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46

15. November 1972

Inhalt
INFORMATION:

Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

DOKUMENTATION:
Eine politische Absichtserklärung Präsident Nixons
WIRTSCHAFT:

1

Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT
-AuszügeUSA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Biologische Experimente
Von G.Weiss
"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig
Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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46/1972

VIER MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG DES INTERNATIONALEN TERRORISMUS
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

WASHINGTON —(AD)-- Die Völkergemeinschaft sieht sich in jüngster Zeit einem
neuartigen bedrohlichen Phänomen - der Internationalisierung des Terrors gegenüber, wobei die Terrorakte in Länder getragen werden, die dem eigentlichen Konfliktsherd weit entfernt sind. Kein Land ist gegen diese Gefahr
immun.
Wir erleben Flugzeugentführungen, Bedrohungen der Handels-und Transporteinrichtungen sowie Entführung und Ermordung von Diplomaten. Ihren dramatischen Höhepunkt hat diese neue Form des Terrors in den entsetzlichen Geschehnissen wie dem Massaker auf dem Flugplatz von Lod und dem Blutbad von München
gefunden.
Präsident Nixon ist energisch entschlossen, diesen Akten eines internationalen Terrors ein Ende zu setzen. Als Mitglied des auf Kabinettsebene gebildeten Präsidialausschusses zur Bekämpfung des Terrors bin ich mit den Ge ~
danken und Sorgen des Präsidenten auf diesem Gebiet bestens vertraut.
Die

�Die Schaffung des Präsidialausschusses stellt lediglich einen von mehreren
Schritten dar, der in den Vereinigten Staaten gegen den Terror unternommen wird.
Der amerikanische Kongreß hat jüngst eine Gesetzesvorlage verabschiedet, wodurch Verbrechen gegen ausländische Diplomaten und offizielle ausländische
Gäste, die den Beziehungen der USA zu anderen Ländern schaden könnten, unter
die Jurisdiktion des Bundes fallen. Gleichzeitig werden alle in die USA Einreisenden einer eingehenderen Kontrolle unterzogen, um Terroranschläge in den
Vereinigten Staaten zu verhindern.
Auf internationaler Ebene gibt es vier konkrete Maßnahmen, die unter den
Auspizien der Vereinten Nationen unternommen werden könnten und unternommen
werden sollten;

1.

Eine Konferenz mit entsprechenden Vollmachten sollte einberufen werden,

um eine Konvention zum Schutz der Diplomaten zu beschließen, die auf der Grundlage des sehr brauchbaren Konventionsentwurfes ausgearbeitet werden könnte, den
die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Entwurf
sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung an Ort und Stelle solcher Personen
vor, die Akte von Gewaltanwendung gegen Diplomaten außerhalb der Rechtsprechung
oder räumlich weit entfernt von dem Land begehen, dessen politische Verhältnisse durch diese Gewaltakte verändert werden sollen. Das Ziel ist es, den Terroristen jede Möglichkeit einer sicheren Zuflucht zu nehmen und damit vor jeder
Art Terror abzuschrecken.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der Rechtsausschuß der UN-VollVersammlung selbst als derart bevollmächtigte Konferenz im Herbst 1973 in Aktion treten und eine solche Konvention beschließen wird.

2.

-2-

�2.

Es sollte eine "allgemeine Konvention" vorbereitet werden, die die Aus-

lieferung oder Strafverfolgung all jener vorsieht, die Terrorakte ausführen,
bei denen unschuldige Privatpersonen zu Schaden kommen können. Die Vereinigten
Staaten haben im September in der UN-Vollversammlung einen vollständigen Entwurf
für einen solchen Vertrag, der diesen Grundsatz umfaßt, zirkulieren lassen. Dieser Entwurf wird im Verlauf der Sitzungen der Vollversammlungen noch diskutiert
werden.

3.

Alle Staaten sollten aufgefordert werden, die Konventionen von Tokio,

Den Haag und Montreal zu unterzeichnen und sich an sie zu halten, die im Rahmen
der Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO. der Vereinten Nationen
abgeschlossen wurden und die Auslieferung oder Strafverfolgung von Personen vorsehen, die Flugzeuge entführen oder in anderer Weise die internationale zivile
Luftfahrt stören.

4.

Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe der ICAO, den Luftverkehr nach all

jenen Ländern einzustellen, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verweigern, sollten Unterstützung finden.
Die Vereinigten Staaten treten dafür ein, den Bestimmungen der Verträge
gegen Luftpiraterie die notwendige Schärfe zu geben. Sie stoßen in ihren Bemühungen aber bedauerlicherweise auf eine gewaltige Opposition.
Das Traurige an der Sache ist, daß eine solche Opposition nicht nur in
bezug auf die erforderliche Schärfe dieser Vertragsbestimmungen besteht, sondern
auch massiv zu Tage trat, als UN-Generalsekretär Waldheim die Vereinten Nationen
zur offenen Erörterung des gesamten Fragenkomplexes des Terrorismus aufforderte.
Viele arabische Länder vereinten sich in dieser Opposition, weil sie wohl
glauben, daß jede Erörterung des Terrors zwangsläufig zu einem Vorstoß gegen
gewisse palästinensische Organisationen führen würde.
Auch

-3-

�Auch eine ganze Reihe afrikanischer Länder wehrte ;ich dagegen, die Erörterung des Terrors auf die Tagesordnung der Vollversammlung zu setzen, wobei
sie unbeirrt daran festhielten, daß ein solcher Tagesordnungspunkt die Guerillatätigkeiten der "Befreiungs"-Kräfte in Afrika beeinträchtigen würde.
Unsere Aufgabe war und ist es, all diese Länder davon zu überzeugen, daß wir
bei unserem unbedingten Eintreten für den Vorschlag des Generalsekretärs nicht
auf eine bestimmte Gruppe abzielen.
Wir müssen klarstellen, daß wir uns einzig und allein darum bemühen, zu
einem Abkommen zu gelangen, wonach bestimmte Gewaltakte als Terror gekennzeichnet
werden und verurteilt und geächtet werden sollten - Akte wie Luftpiraterie, Versendung von Briefbomben, Entführung von Diplomaten und andere Gewaltmaßnahmen,
wie wir sie in den vergangenen Monaten und Jahren erleben mußten.
Angesichts der weitverzweigten und starken politischen Opposition,die dieses Bemühen bei den Vereinten Nationen findet, bin ich, offen gesagt, nicht gerade optimistisch, daß es uns gelingen wird, zu den konkreten Ergebnissen zu
kommen, die die Vereinigten Staaten so dringend wünschen und die alle zivilisierten Menschen auf der Erde fordern.
Ich kann Ihnen jedoch

versichern, daß wir uns auch weiterhin nachdrücklich

um solche positiven Ergebnisse bemühen werden.

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46/1972

EINE POLITISCHE ABSICHTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS
Präsident Nixon hat in einem Interview mit
Garnett D. Horner von der amerikanischen Zei-»
tung "Washington Star-News" seine Vorstellungen und Absichten für seine zweite vierjährige Amtsperiode als Präsident der Vereinigten
Staaten dargelegt. Das Interview wurde am 5.
November aufgenommen und am 9 November veröffentlicht. Wir geben hier die Passagen wieder, die die Außenpolitik betreffen sowie die
zusammenfassende Darstellung
Copyright (c) The Washington,D.C.Star-News 1972
Außenpolitik

Das erste Jahr wird sehr bewegt werden. Wir werden zu SALT II kommen. Und
wir werden natürlich zu der Europäischen Sicherheitskonferenz kommen • und auf
einem parallelen Kanal werden wir zu MBFR - der beiderseitigen, ausgewogenen
Truppenverringerung - kommen Wir werden den Dialog mit der Volksrepublik China
fortsetzen, obwohl das ein Prozeß auf lange Sicht ist. Es wird keine plötzlichen
Ereignisse geben. Es wird keine Änderung, keinerlei Änderung, in unserer Politik
gegenüber Kuba geben - es sei denn, Castro ändert seine Politik gegenüber

•

!

•

�gegenüber Lateinamerika und den Vereinigten Staaten - womit ich nicht rechne.
Dem Nahen Osten wird eine sehr hohe Priorität eingeräumt werden, weil der Nahe
Osten während der letzten Jahre sich zwar in einer Periode einer unsicheren Waffenruhe oder eines unsicheren Waffenstillstandes - wie immer man das bezeichnen
will -. befunden hat, er jedoch jederzeit explodieren kann.
Was nun andere Teile der Welt angeht, so möchte ich nicht den Eindruck erwecken, daß Lateinamerika und Afrika keine Aufmerksamkeit erhalten werden; sie
werden es, denn kein Teil unserer gegenwärtigen Politik wird als heilige Kuh
behandelt werden. Ich werde unsere Lateinamerika-Politik und unsere Afrika-Politik überprüfen, um festzustellen, wie unsere Programme in diesen Gebieten verbessert werden können.
Auf internationalem Gebiet müssen wir uns daran machen, ein stabileres Währungssystem zu bekommen, und wir müssen auf dem Gebiet des Handels etwas tun,
damit die Vereinigten Staaten auch weiterhin in ihren Handelsbeziehungen zu anderen Ländern eine angemessene Chance erhalten können.
Ich möchte daher sagen, daß die nächsten vier Jahre vielleicht nicht so
spektakulär sein werden wie das Jahr 1972 - als wir die Öffnung nach Peking
hatten, das erste Gipfeltreffen mit den Russen und die internationalen Währungsschritte vom 15. August (1971) - daß die nächsten vier Jahre jedoch auf dem aufbauen und sogar mehr erreichen werden, da es sich damals im wesentlichen um die
ersten Schritte handelte, die den Weg für sehr viel größere Schritte in der Zukunft öffneten.
So wird beispielsweise SALT II wichtiger sein als SALT I. Es wird mehr erreichen. Es wird mehr von einer Begrenzung bringen. Das gilt für die Europäische
Sicherheitskonferenz, für den Nahen Osten, für all diese Gebiete. Zu Vietnam
möchte ich folgendes sagen: Wenn ich erk Ire, daß ich absolut zuversichtlich

.2-

�zuversichtlich bin, daß wir eine Regelung erreichen werden, dann dürfen Sie
sich darauf verlassen.
Von der Annahme ausgehend, daß es eine Regelung in Vietnam geben wird, wurde
der Präsident nach der Zukunft Südostasiens in den nächsten vier Jahren gefragt:
Es wird sich um eine Zukunft handeln, in der wir unseren Freunden in diesem Gebiet weiterhin Wirtschaftshilfe gewähren werden - und auch einige Militärhilfe, da die kommunistischen Länder dieselbe Art von Hilfe an Nordvietnam
gewähren werden. Wir werden, wie wir erklärt haben, auch Nordvi,etnam einige
Hilfe auf wirtschaftlicher Basis gewähren.
Unser Interesse besteht nicht nur darin, ein Abkommen herbeizuführen, das
den Krieg jetzt beendet, sondern wir wollen auch einen Einfluß auf die Ereignisse in der Zukunft haben, und es ist sehr viel bessei , zu den Nordvietnamesen eine Beziehung zu haben als keine.

Zusammenfassung
Der Präsident hat in seinen Äußerungen oft zu verstehen gegeben, daß er
vor der Geschichte einmal als ein Präsident dastehen möchte, der eine neue Ära
des Friedens eröffnet hat, und er wurde in diesem Zusammenhang gefragt, ob er
auf innenpolitischem Gebiet dies auch wolle.
Lassen Sie mich in Bezug auf den weltpolitischen Aspekt sagen, daß ich
dies ein wenig abwandeln möchte. Ob die Vereinigten Staaten, als die einzige
Nation, die in der freien Welt mächtig genug ist, um diese Rolle zu übernehmen,
sich dieser Aufgabe gewachsen zeigt und auf dem Weg zu dieser neuen Periode
des Friedens vorangeht - das ist die eigentliche Fraget ob wir uns ihr gewachsen
erweisen oder zum Isolationismus zurückkehren.
Das

-3-

�Das ist auch der Grund, warum ich dies als eine der entscheidend wichtigen
Fragen dieses Wahlfeldzuges betrachtete. Ein schwächeres, sich nach innen wendendes Amerika wäre meiner Ansicht nach für die Menschen in unserem Lande nicht
gut gewesen. Darüber aber ließe sich immerhin noch streiten. Für die Welt jedoch wäre dies eine Katastrophe gewesen, weil die kleineren Nationen ohne Mitwirkung Amerikas auf der weltpolitischen Szene in Furcht und Schrecken leben
müßten, weil dadurch ein Vakuum der Macht entstünde. Dieses Vakuum ist gefüllt.
Die Vereinigten Staaten unterhalten jetzt Beziehungen zur Sowjetunion und
zu den Chinesen, von denen die eine eine Supermacht ist und die anderen das Potential für die Zukunft haben. Es ist dies eine gesunde Beziehung, aber auch eine
Beziehung, in der unsere Stärke stets beibehalten werden muß, bis wir zu einem
gemeinsamen Abkommen über ihre Reduzierung gelangen.
Was nun die Szenerie der Innenpolitik anbetrifft: Ich glaube, die Tragödie
der sechziger Jahre besteht darin, daß so viele Amerikaner - und vor allem so
viele junge Amerikaner - den Glauben an ihr Land, an das amerikanische System
und die Außenpolitik ihres Landes verloren haben. Viele wurden dazu gebracht, zu
glauben, daß sie sich über das schämen müßten, was wir in der Außenpolitik getan haben und in der Welt weiterhin tun, daß wir uns zu schämen hätten über das,
was Amerika alles getan hat.
Viele Amerikaner gewannen den Eindruck, daß dies ein häßliches Land ist,
rassistisch, ohne Mitgefühl für den anderen - und der Grund dafür lag zum Teil
in dem Bestreben

einiger, jeden kleinen Fleck bei uns herauszustellen und ihm

das Aussehen eines Krebsgeschwürs zu geben.
Nun, wir sehen ein: dies isp kein vollkommenes Land. Es gibt vieles, was
falsch ist und der Korrektur bedarf. Aber was ich nun sage, sage ich keineswegs
in chauvinistischem Sinne - ich habe die Welt gesehen und ich kenne keinen jungen

-4-

�jungen Menschen im Ausland, der - wenn er die Möglichkeit hätte - nicht lieber
hier als an irgendeinem anderen Olt leben würde.
Es geht nun meiner Ansicht nach nicht einfach darum, in den Amerikanern wieder einen neuen Stolz in ihr Land zu erwecken - die Mehrzahl der Amerikaner ist
stolz auf ihr Land

Sie sehen ja, wie sie reagieren.

Aber sie müssen dies nicht in dem blinden Glauben tun: "Dies ist mein Land,
ob Recht oder Unrecht, es ist mein Land." Wir wollen, daß sie wissen, warum
dieses Land Recht hat. Um das Gebiet der Außenpolitik zu nehmen: wir wollen das
amerikanische Volk dazu bringen, daß es stolz au,f die Rolle ist, die sein Land
auf außempolitischen Gebiet spielt

Ich glaube, daß die Reisen nach Peking und

Moskau in dieser Hinsicht geholfen haben. Ich glaube, das Volk sah, daß die Vereinigten Staaten führend waren in der Welt im Bemühen um Frieden, und daß wir
die einzigen waren, die dies tun konnten. Sie waren stolz auf ihr Land.
Wir werden auch weiterhin eine Führungsrolle dieser Art übernehmen.
Im eigenen Land werden wir - so glaube ich - etwas von dem in den sechziger
Jahren verlorengegangenen Glauben wiedergewinnen, wenn wir uns auf die Chancengleichheit für alle hinbewegen

die freilich nicht über Nacht kommen wird -

aber wenn wir, wie gesagt, auf sie hinarbeiten, wenn wir uns daran machen, die
Probleme der Umwelt in den Griff zu bekommen, handele es sich nun um reine Luft,
um ein besseres Gesundheitssystem oder um Verbesserungen des Erziehungswesens
- wenn wir auf all diesen Gebieten zu Fortschritten gelangen.
Ich glaube, wir sind von ihrer eigentlichen Frage etwas abgeschweift, aber
worüber wir hier meiner Ansicht nach reden, ist, daß wir in diesem Land Ende der
sechziger Jahre eine sehr große geistige Krise durchgemacht haben; viele haben
den Vietnamkrieg dafür einzig und allein verantwortlich machen wollen. Er aber
bildete nur einen Teil des Problems und in vielen Fällen war er auch eigentlich

-5-

�eigentlich mehr eine Entschuldigung als eine Begründung, Wir erlebten aber jedenfalls einen Zusammenbruch in der, wie ich ganz offen sagen möchte, Führungsschicht dieses Landes.
Ich sage dies nicht tadeln, weil viele ihren Glauben in zahlreiche unserer
Institutionen verloren haben. Da ist beispielsweise dieser gewaltige Trend zur
Nachgiebigkeit, der dann zu der Eskalation der Kriminalität und der Eskalation
des Drogenmißbrauchs in diesem Lande führte - all dies war ein Resultat der
Haltung jener unter uns, die im Grunde die Verantwortung und die Aufgabe der
Führung tragen und nicht erkannten, daß man vor allem eins nicht darf: den Charakter eines Volkes schwächen.
Lassen Sie mich versuchen, es andersherum zu sagen. Eine Frage, die Sie
nicht berührt haben, ist der große Komplex der Rechtsprechung . Ich habe mehrfach gesagt, daß ich auch weiterhin konservative Richter an die Gerichtshöfe berufen werde. Ich werde es. Die Gerichte brauchen sie; sie brauchen Männer wie
Rehnquist und Burger und Blackmun und Powell an den Gerichten - nicht reaktionäre
Richter, sondern konservative Männer, die auf dem Boden der Verfassung stehen,
weil der Trend zu weit in die andere Richtung gegangen ist. Ich will damit nicht
sagen, daß es nicht Richter waren, die das beste wollten, aber ich glaube nicht,
daß das der richtige Trend für dieses Land war, und ich bin der Ansicht, daß wir
diesen Trend auf dem gesamten Gebiet des Re;htsvollzugs umkehren müssen.
Was die Drogen und all das anbetrifft - so werden wir auch hier weiterhin
^in sehr energisches Programm fortsetzen, weil diese ganze Ära der Duldsamkeit
und Nachgiebigkeit hier ihren Einfluß gehabt hatNun meine ich mit dem, was ich gesagt habe, nicht, dai&gt; wir uns zur Reaktion
hinwenden. Ich meine nicht, da.j wir nun in eine Haltung verfallen sollten, die

-6-

�die kein Mitgefühl mit denen hat, die keine Schuld für manche ihrer Probleme
tragen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, daß dieses Land ein neues Gefühl der
Selbstdisziplin will - daß diese Wahl zeigen wird, daß das amerikanische Volk
ein solches neues Gefühl der Selbstdisziplin und Verantwortung will, damit
stark sein wird und nicht zu den Vorstellungen der sechziger Jahre zurückkehren
möchte, nämlich, daß es Aufgabe einer Regierung sein sollte, jedes auftretende
Problem zu lösen und die Bevölkerung mehr und mehr von ihr abhängig zu machen,
so daß diese alL ihren Launen nachgibt.
Das Durcheinander bei der Wohlfahrt ist ein Beispiel. Diese zahlenmäßige
Eskalation bei der Wohlfahrt ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß
etwas geschwunden ist, was ich als Arbeitsethos bezeichne. Ich weiß, daß man es
als reaktionär betrachtet, wenn gesagt wird, die Leute sollten lieber arbeiten
als Wohlfahrtsempfänger werden. Ich weiß auch sehr wohl, daß es Leute gibt, die
nicht arbeiten können und von der Wohlfahrt leben müssen. Aber auf der anderen

Seite geht es bei dieser Wahl mit darum, ob wir noch mehr Geld an die Leute verteilen und die Menschen mehr und mehr von der Regierung abhängig machen sollen,
ihr
i der ob wir sagen sollen, es liegt an Euch selbst. Die Menschen werden/ Teil an
der Last tragen müssen.
Der Durchschnittsamerikaner ist wie das Kind in der Familie. Man überträgt
ihm eine Aufgabe, und es wird etwas aus ihm. Es wird etwas leisten, Macht man es
auf der anderen Seite völlig abhängig, verwöhnt es und gewährt ihm zu viel, dann
wird es weich und verwöhnt und schließlich zu einem sehr schwachen Menschen
Ich möchte das einfach mit folgenden Worten zusammenfassen: Wenn Sie auf die
kommenden vier Jahre blicken - an der innenpolitischen Front und an der internationalen Front - dann wird das eine erregende Zeit sein: International gesehen, weil wir uns nicht, wie unsere Gegner das befürwortet haben, von der Welt
zurückziehen, sondern auf vielen Gebieten weiterhin eine große Rolle in der Welt
spielen werden, da das der einzige Weg ist, den Frieden zu bekommen, von dem wir
sprechen.
Was

-7-

�Was die innenpolitische Front anbetrifft, so wird die Zeit erregend sein,
weil wir die Dinge anders anpacken werden. In der Vergangenheit ist man immer
davon ausgegangen, die meisten Stimmen bringt, wer am meisten verspricht

Mit

anderen Worten, es ging darum, wieviel man versprach, wieviel Geld man für dies
oder jenes Programm zusagte. Dies war der erste Wahlkampf in der Geschichte,
wie man erleben wird, ja vielleicht der ;rste Wahlkampf eines Kandidaten überhaupt, der nicht mit ein i: ^ack voll Versprechungen herumzog.
ich habe mich an mein Programm gehalten und ich habe nicht einen Haufen
neuer Versprechungen gemacht. Das ist ein Fall, wo das amerikanische Volk
zwischen einem Kandidaten zu wählen hatte, der versprach, Milliarden mehr von
seinem (des amerikanischen Volkes) Geld auszugeben, um letztlich, wie es hieß,
ihm (dem Volk) zu helfen, und einem anderen Kandidaten, der erklärte, nein,
wir versprechen nicht, das zu tun; wir versprechen,Euch

die Chance zu geben,

Euch selbst zu helfen.
Das amerikanische Volk wird sich zu diesem Punkt äußern. Unsere Aufgabe
ist es, einen Weg zur Reform unserer Regierungseinrichtungen zu finden, damit dieser neue Geist der Unabhängigkeit, des Selbstvertrauens, des Stolzes,
den ich im amerikanischen Volke spüre, gestärkt wird. Ich glaube, daß dieser
Geist vorhanden ist.
Ich bin mir durchaus darüber im kl ren, daß das, was ich hier gesagt habe,
in vielen Gegenden Washingtons, beim Cocktail Set in Georgetown, einiges Kopfschütteln hervorrufen wird. Diese Leute glauben ernsthaft, daß die Lösung der
Probleme immer in neuen massiven Regierungsprogrammen zu finden sei. Ich bin
völlig anderer Meinung, kri ichmal bedarf es eines neuen Programms. Was wir jedoch heute brauchen, ist nicht mehr Regierung, sondern bessere Regierung. Ich
bin mir darüber im klaren, daß das ein Klischee ist, aber statt mehr soll
besser stehen, und oft ist das bessere nicht das Umfassendere, sondern das
Magerere .
Wir

-8-

�Wir werden einen anderen Weg gehen. Statt daß die Regierung mehr für

das

Volk tut und das Volk immer abhängiger von ihr macht, stehe ich dafür ein,
daß die Regierung Mittel und Wege findet, es dem Volk durch Regierungsprogramme
zu ermöglichei , mehr für sich selbst zu tun; es ermutigt, mehr für sich selbst
zu tun; es nicht nur ermutigt, sondern ihm auch den Anreiz gibt, selbst mehr
für sich zu tun; ohne Hilfe der Regierung.

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46/1972

EBERLE ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK VOR DEM GATT
-Auszüge-

GENF --(AD)-- Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William D. Eberle, hat vor dem GATT die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik dargelegt. Die wichtigsten Teile der Rede Eberles haben
folgenden Wortlaut:
Beseitigung der Zölle
Was den Handel selbst anbetrifft, so bereitet sich meine Regierung gegenwärtig intensiv auf multilaterale Handelsverhandlungen vor.
Wir erwarten von solchen Verhandlungen, daß sie alle Aspekte der Handelsbeziehungen umfassen.
Das GATT hat auf dem Gebiet der Zölle einen äußerst wichtigen Beitrag zur
Handelsliberalisierung geleistet. Die Bedeutung der Zölle hat sich ganz eindeutig während des letzten Viertel Jahrhunderts -gemessen an der bei anderen
Handelshindernissen und Handelsverzerrungen verfolgten Politik - wesentlich verringert. Aber wir dürfen auch die Bedeutung der Zölle nicht unterschätzen, vor
allem in bezug auf das effektive Maß an Schutz, das sie gewähren. Angesichts
des bereits erzielten bedeutenden Fortschritts beim Abbau der Zölle, dürfte die

-1-

�die Zeit bald gekommen sein, da wir ernsthaft mögliche Programme für ihre phasenweise Beseitigung erwägen werden.

Nicht-tarifäre Handelsschranken
Was die Politik auf dem Gebiet der nicht-tarifären Handelsschranken und bei
anderen Handelsverzerrungen anbetrifft, so sollten unseres Erachtens alle Anstrengungen unternommen werden, diese Quellen der Verzerrung und der Reibungen
in den Handelsbeziehungen zu beseitigen. Wo die Ursache des Problems darin zu
suchen ist, daß die nationale Politik und die nationalen Praktiken voneinander
abweichen oder im Widerspruch zueinander stehen, eine Beseitigung der Kontrollen
jedoch nicht im Einklang mit den sozialen Zielen liegt, sollten unseres Erachtens gemeinsame Verpflichtungen auf gemeinsame Regeln und Verfahren angestrebt
werden. Dies würde die Möglichkeit zumindest verringern oder ganz beseitigen,
daß nicht-tarifäre Maßnahmen zur Begünstigung einer Gruppe gegenüber einer anderen oder eines Landes gegenüber einem anderen angewandt werden. Damit würden wir
alle harmonisierten Konzeptionen von dem, was recht und was falsch ist, unterworfen sein.
Landwirtschaft
Unseres Erachtens ist es unbedingt erforderlich, für eine beträchtliche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu sorgen und die
verschiedenen nationalen Werkzeuge der Agrarpolitik, die zu größeren Verzerrungen
und Störungen führen, unter eine internationale Ordnung zu bringen. Die Notwendigkeit einer Reform auf diesem Gebiet ist groß. In den Verhandlungen im Laufe
der Jahre ist es nicht gelungen, eine wesentliche Liberalisierung herbeizuführen. Die GATT-Bestimmungen sind unzulänglich, und wo solche bestehen, haben die

-2-

�die Regierungen sie oft ignoriert oder Wege zu ihrer Umgehung gefunden.
Wenn ich die Landwirtschaft besonders heraushebe, so liegt das daran, weil
diese unseres Erachtens eines der deutlichsten Beispiele dafür ist, welche Gefahren Handelspraktiken bilden, die nicht durch gemeinsam vereinbarte Regeln
kontrolliert werden. Industriestaaten und Entwicklungsländer haben in gleicher
Weise ein grundlegendes Interesse daran, die Stärke ihres Agrarsektors aufzubauen und zu erhalten. Dies sollte jedoch nicht in einer Weise geschehen, die
den Bauern anderer Länder Lasten auferlegt, noch auf eine Weise, die auf lange
Sicht das Streben nach größerer Effizienz der Gütererzeugung der Welt zunichte
macht .

Schutz
Wir werden ferner Wege finden müssen, um eine gewisse Harmonisierung der
verschiedenen nationalen Schutzmaßnahmen zu erreichen, die zu einer Verminderung des internationalen Handelsflusses für begrenzte Zeiträume ergriffen worden sind. Unseres Erachtens sollte ein neues internationales Schutzsystem entwickelt werden, das gemeinsame Verfahren für alle Länder vorsieht, sofern sie
besondere Maßnahmen zur Mäßigung des Tempos der binnenwirtschaftlichen Anpassungen ergreifen, die durch plötzliche Veränderungen der Handelsbedingungen
ausgelöst worden sind. Dies würde es einerseits den Ländern gestatten, spezielle Schutzmaßnahmen in besonderen Fällen durchzuführen, in denen ein Druck von
außen zu beträchtlichen binnenwirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten führt.
Und auf der anderen Seite würde dies sicherstellen, daß durch solche Maßnahmen
benachteiligte Länder gerecht behandelt werden und daß die speziellen Maßnahmen
sich an die vereinbarten Bestimmungen und Zeitpläne halten. Dies würde Möglichkeit und Anreiz geben, um sicherzustellen, daß solche Maßnahmen auf eine
langfristige Anpassung an die sich ändernden Gegebenheiten auf den Weltmärkten
abzielen. Ein multilaterales Schutzsystem, das richtig aufgebaut ist, sollte

�sollte den Prozeß der weltweiten Handelsliberalisierung erleichtern, während
gleichzeitig die Unsicherheit der Zugangsbedingungen zu den Märkten verringert
wird, der sich die Exporteure in bestimmten Erzeugergebieten gegenübersehen
könnten.

Diskriminierung
Schließlich sind wir der Ansicht, daß solche Länder, die im Innern Diskriminierungen gegen ausländische Erzeugnisse sowie überholte Formen des Schutzes,
wie sie unter den Bedingungen einer anderen Zeit noch angebracht waren, aufrechterhalten, jetzt bereit sein sollten, ihre Politik wesentlich zu ändern und sich
mit uns zu gemeinsamen Verpflichtungen zusammenzuschließen.
Wir sind der Ansicht, daß das GATT, wenn wir jetzt Liberalisierung und
Entwicklung neuer Bestimmungen und Verfahren anstreben, als Institution wie
auch als Abkommen über Bestimmungen und Verfahren weiterhin von Wert ist. Trotzdem ist es nunmehr an der Zeit, die Stärke des GATT zu festigen und seine Schwächen zu beseitigen. Es muß anerkannt werden, daß sich seit der Zeit, da die Entwürfe für das GATT erstmals ausgearbeitet wurden, große Änderungen vollzogen haben. Auch innerhalb des GATT haben sich aufgrund täglicher Entscheidungen, oder
gerade weil keine Entscheidungen getroffen wurden, Änderungen vollzogen. Die
Praxis wird zur Regel, wenn sie sich oft genug wiederholt und wenn die Mitgliedstaaten nicht bereit sind, zu den betreffenden Fragen Stellung zu beziehen.
Unseres Erachtens kann es sich das internationale Handelssystem nicht länger leisten, daß wichtige Bestimmungen des Abkommens weitgehend übertreten werden. Es ist daher vordringlich und notwendig, die tägliche Arbeit des GATT zu
beleben und die Verfahren mit dem Blick auf konkrete Entscheidungen anzuwenden.
Wo es für die Vereinigten Staaten zum Beispiel seit langem Importbeschränkungen
gab, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren waren

und sich gegen ihren Handel

�Handel richteten, werden wir jetzt jede einzelne zur Diskussion stellen mit dem
Ziel, eine baldige Übereinkunft über einen Zeitplan für eine Liberalisierung
oder.Kompensierung zu erreichen. Unseres Erachtens sollten wirksame Maßnahmen
in diesen Routinefragen im Rahmen der normalen Arbeit des GATT - ohne Zögern
und politische Reibungen - ergriffen werden.
Es besteht, wie Sie alle wohl wissen, in meinem Lande eine wachsende Besorgnis hinsichtlich einer etwaigen Aushöhlung der Anwendbarkeit des Prinzips
der allgemeinen Meistbegünstigung. Die Praxis, besondere Vereinbarungen auf
einer diskriminierenden Basis auszuhandeln, die auf die spezifischen bilateralen Probleme zwischen zwei Ländern oder Gruppen von Ländern zugeschnitten sind,
läuft unseres Erachtens dem Geist des GATT zuwider und steht auch im Gegensatz
zu den Bestimmungen von Artikel XXIV. Praktisch betrachten wir dies als eine
eindeutige Bedrohung der Vorstellungen von einem gerechten Wirtschaftssystem,
für das es nur eine Welt gibt und das von denen so stark hervorgehoben worden
ist, die direkt von einer monetären Reform betroffen werden. Wir teilen die
wachsende Besorgnis, daß die Ereignisse uns in eine Aufspaltung der Welt in
Blöcke oder fest abgeschlossene Einflußsphären hineinzwingen werden.
Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des GATT hat es
das GATT vermieden, darüber zu beschließen. Die Praxis, Sondervereinbarungen
auszuhandeln, ist jetzt in den Beziehungen mit der

Europäischen Gemeinschaft

weitverbreitet. Was bedeutet allgemeine Meistbegünstigung jedoch? Gilt sie
nur wahlweise für bestimmte Länder?
Ich könnte das noch fortsetzen. Die Liste würde dann Probleme der Unzulänglichkeit und der Nichteinhaltung von Bestimmungen in der Landwirtschaft,
die Anwendung von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzzwecken, Subventionen und
restriktive Schutzmaßnahmen einschließen. Ich könnte Bereiche nennen, wo der
Handel durch nationale Politik beeinflußt wird, aber die Bestimmungen für die

-5-

�die Bewältigung der aufgeworfenen Probleme nicht ausreichen. Hierunter fallen
die Beschaffungspolitik, administrative Maßnahmen, Innen-und regionale Politik.
Diese Probleme betreffen in der einen oder anderen Weise alle Mitgliedstaaten.
Bei der Vorbereitung von Handelsverhandlungen in den kommenden Monaten werden wir in Konsultationen den Rat unserer Handelspartner suchen, sowohl der
Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer. Wir hoffen, sie werden das
gleiche tun, so daß man die Verhandlungen wirklich als eine gemeinsame Initiative zum gemeinsamen Wohl betrachten kann. Wir werden in diesem Zusammenhang sorgfältig die Ansichten der Regierungen der Entwicklungsländer über die Rolle studieren, die ihnen vorschwebt. Multilaterale Handelsverhandlungen sind für ihre
Interessen von entscheidender Bedeutung. Auf den Handel entfallen 75 bis 80 Prozent ihrer Devisenquellen. Wege zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei
ihren Verhandlungen und Verfahren zur Hinzuziehung von Ländern, die gegenwärtig
nicht dem GATT angehören, sollten in den kommenden Monaten sehr sorgfältig ausgearbeitet werden.
Ja, wir rechnen damit, daß die Probleme der Entwicklungsländer einen wichtigen Punkt der Vorbereitungsgespräche bilden werden, die unseres Erachtens geführt werden müssen.
Bei der Vorbereitung der Verhandlungen sollten Unterschiede zwischen den
Volkswirtschaften der Industriestaaten und der Entwicklungsländer gebührend berücksichtigt werden. Der Gesamtrahmen für die Verhandlungen sollte sicherstellen, daß die tatsächlichen Ergebnisse - was den Handel anbetrifft - die Möglichkeiten für den Zugang der Exporte der Entwicklungsländer zu den Märkten der Industriestaaten verbessern.
Meine

-6-

�Meine Regierung kennt das große Interesse der Entwicklungsländer und auch
das allgemeine Präferenzsystem. Wir werden eine legislative Ermächtigung zur
Ausweitung solcher Präferenzen anstreben. Die Tatsache sollte nicht übersehen
werden, daß auch ohne Präferenzen in der Zeit von 1%2 bis 1969 die Hälfte der
Fertigwarenimporte der Entwicklungsländer aus den Industriestaaten auf die Vereinigten Staaten entfiel.
Wir haben diesen Punkt offen gelassen in der Hoffnung, daß die Europäische
Gemeinschaft und die ihr beitretenden Länder uns eine umfassendere Darlegung
ihrer Ansichten geben werden, damit wir festlegen können, wie die Prüfung am
besten beschleunigt werden kann. Wir begrüßen die Erklärung des Sprechers der
erweiterten Gemeinschaft, daß die Verhandlungen über Artikel XXIV Absatz 6 bald
aufgenommen werden können. Die Arbeitsgruppe für die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft sollte die Ergebnisse der Verhandlungen genau verfolgen, ihren
Fortschritt von Zeit zu Zeit überprüfen und den Teilnehmerstaaten bei der Ausräumung etwa sich ergebender Schwierigkeiten helfen. Es wäre wünschenswert gewesen,
wenn diese Verhandlungen vor dem 1. Februar 1973 hätten abgeschlossen werden
können, wenn die beitretenden Länder die Bestimmungen des Beitrittsabkommens
anzuwenden beginnen. Ohne uns irgendwelcher Rechte auf Konzessionen zu begeben,
die gebrochen werden könnten, sind wir uns darüber im klaren, daß Neuverhandlungen
nicht vor dem 1. Februar abgeschlossen werden können. Unseres Erachtens sollten
die Verhandlungen im Februar beginnen und bis zu den Ferien im August abgeschlossen sein. Daher muß jetzt ein fester Termin für einen Beginn im Februar festgelegt werden, der für alle Mitgliedsstaaten fair ist, die Vorkehrungen treffen
müssen, damit das für die Verhandlungen benötigte Personal rechtzeitig in Genf
ist. Es müssen konkrete Ergebnisse erreicht werden.

-7-

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45/1972

USA LEHNEN GEGENPRÄFERENZEN NACHDRÜCKLICH AB
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -

WASHINGTON --(AD)-- Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft hat am 6. und
7. November in Brüssel die beabsichtigte Handelspolitik der Gemeinschaft gegenüber den Mittelmeerländern erörtert. Noch vor dieser Tagung hatten die Vereinigten Staaten den Mitgliedern der E,WG gegenüber ihre Besorgnis zu einem
Aspekt der beabsichtigten Handelspolitik - den Gegenpräferenzen - zum Ausdruck
gebracht.
Die Vereinigten Staaten halten Gegenpräferenzen aus zwei Gründen für untragbar. Derartige Vereinbarungen ermöglichen die Einfuhr von Fertigerzeugnissen
aus der EWG in bestimmte Entwicklungsländer zu niedrigeren Zollsätzen, als sie

für Drittländer gelten. Gegenpräferenzen sind somit nach Auffassung der USA diskriminierend für die Exporteure anderer Länder.
Amerikanische Regierungskreise pflichten dem zwar bei, daß die Entwicklungsländer ein legitimes Recht auf Handel haben und auch für ihre Fertigerzeugnisse
besonderen Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erhalten sollten. Eine
gesunde Volkswirtschaft in diesen Ländern ist zu einem erheblichen Teil vom
Außenhandel und den Absatzmärkten abhängig. Gegenpräferenzen begünstigen je-

-1-

�jedoch nicht die Entwicklungsländer, sondern die Industriestaaten Europas und
richten sich gegen die Exportinteressen dritter Länder - Industriestaaten wie
auch Entwicklungsländer. Zum Beispiel stehen die Vereinigten Staaten und andere
Industriestaaten, wie auch bestimmte Entwicklungsländer, bei zahlreichen Fertigerzeugnissen, Werkzeugmaschinen, Chemikalien und elektronischen Erzeugnissen
und bei Halbzeugen in einem scharfen Wettbewerb mit der EWG. Einzeln ausgehandelte Gegenpräferenzen mit Industriestaaten dienen nur dazu, den europäischen Erzeugnissen einen unfairen Vorteil zu verschaffen und die Märkte gegenüber der
Konkurrenz abzuschirmen. Und die Besorgnisse der Drittländer sind umso verständlicher, wenn man bedenkt, daß die Märkte für solche Erzeugnisse in den Entwicklungsländern sich noch mehr ausweiten werden, so daß die Diskriminierungen in
den kommenden Jahren eher größer als kleiner werden. Aber auch die zahlreichen
Entwicklungsländer, die nicht der Europäischen Gemeinschaft angehören oder mit
ihr assoziiert sind, werden ihren Export an Fertigerzeugnissen laufend ausweiten. Und diese Länder werden sich dann ebenfalls diskriminierenden Zollsätzen
gegenübersehen.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Ansicht, daß Gegenpräferenzen ein
Hindernis für eine gesunde Entwicklungspolitik in den Entwicklungsländern selbst
darstellen. Wenn ein solches Land von Gegenpräferenzen abgeht, dann kann es
freier unter den Fertigerzeugnissen aller Länder wählen. Der freie Wettbewerb,
und auf lange Sicht niedrigere Preise und ein breiteres Warenangebot auf den
Binnenmärkten, werden damit gewährleistet. Nach Ansicht amerikanischer Regierungskreise sind zahlreiche Entwicklungsländer längst nicht so glücklich über
die Gegenpräferenzen,wie dies die Europäer vielleicht glauben mögen. Mehrere
Länder haben darauf hingewiesen, daß sie die Vereinbarungen über Gegenpräferenzen zwar nicht gut heißen, jedoch glauben, daß sie sie annehmen mußten, um die
Finanzhilfe und die Vorzugszölle zu erhalten, die sie auf den europäischen Märkten brauchen.
Aber

-2-

�Aber auch unter den Entwicklungsländern ergeben sich Probleme. Einige stellen fest, daß sie Gegenpräferenzen akzeptiert haben, während ihre Nachbarn dies
nicht getan haben. Die Folge ist, daß die ersteren beim Import von industriellen
Erzeugnissen an die Länder der EWG gebunden sind, während ihre Nachbarn zwar bevorzugten Zugang zu dem EWG-Markt erhalten haben, ohne daß sie aber den Preis
von Gegenpräferenzen zahlen mußten.
Die Vereinigten Staaten sind besonders besorgt über die ständige Ausweitung
der Zahl solcher Präferenzabkommen, die die Grundlagen des Allgemeinen Zoll-und
Handelsabkommens (GATT) untergraben. So besagt Artikel I des GATT, der grundlegend für das Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung ist, "...alle Vorteile,
Vergünstigungen, Vorrechte oder Befreiungen, die eine Vertragspartei für eine
Ware gewährt, welche aus einem anderen Land stammt oder für dieses bestimmt ist,
werden unverzüglich und bedingungslos für alle gleichartigen Waren gewährt, die
aus Gebieten der anderen Vertragsparteien stammen oder für diese bestimmt sind."
Das grundlegende Ziel der allgemeinen Meistbegünstigung ist es, diskriminierende
Handelsschranken gegen Erzeugnisse anderer Vertragsparteien zu beseitigen. Und
gerade dieses Prinzip wird nach Ansicht der Vereinigten Staaten durch die Präferenzabkommen gefährdet. Demgegenüber ist die Europäische Gemeinschaft der Auffassung, daß Präferenzabkommen und Gegenpräferenzen mit dem GATT zu vereinbaren
sind und zwar nach Artikel XXIV, der Freihandelszonen als Ausnahme zuläßt. Die
wachsende Zahl solcher Abkommen über Präferenzen und Gegenpräferenzen bedeutet
jedoch, daß die Ausnahme zur Regel wird, widerspricht also dem Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung und benachteiligt Drittländer. Das Vorgehen der EWG
muß also der amerikanischen Öffentlichkeit als Versuch erscheinen, für die europäischen Erzeugnisse einen großen Präferenzmarkt zu schaffen. Nach Ende der
Übergangsperiode werden die Erzeugnisse der EWG-Länder zollfrei oder zu Vorzugszöllen Zugang zu den Märkten zahlreicher Entwicklungsländer haben. Bei Importen
aus Drittländern werden dagegen die in diesen Ländern geltenden höheren Zölle
angewandt.
Zwischen

3-

�Zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft besteht grundlegende Übereinstimmung darüber, daß den Entwicklungsländern Handelsvorteile und Wirtschaftshilfe gewährt werden sollten. Die Amerikaner können
zwar die historischen und geographischen Bande akzeptieren, die zwischen den
europäischen Ländern und zahlreichen Entwicklungsländern besondere Beziehungen
geschaffen haben. Es wäre jedoch unmöglich, die amerikanische Öffentlichkeit
und den amerikanischen Kongreß davon zu überzeugen, daß Gegenpräferenzen für
eine gesunde Entwicklungspolitik notwendig und für Drittländer nicht diskriminierend sind. In den Vereinigten Staaten hinterlassen die Gegenpräferenzen
den Eindruck, daß die Europäische Gemeinschaft einen Präferenzhandelsblock für
europäische Waren errichtet. Amerikanische Regierungskreise sind der Auffassung,
daß die europäischen Länder die nachteilige

psychologische und politische Wir-

kung von Gegenpräferenzen auf die amerikanische Öffentlichkeit nicht genügend
berücksichtigen, die das Klima der Zusammenarbeit nachteilig beeinflussen könnten, das für einen Erfolg der bevorstehenden Verhandlungen über Währungs-und
Handelsreformen erforderlich ist.

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APOLLO 17:

46/1972

BIOLOGISCHE EXPERIMENTE
Von G.Weiss

--(AD)i-- Die drei Astronauten Eugene Cernan, Ronald Evans und Dr. Harrison
Schmitt sind nicht die einzigen Passagiere an Bord des APOLLO 17-Raumschiffes. Sie fliegen in Gesellschaft von einem halben Dutzend winziger
Mäuse und rund einer Milliarde von Mikroorganismen sowie Keimwurzeln und
Samen verschiedener Pflanzen. Allerdings wird davon, nichts zur Mondoberfläche transportiert. Sie verbleiben während der ganzen Dauer des Fluges an
Bord der AMERICA, wie kürzlich das APOLLO 17-Team das Mutterschiff taufte.
Bei den sechs Mäusen handelt es sich um eine Spielart der Taschenspringmaus, Gattungsname: Perognathus Lingotnembris. Die Mäuseart wurde deshalb ausgewählt, weil diese Tierchen sehr widerstandsfähig, genügsam und besonders leicht sind. Keines wiegt mehr als neun Gramm. Sie trinken kein Wasser.
Vielmehr beziehen sie die Flüssigkeit, die sie benötigen, aus Samenkörnern
- und davon werden sie auf dem 13-Tage-Flug genug zur Verfügung haben. Jede
Maus .

. lebt in einer eigenen Kapsel, in der sie sich wohl fühlen kann. Die

Kapseln sind in einen Kanister mit eigenem Sauerstoffversorgungssystem eingeschlossen, so daß sich die Astronauten nicht um die Mäusegesellschaft zu kümmern
brauchen. Den Tieren ist am Kopf ein winziger Detektor implantiert, der

-i-

�der kosmische Strahlenpartikel registriert. Nach der Rückkehr zur Erde werden die
Wissenschaftler zunächst die in Schichten konstruierten Detektoren

auf Kernspu-

ren prüfen, die energiereiche Strahlenpartikel beim Durchschlagen der Schichten
erzeugt haben. Einige der Mäuse werden über gewisse Zeit auf mögliche Sehschädigungen oder Reaktions-und Verhaltensveränderungen gründlich beobachtet, während
man bei den anderen sofort die Gehirnzellen auf Schädigungen untersucht, die
vielleicht unter der Einwirkung des Bombardements schwerer Kerne entstanden.
Noch weiß man viel zu wenig über das Phänomen der Zellschädigung, insbesondere der Schädigung von Nervenzellen, um Flüge von längerer Dauer - etwa über
mehrere Monate oder gar Jahre •• planen zu können. Das für 1973 vorgesehene Projekt SKYLAB dürfte hierzu erste ausführliche Informationen bringen; während die
Aufenthaltsdauer der jeweils drei Mann Besatzung im Weltraum von zunächst 28 Tagen beim zweiten und dritten Flug auf 56 Tage ausgedehnt werden soll, wird eine
Anzahl biologischer Präparate monatelang der Korpuskelstrahlung • jsgesetzt sein.
Für die Berichte von Astronauten, bei Flügen im Weltraum selbst bei abgedunkelter Kabine oder bei geschlossenen Augen Lichtblitze wahrgenommen zu haben,
fand die Wissenschaft inzwischen eine Erklärung. Man konnte durch Experimente
nachweisen, daß es sich bei diesen "Blitzen" um physiologische Reaktionen handelt^
die beim Durchgang energiereicher kosmischer Strahlenpartikel durch die Netzhaut
des Auges ausgelöst werden.
Die Raumfahrtbehörde NASA versucht gegenwärtig durch Experimente aller Art,
diesem Phänomen und der Art wie dem Ausmaß der biologischen Auswirkungen energiereicher Strahlung aus dem Kosmos nachzugehen. Deshalb kommt den beim Flug
APOLLO 17 mitreisenden Mikroorganismen und biologischen Materialien besondere Bedeutung zu. Die Versuchsanordnung, die in einem kleinen Kanister hermetisch abgeschlossen ist,trägt die Bezeichnung BIOSTACK II. Sie wurde unter der Leitung
von Dr. Horst Bücker von der Universität Frankfurt entwickelt und soll helfen,

-2-

�helfen, die Untersuchungen fortzuführen, die Dr. Bücker mit BIOSTACK I, einer
"Beiladung" für APOLLO 16, so erfolgreich begann.
Bei der Auswertung von BIOSTACK I hat sich u.a. herausgestellt, daß die
Entwicklungs-und Fortpflanzungsfähigkeit eines Teiles der Organismen und biologischen Materialien, zu denen z.B. Kressesamen, Krebseier, Bakterien und
Bakteriensporen gehörten, durch die Strahleneinwirkung beeinträchtigt worden
war. Inwieweit die Weltraumstrahlung, gegen die das Leben auf der Erde durch
die Lufthülle weitgehend geschützt ist, Mutationen hervorzurufen vermag, ist
eine Frage, zu deren Beantwortung BIOSTACK II manches beitragen kann.

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46/1972

"KÜNSTLICHES

WETTER" IST MELDEPFLICHTIG

—(AD)-- Am 1 November 1972 trat in den USA eine Verordnung in Kraft, derzufolge alle Versuche zur Wetterbeeinflussung innerhalb der Vereinigten Staaten und in «merikanischen Territorien dem US-Handelsministerium gemeldet werden müssen. Durch Regierungsverordnung sollen künftig auch die Behörden, die
sich mit solchen Unternehmungen befassen, in diese Meldepflicht einbezogen werden .
Wie Donald F, Moore von der für die Meldungen zuständigen Bundesbehörde
für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) erklärte, soll damit in keiner
Weise ein Eingriff in Projekte zur Wetterbeeinflussung oder deren technische
Bewertung verbunden sein. Vielmehr gehe es z.B. darum, an zentraler Stelle
Daten über Art und Zweck solcher Vorhaben zu sammeln, welche dann wiederum
den Spezialisten, die sich mit derartigen Projekten befassen, zur Verfügung
stünden. Das Verfahren trage dazu bei, Doppelarbeit und, was unter Umständen
sehr wichtig sein kan• , regionale Überschneidungen in der Auswirkung einzelner
Projekte zu vermeiden. Die NOAA wird in Jahresberichten Zusammenfassungen der
entsprechenden Unterlagen veröffentlichen. Über die einruinon Projekte zur

-l-

�zur Wetterbeeinflussung sollen vor, während und nach dem Versuch Mitteilungen an
die NOAA mit Zwischenberichten und ausführlichen Berichten über die Resultate
gegeben werden.
Unter Wetterbeeinflussung werden alle Aktionen verstanden, mit denen künstliche Veränderungen von Vorgängen in der Atmosphäre, deren

Zusammensetzung und

Dynamik erreicht werden sollen - beispielsweise Impfen von Wolken und Nebelmassen, Nebelauflösung oder Beeinflussung von Luftströmungen unter Feuer-oder Hitzeeinwirkung, Freisetzen von Gasen, Staubpartikeln, Flüssigkeiten oder Aerosolen,
um die Strahlungsbilanz zu verändern, und Besprühen und Bestäuben von Land oder
Wasseroberflächen(auch mit Farben oder anderen Materialien), Freisetzen elektri. ch
geladener oder radioaktiver Partikel oder Ionen in der Atmosphäre, Anwendung von
Druck-und Schallwellen, Erzeugung von Luftbewegung durch Propeller oder Strahltriebwerke, Verwendung von Laserlicht oder anderen Quellen elektromagnetischer
Strahlung.

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46/1972

SONDERSTIPENDIEN FÜR AUSBILDUNG VON KREBSSPEZIALISTEN

--(AD)-- Mit einem neu aufgenommenen Stipendienprogramm will das "Nationale
Krebsforschungsinstitut", eine Abteilung der Medzinischen Bundesforschungsan •
stalten der USA in Bethesda (Maryland), Assistenzärzten, jungen praktischen
Ärzten und Zahnärzten Gelegenheit geben, sich zusätzlich auf eines der Gebiete der Krebskrankheiten zu spezialisieren. Man hofft, auf diese Weise mehr
Ärzte als bisher außerhalb der Klinik-und Forschungszentren mit dem Rüstzeug
von Spezialisten zu versehen und sie dafür zu gewinnen, an der Früherkennung,
Behandlung und Verhütung von Krebserkrankungen mitzuwirken.
Die Sonderausbildung, die bis zu drei Jahre dauern kann, wird in Kliniken
absolviert, die einen besonderen Ruf als Diagnose-und Behandlungszentren für
Krebskranke haben. Die Stipendiaten brauchen sich dabei nicht auf amerikanische
Institutionen zu beschränken, sondern können sich auch um einen Studienplatz
im Ausland bewerben.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine politische Absichterklärung Präsident Nixons&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondeten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Biologische Experimente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten</text>
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I

Information
und
Dokumentation

1

United States Information Service

30

15. November 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter appelliert in der Energiefrage an das amerikanische Volk
- Wortlaut der Ansprache vom 8. November 1977 -

US-Verteidigungsminister erläutert Positionen der Carter-Administration
- Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC -

Um Über/endung von
Belegexemplaren uiifd
gebeten

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service

15. November 1977

30

CARTER APPELLIERT IN DER ENERGIEFRAGE AN DAS AMERIKANISCHE VOLK
- Wortlaut der Ansprache vom 8. Nov. 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 8. November 1977 in
einer Rundfunk- und Fernsehansprache an das amerikanische Volk für sein
Energieprogramm geworben, das er dem Kongreß unterbreitet hat.

Carter warn-

te erneut nachdrücklich vor einer weiteren Steigerung der amerikanischen
Erdöl einfuhren, da diese nicht nur die Abhängigkeit der USA auf dem Energiesektor verstärkten, sondern auch Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten
gefährdeten.

Der Präsident erwähnte die Verschiebung seiner großen Auslands-

reise wegen der Debatte im Kongreß über sein Energieprogramm und wies darauf
hin, daß andere Länder diese Entwicklung mit großem Interesse verfolgten.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor über sechs Monaten - im April - habe ich zu Ihnen über die Notwendigkeit einer nationalen Politik zur Bewältigung unserer gegenwärtigen und
künftigen Energieprobleme gesprochen, und am nächsten Tag habe ich meine Vorschläge dem Kongreß unterbreitet.
Der

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�i

Der Kongreß hat die Dringlichkeit dieses Problems erkannt und hat einige
der komplexesten und schwierigsten Entscheidungen angepackt, die zu treffen
eine gesetzgebende Körperschaft je aufgerufen war.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß haben wir jetzt ein neues Energieministerium geschaffen, an dessen Spitze Minister Schlesinger steht.

Wir

sind damit jetzt in der Lage, die neue Energiegesetzgebung administrativ zu
verwirklichen, und die Behandlung des nationalen Energieplans im Kongreß hat
jetzt das Endstadium erreicht.
In der vorigen Woche hat der Senat seine Fassung des Gesetzeswerkes
an den Vermittlungsausschuß überwiesen, wo Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats jetzt die Unterschiede in den jeweils verabschiedeten
Fassungen bereinigen werden.

Hier wird sich in den nächsten Wochen die

Stärke und der Mut unseres politischen Systems beweisen müssen.
Die Entscheidungen, vor denen die Mitglieder des Kongresses stehen,
sind nicht leicht. Wenn sie einen wirksamen und fairen Plan verabschieden
wollen, dann werden sie unsere Unterstützung und unser Verständnis brauchen
- Ihre Unterstützung, um den Forderungen einiger weniger nach Begünstigung
auf Kosten unser aller zu widerstehen, und Ihr Verständnis, daß es keinen
wirksamen Plan geben kann, ohne daß wir alle gewisse Opfer bringen.
Heute abend, an diesem entscheidenden Zeitpunkt, möchte ich erneut betonen, warum es so wichtig ist, daß wir über einen Energieplan verfügen, und
was wir als Nation aufs Spiel setzen, wenn wir uns scheuen und zögern, diese
Aufgabe zu bewältigen. Es ist von entscheidender Bedeutung, daß Sie sich
darüber im klaren sind, wie ernst diese Herausforderung ist.
Mit jedem Monat, der verstrichen ist, wurden unsere Energieprobleme
immer schlimmer.

In diesem Sommer haben wir mehr öl und Benzin verbraucht

als jemals zuvor in unserer Geschichte.
aus anderen Ländern.

Und immer mehr unseres Öls kommt

Allein seit April haben uns unsere ölimporte 23 Mil- 2 -

*

�Milliarden Dollar gekostet - d.h. ausländisches öl im Werte von 350 Dollar
für die typische amerikanische Familie.
Vor einigen Wochen hat mir in Detroit ein arbeitsloser Stahlarbeiter
etwas gesagt, was das zum Ausdruck bringen dürfte, was viele von Ihnen fühlen.

"Herr Präsident", so sagte er, "mir liegt nicht viel daran, über Ener-

gie und Außenpolitik zu sprechen.

Ich mache mir Sorgen, von was ich leben

soll ... Ich kann mir nicht viel Sorgen um andere Dinge machen, wenn ich
eine zehnjährige Tochter großziehen muß und keinen Arbeitsplatz habe.

Und

ich bin 56 Jahre alt."
Ich kann ihm gut nachfühlen, aber ich muß Ihnen die Wahrheit sagen, und
die Wahrheit ist, daß Sie nicht über Ihre wirtschaftlichen Probleme heute
oder in Zukunft reden können, wenn Sie nicht von Energie sprechen.
Lassen Sie mich versuchen, das Problem in seinem ganzen Umfang und seiner
ganzen Auswirkung darzustellen:

Unsere Farmer sind die größten Exporteure

landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die die Welt je gekannt hat, aber wir brauchen gegenwärtig alle Nahrungsmittel und Fasern, die wir in zwei Jahren exportieren, um gerade die Erdöleinfuhren für ein Jahr bezahlen zu können - mit
rund 45 Milliarden Dollar.
Diese übermäßige Einfuhr von ausländischem öl ist ein gewaltiger und
rasch zunehmender Aderlaß für unsere Volkswirtschaft.

Sie schadet jeder

amerikanischen Familie.
Sie verursacht Arbeitslosigkeit.

Jede Zunahme der ölimportkosten um

5 Milliarden Dollar kostet uns etwa 200 000 amerikanische Arbeitsplätze.
kostet uns Investitionen in die Wirtschaft.

Gewaltige Beträge amerikanischer

Vermögen bleiben nicht mehr in den Vereinigten Staaten, um unsere Fabriken
zu bauen und uns ein besseres Leben zu ermöglichen.
Sie
- 3 -

Sie

�»

Sie macht es schwerer für uns, unseren Bundeshaushalt auszugleichen
und die für unsere Bevölkerung notwendigen Programme zu finanzieren.
bringt unseren Handel mit anderen Ländern ins Ungleichgewicht.

Sie

In diesem

Jahr werden sich, hauptsächlich wegen des Öls, unsere Einfuhren auf mindestens
25 Milliarden Dollar mehr belaufen als der Wert aller amerikanischen Güter,
die wir in Übersee verkaufen.
Sie treibt die internationalen Energiepreise in die Höhe, weil die übermäßige Einfuhr von öl durch die Vereinigten Staaten es den ausländischen Produzenten erleichtert, ihre Preise zu erhöhen.

Sie nährt einen starken in-

flationistischen Druck in unserer Wirtschaft.
•

Wenn dieser Trend anhält, dann könnte die übermäßige Abhängigkeit von
ausländischem öl selbst die Sicherheit unseres Landes in zunehmendem Maße
von unsicheren Energiequellen abhängig machen.
mehr ab, als nur von unseren Streitkräften.

Unsere Sicherheit hängt von

Sie hängt auch von der Stärke

unserer Wirtschaft, von unserem nationalen Willen und von der Fähigkeit der
Vereinigten Staaten ab, unsere Außenpolitik als freie und unabhängige Nation
zu betreiben.

Amerika ist draußen in der Welt nur so stark, wie es im eigenen

Lande ist.
-

Der Außenminister hat kürzlich erklärt, "Der gegenwärtige Mangel an
garantierten Energiequellen ist die sicherlich größte Bedrohung ... unserer
Sicherheit und der unserer Verbündeten."
Ich habe gestern nach sorgfältiger Überlegung die Verschiebung einer
großen Auslandsreise bis nach Weihnachten bekanntgegeben wegen der überragenden Bedeutung der Entwicklung eines wirksamen Energieplanes in diesem
Jahr.

Ich habe keinen Zweifel, daß ich die richtige Entscheidung getroffen

habe, denn die anderen Nationen der Welt - Verbündete und Gegner gleichermaßen - warten mit großem Interesse und großer Besorgnis auf unsere Energieentscheidung.
Warum
- 4 -

t

�Warum haben wir als der Welt größter Produzent von Kohle, öl und Erdgas dieses Problem mit der Energie, und warum ist es so schwer zu lösen?
Ein Problem besteht darin, daß der Preis aller Energie in die Höhe geht,
einmal weil sie immer knapper wird, und zum andern weil der ölpreis nicht
auf einem freien, vom Wettbewerb bestimmten Markt festgelegt wird.

Der Welt-

preis wird von einem ausländischen Kartell - den Regierungen der sogenannten
OPEC-Staaten - festgelegt.

Dieser Preis liegt heute fast fünfmal so hoch wie

im Jahre 1973.
Unser größtes Problem ist jedoch, daß wir einfach zu viel Energie verbrauchen - und verschwenden. Unsere Einfuhren haben sich während der letzten
zehn Jahre mehr als verdreifacht. Obwohl alle Länder mehr tun könnten, sind
wir doch die größten Sünder. Seit dem großen Preisanstieg im Jahre 1973 haben die Japaner ihre Ulimporte beschnitten; die Deutschen, die Franzosen, die
Briten und die Italiener - sie alle haben ihre öiimporte verringert. Wir indessen haben - obwohl wir über große eigene ölvorräte verfügen - unsere öleinfuhren um mehr als 40 Prozent gesteigert.
Dieses Problem kam ganz plötzlich auf uns zu.

Vor zehn Jahren, als das

ausländische öl noch sehr billig war, importierten wir nur 2,5 Millionen
Barrel öl am Tag - etwa 20 Prozent unseres Verbrauchs.
portierten wir etwa 30 Prozent.

Im Jahre 1972 im-

In diesem Jahr, wo das ausländische öl sehr

teuer ist, führen wir nahezu 9 Millionen Barrel öl pro Tag ein - fast die
Hälfte des gesamten Öls, das wir verbrauchen.

Wenn wir nicht rasch handeln,

werden die Importe weiter steigen, und alle soeben von mir beschriebenen Probleme werden sich noch vergrößern.
Wir müssen drei Dinge tun, wenn wir diese Gefahr vermeiden wollen:
Erstens, wir müssen den Verbrauch drosseln; zweitens, wir müssen von öl und
Gas zu anderen Energiequellen gelangen und drittens, wir müssen die Energieerzeugung in den Vereinigten Staaten fördern. Das sind die Ziele der neuen
Energiegesetzgebung.
Um
- 5 -

�Um Energie einzusparen, ergreift der Kongreß gegenwärtig Schritte, um
unsere Automobile, unsere Heime und Geräte leistungsfähiger zu machen und um
unsere Industrie zu ermutigen, sowohl Wärme als auch Elektrizität zu sparen.
Der Vermittlungsausschuß des Kongresses erörtert gegenwärtig Änderungen
mit dem Ziel, die Stromtarife so anzusetzen, daß Verschwendungen vermieden
und diejenigen belohnt werden, die weniger Energie verbrauchen, und daß zu
einem Energieverbrauch in jenen Tagesstunden übergegangen wird, in denen die
Nachfrage gering ist.
Eine weitere wichtige Frage, vor die sich der Kongreß gestellt sieht,
ist, wie der steigende Marktpreis für einheimisches öl die Kosten für seinen
Ersatz reflektieren soll, während gleichzeitig der amerikanische Verbraucher
sowie unsere Wirtschaft geschützt werden.
Wir müssen einer unangenehmen Tatsache hinsichtlich der Energiepreise
ins Auge sehen.

Sie steigen, ob wir ein Energieprogramm verabschieden oder

nicht, weil der Brennstoff knapper und teurer produziert wird.

Die Frage ist,

wer von den steigenden Preisen für jenes öl profitiert, das bereits erschlossen ist.

Unser Energieplan erfaßt und lenkt diese Profite an die Öffentlich-

keit zurück, wo sie die Wirtschaft fördern, mehr Energie sparen helfen und
neue Arbeitsplätze schaffen können.
Wir werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte nutzen sowie steuerliche
Anreize, Strafen und die entsprechenden Ausführungsbestimmungen anwenden, um
die Verlagerung vom öl und vom Erdgas auf Kohle, Wind- und Sonnen- und geothermische Energie, auf Methan sowie auf andere Energiequellen zu beschleunigen.
Wir haben ferner Anreize für die Förderung der öl- und Erdgasproduktion
hier in unserem eigenen Lande vorgeschlagen, und der Kongreß prüft sie gegenwärtig.

Hier entsteht eine weitere größere Kontroverse.

�Es ist wichtig, daß wir neue öl- und Erdgasvorkommen sowie eine gesteigerte Produktion bei angemessenen Preisen für die Erzeuger fördern.
Wir haben vorgeschlagen, daß der Preis für neues Erdgas jedes Jahr dem
Durchschnittspreis für einheimisches öl angepaßt wird, das die gleiche Menge
an Energie produzieren würde.

Aufgrund dieser neuen Politik würde das Brutto-

einkommen der Erdgasproduzenten um durchschnittlich rund 2000 Dollar pro Jahr
höher liegen als bei dem gegenwärtigen Preisstand.
Die neuen ölpreise würden ferner in drei Jahren auf das derzeit in der
Welt gehaltene Niveau steigen und dann inflationsausgleichend erhöht werden.
Dieser Anreiz für eine neue öl Produktion würde der höchste in der ganzen Welt
sein.
Diese Vorschläge würden auch einen angemessenen Anreiz für die Erschliessung einheimischer Öl- und Erdgaslager und ihre Produktion bieten, aber einige
öl gesell Schäften wollen viel mehr, - zig Milliarden Dollar mehr.

Sie wollen

stark erhöhte Preise für "altes" öl und Erdgas - da; heißt für Energiequellen,
die bereits entdeckt und genutzt wurden.

Sie wollet eine sofortige und stän-

dige Aufhebung der Preisregulierung für Erdgas, was die Verbraucher von jetzt
bis zum Jahre 1985 siebzig Milliarden Dollar oder meh&gt; kosten würde.

Sie wol-

len für "neues" öl und Erdgas sogar noch höhere Preire als die von uns vorgeschlagenen; sie wollen die höheren Preise noch rascher, und sie fordern
niedrigere Steuern für ihre Gewinne.
Es sind dies sehr kontroverse Fragen, und die Debatten im Kongreß sind
heftig. Der politische Druck ist groß, weil viel auf «m Spiele steht. Wir
sollten die einzelnen und die Gesellschaften, die neueirdgas- und Ölvorkommen
entdecken und sie erschließen, belohnen, aber wir dürfei ihnen nicht riesige
Spekulationsgewinne (windfall profits) bei ihren schon Erschlossenen Quellen
auf Kosten des amerikanischen Volkes verschaffen.

Der

�Der Energieplan, den ich dem Kongreß im April dieses Jahres vorgelegt
habe, enthält drei Grundelemente, die gewährleisten, daß er wohl ausgewogen
ist.

Erstens, er ist fair sowohl den amerikanischen Verbrauchern wie den

Energieproduzenten gegenüber und bringt unserer Volkswirtschaft keinen Schaden.

Zweitens, er ist darauf abgestellt, unseren wichtigen Zielen für die

Energieeinsparung gerecht zu werden, eine Verlagerung auf reichlicher vorhandene und beständige Energiequellen zu fördern und die Energieerzeugung in den
Vereinigten Staaten zu steigern, und drittens er bewahrt unseren Bundeshaushalt vor unsinnigen finanziellen Belastungen.
Dies sind die drei Normen, nach denen das Gesetz in seiner abschließenden
Fassung zu beurteilen sein wird.

Ich werde die Energiegesetze nur unterzeich-

nen, wenn sie diesen Erfordernissen entsprechen.

Der Kongreß wird in den kom-

menden Wochen sein Urteil über diese entscheidend wichtigen Fragen fällen.
Ich werde mit ihm eng zusammenarbeiten.

Aber diese Entscheidungen betreffen

in einem hohen Maße auch Sie.
Es geht hier nicht um einen Kampf, wer der Stärkere ist, zwischen Präsident und Kongreß oder zwischen Repräsentantenhaus und Senat.

Worum es geht,

das ist die Stärke und der Wille unserer Nation - ob wir eine Gefahr erkennen
und einer bedrohlichen Herausforderung zusammen gewachsen sein können.
Ich bin überzeugt, daß wir über genug Energie verfügen können, um ein
anhaltendes Wachstum unserer Wirtschaft, eine Ausweitung der Produktion und ei
Vermehrung der Arbeitsplätze zu ermöglichen und die Sicherheit der Vereinigten
Staaten zu gewährleisten - wenn wir klug und umsichtig handeln.
Ich bin überzeugt, daß unser Land sich jeder Herausforderung gewachsen
zeigen kann, aber hier handelt es sich um eine außerordentlich schwierige,
weil die Gefahr nicht leicht zu erkennen - und die Lösung weder einfach noch
im politischen Sinne populär ist.
Ich

�Ich sagte vor sechs Monaten, daß niemand mit diesem Energieplan völlig
zufrieden sein werde.

Diese Voraussage hat sich als richtig erwiesen.

In

dieser komplexen Gesetzgebung gibt es den einen oder anderen Teil, gegen den
die eine oder andere Region oder Interessengruppe Einwände erheben kann.
Aber ein gemeinsames nationales Opfer zur Lösung dieses schwerwiegenden Problems sollte von jedem einzelnen mitgetragen werden - ein Beweis dafür, daß
der Plan fair ist. Viele Gruppen haben sich der Herausforderung gewachsen
gezeigt, aber unglücklicherweise gibt es immer noch einige, die ihren persönlichen Vorteil über das nationale Interesse stellen.
Es ist auch immer besonders schwierig, mit Aufgaben fertig zu werden,
die weit in die Zukunft reichen. Ein Präsident wird für vier Jahre gewählt,
ein Senator für sechs und unsere Vertreter im Kongreß für nur zwei Jahre. Es
ist immer leichter gewesen, bis zum nächsten Jahr oder bis zur nächsten Amtsperiode zu warten - um ein politisches Risiko zu vermeiden.
Aber Sie wählen ihre offiziellen Vertreter nicht nur,damit sie ein Amt
bekleiden. Der Kongreß steht vor sehr schwierigen Entscheidungen, und wir
haben eine gute Partnerschaft aufgebaut. Wir alle in der Regierung brauchen
Ihre Hilfe.
Dies ist eine Aufgabe, die Weitblick und Zusammenarbeit seitens aller
Amerikaner braucht. Ich hoffe, daß alle von Ihnen Maßnahmen treffen werden,
um unsere so kostbare Energie einzusparen, und daß Sie sich mit den von Ihnen
gewählten offiziellen Vertretern auf allen Regierungsebenen zusammentun werden, um diese Bewährungsprobe für das Urteilsvermögen und den Willen unserer
Nation zu bestehen.
Das sind sehr ernste Probleme,und das sind sehr ernste Worte. Aber
unser Energieplan spiegelt auch den Optimismus wider, den ich in bezug auf
unsere Fähigkeit hege, mit diesen Problemen fertig zu werden.

Die Geschichte

der Menschheit war stets die Geschichte einer Anpassung an sich ändernde Verhältnisse.

Die Geschichte unserer Nation ist die Geschichte, sich schweren

�schweren Aufgaben zu stellen und sie zu bewältigen.

Diese wichtige Gesetz-

gebung ist ein notwendiger erster Schritt auf einem langen Weg.
Dieser Energieplan ist eine gute Versicherung für die Zukunft, für die
wir heute relativ kleine Prämien zahlen und uns damit für die kommenden Jahre
schützen.

Wenn wir es versäumen, heute kühn zu handeln, dann werden wir uns

mit Gewißheit morgen Krisen größeren Ausmaßes gegenübersehen:

Energiever-

knappung, Umweltschäden, einer Regierungsbürokratie und Verordnungen, die
immer massiver werden,und überstürzten Sofortprogrammen.
Ich hoffe, daß in vielleicht hundert Jahren ein Übergang auf unerschöpfliche Energiequellen erfolgt sein wird und die Sorge unserer Nation um die
Energie vorüber sein wird.

Aber wir können diesen Übergang nur dann reibungs-

los vollziehen - für unser Land und für unsere Kinder und Enkel - wenn wir
jetzt sorgfältige Maßnahmen ergreifen, um uns selbst für die Zukunft vorzubereiten.
Während der kommenden Wochen wird sich die ganze Aufmerksamkeit auf den
Kongreß richten, aber wir werden unseren Mut und unseren Einsatzwillen weiterhin in den verschiedensten Formen und an unterschiedlichen Orten für die kommenden Monate und Jahre und Generationen unter Beweis stellen müssen.
Es fügt sich gut,
in New York, Anmerkung
erinnert, daß Sie, die
Regierung so mutig und
dern.

daß ich zu Ihnen an einem Wahltag (Bürgermeisterwahl
der Redaktion) spreche - an einem Tag, der uns daran
Bürger, die Herrscher dieser Nation sind - daß Ihre
tatkräftig und fair sein wird, wie Sie es von ihr for-

Es wird nicht das letzte Mal sein, daß ich mit schwierigen und umstrittenen Entscheidungen vor Sie trete und Sie um Ihre Hilfe bitte.

Denn es ist

meine Überzeugung, daß die Pflichten dieses Amtes von mir nichts geringeres
fordern.
Ich
- 10 -

�Ich bin jedoch zuversichtlich, daß wir die Weisheit und den Mut finden
werden, um die rechten Entscheidungen zu treffen - selbst wenn sie unangenehm
sein mögen -»damit wir zusammen die Größe unserer Nation bewahren.

- 11 -

�Dokumentation
United States Information Service

30

15. November 1977

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER ERLÄUTERT POSITIONEN DER CARTER-ADMINISTRATION
- Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC -

WASHINGTON - (AD) - Der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten,
Harold Brown, hat in einem Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC die Positionen der Carter-Administration zu den SALT-Verhandlungen,
zur Nonproliferation und zu dem Truppenabzug aus Südkorea dargelegt. Im
Rahmen der Serie "Issues and Answers" (Fragen und Antworten) führti Brown
am 6. November unter anderem aus:
Frage: Wir möchten heute mit Ihnen über die Aussichten auf ein neues
RUstungsbegrenzungsabkommen mit den Russen sprechen; allem voran aber hätte
ich gerne von Ihnen eine Antwort auf die Frage, die viele Mitglieder des
Kongresses beunruhigt: Ist die Sowjetunion dabei, die Vereinigten Staaten
in der militärischen Gesamtstärke zu überflügeln?
Antwort: Ich möchte sagen: Nein. Meines Erachtens befinden wir uns in
einer Situation, in der zwischen uns und den Sowjets in strategischer Hinsicht d.h. hinsichtlich der strategischen thermonuklearen Kapazitäten - im wesentlichen die Parität gegeben ist. Wir sind demnach in etwa gleich stark. Bezüglich

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tal- n9991-ftQ39df&gt; T P I P Y - 0 8 - 8 5 4 3 9

�Bezüglich der nichtnuklearen Kapazitäten, was also die konventionellen Waffen
angeht, bestehen einige Umstände, Gegebenheiten und Kapazitäten, in denen
sie uns voraus sind,und andere, in denen wir ihnen voraus sind. Es besteht
eine Kombination aus geographischen und rüstungsmäßigen Umständen, die uns
in verschiedenen Bereichen - in einigen mehr als in anderen - begünstigen.
Alles in allem würde ich meinen, daß wir im wesentlichen in allen diesen
Dingen miteinander vergleichbar sind; in militärischer Hinsicht aber möchte
ich sagen, daß die Vereinigten Staaten erheblich voraus sind.
Frage: Sie sagen, wir haben in den strategischen Rüstungen in etwa ein
Verhältnis der Parität. Dies ist nach meinem Dafürhalten ein Punkt, auf den
sich sicherlich die Gegner eines neuen SALT-Vertrages konzentrieren werden,
dip argumentieren, wir würden den Russen so viel zugestehen, daß sie uns
innerhalb weniger Jahre beispielsweise hinsichtlich der InterkontinentalraketenStärke weit voraus sein werden; ein solcher Vorteil könnte es ihnen relativ
leicht machen, die Minuteman-Bunker auszuschalten. Ist das eine faire Beurteilung der uns drohenden Gefahr?
Antwort: Das ist, wie ich sagen darf, keine korrekte Einschätzung der
gegenwärtigen und künftigen Verhältnisse.
Erlauben Sie mir, diese Dinge in die rechte Perspektive zu rücken: Nach
meiner Auffassung werden mir die meisten Leute - vielleicht nicht alle, aber
doch die meisten - , die Einwendungen gegen den bisherigen Verlauf der Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Waffen, SALT, erheben, beipflichten, daß wir uns nunmehr, im gegenwärtigen Zeitpunkt, hinsichtlich der
strategischen Kapazitäten mit der Sowjetunion in einem Verhältnis der Parität
befinden. Viele von ihnen machen sich ernste Sorgen wegen der künftigen Lage,
und manche von ihnen meinen, eine neue SALT-Vereinbarung würde die zahlenmäßige Überlegenheit der Sowjets festschreiben - eine militärische Überlegenheit einer politisch verwertbaren Form. Ich selber glaube nicht, daß dies der
Fall wäre. Ich meine vielmehr, wir sollten jetzt noch keine endgültigen Schlüsse
aus einem SALT-II-Abkommen ziehen, weil vorher noch viele Einzelheiten, wichtige

- 2 -

�wichtige Einzelheiten, geregelt werden müssen. Solange dies nicht der Fall
ist, möchte ich keine militärische Gesamtbeurteilung abgeben. Meiner Meinung
nach besteht, nach dem Fortgang der Verhandlungen zu urteilen, eine verhältnismäßig gute Chance, ein SALT-Abkomme*

zustandezubringen, das einer Reihe

von Kriterier Genüge leisten dürfte.
Ein solches Abkommen würde allem voran die Zahl der Waffen, der strategischen
Kernwaffenträger, gegenüber früher vermindern. Es brächte stärkere Verringerungen
seitens der Sowjetunion als seitens der Vereinigten Staaten. Es würde die Sowjetunion auf vielfache Weise zu Beschränkungen zwingen - nicht auf jede Weise,
wie wir es gern hätten, aber immerhin auf manchem wichtigen Gebiet. Es würde
auch uns in mancher Hinsicht einschränken, uns aber nicht abhalten, unseren
strategischen Erfordernissr- nachzukommen. Das besagt, es würde uns die Ausführung von Programmen gestatten, die unsere Erachtens notwendig sind, das
Verhältnis der Parität im großen und ganzen aufrechtzuerhalten. Dabei ist keineswegs sicher, ob wir diese Programme verwirklichen. Das hängt davon ab, was die
Regierung zu tun beabsichtigt und was der Kongreß billigt; die Möglichkeit
jedenfalls bleibt offen.
Ich halte es nicht für die richtige Methode der Beurteilung eines solchen
Abkommens , irgendeine

r

orm strategischer Nuklear-Kapazitäten herauszugreifen... ,

die Zahl der Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen beispielsweise, um zu
sagen, die Sowjets hätten einen beträchtlichen Vorsprung auf diesem Gebiet, den
sie übrigens mit oder ohne Abkommen hätten. Es muß vielmehr eine Gesamtbewertung
vorgenommen werden, um die Dinge, in denen wir ihnen voraus wären, und diejenigen,
in denen sie uns voraur wären, gegeneinander aufzuwiegen.
Frage: Herr Minister, ist es aber nicht dennoch wahr, daß die Sowjets mit
oder ohne Abkommen, um Ihre Worte zu gebrauchen, bis Mitte der achtziger Jahre
die Fähigkeit haben werden, unseren Vergeltungswaffen vom Typ Minuteman erheblichen Schaden zuzufügen? Ist man sich darin nicht generell einig?
Antwort: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß die Sowjets zu irgendeinem Zeitpunkt um das Jahr 1985 herum die Fähigkeit besitzen werden, die

- 3 -

�die Minuteman-Bunker auf eine Art und Weise anzugreifen, daß wir um deren
Bestand fürchte.) müssen. Mit anderen Worten, das überdauern

der Minuteman-

stellungen wäre zweifelhaft; ihr überdauern im Falle eines Überraschungsangriffs aber wäre nicht mit dem überleben der Vereinigten Staater gleichzusetzen.
Unsere Abschreckung besteht aus einer Reihe unterschiedlicher Systeme, von
denen bodengest'ützte Raketen lediglich eines sind. Ein Überraschungsangriff,
der zwar die Minuteman-Raketen ausschalten würde, unsere Bomber aber und unsere
unterseebotgestützten Raketen unversehrt ließe - und das wäre der Fall und ihnen die Möglichkeit zu einem vernichtenden Vergeltungsschlag gegen die
Sowjetunion gäbe, wäre kein Krieg, den die Sowjetunion gewinnt; es wäre ein
Krieg, den beide Seiten verlieren.
Frage: Es war in jüngerer Zeit von neuen Stolpersteinen in den SALT-Verhandlungen die Rede, die die Aussichten auf den alsbaldigen Abschluß eines
Abkommens beeinträchtigen könnten. Gibt es Ihrer Ansicht nach etwas, was ernst
genug sein könnte, einen neuen SALT-Vertrag zu blockieren?
Antwort: Ich würde nicht sagen, daß es neue Stolpersteine gibt. Ich meine
vielmehr, es handelt sich um alte Stolpersteine, über die wir noch nicht hinweggekommen sind. Es wird meines Erachtens einige Zeit dauern, in den betreffenden
Fragen zu einer Einigung zu gelangen; ich glaube aber auch, daß man eine Beurteilung des Gesamtabkommens erst nach deren Regelung vornehmen sollte. Ich sehe
keine unüberwindlichen Hindernisse; es gehören aber immer zwei Seiten dazu, eine
Vereinbarung zu schließen.
Frage: Besteht die Gefahr, daß Sie in eine Ecke des Boxrings gedrängt
werden, in der Sie der Sowjetunion nur noch neue Konzessionen machen könnten, um
einen SALT-Vertrag zu bekommen, der dann seitens des Senats aber für so weich
angesehen werden würde, daß er seine Ratifizierung ablehnen würde?
Antwort: Hypothetisch ist diese Möglichkeit gegeben. Meiner Überzeugung nach
hat diese Administration nicht die Absicht, ein SALT-Abkommen zu schließen, das
die für uns notwendigen strategischen Kapazitäten nicht gewährleistet, und deshalb

�deshalb wird dies, davon bin ich überzeugt, nicht geschehen.
Frage: Herr Minister, die Sowjets überraschten die Vereinigten Staaten
diese Woche mit dem Vorschlag, ein vollkommenes Verbot von militärischen wie
friedlichen Nukleartests zu vereinbaren. Sehen Sie andererseits irgendwelche
Einwände gegen ein solches Verbot? Könnte es unser Nuklearprogramm

in irgend-

einer Weise behindern? In der Weise etwa, daß es eine weitere Erprobung der
Neutronenwaffe (Waffe mit hochwirksamer Strahlung) unmöglich machen könnte.
Antwort: Ich würde nicht sagen, wir wären überrascht gewesen. Wir haben
die Sowjets seit langem schon gedrängt, diese Position einzunehmen, und das
haben sie nunmehr getan.
Jedes Abkommen, das Nuklearexplosionen, also solche Tests mit Explosivstoffen, verbiete;., würde schon deshalb nicht-militärische ebenso wie militärische
Versuche einbeziehen, weil auch nicht-militärische Versuche militärische
Informationen und Vorteile abwerfen.
Ein solches Verbot würde in der Tat die Entwicklung neuer Kernwaffen auf
beiden Seiten behindern. Und das ist Teil seines Zwecks. Ein weiterer Teil wäre
es, die Weiterverbreitung auf andere Länder zu verhindern. Wir würden nukleare
Gefechtsköpfe für alle jenen Systeme behalten, die für die Wahrung unserer
Sicherheit absolut notwendig sind. Und es ist immer möglich,einen vorhandenen
Gefechtskopf, der für ein Waffensystem entwickelt wurde, einem anderen Waffensystem anzupassen, ohne unbedingt irgendwelche Nukleartests vornehmen zu müssen.
Im spezifischen Fall der Waffe mit hochwirksamer Strahlung haben wir bereits
eine Reihe von Tests durchgeführt, weshalb uns ein Verbot weiterer Nukleartests
nicht von der Produktion dieser Waffe abzuhalten brauchte.
Frage: Somit hätten Sie keine Einwendungen, wenn wir ein solches Verbot
mit der Sowjetunion ohne weitere Debatte vereinbaren würden - ist das richtig so?
Antwort: Auch das hängt wiederum von den Einzelheiten ab. Meiner Meinung

- 5 -

�Meiner Meinung nach gibt es hier eine wichtige Differenz, die bisher übergangen
wurde. Es bleiben einige Fragen offen: Wie lan^e soll eine solche Vereinbarung
gelten; auf wie lange soll ein Moratorium friedlicher Tests befristet sein;
sollen beide gleich lang in Kraft bleiben; sollen andere Länder in ein solches
Abkommen eingebunden werden, damit es nicht von innen her ausgehöhlt werden
kann?
Die ganze Frage der Inspektion, die ganze Frage der

automatisch arbeitenden

seismographischen Stationen usw. - auch hier gibt es also eine Menge Details.
Dennoch handelt es sich um einen großen Schritt in Richtung auf ein Abkommen.
Frage: Der Präsident legte gestern,um ein weiteres Ergebnis der Woche
aufzugreifen,mit dem Hinweis auf seine Besorgnisse hinsichtlich der nuklearen
Proliferation

sein Veto gegen ein Gesetz ein, das den Bau eines Brutreaktors

am Clinch River in Tennessee vorsieht. Das ist auch für Sie als Nuklearphysiker,
der selbst maßgeblich an der Entwicklung von Kernwaffen mitgearbeitet hat, Anlaß zu besonderer Sorge. Ich möchte Sie fragen, könnten die Vereinigten Staaten
mehr tun, die tatsächliche Weiterverbreitung von Kernwaffen zu begrenzen - und
ich denke dabei

an Südafrika, das offenkundig fähig ist, Kernwaffen zu entwickeln,

oder auch an Israel, das bereits ein kleines Arsenal von Kernwaffen besitzt?
Antwort: Wir geben uns in der Frage der Nonproliferation sehr viel Mühe,
genug Mühe jedenfalls, um uns bei einigen unserer Freunde gelegentlich recht
unpopulär zu machen. Wir halten es für sehr wichtig, andere Länder kernwaffenfrei zu halten - andere Länder zu entmutigen, selbst Kernwaffen zu erwerben -,
einfach deshalb, weil dies die Gefahren für die Welt noch vergrößern würde.
Da die Welt gleichzeitig mit einer kritischen Energieknappheit konfrontiert
ist - einer Knappheit, die, sofern wir nichts unternehmen, unsere Sicherheit
nicht minder unterminieren würde

ne eine Unterlegenheit auf dem Gebiet der

strategischen Waffen -, verstehen wir, warum einige Länder meinen, sie müßten
die Kernenergie weiter erproben. Ich selbst bin der Frage nach der Notwendigkeit

�Notwendigkeit von Plutoniumbrütern ziemlich sorgfältig nachgegangen - im
vergangenen Jahr, als ich der Studiengruppe zur Untersuchung dieser Frage
angehörte. Die Administration ist überzeugt, daß wir auch weiterhin Kernreaktoren bauen und weiterforschen können, ohne die Entwicklung von Anlagen zur
Wiederaufbereitung von Plutonium voranzutreiben. Es ist die Fähigkeit zur
Wiederaufbereitung von Plutonium, die im Bereich der Kernenergie die Gefahr
einer zunehmenden Proliferation

von Kernwaffen heraufbeschwört.

Frage: Haben wir, soweit Sie das beurteilen können, alles getan, um die
Israelis zu überreden, die Entwicklung von Kernwaffen einzustellen?
Antwort: Nun, ihr Nuklearprogramm ist Gegenstand von Spekulationen, und
ich werde diesen im gegenwärtigen Augenblick nicht noch neue hinzufügen.
Frage: Diese wurden jedoch vom CIA bestätigt.
Antwort: Das alles ist Gegenstand vieler Spekulationen, denen ich keine
weiteren hinzufügen möchte. Sicherlich sind wir nachhaltig und energisch bei den
Israelis vorstellig geworden, in dem Sinne, daß der Erwerb von Nuklearwaffen
durch sie kein Faktor zur Mehrung der Stabilität im Nahen Osten wäre;die Israelis
haben, wie Sie wissen, ihrerseits erklärt, daß sie nicht die ersten sein würden,
die Kernwaffen im Nahen Osten einbringen.
Frage: Zum gleichen Thema: Wenn nun aber andere Länder die vermutete Kapazität besitzen, was wäre dann die Antwort der Vereinigten Staaten, wenn sich
herausstellt, daß taktische Nuklearwaffen sowjetischer Bauart in den Nahen Osten
oder in Gebiete im Süden Afrikas

verbracht würden?

Antwort: Das wäre ein sehr destabilisierender Faktor, doch die Sowjets
waren meines Erachtens bisher,von einer einzigen bemerkenswerten Ausnahme abgesehen, hinsichtlich der Verbringung von Kernwaffen in einen neuen Teil der
Welt sehr zurückhaltend. Meiner Meinung nach wäre dies eine sehr ernste Angelegenheit, und wir sollten alles tun, was wir nur tun können, um Situationen zu

- 7 -

�Situationen zu vermeiden, in denen dies geschehen könnte.
Frage: Herr Minister, der Präsident beschuldigte Südkorea gestern der
Behinderung der Justi7 der Vereinigten Staaten dergestalt, daß es Tongsun Park
davon abhält, vor dem Kongreß über seine Rolle im Korea-Skandal auszusagen.
Werden sich die Enthüllungen über südkoreanische Bemühunger

Einfiuß

im Kongreß zu erkaufen, störend auf den Plan der Administration auswirken,
die meisten arerikanisehen Truppen aus Südkorea abzuziehen?
Antwort: Wie Sie wissen, haben wir gleichzeitig vor - haben wir einen Plan,
die amerikanischen Landstreitkräfte im Verlauf der nächsten vier oder fünf
Jahre aus Korea abzuziehen. Das ist unsere Entscheidung, und wir kommen mit
diesen Plänen weiter voran.
Gleichzeitig haben wir gemeinsam Mit den Koreanern eine Reihe von Maßnahmen
getroffen, die den Transfer militärischer Ausrüstungen, gewisse Ausbildungsmöglichkeiten usw. betreffen, die es ihnen nach unserem Dafürhalten gestatten
würden, ihre Kampfbereitschaft und ihre militärischen Kapazitäten innerhalb dieses
Zeitraums soweit auszubauen, daß sie auch weiterhin eine ausreichende Abschreckungskapazität bei Angriffen aus Nordkorea besitzen. Wir halten es für wichtig, diese
beiden Dinge zu tun, und es wäre sicherlich sehr bedauerlich, wenn der Tongsun
Park-Fall den Transfer der notwendigen militärischen Ausrüstungen nach Korea
behindern würde.
Sicherlich hat dieser Fall negative Auswirkungen im Kongreß.
Ich glaube, wir sollten mit den Transfer-Plänen vorankommen, führen wir ja
doch auch unsere Pläne bezüglich des Truppenabzugs weiter. Ich bin der festen
Meinung, daß sich die anderen Fragen zu gegebener Zeit regeln lassen werden.
Frage: Ich habe abschließend noch eine kurze Frage, Herr Minister. Sie
betrifft ein ganz anderes Thema. Haben wir aus der Sowjetunion irgendeine Antwort

�Antwort auf unseren Vorschlag über Verhandlungen zum Abschluß eines Vertrags
über Waffen im Weltraum erhalten? Ich spreche vom Problem der Killer-Satelliten.
Antwort: Es wurde ein spezifischer Vorschlag gemacht, demzufolge sich eine
Arbeitsgruppe mit der Frage von Waffen für den Angriff auf Satelliten und den
Möglichkeiten zu einem Verbot solcher Anti-Satelliten-Waffen befassen soll. Die
Sowjets haben ihr Interesse daran zum Ausdruck gebracht; eine spezifische Antwort
aber haben wir nicht. Es fand bisher auch keine Zusammenkunft zwecks einer bis
in Einzelheiten gehenden Diskussion dieser Frage statt.
Frage: Haben Sie eine ungefähre Vorstellung von der sowjetischen Einstellung
hierzu?
Antwort: Meine Vermutung geht dahin, daß die Sowjets zur Erörterung dieser
Frage bereit sind; dennoch ist es viel zu früh, etwas darüber aussagen zu wollen,
welchen Verlauf solche Verhandlungen nehmen würden.

- 9 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter appelliet in der Energiefrage an das amerikanische Volk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache vom 8. November 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister erläutert Positionen der Carter-Administration&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Hfl
I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die politischen Kräfte der Mitte auf dem Vormarsch
Nachlese zu den amerikanischen Wahlen
- von Andrew J. Glass Grundzüge des neuen US-Energiegesetzes
Was für SALT II spricht
- von Senator Edward M. Kennedy US-Stiftung für Internationale Technologische Zusammenarbeit
Partner für Entwicklungsländer
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pockenbekämpfung - erfolgreichstes UN-Programm
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt
Hämoglobine mit unterschiedlicher Sauerstoffbindung
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�15. November 1978

27

DIE POLITISCHEN KRÄFTE DER MITTE AUF DEM VORMARSCH
NACHLESE ZU DEN AMERIKANISCHEN WAHLEN
- Von Andrew J. Glass -

- (AD) - Sicherlich haben die sogenannten Zwischenwahlen in den
Vereinigten Staaten - bei denen das ganze Repräsentantenhaus, ein Drittel
des Senats und 36 Gouverneure gewählt und über etwa 200 Volksbegehren
(in den Einzelstaaten) abgestimmt wurde - keinen Erdrutsch und keine
sensationellen Ergebnisse gebracht. Trotzdem sind diese Wahlen einer
rückblickenden Betrachtung wert.
Die politischen Kräfte der Mitte konnten ihre Position nicht nur
halten, sondern sogar ausbauen.

Eine Meinungsumfrage des Harris-Instituts

vor zehn Jahren ergab, daß sich 43 Prozent der amerikanischen Wähler
als konservativ, 36 Prozent als politisch in der Mitte und 21 Prozent als
liberal ansahen.
In diesem Jahr zeigte sich, daß ein Abbröckeln auf beiden Seiten
des politischen Spektrums stattgefunden hat. Heute bezeichnen sich

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn2
Telex:08-85432

�V

sich 38 Prozent als konservativ und 20 Prozent als liberal, während die
Mitte mit 42 Prozent eine solide Mehrheit darstellt.
Wenn man das auf die neugewählten Senatoren anwendet, dann ist eine
ähnliche Struktur festzustellen:

40 Prozent der Neuen können als konservativ,

46 Prozent als gemäßigt (Mitte) und 14 Prozent als liberal betrachtet
werden.
Die Mitte steht also.

Die Wahlergebnisse lassen erkennen, daß die

amerikanischen Wähler zwar neue Gesichter sehen wollen, daß sie aber
ihre politische Überzeugung kaum ändern.
•

•

•

Neue Gesichter hat es reichlich gegeben.

Von den insgesamt 71

Gouverneursposten und Senatssitzen, die zur Disposition standen, wurden
56 Prozent durch Neulinge besetzt.

Und die 77 Neulinge im Repräsentanten-

haus stellen - abgesehen von der Wahl nach Watergate im Jahre 1974 - die
größte Gruppe dieser Art in diesem Jahrzehnt dar.
Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 58 Millionen Wählern, d.h.
37 Prozent der Wahlberechtigten, ermittelt, was gegenüber der Zwischenwahl (bei der das Amt des Präsidenten nicht zur Disposition steht) von
1974 einen Rückgang um zwei Prozent bedeutet.

Die endgültige Zahl der

Wahl beteil igten wird erst in einigen Monaten feststehen, aber man kann
sagen, daß die Wahlbeteiligung in den Vereinigten Staaten weit niedriger
liegt als in den meisten anderen demokratischen Industriestaaten der
Welt.
•

Am 7. November 1978 ist es weder den Demokraten noch den Republikanern
gelungen, die großen Chancen der Zeit zu nutzen.

Die demokratischen

Kandidaten für das Repräsentantenhaus erhielten 56 Prozent der abgegebenen
Stimmen, also ein bis zwei Prozent weniger als 1976 und drei Prozent
weniger als 1974 - als Watergate den Republikanern große Verluste brachte.
In vielen

�In vielen Einzelstaaten schienen sich die demokratischen Kandidaten
mehr oder weniger mit Fernsehwerbung zufriedenzugeben

und taten nicht

genug, um ihre eingefleischten Wähler an die Urne zu bringen.

Sonst

hätten sie sicher bessere Resultate erzielen können.
Aus Umfragen geht hervor, daß sich 61 Prozent der in Städten lebenden
erwachsenen Amerikaner als Anhänger der Demokratischen Partei betrachten,
und 85 Prozent der Schwarzen, 72 Prozent der Juden, 69 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder und 62 Prozent der Jugendlichen halten es mit der
Sache der Demokraten.
Auf der anderen Seite hätten bei der niedrigen Wahlbeteiligung der
Demokraten die Republikaner eigentlich eine Chance haben müssen, ein
beachtliches Comeback zu feiern. Aber diese Chance blieb aus.
Im Repräsentantenhaus, wo 218 Sitze von insgesamt 435 für die Mehrheit
erforderlich sind, konnten die Demokraten 277 Sitze gewinnen, während
die Republikaner mit 157 oder 158 vorliebnehmen mußten. Die Demokraten
konnten ihre Verluste - mit 13 oder 14 Sitzen - in Grenzen halten. Die
Republikaner konnten allerdings 3 Sitze im Senat und 6 Gouverneursposten
dazugewinnen - mehr als man eigentlich erwartet hatte.
In der Ausschau nach positiven Trends bei den diesjährigen Zwischenwahlen, die man fairerweise wohl als eine - wenn auch schwache - Hinwendung
zu den Republikanern bezeichnen kann, stellen die Führer der Demokraten
die Tatsache heraus, daß ein Gewinn von dreizehn Sitzen im Repräsentantenhaus ein weitaus kleinerer Erfolg ist als der durchschnittliche Gewinnzuwachs von 35 Sitzen, die die nicht an der Macht befindliche Partei in
in den Zwischenwahlen seit 1930 zu verzeichnen pflegte. Dagegen führen
die Republikaner an, daß der Zugewinn an Sitzen nach der ersten Hälfte
der Amtszeit eines neuen Präsidenten gewöhnlich unter zehn gelegen hat.
Aber wenn

�Aber wenn die Republikaner bei dieser Wahl auch unter den für Zwischenwahlen üblichen Gewinnen blieben, so könnte sich das Kräfteverhältnis im
Senat doch gerade so weit nach rechts verschoben haben, daß dadurch die
Chancen für einen Nuklearpakt mit den Russen im kommenden Jahr gefährdet
werden.
In einer ersten privaten Analyse der Wahlergebnisse wird in Washingtoner
Kreisen denn auch die Auffassung vertreten, daß der nahezu fertig ausgearbeitete Vertrag über strategische Rüstungsbegrenzung (SALT II) in Gefahr
geraten könnte, weil einige dem Vertrag freundlich gesonnene demokratische
Liberale durch einen wenn auch leichten Gewinnzuwachs der Republikaner
- vor allem im Herzland der Nation, dem Mittelwesten - ausgeschaltet wurden.
Auch wenn im Senat eine knappe Mehrheit für SALT besteht, so müssen doch
gemäß der amerikanischen Verfassung zwei Drittel des Gremiums - das heißt
67 Senatoren - für den Vertrag stimmen, wenn er ratifiziert werden soll.
Sechs der sieben Senatoren, die es nicht geschafft haben, galten
als Liberale, was ein schlechtes Omen für SALT sein dürfte. Und in
drei Bundesstaaten - Colorado, Iowa und New Hampshire - sind die Republikaner, die ihre liberalen demokratischen Opponenten schlugen, als
eingefleischte Konservative und SALT-Gegner bekannt.
Auf die Frage, wie er die Niederlage dieser drei Demokraten erkläre,
sagte der Parteivorsitzende der Demokraten, John White, die Wähler seien
eigentlich nicht so sehr gegen den Liberalismus dieser Senatoren, aber
sie wollten ihre Staaten wieder in das "traditionelle Schema" nach dem
Umschwung der Wahlen von 1972 zurückbringen.
Was SALT anbetrifft, so sagte White, "der Vertrag wird in Ordnung
sein, wenn er als militärisch vorteilhaft für die Vereinigten Staaten
präsentiert wird. Wenn er aber so dargestellt wird, daß er nur ein
"Gleichgewicht" (mit der Sowjetunion) verschafft, dann wird er in
Gefahr geraten."
Trotz
- 4 -

�Trotz der potentiellen Bedeutung der Wahlen für den SALT-Vertrag
waren viele Analytiker doch vor allem bestrebt, auszuloten, was die
Ergebnisse für das Jahr 1980 und die neue Präsidentschaftswahl besagen
könnten.

Es ist ein Axiom der amerikanischen Politik, daß der eigentliche

Aufbau der Partei in den fünfzig Hauptstädten der Bundesstaaten nicht aber
in Washington - der eigentlichen Hauptstadt - erfolgt.

Und gerade hier

haben die Republikaner vielleicht ihre besten Erfolge in diesem Jahr zu
verzeichnen gehabt und damit die Basis für einen möglichen großen neuen
Aufschwung in den kommenden Jahren geschaffen.
Die neue Liste der Gouverneure verzeichnet 32 Demokraten und 18 Republikaner - ein glatter Gewinn von sechs Posten für die Republikaner.
Es war das erstemal seit 1968, daß die Partei in der Minderheit ihre
Position bei den Gouverneurswahlen verbessern konnte. Und was noch
wichtiger ist, die entscheidenden Staaten, in denen die Republikaner
gewannen oder ihre Position hielten, erstrecken sich in einem weiten
Bogen über die amerikanischen
Industrie- und Farmgebiete: Pennsylvania,
Ohio, Indiana, Illinois, Iowa und Minnesota.
Auch im Süden, der seit vielen Jahren die Bastion einer Partei der Demokraten - gewesen war, konnten die Republikaner einen Wiederaufschwung verzeichnen.

Zum erstenmal

seit der Aera des Wiederaufbaus

nach dem amerikanischen Bürgerkrieg vor einem Jahrhundert gewannen die
Republikaner den Gouverneurssitz in Texas und einen Senatssitz in
Mississippi.
Im Heimatstaat von Präsident Carter, in Georgia, gewannen die Republikaner einen heißumstrittenen Repräsentantenhaussitz und konnten sich
trotz der Bemühungen Carters und seines persönlichen Einsatzes in Südund Nordkarolina behaupten.
In den Parlamenten der Einzelstaaten - den "Brutstätten" der nationalen
Politik - konnten die Republikaner Gewinne erzielen.

- 5 -

Während sie bisher

�bisher in fünf Bundesstaaten beide Häuser kontrollierten, haben sie jetzt
mindestens 13 erobert.

Das ist sehr wichtig, wenn man bedenkt, daß die

Aussichten für die Republikaner nach der Neufestlegung der Wahlkreise, die
nach der Volkszählung von 1980 notwendig werden wird, nicht allzu günstig
waren.

Da sie befürchten mußten, daß die "Brutstätte" austrockenen könnte,

haben sie über 12 Millionen Dollar in den einzelstaatlichen Wahlkampf gepumpt, und es hat sich nach ihrer Meinung gelohnt.
Da die Wahlergebnisse keine dramatischen Folgerungen in der einen
oder anderen Richtung zulassen, haben die nationalen Politiker aller
Couleur Anlaß zur Freude gefunden.

Während man im Weißen Haus erklärte,

die Wahlresultate spiegelten in etwa eine Stimmung im Lande wider, die
"den Vorstellungen des Präsidenten nahe kommt", bezeichnete der Vorsitzende
der Republikanischen Partei, Bill Brock, den 7. November als einen "großen
Tag" für seine Partei, der nach den Rückschlägen von 1974 und 1976 einen
Aufwärtstrend erkannen lasse.
Interessanterweise wollten weder die Führer de Demokraten noch die
der Republikaner die Wahlergebnisse als Ausdruck der Volksmeinung über
Präsident Carters Politik oder dessen Popularität gesehen wissen. Zu
dem Zeitpunkt, da die Amerikaner zur Wahlurne gerufen wurden, hielten
Sichnach Umfragen jene, die ihn für einen ausgezeichneten Präsidenten
halten, und jene, die meinen, er zeige nur mäßige oder gar schlechte
Leistungen, in etwa die Wage. Die Wahlergebnisse deuten nicht darauf
hin, daß die Amerikaner durch die Wahl ihrer Kandidaten den Präsidenten
besonders loben oder strafen wollten.
Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Präsident Carter mit dem neuen
96. Kongress auskommen wird, der im Januar 1979 zusammentritt.

Was man

im Augenblick hört, ist, daß die Berater des Präsidenten von einem
eher bescheidenen gesetzgeberischen Programm sprechen, verglichen mit
dem, was Carter in den beiden ersten Jahren seiner Amtszeit durchzusetzen

- 6 -

�durchzusetzen versuchte. Das Hauptaugenmerk wird auf die Bekämpfung der
Inflation und die Stärkung der Wirtschaft gerichtet sein.
Jack Carlson, der marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsberater
der Amerikanischen Handelskammer, rechnet damit, daß der neue Kongress
bezüglich der Wachstumsprogramme und der Ausgabenprogramme des Bundes
zurückhaltender sein wird. Im Senat zeichne sich eine Stärkung des
Flügels ab, der marktwirtschaftliche Lösungen gegenüber Regierungslösungen
vorziehe.
Ein führender Vertreter des liberal orientierten Nationalkomitees
für einen leistungsfähigen Kongress, Russell Hemenway, bezeichnete das
Wahlergebnis im Senat zwar als eine "Katastrophe", wies aber darauf hin,
daß 31 der 40 Abgeordneten, die sein Komitee unterstützten, ihren Sitz
im Repräsentantenhaus halten konnten.
Soweit die Wahlen von 1978 als ein Test für die Überlebensfähigkeit
der Republikanischen Partei als potente Kraft im politischen Leben
Amerikas betrachtet wurden, haben die Republikaner diese Probe bestanden.
Aber aus dem Wahlergebnis läßt sich auch nicht herauslesen, daß die Wähler
gewillt seien, die Demokraten aus ihrer derzeitigen Vormachtstellung in
den einzelstaatlichen Parlamenten, im Kongress, ja auch im Präsidentenamt
zu verdrängen.
Die amerikanische Wählerschaft hat sich einmal mehr als nach der
Mitte ausgerichtet, unabhängig, selektiv und - leider - auch apathisch
erwiesen.

+ + + + +

- 7 -

�27

15. November 1978

GRUNDZOGE DES NEUEN US-ENERGIEGESETZES

- (AD) - Nach 18 Monaten erbitterten Ringens verabschiedete der amerikanische Kongreß ein Energie-Gesetz, das nach Ansicht von Regierungsvertretern
das von Präsident Carter auf der Gipfelkonferenz in Bonn gegebene Versprechen
wahrmachen kann, bis 1985 täglich ca. 340 000 Tonnen Importöl einzusparen.
Obgleich der Kongreß an der von Präsident Carter unterbreiteten Vorlage einige einschneidende Änderungen vornahm, ist der Präsident überzeugt, daß das
Gesetz in seiner endgültigen Fassung "unsere nationale Sicherheit fördern, unsere außenpolitische Handlungsfreiheit sichern und unsere wirtschaftlichen
Interessen im In- und Ausland schützen wird".
Die meisten Abstriche machte der Kongreß an der vorgeschlagenen Steuer
auf amerikanisches Rohöl, die den Preis auf Weltpreisniveau hätte anheben und
zu massiven Einsparungen führen sollen.

Präsident Carter hatte beabsichtigt,

damit bis zum Jahr 1985 täglich bis zu 630 000 Tonnen ül zu sparen.

Aber auch

ohne diese Maßnahme, so erklären Regierungsvertreter, erlaube das neue Gesetzeswerk beträchtliche Energieeinsparungen.

Die wichtigsten Abschnitte betreffen:
Erdgas

�Erdgas
Kernstück des Planes ist nach der Streichung der Rohölsteuer durch den
Senat die Preisgestaltung für Erdgas. Ursprünglich wollte Präsident Carter
hier die Preiskontrollen beibehalten.
hebung und der Preisfreigabe.

Der Senat bestand jedoch auf deren Auf-

Der Kongreß stimmte schließlich dem Kompromiß

zu, in den nächsten Jahren die Preiskontrollen allmählich abzubauen und sie
bis 1985 gänzlich aufzuheben.

Es handelt sich um ein kompliziertes Gesetzes-

werk, das für "altes" und "neues" Gas, für private Haushaltungen und die Industrie sowie weitere Verbrauchergruppen unterschiedliche Preise festsetzt.
Energiesteuern
Nur mit äußerster Zurückhaltung ging der Kongreß im gegenwärtigen Wahljahr an die Abstimmung über ein Steuerpaket heran, mit dem der Präsident den
Energieverbrauch verringern wollte.

Eine feste Steuer auf den Verbrauch von

öl und Gas in der Industrie lehnte er ebenso ab wie eine Erhöhung der Benzinsteuer, und der Vorschlag der Regierung, Kraftfahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch mit einer Steuer zu belegen, wurde erheblich abgeschwächt.

Ab 1979

sollten auf Autos mit geringer Kilometerleistung bzw. hohem Kraftstoffverbrauch
200 Dollar an Steuer erhoben werden, welche bis 1985 auf 385Ö Dollar angestiegen wäre.
Dagegen wurden Steuererleichterungen für sparwillige Bürger wohlwollend
behandelt. Hausbesitzer können jetzt einen Kredit - im Endeffekt einen Steuernachlaß - für die Installierung von Vorrichtungen zur Wärmeisolierung oder Solaranlagen bekommen. Ähnliche Vergünstigungen gibt es auch für Geschäftsleute,
wenn sie Energie-Sparvorrichtungen einbauen lassen oder anstatt öl andere Formen von Primärenergie benutzen.
Gebührenreform bei den Versorgungsbetrieben
Der Kongreß stimmte den Vorschlägen Präsident Carters zu, den Gebührenkatalog der öffentlichen Versorgungsbetriebe zu ändern, um einen Anreiz für
- 2 -

�für die Reduzierung des Ölverbrauchs zu schaffen.

Er schwächte jedoch den

ursprünglichen Vorschlag über zwingende Vorschriften ab; übrig blieben "Richtlinien".

Dennoch erwartet man sich von diesen wesentliche

den Ölverbrauch.

Auswirkungen auf

Sie umfassen beispielsweise niedrigere Gebühren für den

Stromverbrauch außerhalb der Spitzenzeiten, Abschaffung der Rabatte für Großverbraucher und Anreize für Elektrizitätsunternehmen, Vereinbarungen über den
Energieverbund zu treffen.
Umstellung auf Kohle

Ursprünglich bildeten derartige Projekte ein Schwerpunktprogramm in dem
dem Kongreß vom Präsidenten unterbreiteten Energiepaket.

In größtmöglichem

Umfang sollte die Industrie Umstellungen von öl auf Kohle vornehmen.
nat nahm jedoch umfangreiche Abstriche vor.

Der Se-

Heute gelten die Auflagen für

Kohleverwendung nur für neue Betriebe, nicht für bereits existierende, und
selbst neuen Anlagen werden Ausnahmeregelungen aus den verschiedensten Gründen
zugebilligt - angefangen von Verschmutzungsproblemen bis zum Mangel an geeigneter Kohle.

Jedoch dürfen von 1990 an Kraftwerke kein Erdgas mehr

verwenden.

Energieeinsparung

Zu diesem Thema gab es die wenigsten Kontroversen.

Das Programm sieht

die Gewährung von Beihilfen für einkommensschwache Familien, Krankenhäuser und
Schulen zum Einbau wärmeisolierender Vorrichtungen vor.

Es fordert außerdem

neue, regierungsamtliche Leistungsnormen für Kühlschränke, Klimaanlagen, Öfen
und andere stromverbrauchende Geräte und Ausrüstungen.

Die im US-Kongreß vertretenen so verschiedenartigen Interessen führten
bei der Behandlung des Energiegesetzes zu den seit Jahren schwersten und mit
großer Erbitterung geführten Auseinandersetzungen.

Sie dauerten buchstäblich

bis zum Ende der Frist für die Amtszeit des 95. Kongresses der Vereinigten
Staaten.

In den Morgenstunden des 15. Oktober 1978 wurde das Gesetzeswerk

schließlich angenommen.

Präsident Carter begrüßte die Entscheidung als "be-

- 3 -

�"bestandene Prüfung für die Fähigkeit der Nation, schwierige Probleme anzupacken und sich um eine Lösung für sie zu bemühen."

Mit praktisch allen

Kommentatoren, Kritikern wie Befürwortern des Energiepakets, stimmte er darin
überein, daß das neue Gesetzeswerk nicht den Abschluß, sondern "einen wichtigen Anfang bildet".
Kurz nach der Rückkehr von Energieminister James Schlesinger aus China
am 9. November unterzeichnete Präsident Carter das Gesetz. Schon einen Tag
später veröffentlichte das Energieministerium seine neuen Durchführungsbestimmungen für das Energiegesetz.

Ca. drei Wochen später, ab 2. Dezember 1978,

dürfte die Erdgasversorgung aus Texas, Oklahoma und Louisiana für die übrigen
Bundesstaaten spürbar besser werden.
Präsident Carter wird jedoch versuchen, mit der Unterbreitung neuer Vorschläge im US-Kongreß im Januar 1979 seine Energie-Politik auf der jetzt geschaffenen Basis mit dem Ziel weiter auszubauen, die Vereinigten Staaten langfristig gegen die Auswirkungen eines möglichen Verlustes ausländischer Versorgungsquellen mehr zu schützen.
Kurzfristig gesehen sind die Aussichten für die Energieversorgung ausgezeichnet, auch wenn der Winterbedarf, wie üblich, das Niveau des maximalen
Angebots nahezu erreichen wird. Nach Ansicht von Energieminister James
Schlesinger bereitet für die nächste Zeit die Ölversorgung "kein Problem".
Erdgas gebe es genügend, und ein Streik im Kohlebergbau wie im vergangenen
Winter werde sich nicht wiederholen.
Der Bedarf der freien Welt an Erdöl ist innerhalb des letzten Jahres um
mehr als vier Prozent bzw. 280 000 Tonnen pro Tag gestiegen. Aber dies ist zum
Teil auf die verstärkte Anlegung von Vorräten in Erwartung einer möglichen Preisanhebung seitens der OPEC-Länder im Januar 1979 zurückzuführen. Danach wird
die Nachfrage wieder zurückgehen - ohne Rücksicht darauf, wie die Entscheidung
der OPEC-Länder ausfallen wird.
Schlesinger

- 4 -

�Schlesinger verweist darauf, daß das jetzt verabschiedete Energiegesetz
der US-Regierung auch endlich die Möglichkeit gebe, Entscheidungen über den
Import von verflüssigtem Erdgas zu treffen.

Sie sei z.B. bereit, Verhandlun-

gen mit Mexiko über dieses Thema jederzeit fortzusetzen.

In China verhandelte

der Minister u.a. über eine mögliche Unterstützung seitens der Vereinigten
Staaten bei der Erschließung der reichen chinesischen Vorkommen an Erdöl, das
wahrscheinlich zum großen Teil den Weg auf den Weltmarkt nehmen werde.
habe großes Interesse an westlicher Technologie gezeigt.

China

Auch wenn das Gros

der Exporte nach Japan gehen werde, würde dies, so Schlesinger, für die USA
und andere öl importierenden Länder eine Entlastung bedeuten.

Im Anschluß an

seine Chinareise besuchte Minister Schlesinger Japan, um über die Zusammenarbeitzwischen den drei Ländern USA, Japan und der Bundesrepublik Deutschland
bei der Gewinnung flüssiger Brennstoffe aus Kohle zu verhandeln.

Die Vereinig-

ten Staaten erwägen den Bau einer entsprechenden Anlage.
Ein solches Projekt wäre Teil eines "Energie-Pakets - Teil II", das im
April nächsten Jahres dem Kongreß zugeleitet werden soll.

Es würde außerdem

die Politik samt den wichtigsten Projekten zur Nutzung der Sonnenenergie, zur
Gewinnung von Brennstoffen aus Alkohol und Ölschiefer und auf dem Gebiet der
Kernenergie behandeln.

In Regierungskreisen hält man nach wie vor den Leicht-

wasser-Reaktor für das z. Zt. optimal* System und hofft, daß der nächste Kongreß
im kommenden Jahr Genehmigungen rascher erteilen werde.

+ + + + +

- 5 -

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m

motcno

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

WAS FÜR SALT II SPRICHT
Von Senator Edward M. Kennedy

Senator Kennedy hat im September dieses
Jahres zum zweiten Mal die Sowjetunion besucht und während seines Aufenthaltes dort
zwei Stunden mit Partei- und Regierungschef Leoniid Breschnew gesprochen und über
35 Stunden lang Gespräche mit anderen führenden Politikern geführt. Vor und nach
seiner Reise in die UdSSR hatte Kennedy
Besprechungen mit Präsident Carter, Außenminister Vance und Sicherheitsberater
Brzezinski und deren Mitarbeitern. Der
folgende Artikel, der auf den Erfahrungen
Kennedys bei seinem Besuch in der Sowjetunion beruht, ist eine überarbeitete Fassung einer Rede des Senators vor dem Rat
für Auswärtige Beziehungen in Chicago.

Es besteht erneut die Hoffnung, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den politischen Willen aufbringen werden, das langerwartete SALT II-Abkommen abzuschließen.

Und darüber hinaus besteht jetzt die Hoffnung, daß Prä-

sident Carter und Präsident Breschnew zu einem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen zusammenkommen und daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion eine Aufwärtsentwicklung einschlagen werden.
Es

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es wäre für die Carter-Administration ein außenpolitischer Erfolg von
historischer Bedeutung, wenn sie im Jahre 1979 beweisen könnte, daß die Vereinigten Staaten engere und festere Beziehungen zu ihren beiden Nukleargegnern
- der Sowjetunion und China - (und niemals waren die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China so gut wie heute) herstellen
können, als diese beiden genannten miteinander haben könnten.

Dieser Erfolg

liegt heute für Präsident Carter in Reichweite, und ich werde ihn nachdrücklich darin unterstützen, daß er ihn erreicht.
In diesem Zusammenhang müssen wir in aller Klarheit die Bedeutung eines
wirksamen und ausgewogenen SALT II-Abkommens zwischen den beiden einzigen Ländern erkennen, die nicht nur jeder den anderen, sondern die ganze Welt völlig
zerstören könnten.

Die große Mehrheit des amerikanischen Volkes befürwortet

solch ein Abkommen - dies ist der Fall, seit die grundsätzlichen Richtlinien
im Jahre 1974 durch eine republikanische Administration in Wladiwostok festgelegt wurden.

Kein Politiker, welcher Partei er auch angehört, sollte die Unter-

stützung übersehen, die SALT II in der Öffentlichkeit erfährt, und sich auch
immer vor Augen halten, daß ein solches Abkommen überparteilicher Natur ist.
Und kein verantwortungsvoller Politiker sollte die Tatsache ignorieren, daß
SALT II ein gutes und festes Abkommen sein wird, das ganz klar im Interesse
der Vereinigten Staaten und der Welt liegt.

Die Vorteile von SALT II
SALT II wird unsere Sicherheit sowie die internationale Stabilität fördern. Es wird die Gefahr eines nuklearen Schlagabtausches vermindern, dessen
"tödliches Gift" - wie Präsident Kennedy einmal erklärte - "durch Wind und
Wasser, durch Boden und Saat bis in die entferntesten Winkel unserer Welt getragen und noch ungeborene Generationen von Kindern befallen würde". Lassen
Sie mich die Mittel und Wege aufzeigen, wie diese Risiken vermindert, die
Sicherheit vermehrt und die Stabilität gefördert werden können.
Erstens,

- 2 -

�Erstens, das strategische Gleichgewicht ist der Grundpfeiler dieses Abkommens.

Durch SALT I wurde die Zahl der Trägerraketen eingefroren, von denen

die Sowjets mehr besaßen als die Vereinigten Staaten.
rität korrigieren.

SALT II wird diese Dispa-

Dieses Abkommen wird zu gleichen Begrenzungen der Zahl der

strategischen Trägerraketen, über die beide Seiten verfügen dürfen, führen.
Innerhalb dieser gleichen Gesamtzahl wird es die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen, die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) und die gleiche Anzahl von landgestützten Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen geben.

Zweitens, als Folge dieser gl eichen Begrenzungen werden die Sowjets etwa
300 nukleare Trägersysteme vernichten müssen; die Vereinigten Staaten können
jedoch ihrem Arsenal weitere 250 hinzufügen, wenn sie dies wollen.

Das gesamte

B-1-Bomberprogramm könnte innerhalb der Grenzen von SALT II abgeschlossen werden - wären wir töricht genug, dies tun zu wollen.

Ohne SALT könnten die Sowjets

nach Schätzungen unseres Geheimdienstes allein schon bei Aufrechterhaltung ihres
gegenwärtigen Programms bis 1985 etwa 500 weitere nukleare Trägersysteme dislozieren.

Dies bedeutet:

SALT wird verhindern, daß rund 750 Nuklearsysteme

- bis zu 10 000 oder mehr nukleare Gefechtsköpfe auf unser Land gerichtet sein
werden.

Ohne Frage könnten wir der potentiellen strategischen Bedrohung der Sowjets
auch ohne SALT entsprechend entgegentreten„

Dies würde aber die Verdoppelung

unserer vorgesehenen Trident-Unterseeboote, die Dislozierung von bis zu 300
M-X-Raketen sowie möglicherweise die Dislozierung einer neuen Generation von
schweren Bombern erforderlich machen.

Der Preis, den wir dafür zu zahlen

hätten, würde, gemessen an heutigen Preisen, bei 100 Milliarden Dollar liegen.
Welch geringer Preis, um uns näher an die nukleare Katastrophe zu bringen!

Drittens, SALT II wird nicht nur die Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen.

Als Ergebnis der jüngsten Verhandlungs-

runde wird es auch die Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe beschränken, die durch
den sogenannten Prozeß der Aufspaltung auf diese Raketen aufgesetzt werden können.

Es wird die Fähigkeit der Sowjets begrenzen, aus der größeren Nutzlast
- 3 -

�Nutzlast ihrer Raketen Vorteile zu ziehen, indem sie ihren schweren Raketen
eine riesige Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe aufladen.

Es wird verhindern, daß

zehntausende von Gefechtsköpfen auf die Vereinigten Staaten gerichtet sein
werden.

Das ist ein sehr bedeutsamer Verhandlungserfolg der Carter-Administration.

Viertens, wir werden im Rahmen von SALT unsere ausgewogene Abschreckung
erhalten und verbessern.

Wir werden unsere Streitmacht von B-52-Bombern durch

höchst zielgenaue, mächtige Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit großer Reichweite modernisieren und verbessern.

Und unsere Unterhändler haben sicherge-

stellt, daß amerikanische Bomber mit diesen Marschflugkörpern die meisten Ziele
erreichen und treffen können, die von unserem strategischen Luftkommando als
wichtig angesehen werden, ohne eine sowjetische Luftabwehr durchdringen zu müssen.

Wir werden unser geplantes Trident-Unterseebootprogramm weiterführen.

Ein solches Trident-Unterseeboot allein wird genügend Gefechtsköpfe - von denen jeder die zwei- bis dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe hat mitführen, um alle sowjetischen Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern zu
treffen.
Fünftens, SALT II wird unsere Fähigkeit schützen und stärken, die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion mit Hilfe von Satelliten und anderen Aufklärungsmöglichkeiten zu beobachten. Es wird weiterhin eine absichtliche Verheimlichung verbieten, ja, jede Einmischung in unsere nationalen technischen
Verifizierungsmittel. Es wird von den Sowjets verlangen, von einer jahrhundertealten Geheimhaltungspraxis Abstand zu nehmen, indem sie uns Angaben über ihre
eigenen strategischen Streitkräfte machen müssen. Und es wird außerordentlich
konservative Zählungsmethoden vorschreiben, die unsere Verifizierungsmöglichkeiten erhöhen. So müssen beispielsweise jede Rakete, die jemals mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet war, und jede Abschußrampe, die jemals eine Rakete
mit Mehrfachgefechtsköpfen enthielt, auch in Zukunft als mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet gezählt werden. Das muß so sein, weil unsere Satelliten uns
mitteilen können, wie eine Abschußrampe aussieht, aber sie können uns nicht
mitteilen, was sich in der Abschußrampe befindet. Ohne SALT wäre es den Sowjets
freigestellt, alle nur möglichen Mittel der Verheimlichung anzuwenden, was uns
die Beobachtung ihrer Streitkräfte sehr erschweren würde.
Sechstens,

�Sechstens, SALT II wird es uns erlauben, unsere technologische Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Trotz all des Geredes über die sowjetische Bedrohung, liegt der einzige große Vorteil der sowjetischen Raketen doch nur
darin, daß sie größer und schwerer sind. Unsere Raketen sind an Zielgenauigkeit überlegen, an Vielfalt überlegen und an technologischer Verfeinerung überlegen. Allein die Forschungs- und Entwicklungsprogramme für unsere Marschflugkörper und die Trident-Unterseeboote werden uns auf diesen untscheidend
wichtigen Gebieten der militärischen Technologie auf viele Jahre hinaus einen
Vorsprung sichern. Und wir werden sogar in der Lage sein, nach Herzenslust
über die Möglichkeiten von M-X-Raketen, des Mehrfach-Zielpunkt-Schemas für Raketen (MAP), oder des Allerschlimmsten, nämlich einer Kombination von MAP und
M-X - das mehrere Milliarden Dollar kosten würde -.nachzudenken. Das sind
jedoch Programme, die ich für finanziell verschwenderisch, die Umwelt schädigend und militärisch destabilisierend betrachte - und die wir niemals realisieren sollten.

Die politische Begründung von SALT
Warum wird also angenommen, daß SALT II eine solche Kontroverse auslösen würde, wenn das Abkommen dem amerikanischen Senat im nächsten Frühjahr unterbreitet werden sollte? Ich glaube, dafür gibt es drei wesentliche Gründe.
Erstens, SALT ist verzerrt dargestellt und falsch verstanden worden. Zweitens,
es haben sich zu wenige Mitglieder der Regierung und des Kongresses bisher für
SALT ausgesprochen. Drittens, SALT II ist immer wieder mit anderen zwischen
den USA und der Sowjetunion stehenden Dingen in Verbindung gebracht worden,
wie beispielsweise mit Afrika und den Menschenrechten - und dies gegen unsere
besten Interessen.
Zunächst einmal sind die Kritiker von SALT schon sehr früh in die Offensive gegangen.

Einige von ihnen raten zu einer Rückkehr zu der Politik des

Kalten Krieges - gestützt auf der Illusion, daß Sicherheit und Frieden gewährleistet werden können, wenn wir die militärische Übermacht zu erreichen trachten.

Sie zielen auf die Furcht einiger Amerikaner ab, die sich noch der Tage
- 5 -

�Tage des amerikanischen Nuklearmonopols und der amerikanischen Nuklearüberlegenheit erinnern. Aber selbst die Nuklearüberlegenheit hat schon vor 15 Jahren
viel von ihrer Bedeutung verloren, nachdem beide Seiten genügend Kernwaffen besaßen, um der anderen nach jedem Erstschlag unannehmbaren Schaden zufügen zu
können.

Präsident Breschnew erklärte mir, er sei davon überzeugt, daß selbst

nur eine Atombombe, die von der einen oder anderen Seite abgeworfen würde, zu
einem allgemeinen nuklearen Schlagabtausch führen würde - zu einer nuklearen
Katastrophe nicht nur für unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Nachdem nun ein ungefähres strategisches Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besteht, verzerren einige Kritiker dieses
Bild weiterhin dadurch, daß sie die Sowjets praktisch als Riesen und uns dagegen quasi als Zwerge darstellen.

Dabei verringern oder verschweigen sie

völlig unsere eigenen großen Stärken.

Sie propagieren gar die gefährliche Vor-

stellung, daß ein Atomkrieg sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten Staaten weniger als die totale Zerstörung bedeuten würde.

Diese Kri-

tiker leisten unserer Nation gewiß keinen guten Dienst. Sie sind die Propheten
der Furcht - einer Furcht, die einer freien, vertrauensvollen und entschlossenen
Nation unwürdig ist.
Wir sind stark und werden stark bleiben. Wir verfügen über zahlreiche Vorteile - nicht nur militärisch im engeren, sondern auch strategisch im weiteren
Sinne.
Ich habe bereits auf unsere Überlegenheit auf dem Felde der militärischen
Technologie hingewiesen. Zu dieser Tatsache muß hinzugefügt werden, daß wir
über mehr als 9000 einsatzfähige strategische Nukleargefechtsköpfe verfügen
- gegenüber 4500 in sowjetischer Hand. Es muß ferner hinzugefügt werden, daß
wir unsere Planungen praktisch nur gegen eine einzige Nuklearmacht aufstellen
müssen; die Sowjets müssen das gegenüber vier Mächten: China, Frankreich,
Großbritannien und USA. Sie müssen in ihre Planungen ferner die 160 amerikanischen Maschinen vom Typ F-lll einbeziehen, die sich auf britischem Boden befinden, sowie zahlreiche andere "nuklearfähige" Flugzeuge, die wir überall auf

- 6 -

�auf der Welt dislozieren können und auch dislozieren - und alle können Atombomben und Raketen in sowjetische Ziele bringen.

Wenn die Kritiker beklagen,

daß der Backfire-Bomber bei SALT nicht berücksichtigt wird,

so müssen sie

aber auch einräumen, daß auch keine F-lll in Europa und keine FB-111 in den
USA dabei in Rechnung gestellt werden.

Und dann muß noch die Tatsache angemerkt werden, daß die sowjetischen
strategischen Streitkräfte gegenüber einem Nuklearangriff weitaus verwundbarer
sind als die amerikanischen Streitkräfte.

Etwa 70 Prozent der sowjetischen

Raketen sind landgestützt, bei uns sind dies weniger als 30 Prozent.

Fast 90

Prozent der sowjetischen Unterseeboote befinden sich ständig in irgendeinem
Hafen, etwa 60 Prozent unserer Unterseeboote sind ständig auf See.

Und schließlich darf man die Tatsache nicht übersehen, daß alle an die
Sowjetunion angrenzenden Länder ihr derzeit ablehnend gegenüberstehen und die
gegenwärtige sowjetische Führung nie einen anderen Zustand kannte; für uns
sprechen mehr als 100 Jahre des Friedens zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Nachbarn.

Wir vertrauen voll und ganz unseren NATO-Verbündeten.

Kann

die Sowjetunion das gleiche Vertrauen in die Staaten des Warschauer Paktes
haben?

Ich glaube nicht, daß irgendeine vernünftige Person es vorziehen würde,
lieber strategische Planungen in Moskau anzustellen als strategische Planungen
in Washington. Ich kenne keinen einzigen amerikanischen General, der lieber
über die der Sowjetunion zur Verfügung stehenden Militärmacht verfügen würde
als über die militärische Macht, die den Vereinigten Staaten zur Verfügung
steht.

Und es ist gefährlich und unverantwortlich, wenn jemand versucht, uns

und die Welt davon zu überzeugen, daß wir ein Land militärischer Zwerge seien,
wo wir doch eine eindrucksvolle strategische Macht darstellen, die sehr wohl
in der Lage ist, heute und in Zukunft unsere Interessen und die unserer Verbündeten zu schützen.

SALT

- 7 -

�SALT ist kontrovers, weil es in unverantwortlicher Weise mit anderen
schwierigen Fragen verbunden worden ist, die zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion stehen.

Leider brauchte die Regierung ein Jahr lang, um

zu akzeptieren, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: daß nämlich SALT
zu wichtig für das Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau und eines jeden
Kindes auf unserem Planeten ist, um mit den anderen politischen, wirtschaftlichen
und militärischen Fragen, die uns trennen, in einen Topf geworfen zu werden einschließlich der wichtigen Fragen der Menschenrechte.
SALT bedarf keiner Rechtfertigung.

Es sollte nicht - und es wird auch

nicht - mit anderen politischen Fragen in Zusammenhang gebracht werden.

Aber

es liegt auch auf der Hand, daß es politisch leichter sein wird, SALT II zu
ratifizieren, wenn gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, und daß es politisch
schwieriger sein wird, SALT II zu ratifizieren, wenn dieses Vertrauen fehlt.
Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, SALT bleibt zwar in der Tagespolitik,
aber nicht in der großen Politik mit anderen Fragen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen verbunden.

+ + + + +

- 8 -

�15. November 1978

27

US-STIFTUNG FÜR INTERNATIONALE TECHNOLOGISCHE ZUSAMMENARBEIT
Partner für Entwicklungsländer

WASHINGTON - (AD) -

Als eines der größten Probleme auf dem Gebiet

des Technologie-Transfers erwies sich die Unfähigkeit, vorhandene Technologien den besonderen Erfordernissen von Entwicklungsländern anzupassen.

Darüberhinaus gibt

es noch wenig Ansätze, auf dem Gebiet der

Entwicklung und der technischen Hilfe das bisher übliche starre Modell
mit dem Geberland, d.h. dem hochentwickelten Industrieland, auf der
einen Seite

und dem Empfängerland, dem Entwicklungsland, auf der anderen

Seite durch ein weiter gefaßtes Modell zu ersetzen, das zu echter Partnerschaft führt.
Die von Präsident Carter vorgeschlagene"Stiftung für Internationale
Technologische Zusammenarbeit" (Foundation for International Technoiogical
Cooperation - FITC) soll helfen, diesen Mangel zu beheben. Ihre Planungsabteilung unter der Leitung von Dr. Ralph Smuckler, früher Ordinarius für
Internationale Studien an der Universität von Michigan, hat die Arbeit
bereits aufgenommen. Wie Dr. Smuckler in einem Exklusivinterview mit dem

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�dem Amt für Internationale Kommunikation (ICA) in Washington erklärte,
sieht die mit Bundesmitteln finanzierte Stiftung ihre derzeit wichtigste
Aufgabe darin, Marktanalysen durchzuführen, um zu ermitteln, ob und in
welcher Weise die heute verfügbaren Technologien mit dem größtmöglichen
Nutzeffekt auch in Entwicklungsländern eingesetzt werden können.
Die Stiftung, die als offizielle Organisation erst im kommenden Jahr
etabliert wird, sieht sich keineswegs als "einziger Motor zur Ausweitung
des Wirtschaftswachstums" in Entwicklungsländern und zur Verbesserung
des Lebensstandards der großen Masse ihrer Bevölkerung.

Aber sie kann,

so Dr. Smuckler, zu einem sehr wichtigen Faktor werden, um die Verhältnisse
zu verbessern und so zum Abbau psychologischer Schranken zwischen Arm und
Reich,

des sogenannten Nord-Süd-Gefälles, beizutragen.

Ihr Programm wird

im Detail von den Vereinigten Staaten auf der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technologie, die im August 1979 in Wien
stattfindet, der Weltöffentlichkeit vorgelegt.

Die Stiftung wird keine

Doppelgleisigkeit zur Tätigkeit des amerikanischen Amtes für Internationale
Entwicklung (AID) schaffen, sondern sich darauf konzentrieren, auf welche
Weise der Transfer hochentwickelter Technologien und wissenschaftlicher
Erkenntnisse in ärmere Länder zu bewerkstelligen ist und weltweite
Probleme wie Energieproduktion und Umweltverschmutzung gelöst werden
können.
Im kommenden Jahr will die FITC versuchen, acht bis zehn besonders
wichtige Probleme abzustecken. Dazu gehören in erster Linie Produktion,
Lagerung und Verteilung von Nahrungsmitteln und die Landwirtschaft Grundansprüche also, die zu erfüllen eine Hauptaufgabe der FITC sein wird.
Außerdem können die Vereinigten Staaten, wie Dr. Smuckler erklärte, ihren
Beistand anbieten, um natürliche Hilfsquellen zu erschließen und zu nutzen,
neue, gegen Krankheiten unempfindliche Pflanzen zu entwickeln und den
Städtebau optimal zu planen. Weitere Hilfsmöglichkeiten sieht er z.B.
darin, für Unterrichtszwecke in Dorfschulen abgelegener Regionen Satelliten
einzusetzen oder in tropischen Gebieten künstliche Bewässerung mit Anlagen

- 2 -

�Anlagen durchzuführen, die mit Sonnenenergie betrieben werden.
Die Stiftung selbst wird nicht über das Personal verfügen, das
den Technologietransfer selbst vornehmen könnte. Vielmehr wird sie
Mittlerfunktionen erfüllen, indem sie bestehenden Problemen auf den
Grund geht und Experten, von denen zu erwarten ist, daß sie richtige
Lösungen finden, finanzielle Mittel zukommen läßt. In diesen Prozess
werden die Entwicklungsländer voll und ganz eingeschaltet, denn sie
sollen mitentscheiden, was sie benötigen und wie die Programme aussehen
sollen, die Abhilfe schaffen. Sie sollen letzlich in die Lage versetzt
werden, eigene Institutionen für die Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker zu gründen.
Nach Ansicht Dr. Smucklers wird sich der tatsächliche Prozess des
Technologietransfers zu einem Mechanismus entwickeln, von dem beide
Seiten profitieren. Als Beispiel verwies er auf Studien zur Stickstoffassimilation, die gegenwärtig in Brasilien durchgeführt werden, auf die
Entwicklung neuer Verfahren der Fischzucht in verschiedenen Gebieten der
Philippinen und auf ein indisches Projekt zur Verbesserung des SojabohnenAnbaus.
Die Vereinigten Staaten haben, wie Botschafter John W. McDonald
auf der "UN-Konferenz über technologische Zusammenarbeit unter Entwicklungsländern" in Buenos Aires (September 1978) erklärte, schon in den letzten
20 Jahren zahlreiche Projekte nach dem "Partnerschaftsmodell", d.h.
außerhalb der üblichen bilateralen Abkommen, finanziert. Für ca. 36 000
Personen aus über 100 Ländern wurden bisher auf diese Weise die notwendigen
Mittel aufgebracht. Sie erhielten eine sogenannte Drittländer-Ausbildung.
Das bedeutet, daß sie in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten und
außerhalb des als Empfängerland vorgesehenen Entwicklungslandes geschult
wurden. Dieses "trilaterale Modell" hilft psychologische Schranken abzubauen, die bei Anwendung des herkömmlichen "Geber-Empfänger-Modells"
zwangsläufig bestehen.
Bei diesem
- 3 -

�Bei diesem neuen, zeitgemäßeren Modus ist es üblich, daß sich zwei
Entwicklungsländer zusammensetzen und das Vorgehen für ein ganz bestimmtes
Projekt erörtern.

Stellen sie fest, daß sie nicht alle notwendigen

Antworten finden können,wenden sie sich gemeinsam an ein drittes Land
oder an eine Organisation.

In den Vereinigten Staaten haben sich bereits

verschiedene Institutionen bereit erklärt,als "dritte Partei" zu fungieren.
Sie werden in einem solchen Fall entweder selbst beraten und die Leitung
von Projekten übernehmen

oder Anfragen und Hilfeersuchen an die best-

geeigneten Stellen weiterleiten.
A.

Zur Verfügung stehen u.a.

Nationale Akademie der Wissenschaften
-

insbesondere bei Projekten für einen besseren Schutz der
Ernteerträge gegen Verderb und anderweitige Verluste, bei
Projekten der Wasserwirtschaft, der Erschließung von Meeresressourcen, von Naturprodukten (Waldprodukte, öle, Harze und
Gummi), Energieversorgung für ländliche Gebiete, Ausbildung
von Personal für Umweltschutz, Ansiedlung von kleineren
Industriebetrieben auf dem Land.

B.

Amerikanische Gesellschaft für öffentliches Gesundheitswesen
- vor allem für die Lösung von Problemen, die die primärärtzliche
Versorgung, Gesundheitsfürsorge mit der Einrichtung geeigneter
Systeme, medizinische Technik und Hilfsmittel, Kleinindustrie
mit Produktionsprogrammen auf medizinischen und verwandten
Gebieten sowie die Einschaltung von Beratern aus Ländern der
Dritten Welt umfassen.

C.

Amerikanischer Erziehungs- und Bildungsrat
-

eine Organisation mit mehr als 1200 in ihr vertretenen Colleges
und Universitäten für Beratungsaufgaben und Anleitung auf den
Gebieten Sprachenunterricht, volkskundliche und wirtschaftsgeographische Studien, Erwachsenenbildung und Weiterbildung,
Lehrerausbildung und -fortbildung, Austausch im Bildungswesen.
Internationale

�D.

Internationale Vereinigung für Städtebau und -Verwaltung
-

eine Organisation (Sitz Washington) mit mehr als 3 000 in ihr
vertretenen Städten aller Größen aus den USA, Kanada und Westeuropa hat sich die Lösung urbaner Probleme und die Verbesserung
der Lebensqualität in den Städten zum Ziel gesetzt.
Erfahrungsaustausch

Sie ist zum

auf den Gebieten Städteverwaltung,

Wachstumssteuerung urbaner Gemeinwesen, Probleme der Umweltverschmutzung in der Stadt, hohe Verkehrsdichte sowie Kooperation
von jeweils zwei Städten in Entwicklungsländern mit einer Stadt
in einem Industrieland bereit.
E.

Nationaler Technischer Informationsdienst (NTIS)
-

technische Zentralbibliothek (Washington) mit einem riesigen
Archiv von Texten im vollen Wortlaut oder als Kurzfassung,
gespeichert im Computer oder auf Mikrofilm, über mehr als
1 000 000 staatlich finanzierter Forschungsprojekte aus
praktisch allen Interessengebieten der Entwicklungsländer.
Außerdem hat der NTIS Zugang zu 160 anderen Datenbanken innerhalb der USA, die über weitere 50 Millionen Forschungsprojekte
von Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und Privatleuten Informationen geben können. Auch 150 000 nichtamerikanische
Forschungsdokumente sind in den Archiven erfaßt. Bilaterale
Abkommen zwischen dem NTIS und über 20 Entwicklungsländern wurden
bereits abgeschlossen, so daß diese Länder über NTIS schriftlich, per Telefon, Fernschreiber oder Computer auch untereinander wissenschaftlich-technische Informationen austauschen
können. Gegenwärtig verhandelt NTIS mit Vertretern des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen über Möglichkeiten
einer optimalen Förderung der technischen Zusammenarbeit unter
Entwi cklungsländern.

F.

INTELSAT (Internationale Organisation für Fernmeldesatelliten)
- mit 102 Mitgliedstaaten eine der jüngsten und technisch be-

- 5 -

�technisch bestausgestatteten internationalen Institutionen
der Welt.

Mit Fernmeldesatelliten im Wert von 450 Millionen

Dollar ermöglicht sie rasche, exakte und billige Nachrichtenverbindungen um den ganzen Erdball.

Ungefähr 70 Staaten, die

Hälfte davon Entwicklungsländer, haben Bodenstationen für den
Satellitenfunk in Betrieb und können so über dieses Nachrichtennetz miteinander in Verbindung treten.
Das Direktorium von INTELSAT hat einem Vorschlag Kuweits
und einiger arabischer Staaten grundsätzlich zugestimmt, daß
sich INTELSAT auf dem Gebiet der internationalen technischen
Zusammenarbeit engagiert und Regierungen, die noch nicht über
ausreichende technische Erfahrungen verfügen, berät und dabei
unterstützt, ein Fernmeldenetz via Satelliten einzurichten.

Auf

diese Weise könnten immer mehr Länder miteinander wissenschaftlichtechnische Daten und Informationen austauschen, was auch ihrer
Entwicklung zugute käme.
Den Entwicklungsländern dabei zu helfen, ihre eigenen institutionellen
Möglichkeiten für eine Bewertung, Auswahl, Anpassung und Neuschöpfung von
Technologien zu verbessern und für Wissenschaft und Technik eine eigene
Infrastruktur aufzubauen, ist eines der wesentlichen Ziele der US-Stiftung
für internationale technologische Zusammenarbeit. Für Ausbildung, Forschung
und Entwicklung auf besonders wichtigen Gebieten wie Energie, Landwirtschaft,
Gesundheitswesen und Kleinindustrie - vor allem in Ländern mit niedrigen
Einkommen - werden finanzielle Mittel beschafft und die Beratung bzw. Anleitung durch Experten vermittelt. Auch soll die Zusammenarbeit zwischen
amerikanischen und ausländischen Institutionen gefördert werden, die sich
um optimale Lösungen für spezielle Entwicklungsprobleme bemühen. Die
Stiftung ist ferner daran interessiert, die wirtschaftlichen Möglichkeiten
auf subregionaler und regionaler Ebene zu verbessern und Technologien den
Erfordernissen selbst lokaler Probleme und Umstände anzupassen.
+ + + + +

- 6 -

�31
I

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

POCKENBEKÄMPFUNG - ERFOLGREICHSTES UN-PROGRAMM
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt

- (AD) - Am 26. Oktober 1978 war es ein volles Jahr, dass in Afrika
kein einziger Pockenfall mehr auftrat - Asien ist sogar schon seit drei
Jahren pockenfrei. Dies ist einer etwa zehn Jahre währenden Kampagne der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausrottung der Pocken zu verdanken und die Welt zieht daraus in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
Sicht bereits Dividenden. Sie belaufen sich, so verlautet aus Kreisen
der WHO, auf nahezu zwei Milliarden Dollar im Jahr. Das ist ungefähr
die Summe, die die Krankheit früher an wirtschaftlichen Verlusten verursachte. Das Bekämpfungsprogramm war demgegenüber wesentlich billiger.
Es erforderte 300 Millionen Dollar.
Etwa zwei Drittel dieser Kosten trugen Länder, in denen die Pocken
die meisten Opfer forderten.

Für den Rest kam die WHO sowie eine Anzahl

anderer Länder und Spenderorganisationen auf.

Impfstoffe mit Millionen

von Einheiten stellten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
zur Verfügung.

Langjährige Mitarbeiter der Vereinten Nationen, denen

die WHO angeschlossen ist, bewerten den Kampf gegen die Pocken als das

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�das wirksamste Programm großen Stils, das von den UN je durchgeführt
wurde.

Es befreite Millionen und Abermillionen Menschen von Not und

Leid.
Als die WHO im Jahr 1967 ihre Kampagne begann, erkrankten jährlich
schätzungsweise zweieinhalb Millionen an den Pocken.
starben oder blieben ihr Leben lang geschädigt.
ereignete sich vor einem Jahr in Somalia.
Birmingham im September 1978

Viele von ihnen

Die letzte Kontaktinfektion

Den Tod einer Engländerin in

rechnen WHO-Beamte nicht zu der regulären

Kategorie von Pockenerkrankungen, weil die Infektion offensichtlich auf
unreichende Schutzmaßnahmen in einem Laboratorium zurückzuführen ist,
wo Pockenviruskulturen für experimentelle Zwecke gezüchtet werden.
Die WHO setzt sich schon seit geraumer Zeit für verschärfte Vorsichtsmaßnahmen in Laboratorien ein und drang darauf, daß nur noch vier
Institute - in London, Moskau, Peking und Atlanta (Georgia) - ständig
Pockenviruskulturen halten dürfen, um Vergleiche mit anderen infektiösen
Viren anstellen zu können und im Fall unvorhergesehener Entwicklungen
Forschungsmaterial an der Hand zu haben.

Im Dezember 1978 will die WHO

aufgrund des Gutachtens eines Wissenschaftlergremiums endgültig darüber
entscheiden, ob von der totalen Ausrottung der Pocken in der Welt gesprochen werden könne - oder noch immer nicht.
In 130 Ländern werden heute von Reisenden keine Impfbescheinigungen
mehr verlangt. In den USA und 38 weiteren Ländern besteht keine Impfpflicht
mehr zum Schutz gegen Pocken. Das bedeutet, daß die Kampagne gegen die
Pocken in diesen Ländern Gelder, die bisher für die Herstellung oder
den Kauf von Vakzinen oder für die Durchführung vom ImpfProgrammen, die
Behandlung von Pockenpatienten, die Überwachung im Inland und an den
Grenzen sowie für Maßnahmen gegen plötzliche Ausbrüche der Seuche verwendet werden mußten, jetzt für andere Zwecke verfügbar macht.
Theoretisch könnten sie nach Ansicht der WHO anderen notwendigen Entwicklungs-

- 2 -

�Entwicklungsprogrammen, insbesondere auf dem Gebiet des Gesundheitswesens,
zugute kommen.
Der erste Jahrestag zu dem letzten bekannt gewordenen Fall in
Somalia wurde am Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York in
einer kleinen Feier gewürdigt. Am darauffolgenden Tag ehrte man in
Rochester (New York) zwei amerikanische Ärzte, die sich im Kampf gegen
die Pocken besonders verdient gemacht hatten. Es sind dies Dr. William
Foege, der Direktor der Zentralstelle für Krankheitsbekämpfung (Center
for Disease Control - CDC) in Atlanta, und Dr. Donald A. Henderson, der
ehemalige Leiter der CDC-Abteilung für die Ausrottung der Pocken und jetzt
Dekan der Fakultät für öffentliches Gesundheitswesen an der Johns HopkinsUniversität in Baltimore (Maryland).
Die CDC leistete einen der wichtigsten Beiträge zur Kampagne der WHO.
Sie schickte mehr als 300 Ärzte und technisches Personal in Gebiete in
aller Welt, wo immer wieder Pockenepidemien auftraten.

Dr. Henderson

leitete die WHO-Kampagne von Anfang an und gab erst vor einem Jahr diese
Funktion ab, nachdem sich immer deutlicher zeigte, daß die akuten Gefahren
gebannt sind.

+ + + + +

- 3 -

�I 3
27

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

HAMOGLOBINE MIT UNTERSCHIEDLICHER SAUERSTOFFBINDUNG
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

- (AD) - Die ungewöhnliche Adaptionsfähigkeit der Fische im
Amazonasgebiet, wo sich häufig in kurzer Zeit die Lebensbedingungen
radikal ändern, ist bei zahlreichen Arten auf das Vorhandensein mehrerer
Hämoglobintypen im Organismus zurückzuführen, die Sauerstoff verschieden
stark binden. Diese unterschiedliche Affinität von Molekülen des roten
Blutfarbstoffs zu Sauerstoff versetzt die Fische in die Lage, den Sauerstoffbedarf des Organismus auch unter schlechten Atmungsbedingungn optimal
zu decken. Dies fanden 22 Wissenschaftler aus sechs Ländern während
ihrer Expedition mit dem amerikanischen Forschungsschiff "Alpha Hei ix"
zum Amazonas heraus.
Hämoglobin ist das Schlüsselmolekül der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) für den Transport von Sauerstoff zu den Organen und Geweben.
Das sauerstoffbeladene Molekül im (auf Grund dieses Zustandes hellen)
Arterienblut gibt in den Kapillaren der Gewebe den Sauerstoff durch
Dissoziation ab. über mehrere chemische Reaktionen wird vom Hämoglobin

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Tel: 02221-89 32 4 0

�Hämoglobin auch die Abführung von Kohlendioxid (CO2) mit dem Venenblut
besorgt, das infolge der (^-Beladung dunkler gefärbt ist. Chemisch
gesehen ist Hämoglobin die Kombination eines jeweils artspezifischen
Proteins (Globin) mit einem Porphyrin-Eisen-Komplex-Salz.
In einem Bericht an die Nationale Forschungsstiftung (National
Science Foundation - NSF) der USA betont der Leiter der Expedition,
der Zoologe Dr. Austen Riggs von der Staatsuniversität Texas in Austin,
die Bedeutung der Forschungsergebnisse für den Nachweis der gleichzeitigen
Existenz verschiedenartiger Hämoglobine mit unterschiedlicher Affinität
zu Sauerstoff in einem Organismus. Sie sei offenbar viel weiter verbreitet, als bisher angenommen wurde. Die Entdeckung sei "von großem
Interesse für die Evolutionsforschung und für die Genetik". Sie
vermittle außerdem wichtige Erkenntnisse über die Funktion des menschlichen
Hämoglobins. (In menschlichen Erythrozyten wird z.B. fetales Hämoglobin
und sog. bleibendes Erwachsenen-Hämoglobin unterschieden. Beide Hämoglobintypen sind bei der Geburt im Verhältnis von ungefähr 2 : 1 vorhanden.
Aber schon in den ersten Lebensmonaten wird die "fetale" gegen die
"bleibende" Form völlig ausgetauscht. Es wurden aber auch zahlreiche
pathologische Typen von Hämoglobin nachgewiesen, zu denen z.B. das
schwere Anämien verursachende Sichelzellen-Hämoglobin gehört. Diese
Formen und zahlreiche weitere, inzwischen ermittelte Varianten sind
vererbbar und treten bei Personen bestimmter Rassenzugehörigkeit, aber
auch regional mit größerer Häufigkeit auf. Für eine Behandlung der oft
katastrophalen Auswirkungen von "Baufehlern" des menschlichen Hämoglobins
und des durch sie verursachten Sauerstoffmangels im Organismus besteht
neuerdings bei vielen Fällen Hoffnung aufgrund der Forschungsergebnisse
einer deutschen Wissenschaftlergruppe vom Max-Planck-Institut in Mühlheim/
Ruhr und der Technischen Hochschule von Aachen. Sie entwickelten eine
Methode, mit der sich gewisse Substanzen, welche die Bindungen zwischen
Hämoglobin und molekularem Sauerstoff schwächen, in Erythrozyten einlagern
lassen.

Die Folge ist eine vermehrte Sauerstoffabgabe an Organe und

- 2-

�und Gewebe.)

Das Interesse der internationalen Gruppe mit Biochemikern, Zoologen
und Biologen aus den USA, Brasilien, Dämemark, Großbritannien, Italien
und Norwegen auf der "Alpha Hei ix", einer schwimmenden Forschungsstation
des Scripps-Instituts für Ozeonographie in San Diego (Kalifornien), hatte
in erster Linie den anatomischen Besonderheiten und biochemischen
Mechanismen sowie den Verhaltensä'nderungen der Fischpopulationen
einer Veränderung der Umweltbedingungen gegolten.

bei

Die Amazonas-Fische

sind auf besondere Anpassungen angewiesen, um zu überleben.

Jedes Jahr

verursachen Regenfälle gewaltige Überschwemmungen, die in weite Gebiete
des tropischen Urwalds vordringen.

Wenn das Hochwasser zurückgeht,

bleiben Tümpel und kleine Seen mit großen Mengen von Fischen zurück.
"Faulende Vegetation verbraucht rasch den Sauerstoff im Wasser", erklärt
Dr. Riggs.

Die in den Hochwasserrückständen gefangenen Fische müssen

ums überleben kämpfen.

Die Forscher untersuchten im Bordlaboratorium u.a. das Blut von
praktisch jeder wichtigen Fischart, um mehr über deren Anpassungsmechanismen, die ein überleben möglich machen, herauszufinden.

Die

Studien konzentrierten sich deshalb auf Blut, weil es zusammen mit dem
Sauerstoffträger Hämoglobin ein direktes "Kettenglied" zwischen dem
Sauerstoff in der Umwelt und den Körpergeweben bildet, die in Stoffwechsel
Prozessen den aufgenommenen Sauerstoff verbrauchen.

Die biologische Anpassung habe, so Dr. Riggs, dazu geführt, daß
manche Fischarten z.B. ganz normal Luft atmen - sie heben einfach den
Kopf aus dem Wasser.

Bei einer der Spezies wurde eine ganz reguläre

Lunge festgestellt.

Bei einer anderen ist ein Teil des Magens so um-

gewandelt, daß er den Gasaustausch bei Luftatmung durchführen kann.
Wieder andere Fische holen den Sauerstoff aus der Oberflächenschicht
des Wassers. Aber es gibt auch zahlreiche Arten, die anatomisch nicht
auf diese Weise angepaßt sind und statt dessen komplizierte molekulare

- 3 -

�molekulare und biochemische Mechanismen entwickelt haben. Und eine davon
ist die Ausbildung von zwei und mehr verschiedenen Hämoglobinen im
Organismus, die den Sauerstofftransport und die Versorgung der Gewebe
unter den verschiedensten Umweltbedingungen aufrechterhalten.

Daß bei

Fischen sehr häufig mehrere Hämoglobintypen auftreten, war bereits bekannt.
So kennt man beim Karpfen drei verschiedene Hämoglobine.

Aber sie weisen

alle die gleichen Eigenschaften der Sauerstoffbindung auf.
Wie Dr. Riggs weiter betont, ist eine gute Kenntnis der Physiologie und Biochemie der Amazonas-Fische eine wichtige Voraussetzung für
die Nutzung dieser wichtigen Nahrungsquelle nach vernünftigen ökologischen
Gesichtspunkten.

Gegenwärtig in den USA und in Brasilien durchgeführte

Studien zeigen, daß sich einige Amazonas-Fischarten für die Zucht in
Fischfarmen eignen würden.

Die biochemischen Untersuchungen im Verlauf

der Expedition helfen, die Bedingungen besser zu definieren, unter denen
der Betrieb solcher Fischfarmen durchgeführt werden muß.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungsfahrt der "Alpha Hei ix"
ins Amazonasgebiet werden in der britischen Zeitschrift "Comparative
Biochemistry and Physiology" veröffentlicht.

+ + + + +

- 4-

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%

^

Sonderdienst

c*

November 15, iyö9

I N H A L T

Bush; Berliner Mauer hat an Bedeutung verloren
- Äußerungen des Präsidenten über die neue Reisefreiheit in der DDR

Baker; Vereinigte Staaten "außerordentlich glücklich" über
Ereignisse in der DDR
- Stellungnahmen des amerikanischen Außenministers -

Walters; Winde der Freiheit wehen aus dem Westen
- Botschafter Vernon Walters im amerikanischen Fernsehen -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BUSH: BERLINER MAUER HAT AN BEDEUTUNG VERLOREN
- Äußerungen des Präsidenten über die neue Reisefreiheit in der DDR -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge ist die Berliner Mauer angesichts
der Öffnung der Grenze zur DDR nunmehr "nahezu bedeutungslos" geworden.
Der Präsident erklärte am 9. November 1989 im Weißen Haus gegenüber Journalisten, "Ich begrüße die Entscheidung der DDR-Führung, die Grenze für diejenigen
zu öffnen, die ausreisen oder verreisen wollen ... Das ist im Hinblick auf die
Menschenrechte eindeutig eine positive Entwicklung."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich möchte ein kurze Erklärung abgeben. Soeben haben mich der Außenminister und der Nationale Sicherheitsberater über die jüngsten Ereignisse
in Deutschland informiert. Natürlich
begrüße ich die Entscheidung der DDRFührung, die Grenze für diejenigen zu
öffnen, die ausreisen oder verreisen
wollen. Diese Maßnahme steht, wenn
sie vollständig realisiert wird, im
Einklang mit der Schlußakte von Helsinki, die von der DDR mitunterzeichnet wurde.
Und wenn die DDR jetzt Fortschritte
macht, wird diese 1961 errichtete
Mauer nahezu bedeutungslos werden.
Das ist im Hinblick auf die Menschenrechte eindeutig eine positive Entwicklung. Und ich muß sagen, daß ich
insbesondere nach meinen Gesprächen

mit dem Außenminister und dem Nationalen Sicherheitsberater sehr erfreut
über diese Entwicklung bin.
Frage:
Herr Präsident, würden die
Vereinigten Staaten jetzt erwägen,
mehr zu tun, um der Bundesrepublik
bei der Unterbringung und Versorgung
der DDR-Bürger zu helfen, die jetzt
dorthin kommen? Können wir noch mehr
tun, um der Bundesrepublik zu helfen

Antwort: Wir haben so enge Beziehungen zur Bundesrepublik, daß wir
eine potentielle Bitte Bundeskanzler
Kohls um Hilfe ernsthaft berücksichtigen würden. Ich weiß noch nicht
genau, was man dort vorhat, denn meiner Ansicht nach ist es bei einer
ganz offenen Grenze schwer vorherzu-

�sehen, wieviele wirklich die DDR verlassen werden. Es ist also eine dynamische Entwicklung, und wir können
nur abwarten. Aber unsere Beziehungen zur Bundesrepublik sind dergestalt, daß wir größtmögliche Hilfe
leisten werden, wenn diese notwendig
wird. Bis jetzt hat die Bundesrepublik hervorragende Arbeit geleistet,
um denjenigen zu helfen, die diesen
neuen Aufbruch einleiten.
Frage:
Haben
Sie
Bundeskanzler
Kohl versichert, daß wir ihn unterstützen werden, wenn er Hilfe braucht?
Antwort:
Ich habe nicht mit ihm
die neuen Entwicklungen erörtert,
weil er sich gegenwärtig in Polen
aufhält.
Ich habe vergangene Woche
mit ihm darüber gesprochen und ihm
klar unsere Auffassung dargelegt, daß
die Bundesrepublik diese Angelegenheit mit großem Einfühlungsvermögen
regelt. Sie trägt dabei eine ungeheure Last. Und ich habe - glaube
ich - bei diesem Gespräche auch gesagt: "Wenn wir helfen können, lassen Sie es uns bitte wissen", aber
ich denke, daß er davon ausgeht.
Frage: Hat er Ihnen gegenüber angedeutet, inwieweit er in der Lage
ist, diesen Flüchtlingszustrom zu bewältigen?
Die Zahl beträgt meines
Wissens jetzt 110 000. Hat er gesagt, bei der Marke von einer Million
werden wir tatsächlich Probleme bekommen?
Antwort: Nein, über Zahlen hat er
nicht gesprochen.
Aber er demonstriert ruhige Zuversicht, daß die
Bundesrepublik
damit
fertig wird.
Ich habe bereits darauf hingewiesen,
daß dort hervorragende Arbeit geleistet wurde. Und in diesem sich rasch
wandelnden Teil der Welt finden neue
Entwicklungen &lt;jtatt, die wir begrüßen
können. Das ist ein dramatisches Ereignis für die DDR und natürlich auch
für die Sache der Freiheit.
Frage:
Ist dies das Ende des Eisernen Vorhangs?

Antwort:
Meiner Ansicht nach kann
kein einzelnes Ereignis das Ende dessen sein, was Sie den Eisernen Vorhang nennen. Aber natürlich ist seit
den schlimmsten Tagen des Eisernen
Vorhangs ein weiter Weg zurückgelegt
worden.
Frage: Herr Präsident, welche Auswirkungen werden sich Ihrer Ansicht
nach für den Warschauer Pakt ergeben? Können wir davon ausgehen, daß
es sich hier um Anzeichen für eine
Öffnung oder sogar eine Auflösung des
Warschauer Pakts handelt?
Antwort
Es kommt darauf an, was
Sie unter dem Warschauer Pakt verstehen. Im Hinblick auf die Reisefreiheit findet natürlich eine Öffnung
statt. Sie steht im Einklang mit der
Schlußakte von Helsinki und ist eine
sehr positive Entwicklung.
Unser Ziel ist ein ungeteiltes und
freies Europa. Haben wir es hier mit
Schritten in diese Richtung zu tun?
Ich würde das bejahen. Gorbatschow
spricht über ein gemeinsames Haus.
Sind dies Schritte in diese Richtung? Wahrscheinlich ja.
Frage:
Welche Anzeichen gibt es
für eine mögliche Einwanderungswelle
in unser Land, Herr Präsident? Denken Sie, daß viele dieser neuen
Flüchtlinge zu uns kommen werden?
Antwort:
Dafür gibt es
zeichen.
Die DDR-Bürger
die Bundesrepublik.

keine Anreisen in

Frage: Besteht die Gefahr, daß die
Ereignisse außer Kontrolle geraten?
Außenminister Baker hat bereits darauf verwiesen, mit welcher Geschwindigkeit sich die Veränderungen in
Osteuropa vollzogen haben.
Niemand
hat damit gerechnet, daß es so
schnell geht. Besteht also die Gefahr, daß sich die Dinge zu stark beschleunigen?
Antwort:
Ich würde nicht sagen,
daß diese Entwicklungen die Dinge zu
stark beschleunigen.
Genau diese

- 2 -

�Entwicklungen haben wir seit langem
durch unsere starke Unterstützung der
Schlußakte von Helsinki gefördert.
Ich würde also nicht die Hypothese
aufstellen,
daß
irgendetwas
zu
schnell geht.
Wir gehen aber auf eine Weise damit
um, die für alle Seiten befriedigend
sein soll. Wir haben Hochachtung vor
denjenigen, die sich zunehmend demokratisieren. Wir fördern das Konzept
eines ungeteilten und freien Europas.

die den Menschen dies garantiert.
Frage:
Sie haben gerade gesagt,
daß wir im Kampf zwischen Ost und
West einen großen Sieg errungen haben, aber das scheint Sie nicht in
Hochstimmung zu versetzen, und ich
frage mich, ob sie an die Probleme
denken ...?
Antwort:
Ich bin in Hochstimmung,
auch wenn man es mir nicht ansieht.
Frage:

Und wir begrüßen diese Entwicklungen.
Aber ich möchte keine Hypothesen aufstellen, ob etwa zuviele oder zu
schnelle
Veränderungen
stattfinden
oder was wir tun würden, wenn etwas
schiefliefe. Ich denke, die Bundesrepublik leistet gute Arbeit, und die
Bürger der DDR - deren Hoffnung auf
Freiheit jetzt der Verwirklichung ein
großes Stück nähergekommen ist - haben unsere Hochachtung.
Frage:
Herr Präsident, denken Sie
angesichts der Entwicklungen in der
DDR, die einen Kurs wie in Polen und
Ungarn nehmen, daß sich die übrigen
Ostblockstaaten dem entziehen können?
Ich spreche von der Tschechoslowakei,
Bulgarien und Rumänien. Werden sie
die nächsten sein?
Antwort:
Meiner Ansicht nach kann
sich niemand - weder in Europa noch
in der westlichen Hemisphäre - dem
entziehen. Das ist auch so wunderbar
an den dynamischen Veränderungen in
Mittelamerika - es finden Bewegungen
in unsere Richtung statt.
Frage: Haben Sie jemals damit gerechnet, daß so etwas geschehen könnte?
Antwort:
Wir haben damit gerechnet, aber ich kann nicht sagen, daß
ich diese Entwicklungen zu diesem
Zeitpunkt vorhergesehen hätte. Vorhergesehen habe ich es nicht, damit
gerechnet schon.
Wenn ich über ein
ungeteiltes und freies Europa spreche, meine ich Freizügigkeit und Beachtung der Schlußakte von Helsinki,

Inwiefern?

Antwort:
Ich freue mich sehr, und
ich freue mich auch über viele andere
Entwicklungen. Ich habe bereits darauf verwiesen, daß der Beitrag, den
die Vereinigten Staaten meiner Ansicht nach dazu leisten - und der
nicht unmittelbar mit dieser Entwicklung heute zusammenhängt - angemessen
geleistet wird, und manche werden
verlangen, daß wir mehr Staub aufwirbeln.
Meiner Ansicht nach handeln
wir angesichts dieser dramatischen
Veränderungen angemessen und gemeinsam mit unseren Verbündeten, mit denen wir engen Kontakt halten. Wir
versuchen, bei den neuen Entwicklungen zu helfen und sowohl politische
als auch wirtschaftliche Reformen zu
fördern.
Frage:
Ich möchte noch eine Frage
zu Ihren Überlegungen stellen: Was
werden wir tun, wenn die Ereignisse
dort eskalieren und alle in den Westen kommen? Der Ansturm derer, die
in die Bundesrepublik reisen, kann
jetzt angesichts der Zahl von 200 000
gut bewältigt werden. Aber wenn die
Zahl auf eine Millionen steigt? Wenn
es zwei Millionen werden?
Antwort:
Ich möchte annehmen, daß
die politischen Veränderungen in der
DDR mit der Liberalisierung Schritt
halten werden. Vor meiner Polen-Reise wurde ich von einem polnischen
Journalisten gefragt, welchen Rat ich
geben würde, wenn ich ein junger Pole
wäre.
Ich habe darauf geantwortet,
mein Rat lautete: Bleibt hier und
beteiligt Euch an diesen dramatischen

- 3 -

�Veränderungen in diesem Land, nehmt
das Gefühl der Macht der Freiheit
auf, die Hinwendung zur Demokratie
und habt daran teil.
Hier handelt es sich um Deutsche, die
ihr Land lieben, und meiner Ansicht
nach sagen sich viele Deutsche, die
eingeschlossen waren und keine Bewegungsfreiheit hatten: Wir können uns
jetzt frei bewegen, aber wäre es
nicht besser, uns an den Reformen zu
beteiligen, die in unserem eigenen
Land stattfinden? Ich denke, es ist
zu früh, um vorhersagen zu können,
daß aufgrund der Freizügigkeit alle
das Land verlassen würden.
Frage: Denken Sie, daß jetzt Ihre
Position im Hinblick auf den Gipfel
im kommenden Monat und ihre Gespräche
mit Präsident Gorbatschow stärker
ist?
Ich meine, ob Ihre Seite gewinnt.
Und werden Sie ihm das zu
vermitteln suchen? Werden Sie davon
Gebrauch machen, um ...?
Antwort:
Er hat bereits sein Interesse an einem gemeinsamen europäischen Haus bekundet. Wir haben es
anders genannt. Wir haben von einem
ungeteilten und freien Europa gesprochen. Und wenn Sie beobachten, daß
Bürger einem Land, in dem sie unterdrückt wurden, entfliehen wollen, ist
dies ein Hinweis, den Gorbatschow
verstehen wird. Er kann das nicht
nur in Osteuropa, sondern in der Sowjetunion selbst beobachten. Ich habe erklärt, wir würden den raschen
Wandel in Osteuropa erörtern, und das
haben wir genau bis zu dem Zeitpunkt
getan, als sie hierher kamen. Wir
haben das Treffen mit Gorbatschow besprochen. Und einer der Punkte, den
wir zu diskutieren entschlossen sind
und den wir bestimmt ansprechen werden, ist dieser Wandel.

nähergerückt?
Antwort: Das kann ich nicht sagen.
Meiner Ansicht nach ist es zu früh,
um darüber zu sprechen.
Ich habe
mich zur Frage der Wiedervereinigung
bereits geäußert. Auch der französische Staatspräsident Mitterand hat
sich dazu geäußert. Ich habe Bundeskanzler Kohls Meinung dazu gehört.
Aber ich weiß nicht, ob die heutigen
Entwicklungen den Tag der Wiedervereinigung
näherrücken
lassen
oder
nicht.
Frage:
Herr Präsident, werden Sie
über die Jackson-Vanik-Beschränkungen
für die DDR diskutieren?
Antwort:
Ich werde sicherlich eine
große Bandbreite dieser Themen mit
den Sowjets erörtern. Ich weiß, daß
sie daran großes Interesse haben.
Wir sind bereit, darüber zu sprechen.
Frage: Werden Sie in den nächsten
Tagen mit Bundeskanzler Kohl sprechen?
Antwort:
Ich möchte bald mit ihm
sprechen, aber er befindet sich gegenwärtig in Polen. Ich werde versuchen, mit ihm in Kontakt zu treten,
aber ich habe erst kürzlich mit ihm
gesprochen.
Wir haben regelmäßig
Kontakt.
Frage: Haben Sie mit anderen westeuropäischen
Spitzenpolitikern
gesprochen? Werden Sie versuchen, Mitterand zu erreichen?
Antwort:
Ich weiß es nicht.
Ich
habe erst vor ganz kürzer Zeit mit ihm gesprochen. Aber es könnte sein,
daß er noch etwas besprechen möchte.

* * * * *

Frage:
Herr Präsident,
wenn sie
sagen, vielleicht wollten die DDRBürger bleiben und sich am Reformprozeß ihres Landes beteiligen, deuten
sie an, daß bis zur Wiedervereinigung
noch ein weiter Weg ist. Wie stehen
Sie zur Wiedervereinigung?
Ist sie

�BAKER:

VEREINIGTE STAATEN "AUSSERORDENTLICH GLÜCKLICH" ÜBER EREIGNISSE
IN DER DDR
- Stellungnahmen des amerikanischen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) In mehreren Interviews hat der amerikanische Außenminister
James Baker am 10. Novemher 1989 zu den Ereignissen in der DDR und Berlin
Stellung genommen. In bezug auf die Öffnung der Berliner Mauer erklärte der
Minister unter anderem, die Vereinigten Staaten "begrüßen dieses bedeutende
und dramatische Ereignis".
Sie seien darüber "außerordentlich glücklich".
Baker verwies ferner auf den "rapiden" und "dynamischen Wandel", der sich gegenwärtig in der DDR vollziehe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen des US-Außenministers zu diesem
Thema in ihren wichtigsten Auszügen.

Frage:
Ich weiß nicht, ob Sie in
den vergangenen Wochen Zeit zum Sinnieren hatten, aber sinnieren Sie
doch mit mir ein wenig - denken Sie
einmal sechs Wochen zurück.
Gorbatschow besucht Ostberlin.
Als nächstes tritt Honecker ab.
Und dann
fährt Honeckers Nachfolger nach Moskau. Kurz darauf wird in der DDR alles auf den Kopf gestellt.
Welche
Rolle hat Gorbatschow bei all diesen
Ereignissen gespielt?
Antwort:
Dies ist wirklich ein rapider Wandel.
Und ein sehr dynamischer. Meines Erachtens spielten die
Sowjets dabei eine sehr wichtige Rolle.
Im Verlauf meiner Treffen mit
Außenminister Schewardnadse hat dieser mir gegenüber eindeutig erklärt,
daß die Sowjets den Reformprozeß in

Osteuropa ebenso unterstützen wie die
Reformen in der Sowjetunion.
Ich
denke, sie sind zu dem Schluß gekommen, daß sie erforderlich sind, wenn
sie mit der Perestrojka Erfolg haben
wollen.
Ich habe heute mit Interesse
zur
Kenntnis genommen, daß die Sowjetunion zu den ersten Staaten zählte, die
diese Entwicklung begrüßt haben.
Frage:
Der
Sprecher
des
sowjetischen
Außenministeriums,
Gennadij
Gerassimow, hat erklärt, es würde den
Sowjets noch nicht einmal etwas ausmachen, wenn dort freie Wahlen mit
mehreren Parteien durchgeführt werden, solange die DDR im Warschauer
Pakt bleibe.
Und man gewinnt jetzt
den Eindruck, daß die Sowjets mehr

�getan haben als nur daneben zu stehen
und zu sagen:
'Los, Leute. Macht,
was Ihr wollt.' Denn zunächst wollte
die DDR-Regierung ja hart bleiben.

len, daß die Sowjets keinerlei Bedenken gegenüber dem Gedanken eines wiedervereinigten
Deutschlands
haben.
Können Sie das?

Antwort:
Ja,
meines
Erachtens
wollten sie zunächst eine harte Haltung einnehmen. Das glaube ich auch.
Die Sowjets haben jedoch Reformen ermutigt.
Ich denke, sie sehen genau,
in welche Richtung das Pendel ausschlägt und - wie ich bereits festgestellt habe - betrachten sie Reformen
als Schlüssel zum Erfolg in der Sowjetunion
und
deshalb
auch
als
Schlüssel zum Erfolg in Osteuropa.

Antwort:
Es ist sehr schwer, dies
mit der Vorstellung in Einklang zu
bringen, alles sei in Ordnung, solange man nicht aus dem Warschauer Pakt
austrete. Wie kann es ein wiedervereinigtes Deutschland ohne diesen Austritt geben?
Es wäre wiederum verfrüht, dies jetzt zu erörtern.
Es
hat gerade eine äußerst wichtige Entwicklung stattgefunden, aber dies ist
eigentlich nur ein erster Schritt.
Es haben noch keine freien Wahlen in
der DDR stattgefunden.
Ich hoffe,
daß diese am Ende der Entwicklung
stehen.

Frage:
Erklären Sie mir das.
Warum?
Welchen Nutzen zieht Gorbatschow daraus für seine langfristige
Planung?
Antwort:
Die Frage nach dem Warum
wird durch die Tatsache beantwortet,
daß das alte System gescheitert ist
und sie das erkennen.
Das ist der
Grund. Warum Reformen? Weil das alte System nicht funktioniert.
Frage:
Aber es gibt ein noch grösseres Fragezeichen im Hinblick auf
die DDR.
Und da lautet die Frage,
wenn es eine demokratische DDR gibt,
dann besteht kein Grund mehr für die
Existenz der DDR. Dann könnte es genauso gut ein einziges Deutschland
geben.
Antwort:
Nun, genau
dies
trifft
natürlich auf die DDR zu, und sie ist
in dieser Hinsicht wirklich einzigartig unter den Ländern Osteuropas. Da
haben Sie recht. Und damit kommt man
zu der Frage, wie sich dies mit der
sowjetischen
Vorstellung
verträgt,
daß alles in Ordnung Ist, außer dem
Austritt aus dem Warschauer Pakt.
Und dieses Problem wird irgendwann
gelöst werden müssen.
Wir können
dies
zum
jetzigen
Zeitpunkt
noch
nicht.
Das
wäre
heute
verfrüht.
Aber wir sind uns dieses Problems bewußt und müssen uns darüber Gedanken
machen.
Frage:

Ich

kann mir

nicht vorstel-

Frage:
Ich
weiß
nicht,
welches
Bild Sie benutzen wollen - das von
dem Geist, den man nicht mehr in die
Flasche zwingen kann oder das von der
Zahnpasta, die man nicht mehr zurück
in die Tube bekommt. Könnte die Uhr
wieder zurückgedreht werden?
Antwort:
Ich glaube nicht.
Wenn
die Menschen einmal von den Früchten
der Freiheit gekostet haben, dann
kann man den Geist nicht mehr zurück
in die Flasche verbannen. Meines Ei—
achtens wird sich eine progressive
Entwicklung zu mehr Freiheit vollziehen, und genau das haben wir im Westen seit Jahr und Tag gefordert.
Dies muß nicht Instabilität, Chaos,
Blutvergießen
oder
Gewaltanwendung
bedeuten. Was wir wirklich dort erleben möchten, ist eine Hinwendung
zur Freiheit in allen Staaten Osteuropas, zu den Werten, die uns so teuer sind.
Wir möchten jedoch, daß
dies in Frieden und Freiheit geschieht.
Wir möchten, daß dies in
Frieden und Freiheit geschieht, weil
Instabilität in Form von Blutvergiessen und Gewalt nicht im Interesse
Osteuropas oder der Sowjetunion und
auch nicht im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Frage:
Aber die Menschen, die ihr
Land heute verlassen, sind nicht die

- 2 -

�Alten.
Sie sind jung, sie sind gut
ausgebildet, sie sind für das überleben einer gesunden DDR absolut lebenswichtig und unerläßlich.
Da muß
man sich doch angesichts der stark
ansteigenden Zahlen von Übersiedlern
die Frage stellen, wieviele verkraftet werden können?
Antwort:
Meines Erachtens besteht
ein Grund für die heutige Ankündigung
darin, daß die Menschen, die ihr Land
verlassen, jung und gut ausgebildet
sind, daß dies Leute sind, ohne die
die DDR nicht auskommen möchte. Das
ist einer der Hauptgründe für diese
Ereignisse.
Nun, ich besitze keine Kristallkugel,
die mir sagt, wieviel Übersiedler aus
der DDR in der Bundesrepublik verkraftet werden können, ohne daß für
beide
Seiten
Probleme
entstünden.
Sicherlich gibt es Fragen in bezug
auf die Aufnahmefähigkeit der Bundesrepublik.
Wir gehen davon aus, daß
es etwa
175 000 Übersiedler gibt.
Ich kann Ihnen aber nicht sagen, bei
welchem Stadium diese Entwicklung Anlaß zu ernsthafter Besorgnis geben
würde.
Frage: Sind Sie als für die amerikanische Außenpolitik
Verantwortlicher nicht etwas beunruhigt über ein
Europa, das sich anschickt, ein vereintes Europa zu werden, möglicherweise
mit
einem
wiedervereinigten
Deutschland in seiner Mitte?
Antwort:
Der Präsident hat dazu in
Mainz während seiner Europareise aus
Anlaß des vierzigjährigen Bestehens
der NATO Stellung genommen, als er
erklärte:
'Wir wollen ein ungeteiltes, freies Europa.'
Und dies ist
weiterhin unser Ziel.
Das ist seit
langem unser Ziel, es ist das Ziel
dieser Administration und wird weiterhin
Ziel
dieser
Administration
sein. Die einzige Bedingung ist die,
daß sich dies friedlich vollzieht.
Wir möchten nicht, daß es in irgendeiner anderen Weise erreicht wird.
Meines Erachtens sollten wir uns darüber keine Sorgen machen. Es ist et- 3

was, das wir begrüßen und für das wir
uns einsetzen sollten.
Frage:
Seit vielen Jahren ist Berlin für uns so etwas wie das Symbol
des kalten Kriegs gewesen, eines geteilten Europas. Es war ein Zankapfel und sogar ein Ort, an dem der
Dritte Weltkrieg
zwischen Ost und
West seinen Ausgang nehmen könnte.
Ist es jetzt nicht nur an der Zeit,
daß die ganze Welt einen Stoßseufzer
der Erleichterung von sich gibt, sondern auch, daß die Uhr, die Atomphvsiker einmal geschaffen haben, um das
Risiko eines Atomkriegs zu messen erinnern Sie sich? - daß diese Uhr
ein wenig zurückgestellt wird?
Antwort:
Es ist an der Zeit, zu
erkennen, daß gerade das beginnt, was
wir seit über 40 Jahren anstreben.
Dies ist wirklich eine außerordentlich bemerkenswerte Entwicklung. Bei
unserem Regierungsantritt haben wir
Reden gehalten, in denen die Abkehr
von der Breschnew-Doktrin gefordert
wurde.
Die Breschnew-Doktrin wurde
im Grundsatz seither von der Sowjetunion widerrufen.
Wir haben davon
gesprochen, die Mauer müsse niedergerissen werden.
Nun ist die Mauer
zwar noch nicht niedergerissen worden, aber sie hat zumindest eine Bresche bekommen.
Und man kann wenigstens symbolisch sagen, daß die Mauer
gefallen ist. Dies sind dramatische
Ereignisse, die wir begrüßen sollten
und die wir in der Tat begrüßen.
Frage:
Wie interpretieren Sie den
Beschluß, achtzehn neue Grenzübergänge zu schaffen und der neuen Reisepolitik Dauerhaftigkeit zu verleihen?
Antwort:
Nun. meines Erachtens bemüht sich die DDR offensichtlich darum, jegliche Zweifel über eine mögliche Umkehrbarkeit dieser Politik zu
zerstreuen.
Es wurden Fragen zur
Durchführung erhoben.
Es gab Fragen
über einen möglichen Rückfall und so
weiter.
Und es scheint, als ob sie
jetzt sagen wollten: 'Seht, wir meinen es wirklich ernst. Das ist von
Dauer. Es hat Bestand.'

�Frage:
worden?

Sind

Sie

davon

überzeugt

Antwort:
Ja.
Ich habe früher bereits festgestellt, daß ich persönlich davon überzeugt bin, daß die. Sowjets nicht die Absicht haben, mit
Truppen in Osteuropa einzumarschieren, um diesen Entwicklungen ein Ende
zu bereiten. Das haben sie uns mitgeteilt, und das haben sie in öffentlichen Erklärungen gesagt.
Ich glaube nicht, daß sich die Ereignisse von 1956 wiederholen werden.
Wir können meines Erachtens nicht mit
absoluter Sicherheit sagen, ob die
Regime in Osteuropa nicht eines Tages
selbst beschließen könnten, an einem
gewissen
Punkt wieder zurückzuweichen.
Ich glaube dies aber nicht.
Man kann jedoch nichts mit absoluter
Sicherheit ausschließen.
Frage:
Aber die Tatsache, daß die
Sowjetunion nichts unternehmen wird,
um dramatisch in die Entwicklung einzugreifen . ..
Antwort:
Genau.
Dies wäre sicherlich nie ohne Duldung und Zustimmung
der Sowjetunion geschehen.
Frage:
Die
Morgenzeitungen,
die
morgendlichen
Fernsehprogramme
und
die Kommentatoren haben ihr Unverständnis darüber ausgedrückt, was sie
als eine kühle Reaktion des Präsidenten - und auch von Ihnen - im Hinblick auf die dramatischen Ereignisse
von gestern betrachten. Gibt es etwas, von dem Sie Kenntnis haben und
der Rest der Welt nicht?
Antwort:
Nein, nicht im mindesten.
Und dabei wird meiner Meinung nach
einiges außer acht gelassen. Es ist
jedenfalls wichtig
wenn wir zeigen,
Haß wir - wie es der Präsident erklärt hat - keine einseitigen Vorteile aus diesen Ereignissen ziehen wollen. Es ist wichtig, daß wir klarstellen, daß Instabilität in Osteuropa oder auch Instabilität in der Sowjetunion nicht im Interesse des Westens liegt. Es liegt nicht im In-

teresse
der
Vereinigten
Staaten.
Meines Erachtens ist den Leuten etwas
entgangen, wenn sie behaupten, wir
reagierten
vorsichtig.
Wir
haben
dies als bemerkenswert, dramatisch,
sehr begrüßenswert und bedeutend charakterisiert.
Ich glaube nicht, daß
dies eine vorsichtige Reaktion ist.
Frage:
Aber würden Sie nicht zustimmen, daß für den Durchschnittsamerikaner die Berliner Mauer - nicht
eine Realität wie für die Deutschen aber ein Symbol der Teilung zwischen
Ost und West...
Antwort:
Frage:

Selbstverständlich.
...des kalten Kriegs ist.

Antwort:
Wie auch wir erklärt haben, ist dies das bedeutendste Ereignis in den Ost-West-Beziehungen der
vergangenen 40 Jahre. Daran gibt es
für uns keinerlei Zweifel.
Frage:
Warum veranstaltet der Präsident dann nicht irgendeine Feier
dazu, oder warum scheint er nicht wenigstens in Feierstimmung zu sein?
Worin
besteht das Problem?
Warum
scheinen Sie alle nicht so glücklich
darüber zu sein?
Antwort:
Wir sind
außerordentlich
glücklich darüber. Wir begrüßen dieses bedeutende und dramatische Ereignis. Und ich möchte Ihnen mitteilen,
daß ich ein sehr bewegendes Telefongespräch mit dem Außenminister der
Bundesrepublik
Deutschland,
Herrn
Genscher, geführt habe. Er rief mich
an.
Ich ging ans Telefon, und seine
Sekretärin war am Apparat, und sie
sagte:
'Einen Moment bitte.
Und
vielen Dank für alles.
Gott segne
Amerika.
Hier ist der Minister.'
Dann sagte der Minister: 'Ich möchte
Sie anrufen, um Ihnen und durch Sie
dem amerikanischen Volk gegenüber unseren Dank zum Ausdruck zu bringen
für das, was Amerika für Deutschland
und insbesondere für das, was Amerika
für Berlin getan hat.'
Ich

-- 4 -

finde

dies

sehr

bewegend.

Er

�sagte weiter:
'Dies ist eine bewegende Stunde für unsere Nation. Aber
ich rufe Sie an, um unseren Dank gegenüber dem amerikanischen Volk zum
Ausdruck zu bringen.' Da treten einem fast Tränen in die Augen. Es war
ein sehr bewegender Moment.
Frage:
War das
schaft an Sie?

seine

einzige

Bot-

Antwort:
Nein, wir haben noch über
andere Dinge gesprochen.
Aber Bundeskanzler Kohl hat den Präsidenten
angerufen und ihm eine sehr ähnliche
Botschaft übermittelt. Jegliche Vorstellung, derzufolge wir in irgendeiner Weise darüber nicht sehr, sehr
erfreut sind und dies nicht begrüßen,
ist völlig falsch.
Frage:
Hatten Sie, als sie diese
Berichte im Fernsehen erlebten, vielleicht ebenso wie ich den Gedanken,
daß der Außenminister oder der Präsident der Vereinigten Staaten am liebsten dort wären, um die Menschen auf
der anderen Seite der Mauer zu begrüßen?
Ich meine nicht offiziell.
Aber haben Sie zu dem Zeitpunkt nicht
daran gedacht?
Antwort:
Ich
möchte
noch
einen
wichtigen Punkt hinzufügen, den wir
klarstellen sollten und auf den Frau
Thatcher angespielt zu haben scheint.
Wir stehen heute an diesem Punkt aufgrund der Entschlossenheit, des Willens und der Stärke des Westens. Und
wir sollten diese Tatsache nicht aus
den Augen verlieren. Das ist meines
Erachtens ein wichtiges Element, und
diese Botschaft kam wohl auch in dem
Telefonanruf
von Minister Genscher
zum Ausdruck.
Frage:
Was würden Sie unseren Zuschauern über das Risiko eines Kriegs
mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten im Osten sagen?
Diese Bedrohung ist ja seit 40 Jahren Bestandteil unseres Lebens.
Wie hoch Ist
sie heute?
Antwort:
Vor
nicht
allzu
langer
Zeit habe ich dazu eine Rede vor der

Foreign Policy Association in New
York gehalten. Auch in San Francisco
habe ich über Rüstungskontrolle gesprochen, und ich habe in jener Rede
erklärt, daß wir leider den Krieg
noch nicht geächtet haben und nicht
sicher sein können, daß ein Krieg
nicht doch irgendwo ausbrechen könnte. Es gibt immer noch Schwierigkeiten mit der Sowjetunion im Hinblick
auf ihr Verhalten in regionalen Konflikten überall auf der Welt.
Wir
bemühen uns energisch um Lösungen.
Aber ich hoffe, daß die von uns beim
gesamten Spektrum der mit der Sowjetunion
behandelten
Themen
erzielten
Fortschritte zumindest den Ausbruch
eines Konflikts zwischen den Supermächten immer unwahrscheinlicher machen. Das ist meine Ansicht.
Bis heute stand das Verhalten im allgemeinen mit den öffentlichen Bekundungen im Einklang, nicht so sehr bei
den regionalen Konflikten wie in anderen Bereichen, etwa dem, was wir
heute in der DDR erleben.
Es hätte
niemals ohne Duldung oder Zustimmung
der Sowjetunion geschehen können.
Frage:
Erwägen Sie und der Präsident in der jetzigen Situation unsere
gesamte Politik gegenüber der Sowjetunion und dem Ostblock aufgrund der
Ereignisse der letzten drei Tage zu
überprüfen?
Antwort:
Wir haben unsere Politik
gegenüber dem Ostblock und der Sowjetunion seit den Vorbereitungen für
die Reise des Präsidenten nach Polen
und Ungarn in einer Art und Weise
durchgeführt, die mit den jetzigen
Ereignissen völlig im Einklang steht.
Der Präsident hat meines Erachtens in
seinem Ansatz zu Polen und Ungarn mit
dem Gedanken, daß wir Hilfe leisten
werden, genau den richtigen Standpunkt eingenommen. Wir werden echte
Reformen unterstützen.
Wir möchten,
daß dabei Fortschritte erzielt werden
und daß sie andauern. Wir nehmen die
Sowjetunion beim Wort bis dies nicht
mehr nötig sein wird.
Wir streben
keinen einseitigen Vorteil an, und

- 5 -

�wir werden uns entsprechend verhalten.
Ich möchte dazu sagen, daß wir uns
gegenwärtig mit einigen der Fragen
beschäftigen,
die
unserer
Ansicht
nach in Zukunft auftreten könnten.
Aber das tun wir nicht erst seit heute oder seit gestern. Wir tun dies
schon seit längerer Zeit.
Frage:
Der
sowjetische
Sprecher,
den wir gerade in dem Bericht aus
Moskau gesehen haben, hat ja erklärt,
diese ganze Angelegenheit
sei ein
weiteres interessantes Thema für die
Gespräche im Rahmen des Gipfels von
Malta. Ist das alles?
Antwort:
Sie meinen
das
Treffen
von Malta. Es ist wirklich kein Gipfel.
Frage:
Gipfel.
Ich habe da
schlechten Ausdruck benutzt.

einen

Antwort:
Es handelt sich wirklich
nicht um einen Gipfel. Aber werden
sie über Osteuropa sprechen? Da können Sie drauf wetten. Und das wird
einen herausragenden Stellenwert auf
der Tagesordnung einnehmen, jedoch
nicht in der Weise, als ob sich da
die zwei Supermächte an einen Tisch
setzen würden, um irgendwie über das
Schicksal Osteuropas zu entscheiden.
Frage:

Aber warum denn nicht?

Antwort:
Weil das unangemessen wäre, um das einmal ganz offen zu sagen.
Es wäre erstens unangemessen,
wenn die Vereinigten Staaten dies separat und ohne ihre Bündnispartner
tun würden.
Das hat einen Beigeschmack der Kritik, wie sie bei gewissen Ereignissen der Vergangenheit
geübt worden ist.
Und das ist ja nicht der Zweck dieses
Treffens.
Ich möchte dies klarstellen, damit jeder das versteht.
Frage:
Dann möchte ich die Frage
etwas klarer fassen.
Ist der Präsident - aufgrund dessen, was Sie uns
gegenüber heute abend erklärt haben -

darauf vorbereitet, daß dies Wirklichkeit ist. Viele sind ja der Ansicht - und es sind ja schon zahlreiche derartige Ereignisse eingetreten
-, daß es Gorbatschow und die Sowjetunion ernst meinen. Wir sind Zeugen
geworden, wie sich die Ereignisse im
Ostblock entwickelt haben.
Ist der
Präsident bereit, sich mit Herrn Gorbatschow an einen Tisch zu setzen und
zu sagen:
'Okay. Wir glauben Ihnen
jetzt.
Sie haben uns durch Taten
überzeugt.
Was können wir tun, um
Ihnen dabei zu helfen, auf dieser Basis weiterzumachen und die Demokratisierung voranzutreiben?'
Antwort:
Grundsätzlich besteht unsere Position, die wir gegenüber der
Sowjetunion bei den vergangenen Ministertreffen vertreten haben, darin,
daß wir der Perestrojka Erfolg wünschen.
Und wir möchten positiv handeln. Wir würden gerne da mit ihnen
zusammenarbeiten, wo für beide Seiten
Vorteile winken, um ein stabiles internationales
Umfeld
zu
schaffen.
Denn damit wird man zum Erfolg der
Perestrojka beitragen.
Wir möchten
mit ihnen Konsulationen abhalten, etwa im Hinblick auf Ansätze einer
freien Marktwirtschaft und ähnliche
Dinge.
Und ich bin sicher, daß der
Präsident diese Themen gegenüber Gorbatschow ansprechen wird.
Frage:
Gestern haben Sie und der
Präsident vorsichtigen Optimismus zum
Ausdruck gebracht. Was ist der Grund
für die Vorsicht?
Antwort:
Nun, ich weiß nicht, ob
man es als
vorsichtig
bezeichnen
kann. Ich habe gesagt, die Ereignisse von gestern seien eine positive
Entwicklung.
Es war eine bedeutende
Entwicklung, eine Entwicklung, die
wir begrüßen. Ich weiß nicht, warum
das vorsichtig sein soll. Meines Erachtens vollziehen sich dort sehr bemerkenswerte Dinge.
Dinge, die wir
schon seit langem gefordert haben.
Frage:
Schon
heute
morgen
wird
vielfach die Kritik laut, die BushAdministration sei von der Schnellig-

�keit der Ereignisse "völlig überrumpelt" worden. Trifft das zu?
Antwort:
Ob wir von der Schnelligkeit der Ereignisse überrascht wurden?
Da können Sie drauf wetten.
Und genauso ging es allen anderen,
soweit ich das überblicken kann. Ich
kenne niemanden, der diese Entwicklung vorausgesehen hätte. Es ist eine sehr gute Entwicklung. Ich schäme
mich kein bißchen dafür, daß die
Schnelligkeit uns überrascht hat.
Frage:
Herr Minister, warum
hat
sich die Entwicklung in der DDR so
rasch vollzogen?
Woher kommt dieser
Druck auf Reformen?
Antwort:
Nun, ich glaube, sie werden durch den inneren Druck auf mehr
Freiheit,
Redefreiheit
und
andere
derartige Rechte, der von ihrem eigenen Volk ausgeht, dazu gedrängt. Und
heute sehen wir, daß ihre Regierung
ihnen das Recht auf Freizügigkeit gewährt, ein grundlegendes Menschenrecht.
Ich hoffe, daß sie nun auch
in anderen Bereichen Freiheiten gewähren. Ich hoffe, daß wir eine Entwicklung zu freien und offenen demokratischen Wahlen erleben werden.
Frage:
Minister Baker, haben Sie
in den vergangenen zwei Tagen mit ihrem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse gesprochen?
Antwort:
Nein.
Ich habe in den
letzten Tagen mit dem Bundesaußenminister gesprochen, und ich habe soeben ein Telefongespräch mit unserem
Botschafter in Bonn geführt, der gerade im Auswärtigen Amt mit Vertretern der Bundesregierung sowie der
britischen und der französischen Regierung gesprochen hat.
Frage: Was haben Sie der Bundesrepublik heute morgen versprochen?
Antwort:
Nun, wir haben der Bundesregierung mitgeteilt, daß wir so
hilfreich wie möglich sein werden,
falls sie Hilfe benötigen sollte.
Wie Sie wissen, stellen wir militäri-

sche Hilfe in Form von Unterkünften
und ähnlichem zur Verfügung, um den
Zustrom von Ubersiedlern zu bewältigen.
Ich möchte hinzufügen, daß Botschafter Walters mir heute morgen mitgeteilt hat, daß der Zustrom von Ubersiedlern stark, aber konstant ist.
Er hat ferner berichtet, daß bereits
einige DDR-Flüchtlinge, die gerade
erst in die Bundesrepublik gekommen
waren, wieder in die DDR zurückkehren.
Frage:
Wie können wir Reformen in
der DDR fördern? Werden wir das immer nur über Helmut Kohl tun oder
werden wir auch an die DDR oder die
Sowjetunion herantreten?
Antwort:
Wir haben in bezug auf
die Reformen in Osteuropa schon ziemlich eingehende Gespräche mit der Sowjetunion geführt. Wir haben eindeutig erklärt, daß wir den Reformprozeß
in Osteuropa unterstützen.
Offengestanden, auch die Sowjets haben erklärt, daß sie den Reformprozeß in
Osteuropa unterstützen, und ich möchte hier feststellen, daß dieser nicht
möglich gewesen wäre, wenn die Sowjetunion ihn nicht zugelassen oder
sogar ermutigt hätte.
Frage:
Ich nehme an, Sie werden
die Gespräche darüber bei dem bevorstehenden Gipfeltreffen weiterführen.
Planen Sie gegenwärtig, dabei Geld
anzubieten?
Antwort:
So würde
ich es
nicht
ausdrücken.
Ich möchte hinzufügen,
daß der Zweck dieses Treffens vor dem
eigentlichen
Gipfeltreffen
zwischen
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow nicht darin besteht, sich an
einen Tisch zu setzen und Osteuropa
aufzuteilen oder die Zukunft Osteuropas zu regeln.
Er besteht vielmehr
darin, Meinungen und Standpunkte zu
den Ereignissen in Osteuropa auszutauschen.
Frage:
Minister Baker, als Sie im
Jahr 1980 zunächst in die Reagan-Administration eintraten, was betrach-

- 7 -

�teten Sie damals als mögliche Herausforderungen in Osteuropa?
Und was
war zu jener Zeit das Ziel?
Antwort: Nun, wenn Sie sich an jene Tage erinnern, jene Tage des
'Reichs des Bösen', wenn Sie an unser
Verhältnis zur Sowjetunion denken, so
war damals Osteuropa eine geschlossene, abgeschottete Gesellschaft mit
sehr starren, repressiven Regimen in
nahezu allen osteuropäischen Ländern.
Und ich glaube nicht, daß irgendjemand im Jahr 1981 in der Lage war,
die Art von Bewegung und Reformen und
Offenheit zu prognostizieren, wie wir
sie heute in Osteuropa erleben.
Frage:
Es wird heute morgen
so
viel von der Wiedervereinigung gesprochen. Wird dieses Thema umgehend
von den NATO-Partnern behandelt werden?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß es
unmittelbar behandelt wird, wenn man
in diesem Zusammenhang bestimmte Maßnahmen meint. Lassen Sie mich sagen,
daß die Wiedervereinigung seit über
40 Jahren Politik der NATO und Politik der
Vereinigten
Staaten
ist.
Wenn wir von Wiedervereinigung sprechen, so ist dabei wichtig
zu verstehen, daß wir diese auf der Grundlage westlicher Werte anstreben. Und
wir sprechen davon, sie in Frieden
und Freiheit zu verwirklichen.
Und
das ist sehr, sehr wichtig, wenn wir
beginnen, über die Wiedervereinigung
zu sprechen.
Ich meine, daß es noch ein wenig verfrüht Ist, den Sprung von der Freizügigkeit in der DDR, der Reiseerlaubnis für die Bürger der DDR zum Thema
Wiedervereinigung zu machen.
Es erscheinen mir bis dahin noch eine Reihe weiterer Schritte notwendig, darunter die freien Wahlen, die ich
vorhin erwähnt habe.

* * * * *

- 8 -

�WALTERS: WINDE DER FREIHEIT WEHEN AUS DEM WESTEN
- Botschafter Vernon Walters im amerikanischen Fernsehen WASHINGTON - (AD) - Dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik, Vernon Walters, zufolge werden die "Winde der Freiheit"
bald in allen Ländern Osteuropas, auch in Bulgarien und der Tschechoslowakei
wehen, und "sie wehen aus dem Westen".
Der Botschafter gab am 12. November 1989 im amerikanischen Fernsehen Interviews bei CBS ("Face the Nation") und CNN ("Newsmaker Sunday"), in denen er
seine Erwartung zum Ausdruck brachte, Veränderungen in der Tschechoslowakei
würde sich - ähnlich denen in Polen, Ungarn und jetzt der DDR - innerhalb "weniger Wochen" vollziehen. Walters erklärte ferner, die Öffnung der Berliner
Mauer mache es "völlig klar, daß die Ereignisse nicht mehr rückgängig zu machen sind".
Den Siegeszug demokratischer Ideen in Osteuropa führte er auf die Tatsache zurück, daß "wir es erreicht haben, weil wir stark waren."
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Zusammenstellung dieser Interviews.
Frage: Was wird als nächstes geschehen, Herr Walters?
Antwort: Als nächstes wird in der
DDR die Forderung nach freien Wahlen
laut werden. Wenn es freie Wahlen
gibt, kann das deutsche Volk unmittelbar entscheiden, ob es sich als
Ganzes oder in einer anderen Form zusammenschließen
will.
Aber
das
bleibt ihm überlassen. Und das kann
natürlich nicht ohne Zustimmung der
Sowjets geschehen, die 16 Divisionen
- schätzungsweise 480 000 Soldaten in der DDR stationiert haben.
Aber meiner Ansicht nach nehmen auch
die wirtschaftlichen Probleme in der
Sowjetunion - ich denke, Gorbatschow
hat erkannt, daß es keine gewinnträchtigen Kriege geben kann - eine

Richtung, bei der wir Fortschritte
machen können und die in Zukunft so
aufsehenerregend sein werden wie die
Ereignisse der Vergangenheit.
Frage: Wie sieht es mit dem übrigen Osteuropa aus? Was wird aufgrund
Ihrer Erfahrungen und der Berichte
Ihrer Nachrichtendienste zum Beispiel
in der Tschechoslowakei geschehen?
Antwort:
Wenn Sie eine Karte betrachten, werden Sie feststellen, daß
es von Polen, Deutschland und Ungarn
umschlossen wird. Und wenn Sie näher
hinschauen, sieht es - geographisch
betrachtet - aus wie der Kopf im Maul
eines Löwen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie sich diesem Druck
länger entziehen können. Jeder wußte
meiner Ansicht nach, daß die DDR eine

�harte Nuß war - die härteste im gesamten Ostblock.

über ihr eigenes Schicksal bestimmen
zu können.

Bulgarien wurde zum Beispiel von allen als gefälligster Verbündeten der
Sowjets betrachtet. Sogar Bulgarien
bricht jetzt auf.
Die Winde der
Freiheit wehen, und sie wehen aus dem
Westen. Und wer das nicht versteht,
wird vom Winde verweht werden.

Frage: Was können und sollten die
Vereinigten Staaten tun, um den sich
nunmehr vollziehenden Prozeß der Veränderungen zu fördern?

Frage:
Sie denken also, daß die
Tschechoslowakei eher früher als später den Kurs der DDR und anderer Länder einschlagen wird?
Antwort:
Das
ist, was man in
Deutschland
"Wunschdenken"
nennt.
Ich denke, daß es dazu kommen wird.
Frage: Wird es Wochen, Monate oder
Jahre dauern?
Antwort: Wochen.
Frage:
Haben wir das beobachten
können, was wir erwartet haben?
Antwort:
Teilweise.
Ich
würde
nicht sagen, daß eine so abwartende
Haltung eingenommen wird. Der Präsident hat diese Veränderungen sehr
herzlich begrüßt und auch deren Bedeutung hervorgehoben.
In den ersten Tagen der Öffnung der
Mauer befürchtete man, daß es sich
hierbei um ein Mißverständnis auf der
anderen Seite oder lediglich um eine
Teilmaßnahme handeln könnte.
Jetzt
ist jedoch ganz klar, daß die Ereignisse nicht rückgängig gemacht werden
können und die Deutschen beider Teile
Berlins zusammenkommen können. Gestern habe ich bereits den Deutschen
erklärt, daß es nicht nur ein großer
Tag für sie sondern auch für ihre
Freunde ist.
Wir sollten uns vor Augen führen, wie
wir das erreicht haben. Wir haben
das erreicht, weil wir stark waren.
Wir haben es erreicht, weil wir Entschlossenheit gezeigt haben, und wir
haben es erreicht, weil wir die freie
Wahl der Menschen unterstützt haben,

Antwort:
Ich denke, bis jetzt haben wir alles getan.
Wir ähneln
vielleicht einer europäischen Fußballmannschaft, die zur Halbzeit mit
10 zu 1 führt, und ich denke nicht,
daß wir eine oder mehrere Strategien
entwerfen sollten, um etwas besser zu
machen.
Ich denke, bis jetzt haben wir alles
getan. Wenn Sie sich erinnern wollen, so sind seit Reykjavik erst
zweieinhalb Jahre vergangen, seit die
Sowjets erklärt haben, wenn ihr SDI
nicht aufgebt, sind wir am Ende. Wir
haben SDI nicht aufgegeben, und sie
haben herausgefunden, wie teuer es
wäre, mit uns gleichzuziehen und entschlossen sich, einen anderen Weg
einzuschlagen. Dies ist der andere
Weg.
Frage: Heute morgen wurde am Potsdamer Platz ein neues Loch in die
Mauer geschlagen. Gestern wurde die
Glienicker Brücke geöffnet. Für viele von uns sind das lediglich Namen.
Aber welche Bedeutung haben diese Orte für das deutsche Volk?
Antwort:
Der Potsdamer Platz war
vor dem Krieg der Times Square von
Berlin.
Dort traf man sich, dort
pulsierte das Leben genau wie am
Times Square.
Auf der Glienicker
Brücke fand oftmals ein Austausch von
Spionen statt. Ich war gestern dort.
Und ich habe nie zuvor mehr erwachsene Männer mit Tränen in den Augen gesehen als gestern auf dieser Brücke.
Frage: Wie schätzen Sie die Gefühle der Deutschen ein?
Antwort:
Es herrscht Festtagsstimmung. Das deutsche Volk sieht Licht.
Die lange Nacht ist vorbei. Aber dafür muß die Mauer - unmittelbar vor

- 2 -

�dem Brandenburger Tor - endgültig und
tatsächlich
niedergerissen
werden,
und ich brauche ihnen nicht zu sagen,
daß das Brandenburger Tor für die
Deutschen zugleich Magnet und Symbol
ist.
Ich war vergangene Nacht um
Mitternacht dort und mit mir etwa
5 000 Menschen, von denen viele sagten: "Die Mauer muß weg".
Zunächst ist die Mauer vor dem Brandenburger Tor kein besonders schöner
Anblick. Aber für die Deutschen ist
sie irgendwie ein Symbol für die Einheit der Stadt. Und wann immer sie
bei Tag oder bei Nacht dorthin kommen, befinden sich dort Tausende von
Menschen.
Gestern Nacht waren es
insbesondere junge Leute, es herrschte eine Atmosphäre wie auf einem Fußballplatz, aber in dem Gefühl, daß
die lange Nacht zuende gehen und sich
die Tore öffnen würden.
Sie haben den Potsdamer Platz erwähnt. Heute morgen hat man ein Loch
in die Mauer am Potsdamer Platz geschlagen, und die beiden Bürgermeister von Ostund West-Berlin haben
sich dort getroffen. Das ist ein bedeutungsvoller Schritt.
Frage: Die Ereignisse dieser Woche
haben die unvermeidliche und für manche hier in Europa unliebsame Aussicht einer Wiedervereinigung beider
Teile Deutschlands aufgeworfen. Sehen sich Ost und West - ebenso wie
die DDR sich Forderungen nach Demokratisierung und Freizügigkeit gegenübersieht - jetzt den Forderungen des
deutschen Volkes nach einer Wiedervereinigung ihres Landes ausgesetzt?
Antwort:
Ich denke, daß dieser
Druck besteht. Meiner Ansicht nach
werden sie dabei vorsichtig vorgehen
müssen.
Aber ich glaube, niemand,
der sich als Freund Deutschlands bezeichnet, kann sich der freien Wahl
des deutschen Volkes widersetzen, wie
immer sie auch aussehen mag.
Frage:
Viele Menschen in Deutschland haben mir erklärt, daß sie einen
Zusammenschluß des Landes befürworten

würden, nicht in Ost oder West, sondern mit einem neutralen Status, wie
ihn etwa Österreich hat. Könnten Sie
sich das auch so vorstellen?
Wie
könnten beide Seiten diesen "neutralen Staat", wie Sie es genannt haben,
zwischen anderen Ländern verwirklichen?
Antwort: Das hängt zu einem großen
Teil natürlich vom allgemeinen Zustand der Beziehungen zwischen der
Sowjetunion und den Ländern des NATOBündnisses ab und davon, wie sie sich
entwickeln. Meiner Ansicht nach ist
ein neutrales Deutschland nicht realistisch.
Für ein kleineres Land
könnte dies realistisch sein, aber
für ein Land von der Größe Deutschlands
wäre
das
sehr
schwierig.
Deutschland
ist
nicht
Finnland.
Deutschland
ist nicht Österreich.
Deutschland ist sehr groß - bevölkerungsmäßig das größte Land Europas.
Es ist wirtschaftlich das stärkste
Land. Und meiner Ansicht nach ist es
nicht realisitisch, sich vorzustellen, das Land könnte in einem Vakuum
existieren.
Aber als Mitglied des NATO-BUndnisses
stellt Deutschland
meiner Ansicht
nach für niemanden eine Bedrohng dar.
In den zehn Jahren meiner Amtszeit im
NATO-Hauptquartier habe ich niemals
einen Angriffsplan dort gesehen. Und
ich denke, daß dies auch die andere
Seite weiß.
Frage: Besteht das Risiko, daß wir
uns zu weit vorwagen und die DDR-Führung im Hinblick auf Veränderungen zu
stark bedrängen? Ist es an der Zeit,
Vorsicht walten zu lassen?
Antwort:
Ich denke, wir stehen an
der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, aber wir müssen vosichtig sein.
Unter Gorbatschow haben die Sowjets
zwei wichtige neue Raketensysteme
stationiert und die schwersten ihrer
Systeme - die SS-18 - modernisiert,
zu denen uns das Gegenstück fehlt.
Wir müssen solange Vorsicht walten
lassen, bis wir statt Worten Taten
sehen.

- 3 -

�Hier in Deutschland haben wir viele
Taten gesehen. Aber auf der anderen
Seite müssen wir insgesamt noch mehr
Taten sehen, bevor wir das Gefühl haben können, daß es sich wirklich um
eine fortschrittliche Politik handelt. Wir hoffen, daß das zutrifft
und wahrscheinlich ist es auch so.
Aber wir warten noch auf bessere Beweise.
Wir wollen keinen Truppenabzug aus
dem Gefühl der Panik heraus. Wir
müssen
ausgehandelte
Reduzierungen
durchsetzen, mit denen die Fähigkeit
zur Invasion in Europa abgebaut werden kann. Und diese Invasionsfähigkeit in Europa gäbe es nicht mehr,
wenn gemäß dem Vorschlag des Präsidenten eine Reduzierung auf 275 000
Soldaten auf beiden Seiten akzeptiert
würde. Und darüber wird in Wien verhandelt, und ich bin optimistisch.
Ich denke, wir werden es schaffen.
Frage:
Mit welcher Geschwindigkeit
wird sich der Wandel Ihrer Ansicht
nach vollziehen? Sehen Sie eine Verzögerung voraus?
Antwort:
Offen gesagt, kann man
sich kaum vorstellen, daß es mit dieser Geschwindigkeit weitergeht. Das
ist wie das Fahren auf deutschen Autobahnen, und ich weiß nicht, wie
lange es noch in diesem Tempo weitergeht, aber all meine Vorhersagen über
eine Verlangsamung sind nicht eingetroffen. Wenn überhaupt, so hat eine
Beschleunigung stattgefunden.
Für jemanden, der die Luftbrücke in
Berlin und den Mauerbau erlebt hat,
ist es außergewöhnlich, hier zu sein,
und zu sehen, wie Löcher in die Mauer
geschlagen werden.

* * * * *

- 4

�</text>
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                <text>Bush: Berliner Mauer hat an Bedeutung verloren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Äußerungen des Präsidenten über die neue Reisefreiheit in der DDR&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Vereinigte Staaten "außerordentlich glücklich" über Ereignisse in der DDR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahmen des amerikanischen Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Walters: Winde der Freiheit wehen aus dem Westen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Vernon Walters im amerikanischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden und Freiheit sind nach wie vor die Ziele der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO im Jahre 1961&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stärkere Einigkeit durch vermehrte Konsultationen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft im Jahre 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue technische Entwicklungen und bedeutende Erfindungen im Jahre 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsrecht, Sozial- und Lohnpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik in den USA - 1961&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Naturwissenschaftliche Forschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Physik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biochemie und Biologie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Medizin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geophysik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atom und Technik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumfahrt und Weltraumforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Erziehung in USA&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schule und Erziehung in den USA&lt;br /&gt;- Rückblick 1961 -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kultur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas literarisches Jahr 1961&lt;br /&gt;- Von Büchern und Literaturpreisen -&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kunst über Meere und Länder hinweg&lt;br /&gt;- Rückblick auf das Jahr 1961 -&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Linda Kent&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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15. Dezember 1976

DOKUMENTATION

lnha,t

Carter: Die NATO ist das Kernstück der atlantischen Partnerschaft
- Botschaft an die Ministertagung Cyrus R. Vance: Der neue Außenminister der USA
W. Michael Blumenthal: Der neue amerikanische Finanzminister
Brock Adams: Der neue Verkehrsminister der USA
Thomas B. Lance: Der neue Direktor des US-Budgetamtes
Thomas P. O'Neill: Der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses
HINTERGRUNDMATERIAL
Carter wirbt um liberparteiliche Unterstützung seiner Außenpolitik
- Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats Achtung vor den Menschenrechten
Wesentliches Kriterium für US-Auslandshilfe
Allianz gegen Rauschgiftsyndikate
- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz und
koordinierte Maßnahmen HIRTSCHAFT
US-Experte fordert weltweite konzertierte Maßnahmen gegen Abhängigkeit
vom öl
- öl Preiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Aktionen zum Umweltschutz in den USA
Die nächste Eiszeit kommt bestimmt
- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1976

CARTER: DIE NATO IST DAS KERNSTÜCK DER ATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
- Botschaft an die Ministertagung -

BRÜSSEL - (AD) - Der neugewä'hlte amerikanische Präsident Jimmy Carter
hat in einer Botschaft an die Ministertagung des Nordatlantikrates in Brüssel
das NATO-Bündnis als das Kernstück der Partnerschaft zwischen Nordamerika und
Westeuropa bezeichnet und versichert, daß das Bündnis unter seiner Regierung
fortgesetzt und gestärkt werden soll.
Die Botschaft Carters, die der scheidende amerikanische Außenminister
Dr. Henry A. Kissinger dem Nordatlantikrat übermittelte, hat folgenden Wortlaut:
Unser NATO-Bündnis ist das Kernstück der Partnerschaft zwischen Nordamerika und Westeuropa.

Die NATO ist das entscheidend wichtige Instrument

zur Stärkung unserer kollektiven Sicherheit.

Die amerikanische Verpflichtung,

das NATO-Bündnis aufrechtzuerhalten, wird unter meiner Regierung fortbestehen
und verstärkt werden.
In den vergangenen Monaten habe ich von einer Reihe von großen Aufgaben
gesprochen, denen sich die NATO gegenübersieht:
- daß

- 1 -

�- daß wir eine gemeinsame Strategie gegen gemeinsame Bedrohungen beibehalten;
- daß wir über einsatzfä'hige und starke Streitkräfte verfügen; und
- daß wir enge Konsultationen pflegen, wenn wir mit anderen sowohl über
europäische als auch über weltweite Probleme verhandeln.
Ich zweifle nicht daran, daß diese großen Aufgaben gelöst werden können,
Ich nehme die Gelegenheit dieser Botschaft wahr, um diese Oberzeugung
zu bekräftigen.

Ich bin davon überzeugt, daß die Aufgabe der NATO und das

nordatlantische Bündnis heute nicht weniger wichtig sind, als zu dem Zeitpunkt der Gründung der NATO.

Ich freue mich auf eine enge Zusammenarbeit

mit allen auf dieser Konferenz vertretenen Regierungen.

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CYRUS R. VANCE: DER NEUE AUSSENMINISTER DER USA
- Außenpolitischer Experte und Krisenmanager -

WASHINGTON - (AD) - Der von dem designierten amerikanischen Präsidenten
Jimmy Carter zum künftigen amerikanischen Außenminister ernannte 59jährige
Cyrus R. Vance hat nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Staatsdienst den Gipfel
seiner Karriere erreicht. In deren Verlauf fand er als Verfasser der Rechtstatuten für die amerikanische Raumfahrt, als Armeeminister und Stellvertretender Verteidigungsminister und vor allem als Krisenmanager, der unter Präsident
Johnson mit der Verhandlungsführung in schwierigsten Konfliktsituationen beauftragt war, wegen seines großen Könnens und Geschicks höchste Anerkennung.
Seine letzte große Aufgabe im öffentlichen Dienst löste Vance als Vertreter des amerikanischen Verhandlungsführers Averell Harriman bei den Pariser
Vietnam-Verhandlungen, um dann im Februar 1969 wieder als Privatmann in seine
angesehene New Yorker Anwaltsfirma zurückzukehren.
Eine der bekanntesten amerikanischen Zeitungen nahm seinen Rücktritt damals zum Anlaß, um in einem Leitartikel unter der Überschrift "Trouble-shooter
erster Klasse" auf die lange Reihe seiner mit höchstem Geschick durchgerührten
schwierigsten diplomatischen Missionen hinzuweisen.
Zum erstenmal hatte Vance diese Fähigkeiten unter Präsident Johnson unter
Beweis gestellt, der ihn 1964 nach den antiamerikanischen Unruhen nach Panama

�Panama entsandte, wo es ihm gelang, eine grundsätzliche Einigung zu erzielen,
auf deren Basis die Verhandlungen mit dem Ziel eines neuen Vertrags über den
Panar.akanal ihren Ausgang nehmen konnten.
Als im Jahre darauf in der Dominikanischen Republik der Bürgerkrieg ausbrach, war GS wiederum dem sicheren Verhandlungsgeschick von Vance zu verdanken, daß der Konflikt bereinigt werden konnte.
Als die Rassenunruhen während des "langen, heißen Sommers" in Detroit
bürgerkriegsähnlichen Charakter annahmen, wurde Vance von Präsident Johnson
als Beauftragter der Bundesregierung mit der schwierigen Aufgabe betraut, die
Gewalttätigkeiten einzudämmen, in deren Verlauf es bereits 39 Tote gegeben
hatte.

Ihm wurde das Verdienst zuerkannt, durch "humanitäres" Vorgehen mit

großem Takt und großer Energie unter Einsatz der staatlichen Ordnungskräfte
die Kontrolle über den Unruheherd mit einem Minimum an Gewalteinsatz wiedererlangt zu haben.

In gleicher Weise gelang es Vance dann, die im folgenden

Frühling nach der Ermordung Martin Luther Kings jr., in den Negervierteln
Washingtons ausbrechenden Unruhen zu dämpfen und ihr übergreifen auf die gesamte Nation weitgehend zu verhindern.
Ende 1967 drohten die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland
sich zu einem offenen Konflikt auszuweiten. Präsident Johnson beauftragte
Vance, als sein persönlicher Emissär zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, und es gelang ihm, die drohende Kriegsgefahr abzuwenden. Nach dieser
Mission erklärte Vance, daß er ins Privatleben als Anwalt zurückkehren werde,
einerseits weil ihn ein sehr schmerzhaftes altes Rückenleiden behinderte, und
zum anderen weil die Ausbildung seiner fünf Kinder ihn nötigte, sich einem
besser bezahlten Beruf als dem Staatsdienst zuzuwenden.
Bei seiner Abschiedspressekonferenz im Weißen Haus, wurde er gefragt,
was an den Gerüchten dran sei, daß er als Nachfolger Robert McNamaras für
den Posten des Verteidigungsministers vorgesehen sei.
"Ich

�\

"Ich arbeite jetzt als Anwalt," antwortete Vance, "und ich liebe die
Anwaltsarbeit sehr, und daher werde ich sie auch aufnehmen."

"Für immer?", so wurde er gefragt.
"Immer", so entgegnete Vance nach einer charakteristischen Pause, ::das
ist eine l^ige Zeit".
Schon nach wenigen Wochen wurde er von Präsident Johnson erneut mit Sonderaufgaben betraut.

Zuerst mit den Verhandlungsführungen im Zusammenhang

mit der "Pueblo"-Krise im Januar 1968 - bei der es darum ging, die Freilassung
der Mannschaft des von Nordkorea aufgebrachten amerikanischen Schiffes zu erreichen und zugleich Südkorea der weiteren amerikanischen Unterstützung angesichts nordkoreanischer Drohungen zu versichern.

Und schließlich reiste er

im Mai 1968 zur Aufnahme der Friedensverhandlungen mit Nordvietnam zusammen
mit dem amerikanischen Delegationsleiter Averell Harriman nach Paris. Die
monatelangen zähen Verhandlungen mit den Vertretern Nordvietnams wurden mit
dem Sieg der Republikaner unter Nixon unterbrochen.

Vance blieb in Paris und

unterstützte den neuen Chefdelegierten der Nixon-Administration, Henry Cabot
Lodge, bei der Einarbeitung in sein neues Amt, um dann nach New York zurückzukehren.

Hier arbeitete er als Teilhaber einer angesehenen Anwaltsfirma, wurde
zum Präsidenten der New Yorker Anwaltskammer und in den Aufsichtsrat so angesehener Unternehmen wie PANAM-Airways, IBM und der New York Times gewählt.
Aber schon 1976 gehörte er zu de
litischen Einsatzgruppe"

von Jimmy Carter zusammengestellten "außenpo-

und war immer stärker daran beteiligt, die außenpo-

litischen Horizonte des Präsidentschaftskandidaten abzustecken.

Immer häufiger wurde sein Name als einer der wahrscheinlichen Kandidaten
für ein hohes Amt in der Carter-Administration genannt.

Des Rätsels Losung

ergab sich - in der Rückschau - als Mr. Vance an einer Konferenz in Plains
in Georgia am 1. Dezember teilnahm, zu der Carter 16 führende Vertreter aus

- 3 -

�,
«

aus Wirtschaft und Industrie geladen hatte.

Da Vance fachlich zu keiner

dieser Gruppen gehörte, nahmen politische Beobachter an, daß er in seiner
Rolle als künftiger Außenminister an der Konferenz teilnahm.

Sie hatten

recht.
Cyrus Roberts Vance wurde am 27. März 1917 in Clarksburg im Staate
West Virginia geboren.

Er verlor mit fünf Jahren seinen Vater, und seine

Erziehung lag in den Händen einer überaus dynamischen Mutter, die erst kürzlich im Alter von 85 Jahren verstorben ist.

Vance besuchte in jungen Jahren

eine Privatschule in der Schweiz, wo er die französische Sprache erlernte,
und siedelte dann nach Connecticut über, wo er sich neben seinen schulischen
Leistungen als Fußball- und Eishockeyspieler hervortat.

Diese Sportarten

übte er auch an der Yale-Universität aus, an der er 1936 studierte.

Hier

zog er sich auch eine Sportverletzung zu, die ihn in den späteren Jahren
immer wieder plagte und die dazu führte, daß er sich 25 Jahre später zweimal
wegen eines Bandscheibenrisses operieren lassen mußte.

Seither muß er ein

Stahlkorsett tragen.
Vance beendete sein Jurastudium in Yale und trat im Jahre 1942 in die
amerikanische Marine ein. Er fuhr auf Zerstörern im Atlantik und im Pazifik
und schied bei Kriegsende als Leutnant z. See aus. Im Jahre 1947 heiratete
er Grace Sloan, mit der er fünf Kinder - vier Mädchen und einen Jungen - hat,
die heute zwischen 20 und 30 Jahre als sind. Im gleichen Jahr trat er auch
in die bekannte New Yorker Rechtsanwaltsfirma Simpson, Thacher und Bartlett
ein.
Die Regierungskarriere von Vance begann - wenn man so sagen darf - mit
dem sowjetischen Sputnik.

Die Sowjetunion schoß im Oktober 1957 den ersten

künstlichen Erdsatelliten ins Weltall, und dies führte in den USA zur Bildung
eines Unterausschusses des amerikanischen Senats, der das Satelliten- und Raketenprogramm der Vereinigten Staaten überprüfen sollte,

Vorsitzender dieses

Unterausschusses war Senator Lyndon Johnson, und Cyrus Vance ging nach
Washington als Sonderberater dieses Gremiums.
Im

- 4 -

�!

Im Jahre 1958 wurde Vance Berater des Senatsausschusses für Weltraumfahrt, und in dieser Eigenschaft arbeitete er die Gesetzgebung aus, die die
Grundlage für die Schaffung der Weltraumbehörde NASA und letztlich für das
amerikanische Weltraumprogramm bildete.
Lyndon Johnson war von der Tätigkeit seines Mitarbeiters Vance überaus
beeindruckt.

Als er 1961 unter John Kennedy dessen Vizepräsident wurde,

wurde Vance zum Rechtsberater des Verteidigungsministeriums ernannt.

In

dieser Funktion hat er Verteidigungsminister Robert McNamara maßgebend bei
der Reorganisation des Ministeriums unterstützt.

Präsident Kennedy ernannte

Vance dann im Jahre 1962 zum Armeeminister, und Präsident Johnson berief ihn
im Jahre 1964 zum zweiten Mann des Pentagon - zum Stellvertretenden Verteidigungsminister der USA.

Im Jahre 1967 trat Vance von diesem Posten zurück und

nahm die Arbeit in seinem Anwaltsbüro wieder auf, die dann allerdings immer
wieder durch seine Rolle als Krisenmanager unterbrochen wurde.
Ein ehemaliger Mitarbeiter beschrieb die Arbeitsweise von Vance folgendermaßen: "Er arbeitet still und ruhig. Er haßt leeres Gerede und große Worte.
Sein Arbeitspensum ist kaum zu übertreffen. Er macht während der Konferenzen
seine Notizen auf einem gelben Schreibblock, wie dies Anwälte häufig tun, und
er ist sehr darum bemüht, alle Fakten zu sammeln, bevor er eine Entscheidung
trifft. Er geht in fast alle Konferenzen mit mehr Tatsachenmaterial ausgestattet als jeder andere."
Und ein früherer Kollege aus dem Verteidigungsministerium sagte folgendes: "Er läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Er ist der menschlichste Kollege, dem ich je begegnet bin. Er ist ein hervorragender Diplomat,
weil er sich mit so großem Mitgefühl einsetzt."
Was sein Denken vielleicht am besten charakterisiert, ist der Rat, den
er einst der Abschlußklasse einer seiner Töchter mit auf den Weg gab:
"Stelle alles in Frage, prüfe alles und triff dann deine eigene Entscheidung".
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W. MICHAEL BLUMENTHAL: DER NEUE AMERIKANISCHE FINANZMINISTER
- Ein Mann mit weltwirtschaftlicher Erfahrung -

WASHINGTON - (AD) - Als der designierte amerikanische Präsident Jimmy
Carter auf seiner Pressekonferenz am 14. Dezember den früheren Professor,
Diplomaten und Wirtschaftler W. Michael Blumenthal zu seinem Finanzminister
nominierte, betonte er, daß dieser Mann "hervorragend" geeignet sei, mit
internationalen wirtschaftlichen Problemen fertig zu werden.
Blumenthal war seit Wochen für einen hohen Posten in der Carter-Administration im Gespräch gewesen. Seine Berufung zum Finanzminister gibt ihm eine
Stellung, in der er einen starken Einfluß auf binnen- und weltwirtschaftliche
Probleme ausüben wird. Blumenthal genießt sowohl bei Arbeitgebern als auch
bei den Gewerkschaften Vertrauen. Er hat als Leiter des amerikanischen Verhandlungsteams während der Kennedy-Runde in Genf im Rahmen des All9 eme i n en
Zoll- und Handelsabkommens (GATT) von 1963 bis 1967 große Erfahrung gesammelt
und sich internationales Ansehen erworben. Carter wies im Zusammenhang mit
der Nominierung Blumenthals vor allem auf dessen Verdienste am Zustandekommen
des internationalen Baumwollabkommens hin, das wesentlich zur Ausweitung des
Welthandels auf dem Gebiet der Fasern beigetragen hat.
Die Tatsache, daß Carter einen Mann zum Finanzminister berufen hat, der
mit den verschlungenen Wegen internationaler Handelsverhandlungen vertraut

�vertraut ist, wird in Washington als ein Hinweis darauf gewertet, daß die
jetzt in Genf stattfindende Tokio-Runde der HandelsVerhandlungen bei der
neuen Administration hohe Priorität haben wird.
W. Michael Blumenthal wurde am 3. Januar 1926 in Berlin geboren

und

mußte im Jahre 1939 mit seinen Eltern und seiner Schwester vor der Verfolgung
durch die Nationalsozialisten fliehen.

Die Familie verbrachte den Zweiten

Weltkrieg in dem später von den Japanern besetzten Shanghai, zum Teil in einem
Konzentrationslager.

Nach Kriegsende freigelassen, konnte Blumenthal 1947

in die Vereinigten Staaten einwandern.
Um sein Studium zu verdienen, arbeitete er in allen möglichen Berufen
- als Portier, als Fernfahrer, als Gepäckträger und bei der Müllabfuhr.

Er

legte seine erste volkswirtschaftliche Prüfung an der Universität von Kalifornien
in Berkeley ab und promovierte 1953 an der Princeton-Universität.

Er lehrte

zunächst für einige Jahre Volkswirtschaft und ging 1957 in die Wirtschaft, wo
er eine brilliante Karriere machte.
Präsident Kennedy lud 1961 den jungen Manager ein, als Stellvertretender
Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten in das Außenministerium
nach Washington zu kommen.

In dieser Position erwarb er sich bald einen Ruf

als Fachmann für Rohstoffpolitik.

Zwei Jahre später, 1963, wurde er zum Leiter

der amerikanischen Delegation bei den Zoll Verhandlungen in Genf ernannt.
Nach Abschluß der Kennedy-Runde 1967 verließ Blumenthal den öffentlichen
Dienst und ging wieder in die Privatwirtschaft.

Er wurde Präsident der Bendix

International und rückte sehr bald in Spitzenpositionen in der Zentrale dieser
international bekannten Firma auf.
Bei all diesen Tätigkeiten bewies Blumenthal ein aktives Interesse an internationalen Beziehungen.

Er wurde Vorsitzender der privaten Gesellschaft für

die Vereinten Nationen und bereiste in nicht-amtlicher Eigenschaft mehrfach
die Sowjetunion, um dort über Fragen der europäischen Sicherheit, Nahost-

�Nahostprobleme, Kernwaffen und vor allem des Handels zu sprechen.

Einer

seiner Begleiter bei diesen Missionen in der UdSSR war Cyrus Vance, der
jetzt zum neuen amerikanischen Außenminister ernannt worden ist.
Anläßlich seiner Nominierung erklärte Blumenthal:
"Wir leben in einem großen Land, wir verfügen über gewaltige menschliche
und materielle Ressourcen,und ich verspreche Ihnen, Gouverneur Carter, daß ich
mein Bestes tun werde, um Ihre Programme und Ihre Politik für den Einsatz dieser Ressourcen durchzuführen, damit unsere Wirtschaft vorwärts schreiten kann,
geschützt vor Inflation, mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für alle und im
Zusammenhang mit einer weltwirtschaftlichen Umgebung, die für Frieden und Stabilität sorgt, nicht nur für uns, sondern auch für alle unsere Freunde unc
Verbündeten".
Blumenthal ist verheiratet und hat drei Kinder.

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24/1976

BROCK ADAMS: DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der neugewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter
hat am 14. Dezember den langjährigen Kongreßabgeordneten Brock Adams zum neuen
Verkehrsminister der USA ernannt.

Der 49jährige Anwalt aus dem Staate

Washington vertritt diesen Bundesstaat seit 1964 im amerikanischen Repräsentantenhaus und hat sich in diesem Gremium vornehmlich mit Verkehrsfragen, insbesondere mit dem Eisenbahnwesen der USA, befaßt und einen Namen gemacht.

Brock Adams wurde am 13. Januar 1927 in Atlanta, Georgia, geboren. Er
studierte Rechtswissenschaften zunächst an der Universität von Washington und
wechselte dann an die Harvard-Universität, wo er 1952 sein Abschlußexamen
machte.

Danach eröffnete er in Seattle ein Anwaltsbliro, praktizierte jedoch

nur wenige Jahre, weil er sich dann der Politik zuwandte.

Es war der damalige

Senator John F. Kennedy, der Brock Adams während eines Besuches des Staates
Washington kennenlernte und diesen in die Arbeit für die Demokratische Partei
hineinzog.

Adams war dann in seinem Heimatstaat aktiv für Kennedy während

dessen Wahlfeldzug im Jahre 1960 tätig und bewarb sich vier Jahre später erfolgreich um einen Abgeordnetensitz im US-Repräsentantenhaus.

Adams gilt als liberal.

Er ist im Kongreß als unermüdlicher Arbeiter

bekannt und hat sich immer wieder dafür eingesetzt, daß von der Regierung
unterstützte Programme, die sich als nicht nützlich erwiesen haben, abge-

- 1 -

�abgeschafft oder doch stark reduziert werden sollten.

Damit befindet er

sich in voller Übereinstimmung mit den von Carter verkündeten Absichten.
Er war der erste Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der vor zwei Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, dem Kongreß
systematischere Möglichkeiten einer Kontrolle der Regierungsausgaben zu geben.
Adams ist seit 1952 mit Mary Elizabeth Scott verheiratet.
Kinder - zwei Söhne und zwei Töchter.

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24/1976

THOKAS B. LANCE: DER NEUE DIREKTOR DES US-BUDGETAMTES
- Bankier aus Atlanta -

WASHINGTON - (AD) - Mit Thomas Bertram Lance hat der neugewä'hlte amerikanische Präsident Jimmy Carter einen engen Freund und langjährigen politischen Mitarbeiter und Berater auf den wichtigen Posten des Direktors des
Amtes für Planung und Haushalt berufen.

Lance, 45 Jahre alt und mehrfacher

Millionär, gilt in seinen fiskalischen Ansichten als konservativ; sie sind
deckungsgleich mit denen Carters.
Lance, dessen Ernennung noch vom amerikanischen Senat nach der Amtsübernahme Carters am 20. Januar bestätigt werden muß, ist Präsident der Nationalbank von Georgia, des fünftgrößten Finanzinstituts dieses Bundesstaates.
Er gehört seit vielen Jahren der Demokratischen Partei an und ist in Expertenkreisen als nachdrücklicher Verfechter eines ausgeglichenen Haushaltes bekannt,
Seine Ernennung wird in den Vereinigten Staaten als ein Zeichen dafür angesehen, daß die Regierung Carters sich mit besonderer Sorgfalt den wirtschaftlichen Problemen des Landes annehmen wird.
Auf der Pressekonferenz am 3. Dezember sprach Lance, nachdem Carter die
Berufung öffentlich bekanntgegeben hatte, von den großen Aufgaben, die im
wirtschaftlichen Bereich bewältigt werden müßten.

Er werde größten Nachdruck

auf das Verhältnis der Wirtschaft zum gesamten Wohlergehen des Landes legen.
- 1 -

�legen.

Bereits am 28. November hatte Lance in einem Interview des "Christian

Science Monitor" unterstrichen, daß der neuen Regierung die Auswirkungen der
fiskalischen und monetären Politik der USA auf den einzelnen Bürger ein besonderes Anliegen sein werden. Er gab ferner zu verstehen, daß er alles in
seinen Kräften stehende tun werde, um bis zum Jahre 1980 einen ausgeglichenen
Haushalt zu erreichen.

Lance betonte, er werde nicht unverzüglich auf eine

allgemeine Senkung der Einkommensteuer drängen.

Er schloß jedoch eine solche

Senkung nach einer "logischen, ordnungsgemäßen und legitimen" Prüfung nicht
aus.
Lance, der von seinen Freunden "Bert" genannt wird, wurde am 3. Juni 1931
in Gainsville, Georgia, als Sohn eines ehemaligen College-Präsidenten geboren.
Er begann seine berufliche Laufbahn 1951 als Kassierer einer Bank in Calhoun
im Staate Georgia, deren Präsident er 1963 wurde.

Drei Jahre später unter-

stützte er mit großem Nachdruck einen jungen Politiker, Jimmy Carter, der
sich - zunächst ohne Erfolg - um den Posten des Gouverneurs von Georgia bewarb.
Im Jahre 1970, als Carter in einem neuerlichen Anlauf zum Gouverneur gewählt worden war, wurde Lance Leiter des Transportwesens von Georgia und später der Mann, der für die Reorganisation der Regierungsstruktur des Bundesstaates verantwortlich wurde. Im Jahre 1974, als die Amtszeit Carters als
Gouverneur auslief, unterstützte dieser seinen alten Kampfgefährten bei dessen - allerdings nicht erfolgreichem - Wahlfeldzug um den Gouverneursposten
von Georgia. Im Jahre 1975 wurde Lance Präsident der Nationalbank von Georgia
in Atlanta und fungierte während des Wahl feidzuges Carters um das Amt des Präsidenten der USA als dessen Verbindungsmann zu Industrie und Wirtschaft.
Bevor Lance ins Bankgewerbe eintrat, studierte er an der Emory-Universität in Atlanta, an der Universität von Georgia, an der Staatsuniversität von
Louisiana sowie an der Rutgers-Universität.

Lance ist Direktor der Handels-

kammer von Atlanta sowie Mitglied verschiedener Aufsichts- und Treuhänderräte.
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24/1976

THOMAS P. O'NEILL, JR.: DER NEUE SPRECHER DES US-REPRÄSENTANTENHAUSES
- Dritter Mann im Staate -

Zum neuen Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses wurde der
bisherige Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit in der Zweiten Kammer,
Thomas P. O'Neill, von seiner Fraktion nominiert.

Der 64jährige Politiker

aus Massachusetts, der dem Haus seit 24 Jahren angehört, übernimmt damit
ein Amt, das in der Nachfolge für den Präsidenten nach dem Vizepräsidenten
den dritten Rang hat.

Thomas O'Neill wurde von seiner Demokratischen Fraktion am 6. Dezember
einstimmig nominiert.

Da die Demokraten die überwältigende Mehrheit im Re-

präsentantenhaus besitzen, ist seine Wahl damit gesichert, sodaß er im kommenden Monat, wenn der neue 95. Kongreß zusammentritt, offiziell sein Amt antreten wird.

Der neue Sprecher, ein Mann von bärenhafter Gestalt, kommt aus einem
konservativen Kongreßdistrikt bei Boston.

Er selbst bezeichnet sich als

ein "Liberaler des Establishments", der etwa in der politischen Mitte seiner
Partei steht.

O'Neill kam 1953 nach Washington, er übernahm den Sitz John F. Kennedys
im Repräsentantenhaus,als dieser in den Senat gewählt worden war. Der von

- 1 -

�von ihm vertretene Wahldistrikt - Massachusetts VIII - umfaßt die größte
Zahl von Hochschulen (36) und Studenten in den USA - darunter die HarvardUniversität, das Radcliffe-College, das Massachusetts Institute of Technology,
die Universität von Boston und das Boston College, an dem O'Neill studierte.
Bei allem bemerkenswerten Kontakt, den er zu der in seinem Wahlbezirk konzentrierten akademischen Welt aufrechterhielt, blieb er doch mehr der Vertreter
der irischen und italienischen ethnischen Gruppen von North Cambridge.
Nach seinem Einzug ins Repräsentantenhaus nahm ihn der damalige Sprecher,
John McCormack aus Boston, ebenfalls irischer Abstammung, unter seine Fittiche.
Er berief ihn in den Geschäftsordnungsausschuß, der durch seine Kontrollfunktionen für alle vom Kongreß zu verabschiedenden Gesetze eine äußerst wichtige
Rolle einnimmt.

O'Neill wurde hier bald zu einem Experten für die parlamen-

tarischen Verfahren im Repräsentantenhaus.
Im Jahre 1971 berief ihn der damalige Fraktionschef der demokratischen
Mehrheit, Haie Boggs, zum "Whip" (dem deutschen Fraktionsgeschäftsführer entsprechend), dem dritthöchsten Posten in der Fraktion. Als Boggs 1972 bei
einem Flugzeugunglück in Alaska ums Leben kam, wurde O'Neill zu seinem Nachfolger gewählt.
Ein politischer Beobachter schrieb damals: "Seine Wahl bedeutet einen
historischen Wandel ... nicht nur, daß die alte Garde ihn mag, nein, er findet
auch Unterstützung bei den jüngeren, auf Veränderung ausgerichteten Liberalen.
Er ist ein Mann des Repräsentantenhauses, aber er hat mehr als andere eine
Brücke geschlagen".

Als der Sprecher des Hauses, Carl Albert, im November

bekanntgab, daß er sich nicht zur Neuwahl stellen würde, war O'Neill einhellig als sein Nachfolger ausersehen.
Thomas Philip O'Neill wurde am
sehr aktiven amerikanischen Bürgers
Massachusetts, geboren. Sein Vater
wählt worden und leitete später das

9. Dezember 1912 als Sohn eines politisch
irischer Abstammung in Cambridge,
war in den Stadtrat von Cambridge geWasserwerk der Stadt. Sein Großvater, der

- 2 -

�der wegen der Hungersnöte aus Irland ausgewandert war, arbeitete in Boston
als Maurer.

Unmittelbar nachdem der junge O'Neill seine Studien am Boston

College beendet hatte, ließ er sich zur Wahl für den Stadtrat aufstellen und
verlor mit 150 Stimmen, weil er - wie er reumütig erklärte - sich nicht direkt
und persönlich an die Wähler gewandt hatte.

Diesen Fehler machte er nicht wieder.

Nach einem Jahr als Angestellter

einer Versicherungsgesellschaft, kandidierte er 1936 für einen Sitz im Repräsentantenhaus von Massachusetts, und von nun an begann für ihn eine ununterbrochene Kette von Wahlsiegen.

Im Jahre 1947 wurde er zum Fraktionsführer der

Demokraten gewählt, und als seine Partei im Jahre 1948 zum erstenmal seit einem
Jahrhundert die Mehrheit im Repräsentantenhaus seines Heimatstaates gewann,
wurde er - mit 36 Jahren - der jüngste Sprecher des Hauses in der Geschichte
des Staates Massachusetts.

Während seiner späteren politischen Tätigkeiten in Washington erwarb er
sich den Ruf eines gemäßigten Liberalen.

O'Neill war maßgeblich an der Ver-

abschiedung zahlreicher wichtiger Gesetze im Repräsentantenhaus - vor allem
auf innenpolitischem Gebiet - beteiligt und brachte - nach seinem Bruch mit
der Administration wegen des Vietnamkrieges - im Jahre 1971 eine Gesetzesvorlage ein, die zum ersten Male einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen
Truppen aus Südvietnam vorsah.

O'Neill ist seit 1941 mit Mildred Ann Miller verheiratet.
hat fünf Kinder.

Das Ehepaar

Der älteste Sohn, Thomas P. III, ist mit 32 Jahren Stell-

vertretender Gouverneur des Staates Massachusetts.

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24/1976

CARTER WIRBT UM ÜBERPARTEILICHE UNTERSTÜTZUNG SEINER AUSSENPOLITIK
Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats
Von unserem Korrespondenten James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der Vereinigten Staaten,
Jimmy Carter, unternimmt in der Geschichte der USA beispiellose Anstrengungen, sich der überparteilichen Unterstützung seiner Außenpolitik durch den
amerikanischen Kongreß zu versichern. Am 23. November traf er zu einem einstündigen Gespräch mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zusammen
- die Niederschrift der Aussprache wurde am 2. Dezember veröffentlicht. Am
1. Dezember hat er in einem Interview mit Barbara Walters von der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC versichert, daß er führende Mitglieder des
Kongresses auf seinen Auslandsreisen mitnehmen werde. Zwischen dem 3. und
20. Januar wird Carter eine zweitägige Konferenz mit führenden Vertretern
des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und des Repräsentantenhauses über
die "Chancen" und "Probleme" der Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu
anderen Ländern abhalten.
Im Rahmen der Verwirklichung seiner "offenen" Politik will der künftige
Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur das Gespräch mit seinen Mitbürgern suchen, sondern in den Dialog mit anderen Ländern auch führende Vertreter des Kongresses einschalten.

In seinem ABC-Interview wie auch gegenüber

den Senatoren hat Carter immer wieder darauf abgehoben, die Außenpolitik aus
parteipolitischen Erwägungen herauszuhalten.
- 1-

In seinem Interview mit Barbara

�Barbara Walters erklärte er, "vor allem in diplomatischen und außenpolitischen
Angelegenheiten möchte ich gerne die Kongreßvertreter hinzuziehen."

Er werde

bei Auslandsreisen "eine relativ kleine Zahl" führender Vertreter beider Häuser des Kongresses mitnehmen, und, so fügte er hinzu, "ich möchte die Beteiligung überparteilich halten".
Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Gepflogenheiten von Präsident
Truman, zu dessen Zeiten es für die Außenpolitik der USA auch keine Rolle gespielt habe, ob im Kongreß die Republikaner oder die Demokraten die Mehrheit
hatten.
"Ich meine", so betonte er, "daß andere Nationen in der Welt uns achten,
- unser gesundes Urteil und unsere Stärke - wenn sie wissen, daß eine Erklärung des Präsidenten oder des Außenministers die Zustimmung oder Beteiligung
oder Unterstützung des Kongresses hat."
An der für Januar - außerhalb Washingtons - vorgesehenen Zusammenkunft .
sollen neben führenden Kongreßvertretern und dem designierten Präsidenten
der neu ernannte Außenminister Cyrus Vance sowie die außenpolitischen Berater
Carters teilnehmen.
Der Teilnehmerkreis an dem einstündigen Gespräch mit dem Außenpolitischen
Senatsausschuß am 23. November war folgender: Senator John Sparkman als Vorsitzender sowie die Senatoren Mansfield, Church, Symington, Pell, McGhee,
Humphrey, Biden, Case, Pearson, Percy und Griffin. Darüber hinaus waren die
Senatoren Mondale (designierter Vizepräsident), Baker, Steniss, McClellan,
Bentsen, Gravel, Haskell, Glenn, Sone, Inouye, Stevenson, Randolph, Culver,
Bumpers, Gary, Hart, Leahy, Abourezk und Durkin anwesend. Der einflußreiche
Senator Javits ließ sich wegen seiner wichtigen Besprechungen über Währungsfragen in Europa entschuldigen.
Der Vorsitzende des Ausschusses begrüßte im Namen seiner Kollegen die
Initiative Carters, die ohne Beispiel sei. Er hoffe und erwarte, so sagte

�sagte Senator Sparkman, daß dies ein "gutes Omen für eine Periode einer
beispiellosen Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten und dem Senat in Fragen der Außenpolitik sei - einer Zusammenarbeit, die, wenn sie fruchtbar
sein soll, auf der gegenseitigen Achtung vor der jeweiligen verfassungsmässigen Rolle des anderen basieren muß."

Carter unterstrich immer wieder, daß ihm an einer persönlichen Zusammenarbeit auf überparteilicher Basis mit dem Kongreß gelegen sei.

"Ich bin

der Überzeugung", so sagte er, "daß wir viele der Tragödien, die die Welt
und unser Land in den letzten Jahren erlebt haben, hätten vermeiden können,
wenn eine solche Politik (der Zusammenarbeit) in den letzten acht Jahren
oder noch länger aufrechterhalten worden wäre".

Es ist sicherlich neu in der amerikanischen Politik, daß ein designierter Präsident mit seinen Beratern den unmittelbaren Kontakt mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats und des Repräsentantenhauses pflegt.

Selbst

Präsidenten im Amt haben meist ihre Kabinettsmitglieder - den Außenminister
oder andere Vertreter - vorgeschickt, um ihre Außenpolitik vor dem Kongreß
darzulegen.

Das liegt in der Gewaltenteilung der drei Zweige der amerika-

nischen Regierung - Exekutive, Legislative und Judikatur - begründet.

Ein

Präsident spricht zwar auf "gemeinsamen Sitzungen" des Kongresses - er trägt
dort beispielsweise seine Botschaft über die Lage der Nation (State of the
Union Message) vor - tritt aber sonst auf dem Kapitol kaum in Erscheinung.

Carter ließ jedoch auch keine Zweifel daran, daß er von seiner verfassungsmäßigen Verantwortung für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten Gebrauch machen werde.

Ebenso räumte Senator Sparkman ein, daß der Präsident

- zwar mit Unterstützung durch den Kongreß - nach der Verfassung allein für
die Außenpolitik der USA verantwortlich sei.

Der designierte Präsident sagte

zu, daß er den Kongreß über die Entwicklungen und Probleme auf dem laufenden
halten wolle, aber, so fügte er hinzu, "ich werde der Präsident sein, und ich
werde das Land in auswärtigen Angelegenheiten vertreten."

Carter
- 3 -

�Carter ließ erkennen, daß er zu einzelnen außenpolitischen Fragen eine
dezidierte Meinung habe, daß er jedoch vor seinem Amtsantritt nicht öffentlich Stellung nehmen wolle.

Die amerikanische Regierung, so betonte er, werde

durch den Präsidenten im Amt, Gerald Ford, und durch Außenminister Kissinger
gut vertreten.

Carter sagte zu, daß er sich nach seinem Amtsantritt zu außen-

politischen Problemen äußern werde, deren Dringlichkeit er durchaus erkenne.
Er nannte in diesem Zusammenhang die Fortsetzung der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT), das Nahostproblem, das Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei, den PanamaKanal, die Frage der öl Preiserhöhung und anderes.
Carter stimmte auch einer Anregung von Senator Humphrey zu, daß die
Außenpolitik heute in zunehmendem Maße von wirtschaftlichen Überlegungen beeinflußt werde.

Er sicherte zu, daß in seiner Administration das Finanzmi-

nisterium in stärkerem Maße bei außenpolitischen Entscheidungen konsultiert
werde.
Als der Vorsitzende am Ende der
fragte, ob er einer Veröffentlichung
Carter, daß er keine Einwände habe.
des Kongresses zu, daß sie jederzeit
könnten, und traf die entsprechenden

Aussprache den designierten Präsidenten
der Niederschrift zustimme, betonte
Im übrigen sicherte Carter den Vertretern
telefonisch mit ihm in Verbindung treten
Vereinbarungen mit ihnen.

Es steht zu hoffen, daß Jimmy Carter ein neues Kapitel der überparteilichen Zusammenarbeit in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufgeschlagen hat.

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24/1976

ACHTUNG VOR DEN MENSCHENRECHTEN
WESENTLICHES KRITERIUM FÜR US-AUSLANDSHILFE
Von unserem Korrespondenten Nick Harrison

WASHINGTON - (AD) - Bei der Entscheidung über die Gewährung von Auslandshilfe an andere Staaten stellt die Frage der Menschenrechte einen entscheidend wichtigen Faktor für die Vereinigten Staaten dar.
Gemäß den Bestimmungen einer Reihe in den letzten Jahren erlassener Gesetze prüfen Ausschüsse des amerikanischen Kongresses regelmäßig die politische Situation in den Empfängerländern, wobei die Entscheidung beim Kongreß
liegt, ob eine Hilfeleistung eingeschränkt oder auch gänzlich ausgesetzt werden soll, wenn festgestellt wird, daß eine Regierung ständig "grobe Verletzungen der international anerkannten Menschenrechte begeht".
In jüngster Zeit sah sich der amerikanische Kongreß in zwei Fällen aus
solchen Erwägungen zu negativen Aktionen veranlaßt.
So wurde die Hilfe für Südkorea für 1974 auf 145 Millionen Dollar wegen
angeblicher Verstöße gegen die Menschenrechte in diesem Lande begrenzt. Im
gleichen Jahr wurde jede weitere Militärhilfe für Chile gestrichen und auch
die Wirtschaftshilfe beträchtlich eingeschränkt.
Diese
- 1 -

�Diese und andere Vorfälle gaben die Grundlage ab für eine umfassendere
Vollmacht, wie sie mit den zwei bedeutenden neueren Gesetzen gegeben ist dem Gesetz für internationale Entwicklung und Lebensmittelhilfe von 1975 und
dem Gesetz über internationale Sicherheitshilfe und die Kontrolle von Waffenexporten von 1976. Beides sind Zusätze zu dem grundlegenden Auslandshilfegesetz von 1961, und aus ihnen leiten sich die Verfahren und Richtlinien für
nahezu sämtliche amerikanischenHilfeleistungen ab, die auf den Gebieten der
Militärhilfe, der Entwicklungshilfe und der Landwirtschaftshilfe gewährt werden.
Alle diese Gesetze stützen sich in hohem Maße auf das schon traditionelle amerikanische Eintreten für die Sache der Menschenrechte sowie auf die
international festgelegten Normen für ihren Schutz.
In den Abschnitten, die sich auf die Menschenrechte beziehen, wird in
diesen Gesetzen oft die gleiche Ausdrucksform angewandt wie in der allgemeinen
Deklaration der Menschenrechte, die von den Vereinten Nationen im Jahre 1948
abgefaßt wurde.
Beide Gesetze definieren den Begriff "grobe Verletzung" der Menschenrechte in fast der gleichen Weise wie das Dokument der Vereinten Nationen. So
wird beispielsweise im Falle des Militärhilfegesetzes dargelegt, daß dieser
Begriff "Folter oder grausame, unmenschliche oder entwürdigende Behandlung
oder Bestrafung, lange Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren und andere
flagrante Beschränkungen des Rechts auf Leben, Freiheit oder Sicherheit der
Person" umfaßt.
Für die Anwendung der Gesetze bedient man sich dabei in weitgehendem
Maße der Informationen der bekannten internationalen Organisationen, die für
die Einhaltung der Menschenrechte auf der Welt eintreten. Ehe eine Maßnahme
gegen ein Land wegen angeblicher Verletzungen der Menschenrechte ergriffen
werden kann, muß der amerikanische Kongreß die entsprechenden Berichte solcher
Organisationen wie die Vereinten Nationen, das Internationale Rote Kreuz oder

�oder die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) eingehend zu Rate
ziehen.
Die Bestimmungen der beiden Gesetze verlangen ferner, daß berücksichtigt
werden muß, inwieweit eine Regierung sich bereitfand, bei Untersuchungen einer
internationalen Organisation mitzuarbeiten bzw. diese zuzulassen.

Nach dem

Gesetz muß der Kongreß zuerst die in diesem Zusammenhang relevanten Faktoren
prüfen, ehe er eine Verringerung der Auslandshilfe vornimmt.
Bei der Ausarbeitung dieser Gesetze hat der Kongreß auch noch andere
besondere Umstände in Rechnung gestellt. So kann beispielsweise bei direkter
Entwicklungs- und Lebensmittelhilfe, die wegen Verletzungen der Menschenrechte
verringert werden müßte, diese Hilfe fortgesetzt werden, wenn nachgewiesen
wird, daß sie bedürftigen Menschen direkt zugute kommt. Bei Militärhilfe kann
der Präsident feststellen, daß "außergewöhnliche Umstände" vorliegen, die eine
Fortsetzung dieser Hilfe im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten notwendig machen.
Der Kongreß hat sich in diesem Zusammenhang selbst die Aufgabe gestellt,
entsprechende Informationen über Einhaltung oder Verletzung der Menschenrechte
aus einer Vielzahl von Quellen zu sammeln.

Neben den von internationalen Or-

ganisationen veröffentlichten Daten stehen dem Kongreß auch die Unterlagen des
amerikanischen Außenministeriums und Informationen aus öffentlichen Anhörungen
zur Verfügung.
Das Außenministerium hat vom Kongreß den ausdrücklichen Auftrag, durch
seinen Koordinator für humanitäre und Menschenrechtsfragen formelle Berichte
über die Menschenrechtslage in allen Ländern einzureichen, die amerikanische
Militärhilfe erhalten.

Dies geschieht im Rahmen der jährlichen Vorlage des

weltweiten Auslandshilfeprogramms durch den Präsidenten, über das der Kongreß
dann befindet.

Ferner können die befaßten Kongreßausschüsse Sonderberichte

anfordern.
Das
- 3 -

�Das Gesetz über die direkte Entwicklungs- und Lebensmittelhilfe verlangt
keine solchen getrennten Berichte des Außenministeriums, jedoch muß hier der
Präsident "einen vollen und umfassenden Bericht", darüber vorlegen, inwieweit er Menschenrechtsüberlegungen zum Maßstab für die Verteilung der Auslandshilfe gemacht hat.
Der Kongreß läßt sich bei den Ausschußsitzungen eingehend informieren.
Im Zuge der Anhörungen in den Ausschüssen werden die Umstände in jedem einzelnen Lande, vor allem wenn Berichte über Menschenrechtsverletzungen vorliegen,
eingehend geprüft.

Die Ergebnisse dieser Anhörungen werden veröffentlicht.

Eines der aktivsten Mitglieder des Kongresses auf dem Gebiet des Schutzes der Menschenrechte ist der demokratische Abgeordnete Donald M. Fräser
aus Minnesota.

Fräser ist Vorsitzender des Unterausschusses für internatio-

nale Organisationen, der zum Ausschuß für internationale Beziehungen gehört.
In einem Bericht an das Repräsentantenhaus hat der Abgeordnete Fräser festgestellt, daß sein Unterausschuß in der abgelaufenen Legislaturperiode allein
40 Anhörungen über Menschenrechtsfragen abgehalten hat.
Bei diesen Anhörungen werden amerikanische Regierungsvertreter ebenso
als Zeugen aufgerufen wie frühere oder derzeitige Staatsangehörige der betroffenen Länder oder Vertreter internationaler Menschenrechtsorganisationen und
Wissenschaftler.
"Die Aussagen dieser Leute", so heißt es in dem Bericht Fräsers, "waren
gegenüber der amerikanischen Politik und den betroffenen Regierungen negativ
wie positiv."
Die Aufnahme von Menschenrechtsfaktoren in die Gesetzgebung für die Auslandshilfe dient nach Fräser zwei Zielen:

Einmal soll die Fähigkeit interna-

tionaler Organisationen gestärkt werden, international anerkannte Normen der
Menschenrechte wirksam zu schützen, und zum zweiten soll der Menschenrechtsfaktor in der amerikanischen Außenpolitik noch stärker herausgestellt werden.
Fräser

�Fräser betont, daß die Vereinigten Staaten nach seiner Auffassung ein
Recht haben, sich um den Schutz der Menschenrechte auch außerhalb ihrer Grenzen zu kümmern.

"Die moralische Rechtfertigung für das amerikanische Engage-

ment liegt in der demokratischen Tradition unseres Volkes und wird von unseren
führenden Männern immer wieder herausgestellt.

Unser Land kann der Welt wahr-

haft keinen größeren Beitrag leisten, als ein Beispiel einer funktionierenden
Demokratie zu geben, die die fundamentalen Freiheiten des Einzelnen garantiert",
erklärt Fräser.
Der Abgeordnete räumt ein, daß Maßnahmen des amerikanischen Kongresses
allein die Einhaltung der Menschenrechte anderswo in der Welt nicht sichern
können, aber, so betont er, "es lohnt sich, die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Menschenrechte zu lenken - in der Hoffnung, daß wir einen Beitrag
zum positiven Wandel leisten."

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24/1976

ALLIANZ GEGEN RAUSCHGIFTSYNDIKATE
- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz
und koordinierte Maßnahmen -

- (AD) - Die Einberufung einer internationalen Konferenz nach Genf zur
Untersuchung des weltweiten und erneut stark angestiegenen Drogenmißbrauchs
forderte der amerikanische Parlamentarier Lester Wolff auf einer Pressekonferenz Anfang Dezember 1976 in Washington.

Er hatte als Vorsitzender des Aus-

schusses für Mißbrauch und Kontrolle von Suchtstoffen, den das US-Repräsentantenhaus kürzlich gebildet hat, gemeinsam mit einer Gruppe von Abgeordneten
vom 4. - 21. November 1976 Europa und Asien bereist.

In einzelnen Schwerpunkt-

gebieten der Produktion, des Transits und des Konsums von Rauschgift wollten
sich die Parlamentarier "vor Ort" informieren und mit Politikern, Vertretern
von Polizei, Zoll und der Justiz über effektivere Abwehrmethoden beraten.
Besucht wurden die Länder Frankreich, Schweiz, Bundesrepublik Deutschland,
Italien, Ägypten, Afghanistan und Pakistan.
Gespräche mit Verwaltungsbeamten des in Genf stationierten UN-Fonds für
die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs (UNFDAC) ließen die ungeheuren Schwierigkeiten erkennen, die allein schon aus der Gleichgültigkeit vieler Regierungen
gegenüber dem Drogenproblem sowie der Weigerung bestimmter Länder, diese UNOrganisation zu unterstützen, für eine wirksame Arbeit erwachsen. Der
- 1 -

�n

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Der UNFDAC-Fonds verfügt z.Zt. über 22,8 Millionen Dollar.
die USA 18 Millionen, Kanada 1 Million Dollar bereit.

Davon stellten

Die UdSSR z.B. und

andere Ostblockländer sowie die Volksrepublik China haben bisher überhaupt
nichts beigetragen.
Nach Ansicht des demokratischen Abgeordneten Wolff würden Leistungen
der einzelnen Länder etwa in der Größenordnung der Leistung Kanadas ausreichen,
um UNFDAC in die Lage zu versetzen, mit 50 - 100 Millionen Dollar als Jahresbudget schon innerhalb eines halben Jahrzehnts eine "wirksame Handhabe gegen
das wachsende Problem des illegalen Rauschgifthandels zu schaffen".

Statt

dessen werde heute der illegale Handel, der keineswegs nur die Vereinigten
Staaten bedrängt, durch die Untätigkeit mancher Regierungen geradezu eingeladen, seine Aktivitäten immer stärker auszuweiten.

Er ist mit dem interna-

tionalen Verbrechertum eng verknüpft und bedeutet für die Syndikate ein Milliardengeschäft.
Um der gegenwärtigen Entwicklung entgegenzuwirken, sollten sich nach
Meinung der amerikanischen Parlamentarier wie auch des Leiters des US-Bundesamtes für Drogenüberwachung (DEA) Fachleute aus den am stärksten betroffenen,
etwa zwei Dutzend Ländern so rasch wie möglich zusammensetzen. Diese internationale Konferenz müßte die Voraussetzungen schaffen für die "dringend
notwendigen Abschreckungsmaßnahmen in der Form umfassender internationaler
Fahndung und einheitlicherer Bestrafung jener Personen, die von der Zerstörung
des Lebens anderer Menschen profitieren". Lester Wolff will dem künftigen
US-Präsidenten Jimmy Carter diesen Vorschlag unterbreiten. Er soll helfen,
Aktionen, wie sie zur Zeit im Rahmen der Zusammenarbeit der USA mit einer
Anzahl anderer Länder durchgeführt werden, zu straffen und entsprechend der
Sachlage auszudehnen.

Rauschgift

- 2 -

�Rauschgift im Überangebot

Auch in der Bundesrepublik wird mit Besorgnis die Ausweitung des Drogenkonsums beobachtet.

Stadt und Land sind gleichermaßen stark betroffen.

Und

die Rauschgiftsucht findet immer jüngere Opfer in allen Schichten der Bevölkerung.

Immer mehr Abhängige greifen zu harten Drogen, die in sehr viel grös-

seren Mengen als noch vor zwei oder drei Jahren angeboten werden.

Schon im

ersten Halbjahr 1976 war die Zahl der Todesfälle fast so hoch wie in den 12
Monaten des Vorjahres.

Nach den Feststellungen der amerikanischen Parlamentarier besteht z.Zt.
weltweit ein Überangebot an Drngenrohmaterial.

Umso wichtiger sei es jetzt,

den illegalen Handel zu blockieren, was automatisch zu einer Verringerung der
illegalen Nachfrage nach Rauschgift führe.
bindung des Opiumnachschubs aus der Türkei:

Wolff nennt als Beispiel die UnterInnerhalb kurzer Zeit sei die

Zahl der Drogenabhängigen in den USA von einer halben Million Opfer auf eine
Viertelmillion zurückgegangen.

Erfreulicherweise seien jetzt die Bemühungen

der türkischen Regierung um eine Kontrolle des Mohnanbaus recht effektiv.

Durch die "neue Welle" des Drogenhandels in Europa, dessen Hauptquellen
nunmehr in Afghanistan und Pakistan lägen, würden dort jedoch, wie Lester
Wolff weiter erklärt, die jungen Menschen ähnlich betroffen wie die Jugend
in den USA in den sechziger Jahren.

Wolff hält es für seine Pflicht, auf

die Gefahr hinzuweisen, daß "die alten türkisch-französischen Heroin-Schleichwege eines Tages wieder gangbar gemacht werden.

Denn Geld ist in kritischen

Zeiten noch immer die stärkste Macht".

Wolff und DEA-Chef Peter Bensinger sind der Ansicht, daß 90 Prozent des
Rauschgifts, das illegal produziert wird, die Märkte deshalb erreicht, weil
es an der Quelle nur wenig wirksame Kontrolle gibt.

Hat aber das Rohprodukt

den Anbauort erst einmal verlassen, ist es auf dem Weg der Weiterverarbeitung
bis zum Bestimmungsort nur noch schwer zu verfolgen.

Die
- 3 -

�Tie bisherige Erfahrung zeigt, daß in den USA wie im Ausland meist
nur 10, günstigstenfalls 20 Prcz^nt der illegalen Drogen in den Maschen
von Zoll und Polizei hängen bleiben. Deshalb scheint die Kontrolle oder
Vernichtung der Anpflanzungen der einzige Weg zu sein, das Angebot drastisch
zu verringern. Diese auPerordentlich schwierige "nd heikle Aufgabe ist auch
Teil des Internationalen Programms zur Narkotikc-Kontrolle des US-Aussenmi nisten" ums.
Herkunftsländer
Aus Burma kommt die , ößte Menge des illegalen Opiums in der Welt etwa 450 Tonnen pro Jahr. Die burmesische Regierung begann 1975, unterstützt durch technische Hilfe wie Helikopter aus den USA, mit der Zerschlagung von Laboratorien und Händlerorganisationen. Während der Anbaiund Erntezeit 1975/76 wurden 17 der größten "Opiumküchen" und 7200 Hektar
Mthnfelder zerstört. Die Vereinigten Staaten wandten im Haushaltjahr 1976
allein 13,3 Millionen Dollar für Massnahmen zur Drogenbekämpfung in Burma
auf; das Programm wird fortgeführt. Aber noch auf Jahre hinaus muß dort
mit hoher Opiumproduktion gerechnet werden, weil sich die jetzigen Anbaugebiete praktisch außerhalb der Regierungskontrolle befinden.
Große Mengen des illegalen Opiums werden auf den Transitwegen zu
internationalen Märkten in Thailand entdeckt. Mit einer Beratergruppe
des US-Zclis konnten im letzten Jahr vom thailändischen Zoll erhebliche
Rauschgiftmengen auf dem internationalen Flughafen in Bangko!' beschlagnahmt werden. Spürhunde werden zur Gepäckkontrolle eingesetzt; auf Schiffen
sind Beschlagnahmeaktionen angelaufen.
Et,:i 150 Tonnen illegalen Opiums werden jährlich in Pakistan produziert - entweder in Gebieten, die außerhalb der Regierungskontrolle
liegen, oder die wirtschaftlich von Opiumproduktion abhängig sind.

Mit
- 4 -

�'.

4

Mit Hilfe der Vereinten Nationen und der USA werden gegenwärtig Studien
und Modell Projekte durchgeführt mit dem Ziel, für die traditionellen
Mohnanbaugebiete andere Einkommensquellen zu erschliessen. Gleichzeitig
wird ein Fahndungsnetz aufgebaut, um den illegalen Opiumhandel an
"strategischen Punkten" zu unter rechen. Der Erfolg blieb aber bisher
weit hinter den Erwartungen zurück.
Weitere 150 Tonnen illegalen Opiums kommen aus unkontrollierten
Gebieten Afghanistans. Das UN-Programm zur Unterstütyuna
r Polizei
bei ihren Bemühungen um die Kontrolle von Rauschnift. zeigte noch
wenig Wirkung. Die Regierung bemüht sich derzeit um neue Einkommensquellen
für die Bauern. Als blockfreias Land wollte Afghanistan internationale
Hilfe im Drogenkrieg bisher nur über die Vereinten Nationen in Anspruch
nehmen. Lester Wolff vermochte nun eine diplomatische Bresche zu
schlagen: Präsident Daoud versprach der Delegation, sich um ein bilaterales
Abkommen mit den Verein igten Staaten zu bemühen, das Afghanistan, ähnlich
wie Mexiko und anderen lateinamerikanischen Nationen,materielle Hilfe aus
den USA im Drogen, rieq verschafft.
Nach der "Neutralisierung" der türkischen Produktion im Jahr 1972
wurde für die amerikanische Drogenszene Mexiko zur Heroinquelle Nummer Eins.
Deshalb wandten die USA im Finanzjahr 1976 c? 14,5 Millionen Dollar, d.h.
30 Prozent der Mittel aus ihrem Internatioralen °rogram zur Orogenbekämpfung,
fuer Hilfeleistungen an Mexiko, in der Form technischer Unterstützung und
Bereitstellung von Flugzeugen auf. Der Betrag für 1977 beläuft sich auf
11 Millionen Dollar. Die mexikanische Regierung ist ihrerseits - auch unter
dem neuen Präsidenten Lopez Portillo - darum bemüht, daß illegal
angebaute Mohnfelder zerstört werden und der Rauschgifthandel unterbunden
wird.
Neben Heroin bildet jedoch Kokain eine zunehmende Gefahr. Ein
großer Teil des in die USA eingeschmugjelten Kokains wird in Kolumbien
aus
- 5 -

�aus Coca-Paste raffiniert; das Rohmaterial liefern Coca-Pflanzen die in
Peru und Bolivien angebaut werden. Den Grundstein zu einem umfangreichen
Aktionsprogramm zur Bekämpfung der illegalen Kokainproduktion legten
Präsident. Banzer (Bolivien) und der amerikanische Außenminister im
Juni 1976: im Verlauf von fünf Jahren stellen die USA über AID-Kredite
45 Millionen Dollar für landwirtschaftliche Hilfer in unbemittelte
Bauern in Coca-Anbaugebieten bereit - vorausgesetzt, daß die zuständigen
Regierungen in der Lage sind, aussichtsreiche Projekte und Programme
zu entwickeln, die zu einer wirksamen Kontrolle der Coca-Produktion
führen. Mit weiteren 8 Millionen Dollar sollen Organe der Fahndung und
des Vollzugswesens ausgestattet werden. Inzwischen meldete auch Peru
sein Interesse an einem ähnlichen Programm an.

X X X

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24/1976

US-EXPERTE FORDERT WELTWEITE KONZERTIERTE

MASSNAHMEN

GEGEN ABHÄNGIGKEIT VOM ÖL
- öl Preiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen •
Interview mit Edward R. Fried

In einem Exklusivinterview mit dem
Korrespondenten des US-Informationsdienstes (USIS) Sam Burks hat der
bekannte amerikanische Wirtschaftsfachmann
Edward R. Fried vor den Folgen einer ölpreiserhöhung gewarnt und zu weltweiten
gemeinsamen Anstrengungen aufgerufen, um
die Abhängigkeit vom H zu verringern.
Fried gehört zu den iührenden Mitgliedern
derBrookings Institution und war früher
Leiter der Arbeitsgruppe für Internationale
Entwicklung und Berater im Weißen Haus und
war auch als Stellvertretender Unterstaatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium tätig.
FRAGE: Es ist damit zu rechnen, daß die Organisation Erdölexportierender
Länder (OPEC) demnächst zusammentritt, um über eine Erhöhung der ölpreise zu
sprechen.

Was wären nach Ihrer Auffassung im gegenwärtigen Stadium des

wirtschaftlichen Wiederaufschwungs die weltweiten Folgen einer solchen
Preiserhöhung?
Antwort:

�ANTWORT: Man fängt vielleicht am besten damit an, daß man sich selbst fragt,
was die unmittelbare direkte Auswirkung wäre.

Eine zehnprozentige Erhöhung

des ölpreises zum gegenwärtigen Zeitpunkt hätte eine direkte Folge in einer
Größenordnung von 11 Milliarden Dollar an Mehrkosten für die Nettoimportländer.

Für sie alle würde es zu einer gewissen Erhöhung der Preise und

zu einer Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanzen führen.

Obwohl die

Gesamtauswirkung keineswegs so groß wäre wie bei dem öl schock 1973/74, so
wäre das doch gegenwärtig grundsätzlich beunruhigend, da die Erhöhung zu
einem Zeitpunkt käme, da die Weltwirtschaft in ihren Anstrengungen zur
Überwindung der Rezession nachläßt.

In diesem Zusammenhang würde sie die

Probleme noch erschweren.
FRAGE: Welche Auswirkung hätte eine öl Preiserhöhung auf die Volkswirtschaften
der Vereinigten Staaten und der meisten anderen Industrieländer?
ANTWORT: Von der gesamten direkten Auswirkung würden die Industriestaaten
rund 10 Milliarden Dollar zu verspüren bekommen. Die Auswirkung in den
Vereinigten Staaten wäre geringer als in den anderen Industrieländern, da
bei uns das Importöl einen geringeren Prozentsatz des gesamten Energieverbrauchs ausmacht als in Westeuropa und Japan. Nach sehr überschlägigen
Schätzungen könnte man sagen, daß eine zehnprozentige Erhöhung des ölpreises
zu einer Gesamtpreiserhöhung von etwas weniger als einem halben Prozent in
den Vereinigten Staaten führen würde, während die Preiserhöhung in Westeuropa und Japan im Durchschnitt bei über einem Prozent liegen dürfte. Das
könnte schon allein dazu führen, die Formulierung der Großwirtschaftspolitik
im eigenen Lande ebenso zu komplizieren wie die Probleme der Aufrechterhaltung eines in vernünftigem Rahmen raschen wirtschaftlichen Wiederaufschwungs.
FRAGE: Wie sieht es mit der Auswirkung auf die nicht ölexportierenden
Entwicklungsländer aus?
Antwort:

�ANTWORT: Für sie könnte sich die direkte Auswirkung einer zehnprozentigen
öl Preiserhöhung in einer Größenordnung von 1 bis 1,5 Milliarden Dollar
bemerkbar machen.

Und das ist ein ganz beachtlicher Betrag, wenn man ihn

beispielsweise mit der Hilfe unter bevorzugten Bedingung vergleicht, die
sie erhalten.

Er ist jedoch relativ klein im Vergleich zu ihrem laufenden

Zahlungsbilanzdefizit, das sich für dieses Jahr und 1977 auf 30 bis 35
Milliarden Dollar belaufen dürfte.
FRAGE: In welchem Ausmaß sind die gegenwärtigen finanziellen Probleme dieser
Länder direkt oder indirekt auf die öl Preiserhöhungen zurückzuführen?

ANTWORT: In beträchtlichem Ausmaß!

Der Anstieg des ölpreises seit Oktober

1973 hat ohne Frage die Einfuhrkosten der öl importierenden Länder um etwa
10 bis 12 Milliarden Dollar pro Jahr erhöht.
käme natürlich noch hinzu.

Eine weitere Preiserhöhung

Das ist eine sehr hohe Belastung, die in etwa

dem entspricht, was diese Länder - als Gruppe - an bevorzugter Hilfe von
allen Ländern - Industriestaaten wie OPEC-Länder zusammen - erhalten.

Das

ist eine große und anhaltende Belastung, die sicherlich als starke Bremse
für ihr wirtschaftliches Wachstum gewirkt hat.

FRAGE: Gibt es irgend welche wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen, die die ölimportierenden Länder einzeln oder gemeinsam unternehmen könnten, um einer
Preiserhöhung der OPEC zu begegnen?

ANTWORT: Die schwerwiegendste Folge einer erneuten Preiserhöhung der OPEC
wäre ein genereller Preisanstieg in den Industrieländern.

Ferner hätte sie

die unglückliche Wirkung, die Gesamtnachfrage in den Industrieländern zu
dämpfen.

Sie würde sich wie eine Verbrauchssteuer auswirken, die die

Erzeugerländer den Verbraucherländern auferlegen - nur mit dem wesentlichen
Unterschied, daß in diesem Falle die Erträge aus der Verbrauchssteuer nicht
sofort, sondern erst im Laufe der Zeit ausgegeben werden.
Manko an Nachfrage ausgeglichen werden.

Daher muß das

Leider besteht der einzige uns

bekannte Weg zur Steigerung der Nachfrage, bzw. zum Ausgleich dieses
Nachlassens
- 3-

�Nachlassens der Nachfrage in expansionistischen fiskalischen Maßnahmen oder
einer Politik des leichten Geldes.

Beide Mittel sind inmitten des inflation-

istischen Drucks, der in all unseren Volkswirtschaften noch herrscht, nur
schwer anzuwenden.

Wir verfügen nicht über die Mittel, die wirksam angepaßt

werden könnten, um mit dem Problem einer Erhöhung der relativen Preise
fertig zu werden, wie es sich mit einer Erhöhung der ü'ipreise stellen würde.
Nach meiner Auffassung wäre es jedoch, wenn der öl preis erhöht wird, ein
weiterer Grund für einen mäßigen Konjunkturanreiz in den Industrieländern.
FRAGE: Gibt es für die Entwicklungsländer, die kein öl besitzen, eine
andere Möglichkeit, die nachteiligen Auswirkungen von öl Preiserhöhungen
aufzufangen als durch eine Verlangsamung ihres wirtschaftlichen Wachstums?
ANTWORT: Der beste und naheliegende Weg wäre natürlich, wenn sie von den
OPEC-Ländern Preisnachlässe oder verstärkte Hilfe zu Vorzugsbedingungen
erhalten würden. Das wäre der direkteste und wirksamste Weg, mit diesem
außerordentlich schwierigen Problem fertig zu werden. Ansonsten könnten
sie nur versuchen, weiterhin das zu tun, was sie bisher getan haben,
nämlich ihre Volkswirtschaften bis zu einem gewissen Grad gegen den ölpreisschock von außen dadurch abzuschirmen, daß sie ihre Kapital aufnähme
aus der übrigen Welt erhöhen. Das ist bisher durch eine ganze Reihe von
Maßnahmen erreicht worden, einschließlich erhöhter Kreditaufnahme auf dem
internationalen privaten Kapitalmarkt durch Entwicklungsländer mit einer
ausreichend starken Wirtschaft und damit Kreditposition; durch erhöhte
Kreditaufnahme bei internationalen Finanzinstituten - wie die Weltbank und
die regionalen Entwicklungsbanken - sowie durch erhöhte Hilfe von OECDLändern und - in jüngster Zeit auch - OPEC-Ländern.
FRAGE: Wie stark hat sich die Hilfe seitens der OPEC-Länder ausgewirkt?
ANTWORT: Ich glaube, fairerweise sollte man zwei Dinne sagen:
Erstens, sie ist wesentlich größer geworden; die Kapitalflüsse von den
OPEC-Ländern dürften sich gegenwärtig in einer Größenordnung von 3 bis 4
Milliarden

�Milliarden Dollar pro Jahr bewegen, was bedeutet, daß sie etwa ein Viertel
ihrer erhöhten Einnahmen, die sie von den öl importierenden Entwicklungsländern aufgrund der erhöhten Preise erhalten, wieder zurücksenden.

Der

größte Teil ihrer Zuwendungen und Kredite konzentriert sich jedoch auf ganz
wenige Länder, vor allem im Nahen Osten.

Ihr wirkliches Ziel sollte es je-

doch nach meiner Meinung sein, größere Kapital betrage zu Vorzugsbedingungen
vor allem den ärmsten der öl importierenden Entwicklungsländer zu Verfügung
zu stellen, und das in größtmöglichem Umfang über internationale
Institutionen.

So wäre es beispielsweise nach meiner Überzeugung außer-

ordentlich hilfreich, wenn die OPEC-Länder - vor allem die reichsten unter
ihnen - der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA), der Tochtergesellschaft der Weltbank für weiche Kredite.eine besondere und außerordentliche Zuwendung machen würden.

Eine solche Geste in großem und großzügigem

Umfang könnte viel dazu beitragen, den ärmsten Ländern zu helfen, und könnte
als ein Hinweis dienen, daß sich diese Länder dem Wohlergehen der ärmsten
Völker verpflichtet fühlen.
FRAGE: In welchem Umfang wäre nach Ihrer Einschätzung eine Erhöhung der
öl preise durch die OPEC wegen des inflationsbedingten Preisanstiegs der
Güter gerechtfertigt, die diese Länder aus den Industriestaaten beziehen?
ANTWORT: In einer Hinsicht überhaupt nicht.

Der derzeitige ölpreis ist

aufgrund seiner Verfünffachung seit Oktober 1973 sehr viel höher als es die
seitherige Inflation rechtfertigen würde. Und eine Erhöhung könnte auch
hinsichtlich, des, wie ich es nennen möchte, langfristigen gerechten Preises
in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren nicht gerechtfertigt werden.

Der

Preis ist durch die Stärke der Erzeuger auf dem Markt hochgehalten worden.
Die Erzeuger erhalten einen hohen Preis, weil sie in der Lage sind, die
Versorgung auf einem Markt zu kontrollieren, der nerade wieder zu expandieren
beginnt.

Wenn Sie meine Antwort im Sinne einer engaren Interpretierung Ihrer

Frage hören wollen - in welchem Umfang die Preise der Güter, die die OPECLänder importieren, gestiegen sind seit der letzten ülPreiserhöhung durch
die OPEC-Länder - dann muß ich sagen, daß das etwas schwierig zu beantworten

ist
- 5 -

�ist, aber je nach Währungsschwankungen und Änderungen der Ölabnahme-Vereinbarungen, liegt die Antwort zwischen null und acht Prozent.
FRAGE: Welche Maßnahmen würden Sie den Industriestaaten empfehlen, un die
weltweite Nachfrage nach öl zu verringern und ihre Verhandlungsposition mit
den OPEC-Ländern über den künftigen öl preis zu stärken?
ANTWORT: Allgemein gesehen bin ich der Auffassung, daß der einzige Weg,
wie wir mit dem Problem der wirtschaftlichen Verwundbarkeit gegenüber
künftigen wirtschaftlichen OPEC-Schocks fertig werden können - einmal
ganz abgesehen von den offenkundigen politischen Problemen eines etwaigen
neuerlichen politischen ölambargos der OPEC - darin liegt, unsere Abhängigkeit von Importöl zu verringern.

Das muß von allen Industrieländern in

gemeinsamem Handeln erreicht werden.
agentur (IEA) geschaffen worden.

Dafür ist die Internationale Energie-

Der Erfolg wird natürlich in erster

Linie von den Vereinigten Staaten abhängen, denn wir sind aus zwei Gründen
entscheidend: £rstens, unsere ölimporte haben wesentlich zugenommen.

Unser

Prokopfverbrauch an Energie liegt mindestens doppelt so hoch wie in anderen
Industriestaaten.

Zweitens, wir verfügen - unter den Industrieländern -

über die größten Möglichkeiten, unsere Versorgung mit allen Artr 1 von Energie
zu erhöhen.

Es liegt also an uns, zusammen mit anderen Ländern die ent-

scheidenden Maßnahmen zu treffen, um mit der Zeit und schrittweise unsere
ölimporte zu verringern.

Wenn uns das gelingt, dann werden wir meiner

Meinung nach die Verhandlungsposition der öl importierenden Länder stärken
und die Fähigkeit der OPEC schwächen, den Marktpreis für Erdöl zu bestimmen
und zu manipulieren.
FRAGE: Das Direktorium der Internationalen Energieagentur hat kürzlich
bekanntgegeben, daß Mitgliedsstaaten ein übereinkommen getroffen hätten,
spezifische Maßnahmen zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von Importöl zu
treffen. Eines ihrer Ziele würde es sein, bis zum Frühjahr nächsten Jahres
quantitative Importziele festzusetzen. Welche Auswirkung würde dies weltweit auf Angebot und Nachfrage bei öl haben?
Antwort'
- 6 -

�*.

ANTWORT: Wenn die Importländer mit ihrem Maßnahmen zur Verringerung ihrer
Abhängigkeit von dem öl sämtlicher Exportländer tatsächlich erfolgreich
wären, dann würde das eine sehr, sehr weitgehende Auswirkung haben. Man
muß verstehen, daß es sich beim ölmarkt um einen Weltmarkt handelt; es
ist eher ein Markt für Energie als lediglich ein Markt für öl. So würden
alle Aktionen, die unternommen werden, um das Ansteigen und den Verbrauch
von Energie zu verringern, und auch alle Maßnahmen, die getroffen werden,
um die Nutzung von primären Energiequellen irgendwo auf der Welt zu
steigern, sich dämpfend auf die Fähigkeit der ölexporteure auswirken, die
Preise zu kontrollieren.

Eine Steigerung des Energieangebots - wie zum

Beispiel durch eine Steigerung der Kohleproduktion in Indien, oder der
Nuklearenergie in Japan oder des Nordseeöls in Europa - hat auf den Weltmarkt und den Weltölpreis etwa genau so eine Auswirkung, wie eine Steigerung
der ölproduktion in den Vereinigten Staaten.

Das gleiche gilt auf Seiten

der Nachfrage: Jede einzelne Einschränkung im Verbrauch hilft allen.

Das

ist auch der Grund, warum es sich hier vornehmlich um ein Problem handelt,
das eine konzertierte Aktion erfordert.
FRAGE: Welchen Fortschritt - wenn überhaupt - sehen Sie in dem Energiedialog,
der zur Zeit zwischen den OPEC-Mitgliedern, den Industriestaaten und den
nicht ölexportierenden Entwicklungsländern auf der Konferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit stattfindet?
ANTWORT: Vielleicht wird es schließlich doch einmal möglich sein, die ölfrage ganz im Sinne eines Verbrauchsgüterabkommens zu behandeln. Es könnte
möglich sein, daß es zwischen den ölproduzenten und den öl importierenden
Ländern zu periodischen Abmachungen kommt, die den Fluß des Öls zu einem
bestimmten Preis für eine bestimmte Periode regeln.

Das hätte den Vorteil,

daß es für die importierenden Länder weniger notwendig wäre, mit doch recht
hohen Kosten verbundene Maßnahmen zu ergreifen, um das Energieangebot zu
vermehren oder das Ansteigen des Verbrauchs zu drosseln.

Für die exportieren-

den Länder könnte es eine gewisse Ausweitung der Märkte für ihr öl zu Preisen
bedeuten, die sie für lohnend ansehen würden.

Ich glaube jedoch nicht, daß
eine

- 7 -

�eine Hoffnung besteht, solche Übereinkommen, oder wie Sie es nannten, ein
solcher Dialog könne zu etwas führen, soiange die Industriestaaten nicht
ihre Verhandlungsposition verbessern.

Und das bedeutet einfach, daß die

Industrieländer mit Maßnahmen beginnen müssen, die ihre Abhängigkeit von
Importöl verringern.

Das hat gar nichts mit Autarkie zu tun.

Der Welt-

markt für öl hat gegenwärtig einen Umfang von etwa 29 bis 30 Millionen
Barrel pro Tag.

Das ist in etwa der gesamte Weltexport der öl exportierenden

Länder an die öl importierenden Länder.

Wenn die Gesamtexporte auf nicht

mehr als 25 Millionen Barrel pro Tag reduziert werden könnten, dann hätten
es meiner Meinung nach die OPEC-Länder nicht mehr so leicht, die Preise auf
dem gegenwärtigen Stand zu halten, und sie wären daran interessiert, sich den
Markt auf andere Weise zu sichern.
FRAGE: Was können die Vereinigten Staaten tun, um in den kommenden Jahrzehnten
eine umfassende Energiepolitik zu entwickeln?
ANTWORT: Die Dinge haben sich bei uns langsamer entwickelt, als ich gehofft
hatte. Aber es war auch ein großes Pensum zu bewältigen und viel Durcheinander zu beseitigen. Wir begreifen heute besser, daß wir es mit einem
Kartell zu tun haben, das die Macht hat, die Preise zu manipulieren, und
daß wir die harten Maßnahmen ergreifen müssen, die notwendig sind, um unseren
Energie- und Ölverbrauch zu senken. Das bedeutet, daß wir bereit sein müssen,
in Zukunft einen schrittweisen Anstieg der Preise für andere Energiequellen - für alle Quellen - zuzulassen. Diese Maßnahmen könnten und
sollten meiner Ansicht nach durch einschlägige Vorschriften ergänzt werden wie etwa strengere Bauvorschriften für die Isolierung von Gebäuden;
stärkere Nutzung von Steinkohle für die Stromerzeugung anstelle von Erdgas
und öl oder den Bau von sparsameren Automotoren, angeregt durch eine
Besteuerung nach PS oder eine Verbrauchssteuer für Benzin. All das kann
schrittweise geschehen, aber wir dürfen keinen Zweifel daran lassen, in
welche Richtung wir gehen und gehen müssen, um unseren Ölverbrauch gegenüber früher einzuschränken.
Frage:

- 8 -

�1

FRAGE: Wenn Sie sagen, diese Maßnahmen müßten schrittweise eingeführt
werden, meinen Sie dann, daß jeder wirtschaftliche Schock vermieden werden
müsse, der unserer Wirtschaft schaden könnte?
ANTWORT: Genau das! Wenn wir es beispielsweise für ratsam halten würden,
eine Verbrauchssteuer auf Benzin einzuführen, etwa in der Größenordnung
von 50 Cent pro Gallone, dann könnten wir das auf einen Zeitraum von zehn
Jahren mit jährlich 5 Cent verteilen. Das würde dem amerikanischen Volk
klarmachen, daß der Realpreis, den jeder zu zahlen hat, in die Höhe geht.
Das hätte eine Auswirkung auf die Entscheidung eines jeden einzelnen, was
für ein Auto er sich kauft. Und wenn wir die Steuer schrittweise einführen, dann hätten wir auch die Möglichkeit, sie wieder abzuschaffen, wenn
sich herausstellen sollte, daß sich die Anpassungen in Angebot und Nachfrage
rascher vollziehen, als wir aus guten Gründen annehmen dürfen. Es ist
unbedingt erforderlich, daß die von uns ergriffenen Maßnahmen auf dem
Gebiet der Energie schrittweise eingeführt werden, um ihre binnenwirtschaftlichen Auswirkungen oder Schocks zu dämpfen, aber die Richtung
muß klar erkennbar sein, damit sich die Bevölkerung vernünftig darauf
einstellen kann.

+ + + + +

- 9-

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24/1976

NEUE AKTIONEN ZUM UMWELTSCHUTZ IN DEN USA

- (AD) - Das amerikanische Regierungsprogramm, das eine Einschränkung
der Anwendung von Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffen vorsieht, wurde jetzt vom
Präsidialbeirat für Umweltqualität (CEQ) bekanntgegeben. Es soll helfen,
einen gefährlich starken Abbau der atmosphärischen Ozonschicht, die für die
Abschwächung intensiver Ultraviolettstrahlung von der Sonne lebensnotwendig
ist, zu verhindern.
In einem Memorandum an die US-Umweltschutzbehörde (EPA), die Bundesbehörde für Nahrungsmittel und pharmazeutische Produkte (FDA) und an die Kommission für Verbraucherschutz (CPSC) sind die Maßnahmen skizziert, die in
den Vereinigten Staaten fürs erste ergriffen werden sollen. Sie gründen sich
auf die Ergebnisse einer Anzahl von Studien, die von Wissenschaftlern an Universitäten sowie staatlichen und privaten Forschungsinstituten bisher durchgeführt wurden.
Unter anderem ist vorgesehen, daß FDA, EPA und CPSC bis April 1977 Vorschriften darüber ausarbeiten, wie nicht unbedingt notwendige Chlor-FluorKohlenwasserstoffe als Sprühdosentreibmittel und in der Anwendung auf den
Sektoren Lebensmittel, Arzneimittel und Kosmetika allmählich aus dem Verkehr
zu ziehen sind.

Die FDA fordert, daß durch Aufkleber schon jetzt auf solche

Verbindungen in nicht unbedingt lebenswichtigen Aerosol-Produkten aufmerksam
gemacht wird.

Unter Leitung der EPA werden sich die drei Behörden gemeinsam

-1 -

�«-

gemeinsam um die Ausarbeitung künftiger Vorschriften und die Durchführung
notwendiger Analysen kümmern, die die Umweltqualitä't kontrollieren und die
wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Maßnahmen ermitteln sollen.

Schä'dl ingsbekämpfung
Bei der US-Umweltschutzbehörde EPA wurde auf Grund eines neuen Gesetzes
zur Kontrolle toxischer Präparate eine besondere Abteilung für toxische Substanzen geschaffen. Sie soll alle Aufgaben im Zusammenhang mit einschlägigen
Programmen übernehmen, die bisher z.B. von den Abteilungen "Wasser und gefährliche Materialien", "Schädlingsbekämpfung" u.s.w. mitverwaltet werden.
Inzwischen bereiten sich Farmer und kommerzielle Unternehmen, die sog.
gefährliche Präparate zur Schädlingsbekämpfung anwenden, auf ihre amtliche
Zulassung vor. Ab Oktober 1977 ist es Pflicht für jedermann aus diesem Personenkreis, sich für den Umgang mit stark toxischen Pestiziden einem besonderen
Trainingskurs mit Abschlußprüfung zu unterziehen. Dadurch soll verhindert
werden, daß eine unsachgemäße Anwendung Schäden bei Menschen und Umwelt verursacht. Der US-Kongreß beabsichtigt mit dem Gesetz außerdem, daß diese Personen auch damit vertraut werden, welche langfristigen und möglicherweise lange
Zeit verborgenen Wirkungen bestimmter Pestiziden zu erwarten seien, welche
neuen Produkte verfügbar sind und wie ihre Anwendung nach den neuesten Erkenntnissen erfolgt.
Welche Substanzen zu den "stark toxischen Pestiziden" zählen, bestimmt
die EPA mit der Klassifizierung "Anwendung eingeschränkt". Die übrigen Präparate sind für "Allgemeine Anwendung" freigegeben, sofern die Gebrauchsanweisung beachtet wird. Auf solche Präparate müssen künftig Personen ausweichen,
die die Zulassungsprüfung für die Anwendung stark toxischer Präparate nicht
ablegen wollen oder können. Die EPA schätzt, daß sich etwa die Hälfte der
drei Millionen amerikanischer Farmer, bei denen ohnehin weniger hohe Anfor- 2 -

�Anforderungen als an Personen von kommerziellen Unternehmen zur Schädlingsbekämpfung gestellt werden, um die Zulassungsprüfung bemühen werden.

Mehr

als 135 000 in 37 Bundesstaaten haben sie bereits abgelegt.
Je nach den bereits bestehenden einzelstaatlichen Bestimmungen, den
örtlichen und regionalen Problemen des Schädlingsbefalls und entsprechend der
bisher üblichen Anwendung von Pestiziden sind die Trainingsprogramme von Staat
zu Staat etwas unterschiedlich. Jedoch müssen alle bestimmten Mindestanforderungen genügen und von der EPA genehmigt worden sein.

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24/1976

DIE NÄCHSTE EISZEIT KOMMT BESTIMMT
- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -

(AD) - Die Ergebnisse der Analyse von Tiefsee-Sedimenten gaben der
Forschung jetzt zum ersten Mal Gelegenheit, Zyklen für einschneidende
Klimaveränderungen auf der Erde auch statistisch nachzuweisen.

Es zeigte

sich, daß Eiszeiten und Zwischeneiszeiten die Folge von Veränderungen der
Sonneneinstrahlung sind, welche durch eine relativ geringfügig veränderte
Neigung der Erdachse, durch Pol Schwankungen und Faktoren verursacht
werden, die zu einer leichten Bahnänderung auf dem Weg der Erde um die
Sonne führen.

Mögliche Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Klima blieben
bei der Studie unberücksichtigt.

Ausschließlich auf Grund der Sediment-

analysen ziehen die Wissenschaftler den Schluß, daß der nördlichen Erdhemisphäre in den nächsten par Tausend Jahren eine "ausgedehnte"
Vergletscherung bevorstehe.
Schon im Jahr 1920 hatte der serbische Geophysiker M . Milankowitsch
auf mögliche Zusammenhänge zwischen Bahnfaktoren und Erdklima hingewiesen.
Diese Theorie konnten nun Dr. James D. Hays (Lamont-OLservatorium der
Columbia-Universität, New York), Dr. John Imbrie (Brown-Universität,
Providence, Rhode Island) und Dr. Nicholas J. Shackelton (Universität
Cambridge, England) zum ersten Mal belegen.

Ihre Untersuchungen waren

Teil des von der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) finanzierten
amerikanischen Beitrags zur Internationalen Dekade für Meeresforschung
und
- 1 -

�und Klimadynamik, die unter Mitwirkung von Forschern aus aller Welt
u. a. das Ziel verfolgt, das Erdklima während der letzten Eiszeit vor
18 000 Jahren sowie während der letzten Zwischeneiszeit vor 12f 000
Jahren zu rekonstruieren u,nd Voraussagen zur künftigen Klimaentwicklung
zu machen.

Man will den Ursachen für Veränderungen auf die Spur kommen,

die von warmen Zwischeneiszeiten zu Eiszeiten führen.

In den letzten

paar Millionen Jahren ist es jedenfalls häufig zu solchen Klimaänderungen
gekommen.
Mit der statistischen Analyse der experimentellen Meßdaten - in
erster Linie der unterschiedlichen geochemischen und biologischen
Befunde an den Bohrkernen aus Tiefsee-Sedimenten - konnten Zyklen von
21 000 Jahren, 42 000 Jahren und 100 000 Jahren für einschneidende
Klimaänderungen ermittelt werden.

Sie entsprechen genau den Zyklen,

in denen sich die Neigung der Erdachse, die Lage der Pole und bestimmte
Bahnfaktoren auf dem Weg der Erde um die Sonne ändern.

(Ein Bericht

Über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Studie erschien in der Zeitschrift SCIENCE vom 12. Dezember 19/6.)

+ + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 15.12.1976</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Die NATO ist das Kernstück der atlantischen Partnerschaft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft an die Ministertagung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cyrus R. Vance: Der neue Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. Michael Blumenthal: Der neue amerikanische Finanzminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brock Adams: Der neue Verkehrsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas B. Lance: Der neue Direktor des US-Budgetamtes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas P. O'Neill: Der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter wirbt um überparteiliche Unterstützung seiner Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtung vor den Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wesentliches Kriterium für US-Auslandshilfe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allianz gegen Rauschgiftsyndikate&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz und koordinierte Maßnahmen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Experte fordert weltweite konzertierte Maßnahmen gegen Abhängigkeit vom Öl&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ölpreiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Aktionen zum Umweltschutz in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nächste Eiszeit kommt bestimmt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

15. Dezember 1982
I N H A L T

INFORMATION
Reagan sieht sowjetische Verhandlungsbereitschaft
- Pressekonferenz des US-Prä'sidenten DOKUMENTATION
Proklamation zum Tag der Menschenrechte und der Verfassungsrechte
Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen
Die wirtschaftliche Gesundheit des Bündnisses
- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft HINTERGRUND
US-Journalist warnt vor Gleichsetzung der USA mit der UdSSR
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontrolle von Chemikalien
- Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz Giften auf der Spur
- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Dezember 1982

49

REAGAN SIEHT SOWJETISCHE VERHANDLUNGSBEREITSCHAFT
- Pressekonferenz des US-Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat erklärt, die Sowjetunion
habe "ernsthafte" Anzeichen gemacht, daß sie bereit sei, über eine Verringerung
der nuklearen Rüstung zu verhandeln.

Auf einer kurzfristig am 14. Dezember

1982 einberufenen Pressekonferenz teilte Reagan weiter mit, daß er bezüglich
der Bewilligung der Mittel für die MX-Rakete einen Kompromiß mit führenden
Vertretern der demokratischen und republikanischen Partei im Senat erreicht
habe.
Der Präsident kündigte an, daß er auf andere Raketen verzichten werde,
wenn die Verhandlungen mit Moskau über eine Reduzierung der strategischen
Waffen Erfolg hätten, daß er jedoch an der Dislozierung der geplanten
100 Raketen vom Typ Friedenswahrer (Peacekeeper) festhalten wolle.

Diese

MX-Raketen seien notwendig, um die landgestützte Abschreckungsmacht der
Vereinigten Staaten zu modernisieren und um ein Gegengewicht gegen die
SS-18-Interkontinentalrakete der Sowjets zu bilden.

Die Vereinigten Staaten,

so betonte Reagan nachdrücklich, hätten während der letzten 15 Jahre nichts
getan und keinerlei Verbesserungen ihrer Raketenstreitmacht vorgenommen.
Als ermutigendes

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Als ermutigendes Zeichen wertete Reagan die Tatsache, daß die Sowjets
"freiwillig" einen Plan für die Verringerung der nuklearen Mittel Streckensysteme vorgelegt hätten.

Allerdings sei dieser Plan nicht ausreichend, da

die westlichen Verbündeten dabei beträchtlich im Nachteil bleiben.
Nachfolgend die wesentlichen Fragen und Antworten der Pressekonferenz
vom 14. Dezember:
Frage: Die Sowjets haben deutlich gemacht, daß sie, wenn wir die
MX-Rakete bauen noch mehr Raketen bauen werden.

Kann das nach Ihrer Meinung

überhaupt zu einer Rüstungskontrolle führen?
Antwort: Ja, das kann, denn an unseren Zusammenkünften hat General Rowney...
teilgenommen und er hat von der Wirkung gesprochen, die das gehabt hat und
von der Ernsthaftigkeit der Verhandlungen; daß die Sowjetunion verhandlungsbereit ist.
Und die Sache ist, daß es hier nicht um eine Verhandlungsposition geht
und jemand sagen könnte, "ihr baut das nur, um es wieder abzubauen". Nein,
wir brauchen eine Modernisierung. Selbst wenn wir die Verringerung der
Waffen bekommen, die wir anstreben und hinsichtlich derer es einige Anzeichen
gibt, daß sie von den Sowjets ernsthaft erwogen wird, dann wäre das nicht
die Waffe, die wir abschaffen würden.
Wir müssen modernisieren, um gegen die fünf Generationen von Raketen
aufzuholen, die die Sowjets entwickelt haben, während wir auf der Stelle
traten und in den letzten 15 Jahren nicht eine unserer Raketen modernisiert
haben. Wir kommen ihnen in Treffsicherheit nicht gleich. Wir kommen ihnen
in Megatonnage nicht gleich.

Das ist eine Rakete, die mit ihrer großen Rakete,

ihrer SS-18, vergleichbar ist.
Frage: Liegt

�Frage: Liegt in dem berichteten sowjetischen Angebot, ihre jetzt auf
Europa und Asien gerichteten Mittelstreckenraketen auf die Hälfte zu
reduzieren, eine vielversprechende Aussicht?

Bietet das eine Aussicht, daß

sie in Bewegung geraten?
Antwort:

Ich glaube, allein die Tatsache, daß sie einen Vorschlag

unterbreitet haben, die Zahl zu verringern, läßt erkennen, daß auch sie
sich Sorgen machen.

Und sie wurden besorgt, als die NATO beantragte und

wir zustimmten, vergleichbare Mittelstreckenraketen zu beschaffen, von denen
es heute in Europa keine als Abschreckung vor einem sowjetischen Einsatz der
SS-20-Raketen gibt.
Aber obwohl sie freiwillig einen Vorschlag gemacht haben, ist er nicht
ausreichend und würde uns in einem beträchtlichen Nachteil lassen

+ + +

- 3 -

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1$.Dezember 1 9 8 2

49

PROKLAMATION ZUM TAG DER MENSCHENRECHTE UND DER VERFASSUNGSRECHTE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 10. Dezember 1982
zum Tag der Menschenrechte

und den 15. Dezember 1982 zum Tag der Verfassungs-

rechte (Bill of Rights) proklamiert.

Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 15. Dezember 1791 haben unsere Gründerväter die Ratifizierung der
ersten zehn Zusätze zur Verfassung der Vereinigten Staaten - der Bill of
Rights - gefeiert, Verfassungsrechte, die von diesem Augenblick an dazu
beitrugen, eine in den Annalen der Geschichte einzigartige Nation zu gestalten.
Die Bill of Rights wurde der formelle und rechtliche Ausdruck unserer persönlichen Freiheiten und der in der Unabhängigkeitserklärung niedergelegten
Prinzipien.
Die Gründerväter schöpften ihre Prinzipien der begrenzten Regierung aus
einem Glauben an das Naturrecht,

d.h. aus dem Konzept, daß unser Schöpfer

für die Gesellschaft einen Rahmen gesetzt hat, in dem der Freiheit, der
Meinung und der Verantwortung des einzelnen große Bedeutung zugemessen wird.
Sie waren überzeugt, daß jede Person bestimmte, ihr von Gott verliehene
Rechte hat; wie Jefferson es formulierte: " Der Gott, der uns Leben gab, gab
uns Freiheit".
Mit frohem Herzen und dankbarem Sinn erkennen wir am Tag der Verfassungsrechte dieses große Geschenk der Freiheit an,das die Gründerväter der Nachwelt
vermachten, und ehren es.
10. Dezember

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 10. Dezember 1948, 157 Jahre später, verabschiedeten die Vereinten
Nationen die universale Erklärung der Menschenrechte.

Indem wir diesen Jahres-

tag gemeinsam mit dem Tag der Verfassungsrechte feiern, erkennen wir die
notwendige Verbindung von Menschenrechten und verfassungsmäßiger Demokratie an.
Wie es in der universalen Menschenrechtserklärung heißt, müssen wir unerschütterlich an unserer Überzeugung festhalten, daß Freiheit nicht Vorrecht
einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale
Recht aller Menschen.

In der ganzen Geschichte und in allen Teilen der Erde

ist immer wieder der instinktive Wunsch des Menschen nach Freiheit und echter
Selbstbestimmung ans Tageslicht gekommen.

Die Demokratie hat sich als der

beste und dauerhafteste Ausdruck der Suche des Menschen nach individueller
Freiheit erwiesen.
Wir können auf die vielen Länder der Welt hinweisen, in denen es echten
Fortschritt in der Entwicklung demokratischer Institutionen gibt. Die Völker
einiger dieser Länder haben ihre Hingabe an die demokratischen Prinzipien
voll gezeigt, indem sie unter schwierigen, ja lebensbedrohenden Umständen an
Wahlen teilgenommen haben. Solche Beispiele des Mutes können das Vertrauen
in die Zukunft der Demokratie für alle Menschen nur stärken.
Aber im Dezember 1982 wird unsere Befriedigung über den Fortschritt bei
den Menschenrechten durch unsere Erkenntnis verdunkelt, daß vor einem Jahr,
am 10. Dezember 1981 die polnische Militärregierung Schritte unternahm, um
die von der Solidarität entzündeten Flammen der Freiheit auszulöschen.
Als dieses totalitäre Regime die Solidarität unterdrückte, hat sie den
Belagerungszustand über die Träume und Hoffnungen eines ganzen Volkes verhängt,
das nach Freiheit, Unabhängigkeit und einem Mindestmaß an Menschenwürde strebt.
Die Tragödie

- 2 -

�Die Tragödie der eisernen Unterdrückung des polnischen Volkes überschreitet
die Grenzen jenes Landes und berührt unser aller Herzen, die wir uns um die
Rechte und das Wohlergehen der Menschen überall sorgen.
An diesen wichtigen Jahrestagen wollen wir uns der großen und bleibenden
Freiheitsliebe erinnern, die ewig in den Herzen der Menschheit wächst ; und
wollen wir auch hoffen und beten, daß eines Tages alle Menschen der Segnungen
der Freiheit teilhaftig werden.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 10. Dezember 1982 zum Tag der Menschenrechte und den
15. Dezember 1982 zum Tag der Verfassungsrechte und rufe alle Amerikaner auf,
die am 10. Dezember 1982 beginnende Woche als Woche der Menschenrechte zu
begehen.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zehnten Tag des Dezember im Jahre
unseres Herrn 1982 und des 107. Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika meine Unterschrift geleistet.

gezeichnet:

+ + +

- 3 -

Ronald Reagan

�15c D e z e m b e r 1 9 8 2
REAGAN PROKLAMIERT TAG DER SOLIDARITÄT MIT POLEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 12. Dezember 1982
zum Tag des Gebetes für Polen und der Solidarität mit dem polnischen Volk
proklamiert.

Die Proklamation vom 10. Dezember hat folgenden Wortlaut:

Am 13. Dezember ist ein Jahr vergangen, seit die polnischen Militärbehörden unter massivem sowjetischem Druck dem Experiment des friedlichen
Wandels in Polen ein Ende gesetzt haben.

Im Laufe dieses Jahres haben die

Militärbehörden die freien Gewerkschaften, mit denen die polnische Regierung
erst kurz zuvor feierliche Verträge unterzeichnet hatte, eingeschüchtert und
schließlich aufgelöst.
Damit wurde eine echte Arbeiterbewegung von einer Regierung von Generalen
unterdrückt, die von sich behaupten, sie verträten die Arbeiterklasse. Ihr
Sieg kann, so wie es aussieht, nur ein scheinbarer Sieg sein. Das tapfere
polnische Volk hat in anderthalb Jahrhunderten fremder Besetzung gelernt,
seinen Nationalgeist zu bewahren und sich der Unterwerfung zu widersetzen.
Wir lassen uns keinen Augenblick täuschen, daß das Schweigen, das sich
auf die Entfaltung der freien Meinung in Polen herabgesenkt hat, ein Ausdruck
des wirklichen Denkens des polnischen Volkes sei. Die zensierte Presse und
die zensierten Medien sprechen nicht im Namen des Volkes. Die Gewerkschaft
Solidarität mag technisch verboten sein, aber ihre Ideale der freien Gewerkschaftsbewegung und des gewaltlosen Wandels werden niemals zerstört werden.
Dieses Wochenende

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dieses Wochenende bietet Amerikanern eine besondere Gelegenheit, das
polnische Volk zu ehren und unsere Unterstützung für seinen Kampf um das Recht,
sein Schicksal selbst und ohne Einmischung von außen unterstützte und angestachelte Diktaturen zu bestimmen.
Deshalb bestimme ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 12. Dezember 1982 zu einem Tag des Gebets für Polen und der
Solidarität mit dem polnischen Volk.
Ich lade das Volk der Vereinigten Staaten ein, diesen Tag durch Gebete
für das Volk Polens zu begehen und durch Teilnahme an geeigneten Zeremonien
und Veranstaltungen unsere anhaltende Unterstützung seiner Hoffnungen und
Wünsche auf größere Freiheit zu demonstrieren.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zehnten Tag des Dezember im Jahre
unseres Herrn 1982 und des 207. Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika meine Unterschrift geleistet.

gezeichnet:

+ + +

Ronald Reagan

�15. Dezember 1982

49

DIE WIRTSCHAFTLICHE GESUNDHEIT DES WESTLICHEN BÜNDNISSES
o

- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft -

BONN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, hat in einer Rede vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 9. Dezember 1982 über die wirtschaftlichen Probleme des Bündnisses
gesprochen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte der Deutschen Atlantischen Gesellschaft für die Gelegenheit danken, heute abend zu Ihren Mitgliedern und Freunden sprechen zu dürfen.

Seit ihrer Gründung vor einem Viertel Jahrhundert hat Ihre Gesellschaft

die grundlegenden Ziele des nordatlantischen Bündnisses getreulich unterstützt.

Sie sind in Ihrer Hingabe an den Frieden oder in Ihren Anstrengungen

zur Förderung der Grundsätze der persönlichen Freiheit und der Demokratie,
die die moralische Grundlage der NATO bilden, niemals wankend geworden. Damit haben Sie den Dank aller aufgeklärten Bürger in Ihrem und in meinem Lande verdient.
über meine Anerkennung Ihres Beitrages zur Erhaltung des internationalen
Friedens und der internationalen Freiheit hinaus möchte ich heute abend zu
Ihnen über einige der wirtschaftlichen Probleme sprechen, die in jüngerer Zeit
das westliche Bündnis beunruhigt haben.
Wirtschaftliche Faktoren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wirtschaftliche Faktoren haben unausweichlich eine wesentliche Wirkung
auf die politischen Haltungen, die in unseren jeweiligen Ländern vorherrschen
und die ihrerseits entscheidend für die militärische Leistungsfähigkeit des
Bündnisses sein können.

Angesichts der immensen Rolle der Vereinigten Staaten

in der Weltpolitik möchte ich mich auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten konzentrieren.
Diese Beziehungen sind, wie allgemein bekannt, in letzter Zeit einigen Belastungen ausgesetzt.

Das allein schon ist Grund genug, daß wir versuchen,

das amerikanisch-europäische Verhältnis in einer vernünftigen Perspektive zu
betrachten.

Darüber hinaus ist es für unser Bündnis von lebenswichtiger Be-

deutung, daß wir uns darüber Gedanken machen, wie gut seine wirtschaftlichen
Fundamente erhalten und geschützt werden.
Seit Ende 1979 haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa eine beträchtliche wirtschaftliche Stagnation oder sogar Rezession erlebt.

Die Volkswirt-

schaften des Westens sind bei weitem stärker als die Volkswirtschaften des
Sowjetblocks, und dies ist sicherlich ein bedeutsames Faktum, aber es kann
kaum Anlaß zur Selbstgefälligkeit unsererseits sein.

Was uns Sorgen machen

muß, ist der Zustand unserer eigenen wirtschaftlichen Gesundheit - wie wir
sie am besten erhalten und verbessern können.

Ich möchte es daher heute abend

als meine erste Aufgabe betrachten, kurz auf die Ursachen der jüngsten Schwierigkeiten im Westen einzugehen.
Die ölpreisschocks von 1973 und 1978 haben sicherlich zu unseren wirtschaftlichen Problemen beigetragen. Andere Entwicklungen auf den internationalen Märkten haben auch das ihrige getan. Das gilt besonders für die wachsende Herausforderung einiger unserer Schlüsselindustrien durch Japan wie auch
•für die neue Konkurrenz bei einer Vielzahl westlicher Industrieprodukte durch
die fortgeschritteneren der Entwicklungsländer. Diese Einflüsse von außen
sind jedoch für die Volkswirtschaften des Westens weniger bedeutsam als unsere hausgemachten Schwierigkeiten.
In den

�In den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit war die Haushalts- und
Währungspolitik der westlichen Demokratien äußerst erfolgreich bei der Aufrechterhai tung einer ausreichenden Vollbeschäftigung und der Verbesserung
der sozialen Verhältnisse.

Aber gerade diese Erfolge führten Regierungen

in den siebziger Jahren in die Versuchung, auf die niemals endenden Forderungen der Bürger nach Regierungswohltaten dadurch zu reagieren, daß sie
hohe Haushaltsdefizite und eine Politik des leichten Geldes riskierten - in
der Hoffnung, soziale Wohlfahrtsprogramme noch weiter auszubauen und auch
neue Umweltanliegen in Angriff nehmen zu können.

Aber indem wir versuchten,

mehr und mehr Güter und Dienstleistungen aus unseren Volkswirtschaften herauszuziehen, ohne unsere Bereitschaft zum Arbeiten und Sparen entsprechend
zu erhöhen, haben wir im Westen unausweichlich die zerstörerischen Kräfte
der Inflation freigesetzt.
Unter diesen Umständen sollte es nicht überraschend sein, daß Spannungen wegen wirtschaftlicher Fragen gelegentlich ernsthaft die Harmonie auf
die Probe gestellt haben, die im allgemeinen die politischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten gekennzeichnet hat. Wenn die Volkswirtschaften unserer Länder blühen, gibt es
seitens der Geschäftswelt oder der Landwirtschaft wenig Druck auf die Regierungen, gegen die in anderen Ländern unternommenen Schritte zu protestieren
oder Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Solcher Druck hat aber die Tendenz, in
Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten zuzunehmen. Schwierigkeiten, die in
der Prosperität leicht beiseite geschoben würden, gewinnen dann an Bedeutung
- gelegentlich sogar große Bedeutung. Die freundlich gedämpften Stimmen der
Sprecher wirtschaftlicher Interessengruppen werden dann leicht laut und hart
und selbst die üblicherweise vornehme Haltung von Akademikern und hohen Regierungsvertretern gerät ins Schwanken. Die Natur des Menschen ist so, wie
sie ist, und so sind es die üblichen Erfahrungen der Menschheit, die wir
auch jetzt machen müssen.

Da ist zunächst einmal die Frage der amerikanischen Zinssätze.

Niemand

kann die Tatsache bestreiten, daß diese Zinssätze in den letzten Jahren außerordentlich hoch waren.

Und man kann auch nicht bestreiten, daß sie dazu
- 3 -

�sie dazu beitrugen, Gelder aus anderen Teilen der Welt nach den Vereinigten
Staaten zu ziehen; daß diese Kapitel ströme zur Steigerung der Zinssätze in
einigen europäischen Ländern beigetragen haben und daß als Folge Unternehmensinvestitionen in einem gewissen Grade darunter gelitten haben.

Wenn die

europäischen Beschwerden an diesem Punkt haltgemacht hätten, dann könnte vernünftigerweise niemand etwas dagegen einwenden.

Aber viele Europäer ein-

schließlich prominenter Regierungsvertreter gingen gelegentlich weiter und
erklärten direkt oder indirekt, daß die amerikanischen Zinssätze für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in ihren Ländern verantwortlich seien.

Bei einer

solchen Denkweise wurde die Tatsache außer acht gelassen, daß die hohen amerikanischen Zinssätze nicht gleichzeitig für die noch höheren Zinssätze in Frankreich und die drastisch niedrigeren in Japan verantwortlich sein konnten.

Es

braucht nicht gesagt zu werden, daß interne Faktoren in einzelnen Ländern darunter die allgemeine Sparneigung und die Lage der Regierungshaushalte - immer einen gewissen Einfluß auf die Zinssätze ausüben.
Ein Großteil der europäischen Kritik an den amerikanischen Zinssätzen
entsprang auch einem Mißverständnis bezüglich der Ziele der amerikanischen Politik. In dem Bestreben, dem von der Inflation ausgehenden Unheil ein Ende
zu setzen, gingen unsere Behörden von einem Prinzip aus, das in Jahrhunderten
erprobt worden ist - daß man nämlich, will man der Inflation Einhalt gebieten, das Geldmengenwachstum einschränken muß. Es ist natürlich richtig, daß
die hohen Zinssätze zu einem Großteil das Ergebnis unserer restriktiven Geldpolitik waren. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir hohe Zinssätze angestrebt
hätten.
Im Gegenteil, die unmittelbaren Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik
auf Zinssätze und Wirtschaftstätigkeit waren keineswegs willkommen, aber diese
Politik hat ihr fundamentales Ziel, der Inflation in den Vereinigten Staaten
Einhalt zu gebieten, erreicht. Seit 1979, als das Niveau der Verbraucherpreise um über 13 Prozent anstieg, ist die Inflationsrate stetig gefallen.
Nachdem sie in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent gesunken ist, ist die
Inflationsrate in den Vereinigten Staaten heute eine der niedrigsten der Welt.

-4 -

Der Erfolg
*

�Der Erfolg der Geldpolitik, die Inflation herabzudrücken, ermöglichte
es schließlich, daß die amerikanischen Zinssätze auf ein niedrigeres Niveau
zurückgingen - zum Teil durch das innere Funktionieren des Marktes und zum
Teil durch Anpassungen der Politik.

Die Verlangsamung der Inflation ermu-

tigte die zuständigen Stellen, monetäre Restriktionen zu lockern,und die
Verschärfung der Rezession zwang sie auch dazu.

Natürlich waren in erster

Linie die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten für den
darauf folgenden Rückgang der Zinssätze verantwortlich, aber unsere Währungsbehörden dachten auch ebenso an den Nutzenden niedrigere Zinssätze für Europa bringen konnten.

Seit dem vorigen Jahr, als der Zins, den Geschäftsbanken

ihren besten Kunden berechnen, 21,5 Prozent erreichte, ist dieser Satz jetzt
auf 11,5 Prozent zurückgegangen.

Die kurzfristigen Zinsen auf dem freien

Markt sind um die Hälfte gesunken.

Die langfristigen Zinssätze für Industrie-

anleihen und Hypotheken sind weniger zurückgegangen, aber auch sie sind beträchtlich gefallen.

Der größte Teil dieser Anpassungen der Zinssätze ist

seit Juni dieses Jahres eingetreten, und die europäischen Zinssätze sind den
amerikanischen nach unten gefolgt - wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Als
diese finanziellen Entwicklungen eintraten, schlössen sich die Europäer den
Amerikanern in dem Wunsch an, daß die Zinssätze noch weiter heruntergehen
sollten, aber was bis dahin eine wesentliche Ursache der Reibungen im Bündnis
gewesen war, hat so gut wie aufgehört, Störungen zu erzeugen.
Ein weiterer Punkt der Irritation für einige Mitglieder des Bündnisses
war in jüngerer Zeit die Haltung der amerikanischen Regierung bezüglich der
Intervention an den Devisenmärkten.

Die Wirksamkeit solcher Eingriffe für

die Stabilisierung ausländischer Währungen ist seit langem unter Finanzexperten, einschließlich der Mitglieder der Zentralbanken, ernsthaft umstritten.
Trotzdem haben Regierungen führender Länder während der siebziger Jahre des
öfteren interveniert - in der Hoffnung, einige der kurzfristigen Fluktuationen
auf dem Devisenmarkt glätten zu können.

Die Reagan-Administration, die die-

ser Politik gegenüber eine kritische Haltung einnahm, kündigte schon bald
nach ihrem Amtsantritt an, daß der Außenwert von Währungen nach ihrem Urteil
am besten dem freien Markt überlassen werden sollte und daß sie sich daher
von Interventionen zurückhalten werde - es sei denn in absolut außergewöhn- 5 -

�absolut außergewöhnlichen Umständen.

Nicht wenige Finanziers und Regierungs-

vertreter begrüßten diese Entscheidung, und selbst einige, die sie in Frage
stellten, waren mehr besorgt über die politischen Folgen der Nicht-Intervention als über ihren eigentlichen wirtschaftlichen Wert oder Unwert.

Es gab

jedoch trotzdem einige entschiedene Kritiker der neuen amerikanischen Politik,
und sie machten ihren Einfluß geltend -am deutlichsten auf dem Wirtschaftsgipfel in Versailles im Juni dieses Jahres.
Die Amerikaner hielten auf diesem Treffen an ihrer Grundposition fest,
schlugen aber vor, einen Ausschuß internationaler Experten einzusetzen, um
die Ergebnisse früherer Erfahrungen mit Interventionen zu prüfen.
solch

Indem sie

eine Studie unternehmen, räumten alle Teilnehmer stillschweigend die

Möglichkeit ein, daß einige ihrer Meinungen über Interventionen revisionsbedürftig sein könnten.

Seither sind die Vereinigten Staaten in der von ihren

Kritikern bevorzugten Richtung weitergegangen, indem sie tatsächlich - wenn
auch in einem bescheidenen Umfang - mehrmals auf dem Markt interveniert haben.

Es besteht Grund zu der Hoffnung, daß die jetzt in Arbeit befindliche

Devisenmarktstudie dazu beitragen könnte, die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und einigen ihrer Verbündeten weiter einzuengen.

Und wenn

zum guten Willen noch etwas Glück kommt, so daß sowohl die Zinssätze als auch
die Inflationsraten in unseren jeweiligen Ländern weiter absinken, dann werden die Fluktuationen der Wechselkurse von allein geringer - und damit auch
der Anreiz zur Intervention sowie die Neigung zum Streit über diese Frage.
Ein sehr viel ernsterer Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten wurde durch die Entscheidung mehrerer europäischer Länder
ausgelöst, den Bau einer sibirischen Erdgasleitung zu unterstützen. Dieser
Konflikt erreichte einen Höhepunkt, als die amerikanische Regierung in ihrer
moralischen Entrüstung über die Rolle der Sowjetunion bei der Unterdrückung
der neugewonnenen Freiheiten des polnischen Volkes sich entschloß, Lieferungen von Material und Gerät zum Bau der Rohrleitung durch amerikanische Firmen
zu verbieten. Dieses Verbot wurde später auf europäische Tochtergesellschaften und Lizenznehmer amerikanischer Firmen ausgeweitet. Diese Maßnahmen führten zu bitteren Beschuldigungen und Debatten, und einige politische Beobach- 6 -

�politische Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik waren der Meinung, daß
die amerikanische Reaktion auf die Krise in Polen Anlaß zu einer Krise 1m
Bündnis gegeben haben könnte.
Diese Gefahr wurde glücklicherweise überwunden.

Nicht nur, daß der

Schaden für das Bündnis gering gehalten wurde, sondern die Kontroverse über
die Rohrleitung trug sogar tatsächlich dazu bei, das westliche Denken über
Außenpolitik in gesundere Bahnen zu lenken.
Im Zuge der Abwägung der Sanktionen gegen die Sowjetunion nahm die
amerikanische Regierung eine Überprüfung der wirtschaftlichen Beziehungen
des Westens zur Sowjetunion vor, in der Hoffnung, eine Politik ausarbeiten
zu können, die sich im Gegensatz zu den Sanktionen gegen die Rohrleitung als
von dauerhaftem Nutzen für das Bündnis erweisen könnte. Es wurde bald klar,
daß dies einen resoluteren Umgang mit Elementen der westlichen Außenpolitik
erfordern würde, die in sich widersprüchlich sind. Die Begründung, die zu
diesem Schluß führte, war klar und eindeutig. Auf der einen Seite setzen die
NATO-Länder Jahr für Jahr gewaltige Mittel für unsere gemeinsame Verteidigung
gegen die sowjetische Bedrohung ein. Gleichzeitig jedoch haben wir im Westen
zum Teil durch Privatbanken, zum Teil durch Regierungsstellen der Sowjetunion
und ihren Satelliten während des letzten Jahrzehnts gewaltige Summen Geldes
geliehen. Gelegentlich wurde dies sogar zu subventionierten Zinssätzen getan. Angesichts der hohen Priorität, die die Sowjetunion ihren Streitkräften
einräumt, haben die Finanzmittel, die der Westen der Sowjetunion so freigiebig
zur Verfügung gestellt hat, indirekt dazu beigetragen, deren ohnehin gewaltiges Militärpotential noch weiter zu stärken. Und was die Sache noch verschlimmert hat, die Sowjetunion hat weiterhin von den Schwächen unserer
Kontrollen für den Export militärisch bezogener Produkte und Technologien
profitiert.
Diese Überlegungen wurden während des vergangenen Jahres von der amerikanischen Regierung ihren Verbündeten immer wieder mit Nachdruck vorgetragen.
Eine Zeit lang wurden sie von europäischen Regierungen abgelehnt, zum Teil

- 7 -

�zum Teil wegen des Mißfallens gegenüber den Sanktionen gegen die Erdgasleitung, zum Teil aus der Besorgnis heraus, daß die amerikanische Initiative zu
einem Handelskrieg zwischen Ost und West führen könnte. Aber als die amerikanische Regierung deutlich machte, daß ihr Grundziel einfach darin bestand,
die Politik des Westens auf einen Weg zu lenken, der in größerer Übereinstimmung mit den Sicherheitsinteressen des Bündnisses stand, gaben Kontroversen
und gegenseitige Beschuldigungen immer mehr den ruhigen Stimmen der Vernunft
statt.
Am 13. November konnte Präsident Reagan bekanntgeben, daß Übereinstimmung über die Notwendigkeit erzielt worden war, bei Handelsabmachungen mit
der Sowjetunion Sicherheitsfragen des Bündnisses in Rechnung zu stellen.

Im

einzelnen kamen die Vereinigten Staaten und ihre Partner überein, daß erstens
während der Zeit der Durchführung einer dringenden Studie über alternative
Energiequellen keine neuen Kontrakte für sowjetisches Erdgas geschlossen werden; daß zweitens bestehende Kontrolle für den Transfer strategischer Güter
nach der Sowjetunion verschärft werden; daß drittens rasch Verfahren zur
Überwachung finanzieller Beziehungen zu den Sowjets geschaffen werden; und
daß viertens die Verbündeten an einer Harmonisierung ihrer Exportkreditpolitik arbeiten werden.

In den Augen der amerikanischen Regierung werden diese

Maßnahmen den Interessen des Bündnisses wirksamer dienen als die Sanktionen
gegen die Rohrleitung.

Der Präsident schloß daher seine Erklärung mit der An-

kündigung der Einstellung dieser Sanktionen.

Sicherlich liegen noch lange und

schwierige Verhandlungen über Mittel und Wege zur Durchführung der vereinbarten Maßnahmen vor uns, aber die Rohrleitungskrise als solche ist glücklicherweise beendet.
Auf anderen Gebieten der Wirtschaftspolitik - vor allem der Aufteilung
der Verteidigungslasten und bei Handelsfragen - haben die Vereinigten Staaten
weiterhin wichtige Differenzen mit ihren europäischen Partnern. Schwierigkeiten dieser Art haben das Bündnis schon fast seit seinen Anfängen heimgesucht. Und sie werden auch in den kommenden Jahren in der einen oder anderen
Form wieder auftreten. Aber selbst hier ist es uns gelungen, generell mit
unseren Problemen fertigzuwerden, und wir haben während des vergangenen Jahres
- 8 -

�vergangenen Jahres einige begrenzte Erfolge aufzuweisen gehabt, die bemerkenswert sind.
Die Verteilung der Verteidigungslasten unter Verbündeten wirft unausweichlich schwierige Fragen der Gerechtigkeit auf.

Viele Amerikaner, vor

allem Mitglieder des Kongresses, sind seit langem der Auffassung, die Vereinigten Staaten würden einen übertrieben hohen Anteil an den hohen Kosten
des Bündnisses tragen.

Angesichts der Knappheit der Mittel, die in meinem

Lande aufgetreten ist, hat sich diese Kritik an Europa in jüngster Zeit verschärft.

Unsere NATO-Partner reagieren gewöhnlich darauf, indem sie uns

daran erinnern, daß ihre Verteidigungsausgaben während der siebziger Jahre
ständig gestiegen sind, während die amerikanischen Ausgaben real zurückgingen.

Das ist völlig richtig, aber es ist nur die eine Seite der Medaille.

Amtliche Statistiken lassen erkennen, daß die Verteidigungsausgaben in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1970
reichten.

7,9 Prozent des Bruttoiniandprodukts er-

Die höchste entsprechende Zahl für jeden unserer großen Verbünde-

ten blieb in jenem Jahr knapp unter fünf Prozent.

Obwohl die Verteidigungs-

ausgaben der Vereinigten Staaten während der siebziger Jahre zurückgingen,
wurde diese Lücke niemals geschlossen.

Mit diesen Tatsachen konfrontiert,

sind europäische Regierungen geneigt, zu bemerken, daß reine Zahlenangaben
nicht alle Kosten erfassen, die auf dem Gebiet der Verteidigung auftreten,
vor allem nicht die Wehrpflicht, die in den meisten ihrer Länder besteht.
Solche Einwände werden von Amerikanern nicht immer akzeptiert, wie sich an
den lebhaften Diskussionen, die in den Hallen unseres Kongresses zu hören
sind, erkennen läßt.
Welchen Nutzen die Debatten unter Mitgliedern des Bündnisses auch haben
mögen, die Reagan-Administration ist sich darüber im klaren, daß einige der
jetzt dem Kongreß vorliegenden militärischen Vorschläge das Bündnis ernsthaft schwächen würden.

Und nicht nur das, sie würden auch die Sowjets ermu-

tigen, in den lebenswichtigen RüstungskontrollVerhandlungen, die jetzt in
Genf geführt werden, unnachgiebig zu bleiben.

Diese Gefahren sind der Auf-

merksamkeit europäischer Führer nicht verborgen geblieben.

Ja, viele Europäer

teilen seit langem die weit verbreitete amerikanische Überzeugung, daß Europa
für seine eigene oder für die gemeinsame Verteidigung nicht genug tue.

Knappe

�Knappe Mittel sind heutzutage nicht weniger ein Problem in Europa als in den
Vereinigten Staaten.

Trotzdem hat die Bundesregierung kürzlich Schritte unter-

nommen, die dazu beitragen dürften, daß die Amerikaner das Problem der Verteilung der Verteidigungslasten in einer besseren Perspektive sehen.

Vor einigen

Monaten unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland einen Vertrag mit den
Vereinigten Staaten, in dem sie sich verpflichtete, im Ernstfall 90 000 Reservisten zur Unterstützung amerikanischer Kampftruppen aufzubringen.

Und in

jüngster Zeit gab Verteidigungsminister Manfred worner bekannt, daß der neue
Bundeshaushalt einen beträchtlichen zusätzlichen Beitrag für den Bau lebenswichtiger militärischer Einrichtungen der NATO in Europa vorsieht.

Diese

Maßnahmen sind der Bundesregierung von den Amerikanern seit langem empfohlen
worden.

Die Tatsache, daß sie in einer schwierigen Zeit beschlossen worden

sind, dürfte sicherlich dazu beitragen, amerikanische Besorgnisse zu beruhigen.
Die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten
wegen Fragen des internationalen Handels haben ebenfalls eine lange und bunte
Geschichte. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die siebziger Jahre lief
der allgemeine Trend der westlichen Politik darauf hinaus, die Liberalisierung
des internationalen Handels und der internationalen Investitionen zu verstärken, und es kann kaum einen Zweifel daran geben, daß dieser Trend gewaltig zur
Prosperität im Westen und in anderen Teilen der Welt beigetragen hat. Während die Vereinigten Staaten die Welt auf dem Wege zu einem offenen Handelssystem und uneingeschränkten Auslandsinvestitionen anführten, wurde diese Politik - mit Ausnahme dessen, was die Landwirtschaft anbetraf - in Europa, vor
allem in der Bundesrepublik, generell unterstützt. Leider, aber nicht überraschend, hat die tiefe Rezession der jüngsten Zeit jetzt in vielen europäischen
Ländern und auch in den Vereinigten Staaten starke protektionistische Gefühle
geweckt.
Die Reagan-Administration hat Schritten des Kongresses in Richtung Protektionismus nachdrücklich widerstanden - bisher mit beachtlichem, wenn auch
nicht vollständigem Erfolg. Während der kürzlichen Ministertagung der Mitglieder des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) haben die Vereinigten Staaten besonders hart für eine eindeutige Verpflichtung der Handels- 10 -

�der Handelsminister der Welt gekämpft, bestehende Maßnahmen zur Einschränkung des internationalen Handels auslaufen zu lassen und sich aller neuen
restriktiven Maßnahmen zu enthalten.

Die Debatten über dieses Prinzip und

über bestimmte Handelsfragen zogen sich hin und waren gelegentlich bitter,
aber am Ende brachten die amerikanischen Initiativen nur bescheidene Ergebnisse.

In das Gewand eines Professors schlüpfend, stellte der amerikanische

Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Bill Brock, bezüglich der Ergebnisse fest, daß sie kaum mehr als ein "genügend" verdienten - eine Beurteilung, die nur von wenigen informierten Beobachtern in Frage gestellt wurde.
Vom amerikanischen Standpunkt war der enttäuschende Aspekt dieser Tagung, daß es nicht gelang, die Europäische Gemeinschaft dazu zu bewegen,
einige Aspekte ihrer Agrarpolitik zu modifizieren. Seit vielen Jahren hat
die Gemeinschaft Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aufrechterhalten,
die über dem Weltmarktniveau liegen. Deshalb haben sich Überschüsse angesammelt, und um sie auf den Weltmärkten loszuwerden, subventioniert die Gemeinschaft ihre Exporte. Solange sich diese Politik darauf beschränkte, Verkäufe
landwirtschaftlicher Erzeugnisse innerhalb der Gemeinschaft zu schützen, wurde
sie von den Vereinigten Staaten akzeptiert - wenn auch nicht ohne Protest.
Aber als die Subventionierung zu großen Exporten in Drittländer führte, ergab sich für die amerikanischen Farmer und die Exporteure landwirtschaftlicher
Erzeugnisse in anderen Ländern ein ernsteres Problem. Nachdem die Einkommen der Farmer in den Vereinigten Staaten gegenwärtig auf ihrem niedrigsten
Stand seit den dreißiger Jahren angekommen sind, sind die amerikanischen
Proteste gegen die Agrarpolitik der Gemeinschaft immer nachhaltiger geworden.
Die Gemeinschaft hat sich jedoch geweigert nachzugeben, unter anderem mit der
Behauptung, daß die Frage ihrer Subventionen bereits in früheren Verhandlungen
geregelt worden sei. Diese und andere Argumente der Gemeinschaft haben die
amerikanische Haltung nicht abgeschwächt. Und wenn diese Agrarkontroverse
nicht bald beigelegt wird, dann besteht ernsthaft die Möglichkeit, daß der
Kongreß im kommenden Jahr vergeltende Gesetze verabschieden wird. Dies wäre
sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa von so großem Schaden,
daß ich immer noch glaube, daß eine gegenseitige Akkommodation erreicht werden
wird.
Ein solches
- 11 -

�Ein solches Ergebnis wurde im übrigen im Zusammenhang mit einem anderen
Handelsstreit erreicht, der sich eine Zeit lang jedem Versuch der Beilegung
widersetzte.

Viele Jahre lang hat die Weltstahlindustrie unter Überkapazität

gelitten.und unter solchen Bedingungen haben, wie so oft, verschiedene Länder
- einschließlich einiger Länder in Europa - ihren Stahlerzeugern Subventionen
zur Verfügung gestellt.

Als Konsequenz sind in den letzten Jahren große Men-

gen von Stahl, der mit Hilfe von Regierungssubventionen produziert wurde, in
den amerikanischen Markt eingedrungen.

Amerikanische Stahlhersteller, die

keine Subventionen erhalten, haben versucht, diese ärgerliche Konkurrenz einzudämmen.

Sie haben sich ein Gesetz zunutze gemacht, das einen Industrie-

zweig in die Lage versetzt, gegen bestimmte Regierungsanstrengungen zur Ausarbeitung von Handelsvereinbarungen mit anderen Ländern sein Veto einzulegen.
Trotz dieses gewaltigen Hindernisses ist es der amerikanischen Regierung
schließlich doch gelungen, ein Abkommen mit der europäischen Kommission zu
treffen, das den Exporten verschiedener Stahlerzeugnisse nach den Vereinigten
Staaten moderate Quoten auferlegt.
Mir - wie auch anderen überzeugten Anhängern des Freihandels - hat dieses Abkommen wenig Freude gebracht. Aber die praktische Wahl, vor der sowohl
Amerikaner als auch Europäer standen, war in diesem Falle nicht die zwischen
Protektionismus und Freihandel, sondern zwischen Ausmaßen und Arten des Protektionismus. Wenn die Verhandlungen über Stahlquoten fehlgeschlagen wären,
dann hätte das bestehende amerikanische Recht die sofortige Einführung von
Strafzöllen für Stahlimporte verlangt. Und noch schlimmer: Es schien wahrscheinlich, daß in diesem Falle der Kongreß noch drastischere protektionistische Maßnahmen beschließen würde. Die ausgehandelte Regelung hat eindeutig die hohen Prinzipien des Freihandels verletzt, aber sie hat auch ernstere Folgen abgewandt. In diesem Sinne ist es nicht nur ein Abkommen, das man
tolerieren kann, sondern auch ein Abkommen, das dazu gedient hat, politische
Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten abzubauen.
Die Schlußfolgerung, die man nach meiner Auffassung zu Recht aus meinem
überblick über den kürzlichen Stahlstreit und andere wirtschaftliche Streitigkeiten im Bündnis ziehen kann, ist beruhigend. Sicherlich hat es Exzesse der
- 12 -

�Exzesse der politischen Rhetorik

auf beiden Seiten des Atlantik gegeben

und gelegentlich auch fehlgeleitete Aktionen.

Trotzdem ist es den Vereinig-

ten Staaten und ihren europäischen Verbündeten gelungen, die meisten ihrer
störenden Differenzen über wirtschaftliche Fragen beizulegen - oder zumindest abzuschwächen.

Unsere Fähigkeit, diese gegenseitige Anpassung unter

schwierigen Verhältnissen zustande zu bringen, zeigt, daß die uns vereinenden moralischen, politischen und sicherheitspolitischen Interessen stark genug sind, selbst kontroverse wirtschaftliche Fragen zu überwinden.

Das hat

sich auf jeden Fall bisher gezeigt,und daraus können wir sicherlich Ermutigung für die Zukunft gewinnen.
Wir müssen jedoch jedes Gefühl des Optimismus dämpfen, daß sich die
internationalen Wirtschaftsbedingungen in naher Zukunft so verbessern werden, daß sie kaum noch politische Belastungen innerhalb des Bündnisses hervorrufen oder verschärfen werden.

Es ist heute weitgehend anerkannt, daß

die Schwäche der internationalen Wirtschaft während der letzten drei Jahre
die Nachwirkung des inflationären Druckes ist, der während der siebziger
Jahre freigesetzt wurde.

Man ist sich jedoch nicht ganz so darüber im kla-

ren, daß unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten in jüngster Zeit mehr sind
als nur die normalen Schwankungen des Wirtschaftszyklus.

Sie sind auch Aus-

druck eines gewissen Verlustes an wirtschaftlicher Dynamik - das heißt, einer
schrittweisen Schwächung der Kräfte, die dem wirtschaftlichen Wachstum in
der

westlichen Welt zugrunde liegen.
Liberale Haushalts- und Währungspolitiken haben uns über eine Generation

lang gut gedient, die Vollbeschäftigung zu fördern und die soziale Umwelt
zu verbessern.

Sie hätten vielleicht weiterhin nützlich wirken können, wä-

ren sie nicht zum Exzess getrieben worden.

Aber leider wurden die traditio-

nellen Regeln der finanziellen Besonnenheit in den Wind geschlagen.

Als Er-

gebnis sind unsere westlichen Volkswirtschaften gegenüber den Gefahren der
Inflation so stark sensibilisiert worden, daß man nicht länger damit rechnen
kann, daß liberale Finanzpolitiken ihre frühere konstruktive Funktion weiterhin erfüllen können.
Jetzt hat
- 13 -

�Jetzt hat sich das Denken der Regierungen und der Unternehmen im Westen
auf die Schaffung einer Umwelt konzentriert, die mehr Anreiz für Innovation
und Privatinvestitionen bietet als in den letzten Jahren.

Verantwortliche

Führer in unseren jeweiligen Ländern unterstreichen oft nicht nur die Notwendigkeit, auf dem monetären Gebiet Zurückhaltung zu üben, sondern auch die
Notwendigkeit, eine gewisse Senkung des hohen Standes zu erreichen, den sowohl Regierungsausgaben als auch Steuern im Verhältnis zur Höhe unseres jeweiligen Volkseinkommens erreicht haben.

Selbst Frankreich, das eine Zeit lang

in eine andere Richtung ging, hat jüngst eine ziemlich restriktive Geldpolitik eingeführt und dazu die Absicht bekanntgegeben, die Ausweitung der Haushaltsdefizite weiter einzuschränken.

Da die frühere Wirtschaftspolitik heute

im Westen in allgemeinen Mißkredit geraten ist

und die neue Politik ihre

Bewährungsprobe noch nicht voll bestanden hat, hat sich während der vergangenen ein bis zwei Jahre in den Vereinigten Staaten wie auch in ganz Westeuropa tiefe Sorge über die wirtschaftliche Zukunft ausgebreitet.
Man kann solch einen Pessimismus übertreiben. In den Vereinigten Staaten
zumindest ist die Gesamtleistung der Wirtschaft während der vergangenen sechs
Monate praktisch unverändert geblieben,und es gibt jetzt zahlreiche Hinweise,
daß die Grundlage für einen Wiederaufschwung gelegt worden ist. Wie bereits
festgestellt, sind die Inflationsraten und Zinssätze stark zurückgegangen.
Die Kurse für Aktien und Schuldverschreibungen sind dramatisch gestiegen und
haben so dem Nettovermögen von Einzelpersonen und Unternehmen Hunderte von
Milliarden von Dollar hinzugefügt. In jüngster Zeit sind die Verbraucherausgaben für Güter und Dienstleistungen etwas gestiegen. Der Wohnungsbau hat
dieses Jahr erneut zugenommen, der Verkauf von Häusern hat sich in jüngster
Zeit belebt,und die finanziellen Bedingungen für Hypothekeninstitute haben
sich verbessert. Die Aufwärtsbewegung der Löhne hat sich wesentlich verlangsamt, die Produktivität der Industrie hat sich in jüngster Zeit verbessert,
und die Unternehmergewinne haben zu steigen begonnen. Diese Verbesserungen
sind bisher durch einen starken Rückgang der Warenexporte und der Investitionen
in neuen Anlagen und Ausrüstungen aufgewogen worden. Trotzdem ist es wahrscheinlich, daß innerhalb der nächsten Monate in den Vereinigten Staaten ein
schrittweiser Wideraufschwung in der Gesamtproduktion und Beschäftigung in
- 14 -

�Beschäftigung in Gang kommen wird.

Mit der möglichen Ausnahme Großbritanniens ist der unmittelbare Ausblick für Europa weniger günstig, zu einem großen Teil wegen der größeren
Starrheit seiner Arbeitsmä'rkte.

Aber man kann vernünftigerweise annehmen,

daß jede Besserung in der amerikanischen Wirtschaft auch in Westeuropa spürbar werden wird, ehe noch zu viele Monate vergangen sind.

Trotzdem wird die Arbeitslosigkeit im Westen noch für eine unbequem
lange Zeit hoch bleiben, da das Tempo des Wiederaufschwungs wahrscheinlich
im gegenwärtigen Fall langsam sein dürfte.
es zwingende Gründe.
daß

Für dieses geringe Tempo gibt

Erstens gibt es noch kaum irgendwelche Anzeichen,

in den Vereinigten Staaten oder in Westeuropa Aufträge für Geschä'fts-

bauten oder Geschäftsausrüstungen zu wachsen begonnen hätten.

Zweitens müs-

sen die meisten der größeren Banken überall im Westen heute erkannt haben,
daß ihre Kreditpolitik im eigenen Lande und im Ausland während der siebziger
Jahre übertrieben liberal war.
stehenden Jahren vorsichtige
vorsichtige

Sie werden deshalb in den unmittelbar bevorKreditgeber - vielleicht sogar übertrieben

Kreditneber • sein.

Drittens, viele der weniger entwickelten

Länder - nicht nur Mexiko, Brasilien und Argentinien, die in jüngster Zeit
sehr häufig in der Presse genannt werden - sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt
nicht in der Lage, fristgerecht Zinsen zu zahlen oder Tilgungen zu leisten,
die für ihre übergroße Verschuldung fällig sind.

Diese finanziellen Schwie-

rigkeiten stellen eine schwere, meiner Meinung nach jedoch noch in den Griff
zu bekommende Gefahr für das internationale Bankensystem dar.

Aber selbst

unter den günstigsten Umständen wird in vielen der weniger entwickelten Länder eine große Sparsamkeit praktiziert werden müssen, und ihre verringerten
Importe werden unausweichlich das Tempo des wirtschaftlichen Wiederau^schwungs
des Westens während der nächsten zwei oder drei Jahre, wenn nicht sogar länger
bremsen.

Wenn meine Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten auch nur annähernd
richtig ist, dann werden politische Spannungen, die auf wirtschaftlichen
Schwierigkeiten beruhen, wahrscheinlich das Bündnis auch weiterhin beunru- 15 -

�weiterhin beunruhigen.

Wenn wir in den unmittelbar bevorstehenden Jahren

Fortschritte in Wirtschaftsfragen erzielen wollen, dann ist es besonders
wichtig, daß jedes Land eine Politik "der Bereicherung auf Kosten des Nachbarn" vermeidet.

Wir können es uns nicht leisten, in Begriffen von Gewin-

nern und Verlierern zu denken, wenn es darum geht, unsere gemeinsamen Probleme zu lösen.

Es ist daher ganz wesentlich, daß die Mitgliedstaaten des

Bündnisses die gewaltige wirtschaftliche und politische Staatskunst mobilisieren, die ihnen zur Verfügung steht.

Die Zusammenarbeit zwischen Wirt-

schaftsministerien, Finanzministerien, Zentralbanken, Geschäftsbanken und
internationalen Finanzinstituten, die nicht immer eng war, muß dies jetzt
in noch sehr viel größerem Maße werden.

Die Staats- und Regierungschefs

des Westens, die bisher bei der Kontrolle der Krankheit des Protektionismus einigermaßen erfolgreich waren, müssen noch ernsthafter an der Erreichung
dieses lebenswichtigen Zieles arbeiten.

Treffen der Mitglieder der außenpo-

litischen und verteidigungspolitischen Einrichtungen des Bündnisses müssen
noch häufiger stattfinden und noch gründlicher und rechtzeitiger durchgeführt werden, damit die Mißverständnisse zwischen ihren Regierungen auf einem
Minimum gehalten werden.

Dies, meine Damen und Herren, sind die Wege zum

Vertrauen in die Sicherheit und Prosperität der demokratischen Industriestaaten, die sich in der Bruderschaft des atlantischen Bündnisses zusammengeschlossen haben.

- 16 -

�15. Dezember 1982

49

US-JOURNALIST WARNT VOR GLEICHSETZUNG DER USA MIT DER UDSSR

WASHINGTON -(AD)- Der amerikanische Journalist David Satter hat davor gewarnt,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einfach gleichzusetzen.

Vor dem

Europa-Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
sprach der frühere Moskau-Korrespondent der Londoner "Financial Times" und
Sonderkorrespondent für sowjetische Angelegenheiten des "Wall Street Journal"
über seine sechsjährigen Erfahrungen in der Sowjetunion.
Nachfolgend die wesentlichen Auszüge aus diesen Darlegungen:
Als ich im März nach sechs Jahren in der Sowjetunion in die Vereinigten
Staaten zurückkehrte, gehörte zu den Überraschungen, die mich erwarteten, die
weitverbreitete Auffassung in den USA, die Russen seien Menschen "genau wie wir".
Logische Folgerung dieser Ansicht war die Vorstellung, daß die Sowjets,
wenn wir nur unsere militärische Stärke abbauen, ihre ebenfalls abbauen werden;
wenn wir unseren Einfluß in der Welt nicht aufrechterhalten, dann werden sie
ihren Einfluß nicht weiter ausdehnen; und wenn wir den Fluß von Getreide und
Technologie nach der Sowjetunion verstärken, dann werden die Sowjets dem Handel
die oberste Priorität einräumen.
Wenn man sowohl in der Sowjetunion als auch in den Vereinigten Staaten
Staaten gelebt hat, dann hat man das Leben in zwei v ö l l i g verschiedenen Welten
e r l e b t , die von zwei v ö l l i g unterschiedlichen Mentalitäten getragen werden.
Die Auffassung, die Sowjets seien Menschen "genau wie w i r " , entspringt sicherlich
dem besten Willen, aber wir werden die Sicherheit der Vereinigten Staaten
jgfäjTrclejT^ejTnjjjyfn^ej^|o^^

der Vergangenheit,

acn zu VÖ uu i ei.: u^ö-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Vergangenheit, auf diese falsche Vorstellung gründen.
Nur allzu selten wird die Tatsache berücksichtigt, daß sich die Sowjetunion von den Vereinigten Staaten dahingehend unterscheidet, daß sie sich
auf eine Ideologie gründet, die, wie eine Religion, von sich behauptet, die
ganze Welt erklären zu können.

Der innere Aufbau des sowjetischen Staates

und seine Außenpolitik gehen davon aus, daß die sowjetische Führung niemals
Unrecht haben kann.
Diese Struktur wiederum findet ihre grundlegende Unterstützung in der
ideologischen Mentalität des sowjetischen Volkes.

Eine Regierung, die sich

selbst als unfehlbar erklärt hat, wird von einem Volk unterstützt, das ein
williges Werkzeug der imperialistischen Pläne seiner Führer ist.
Ich möchte kurz auf die Unterschiede in der Psychologie der sowjetischen
Bürger und der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten eingehen, weil aiese
Unterschiede, wie ich glaube, deutlich die Gefahren aufzeigen, die darin liegen,
die sowjetische Regierung oder die sowjetischen Bürger nach unserem Bilde zu
sehen und diese falschen Vorstellungen dann zur Grundlage unserer Politik zu
machen.
Kurz bevor ich Moskau verließ, traf ich mit Leonid Borodin, einem Schriftsteller und russischen Nationalisten, zusammen, der seither wegen politischer
Beschuldigungen vom Geheimdienst KGB verhaftet worden ist.
Er sagte mir, daß nach seiner Meinung der Hauptunterschied zwischen Sowjetbürgern und Amerikanern darin bestehe, daß die Amerikaner von Dingen träumten,
die erreichbar sind: einem großen Haus im Vorort, einem Sportwagen, teuren
Kleidern oder einer Privatjacht, während der Sowjetbürger, für den diese Dinge
unerreichbar sind, vom Sieg des Weltkommunismus und vom Ende der Ausbeutung des
Menschen durch den Menschen träume.
Der Sowjetbürger

- 2 -

�Der Sowjetbürger mag gar keine Vorstellung davon haben, was Weltkommunismus
bedeutet oder auch nur, was kapitalistische Ausbeutung wirklich bedeutet, aber
allein die Idee, an einer großen historischen Bewegung beteiligt zu sein, gibt
seinem Leben einen Sinn, das sonst unglaublich trostlos und schwierig wäre.
Die Bereitschaft der Sowjetbürger, sich einer Idee zu unterwerfen, so wenig
sie diese Idee auch wirklich verstehen mögen, bedeutet, daß die sowjetischen
Führer in ihrem Handeln nicht durch eine demokratische öffentliche Meinung
begrenzt werden.
Im Gegensatz zu Amerikanern zollen die Sowjetbürger der Obrigkeit instinktiv
Ehrerbietung.

Fast alle Sowjetbürger sind sich darüber im klaren, daß ihnen

die volle Kenntnis der übrigen Welt fehlt, aber sie akzeptieren diesen
Informationsmangel als etwas, was man nicht ändern kann, wie etwa das Wetter.
Wenn ein Sowjetbürger im privaten Gespräch etwas gegen die sowjetische
Politik einwendet, dann erhält er die typische Antwort: "Du kennst doch nicht
alle Fakten. Nur die Regierung kennt alle Fakten, Du bringst nur eine
subjektive Meinung zum Ausdruck".
Mit der Ehrerbietung geht die Geduld einher. Der Sowjetbürger betrachtet
die Probleme seiner Gesellschaft wie seine eigenen. Wenn der Lebensstandard
sinkt und die Regierung erklärt, man brauche Geld, um ein neues Flugzeug zu
bauen, dann gibt es keinen Widerspruch gegen das Motto der Regierung: Kanonen
statt Butter. Gutes Essen ist ein Luxus. Ein neues Flugzeug wird von jedermann
als etwas Notwendiges betrachtet.
Wenn sich ein Käufer in einem Laden auf dem Lande beschwert, weil zu dem
seit langem bestehenden Mangel an Fleisch auch noch ein Mangel an Milch, Butter
und Gemüse gekommen ist, dann wird der Verkäufer wahrscheinlich antworten: "Wir
werden es überstehen, wir haben schon Schlimmeres überstanden".
Die ideologische

- 3 -

�Die ideologische Mentalität des Sowjetbürgers und seine Bereitschaft, alle
Aspekte des Lebens dem Diktat einer Idee zu unterwerfen, die er nicht einmal
begreift, ist der Grund für die einem Amerikaner so unvorstellbare Tatsache,
daß, je schlechter die Sowjetbürger leben und je mehr sie unterdrückt werden,
sie desto hingebungsvoller an die sowjetische Macht sind.
Nachdem ich sechs Jahre in der Sowjetunion gelebt habe, scheint es mir
heute, daß die Vereinigten Staaten die Natur des Kommunismus niemals begriffen
haben - weder, als wir ihn in Vietnam in Stücke zu sprengen versuchten, noch,
als wir versuchten, in der Ära der Entspannung diese mit Getreide und Technologie
zu kaufen.
Wir haben einfach nie richtig begriffen, daß die Macht der Sowjetunion und
ihre Expansionsfähigkeit nicht den militärischen und politischen Instrumenten zu
verdanken sind, die in der Vergangenheit Imperien aufgebaut haben, sondern dem
Erfolg einer Idee und dem Wunsch der Menschen in der ganzen Welt, ein Bezugssystem zu finden, das ihrem Leben Sinn und Bedeutung verleiht.
\

Viele Menschen in den Vereinigten Staaten sind geneigt, die Anziehungskraft
des Kommunismus und die Ansprüche des sowjetischen Regimes ins Lächerliche zu
ziehen. Und entsprechend der geringen Meinung, die sie von der sowjetischen
Ideologie haben, sind augenscheinlich auch manche amerikanische Regierungsvertreter zu dem Schluß gekommen, die militärische Macht sei die einzige Quelle
der Kraft der Sowjetunion. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Wie absurd die Ideologie des Kommunismus aus der Distanz betrachtet auch
sein mag, so vermittelt sie ihren Anhängern doch das Gefühl des Sinnvollen und
gibt scheinbar selbst dem einfachsten Menschen den Eindruck, sein Leben habe
eine besondere Bedeutung - und erfüllt, obgleich auf trügerische Weise,dadurch
ein grundlegendes geistiges Bedürfnis.
Unser Fehler

- 4 -

�Unser Fehler besteht darin, die Bedeutung der Ideologie der Sowjetunion
nicht zu erkennen - und zwar sowohl für die Aufrechterhaltung der kommunistischen
Macht in der Sowjetunion, als auch für die Verbreitung des Kommunismus im
Ausland.

Dies ist der grundlegende Fehler der amerikanischen Politik gegenüber

der Sowjetunion.
Es ist die Unfähigkeit, die Bedeutung von Ideologie in dieser Welt zu
verstehen, die der Grund dafür ist, daß wir eine Situation haben eintreten
lassen, in der die Sowjetunion geneigt ist, ihren Einfluß auf immer größere
Bereiche der entwickelten und der unterentwickelten Welt auszudehnen.
Unsere Politik scheint nicht gewillt einzusehen, daß in einer Welt ohne
Glauben die Idee des Kommunismus eine gewaltige Stärke erreicht hat.
Diese
Ideologie kann weder militärisch besiegt werden, noch können ihre Anhänger
durch Bestechung dazu gebracht werden, sie aufzugeben. Sie kann nur auf eine
einzige Weise besiegt werden - indem man sie mit einer Idee konfrontiert,
die besser ist.
Die Ironie des Schicksals will es, daß wir - trotz der seit langem
andauernden ideologischen Passivität Amerikas - herausfinden würden, daß der
sowjetische Totalitarismus äußerst verwundbar ist, wenn wir nur erst versuchen
würden, uns der Sowjetunion im ideologischen Bereich ernsthaft zu stellen.
Ein grundlegendes Charakteristikum des sowjetischen Staates - aber in
nur ungenügendem Maß im Westen erkannt - besteht in dem-fortwährenden Versuch,
einen unechten Ersatz für die Realität zu schaffen.
Die Sowjets schaffen sich ihre Tatsachen, denn wann immer die Vorhersagungen des Marxismus-Leninismus, auf den sich der sowjetische Staat ja
gründet, durch die Wirklichkeit widerlegt wurden, verschwand das
Regime, das deren überbau ja war, deswegen noch lange nicht.

Es begann

einfach Massenterror einzusetzen, um so die Realität zu verändern.
In den Jahren

�In den Jahren nach der Revolution wurde aus dem Willen, die Realität
umzuformen, in der Praxis einfach der Entschluß, überall Gewalt einzusetzen,
um so den Schein zu wahren. Unter den Augen einer ungläubigen Welt erstand
in der Sowjetunion ein ganzes Bündel scheinbar kopiegetreuer Imitationen
demokratischer Institutionen - Gewerkschaften, die das Management verteidigten,
Zeitungen, die keine Informationen enthielten, Gerichtshöfe, an die man sich
nicht wenden konnte und ein Parlament, das immer nur die Regierung unterstützte.
Der Terror trat in der Sowjetunion zurück, aber die Welt des Scheins,
die der Terror erschaffen hatte, blieb bestehen - am Leben erhalten durch
die inneren Triebkräfte der Bürokratie und durch die Furcht. Für die
Amerikaner wird dies in personifizierter Form sichtbar in dem westlichen
Auftreten und Verhalten der "Akademiker" des USA-Instituts, wo Sowjetologen,
Journalisten und Kongreßmitglieder empfangen werden, die sich dort zu einem
Besuch aufhalten.
Das ganze Netz "demokratischer" Institutionen der Sowjetunion kann bei
etwas genauerer Kenntnis der inneren Lage der Sowjetunion, als das beschrieben
werden, was es ist - als Illusion.
Dies ist potentiell von großer Bedeutung, denn - so paradox es auch
scheinen mag - angesichts der gewaltigen militärischen Aufrüstung der Sowjetunion ist unser Wettbewerb mit der Sowjetunion im Wesentlichen eine Schlacht
um Geist und Verstand der Menschen ...
Die Einleitung einer ideologischen Gegenoffensive, seit nunmehr 65 Jahren
überfällig, bietet uns die größte Hoffnung darauf, dem Kommunismus ohne Krieg
Einhalt gebieten zu können. Das einzige, was erforderlich ist, wenn die
Vereinigten Staaten wirklich ernsthaft in diesen Wettbewerb um den Geist der
Menschen in allen Ländern dieser Welt, die Sowjetunion einbezogen, eintreten
wollen, ist eine klare Vorstellung von dem, wofür wir uns einsetzen.
Was immer
- 6 -

�Was immer wir auch vom Kommunismus halten mögen, so müssen wir doch
erkennen, daß er versucht, eine Antwort auf die grundlegenden Fragen
bezüglich der Natur der Geschichte und der Quelle unserer Wertvorstellungen
zu geben, Fragen also, mit denen sich die Menschheit zumindest seit Beginn
der uns schriftlich überlieferten Geschichte auseinandergesetzt hat.
Wenn unsere Vorstellung von einer ideologischen Gegenoffensive in dem
Versuch bestehen sollte, dieselbe Begeisterung für die freie Wirtschaft
hervorzurufen, wie sie die Kommunisten für den Sozialismus entfachen können,
dann wäre unser einziger Erfolg, daß wir uns lächerlich machten.
Der Kapitalismus bedarf der Werte, die ihn in Schranken halten und ihn
lenken.

Nie kann er die Quelle solcher Werte selbst sein.

Um auf die Herausforderung des Kommunismus zu reagieren, müssen wir
tiefer gehen - zu den christlich-judäischen Morallehren, die die Grundlage
unserer Zivilisation sind, denn der fundamentale Konflikt in dieser Welt
besteht nicht zwischen Kapitalismus und Sozialismus, nicht einmal zwischen
Freiheit und Totalitarismus.
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist
im wesentlichen einfach ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen
Vorstellungen davon, was Recht und Unrecht ist.
Die amerikanische Antwort auf den sowjetischen Totalitarismus sollte
zweierlei beinhalten. Einmal sollte klargestellt werden, daß der
Kommunismus die von ihm versprochene gerechte Gesellschaft nicht geschaffen
hat und daß die Sowjetunion nur dadurch sich einen solchen Anschein geben
kann, daß sie ein System zwanghafter Lügen aufrechterhält. Das kann nachgewiesen werden.
Zum zweiten

�Zum zweiten - und wichtigsten - sollte gezeigt werden, daß die
amerikanische Demokratie - auch wenn die amerikanische Regierung nicht
vorgeben wird,unfehl bar zu sein - in den universellen christlichjudäischen Werten verwurzelt ist, die den "Klassen-Werten" des MarxismusLeninismus überlegen sind.
In diesen Werten ausgedrückt, kann die Aufgabe der Vereinigten Staaten
in der Welt als ihrer Natur nach so ehrenhaft gesehen werden, wie sie es
ist...

+ + +

- 8 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Dezember

A9

iy«z

KONTROLLE VON CHEMIKALIEN
Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz -

- (AD) - Die Überwachung handelsüblicher chemischer Substanzen ist ein
wichtiger Aspekt der Umweltschutzprogramme der Vereinigten Staaten. Wie
Anne Gorsuch, die Leiterin der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA,
kürzlich auf einer Tagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris berichtete, gibt die Regierung der
Vereinigten Staaten im laufenden Jahr 13,6 Milliarden Dollar für Umweltprogramme aus. Diese Gelder sind jedoch nur eine Art Katalysator für die
enormen Anstrengungen, die die einzelnen Bundesstaaten, die Kommunen und
die Privatwirtschaft unternehmen, um die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen zu begrenzen und zu verringern.

Auf staatlicher und kommunaler

Ebene sind 70 000 Personen mit der Durchführung entsprechender Programme
beschäftigt.

Die Industrie wendet pro Jahr 50 Milliarden Dollar auf, um

den Auflagen der Bundesregierung zum Schutz der Umwelt nachzukommen.
Das Programm zur Überwachung der auf den Markt kommenden Chemikalien
wird durch eine Reihe von Gesetzen geregelt.

Zu diesen gehört z.B. das

RCR-Gesetz ("Resource Control and Recovery Act") zur Kontrolle fester sowie
gefährlicher Abfälle, die durch Verbrennen oder Vergraben vernichtet werden.
Dazu gehört ferner der Ende 1980 geschaffene Sonderfonds ("Superfund"), mit
dem das Auffinden und die Räumung von Deponien mit gefährlichen Abfällen
und Sofortmaßnahmen in Katastrophenfällen, bei denen derartige Materialien
frei werden, finanziert werden.

Der Fonds, der in fünf Jahren auf ca.

1,6 Milliarden Dollar anwachsen soll, wird in erster Linie durch Abgaben

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�durch Abgaben der chemischen Industrie gespeist.

Die Besteuerung ihrer

Produkte ergibt einen Anteil von 86 Prozent, die restlichen 14 Prozent
kommen aus den allgemeinen Steuereinnahmen.

Die einzelnen Bundesstaaten

übernehmen bei Räumaktionen in ihrem Bereich mindestens zehn Prozent der
Kosten.
Diese Art der Finanzierung wird jedoch nur dann angewandt, wenn der
Verursacher nicht ausfindig zu machen ist.

Bei 106 von ca. 400 Deponien,

die nach bisheriger Kenntnis vordringlich aufgelöst werden müssen, sind
entsprechende Aktionen eingeleitet, zum Teil bereits abgeschlossen.

Kommt

ein Verursacher den Weisungen zur Räumung der Deponie nicht ordnungsgemäß
nach, wird der Fall den Gerichten übergeben.
anhängig;

Z. Zt. sind 43 solcher Fälle

in 21 weiteren Fällen hatten die Verursacher 37 Millionen Dollar

zu den Räumungskosten beizusteuern.
Das Gesetz zur Reinhaltung der Gewässer verlangt, daß innerhalb bestimmter
Fristen Richtlinien für insgesamt 24 verschiedene Kategorien von Industrien
über das Einleiten von Chemikalien in Gewässer ausgearbeitet werden.

Bei

Amtsübernahme der Regierung Reagan lagen diese erst für eine Branche vor.
In den letzten sechs Monaten sind die Richtlinien für elf weitere Branchen
erlassen worden, die restlichen folgen in den kommenden zwei Jahren.
Das "Bundesgesetz für Insektizide, Fungizide und Gifte zur Beseitigung
von Kleinnagetteren" gilt sowohl für neue als auch bereits eingesetzte
Präparate. Seit der Amtsübernahme der Regierung Reagan wurden Rückstände
bei der Registrierung von Pestiziden aufgeholt, einheitliche Prüfnormen für
neue Pestizide vorgeschlagen und die eingeführten Pestizide zur Neuregistrierung überprüft. Ab 1985 wird es für 75 Prozent der in den Vereinigten
Staaten angewandten Pestizide einheitliche Verfahren zur Registrierung geben.
Die Kontrollen zählen zu den strengsten Überwachungsmethoden in der Welt.
Das wichtigste

- 2 -

�Das wichtigste Instrument für die Kontrolle von Herstellung, Verarbeitung
und Anwendung kommerzieller Chemikalien ist jedoch das "Gesetz zur Kontrolle
toxischer Substanzen" (TSCA - Toxic Substances Control Act). Zusammen mit dem
RCR-Gesetz bildet es, weltweit gesehen, das wohl umfassendste System zur
Regelung des Umgangs mit chemischen Stoffen.

Hauptziel des TSC-Gesetzes

seit seiner Verabschiedung im Jahr 1976 ist es, sicherzustellen, daß handelsübliche Chemikalien - so vorteilhaft sie in vieler Hinsicht sein mögen nicht auf Kosten der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt eingesetzt werden.
Inzwischen wurden komplette Listen "neuer" und "existierender" HandelsChemikalien aufgestellt, die auch als eine Richtschnur für die "chemische
Inventurliste" der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gelten. Für die
Prüfung neuer Chemikalien wurden verwaltungstechnische Verfahren ausgearbeitet,
wissenschaftliche Fachkräfte gewonnen und Methoden entwickelt, um mögliche
Risiken im voraus zu erkennen. In knapp zwei Jahren gingen Meldungen über die
geplante Herstellung von 1700 neuen Chemikalien bei der EPA ein. Auf Grund
der daraufhin eingeleiteten Untersuchungen zu bisher 800 Präparaten wird in
einigen Fällen über freiwillig durchzuführende Tests verhandelt. In einer
Anzahl anderer Fälle erklärten sich die Hersteller mit Fabrikationskontrollen
einverstanden. In vier Fällen wurden Tests zur Auflage gemacht, drei
Meldungen wurden von der Industrie zurückgezogen. Auf Grund gegenwärtig
gültiger Vereinbarungen sind außerdem in den kommenden zwei Jahren die
Ergebnisse von mehr als 400 Testreihen der Industrie zu erwarten.
In Bezug auf die "existierenden" Chemikalien wurden kürzlich neue
Anstrengungen unternommen, um systematisch 1) mögliche Risiken ausfindig zu
machen und zu bewerten; 2) zu entscheiden, ob bestimmte Chemikalien auf
Wirkungen in Bezug auf Gesundheit und Umwelt getestet werden müssen;
3) zu entscheiden, ob zur Verringerung von Risiken Maßnahmen ergriffen werden
müssen, und falls dies zutrifft, welcher Art sie sein sollen und wie sie zu
realisieren sind.
Informationsblätter

- 3 -

�Informationsblätter über Gefahrenmerkmale von mehr als 35 spezifischen
Chemikalien wurden inzwischen ausgearbeitet. Außerdem liegen die Ergebnisse
von vier ausgewählten, vorrangig überprüften Chemikalien vor, die die Basis
für bevorstehende Kontrollmaßnahmen abgeben sollen. In Verbindung mit einem
flexiblen, an den Hauptproblemen orientierten und rasch reagierendem System
erlangten die Vereinigten Staaten auf diese Weise einen Erfahrungsschatz, der in
in der Welt seinesgleichen sucht. Die unterschiedlichen Merkmale der verschiedenen Kategorien von Chemikalien bestimmen die Art der Überprüfung und der Tests.
Generell hat sich gezeigt, daß Einheitsvorschriften ein Hindernis sind,
um die vom Gesetz gesteckten Ziele zu erreichen. Die Umweltschutzbehörde
machte z.B. die Erfahrung, daß gleichförmige, starre Meldevorschriften für neue
Chemikalien (die Meldung hat nur einmal zu erfolgen) bei unbedenklichen
Präparaten eine unnötige Belastung, in anderen Fällen dagegen eine Gelegenheit
darstellen, Chemikalien ohne gebührende Prüfung in den Handel zu bringen. Aus
diesem Grund wird die Meldepflicht für praktisch unbedenkliche neue Chemikalien
erleichtert, für Chemikalien mit anderen Inhaltssubstanzen dagegen verschärft.
Auf jeden Fall soll sichergestellt werden, daß der Gebrauch von Chemikalien
mit dem Gesundheitsschutz Hand in Hand geht.
Dieser Grundsatz bestimmt auch die Haltung der USA bei internationalen
Anstrengungen zum Schutz der Umwelt, insbesondere im Rahmen der OECD. Die
von der OECD ausgearbeiteten Initiativen und Programme, z.B. Testrichtlinien,
Laborpraktiken, Schaffung einer Kommission für die Datenaktualisierung und die
gemeinsame Anerkennung von Daten werden von den Vereinigten Staaten übernommen
bzw. eingeführt. Dies erwarten die USA auch von den anderen OECD-Ländern.
Sie sind überzeugt, daß alle Mitgliedstaaten von einer intensiven Oberprüfung
profitieren und Erfahrungsaustausch allen die Möglichkeit gibt, gemeinsame
Zielsetzungen zum Schutz der Öffentlichkeit von jeder Art von Gesundheitsrisiken besser zu realisieren.
+ + +

- 4 -

�ainIERlIKt\

1Dl El11!513

Wi/sen/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Dezember 1982

49
GIFTEN AUF DER SPUR

- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar

- (AD) - Ein seit Jahren im Bergbau übliches Elektroverfahren zum
Auffinden seltener Erze, bei dem man die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von Mineralien gegenüber dem Muttergestein nutzt, scheint auch
geeignet zu sein, Sickerstellen in Deponien für toxische Abfälle ausfindig
zu machen.

Dr. Donald Stierman, Geophysiker an der Universität Kalifornien

in Riverside, entdeckte und lokalisierte auf diese Weise das Leck einer schon
seit längerer Zeit umstrittenen Sondermülldeponie in Südkalifornien, die von
Geologen für absolut undurchlässig gehalten wurde.

Siebzehn Jahre lang waren

dort stark säurehaltige toxische Chemikalien abgelagert worden.

Niemand wollte

zunächst von Befürchtungen etwas wissen, daß von dort aus das Grundwasser verseucht werden könnte, bis Stierman aufgrund von Leitfähigkeitsmessungen durchlässige Stellen im Gestein fand.

Daraufhin vorgenommene Ausschachtungsarbeiten

bestätigten seine Meßergebnisse:

Die "Stringfellow-Säuregruben" in der Nähe von

Riverside hatten ein riesiges Leck.

Man versuchte, das bräunliche Wasser von

der Deponiesohle abzupumpen, ehe es Grundwasser in größerem Umfang verderben
konnte.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA schätzt, daß es in den

Vereinigten Staaten etwa 50 000 Deponien mit gefährlichen Abfallstoffen gibt.
Annahmen zur unterirdischen geologischen Beschaffenheit basierten bisher
in erster Linie auf der Bestimmung von Oberflächenstrukturen und auf der
Analyse von Bohrproben, die stichprobenartig verschiedenen Stellen entnommen
wurden.

Die Klärung eines Verseuchungsproblems war deshalb oft recht schwierig

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�recht schwierig und in vielen Fällen eher von Intuition und Glück als von
gezielter Suche abhängig.

"Die elektrischen Leitfähigkeitstests erlauben uns

jedoch, in die Tiefe zu sehen, ohne daß wir bohren müssen", erklärt Stierman.
"Bohren ist teuer und im Ergebnis sehr begrenzt. Es kostet mindestens
1 000 Dollar pro Tag".
Dies entspricht etwa dem Preis für die gesamte Ausrüstung, die für die
Leitfähigkeitsmessungen erforderlich ist.

Bei dem Verfahren macht man sich

die Tatsache zunutze, daß Gesteine sehr schlechte, verseuchtes Wasser und Erze
dagegen sehr gute elektrische Leiter sind.

Mit jeweils zwei in den Boden

eingelassenen Elektrodensätzen wird die elektrische Leitfähigkeit an verschiedenen Stellen gemessen. Der elektrische Strom folgt dem Weg mit dem geringsten
elektrischen Widerstand, beispielsweise mit Schadstoffen belastetem Wasser.
Auf diese Weise lassen sich unterirdische Wasserläufe regelrecht kartieren.
"Verseuchungsprobleme bei Deponien stehen zu 98 Prozent mit Wasser in Verbindung", meint Stierman.

Es sei das Wasser, das Schadstoffe weitertransportiere.

Mit dem Leitfähigkeits-Meßverfahren lasse sich rasch und unter geringem Kostenaufwand das Gebiet eingrenzen, das genauer untersucht werden müsse.

Zwei

Leute könnten in drei Tagen ein mehrere Hektar großes Gebiet untersuchen.
Die von Stierman in der Zwischenzeit durchgeführten Tests konzentrieren
sich darauf, festzustellen, wo die Empfindlichkeitsgrenzen des erwähnten
Verfahrens und anderer elektrischer Methoden liegen. Er möchte außerdem
herausfinden, ob das Verfahren dazu benutzt werden kann, bestimmte Schadstoffe
bis zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen. Ergebnisse dazu wurden noch nicht
bekannt.

+ + +

�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

16. Januar 1974

1

Inhalt
INFORMATION:
Einladung Präsident Nixons zu einer Energiekonferenz in Washington
- Wortlaut Schreiben Präsident Nixons an die ölerzeugenden Länder
- Wortlaut Kissinger erläutert energiepolitische Vorstellungen der USA
- Wortlaut der einleitenden Erklärung auf der Pressekonferenz vom
10. Januar Ausstellung und Fachtagung GEOPHYSIK im US-Handelszentrum

WIRTSCHAFT:
US-Vizepräsident: Enerjjiekrise zeigt Interdepende nz der Weltwirtsch aft
Auszüge &lt;aus der Rede Fordsi vom 8. Januar US-Staaten informieren über Investitionsmöglichke itisn in ihrem Bere ich

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
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T e l :

Information

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Information

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

1/1974

EINLADUNG PRÄSIDENT NIXONS ZU EINER ENERGIEKONFERENZ IN WASHINGTON
Wortlaut -

SAN CLEMENTE, Kalifornien —(AD)»« Das Weiße Haus hat am 10. Januar das
Schreiben veröffentlicht, mit dem Präsident Nixon acht wichtige ölverbrauchende Länder ~ Kanada, Großbritannien, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Italien, Japan, die Niederlande und Norwegen - für Februar zu
einer Konferenz nach Washington eingeladen hat, auf der ein "VerbraucherAktionsprogramm" zur Behebung des weltweiten Energieproblems ausgearbeitet
werden soll.
Das an die Regierungschefs dieser Länder gerichtete Schreiben hat
folgenden Wortlaut:
"Die Entwicklungen in der internationalen Energiesituation haben Verbraucher-und Erzeugerländer an einen historischen Scheideweg geführt. Die
Nationen der Welt stehen vor einer fundamentalen Entscheidung, die die
Struktur der internationalen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen
für den Rest dieses Jahrhunderts zutiefst beeinflussen kann.
Heute droht die Energiesituation politische und wirtschaftliche Kräfte zu entfesseln, die der Prosperität und der Stabilität der Welt schweren
und irreparablen Schaden zufügen könnten. Zwei Wege liegen vor uns. Wir können

-U

�i
können getrennt unsere eigenen Wege gehen - mit der Aussicht auf eine zunehmende Spaltung, die Aushöhlung der lebensnotwendigen Interdependenz und
einen wachsenden politischen und wirtschaftlichen Konflikt; oder wir können
gemeinsam gehen und zum Wohle der ganzen Menschheit - der Erzeuger- wie der
Verbraucherländer - eine einsichtige Einheit und Zusammenarbeit entwickeln.
Aus diesen Überlegungen heraus habe ich Außenminister Kissinger ersucht,
in seiner Dezember-Rede vor der Pilgrims Society in London die Errichtung
einer Energie-Aktionsgruppe vorzuschlagen und auf ein konzertiertes Aktionsprogramm der Verbraucher und Erzeuger zu drängen, um den Energiebedarf der
Welt auf eine Weise zu decken, die die legitimen Interessen sowohl der Verbraucher- als auch der Erzeugerländer befriedigen würde.
Als ersten Schritt zur Verwirklichung dieser Konzeption lade ich (Name
des Landes) zu einer Konferenz wichtiger industrieller Verbraucherländer
ein, die auf Außenministerebene am 11. Februar 1974 oder an einem anderen
genehmen Tag in dieser Woche stattfinden könnte. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um Sie zu bitten, Ihren Vertreter zu einer solchen Konferenz
hier in Washington zu entsenden. Nach Kenntnisnahme Ihrer Auffassungen plane
ich, einen Sonderbeauftragten zu entsenden, um mit Ihrer Regierung die
Einzelheiten dieser Konferenz, darunter auch Vorschläge zur Tagesordnung
und zur Sache, zu erörtern.
Unsere Vorstellung geht dahin, daß sich die Außenministerkonferenz auf
eine Analyse der Lage und die zu leistende Arbeit einigen würde. Sie würde
eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Verbraucherländer einsetzen, die ein
Verbraucher-Aktionsprogramm ausarbeiten würde. Ein Teil dieser Arbeit würde
sich mit neuen kooperativen Maßnahmen befassen, die geeignet sind, das explosive Anwachsen der globalen Energienachfrage in den Griff zu bekommen
und die koordinierte Entwicklung neuer Energiequellen zu beschleunigen. Eine
weitere Aufgabe würde darin bestehen, einen konzertierten Verbraucherstandpunkt für eine neue Ära der Erdölverbraucher und -erzeugerbeziehungen zu
entwickeln, die den legitimen Interessen der ölproduzierenden Länder gerecht
wird und gleichzeitig den Verbraucherländern eine ausreichende Versorgung zu

-2-

�zu fairen und vernünftigen Preisen sichert.
Wenn wir zu einer Konferenz der wichtigen industriellen Verbraucherländer einladen, dann sind wir uns völlig darüber im klaren, daß das Energieproblem für alle Verbraucherländer von lebenswichtiger Bedeutung ist, vor
allem für jene der Entwicklungswelt, deren Hoffnung auf ein besseres Leben
ganz entscheidend vom Zugang zur Energie zu vernünftigen Bedingungen abhängt. Wenn auch unser unmittelbares Anliegen darauf hinausläuft, so rasch
und so wirksam wie möglich Vorbereitungen in Gang zu bringen, so werden
doch ohne Frage die Interessen aller Länder,einschließlich der Entwicklungsländer, in angemessener Weise vertreten sein müssen.
Eine konzertierte Anstrengung dieser Art ist nur ein erster und wesentlicher Schritt zur Schaffung neuer Vereinbarungen für internationale
Energie und damit zusammenhängende wirtschaftliche Fragen. Zu diesem Zweck
würde innerhalb von 90 Tagen eine Konferenz von Vertretern der Verbraucher
und Erzeuger abgehalten werden. Ich sende persönliche Botschaften an die
Regierungschefs der OPEC (Organisation der Erdölexportländer)-Staaten, um
sicherzustellen, daß sie den Zweck der vorgeschlagenen Konferenz der Verbraucherstaaten verstehen.
Wir stehen vor einer inhaltsschweren Herausforderung, diese Periode
der Krise in eine Periode der Chancen für eine konstruktive und schöpferische Zusammenarbeit zu verwandeln, die zum Wohle aller Völker dieser Erde
gereichen wird. Ich sehe Ihrer Antwort und Ihrer Stellungnahme entgegen."

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SCHREIBEN PRÄSIDENT NIXONS AN DIE OLERZEUGENDEN LANDER
Wortlaut

SAN CLEMENTE, Kalifornien -«»(AD)— Das Weiße Haus hat am 10. Januar den
Wortlaut eines Schreibens veröffentlicht, in dem Präsident Nixon die Regierungschefs der ölproduzierenden Länder (Abu Dhabi, Algerien, Ekuador,
Gabon, Indonesien, Iran, Iraq, Kuwait, Libyen, Nigerien, Qatar, SaudiArabien und Venezuela) über den Zweck der für den 11. Februar vorgeschlagenen Energie-Konferenz wichtiger ölverbrauchender Länder in Washington
unterrichtet hat. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe heute die Regierungen der wichtigen ölverbrauchenden Länder
eingeladen, Vertreter zu einer Konferenz in Washington am 11. Februar
zu entsenden. Der Zweck der Konferenz wird darin bestehen, eine Übereinstimmung der Beteiligten hinsichtlich einer Konferenz der Verbraucher und
Erzeuger zu erreichen, die neue, beiderseits vorteilhafte Vereinbarungen
für die internationale Energie und damit zusammenhängende wirtschaftliche
Fragen zustandebringen würde.
Die jüngstenEntwicklungen haben die kritische Bedeutung der Energie
für die Prosperität und Stabilität der internationalen Wirtschaft unterstrichen. Schwere Zerrüttungen der Wirtschaftstätigkeit und des Weltwährungssystems - ob sie durch eine ungenügende Energieversorgung oder durch

-1-

�durch abrupte Preisbewegungen verursacht werden - könnten sich sowohl für
Verbraucher als auch für Erzeuger verheerend auswirken.
Die ölimportierenden Länder haben ein lebenswichtiges Interesse an
Mechanismen, die eine ausreichende Versorgung zu vernünftigen Preisen gewährleisten. Die ölproduzierenden Länder wiederum haben ein Interesse an Vereinbarungen, die ihnen eine faire Bezahlung und eine rationelle Nutzung der
nicht wieder auffüllbaren Quellen garantieren.
Daher sind die Vereinigten Staaten, wie Außenminister Kissinger in
seiner Rede in London im Dezember darlegte, der Überzeugung, daß es notwendig ist, diese Dinge rasch in Angriff zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten ergreifen diese Initiative als einen konstruktiven und positiven Schritt in Übereinstimmung mit den öffentlich erklärten
Auffassungen einer Reihe ölproduzierender Länder, die eine konsultative Beziehung zwischen Erzeugern und Verbrauchern gefordert haben. Ich bin der
Hoffnung, daß die Ergebnisse der kommenden Konferenz zu einer baldigen gemeinsamen Konferenz der Verbraucher- und der Erzeugerländer führen werden."

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1/1974

KISSINGER ERLÄUTERT ENERGIEPOLITISCHE VORSTELLUNGEN DER USA
-Wortlaut der einleitenden Erklärung auf der Pressekonferenz vom lO.Januar-

WASHINGTON ««(AD)»« Der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger hat
am 10. Januar auf einer Pressekonferenz in Washington die energiepoliti"
sehen Vorstellungen der USA - vor allem im Hinblick auf die von Präsident
Nixon vorgeschlagene Energiekonferenz - erläutert. Gleichzeitig nahm der
Leiter des US-Bundesamtes für Energiewirtschaft,William Simon, zu den innenpolitischen Aspekten der amerikanischen Energiepolitik Stellung. Die von
dem amerikanischen Außenminister zu Beginn seiner Pressekonferenz abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Lassen Sie mich die Vorstellungen und Absichten darlegen, die den
Schreiben zugrundeliegen, die der Präsident gestern an die Verbraucherländer
wie auch an die OPEC-Mitgliedsstaaten gesandt hat.
Der Präsident ist überzeugt, daß die Energiekrise Ausdruck eines grundlegenden Problems ist, das für die Völkergemeinschaft auf absehbare Zeit
hinaus bestehen wird, bei dem es heute um Energie geht, bei dem es künftig
aber auch um andere Rohstoffe oder Nahrungsmittel gehen könnte, wo der Anreiz zur Erzeugung nicht mehr im richtigen Verhältnis zur Nachfrage steht.
Im

-1-

�Im Zusammenhang mit der Energie sehen wir uns zwei großen Problemen
gegenüber.
Das eine ist, daß die Nachfrage bei weitem den Anreiz zur Erzeugung
übersteigt. Das zweite ist, daß die von den OPEC-Staaten kürzlich beschlossene Preisanhebung und das Gefüge, das daraus resultieren könnte, eine umwälzende Wirkung auf die Weltwirtschaft haben könnte, die sich auf die Zahlungsbilanzen nicht nur der hochentwickelten, sondern auch der weniger entwickelten Verbraucherländer erstreckt und eine Situation schafft, in der
auch die Erzeugerländer Opfer ihrer eigenen Maßnahmen werden könnten und
in der es, zumindest im Augenblick, keinen Rahmen gibt, in dem umfassende
langfristige Entscheidungen getroffen werden können.
Wenn es irgendeines Beispieles bedurft hätte, um die Interdependenz
der Länder dieser Welt zu illustrieren, so waren es die Ereignisse auf dem
Energiesektor.
Kein Land ist für sich allein in der Lage, dieses Problem zu lösen.
Ja, keine Gruppe von Ländern, seien es Verbraucher oder Erzeuger, kann das
Problem alleine lösen. Und daher sind wir der festen Überzeugung, daß das,
was der Präsident vorgeschlagen hat, nicht als Konfrontation zwischen Ver»
brauchemund Erzeugern gewertet werden sollte; es sollte vielmehr als Schaffung eines Rahmens betrachtet werden, in dem von beiden, Verbrauchern und
Erzeugern, Entscheidungen getroffen werden können, die den langfristigen Er^
fordernissen beider Seiten Rechnung tragen, die eine konstruktive Entwicklung der Weltwirtschaft und der internationalen Beziehungen gewährleisten
und die bestimmte, sehr gefährliche und möglicherweise katastrophale Konsequenzen verhindern können.
Wir schlagen vor, in zwei oder drei Phasen vorzugehen.
Die Einladung zu der Außenministerkonferenz am 11. Februar war an die
Länder gerichtet, die dem auf einer hohen Ebene gebildeten Ölausschuß der

�der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
angehören» Auf diese Länder entfallen 75 bis 80 Prozent der Energieimporte
der Welt. Diese Länder haben in diesem Ausschuß zusammengearbeitet und bestimmte Sofortmaßnahmen ergriffen.
Der Präsident hat vorgeschlagen, die Konferenz auf Außenministerebene
stattfinden zu lassen, weil die aufgeworfenen Fragen sowohl bezüglich der
Versorgung als auch hinsichtlich der Anhebung der Preise bei weitem über die
technischen Fragen hinausreichen, um die es sich normalerweise handelt, wenn
es lediglich um die Verteilung der verfügbaren Energiequellen geh«.
Wir betrachten diese Konferenz als Einleitung für ein Gespräch mit anderen Verbraucherländern, vor allem Verbraucberiänder aus den unterentwickelten
Gebieten der Welt, die, was ihre Kapazitäten anbetrifft, durch die jüngsten
Preisanhebungen noch stärker betroffen werden als die Industriestaaten. Nach
unseren Schätzungen werden sich ihre Kosten auf annähernd 30 Milliarden Dollar stellen, was natürlich jede bisher von irgendeiner Seite projektierte
Hilfe übersteigt und praktisch das gesamte internationale Hilfsprogramm problematisch und,gemessen an den anderen diesen Ländern aufgebürdeten Aufgaben,in
einem anderen Licht erscheinen läßt.
Und wir werden von da aus, natürlich mit Zustimmung der betroffenen Länder, weitergehen zu einer Konferenz der Verbraucherländer - sowohl der Industriestaaten als auch der Entwicklungsländer - und der Erzeugerländer. Die
Konferenz soll ein System für die Versorgung klären und entwickeln, das dem
Anliegen aller betroffenen Länder Rechnung trägt, auf unbegrenzte Zeit hinaus
tragbare Preise schaffen und auf weltweiter Basis die Auswirkungen des Energiebedarfs auf die Weltwirtschaft, in der wir alle leben, erörtern.
Auf der Konferenz der Verbraucher wird es die erste Aufgabe sein, festzustellen, ob wir zu einer Übereinstimmung über die Art des Problems kommen
können, vor dem wir stehen - ob sich die Verbraucherländer untereinander über

-3 =

�über die Auswirkungen der Versorgungslage auf ihre Volkswirtschaften und
über die Erfordernisse einigen können, die sich für alle ihre Volkswirtschaften aus den zur Zeit gültigen Preisen ergeben.
Unseres Erachtens ist es wichtig, daß wir gemeinsam über alternative
Energiequellen, über Bemühungen zur Zusammenfassung der Forschungs-und Entwicklungsanstrengungen der großen Verbraucherländer sowie über Versuche sprechen, die als Ergebnis dieser Anstrengungen verfügbar werdenden Energiequellen unter den wichtigen Verbraucherländern aufzuteilen.
Daher halten wir die Bildung von Arbeitsgruppen für angebracht, um diese Probleme wie auch internationale Wirtschaftsprobleme zu studieren, die
durch die derzeitigen Gegebenheiten entstanden sind. Und Finanzminister Shultz
wird einige dieser Fragen auf der Konferenz der Zwanziger-Gruppe vorbringen,
an der er kommende Woche in Rom teilnimmt.
Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß eine Versuchung besteht, bilate"
rale Abmachungen zu treffen. Und wir sind unter den Verbraucherländern am

ehesten in der Lage, eigene bilaterale Bemühungen zu unternehmen. Wir verfügen in unserem eigenen Lande über beträchtliche Energiequellen. Wir haben
große Forschungs-und Entwicklungskapazitäten. Und wir besitzen die fortgeschrittenen Technologien, die zum Beispiel für die Erforschung des Meeresbodens erforderlich sind. Trotzdem sind wir der Auffassung, daß ein uneinge«
schränkter bilateraler Wettstreit für alle betroffenen Länder ruinös sein würde, und daß die scheinbaren Siege, die erzielt werden können, auf Kosten der
Stabilität der Welt und auf Kosten der Weltwirtschaft gehen werden. Und daher
halten wir es für notwendig - obwohl wir in diesem Wettstreit gut dastehen
und obwohl wir über die Kapazitäten verfügen, um ihn besser als jeder potentielle Konkurrent durchzustehen - daß alle Industriestaaten begreifen, daß
jetzt eine echte Interdependenz gegeben ist und daß es hier um ein Problem
geht, das auf gemeinsamer Basis gelöst werden muß, wenn wir nicht ernste Konsequenzen für die internationale Stabilität und die Weltwirtschaft hinnehmen
wollen.
Wir
-4-

�Wir in den Industriestaaten haben ferner eine besondere Verpflichtung
gegenüber den Verbrauchern unter den Entwicklungsländern, damit • als Folge
der so plötzlich entstandenen Situation - die in zwanzigjährigen Anstrengungen
so hart erarbeiteten Erfolge nicht veitan werden und damit die internationalen Anstrengungen, ein größeres Maß an Gleichheit zwischen Industriestaaten
und Entwicklungsländern zu erreichen, nicht als Folge von Entscheidungen zunichtegemacht werden, die bestimmt nicht alle Konsequenzen in Rechnung stellen.
Daher wird, was die Verbraucherländer anbetrifft, die Energiesituation
und das, was sie für die Zukunft verheißt, eine Bewährungsprobe für den gesamten Weg auf das internationale System hin sein, den wir und andere Industriestaaten in den letzten 25 Jahren verfolgt haben und den andere Industriestaaten in dieser Zeit untereinander und gegenüber den Entwicklungsländern verfolgt haben.
Dies ist eine Bewährungsprobe für die These, daß die Welt wirklich interdependent geworden ist und daß Isolation und eigensüchtiges Vorgehen für
alle Beteiligten vernichtend sein müssen.
Was die Beziehungen zwischen den Verbraucher-und den Erzeugerländern anbetrifft, so gilt zwangsläufig das Gleiche« In dem zur Zeit bestehenden Rahmen bleibt den Erzeugerländern keine andere Alternative als ein größtmögliches
Maß an kurzfristigen Vorteilen zu erzielen. Es gibt keinen Rahmen, in dem sie
die Auswirkungen der Veränderungen in den Volkswirtschaften der Industriestaaten für sie selbst analysieren können, die durch die Erzeugerländer ausgelöst worden sind. Und daher setzt die vom Präsidenten vorgeschlagene Entwicklung, die ein größeres Verständnis der Verbraucherländer für das gesamte Gebiet ihrer Energieanliegen wie auch für die Auswirkungen auf den Energiebedarf
ihrer Volkswirtschaften schaffen will, ebenfalls einen Rahmen, in dem die Erzeugerländer für sich selbst die Stabilität garantieren können, in der alleine
die scheinbaren Vorteile,die sie jetzt für sich gewinnen, Bestand haben.
Es

-5-

�Es ist die grundlegende Überzeugung des Präsidenten und seiner Mitarbeiter, daß es hier um ein Problem von wirklich weltweiter Bedeutung geht,
bei dem keine selbstsüchtigen Vorteile erzielt werden dürfen, oder, falls
sie erzielt werden, keinen Bestand haben können - weder unter den Verbraucherländern noch zwischen Verbraucher-und Erzeugerländern. In diesem Geiste werden die Vereinigten Staaten ihre Vorschläge unterbreiten, zunächst auf der
Konferenz am 11. Februar und dann auf der späteren Konferenz, die sich, wie
wir hoffen, daraus ergeben wird. Und in diesem Geist, in dem wir eine Lösung
für die gesamte Menschheit - und nicht lediglich zum besonderen Vorteil
eines Teiles von ihr - schaffen, hat der Präsident sich sowohl an die Verbraucher - als auch an die Erzeugerländer gewandt, um einen Prozeß in Gang
zu setzen, von dem wir hoffen, daß er langfristige Lösungen für das Versorgungsproblem wie auch für die Probleme der Wirtschaft bringen wird."

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AUSSTELLUNG UND FACHTAGUNG GEOPHYSIK IM US-HANDELSZENTRUM

--(AD)«.» Vom 11. bis 14. Februar 1974 zeigen mehr als zwanzig amerikanische
Firmen ihre neuesten Produkte und Entwicklungen im Rahmen der Ausstellung
"Geophysik" im Frankfurter US-Handelszentrum. Das Ausstellungsprogramm um' .

faßt u.a.Ausrüstungen für die Refraktionsseismik, seismische Quellen für
den Boden, tragbare geophysikalische Meßgeräte für den Aufschluß des ober-

*.

flächennahen Untergrundes mit den wichtigen Anwendungsgebieten der Bau«
grunduntersuchung für den Straßen-und Hochbau (Hammerschlag-Seismik), Registriereinrichtungen, Bohrloch«Meßinstrumente, Meßgeräte zur Bestimmung
der Bodenfeuchtigkeit und Bodendichte in Bohrlöchern und Proben, Druckluftkanonen (Airguns) für seismische Untersuchungen im Ozean zur Aufklärung
der Bodenstrukturen (einschließlich der entsprechenden Hydrophone), Protonen-Magnetometer für aeromagnetische Messungen, Landmagnetometer, See-Protonen-Magnetometer, Gammastrahlspektrometer, Datenerfassungs-und -auswertungseinrichtungen, Navigationssysteme und Satelliten-Navigationsanlagen, Doppler»
Sonar-Systeme sowie Instrumente für die Exploration vom Flugzeug aus.
Angeschlossen ist ein Symposium, auf dem deutsche und amerikanische Experten zu Themen der Geophysik referieren werden (12., 13. und 14. Februar).
Komplette Tagungsprogramme und Anmeldung durch: US-Handelszentrum,
6000 Frankfurt, Bockenheimer Landstraße 2-4, Telefon (0611)720801, Telex
416535.
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1/1974

US-VIZEPRÄSIDENT: ENERGIEKRISE ZEIGT INTERDEPENDENZ DER WELTWIRTSCHAFT
- Auszüge aus der Rede Fords vom 8„Januar -

WASHINGTON -«.{AD)-= Der amerikanische Vizepräsident Gerald Ford hat am
8. Januar in einer Rede vor einem Verband der chemischen Industrie erklärt,
die gegenwärtige Energiekrise sei eine Herausforderung für alle Nationen
und für die wirtschaftliche Interdependenz der Welt. Die Lebensinteressen
seien in der modernen Welt unteilbar geworden. Die wesentlichen Auszüge aus
der Rede des Vizepräsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Ich glaube, es ist für uns alle offensichtlich, daß Präsident Nixons
Strategie zur Bewältigung dieser Krise funktioniert. Sie funktioniert, weil
diese Strategie sich letztlich auf die Kooperation des amerikanischen Volkes stützt. Der Präsident weiß, daß die Amerikaner reagieren, wenn ihnen die
Herausforderung klargemacht und die Richtung gewiesen wird. Und so hat er in
dieser Energiekrise die Dinge richtig aufgezeigt: Es geht um Arbeitsplätze,
Einkommen, Produktion und Investitionen. Wir müssen in der ganzen Wirtschaft
wesentliche Schritte unternehmen, um Energie zu sparen.
Und unser Volk hat reagiert, indem es eines der schönsten Beispiele
der Einigkeit in Friedenszeiten gab. In 67 Millionen Haushalten und mit
120 Millionen Kraftfahrzeugen haben sich die Amerikaner in den Sparmaßnahmen
zusammengetan, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Brennstoffknappheit zu überwinden. Und die Geschäftswelt, angefangen vom kleinsten

�kleinsten Einzelhandelsladen bis zum größten Industrieunternehmen, hat Energiesparprogramme eingeführt, die in diesem Jahr Millionen von Barrel Öl einsparen werden.
Ohne Frage ist im ganzen Lande die Botschaft in ihrem Kern verstanden
worden - und es wird nach ihr gehandelt. Der Erfolg dieser Sparanstrengungen
und des Zuteilungsprogramms war derart, daß wir in der Lage waren, die Schädigung der Wirtschaft auf einem Minimum zu halten.
Die andere HäLfte unserer Energiestrategie, die auf die weitere Zukunft
abzielt, besteht in einer Erhöhung unserer einheimischen Energiequellen.
Unter Mitwirkung des Kongresses und durch Präsidialerlaß sind wir dabei:
- die Alaska-Pipeline zu bauen und die gewaltigen Reserven des nördlichen Bereiches anzuzapfen;
- die Öl-und Gasförderung im äußeren Kontinentalsockel zu erhöhen;
- den Abbau von Kohle zu verstärken, die unsere am reichlichsten vorhandene und billigste einheimische Energiequelle ist;
- Projekte in Angriff zu nehmen, um die Gewinnung von Schieferöl wirtschaftlich rentabel zu machen;
- unsere geothermischen Reserven auf bundeseigenem Land zu entwickeln;
- die Erzeugung von Atomstrom zu beschleunigen.
Darüber hinaus schlägt der Präsident eine Beschleunigung unserer wissenschaftlichen und technologischen Anstrengungen vor, um vielversprechende
neue Energiequellen zu erschließen. Zu diesem Langzeitprogramm wird die Entwicklung von Technologien auf den Gebieten der Kohlevergasung und -Verflüssigung, der Fusionsenergie und der Sonnenenergie gehören. Mit Hilfe des Projekts "Unabhängigkeit" hoffen wir, bis 1980 das Potential zu entwickeln, um
unseren eigenen Bedarf decken zu können, ohne von ausländischen Energiequellen
abhängig zu sein.
Dieses

-2-

�Dieses Programm erfordert zu einem großen Teil ein positives Handeln
des Kongresses. Ein Teil der erforderlichen Vollmacht ist in der Energievorlage niedergelegt, die der Kongreß vor seiner Vertagung nicht verabschiedet
hat, die aber, wie wir hoffen, prompt verabschiedet werden wird, wenn er später in diesem Monat wieder zusammentritt. In der Zwischenzeit benutzen wir
die bestehenden Vollmachten, um voranzuschreiten.
Amerika wird mit dieser Energiekrise fertig werden.
Wir werden damit fertig werden, weil wir die stärkste, produktivste und
elastischste Wirtschaft der Welt besitzen - eine Wirtschaft, die über eine
unvergleichliche Kapazität verfügt, Schläge auszuhalten und doch voranzugehen.
Wir werden damit fertig werden, weil wir bereits 85 Prozent unserer Energie
aus einheimischen Quellen decken und das Ölembargo uns nur mit weniger als
10 Prozent unseres Bedarfs trifft.
Wir werden damit fertig werden, weil wir über einige der besten Wissenschaftler und Techniker der Welt verfügen, die nach neuen Mitteln und Wegen
suchen, um Energie zu erzeugen und einzusparen.
Ich möchte heute jedoch auch unterstreichen, daß es bei der Energiekrise
um weit mehr geht als nur um eine einheimische Herausforderung für die Vereinigten Staaten.
Von gleicher Dringlichkeit ist die Herausforderung,die diese Krise an
die Konzeption der wirtschaftlichen Interdependenz der Welt stellt - eine
Herausforderung,die alle Nationen angeht. Und ich möchte hier auch unterstreichen, daß unser Interesse an diesem globalen Problem keineswegs geringer ist
als an unserem eigenen einheimischen Problem.
Der kürzliche Appell Außenminister Kissingers an die Nationen der Welt,
sich mit uns in einem massiven Programm zur Lösung des Energieproblems zusammenzutun, ist nur das jüngste Beispiel unserer Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit an vielen Fronten.
Über

-3-

�Über diese Anstrengungen hinaus geht die führende Rolle unseres Landes
in dem Bemühen, die Genfer Friedensverhandlungen in Gang zu bringen. Die Beteiligten haben jetzt einen direkten Kommunikationskanal. Sie werden alte
Streitfragen erörtern, die zum Krieg und zur Drohung eines noch weitreichenderen Krieges geführt haben. Niemand unterschätzt die Schwierigkeit, Lösungen
für diese Probleme zu finden, aber die ganze Welt hofft darauf, Ich bin der
Überzeugung, daß heute eine unvergleichbare Chance für den Erfolg in der Suche nach einem gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten besteht. Wir
haben uns fest verpflichtet, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um
zur Erreichung dieses Zieles beizutragen. Ich darf hinzufügen, daß ich optimistisch bin, daß das arabische Olembargo in relativ kurzer Zeit wieder aufgehoben werden wird.
Die Kräfte der modernen Welt haben die Lebensinteressen aller Nationen
unteilbar gemacht. Dies gilt nicht nur dahingehend, daß es wichtig ist, die
internationalen Spannungen, die den Frieden bedrohen, abzubauen, sondern auch
hinsichtlich des positiven Nutzens, der wirtschaftlicher Zusammenarbeit entspringt.
In dieser neuen Ära haben Wissenschaft, Technologie, Handel, Investitionen, Kommunikation - die Schlüsselelemente fortschrittlicher industrieller
Tätigkeit - sozusagen von allen Nationen Eier genommen und sie in eine gemeinsame Pfanne geschlagen. Jetzt ist daraus Rührei geworden und es wird niemals
mehr möglich sein, die einzelnen Eier herauszunehmen.
Das Wunderbare an diesem Prozeß des Verrührens besteht darin, daß daraus
die magische Fähigkeit entspringt, für jeden mehr zu produzieren. Wissenschaft
und Technologie multiplizieren die Fähigkeit des Menschen, zu produzieren, um
ein Tausendfaches.
Handel eröffnet Märkte auf dem ganzen Erdteil für die Erzeugnisse aller
arbeitenden Menschen.
Investitionen

-4-

�Investitionen breiten Kapital und Technologie überallhin aus und
schaffen neue Fähigkeiten und besser bezahlte Arbeitsplätze.
Kommunikation verbreitet neue Ideen, die wiederum die Saat für weitere
Ideen in sich tragen.
Wenn all diese Kräfte miteinander vermischt werden, so trägt das Ergebnis dazu bei, den Bedarf und die Hoffnungen von immer mehr Menschen überall auf der Erde zu befriedigen. Wir sehen diesen Prozeß überall im Gange
und es werden viele unterschiedliche Güter und Dienstleistungen ausgetauscht.
So haben beispielsweise Nordafrika und der Nahe Osten mit das größte Nahrrungsmitteldefizit in der Welt. Die Vereinigten Staaten sind der leistungsfähigste Produzent von Sojabohnen, Weizen und anderem Getreide in der Welt.
So tragen wir und andere Nationen dazu bei, die Menschen jener Region zu ernähren.
Manche Länder jenes Gebietes bedürfen moderner Technologie und ausgebildeter Techniker und Geologen, um ihre gewaltigen Ölvorkommen zu erschliessen. Die Vereinigten Staaten und andere Länder helfen ihnen dabei. Manche
Länder jenes Gebietes brauchen einen Platz, wo sie einiges von dem Geld, das
sie aus dem Ölverkauf einnehmen, sicher investieren können. Die Volkswirtschaften der Vereinigten Staaten, Japans, der europäischen Nationen und
einiger anderer Länder bieten die Stabilität und das Wachstum, die für solche Investitionen notwendig sind.
Auf der anderen Seite haben die Vereinigten Staaten, Europa, Japan und
andere Nationen das im Nahen Osten und in Nordafrika geförderte Öl gebraucht,
um unsere expandierenden industriellen Volkswirtschaften in Betrieb zu halten. Wir sind ständige Abnehmer dieses Öls gewesens und unser Bedarf ist jedes Jahr gewachsen. Unsere Volkswirtschaften sind auf den ununterbrochenen Zufluß dieses Öls hin strukturiert. Wir alle hängen davon ab - und in gleicher
Weise hängt jene Region in der Versorgung mit einigen unbedingt notwendigen
Gütern von uns ab. Bei diesem Prozeß geht es also um einen Kreislauf, der die

,5,

�1
die Zusammenarbeit aller erfordert, um die Dinge in Gang zu halten. Aber dieser Kreislauf kann leicht unterbrochen werden. Schließt man einen Ölhahn im
Nahen Osten,droht man,einen Farmtraktor im Mittelwesten stillzulegen. Legt man
diesen Traktor still, so werden einige Menschen in der Welt nach Brot hungern. Ich rechne nicht damit, daß dies eintritt. Es wäre für alle katastrophal.
Die Energiekrise ist eine Herausforderung an dieses Erbe der Zusammenarbeit. Sie stellt Ölproduzenten wie Verbraucher vor den erneuten Zwang zur
Einsicht, daß es eine Kommunalität unserer Interessen gibt. Und sie stellt
uns alle vor die Herausforderung, unsere Verpflichtung zur Erfüllung unserer
gemeinsamen Hoffnung zu erneuern. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß
unser Schicksal ein gemeinsames Schicksal sein wird."

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US-STAATEN INFORMIEREN ÜBER INVESTITIONSMÖGLICHKEITEN IN IHREM BEREICH

- (AD) - Eine eigene Investitions- und Handelsberatungsstelle in Europa
einzurichten, wird von den Wirtschaftsförderungsbehörden einer wachsenden
Zahl von amerikanischen Bundesstaaten als wichtiges Element ihrer Strukturverbesserungsprogramme angesehen. Die diesbezüglichen Anstrengungen der einzelstaatlichen Behörden genießen die volle Unterstützung des US-Handelsministeriums, das seit Jahren schon bemüht ist, ausländische Kapitalgeber zu
Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten zu ermutigen - sei es in der
Form der Gründung von Tochtergesellschaften oder Firmengemeinschaften mit
amerikanischen Geldgebern, der Beteiligung an bestehenden US-Unternehmen
oder des Erwerbs solcher. Es ist nicht zuletzt einer intensiven Beratung
und der Herstellung von Kontakten durch die Wirtschaftsabteilungen der USBotschaften und Konsulate zu verdanken, daß sich die europäischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten von 1960 bis 1970 von rund 4,7 auf
über 9,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt haben.

Im Zuge verstärkter Anstrengungen zur Investitionsförderung haben allein
im Verlauf des abgelaufenen Jahres neun US-Einzelstaaten Investitions- und
Handelsberatungsstellen in Europa eröffnet, wodurch sich deren Gesamtzahl auf
elf erhöht hat. In der Bundesrepublik bestehen bisher zwei derartige Beratungsstellen - die Vertretungen der Staaten Pennsylvanien und Wisconsin
in Frankfurt. Die größte Zahl - fünf - entfällt auf Brüssel,

- 1 -

Sitz der Euro-

�Europaischen Gemeinschaft; drei sind in der Schweiz und zwei in England.
In Europa vertreten sind natürlich vor allem die wirtschaftlich besonders wichtigen Staaten wie Michigan, New York und Pennsylvanien. Aber
auch weniger hochindustrialisierte Staaten wie Alabama und Texas wollen
mehr europäische Unternehmen zur Ansiedelung in ihrem Gebiet bewegen und
bieten über ihre Beratungsstellen anlagesuchendem ausländischen Kapital jede
mögliche Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Standorte für Zweigbetriebe, bei der Beschaffung von Industriegelände und Arbeitskräften, bei
der Untersuchung der Absatzchancen für die zu produzierenden Erzeugnisse
und dergleichen mehr; sie klären Interessenten nicht zuletzt über die in
ihrem jeweiligen Gebiet erhältlichen Steuervergünstigungen auf.

Ähnliche Funktionen wie die Investitionsberatungsstellen

üben im

übrigen auch die Vertretungen amerikanischer Schiffahrtsbehörden in Europa
aus, von denen es inzwischen neun gibt, davon sechs in Belgien und je eine
in der Bundesrepublik, in Großbritannien und in der Schweiz. Zu den Hafenbehörden, die einen eigenen Repräsentanten in Europa unterhalten, gehören
u.a. die Hafenverwaltungen von New York und New Jersey, von New Orleans
und von Oakland.

Die Vertretungen amerikanischer Einzelstaaten oder Hafenbehörden
werden entweder direkt von der jeweils zuständigen Gebietskörperschaft
oder durch regionale Institutionen finanziert. Sie bieten ihre Dienste
europäischen Interessenten kostenlos an. Mit einem weiteren raschen Anstieg
ihrer Zahl wird gerechnet.

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einladung Präsident Nixons zu einer Energiekonferenz in Washington&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Präsident Nixons an die ölerzeugenden Länder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger erläutert energiepolitische Vorstellungen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der einleitenden Erklärung auf der Pressekonferenz vom 10. Januar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausstellung und Fachtagung GEOPHYSIK im US-Handelszentrum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Vizepräsident: Energiekrise zeigt Interdependenz der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede Fords vom 8. Januar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Staaten informieren über Investitionsmöglichkeiten in ihrem Bereich</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

INHALT

INFORMATION
George Meany:

Einer der Großen der Gewerkschaftsbewegung

- Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten des AFL-CIO

DOKUMENTATION
Präsident Carter verdeutlicht Richtlinien der US-Politik gegenüber
dem Iran und Afghanistan
Fernsehinterview mit US-Sicherheitsberater Brzezinski zu Afghanistan
Pressekonferenz von US-Verteidigungsminister Brown in Peking
- Wortlaut Rede des amerikanischen UN-Botschafters McHenry vor dem Sicherheitsrat am 13. Januar 1980
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Vordringliche Energie-Entscheidungen im US-Kongreß

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Frischfisch wochenlang haltbar gemacht

Um Übcr/cndun9 von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

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Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

GEORGE MEANY:

EINER DER GROSSEN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG

Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten des AFL-CIO

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Volk trauert mit den Mitgliedern

der Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten um George Meany, den
Architekten der modernen Arbeiterbewegung in Amerika, der am 10. Januar 1980
im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Präsident Carter feierte Meany in einem Nachruf als "eine amerikanische
Institution" und als Patrioten. "George Meanys bleibendes Denkmal," so
sagte der Präsident, "ist die geeinte freie Gewerkschaftsbewegung, die er
mitbegründen half..., und sein Lebenswerk kommt Millionen von Menschen in
aller Welt zugute - auch vielen, die niemals einer Gewerkschaft angehört
haben."
Meanys Eintreten für eine internationale freie Gewerkschaftsbewegung
wurde auch von Lane Kirkland hervorgehoben, der im November vergangenen Jahres
als sein Nachfolger zum Präsidenten des mit 14 Millionen Mitgliedern
größten amerikanischen Gewerkschaftsverbandes, American Federation of LaborCongress of Industrial Organizations (AFL-CIO) gewählt wurde.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

"Oberall auf

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

auf der Welt," so erklärte Kirkland anläßlich des Todes von George Meany,
"haben Arbeiter anderer Länder mit seiner Unterstützung, unter seiner Anleitung und dank seiner Inspiration eigene freie demokratische Bewegungen
errichtet."
Meany war der festen Überzeugung, daß die amerikanische Arbeitnehmerschaft trotz aller Erfolge der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten
keinen Grund zur Selbstgefälligkeit habe, solange ihre Kollegen im Ausland
noch unter Unterdrückung zu leiden haben.

Diese Überzeugung ließ ihn zu

einem erklärten Gegner "jeder Art von Tyrannei" werden - gl eichgültig,ob
es sich dabei um ein Herrschaftsstreben von rechts oder links, beziehungsweise von Reaktionären oder Revolutionären handelte.
Im Jahre 1933, wenige Monate nach der Machtergreifung Hitlers in
Deutschland, half Meany mit, einen Boykott gegen die Nazis zu organisieren
und einen Fonds zur Unterstützung von Gewerkschaftsvertretern zu errichten,
die sich dem Nazi-Terror durch die Flucht entzogen hatten. Und nach dem
Krieg war es wiederum Meany, der entschieden für die Gewährung von
Marshallplan-Hilfe an Arbeiter in den befreiten Ländern Westeuropas
eintrat. Meany setzte sich auch für die Gründung des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften (International Confederation of Free Trade
Unions - ICFTU) als Alternative zu dem von Kummunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbund (World Federation of Trade Unions - WFTU) ein. Und als
er zu der Überzeugung gelangte, daß der ICFTU die anfangs in ihn gesetzten
Hoffnungen nicht erfüllen könne, war er es, der ein Ausscheiden des
AFL-CIO auch aus diesem Verband befürwortete.
Im Jahre 1960 organisierte der AFL-CIO auf Betreiben Meanys das
Amerikanische Institut zur Entwicklung freier Gewerkschaften (American
Institute of Free Labor Development) als ein Instrument zur Verbreitung
freier Gewerkschaften und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der
Arbeitnehmer in Mittel- und Südamerika. Darauf folgte sehr rasch die

- 2 -

�die Errichtung des Asiatisch-Amerikanischen Instituts freier Gewerkschaften (Asian-American Free Labor Institute) und des AfrikanischAmerikanischen Gewerkschaftszentrums (African-American Labor Center).
Diese drei Institute führen umfassende Erziehungsprogramme durch, in
deren Rahmen Arbeiter aus Entwicklungsländern auf die Übernahme führender
Positionen in der freien Gewerkschaftsbewegung ihres Heimatlandes vorbereitet werden.

Meany beteiligte sich auch aktiv an der Tätigkeit des

nach ihm benannten George Meany Labor Center

in Sil verspring Maryland,

dem größten Bildungsinstitut der organisierten Arbeitnehmerschaft in
Amerika.
Der Zusammenschluß der American Federation of Labor (AFL) mit dem
Congress of Industrial Organisation (CIO) nach fast 20 jähriger Rivalität
wird generell als Meanys größte Leistung angesehen. Er lehnte es ab, dem
Beispiel mächtiger und einflußreicher Arbeitnehmerorganisationen anderer
Länder folgend den AFL-CIO zum Kern einer politischen Arbeiterpartei
werden zu lassen. Er zog es vor, Reformen der Arbeitswelt über das bestehende amerikanische Zweiparteiensystem durchzusetzen.
William George Meany wurde am 16. August 1984 in New York City als
zweites von zehn Kindern einer streng katholischen Arbeiterfamilie geboren.
Sein Vater Michael Joseph Meany war Vorsitzender des Ortsverbandes der
Installateur-Gewerkschaft und Kommunalpolitiker.

Als die Familienverhältnisse

George Meany zum Verlassen der Oberschule zwangen, ergriff er den Beruf
seines Vaters.

Nach Beendigung einer fünfjährigen Klempner-Lehre erhielt

er 1915 den Gesellenbrief und die volle Gewerkschaftsmitgliedschaft.
Meany nahm einen raschen Aufstieg innerhalb der Gewerkschaften.
Er wurde zunächst zum Vorsitzenden seiner örtlichen Gewerkschaft und
1934 zum Präsidenten der Federation of Labor im Staate New York gewählt.
In den fünf Jahren, die er dieses Amt bekleidete, gelang es ihm gemeinsam
mit anderen hohen Gewerkschaftsfunktionären,die Annahme von 72 Gesetzen zu

-

3 -

�zu erreichen, die Rechte und Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer
beträchtlich verbessern halfen.
Im Jahre 1939 brachte ihm sein hohes Ansehen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung die Wahl zum Schatzmeister der AFL ein. Dreizehn Jahre später,
1952, trat er nach dem Tod von William Green dessen Nachfolge als Präsident
der Federation of Labor an. Am 7. Dezember 1955 schließlich wurde er auf
dem Gründungskongreß der Dachgewerkschaft AFL-CIO in New York einstimmig zu
deren ersten Präsidenten gewählt.

Nachdem er seither auf allen folgenden

12 Gewerkschaftskongressen jeweils ohne Gegenstimme in diesem Amt bestätigt
worden war, schlug er am 15. November 1979 die Wiederwahl mit dem Hinweis
auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand aus.
Als Gewerkschaftsführer strebte Meany über ein halbes Jahrhundert lang
mit sichtlichem Erfolg eine Ausweitung der Rolle der Gewerkschaften innerhalb der Gesellschaft an.

"Die Tagesordnung und das politische Programm

der Arbeiterbewegung sind die menschlichen Belange," erklärte er in seiner
Abschiedsansprache vor der dreizehnten Zwei Jahresversammlung des AFL-CIO
knapp zwei Monate vor seinem Tod, um fortzufahren:

"Ziel der Gewerk-

schaften ist die Gewährleistung der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit.

Und weil der Mensch fehlbar ist, erfordert die Erreichung dieser

Ziele immer neue Ideen und den Einsatz unserer gesamten Kraft."
Zu den gesetzgeberischen Maßnahmen, die Meany mit Erfolg verfochten hat,
gehören das Bürgerrechtsgesetz von 1964 (Civil Rights Act), das die Rassendiskriminierung in den Anstellungspraktiken der Unternehmen verbot; das Gesetz
über den Unfall- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz von 1970 (Occupational
Savety and Health Act), durch das eine eigene Behörde zur Gewährleistung
der Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung errichtet wurde; der Präsidialerlaß,
der staatlichen Bediensteten das Recht zur Führung von Kollektivverhandlungen
einräumte; die Novellierung bestehender Gesetze im Bereich der Sozialversicherung, der Mindestlöhne, der Gesundheitsfürsorge für ältere Menschen und_

�und des Wahlrechts, um nur einige wenige Hinweise zu geben.
Meany wurde in Würdigung seiner Verdienste um den Frieden und die
Freiheit in aller Welt durch Präsident Eisenhower zweimal in die
amerikanische Delegation bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen
entsandt - eine Ehre, die ihm als ersten amerikanischen Gewerkschaftsführers widerfuhr.

Er besaß die Ehrendoktorwürde einer Reihe amerikanischer

Universitäten und wurde unter anderem mit der Freiheitsmedaille des
Präsidenten ausgezeichnet.
Meany war seit Frühjahr vorigen Jahres wegen einer schweren Arthritis
an den Rollstuhl gefesselt, nachdem er sich bei einem Golfunfall eine Knieverletzung zugezogen hatte. Der Tod seiner Frau Eugenia, mit der er 59
Jahre verheiratet war, im März vorigen Jahres war für ihn, wie seine engsten
Freunde und Mitarbeiter berichten, ein schwerer Schlag. Er hinterließ drei
Töchter und 14 Enkelkinder.

PRÄSIDENT CARTER ZUM TOD VON GEORGE MEANY

Der amerikanische Präsident gab anläßlich des Todes des ehemaligen
Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO folgende
Erklärung ab:
George Meany war eine amerikanische Institution. Er hat kraft der
Stärke seines Charakters und der Integrität seines Glaubens unser Volk
im Großen wie im Kleinen hundertfältig zum besseren hin verändert. Seine

- 5 -

�Seine Stärke - sein Mut, sein praktischer Idealismus, sein Mitgefühl und
sein unerschütterliches Bekenntnis zur Menchenwü'rde und zu den Menschenrechten - war die Stärke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
Allem voran aber war George Meany Patriot.

Er gab seiner Liebe zu

unserem Land dadurch Ausdruck, daß er sich kämpferisch dafür einsetzte,
es zu einem besseren Land zu machen, in dem sich lohnt,zu arbeiten und zu
leben.

Er kam von Baugewerbe her,und er hat in einem langen Leben als eine

führende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens nie aufgehört, zu bauen.
Er hinterläßt Amerika als sein Erbe eine freiere, stärkere und gerechtere
Gesellschaft als die, in die er hineingeboren worden war.
George Meanys bleibendes Denkmal ist die geeinte freie Gewerkschaftsbewegung, die er mitbegründen half und so lange und so hervorragend geführt
hat.

Aber seine Vision von der Rolle der Gewerkschaften war eine umfassende,

und sein Lebenswerk kommt Millionen von Menschen in aller Welt zugute auch vielen, die niemals einer Gewerkschaft angehört haben.

Er war ein

Gegner des Totalitarismus jeglicher Prägung - ein Kämpfer für soziale
Gerechtigkeit im In- und Ausland und ein Freund der Freiheit überall auf
der Welt.
George Meany fungierte als Berater mehrerer Präsidenten und hat niemals
den Kontakt zum kleinen Mann auf der Straße verloren. Wie sieben meiner
Vorgänger genoß auch ich das Privileg, von seinem aufrichtigen Rat profitieren
zu können. Arbeitende Männer und Frauen überall auf der Welt, werden
seinen Tod betrauern. Papst Johannes Paul II hat Meany vor drei Monaten
anläßlich seines Besuchs im Weißen Haus sehr trefflich charakterisiert, als
er dessen beide Hände ergriff und sagte: "Sie leisten gute Arbeit für Ihre
Leute." Wir alle waren wohl alle George Meanys Leute, und die gute Arbeit,
die er geleistet hat, wird uns noch auf lange Zeit hinaus zugute kommen.

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
16. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER VERDEUTLICHT RICHTLINIEN DER US-POLITIK GEGENÜBER DEM
IRAN UND AFGHANISTAN

WASHINGTON - (AD) - Vor etwa 80 Mitgliedern des amerikanischen Kongresses
hat Präsident Carter am 8. Januar 1980 die Haltung der amerikanischen Regierung
gegenüber dem Iran und Afghanistan verdeutlicht.
Die wesentlichen Punkte seiner Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend einige Minuten darauf verwenden, Ihnen die beiden grundlegenden und schwerwiegenden Probleme zu erklären, um die wir uns gegenwärtig kümmern - um eines der beiden seit dem 4. November, um das andere
seit dem Weihnachtsabend.

Ich kann mich an keinen Zeitpunkt der Geschichte

erinnern, zumindest nicht der modernen Geschichte, da unser Land in Frieden
lebte und sich dennoch solch große Sorgen machte wie in den letzten beiden
Monaten, seit amerikanische Geiseln am 4. November in unserer eigenen Botschaft
in Teheran gefangengenommen wurden.
Ich brauche nicht auf die Einzelheiten dieses Vorfalls einzugehen, denn
Sie sind damit eng vertraut.

Ich möchte vielmehr die grundlegenden Prinzipien

umreißen, die mich in den letzten beiden Monaten geleitet haben.
werde ich gerne Ihre Fragen beantworten.

Anschließend
r

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Telex:08-85432

�Es waren keine erfreulichen zwei Monate.
und der Prüfung.

Es war eine Zeit der Anspannung

Es war eine Zeit engster Verhandlungen mit vielen Führungs-

persönlichkeiten des Auslands in dem Versuch, die grundlegenden Zielsetzungen
zu verwirklichen, die wir seit Beginn dieser Konfrontation mit den Terroristen
oder Entführern in Teheran verfolgt haben.
Unser oberstes Gebot ist der Schutz der Interessen unserer Nation gewesen, der übergreifenden, überdauernden Interessen; zweitens, alles in unserer
Macht liegende zu tun, um das Leben und die Sicherheit der amerikanischen Geiseln, unserer 50 Mitbürger, zu gewährleisten; drittens, auf diplomatischem Weg
durch Nutzung aller möglichen Kanäle zu erreichen, daß sie - so Gott will unversehrt befreit werden; viertens, ein Blutvergießen zu vermeiden, das höchstwahrscheinlich zum Tod unserer Geiseln führen würde sowie fünftens - und am
schwierigsten -, die Unterstützung für die amerikanische Lage durch die überwältigende Mehrheit der Länder dieser Erde zu erreichen.

Gerade die letzte

Aufgabe war nicht einfach, denn historisch gesehen stand unser Land in den
Vereinten Nationen und anderen internationalen Foren nie in besonderer Gunst,
denn wir sind mächtig, eine Supermacht, und es gibt zeitweilig Eifersucht,
Empfindlichkeit und Mißtrauen uns gegenüber.
Wie Sie wissen, gab es im Sicherheitsrat vier Abstimmungen. Wir haben
noch keine Niederlage erlitten. Bei der letzten Abstimmung über die Einsetzung einer Frist für Verhängung von Sanktionen und über die Aufforderung an
den Generalsekretär, nach dem Iran zu fliegen, gab es vier Enthaltungen - die
Sowjetunion und ihre Marionette Tschechoslowakei sowie zwei kleine Moslemländer, Bangladesh und Kuweit. Die anderen elf Länder stimmten dafür, den Generalsekretär als eine letzte Anstrengung zur Verhandlung über die Freilassung
der Geiseln nach dem Iran zu entsenden, wobei nach diesem Zeitraum der Sicherheitsrat erneut zusammentreten und Schritte über mögliche Wirtschaftssanktionen
unternehmen sollte.
•

Beim Internationalen Gerichtshof betrug das Abstimmungsergebnis 15 : 0,
also Einstimmigkeit.

Bis dahin also erreichten wir alle die Ziele, die wir
•

- 2 -

�wir uns selbst gesteckt hatten - ausgenommen die Freilassung der Geiseln, und
wir erkunden weiterhin jeden möglichen Weg zu dieser Freilassung.

Der schwierigste Aspekt der iranischen Frage besteht darin, daß es keine
Regierungseinheit gibt, mit der wir kommunizieren oder verhandeln oder bei
der wir eine Klage oder Forderung vorlegen können.

Nach Rückkehr von seiner

Reise in den Iran, berichtete der Generalsekretär ebenfalls von dieser uns
schon bekannten Tatsache, nämlich, daß die mächtigste einzelne politische Einheit im Iran aus den internationalen Terroristen oder Entführern besteht, die
unsere Geiseln festhalten.

Wann immer es hinsichtlich der Geiseln zwischen

Khomeini oder dem Revolutionsrat und den Terroristen zu einer Auseinandersetzung kam, so behielten stets die Terroristen die Oberhand.

Wir wissen nicht,

was in Zukunft geschehen wird, aber ich denke, Sie erkennen wahrscheinlich,
daß diese kleine Gruppe von Leuten,

unter der sich ursprünglich vielleicht

auch einige Studenten befanden - die aber keine Studenten sind und auf die man
auch nicht als Studenten hinweisen sollte - mit dem Festhalten amerikanischer
Geiseln einen großen und bedeutsamen politischen Einfluß im Iran erreicht haben.
Sieverfolgen nicht notwendigerweise als eine ihrer Hauptinteressen die Integrität des Iran als einer Nation oder das Wohlergehen des iranischen Volkes oder
sogar die Sicherheit des Landes, in dem sie leben; und deshalb gibt es keine
legitime Hebelwirkung des politischen Wandels, die auf sie ausgeübt werden
könnte, und es gibt dort kein Gebilde, mit dem man verhandeln könnte.

Sie wissen, daß die Folgen für den Iran ziemlich ernst sein werden, wenn
die Geiseln verletzt oder getötet werden, und ich bin der Meinung, daß lediglich die Anwesenheit einer sehr starken Streitmacht in der Arabischen See sie
bisher davon abgehalten hat, eine Tat zu begehen, die für die übrige Welt noch
verabscheuungswürdiger gewesen wäre.

Dieses Problem dauert an.

Für Sie wie

für mich ist es ein stets gegenwärtiger Gedanke, und ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, daß dieses Land keinen Augenblick lang diese Geiseln vergißt
und daß die letzte Geisel dort für mich genauso wichtig ist wie die erste.

Bemerkenswert

�Bemerkenswert ist, wie einig unser Land ist:

ich habe starke Unterstüt-

zung, die ich aufs höchste schätze, und das amerikanische Volk ist überraschend
geduldig gewesen, was, wie Sie wissen, für Amerikaner nicht charakteristisch
ist.

Aber ich glaube, die meisten Menschen, die die Lage geprüft und einen

Blick auf die Landkarte geworfen haben, die gesehen haben, wo sich unsere Botschaft innerhalb Teherans befindet, können erkennen, daß ein Stoßtrupp oder
ein militärischer Schritt zur Befreiung der Geiseln mit ziemlicher Sicherheit
in einem Mißerfolg und auch mit dem Tod der Geiseln enden würde.
Sie werden in kleinen Gruppen festgehalten, zwei oder drei pro Gruppe, mit
schwerbewaffneten Militanten zu ihrer ständigen Überwachung; den Geiseln sind
die ganze Zeit die Hände gefesselt.

Wir werden auch weiterhin festbleiben.

Unser nächster Schritt wird sein, bei den Vereinten Nationen die Verhängung
von Sanktionen gegen den Iran zu erwirken.

Ich kann Ihnen noch nicht sagen,

ob die Verhängung solcher Sanktionen - sollten wir die neun erforderlichen
Stimmen bekommen - eine frühe Freilassung der Geiseln zur Folge haben wird.
Wir beten, daß etwas geschehen möge und daß der Iran schließlich erkennt, daß
er nicht von den Vereinigten Staaten bedroht wird, sondern viel stärker von
der Sowjetunion, die am Weihnachtsabend in Afghanistan einmarschiert ist.
Meiner Meinung nach, die von vielen führenden Persönlichkeiten der Welt
geteilt wird, mit denen ich die Angelegenheit besprochen habe, stellt die
sowjetische Invasion in Afghanistan die größte Bedrohung des Friedens seit
dem Zweiten Weltkrieg dar. Sie bedeutet eine scharfe Eskalation in der aggressiven Geschichte der Sowjetunion. Natürlich waren wir alle schockiert und
verurteilten öffentlich und offiziell die sowjetische Handlungsweise in Ungarn
und dann später, im Jahr 1968, in der Tschechoslowakei. Dies waren zwei Länder, die seit dem Zweiten Weltkrieg im Grunde von der Sowjetunion unterworfen
waren, sie waren keine unabhängigen Staaten, die ihre eigenen Angelegenheiten
kontrollierten. Wie Sie wissen, gab es einen Aufstand, und die Sowjets trampelten diesen Aufstand im Innern dieser beiden Länder brutal nieder.
Hier

�Hier jedoch handelt es sich um einen souveränen Staat, einen bündnisfreien Staat, einen tiefreligiösen Staat - und die Sowjets überfielen ihn
brutal.

Wir und andere führende Politiker in der ganzen Welt wurden durch die
sowjetischen Botschafter und durch direkte Botschaften aus Moskau darüber informiert, daß die Sowjets in dieses Land kamen, um es gegen irgendeine dritte
Macht zu schützen, die Afghanistan bedrohen würde.

Auf die Frage, woher diese

dritte, bedrohende Macht komme, konnten die Sowjets nie eine vernünftige Antwort geben.

Sie gaben an, von der dortigen Regierung darum gebeten worden zu

sein, Afghanistan zu schützen.

Wie Sie wissen, wurde der Staatschef von

Afghanistan, Präsident Amin, der sie angeblich ins Land gebeten hatte, in dem
Augenblick umgebracht, als die Sowjets die Kontrolle über die Hauptstadt
Kabul gewonnen hatten, und auch einige der Mitglieder der Präsidentenfamilie
wurden getötet.

Wir sind die andere Supermacht in der Welt, und es lag in meiner Verantwortung als Repräsentant einer großen Nation, Schritte zu unternehmen, um zu
verhindern, daß die Sowjets bei dieser Invasion ungestraft davonkommen würden.
Die Sowjets sollten die Folgen spüren.

Meinem eigenen Urteil zufolge, war die

Sicherheit unserer Nation unmittelbar bedroht.

Es gibt keinen Zweifel daran,

daß das Eindringen der Sowjets in Afghanistan - falls für sie ohne nachteilige
Folgen - die Versuchung mit sich gebracht hätte, weiter und immer weiter vorzudringen, bis eisfreie Häfen erreicht wären oder bis ein Großteil der Ölversorgung der Welt unter Kontrolle gebracht wäre.

Unmittelbar nach dieser Invasion in Afghanistan sprach ich mit dem Präsidenten von Pakistan und sprach auch mit vielen anderen Staatschefs der Welt
oder sandte ihnen direkte Botschaften.

Die von uns zu unternehmenden Schritte

beschränkten sich auf drei Möglichkeiten.

Eine davon war militräisches Ein-

greifen - was ich als nicht angemessen ansah.

Weder hat unser Land einen sol-

chen Wunsch, noch könnten wir einen solchen militärischen Schritt wirkungsvoll
tun, um die sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan hinauszudrängen.

Es

verblieben mir also die zwei anderen Möglichkeiten, für deren Anwendung ich
- 5-

�ich mich entschied,

Die eine davon sind politische Schritte, die andere

sind wirtschaftliche Schritte.
In politischer Hinsicht schlössen wir uns mit 50 anderen Staaten zusammen,
um beim Sicherheitsrat zwei Anträge zu stellen: einen, um die Sowjetunion wegen der Invasion und der dadurch bedingten Bedrohung des Weltfriedens zu verurteilen; einen zweiten, um die Sowjetunion aufzufordern, ihre Truppen abzuziehen.

Nach Ende der Beratungen kam es zur Abstimmung.

Die einzigen Staa-

ten, die gegen diese beiden Anträge stimmten, waren Ostdeutschland - wiederum
ein sowjetischer Marionettenstaat - und die Sowjets selbst.

Wie Sie wissen,

haben die Ständigen Mitglieder ein Vetorecht, und nunmehr geht es - wie ich
meine, erfolgreich - um den Schritt, diesen Fall vor die Vollversammlung zur
weiteren Verurteilung der Sowjetunion zu bringen.
Es ist schwer zu verstehen, warum die Sowjets diesen Schritt unternahmen.
Ich glaube, sie unterschätzten wahrscheinlich die ungünstige Reaktion rund um
die Welt. Ich habe mit vielen anderen Staatschefs oder Verbündeten und mit
denjenigen gesprochen, welche Staaten vertreten, die als nächste bedroht werden
könnten, und sie alle sind der Meinung, daß wir den richtigen Schritt unternommen haben.
Es geschah nicht aus politischen Gründen.
eine Außenpolitik durchzusetzen.

Es geschah nicht, um irgend-

Es geschah im Interesse unserer nationalen

Sicherheit.
Wir unternahmen wirtschaftliche Schritte, die - wie ich meine - angemessen
und ausgewogen waren. Sie waren sorgfältig überlegt. Wir werden versuchen,
mit diesen Schritten die Sowjetunion in einer Weise zu treffen, die eine möglichst geringe Nebenwirkung auf unser eigenes Land hat, wo die Opfer so gleichmäßig verteilt werden, wie Sie und ich zusammen es nur irgendwie ausdenken
können, und die gleichzeitig die Sowjets die Folgen ihrer Invasion erkennen
läßt.
Wir
- 6 -

�Wir werden den Sowjets nicht mehr gestatten, innerhalb einer 200-MeilenZone der amerikanischen Gewässer zu fischen.

Sie verfügen über eine sehr

große Fischfangflotte mit Fängen in einem Umfang von Hunderttausenden von
Tonnen.

Die Erlaubnis hierzu wird nicht erneuert.

Wir werden auch keine

hochtechnologische Ausrüstung mehr an die Sowjetunion liefern oder irgendeine andere Art Ausrüstung, die für die Sowjetunion im Sicherheitsbereich von
Nutzen sein könnte.

Dies beinhaltet zum Beispiel auch Bohrausrüstungen, die

zur Suche und zur Förderung von Erdöl und Erdgas verwendet werden können.
Wir werden den normalen Handel mit der Sowjetunion stark einschränken, der
für sie von großem Vorteil ist, und natürlich habe ich die Lieferung von Getreide gestoppt, das die Sowjets über jene 8 Millionen Tonnen hinaus bestellt
hatten, zu deren Lieferung unser Land aufgrund eines Fünf-Jahres-Abkommens
verpflichtet ist.

Wir haben Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß die Farmer vor
den nachteiligen Folgen dieses Stopps der Getreidelieferungen in einem möglichst hohen Maße geschützt werden.

Es wird ein kostspieliger Antrag sein.

Ich wußte das, als ich den Schritt unternahm, und meine Schätzung, gestützt
auf eine ziemlich sorgfältige, aber doch etwas schnelle Analyse,ist, daß
die Extrakosten in diesem Jahr zum Aufkauf dieses Getreides, zur Änderung des
Preisniveaus von Mais und Weizen sowie zur Begleichung der zusätzlichen Lagerkosten sich auf etwa zwei Milliarden Dollar belaufen werden.
nanzjahr 1980.

Soviel im Fi-

Im Finanzjahr 1981 werden zusätzliche Kosten von ungefähr

800 Millionen Dollar entstehen.

Es ist möglich, daß im Laufe des Jahres und mit zunehmender Erfahrung,
die wir dabei sammeln, die Sowjetunion als den Aufkäufer dieses Getreides zu
ersetzen, weitere 200 oder 300 Millionen Dollar in diesem Jahr ausgegeben werden.

Sollte dies der Fall sein, so würden dadurch die Ausgaben im Haushalts-

jahr 1981 um ungefähr denselben Betrag vermindert.

Demzufolge dürften die

Gesamtausgaben etwa bei 2,8 Milliarden Dollar liegen.

Diese Kosten entfallen

nicht auf die Farmer - ausgenommen in dem Maße, in dem sie Steuerzahler wie
jeder andere Amerikaner sind.

Vielmehr werden diese Kosten von all denjenigen

in diesem Land getragen, die an die Bundesregierung Steuern zahlen.
- 7 -

Wir wer-

�werden auch nicht zulassen, daß dieses Getreide wieder auf den Markt kommt,
so daß dadurch die Agrarpreise sinken...
Ich möchte auf einen letzten Punkt zu sprechen kommen:

es ist für uns

von äußerster Wichtigkeit, zu sehen, daß unsere Verbündeten eng mit uns zusammenarbeiten.
unternahmen.
ten.

Mit einigen von ihnen sprach ich, bevor wir diese Schritte

Alle waren damit einverstanden, daß sie getroffen werden soll-

Wir haben ein Höchstmaß ap praktischer Zusicherung von ihnen dafür er-

halten, daß sie den Verkauf unserer Güter, eingeschlossen Getreide, nicht ersetzen werden.

Die drei wichtigsten Länder für den Getreideexport sind

Argentinien, Kanada und Australien.

Argentinien hat keine angemessene Ge-

treideproduktion, um die Lage einschneidend zu ändern.
Ich habe heute mit Präsident Giscard d'Estaing gesprochen, der Westeuropa repräsentiert.

Dort stehen normalerweise umfangreiche Getreidemengen

zur Verfügung, vor allem Gerste.

Sie werden das Getreide, das wir der Sowjet-

union vorenthalten, nicht ersetzen.
Wir wissen schon jetzt, daß dieser Entzug von Getreide die Sowjetunion
nicht dazu zwingen wird, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Wir wußten dies von Anfang an. Wir glauben nicht,daß wirtschaftlicher Druck oder
sogar eine Verurteilung der Sowjetunion durch die Vereinten Nationen sie zu
einem Rückzug ihrer Truppen veranlassen wird. Aber wir hoffen, daß wir ein
Zeichen gesetzt haben und sie haben wissen lassen, daß sie tatsächlich jetzt
und in Zukunft werden leiden müssen unter dieser ungerechtfertigten Invasion'
eines vormals unabhängigen, blockfreien Landes.
Ich benötige die Unterstützung des amerikanischen Volkes. Ich bin der
Meinung, daß dies eine Angelegenheit des Patriotismus ist, und ich glaube,
daß es auch um den,Schutz!der Sicherheit unseres Landes geht. Ich erwarte,
daß wir vom Kongreß eine positive Antwort erhalten, was ein Mindestmaß an
Gesetzgebung angeht, die zur Durchführung dieser Programme notwendig sein
könnte. Fast alles kann mit Hilfe von Verwaltungsanordnungen durchgeführt werden, die per Gesetzgebung vom Kongreß an den Landwirtschaftsminister und an
- 8 -

�an mich Libertragen wurden...
Wir haben die Absicht, eine langfristige Analyse zu erstellen und einen
Aktionsplan zur Stärkung amerikanischer Interessen sowie der amerikanischen
Präsenz und des Einflusses in diesem Unruhegebiet der Welt, in Südwestasien.
Durch bereits veröffentlichte Presseberichte ist Ihnen einiges davon bekannt,
und wir werden mit Hilfe des Kongresses Schritte zur Stärkung Pakistans unternehmen.

Es ist unser Wunsch, dies durch ein Konsortium von Staaten zu tun.

Dies ist auch der Wunsch Pakistans.
Ich habe heute - und. auch schon" vorher -\mit..Präsident Zia von Pakistan
über dieses Thema gesprochen, und auch andere Länder in der Region, die von
Afghanistan aus durch die Sowjets bedroht werden könnten, sollen wissen, daß
wir und viele andere Länder der Welt uns zu ihrer angemessenen Verteidigungsfähigkeit verpflichten, um die Sowjets von ihrem Expansionismus in diesem Gebiet abzuschrecken.
Aufgrund der Iran-Frage haben wir unsere Seestreitkräfte in der Arabischen
See wesentlich erhöht. Sie werden dort in größerem Umfang als in der Vergangenheit aufrechterhalten werden. Und wie Sie wissen, gab es eine einheitliche
Einstellung der weltweiten öffentlichen Meinung nicht nur hinsichtlich der Verurteilung der iranischen Terroristen, die unsere Geiseln gefangenhalten, sondern auch gegen die Sowjetunion wegen ihrer beispiellosen Invasion Afghanistans
in den letzten Wochen.
Ich habe keinen geschriebenen Text vorliegen, aber dies waren einige der
Punkte, die ich Ihnen beschreiben wollte, und ich meine, es wäre nunmehr gut,
wenn Sie mir Fragen stellen würden...

+ + + + +

- 9 -

�ül

I
I

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

FERNSEHINTERVIEW MIT US-SICHERHEITSBERATER BRZEZINSKI ZU AFGHANISTAN

WASHINGTON - (AD) - Dr. Zbigniew Brzezinski, der Sicherheitsberater Präsident Carters, nahm am 8. Januar 1980 im Verlauf eines Fernsehinterviews mit
einem Reporter der amerikanischen Fernseh-Gesellschaft CBS zu den Ereignissen
in Afghanistan Stellung.

FRAGE:

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

Dr. Brzezinski, trotz der Forderung Präsident Carters an die Sowjets,

ihre Truppen in Afghanistan zurückzuziehen und trotz unserer wirtschaftlichen
Schritte sieht es so aus, als setzten die Sowjets ihren Truppenaufmarsch in
Afghanistan fort.

Die Sowjets haben die Schritte des Präsidenten sogar "eine

hoffnungslose Schlappe" genannt.
Machen sie uns denn nicht ganz einfach lächerlich, ja, verhöhnen uns sogar?

Und deshalb:

ANTWORT:

Wie wirkungsvoll ist das, was wir getan haben, tatsächlich?

Es gilt festzuhalten, daß die sowjetische Invasion in Afghanistan

ein Akt der Mißachtung festgelegter internationaler Normen war und bleibt.

Die

sowjetischen Führer müssen ihren Entschluß bereits vor dem Einfall in Afghanistan
getroffen haben.

Sie müssen daher offensichtlich damit gerechnet haben, daß eine

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�eine feindselige Reaktion erfolgen würde.

Und nachdem sie sich zum Einmarsch

entschlossen haben, so haben sie offenbar die Absicht, dies durchzustehen.
Wir andererseits haben zwei Zielsetzungen im Sinn.

Die eine, es der

Sowjetunion absolut klarzumachen, daß solche Schritte teuer zu stehen kommen,
daß sie mehr als nur Mißbilligung nach sich ziehen.

Die andere, ein weiter-

gespanntes Netz der Zusammenarbeit in dieser Region zu schaffen, damit es keinerlei Möglichkeiten einer Wiederholung dieses sowjetischen Schrittes gegenüber anderen, ebenso verwundbaren Ländern gibt.
.

. FRAGE: So besteht unsere Politik eigentlich nicht darin, die Truppen
aus Afghanistan hinauszubekommen, sondern darin, künftige Afghanistans zu verhindern.

Ist das richtig?

ANTWORT: Nein, ich würde das etwas anders sehen. Es ist unsere Hoffnung und in gewissem Maß der Sinn unserer Politik, die Sowjetunion aus
Afghanistan hinauszubekommen. Wir sind der Ansicht, daß die internationale
Zusammenarbeit, ja, das amerikanisch-sowjetische Verhältnis gefördert würde,
wenn die Sowjetunion zur Einsicht gelangen würde, daß sie einen sehr schwerwiegenden Irrtum begangen, daß sie Umfang und Intensität der internationalen
Reaktion unterschätzt hat und wenn es sie zum Abzug bewegen sollte. Aber
falls sie dies nicht tut, dann möchten wir, daß sie einen Preis dafür bezahlen muß, und wir möchten dies außerdem klarstellen, damit die anderen Länder
in dieser Region beruhigt sind.

FRAGE: Viele Kritiker des Präsidenten, viele Republikaner, die gegen
ihn in den Wahlkampf ziehen, und selbst Demokraten sagen, daß die von ihm
ergriffenen Maßnahmen uns selbst eigentlich mehr wehtun als sie den Sowjets
wehtun.
•

ANTWORT:

- 2 -

�ANTWORT:

Ich glaube, daß daran nicht viel Wahres ist. Mir kommt das

mehr wie eine Parole vor.

Natürlich steckt darin ein gewisses Maß an Opfer

- aber ein Opfer, das der Präsident sehr sorgfältig und auf alle verteilt.
Und schließlich:

Wenn wir ein Problem haben, auf das wir eine feste Antwort

geben müssen, dann muß auch die Nation bereit sein, ihren Teil des Opfers zu
tragen.

Und das amerikanische Volk ist bereit, ein solches Opfer auf sich zu

nehmen.

Das Volk weiß, daß dies nicht von heute auf morgen erledigt sein

wi rd.

Was die Sowjets angeht, so werden diese Maßnahmen ihren Preis fordern.
Die Sowjetunion hängt in hohem Maß von einer Versorgung mit westlichem Getreide ab, vor allem mit amerikanischem Mais und Getreide.
wird sie nicht mehr haben.

Diesen Zugang

Das bedeutet einen um ungefähr 20 Prozent vermin-

derten sowjetischen Fleischkonsum, denn der größte Teil dieses Getreides
wurde für die Viehzucht verwendet - nicht für den direkten menschlichen Verzehr, sondern zur Steigerung des sowjetischen Viehbestands.

Das bedeutet

einen harten Schlag für die sowjetische Landwirtschaftsplanung.

Die Sowjetunion ist auch im Bereich fortschrittlicher Technologie stark
abhängig, vor allem von den Vereinigten Staaten.
falls verweigert.

Hier wird der Zugang eben-

Und schließlich - wenn ich diesen einen Punkt noch ab-

schließen darf - legt die Sowjetunion großen Wert auf internationalen Status
und Legitimität.

Die Einschränkung von Kontakten, die Auswirkung, die all

dies auf die Beziehungen der Sowjetunion mit der übrigen Welt hat, auf das
sowjetische Ansehen und den Respekt, sollten ebenfalls nicht unterschätzt
werden.

FRAGE:

Können sie die Technologie nicht von woanders bekommen, zum Bei-

spiel von den Franzosen?

ANTWORT:

Einiges davon können sie von woanders bekommen.

Aber in einem

hochkomplizierten Bereich etwas von woanders zu bekommen, bedeutet zunächst

- 3 -

�zunächst einmal erhebliche Verzögerungen, was wiederum bedeutet, daß Pläne
über den Haufen geworfen werden, daß zeitliche Abläufe gestört werden usw.
Zweitens ist in bestimmten Schlü'sselbereichen eine solche Technologie
überhaupt nicht rasch woanders zu bekommen.

FRAGE:

Sind wir dabei, das zu tun, wovon Präsident Carter sagte, wir

würden es nicht tun, nämlich die chinesische Karte auszuspielen?
fragt:

Anders ge-

Verwenden wir unser neues Verhältnis zu China als Hebel gegen die

Sowjets?
ANTWORT:

Wir spielen die China-Karte nicht aus.

Das ist nur so ein

Ausdruck, der in Wirklichkeit nicht allzuviel Bedeutung hat.

Es gibt natür-

lich ein eigenes amerikanisches Interesse an einem starken und stabilen China.
Wir haben ein großes Interesse daran, daß China stark, daß China stabil und
daß China unabhängig ist. Mit einem solchen China können wir zusammenarbeiten.

FRAGE:

Ohne diesen Ausdruck zu benützen:

Ich meine, könnte man nicht

sagen, daß man dieses neue Verhältnis als Hebel gegen die Sowjets benützt?
ANTWORT: Nein. Es handelt sich hier um ein Viertel der Menschheit.
Und wir haben ein sehr großes Interesse an der Freundschaft mit diesem Viertel der Menschheit. Und außerdem haben wir bestimmte strategische Interessen, die sich überschneiden.

FRAGE: Das klingt wie die chinesische Karte. Lassen Sie mich etwas
fragen. In letzter Zeit gab es viele Aktivitäten, besonders natürlich in
der vergangenen Woche. Aber es existiert ein Interview, das der Präsident
einem anderen Sender gab und das überall auftaucht und irgendwie über allem
anderen zu stehen scheint. Das Interview nämlich, in dem der Präsident sagte,

- 4 -

�sagte, die Invasion Afghanistans habe seine Meinung über die Sowjetunion vollständig geändert, und das nun als ein Zeichen der Arglosigkeit des Präsidenten
interpretiert wird.
•

Hat der Präsident plötzlich eine Wandlung durchgemacht?
er während der letzten drei Jahre nicht auf Sie gehört?

Und warum hat

Irgendwie haben Sie

doch gesagt, man sollte den Sowjets nicht trauen?
ANTWORT:

Ich habe während der letzten drei Jahre eng mit dem Präsidenten

zusammengearbeitet.

Und ich kann ohne das geringste Zögern versichern, daß er

eine sehr realistische Einschätzung der Sowjetunion hat.

Heute wie früher!

Eine Einschätzung, die er in greifbare Handlungen umsetzte - im Gegensatz zu
den Vorgängern der letzten acht Jahre.
hat.

Er ist derjenige, der die NATO gestärkt

Er ist derjenige, der den ständigen Eingreifverband aufgestellt hat. Er

ist derjenige, der die Entscheidung für die MX-Rakete getroffen hat.
derjenige, der den Verteidigungshaushalt erhöht hat.
vor die Sowjets getreten ist und sagte:

Er ist

Er ist derjenige, der

"Laßt uns umfassender zusammenarbei-

ten, laßt uns stärkere Rüstungsbegrenzungen durchführen - oder wir werden mit
euch in einen Wettstreit eintreten, in einen nachdrücklichen Wettstreit."

Als er von diesem Vorfall sprach, bezog er sich auf etwas ganz Spezielles.
Als höchst moralische Person war er tief betroffen über die Art, in der die
Sowjets ihre eigene Klientel behandelten.

Die Sowjets griffen ein, um eine

befreundete Regierung zu beschützen und gingen dann in einer Weise vor, die
den Tod eben dieser Regierung zur Folge hatte.

FRAGE:

Ich habe wirklich nicht erwartet, daß Sie sagen würden, der Prä-

sident sei naiv gewesen.

Die Zeit wird knapp.

Ich muß Sie noch über die

Themen Vereinte Nationen und Iran fragen.

Generalsekretär Waldheim sagt, daß die Sanktionen, die wir beabsichtigen,
in keinster Weise dazu beitragen werden, die Befreiung der Geiseln zu er-

- 5 -

�erreichen.

Trotzdem drängen wir noch immer darauf.

ANTWORT:

Ist dies richtig?

Wir sind der Meinung, daß wir die gesamte Bandbreite von Mög-

lichkeiten oder Optionen verfolgen müssen, die uns unter bestehenden internationalen Normen offenstehen.

Und Sanktionen sind eine davon.

aufgefordert, die Geiseln freizulassen.

Die internationale Gemeinschaft hat

ihr Mißfallen dem Iran gegenüber zum Ausdruck gebracht.
nützt.

Wir haben sie

Nichts davon hat ge-

Der nächste Schritt sind Sanktionen, denn wir müssen alle friedlichen

Mittel ausschöpfen.

FRAGE:

Sogar, obwohl Waldheim sagt, seiner Meinung nach würden sie nichts

nützen?
ANTWORT:

Er sagte dies nicht kategorisch, er hat Bedenken bezüglich der

unmittelbaren Wirksamkeit.

Aber es gibt keine Alternative, kein anderes Mittel

innerhalb des Rahmens bestehender internationaler Normen.

+ + + + +

�16. Januar 1980

3

PRESSEKONFERENZ VON US-VERTEIDIGUNGSMINISTER BROWN IN PEKING
- Wortlaut -

PEKING - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
erklärte zum Abschluß seines viertägigen Besuches in Peking am 9. Januar 1980
auf einer Pressekonferenz, es gebe immer mehr Gebiete, auf denen die Vereinigten Staaten und China "gemeinsame strategische Zielsetzungen" haben.

Brown

betonte, die Freundschaft zwischen Amerika und China sei gegen kein anderes
Land gerichtet, sondern diene vielmehr dem Frieden und der Stabilität in der
Welt.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Verteidigungsministers, die er
mit einer kurzen Erklärung einleitete, hat folgenden Wortlaut:
Wir haben unsere viertägigen Gespräche mit der Führung der Volksrepublik
China soeben abgeschlossen, und ehe ich nach Wuhan und Shanghai weiterreise,möchte ich Ihnen kurz etwas von meinen Eindrücken während der bisherigen Reise mitteilen. Zu den Gesprächen gehörten nicht nur meine Zusammenkünfte, sondern
auch Besprechungen in einem bisher einmaligen weiten Rahmen zwischen Mitgliedern meiner Delegation und Vertretern Chinas.
Einige

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�Einige Mitglieder meiner Delegation sind hier mit anwesend,und ich werde all die eigentlich schwierigen Fragen an sie weitergeben.
Die Gespräche, die ich mit Präsident Hua, seinem Stellvertreter Deng
und den Vizepräsidenten Geng Biao und Xu Xiangqian, dem Außenminister Huan Hua
und anderen chinesischen Regierungsvertretern hatte, dauerten insgesamt über
17 Stunden.

Meine Mitarbeiter, darunter Botschafter Seignious, die Unterstaats-

sekretäre Komer, McGiffert und Dinneen sowie Unterstaatssekretär Holbrooke
und andere Mitglieder der Delegation haben seit unserer Ankunft nahezu ständig
mit den chinesischen Partnern konferiert.

Ich bin vor allem darüber sehr er-

freut, daß George Seignious und der stellvertretende Außenminister Zang Wenjin
zu dem ersten bisher zwischen unseren beiden Ländern geführten offiziellen Gesprächi zusammenkamen, das sich mit Fragen der Rüstungskontrolle und mit der
Tatsache befaßte, daß China zum erstenmal im Abrüstungsausschuß in Genf im
kommenden Monat dabei sein wird.
Wir haben in den vergangenen Tagen ein großes Terrain durchmessen. Vieles
davon war für beide Seiten neues Terrain, zumindest war es neu, soweit es sich
um das Miteinanderverhandeln handelte. Unsere beiden militärischen Behörden
hatten bislang noch keinen Nutzen aus den direkten persönlichen Kontakten
auf den höchsten Ebenen ziehen können, die auf anderen Gebieten der chinesischamerikanischen Beziehungen in den letzten Jahren bestanden hatten.
Viele der hier geführten Gespräche schaffen die Grundlage für künftige
Beziehungen, aber vor allem in einer Frage, so glaube ich, hat diese Reise
ihren praktischen Wert und die Bedeutung der neuen Beziehung zu China erwiesen, die seit der Normalisierung unseres Verhältnisses besteht, und das war
unser Gespräch über Afghanistan. Ich werde Präsident Carter berichten können,
daß ich ein wachsendes Zusammengehen der Auffassungen zwischen unseren beiden
Regierungen über die unerhörte und brutale Invasion Afghanistans durch die
Sowjetunion habe feststellen können.

Im

�Im vorigen Jahr sprach Vizepräsident Mondale während einer Pressekonferenz
in diesem Raum zu Ihnen über die Schaffung einer Basis für unsere Beziehungen
mit der Volksrepublik China in den achtziger Jahren - eine Beziehung, in der
wir nicht nur unsere bilateralen gemeinsamen Aktionen und Projekte vertiefen
und erweitern würden, sondern auch offen und produktiv über Gebiete zu sprechen
beginnen würden, wo wir gemeinsame strategische Ziele haben.

Es gibt eine

wachsende Zahl solcher Gebiete und keines ist von größerer Dringlichkeit als
das Gebiet Südasien, über das wir viele Stunden gesprochen haben.

Ich kann

mit Gewißheit sagen, daß unsere Erörterungen unser gegenseitiges Verständnis
für die Lage in diesem Gebiet und für Mittel und Wege, mit denen wir in Richtung auf unsere

gemeinsamen Ziele zusammenwirken können, gestärkt haben.

Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten.

FRAGE:

Sir, können Sie uns sagen, ob während dieser Reise ein konkretes

Abkommen erreicht wurde, das mit der Situation in Afghanistan oder irgendwelchen Entwicklungen, die sich aus ihr ergeben könnten, zu tun hat?

ANTWORT:

Die Konsultationen betrafen die Reaktionen jeder der beiden Sei-

ten auf die Situation.

Wir finden, daß wir in unseren Auffassungen sehr eng

parallel laufen über die Notwendigkeit, andere Nationen in dieser Region zu
stärken,und daß jede Seite von sich aus die geeigneten Schritte zu diesem Zwecke
unternehmen wird.

Ich glaube nicht, daß es angebracht wäre, ins einzelne über

jeden dieser Schritte zu gehen, die von jeder Seite zur Zeit unternommen werden.

FRAGE:

Können Sie als Ergebnis ihrer Unterredungen sagen, daß entweder

die eine oder die andere Seite ihre Politik oder ihre Einstellung zu diesen
Gebieten modifiziert hat, in denen sie übereinstimmende Auffassungen als ein
Ergebnis der Position der anderen Seite haben?

Gibt es irgendeine Anpassung

der Politik oder Einstellung?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich möchte sagen, daß jede Seite die von der anderen zum Aus-

druck gebrachte Auffassung aufgenommen hat.

Ich glaube»wir haben von den

Chinesen etwas Wertvolles über die Haltung und Einstellung verschiedener Länder in dieser Region gelernt, mit denen sie enge Verbindungen haben,und ich
glaube, sie haben nun eine bessere Vorstellung davon, was wir für durchführbar halten bei der Festigung der Sicherheit in Südasien.

Wiederum glaube ich,

daß ich hierzu nicht spezifischer werden kann. Es gibt einige spezifische
Fakten und spezifische Einstellungen, die wir kenngelernt haben, und ich meine,
daß meine Auffassungen sich etwas abgewandelt haben, ich weiß das.

Die Er-

eignisse werden es zeigen.
.

FRAGE:

Deng Xiaping sagte, ich meine es gab da einen Bericht, nach dem

es schien, daß er die Vereinigten Staaten drängte, etwas Handfesteres zu tun
als das, worüber wir bisher gesprochen haben.

Hat er handfeste Vorschläge

gemacht, was die Vereinigten Staaten in bezug auf Kambodscha und Vietnam tun
sollten, oder hat er vorgeschlagen, daß China dort die handfesten Maßnahmen
treffen werde?
ANTWORT: Was Südostasien anbetrifft, so haben auch hier die Volksrepublik
China und die Vereinigten Staaten parallele Ansichten. Wir beide betrachten
die vietnamesische Invasion Kambodschas mit all der daraus resultierenden Brutalität, mit den vielen Hunderttausenden von Toten, wir betrachten diese vietnamesische Aggression und Invasion, die von der Sowjetunion unterstützt wird,
als eine zentrale Tatsache, die Aufmerksamkeit finden muß.
Wir haben eine ganze Menge getan, was die Aufforderung^ an andere angeht
- denn wir haben selbst keine Beziehungen zu Vietnam - Vietnam wirtschaftliche
Strafen aufzuerlegen, und das ist getan worden. Wir haben humanitäre Hilfe
geleistet. Wir haben die thailändische Regierung im Sinne der Hilfe, der Lieferung von militärischem Gerät, unterstützt. Wir haben Munition im Wert von
zehn Millionen Dollar umsonst übergeben. Wir haben eine ganze Menge in Form
zusätzlicher militärischer Lieferungen gebilligt, um damit Thailand zu helfen,

- 4 -

�helfen, sich selbst gegen die Gefahr, die Möglichkeit, daß der Krieg in Südostasien sich ausbreiten könnte, zu schützen.

Wir haben uns zusammen mit den ASEAN-Staaten bemüht, diplomatischen
Druck gegen Vietnam anzuwenden.
ist, Druck auf Vietnam ausgeübt.
doch recht handfest.

Die Chinesen haben ebenfalls, wie ja bekannt
Und ich halte das, was wir getan haben, für

Es ist dies ein Gebiet, in bezug auf das beide Seiten,

wie ich sage, hinsichtlich der zentralen Tatsache übereinstimmen.

Unsere An-

sichten mögen vielleicht über bestimmte individuelle Aspekte der Situation
etwas auseinandergehen.

FRAGE:

Als der britische Verteidigungsminister 1978 die 6. Panzerdivision

besuchte, sagte er, daß China und Großbritannien einen gemeinsamen Feind in
Moskau hätten.

Können Sie jetzt das gleiche in bezug auf die Vereinigten Staa-

ten und China sagen?

ANTWORT:

Die Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und China

ist nicht gegen irgendein anderes Land gerichtet.
fen, den Frieden zu sichern und die Stabilität

Ihr Ziel ist es, mitzuhel-

in der ganzen Welt zu fördern,

in verschiedenen Teilen der Welt, die bedroht sind durch eine Verbindung innerer Instabilität und in einigen Fällen dem Expansionismus einiger Nachbarn.
Wie gesagt, unsere Freundschaft richtet sich gegen niemand, sie zielt darauf
ab, etwas zu erhalten, nämlich den Frieden.

FRAGE:

Sind Sie denn überhaupt auf die Frage einer möglichen Belieferung

Chinas mit amerikanischen Waffen oder mit amerikanischer Waffentechnik oder
irgendeiner anderen Art von Technologie zu sprechen gekommen?

Ich weiß, daß

es in den abgegebenen Erklärungen heißt, sie hätten die Grundlage für einen
technologischen Austausch geschaffen, aber wie steht es mit der Gesamtfrage
des Waffenverkaufs an China?

Ich weiß, welches unsere derzeitige Politik ist,

aber wie ist das nun im einzelnen?
ANTWORT:
- 5-

�ANTWORT:

Es bleibt weiterhin unsere - die amerikanische Politik -,

daß wir keinerlei Pläne haben, Waffen an die Volksrepublik China zu verkaufen,
und das Thema des Verkaufs von Waffensystemen oder von Waffen ist in der Tat
auch nicht zur Sprache gekommen.

Die Frage des Technologie-Transfers ist auf-

gekommen und sehr ausführlich erörtert worden.

Ich glaube, daß auf dem Ge-

biet des Technologie-Transfers ein realer Fortschritt erzielt wurde.

Wir ha-

ben deutlich gemacht, daß wir auf der Basis einer Entscheidung von Fall zu
Fall bereit sind, den Transfer von Technologie in die Volksrepublik China in
Erwägung zu ziehen.

Das schließt beispielsweise auch Technologie für den zi-

vilen Bedarf ein, die unter Umständen einen potentiellen militärischen Anwendungsbereich haben kann, weil auf gewissen Stufen fundamentaler Technologie
diese sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden kann.
So haben wir beispielsweise die Landsat-D-Technologie

(Satelliten-Tech-

nologie) für die Volksrepublik China verfügbar gemacht unter Kautelen, die
gewährleisten, daß sie nicht unmittelbar für militärische Zwecke verwendbar
ist, aber sicherlich wird das, was sie im Umgang mit dieser Technologie lernen, das Niveau ihrer Technologie verbessern und daher potentiell auch ihre
möglichen militärisch-technologischen Fortschritte.
Wir sind gewillt, auch anderen technologischen Transfer in Erwägung zu
ziehen, und was Landsat-D betrifft, so ist das natürlich etwas, was wir in
die Sowjetunion nicht transferieren würden. Wie gesagt, es gab darüber ausgedehnte Diskussionen. Ich glaube, wir werden nunmehr in einer weitaus besseren Position sein, um zu verstehen, welches die chinesischen Interessen hinsichtlich der Technologie sind, einschließlich einer Technologie für eine mögliche doppelte Anwendung,und wir werden bereit sein, solche in Erwägung zu
ziehen.

FRAGE:

Herr Minister, beabsichtigen Sie bei der Durchführung dieses

Transfers neuer Technologien an die Chinesen dieses im Rahmen der COCOM-Organisation zu tun (COCOM ist der Koordinierungsausschuß bestehend aus den Mitgliedern der NATO und Japan, der die Verkäufe technisch hochentwickelter Er- 6 -

�Erzeugnisse an kommunistische Länder überprüft) oder werden Sie diese Organisation übergehen?
ANTWORT: Nein, gewiß ist es unsere Absicht mit COCOM zusammenzuwirken,
und wir glauben, daß das, was wir beabsichtigen,im Rahmen von COCOM durchgeführt werden kann. Es ist klar, daß wir die gesamte Frage des TechnologieTransfers erneut zu überprüfen haben, weil, wie Sie ja wissen, wir als Teil
unserer Reaktion auf die sowjetischen Aktionen in Afghanistan den TechnologieTransfer an die Sowjetunion überprüfen und wahrscheinlich sehr viel restriktiver in dieser Hinsicht sein werden. Nun, das ist aber kein Grund, restriktiver in bezug auf die Volksrepublik China zu sein.

FRAGE: Wann kommt der Vositzende Hua nach den Vereinigten Staaten? Und
wann kommt der Stellvertretende Ministerpräsident Geng nach Amerika? Warum
kommt er anstatt Ihres direkten Gegenparts, deis Stellvertretenden Ministerpräsidenten Xu?
ANTWORT: Was den Besuch des Vorsitzenden Hua anbetrifft, so wird über
das Datum gesprochen, und ich meine, wir sollten warten, bis dieses Datum festgelegt ist, bevor wir eine Ankündigung machen.
Das gleiche gilt für den Besuch des Stellvertretenden Vorsitzenden Geng,
der Verantwortungen auf militärischem Gebiet trägt, die ihn zu meinem aktivsten
Gegenpart machen. Auch hier wird noch über das Datum gesprochen, und dieses
wird danach abgesprochen werden müssen, wie es den beteiligten Personen paßt
und sich mit deren Terminplan vereinbaren läßt.

FRAGE:

Besteht eine Möglichkeit, daß Schiffe der Siebten Flotte in naher

Zukunft Flottenbesuche in chinesischen Häfen machen, und besteht im Rahmen
Ihrer Besprechungen über einen Austausch eine Möglichkeit, daß chinesische Soldaten in der einen oder anderen Form durch die Vereinigten Staaten ausgebildet
WÜrden?

ANTWORT:

�ANTWORT:
zur Sprache.
kommen.

Keines dieser beiden Themen kam während unserer Besprechungen
Wie Sie wissen, war das erste Thema schon früher einmal aufge-

Bei den jetzigen Gesprächen ist die Frage von Flottenbesuchen nicht

aufgetaucht.

Wir haben keine Pläne für die Ausbildung chinesischer Soldaten

im eigentlichen Sinne.

Ich rechne mit einem weitergefaßten Austausch auf pro-

fessioneller Ebene unter höheren Dienstgraden, die eine Lehrtätigkeit über
militärische Themen, vielleicht während eines längeren Aufenthaltes im anderen
Lande, ausüben könnten. Mehr kann ich mir eigentlich kaum vorstellen.

FRAGE:

Herr Minister, ich möchte Ihnen zwei Fragen stellen.

Erstens,

welches strategische Motiv hat die Sowjets nach Ihrer Meinung bewogen, in
Afghanistan einzumarschieren?

Zweitens, welche Auswirkungen werden die Er-

eignisse in Afghanistan auf die amerikanische Außenpolitik haben?
ANTWORT: Bezüglich der strategischen Motive der Sowjets bei der Invasion
Afghanistans kann man nur Spekulationen anstellen, aber einige Faktoren liegen
auf der Hand. Es gab und es gibt in Afghanistan einen sehr starken Aufstand
von Elementen, die sich der Unabhängigkeit und dem Islam verschrieben haben.
Die Regierung, die Regierung Amin, bei der es sich um eine pro-sowjetische
Regierung in Afghanistan handelte, hatte einen recht begrenzten Erfolg bei
der Unterdrückung dieses Aufstandes.
Die Sowjets müssen sich Sorgen über die Möglichkeit gemacht haben, daß
der Aufstand Erfolg haben könnte und sie in einem angrenzenden Lande einem
unabhängigen islamn'schen Regime gegenüber gestanden wären. Und man kann sich
vorstellen, daß sie sich Sorgen machten, daß diese Gefühle über die Grenzen
hinweg auf die islamischen Minderheiten in der Sowjetunion übergreifen würden.
Offensichtlich hielten sie Amin weder für tüchtig genug noch für unterwürfig
genug und sind daher zu dem Schluß gekommen, daß es dienlicher wäre, in
Afghanistan einzumarschieren, ihn umzubringen und jemand anders an seine Stelle
zu setzen.
Das

�Das ist eine der Motivationen, und ich weiß nicht, welches Gewicht ich
ihr beimessen soll.

Aber über diese spezielle Motivation hinaus, die man

als die Vermeidung negativer Ergebnisse durch die Sowjetunion bezeichnen könnte, gibt es, wie ich es sehe, auch Motive der Schaffung von Chancen.

Wenn die Sowjets Afghanistan, wie sie es gegenwärtig tun oder zu tun
versuchen, aus einem historischen Pufferstaat - pro-sowjetisch, aber doch noch
immer etwas unabhängig - in einen Marionettenstaat verwandeln, der von mindestens 50 000 und künftig auch noch viel mehr sowjetischen Soldaten besetzt
ist, dann könnten sie durchaus davon ausgehen, sich selbst neue Chancen und
für die übrige Welt große Risiken und potentielle Gefahren zu schaffen.

Eine erfolgreiche Besetzung und Sowjetisierung Afghanistans stellt eine
große potentielle Bedrohung Pakistans und des Iran dar.

Sie eröffnen die Mög-

lichkeiten, durch Druck auf Pakistan, vielleicht durch Aufstände von Minderheiten, die über die Grenzen hinweg bis nach Afghanistan hinein leben, einen Zugang zum Persischen

Golf zu finden - ein Streben, das sie seit langem - bis

zurück in die Zarenzeit - bewegt hat.

Wenn diese Bestrebungen erfüllt würden,

dann würde das die Versorgungslinien im Indischen Ozean sowohl nach Japan als
auch nach Europa von den ülfeldern des Mittleren Ostens bedrohen.

Darüber hinaus stellt die Sowjetisierung Afghanistans auch eine schwere
Bedrohung des Iran dar, der natürlich nicht nur ein großer öl Produzent ist,
sondern auch ein wichtiger Schlüssel zum Persischen Golf.

Es handelt sich in

der Tat um eine ernste Bedrohung des Iran, und wir können nur hoffen, daß sich
die iranischen Behörden darüber im klaren sind, daß es sich um eine große Bedrohung der iranischen Unabhängigkeit und des islamischen Nationalismus im
Iran handelt.

Die Möglichkeiten, die sich den Sowjets in Pakistan und im Iran

bieten, stellen nach meiner Meinung eine große Versuchung für sie dar, und
ich glaube, auch das hat bei der Entscheidung über den Einmarsch in Afghanistan
eine Rolle gespielt.

FRAGE:

- 9-

�FRAGE:

Auf welchen Gebieten haben wir noch keine Übereinstimmung mit

der Volksrepublik China?
ANTWORT:

Sie erinnern sich vielleicht aus manchen Dingen, die sie (die

Chinesen) gesagt haben, daß sie beispielsweise über unsere Waffenlieferungen
an die Taiwanesen nicht einer Meinung mit uns sind.
melle Einwände

Sie haben weiterhin for-

oder Besorgnisse wegen der Präsenz amerikanischer Truppen in

der Republik Korea.

Und ich glaube, sie würden hier diplomatisch anders vor-

gehen als wir, und es gibt vielleicht noch einige andere Gebiete.
das nicht bagatellisieren.

Ich möchte

Ich bin jedoch der Ansicht, daß unsere Gespräche

während der letzten Tage es uns ermöglicht haben, den Standpunkt des anderen
in diesen Dingen jeweils besser zu verstehen, und das wird meiner Überzeugung
nach zu einer Einengung der Meinungsverschiedenheiten führen.

FRAGE:

Könnten Sie sagen, welche dieser Differenzen Sie während Ihres

Aufenthaltes besprochen haben?
ANTWORT:

Diese Differenzen wurden nicht notwendigerweise von mir ange-

sprochen, einige wurden, und andere wurden von meinen Gesprächspartnern angesprochen.

Und ich glaube, wir führten einen sehr nützlichen Meinungsaustausch.

Ich danke Ihnen.

+ + + + +

10 -

�a
i a

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

REDE DES AMERIKANISCHEN UN-BOTSCHAFTERS MCHENRY VOR DEM SICHERHEITSRAT
AM 13. JANUAR 1980
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei
den Vereinten Nationen, Donald F. McHenry, ging im Verlauf der Sitzung des
Sicherheitsrats, die sich mit der Resolution zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Iran beschäftigte, am 13.Januar 1980 auf die Haltung
der amerikanischen Regierung ein. Die Sowjetunion hat am Abend des gleichen
Tages durch ihr Veto einen Beschluß des Rates vereitelt, mit wirtschaftlichen
Sanktionen auf die Freilassung der 50 amerikanischen Geiseln in Teheran hinzuwirken.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Zum dritten Mal innerhalb der letzten sechs Wochen trifft sich dieser
Rat, um eine gefährliche Verletzung des Prinzips diplomatischer Unverletzlichkeit zu beraten, ein Akt, der - nach den Worten des Generalsekretärs - eine
ernste Bedrohung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit darstellt.
Nach

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�Nach 70 Tagen werden die 50 Angehörigen der amerikanischen Botschaft,
die von einem gesetzlosen Mob in Teheran als Geiseln gefangengenommen wurden,
noch immer festgehalten.

Noch immer haben wir keine Erklärung der iranischen

Behörden, die sich gegen diese Gefangennahme ausspricht.
Die wenigen Besucher von außen, die die Geiseln kurzfristig im Verlauf
sorgfältig arrangierter Besuche gesehen haben, berichten, daß die Geiseln
isoliert sind, seelisch mißhandelt werden und unzureichende Nahrung
- trotz anderslautender Versicherungen.

erhalten

Einige erlitten die Demütigung er-

zwungener Teilnahme an Propagandasendungen.

Neutralen Beobachtern wird es

nicht gestattet, sie regelmäßig zu besuchen, ihren Zustand zu beurteilen oder
sich ihren Anliegen zu widmen.

Sogar der Generalsekretär der Vereinten Na-

tionen, der Abgesandte der Völkergemeinschaft, wurde davon abgehalten, die
Geiseln zu sehen.
Die vergangenen zwei Monate waren gekennzeichnet von den wiederholten
Forderungen nach Freilassung der Geiseln durch nahezu alle Mitglieder der
internationalen Gemeinschaft. Der Generalsekretär und viele Mitglieder dieser
Organisation haben unermüdliche Anstrengungen darauf verwandt, eine friedliche
Lösung der gegenwärtigen Krise herbeizuführen. Die breite internationale Unterstützung, die wir bei unseren Anstrengungen zur Sicherstellung der Befreiung
der Geiseln erhalten haben, hat das amerikanische Volk in dieser schwierigen
und mühevollen Zeit ermutigt. In seinem Namen danke ich all denjenigen, die
so hart gearbeitet haben.
Es könnte von Nutzen sein, sich der maßvollen Schritte zu erinnern, die
uns in die jetzige Lage gebracht haben.
Bei zwei verschiedenen Gelegenheiten im November appellierte der Präsident des Sicherheitsrates an den Iran, die Geiseln freizulassen und brachte
damit den Willen der Mitglieder des Rats zum Ausdruck.
Aber die Geiseln wurden nicht freigelassen.
Am
- 2 -

�Am 4. Dezember vorigen Jahres appellierte dieser Rat einstimmig an die
Regierung des Iran, das Personal der amerikanischen Botschaft, das in Teheran
festgehalten wurde, sofort freizulassen, ihm Schutz zu gewähren und ihm zu
erlauben, den Iran zu verlassen.
Noch immer wurden die Geiseln nicht freigelassen.
Am 15. Dezember gab der Internationale Gerichtshof als der Welt höchstes
Tribunal für internationale Rechtsangelegenheiten der in der Resolution des
Rates niedergelegten Haltung seine Billigung. Der Gerichtshof stellte fest,
daß "es keine grundlegendere Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen Staaten gibt als die Unverletzlichkeit diplomatischer Gesandter und Botschaften". Der Gerichtshof wies die Regierung des Iran an, die
Geiseln sofort zu entlassen und die Botschaft der Vereinigten Staaten in Teheran
wieder den amerikanischen Behörden zu übergeben.
Noch immer wurden die Geiseln nicht freigelassen.
Am 31. Dezember nahm dieser Rat ohne Gegenstimmen die Resolution 461 an,
in der er die fortgesetzte Gefangenhaltung der Geiseln als im Widerspruch zum
Beschluß des Internationalen Gerichtshofes und zu seiner eigenen vorhergehenden Resolution beklagte und erneut die Regierung des Iran dringend dazu aufrief, alle als Geiseln festgehaltenen amerikanischen Staatsbürger sofort freizulassen. In dieser Resolution entschloß sich der Rat dazu, gemäß Artikel 39
und 41 der Charta der Vereinten Nationen angemessene Maßnahmen zu ergreifen,
falls der Iran sich seinen Anordnungen nicht fügen sollte.
Und noch immer werden die Geiseln nicht freigelassen.
Fünfmal hat die Völkergemeinschaft durch Schritte der ordnungsgemäß
konstituierten Organe der Vereinten Nationen die Regierung und das Volk des
Iran dazu aufgerufen, sich den Bestimmungen des Völkerrechts zu fügen und die
Geiseln freizulassen.

Fünfmal stieß unser gemeinsamer Antrag auf taube Ohren.

- 3 -

�Ohren.

Der Internationale Gerichtshof und der Spruch der Weltmeinung haben

den Iran aufgefordert, die Geiseln im Einklang mit den anerkannten Normen
internationalen Verhaltens und seinen Vertragsverpflichtungen freizulassen.
Dennoch hält der Iran auch weiterhin diplomatisches Personal als Teil einer
Kampagne des Terrorismus und der politischen Erpressung durch iranische Elemente gefangen, die die Unterstützung der iranischen Behörden genießen.
Die Resolution 461 stellt eine Entscheidung des Sicherheitsrates dar, die
gemäß Artikel VII der Satzung getroffen wurde.

Die rechtlich bindenden Worte

dieser Resolution, einschließlich des Ratsbeschlusses, gemäß Artikel 39 und
41 der Satzung im Falle der Nichtbefolgung der Resolution wirksame Maßnahmen
zu ergreifen, behalten weiterhin ihre volle Gültigkeit.

Gemäß Artikel 25 und

Artikel 2, Absatz 2, sind alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet,
diese Entscheidung anzunehmen und ihre Weisung auszuführen.
Eindeutig hat der Iran dieser Resolution nicht Folge geleistet und die
Geiseln nicht befreit. Daher ist die Zeit für den Sicherheitsrat gekommen,
die wirksamen Maßnahmen gegen den Iran gemäß Artikel 39 und 41 der Satzung
der Vereinten Nationen zu ergreifen, die durch Absatz 6 der Resolution 461 gefordert werden.
Herr Präsident, die Mitglieder des Rates haben vor sich die Maßnahmen
liegen, die meine Regierung vorschlägt. Sicherlich sollten sie nicht leichtfertig ergriffen werden. Aber nach zwei Monaten der Zurückhaltung seitens des
amerikanischen Volkes und der Völkergemeinschaft, in denen wir alle erdenklichen Wege für eine Lösung abgeschritten sind, ist es uns nicht gelungen, die
Freilassung der Geiseln zu erreichen und die Herrschaft des Völkerrechts wiederherzustellen.
Unsere Beratungen an diesem Wochenende zeigen beispielhaft die Geduld
und den guten Glauben, mit denen wir diese Krise zu lösen versucht haben.
Ursprünglich war vorgesehen, daß der Rat über diese Maßnahmen am vorigen Freitag, dem 11. Januar, abstimmt. Im Verlauf der Stunden vor diesem Treffen verleiteten mehrere Vorschläge und Berichte von Stimmen, die vorgaben, für den
- 4 -

�den Iran zu sprechen, einige Leute dazu, zu glauben, ein Fortschritt in Richtung auf eine Freilassung der Geiseln sei möglich.

Sie glaubten, eine wei-

tere Klärung der Haltung des Iran sei notwendig, bevor zur Abstimmung über die
Sanktionen geschritten werde.

Zögernd stimmten die Vereinigten Staaten zu, die Abstimmung zu verschieben - nicht weil wir irgendeinen Beweis für eine Bewegung auf eine Lösung hin
sahen, sondern weil wir bereit waren - und dies sind -, jeden Vorschlag zu
prüfen, der irgendeine realistische Möglichkeit der Sicherstellung der Freilassung der Geiseln beinhaltet.

Daraufhin sandte der Generalsekretär eine drin-

gende Botschaft nach Teheran, die Klärung des nicht schriftlich festgelegten
Vorschlags suchte, von dem einige angeblich Freitag nachmittag gehört hatten.

Gestern nacht erhielt der Generalsekretär einen Brief, aber der Brief beantwortete nicht die Botschaft des Generalsekretärs.

Der Brief erwähnt nicht

die Existenz der Geiseln und erkennt nicht die Sorge und die Verantwortung der
Welt für sie an.

Sogar die Belesensten unter uns hatten Mühe, einen Hinweis

in dem Brief zu finden, der eine verantwortungsbewußte Regierung dazu hätte
ermutigen können, die Abstimmung über die Sanktionen noch länger zu verschieben.

Alles, was man über diesen Brief sagen kann ist, daß der Iran zum erstenmal seit letzten November, als Herr Banisadr als Außenminister zurücktrat,
eine schriftliche Botschaft an die Vereinten Nationen geschickt hat.

Trotz-

dem hat der Iran sich nunmehr ausdrücklich geweigert, sich an irgendeine Erklärung zu halten, mit der er nicht übereinstimmt, einschließlich natürlich
die Forderung nach sofortiger Freilassung der Geiseln, wie sie in der Resolution 461 enthalten ist.

Wir haben die Abstimmung vom Freitag verschoben, um jede noch mögliche
Hoffnung auszuschöpfen, die in den Vorschlägen vom Freitag und in diesem
Brief enthalten sein mochte.

Es wäre verantwortungslos gewesen, weiterzu-

gehen, ohne dies getan zu haben.

Aber unsere Anstrengungen um eine Klärung

sind zu einem fruchtlosen Ende gekommen.

Es wäre von uns noch weit verant-

wortungsloser, die Erfüllung unserer Verpflichtungen gemäß der Resolution
- 5-

�Resolution 461 und der Charta noch länger hinauszuschieben.

Eindeutig ist

die Zeit gekommen, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen.
Als Außenminister Vance am 29. Dezember 1979 vor diesem Rat sprach,
sagte er, daß "der Iran die Folgen seiner mutwilligen Handlungen tragen muß,
so lange er gleichgültig gegenüber den Stimmen der Vernunft und des Mitleids
von Überall in der Welt bleibt, so lange er sich weigert, die allgemeinen Regeln des internationalen Verhaltens anzuerkennen."

Die von uns vorgeschla-

genen Sanktionen dienen dazu, zu zeigen, daß die fortgesetzte Herausforderung
des Völkerrechts durch den Iran mit seiner zunehmenden Isolierung von der
Völkergemeinschaft enden wird.
Obwohl die vorgeschlagenen Sanktionen ein sinnvoller und deutlicher
Ausdruck der Verurteilung durch die Welt darstellen, sind sie noch eine gemäßigte Antwort auf die iranische Unmäßigkeit.

Weniger strikte Maßnahmen als

die in der Resolution, welche dem Rat vorliegt, vorgeschlagenen zu ergreifen
wäre gleichbedeutend damit, überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen.

Und

überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen, würde sowohl die bindende Anweisung
von Absatz 6 der Resolution 461 verletzten als auch einen Verstoß gegen unsere Verpflichtung darstellen, nach friedlichen Lösungen internationaler
Streitigkeiten zu suchen und die grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts
verteidigen.
Einige haben darauf gedrängt, wir sollten keine Sanktionen verfolgen,
da sie nicht zur unmittelbaren Freilassung der Geisel^ führen und sogar die
iranische Unnachgiebigkeit verhärten könnten.
Wir hoffen, daß Sanktionen die Stimmen derjenigen.im Iran stärken werden,
die argumentieren, daß es falsch ist, Diplomaten als Geiseln festzuhalten
und eine zunehmende Isolierung des Iran von der internationalen Völkergemeinschaft zur Folge haben wird.
Ein

�Ein Scheitern der Schritte dieses Rates wird diejenigen im Iran in
ihrem Glauben bestärken, die glauben, daß sie ungestraft so handeln können.

Andere haben darauf gedrängt, der Rat solle die Frage der Sanktionen
zur Seite legen, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die sowjetische Aggression
in Afghanistan zu lenken.

Aber die sowjetische Aggression verringert nicht unsere Bedenken hinsichtlich der Lage im Iran.

Ganz im Gegenteil:

Sie sollte die Sorgen des

Iran um seine Zukunft als unabhängiger Staat vergrößern.

Sie sollte die

Iraner rasch zu der Erkenntnis bringen, daß sie ihr Land rasch wiederaufbauen und sich darauf vorbereiten müssen, ihre Grenzen zu verteidigen.

Sie soll-

te den Iran der Gefahr bewußt werden lassen, die seine Isolierung von der
übrigen Völkergemeinschaft darstellt.
Mit Beginn der Sanktionen liegt der Schlüssel zur Beendigung dieser
Krise und die Wiederherstellung seines Status als vollbeteiligtem Mitglied
der internationalen Gemeinschaft beim Iran.

Er muß lediglich die Geiseln

freilassen und ihnen sicheres Geleit geben, bis sie nach Hause reisen - und
die Sanktionen hören automatisch auf.

Der Iran kann die Auferlegung von

Sanktionen sogar völlig vermeiden, indem er die Geiseln freiläßt, bevor die
Mitglieder der Vereinten Nationen den Prozeß zum Ergreifen der notwendigen
Schritte gemäß ihrer Verfassungen und Rechte zur Auferlegung von Sanktionen
abgeschlossen haben.

Nichts wird das Recht des Iran beeinträchtigen, Genug-

tuung für seine Klagen vor einem angemessenen internationalen Forum zu suchen
- gleichgültig, ob gegen die Vereinigten Staaten oder seinen früheren Herrscher.

Ich erinnere den Rat daran, daß dies kein bilateraler Streit ist, sondern eine Konfrontation zwischen dem Iran und der gesamten internationalen
Gemeinschaft.

Die fortgesetzte Verletzung anerkannter und bislang weltweit

eingehaltener Prinzipien des Völkerrechts stehen auf dem Spiel.

Wie der ver-

diente Delegierte Nigerias, der im Verlauf früherer Debatten in diesem Rat
so fähig gedient hat, vorigen Monat sagte, sind diplomatische Immunität und

- 7-

�und Unverletztlichkeit in einem so großen Maß Teil des Völkerrechts und der
internationalen Gepflogenheiten, daß alle Staaten, die auf das Recht vertrauen und es respektieren, eine Verpflichtung haben, sie zu verteidigen.
Die Mitglieder dieses Rates müssen jetzt tun, was getan werden kann,
um - mit den Worten von Außenminister Vance - "zu zeigen, daß die Herrschaft
des Rechts eine Bedeutung hat und daß unsere Maschinerie des Friedens praktische Relevanz hat."
Wir müssen tun, was wir gemäß der Satzung tun können, um diese überaus
ernste Bedrohung des Friedens und der Weltordnung zu entschärfen.

Das ist

das Ziel und der Zweck des gemeinsamen Sicherheitssystems.
Wir müssen dem Iran zeigen, daß die Welt entschlossen ist, die Geiseln
befreit zu haben.

+ + + + +

�3

16. Januar 1980

VORDRINGLICHE ENERGIE-ENTSCHEIDUNGEN IM US-KONGRESS

WASHINGTON - (AD) - Mit Beginn der zweiten Hälfte der 96. Sitzungsperiode
des amerikanischen Kongresses Ende Januar 1980 dürften drei Gesetzesvorlagen
der Regierung mit Vorrang behandelt werden, die die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischem öl verringern sollen.

Zur Debatte stehen in dem

gemeinsamen Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus die Vorschläge Präsident Carters über 1) die steuerliche Behandlung der Situationsgewinne
("Windfall Profits") der amerikanischen Mineral öl firmen aufgrund des stufenweisen Abbaues der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl, 2) eine Ermächtigung für die beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe und 3) die
Schaffung eines Energie-Mobilisierungsgremiums, das für die raschestmögliche
Durchführung vorrangiger amerikanischer Energieprojekte verantwortlich sein
wird.

Im Vermittlungsausschuß wurden zwar vor Beginn der Weihnachtsferien am
21. Dezember bereits wichtige Fortschritte erzielt, doch müssen noch wesentliche Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt werden, ehe die Vorlagen vom Kongreß
gebilligt und dem Präsidenten zugeleitet werden können.

Uneinigkeit besteht

z.B. noch in der Frage, wie die geschätzten Mehreinkünfte der Regierung in Höhe
von 227 Milliarden Dollar durch Abschöpfung von "Windfall Profits" in den

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�den nächsten zehn Jahren zu verteilen seien - eine Entscheidung, die die
amerikanische Energiepolitik in den achtziger Jahren erheblich beeinflussen
wird.

Präsident Carter hatte ursprünglich gefordert, mit den Geldern For-

schungs- und Entwicklungsprojekte für Ersatzenergien zu fördern, Massenverkehrssysteme zu verbessern und sozial schwache Bevölkerungskreise, die von
den steigenden Energiepreisen am härtesten betroffen werden, finanziell zu
unterstützen.

In dem vom Vermittlungsausschuß gefundenen Kompromiß zwischen

den im letzten Halbjahr vom Repräsentantenhaus (geschätztes Sonder-Steueraufkommen in zehn Jahren: 277 Milliarden Dollar) und Senat (178 Milliarden
Dollar) genehmigten Gesetzesvorlagen ist die Verteilungsfrage noch nicht geklärt.

Man einigte sich nur darauf, daß ungefähr der Mittelwert zwischen

beiden Summen bis 1990 dem Staat zufließen sollte.

Zusammen mit bereits be-

stehenden einzelstaatlichen und Bundessteuern hätte die Mineralölindustrie in
zehn Jahren ca. 79 Prozent von schätzungsweise 1 Billion Dollar abzugeben,
die amerikanische Verbraucher in den achtziger Jahren an höheren Energiepreisen infolge des Endes der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl voraussichtlich zu zahlen hätten.
Der Hauptunterschied in der Betrachtungsweise von Senat und Repräsentantenhaus bezüglich der "Windfall Profits" besteht in der Behandlung neuentdeckter
Ölvorkommen. Während der Senat bei diesen nur zehn Prozent des Situationsgewinns abschöpfen will, sieht das Repräsentantenhaus eine Steuer von 50 Prozent vor. Kleinproduzenten außerhalb der Großkonzerne sollen nach Auffassung
des Senats überdies von der Sonderabgabe weitgehend ausgenommen werden; das
Repräsentantenhaus dagegen billigt ihnen keine Vorzugsbehandlung zu.
Ein weiterer noch strittiger Punkt ist die Frist für die Beendigung der
Übergewinnsteuer. Während der Senat diese bei Erreichen einer Gesamtsumme von
214 Milliarden Dollar auslaufen lassen möchte, wobei der Zeitpunkt von der
weltweiten jährlichen Preissteigerung für Erdöl abhängen würde, verlangt das
Repräsentantenhaus, die Sondersteuer bei neuentdeckten Vorkommen mit dem Jahr
1990 zu beenden und sie für die Ausbeutung von vor 1979 aufgefundenen Vorkommen solange weiterzuerheben, bis diese Quellen versiegt sind. Außerdem sieht
die vom Senat genehmigte Gesetzesfassung für Geschäftsleute und Konsumenten

�Konsumenten eine Anzahl von Steuerermäßigungen in Energiefragen vor, die Fassung des Repräsentantenhauses dagegen nicht.

Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses erzielten außerdem im Dezember
1979 vorläufige Übereinstimmung für einen Kompromiß in der Planung zur Entwicklung synthetischer Brennstoffe aus Kohle, Ölschiefer, Teersanden, Schweröl und anderen Quellen.

Demnach würden in der ersten Programmphase bis zu 20

Milliarden Dollar bewilligt, wobei bis 1987 das Produktionsziel mindestens
500 000 Barrel pro Tag an synthetischen Brennstoffen und 1992 mindestens 2 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) betragen soll.
Der Kompromißplan sieht die Schaffung einer unabhängigen Gesellschaft vor,
die zahlreiche finanzielle Anreize offerieren darf, um Privatfirmen für die
Herstellung synthetischer Brennstoffe zu gewinnen - u.a. Preisgarantien, Abnahmevereinbarungen, Kreditgarantien, Direktkredite und Kooperationsabmachungen.
Die Frage der regierungseigenen Betriebe wurde von den Mitgliedern des Vermittlungsausschusses bisher ebensowenig angesprochen wie die der Finanzierung von
Energieeinsparungsmaßnahmen,Sonnenenergie, Gasohol (Mischkraftstoff aus Benzin
und 10 - 15 Prozent Alkohol), geothermischer Energie, Holzverwertung und Windenergieprojekten.

Die Erörterungen über die Schaffung eines dreiköpfigen Energiemobilisierungsgremiums, das für die beschleunigte Durchführung des Baues von Pipelines,
Raffinerien, Produktionsstätten für synthetische Brennstoffe und andere wichtige Projekte verantwortlich wäre, sind noch nicht abgeschlossen.

Das Gremium

wäre ermächtigt, Prioritäten für Projekte festzusetzen, die als besonders bedeutsam zur Verringerung der amerikanischen ölimporte gelten, und anstelle von
Bundes-, Einzel Staats- und Kommunalbehörden aktiv zu werden, sofern diese die Termine
für die Beschlußfassung im Zusammenhang mit derartigen Projekten nicht einhalten.
Die Regierungsbehörden sind den Gesetzesvorlagen zufolge gehalten, die Verfahrensabwicklung zu straffen, Anhörungen aufeinander abzustimmen und für ein
bestimmtes Energieprojekt jeweils nur einmal die Feststellung der Umweltbelastung vorzunehmen.
+ + + + +
- 3 -

�I

Wi//en/chcift
und Technik
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

FRISCHFISCH WOCHENLANG HALTBAR GEMACHT

- (AD) - Mit Hilfe eines neuartigen VerpackungsVerfahrens gelang es
Prof. J. Regenstein (Cornell-Universität, New York) und Michael Fey, einem
seiner Assistenten, Fisch wochenlang frisch zu halten.

Nach mehrjährigen Ex-

perimenten mit Lachs und Seehecht fanden die Forscher eine Gasmischung heraus, in der die Fische vier und mehr Wochen nach dem Fang in einem Zustand
erhalten werden, der dem des Frischfisches entspricht.

Statt normaler Atmo-

sphäre mit 20 Prozent Sauerstoff und 80 Prozent Stickstoff verwenden sie eine
Mischung aus 21 Prozent Sauerstoff, 19 Prozent Stickstoff und 60 Prozent
Kohlendioxid.

Der letztgenannte Anteil ist für die Frischhaltung - unter

Verzicht auf Tiefkühlung - ausschlaggebend.

Denn COp verzögert ganz erheb-

lich die Entwicklung von Bakterien,die Fisch so leicht verderblich machen.

Die Fische werden einzeln oder paarweise in gasdichte dünne Plastikbehälter verpackt und bei einer Temperatur, die nur wenig über dem Gefrierpunkt
liegt, gelagert.

Das Verfahren soll der Fischereiindustrie helfen, ihren Ab-

satzmarkt für Seefische in fangfrischer Qualität zu erweitern.

Man denkt da-

bei vor allem an europäische Länder als Abnehmer, in denen z.B. Seehecht, ein
dem Kabeljau ähnlicher Fisch, sehr beliebt ist.

+ + + + +

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�</text>
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