen und globalen
Problemen zu entwickeln, von der
Stärkung der demokratischen Kräfte in
der Dritten Welt bis zur Bewältigung
regionaler Spannungen und Überwindung
der Teilung Europas. Ein wiederaufstrebendes Westeuropa besitzt wirtschaftliche Magnetkraft
und zieht
Osteuropa
enger
zur
Gemeinschaft
freier Nationen hin.
Eine reifere Partnerschaft mit
Westeuropa wird neue Herausforderungen an uns stellen. Sicherlich wird
es zu Auseinandersetzungen und Kon-

- 2 -

�troversen über wirtschaftliche Fragen
kommen. Die Vereinigten Staaten werden selbstverständlich
ihre Wirtschaftsinteressen
verteidigen.
Es
ist jedoch wichtig, Gegner von Verbündeten und Verbündete von Gegnern
zu unterscheiden. Welch eine Tragödie - wie absurd - wäre es, wenn
künftige Historiker den Zerfall des
Bündnisses auf Streitigkeiten über
Hormone in Rindfleisch und Kriege
über Teigwaren zurückführen würden.
Wir müssen uns alle energisch dafür
einsetzen, daß das Europa des Jahres
1992 die niedrigeren Schranken der
modernen Weltwirtschaft annehmen wird
und nicht die hohen Wälle und Wassergräben des mittelalterlichen Handels.
Letztlich beruhen unsere Hoffnungen für die Zukunft jedoch auf der
Bewahrung des Friedens in Europa.
Vor 42 Jahren hielt Außenminister
George Marshall auf der anderen Seite
des Charles River bei einer Abschlußfeier eine Ansprache, in der er einen
Plan für den Wiederaufbau Europas erläuterte. Westeuropa hat darauf heldenhaft reagiert und später zusammen
mit uns eine Partnerschaft zur gerne insaqmen Verteidigung begründet
einen Schild, den wir als NATO bezeichnen. Dieses Bündnis ist stets
von einer angeregten Debatte über den
besten Weg zur Erlangung friedlichen
Wandels geleitet worden. Die tiefere
Wahrheit besteht jedoch darin, daß
das Bündnis einen historischen Frieden erzielt hat, weil es gemeinsam
ein grundsätzliches Ziel verfolgt.
Hinder dem Schild der NATO hat Europa
bis heute 40 Jahre ohne Konflikt erlebt, die längste Friedensperiode,
die dieser Kontinent je gekannt hat.
Hinter diesem Schild sind die Staaten
Westeuropas von Not zu Wohlstand aufgestiegen - all das aufgrund der
Stärke und Entschlossenheit freier
Völker.
Da Westeuropa sich nunmehr zusammenschließt, erkennen wir, daß neue
Formen der Zusammenarbeit entwickelt
werden müssen. Wir begrüßen die sich
herauskristallisierende
Verteidigungszusammenarbeit in der neu belebten Westeuropäischen
Union, deren
Mitglieder mit uns bei der Offenhal-

tung der Seewege im Persischen Golf
zusammengearbeitet haben.
Wir begrüßen die wachsende militärische Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Wir
begrüßen britische und französische
Programme zur Modernisierung ihrer
Abschreckungsfähigkeit
und
ihre
Schritte zu mehr Zusammenarbeit in
diesem Bereich.
Es ist nur billig
und recht, daß die Europäer ihre Verteidigungszusammenarbeit
zunehmend
als Investititon in eine sichere Zukunft betrachten. Wir jedoch haben
ein wichtiges Anliegen anderer Natur
im Auge - eine wachsende Selbstgefälligkeit im gesamten Westen.
Sicherlich kann kaum erwartet
werden, daß Ihre Generation die Ängste der Vergangenheit teilt.
Nach
einer solch langen Friedensperiode
ist es schwer vorstellbar, daß es
auch anders sein könnte. Unsere Erwartungen in dieser sich rasch verändernden Welt können jedoch nicht so
weit vorauseilen, daß wir vergessen,
was auf dem Spiel steht. Eine gewisse Ironie ist nicht von der Hand zu
weisen. Während die Grundlagen der
kommunistischen
Gesellschaften
von
einem ideologischen Erdbeben erschüttert werden, wird der Westen durch
die Erscheinung der Selbstgefälligkeit auf die Probe gestellt.
Wir dürfen niemals vergessen, daß
zweimal in diesem Jahrhundert amerikanisches Blut in Konflikten vergossen wurde, die ihren Ursprung in Europa hatten. Wir teilen den leidenschaftlichen Wunsch der Europäer, den
Krieg für immer in das Reich ferner
Erinnerungen zu verbannen.
Gerade
deshalb ist das atlantische Bündnis
ein solch zentraler Bestandteil unserer Außenpolitik.
Aus diesem Grund
bleiben die Vereinigten Staaten dem
Bündnis und der Strategie verpflichtet, die Europa die Freiheit bewahrt
hat. Wir dürfen niemals vergessen,
daß die Erhaltung des Friedens in Europa gleichbedeutend mit der Erhaltung des Friedens für die Vereinigten
Staaten ist.
Die NATO-Politik der flexiblen
Reaktion erhält die Ankoppelung der

- 3 -

�Vereinigten Staaten an Europa aufrecht und läßt jeden möglichen Angreifer wissen, daß wir die Machtmittel einsetzen werden, die für die Abwehr seines Angriffs und die Vereitelung seiner Pläne angemessen sind.
Unser in Europa stationiertes, auf
modernem Stand gehaltenes Abschrekkungspotential im Kurzstreckenbereich
demonstriert, daß die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten untrennbar mit Westeuropa verbunden
sind und daß ein Angreifer niemals
darauf setzen kann, daß er seine
Kräfte nur mit unseren konventionellen Streitkräften messen würde. Obwohl zur Zeit große Hoffnungen auf
einen friedlicheren Kontinent bestehen, lehrt die Geschichte dieses
Jahrhunderts Amerikaner und Europäer,
ihre Bereitschaft aufrechtzuerhalten.
Während wir einen anhaltenden
Frieden anstreben, begrüße ich die
von Herrn Gorbatschow eingeleiteten
Schritte.
Wenn die Sowjets solide
und konstruktive Friedenspläne vorlegen, sollten wir das Verdienst demjenigen zubilligen, der es verdient.
Wir erleben tiefgreifende Veränderungen in der Sowjetunion, die eine
Chance auf dauerhafte Verankerung
enthalten. Gleichzeitig sind wir in
einem
Zeitalter
außergewöhnlicher
Veränderungen dazu verpflichtet, Optimismus durch Besonnenheit zu mildern.
So hat zum Beispiel der sowjetische Außenminister in der vergangenen Woche die Welt davon in Kenntnis
gesetzt, daß die Verpflichtung seines
Landes zur Zerstörung der SS-23-Raketen gemäß INF-Vertrag möglicherweise
nicht eingehalten wird. Die Sowjets
sind sich sicherlich über das Resultat einer Nichteinhaltung dieses feierlichen Vertrags im klaren. Möglicherweise bestand ihr Ziel in der
Spaltung des Westens bei anderen Fragen. Unabhängig davon ist klar, daß
das sowjetische "neue Denken" das alte noch nicht völlig überwunden hat.

in der Sowjetunion dramatische Veränderungen vollziehen, obwohl diese
noch nicht vollständig zum Tragen
kommen. Der Warschauer Pakt erhält
gegenüber dem atlantischen Bündnis
bei den Kurzstreckensystemen und Abschußvorrichtungen für Nuklearwaffen
eine Überlegenheit von nahezu 12 zu 1
und bei den Kampfpanzern von über 2
zu 1 aufrecht. Aus diesem Grund werden wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten Land- und Luftstreitkräfte in Europa stationieren solange
diese erwünscht und benötigt werden,
um den Frieden in Europa zu bewahren.
Gleichzeitig wird meine Administration Verhandlungen über ein weniger
militarisiertes Europa mit einem sicheren konventionellen Gleichgewicht
auf niederigerem Niveau hohe und andauernde Priorität beimessen. Unser
höchstes Ziel ist ein Frieden, der
sich auf gemeinsamen Optimismus und
nicht auf bewaffnete Lager gründet.
Im Jahr 1992 begehen wir den 500.
Jahrestag der Entdeckung der neuen
Welt.
Wir feiern dann also fünf
Jahrhunderte, nichts weniger als unsere Zivilisation an sich - die amerikanische Bill of Rights und die
französische Erklärung der Menschenrechte, die alte und ungeschriebene
Verfassung Großbritanniens und die
demokratische
Vision
von
Konrad
Adenauer und Aleide de Gasperi.
Und bei all unseren Feiern erinnern wir uns einer Tatsache - dies
ist wahrhaftig eine moralische und
geistige Gemeinschaft. Sie ist unser
Erbe. Laßt sie uns schützen. Laßt
sie uns fördern. Laßt sie uns für
unsere Kinder und die nachfolgenden
Generationen von Amerikanern und Europäern bewahren.

Ich glaube an einen überlegten,
stufenweisen Ansatz in den Ost-WestBeziehungen, weil sich wiederholende
Anzeichen darauf hindeuten, daß sich
- 4 -

* * * * *

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VL

7

"**

Dokumentation

Ä&lt;

24. Mai 1989

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BUSH "WÄRE ERFREUT" ÜBER EIN WIEDERVEREINIGTES DEUTSCHLAND
- Interview des Präsidenten mit der Washington Times -

WASHINGTON - (AD) - In einem Exklusivinterview mit dem Chefredakteur der
Washington Times, Arnaud Borchgrave, erklärte Präsident Bush am 15. Mai
1989, die Wiedervereinigung Deutschlands sei nur "auf einer angemessenen
Grundlage" möglich. Bush bekundete ferner Zweifel über ihre baldige Verwirklichung, da die DDR hinter dem Gedankengut Moskaus und Bonns weit hinterherhinke. An dem Interview nahmen auch der Stabschef im Weißen Haus, John
Sununu, und der Nationale Sicherheitsberater, Brent Scowcroft, teil.

Zur Frage, ob westliche Nationen
die Sowjetunion in das Weltwirtschaftssystem
integrieren
sollten,
wie er es in seiner Rede der vergangenen Woche gefordert hatte, erklärte
Bush:
"Wenn ich die Unterstützung
aller westlichen Länder auflistete,
würden die meisten dieser Zielsetzung
zustimmen."
Der Präsident erklärt
ferner, bei seinem ersten Gipfeltreffen mit Gorbatschow im Laufe des Jahres werde er mögliche Erleichterungen
sowjetischer Belastungen in Osteuropa
zur Sprache bringen und gleichzeitig
die Sicherheitsinteressen der Sowjetunion bekräftigt.
Nachfolgend veröffentlichen
das Interview in Auszügen:
Frage:

Wenn

die

Politik

wir
des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Containments bei der Sowjetunion erfolgreich war und - wie Sie es vergangenen Freitag formulierten - der
größte Kampf zwischen Freiheit und
Diktatur seit dem Zweiten Weltkrieg
ausgefochten ist: Welche Vorstellungen haben Sie dann genau für Europa?
Wird es ein Kontinent sein, auf dem
die Länder Osteuropas frei, aber neutral wie Finnland sind. Deutschland
schrittweise wiedervereinigt wird und
es keine
rivalisierenden militärischen Blöcke mehr gibt?
Antwort:
In meiner Rede habe
ich über kurzfristigere Vorstellungen
gesprochen und erklärt, daß Schranken
abgebaut, die Berliner Mauer niedergerissen, ein freierer Handel zwischen Ost und West stattfinden und
sicherlich
Freizügigkeit
hervorge-

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�bracht werden soll.
Und natürlich
wünsche Ich mir eine Fortsetzung der
Demokratisierungstendenzen, wobei ich
dem Begriff Demokratisierung noch
"Freiheit" hinzufügen möchte.
Und
ich denke, wir beobachten in Polen
heute faszinierende Schritte, die
noch vor zehn - und auch vor fünf Jahren nicht möglich gewesen wären.
Und dieselben Tendenzen können wir in
Ungarn insbesondere in der Wirtschaft
wahrnehmen. Und wer weiß, wann der
Rest Osteuropas diesem Beispiel folgt
und es ebenso weit - und möglicherweise weiter - bringt.
Wenn man also Vorstellungen haben
oder erträumen sollte, was man gerne
sähe, wären das sicher mehr Freiheit
und mehr Demokratie. Wie ich in meiner Rede erklärte, sollte die Ära
Breschnew
vorüber
sein
und
die
Breschnew-Doktrin aufgegeben werden.
Wir sollten darüber hinaus die demokratischen Hoffnungen der Menschen,
wo immer sie auch leben mögen, erfüllen. Das ist einer der Gründe, warum
ich Perestrojka und Glasnost Erfolg
wünsche.
Frage:
Aber wäre dies nicht
auch eine einmalige Gelegenheit für
eigenes neues Denken, Herr Präsident? Zum Beispiel über einen Plan,
mit dem die deutsche Frage gelöst und
der Klotz Osteuropa vom Bein Moskaus
entfernt werden könnte?
Würde man
damit nicht Gorbatschows Ton treffen,
wenn auch nicht unbedingt den seines
Nachfolgers? Warum verpflichten wir
nicht die gegenwärtige Führungsspitze
auf ein neues geopolitisches Konzept,
das Gorbatschows Nachfolger nicht
aufgeben könnte?
Antwort:
Ich denke, genau das
versuchen wir zu tun. Wie ich in
meiner Rede in Hamtramck erklärte habe, haben wir Polen - und nicht nur
Polen, sondern auch anderen Ländern ein starkes Signal gegeben, daß wir
zum Entgegenkommen bereit sind, wenn
Veränderungen erfolgen. Eine differenzierte Politik ist meiner Ansicht
nach eine sehr wertvolle Politik und
auch eine viel bessere Möglichkeit,

die Erfüllung umfassenderer Vorstellungen, wie etwa Demokratisierung und
Freiheit aller Völker und Länder, zu
ermutigen.
Ich denke also, daß hier bereits
Tendenzen im Hinblick auf die von Ihnen angesprochenen Punkte bestehen,
wir aber schrittweise vorgehen.
Frage:
Sie haben die Aufgabe
der Breschnew-Doktrin erwähnt, Herr
Präsident, die ungarische Führungsspitze erklärt demgegenüber, sie sei
bereits tot und begraben. Wir beobachten unter anderem, daß die Gewerkschaft Solidarität wieder zugelassen
wird
und nichtkommunistische Vereinigungen in Ungarn neue Grundregeln
für Wahlen diskutieren... Wie viele
Feuerproben müssen noch bestanden
werden?
Antwort:
Sie müssen noch die
Probe bestehen, ob sie diese Freiheiten weiterhin zulassen können. Ich
begrüße die Tatsache, daß in Polen
keine Intervention stattgefunden hat,
aber Polen macht gerade seine ersten
Schritte auf dem Weg zur Demokratie.
Und deshalb würde ich alle Fälle einzeln betrachten und diejenigen ermutigen, die am wenigsten Macht haben,
damit sie vorankommen... Ich freue
mich, daß Gorbatschow offensichtlich
mehr Selbstbestimmung oder zumindest
mehr Neuerungen in
diesen Ländern
zuläßt.
Es wird Besorgnis darüber laut,
daß es einen Punkt geben könnte, den
zu überschreiten er nicht bereit ist,
und aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten
in
ihrem
Ansatz
gegenüber
Gorbatschow einigermaßen vorsichtig
sein.
Als zum Beispiel kürzlich
Außenminister Schewardnadse über eine
mögliche Aufstockung der Mittelstrekkenwaffen sprach, die unserer Ansicht
nach eindeutig eine Verletzung des
INF-Vertrages darstellen würden, habe
ich mir gesagt: Sie mögen mit ihrer
Vorsicht beim weiteren Vorgehen Recht
haben. Das war meiner Ansicht nach
aber kein gutes Zeichen.
Es gäbe

�bessere Zeichen.
Aber das hält mich nicht von dem
ab, was ich für den richtigen Weg
halte.
Ich blicke, wenn auch mit
einer gewissen Vorsicht, nach vorn.
Frage: Sind Sie nicht der Ansicht, beim Gipfel mit Gorbatschow
könnte ein Plan diskutiert werden,
mit dessen Hilfe seine Belastungen in
Osteuropa erleichtert und die Sowjetunion gleichzeitig ihrer berechtigten
Sicherheitsinteressen versichert werden könnte?
Antwort: Das könnte zwar sein,
aber meiner Ansicht nach müssen wir
bereit sein, eine Reihe regionaler
Probleme zu besprechen. Aus den uns
bekannten historischen Gründen will
die Sowjetunion Osteuropa nicht als
regionales Problem betrachten. Wenn
wir den Weg wählten, wie wir eine Belastung verringern könnten, wäre das
schon ein Unterschied zu harten Worten über eine Aufgabe ihrer Verbindungen im Warschauer Pakt.
Frage: Um noch einmal auf die
Finnlandisierung Osteuropas zurückzukommen: würden damit nicht die berechtigten Sicherheitsinteressen der
Sowjets in Osteuropa bestätigt und
gleichzeitig Osteuropa mehr Freiheiten eingeräumt?
Antwort: Es würde für uns kein
Problem darstellen, ihnen gegenüber
ihre Sicherheitsinteressen zu bestätigen, aber meiner Ansicht nach sollte dies vorsichtig und schrittweise
erfolgen.
Außerdem wäre ich etwas
vorsichtig, wie weit man dabei gehen
möchte, wenn man unser anhaltendes
Engagement für Freiheit, freie Wahlen, Pressefreiheit und andere grundsätzliche Verpflichtungen in Betracht
zieht, das nach wie vor besteht und
stark ist, was es auch bleiben soll.
Meiner Meinung nach sollte man
jedoch nicht so weit gehen, daß man
einige dieser Länder zu leichtsinnigen Schritten ermutigt und dann Ergebnisse erzielt wie 1956 in Ungarn.

Und so lassen wir Vernunft walten und
wissen, was wir wollen: wir wollen
soviel Freiheit und Demokratie wie
nötig, und bei all dem bin ich sehr
opt mistisch.
Meiner Ansicht nach sind zahlreiche Punkte auf Schwachstellen im
sowjetischen System selbst zurückzuführen, mit denen die Sowjetunion
selbst genug zu tun hat.
Frage:
Was die Schwachstellen
im sowjetischen System betrifft und
wenn die von ihnen geäußerte Zielsetzung Integration der Sowjetunion in
die Staatengemeinschaft und das Weltwirtschaftssystem heißt, so bedeutet
dies einen konvertierbaren Rubel,
GATT-Mitgliedschaft, ...
Inwieweit
obliegt den westlichen Ländern die
Pflicht, dazu beizutragen?
Antwort:
Wenn ich die Unterstützung aller westlichen Länder auflistete, würden die meisten dieser
Zielsetzung zustimmen. Aber wenn Sie
mir die Frage stellen würden, ob meiner Ansicht nach der Rubel morgen
oder in absehbarer Zukunft konvertierbar sein wird, würde ich das verneinen. Auf diese Frage könnte ich
keine positive Antwort geben. Wäre
eine konvertierbare Währung für eine
Wiedereingliederung notwendig? Diese
Frage ist eindeutig mit Ja zu beantworten. Und auch alle Teilnehmer am
Weltwirtschaftssystem würden dies bejahen.
Frage:
In welchem Umfang sind
Ihrer Ansicht nach die westlichen
Länder zu einem Beitrag verpflichtet,
um dies zu erreichen?
Antwort:
Ich würde mich freuen, wenn sie dies leisten könnten,
aber sie sollten das mit offenen Augen tun. Meiner Ansicht nach bestehen wir zu Recht auf bestimmten Beschränkungen im Hochtechnologie-Handel mit der Sowjetunion oder bei
Technologien, die unseren Vorsprung
in einigen für die Verteidigung bedeutsamen Bereichen verringern könnten. Dieses Problem im Handel zusam-

- 3 -

�men mit dem Problem der Ermahnung zur
Einhaltung der Menschenrechte und dem
Problem der Zusammenarbeit muß uns
dazu veranlassen, den Sowjets die
Notwendigkeit zur Behandlung regionaler Spannungen zu verdeutlichen.
Zusammenarbeit kann dies leisten - in
einem soliden, einigen Bündnis, zumindest im Hinblick auf Rüstungskontrolle.
Frage: Wenn man die Hochtechnologie außer acht läßt, müssen die
Sowjets nicht nur die Waren produzieren, die ihr Volk dringend benötigt,
sondern auch eine Qualität herstellen, mit der sie auf den Weltmärkten
konkurrenzfähig bleiben. Können Sie
dies Ihrer Ansicht nach allein tun,
oder muß man ihnen dabei Hilfestellung leisten?
Antwort: Wenn die Sowjets jemals zu der Meinung gelangen würden,
daß sie von uns keinen Erstschlag zu
fürchten haben, könnten sie einen wesentlich größeren Teil ihres BSP der
von Ihnen angesprochenen Produktion
zuführen. Ich denke, wir haben die
Verpflichtung, sie nicht nur durch
einseitige RUstungsreduzierungen unsererseits, sondern durch Dialoge und
gemeinsame diplomatische Anstrengungen davon zu überzeugen, daß sie aus
dem Westen
keinen Erstschlag zu
fürchten haben. Bei den Sowjets können sich auch die jüngeren Leute noch
lebhaft an Leningrad und Stalingrad
und an den Krieg erinnern, der 20
Millionen
Menschenleben
forderte.
Diese Erinnerung ist in ihren Streitkräften und bei ihren Menschen so lebendig, daß sie Mißtrauen zu den Absichten der Vereinigten Staaten hegen. Sie können sicher keinen einzigen Beweis für die Glaubwürdigkeit
ihrer Furcht vor einem Erstschlag
oder einem Angriff der Vereinigten
Staaten oder ihrer Verbündeten anführen. Aber ich denke, sie hegen immer
noch diese Befürchtungen.
Und bei
jedem Gespräch fällt der Satz: "Sie
wissen nicht, was es heißt, 20 Millionen Menschenleben zu verlieren und
eine Invasion des Landes zu erleben.
Sie sind anders. Sie leben auf der

anderen Seite der Welt." Und darauf
antworte ich, daß wir anders sind,
aber für unseren Glauben und unsere
Überzeugung
gekämpft
haben.
Ich
möchte jedenfalls, daß wir unser
Bestes tun, damit die Sowjets nicht
diesen großen Prozentsatz ihres BSP
für Waffen aufwenden.
Frage:
Mit unserer Weigerung,
über Kurzstreckenraketen zu verhandeln, geben wir uns den Anschein, in
der Materie der Atomwaffen verhaftet
zu sein, die unsere westlichen Verbündeten zunehmend als Mythos betrachten. Die Sowjetunion kann kaum
mit Osteuropa fertigwerden, ganz zu
schweigen von einer möglichen Invasion und Vereinnahmung Westeuropas.
Warum setzen wir uns also nicht die
Abschaffung der künstlichen Teilung
Ost- und Westeuropas in umfassenden
Verhandlungen zum Ziel?
Antwort:
Dazu ist es meiner
Ansicht nach noch zu früh. Ich möchte zunächst beobachten, welche Fortschritte die Länder auf der östlichen
Seite der Trennungslinie bei der Demokratisierung machen. Und wenn wir
mehr erhellende Anzeichen aus Moskau
wahrnehmen, können wir danach handeln. Aber ich denke, der Präsident
der Vereinigten Staaten wäre naiv,
wenn er so schnell handeln würde, um
dann aufzuwachen und sich in einer
schwierigen Lage zu befinden.
Und
bei den Kurzstreckenraketen werden
wir das nicht tun.
Ich bin verpflichtet, alles zu
tun, um unsere Soldaten so gut wie
möglich
zu
schützen.
Und diese
flexible Reaktion mit der Fähigkeit
zum Schutz durch Kurzstreckenraketen
ist insbesondere angesichts des enormen Ungleichgewichts im konventionellen Bereich wichtig. Ich möchte damit nicht sagen, daß niemals Diskussionen
über
Kurzstreckenraketen
stattfinden werden. Und meiner Meinung nach haben Sie recht: Die auf
der Wel*- "orherrschende Auffassung
lautet:
Warum wird darüber nicht
verhandelt.

�Wir wissen, was wir wollen. Im
konventionellen Bereich besteht ein
Ungleichgewicht - das die Sowjets beseitigen sollten.
Sie sollten den
guten Willen demonstrieren, für den
Gorbatschow soviel Lob erntet. Solange dieses ungeheure konventionelle
Ungleichgewicht existiert, kann ich
als Präsident darauf bestehen, daß
das Bündnis die mit diesen Kurzstrekkenraketen mögliche flexible Reaktion
leisten kann. Sie wollen im Gegensatz zu mir über eine dritte Null-Lösung sprechen. Bei die sem Punkt werden die Vereinigten Staaten und das
Bündnis zusammenhalten.
Frage:
Ich wollte nur darauf
hinweisen, daß zu einer Zeit, in der
jedermann über alle möglichen Themen
verhandelt, die Verweigerung von Verhandlungen den Eindruck erweckt, als
sei man gegen so selbstverständliche
Dinge wie Apfelkuchen und Mutterschaft.
Antwort: Das ist richtig. Ich
werde gefragt: "Warum sprechen sie
nicht mit Castro, warum nicht mit
Orteea?
Sie wissen, was es heißt,
mit mir über bestimmte Dinge zu sprechen. Wir sprechen mit den Sowjets.
Ich möchte sie jedoch nicht mit
Castro, Ortega und Gadhafi gleichsetzen. Die Gespräche werden weitergeführt. Ich möchte nicht diese amerikanischen Soldaten dort stationiert
haben, ohne mich in dem Bewußtsein
schlafen legen zu können, daß wir alles Notwendige tun, um sie im Falle
ausbrechender
Unruhen
schützen zu
können.
Frage: Wie lange kann ein amerikanischer Präsident den Steuerzahler wohl noch um 150 Milliarden Dollar jährlich für Verteidigung im Rahmen der NATO gegen den unwahrscheinlichsten Verteidigungsfall bitten den klassischen Fall einer sowjetischen Invasion Westeuropas?
Antwort:
Solange
wie
die
Streitkräfte der Sowjets in ihrem gegenwärtigen Umfang ausgestattet werden.

Frage
Besteht
Ihrer
Ansicht
nach die Gefahr einer Invasion?
Antwort:
Das habe ich nicht
gesagt. Sie haben gefragt, wie lang
der Zeitraum noch andauern wird, und
ich habe geantwortet: solange es ein
unannehmbares Ungleichgewicht gibt.
Und jeder Präsident, der kein starkes
und
geschütztes
Bündnis
wünscht,
macht einen naiven Fehler. Wir werden also gegenwärtig keine einseitigen Kürzungen vornehmen.
Frage:
Könnte nicht jetzt ein
vollständiger Abzug sowjetischer und
amerikanischer Streitkräfte vom europäischen Kontinent erfolgen, zumal
die Europäische Gemeinschaft 1992 mit
ihrer Bevölkerung von 320 Millionen
Menschen und einem BSP von 4,4 Billionen ein Magnet für die zunehmend
von sowjetischer Kontrolle befreiten
Länder Osteuropas wird?
Antwort: Es könnte an der Zeit
sein, zu überdenken, wie wir gemeinsam mit den Sowjets Reduzierungen
vornehmen können, sofern wir unsere
Verbündeten nicht in einem Zustand
des Ungleichgewichts zurücklassen und
wenn nicht eine Seite im Falle eines
Konflikts schneller reagieren könnte
als die andere. Dies ist meiner Ansicht nach eine aufregende Zeit für
neues Gedankengut und für Erwägungen
darüber, wie realistisch diese Möglichkeit ist. Darüber werden wir mit
den Sowjets gute Gespräche führen.
Aber ich möchte in diesem Zusammenhang die Warnung Schewardnadses anführen, der gesagt hat: Wenn wir
nicht unsere Haltung durchsetzen können, werden wir den INF-Vertrag brechen. Ich denke, daß er das gemeint
hat, auch wenn er es nicht mit diesen
Worten ausgedrückt hat. Und wenn er
das wirklich gemeint hat, müssen wir
vorsichtig sein.
Frage:
Vor
drei Jahren hat
Georgi Arbatow gesagt: Wir werden
Euch etwas Schreckliches antun und
Euch den Feind wegnehmen. Gibt uns
das keine Gelegenheit, wieder Fortschritte zu machen?

- 5 -

�Antwort:
Das ist richtig, und
genau das werden wir in unseren Gesprächen mit ihnen auch anstreben.
Tatsächlich vertrat Jim Baker die
Auffassung die Gespräche seien besser gewesen als die Presseberichte,
in denen vor allem von Gorbatschows
Absicht die Rede war, das zu tun, was
wir bereits zum großen Teil bereits
vor Jahren getan haben.
Frage: Wäre es nicht viel einfacher gewesen, zu sagen:
Vielen
Dank für den Abbau ihrer Kurzstrekkenraketen um 500, aber das sind - in
Prozenten gerechnet - lediglich vier
unserer 88 Lance-Raketen.
Antwort: Das stimmt. Und wieviele taktische Atomwaffen haben wir
bereits abgeschafft? Ich denke, etwa
2 000. Meiner Ansicht nach war die
Berichterstattung
nicht
besonders
gut.
Wir
haben
gelesen,
daß
Gorbatschow uns erneut das Terrain
streitig gemacht hat.
Wir nehmen
seine Äußerungen sehr euphorisch auf,
auch wenn ihm das Vorteile verschafft. Ich werde also darauf nicht
reagieren. Ich würde mich über Fortschritte mit den Sowjets freuen,
bringe aber nur Interesse dafür auf,
wenn er Vorschläge macht, auf die wir
bereits eingegangen sind, oder einseitige Kürzungen vornimmt, die immer
noch weit über unseren Arsenalen liegen. Das fordert keine Entscheidungen heraus, die ich als Präsident der
Vereinigten Staaten treffe.
Frage: Stimmen Sie der Auffassung zu, daß die Sowjetunion als Imperium von ihren äußeren Grenzen nach
innen bröckelt und Perestrojka mit
einem Offenbarungseid gleichzusetzen
ist? Sollte das heißen, wir lassen
die Ereignisse ihren Lauf nehmen?
Antwort:
Nein,
wir
streben
weiterhin Fortschritte mit der Sowjetunion an, und - wie ich in meiner
Rede bereits betont habe - fühlen wir
uns wohl dabei. Wir unternehmen etwas im Handel, aber ich glaube kaum,
daß wir plötzlich ein völlig demokratisches Land vorfinden werden. Die

Sowjets müssen noch viel tun, um ihre
Offenheit und ihre Reformen zu demonstrieren. Ich betrachte die Reformierung ihres politischen Systems als
ihre eigene Angelegenheit. Aber es
gibt bestimmte objektive Kriterien
bei den Menschenrechten, die etwa die
Vertreibung der Juden aus der Sowjetunion und die Verurteilung der dort
gebliebenen
Juden betreffen.
Wir
wollen ganz einfach Ergebnisse sehen.
Sie sollten etwas in dieser Hinsicht
unternehmen und nicht nur großartige
Vorschläge äußern. Ich habe ein umfassendes Ziel der Wiedereingliederung der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft
formuliert,
und
das
sollten sie verstehen.
Wir wollen
nicht, daß sie versagen. Wir wollen
ihren Erfolg. Dick Cheney will ihren
Erfolg. Aber meines Erachtens wird
keine Außen- oder Verteidigungspolitik auf der Basis von Wünschen formuliert, sondern auf der Grundlage von
Realitäten. Die Kritiker und Journalisten sollen also ruhig ihre Salven abfeuern und schreiben, wir sollten viel mehr tun. Das wird mich
nicht überzeugen.
Dies ist kein
Starrsinn, sondern Realitätssinn.
Frage:
Wenn
Sie sagen, wir
wollen den Erfolg von Glasnost und
Perestrojka, heißt das, Sie wollen
Gorbatschow bei der Umstrukturierung
seines Systems helfen und es stärken?
Antwort:
Wir wollen dabei unsere Augen weit offenhalten.
Ich
möchte mit ihnen mehr Handel treiben,
aber ich möchte sicherstellen, daß er
im Interesse der Vereinigten Staaaten
liegt.
Ich möchte mehr gemeinsame
Rüstungskontrolle, dabei aber sichergehen, daß sie im Interesse des Bündnisses liegt. Wir wollen keine einseitigen Schritte, um dies zu ermutigen. Wir haben eine zu schwerwiegende Verpflichtung, so daß wir bei jedem Schritt sehr wachsam sein müssen.
Frage: Sie erwarten nicht, daß
sie den Weg einer Demokratie nach
westlichem Muster nehmen werden?

- 6 -

Antwort:

Nein,

nicht

ganz,

�aber ich werde durch diese Wahlen mit
zahlreichen Kandidaten ermutigt und
dann weiß ich, daß Roger Ailes dort
sein wird. Und das wird der Seite
nutzen, die er unterstützen wird.
Aber wir wollen dies ernsthaft
ermutigen. Wenn Sie mich fragen, ob
ich heute davon träume, daß dort Demokratie herrscht und die von uns als
selbstverständlich erachteten Freiheiten genossen werden, kann ich das
nur beIahen. Aber werde ich danach
meine Politik ausrichten? Nein.
Frage:
Dick Cheney hat kürzlich in einer Talkshow erklärt, er
könne sich die Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands in der Zukunft
vorstellen und diese beginne - wie
Sie gesagt haben - mit der Beseitigung der Berliner Mauer. Entspricht
das auch ihrer Ansicht?
Antwort:
Ich wäre darüber erfreut. Jeder, der zurückschaut, dann
die Gegenwart betrachtet und ein
durch eine Teilung entzweites Land
und durch politische Teilung getrennte Menschen sieht, sollte Wiedervereinigung
auf
einer
angemessenen
Grundlage
befürworten.
Das
wird
nicht unmittelbar möglich sein, weil
die
DDR
hinter
dem
Gedankengut
Gorbatschows und insbesondere Bonns
weit hinterherhinkt.
Frage:
Sie haben die sowjetische Hilfe an Nicaragua zur Feuerprobe für verbesserte Beziehungen zu
Moskau erklärt.
Sind dabei Fortschritte zu verzeichnen? Warum ist
es Ihrer Ansicht nach für Gorbatschow
wichtig, jährlich eine Milliarde Dollar für ein zerrüttetes marxistisches
System auszugeben?
Antwort:
Ich denke, das hängt
zu einem großen Teil mit der Vergangenheit zusammen.
Die gegenwärtige
sowjetische
Unterstützung
ist ein
Überbleibsel der umfangreichen Unterstützung für den treuen Freund Fidel
Castro. Aber wenn heute damit begonnen würde, hätte ich Zweifel, ob
Gorbatschow jedes Jahr eine halbe

Milliarde oder eine Milliarde in Nicaragua
investieren würde.
Sogar
Europa gelangt jetzt zu der Überzeugung, daß die Sandinisten ihrem Volk
die Demokratie verweigert haben, die
Anlaß für die Revolution war. Das
würde ich Gorbatschow zubilligen.
Wenn er heute die Mittel vergeben
müßte, würde er sicher nicht seinem
Politbüro die Ausgabe von einer Milliarde Dollar an Nicaragua vorschlagen. Die Antwort lautet also, wir
müssen ihn ermutigen, dies aufzugeben
und das auf der Grundlage der größeren Offenheit, die jetzt in seinem
Land stattfindet.
Frage:
Gibt
Fortschritte?

es

Anzeichen

für

Antwort: Das könnte sein. Ich
werde dabei nicht aufgeben. Ich denke, das ist sehr wichtig, und ich
möchte dieses Interview nutzen, um
meinen Aufruf an die Sowjetunion zu
wiederholen, sich von Nicaragua abzusetzen. Ich war kürzlich sehr beeindruckt von den Westeuropäern, die den
Sandinisten weit weniger Mittel gewährten, als gemeinhin angenommen
worden war.
Frage: Es handelte sich immerhin noch um 50 Millionen Dollar.
Antwort:
Meiner Ansicht nach
sollten sie überhaupt keine Mittel
gewähren.
Es gibt in der Region
zahlreiche demokratische Länder, die
Unterstützung verdienen. Ich begrüße
nicht die Tatsache, daß lediglich 50
Millionen Dollar gewährt wurden, obwohl Ortega um 150 Millionen gebeten
hatte.
Aber das ist immerhin ein
Fortschritt. Und wir werden weiterhin mit unseren Freunden in Europa
zusammenarbeiten, um ihnen das Problem vor Augen zu führen. Ich habe
darüber ein langes Gespräch mit Brian
Mulroney geführt und bin überzeugt,
daß wir hier Fortschritte erzielen
werden.
Frage:
Warum sind Sie offensichtlich stärker über Noriega, der
keine Operationen im Panamakanal an-

- 7 -

�gedroht hat, als über Ortegas marxistische Regierung beunruhigt, die in
der gesamten Region amerikanische Interessen untergräbt.
Antwort: Darüber bin ich nicht
stärker beunruhigt, aber es hat ein
Ereignis
mit
umwäüzender
Wirkung
stattgefunden. Es gab eine Wahl, die
unter den Augen des Volkes und der
ganzen Welt zunichte gemacht wurde.
Und es besteht noch ein weiterer Unterschied. Dort gibt es 40 000 amerikanische Bürger, viele amerikanische Soldaten und immerhin die Interessen des Kanals zu vertreten.
Diese Kriterien unterscheiden sich
von denen in Nicaragua. Was die Mißachtung der Menschenrechte betrifft,
so bestehen große Ähnlichkeiten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1-7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

24. Mai 1989

21

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 18. Mai 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Sowjetische Erklärungen schüren
SNF-Kontroverse innerhalb der NATO

Entwicklung eines Ersatzes
Lance-Rakete weiterverfolgt.

Die anhaltende Kontroverse innerhalb der NATO über das Problem der
nuklearen Kurzstreckenraketen
(SNF)
in Europa entbrannte in dieser Woche
erneut aufgrund jüngster Erklärungen
der sowjetischen Führungsspitze über
einseitige Truppenreduzierungen und
neue Raketen.

Außenminister
Baker
nannte
Gorbatschows Vorschlag "einen sehr,
sehr
bescheidenen Schritt . . wenn
man sich die Tatsache vor Augen
führt, daß die NATO im Laufe der
letzten zehn Jahre diese Waffen einseitig um 2 400 reduziert hat".

Am 11. Mai 1989 kündigte Generalsekretär Gorbatschow an, die Sowjets
würden vor Ende dieses Jahres 500
Kurzstreckenraketen
verschrotten.
Darüber hinaus erklärte Außenminister
Schewardnadse, Moskau würde eine eigene neue Kurzstreckenrakete entwikkeln oder die im INF-Vertrag vereinbarte Verschrottung der SS-23 aufgeben, wenn die NATO ihre Pläne zur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für

die

Baker verwies darauf, die Sowjets
"bewegen sich auf uns zu" und sie
reagierten auf die amerikanische Forderung nach einseitigen sowjetischen
Reduzierungen der Kurzstreckenraketen, im Rahmen derer sie mit der Zerstörung von 2 400 Waffen durch die
NATO gleichziehen sollen.
Verteidigungsminister Cheney bemerkte, die Sowjets "verfügen in Ost-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�europa über so viele Versteckmöglichkeiten, daß 500 eine kümmerliche Zahl
ist." Gorbatschows Angebot betrifft
lediglich 5 Prozent der 10 000 sowjetischen Kurzstreckenraketen.
Cheney
zufolge macht Schewardnadses Vorschlag zu möglichen sowjetischen Reaktionen auf Ersatz für die Lance-Rakete keinen Sinn.
"Das ist kein
ernsthafter Vorschlag. Er zielt vor
allem darauf ab, im Bündnis Unfrieden
zu stiften."
Der stellvertretende Sprecher des
Außenministeriums, Richard Boucher,
erklärte:
"Unserer
Ansicht
nach
liegt eine besondere Ironie darin,
daß die Sowjets mit einem Bruch des
INF-Vertrags drohen, um bei den Kurzstreckenraketen Druck auf den Westen
auszuüben, zumal sie diese Raketen
gerade erst modernisiert haben und
gegenüber dem Westen mit 12 zu 1 im
Vorteil sind."
Baker hob hervor, daß die Sowjets
bei den INF-Verhandlungen einer Beseitigung der SS-23 zugestimmt hätten
und "es ist niemals der Vorschlag unterbreitet worden ... daß die Vereinigten Staaten oder die NATO ihre
Kurzstreckenraketen
nicht auf dem
neuesten Stand halten sollten."
Der ehemalige RUstungskontrollberater der Reagan-Administration, Paul
Nitze, schlug in einem am 14. Mai in
der Washington Post erschienenen Artikel vor, die Vereinigten Staaten
sollten sich unter folgenden Bedingungen zu Verhandlungen mit den Sowjets über SNF bereitfinden:
- die
Bundesrepublik
Deutschland
stimmt zu, "weiterhin ihre traditionelle
Position
einzunehmen,
daß sie eindeutig gegen die vollständige Beseitigung von Kurzstreckenraketen ist",
- die Regierung Kohl stimmt zu, die
Vereinigten Staaten in ihren Bestrebungen um "gleiche Obergrenzen wie die Sowjets" bei SNF zu
unterstützen, "die auf einem Niveau erheblich über Null (vorzugsweise bei den Reichweiten von

200 bis 300 Meilen) liegen", und
- das NATO-Bündnis würde seine Unterstützung für die gesamte Initiative bekunden.
Der frühere Beamte im Pentagon,
Richard Perle, sprach sich für ein
weltweites Verbot von SNF aus. In
einem am 13. Mai 1989 mit der New
York Times geführten Interview erklärte Perle, ein Verbot solle nur
ausgehandelt werden, wenn der Westen
seine atomaren Artilleriegeschoße behält und seine Fähigkeit zur Führung
nuklearer Luftangriffe gegen Ziele am
Boden verbessert.

Bush: SDI sollte als Option beibehalten werden
Am 12. Mai 1989 erklärte Präsident Bush, die Zielsetzung der Vereinigten Staaten bei der Strategischen Verteidigung "besteht in der
Erhaltung unserer Option zur Stationierung moderner Verteidigungssysteme, wenn diese fertiggestellt sind."
Diese Äußerung wurde vom Leiter
der Organisation zur Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI0), Generalleutnant George Monahan, bekräftigt, der den Senat am 11. Mai davon
unterrichtete, die Zielsetzung des
Programms zur Verteidigung gegen ballistische Raketen "bleibt unverändert
bestehen". Monahan zufolge erfordert
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) die Entwicklung sowohl
Weltraum- als auch landgestützter Bestandteile eines strategischen Verteidigungssystems .
Er erklärte, eine Entscheidung
über die mögliche Stationierung einer
ersten Phase des Programms könne in
drei bis vier Jahren getroffen werden.
"Wir müssen jedoch flexibel
bleiben und uns die neueste Technologie zunutze machen."
Der Leiter der SDIO betonte, daß
jede der in den kommenden vier Jahren
durchgeführte Erprobung von SDI mit
einer engen Interpretation der Be-

�Stimmungen des ABM-Vertrages im Einklang stünde.
Monahan beschrieb den vorläufigen
Plan für die erste Phase:
- 1991: Entwicklung
eines neuen
Sensors zur Überwachung und Zielverfolgung wird in vollem Umfang
aufgenommen.
- 1994: Entwicklung der FUhrungsund Kontrolleinrichtungen wird in
vollem Umfang eingeleitet.
- 1998: Entwicklung wuchtabhängiger Abwehrflugkörper wird begonnen.
- 1999:
Verschiedene Bestandteile
des Systems würden erstmalig stationiert.
Nach der ersten Phase fordern
Monahan zufolge die Pläne eine Stationierung modernerer Abfangraketen
mit gebündelter Energie, wie etwa
"neutrale Teilchenstrahlwaffen sowie
Weltraum- und landgestützte Laser".
Der Leiter der SDIO sprach über
den wertvollen Beitrag, den eine neue
Technologie
namens
"Brilliant
Pebbles" für das Programm leisten
könnte. Bei diesem Konzept würden wenn es verwirklicht wird - Tausende
kleiner Raketen im Abstand von 250
bis 300 nautischen Meilen im Weltraum
stationiert, mit infraroten und ultravioletten Sensoren sowie mit einem
Laserradar ausgerüstet werden, das
den Abschuß ballistischer Raketen
entdecken kann. Die Raketen würden
bereits abgeschossene Raketen zerstören.
Monahan zufolge steht eine Bewertung der Leistungsfähigkeit und der
Kosten des Konzepts der "Brilliant
Pebbles" noch aus. Eine Reihe von 12
Erprobungen in der Entwicklung ist
für das Haushaltsjahr 1992 vorgesehen.
"Zügiger Verlauf" der Gespräche über
konventionelle Streitkräfte möglich

Runde der Wiener Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) erklärte ein hochrangiger Vertreter des Außenministeriums am 16.
Mai 1989, die Vereinigten Staaten
seien optimistisch, daß die Verhandlungen einen "zügigen Verlauf nehmen
können".
Der
Unterabteilungsleiter
für
Europäische und Kanadische Angelegenheiten im Außenministerium, Charles
Thomas, erklärte, in zwei bis drei
Jahren könne ein Ost-West-Abkommen
abgeschlossen werden, da beide Seite
"dies schnell vorantreiben wollen".
Die Position beider Seiten über
die Anzahl der auf jeder Seite erlaubten Panzer und Schützenpanzer ähnelt sich, Thomas zufolge könnten bei
den letztgenannten noch "Definitionsprobleme" bestehen. In einigen Punkten gibt es bei Artillerie, Mannschaften und Flugzeugen noch Unstimmigkeiten.

Bush fordert Vertrauen im Luftverkehr
In einer poitischen Grundsatzrede
schlug Präsident Bush vor, die Himmel
West- und Osteuropas für unbewaffnete
Uberwachungsflüge zu öffnen.
Diese vertrauensbildende Maßnahme
des Präsidenten für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ist eine
moderne Version von Präsident Dwight
Eisenhowers Politik des "Offenen Himmels".
Obwohl Überwachungsmissionen
im allgemeinen von modernen Satelliten durchgeführt werden können, haben
die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag zur symbolischen Demonstration
ihrer Offenheit unterbreitet und um
aus der Sowjetunion ein Signal für
das Engagement für Offenheit zu empfangen.
Amerikanische Rüstungskontrollexperten haben Flüge als Mittel zur
Überwachung eines einseitigen Abzugs
sowjetischer Truppen und militärischen Geräts aus Osteuropa.

Zum weiteren Verlauf der zweiten
- 3 -

�Lehman zum ACDA-Dlrektor ernannt
Außenminister Baker nahm am 12.
Mai 1989 Botschafter Ronald Lehman
den Amtseid ab, mit dem dieser 10.
Direktor des Amerikanischen Amtes für
Rüstungskontrolle und Abrüstung wurde. Beide befanden sich im Flugzeug
des Außenministers auf der Rückkehr
von Informationsgesprächen mit den
NATO-Verbündeten in Brüssel.

Israel will beim Verbot chemischer
Waffen in den Vereinten Nationen
aktiv werden
Israel hat seine Absicht bekundet, im nächsten Monat bei der Konferenz der Vereinten Nationen in Genf
Beobachterstatus zu erlangen, die mit
der Ausarbeitung eines Vertrags zum
Verbot der Herstellung und des Besitzes chemischer Waffen befaßt ist. An
der Abrüstungskonferenz
nehmen 40
Länder teil, 23 Nichtmitglieder werden bei der nächsten Sitzung Beobachterstatus haben.

In einem Artikel der New York
Times vom 14. Mai 1989 wird dazu
Elisa Harris von der Brookings Institution in Washington zitiert: "Israel muß eine aktive Rolle übernehmen, wenn die arabischen Länder die
Verhandlungen ernst nehmen sollen."
Zur gleichen Zeit haben die Vereinigten Staaten die Verhaftung des
Vorstandsvorsitzenden
der
Imhausen
Chemie für seine umstrittene Hilfe
beim Bau einer Chemiewaffenfabrik in
Libyen begrüßt. Der stellvertretende
Sprecher
des
Außenministeriums,
Richard Boucher, erklärte am 11. Mai
1989, diese Entwicklung "ist ein weiteres Zeichen dafür, daß die Bundesregierung es mit der Beendigung der
Beteiligung deutscher Firmen an der
Verbreitung chemischer Waffen ernst
meint.

* * * * * *

4 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

24. Mai 1989

21

COCOM UND DER OST-WEST-DIALOG
- Von Botschafter Allan Wendt -

Der Autor dieses Artikels ist ein hochrangiger Beauftragter für strategische Aspekte Technologiepolitik im amerikanischen Außenministerium. Dem Artikel liegt eine Ansprache Botschafter Wendts zugrunde, die erstmalig in der
diesjährigen Mai-Ausgabe von World Link erschien, einer für die Teilnehmer
des jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforums in Davos erstellten Publikation.

- (AD) - Keine Abfolge von Ereignisse hat in den letzten Jahren
weltweit soviel Interesse und soviele
Hoffnungen geweckt wie die jüngsten
Ereignisse in der Sowjetunion. Im
geistigen und kulturellen Leben der
Sowjetunion finden zukunftsträchtige
Veränderungen statt. Die sowjetische
Presse liest sich immer interessanter. Mit der Unterzeichnung des INFVertrages, dem Abzug
sowjetischer
Truppen aus Afghanistan und dem Vorschlag zur Reduzierung einer halben
Million Soldaten der sowjetischen
Streitkräfte beobachten wir neue Ansätze in der Außenpolitik.
Welche
Politik sollte also der Westen gegenüber dem Komitee zur Koordinierung
der Ost-West-Handelspolitik
(COCOM)
angesichts dieser Veränderungen verfolgen?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Woher rühren diese Veränderungen?
Zunächst einmal ist eine neue Führungsspitze an der Macht. Gorbatschow
und seine Zeitgenossen bringen einen
anderen Werdegang und andere Erfahrungen mit. Sie haben eine bessere
Ausbildung genossen und mehr Reisen
außerhalb der Sowjetunion unternommen.
Im Jahr 1988 hat Gorbatschow
einschneidende Veränderungen in der
Führungsspitze vorgenommen und den
Prozeß einer ernsthaften politischen
Umstrukturierung eingeleitet, der im
März zu Wahlen für den Kongreß der
Volksdeputierten geführt hat.
Darüber hinaus werden wir Zeuge
des Phänomens Glasnost, das zur eingehenden Behandlung bisheriger Tabuthemen geführt hat. In den vergangenen Jahren haben sich die sowje-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tischen Medien von der immerwährenden
Rückschau in die Geschichte abgewandt
- was zu Kritik an Stalin und zur Rehabilitierung von Bukarin führte -,
Frontalangriffe auf wichtige Bereiche
sowjetischer Außenpolitik unternommen
und bei manchen Gelegenheiten sogar
die Vorteile der Herrschaft der Kommunistischen Partei in Frage gestellt. Wir haben ferner bescheidene, aber bedeutsame Verbesserungen
bei den Menschenrechten beobachten
können: Gefangene werden freigelassen und die Zahl der Auswanderer
steigt.
Es ist vernünftig, das Ausmaß und
die Dauerhaftigkeit dieser Veränderungen
sorgfältig
zu
beobachten.
Werden wir hier Zeugen einer unwiderruflichen Lockerung zentraler Macht?
Werden die bis jetzt aufgezeigten Alternativen eine völlig andere Sowjetunion hervorbringen, die nicht mehr
die
grundlegenden
Interessen
der
westlichen Demokratien bedroht? Dies
sind Fragen von großer historischer
Tragweite, deren langfristige Beurteilung schwierig ist und die kurzfristig erst recht nicht zu beantworten sind. Der Erfolg von Gorbatschows
Reformen zur Liberalisierung - deren
Funktionieren von der Lockerung der
Macht abhängt - liegt in unserem Interesse, aber da wir nicht über die
Gabe der Weissagung verfügen, sollten
wir objektiv und vorsichtig bleiben,
wenn es um die - günstigen oder ungünstigen - längerfristigen Implikationen für den Rest der Welt geht.
Gorbatschow hat noch nicht eindeutig klargestellt, daß er nicht die
Absicht hat, das sowjetische Einparteiensystem abzuschaffen, sondern es
- insbesondere im Bereich der Wirtschaft - lediglich effektiver gestalten will. Er hat seine Bereitschaft
demonstriert, sowohl seine Außen- als
auch seine Innenpolitik auf die Förderung dieses komplexes innenpolitischen Ziels abzustimmen. Wir begrüßen die sowjetischen Fortschritte
bei den Menschenrechten, die jedoch
noch nicht zur festen Einrichtung geworden sind und bei denen noch viel

getan werden muß. Trotz allen Geredes über neues Denken in der Außenpolitik und ein vernünftiges und ausreichendes Niveau der Verteidigung
produzieren sowjetische Fließbänder
die neuesten Panzer und Raketen in
einer Stückzahl, die vernünftige Berechnungen über die zur berechtigten
Verteidigung der Sowjetunion erforderliche Anzahl weit übersteigen.
Die Maßregel für den Westen heißt
Vorsicht, was aber nicht etwa Stillstand bedeutet. Die von Gorbatschow
vorgeschlagenen Veränderungen bieten
uns neue Möglichkeiten, die wir bisher stets ergriffen haben - INF, Afghanistan, Zusammenarbeit
im südlichen Afrika - und auch weiterhin
gern zu ergreifen bereit sind.
Außenminister Baker hat den Kurs
der amerikanischen Politik gegenüber
der Sowjetunion beschrieben. Erstens
sollten wir weiterhin sowjetische Reformen ermutigen, diese Ermutigung
sollte jedoch moralischen und nicht
materiellen Charakter haben.
Perestrojka wird aus eigener Kraft erfolgreich sein oder versagen, nicht
aufgrund außerordentlichen Zuspruchs
oder anderer Konzessionen, die der
Westen gewährt oder auch nicht.
Zweitens müssen wir angesichts
des neuen Realitätssinns, von dem
Moskaus Außenpolitik neuerdings geleitet wird, anerkennen, daß die
Handlungsweise des Westens zu dieser
aufkeimenden Akzeptanz der Realität
geführt hat.
Umfassende Unterstützung der Mujahedin von außen hat zum
Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan beigetragen und die Entscheidung der NATO zur Stationierung der
Pershing II und Marschflugkörper war
ein notwendiger Schritt zum erfolgreiche Abschluß des INF-Vertrages.
Der Westen muß Moskau weiterhin
zu allen Aspekten unseres umfassenden
gemeinsamen Anliegens einer besseren
Welt ausforschen und herausfordern.
Die Reagan-Administration
hat mit
Moskau ein gemeinsames Programm erarbeitet:
Menschenrechte,
regionale

�Konflikte, RUstungsreduzierung
und
bilaterale Fragen. Die Bush-Administration hat es übernommen und einen
fünften Punkt hinzugefügt: überregionale oder weltweite Probleme, wie
etwa Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Drogen und Eindämmung der
Umweltverschmutzung.

Handelspolitik für strategisch
wichtige Güter
Welche Politik des Westens ist
vor diesem Hintergrund sich verändernder Ost-West-Beziehungen nun für
den Handel mit strategisch wichtigen
Gütern angemessen? Wir unterstützen
bereits den Ausbau des nichtsubventionierten Handels mit Gütern für
nichtstrategische Zwecke mit der Sowjetunion, der beiden Seiten Vorteile
bringt. Unsere Politik des Handels
mit
strategisch
wichtigen
Gütern
sollte auf dem besonderen Charakter
der sowjetischen militärischen Bedrohung basieren, wie er sich konkret
militärisch darstellt.
Rhetorische
Bekundungen des guten Willens sind
eine unzureichende Grundlage für die
Ausarbeitung von Politik. Unsere Politik sollte wirksame Exportkontrollsysteme im Rahmen des COCOM, die
Gleichbehandlung von Unternehmen aller Länder und minimale Einmischung
in den gerechtfertigten Handel mit
nichtstrategischen Gütern betonen.

Verwirklichung erfordert jedoch harte
Arbeit.
Die
Harmonisierung
der
Durchführung von Exporten und der Genehmigungsverfahren bedingen zusammen
mit der schrittweisen Abschaffung von
Exportlizenzen im Handel der C0C0MLänder untereinander erhebliche Änderungen in der Gesetzgebung, bei den
Vorschriften, bei der Mittelvergabe
und den Geschäftspraktiken. Bei der
Zusammenarbeit mit Drittländern sollten Eingriffe in ihre Souveränität,
ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit oder in einigen Fällen ihren
neutralen Status vermieden werden.
Die schwierigste Aufgabe ist die
Neuorientierung oder Straffung der
Exportkontroll-Listen. Auf den Laien
haben die umfangreichen Kontroll-Listen eine einschüchternde Wirkung sie sind lang, komplex und sehr technisch. Ihre Straffung ist jedoch weniger ein technisches als ein grundsätzliches politisches Problem. Mit
der Straffung der Kontroll-Listen
entscheidet der Westen, wieviele Risiken er beim Export in die Sowjetunion und die Länder Osteuropas zu
tragen bereit ist. Diese Entscheidungen haben bedeutende Konsequenzen
für die Sicherheit des Westens, wichtige Geschäftsinteressen und die Aussenpolitik der COCOM-Mitgliedsregierungen.

Die Frage des Risikos
Im Rahmen des COCOM ist eine
vierteilige Strategie erarbeitet worden, um dieser Notwendigkeit gerecht
zu werden: erstens die bessere und
einheitlichere Durchführung von Exportkontrollen,
zweitens
die
Beschränkung der Kontroll-Listen auf
wirklich sicherheitsempflindliche Güter und Technologie, drittens die Abschaffung von Kontrollen beim Handel
mit den meisten dieser Güter zwischen
COCOM-Mitgliedern
und
schließlich
verbesserte Zusammenarbeit und Abstimmung mit Ländern, die nicht Mitglieder des COCOM sind.
Alle Aspekte der oben beschriebenen Strategie sind entscheidend, ihre

So sehr wir die verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion begrüßen,
haben doch noch keine Entwicklungen
wahrgenommen,
die
eine
Akzeptanz
größeren strategischen Risikos beim
Handel mit der Sowjetunion rechtfertigen würden. Die Vereinigten Staaten betrachten diejenigen von der Sowjetunion für ihre militärische Produktion benötigten Güter als "sicherheitsempfindliche" Technologie, über
die sie selbst nicht in ausreichendem
Maße oder in ausreichender Qualität
verfügt.
Angesichts des desolaten
Zustands der sowjetischen Wirtschaft
und des technischen Standards, hat
dieser Ansatz den Handel oftmals auf

- 3 -

�Technologie beschränkt, die für unsere Begriffe bereits zehn Jahre veraltet ist.
Darüber hinaus sollten wir uns
vor Augen führen, daß der größte Teil
des Handels mit den Warschauer-PaktStaaten mit nichtstrategischen Gütern
abgewickelt wird und außerhalb von
COCOM stattfindet. Tatsächlich fällt
nur ein relativ geringer Teil unserer
Exporte in den Osten unter COCOM.
Ein größeres Hindernis als COCOM für
den Ausbau des Handels stellt das sowjetische System mit seinen vielen
immanenten Beschränkungen für den
freien internationalen Warenhandel an
sich selbst dar. Zu diesen Beschränkungen zählt die mangelde Konvertierbarkeit des Rubels, die geringe Zahl
der marktfähigen sowjetischen Exportgüter und die strukturellen Mängel,
die die meisten ausländischen Unternehmen von Investitionen in Joint
Ventures in der Sowjetunion abhalten.
Jede Zunahme im Handel mit nichtstrategischen Gütern, die auf die Aufhebung dieser ungeheuren wirtschaftlichen Hemmnisse in der Sowjetunion
zurückzuführen ist, wäre begrüßenswert.
In jedem Fall sollten wir beim
Export sicherheitsempfindlicher kontrollierter Güter in die Sowjetunion,
wo sie scheinbar "nichtstrategischer"
Verwendung zugeführt werden, weiterhin wachsam sein. Es gibt keine zuverlässigen Möglichkeiten, um strategisch sensible Ausrüstung und Technologie vor einer Verwendung für wichtige Verteidigungszwecke zu schützen.

In den kommenden Jahren muß unser
Ziel weiterhin im Schutz des westliche Vorteils bei strategisch sicherheitsempfindlichen und für unsere
Sicherheit entscheidenden Gütern bestehen. Der Vorteil des Warschauer
Pakts war immer quantitativ.
Auch
wenn die Sowjets ihre bekundete Absicht zum Abbau ihrer Streitkräfte um
500 000 Soldaten in die Tat umsetzen,
werden sie immer noch eine Streitmacht von fünf Millionen Soldaten und
damit mehr als die Streitkräfte der
westliche Verbündeten haben.
Der
Vorteil des Westens lag immer in der
Qualität - der Technologie unserer
Waffen und der Phantasie unserer Menschen.
Wenn sicherheitsempfindliche
Technologie nicht in die Hände unserer Gegner fällt, sichern wir damit
unseren technologischen Vorteil, der
zusammen mit unserer nuklearen Abschreckung seit 1945 den Frieden der
ganzen Welt erhalten hat. Jetzt ist
nicht die Zeit, in unserer Wachsamkeit nachzulassen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
24. Mai 1989

21

UMWELTSCHÄDEN AUS DEM WELTRAUM KARTIERT
- Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig -

WASHINGTON - (AD) - Die Emission von Stickstoffoxiden in Autoabgasen, in
der Abluft von Kraftwerken und von Heizungen müßte nach Meinung der Amerikanischen Gesellschaft für die Bekämpfung von Lungenerkrankungen (American Lung
Association) in den nächsten zehn Jahren um mindestens ein Drittel verringert
werden. Das ergab eine von der Gesellschaft in Auftrag gegebene umfassende
Studie zu den Auswirkungen von Stickstoffoxiden auf die Entstehung von saurem
Regen, auf die Zerstörung der Vegetation, die Schädigung der Gewässer und auf
den sogenannten Treibhauseffekt. Die Gesellschaft widmet sich der Bekämpfung,
Behandlung und Verhütung von Lungenerkrankungen. Mediziner, Pflegepersonal
und Laien gehören der einflußreichen American Lung Association an, die über
Delegierte ihrer Sektionen in den Bundesstaaten direkt mit Kongreß- und Regierungsausschüssen in Washington zusammenarbeitet.

Aufgrund der jetzt vorgelegten
Resultate setzte sich Senator Max
Baucus, der Vorsitzende des Senatsunterausschusses
für
Umweltschutz,
für strengere Maßnahmen zur Luftreinhaltung ein. Solche Maßnahmen könnten wesentlich dazu beitragen, die
jährlichen Ausgaben für Krankheitskosten in den Vereinigten Staaten um
40 Milliarden Dollar zu verringern.
Durch Umweltschäden an Ernteerträgen,
Gebäuden und Materialien entstünden
derzeit außerdem Verluste in Höhe von
60 bis 100 Milliarden Dollar pro
Jahr, erklärte Baucus. Die Technologie sei vorhanden, um Stickstoffoxide, von denen zum Beispiel im Jahr
1985 durch Kraftfahrzeuge 6,9 Millionen Tonnen, durch Kraftwerke 6,8 Millionen Tonnen und durch anderweitige
Nutzung fossiler Energiequellen in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Industrie, Wirtschaft und Wohnhäusern
weitere 6,9 Millionen Tonnen in die
Luft strömten, ganz erheblich zu reduzieren. Die in den USA entwickelten Verfahren werden gegenwärtig in
Japan und Europa verbessert.
Im November 1988 hatten zahlreiche westeuropäische Länder und die
USA ein internationales Protokoll unterzeichnet, demzufolge bis Mitte der
neunziger Jahre die Emission von
Stickstoffoxiden auf dem Stand von
1987 eingefroren werden
soll. Für
wirksamere und strengere Maßnahmen
seien, Senator Baucus zufolge neue
Investitionen erforderlich, mit denen
zusätzlich ca. 85 000 Arbeitsplätze
geschaffen werden könnten.

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�Umweltschäden In Entwicklungsländern
Im Gegensatz zu den Industrieländern verfügen die meisten Entwicklungsländern weder über die Mittel
noch über das Know-how, um Umweltschäden aus der Wirtschaftsentwicklung oder der dort üblichen Landnutzung zu begrenzen oder zu vermeiden.
Eine zum Teil erschreckende Übersicht
über das weltweite Ausmaß an Zerstörung von Lebenräumen für Pflanze,
Tier und Mensch erhielt die DISCOVERY-Besatzung während ihres FUnf-Tage-Fluges um die Erde im März 1989:
In ausgedehnten Landstrichen Mexikos,
Afrikas und Südamerikas ist die Bewaldung sehr stark zurückgegangen und
teilweise sogar völlig verschwunden.
Große Gebiete in Süd-Zaire weisen, wie der NASA-Geologe Charles
Wood Anfang April auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte,
überhaupt keine Vegetation mehr auf "keine Spur von Grün ist dort zu sehen". Drei der fünf Tage im Weltraum
hatten die Astronauten der Erdbeobachtung gewidmet. Sie brachten 6000
Meter Film und über 4000 Fotos zurück. Die Filme werden nun bei einer
Kongreß-Anhörung zur weltweit wachsenden Bedrohung der Umwelt vorgeführt.

diese Art Luftverschmutzung auch Einfluß auf den Abbau der Ozonschicht
haben könnte, ist noch offen. Nach
einer gründlichen Analyse der jüngsten Weltraumaufnahmen der von Menschen verursachten Wald- und Dschungelfeuer und ihrer Rauchwolken beabsichtigt
das
Langley-Forschungszentrum der NASA, mit neuartigen Atmosphären-Meßsonden erstmals "Treibhausgase" wie Stickstoffoxide und
Kohlendioxid in der Luft zu analysieren.
Abholzungen
haben
Bodenerosion
zur Folge, was die Massen von Schlamm
vor den Mündungsgebieten großer Ströme wie Mississippi und Ganges im Meer
nur zu deutlich machen. Auch entlang
des Sambesi-Flusses, der kürzlich
Hochwasser führte, macht sich - wie
die Aufnahmen aus der DISCOVERY zeigen - starke Erosion bemerkbar.

Landerschließung

Brasilianische und amerikanische
Wissenschaftler
schätzen, daß die
Brandrodungen in den tropischen Regenwäldern vor allem im Amazonasbecken mindestens zehn Prozent des
vom Menschen verursachten Ausstoßes
von Kohlendioxid ausmachen, der in
erster Linie für den Treibhauseffekt,
d.h. die Erwärmung der Erde mit daraus sich ergebenden tiefgreifenden
KlimaVeränderungen,
verantwortlich
gemacht wird.
Die weitaus größten
Mengen an Kohlendioxid werden jedoch
in den Industrieländern freigesetzt.

Im abgeholzten Regenwald Südamerikas prägt den Astronauten zufolge
ein Netzwerk von Straßen das Landschaftsbild. Es wurde angelegt, um
Bodennutzung
nach
agrarwirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben zu
können.
In Zentralafrika dagegen
seien kaum Anzeichen einer Infrastruktur
vorhanden.
über
weite
Strecken sehe man nur nackten, braunen Boden, hier und dort von Flußläufen durchzogen. Wo aber Aufbauarbeit
geleistet werde, sei dies sofort erkennbar - etwa im Grenzgebiet der
Staaten Mosambik und Malawi. Der Boden in Malawi sei infolge von Überweidung oder falscher Nutzung bis zur
Landesgrenze eintönig braun, ohne irgendwelchen
Pflanzenbewuchs.
Jenseits der Grenze aber, in Mosambik,
sei das Land grün von natürlicher Vegetation.

Natürliche Vorgänge wie Vulkanausbrüche tragen zur Anreicherung sowohl von "Treibhausgasen" als auch
von Staubteilchen in der Atmosphäre
bei.
Inwieweit beziehungsweise ob
zusammen mit den riesigen Brandwolken

Auf den Fotos ist ferner zu sehen, daß gegenwärtig "die grüne Linie", d.h. die Grenze der Vegetation
- normalerweise die südliche Grenze
der Sahara - so weit nach Norden verschoben ist wie nie zuvor.
Sogar

�große Wassertilmpel waren im Wüstengebiet der Sahara zu erkennen. Der Regen hatte offenbar auch die Sandstürme gestoppt, die zum Beispiel 1984
und 1985 eine Ausdehnung von ca. zwei
Millionen
Quadratkilometern
über
Nordafrika hatten und noch über weiten Teilen des Atlantiks auszumachen
waren.
Daß moderne Bewässerungstechniken
auch Wüste in Grünland verwandeln
können, zeigen die Aufnahmen von Saudi-Arabien.
Sie seien ein Beweis
dafür, wie gut manche Umweltschäden ob vom Menschen oder durch Naturereignisse verursacht - korrigiert werden
können,
sagte
Staatssekretär
William Nitze vom amerikanischen Aussenministerium. Der starke Bevölkerungszuwachs in Entwicklungsländern
und die Versuche dieser Menschen, unter allen Umständen zu überleben, übten jedoch einen gewaltigen Druck auf
die verbliebenen natürlichen Ressourcen aus. Ein Bericht der "International Herald Tribüne" vom 10. April
1989 über den Schwund der Fischbestände in den Küsten- und Hochseefanggebieten
im
südostasiatischen
Raum, den vor allem die kleinen Fischereiunternehmer zu spüren bekommen, läßt auf eine besorgniserregende
Entwicklung
schließen:
Das wegen
seines Eiweißgehaltes so wichtige
Grundnahrungsmittel Fisch wird dort
allmählich knapp und immer teurer.

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

24. Mai 1989

21

SATELLITENBRÜCKE FÜR MEDIZINISCHE PROBLEMFÄLLE
- USA richten Direktverbindung nach Armenien ein -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben vereinbart, unter Einsatz der neuesten Satellitentechnik direkte Funkverbindungen
zwischen Kliniken in den Vereinigten Staaten und dem Diagnosezentrum in Eriwan
(Armenien) herzustellen. Hierdurch sollen medizinische Konsultationen bei der
Behandlung von Erdbebenopfern mit schweren körperlichen oder seelischen
Traumata zwischen Fachleuten beider Länder ermöglicht werden.
Das zunächst auf drei Monate befristete Projekt bietet die Möglichkeit, weitere Erfahrungen in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit beider
Länder zu sammeln. Gleichzeitig kann
die NASA (US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) Verfahren demonstrieren,
wie medizinische Diagnosen über Telekommunikations-Einrichtungen
am besten durchzuführen sind. Im Hinblick
auf künftige Langzeitflüge ist dies
zum Beispiel ein Gebiet, auf dem es
wenig Erfahrungen gibt.

Arbeitsgruppen, die 1987 im Rahmen
einer Vereinbarung über Zusammenarbeit im Weltraum eingerichtet wurden.
INTELSAT (die Internationale Organisation
für
Fernmeldesatelliten)
stellt kostenlos die Benutzung eines
Transponders
(Verstärkeranlage)
in
einem ihrer Satelliten zur Verfügung.
COMSAT, die amerikanische Organisation von INTELSAT, koordiniert die
internationalen Maßnahmen, und die
NASA stellt eine in Armenien installierte Erdfunkstelle bereit.

Die Vereinbarung wurde im März
1989 zwischen Vertretern der NASA und
des sowjetischen Gesundheitsministeriums in Moskau getroffen. Das Projekt wird von der amerikanisch-sowjetischen gemeinsamen Arbeitsgruppe für
Weltraumbiologie und Weltraummedizin
koordiniert. Dies ist eine von fünf

Die Sowjetunion verzichtet ihrerseits auf Gebührenerhebung innerhalb
ihres Territoriums und sorgt für den
Transport der Bodenstation durch ihre
Fluglinie AEROFLOT. über die Satellitenfunkbrücke laufen Fernsehverbindungen in jeweils einer Richtung und

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Telex: 8-85432

�Sprechfunkverbindungen
in
beiden
Richtungen mit Klinikzentren der Universitäten Texas, Utah, Maryland und
der
Sanitätsoffiziersakademie
in
Bethesda (Maryland). Die Satellitenverbindung ist an fünf Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden in Betrieb.
Der Direktor des Instituts für
Medizinische Information im sowjetischen
Gesundheitsministeriums,
Alexander Kiselew, bezeichnete das
Erdbeben in Armenien als ein Ereignis
"von enormer Zerstörungskraft, das
viele, viele Opfer gefordert hat".
Die Auswirkungen einer solchen Katastrophe können sich über viele Jahre
erstrecken, in denen den Opfern psychologische Beratung und Rehabilitation ermöglicht werden muß und in denen sie Therapie für erlittene körperliche Schäden brauchen. Der Vorschlag der NASA zur Einrichtung einer
Satellitenbrücke für Fernkonsultationen sei mit großer Dankbarkeit aufgenommen worden, sagte Kiselew. "Nur
durch gemeinsame Anstrengungen können
wir den besten Weg finden, um den
Erdbebenopfern zu helfen".
Der Vizepräsident
der "COMSAT
World Systems Division", Jack Hannon,
berichtete, daß das INTELSAT-Satellitensystem bereits in anderen Notsituationen wertvolle Dienste geleistet
habe, beispielsweise bei den Verwüstungen durch den Hurrikan GILBERT im
vergangenen Jahr und bei dem Erdbeben
in Mexiko im Jahr 1985.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Vereinigte Staaten begrüßen Entstehung eines Vereinten Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede an der Boston University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush "wäre erfreut" über ein wiedervereinigtes Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des Präsidenten mit der Washington Times&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;COCOM und der Ost-West-Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Allan Wendt &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltschäden aus dem Weltraum kartiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Satellitenbrücke für medizinische Problemfälle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA richten Direktverbindung nach Armenien ein&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

Rede von Präsident George Bush
anläßlich seines Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland
am30./31.Mail989
in der Rheingoldhalle in Mainz

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Für ein ungeteiltes freies Europa

Vielen Dank Herr Bundeskanzler. Herr Oberbürgermeister, verehrte Gastgeber.
Ich möchte ebenfalls den beiden amerikanischen
und deutschen Orchestern und dem Chor für ihre mitreißenden Darbietungen danken.
Ihnen. Herr Bundeskanzler, gebührt mein besonderer Dank, daß Sie mich bei meinem ersten Staatsbesuch in der
Bundesrepublik Deutschland in diese schöne alte Stadt eingeladen
haben. Soeben haben Herr Kohl und ich beim NATO-Gipfel in Brüssel
unsere Beratungen beendet, und damit sind ausgezeichnete Arbeitsbeziehungen zwischen uns in unserer Eigenschaft als Bundeskanzler
und Präsident aufgenommen worden.
Es heißt, hier in Mainz an den Ufern des Rheins und im Herzen der Weinberge und Dörfer sei die deutsche Seele zuhause.
Mainz ist also der geeignete Ort für die Ansprache eines amerikanischen Präsidenten an die Bundesbürger.
Heute möchte ich nicht nur über unsere gemeinsame Verteidigung, sondern über unsere gemeinsamen Werte sprechen.

Ich möchte

nicht nur Fragen anschneiden, die den Verstand betreffen, sondern
an die im Innersten gehegten Hoffnungen appellieren.

Die erste Aufgabe der NATO
Erst
deutschen

heute morgen waren Barbara und
Studentengruppe

beeindruckt

die einen Teil ihrer Studienzeit
bracht hatten.

-

ich von einer

klugen

kleinen

jungen Menschen,

in den Vereinigten Staaten ver-

Ihr Wissen über mein Land und die Welt war. gelin-

de gesagt, eindrucksvoll.

Leider

scheinen

jedoch viele Menschen

im Westen - Amerikaner und Europäer gleichermaßen - die Lektionen
- 1 -

�unseres gemeinsamen Erbes und dessen, wie die Welt in ihrer heutigen Gestalt zustandegekommen ist. vergessen zu haben. Das kann
und darf nicht sein. Wir müssen uns vor Augen führen, daß die
jetzt in Amerika und Europa heranwachsende Generation ein größeres
Erbe antritt, als es jeder Generation vor ihr hinterlassen wurde Frieden. Freiheit und Wohlstand.
Dieses Erbe ist möglich, weil sich vor vierzig Jahren die
Länder der westlichen Welt in einer großen gemeinsamen Sache - der
NATO - zusammengeschlossen haben.
Zuerst gab es die Vision und
damit ein Konzept von freien Völkern, die in Europa und Nordamerika zum Schutz ihrer Werte zusammenarbeiten. Dann wurden die Risiken und Lasten aufgeteilt und der sowjetische Expansionismus realistisch eingeschätzt. Schließlich war man entschlossen, über alte Feindschaften hinwegzusehen. Das NATO-Bündnis leistete nichts
Geringeres als Westeuropa den Weg zu bereiten, um jahrhundertelange Rivalitäten zu begraben und ein Zeitalter der Versöhnung und
des Wiederaufbaus einzuleiten. Dies war eine zweite Renaissance
Europas.
Wie Sie wissen, ist dies nicht nur der 40. Jahrestag des
Bündnisses. Es ist auch der 40. Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland - einer Republik, die aus der Hoffnung geboren wurde, aber auch Herausforderungen bestehen mußte. Auf dem
Höhepunkt der Berlinkrise forderte Ernst Reuter die Deutschen auf.
Standhaftigkeit und Vertrauen zu zeigen, und das haben sie getan mutig und großartig.
Die im Verlauf der Geschichte oftmals unter Beweis gestellten Gaben des deutschen Volkes kommen in diesem Zeitalter des
Friedens zum Tragen. Die Bundesrepublik nimmt in der Technologie
eine Spitzenstellung ein und ist viertgrößte Wirtschaftsmacht der
Welt. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, daß Sie der Welt ein
Zeichen gesetzt haben, indem Sie sich wirkungsvoll für Grundwerte
wie Menschenrechte, Demokratie und Freiheit einsetzen. Die Amerikaner und die Bundesrepublik waren immer enge Freunde und Verbündete.
Heute übernehmen wir darüber hinaus noch eine
Aufgabe - als Partner in einer Führungsrolle.
- 2 -

gemeinsame

�Und natürlich ist diese Führungsrolle fest mit einem weiteren Element verbunden - Verantwortung.
Und unsere Verantwortung
besteht darin, daß wir vorausschauen und die Verheißungen der Zukunft verwirklichen können.

Die zweite Aufgabe der NATO:

Ein ungeteiltes und freies Europa

Ich habe in jüngster Zeit darauf verwiesen, daß wir an der
Schwelle

zu einem

neue Politik

neuen

gegenüber

Zeitalter

der

stehen.

Sowjetunion

Und

ich habe unsere

als Überwindung

des Con-

tainment bezeichnet.
Seit vierzig Jahren liegt die Saat der Demokratie in Osteuropa brach, begraben unter der im Kalten Krieg gefrorenen Erde der
Tundra.
Seit vierzig Jahren wartet die Welt auf ein Ende des Kalten
Krieges.
Jahrzehntelang und immer wieder wurde der schöpferische
Geist des Menschen Opfer von Krisen und Unterdrückung.
Und die Welt hat lange gewartet.
Aber
ewig

der

verwehrt

Zeit ist reif.

leidenschaftliche
werden.

Die Welt

Wunsch
hat

nach Frieden

kann nicht

lange genug gewartet.

Die

Europa muß frei und ungeteilt sein.

Für die Gründerväter des Bündnisses war diese Hoffnung ein
ferner Traum. Jetzt ist diese Hoffnung die neue Aufgabe der NATO.
Wenn sich alte Gegner wie Großbritannien und Frankreich oder
Frankreich und Deutschland versöhnen können - warum können es dann
nicht die Länder in Ost und West? In Osteuropa weisen uns tapfere
Zeitgenossen den Weg. Nehmen wir Polen, wo die Gewerkschaft Solidarität und die Katholische Kirche zugelassen worden sind.
Die
Kräfte der Freiheit treiben den sowjetischen Status quo in die Defensive.
- 3 -

�Im Westen hatten wir Erfolg, weil wir unseren Werten und unserer Vision treu geblieben sind. Aber auf der anderen Seite des
rostigen Eisernen Vorhangs konnte die Vision nicht verwirklicht
werden.
Der

Kalte Krieg

begann

mit

der

Teilung Europas.

Er

kann

nur beendet werden, wenn die Teilung Europas aufgehoben ist.
Diese Politik eines geteilten Europas steht heute auf dem
Prüfstand.
Und unsere Hoffnungen sind besonders hochfliegend,
weil die Teilung Europas nicht von Armeen in Frage gestellt wird,
sondern von der Verbreitung von Ideen, die genau hier ihren Ursprung hatte. Ein Sohn der Stadt Mainz. Johannes Gutenberg, hat
durch die Macht des gedruckten Wortes den Verstand der Menschen
beflügelt.
Dieselbe befreiende Macht tritt heute auf hundert verschiedene Arten zutage. Mit Hilfe der "Stimme Amerikas" und der "Deutschen Welle" sind wir in der Lage. Millionen von Menschen in Osteuropa und auf der ganzen Welt aufzuklären. Durch Fernsehsatelliten können wir Zeuge von Ereignissen in den Danziger Werften und
auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden. Aber die Impulse
für Freiheit gehen nicht nur vom gedruckten Wort, dem Radio oder
dem Fernsehschirm aus. Sie entstehen aus der Macht einer einzigen Idee - der Demokratie.
Diese eine Idee fegt über Eurasien hinweg.
Diese eine
Idee bewirkt einen Umbruch in der kommunistischen Welt von Budapest bis Peking. Für die führenden Politiker Osteuropas gibt es
keine Freiheit um der Freiheit willen. Aber was ihre Beweggründe
auch sein mögen - sie setzen eine Kraft frei, die sie nur sehr
schwer kanalisieren oder kontrollieren können - den Hunger der
unterdrückten Völker nach Freiheit, von der sie einen Vorgeschmack
bekommen haben.
Nirgendwo tritt dies deutlicher zutage als in Osteuropa, der
Wiege des Kalten Krieges.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat die

sowjetische Armee in Polen die freien Wahlen verhindert, die
- 4 -

�Stalin in Jalta versprochen hatte. Heute unternehmen die Polen
ihre ersten Schritte in Richtung auf die so lang versprochenen und
so lang verschobenen freien Wahlen. Und in Ungarn können wir endlich die Chance eines Wettbewerbs mehrerer Parteien an der Wahlurne feststellen.
In meiner Eigenschaft als Präsident werde ich alles in meiner Macht Stehende
europas

zu

Deutschland

tun. um die geschlossenen Gesellschaften Ost-

öffnen.
und

alle

Wir

streben

Länder

die

Selbstbestimmung

Osteuropas

ruhen und uns nicht beirren lassen.

an.

Wir

für

werden

ganz
nicht

Die Welt hat lange genug ge-

wartet.
Aber die Reise der Demokratie nach Osteuropa ist nicht einfach. Intellektuelle wie der tschechische Dramatiker Vaclav Havel
arbeiten immer noch im Schatten der Unterdrückung. Unfreiheit beherrscht immer noch das Leben zu vieler Völker Osteuropas. Barrieren und Stacheldraht schließen immer noch viele Länder ein.
Wenn ich in diesem Sommer nach Polen und Ungarn reise, werde ich
diese Botschaft übermitteln:
Es kann kein gemeinsames europäisches Haus geben, wenn sich nicht all seine Bewohner von Raum zu
Raum frei bewegen können.
Und ich werde noch eine Botschaft mit dorthin nehmen: der
Weg der Freiheit führt in ein größeres Haus - ein Haus, in dem
West und Ost zusammentreffen, ein demokratisches Haus - den Staatenbund freier Nationen.
Ich habe angekündigt, daß wir mit den positiven Schritten
der Sowjetunion gleichziehen würden. Aus diesem Grunde habe ich
am 12. Mai die Bereitschaft bekundet, den Sowjets gegenüber vorläufig die Aussetzung der Jackson-Vanik Handelsbeschränkungen in
Betracht zu ziehen, wenn sie im Gegenzug ihr Ausreiseverfahren
lockern. Deshalb habe ich auch am Montag verkündet, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, die Regel "ohne Ausnahme" fallenzulassen, die unser Konzept zur Kontrolle von Technologieexporten in
die Sowjetunion geleitet hat - das heißt, ich habe Sanktionen aufgehoben, die als Reaktion auf den Einmarsch in Afghanistan verhängt worden waren.
- 5 -

�In demselben Geist habe ich vier Vorschläge unterbreitet, um
die tragische Teilung Europas zu beseitigen und dazu beizutragen,
daß Europa frei und ungeteilt sein wird.

Pluralismus
Erstens schlage ich vor. daß wir den KSZE-Prozeß stärken und
ausbauen, um in Osteuropa freie Wahlen und politischen Pluralismus
zu fördern.

Unsere Erwartungen sollten in dem Maße steigen wie

die Kräfte von Freiheit und Demokratie in Osteuropa zunehmen.
Die Verbindung der vereinzelten Freiheitsbestrebungen in
Osteuropa ist eine große Aufgabe für die westlichen Demokratien.
Dabei müssen insbesondere die großen politischen Parteien im
Westen eine historische Verantwortung übernehmen - den tapferen
Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen, die erstmals repräsentative politische Parteien in Osteuropa gründen und mit der Förderung von Freiheit und Demokratie den Eisernen Vorhang öffnen
wollen.

Glasnost für Berlin
Diese Öffnung hat bereits begonnen. Die Grenze aus Stacheldraht und Minenfeldern zwischen Ungarn und Österreich wird Fuß um
Fuß. Meile um Meile beseitigt. Ebenso wie in Ungarn müssen diese
Schranken in ganz Osteuropa fallen. Berlin muß die nächste Station sein.
An keinem andern Ort wird die Teilung zwischen Ost und West
deutlicher sichtbar als in Berlin. Dort trennt eine brutale Mauer
Nachbarn und Brüder.
Diese Mauer steht als Monument für das
Scheitern des Kommunismus. Sie muß fallen.
Glasnost mag

ja ein russisches Wort sein. Offenheit

ist ein westliches Konzept.
einer freien Stadt besessen.

jedoch

West-Berlin hat immer die Offenheit
Unser Vorschlag würde ganz Berlin zu
- 6-

�einem Zentrum des Handels zwischen Ost und West machen - einem Ort
der Zusammenarbeit, nicht der Konfrontation. Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung zu der im Jahr 1987 von den Westmächten
verkündeten Initiative zur Stärkung von Freiheit und Sicherheit in
dieser geteilten Stadt. Dies ist also mein zweiter Vorschlag bringt Glasnost nach Ost-Berlin.

Die Rettung der Umwelt in Europa
Meine Generation kann sich noch an ein vom Krieg zerstörtes
Europa erinnern. Natürlich hat Europa schon vor langer Zeit seine
stolzen Städte wiederaufgebaut und seine majestätischen Kathedralen restauriert. Welch eine Tragödie wäre jedoch eine neuerliche
Verwüstung Ihres Kontinents, dieses Mal durch eine subtilere und
heimtückischere Gefahr - durch vergiftete Flüsse und sauren Regen.
Die Vereinigten Staaten sind in Alaska mit einer Umwelttragödie konfrontiert worden. Die Länder von Frankreich bis Finnland
haben unter Tschernobyl gelitten. Die Bundesrepublik Deutschland
unternimmt heute Anstrengungen zur Rettung des Schwarzwalds. Und
durch all diese Ereignisse haben wir eine schreckliche Lektion gelernt: Die Zerstörung der Umwelt macht nicht vor Grenzen halt.
Mein dritter Vorschlag zielt also auf die Zusammenarbeit
bei Umweltproblemen ab. wobei die Vereinigten Staaten und Westeuropa dem Osten entgegenkommen sollten. Da in Ost und West noch
viel getan werden muß. fordern wir Osteuropa auf. sich mit uns in
diesem gemeinsamen Kampf zusammenzuschließen. Wir können technische Ausbildung. Hilfe bei der Ausarbeitung von Gesetzen und Vorschriften sowie neue Technologien zur Bewältigung dieser Probleme
anbieten. Ich lade die Umweltexperten und Ingenieure aus Osteuropa zu Besuchen im Westen ein, um unser gemeinsames Wissen zum Erfolg dieser wichtigen Sache zu nutzen.
Mein vierter Vorschlag, eigentlich ein Paket von Vorschlägen, betrifft ein weniger militarisisertes Europa - den am stärksten bewaffneten Kontinent der Welt. Nirgendwo tritt dies deutli- 7 -

�eher zutage als in den beiden Teilen Deutschlands. Aus diesem
Grunde hat unser Bestreben um einen Rüstungsabbau, der unsere Sicherheit nicht gefährdet, eine besondere Bedeutung für die Bundesbürger .
Denjenigen, die über unser maßvolles Tempo in der Rüstungskontrolle ungeduldig sind, möchte ich mit allem Respekt vorschlagen, sich auf eine Lehre der Geschichte zu besinnen:
und

Stärke

sind.

Katalysator

und

Voraussetzung

für

daß Einheit

Rüstungskontrolle

Wir waren stets der Überzeugung, daß eine starke Verteidi-

gung des Westens der beste Weg zum Frieden ist.

Die Erfahrung von

vierzig Jahren hat gezeigt, daß wir recht hatten.
Aber wir haben mehr getan als lediglich den Frieden zu bewahren.

Durch unsere Einigkeit haben wir die Sowjets davon über-

zeugt, daß

ihre Aufrüstung

teuer

und

sinnlos war.

Wir

sollten

ihnen keinerlei Anreize geben, sich erneut der Politik der Vergangenheit zuzuwenden.

Wir sollten ihnen allen Grund geben, um der

Menschheit willen das Wettrüsten einzustellen.
Die Vereinigten Staaten sind sich in dieser Ära der Verhandlungen und bewaffneter Lager der Tatsache bewußt, daß die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Last trägt.
Zwar befindet
sich im Atomzeitalter jedes Land an der Frontlinie. Aber nicht
alle freien Nationen müssen die Spannungen routinemäßiger militärischer Aktivitäten oder die dauernde Präsenz ausländischer
Streitkräfte ertragen. Wir wissen um diese besonderen, von dieser
notwendigen Präsenz hervorgerufenen Bedingungen.
Um die von den bewaffneten Lagern in Europa hervorgerufenen
Belastungen einschneidend
für

zu reduzieren, müssen wir uns energisch

solide, verifizierbare

Vereinbarungen

zwischen

der

NATO und

dem Warschauer Pakt einsetzen.
Am Montag habe ich meinen Kollegen in Brüssel erklärt, daß
ich große Hoffnungen für die Zukunft der Verhandlungen über konventionelle Waffen in Europa hege.

Ich habe Ihnen einen Vorschlag

zur Erzielung drastischer Reduzierungen in naher Zukunft vorgelegt.
- 8 -

�Wie Sie wissen, hat der Warschauer Pakt nun wichtige Elemente unseres westlichen Ansatzes bei den neuen Verhandlungen über
konventionelle Waffen in Wien akzeptiert. Der Ostblock räumt ein.
daß bei den konventionellen Streitkräften der beiden Bündnisse ein
substantielles Ungleichgewicht besteht. Er hat sich der Position
der NATO weiter angenähert, indem er unsere ersten Vorschläge zu
den konventionellen Streitkräften größtenteils angenommen hat.
Diese ermutigenden Schritte haben eine Gelegenheit zu kreativem
und entschlossenem Handeln eröffnet. Wir werden diese Gelegenheit
nicht ungenutzt verstreichen lassen. .
Unser Vorschlag enthält mehrere bedeutsame Initiativen:
Ich schlage vor. daß wir den Osten auf seine Zustimmung zu
den vom Westen vorgeschlagenen Obergrenzen bei Panzern und
Schützenpanzern "festnageln". Wir sollten ferner Übereinstimmung über eine gemeinsame zahlenmäßige Obergrenze für
die Artillerie anstreben, die zwischen den Beständen der
NATO und des Warschauer Pakts liegt, vorausgesetzt, daß die
Definitionsprobleme gelöst werden können. Und die abgebauten Waffen müssen vernichtet werden.
Wie sollten unser gegenwärtiges Angebot auf sämtliche landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber erweitern, indem
wir vorschlagen, daß beide Seiten in diesen Kategorien auf
ein Niveau reduzieren, das 15 Prozent unter den gegenwärtigen Gesamtstärken der NATO liegt. Angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit des Warschauer Pakts würde dieser weit
umfangreichere Reduzierungen vornehmen müssen als die NATO,
um ein Gleichgewicht auf diesen niedrigeren Niveaus herzustellen. Auch in diesem Fall müssen die abgebauten Waffen
vernichtet werden.
Ich schlage eine 20prozentige Reduzierung bei den Kampftruppen der US-Stationierungsstreitkräfte und eine sich daraus
ergebende Obergrenze der von den Vereinigten Staaten und den
Sowjets außerhalb ihres nationalen Hoheitsgebiets in der Zone vom Atlantik bis zum Ural stationierten Land- und Luft- 9-

�Streitkräfte von etwa 275 000 Mann vor. Mit dieser Reduzierung auf ein Gleichgewicht und ein faires, ausgewogenes Niveau der Stärke würden die Sowjets dazu gezwungen, die Zahl
der in Osteuropa stationierten Soldaten der Roten Armee von
600 000 um 325 000 zu verringern.
Diese abgezogenen
Streitkräfte müssen demobilisiert werden.
Schließlich appelliere ich an Präsident Gorbatschow, das
Tempo zur Erzielung dieser Vereinbarungen zu beschleunigen. Es gibt keinen Grund für den von Moskau vorgeschlagenen Zeitrahmen von fünf bis sechs Jahren. Ich schlage
einen wesentlich ehrgeizigeren Zeitplan vor. Wir sollten
ein Abkommen innerhalb von sechs Monaten bis zu einem Jahr
und die Verwirklichung der Reduzierungen bis spätestens 1992
oder 1993 anstreben.
Zusätzlich zu meinen Vorschlägen im Hinblick auf die konventionellen Waffen müssen wir und die Sowjets uns meines Erachtens
um mehr Offenheit in unseren militärischen Aktivitäten bemühen.
Ich möchte deshalb meinen Vorschlag wiederholen, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihren Himmel für gegenseitige, unbewaffnete Aufklärungsflüge mit kurzer Vorwarnung öffnen, um militärische Aktivitäten zu beobachten.
Satelliten sind ein sehr
wichtiges Mittel zur Verifizierung von Rüstungskontrollvereinbarungen. Sie bieten uns jedoch keine kontinuierliche Erfassung der
Sowjetunion. Eine Politik des offenen Himmels würde beide Seiten
einer totalen kontinuierlichen Erfassung näherbringen und gleichzeitig ein Symbol für größere Offenheit zwischen Ost und West darstellen.
Dies sind meine Vorschläge zur Schaffung eines weniger militarisierten Europas. Noch vor kurzer Zeit wären sie zu revolutionär gewesen, um in Betracht gezogen zu werden. Doch heute könnten
wir uns in der Tat an der Schwelle zu einem noch ehrgeizigeren Abkommen in Europa befinden, als irgend jemand für möglich gehalten
hätte.
Wir müssen uns jedoch auch Herausforderungen außerhalb des
- 10 -

�traditionellen Bereichs der NATO stellen. Jedes Land des Westens
ist mit der weltweiten Verbreitung todbringender Technologien konfrontiert, darunter ballistische Raketen und chemische Waffen.
Wir müssen die Verbreitung dieser wachsenden Bedrohungen gemeinsam
eindämmen. Wir sollten so bald wie möglich mit einer weltweiten
Ächtung chemischer Waffen beginnen.

Schlußbemerkunqen
Mehr politische Freiheit im Osten, ein Berlin ohne Mauer,
eine sauberere Umwelt, ein weniger militarisiertes Europa - dies
sind jedes für sich schon ehrenwerte Ziele. Zusammengenommen sind
sie Merkmale einer umfassenderen Vision - eines Europas, das frei
und im Frieden mit sich selbst lebt. Die Sowjets sollten wissen,
daß unser Ziel nicht darin besteht, ihre legitimen Sicherheitsinteressen zu untergraben. Unser Ziel ist es. sie schrittweise davon zu überzeugen, daß ihre Definition von Sicherheit überholt ist
und ihre innersten Ängste unbegründet sind.
Westeuropa wird im Jahr 1992 mit einem großen Schritt institutionalisieren, was faktisch bereits seit Jahren vollzogen wurde
- Grenzen, die Menschen. Waren und

Ideen offenstehen.

Zwischen

Ihnen gibt es keinen Schatten eines Verdachts, keine tiefsitzenden
Ängste.

Die Möglichkeit eines Krieges innerhalb des Westens ist

für unsere Bürger schlicht undenkbar.
tegration

von Nationen

Eine solche friedliche In-

in eine Weltgemeinschaft

bedeutet

jedoch

nicht, daß irgendein Land seine Kultur, geschweige denn seine Souveränität aufgeben müßte.
Dieser Prozeß der Integration, eine subtile Verflechtung gemeinsamer Interessen, der in Westeuropa so kurz vor seiner Vollendung steht, hat nun endlich auch im Osten begonnen. Wir möchten
den Staaten Osteuropas zu einer Erkenntnis verhelfen, die sich in
Westeuropa schon vor langer Zeit durchgesetzt hat. Die Grundlage
dauerhafter Sicherheit erwächst nicht von Panzern. Truppen oder
Stacheldraht.
Sie wird auf gemeinsame Werte und Vereinbarungen
gegründet, die freie Völker verbinden.

- 11 -

�Die Nationen Osteuropas entdecken aufs Neue ihr glanzvolles
nationales Erbe. Mögen die grauen Gesellschaften des Ostens erneut in den Farben nationaler Kultur erstrahlen. Möge Europa von
einem Frieden der Spannungen zu einem Frieden des Vertrauens finden, einem Frieden, in dem die Völker des Ostens und des Westens
frohlocken können, auf einem Kontinent, der vielfältig ist und
doch eine Einheit bildet.
Vierzig Jahre des Kalten Kriegs waren ein Prüfstein für unsere Entschlossenheit und die Stärke unserer Werte.
erste

Aufgabe

der NATO

nahezu

vollendet.

Nun ist die

Aber wenn wir

unsere

europäische Vision verwirklichen wollen, wird uns die Herausforderung der

nächsten vierzig Jahre

meinsam werden wir

diesem Ruf

nicht weniger

folgen. Die Welt

abverlangen.
hat

lange

Gegenug

gewartet.
Vielen Dank für

Ihre Einladung nach Mainz, Gott segne Sie

alle.

- 12 -

�</text>
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                <text>Rede von Präsident George Bush &lt;br /&gt;&lt;em&gt;anläßlich seines Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland am30./31.Mail989 in der Rheingoldhalle in Mainz&lt;/em&gt;</text>
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Sonderdienst
30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

* * *

Baker:

Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt
- Pressekonferenz in Königswinter -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

Herr Bundeskanzler,
und Herren,

meine

Damen

Deutschland
Bündnisses.

und

des

Atlantischen

Ich hätte mich über meinen ersten
Besuch als Präsident hier zu jedem
Zeitpunkt gefreut, denn ich habe Ihr
wunderbares Land schon häufig besucht. Und stets waren meine Frau
und ich von der uns entgegengebrachten Freundlichkeit beeindruckt.

Über vier Jahrzehnte hinweg haben
sich diese Ereignisse gegenseitig positiv beeinflußt.
Heute ist eine
NATO ohne ein demokratisches Deutschland kaum vorstellbar. Denn die Geschichte
Ihrer Republik
war und
bleibt ein Erfolg, der seinesgleichen
sucht. Ebenso ist eine Bundesrepublik ohne die NATO kaum vorstellbar.
Denn dieses Bündnis war und bleibt
eine Zitadelle der Freiheit im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik.

Dieser Besuch hat jedoch eine besondere Bedeutung. Er fällt nämlich
mit zwei Jahrestagen zusammen, die
für unsere beiden Länder von großer
Tragweite sind:
Dem 40. Jahrestag
der
Gründung
der
Bundesrepublik

Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Nachkriegszeit ist eine Geschichte entschlossener und starker Verbündeter,
die durch die Werte des Glaubens, der
Familie, der Menschenrechte und der

es ist uns eine große Ehre, hier
in diesem prachtvollen Saal vom Bundeskanzler und Ihnen allen so herzlich empfangen zu werden.

�Demokratie verbunden sind. Und wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Banden, die unsere Demokratien miteinander verknüpfen. Ein gemeinsames Engagement für die Sache
des Friedens - auch darin sind wir
vereint - und in dem Wissen, daß die
Einheit des Westens für diese Sache
von zentraler Bedeutung ist.
Im Jahr 1989 sind wir unseren
Zielen Frieden und europäische Aussöhnung näher als je zuvor seit Gründung der NATO und der Bundesrepublik.
Aber wir werden sie nur verwirklichen, wenn wir die Grundsätze aufrechterhalten, die unsere Freundschaft und das Atlantische Bündnis
über vierzig Jahre hinweg geleitet
haben.
Der Wind des Wandels weht in Osteuropa, auch in der Sowjetunion.
Dies geschieht
teilweise deshalb,
weil Gorbatschow eingesehen hat, daß
unsere Gesellschaft im Gegensatz zu
seiner funktioniert.
Wir begrüßen
diesen Wandel und sind bereit, über
die Politik des Containment hinaus
eine Politik zu verwirklichen, die um
die Integration der Sowjetunion in
die
internationale
Staatengemeinschaft bestrebt ist. Wir fühlen uns
durch die Veränderungen in Osteuropa,
insbesondere in Polen und Ungarn, ermutigt. Um tiefgreifende wirtschaftliche und politische Reformen zu fördern, werden wir mit einer aktiveren
Einbeziehung der Regierungen und Völker Osteuropas antworten.
Und wenn Hoffnung auf ein Ende
der Teilung Europas besteht, dann
deshalb, weil wir vierzig Jahre lang
zur Verteidigung unserer Freiheit bereit waren.
In Zukunft müssen wir aus der
Vergangenheit lernen. Diese Vergangenheit lehrt uns, daß die Aufrechterhai tung einer starken Verteidigung
die größte Hoffnung auf eine Aufhebung der Teilung und Gewährleistung
der Freiheit Europas birgt.
Denn
Frieden durch Stärke wird der Sowjetunion einen anhaltenden Anreiz bieten, ihre Sicherheit durch Demokrat!-

sierung und Wirtschaftsreform zu festigen. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten haben die gemeinsame
Vision eines weniger militarisierten
Europas, in dem sich nicht länger
diesseits und jenseits von Stacheldraht und Mauern große Armeen gegenüberstehen. Aus diesem Grunde habe
ich gestern beim NATO-Gipfel meine
Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle vorgelegt. Wir streben ein Europa ohne Schranken an, das
durch freie Märkte und Demokratie
vereinigt ist.
Und es ist mir eine Ehre, heute
abend eine Neuigkeit ankündigen zu
dürfen. Schon bald werden Bürger der
Bundesrepublik Deutschland, die als
Touristen
oder Geschäftsleute die
Vereinigten Staaten besuchen, kein
amerikanisches Visum mehr benötigen.
Dies ist ein kleiner Beweis für die
immer engeren Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern.
Vor vierzig Jahren war die Welt
vom vielleicht besten Beweis für
Deutschlands Mut beeindruckt. Er ist
vielfach als "Wiege deutsch-amerikanischer Freundschaft" bezeichnet worden. Natürlich spreche ich hier von
der Berliner Luftbrücke.
Zusammen
haben wir als Verbündete den Kräften
der Tyrannei
widerstanden.
Heute
müssen und werden wir erneut zusammenstehen.
Einzeln können wir keinen Erfolg
haben.
Zusammen können wir nicht
versagen. Und in diesem Sinne bitte
ich unsere Gäste, ihr Glas zu erheben,
- Auf die Bundesrepublik Deutschland am 40. Jahrestag ihrer Gründung und auf die deutsch-amerikanische Freundschaft,
- Auf das dauerhafteste Bündnis in
der Geschichte der Menschheit,
- Auf die Gesundheit meines Freundes und Kollegen, Bundeskanzler
Kohl.
* * * * * *

�30. Mai 1989

BAKER:

GIPFELTREFFEN HAT GESCHLOSSENHEIT DER NATO BEKRÄFTIGT
- Pressekonferenz in Königswinter -

KÖNIGSWINTER - (AD) - In einer Pressekonferenz während des Besuchs von USPräsident Bush in der Bundesrepublik Deutschland hat der amerikanische Außenminister James Baker am 30. Mai 1989 erklärt, der NATO-Gipfel am 29. und 30.
Mai 1989 in Brüssel habe "bewiesen, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht".
Baker ging insbesondere auf Bushs neue Abrüstungsinitiative ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:

Außenminister Baker:
Ich möchte zunächst eine kurze Erklärung abgeben und werde danach gerne Ihre
Fragen beantworten. Wir haben gerade
ein sehr produktives Gipfeltreffen
abgeschlossen, das erste dieser Präsidentschaft.
Wie Sie wissen, hat
der Präsident davon gesprochen, daß
wir in dieser Zeit grundlegenden Wandels
in unseren Beziehungen zur
Sowjetunion über die Politik des
Containment
hinausgehen
sollten.
Meines Erachtens haben wir jetzt eine
Grundlage für die Bewältigung dieses
Wandels.
Dieser Gipfel hat unter Beweis
gestellt, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht.
Wir haben eine
Initiative im Bereich der Rüstungskontrolle erlebt. Wie wir schon frü-

her erklärt hatten, haben wir schon
seit geraumer Zeit politische und
wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen. Die Werte des Westens setzen
sich durch.
Und heute können wir
auch eine Initiative in der Sicherheitspolitik anbieten.
Frage:
Herr Außenminister. was
haben die Amerikaner - vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet aufgegeben, um heute diese Übereinkunft (zu den Kurzstreckenraketen SNF) zu erzielen?
Antwort:
Nun, ich würde es
nicht so ausdrücken, obwohl jede Vereinbarung ein Kompromiß ist. Wie Sie
wissen, haben wir zu dieser Frage vor
dem Brüsseler Gipfel über zwei Monate
hinweg Gespräche geführt.
Während

�dieser Diskussionen haben die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft zu
verstehen gegeben, den Stationierungsbeschluß zu vertagen - Produktion und Stationierung des LanceNachfolgesystems bis Ende 1991, Anfang 1992 - sowie die Bereitschaft,
Verhandlungen über SNF grundsätzlich
zu akzeptieren.
Wir hatten dies bereits vor unserer Ankunft in Brüssel angedeutet.
Wir mußten einen Weg für eine Sprachregelung finden, mit der keiner der
von uns bewahrten Grundsätze verletzt
würde.
Ich möchte diese Grundsätze
hier erwähnen, da sie durchaus von
Interesse sein könnten.
Wir wollten die Position bewahren, daß wir trotz einer eventuellen
Bereitschaft zu Verhandlungen nach
einem gewissen Zeitraum und vorbehaltlich bestimmter Bedingungen bei
solchen Verhandlungen keine Null-Lösung, keine totale oder vollständige
Beseitigung dieser Raketen anstreben
werden.
Wir haben diese Position
aufrechterhalten.
Ferner wollten wir nicht in die
Lage kommen, verhandeln zu müssen,
bevor wir mit der Verwirklichung
eines Abkommens über die konventionellen Streitkräfte beginnen.
Und
dies kommt auch größtenteils in der
Sprachregelung zum Ausdruck.
Und drittens wollten wir keine
Zweifel daran aufkommen lassen, daß
ein Abkommen über die konventionellen
Streitkräfte verwirklicht werden müßte, bevor wir mit der Umsetzung von
im Rahmen eines Abkommens über Kurzstreckenraketen vereinbarten Reduzierungen beginnen können.
Gibt es dazu eine Zusatzfrage?
Frage: Ja. War das nicht von
Anfang an die Position der Vereinigten Staaten, daß Sie nicht vor einem
Abkommen über konventionelle Streitkräfte über die SNF verhandeln würden?
Antwort:

Das

ist

richtig.
- 2

Nicht, bevor die Durchführung eines
Abkommens über die konventionellen
Streitkräfte in greifbare Nähe gerückt ist. Was wir hier erreicht haben, ist eine Erklärung
derzufolge
wir keine Verhandlungen über atomare
Kurzstreckensysteme aufnehmen werden,
bevor nicht die Umsetzung des Abkommens über die konventionellen Streitkräfte eingeleitet worden ist. Ich
kann dies selbst nicht als große Veränderung interpretieren.
Frage:
Herr Außenminister, das
klingt so, als sei alles schon vor
langer Zeit klar gewesen, aber es
gibt zumindest einen Bericht, demzufolge der Präsident mit den Ergebnissen der strategischen Bestandsaufnahme überhaupt nicht zufrieden war, daß
er in den letzten Tagen von einigen
Vertretern des Pentagon und einigen
zivilen Mitarbeitern eine neue Bestandaufnahme angefordert hat, die
dann ziemlich rasch zusammengestellt
wurde und daß das, was er dann auf
dem NATO-Gipfel vorgelegt hat, das
Produkt dieser Überprüfung gewesen
sei...

^

Antwort: Das ist einfach nicht
zutreffend. Das ist gänzlich falsch.
Frage: Was ist denn geschehen?
Antwort: Was meinen Sie damit?
Die Ausgangsfrage betraf die Kurzstreckensysteme. Worüber möchten Sie
sprechen? Konventionelle...
Frage:
Lassen Sie mich deutlicher werden. Hat der Präsident in
letzter Minute einige wichtige Korrekturen an seiner Bewertung, was die
Vereinigten Staaten im Hinblick auf
diese Raketen und die Truppenreduzierung
tun
könnten,
vorgenommen?
Mulroney und andere wurden ja augenscheinlich etwas davon überrascht.
Antwort:
Ich möchte dazu sagen, daß zwar eine Beziehung zur
Durchführung
besteht, beide Dinge
aber voneinander getrennt sind. Die
Initiative
zu den konventionellen
Streitkräften wurde innerhalb einer

v,

�sehr kleinen Gruppe dieser Administration diskutiert, und dies begann
schon in den ersten Tagen dieser Administration.
Das Abkommen über die atomaren
Kurzstreckensysteme ist mit den Fragen der Modernisierung und Verhandlungen verbunden. Die Gespräche über
dieses Thema haben wir mit unseren
Verbündeten im Rahmen meiner ersten
Reise in die NATO-HauptStädte im Februar aufgenommen. Beide Dinge wurden
auf getrennten Wegen verfolgt und waren in keiner Weise miteinander verbunden.
Frage:
War dies
tens kein Wendepunkt?

Ihres

Erach-

Antwort:
Nein, die Vorschläge
über konventionelle Streitkräfte sind
bereits in den Anfangstagen dieser
Administration
von
einer
kleinen
Gruppe in dieser Regierung erörtert
worden.
Frage:
Herr Außenminister, ist
es keine Frage der Auslegung verschiedener Parteien, ob jemals eine
Null-Lösung bei den Kurzstreckenraketen ausgehandelt werden kann?
Antwort:
Nein, es ist keine
Frage der Auslegung. Meiner Ansicht
nach ist der Begriff "teilweise" klar
definiert und bedeutet keine vollständige Beseitigung. Aber dabei muß
es nicht bleiben. Das ist in Paragraph 48 der Vereinbarung festgelegt.
Wenn Sie sich darüber hinaus Paragraph 45 - insbesondere den letzten
Satz - ansehen, so wird darin Bezug
auf die betroffenen Nuklearstreitkräfte genommen, und es werden land-,
see- und luftgestützte Systeme angeführt, einschließlich der "landgestützten Raketen unter den gegenwärtigen Bedingungen und soweit in Europa gegebenenfalls erforderlich ist".
Dazu können Sie auch Paragraph 63
prüfen. Unserer Meinung nach liegt
es also auf der Hand, daß es keine
Null-Lösung geben wird.

Frage:
Ja, aber wie sieht es
in Zukunft aus?
"Gegebenenfalls"
kann auch nur ein paar Jahre bedeuten.
Antwort:
Wenn Sie eine Ankündigung von mir wünschen, daß es keine
ausdrückliche Erklärung gibt, derzufolge dies nicht von unbegrenzter
Dauer ist, werde ich diese nur zu
gern abgeben. Aber Tatsache ist, daß
abgebrochene Verhandlungen kein Ei—
gebnis zulassen, das zu einer NullLösung führt oder diese Raketen vollständig beseitigt.
Frage:
Könnten Sie uns noch
etwas über die Verhandlnugen der vergangenen Nacht berichten, die sich
auf den "teilweisen" Aspekt konzentrierten und eine dritte Null-Lösung
ausschlössen. Sollte damit der Bundesregierung
ein
etwas
größerer
Spielraum zugestanden werden. Können
Sie uns etwas dazu sagen?
Antwort: Es sollte nicht in so
harten Worten ausgedrückt werden,
weil diese Worte der Bundesregierung
gegenüber zu stark sind.
Und aus
diesem Grunde haben wir uns auf diese
Sprachregelung geeinigt.
Frage:
Herr Außenminister, zurück zu der Frage der Überprüfung.
Viele von uns haben die Reden des
Präsidenten in den vergangenen Wochen
gehört und dabei vernommen, wie er
mit dem Wort "Vorsicht" umgegangen
ist. Er hat über Besonnenheit gesprochen. Und jetzt haben wir einen
ganz eindeutigen Vorshlag, der sich
von seinen Reden sehr zu unterscheiden scheint. Die Frage, die wir uns
jetzt stellen, lautet, ob hier eine
Kursänderung zu beobachten ist?
Antwort:
Nein, dies ist keine
Kursänderung. Besonnenheit und Realitätssinn werden weiterhin Leitlinien
dieser
Beziehungen
bleiben.
Aber die Tatsache, daß der Präsident
einen eindeutigen Vorschlag unterbreitet hat, bedeutet keineswegs eine
Abkehr von Besonnenheit und Realitätssinn, wenn Sie den Vorschlag eingehend betrachten. Dieser Vorschlag

�schafft ein Gleichgewicht bei der gesamten
Bandbreite
konventioneller
Waffen, außer den Seestreitkräften,
die davon nicht betroffen sind. Er
schafft einen Gleichstand angesichts
des ungeheuren Ungleichgewichts, der
dem Ostblock Vorteile verschafft.
Wenn wir also über Reduzierungen
sprechen - über die Reduzierung um
29 000 Soldaten, oder wenn wir den
Abbau von 750 oder 800 Kampfflugzeugen erörtern, müssen wir uns vor Augen führen, welche viel umfangreicheren Reduzierungen der Ostblock vornehmen muß. Es bandelt sich hierbei
um 300 000 Soldaten und Tausende von
Flugzeugen. Das ist keineswegs ein
unbesonnener Vorschlag.
Frage: Sie bezeichnen dies als
Ergebnis der Überprüfung, aber nicht
als Kursänderung. Der Präsident bat
der
Überprüfung
zugestimmt,
und
selbst bekundet, es habe ...
Antwort:
Nein, das habe ich
nicht gesagt.
Der Präsident, wie
auch wir alle, war mit der Überprüfung sehr zufrieden. Diese besondere
Initiative fand auf einer anderen
Ebene statt. Sie durchlief nicht die
Dienstwege. So kann ich es am besten
erklären.
Alle mit diesen Dingen befaßten
Dienststellen in unserer Bundesregierung haben diesen Vorschlag geprüft.
Aber er wurde nicht zur allgemeinen
Überprüfung freigegeben, sondern auf
einer höheren Regierungsebene behandelt.
Frage:
Ich denke, Sie haben
zugestimmt, daß die deutsche Bundesregierung den von Ihnen und dem Präsidenten in Kennebunkport unterbreiteten
Gegenvorschlag
grundsätzlich
akzeptiert hat.
Der Präsident hat
sogar heute morgen in seiner Pressekonferenz den Begriff "eindeutig"
verwendet. Und dennoch hat die Bundesregierung ihn, als sie zuerst davon Kenntnis erhielt, zurückgewiesen.
Es wird vielfach behauptet, SNF-Gespräche könnten demnach möglicherwei-

se erst
im nächsten
Jahrhundert
stattfinden.
Und jetzt haben sie
denselben Vorschlag akzeptiert. Was
ist geschehen? War es der konventionelle
Rüstungskontro]lvorsch]ag
des Präsidenten oder die Tatsache,
daß die Vertreter der Bundesrepublik
sich im NATO-Rat in einer sehr kleiner Minderheit sahen oder beides?
Antwort:
Beides
stimmt
zum
Teil. Beim Gipfel gab es die Haltung, daß die Vereinigten Staaten
noch vor ihrem Eintreffen dort entgegenkommend waren. Wie ich Ihnen berichtet habe, was dies Thema einer
zweimonatigen Übung. Und viele Verbündete nahmen die Position ein, daß
wir so entgegenkommend waren, die
veränderten Bedingungen anzuerkennen,
dabei Flexiblität zu beweisen und
dennoch unsere Abschreckung zu schützen. Und viele der Verbündeten waren
wohl der Ansicht, daß wir diesen Ansatz verfolgt hatten.
Das war jedoch nicht der einzige
Grund. Ich bin der Meinung daß die
Initiative über konventionelle Rüstungskontrolle Eingang in die deutsche Denkweise gefunden hat, obwohl
sie dazu selbst befragt werden sollten. Aber die Tatsache, daß wir eine
Initiative und damit einen Rüstungskontrollvorschlag über konventionelle
Streitkräfte unterbreitet haben, der
zumindest die Möglichkeit eines Abschlusses vor Jahresfrist zuläßt,
wird jetzt auch von ihnen erwogen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
haben erklärt, daß keine Kursänderung
stattgefunden hat, aber hat nicht
eine Veränderung im Denken des Präsidenten stattgefunden? In seiner Rede
in Texas am 12. Mai schien er die Betonung auf eine Reibe von einseitigen
Schritten zu legen, die die Sowjets
unternehmen sollten, einschließlich
eines einseitigen Truppenabbaus vor
einem Schritt unsererseits, und in
seinem Vorschlag gestern hat er von
beiderseitigen
Reduzierungen
gesprochen.
Antwort:

Ich

denke,

es

gibt

�4

immer noch Schritte, die er zunächst
von den Sowjets vorgenommen sehen
möchte. Wir würden gern beobachten
können, daß sich das neue Denken in
vielen Teilen der Welt auch in Taten
und nicht nur in Worten manifestiert.
Sie sollten die Tatsache, daß der
Präsident einen eindeutigen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
unterbreitet hat, nicht als Kursänderung oder Richtungswechse] deuten, weil dieser Vorschlag sehr gut
für ....

*

Frage: Ich habe es als Veränderung im Denken bezeichnet.
Antwort:
Bedenken
Sie
aber
bitte: dieser Vorschlag ist für die
Vereinigten Staaten von großem Nutzen. Deshalb hat er ihn unterbreitet. Es handelt sich hierbei nicht
um etwas, was wir für die Sowjetunion
tun. Das ist von unserem Standpunkt
aus betrachtet sehr positiv.
Im
Westen wird es uns besser gehen, und
wir werden sicherer sein, wenn die
Sowjets ihn akzeptieren. Und übrigens haben wir gerade davon Kenntnis
erhalten, daß Schewardnadse diesen
Vorschlag als sehr ernsthaft, positiv
und substantiell bezeichnet und darauf hingewiesen hat, er würde ernsthaft in Erwägung gezogen, und das ist
sehr gut.

i)

Frage:
Ich möchte eine kurze
Anschlußfrage stellen. Bei dem gestrigen Informationsgespräch bezeichneten Regierungsvertreter den sowjetischen Vorschlag als einen Grund dafür, daß wir jetzt von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt seien und dies
auch der Anlaß für die jüngste Reaktion des Präsidenten war.

J

Antwort: Sie meinen die sowjetische Antwort auf den ursprünglichen
NATO-Vorschlag zu den konventionellen
Streitkräften? Ja.
Frage: Die Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO. Es
schien, als habe sich hier etwas bewegt.

Antwort: Richtig.
Frage: Ich meine, streiten Sie
ab, daß es keinen Wandel im Denken
oder Verhalten gab?
Antwort:
Aber nein.
Ich sage
nur, daß keine tiefgreifende Veränderung stattgefunden hat. Aber die in
diesem Zusammenhang angestellten Erwägungen des Präsidenten liegen weit
zurück und datieren noch vor der
sowjetischen Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO zu
konventionellen Rüstungen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
erklären, dieses Abkommen im konventionellen Bereich könnte binnen eines
Jahres erzielt werden. Ist es möglich oder denkbar, daß SNF-Verhandlungen noch vor der Modernisierungsentscheidung im Jahr 1992 stattfinden?
Besteht da die entfernteste
Möglichkeit?
Und möchten Sie auf
diese Art und Weise Verhandlungen mit
der Sowjetunion aufnehmen?
Antwort: Das ist eine Möglichkeit. Meiner Ansicht nach ist die
Einjahresfrist
optimistisch,
aber
nicht unrealistisch.
Frage:
Möchten Sie Verhandlungen dieser Art mit der Sowjetunion
führen, bei denen die Modernisierungsfrage ausgeklammert bleibt und
aus diesem Grund kein Druck auf die
Sowjets ausgeübt wird, die dann denken, sie werden diese Raketen bekommen und können weiterhin ihr politisches Spiel mit der Bundesrepublik
treiben?
Antwort:
Verhandlungen
aufzunehmen, bedeutet noch lange nicht,
daß man nachgibt. Und die Entscheidung über die Modernisierung fällt im
Jahr 1992. Wir sprechen also von
einem Zeitraum von 14 bis 17 Monaten.
Abgesehen davon sind hier Bestimmungen enthalten, denen zufolge unsere
derzeitigen Streitkräfte auf dem neuesten Stand gehalten werden müssen,
und das werden wir tun. Diese Waffen
werden also weiterhin
stationiert

- 5 -

�bleiben.
Frage:
Aber das erfordert Mode rniserung, da sie Mitte der neunziger Jahre veraltet sein werden.
Antwort:
Mitte der neunziger
Jahre, also ungefähr 1996 - ja. Aber
wir sprechen nicht über diesen Zeitraum. Wir werden die Frage der Modernisierung im Jahr 1992 erneut
überprüfen.
Frage:
Aber um Waffen zu unterhalten, müssen sie modernisiert
werden. Trifft das nicht zu?
Antwort:
Nein, eine Modernisierung ist nicht erforderlich. Im
Augenblick unterhalten wir 88 Waffensysteme und haben bei jedem einzelnen
Gipfeltreffen vereinbart, daß diese
Systeme auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wir halten sie instand
und auf dem neuesten Stand und das
werden wir auch weiterhin tun. In
diesem Kommunique ist nichts enthalten, das uns davon abhalten könnte.
Frage:
Besteht hier nicht ein
Widerspruch, wenn es keinen Modernisierungsbeschluß gibt?
Antwort:
Die
Modernisierung
bezieht sich auf ein neues System,
die Entwicklung eines Lance-Nachfolgesystems. Bis wir diesen Beschluß
fassen, werden wir unsere Lance-Raketensysteme auf dem neuesten Stand
halten.
Frage:
Herr Außenminister,
Präsidenten zufolge können Sie
sagen, wer dafür verantwortlich
daß das Wort "teilweise" in dem
munique unterstrichen wurde.

dem
uns
war,
Kom-

Antwort: Wir.
Frage:
Staaten?

Wir,

Antwort:
Ja
einigten Staaten.
Frage: Warum?

die
wir,

Vereinigten
die

Ver-

Antwort:
Weil wir aus dem in
der ersten Frage erörterten Grund
eine gewisse Betonung auf dieses Wort
legen wollten.
Frage:
Herr Außenminister, was
muß vor einem Modernisierungsbeschluß
geschehen?
Müssen Fortschritte bei
den Gesprächen erzielt werden? Muß
tatsächlich ein Abbau der konventionellen Waffen erfolgen?
Antwort:
Es muß genug politische Unterstützung für den Modernisierungsbeschluß der NATO im Jahr
1992 geben.
Frage: Und was wird diese Entscheidung auslösen?
Antwort:
Nun, das hängt von
den weltweiten sicherheitspolitischen
Entwicklungen ab. Wir müssen prüfen,
ob das neue Denken Bestand hat, abwarten, ob die Sowjetunion weiterhin
auf den Westen zugeht, beobachten, ob
der Osten nach wie vor einen Schritt
in Richtung
auf westliche Werte
macht. Alle diese Aspekte fließen in
das politische Kalkül ein, ob es im
Jahr 1992 ausreichende Unterstützung
für diesen Beschluß geben wird.
Frage:
Ein Vertrag über den
Abbau konventioneller Rüstungen wäre
also nicht unbedingt Voraussetzung?
Antwort:
Nein, es gibt keine
solche Bedingung oder Einschränkung.
Frage: Werden Sie sich vor der
dritten Verhandlungsrunde im September mit Außenminister Schewardnadse
treffen?
Antwort:
Bisher
beabsichtige
ich nicht, mich vor September mit ihm
zu treffen. Sie dürfen nicht vergessen, daß es sich hierbei um Entscheidungen des Bündnisses handelt. Der
Vorschlag über einen Truppenabzug betrifft amerikanische und sowjetische
Streitkräfte
und
würde
natürlich
einen bilateralen Dialog gestatten,
aber wir würden dazu sehr enge Konsultationen mit dem Bündnis bevorzugen.

�Frage:
Aber
direkter
Dialog
würde sie auch nicht unbedingt beschleunigen.
Sobald also die offizielle Sprachregelung
im September
vorliegt, könnte man wirklich Fortschritte machen?
Antwort:
Wir
würden
diesen
Vorschlag sehr gerne bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen am - wenn
ich mich richtig erinnere - 7. September - auf den Verhandlungstisch
legen. Aber hierbei handelt es sich
um ein Maßnahmenpaket.
Wir unterbreiten diesen Vorschlag nicht mit
dem Gedanken, daß der Osten sich dann
das herauspickt, was ihm gefällt und
das andere übrigläßt. Natürlich müssen noch einige Probleme gelöst werden.
Es gibt Zählvorschriften, insbesondere für Flugzeuge, aber auch
für Artillerie. Es gibt noch Fragen
bezüglich
der
Demobilisierung
und
Außerdienststellung
der
abgebauten
Truppen.
Diese Fragen bedürfen der
Erörterung, aber wir hoffen, einen
solchen Vorschlag bei der Wiederaufnahme der Wiener KSE-Verhandlungen am
7. September unterbreiten zu können.
Herr Außenminster,
dieses Gespräch.

wir

* * * * * *

danken

für

�</text>
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                <text>Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;30. Mai 1989&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Baker: Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz in Königswinter&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

7. Juni 1989

22

INHALT

DOKUMENTATION
Bush setzt Waffenverkäufe an China aus
- Erklärung des Präsidenten zu den Ereignissen in der Volksrepublik
Bush: NATO kann zur Gestaltung einer besseren Welt beitragen
- Erklärung des Präsidenten in New Hampshire -

WISSENSCHAFT J ^ J J C J W I K
Non-A-Non-B-Hepatitis - Infektion im Blut direkt nachweisbar
Kampf gegen Drogen braucht weltweite Zusammenarbeit
- DEA-Chef vor Arbeitskreis ausländischer Journalisten -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VoN^

xr

Ä&lt;A

JK

Juni 1989

BUSH SETZT WAFFENVERKÄUFE AN CHINA AUS
- Erklärung des Präsidenten zu den Ereignissen in der Volksrepublik WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 5. Juni 1989 die "Aussetzung aller staatlichen und privaten Waffenexporte" an die Volksrepublik China verkündet, um damit die Mißbilligung der Niederschlagung der "vom Volk ausgehenden,
friedlichen Demonstrationen in China" durch die Vereinigten Staaten zu unterstreichen.
Die vom amerikanischen Präsidenten im Rahmen einer Pressekonferenz in Washington abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
In den vergangenen Tagen haben
Einheiten der chinesischen Armee in
brutaler Weise die vom Volk ausgehenden, friedlichen Demonstrationen unterdrückt.
Es gab weitverbreitete
und anhaltende Gewalt, viele Tote und
Verwundete.
Wir bedauern die Entscheidung zum Einsatz von Gewalt, und
ich fordere die chinesische Führung
öffentlich auf, wie ich es auch schon
über private Kanäle getan habe, Gewaltanwendung zu vermeiden und zu ihrer früheren Politik der Mäßigung zurückzukehren.
Die Demonstranten auf dem Platz
des Himmlischen Friedens vertraten
grundlegende Menschenrechte, darunter
Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Dies sind Ziele, die wir auf
der ganzen Welt unterstützen. Dies

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sind Freiheiten, die sowohl in der
amerikanischen als auch in der chinesischen Verfassung verankert sind.
In der ganzen Welt stehen wir auf der
Seite derer, die nach mehr Freiheit
und Demokratie streben.
Diese Ansicht wird von meiner Administration,
unserem Kongreß und vor allem vom
amerikanischen Volk mit Nachdruck
vertreten.
In den vergangenen Wochen haben
wir gegenseitige Zurückhaltung, Gewaltlosigkeit und Dialogbereitschaft
gefordert. Stattdessen hat ein gewaltsamer und blutiger Angriff auf
die Demonstranten stattgefunden. Die
Vereinigten Staaten können die gewaltsamen Angriffe nicht gutheißen
und die Folgen für unser Verhältnis
zu China nicht ignorieren, das sich

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�auf die breite Unterstützung des amerikanischen Volkes gründete.
Dies ist nicht die Zeit für eine
emotionale Antwort, sondern für vernünftige, vorsichtige Handlungen, die
sowohl unseren langfristigen Interessen als auch dem Wissen um die komplexe innenpolitische Lage in China
Rechnung tragen. Eindeutig gibt es
Auseinandersetzungen
innerhalb
der
politischen Führung wie auch in der
Volksbefreiungsarmee. Nun ist es an
der Zeit, über den Augenblick hinaus
die bedeutenden und dauerhaften Aspekte dieses für die Vereinigten
Staaten entscheidenden Verhältnisses
zu betrachten. In der Tat verdankt
dieses Aufkeimen der Demokratie, dessen Zeugen wir in den letzten Wochen
geworden sind, viel diesem Verhältnis, das wir seit 1972 entwickelt haben, und es ist jetzt wichtig, in einer Art und Weise zu handeln, die der
Ermutigung der weiteren Entwicklung
und der Vertiefung der positiven Elemente dieses Verhältnisses und dem
Demokratisierungsprozeß dienen wird.
Es wäre für alle eine Tragödie, wenn
China in die Ära der Isolation und
Repression vor 1972 zurückfallen würde.
Unter
Berücksichtigung
dieser
komplexen Lage und der gleichzeitgen
Notwendigkeit,
unsere
Verurteilung
der Ereignisse der vergangenen Tage
energisch und eindeutig zum Ausdruck
zu bringen, ordne ich folgendes an:
Aussetzung aller staatlich vereinbarten Waffenverkäufe und privater Waffenexporte, Aussetzung von Besuchen
amerikanischer und chinesischer Militärs, wohlwollende Behandlung von Ersuchen chinesischer Studenten in den
Vereinigten Staaten um Verlängerung
ihres Aufenthaltes, ein Angebot humanitärer und medizinischer Hilfe durch
das Rote Kreuz für diejenigen, die
während des Angriffs verletzt wurden
sowie die Überprüfung anderer Aspekte
unseres bilateralen Verhältnisses im
Zuge der weiteren Entwicklung in China.
Der

Prozeß

der

Demokratisierung

der
kommunistischen
Gesellschaften
wird nicht reibungslos ablaufen, und
wir müssen auf Rückschläge in einer
Art und Weise reagieren, die Fortschritte zu offenen und repräsentativen Systemen stimulieren anstatt sie
zu ersticken.

*****

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

7. Juni 1989

22

BUSH: NATO KANN ZUR GESTALTUNG EINER BESSEREN WELT BEITRAGEN
- Erklärung des Präsidenten In New Hampshire -

PEASE AIRFORCE BASE (New Hampshire) - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem
Luftwaffenstützpunkt Pease erklärte Präsident Bush am 2. Juni 1989 zu seiner
einwöchigen Europa-Reise, bei der er auch am NATO-Gipfel in Brüssel teilnahm,
das Atlantische Bündnis habe "niemals mehr Zusammenhalt und mehr Stärke bewiesen" .
Bush verwies ferner darauf, "obwohl wir unsere Verteidigung aufrecht und
unsere Augen offenhalten, müssen wir vorwärts streben. Wir müssen in der Offensive bleiben. Wir müssen jetzt die Arbeit aufnehmen, um den Kalten Krieg
zu beenden."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Erklärung im Wortlaut:

Vergangene Woche waren meine Frau
und ich im Vatikan, in Rom, Brüssel,
Bonn und London und haben gemeinsam
mit unseren Verbündeten einen Kurs
für die Zukunft festgelegt. Und wir
müssen in Bewegung bleiben, um diese
Vorhersagen zu erfüllen, über das
Containment, das Zeitalter der Konflikte und des Kalten Krieges hinaus,
die die Welt seit mehr als vierzig
Jahren erlebt hat, weil die Bewahrung
des Friedens in Europa auch Frieden
für Amerika bedeutet. Unser Bündnis
strebt ein weniger militarisiertes
Europa und eine sicherere Welt für
uns alle an.
Ich kehre jetzt mit einer Botschaft - einer Botschaft der Hoffnung
- für das amerikanische Volk aus Europa zurück. Wir haben eine große

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Embassy of the United States of America

und historische Chance, die in Europa
wirkenden Veränderungen mitzugestalten. Diese Chance bietet sich uns
nicht nur, weil wir stark und entschlossen sind, sondern aufgrund der
Macht unserer Ideen, insbesondere der
einen Idee, die über die kommunistische Welt hinwegfegt - Demokratie.
In den vergangenen Wochen habe
ich in mehreren Reden Möglichkeiten
aufgezeigt, um mit Hilfe der Veränderungen das beste aus dieser Chance zu
machen. Das möchte ich noch einmal
zusammenfassen. In Michigan habe ich
hervorgehoben, daß die Vereinigten
Staaten die von den Kräften der Freiheit in Osteuropa angeführte friedliche Reform aktiv fördern wollen. In
meiner Rede in Texas habe ich Amerikas Engagement für einen ausgewogenen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ansatz im Verhältnis mit der Sowjetunion bekundet - daß wir stark und
realistisch bleiben, Taten und nicht
Worte beurteilen und dennoch eine
Freundschaft mit den Sowjets anstreben müssen, die kein Mißtrauen kennt.
Bei der Boston University lag der
Schwerpunkt auf unserer Partnerschaft
mit einem einigeren Westeuropa - und
darauf, daß ein starkes Europa ein
starkes Amerikas bedeutet. Und bei
der Coast Guard Academy habe ich erklärt, daß Amerika bereit ist, jede und ich meine wirklich jede - Gelegenheit zu ergreifen, um die Sowjetunion in die Staatengemeinschaft einzugliedern.
Und dann haben meine
Kollegen und ich in Brüssel zum 40.
Jahrestag der Gründung des Nordatlantischen Bündnisses die vierzig Jahre
der NATO gefeiert, in denen sie erfolgreich den Frieden in Europa bewahrt hat - die längste Periode ohne
Krieg in der Geschichte dieses Kontinents.
Und wir wurden daran erinnert,
daß die Zukunft so vieler Nationen
wieder einmal von der Einheit und
Entschlossenheit der NATO abhängt.
Und wurden daran erinnert, daß die
NATO stark und einig bleiben muß und
sind herausgefordert, diese neue Gelegenheit für Fortschritte zu ergreifen und gleichzeitig den Prinzipien,
die uns dorthin geführt haben, treu
zu bleiben.
Wir haben uns dieser Herausforderung gestellt. Wir werden gemeinsam
vorgehen - und erhoffen ein Europa,
das ungeteilt und frei ist. In der
Mainzer Rheingoldhalle, im Herzen
Deutschlands, habe ich darauf hingewiesen, daß der Kalte Krieg mit der
Teilung Europas begann und mit einer
Wiedervereinigung enden muß, die auf
gemeinsamen Werten basiert, bei der
Osteuropa ebenso wie Westeuropa Mitglied in einem Staatenbund freier Nationen wird.
Dies ist meine Vision von der Zukunft, und ich kann auch den Weg
dorthin aufzeigen.
Der Warschauer

Pakt verfügt über viel mehr Flugzeuge, Waffen und Soldaten in Europa als
die NATO, und wir fordern, daß die
Sowjets, wenn sie es ernst meinen,
durch Reduzierungen einen Gleichstand
herbeiführen.
Unser Vorschlag ist
kühn, aber grundsätzlich fair und
wird von jedem einzelnen unserer Verbündeten befürwortet.
Wir haben eine neue Initiative
für umfassendere und schneller ausgehandelte Reduzierungen bei konventionellen Waffen vorgeschlagen, um den
seit 1945 mit den massiven Land- und
Luftstreitkräften über Europa liegenden Schatten zu lüften, und unsere
Verbündeten haben
dem zugestimmt.
Und wir haben vorgeschlagen, daß Berlin - Ost und West - ein Zentrum der
Zusammenarbeit, nicht der Konfrontation wird. Unsere Verbündeten haben
dem zugestimmt.
Wir haben darüber
hinaus vorgeschlagen, daß wir den
KSZE-Prozeß unterstützen, um freie
Wahlen in Osteuropa zu ermutigen, und
unsere Verbündeten haben diesem Punkt
ebenfalls zugestimmt.
Da die Bedrohung der Umweltzerstörung vor keiner Grenze halt macht,
haben wir vorgeschlagen, daß der Westen sich mit den Ländern Osteuropas
zur Lösung eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit zusammenschließt dem gemeinsamen Kampf zur Rettung der
Natur als unserem Erbe.
Und mit unserer Vereinbarung innerhalb der NATO über unsere atomaren
Kurzstreckenraketen in Europa haben
wir als Bündnis demonstriert, daß wir
mit Veränderungen umgehen und doch
der Abschreckungsstrategie treu bleiben können, die den Frieden bewahrt
hat.
Kurzum hat der NATO-Gipfel diese
Woche in Brüssel gezeigt, daß wir zur
Gestaltung einer besseren Welt bereit
sind.
In diesem Zeitraum historischer Veränderungen hat die NATO niemals mehr Zusammenhalt und mehr Stärke bewiesen. Wir haben ein Kommunique veröffentlicht, in dem unsere Vision für die Zukunft und unsere Vor-

�gehensweise dargelegt werden.
Und
dies ist keine arrogante Herausforderung an Gorbatschow, sondern ein Appell in gutem Glauben. Der Gipfel
war ein Triumph für das Bündnis, ein
Triumph der Ideen und vor allem ein
Triumph der Hoffnung.
Und ich möchte auch hervorheben,
wie befriedigend es ist, daß dies alles in unserem Land und auch im Ausland auf soviel Verständnis stieß.
Obwohl wir unsere Verteidigung aufrecht und unsere Augen offenhalten,
müssen wir vorwärts streben.
Wir
müssen in der Offensive bleiben. Wir
müssen jetzt die Arbeit aufnehmen, um
den Kalten Krieg zu beenden.
Die
Welt hat lange genug gewartet, und
wenn wir Erfolg haben, wird die Welt,
die unsere Kinder kennenlernen werden
- das 21. Jahrhundert - eine bessere
Welt werden.
Wir freuen uns, heute hier sein
zu dürfen, und ich grüße die Mitarbeiter
des
Luftwaffenstützpunktes
Pease, die zur Bewahrung des Friedens
beigetragen haben. Ich danke meinen
Freunden und Nachbarn aus New Hampshire und sehe sogar einige aus Kennebunkport in Maine hier. Ich danke
auch den beiden Gouverneuren und den
Kongreßabgeordneten, daß sie hierher
gekommen sind, um uns zu begrüßen,
und insbesondere einem früheren Gouverneur des Staats New Hampshire und
meinem
fähigen
Stabschef,
John
Sununu, unserem Verteidigungsminister
Dick Cheney, unserem Außenminister
James Baker und meinem Freund und Berater, dem Leiter des Nationalen Sicherheitsrats,
General
Brent
Scowcroft.
Meine Frau und ich freuen uns
über die Begrüßung zuhause. Ich danke Ihnen allen. Gott segne Sie und
die Vereinigten Staaten von Amerika.
Vielen Dank.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

7. Juni 1989

22

NON-A-NON-B-HEPATITIS - INFEKTION IM
BLUT DIREKT NACHWEISBAR

(AD) - Als "überaus wichtigen
Durchbruch" bezeichnet Dr. Richard
Aach, Spezialist für Virus-Hepatitis
an der Johns Hopkins-Universität in
Baltimore (Maryland), die erfolgreiche klinische Erprobung eines Bluttests zum Nachweis einer Infektion
mit Erregern der Non-A-Non-B-Hepatitis.
Wie die amerikanische Zeitschrift "Science" in ihrer Ausgabe
von 21. April 1989 berichtet, eignet
sich der neue Test ausgezeichnet zur
Identifizierung dieser Infektion in
Spenderblut, was nunmehr zum ersten
Mai direkt möglich ist. In den Vereinigten Staaten wird nach Bluttransfusionen diese Hepatitis-Infektion am
häufigsten
festgestellt.
Mit der
Kontrollmethode können pro Jahr etwa
150 000 neue Hepatitis-Infektionen
verhindert werden.

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Embassy of the United States of America

Die klinische Erprobung begann im
August 1988 an mehreren großen Krankenhauszentren. Anfang 1990 soll ein
Test zur Blutprüfung auf den Markt
kommen. Darüber hinaus gibt der Test
den Epidemiologen die Möglichkeit,
zum ersten Mal den Grad der Durchseuchung der Bevölkerung mit Non-A-NonB-Hepatitis festzustellen. Da ca. 75
Prozent der infizierten Personen keine Krankheitssymptome entwickeln, ist
gar nicht bekannt, wie stark der Erreger der Non-A-Non-B-Hepatitis verbreitet ist.
Für die Erkrankung
selbst gibt es noch keine Therapie,
obgleich zur Zeit einige Versuchspräparate erprobt werden.
Etwa 10 Prozent aller Erkrankungen an Non-A-Non-B-Hepatitis treten
nach Bluttransfusionen auf. Der Er-

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Telex: 8-85432

�reger, den Wissenschaftler bisher
noch nie zu Gesicht bekamen, kann
auch durch Benutzen desselben Spritzenbestecks durch Rauschgiftsüchtige
sowie durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Etwa 50 Prozent der
infizierten Personen entwickeln ausreichende Abwehrkräfte im Organismus
und überwinden die Infektion.
Die
andere Hälfte wird chronischer Virusträger. Bei etwa 20 Prozent dieses
Personenkreises kommt es zu Leberzirrhose, was bei manchen zum Tod infolge Leberversagens führt.
Non-A-Non-B-Hepatitis unterscheidet sich sowohl von Hepatitis-A als
auch von Hepatitis-B.
Hepatitis-A,
die vor allem im asiatischen Raum Hunderte Millionen Fälle von Lebererkrankungen hervorruft, wird in erster
Linie durch verseuchte Nahrungsmittel
und verseuchtes Wasser, aber nur selten durch Bluttransfusionen weiterverbreitet. Für Hepatitis-B gibt es
bereits einen Bluttest sowie eine
Schutzimpfung, die allerdings sehr
kostspielig ist. Eine passive Immunprophylaxe schützt einige Monate lang
vor der schweren From einer Hepatitis-B-Erkrankung.
Sie wird durch
Kontakt mit infiziertem Blut und anderen Körperflüssigkeiten übertragen.
Den neuen Bluttest auf Non-ANon-B-Hepatitis-Erreger
entwickelten
im vergangenen Jahr Wissenschaftler
der Chiron-Corporation (Emeryville,
Kalifornien), nachdem es ihnen gelungen war, vom Virus stammende Proteine
zu isolieren. Auf der Basis dieser
Proteine führten dann gentechnische
Methoden zum Erfolg. Der Test ist
einem Prüfverfahren ähnlich, nach dem
in Blutbanken versucht wird, Antikörper gegen AIDS-Viren in Spenderblut
zu entdecken, die auf eine AIDS-Infektion hinweisen.
*****

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

7. Juni 1989

22

KAMPF GEGEN DROGEN BRAUCHT WELTWEITE ZUSAMMENARBEIT
DEA-Chef vor Arbeitskreis ausländischer Journalisten
(AD) - John Lawn, Leiter der
Strafverfolgungsbehörde für Drogendelikte (DEA - Drug Enforcement Administration), forderte kürzlich vor ausländischen Journalisten internationale Zusammenarbeit, um eine gemeinsame
Lösung für das Drogenproblem zu finden.
Die Medien können viel dazu
beitragen, um der Öffentlichkeit klar
zu machen, was auf dem Spiel steht.
In den vergangenen fünf Jahren
sind die Länder, in denen Drogen produziert werden und die Drogenhandel
dulden, selbst zu Märkten für Rauschgift geworden. Deshalb sehen jetzt
mehr Länder ein, wie lebenswichtig
internationale
Zusammenarbeit
ist.
Der Kampf gegen Drogen müsse Vorbeugung, Strafverfolgung, Therapie und
Forschung miteinander verbinden, sag-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

te Dawn.
Die DEA arbeitet mit 45 Ländern
zusammen, zu denen auch China gehört.
Über seine vor kurzem in der Sowjetunion geführten Gespräche berichtete
Lawn u.a., daß man dort über "das reale und zunehmende Problem illegaler
Drogen" immer mehr besorgt sei. In
Mexiko hat die neue Regierung strenge
Maßnahmen gegen Rauschgifthändler ergriffen. Kolumbien bringe viele Opfer im Kampf gegen Drogen. Dieses
Land ist ein Beispiel dafür, was getan werden könne - selbst unter widrigsten Bedingungen.
Die Vereinigten
Staaten sehen
sich weiterhin einer Drogenepidemie
gegenüber,
obgleich
Fahndung
und
Strafverfolgung ganz erheblich ausge-

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�weitet und verschärft wurden.
Die
DEA nimmt täglich durchschnittlich 66
Verhaftungen vor, schließt drei geheime Drogenlabors, zieht zwei Millionen Dollar ein und beschlagnahmt
12 Waffen, davon zwei automatische
Waffen.
Wie Lawn weiter erklärte,
wird in den Vereinigten Staaten zunehmend härter gegen Drogenkonsumenten vorgegangen. In einigen Bundesstaaten können Halbwüchsige mit Drogenproblemen keinen Führerschein bekommen; viele Firmen machen eine Einstellung von Drogentests abhängig.
"Strafverfolgung allein kann jedoch das Drogenproblem nicht lösen".
Der DEA-Chef verwies darauf, daß beispielsweise im April dieses Jahres
jeder zehnte Amerikaner illegale Drogen nahm - im vergangenen Jahr waren
es doppelt so viele. Der Drogenkonsum der einzelnen Bevölkerungsgruppen
änderte sich. Der Anteil weiblicher
Kokainsüchtiger nimmt beispielsweise
auffallend zu.
Wegen
des
Zusammenhangs
mit
AIDS-Infektionen sei, so Lawn, der
Anstieg
des
Drogenmißbrauchs
bei
Frauen äußerst
schwerwiegend.
Im
vergangenen Jahr wurden 375 000 Kinder geboren, bei denen Infektionen
als Folge des Drogenkonsums der Mutter festgestellt wurden. Und schon
in zwei Jahren dürften in den USA
10 000 bis 20 000 Babies geboren werden, die mit AIDS infiziert sind,
weil sich ihre Mütter Rauschgift bedenkenlos und um jeden Preis zu verschaffen suchten.
Amerikanische Sondergesetze lassen die Beschlagnahme von Bargeld,
Hausbesitz und anderen Vermögenswerten zu, die aus Drogenhandel stammen.
Wenn der Staat Zugriff zum Geld der
Drogenhändler hat, ist dies viel
wirksamer als deren Verhaftung, erklärte Lawn.
Länder mit ernsten
wirtschaftlichen
Problemen
könnten
den Kampf gegen Rauschgift mit der
Beschlagnahme von Profiten aus dem
illegalen Drogenhandel finanzieren.
Durch gegenseitige Rechtshilfeverträge der USA mit einer Reihe von Staa- 2

ten werden Gelder, die im Rahmen kooperativer Maßnahmen gegen Drogenhandel und Drogenschmuggel beschlagnahmt
werden, unter den beteiligten Staaten
aufgeteilt. Es darf "keinen sicheren
Hafen" für Drogenhändler geben, betonte John Lawn.
Korruption stellt angesichts der
riesigen Geldsummen im Zusammenhang
mit illegalen Drogen in allen Ländern
ein Problem dar. Schon deshalb ist
internationale Schulung von Fachpersonal wichtig, damit allen Beteiligten klar gemacht wird, wie unbedingt
notwendig Integrität bei der Fahndung
und Strafverfolgung ist. Den Vereinigten Staaten ist es noch nicht gelungen, ihr Drogenproblem zu lösen.
Jedoch sind zahlreiche erfolgreiche
Programme entwickelt worden, an denen
andere Länder teilhaben könnten.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush setzt Waffenverkäufe an China aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu den Ereignissen in der Volksrepublik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO kann zur Gestaltung einer besseren Welt beitragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten in New Hampshire&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Non-A-Non-B-Hepatitis - Infektion im Blut direkt nachweisbar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampf gegen Drogen braucht weltweite Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DEA-Chef vor Arbeitskreis ausländischer &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Journalisten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
14. J u n i 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
INHALT&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Bush verurteilt Gewalt und hofft auf eine Einigung in China&#13;
- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten -&#13;
&#13;
Mosbacher sieht das Handelssystem bedroht&#13;
- Rede des amerikanischen Handelsministers -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Wissenschaftler fordern rasches Handeln beim "Treibhauseffekt'&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
14. Juni 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
BUSH VERURTEILT GEWALT UND HOFFT AUF EINE EINIGUNG IN CHINA&#13;
- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten -&#13;
&#13;
WASHINTON - (AD) - In seiner ersten Pressekonferenz zur Hauptsendezeit erklärte Präsident Bush am 8. Juni 1989 im amerikanischen Fernsehen, die Vereinigten Staaten verurteilten "die Gewalt und die Todesopfer" in China und&#13;
fügte hinzu, er "hoffe immer noch, daß in China eine baldige Einigung hervorgebracht wird, die den vom Volk bekundeten Drang nach Demokratie respektiert".&#13;
&#13;
Der Präsident beantwortete ebenfalls einige Fragen zum sowjetischen&#13;
Staats- und&#13;
Parteichef&#13;
Gorbatschow&#13;
und bemerkte, Gorbatschow demonstriere "sein Engagement für Veränderungen&#13;
und Reformen" und er (Bush) wünsche&#13;
"Perestrojka Erfolg". Darüber hinaus&#13;
beantwortete Bush Fragen zum Iran,&#13;
Panama, Polen, zum NATO-Bündnis und&#13;
den atomaren Kurzstreckenraketen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir&#13;
diese Pressekonferenz in wesentlichen&#13;
Auszügen:&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Präsident,&#13;
die&#13;
Aussetzung des Verkaufs militärischer&#13;
Güter nach China scheint auf die dortige Führungsspitze keine Eindruck&#13;
gemacht zu haben, und die Repressalien scheinen zuzunehmen. Was wer-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
den Sie noch tun, um die Empörung der&#13;
Vereinigten Staaten zum Ausdruck zu&#13;
bringen. Haben Sie weitere Pläne?&#13;
Antwort:&#13;
Meiner Ansicht nach&#13;
hat die von uns eingenommene Haltung,&#13;
die sich nicht etwa gegen das chinesische Volk richtet, sondern militärische Vereinbarungen betrifft, auf&#13;
der ganzen Welt ein positives Echo&#13;
gefunden.&#13;
Viele europäische Länder&#13;
sind unserem Beispiel gefolgt. Die&#13;
Ereignisse in China sind dergestalt,&#13;
daß wir natürlich die Gewalt und die&#13;
Todesopfer verurteilen und auf Rückkehr zur Ordnung unter Beachtung der&#13;
Rechte des Volkes drängen. Ich hoffe&#13;
immer noch, daß in China eine baldige&#13;
Einigung hervorgebracht wird, die den&#13;
vom Volk bekundeten Drang nach Demokratie respektiert.&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Und was wir in Zukunft unternehmen wollen, werde Ich zu gegehener&#13;
Zelt verkünden. Im Augenblick unternehmen wir Anstrengungen auf diplomatischem Wege, wie andere Länder auch.&#13;
Wollen wir hoffen, daß sich dies günstig auf die Situation auswirkt.&#13;
Frage:&#13;
Weiten Sie Ihre Unterstützung für Menschenrechte und Demokratie auch auf andere Teile der&#13;
Welt, wie etwa Südafrika oder das&#13;
Westjordanland, aus, wo schon sehr&#13;
viel länger als in China gegen Unterdrückung gekämpft wird?&#13;
Antwort:&#13;
Ja, natürlich.&#13;
Das&#13;
AnHegen hat universellen Chrakter.&#13;
Und ich möchte, daß die chinesische&#13;
Führungsspitze dies versteht.&#13;
Ich habe in China gelebt und verstehe die Bedeutung der Beziehungen&#13;
zum chinesischen Volk und zur chinesischen Regierung. Gute Beziehungen&#13;
liegen im Interesse der Vereinigten&#13;
Staaten, und sie haben nur zu recht&#13;
darauf hingewiesen, daß wir uns für&#13;
die Menschenrechte aussprechen müssen. Wir können die Welt nicht neu&#13;
erschaffen, aber wir sollten für etwas einstehen. Und für diese Studenten ist es keine Frage, daß sich die&#13;
Vereinigten Staaten für sie stark&#13;
machen.&#13;
Ich möchte Ihnen dazu eine kleine&#13;
Geschichte&#13;
erzählen.&#13;
Als&#13;
unsere&#13;
Fahrzeuge zur Universität fuhren, um&#13;
einige Studenten von dort wegzubringen, schlug ihnen von überallher&#13;
Applaus entgegen. Und auch die Studenten hier haben die von mir unternommenen Schritte sehr wohl begrüßt.&#13;
Vor einigen Tagen hatten wir einige&#13;
von ihnen zu Besuch im Oval Office,&#13;
und ich fühle wirklich mit ihnen.&#13;
Sie können nicht mit ihren Familien&#13;
sprechen. Es ist alles sehr schwierig.&#13;
Aber die Vereinigten Staaten müssen überall, in welchem Land auch immer, unbedingt für die Menschenrechte&#13;
einstehen. Sie haben in diesem Zusammenhang Südafrika erwähnt. Natür-&#13;
&#13;
lich auch dort.&#13;
Die schreckliche&#13;
Apartheid muß ein Ende haben.&#13;
Frage:&#13;
Herr Präsident&#13;
können&#13;
die Vereinigten Staaten normale Beziehungen zu China aufnehmen, solange&#13;
die wahrscheinlich für das Massaker&#13;
verantwortlichen Hardliner wie Deng&#13;
Xiaoping&#13;
und Ministerpräsident Li&#13;
Peng noch an der Macht sind? Mit anderen Worten, was muß getan werden,&#13;
damit die amerikanisch-chinesischen&#13;
Beziehungen wieder in ihr normales&#13;
Fahrwasser zurückgelangen?&#13;
Antwort:&#13;
Dazu wird die Beachtung der Rechte des Einzelnen und der&#13;
Respekt für Andersdenkende erforderlich sein. Sie haben zwei führende&#13;
Politiker erwähnt, wobei ich Ihnen zu&#13;
Deng Xiaoping etwas erzählen möchte,&#13;
was den Amerikanern wenig bekannt&#13;
sein dürfte. Er wurde Ende der sechziger Jahre von den Anhängern der&#13;
Kulturrevolution abgesetzt, 1976 kam&#13;
er wieder, wurde aber wiederum als zu&#13;
fortschrittlich davon gejagt.&#13;
Ich&#13;
möchte damit nur sagen, daß wir nicht&#13;
leichtfertige Schlußfolgerungen ziehen sollen, was einzelne Politiker in&#13;
China denken, wenn wir uns dessen&#13;
nicht sicher sein können.&#13;
Aber nochmals zu Ihrer Frage:&#13;
Wir können keine völlig normalen Beziehungen haben, wenn nicht die Gültigkeit der Hoffnungen dieser Studenten anerkannt wird, und ich denke, es&#13;
wird dazu kommen.&#13;
Wir hatten gerade Herrn Wan Li zu&#13;
Besuch im Weißen Haus. Er hat etwas&#13;
gesagt, was die Bürger Amerikas sicher interessieren wird. Er hat erklärt, die Armee liebe das Volk. Und&#13;
dann sehen wir, wie Soldaten der 27.&#13;
Armee Peking stürmen und Menschen erschießen.&#13;
Ich denke auch nicht, daß wir die&#13;
gesamte Volksbefreiungsarmee Chinas&#13;
nach diesem schrecklichen Zwischenfall beurteilen sollten. Ich möchte&#13;
diese Beziehungen so gut wie eben&#13;
möglich erhalten, und ich hoffe, daß&#13;
die vor uns liegende Situation dies&#13;
&#13;
�zulassen wird. Ich möchte kein Urteil über einzelne Politiker abgeben,&#13;
aber dennoch diesen Politikern und&#13;
auch dem Rest der Welt gegenüber&#13;
klarstellen,&#13;
daß&#13;
die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten diese Art von Brutalität, wie&#13;
wir sie auf unseren Fernsehschirmen&#13;
sehen konnten, verurteilen.&#13;
&#13;
gene Sichrheit fürchten mußte. Die&#13;
chinesische Regierung hat dies als&#13;
böswillige Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten und als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.&#13;
Wie reagieren Sie darauf und werden&#13;
die Vereinigten Staaten Fang Asyl in&#13;
den Vereinigten Staaten gewähren?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Sie haben erklärt, unser Ziel bestehe im Erhalt der Beziehungen zur chinesischen Regierung.&#13;
Aber was sagen Sie dem amerikanischen&#13;
Volk, das sich vielleicht wundert,&#13;
warum wir nicht als einer der wichtigsten Befürworter von Demokratie&#13;
auf der Welt einen härteren Kurs einschlagen und in dieser Situation&#13;
nicht unserer Verantwortung gerecht&#13;
werden?&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich möchte meine Zuhörer daran erinnern, daß wir hier&#13;
nicht über Asyl diskutieren. Das käme einer öffentlichen Erörterung von&#13;
Angelegenheiten gleich, die den Nachrichtendienst betreffen.&#13;
Aber was&#13;
Ihre Frage betrifft, so haben wir im&#13;
Einklang mit dem Völkerrecht aus humanitären Gründen eine außergewöhnliche Maßnahme ergriffen. Seiner Ansicht nach war seine persönliche&#13;
Sicherheit bedroht. Und traditionell&#13;
versuchen wir, eine solche Angelegenheit in Zusammenarbeit mit dem ausländischen Staat zu lösen. Wir verletzen&#13;
also&#13;
der Meinung&#13;
unserer&#13;
Rechtsberater zufolge nicht das Völkerrecht. Es ist sehr schwierig für&#13;
die Vereinigten Staaten, einen Menschen abzuweisen, der als Dissident&#13;
vorspricht und um sein Leben fürchten&#13;
muß. Auf diesen Voraussetzungen wurden die Vereinigten Staaten nicht gegründet. In diesem Sinne haben wir&#13;
Meinungsverschiedenheiten.&#13;
Ich hoffe, sie lassen sich lösen.&#13;
&#13;
Antwort: Nun, es sind zum Beispiel Vorschläge laut geworden, unseren Kurs zu demonstrieren, indem wir&#13;
den Botschafter abziehen. Ich vertrete eine völlig entgegengesetzte&#13;
Meinung. Wir konnten in den vergangenen Tagen beobachten, daß wir sehr&#13;
wohl Gründe für seinen Verbleib dort&#13;
haben. Tatsächlich wurde einer Ihrer&#13;
Kollegen, Richard Roth von CBS, zum&#13;
Teil aufgrund der Arbeit unserer Botschaft und unseres sehr fähigen Botschafters Jim Lilley, frei gelassen.&#13;
Es sind auch Vorschläge laut geworden, wirtschaftliche Sanktionen zu&#13;
verhängen. Ich möchte den Handel mit&#13;
Getreide - und Getreide ist es, was&#13;
wir gerade an die Volksrepublik China&#13;
geliefert haben - nicht aufgeben.&#13;
Meiner Ansicht nach ginge dies zu&#13;
Lasten des Volkes.&#13;
Ich möchte&#13;
vielmehr all die&#13;
Schritte unternehmen, die Amerikas&#13;
Besorgnis am deutlichsten ausdrücken.&#13;
Und ich denke, das habe ich getan.&#13;
Ich werde noch andere Möglichkeiten&#13;
in Erwägung ziehen, die wir ergreifen&#13;
können.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Die Regierung im Iran&#13;
hat gewechselt. Und die Frage an Sie&#13;
lautet, besteht Hoffnung darauf, daß&#13;
die Beziehungen zu diesem Land in irgendeiner Form wiederhergestellt werden können? Wie Sie wissen, hat der&#13;
Iran heute ein informelles Angebot&#13;
unterbreitet, daß sie uns bei der Befreiung unserer Gefangenen oder Geiseln helfen würden, wenn die Amerikaner sie im Gegenzug bei der Befreiung&#13;
von Iranern unterstützen würden, die&#13;
von den Falangisten gefangengehalten&#13;
werden.&#13;
Bestehen in naher Zukunft&#13;
Hoffnungen auf Veränderungen?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Der chinesische Dissident Fang Lizhi hat in der amerikanischen Botschaft&#13;
Schutz gesucht,&#13;
weil er offentsichtlich um seine ei-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Für veränderte Beziehungen?&#13;
Ich habe erst vor einigen&#13;
Tagen erklärt, was für Veränderungen&#13;
notwendig wären, und es wäre vor al-&#13;
&#13;
�lern die Absage an den Terror. Wir&#13;
können keine normalen Beziehungen zu&#13;
einem Land unterhalten, das als terroristischer Staat gebrandmarkt ist.&#13;
Und zweitens müssen wir an die Freilassung amerikanischer Geiseln denken. Genau das wäre dazu erforderlich. Es gab vor einiger Zeit einen&#13;
Fall , bei dem die Iraner um Informationen über ihre Geiseln nachgesucht&#13;
haben - sie haben uns zu Recht nicht&#13;
beschuldigt, Menschen als Geiseln zu&#13;
halten oder dies In irgendeiner Weise&#13;
zu&#13;
befürworten.&#13;
Wir&#13;
verurteilen&#13;
dies. Und wir haben ihnen diese Informationen gegeben.&#13;
Aber es sind&#13;
noch Veränderungen im Verhalten erforderlich. Sie nennen uns weiterhin&#13;
"Großer Satan". Aber das kümmert uns&#13;
nicht.&#13;
Dem alten Spruch zufolge&#13;
schmerzen nur Stockschläge auf dem&#13;
Rücken. Und Nachrede tut nicht weh,&#13;
aber wir wollen Taten sehen. Und bis&#13;
jetzt konnte ich noch keine Veränderungen wahrnehmen.&#13;
Ich habe in der Rede bei meiner&#13;
Amtsübernahme den Olivenzweig hingehalten und erklärt, wir seien um bessere Beziehungen zum Iran bestrebt.&#13;
Wir mögen das iranische Volk. In unserem Land leben viele Iraner. Und&#13;
ich habe erklärt: Wenn Sie bessere&#13;
Beziehungen wünschen, müssen sie bei&#13;
den Menschen, die gegen ihren Willen&#13;
festgehalten werden, das Richtige&#13;
tun. Und wir sehen keine Fortschritte. Dieses Angebot möchte ich heute&#13;
abend wiederholen.&#13;
Frage: Vor einigen Tagen haben&#13;
Sie mit Richard Nixon telephoniert&#13;
und über China gesprochen. Da Sie&#13;
mit einigen der führenden chinesischen Politiker persönlich bekannt&#13;
sind, frage ich mich: Warum telefonieren Sie nicht mit ihnen?&#13;
Antwort:&#13;
Das habe ich heute&#13;
versucht. Was für ein Zufall, daß&#13;
Sie diesen Punkt ansprechen.&#13;
Frage: Was haben Sie in Erfahrung gebracht?&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Ich bin nicht durch-&#13;
&#13;
gekommen.&#13;
&#13;
Die Leitung war besetzt.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Konnten Sie bei Ihren&#13;
Telephongesprächen herausfinden, wer&#13;
in China wirklich an der Macht ist?&#13;
Antwort:&#13;
Ich sagte doch, ich&#13;
bin nicht durchgekommen und habe mit&#13;
unserem Botschafter gesprochen, insbesondere angesichts der Tatsache,&#13;
daß heute viele Fragen über China gestellt werden würden und die Situation noch sehr sehr unklar ist. Genau so ist es gewesen.&#13;
Ich erinnere mich daran, daß man&#13;
zu meiner Zeit in China feststellte,&#13;
wer Gewinner oder Verlierer war, indem man Leute in die Stadt schickte,&#13;
um die Limousinen mit roten Fähnchen&#13;
zu zählen. Diese wußten dann zu berichten, es seien etwa 30 gesichtet&#13;
worden und ein wichtiges Treffen müsse stattfinden.&#13;
Und jeder bemühte&#13;
sich, festzustellen, wer ausstieg,&#13;
oder wer bei einer Parade oder einer&#13;
Feier neben wem stand. Seitdem gab&#13;
es mehr Offenheit, und es haben drastische Veränderungen stattgefunden.&#13;
Aber&#13;
es&#13;
ist&#13;
außergewöhnlich&#13;
schwierig, herauszufinden, wie es mit&#13;
der inneren Organisation bestellt&#13;
ist.&#13;
Ich habe mich heute bemüht,&#13;
einen chinesischen Politiker zu kontaktieren; es hat nicht geklappt,&#13;
aber ich werde es weiter versuchen.&#13;
Ich möchte, daß Sie wissen, wie wichtig mir diese Beziehungen sind und&#13;
wieviel mir das Leben jedes einzelnen&#13;
Studenten wert ist.&#13;
Frage:&#13;
Sie haben bereits auf&#13;
Deng Xiaoping verwiesen und darauf,&#13;
daß er möglicherweise nicht für die&#13;
Aktionen verantwortlich&#13;
zu machen&#13;
ist. Sie haben ihn als Reformer bezeichnet, der&#13;
zweimal davongejagt&#13;
wurde und zurückkehrte. Was wollen&#13;
Sie damit sagen? Liegen Ihnen Informationen darüber vor, daß er nicht...&#13;
Antwort:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
versucht,&#13;
darzulegen, daß ich es nicht genau&#13;
weiß und daß es außerhalb Chinas&#13;
schwer zu beurteilen ist. So funk-&#13;
&#13;
�tioniert eben das chinesische System.&#13;
Wenn wir jeden Tag neue Namen von&#13;
dort lesen, gibt das kein richtiges&#13;
Bild wieder.&#13;
Ich möchte nicht, daß beim amerikanischen Volk ein falscher Eindruck&#13;
entsteht. Aber ich weiß, daß wir ungeachtet dessen, wer dort an der&#13;
Macht ist, die Ereignisse verurteilen. Es gibt Beziehungen dort, die&#13;
für die Vereinigten Staaten von fundamentaler Bedeutung sind und deren&#13;
Erhaltung&#13;
ich gewährleistet sehen&#13;
möchte. Ich strebe ein angemessenes,&#13;
vorsichtiges Gleichgewicht&#13;
an und&#13;
versuche, nicht auf extreme Positionen zu hören, die mir raten, den Botschafter abzuziehen und dem chinesischen Volk die Nahrungsmittel zu verwehren, um unsere Besorgnis zu dokumentieren. Ich denke, wir haben den&#13;
richtigen Weg eingeschlagen, aber ich&#13;
kann Ihnen einfach nicht sagen, wer&#13;
heute an der Macht ist - auch wenn&#13;
das eine gute Frage ist.&#13;
Frage:&#13;
Dazu möchte ich noch&#13;
folgendes fragen: Als Sie zu Beginn&#13;
dieses Jahres in China waren, sind&#13;
Sie mit Li Peng zusammengetroffen,&#13;
und ich denke, Sie haben ihm erklärt,&#13;
China sei von ihrer politischen Bestandsaufnahme ausgenommen, weil sie&#13;
das Land persönlich kennen und verstehen. Sind Sie persönlich in die&#13;
Irre geführt worden?&#13;
Antwort:&#13;
Zu&#13;
einem&#13;
gewissen&#13;
Grad fühle ich persönliche Enttäuschung, aber sie sind nicht von den&#13;
international&#13;
vereinbarten&#13;
Verhaltensmaßregeln ausgeschlossen, die besagen, daß Bewaffnete nicht auf unbewaffnete Studenten schießen. Das hat&#13;
niemand gesagt.&#13;
Dabei gab es einen interessanten&#13;
Punkt - und ich möchte hier nicht&#13;
allzusehr in Details vertraulicher&#13;
Gespräche gehen - aber ein sehr prominenter chinesischer Politiker hat&#13;
mir gesagt: Wir wollen Veränderungen, aber man muß verstehen, daß es&#13;
hier sehr schwierig ist, schnelle Reformen&#13;
durchzuführen.&#13;
Wir&#13;
haben&#13;
&#13;
einen langen Weg zurückgelegt. - Tatsächlich haben sie ihre wirtschaftlichen Reformen viel schneller durchgeführt, als irgendjemand in diesem&#13;
Raum jemals für möglich gehalten hätte.&#13;
Aber dies hat keine politischen&#13;
Reformen oder Reformen im Hinblick&#13;
auf freie Meinungsäußerung nach sich&#13;
gezogen. Die Pressefreiheit war etwas besser geworden, aber nicht nennenswert, während nunmehr Kriegsrecht&#13;
und Zensur herrschen. Aber bei diesem Besuch wurde uns bedeutet, daß&#13;
sich Fortschritte in China nur langsam vollziehen würden. Einige waren&#13;
wirtschaftlicher Art, aber die Botschaft bezog sich schon darauf, wie&#13;
schnell&#13;
politische&#13;
Veränderungen&#13;
durchgeführt werden können.&#13;
Frage: Es gibt heute abend Berichte darüber, daß die Regierung&#13;
StudentenfUhrer bedrängt, denen zumindest Verfolgung und als höchstes&#13;
Strafmaß Verurteilung wegen Verrat&#13;
und deren Folgen bevorstehen.&#13;
Sie&#13;
haben heute abend über ihren ausdrücklichen Wunsch nach Fortführung&#13;
der Beziehungen bekundet und wollen&#13;
den Dialog und unsere Geschäftsbeziehungen fördern.&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Nicht alle.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Außer dem Handel mit&#13;
militärischen Gütern. Wenn wir herausfinden, daß diejenigen, die das&#13;
Massaker auf dem Tiananmen-Platz angeordnet und die Studenten bedrängt&#13;
haben, in der Regierung sitzen: können die Vereinigten Staaten dann auch&#13;
nur annähernd normale Beziehungen zu&#13;
ihnen aufrechterhalten, wenn sie sich&#13;
auf ihr Ziel der Förderung von Menschenrechten und Demokratie besinnen?&#13;
Antwort:&#13;
Es wäre außergewöhnlich schwierig, aber die Frage ist so&#13;
hypothetisch, daß ich sie nicht direkt beantworten will. Aber alles,&#13;
was die Akzeptanz von Brutalität oder&#13;
die mangelnde Respektierung der Menschenrechte betrifft, macht die Sache&#13;
umso schwieriger. Das ist überhaupt&#13;
keine Frage.&#13;
&#13;
�Frage:&#13;
Dazu noch eine Frage.&#13;
In den Vereinigten Staaten gibt es&#13;
20 000 chinesische Studenten. Viele&#13;
von ihnen habe ihre Meinung kundgetan. Werden Sie Ihnen in diesem Land&#13;
politisches Asyl gewähren?&#13;
Antwort&#13;
Sie&#13;
beantragen&#13;
kein&#13;
Asyl. Vor einigen Tagen kamen vier&#13;
von ihnen zu Besuch. Und das erste,&#13;
was einer von ihnen, Jia Hao, erklärte, war: "Ich liebe mein Land". Und&#13;
er möchte in sein Land zurückkehren.&#13;
Aber ich habe die Visa dieser Leute&#13;
verlängert, so daß sie nicht zu einer&#13;
Rückkehr nach China gezwungen sind.&#13;
Sie beantragen kein Asyl.&#13;
Dieser&#13;
Mann wird seinem eigenen Land nicht&#13;
den Rücken kehren. Aber er wünscht&#13;
sich auch Sicherheit - was ich verstehen kann. Asyl ist ein rechtlicher Status und den streben sie nicht&#13;
an.&#13;
Frage: Was die Verfolgung&#13;
Studenten anbelangt ...&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Es&#13;
ist schrecklich.&#13;
Und deshalb kann ich diesen Leuten&#13;
nur klarmachen, daß sie nicht zurückkehren müssen. Aber ich werde sie&#13;
nicht bitten, ihrer Fahne abzuschwören und China den Rücken zu kehren.&#13;
Es sind patriotische junge Menschen,&#13;
die Angst haben, weil sie sehen, wie&#13;
ihre Brüder und Schwestern niedergeschossen werden. Aber sie beantragen&#13;
kein Asyl.&#13;
Sie wollen nicht aus&#13;
China fliehen, sondern helfen, China&#13;
zu verändern.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Präsident,&#13;
ich&#13;
möchte kurz auf ein anderes kommunistisches Land zu sprechen kommen.&#13;
Ihre Haltung zur Sowjetunion scheint&#13;
sich seit ihrem Amtsantritt etwas gewandelt zu haben - von tiefer Skepsis&#13;
zu scheinbarer Einsicht in ihre Absichten. Akzeptieren Sie Gorbatschows&#13;
Aufrichtigkeit im Hinblick auf das&#13;
neue Denken, und können Sie uns etwas&#13;
dazu sagen, warum Sie....&#13;
Antwort:&#13;
Meiner Ansicht nach&#13;
hat sich nicht soviel verändert, wie&#13;
Sie vielleicht annehmen. Ich habe&#13;
&#13;
gesagt, wir müssen noch einige Dinge&#13;
ganz vorsichtig aufdecken - erforschen und aufdecken. Und dann erst&#13;
können wir einen Vorschlag unterbreiten. Und genau das haben wir getan.&#13;
Der von uns innerhalb der NATO vorgelegte Vorschlag hat das NATO-Bündnis&#13;
vereint, und einige der Spitzenpolitiker haben mir gesagt, daß es einiger ist als jemals zuvor in seiner&#13;
Geschichte.&#13;
Wir haben jetzt einen&#13;
guten Vorschlag unterbreitet, und ich&#13;
hoffe, die Sowjets werden ihn in gutem Glauben annehmen. Bis jetzt bin&#13;
ich durch die Reaktionen ermutigt.&#13;
Trotzdem werde ich in meinem Umgang mit der Sowjetunion meine Augen&#13;
weit offen halten. Ich möchte auch&#13;
sagen, daß ich Perestrojka Erfolg&#13;
wünsche. Ich wünsche mir ihren Erfolg, nicht ihren Untergang. Und das&#13;
habe ich Herrn Gorbatschow im letzten&#13;
Herbst Punkt für Punkt auf Governor's&#13;
Island dargelegt.&#13;
Ich denke also&#13;
nicht, daß er dies als ein Verhältnis&#13;
wie im Kalten Krieg betrachtet oder&#13;
annimmt, ich wünsche ein Scheitern&#13;
von Perestrojka. Seiner Ansicht nach&#13;
wünschen sich das manche in unserem&#13;
Land. Ich hoffe, er weiß jetzt, daß&#13;
ich es nicht so sehe.&#13;
Frage: Denken Sie, er ist aufrichtig, wenn er sein Interesse an&#13;
neuem Denken in den internationalen&#13;
Angelegenheiten bekundet?&#13;
Antwort:&#13;
Er hat bereits demonstriert, daß er an neuem Denken interessiert ist. Wer hätte gedacht,&#13;
daß wir hier sitzen würden, um im&#13;
Fernsehen so eine lebhafte Diskussion&#13;
zu führen? Es ist nicht wie im Kongreß, stellenweise aber doch ähnlich.&#13;
Und ich denke, er hat bereits sein&#13;
Engagement für Veränderungen und Reformen bekundet. Aber es gibt noch&#13;
Möglichkeiten, um diese Veränderungen&#13;
zu untermauern.&#13;
Sie unterhalten in&#13;
Europa 600 000 Soldaten im Gegensatz&#13;
zu 305 000 auf unserer Seite. Ich&#13;
habe erklärt, die beste Möglichkeit&#13;
zur Gewährleistung von Stabilität und&#13;
einer weniger kriegerischen Haltung&#13;
bestehe darin, gleiche Zahlen auf&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�beiden Seiten zu schaffen. Und dabei&#13;
sind sie gefordert, viel mehr Soldaten abzuziehen als wir. Aber ich habe auch die Frage gestellt: Was ist&#13;
daran falsch, gleiche Zahlen anzustreben? Damit werden die Vereinigten Staaten 275 000 Soldaten haben&#13;
und die Sowjetunion wird ebenfalls&#13;
275 000 Soldaten haben. Das ist ein&#13;
Prüfstein. Niemand kann die Gleichheit in Zweifel ziehen, insbesondere&#13;
weil wir die Zahl der Flugzeuge, Hubschrauber und andere Kategorien offengelegt haben.&#13;
Ich denke also, wenn ich meine&#13;
Arbeit richtig mache und wir die NATO&#13;
in diesem knappen Zeitrahmen auf&#13;
Fortschritte prgrammieren, können wir&#13;
Erfolg haben. Und wenn dies der Fall.&#13;
ist, wird er erneut seinen Wunsch&#13;
nach Veränderungen unter Beweis gestellt haben.&#13;
Frage:&#13;
Herr Präsident, einige&#13;
Ihrer Kritiker behaupten, daß General&#13;
Noriega trotz all Ihrer Rhetorik solange in Panama an der Macht bleiben&#13;
kann, wie er möchte und daß er Sie im&#13;
Endeffekt auslacht - daß er über die&#13;
Vereinigten Staaten nur lachen kann.&#13;
Können Sie daran irgendetwas ändern?&#13;
Sollten Sie das tun?&#13;
Antwort:&#13;
Sie wissen, wenn Sie&#13;
sich die Welt anschauen und Veränderungen wahrnehmen, die Achtung vor&#13;
Wahlen - also ich würde dazu schlicht&#13;
sagen, daß Panama dagegen nicht immun&#13;
ist. Sicherlich stehen wir alle gegenwärtig noch unter der traumatischen&#13;
Erfahrung&#13;
dieser schrecklichen Exzesse auf dem Platz des&#13;
Himmlischen Friedens. Aber ich habe&#13;
auch nicht das brutale Vorgehen gegen&#13;
Guillermo Ford in Panama vergessen,&#13;
und das gilt ganz sicher auch für die&#13;
Welt. In bezug auf Noriega hat sich&#13;
die öffentliche Meinung in Europa&#13;
drastisch verändert. Und ich hoffe&#13;
inständig, daß die Organisation Amerikanischer&#13;
Staaten&#13;
ihrer Mission&#13;
treu bleibt und ihr Mandat erfüllen&#13;
wird, bis Noriega abtritt.&#13;
Ich möchte einen wichtigen Punkt&#13;
&#13;
wiederholen.&#13;
Meines&#13;
Erachtens&#13;
herrscht in Panama teilweise der Eindruck vor, wir seien gegen die PDF die Panamaischen Verteidigungsstreitkräfte. Wir befinden uns nicht im&#13;
Streit mit den PDF. Viele ihrer Soldaten wurden in den Vereinigten Staaten ausgebildet.&#13;
Wir respektieren&#13;
das panamaische Volk.&#13;
Das Problem&#13;
ist also Noriega. Und wenn er abtritt und die Ergebnisse der freien&#13;
Wahl - und für die Freiheit der Wahl&#13;
gibt es überzeugende Beweise - anerkannt werden, dann würden sich die&#13;
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten augenblicklich verbessern.&#13;
Ich werde also in dieser Frage&#13;
nicht aufgeben. Es ist meines Erachtens angemessen, daß wir uns hierzu&#13;
multilateraler&#13;
Diplomatie&#13;
bedienen&#13;
und gleichzeitig auf bilateraler Ebene tun, was wir können, und ich gedenke unsere vertraglichen Rechte zu&#13;
schützen und sicherlich alles in meiner Macht Stehende zu unternehmen, um&#13;
die Sicherheit der Amerikaner zu garantieren.&#13;
Frage:&#13;
Die Übereinkunft&#13;
zwischen Bonn und Washington in der Frage der atomaren Kurzstreckenraketen&#13;
kann&#13;
die&#13;
Meinungsverschiedenheiten&#13;
nur vorübergehend überbrücken. Wann&#13;
erwarten Sie die Stationierung der&#13;
neuen Lance in der Bundesrepublik&#13;
Deutschland, und ist diese für irgendeine&#13;
Bundesregierung&#13;
überhaupt&#13;
annehmbar?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, diese Angelegenheit ist durch die Vereinbarung der&#13;
NATO in geeigneter Weise vertagt worden.&#13;
Die Forschungsarbeiten können&#13;
weitergehen, aber die Stationierung&#13;
wurde vertagt, und wir sollten jetzt&#13;
die von der NATO in Brüssel angekündigten Maßnahmen verwirklichen.&#13;
Es&#13;
gibt sicherlich Meinungsverschiedenheiten. Sie haben absolut recht. Es&#13;
besteht in der Bundesrepublik zu dieser Frage andere Auffassungen - nicht&#13;
nur bezüglich des Nachfolgesystems&#13;
für die Lance, sondern über die gesamte Frage der atomaren Kurzstrekkensysteme (SNF). Es liegt in unse-&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�rem Interesse, hier rasche Fortschritte zu erzielen. Denn wenn wir&#13;
es schaffen, innerhalb des von uns&#13;
gesetzten Zeitrahmens ein Abkommen&#13;
über die konventionellen Streitkräfte&#13;
abzuschließen, dann würde dies bei&#13;
den Kurzstreckensystemen einen ungeheuren Druck von den Deutschen nehmen.&#13;
Frage:&#13;
Ich bin ein polnischer&#13;
Journalist.&#13;
Vielleicht möchten Sie&#13;
eine Frage zu Polen beantworten. Was&#13;
erwarten Sie von Ihrem Besuch in Polen?&#13;
Antwort:&#13;
satzfrage.&#13;
&#13;
Da war noch eine Zu-&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Der NATO-Gipfel wurde&#13;
als Erfolg betrachtet, weil Sie dort&#13;
ihre Initiative vorgelegt haben, aber&#13;
ist die bundesdeutsche Herausforderung nicht nur die erste von vielen,&#13;
da die sowjetische Bedrohung in Westeuropa nun abnimmt?&#13;
Antwort:&#13;
Ich möchte diese Frage mit meiner Antwort auf die Frage&#13;
zu Polen verbinden. Mit der schwindenden Besorgnis über bewaffnete Konflikte werden neue Herausforderungen&#13;
für die NATO auftauchen. Ich werde&#13;
unsere Freunde und diesemich daran&#13;
erinnern, daß wir eine Streitmacht&#13;
aufrechterhalten müssen, die zur Abschreckung eines Krieges ausreicht.&#13;
Aber ein Teil dessen, was heute geschieht - und ich bin froh, daß der&#13;
Herr Polen erwähnt hat -, ist dieses&#13;
Streben nach Demokratie in Polen.&#13;
&#13;
Und wenn sich dies fortsetzt, kann&#13;
ich mir ein wesentlich besseres Verhältnis der Vereinigten Staaten mit&#13;
Polen vorstellen, das in Polen selbst&#13;
die Menschen davon überzeugen wird,&#13;
daß sie an einer militärischen Konfrontation mit dem Westen oder an der&#13;
Konfrontation des Ostblocks mit dem&#13;
Westen kein großes Interesse haben&#13;
können.&#13;
Die sich dort vollziehenden Veränderungen sind faszinierend.&#13;
Sie&#13;
sind absolut faszinierend. Ich werde&#13;
den politisch Verantwortlichen dort&#13;
folgendes mitteilen: Wir wollen mit&#13;
Ihnen zusammenarbeiten.&#13;
Sie müssen&#13;
Ihre Wirtschaft&#13;
reformieren.&#13;
Wir&#13;
sind davon überzeugt, daß Sie den&#13;
Vereinigten Staaten gegenüber keine&#13;
bösen Absichten hegen, aber wir möchten, daß diese Politik der Differenzierung anhält. Wenn ein Land wie&#13;
Polen diese Schritte auf dem Weg zur&#13;
Demokratie unternimmt, dann sollten&#13;
die Vereinigten Staaten darauf so gut&#13;
wie möglich reagieren.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
8 -&#13;
&#13;
�v^° S ^&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
'VON'^&#13;
&#13;
14. Juni 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
MOSBACHER SIEHT DAS HANDELSSYSTEM BEDROHT&#13;
- Rede des amerikanischen Handelsministers -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache bei einer von der Zeitschrift&#13;
Fortune veranstalteten Konferenz in Venedig erklärte Handelsminister Robert&#13;
Mosbacher am 9. Juni 1989, "ein strukturell unausgeglichener Handel - sei er&#13;
absichtlich durch staatliche Politik oder die Hartnäckigkeit des Privatsektors&#13;
hervorgebracht - mündet in eine Sackgasse". Mosbacher warnte, daß die Fortführung solcher Praktiken Protektionismus hervorbringen und zum Niedergang des&#13;
Welthandels führen könnte.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Mosbachers Ansprache im Wortlaut:&#13;
&#13;
Mit dieser Konferenz zollen wir&#13;
der Zeitschrift Fortune und ihrer&#13;
Rolle in der Weltwirtschaft Tribut.&#13;
Ich möchte also zunächst den Sponsoren für ihre Weitsicht danken.&#13;
Und ich möchte Fortune noch zu&#13;
seiner ausgezeichneten Untersuchung&#13;
über die Auswirkungen des Binnenmarktes 1992 beglückwünschen. Die Ergebnisse sind insbesondere angesichts&#13;
unserer jüngsten Diskussionen über&#13;
Handelsfragen von Interesse.&#13;
Ich habe gerade eine Reihe von&#13;
Gesprächen in Europa geführt, Präsident Bush nach Brüssel begleitet und&#13;
bin dort mit Vertretern der Europäischen Gemeinschaft zusammengetroffen.&#13;
Ich habe letzte Woche an den Sit-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
zungen der OECD in Paris teilgenommen, wo ich Gespräche mit wichtigen&#13;
Handelsministern, unter&#13;
ihnen Minister Ruggiero, führen konnte und&#13;
bin in London, Paris und Bonn mit&#13;
Vertretern aus Regierung und Industrie zusammengetroffen, unter anderem von Patronaut in Frankreich, der&#13;
Confederation of British Industries&#13;
und dem DIHT.&#13;
Das Zusammenspiel zwischen Staat&#13;
und Privatsektor, von dem diese Konferenz ein Teil ist, spielt eine&#13;
wichtige Rolle bei der Entwicklung&#13;
und Erhaltung guter Beziehungen zwischen einzelnen Ländern.&#13;
Das trifft auf der ganzen Welt&#13;
zu, aber nirgendwo mehr als im Verhältnis der Vereinigten Staaten zu&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Europa, weil wir so viele gemeinsame&#13;
Werte und gemeinsame Anliegen haben.&#13;
Europäer und Amerikaner stützen&#13;
sich gleichermaßen auf den Markt,&#13;
wenn es darum geht, die Nachfrage zu&#13;
ermitteln, die Preise festzusetzen&#13;
und einen vergleichbaren Vorteil im&#13;
Welthandel zu erlangen. Wir konkurriere! auf der ganzen Welt miteinander unc gleichzeitig sind wir uns gegenseitig die besuen Kunden und die&#13;
besten Freunde. Im vergangenen Jahr&#13;
betrug zum Beispiel der Umsatz aus&#13;
den Exporten amerikanischer Unternehmen in die EG mehr als 600 Milliarden&#13;
Dollar. Das ist dreimal soviel wie&#13;
der Wert amerikanischer Exporte nach&#13;
Kanada und viermal soviel wie unser&#13;
Japanhandel. Die Europäische Gemeinschaft ist also sehr wichtig für uns.&#13;
Bevor wir uns jedoch den Beziehungen der Vereinigten Straaten zur&#13;
Europäischen Gemeinschaft zuwenden,&#13;
möchte ich noch etwas über Amerikas&#13;
Konzept im Welthandel sagen.&#13;
Die Vereinigten Staaten unterstützen den freien Handel voll und&#13;
ganz, und damit keine Verwirrung entsteht - freier Handel ist Grundlage&#13;
unseres Wohlstands und Triebfeder unserer Innovation.&#13;
Ich weiß aus meiner eigenen 40jährigen Erfahrung in der Wirtschaft,&#13;
daß die einzig vernünftige und leistungsfähige Wirtschaft auf freien&#13;
Entscheidungen basiert, die zwischen&#13;
Verkäufer und Käufer getroffen werden.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind dem&#13;
multilateralen Handelssystem, wie es&#13;
im GATT verankert ist, verpflichtet.&#13;
Wir haben jede Runde eingeleitet, von&#13;
der Dil Ion-Runde Ende der vierziger&#13;
Jahre bis hin zur Uruguay-Runde heute. Wir werden im Hinblick auf unsere Verpflichtungen nicht schwanken.&#13;
Die Ernsthaftigkeit dieser Verpflichtungen demonstrieren wir mit der anhaltenden&#13;
Offenheit&#13;
amerikanischer&#13;
Märkte.&#13;
Unsere Offenheit&#13;
&#13;
hat die Volks-&#13;
&#13;
wirtschaften anderer Länder auf Expansionskurs gebracht - und zu Wachstum geführt, das Milliarden Dollar&#13;
beträgt.&#13;
Sie hat die Vereinigten&#13;
Staaten zum Markt für mehr als die&#13;
Hälfte der verarbeiteten Exportgüter&#13;
aus den Entwicklungsländern werden&#13;
lassen.&#13;
Wir lehnen jede Hinwendung zum&#13;
Protektionismus strikt ab. Und wir&#13;
begrüßen den Einsatz der anderen&#13;
Welthandelsländer - Japans und der EG&#13;
- bei der gemeinsamen Unterstützung&#13;
des freien Handels.&#13;
Mit den Jahren sind wir bei der&#13;
Entwicklung des Welthandelssystems an&#13;
vielen Wegkreuzungen angelangt, und&#13;
dazu möchte ich noch einmal wiederholen, daß wir - zu unseren Vorteil und&#13;
zum Wohlstand der Welt - den Weg gewählt haben, der uns zu einem offeneren Handel führt.&#13;
Es ist jetzt klar, daß wir uns&#13;
erneut an einem Scheideweg befinden mit der schwierigsten Herausforderung, die sich uns jemals gestellt&#13;
hat. Heute müssen wir uns der Tatsache stellen, daß es keine Zölle,&#13;
keine nichttarifären Handelshemmnisse&#13;
oder andere Hindernisse an nationalen&#13;
Grenzen sind, die den freien Handel&#13;
hauptsächlich bedrohen.&#13;
Die Bedrohung liegt viel tiefer.&#13;
Sie ergibt sich aus den industriellen&#13;
und wirtschaftlichen Strukturen in&#13;
einigen Ländern und aus der zunehmenden Unwilligkeit - und Unfähigkeit der übrigen Welt, die Konsequenzen im&#13;
Handel zu akzeptieren.&#13;
Der Absatz, die Industriepolitik&#13;
und sogar die wirtschaftlichen Strukturen einiger Länder - und nicht nur&#13;
Japans - haben zu einem Schwergewicht&#13;
auf den Exporten ohne Bereitschaft zu&#13;
Importen geführt. Das Ergebnis sind&#13;
die&#13;
ungeheuren&#13;
Handelsüberschüsse,&#13;
die den Welthandel und den Geldverkehr verzerren.&#13;
Aber eine noch ernsthaftere Bedrohung für das Handelssystem liegt&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�in der Reaktion anderer Länder auf&#13;
diese Ungleichgewichte.&#13;
Es besteht&#13;
zunehmend die Gefahr, daß einzelne&#13;
Länder zunehmend ihre Märkte schliessen und sich von einer Politik des&#13;
freien Handels abkehren werden, um&#13;
ihre Handelsbilanz mit geschlossenen&#13;
Märkten auszugleichen.&#13;
Dieser Trend zeichnet sich seit&#13;
einigen Jahren ab, in denen sich verschiedene&#13;
Länder&#13;
unterschiedlicher&#13;
Mittel im Handel bedient haben, wie&#13;
etwa Antidumping, Regelungen zur Ursprungsbezeichnung, freiwillige Beschränkungsvereinbarungen und andere&#13;
Mittel,&#13;
um&#13;
Industriezweige&#13;
vor&#13;
scheinbar unfairem Wettbewerb abzuschirmen.&#13;
Sie kennen alle die Grunde, die&#13;
hierzu vorgebracht werden - "Industriezweige in den Kinderschuhen",&#13;
"Uberlebensfähigkeit&#13;
der&#13;
Landwirtschaft", "Erhalt nationalen Kulturguts" und "nationale Sicherheit" - um&#13;
nur einige zu nennen.&#13;
So kann man nicht weitermachen.&#13;
Wir dürfen nicht zulassen, daß die&#13;
von einigen wenigen Länders geschaffenen Verzerrungen zu weltweitem Protektionismus&#13;
führen.&#13;
Das&#13;
würde&#13;
letztlich zum Niedergang des Handelssystems führen, das uns allen zum&#13;
Vorteil gereicht.&#13;
Aber wir dürfen die langfristig&#13;
durch die industrielle Struktur und&#13;
das Verhalten wichtiger Exportländer&#13;
verursachten Verzerrungen auch nicht&#13;
ignorieren. Wenn wir das täten, würde das Handelssystem einen Punkt ansteuern, an dem durch Ungleichgewichte und Verzerrungen Protektionismus&#13;
unvermeidlich wird.&#13;
Meine Damen und Herren, die unausweichliche und uns allen bekannte&#13;
Tatsache lautet, daß Handel auf Gegenseitigkeit beruhen muß.&#13;
Ein strukturell unausgeglichener&#13;
Handel - sei er absichtlich durch&#13;
staatliche Politik oder die Hartnäkkigkeit des Privatsektors hervorge-&#13;
&#13;
bracht - mündet in eine Sackgasse.&#13;
Es gibt nur einen Weg, den wir&#13;
einschlagen können. Nur einen Weg,&#13;
den wir wählen müssen. Wir müssen&#13;
der Tatsache klar ins Auge blicken,&#13;
daß die industrielle Struktur und die&#13;
Wirtschaftpolitik einiger Länder unannehmbare Auswirkungen auf den Welthandel haben und geändert werden müssen.&#13;
So schwierig dieser Prozeß auch&#13;
sein mag, so bedeutet er gegenüber&#13;
den sich bietenden Alternativen das&#13;
kleinere Übel.&#13;
Dieses Konzept hat&#13;
die Bush-Administration bei ihrer Anwendung des Allgemeinen Handelsgesetzes verfolgt - insbesondere bei Bestimmungen wie "Super 301".&#13;
Wir stellen uns nicht dem GATT&#13;
und dem multilateralen Handelssystem&#13;
in den Weg sondern wollen es schützen.&#13;
Um unseren zweiten Präsidenten&#13;
John Adams zu zitieren: Wir haben&#13;
die Revolution nicht durchgeführt,&#13;
sondern verhindert.&#13;
Und genau das&#13;
will unsere Handelspolitik.&#13;
Ich bin sehr optimistisch, daß&#13;
wir den freien Handel fördern können.&#13;
Ich möchte dabei insbesondere auf die&#13;
bevorstehenden Gespräche mit Japan&#13;
über strukturelle Probleme hinweisen.&#13;
Diesen Gesprächen kann - und wird&#13;
meiner Ansicht nach - entscheidende&#13;
Bedeutung zukommen.&#13;
Nur wenn wir grundlegende strukturelle Probleme anschneiden, können&#13;
wir wirklich etwas Grundsätzliches in&#13;
einem wichtigen Punkt erreichen - bei&#13;
unseren Handelsdefizit.&#13;
Aber die&#13;
Ergebnisse der von&#13;
Fortune durchgeführten Untersuchung&#13;
belegen auch, daß Vorsicht geboten&#13;
ist.&#13;
Dieser Untersuchung&#13;
zufolge&#13;
sind etwa 60 Prozent aller amerikanischen Unternehmen der Auffassung,&#13;
daß Protektionismus in der EG noch&#13;
vor 1992 zunehmen wird.&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Sie sehen voraus, daß Europa&#13;
stärker auf Gegenseitigkeit bestehen&#13;
und fordern wird, daß andere Märkte&#13;
ebenso offen sind wie die EG nach&#13;
1992 und ferner die zunehmende Anwendung von Antidumpingmaßnahmen.&#13;
Diese beiden Fragen waren auch&#13;
Hauptbestandteil meiner Gespräche in&#13;
Europa.&#13;
Nach all diesen Sitzungen&#13;
war ich ermutigt - sowohl von den erzielten Fortschritten als auch von&#13;
dem positiven Ansatz der europäischen&#13;
Vertreter. Die meisten europäischen&#13;
Vertreter unterstützen eine offene&#13;
EG, einige streben jedoch durchaus&#13;
den einen oder anderen Schutz für besondere Intressen innerhalb Europas&#13;
an. Wir müssen also wachsam sein und&#13;
die Bereiche behandeln, die Restriktionen im Handel mit sich bringen&#13;
könnten.&#13;
Wie Sie vielleicht wissen, haben&#13;
einige Teilbereiche des EG-Programms&#13;
den Vereinigten Staaten Anlaß zur&#13;
Sorge bereitet, insbesondere Normen,&#13;
Kontrollen und Nachweise, Gegenseitigkeit, staatliche Beschaffung sowie&#13;
Ursprungsregelungen und deren Anwendung.&#13;
Bei unserem jüngsten Zusammenkünften habe ich mich auf Normen konzentriert, da dieser Punkt für amerikanische Unternehmen von vorrangiger&#13;
Bedeutung ist. In der Untersuchung&#13;
von Fortune bezeichneten überwältigende 75 Prozent der amerikanischen&#13;
Firmen und 85 Prozent aller europäischen Unternehmen Normen, Kontrollen&#13;
und Nachweise als wichtigste Maßnahmen, die die EG treffen könnte.&#13;
Bereits ein winziges Detail bei&#13;
den Normen - etwa wie Batteriekabel&#13;
aussehen müssen oder wie groß Flaschen sein sollten - kann darüber befinden, ob ein amerikanisches Produkt&#13;
in der EG Absatz findet.&#13;
Als Ergebnis meines Besuchs in&#13;
Brüssel und der mit dem EG-Vizepräsident Bangemann und anderen Mitgliedern der Kommission getroffenen Vereinbarung bin ich zuversichtlich, daß&#13;
&#13;
die Bereiche Normen, Kontrollen und&#13;
Nachweise für 1992 eine positive&#13;
Kraft im Handel sein werden.&#13;
In dieser Richtung ist bedeutender Fortschritt erzielt worden, und&#13;
ich freue mich insbesondere über das&#13;
Engagement für Grundsätze der Transparenz und Offenheit.&#13;
Interessierte Beteiligte aus Amerika werden jetzt im voraus über die&#13;
Entwicklung von EG-Normen informiert,&#13;
können entsprechende Entwürfe kommentieren und technische Vorführungen&#13;
arrangieren, wo dies notwendig erscheint. Die EG wird auf die Anwendung internationaler Normen hinarbeiten, die rein europäische ersetzen&#13;
sollen.&#13;
Im Bereich der Normen bestehen&#13;
noch einige Unklarkeiten, aber ich&#13;
hoffe, daß sie in den in diesem Sommer beginnenden Zusammenkünften geklärt werden können.&#13;
Bei der Frage zum Protektionismus&#13;
bezeichneten die in der Fortune-Untersuchung befragten Firmen Gegenseitigkeit als ihr größtes Anliegen.&#13;
Ich freue mich daher darüber, daß die&#13;
Kommission in der zweiten Bank-Richtlinie "Gegenseitigkeit" als nationale&#13;
Behandlung und effektiven Marktzugang&#13;
definiert hat.&#13;
Dies ist eine sehr wichtige Veränderung. Die jüngste Maßnahme der&#13;
EG-Kommission hat die meisten Anliegen über die Betrachtungsweise der EG&#13;
zur nationalen Behandlung beseitigt.&#13;
Wir hoffen - und werden nachfragen daß diese Definition auf andere Bereiche Anwendung findet, wie etwa&#13;
Versicherungen und Investitionen.&#13;
Das heißt nicht, daß alle Probleme gelöst sind. Die Maßnahme der EG,&#13;
daß die Fernsehprogramme aus NichtEG-Ländern nur einen Anteil von 50&#13;
Prozent haben dürfen, ist ganz einfach protektionistisch.&#13;
Und natürlich bleiben restriktive lokale Erfordernisse, Ursprungsregelungen, die&#13;
staatliche Beschaffung und andere An-&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�liegen bestehen.&#13;
Einige dieser Probleme konnten in&#13;
bilateralen Gesprächen gelöst werden.&#13;
Andere können durch ihre Einbeziehung&#13;
in multilaterale&#13;
Gesprächen gelöst&#13;
werden.&#13;
Aber&#13;
einige&#13;
weden&#13;
als&#13;
Streitfälle bestehen bleiben.&#13;
Wir&#13;
müssen einen besseren Weg zur Beilegung dieser Differenzen finden als in&#13;
der Vergangenheit.&#13;
Mangelndes Vertrauen bei der Beilegung von Streitigkeiten im Gatt&#13;
veranlaßt einzelne Länder zu einseitigen Schritten.&#13;
Wir müssen unser&#13;
Engagement verdoppeln, wenn wir im&#13;
GATT ein angemessenes Verfahren zur&#13;
Beilegung der Differenzen finden wollen. Das trifft insbesondere auf die&#13;
Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft zu.&#13;
Aber die Vereinigten Staaten müssen nicht nur Schranken abbauen und&#13;
Streitigkeiten beilegen, sondern auch&#13;
im Inland Maßnahmen treffen, um unsere Konkurrenzfähigkeit zu verbessern.&#13;
&#13;
Es sei in diesem Zusammenhang die&#13;
Geschichte eines Großgrundbesitzers&#13;
erzählt, der mit seinem Gärtner seinen schönen Besitz abschreitet. Auf&#13;
einem Hügel hielt man an und der Besitzer wies den Gärtner an, hier&#13;
einen besonderen Baum zu pflanzen.&#13;
Der Gärtner widersprach und erklärte,&#13;
der Baum wachse langsam und würde&#13;
erst nach 100 Jahren seine volle&#13;
Größe erreicht haben.&#13;
Worauf der&#13;
Landbesitzer erwiderte:&#13;
"In diesem&#13;
Fall dürfen wir keine Zeit verlieren.&#13;
Pflanzen Sie ihn schon heute nachmittag."&#13;
Wir sind mit den erzielten Fortschritten sehr zufrieden. Aber genau&#13;
wie der Landbesitzer dürfen wir keine&#13;
Zeit verlieren. Wir müssen heute für&#13;
die Zukunft Vorsorgen. Der Welthandel mit offenen Märkten bringt Frieden und Verständnis auf der Welt hervor. Das ist ein Ziel, das all unsere Bemühungen rechtfertigt.&#13;
&#13;
Wir müssen die Betonung auf Qualität legen. Die Baldridge-Auszeichnung symbolisiert den Standard, den&#13;
amerikanische Unternehmen anstreben&#13;
sollten. Wir müssen unser Bildungssystem verbessern und unsere Sparrate&#13;
erhöhen und die Kapitalkosten senken&#13;
- was Maßnahmen bei der Kapitalertragssteuer und bei den Steuerermäßigungen für Forschung und Technik bedingt.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�^°s7~&lt;&#13;
&#13;
^7&#13;
&#13;
^&#13;
&#13;
C$&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
14. Juni 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
WISSENSCHAFTLER FORDERN RASCHES HANDELN BEIM "TREIBHAUSEFFEKT'&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die Politiker gehen nunmehr auf die Warnungen der Wissenschaftler vor dem zunehmenden Abbau der Ozonschicht ein, obgleich der Verzicht auf die chemischen Substanzen, die diesen Vorgang verursachen, zunächst&#13;
erhebliche wirtschaftliche Problemen mit sich bringen wird. Jedenfalls befürworteten in Helsinki Anfang Mai 1989 die Vertreter von 86 Ländern das totale&#13;
Verbot für bestimmte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) bis spätestens zum&#13;
Ende dieses Jahrhunderts, wofür die Vereinigten Staaten und die Europäische&#13;
Gemeinschaft zuvor schon plädiert hatten.&#13;
&#13;
Das Protokoll von Montreal aus&#13;
dem Jahr 1987, das einen Abbau der&#13;
FCKW-Produkte auf 50 Prozent bis 1998&#13;
forderte, ist angesichts der Forschungsergebnisse aus jüngster Zeit&#13;
bereits überholt. Die Zerstörung der&#13;
Ozonschicht in der Stratosphäre, die&#13;
alles Leben auf der Erdoberfläche vor&#13;
bestimmten Anteilen der ultravioletten&#13;
Strahlung&#13;
schützt,&#13;
schreitet&#13;
schneller voran als damals erwartet mit allen negativen Konsequenzen für&#13;
die Gesundheit von Menschen, für die&#13;
Nahrungsproduktion, für die Lebensfähigkeit von Tier und Pflanze bis hin&#13;
zur Schädigung des Meeresplanktons.&#13;
Es erging ein Aufruf an die Industrienationen, einen UN-Fonds einzurichten, um auch Entwicklungsländern&#13;
die Umstellung auf eine Wirtschaft&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
ohne&#13;
FCKW-Verbindungen&#13;
zu&#13;
ermöglichen. Diese finden allein schon in&#13;
der Industrie vielfältige Anwendung beispielsweise zum Aufschäumen von&#13;
Kunststoffen, als Kühl- und Reinigungsmittel, als Treibgas zur Dosierung und besseren Verteilung von&#13;
Sprühsubstanzen. Konkrete Pläne, wie&#13;
eine solche Umstellung zu bewerkstelligen wäre, gibt es allerdings noch&#13;
nicht.&#13;
Das sehr viel komplexere und noch&#13;
wichtigere Problem ist jetzt der&#13;
Schutz der Erdatmosphäre vor dem sogenannten Treibhauseffekt, der weltweit Klimaänderungen nach sich zieht.&#13;
Durch menschliche Aktivitäten werden&#13;
in der Atmosphäre immer größere Mengen von Kohlendioxid, Stickstoffoxiden und Methan angereichert. Sie er-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�höhen beträchtlich die Belastung mit&#13;
diesen und anderen Aerosolen, zum&#13;
Beispiel Schwefel Verbindungen aus natürlichen Vorgängen wie heftigen Vulkanausbrüchen. Dies alles führt dazu, daß die von der Erdoberfläche&#13;
abgegebene Wärme (Infrarotstrahlung)&#13;
anteilmäßig unzureichend in den Weltraum abgegeben und zunehmend in der&#13;
Lufthülle gespeichert wird. Der Prozeß wird noch verstärkt durch Ozonbildung aus Luftschadstoffen unter&#13;
Lichteinwirkung&#13;
in&#13;
den&#13;
unteren&#13;
Schichten der Atmosphäre sowie durch&#13;
das Vorhandensein von FCKW-Verbindungen nicht nur in der Stratosphäre,&#13;
sondern auch in diesem Bereich.&#13;
Bei der Anhörung vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats&#13;
machten kürzlich sieben führende amerikanische Wissenschaftler, unter ihnen Ralph Cicerone vom Nationalen&#13;
Zentrum für Atmosphärenforschung und&#13;
Dr. James Hansen vom Goddard-Institut&#13;
für&#13;
Weltraumwissenschaften,&#13;
darauf&#13;
aufmerksam, daß die Erwärmung sehr&#13;
viel schneller vor sich gehe als bislang angenommen. Diesem Trend müsse&#13;
durch strikte Gegenmaßnahmen Einhalt&#13;
geboten werden.&#13;
Dr. V. Ramanathan&#13;
von der geophysikalischen Fakultät&#13;
der Universität Chicago verwies darauf, daß - das durch Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle freigesetzte Kohlendioxid allein - gegenwärtig etwa 50 Prozent der Treibhausgase in der Luft ausmache. FCKW-Verbindungen sowie das beim Verrotten&#13;
von Pflanzen und Tierdung entstehende&#13;
Methan seien für weitere 40 Prozent&#13;
verantwortlich.&#13;
Die Wissenschaftler legten der&#13;
amerikanischen Regierung nahe, die&#13;
Initiative für internationale Verhandlungen über die Einschränkung von&#13;
Aktivitäten,&#13;
die&#13;
den&#13;
"Treibhauseffekt" fördern, zu ergreifen.&#13;
Der&#13;
Nutzeffekt beim Energieverbrauch von&#13;
Kraftfahrzeugen,&#13;
Kraftwerken&#13;
und&#13;
Fabriken müsse gesteigert werden, um&#13;
die Zuwachsrate für die Freisetzung&#13;
von Kohlendioxid zu verringern. Auf&#13;
politischer Seite hält man jedoch die&#13;
Forschungsergebnisse noch nicht für&#13;
&#13;
ausreichend, um sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Reduzierung&#13;
oder Ausschaltung bestimmter Spurengase festzulegen.&#13;
Die wirtschaftlichen Kosten für solche Maßnahmen&#13;
sind enorm. Aus diesem Grund nahmen&#13;
die Vereinigten Staaten auf der Tagung eines Umweltgremiums der Vereinten Nationen, die am 9. Mai 1989 in&#13;
Genf begann, zunächst eine abwartende&#13;
Haltung ein. "Unsere Delegation ist&#13;
mit der Weisung nach Genf gegangen,&#13;
zuzuhören und sich darüber zu informieren, was andere Länder vorhaben",&#13;
sagte Ed Johnson, Direktor der Abteilung Entwicklungsländer innerhalb der&#13;
amerikanischen&#13;
Umweltschutzbehörde&#13;
(EPA). Angesichts der Befürchtungen&#13;
bei manchen europäischen und anderen,&#13;
industriell weniger entwickelten Ländern, die auf sofortige Maßnahmen gegen einen möglichen weltweiten Temperaturanstieg drängen, könnten sich&#13;
allerdings die USA veranlaßt sehen,&#13;
sich dieser Haltung anzuschließen.&#13;
Einer am 4. Mai 1989 veröffentlichten von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebenen und über&#13;
zwei Jahre durchgeführten Studie zufolge können mit den bereits erwähnten Maßnahmen zur Energieeinsparung,&#13;
dem Verbrennnen von weniger Kohle und&#13;
Wiederaufforstung im großen Stil die&#13;
schlimmsten Auswirkungen des vorhergesagten Treibhauseffekts abgefangen&#13;
werden. Diese Auswirkungen bestehen&#13;
in einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von zwei bis sechs Grad&#13;
bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.&#13;
Schon der Anstieg auf die Hälfte dieser Werte bis zum Jahr 2030 würde soviel Polareis schmelzen lassen, daß&#13;
der Meeresspiegel um zehn bis 20 cm&#13;
angehoben würde. Auch die Anbaumöglichkeiten der Landwirtschaft in den&#13;
einzelnen Regionen wären davon beeinträchtigt.&#13;
Bei der Erörterung des Berichtes&#13;
auf einer zweitägigen Konferenz der&#13;
Nationalen Akademie der Wissenschaften und einiger anderer Forschungsinstitutionen der USA in Washington&#13;
sprach sich die Mehrzahl der Teilnehmer für Maßnahmen zur Einschränkung&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
)&#13;
&#13;
,&#13;
»&#13;
&#13;
�i&#13;
&#13;
der Freisetzung von Spurengasen aus.&#13;
Das sei wichtig, obgleich über den&#13;
tatsächlichen Ablauf und das Ausmaß&#13;
von möglichen Klimaveränderungen keine definitiven Angaben gemacht werden&#13;
könnten. Allerdings sei im Gegensatz&#13;
zu Tieren und Pflanzen der Mensch&#13;
noch am ehesten in der Lage, sich auf&#13;
die neuen Situationen einzustellen.&#13;
Den Ländern der Dritten Welt müsse&#13;
jedoch geholfen werden, bessere und&#13;
effizientere Wege zu finden, um die&#13;
für die Entwicklung ihrer Wirtschaft&#13;
erforderlichen Energiemengen zu erhöhen. Gro Harlem Brundtland, Premierministerin von Norwegen, schlug vor,&#13;
daß die Industrieländer 0,1 Prozent&#13;
ihres Bruttosozialprodukts für Projekte der Dritten Welt zur Verfügung&#13;
stellen, damit diese Länder Technologie ihren eigenen Erfordernissen anpassen und zerstörte Wälder wieder&#13;
aufforsten können.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush verurteilt Gewalt und hofft auf eine Einigung in China &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher sieht das Handelssystem bedroht &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Handelsministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftler fordern rasches Handeln beim "Treibhauseffekt"</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

24

2 1 . Juni 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Crowe; Sowjetische Armee Immer noch schlagkräftig
- Rede an der Militärakademie in Moskau -

INFORMATION
Gephardt; Erfahren in der Gesetzgebung - Unermüdlich in Wahlkämpfen
- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus Gray eilt der Ruf von Fairness und Pragmatismus voraus
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warschauer Pakt mißachtet KSZE-Verpflichtungen
- Der~26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Epidemie für den Amerikanischen Kontinent befürchtet
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^SJ 3 ^

^7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

C$

21. Juni 1989

24

CROWE:

SOWJETISCHE ARMEE IMMER NOCH SCHLAGKRÄFTIG

- Rede an der Militärakademie in Moskau (Auszüge)

MOSKAU - (AD) - Trotz einseitiger Reduzierungen bedroht der "überwältigende Umfang" der sowjetischen Armee den Westen, so der Vorsitzende der vereinigten Stabschefs, Admiral Crowe, am 14. Juni 1989 vor Studenten und Ausbildern der Woroschilow-Militärakademie in Moskau. Er begrüßte aber "die angekündigten Veränderungen im Denken und in der inneren Struktur der sowjetischen
Armee" und forderte zu intensiveren militärischen Kontakten zwischen den beiden Supermächten auf.
Im folgenden Auszüge aus Crowes Rede:

Die Beziehung zwischen unseren
beiden Militärs wurde in einer Zeit
der Prüfung geboren, jener Zeit des
Zweiten Weltkrieges - Ihres großen
patriotischen Krieges - als die Vereinigten Staaten die Leih-und-PachtHilfe für die Sowjetunion fortführten.
Im Zuge dieser Zusammenarbeit
lernten amerikanische und sowjetische
Soldaten einander gut kennen, und
einige Amerikaner nahmen sogar an militärischen Operationen der Sowjets
teil.

schichte überdauert.
Die Zeit dieser unmittelbaren Zusammenarbeit war natürlich nur von
kurzer Dauer und wurde abgelöst von
der Nachkriegszeit, einer Zeit der
Konfrontation im geteilten Europa und
anderen Ländern. Doch halte ich es
für bemerkenswert, daß sogar in einer
solchen Zeit Uniformierte auf beiden
Seiten bei zahlreichen Aktivitäten
zum Abbau der Spannungen eine wichtige und konstruktive Rolle gespielt
haben.

So beschränkt uns diese Zusammenarbeit heute auch erscheinen mag, hat
doch die Erinnerung daran und an die
Achtung, die amerikanische Soldaten
ihren sowjetischen Kollegen entgegenbrachten, den Wandel der Zeit und damit auch die Wechselfälle der Ge-

- Beispielsweise wurden im geteilten Deutschland Militärmissionen
errichtet und Dialoge zwischen
den Befehlshabern der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in
die Wege geleitet; diese Kontakte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�bestehen bis heute fort.
- Militärangehörige
haben
ferner
bei der Einrichtung der Luftkorridore nach Berlin eine Rolle gespielt,
- bei der Verhandlung über und der
anschließenden Durchführung der
"Vereinbarungen über Vorfälle auf
See" von 1972;
- bei den Abrüstungsgesprächen und
Maßnahmen zur Risikoreduzierung,
- bei den SALT, START, und KSE-Verhandlungen in Wien,
- Bei der KSZE-Schlußakte von 1975
sowie dem Stockholmer Abkommen im
Jahr 1985,
- im Ständigen Konsultativausschuß
- und heute bei dem entscheidenden
Veriftzierungsverfahren zum INFAbkommen in beiden Ländern.
Insgesamt zeigt dieser kurze historische Abriß, daß wir trotz der
Ungleichheit der Entwicklungen in der
Vergangenheit über ein großes Kapital
verfügen, auf dem wir in der Gegenwart aufbauen können.
Täuschen wir uns nicht. Wir, die
wir versuchen, die gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, ohne dabei unsere
eigene Sicherheit zu gefährden, werden in unserer Geschichte mit großen
Herausforderungen konfrontiert. Aber
diese sollten uns weder entmutigen
noch abschrecken. Die führenden Politiker unserer beiden großen Nationen sind entschlossen, dieser Herausforderung klar ins Auge zu sehen.
Dank des politischen Mutes, den Parteichef Gorbatschow und Präsident
Reagan - jetzt Bush - demonstriert
haben, befassen sich Amerika und die
Sowjetunion heute ernsthaft mit den
großen Streitfragen, die uns trennen.
Die Armeen unserer beiden großen Länder sind nun ihrerseits gefordert,
nach Wegen zu suchen, um diese Bemü-

hungen zu beeinflussen.
Im Zuge solcher Bemühungen habe
ich letztes Jahr Marschall Achromejew
in die Vereinigten Staaten eingeladen, um unsere Armee zu besuchen und
unsere Bürger kennenzulernen.
Wir führten lange Gespräche über
unsere jeweiligen Heimatstaaten und
legten
in
einem
aufschlußreichen
Austausch unsere jeweiligen Standpunkte in Sicherheitsfragen dar.

t

Wir kamen zu einigen allgemeinen
Schlußfolgerungen:

i

Zunächst ist es unbedingt erforderlich, daß unsere beiden Militärs
nach Wegen suchen, um zu dem umfangreicheren Prozeß des Abbaus von Spannungen zwischen unseren beiden Regierungen sowie zur Förderung der Stabilisierung beizutragen.
- Wir waren beide der Meinung daß
das in der Nachkriegszeit zwischen Washington und Moskau entstandene "Mißtrauen" eines der
wichtigsten Hindernisse für verbesserte Beziehungen ist. Echte
Fortschritte erfordern, daß wir
gegenseitiges Verständnis fördern
und Möglichkeiten finden, um Ressentiments und Mißtrauen abzubauen. Es ist unabdingbar, daß jede
Seite die andere so gut wie möglich versteht und sich von Klischees und Argwohn freimacht.
Mit diesem Ziel vor Augen konnten
wir ein Programm für weitere militärische Kontakte vereinbaren.
Das Rahmenwerk sieht zwei Wege
vor:
Eine gemeinsame Arbeitsgruppe über "gefährliche militärische Aktivitäten" und einen
Zweijahresplan, der gegenseitige
Besuche von führenden Militärs,
Kriegsschiffen, Historikern, Medizinern und Sportlern vorsieht.
- In ähnlicher Weise sind der Marschall und ich übereingekomen,
daß Initiativen zur Rüstungsreduzierung für die Verbesserung unseres Verhältnisses von grundle-

{

�gender Bedeutung sind. Für den
Erfolg solcher Bestrebungen ist
die einhellige Unterstützung unserer beiden Streitkräfte notwendig.
Dabei müssen noch viele
technische Fragen besprochen werden, die nur von den entsprechenden Fachleuten gelöst werden können. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, daß ausgehandelte Reduzierungen in einer Weise vorgenommen werden, die ein
angemessenes
Gleichgewicht
für
jede Seite und ein verläßliches
Sicherheitsniveau schafft.
Auch
hier wird die gesunde Urteilskraft unserer militärischen Führer besonderes Gewicht haben.
- Um schnellere Fortschritte erzielen zu können, sind wir über die
Notwendgikeit eines freien Meinungsaustauschs und eines besseren Verständnisses der Doktrin
und Ziele der jeweils anderen
Partei übereingekommen. Wir haben erkannt, daß diesen Kontakten
Grenzen gesetzt sind. Alle Länder haben von Natur aus ihre ureigensten Perspektiven, die zum
Teil auf unterschiedliche Geschichte, Geographie und strategische
Umstände
zurückzuführen
sind.
- Zum Schluß haben der Marschall
und ich anerkannt, daß die vor
uns liegenden Aufgaben sehr umfangreich sind.
Es wird viel
Zeit, Geduld, Beharrlichkeit und
Überlegung
erfordern, um alle
Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Aber es steht viel auf dem
Spiel, was diese außerordentlichen
Anstrengungen
rechtfertigt. Wir dürfen nicht, aufgeben
oder uns entmutigen lassen - in
unserem Zeitalter gibt es keine
vernünftige Alternative.
Ich persönlich bin im Hinblick
auf das Endergebnis und die positive
Rolle, die unsere jeweiligen Streitkräfte in den kommenden Jahren übernehmen können, sehr optimistisch.

Was die Zukunft unserer Beziehungen anbelangt, müssen sowohl Moskau
als auch Washington sehr vorsichtig
vorgehen, um bei den Beziehungen zwischen unseren Militärs Fortschritte
zu erzielen.
Geeignete Punkte für
Diskussionen und Austausch müssen im
Einklang mit unseren Sicherheitsinteressen und
angesichts weltpolitischer Entwicklungen sorgfältig definiert werden.
Wir waren in der Tat sehr aufmerksam, und
einige Veränderungen
treten bereits klar zutage. Von unserem Standpunkt aus nehmen wir jedoch manchmal widersprüchliche Anzeichen wahr, die hoffentlich mit der
Zeit zu unseren Gunsten gelöst werden.
In dieser Hinsicht haben die
vom Vorsitzenden Gorbatschow im vergangenen Dezember angekündigten Reduzierungen und Umstrukturierungen bei
den Streitkräften einen weiteren Hinweis darauf gegeben, was das Konzept
des "vernünftigen und ausreichenden
Verteidigungsniveaus" bedeutet. Wenn
die grundlegenden Programme zum Erfolg geführt werden, werden sie einen
wichtigen Schritt zur Lösung unseres
langfristigen
Anliegens
über
das
Übergewicht - das echte Gewicht - Ihrer Streitkräfte darstellen und insbesondere auch über ihren offensiven
Einsatz zum Beispiel bei einem Überraschungsangriff.
Sie müssen auch die Art und Weise
verstehen, wie wir die einseitigen
Vorschläge Ihrer Regierung betrachten. Unserer Ansicht nach werden die
Reduzierungen lediglich einen winzigen Teil der sowjetischen Militärmacht betreffen. Wenn sie durchgeführt werden, konzentrieren sie sich
auf Einheiten, die einen kriegsschauplatzgebundenen
Krieg
führen,
aber auch nach den vorgesehenen Reduzierungen werden Sie das größte aktive Militär der Welt besitzen und zudem bei vielen Arten von Gerät einen
größeren
Bestand
an militärischer
Ausrüstung besitzen als die NATO insgesamt.
Um es ganz deutlich zu sagen, so

- 3 -

�ist es für Amerikaner - und auch für
andere Länder - ziemlich schwierig,
sich vorzustellen, wie eine solche
massive Machtkonzentration durch berechtigte
Verteidigungserfordernisse
zu rechtfertigen ist.
Sie müssen ebenfalls unser berufsmäßiges Anliegen im Hinblick auf
die gegenwärtigen Asymmetrien im RUstungsgleichgewicht verstehen. Nehmen Sie zum Beispiel Europa. Was man
auch über die Absichten Ihrer Führer
oder den Charakter Ihrer Strategie
glauben mag, so führt doch ein einfaches Rechenexempel zu Ihren Fähigkeit unweigerlich zu dem Schluß, daß
die NATO, wenn sie die Verteidigung
Europas ernst nimmt - was ich Ihnen
versichern kann - nicht voreilig
wichtige Waffensysteme aufgeben kann
- insbesondere nicht in der Luft und
bei
den
kriegsschauplatzgebundenen
Waffen.
In ähnlicher Weise lehrt uns Ihre
ungeheure zahlenmäßige Überlegenheit,
daß wir starke maritime Fähigkeiten
haben müssen, um die Seewege offenzuhalten, potentielle Kriegsschauplätze
zu verstärken und zu halten. Es gibt
keine andere vernünftige Haltung die
wir einnehmen können. Ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Sie an meiner
Stelle oder im NATO-Rat wären, von
denselben
Erfordernissen
geleitet
sein würden.
Mit anderen Worten - wenn diese
uns seit langem beunruhigenden Asymmetrien nicht gelöst werden, kann
vernünftigerweise nicht erwartet werden, daß Washington - und ich als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs - unsere Fähigkeit gefährdet,
Westeuropa zu erreichen und unseren
Verpflichtungen innerhalb der NATO
nachzukommen. In dieser Hinsicht betrachte ich den jüngsten Vorschlag
der Sowjets im Rahmen von KSE als
höchst ermutigend, da hierbei die
Gleichheitsgrundsätze
ausdrücklich
anerkannt werden. Einzelheiten müssen dabei noch gelöst werden, denn
zusammen mit Präsident Bushs jüngster
Intervention sehen wir Aussichten für

echte Veränderungen der militärischen
Landschaft in Europa und ermutigende
Stabilität.
Der gleiche Ansatz bestimmt natürlich auch unsere Erfordernisse bei
den strategischen Waffen und unterstreicht unser gesamtes Abschrekkungskonzept.
Bitte vergegenwärtigen Sie sich,
daß ich hier die amerikanische Auffassung vertrete. Ich bin mir darüber im klaren, daß Sie berechtigte
Anliegen im Hinblick auf Ihre Intentionen und Fähigkeiten lösen müssen,
was in einem Dialog geschehen muß,
daß wir mehr über einander wissen
müssen und daß beide Seiten ihre ganze Phantasie und ihr staatsmännisches
Geschick aufwenden müssen, bevor wir
eine gemeinsame Basis haben.
Damit kein Zweifel entsteht: Ihre amerikanischen Amtskollegen begrüßen die angekündigten Veränderungen im Denken und in der Struktur
beim sowjetischen Militär. Wir werden die weitere Entwicklung dieser
Veränderung genau beobachten und hoffen, daß sich diese Impulse weiter
fortsetzen. Bei diesem Besuch hoffe
ich, viel über ihren neuen Blickwinkel zur Verteidigung zu lernen. Sicherlich kann ein beständiges Programm der Kontakte dazu beitragen,
Unsicherheiten auf beiden Seiten auszuräumen.
Mir ist es ein besondere Anliegen, der sowjetischen Regierung und
dem Volk die grundlegenden Ziele der
amerikanischen Verteidigungsstrategie
darzulegen und darüber hinaus zu betonen, daß unser Ziel darin besteht,
uns einer Aggression zu widersetzen,
nicht sie zu beginnen.
Wenn wir diese Probleme angehen,
ist es wichtig, daß wir ein umfassenderes Verständnis des jeweils anderen
Systems erlangen. Um in diesem Punkt
offen zu sein, so haben die Amerikaner nur ein begrenztens Verständnis
vom Zusammenspiel Ihrer militärischen
und politischen Behörden bei der Kon-

�zeptlon sowjetischer Politik.
Wir
beobachten - wenn auch von ferne mit großem Interesse den Prozeß politischer Reformen, die sich in der
Sowjetunion heute vollziehen.
Ich
möchte mich nicht in Ihre innenpolitischen Diskussion einmischen. Tatsächlich haben meine Landsleute seit
1776 die Auffassung vertreten, daß
jede Gesellschaft das Recht hat, die
Regierungsform zu wählen, die sie für
die beste hält. Lassen Sie mich also
ein System beschreiben, daß ich sehr
gut kenne - das amerikanische - und
ihnen darlegen, wie ein Offizier das
Verhältnis des Militärs zum politischen System beurteilt.

gleichzeitig
Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte ist. Dieses Mittel der
Verfassung spiegelt den Wunsch unserer Gründerväter wider, 'zivile Kontrolle' militärischer Operationen zu
gewährleisten und gleichzeitig eine
einzige Autorität einzusetzen, die
entschieden
und
energisch handeln
kann.

Das wichtigste Merkmal aller politischen Entscheidungen in der amerikanischen Regierung ist Pluralismus, das heißt, es gibt bei jeder
wichtigen Entscheidung viele Stimmen.
Das trifft insbesondere im Bereich
der Sicherheit zu, wo die Beteiligung
der Zivilbevölkerung sehr stark ist.
Am bemerkenswertesten ist die zu jeder wichtigen Frage stattfindende öffentliche Diskussion.

Aber entscheidend dabei, ist, daß
sowohl der Präsident als auch der
Kongreß vom Volk gewählt sind. Im
amerikanischen System bedeutet zivile
Kontrolle demokratische Kontrolle des
Militärs.
Der
Präsient
hat die
Macht, gegebenenfalls schnell zu handeln, aber das Volk kann sein Urteil
hinterfragen, ihn zur Rechenschaft
ziehen und ihn bei Bedarf kritisieren.

Die Lage wird dadurch noch komplizierter, daß die amerikanische
Verfassung unserem Kongreß verschiedene wichtige Machtbefugnisse überträgt, zum Beispiel die Verantwortung, Verträgen zustimmen, die Armee
und die Marine zu mobilisieren und zu
unterstützen, Reserven zu mobilisieren und Kriege zu erklären. All dies
kann nicht der Präsident veranlassen,
sondern nur der Kongreß. Das heißt,
wichtige Entscheidungen zur Verteidigung werden nicht nur in einem Prozeß
getroffen, der komplex und gründlich,
sondern auch formell und offen ist.
Die Autorität des Kongresses in bezug
auf den Haushalt gestattet beispielsweise konstante und überall veröffentlichte Anfragen, Nachforschungen
und Untersuchungen über das, was wir
tun.
Ergänzend ist zum Verhältnis zwischen zivilem und militärischem Bereich im amerikanische System noch
anzuführen, daß unserer Präsident
- 5

Das ist jedoch keine völlig unabhängige Macht. In jedem Fall diskutieren der Präsident und der Kongreß
die Grenzen der Rechte des jeweils
anderen, insbesondere in der Außenpolitik.
Von außen erscheint dies
manchmal verwirrend.

Die demokratische Kontrolle des
Militärs ist trotz aller Mängel der
wichtigste Grundsatz des amerikanischen Systems. Nach Auffassung des
Militärs werden damit die Aussichten
verbessert, daß unsere Maßnahmen die
Zustimmung der Öffentlichkeit und ihre Legitimierung erhalten. Gleichermaßen wichtig ist die Tatsache, daß
unsere Soldaten - die Freiwillige
sind - mit den Wurzeln der Macht verbunden bleiben - unsereu Bürgern.
Da durch Wahlen sichergestellt
wird, daß unsere zivilen Behörden die
Zustimmung der Regierten genießen,
bedeutet zivile Kontrolle des Militärs nicht, daß eine Bürokratie sich
über eine andere stellt. Wie James
Madison schrieb, ist das Volk "die
reine, ursprüngliche
Quelle jeder
rechtmäßigen
Autorität".
Demokratische Politiker treffen schwierige
Entscheidungen, führen manchmal die
öffentliche Meinung an, der sie sich
manchmal auch anschließen, aber die
Tatsache, daß ihre Autorität auf die

�ausdrückliche Wahl des Volkes zurückzuführen Ist, ist ihr wertvollstes
Kapital.
Kein führender Politiker in den
Vereinigten Staaten - weder aus dem
Militär noch aus dem zivilen Bereich
- wünscht einen Krieg. Wir haben immer die Auffassung vertreten, die sowohl Präsident Reagan als auch Generalsekretär Gorbatschow haben: daß
ein Atomkrieg nicht gewonnen werden
kann und niemals geführt werden darf.
Die Bewahrung des Friedens ist die
grundlegende Mission unserer Streitkräfte, und der vorrangige Maßstab
unseres Erfolgs ist die Fähigkeit zur
Abschreckung von atomaren oder nichtatomaren Konflikten.
Ich spreche als Offizier, dessen
47 Dienstjahre die gesamte Nachkriegszeit umspannen und der auf den
höchsten Ebene europäischer und asiatischer Befehlsbereiche wie auch in
Washington gedient hat, und ich habe
niemals von irgendeinem Plan der Vereinigten Staaten erfahren, mit dem
ein Angriffskrieg gegen die Sowjetunion oder jemand anderen begonnen
werden sollte.
Tatsächlich ist es
diese Grundwahrheit, die hoffentlich
durch unsere Kontakte verstärkt werden kann, und ich spreche dabei mit
einem Vertrauen, daß sich auf unmittelbaren Kontakt mit unserer Führungsspitze wie auch mit unserem Volk
gründet.

Wenn sich die politischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington
weiterhin verbessern, sehe ich ein
größeres Potentia] für intensivere
militärische Kontakte als in der Vergangenheit. Sie würden von der beiderseitigen Absicht geleitet, Krisenstabilität und Vertrauen in das Bestreben der anderen Seite um die Vermeidung von Konflikten zu schaffen.
Durch offene und grundlegende Diskussionen über den Charakter der militärischen
Strategie, Informationsaustausch über Fragen wie Haushaltsund Beschaffungspläne, den erweiterten Austausch von Personal, die Entwicklung von Systemen zur Verifizierung von Rüstungsreduzierungen und
die Erarbeitung Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen, werden
wir in der Lage sein, unsere Regierungen bei der Schaffung eines insgesamt konstruktiveren Verhältnisses zu
unterstützen und damit die Aussichten
für einen Konflikt zu verringern.
Marschall
Achromejew,
General
Moissejew und ich haben bei diesem
Projekt den ersten Schritt getan. Es
wird an Ihnen und an Ihren amerikanischen Kollegen liegen, die nächsten
Schritte in die Zukunft zu unternehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
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'VON'«*

21. Juni 1989

24

GEPHARDT:

ERFAHREN IN DER GESETZGEBUNG - UNERMÜDLICH IN WAHLKÄMPFEN

- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Mit seiner Wahl zum Mehrheitsführer des amerikanischen
Repräsentantenhauses erklimmt der Abgeordnete Richard Gephardt die weitere
Stufe einer Leiter, die von schnellem Fortschritt und bemerkenswerten Leistungen in der Gesetzgebung gekennzeichnet war.

Dem Abgeordnete aus Missouri, der
sich im vergangenen Jahr erfolglos um
die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei
beworben hatte, eilt auf der zweitwichtigsten Position, die das Repräsentantenhaus zu vergeben hat, der
Ruf eines unermüdlichen Wahlkämpfers
- für sich und andere - voraus. Er
gilt darüber hinaus als Stratege in
der Gesetzgebung mit der besonderen
Fähigkeit, seinen Kollegen zuzuhören
und bei schwierigen Fragen den Konsens zu suchen.
Als Mehrheitsführer ist der 47jährige Gephardt Nachfolger von Tom
Foley, der den ausgeschiedenen Jim
Wright abgelöst hatte. Foley war einer der 70 Demokraten im Repräsentantenhaus, der 1988 Gephardts Streben

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nach dem Präsidentenamt
hatte.

unterstützt

In einer Stellungnahme zum Wahlkampf von Gephardt erklärte Foley:
"Der seit mehr als 16 Jahren am öffentlichen
Leben
beteiligte
Dick
Gehardt war immer seiner Zeit voraus.
Er scheint immer die Ereignisse vorherzusehen und weiß dann, was als
nächstes getan werden muß. Und dann
schafft er das auch. Er ist eine bemerkenswerte Führungspersönlichkeit."
Gephardt ist Absolvent der Northwestern University und der rechtswissenschaftlichen Fakultät der University of Michigan. Nach seinem Examen
diente er in der Missouri Air National Guard als Hauptmann und Offizier
für Rechtsfragen.
Seine politische

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�Laufbahn begann Anfang der siebziger
Jahre als Ratsherr im Stadtrat von
St. Louis.
Gephardt wurde 1976 in den Kongreß gewählt und hat seitdem jede
Wahl mit über 66 Prozent der Stimmen
gewonnen. Er ist Mitglied im Finanzausschuß und in den Unterausschüssen
für Handel und Sozialversicherungswesen. Er hat sich bei vielen wichtigen Themen wie etwa Steuerreform, Rüstungskontrolle ,
Landwirtschaft,
Welthandel und Gesundheitswesen zu
Wort gemeldet.
Von 1984 bis 1987 war Gephardt
Vorsitzender
der
Gruppe
demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Einer zu seinem Wahlkampf
veröffentlichten Biographie zufolge
war er der jüngste jemals gewählte
Amtsinhaber.
Bei seinem Präsidentschaftswahlkampf fand Gephardt besonderen Anklang bei der arbeitenden Bevölkerung
- Bauern und Automobilarbeitern -,
deren Lebensunterhalt
vom Verkauf
amerikanischer Waren im Ausland abhängt und sagte dem amerikanischen
Handelsdefizit dem Kampf an. Gleichzeitig brachte er einen Gesetzentwurf
- den vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatz - im Kongreß ein mit dem Ziel, die HandelsUberschüsse Japans, Koreas und anderer Länder abzubauen, deren Exporte
in die Vereinigten Staaten umfangreicher sind als ihre Importe.
Bei einem im Wahlkampf geführten
Interview verteidigte er seine Vorschläge als nützlich und vernünftig.
Er erklärte, nach langem, scharfen
Nachdenken und durch unermüdliches
Lernen zu seiner Position im Handel
gelangt zu sein.
"Ich bin kein Ideologe", erklärte
Gephardt, "ich habe lediglich versucht, realistisch und pragmatisch zu
handeln... Ich wünsche mir für echte
Probleme echte Lösungen."
Seine

bereits

1982

vorgelegten

Vorschläge zur Steuerreform, mit denen Lücken geschlossen und das Einkommenssteuersystem vereinfacht werden sollten, fanden in der Öffentlichkeit nur wenig Anklang. Als diese Reformmaßnahme 1986 verabschiedet
wurde, galten eher Präsident Reagan
und andere Mitglieder aus Senat und
Repräsentantenhaus als deren Urheber.
Dennoch errang Gephardt Anerkennung und Zustimmung für die Behandlung schwieriger Fragen. Ein politischer Kolumnist schrieb einmal über
Gephardt, als dieser in einem Nichtwahljahr in 30 Staaten für sich warb:
"Er kann nicht rasten und er kann
keiner Herausforderung widerstehen.
Er hat rote Haare, ein jungenhaftes
Gesicht und einen Motor, der nie
stillsteht."
Gephardt wuchs in St. Louis als
Sohn eines Milchwagenfahrers und einer Rechtsanwaltssekretärin auf. Er
war begeisterter Camper und Baseballspieler und tat sich besonders bei
den Pfadfindern hervor, wo er es bis
zum "Eagle Scout" brachte.
Seine Mutter berichtete einem Reporter bei seinem Wahlkampf: "Seit
seinem 16. Lebensjahr haben die Leute
behauptet, er würde eines Tages Präsident werden."
Der neue Mehrheitsführer ist seit
21 Jahren mit seiner Frau Jane verheiratet, mit der er drei Kinder Matthew, Christine und Katherine hat.

* * * * * *

�:e° s&gt;

AMERIKA DIENST
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21. Juni 1989

24

GRAY EILT DER RUF VON FAIRNESS UND PRAGMATISMUS VORAUS
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

WASHINGTON - (AD) - Als Führungskraft in der Demokratischen Partei sieht
Gray seine Aufgabe darin "zu gewährleisten, daß alle Ansichten geäußert werden
und berücksichtigt werden".

Darauf verwies der Abgeordnete
aus Pennsylvania gegenüber den Mitgliedern des für die Parteiplattform
verantwortlichen Ausschusses seiner
Partei, der 1988 die Zielsetzungen
für den nationalen Konvent der Demokraten formulierte. In seiner politischen Laufbahn hat Gray vielfach
Führungsrollen
übernommen, so als
Vorsi tzender des Ausschusses demokratischer Kongreßabgeordneter, als Vorsitzender des Haushaltsausschusses im
Repräsentantenhaus und Vizevorsitzender der Gruppe schwarzer Kongreßabgeordneter.
Als neugewählter "Einpeitscher" und dritthöchster Demokrat im Repräsentantenhaus - wird Gray oftmals Gelegenheit haben, die vielfältigsten
Kräfte innerhalb seiner Partei zu

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vereinigen und seinen über viele Jahre hinweg erworbenen Ruf als fairer
und pragmatischer Politiker zu verteidigen.
1985 fegte er Bedenken vom Tisch,
ein schwarzer Liberaler könne keine
ernsthaften
Haushaltseinsparungen
vornehmen und baute eine vielfältige
regionale und ideologische Koalition
auf, um den Vorsitz im Haushaltsausschuß und damit eine der einflußreichsten
und
prestigeträchtigsten
Positionen im Repräsentantenhaus zu
erlangen. Als er die Position erhielt, wurde er damit einer der ranghöchsten gewählten Vertreter unter
den Schwarzen.
Durch seine Klugheit trug Gray
erheblich zur Konsensbildung bei, und

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�er betrachtete den Haushalt als politische Stellungnahme und nicht SO
sehr als ein Mittel fiskalischer Kontrolle . Er war verantwortlich für
die Konzeption von HaushaltsresolutIonen, die von nahezu allen Demokraten im Repräsentantenhaus wie auch
von zahlreichen Republikanern unterstützt wurden.
Sein Interesse an politischen und
wirtschaftlichen
Entwicklungen
auf
dem afrikanischen Kontinent hat dazu
geführt, daß Gray kontinuierlich auf
mehr Hilfe für diese Länder drängt,
die ihrem Umfang nach dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas nach
dem Zweiten Weltkrieg gleichkommen
soll. Er hat als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf gefordert, mit dem eine Stiftung für die
Entwicklung Afrikas gegründet werden
soll, mittels derer amerikanische
Hilfe direkt in afrikanische Dörfer
weitergeleitet werden kann. Darüber
hinaus übernahm er beim Problem der
Sanktionen gegenüber der Apartheid in
Südafrika eine Führungsrolle und war
an der Entwicklung der amerikanischen
Haltung beteiligt.

der Zwischenzeit war er Pfarrer in
verschiedenen
Gemeinden
und wurde
nach dem Tod seines Vaters 1972
Pastor von Bright Hope.
Durch seinem Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen für die
Armen interessierte sich Gray zunehmend für Politik als Kraft sozialen
Wandels. Er entschied sich 1976 zu
einer Kandidatur für den Kongreß und
verlor die Vorwahlen an den Mann, dem
er früher als Praktikant gedient hatte - Robert Nix, Zwei Jahre später
besiegte Gray Nix jedoch in seinem
überwiegend demokratischen Bezirk und
gewann seinen Sitz.
Seit diesem
Wahlkampf 1978 ist Gray alle zwei
Jahre erneut durch eindeutige Siege
in seinem Amt bestätigt worden - sogar mit 91 Prozent der Stimmen.
Gray bezeichnet sich selbst als
"Arbeitstier", er ist unkompliziert,
witzig und immer sehr liebenswürdig.
Er ist verheiratet und hat mit seiner
Frau Andrea drei Söhne.

* £ * * *

Gray wurde am 20. August 1941 in
Baton Rouge (Louisiana) als Sohn eines Priesters und Lehrers und einer
Lehrerin geboren.
Die Familie zog
erst nach Florida und später nach
Philadelphia
um, wo Grays Vater
Pastor der Baptistengemeinde Bright
Hope wurde.
Gray studierte am Franklin and
Marshall College in Lancaster (Pennsylvania) Soziologie und danach Theologie an der Drew Theological Sehool
in Madison (New Jersey). Bereits im
Grundstudium interessierte er sich
für Politik und arbeitete als Prakti&gt;kant für den Abgeordneten seines Bezirks.
Nach weiteren Studien an der University of Pennsylvania, Temple University und Oxford University bestand
er 1970 am Princeton Theological Seminary sein Examen in Theologie. In
2 -

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Hintergrundmaterial
21. Juni 1989

24

WARSCHAUER PAKT MISSACHTET KSZE-VERPFLICHTUNGEN
Der 26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WASHINGTON - (AD) - Das Verhalten der Warschauer Pakt-Staaten im Bereich
der Menschenrechte und menschlichen Kontakte ist nach wie vor in einer Reihe
von Fällen unbefriedigend und steht nicht im Einklang mit den Bestimmungen der
Schlußakte von Helsinki und den Madrider und Wiener Schlußdokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt der vom Kongreßausschuß für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa von Außenminister Baker im Namen von Präsident
Bush am 16. Juni 1989 vorgelegte 26. Halbjahresbericht über die "Durchführung
der Schlußakte von Helsinki".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Kapitel 1 des Berichts.

UdSSR

litischen Aktivismus stimulierte.

Die Verwirklichung der Abkommen
von Helsinki, Madrid und Wien durch
die Sowjetunion hat sich im Berichtszeitraum erheblich verbessert.

Ende des Jahres 1988 berichteten
die Sowjets von der Freilassung aller
aus politischen oder religiösen Gründen Inhaftierter, die ausschließlich
aufgrund der Artikel 70, 142, 190.1
und 227 des sowjetischen Strafrechts
verurteilt worden waren. Zuverlässige westliche Quellen gehen jedoch davon aus, daß sich noch immer einige
Personen aufgrund
dieses Artikels
entweder
in Gefangenenlagern
oder
psychiatrischen Kliniken aufhalten.
Die Sowjets hatten darüber hinaus
Verhandlungen
mit den Vereinigten
Staaten aufgenommen, um einen Mechanismus zur Überprüfung der Fälle zu
schaffen, bei denen der begründete
Verdacht
bestand, die betreffende
Person sei aus politischen Gründen

Am 15. Februar hat die Sowjetunion planmäßig ihre widerrechtliche
Besetzung Afghanistans beendet. Im
Inland hat das Streben der sowjetischen Führung nach Glasnost und
"Demokratisierung" zu einer weiteren
Öffnung der sowjetischen Gesellschaft
geführt. Bei den gerade abgehaltenen
Wahlen für den Kongreß der Volksdeputierten wurden so viele Kandidaten
wie nie zuvor gestellt, und die Wahlen waren von einer Offenheit gekennzeichnet, die in der sowjetischen Geschichte ihresgleichen sucht und po-

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�wegen vorgeblicher krimineller Delikte verurteilt worden.

stellten, in der Mehrzahl der Fälle
die Ausreisegenehmigung erteilt wurde. Pro Monat werden über 2 000 neue
Anträge zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten gestellt.

Trotz einiger positiver Entwicklungen ist die Durchführung der Abkommen in der Sowjetunion nach wie
vor unbefriedigend und zwar hauptDie sowjetische Regierung besächlich, weil für die meisten Vertrachtet die Verbreitung von Inforbesserungen noch der institutionelle
mationen weiterhin als Instrument, um
Rahmen oder eine feste gesetzliche
die öffentliche Meinung auf den Kurs
Grundlage geschaffen werden muß. Der &gt; der aktuellen Politik zu bringen. Im
Entwurf neuer Gesetze zur Anpassung
Rahmen von Perestojka und Glasnost
der sowjetischen Rechtsgrundlagen an
verfügen die offiziellen Medien jeden internationalen Standard im Bedoch jetzt über etwas mehr Spielraum
reich der Menschenrechte liegt hinter
bei der Entscheidung was veröffentdem Terminplan zurück. Gesetzentwürlicht werden soll. Infolgedessen gefe zur Presse- und Meinungsfreiheit,
ben die Journalisten und Zeitungen
zu Gerichten, sozialen Organisationen
heute ein sehr viel breiteres Spekund Auswanderung werden ebenso wie
trum an Meinungen wider als in der
ein neues Strafgesetz erst im weiteVergangenheit. Mitte Dezember hatten
ren Verlauf des Jahres erwartet.
die Sowjets alle Störungen westlicher
Menschenrechte sind in der SowjetRundfunksendungen eingestellt.
union also immer abhängig von der jeweiligen Politik und nicht eine geIm Berichtszeitraum war die Zusetzlich verankerte Angelegenheit.
sammenarbeit bei Austauschprogrammen
in den Bereichen Kultur und Bildung
insgesamt gut, obwohl sich Anzeichen
Das
Nationalitätenproblem
hat
bemerkbar machten, daß die Ausweitung
sich in den vergangenen 6 Monaten
bilateraler Austauschprogramme allverschärft.
Gewaltakte führten zur
mählich zu Lasten der sowjetischen
Verhängung des Ausnahmezustands in
Infrastruktur geht...
großen
Teilen
von
Armenien
und
Aserbeidschan und zu scharfem Vorgehen gegen nationale Aktivisten. In
anderen Regionen - insbesondere den
Rumänien
baltischen Staaten, aber auch in der
Ukraine, Georgien und der MoldauDie augenfälligste Bekundung der
ischen SSR - tolerierte Moskau wachPolitik Rumäniens im Hinblick auf
sende nationale Selbstbestimmung, obseine KSZE-Verpflichtungen erfolgte
wohl in jüngster Zeit die Sorge über
am Ende des Wiener Folgetreffens im
"Extremisten"
und
"ültrareformer"
Januar, als Rumänien das Schlußdohervorgehoben wurde, die Grundfesten
kument akzeptierte, jedoch bekanntdes sowjetischen Sozialismus und "Ingab, sich nicht an die Verfügungen zu
ternationalismus" angreifen...
halten, gegen die es zuvor Einspruch
erhoben hatte. In den seit Ende des
Wiener Treffens vergangenen Monaten
In der sowjetischen Politik der
hat die rumänische Regierung wiederFamilienzusammenführung konnten erholt Versuche abgewehrt, den im Wiehebliche
Verbesserungen
beobachtet
ner Schlußdokument festgelegten Mewerden, obwohl immer noch Probleme
chanismus der menschlichen Dimension
bestehen.
Die Zahl der jüdischen
auszuüben.
Auswanderer blieb so hoch wie im vergangenen Berichtszeitraum und einer
Reihe
jüdischer Dissidenten wurde
Was die generelle Politik Rumänach langer Zeit endlich die Ausreiniens zu den laufenden KSZE-Verpflichtungen anbetrifft, so hat die
segenehmigung erteilt.
Es hat den
rumänische Regierung im BerichtszeitAnschein, daß jüdischen Auswanderern,
raum die Vertrauens- und sicherheitsdie zum ersten Mal einen Antrag

k

t

.
\

�bildenden Aspekte der KSZE weiterhin
aktiv unterstützt und besondere Betonung auf die ersten sechs Artikel
der
Schlußakte
von Helsinki als
Schlüsse]elemente
ihrer
Innen- und
Außenpolitik gelegt. In den meisten
anderen Bereichen blieb die Bilanz
der rumänischen Regierung weit hinter
ihren KSZE-Verpflichtungen zurück...
Im Bereich der Religionsfreiheit
konnten keine Verbesserungen beobachtet werden, und die Religionsausübung
wird nach wie vor von der Regierung
vorgeschrieben und kontrolliert...
Die
weitverbreitete
Besorgnis
über das Regierungsprogramm zur "Systematisierung" oder Modernisierung
der ländlichen Gebiete hält an. Dem
Plan zufolge soll nahezu die Hälfte
der 13 000 rumänischen Dörfer dem
Erdboden gleichgemacht werden, aber
bis heute ist der Abriß erst in einem
Gebiet in der Nähe von Bukarest erfolgt.
Die "Systematisierung" des
ländlichen Raums wird in Bukarest und
anderen Städten
fortgesetzt.
Die
Einwohner haben wenig oder gar kein
Mitspracherecht bei der Entscheidung
über die Anwendung von politischen
Maßnahmen und wurden gegen ihren Willen zur Umsiedlung gezwungen. Während dieses Berichtszeitraums hat die
Regierungspolitik die ethnische Identität der ungarischen, deutschen und
anderer Minoritäten weiterhin untergraben.
Rumäniens Verhalten zu Korb II
(Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Umwelt) hat sich während dieses Berichtszeitraums insgeamt nicht
verbessert. Die Aufhebung der Meistbegünstigungskausel für Rumänien trat
am 3. Juli 1988 in Kraft. Rumänien
hat die Mischung an Exportgütern etwas angepaßt, um den Verlust der
Meistbegünstigungsklausel
wettzumachen. . .
Im Bereich der menschlichen Kontakte hat sich Rumäniens Verhalten
nicht verbessert. Obwohl die Anzahl
von Personen leicht angestiegen ist,
denen die Genehmigung für einen kur-

zen Familienbesuch erteilt wurde, erhöhte sich die Zahl derjenigen, denen
die Ausreise bewilligt wurde, nicht
maßgeblich. Der amerikanischen Botschaft liegen Informationen über nahezu 2 500 in Frage kommende Antragsteller vor, die bisher noch nicht
die Genehmigung zur Auswanderung in
die Vereinigten Staaten erhalten haben.
Rumänien strebt außerhalb seiner
Grenzen ein etwas positiveres Image
an, teils indem es die Aktivitäten
der zu Besuch weilenden westlichen
Journalisten einschränkt und sie ausweist, wenn sie sich für von der rumänischen Regierung nicht genehmigte
Aktivitäten engagieren oder denjenigen die Einreise verweigert, die in
der Vergangenheit wenig Schmeichelhaftes über Rumänien zu berichten
hatten...

Polen
Unter den Warschauer Pakt-Staaten
hat Polen im Hinblick auf die generelle Einhaltung der Verfügungen der
Schlußakte
von
Helsinki
und der
Madrider und Wiener Schlußdokumente
eine etwas bessere Bilanz vorzuweisen. In dem hier behandelten Zeitraum geben die politischen Entwicklungen jedoch berechtigten Anlaß zu
der Hoffnung, daß Polen seine KSZEBilanz im nächsten Berichtszeitraum
noch weiter verbessern könnte.
Diese Entwicklungen können praktisch ausnahmslos unter dem Oberbegriff der "Gespräche am runden Tisch"
zusammengefaßt werden.
Diese Verhandlungen wurden am 6. Februar nach
monatelangen Verzögerungen für die
Dauer von 8 Wochen aufgenommen. Vertreter von Opposition und Behörden
kamen zu offenen und äußerst detaillierten Verhandlungen über die vordringlichsten
politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Probleme
zusammen, mit denen sich Polen konfrontiert sieht.
Daß das Abkommen am runden Tisch

�einen solchen
bedeutenden Schritt
nach vorne verkörpert, ist jedoch ein
Anzeichen für das ungenügende Ausmaß,
in dem Bürgerrechte zum gegenwärtigen
Zeitpunkt in Polen institutionalisiert sind. Viele der Restriktionen
heim Recht auf freie Meinungsäußerung
und der Versammlungsfreiheit in Polen
blieben im Berichtszeitraum weiterhin
gesetzlich verankert, obwohl die Änderung vieler dieser Gesetze im Verlauf der Gespräche am runden Tisch
vereinbart worden war...
Selbst wenn die Vereinbarungen am
runden Tisch in Polen generell anerkannt würden, wäre die Verwirklichung
des Abkommens immer noch eine Herausforderung. Eine Vielzahl unabhängiger Faktoren - vornehmlich in der
krisengeschüttelten polnischen Wirtschaft - bergen das Potential, die
vollständige Verwirklichung der Bestimmungen des Abkommens zu durchkreuzen oder sogar zu verhindern.

Ungarn
Verglichen mit anderen Warschauer
Pakt-Staaten weist Ungarn insgesamt
eine relativ gute Bilanz der Einhaltung von Prinzipien der Schlußakte
von Helsinki und der Schlußdokumente
von Madrid und Wien auf. Im untersuchten Zeitraum wurden alles in allem bedeutsame weitere Fortschritte
bei der Menschenrechtssituation in
Ungarn erzielt.
Dazu zählten der
friedliche Regierungswechsel und einige der größten von inoffiziellen
Gruppen
organisierten
friedlichen
Massendemonstrationen seit 1948. Ein
Dutzend neue unabhängige Organisationen wurde gegründet, und im Berichtszeitraum wurden drei politische Pai—
teien wieder zugelassen.
Zusammenkünfte der Opposition und Aktivitäten
der 'Samisdat' fanden - zumeist ohne
staatliche Einmischung - weiterhin
statt.
Die Nationalversammlung hat dem
Entwurf einer neuen ungarischen Verfassung zugestimmt, die das im Jahr
1949
verabschiedete
Dokument
der

Stalin-Ara ersetzen soll.
Darüber
hinaus hat sie wichtige neue Gesetze
über das Recht auf Versammlungsfreiheit und Streiks gebilligt. Sie unternimmt Schritte zur Erhöhung der
richterlichen Gewalt und führt eine
Reihe neuer Gesetze über Gewerkschaften, politische Parteien und die
Presse ein.
Ein
drastisch
liberalisiertes
Paßgesetz hat 1988 den Ungarn 11 Millionen Reisen ins Ausland und dreimal
soviele Reisen nach Österreich ermöglicht.
Negativ zu verzeichnen ist die
Intervention der Polizei in einer Uberwältigenden
Demonstration
ihrer
Macht, mit der sie am 15. November
die Demonstration der Opposition zur
Unterstützung der Flüchtlinge aus Rumänien auflöste.
Einige der heute
wahrgenommenen Verbesserungen bei den
Menschenrechten können vom Regime zunichte gemacht werden, das immer noch
die wichtigsten Entscheidungen über
die künftige Rolle der kommunistischen Partei am Arbeitsplatz und bei
den Streitkräften sowie das Ausmaß
der in Ungarn zulässigen repräsentativen Demokratie debattiert.

Deutsche Demokratische Republik
In der Deutschen Demokratischen
Republik (DDR) werden weiterhin nur
geringe Fortschritte bei der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki
verzeichnet.
Wenn im Berichtszeitraum positive Entwicklungen stattfanden, so schienen diese durch ostdeutsche Versuche zur Einhaltung der
im Schlußdokument von Wien eingegangenen Verpflichtungen beeinflußt zu
sein. Die allgemeine Situation insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte, Grundfreiheiten und Zusammenarbeit im humanitären Bereich ist jedoch weiterhin unbefriedigend, und
Verbesserungen
beispielsweise
bei
Reisen und Ausreisen in den Westen
und eine beschränkte Entspannung im
kulturellen Bereich waren begleitet
von anhaltenden Spannungen zwischen

�Evangelischer Kirche und Staat und
der zunehmenden Anwendung des Schießbefehls an der Mauer.
Ein lange erwartetes Gesetz zur
Regelung von Reisen und Ausreisen
wurde im Dezember 1988 verabschiedet
und trat am 1. Janaur 1989 in Kraft.
Nach diesem Gesetz werden Bürger nach
dem 1. Juli das Recht auf richterliche Überprüfung
von Negativentscheidungen haben.
Weiteren Mitte
März verabschiedeten Zusätzen zufolge
werden die Regelungen für private Besuche in dem Versuch gelockert, auf
vielfach geäußerte Kritik zu reagieren, der zufolge die neuen Gesetze
mehr Einschränkungen enthalten als
die der vergangenen Jahre. Im allgemeinen sind Familienzusammenführung,
Heirat mit anderen Staatsangehörigen,
Ausreisen und Westreisen für DDR-Bürger wach wie vor eher Privilegien als
Rechte, und in der DDR herrscht weithin Skepsis darüber, ob die Bestimmungen zu großzügigeren Reisen und
Ausreisen im Jahr 1989 führen werden.
Im Hinblick auf die Alarmbereitschaft der DDR an ihren scharf bewachten Grenzen und am Sektorenübergang in Berlin hat keine Entspannung
stattgefunden.
Trotz Installierung
eines
hochmodernen
Frühwarnsystems
werden vereinzelt Fälle geglückter
Fluchtversuche. . .

Tschechoslowakei
Die Situation in der Tschechoslowakei bei der Verwirklichung von KSZE
ließ in den vergangenen sechs Monaten
zu wünschen übrig. ... Trotz einiger
positiver
Entwicklungen
ereigneten
sich in diesem Zeitraum zahlreiche
Zwischenfälle, bei denen die Behörden
Gewalt und eine Reihe von gerichtlichen und außergerichtlichen Maßnahmen
wie Drohungen, Verhöre, kurze Verhaftungen anwendeten und Pässe verweigerten, um unabhängige politische,
religiöse und kulturelle Aktivitäten
zu behindern.
Das bedeutendste Ereignis in die-

sem Zeitraum waren der Prozeß und die
Verurteilung des bekanntesten Verfechters von Menschenrechten in der
Tschechoslowakei, Vaclav Havel, aufgrund von Beschuldigungen, die im Zusammenhang mit Demonstrationen in
Prag im Januar zum Gedenken an den
Selbstmord von Jan Palach im Jahr
1969 erhoben worden waren.
Havel
wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei vertrauensbildenden und damit
in Zusammenhang stehenden Maßnahmen
hat die Tschechoslowakei alle Anforderungen des Stockholmer KVAE-Abkommens zur Benachrichtung einer im Februar und März dieses Jahres auf ihrem
Territorium durchgeführten militärischen Übung erfüllt. Darüber hinaus
haben die Tschechoslowaken vorab Informationen über eine militärische
Übung veröffentlicht, die wahrscheinlich nicht unter die Notwendigkeit
der Benachrichtung gemäß der KVAE
fällt.
Bedingungen für ausländische Geschäftsreisende sind immer noch weit
vom Ideal zustand entfernt.
Dennoch
könnten sich mit den in der Tschechoslowakei verfügten Reformen zum
beschränkten wirtschaftlichen Wiederaufbau einige Verbesserungen ergeben. . .
Die Tschechoslowakei
hat eine
schlechte Bilanz beim Problem geteilter Familien. Bei anderen Problemen
der Freizügigkeit lassen die Zustände
immer noch stark zu wünschen übrig.
Die Reisemöglichkeiten für Bürger der
Tschechoslowakei
haben
sich etwas
verbessert, sind aber immer noch beschränkt. Das Land führt weiterhin
scharfe Grenzkontrollen durch.
Im Berichtszeitraum waren in der
Tschecholowakei sehr geringe sichtbare Verbesserungen bei der Verbreitung von gedruckten, gefilmten und in
Radio und Fernsehen gesendeten Informationen zu verzeichnen.
Insgesamt
gab es weiterhin relativ starke bilaterale Beziehungen in den Bereichen
Kultur und Bildung, was teilweise auf

- 5 -

�die Verwirklichung eines bilateralen
Abkommen über einen Austausch in den
Bereichen Kultur, Bildungswesen und
Wissenschaft zurückführen ist, das im
April 1986 geschlossen und 1988 erneuert wurde.

Bulgarien
Bulgarien verweigert seinen Bürgern weiterhin bestimmte Menschenrechte und Grundfreiheiten und beschränkt den Fluß von Informationen,
errichtet
weiterhin
gesetzliche
Schränken für die Freizügigkeit im
In- und Ausland, behindert die Versammlungsfreiheit
und verfolgt die
Mitglieder verschiedener unabhängiger
Menschenrechtsgruppen durch Maßnahmen
wie Schikanen, Verhaftung und Verbannung und tatsächliche Ausweisung.
Die
Ausübung
des
islamischen
Glaubens wird verhindert, und Bulgarien erkennt weiterhin die Existenz
der im Land stark unterdrückten türkischen Minderheit nicht an...
Bulgarien hat weitere wirtschaftliche Reformmaßnahmen mit dem Ziel
einer Dezentralisierung und größerer
wirtschaftlicher
Freiheit
verfügt.
Anhaltende
Wirtschaftsprobleme,
wie
etwa ein steigender Schuldenberg in
harter Währung haben das Interesse
der Regierung an der Erweiterung von
Handels- und
Geschäftskontakten
mit
dem Westen entfacht . . .
Bulgariens
generell
kooperative
Haltung und ein andauernder Prozeß
bilateraler Konsultationen führte zur
Lösung einer Reihe von der amerikanischen Botschaft bekannter Fälle geteilter Familien . . . Gesetzliche Beschränkungen über Reisen und Ausreisen blieben jedoch bestehen und führten zu immer neuen Fällen. Trotz der
steigenden Zahl ins Ausland reisender
Bulgaren bleiben Gesetze über die
Ausstellung von Pässen im Berichtszeitraum ein unerfülltes Versprechen.
Die bulgarische Regierung dokumentierte größere Offenheit mit der

- 6

Veröffentlichung
sozialer
Probleme
wie Drogenabhängigkeit, Prostitution
und Jugendkriminalität.
Seit Dezember 1988 wird Radio Free Europe nicht
mehr gestört, türkische Rundfunksender jedoch weiterhin blockiert.
In
jüngster Zeit haben Schriftsteller,
Künstler und andere "Intellektuelle"
erstmalig auf Kongressen offene und
lebhafte Diskussionen über eine Reihe
heikler Themen geführt.
Andererseits
diszipliniert
das
Regime nach wie vor diejenigen Mitglieder der Presse, die sich über die
von der Regierung abgesteckten Grenzen hinaus auf Glasnost berufen und
führt eine aktive Propagandakampagne
gegen Dissidenten und erklärte Mitglieder der Intelligenz! ja des Landes . . .

* * * * *

•

�AMERIKA DIENST
\ l G N

^

Wissenschaft und Technik
21. Juni 1989

24

AIDS-EPIDEMIE FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONTINENT BEFURCHTET
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

WASHINGTON - (AD) - Gesundheitsexperten der Pan-Amerikanisehen Gesundheitsorganisation (PAHO), einer Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
prognostizieren eine "massive" AIDS-Epidemie für die Länder des amerikanischen
Kontinents. Sie könnte, wie auch die Fachzeitschrift "New England Journal of
Medicine" kürzlich warnte, durchaus den Umfang annehmen, wie er bereits in Afrika zu beobachten ist.

Aufgrund der vorliegenden Daten
kann man Marjorie Anderson Clifford
von der statistischen Abteilung der
PAHO zufolge die Zahl der Infizierten
mit 2,5 Millionen beziffern. "Bis
zum Jahr 1992 dürfte eine AIDS-Erkrankung bei einer halben Million
Menschen zum Ausbruch gekommen sein",
erklärte sie.
Laut Dr. Jonathan M. Mann, Direktor der Weltgesundheitsorganisation
in Genf, wurden weltweit bisher etwa
250 000 Krankheitsfälle registriert.
Fünf bis zehn Millionen Menschen sind
bereits Träger von AIDS-Viren. Die
meisten gemeldeten Erkrankungen verzeichnen
die Vereinigten Staaten,
Brasilien, Uganda
und Frankreich.
Auch Mexiko, Kanada, Haiti und die
Dominikanische Republik stehen weit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

oben auf der Liste.
Gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl ist Ms. Clifford zufolge
die Erkrankungsrate auf den Bahamas,
in Trinidad-Tobago, auf den Bermudas
und in Honduras alarmierend hoch.
Eines der schwierigsten Probleme bei
der Ermittlung der genauen Zahl von
AIDS-Erkrankungen in Entwicklungsländern, sind irrige Vorstellungen und
Tabus im Bereich der Sexualität.
Beispielsweise sei dem aggressiveren
Partner eines homosexuellen Paares
nicht klarzumachen, daß er homosexuell ist, so daß Wissenschaftler,
die statistische Erhebungen in Ländern wie Haiti vornehmen, irreführende Angaben bekommen.
Ms. Clifford
schätzt, daß die 1850 in Haiti registrierten AIDS-Fälle nur etwa ein

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Telex: 8-85432

�Fünftel der tatsächlichen Zahl manifester Erkrankungen ausmachen. "Und
dies gilt meines Erachtens überall in
der Karibik und in den übrigen zentral- und südamerikanischen Ländern",
meinte sie. "Man kann sich vorstellen, was all dies für die bereits angespannte Haushaltssituation der meisten Regierungen in der Region bedeutet. AIDS wird zweifellos die Volkswirtschaft dieser Nation aufs Schwerste belasten. Mehr als drei Jahrzehnte wirtschaftlicher und sozialer
Entwicklung dürften buchstäblich ausgelöscht werden, weil die Regierungen
dieser Länder Entwicklungsgelder zur
Abdeckung der Gesundheitskosten aufwenden müssen."
Die PAHO unterstützt mittel- und
langfristige Programme, um der Ausbreitung von AIDS entgegenzuwirken.
Aufklärung und Information in Wort
und Schrift, vor allem auch Vorträge
mit Bildvorführungen bei der häufig
leseunkundigen Landbevölkerung sind
wichtige Punkte. Sie soll in die Lage versetzt werden, AIDS-Symptome wie
geschwollene Lymphdrüsen, Durchfall,
Nachtschweiß, trockener Husten, Erschöpfung, Fieber und Gewichtsverlust
zu erkennen. "Solche Symptome können
natürlich auch Hinweise auf andere
Erkrankungen wie z.B. auf Tuberkulose
sein", meinte Ms. Clifford.
"Aber
die Leute sollten zumindest wissen,
wann sie einen Arzt aufsuchen müssen."

Große Sorge bereitet der WHO und
der PAHO die Übertragung von AIDS auf
Neugeborene durch ihre Mütter, die
häufig vielleicht gar nicht wissen,
daß sie Virusträger sind und bei denen sich womöglich auch nie die Erkrankung in vollem Umfang entwickelt.
So würden sie immer wieder Babies zur
Welt bringen, diese sterben sehen und
glauben, so sei nun einmal der Lauf
der Welt, sagte Marjorie Clifford.
Der finanziellen Förderung zahlreicher Projekte, mit denen man die Ausbreitung von AIDS in der ganzen Welt
aufhalten will - etwa durch amerikanische und kanadische Organisationen wie die Kanadische Internationale
Entwicklungsbehörde und die US-Behörde für Internationale Entwicklung
(A.I.D.) - gebühren große Anerkennung.

* * * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
*

'VON

28. J u n i 1989

25

INHALT
DOKUMENTATION
Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

WIRTSCHAFT
Weltwirtschaftsgipfel in Paris; Polen und Umwelt als Hauptthemen
- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
«

Mebr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Juni 1989

25

BAKER VERURTEILT GORBATSCHOWS "ZURÜCKHALTUNG" ZU CHINA
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte Außenminister Baker am 20. Juni 1989, die Vereinigten Staaten
seien von Gorbatschows "zurückhaltenden Äußerungen" zu den tragischen Ereignissen der vergangenen Wochen in China enttäuscht.
Baker nahm darüber hinaus zu den Ergebnissen des jüngsten NATO-Gipfeis,
den Ost-West-Beziehugen allgemein und den in der europäischen Sicherheitspolitik erzielten Fortschritten Stellung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Ich freue mich, heute nachmittag
zu Ihnen über die Ost-West-Beziehungen und die von uns in der europäischen
Sicherheitspolitik
erzielten
Fortschritte sprechen zu dürfen.
Der Einsatz der NATO für den
Schutz unserer Sicherheit und die
Förderung demokratischer Werte hat zu
einem großen Teil die positiven Entwicklungen bewirkt, die wir heute auf
internationaler
Ebene
wahrnehmen.
Beim NATO-Gipfel sind alle westlichen
Spitzenpolitiker übereingekommen, daß
wir uns in den Ost-West-Beziehungen
in einer bemerkenswerten Übergangsphase befinden. Durch das Zusammenspiel von westlicher Entschlossenheit
und wirtschaftlichen Problemen innerhalb der Sowjetunion scheint die sowjetische Führungsspitze zu der Über-

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Embassy of the United States of America

zeugung gelangt zu sein, daß sie eine
große Bandbreite innen- und außenpolitischer Themen neu überdenken muß.
Die Aufgabe des Westens besteht
nunmehr darin, die durch das neue
"Zusammenspiel der Kräfte" - um eine
Moskauer Formulierung zu verwenden hervorgebrachte Gelegenheit zu ergreifen.
In dieser Ubergangsphase
müssen wir zusammenarbeiten, um die
im
Nordatlantikvertrag
und
der
Schlußakte von Helsinki verankerten
demokratischen Grundsätze des Westens
zu fördern.
Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten und den Westen aufgefordert,
"über Containment hinaus" auf ein
neues Ziel zuzusteuern: die Teilung
Europas zu überwinden, indem wir die

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�Teilung Europas aufheben und Freiheit
nach Europa bringen. Wir wollen eine
neue Einigkeit nach Europa bringen eine Einigkeit, die auf westlichen
Werten basiert.
Der Präsident hat seine Strategie
erläutert, wie er dieses Ziel erreichen will. Er hat erklärt, wie Amerika beim "Umgang mit den Veränderungen" eine FUhrungsrolle übernehmen
und neue Aufgaben für das Bündnis und
den Westen festlegen muß.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
Wir leben in einem Zeitalter des
Übergangs.
Das System der Nachkriegszeit wandelt sich, und es entsteht ein neues Umfeld.
Um diese
Veränderungen in eine Perspektive zu
rücken, ist es nützlich, sich vor Augen zu führen, welche Veränderungen
in der Sowjetunion stattfinden.
Der Kurs, den wir in der sowjetischen Politik wahrnehmen, birgt das
Potential für eine Revolution, von
der wir hoffen, daß sie Erfolg hat.
"Neues Denken" ist in Wahrheit ein
Überdenken fehlgeschlagener Ideologie.
Aber niemand - nicht einmal
Gorbatschow - weiß, wie eine Sowjetunion aussehen wird, in der diese
Veränderungen stattgefunden haben.
In dieser Übergangsphase haben
uns unsere Werte und Interessen dazu
bewogen, den Osten aktiv einzubeziehen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen. Wir sind entschlossen vorgegangen, als es darum ging, den Dialog
mit der Sowjetunion auszubauen und
waren betrebt, zum Schlagwort vom
"neuen Denken" in der Sowjetunion Inhalte beizutragen.
Die Sowjets haben in einer Reihe
von wichtigen Bereichen konkrete und
ermutigende
Schritte
unternommen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch gestiegen. Es hat ernsthafte
Reaktionen auf unsere RUstungskontrollvorschlage - etwa bei den Mit-

telstreckenraketen und den Reduzierungen im konventionellen Bereich gegeben. Die Sowjets haben wie versprochen ihre Truppen aus Afghanistan
abgezogen. Sie haben aktiver Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden
Fragen von internationalem Interesse
zugestimmt. Aber bevor das Versprechen der Perestrojka Wirklichkeit und
der Fortschritt
institutionalisiert
wird, ist noch ein langer Weg zurückzulegen.
Wir müssen realistisch und geduldig sein, wenn wir die Sowjets auf
das Ausmaß ihrer Kooperationsbereitschaft testen. Wir werden hart arbeiten, um Ergebnisse in jedem Bereich zu erzielen. Einzelne Schritte
mögen von geringer Bedeutung sein,
aber zusammengenommen könnten sie zu
einem sehr viel konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
führen.
Ergebnisse sind nicht leicht zu
erzielen, und viele der uns beide betreffenden wirklich wichtigen Probleme lassen sich nicht so leicht und
schnell lösen.
Aber der Präsident und ich sind
optimistisch, daß Fortschritte möglich sind, wenn wir die Unterstützung
heider Parteien im Kongreß haben, gemeinsam mit unseren Verbündeten zu
unseren Überzeugungen stehen, aktiv
bleiben und uns vor allem einig sind.
Die Bush-Administration hat mit
den Sowjets die gesamte Bandbreite
unserer Anliegen erörtert. Wie immer
haben wir mit den Menschenrechten angefangen. Bei meinen Ministertreffen
im Mai in Moskau habe ich einzelne
Fälle von Menschenrechtsverletzungen
vorgebracht und Außenminister Schewardnadse erklärt, daß wir nicht ruhen werden, ehe die mehreren hundert
akuter Fällen gelöst sind.
Ich habe ihn darüber hinaus darauf hingewiesen, daß wir uns wünschen, die Sowjets würden aus dem
"Zeitalter der Listen" herauskommen.
Wir möchten, daß sie Menschenrechte

�garantieren, indem sie die dort erzielten Veränderungen institutionalisieren. Wir wünschen uns eine offenes politisches System in der Sowjetunion und eine Rechtsprechung, mit
der die jüngsten Verbesserungen nur
noch schwer umkehrbar sind.
Auch in der Rüstungskontrolle
gibt es Fortschritte. Wir haben Bewegung bei der Reduzierung konventioneller Waffen versprochen. (Im folgenden werde ich auf den ehrgeizigen
Vorschlag des Präsidenten im konventionellen Bereich und die Situation
der KSE-Verhandlungen näher eingehen.) Der Präsident hat einen Vorschlag über "Offene Himmel" unterbreitet, mit dem Vertrauen durch mehr
Transparenz geschaffen werden kann.
Wir gehen auf multilateraler Ebene
mit den im Rahmen der KSZE geführten
Gesprächen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Wien
vor. Wir haben soeben ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet, mit dem militärische Aktivitäten verhindert werden sollen,
die zu unbeabsichtigten Konflikten
führen könnten.
Gestern wurden in
Genf die Rüstungskontrollverhandlungen über strategische Waffen wieder
aufgenommen.
Und wir haben ferner gegenüber
den Sowjets unser Interesse an der
Erweiterunug des RUstungskontrollprogratnms bekundet, das die Verbreitung
ballistischer Raketen, chemischer und
atomarer Waffen umfassen soll. Diese
Waffen werden von verantwortungslosen
Regierungen in instabilen Regionen
erworben und steigern die Gefahr einer Eskalation.
Obwohl wir mit Hilfe von Rüstungsreduzierungen und -kontrolle an
der Überwachung von Technologie im
Wettbewerb der Supermächte arbeiten,
haben wir Moskau gegenüber deutlich
klargemacht, daß regionale Konflikte
aufgrund der gefährlichen Bedrohung
einer Eskalation, die sie beinhalten,
zentraler Punkt der Zusammenarbeit
zwischen den Supermächten werden sollen.

In Moskau haben Generalsekretär
Gorbatschow und Außenminister Schewardnadse meinen Ausführungen zu Nicaragua und dem Friedensprozeß im Nahen Osten aufmerksam zugehört. Sie
verstehen, daß wir in Mittelamerika
der Diplomatie eine Chance geben und
daß unsere Politik die Unterstützung
beider Parteien hat. Sie kennen die
Bedeutung, die wir der Einhaltung der
von den Sandinisten in Esquipulas II
eingegangenen Verpflichtungen beimessen.
Im Nahen Osten verstehen sie
unsere Unterstützung für Wahlen in
den besetzten Gebieten, und sie verstehen ebenfalls, warum eine vorzeitige internationale Konferenz nur von
den Veränderungen ablenken wird, die
wir dort sehen wollen. Wir beteiligen uns gegenwärtig an einer Reihe
von Expertengesprächen mit den Sowjets in allen Bereichen, in denen regionale Konflikte herrschen.
Indem
die
Sowjets
positive
Schritte zur Lösung regionaler Konflikte unternehmen, können sie uns
dokumentieren, daß ihr "neues Denken"
weltweit gilt. Insbesondere in Mittelamerika und im Nahen Osten, aber
auch im Südlichen Afrika, am Hörn von
Afrika und in Asien, ist es an der
Zeit, daß die Sowjets ihre Vasallen
zu neuem Denken bewegen.
Beim Ministertreffen hatten wir
ebenfalls
fruchtbare
Diskussionen
über länderübergreifende und bilaterale Fragen. Die länderübergreifenden Probleme wurden auf unser Betreiben hin in die Tagesordnung aufgenommen. Wir haben darauf hingewiesen,
daß die Ölkatastrophe in Alaska, das
Erdbeben in Armenien, Tschernobyl,
die Erwärmung der Erde - daß all diese Probleme über die traditionelle
geopolitische Sorge hinausgehen, Souveränität und Sicherheit könnten das
internationale
Wohlbefinden
beeinträchtigen.
Außenminister Schewardnase und ich haben darüber hinaus ein
Abkommen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in der Beringstraße und
der Tschukschensee unterzeichnet
ein kleiner Schritt auf einem, wie
ich hoffe, langen Weg zur Lösung der

�internationalen Umweltprobleme, von
denen die gesamte Menschheit bedroht
ist.
Beim Terrorismus wollen wir Kontakte zwischen Regierungsstellen knüpfen und Informationen über terroristische Vereinigungen austauschen.
Zu bilateralen Fragen haben wir
einen vollen Arbeitsplan mit 23 so
unterschiedlichen Punkten wie Ozeanographie, zivile Luftfahrt, Atomenergie und Grenzen auf See aufgestellt.
Ich möchte diesen kurzen Überblick über die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
folgendermaßen
zusammenfassen: niemand kann die Ergebnisse der in Moskau und in den anderen kommunistischen Ländern stattfindenden Veränderungen vorhersagen.
Letztlich wissen wir, daß der Erfolg
der Reformen vor allem von Entscheidungen abhängen wird, die in Moskau,
Peking oder Ost-Berlin und nicht In
Washington, Brüssel oder Bonn getroffen werden. Wir wissen jedoch, daß
der Osten nur durch politische und
wirtschaftliche Reformen Fortschritte
erzielen kann. Sich solchen notwendigen historischen Veränderungen In
den Weg zu stellen - wie wir dies zu
unserer Empörung und mit Betroffenheit in China beobachten - heißt,
sich der Zukunft in den Weg zu stellen. Und deshalb sind Generalsekretär Gorbatschows zurückhaltende Äußerungen zu diesen tragischen Ereignissen enttäuschend.
Wir sind der festen Überzeugung,
daß Reformen in der kommunistischen
Welt - in Asien oder in Europa - voll
und ganz in unserem Interesse liegen. Aus diesem Grunde bauen wir auf
Bestrebungen der Vergangenheit auf
und erzielen in unserem Programm mit
der Sowjetunion Fortschritte.
Wir
erforschen und finden neue Mittel,
die systematische Zusammenarbeit unterstützen.
Und wir werden unsere
umfassenden Diskussion bei den Ministertreffen im September fortführen.
Wir beteiligen Moskau aktiv, hal-

ten dabei die Augen offen und konzentrieren uns weiterhin auf unsere traditionellen
Ziele und Interessen:
den Schutz der Sicherheit des Westens
und die Förderung der demokratischen
Werte, Ziele und Interessen, die wir
beim NATO-Gipfel bekräftigt haben.

Ein Schritt nach vorn - der NATO-Gipfel
Beim Gipfeltreffen zum 40. Jahrestag der NATO haben wir die nachsten 40 - nicht die vergangenen 40 Jahre als Leitlinie genommen.
Wir
haben einen kühnen Schritt gewagt,
damit ein Krieg in Europa undenkbar
und unmöglich wird, mit dem Ziel vor
Augen, daß Europa ungeteilt und frei
und die Welt für alle ein besserer
Platz zum Leben wird.

*

In Brüssel hat der Präsident drei
bedeutsame Schritte unternommen, um
im Bündnis die Führungsrolle zu übernehmen, wenn es sich der vor uns liegenden veränderten Welt stellt. Zu- ,
nächst hat diese Administration die
Gelegenheit ergriffen, um eine mögliche
historische
Veränderung
im
Gleichgewicht der Streitkräfte in Europa zu begünstigen und zu beschleunigen. Zweitens haben wir eine Vereinbarung zum Gesamtkonzept der NATO
erzielt.
Drittens haben wir neue
Aufgaben für die NATO festgelegt.

Der Vorschlag des Präsidenten
konventionellen Abrüstung

zur

Ich möchte den Vorschlag des Präsidenten zur konventionellen Abrüstung erläutern, indem ich den hier
Anwesenden einen kurzen Abriß der
bisherigen Verhandlungen gebe.
Im März dieses Jahres haben die
NATO und der Warschauer Pakt in Wien
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) aufgenommen, mit dem Ziel, die durch die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten konventionellen
Fähigkeiten entstandene Bedrohung ab-

- 4 -

*
*

�zubauen.
Bei der Eröffnung der
KSE-Verhandlungen haben wir gemeinsam
mit unseren westlichen Verbündeten
detaillierte und umfassende Vorschläge unterbreitet, mit denen Sicherheit
und Stabilität in Europa auf erheblich
verringerten
konventionellen
Streitkräfteniveaus
herbeigeführt
werden soll.
Der Vorschlag des Westens, der
die Grundlage der Verhandlungen bildet, fordert gleiche Obergrenzen für
NATO und Warschauer Pakt bei den
wichtigsten Waffenkategorien, mit denen Territorium erobert und gehalten
werden kann. Neben dem Abbau der
entscheidenen militärischen Vorteile
des Warschauer Pakts zielt der Vorschlag des Westens bei den KSE-Verhandlungen darauf ab, die Fähigkeit
des Warschauer
Pakts zu Überraschungsangriffen und raurogreifenden
Offensiven zu verringern oder seine
Streitkräfte
zur politischen Einschüchterung
einzusetzen.
Darüber
hinaus wollen wir die Gesamtstärke
der sowjetischen Streitkräfte, den
Umfang ihrer Stationierung in Osteuropa sowie die relative Geschwindigkeit, mit der sie im Falle eines Konflikts mobilisiert werden können, abbauen oder begrenzen.
Schließlich beinhaltet unser Vorschlag vier Obergrenzen für Unterzonen, mit denen die Streitkräftekonzentratton in allen Teilen Europas
begrenzt weren könnte. So versuchen
wir die Abschreckung zu erweitern,
indem ein Gleichgewicht zwischen Ost
und West bei den Fähigkeiten zur
Durchführung und Fortsetzung militärischer Aktionen geschaffen wird.
Eine entscheidende Möglichkeit zu
Fortschritten bei den Wiener Verhandlungen ergab sich aus meinem Treffen
mit Generalsekretär Gorbatschow in
Moskau am 11. Mai 1989. Generalsekretär Gorbatschow legte mir bestimmte zahlenmäßige Obergrenzen und einen
detaillierteren Zeitplan für den Vorschlag vor, den der Osten zuvor in
Wien unterbreitet hatte. Diese Zahlen wurden offiziell kurz vor dem

NATO-Gipfel veröffentlicht.
Der Präsident gelangte zu der
Schlußfolgerung, daß die spezifischen
Vorschläge des Warschauer Pakts einer
stillschweigenden Billigung des westlichen Konzepts und des Rahmens für
die KSE-Verhandlungen gleichkämen und
die Zeit reif sei, die Verhandlungen
einen entscheidenden Schritt voranzubringen.
Der Präsident entschied,
unseren ursprünglichen Vorschlag in
vier Bereichen zu erweitern.
Beim
Gipfeltreffen wurde der Plan einmütig
von unseren Verbündeten begrüßt. Unser Vorschlag umfaßt folgenden Forderungen:
Erstens, Einbeziehung der Zustimmung des Ostens zu den vom Westen
vorgeschlagenen Obergrenzen für die
wichtigsten Teile der Landstreitkräfte. Dies würde bedeuten, eine gemeinsame Obergrenze für Panzer bei
20 000, für Schützenpanzer bei 28 000
und bei Artilleriegeschützen zwischen
16 500 und 24 000 festzusetzen, je
nach der Lösung der Definitionsfragen. Das abgebaute Gerät würde verschrottet.
Zweitens, Erweiterung
des ursprünglichen Vorschlags des Westens
unter Einbeziehung der Begrenzungen
für alle ständig an Land stationiei—
ten Flugzeuge oder für Hubschrauber
vom Atlantik bis zum Ural bei 15 Prozent unter der derzeitigen Gesamtzahl
der NATO. Alles abgebaute Gerät würde zerstört.
Drittens, ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, mit dem die in Europa stationierten Einsatztruppen außerhalb
des nationalen Territoriums auf einen
Gleichstand 20 Prozent unter dem derzeitigen NATO-Niveau reduziert würden. Die entsprechenden Obergrenzen
für amerikanische und sowjetische in
Europa stationierte Landstreitkräfte
würden dann bei etwa 275 000 Soldaten
liegen. Die abgezogenen Streitkräfte
würden auf beiden Seiten demobilisiert.
Bei diesen Obergrenzen für
Personal müßten die Sowjets ungefähr

- 5 -

�325 000 Soldaten aus Osteuropa abziehen und damit den im ursprünglichen
Vorschlag des Westens enthaltenen
Obergrenzen bei stationierten Streitkräften entsprechen.
Viertens, ein Abkommen über die
Beschleunigung der Zeitpläne von Ost
und West, damit ein KSE-Abkommen entsprechend der von mir gerade umrissenen Vorstellungen und zur Verwirklichung der erforderlichen Verringerungen erzielt werden kann. Der sowjetische Vorschlag forderte die vollständige Verwirklichung einer Übereinkunft bis zum Jahr 1997. Der Präsident hat als Frist für ein Abkommen
sechs Monate oder ein Jahr festgesetzt, wobei die notwendigen Verringerungen bis 1992 oder 1993 durchgeführt sein sollen.
Diese Bestimmungen würden beide
Seiten verpflichten, eine beträchtliche Anzahl an Gerät zu zerstören.
Entscheidend wäre jedoch, daß die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten Komponenten seiner militärischen Stärke beseitigt
würden.
Diese Bestrebungen laufen den Modernisierungsplänen der NATO nicht
zuwider. Sie sollten als Teil eines
umfassenden Ansatzes zur Verbesserung
unserer Sicherheit durch Streitkräftemodernisierung einerseits und Rüstungskontrolle und Abrüstung andererseits verstanden werden.
Die westlichen Regierungen sind
jetzt damit befaßt, die Erweiterung
unseres
ursprünglichen
Vorschlags
vorzubereiten, die bei der Eröffnung
der dritten Verhandlungsrunde in Wien
am 7. September 1989 unterbreitet
werden soll. Darüber hinaus ist der
Westen immer noch mit der Entwicklung
bestimmter Bestandteile der Verifizierungsmaßnahmen und einem Paket von
"Stabillsierungsmaßnahmen"
befaßt,
die darauf ausgerichtet sind, die
Vorteile von Obergrenzen für Gerät zu
untermauern.
Gleichzeitig wird die
Arbeit für Verhandlungen mit dem
Osten über die Entwicklung gemeinsa-

mer Definitionen und Zählvorschriften
fortgesetzt.
Beide Seiten haben grundsätzlich
Einigung darüber erzielt, daß Untergrenzen für Streitkräfte auf ausländischem Gebiet in Europa, Begrenzungen für die Streitkräfte der jeweiligen Länder sowie Unterzonen eingeführt werden sollten.
Es bestehen
jedoch entscheidende Unterschiede in
der Art und Weise, in der Ost und
West diese Grundsätze anwenden. Der
Osten muß seine Verifizierungsmaßnahmen noch verbessern, aber wir erwarten zügige Fortschritte.

Die umfassenderen Auswirkungen des
vom Präsidenten unterbreiteten Vorschlags
Ich möchte mich hier nicht in
Zahlen verlieren. Abrüstung und Rüstungskontrolle sind sehr viel mehr
als eine schlichte Subtraktion. Und
die Initiative des Präsidenten ist
mehr als nur ein militärisches Konzept.
Unser Vorschlag hat weitreichende
politische
Auswirkungen
auf
die
Schaffung des von uns angestrebten
ungeteilten und freien Europas. Wir
ergreifen diese Gelegenheit, um den
Schatten zu verringern, den die sowjetische
Militärmacht
auf
Europa
wirft. Wir versuchen, Westeuropa von
der Bedrohung der Aggression oder
politischen Einschüchterung durch die
überlegenen
Streitkräfte
des Warschauer Pakts zu befreien. Und nicht
zuletzt wollen wir dazu beitragen,
den politischen Reformprozeß in Osteuropa von der schweren Last der
übermäßigen sowjetischen Militärpräsenz zu befreien. Während wir dahin
tendieren, die sowjetischen Streitkräfte als potentielle Invasionsstreitmacht zu sehen, sind die Sowjets für Millionen Menschen im Osten
immer noch eine Besatzungsmacht.
Insgesamt wollen wir Europa zu
einem Zentrum der Kooperation und
nicht
der
Konfrontation
machen.

�Die Rolle von
NATO-Strategie

Atomwaffen

in

der

Beim Gipfeltreffen veranlaßte der
Präsident das Bündnis, einen zweiten
wichtigen Schritt in Richtung auf die
Zukunft zu unternehmen: Die Zustimmung des Westens zu den Bestandteilen
eines "Gesamtkonzepts für Rüstungskontrolle und Abrüstung". Diese Leistung ist Beweis für die Fähigkeit
der NATO, sich an Veränderungen anzupassen und gleichzeitig zu unserer
Grundüberzeugung zu stehen, daß Atomwaffen eine entscheidende Rolle dabei
spielen, die Wirksamkeit unserer Abschreckungsstrategie
zu gewährleisten. Im Lichte des bestehenden Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften gab das Bündnis
seine Zustimmung, daß Verhandlungen
über Kurzstreckenraketen erst dann
aufgenommen werden sollten, wenn die
Durchführung eines KSE-Abkommens in
die Wege geleitet worden ist. Darüber hinaus wird der vereinbarte Abbau
von SNF nicht vorgenommen, bevor das
KSE-Abkommen tatsächlich verwirklicht
ist.
Das
Gipfel-Kommunique
unterstreicht - im wahrsten Sinne des Wortes - unser Ziel, teilweise Reduzierungen dieser Streitkräfte bei den
SNF-Verhandlungen
herbeizuführen.
Das Bündnis hat sich verpflichtet, in
absehbarer Zukunft ein angemessenes
Niveau von land-, see- und luftgestützten Nuklearsystemen aufrechtzuerhalten, einschließlich landgestützter SNF-Raketen.
Damit hat das Bündnis unsere seit
langem geteilte Überzeugung bekräftigt, daß Atomwaffen einen unersetzlichen Beitrag zur Glaubwürdigkeit
der Abschreckungsstrategie der NATO
leisten. Wir hoffen, daß das katastrophale Potential einer nuklearen
Eskalation in einem Konflikt weiterhin abschreckend auf einen möglichen
Aggressor wirken wird.
Selbst bei
einem konventionellen Gleichgewicht
sind Atomwaffen immer noch von einzigartiger Bedeutung in unserer Strategie.

Neue Aufgaben für die NATO
Der dritte, vom Präsidenten beim
Gipeltreffen unternommene Schritt in
die Zukunft war seine Aufforderung an
das Bündnis, neue Probleme in Angriff
zu nehmen. Er ermutigte unsere Bündnispartner, neue Aufgaben für das
Bündnis in Betracht zu ziehen. Da es
uns gelingt, die militärische Konfrontation in Europa zu verringern,
müssen wir das Bündnis neuen Herausforderungen zuführen. Die Hauptaufgabe der NATO wird stets in der Aufrechterhaltung der kollektiven Sicherheit des Westens bestehen. Der
Schwerpunkt der Aktivitäten des Bündnisses wird in einem günstigeren europäischen Sicherheitsumfeld
jedoch
offensichtlich ein anderer sein als
in den vergangenen 40 Jahren.
Erstens sprach der Präsident über
unser Interesse an der weiteren Dezentralisierung
politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht in
Osteuropa.
Während wir den Westen
schützen,
müssen
wir
dem
Osten
gleichzeitig entgegenkommen, um unserer Verpflichtung zur Überwindung
der Teilung Europas Substanz zu verleihen.
In dieser Hinsicht könnten die
Rolle der NATO als politisches Konsultativforum und unsere Verpflichtung zum KSZE-Prozeß wirksamer genutzt werden, um die Haltung des Westens gegenüber dem Osten abzustimmen.
Gemeinsam mit Aktivitäten in
der Europäischen Gemeinschaft und anderen westlichen Institutionen sollten die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten eine einheitliche Strategie zur Bewältigung der Veränderungen
in Osteuropa entwickeln.
Zweitens unterstrich der Präsident die neuerkannte Gefahr für unsere Sicherheit und unser Wohlergehen
durch die Bedrohung der Umwelt. Er
schlug neue Maßnahmen vor, die der
Westen ergreifen könnte, um dem Osten
bei der Behebung seiner massiven Umweltprobleme behilflich zu sein. Darüber hinaus haben sich die Bündnis-

- 7 -

�partner dazu verpflichtet, mehr Mittel für bestimmte nichtmilitärische
Projekte bereitzustellen, die Aufgaben der Europäischen Gemeinschaft und
anderer europäischer Gemeinschaftsinstitutionen ergänzen, beispielsweise bei Umweltproblemen und im Bereich
der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Drittens lenkte der Präsident das
Augenmerk auf die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit bei der Behandlung der
gesamten Bandbreite von Sicherheitsbedrohungen, insbesondere diejenigen,
die durch regionale Konflikte und die
Weiterverbreitung chemischer und nuklearer Waffen und ihrer Trägersysteme entstehen. Die NATO muß weder augenfällige einheitliche Antworten auf
all diese neuen Sicherheitsbedrohungen entwickeln noch sollten diese Bestrebungen auf die Zusammenarbeit
zwischen den Ländern des Westens begrenzt sein. Diese neuen Bedrohungen
sind eine Gefahr für Verbündete,
Freunde und Gegner gleichermaßen.
Wir haben unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen betroffenen
Nationen bei ihrer Bewältigung signalisiert.

Schlußfolgerung
Der Erfolg des Gipfeltreffens und nicht zuletzt für das Bündnis
selbst - ist Beweis für die Dauerhaftigkeit der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bande, die
Amerika seit 40 Jahren mit seinen europäischen Verbündeten einen.
Wie
der Präsident betont hat, sind und
bleiben die Vereinigten Staaten eine
europäische Macht.
In Brüssel haben wir mit unseren
Bündnispartnern ehrgeizige Zukunftspläne entwickelt.
Wir haben entscheidende Fortschritte im Bereich
der Sicherheit erzielt und erfolgreich die Richtlinien für die Entwicklung unseres nuklearen und konventionellen Einsatzkonzepts und für
die Rüstungskontrollpolitik festgelegt. Darüber hinaus haben wir das
Augenmerk auf die Notwendigkeit für
- 8

die Bündnispartner und die anderen
westlichen Nationen gelenkt, das sehr
viel umfassendere Programm in Angriff
zu nehmen, mit dem wir uns in Europa
und weltweit in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen.
Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir und unsere Bündnispartner beim
40. Jahrestag der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags
und
in einer
Zeit tiefgreifender Veränderungen in
den Ost-West-Beziehungen eine neue
Grundlage für Einheit geschaffen haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

*

Dokumentation

25

28. Juni 1989

USA BENÖTIGEN ZUR ABSCHRECKUNG ZWEI MOBILE ICBM-SYSTEME
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatsekretär für Verteidigungspolitik im Senat,
Paul Wolfowitz, zufolge benötigen die Vereinigten Staaten zwei Systeme mobiler
Interkontinentalraketen (ICBM) zur Abschreckung einer potentiellen sowjetischen Aggression. Wolfowitz forderte am 21. Juni den Streitkräfteausschuß des
Senats auf, im Hinblick auf die gerade in Genf aufgenommenen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Strategische Rüstungen (START) diesem Vorschlag
des Präsidenten zuzustimmen, der ein zweifaches System vorsieht, bei dem
MX-Raketen des Typs Peacekeeper mit 10 Gefechtsköpfen auf Schienenfahrzeugen
disloziert werden und kleinere Raketen mit nur einem Gefechtskopf auf LKWs
stationiert würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wolfowitz' Ansprache im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Streitkräftesausschusses,
Es ist mir eine Ehre, heute hier
gemeinsam mit General Welch über das
Programm
der
Administration
zur
ICBM-Modernisierung
referieren
zu
können.
Wie Sie wissen, hat die Administration eine umfangreiche Überprüfung unserer nationalen Sicherheitspolitik durchgeführt. Bei der Untersuchung aller Aspekte strategischer
Fragen sind wir zu einer Reihe von
Schlußfolgerungen
gelangt, die ich
Ihnen heute darlegen möchte, bevor
ich mich der Frage der ICBM-Modernisierung im einzelnen zuwende.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die strategische Triade
Unsere Bilanz hat die Notwendigkeit einer Triade strategischer Offensivstreitkräfte
bestätigt.
Die
drei Säulen unserer Abschreckung leisten zusammengenommen weit mehr als
die Summe der einzelnen dies vermuten
ließe.
Jede Säule hat einzigartige
Stärken und Fähigkeiten, die insgesamt den Präsidenten mit einer effektiven und flexiblen Abschreckung mit
der Fähigkeit ausstattet, sich einer
großen Bandbreite potentieller Bedrohungen zu stellen - und sie damit abzuschrecken.
Das
von
Präsident
Reagan
im
Herbst 1981 eingeleitete strategische
Modernisierungsprogramm war in höchstem Maße erfolgreich: Es hat viele

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�strategische Mängel beseitigt, mit
denen wir die achtziger Jahre begonnen haben, unsere Abschreckung gestärkt, indem es bisher existierende
einseitige Vorteile der Sowjets wie
etwa das Treffen gehärteter Ziele außer Kraft gesetzt und damit die
Grundlage für bedeutende Fortschritte
bei den RUstungsreduzierungen geschaffen hat.
Da das strategische
Verhältnis jedoch dynamisch ist und
das Reagan-Programm darauf abzielte,
alle drei Säulen der Triade in einem
Zeitrahmen von 15 bis 20 Jahren zu
modernisieren, bleibt noch viel zu
tun. Wir müssen weiterhin U-Boote,
Bomber und ICBM wie auch die sie unterstützenden Führungs- und Kommunikat ionseinrichtungen modernisi eren.

reiten Bombern und den bereits auf
See befindlichen SSBN die größtmögliche Abschreckung gegen einen sowjetischen Präventivschlag gewährleistet.
Nach Erwägung all dieser Punkte
haben wir die verschiedenen Situationen
analysiert, in denen unsere
ICBM-Silos angegriffen werden könnten. Dabei ergeben sich zwei potentielle Szenarien.
Ein sowjetischer Schlag als Reaktion auf einen Konflikt, der so
groß ist, daß er bereits zu einem
konventionellen
Krieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion geführt haben könnte
oder,
-

Die ICBM-Streitkräfte
Mit der Stationierung von 50 ICBM
des Typs Peacekeeper und der Modernisierung
der
Minuteman-Raketen
wurde eine in höchstem Maße fähige
Abschreckung geschaffen, die ein Risiko für nahezu alle Arten sowjetischer
Ziele
bedeutet.
Die
ICBM-Streitkräfte können heute jedoch
den Sowjets nicht die Fähigkeit bestreiten, einen Teil der Streitkräfte
in einem Präventivschlag zu treffen.
Der Ausschuß ist sich bewußt, daß
dieses Problem den zwanzig Jahren der
Debatte
und
Kontroverse
um
die
ICBM-Modernisierung
zugrundegelegen
hat.
Vor diesem wichtigen Hintergrund fand unsere Überprüfung statt.
Wir sind zu dem Schluß gekommen,
daß es vom Standpunkt der Abschrekkung her in der Tat wünschenswert
ist, wenn zumindest ein Teil jeder
SMule der Triade überlebensfähig wäre. Unsere alarmbereiten Bomber und
unsere nukleargetriebenen Raketenunterseeboote (SSBN) auf See werden
diesen Anforderungen heute gerecht.
Wenn einige unserer ICBM heute Uberlebensfähig wären, würde damit unter
anderem eine Vorbeugemaßnahme getroffen, wenn bei den Bombern oder den
U-Booten
Schwachstellen
auftreten,
und damit zusammen mit den alarmbe-

ein Angriff
der zuweilen als
"Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnet wird und in Ermangelung
akuter internationaler Konflikte
oder
Feindseligkeiten
durchgeführt wird.

Wir haben große Fortschritte beim
Wiederaufbau unserer Triade gemacht
und glauben nicht, daß die Abschrekkung versagen wird. Ein Versagen der
Abschreckung und ein Angriff auf unsere ICBM-Silos ist sehr unwahrscheinlich, aber eben deshalb haben
wir viel investiert, um unsere Abschreckung effektiv zu machen, und
das müssen wir angesichts wiederkehrender Bedrohungen weiterhin tun. Da
es unabdingbar ist, daß wir gegen
beide der oben beschriebenen Szenarien eine angemesse Abschreckung haben, führen wir beide Raketenprogramme aufgrund ihrer unterschiedlichen
Entwicklungsstadien konsequent durch
und auch, weil wir damit sowohl auf
die Bedrohung als auch auf haushaltsmäßige Gegebenheiten reagieren.

Das Programm des Präsidenten
Das Mittel zur Vorbeugung gegen
die erste Art der Bedrohung steht zur
Verfügung
kann kurzfristig stationiert werden und ist darüber hinaus
voll finanzierbar. Wenn wir die exi-

�stierenden
50
Peacekeeper-Raketen
aus ihren Silos entnehmen und sie auf
Schienenfahrzeugen stationieren - womit sich die Gesamtkosten des Programms auf etwa 6 Milliarden Dollar
beliefen - hätten wir damit 50 in
drei
Jahren
Peacekeeper-Gefechtsköpfe, die voll überlebensfähig werden können, und in fünf Jahren werden
die insgesamt 500 Gefechtsköpfe umfassenden
Peacekeeper-Streitkräfte
dazu in der Lage sein.
Die Lösung für das zweite Szenarium, bei dem wir nur taktische Warnung vor einem Angriff hätten, besteht in der Entwicklung einer neuen
kleinen ICBM (Small ICBM - SICBM).
Wir könnten mit der Stationierung der
SICBM auf ihren gehärteten mobilen
Abschußvorrichtungen erst Ende der
neunziger Jahre beginnen, also lange
nach der Zeit, in der wir die 50
Peacekeeper-Raketen
in Eisenbahndepots neu stationieren könnten. Aufgrund der unmittelbaren Bedrohung,
der technologischen Reife und der
Haushaltslage hat der Präsident sich
zur Fortführung dieses Programms entschieden, will aber die 50 Peacekeeper-Raketen zuerst stationieren.
In den nächsten Jahren werden wir untersuchen, wie und wo die SICBMs zu
stationieren sind, wie viele erforderlich sein werden, wie hoch ihre
Sprengladung sein könnte und welche
Maßnahmen wir ergreifen müssen, um
die Kosten des Gesamtprogramms zu
senken.

sere befinden sich noch in der Planung.
Bevor mobile ICBM im Rahmen eines
START-Abkommens
zugelassen
werden,
müssen wir sichersteilen, daß jegliche Begrenzungen bei diesen Systemen
wirksam verifizierbar sind. Andernfalls sind die Vorteile der Stationierung mobiler ICBM zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten das Risiko
sowjetischer Täuschungsmanöver nicht
wert. Damit die Sowjets einem befriedigenden Ergebnis bei START zustimmen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft und Fähigkeit
zur Stationierung eines mobilen Systems demonstrieren.
In dieser Wochen wurden in Genf
die START-Verhandlungen wiederaufgenommen. Zusäztlich zur Verifizierung
bleiben für uns und die Sowjets noch
wichtige Fragen offen. Deshalb können wir wirklich nicht vorhersagen,
wann ein Vertrag unterschriftsreif
sein wird. Darüber hinaus wäre es
unvorsichtig, wenn wir unsere strategischen Streitkräfte so konzipierten,
daß sie einem noch unvollständigen
und nicht vereinbarten Dokument entsprächen.
Zusätzlich zu den Abschreckungsvorteilen
steilen
die
Fortführung
der Stationierung der
Peacekeeper in Eisenbahndepots und
die Konstruktion der SICBM vorsichtige Schritte und eine Vorbeugemaßnahme
dar, wenn kein Vertrag erzielt wird,
der amerikanische Interessen berücksichtigt.

Erwägungen zur Rüstungskontrolle
In Ermangelung eines START-Abkommens möchten die Vereinigten Staaten
in der Lage sein, mobile ICBM-Streitkräfte zu stationieren, die denen der
Sowjets vergleichbar sind. Die Vereinigten Staaten dürfen sich nicht in
eine Situation bringen, in der die
Sowjets überlebensfähige ICBM haben
und sie nicht. Die Sowjets haben uns
gegenüber in diesem Bereich einen
Vorsprung
da
sie
zwei
mobile
ICBM-Systeme stationiert haben. Un-

Schlußfolgerung
Herr Vorsitzender, das Programm
des Präsidenten steht für eine gesunde Abschreckungspolitik wie auch eine
gesunde Haushaltspolitik.
Und es
steht auch für eine gesunde Rüstungskontrollpolitik. Es wägt die Risiken
und Möglichkeiten vorsichtig ab, denen wir uns in den kommenden Jahren
gegenübersehen. Meiner Ansicht nach
haben wir heute die Gelegenheit, die

- 3 -

�Debatten der Vergangenheit hinter uns
zu lassen. Wenn wir uns weiter auf
dem Weg bewegen, wie er im neuen
Haushalt vorgezeichnet ist, können
wir auf angemessene Weise sowohl die
strategischen als auch die haushaltspolitischen Schwierigkeiten angehen,
die bisher so schwer zu lösen waren.
Die Kehrseite all dessen lautet
natürlich, daß drastische Veränderungen zugunsten des Programms der zwei
Raketensysteme zusäztliche Probleme
mit sich bringen werden. Die Verzögerung
des
Peacekeeper-Programms
wird seine Kosten steigern und unsere
Fähigkeit
behindern, schnell eine
verwundbare Stelle in unserem strategischen Einsatzkonzept zu heilen, das
sich auf die wahrscheinlichere von
uns abzuschreckende Bedrohung bezieht.
Wenn wir schnelle Entscheidungen
über die SICBM erzwingen, könnte das
dazu führen, daß wir voreilig eine
Rakete stationieren, die teurer als
notwendig und nicht auf eine Weise
stationiert ist, die dem Abschrekkungspotential
am
besten
gerecht
wird. Darüber hinaus könnte mangelnder Konsens zur ICBM-Modernisierung
die Position unserer Unterhändler in
Genf schwächen und auf selten der Sowjets zu der Auffassung führen, daß
wir niemals mobile ICBM stationieren
werden und sie deshalb diese Aussicht
bei ihrer Position in den START-Verhandlungen nicht in Betracht ziehen
müssen.
Wir haben genug Zeit mit der Erörterung dieser Frage verbracht. Das
Programm des Präsidenten ist eine
überlegte, logische Antwort auf ein
Problem, das aus oftmals sehr schwer
lösbaren Fragen bestand. Unser Programm verdient die Unterstützung des
Senats und des gesamten Kongresses,
und ich möchte den Ausschuß auffordern, das Programm wie auch die anderen Teilbereiche des strategischen
Modernisierungsprogramms
zu unterstützen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

"W"

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

25

28. Juni 1989

STAND DER RÜSTÜNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 22. Juni 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, SDI, gemeinsame amerikanisch-sowjetische Experimente sowie die MX- und Midgetman-Raketenprogramme.

Betonung der Verifizierung
START-Verhandlungen

bei den

Die elfte Runde der Verhandlungen
Über

Kern- und

Weltraumwaffen

beider Länder herbeizuführen, um die
strategische Stabilität zu erhöhen
und die Möglichkeit eines Atomkrieges
zu verringern.

wurde

am 19. Juni 1989 mit einem Treffen
zwischen den beiden Chefunterhändlern
der amerikanischen und sowjetischen
Seite, Richard Burt und Juri Nasarkin, aufgenommen. Die Verhandlungen
beinhalten auch die ersten unter der
Bush-Administration geführten Gespräche über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) und die ersten Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum.
Das amerikanische Ziel bei den
START-Verhandlungen
besteht
darin,
verifizierbare Reduzierungen bei den
strategischen
NuklearStreitkräften

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Noch ungelöste Hauptprobleme betreffen
see- und
luftgestützte
Marschflugkörper, mobile Interkontinentalraketen
(ICBM),
Untergrenzen
für ICBM-Gefechtsköpfe sowie die sowjetischen Bestrebungen, START an den
ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 zu koppeln.
In der laufenden Verhandlungsrunde, die voraussichtlich sechs bis
sieben Wochen dauern wird, werden
sich die Unterhändler vornehmlich auf
Fragen der Verifizierung konzentrieren. Die Vereinigten Staaten werden
bestimmte
Verifizierungsmaßnahmen

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�vorschlagen, die Botschafter Burt zufolge "vor dem Abschluß eines Rüstungskontrollabkommens" durchgeführt
werden sollen.
Präsident Bush erläuterte am 19.
Juni 1989 den Vorschlag der Vereinigten Staaten, beide Seiten sollten
"besondere Anstrengungen unternehmen,
um Einigung bei auf den Vorschlägen
basierenden Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität zu erzielen, die
beide Seiten bereits im Rahmen der
START- und anderer Verhandlungen unterbreitet haben".
Die
vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
sollen
angeblich
Vor-Ort-Inspektionen,
24stündige
Überwachung der Raketenproduktionsstätten, ein Verbot der bei Raketentests vorgenommenen Kodierung elektronischer Signale sowie einen Plan
zum Austausch von Daten über strategische Nuklearstreitkräfte enthalten.
Präsident Bush erklärte, ein baldiges Abkommen und die Durchführung
von Verifizierungsmaßnahmen "werden
die Lösung noch zu behandelnder Themen beschleunigen und den Bestrebungen unserer beiden Länder zum raschen
Abschluß eines START-Abkommens zusätzlichen Auftrieb verleihen".
Der stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Roman Popadiuk, führte ein hypothetisches Beispiel dafür an, wie die Verifizierung
funktionieren könnte, indem er erklärte, mit der Gründung von amerikanischen und sowjetischen technischen
Expertengruppen könnten die Meinungsverschiedenheiten bei der Verifizierung gelöst und Entscheidungen über
die Art des Geräts herbeigeführt werden, das bei den Inspektionen zum
Einsatz kommen könnte.
Ein amerikanischer Verteidigungsexperte erklärte am 16. Juni, man
verfolge das Ziel, die Verifizierungsmaßnahmen
voranzubringen
und
"Mechanismen zur Art und Weise der
Verifizierung zu prüfen, so daß wir
in Genf nicht nur zusammensitzen und

darüber sprechen, sondern tatsächlich
etwas tun".
Die Sowjets halten nach wie vor
an
der
Position
fest, daß ein
START-Vertrag nur vorbehaltlich der
Zustimmung der Vereinigten Staaten
geschlossen werden kann, Begrenzungen
bei der Entwicklung der strategischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen einzuführen.
Die Vereinigten
Staaten behaupten, START und die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) seien getrennte Themenbereiche
und Begrenzungen bei SDI inakzeptabel.
Botschafter Burt erklärte am
20. Juni 1989, Präsident Bush vertrete die Auffassung, "es sei unverantwortlich, diese Option (SDI) zum jetzigen Zeitpunkt aufzugeben".
Burt fuhr fort: "Offen gesagt,
unserer Ansicht
nach
sollte ein
START-Abkommen nicht zum Pfand für
ein Abkommen über Verteidigung im
Weltraum oder andere Restriktionen
bei unserem Recht zur Entwicklung und
Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung gemacht werden."

Kongreßkoalition
strebt
der Mittel für SDI an

Kürzungen

Obwohl
die
Bush-Adminsitration
das SDI-Programm
weiterhin unterstützt, plant eine überparteiliche
Koalition von 33 Kongreßabgeordneten
eine Kürzung der Mittel für SDI in
Höhe von 1,8 Milliarden Dollar als
Zusatz zum bewilligten Verteidigungshaushalt für 1990.
Bei einer Pressekonferenz in Genf
erklärte Burt jedoch, die Bush-Administration werde das SDI-Programm "in
völligem Einklang mit" dem ABM-Vertrag von 1972 fortführen.
In der vergangenen Woche wurde
ein neuer Termin für ein wichtiges
SDI-Experiment für Mitte Juli festgesetzt: der Abschuß des ersten neutralen Teilchenstrahls in den Weltraum von New Mexico aus wurde nach
Schwierigkeiten bei der Zündung der

�Aries-Rakete abgebrochen.
Mit dem
Teilchenstrahlexperiment
in Raketen
(Beam Experiment Aboard Rockets
BEAR) soll herausgefunden werden, wie
Explosionen von Teilchenstrahlen im
Weltraum reagieren.

Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler versuchen seegestützte
Waffen zu verfizieren
Eine Gruppe von Wissenschaftlern
vom amerikanischen Natural Resources
Defense Council (NRDC) und der sowjetischen Akademie der Wissenschaften werden vom 5. bis 8. Juli 1989
ein gemeinsames Experiment durchführen, um sowjetische Nukleargefechtsköpfe auf See aufzuspüren und zu veri fizieren.
Amerikanische Wissenschaftler der
Stanford University, dem Massachusetts Institute of Technology und dem
Brookhaven National Laboratory werden
am 1. Juli die Reise nach Moskau antreten.
John Spratt, Mitglied des
Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses wird das Experiment beobachten, das im Schwarzen Meer an
Bord eines sowjetischen Kreuzers der
Slava-Klasse durchgeführt wird, der
mit Marschflugkörpern bestückt ist.
Einem Sprecher des NRDC zufolge
besteht der Zweck des Experiments darin, "die Fähigkeit passiver Strahlungsmonitore zum Aufspüren von Nukleargefechtsköpfen auf See zu bewerten."
Präzise Methoden zur Verifizierung der Präsenz von nuklearbestückten unterseebootgestutzten Marschflugkörpern sind noch nicht entwickelt worden.

Bush versucht, die Unterstützung des
Kongresses für mobile Rakten zu gewinnen
Präsident Bush kam am 20. Juni
mit Vertretern des Kongresses zusammen, um ihre Unterstützung für seinen
Plan zur Entwicklung von zwei getrennten amerikanischen mobilen Rake-

tensystemen zu gewinnen, der MX mit
Mehrfachgefechtsköpfen und der mobilen Interkontinentalrakete Midgetman
mit einem Gefechtskopf.
Dem Sprecher des Weißen Hauses,
Marlin Fitzwater, zufolge benötigt
die Administration die Zusicherung
des Kongresses zur Finanzierung der
beiden Systeme, bevor die Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen weitere Fortschritte machen.
"Bei den Verhandlungen brauchen wir
größtmögliche Flexibilität, damit wir
unseren sowjetischen Kollegen über
den Tisch hinweg sagen können: 'Zu
diesen Systemen hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, und jetzt können
wir darüber verhandeln, wie wir mit
ihnen verfahren sollen'", stellte er
fest.
Die
Reagan-Administration
hat
aufgrund der Schwierigkeiten mit der
Verifizierung beim Abbau ein Verbot
mobiler Raketen vorgeschlagen.
Die
Sowjetunion, die bereits zwei mobile
Systeme besitzt, hat sich jedoch geweigert, ein solches Verbot in Erwägung zu ziehen.
Einige Kongreßmitglieder bestehen
darauf, daß die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten können, zwei
mobile Systeme anzuschaffen. Die Senatoren Carl Levin und John McCain
erklärten
beispielsweise
kürzlich,
der "Zwei-Raketen-Ansatz" würde etwa
47 Milliarden Dollar kosten, "zu einer Zeit, in der wir uns mit einem
enormen Haushaltsdefizit konfrontiert
sehen und das Pentagon viele Jahre
eines stagnierenden oder gekürzten
Budgets vor sich hat".
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, Sam Nunn, erklärte jedoch, er sehe die Zukunft
für die beiden Raketensysteme positiv. "Es ist eindeutig klar, daß der
Präsident, der Außen- und der Verteidigungsminister ihre Bereitschaft angedeutet haben, die Genfer Position
zum Verbot mobiler Raketen zu überprüfen, wenn der Kongreß seine Zustimmung sowohl zur Finanzierung der

- 3 -

�schienenmobilen MX-Rakete als auch
der (LKW-gestützten) Midgetman gibt",
sagte er im Anschluß an ein Treffen
mit dem Präsidenten.
Verteidigungsminister Cheney hat
den Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß das Pentagon für die Haushaltsjahre 1992-94 zusätzlich 1 Milliarde Dollar für das Midgetman-Raketenprogramm benötigen wird.

Berater Rowny bleibt im Amt; Hadley
wird Nachfolger von Lehman
Das Weiße Haus gab bekannt, daß
Botschafter Edward Rowny weiterhin
das Amt als Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für RUstungskontrollangelegenheiten
innehat. In dieser Position war er vier
Jahre lang für die Reagan-Administration tätig.
Präsident Bush nominierte außerdem Stephen Hadley zum Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für
internationale
Sicherheitspolitik.
Vorbehaltlich
seiner
Bestätigung
durch den Senat wird Hadley dann
Nachfolger von Ronald Lehman, der
diese Position innehatte, bevor er
sein neues Amt als Leiter der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
antrat.
Hadley, ein Sozius der Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei
Shea and
Gardner, war Anfang der siebziger
Jahre für das Verteidigungsministerium und von 1974 bis 1977 für den Nationalen Sicherheitsrat tätig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Wirtschaft

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28. Juni 1989

25

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN PARIS:

POLEN UND UMWELT ALS HAUPTTHEMEN

- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON
(AD)
Die
Staats- und Regierungschefs der führenden Industrieländer bereiten sich
auf den 15. jährlich stattfindenden
Weltwirtschaftsgipfel vor, und amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß Probleme wie das Ungleichgewicht im Handel, der Dollar, die
Umwelt sowie die Unterstützung wirtschaftlicher Fortschritte in Osteuropa die Diskussionen vom 14. bis 16.
Juli bestimmen werden.
Das in diesem Jahr in Paris
stattfindende Gipfeltreffen ist das
erste, an dem Präsident Bush teilnehmen wird, der unmittelbar vor seiner
Ankunft in Frankreich am 13. Juli Ungarn und Polen besucht.
In einer

Pressekonferenz am 27.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Juni 1989 erklärte Bush, die Vereinigten Staaten seien bereit, Polen
und Ungarn zusätzliche Hilfe zu leisten. "Wir haben ein Paket, das ich
jetzt nicht im einzelnen erörtern
möchte, von dem ich aber überzeugt
bin, daß es hilft. Ich weiß, daß die
polnische Wirtschaft nach meinem Besuch in Polen bei unserem Gipfeltreffen eine große Rolle spielen wird."
Bush verwies darauf, daß ein Teil des
Pakets noch der Zustimmung des Kongresses bedürfe. Er betonte jedoch,
sichergehen zu wollen, daß die notwendigen Wirtschaftsreformen in Polen
durchgeführt worden seien, um zu gewährleisten, daß die amerikanischen
"Gelder vernünftig ausgegeben werden". "Wir werden diejenigen unterstützen, die sich wirtschaftlich, politisch und im Hinblick auf die Men-

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�schenrechte unserem
erklärte Bush.

Kurs

annähern",

In einem Informationsgespräch mit
ausländischen Journalisten über den
bevorstehenden Wirtschaftsgipfel erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter am 26. Juni 1989, die im
vergangenen Jahr in Osteuropa beobachteten Ereignisse seien "mit die
ermutigendsten" der letzten 25 Jahre.
"Es besteht nun wahrhaft Aussicht
auf grundlegende politische und wirtschaftliche Verbesserungen in diesem
Teil der Welt. Nicht nur wir, sondern jeder ist nur allzu bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun,
um diese Entwicklung im Rahmen der
verfügbaren Mittel zu unterstützen",
erklärte er.
Der Regierungsvertreter erwartet,
daß die Gipfelteilnehmer positiv auf
die Situation in Osteuropa reagieren
werden - in welcher Form, konnte er
noch nicht sagen, da dieses Thema
noch erörtert wird.
Am Pariser Weltwirtschaftsgipfel
werden die Staats- und Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und der Vereinigten
Staaten sowie ein Vertreter der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen.
Das Gipfeltreffen fällt in diesem
Jahr mit dem 200. Jahrestag der Französischen Revolution von 1789 zusammen. Obwohl diese Feierlichkeiten am
13. und 14. Juli unabhängig von den
Diskussionen des Wirtschaftsgipfels
stattfinden, nehmen daran Staats- und
Regierungschefs aus 30 verschiedenen
Ländern teil.
Außer der besonderen Hilfe für
Polen sind dem Regierungsvertreter
zufolge die auf dem diesjähirgen Gipfel erörterten Themen die Lage der
Weltwirtschaft, weltweite Umweltprobleme, "der Schutz und die Ausweitung
der Gemeinschaft freier Nationen insbesondere in Osteuropa", internationaler
Terrorismus, Drogenhandel

und die Verbreitung chemischer Waffen.
Der Regierungsvertreter warnte,
diese Probleme seien zwar bei den
vorbereitenden Treffen erörtert worden, es bestehe jedoch keine Möglichkeit, vorherzusagen, welchen Verlauf
die Diskussion beim Zusammentreffen
der Staats- und Regierungschefs nehmen werden. Ihm zufolge gibt es verschiedene Probleme, auf die die Vereinigten Staaten beim Gipfel "besonderen Wert legen möchten".
"Wir möchten unbedingt sicherstellen, daß die Umweltproblematik
eingehend erörtert wird, wir wollen
gewährleisten, daß die Brady-Initiative (der von Finanzminister Nicholas
Brady unterbreitete Vorschlag zur Bewältigung der Schuldenprobleme der
Dritten Welt) die Zustimmung und Unterstützung erhält, die sie verdient,
und wir wollen garantieren, daß eine
inhaltsreiche
Diskussion
über die
Frage geführt wird, wie sich die
Volkswirtschaften auf der ganzen Welt
gegenseitig unterstützen können, um
einen Ausgleich zu erzielen", erklärte der Regierungsvertreter.
Zum letzten Punkt erläuterte er,
daß die Verbesserungen im Handel und
Leistungsbilanzdefizit im vergangenen
Jahr stagniert oder sich zumindest
verlangsamt haben, und die Vereinigten Staaten die Auffassung vertreten,
daß in Paris Diskussion
darüber
stattfinden müssen, wie das Ungleichgewicht abgebaut werden kann.
"Alle sollten darüber nachdenken,
warum das Ungleichgewicht besteht,
was dagegen getan werden kann, welche
Maßnahmen unserer Ansicht nach die
anderen dabei ergreifen sollen und
welche Schritte wir unternehmen wolI en .
tt

Nach dem Abbau des Ungleichgewichts im Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan in Höhe von
nur 5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr sei diese Verbesserung rückläufig und das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan könne sich in

- 2-

�diesem Jahr in einer Größenordnung
von 50 Milliarden Dollar bewegen.
Dem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge bereitet der Höhenflug
des Dollars der vergangenen Monate
gegenüber den wichtigsten Währungen
den Teilnehmerstaaten des Gipfeltreffens Schwierigkeiten beim weiteren
Abbau der Ungleichgewichte im Handel
und "dieses Thema wird ebenfalls erörtert werden".
r

»

In dieser Hinsicht biete das Gipfeltreffen den Teilnehmern eine gute
Gelegenheit zur gemeinsamen Beratung,
wie größere Koordination und Kooperation ihrer jeweiligen Volkswirtschaften herbeigeführt werden kann.
Während der letzten beiden Gipfeltreffen hatten die Vertreter Japans und der Bundesrepublik Deutschland auf eine Stimulierung der Binnennachfrage gedrängt und die Vereinigten Staaten zum Ausgleich ihres
Haushaltsdefizits aufgefordert.
Dem
Regierungsvertreter
zufolge
werden
Fortschritte bei diesen Bestrebungen
überprüft.
Die Gipfelteilnehmer würden die
Erörterungen des vergangenen Jahres
über strukturelle Wirtschaftsreformen
fortsetzen - "was die einzelnen Länder unternehmen sollten, um ihre
Volkswirtschaften effizienter zu gestalten".
Ein Ansatz zur Behebung des Ungleichgewichts im Handel zwischen den
Vereinigten Staaten und Japan läge in
der Beseitigung der japanischen Behinderung amerikanischer Exporte.

i

Der
Regierungsvertreter
fuhr
fort, Fragen der Umwelt kämen bei allen Gipfelteilnehmern zentrale Bedeutung zu, einschließlich der eingehender Erörterung solcher Probleme wie
der weltweiten KlimaVeränderung, Rodung der Wälder, Verschmutzung der
Meere, Giftmüll, saurer Regen sowie
Schwund der Ozonschicht. Die Gipfelteilnehmer werden
ein gemeinsames
Vorgehen zur Verbesserung der For-

schung und Datenerfassung in diesen
Bereichen in Betracht ziehen, fügte
er hinzu.
Im Zusammenhang mit dem BradyPlan, in dem die Handelsbanken und
Schuldnerländer aufgefordert werden,
mit Unterstützung der Weltbank und
Mitteln des Internationalen Währungsfonds einen Abbau sowohl der Schuldenlast als auch des Schuldendienstes
auszuhandeln, erklärte der Regierungsvertreter, er erwarte die Unterstützung dieser Initiative durch
die Gipfelteilnehmer.
"Wir alle wissen, daß die jeweiligen Verhandlungen
(zwischen den
Banken und den Schuldnerländern) diesem Konzept zufolge langwierig sein
werden, insbesondere die ersten Verhandlungsrunden", fuhr er fort. "Wir
haben das Gefühl, daß sie einen
Schritt in die richtige Richtung machen. Und ich glaube, daß die Gipfelteilnehmer dieses Gefühl teilen
werden."
Der amerikanische Regierungsvertreter räumte ein, daß von den Gipfelteilnehmern andere Vorschläge bezüglich der Schuldenstrategie unterbreitet worden sind, fügte jedoch
hinzu, "der Konsens konzentriert sich
im Augenblick auf den Brady-Plan".
Dem hochrangigen amerikanischen
Regierungsvertreter
zufolge
werden
auch Fortschritte bei der laufenden
Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen erörtert und die Vereinigten
Staaten würden auch in Zukunft kein
Hehl aus ihrer Ansicht machen, daß
Fortschritte bei solchen Themenbereichen wie Landwirtschaft und geistigem
Eigentum unabdingbar sind.
"Wir sind sehr bestrebt, dieser
Runde in der zur Verfügung stehenden
Zeit auf den Kurs zu verhelfen", erklärte er, "damit sie sich nicht allzusehr in die Länge zieht und ihren
Terminplan einhält", der auf Ende des
Jahres 1990 festgesetzt ist.
Dem

Regierungsvertreter

zufolge

�erwarten
die
Vereinigten
Staaten
nicht, daß unfaire Handelspraktiken
gemäß dem neuen Abschnitt "Super 301"
des Handelsgesetzes ein Streitpunkt
beim Gipfeltreffen sein werden.
Zu politischen Themen erklärte
er, die Ereignisse in China sowie die
kollektive oder individuelle Reaktion
der Gipfelteilnehmer werden bei dem
Pariser Treffen eine Schlüsselrolle
einnehmen.
"Meiner Ansicht nach hat sich ein
enormes Gefühl der Enttäuschung darüber verbreitet, daß die im vergangenen Jahr noch so vielversprechenden
Ansätze in China eine solch unglückliche Wendung genommen haben ... Zu
recht sei man besorgt, hier könne ein
Präzedenzfall für Ereignisse in anderen Regionen der Welt geschaffen werden, wo die Planwirtschaften eine gewisse Liberalisierung erfahren", erklärte er.
"Man hat das Gefühl, zu den Ereignissen in China eindeutig Position
beziehen zu müssen, und sei es nur,
um ähnliche Zwischenfälle in Osteuropa in der Zukunft zu verhindern",
fuhr er fort.
Der Regierungsvertreter gab keinen Kommentar dazu ab, wie diese Besorgnis von den Gipfelteilnehmern zum
Ausdruck gebracht werden könnte.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

28. Juni 1989

25

MEHR DROGENABHÄNGIGKEIT DURCH NEUE RAUSCHGIFTE

(AD) - Heroin und das Aufputschmittel Metamphetamin werden neuerdings in Formen angeboten, bei denen
der Stoff nicht gespritzt oder als
Tablette
eingenommen, sondern geraucht wird. Noch sind die neuen Zubereitungen in der Drogenszene wenig
verbreitet, erklärte kürzlich Dr.
Nicholas J. Kozel, Epidemiologe am
"Nationalen Institut für NarkotikaMißbrauch (NIDA - National Institute
on Drug Abuse).
Jedoch ist man in
den Vereinigten Staaten darauf vorbereitet, daß diese in wachsenden Mengen auf den Markt gebracht werden.
Sie könnten ähnliche verheerende Auswirkungen haben wie das Kokainderivat
Crack. Eine weitere Form von Rauschgift, die neue synthetische Droge
"Ecstacy", ist schon leicht erhältlich und wird vor allem von jungen

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Embassy of the United States of America

Leuten konsumiert. Sie verändere die
Stimmungslage, gelte aber als harmlos, "weil sie einen nicht schon beim
ersten oder zweiten Mal umwirft", bemerkte Kozel.
Auf ähnliche Weise kam in den
siebziger Jahren Kokain in Mode. Es
führte zu der jetzt von niemandem
mehr geleugneten Epidemie - nicht zuletzt deshalb, weil zunächst eindeutige wissenschaftliche Beweise für
das Risiko der Droge fehlten. "Heute
wissen wir, daß Kokain, insbesondere
das rauchbare Kokain-Crack, schon
beim ersten Mal zum Tode führen
kann", sagte Dr. Kozel. "Wir haben
inzwischen auch unwiderlegbare Beweise, daß Marihuana wichtige Regionen
des Gehirns zerstört". Die Besorgnisse der NIDA-Mitarbeiter hinsieht-

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�lieh der neuen Rauschgiftpräparate
werden von Vertretern der DEA (Drug
Enforcement Administration - Bundesbehörde zur Strafverfolgung von Drogendelikten) geteilt. Als Warnsignal
gilt die Tatsache, daß mehr denn je
versucht wird, Opium ins Land zu
schmuggeln. So wurde etwa im Februar
Heroin in bisher nie dagewesener Menge
beschlagnahmt.
Herkunftsländer
sind Burma und Laos, aber auch Iran,
Pakistan, Mexiko und Afghanistan.
In einer Reihe von Studien versucht man am NIDA-Institut derzeit
die
zerstörerischen
Nebenwirkungen
der rauchbaren Formen von Heroin, Metamphetamin und Ecstacy zu erforschen. Auf keinen Fall sollte die
Öffentlichkeit noch einmal - wie bei
Kokain-Crack - den Fehler begehen,
neue Rauschgifte für harmlos zu halten, solange ihre Risiken nicht mit
wissenschaftlichen Daten belegt sind.
Außerdem ist Dr. Kozel zufolge keine
klare Unterscheidung mehr zwischen
Ländern möglich, in denen Drogen produziert oder konsumiert werden. Beispielsweise sind die rauchbaren Metaraphetamine von den Philippinen über
Hawaii in die Vereinigten Staaten gekommen. Und hier wurde kürzlich von
Beamten der DEA ein Metamphetaminlabor auf dem Lande ausgehoben, das Abnehmer in England mit seinen gefährlichen Produkten
beliefert hatte.
Kokain findet gegenwärtig in Westund
Osteuropa weite Verbreitung - Grund
genug für Regierungen, Behörden und
Öffentlichkeit, wachsam zu sein.
Nach Meinung von Melvyn Levitsky,
der als Nachfolger von Abteilungsleiterin Ann Wrobleski für internationale Narkotika-Angelegenheiten im USAußenministerium
nominiert
wurde,
müßte dem illegalen Drogenhandel in
der Außenpolitik generell mehr Bedeutung beigemessen werden. Der Karrierediplomat setzte sich vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats dafür
ein, Drogenprobleme als Teil der bilateralen Beziehungen mit anderen
Ländern zu betrachten.
Als einige
seiner Prioritäten nannte er

Verhinderung
der
Abzweigung
legaler Grundstoffe für die
Herstellung illegaler Drogen;
Erleichterung
zur
Aufhebung
des
Bankgeheimnisses
und
anderer
Maßnahmen,
um
die
Geldwäsche illegaler Drogenprofite zu verhindern;
-

Weltweite
Unterstützung
des
moralischen Grundsatzes, daß
Drogenkonsum "ein Übel ist,
das Regierungen und Demokratie
bedroht";
Unterstützung der Vernichtung
von
Koka-Anpflanzungen
mit
Herbiziden, die von Flugzeugen
aus versprüht werden und unschädlich für Mensch und Umwelt sind, und Verbreitung von
Informationen über die Schäden, die durch den Kokastrauch-Anbau angerichtet werden;
Verringerung
der
weltweiten
Nachfrage nach Rauschgiften;

-

Bemühungen um mehr internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Industrieländern.

Wenn Melvyn Levitsky bestätigt
wird, steht er an der Spitze einer
Behörde mit einem Jahresbudget von
115 Millionen Dollar, die für die Unterstützung von Projekten zur Zerstörung von Drogenpflanzen-Kulturen und
zur Strafverfolgung von Drogendelikten in 13 Ländern zuständig ist. Ihr
Jahresbericht entscheidet darüber, ob
andere Länder als kooperationsbereit
zu betrachten sind und somit auch
weiterhin US-Auslandshilfe bekommen
können.
Eine wichtige Ergänzung zum Programm Levitskys stellt der Vorschlag
des Premierministers
von Jamaika,
Michael Manley, dar, ähnlich der
Friedenstruppe der Vereinten Nationen
eine internationale Anti-RauschgiftTruppe aufzustellen.
Sie soll Spezialisten ausbilden und Unterstützung

- 2 -

�bei der Fahndung und Festsetzung von
Drogenhändlern geben, ebenso bei der
Vernichtung von Anpflanzungen. Ausserden soll sie Ländern als "paramilitärische Truppe" im Kampf gegen
Drogen auf Anforderung zur Verfügung
stehen. Bekämpfungsmaßnahmen im nationalen oder bilateralen Rahmen reichen einfach nicht mehr aus, weil die
Drogenländer weltweit
operieren
gleichgültig, ob es sich um Produktion, Transport, Verteilung oder Absatz handelt.

* * * * *

- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftsgipfel in Paris: Polen und Umwelt als Hauptthemen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommentare der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte</text>
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