<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=75&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T09:18:38+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>75</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="4156" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="3614">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/b19598f51b6fe5af8c724a213f1fbcb5.pdf</src>
        <authentication>337efc47cf925779cf22a29c165896f1</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19932">
                <text>Amerikadienst 15.08.1981 - Sonderdienst</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19933">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19934">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19935">
                <text>15.08.81</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19936">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20250">
                <text>Die Verhütung des Dritten Weltkrieges und die Erhaltung der westlichen Unabhängigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wandel kontra Kontinuität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Lawrence S. Eagleburger, vor der Nordatlantischen Versammlung in München am 15. Oktober 1981&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1875" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1886">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/1dedf34085b2b8a210b45e85d2a47b41.pdf</src>
        <authentication>dc2c31686e143d7fd6e5779d47997cbb</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9444">
                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. August 1984

33

INHALT
DQKUMEaüTATICN

Reagan u n t e r s t r e i c h t Bedeutung der Nonproliferation
- Bericht an den US-Kongreß
US-Außenpolitik zwischen Europa und Asien ausgewogen
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" soll am 29. August starten
Monoklonale Antikörper gegen Rhesusfaktor-Unverträglichkeit
- Von G. Weiss -

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1mER1Kfa

1DlEl11SO

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

33

15. August 1984

REAGAN UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER NONPROLIFERATION
- Bericht an den US-Kongress -

SANTA BARBERA - (AD) - Auf die grosse Bedeutung der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) hat Präsident Reagan hingewiesen und dabei unterstrichen, daß die Initiativen, die die Vereinigten
Staaten auch im Jahre 1983 auf diesem Gebiet unternommen haben, positiv
zu dem Ziel der Verhinderung der Ausbreitung nuklearer Explosivstoffe
beigetragen hätten.
Reagan übersandte dem Kongress einen Bericht über die Aktivitäten der
Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet im vergangenen Jahr.

In einem Be-

gleitschreiben, das vom Weißen Haus am 8. August 1984 veröffentlicht wurde, heißt es, die Weiterverbreitung nuklearer Explosivstoffe stelle eine
ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens, der regionalen und globalen Stabilität sowie der Sicherheitsinteressen der USA und anderer Länder dar.
Das Begleitschreiben des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
An
den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�An den Kongress der Vereinigten Staaten,
Ich habe die Aktivitäten der Ministerien und der Regierungsbehörden
der Vereinigten Staaten im Kalenderjahr 1983 im Zusammenhang mit der Verhinderung der nuklearen Proliferation überprüft, und ich freue mich, gemäß Abschnitt 601 (A) des Gesetzes über die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahre 1978 meinen Jahresbericht zu diesem Thema vorlegen zu
können.
Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß die amerikanischen Initiativen
auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung auch während des Jahres 1983
positiv zu dem Ziel der Verhinderung der weiteren Ausbreitung von nuklearen Explosivstoffen beigetragen haben.
Wie ich immer wieder erklärt.habe, würde die nukleare Proliferation
eine ernste Bedrohung des Weltfriedens, der regionalen und globalen Stabilität sowie der Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und anderer Länder darstellen. Ich betrachte die Verhinderung der Ausbreitung
nuklearer Explosivstoffe auch weiterhin als fundamentales Ziel der nationalen Sicherheit und der Aussenpolitik, und ich bin weiterhin der Verfolgung einer Politik fest verpflichtet, die unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung fördern soll.
gez. Ronald Reagan

* * * * *

- 2-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. August 1984

33

US-AUSSENPOLITIK ZWISCHEN EUROPA UND ASIEN AUSGEWOGEN
- Rede des Stellvertretenden US-Aussenministers -

CHICAGO - (AD) -

Der stellvertretende amerikanische Aussenminister

Kenneth Dam hat die Außenpolitik der Vereinigten Staaten als "ausgewogen"
zwischen Europa und Asien bezeichnet.

"Sicherlich nimmt Asien in poli-

tischer, sicherheitspolitischer und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung zu," so sagte Dam, "aber unsere verstärkten Beziehungen zu Asien brauchen in keiner Weise unsere traditionellen Bindungen zu
Europa zu schwächen."
Die Rede Dams am 6. August 1984 vor der Amerikanischen Anwaltskammer
in Chicago hat folgenden Wortlaut:

Europa kontra Asien:

Ist Diplomatie ein Nullsummenspiel?

Es wird oft gesagt, daß die Gegend, in der man lebt, das Denken beeinflußt.

Zwei Jahrhunderte lang hat die Ostküste die Außenpolitik der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenpolitik der Vereinigten Staaten beherrscht.

Es ist nicht über-

raschend, daß Europa im Mittelpunkt unserer internationalen Beziehungen
stand.

Aber heute glauben einige bekannte und einflußreiche Denker, daß

sich dies ändert.

Sie sagen, daß Amerika sichh neuorientiert - vom At-

lantik zum Pazifik, von Europa nach Asien. Diese Neuorientierung, so behaupten sie, wird durch eine wachsende politische Divergenz - ja Spaltung
- zwischen den Vereinigten Staaten und Europa verschärft.

In einigen

Fällen ist nicht klar, ob diese Kommentatoren eine solche Neuorientierung
begrüßen oder einfach nur glauben, daß ihre Androhung eine heilsame Wirkung auf das Denken der Europäer haben werde.
Anwälte bringen besondere Fähigkeiten in die Weltpolitik ein, und die
Amerikanische Anwaltskammer hat als Einrichtung eine konstruktive Rolle
in der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik gespielt.

Vielleicht

können wir heute, da hier im Herzen Amerikas Anwälte von Maine bis Kalifornien versammelt sind, einen kritischen Blick auf die Asien-kontra-Europa-Debatte werfen.

Die angebliche Verlagerung von Europa nach Asien
Wollen wir zunächst einmal die Vorstellung untersuchen, daß sich Amerika nach Asien "neige." Sicherlich scheint sich der Schwerpunkt des
amerikanischen Handels nach Westen zu verlagern. Seit 1978 hat mehr Handel den Pazifik überschritten als den Atlantik - und dieser Abstand nimmt
zu. Im Jahre 1983 betrug unser gegenseitiger Handel über den Pazifik
hinweg wertmäßig 137 Milliarden Dollar. Das waren rund 30 Milliarden
Dollar mehr als unser gegenseitiger Handel über den Atlantik hinweg. Der
"Ferne Osten" ist heute Amerikas "Naher Westen."
Darüber hinaus sind die asiatischen Volkswirtschaften gewachsen, während die europäischen stagnierten. Das wirtschaftliche Wachstum in Europa betrug im letzten Jahrzent im Durchschnitt etwa 2 Prozent jährlich.
Im Gegensatz dazu hatten die neuen Industriestaaten Asiens eine jährliche
Wachstumrate von 7 Prozent zu verzeichnen. Und ihre Ausfuhren an Fertig- 2 -

�An Fertigwaren stiegen um jährlich 18 Prozent.

Neben diesen Veränderungen in der Welt vollzogen sich Veränderungen
in den Vereinigten Staaten.

Wirtschaftliche Macht und Einfluß - wie auch

Menschen - wanderten nach dem Süden und Westen der USA.
rung spiegelte sich in den amerikanischen Exporten wider.

Diese VerlageDie neuesten

Statistiken - von 1981 - zeigen, daß Kalifornien und Texas die beiden
Hauptexporteure des Landes an Fertigwaren sind.

Die angebliche Divergenz zwischen USA und Europa
Diese angebliche Verlagerung von Europa nach Asien wurde nach Auffassung einiger Kommentatoren durch eine angebliche Divergenz zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa in sicherheitspolitischen und wirtschaftspolitischen Fragen verschärft.

Ob diese Divergenz Ursache oder Folge der

angeblichen Verlagerung der Interessen von Europa nach Asien ist, bleibt
unklar.

Was das Gebiet der Sicherheit angeht, so liegt nach Meinung dieser
Kommentatoren das ernsteste Problem darin, daß die Vereinigten Staaten
einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Lasten der Verteidigung
Europas tragen.

Sie stellen fest, daß wir rund 1,7 mal soviel von unse-

rem Bruttosozialprodukt für die Verteidigung aufwenden wie Westeuropa.
Aber das ist eine komplexe Frage.

Es gibt keine Einzelmaßnahme, die als

geeigneter Indikator für die relative Lastenverteilung dienen könnte.
Der Punkt ist, daß die Europäer ebenso mehr tun müssen wie wir selbst und
unsere asiatischen Freunde, um die unaufhörliche sowjetische Aufrüstung
abzufangen.

Nun hat Senator Nunn aus Georgia kürzlich im Kongreß vorgeschlagen,
daß die amerikanischen Streitkräfte in Europa jetzt auf ihrem derzeitigen
Stand eingefroren und in künftigen Jahren verringert werden sollten, wenn
die europäischen Verteidigungsanstrengungen nicht ansteigen, um festgelegte Ziele zu erreichen.

Die Administration und unsere Verbündeten ha-

�Verbündeten haben sich diesem Antrag nachdrucklich widersetzt, aber es
fehlten immerhin nur 14 Stimmen zu seiner Verabschiedung.

Im Kongress

ist offenbar ein starkes Gefühl vorhanden, daß Europa nicht seinen Anteil
an den Verteidigungslasten trage.

Auf wirtschaftlichem Gebiet hat das letzte Jahrzent eine starke Divergenz der Wirtschaftspolitik - und der Wirtschaftstätigkeit - der Vereinigten Staaten und Europas erlebt.

In den letzten zehn Jahren lag der

Hauptunterschied der amerikanischen und der europäischen Volkswirtschaften nicht im Wachstum oder in der Inflation, sondern in der Schaffung von
Arbeitsplätzen.

Zwischen 1973 und 1983 wurden in den Vereinigten Staaten

15 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.

Im gleichen Zeitraum kam un-

ter dem Strich in Westeuropa kein neuer Arbeitsplatz heraus.

Das Ver-

hältnis der Beschäftigung zur arbeitsfähigen Bevölkerung ist in den Vereinigten Staaten - mit 66 Prozent - höher als in allen westeuropäischen
Ländern mit Ausnahme Schwedens.

Und das Verhältnis steigt in den Verei-

nigten Staaten, da mehr Frauen zu der arbeitenden Bevölkerung gehören,
während es in Europa fällt.

Aber warum wurden in den Vereinigten Staaten mehr Arbeitsplätze geschaffen, sei es für Männer, sei es für Frauen?

Die Antwort liegt zum

Teil darin, daß wir in Amerika einige lästige Bestimmungen abgeschafft
und die Steuern gesenkt haben, damit die Kräfte des Marktes wirksam werden können.

In Europa haben aufgespaltene Märkte - vor allem auf dem Ge-

biet der Dienstleistungen -, eine traditionelle Intervention der Regierung und unbewegliche teure Arbeitskräfte das wirtschaftliche Wachstum
behindert.

Statt des Anreizes des freien Marktes haben Europäer zu oft

zu der betäubenden Droge der Subvention und des Protektionismus gegriffen.

So kämpt Europa darum, mit der Vitalität Japans und unserem eigenen

"Silicon Valley" Schritt zu halten.
klagte:
Traum.

Wie ein europäischer Staatsmann

"Die Japaner haben eine Strategie.

Die Amerikaner haben einen

Aber wo bleiben wir?"
Die

aktuellen

�Die aktuellen Fragen
Die These, daß sich die Vereinigten Staaten von Europa weg nach Asien
hinwendeten, wirft einige grundsätzliche Fragen auf. Erstens, findet eine solche Verlagerung von Europa nach Asien wirklich statt? Zweitens,
wenn ja, hat das als Ursache oder Folge größere politische Differenzen
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa? Und drittens, wie können
die demokratischen Industrieländer Europas, Nordamerikas und Asiens angesichts dieser Entwicklung weiterhin den gemeinsamen Herausforderungen ihrer Prosperität und ihres Friedens begegnen?
Ich möchte heute etwas näher auf diese Fragen eingehen.
Meine persönliche Auffassung ist, daß Weltpolitik kein Nullsummenspiel ist. Natürlich sind in Europa und Asien - und in den Beziehungen
Amerikas zu beiden - Veränderungen im Gange, aber unsere Politik ist
ausgewogen und nicht der einen oder der anderen Seite zugeneigt. Sicherlich nimmt Asien in politischer, sicherheitspolitischer und vor allem in
wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung zu, aber unsere verstärkten Beziehungen zu Asien brauchen in keiner Weise unsere traditionellen Bindungen
zu Europa zu schwächen. Und diese Bindungen bleiben eng trotz - oder
manchmal gerade wegen - unserer Differenzen und Debatten. Ein großer Erfolg der Außenpolitik dieser Administration ist gerade, daß es uns gelungen ist, die demokratischen Industriestaaten - in Europa, Asien und
Nordamerika - dazu zu ermutigen, in der Entwicklung globaler, statt nicht
über den eigenen Bereich hinausreichender Lösungen unserer gemeinsamen
Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme zusammenzuarbeiten.

Wie sieht die Verlagerung nach Asien wirklich aus?
Wollen wir einmal die sogenannte "Neigung" nach Asien näher betrachten.

Es scheint mir wahrscheinlich, daß das amerikanische Interesse am

�Interesse am Pazifischen Becken in den nächsten zehn Jahren zunehmen
wird.

Aber dieses verstärkte Interesse bedeutet nicht, daß die Amerika-

ner Asien gerade erst "entdeckt" haben.

Es bedeutet vielmehr die Rück-

kehr zu einer historischen Verbindung.
Wir dürfen nicht vergessen, daß Amerika seit den ersten Tagen der
Staatsgründung in Asien engagiert war.

Als George Washington in sein Amt

eingeführt wurde, lagen bereits amerikanische Clipper im Hafen von Kanton.

Seit 1945 haben wir zwei Kriege geführt - beide in Asien.

Die

Siebte Amerikanische Flotte (in Fernost) war immer größer als die Sechste
Amerikanische Flotte (im Mittelmeer).

In mindestens fünf von neun Präsi-

dentschaftswahlkämpfen nach dem Krieg haben Asienfragen eine Rolle gespielt:

1948: Wer hat China verloren?

Korea gehen;

1960: Quemoy und Matsu;

hirnwäsche unterzogen;

1952: Eisenhower: Ich werde nach
1968: Romney: Ich wurde einer Ge-

Nixon: Ich habe einen Plan; und 1972 Kissinger:

Der Frieden ist in Sicht.
Kurz gesagt, ein starkes amerikanisches Interesse an Asien war die
Norm. Was unnormal war, war das geringe öffentliche Interesse nach
Vietnam. Diese Administration hat jedoch unseren Beziehungen zu Asien
großen Nachdruck verliehen, und wir haben Ergebnisse erzielt: Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen sind, wie es in dem kürzlichen Besuch
des Präsidenten zum Ausdruck kam, auf eine gesunde sachliche Grundlage
gestellt worden.
Die amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen
sind besser als jemals zuvor, und es ist uns gelungen, viele weitere japanische Märkte für amerikanische Produkte und Kapital zu öffnen.

Wie sieht die politische Divergenz wirklich aus?
So wie Amerikas Interesse an Asien nichts Neues ist, so sind Dissens,
Spaltung und Debatte im Atlantischen Bündnis nichts Neues.

Wie könnte

das in einer Organisation von 16 lebendigen Demokratien auch anders sein?
Debatte innerhalb eines jeden Landes und der Länder untereinander wird
erwartet.

Und das ist besser als die Alternative.
Bevor

also

�Bevor also jemand das Ableben der NATO verkündet, sollten wir die
heutigen

Meinungsverschiedenheiten

mit

Europa

auf

den

Gebieten

der

Sicherheit und der Wirtschaft in die richtige Perspektive rücken.

Er-

innern Sie sich noch an die Debatte von 1949 darüber, ob die Vereinigten
Staaten sich überhaupt zu einem ständigen Bündnis in Friedenszeiten verpflichten sollten?

Oder an 1956, als wir uns mit Großbritannien und

Frankreich wegen Suez zerstritten?
ger Jahre mit der

Erinnern Sie sich noch an die sechzi-

Debatte über die Multilaterale Atomstreitmacht (MLF)

und den Auszug de Gaulles aus der militärischen Struktur der NATO?

Er-

innern Sie sich noch an die Debatten mit Europa in den siebziger Jahren
über Vietnam und den Nahen Osten?

Und an die Kritik am "Zick-Zack-Kurs"

der amerikanischen Außenpolitik Ende der siebziger Jahre?
Die Geschichte hat ihre Lehren. Eine davon ist, daß sie uns daran
erinnert, daß die heutige Situation keineswegs einmalig ist - und daß das
alles gar nicht so schlimm ist, wie wir uns vorstellen. Unsere Probleme
im Bündnis sind real, aber nicht annähernd von der Größenordnung wie die
eben von mir genannten.
Es ist beispielsweise richtig, daß auf dem Gebiet der Sicherheit der
Blick Westeuropas nicht über den eigenen Bereich hinausreicht. Aber wollen wir doch nicht vergessen, daß Amerikaner und Europäer die Sicherheit
schon immer in einem anderen Lichte gesehen haben. Der frühere deutsche
Bundeskanzler Helmut Schmidt wies oft darauf hin, daß sein Haus in Hamburg nur 50 Kilometer von der ostdeutschen Grenze entfernt liegt. Das
würde für einen Einwohner von Chicago etwa so viel heißen, daß der Eiserne Vorhang mitten im Michigan-See niederginge.
Und doch sind auch Fragen der internationalen Sicherheit ein echtes
Anliegen für Westeuropa. Amerikanische und euroäische Streitkräfte dienen nicht nur in Berlin zusammen, sondern auch auf dem Sinai. Frankreich
hat beispielsweise Streitkräfte, die westliche Interessen verteidigen,
nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in Afrika stehen. Großbritannien
unterhält Streitkräfte im mittelamerikanischen Land Belize ebenso wie am

�wie am Rhein.
Es ist auch richtig, daß unsere NATO-Verbündeten mehr für die konventionelle Verteidigung Europas tun könnten.

Und doch hat das Bündnis im

Jahr 1983 - dem Raketen-Jahr - einen entschlossenen Versuch der Sowjets
zunichte gemacht, es zu spalten.

Wir und unsere

Verbündeten haben uns

vielmehr zusammengeschlossen und den NATO-Doppelbeschluß von 1979 verwirklicht.

Nachdem es RüstungskontrollVerhandlungen nicht gelungen war,

die Bedrohung durch über 200 sowjetische SS-20-Raketen in Europa zu beseitigen, haben wir damit begonnen, Gegenstreitkräfte zu dislozieren.
Die Bereitschaft der europäischen Regierungen, diese Flugkörper zu
dislozieren, ist ein weiterer Beweis ihres politischen Mutes und ihrer
Verpflichtung gegenüber dem Bündnis. Dieser Mut und diese Verpflichtung
sind nicht allein auf Regierungen beschränkt. Kürzliche Wahlen in Europa
haben gezeigt, daß die Bevölkerung den Konsens im Bündnis trägt. In Wahlen im vorigen Jahr haben die Verfechter des Bündnisses und des Doppelbeschlusses von 1979 in allen dreien der Hauptländer, die Mittelstreckensysteme als Gegengewicht gegen das sowjetische Monopol dislozieren, klare
Mehrheiten gewonnen.
Was jene wirtschaftlichen Differenzen angeht, von denen ich vorhin
gesprochen habe, so ist es richtig, daß Europa gelegentlich dem Protektionismus anheimfällt. Aber trotz des europäischen Protektionismus hat
sich unsere Leistungsbilanz mit den Ländern der Europäischen Gemeinschaft
von einem Defizit von 36 Milliarden Dollar im Jahr 1980 zu einem Überschuß von drei Milliarden Dollar im Jahr 1983 gewandelt. Und das Volumen
unseres gegenseitigen Handels mit Europa ist sehr groß - über 100 Milliarden Dollar jährlich. Wie Außenminister Shultz es bei einer Erörterung
des amerikanisch-europäischen Handels sagte, "irgendwas müssen wir doch
wohl richtig machen."

Die künftigen Aufgaben
Ich

habe

�Ich habe unsere Beziehungen zu Asien und zu Europa verglichen. Es
sollte auf der Hand liegen, daß die Stärkung unserer Bindungen zu Asien
und die gleichzeitige Ermutigung der Debatte und damit des Konsenses innerhalb des Atlantischen Bündnisses nicht nur miteinander vereinbar, sondern sich sogar gegenseitig bestärkende Tätigkeiten sind. Beide lassen
eine einfache geopolitische Tatsache erkennen: Die Vereinigten Staaten
sind eine globale Macht mit globalen Interessen. Wir können uns nicht
den Luxus leisten, für eine Region mehr zu sorgen als für eine andere.
Wir dürfen das Atlantische Bündnis nicht abschreiben oder Kuren - wie
TruppenVerringerungen im Sinne des Nunn-Vorschlages - verschreiben, die
bei weitem schlimmer wären als die Krankheit. Und ebenso wenig dürfen
wir das Aufblühen der asiatischen Volkswirtschaften ignorieren. Die
europäisch-asiatischen Beziehungen müssen im Sinne der gegenseitigen
Ergänzungen und nicht der Konkurrenz gesehen werden. Europa verliert
durch verstärkte amerikanisch-asiatische Bindungen nichts, sondern gewinnt dadurch. Und Asien verliert durch verstärkte amerikanisch-europäische Bindungen nichts, sondern gewinnt dadurch.
Kurz gesagt, wir müssen die Reihen schließen und gemeinsam an einem
Strang ziehen - nicht in verschiedene Richtungen. Das ist ganz besonders
wichtig, wenn wir die beiden bedeutsamsten Aufgaben der achtziger Jahre
lösen wollen: Kampf gegen den Protektionismus - der die Prosperität der
Welt bedroht; und Begegnung der sowjetischen Herausforderung - die den
Frieden der Welt bedroht.

Kampf gegen den Protektionismus
Die amerikanische Bevölkerung ist nach dem Süden und Westen gezogen,
nachdem die alten Schwerindustrien im Norden und Osten an Bedeutung abgenommen haben. Manche Leute glauben, wir sollten diese rückläufigen Industrien gegen Importkonkurrenz schützen. Sie alle kennen die Argumente
gegen den Protektionismus. Sie kennen die Bedeutung des Konkurrenzvorteils und der Verbraucherauswahl. Ich möchte auf diese Dinge heute nicht
näher eingehen, denn es ist uns in den Vereinigten Staaten im wesent-

�im wesentlichen gelungen, den Protektionismus zu vermeiden.

Wir haben

statt dessen die Aufhebung von Verordnungen und Steueränderungen benutzt,
um ein Klima zu schaffen,in dem neue Technologien - und neue Arbeitsplätze - gedeihen.

Es hat Ausnahmen und Einschränkungen dieser Politik

gegeben, aber im großen und ganzen haben wir daran festgehalten.
Der Rückgang unserer alten Industrien hat uns dazu geführt, mehr
Grundgüter aus dem Ausland einzuführen.
defizit bei.

Das trägt zu unserem Handels-

Bis zum vorigen Jahr betrug das größte Leistungsbilanz-

defizit, das je ein Land in einem Jahr zu verzeichnen hatte 15 Milliarden
Dollar.

Arthur B u m s hat kürzlich festgestellt, daß das Leistungsbilanz-

defizit, mit dem wir für dieses Jahr rechnen müssen und das jetzt auf 80
bis 100 Milliarden Dollar geschätzt wird, sich in erschreckender Weise
von allen Erfahrungen der Vergangenheit unterscheidet.

Dieses Defizit

macht es noch zwingender und noch schwieriger als je zuvor, zusammen mit
Europa und Asien den Protektionismus zu bekämpfen.
Die alten Industrien Europas sind wie die unsrigen ebenfalls im Rückgang. Die Stahlwerke in Lothringen und an der Ruhr sind in Schwierigkeiten. Aber anders als die Vereinigten Staaten hat es Europa im letzten
Jahrzehnt versäumt, neue Arbeitsplätze zu schaffen und neue Technologien
zu entwickeln. Versuche, sterbende Industrien durch Subventionen und
Handelsschranken zu schützen, haben die technische Innovation erstickt,
die die europäischen Volkswirtschaften brauchen. Schwache Wirtschaftstätigkeit wiederum erschwert die Anstrengungen, die Stärke der europäischen
Verteidigung zu erhöhen. Es ist daher zwingend geboten, Europa zu ermutigen, dem Protektionismus zu widerstehen.
Glücklicherweise haben die Europäer immer begriffen, daß Marktzugang
etwas Gegenseitiges sein muß - zumindest auf allen Gebieten außer der
Landwirtschaft. Die Japaner waren jedoch etwas langsamer, die Gegenseitigkeit zu akzeptieren. Die amerikanische Handelspolitik zielt darauf
ab, den gleichen Zugang zu Japans Märkten zu gewinnen, den japanische
Güter zu unserem Markt haben. Das im April dieses Jahres von Ministerpräsident Nakasone verkündete Handelspaket ist der jüngste von mehreren
- 10 -

�von mehreren erfreulichen Schritten in diese Richtung.

Es hat Fort-

schritte bei Rindfleisch, Zitrusfrüchten, Tabak, Fernmeldegerät, Halbleitern und bei der Liberalisierung des Kapitalmarktes gegeben.

Aber es

muß noch mehr getan werden auf dem Gebiet der Zölle für Holz und für
künstliche Satelliten - und vor allem etwas Wichtiges für mich wie für
Sie:

auf dem Gebiet der Rechtshilfe.

Fortschritt

weiterbauen.

Wir müssen auf dem erzielten

Die Vereinigten

Staaten, Europa

und Asien

dürfen alle nicht vergessen, daß die Errichtung von Handelsschranken zu
Vergeltungsmaßnahmen einlädt.

Und Vergeltung bedroht den einen von acht

amerikanischen Arbeitsplätzen, der vom Export abhängt.

Begegnung der sowjetischen Herausforderung

Die zweite Aufgabe, die gemeinsame Anstrengungen

der Vereinigten

Staaten, Europas und Asiens erfordert, ist die, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen.

Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen alle

drei Regionen eine globale und nicht eine regionale Einstellung an den
Tag legen.

So betrachtete bespielsweise Europa die Verhandlungen über

nukleare Mittelstreckensysteme (INF) als ein rein europäisches Problem.
Jedoch über ein Drittel der sowjetischen SS-20-Raketen sind im asiatischen Teil Rußlands disloziert.

Aus diesem Grunde betrachteten die Ver-

einigten Staaten die INF als ein globales Problem und schlugen globale
Begrenzungen vor.

Während der Verhandlungen kamen die Europäer und die

Japaner zu der Einsicht, daß die SS-20 ein globales Problem darstellen.
Angesichts dieser gemeinsamen Front akzeptierten die Sowjets schließlich
die Notwendigkeit einer globalen Lösung für die INF.

Leider wurde kein

Abkommen erzielt, weil die Sowjets ein Monopol an solchen Waffen fordern
und sich geweigert haben, weiter zu verhandeln.

Ein anderer Aspekt der Aufgabe, mit der sowjetischen Herausforderung
fertig zu werden, ist die Stärkung unserer kollektiven Verteidigung.

Die

Vereinigten Staaten erhöhen ihre Anstrengung in dem uns nötig scheinenden
Umfang. Aber auch Europa muß seinen vollen Anteil leisten.

Nur auf die-

se Weise können wir hoffen, einen Zusammenhalt im Bündnis und eine glaub- 11 -

�eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Die Höhe der Ausgaben ist nicht das einzige Problem.
wurde in der NATO über Nuklearraketen debattiert.

Im vorigen Jahr

In den kommenden Jah-

ren wird der Schwerpunkt auf der konventionellen Verteidigung liegen.

In

der Vergangenheit gab es unterschiedliche Auffassungen in dieser Frage,
wobei die Vereinigten Staaten für eine starke konventionelle Verteidigung
eintraten, um die Nuklearschwelle hoch zu halten, während viele Europäer
dazu neigen, sich mehr auf Kernwaffen als die einzige Garantie dafür zu
verlassen, daß auf ihrem Territorium kein konventioneller Krieg geführt
werden wird.

Heute ist das Ferment neuer Ideen in die konventionelle

Verteidigung gekommen:
cen.

neue Technologien, neue Taktiken, neue Ressour-

Wenn wir diese Chancen mit Geschick und Einfallsreichtum nutzen,

dann kann das Bündnis militärisch stärker und politisch geschlossener
daraus hervorgehen, so wie das bei der Dislozierung der INF der Fall war.
In Asien muß auch Japan mehr tun. Wir unterstützen die Verpflichtung
Japans, seinen Luftraum und seine Seewege im Umkreis bis zu 1000 Meilen
zu schützen. In den letzten Jahren sind die Verteidigungsausgaben Japans
jährlich um real beinahe fünf Prozent gestiegen. Aber wir sind der Meinung, daß das Tempo der japanischen Bemühungen angesichts der sowjetischen Bedrohung der Stabilität Asiens noch weiter gesteigert werden muß.
Und schließlich müssen sich Japan und Europa mehr Gedanken machen
über Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit in fernen Regionen. Europäer argumentieren oft, daß die Entspannung in Europa weitgehend funktioniert habe. Aber Europa hat ebenso wie die Vereinigten Staaten lebenswichtige Interessen in Gebieten, wie dem Persischen Golf, die weit
von seinen Grenzen entfernt liegen. Darum müssen die Vereinigten Staaten, Europa, Japan und andere asiatische Staaten zusammenarbeiten, um
sich dem sowjetischen Abenteurertum zu widersetzen und in der ganzen Welt
die Stabilität zu fördern.

Zusammenfassung
Wir
- 12 -

haben

�Wir haben große Fortschritte bei der Ausarbeitung aufeinander abgestimmter Politiken erzielt.

Diese Administration hat sich nicht nur da-

rum bemüht, unsere bilateralen Bindungen zu Asien und Europa zu festigen,
sondern auch eine größere Interaktion unter allen Mitgliedern der Gemeinschaft moderner demokratischer Industriestaaten herbeizuführen.

Dieser

neue und festere alliierte Konsens, der drei Kontinente überspannt, kam
auf dem Wirtschaftsgipfel in Williamsburg im vorigen Jahr deutlich zum
Ausdruck.

Mit Präsident Reagan als Gastgeber unternahmen die Führer der

sieben größten demokratischen Industriestaaten von Nordamerika, Europa
und Asien einen historischen Schritt. Bis zu jenem Zeitpunkt hatten sich
die jährlichen Gipfeltreffen, die 1975 begannen, nur mit wirtschaftlichen
Fragen befaßt.

Aber in

Williamsburg haben die sieben Führer über die

traditionelle wirtschaftliche Tagesordnung des Gipfeltreffens hinaus eine
Erklärung veröffentlicht, in der sie ausdrücklich feststellen, daß die
Sicherheit jeder einzelnen Nation unteilbar mit der Sicherheit der anderen verbunden ist.

Die Erklärung hat auch die Dislozierung von nuklearen

Mittelstreckensystemen in Europa zur Begegnung der sowjetischen Bedrohung
gebilligt.
Das diesjährigen Gipfeltreffen in London unter Leitung der Premierministerin Thatcher hat auf dem Erfolg von Williamsburg weiter aufgebaut.
Und wiederum haben die Staats- und Regierungschefs der sieben am Gipfel
beteiligter Länder einen zunehmenden politischen Konsens gezeigt, der uns
als eine Gemeinschaft demokratischer Staaten mit gemeinsamen Werten und
gemeinsamen Interessen verbindet.

Die sieben Führer erörterten einen

ungewöhnlich weiten Bereich politischer und sicherheitspolitischer Probleme.

Sie gaben eine Reihe von Erklärungen über demokratische Werte,

Ost-West-Beziehungen und Terrorismus heraus.

Der weitere Bereich ihrer

Gespräche demonstrierte, daß die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Anliegen der demokratischen Industriestaaten allen gemeinsam und
wahrhaft global sind.

In der Wirtschaft wird allgemein anerkannt, daß Handel kein Nullsummenspiel ist.

Wachstum in unserem Handel mit Europa oder Asien schafft
- 13 -

�Asien schafft größere Chancen und Möglichkeiten - und Wohlstand - für
alle.
Internationale Beziehungen brauchen genauso wie der Handel kein Nullsummenspiel.

Jeder gewinnt, wenn jeder eine globale statt einer nicht

über die eigenen Grenzen hinausgehenden Einstellung

zu den Problemen

einnimmt, vor denen wir alle stehen. Kurzum, wenn wir - wie wir es müssen - der Versuchung widerstehen, unser Denken und Handeln von Engstirnigkeit bestimmen zu lassen, dann wird es keine Verlierer geben.

- 14 -

�15. August 1984

35

"DISCOVERY" SOLL AM 29. AUGUST STARTEN

- (AD) - Einer Mitteilung des amerikanischen Amtes für Luft- und
Raumfahrt (NASA) zufolge soll DISCOVERY nunmehr am 29. August 198A zum
Jungfernflug starten. Der bereits für den 26. Juni geplante erste Einsatz des dritten amerikanischen Raumtransporters der Vereinigten Staaten
mußte wegen des Startabbruchs im Juni verschoben werden. Der Hauptcomputer hatte damals die Automatik vier Sekunden vor dem Abheben, als zwei
Triebwerke bereits arbeiteten, abgeschaltet, als sich die Öffnung des
Treibstoffventils zum Triebwerk Nr. 3 um Sekundenbruchteile verzögerte.
DISCOVERY wurde vom Startplatz in die Montagehalle zurückgefahren,
die Fehlersuche begann. Ingenieure der NASA sind jetzt der Ansicht, daß
die Hydraulikflüssigkeit nicht völlig sauber gewesen sei. Allerdings
gelang es im Verlauf der zahlreichen, inzwischen durchgeführten Versuche
nicht, die Reaktion des Computers zu wiederholen. "Wir sind überzeugt,
daß sich im Hydrauliköl, das das Ventil öffnet und schließt, mikroskopisch kleine Partikel befanden, wodurch das Öffnen zur Treifstoffzufuhr
um den Bruchteil einer Sekunde aufgehalten wurde", sagte ein Sprecher.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ein Sprecher.

"Unsere Sicherheitstoleranzen sind derart eng, daß der

Computer daraufhin sofort abschaltete."

Im Hangar wurden inzwischen Veränderungen im Frachtraum des Orbiter
vorgenommen.

Denn einige für den Flug im Juni eingeplante Nutzlasten, so

die Großformatkamera der NASA, hat man vorläufig zurückgestellt, dafür
andere hinzugefügt.

So wird die DISCOVERY-Besatzung nicht nur den sieben

Tonnen schweren SYNCOM-Satelliten, der nach Erreichen seines Standortes
in 36 000 km Höhe der US-Marine zur Verfügung steht, sondern auch zwei
private Nachrichtensatelliten im Orbit absetzen.

Es handelt sich um

TELSTAR 3-C (für "American Telephone &amp; Telegraph" ATT) und um SBS-D (für
"Satellite Business Systems").

Nach dem Absetzen aus dem Frachtraum der

DISCOVERY wird ihr eigenes Feststofftriebwerk gezündet, um sie auf 36 000
km Höhe weiterzubefordern.

Ihr Start war ursprünglich für den zweiten

DISCOVERY-Flug vorgesehen.

Ein Sonnenenergiekollektor, der erst im Weltraum entfaltet wird und
dann eine Fläche von 32 m Durchmesser besitzt, verbleibt ebenso an Bord
wie das Elektrophorese-Experiment
Reihe weiterer Nutzlasten.

der Fa. McDonnell-Douglas

An der Zusammensetzung der für den Juni-Flug

vorgesehenen Besatzung hat sich nichts geändert:
Hartsfield, Kopilot Mike Coats.

Kommandant ist Henry

Als Missionsspezialisten arbeiten Dr.

Judy Resnik, Steve Hawley, Mike Mullane und Charles Walker.
soll sechs Tage dauern.

und eine

Der Flug

Am 4. September wird DISCOVERY auf dem Flugfeld

Edwards Air Force Base in Kalifornien zurückerwartet.

* * * * *

- 2-

�15. August 1984

33

MONOKLONALE ANTIKÖRPER GEGEN RHESUSFAKTOR-UNVERTRA'GLICHKEIT
- Von G. Weiss -

- (AD) - Gentechnische Methoden machen es möglich, reine monoklonale
Antikörper zu gewinnen, die Schädigungen durch eine Rhesusfaktor-Unverträglichkeit verhindern können. Eine Wissenschaftlergruppe der StanfordUniversität entwickelte eine Mischzellen-Linie (Hybridzellen), die die
spezifischen Antikörper kontinuierlich produziert. Sie entstand aus der
Verschmelzung einer menschlichen Lymphoidzelle, welche Antikörper gegen
den Rhesus-Blutfaktor bildet, mit einer zur fortlaufenden Teilung fähigen
hybriden Tumorzelle. Ein Bericht zur Entwicklung der betreffenden Hybridomlinie erschien Angaben der Stanford-Universität zufolge kürzlich in
den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Zu den Verfassern
zählen neben Dr. Nelson Teng, Assistenzprofessor für Gynäkologie, dem z.
Zt. in Stanford tätigen belgischen Gastforscher Dr. Dominique Bron und
Mark Feinberg auch der weltbekannte Krebsforscher Prof. Henry Kaplan, der
vor wenigen Monaten verstorben ist.
Der sog.

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der sog. Rhesusfaktor wird im Blut von ca. 85 Prozent aller Menschen
weißer Rasse gefunden sie sind "Rhesus-positiv", (abgekürzt "Rh").
restlichen 15 Prozent sind "Rhesus-negativ" (abgekürzt "rh").

Die

Der Orga-

nismus Rhesus-negativer Personen bildet in einer Art Immunreaktion Antikörper gegen den Rhesusfaktor, sobald er Blutzellen von einer Rhesus-positiven Person aufnimmt.

Das kann z. B. die Folge einer Transfusion mit

nicht geeignetem Spenderblut sein, wenn die Blutfaktoren von Spender und
Empfänger nicht ausreichend auf Verträglichkeit getestet wurden.

Beim

Empfänger kommt es dann leicht zu einem krankhaften Abbau der roten Blutkörperchen, einer hämolytischen Anämie, infolge immunologischer Vorgänge.
Im umgekehrten Fall, d.h. mit der Übertragung von Rhesus-negativem Blut
auf einen Rhesus-positiven Empfänger, besteht diese Gefahr nicht.
Gefährdet ist auch das Kind im Mutterleib, wenn die Mutter Rhesus-negativ, der Vater Rhesus-positiv ist und beim Fötus die Blutfaktoren des
Vaters gegeben sind. Sobald Blutkörperchen des Kindes in den mütterlichen Kreislauf übertreten, können diese "Fremdfaktoren" (und das gilt
nicht nur für den Rhesusfaktor, sondern auch für Blutgruppen und andere
Blutfaktoren, die die Mutter nicht besitzt) als Antigene wirken. Sie
lösen Abwehrreaktionen aus, der mütterliche Organismus bildet gegen sie
spezifische Antikörper. Diese vermögen die Plazenta zu passieren, so daß
sie im Körper des Fötus mit den ihnen entsprechenden Antigenen in Reaktion treten können - unter Umständen mit katastrophalen Folgen für das
Kind.
Deshalb sind im Rahmen einer rh-Rh-Konstellation serologische Untersuchungen bei der Schwangeren auf das Vorhandensein von Rhesusfaktor-Antikörpern, die bei positivem Befund eine Sensibilisierung der Mutter befürchten lassen, ebenso wichtig wie die Vornahme einer Amniozentese mit
Fruchtwasseruntersuchungen zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels. Sie kann Hinweise auf eine mögliche Gefährdung oder eine bereits
eingetretene Schädigung des Fötus geben. In diesem Fall wäre eine intrauterine Transfusion Rhesus-negativer Erythrozyten auf das Kind möglich. Beim Neugeborenen kann eine Austauschtransfusion unmittelbar nach

�unmittelbar nach der Geburt eine Heilung herbeiführen, sofern noch nicht
Systemschäden an Gefäßwänden, inneren Organen und am zentralen Nervensystem eingetreten sind.

Für die Rhesus-negative Mutter wird unmittelbar nach der Entbindung
vom ersten Rhesus-positiven Kind (auch nach einer Fehlgeburt) zur Verhütung einer bleibenden Sensibilisierung gegen den Rhesusfaktor eine spezifische Immunisierung vorgenommen.

Denn während sich in der Regel das

erste Rhesus-positive Kind einer Rhesus-negativen Mutter dank der erwähnten Therapiemöglichkeiten normal weiterentwickelt, nehmen bei den folgenden Schwangerschaften die fetalen Schädigungen erheblich zu:

Jeder neue

Kontakt des mütterlichen Blutes mit Rhesus-positiven Erythrozyten vom Fötus verstärkt nicht nur die Rh-Antikörperbildung bei der Mutter ganz erheblich, sondern setzt sie auch wesentlich früher in Gang.

Dem versucht

man zu begegnen, indem die Mutter nach der Entbindung (u.U. auch schon
während der Schwangerschaft) ein spezifisches, gegen den Rhesusfaktor
wirkendes Immunglobulin injiziert bekommt.

Dieses Serum-Protein erfaßt

die in den mütterlichen Kreislauf eingeschwemmten Rhesus-positiven Erythrozyten, so daß sie für Abwehrreaktionen in der Form von Antikörperbildung durch den Organismus der Mutter gewissermaßen uninteressant werden.

Verstärkter Sensibilisierung gegen den Rhesusfaktor wird auf diese

Weise vorgebeugt.

Wie es in einer Mitteilung der Stanford-Universität heißt, wird die
Beschaffung

dieses

wirksamen

Prophylaxe-Serums

zunehmend

schwieriger.

Außerdem bringe die Verwendung von Blutprodukten die Gefahr einer Übertragung von Krankheitskeimen mit sich (z. B. Infektion mit Hepatitis,
Cytomegalie, Masern, Malaria oder der erworbenen Immunschwäche AIDS).
Das Serum wird

aus dem Blut

von nicht-therapierten

Rhesus-negativen

Frauen gewonnen, die ein Rhesus-positives Kind geboren haben, oder von
Rhesus-negativen Personen, die Rhesus-positivem Blut (etwa durch Transfusion) ausgesetzt waren.

"Da heutzutage die meisten Rhesus-negativen

Frauen die Serumprophylaxe bekommen, stehen immer weniger von ihnen als
Serumspender zur Verfügung, erklärt Dr. Teng.
Die Wirksamkeit

�Die Wirksamkeit der monoklonalen Antikörper wird z. Zt. noch im Laboratorium getestet, klinische Versuche sollen in KJrze beginnen.

Sie

könnten, wie Dr. Teng betont, auch bei der Blutgruppe,!- und Blutfaktorenbestimmung

sowie für biochemische und genetische ! tudien des Rhesus-

Systems beim Menschen von Wert sein, dessen Funktionen man noch viel zu
wenig kenne.

* * * # #

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9441">
                <text>15.08.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9442">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9443">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13676">
                <text>Amerikadienst 15.08.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13677">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterstreicht Bedeutung der Nonprofileration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenpolitik zwischen Europa und Asien ausgewogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"DISCOVERY" soll am 29. August starten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monoklonale Antikörper gegen Rhesusfaktor-Unverträglichkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2158" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2169">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/40c792f5e02fd758245ca6aba4110d2f.pdf</src>
        <authentication>01491578d344aef6158e093ccf0bd11b</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10927">
                    <text>cimcrikci
dienet

U.S. Information Service
of the United States of America
x
A&lt;*k V&gt; 'V^«

.V^

»P

V X\&lt;0

\e*- s S " v$
^
32

j*&gt; 6 '

°*£

15. August 1990

i
GOLFKRISE

DIE WELT VERLANGT UNO-SANKTIONEN
GEGEN IRAKISCHE SCHIFFAHRT
Pressekonferenz von Präsident Bush

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschafliche und
politische Maßnahmen

BAKER: ZUSAMMENHALT IM ATLANTISCHEN
BÜNDNIS UNABDINGBAR
Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat

KSZE

KSZE KANN MASSGEBLICHEN BEITRAG ZU
FRIEDEN IN EUROPA LEISTEN
Die zukünftige Rolle der KSZE
Von Botschafter Max M. Kampelman

A

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
15. August 1990

DIE WELT VERLANGT UNO-SANKTIONEN GEGEN
IRAKISCHE SCHIFFAHRT
Pressekonferenz von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD - Präsident Bush zufolge verlangt die Welt die Durchsetzung der von den Vereinten
Nationen verhängten Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Bei einer Pressekonferenz erklärte Bush am 14.
August 1990 in Washington, dies sei "die Rolle, die die Vereinigten Staaten zu erfüllen trachten", indem sie sich
entschlossen hätten, Schiffe mit Ziel Irak abzufangen.
In diesem Zusammenhang fügte der Präsident hinzu, daß die Vereinigten Staaten dies seiner Meinung nach in
angemessener Weise und so tun, daß alle Schiffe abdrehen werden, wenn sie den UNO-Maßnahmen
zuwiderhandeln. Die illegale Annexion Kuwaits durch den Irak "ist unannehmbar und wird keinen Bestand
haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten.

Frage: Meine Frage besteht aus zwei Teilen. Warum
haben Sie nachdem die Ablehnung der irakischen
Aggression durch die Vereinten Nationen erfolgreich
internationalisiert wurde, so übereilt gehandelt und
einseitig eine Blockade angeordnet, über die sich die
anderen Mitglieder verärgert gaben? Und zweitens, ist
die amerikanische Politik gegen die Annexion eroberter Länder im Nahen Osten allgemeingültige Politik der
Vereinigten Staaten?
Antwort: Ich glaube nicht, daß wir andere Mitglieder
mit unserer Politik der Abriegelung verärgert haben.
Wir handeln gemäß unseren Rechten, und ich bin
überzeugt davon, daß die Welt die Durchführung der
Sanktionen nach Artikel 51 erwartet, und das ist die
Rolle, die die Vereinigten Staaten zu erfüllen trachten.
Frage: Sie haben sich aber nicht an den abgestuften
Prozeß nach Kapitel VII gehalten.
Antwort: Wir tun das, was uns unsere Rechtsberater
und andere in der ganzen Welt empfehlen, und ich
denke, daß wir dies in angemessener Weise tun. Ich
hoffe, wir werden es so tun, daß alle Schiffe abdrehen
werden, wenn sie den UNO-Maßnahmen zuwiderhandeln.
Frage: Und wie steht es mit der Ablehnung der
Annexion eroberter Gebiete - entspricht das unserer
allgemeingültigen Politik?
AMERIKA DIENST 32

Antwort: Ich kann nur über die gegenwärtigen Ereignisse sprechen. Ich weiß nicht, ob es irgendwelche
Ausnahmen gibt oder nicht. Ich weiß aber, daß eine
Annexion, wenn man diese Invasion in Kuwait so
bezeichnen kann, unannehmbar ist und keinen Bestand haben wird.
Frage: Jordanien behauptet, es halte sich an die
UNO-Sanktionen, trotzdem aber rollen vom Hafen
Akaba ganze Lkw-Ladungen durch Jordanien in den
Irak. Glauben Sie, daß Jordanien die Sanktionen
unterläuft, und was werden Sie dagegen unternehmen?
Antwort: Bevor ich Ihre Frage beantworte, sollte ich
König Hussein die Gelegenheit geben, mir zu erläutern, was dort geschieht. Wenn ein Land den Güterverkehr weiter gestattet, so würde es die Sanktionen
verletzen. Aber Sie wissen, daß er hierher kommen
wird, und ich werde die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm haben, um ihm die Haltung der Vereinigten Staaten zu erläutern. Ich bin aber ziemlich
sicher, daß er sie bereits sehr gut versteht.
Frage: Was halten Sie von der Behauptung König
Husseins, die amerikanischen Streitkräfte im Persischen Golf hätten eine explosive Lage geschaffen?
Antwort: Ich weiß nicht, was er damit meint, aber ich
stimme dem nicht zu. Meines Erachtens sind wir nicht
Seite 1

�dort, um die Lage zu verschärfen, sondern um zu
ergänzen, was die Vereinten Nationen mit ihrer Verurteilung dieser unverschämten Aggression getan haben. Wir werden auch darüber sprechen. Es wird ein
interessantes Gespräch werden, wenn Sie die Tagesordnung für ihn festlegen.
Frage: Aus welchem Grund hat König Hussein um
diesen Besuch gebeten? Sein Bruder hat gegenüber
Reportern in Jordanien erklärt, eines der Probleme
Jordaniens bestehe darin, daß dieses Landwirtschaftlichen Schaden erleiden würde, wenn es die Sanktionen einhielte, daß man sich beschwerte, es gäbe
keinerlei Garantien oder Zusicherungen des Westens
an Jordanien. Was können Sie anbieten...
Antwort: Vielleicht möchte er darüber sprechen. Ich
hoffe, daß es so ist. Wir sind doch immer ein Freund
Jordaniens gewesen. Wir haben diesem Land in der
Vergangenheit geholfen. Wir werden ihm auch in
Zukunft helfen - wenn es seine Verpflichtungen in
diesem Bereich erfüllt. Ich kann hier nur wiedergeben,
was er mir gestern telefonisch mitgeteilt hat. Er sagte,
er wolle hierher kommen, um über die gesamte Situation zu sprechen. Es wurde keine Tagesordnung
vereinbart. Es gab keine Diskussion über Unterstützung für Maßnahmen dieser Art.
Frage: Aber sind Sie bereit, ihn wirtschaftlich zu
unterstützen oder andere Länder in der Region um
Hilfe für ihn zu bitten?
Antwort: Ich glaube, das wären wir, wenn sich
Jordanien diesen anderen Ländern bei der Erfüllung
dieser Verpflichtungen gemäß den Sanktionen anschlösse.
Frage: Besteht überhaupt Hoffnung auf eine diplomatische Lösung dieser Krise?
Antwort: Ich kann zur Zeit keine erkennen. Aber
wenn die Sanktionen einmal greifen, was eine Zeitlang
dauern wird, dann hoffe ich auf das Zustandekommen
einer diplomatischen Lösung dieser Krise.
Frage: Könnte nicht der von Saddam Hussein unterbreitete Vorschlag, der für Sie natürlich völlig unnanehmbar ist, als Grundlage für Verhandlungen dienen?
Antwort: Ich glaube nicht, daß irgendein Vorschlag
als Grundlage für Verhandlungen taugt. Ich sehe nicht
genug positive Elemente darin, um zu dem Schluß zu
kommen, daß er eine Verhandlungsbasis liefern könnte. Er brachte ganz andere Probleme ins Spiel und
ging nicht auf das grundlegende Problem ein, nämlich,
daß sie Kuwait besetzt haben und sie sich aus Kuwait
zurückziehen und den rechtmäßigen Herrschern die
Rückkehr nach Kuwait gestatten müssen. Ich erkenne
also aufgrund dieser Vorschläge keinerlei Verhandlungsmöglichkeit.

Seite 2

Frage: Im Außenministerium kommen Botschafter
zusammen, um über eine multinationale Quarantäne
oder Abriegelung der UNO zu sprechen - wie immer
man es nennen möchte. Entspricht es heute der Politik
der Vereinigten Staaten, sich möglicherweise einem
gemeinsamen UNO-Kommando zu unterwerfen oder
amerikanische Schiffe unter der Flagge der Vereinten
Nationen einzusetzen?
Antwort: Gegenwärtig gibt es solche Pläne nicht,
aber wir führen Gespräche, um festzustellen, wie wir
diese Marinepräsenz effektiv gestalten können. Aber
was Sie da erklärt haben, entspricht nicht der Politik
der Vereinigten Staaten.
Frage: Aus den Vereinten Nationen wurde berichtet,
es gäbe Kritik daran, daß Sie mit dieser de factoBlockade einseitig und vielleicht ohne rechtliche Dekkung gehandelt hätten. Empfinden Sie das so, als ob
man Ihnen in den Ami fällt, oder...
Antwort: Nein, das denke ich keinesfalls. Meiner
Ansicht nach befinden wir uns im Rahmen der Legalität. Daher beunruhigt mich diese von Kuba gestern
einberufene Sitzung in keiner Weise. Natürlich kann
es Meinungsverschiedenheiten geben, die erörtert
werden können, aber ich bin der Überzeugung, daß wir
richtig handeln, und wir sind entschlossen, auch in
Zukunft so zu handeln. Anscheinend hat Perez de
Cuellar darauf verwiesen, daß nur die Vereinten Nationen mittels einer Resolution über eine Blockade entscheiden können. Er hat jedoch auch gesagt, daß
jedes Land das Recht hat, sich auf Artikel 51 zu
berufen, und der Generalsekretär konnte dem nichts
entgegensetzen. Meinungsumfragen zufolge handeln
wir richtig, und ich habe nicht die Absicht, dies zu
ändern. Meines Erachtens ist es wichtig, daß andere
unserem Beispiel folgen und ihren Teil beitragen - und
die meisten setzen bereits ihre Entschlossenheit zur
Unterbindung des Handels in die Tat um.
Frage: Wäre es angesichts des schwankenden Defizits und der Kosten für die militärische Operation im
Golf und in Saudi-Arabien nicht sinnvoll, wenn einige
der von uns abhängigen Länder einen Teil der Kosten
übernehmen? Ich denke natürlich an Japan, die
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Italien.
Sollten sie nicht einen Teil der Kosten für unsere
Truppen in der Region übernehmen?
Antwort: Ich bin überzeugt, daß die Länder in dieser
Hinsicht ein außerordentlich kooperatives Verhalten
an den Tag legen werden. Aufgrund des gestern mit
Premierminister Kaifu geführten fruchtbaren Gesprächs
bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Japaner
mehr als willens und bereit sind, Vorschläge in dieser
Richtung zu unterstützen. Mit Herrn Kohl habe ich
darüber in jüngster Zeit nicht gesprochen. Frankreich
ist natürlich im Besitz von Schiffen und stellt bereits
jetzt Mittel zur Verfügung. Es wird hier wohl koopera-

AMERIKA DIENST 32

�tive Bestrebungen auf finanzieller und militärischer
Ebene und nicht zuletzt auch im Hinblick auf die
Schiffahrt geben.
Frage: Und die Saudis selbst? Sie sind die direkten
Nutznießer.
Antwort: Meiner Ansicht nach werden die Saudis
ihren Teil beitragen - davon bin ich überzeugt. Und ich
möchte hinzufügen - obwohl diese Frage nicht gestellt
wurde - ich bin auch der Überzeugung, daß andere
Länder die Verluste wettmachen werden, die entstehen, weil das irakische und kuwaitische Öl nicht auf
den Markt gelangt. Ich kann Ihnen dazu keine Einzelheiten nennen, aber ich habe genug Gespräche mit
Regierungsvertretern aus aller Welt geführt - ebenso
wie Jim Baker und General Scowcroft - um das Gefühl
zu haben, daß die Dinge in die richtige Richtung gehen.
Frage: Ich bin immer noch etwas verwirrt über die
Einladung an König Hussein. Bei ihrer Bekanntgabe
zeichnete sich eine gewisse Spannung ab - jetzt scheint
sie eher zwanglos gehandhabt zu werden. Er kommt
um ca. 1 Uhr morgens Washingtoner Zeit an, Sie
treffen jedoch erst am Donnerstag morgen in Kennebunkport mit ihm zusammen. Angeblich hat er ein
Schreiben von Saddam zu überreichen. Warum dieses zwanglose Vorgehen?
Antwort: Erstens hat er mir gegenüber keinen Brief
von Saddam erwähnt, was natürlich nicht heißen muß,
daß er keinen hat. Zweitens hat er mir gesagt, er wolle
in die Vereinigten Staaten reisen und mit mir sprechen.
Ich habe geantwortet, "Gerne, wie paßt es Ihnen
morgen?", worauf er erwiderte, er werde es mich
wissen lassen. Daraufhin habe ich gesagt, er solle
Brent anrufen, weil ich keine Lust hatte, um 2 Uhr
morgens angerufen zu werden. Er hat also General
Scowcroft angerufen, und sie haben sich auf ein
Treffen zum frühestmöglichen Zeitpunkt geeinigt.
Er deutete jedoch an - ich denke, ich verrate hiermit
keine Geheimnisse -, daß er etwas Zeit zum Ausruhen
vor unserem Treffen begrüßen würde. Das ist alles,
was ich dazu zu sagen habe, denn ich hätte mich
jederzeit mit ihm getroffen - heute oder morgen. Meines Erachtens ist es wichtig, mit ihm zu sprechen.
Aber Sie haben wohl Recht, die Art, wie seine Majestät
um das Gespräch ersuchte - ich möchte Sie besuchen
und mit Ihnen über die Situation sprechen und zwar
nicht als eine Art Sondergesandter - war eher zwanglos.
Ich habe mich also zur Verfügung gestellt. Wir unterhalten seit Jahren Beziehungen zu König Hussein. Es
wurden die Meinungsverschiedenheiten erwähnt, die
zwischen Jordanien und den Vereinigten Staaten
bestehen, und ich werde sehen, ob wir die Differenzen
nicht abbauen oder eventuell ganz beilegen können.
Ich sehe dem Treffen mit ihm also erwartungvoll entgegen.

AMERIKA DIENST 32

Frage: Ich möchte eine Frage zu Saddam und dem
von ihm unterbreiteten Angebot stellen. Sie haben es
rundweg abgelehnt, aber hatten Sie das Gefühl, er
habe auch nur mit der Wimper gezuckt? Sind Sie in
irgendeiner Weise ermutigt?
Antwort: Man könnte sagen, die Tatsache, daß er
Schritte unternommen hat - auch wenn ich von seinen
Maßnahmen nicht sonderlich beeindruckt war - ist
ermutigend. Es scheint sich für mich jedoch eher um
eine Wiederholung alter Positionen zu handeln, und
daher möchte ich das amerikanische Volk nicht irreführen, indem ich sage, ich sei von Saddam Husseins
Vorschlag irgendwie ermutigt.
Frage: Können Sie jetzt Zahlen über die Kosten für die
Operation im Nahen Osten vorlegen, wenn Sie eine
Bilanz der Haushaltslage vornehmen?
Antwort: Noch nicht, aber ich gehe ins Pentagon.
Vielleicht bekomme ich morgen dort einen besseren
Überblick über die Zahlen, im Moment kann ich Ihnen
jedoch keine nennen.
Frage: Sind Sie erfreut über die Unterstützung, die Sie
in diesem Zusammenhang von der Sowjetunion erhalten haben ...
Antwort: Ich möchte es folgendermaßen formulieren
- angenommen, wir würden die Uhr um fünf Jahre
zurückdrehen, ganz zu schweigen von zehn oder
zwanzig Jahren, und wir hätten uns mit einem Ereignis
dieser Art im Nahen Osten konfrontiert gesehen, so
wäre die größte Unbekannte die Reaktion der Sowjets
gewesen. Wie hätten die Sowjets dies gesehen,
welche Maßnahmen könnten sie ergreifen? Heute
müssen wir diese Sorge nicht mehr haben, weil sie wie
die Vereinten Nationen diese Aggression verurteilt
haben. Dies ist ein beachtlicher Unterschied zu früher
und macht die Gleichung sehr viel einfacher lösbar.
Insofern bin ich mit der Reaktion der Sowjets bisher
sehr zufrieden. Und Jim Baker hat, glaube ich, erst
gestern mit Herrn Schewardnadse gesprochen, und
ich weiß, daß er mit ihm einer Meinung ist. Ich sage
nicht, daß wir keinerlei Differenzen mit ihnen haben,
aber die Situation ist ganz anders als noch vor fünf oder
zehn Jahren.
Frage: Die Irakis haben jetzt seit 12 oder 13 Tagen
Amerikaner in ihrer Gewalt. Sind Sie bereit, diese
Amerikaner im Falle einer direkten militärischen Konfrontation zu opfern?
Antwort: Ich bin niemals bereit, das Leben irgendeines Amerikaners zu opfern - Opfer - nein.
Frage: Glauben Sie, die Irakis benutzen diese Amerikaner als Schutzschild gegen mögliche Militäraktionen der Vereinigten Staaten?
Antwort: Im Augenblick habe ich nicht das Gefühl und

Seite 3

�hoffe, es wird nicht dazu kommen, denn wir sehen die
Schwierigkeiten, die andere Ausländer haben, aus
dem Land zu kommen. Es ist eine beunruhigende
Situation. Wenn Menschen gegen ihren Willen festgehalten oder von der Ausreise abgehalten werden,
beunruhigt es mich.
Frage: Wie würden Sie ihre Lage beurteilen?
Antwort: Es handelt sich um Menschen in einer
Notlage, die ausreisen wollen. Und es sind nicht allein
sie, sondern viele andere. Ich hoffe, daß es nicht noch
mehr werden. Ich habe keinen Grund, das an diesem
Punkt zu denken. Aber je mehr wir darüber reden und
spekulieren, umso weniger wird es uns meiner Ansicht
nach helfen. Aber ich würde mir wünschen, daß alle
Ausländer, die Kuwait oder den Irak verlassen wollen,
dies auch tun können. Dazu gab es einige ermutigende Erklärungen - etwa vom irakischen Botschafter
heute morgen -, die mich dazu verlassen, noch weiter
abzuwarten.
Frage: In der Annahme, daß Saddam Hussein einen
Weg für den Abzug aus Kuwait ohne Gesichtsverlust
findet, hätte er immer noch eine sehr gro ße Armee, die
nach einer Invasion sehr einschüchternd auf seine
Nachbarn wirkt. Glauben Sie, daß angesichts dessen
diese Krise letztlich gelöst werden kann, ohne Saddam
Hussein abzusetzen? Und wenn ja, wie?
Antwort: Ich möchte, daß sie genauso gelöst wird,
wie die Meinung der Welt sie gelöst sehen möchte, und
dann werden wir uns um den Rest kümmern. Hauptsächlich liegt uns am Abzug und der Wiedereinsetzung
der Herrscher in ihr Amt. Es würde zu hypothetisch,
darlegen zu wollen, was darüber hinaus geschehen
könnte, aber ich neige zu der Annahme, daß es
geschehen wird. Und die Wirtschaftssanktionen fangen gerade erst an, zu greifen. Und sie werden meiner
Meinung nach sehr effektiv sein, effektiver als in der
Vergangenheit. Das hoffe ich. Es bleibt abzuwarten,
wie es funktioniert.
Frage: Ich möchte noch einmal auf den Einsatz der
Marine zurückkommen. Die Sowjets schlagen offensichtlich eine Art gemeinsames Kommando des Sicherheitsrats vor, um den Einsatz der Marine zu kontrollieren. Verfolgen Sie das mit den Sowjets weiter
oder sind Sie an der Idee überhaupt interessiert?
Antwort: Ursprünglich bestand in diesem Bereich ein
Problem, darüber mit den Sowjets zu reden - ich
denke, Schewardnadse hat es Jim Baker gegenüber
geäußert, und ich habe dagegen keine Einwände.
Meiner Ansicht nach wäre eine aktive sowjetische
Präsenz eine gute Sache, um die UNO-Resolutionen
durchzusetzen. Damit möchte ich nur sagen, daß es
meiner Ansicht nach nicht entscheidend ist, eine UNOFlagge zu haben, damit einzelne Länder ihren Pflichten nachkommen können. Aber ich bin für Gespräche
zu diesem Thema offen.

Seite 4

Frage: Ist es Ihrer Meinung nach irgendwann erforderlich, Schiffen den Zugang zu Akabazu verwehren, weil
dies eine Lebensader sein könnte?
Antwort: Das könnte sein. Wenn das ein Loch in
einem sonst engmaschigen Netz ist, durch das Handel
getrieben wird, sollte meiner Ansicht nach Akaba für
den irakischen Handel geschlossen werden.
Frage: Sollte sich das amerikanische Volk in den
nächsten Jahren auf eine kontinuierliche US-Präsenz
in Saudi-Arabien einstellen?
Antwort: Ich wei ß nicht, ob es Jahre dauern wird, aber
wir werden sicherlich lange genug dort bleiben, um
alles zu erledigen. Ich würde Ihnen gern einen Zeitrahmen abstecken, aber ich kann es nicht.
Frage: Sie haben mit dem venezolanischen Präsidenten gesprochen, um ihn wegen des Öls um Hilfe zu
bitten. Haben Sie dabei auch über Zahlen gesprochen?
Antwort: Nein, ich habe ihn angerufen, um ihm für das
zu danken, was ich als Bereitschaft Venezuelas verstanden habe, die Förderung anzukurbeln - sie könnten das sehr effizient tun, habe ich mir sagen lassen und ihm für seine Haltung dazu zu danken. Er erklärte
mir, er würde seinen Außenminister in verschiedene
Hauptstädte schicken, um all dies zu koordinieren.
Darüber hinaus gab es noch eine Reihe anderer Diskussionspunkte, die jedoch nichts mit dem Persischen
Golf zu tun hatten, etwa Mittelamerika, ein Gebiet, zu
dem wir in sehr engen Konsultationen stehen. Aber
wenn Ihre Frage lautete, ob wir bestimmte Mengen
besprochen haben, dann lautet die Antwort nein.
Frage: Dazu noch eine Frage. Sind Sie mit dem
Angebot Mexikos zufrieden -100 000 Barrel am Tag?
Antwort: Ich wei ß wirklich nicht, ob mehr oder weniger
besser wäre, aber ich bin mit Mexikos Kooperation in
diesem Bereich sehr zufrieden. Präsident Salinas ist
ein sehr mutiger Mann, und ich freue mich, daß er
bereit ist, einzuspringen und zu helfen. Ich kann Ihnen
nicht mit genauen Zahlen dienen, ob es 100 000 oder
mehr sind, wir haben es jedoch für gut befunden. Wir
unterhalten gute Beziehungen zu Mexiko.
Frage: Sie haben die Irakis wiederholt aufgefordert,
Kuwait zu räumen, sich bedingungslos und vollständig
zurückzuziehen. Sie haben dazu beigetragen, daß
Sanktionen verhängt wurden und ihre Durchführung
betrieben. Wie wichtig ist dieser Abzug? Ist er wichtig
genug, daß Sie versprechen, militärische Mittel einzusetzen, um den Abzug Saddam Husseins zu erzwingen, wenn die Sanktionen nicht greifen?
Antwort: Diese Frage ist zu hypothetisch. Wir haben
einen Plan, daß die UNO-Sanktionen vollständig durchgeführt werden sollen, und Teil dieses Plans ist der

AMERIKA DIENST 32

�Schutz Saudi-Arabiens mittels einer multinationalen
Truppe, der zahlreiche Länder angehören - gegen
dieselbe Art von Aggression, die Saddam Hussein
gegen Kuwait gerichtet hat. Genau an diesem Punkt

*

befinden wir uns. Das ist unser Plan, und ich kann
Ihnen nicht helfen, indem ich mich zu Hypothesen
versteige,

* * *

*

J

h

&gt;

4

AMERIKA DIENST 32

Seite 5

�GOLFKRISE
15. August 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 13. August 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

Ägypten

Bangladesch

Entsendung von Truppen zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien.

Forderung nach Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait.

Arabische Liga

Belgien

12 von 20 Mitgliedern der Arabischen Liga sprechen
sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht
nach Saudi-Arabien aus, um dieses Land vor möglicher irakischer Aggression zu schützen. Jordanien,
Mauretanien und der Sudan stimmen für die Resolution, bringen jedoch gewisse "Vorbehalte" zum Ausdruck. Irak, Libyen und die Palästinensische Befreiungsorganisation stimmen dagegen. Yemen und
Algerien enthalten sich der Stimme, Tunesien ist nicht
anwesend. Darüber hinaus werden mit der Resolution
die Resolutionen 660, 661 und 662 des UNO-Sicherheitsrats bekräftigt.

Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.

Argentinien
Verurteilung der Invasion Kuwaits durch den Irak und
Forderung nach Abzug der Invasionstruppen.
Australien
Geplante Beteiligung am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung von zwei Fregatten mit Lenkraketen
und einem Versorgungsschiff in den Persischen Golf.
Versprechen, irakische Schiffe im Golf als Unterstützung der von den Vereinten Nationen verhängten
Sanktionen abzufangen. Öl- und Waffenembargo,
Einfrieren der Vermögenswerte.

AMERIKA DIENST 32

Belize
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Invasionstruppen.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Einstellung aller Handelsbeziehungen einschließlich Nahrungsmittellieferungen.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minenräumbooten und einem Versorgungsschiff ins Mittelmeer zum Schutz der Seewege.
Lehnt Beteiligung an einer multinationalen Streitmacht
in Saudi-Arabien ab. Angebot an die Vereinigten
Staaten zur Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den Irak, ölembargo, Einfrieren irakischer
Vermögenswerte.

Seite 1

�Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.

Angebot an die Vereinigten Staaten zur Benutzung der
Stützpunkte als Operationsbasis sowie Entsendung
von Kriegsschiffen in die Golf-Region.

China

Haiti

Waffenembargo.

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits.

Costa Rica

Hongkong

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits.

Hongkong hat irakische Vermögenswerte eingefroren.

Dänemark

Indien

Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als
Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Ölembargo.

Forderung des Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait.
Indonesien

Deutsche Demokratische Republik

Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.

Geplante Beteiligung an Wirtschaftssanktionen. Nur
Nahrungs- und Arzneimittel für humanitäre Zwecke
werden weiterhin geliefert.

Iran

Europäische Gemeinschaft
Verhängung eines generellen Handelsembargos gegen Irak und Kuwait.
Frankreich

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak.
Erklärung, die Ölförderung ankurbeln zu wollen, um
die Engpässe im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Irland
Ölembargo.
Island

Geplante Aufstockung der Marineeinheiten im Persischen Golf und Entsendung von Bodentruppen sowie
Beratern nach Saudi-Arabien. Entsendung einer Fregatte zur Verstärkung zweier Kriegsschiffe im Golf.
Öl und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre
Zwecke.

öl- und Waffenembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Erlaubnis der Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.

Gambia

Jamaica

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Truppen.

Verurteilung der Invasion und Respektierung der
Sanktionen gegen den Irak.

Golf-Kooperationsrat

Japan

Der Kooperationsrat hat die irakische Aggression gegen
Kuwait verurteilt und den Abzug irakischer Truppen
gefordert. In Saudi-Arabien wurden Streitkräfte stationiert.

ölembargo, Unterbrechung von Handel und Hilfe.

Griechenland
Ölembargo. Erlaubnis zum Überfliegen für amerikanische Kriegsflugzeuge auf dem Weg in den Golf. Verweigert den Vereinigten Staaten die Benutzung von
Stützpunkten für militärische Aktionen im Nahen Osten
Großbritannien
Öl- und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen
Vermögenswerte. Verpflichtung zu militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien,

Seite 2

Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung für
U NO-Sanktionen gegen den Irak.
Italien

Jordanien
Geplante Beteiligung an den UNO-Sanktionen gegen
den Irak.
Kanada
Geplante Entsendung von zwei Zerstörern und einem
Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Aussetzung der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen mit Irak.
Korea (Rep.)
Waffen- und ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Waren für medizinische und humanitäre Zwecke.

AMERIKA DIENST 32

�Libanon

Norwegen

Forderung des Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait.

Handelsembargo außer für Arznei- und Nahrungsmittel für humanitäre Zwecke, Ölembargo, Einfrieren
kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte.

Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo außer für Arznei- und Nahrungsmittel zu humanitären Zwecken.

Waffenembargo.

Luxemburg

Pakistan

Ölembargo, Einfrieren Irakischer Vermögenswerte.

Bedauern des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
und Forderung des Abzugs der Invasionstruppen.

Malaysia
4

Bezeichnung der Annexion Kuwaits durch den Irak
"als inakzeptabel".
Malediven
Forderung des Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait.
Marokko

Österreich

Panama
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung des Abzugs der Invasionstruppen.
Paraguay
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait.
Philippinen

Geplante Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht.

Ölembargo.

Mexiko

Polen

Geplante Ankurbelung der ölproduktion um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.

Waffenembargo.

NATO
Verpflichtung zur Verteidigung der Türkei im Falle
eines Angriffs durch den Irak.
Nepal

Portugal
Erlaubnis zur Nutzung amerikanischer Stützpunkte,
ölembargo.
Salomonen

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits.

Geplante Verhängung wirtschaftlicher Sanktionen gegen
den Irak.

Neuseeland

Saudi-Arabien

Angemessene Regelungen im Einklang mit den UNOSanktionen gegen Irak werden sobald wie möglich
getroffen, Ölembargo.

Bitte an die Vereinigten Staaten und andere Länder um
militärischen Beistand zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Angebliche Bereitschaft zur Erhöhung der
ölförderung um 2 Millionen Barrel täglich, um die
Ausfälle der Lieferungen aus dem Irak und Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
die Erlaubnis zum Festmachen an einem saudischen
ölterminal im Roten Meer.

Nicaragua
Verurteilung der Invasion Kuwaits durch den Irak und
Forderung des Abzugs der Invasionstruppen.
Niederlande
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte,
Erlaubnis der Weiterarbeit am irakischen Hafen für
eine holländischen Firma. Geplante Entsendung von
zwei Kriegsschiffen in den Golf.
Nigeria
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung des Abzugs der Streitkräfte. Geplante Aufstockung der Ölproduktion um 200 000 Barrel pro Tag
(vorbehaltlich der Zustimmung anderer OPEC-Mitgliedstaaten).

AMERIKA DIENST 32

Schweden
Ölembargo.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo, Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen des Handels insgesamt. Zum
ersten Mal beteiligt sich die Schweiz an Wirtschaftssanktionen der UNO.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak.

Seite 3

�Waffenembargo. Erwägung einer Abriegelung des
Golfs für die irakische Schiffahrt, wenn dies unter
Schirmherrschaft der UNO erfolgen würde.
Spanien

Uruguay
Plant die Ergreifung notwendiger Schritte zur Befolgung der UNO-Sanktionen.
Venezuela

Ölembargo, erlaubt den Vereinigten Staaten die Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak.

Geplante Steigerung der ölförderung um 400 000 bis
500 000 Barrel pro Tag.

Syrien

Vereinigte Staaten

Entsendung von Landtruppen nach Saudi-Arabien als
Teil einer multinationalen Streitmacht.

Entsendung von Kampfeinheiten nach Saudi-Arabien,
um das Land vor einer möglichen irakischen Aggression zu schützen. Neun Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger befinden sich gegenwärtig im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos gegen den Irak, einschließlich des besetzten Kuwaits.
Dieses vollständige Handelsembargo schließt auch
Nahrungsmittellieferungen ein. Aussetzung von Krediten, Anleihen und Zuschüssen. Embargo schließt
darüber hinaus auch Exporte an Unternehmungen ein,
die - direkt oder indirekt - vom Irak aus betrieben oder
kontrolliert werden oder im Besitz der irakischen
Regierung sind. Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte. Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen Ersatzteile, Satelliten- und Computerausrüstung für Irak und Kuwait im Wert von 8 Millionen
Dollar. Das Bundeskriminalamt FBI versiegelt die
Büroräume der Iraqi Airlines in New York, Detroit und
Los Angeles. Absicht, zur Unterstützung der UNOSanktionen jegliche irakische öllieferungen auf dem
Seeweg zu verhindern.

Taiwan
Ölembargo.
Tschechoslowakei
Waffenembargo.
Tunesien
Forderung nach Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert
Schiffen die Erlaubnis zum Laden irakischen Öls am
Terminal der irakischen Pipeline. Lieferung von Nahrungsmitteln wird fortgesetzt. Parlament ermächtigt
die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak
zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.

Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen Irak.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 32

�GOLFKRISE
15. August 1990

BAKER: ZUSAMMENHALT IM ATLANTISCHEN
BÜNDNIS UNABDINGBAR
Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat
BRÜSSEL - (AD) - Bei einer Sondersitzung des Bündnisses erklärte Außenminister Baker am 10. August 1990,
Hoffnungen "auf eine neue und friedlichere Weltordnung" erforderten Solidarität und Tatkraft "um Saddam
Husseins bedrohliche Ambitionen zu vereiteln". Im Zusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait rief
Baker zu Zusammenhalt im Bündnis auf und beschwor die "Unteilbarkeit unserer kollektiven Sicherheit".
Darüber hinaus erklärte er, das Bündnis müsse der weiteren Agression des Iraks entgegenwirken, Zeit für die
UNO-Sanktionen gewinnen und zusammenarbeiten, um die Effektivität der Sanktionen sicherzustellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Wir sind heute hier zusammengekommen, um einen
Akt der Aggression anzusprechen, der sowohl unsere
moralischen Prinzipien als auch unsere materiellen
Interessen bedroht.
Erst vor einer Woche hat die Regierung des Iraks ihren
Nachbarn, den souveränen Staat Kuwait, angegriffen
und besetzt. Dieser vorsätzliche, nicht provozierte
Angriff hat bereits das Leben vieler unschuldiger
Menschen gefordert. Die Öl- und Finanzmärkte sind
in eine Krise gestürzt worden. Darüber hinaus wurden
Hoffnungen gefährdet, daß mit der Beendigung des
kalten Krieges für alle Nationen ein neues Zeitalter in
Frieden und Freiheit beginnen kann.
Das Problem, das sich uns stellt, betrifft nicht nur das
Schicksal eines einzelnen Landes oder den Preis von
und die Versorgung mit Öl. Nicht nur Kuwait ist
angegriffen worden. Es sind nicht nur die wirtschaftlichen Fortschritte, die bedroht wurden. Wenn die
Macht das Recht gestaltet, wird die Welt in ein neues
dunkles Zeitalter zurückfallen.
Dies ist ein plötzlicher und tragischer Wendepunkt der
Ereignisse. Im vergangenen Jahr sind wir an diesem
Tisch zusmmengekommen, um außergewöhnliche
historische Vorgänge zu feiern. Unser Bündnis, das
seinen Grundsätzen fest verhaftet ist, hat Europa
vierzig Jahre lang den Frieden bewahrt. Wir haben
hart für den Tag gearbeitet, an dem Europa ungeteilt

AMERIKA DIENST 32

und frei sein würde. Jetzt, da sich dieser Tag nähert,
paßt sich das Bündnis einer neuen Situation auf dem
Kontinent an - einer hoffnungsvollen Situation.
Weit schneller als irgendjemand dies hätte vorhersagen können, müssen sich die NATO-Mitgliedstaaten
einer veränderten - gefährlichen - Situation außerhalb
Europas anpassen. Der Irak hat gerade ein Jahrzehnt
der Gemetzel im Krieg mit seinem Nachbarn Iran
überwunden. Ich denke, man kann ruhig sagen, daß
Iraks andere Nachbarn und viele in diesem Saal vertretene Nationen Bagdad in diesem schrecklichen Kampf
beigestanden haben. Viele glaubten - aus gutem
Grund -, der Irak würde das Buch des Kriegs schließen
und ein neues Buch schreiben, das mit einem Kapitel
über friedliche Beziehungen zu seinen Nachbarn beginnt.
Das lag sicher im Interesse des Iraks. Genauso sicher
liegt dies heute im Interesse des irakischen Volkes.
Stattdessen waren wir Zeuge einer kontinuierlichen
und unverminderten Aufrüstung. Der irakische Diktator Saddam Hussein hat für die Unterhaltung von
Streitkräften keine Kosten gescheut, und sie stehen in
keinem Verhältnis zu einer reellen Bedrohung. Hunderttausende von Soldaten stehen unter Waffen. Der
Irak stationiert etwa 5 700 moderne Panzer, die viertgrößte Panzerarmee der Welt. Und Iraks 10 000
Schützenpanzer machen das Land zur drittstärksten
Macht in diesem Bereich nach der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten.

Seite 1

�Trotz aller internationaler Appelle entwickelt Saddam
Hussein weiterhin chemische Waffen, die er gegen
den Iran und sogar gegen sein eigenes Volk eingesetzt
hat. Er hat Hunderte von Raketen gehortet, mit denen
er einst iranische Städte angegriffen hat. Er betreibt
nach wie vor energisch ein Nuklearforschungsprogramm mit bedenklichen Auswirkungen.
Warum verschwendet der Führer einer Nation, die ihre
eigenen Wunden so dringend heilen muß, seine Ressourcen für noch mehr Waffen? Jetzt kennen wir die
Antwort. Diese Waffen dienten der Aggression Einschüchterung und Angriff, um die Souveränität
seiner Nachbarn Saddam Husseins Willen zu unterwerfen.
Wir brauchen keine Zeit mit dem Argument zu verschwenden, daß dieser große, sehr mächtige und
kampferprobte Irak von dem angeblich aggressiven
Akt des Emirs von Kuwait tödlich bedroht wurde. Wir
sollten auch den Lügen über einen Volksaufstand
keine Beachtung schenken, der den Emir absetzte und
zur Wiederherstellung der Ordnung den Irak um Hilfe
bat. Diese Falschaussagen haben wir alle schon
gehört. Sie wiederholen sich in den Windungen der
tragischen Geschichte dieses Kontinents, der Geschichte, die sich niemals wiederholen sollte.
Für alle hier Anwesenden steht bei der gegenwärtigen
Golfkrise sehr viel auf dem Spiel. Seit 1949 hat jeder
amerikanische Präsident erklärt, der Golf sei für die
amerikanischen und westlichen Interessen von entscheidender Bedeutung und daß wir es keiner gegnerischen Macht gestatten können, die Verfügungsgewalt über seine Erdölreserven zu erringen. Heute geht
eine solche Bedrohung von Saddam Hussein aus.
Unter dem Gesichtspunkt der zentralen Bedeutung
des Golf öls für die Weltwirtschaft sind wir alle bestrebt,
die Ambitionen dieses Diktators zunichte zu machen.
Wir alle haben daran ein brennendes Interesse.
Darüber hinaus sind wir alle an der Stabilität des Nahen
Ostens interessiert - einer bereits von Gewaltanwendung gekennzeichneten Region, deren Lage durch die
kriegerische Haltung Saddam Husseins noch verschärft wird. Einer der strategischen Eckpfeiler unseres Bündnisses, die Türkei, ist an ihrer südlichen
Grenze Gefahren ausgesetzt, die durch Saddam
Husseins Aggression noch verstärkt werden.
Schlie ßlich haben wir alle ein aus bitteren Erfahrungen
resultierendes grundlegendes Interesse daran, zu
demonstrieren, daß sich Aggressionen nicht auszahlen. Wir kennen die Geschichte der dreißiger Jahre
und wissen, daß eine Politik der Beschwichtigung
Aggressoren nur den Mund wäßrig macht. Aus der
jüngeren Geschichte von Aggressionen kann ich kaum
ein Beispiel nennen, das verwerflicher oder brutaler
wäre als die Invasion Kuwaits durch Saddam Hussein.
Wenn all unsere Hoffnungen auf eine neue und friedlichere Weltordnung Wirklichkeit werden sollen, müs-

Seite 2

sen wir jetzt handeln, um Saddam Husseins bedrohliche Ambitionen zu vereiteln.
Angesichts dieser schwerwiegenden Herausforderung
hat Präsident Bush vier grundlegende Ziele als Leitlinien der amerikanischen Politik dargelegt. Erstens
streben wir den unverzüglichen, bedingungslosen und
vollständigen Rückzug aller irakischen Truppen aus
Kuwait an. Zweitens muß die legitime Regierung
Kuwaits wieder anstelle des Marionettenregimes eingesetzt werden. Drittens sind wir weiterhin der Sicherheit und Stabilität im Golf verpflichtet, und viertens sind
wir entschlossen, das Leben unserer Staatsbürger im
Ausland zu schützen.
Nach unseren breitgefächerten Konsultationen der
vergangenen Tage kann man mit voller Berechtigung
sagen, daß wir alle diese grundlegenden Ziele teilen.
Die Frage lautet jetzt, wie wir unsere Maßnahmen zu
ihrer Verwirklichung am besten koordinieren können.
Die umfassende Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft - zu der wir alle auf unterschiedliche
Weise beigetragen haben - war außergewöhnlich und
bemerkenswert.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat rasch
gehandelt, um den Irak zu verurteilen, seinen Abzug
aus Kuwait zu fordern und zum ersten Mal nach 23
Jahren verbindliche Sanktionen nach Kapitel VII der
UNO-Charta zu verhängen. Es wird einige Zeit vergehen, bis diese Sanktionen bei Saddam Wirkung zeigen, aber sie können sehr effektiv sein, wenn wir
geduldig und standhaft sind, und wenn wir sorgfältig
und energisch vorgehen, um Ausnahmen und Betrugsmanöver zu verhindern.
Ein deutliches Zeichen der neuen Zeit besteht darin,
daß sich die Sowjetunion der Staatengemeinschaft bei
der Verurteilung des Iraks angeschlossen hat. Die
beispiellose, von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion in Moskau veröffentlichte gemeinsame
Erklärung und deren Appell zur Einleitung von Maßnahmen hat meines Erachtens dem nahezu einstimmigen Votum des Sicherheitsrats für die Verhängung von
Sanktionen den Weg bereitet. Sie hat dazu beigetragen, den überwältigenden internationalen Konsens
herzustellen und die Isolierung des Iraks im Nahen
Osten sicherzustellen. Ich stehe - nahezu täglich - in
engem Kontakt mit Eduard Schewardnadse und bin
der festen Ansicht, daß wir die Sowjets weiterhin
einbinden müssen. Als Teil dieser andauernden
Bemühungen werde ich mich hier in Brüssel mit dem
sowjetischen Botschafter treffen, der als sowjetischer
Verbindungsmann zur NATO ausgewählt wurde - ein
weiteres Beispiel der sich ändernden Zeiten und unseres sich weiter entwickelnden Bündnisses.
Umfassende internationale Sanktionen stellen einen
entscheidenden Schritt zur Vereitelung von Saddam
Husseins Aggression dar. Unsere heutige Arbeit innerhalb der NATO ist ein weiterer Teil der Antwort.

AMERIKA DIENST 32

�Eine neue Gefahr ist heraufgezogen, die zwar aus
einer entfernten Region kommt, uns jedoch alle treffen
Kann. Auch wenn traditionelle Bedrohungen sich
drastisch verringert haben (und unsere Hoffungen für
die Zukunft beeinflußt haben), sind wir heute mit einer
neuen Bedrohung konfrontiert, die eine neue Herausforderung und neue Gefahren aufwirft. Sie erinnert
uns daran, daß unsere Sicherheit und unser Wohlergehen aus neuen Regionen und von neuen Ursachen
herausgefordert werden. Einige unserer Mitgliedstaaten, wie die Türkei, könnten noch größere strategische
Bedeutung erlangen, da wir mit einem veränderten
Sicherheitsumfeld konfrontiert sind.
Unsere Konsultationen zu dieser Krise, zu dieser
Herausforderung erinnern uns daran, daß sich die
Bedingungen verändern und sich unser Bündnis anpassen muß.
Dieses Bündnis, das sich über den Atlantik hinweg
erstieckt, ist ein Symbol der Einigkeit des Westens,
und dies ist der Ort, an dem wir unsere Solidarität in der
gegenwärtigen Krise unter Beweis stellen sollten. Wir
müssen weiteren Aggressionen einen Riegel vorschieben. Wir müssen Zeit gewinnen, damit durch die
Sanktionen der UNO die bereits erfolgte Aggression
rückgängig gemacht wird. Wir müssen zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß diese Sanktionen
wirksam sind. Wir stehen nicht allein. Aber die Welt
wird von uns - den heute hier versammelten Nationen
- eine Führungsrolle erwarten. Wir sollten diese Rolle
spielen.
Wie ich hoffe, wird von dem heutigen Treffen eine
vierfache Botschaft ausgehen. Erstens, daß die Mitglieder dieses Bündnisses - jedes auf seine Weise dazu beitragen werden, weiteren Aggressionen des
Iraks Einhalt zu gebieten. Ich möchte an dieser Stelle
betonen, daß die von uns durchgeführte Verlegung
von Truppen auf Bitten der Saudis erfolgt, nachdem
der Irak Versprechen gebrochen und seinen unheilversprechenden Truppenaufmarsch fortgesetzt hat.
Aufgrund der mit ihnen geführten Gespräche wissen
wir, daß die Saudis und andere Golf-Nationen auf eine
möglichst unfassende Unterstützung durch die multinationale Streitmacht der arabischen Welt und des
Westens hoffen. Einige von Ihnen haben bereits die
Entscheidung getroffen, unserem Beispiel zu folgen
und Militäreinheiten in die Golf-Region zu entsenden.
Diese Beiträge sind lebenswichtig - politisch und militärisch. Wir alle haben uns multinationalen Bestrebungen verpflichtet und fordern jeden von Ihnen auf, zu
überprüfen, wie er helfen kann.
Unsere zweite Botschaft lautet, daß wir bereit sind, zu
unseren kollektiven Verteidigungsverpflichtungen zu
stehen. Ich bin gerade aus Ankara zurückgekommen,
wo ich Gelegenheit zu Gesprächen mit Präsident Özal,
Premierminister Akbulut und Außenminister Bozer hatte.
Präsident Bush hat mich gebeten, unsere Kontakte mit

AMERIKA DIENST 32

diesem wichtigen Verbündeten und Bollwerk des
Bündnisses an seiner Südflanke zu verstärken. In
unseren Gesprächen haben Präsident Özal und seine
Kollegen ihre uneingeschränkte Verpflichtung gegenüber der NATO und dem Westen erneut unterstrichen
und dieses Engagement ist für uns sehr positiv.
Aus diesem Grund sollten wir öffentlich und privat die
Geschlossenheit unseres Bündnisses und die Unteilbarkeit unserer kollektiven Sicherheit hervorheben.
Dies bedeutet die unmißverständliche Bekräftigung
unserer eindeutigen und bedingungslosen Verpflichtungen gemäß Artikel V des Nordatlantikvertrags, der
festlegt, daß ein bewaffneter Angriff gegen ein Mitglied
des Bündnisses als ein Angriff gegen alle Mitglieder
des Bündnisses angesehen wird. Dieser Rat sollte
gemäß Artikel IV des Vertrags jederzeit in der Lage
sein, eine Sitzung einzuberufen, falls die territoriale
Integrität oder Sicherheit eines NATO-Mitgliedstaats
bedroht ist. Bei einer solchen Sitzung würden mögliche kollektive Maßnahmen erörtert, die das von der
Chartader Vereinten Nationen anerkannte unmittelbare Recht auf Selbstverteidigung sowie die automatische Pflicht jedes NATO-Mitgliedstaats, einem anderen Mitglied Beistand zu leisten, das Opfer eines
bewaffneten Angriffs geworden ist, ergänzen würden.
Ich hoffe, wir müssen niemals eine solche Sitzung
einberufen. Aber unsere eindeutige Bereitschaft dazu
ist der beste Weg, dies zu verhindern. Es sollten keine
Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen.
Zusätzlich zur Abschreckung weiterer irakischer Agressionen sollten wir zusammenarbeiten, um die bereits
erfolgte Aggression rückgängig zu machen.
Daher sollte unsere dritte Botschaft lauten, daß dieses
Bündnis Maßnahmen unterstützt, die Mitgliedstaaten
ergreifen könnten, um die vom UNO-Sicherheitsrat mit
Resolution 661 verfügten obligatorischen Sanktionen
zu verhängen. Falls diese UNO-Sanktionen trotz der
seltenen Einmütigkeit bezüglich ihrer Verhängung
scheitern, kann man sich kaum vorstellen, wie irgendeine UNO-Sanktion jemals Erfolg haben könnte. Als
Institution hätten die Vereinten Nationen einen moralischen Tief schlag erlitten - ebenso wie es dem Völkerbund unter entsprechenden Umständen erging. Dies
darf nicht geschehen. Es besteht auch keine Veranlassung, darüber zu spekulieren, was vielleicht getan
werden muß. Eine internationale Blockade ist sicherlich eine Möglichkeit. Aber erst sollten wir den Sanktionen etwas Zeit geben, zu greifen und Zeit gewinnen,
herauszufinden, was noch nötig ist, um sie wirksam zu
machen. Wir sollten jedoch demonstrieren, daß wir
alles Erforderliche tun werden, um den Willen der
Vereinten Nationen durchzusetzen.
Schlie ßlich sollten wir ein Signal setzen, da ß die NATO
ein Ort der Konsultation und Zusammenarbeit in Zeiten einer gemeinsamen Krise ist. Wie unsere Staatsund Regierungschefs im Mai 1989 verkündeten:
"Weltweite Entwicklungen, die unsere SicherheitsinSeite 3

�teressen berühren, sind legitime Themen für Konsultationen und, wo angebracht, Koordination zwischen
uns. Unserer Sicherheit muß in einem Zusammenhang gesehen werden, der über den Schutz vor Krieg
allein hinausgeht." Diese Herausforderung des Iraks
birgt einen weiteren Aspekt: Die Türkei - einer unserer
Mitgliedstaaten - liegt an der Frontlinie eines möglichen Konflikts. Ich weiß, daß dies für einige unter
Ihnen ein heikles Thema ist. Mein Vorschlag ist
einfach. Die Mitglieder des Bündnisses sollten in der
NATO Informationen über ihre politischen und militärischen Aktivitäten austauschen, um die praktische
Zusammenarbeit auf den Ebenen - bilateral oder

multilateral - zu erleichtern, die sich als am nützlichsten
erweisen.
Mit diesen Gedanken möchte ich zum Schluß kommen. Was wir heute hier tun, wird meiner Überzeugung nach weit über die Lage im Persischen Golf
hinaus Bedeutung haben. Dies ist die erste Krise der
Nachkriegszeit. Wie ich häufig gesagt habe, besteht
unsere Herausforderung darin, nicht nur den kalten
Krieg zu überwinden, sondern auch die ihm vorangegangenen Konflikte. Durch gemeinsames Handeln
bietet sich uns heute die Gelegenheit, dies zu tun.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 32

�KSZE
15. August 1990

KSZE KANN MASSGEBLICHEN BEITRAG ZU FRIEDEN
IN EUROPA LEISTEN
Die zukünftige Rolle der KSZE
Von Botschafter Max M. Kampelman
Der nachfolgende Artikel gründet sich im wesentlichen auf ein kürzlich von Botschafter Kampelman gegebenes
Interview.
Als die Vereinigten Staaten im Jahr 1975 der Schlußakte von Helsinki beitraten, wurden diejenigen, die sie
als dauerhafte Triebfeder für Stabilität zwischen Ost
und West sowie für Frieden und Zusammenarbeit in
Europa erachteten, als unrealistische Träumer angesehen. Zweifelsohne waren die in dem Dokument
verankerten Werte westliche Werte, und man ging
nicht davon aus, daß die Sowjetunion ihre auf dem
Papier gegebenen Versprechen in die Praxis umsetzen würde.
In der kurzen Zeitspanne von nur 15 Jahren konnten
wir jedoch beobachten, daß die in der Schlußakte von
Helsinki niedergelegten Werte heute beispiellos sind
und ganz Europa erfassen. Es sind menschliche
Werte, die der Auslöser für tiefgreifende demokratische Revolutionen in Ost- und Mitteleuropa waren.
Als ich zwischen 1980 und 1983 als Leiter der amerikanischen Delegation der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) Teilnehmer
der Folgekonferenz in Madrid war, wurde in Polen die
Gewerkschaftsbewegung Solidarität gegründet. Wir
in Madrid waren beeindruckt, daß eine der Forderungen der Solidarität an die polnische kommunistische
Regierung lautete, den Wortlaut der Schlußakte von
Helsinki in der Presse zu veröffentlichen. Dies war ein
Anzeichen für die Bedeutung dieser Werte. Heute
stellen die Gewerkschaftsführer, die von der polnischen kommunistischen Militärregierung verhaftet
worden waren, die Regierung Polens.
Ich erinnere mich, den Namen von Bronislaw Geremek
in Madrid erwähnt zu haben - einem Historiker von
Weltruf -, der aufgrund seiner Mitgliedschaft in der
Solidarität verhaftet wurde. Heute ist er Vorsitzender
der Solidaritäts-Fraktion im polnischen Parlament.

AMERIKA DIENST 32

Ich erinnere mich an die Gründung der Charta 77
genannten Gruppe in der Tschechoslowakei. Ihr Zweck
bestand darin, die Ziele der Schlu ßakte von Helsinki in
diesem kommunistischen System voranzubringen. Auch
ihre Mitglieder wurden verhaftet.
Ich weiß noch, wie ich in Madrid dagegen protestiert
und die Namen von Vaclav Havel, Jiri Hajek und
anderen renommierten Persönlichkeiten genannt habe,
die ebenfalls verhaftet worden waren. Herr Havel ist
heute Präsident der Tschechoslowakei und Professor
Hajek leitete die Delegation seines Landes bei der
KSZE-Konferenz über die menschliche Dimension in
Juni in Kopenhagen.
Die Schlußakte von Helsinki hat sich als nützlich
erwiesen, und die KSZE liefert ihr Instrumentarium. In
15 Jahren ist viel erreicht worden.
Jetzt wird die Frage laut: "Welchen Kurs wird die
KSZE einschlagen?"
Manche haben meiner Ansicht nach etwas unrealistische Vorstellungen über die Zukunft der KSZE und
ihren Einsatz für die Gewährleistung militärischer Sicherheit in ganz Europa. Vielleicht ist es Erfolgseuphorie. Vielleicht ist es auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß Bedürfnisse bestehen, die von der
KSZE anscheinend leicht erfüllt werden können.
Vielfach herrscht auch die Auffassung, die KSZE könne
NATO und Warschauer Pakt ersetzen. Das wäre ein
Fehler ist, meiner Meinung nach nicht praktikabel. Die
NATO ist eine Organisation zur militärischen Verteidigung. Sie ist ein Bündnis, das Militärdoktrin und
militärische Theorien in den Vordergrund stellt und
militärische Operationen von 16 Ländern koordiniert.

Seite 1

�Ich kann mir nicht vorstellen, daß die KSZE diese
Aufgaben übernehmen kann oder sollte.
Die KSZE muß - wie in der Schlußakte von Helsinki
1975 definiert - eine wichtige sicherheitspolitische Rolle
spielen, um unter den 35 Mitgliedstaaten Vertrauen zu
bilden und ihre Zustimmung zu bestimmten vertrauensbildenden Maßnahmen im sicherheitspolitischen
Bereich einholen. Das ist von Nutzen, hat aber Grenzen.
Wenn KSZE-Länder zum Beispiel militärische Manöver durchführen wollen, benachrichtigen sie sich vorher. Sie versichern sich gegenseitig, daß es sich nicht
um feindliche Aktionen handelt. Und sie gestatten sich
gegenseitig Inspektionen - die Vertrauen bilden und
gut und nützlich sind, um das Sicherheitskonzept in
Europa zu stärken.
Aber all dies ist etwas anderes als über einen militärischen Befehlshaber und eine koordinierte militärische
Struktur zwischen allen Ländern zu verfügen. Es wäre
ein Fehler, wenn wir in solchen Kategorien denken
würden, und wir sind weit davon entfernt.
Ich bin mir des in Europa bestehenden Problems der
militärischen Sicherheit bewußt. Ich habe Gespräche
mit führenden Politikern der aufstrebenden Demokratien in Mitteleuropa geführt, von denen mir einer erklärte: "Sie haben die NATO. Ein Angriff auf ein Land
kommt einem Angriff auf alle gleich. Und was haben
wir?"
Er war besorgt über mögliche Bedrohungen der Grenzen seines Landes durch Nachbarn aus Ost und West:
einen neuen Kremlführer, der sowjetische Truppen
aussenden könnte oder einen künftigen aggressiven
Staatsmann eines vereinten Deutschlands und Befehlshaber einer großen Armee. "Werden Sie mich
beschützen?" fragte er.
Ich verstehe diese Sorge und kann mir gut vorstellen,
daß jemand, der diese Sorgen hat, sagen könnte: "Wir
brauchen die KSZE, um uns zu schützen."
Aber die KSZE ist nicht in der Lage, jemanden zu
schützen, weil sie auf der Basis der Einstimmigkeit
funktioniert. Jedes Mitgliedsland könnte sein Veto
gegen den Hilferuf eines Staats einlegen, eine von ihm
wahrgenommene Bedrohung abzuwehren.
Es gibt jedoch Sicherheitsprobleme, die von der KSZE
gelöst werden können.
Während einer Europareise wurde mir unlängst wiederum die Tatsache verdeutlicht, daß sich mit der
Abschwächung der Ost-West-Spannungen neue
Spannungen entwickeln. Wenn man diese neuen
Spannungen sorgfältig untersucht, wird man zu dem
Schlu ß kommen, da ß sie gar nicht so neu sind. Es sind
alte Spannungen, die erneut zum Tragen kommen Nationalitätenprobleme, Minderheitenprobleme, eth-

Seite 2

nische Probleme -, insbesondere in Mittel- und Osteuropa. Dies sind potentielle Bedrohungen der Sicherheit in Europa.
Wenn die KSZE ihrer Verantwortung für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa gerecht werden soll, dann
wird sie meines Erachtens Mittel und Wege finden
müssen, um diese Zwistigkeiten zu behandeln.
Dem Konzept der Schlußakte von Helsinki zufolge
besteht der beste Weg zur Behandlung von Minderheitenproblemen meiner Meinung nach darin, jetzt zu
sondieren, ob die KSZE eine vermittelnde, beratende
oder untersuchende Rolle spielen kann, die zur Lösung dieser Streitigkeiten beiträgt, wenn sie noch im
Entstehen begriffen sind und bevor sie zu gewalttätigen Auseinandersetzungen eskalieren.
Ich hoffe, daß sich die KSZE bei ihrem nächsten
Treffen damit beschäftigen wird, welche Art von Vermittlerrolle sie spielen kann.
Im Verlauf der Kopenhagener Konferenz über die
menschliche Dimension hat die amerikanische Delegation einen Ansatz vorgeschlagen. Wenn zwischen
zwei Staaten ein Streitfall besteht, würde jeder einen
Experten zu dem betreffenden Thema benennen. Die
beiden Experten würden sodann einen dritten Vermittler von einem anderen KSZE-Land auswählen, der als
Vorsitzender fungieren würde.
Diese drei würden dann sondieren, ob eine friedliche
Lösung des Streits möglich wäre. Sie würden das
Recht haben, Anhörungen zu veranstalten, aber sie
hätten nicht das Recht, eine Regelung vorzuschreiben.
Das war nur eine Idee von unserer Seite. Vielleicht
funktioniert sie. Ich meine, man sollte sie ausprobieren. Vielleicht wird jemand anders eine andere Idee
haben, aber dies ist ein entscheidender Bereich, in
dem die KSZE einen einzigartigen Beitrag zu Stabilität
und Zusammenarbeit in Europa leisten kann.
Ein weiteres sehr wichtiges Problem, das von der
KSZE behandelt werden könnte, ist der Terrorismus.
Wir haben heute eine einzigartige Chance, weil der
internationale Terrorismus bis vor kurzem noch vom
Weltkommunismus gefördert wurde.
Viele wu ßten bereits, da ß die alten Regime der Tschechoslowakei, Polens, der DDR, Bulgariens und Rumäniens internationale Terroristen ausbildeten, sie finanzierten und taten, was sie konnten, um die Welt und
auch Europa zu destabilisieren. Heute, da die neu
entstehenden Demokratien ihre nationalen Archive
öffnen, erfahren wir weitere Einzelheiten darüber.
Neue Regierungen werden in Mittel- und Osteuropa
gebildet, die hoffentlich alle demokratisch sein werden.
Die Entwicklung verläuft jedenfalls in dieser Richtung.
Sie können zusammen mit den anderen europäischen

AMERIKA DIENST 32

�Ländern eine einzigartige und kooperative Rolle spielen, indem sie den internationalen Terrorismus aushungern anstatt ihm Nahrung zu geben, indem sie ein
Programm entwickeln, mit dem jeder dem anderen
dabei hilft, Terroristen bloßzustellen, zu inhaftieren,
sie auszuweisen und alles zu tun, um ihnen Einhalt zu
gebieten. Die Sowjetunion signalisiert ihre Bereitschaft, sich an solchen Bemühungen zu beteiligen.
Es gibt noch eine dritte mögliche Rolle für die KSZE:
die Förderung von Abrüstungsmaßnahmen in Europa.
Die Wiener Gespräche über die Reduzierung konventioneller Streitkräfte werden bald zu Ende gehen - ich
hoffe, mit Erfolg -, und wahrscheinlich wird es eine
weitere Gesprächsserie in diesem konventionellen
Bereich geben, bei der die KSZE eine bedeutende
Rolle spielen kann.

*

AMERIKA DIENST 32

Einerseits kann die KSZE über die Reduzierung von
Rüstungen sprechen und andererseits über eine Stärkung der Sicherheit durch die Behandlung von Minderheiten- und Nationalitätenproblemen sowie bei der
Ausrottung des Terrorismusproblems.
Die KSZE kann meines Erachtens in Europa eine
Atmosphäre schaffen, die fest in Freiheit, Menschenwürde und Stabilität verankert ist. Langfristig könnte
sich dies als weit entscheidenderer Beitrag zum Friedensprozeßerweisen als der Versuch, dieses sensible
Instrument irgendwie in ein militärisches Bündnis zu
verwandeln.

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10922">
                <text>15.08.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10923">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10924">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10925">
                <text>Amerikadienst 15.08.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10926">
                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Welt verlangt UNO-Sanktionen gegen irakische Schiffahrt &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Zusammenhalt im atlantischen Bündnis unabdingbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;KSZE kann maßgeblichen Beitrag zu Frieden in Europa leisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die zukünftige Rolle der KSZE von Botschafter Max M. Kampelman&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="3031" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2854">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4728243271258c471c1fe58eeba0068c.pdf</src>
        <authentication>fda931817df9b242f7ee3477f45ce5ae</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16100">
                <text>Amerikadienst 15.09.1961</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16101">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16102">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16103">
                <text>15.09.1961</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16104">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20441">
                <text>&lt;strong&gt;1. Medizin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jede Strahlendosis bedeutet Gefahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Atomtests in der Atmosphäre ein Risiko für die gesamte Menschheit&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA entwickeln Verfahren zur Entfernung von Strontium-90 aus der Milch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Medizinische Geräte aus den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lymphozyten verhindern Einheilen von Organtransplantaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Gesetz zur Bekämpfung von Korruption und Günstlingswirtschaft in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Douglas Prince&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zurück zum Latein!&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerika will wieder Latein lernen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Lynn Poole&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Funk und Fernsehen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung durch das Fernsehen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;und weitere vier Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten und Raumsonden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;4 Jahre Experimente im Weltraum - USA starteten über 50 Satelliten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Westmächte warnen Moskau erneut vor Behinderung des Luftverkehrs nach Berlin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Note der amerikanischen Regierung vom 8. September 1961&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1545" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1556">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4e9ec31a4be8bcb42d41216e95e6c27d.pdf</src>
        <authentication>b4e71fb3f6d54d2105faf412e7dbad8e</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8044">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

15. September 1976

17

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Keine Chance f ü r Splitterparteien
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Abgase von Überschallflugzeugen
- U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest Interferon gegen chronische Hepatitis

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�" amerika dienst
v-7

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER DEMOKRATISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Internationale Beziehungen
Die nächste demokratische Administration muß und wird eine neue amerikanische Außenpolitik einleiten.
Acht Jahre Nixon-Ford-Diplomatie haben unser Volk vom Ausland isoliert
und im Inland gespalten. Die Politik wurde mit der Zeit der geheim gehaltenen Bombardierung Kambodschas bis zu der kürzlichen verschleierten Hilfe
an Angola von dem zuständigen Ministerium in aller Heimlichkeit und willkürlich entwickelt und durchgeführt. Es handelte sich um eine Politik, die sich
auf einseitige ad-hoc-Maßnahmen und eine Diplomatie des Gleichgewichts der
Kräfte stützte, die besser in das vorige Jahrhundert als in das gegenwärtige
gepaßt hätte. Sie hat die traditionellen amerikanischen Prinzipien verächtlich gemacht, die sich einst die Achtung der anderen Völker erworben und unser eigenes Volk angespornt haben. Statt sich um die Förderung von Freiheit
und Gerechtigkeit auf der Welt zu bemühen, hat die republikanische Administration eine traurige Bilanz aufgestellt - an Mißachtung der Menschenrechte, an
manipulierter Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder und,
immer wieder, an einem stärkeren Interesse für unsere Beziehungen zu den tota-

�totalitären Gegnern statt zu unseren demokratischen Verbündeten.

Und ihre

Bemühungen, den internationalen Status quo zu erhalten statt zu reformieren,
verrät einen Zweck-Pessimismus, der im Gegensatz zu dem traditionellen amerikanischen Bekenntnis zur Möglichkeit des Fortschritts der Menschheit steht.
Verteidigungspolitik und Ausgaben für die Streitkräfte müssen im Einklang mit der Erfüllung der realen Sicherheitserfordernisse des amerikanischen
Volkes stehen.

Wir sind uns bewußt, daß die Sicherheit unseres Landes in

erster Linie von der inneren Stärke der amerikanischen Gesellschaft abhängig
ist - der wirtschaftlichen, der sozialen und der politischen.

Wir sind uns

ebenso bewußt, daß ernste internationale Bedrohungen unserer Sicherheit nicht
ausschließlich militärischer Natur sind und daß ihnen nicht durch militärische
Gewalt oder durch Androhung von Gewalt begegnet werden kann.

Die republika-

nische Administration hat durch Mißwirtschaft und falsche Politik die Sicherheit unseres Landes untergraben, indem sie die menschlichen Erfordernisse im
eigenen Lande vernachlässigte und gleichzeitig, zum ersten Male in der Geschichte unseres Landes, nach einem Krieg die militärischen Ausgaben erhöhte.
Milliarden von Dollar wurden für verschwenderische, extravagante und - in einigen Fällen - einer Stabilisierung abträgliche
zweigt.

militärische

Programme abge-

Unser Land kann - und unter einer demokratischen Administration wird

es dies tun - nachdrücklich auf die Verwirklichung einer Politik der Vollbeschäftigung und des wirtschaftlichen Wachstums hinarbeiten, die uns in die Lage
versetzen wird, dem berechtigten Eigenbedarf unserer Bürger wie auch unseren
Erfordernissen für eine ausreichende nationale Verteidigung zu entsprechen.
Eine demokratische Administration wird auf die Entwicklung einer Außenpolitik hinarbeiten, die der Stärke und Würde des amerikanischen Volkes entspricht, indem sie sich an die folgenden grundlegenden Prinzipien und Prioritäten hält:
Wir werden nach der Prämisse handeln, daß beim politischen Handeln die
Offenheit mit all ihrer Verantwortung der Geheimniskrämerei vorzuziehen ist.
Der Kongreß wird in die wichtigen internationalen Entscheidungen unserer jte^

�Regierung eingeschaltet werden, und unsere Außenpolitik wird offen geführt
und dem amerikanischen Volk ständig erläutert werden.

Selbst wenn diploma-

tische Taktiken und nationale Sicherheitsinformationen manchmal geheim bleiben müssen, kann es keine Entschuldigung dafür geben, die grundlegende Politik
ohne Wissen und Unterstützung der Öffentlichkeit auszuarbeiten und durchzuführen.
Unsere Politik muß auf der Verpflichtung unseres Landes zu den Idealen
der Freiheit und Gerechtigkeit für den Einzelnen basieren. Die Erfahrung hat
uns gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich auf militärische Stärke und wirtschaftliche Macht verlassen dürfen, so notwendig diese auch sind, um unsere
internationalen Zielsetzungen zu verfolgen. Wir müssen uns auch auf die moralische Stärke unserer demokratischen Werte verlassen - die für unsere Freunde
größter Ansporn und für unsere Gegner das am meisten gefürchtete Attribut sind.
Wir werden sicherstellen, daß die Erfordernisse der Menschen nicht militärischen Aufgaben geopfert werden, gleichzeitig aber die Streitkräfte aufrechterhalten, die wir für unsere Sicherheit benötigen.
Wir werden unsere Bindungen zu den anderen großen Demokratien stärken
und mit ihnen zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen wirtschaftlichen und
sozialen Probleme zu lösen und unsere

Verteidigung stark zu erhalten.

Wir werden die demokratische Tradition der Freundschaft und Unterstützung
der Länder der Dritten Welt wiederherstellen.
Wir müssen ferner nach Gebieten für eine Kooperation mit unseren traditionellen Gegnern suchen. Es bleibt keine andere Wahl, denn es geht um das
überleben der Menschheit. Doch das Streben nach Entspannung setzt voraus,
daß wir eine starke militärische Abschreckung der USA unterhalten, unsere
eigenen Interessen nachdrücklich vertreten, das Anhalten des Wettstreits erkennen und der amerikanischen Öffentlichkeit die unmittelbaren Vorteile einer
solchen Politik nicht übertrieben positiv darstellen.
Wir

�Wir werden das grundlegende Bekenntnis der USA zu den Menschenrechten
überall auf der Welt erneut bekräftigen.

Amerika muß sich für die Freilas-

sung aller politischen Gefangenen in allen Ländern einsetzen - der Männer
und Frauen, die sich im Gefängnis befinden, nur weil sie friedlich gegen die
Politik ihrer Regierung angegangen sind oder weil sie anderen dabei geholfen
haben.

Amerika muß eine feste Haltung einnehmen und das bestehende US-Gesetz

unterstützen und durchführen, das die Liberalisierung der Auswanderungspolitik
in solchen Ländern bewirken soll, die die freie Auswanderung einschränke1" oder
verbieten.

Amerika muß festhalten an seiner Unterstützung des Rechts der Ar-

beiter, sich zu organisieren, und der Gewerkschaften, frei und unabhängig tätig
zu werden, wie auch an seiner Unterstützung der Pressefreiheit.

Amerika muß

weiterhin als Bollwerk für die Unterstützung der menschlichen Freiheit in allen
Ländern dastehen.

Eine Rückkehr zu dieser Grundsatzpolitik setzt eine erneute

Bekräftigung der menschlichen Freiheiten überall auf der Welt voraus.

Die Herausforderung der Interdependenz
Die Weltwirtschaft
Acht Jahre der Mißwirtschaft in der amerikanischen Wirtschaft haben zu
weltweiter Rezession und Inflation beigetragen.

Der wichtigste Beitrag, den

eine demokratische Administration zur Wiedergesundung der Weltwirtschaft leisten
kann, ist die Wiedergesundung der amerikanischen Wirtschaft mit all ihrem Einfluß auf Stabilität und Fortschritt der Weltwirtschaft.
Wir bekennen uns zu einer Handelspolitik, die einer Wirtschaft mit Vollbeschäftigung nützt - durch Schaffung neuer Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, Erschließung neuer Absatzmärkte für amerikanische Farmer und Unternehmen, Senkung der Preise und Ausweitung des Warenangebots für die amerikanischen
Verbraucher.

Ein stetiger Abbau der Handelsschranken sollte auf einer Basis

der Gegenseitigkeit ausgehandelt werden, so daß es anderen Ländern nicht mög-

�möglich ist, uns den Zugang zu ihren Märkten zu verwehren, während sie Zugang zu unserem Markt haben.

Diese Maßnahmen müßten von verbesserten Pro-

grammen begleitet sein, um die Folgen von Verzerrungen und die Härten für solche amerikanischen Arbeiter zu mildern, die von dem ausländischen Wettbewerb
betroffen werden.
Die Demokratische Partei wird ferner einen höheren Lebensstandard für
die Arbeiter in solchen Ländern zu fördern suchen, in denen die Produktivität
weit über den Löhnen liegt, so daß der amerikanische Arbeiter durch eine unfaire Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte geschädigt und amerikanisches Kapital ermutigt wird, die durch die Niedriglöhne sich bietenden Möglichkeiten
zu nutzen, die unserer eigenen Wirtschaft schaden und den Dollar schwächen.
Wir werden die Führung bei den internationalen Bemühungen um eine Stärkung des Weltwirtschaftssystems übernehmen. Die Auffassung der Ford-Administration, man solle sich auf die internationale "Marktwirtschaft" verlassen,
entspricht nicht mehr einer Welt, in der einige Regierungen und multinationale Gesellschaften aktiv Lenkung und Beeinflußung der Marktkräfte betreiben.
Wir verpflichten uns zu ständigen Bemühungen, um die Währungssysteme der
Welt funktionsfähig zu erhalten und so ein einigermaßen stabiles Wirtschaftsklima für die Unternehmen zu schaffen sowie einen Import von Inflation zu verhindern.

Wir werden die Reform des internationalen Währungssystems unter-

stützen, um so die institutionellen Mittel für eine Koordinierung der nationalen Wirtschaftspolitik, vor allem mit unseren europäischen und japanischen
Verbündeten, zu stärken und die Bemühungen unserer und anderer Regierungen
zur Vollbeschäftigung zu erleichtern.
Die Demokratische Partei hat sich zu einer starken und wettbewerbsfähigen, in den USA gebauten und mit amerikanischen Seeleuten bemannten Handelsflotte bekannt, die den internationalen Beziehungen sowie der nationalen Sicherheit dient.

Zur Neubelebung unserer Handelsflotte verpflichtet sich die

Partei zu einer stärkeren Koordinierung der Schiffahrtspolitik, zu einer er- 5 -

�erneuten Bekräftigung der Zielsetzungen der Handelsmarinegesetze von 1936
und 1970 und zur Ausarbeitung einer nationalen Frachtenpolitik, die der
amerikanischen Handelsflotte einen fairen Anteil am gesamten amerikanischen
Handel sichert.
Eine demokratische Administration wird nachdrücklich internationale
Verhandlungen betreiben, um sicherzustellen, daß die multinationalen Aktivitäten von Gesellschaften, amerikanischen wie ausländischen, gegenüber der
internationalen Völkergemeinschaft mehr Verantwortungsbewußtsein zeigen. Wir
werden unsere Aufmerksamkeit vorrangig der Schaffung eines internationalen
Verhaltenskodexes für multinationale Gesellschaften und Gastländer widmen.
Wir werden die multinationalen Gesellschaften ermutigen - vor Produktionsverlagerungen über internationale Grenzen hinweg -, im voraus ausreichende Vorkehrungen für solche Arbeiter zu treffen, deren Arbeitsplätze dadurch
betroffen werden.
Wir werden Bestechungen und andere korrupte Praktiken beseitigen.
Wir werden diese Gesellschaften daran hindern, sich in die politischen
Systeme der Länder einzumischen, in denen sie tätig sind.
Wenn ein Kodex nicht durch Verhandlungen erreicht werden oder sich als
undurchführbar erweisen sollte, dann sollte sich unser Land das Recht zu einseitigen Maßnahmen vorbehalten, die jedes dieser Probleme ansprechen und im
besonderen Bestechungen und andere unrechtmäßige Zahlungen an Regierungsbeamte
anderer Länder für ungesetzlich erklären.
Zur Verwirklichung offener und fairer internationaler Wirtschaftsbeziehungen werden wir nach Mechanismen, auch gesetzlicher Art, suchen, die sicherstellen, daß ausländische Regierungen in den Außenhandel der USA keinen Boykott
dritter Parteien und keine Diskriminierung aus rassischen oder religiösen
Gründen einführen.
Energie

�Energie
Die Vereinigten Staaten müssen bei der Förderung der Zusammenarbeit der
Industriestaaten in der Entwicklung alternativer Energiequellen und der Senkung des Energieverbrauchs die Führung übernehmen, um so unsere Abhängigkeit
von Importen aus dem Nahen Osten zu verringern und den hohen Energiepreisen
Einhalt zu gebieten.

Unter einer demokratischen Administration werden die

Vereinigten Staaten ferner internationale Bemühungen zur Erschließung des
riesigen Energiepotentials der Entwicklungsländer unterstützen.
Wir werden uns ferner aktiv darum bemühen, die Gefahren zu begrenzen,
die sich aus der internationalen Entwicklung der Atomenergie sowie der Ausbreitung der Kernwaffen ergeben.
geräumt werden sollte, gehören:

Zu den Schritten, denen hohe Priorität einNeubelebung des Atomsperrvertrages; Auswei-

tung der Befugnisse der Internationalen Atomenergiebehörde und anderer internationaler Sicherheiten sowie die Kontrolle nationaler Anlagen; Zusammenarbeit bei internationalem Terror mit Kernwaffen; ein Abkommen der Erzeugerländer, keine Anreicherungs- oder Wiederaufbereitungsanlagen weiterzugeben; eine
internationale Garantie, nukleare Brennstoffe nur an solche Länder zu liefern,
die sich an die strikten Bestimmungen des Atomsperrvertrages halten; Subventionierung multinationaler Nuklearanlagen und allmähliche Unterstellung des
nicht für Waffenzwecke bestimmten spaltbaren Materials unter internationale
Kontrolle.

Die Entwicklungsländer
Wir haben während des nächsten Jahrzehnts eine historische Chance, Ausmaß und Qualität der Zusammenarbeit zwischen den reichen und den armen Ländern
zu verbessern.

Die potentiellen Vorteile einer Politik der konstruktiven Zu-

sammenarbeit mit den Entwicklungsländern wären für unser Land beträchtlich:
unbehinderter Zugang zu Rohmaterialien und Rohstoffen bei angemessenen Preisen
- 7 -

�Preisen; niedrigere Raten der weltweiten Inflation; besserer Absatz für unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten; und eine bessere Atmosphäre für internationale Verhandlungen ganz allgemein.

Vor allem die Aussichten auf Frieden

werden in einer Welt bedeutend höher sein, in der immer weniger Menschen unter
Angst vor Hunger und unter dem Joch wirtschaftlicher Unterdrückung zu leiden
haben.
Wir unterstützen die Bemühungen zur Stabilisierung und Steigerung der
Exporterlöse der Entwicklungsländer durch unsere Beteiligung an vernünftigen
Rohstoffabkommen.

Wir unterstützen die Stärkung der weltweiten Finanzierungs-

mechanismen und die Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels. Wir werden
die Förderung größerer Kapitalmärkte in den Entwicklungsländern unterstützen.
Da unser Land Lebensmittel und Textilfasern in die gesamte Welt liefert,
ist der amerikanische Farmer in hohem Maße abhängig von den Weltmärkten.

Die

Entwicklung auf diesen Märkten muß sich so vollziehen, daß ein ungestümes Hochschnellen der Lebensmittelpreise und periodische Verknappungen vermieden werden, wie sie unter der letzten republikanischen Administration allgemein üblich waren.

Wir verpflichten uns zu einer beträchtlichen finanziellen Unter-

stützung des Internationalen Fonds für die Entwicklung der Landwirtschaft; zu
einer wirksameren Lebensmittelhilfe durch Überprüfung des US-Lebensmittel-fürden-Frieden-Programms; zu beträchtlichen Beiträgen an ein multinationales System
für Lebensmittelreserven, das angemessene Sicherheiten für die amerikanischen
Farmer enthält; sowie zu ständigen Anstrengungen zur Förderung der amerikanischen
Lebensmi ttelexporte.
Die Ausbreitung der Rüstungen, sowohl der konventionellen als auch der
nuklearen, bildet eine wichtige potentielle Konfliktquelle in der unterentwickelten und in der industrialisierten Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

den Verkauf konventioneller Waffen wesentlich einschränken und die militärische
Hilfe an Entwicklungsländer abbauen.

Sie sollten den Transfer konventioneller

Waffen in die Rüstungskontroilagenda einbeziehen und bei dem Transfer amerikanischer Waffen bei jedem Land eine eingehende Begründung verlangen.
- 8 -

Solche

�Solche Verkäufe oder eine solche Hilfe müssen nach den außenpolitischen Vorteilen für die USA gerechtfertigt sein und nicht lediglich nach den wirtschaftlichen Vorteilen für die amerikanischen Waffenproduzenten.
Ein Hauptziel der amerikanischen Hilfe, der militärischen wie auch der
wirtschaftlichen, ist die Stärkung der Freiheit auf der Welt.

Die Vereinigten

Staaten sollten nirgendwo auf der Welt Hilfe an Regierungen gewähren, die sich
zur Durchsetzung ihrer Macht der Geheimpolizei, des Freiheitsentzugs ohne Anklage sowie der Folter bedienen.

Ausnahmen von dieser Politik sollten selten

sein, und die Hilfe sollte dann auf das absolut Notwendige beschränkt bleiben .

Vertei di gungspoli ti k
Umfang und Struktur unserer Streitkräfte müssen sorgfältig auf die Erfordernisse unserer Außenpolitik in der heutigen Zeit abgestimmt sein.

Sie

sollten auf einer sorgfältigen Bewertung dessen basieren, was langfristig notwendig ist, um unsere potentiellen Gegner abzuschrecken; um notfalls konventionelle Kriege in Gebieten führen zu können, in denen unsere nationale Sicherheit bedroht ist; und um unseren Verbündeten und Freunden - vor allem in Westeuropa, Japan und im Nahen Osten - Sicherheit zu geben.

Daher müssen unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte eine starke und glaubwürdige Abschreckung
vor einem nuklearen Angriff und einer nuklearen Erpressung sein.

Unsere kon-

ventionellen Streitkräfte müssen stark genug sein, um vor einer Aggression
in Gebieten abzuschrecken, die für unsere eigene Sicherheit entscheidend wichtig sind.

So wie es mit diesen Zielen zu vereinbaren ist, sollten wir uns

um Abrüstungs- und Rüstungskontroi labkommen bemühen, die zu einer beiderseitigen Reduzierung sowohl der nuklearen als auch der konventionellen Rüstungen
beitragen.
Charakteristisch für die Verteidigungspolitik der Nixon-Ford-Administrationen waren jedoch Stagnation und Verwundbarkeit.
Durch

�Durch ihre Zögern, Veränderungen auf solchen Gebieten unserer Streitkräfte vorzunehmen, die einer Lösung von Problemen aus der Vergangenheit
dienten, hat die Administration nicht nur Verteidigungsgelder verschleudert,
sondern auch Verbesserungen vernachlässigt, die zur Erhöhung der Kampfkraft
und des Abschreckungspotentials unserer STreitkräfte bei einer künftigen
Aggression notwendig waren.
Wie die überaus starke Betonung des Gesamtumfangs des Verteidigungsbudgets als wichtigster Maßstab für unsere nationale Entschlossenheit und die
Schlagkraft unserer STreitkräfte zeigt, hat die Administration übersehen, daß
wir nicht danach trachten, mehr auszugeben als unsere potentiellen Gegner,
sondern daß wir vielmehr in der Lage sein wollen, abschreckend auf sie zu wirken und ihnen im Kampfe überlegen zu sein.

Wir müssen die Gelder ausgeben,

die legitim für die Verteidigung benötigt werden, doch sind Kürzungen bei
Überschneidungen und Verschwendung sowohl möglich als auch notwendig.

Sofern

es zu keiner wesentlichen Änderung der internationalen Lage kommt, sind wir
der Ansicht, daß wir bei richtiger Verwaltung, richtiger Verwendung der Verteidigungsgelder und richtiger Auswahl der militärischen Programme die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben um 5 bis 7 Milliarden Dollar senken können.

Wir müs-

sen einen harten Maßstab bei der Entwicklung neuer Waffensysteme anlegen, die
nur von untergeordnetem militärischem Wert sind.

Die Höhe unseres Verteidi-

gungsbudgets sollte nicht durch bürokratische Gebote oder Erfordernisse der
Rüstungsindustrie, sondern durch unsere Bewertung der internationalen Realitäten bestimmt werden.

Um eine umfassende Überprüfung der B-1-Erprobung und

ihres Auswertungsprogramms zu ermöglichen, sollte vor Februar 1977 keine Entscheidung über eine Produktion der B-l getroffen werden.
Das Pentagon hat eine der am stärksten überzüchteten Bürokratien der
Bundesregierung. Das Verteidigungsministerium kann wirksamer und sparsamer
arbeiten, und sein Budget kann gekürzt werden, ohne daß unsere Verteidigungsposition dadurch irgendwie beeinträchtigt wird. Unsere Streitkräfte haben
heute mehr Admiräle und Generäle als während des Zweiten Weltkrieges, als unsere Streitkräfte weitaus größer waren als heute. Wir können das zahlenmäßige
- 10 -

�zahlenmäßige Verhältnis von Offizieren und Mannschaften und von Versorgungseinheiten und Kampftruppen verbessern ...
Es bedarf einer neuen Einstellung

zu den Dingen.

Unsere strategischen

Nuklearstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sichergestellt ist, daß
sie einen nuklearen Angriff überstehen können und daß somit eine Abschreckung
vor einem Atomkrieg gewährleistet ist.

Eine erfolgreiche nukleare Abschreckung

ist eine äußerst wichtige Aufgabe unserer Streitkräfte.

Wir sollten jedoch

vermeiden, uns auf Ausgaben einzulassen, die nur symbolischen oder Prestigewert haben oder die zu einer nuklearen Instabilität beitragen.
Die amerikanische Marine muß die stärkste Flotte der Welt bleiben.

Un-

sere Seestreitkräfte sollten verbessert werden, wobei der Nachdruck auf das
überleben gelegt werden sollte, und unsere moderne Technologie sollte mit
neuen Methoden für die Offenhaltung der wichtigen Seewege eingesetzt werden.
Konkret ausgedrückt, wir sollten mehr Nachdruck auf neuartige Sensoren und
Rüstungen legen und auf eine Marine, die aus einer größeren Zahl kleiner und weniger verwundbarer Schiffe besteht, Vorrang einräumen.
Unsere Landstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sie bei der Unterstützung unserer politischen und militärischen Verpflichtungen wirksam kämpfen können. Hierfür sind moderne, gut ausgerüstete und äußerst mobile Landstreitkräfte wichtiger als eine große Zahl sparsam ausgerüsteter Infanteriedivisionen.
Unsere taktischen Luftstreitkräfte sollten so ausgerichtet sein, daß sie
im Falle von Feindseligkeiten rasch die Luftüberlegenheit erringen und unsere
Land- und Seestreitkräfte unterstützen können.
Wir können und werden wesentliche Einsparungen beim Oberkommando sowie
beim Nachschub unserer Streitkräfte vornehmen.
Das Beschaffungssystem für Verteidigungsausrüstung sollte reformiert wer- 11 -

�werden.

Es sollten, wo immer dies möglich und mit den Bemühungen um eine

volle Beteiligung kleinerer Unternehmen zu vereinbaren ist, Ausschreibungen
auf Wettbewerbsbasis und andere Verbesserungen im Beschaffungswesen vorgenommen werden, um einen uneingeschränkten und fairen Wettbewerb zwischen allen potentiellen Lieferfirmen zu fördern und die gegenwärtige Verschwendung
im militärischen Beschaffungswesen zu unterbinden.

Es sollte eine gerechtere

Formel für die Verteilung von Verteidigungsaufträgen und anderen Beschaffungsaufträgen der Bundesregierung auf einzelstaatlicher oder regionaler Basis erwogen werden.
Die Vereinigten Staaten und andere Länder haben ein gemeinsames Interesse an einer Verringerung der militärischen Ausgaben und einer Zuteilung der
eingesparten Mittel für Programme zur Hebung des Lebensstandards.

Um den

Weg für solche Änderungen zu ebnen, sollten Exekutive und Kongreß eine langfristige Planung der von Verteidigungsaufträgen abhängigen Gemeinden, der Leitung der Firmen der Rüstungsindustrie und der Gewerkschaften fördern.

Dieser

Prozeß sollte sich im Rahmen der Verpflichtung der Demokratischen Partei zu
einer geplanten Vollbeschäftigung vollziehen.
Unsere zivilen und militärischen Geheimdienste sollten so gegliedert
sein, daß sie rechtzeitig und genaue Informationen sowie Analysen außenpolitischer und militärischer Fragen beschaffen können.

Geheime Aktionen dürfen

nur in ganz wichtigen Fällen erfolgen, wenn dies entscheidend wichtig für
die Sicherheit der USA ist; Mordaufträge müssen verboten

sein.

Es sollte

eine umfassende und genaue Kontrolle unserer Geheimdienste durch den Kongreß
geben.

Die verfassungsmäßigen Rechte der amerikanischen Bürger können und müs-

sen voll geschützt sein, und Mißbräuche des Geheimdienstes sollten korrigiert
werden, ohne daß die Vertraulichkeit des zurecht als geheim eingestuften Geheimdienstmaterials gefährdet oder die grundlegende Aufgabe des Geheimdienstes
aufs Spiel gesetzt wird.
Die

- 12 -

�Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind die einzigen Mächte, die
durch Rivalität oder durch Fehleinschätzung unsere Zivilisation in einen allgemeinen Atomkrieg stürzen könnten.

Ein Hauptziel muß der weitere Abbau der

Spannungen mit der Sowjetunion sein.

Dies kann jedoch nur durch Festhalten an

unseren Prinzipien und Interessen und durch rein sachliche Verhandlungen über
spezifische Fragen erreicht werden, nicht durch schlechte Verträge, dramatisches
Auftreten

und Betonung allgemeiner Deklarationen, wie sie für die Entspannungs-

politik der Nixon-Ford-Administration charakteristisch waren.
Sowjetische Schritte führen weiterhin zu ernsten Bedrohungen des Friedens
und der Stabilität in zahlreichen Teilen der Welt und unterlaufen die westliche Unterstützung fruchtbringender Verhandlungen über allen zum Nutzen gereichende Abkommen.

Die Sowjetunion hat während der letzten Jahre bei ihrer

Marine, ihren strategischen Streitkräften sowie ihren in Osteuropa und Asien
stationierten Landstreitkräften eine bedeutende militärische Aufrüstung vorgenommen.

Sie hat in den Verhandlungen einseitige Vorteile angestrebt und hat

politischen und militärischen Druck in Gebieten wie dem Nahen Osten und Afrika
ausgeübt sowie ohne Zögern nach Angola eigene Berater sowie Expeditionsstreitkräfte ihrer Satelliten entsandt.
Die andauernde militärische Vorherrschaft der Sowjetunion in zahlreichen
osteuropäischen Ländern bleibt eine Quelle der Unterdrückung für die Völker
dieser Länder - eine Unterdrückung, die wir nicht akzeptieren und die wir aus
moralischen Gründen ablehnen.

Jeder Versuch seitens der Sowjetunion, in ähn-

licher Weise andere Teile Europas - wie zum Beispiel Jugoslawien - zu beherrschen, würde eine ernste Bedrohung für den Frieden darstellen.

Osteuropa kann

kein Gebiet echter Stabilität sein, solange diese Länder nicht ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und Teil eines großen europäischen Systems geworden
sind.
Unsere Aufgabe ist es, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf eine
- 13 -

�eine stabile Basis zu stellen und dabei jedes Übermaß an Hoffnung oder Angst
zu vermeiden.

Geduld, ein klarer Sinn für unsere eigenen Prioritäten und

eine Bereitschaft zu Verhandlungen über spezifische bindende Abkommen auf Gebieten von gemeinsamem Interesse können die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wieder ins Gleichgewicht bringen.
Auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung und der Rüstungskontrolle sollten
wir hinarbeiten:
auf eine Begrenzung der internationalen Ausbreitung von spaltbarem Material
und Nuklearwaffen;
auf spezifische Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen, die
die Stabilität des strategischen Gleichgewichts erhöhen und das Risiko eines
Atomkrieges verringern und die beiderseitige Reduzierungen und Begrenzungen
für künftige Waffendislozierungen nachdrücklich betonen, welche das strategische
Gleichgewicht am meisten gefährden, weil ihre Charakteristika auf eine Anwendung bei einem potentiellen Erstschlag hindeuten;
auf ein umfassendes Verbot von Kernversuchen;
auf einen beiderseitigen Abbau - mit der Sowjetunion und anderen - unserer nuklearen Arsenale unter sicheren Garantien, der schließlich zur völligen Beseitigung solcher Arsenale führt;
auf beiderseitige Beschränkungen - mit der Sowjetunion und anderen - des
Verkaufs und Transfers von Waffen an Entwicklungsländer; und
auf Abkommen über konventionelle Rüstungen und beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa.
Auf dem Gebiet der Begrenzung der strategischen Rüstungen sollten die Vereinigten Staaten jedoch nur solche Abkommen akzeptieren, die die Gesamtstärke
- 14 -

�1

Gesamtstärke ihrer interkontinentalen strategischen Streitkräfte nicht so
stark begrenzen, daß sie unter den für die Sowjetunion vorgesehenen Begrenzungen liegt.
Auf lange Sicht sollte die Weiterentwicklung noch umfassenderer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beiden
Ländern wesentliche Vorteile bringen.

Die Sowjetunion hat jedoch versucht,

durch unfaire Handelspraktiken solche strategisch wichtigen Gebiete wie die
Handelsschiffahrt zu beherrschen.

Statt diesen Versuchen wirksam entgegenzu-

treten, hat die Nixon-Ford-Administration solchen Schritten wie der Subventionierung des amerikanisch-sowjetischen Handels durch Gewährung von Vorzugskrediten an die Sowjetunion aufgeschlossen gegenübergestanden.

Sie hat eine Aus-

weitung des Handels auf Grund einer kurzsichtigen Hoffnung gefördert, den Handel zur Modifizierung des politischen Verhaltens benutzen zu können, und sogar
wichtige amerikanische Energieinvestitionnen zum Faustpfand der sowjetischen
Politik gemacht. Wo bilaterale Handelsabkommen mit der Sowjetunion zu unserem
wirtschaftlichen Vorteil sind, sollten wir sie verfolgen, aber die Parole für
uns sollte sein: hartes Verhandeln und konkrete wirtschaftliche, politische
oder sonstige Vorteile für die USA.

Wir sollten die Sowjetunion ferner dazu

drängen, einen größeren Anteil der Verantwortung bei multilateralen Lösungen
für solche Probleme wie die Anlage ausreichender internationaler Getreidereserven zu übernehmen.
Unsere Haltung in der Frage der Menschenrechte und der politischen Freiheiten in der Sowjetunion ist wichtig für die Selbstachtung der Amerikaner und
unsere moralische Stellung in der Welt. Wir sollten die Sowjetunion ständig
- durch

Worte und durch unser Verhalten - daran erinnern, d?ß sie sich in

Helsinki der Freizügigkeit von Menschen und Ideen verpflichtet hat, und wie
beleidigend wir und andere freie Völker ihre Verletzungen der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen empfinden.

Im Rahmen unserer Austausch-

programme der Regierung, der Technik, des Handels und der Kultur sowie sonstiger Austauschprojekte sollten wir die sowjetischen Führer drängen, ihre Gesellschaft einem echten Austausch von Menschen und Ideen zu öffnen.
Wir
- 15 -

�«

Wir dürfen nicht von der Annahme ausgehen, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihrer Gesamtheit größer seien als die Summe ihrer
Teile; daß ein Abkommen besser sei als überhaupt nichts, oder daß wir als
Bittsteller wirksam verhandeln könnten. Wir müssen uns darüber klar sein,
daß unsere Festigkeit dazu beitragen kann, uns Achtung zu verschaffen und die
langfristigen Möglichkeiten für allen zum Vorteil gereichende, konkrete Abkommen zu verbessern.

Wir müssen uns vor der Ansicht hüten, daß die sowjetisch-

amerikanischen Beziehungen ein nahtloses Netz seien, in dem Konzessionen auf
einem Gebiet uns Vorteile auf anderen bringen werden.

Ferner müssen wir mit

unseren Mitteln haushalten, und uns auf das für uns Wichtigste konzentrieren.
Eine Entspannung muß militärisch wie auch politisch sein.
Was noch wichtiger ist, wir müssen uns darüber klar sein, daß der allgemeine Charakter unserer Außenpolitik nicht durch unsere direkten Beziehungen
zur Sowjetunion bestimmt wird und auch nicht werden darf.
und Freunde müssen zuerst kommen.

Unsere Verbündeten

Genausowenig darf die Verfolgung unserer

Interessen irgendwo auf der Welt durch die Sorge um die Ansichten der Sowjets
bestimmt werden.

Zum Beispiel sollte die amerikanische Politik gegenüber

China weiterhin auf dem Wunsch nach einer stetigen Verbesserung und Erweiterung basieren, gleichgültig welchen Verlauf und welche Richtung die chinesisch-sowjetischen Beziehungen einschlagen.
Vor allem aber müssen wir uns selbst und unseren Verbündeten gegenüber
offen, ehrlich, besonnen und geduldig handeln.

Wir müssen uns darüber im

Klaren sein, daß langfristig eine wirksame Politik gegenüber der Sowjetunion
nur auf ehrlichen Gesprächen und bis zu einem gewissen Maße auch auf internationaler Übereinstimmung basieren kann.

Unsere eigenen Institutionen, vor

allem der Kongreß, müssen konsultiert werden und zur Formulierung unserer
Politik beitragen.

Die Regierungen unserer Verbündeten und Freunde müssen zu

Partnern unserer Initiativen gemacht werden.

Übereilung und geheime bilate-

rale Regierungsvereinbarungen bei unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion
können nur ein Klima der Unsicherheit und des Argwohns fördern, das die öffent
liehe Unterstützung untergräbt, die für wirksame und stabile internationale Be
Ziehungen notwendig ist.

Amerika
- 16 -

�Amerika in der Weltgemeinschaft
Zahlreiche der entscheidend wichtigen außenpolitischen Fragen, vor denen
wir stehen, erfordern globale Initiativen.

Aber wenn die Vereinigten Staaten

eine wirksame internationale Rolle spielen sollen, sc bedingt dies auch ein
wirksames Zusammenarbeiten mit den besonderen Interessen bestimmter anderer
Länder und Gebiete.

Der Prüfstein für unsere Politik müssen unsere eigenen

Interessen sein, was wiederum bedeutet, daß wir nicht versuchen und auch nicht
erwarten sollten, Ereignisse irgendwo auf der Welt zu kontrollieren.

Vielmehr

setzt eine kluge Verfolgung unserer Interessen voraus, daß wir uns darüber
klar sind, daß wir auch dort, wo unser Interesse groß und unser Engagement notwendig ist, nicht alleine handeln können, sondern nur in einem internationalen
Rahmen, wo andere ebenfalls Interessen und Zielsetzungen haben.
Wir können unseren nationalen Werten nur Ausdruck verleihen, wenn wir auch
weiterhin bei der Arbeit der Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen
eine starke Rolle spielen.
vertreten.

Dabei müssen wir unsere Standpunkte fest und positiv

Wir sollten eine große Anstrengung zur Reform und Neugestaltung

der Vereinten Nationen unternehmen.

Das Ausmaß der in gegenseitiger Beziehung

zueinander stehenden Probleme nimmt rasch zu, und die Fragen von Krieg und
Frieden werden immer mehr die Form wirtschaftlicher und sozialer Probleme und
nicht von militärischen Sicherheitsproblemen annehmen, die in den internationalen Bezeihungen seit 1945 dominieren.
Die heißen Debatten in der Vollversammlung sollten nicht den Wert unserer
Unterstützung von Initiativen der Vereinten Nationen zur Wahrung des Friedens
oder von Initiativen bei den immer komplexeren technischen und sozialen Problemen - wie Luftverschmutzung, Gesundheitswesen, wirtschaftliche Entwicklung
und Bevölkerungswachstum - verdunkeln, vor die sich die Völkergeireinschaft der
Welt gestellt sieht.

Aber wir müssen die Welt wissen lassen, daß antiamerika-

nische Polemik kein Ersatz für eine gesunde Politik ist und daß die Vereinten
Nationen durch lautstarke Worte oder blasphemische Resolutionen wie die, die
Zionismus und Rassismus gleichsetzt, geschwächt werden.
Eine
- 17 -

�Eine demokratische Administration sollte einen fairen und umfassenden Seerechtsvertrag anstreben, der ausgewogen den Interessen der Industriestaaten
und der Entwicklungsländer dient.

Europa
Die Länder Westeuropas sind zusammen mit Japan unsere engsten Verbündeten.
Abgesehen von unseren nächsten Nachbarn in dieser Hemisphäre sind dies die Gebiete, in denen unsere Interessen am stärksten mit denen anderer Länder verflochten sind.

Gleichzeitig lassen die wachsende wirtschaftliche und politische

Stärke Europas und Japans aber auch Gebiete des Konflikts und der Spannung in
den Beziehungen aufkommen, die beide Seiten eng und gesund halten müssen.
Bei den großen wirtschaftlichen Fragen - Handel, Energie, Beschäftigung,
internationale Finanzen, Ressourcen - müssen wir mit den Europäern und Japanern
sowie anderen Ländern im Hinblick auf unser langfristiges beiderseitiges Interesse an Stabilität und Wachstum sowie der wirtschaftlichen Entwicklung der ärmeren Länder zusammenarbeiten.
Die militärische Sicherheit Europas ist von grundlegender Bedeutung für
unsere eigene Sicherheit.

Aus diesem Grunde bleibt die NATO auch weiterhin

eine lebenswichtige Verpflichtung.

'-Mr sollten in Europa weiterhin einen

amerikanischen Beitrag zu den NATO-Streitkräften leisten, so daß diese ausreichen, um vor einem Angriff abzuschrecken oder einen solchen abzuschlagen,
ohne daß vorzeitig zu nuklearen Waffen gegriffen werden müßte.

Dies schließt

keineswegs mäßige Reduzierungen der Truppenstärken aus, soweit solche durch
eine größeren Schlagkraft möglich gemacht werden, und es erfordert unbedingt
eine grundlegende Reform und Überprüfung der Streitkräfte, Planungen und Dislozierungen der NATO.

Wir ermutigen unsere europäischen Verbündeten, ihren Anteil

an den Beiträgen zur NATO-Verteidigung zu erhöhen, sowohl an Truppen als auch
an Ausrüstungsmaterial.

Durch beiderseitige Abkommen oder durch Modernisie- 18 -

�Modernisierung ließen sich die vielen Tausend taktischen Nuklearwaffen in
Europa reduzieren, so daß Geld und Truppen eingespart und unsere eigene wie
auch die internationale Sicherheit erhöht werden.
Europa sieht sich gleich der übrigen Welt einer beträchtlichen politischen Herausforderung gegenüber. Wir können diesen Prozeß nicht kontrollieren. Wir können jedoch öffentlich bekanntgeben, daß wir Entwicklungen
den Vorzug geben, die im Einklang mit unseren Interessen und Prinzipien stehen. Im besonderen sollten wir die schnellstmögliche Ausweitung stabiler
demokratischer Institutionen in Spanien und ein Fortschreiten auf dem Wege
zur Demokratie in Portugal und Griechenland fördern, die sich einer autoritären Machtübernahme von links oder von rechts widersetzen. Wir können unsere Auffassung zu den Risiken und Gefahren einer Beteiligung der Kommunisten
an westeuropäischen Regierungen klarmachen, und gleichzeitig klarstellen, daß
wir auf einem weiten Gebiet nichtmilitärischer Fragen mit jeder legal konstituierten Regierung zusammenarbeiten werden, die bereit ist, uns gegenüber genauso zu handeln. Wir müssen ferner unsere Unterstützung einer ständigen Ausweitung und eines weiteren Zusammenschlusses der Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft erneut bekräftigen.
Die Stimme der Vereinigten Staaten sollte in Nordirland gehört werden.
Sie richtet sich gegen Gewalt und Terror und gegen die Diskriminierung, Unterdrückung und Enteignung, die zu diesem Bürgerkrieg geführt haben, und sie tritt
für die Bemühungen der Parteien um eine friedliche Lösung für die Zukunft Nordirlands ein. Einschlägige Bündnisse wie die NATO und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen müssen über das Interesse der Vereinigten
Staaten an der Position Irlands in der internationalen Völkergemeinschaft
klar und deutlich unterrichtet sein.
Wir müssen alles in unseren Kräften stehende tun, um im Einklang mit unserem Interesse an einer starken NATO in Südeuropa und der Stabilität im östlichen Mittelmeer eine faire Lösung des Zypernproblems zu fördern, das weiterhin Menschenleben fordert.
Naher
- 19 -

�Naher Osten
Wir werden uns weiterhin um einen gerechten und dauerhaften Frieden im
Nahen Osten bemühen.

Der Grundstein unserer Politik ist ein festes Bekennt-

nis zur Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates Israel.

Diese besondere

Beziehung präjudiziert keineswegs bessere Beziehungen zu den übrigen Nationen
dieses Gebietes.

Ein wirklicher Friede im Nahen Osten wird es Israel und

seinen arabischen Nachbarn gestatten, ihre ganze Kraft der inneren Entwicklung
zuzuwenden, und wird die Gefahr eines weltweiten Konflikts beseitigen, der sich
aus den Spannungen dort entzündet.
Der Nahostkonflikt ist kompliziert, und ein realistisches, pragmatisches
Vorgehen ist notwendig ...

Asien
Wir bleiben eine pazifische Macht mit wichtigen Interessen und Zielen
in diesem Gebiet.

Aber der Vietnam-Krieg hat uns gezeigt, wie töricht es

ist, sich auf ein militärisches Engagement dort einzulassen, wo es nicht um
unsere lebenswichtigen Interessen geht.
Freundschaft und Zusammenarbeit bilden den Eckstein unserer Interessen
und Politik in bezug auf Asien.

Unser Eintreten für die Sicherheit Japans

ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit und eine wichtige Voraussetzung
dafür, daß dieses Land eine konstruktive und friedliche Rolle in dem künftigen
Asien spielen kann ...
Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung für die Sicherheit der Republik Korea - sowohl an sich als auch als Schlüssel für die Sicherheit Japans.
Wir können jedoch auf vorsichtiger und sorgfältig geplanter Basis die amerikanischen Landstreitkräfte redislozieren und allmählich zurücknehmen und können
- 20 -

�können die jetzt in Korea stationierten Kernwaffen abziehen, ohne diese Unterstützung zu gefährden, solange unsere taktischen Luft- und Seestreitkräfte
in diesem Gebiet stark bleiben.

Unsere anhaltende Entschlossenheit in diesem

Raum sollte nicht mißverstanden werden.

Wir bedauern jedoch die Verweigerung

der Menschenrechte in der Republik Korea, genauso wie wir die brutalen und
aggressiven Handlungen des Regimes in Nordkorea bedauern ...
Die Verbesserung der Beziehungen zu China in jüngster Zeit, die die Unterstützung beider großen politischen Parteien erhalten hatte, entspringt der erfreulichen Erkenntnis, daß es nur wenige Gebiete gibt, auf denen unsere Interessen mit denen Chinas aufeinanderprallen. Unsere Beziehungen zu China sollten
auf friedlichem Wege weiterentwickelt werden; dies schließt auch baldige
Schritte in Richtung auf eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
im Zusammenhang mit einer friedlichen Lösung für die Zukunft Formosas ein ...

Lateinamerika
Wir sind uns der fundamentalen Bedeutung enger Beziehungen und der Verminderung der wirtschaftlichen Spannungen mit unseren kanadischen und mexikanischen Nachbarn bewußt.
In den letzten acht Jahren haben sich unsere Beziehungen zu Lateinamerika
verschlechtert, wobei man auf hoher Ebene indifferent blieb, die dominierende
Stellung der Militärs in den lateinamerikanischen Regierungen zunahm und die
starke amerikanische Einmischung in die Innenpolitik Chiles und anderer Länder
sichtbar wurde. Die Prinzipien einer Politik der guten Nachbarschaft und die
Allianz für den Fortschritt, in der wir uns zur Zusammenarbeit mit den Ländern der beiden Amerikas als Gleichberechtigte verpflichtet haben, sind auch
heute noch gültig, scheinen jedoch von der gegenwärtigen Regierung vergessen
worden zu sein.
Die
- 21 -

�&lt;

Die USA sollten auf den Gebieten des Handels, der Hilfe und der Investitionen eine Politik einschlagen, die auch Rohstoffabkommen und ein geeignetes
System von Handelspräferenzen einschließt...

+ + + + +

- 22

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Allgemeines
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten definiert die Beziehungen, die
wir zur ganzen Welt, zu Freunden und Gegnern, anstreben. Unsere Politik muß
fest im Grundsatz verwurzelt sein und muß unsere Ziele klar zum Ausdruck
bringen. Unsere Grundsätze dürfen nicht nach vergänglichen Regungen ausgerichtet sein, sondern sie müssen wahr, stark,,folgerichtig und dauerhaft sein.
Wir treten für eine realistische und grundsatztreue Außenpolitik ein,
die auf die Erfordernisse der Nation für die kommenden Jahre ausgerichtet ist.
Die Politik, die wir verfolgen, bedarf eines informierten Konsensus; die Grundlage dieses Konsensus wird das amerikanische Volk sein, dessen höchster Wunsch
ist, in Freiheit und Frieden und sicher vor Krieg oder Kriegsdrohung zu leben.
Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht mit weltweiten Interessen
und Verantwortlichkeiten. Wir treten für die Fortsetzung der Bemühungen um
eine Neubelebung unserer traditionellen Bündnisse und die Aufrechterhaltung
enger Konsultationen mit unseren Freunden ein. Internationale Zusammenarbeit
und Kollaboration sind notwendig, denn wir können weder unsere wichtigsten
Ziele noch unsere eigene Sicherheit in jener Art von "splendid Isolation" erreichen, die von so vielen lauten Stimmen gefordert wird.
Das
- 1-

�Das bedauerliche Auftreten des Neoisolationismus, wie er im Kongreß und
anderswo zum Ausdruck kommt, ist nach unserer Überzeugung einer gesunden
Außenpolitik abträglich.
Die Zweige der Regierung können und müssen zusammenarbeiten.
die notwendige Voraussetzung für eine gesunde Außenpolitik.

Das ist

Wir bedauern das

unbesonnene Eindringen eines Zweiges in die klaren verfassungsmäßigen Vorrechte eines anderen.

Mit so vielen Herausforderungen und Krisen konfrontiert,

müssen die Vereinigten Staaten wieder mit einer Stimme sprechen, vereint im
Geist und im Handeln.

Wir lehnen parteipolitische und ideologische Streitig-

keiten zwischen den Parteien ab und fordern die Demokratische Partei auf, mit
uns zusammen die Grundlagen für einen echten überparteilichen Geist zu schaffen.
Wollen wir doch mit einer Stimme für dieses Land sprechen, damit unsere Politik
von unseren Verbündeten und unseren potentiellen Gegnern nicht mißverstanden
wird.
Eine wirksame Politik muß auf Zusagen beruhen, die verstanden und befürwortet werden, und sie muß nach Prioritäten definiert werden.

So wie sich

die Welt in dynamischer Weise verändert hat, so haben sich auch unsere Prioritäten und Ziele geändert und unsere Methoden der Diskussion dieser Ziele.

Als

wir vor acht Jahren die Exekutive übernahmen, fanden wir den Apparat der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik in Scherben.

Die Praxis bei Krisen war

eine Reaktion in letzter Minute.
Der Nationale Sicherheitsrat, unter Präsident Eisenhower so wirksam,
wurde praktisch nicht mehr benutzt.

Als erster wichtiger Schritt wurde der

Apparat des Nationalen Sicherheitsrats gestrafft, um mit den Problemen des
Augenblicks und der langfristigen Planung fertig werden zu können.

Die Wieder-

herstellung dieses Prozesses erlaubt wieder eine ausführliche Erörterung aller
Optionen, unter denen ein Präsident wählen muß.

Ganz anders als bei der Unter-

drückung der internen Debatte und der anderen Meinung, wie dies in der Vergangenheit praktiziert wurde, lädt die republikanische Führung heute zur Beurteillung komplexer Fragen in einem geordneten Entscheidungsprozeß ein und fördert
- 2 -

�fördert diesen Prozeß.
Die republikanische Führung hat auch Schritte unternommen, um umfassend
über ihre Außenpolitik und die Ziele der nationalen Sicherheit zu berichten.
Eine jährliche "Botschaft über die Lage der Welt" zur Stärkung der Kommunikation mit dem Volk und dem Kongreß ist zu einer ständigen Praxis des Präsidenten geworden.
Ein starkes und wirksames Programm weltweiter öffentlicher Diplomatie
ist eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Außenpolitik.

Im Zeit-

alter der unmittelbaren Unterrichtungsmöglichkeiten ist die Welt unendlich und
endgültig kleiner geworden, und wir müssen über die Fähigkeit verfügen, uns der
Welt mitzuteilen - zu informieren, zu erläutern und uns vor ungewollten oder
gewollten Verzerrungen der amerikanischen Politik zu schützen.
Die Interdependenz ist zu einem Faktum des internationalen Lebens geworden und stellt unsere Maßnahmen und unsere Politik in einen Zusammenhang mit
den Maßnahmen und der Politik der ganzen Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

anderen Nationen die Hand reichen, um diese Interdependenz zu bereichern.

Die

republikanische Führung hat demonstriert, daß die Anerkennung der Bindungen an
unsere Freunde in schöpferischer Weise unseren beiderseitigen Interessen dient
und die Chancen des Weltfriedens fördert.

Moral in der Außenpolitik
Das Ziel der republikanischen Außenpolitik ist die Erreichung von Freiheit unter dem Recht sowie ein gerechter und dauerhafter Frieden in der Welt.
Die Grundsätze, die uns leiten, um den Frieden zu erreichen und die Interessen
der Vereinigten Staaten zu schützen, müssen Ausdruck des wiederhergestellten
Vertrauens unseres Volkes sein.
Wir

�Wir begrüßen und würdigen jenes leuchtende Beispiel menschlichen Mutes
und menschlicher Moral, Alexander Solschenizyn, wegen seiner überzeugenden
Botschaft, daß wir die Welt ohne Illusionen hinsichtlich der Natur der Tyrannei sehen müssen.

Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die sich dies

ständig vor Augen hält.
Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die der Tatsache Rechnung trägt,
daß wir bei internationalen Verhandlungen keine unangebrachten Konzessionen
machen;

daß wir bei dem Streben nach Entspannung keine einseitigen Vorteile

nur in der Hoffnung gewähren, dafür zukünftige Vorteile zu erlangen.
Abkommen, die ausgehandelt werden - wie das in Helsinki unterzeichnete dürfen nicht denen, die keine Freiheit haben, die Hoffnung nehmen, diese eines
Tages zu gewinnen.
Und schließlich sind wir fest einer Außenpolitik verpflichtet, in der
geheime Abkommen, die unserem Volk vorenthalten werden, keinen Platz haben.
Ehrlich, offen und mit fester Oberzeugung werden wir als geeintes Volk
unseren Weg gehen, um einen dauerhaften Frieden in der Welt zu schaffen, der
sich auf unseren tiefen Glauben an die Menschenrechte, auf die Herrschaft
des Rechts sowie auf die lenkende Hand Gottes stützt.

Nationale Verteidigung
Eine erstklassige nationale Verteidigung ist die fundamentale Voraussetzung für ein sicheres Amerika sowie für Frieden und Freiheit in der Welt.
Militärische Stärke bietet den Weg zum Frieden.

Eine gesunde Außenpolitik muß

auf einer erstklassigen Verteidigungskapazität fußen, und beide müssen als
eine Abschreckung vor Aggression und als Mittel zur Unterstützung unserer nationalen Interessen angesehen werden.
Das

�Das amerikanische Volk erwartet, daß seine Führer eine nationale Verteidigungsposition garantieren, die keiner anderen unterlegen ist.

Es weiß,

daß die Pläne für unsere nationale Sicherheit ein gemeinsames Unterfangen
des Präsidenten und des Kongresses sein müssen.
des Parteienstreits sein.

Dies kann nicht Gegenstand

Und dies sollte auch nicht zum Spielball innenpo-

litischen und parteipolitischen Abenteurertums gemacht werden.
Eine Minimalgarantie zur Wahrung der Freiheit und zum Schutz vor Erpressung und Drohung erfordert - angesichts einer wachsenden sowjetischen
Militärmacht - eine Periode des anhaltenden Wachstums in unseren Verteidigungsanstrengungen. In konstanten Dollar ausgedrückt wird das gegenwärtige Verteidigungsbudget nur dem Verteidigungshaushalt von 1964 entsprechen - ein
Jahr, bevor eine demokratische Administration Amerika so tief in den Vietnamkrieg verwickelte. Im Jahre 1975 überstiegen die sowjetischen Verteidigungsprogramme die unsrigen an Investitionen um 85 Prozent, an Operationskosten um
25 Prozent und an Forschung und Entwicklung um 66 Prozent. Worum es geht, ist,
ob unsere Streitkräfte den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein werden.
Wir sagen, sie müssen es sein.
Für jeden für die Verteidigung ausgegebenen Dollar müssen wir ein Maximum
an Wert herausholen.

Zusammen mit der Aufhebung der Wehrpflicht und der

Schaffung einer Berufsstreitmacht aus Freiwilligen - unter einem republikanischen Präsidenten - haben wir den Personalbestand bei Versorgungseinheiten
reduziert, ohne daß dadurch unsere Grundposition beeinträchtigt wurde.
sind heute weniger Amerikaner in Uniform als im Herbst 1950.

Es

Wesentliche Ein-

sparungen wurden bei der Waffenbeschaffung gemacht, und wir werden weiterhin
im Hinblick auf unsere Verteidigungsgelder vorsichtig verfahren.
Unsere nationalen Verteidigungsanstrengungen werden weiterhin die Fortsetzung unseres wichtigen Modernisierungsprogramms für unsere strategischen
Raketen- und Bomberstreitkräfte, die Entwicklung einer neuen ballistischen
Interkontinentalrakete sowie einer neuen mit Raketen ausgerüsteten Unterseebootstreitmacht und eines modernen Bombers - B-l - einschließen, der in der

�der Lage ist, auch die modernste Luftverteidigung der achtziger Jahre zu
durchdringen.

Diese Elemente werden eine Abschreckung allererster Ordnung

darstellen.
Wir werden unsere Armee auf 16 Divisionen erhöhen, unsere Programme
für die Produktion neuer Panzer und anderer gepanzerter Fahrzeuge verstärken
und die Entwicklung neuer höchst zielgenauer Präzisionswaffen unterstützen.
Unsere Marine, der Garant der Freiheit der Meere, muß sich auf ein wesentliches Schiffsbauprogramm stützen können, wobei ein angemessenes Gleichgewicht
zwischen nuklearen und nicht-nuklearen Schiffen bestehen muß.

Die Zusammen-

setzung der Flotte muß auf einer realistischen Bewertung der Drohung beruhen,
der wir uns gegenübersehen, und muß sicherstellen, daß kein

Gegner die Über-

legenheit zur See gewinnt.
Ein wichtiges Modernisierungsprogramm für unsere taktischen Luftstreitkräfte ist in Angriff genommen worden.

Wir werden neue Jagd- und Auffang-

flugzeuge für die Luftstreitkräfte, die Marine und die Marineinfanterie benötigen.

Als notwendige Komponente unserer langfristigen Strategie werden

wir in zeitlich angemessener Weise den B-1-Bomber produzieren und dislozieren, was uns in den Stand setzt, die Überlegenheit in der Luft zu behalten.
Unsere Investitionen in die militärische Forschung und Entwicklung sind
von großer Bedeutung für unsere zukünftige Verteidigungskapazität.
nicht die entscheidende Schwungkraft einbüßen.

Wir dürfen

Bei der zunehmenden Kompliziertheit der Waffen betragen die Anlaufzeiten
für Waffensysteme oft ein Jahrzehnt, was sorgfältige Planung und kluge finanzielle Entscheidungen erforderlich macht.

Ein herausragendes Beispiel dieses

Prozesses ist die Entwicklung und Dislozierung der Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (Cruise Missile), die auf Grund modernster Leitsysteme eine hundertprozentige Präzision bieten und außerdem als Waffe überaus wirtschaftlich herzustellen ist.
Programme

�Programme zur Unterstützung der Sicherheit unserer Verbündeten sind für
diese wichtig, und wir werden auch in Zukunft deren Anstrengungen zur Selbstverteidigung fördern.

Die Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kapazität kann

dazu beitragen, daß das Gleichgewicht in der Welt sich nicht zu unseren Ungunsten verändert, und kann außerdem dazu dienen, daß die Möglichkeiten für
eine direkte Verwicklung der USA in fernliegende Konflikte verringert werden.
Als entscheidend wichtige Komponente unserer gesamten nationalen Sicherheitsposition müssen die Vereinigten Staaten über das beste Geheimdienstsystem
in der Welt verfügen. Die Effektivität unseres Geheimdienstsystems muß in
Übereinstimmung mit den von Präsident Ford eingeführten Reformen wiederhergestellt werden. Wir befürworten die Einführung einer unabhängigen Überwachungsfunktion seitens des Kongresses und werden uns allen parteipolitischen Bemühungen widersetzen, irgendeinen Teil unseres Geheimdienstsystems zu einem politischen Zankapfel zu machen. Wir werden jede Vorsichtsmaßnahme ergreifen,
um den Zusammenbruch der Sicherheitskontrollen bei sensitiven Geheimdienstinformationen zu verhindern, wodurch das Leben amerikanischer Regierungsvertreter im Ausland gefährdet oder die Fähigkeit des Präsidenten beeinträchtigt
werden könnte, unverzüglich zu handeln, wenn immer legitime außenpolitische
oder verteidigungspolitische Erfordernisse dies notwendig machen.

Die NATO und Europa
Die Grundlage einer stabilen und sicheren Welt ist die Aufrechterhaltung
unserer Bündnisse.

Die Organisation des Nordatlantikvertrages (NATO), die

fast dreißig Jahre besteht, ist weiterhin gesund und lebensfähig.
Die Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit durch eine totalitäre
Macht, die auf Expansion ausgerichtet ist, hat 15 Nationen zusammengebracht.
Der Ausdruck unseres kollektiven Widerstandswillens führte zur Schaffung und
Aufrechterhaltung einer militärischen Abschreckung, die trotz aller gelegent•

- 7 -

�gelegentlichen Belastungen unseren lebenswichtigen Interessen sehr gut gedient hat.

Die Bedrohung dauert heute weiter an.

Es ist uns gelungen, unsere Zusammenarbeit in der NATO auszuweiten, und
wir haben kühne neue Schritte in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Partnern unternommen.

Angesichts einer ernsten Krise nach dem uns auf-

erlegten ölboykott haben wir bewiesen, daß es möglich ist, unser gemeinsames
Handeln mit anderen NATO-Partnern zu koordinieren.
Die wirtschaftliche Stärke Westeuropas ist bis zu dem Punkt gewachsen,
an dem unsere NATO-Partner jetzt einen größeren Anteil an der gemeinsamen Verteidigung übernehmen können.

Auf unser Drängen hin demonstrieren unsere Ver-

bündeten eine größere Bereitschaft, entsprechend zu handeln.

Es ist nicht an

der Zeit, eine einseitige Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa
zu empfehlen; wir werden jedoch eine ausgewogene Verringerung der Streitkräfte
in West- und in Osteuropa weiterhin anstreben; und zwar auf der Basis von Abkommen, die die Sicherheit des Bündnisses nicht in Frage stellen.
Zusammen mit unseren Bündnispartnern treten wir nachdrücklich für eine
starke NATO-Verteidigung auf der Basis der amerikanischen militärischen Präsenz ein, die lebenswichtig ist für die Verteidigung Westeuropas.
Einige unserer NATO-Verbündeten haben rasche und dynamische Veränderungen
erlebt.

Wir sind durch die Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel ermutigt,

wo Portugal und Spanien heute mit einer vielversprechenden Zukunft rechnen
dürfen.

Wir sollten bald die Aufnahme Spaniens in die NATO überlegen.

Auf der anderen Seite würden wir mit Besorgnis jede politische Entwicklung
anderswo in Europa betrachten, die die Interessen der NATO aus dem Gleichgewicht
bringen würden.

Der Demokratie und der Freiheit wird am besten gedient, indem

wir sicherstellen, daß jene fundamentalen Rechte gewahrt bleiben und auf künftige Generationen ausgedehnt werden, die sich für die Freiheit entscheiden.
Das

�Das schwierige Zypern-Problem, das unsere Freunde Griechenland und die
Türkei trennt, sollte angepackt und von diesen beiden Ländern gelöst werden.
Die Ostflanke der NATO erfordert die Wiederherstellung der Zusammenarbeit
dort und schließlich wieder freundschaftliche Beziehungen zwischen diesen
beiden Ländern.
Die republikanische Führung hat die guten Beziehungen dieses Landes zu
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in einer Zeit wachsender Konkurrenz
und möglicher Störungen gestärkt. Wir werden die ausgezeichneten Beziehungen
zur EWG aufrechterhalten und weiter ausbauen.
Letztlich wird das NATO-Bündnis so wirksam sein wie der Wille und die
Entschlossenheit der USA wie auch der Verbündeten, es zu unterstützen. Die
Funktion der kollektiven Sicherheit ist die Abschreckung vor einem Krieg und,
wenn notwendig, die Kriege zu führen und zu gewinnen, die nicht verhütet werden konnten. Unsere Wachsamkeit ist besonders in Perioden des Nachlassens
der Spannungen mit unseren Gegnern erforderlich, weil wir es uns nicht erlauben können, Worte und Versprechungen für Taten zu nehmen. Wir sind entschlossen, daß das NATO-Bündnis nicht in ein falsches Gefühl der Sicherheit gewiegt
werden darf. Es kann und muß entschlossen handeln, wenn es gefordert wird ...

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die amerikanische Außenpolitik muß auf einer realistischen Bewertung der
kommunistischen Bedrohung in der Welt fußen.

Es liegt auf der Hand, daß der

Bereich der Freiheit überall auf der Welt angesichts der kommunistischen Bedrohung auch weiterhin schrumpfen wird.

Seit 1917 arbeitete der totalitäre

Kommunismus mit dem Mittel der rohen Gewalt - nicht mit dem Mittel freier
Wahlen -, um einen ständig wachsenden wesentlichen Teil der Landmasse und der
Völker der Welt unter seine Herrschaft zu bringen.

So sind beispielsweise

erst kürzlich Südvietnam, Kambodscha und Laos unter die Kontrolle kommuni- 9 -

�kommunistischer Diktaturen gefallen, und in jenem Teil der Welt verstärkt
sich der kommunistische Druck gegen Thailand, die Republik China und die Republik Korea.

In Afrika haben kommunistische kubanische Truppen, ganz offen

unterstützt durch die Sowjetunion, erst kürzlich dem Volk von Angola eine
kommunistische Diktatur aufgezwungen.

Andere Länder in Afrika und in der

ganzen Welt erwartet ein ähnliches Schicksal - das sind die Realitäten der
Macht in der Welt in unserer Zeit.

Wenn die Außenpolitik der Vereinigten

Staaten von diesen Realitäten ausgeht, dann ist das ganz und gar gerechtfertigt.
Vor 30 Jahren befanden sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in einer Phase großer Schwierigkeiten, was zu
den Spannungen der Zeit des Kalten Krieges führte.

Obwohl es Veränderungen

in dieser entscheidend wichtigen Beziehung der Großmächte gegeben hat, bestehen weiterhin fundamentale und tiefgehende Differenzen zwischen uns.
Republikanische Präsidenten haben bei aller Erkenntnis der Tiefe der
Kluft, die unsere freie Gesellschaft von der sowjetischen Gesellschaft trennt,
methodisch versucht, die Gebiete unserer Beziehungen herauszufinden und zu
entwickeln, die dazu beitragen könnten, die Spannungen zu mildern und die Möglichkeiten eines unerwünschten Konfliktes zu verringern.
In einer Welt, die bedrängt wird durch unzählige Möglichkeiten für Unstimmigkeiten und bewaffnete Konflikte, ist die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung;
ruhen die Hoffnungen der Welt auf Frieden.

auf ihr

Wir bieten eine Politik an, die

unsere fundamentale Stärke wahrt und unsere feste Entschlossenheit demonstriert, einen aggressiven Einsatz der sowjetischen Macht zu verhindern.
Die Rolle eines verantwortungsbewußten, mitarbeitenden Kongresses bei
der Wahrung dieser diplomatischen und militärischen Position ist entscheidend
wichtig für den Erfolg.

Die Vereinigten Staaten müssen ein loyaler und ver-

läßlicher Verbündeter bleiben und sie müssen bereit sein, den Willen zum Han- 10 -

�Handeln zu zeigen und zu beweisen.

Es kann nicht angehen, daß der Wider-

stand gegen eine offene Aggression wie im Falle der von sowjetischer Seite
unterstützten Intervention Kubas in Angola zum Gegenstand parteipolitischer
Debatten wird, und es kann auch nicht angehen, daß so etwas zu einem unwidersprochenen und etablierten Muster internationalen Verhaltens wird, wenn unsere Glaubwürdigkeit und unsere Abschreckungsstärke nicht entscheidend vermindert werden sollen.
Die sowjetische Militärmacht ist in den letzten Jahren rapide gewachsen;
und wenn wir auch ein militärisches Ungleichgewicht oder eine plötzliche Verschiebung des globalen Machtgleichgewichts verhindern werden, so werden wir
jedoch auch sorgfältig mit der Sowjetunion neue Wege sondieren, um die Spannungen abzubauen und zu beiderseitig nützlichen und durchsetzbaren Abkommen
auf allen Gebieten der internationalen Aktivität zu gelangen. Wichtige Schritte
sind bereits ergriffen worden, um die strategische Nuklearrüstung zu begrenzen.
Das übereinkommen von Wladiwostok vom November 1974 legte eine Begrenzung der
strategischen Streitkräfte sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion fest.
Weitere Rüstungskontroll Verhandlungen dauern an.
den Preis werden wir nicht zustimmen.

Einem Abkommen um je-

Im Gegenteil, wir werden sicherstellen,

daß jedes Abkommen auch fundamentalen Nutzen für unsere nationale Sicherheit
mit sich bringt.
Ein Beispiel für unser hartes Verhandeln ist unser Erfolg beim Abschluß
von Abkommen zur Begrenzung der Stärke von unterirdischen Nuklearversuchen, der
wird es den Vereinigten Staaten zum ersten Male gestatten wird,Inspektionen in der
Sowjetunion an Ort und Stelle durchzuführen.
nach praktischen Maßstäben bewertet werden.

Dieser wichtige Schritt kann nun
Alle derartigen Abkommen müssen

die Bewährungsprobe der Verifizierung bestehen.

Ein Abkommen, daß diese Si-

cherung nicht bietet, ist schlechter als überhaupt kein Abkommen.
Wir
- 11 -

�Wir unterstützen die Konsolidierung gemeinsamer Anstrengungen mit unseren Verbündeten, die sicherstellen sollen, daß unsere Politiken hinsichtlich der Weitergabe von Technologie an die Sowjetunion und ihre Verbündeten
in Einklang miteinander stehen und daß Konsultationen geführt werden, um den
Verkauf solcher Technologie-intensiver Produkte an die Sowjetunion seitens
der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu verhindern, die direkt oder
indirekt unsere nationale Sicherheit gefährden.

Unser Handel auf nichtstrate-

gischen Gebieten schafft Arbeitsplätze hier in den USA, verbessert wesentlich
unsere Zahlungsbilanz-Position und kann zu einer Verbesserung des politischen
Klimas in der Welt beitragen.

Der Verkauf unserer Agrarprodukte nach Übersee

nützt den amerikanischen Farmern und Verbrauchern.

Zum Schutz vor jeder plötz-

lichen Änderung des einheimischen Preisgefüges als Folge unangekündigter Käufe
haben wir strikte Meldeverfahren sowie andere vertragliche Sicherungen geschaffen.

Wir werden keine Gefälligkeitsverkäufe landwirtschaftlicher Erzeugnisse

an die Sowjetunion zulassen, wie wir auch nicht zulassen werden, daß die
Sowjetunion oder andere durch irreguläre oder nicht voraussehbare Verkäufe
Einfluß auf unsere Agrarexporte nehmen.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen weiterhin in einem ideologischen Wettstreit.

Wir schrecken vor einer solchen Herausforderung nicht

zurück; im Gegenteil, wir begrüßen die Möglichkeit,zu demonstrieren, daß unsere Lebensform von ihrer Natur her einer Reglementierung und einer von Regierungsseite aufgezwungenen Orthodoxie vorzuziehen ist.

Wir erwarten von der

Sowjetunion, daß sie die Menschenrechts-Deklaration der Vereinten Nationen sowie die Abkommen von Helsinki verwirklicht, die die Bedingungen für den freien
Austausch von Informationen und das Recht auf Auswanderung garantieren, wobei
die Auswanderung sowjetischer Juden, Christen, Moslems und anderer, die zu nahen Verwandten im Ausland reisen wollen, eingeschlossen ist.
In diesem Geist erwarten wir die Beendigung aller Formen von Behinderung,
einschließlich der Inhaftierung oder der Einberufung zum Militärdienst, die
darauf abzielen, eine Auswanderung zu verhindern.

Amerika muß eine feste Hal-

tung einnehmen, um eine Liberalisierung der Auswanderungspolitik in Ländern zu
- 12 -

�7

zu erreichen, die eine freie Auswanderung beschränken oder verhindern.

Re-

gierungen, die sich des Vertrauens ihrer Bevölkerung erfreuen, brauchen keine
Angst vor kultureller, intellektueller oder Pressefreiheit zu haben.
Unsere Unterstützung für die Völker Mittel- und Osteuropas, Selbstbestimmung zu erreichen, wird auch in Zukunft anhalten.

Ihre Fähigkeit, über

ihre Zukunft selbst zu entscheiden, ist von großer Bedeutung für den Frieden
und die Stabilität.

Wir befürworten wachsende Kontakte zwischen Ost- und

Westeuropa und unterstützen die wachsenden wirtschaftlichen Bindungen aller
europäischen Länder.

Wir unterstützen mit Nachdruck die Fortsetzung der Sen-

dungen der Stimme Amerikas, von Radio Free Europe und Radio Liberty mit angemessenen Mitteln.

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion müssen von dem Grundsatz

strikter Gegenseitigkeit beherrscht werden.

Wir bringen unsere Besorgnis um

die Sicherheit unserer diplomatischen Vertreter in der Sowjetunion zum Ausdruck,
und wir bestehen darauf, daß Praktiken wie die gegen die amerikanische Botschaft
gerichtete Mikrowellenbestrahlung unverzüglich eingestellt werden.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion werden also von festen Prinzipien geleitet werden.

Wir werden unsere strategischen und konventionellen Streitkräfte

aufrechterhalten; wir werden uns gegen die Dislozierung sowjetischer Macht zu
einseitigen Vorteilen oder zu politischer und territorialer Expansion wenden;
wir werden niemals eine Verschiebung des strategischen Gleichgewichts

zu un-

serem Nachteil dulden; und wir werden gegenüber jedem Druck fest bleiben, während wir gleichzeitig unsere Bereitschaft zum Ausdruck bringen, auf der Basis
strikter Gegenseitigkeit auf neue Abkommen hinzuwirken, die zur Erreichung von
Frieden und Stabilität beitragen.

Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen
Eine für die Zukunft Asiens und für die Welt bedeutsame Entwicklung trug
im Jahre 1972 ihre Früchte, als unsere Verbindungen mit der Volksrepublik China
- 13 -

�I

.-

China wiederhergestellt wurden.

Dieses Ereignis hat uns in den Stand gesetzt,

einen Dialog mit den Führern eines Viertels der Weltbevölkerung einzuleiten,
und es wurden Handelskanäle mit der Volksrepublik eröffnet, die für beide Seiten vorteilhaft sind.
Die Volksrepublik China kann und wird in weltpolitischen Fragen eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Wir werden uns darum bemühen, daß sich die

Volksrepublik China an einem ständig weiter werdenden Netz von Kontakten und
Handelsbeziehungen beteiligt.

Ein solcher Prozeß kann sich realistischerweise

nicht in einem forcierten oder unvorsichtigen Tempo vollziehen; maßvolle, aber
ständige Weiterentwicklung unserer Beziehungen dient unseren Interessen am
besten.

Wir ignorieren keineswegs die profunden Unterschiede in unseren jewei-

ligen Auffassungen, Regierungseinrichtungen, Politiken und Ansichten über die
Freiheit des Einzelnen, und wir hoffen, daß die grundlegenden Menschenrechte
auf das chinesische Volk angewendet werden. Wirklich von Bedeutung ist, daß
wir reguläre Arbeitskanäle mit der Volksrepublik China eingerichtet haben und
daß dieser Vorgang einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten kann.
Unsere freundlichen Beziehungen zu einer großen Macht sollten flicht als
Herausforderung irgendeiner anderen Nation ausgelegt werden, sei sie nun groß
oder klein. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die sich um eine Normalisierung der Beziehungen zu China bemüht hat, wird auch weiterhin die Freiheit
und Unabhängigkeit unseres Freundes und Verbündenten, der Republik China und
ihrer 16 Millionen Menschen, unterstützen. Die Vereinigten Staaten werden ihre
Verpflichtungen gegenüber der Republik China, wie den gegenseitigen Verteidigungsvertrag, erfüllen und einhalten.

Die Länder Amerikas
Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den Ländern Amerikas sind von
lebenswichtiger und unmittelbarer Bedeutung.
- 14 -

Die Frage, wie wir unsere Ange-

�Angelegenheiten mit unseren Nachbarn im Norden und Süden regeln, wird auch
weiterhin vorrangig sein.
In den letzten Jahren wurde unsere Aufmerksamkeit gelegentlich auf entfernter gelegene Teile der Welt gelenkt.

Es gibt keine vernünftige Alterna-

tive für enge Beziehungen und Verständigung unter den Nationen dieser Hemisphäre.
Es ist an der Zeit, daß wir eine Reihe neuer Initiativen in unseren Beziehungen zu Kanada ergreifen.
wie auch umgekehrt.

Kanada ist unser wichtigster Handelspartner

Wir als Amerikaner empfinden ein tiefes Gefühl der Ver-

wandtschaft für unsere kanadischen Freunde, und wir haben ein großes Interesse an der Entwicklung engerer Beziehungen, die auf gegenseitigem Verständnis
und völliger Gleichheit basieren ...
Der gegenwärtige Vertrag über den Panama-Kanal bestimmt, daß die Vereinigten Staaten in der Kanalzone Jurisdiktionsrechte haben, als "seien sie der
Souverän." Die Vereinigten Staaten strebten immer danach, daß der PanamaKanal als internationaler Wasserweg für die Schiffe aller Nationen erhalten
bleibt. Der sichere Zugang wird durch Beziehungen gefördert, die die Respektierung von Amerikanern und Panamesen verlangen und den Menschen beider Länder
zugute kommen. In den Gesprächen mit Panama sollen die amerikanischen Unterhändler jedoch in keiner Weise irgendwelche Rechte, Machtbefugnisse, Autorität,
Jurisdiktionsterritorien oder Eigentum abtreten, schwächen, aufgeben, vertraglich einschränken oder transferieren, die zum Schutz und zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und der gesamten westlichen Hemisphäre notwendig sind.
Wir bekräftigen unser Vertrauen in die Fähigkeit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die weiterhin ein wertvolles Instrument der inter-amerikanischen Konsultation bleibt.

Internationale
- 15 -

�I
Internationale Zusammenarbeit
Jahrzehntelang ist eine starke Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit ein Kennzeichen der internationalen Politik der Vereinigten Staaten
gewesen.

Zwei republikanische Administrationen haben die Einrichtungen der

internationalen Zusammenarbeit nicht nur aus humanitärer Sorge für andere
unterstützt, sondern auch weil es den Interessen der Vereinigten Staaten dient,
ein gewissenhaftes Mitglied der Weltgemeinschaft zu sein.
Der politische Charakter der Vereinten Nationen ist kompliziert geworden.
Bei 144 souveränen Mitgliedern müssen sich die Vereinten Nationen mit Problemen
auseinandersetzen, die eine"so großen, manchmal schwerfälligen und nicht homogenen Körperschaft anhaften.

Wir sind bemüht, uns diesen Veränderungen im

Geiste freundlicher Anteilnahme anzupassen; wenn sich jedoch die Vereinten Nationen aus ideologischen oder anderen enggefaßten Gründen gegen die lebenswichtigen Interessen irgendeines ihrer Mitgliedstaaten stellen, dann sind die eigentlichen Grundsätze dieser Organisation gefährdet.

Die Vereinigten Staaten

wollen den Vereinten Nationen nichts diktieren, sie haben jedoch jedes Recht
zu erwarten und darauf zu bestehen, daß die Rechte aller Mitglieder auf das
sorgfältigste beachtet werden ...
Vor acht Jahren haben wir uns verpflichtet, Überschneidungen zu beseitigen
und die Auslandshilfeprogramme der Vereinigten Staaten auf einer mehr geschäftsmäßigen Basis durchzuführen.

Wir haben uns bemüht, diese Verpflichtungen zu

erfüllen.
Unsere Programme der wirtschaftlichen Unterstützung für das Ausland werden
jetzt in wirksamer Weise durchgeführt, wobei der Nachdruck darauf liegt, andern dabei zu helfen, sich selbst zu helfen: bei der Lebensmittel Produktion
und der landwirtschaftlichen Entwicklung, bei Gesundheitsprogrammen, einer gesunden Familienplanung und bei der Entwicklung menschlicher Ressourcen.
Wir
- 16 -

�Wir haben uns bemüht, andere - einschließlich der öl produzierenden Länder zu ermutigen, einen größeren Teil der Unterstützungslasten zu übernehmen.

Wir werden auch weiterhin bemüht sein, adäquate Finanzquellen für

wirtschaftliche Projekte in aufstrebenden Ländern sicherzustellen ...
Mit allem Nachdruck verurteilen wir illegale Zahlungen von Gesellschaften hier in den USA wie auch im Ausland.

Um illegale Zahlungen seitens

amerikanischer Gesellschaften zu Amtspersonen im Ausland auszuschließen,
unterstützen wir die Verabschiedung der von Präsident Ford vorgeschlagenen
Gesetzgebung und die OECD-Deklaration über Investitionen, die vernünftige
Leitlinien über das Verhalten der Wirtschaft beinhalten.
Die Ausweitung der zivilen Nukleartechnologie und die steigende Nachfrage
nach Kernenergie als Alternative zu den zunehmend kostspieliger werdenden
fossilen Brennstoffen machen es beide nötig, daß wir uns über die potentiellen
Gefahren klar werden, die mit solchen Entwicklungen verbunden sind.

Alle Na-

tionen müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Abkommen und Verträge,
die sich mit der nuklearen Technologie und mit nuklearen Exporten befassen,
sorgfältig überwacht werden.

Wir werden neue multilaterale, den Export der

sensitiven Nukleartechnologie betreffende Richtlinien ausarbeiten.
Die sich überstürzenden Ereignisse der letzten Jahre in der Weltwirtschaft stellten enorme Anforderungen an unsere Kreativität und unsere Fähigkeit, der Führungsrolle nachzukommen.

Wir sind aus dieser schwierigen Pe-

riode mit einer neuen Position in der Welt hervorgegangen, und wir haben einen gesunden Wiederaufschwung eingeleitet und zustandegebracht.
Um die Beständigkeit unserer Prosperität sicherzustellen, müssen wir mit
anderen zusammenarbeiten und dabei unsere Führungsrolle sowie die Lebenskraft
unserer Wirtschaft unter Beweis stellen.

Zusammen mit den demokratischen In-

dustrienationen müssen wir ein beständiges, nichtinflationäres Wachstum sichern,
das auf einer sich erweiternden internationalen Zusammenarbeit basiert.

Die
- 17 -

�I

•&gt;

Die republikanische Administration wird in vollem Umfange mitwirken,
um das internationale Handels- und Währungssystem zu stärken, das die Grundlage bildet für unsere Prosperität und die aller Nationen.
Wir werden hart verhandeln, um die Schranken, die ein offenes Wirtschaftssystem behindern, zu beseitigen, und wir werden uns neuen Handeisrestriktionen
widersetzen.

Wir werden auch weiterhin bei den in Genf stattfindenden Handels-

gesprächen mit Nachdruck die wirtschaftlichen Interessen unserer Nation vertreten, vor Protektionismus auf der Hut sein und darauf bestehen, daß die Prinzipien eines fairen Handels sorgfältig beachtet werden.

Wenn Industrien und Ar-

beitsplätze durch ausländische Konkurrenz nachteilig betroffen sind, wird im
Rahmen des Handelsgesetzes von 1974 Anpassungsunterstützung gewährt.

Dieses

Gesetz muß ständig überprüft werden, um sicherzustellen, daß es den sich ändernden Verhältnissen gerecht wird.
Die Republikanische Partei ist der Überzeugung, daß eine Zusammenarbeit
auf dem Gebiete der Energie unerläßlich ist für die internationale Stabilität.
Die meisten demokratischen Industrieländer und Entwicklungsländer sind in zunehmendem Maße von importiertem öl abhängig, was sie politisch, wirtschaftlich
und strategisch verwundbar macht.

Durch die Schaffung der Internationalen

Energieagentur sind Schritte zur Ausweitung der Zusammenarbeit der Verbraucher
ergriffen worden.

Wir werden auch den Dialog mit den ölförderländern fort-

setzen.
Wir werden weiterhin eng mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten,
um ihr wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Diese Länder werden ermutigt
werden, in beiderseits nützliche Handelsbeziehungen mit uns einzutreten, die
zum Weltfrieden beitragen. Um dies zu erreichen, müssen wir das Vertrauen der
wichtigen Industrienationen bei Gesprächen mit den Entwicklungsländern stärken.
Es gibt keinen Grund für ein defensives Verhalten unsererseits; unsere gemeinsamen Aktiva können im Rahmen einer koordinierten Strategie eingesetzt werden,
um unseren Einfluß zur Geltung zu machen. Wir werden gegenüber Drohungen
oder einer Konfrontationspolitik nicht nachgeben.
Wenn
- 18 -

�\

Wenn wir auch verstärkte weltweite Investitionen in natürliche Hilfsquellen aller Art unterstützen, so werden wir doch die Ablösung des Mechanismus des freien Marktes durch Kartelle, Preisabsprachen oder Rohstoffabkommen
ablehnen.

Wir werden weiterhin eine Politik verfolgen, die den Verbrauchern

in freien Marktwirtschaften im Ausland garantiert, daß die Vereinigten Staaten
auch in Zukunft ein verläßlicher Lieferant landwirtschaftlicher Produkte bleiben.

Zusammenfassung
Das amerikanische Volk kann stolz sein auf die außenpolitischen Leistungen
unserer Nation während der vergangenen acht Jahre.
sind stark.

Wir leben in Frieden.

Wir

Wir bekräftigen die Bedeutung unserer Bindungen zu den Nationen

des amerikanischen Kontinents.

Unsere Beziehungen zu den Verbündeten in der

Atlantischen Gemeinschaft und zu Japan waren niemals zuvor enger.

Auf dem Wege

zu einer gerechten und dauerhaften Lösung im Nahen Osten sind bedeutsame Fortschritte erzielt worden.

Wir haben Verhandlungen und keine Konfrontation mit

unseren Gegnern angestrebt, während wir gleichzeitig unsere strategische Abschreckungsstärke gewahrt haben.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft, angeführt

durch die Vereinigten Staaten, ermöglicht die Rückkehr zu wirtschaftlichem
Wachstum.
In diesem Jahr, da unsere Nation ihr 200jähriges Bestehen feiert, hat
das amerikanische Volk Vertrauen zu sich selbst und ist optimistisch hinsichtlich der Zukunft.

Wir, die Republikanische Partei, legen Ihnen mit Stolz un-

sere Bilanz und unser Wahlprogramm vor.

+ + + + +

-19 -

�amerika dienst
States I n f o r m a t i o n Service
53

Bonn-Bad

Tel:

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Hintergrundmaterial

300

08-85432

17/1976

KEINE CHANCE FÜR SPLITTERPARTEIEN

- (AD) - Fast bei jeder Wahl in den Vereinigten Staaten haben neben der
Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei auch andere, kleinere
Parteien Präsidentschaftskandidaten aufgestellt.

Seit 1860 brachten es diese

Parteien jedoch nur mit vier Ausnahmen auf zusammen mehr als zehn Prozent
der insgesamt abgegebenen Stimmen.

Generell kann man daher von einem Zwei-

parteiensystem sprechen.
Die Minderheitsparteien, oder sogenannten "Dritten Parteien",lassen sich
in zwei Kategorien einteilen.

Einmal gibt es die ideologisch gebundenen Par-

teien, die, offensichtlich mit geringem Erfolg, versuchen,die Öffentlichkeit
für ihre jeweilige Doktrin zu gewinnen.

Zu dieser Gruppe gehören unter an-

derem die Kommunistische Partei, die Sozialistische Partei (Socialist Party
(USA)), die beiden Sozialistischen Arbeiterparteien (Socialist Workers Party
und Socialist Labor Party) und die Liberale Partei (Libertarian Party).
Zur zweiten Kategorie gehören dip Parteien, die aus diesen oder jenen
Gründen von den beiden großen Parteien abgesplittert sind oder sich aus einem
regionalen oder nationalen Protest gegen sie gebildet haben.

Eine solche Partei

ist die Amerikanische Unabhängige Partei (American Independent Party), die
1968 von George Wallace gegründet wurde, der für die Rechte der Einzelstaaten
kämpfte, sowie die Amerikanische Arbeiterpartei (U.S. Labor Party), die mit

�mit großer Heftigkeit gegen sozialistische Gruppen kämpft.

Letztlich wäre

hier auch noch der nicht parteigebundene Wahl kämpf des früheren demokratischen
Senators und erfolglosen Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahre 1968, Eugene McCarthy»einzuordnen.
Man kann sagen, daß all diese Parteien und Kandidaten an der Peripherie
des politischen Lebens in den Vereinigten Staaten liegen, und die Chancen für
einen solchen "Außenseiter", in das Weiße Haus gewählt zu werden, sind verschwindend gering.
Der Kandidat der Sozialistischen Partei (USA), Norman Thomas, der sich
zwischen 1928 und 1948 sechs Mal zur Wahl stellte, erklärte den Mißerfolg so:
"Die Republikaner und die Demokraten haben mein Wahlprogramm gestohlen".
Dabei muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Wahlgesetze
von den Einzel Staaten erlassen werden

und die Voraussetzungen für die Zulas-

sung eines Kandidaten oder einer Partei von Staat zu Staat variieren.
Einheitlich geregelt ist dagegen die Sendezeit in Rundfunk und Fernsehen.
Eine Verordnung der Bundesfernmeldekommission bestimmt, daß Rundfunk- und Fernsehsender, die freie Sendezeit für Wahlsendungen zur Verfügung stellen, allen
Kandidaten - ob von einer großen oder einer kleinen Partei - die gleiche Sendezeit gewähren müssen.

Damit ist hier die Gleichheit der Chancen gewährt.

Auch

hinsichtlich der Finanzierung mit öffentlichen Mitteln haben alle Parteien die
gleiche Chance, wenn sie bei der
Gesamtstimmenzahl erreicht haben,

vorangegangenen Wahl mindestens 5 Prozent der
üa allerdings bei der Wahl 1972 keine der

Minderheitsparteien die Fünfprozentklausel erfüllte, erhalten bei den Wahlen
1976 nur die Demokratische Partei und die Republikanische Partei Zuschüsse aus
Bundesmitteln.

Falls jedoch eine der "Dritten Parteien" die Hürde der 5 Pro-

zent nehmen sollte, kann sie einen Antrag auf Rückerstattung von Wahl kampfkosten entsprechend ihres Stimmenanteils stellen.
Am Rande sei vermerkt, daß die älteste und am längsten bestehende "Dritte

�"Dritte Partei" die Prohibition Party ist.

Die Prohibitionisten formierten

sich im September 1869 in Chicago, als 500 Delegierte aus 20 Bundesstaaten
zusammenkamen.

Dabei hatten zum ersten Mal in der amerikanischen Politik

weibliche Delegierte die gleichen Rechte wie die männlichen.

Die Delegierten

beschlossen die Gründung einer Partei, die dann 1872 an den Wahlen teilnahm.
Zu dem Wahlprogramm gehörte schon damals die Forderung nach dem Frauenwahlrecht.

Während es zwar den Alkoholgegnern vor allem über Frauenorganisationen

gelang, ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke in
zahlreichen Einzelstaaten durchzudrücken - und 1919 mit dem 18. Verfassungszusatz für die ganzen USA (was 14 Jahre später mit dem 21. Verfassungszusatz
wieder aufgehoben wurde) - so konnten die Prohibitionisten als Partei doch
nie über 2,2 Prozent der Wählerstimmen erringen.

Seit 1924 liegt der Durch-

schnitt sogar nur bei 0,2 Prozent.
Die "Dritten Parteien" werden im allgemeinen von bestimmten programmatischen Aussagen geprägt, wobei ihre Kandidaten selten über ihre engere
Umgebung hinaus bekannt werden. Aber gerade diese Möglichkeit, bestimmte
Anliegen vorzutragen und öffentlich für sie einzutreten, machen die Minderheitsparteien zu einer Bereicherung des politischen Lebens in den Vereinigten
Staaten, auch wenn sie, was die politische Macht anbetrifft, nur Randerscheinungen sind.

+ + + + +

- 3 -

�a m e r i k a
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

d i e n S t

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wissenschaft
und
Technik

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

17/1976

ABGASE VON OBERSCHALLFLUGZEUGEN
U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest -

- (AD) - Für zivile Überschallflugzeuge (SST) hat die amerikanische
Umweltschutzbehörde EPA Abgashöchstwerte festgesetzt. Sie treten für
umgerüstete Triebwerke der CONCORDE und Motoren entsprechender Flugzeugtypen ab 1980 in Kraft. Sie gelten außerdem für Weiterentwicklungen von
Triebwerken für Überschallflugzeuge der "nächsten Generation", die ab
1984 zugelassen werden.
Im erstgenannten Fall müssen die Emissionen an Kohlenmonoxid um 58 Prozent
und an Kohlenwasserstoffen um 77 Prozent verringert werden,
während die Werte für Stickstoffoxide etwa gleich bleiben können. Die
zulässigen Höchstwerte für Rauchgase werden geringfügig reduziert. Bei
Motoren, die ab 1984 entwickelt und zugelassen werden, ist eine Verringerung der Emission an Kohlenmonoxid um mindestens 88 Prozent, an
Kohlenwasserstoffen um 94 Prozent und an Stickstoffoxiden um 44 Prozent
gegenüber den Emissionen erforderlich, die bei den gegenwärtigen C0NC0RDETriebwerken auftreten.
Die neuen Normwerte gelten in erster Linie für den Start- und Landebetrieb.

Sie sollen die Luftqualität im Bereich von Großflughäfen ver-

bessern helfen.

Die Untersuchungen der EPA zur Luftbelastung durch Trieb-

werksemissionen in der höheren Atmosphäre beim Langstreckenflug sind dagegen noch nicht abgeschlossen.

Die Behörde beabsichtigt, notfalls
zusätzliche

�zusätzliche Vorschriften zur Emissionskontrolle sowohl für Oberschallals auch für Unterschallflugzeuge einzuführen, falls sich dies zum
Schutz der Ozonschicht als notwendig erweisen sollte.

Zur Klärung dieser

Fragen führt die EPA gegenwärtig mit dem Bundesluftfahrtamt der USA (FAA)
ein gemeinsames Forschungsprogramm durch.
Nach dem "Gesetz zur Reinhaltung der Luft" sind hinsichtlich der
Inkraftsetzung und des Umfangs von höchstzulässigen Belastungsmengen der
Stand der gegenwärtigen und voraussehbaren künftigen Technik sowie die
Kosten für eine Umstellung innerhalb einer gewissen Entwicklungszeit zu
berücksichtigen.

Den jetzigen Berechnungen zufolge werden umgerüstete

SST-Triebwerke, die ab 1980 eingesetzt werden, noch immer die vierfache
Menge dessen an Abgasen emittieren, was von vergleichbarer. UnterschallTriebwerken zu erwarten ist, die bis zum Ende dieses Jahrzehnts den EPAVorschriften entsprechend modifiziert werden.

Deshalb empfiehlt die EPA,

"so früh wie möglich nach Aufnahme des kommerziellen SST-Liniendienstes
in den USA" die Abfertigung der Flugzeuge auf den Flughäfen zu ändern. •
Dazu gehöre beispielsweise, daß das Flugzeug nicht mit eigener Kraft vom
Flugsteig zur Startbahn rollt, sondern zun, Startplatz jeschleppt wird
und von dort aus ohne weitere Verzögerung starten könne.
Die Entwicklungskosten für die Industrie zum Umrüsten der Triebwerke
bis zum Jahr 1980 schätzt die EPA auf 10 Millionen Dollar. Infolge des
höheren Aufwandes für Wartung dürften auch die Betriebskosten geringfügig
steigen, nämlich um 5 Dollar pro Triebwerk und Stunde. Bis zum Inkrafttreten entsprechender Abgasvorschriften seitens der Internationalen
Organisation für den zivilen Flugverkehr gelten die amerikanischen Vorschriften auch für Flugzeuge, die im Ausland registriert sind und innerhalb der USA operieren.

+ ++.+

- 2 -

+

+.

�amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und
Technik

Service

Postfach

300

Telex:08-85432

17/1976

INTERFERON GEGEN CHRONISCHE HEPATITIS

- (AD) - In den Kliniken der Stanford-Universität (Stanford, Kalifornien)

konnten bei Patienten mit chronischer Hepatitis, welche durch

den Erreger vom Typ B verursacht war, Erfolge durch eine Behandlung mit
Interferon erzielt werden. Interferon ist ein Protein, das vom Abwehrsystem des Organismus produziert wird, um die Ausbreitung von Virusinfektionen einzudämmen.

Die Gewinnung von Interferon ist jedoch noch sehr

schwierig und kostspielig.

Die einzige Quelle, die bisher zur Verfügung

steht, sind weiße menschliche Blutzellen; allerdings beginnt jetzt die
pharmazeutische Industrie damit, die Substanz in menschlichen Zellen zu
produzieren, die im Laboratorium gezüchtet werden.

Die Stanford-Wissenschaftler, deren Versuche mit Zuschüssen des Nationalen Institutes für Allergie- und Infektionskrankheiten (NIAID in
Bethesda, Maryland) durchgeführt wurden, verweisen darauf, daß das erzielte
günstige Ergebnis vorläufigen Charakter habe und die Erprobung von Interferon fortgesetzt werden müsse.

Der Forschergruppe gehören u. a. Prof.

C. Merigan, Prof. William S. Robinson, Dr. Harry Greenberg und Dr. Peter
Gregory an.

Es wurden vier Patienten mit verschiedenen Infektionsgraden

(Hepatitis-Virus Typ B) für die Behandlung ausgewählt.

Vor Beginn war

nachgewiesen, daß das Blut jedes Patienten sog. Dane-Partikel enthielt, die
nach den heutigen Erkenntnissen das komplette Hepatitis-B-Virus enthalten.
Dr. Robinson hatte einen Test entwickelt, mit dem ihre Anwesenheit im Blut
gemessen
- 1 -

�gemessen werden kann.
Es zeigte sich- daß bei kurzzeitiger Interferongabe (über eine Woche)
der Anteil der Dane-Partikel zwar merklich absank, nach Absetzen der
Therapie aber wieder auf den früheren Stand anstieg.

Bei länger-

fristiger Behandlung dagegen (einen Monat oder länger) blieb ihr Spiegel
auch später niedrig oder die Partikel waren überhaupt nicht mehr nachzuweisen.

Nach Meinung der Wissenschaftler scheint Interferon die

Produktion von Dane-Partikeln zu unterdrücken. Jedoch sei der Nachweis
noch nicht erbracht, daß die beobachteten Effekte bedeuteten, die vom
Patienten ausgehende Ansteckungsgefahr wirlich eindämmen oder eine
chronische Infektion endgültig beseitigen zu können.

Zunächst wird

das Serum der Patienten, bei denen keine Dane-Partikel mehr nachzuweisen
sind, immer wieder daraufhin geprüft, ob es dennoch Hepatitis auslösen
kann.
Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündung. Während das Virus vom
Typ A mit dem epidemischen Auftreten von Gelbsucht in Zusammenhang gebracht
wird, ist eine Hepatitis nach einer Bluttransfusion oder einer Injektion bei
Verwendung nicht ausreichend sterilisierter Nadeln meist vom Virustyp B
verursacht. In den USA sind gegenwärtig mehr als eine Million Menschen
von dieser Infektion betroffen. Etwa 10 Prozent der Infizierten tragen
ihr Leben lang die Erreger in Leber und Blut. Dennoch fühlen sich viele
keineswegs krank. Sie wissen oft gar nicht, daß sie infiziert sind und
können andere Personen anstecken. Bei diesen brauchen nicht in jedem Fall
Krankheitssymptome aufzutreten - ein Umstand, der die Virus-Hepatitis B so
gefährlich macht und die Medizin veranlaßt, neue Wege für eine wirksame
Behandlung zu suchen.
Das Interferon für die an der Stanford-Universität durchgeführte Studie
wurde von dem oben genannten Institut (NIAID) zur Verfügung gestellt.

+ +

+ +

+ +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8041">
                <text>15.09.1976</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8042">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8043">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14267">
                <text>Amerikadienst 15.09.1976</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14268">
                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Beziehungen und Verteidigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Beziehungen und Verteidigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Chance für Splitterparteien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abgase von Überschallflugzeugen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interferon gegen chronische Hepatitis&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1768" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1779">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c0980679fbb5e5608e7bd17432175b03.pdf</src>
        <authentication>bf5204b4f11ef40540af40ffc73c64e7</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8997">
                    <text>"^^"

^^"

nrormotion
und
Dokumentation

1

' i

1

IJ

V

IE

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. September 1982

36

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan: USA die "größte Hoffnung" für den Weltfrieden

HINTERGRUNDMATERIAL
USA hoffen auf östliche Zugeständnisse bei den MBFR-Verhandlungen
- Exklusivinterview mit dem amerikanischen Chefdelegierten Die Friedenssuche im Nahen Osten
- Reagan weist Weg aus dem Teufelskreis des Krieges Das Einfrieren der Kernwaffen:

Ein Gang auf d'ünnem Eis

- Von Richard Perle USA bedauern Auflösung der Moskauer Helsinki-Gruppe
- Kampagne gegen die Menschenrechte in der UdSSR Zusammenarbeit:

i

Mangelhaft

- Forschung und Industrie sind in der UdSSR getrennte Welten Von David Brand
USA wollen große Vorsicht bei Nuklearlieferungen Üben
- Ziel ist Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen -

Um Über/cndung von
ßclcocxcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. September 1982

36

PRÄSIDENT REAGAN: USA DIE "GRÜSSTE HOFFNUNG" FÜR DEN WELTFRIEDEN

MANHATTAN, KANSAS - (AD) - In einer Rede zu Ehren des 95jährigen
früheren Gouverneurs von Kansas, Alfred Landon, erklärte Präsident
Reagan am 9. September 1982 vor der Staatsuniversität in Kansas, daß
"in einer Welt, die von Haß, von Wirtschaftskrisen und von politischer
Spannung erschüttert wird, Amerika die größte Hoffnung der Menschheit
bleibt. Die Menschheit blickt auf uns, die Menschheit zählt auf uns, um
den Frieden zu schützen, neuen Wohlstand zu fördern und ihr eine bessere
Welt zu bieten."
Die wichtigsten Auszüge aus der Rede des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
... Ich möchte heute mit Ihnen über unsere Herausforderung sprechen,
für die Freiheit einen nächsten Schritt zu tun und die Menschheit auf
der Leiter des menschlichen Fortschritts eine Stufe höher zu bringen.
Sollten Sie in diesen Worten einen Anklang von Optimismus finden, so
verstehen Sie mich durchaus richtig.
Ich verdränge dabei nicht die Gefahren der gewaltigen Defizite, des
nuklearen Konflikts oder des internationalen Terrorismus. Eine jede
davon könnte uns zerstören, wenn wir es nicht schaffen, uns entschieden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�uns entschieden damit auseinanderzusetzen. Aber wir können und werden die
Oberhand behalten, wenn wir den Glauben und den Mut haben, an uns selbst
und an unsere Fähigkeit zu glauben, große Taten zu verrichten - wie wir
dies immer wieder in unserer Geschichte getan haben. Laßt uns den Unsinn
zurückweisen, daß Amerika zum Niedergang verurteilt sei

und die Welt

in das Verderben schlittert - gleichgültig, was wir tun.
... Lassen Sie mich einen Moment Ihr Gedächtnis auffrischen: Es ist
gar nicht so lange her, daß die Verkünder eines Niedergangs uns erzählten, Nahrungsmittel und Brennstoffe gingen zur Neige. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Hungersnöte und Unglück Amerika und die Welt verschlingen würden.
Der Preisanstieg in Amerika, so ihre Aussage, würde für den Rest dieses Jahrzehnts in zweistelligen Raten nach oben jagen. Der Preis für das
Rohöl würde auf 100 Dollar pro Barrel emporschnellen. Die Zinsen würden
alle Rekorde brechen und auf 25 - 30 oder gar noch mehr Prozent steigen.
Die galoppierende Inflation und die Zinsen würden dem System des freien
Unternehmertums das Genick brechen, den Wert unserer Währung, die Ersparnisse unseres Volkes und die Fähigkeit unseres Landes zerstören, seine
Macht darzustellen, die Freiheit zu fördern und den Frieden zu verteidigen.
Schon jetzt beweisen die Amerikaner, daß jede dieser Voraussagen
falsch ist. Vielen der sogenannten Experten mangelt es am Glauben an das
amerikanische Volk. Sie scheinen einfach nicht zu begreifen, daß es
keine Grenzen für das gibt, was ein stolzes, freies Volk erreichen kann.
Wir sehen das gerade hier, wo der-^Pflug den Boden der Prärie in ein
fruchtbares Wunder dieser Welt verwandelte. Man sagt mir, daß 1820 ein
- 2 -

�1820 ein Bauer genug Nahrungsmittel für sich und drei andere Leute produzierte. Heute ernährt er 77.
Wir sind deshalb nicht ohne Nahrungsmittel und ohne Brennstoffe,
weil bei uns die Ideen nicht zur Neige gehen. Wir werden die Welt ernähren. Wir werden neue Energien entwickeln. Im vorigen Jahr haben wir
mehr Rohöl gefördert als je zuvor in den letzten 12 Jahren. Wir haben
den hohen Zinsen und der Inflation den Krieg erklärt, und wir werden diesen Krieg gewinnen.
Der amerikanische Dollar ist keine verachtete Währung mehr; er ist
wieder gefragt als ein Fels der Stärke und der Stabilität. In den vergangenen zwei Jahren ist er um etwa 25 Prozent im Wert gegen andere
wichtige Währungen gestiegen...
Weltweit bringen Amerikaner Licht, wo Dunkel war, Wärme, wo es einst
nur Kälte gab, Medizin, wo Krankheit, Nahrungsmittel, wo Hunger herrschte, und Wohlstand, wo die Menschen in Not lebten, und Frieden, wo es nur
Tod und Blutvergießen gab.
So viele gefallen sich darin, alles abzuwerten, was amerikanisch ist,
wo es doch so viel in unserem Lande gibt, worauf wir stolz sein können.
Wir besetzen keine Länder, wir bauen keine Mauern, um unser Volk einzusperren. Aber wir leisten mehr Nahrungsmittelhilfe auf der ganzen Welt
als alle anderen Staaten zusammengenommen. Und kein anderes Land arbeitet
härter daran - oder, wie ich hinzufügen möchte, wirkungsvoller - als
die Vereinigten Staaten, Blutvergießen und Leiden zu beenden und in unruhigen Gebieten - wie den Nahen Osten - einen dauerhaften Frieden herbeizuführen.
Sicher, wir stehen vor schwierigen Problemen. Aber seien wir stolz
auf unsere Nationalfarben rot, weiß und blau; wir glauben an unsere
Mission. In einer Welt, die von Haß, von Wirtschaftskriser und von
- 3 -

�und von politischer Spannung erschüttert wird, bleibt Amerika die größte
Hoffnung der Menschheit. Die Menschheit blickt auf uns, die Menschheit
zählt auf uns, um den Frieden zu schützen, neuen Wohlstand zu fördern
und ihr eine bessere Welt zu bieten. All dies können wir tun, wenn wir
uns an die großen Gaben unserer Revolution erinnern: Daß wir eine Nation
unter Gott sind, die an Freiheit und Gerechtigkeit für alle glaubt.
Einer der tapfersten und höchstdekorierten Soldaten Amerikas, Omar
Bradley, sagte einmal von der Freiheit: "Nie gab es ein anderes Wort,
das größere Hoffnung verkündete, größere Opfer forderte, mehr Pflege
brauchte, den Gebenden mehr segnete, seinen Zerstörer stärker verurteilte oder näher an das kam, was Gottes Wille auf Erden ist - möge Amerika
stets sein Schützer sein."
Lassen Sie dies unsere Losung sein. Aber um die Freiheit zu schützen,
um eine Kraft des Guten zu sein, müssen wir vor allem stark sein. Um
stark zu sein, müssen wir Führungsqualität auf allen staatlichen Ebenen
bieten, in unseren Gemeinden und in unseren Familien. Wir müssen in einem
Kreuzzug der nationalen Erneuerung alle Mittel mobilisieren, die wir haben - die geistigen, die moralischen, die erzieherischen, die wirtschaftlichen und die militärischen.
Wir müssen den grundlegenden Werten, die über die Generationen weitervermittelt wurden, wieder ihren Ehrenplatz geben, damit sie der Gesellschaft als Kompaß dienen können. Unsere Werte,.von den Zeitläuften
erprobt, haber uns nie im Stich gelassen, wenn wir den Mut hatten, ihrer
gerecht zu werden..
Als ich hier vor 15 Jahren sprach, wufde ich gefragt, ob die jungen
Leute jener Zeit sich nicht von den traditionellen Werten abwenden würden. Ich erwiderte: Vielleicht hatten diese jungen Leute nicht den Eindruck, daß wir diesen Werten entsprechend lebten. Es gab damals einen
Aufschrei der Zustimmung der anwesenden Studenten. Sie hatten sich nicht

�sich nicht von jenen Werten abgewendet. Sie hatten einfach nicht das
Gefühl, daß die ältere Generation sich noch darum sorgte.
Stecken wir heute auch eine neue Generation mit solch verneinender
Haltung an? Wenn die harten, aber notwendigen Entscheidungen getroffen
werden, die Ausgaben zu beschneiden, so wird dies in negativen Worten
besprochen - um wieviel weniger die Regierung ausgeben wird, wieviel
weniger Wohltaten es geben wird, wieviel weniger Programme überleben
werden. Aber das überquellen der Staatsmacht zurückzuschneiden kann ein
zutiefst positiver Schritt sein, wie ein notwendiger chirurgischer Eingriff bei einem Patienten, um sein Leben zu retten.
Diese unsere Bundesregierung hat durch den Versuch, zu viel zu tun,
die Fähigkeit des einzelnen, der Gemeinden, der Kirchen und der Geschäftswelt untergraben, die echten Ansprüche unserer Gesellschaft zu
erfüllen, wie es die Amerikaner in der Vergangenheit immer wieder getan haben...
Fast 50 Jahre lang haben jene, die steh Liberale nennen, argumentiert,
die Regierung habe eine Pflicht, den Leuten bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen (was sie tut); die Konservativen argumentieren, daß eine
solche Hilfe eine Bedrohung der Freiheit des einzelnen sein kann (was sie
sein kann); beide Seiten schienen darin einig zu sein, daß die beiden
Hauptkategorien der amerikanischen Gesellschaft die

Regierung und der

einzelne sind - und nie werden die beiden zueinander finden.
Aber es hat schon immer auch andere entscheidende Dimensionen unserer Gesellschaft gegeben, die über diese enge Beschreibung hinauswiesen. Schauen wir uns doch um: Amerika ist so vielesimehr als auf der
einen Seite Regierung und auf der anderen der einzelne, der sich an niemanden sonst wegen Hilfe wenden könnte. Zwischen Staat und Einzelmensch gibt es noch eine Vielzahl anderer natürlicher, freiwilliger Organisationen, von jenen Menschen für sich selbst geschaffen - wie die
- 5 -

�wie die Familie, die Kirche, die Nachbarschaft, der Arbeitspaltz -, wo
Menschen lernen, heranwachsen, einander helfen und sich Wohlstand schaffen.
Und dies ist das letztendliche, das überwältigend positive Ziel meiner
Administration - der Macht des Staates Grenzen zu setzen. Ja, aber so,
daß wir die Kräfte und die wahren Quellen unseres nationalen Genius befreien, der uns wieder zur Größe führen wird.
Ich habe gesagt, wir seien eine Nation unter Gott. Ich habe stets
daran geglaubt, daß dieses gesegnete Land auf eine besondere Weise bedacht wurde - daß ein göttlicher Plan diesen großartigen Kontinent hier
zwischen die Ozeane gestellt hat, damit ihn Menschen als allen Erdteilen
finden können, die eine

ganz besondere Liebe zur Freiheit haben und den

Mut, sich loszureißen, die Heimat und die Freunde zu verlassen, um in
ein fremdes Land zu kommen, wo sie etwas in der Geschichte des Menschen
völlig Neues schaffen konnten, ein Land, in dem der Mensch nicht der Regierung, sondern die Regierung dem Menschen verpflichtet ist.
Die Regierung existiert, um sicherzustellen, daß die Freiheit nicht
zu einem Freibrief dafür wird, den anderen zu berauben. Wir sind sicherlich nicht vollkommen, wenn wir diesem Ideal zustreben, aber wir sind
ein gutes Stück vorangekommen, seit jene ersten Siedler an diese Gestade
kamen und nicht anderes forderten als die Freiheit, Gott zu dienen.
Sie baten darum, daß sein Wille in unser tägliches Leben einziehen würde,
damit Amerika zu einem Land der Fairness, der Moral, der Gerechtigkeit
und des Mitleidens werde.
Es herrschte die Überzeugung, daß Maßstäbe von Gut und Böse bestehen und daß man danach leben müsse. Die Institutionen Familie, Gemeinde
und Schule sollten eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung eines
Charakters, bei der Aneignung von Wissen und bei der Suche nach der

- 6 -

�nach der Wahrheit bilden. In den zwei Jahrhunderten als Nation haben wir
Tausende und Abertausende von Gesetzen verabschiedet. Aber wenn wir
uns nur an die zehn Gebote gehalten hätten, die Moses vom Berg herabbrachte, und an die Ermahnungen des Mannes aus Galiläa - du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst -, könnten wir eine große Menge
Probleme mit viel weniger Staat lösen.
Unser erster Präsident, George Washington, der Vater unseres Landes,
der Gestalter unserer Verfassung und sicherlich ein weiser Mann, war
davon überzeugt, daß die Religion, die Moral und die Brüderlichkeit
die entscheidenden Säulen der Gesellschaft seien. Aber heute wird uns
gesagt, daß wir zum Schutz des ersten Verfassungszusatzes Gott, die
eigentliche Quelle unseres Wissens, aus den Klassenzimmern unserer Kinder zu verdrängen hätten. Ein Gerichtshof entschied sogar, daß die Kinder an einem Ort in unserem Land im Speisesaal der Schule selbst kein
Gebet sagen dürfen.) Dies geschah, als ob es in Einklang mit der Verfassung stünde. Aber wurde der erste Verfassungszusatz geschrieben, um
das amerikanische Volk vor der Religion zu schützen oder die Religion
vor staatlicher Willkür?...
Als Nation sind wir darum bemüht, uns sicher durch stürmische Gewässer zu leiten. Wir benötigen alle Hilfe, die wir nur bekommen können.
Ich glaube, das amerikanische Volk dürstet nach einer geistigen Erneuerung. Mehr und mehr Amerikaner beginnen zu empfinden, daß wir nicht zwei
Dinge zugleich haben können. Wir können nicht erwarten, daß Gott uns in
einer Kirche schützt, wenn wir uns gleichzeitig zu oft von ihm in unserem täglichen Leben abwenden. Man muß sich fragen, ob er nicht darauf
wartet, daß wir endlich aufwachen, und ob er nicht seine Geduld zu verlieren beginnt.
Wir müssen in der Familie, in der Nachbarschaft, in den Schulen
und im geschäftlichen Leben weiterhin bemüht sein, den Geist der Freundschaft, des Lebens in der Gemeinschaft und der Sorge für die Bedürftigen
- 7 -

�die Bedürftigen zu erneuern - einen Geist, der sich wie ein tiefer und
mächtiger Strom durch die Geschichte unseres Landes zieht.
Aber auch für die Rechtsbrecher und die Drogenhändler, die unsere unschuldigen Bürger schädigen und sie zu ihrer Beute machen

und sie in

Angst versetzen, haben wir eine Botschaft: Wir werden Gerechtigkeit verlangen, und Gerechtigkeit heißt auch rasche und richtige Bestrafung der
Schuldigen...
Die Stärkung der geistigen Bindungen, der Zusammenhalt der Familien
und der Gemeinden macht Amerika wieder heil. Wir bauen wieder auf, aber
wir haben mit dem Wiederaufbau erst begonnen.
Wenn wir nun unsere geistigen Kräfte erheben, so müssen wir auch
weiterhin bemüht sein, das Joch des wirtschaftlichen Druckes abzuwerfen,
das unsere hart arbeitenden Familien bestraft, unsere Stärke geschwächt
und unsere Sicherheit gefährdet hat. In den vergangenen neunzehn Monaten
hat eine Koalition von Republikanern und Demokraten damit begonnen, eine
Regierung an die Zügel zu nehmen, die außer Kontrolle geraten war und uns
zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und sehr wahrscheinlich auch auf das
Ende unserer Lebensweise hingeführt hätte. Das ist keine Übertreibung.
über einen Zeitraum von 22 Jahren hat die Bundesregierung nur einmal
einen ausgeglichenen Haushalt erreichen können; die Ausgaben wurden um
mehr als 600 Prozent erhöht, die Steuern stiegerv um mehr als 500 Prozent,
und unsere Zukunft wurde verpfändet, indem die nationale Verschuldung
auf über eine Billion Dollar hochgetrieben wurde.
Die Koalition, von der ich sprach, hat damit begonnen, die Dinge
zu berichtigen. Das Wachstum der Bundesausgaben wurde um fast die Hälfte der selbstmörderischen Rate von 17 Prozent gekürzt, die es noch 1980
gab. Die Inflation ging von 12,4 Prozent auf bisher 5,4 Prozent in diesem Jahr zurück, und die Leitzinsen fielen von 21,5 Prozent auf 13,5

�auf 13,5 Prozent. Die maßgeblichen wirtschaftlichen Indikatoren, die
einen Ausblick auf die künftige Wirtschaftsaktivität geben, haben seit
vier Monaten ununterbrochen eine steigende Tendenz. So etwas hat es
schon seit langem nicht mehr gegeben. Doch wenn auch damit eine

Wieder-

gesundung in Sicht ist, so sind diese Statistiken doch nur ein schwacher
Trost für diejenigen, die keine Arbeit haben. Leider ist die Arbeitslosigkeit nach einer Rezession in etwa

immer der letzte Indikator, der

positiv verändert werden kann...
Alf Landon hat uns daran erinnert, daß es in Krisenzeiten "vernünftig und nichts anderes als gerecht ist, daß die Regierung all ihre Macht
anwendet, um Leiden unter den weniger Glücklichen zu verhindern." Dies
werden wir tun. Was heißt es, wenn wir sagen, wir lieben Amerika?
Vor allein anderen heißt dies meiner Meinung nach, daß wir unsere Mitbürger lieben, daß wir eine helfende und heilende Hand hinhalten, wenn es
ihnen schlecht geht, und daß wir ihnen zurufen: "Habt keine Angst, Ihr
seid nicht allein...]"
Alles, was wir uns zu tun bemühen - von der Beseitigung verschwenderischer Ausgaben und unnützer Verordnungen über die Senkung der Steuersätze bis zu der Rückgabe der Macht und der Ressourcen an die EinzelStaaten und Gemeinden sowie der Aufwertung der Rolle der Familie, der
Kirchen und der Schulen - läuft letztlich

darauf hinaus, Sie, das ame-

rikansiche Volk, wieder zum Hüter Ihres Landes zu machen. Wir möchten,
daß Sie sich größerer Chancen und Möglichkeiten erfreuen und bei der Gestaltung der Zukunft Ameriaks größeres Sagen haben.
Lassen Sie uns diese Denkweise auf die Landwirtschaft anwenden.
Die amerikanischen Farmer wurden durch die Marktstörungen schwer geschädigt - und haben sich noch immer nicht davon erholt -, die durch das
Getreideembargo gegenüber der Sowjetunion hervorgerufen wurden.
Wir sind

�Wir sind der Ansicht, daß es die richtige Rolle der Regierung ist,
als Freund, Partier und Förderer der amerikanischen Farmer und ihrer
Produkte überall auf der Welt zu handeln. Wie versprochen, haben wir
dieses Embargo Alfgehoben. Die Sowjets haben unser Angebot akzeptiert,
das vorsieht, daß sie zumindest 68 Millionen Tonnen Getreide kaufen und wir sind bereit, ihnen noch mehr zu verkaufen. Bisher haben wir
Handelsdelegationen in 23 Länder in Europa, Afrika, Lateinamerika und
den Mittleren und Fernen Osten entsandt. Wir haben uns zur Öffnung des
Agrarmarktes in allen Ländern verpflichtet. Wir fordern andere Länder,
insbesondere unsere Freunde in Europa und in Japan auf, es uns hinsichtlich dieser Verpflichtung gleichzutun...
Wir sind ein friedliches Land; wir streben nach einer friedlichen
Welt, in der Freiheit und Unternehmertum gedeihen können und die den
Menschen größere Lebenserfüllung bringt, die jetzt entbehren müssen und
unterdrückt werden. Auf meiner kürzlichen Europareise hatte ich den
Vorzug, persönlich Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, versichern
zu können, daß Amerika alles in seinen Kräften Stehende für den Frieden
und eine echte Rüstungsverminderung tun wird. Um aber den Frieden zu
bewahren und unsere Freiheit aufrechtzuerhalten, müssen wir stark bleiben. Ich habe in meinem Leben gesehen, wie Despoten die Welt in den
Abgrund stürzten, weil sie glaubten, daß der Funke der Freiheit in unseren Herzen erloschen sei. Söhne und Töchter des Staates Kansas, unsere tapferen Kriegshelden wie Senator Dole haben bewiesen, wie sehr
sich diese Despoten irrten.
Allen denen, die uns heute des Imperialismus und der Kriegstreiberei bezichtigen, wollen wir ins Gedächtnis zurückrufen, daß wir nach
dem Zweiten Weltkrieg Deutschland und Japan besetzten, daß wir allein
die letztliche Waffe - die Bombe - hatten. Wir hätten die Welt beherrschen können. Aber das ist nicht, wofür Amerika steht. Wir haben unsere
Macht als eine Kraft für das Gute eingesetzt - um den nächsten Schritt
der Freiheit zu ergreifen und die Menschheit auf eine höhere Stufe zu
heben.
T"+ + + +

�15. September 1982

36

USA HOFFEN AUF ÖSTLICHE ZUGESTÄNDNISSE BEI DEN MBFR-VERHANDLUNGEN
- Exklusivinterview mit dem amerikanischen Chefdelegierten -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Wiener
Verhandlungen über ausgewogene und beiderseitige Truppenverminderungen in
Europa (MBFR), Botschafter Richard Staar, hat der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß ein rascher Fortschritt bei den seit neun Jahren dauernden Verhandlungen erzielt werden könne, wenn Moskau ebensolche Zugeständnisse mache,
wie sie der Westen in seinem neuen Vertragsentwurf eingeräumt habe. In
einem Exklusivinterview mit dem Militärkorrespondenten des amerikanischen
Informationsamtes (USIA), William H. Durham, betonte Botschafter Staar, die
Sowjets müßten bereit sein, endlich genaue Zahlen über die im Raum der Verringerungen stationierten Truppen des Warschauer Paktes als Ausgangspunkt
für Reduzierungen anzugeben.

Ferner müßten sie Verifizierungsverfahren an

Ort und Stelle zustimmen.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Hat es bezüglich des neuen MBFR-Vorschlages, den Präsident

Reagan und die NATO in diesem Sommer unterbreitet haben, irgendwelche Fortschritte gegeben, und könnten Sie uns diesen Vorschlag kurz erläutern?
ANTWORT: Wie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT:

Wie Sie sich erinnern, hat der Präsident am 9. Juni bekannt-

gegeben, daß die NATO in Wien eine wichtige neue Initiative ergreifen würde.
Am folgenden Tag haben die Staats- und Regierungschefs bekanntgegeben, daß
dieser neue Vorschlag in Form eines Vertragsentwurfes vorgelegt würde.

Etwa

vier Wochen später - am 8. Juli - haben wir dann einen Vertragsentwurf unterbreitet, d.h., er wurde den Vertretern der Länder des Warschauer Paktes, die
an diesen Verhandlungen teilnehmen, überreicht.
Das war ohne Frage eine große Sache, denn es war das erstemal in neun
Jahren, daß der Westen dem Osten einen Vorschlag in Form eines Vertragsentwurfes vorlegte.

Ich möchte sagen, daß dies ein großer Erfolg der amerika-

nischen Regierung ist.
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, um was es bei diesem Vorschlag,
diesem Vertragsentwurf, geht.
Im Grunde schlagen wir dem Osten ein einziges Abkommen vor, das Verringerungen in vier Phasen vorsieht. An der ersten Phase wären nur sowjetische und amerikanische Truppen im Raum der Reduzierungen beteiligt. Die
zweite, dritte und vierte Phase würden amerikanische und sowjetische Truppen,
aber auch Truppen der anderen direkten Teilnehmer im Raum der Reduzierungen
einschließen. Zum Raum der Reduzierungen gehören auf unserer Seite die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, die Niederlande und Luxemburg.
Dieses Gebiet schließt natürlich neben den einheimischen Truppen auch
die amerikanischen Streitkräfte, die britische Rheinarmee und kanadische
Truppen ein - diese sind direkte Teilnehmer auf unserer Seite; sie würden alle
Reduzierungen vornehmen.
Im Osten gehören zum Raum der Reduzierungen die Deutsche Demokratische
Republik, Polen und die Tschechoslowakei - Truppen dieser Länder plus sowjetische Truppen, die in diesen Ländern in Divisionsstärke stationiert sind.
Im Gegensatz
- 2 -

�Im Gegensatz zu dem Vorschlag vom Dezember 1979, den der Westen - nicht
in Vertragsform - unterbreitete, legen wir jetzt einen einzigen Vertrag vor.
Der erstere Vorschlag enthielt zwei Abkommen:

Ein erstes Abkommen lediglich

über Verringerungen amerikanischer und sowjetischer Truppen und ein zweites
Abkommen, das ausgehandelt werden sollte, nachdem das erste vollzogen worden
war.
FRAGE:

Das zweite Abkommen hätte die anderen Parteien, die verbündeten

Streitkräfte auf beiden Seiten eingeschlossen?
ANTWORT:
FRAGE:

Ganz richtig.
Hat sich seit der Vorlage des Vertragsentwurfes ein Fortschritt

abgezeichnet?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, haben wir drei Verhandlungsrunden im Jahr

- und die jüngste Runde ging gerade im Juli zu Ende, kurz nachdem wir den
Vertragsentwurf vorgelegt hatten.

Sie können keinen großen Fortschritt er-

warten, weil natürlich der Osten Kopien des Vertragsentwurfs mit in die jeweiligen Hauptstädte nach Hause genommen hat, wo die Außenministerien und andere
am Entscheidungsprozeß beteiligte Stellen den Entwurf prüfen müssen.

Sie hat-

ten zwei Wochen im Juli, den ganzen August und etwa zwei Wochen im September,
also etwa zwei Monate Zeit.
Wir rechnen daher damit, daß die Vertreter des Warschauer Paktes, wenn
sie Ende dieses Monats nach Wien zurückkommen, uns eine Antwort auf diesen
Vorschlag geben können.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Eine formelle Antwort auf den NATO-Vorschlag?
Ganz richtig.
Könnte das vielleicht in Form einer eigenen Version eines Ver-

tragsentwurfes sein?

Rechnen Sie damit, daß die Antwort mit sehr viel Forma-

�viel Formalität erfolgen wird?
ANTWORT: Nein, Anfang des Jahres hat der Osten einen eigenen Vertragsentwurf unterbreitet, den wir als Grundlage für die Ausarbeitung eines gemeinsamen Dokuments nicht akzeptabel fanden, weil er nichts Neues enthielt.
Mit anderen Worten, das Ganze ging vom Konzept zweier Verträge, der zwei
Abkommen aus - und es stellte auch weiter nichts als eine Zusammenfassung wohlbekannter östlicher Standpunkte dar. Es war in vieler Hinsicht mangelhaft,
vor allem natürlich bezüglich der Verifizierung, die eines der Haupthindernisse
für ein Abkommen in Wien darstellt.
FRAGE: Was bedeutet die Frage der Verifizierung?
nis ist sie? Und warum?

Ein wie großes Hinder-

ANTWORT: Wie Sie vielleicht wissen, hat die Sowjetunion gezögert, Begleitende Maßnahmen, die ein Eindringen in das Gebiet bedeuten, zuzulassen was heißt, daß sie es vorziehen würden, sich auf nationale technische Mittel,
d.h. Satelliten, zu verlassen. Nationale technische Mittel sind natürlich
nicht ausreichend. Damit kann man keine Soldaten zählen. Mit anderen Worten,
wenn ihre Soldaten sich in Kasernen befinden, dann kann die Fotografie nicht
die Mauern dieser Baracken durchdringen. Man kann Panzer zählen, wenn sie
nicht getarnt sind, und Flugzeuge und andere Arten von Gerät zählen, aber man
kann keine Personen zählen. Man muß eine Möglichkeit haben, diese Menschen
mit eigenen Augen zu sehen und zu zählen.
FRAGE: Was bedeutet der Begriff "Begleitende Maßnahmen"?
wie kooperative Maßnahmen oder so etwas Ähnliches?

Ist es etwas

ANTWORT: Ja, "Begleitende Maßnahmen" bedeuten kooperative Verifizierungsmaßnahmen. Nationale technische Mittel wären nicht kooperativ. Die andere
Seite müßte mitarbeiten, so wie wir mitarbeiten müßten, um der anderen Seite
zu erlauben, das zu inspizieren, was sich auf unserer Seite in dem Raum der
Reduzierungen befindet.
Darüber hinaus

�Darüber hinaus - wir sprechen nicht nur von Inspektion und Verifizierung zu Lande, sondern wir sprechen auch von der Möglichkeit der Beobachtung
aus der Luft; mit anderen Worten mit niedrig fliegenden Flugzeugen oder Hubschraubern usw.

Dies wiederum muß per definitionem aus kooperativen Maßnahmen

bestehen; die andere Seite muß mitarbeiten.
FRAGE:

Wir sprechen also nicht nur von Inspektionen am Ort, sondern

auch durch niedriges Oberfliegen oder von Schiffen, die vorbeifahren, oder
wie immer man es nennen will?
ANTWORT:

örtliche Einheiten, die auf Abruf die Erlaubnis bekämen, be-

richtete Verletzungen zu überprüfen - eine vorherige Ankündigung von Manövern
mit Beobachtern bei diesen Manövern, Beobachtungspunkte, die ständig von Beboachtungsteams besetzt wären, und ich spreche jetzt von Gebieten, durch die
Truppen abgezogen würden, und das könnten selbstverständlich auch Häfen sein,
wenn sie über See abrücken, Flugplätze, Bahnhöfe usw.

Und worauf wir natürlich

bestehen, ist, daß diese Teams nicht nur während des Zeitraums der Reduzierungen dort verbleiben, sondern daß sie für die Geltungsdauer des Vertrages
dort bleiben, um sicherzustellen, daß diese Truppen nicht durch andere ersetzt
werden.
FRAGE:

All diese Verifizierungsmaßnahmen, ob Begleitende oder kooperative

Maßnahmen wären zusätzlich zu den individuellen technischen Mitteln der Verifizierung durch Satelliten?
ANTWORT:

Das ist richtig.

Unser Standpunkt ist der, daß, wenn wir ir-

gendein verifizierbares Abkommen haben wollen, nationale technische Mittel
nicht ausreichend sind.

Diese würden nur ein Element der Begleitenden Maßnah-

men darstellen.
Ein weiteres Element wären periodische Berichte über Truppenstärke in
dem Gebiet.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:

Haben sich die Länder des Warschauer Paktes in der Frage der

vereinbarten Zahlen, der Stärke ihrer Streitkräfte, etwas entgegenkommender
gezeigt?
ANTWORT:

Leider nicht.

Unser Standpunkt ist der, daß der Osten in

diesen drei Ländern - DDR, Polen und Tschechoslowakei, und dazu gehören selbstverständlich die sowjetischen Truppen in diesen Gebieten - 170 000 mehr Soldaten stehen hat, als er angeblich dort hat. Wir sind uns unserer Zahlen sicher vor etwa 13 oder 14 Monaten, im Juli 1981,hat der Westen dem Osten eine Methodologie über die Basis vorgeschlagen, von der aus wir in etwa feststellen könnten, wo diese Diskrepanz existiert.
Ein Teil dieser Methodologie basierte auf Vorschlägen, die der Osten
selbst in früheren Verhandlungen unterbreitet hatte - und wie ich sagte, das
liegt jetzt fast 14 Monate zurück, daß wir ihnen den Vorschlag vorgelegt haben. Sie haben darauf niemals geantwortet - mit anderen Worten, sie mauern
diese Frage völlig ein, kurz gesagt, die Antwort ist nein, es ist kein Fortschritt verzeichnet worden.
FRAGE: Stellt dieses Ungleichgewicht, das in der Zahl ihrer tatsächlich verfügbaren Truppen zum Ausdruck kommt, im Vergleich zu der Zahl, die sie
zu haben behaupten - dieses Ungleichgewicht zwischen den Truppen des Warschauer
Paktes und der NATO in Mitteleuropa - eine Überlegenheit ihrerseits dar, die
ein Ungleichgewicht in Europa verursacht?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach ist dies die Hauptursache des Ungleichge-

wichts, denn wenn man in Mitteleuropa eine Situation hat, in der sich annähernd
zwei Millionen Mann auf beiden Seiten der Demarkationslinie gegenüberstehen,
alle mit modernen - wenn auch konventionellen - Waffen ausgerüstet, dann ist
dies ohne Frage die Ursache der Instabilität, die wir haben.
Man spricht ständig von Atomwaffen - und ich stimme zu, daß sie sicherlich weitaus zerstörerischer sind - aber wir haben Atomwaffen seit vor dem Ende
des Zweiten Weltkrieges, und doch hat es keinen Atomkrieg gegeben.
Wenn man

�Wenn man andererseits auf die beiden kürzlichen Konflikte blickt, über
die im Fernsehen und in den Zeitungen weitgehend berichtet worden ist, den
Konflikt wegen der Falkland-Inseln und noch mehr die israelische Invasion im
Libanon, dann konnte man sehen, was konventionelle Waffen anrichten können.
Und deshalb meine ich persönlich, daß es eine größere Möglichkeit des Konflikts
auf konventioneller als auf nuklearer Ebene gibt - und das ist natürlich gefährlich, weil - sollte es zu einem Atomkrieg kommen - so scheint es mir, daß
dieser mit einem konventionellen Krieg beginnen und dann eskalieren würde.
FRAGE: Was bedeutet denn der Begriff "Verknüpfung", wenn wir über MBFR
reden und über die Frage der Verknüpfung hinsichtlich einer Reduzierung auf
700 000 Mann Landstreitkräfte auf beiden Seiten und einer Gesamtzahl von Landund Luftstreitkräften von 900 000?
ANTWORT:

Nun, "Verknüpfung" ist auch einer der Begriffe, die bei die-

sen spezifischen Verhandlungen gebraucht werden.

Er ist einer der drei grund-

legenden Fragen der Meinungsverschiedenheit zwischen Ost und West.

Wir haben

bereits die Frage der Zahlen und der Begleitenden Maßnahmen angesprochen - und
nun Verknüpfung:

Es ist keine Frage mehr, weil unser Vertragsentwurf dies

ausgeschaltet, gelöst hat.
Lassen Sie mich etwas ausholen und erklären, was Verknüpfung bedeutet.
Im Jahr 1973 - oder seit Oktober 1973, als diese Gespräche begannen - hat der
Osten immer wieder eine Verknüpfung dieser beiden Abkommen, von denen ich vorhin sprach, gefordert.

Mit anderen Worten:

Er bestand darauf, daß alle direkt

Beteiligten sich in einer vertragsmäßigen, rechtlich bindenden Weise verpflichteten, im zweiten Abkommen spezifische Reduzierungen vorzunehmen.

Sie erinnern

sich, daß ich sagte, das erste Abkommen betraf nur die Vereinigten Staaten und
die UdSSR.

Das andere würde dann also auf östlicher Seite die Ostdeutschen,

die Tschechoslowaken und die Polen einbeziehen; auf unserer Seite wären, zusätzlich zu den Vereinigten Staaten, natürlich die Kanadier, die Briten, die
Westdeutschen, die Niederländer, die Belgier und die Luxemburger gemeint.

Das

ist nun keine Streitfrage mehr, weil wir in unserem neuen Vertragsentwurf nur
von einem einzigen Abkommen sprechen, und zum Zeitpunkt der Unterzeichnung
- 7 -

�der Unterzeichnung werden dann die Zahlen der Reduzierungen,die jeder Signatarstaat vornehmen soll, eingesetzt werden.
Auf unserer Seite - das liegt auf der Hand - wird dies natürlich durch
die NATO laufen, und die NATO wird dem zustimmen.
diktieren, wer welche Reduzierungen vornehmen wird.

Die andere Seite kann nicht
Wir haben zu erkennen

gegeben, daß sie proportional zur Größenordnung sein werden - mit anderen Worten, auf die Deutschen würde mehr entfallen als auf die anderen, weil sie
mehr Truppen haben.

Und die gemeinsame Höchstgrenze von 700 000 Mann ist die

Ebene, auf die die Reduzierungen gehen werden - in unserem Fall sprechen wir
von etwa 900 000 Mann, NATO-Truppen im Reduzierungsgebiet.
wird es sich natürlich um etwa 260 000 Mann handeln müssen.

Auf ihrer Seite
Es besteht hier

also eine Asymmetrie, und diese Asymmetrie spiegelt die Disparität, die Diskrepanz, das

Zahlenproblem wider.

Diese Verknüpfung ist also kein Problem mehr; diese Streitfrage ist
gelöst. Wir haben meiner Meinung nach das gezeigt, was der Osten "politischen
Willen" nennt. Wir meinen es ernst damit, wir haben diese Streitfrage gelöst,
und nun bleiben noch die beiden anderen übrig: Das Zahlenproblem und die Begleitenden Maßnahmen, wo der Osten reagieren und ähnliche Konzessionen machen
muß.
FRAGE: Ist das Ziel der Verbündeten, Reduzierungen vorzunehmen und eine
Parität zwischen den Land- und Luftstreitkräften der NATO und des Warschauer
Paktes auf niedrigeren Ebenen in Mitteleuropa herzustellen, denn praktisch
erreichbar?
ANTWORT: Von unserem Standpunkt aus gesehen, ist es natürlich erreichbar. Wir sind bereit, dieselbe Art von Inspektion zu akzeptieren, die wir
dem Osten vorschlagen. Alle unsere Verbündeten haben diesen Vertragsentwurf
gebilligt; wir bilden hier also eine gemeinsame Front. Diese Sache hat den
NATO-Prozeß in Brüssel durchlaufen, und meiner Meinung nach ist dies ein Anzeichen für unsere sachliche, ernsthafte Einstellung zu diesen Gesprächen.
Nun die

�Nun die Frage:
Osten abhängt.

Ist dies erreichbar?

Es liegt auf der Hand, daß dies vom

Wenn der Osten einen Vertrag wünscht, wenn er den politischen

Willen zeigt, den er von uns in der Vergangenheit verlangt hat und den wir meiner Auffassung nach jetzt bewiesen haben, wenn der Osten aus dieser Verhandlungspause zurückkehrt und zur Frage der Zahlen und der Begleitenden Maßnahmen
Entgegenkommen an den Tag legt, dann, so glaube ich, können wir schon sehr
schnell ein Abkommen haben.
sagen.

Aber so etwas läßt sich natürlich nicht voraus-

Wir wissen nicht, an was sie denken, unter welchen Zwängen sie arbei-

ten, ob dies nach ihrer Ansicht vorteilhaft für sie ist.
unmöglich,zu diesem Zeitpunkt etwas dazu zu sagen.

Ich meine, es ist

Ich glaube, im Herbst wer-

den wir eine bessere Vorstellung haben, weil wir dann ihre Reaktion auf unseren Vorschlag kennen werden.
FRAGE: An welchem Datum Ende September werden die Gespräche wieder aufgenommen werden; an welchem Tag?
ANTWORT: Die Gespräche werden am 20. September wieder beginnen. Und
wie das in solchen Fällen ist - der Grund, warum ich vor Wiederaufnahme der
Verhandlungen nach Wien zurückkehre - wir werden mit unseren Verbündeten in
der sogenannten ad hoc-Gruppe zusammentreffen, um unsere Taktik in der kommenden Verhandlungsrunde zu koordinieren, um uns ein Bild darüber zu machen, wie
die östliche Antwort aussehen mag, und um - ganz allgemein - wieder Tritt zu
fassen.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie lange wird die kommende Verhandlungsrunde dauern?
Sie wird bis Weihnachten dauern, und dann werden wir wieder

im Januar zusammentreffen bis Ostern.
FRAGE:

Dann kommt die Frühlingspause.

Wenn nun irgendwann in den kommenden Verhandlungsrunden ein

Abkommen erreicht würde, welche Zeit wäre dann vonnöten, um die vorgeschlagenen Reduzierungen herbeizuführen?
ANTWORT:

In

�ANTWORT: In unserem Vorschlag sind sieben Jahre dafür vorgesehen.
Der Grund dafür ist, daß nach unserer Ansicht jede Phase, der Reduzierungsprozeß
in jeder Phase,in jedem Stadium, ein Jahr brauchen würde. Ferner gehen wir
davon aus, daß ein Jahr benötigt wird, um festzustellen, ob die Verifizierungsmaßnahmen zufriedenstellend funktionieren, und wenn man das alles zusammennimmt, dann kommt man auf sieben Jahre.
FRAGE: Kurz gesagt: Hat Ihrer Meinung nach die Zusammenfassung des
Reagan-Vorschlags in einem NATO-Vertragsentwurf für die MBFR-Verhandlungen
die Schwungkraft in Richtung auf ein Abkommen zwischen Ost und West verstärkt?
ANTWORT: Meiner Meinung nach ja, denn wir haben jetzt - wenn Sie so wollen - festen Boden unter den Füßen, wir haben die Initiative ergriffen. Der
Osten muß darauf eingehen, weil dies ein ernsthafter Vorschlag ist.
Wir haben diese wichtige Konzession gemacht; wir haben eine der drei
Streitfragen gelöst, und ich meine, das Pendel schlägt jetzt zu unseren Gunsten
aus, weil es am Osten ist, jetzt eine Antwort zu geben. Und dann werden wir in
der Lage sein, zu beurteilen, ob die andere Seite es ernst mit diesen Gesprächen
meint oder nicht. Und das wiederum ist etwas, das wir nicht vorhersagen können.
Aber persönlich blicke ich - und wohl auch alle meine Mitarbeiter und die
Mitglieder der anderen Delegationen in Wien - dem mit Spannung entgegen, denn
- wie ich schon anfangs gesagt habe - es ist das erstemal in neun Jahren, daß
der Westen einen bedeutsamen Vorschlag gemacht und ihn in Form eines Vertragsentwurfs auf den Tisch gelegt hat. Der Vorschlag könnte also zu einem Abkommen führen - all dies hängt natürlich davon ab, ob die andere Seite ein Abkommen überhaupt wünscht.

+ + + + +

- 10 -

�15. September 1982

DIE FRIEDENSSUCHE IM NAHEN OSTEN
- Reagan weist Weg aus dem Teufelskreis des Krieges -

WASHINGTON - (AD) - Krieg, Feuereinstellung, Waffenstillstand, Forderungen, erneute Aufrüstung, Kriegsschrecken, Vergeltung - und wieder Krieg.

Mehr

als drei Jahrzehnte lang war dies der Teufelskreis, der im Nahen Osten seine
blutigen Spuren hinterließ.
Mit Beendigung des jüngsten Konfliktes im Libanon erging an die arabischen
Staaten und an Israel die Aufforderung, "einen Neubeginn" in Richtung auf den
Frieden zu machen, auf einen dauerhaften Frieden. Präsident Ronald Reagan
brachte diese Anregung in einer Rede an das amerikanische Volk am 1. September vor.
Damit brachte der amerikanische Präsident Washington einen Schritt über
seine traditionelle Rolle als Vermittler hinaus. Es sei Zeit, so der Präsident, im Interesse einer breiteren Unterstützung des Friedensprozesses eine
"klarere Darstellung der Haltung Amerikas zu den entscheidenden Fragen" zu
vermitteln.
Reagan betonte,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Reagan betonte, daß seine Verhandlungsvorschläge keinen brandneuen Friedensplan "Made in America" darstellten, der lediglich von den betroffenen
Parteien zu bestätigen sei. Zwei Dokumente bleiben auch weiterhin von grundlegender Bedeutung:

die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates von 1967 und

die Camp-David-Abkommen des Jahres 1978 sowie der daraus entstandene ägyptisch-israelische Friedensvertrag.

Der Präsident erklärte:

"Wir gründen unsere Haltung voll und ganz auf dem Prinzip, daß der arabisch-israelische Konflikt durch Verhandlungen gelöst werden sollte, die den
Austausch von Territorium gegen Frieden beinhalten.

Dieser Austausch ist in

der Resolution 242 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen enthalten, die
wiederum in allen ihren Bestandteilen Eingang in die Camp-David-Vereinbarungen
gefunden hat.

Die UN-Resolution 242 behält als Grundstein der amerikanischen

Friedensbemühungen im Nahen Osten ihre volle Gültigkeit."
Ein entscheidender Punkt der 15 Jahre alten Resolution war die Forderung nach einem Abzug aus den im Krieg des Jahres 1967 "besetzten Gebieten".
Die Beendigung jenes Konfliktes brachte damals Israel die ägyptische Sinai halbinsel und den Gazastreifen, das zu Jordanien gehörende Westjordanland,
die syrischen Golanhöhen und das ganze Jerusalem ein.
Die Camp-David-Vereinbarungen erreichten zumindest teilweise ein Ziel
der Resolution von 1967, nänlich den Rückzug aus einem Teil der von Israel
besetzten Gebiete. Erstes Ziel von Camp David war die Rückgabe des Sinai an
Ägypten - und diese wurde auch schrittweise bis 1982 abgeschlossen. Aber
Camp David hatte noch ein weiteres Ziel, bot es doch auch einen Rahmen für
Verhandlungen über den endgültigen Status des Westjordanlandes und des Gazastreifens sowie der Palästinenser selbst.
Wie Präsident Reagan am 1. September erklärte, verloren die Vereinigten
Staaten "niemals den nächsten Schritt von Camp David aus dem Auge - Autonomiegespräche, um den Weg zu ebenen, dem palästinensischen Volk die Ausübung seiner legitimen Rechte zu erlauben."

Die Sache der Palästinenser ist mehr als

- 2 -

�mehr als eine Flüchtlingsfrage.

"Das Camp-David-Abkommen war sich dieser Tat-

sache bewußt, als es von den legitimen Rechten des palästinensischen Volkes
und seinen rechtmäßigen Forderungen sprach."
&lt;

Der jüngste Konflikt im Libanon unterstrich die Notwendigkeit einer neuen Anstrengung, um Fortschritte bei den Autonomieverhandlungen zu erzielen.
Nunmehr geht es um die Frage, wie Israels legitime Sicherheitsbedürfnisse mit
den Rechten der Palästinenser ausgesöhnt werden können. "Und die Antwort
hierauf kann nur am Verhandlungstisch gefunden werden."
Der Präsident erklärte, die Position seiner Administration hinsichtlich
neuer Verhandlungen sei die, daß Israel das Westjordanland und den Gazastreifen weder permanent kontrollieren noch annektieren sollte; es sollte aber auch
kein unabhängiger palästinensischer Staat dort errichtet werden. Die Selbstverwaltung der Palästinenser in diesen beiden Gebieten in "Assoziation" mit
Jordanien ist der von ihm vorgezogene Weg. Inzwischen sollte es ein Einfrieren weiterer Besiedlungstätigkeit durch die Israelis geben, und Israels Sicherheit muß garantiert werden.
"Dies ist der Augenblick für all jene, die unmittelbar betroffen sind,
sich an einer funktionierenden Grundlage für den Frieden zu beteiligen - oder
ihr Unterstützung zu gewähren.
unserer Politik.

Das Camp-David-Abkommen bleibt die Grundlage

Sein Text bietet allen Parteien die Bewegungsfreiheit, die

sie für erfolgreiche Verhandlungen brauchen", sagte Reagan.
Der "Neubeginn" des amerikanischen Präsidenten wurde begrüßt - und kritisiert. Die Kritiker, vor allem Israel, griffen ihn an, weil er von Camp
David abgehe. Aber der Architekt von Camp David, der ehemalige Präsident Jimmy
Carter, der die Abkommen mit Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat ausgehandelt hatte, war anderer Meinung als die Kritiker: "Es gibt absolut nichts
in der Rede des Präsidenten, was in Widerspruch zu Buchstabe oder Geist des
Camp-David-Abkommen stünde. Sie ist absolut angemessen."
Zusammenfassend gesagt,
- 3 -

�Zusammenfassend gesagt ist Präsident Reagan der Ansicht, daß der anscheinend endlose Zyklus arabisch-israelischer Feindseligkeiten auf dem Verhandlungsweg durchbrochen werden kann - durch Verhandlungen, die unmittelbar
die Rückgabe von Territorium, den Status der Palästinenser und die Sicherheit für alle Staaten des Nahen Ostens betreffen. Läßt man legalistische
Schlupflöcher und Konstruktionen beiseite, so ist es genau das, worum es bei
der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates und den Camp-David-Vereinbarungen
geht.

+ + + + +

�r

4

Tj 0 PI ü

1 • 1 l i 1 { r&gt; 4

II

TT

Kl

i^Ti^IiT'X

malend
United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

15. September 1982

DAS EINFRIEREN DER KERNWAFFEN: EIN GANG AUF DÜNNEM EIS
- Von Richard Perle -

Richard Perle ist Unterstaatssekretär für
internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium.

- (AD) - Obgleich das amerikanische Repräsentantenhaus gegen ein Einfrieren der Kernwaffen gestimmt hat, werden bei den Wahlen in diesem Herbst
in mehr als einem halben Dutzend Bundesstaaten, die nahezu ein Viertel der
amerikanischen Bevölkerung repräsentieren, Resolutionen auftauchen, die sich
für ein solches Einfrieren einsetzen.

Das Ergebnis dieser Wahlen wird für

Freund und Feind zugleich ein wichtiges Signal sein.
Die Befürworter eines Einfrierens behaupten, daß es das Risiko eines
Atomkrieges vermindern und eine raschere Verringerung der nuklearen Arsenale
mit sich bringen würde, als dies von den Rüstungskontrollvorschlägen Präsident Reagans zu erwarten sei.

Ihr Argument geht dahin, daß das Einfrieren

dem "Wettrüsten" Einhalt gebieten und Anreize für die Sowjetunion schaffen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sowjetunion schaffen könnte, Verringerungen bei den Kernwaffen zuzustimmen.
Sie haben unrecht.
Die verschiedenen Resolutionen für das Einfrieren würden die Herstellung,
die Erprobung und die weitere Dislozierung nuklearer Gefechtsköpfe, Raketen
und anderer Trägersysteme betreffen.

Dadurch würden alle laufenden Programme

beendet werden, die dazu dienen, die Probleme der strategischen Position Amerikas zu korrigieren, die sich als ein Ergebnis der umfassenden Aufrüstung der
Sowjetunion in den vergangenen Jahren ergeben haben.

Das Einfrieren würde in-

dessen keine Wirkung auf eine Anzahl von sowjetischen Programmen haben, die
für eine Störung des strategischen Gleichgewichts allergrößtes Potential haben.

Das Einfrieren würde unsere Entwicklung einer überlebensfähigen ballisti-

schen Interkontinentalrakete blockieren, jedoch nicht die Bedrohung beseitigen,
die eben diese Anstrengung erforderlich macht«

Das Einfrieren würde sowohl

die Entwicklung eines modernen Bombers, der die veraltete B-52 ersetzen soll,
als auch die Dislozierung von Marschflugkörpern auf der B-52 blockieren, jedoch die Sowjetunion nicht davon abhalten, ihr umfangreiches konventionelles
Netz der Luftabwehr zu verstärken, das eine ernsthafte Bedrohung unserer strategischen Bomberflotte darstellt.

Das Einfrieren würde unser

TRIDENT-U-Boot-

programm zum Stillstand bringen und unsere Programme für unterseebootgestützte
Marschflugkörper auf Eis legen, nicht jedoch jene sowjetischen Programme von
höchster Priorität stoppen, die auf eine Neutralisierung unserer alternden
U-Bootflotte abzielt.

In Europa würde das Einfrieren es den Russen erlauben,

die Nordatlantikpaktorganisation auch weiterhin mit Hunderten von Gefechtsköpfen mittlerer Reichweite zu bedrohen, während die Pläne der NATO zur Dislozierung eines teilweisen Gegengewichts abgewürgt würden.
Das Einfrieren würde uns dazu zwingen, Programme zur größeren Sicherheit
unserer Kernwaffen aufzugeben - z.B. jene, durch die derzeit die Waffen noch
unempfindlicher gegen eine Detonation durch falsche Handhabung oder durch Zufall gemacht werden sollen.
Um unsere strategische Abschreckung wirkungsvoll zu erhalten, bedarf es
der ständigen Anpassung, Reparatur und Modernisierung. Das Einfrieren würde
- 2 -

�Einfrieren würde all dies zum Stillstand bringen - und all die aufgehäuften
Probleme und Verletzbarkeiten würden mit "eingefroren", die entscheidenden
Korrekturprogramme jedoch "ausgefroren".

Dieses Problem würde das Arsenal

des Kreml nicht so wie das Arsenal Amerikas beeinflussen. Unsere Kernwaffensysteme sind im allgemeinen älter als die sowjetischen System, und viele
davon werden bald veraltet sein, während die Systeme der Russen noch für
Jahre einsatzfähig bleiben.

Etwa 85 Prozent der sowjetischen Gefechtsköpfe

für Atomraketen befinden sich auf Systemen, die in den letzten zehn Jahren
disloziert wurden; nur 45 Prozent der unsrigen hingegen befinden sich auf
Systemen aus diesem Zeitraum.
Das Konzept des Einfrierens geht am zentralen Punkt vorbei, um den es
bei den Kernwaffen geht: Sie sind an sich weder gut noch schlecht. Sie
sind gut, wenn sie die Stabilität fördern und zur Abschreckung vor einem Krieg
beitragen; sie sind schlecht, wenn sie die Stabilität verringern und die Abschreckung schwächen.

Der Vorschlag des Einfrierens würde mit dem "Wett-

rüsten" auf eine Weise fertig, daß der Gute auf der Bank bleiben muß, während der Böse rennen darf.

Er würde die Überlebensfähigkeit unserer strate-

gischen Streitkräfte untergraben und dadurch die Politik der Abschreckung
aushöhlen, auf die sich alle Administrationen seit Harry S. Truman gestützt
haben, um den Frieden zwischen den Supermächten zu wahren.

Diese Politik

hat es der Welt ermöglicht, mit den Kernwaffen zu leben, ohne ihren Einsatz
zu erleben. Als Schädigung der Abschreckung würde das Einfrieren die Stabilität des strategischen Gleichgewichts stören und damit die Möglichkeit eines
Krieges erhöhen.
"Wettrüsten" - ich verwende Anführungszeichen, weil das Wort irreführend ist.

Es ist nicht wahr, daß die jeweilige Anzahl der von den Vereinig-

ten Staaten und von der Sowjetunion dislozierten Atomwaffen in einer Spirale
nach oben führt. Amerika hat während der vergangenen 15 Jahre bestimmte Kernwaffensysteme repariert, ersetzt und verbessert, aber wir haben den Umfang
eines nuklearen Arsenals nicht vergrößert. Ja, es ist um einige tausend
nukelare Gefechtsköpfe kleiner als 1967. Das sowjetische Arsenal hingegen
hat seit 1967 um etwa 6000 nukleare Gefechtsköpfe zugenommen.
Warum ignorieren

�Warum ignorieren die amerikanischen Verfechter eines Einfrierens seine
Auswirkung auf die Stabilität des strategischen Gleichgewichts? Weil sie
eine einfache Antwort auf ein komplexes Problem suchen, weil es ein Rezept
ist, das bei einer verständlicherweise verängstigten, aber unvollkommen informierten Wählerschaft gut ankommt.
In dem Maß, in dem sich seine Anhänger wirklich um die Rüstungskontrolle sorgen, hoffen sie darauf, daß ein Einfrieren die Verhandlungen über eine
Verringerung der Atomwaffen beschleunigt. Amerikanische und sowjetische
Repräsentanten aber führen bereits Verhandlungen über die von Präsident Reagan
vorgeschlagenen Verminderungen bei den strategischen Rüstungen und bei den
nuklearen Mittel Streckensystemen. Washington und Moskau würden die STARTund INF-Gespräche nicht gleichzeitig mit Gesprächen über die Durchführung
eines solchen Einfrierens führen, so daß der Vorschlag eines Einfrierens,
der langwierige und strittige Verhandlungen umfassen würde, letztlich eher
einen größeren Umweg als eine Abkürzung bedeuten und den Weg des Präsidenten
in Richtung auf eine Verminderung der Rüstungen in eine Sackgasse verwandeln
würde.
Die Befürworter eines Einfrierens fordern ein "verifizierbares" Einfrieren, aber das umfassende Verbot von Erprobung und Produktion, das die Resolutionen fordern, wäre nicht verifizierbar. Selbst wenn für ein Einfrieren abgestimmt würde, könnte es nicht durchgeführt werden. Die Administration hat
bei der Ausarbeitung ihrer Rüstungskontrollpolitik sorgfältig die Verifizierbarkeit umfassend in Rechnung gestellt, die Resolutionen für ein Einfrieren
tun dies nicht.
Aber selbst wenn ein Einfrieren rasch ausgehandelt und ausgeführt würde,
würde es umfassende Rüstungsverminderungen eher ausschließen als diese erleichtern. Während der letzten 15 Jahre haben die Russen ihre Nuklearstreitkräfte unnachgiebig ausgebaut. Welche Anreize können wir ihnen denn nun bieten, sie etwa zur Verringerung der Anzahl ihrer schweren, landgestützten Raketen oder ihrer großen Raketen mittlerer Reichweite zu bringen?

Amerika hat

derzeit weder Raketen des einen, noch des anderen Typs,und solange wir uns

�wir uns nicht zur Dislozierung der MX im Inland sowie der PERSHING II und
der landgestützten Marschflugkörper in Europa verpflichteten, weigerte sich
Moskau, solche Verringerungen ernsthaft zu diskutieren. Jetzt,.da die Russen
endlich am Verhandlungstisch sitzen, um unsere Gedanken über Verringerungen
anzuhören, wollen die Befürworter eines Einfrierens die Programme verbieten,
die den einzigen Grund für Moskau darstellen, unsere Verringerungsvorschiä'ge
zumindest einmal zu erwägen.
Mit einem Einfrieren, einmal in Kraft getreten, befände sich die Sowjetunion in einer beherrschenden strategischen Position. Zwei der drei Komponenten unserer strategischen Abschreckung wären verletzbar - unsere ballistischen Interkontinentalraketen und unsere Bomber - und die sowjetischen Machtmittel könnten darauf konzentriert werden, unsere U-Boote einer ähnlichen Gefahr auszusetzen. Das sind die Gründe, warum Moskau die Resolutionen zum
Einfrieren verabschiedet wissen möchte - und warum wir nicht.

- 5 -

�15. September 1982

36

USA BEDAUERN AUFLÖSUNG DER MOSKAUER HELSINKI-GRUPPE
- Kampagne gegen die Menschenrechte in der UdSSR -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Auflösung der
Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich die Überwachung der Einhaltung der Vereinbarungen von Helsinki, vor allem im Bereich der Menschenrechte, zur Aufgabe
gemacht hat, außerordentlich bedauert.

Das amerikanische Außenministerium

und die amerikanische Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(Helsinki-Gruppe) haben dazu Erklärungen abgegeben, in denen die Verfolgung
der Mitglieder der Moskauer Helsinki-Gruppe, die zu deren Auflösung führte,
scharf verurteilt wird.
In einem Kommentar der "Stimme Amerikas" wird darauf hingewiesen, daß
von den 20 Gründungsmitgliedern heute nur noch drei auf freiem Fuße sind,
während sich die anderen in Haft, Verbannung oder erzwungenem Asyl im Ausland befinden, oder gar tot sind.
dem Kommentar, ist eine bittere

Das Schicksal der Gruppe, so heißt es in
Ironie.

"Eine sowjetische Regierung, die

niemals in der Lage war, ihre Bürger ausreichend zu ernähren und zu kleiden,
hat immer Mittel und Wege gefunden, um jene Bürger daran zu hindern, sich
frei zu äußern.

Die Helsinki-Gruppe wurde zu dem Zweck gegründet, genau jene

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�genau jene Übereinkommen zu überwachen, die die Sowjets mißachtet haben, als
sie die Gruppe zur Aufgabe zwangen.
Diese niederschmetternden Tatsachen können nur dazu dienen, den Zynismus zu unterstreichen, mit dem - wie jetzt deutlich wird - die Sowjetunion
1975 die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet hat."
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums zur Auflösung der
Moskauer Helsinki-Gruppe hat folgenden Wortlaut:
"Gestern teilte Elena Bonner den Entschluß der Moskauer Helsinki-Gruppe
mit, ihre Arbeit einzustellen. In ihrer Erklärung unterstrich Frau Bonner,
daß diese Entscheidung aufgrund der grausamen Verfolgung getroffen worden
sei, unter der die Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 1976 litt, sowie aufgrund der Drohung weiterer Schritte gegen eines der drei Mitglieder der Gruppe, das bislang in Moskau noch Freizügigkeit genoß.
Erst in jüngster Zeit hatten die sowjetischen Behörden der 75 Jahre
alten Sofia Kalistratowa, ebenfalls Mitglied der Gruppe, mitgeteilt, daß ihr
der Prozeß gemacht werde, weil sie antisowjetische Agitation und Propaganda
(Artikel 190-1) des sowjetischen Strafgesetzes) betrieben habe - eine Gesetzesübertretung, die bis zu drei Jahren Gefängnis oder Arbeitslager zur Folge
haben könnte.
Die sowjetische Entscheidung, gegen eines der ältesten und am wenigsten
aktiven Mitglieder der Gruppe vorzugehen, war offensichtlich ein letzter Versuch, der dann auch die Ankündigung der eigenen Auflösung mit sich brachte.
Das Ende der Moskauer Helsinki-Gruppe kam als Ergebnis einer verwerflichen Kampagne des KGB gegen die Menschenrechte. Es ist und bleibt Ziel
dieser Kampagne, alle Organisationen innerhalb der UdSSR zu unterdrücken, die
den Versuch machen, ihre Unterstützung für die grundlegenden Menschenrechte
und Grundwerte zum Ausdruck zu bringen, die im Westen als selbstverständlich
gelten, den sowjetischen Bürgern jedoch ständig vorenthalten werden.
Bei der

�Bei der Verfolgung dieser und anderer Gruppen haben die sowjetischen
Behörden eine schreiende Geringschätzung gegenüber den Obereinkommen zur Schau
gestellt, die in der Schiißakte von Helsinki festgelegt sind und die die sowjetische Regierung mit unterzeichnet hat.

Ihre Versuche, die Freiheit in ihrem

eigenen Land zu unterdrücken, verdienen Kritik und Mißbilligung aller, die
die Freiheit und die Unverletzlichkeit von internationalen Abkommen lieben.
Das Ende der formellen Aktivitäten der Moskauer Helsinki-Gruppe markiert zugleich das Ende eines Kapitels in der Geschichte des Kampfes um die
Freiheit und die Menschenrechte in der Sowjetunion.
nichtgeschlossen.

Aber das Buch ist noch

Wir bleiben zuversichtlich, daß die sowjetischen Behörden

auch weiterhin zu ihrem Leidwesen erkennen müssen, daß der Wunsch eines unterdrückten Volkes nach Freiheit nicht zum Schweigen gebracht werden kann."
In der Erklärung der amerikanischen Helsinki-Gruppe heißt es, der Vorsitzende, der demokratische Kongreßabgeordnete Dante B. Fascell aus Florida,
habe bei der Nachricht über die Auflösung der Moskauer Gruppe erklärt, daß
diese durch ihre 200 Dokumente über sowjetische Menschenrechtsverletzungen
weiterleben werde. Fascell wies darauf hin, daß die gegenwärtig in der
Sowjetunion inhaftierten 38 Mitglieder solcher Gruppen zu insgesamt 355 Jahren Gefängnis verurteilt wurden.
Der Ko-Vorsitzende der amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der republikanische Senator Robert J. Dole aus Kansas,
wies in der Erklärung darauf hin, daß seit Januar 1982 die sowjetische Polizei mindestens 127 Menschen verhaftet habe, weil sie sich auf Menschenrechte berufen hätten."Statt sich mit der sich ständig verschlechternden wirtschaftlichen Lage in der UdSSR zu befassen", so heißt es in der Erklärung wörtlich,
"einschließlich der ständigen Lebensmittelknappheit oder der ständig wachsenden Kosten der außenpolitischen Abenteuer in Afghanistan und Polen, haben sich
die sowjetischen Behörden entschlossen, sich auf die Unterdrückung von Dissidenten im eigenen Lande zu konzentrieren. Daß die Verpflichtungen von Helsinki
so mit Füßen getreten werden, kann nichts nützen, denn die gesellschaftlichen
Ursachen des Dissens in der UdSSR bleiben bestehen."
+ + + + +
- 3 -

�15. September 1982

36

ZUSAMMENARBEIT: MANGELHAFT
Forschung und Industrie sind in der UdSSR getrennte Welten

- Von David Brand -

Der Autor ist Mitarbeiter des "Wall
Street Journal", in dem der folgende
Artikel zuerst erschien; Nachdruck nur
im vollen Wortlaut und dem Vermerk gestattet: Copyright (C) Dow Jones and
Company, Inc., 1982

NOVOSIBIRSK, UdSSR - (AD) - Vor ein paar Jahren entdeckte Yurij Yermakoff, ein führender Chemiker in Novosibirsk, ein neues Verfahren für
die Polymerisierung von Ethylen. Aber die sowjetische Industrie war

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Industrie war nicht daran interessiert, so daß sehr rasch Firmen im
Westen Lizenzrechte für das Verfahren erwarben. Jetzt müssen die Sowjets
die Technologie vom Westen kaufen.
In jüngerer Zeit entdeckte Rudolf Sagalnik, ein hervorragender sowjetischer Genetiker,daß ein bestimmtes Enzym Pflanzen und Tiere gegen
einige Viren schützt. Aber die Industriemanager nannten ihr^J'einen Abenteurer", als er sie beschwor, diese Erkenntnis zu nutzen. So war er gezwungen, die Massenproduktion des Enzyms selbst in die Hand zu nehmen.
Heute ist es ein Impfstoff, der vielfältig angewandt wird.
Dies sind nur zwei der vielen Geschichten, die man sich in Forschungslaboratorien von Novosibirsk über den sturen Widerstand der sowjetischen
Industrie gegen neue Ideen erzählt. Es sind Geschichten, die der Meinung vieler Spezialisten im Westen Nahrung geben, daß es äußerster Anstrengungen der Sowjetindustrie bedarf, angesichts des Embargos für amerikanische Technologie die Erdgasleitung von Sibirien nach Europa fristgerecht fertigzustellen. Der Grund, weshalb die Sowjets die großen Turbinen - die vom Embargo am meisten betroffenen Ausrüstungen - nicht bereits selbst bauen, "steht in sehr engem Zusammenhang mit dem Zustand
ihrer Forschung und Entwicklung", sagt Jonathan Stern, Berater in London
für Sowjetenergie.
Einige der Facetten des Nfcchhinkens sowjetischer Technologie erkennt
man hier in Zentral Sibirien, wo 1957 in den unberührten Wäldern eine
Stadt der Wissenschaft aus dem Boden gestampft wurde. Die Planer in Moskau hatten die Idee, wissenschaftliche Entdeckungen mit industriellen
Innovationen zu vereinen und so zu versuchen, die amerikanischen Methoden
zu kopieren, mit denen neue Generationen von IBM-Computern oder BoeingFlugzeugen hervorgebracht werden.
Nach einem ViertelJahrhundert sind westliche Experten heute der Oberzeugung, daß das riesige sowjetische Industrieforschungsbudget die Indu- 2 -

�die Industrie weder leistungsfähiger gemacht noch ihre Produkte verbessert hat. Die Schuld daran geben selbst sowjetische Wissenschaftler der
Bürokratie, schlechter Organisation und purer Trägheit. Es überrascht
nicht, daß die Sowjets

für die sibirische Erdgasleitung so sehr auf ame-

rikanische Technologie bauten. "Die Sowjetunion war stets ein Schüler
westlicher Technologie, hatte niemals die technische Führung", sagt
Ronald Amann von der englischen Universität Birmingham, ein Kenner sowjetischer Technologie.
Im Vergleich zum Gang der Forschung in Amerika erscheint dieser Prozeß in der Sowjetunion verworren und chaotisch. Statt einer Produktentwicklung über ein ineinandergreifendes Forschungs- und Entwicklungsprogramm müssen Ideen ein Labyrinth von Bürokratie passieren, ehe sie den
Betrieb erreichen. Und es kommt selten vor, daß eine Behörde die Gesamtkontrolle über ein Projekt hat. Vor zwei Jahren wurde in einem Bericht
der "National Science Foundation" (Nationale Forschungsstiftung der USA,
Washington) festgestellt, daß Wissenschaft und Industrie in der UdSSR
stets zwei weit auseinanderliegende Welten gewesen sind, die eher getrennt koexistieren als Hand in Hand zu arbeiten".
Die sowjetische Industrieforschung untersteht größtenteils Instituten, die von den verschiedenen Ministerien betrieben werden, welche von der chemischen Industrie bis zur Computertechnik - alle Wirtschaftsbereiche beaufsichtigen. Kontrolliert werden diese Institute aber von
Werken und Betrieben, die von der Forschung profitieren sollen. In zunehmendem Umfang wird Industrieforschung - zwar ebenfalls ziemlich abseits der Industrie - auch von der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften betrieben, einer hochangesehenen Organisation mit Instituten
im ganzen Land, zu denen auch das große Forschungszentrum in Novosibirsk
gehört. Außerdem gibt es an Universitäten und Technikschulen einige
Forschungsaktivitäten. Alles in allem arbeiten 1,5 Millionen Wissenschaftler, etwa ein Viertel aller Wissenschaftler auf der Welt, für
die Wissenschaft in der Sowjetunion.
Die Sowjets
- 3 -

�Die Sowjets scheinen unfähig zu sein, all die Forschung in verbesserte Produkte umzusetzen, meint Ronald Amann. "Erfolg in einer Industrie
ist nur zu oft das Ergebnis einer dynamischen Person - eines guten Managers, der an den richtigen Stellen Druck ausüben kann". Die Mehrzahl
der "besten Köpfe" der. sowjetischen Wissenschaft zieht es vor, für die
Akademie der Wissenschaften und nicht für die Industrie zu arbeiten,
weil dort die Bezahlung besser und das Ansehen größer ist.
Sowjetische Zeitungen und Zeitschriften sind voll von Klagen über
die schlechte Qualität von Produkten für Verbraucher und für die Industrie. Zum Teil ergebe sich die Schwierigkeit, so Amann, aus der Tatsache, daß es bei den Sowjets keine Marktwirtschaft gibt und der Konkurrenzdruck entfällt. Zum großen Teil ist das Problem aber auch auf
Betriebsmanager zurückzuführen, die einer Unterbrechung ihrer Produktionsquoten zugunsten einer möglichen Verbesserung von Produkt oder
Produktionsverfahren aus dem Wege gehen. "Sie zögern, neues Knowhow anzuwenden", sagt Andrej Trofimuk, ein erfahrener Geologe in Novosibirsk.
Versuche man, Betriebsmanagern eine neue Idee zu verkaufen, so müsse man laut Yurij Yermakoff, dem Erfinder des von der sowjetischen Industrie ignorierten Ethylen-Verfahrens, sie zunächst einmal davon überzeugen, daß "wir ihnen eine Produktivitätssteigerung bringen". Dann
"wünschen sie eine Steigerung ohne irgendwelche Kapitalinvestition", sagt
er. Ideen, die die Industrie schließlich akzeptiere, seien eher Erfindungen von 'begrenzter Bedeutung", bemängelte im vergangenen Jahr die
Zeitschrift "Sozialistische Industrie*.
Die für die Erdgasleitung zuständige Industrie ist ein gutes Beispiel dafür, was geschieht, wenn Forschung keinen Ansporn für Entwicklung bedeutet. Für die Leitung nach Westeurope sind 42 Kompressorstationen für das Weiterpumpen des Erdgases erforderlich, von denen
jede mit drei großen Turbinen (25 Megawatt Leistung) bestückt werden
muß. Die Sowjets verfügen jedoch noch über keine einzige dieser großen

�dieser großen Turbinen aus eigener Produktion und waren deshalb gezwungen, auf amerikanische Technologie zurückzugreifen.
Jonathan Stern sagt, die Erdgasleitung sei derart zu einem Symbol
nationalen Stolzes geworden, daß der Turbinenbau jetzt Priorität habe.
"Sie werden die Turbinen bauen, selbst wenn dieserhalb die Volkswirtschaft darben muß", .prophezeit er. Er ist überzeugt, daß sie in der Lage sein werden, genügend Turbinen in Betrieb zu setzen, um zum vorgesehenen Zeitpunkt - Ende 1984 oder höchstens ein paar Monate später mit den ersten Erdgaslieferungen zu beginnen. Wie leistungsfähig diese
sowjetischen Turbinen sein werden, ist jedoch eine andere Sache. Jan
Vanous

von der Fa. Wharton - Wirtschaftsprognosen in Washington erklärt,

"ich bin nicht sehr optimistisch" angesichts der "schlechten Erfahrungen mit Reparaturen" bei kleineren sowjetischen Turbinen.
Die Probleme der sowjetischen Industrie sind nicht ausschließlich
den Managern anzulasten. Die Forscher haben häufig selbst kein großes
Interesse an der Industrie, und ein großer Teil ihrer Forschungsarbeit
ist überaus theoretischer Natur. "Es liegt einfach zu wenig Betonung auf
industrieller Anwendung", meint R. Amann.
Am Institut für Genetik in der Wissenschaftlerstadt von Novosibirsk
beobachtet Rudolf Sagainik, wie er unverblümt sagt, "daß es seitens der
Regierung offensichtlich keinen Druck auf uns gibt, nach Produkten zu
suchen. Wir werden gleichbleibend finanziell gefördert, ohne gegängelt
zu werden". Der Chemiker Yermakoff erklärt, für nur 40 Prozent der in
seinem Institut'geleisteten Arbeit gebe es irgendwelche industriellen
Anwendungsmöglichkeiten. "Wir haben viel Freiheit in der Wahl unserer
Sachthemen". Der führende sowjetische Wirtschaftler Abel Aganbegyan ist
darüber verärgert. "Es gibt zu viele Leute, die eigenmächtig handeln,
zuviel komplizierte Bürokratie und nicht genug Zusammenarbeit", erklärt
er.
Diese Betonung
- 5 -

�Diese Betonung der theoretischen Seite.wissenschaftlicher Arbeit hat
ihre Wurzeln im vergangenen Jahrhundert, als die russische Industrie
etwa zur Hälfte im Besitz ausländischer Firmen war. Da so viel Technologie aus ausländischer Forschung einströmte, zogen sich russische Forscher auf Gebiete mit viel theoretischer Arbeit wie Mathematik und Physik zurück. Dies änderte sich mit der Revolution,und es wurden Dutzende
von Forschungsinstituten mit dem Ziel gegründet, die Industrie wieder
auffeubauen. Lenin selbst definierte den Kommunismus einmal als "Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes". Aber die Blütezeit
praktischer Forschung fand Ende der zwanziger Jahre ein jähes Ende,
als durch die Säuberungsaktionen Stalins viele hervorragende Wissenschaftler verhaftet und hingerichtet wurden. Wichtige Forschungsgebiete, von der Genetik bis zur Kybernetik, kamen als antimarxistisch
in Acht "nd Bann, und die Forschung der Sowjetunion fiel auf vielen Gebieten noch weiter hinter die des Westens zurück.
Mit dem Tod Stalins im Jahr 1953 kam ein mächtiger Anstoß von Seiten der Sowjets, um aufzuholen. Der sowjetische Genetiker Zhores
Medvedjev, ein Dissident, der jetzt in England arbeitet, sagt: "Chruschtschow war von der amerikanischen Forschung und Landwirtschaft ganz besonders beeindruckt und glaubte, die UdSSR könne mit der amerikanischen
Technologie gleichziehen, indem sie diese einfach nachahmt".
Das "Massachusetts Institute of Technology" und das "California
Institute of Technology" hatten bei Chruschtschow anläßlich seines
Besuchs der Vereinigten Staaten einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Er entschied, daß ähnliche Zentren in Rußland die rückständige sowjetische Wissenschaft rasch voranbringen würden, wovon ihrerseits die
Wirtschaft profitieren werde. Die Wissenschaftlerstadt von Novosibirsk,
Akademgorodok genannt, war das größte der

Forschungszentren; klei-

nere wurden in anderen sowjetischen Städten eröffnet.
Bis zum

�Bis zum Jahr 1963 waren in Akademgorodok, heute ein hübscher Vorort
von Novosibirsk, mehr als 40 Forschungsinstitute gebaut worden. Junge
Wissenschaftler wurden mit dem Versprechen nach Sibirien gelockt, ihnen
dort schöne Wohnungen, schnelles Vorwärtskommen und gutausgestattete
Laboratorien zu bieten. Eine Bibliothek mit'fünf Millionen Bänden wurde
von Moskau antransportiert. Es wurde eine Universität gegründet und
eine mathematisch-naturwissenschaftliche Hochschule eröffnet, um die
Besten im Lande durch die Universität und in die Institute zu schleusen.
Heute werden nur wenige Wissenschaftler von außerhalb von den Verheißungen Novosibirsks angezogen,sagt Medvedjev. "Nach wie vor kommt
die beste Forschung aus Moskau"und Leningrad", ist seine Meinung. Der
Grund dafür ist der Ruf der Verwaltung

von Akademgorodok, abweichende

Meinungen, die unter Wissenschaftlern immer dicht unter der Oberfläche
vorhanden sind, zu unterdrücken. "Novosibirsk ist konservativ und steht
unter strengerer Kontrolle als Moskau und Leningrad", sagt er.
Medvedjev zufolge mußten in der Vergangenheit die Behörden auf
jüngere, liberalere Wissenschaftler zurückgreifen. Es habe auch mit der
Arbeiterschaft in Novosibirsk Probleme gegeben, die die Privilegien der
Wissenschaftler, z.B. Lebensmittel-Sonderrationen, übelnahmen.
Der Kontrast zur Stadt Novosibirsk mit ihren Menschenschlangen vor
Lebensmittelläden, mit schlecht gekleideter Bevölkerung und häßlichen
Bauten ist nur zu offensichtlich. Akademgorodok ähnelt eher einem Vorort von Washington als einer Stadt in Sibirien. Seine 60 000 Bewohner,
einschließlich der 3 000 Wissenschaftler, wohnen in baumgesäumten Straßen
nahe einem künstlichen See, Tennisplätzen und guten Restaurants. "Es
ist ein Paradies für Leute, die gerne arbeiten", meint der Physiker
Nikolai Dikansky.
Wohnen in

�Wohnen in Nowosibirsk, luxuriös nach sowjetischen Maßstäben, beschreibt ein emigrierter sowjetischer Autor, Mark Popovsky, in seinem
Buch "Wissenschaft in Ketten"^"Ein Vollmitglied der Akademie bewohnt
eine Villa, ein korrespondierendes Mitglied eine halbe Villa; ein älterer Beamter im Forschungswesen besitzt eine Wohnung mit drei Metern
Zimmerhöhe, während ein jüngerer in einer Wohnung mit zweieinhalb Metern Zimmerhöhe in einem höheren Stockwerk und mit Gemeinschaftsbad
lebt".
Trotz der enormen Kapitalinvestitionen in Akademgorodok zweifeln
westliche Experten, daß es das erfüllte, was man sich davon versprach.
Amann kann "keinerlei Beweis erkennen, daß die Sowjetunion fähig war,
ihre eigene Technologie auf breiter Front zu entwickeln".
Ein wesentlicher Nachteil ergibt sich daraus, daß die Stadt der
Sibirischen Akademie der Wissenschaften,der wichtigsten regionalen Unterabteilung der sowjetischen nationalen Akademie untersteht, welche
jedoch gegenüber der Industrie keinerlei Weisungsbefugnisse besitzt.
So gibt es z.B. für den Chemiker Yermakoff keinen Weg, die chemische
Industrie anzuweisen, mit seinem Institut einen Kontrakt über eine
Verarbeitungsanlage abzuschließen,und der Kontrakt muß an westliche
Firmen gehen. "Unser ständiges Thema bei Gesprächen mit dem Ministerium
ist es, die Leute zu überreden, keine westlichen Produkte zu kaufen,
sondern unsere eigenen zu entwickeln - aber das Ministerium will ja weiter nichts als Zeit sparen", sagt er.
Im Computer-Zentrum führt Vadim Kotov, stellvertretender Direktor
für Informatik, Klage darüber, daß erst in den neunziger Jahren rechnergesteuerte Kontrollen breite Anwendung in der Sowjetindustrie finden
werden. Sein Institut habe die richtigen Computer und Programme entwickelt, aber der Maschinenpark in vielen Betrieben sei so veraltet,
daß er nicht auf Computer umgestellt werden könne. Und zu versuchen,

- 8 -

�Und zu versuchen, Betriebsmanager zu Investitionen für neue Maschinen
zu überreden, sei eine gewaltige Hürde. "Wir müssen wie Missionare vorgehen, um die Leute zu überreden", erklärt er.
Manche Wissenschaftler kamen zu dem Schluß, daß sie, wenn sie ihre
Ideen verwirklicht sehen wollten, die Produkte selbst herstellen müßten.
So wurde z.B. ein Teil des Instituts für Nuklearphysik in eine Fabrik
mit 1 000 Arbeitern verwandelt, die Produkte herstellt, welche von Hochspannungskabeln bis zu komplizierten Bestrahlungsgeräten für die chemische und biologische Forschung reichen.
Anfang der sechziger Jahre begann das Institut die modernen Ausrüstungen, die es benötigte und nicht bekommen konnte, selbst zu bauen.
Seitdem hat es seine Geräte an andere Laboratorien in der Sowjetunion
und Osteuropa verkauft, und kürzlich verkaufte es einen Teilchenbeschleuniger an Japan. Institutsdirektor Alexander Skrinsky erklärt, das Institut sei ermächtigt, selbst den Preis auszuhandeln und Verkäufe mit Gewinn zu machen. "Mehr als die Hälfte unserer Forschungsfinanzierung
kommt aus der Herstellung unserer eigenen Ausrüstungen", berichtet er.
In den Werkstätten des Instituts für theoretische Forschung werden
Nebenprodukte entwickelt. Zu diesen gehört z.B. ein Elektronengenerator
für die Sterilisierung von Getreide und ein Gerät, das Laborpersonal
und medizinisches Personal vor zu hoher Exposition durch Röntgenstrahlung
schützt. Das Schwierigste sei jedoch, so Skrinsky, die Geräte an Betriebsmanager zu verkaufen. Das Institut verfügt nicht über Verkäufer und annonciert nicht. Deshalb müssen die Wissenschaftler selbst von Betrieb
zu Betrieb ziehen, um Verkaufsaufträge zu bekommen.
Für Wissenschaftler, die nur Ideen zu verkaufen haben, sind die Probleme noch viel größer. Bis vor ein paar Jahren waren für eine Idee bis
zu zehn Jahren erforderlich, um den Weg vom Labor bis in die Massenproduktion zu bewältigen. Um diesen Prozeß zu beschleunigen, schufen

- 9 -

�beschleunigen, schufen verschiedene Ministerien und die Akademie der
Wissenschaften ein System von technischen Werkstätten, Konstruktionsbüros genannt. Der Geologe Trofimuk behauptet, diese hätten die Zeitspanne bis zur industriellen Anwendung auf die Hälfte verkürzt. Er räumt
jedoch ein, daß die Ministerien die Konstruktionsbüros nicht voll
nutzen. Nach Ansicht des Wissenschaftlers Aganbegyan besteht das Problem darin, daß die Ingenieure in den Büros nicht eng genug mit der
Industrie zusammenarbeiten.
m

Dem Verfasse^ dieses Artikels wurde nicht gestattet, Konstruktionsbüros zu besuchen, die für ein Industrieunternehmen arbeiten; er konnte
t

jedoch ein Büro besuchen, das von der Akademie der Wissenschaften betrieben wird. Direktor Genady Sobstel schien sich allerdings schwer zu
tun, genau zu erklären, womit sich sein aus 400 Leuten bestehender Mitarbeiterstab neben Konstruktionen von Steuerungen für ein Teleskop noch
beschäftigte. Die Aufgabe seines Büros konnte er nur so beschreiben,
daß man dort "Ideen testet".
•

+ + + + +

�15. September 1982

36

USA WOLLEN GROSSE VORSICHT BEI NUKLEARLIEFERUNGEN OBEN
Ziel ist Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Energieminister der Vereinigten
Staaten, W. Kenneth Davis, hat vor dem Kongreß betont, daß Amerika weiterhin
bei der Lieferung sensitiver nuklearer Technologie, Einrichtungen oder Materealien sehr selektiv vorgehen und sicherstellen werde, daß keine Gefahr
einer Weiterverbreitung von Kernwaffen besteht.

Die von Präsident Reagan am

16. Juli 1981 festgelegte Politik auf diesem Gebiet betrachte die Nonproliferation als grundlegendes nationales Interesse.

Auf der anderen Seite müßten

andere Länder die Vereinigten Staaten als stabilen und zuverlässigen Partner
erkennen, wenn die USA eine Möglichkeit der positiven Einflußnahme auf deren
Nuklearpolitik gewinnen wollten, so erklärte Davis am 8. September 1982 vor
dem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses.
Die wesentlichen Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden Energieministers haben folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan und seine Administration sind fest und positiv dem Ziel
verpflichtet, die Weiterverbreitung nuklearer Sprengkörper zu verhindern, wie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�verhindern, wie das bisher alle amerikanischen Administrationen getan haben...
Wenn sich auch die Methode zur Erreichung des Ziels der Verhinderung der nuklearen Proliferation in mancher Hinsicht von der früherer Administrationen unterscheiden mag, so darf die Ernsthaftigkeit dieser Verpflichtung doch nicht
in Frage gestellt werden...
Am 16. Juli 1981 hat Präsident Reagan die Politik dieses Landes bezüglich der Nonproliferation und der nuklearen Kooperation festgelegt. Die Vereinigten Staaten werden, wie Präsident Reagan sagte:
- die Ausbreitung von nuklearen Sprengkörpern auf weitere Länder zu verhindern suchen...,
- die Motivation für den Erwerb nuklearer Sprengkörper durch Verbesserung
der regionalen und globalen Stabilität... zu verbessern suchen,
- weiterhin für den Beitritt zum Nichtweiterverbreitungsvertrag (NPT)
und zum Vertrag von Tlatelolco... durch jene Länder eintreten, die diese Vorschläge noch nicht akzeptiert haben,
- eine materielle Verletzung dieser Verträge oder eines internationalen
Abkommens über Sicherheitsbestimmungen als eine Sache ansehen, die tiefgreifende Folgen für die internationale Ordnung und die bilateralen Beziehungen
der Vereinigten Staaten hat, und auch eine nukleare Explosion durch einen
Nichtatomwaffenstaat als eine ernste Angelegenheit betrachten,
- die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) weiterhin nachdrücklich
unterstützen und mit anderen Ländern zu ihrer Stärkung zusammenarbeiten...,
- nach wirksameren Mitteln und Wegen suchen, um mit anderen Ländern ein
Abkommen über Maßnahmen zur Bekämpfung des Risikos der Proliferation zustandezubringen,
- weiterhin dem

�- weiterhin dem Transfer sensitiver nuklearen Materials, Geräts und
sensitiver nuklearer Technologie Einhalt zu gebieten suchen, vor allem wo
die Gefahr der Proliferation dies erfordert, und ein Abkommen anstreben,
das IAEA-Sicherheitsgarantien für alle nuklearen Tätigkeiten in einem Nichtatomwaffenstaat als Vorbedingung für jede bedeutsame nukleare Lieferungsverpflichtung nötig macht.
Wir sind der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten in ihren internationalen nuklearen Beziehungen selektiv sein und zwischen Ländern, Regionen
und Umständen unterscheiden müssen, die Proliferationsrisiken darstellen,
und solchen, die es nicht tun. Wir werden daher weiterhin davon Abstand nehmen, kritische oder sensitive Technologie, Einrichtungen oder Materialien zu
verkaufen - einige wenige Länder ausgenommen, wo eine solche Kooperation angebracht ist und kein Proliferationsrisiko mit sich bringt. Wir werden weiterhin alle möglichen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, daß die anderen
nuklearen Länder eine ähnliche Haltung einnehmen.
Der Präsident hat in seiner Erklärung vom 16. Juli ferner darauf hingewiesen, daß er die zivile Wiederaufbereitung und die Entwicklung von Brutreaktoren in Ländern mit modernen Kernkraftprogrammen nicht hemmen oder zurückdrängen will, wenn dies kein Proliferationsrisiko mit sich bringt.
Für Japan und jene EURATOM-Länder, die moderne Kernkraftprogramme haben,
wollen wir die ernsten Spannungen abbauen, die sich in der Vergangenheit in
unseren Beziehungen zu diesen Ländern ergeben haben, weil sie die Vorstellung
hatten, wir würden ihre einheimischen Nuklearprogramme zu hemmen versuchen,
von denen ihre Anstrengungen zur Selbstversorgung mit Energie abhängen. All
diese Länder haben bezüglich der Nonproliferation einen ausgezeichneten Ruf
und haben den NPT entweder ratifiziert oder sich verpflichtet, sich an seine
Bestimmungen zu halten.
Ein weiterer Faktor, den wir in unseren nuklearen Beziehungen zu anderen
Ländern nicht außer acht lassen dürfen, ist, daß die Vereinigten Staaten nicht

- 3 -

�Staaten nicht mehr den beherrschenden Einfluß im internationalen Nuklearhandel und in der Nukleartechnologie besitzen, dessen wir uns früher erfreuten. Das bedeutet, daß wir von unilateralen Aktionen abkommen und statt
dessen die Kooperation mit unseren Nuklearpartnern unterstreichen müssen,
um unsere Nonproliferationsziele zu erreichen. Wenn uns das nicht gelingt,
dann wird das zu einer weiteren Aushöhlung des Vertrauens in die Vereinigten
Staaten und damit zu einem noch größeren Verlust an Einfluß und zu weiteren
Reibungen mit anderen Staaten führen.
Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, die Richtung der Nuklearpolitik
und der Nonproliferationspolitik anderer Länder positiv zu beeinflussen, wird
in großem Maße von unserer Fähigkeit abhängen, das Vertrauen des Auslandes
wiederzugewinnen, sowie von der Vorstellung, daß die Vereinigten Staaten ein
stabiler und zuverlässiger Nuklearpartner sind.
Leider ist in den letzten Jahren durch einige abrupte Änderungen der ame
rikanischen Politik und Verfahren für den Nuklearexport ein Verlust an Vertrauen in die Vereinigten Staaten als nuklearer Lieferant und eine deutliche
Tendenz bei einigen Verbraucherländern eingetreten, sich für die Wiederaufbereitung und nukleares Gerät an andere Liferanten zu wenden. Obwohl man wahrscheinlich angesichts der Ausweitung der ausländischen Nuklearindustrie unausweichlich mit einer gewissen Diversifizierung rechnen mußte, bin ich überzeugt, daß einige der Abwanderungen von den Vereinigten Staaten auf die Vorstellung zurückzufahren waren, daß die amerikanische Nuklearexportpolitik instabil sei und man mit einseitigen Änderungen rechnen müsse.
Diese Vorstellung hat auf jeden Fall dazu geführt, den amerikanischen
Einfluß im Ausland zu verringern. Um dieses Image wieder zu korrigieren,
hat die Administration eine große Anstrengung unternommen, um die Vereinigten
Staaten wieder als einen vorhersagbaren und zuverlässigen Nuklearpartner darzustellen.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8994">
                <text>15.09.1982</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8995">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8996">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13871">
                <text>Amerikadienst 15.09.1982</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13872">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: USA die "größte Hoffnung" für den Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA hoffen auf östliche Zugeständnisse bei den MBFR-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Exklusivinterview mit dem amerikanischen Chefdelegierten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Friedenssuche im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan weist Weg aus dem Teufelskreis des Krieges -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Einfrieren der Kernwaffen: Ein Gang auf dünnem Eis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Perle -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Auflösung der Moskauer Helsinki-Gruppe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kampagne gegen die Menschenrechte in der UdSSR -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit: Mangelhaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschung und Industrie sind in der UdSSR getrennte Welten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von David Brand&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen große Vorsicht bei Nuklearlieferungen üben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ziel ist Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2317" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2328">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5060be74231a47ab208d07f38166370c.pdf</src>
        <authentication>2a3fd8d031b2396e7c2df2282f348a70</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11886">
                    <text>cimGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^roN

^

D

53170 Bonn
15. September 1993

37

NAHER OSTEN

CLINTON BEGRUSST FRIEDENSABKOMMEN
ZWISCHEN ISRAEL UND DER PLO ALS
"SIEG FÜR DEN FRIEDEN"
Rede des Präsidenten bei Feierstunde
im Weißen Haus

VERTEIDIGUNG

ASPIN ERLÄUTERT WEITEREN ABBAU DES
US-MILITÄRS
Rede zur neuen Verteidigungsstrategie

USA-DEUTSCHLAND

HOLBROOKE: BEZIEHUNGEN ZU DEUTSCHLAND VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG
FÜR DIE USA
Anhörung vor Senatsausschuß

USA-RUSSLAND

BOTSCHAFTER TALBOTT ZU
RUSSLANDHILFE UND GUS
Anhörung vor Senatsausschuß

INNENPOLITIK

GORE-BERICHT ÜBER EFFIZIENZ DER
REGIERUNG
Eine Übersicht

KONGRESS

STÄRKERER EINFLUSS DER FRAUEN IM
KONGRESS
Spürbare Auswirkungen

BILDUNG

DIE UBERQUERUNG DES ANACOSTIA
von William H. Woodwell Jr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NAHER

OSTEN
15. September 1993

CLINTON BEGRÜSST FRIEDENSABKOMMEN
ZWISCHEN ISRAEL UND DER PLO ALS
"SIEG FÜR DEN FRIEDEN"
Rede des Präsidenten bei Feierstunde im Weißen Haus
WASHINGTON - (AD) - Bei der historischen Unterzeichnungszeremonie im Garten des Weißen Hauses würdigte
Präsident Clinton das zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) geschlossene
Friedensabkommen am 13. September 1993 als einen "Sieg für den Frieden" und sagte die Unterstützung der
Vereinigten Staaten "für die bevorstehende schwierige Arbeit" zu. Der Präsident führte aus, die Vereinigten
Staaten seien "der Gewährleistung von mehr Sicherheit für die von diesem Abkommen betroffenen Menschen
verpflichtet".
Präsident Clinton lobte die Vertreter Israels und der PLO, "die den Mut hatten, ihr Volk zum Frieden zu führen"
und fügte hinzu: "Ihre Beharrlichkeit und Vision haben uns das Verprecheh eines neuen Anfangs gegeben". Ihre
Leistung, so der Präsident, "muß als Katalysator für Fortschritte bei allen Aspekten des Friedensprozesses
wirken".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton im Wortlaut.

Ministerpräsident Rabin, Vorsitzender Arafat, Außenminister Peres, Herr Abbas, Präsident Carter, Präsident Bush, verehrte Gäste.

Bitterkeit zwischen den Palästinensern und Juden die
ganze Region ihrer Ressourcen, ihres Potentials und
zu vieler ihrer Söhne und Töchter beraubt. Das Land
wurde so sehr von Kämpfen und Haß heimgesucht, die
Im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika und diametral entgegengesetzten Ansprüche der GeschichRu ßlands als Vertreter der Schirmherrschaft über den te waren so tief in die Seelen der Kombattanten dort
Nahost-Friedensprozeß möchten wir Sie zu diesem eingegraben, daß viele glauben, die Vergangenheit
historischen und Hoffnung verheißenden Anlaß begrü- wird für immer die Oberhand behalten.
ßen.
Dann - vor 14 Jahren - begann die Vergangenheit den
Heute werden wir Zeuge eines außerordentlichen Akts Weg zu räumen, als an diesem Ort und an diesem
in einem die Geschichte markierenden Drama - einem Schreibtisch drei Männer mit einer großartigen Vision
Drama, das zu der Zeit unserer Vorfahren begann, als ihre Namen unter das Abkommen von Camp David
die Schrift von einem Streifen Land zwischen dem setzten. Heute ehren wir das Gedenken an Menachim
Jordan und dem Mittelmeer verkündet wurde. Dieses Begin und Anwar Sadat und würdigen die kluge Fühheilige Stück Land, das Land des Lebens und der rungsrolle von Präsident Jimmy Carter.
Offenbarung, ist die Heimat der Erinnerungen und
Träume von Juden, Muslimen und Christen auf der Damals wie heute haben wir diejenigen vernommen,
ganzen Welt.
die sagen, der Konflikt werde bald erneut ausbrechen.
Aber der Frieden zwischen Ägypten und Israel hat
Wie wir alle wissen, war die Verehrung dieses Landes Bestand. Und ebenso muß dieses neue Wagnis
auch zu lange die Ursache für Konflikt und Blutvergie- heute, dieses mutige Vabanquespiel, daß die Zukunft
ßen. Im gesamten Verlauf dieses Jahrhunderts hat die

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�besser als die Vergangenheit sein kann, Bestand
haben.
Vor zwei Jahren hat in Madrid ein anderer Präsident
einen großen Schritt auf dem Weg zum Frieden unternommen, indem er Israel und all seine Nachbarn
zusammenbrachte, um direkte Verhandlungen in die
Wege zu leiten, und heute möchten wir auch unseren
tiefempfundenen Dank für die geschickte Führungsrolle von Präsident George Bush zum Ausdruck bringen.
Seit dem Tag der Anerkennung Israels durch Harry
Truman hat jeder amerikanische Präsident - ob Demokrat oder Republikaner - auf den Frieden zwischen
Israel und seinen Nachbarländern hingearbeitet. Heute
erleben wir dank der Bemühungen aller vor uns Tätigen diesen Moment, einen Moment, an dem wir das
feierlich geloben zu wagen, was so lange kaum vorstellbar war: Daß die Sicherheit des israelischen
Volkes mit den Hoffnungen der Palästinenser in Einklang gebracht und es für alle mehr Sicherheit und
mehr Hoffnung geben wird.
Heute wird die Führung Israels und der Palästinensischen Befreiungsorganisation eine Grundsatzerklärung über die vorläufige Autonomie Palästinas unterzeichnen. Sie legt den Kurs für die Aussöhnung zweier
Völker fest, die beide die Bitterkeit des Exils kennen.
Heute verpflichten sich beide, altes Leid und Antagonismen hinter sich zu lassen und auf eine gemeinsame
Zukunft hinzuarbeiten, die von den Werten der Thora,
des Korans und der Bibel geprägt ist.
Wir möchten heute auch die norwegische Regierung
zu ihrer bemerkenswerten Rolle bei der Erarbeitung
dieses Abkommens beglückwünschen. Vor allem
möchten wir jedoch den Politikern unseren Tribut
zollen, die den Mut hatten, ihr Volk zum Frieden zu
führen, weg von den Wunden des Kampfes, den
Wunden und Verlusten der Vergangenheit zu einer
vielversprechenderen Zukunft. Die Welt dankt heute
Ministerpräsident Rabin, Außenminister Peres und
dem PLO-Vorsitzenden Arafat.
Ihre Beharrlichkeit und Vision haben uns das Verprechen eines neuen Anfangs gegeben. Das von diesen
Politikern Geleistete muß jetzt von anderen vollbracht
werden. Ihre Leistung muß als Katalysator für Fortschritte bei allen Aspekten des Friedensprozesses
wirken. Und diejenigen unter uns, die sie unterstützen,
müssen ihnen in allen Bereichen zur Seite stehen,
denn der Frieden muß den Menschen, die ihn herbeiführen, mehr Sicherheit verleihen. Ein Frieden der
Mutigen ist in greifbare Nähe gerückt. Im gesamten
Nachen Osten besteht eine große Sehnsucht nach
dem stillen Wunder eines normalen Lebens.
Wir wissen, daß ein schwieriger Weg vor uns liegt.
Jeder Frieden hat seine Feinde - diejenigen, die immer
noch dem gewohnten Haß den Vorzug vor der harten

Seite 2

Arbeit der Versöhnung geben. Ministerpräsident Rabin
hat uns jedoch daran erinnert, daß man mit seinen
Freunden keinen Frieden schließen muß. Und der
Koran lehrt, wenn der Feind zum Frieden neigt, dann
sollt auch Ihr zum Frieden neigen.
Aus diesem Grund wollen wir uns verpflichten, daß
diese neue gegenseitige Anerkennung zu einem dauerhaften Prozeß wird, in dem die Parteien die Art und
Weise umsetzen, in der sie sich gegenseitig sehen und
verstehen. Die Skeptiker bezüglich dieses Friedens
sollten sich vor Augen führen, was einstmals zwischen
diesen Menschen bestand. Es gab eine Zeit, in der
sich der Fluß von Ideen und Handel, der Strom der
Pilger ungehindert zwischen den Städten des fruchtbaren Hügels ergoß. In Spanien und im Nahen Osten
arbeiteten Muslime und Juden einstmals zusammen,
um die brillianten Kapitel der Literaturgeschichte und
Naturwissenschaften zu schreiben. All dies kann
wieder geschehen.
Herr Ministerpräsident, Herr Vorsitzender, ich sage die
aktive Unterstützung der Vereinigten Staaten von
Amerika für die bevorstehende schwierige Arbeit zu.
Die Vereinigten Staaten haben sich der Gewährleistung von mehr Sicherheit für die von diesem Abkommen betroffenen Menschen verpflichtet und werden
eine Führungsrolle bei der Verwaltung der für die
Durchführung der schwierigen Einzelheiten erforderlichen Ressourcen übernehmen, die die Prinzipien in
die Tat umsetzen, zu denen Sie sich heute verpflichten.
Wir wollen uns gemeinsam vorstellen, was erreicht
werden kann, wenn all die von den Israelis und Palästinensern in Ihren Kampf investierten Energien und
Fähigkeiten jetzt in die Kultivierung des Landes und
Säuberung der Gewässer, die Beendigung des Boykotts und den Aufbau neuer Industrien, in die Schaffung eines so reichen und friedlichen wie heiligen
Landes kanalisiert werden können. Vor allem wollen
wir uns heute der nächsten Generation Ihrer Region
widmen. In dieser gesamten Runde ist niemand
wichtiger als die Gruppe der arabischen und israelischen Kinder, die heute hier unter uns sitzen.
Herr Ministerpräsident, Herr Vorsitzender, dies ist Ihr
Tag. Und aufgrund des von Ihnen Geleisteten gehört
das Morgen diesen Kindern. Wir dürfen sie nicht zum
Opfer der Politik von Extremismus und Verzweiflung
machen oder denen überlassen, die diesen Prozeß
zum Scheitern bringen wollen, weil sie die Ängste und
den Haß der Vergangenheit nicht überwinden können.
Wir dürfen sie nicht ihrer Zukunft berauben. Zu lange
waren die Jugendlichen im Nahen Osten unverschuldetermaßen in einem Netz des Hasses gefangen. Zu
lange wurden sie aus der Chronik des Krieges unterrichtet. Heute können wir ihnen die Chance bieten, die
Zeit des Friedens kennenzulernen.

AMERIKA DIENST :»7

�Für sie müssen wir die Prophezeiung von Isaias verwirklichen: Der Ruf der Gewalt soll nicht in Ihrem Land
vernommen werden und es soll keine Verwüstung
oder Zerstörung innerhalb Ihrer Grenzen geben. Die

Kinder Abrahams, die Nachfahren von Isuak und ismael
haben sich gemeinsam auf eine mutige Reise begeben. Zusammen wünschen wir ihnen aus tiefstem
Herzen Schalom, Salam, Frieden.

* * * *

AMERIKA DIENST 37

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
15. September 1993

ASPIN ERLÄUTERT WEITEREN ABBAU
DES US-MILITÄRS
Rede zur neuen Verteidigungsstrategie
WASHINGTON - (AD) - Die Umstrukturierung des amerikanischen Militärs im Einklang mit der vom Verteidigungsministerium vorgenommenen "grundlegenden Überprüfung" (Bottom-Up-Review) wird Verteidigungsminister Aspin zufolge einen größeren Abbau zur Folge haben als von der Bush-Administration vorgesehen.
In einer am 2.September 1993 an der Georgetown University gehaltenen Rede erläuterte Aspin die von der
Clinton-Administration beabsichtigten Kürzungen im Vergleich zu den bisher geplanten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Aspin im Wortlaut.

Die neue Streitkräftestruktur der Clinton-Administration ist das Resultat einer vom Verteidigungsministerium vorgenommenen eingehenden Überprüfung der
Militärstrategie, Streitkräfte und Verteidigungsprogramme, die wir in dem neuen Zeitalter für die Sicherheit der
Vereinigten Staaten benötigen. Wir bezeichnen diese
umfassende Studie als grundlegende Überprüfung
und benennen daher unsere neue Streitkräftestruktur
nach ihr.

Augen führen, wie wir an diesen Punkt gelangt sind.
Künftige Historiker werden meines Erachtens die jüngste Vergangenheit als zwei Revolutionen beurteilen,
die für diese Periode der Geschichte äußerst bedeutend sind.

Die erste Revolution begann am 7. Dezember 1988,
als der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow
den Vereinten Nationen bekanntgab, er würde Zehntausende sowjetischer Truppen aus Osteuropa abzieWir verteilen hier heute eine Kopie des Teils der hen und die sowjetischen Streitkräfte einseitig um eine
Strategie, der sich mit der Streitkräftestruktur befaßt. halbe Million Truppen reduzieren. Dies sendete ein
Ich hoffe, Sie nehmen sich ein Exemplar mit nach Signal an alle Länder Osteuropas, daß die sowjetiHause, lesen es und lassen uns Ihre Fragen oder schen Truppen nicht länger die sowjetische Herrschaft
Kommentare wissen. Heute möchte ich jedoch einge- durchsetzen würden. Diese Länder begannen also,
das Signal auf seine Echtheit zu testen. Es war echt.
hend über dieses Konzept sprechen.
Binnen eines Jahres fiel die Berliner Mauer. Der
Wenn Sie die Einzelheiten der Streitkräftestruktur dieser Kommunismus in Osteuropa brach zusammen. Der
Strategie betrachten, ist es nur natürlich, sie mit dem Warschauer Pakt löste sich auf.
von der vorigen Administration geerbten Verteidigungsprogramm zu vergleichen, das sich auf ein von der Das war die Revolution Nummer eins. Sie fand wähdamaligen Regierung als Stützpunktstreitkräfte (Base rend des Kalenderjahres 1989 statt.
Force) bezeichnetes Konzept gründet. Ein Vergleich
der alten und neuen Strategie ist insofern nützlich, als Dann vollzog sich anderthalb Jahre später die Revoluer uns bei einer Bestandsaufnahme behilflich sein tion Nummer zwei, ungefähr in der zweiten Hälfte des
Jahres 1991. Sie begann, als die Betonköpfe in
kann, wo wir waren und wohin wir gehen.
Moskau versuchten, die Uhr zurückzudrehen und ihre
In der Tat arbeitet ein Vergleich der beiden Strategien Kontrolle wiederzugewinnen. Ihr Putschversuch scheiden Wesensgehalt der Antwort dieser Administration terte nicht nur, er beschleunigte sogar den Wandel.
auf das neue Zeitalter heraus.
Die Reformer kamen an die Macht und wurden ermutigt. Und binnen Monaten hörte die Sowjetunion auf zu
Um die Reaktion auf dieses neue Zeitalter und seine existieren. Am Weihnachtstag 1991 trat Gorbatschow
Anforderungen zu verstehen, sollten wir uns kurz vor
AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�zurück, und die Sowjetunion zerfiel in getrennte, häufig ausgerichtet. Nun da die sowjetische Bedrohung nicht
mehr existiert, mußten wir uns einige ziemlich grundstreitende Nationen.
legende Fragen stellen, angefangen mit der folgenEs gab also zwei Revolutionen. Revolution eins - kein den: Worauf sollte unser Verteidigungsapparat jetzt
Warschauer Pakt mehr. Revolution zwei - keine ausgerichtet sein?
Sowjetunion mehr.
Mit Blick auf die Weltlage gelangten wir zu der SchlußHier stehen wir heute. Das alte Verteidigungskonzept folgerung, daß sich die Vereinigten Staaten in derzeit
der Stützpunktstreitkräfte wurde jedoch 1990 erarbeinach dem Kalten Krieg vier neuen Gefahren gegentet, nach der ersten und vor der zweiten Revolution. In übersehen. Erstens regionalen Konflikten. Zweitens
Wirklichkeit war die alte Strategie ein Verteidigungs- der Verbreitung von Atom- und anderen Massenverplan für "eine Revolution". Sie war eine legitime nichtungswaffen. Drittens einer Bedrohung unserer
Antwort auf die Bedrohung unserer Sicherheit, mit der wirtschaftlichen Stärke. Viertens dem Scheitern der
wir uns am Ende der ersten Revolution konfrontiert demokratischen Reform im ehemaligen Sowjetblock.
sahen. Die Sowjetunion existierte noch, und das alte
Konzept trug der beträchtlichen Sorge der Vereinigten Ich möchte im einzelnen auf diese vier Gefahren
Staaten über die von ihr ausgehende militärische eingehen, weil sie der Auslöser für die neue VerteidiBedrohung Rechnung.
gungsstrategie waren.
Das Konzept der Stützpunktstreitkräfte war unser erster
Schritt zur Umstrukturierung des amerikanischen
Verteidigungsprogramms von der Bedrohung des
Warschauer Pakts zu Bedrohungen in der Zeit nach
dem Kalten Krieg wie regionale Aggression. Diese
Veränderungen haben uns geholfen. Die vorherige
Administration hat beispielsweise eine Studie zu den
Anforderungen an die Mobilität erstellt - die für die
Zukunft erforderlichen Luft- und Seetransportfähigkeiten. Diese Studie erwies sich als äußerst nützlich für
uns.
Das Konzept der Stützpunktstreitkräfte war jedoch ein
Produkt seiner Zeit. In der Tat schützte es gegen das
Wiederentstehen einer feindlich gesinnten und mächtigen Sowjetunion sowie die von ihr ausgehende
Bedrohung.
Heute existiert diese Bedrohung nicht mehr. Wir
müssen uns nicht mehr gegen eine wiedererstarkende
sowjetische Supermacht schützen. Wir benötigen
keinen Verteidigungsplan gegen "eine Revolution''.
Wir sind uns der Umstände bewußt, unter denen
Rußland wieder eine größere regionale Bedrohung
werden könnte. Aber ebenso wie zerbrochenes Glas
kann die massive sowjetische Militärmaschinerie nicht
wieder zusammengesetzt werden.
Also benötigen wir eine neue Streitkräftestruktur, einen Verteidigungsplan für "zwei Revolutionen", wenn
Sie so wollen, der auf die Zeit nach dem Kalten Krieg
und die Bedrohungen nach dem Zerfall der Sowjetunion reagiert. Unser Vorteil gegenüber den Planern der
alten Strategie ist unser heutiges Wissen, daß die
sowjetische Bedrohung nicht wiederbelebt werden kann.
Sie konnten das nicht wissen.
Um Präsident Clintons im Wahlkampf gegebenes
Versprechen zur Anpassung unserer Streitkräfte an
das neue Zeitalter zu erfüllen, mußten wir unsere
Verteidigungsplanung von Grund auf neu gestalten.
Viele Jahre lang war ein Großteil unseres Verteidigungsprogramms auf die sowjetische Bedrohung
Seite 2

Erstens die Gefahr durch regionale, ethnische und
religiöse Konflikte. Diese Gefahren setzen die Existenz der Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel. Sie
könnten jedoch vitale amerikanische Interessen, Freunde und Verbündete der Vereinigten Staaten sowie das
amerikanische Gefühl für Anstand bedrohen.
Unser Verteidigungshaushalt sowie Umfang und Struktur unserer Streitkräfte sind direkt von dieser Bedrohung beeinflußt. Trotz extrem schwieriger Prognosen
können wir davon ausgehen, daß regionale Konflikte
entstehen werden. Und wir müssen die militärischen
Fähigkeiten zur Verfügung haben, um zur Verteidigung unserer Interessen zu handeln - wenn nötig im
Alleingang, wenn möglich mit Verbündeten.
Die zweite Gefahr ist die Bedrohung durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Das Gebiet der
ehemaligen Sowjetunion enthält noch immer Tausende Nuklearwaffen, deren Sicherheit mit dem Abbau der
alten Kontrollmechanismen auf dem Spiel stehen könnte.
In der Region gibt es viele Menschen mit Kenntnissen
der Waffenproduktion, deren Fachwissen auf dem
Weltmarkt enden könnte. Freiheit und Demokratie
gegenüber feindlich gesinnte Nationen wie der Irak
und Nordkorea sind zur Beschaffung von Nuklearwaffen entschlossen. Dies betrifft uns, insbesondere da
immer mehr Nationen ballistische Raketen entwickeln,
die als Trägersysteme für Massenvernichtungswaffen
dienen können. Während die Bedrohung eines massiven sowjetischen Atomangriffs nachgelassen hat,
ergibt sich die neue atomare Gefahr aus der Aussicht
auf terroristische oder verbrecherische Staaten im
Besitz einer Handvoll Nuklearwaffen.
Gefahr drei besteht darin, unsere nationalen Sicherheitsinteressen nicht aus einem Blickwinkel zu sehen,
der wirtschaftliche Belange einbezieht. Wirtschaftliches Wohlergehen ist unabdingbar für unsere Sicherheit. Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm trägt
dieser grundlegenden Tatsache Rechnung. Angesichts der heutigen Weltlage und der Situation in den
Vereinigten Staaten ist das Wichtigste, das wir für die
AMERIKA DIENST 37

�Verbesserung unserer Sicherheit tun können, die
Stärkung der Wirtschaft. Kurzfristig hängt unsere
Verteidigung von starken, effektiven Streitkräften ab,
die zur Bewältigung aller Bedrohungen unserer Sicherheit fähig sind. Diese haben wir. Das Militär der
Vereinigten Staaten ist heute das beste der Welt.
Langfristig hängt jedoch unsere Fähigkeit, eine Supermacht zu bleiben, von unserer Wirtschaftsmacht ab.
Die vierte Gefahr: Die Möglichkeit des Scheiterns der
demokratischen Reformen in der ehemaligen Sowjetunion und andernorts. Die Bedrohung durch die
sowjetische Supermacht mag hinter uns liegen, aber
wenn aus den Überbleibseln Diktaturen entstehen,
würde das bedeuten, daß die Wert weniger friedlich
und viel schwieriger für die Vereinigten Staaten wird.
Und viel teurer.

Gesamtzahl der Schiffe. Wir benötigen ungefähr 345.
In unserem alten Konzept wurden 450 gefordert.
Angriffsunterseeboote. Wir reduzieren die ehemals 88
auf 45 bis 55.
Parallel zum Abbau unserer Kampftruppen nehmen
wir damit in Zusammenhang stehende Kürzungen vor
- Unterstützungstruppen, die umfangreiche und teure
Infrastruktur der Militärstützpunkte, zentrale Wartungsund Nachschubeinrichtungen, die alle während des
Kalten Krieges errichtet wurden. Gleichzeitig bleiben
wir jedoch unserer obersten Priorität verpflichtet - dem
Unterhaft hochqualifizierter und einsatzbereiter Streitkräfte - und werden die hierzu erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Nicht jeder Unterschied zwischen der alten und der
neuen Verteidigungsstrategie impliziert Kürzungen.
Zusammengenommen stellen diese vier Bedrohungen das veränderte Gefahrenbild dar. Während des Bei den kleineren Truppen haben wir im Vergleich zu
Kalten Krieges wußten wir, wer unser Hauptgegner dem alten Konzept sogar eine Aufstockung vorgenomwar. Wir pflegten unserem Feind in Deutschland über men. Ein Beispiel hierfür ist die Stärke unseres Marinekorps, das 174.000 Aktivisten umfassen soll, 15.000
die Fulda ins Gesicht zu sehen. Jetzt werden wir mit
vier Gefahren geringeren Ausmaßes konfrontiert, wir mehr als früher. Die Erweiterung des Marinekorps ist
wissen jedoch nicht, woher sie kommen oder wann sie für unsere Strategie nach dem Kalten Krieg von Bedeutung. Diese fordert von den Marineinfanteristen,
entstehen.
auf ein breites Spektrum regionaler Gefahren zu reaMit der grundlegenden Überprüfung haben wir den vier gieren und in Friedenszeiten widerstandsfähige, flexineuen sicherheitspolitischen Gefahren Rechnung ble Streitkräfte in Übersee zu unterhalten.
getragen und schrittweise eine neue Strategie und
Die grundlegende Überprüfung wird also einige EleTruppenstruktur aufgestellt. Unsere jetzigen Streitkräfte sind eine Reaktion auf die neue Welt. Während mente der alten Strategie verstärken, selbst wenn die
die alte Strategie die Weh des Jahres 1990 reflektierte, Streitkräfte insgesamt abgebaut werden. Und sie
ist die neue ein Spiegelbild der Welt, wie wir sie 1993 werden abgebaut. Die Zahl der im aktiven Dienst
Tätigen wird von 1,6 Millionen auf 1,4 Millionen redusehen.
ziert.
Aus diesem Grund unterscheidet sich das neue KonDas ist die Grundlinie der grundlegenden Überprüzept natürlich wesentlich von der alten Strategie. Ich
fung:
Die meisten Elemente der Streitkräfte werden
möchte die beiden kurz miteinander vergleichen.
kleiner. Aber nicht alle Elemente werden in gleicher
Erstens werden die Streitkräfte nach der grundlegen- Weise abgebaut. Einige werden proportional weniger
den Überprüfung kleiner sein als die ehemaligen Stütz- abgebaut als andere. Mit anderen Worten, wir ändern
punktstreitkräfte. Das ist sinnvoll, weil die neuen die Zusammensetzung unserer Streitkräfte, um auf die
Bedrohungen zusammengenommen nicht das Aussicherheitspolitischen Herausforderungen in der Zeit
maß annehmen wie die frühere sowjetische Bedronach dem Kalten Krieg zu reagieren.
hung. Die Streitkräfte werden nach der grundlegenden
Überprüfung kleiner und kostengünstiger sein als die Ich möchte ein Beispiel aus der Marine anführen:
Stützpunktstreitkräfte früherer Zeiten, mit weniger Angriffsunterseeboote und Flugzeugträger.
Angehörigen, einer kleineren Anzahl von Systemen
Während der Kalten Krieges bestand die wichtigste
und weniger umfangreichen Programmen. Ich möchte
Aufgabe für unsere Seestreitkräfte darin, die sowjetihierzu einige Zahlen nennen.
sche Marine abzuwehren - die Sowjets an der EinAktive Heeresdivisionen. Anstelle der 12 im alten schränkung unserer Freiheit auf den Meeren zu hinKonzept vorgesehenen aktiven Divisionen werden wir dern sowie sowjetische, mit Raketen bestückte UBoote aufzuspüren und nötigenfalls "unschädlich" zu
über 10 verfügen.
machen, bevor sie ihre Kernwaffen auf die Vereinigten
Aktive Jagdgeschwader und Reserve. Hiervon werStaaten richten konnten. In diesem Zusammenhang
den wir 20 anstelle von sechsundzwanzigeinhab haben. war das Angriffsunterseeboot eines unserer wertvollsten Aktivposten der Marine.
Aktive Flugzeugträger. Wir werden über 11 anstelle
von 12 verfügen, plus einem Reserve-Träger und Aber im Zeitalter nach dem Kalten Krieg und nach der
einem zu Trainingszwecken.
sowjetischen Bedrohung bestehen diese Aufgaben im

AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�wesentlichen nicht mehr. Ohne die sowjetische Marine will uns niemand die Kontrolle über die Meere
streitig machen. Jetzt müssen sich unsere Seestreitkräfte bei regionalen Konflikten auf die Projektion
konventioneller Macht am Ufer konzentrieren, insbesondere während der entscheidenden Eröffnungsphase eines größeren Konflikts. Zusätzlich müssen sie
"Flagge zeigen", das heißt, zur Einhaltung unserer
internationalen Verpflichtungen eine bedeutende
amerikanische Präsenz in Übersee beibehalten. In
dieser Hinsicht sind Flugzeugträger das Kernstück
unserer Seestreitkräfte.
Während des Kalten Krieges benötigten wir eine substantielle Flugzeugträger- und Unterseebootstreitmacht.
Nach dem Kalten Krieg brauchen wir im allgemeinen
weniger von allem, jedoch nicht proportional weniger.
Wir ändern die Zusammensetzung. Unsere Streitkräfte werden insgesamt kleiner und die Anzahl der Flugzeugträger wird nach dem neuen Konzept in viel
geringerem Ausmaß reduziert als die Zahl der Angriffs-U-Boote.
Ich möchte bei meinem Vergleich zwischen dem alten
und dem neuen Konzept noch auf einen letzten Punkt
zu sprechen kommen. In der grundlegenden Überprüfung wird erneut eine Anzahl von großen Verteidigungsprogrammen untersucht, die insbesondere im
Hinblick auf eine atomare Bedrohung durch eine
Supermacht entwickelt wurden. Die meisten dieser
Programme wurden erarbeitet bevor die alte Strategie
angenommen wurde und aufrechterhalten, da die
Sowjetunion damals noch existierte. Heutzutage gibt
es die sowjetische Bedrohung nicht mehr. Daher
müssen wir uns fragen, was wir mit diesen aus der Zeit
des Kalten Krieges stammenden Programmen anfangen und was in dem neuen Zeitalter sinnvoll ist.

hung durch Kurzstreckenraketen zugenommen. Unter der BMDO verlagern wir die Betonung von einer
landesweiten Verteidigung auf eine Verteidigung, die
die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Bündnispartner in regionalen Konflikten schützt. Angesichts der zur Zeit und in absehbarer Zukunft geringfügigen Bedrohung der Vereinigten Staaten durch ballistische Interkontinentalraketen richten wir unsere
Anstrengungen erneut auf Forschung und Entwicklung für ein nationales Verteidigungssystem, falls sich
dies als notwendig erweisen sollte.
Die MILSTAR-Satellitenkonstellation. Sie war das
Kernstück unserer Pläne aus dem Kalten Krieg für
verläßliche Kommunkation in Kriegszeiten, einschließlich anhaltender Operationen während eines Atomkrieges. MILSTAR war gut geeignet für die Welt im
Kalten Krieg, in der wir uns auf den Kampf mit einem
Feind vorbereiteten, der mit Tausenden von Atomwaffen, hochentwickelten Störkapazitäten und satellitengestützten Abwehrsystemen ausgerüstet war. Nach
der ersten Revolution wurden an MILSTAR einige
Veränderungen vorgenommen. Weitere waren vonnöten. Nach der grundlegenden Überprüfung müssen
wir die Stationierung neuer, kleinerer und kostengünstiger Satelliten planen - der modernen Extra-Hochfrequenz-Satelliten - die verläßliche, störungsfreie weltweite Kommunikation unter Einsparung von Milliarden
Dollar ermöglichen. Wir planen die baldmögliche
Entsendung dieser neuen Satelliten.

Schließlich der B-2-Tarnbomber. Er war als strategischer Nuklearbomber konzipiert, der gegen die Sowjetunion eingesetzt werden sollte. Heute kaufen wir
ihn in geringeren Mengen ein - 20, um genau zu sein.
Und die Rolle des B-2-Bombers ändert sich. Anstatt
ausschließlich als atomarer Interkontinentalbomber
eingesetzt zu werden, wird er vorwiegend in regionalen
Ich möchte drei Beispiele dafür anführen, wie wir diese Konflikten verwendet, um die Verteidigung des FeinProgramme überprüft haben: Die Strategische Vertei- des zu umgehen und präzisionsgesteuerte konventiodigungsinitiative (SDI), die MILSTAR-Satellhenkonnelle Waffen zu befördern - wie der F-117-Bomber, der
stellation und die B-2-Tarnbomber.
bei der Operation Wüstensturm eingesetzt wurde. Der
B-2-Bomber wird unser bestes Stück sein.
Ich beginne mit SDI. Wir haben das Programm bereits
umgestaltet. Die alte SDI-Organisation existiert schon Soweit mein Bericht über die neue Verteidigungsstranicht mehr. Sie wurde durch die Organisation für die tegie im Vergleich mit unserem alten Konzept. Ich bin
ballistische Raketenabwehr (Ballistic Missile Defense zuversichtlich - ebenso wie Präsident Clinton und
Organization - BMDO) ersetzt. Aber wir haben sehr General Powell - daß unsere neue Streitkräftestruktur
viel mehr getan, als nur den Namen zu ändern. Wir die amerikanischen Interessen im nächsten Jahrhunändern den Schwerpunkt des Programms, da sich die dert schützen und fördern wird. Wir sind der BeibehalBedrohungen verändert haben.
tung effektiver, einsatzbereiter Streitkräfte für die siSDI war darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten
gegen einen nuklearen Raketenangriff der Sowjetunion zu verteidigen. Aber die Gefahr eines solchen
Angriffs hat abgenommen. Gleichzeitig hat die Bedro-

*

Seite 4

*

cherheitspolitischen Herausforderungen Amerikas in
der Zeit nach dem Kalten Krieg verpflichtet. Die
grundlegende Überprüfung unserer Verteidigungsstrategie hat uns auf diesen Weg gebracht.

*

*

AMERIKA DIENST 37

�USA-DEUTSCHLAND
15. September 1993

HOLBROOKE: BEZIEHUNGEN ZU DEUTSCHLAND
VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG FÜR DIE USA
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats anläßlich seiner Bestätigung
erklärte der für die Bundesrepublik Deutschland designierte Botschafter Richard C. Holbrooke am 9. September
1993, "unsere Beziehungen zu Deutschland sind von entscheidender Bedeutung für unsere Nation".
Der nominierte Botschafter führte weiter aus: "Deutschland ist bilateral und auch in multilateralen Institutionen
ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten bei der Förderung von Demokratie, Ermutigung von Wirtschaftsreformen und Wachstum sowie der Lösung lokaler und regionaler Konflikte."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des designierten Botschafters im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschu ßmitglieder, es ist
mir eine Ehre, bei dieser Gelegenheit meine Nominierung als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
mit Ihnen erörtern zu dürfen.
Unsere Beziehungen zu Deutschland sind von entscheidender Bedeutung für unsere Nation - das ist
offenkundig. Diese Beziehungen sind der Beweis für
den Erfolg der von neun Präsidenten sowie renommierten Politikern beider Parteien geschaffenen und
verfolgten überparteilichen Politik.

Bei der Verwirklichung dieser Ziele verfolgen die Vereinigten Staaten eine Politik, die Deutschlands neue
Rolle unterstützt und arbeiten gleichzeitig eng mit
ihrem Partner zusammen, während er die Anpassungen im Rahmen des Vereinigungsprozesses vornimmt,
der das Land politisch, wirtschaftlich und psychologisch vereinigen soll.

Die Nacht des 9. November 1989 war der beste
Zeitpunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel, symbolisiert
den Triumph der Freiheit über Unterdrückung. Die
Dank enger deutsch-amerikanischer Beziehungen Amerikaner früherer Generationen erinnern sich mit
haben wir vor langer Zeit zur Integration eines ehema- Trauer genau daran, wo sie am Tag von Pearl Harbor
ligen Gegners in die internationale Staatengemein- waren - oder an den Tag, als Präsident Kennedy
schaft beigetragen, und Deutschland ist einer unserer ermordet wurde. Ich hoffe, daß die Angehörigen Ihrer
engsten Verbündeten geworden. Wir haben im Kalten Generation sich ebenfalls an diesen Augenblick der
Krieg gemeinsam schwierigen Zeiten widerstanden. Geschichte als das sichtbare Ende des Kalten Krieges
Heute stehen die Vereinigten Staaten nach wie vor an erinnern werden - den Tag, an dem die Berliner Mauer
der Seite eines der atlantischen Partnerschaft ver- fiel.
pflichteten Deutschlands, dem sie hohe Wertschätzung entgegenbringen. Die Administration unterstützt Die amerikanische Politik gegenüber der Vereinigung
die neue, seiner internationalen Position entsprechen- in den Jahren 1989 und 1990 war klug und wird von der
de Rolle Deutschlands bei der Verwirklichung von Geschichte als meisterliche diplomatische Leistung
Maßnahmen der Europäischen Gemeinschaft und der beurteilt werden, die langfristig zu Frieden und StabiNATO im Einklang mit dervonden Vereinigten Staaten lität in Europa beiträgt. Während ich mich auf die
verfolgten Politik sowie bei der Förderung von Demo- Anhörung vorbereitete, stellte ich fest, daß dieses
kratie, Marktwirtschaften, Sicherheit und Stabilität in Gremium dem neuen Deutschland einstimmig in beiMitteleuropa und der Unterstützung der Demokratisie- den Häusern des Kongresses sein Vertrauen ausgerung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). sprochen hat, als Sie mit 98 zu null Stimmen für die

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�Ratifizierung des Zwei-plus-Vier-Vertrags stimmten,
der offiziell die Spaltung der Nation beendete. Ich
möchte hinzufügen, da ß es auch während des gesamten Kalten Krieges starke überparteiliche Unterstützung für unsere militärische Präsenz in Deutschland
gegeben hat, eine Präsenz, diefürdie Beendigung des
Kalten Krieges von entscheidender Bedeutung war.
Ich hoffe, daß diese überparteiliche Denkweise auch
bei der Unterstützung des Kongresses für eine verringerte, aber dennoch bedeutende militärische Präsenz
der Vereinigten Staaten in Deutschland vorherrschen
wird. Eine solche Denkweise ist sowohl der sich wandelnden Sicherheitslage in Europa als auch derführenden Rolle Deutschlands als unser Partner bei weltweiter Diplomatie angemessen.

gegründete Beziehungen, die durch tägliche persönliche Kontakte über das gesamte Spektrum von Aktivitäten hinweg genährt werden. Millionen von Amerikanern haben deutsche Vorfahren und weitere Millionen
haben in Deutschland aus erster Hand Erfahrungen
gesammelt und seine Bürger persönlich kennengelernt, häufig, indem sie in der Nachkreigszeit dort ihren
Militärdienst leisteten.

Ich fühle mich durch das Vertrauen geehrt, das der
Präsident und der Außenminister in meine Fähigkeit
setzen, eine leitende Funktion in diesen wichtigen und
vielschichtigen Beziehungen zu übernehmen. In meiner
Karriere habe ich eine ganze Bandbreite von Positionen innegehabt, die mich meines Erachtens in geeigneter Weise auf die Bewältigung der politischen und
Deutschland ist bilateral und auch in multilateralen administrativen Herausforderungen vorbereitet haben,
Institutionen ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten mit denen ich mich als Leiter einer unserer größten
bei der Förderung von Demokratie, Ermutigung von diplomatischen Vertretungen konfrontiert sehen werWirtschaftsreformen und Wachstu m sowie der Lösung de.
lokaler und regionaler Konflikte. Von besonderer
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang unsere enge Obwohl ich meine Gebietserfahrungen in Ostasien
Kooperation bei der Unterstützung der politischen und gesammelt habe, verfüge ich auch über ein beträchtwirtschaftlichen Reformen in einem demokratischen liches Fachwissen zu Europa. In den vergangenen 37
Rußland, wobei Deutschland als ein Hauptgeberland Jahren - seit meiner ersten Reise nach Deutschland
von Hilfsleistungen für die Länder der ehemaligen als Jugendlicher im Jahr 1956 - habe ich Deutschland
Sowjetunion eine Führungsrolle innehat. Bemerkens- oft besucht und zahlreiche Freunde unter den Deutschen gewonnen, mit denen ich zusammengekomwert ist auch die Entscheidung Deutschlands, Streitkräfte zu den UN-Friedenstruppen in solch entlegene men bin. Im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich mich
Gebiete wie Somalia und Kambodscha zu entsenden. häufig mit Fragen der G-7 befaßt, was natürlich intenEs gibt zahlreiche multilaterale Organisationen, in sive Gespräche überdie von den Deutschen zu diesen
denen die Vereinigten Staaten eng mit Deutschland Themen eingebrachte Perspektive beinhaltete. Das
zusammenarbeiten, von der NATO über die KSZE, gleiche gilt für die G-3 betreffende Themenkomplexe.
Ich habe ferner dank meiner Mutter, die in Stuttgart
den NAKR bis hin zu den Vereinten Nationen. Wir
geboren
wurde und Deutschland mit ihrer Familie 1933
sehen den kommenden Jahren erwartungsvoll entgeverlassen
hat, eine sehr persönliche Beziehung zu
gen, wenn Deutschland interantionale Verantwortung
diesem
Land.
Ich arbeite hart an der Vertiefung
seinem neuen Stand entsprechend übernimmt.
meines Verständisses von deutschandspezifischen
Fragen und sehe der Bereicherung meines Wissens
Wirtschaftlich ist Deutschland ein eigenständiger,
führender Handelspartner der Vereinigten Staaten und über Deutschland und sein Volk erwartungsvoll entgetätigt beträchtliche Investitionen in unserem Land. gen.
Darüber hinaus ist Deutschalnd ein starker Verfecher
Im Falle meiner Bestätigung werde ich als Botschafter
der europäischen Integration und ein wichtiges Mitglied der Europäischen Gemeinschaft, dem größten in Deutschland eng mit dem Kongreß und insbesondere mit diesem Ausschuß zusammenarbeiten und hofHandelspartner der Vereinigten Staaten.
fe, viele von Ihnen persönlich in Deutschland sowie bei
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind natür- meinen Besuchen hier im Rahmen von Konsultationen
lich sehr viel mehr als die Zusammenarbeit zwischen begrüßen zu dürfen.
Regierungen zur Unterstützung gemeinsamer Ziele.
Es sind auf gemeinsame Werte und Überzeugungen Ich danke Ihnen.

*

Seite 2

*

*

*

AMERIKA DIENST 37

�INNENPOLITIK
15. September 1993

GORE-BERICHT ÜBER EFFIZIENZ DER REGIERUNG
Eine Übersicht

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
leitete am 7. September 1993 eine umfassende Initiative zur Straffung des Personalbestands und Verbesserung der Effizienz der Bundesregierung in die Wege.
Bei der Vorlage seines Berichts über die Effizienz der
Regierung (National Performance Review) erklärte
Vizepräsident Gore, er empfehle "bahnbrechende
Veränderungen in der Regierungsarbeit" und erläuterte Methoden, dank derer die Bürokratie "besser arbeitet und weniger kostet". Er beabsichtigt Veränderungen bei den Einstellungsverfahren, der Beschaffung
von Material und dem Angebot von Dienstleistungen
für die Bürger.
"Wir haben kein schlechtes Personal", stellte Gore
fest. "Wir haben ausgezeichnete, hart arbeitende,
phantasievolle Arbeitskräfte, die in einem schlechten
System gefangen sind."
Präsident Clinton, dem der Bericht bei einer Zeremonie im Weißen Haus überreicht wurde, versprach, er
werde die Änderu ngen so weit es in seiner Macht stehe
durchführen und den Kongreß ersuchen, seine Zustimmung zu den Veränderungen zu geben, die parlamentarisches Handeln erforderten. Clinton erklärte:
"An vielen Stellen des Berichts wird gesagt, 'der Präsident sollte'. Wo steht, 'der Präsident sollte', wird der
Präsident handeln... Ich versichere Ihnen - dieser
Bericht wird keinen Staub im Regal ansetzen."
Clinton verwies darauf, daß er Gore vor sechs Monaten um die Erstellung des Berichts gebeten habe, weil
"es für die nationale Regierung schwierig ist, eine
Führungsrolle zu übernehmen... wenn die Bürger kein
Vertrauen in die Funktionsweise der Regierung haben
und nicht der Überzeugung sind, den entsprechenden
Gegenwert für die von ihnen aufgebrachten Steuergelder zu erhalten..."

Beispiele von Regierungsbediensteten gibt, die Erfolg
haben" - selbst im derzeitigen Umfeld. "Es gibt Menschen in diesem Apparat, die den Gegenwert für die
aufgewandten Dollar erbringen ... die beweisen, daß
wir dies auf allen Ebenen der Regierung erreichen
können", äußerte Clinton.
Gores Aufgabe, so der Präsident, bestehe darin, Veränderungen vorzunehmen, damit "die Regierung besser arbeitet und weniger kostet. Ebenso wichtig ist die
Wiederherstellung des Vertrauens der Amerikaner in
dieses großartige öffentliche Unternehmen."
Die Bundesregierung gibt jährlich über eine Billion
Dollar aus und beeinflu ßt die Spar- und Investitionstätigkeit der Amerikaner, legt die Einstellungsverfahren
und Arbeitsbedingungen fest, ist für den Zugang zu
Parks und nationalen Wäldern für Freizeitaktivitäten
zuständig und überwacht die Methoden, wie für das
Rentenalter Vorsorge getroffen wird. Die Bundesregierung hat ferner Einfluß auf die Landwirtschaft, Viehzucht, Bergbau und die Förderung von Mineralien.
Die Bundesregierung, so der Bericht, habe einen
unstillbaren Hunger auf Papier und erfordere alle
möglichen Formulare von sich und den Bürgern. Um
dies zu verdeutlichen, führte Gore einen Gabelstapler
voller Kartons mit Regierungsformularen vor sowie
den 450 Kilogramm schweren Personalkodex der
Bundesregierung. Gore würde den Kodex zugunsten
von Richtlinien abschaffen.

Mit dem Gore-Bericht werden zum 11. Mal seit 1905
von einer Kommission tiefgreifende Veränderungen
des Regierungsapparates empfohlen, und der Vizepräsident erklärte in der vergangenen Woche gegenüber der Washington Post, sein Überprüfungsteam
habe über 500 Studien durchgearbeitet, wie die Exekutive arbeiten sollte. Der Bericht enthält jedoch keine
Ratschläge an die Regierung, sondern zeigt nur Wege
Trotz der in dem Bericht herausgearbeiteten Probleme auf, um sie effizienter und kostengünstiger zu gestalwar der Präsident zuversichtlich, weil "es erstaunliche ten.

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�Im Rahmen der effizienteren Gestattung der Bundesregierung sollen unter anderem 12 Prozent der Stellen
oder der Personalbestand um 252.000 Personen
abgebaut werden, womit über einen Zeitraum von 5
Jahren hinweg 108 Milliarden Dollar durch die Abschaffung von Doppelfunktionen und unnötigen Tätigkeiten eingespart werden - einschließlich größerer
Veränderungen beim US-Informationsamt (U.S. Information Agency), der Reorganisation der Aufgabengebiete des Amts für internationale Entwicklung (Agency
for International Development) im Ausland sowie einiger Sicherheitsbereiche des US-Außenministeriums.
Die tiefgreifendsten Veränderungen werden wahrscheinlich das Landwirtschaftsministerium betreffen, wo Gores
Team die Abschaffung von 1.200 Regionalbüros sowie

*

Seite 2

*

den Subventionsabbau für die Produktion von Honig,
Mohair und Wolle empfiehlt.
Die drei größten Gewerkschaften für Bundesbedienstete in den Vereinigten Staaten - der Amerikanische
Bund der Bundesbediensteten (American Föderation
of Government Employees - AFGE), die Nationale
Gewerkschaft der Beschäftigten im Finanzministerium (National Treasury Employees Union - NTEU)
und der Nationale Bund der Bundesbediensteten
(National Föderation of Federal Employees - NFFE) haben inzwischen ihre uneingeschränkte Unterstützung für die in dem Bericht empfohlenen Maßnahmen
der Regierung zu den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugesagt.

*

*

AMERIKA DIENST 37

�USA-RUSSLAND
15. September 1993

BOTSCHAFTER TALBOTT ZUR
RUSSLANDHILFE UND GUS
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Strebe Talbott, Außerordentlicher und
Bevollmächtigter Botschafter sowie Sonderberater des Außenministers für die Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten (GUS) bei der Anhörung vor den Auswärtigen Ausschuß des Senats am 7. September 1993 gehaltene Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich begrüße die Gelegenheit, vor
diesem Ausschuß über Präsident Clintons Politik zu
Rußland, der Ukraine und den anderen aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen neuen unabhängigen Staaten berichten zu können. Bei meiner
heutigen Anhörung hoffen meine Kollegen und ich,
Ihre Bereitschaft zur Unterstützung des Programms
der Administration gewinnen zu können. Wir sind uns
bewußt, daß sie in vier Punkten überzeugt werden
müssen: Erstens, daß die Fortsetzung der Reformen
in der GUS für die amerikanischen Interessen unabdingbar ist. Zweitens, daß der Reformprozeß trotz
Rückschlägen und Widerstand weh verbreitet, tief
verwurzelt und flexibel ist. Drittens, daß wir die richtige
Politik zur Unterstützung der Reformen verfolgen und
viertens, daß wir die Mittel und Entschlossenheit zur
wirksamen Durchsetzung dieser Politik besitzen.
Seit Anbeginn seiner Präsidentschaft hat Bill Clinton
klargestellt, daß die Unterstützung von Reformen in
der GUS die außenpolitische Priorität Nummer eins
seiner Administration ist. Er war sich bewußt, daß der
Zusammenbruch des sowjetischen Systems und des
sowjetischen Imperiums eine historische Umgestaltung unserer Welt bedeutete, die überwiegend zum
Besseren ist. Er erkannte jedoch auch, daß es in dem
neuen Zeitalter nach den Kalten Krieg zweifelsohne
neue Unsicherheiten, neue Probleme und Herausforderungen für die amerikanische Führungsrolle geben
wird. Nur mit von den Vereinigten Staaten verwalteter
internationale Hilfe könnten Rußland, die Ukraine und
die anderen ehemaligen Republiken der UdSSR den
Übergang von Totalitarismus zu Demokratie und von
einer zentralisierten Kommandowirtschaft zu freien
Märkten bewältigen.

AMERIKA DIENST 37

Anfänglich definierten viele Amerikaner das Interesse
vornehmlich an dem, was nicht geschehen soll: Wir
wollen nicht, daß die wirtschaftlichen Zwänge und die
politischen Unruhen einen Bürgerkrieg auslösen, der
über elf Zeitzonen wüten könnte. Wir wollen kein
Jugoslawien im Besitz von Atomwaffen im Herzen
Eurasiens. Wir wollen nicht das Entstehen einer
neuen Diktatur erleben, die ihre Untertanen unterdrückt, ihre Nachbarn bedroht und von den Vereinigten
Staaten und ihren Verbündeten die Rückkehr zum
Stand des Kalten Krieges erfordert.
Präsident Clinton hatte jedoch eine positivere Vision,
die unserer Politik ebenfalls zugrundeliegt: In Rußland, der Ukraine und mehreren der anderen neuen
unabhängigen Staaten hat die nationale Wiedergeburt
begonnen. Große Nationen und gute Menschen versuchen endlich, sich an der politischen und wirtschaftlichen Kultur der Industrienationen zu beteiligen.
Als im März die Anhörung für meine Bestätigung vor
diesem Ausschuß stattfand, habe ich bekräftigt, daß
es trotz der verwirrenden und manchmal beuruhigenden Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion ein
gewisses Muster gab - ein Muster, das in die richtige
Richtung deutet: Zum Entstehen einer Gemeinschaft
moderner Staaten, im Frieden mit sich selbst und
untereinander, produktiv und wohlhabend in die internationale Wirtschaft integriert, eine Quelle von Rohstoffen und Fertigwaren, ein Markt für amerikanische
Waren und Dienstleistungen sowie ein Partner der
amerikanischen Diplomatie bei der Gewährleistung
von regionalem und in der Tat globalem Frieden.
Herr Vorsitzender, die Prämisse unserer Politik lautete
also von Anfang an, daß die Reformen in der GUS ein
Seite 1

�langfristiges Projekt sind, das eine langfristige Perspektive und Beständigkeit unsererseits erfordert. Ich
unterstreiche dies heute, Herr Vorsitzender, weil Rußland
und seine Nachbarländer seit meinem letzten Treffen
mit Ihnen und den meisten von Ihnen einen stürmischen Sommer durchlebt haben, der Gerede von einer
neuen Zeit der Probleme und Besorgnis ausgelöst hat,
daß die Triebkräfte der Reform lahmgelegt worden und
zum Stillstand gekommen sind, wenn nicht sogar ins
Gegenteil umgekehrt wurden.

teil, sie sollten unsere Hoffnung, unser Engagement
und unsere Unterstützung nähren.
Die russische Politik: Vor einer kritischen Phase

Um dieses eher allgemein formulierte Argument zu
begründen, Herr Vorsitzender, möchte ich mich einen
Moment lang auf Rußland konzentrieren, die größte
und mächtigste Nation der neuen unabhängigen Staaten. Die dortigen Ereignisse werden tiefgreifende,
möglicherweise entscheidende Auswirkungen auf die
Zukunft
der Reformen in den anderen Republiken
Diese Ansicht teilen wir nicht. Wir können alle die
haben.
Schwierigkeiten ausmachen, die Rußland, die Ukraine
und die anderen neuen unabhängigen Staaten heimIn den vergangenen vier Monaten konnte Präsident
suchen. Wir wissen, daß in diesen Ländern und unter
Jelzin seinen überraschenden Sieg beim Referendum
ihnen Spannungen aufgetreten sind. Wir befassen
vom 25. April in einen Prozeß umwandeln, der Rußuns mit Belastungen und Meinungsverschiedenheiland sowohl seine erste Verfassung als auch sein
ten, die zwischen ihnen und uns aufgetreten sind.
erstes Parlament nach dem Kommunismus geben
Dennoch, Herr Vorsitzender, ist es die grundlegende
soll. Dieser Prozeß war kontrovers und spannend.
Überzeugung der Clinton-Administration, daß der
Der Oberste Sowjet hat Präsident Jelzin im Parlament
generelle Trend in diesem riesigen Teil der Erde weian breiter Front widerstanden, von der Haushaltspoliterhin günstig und das Fundament unserer Politik
tik bis zu religiöser Freiheit. Die politische Atmosphäre
daher nach wie vor solide ist.
wurde durch persönliche politische, von KorruptionsViele der erschreckenden und ominösen Schlagzeilen beschuldigungen und Rechtfertigungen genährte
von heute propagieren, was man als die Kehrseite Fehden getrübt. Rußlands zunehmend selbstbewußeines Höhepunktes der Geschichte bezeichnen könn- te Regionen fordern als Preis für ihre Unterstützung
te. Jahrhundertealte nationale und ethnische Span- der Verfassungsänderung entschieden mehr Autononungen und Konflikte sind aus eben dem Grund aufge- mie von Moskau.
flammt, weil das sowjetische Gefängnis zusammenPräsident Jelzin sieht sich jetzt mit der beängstigenden
gebrochen ist. Es gibt lautstarken Zank zwischen
Aufgabe konfrontiert, Verfassungsreformen gegen die
Präsidenten und Parlamenten eben weil echte Politik
hartnäckige Opposition des Obersten Sowjet durchzumit freien Wahlen und geheimer Stimmabgabe Autosetzen. Dieses Drama benötigt Zeit, um sich abzukratie und Terror abgelöst haben. Sehnt sich wirklich
spielen. Das ist kaum überraschend. Unsere Grünirgend jemand zu den Tagen der perfekten Harmonie derväter benötigten ein Jahrzehnt, um ihre Vision einer
zwischen dem Kreml und dem Obersten Sowjet zu- perfekteren Union herauszuarbeiten.
rück, als der Kreml der Sitz absoluter Macht und der
Oberste Sowjet ein bloßes Werkzeug war?
Während sich die russische Politik weiterentwickelt,
müssen wir auf allen Ebenen des politischen SpekKomplizierte Wirtschaftsprobleme wie etwa die Kon- trums offene Kommunikationswege haben. Botschaftrolle von Inflation und Haushaltsdefiziten konfrontie- ter Pickering und unsere Botschaft in Moskau unterren Regierungen, eben weil sie die Zwangsjacke der halten häufige Kontakte zu den Schlüsselfiguren auf
Kommandowirtschaft abgelegt haben. Obwohl die beiden Seiten der Kluft zwischen Exekutive und LegisBürger der ehemaligen Sowjetunion bei ihrem Experi- lative in Moskau, ebenso wie die Kongreßabgeordnement mit Marktwirtschaften einen langen Weg zurück- ten bei ihren Besuchen Rußlands. Unsere besondelegen müssen, haben sie bereits eine große Entfer- ren Bemühungen zur Erweiterung und Vertiefung von
nung bewältigt, indem sie mit dem alten System gebro- Kontakten zu den russischen Regionen werden durch
chen haben, das die Verarmung von Nationen zur die ausgezeichnete Arbeit verkörpert, die unsere
Folge hatte, die Umwelt verschmutzte und unbegrenz- Konsulate in St. Petersburg und Wladiwostok leisten
te Aufrüstung schürte. Der Rubel ist noch weit von sowie durch unsere Initiative zur Eröffnung eines neuen
einer stabilen konvertierbaren Währung entfernt, aber Konsulats in Jekaterinburg. Wir sind zur Aufrechterauch er hat einen weiten Weg von dem Spielgeld der haltung von Kommunikationsverbindungen zu allen
sowjetischen Ära mit einem vom Staat festgesetzten rechtmäßigen und verantwortungsvollen Gruppen und
absolut künstlichen Wert und von geringem Nutzen in Fraktionen entschlossen.
den leeren Läden zurückgelegt.
Diese Aktivitäten beschneiden unsere uneingeschränkMein Argument lautet, Herr Vorsitzender, daß die te Unterstützung für Präsident Jelzin in keiner Weise.
Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion in die rich- Diese Unterstützung ist aus vier Gründen angemestige Perspektive gerückt uns nicht entmutigen und sen: Er ist der einzige Präsident Rußlands. Er ist der
sicherlich nicht in Versuchung führen sollten, uns erste gewählte Vertreter Rußlands seit tausend Jahzurückzuziehen oder langsamer zu treten. Im GegenSeite2

AMERIKA DIENST 37

�ren. Das russische Volk hat sein Vertrauen in ihn bei
den Wahlen im April bekräftigt. Und er bringt Maßnahmen voran, die, wenn sie Fuß fassen, die Umgestaltung Rußlands in ein starkes, demokratisches, wohlhabendes Land gewährleisten, mit einer Regierung,
die die Größe des russischen Volkes widerspiegelt.
Die russische Wirtschaft: Gute und schlechte
Nachrichten
Das wirtschaftliche Bild Ru ßlands war insbesondere in
den vergangenen Monaten weder klar noch schön.
Dies ist zum Teil auf die Patt-Situation zwischen
Regierung und Parlament zurückzuführen. Präsident
Jelzin wird sein gesamtes Wirtschaftsreformprogramm
nicht durchführen können, bis er eine Legislative hat,
mit der er arbeiten kann, und das wird ziemlich sicher
warten müssen, bis eine neue Verfassung in Kraft ist
und neue Wahlen abgehalten worden sind. In der
Zwischenzeit leidet die russische Wirtschaft unter der
zwangsläufig zunehmenden Bürde, die mit dem Übergang von einer Kommando- zu einer Marktwirtschaft
einhergeht.
Dennoch gab es im Frühjahr und Frühsommer eine
gute Periode, als die Regierung Rußland vor der
drohenden Hyperinflation bewahren und dem Haushalt sowie der Vergabe von Krediten an ineffiziente
Staatsbetriebe eine gewisse grundlegende Disziplin
auferlegen konnte. Als Reaktion darauf konnte der
Internationale Währungsfonds die erste Hälfte einer
Fazilität in Höhe von 3 Milliarden Dollar freigeben, die
Rußland bei der Erlangung makroökonomischer Stabilisierung behilflich sein soll.

sten Ziele unserer eigenen Hilfsprogramme. Inder Tat
sind wir der Überzeugung, daß Privatisierung und
Demokratisierung sich gegenseitig verstärken. Esgibt
eine Synergie zwischen den beiden: Je mehr Menschen in Privatunternehmen tätig sind, desto eher
werden sie sich am demokratischen Prozeß beteiligen
- und für Kandidaten stimmen, die wirtschaftliche ebenso
wie politische Freiheit unterstützen.
Obwohl der Rubel wild fluktuiert und in tiefste Tiefen
gefallen ist, wurde die Privatisierung kontinuierlich
fortgesetzt. Bis zum Ende dieses Jahres werden in
Rußland zwischen 16.000 und 20.000 private Einzelhandelsgeschäfte gegründet. Seit Dezember wurden
über 2.300 mittelständische Unternehmen durch Versteigerungen privatisiert. Mehr als 4 Millionen Arbeitnehmer sind jetzt in Rußland in Privatunternehmen
beschäftigt. Das ist 1 Prozent. Die Übergabe von
staatlich kontrolliertem Eigentum an einzelne Aktionäre ist also eindeutig auf dem Vormarsch und wird zu
einem Lebensstil.
Es gibt noch andere gute Nachrichten. Die Abnahme
der Industrieproduktivität hat sich in den vergangenen
12 Monaten beträchtlicht verlangsamt. Die Subventionen für Grundnahrungsmittel und andere Agrarprodukte wurden weiter abgebaut, und es gibt Anzeichen
einer Verbesserung des russische Lebensstandards.

Die Vereinigten Staaten können diese positiven Entwicklungen in zweifacher, sich gegenseitig beeinflussender Weise ermutigen: Erstens durch unser bilaterales Reformunterstützungsprogramm und zweitens
durch das Paket multilateraler makroökonomischer
Maßnahmen, das wir durch die Gruppe der sieben
Seitdem hat es jedoch Rückschläge bei der Steuer- führenden Industrienationen ins Leben gerufen haben.
und Geldpolitik gegeben. Ein weiterer Schlag kam mit Ein Dogma der Politik Präsident Clintons war von
der Ankündigung der Zentralbank, sie würde die vor Anfang an: Wir werden alles in unserer Macht Stehen1993 ausgegeben Rubel konfiszieren - ein Schritt, der detun, aberwirwerden es nicht alleine tun. Wir werden
das Vertrauen der russischen Verbraucher und der die Initiative ergreifen - Führungsstärke zeigen - aber
internationalen Finanzinstitutionen untergrub.
wir werden dies vornehmlich tun, um sehr viel größere
Diesen Entwicklungen-deremeuten Inflationunddem Geldsummen von den internationalen FinanzinstitutioRubeldebakel - wurde ein Großteil der Aufmerksam- nen und den anderen Industrieländern loszueisen.
keit gewidmet, was zu der Fehleinschätzung einer in In der Zwischenzeit arbeiten wir mit unseren russiAuflösung begriffenen Volkswirtschaft führte. Das ist schen Partnern an der Erweiterung des Handels- und
jedoch in keiner Weise das Gesamtbild. Aus unserer Investitionsflusses zwischen den beiden Ländern. Das
Sicht ist der bisherige Erfolg der Regierung von eben- bedeutet den Abbau von Hemmnissen auf beiden
solcher Bedeutung, den Angriffen des Parlaments auf Seiten, einschließlich der unseren: Wir müssen sehr
ihre äußerst wichtigen Privatisierungsbestrebungen viel mehr tun, um der GUS die westlichen Märkte zu
den Wind aus den Segeln zu nehmen.
öffnen. Ein Meilenstein dieser unerläßlichen BestreWir sind uns natürlich bewu ßt, daß Privatisierung allein bung war letzte Woche die äußerst erfolgreiche erste
nicht genug ist. Sie muß von den richtigen makroöko- Sitzung der amerikanisch-russischen Kommission für
nomischen Maßnahmen begleitet sein, um zu funktio- wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit
nieren. Dennoch berührt die Privatisierung den Kern unter Vorsitz von Vizepräsident Gore und Ministerpräder Entkommunisierung des alten Systems. Unseres sident Tschernomyrdin. Die russische Regierung und
Erachtens ist Privatisierung zusammen mit Demokra- wir sehen die Gore-Tschernomyrdin-Kommission als
tisierung eine der beiden wichtigsten Manifestationen Beweis unserer Entschlossenheit, dem neuen Schlagder Reformen. Daher ist sie eines der beiden wichtig- wort in den russisch-amerikanischen Beziehungen Partnerschaft - Bedeutung und Substanz zu verleihen.

AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�Die Ukraine: Ein Freund in Not

Nichtverbreitung: Ein internationales Ziel

Ich möchte mich nun, Herr Vorsitzender, dem großen
Nachbarn Rußlands, der Ukraine, zuwenden. Auch
diesem Land messen wir Priorität bei. Die Ukraine hat
einen lebenswichtigen Beitrag zu Frieden und Wohlstand in Europa zu leisten. Sie ist ein Land, mit dem wir
uns tief verbunden fühlen und zu dem wir umfassende
und gegenseitig nützliche Beziehungen aufbauen
wollem.

Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, ist es unseres
Erachtens unerläßlich für den Weltfrieden, daß der
Zerfall der Sowjetunion nicht zu einer Zunahme von
Staaten im Besitz von Atomwaffen führt. Wir sind
überzeugt, daß die Verbreitung von Nuklearwaffen in
der ehemaligen UdSSR die Risiken und potentiellen
Kosten eines Konflikts zwischen den neuen unabhängigen Staaten vergrößern würde.

In unserem Dialog mit Kiew hoffen wir, uns auf wirtschaftliche Zusammenarbeit konzentrieren zu können, denn die ukrainische Wirtschaft befindet sich in
ernsthaften Schwierigkeiten. Parlament und Regierung sind in einer Patt-Situation bezüglich des einzuschlagenden Kurses. In Kiew scheint sich zunehmend
die Erkenntnis breit zu machen, daß die politische
Lähmung die langfristige wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Ukraine bedroht, wenn sie bei jeder Gelegenheit auf einen nationalen Konsens bei den schwierigen
Entscheidungen drängt, die zur Verwirklichung eines
sinnvollen marktwirtschaftlichen Reformplans erforderlich sind. Das Fehlen eines solchen Plans lähmt die
internationalen Finanzinstitutionen bei ihrem Wunsch,
der Ukraine zu helfen. Obwohl wir 15 Millionen Dollar
als Anschubfinanzierung eines Privatisierungsprogramms in der Ukraine zugewiesen haben, werden
unsere Bestrebungen zur Bereitstellung von mehr
technischer Hilfe durch das bisherige Versagen Kiews
vereitelt, sich Maßnahmen zu verpflichten, dank derer
Privatunternehmen florieren können.

Aus diesem Grund war es eine willkommene Entwicklung, als die Regierungen der Ukraine, von Belarus
und Kasachstan im Mai 1992 bei einem Trttren i
Lissabon die Unterzeichnung und Ratifizierung des
START-I-Vertrags und den Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag als atomwaffenfreie Staaten vereinbarten. Belarus hat als erster der drei Staaten seine
Verpflichtungen von Lissabon erfüllt. Im Juli übergab
der Vorsitzende des Obersten Sowjet, Stanislaw
Schuchkewitsch Präsident Clinton Belarus Beitrittsinstrument zum NW. Kasachstan, das START I bereits
ratifiziert hat, sichert uns seinen Beitritt zum NW in
diesem Herbst zu. Die Ukraine muß diese Schritte
noch unternehmen, obwohl die Führung ihre Verpflichtung dazu wiederholt bekräftigt hat.

Der Bestand des Nuklearwaffenarsenals außerhalb
Rußlands ist ein Teil der alten, aber unbedingt zu
erledigenden Relikte des Kalten Krieges. Im Einklang
mit dem Lissaboner Abkommen muß er beseitigt werden, bevor wir uns uneingeschränkt der neuen Aufgabe zuwenden können, umfassende und produktive BeDas Gipfeltreffen der Präsidenten Jelzin und Kraw- ziehungen zu Kasachstan und der Ukraine aufzubautschuk am vergangenen Freitag war ein Tribut an ihre en.
persönliche Staatskunst und eine vielversprechende
Entwicklung beider Länder. Die beiden Präsidenten Unsere Politik in diesem Kontext spiegelt die hohe
sind sich zweifelsohne bewußt, daß den grundlegen- Priorität wider, die die Clinton-Administration den
den Interessen Rußlands und der Ukraine durch eine weltweiten Bestrebungen zur Verhinderung der Weianhaltende Verbesserung ihrer bilateralen Beziehun- terverbreitung von Massenvernichtungswaffen und
gen gedient wäre. Erweiterte wirtschaftliche Zusam- ballistischen Raketen beimißt. In der Tat versuchen
menarbeit zwischen Rußland und der Ukraine - solan- wir, unserer globalen Nichtverbreitungspolitik neuen
ge sie auf die Einführung marktwirtschaftlicher Prinzi- Auftrieb zu verleihen, indem wir Rußland und die GUS
pien und nicht die Wiederherstellung des alten sowje- für diese Sache gewinnen wollen. In diesem Zusamtischen Systems der Tauschwirtschaft gegründet ist - menhang erweitert und untermauert das vergangene
könnte die schwierige Umgestaltung der Planwirt- Woche von Vizepräsident Gore und Ministerpräsident
Tschernomyrdin unterzeichnete amerikanisch-russischaft in beiden Ländern erleichtern.
sche Abkommen über das Verbot der Verbreitung
Wir sind besonders befriedigt, daß bei der Lösung der ballistischer Raketen das multinationale Raketentechvon den beiden Präsidenten erörterten äußerst sensi- nologie-Kontrollregime, das ebensosehr im russischen
blen Nukklearfrage anscheindend Fortschritte erzielt wie in unserem Interesse liegt.
wurden. Die Vereinigten Staaten haben sowohl mit
Moskau als auch Kiew zusammengearbeitet, um ih- Regionale Stabilität und Sicherheit
nen bei der Inangriffnahme und Bewältigung dieser
Die Monate seit unserer letzten Zusammenkunft, Herr
komplexen und sensiblen Frage behilflich zu sein.
Vorsitzender, waren eine besonders schwierige Zeit
Insbesondere unsere Ideen zur frühzeitigen Entschärfür den Kaukasus. In Georgien droht der Bürgerkrieg
fung der Nuklearwaffen in der Ukraine, die erstmals
die Anstrengungen des tapferen Volkes zur KonsoliAnfang Juni von Verteidigungsminister Aspin vermitdierung der errungenen Unabhängigkeit zu vereiteln
telt wurden, scheinen sich bei den Fortschritten in
und die Führung eines großen Staatsmannes, Eduard
dieser Frage als hilfreich erwiesen zu haben.
Schewardnadse, zu unterminieren. Sowohl Armenien

Seite 4

AMERIKA DIENST 37

�als auch Aserbaidschan zahlen einen schrecklichen
Preis für den andauernden Disput über Nagornyi Karabach, der Region Aserbaidschans, die vornehmlich
von Armeniern bewohnt ist.

unter der Ägide der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa. Wir hoffen, daß das
Ergebnis dieser komplexen Verhandlungen eine friedliche Lösung sein wird. Die jüngsten Offensiven der
Armenier in Nagornyi Karabach haben diese AussichAserbaidschan ist ein besonders deutliches Beispiel ten jedoch getrübt. Wir haben ein Ende dieser Aggresfür die vierfache Verbindung zwischen Demokratisie- sion gefordert. Eine Schlichtung des Disputs über
rung, Stabilität, wirtschaftlicher Entwicklung und regio- Nagornyi Karabach würde das menschliche Leid in der
nalem Frieden: Ohne den letzteren sind die anderen gesamten Region mildern und den Weg zu regionaler
drei praktisch unmöglich.
Kooperation beim Wiederaufbau der vom Krieg erIm Juni wurde der demokratisch gewählte Präsident schütterten Volkswirtschaften von Aserbaidschan und
Aserbaidschas, Abulfas Eltschibej, entmachtet, als Armenien ebnen. Parallel zu unseren diplomatischen
dem Ex-Kommandeur der aserbaidschanischen Streit- Bestrebungen arbeiten wir auf Hilfe für die Flüchtlinge
kräfte, Surat Husseinow, unterstehende Truppen gegen vor den jüngsten Kämpfen in Aserbaidschan im EinBaku marschierten. In dem durch Husseinows Rebel- klang mit den im FREEDOM Support Act verankerten
lion ausgelösten politischen Manöver gelangte der Einschränkungen hin. Wir helfen auch Armenien,
ehemalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei dessen Volkswirtschaft durch den Krieg und die WirtAserbaidschas, Gajdar Alijew, als Vorsitzender des schaftsblockade zerstört wurde, die Vorbereitungen
Obersten Sowjet zurück an die Macht. Obwohl Präsi- für einen weiteren schwierigen Winter zu treffen.
dent Eltschibej weiterhin im Lande ist und seinen Titel Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Grünbehalten hat, wurden ihm in Wirklichkeit alle Vollmach- den für ihre Beteiligung an den internationalen Bestreten entzogen. Und obwohl ein nationales Referendum bungen zur Förderung von Frieden und Stabilität in der
am 29. August ein überwältigendes Vertrauensvotum ehemaligen Sowjetunion. Unser Ziel in der gesamten
für Präsident Eltschibej hervorbrachte, fand die Wahl Gemeinschaft Unabhängiger Staaten besteht in der
unter Bedingungen statt, die dem aserbaidschani- Unterstützung von Reformen in all ihren Dimensionen,
schen Volk keine freie und faire Entscheidung gestat- und wie die Tragödie von Nagornyi Karabach demonteten.
striert, sind Reformen das erste Opfer von Konflikten.
In der Tat können die russischen Reformen leicht
Trotz dieses eindeutigen Rückschlags hoffen wir, daß durch die Konsequenzen von Problemen an der Peridie Demokratie in Aserbaidschan letztlich den Sieg pherie vereitelt werden. Die Anwesenheit gebürtiger
davontragen wird. Wir werden weiterhin Ministerprä- Russen in den Nachbarstaaten und die Wahrscheinsident Alijew und andere aserbaidschanische Politiker lichkeit, daß sie auf die eine oder andere Weise in
drängen, die Rede-und Versammlungsfreiheit wieder- Kämpfe verwickelt werden, wird das politische Denken
einzuführen, die unrechtmäßig Verhafteten freizulas- in Rußland selbst spalten und schüren - und nicht zum
sen und die Demokratie durch wirklich freie und faire Vorteil der Reformer. Wenn sie nicht kontrolliert werWahlen wiederherzustellen.
den, könnten sich die Konflikte in der Gemeinschaft
Aserbaidschan ist potentiell ein reiches Land mit ölre- Unabhängiger Staaten darüber hinaus ausweiten und
serven, die für amerikanische Firmen von großem andere Staaten jenseits der Grenzen der ehemaligen
Interesse sind. Wir möchten, daß sich unsere Unter- UdSSR einbeziehen.
nehmen an der Erschließung dieser Ressourcen zum
gegenseitigen Nutzen beider Länder beteiligen. Die Ich möchte die Prinzipien eindeutig klarstellen, von
Führung in Baku muß jedoch wissen, daß die Bezie- denen unser Ansatz gegenüber dieser Herausfordehungen zwischen unseren Ländern solange äußerst rung geleitet ist. Wir gehen von uneingeschränkter
belastet sind wie die Demokratie in Aserbaidschan und unerschütterlicher Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität aller
verweigert wird.
neuen unabhängigen Staaten aus, einschließlich der
Diesen Punkt beabsichtige ich bei einem Besuch in Russischen Föderation. Wir unterstützen weder eine
Aserbaidschan gegen Ende der Woche persönlich zu Spaltung durch bewaffneten Kampf oder das Auseinunterstreichen. Den Punkt, den ich hier jedoch hervor- anderbrechen eines dieser Staaten noch wollen wir
heben möchte, Herr Vorsitzender, ist, daß der Demo- einen Staat in der Region gegen einen anderen auskratisierungsprozeß in der ehemaligen Sowjetunion spielen. Im Einklang mit der Charta der Vereinten
ernsthaft behindert wird, wo immer Frieden verweigert Nationen und der Schlußakte von Helsinki können die
wird. Präsident Eltschibejs Regierung hat das Vertrau- Vereinigten Staaten Grenzveränderungen nur akzepen des aserbaidschanischen Volkes vor allem verlo- tieren, wenn sie durch friedliche Mittel und in gegenseiren, weil die Armenier aus Nagornyi Karabach auf dem tigem Einvernehmen erzielt werden.
Schlachtfeld die Oberhand gewannen.
In jüngster Zeit wurde unsere Sicht der Rolle Rußlands
Die Vereinigten Staaten standen stets an vorderster bei Konflikten in der ehemaligen Sowjetunion häufig in
Front der Bestrebungen zur Lösung dieses Konflikts den Medien veröffentlicht. Ich möchte präzise auf

AMERIKA DIENST 37

Seite 5

�diesen Punkt eingehen. Wir möchten ein demokratisches Rußland, das eine Großmacht und ein Partner
der Vereinigten Staaten ist. Wir verstehen Rußlands
Sorge um die Stabilität seiner Grenzen und das
Wohlergehen von Millionen gebürtiger Russen in den
Nachbarstaaten. Es ist jedoch von entscheidender
Bedeutung, daß Rußland weder eine Sonderrolle noch
Vorrechte beansprucht oder ausübt, die nicht im Einklang mit der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität eines anderen Staates stehen. Wir
haben unsere Position zu dieser Frage in Dialogen auf
allen Ebenen mit Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten verdeutlicht.

den zu den KSZE-Friedensmissionen nach Georgien,
Moldawien, Armenien und Aserbaidschan entsandt.
Ein Expertenteam des State Department hat vor kurzem Rußland und Tadschikistan besucht, um mit den
Regierungen dieser Staaten über Wege zur Lösung
des Konflikts in diesem Land zu beraten. Collins
Ernennung wird es uns gestatten, dieser lebenswichtigen Aufgabe größeres Augenmerk zu widmen und
sie effektiver anzugehen.
Abschließend, Herr Vorsitzender, möchte ich die Logik
und Strategie unserer Politik zusammenfassen - und
erläutern, warum das Programm, um dessen Finanzierung wir Sie ersuchen, dieser Strategie dienlich st.

Die Vereinigten Staaten maßen sich nicht an, detaillierte Patentrezepte für die Beilegung von Konflikten in Unsere Politik gründet sich auf vier Prinzipien:
der ehemaligen Sowjetunion vorzuschreiben, die häufig
Uneingeschränkte Unterstützung für politische
durch alten ethnische Haß geschürt werden. Wir 1.
Reformen und den Aufbau dauerhafter Institustreben auch keine offizielle Rolle als Vermittler zwitionen zur Förderung von Demokratie, Rechtsschen den unabhängigen und souveränen Staaten der
staatlichkeit und dem Schutz der MenschenRegion an.
rechte.
Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten weiterhin
2.
Die Bereischaft zur Zusammenarbeit mit allen
internationale Hilfsbestrebungen für die KonfliktparteiLändern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaen bei der Suche nach friedlichen Lösungen unterstütten beim Aufbau von Marktwirtschaften und der
zen - wenn sie unsere Hilfe wünschen und bereit sind,
Förderung von Privatunternehmen, Handel und
auf den Frieden hinzuarbeiten. Die Rolle der VereinigInvestitionen.
ten Staaten besteht häufig in der aktiven Teilnahme an
den multilateralen Bestrebungen durch internationale 3.
Die Verpflichtung zur uneingeschränkten DurchGremien, in denen alle neuen unabhängigen Staaten
setzung des Lissaboner Protokolls (RatifizieMitglieder sind - wie etwa die UNO, KSZE oder der
rung von START I und Beitritt zum NW) als
Nordatlantische Kooperationsrat. Die Vereinigten
einzig akzeptablem Ansatz zur Lösung der durch
Staaten werden außerdem weiterhin bilaterlae Konden Zusammenbruch der UdSSR geschaffenen
takte zu allen neuen unabhängigen Staaten nutzen,
Kernwaffenprobleme.
wenn unsere Diplomatie zur Lösung oder Verhinderung von Konflikten beitragen kann. Wir werden weder 4.
Die Bereitschaft zur Beteiligung an internationaim Alleingang handeln, noch werden wir Partei ergreilen Bestrebungen zur Konfliktlösung und zum
fen. Unsere Bestrebungen werden offen und in enger
Aufbau regionaler Sicherheit auf der Grundlage
Konsultation mit allen Staaten der Region erfolgen.
der Charta der Vereinten Nationen und der
Schlußakte von Helsinki.
Um uns bei dieser Priorität unserer Politik behilflich zu
sein, hat Au ßenminister Christopher James Collin, zur Demokratie, der Markt, Nichtverbreitung und ethniZeit unser Gesandter an der Moskauer Botschaft, zum scher Frieden: Dies sind globale Ziele, Herr VorsitzenLeiter eines neu geschaffenen Büros im Außenmini- der. Wenn wir sie von Vilnius bis Wladiwostok voransterium als Koordinator regionaler Angelegenheiten in bringen können, werden wir die Chancen beträchtlich
der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ernannt. In verbessert haben, daß sie auf der ganzen Welt vorenger Zusammenarbeit mit mir besteht Collins Aufga- herrschen.
be in der Beratung von Außenminister Christopher
über den bestmöglichen Einsatz unserer diplomati- Zu Beginn meiner Ausführungen habe ich das Arguschen Ressourcen und guten Dienste. Darüber hinaus ment vorgebracht, daß es ein Muster und eine Richwird er die Bestrebungen anderer Büros, Behörden tung der Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion
und Abteilungen der Exekutive in diesem Sinne koor- gibt, die uns Hoffnung machen und unser Engagement
bestärken sollten. In diesem Glauben hat Präsident
dinieren.
Clinton am 1. April das Ziel verkündet, mit der Zeit ein
Collins Büro ist neu, nicht jedoch seine Aufgabe. Wir "strategisches Bündnis mit den postkommunistischen
waren die ganze Zeit in vielfältigerweise und vielerorts Reformen" zu erarbeiten. Strategische Bündnisse
aktiv an dieser Arbeit beteiligt. Seit über einem Jahr ist sind per definitionem auf Dauer angelegt. Sie sollen
Botschafter Jack Maresca unermüdlich und äußerst den negativen Auswirkungen gegenläufiger und gegeschickt als unser Sondergesandter beim KSZE- gensätzlicher Entwicklungen standhalten und sie erFriedensprozeß für Nagornyi Karabach tätig. Angehö- fordern die Investition nationaler Ressourcen.
rige des amerikanischen Auswärtigen Dienstes wurSeite 6

AMERIKA DIENST 37

�Darüber hinaus sind die von uns vorgeschlagenen
Programme darauf ausgerichtet, sich gegenseitig zu
verstärken und eine kumulative Wirkung zu entfalten.
Beispielsweise hängt die Entwicklung des Privatsektors wesentlich von der Entwicklung von Handel und
Investitionen ab, so daß privatisierte Firmen Märkte für
ihre Produkte und Dienstleistungen haben. Erweiterte
Austauschprogramme, humanitäre Hilfe und die Rückführung der Offiziere sind Investitionen in Humankapital, die das Wachstum des Privatsektors sowie die
Zunahme von Handel und Investitionen ankurbeln
werden. Der Sonderfonds in Höhe von 300 Millionen
Dollar für die anderen Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten wird es uns zusammen mit den im
Meine Kollegen und ich bitten heute um Ihre Unterstüt- Rahmen des FREEDOM Support Act für die anderen
zung für die Finanzierung des zweiten Teils von Präsi- nichtrussischen ehemaligen Republiken zur Verfüdent Clintons Plan zur Förderung von Reformen in der gung gestellten Mitteln gestatten, Demokratie und
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Märkte in den Nachbarstaaten Rußlands zu fördern
und es weniger wahrscheinlich machen, daß InstabiliNach Vancouver beschloß der Präsident, daß mehr tät in diesen Ländern die Reformen in Rußland selbst
getan werden muß. Aus diesem Grund bitten wir den vereiteln.
Kongreß um insgesamt 2,5 Milliarden Dollar für dieses
und das nächste Haushaltsjahr zur Unterstützung der Unser Programm ist also synergetisch: Die einzelnen
Reformen in Rußland und der Gemeinschaft Unab- Komponenten arbeiten zusammen und jede verstärkt
hängiger Staaten. Die in diesem Paket enthaltenen die Wirksamkeit der anderen. Das Ganze ist mehr als
Programme bauen auf das in Vancouver gelegte die Summe der Einzelteile.
Fundament auf und spiegeln die Betonung auf unverzügliche Förderung von Entwicklung des Privatsek- Herr Vorsitzender, es war für den Präsidenten und
tors, Handel und Investitionen, Aufbau der Demokra- seine Administration nicht leicht, dieses Paket in einer
tie, humanitärer Hilfe sowie Energie und Umwelt wider. Zeit ernsthafter Haushaltsengpässe vorzulegen. Wir
sind uns bewußt, daß es für Sie und Ihre Kollegen
Dieses Programm wurde sorgfältig erarbeitet um si- ebenso schwer ist, dafür zu stimmen. Der Präsident
cherzustellen, daß unsere Unterstützung der Refor- hat die gesamte Administration mit seiner persönlimen an breiter Front erfolgt und nicht übermäßig vom chen Entschlossenheit angesteckt sicherzustellen, daß
Erfolg oder Scheitern einer bestimmten Maßnahme jeder Dollar, den wir für die Unterstützung der Reforseitens der russischen Regierung oder einer Regie- men ausgeben, deutliche und positive Auswirkungen
rung der GUS abhängt. Angesichts der Unberechen- für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten hat. Das
barkeiten des Reformprozesses ist dieser flexible, ist das Versprechen, das wir Ihnen heute geben.
breitgefächerte, basisorientierte Ansatz unerläßlich.

Dies war der Grund für Präsident Clintons Entscheidung, bei seinem ersten Treffen mit Präsident Jelzin
am 3. und 4. April in Vancouver 1,6 Milliarden Dollar zur
Unterstützung der Reformen bereitzustellen. Zur Initiative von Vancouver zählten Pionierkonzepte wie der
russisch-amerikanische Unternehmensfonds, Unterstützung der Privatisierungsbestrebungen in Rußland
und ein Programm für die Rückführung russischer
Offiziere von Posten im Ausland. In Anbetracht von
Präsident Clintons fester Entschlossenheit zur raschen und effektivem Durchführung wurden 66 Prozent der M ittel des Vancouver-Pakets bereits zugewiesen.

* *

AMERIKA DIENST 37

* *

Seite 7

�KONGRESS
15. September 1993

STÄRKERER EINFLUSS DER FRAUEN IM KONGRESS
Spürbare Auswirkungen

WASHINGTON - (AD) - Weibliche Kongreßabgeordnete in den Vereinigten Staaten haben größeren Einfluß als je zuvor auf das Funktionieren der 204 Jahre
alten Institution und den Inhalt der verabschiedeten
Gesetze, so Kongreßmitglieder und Akademiker, die
kürzlich an einem Treffen der amerikanischen Vereinigung für politische Wissenschaften (American Political
Science Association - APSA) teilnahmen.
Die weiblichen Kongreßabgeordneten schärfen das
Bewußtsein ihrer männlichen Kollegen für die Bedeutung der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie
ihrer wirtschaftlichen Gleichstellung, so Professor Joan
Thompson, eine der Vorsitzenden der Abteilung für
politische Wissenschaften am Beaver College in
Pennsylvania.

len fünf weitere Senatorinnen gibt. Zwei Senatorinnen
sitzen jetzt im Rechtsausschuß des Senats - einer
ehemals ausschließlich männlichen Domäne.
Barbara Burrell, Analytikerin an der University of Wisconsin, zufolge belegen ihre Untersuchungen, daß
Frauen im Kongreß einen liberalen Einfluß haben und
"darauf einwirken, welche Fragen auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt werden".
Sie weist darauf hin, daß "die Frauen in der Republikanischen Partei viel weniger konservativ sind als ihre
männlichen Kollegen", während weibliche und männliche Mitglieder der Demokratischen Partei sich in
ideologischer Hinsicht nur geringfügig unterscheiden.

Frauen im Kongreß, stellt Barbara Burrell fest, "fühlen
Die Präsenz der Frauen übersteigt Professor Thomp- sich über ihren Wahlkreis hinaus verantwortlich für die
son zufolge bei weitem die 11 Prozent, die ihr Anteil an Frauen in ganz Amerika, und sie setzen die Vision der
Suffragetten von einem weiblichen Block in der Politik
allen Kongreßmitgliedern ausmacht.
in die Tat um".
Als Ergebnis der Wahlen von 1992 sind 55 der 535
Kongreßmitglieder Frauen - verglichen mit 33 Frauen Dadurch, daß sie sich bei wichtigen Fragen einigen,
im letzten Kongreß. Im 435 Mitglieder zählenden bekommen Frauen Macht und zunehmende Präsenz,
Repräsentantenhaus sind 48 Frauen - 36 Demokratin- so Lynnette Moten, Pressereferentin der neugewählnen und 12 Republikanerinnen - und im 100köpfigen ten demokratischen Senatorin Carol Moseley-Braun
Senat sitzen sieben Senatorinnen - zwei Republikane- aus Illinois, der ersten Afroamerikanerin im Senat.
Moseley-Braun war auf dem Kongreß der APSA die
rinnen und fünf Demokratinnen.
Hauptrednerin.
Im mächtigen Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Sie war im Juli dieses Jahres in die Schlagzeilen
Bildung sitzen zur Zeit vier Frauen. Dieser Ausschuß geraten, nachdem sie im Senat erklärt hatte, sie werde
kontrolliert die gesamten Ausgabenprogramme im reden, "bis Ihnen die Ohren abfallen", wenn der Senat
Gesundheits- und Bildungswesen. Einem Ausschuß- nicht einen Zusatzartikel zur Verfassung zurückziehen
mitglied zufolge waren seit 1974 keine Frauen in würde, der sein Ehrenpatent auf die Konföderiertenflagge als Insignien der United Daughters of the Condiesem Unterausschuß vertreten.
federacy, einer Hilfsorganisation für Frauen aus den
Zum ersten Mal gehört eine Frau der Führungsriege Südstaaten, um vierzehn weitere Jahre verlängern
des Repräsentantenhauses an - die Demokratin Bar- würde.
bara Kennedy aus Connecticut, die stellvertretende
parlamentarische Geschäftsführerin ist. In den füh- "Bei dieser Abstimmung geht es um Rasse. Es geht
renden Positionen im Senat sind immer noch keine um ein Symbol der Rassentrennung, die VergangenFrauen vertreten, obwohl es nach den jüngsten Wah- heit der Rassentrennung und die traurigste Episode in

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�der amerikanischen Geschichte'' - den Bürgerkrieg
und die Sklaverei, so Frau Moseley-Braun.
"Ich möchte meine Kollegen aus beiden Parteien Republikaner und Demokraten - die gedacht haben:
'Nun, wir werden das machen, weil es keine große
Sache ist' darauf hinweisen, daß es hier um eine sehr
große Sache geht und sie das verstehen sollten",
erklärte sie.
Nach vierstündiger Debatte entschied sich der Senat
mit 75 zu 25 Stimmen gegen den Zusatzartikel.
Weibliche Kongreßabgeordnete "wurden hierhin geschickt, weil die Menschen Veränderung und Taten
sehen wollten", so Moten, ein altgedientes Kongreßmitglied. Frauen konzentrieren sich ihr zufolge eher
als Männer auf Gesundheits-, Bildungs- und Familienfragen sowie die Gleichberechtigung der Rassen und
Geschlechter.

Die neugewählte kalifornische Senatorin Barbara Boxer
räumt ein, daß die Abstimmung nur ein "momentaner
Sieg" war, und verweist auf die bevorstehende umfangreiche Arbeit: "Es ist immer nur ein Schritt nach
dem anderen."
Die Parlamentarierinnen vertreten unterschiedliche
Positonen zum Schwangerschaftsabbruch. Mehrere
republikanische weibliche Kongreßabgeordnete weigerten sich, am Landeskonvent zu Frauenfragen teilzunehmen, weil hier im Januar 1993 zum ersten Mal in
der Geschichte die Entscheidungsfreiheit zum Schwangerschaftsabbruch unterstützt wurde.
Der 1977 gegründete Landeskonvent oder Caucus ist
eine überparteiliche Organisation, die sich der Förderung der Rechte von Frauen verschrieben hat.

Heute umfaßt der Landeskonvent 42 der 48 weiblichen
Mitglieder des Repräsentantenhauses und über 100
männliche Parlamentarier. "Es ist nicht mehr nur eine
"Im Kongreß übernehmen die Frauen die Führungsrol- politische Verpflichtung für Männer, sich mit Frauenle, um feministische Gesetze durch den Gesetzge- fragen zu befassen", erklärt Thompson. Der Landesbungsprozeß zu bringen", erklärt Karen Tamerius, konvent wird von der Demokratin Pat Schroeder aus
eine graduierte Politologin an der University of Michi- Colorado und der Republikanerin Olympia Snowe aus
gan, die an feministischen Studien arbeitet.
Maine angeführt, die sich Thompson zufolge beide
dafür engagieren, der Arbeit des Caucus Bedeutung
"Sie sind in feministischen Organisationen tätig, erarzu verleihen.
beiten Gesetze, legen sie dem Kongreß vor u nd leisten
Überzeugungsarbeit zur Koalitionsbildung, damit dieIn dem neuen Kongreß hat der Landeskonvent sein
se Interessen als Gesetz verabschiedet werden", erGesetz zur wirtschaftlichen Gleichstellung wiedereinläutert sie.
geführt, das einen familienfreundlichen Arbeitsplatz
"Betrachtet man sich die namentlichen Abstimmungen, gibt es keinen großen Unterschied zwischen
Männern und Frauen", so Tamerius. Wenn man sich
jedoch nur darauf konzentriert, "entgeht einem alles,
was bevor ein Gesetzentwurf dem Kongreß vorgelegt
wird, geschieht".
Parlamentarierinnen "stellen sicher, daß die Stimmen
der Frauen in allen Bereichen des Gesetzgebungsverfahrens gehört werden", äußert Tamerius. "Sie sehen
eine ihrer Hauptaufgaben in der Schärfe des Bewußtseins der männlichen Kollegen" im Hinblick auf die
Auswirkungen der Gesetze auf Frauen und Kinder.
Sie verweist auf die Abstimmung zum Schwangerschaftsabbruch im Senat vom 3. August.
Fünf demokratische Senatorinnen wandten, angeführt
von der seit Jahren im Kongreß tätigen Barbara Mikulski aus Maryland, zusammen mit vier neugewählten Frauen eine parlamentarische Taktik an, um ein
Abstimmungsergebnis von 51 zu 48 im Senat herbeizuführen, mit dem ein Zusatzartikel abgelehnt wurde,
der die Einbeziehung des Schwangerschaftsabbruchs
in die Krankenversicherung von Bundesbediensteten
verbot. Abtreibungsgegnem ist es gelungen, seit 1984
das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs in mehreren Gesetzen zu verankern.

Seite» 2

und bessere Sozialleistungen für Unternehmerinnen
anstrebt. Ferner wurden das Gesetz zur Gleichstellung von Frauen im Gesundheitswesen und das
Gesetz über Gewalt gegen Frauen sowie in jüngster
Zeit das Gesetz über Gleichberechtigung im Bildungswesen eingeführt, das sich vornehmlich auf den Lehrplan der Grund- und weiterführenden Schulen konzentriert.
Die erste Gesetzesvorlage des Kongresses, die von
Präsident Clinton verabschiedet wurde, ist das Gesetz
über Mutterschafts- und Krankenurlaub, eine Maßnahme, die 1985 erstmals vom Landeskonvent eingeführt wurde.
Dem Gesetz zufolge müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis zu 12 Wochen unbezahlten Urlaub bei
Garantie des Arbeitsplatzes pro Jahr zubilligen, damit
sie sich um ein neugeborenes oder vor kurzem adoptiertes Kind, ein ernsthaft erkranktes Familienmitglied
kümmern oder eine ernsthafte Erkrankung auskurieren können.
Der Amtsantritt der Clinton-Administration hat einen
großen Unterschied bewirkt, indem für den Caucus
wichtigen Gesetzen die Türen geöffnet wurden, führt
Tamerius aus.
Präsident Clinton ist mehrere Male mit dem Landeskonvent zusammengekommen, um Anregungen zu

AMERIKA DIENST 37

�erhalten, wie die Situation der Familien in den Vereinig- ebenfalls mit dem Landeskonvent getroffen, um dosten Staaten verbessert werden kann - ein zentrales sen Meinung zu dem von ihr erarbeiteten Plan zur
Anliegen der innenpolitischen Tagesordnung seiner Gesundheitsreform des Landes einzuholen.
Administration. First Lady Hillary Clinton hat sich

* * * *

AMERIKA DIENST 37

*

Seite 3

�BILDUNG
15. September 1993

DIE ÜBERQUERUNG DES ANACOSTIA
von William H. Woodwell Jr.
In dem folgenden Artikel erläutert der Verfasser einige von der George Washington University in Washington
veranstaltete Programme, die den Studenten im Stadtviertel Anacostia helfen sollen, Selbstachtung und
Gemeinsinn zu entwickeln.
Der Autor schreibt regelmäßig Beiträge für Publikationen der George Washington University. Veröffentlichung
und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The George Washington University Magazine.
Copyright (c) 1992 The George Washington University.

Der Professor stand an seinem Bürofenster. Er erinnert sich an den Rauch und das Tränengas, das von
den Straßen der Stadt heraufstieg. Er erinnert sich an
die Plünderer und Vandalen, die Schaufensterscheiben einschlugen. Und er erinnert sich an die fliehenden Menschen, die Stoßstange an Stoßstange gereihten Autos, die das Chaos in ihrem Rückspiegel hinter
sich lassen.
Es war der 4. April 1968 - der Tag, an dem Martin
Luther King, Jr. ermordet wurde, der Tag, an dem
Washington von Unruhen erschüttert wurde. Der
Professor hatte einen Termin mit dem Dekan, um die
Veranstaltung eines Programms für Graduierte über
Probleme in amerikanischen Städten zu erörtern. In
Anbetracht der Szenerie in den Straßen entschied er
sich, das Gespräch zu vertagen, da der Dekan wahrscheinlich lieber nach Hause zu seiner Familie gehen
würde.
Der Professor war Dom McGrath, Direktor des Instituts für Stadtplanung und -entwicklung (Institute for
Urban Development Research - IUDR) der George
Washington University (GW). "Es war eigentlich ein
Zufair, erklärt er heute. "Gerade als wir Wege sondierten, wie die Universität praktischer auf die Bedürfnisse
der Stadt reagieren kann, wurden wir mit diesem
Ereignis konfrontiert."

Politikern von Anacostia und seinen Schulen wird die
GW als wichtiger Partner angesehen, der dieser
Gemeinde aus jahrzehntelanger Isolation und Vergessenheit herausgeholfen hat. "Ohne all die guten Taten
der Universität wäre es uns nicht gelungen", erklärt die
Leiterin der weiterführenden Anacostia High School,
Zavolia D. Willis.
Willis hatte 1988 erste direkte Kontakte mit der GW, als
sie Leiterin der Kramer Junior High School, der Mittelschule von Anacostia, war. Im Rahmen ihre Arbeit mit
Gemeindevertretern über Stadtplanungsfragen hatten
McGrath und seine Mitarbeiter zwei Videobänder mit
dem Titel produziert: "Das alte Anacostia: Ansichten
und Visionen einer städtischen Gemeinde". Die Bänder, das eine eine 30minütige Dokumentation und das
andere eine 10 Minuten lange Version, geben eine
attraktive Übersicht über die reiche Geschichte Anacostias.
"Diese Bänder boten aufregende neue Aspekte dieser
Gemeinde und dessen, was sie sein kann", so Willis.

Willis war so beeindruckt, daß sie sich sofort mit der
GW in Verbindung setzte, um einen Kurs über Gemeindeplanung für Kramer-Schüler zu veranstalten.
Die Idee für diesen Kurs fiel auf fruchtbaren Boden und
wurde zum Kramer-Anacostia-Planungsproject (Kramer Anacostia Planning Project - KAPP) unter Leitung
McGrath und der damalige Dekan, der inzwischen der Stellvertretenden Direktorin des IUDR, Margaret
verstorbene James Dockeray, kamen schließlich doch O'Bryon. Durch eine Stiftung und Aktienkapital finanzusammen. Die Früchte ihres Gesprächs - und die ziert, können bis zu 50 13-und 14-jährige Schüler der
Berücksichtigung der Bedürfnisse ihrer Heimatstadt Kramer-Mittelschule ein Jahr lang am KAPP teilnehdurch die GW - sind nirgends so offenkundig wie in men, um ihre historische Gemeinde kennenzulernen.
Anacostia, einem Washingtoner Stadtviertel, das hart
von den Unruhen von 1968 betroffen war. Unter den Zusätzlich zu den regulären Kursen und Unterrichtsstunden spielen KAPP-Schüler eine aktive Rolle bei
AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�der Erstellung einer umfassenden Bestandsaufnahme
der historischen Gebäude von Anacostia und der
Erarbeitung von Plänen zur Erweiterung des Freizeitangebots der Gemeinde. Im Schuljahr 1990-91 schlössen KAPP-Schüler beispielsweise die Pläne für die
Neuerschließung eines kleinen Parks in Anacostia ab,
mit dem sich das Projekt seit drei Jahren befaßt hatte.
Nach Überprüfung früherer Studien und weiterer Forschungen unterbreiteten die Schüler endgültige Empfehlungen für die Erschließung des Parksund machten
der Gemeinde Anregungen für die Verwirklichung ihrer
Vorschläge. Die Schüler schlugen sogar einen neuen
Namen für den Park vor - Uniontown Plaza - und
regten die Errichtung einer Statue zu Ehren des verstorbenen Gründers des Anacostia Neighborhood Museums John Kinard an.
"Es war super", erklärt O'Bryon. "Die Kinder stellen
nicht nur wieder Verbindungen zu ihrer Nachbarschaft
her, sondern lernen auch Führungsrollen und wie man
ihre Gemeinde zu einem besseren Ort machen kann."

der Akademie auf drei Klassen sollte im Schuljahr
1992-93 die Zahl der Eingeschriebenen beträchtlich
erhöhen.
Laut Kathryn Newcomer, der Leiterin der Abteilung für
öffentliche Verwaltung wurde die Idee für die Akademie für den öffentlichen Dienst vom Büro des Schulinspektors in Washington unterbreitet. "Die Idee war,
ausgewählte Klassen innerhalb einer Schule, in jeder
High School des Bezirks zu gründen", erinnert sie sich.
Das Programm wurde von auf öffentlichen und privaten Trägern finanziert, zu denen eine Bundesbehörde,
ein College oder eine Universität sowie ein Unternehmen oder Verband gehörten. Zusätzlich zur GW
zählen zu den Partnern der Akademie für den öffentlichen Dienst das U.S. Office of Personnel Management, die National Academy Foundation und die
American Society of Public Administrators (ASPA),
eine Organisation, in der Newcomer aktiv ist.
Die tägliche Verwaltung des Projektes obliegt dem an
der GW graduierten Bill Maurer, der Vizepräsident des
Verbandes der Lehramtsstudenten der Abteilung für
öffentliche Verwaltung ist. In der Absicht, mit den
Jugendlichen der Innenstädte zusammenzuarbeiten,
gab Maurereine erfolgreiche Karriere als Krankenversicherungsvertreter auf, um sich 1990 für den Magisterkurs in öffentlicher Verwaltung (Master of Public
Administration - MPA) der GW einzuschreiben. "Ich
hatte das Bedürfnis, anderen zu helfen und dachte, der
beste Weg dazu sei, den Menschen durch Bildung
Macht zu verleihen."

KAPP ist so organisiert, daß die Schüler sich zunächst
auf ihre unmittelbare Umgebung konzentrieren - ihren
Wohnblock und die Nachbarschaft. Im Zuge der
Erweiterung ihrer Perspektiven und Qualifikationen ist
KAPP ihnen bei der Erforschung der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft des gesamten Gebietes von
Anacostia behilflich. Am Ende jedes Jahres legen die
Schüler ihre Forschungsarbeiten und Erkenntnisse
der Gemeinde sowie ihren Eltern und Nachbarn vor.
Die Arbeit der KAPP-Schüler wurde in mehrerer Erschließungspläne der Gemeinde einbezogen und in
der Gemeinde ausgestellt. Die KAPP-Schüler haben Nachdem er von Newcomers Arbeit und Plänen für die
sogar ein eigenes Video mit dem Titel "Anacostia - Eine Akademie des öffentlichen Dienstes erfuhr, wußte
Mauerer, daß er dorthin gehörte. "Ich hatte meiner
reiche Geschichte" gemacht.
Familie gegenüber seit Jahren genau diese Art von
"KAPP war schöner als man sich je vorstellen kann",
Programmen beschrieben", stellt er fest. Er wurde
stellt Willis fest. "Die Bande, die zwischen den Bürgern sofort zum festen Bestandteil der Planungsbespreund der Gemeinde geknüpft werden, sind unschätz- chungen der Akademie des öffentlichen Dienstes und
bar." Willis sondiert jetzt die Möglichkeit, ein ähnliches arbeitete mit der GW eine Vereinbarung aus, das
Programm an der Anacostia High School zu veranstal- Programm im Rahmen einer Tätigkeit von 20 Stunden
ten.
pro Woche zu leiten, während er gleichzeitig auf seinen
Magister hinarbeitete. "Zumindest auf dem Papier
An Willis Schule wurde bereits ein besonderer Stusollten es 20 Stunden sein", so Maurer.
dienkurs eingeführt, der von den Fakultätsmitgliedern
und Studenten der GW organisiert wurde. Inzwischen Bis heute hat Maurer 30 weitere MPA-Studenten
zwei Jahre alt, stellt die Akademie für den öffentlichen angeworben, um auf freiwilliger Basis bei der VerwalDienst (Public Service Academy) eine echte Bereiche- tung des Programms mitzuhelfen. Neben ihrer Arbeit
rung der Universitätspräsenz in Anacostia dar. Ihr Ziel: als Dozenten an der Akademie des öffentlichen DienAusgewählten Schülern der Anacostia High School stes sind die MPA-Studenten bei der Planung und
spezielle Ausbildung zu bieten und sie zum College- Organisation aller Kurse und Veranstaltungen behilfBesuch zu ermutigen, um eine Laufbahn in der Regie- lich. Das Kernstück des Programms bildet ein Einführung einzuschlagen.
rungskurs in öffentlicher Verwaltung an der GW.
Im Schuljahr 1991 -92 nahmen 60 Schüler der Anaco- Jede zweite Woche hilft ein Gastdozent von der Abteistia High School an den von der Abteilung für öffentli- lung für öffentliche Verwaltung der GW den Studenten
che Verwaltung der GW School of Bu siness and Public der Akademie für den öffentlichen Dienst bei der
Management organisierten Programmen der AkadeBearbeitung von Themen über die Regierungen der
mie für den öffentlichen Dienst teil. Die Erweiterung Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen bis hin

Seite 2

AMERIKA DIENST 37

�zu Finanz- und politischen Analysen. Im Rahmen
eines Kurses über die Verwaltung gemeinnütziger
Verbände besuchten die Studenten 1992 die nationale
Konferenz der amerikanischen Gesellschaft für Führungskräfte von Verbänden (American Society for
Association Executives), bei der Präsident George
Bush der Hauptredner war.
Zu den Aktivitäten der Akademie für öffentliche Verwaltung zählen: Treffen mit Mitgliedern des Stadtrats
von Washington, reguläre Besuche der GW und eine
Übernachtung dort, individuelle Tutorprogramme und
die Publikation einer Informationsschrift zu dem Programm mit dem Titel "PSA Today" durch die Akademie-Teilnehmer.
Carolyn Kornegay, Dozentin an der Akademie für den
öffentlichen Dienst, die seit 1980 an der Anacostia
High School Naturwissenschaften unterrichtet, erklärt,
das Programm habe enrome Auswirkungen auf ihre
Schüler gehabt. "Ich bin ernsthaft der Auffassung, daß
mehrere dieser Jugendlichen gefeuert worden oder
längst von der Schule abgegangen wären, wenn sie
nicht an diesem Programm teilgenommen hätten", so
ihre Beobachtung.
"Schulen können sehr kalte und sterile Orte sein", fügt
Kornegay hinzu. Der Button "I love to teach" (Ich liebe
es, zu unterrichten) an ihrem Revers vermittelt einen
Eindruck, warum sie zahlreiche Belobigungen, Stipendien und Auszeichnungen für ihren Unterricht gewonnen hat, zuletzt als eine von acht in der nationalen
Endausscheidung beim Wettbewerb um die Auszeichnung als 'Technology Scholar" (Technikwissenschaftler) der Tandy Corporation. "Kinder können in diesen
Gebäuden verloren gehen, und keiner merkt es", stellt
sie fest. "Die Akademie für den öffentlichen Dienst
vermittelt den Studenten, daß sie zugehörig und etwas
Besonderes sind."
Quincy Briscoe in der Oberstufe der Anacostia High
School, der sich selbst als "einen der ersten" an der
Akademie für den öffentlichen Dienst bezeichnet, sagt,
das Programm habe sein Denken "geschärft" und er
sei infolgedessen an einem College-Besuch interessiert. Die wertvollste Lektion, die er aus seiner Teilnahme an der Akademie für den öffentlichen Dienst gelernt
hat, ist Briscoe zufolge Kooperation. "Ich wurde zur

*

AMERIKA DIENST 37

*

Zusammenarbeit mit anderen gedrängt", stellt er rückblickend fest. "Sie haben uns zusammen an Probleme
gesetzt, die wir - wie wir wissen - nicht alleine lösen
können, und wir wurden anhand unserer Zusammenarbeit als Gruppe beurteilt. Das war eine gute Erfahrung."
Briscoes Klassenkameradin Conchita Mays wurde
von den anderen Studenten zur Präsidentin der Akademie für den öffentlichen Dienst gewählt. Was ihr an
dem Programm am besten gefallen hat, war die Möglichkeit, Verschiedenes zu tun. "Wir haben mehrere
Orte besucht", äußert sie. "Wir sehen das Leben am
College, und wir treffen Leute, die uns in der Zukunft
helfen und uns bei der Berufswahl behilflich sein
können."
Was für ein Gefühl haben ihre Klassenkameraden bei
all diesen Chancen, anders zu sein? "Sie machen
Witze und nennen uns 'Fremde'", sagt Briscoe mit
einem unterdrückten Lachen und blickt in der vollbesetzten Cafeteria der Anacostia High School um sich.
"Einige sagen, wir können uns ziemlich viel erlauben",
fügt er hinzu. "Sie sagen, wir haben Privilegien, daß wir
all diese Reisen machen können und das ganze zweite
Stockwerk für uns allein haben. Wir können nur
versuchen, sie zur Teilnahme zu überreden."
Die Studenten der Akademie für den öffentlichen Dienst
sind nicht die einzigen, die von ihrer Teilnahme an dem
Programm profitieren. "Es ist ein Höhepunkt meiner
Karriere", erklärt Kornegay. "Wir Lehrer arbeiten für
gewöhnlich ganz isoliert und haben keinen Kontakt.
Die Akademie für den öffentlichen Dienst zwingt uns
zur Zusammenarbeit."
Professor McGrath zufolge ist Anacostia zu helfen,
aus der Isolation und Not auszubrechen, eine für eine
städtische Universität wie die GW maßgeschneiderte
Aufgabe.
"Staatliche Programme kommen und gehen entsprechend der Tagespolitik", so McGrath. "Eine Universität
bietet einem Ort wie Anacostia Stabilität. Wir helfen
Anacostia, konstant die Perspektive zu bewahren,
damit das enorme Potential seiner Bürger und Gemeinde genutzt werden kann."

*

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11881">
                <text>15.09.1993</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11882">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11883">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11884">
                <text>Amerikadienst 15.09.1993</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11885">
                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt Friedensabkommen zwischen Israel und der PLO als "Sieg für den Frieden" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei Feierstunde im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aspin erläutert weiteren Abbau des US-Militärs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede zur neuen Verteidigungsstrategie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Holbrooke: Beziehungen zu Deutschland von entscheidender Bedeutung für die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Talbott zu Russlandhilfe und GUS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Innenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gore-Bericht über Effizienz der Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stärkerer Einfluss der Frauen im Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Spürbare Auswirkungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Bildung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Überquerung ds Anacostia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William H. Woodwell Jr.&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1713" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1724">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/173f42d51cfe031e40d58b9b922cdfaa.pdf</src>
        <authentication>da3bc96f79e4c00af76176aa130477a0</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8768">
                    <text>Information
und
Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Oktober 1980

46

INHALT

DOKUMENTATION
Christopher erläutert Prinzipien für US-Politik im
irakisch-iranischen Konflikt
- Wortlaut der Ansprache vor UPI-Redakteuren -

HINTERGRUNDMATERIAL
Auf der Suche nach tragfähigen Begrenzungen bei den nuklearen
Mittel Streckensystemen großer Reichweite
- Von USICA-Korrespondent Russell E. Dybvik Energie in neuer Sicht
- Ein weltweites Phänomen Von Charles Duncan, US-Energieminister

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Förderprogramm für Fusionsenergie

Um Übet/endung von
ßelegcHcmplarcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

46

15. Oktober 1980

CHRISTOPHER ERLÄUTERT PRINZIPIEN FÜR US-POLITIK
IM IRAKISCH-IRANISCHEN KONFLIKT
- Wortlaut der Ansprache vor UPI-Redakteuren -

BOSTON - (AD) - Der stellvertretende amerikanische Außenminister Warren
Christopher hat am 7. Oktober 1980 die Prinzipien aufgezeigt, die die Politik
der Vereinigten Staaten hinsichtlich des Konfliktes im Persischen Golf bestimmen. Gleichzeitig gab er in seiner Rede vor Redakteuren der amerikanischen
Nachrichtenagentur United Press International (UPI) einen überblick über die
Hintergründe des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran.
Die Ansprache Christophers hat folgenden Wortlaut:
Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak ist in seine dritte Woche eingetreten. Ich bin dankbar für die Gelegenheit, vor Ihnen unsere Ansichten
zu diesem Konflikt darlegen zu können.
Lassen Sie mich mit einigen zentralen Feststellungen beginnen.

Für

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Für uns stehen im Gebiet des Persischen Golfes lebenswichtige Interessen auf dem Spiel, und wie Präsident Carter dies klargemacht hat, werden
wir sie verteidigen.

Viele unserer Verbündeten und Freunde sind gegenüber

Störungen in diesem Raum noch verwundbarer als wir - und ihr Wohlergehen ist
auch für uns von lebenswichtiger Bedeutung.
Zusammen mit anderen Ländern verfügen wir über beträchtliche militärische
Stärke in jenem Gebiet.

Unser Ziel ist es, unsere lebenswichtigen Interessen

zu verteidigen, sollten sie angegriffen werden.

Es ist nicht unser Ziel, die

Angelegenheiten irgendeines Landes in dieser Region zu beherrschen, sondern
dazu beizutragen, daß die Unabhängigkeit dieser Länder gestärkt und gefestigt
wi rd.
Unser Streitfall mit dem Iran bezüglich des Festhaltens unserer Diplomaten ist für keinen Amerikaner ein Grund, diesen Krieg etwa willkommen zu
heißen.

Wir machen die Regierung des Iran auch weiterhin verantwortlich für

die Sicherheit der Geiseln.
ihre Freilassung.

Völkerrecht und allgemeiner Anstand erfordern

Die Geiselfrage macht den Frieden umso dringlicher.

Lassen Sie mich als letzte einleitende Feststellung darauf hinweisen,
daß wir alle in dieser Krise die Bestätigung dafür finden sollten, wie klug
die Politik des Präsidenten zur Förderung der einheimischen Energieproduktion
und zur Verminderung des ölverbrauches war. Wir haben echte Fortschritte in
der einen wie der anderen Hinsicht gemacht. Wir müssen noch weitere Fortschritte erzielen.
Nachdem ich Ihnen diese Gedanken als Auftakt dargelegt habe, lassen Sie
mich kurz zusammenfassen, was wir als die Quellen des Konfliktes ansehen,
und danach möchte ich Ihnen unsere Ansichten und Interessen ausführlicher darlegen.
Wie Sie wissen, begannen die gegenwärtigen Kampfhandlungen am 22. September.
Ihnen

�Ihnen gingen mehrere Monate wachsender Feindseligkeit und Grenzzwischenfälle voraus. Mitte des vorigen Monats besetzten irakische Truppen zwei
kleine Gebietsstreifen im mittleren Teil der irakisch-iranischen Grenze.
Irak behauptet, daß dieses Gebiet gemäß des Vertrages mit Iran aus dem Jahre
1975 wieder eingegliedert werden müsse.
Nach dem irakischen Angriff eskalierten die Kampfhandlungen, und am 17.
September reagierte der Irak, indem er den Vertrag von 1975 mit dem Iran aufkündigte und die gesamte Wasserstraße von Schatt-el-Arab beanspruchte.
Seit dem 22. September sind die irakischen Landstreitkräfte eine beträchtliche Strecke in den Iran einmarschiert. Jede Seite hat Luftangriffe
weit in das Gebiet des anderen unternommen. Beide Hauptstädte wurden bombardiert, Bagdad und Teheran, aber auch andere Städte. Die ölanlagen beider
Länder wurden beschädigt. Es gab beträchtliche Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Die Intensität und das Ausmaß der Kämpfe hat wohl mit großer Sicherheit
all das Libertroffen, was von den Beteiligten erwartet worden war.
Wir haben also wieder einmal gesehen, wie leicht ein Krieg ausbrechen
kann, und wie schwer es ist, ihn einzudämmen und zu beenden.
Wenn auch die Flammen erst kürzlich aufgelodert sind, so hat dieser
Konflikt doch schon seit vielen Jahren geschwelt.
- Der Iran und der Irak haben sich seit langem über die Festlegung ihrer
gemeinsamen Grenze gestritten, insbesondere in der Nähe des Persischen Golfes,
im Gebiet des Schatt-el-Arab - des Deltas zwischen dem Tigris und dem Euphrat.
Das Gebiet, um das man sich streitet, ist nicht groß.

Aber es hat mächtige

Emotionen und ständige Angriffe von beiden Seiten hervorgerufen.
- Dreimal

�- Dreimal in diesem Jahrhundert ist versucht worden, die Grenzfrage
zu regeln. Zum letztenmal wurde 1975 in dem Abkommen von Algier die Grenze
in der Mitte des Flusses, und zwar für die gesamte Länge des Schatt, festgelegt.

Bis zu einem gewissen Ausmaß reflektierte ein jedes dieser Abkommen

die relative Macht der jeweiligen Parteien zu jenem Zeitpunkt.

Die Geschichte

dieses Streitfalles lehrt uns also folgende Lektion: Wenn eine Regelung Bestand haben soll, dann kann sie sich nicht nur auf eine veränderliche Machtgleichung stützen, sondern sie muß eine unveränderliche Realität widerspiegeln - das beiderseitige Interesse der beteiligten Parteien an ihrer eigenen
Sicherheit und Stabilität in diesem Raum.
- Dieser territoriale Streitfall wurde noch durch religiöse und kulturelle Meinungsverschiedenheiten verschärft.

So hat der Iran beispiels-

weise sich mit Appellen an gewisse Elemente der irakischen Bevölkerung gewandt.

Bagdad betrachtet dies als eine Einmischung in seine inneren Ange-

legenheiten

- aber der Irak hat ebenfalls versucht, die Autorität der Re-

gierung in Teheran zu unterminieren.

Auf beiden Seiten wurde die propa-

gandistische Auseinandersetzung in zunehmendem Maße schärfer.
- Die beiden streitenden Parteien sehen sich vielleicht auch in einen
weitergehenden Konkurrenzkampf hineingezogen.

Im Laufe der Zeit hat jede

Seite Anerkennungsansprüche als eine hauptsächliche Einflußquelle in diesem
Gebiet geltend gemacht.
- Und schließlich werden die Auswirkungen dieses Konfliktes noch durch
den Ort der Feindseligkeit gravierender.

Im Mittelpunkt der Kampfhandlungen

befindet sich die wichtige iranische ölprovinz Khusistan.

Irak behauptet,

daß der Erwerb dieser Provinz nicht sein Ziel sei. Aber das gesamte Gebiet
und seine wichtigsten Städte werden von irakischen Streitkräften angegriffen.
Wenn sie dieses Gebiet einnehmen und versuchen, es zu halten, dann wäre die
Natur dieses Konfliktes von Grund auf geändert, und die Gefahr hätte sich
auf dramatische Weise vergrößert.
Dies

�Dies also sind einige der Kräfte und Bestrebungen, die sich uns gegenwärtig zeigen. Was sind nun die Ziele der Vereinigten Staaten?
Wir haben zwei Hauptziele.
Das erste ist der Frieden.
Die Vereinigten Staaten haben in diesem Krieg keine Partei ergriffen,
und wir werden dies auch nicht tun. Aber die Tatsache, daß wir keine Partei
ergreifen, ist kein Signal von Indiferenz. Wir sind besorgt über das menschliche Leiden. Wir sind besorgt über den ungeheuren physischen Schaden.

Wir

sind besorgt über die Angliederung von Territorium auf gewaltsamem Wege. Und
wir sind besorgt über die weiteren Auswirkungen.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten mit allem Nachdruck die Bemühungen
internationaler Institutionen unterstützt, diesen Streitfall vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch zu bringen, und zwar so schnell, wie das möglich
ist.
Und wir werden auch weiterhin mit Nachdruck darauf drängen, daß alle
äußeren Mächte sich Zurückhaltung auferlegen.
einstehen.

Alle sollten für den Frieden

Alle müssen die grundlegende nationale Integrität der betroffenen

Länder, sowohl des Irak als auch des Iran respektieren.
Wir erwarten von der Sowjetunion, daß sie Selbstdisziplin übt.
Die sowjetischen Medien haben, ohne die geringste faktische Grundlage
zu haben, behauptet, daß die Vereinigten Staaten in diesem Konflikt Partei
ergriffen hätten.

Solche falschen Darstellungen können nur zu einer Aufhei-

zung einer Situation beitragen, die Gefahren für Ost und West gleichermaßen
in sich birgt.

Sie reflektiert in keiner Weise das Ausmaß an Verantwortung,

das von einer Großmacht erwartet werden muß.
Gleichzeitig

�Gleichzeitig haben die Sowjets sich den auf einen Frieden gerichteten
Anstrengungen des Sicherheitsrates angeschlossen.
meinen vorsichtig verhalten.

Sie haben sich im allge-

So wie wir das gegenwärtig sehen, tritt die

Sowjetunion wie die Vereinigten Staaten für eine baldige Beendigung des Krieges ein.

Sie sollte auf diesem Kurs fortfahren.

Es liegt in unserem beider-

seitigen Interesse, sicherzustellen, daß ein begrenzter Konflikt keine Supermacht-Dimension annimmt.
Unser zweites weitreichendes Ziel besteht darin, eine Ausbreitung dieses
Konfliktes zu verhindern.

Es ist unser Ziel, zusammen mit anderen sicherzu-

stellen, daß dieser Konflikt weder den Frieden in diesem Gebiet noch die Weltwirtschaft zerstört.
Die anderen Staaten der Golfregion und der Arabischen Halbinsel haben
allen Grund, tief besorgt zu sein.

Sie verdienen unsere Hilfe - wenn sie

darum ersuchen - bei der Abschreckung der Möglichkeit eines unprovozierten
Angriffes.
Deshalb hat Präsident Carter unverzüglich auf das Ersuchen reagiert,
amerikanische Frühwarn- und Kontrollflugzeuge (AWACS) nach Saudi-Arabien zu
entsenden.
Diese Flugzeuge bedrohen niemanden.

Ihre Zielsetzung in Saudi-Arabien

ist rein defensiver Natur - nämlich eine ausreichende Vorwarnzeit zu gewährleisten und die Saudis bei ihren eigenen Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen, wenn dafür die Notwendigkeit besteht.

Ihre Anwesenheit hat in kei-

ner Weise unsere Neutralität im gegenwärtigen Konflikt verändert.
Wir möchten ferner, daß der Konflikt den ölfluß nicht gefährdet. In
diesem Zusammenhang erkennen wir die konstruktive Rolle an, die Saudi-Arabien
sowie eine Anzahl anderer ölfördernder Länder ergriffen haben, um die weltweite Ölversorgung bei anhaltendem Konflikt aufrechtzuerhalten.
Diese

�Diese lebenswichtige Ölversorgung hängt nicht nur von der Bereitschaft
der Lieferstaaten ab, sondern auch von der Sicherheit der Schiffahrt.

Die

jüngsten Entwicklungen haben uns sowie anderen Ländern die Wichtigkeit der
Freiheit der Schiffahrt in der Straße von Hormuz vor Augen geführt - ein Nadelöhr für den Fluß des üls in so viele Teile der industrialisierten Welt als
auch der Entwicklungsländer.
Der Iran hat kürzlich erklärt, daß er nicht die Absicht habe, den Verkehr durch diese Straße zu behindern.

Dies war ein positiver Schritt. Wich-

tigen Interessen aller Länder, einschließlich des Irak und des Iran, wird
durch die freie Schiffahrt im Persischen Golf gedient.
Unsere Absichten hinsichtlich des Konfliktes im Persischen Golf sind
also klar.

Lassen Sie mich zusammenfassen:

Erstens, die Vereinigten Staaten verhalten sich im Konflikt zwischen
dem Iran und dem Irak neutral. Wir werden auf keiner der beiden Seiten intervenieren.
Zweitens, wir erwarten von der Sowjetunion, daß sie Zurückhaltung übt.
Drittens, Neutralität in diesem Konflikt bedeutet jedoch nicht amerikanische Indifferenz. Wir werden unsere lebenswichtigen Interessen im Gebiet
des Persischen Golfes verteidigen.

Insbesondere:

- Es darf keine Einmischung in den freien Verkehr in der Straße von
Hormuz und im Persischen Golf geben. Wir werden tun, was erforderlich ist,
um eine solche Einmischung zu verhindern.
- Um zu verhindern, daß sich der Konflikt in einer Weise ausdehnt, die
die Sicherheit dieses Gebietes gefährdet, werden wir auf Unterstützungsersuchen von Seiten nichtkriegführender Freunde in diesem Gebiet reagieren,
die sich durch diesen Konflikt bedroht fühlen.
Und
- 7 -

�Und viertens, dieser Konflikt muß bald beendet werden. Keiner wird aus
seiner Fortsetzung Gewinn ziehen. Wir werden die Bemühungen internationaler
Institutionen unterstützen, eine friedliche Regelung zustandezubringen.
Diese vier Prinzipien sind heute für unsere Handlungen richtungweisend.
Dies wird auch in Zukunft so sein. Denn diese Prinzipien stützen sich auf
ein Bild von diesem Gebiet - das jetzt so unbeständig ist - in dem jeder Staat
die Rechte seines Nachbarn respektiert und keiner einem Druck von außerhalb
seiner Grenzen ausgesetzt ist. Auf solchen Prinzipien kann ein dauerhafter
Friede aufgebaut werden.

+ + + + +

�15. Oktober 1980

46

AUF DER SUCHE NACH TRAGFÄHIGEN BEGRENZUNGEN
BEI DEN NUKLEAREN MITTELSTRECKENSYSTEMEN GROSSER REICHWEITE
- Von USICA-Korrespondent Russell E. Dybvik -

WASHINGTON - (AD) - Hochrangige Experten der Außen- und Verteidigungspolitik in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wollen in dieser
Woche in Genf mit Gesprächen beginnen, die darauf abzielen, den Bereich
für künftige Verhandlungen über die Begrenzung weitreichender, bodengestützter nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa abzustecken.
Es handelt sich hierbei um einen vorbereitenden Gedankenaustausch,
der einige Wochen dauern dürfte. Die eigentlichen Verhandlungen werden im
Rahmen von SALT III geführt werden - einer neuen Verhandlungsrunde über
die Begrenzung strategischer Waffen zwischen den beiden Supermächten.
Im Dezember vorigen Jahres einigten sich die Außen- und Verteidigungsminister der NATO auf ein Programm zur Modernisierung der Nuklearen Mittelstreckensysteme großer Reichweite (LRTNF) - ein Schritt, dem sie angesichts
der alarmierenden und gewaltigen Zunahme der LRTNF-Kapazität der Sowjetunion
entscheidende Bedeutung beimassen.

Gleichzeitig setzten sich die NATO-

Postfach20 0 3 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�NATO-Minister für Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion ein, um die LRTNF-Systeme beider Seiten zu begrenzen.
In ihrem Kommunique stellen die Minister des Bündnisses fest, daß
sie der Rüstungskontrolle "große Bedeutung" beimessen. In dem Kommunique
heißt es unter anderem: "Die Minister betrachten die Rüstungskontrolle
als integralen Bestandteil der Bemühungen des Bündnisses, die unverminderte
Sicherheit seiner Mitgliedstaaten zu gewährleisten und die strategische Lage
zwischen Ost und West auf einem beiderseits niedrigeren Rüstungsniveau
stabiler, vorhersehbarer und beherrschbarer zu gestalten,,"
Weniger als eine Woche nach dem Treffen der NATO-Minister schlugen
die Vereinigten Staaten in aller Form vorbereitende Gespräche mit der
Sowjetunion über die Begrenzung der LRTNF-Systeme ohne Vorbedingungen und
ohne Verzögerung vor.

Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag jedoch zurück

und verlangten stattdessen von der NATO, ihre Entscheidung über die
Modernisierung der Mittel Streckensysteme des Bündnisses rückgängig zu
machen oder formell deren Durchführung auszusetzen.

Erst im Juli ließ die

Sowjetunion ihre Vorbedingungen fallen.
Trotz der in jüngster Zeit frostigen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion - vornehmlich wegen der sowjetischen Invasion
Afghanistans - bleibt die Regierung Carter auch weiterhin der Rüstungskontrolle
und hier vor allem der Begrenzung der strategischen Waffen als im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten liegend verpflichtet.
Vor kurzem erklärte Präsident Carter in einer Rede vor dem Rat für
Weltpolitik (World Affairs Council) in Philadelphia, daß das SALT II-Abkommen "eine große Leistung" seiner Regierung sei und er dessen Ratifizierung
zum frühestmöglichen Zeitpunkt anstrebe»
Der

- 2 -

�Der Präsident sagte: "Aber auch der Zeitpunkt rückt rasch näher, an
dem wir über SALT II hinausdenken müssen - um weitere, umfassendere Abkommen auszuhandeln, die sowohl neue Kategorien strategischer Waffen als
auch Waffen von geringerer als interkontinentaler Reichweite betreffen«
Wenn die achtziger Jahre nicht zu einem Jahrzehnt der Gewalt werden sollen,
dann müssen wir erneute Anstrengungen machen, um das Wettrüsten zu stabilisieren
und den Bereich der Rüstungskontrollabkommen zu erweitern»"
Die Sondierungsgespräche über die LRTNF-Systeme in Genf haben dieses
Ziel - beiderseitige Begrenzungen der amerikanischen und sowjetischen
LRTNF-Systeme auf niedrigerem Rüstungsniveau beider Seiten und auf der
Grundlage des Prinzips der Gleichheit,, Parallel hierzu werden die NATOVerbündeten ihr LRTNF-Modernisierungsprogramm vorantreiben, wobei sie
einräumen, daß das Programm im Lichte konkreter Ergebnisse angepaßt werden
kann, die durch Verhandlungen erreicht werden*
Eurostrategische Kernwaffen sind für Europa nichts neues. Diese
Art von Systemen geht noch auf die fünfziger Jahre zurück, als die in den
Vereinigten Staaten hergestellten Raketen mittlerer Reichweite THOR und
JUPITER in Großbritannien, Italien und in der Türkei disloziert wurden.
Diese Waffen hatten die Leistungsfähigkeit, Ziele in der Sowjetunion zu
treffen.

Schließlich wurden sie als überflüssig ausgemustert, als die

Vereinigten Staaten strategische Systeme dislozierten, die auf Ziele in
der Sowjetunion gerichtet waren.
Während bestimmte amerikanische Systeme, die der NATO zur Verfügung
gestellt wurden - wie Flugzeugraketen und seegestützte Raketen -, sowjetische
Ziele erreichen können, hat keines davon die gleiche Abschreckungskapazität
wie bodengestützte Raketen,
Derzeit sind viele der bodengestützten TNF-Waffen, die von den
Vereinigten Staaten in Westeuropa disloziert sind, nur zur Verwendung auf

- 3 -

�auf dem Gefechtsfeld, nicht aber für Ziele in der Sowjetunion, entwickelt
worden.
Auf der anderen Seite jedoch fand in den letzten Jahren eine starke
Ausweitung der sowjetischen LRTNF-Kapazität statt.

Seit 1974 begannen

die Sowjets mit der Dislozierung des BACKFIRE-Bombers, der Kernwaffen in
Ziele überall in Europa tragen kann«
Und 1977 begannen die Sowjets mit der Dislozierung ihrer SS-20-Raketen einer modernen, treffsicheren und mobilen Rakete, die mit drei unabhängig
voneinander zielgeplanten Gefechtsköpfen ausgerüstet ist, die aus der
Sowjetunion heraus jeden Ort in Westeuropa erreichen können.
Die sowjetische LRTNF-Aufrüstung in den letzten Jahren - die sich in
der Dislozierung dieser beiden LRTNF-Systeme manifestiert - hat die
nukleare Stabilität in Europa untergraben» Führende Rüitiker in Europa wie
auch amerikanische Regierungsstellen sind übereinstimmend der Meinung, daß
es sich bei der SS-20 wahrscheinlich um das besorgniserregendste Waffensystem handelt, das derzeit in Europa disloziert ist.
So stellte zum Beispiel Bundeskanzler Helmut Schmidt auf einer
Konferenz des Internationalen Instituts für Strategische Studien im
Oktober 1977 fest, daß die auf dem strategischen Niveau zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten erzielte Parität die Bedeutung
der Disparitäten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt sowohl bei
konventionellen als auch bei TNF-Waffen nur noch vergrößert habe, Schmidt
drängte auf Anstrengungen, das militärische Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen und setzte sich für eine erneute Verpflichtung zu Verhandlungen
ein, um ein solches zu erreichen.
Seit den fünfziger Jahren fühlte sich Westeuropa unter dem Schirm
der strategischen Kernwaffen der Vereinigten Staaten verhältnismäßig sicher.

- 4 -

�sicher. Aber die Dislozierung des BACKFIRE-Bombers und der SS-20 durch
die Sowjetunion - ohne entsprechende Dislozierungen bei der NATO - hat
die Gefahr einer - wenn auch falschen - sowjetischen Kalkulation heraufbeschworen, daß die Sowjets Europa mit in der UdSSR stationierten Waffen
angreifen könnten, ohne daß die NATO in der Lage wäre, angemessen zu
reagieren.
Während der sowjetische BACKFIRE und die SS-20 Ziele überall in
Westeuropa angreifen könnten, haben die NATO-Verbündeten derzeit keine
bodengestützten TNF-Waffen, die Ziele in der westlichen Sowjetunion
erreichen würden.
Im Rahmen des LRTNF-Modernisierungsprogramms, das vorigen Dezember
angenommen wurde, werden 108 PERSHING-Raketen mit je einem Gefechtskopf,
die die Vereinigten Staaten derzeit in der Bundesrepublik disloziert
haben, durch die gleiche Anzahl von PERSHING-II-Raketen ersetzt«

Das neue

Modell wird ebenfalls nur einen einzigen Gefechtskopf tragen, jedoch wird
seine Reichweite etwa 1 000 Seemeilen betragen, im Vergleich zu einem
Maximum von 400 Seemeilen bei der existierenden Rakete.

Zudem wird sie

eine viel größere Treffgenauigkeit haben.
Zusätzlich zum Austausch der PERSHING-Raketen entschlossen sich
die Verbündeten im vorigen Dezember einstimmig, im Jahr 1983 mit der
Dislozierung von insgesamt 464 amerikanischen bodengestützten Marschflugkörpern (Ground Launched Cruise Missiles - GLCM) in fünf westeuropäischen
Ländern zu beginnen - in Großbritannien, Italien, der Bundesrepublik,
Belgien und den Niederlanden.

Die Durchführung dieser Entscheidung des

Bündnisses geht derzeit in Großbritannien, Italien, und in der Bundesrepublik
voran.

Das Bündnis erwartet eine weitere Klärung der belgischen Position

in Einklang mit der Verpflichtung Belgiens gegenüber der Entscheidung vom
Dezember.

Die Niederlande haben angedeutet, daß sie beabsichtigen, über

die Stationierung der GLCM bis Ende 1981 zu entscheiden.
Der
- 5 -

�Der Marschflugkörper ist ein Flugkörper

mit Luftstrahlantrieb,

der in niedriger Höhe Ziele anfliegt, die bis zu 1 500 Meilen entfernt
liegen.

Er ist mit einem Lenksystem ausgerüstet, das ein hohes Maß an

Treffsicherheit ermöglicht.
Amerikanische Regierungsstellen haben wiederholt betont, daß die
Gespräche in Genf einen einleitenden Gedankenaustausch darstellen, der
zu Verhandlungen über die LRTNF-Systeme im Kontext von SALT III führen
soll.
"Wir sind nunmehr zu ernsthaften und substantiellen Gesprächen bereit",
sagte ein höherer amerikanisier Regierungsvertreter kürzlich«

"Wenn

SALT III morgen beginnen würde, dann würden wir in diese Verhandlungen
auf die gleiche Weise eintreten, wie wir das bei diesem Meinungsaustausch
tun, das heißt, wir würden zunächst versuchen, die kritische Frage in den
Griff zu bekommen, welche Systeme begrenzt werden sollten."
In ihrem gemeinsamen Kommunique im vorigen Dezember erklärten die
Außen- und Verteidigungsminister der NATO:

"Das unmittelbare Ziel dieser

Verhandlungen soll die Vereinbarung von Begrenzungen für amerikanische und
sowjetische landgestützte LRTNF-Raketensysteme sein...
Die Minister haben sich zu diesen beiden parallel laufenden und
komplementären Vorgehensweisen entschlossen, um einen durch den sowjetischen
TNF-Aufwuchs verursachten Rüstungswettlauf in Europa abzuwenden, dabei
jedoch die Funktionsfähigkeit der Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie
der NATO weiterhin zu erhalten und damit die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten weiterhin zu gewährleisten...
Erfolgreiche Rüstungskontrolle, die den sowjetischen Aufwuchs
begrenzt, kann die Sicherheit des Bündnisses stärken, den Umfang des TNFBedarfs der NATO beeinflussen und im Einklang mit der grundlegenden NAT0-

- 6 -

�NATO-Politik von Abschreckung, Verteidigung und Entspannung - wie sie
im Harmel-Bericht niedergelegt wurde - Stabilität und Entspannung in
Europa fördern.

Der TNF-Bedarf der NATO wird im Licht konkreter Ver-

handlungsergebnisse geprüft werden«"
Derzeit ist die offizielle sowjetische Einstellung zu den Sondierungsgesprächen über die LRTNF-Begrenzung in Genf noch nicht bekannt. Aber
amerikanische Regierungsstellen betonen, daß es beiden Seiten freisteht,
ohne jede Vorbedingung all die gewünschten Vorschläge zu unterbreiten.
Die Genfer Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR
haben die Unterstützung der NATO-Verbündeten, und die Vereinigten Staaten
haben sich zu umfassenden und rechtzeitigen Konsultationen mit ihren
Verbündeten verpflichtet,,
Zu diesem Zweck wurde bereits innerhalb der NATO eine spezielle
Konsultativgruppe eingerichtet, welche regelmäßig zur Erörterung von
Problemen zusammentritt, die erwartungsgemäß im Verlauf der vorbereitenden
Gespräche auftreten werden.
Kein Zweifel sollte hinsichtlich der Entschlossenheit des Bündnisses
bestehen, dem zunehmenden Ungleichgewicht bei den LRTNF-Systemen durch die
Dislozierung neuer amerikanischer TNF-Systeme zu begegnen.
"Wahre Sicherheit im Atomzeitalter verlangt Maßnahmen, die das Risiko
eines Kriegsausbruches vermindern," sagte Außenminister Edmund Muskie im
vorigen Monat vor dem Rat für weltpolitische Fragen in Pittsburgh: "Es ist
das Mandat der Rüstungskontrolle - im Zusammenwirken mitäner starken
Verteidigung -, zu einem stabilen Gleichgewicht beizutragen und Fehleinschätzungen durch die andere Seite zu vermeiden."

- 7 -

�15. Oktober 1980

46

ENERGIE IN NEUER SICHT
- Ein weltweites Phänomen Von Charles Duncan, US-Energieminister

WASHINGTON - (AD) - Wir haben eine weltweite Revolution in Gang gesetzt,
die jede Nation auf diesem Planeten berührt.

Wir alle auf dieser Erde haben

begonnen, Energie mit anderen Augen zu sehen - wir befassen uns damit, wie
sie produziert, genutzt, eingespart und vergeudet wird.

Und wie bei allen

wichtigen Veränderungen in diesem Jahrhundert können die in einem Land erzielten Fortschritte einem anderen Land helfen.

Und von dem Fortschritt,

den wir gemeinsam machen, profitieren wir alle.
In den letzten paar Jahren sind die Vereinigten Staaten rasch vorangeschritten.

Aus einer Periode der Energiekrise sind wir zu einer Periode des

Energieaufbaus gelangt.

Wir arbeiten an einem starken, vielseitigen Energie-

programm, um dem elementaren Bedarf unserer Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten gerecht zu werden.

Wir müssen einen langen Weg gehen.

uns in einer 20jährigen Umstellungsperiode.
gabe ist klar.

Wir befinden

Aber die vor uns liegende Auf-

Wir und die anderen wichtigen öl Verbraucherländer müssen die

ölabhängigkeit durch Programme zur Nutzbarmachung verschiedener Energie-

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
0 5 3 0 0
Bonn 2
Telex: 08-85432

�Energieformen verringern.

Dies liegt sowohl im Interesse der öl produzieren-

den als auch der ölverbrauchenden Länder, und ganz gewiß auch im Interesse
der Entwicklungsländer.
Wir haben endlich damit begonnen, beim Energieproblem aktiv zu werden,
und wir tun dies mit immer mehr Schwung.

Nach jahrelanger Preiskontrolle,

die die Preise für Rohöl amerikanischer Herkunft beträchtlich unter den Weltmarktpreisen hielt, setzte sich Präsident Carter für die schrittweise Beendigung der Preiskontrollen für amerikanisches öl ein.

Dies geschieht jetzt.

Die Politik des Präsidenten hatte drei einschneidende Auswirkungen.

Wir ha-

ben erstens ein beispielloses Wachstum bei der Exploration und Erschließung
der Erdöl- und Erdgasvorkommen der Vereinigten Staaten erlebt.

Wir haben

zweitens dramatische Erfolge bei der Energieeinsparung in privaten Haushaltungen, in der Industrie und bei Kraftfahrzeugen gesehen.
mit Produktivität, nicht mit Entzug gleichgesetzt.

Einsparung wird

Und drittens haben wir,

was auf lange Sicht von Bedeutung ist, das wachsende und nicht nur vorübergehende Interesse der Privatwirtschaft an der Entwicklung von Alternativbrennstoffen erfahren, die früher wegen des niedrigen ölpreises kommerziell
nicht in Frage kamen.
In der ersten Oktoberwoche waren in den Vereinigten Staaten mehr Erdöl- und Erdgasbohrtürme in Betrieb als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vorausgegangenen 32 Jahren:
Bohrtürme arbeiten.
1976.

Am 29. September 1980 wurde berichtet, daß 3138

Das waren 809 mehr als im Jahr 1979, und 1333 mehr als

Nimmt man den 19. September 1980 als Stichtag für unsere bisherigen

Erdöl-Nettoimporte in diesem Jahr, so lagen diese um 1,5 Millionen Barrel
pro Tag niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, was einem Rückgang um 19,4 Prozent entspricht.

In den am 19. September zu Ende gegangenen

vier Wochen waren es 2,4 Millionen Barrel pro Tag oder 30,6 Prozent weniger.
Unser Erdölbedarf liegt in diesem Jahr um täglich 1,6 Millionen Barrel niedriger als im vergangenen Jahr - er ging also um 8,8 Prozent zurück.
Gleichermaßen

- 2 -

�Gleichermaßen wichtig ist der Trend - der Abwärtstrend - von ölimporten.
Von 1972 bis 1976 stiegen die ölimporte in die Vereinigten Staaten von 4,5
Millionen Barrel auf 7 Millionen Barrel pro Tag - eine Steigerung um 55 Prozent in nur vier Jahren.

Im Jahr 1977 lagen unsere Importe bei 8,5 Millionen

Barrel pro Tag, ein Anstieg von 88 Prozent.
und wir haben es getan.

Wir mußten diesen Trend umkehren,

Seit 1977 gehen die Importe zurück.

werden es weniger als sieben Millionen Barrel pro Tag sein.
Bevölkerung ist gewachsen.

Im Jahr 1980
Die Zahl unserer

Der gesamtwirtschaftliche Ausstoß ist gewachsen.

Aber die Importe sind zurückgegangen.

Wir beschleunigen jetzt unsere Investitionen in Alternativenergien.

Im

neuen Haushaltjahr, das am 1. Oktober begann, investieren wir etwa drei Milliarden Dollar - je eine Milliarde auf nuklearem Gebiet, auf dem Gebiet der
Kohle und auf dem Gebiet der Solartechnik.
brennstoff-Industrie auf.

Wir bauen eine ganz neue Synthese-

Die Vorbereitungen für den Bau eines Kohleverga-

sungswerks kommerzieller Größenordnung in Norddakota sind bereits im Gang.
Wir haben mit Ausschreibungen für offizielle Vorschläge zu Kreditgarantien
sowie Preis- und Abnahmevereinbarungen im Gesamtwert von fünf Milliarden
Dollar für eine Vielfalt von Synthesebrennstoffen begonnen.

Darüber hinaus

wird die jetzt im Aufbau befindliche staatliche "Synthetic Fuels Corporation"
der Privatindustrie finanzielle Anreize für die Entwicklung alternativer
Energiequellen geben, die bis jetzt kommerziell nicht attraktiv waren und
sich deshalb nicht durchsetzen konnten.

Wir erzielten Fortschritte bei der

Erdöl- und Erdgasproduktion, der Energieeinsparung und der Entwicklung von
Alternativenergie in den Vereinigten Staaten.

Wir schreiten jedoch nicht allein voran.

Dies ist ein weltweites

Problem, und wir haben die Absicht, gemeinsam mit anderen Nationen als Partnern vorwärtszukommen.
grenzen Halt.

Die Energieprobleme der Welt machen nicht an Länder-

Auch für die Lösungen dieser Probleme sind die internationalen

Grenzen durchlässig.

Es

- 3 -

�Es ist die Politik der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt, zur
Entwicklung nationaler Energieressourcen zu ermutigen und dabei Hilfe zu
leisten.

Wir müssen zur Steigerung der Versorgung mit Energie in allen

Formen, in allen Nationen beitragen.

Wir dürfen uns nicht nur als Käufer

und Verkäufer von öl sehen, sondern als Nationen, die die Chance haben, eine
neue Energiebeziehung aufzubauen.

Ich glaube, daß die Entwicklung von Ener-

gieressourcen in jeder Nation dieser Welt sowie die Mannigfaltigkeit der
.. Nutzung solcher Ressourcen mit Technologien, die wir erst jetzt entwickeln,
eine Aufgabe ist, die jeden angeht, und die gemeinsam angepackt werden muß.
Das sind wir uns und künftigen Generationen überall in der Welt schuldig.
Die Vereinigten Staaten haben in der Internationalen Energieagentur
(IEA), einer von 21 Industrieländern gebildeten Organisation, eine aktive
Rolle zur Schaffung bindender Verpflichtungen für die Verringerung von ölimporten übernommen.

In Zusammenarbeit mit der IEA entwickelten wir auch

Maßnahmen und Mechanismen, um mit Verknappungen im Fall von Nachschubunterbrechungen fertig zu werden und Preisstabilität und einen geordneten Markt
zu fördern.

Die in der IEA zusammengeschlossenen Industrieländer haben für

1980 und 1985 bestimmte Importziele gesetzt.

Sie haben Maßstäbe geschaffen,

um den Fortschritt zur Erreichung dieser Ziele zu messen.

Eines ihrer Ziele

ist eine dramatische Reduzierung des Anteils von öl an ihrem Gesamtenergiebedarf über die nächsten zehn Jahre.
Auf der Gipfelkonferenz von Venedig, an der die sieben führenden Industrienationen der Welt teilnahmen, wurde ein ausführliches Kommunique ausgearbeitet, in dem 12 von 34 Abschnitten der Energie gewidmet waren.

Diese

Abschnitte setzen für diese Länder sehr spezifische Ziele für eine verstärkte
Nutzung von Kohle, Kernkraft, regenerierbarer Energie wie Sonnenenergie,
Wind und Wasser sowie von Synthesebrennstoffen über das kommende Jahrzehnt
fest.

Nicht minder bedeutsam ist die Erkenntnis dieser Industrieländer -

die gemeinhin als die Verbraucherländer gelten -, daß sie selbst Energieproduzenten werden müssen.

Sie kamen überein, nationale Energieprogramme zur

Verringerung der Abhängigkeit von öl einzuführen und Alternativenergien zu
entwickeln.

-,
- 4 -

�Ein bemerkenswertes Beispiel internationaler Zusammenarbeit ist die
Art und Weise, wie wir bei der Krise zwischen dem Irak und dem Iran vorgingen.

Enge Zusammenarbeit der ölverbrauchenden Industrieländer und Stabili-

sierungsbemühungen von öl produzierenden Ländern haben zusammengewirkt, um
zu verhindern, daß sich aus der Unterbrechung der ölzufuhr in einem Teil der
Welt eine Epidemie in anderen Regionen entwickelte.
Derartige Ereignisse bedeuten eine Bedrohung der Wirtschaft der Verbraucherländer, die von einer einzelnen, in einer bestimmten Weltregion konzentrierten Energiequelle so abhängig sind.

Wir müssen ganz eindeutig neue

Wege zur Zusammenarbeit auf dem Energiegebiet finden.

Was die Vereinigten

Staaten betrifft, so haben diese ein funktionsfähiges Programm für vielerlei
Energieformen entwickelt - dazu ein Programm, das mit anderen Nationen der
Welt zu teilen wir fest entschlossen sind, damit alle Nationen in das nächste
Jahrhundert mit jenem Sinn für Energiesicherheit eintreten können, die die
Basis für eine gesunde Wirtschaft sein muß.

- 5 -

�3
I 3

Wi//cn/chaft
UM} Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Oktober 1980

46

FÜRDERPROGRAMM FÜR FUSIONSENERGIE

- (AD) - Ein Gesetz über die Entwicklung einer kommerziellen Demonstrationsanlage zur Energieerzeugung durch Atomkernverschmelzung, die
bis zum Jahr 2 000 betriebsfertig sein soll, wurde von Präsident Carter
am 7. Oktober 1980 unterzeichnet.

Der ursprünglich für das Jahr 2 015

vorgesehene Termin wird nunmehr um eineinhalb Jahrzehnte vorverlegt. Ein
wichtiger Vorläufer wird eine Testanlage sein, die 1987 den Betrieb aufnimmt.
Die gesetzliche Maßnahme ermöglicht dem US-Energieministerium die
Durchführung eines erweiterten Forschungs- und Entwicklungsprogramms auf
dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion mit dem Schwerpunkt "Magneteinschluß des Plasmas". Zahlreiche Empfehlungen und Vorschläge, die
kürzlich eine unabhängige Wissenschaftlerkommission in einer Studie zu
den Aussichten für eine beschleunigte Entwicklung der Fusionsenergie in
den Vereinigten Staaten dem Energieministerium vorgelegt hatte, wurden in
das Programm aufgenommen.

Als

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Als "Brennstoff" scheinen die Atome des schweren und überschweren
Wasserstoffs (Deuterium und Tritium), die im Plasmazustand mit elektrischen
und magnetischen Kräften zur Verschmelzung gezwungen werden, nach den
bisherigen Erfahrungen am besten geeignet zu sein.

Um aber ein brauchbares

Plasma, d.h. ein Gas, dessen Atome infolge der Abspaltung der Hüllenelektronen völlig ionisiert sind, überhaupt zu erhalten, muß man zunächst
einmal den Brennstoff auf Hunderttausende von Grad erhitzen.

Und erst durch

weitere Erhitzung auf zehn Millionen Grad und mehr kommt es zur Verschmelzung
einzelner Wasserstoffkerne zu Heliumkernen unter Freisetzung von sehr
energiereichen Neutronen.
Eine positive Fusionsenergie-Bilanz, d.h. die Erzeugung von wesentlich
größeren Energiemengen, als sie für den Prozeß selbst gebraucht werden, ist
wohl erst bei Temperaturen im Bereich von 100 Millionen Grad zu erwarten.
Weitere Bedingungen sind eine hohe Dichte und Stabilität des Plasmas sowie
die Gewähr, daß es nicht durch Material aus der Gefäßwandung "verschmutzt"
werden kann.

Dazu ist eine Einschließung und "Einschnürung" des Plasmas

in Magnetfelder erforderlich, die durch ihre Anordnung und Stärke verhindern,
daß Plasmateilchen die Gefäßwand überhaupt erreichen und dort Atome herausschlagen.
Es gibt bereits nach verschiedenen Prinzipien arbeitende Versuchsmaschinen - u.a. auch solche, bei denen man mit Hilfe von Laserstrahlen
die Aufheizung und thermonukleare Verschmelzung zu erreichen sucht.
Ungeachtet der bisher erzielten Erfolge sind jedoch alle Experimentieranlagen
von einem Reaktor für ein Fusionskraftwerk noch weit entfernt: Die
Einschließungszeiten im Magnetfeld sind noch immer zu kurz (der günstigste
Wert - er wurde mit einem Gerät des Max Planck-Instituts in Garching b.
München erzielt - liegt zur Zeit bei etwas mehr als drei Sekunden). Das
Plasma "bricht aus", nimmt Fremdatome auf, die ihrerseits Energie aus dem
Fusionsprozeß abziehen, und die Reaktion erlischt.

- 2 -

�Die Ergebnisse seit Mitte 1978 lassen aber, wie es im Begleittext
zu dem neuen Gesetz heißt, "die Kernfusionswissenschaftler in aller Welt
darauf vertrauen, daß die Zeit gekommen ist, wo die technische Phase der
Fusionsenergie-Entwicklung in Angriff genommen werden kann„„o

Die baldige

Demonstration der Funktionsfähigkeit magnetischer Fusionsenergie-Systeme zur
Strom- und Wärmeproduktion ..„ wird eine neue Ära der reichlichen Erzeugung
von Energie für die gesamte Menschheit einleiten.,,.. Mit den heute in Bau
befindlichen Anlagen lassen sich Bedingungen schaffen, unter denen der
Fusionsprozeß eine Energiemenge liefert, die etwa der von außen zugeflihrten
Aufheiz- und Zündungsenergie entspricht."

Dieser "break-even-point"

stellt eine wichtige Basis für die Entwicklung eines Fusionsreaktors
dar, der als Energielieferant im kommerziellen Sinne zu betrachten wäre,

- Neue Versuchsanlage in Oak Ridge -

Die Versuchsanlage EBT-P (abgekürzt aus "Elmo Bumpy Torus Proof-ofPrinciple Experiment"), mit deren Bau die Astronautikabteilung der
McDonnell Douglas Corporation in St.. Louis vom US-Energieministerium
beauftragt wurde, soll dazu beitragen, noch ungelöste physikalische und
technische Fragen im Zusammenhang mit kontrollierten thermonuklearen
Prozessen zu klären und optimale Lösungen für die schwierigen technischen
Probleme zu finden.

Als Bauzeit sind viereinhalb Jahre angesetzt, die Kosten

werden sich - je nach der letztlich gewählten Konstruktion sowie der
tatsächlichen Bauzeit - auf 70 bis 100 Millionen Dollar belaufen.

Standort

ist der "Oak Ridge Valley Industrial Park" in Oak Ridge (Tennessee),
Die kerntechnische Abteilung der Union Carbide Corporation, die im Auftrag
des US-Energieministeriums das Nationale Kernforschungszentrum Oak Ridge
betreibt, ist für

die Durchführung des Vertrages verantwortlich.

Die neue Maschine ist eine vergrößerte und leistungsstärkere Ausgabe
des seit 1973 in Oak Ridge betriebenen ersten amerikanischen EBT-Geräts.

- 3-

Bej

�Bei diesem Typ werden zwei bis drei Dutzend gerade Kammern verwendet, die
ringförmig angeordnet und durch Magnetspulen getrennt sind.
gibt dem Gerät das höckerige Aussehen ("bumpiness").

Diese Anordnung

Sie verbessert die

Möglichkeiten, mit den von den Spulen erzeugten Magnetfeldern das Plasma
einzuschließen.

Im Gegensatz zum EBT-Gerät hat beispielsweise eine

Tokamak-Maschine, deren Arbeitsprinzip in allen großen Laboratorien angewandt
wird, als Reaktionskammer einen Torus, d.h. ein ringförmiges Rohr. Zwei
Magnetfelder sind für die Plasma-Einschließung erforderlich.

Das eine

wird von einer um den Torus geführten Magnetspule erzeugt, das zweite ergibt
sich durch das Plasma selbst, das als elektrischer Strom im Torus läuft.
Beim EBT-Gerät wurden die Vorteile des Tokamak-Systems mit jenen des
Magnetspiegel Systems kombiniert, um statt einer gepulsten Energieabgabe
einen kontinuierlichen Betrieb zu ermöglichen.

Dieser ist nach wirtschaftlichen

wie technischen Gesichtspunkten vorteilhafter.

Die Wissenschaftler hoffen,

auf diese Weise bessere Voraussetzungen für den Bau eines Fusionsreaktors
schaffen zu können.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8765">
                <text>15.10.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8766">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8767">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13972">
                <text>Amerikadienst 15.10.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13973">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher erläutert Prinzipien für US-Politik im irakisch-iranischen Konflikt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache vor UPI-Redakteuren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf der Suche nach tragfähigen Begrenzungen bei den nuklearen Mittelstreckensystemen großer Reichweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von USICA-Korrespondent Russell E. Dybvik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energie in neuer Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein weltweites Phänomen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Charles Duncan, US-Energieminister&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Förderprogramm für Fusionsenergie</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1967" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1978">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/f54bde5b5d88f148cbfd9a27d86e3062.pdf</src>
        <authentication>cb389f6852ae92a3a4961401f207b290</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9823">
                    <text>AMERIKA DIENST

15. Oktober 1986

34

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan;

Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen

- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen 'zufrieden*
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie amerikanischer und sowjetischer
Rüstungskontrollvorschläge
- Vom 16. November 1985 bis heute -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Oktober 1986

34

REAGAN: OPTIMISMUS ÜBER EINE MÖGLICHE LÖSUNG BEI NUKLEARWAFFEN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

WASHINGTON -(AD)In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte Präsident Reagan am 13. Oktober, er sei "optimistisch, daß sich ein Weg
finden" werde, um die amerikanischen und sowjetischen Meinungsverschiedenheiten über einen Abbau nuklearer Waffen zu klären.
Der Präsident betonte, er betrachte die geplante Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) als "Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets
ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden".
Reagan
wiederholte auch seine Einladung an den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow, die Vereinigten Staaten zu besuchen.
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:

Guten Abend. Wie die meisten von
Ihnen wissen, bin ich gerade vom
Treffen mit dem ersten Mann der Sowjetunion,
Generalsekretär
Gorbatschow, in Island zurückgekehrt. Wie
im vergangenen Jahr bei meiner Rückkehr von der Genfer Gipfelkonferenz,
möchte ich Sie auch heute abend kurz
über den Ablauf dieser Gespräche informieren.
Diese Gespräche sind von enormer
Tragweite, die erst jetzt in ihren
Ansätzen verstanden wird. Wir haben
die radikalsten und großzügigsten Rü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stungskontrollvorschläge
der
Geschichte unterbreitet. Wir haben die
völlige Abschaffung aller - sowohl
amerikanischen als auch sowjetischen
- ballistischen Raketen von der Erdoberfläche bis 1996 angeboten.
Da
bei unserem Auseinandergehen dieses
amerikanische Angebot immer noch vorlag, sind Abkommen, die zu einer sichereren Welt ohne Nuklearwaffen führen könnten, jetzt greifbarer als jemals zuvor.
Aber lassen Sie mich Ihnen zuerst
sagen, daß ich sie, das amerikanische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volk, seit Beginn meines Treffens mit
Herrn Gorbatschow als
vollwertigen
Teilnehmer betrachtet habe. Glauben
Sie mir, daß ohne Ihre Unterstützung
keines dieser Treffen hätte stattfinden können und daß sich keines der
endgültigen Ziele der amerikanischen
Außenpolitik - Frieden und Freiheit
auf der Welt - verfolgen ließe. Genau für diese Ziele habe ich auch den
Schritt nach Island getan.

nuklearen Gefechtsköpfen aufeinander
gerichtet, die in der Lage sind, unsere
beiden
Länder
auszuradieren.
Die Sowjets haben, dem Vertrag entsprechend, eine Raketenabwehr um Moskau in Stellung gebracht. Unser Land
hat
nichts Derartiges
stationiert,
weil die Gefahr einer landesweiten
Vernichtung
solch ein
beschränktes
Verteidigungssystem nutzlos erscheinen ließ.

Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen
vor der Erörterung dieser Gespräche
einige Hintergrundinformationen gebe
und Ihnen zwei Dinge erkläre, die in
erheblichem Maße Eingang in unsere
Gespräche gefunden haben: zum einen
ein Vertrag, zum anderen eine Verteidigungsmaßnahme gegen Nuklearraketen,
die
wir
zu
erarbeiten
versuchen.
Ihre Namen haben Sie schon oft gehört
- es handelt sich um den ABM-Vertrag
und um SDI. Diese Buchstaben stehen
für Raketenabwehr und für die Strategische Verteidigungsinitiative.

Seit einigen Jahren haben wir den
Eindruck, daß die Sowjets ein landesweites Verteidigungssystem entwikkeln könnten. Sie haben eine große,
moderne Radaranlage
in Krasnojarsk
errichtet, von der wir glauben, daß
sie einen wichtigen Teil des Radarsystems darstellt, das dazu dient, Abwehrraketen
zum Schutz des ganzen
Landes durch Radar zu steuern.
Das
aber bedeutet eine Verletzung
des
ABM-Vertrages.

Vor einigen Jahren sind die Vereinigten Staten und die Sowjetunion
übereingekommen,
jegliche Verteidigung gegen nukleare Angriffsraketen
dahingehend zu beschränken, daß in
jedem Land eine geringe Anzahl von
Raketen in Stellung gebracht wird,
die in der Lage sind, eindringende
Nuklearraketen abzufangen und abzuschießen.
So überließen wir unsere
eigentliche Verteidigung einer Politik
der
Gegenseitigen
Gesicherten
Zerstörung (Mutual Assured Destruction - MAD), die beinhaltet, daß auf
den von einer Seite begonnenen Nuklearangriff die Vergeltung der anderen Seite folgen könnte. Von dieser
gegenseitigen Zerstörungsdrohung nahm
man an, sie würde eine Abschreckung
gegen den Erstschlag einer Seite darstellen.
Jetzt haben wir also Tausende von

Davon überzeugt, daß eine Politik
der gegenseitigen gesicherten Zerstörung und des Mordes an ihren und unseren
Bürgern
geradezu
barbarisch
ist, habe ich unsere Streitkräfte vor
einigen Jahren
um Erforschung der
Frage gebeten, ob es einen praktischen Weg gibt, Nuklearraketen nach
ihrem Start und vor Erreichung ihres
Ziels zu zerstören, damit keine Menschen getötet werden.
Das ist das
Ziel dessen, was wir SDI nennen, und
die an der Forschung beteiligten Wissenschaftler
sind davon überzeugt,
daß es praktikabel sei und wir in einigen Jahren solch ein System stationieren
könnten.
Nebenbei
bemerkt
verletzen wir damit nicht den ABMVertrag, der solch eine Forschung zuläßt. Sollten wir SDI stationieren,
gestattet der Vertrag außerdem einen
Rücktritt innerhalb von sechs Monaten. Um es noch einmal klar hervorzuheben: SDI ist eine nicht-nukleare
Verteidigung.

�Damit wären wir also in Island
bei unserem zweiten Treffen. Bei der
ersten Zusammenkunft und in den dazwischenliegenden Monaten haben wir
Möglichkeiten
zur Verringerung
und
sogar zum Abbau aller Kernwaffen besprochen.
Die Sowjets und auch wir
hatten Gruppen von Unterhändlern in
Genf, die ein gemeinsames Abkommen
über einen möglichen Abbau oder eine
Abschaffung von Nuklearwaffen auszuarbeiten versuchten. 3is jetzt waren
sie nicht erfolgreich.
Am Samstag und Sonntag habe ich
mich mit Generalsekretär Gorbatschow,
seinem
Außenminister
Schewardnadse
und Außenminister Shultz etwa zehn
Stunden lang getroffen.
Wir haben
dabei nicht nur über die Verringerung
der strategischen Rüstungen gesprochen.
Wir haben auch darüber gesprochen, was wir als Verletzung der
Menschenrechte
seitens der Sowjets
bezeichnen; die Weigerung, Menschen
aus Rußland ausreisen zu lassen, damit sie ihre Religion ausüben können,
ohne verfolgt zu werden, oder Menschen aufgrund einer Familienzusammenführung gehen zu lassen, oder es
den
durch Staatsgrenzen
getrennten
Ehepartnern zu erlauben, zusammenzuleben.
In vielen von diesen Punkten verletzen die Sowjets ein weiteres Abkommen - die von ihnen 1975 unterzeichnete Schlußakte von Helsinki.
Jurij Orlow, der gerade seine Freiheit wiedererlangt hat, wurde dafür
eingesperrt, daß er seine Regierung
auf die Verletzung dieses Abkommens
aufmerksam machte und auf deren Weigerung, Bürgern die Aus- oder Rückreise zu gestatten.
Wir haben ebenfalls über regionale Angelegenheiten, wie etwa Afghanistan, Angola, Nicaragua und Kambo-

dscha gesprochen.
Die andere Seite
wählte jedoch die Rüstungskontrolle
zu ihrem Hauptthema.
Wir haben über die Stationierung
von Mittelstreckenraketen in Europa
und Asien diskutiert und schienen uns
darüber einig zu sein, daß ihre Anzahl
drastisch
verringert
werden
könnte. Beide Seiten schienen bereit
zu sein, einen Weg zu finden, um sogar aufeinander gerichtete strategische Raketen vollständig abzubauen.
Damit wären wir bei SDI angelangt.
Ich habe einen Vorschlag unterbreitet, daß wir unsere gegenwärtige
Forschung fortsetzen sollten; bei Erreichen des abschließenden Teststadiums würden wir einen Vertrag unterzeichnen, der die sowjetische Beobachtung von Tests erlaubt. Wenn sich
das Programm als praktikabel erweist,
würden wir sowohl unsere Offensivraketen abschaffen, als auch in den Genuß einer modernen Verteidigung kommen. Ich habe erklärt, daß uns auch
bei Abschaffung unserer Offensivraketen eine solche Verteidigung gegen
Betrug
oder auch dagegen schützen
würde, daß sich einmal ein Verrückter
womöglich dazu entschließt, Atomraketen zu bauen. Schließlich kennt man
ja die Methode ihrer Herstellung.
Ich verglich es damit, daß wir auch
unsere Gasmasken weiterhin behalten,
obwohl die Nationen der Welt Giftgas
nach dem Ersten Weltkrieg für ungesetzlich erklärten.
Wir
schienen Fortschritte
beim
Abbau von Waffensystemen zu machen,
obwohl der Generalsekretär gegen SDI
opponierte und gegen Abend vorschlug,
wir sollten uns noch auf eine Reihe
von Jahren hinaus zur weiteren Einhaltung des ABM-Vertrages verpflichten.

- 3 -

Außenminister

Shultz

schlug

vor,

�die Protokolle der Gespräche unseren
jeweiligen Arbeitsgruppen zu übergeben,
die
diese
nachts
daraufhin
durcharbeiten sollten, wo es Übereinstimmungen gäbe und welche Meinungsverschiedenheiten uns trennten.
Mit
Respekt
und
Dankbarkeit
kann
ich
Ihnen sagen, daß sie die Nacht hindurch bis 6.3o morgens gearbeitet haben.
Gestern, am Sonntag morgen, sind
Herr Gorbatschow, unsere Außenminister und ich wiederum zusammengetroffen und haben die Berichte unserer
beiden Arbeitsgruppen entgegengenommen, die sehr vielversprechend waren.
Die Sowjets forderten einen
zehnjährigen Aufschub bei der Verwirklichung des SDI-Programms.
In dem Bemühen, auf ihre Belange
einzugehen
und gleichzeitig
unsere
Prinzipien und unsere Sicherheit zu
schützen, haben wir den Zeitraum von
zehn Jahren vorgeschlagen, in dem wir
mit dem Abbau aller
strategischen
Nuklearwaffen, Bomber, luftgestützten
Marschflugkörper, Interkontinentalraketen, unterseebootgestützten ballistischen Raketen und deren Waffen beginnen würden.
Diese würden in den
ersten fünf Jahren um fünfzig Prozent
abgebaut.
In
den
darauffolgenden
fünf Jahren würden wir damit fortfahren, die verbleibenden ballistischen
Raketen aller Typen abzuschaffen. In
dieser Zeit würden wir die Forschung,
Entwicklung
und Erprobung von SDI
weiterbetreiben.
All dies befände
sich im Einklang mit den Bestimmungen
des ABM-Vertrages.
Nach Ablauf der
zehn Jahre und der erfolgten Abschaffung
aller
ballistischen
Raketen
könnten wir ein modernes Verteidigungssystem stationieren und gleichzeitig zulassen, daß die Sowjets das
Gleiche tun.
Hier setzte die Diskussion ein.

Der Generalsekretär strebte nach Formulierungen, die uns letztlich davon
abgehalten hätten, SDI weiterzuentwickeln, und wenn ich dem zugestimmt
hätte, wären alle Bemühungen zur Abschaffung von Kernwaffen vergeblich
gewesen - null und nichtig.
Ich habe ihm erklärt, daß ich dem
amerikanischen
Volk
versprochen
hätte, SDI nicht wegzuverhandeln; es
gäbe keine Möglichkeit, unserem Volk
zu sagen, seine Regierung könnte es
nicht vor einer nuklearen Zerstörung
bewahren. Ich bin in der Überzeugung
nach Reykjavik
gefahren, daß über
alles zu verhandeln sei, außer über
zwei Dinge, unsere Freiheit und unsere Zukunft.
Ich bin immer noch optimistisch,
daß sich ein Weg finden lassen wird.
Die Tür ist offen und die Möglichkeit, mit einer Beseitigung der nuklearen Bedrohung
zu beginnen, ist
greifbar nahe.
Sie sehen also, daß wir in Island
Fortschritt erzielt haben.
Und wir
werden weiterhin Fortschritte machen,
wenn wir gemeinsam mit den Sowjets
einen
vorsichtigen, abwägenden
und
vor allem realistischen Ansatz verfolgen. Seit den ersten Tagen unserer Regierung war dies unser Ziel.
Wir haben klargemacht, daß wir über
die Sowjets oder ihre endgültigen
Ziele keine Illusionen hegen.
Wir
waren
in der
Öffentlichkeit
sehr
freimütig über die entscheidenden moralischen Unterschiede zwischen dem
totalitaristischen und dem demokratischen System.
Wir haben erklärt,
daß das Hauptziel der amerikanischen
Außenpolitik nicht nur in einer Verhinderung des Krieges besteht, sondern in der Erweiterung der Freiheit. Und wir haben unseren Einsatz
für die Ausbreitung der demokratischen Regierungsform und demokrati-

�scher Institutionen auf der ganzen
Welt betont. Darum unterstützen wir
Freiheitskämpfer, die sich gegen die
Auferlegung totalitaristischer Reglementierungen zur Wehr setzen, in Afghanistan, Nicaragua, Angola, Kambodscha und anderswo. Und letztendlich
haben wir begonnen, daran zu arbeiten, was die Sowjets in erster Linie
dazu veranlaßte, ernsthaft zu verhandeln - dem Aufbau unserer militärischen Stärke, dem Wiederaufbau unserer
strategischen Abschreckung
und
darüber hinaus an der Aufnahme der
Arbeit an der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Und doch haben wir gleichzeitig
mit der Aufstellung dieser außenpolitischen Zielsetzungen und dem Beginn
der Arbeit daran ein anderes unserer
Hauptziele verfolgt: die Suche nach
Wegen für einen Abbau der Spannungen
mit den Sowjets und nach Mitteln zur
Vermeidung eines Krieges und Erhaltung des Friedens.
Jetzt trägt diese Politik Früchte
- ein Zeichen dafür war in Island der
Fortschritt bei der Frage der Rüstungskontrolle.
Zum erstenmal seit
langer Zeit ist Bewegung in die sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen
im Bereich der Rüstungsverringerung
gekommen - und zwar Bewegung in die
richtige Richtung: nicht nur in Richtung auf Rüstungskontrolle, sondern
auf Verringerung der Rüstung.

mal so: "Ist Frieden
letztendlich
nicht zuallererst eine Frage der Menschenrechte. ..?"
Ich machte deutlich, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse daran
haben, Verbesserungen in diesen Fragen
zu Propagandazwecken
auszunützen.
Aber ich machte auch erneut
deutlich, daß eine Verbesserung im
Bereich der Menschenrechte innerhalb
der Sowjetunion für eine Verbesserung
der bilateralen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unabdingbar ist.
Denn einer Regierung, die ihrem eigenen Volk gegenüber nicht Wort hält,
kann man auch nicht abnehmen, daß sie
einem anderen Staat gegenüber Wort
hält.
Daher sagte ich Herrn Gorbatschow - in Reykjavik genauso wie in
Genf -, daß wir Amerikaner dem bei
solchen
Treffen
gesprochenen
Wort
weit weniger Gewicht beimessen als
den Taten, die darauf folgen.
Wenn
es zu den Menschenrechten und zur Beurteilung der sowjetischen Absichten
kommt, sind wir gewissermaßen alle
aus Missouri - wir wollen Beweise.

Aber bei allem Fortschritt, den
wir bei der Rüstungsverringerung gemacht haben, dürfen wir nicht vergessen, daß in Island auch noch andere
Themen auf dem Verhandlungstisch lagen - Themen von grundlegender Bedeutung.

Ein weiteres Thema, das wir in
Island ansprachen, steht gleichfalls
im Zentrum der Meinungsunterschiede
zwischen der Sowjetunion und Amerika. Es geht um das Thema der regionalen Konflikte.
Gipfeltreffen lassen das amerikanische Volk nicht vergessen, was die Handlungsweise der
Sowjetunion für die Menschen in Afghanistan, in Mittelamerika, in Afrika und in Südostasien bedeutet. Solange die Sowjetunion nicht ihre Politik ändert, werden wir sicherstellen, daß unsere Freunde in diesen
Ländern -jene, die für Frieden und
Unabhängigkeit kämpfen - die Unterstützung bekommen, derer sie bedürfen.

Wie ich bereits sagte, waren die
Menschenrechte eines dieser Themen.
Präsident Kennedy formulierte es ein-

Schließlich gab es ein viertes
Thema. Es betraf den Bereich der bilateralen Beziehungen, die Kontakte

- 5 -

�von Mensch zu Mensch. Im vergangenen
Jahr in Genf begrüßten wir mehrere
Abkommen über Kulturaustausch; in Island fanden wir Hinweise darauf, daß
es in diesen Bereichen doch schon Bewegung gibt.
Aber lassen Sie mich
hier sagen: die Vereinigten Staaten
sind auch weiterhin Programmen von
Mensch zu Mensch verpflichtet, die zu
einem Austausch nicht nur zwischen
einer kleinen Elite, sondern zwischen
Tausenden ganz normaler Bürger beider
Länder führen.
Ich glaube also, Sie können sehen, daß wir in Island bei einer ganzen Reihe von Fragen Fortschritte
machten. Wir bekräftigten erneut unser 4-Punkte-Programm; wir entdeckten
zahlreiche neue Bereiche der Übereinstimmung; wir unterzogen erneut einige der alten Themenkreise einer Prüfung, bei denen Uneinigkeit besteht.
Lassen Sie mich noch einmal zur
Frage SDI zurückkommen.
Ich weiß,
daß es Mitbürger gibt, die heute
nacht fragen: Warum akzeptieren wir
Herrn
Gorbatschows
Forderungen
nicht?
Warum geben wir SDI nicht
auf, um dieses Abkommen zu erreichen?
Die Antwort, meine Freunde, ist
einfach. SDI ist Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden.
SDI
ist
Amerikas
Sicherheitsgarantie,
falls die Sowjets sich nicht an ihre
förmlich eingegangenen Verpflichtungen halten sollten - wie sie dies in
der Vergangenheit schon zu oft getan
haben.
Es war SDI, das die Sowjets
in Genf und Island wieder an den Verhandlungstisch
zurückbrachte.
SDI
ist der Schlüssel zu einer Welt ohne
Atomwaffen.
Die Sowjets begreifen das.
Sie
haben bereits über eine längere Zeit

hinweg weit mehr Mittel in ihr eigenes SDI-Programm investiert als wir
in unseres. Die einzige einsatzfähige Raketenverteidigung umgibt heute
Moskau, die Hauptstadt der Sowjetunion.
Herr
Gorbatschow
verlangte
in
Reykjavik von den Vereinigten Staaten, der neuen Version eines 14 Jahre
alten A3M-Vertrags zuzustimmen, den
die
Sowjetunion
bereits
verletzt
hat.
Ich sagte ihm, bei uns in den
Vereinigten Staaten
gäbe es keine
solche Art von Handel.
Und das amerikanische Volk sollte
über diese so wichtigen Fragen nachdenken.
Wie bedroht eine Verteidigung der
Vereinigten Staaten die Sowjetunion
oder ein anderes Land?
Warum bestehen die Sowjets so hartnäckig darauf,
daß Amerika für immer sowjetischen
Raketenangriffen gegenüber verwundbar
bleiben soll?
Bis auf den heutigen
Tag sind alle freien Nationen letztlich ohne jegliche Verteidigung gegen
sowjetische Raketen - gleich, ob diese aus Versehen oder Absicht abgefeuert werden.
Warum besteht die Sowjetunion darauf, daß dies für immer
so bleiben soll?
Deshalb, liebe Mitbürger, kann
weder ich noch irgendein anderer Präsident versprechen, daß die Gespräche
in Island oder andere künftige Diskussionen mit Herrn Gorbatschow notgedrungen zu großen Durchbrüchen oder
bedeutenden
VertragsunterZeichnungen
führen.
Wir werden die Leitlinien, mit
denen wir nach Reykjavik kamen, nicht
aufgeben. Wir wollen lieber kein Abkommen, als mit einem schlechten Abkommen in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.

�Ich weiß, daß Sie in diesem Zusammenhang auch an der Frage interessiert sind, ob es einen neuen Gipfel
geben wird.
Herr Gorbatschow gab
keinen Hinweis darauf, wann oder ob
er plane, in die Vereinigten Staaten
zu kommen, wie wir es im vergangenen
Jahr in Genf vereinbart hatten. Ich
wiederhole heute abend, daß unsere
Einladung noch immer gilt und daß wir
auch weiterhin der Meinung sind, weitere Treffen seien nützlich.
Aber
dies ist eine Entscheidung, die die
Sowjets fällen müssen.
Wie immer auch die kurzfristigen
Aussichten sein mögen: ich kann Ihnen
sagen, daß ich letztlich voller Hoffnung über die Chancen für Fortschritte bei einem Gipfeltreffen und für
Frieden und Freiheit in der Welt
bin. Wie Sie sehen, ist das derzeitige Prozedere beim Gipfel ganz anders als das der letzten Jahrzehnte;
es ist anders, weil die Welt anders
ist; und die Welt ist anders wegen
der harten Arbeit und wegen der Opfer
des amerikanischen Volkes während der
vergangenen 5 1/2 Jahre. Ihre Energie hat unsere Wirtschaftsmacht wiederhergestellt und ausgeweitet; Ihre
Unterstützung hat unsere militärische
Stärke wiederhergestellt.
Ihr Mut
und Ihr Gefühl für die nationale Einheit in Zeiten der Krise hat unsere
Gegner innehalten, unsere Freunde Mut
fassen lassen und die Welt inspiriert.
Die westlichen
Demokratien
und das NATO-Sündnis sind neu belebt
und überall auf der Welt wenden sich
Staaten den demokratischen Ideen und
den Prinzipien des freien Marktes
zu.
Weil das amerikanische Volk in
entscheidender
Stunde Wache stand,
hat die Freiheit ihre Kraft und Stärke wiedererlangt und befindet sich
auf dem Vormarsch.
Wenn ich denn einen Eindruck von

diesen Oktober-Gesprächen mit zurücknehme, so ist es der, daß wir jetzt anders als in der Vergangenheit - aus
einer Position der Stärke heraus verhandeln und daß es uns aus diesem
Grund möglich ist, mit den Sowjets
bald noch mehr Durchbrüche zu erzielen.
Unsere Vorstellungen liegen auf
dem Verhandlungstisch.
Sie werden
nicht verschwinden. Wir sind bereit,
dort weiterzumachen, wo wir aufhörten. Unsere Unterhändler gehen nach
Genf zurück, und wir sind bereit,
weitere Schritte zu unternehmen, wo
und wann immer die Sowjets dazu bereit sind. Es gibt also Grund, guten
Grund, zur Hoffnung.
Ich habe Beweise hierfür im Fortschritt gesehen, den es bei den Gesprächen mit Herrn Gorbatschow gab.
Und ich habe Beweise gesehen, als ich
gestern Island verließ und zu den
jungen Männern und Frauen unseres Marinestützpunktes in Keflavik sprach ein Stützpunkt von größter Bedeutung,
von dem aus es nicht so weit zu den
sowjetischen Marineeinrichtungen ist
wie bis zu unserer eigenen Küste.
Wie immer war ich stolz, einige
Augenblicke mit ihnen zu verbringen
und ihnen für ihr Opfer und ihre Hingabe für unser Land zu danken. Sie
repräsentieren
Amerika
aufs Schönste:
verpflichtet zur Verteidigung
nicht nur unserer eigenen Freiheit,
sondern der Freiheit anderer, die in
einer
furchterregenden
Welt
leben
müßten, gäbe es nicht die Stärke und
die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten.
"Wo immer die Maßstäbe von Freiheit
und
Unabhängigkeit...gesetzt
werden, wird Amerikas Herz sein, seine Segenswünsche und seine Gebete,"
sagte John Quincy Adams einmal. Er

- 7 -

�fand die richtigen Worte für unser
Schicksal als Nation. Liebe Mitbürger, die Geschichte ehrt uns und das
Schicksal betraut uns mit dem ältesten Traum der Menschheit - dem Traum
dauerhaften Friedens und menschlicher
Freiheit.
Ein anderer Präsident, Harry Truman, verwies darauf, daß unser Jahrhundert Zeuge zweier der schrecklichsten Kriege der Geschichte war und
daß "es für die Menschen unserer zeit
nichts Wichtigeres gibt als zu lernen, in Frieden und Harmonie miteinander zu leben."
Im Gedenken an dieses Ideal ging
ich vor einem Jahr nach Genf und
letzte Woche nach Island. Und im Gedenken an dieses Ideal danke ich
Ihnen jetzt für all die Unterstützung, die Sie mir haben zuteil werden
lassen. Und erneut bitte ich Sie um
Ihre Hilfe und Ihre Gebete, wenn wir
unsere Reise in Richtung auf eine
Welt
fortsetzen,
wo
der
Frieden
herrscht und die Freiheit verehrt
wird.
Ich danke Ihnen und Gott

schütze

Sie.

* * * * *
- 8 -

�AMERIKA DIENST
VoN

Dokumentation

4

15. Oktober 1986

34

VEREINIGTE STAATEN MIT KSZE-VORBEREITUNGSTREPPEN "ZUFRIEDEN"
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

WIHN - (AD) - Botschafter Warren Zimmermann gab am 7. Oktober 1986 eine
Pressekonferenz zum Abschluß des Vorbereitungstreffens zur Folgekonferenz der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die am 4. November in Wien beginnen wird.
Zimmermann sagte, die Delegation der Vereinigten Staaten sei "sehr zufrieden" mit der erzielten Übereinkunft, die "alle Interessen der 35 Nationen ausgewogen darstellt".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Zimmermann: Wir von der Delegation der Vereinigten Staten sind sehr
zufrieden mit der gestern abend erzielten Übereinkunft.
Es ist eine
gute Vereinbarung.
Ich glaube, daß
es alle Interessen der 35 Nationen
ausgewogen darstellt. Ich persönlich
freue mich sehr, daß das Ergebnis um
acht Uhr abends erzielt wurde und
nicht um Mitternacht oder um drei Uhr
morgens, wie es im Verlauf der KSZE
oft der Fall ist.

Das

Abkommen

geht

auf

die Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handlungspunkte von Madrid zurück, wo
es eine gute Tagesordnung gab.
Es
verbessert sie, glaube ich, in zwei
Punkten. Einmal, indem sie mehr Zeit
für die Überprüfung der Durchführung
vorsieht, was uns alle in die Lage
versetzen wird, sehr genau zu beobachten, wie gut alle Staaten ihre in
Helsinki
eingegangenen
und
im
Madrider
Dokument
enthaltenen Verpflichtungen
erfüllt
haben.
Und
zweitens übernimmt die Übereinkunft
eine einzigartige Funktion im KSZEProzeß: sie liefert eine fortlaufende
Reihe offener Treffen.
Zum letzten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Treffen jeder Runde und zum ersten
Treffen jeder neuen Runde - der Plenarsitzung - sind Presse und Öffentlichkeit zugelassen. Das wird es dem
Wiener Treffen erlauben, einen dauernden Dialog mit der Presse und der
Öffentlichkeit
eines
jeden
Landes
aufrechtzuerhalten, und
ich denke,
daß das ein bedeutender Schritt ist,
obwohl wir glücklicher gewesen wären
über etwas mehr Offenheit beim Treffen selbst.
Lassen Sie mich Ihnen noch etwas
sagen, bevor ich mich Ihren Fragen
stelle:
Ich glaube, daß der Hauptgrund für unseren Erfolg beim rechtzeitigen Zustandekommen dieser ausgewogenen und guten Tagesordnung in der
außergewöhnlichen Rolle bestand, die
die neutralen und blockfreien Staaten
hier gespielt haben.
Ich habe mit
vielen von Ihnen in den vergangenen
Wochen gesprochen und Sie haben mich
über meine Ansicht zur Rolle der neutralen und blockfreien Länder befragt. Ich habe immer wieder gesagt,
daß ich glaube, sie spielten eine
sehr wichtige Rolle im KSZE-Prozess.
nie Bedeutung dieser Rolle ist niemals offenkundiger und sichtbarer geworden als in diesem gerade zu Ende
geführten Treffen, gerade weil die
kreative Arbeit
der neutralen und
blockfreien Länder ein Dokument geschaffen hat, das uns als Basis dienen konnte, und so war es in erheblichem Maße auf ihre Bemühungen zurückzuführen, daß wir zu diesem erfolgreichen
Ergebnis gelangt sind.
Ich werde jetzt gern ihre Fragen beantworten.
FRAGE: Wenn Sie sagen "die Presse
ist zugelassen", was meinen Sie damit?
ANTWORT:
Wir haben noch keine
eingehende
Definition
dafür;
es
heißt, daß es eine offene Plenarsitzung geben wird.
Wir werden noch
- 2

herausfinden müssen, was das in der
Praxis
bedeutet.
Natürlich
würden
wir es gern so offen wie möglich gestalten. Wir führen diesen gegenseitigen Austausch durch (nicht hörbar).
Sie wird in der Lage sein, öfter zu
den Treffen zu erscheinen und der Debatte zuzuhören, als das bisher der
Fall war.
FRAGE: Gab es das traditionelle
Problem, daß der Westen stärker die
Frage der Menschenrechte diskutieren
wollte, während
der
Ostblock
das
Schwergewicht auf Sicherheit und Rüstung legte?
ANTWORT:
Ich glaube, daß das so
gut ausgedrückt ist. Die Haltung des
Ostblocks bestand darin, daß die Betonung im Dokument stärker auf dem
Treffen von Stockholm liegen sollte.
Wir glaubten, daß es in der von
Madrid übernommenen Tagesordnung genug Platz für eine eingehende Diskussion des Stockholmer Treffens geben
würde und meinten daher nicht, daß
Zusätze notwendig sein würden.
Wir
schlössen einen Kompromiß und nahmen
in unser Dokument Punkte aus dem Abschlußdokument von Madrid auf, die
besagten, welche Verpflichtungen wir
in bezug auf die Bewertung des Stockholmer Treffens eingehen würden. Sie
haben mit ihrer Auffassung recht, daß
der Ostblock besorgt war über unseren
Wunsch nach einer besseren Überprüfung der Durchführung und größerer
Offenheit.
FRAGE: Seit der Eröffnung dieser
Treffen ist das ein ziemlich ungewöhnlicher Schritt. Warum haben die
Sowjets ihn akzeptiert?
ANTWORT:
Nun, unsere Argumentation bei der Förderung dieser Idee
war,
daß
die
sowjetische
Führung
selbst in der Öffentlichkeit erheblich
die Offenheit
betont:
Herr

�Gorbatschow hat das Wort "glasnost"
(Offenheit) benutzt, als er die Politik in der Führung der sowjetischen
Partei seit seinem Amtsantritt beschrieb. In unseren Diskussionen mit
den Sowjets haben wir gesagt: Wenn
Sie für Offenheit sind, so wie Sie es
sagen, warum
sind Sie
dann
beim
KSZE-Treffen nicht offener?
Offensichtlich haben Sie uns zugehört und
so haben wir in dieser Hinsicht Ergebnisse erzielt.
FRAGE:
Der österreichische Botschafter (bei der KSZE) hat uns gestern abend erklärt, daß nicht alle
Staaten zur Eröffnung auf Ministerebene vertreten
sein würden.
Sie
scheinen mit dem Dokument zufrieden
zu sein.
Warum wird Herr Shultz
nicht an der Eröffnung teilnehmen?
ANTWORT:
Herr Shultz hat noch
nicht entschieden, ob er kommen wird
oder nicht.
Wir
fühlen uns verpflichtet, daran auf politischer Ebene teilzunehmen, und diese Verpflichtung findet sich genauso im Dokument
des gestrigen Abends wie auch im
NATO-Kommunique
vom Frühjahr.
Zum
jetzigen Zeitpunkt wissen wir jedoch
nicht, wer genau uns dabei vertreten
wird.
FRAGE: Können Sie uns etwas über
die Entscheidung
von Herrn Shultz
hinsichtlich seiner Teilnahme sagen?
ANTWORT:
Nun, sie wird eng mit
seinem Terminkalender verknüpft sein,
da, wie Sie wissen, am 4. November dem Tag der Konferenzeröffnung - in
den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden. Ich kann nicht mehr dazu sagen, da ich keine Kenntnis der Details besitze.
FRAGE: Wie würden Sie die Atmosphäre der Vorbereitungskonferenz im
Vergleich zu anderen ähnlichen Veran-

staltungen beschreiben?
Ist die Atmosphäre zwischen Ost und West hier
besser?
ANTWORT:
Persönliche
Erfahrung
habe ich in diesem Bereich nur in
Madrid sammeln können, einem gleichgearteten Treffen, denn es war ein
Vorläufer des Wiener Treffens.
Und
die Atmosphäre ist hier wirklich wesentlich besser gewesen.
Wir waren
in der Lage, das Vorbereitungstreffen
zum
verabredeten
Zeitpunkt
abzuschließen.
In Madrid dauerte das Vorbereitungstreffen, wenn ich mich recht erinnere, insgesamt neun Wochen und war
noch nicht einmal beendet, als das
Haupttreffen begann.
Es gab dabei
Momente voller Spannungen und Streit.
Ich glaube, daß die Gesamtatmosphäre
zwischen Ost und West eine Rolle dabei
gespielt
hat, dieses
Treffen
leichter zu einem erfolgreichen Ende
zu führen. Und ich hoffe, daß dies
ein gutes Omen für das Haupttreffen
ist.
Leider muß ich hinzufügen, daß
die Probleme, denen
das
Madrider
Treffen konfrontiert sah - die Probleme der Nichteinhaltung von Abkommen durch die Sowjets und einige ihrer Verbündeten - heute genauso wichtig und schwerwiegend sind wie damals. Im Zuge des Haupttreffens werden wir nicht damit hinter dem Berg
halten, daß wir äußerst offen über
diese Nichteinhaltung sprechen müssen, da unserer Überzeugung nach der
KSZE-Prozeß
grundlegend
davon
abhängt, daß die beteiligten Staaten
die Verpflichtungen erfüllen, die sie
in Helsinki und Madrid
freiwillig
eingegangen sind.
Dies ist bei der
Sowjetunion nicht der Fall und wir
sind deshalb der festen Überzeugung,
daß es sehr schwierig sein wird, dem
Prozeß weiterhin dasselbe Ausmaß von

- 3 -

�Unterstützung zu verschaffen und innerhalb
dieses
Prozesses
weitere
Fortschritte in bezug auf menschliche
Kontakte zu erzielen wie in der Vergangenheit, falls diese ernste Situation der Nichteinhaltung fortbesteht.
FRAGE:

Werden Sie Namen nennen?

ANTWORT:
Ja, das werden wir.
Wir haben bei allen Folgetreffen Namen genannt, beim 3elgrader Treffen,
beim Madrider Treffen. Wir gedenken,
auch in Wien Namen zu nennen, nicht
in einem Geist der Polemik, sondern
weil die Probleme der Nichteinhaltung
hauptsachlich Probleme sind, die Einzelpersonen, Menschen betreffen; und
unserer Meinung nach ist es nötig,
einige dieser Leute beim Namen zu
nennen, und dies werden wir in einem
symbolischen sowie menschlichen Sinne
tun; damit mein»; ich einige der Leute, die unter der Nichteinhaltung
leiden.
FRAGE:
symbolisch?

Was

verstehen

Sie

unter

ANTWORT:
Es gibt beispielsweise
bestimmte Kategorien von Menschen etwa die jüdischen Verweigerer, die
Zahl der Juden, die die Sowjetunion
verlassen möchten, wird auf bis zu
400 000 geschätzt - und da werden wir
natürlich
nicht
die
Namen
aller
400 000
nennen, sondern
sicherlich
nur einige.
FRAGE: Ist ein Abschlußdatum für
das Treffen vereinbart worden?
Oder
ist das Ende offen?
ANTWORT:
Es wurde kein Datum
festgesetzt.
Im Dokument
ist ein
Zieldatum enthalten; ich glaube der
31. Juli.
Aber ein Zieldatum ist
nicht dasselbe wie ein Abschlußdatum,
da es der Zustimmung aller 35 Staaten
bedarf, das Treffen zu diesem Termin

abzuschließen.
Unserer Meinung nach
sollte es möglich sein, das Treffen
in diesem zeitlichen Rahmen zu beenden und ich denke, daß es auch möglich sein sollte, einen Abschluß in
der zweiten Hälfte des Jahres 1987 zu
erreichen, wenn alle
teilnehmenden
Delegationen sich von Anfang an auf
das Wesentliche konzentrieren.
FRAGE: Gibt es Zielvorgaben für
einzelne Fragen, zum Beispiel für die
Überprüfung der Durchführung?
ANTWORT: Ja, die gibt es. Dies
geht eigentlich schon über Zieldaten
hinaus, dies sind festgelegte Termine. Die Überprüfung der Durchführung
wird sieben Wochen dauern, von der
zweiten bis zur achten Konferenzwoche.
Die letzten beiden dieser Wochen sind gemischt, da in diesen Wochen auch neue Vorschläge eingebracht
und diskutiert werden können;
diese
Phase wird also dann beginnen. Danach wird die Periode, in der neue
Vorschläge eingebracht werden können,
abgeschlossen, und die echten Verhandlungen werden beginnen. All dies
ist im Dokument ausgeführt und die
Daten sind festgelegt.
FRAGE: Welches sind die Aussichten für einen Konsens am Ende des
Haupttreffens?
ANTWORT: Nun, es gab in 3elgrad
wie auch in Madrid einen Konsens auch wenn es nicht immer die gleiche
Art von Konsens war.
In Belgrad
herrschte Übereinstimmung
über ein
relativ kurzes Dokument; in Madrid
hingegen
hinsichtlich
eines
langen
Dokuments mit einer ganzen Reihe zusätzlicher
Verpflichtungen.
Ich
glaube, es wird in Wien nicht schwierig sein, zu einem Konsens über ein
Dokument zu gelangen, das Zeitpunkt
und Ort für ein neues Folgetreffen
festlegt - zumindest sind wir der

�Meinung, daß es dabei keine Probleme
geben dürfte. Was sonst noch Eingang
in das Dokument finden wird, hängt in
großem Maß davon ab, wie die Dinge
sich im Lauf der nächsten Monate entwickeln.

beschäftigt es sich nicht sehr mit
den wirklichen Menschenrechten; aber
es könnte durchaus so kommen, wie Sie
sagen - ein weiterer Versuch, uns zu
imitieren, auch wenn ich dafür keine
Beweis bekommen habe.

Seitens der Vereinigten Staaten
herrscht der Eindruck, man sollte
hinsichtlich
neuer
Verpflichtungen
und neier Formulierungen in einem Dokument sehr skeptisch sein, solange
sich nicht alle an die bestehenden
Verpflichtungen halten. Es liegt daher meiner Meinung nach zu einem
Großteil an der Sowjetunion und an
einigen der sowjetischen Verbündeten,
für die eingegangenen Verpflichtungen
noch etwas mehr zu tun. Wenn sich
hier etwas tut, dann werden wir auch
klarer sehen, walch eine Art von Dokument machbar ist.
Was aber den
Konsens im allgemeinen angeht, mit
dem Treffen zu einem Ende zu kommen
und ein anderes Treffen anzuberaumen,
so glaube ich, daß dies möglich ist.

FRAGE: Was dürfte Ihrer Meinung
nach die Sowjetunion dem Westen im
Bereich der Menschenrechte vorzuwerfen versuchen?

FRAGE: Die Sowjetunion hat kürzlich eine Abteilung für humanitäre
Angelegenheiten eingerichtet. Bedeutet das, daß auch ihre eigenen nichtstaatlichen Organisationen hier vertreten sein werden?
ANTWORT: Das ist ein interessanter Aspekt.
Ich war vor rund zwei
Wochen in Moskau und traf dort zwar
den Leiter dieser Abteilung nicht,
kam aber mit einigen der Leute zusammen, die damit zu tun haben. Dabei
war hiervon nicht die Rede, aber es
ist meiner Meinung nach durchaus möglich, denn etwas ist mir bei dieser
Abteilung für humanitäre Angelegenheiten aufgefallen: es scheint ein
Versuch zu sein, hier so etwas wie
unser eigenes Büro für Menschenrechte
und
humanitäre
Angelegenheiten
zu
imitieren.
Natürlich ist es nicht
dasselbe, denn unserem Eindruck nach

ANTWORT:
Ich glaube, wir werden
einen sehr konzentrierten Versuch der
Sowjets sehen, die Vereinigten Staaten und eine ganze Reihe weiterer
Länder
wegen angeblicher
Menschenrechtsverletzungen
zu
kritiseren.
Die neue sowjetische Führung hat eindeutig klargestellt, daß sie bereit
ist, die Menschenrechtsproblematik zu
diskutieren und daß sie auch bereit
ist, auf die Streitpunkte einzugehen.
Das begrüßen wir durchaus, weil es
den Prozeß nur fördert, wenn es eine
ganz offene Debatte über Fragen wie
die Menschenrechte gibt.
Wenn sie
Kritik an uns üben, dann können wir
auch an ihnen Kritik üben, wo dies
unserer Meinung nach notwendig ist.
Das kann die Qualität der Debatte
beim Wiener Treffen nur verbessern.
FRAGE:
Sehen Sie die
rechte als Streitfrage?

Menschen-

ANTWORT: Es wird eine ganze Reihe von Themen geben, die viel Aufmerksamkeit
auf
sich
ziehen,
ja
Streitigkeiten
hervorrufen
werden.
So ist die Sicherheit bestimmt ein
Hauptthema, das in Wien genauso diskutiert werden wird wie in Madrid.
Es gibt da einen bedeutsamen Vorschlag des Ostens, den der Westen
derzeit analysiert, und eine Sondergruppe der NATO beschäftigt sich mit
der Zukunft der Verringerung bei den
konventionellen Waffen.
Wir wissen
noch nicht, wie das Ergebnis aussehen

- 5 -

�wird, aber sicher ist, daß die sowjetische Seite einen intensiven Versuch unternimmt, in den KSZE-Prozeß
ein neues Element militärischer Sicherheit
einzubringen.
Auch
dies
wird also ein wichtiger Bereich sein.
Natürlich auch die Menschenrechte
- daran gibt er, meiner Meinung nach
keinen Zweifel.
Und auch Probleme
aus anderen Beireichen werden umfassend diskutiert werden: so die Frage
der Familienzusammenführung, die Frage der Informationsfreiheit, der Störung westlicher Rundfunksendungen all dies sind wichtige Themen für
uns. Vielleicht wird sich auch die
Aufmerksamkeit verstärkt auf den sogenannten Korb Zwei, die wirtschaftlichen Fragen, richten. Die Sowjetunion sagte uns, Korb Zwei sollte ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit
erhalten. Wir antworteten, wir seien
durchaus bereit, die Möglichkeit zu
erörtern, wie den Wirtschaftselementen des KSZE-Prozesses mehr Leben
eingehaucht werden kann. Ich stimme
Ihnen also zu: die Menschenrechte
werden
sicherlich ein Hauptelement
der Diskussion «ein, aber andere werden noch hinzukommen.
FRAGE:
Welche Wirkung wird das
Treffen
zwischen
Reagan
und
Gorbatschow auf das KSZE-Treffen haben?
ANTWORT:
Nun, wir hoffen, es
wird die Aussichten auf bessere Atmosphäre erhöhen und - wichtiger noch
als die Stimmung - die verstärkte
Einhaltung der Verpflichtungen verbessern.
Als der Präsident sich im
vergangenen
November
mit
Herrn
Gorbatschow in Genf traf, wurde bei
einem
etwa
einstündigen
Privatgespräch auch über Menschenrechtsfragen
gesprochen. Ich bin sicher, daß der
Präsident die Menschenrechte auf seinem Programm ganz oben sehen will,

wenn er Herrn Gorbatschow in Reykjavik trifft, und ich hoffe, daß dies
zu
einigen
konkreten
sowjetischen
Schritten zur Verbesserung ihrer Haltung bei den Menschenrechten führen
wird. Dies wäre meiner Meinung nach
ein mögliches Ergebnis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

15. Oktober 1986

34

CHRONOLOGIE AMERIKANISCHER UND SOWJETISCHER RÖSTÜNGSKONTROLLVORSCHLXGE
- Vom 16. November 1985 bis heute -

In Genf wurde nach zweitägigen,
intensiven
Verhandlungen
zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht.
Im Bereich der Rüstungskontrolle stimmen beide darin
überein:

dabei besonders auf Bereiche gemeinsamen Interesses zu konzentrieren: das "Prinzip einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung der Kernwaffen
der Vereinigten Staaten
und der UdSSR" sowie auf den "Gedanken
eines
Interimsabkommens
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen";

- ihre Staaten zu baldigen Fortschritten bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen zu veranlassen und sich

die Bemühungen für den Abschluß
eines wirksamen und überprüfbaren
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren und einen Dialog über

21.
Gipfel

November

1985:

Der

Genfer

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Aufschiebung der vom Westen
verlangten Vereinbarung über die
von beiden Seiten im Verringerungsgebiet stationierten Truppen;

die Verhinderung der Weiterverbreitung chemischer Waffen in die
Wege zu leiten;
einen baldigen und erfolgreichen
Abschluß der Arbeit der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) zu erleichtern. Sie
bekräftigen
die
"Notwendigkeit
eines Dokuments, das beiderseitig
annehmbare
Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen enthalten
und
dem
Grundsatz
der
Nichtanwendung von Gewalt konkreten Ausdruck und konkrete Wirkung
verleihen würde;"

das Angebot, "auf eine zeitlich
begrenzte, für eine erste Phase
geltende Vereinbarung hinzuarbeiten", die auf dem im Februar von
der Sowjetunion und ihren Verbündeten vorgelegten Rahmen aufbaut;
ein Vorschlag, wonach die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zu Beginn ihre Landstreitkräfte um 5 000 bzw. um 11 500
Mann verringern sollen;

die Bedeutung zu betonen, die sie
den Wiener Verhandlungen über einen beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau in Mitteleuropa
(MBFR) beimessen;

eine Verifizierungsregelung, einschließlich
eines
detaillierten
Austauschs von Daten und 30 Inspektionen pro Jahr, um die Truppenstärken auf beiden Seiten zu
überprüfen und die Einhaltung aller Bestimmungen der Vereinbarung
zu bestätigen.

auf Expertenebene die Frage von
"Zentren zur Risikoverringerung"
zu untersuchen.

5. Dezember 1985:
Vorschläge bei MBFR

Neue westliche

Im Bemühen, einen Ausweg aus der
Sackgasse bei den Wiener MBFR-Gesprächen zu finden, legen die Vertreter
der Vereinigten Staaten und ihrer
NATO-Verbündeten
einen
neuen Vorschlag auf den Tisch und bieten an,
"unverzüglich
über
eine gemeinsame
Verringerung
amerikanisch-sowjetischer Truppenstärken in Mitteleuropa
und
eine
anschließende
kollektive
Verpflichtung,
die
Truppenstärken
nicht
zu erhöhen", zu verhandeln.
Diese Verpflichtung sollte für Truppen in Ost und West drei Jahre gelten.
Wesentliche Punkte des westlichen
Vorschlags sind:

6. Dezember 1985:
Amerikanischbritisches Memorandum über SDI
Eine formelle Regierungsvereinbarung über die Bedingungen der britischen Beteiligung am Forschungsprogramm für die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten wird von den Vereinigten Staaten
und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet.

19. Dezember 1985: Erklärung des
Weißen Hauses zu einem umfassenden
Atomteststopp
In einer Erklärung
stellt das
Weiße Haus fest, daß "ein umfassender
Teststopp ... ein langfristiges Ziel
der Vereinigten Staaten ist, und zwar
in Zusammenhang
mit der Erzielung
2 -

�breitgefächerter, tiefer und verifizierbarer
Abrüstungsmaßnahmen,
substantiell
verbesserter
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterter
vertrauensbildender Maßnahmen und größerer Ausgewogenheit bei den konventionellen Truppen sowie zu einem Zeitpunkt, an dem die atomare Abschrekkung nicht mehr ein solch grundlegendes Element der internationalen Sicherheit
und Stabilität darstellt,
wie dies heute der Fall ist."

23. Dezember 1985:
Reagan berichtet dem Kongreß über sowjetische
Nichteinhaltung
In einem Bericht an den Kongreß
zeigt Präsident Reagan ein seit langem bestehendes Muster sowjetischer
Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen auf, durch das
die Sowjetunion in die Lage versetzt
wurde,
militärische
Vorteile
bei
strategischen Offensivwaffen sowie in
den Bereichen
chemischer, biologischer und toxikologischer Waffen zu
erzielen.
Der
Bericht
erklärt:
"Diese Verletzungen rechtlich bindender oder politischer Verpflichtungen
führen zu erheblichen Zweifeln an der
sowjetischen Ernsthaftigkeit in bezug
auf
Rüstungskontrolle.
Sie
überschatten weiterhin die Atmosphäre, in
der gegenwärtig Verhandlungen in Genf
und an anderen Orten geführt werden."

15. Januar
1986:
Sowjetischer
Rüstungskontrollvorschlag
Der
sowjetische
Generalsekretär
Gorbatschow verkündet einen Rüstungskontrollvorschlag, der die gänzliche
Abschaffung von Atomwaffen in einem
Zeitraum von 15 Jahren sowie die Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen (INF) in
Europa in den nächsten fünf bis acht

Jahren vorsieht.
Die britischen und
französischen Atomwaffenarsenale würden den amerikanischen Waffen in Europa
nicht
hinzugerechnet
werden,
wohl aber würden sie auf gegenwärtigem Niveau eingefroren.
Amerikanische Atomwaffensysteme könnten nicht
auf dritte Parteien verlagert werden.
Präsident
Reagan
erklärt,
die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden den Vorschlag sorgfältig
untersuchen.
Er
verleiht
seiner
Hoffnung Ausdruck, daß "dieser Vorschlag
einen
hilfreichen
weiteren
Schritt in diesem Prozeß darstellt".
Nach Ansicht von Vertretern der amerikanischen
Regierung
sind
einige
Teile des Gorbatschow-Plans Wiederholungen alter, gänzlich unannehmbarer
sowjetischer Positionen, während einige Aspekte es wert seien, weiter
untersucht zu werden.

28. Januar 1986:

Chemische Waffen

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf die erster
Runde intensivierter Gespräche über
ein
umfassendes
Verbot
chemischer
Waffen auf.

4.
Februar
1986:
Reagan-Botschaft zur Lage der Nation
In seiner
jährlichen
Ansprache
vor dem Kongreß erklärte der Präsident:
"Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder
Seite
vorgeschlagen,
ohne
Betrug.
Sie haben klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens
durch
die Sowjets
eine
Grundbedingung darstellt.
Wenn die
sowjetische Regierung
ein Abkommen
wünscht, das die Zahl der Atomwaffen
wirklich
reduziert,
dann
wird
es

- 3 -

�solch ein Abkommen geben."

20. Februar 1986: Vorschlag des
Warschauer Pakts bei den M3FR-Gesprächen
Bei
den Wiener
MBFR-Gesprächen
legt der Warschauer Pakt einen neuen
Vertragsentwurf vor.
Der Vorschlag
beinhaltet eine anfängliche Reduzierung um 11 000 Mann auf Seiten der
Sowjets und 6 500 Mann amerikanischer
Soldaten zusammen mit der Verpflichtung, in den drei Jahren danach die
Truppen nicht
zu verstärken.
Der
östliche Plan fordert außerdem permanente Beobachtungsposten für Ein- und
Ausreise, um die Nichterhöhung
in
diesem Zeitraum zu überwachen.
In einer Erklärung für alle westlichen Teilnehmer verwies der Vorsitzende der niederländischen Delegation, Botschafter Jan Hein L. Van De
Mörtel, darauf, daß der östliche Vorschlag "nicht als adäquate Antwort
auf den weitreichenden Schritt der
NATO vom vorigen Dezember betrachtet
werden kann". Weiter sagte er: Anstatt die vom Westen vorgebrachten
Gedanken zu untersuchen und beantworten, ist der Osten wieder einmal auf
seine unangebrachten Vorschläge vergangener Jahre verfallen und hat es
versäumt, sich bei irgendeiner der
bedeutenden Fragen, die beide Seiten
trennen, substantiell
zu bewegen".
Nach Angaben
offizieller Vertreter
bildet die Frage der Verifizierung
weiterhin eines der Hauptprobleme in
bezug auf die Position des Warschauer
Pakts.

24.
Februar
1986:
Erklärung
Reagans zur Rüstungskontrolle

von

Nach einer Analyse des im Januar
den Sowjets
verkündeten Vor-

schlags zur Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Ende des Jahrhunderts
veröffentlicht Präsident Reagan eine
Erklärung, wonach die "Sowjetunion im
Prinzip unserem Endziel, der Hinwendung
zur - wenn möglich - totalen
Abschaffung
nuklearer Waffen
zuzustimmen scheint".
Reagan erklärt seine Unterstützung eines Prozesses, "durch den die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die ersten Schritte unternehmen
würden, indem sie auf beiden Seiten
das Prinzip der Verringerung von nuklearen Offensivwaffen um 50 Prozent
verwirklichen und entsprechend anwenden sowie über ein Abkommen bei Mittelstreckenwaffen
verhandeln."
Er
stellt fest, daß die Sowjetunion "unsere seit langem eingenommene Haltung, daß die Verifizierbarkeit der
verhandelten Abkommen den wichtigsten
Punkt
darstellt", öffentlich anerkannt hat. Gorbatschows öffentliches
Angebot zur Lösung aller notwendigen
Verifizierungsprobleme würde am Verhandlungstisch
konkret
untersucht
werden.
Laut Reagan sind es einige Teile
des sowjetischen Plans zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wert, in Erwägung gezogen zu werden. Er erklärt,
daß die völlige Abschaffung nuklearer
Waffen "gleichzeitig die Berichtigung
des Ungleichgewichts bei konventionellen und anderen Waffen erfordern
(wird) und die völlige Erfüllung gegenwärtiger und zukünftiger vertraglicher Verpflichtungen, die friedliche Lösung regionaler Konflikte auf
eine Art und Weise, die Wahlfreiheit
ohne Einmischung von außen erlaubt
sowie ein von der Sowjetunion gezeigtes Engagement für friedlichen Wettbewerb."
Reagan drückt seine Hoffnung
unmittelbare
Fortschritte
bei

auf
den

�Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme
aus.
"Heute haben
unsere Unterhändler
in Genf einen
konkreten Plan vorgelegt, der die Abschaffung
von
amerikanischen
Pershing-II-Raketen,
bodengestützten
Marschflugkörper und sowjetischen SS20-Raketen nicht nur in Europa, sondern auch in Asien fordert und mit
dessen Hilfe alle Raketen dieser Art
bis zum Ende des Jahrzehnts von der
Erdoberfläche entfernt werden sollen."

26. Februar 1986: Reagan nimmt Stellung zur nationalen Sicherheit
In einer Fernsehansprache sagte
Präsident
Reagan,
"es wäre
reine
Dummheit
seitens
der
Vereinigten
Staaten, SDI nicht weiterzuverfolgen,
wenn die Sowjets ihrerseits schon
seit mehr als zwanzig Jahren in ihr
eigenes Programm
investiert haben.
Wir sollten nicht vergessen, daß heute die einzige einsatzbereite Raketenverteidigung der Welt die Hauptstadt der Sowjetunion schützt - nicht
die der Vereinigten Staaten."
Reagan sagte:
"Aber während SDI
Hoffnung für die Zukunft bietet, müssen wir die Welt von heute in Betracht ziehen. Allzu lange haben wir
und
unsere Verbündeten
zugelassen,
daß Atomwaffen eine Art Krücke bilden, einen Weg, um zu vermeiden, den
wirklichen Notwendigkeiten der Verteidigung ins Auge zu sehen.
Wir
müssen uns von dieser Krücke befreien.
Unser Ziel sollte darin bestehen,
eine Aggression
abzuschrecken
und, wenn nötig, zurückzuschlagen,
ohne zu Atomwaffen greifen zu müssen."

2. März 1986:

Mittelstreckenwaffen

Der Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Paul Nitze, sagt in

München, der sowjetische Plan, die
Mittelstreckenwaffen größerer Reichweite (LRINF) in Europa abzuschaffen,
würde die Anzahl französischer und
britischer
Abschreckungswaffen
zunächst einfrieren und dann abschaffen.
Ihm zufolge würde eine Transferverbotsklausel in diesem sowjetischen Plan bereits bestehende Programme der amerikanischen Zusammenarbeit mit den Verbündeten behindern.
Er betonte, der sowjetische Plan beschäftige sich weder mit der Stationierung von SS-20-Raketen in Asien,
noch mit Beschränkungen über Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF),
die
dazu
benutzt
werden
könnten, die Abschaffung der LRINFWaffen zu umgehen.
Nitze sagte, daß die Vereinigten
Staaten jedwede sowjetische Verfügung
über
französische
und
britische
Nuklearwaffen zurückweisen. Der Vorschlag der Vereinigten Staaten fordert weltweit die gleichen Beschränkungen für LRINF-Waf fen, um den sicherheitspolitischen Bedürfnissen der
asiatischen und europäischen Verbündeten
und Freunde gerechtzuwerden,
wie auch die Einbeziehung von Beschränkungen über SRINF. Er fordert
ferner von beiden Seiten den anfänglichen Abbau auf 140 LRINF-Abschußvorrichtungen und einen proportionalen Abbau in Asien. Die Vereinigten
Staaten würden dann ihre LRINF-Raketen parallel zu gleichwertigen sowjetischen Verringerungen abbauen.

5. bis 6. März 1986:

Chemische Waffen

In Bern sprechen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion über eine
Verhinderung
der
Weiterverbreitung
chemischer Waffen, wie es beim Gipfeltreffen
im
November
vereinbart
wurde.

5 -

�14. März 1986:

Atomtests

Präsident Reagan
kündigt
einen
neuen Vorschlag für die Beobachtung
von Atomtests vor Ort an, der sofort
durchführbar wäre und die Verifikationsbestimmungen
des Schwellenvertrags (TT3T) und des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) festigen könnte.
Reagan
dazu: "Was einzigartig an dieser neuen Initiative ist, ist ihr präziser
und konkreter Charakter, wie auch die
detaillierten neuen technischen Informationen, die wir der Sowjetunion
in dem Versuch zur Verfügung gestellt
haben, um diese Unsicherheiten über
die Verifizierung aus der Welt zu
schaffen."
Reagan beschreibt eine neue Methode der hydrodynamischen Druckmeßtechnik, CORRTEX, die eine Verifizierung der Einhaltung der Maßgabe von
150
Kilotonnen
bei
unterirdischen
Tests verbessern könnte. CORRTEX benutzt ein Koaxialkabel, das in ein
Loch parallel zu dem der Versuchsvorrichtung gelegt wird, um die Schwingungen der sich bei der Atomexplosion
ausbreitenden
unterirdischen
Druckwelle zu messen.
Reagan lädt auch sowjetische Wissenschaftler ein, in der dritten Aprilwoche 1986 das CORRTEX-System auf
dein amerikanischen Testgelände in Nevada zu untersuchen und einen zu diesem Zeitpunkt geplanten Kernwaffentest zu beobachten.

wjetunion und ihre Verbündeten haben
auf
jüngste westliche
Initiativen,
die darauf abzielten, bei diesen Verhandlungen einen grundlegenden Erfolg
zu erzielen, nicht konstruktiv geantwortet. Die NATO hat dem Warschauer
Pakt klar zu verstehen gegeben, daß
die Handlungsweise des Ostblocks während dieser Verhandlungsrunde nicht
den westlichen Erfordernissen
entsprach und daß wir immer noch auf eine Antwort des Ostblocks warten, die
den im Dezember vom Westen unternommenen bedeutsamen Schritten gleichkommt. Wenn die Sowjetunion und ihre
Verbündeten den gleichen politischen
Willen wie der Westen zeigen, besteht
Hoffnung, daß die M3FR-Verhandlungen
in ein wirkungsvolles und faires Abkommen münden. Der Präsident hat die
Delegation
der Vereinigten Staaten
angewiesen, weiter an einem solchen
Ergebnis zu arbeiten."

27. März 1986: Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen ein Forschungsabkommen über SDI
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
und
Bundeswirtchaftsminister Martin Bangemann unterzeichnen
eine Regierungsvereinbarung über die
Beteiligung
deutscher
Firmen, Forschungsinstitute und anderer Organisationen
am Forschungsprogramm
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).

29. März 1986: Reagan antwortet auf
sowjetische Vorschläge
20. März 1986:

MBFR-Verhandlungen

Die 38. Runde der Gespräche über
beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
geht in Wien zuende. Dazu eine Stellungnahme des Weißen Hauses: "Die So-

Reagan
weist
die
Forderung
Gorbatschows vom 14. März nach einem
Atomtestmoratorium zurück und fordert
ihn auf, auf den amerikanischen Vorschlag zur Verbesserung der Verifikation bei Atomtests einzugehen. Reagan

�weist
ebenfalls
Gorbatschows Vorschlag
für ein Gipfeltreffen über
Atomtests ab, das in Europa stattfinden soll.
Reagan sagt, ein Gipfel
sollte sich "mit der gesamten Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen beschäftigen."

3. April 1986:
Vereinigte Staaten
halten Vor-Ort-Inspektionen für ein
Verbot chemischer Waffen für unerläßlich
Botschafter Donald Lowitz erklärt
auf der Genfer Abrüstungskonferenz,
daß obligatorische Vor-Ort-Inspektionen für die Verifizierung des Verbots
chemischer Waffen unerläßlich seien.

18. bis 23. April 1986: Gorbatschows
Vorschlag und die Reaktion der Vereinigten Staaten
In einer Ansprache vor dem SEDParteitag in Ost-Berlin am 18. April
schlägt
der
sowjetische Parteichef
Gorbatschow einen Abbau bei den konventionellen Streitkräften
und den
taktischen Kernwaffen auf dem gesamten europäischen Kontinent vom Atlantik bis zum Ural vor.
Gorbatschow
fordert Einschnitte bei den Landstreitkräften
und
taktischen Luftstreitkräften
europäischer
Staaten
sowie bei den in Europa stationierten
amerikanischen
und
kanadischen
Streitkräften. Auf Einzelheiten geht
er nicht ein. Zu den chemischen Waffen sagt Gorbatschow, daß die Sowjetunion den Abschluß eines entsprechenden internationalen Abkommens herbeiführen möchte und bei der Abrüstungskonferenz "innerhalb der nächsten Tage eine Reihe von neuen Vorschlägen
vorlegen wird, die es möglich machen,
die
noch
bestehenden
Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg zu räumen".
Am
21.
April
schlägt

Gorbatschow, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in Ost-Berlin aufhält, vor, sowohl Warschauer Pakt als
auch NATO abzuschaffen.
Am 23. April erklärt der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, Gorbatschows Vorschlag zur Abschaffung des Warschauer
Paktes und der NATO sei "nichts Neues".
Die NATO, so Speakes, ist ein
Verteidigungsbündnis, das dazu dient,
Aggression
abzuwehren.
"Der Grund
der Spannungen in Europa ist nicht
das Bestehen der NATO, sondern die
Bedrohung, die von umfangreichen, gut
ausgerüsteten
und
vornedislozierten
sowjetischen Truppen ausgeht wie auch
die sowjetische Aufrüstung, die weit
über alle berechtigten Erfordernisse
einer Verteidigung hinausgeht.
Wir
sind davon überzeugt, daß der Schlüssel für einen Abbau der Spannungen,
für sinnvolle Rüstungskontrollvereinbarungen und für stabilere Ost-WestBeziehungen bei ernsthaften Vorschlägen liegt, die vertraulich und nicht
durch
öffentliche
Presseerklärungen
verhandelt werden."

5. bis 6. Mai 1986: Zentren zur Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen sich in Genf, um
die
Errichtung
von
Zentren
in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils mit sowjetischen und
amerikanischen
Experten besetzt
-,
der Möglichkeit eines unabsichtlich
verursachten Nuklearkrieges vorbeugen
sollen.

27. März 1986: Reagan über SALT II
und vorläufige Zurückhaltung

die

- 7 -

Präsident Reagan verkündet, daß
Vereinigten Staaten in Zukunft

�Entscheidungen über den Aufbau ihrer
strategischen Streitkräfte
von der
Art und dem Umfang der von den sowjetischen strategischen Streitkräften ausgehenden Bedrohung
abhängig
machen werden, nicht von den Standards, die der Vertrag über die Begrenzung
strategischer
Rüstungen
(SALT) festlegt, den er als fehlerhaft bezeichnet und der erheblich
durch die sowjetische Nichteinhaltung
untergraben sei. Der Präsident verwies darauf, wie unangebracht es sei,
auch weiterhin eine Politik der Einhaltung
der Bestimmungen des SALT
II-Vertrags - eines Vertrages, der
nie ratifiziert worden sei - zu verfolgen, Bestimmungen zudem, die von
der Sowjetunion kontinuierlich verletzt worden seien.
Reagan sagte,
die Vereinigten Staaten würden weiterhin
größtmögliche
Zurückhaltung
üben und dabei versuchen, angesichts
der sowjetische Aufrüstung den strategischen Erfordernissen der Vereinigten Staaten gerechtzuwerden und
das durch Maßnahmen, die Anreize für
ein weiteres Wachstum
sowjetischer
Offensivstreitkräfte auf ein Minimum
beschränken. Keine Politik der vorläufigen Zurückhaltung sei jedoch Ersatz für ein Abkommen über einschneidende und ausgewogene Verringerungen
offensiver Kernwaffen, vorausgesetzt,
die Vereinigten Staaten können sich
auf die sowjetische Einhaltung verlassen.

26. Juni 1986:
Verhandlungen
Kern- und Weltraumwaffen

über

Die fünfte Runde der Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen
geht in Genf zuende.
In einer vom
Weißen Haus herausgegebenen Presseerklärung
bemerkt
Präsident
Reagan:
"Das ziel der Vereinigten Staaten bei
diesen Verhandlungen besteht darin,
die sowjetische Zustimmung zu einem
- 8

einschneidenden,
ausgewogenen
und
wirksam
verifizierbaren
Abbau
der
Kernwaffenarsenale
der
Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten zu erlangen, und zwar auf eine Weise, die die
strategische
Stabilität
stärkt".
Präsident Reagan sagt, er hoffe, daß
die von der Sowjetunion vorgebrachten
Vorschläge "den Anfang von ernsthaften sowjetischen Bemühungen einleiten
könnten, mit uns gemeinsam am Abbau
offensiver Nuklearwaffen zu arbeiten."

30. Juni 1986:

KVAE-Verhandlungen

In dem Bemühen, bei der Konferenz
über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa die Erstellung
eines Vertragsentwurfs
voranzutreiben, unterbreitet der Westen eine umfassende
Fünf-Punkte-Initiative
und
umreißt die Bereiche westlicher Flexibilität hinsichtlich so zentraler
Themen wie Benachrichtigung, Beobachtung und Verifizierung.

3. Juli 19865:

Die M3FR-Verhandlungen

Die 39. Runde der Verhandlungen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
geht in Wien zu Ende.
Botschafter
Robert Blackwill bringt sein Bedauern
darüber zum Ausdruck, daß "den Forderungen
sowjetischer Vertreter
nach
verläßlicher Verifizierung auf allen
Stufen des Kontrollprozesses bei den
konventionellen Waffen nicht auch die
sowjetischen Vorschläge am Verhandlungstisch entsprachen."

16. Juli 1986:

KVAE-Gespräche

Bei der KVAE-Arbeitsgruppe, die
sich mit dem Thema Benachrichtigung
beschäftigt, wird eine Formulierung
erarbeitet, die festlegt, daß Aktivi-

�täten der Bodenstreitkräfte zu der
Art von militärischer Aktivität gehören, bei der eine Benachrichtigung
erfolgt.
Die Formulierung signalisiert außerdem, daß Aktivitäten der
Luftwaffe nur in dem Maß einbezogen
sind, in dem sie Teil der Aktivitäten
der Bodenstreitkräfte sind.

5. August 1986:
Reagan informiert
den Kongreß über die amerikanische
Politik der vorläufigen Zurückhaltung
In seinem "Bericht an den Kongreß
über die amerikanische Politik der
vorläufigen
Zurückhaltung
und
über
die entsprechenden sowjetischen und
amerikanischen Streitkräfte mit und
ohne SALT I und SALT II" erklärt Präsident Reagan, es bleibe auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik,
"eine gemeinsame Grundlage zur Aushandlung
umfassender,
ausgewogener
und
verifizierbarer
Verringerungen
der Nukleararsenale des strategischen
wie
des
Mittelstreckenbereichs
zu
finden." Trotz der wiederholten amerikanischen Forderung nach korrektiven Schritten seitens der Sowjetunion
haben, so der Präsident, die fortgesetzten
sowjetischen
Verletzungen
über mehrere Jahre hinweg die Bestimmungen von SALT II ausgehöhlt.
Der
Bericht ist die freigegebene Version
eines klassifizierten Berichts, den
der Präsident dem Kongreß am 19. Juni
zur Verfügung stellte.

einbart.

24. bis 25. August 1986: Zentren zur
Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen in Genf zusammen,
um die Errichtung
von Zentren in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils von sowjetischen bzw.
amerikanischen Experten besetzt - der
Möglichkeit eines durch Zufall ausgelösten Atomkriegs vorbeugen sollen.

4. bis 5. September
Waffen

1986:

Fachleute im Bereich chemischer
Waffen treffen sich in Bern - zum
zweitenmal in diesem Jahr. ziel der
Gespräche
ist es, der Ausbreitung
chemischer Waffen Einhalt zu gebieten.

5. bis 6. September 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskon trollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
im amerikanischen Außenministerium in
Washington zur Fortsetzung der vom
11. bis 12. August in Moskau geführten Verhandlungen.

17.
September
1986:
Weltraumgespräche
11. bis 12. August 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
in Moskau.
Einzelheiten über ihre
Gespräche werden nicht bekanntgegeben, doch werden für Anfang September
weitere Gespräche in Washington ver-

Chemische

Nuklear- und

Botschafter Max Kampelman, amerikanischer
Chefunterhändler
bei den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf, erklärt in
einer Rede vor der Belgisch-Amerikanischen Gesellschaft in Brüssel, die
Vereinigten Staaten
strebten
einen
50prozentigen Abbau der ballistischen
Raketen
sowie die Beseitigung der

- 9 -

�Mittelstreckensysteme an, wären jedoch zunächst bereit, auch mit einer
geringfügigeren Beschneidung zu beginnen, solange diese ausgewogen und
stabilisierend sei.

18. September 1986:
der NST-Verhandlungen

Wiederaufnahme

In Genf wird die sechste Runde
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen in Genf wieder aufgenommen. Ziel der Vereinigten Staaten
bleibt es auch weiterhin, einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Verringerungen bei den amerikanischen
und sowjetischen Nukleararsenalen zu
erreichen. In einer vom Weißen Haus
veröffentlichten Erklärung sagt Präsident
Reagan:
"Die Vereinigten
Staaten sind dem Ziel echter - und
baldiger
Rüstungsverringerungen
voll verpflichtet. Wenn die Sowjets
genauso entschlossen sind wie wir,
gibt es eine echte Chance für solche
Verringerungen." Reagan weist darauf
hin, er habe im Juli an den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow
geschrieben, "um unsere Positionen
bei der ganzen Bandbreite der Rüstungskontrollthemen noch weiter zu
erläutern."

18. September 1986: Atomversuche
Technische Experten der Vereinigten Staaten
und
der Sowjetunion
schließen in Genf eine zweite Runde
von Gesprächen über Fragen von Atomversuchen ab und unterstreichen die
Erwartung, erneut im November zusammenzutreffen.

19. September 1986: SDI
Die Vereinigten Staaten und Italien unterzeichnen eine Regierungs- 10

Vereinbarung zur Beteiligung Italiens
an der Forschung im Bereich der Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI)

19. bis 20. September 1986: Treffen
zwischen Shultz und Schewardnadse in
Washington
Außenminister Shultz und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse
treffen sich im amerikanischen Außenministerium zu Gesprächen über ein
nächstes Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan
und Generalsekretär
Gorbatschow.
Schewardnadse übergibt
Präsident
Reagan
ein
Schreiben
Gorbatschows.

»

22. September 1986: Reagan spricht
vor den Vereinten Nationen
Präsident Reagan erklärt vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten seien
bereit, mit der Sowjetunion ein Abkommen "über Forschung, Entwicklung,
Erprobung
und
Dislozierung
einer
strategischen
Verteidigung"
abzuschließen. Im Rahmen dieses Abkommens, so Präsident Reagan, "würden
(beide Seiten) ihre Bereitschaft erklären, sich bis 1991 auf die laut
ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne
Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind." Und
er fuhr fort: "Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls sich nach 1991 eine der beiden Seiten zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur
Abschaffung offensiver ballistischer

,
*

�Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan
würde dann in einem Zweijahreszeitraum
ausgehandelt
werden."
(...)
"Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen nicht einigen
können, würde es jeder Seite nach
sechsmonatiger
Vorankündigung
freistehen, ein modernes
strategisches
Verteidigungssystem zu stationieren."

22. September 1986:
nigung

KVAE erzielt Ei-

Die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) erzielt eine Einigung bezüglich
der
Verringerung
einer
Kriegsgefahr in Europa.
Das Forum
von 35 Staaten einigt sich auf ein
Bündel militärisch bedeutsamer
und
verifizierbarer Maßnahmen, die - bei
entsprechender Einhaltung - militärische Aktivitäten vorhersagbarer machen und die Möglichkeiten zu politischer Einschüchterung verbieten. In
einer vom Weißen Haus veröffentlichten
Erklärung
betont
Präsident
Reagan, das Abkommen "wird zu mehr
Sicherheit in Europa und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West beitragen."
Durch dieses
Abkommen haben die Verhandlungsparteien von NATO und Warschauer Pakt
einander Vorwarnzeiten bei allen bedeutsamen militärischen Manövern und
ähnlichen Aktivitäten
vom Atlantik
bis zum Ural eingeräumt, die in bestimmten Fällen bis zu zwei Jahren
beträgt.
Das Abkommen erlaubt eine
ausländische Inspektion der Streitkräfte beider Seiten, um klarzustellen, daß keine Überraschungsangriffe
vorbereitet werden.

25. September
40. M3FR-Runde

1986:

Eröffnung

beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
(MBFR) beginnt in Wien. In einer vom
Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
heißt
es:
"Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten hegen
auch weiterhin die Hoffnung, daß am
Verhandlungstisch in Wien Erfolge erzielt werden können.
wir erwarten
von der Sowjetunion, daß sie ernsthaft auf den wichtigen Kompromiß reagiert, den der Westen im vergangenen
Dezember unterbreitet hat."

30. September 1986: Ankündigung
Treffens
zwischen
Reagan
Gorbatschow auf Island

des
und

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion kündigen an, daß Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik auf Island treffen
werden.
Präsident
Reagan
unterstreicht vor Reportern, das Treffen
"werde im Rahmen der in Genf im November 1985 vereinbarten Vorbereitungen zum Besuch des Generalsekretärs
in den Vereinigten Staaten abgehalten" .

der

Die 40. Runde der Gespräche über
- 11 -

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9820">
                <text>15.10.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9821">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9822">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13501">
                <text>Amerikadienst 15.10.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13502">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen "zufrieden"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vom 16. November 1985 bis heute -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2468" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2479">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ee6e90cee96bc1c9ad308890d4b7bf9a.pdf</src>
        <authentication>c3838005872adf95061e586738c4ceee</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12843">
                    <text>. e o s&gt;

omcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

20

15. Oktober 1997

DER WEG ZU FORTSCHRITTEN IN BOSNIEN

BOSNIEN

Rede des Nationalen Sicherheitsberaters
Samuel Berger

GLOBALISIERUNG

GLOBALISIERUNG UND DIPLOMATIE
von Strobe Talbott

UMWELT

UNSERE GLOBALE ZUKUNFT: KLIMAWANDEL
von Timothy Wirth

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�BOSNIEN
15. Oktober 1997

Der Weg zu Fortschritten in Bosnien
Rede des Nationalen Sicherheitsberaters Samuel Berger

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der Georgetown University am 23. September 1997 erörterte der
Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten, Samuel Berger, die Richtung der amerikanischen Politik in
Bosnien. Nachfolgend veröffentlichen wir seinen vorbereiteten Redetext.

Ich möchte heute zu Ihnen darüber sprechen, wie weit
wir auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden in
Bosnien gekommen sind und in welche Richtung wir
uns bewegen - über die von uns erzielten Fortschritte
und die uns konfrontierenden Herausforderungen.
Nach einem so tiefgreifenden und bitteren Konflikt wie
dem in Bosnien kann man diese Nation leicht als von
der Geschichte verflucht, in jahrhundertealtem Haß
verhaftet, abschreiben. Die Flüchtlingsströme, die
ausgemergelten Gefangenen, die blutigen Marktplätze
- diese Erinnerungen sind lebhaft und führen leicht zu
Zweifel und Angst.
Einige sagen, Bosnien könne nie den Konflikten seiner
Vergangenheit entrinnen. Aber obwohl wir von der
Vergangenheit informiert werden müssen, dürfen wir
nicht durch sie gefangen genommen werden - wir
dürfen nicht zulassen, daß sie die Gegenwart überschattet oder die Zukunft vorherbestimmt. Bei der
Einschätzung der Aussichten für Bosnien müssen wir
mit einem sich selbst korrigierenden Realismus
vorgehen, nicht mit einem sich selbst zerstörenden
Pessimismus.
Die Vereinigten Staaten haben heute ebenso wie vor
zwei Jahren - als die amerikanische Führungsrolle die
Kämpfe militärisch durch die NATO und diplomatisch
durch die Verhandlungen von Dayton beendete großes und dauerhaftes Interesse an Frieden und
Stabilität in Bosnien.
Wenn wir erörtern, wo wir in Bosnien stehen, müssen
wir mit dem Anfang beginnen. Vor weniger als zwei
Jahren, als die Gespräche in Dayton aufgenommen
wurden, war Bosnien eine vom schlimmsten Konflikt in

AMERIKA DIENST 20

Europa seit dem Zweiten Weltkrieg zerrissene und in
Trümmern liegende Nation. Gegnerische Armeen
standen sich in einem Land gegenüber, das von
Schützengräben durchzogen und mit Landminen
übersät war. Bosnien war buchstäblich dezimiert
worden: Mehr als jeder Zehnte - 560.000 - waren
getötet oder verwundet worden. Die Hälfte der
Überlebenden - 2,1 Millionen Menschen - wurden aus
ihrer Heimat vertrieben. 80 Prozent waren von
Nahrungsmittellieferungen der Vereinten Nationen
abhängig. 90 Prozent waren arbeitslos. Unter
amerikanischer Führung war ein zerbrechlicher
Waffenstillstand in Kraft getreten, aber die Flammen
des extremen Nationalismus und ethnischen Hasses
loderten immer noch glühend rot.
Unter so verzweifelten Umständen kann keine Nation
sich selbst wiederbeleben und zu einer friedlichen
Aussöhnung gelangen. Zur Zeit des Daytoner Abkommens gab es für ein amerikanisches Engagement
in Bosnien allein aus humanitären Erwägungen
zwingende Gründe. Ohne die Unterstützung der
Vereinigten Staaten und der internationalen Gemeinschaft wäre Bosnien mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlich wieder in Gewalt und Verzweiflung
versunken.
Unser Interesse war jedoch nicht nur humanitärer Art.
Unter diesen Umständen wäre Bosnien auch weiterhin
eine Quelle gefährlicher Instabilität in Europa geblieben. Wir haben aus harter Erfahrung in diesem
blutigen Jahrhundert gelernt, daß Amerikas Sicherheit
und Europas Stabilität eng verbunden sind. Ohne
Brandmauern gegen ethnischen Haß hätte sich der
Krieg in Bosnien leicht zu Brennpunkten wie dem
Kosovo, Albanien und Mazedonien ausweiten können

Seite 1

�und mehrere der neuen Demokratien in Europa in
Gefahr gebracht. Ein größerer Konflikt hätte die vitalen
Interessen Griechenlands und der Türkei bedroht zwei unserer engsten Verbündeten und wichtige
Mitglieder der NATO.
Ein größerer Konflikt hätte in der Tat Zweifel an der
Lebensfähigkeit des Bündnisses selbst aufkommen
lassen. Zuzulassen, daß nationalistische Aggressoren
Bosnien in der Mitte Europas zersplittern, hätte die
Aussichten für den Aufbau eines neuen, demokratischen, ungeteilten und in Frieden lebenden Europas
unterminiert - eines Europas, das die Sicherheit der
Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert stärken kann.
Hätte der Frieden nicht Fuß gefaßt, hätten die Vereinigten Staaten nicht zur Seite stehen können, als die
humanitären friedenssichernden Bemühungen der
Vereinten Nationen scheiterten und Südosteuropa
erneut vor einem Krieg stand.
Aus diesem Grund haben wir und unsere Partner uns
unter Präsident Clintons Führung nicht nur zur Eindämmung des Konflikts, sondern auch dazu verpflichtet, dem bosnischen Volk bei der Schaffung eines
echten Friedens behilflich zu sein. Wir und die
internationale Gemeinschaft taten uns mit den in
Dayton vertretenen Parteien zusammen, um drei Ziele
zu erlangen: Den Waffenstillstand zu sichern und die
Chancen für erneute Kämpfe zu verringern, den
Parteien beim Aufbau einer einzigen Nation mit einem
Gleichgewicht zwischen übergreifender Einheit und
Autonomie für die beiden Gebietskörperschaften zu
helfen und ihnen die Chancen zur Schaffung eines
dauerhaften Friedens zu bieten.
Dayton hat außerordentlich umfangreiche und komplexe militärische und politische Bestrebungen in Gang
gebracht. Die von der NATO angeführte IFOR übernahm die Verantwortung für die Entflechtung der
gegnerischen Parteien, überwachte den Gebietsaustausch, setzte den Waffenstillstand durch, entmobilisierte die Armeen, überwachte die Verlegung schwerer Waffen in Lagerhallen und schuf das für den
Beginn der politischen und wirtschaftlichen Gesundung
unerläßliche sichere Umfeld. Sie führte ihr Mandat mit
großem Geschick und Entschlossenheit aus. Die
Nachfolgetruppe - SFOR - erhält diesen Standard
heute aufrecht und bewahrt die erforderliche Stabilität,
damit der Dayton-Prozeß täglich Fortschritte erzielen
kann. Bei diesen Missionen hat sich die NATO
erfolgreich der größten Herausforderung gestellt, mit
der sie sich seit dem Ende des Kalten Krieges konfrontiert sah und - in Zusammenarbeit mit Soldaten aus
Rußland, der Ukraine und den meisten anderen
unserer europäischen Partnerländer - ihre unerläßliche
Rolle bei der Gewährleistung der künftigen Sicherheit
Europas unter Beweis gestellt.
Zusammen mit den militärischen Bestrebungen leitete
die internationale Gemeinschaft auch eine Mission für

Seite 2

die zivile Umsetzung von Dayton in die Wege - um den
ehemaligen Feinden bei den notwendigen Schritten zu
einem sich selbst tragenden Frieden behilflich zu sein.
Wir wußten, daß das bosnische Volk Hilfe benötigte,
um zu reparieren und wieder aufzubauen - nicht nur
seine Häuser und Fabriken, sondern sein Vertrauen
und seine Toleranz. Wir glaubten, daß es möglich ist,
weil dieses Jahrhundert mit all seinem Blutvergießen
gezeigt hat, daß Haß nicht mit eisernen Gesetzen der
Genetik oder Kultur von einer Generation an die
andere weitergegeben wird. Haß kann von zynischen
Politikern geschürt werden, aber die Menschen
können sich selbst mit der Hoffnung auf eine bessere
Zukunft über den Haß erheben.
Aus diesem Grund beinhalten die Ziele, zu deren
Erlangung wir und die internationale Staatengemeinschaft angetreten sind, und zu denen sich die Parteien
verpflichtet haben, folgende Punkte, die alle Bestandteil des Abkommens von Dayton sind:
Schaffung eines stabilen militärischen Gleichgewichts, das erneute Kämpfe verhindern
kann.
Reform der Polizei.
Stärkung demokratischer Institutionen und der
Rechtsstaatlichkeit.
Die sichere Rückkehr der Flüchtlinge.
Wiedereinführung der Bewegungsfreiheit im
Land.
Stärkung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus.
Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen.
Dies war von Anfang an eine ehrgeizige Tagesordnung, und es war klar, daß sie beispiellose zivile
Bestrebungen über mehrere Jahre hinweg erfordert.
In der vergangenen Woche erinnerte uns der schreckliche Hubschrauberabsturz in Bosnien, der das Leben
von fünf amerikanischen Zivilisten und sieben anderen
an dieser Mission Beteiligten forderte, an das Engagement derjenigen, die diese Arbeit in Angriff genommen
haben - und an die Kosten, Risiken und die von ihnen
erbrachten Opfer.
Weniger als zwei Jahre nach Dayton - und nach so viel
Zerstörung - ist die Arbeit noch lange nicht getan. Wir
sind noch nicht so weit, wie wir gerne wären. Aber
angesichts der Komplexität der Herausforderung
überrascht das kaum. Bosnien begeht immer noch
einen Drahtseilakt, bewegt sich zentimeterweise auf
eine bessere Zukunft zu, ist jedoch immer noch nicht
über den Gefahrenpunkt hinaus. Die große Mehrheit
der Flüchtlinge kann immer noch nicht nach Hause
zurückkehren. Die Republika Srpska befindet sich

AMERIKA DIENST 20

�inmitten eines harten Kampfes - nicht nur um Macht,
sondern um ihre Zukunft und ihre Beziehungen zu dem
Ganzen. Prominente angeklagte Kriegsverbrecher allen voran Radovan Karadzic und Ratko Mladic befinden sich immer noch auf freiem Fuß. Viele der
Medien sind noch nicht unabhängig, und einige von
ihnen verbreiten die ultranationalistischen Beschimpfungen, die zum Ausbruch des Krieges vor sieben
Jahren beitrugen. Die Fortschritte sind an vielen
Fronten unerträglich langsam, auch beim wirtschaftlichen Wiederaufbau.
Ist es also die Mühe wert? Ist es das wert, knappe
Ressourcen auszugeben, unsere Truppen Gefahren
auszusetzen und einige unserer engagiertesten
Diplomaten und Beamten zu verlieren, um ein geeintes, friedliches Bosnien zu erhalten, Grundfreiheiten
wiederherzustellen, einer zerstörten Volkswirtschaft
wieder auf die Beine zu helfen? Einige argumentieren,
die Bilanz zeige, daß wir in Dayton unsere Ziele zu
hoch gesteckt hätten - und nur eine ethnische Teilung
die von uns gewünschte Stabilität hervorbringen
würde, so daß wir uns aus Bosnien zurückziehen
könnten.
Meines Erachtens haben die Anhänger einer Teilung
Unrecht, weil die Teilung zu akzeptieren die Ratifizierung der schlimmsten ethnischen Säuberung in Europa
in über einem halben Jahrhundert bedeuten würde.
Wir dürfen nicht die Gerechtigkeit aufgeben und
Aggression belohnen.
Die Teilung wäre auch falsch, weil sie den ethnischen
Fanatikern überall auf der Welt die Botschaft senden
würde, daß die internationale Gemeinschaft die
Neufestlegung von Grenzen durch Gewalt gestattet.
Indem sie die Art von ethnisch reinen Staaten schafft,
die häufig eine gefährliche Streitlust nähren - Gebietskörperschaften, die inhärent instabil, letztlich nicht
lebensfähig wären und zu expansionistischer Aggression neigen - würde die Aufteilung nicht zu
Frieden, sondern zu Krieg führen. Mit anderen
Worten: Teilung zu befürworten, heißt, die Niederlage
zu akzeptieren.
Wenn Dayton scheitert, wird Bosnien fast sicher in
einen Konflikt zurückfallen, der möglicherweise zu
einem größeren Krieg in Südosteuropa führt. Es
würde die Glaubwürdigkeit der NATO in einem entscheidenden Augenblick unterminieren, in dem sich
das Bündnis auf neue Mitglieder und neue Missionen
vorbereitet. Das würde die amerikanische Führungsrolle in Europa in Frage stellen - mit gravierenden
Konsequenzen für unsere Bürger und andere freiheitsliebende Menschen auf der ganzen Welt.
Ebenso wichtig sind die zunehmenden Beweise, daß
diese Kritiker bei den Fakten Unrecht haben und die in
Dayton getroffenen Entscheidungen echte, positive
Veränderungen in Bosnien bewirken. Dayton hat dazu

AMERIKA DIENST 20

geführt, daß die Waffen still und Bosnien intakt blieb
und die Wiederaufbauarbeit hier und dort Fortschritte
erzielt.
Umfragen des US-Informationsamts zufolge sind
beträchtliche Mehrheiten der bosnischen Muslime,
Kroaten und Serben der Überzeugung, daß die
Bedingungen für einen dauerhaften Frieden geschaffen werden. Und für die meisten Menschen in Bosnien
- vor allem in der Föderation - verbessert sich das
Leben wirklich, wenn auch langsam. Das ist nicht die
Geschichte, die wir für gewöhnlich hören und lesen,
aber der Frieden beginnt Fuß zu fassen. Die Errungenschaften sind nicht unumkehrbar - und um sie zu
konsolidieren, ist das weitere Engagement der internationalen Gemeinschaft in Bosnien in irgend einer Form
auf absehbare Zukunft erforderlich. Aber an nahezu
allen Maßstäben gemessen, ist das Leben für die
Menschen in Bosnien heute besser als vor zwei
Jahren.
Betrachten Sie die Situation mit den Augen eines
bosnischen Kindes, und Sie wissen warum. Stellen
Sie sich einen Moment lang vor, wie es ist, ein 15jähriges Mädchen in einer bosnischen Stadt zu sein.
Es lebte nahezu die Hälfte seines Lebens im tödlichen
Würgegriff des Krieges. Heute besucht es die Schule,
statt sich in einem kalten, matschigen Keller zusammenzukauern, um dem unaufhörlichen Beschuß
durch Granatwerfer zu entfliehen.
Hunderte von durch den Krieg beschädigten oder
zerstörten Schulen wurden mit Hilfe internationaler
Geber wieder aufgebaut, die mehr als 1 Milliarde der
für den zivilen Wiederaufbau zugesagten 3,2 Milliarden
Dollar gespendet haben, darunter 524 Millionen der
Vereinigten Staaten. Nach der Schule verbringt das
Mädchen die Zeit mit Freunden, statt Wasserkannen
nach Hause zu schleppen - wie während des Krieges weil in den meisten Orten die Wasserversorgung
wiederhergestellt worden ist.
Vielleicht lebt es in einer der 24.000 Wohnungen, die
allein im letzten Jahr mit Hilfe der internationalen
Gemeinschaft repariert wurden. Zweifelsohne wird es
zum ersten Mal seit sieben Jahren keine Angst davor
haben, in diesem Winter zu frieren, weil die Heizungen
fast überall im Land wieder funktionieren. Es ißt Obst
und Gemüse, nicht von NATO-Flugzeugen abgeworfene Militärrationen. Es hat ordentliche Kleidung, weil
seine Familie mehr verdient: Seit Beendigung der
Kämpfe haben sich die Durchschnittslöhne in Bosnien
vervierfacht, die Arbeitslosigkeit ist von 90 Prozent auf
50 Prozent gesunken, und die Volkswirtschaft wird von einem immer noch niedrigen Niveau - in diesem
Jahr voraussichtlich um 30 Prozent wachsen.
Vor allem hat das Mädchen jetzt ein neues Gefühl der
Sicherheit. Es kann durch die Straßen gehen in dem
Wissen, daß sich in den Hügeln nicht länger Hecken-

Seite 3

�schützen verstecken, daß es nicht wegen seiner
ethnischen Identität entführt oder vergewaltigt wird,
daß die Granatwerfer nicht länger auf die Spielplätze
gerichtet sind.
Dieser Teenager ist nicht allein in seinem neugefundenen Gefühl der Sicherheit. Aufgrund der Arbeit der
IFOR und der SFOR wurden die gegnerischen Streitkräfte entflochten, über 370.000 Soldaten sind ins
zivile Leben zurückgekehrt und weiteres Blutvergießen
wurde verhindert. Schwere Waffen wurden internationaler Überwachung unterstellt, und mehr als 2000
wurden zerstört.
Gleichzeitig trägt unser Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm für die Streitkräfte der Föderation zu
einem stabileren militärischen Gleichgewicht bei und
verringert die Wahrscheinlichkeit, daß jemand auf
erneute Kämpfe setzt. Und wir dürfen Folgendes nicht
vergessen: Wir haben es zu einer Bedingung des
Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramms gemacht,
daß Bosnien alle militärischen und nachrichtendienstlichen Verbindungen zum Iran abbricht - damit hat eine
Nation, die Radikalismus exportiert und Terrorismus
fördert, die wichtige Basis in Europa verloren, die sie
bei Beginn des Krieges 1992 erhielt.
Die internationale Gemeinschaft ist dem bosnischen
Volk auch bei der Umstrukturierung und Reform der
örtliche Polizei behilflich, so daß sie die Bürger schützt,
statt sie einzuschüchtern. Diese Arbeit ist noch lange
nicht erledigt. Aber die seit kurzem integrierten
Streitkräfte beginnen zum ersten Mal seit dem Krieg in
Sarajevo, sich den Gewaltverbrechern und Selbstgerechten entgegenzustellen und das Recht und die
Sicherheit der Bürger aller ethnischen Gruppen zu
schützen. Diese Schritte sind ein Vorbild für die
Reform der Polizei in anderen Regionen.
Eine der schwierigsten Herausforderungen des
Abkommens von Dayton war die Wiedereinführung der
Bewegungsfreiheit. Zu jener Zeit mußte jeder Bürger,
der zwischen Städten in Bosnien hin- und herreiste,
ein Dutzend oder mehr Polizei-Kontrollpunkte passieren und riskierte dabei alles von Schikanen und
Erpressung bis zu Entführung und Gewaltanwendung.
Heute sind die Kontrollpunkte verschwunden, die
Straßen sind frei. Fahrzeuge jeglicher Herkunft fahren
frei auf den Hauptverkehrsstraßen. Was noch vor
zwei Jahren unvorstellbar gewesen wäre, überrascht
heute nicht mehr: Autos mit Kennzeichen der Republika Srpska in Sarajevo oder der Föderation in den
Straßen von Banja Luka. Und Bauern, Händler und
Familien überqueren die Grenzen der Gebietskörperschaften leicht und regelmäßig zu Fuß, im Auto oder
sogar in dem öffentlichen Bus, der täglich fährt.
Die Menschen in Bosnien haben nicht nur mehr
Freiheit, sich im Land zu bewegen - sie sind generell
einfach freier. In einem größeren Ausmaß als je zuvor

Seite 4

werden die Bosnier von Menschen ihrer eigenen Wahl
regiert. Die nationalen und regionalen Wahlen des
vergangenen Jahres, die von den Niedergangspropheten als zu gefährlich erklärt wurden, brachten
Bosnien auf den schwierigen Weg zur Demokratie. In
der vergangenen Woche unternahm Bosnien einen
weiteren wichtigen Schritt, als über 2 Millionen Wähler
- oder mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten - aus
den über 20.000 Kandidaten, die sich zur Wahl gestellt
hatten, Bürgermeister, Stadträte und andere Gemeindevertreter wählten. Und nächste Woche erwarten wir, daß unter internationaler Aufsicht eine wichtige
Parlamentswahl in der Republika Srpska stattfindet.
Die Selbstverwaltung wird in Bosnien zur Gewohnheit,
und die nationalen Institutionen des Staates wurden
geschaffen. Das Gemeinsame Präsidium, der Ministerrat, das Oberste Bundesgericht und die gemeinsame Militärkommission wurden eingerichtet. Sie sind
noch auf fremde Hilfe angewiesen, und häufig ist
internationaler Druck erforderlich, damit alle Seiten
weiterhin zusammenarbeiten. Aber in diesem Monat
haben die serbischen, kroatischen und muslimischen
Mitglieder des Gemeinsamen Präsidiums ihre Differenzen überwunden, um ein integriertes Telekommunikationssystem einzuführen, das das Land zusammenhalten und den Wiederaufbau beschleunigen soll. Und
der muslimische und der serbische Kovorsitzende des
Ministerrats - des bosnischen Kabinetts - die im
Frühjahr kaum davon überzeugt werden konnten,
gemeinsam mit Regierungsvertretern in Washington
zusammenzukommen, organisierten im letzten Monat
selbst ihre Reise nach Malaysia, um gemeinsam
Lobbying für Investitionen zu betreiben.
Das Versprechen des Friedens wird jedoch nur dann
vollständig verwirklicht, wenn die Vorteile des Friedens
unter allen Menschen in Bosnien verbreitet werden.
Bis heute hat der Großteil des Wirtschaftswachstums
in Bosnien in der Föderation stattgefunden. Im
Gegensatz dazu hat der Widerstand vieler serbischer
Politiker zur Lähmung der Republika Srpska geführt.
Sie haben ihre Pflichten im Rahmen des Daytoner
Abkommens nicht erfüllt und dadurch die internationalen Geber veranlaßt, nahezu die gesamten
Wiederaufbaugelder für Srpska zurückzuhalten. Das
muß nicht sein. Aber die serbischen Anführer in Pale
haben darauf bestanden, am Haß der Vergangenheit
festzuhalten, statt sich den Versprechungen der
Zukunft zuzuwenden. Sie haben den Weg der Selbstisolierung gewählt. Srpskas andauernde Armut wird
nur beendet werden, wenn die Politiker der Republik
ihre Verpflichtungen erfüllen und die Aufbaugelder
wieder fließen können.
Der jetzt in Srpska stattfindende Kampf ist sowohl
hoffnungsvoll als auch unsicher. Er spielt die extremen Sezessionisten und Anhänger der ethnischen
Säuberung in Pale - die das serbische Volk in den
Krieg geführt haben - gegen eine wachsende Bewe-

AMERIKA DIENST 20

�gung der bosnischen Serben aus, die einer Regierung
von Profitmachern überdrüssig sind. Diese Einwohner
von Srpska lehnen die überhandnehmende Korruption
ab, die mit Ausnahme einiger weniger alle zu Armen
macht. Sie haben die Verbesserungen in der Föderation auf der anderen Seite der Grenze gesehen - sie
wollen an den Vorteilen des Friedens teilhaben.
Präsidentin Plavsic und viele ihrer Anhänger treten
immer noch für den serbischen Nationalismus ein.
Aber im Gegensatz zu dem alten Regime sind sie sich
bewußt, daß der einzige Weg zu Fortschritten über
Dayton geht, daß die Republika Srpska in Isolation
nicht prosperieren kann und es im Rahmen von
Dayton Raum für die Erfüllung ihrer legitimen Ansprüche gibt. Sie wollen ein blutiges Kapitel ihrer
Geschichte schließen und ein neues der Hoffnung und
des Wiederaufbaus öffnen.
Wir haben in Srpska nicht "Partei für eine Seite
ergriffen". Die Vereinigten Staaten, die SFOR und die
internationale Gemeinschaft sind weiterhin unparteiisch - unparteiisch bei der Unterstützung von Dayton.
Das bedeutet die Unterstützung derjenigen, die für
Dayton eintreten, und die entschiedene Ablehnung
derjenigen, die es nicht tun. Wir lehnen die falsche
Entscheidung für Kompromisse zwischen denen, die
Dayton behindern, und denen, die zusammenarbeiten
wollen, ab. Ich möchte eindeutig klarstellen, was das
bedeutet: Es bedeutet, die paramilitärische Polizei von
Pale, die es gewohnt ist, Dissidenten zu bedrohen und
zu bestrafen, wie die abtrünnigen Militäreinheiten zu
behandeln, die sie sind; schnell und entschieden zu
handeln, wenn die Medien dazu benutzt werden, zu
bedrohen und aufzustacheln; entschlossen auf
Versuche zu reagieren, die SFOR zu provozieren oder
einzuschüchtern oder das sichere Umfeld aufs Spiel
zu setzen, zu dessen Gewährleistung die SFOR sich
verpflichtet hat. General Clark, der Oberste Alliierte
Befehlshaber in Europa, erklärte vor kurzem: "Wir
lassen uns nicht einschüchtern. Wir lassen uns durch
den Mob nicht abschrecken. Wir werden alle uns zur
Verfügung stehenden Mittel, einschließlich tödlicher
Waffen, zum Schutz unserer Streitkräfte und zur
Fortsetzung unserer Mission einsetzen."
Wir sind ebenso entschlossen, daß diejenigen, die
Dayton unterstützen, in den Genuß der Vorteile ihrer
Entscheidung kommen, wo immer sie leben. Aus
diesem Grund haben wir trotz der Versuche der
Hardliner in Pale den Gemeinden in Srpska Hilfe
geboten, die die Rückkehr der Flüchtlingen akzeptieren. Wir stellen der Polizei von Srpska, die Reformen
zugestimmt hat, technische Unterstützung und Gerät
zur Verfügung, ebenso wie wir es für die Polizei der
Föderation getan haben - und allein in den letzten
beiden Monaten hat sich nahezu ein Viertel der zivilen
Polizei in Srpska an diesem Programm beteiligt. Wir
begrüßen und unterstützen die Zunahme unabhängi-

AMERIKA DIENST 20

ger Medien in Srpska und versorgen sie mit technischer Hilfe und Gerät, so daß ihre Botschaft überall
vernommen werden kann.
In Srpska findet heute ein wichtiger Kampf statt, und
sein Ergebnis ist entscheidend - denn das ist Aufruhr
aus den richtigen Gründen, für Veränderung ohne
Korruption oder ethnischen Krieg.
Wir müssen realistisch sein: Die internationale Gemeinschaft und das bosnische Volk sehen sich mit
vielen realen Herausforderungen konfrontiert, die
Geduld und andauernde Anstrengungen erfordern.
Wir sind beispielsweise nicht mit der Zahl der zurückkehrenden Flüchtlinge zufrieden. Bisher sind nur
ungefähr 150.000 oder 15 Prozent derjenigen, die
Bosnien während des Krieges verlassen haben,
heimgekehrt. Diese Zahl wird sich nur erhöhen, wenn
Stabilität und Sicherheit wiederhergestellt sind.
Wir müssen helfen, die Bosnier in Marktwirtschaft zu
unterrichten. Während die übrigen Länder der ehemals kommunistischen Welt in Zentraleuropa Anfang
der neunziger Jahre einen Schnellkurs in diesem Fach
erhielten, brach Bosnien einfach zusammen. Viele
Gewohnheiten einer Kommandowirtschaft bestehen
noch fort zusammen mit einer Korruption, die zu häufig
die Wiederaufbaubestrebungen unterminiert.
Wir müssen auch unsere Bemühungen zur Entschärfung der Pulverfässer von Gewalt in Bosnien
verdoppeln, die den Erfolg gefährden. In Brcko, einem
schmalen Korridor, der die beiden Hälften von Srpska
und die Föderation mit Europa verbindet, sind die
Spannungen weiterhin groß und die Fortschritte
erfolgen bestenfalls im Schneckentempo. Die Schlichtung, die über die Zukunft dieses Gebiets entscheidet,
erfolgt in sechs Monaten. Wir machen beiden Parteien
gegenüber klar, daß eine Nichteinhaltung ihrer Verpflichtungen inakzeptabel ist und sie bei der endgültigen Entscheidung den Preis für ihr Verhalten zahlen
müssen.
Welchen Schluß können wir also aus unseren bisherigen Erfahrungen in Bosnien ziehen? Nach zwei
Jahren bietet sich ein gemischtes Bild. Wir sehen
anhaltende Schwierigkeiten und Widerstand. Aber wir
sehen auch, daß Fortschritte einen echten Unterschied
im Leben des bosnischen Volkes und für die Stabilität
dieser entscheidenden Region bewirken. Es wurde
gesagt, das Kennzeichen eines Genies sei die Fähigkeit, gleichzeitig offensichtliche Widersprüche im Kopf
zu haben. Wenn wir heute auf Bosnien blicken, sind
einige Genies gefragt. Wir müssen unsere Augen auf
beide Seiten des Bildes richten - und wir dürfen die
wichtigen Interessen nicht vergessen, die uns leiteten:
Nicht nur ein stabileres, friedlicheres Bosnien anzustreben, sondern darauf hinzuarbeiten.

Seite 5

�Wie Präsident Clinton erklärt hat, wird die SFORMission im Juni 1998 enden. Aber das Engagement
der internationalen Gemeinschaft wird fortgesetzt. Ob
eine internationale Sicherheitspräsenz Teil dieses
Engagements sein wird und welche Rolle die Vereinigten Staaten spielen könnten, bleibt abzuwarten.
Diese Entscheidung wird zum Teil davon abhängen,
wie die Lage ist, wenn sich der Zeitpunkt des Abzugs
der SFOR nähert.
Aber eines ist klar: Ebenso wie wir damals, als die
NATO handelte, um das Gemetzel 1995 zu beenden,
zusammen mit unseren Partnern die Gespräche von
Dayton anberaumten, haben die Vereinigten Staaten
heute ein großes Interesse an der Schaffung eines
dauerhaften Friedens in Bosnien. Der beste Weg zur

*

Seite 6

Förderung dieses Interesses ist über den bei diesen
Verhandlungen vereinbarten Rahmen. Aus diesem
Grund haben die Vereinigten Staaten ein beträchtliches und anhaltendes Interesse am Erfolg von
Dayton.
Dayton kann Erfolg haben. Und Dayton wird Erfolg
haben - wenn die Politiker in Bosnien die Verantwortung für die Zukunft ihres Landes übernehmen und
ihr Volk zum Aufbau des Friedens führen, den es
verdient, wenn die internationale Gemeinschaft nicht
die Geduld oder Entschlossenheit verliert und wenn wir
alle mit klarem Blick auf Bosnien schauen - nicht durch
eine rosarote Brille, aber auch nicht durch ein dunkles
Glas.

* * *

*

AMERIKA DIENST 20

�GLOBALISIERUNG
15. Oktober 1997

Globalisierung und Diplomatie
von Strobe Talbott

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Stellvertretenden Außenministers Strobe Talbott.
Copyright © 1997 Carnegie Endowment for International Peace. Veröffentlichung und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Foreign Policy, Herbst 1997.

Es war früher Morgen am Montag, dem 4. Oktober
1993, als sich in Moskau neue Probleme zusammenbrauten. Panzer hatten das Weiße Haus umstellt, das
riesige Parlamentsgebäude am Ufer der Moskva, in
dem sich die Abgeordneten des Obersten Sowjet einige schwer bewaffnet - dem Befehl Boris Jelzins
zuwider, die Legislative aufzulösen und Neuwahlen
anzuberaumen, verschanzt hatten. Nur Stunden zuvor
hatten bewaffnete Aufrührer das Büro des Moskauer
Bürgermeisters und die wichtigste Fernsehstation der
Stadt angegriffen.
Ich hatte die Nacht auf dem Sofa in meinem Büro im
siebten Stock des Außenministeriums verbracht. Um
3.00 Uhr ging ich den Gang hinunter zum Lagezentrum
- unserem Kommunikationszentrum - des Ministeriums, wo eine Einsatztruppe rund um die Uhr die sich
anbahnende Krise überwachte.
Von einem der
Telefone im Lagezentrum rief ich den Stellvertretenden
Außenminister Georgi Mamedow an, der in seinem
Büro in dem Stalin-gotischen Wolkenkratzer am
Smolensker Platz war, nur rund anderthalb Kilometer
von dem belagerten Parlament entfernt. Seit Beginn
der Kraftprobe vor 24 Stunden standen wir häufig in
Kontakt.

blutigen Ende kam. Nach gestaffelten Angriffen, die
den im Weißen Haus Verschanzten mehrere Gelegenheiten boten, sich zu ergeben, eroberten die Regierungstruppen das Gebäude zurück und verhafteten die
Oppositionsführer.
Die Vereinigten Staaten und Rußland hatten einen
langen Weg von der Politik des äußersten Risikos
wegen Berlin und Kuba in der Zeit des Kalten Krieges
zurückgelegt. Jetzt war der Krisenherd ein interner
Machtkampf in Rußland, eine Kraftprobe zwischen
einem demokratisch gewählten Machthaber und einer
reaktionären Legislative. Und statt ihn im Geheimen
hinter den Mauern des Kreml zu führen, wurde der
Kampf auch noch weltweit live für Millionen von
Zuschauern übertragen.
Hier war der "CNN-Effekt" am offensichtlichsten.
Ebenso wie der Sender es möglich gemacht hatte, daß
Mamedow und ich sahen, wie sich ein Ereignis in
Realzeit vor unseren Augen entfaltete, während wir die
Auswirkungen über das Telefon diskutierten, hatte die
Kommunikationsrevolution zur Umgestaltung dieses
Landes und unserer Welt beigetragen.
Von Bretton Woods bis Denver

Mitten in unserer Unterhaltung wurden wir beide
plötzlich still. Nach einem lagen Augenblick fragte
Mamedow: "Sehen Sie, was ich sehe?" Ich sah, was
er sah. Wir hatten beide CNN an. Der Sender hatte
mit der Liveübertragung russischer Kommandos
begonnen und zeigte, wie Schützenpanzer in Position
gingen, um das Weiße Haus zu stürmen. In der
nächsten halben Stunde sahen Mamedow und ich
gebannt zu und tauschten gelegentlich Eindrücke aus,
während die Schlacht zu ihrem dramatischen und

AMERIKA DIENST 20

In den achtziger Jahren hatten die sich selbst isolierenden Diktaturen von Chile bis zur Sowjetunion den
Idealen von Demokratie und freien Märkten nachgegeben, die über Radio, Fernsehen, Fax und E-mail
verbreitet wurden. Seit damals haben die mächtigen
technologischen Kräfte des Informationszeitalters abgesehen von der Unterminierung der Berliner Mauer
und der Zerstückelung des Eisernen Vorhangs - dazu
beigetragen, das wirtschaftliche, politische und

Seite 1

�kulturelle Leben von Nationen zu verknüpfen und die
Grenzen durchlässiger für den Fluß von Menschen,
Produkten und Ideen zu machen. Als Präsident Bill
Clinton im Juli Bukarest besuchte, nahm ihn sein
Gastgeber, Emil Constantinescu, ein demokratischer
Aktivist und Reformer, der sieben Monate zuvor zum
rumänischen Präsidenten gewählt worden war, in sein
Arbeitszimmer mit und zeigte ihm stolz den Computer,
der ihm Zugang zum Cyberspace verschaffte.
Für viele Millionen von Menschen bedeutet die Globalisierung größere Freiheit und größeren Wohlstand.
Aber für Millionen andere bedeutet der gleiche Prozeß
wirtschaftliche Nachteile und soziale Zerrüttung.
Streikende Arbeiter in Südkorea und Argentinien
lehnten Veränderungen ab, auf denen ihre Politiker
bestanden, weil sie zur Erfüllung der Erfordernisse der
Weltwirtschaft nötig waren. Der unerwartete Sieg der
Sozialistischen Partei bei den Parlamentswahlen in
Frankreich im Frühjahr war zum Teil auf die Besorgnis
der Wähler über die Globalisierung zurückzuführen. In
den Vereinigten Staaten haben politische Figuren wie
Ross Perot und Pat Buchanan auf ähnliche Ängste
gesetzt.
Nicht alle, die einen Fernseher in Reichweite haben,
denken, daß es ihnen deshalb besser geht - in der Tat
ist häufig genau das Gegenteil der Fall. In den Slums
der Megastädte der Welt gibt es Satellitenschüsseln,
und die Signale, die sie von Hollywood und der
Madison Avenue empfangen, können Unmut und
Ärger auslösen: Die Kommunikationsrevolution hat das
Potential, Revolutionen anderer Art zu schüren.
Die Globalisierung selbst ist weder gut noch schlecht.
Die Regierungen können ihre Auswirkungen nicht von
ihren Bürgern fernhalten, ohne sie auch vor ihren
Chancen und Vorteilen abzuschotten. Sie können sie
jedoch zu ihrem nationalen und internationalen Vorteil
nutzen.
Diese Aufgabe ist zwar ein zunehmend wichtiges und
explizites Thema der amerikanischen Diplomatie in der
Zeit nach dem Kalten Krieg - sie ist jedoch nicht neu.
Im wirtschaftlichen Bereich geht sie mindestens auf die
unmittelbare Nachkriegszeit sowie die Gründung der
Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in
Bretton Woods zurück. Drei Jahrzehnte später - 1975
- unternahmen die Staats- und Regierungschefs von
Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, der Vereinigten Staaten und Westdeutschlands gemeinsam
einen weiteren Schritt nach vorne. Sie kamen in dem
malerischen französischen Dorf Rambouillet zusammen um zu erörtern, wie sie den Handel erweitern, die Währungspolitik koordinieren und ihre
Verletzbarkeit durch steigende Ölpreise verringern
könnten. Es war das erste Treffen dieser Länder, das
im nächsten Jahr in London mit der Aufnahme Kanadas zum jährlichen Treffen der Gruppe der sieben
führenden demokratischen Industrienationen wurde.

Seite 2

Als die Nachfolger dieser Politiker sich zum 22. Mal im
Juni in Denver trafen, war auch Boris Jelzin dabei. Es
war das erste Mal, daß der Präsident der Russischen
Föderation von Anfang bis Ende an dem Gipfeltreffen
teilnahm. Ebenso wie die Zahl der Darsteller hatte sich
auch die Tagesordnung seit Rambouillet erweitert.
Transnationalen Bedrohungen wie dem Klimawandel,
der Verbreitung ansteckender Krankheiten und dem
internationalem organisierten Verbrechen wurde
ebenso viel Aufmerksamkeit gewidmet wie den
wirtschaftlichen Aspekten der Interdependenz. Muster
im Energieverbrauch, die Zahl der Impfungen von
Kindern und Drogentherapieprogramme - einstmals als
fast ausschließlich innenpolitische Probleme angesehen - waren zu Themen von internationalem Belang
und zum Ziel konzertierter Aktionen geworden.
Obwohl andere Nationen die Geld- und Haushaltspolitik der US-Regierung seit langem aufmerksam
beobachten, haben die innenpolitischen Aktionen der
Vereinigten Staaten inzwischen in zahllosen anderen
Bereichen zunehmende internationale Auswirkungen.
Die Europäische Union war anfänglich gegen die
beabsichtigte Fusion von Boeing und McDonnell
Douglas mit dem Argument, sie würde den Wettbewerb auf dem globalen Flugzeugmarkt unterminieren. Hochrangige mexikanische Regierungsvertreter
haben öffentlich erklärt, daß das Anfang dieses Jahres
in Kraft getretene neue amerikanische Einwanderungsgesetz die Rechte der in den Vereinigten Staaten
lebenden Mexikaner verletzt. Regulierungsbehörden
auf der ganzen Welt richten sich häufig nach der
amerikanischen Nahrungsmittelbehörde bei der
Genehmigung oder dem Verbot von Nahrungsmitteln
und Medikamenten mit Konsequenzen für Tausende
von Unternehmen und Millionen Verbraucher.
Aus dem gleichen Grund hat die Innenpolitik anderer
Nationen zunehmende Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten. Das Ausmaß, in dem Mexiko die
Umweltbestimmungen
des
Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens (NAFTA) umsetzt, wird die
Qualität von Luft und Wasser in Arizona, Kalifornien,
New Mexico und Texas beeinflussen. Das Ausmaß, in
dem China zum Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum bereit ist, wird Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer schaffen oder abschaffen.
Kolumbiens Fähigkeit und Bereitschaft, die Produktion
von Drogen einzustellen, wird das Kräftegleichgewicht
im Krieg gegen illegale Drogen in den Vereinigten
Staaten beeinflussen. Und im Gegenzug werden
Kolumbien und anderen Nationen auf der Angebotsseite des internationalen Drogenhandels nur Erfolg bei
ihrem Teil des Kampfes haben, wenn die Vereinigten
Staaten ihre Nachfrage im Inland reduzieren können.
Die dringende Notwendigkeit von Veränderungen
Globale Interdependenz beeinflußt die Art, in der
praktisch alle Regierungen über internationale Bezie-

AMERIKA DIENST 20

�hungen denken und Diplomatie praktizieren. Je mehr
sie in einem Prozeß engagiert und von ihm betroffen
sind, desto mehr müssen sie sich verändern. Für die
Vereinigten Staaten ist die Notwendigkeit von Veränderungen deshalb besonders zwingend und wird in
dem Gebäude, in dem ich arbeite, besonders akut
gespürt.
Das US-Außenministerium ist eine stolze Institution und sie ist zu Recht stolz. Aber die Empfindlichkeit
einer Institution gegen Reformen ist umgekehrt
proportional zu ihrer Ehrwürdigkeit, und das State
Department ist keine Ausnahme. Das Gebäude steht
in einem Stadtteil von Washington, der Foggy Bottom
(Nebelloch) heißt - ein Name, der zu einem manchmal
liebevollen, manchmal boshaften Spitznamen für das
Ministerium selbst geworden ist, mit nicht gerade
schmeichelhaften Implikationen für die Geistesverfassung der 13.000 Menschen, die dort und in
unseren 249 Vertretungen im Ausland arbeiten.
Während das Außenministerium versucht, die Trägheit
zu überwinden, die einer so großen Organisation mit
einer langen Geschichte inhärent ist, muß es auch mit
weniger finanzieller Unterstützung der Nation, der es
dient, mehr - und besser - arbeiten. Seit 1985 ist der
Etat der Vereinigten Staaten für internationale Angelegenheiten in realen Zahlen um 50 Prozent gesunken.
Er hat auch in relativen Zahlen abgenommen. 1984
betrugen die Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten 2,5 Prozent des Bundeshaushaltes; heute belaufen
sie sich auf ungefähr 1 Prozent. In den vergangenen
vier Jahren mußten wir 32 Botschaften und Konsulate
auf der ganzen Welt schließen. Obwohl die Haushaltsvereinbarung zwischen dem Weißen Haus und dem
Kongreß für 1998 diese nachteiligen Kürzungen zum
Teil wieder aufhebt, werden wir in absehbarer Zukunft
mit gravierenden Einschränkungen operieren. Nur
indem wir unsere Ressourcen sinnvoll einsetzen und
sie klüger verwalten, kann das Außenministerium die
Herausforderungen meistern, die sich der amerikanischen Diplomatie durch Globalisierung und Interdependenz stellen.
Global werden
Der bilaterale Ansatz von Regierung zu Regierung, der
traditionell das Hauptthema der amerikanischen
Diplomatie ist, reicht häufig für die Inangriffnahme von
Bedrohungen wie Terrorismus, Drogenhandel und
Umweltzerstörung nicht aus, die fast immer regional und sehr oft global - in ihrem Ausmaß sind. Diese
neuen Herausforderungen werden nur international
koordinierten, langfristigen Bestrebungen weichen.
Als Reaktion auf diese sich verändernden Realitäten
hat Präsident Clinton zu Beginn seiner Amtszeit die
Position eines Staatssekretärs für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium geschaffen, dem die

AMERIKA DIENST 20

Verantwortung für mehrere Büros des Außenministeriums übertragen wurde, die sich mit "funktionalen"
Querverbindungen befassen: Schutz der Umwelt,
Förderung von Demokratie und Menschenrechten,
Bewältigung der Bevölkerungs- und Migrationsprobleme sowie Strafverfolgung. Das hatte zur Folge,
daß diesen Zielen im politischen Entscheidungsprozeß
und in der Diplomatie erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit gab Vizepräsident
AI Gore einen umfassenderen Plan für Reformen und
die Eingliederung der Behörden für auswärtige Angelegenheiten in das Außenministerium bekannt, der teils
auch eine Reaktion auf die Globalisierung ist. Durch
die Integration des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung und des US-Informationsamts in das
Außenministerium und die Vorbereitung der teilweisen
Konsolidierung des Außenministeriums und des Amts
für internationale Entwicklung werden wir die Hauptaufgaben dieser Behörden besser in das Gefüge der
amerikanische Außenpolitik eingliedern können.
Die Vielfältigkeit, Größenordnung und Komplexität der
transnationalen Probleme und die gemeinsamen
Arrangements, mit denen wir auf ihre Bewältigung
hinarbeiten, erfordern auch ein Umdenken bei der
Einstellung und Ausbildung der Mitarbeiter des
Ministeriums. Wir unternehmen verstärkte Anstrengungen, Leute einzustellen, die bereits über Erfahrung
in Bereichen wie internationales Finanzwesen, Arbeitsfragen, Umweltpolitik und Strafverfolgung verfügen.
Wir erweitern den sogenannten Kernlehrstoff für die
Ausbildung von neu eingestellten Beamten. Das
Foreign Service Institute, das Zentrum des Außenministeriums für den Fremdsprachenunterricht,
Landeskundestudien und die Ausbildung in technischen Fertigkeiten, hat einen Kurs eingeführt, der
sich mit Themen wie Drogenhandel und Flüchtlingsströmen befaßt sowie mit dem sich ausdehnenden
globalen Markt für amerikanische Umwelttechnologien.
In der Zwischenzeit pflegen unsere Diplomaten im
Ausland in größerem Maße als je zuvor regionale und
transnationale Beziehungen, wobei die amerikanischen Beziehungen zu der jeweiligen Gastregierung
immer noch Priorität haben. Unsere Botschaften in
Lima und Quito arbeiten mit den Regierungen von
Argentinien, Brasilien und Chile bei der Lösung der
Grenzstreitigkeiten zwischen Ecuador und Peru
zusammen. Unsere Botschaft in Pretoria widmet einen
Großteil ihrer Energie der Zusammenarbeit mit der
südafrikanischen Regierung für Frieden in Angola und
im Kongo. Und unabhängig von unseren Differenzen
mit Peking engagieren wir uns gemeinsam mit den
Chinesen, Japanern und Südkoreanern für die andauernden Bestrebungen zur Verringerung der
Spannungen auf der koreanischen Halbinsel.

Seite 3

�Neue Maßnahmen, neue Partner
Die Globalisierung hat auch die Notwendigkeit einer
aktiven Rolle anderer Ministerien und Behörden der
US-Regierung bei der Verfolgung amerikanischer
Interessen im Ausland verstärkt - und der systematischeren Zusammenarbeit des Außenministeriums mit
ihnen. Diese Zusammenarbeit ist besonders eng bei
Wirtschafts-, Verteidigungs- und Strafverfolgungsangelegenheiten.
Wirtschaft. Da Handel und internationale Investitionen für die amerikanische Volkswirtschaft wichtiger
geworden sind, haben das Außenministerium und die
Wirtschaftsbehörden der US-Regierung ihre Zusammenarbeit erweitert und vertieft. Die während der
beiden vergangenen Jahre bei der Welthandelsorganisation erzielten Abkommen zum Abbau von
Zöllen und zur Verstärkung des weltweiten Handels mit
Informationstechnologie
und Telekommunikation
stehen für solche gemeinsamen Anstrengungen. In
Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium, dem
Büro der US-Handelsbeauftragten und der Bundesbehörde für das Fernmeldewesen haben Vertreter des
Außenministeriums im In- und Ausland eine entscheidende Rolle gespielt und sich mit Vertretern
amerikanischer Unternehmen vor Ort getroffen, um
unsere Verhandlungsstrategie zu verfeinern und
ausländische Regierungsvertreter in über 60 Ländern
zur Annahme der amerikanischen Positionen gedrängt.
Während die amerikanischen Diplomaten beim
Verfassen der Vorschriften und dem Aufbau der
Institutionen behilflich sind, die die globale Wirtschaft
leiten, verfechten sie auch aggressiv die Interessen
amerikanischer Unternehmen auf der ganzen Welt.
Das Ministerium arbeitet mit der Export-Import Bank
und anderen Bundesbehörden zusammen um sicherzustellen, daß amerikanische Firmen gleiche Wettbewerbschancen haben. Im Jahr 1995 erhielt NYNEX
dank der Vermittlung unserer Botschaften und des
Wirtschaftsministeriums den Zuschlag für ein
Unterwasser-Fiberoptikkabelprojekt in Höhe von 1,5
Milliarden Dollar, das Länder in Afrika, Asien und
Europa verbinden wird und erwartungsgemäß amerikanische Exporte von nahezu 650 Millionen Dollar und
mehrere Tausend amerikanische Arbeitsplätze
unterstützt.
Verteidigung. Lastwagen, die über den Potomac
hinweg zwischen Foggy Bottom und dem Pentagon
hin- und herfahren, sind nichts Neues. Dennoch hat
das Ende des Kalten Krieges der Zusammenarbeit
zwischen dem Außen- und dem Verteidigungsministerium eine neue Dimension verliehen. Wir arbeiten sehr
viel enger zusammen, um die Institutionen und Gewohnheiten der Demokratie auf der ganzen Welt zu
fördern. Durch friedenssichernde Operationen in für
amerikanische Interessen entscheidenden Regionen
und neue Sicherheitsarrangements wie der Partner-

Seite 4

schaft für den Frieden ermutigen wir die Unterstellung
der Streitkräfte unter ein ziviles Kommando, die
Respektierung internationaler Grenzen, den Schutz
der Rechte von Minderheiten und die Bewegungsfreiheit der Menschen.
Als die Vereinigten Staaten 1994 im Rahmen einer
internationalen Koalition Truppen zur Wiederherstellung der Demokratie nach Haiti entsandten,
erarbeitete die US-Regierung einen innovativen,
einheitlichen Plan für politisch-militärische Operationen. Er sollte sicherstellen, daß die zivilen und
militärischen Aspekte der Operation gleichzeitig und
mit der gleichen Präzision umgesetzt werden. Als die
Friedenstruppen die Angehörigen des haitianischen
Militärs entwaffneten, hatte das Amt für internationale
Entwicklung infolgedessen Programme bereit, um den
entmobilisierten Soldaten bei der Erlangung der
Qualifikationen behilflich zu sein, die sie für die
Reintegration in die bürgerliche Gesellschaft benötigten.
Strafverfolgung. Die sich abzeichnenden Bedrohungen durch das internationale organisierte Verbrechen
und Drogenhandel erfordern von unseren Diplomaten
die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden in bisher ungekanntem Ausmaß.
Beamte mit Fachgebiet Politik arbeiten mit Mitarbeitern
des Justizministeriums zusammen, die in entscheidenden regionalen Botschaften wie Moskau und Bangkok
stationiert sind, um bilaterale Ausweisungsverträge
und Abkommen auszuhandeln, mit denen die Regierungen Informationen über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft oder Polizei austauschen können. Und in
jede diplomatische Vertretung der Vereinigten Staaten
entsandte Konsularbeamte kooperieren in persona
und per Computer mit Agenten der Drogenbekämpfungsbehörde (DEA), dem FBI, der Einwanderungsund Einbürgerungsbehörde sowie den Nachrichtendiensten, um verdächtige Drogenschmuggler, Terroristen und Verbrecher aufzuspüren und ihnen die
Einreise in die Vereinigten Staaten zu verweigern.
In Budapest haben wir eine internationale Strafverfolgungsakademie eröffnet, um den neuen Demokratien des ehemaligen Sowjetblocks bei der Einführung der Rechtsstaatlichkeit behilflich zu sein, die
für eine gesunde Demokratie unerläßlich ist. Die vom
Außenministerium finanzierte und verwaltete Akademie
bringt Experten von FBI, DEA, Zollamt, Secret Service,
der Bundessteuerbehörde, dem Büro für Alkohol,
Tabak und Feuerwaffen und dem Energieministerium
zusammen, damit sie mit ihren Kollegen aus Zentraleuropa, den Neuen Unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion und Westeuropa die neuesten Verbrechensbekämpfungstechniken und -technologien austauschen können. In den nächsten Monaten
werden wir eine ähnliche Institution in Zentralamerika
gründen.

AMERIKA DIENST 20

�Zusammengenommen haben diese neuen Formen der
Zusammenarbeit die Zahl der in Übersee stationierten
Mitarbeiter der US-Regierung beträchtlich erhöht, die
nicht bei den herkömmlichen Behörden für auswärtige
Angelegenheiten beschäftigt sind. In der Tat sind 63
Prozent von ihnen, die jetzt unseren Botschaftern und
Gesandten unterstehen, keine Mitarbeiter des USAußenministeriums.
Während die Globalisierung
voranschreitet, wird diese Zahl wahrscheinlich ebenso
zunehmen wie die Herausforderung einer Koordinierung der Präsenz der amerikanischen Regierung im
Ausland.
"Multi-multilaterale" Arbeit
Obwohl die Globalisierung internationalen Zusammenhalt herbeiführt und internationalen Unternehmen
zusätzliche Befugnisse verleiht, hebt sie paradoxerweise auch die Grenzen nationaler Macht hervor.
Regierungen sind häufig zu schwerfällig, um effektiv
auf transnationale Bedrohungen zu reagieren - auch
wenn solche Bedrohungen innerhalb ihrer eigenen
Grenzen offenkundig sind. Teilweise infolgedessen
wird die politische Amtsgewalt von oben nach unten
und vom Zentrum nach außen auf kommunale und
regionale Regierungen und Gemeindeorganisationen
übertragen, die an der Basis arbeiten.
Aus diesem Grund versuchen viele Regierungen,
einschließlich der amerikanischen, knappe Ressourcen sorgfältig einzusetzen und ihre Fähigkeit zur
Inangriffnahme transnationaler Bedrohungen zu
verbessern, indem sie Koalitionen mit "nichtstaatlichen
Akteuren" bilden - multinationalen Unternehmen,
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen,
der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds. Diese Koalitionen gestatten den Vereinigten
Staaten nicht nur auf multilateraler, sondern auf multimultilateraler Ebene über mehrere Organisationen und
Institutionen gleichzeitig zu arbeiten.
In Bosnien arbeiten neun Behörden und Ministerien
der US-Regierung mit über einem Dutzend anderen
Regierungen, sieben internationalen Organisationen
und 13 wichtigen NGOs - vom Roten Kreuz über die
internationale Krisengruppe bis zum amerikanischen
Anwaltsverein - an der Umsetzung des Friedensabkommens von Dayton.
Im Nahen Osten haben die Vereinigten Staaten den
Vorsitz über eine multilaterale Arbeitsgruppe für
Wasserressourcen - eine Gruppe von 47 Ländern und
internationalen Organisationen, die an der Gewährleistung arbeiten, daß die gemeinsame Abhängigkeit
der Region von knappen Ressourcen nicht zu einer
Bedrohung der politischen Stabilität wird. Die Regierungen von Israel, Japan, Oman, Südkorea und der
Vereinigten Staaten haben das regionale NahostMeerwasserentsalzungszentrum in Maskat gegründet,

AMERIKA DIENST 20

um Forschungen zur Reduzierung der Kosten der
Entsalzung zu unterstützen.
Eine integrierte Arbeitsgruppe für Nahrungsmittelhygiene unter dem gemeinsamen Vorsitz des Außenministeriums, des Landwirtschaftsministeriums und
des Amts für internationale Entwicklung sondiert neue
Wege zur Anwendung von amerikanischem Wissen,
Technologie, Ressourcen und des Einflusses um
sicherzustellen, daß es genug Nahrungsmittel gibt, um
den Bedarf des nächsten Jahrhunderts zu decken.
Unter der Schirmherrschaft dieser Gruppe leitet die
amerikanische nationale Behörde für Ozeane und die
Atmosphäre eine internationale Initiative, die Regierungen, Privatunternehmen und NGOs zusammenbringt,
um die experimentelle Vorhersage saisonaler Klimamuster aufzunehmen, so daß die Aussaat des Getreides an den erwarteten jährlichen Niederschlag
angepaßt wird, wodurch die gravierendste Nahrungsmittelknappheit verringert werden kann.
Das Organigramm dieser Art von kollaborativen
Bestrebungen ist ein Patchwork von Kästchen, die
durch sich überschneidende und sich kreuzende
durchgezogene und gepunktete Linien miteinander
verbunden sind. Es obliegt häufig dem Außenministerium, die Arbeit der anderen Behörden der US-Regierung zu koordinieren und sicherzustellen, daß ihre
Unternehmungen einer übergreifenden und kohärenten Strategie dienen. Das Ministerium arbeit auch an
der Integration der staatlichen Bestrebungen der
Vereinigten Staaten in den Aufgabenbereich anderer
Regierungen - und zunehmend von NGOs und
anderen Organisationen.
Das Ende der Außenpolitik
Im Kontext der vielen globalen Probleme, mit denen
sich die Vereinigten Staaten heute konfrontiert sehen,
und auch im Kontext ihrer Lösung, wird das Wort
"ausländisch" unmodern. Von der Börse in Singapur
bis zum Dach der Welt über Patagonien, wo es ein
Ozonloch gibt, gilt: Was dort geschieht, ist hier von
Bedeutung - und umgekehrt. Das ist nicht nur eine
Tatsache und eine nützliche Kurzdefinition der Globalisierung selbst, es ist auch der ausschlaggebende
Punkt für diejenigen von uns, die inner- und außerhalb
der Regierung versuchen, Außenpolitik für die Amerikaner weniger ausländisch und relevanter zu machen.
Aufgrund des Fehlens einer großen, einigenden
Bedrohung, wie sie die Sowjetunion während des
Kalten Krieges darstellte, scheint die Notwendigkeit
des amerikanischen Engagements in der Welt offenkundig. Größtenteils infolgedessen hat das Interesse
der amerikanischen Öffentlichkeit und der Medien im
letzten Jahrzehnt merklich nachgelassen.
Um diesen Trend umzukehren, hat das Ministerium in
den vergangenen drei Jahren 40 "Gemeindeversamm-

Seite 5

�lungen" abgehalten, bei denen unsere Diplomaten
Themen vom Nahost-Friedensprozeß bis zur Förderung der Menschenrechte erörterten. In den ersten
20 Wochen ihrer Amtszeit hat Außenministerin Madeleine Albright 15 Reisen in den Vereinigten Staaten
unternommen, um mit den Amerikanern in Schulen,
Bibliotheken und vom Deck eines Flugzeugträgers aus
über Außenpolitik zu reden. Ebenso wie Präsident
Constantinescu von Rumänien hat sie das World Wide
Web benutzt, auf dem die Home Pages der Außenministerin und des Außenministeriums durchschnittlich
1,7 Millionen Zugriffe im Monat verzeichnen.

ternationalen Engagements vergrößern vielmehr
unsere Macht über unser eigenes Schicksal als Nation
- was die treffendste Definition von Souveränität ist.
NATO, NAFTA, die Chemiewaffenkonvention, die
Partnerschaft für den Frieden und unsere Beteiligung
an den Vereinten Nationen - so unterschiedlich sie in
der Zusammensetzung und Funktionsweise auch sind
- haben alle eines gemeinsam: Sie helfen den Vereinigten Staaten, die Kräfte der Interdependenz zu
kanalisieren und sie zum Vorteil unserer Bürger und
dem anderer Nationen zu nutzen, die unsere Interessen und Werte teilen.

Diese Art von "Einbeziehung", wie wir unsere öffentlichen Bildungsprogramme bezeichnen, ist sehr viel
mehr als ein speziellen Plädoyer für das Außenministerium oder seinen Haushalt. Es geht darum, an
der Heimatfront für das amerikanische Engagement
und den Aktivismus im Ausland triftige Gründe vorzubringen.

Wenn wir zustimmen, die allgemeinen Regeln einzuhalten, erhalten wir die Zusage anderer, nach
gegenseitig akzeptablen Standards in Bereichen wie
Arbeitsrecht, Recht auf geistiges Eigentum, Umweltschutz, Luftverkehrssicherheit und öffentlicher Gesundheit zu leben. Dabei schaffen wir auch die
Instrumente, mit denen wir die Einhaltung sinnvoll, fair
und durchsetzbar messen.

Im kommenden Jahr sehen sich die Vereinigten
Staaten einer Reihe wichtiger Entscheidungen gegenüber, von denen jede - im weitesten Sinne - eine
Entscheidung darüber sein wird, wie unser Land auf
die Chancen und Herausforderungen der Globalisierung reagiert. Wir müssen den Kongreß überzeugen,
daß die Erweiterung der NATO um mehrere
der neuen Demokratien in Zentral - und
Osteuropa die Stabilität einer Region erhöht,
in der über 500.000 Amerikaner in diesem
Jahrhundert ihr Leben gelassen haben,
daß die Ausdehnung des NAFTA auf andere
Nationen in Lateinamerika Arbeitsplätze in den
Vereinigten Staaten schaffen und das Wirtschaftswachstum ankurbeln wird,
daß die Annahme bindender Obergrenzen für
Treibhausgasemissionen bei der Konferenz
über Klimawandel in Japan im Dezember für
die langfristige Fähigkeit des Planeten, die
Umwelt zu erhalten, unerläßlich ist.
Gegner dieser und anderer Initiativen argumentieren
häufig, sie setzten die nationale Sicherheit aufs Spiel
oder würden sie verwässern. In der Tat ist das
Gegenteil der Fall. Gut ausgearbeitete internationale
Verpflichtungen und eine umfassende Strategie des in-

*

Seite 6

Andere Nationen sind zur Einhaltung dieser Standards
bereit, nicht nur weil sie Zugang zum amerikanischen
Markt suchen oder sich mit einer Weltmacht gut
verstehen wollen. Sie tun es, weil sie sich bewußt
sind, daß ein auf diesen Standards gründendes
System der Gleichberechtigung und Offenheit der
Schlüssel zu ihrer eigenen Fähigkeit ist, vom Phänomen der Globalisierung zu profitieren. Und das
bedeutet Zusammenarbeit, um die Evolution des
Phänomens selbst in die Richtung von gerechter
Wirtschaftsentwicklung, eines handhabbaren Bevölkerungswachstums, nachhaltiger Nutzung unserer
natürlichen Ressourcen sowie der Verbreitung und
Konsolidierung der Demokratie zu lenken.
Sechs Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges kann
man sagen, daß wir in gewisser Weise immer noch in
einer bipolaren Welt leben. Aber heute ist die Trennlinie nicht ein Eiserner Vorhang zwischen Ost und
West. Sie verläuft vielmehr zwischen den Kräften von
Stabilität und Instabilität, Integration und Desintegration, Wohlstand und Armut. Die Vereinigten Staaten
müssen bei diesem neuen Kampf eine zentrale Rolle
spielen, ebenso wie sie es in dem alten getan haben.
Und wieder einmal wird der Erfolg den vollen Einsatz
der diplomatischen Ressourcen der Vereinigten
Staaten auf der ganzen Welt - und in Foggy Bottom erfordern.

* * *

*

AMERIKA DIENST 20

�UMWELT
15. Oktober 1997

Unsere globale Zukunft: Klimawandel
von Timothy Wirth

LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 15. September 1997 in Kew Gardens gehaltene Rede
des Staatssekretärs für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy Wirth.

Mein zentrales Thema heute ist der Klimawandel. Ich
möchte die Verhandlungsposition der Vereinigten
Staaten zu diesem elementaren Thema im Vorfeld der
für Dezember anberaumten internationalen Konferenz
in Kyoto im Einzelnen erläutern. Ich möchte jedoch
damit beginnen, dieses Thema in einen Kontext zu
stellen, weil es in mehrerer Hinsicht typisch für die Art
von Bedrohungen und Chancen ist, mit denen wir uns
im 21. Jahrhundert konfrontiert sehen.
Überall auf der Welt beginnen die Nationen sich ihrer
Chancen und Verantwortung bewußt zu werden, über
die Krisen des Augenblicks hinaus auf die zugrundeliegenden Ursachen zu blicken, die die Welt immer
komplexer machen und die Prioritäten für die langfristige nationale Sicherheit und globale Stabilität neu
definieren. Sie müssen nur meine Erfahrungen und
die meiner Generation denen meiner Kinder und deren
Kinder gegenüberstellen.
Im August 1961 war ich Gefreiter und erlebte mit, wie
die Berliner Mauer errichtet wurde, und ich erinnere
mich, daß ich dachte, wir könnten zu einem Krieg in
Zentraleuropa verschifft werden. 30 Jahre später
saßen meine Kinder zusammen mit ungefähr 750.000
anderen jungen Leuten auf derselben Mauer, um ein
Pink Floyd-Konzert zu hören.
Für meine Generation war die Ost-West-Konfrontation
sicherlich eine prägende Erfahrung. Sie definierte, wer
wir als Land waren, was wir als wertvoll und was wir
als wichtig erachteten. Für meine Kinder ist der Kalte
Krieg ein sich im Rückspiegel immer weiter entfernender Gegenstand.
Das durch das Ende des Ost-West-Konflikts entstandene Vakuum hat verschiedene Vorschläge über

AMERIKA DIENST 20

unsere nationale Zielsetzung hervorgerufen. Einige
vertreten die Ansicht, die Mission der Vereinigten
Staaten sei nur innenpolitisch, und da sich unsere
Interessen und Pflichten auf der Welt maßgeblich
verringert hätten, sollten wir einfach eine starke
Verteidigung aufrechterhalten, um uns vor militärischen Bedrohungen und traditionellen Sicherheitsbelangen zu schützen. Diese Sichtweise ignoriert sehr
viel mehr als die zunehmende Interdependenz unseres
Planeten. Sie ignoriert das schreckliche Leid und die
verlorenen Chancen der Welt von heute. Und sie
ignoriert unsere Verantwortung, Fortschritte und
Hoffnung für die Zukunft sicherzustellen.
Wir sind es gewohnt, in solchen Faktoren wie Ideologie, Geopolitik, wirtschaftlichem Ungleichgewicht oder
in durch Nationalismus, Rasse und religiösen Fanatismus geschürtem intensivem Haß nach der internationalen Zielsetzung und den Ursachen für internationale Instabilität zu suchen.
Diesen Faktoren
müssen wir jetzt die enormen globalen Faktoren wie
rapides Bevölkerungswachstum, Klimawandel und den
Verlust der Artenvielfalt sowie die drohenden Folgen
hinzufügen:
Bodenerosion,
Luftverschmutzung,
Überweidung, abnehmende Frischwasservorräte,
ansteckende Krankheiten, Abbau der Ozonschicht und
viele andere. Selbst verglichen mit den komplexen
Erwägungen, die unsere nationale Sicherheitspolitik
während des Kalten Krieges bestimmten, sind die
neuen globalen Bedrohungen der internationalen
Stabilität beinahe verwirrend in ihrer Wechselwirkung
mit vom Menschen erzeugten Naturphänomenen. Alle
diese Faktoren sind durch eine komplexe Kette von
Ursache und Wirkung verbunden, die zu Problemen
führen, die selbst die nukleare Abschreckung als ein
einfaches Vorhaben erscheinen lassen. Die Berechnungen der Klimaveränderungen - um nur ein

Seite 1

�Beispiel zu nennen - stellen sogar die modernsten und
stärksten Computer, die für unsere Waffenprogramme
im Kalten Krieg entworfen worden waren, vor eine
Herausforderung.

Weideland erhalten wir Fleisch, Milch, Leder und
Wolle; Ozeane, Flüsse und Seen bringen Nahrungsmittel für den Menschen und Ressourcen für die
Industrie hervor.

Komplexität muß jedoch nicht der Feind eines kohärenten Konzepts für politisch orientierte globale
Themen sein. Von uns allen erfordert die Einbeziehung globaler Bedrohungen in die Definition globaler
und nationaler Sicherheit der Zeit nach dem Kalten
Krieg den Abbau von Schranken und - mit den Worten
von Abraham Lincoln - uns von alten Ideen und den
Paradigmen von gestern "zu befreien".

In der Sprache der Geschäftswelt könnte man sagen,
die Wirtschaft ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Umwelt. Aber wenn wir dieses ökologische
System verschmutzen, zerstören und unwiederbringlich aufs Spiel setzen, beginnen wir, die Wirtschaft
ernsthaft zu schädigen.

So attraktiv es einigen in unserem Kongreß auch
erscheinen mag - mit passiver Isolation werden wir
diese Pflichten nicht erfüllen können. Statt dessen
müssen wir neue Pflichten und neue Herausforderungen - Themen, die das 21. Jahrhundert definieren
werden - erkennen und uns an sie anpassen. Und
eine der wichtigsten ist nachhaltige Entwicklung - das
zentrale Konzept, das beim Erdgipfel im Jahr 1992
vereinbart wurde.

Das ist in Zentral- und Osteuropa geschehen, wo wir
die tiefgreifende Umweltzerstörung erst jetzt entdecken
und verstehen. In der Tat geschieht es überall auf der
Welt, selbst in vielen der Krisengebiete, die heute in
den Schlagzeilen stehen.

Wie Maurice Strang hier vor vier Jahren so klar
dargelegt hat, bedeutet nachhaltige Entwicklung im
Wesentlichen, daß die Volkswirtschaften der Welt
versuchen sollten, die Bedürfnisse der heutigen
Generation zu erfüllen, ohne Kompromisse zu machen
oder künftige Generationen zu berauben. Es ist ein in
der Erkenntnis des sich gegenseitig verstärkenden
wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen
Fortschritts wurzelndes Konzept.
Bedauerlicherweise ist das größte Hindernis beim
Streben nach nachhaltiger Entwicklung der Irrglaube,
daß der Schutz der Umwelt im Widerspruch zu
Wirtschaftsinteressen steht. Viel zu viele werden mit
dem Kopf nicken und sagen: "Ja, ich bin für Umweltschutz, solange er keine Arbeitsplätze kostet." Und in
eben dieser schrecklich falschen Analyse treffen wir
auf die grundlegende intellektuelle Herausforderung für
nachhaltige Entwicklung und das Gebot konzertierter
Aktion. Die Wahrheit ist, daß die Umwelt von grundlegender Bedeutung für die Wirtschaft ist.
Ökologische Systeme sind die entscheidende Grundlage unserer Gesellschaft - in der Wissenschaft, Landwirtschaft, bei der sozialen und wirtschaftlichen
Planung. Fünf unerläßliche biologische Systeme Felder, Wälder, Weideland, Ozeane sowie Flüsse und
Seen - unterstützen die Weltwirtschaft. Mit Ausnahme
von fossilen Brennstoffen und Mineralien liefern sie alle
Rohstoffe für die Industrie und alle unsere Nahrungsmittel: Felder liefern Nahrungsmittel, Tierfutter und die
endlose Vielzahl von Rohstoffen für die Industrie wie
Pflanzenöle; Wälder sind die Quelle für Brennstoff,
Holz, Papier und zahllose andere Produkte und bergen
wertvolle Wasserscheiden, die Trinkwasser für
wachsende städtische Gebiete bereitstellen; durch

Seite 2

Ist das nur ein theoretisches Konzept? Nein.

Zum Beispiel:
In Ruanda geschah das unbeschreiblich brutale
Massaker von 1994 vor dem Hintergrund des explodierenden Bevölkerungswachstums, der Umweltzerstörung und der ungleichen Verteilung der
Ressourcen. Ruandas Geburtenrate zählt zu den
höchsten der Welt - über acht Kinder pro Frau. Das
einstmals reiche Farmland der Nation ist so stark
ausgebeutet und zerstört, daß zwischen 1980 und
1990 - einer Zeit beispiellosen Bevölkerungswachstums - die Nahrungsmittelproduktion dramatisch sank.
Im Staat Chiapas in Mexiko haben Jahrzehnte von
Konflikten wegen der Ressourcen zu der Rebellion in
Mexikos krisengeschütteltster Region geführt. Die
ungleiche Verteilung von Land und das rasche Bevölkerungswachstum haben die armen Bauern - meistens
Einheimische - gezwungen, sich mühsam mit der
Bewirtschaftung von umweltgefährdetem Land auf den
Hochebenen durchzuschlagen. Aber dieser Boden ist
schnell ausgelaugt, wodurch die zunehmende Bevölkerung noch weiter in die Armut gestürzt wird. Ein
ähnlicher Zyklus wurde an so unterschiedlichen Orten
wie den Philippinen, dem Himalaja, der Sahelzone,
Indonesien, Brasilien und El Salvador beobachtet.
In Haiti sind schwindende Ressourcen von noch
zentralerer Bedeutung für den sozialen Kollaps, der die
Insel erfaßte, die einst das Kronjuwel des Französischen Imperiums war. Nahezu völlig entwaldet, der
schlechte Boden mit jeder Generation in kleinere und
weniger produktive Parzellen unterteilt, wurden diese
Probleme verschärft durch eine ausbeuterische
Regierung, die die knappen Ressourcen erschöpfte
und nicht in ihr Volk investierte. Über diesem umweltpolitischen, wirtschaftlichen und politischen Kollaps
schwebt drohend die Tatsache, daß Haitis Bevölkerung von sieben Millionen - denen schon jetzt in keiner
Hinsicht Lebensuntererhalt geboten werden kann -

AMERIKA DIENST 20

�sich voraussichtlich in den nächsten 18 Jahren
verdoppelt.

Planeten unter enormem Druck stehen. Wir zerstören
unsere eigenen Überlebenssysteme.

Und in China - wo 20 Prozent der Weltbevölkerung
leben - bedrohen ernsthafter Wassermangel und
Bodenerosion die Fähigkeit des Landes, seine Bevölkerung zu ernähren. Zwischen 1987 und 1990 nahm
Chinas anbaufähiger Boden um rund 50 Millionen
Acker ab - ein Gebiet von der Größe aller Bauernhöfe
in Frankreich, Deutschland, Dänemark und den
Niederlanden zusammengenommen. Diese Bodenerosion führt zu einem Exodus aus dem verarmten
Inneren des Landes zu den boomenden Küstenstädten. China und die Erfordernisse seiner raschen
Industrialisierung rasen auf einen Umweltabgrund zu,
in den seine Volkswirtschaft bald mit voller Geschwindigkeit stürzen wird. Einige dieser gefährlichen Trends
sind das Produkt der Armut. 1,8 Milliarden Menschen
auf der Welt leben in schrecklicher Armut. Mehr als 2
Milliarden leben ohne Zugang zu angemessenen
Sanitäreinrichtungen.

Die rasche Zerstörung unserer lebenserhaltenden
Systeme illustriert unsere Interdependenz mit der
Natur und unsere sich wandelnden Beziehungen zu
dem Planeten.

Arme Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika
benötigen verzweifelt Brennstoff und bebaubaren
Boden. Ihre Bedürfnisse und ihre Zahl machen sie zu
unwissenden, aber mächtigen Kräften der Zerstörung,
sei es in tropischen Regenwäldern oder auf umweltgefährdeten Hügeln - eine Tragödie für die Umwelt
und ihre eigene Zukunft.
Aber Armut ist nicht die einzige - oder die schlimmste Kraft, die die globale Umwelt vergiftet.
Der Appetit der Wohlhabenden auf Holzprodukte ist für
die Wälder von Malaysia, Indonesien, der Philippinen,
Brasilien und der Vereinigten Staaten eine gleich
große Bedrohung.
Der Großteil des Grundwassers, das unserer Zukunft
entzogen wird, fließt in die erleuchteten Städte derjenigen, die alles haben, nicht auf das ausgedörrte Land
derjenigen, die nichts haben.
Eben diese Städte und wir, die darin leben, heizen die
Erderwärmung an.
Wir lernen auch, daß Umweltkapital nicht einfach
gemessen werden kann, indem man Bäume, Fischbestände oder Kornähren zählt. Es umfaßt auch
komplexe ökologische Systeme, die Abwässer filtern,
den Boden regenerieren, das Wetter und die klimatischen Bedingungen bestimmen und die Frischwasservorräte auffüllen. Diese Systeme, die jetzt in einem
neuen, aufregenden und fesselnden Gebiet der
ökologischen Wirtschaft als Dienstleistungen im
Umweltbereich bezeichnet werden, erlauben uns das
Leben auf dieser Erde. Der Abbau der Ozonschicht,
der Verlust der Artenvielfalt und der zunehmende
Kohlendioxidgehalt unserer Atmosphäre sind Reflexionen der Tatsache, daß die ökologischen Systeme des

AMERIKA DIENST 20

Unsere Sicherheit ist untrennbar mit diesen Trends
verbunden. Die Sicherheit unserer Welt hängt davon
ab, ob wir ein tragfähiges, ausgewogenes Gleichgewicht zwischen der Anzahl der Menschen und der
Fähigkeit des Planeten zum Erhalt des Lebens
schaffen können.
Warum wurden diese neuen Aspekte der Sicherheit
erst kürzlich erkannt? Zwei Trends sprechen für sich.
Erstens das exponentielle Wachstum der Bevölkerung.
Die Weltbevölkerung hat sich seit 1950 verdoppelt und
beläuft sich jetzt auf nahezu sechs Milliarden. Jedes
Jahr nimmt die Welt um weitere 91 Millionen Einwohner zu - das entspricht einem weiteren New York
jeden Monat, einem weiteren Mexiko jedes Jahr, einem
weiteren China jedes Jahrzehnt. 95 Prozent dieses
Wachstums finden in den verarmten Entwicklungsländern statt, die schon jetzt darum kämpfen, Arbeitsplätze und den Lebensunterhalt für ihre Bewohner
bereitzustellen.
Gleichzeitig haben die Industrienationen die Fähigkeit
und das Konsumverhalten entwickelt, in einer Geschwindigkeit Ressourcen zu verbrauchen und Müll zu
produzieren, die in der Menschheitsgeschichte
ihresgleichen sucht. Obwohl wir nur ein Fünftel der
Weltbevölkerung ausmachen, verbrauchen die
Industrienationen zwei Drittel aller konsumierten
Ressourcen und produzieren vier Fünftel aller Schadstoffe und Abfälle.
Wir manövrieren uns also in eine schreckliche Lage die Bevölkerung der Welt nimmt in einem Maße zu,
dem nur unsere wachsende Fähigkeit, Ressourcen zu
konsumieren und Müll zu produzieren, entspricht oder
diese übertrifft. Der Kurs, auf dem wir uns zur Zeit
befinden, ist unhaltbar.
Ein besonderes Anliegen für uns in den Vereinigten
Staaten sind die "Großen Drei": Bevölkerung, Artenvielfalt und Klimawandel. Unseres Erachtens haben
alle drei große Dringlichkeit.
Obwohl es zutrifft, daß das Bevölkerungswachstum
abnimmt, ist die Grundlage, auf der diese Rate angewandt wird, größer als je zuvor in der Weltgeschichte.
Nahezu die Hälfte der heutigen Bevölkerung ist 15
Jahre oder jünger - sie tritt gerade ins geburtenfähige
Alter ein. Ein Großteil der Zukunft der Welt wird davon
abhängen, ob diese neuen jungen Eltern zwei, drei,
vier oder mehr Kinder haben. Aufgrund des Kairoer

Seite 3

�Aktionsprogramms wissen wir, was wir tun müssen.
Wir müssen es jetzt tun.

mit enormen Versprechungen für die Nachwelt verbunden werden können.

Das Zweite der "Großen Drei" ist die Artenvielfalt, das
Hauptthema von Kew Gardens und Ihrer hervorragenden Arbeit auf der ganzen Welt. Wir müssen uns der
Notwendigkeit bewußt werden, über die abstrakten
Worte der Erhaltung und Nutzung unseres biologischen Erbes hinauszugehen. Ich bin immer mehr
davon überzeugt, daß das Thema Artenvielfalt in nicht
allzu ferner Zukunft alle anderen in den Schatten stellt.

Und jetzt zum Dritten der "Großen Drei": Klimawandel.
Die durch unsere jährliche Emission von Milliarden
Tonnen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in die Atmosphäre verursachte Erderwärmung
wird wahrscheinlich enorme Auswirkungen auf jeden
Aspekt der natürlichen Ordnung haben. Wir müssen
über den Klimawandel als Problem der nachhaltigen
Entwicklung und als globales Problem nachdenken.

Das 21. Jahrhundert wird zweifelsohne das Jahrhundert der Biologie. Mehr als 50 Prozent der am
meisten verkauften Pharmazeutika von heute kommen
bereits direkt von pflanzlichen Biochemikalien, und
viele geheime Versprechen erwarten uns: Ein
Immergrün-Betrieb in Madagaskar liefert ein Mittel
gegen bestimmte Formen von Leukämie, Brustkrebs
und Krebsarten, die Kinder befallen. Fingerhut, eine
Pflanze aus der Familie der Löwenmäulchen, auch als
Digitalis bekannt, ist der Grundstoff für ein wichtiges
Medikament, das bei chronischem Herzversagen
eingesetzt wird. Chinin, das aus der Rinde eines
Strauchs aus der Familie der Kaffeepflanzen gewonnen wird, war ein Jahrhundert lang das Hauptmittel
gegen Malaria; und Penizillin, das wichtigste und
berühmteste Antibiotikum, wurde aus gewöhnlichem
Schimmel entwickelt.

Unserer Ansicht nach sind die wissenschaftlichen
Fakten überzeugend:

Die Liste geht immer weiter, bietet unermeßliche Hilfe
und Beruhigung für die Menschheit und schafft
Dollarmärkte in Milliardenhöhe.
Entsprechend entstammt auch unsere Nahrungsmittelbasis dem Reservoir der Natur. Nur drei Arten
von Getreide - Reis, Weizen und Mais - sind beispielsweise die Hauptnahrungsmittel des Menschen,
dennoch ist die Fülle in der Natur viel größer.
Wir können die Entfernung zum Mond auf Zentimeter
genau messen, aber wir haben noch nicht das Wunder
der Arten unserer eigenen Welt erforscht. Gibt es 10
Millionen, 50 Millionen oder 100 Millionen, und welche
genetischen Wunder versprechen sie? Sicherlich ist
das die allerwichtigste Grenze der Zukunft, innerhalb
der wir nach Nahrungsmitteln, Brennstoff, Pharmazeutika oder Fasern suchen können, wie wir einst nach
Gold in Südafrika oder Silber im amerikanischen
Westen gesucht haben. Leider wird das in den
Vereinigten Staaten nicht genug verstanden; es sind
Kräfte in unserem Land im Gange, die eine biologische
Übersicht unserer Nation vereiteln, das Artenschutzgesetz außer Kraft setzen und den internationalen
Vertrag über Artenvielfalt ignorieren wollen. Eine der
größten uns konfrontierenden Herausforderungen ist
die Veränderung der Begriffe der biologischen Debatte, so daß sie als eine phänomenale Zukunft verstanden wird, in der wir beweisen können, daß wirtschaftlicher Wohlstand und die Erhaltung der Umwelt

Seite 4

Die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre
wird durch anthropogene Treibhausgasemissionen
verändert. Die kontinuierliche Ansammlung dieser
Gase wird den natürlichen Treibhauseffekt vergrößern
und eine Veränderung des globalen Klimas bewirken.
Auf der Grundlage dieser und zusätzlicher wissenschaftlicher Fakten wurde in der zweiten globalen
Studie des zwischenstaatlichen Gremiums für den
Klimawandel (IPCC) berichtet, "die vorliegenden
Beweise legen nahe, daß es einen erkennbaren
menschlichen Einfluß auf das globale Klima gibt".
Mit dieser letzten Erkenntnis wurde zum ersten Mal ein
Konsens zwischen führenden Klimaforschern erzielt,
daß die sich verändernden Klimabedingungen der Welt
mehr als die natürlichen Unbeständigkeiten des
Wetters sind. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse der
IPCC haben die zwingenden Fakten des wissenschaftlichen Verständnisses dieses Problems noch
unterstrichen.

Dennoch besteht weiterhin Unsicherheit. Die Wissenschaftler können uns noch nicht genau sagen, wie
sehr, wann oder in welcher Geschwindigkeit das Klima
der Erde auf die Ansammlung der Treibhausgase
reagieren wird. Anhand der bestmöglichen Schätzung
auf der Grundlage dessen, was über das komplexe
Klimasystem bekannt ist, vertreten die Wissenschaftler
jedoch die Ansicht, daß die derzeitigen Emissionstrends (die in den nächsten Jahrzehnten die effektive
Verdoppelung von vorindustriellen Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre zur Folge haben
werden) zu globalen Temperaturen führen werden, die
im Durchschnitt 2 bis 6,5 Grad wärmer sind als heute
und in einem Maße steigen, das größer ist als je zuvor
in den vergangenen 10.000 Jahren.
Auf der Grundlage dieser Schätzungen deuten die
besten wissenschaftlichen Beweise darauf hin, daß der
vom Menschen verursachte Klimawandel, wenn er
unvermindert anhält, tiefgreifende Konsequenzen für
die Wirtschaft und die Lebensqualität künftiger Generationen haben könnte:

AMERIKA DIENST 20

�Die menschliche Gesundheit steht durch die projizierte
Zunahme von durch Hitze herbeigeführten Todesfällen
und der Verbreitung von Krankheiten wie Malaria,
Gelbfieber und Cholera auf dem Spiel. In der Tat
sehen die Weltgesundheitsorganisationen die Auswirkung des Klimawandels als eine der größten
Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit im 21.
Jahrhundert.
Die Nahrungsmittelsicherheit könnte durch eine Reihe
von Auswirkungen der Erderwärmung bedroht sein,
wenn die Felder sich nach Norden verlagern und
einige Regionen der Welt sich einer ernsthaften
Nahrungsmittelknappheit ausgesetzt sehen.
Das
macht die Arbeit von Kew Gardens an ihrer Saatenbank außerordentlich relevant und wichtig für dieses
Problem.
Die Wasserressourcen werden erwartungsgemäß
immer mehr beansprucht mit beträchtlichen Kosten für
die Wirtschaft, Gesellschaft und die Umwelt in Regionen, deren Wasservorräte bereits begrenzt sind, und
vielleicht mit politischen Kosten an Orten, wo es bereits
einen Konflikt wegen begrenzter Ressourcen gibt.
Die Küstengebiete - wo ein hoher Prozentsatz der
Weltbevölkerung lebt - sind aufgrund des Anstiegs des
Meeresspiegels in Gefahr. Allein in den Vereinigten
Staaten schätzen unsere Planer die Kosten für den
Schutz der Küsten vor einem Anstieg von einem Meter
auf 100 bis 300 Milliarden Dollar.
Unserer Ansicht nach hat das IPCC den politischen
Entscheidungsträgern gegenüber eindeutig bewiesen,
daß zur Bewältigung diese Herausforderung weitere
Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Die Maßnahmen der Vereinigten Staaten zum Klimawandel stützen sich auf diese wissenschaftlichen
Fakten - das Risiko ist zu groß, um ignoriert zu
werden, und wir müssen jetzt handeln.
Unsere Vorschläge enthalten drei zentrale Komponenten:
Wir schlagen vor, daß alle Industrienationen realistische und erreichbare Ziele und Zeitpläne für die
beträchtliche Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen festlegen.
Wir schlagen vor, daß die Entwicklungsländer Fortschritte bei ihren im Rahmen des Vertrags zum
Klimawandel eingegangenen Verpflichtungen erzielen
müssen und darüberhinaus einem Prozeß zustimmen,
der sicherstellt, daß sie eine Verpflichtung zu eigenen
bindenden Emissionsbegrenzungen eingehen.
Und schließlich schlagen wir die Einrichtung eines
Systems handelbarer Emissionszertifikate und andere
Marktmechanismen vor, die die Kosten der Emissions-

AMERIKA DIENST 20

begrenzungen in den Industrie- und Entwicklungsländern senken.
Ich möchte jeden dieser drei Aspekte unseres Vorschlags im Einzelnen ansprechen.
Ich möchte mit unserer Idee eines Systems handelbarer Emissionszertifikate und den Marktmechanismen
beginnen, weil wir sie als unerläßlich für unseren
Vorschlag insgesamt ansehen - sowohl im Hinblick auf
die Umwelt als auch auf die Wirtschaft. Unseres
Erachtens können diese Marktmechanismen die
Kosten der Umsetzung beträchtlich verringern - und
uns dadurch in den Industrie- und Entwicklungsländern
gleichermaßen sehr viel größere Emissionsverringerungen ermöglichen.
In den Vereinigten Staaten wurde das Konzept des
Handels mit Emissionszertifikaten erfolgreich für die
bis zu zehnfache Verringerung der Kosten der Einhaltung der Standards eingesetzt, die für Kraftwerksemissionen von Schwefeldioxid festgesetzt wurden.
Im Zusammenhang mit dem Klimawandel stellen wir
uns vor, daß die beteiligten Nationen und ihre Privatunternehmen mit den Zertifikaten für Treibhausgasemissionen handeln dürfen und damit dort die Möglichkeit zur Reduzierung von Emissionen schaffen, wo
dies am billigsten ist. Ein solches Programm könnte
die Kosten der Emissionsverringerung um bis zu 50
Prozent senken.
Es muß ein internationales Regime für den Handel mit
Emissionszertifikaten entworfen und umgesetzt
werden. Wir müssen ein zuverlässiges System der
Überwachung und Verifizierung einführen um sicherzustellen, daß jeder die Regeln einhält - das trifft
jedoch auf fast alle internationalen Abkommen zu, von
Rüstungskontrolle bis zum Recht auf geistiges Eigentum.
Ein weiteres Schüsselelement unserer Klimastrategie
ist gemeinsame Umsetzung. Wir schlagen vor, daß
Privatunternehmen in Industrienationen Projekte zur
Emissionsverringerung in Entwicklungsländern einführen und diese Reduzierungen gegen ihre eigenen
Emissionen aufrechnen. Unseres Erachtens kann die
gemeinsame Umsetzung von dem Fachwissen und
Kapital des Privatsektors profitieren, um die globalen
Treibhausgasemissionen in kostengünstiger Weise zu
verringern.
Die Vereinigten Staaten haben bereits viele erfolgreiche Demonstrationsprojekte für gemeinsam durchgeführte Aktivitäten in die Wege geleitet, von Wiederaufforstung bis zu Energieeinsparung, von Costa Rica
bis zur Tschechischen Republik, von Belize über
Bolivien bis Rußland.
Wie diese Projekte bewiesen haben, kann die gemeinsame Umsetzung sehr viel mehr bewirken als nur die

Seite 5

�Kosten verringern. Die Entwicklungsländer müssen
aus einem solchen System durch den Transfer
modernster Technologien und Unternehmenspraktiken
substantielle und langfristige Vorteile ziehen. Wie wir
in Mittelamerika gesehen haben, können Projekte für
die gemeinsame Umsetzung darüber hinaus einen
unschätzbaren Mechanismus zum Schutz der Wälder
und anderer entscheidender Lebensräume auf der
ganzen Welt bieten.
Wir sehen die Kombination des Handel mit Emissionszertifikaten mit gemeinsamer Umsetzung als eine
umfassendere "grünere" Alternative zu der Idee einer
europäischen "bubble" und anderen rein regionalen
Schemata. Klimawandel ist ein globales, kein regionales Problem, und die Mechanismen, die wir zur
Kostenreduzierung einführen, sollten so umfassend
wie möglich sein. Um ganz sicher zu gehen, sollten
wir die europäischen Regierungen und Unternehmen
zur Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und
Australien, Rußland und Japan, China und Indien
ermutigen. Das Leitprinzip sollte die Maximierung der
Vorteile für die Umwelt mit niedrigsten Kosten sein.
Wir sollten die Emissionen reduzieren, wo immer und
wann immer wir können, selbst wenn dies das Überqueren nationaler oder regionaler Grenzen bedeutet.
Geringere Kosten werden uns wiederum in die Lage
versetzen, sehr viel bedeutendere Reduzierungen von
Treibhausgasemissionen anzustreben und dann zu
erlangen.
Gleichzeitig denken wir, daß alle Industrienationen
signifikante Maßnahmen zur Emissionsreduzierung
ergreifen sollten. Das ist ein Problem, das jede Nation
betrifft, und jede Nation muß Teil der Lösung sein.
Aber im Gegensatz zum Handel mit Emissionszertifikaten würde die "EU-bubble" ein System schaffen, in dem Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland wenig oder keinen Anreiz zur Begrenzung
ihrer Emissionen haben - in der Tat würde der aktuelle
Vorschlag der EU diese Länder zu einer Erhöhung
ihrer Emissionen um bis zu 40 Prozent über das
Niveau von 1990 ermutigen. Das ist nicht der beste
Weg zur Verringerung der Emissionen insgesamt, und
es ist nicht das richtige Signal, das wir den seit kurzem
zu den Industrienationen zählenden Ländern wie
Mexiko und Korea senden wollen.
Das bringt mich zu den Zielen und Zeitplänen für die
Emissionsverringerung in Industrienationen.
Präsident Clinton ist sich bewußt, daß die Vereinigten
Staaten als das Land, das die meisten Treibhausgase
emittiert, ein gutes Beispiel für andere Nationen auf der
Welt geben müssen. Aus diesem Grund haben der
Präsident und seine Kabinettsmitglieder jetzt eine
intensive Aufklärungskampagne eingeleitet, um die
Amerikaner und den Kongreß davon zu überzeugen,
daß das Problem des Klimawandels real und drohend
ist. Und aus diesem Grund hat Präsident Clinton

Seite 6

versprochen, daß "wir zu der Konferenz von Kyoto
eine starke Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu
realistischen und bindenden Obergrenzen mitbringen,
die unsere Treibhausgasemissionen beträchtlich
reduzieren werden". Unseres Erachtens werden
Marktmechanismen wie die von mir erörterten die
Erlangung bedeutender Emissionsreduzierungen in
kosteneffektiver Weise ermöglichen.
Aber selbst mit solchen Mechanismen gibt es Grenzen
dessen, was wir in Kyoto vereinbaren können oder
sollten. Man kann sehr wohl sagen, daß jedes unserer
Länder in den nächsten zwei Jahrzehnten die Emissionen um 15 oder 20 Prozent unter das Niveau von 1990
senkt. Wir müssen jedoch ehrlich bezüglich dessen
sein, was realistisch erreicht werden kann, und wir
müssen unsere Versprechen halten. Sonst wird der
gesamte internationale Verhandlungsprozeß über den
Klimawandel zu politischen Positionen verkommen,
und - mit keinem Abkommen in Sicht - werden die
Emissionen weiterhin rasch ansteigen.
Im vergangenen Jahrzehnt hat Großbritannien schwierige und bewundernswürdige Entscheidungen zur
Senkung der Energiesubventionen getroffen. Damit
geben Sie ein gutes Beispiel für andere Nationen auf
der Welt, die in den kommenden Jahren ähnliche
Entscheidungen fällen müssen. Wir beglückwünschen
Premierminister Blair zu seinem enthusiastischen und
öffentlichen Engagement für weitere Emissionsreduzierungen.
Wahrscheinlich werden im Jahr 2000 Großbritannien,
Deutschland und die Nationen der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas die einzigen Industriestaaten
sein, die ihre Emissionen auf dem Stand von 1990
eingefroren haben. Deutschland wird seine Emissionsziele durch die Schließung von Fabriken in der
ehemaligen DDR erreichen, während Rußland und
seine osteuropäischen Nachbarn das nur durch
massive, extrem schmerzhafte wirtschaftliche Umstrukturierungen tun können.
Mit Blick auf das Gesamtbild müssen wir uns auch
bewußt werden, daß Aktionen der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und anderer Industriestaaten allein
nicht ausreichen, um die Welt auf den Weg zu stabilen
Treibhausgaskonzentrationen zu bringen. Wie ich
bereits darlegte, ist Klimawandel eine globale Frage,
die eine weltweite Antwort erfordert. Wir haben nur
eine Atmosphäre - ob sie nun durch amerikanische
Kraftwerke, brasilianische Stahlwerke oder koreanische Verkehrsstaus verschmutzt wird.
Zur Zeit entfallen ungefähr 60 Prozent der globalen
Emissionen auf die Industriestaaten. Aber auch die
Emissionen der Entwicklungsländer steigen schnell an
und werden im Jahr 2020 mehr als die Hälfte der
weltweiten Emissionen ausmachen. China - das im
Hinblick auf Treibhausgasemissionen weltweit bereits

AMERIKA DIENST 20

�an zweiter Stelle steht - wird die Vereinigten Staaten in
den nächsten 15 Jahren übertreffen, weshalb es
dringend geboten ist, daß in Zukunft jeder Schritt
Aktionen von Industriestaaten und Entwicklungsländern gleichermaßen beinhaltet.
Ich sollte noch hinzufügen, der Kongreß der Vereinigten Staaten teilt unsere Ansicht, daß eine Beteiligung der Entwicklungsländer sehr wichtig ist.
Tatsächlich zeigte der Senat vor kurzem durch ein
Votum von 95 zu 0, daß er nur dann einem Abkommen
zum Klimawandel zustimmen wird, wenn es spezifische Bestimmungen zur Bewältigung dieses Problems beinhaltet. Viele meiner früheren Kollegen im
Senat halten das für ein Problem des Wettbewerbs.
Ein großer und steigender Prozentsatz der amerikanischen Exporte geht in die Entwicklungsländer; wir
konkurrieren auf der ganzen Welt mit China, dem
weltweit größten Exporteur von Verbrauchsgütern.
Sehr viele Amerikaner machen sich Sorgen, daß ein in
Kyoto geschlossenes Abkommen zum Export ihrer
Arbeitsplätze ins Ausland führen könnte.
Wir erachten die Beteiligung der Entwicklungsländer
als wesentlichen Bestandteil eines umfassenden
Abkommens von Kyoto - zusammen mit den rechtlich
bindenden Verpflichtungen der Industriestaaten und
der Schaffung eines kostengünstigen Mechanismus zu
seiner Umsetzung. Es gibt mehr als 100 Entwicklungsländer, die sich im Hinblick auf ihre Größe und

Nationen ihre Energieeffizienz verbessern, Subventionen abschaffen, eine marktorientierte Preisfestsetzung
unterstützen, den Einsatz erneuerbarer Energien
verstärken, Investitionen in umweltfreundliche Technologien erleichtern und die Entwicklung und den
umweltfreundlichen Umgang mit den Wäldern und
anderen Kohlenstoffsenken und -reservoiren fördern
sollten. All diese Maßnahmen sind wirtschaftlich
gerechtfertigt und können auch zur Lösung anderer
Umweltprobleme beitragen.
Wie sollten wir die Entwicklungsländer kategorisieren?
Sie sind nicht alle gleich. Einige tragen aufgrund ihrer
großen Volkswirtschaften die Verantwortung für einen
beträchtlichen Teil der globalen Emissionen. Andere
haben ein höheres Pro-Kopf-Einkommen, was sie in
die Lage versetzt, mehr Pflichten zu übernehmen.
Unterscheidungen zwischen den einzelnen Entwicklungsländern sind gerechtfertigt, und unseres Erachtens begründen sie die Schaffung einer besonderen Klasse von Nationen, die um freiwillige Festsetzung von Zielen für ihre Emissionen gebeten würden.
Diese Nationen dürften dann mit ihren Emissionszertifikaten handeln.
Drittens müssen wir uns mit der dringenden Notwendigkeit eines Regimes befassen, innerhalb dessen alle
Nationen - insbesondere die größeren und reicheren gleichberechtigte Partner bei der Reaktion auf die
Bedrohung des Klimawandels werden. Das bedeutet,

ihren Entwicklungsstand stark unterscheiden; aber

daß Kyoto ein erster Schritt in einem Prozeß wird, der

jede dieser Nationen kann und sollte Aktionen ergreifen, die ihren Fähigkeiten und Pflichten entsprechen.

über viele Jahre hinweg fortgesetzt werden muß.
Unsere Arbeit wird in Kyoto nicht beendet, aber es ist
wichtig, daß sie mit einem ernsthaften und engagierten
ersten Schritt beginnt.

Der Vorschlag der Vereinigten Staaten für die Beteiligung der Entwicklungsländer enthält drei Elemente:
Erstens rufen wir alle Nationen - Industriestaaten und
Entwicklungsländer - dazu auf, die Umsetzung ihrer
bestehenden Verpflichtungen zur Ergreifung von
Maßnahmen zum Klimaschutz zu fördern.
Zweitens ersuchen wir die Schwellenländer, insbesondere diejenigen mit einem OECD-Status,
freiwillige Emissionsbeschränkungen vorzunehmen.
Drittens fordern wir eine neue Verhandlungsreihe zur
Ausarbeitung mengenmäßig festgelegter Verpflichtungen für alle Länder und zur Einführung eines "Auslösers" für die automatische Anwendung dieser
Verpflichtungen auf der Grundlage vereinbarter
Kriterien.
Lassen Sie mich noch ein paar Worte über unsere
Strategie für die Entwicklungsländer sagen:
Zunächst geht es hierbei um die Förderung der
Umsetzung bestehender Abkommen im Rahmen der
Klimakonvention. Wir sind der Ansicht, daß alle

AMERIKA DIENST 20

Ich bin im Hinblick auf die logische Grundlage unseres
Vorschlags für Kyoto ziemlich ins Detail gegangen,
weil die Vereinigten Staaten und die Europäische
Union sich möglichst bald auf eine gemeinsame
Position einigen müssen, damit wir während der
bevorstehenden Verhandlungen zusammenarbeiten
können. Das Bündnis, das unseren gemeinsamen
Interessen während des Ersten Weltkriegs, des
Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs so gut
gedient hat, wird auch hier von elementarer Bedeutung
sein. Aus diesem Grund bin ich heute hier: Um mit
Ihnen zu sprechen und Konsultationen mit Ihrer
Regierung zu führen.
Dies ist eine ehrgeizige, interessante und anstrengende Agenda, die nicht ohne Kosten und Hindernisse ist,
aber bewältigt werden kann. Tatsächlich lautet die
Frage nicht länger, was getan werden muß, sondern
vielmehr wie das, was offensichtlich getan werden
muß, erleichtert werden kann. Vom Erfolg werden
unsere beiden Nationen, unsere beiden Volkswirtschaften und - was am wichtigsten ist - derzeitige und
künftige Generationen profitieren. Meines Erachtens
hängt unser Vermächtnis großenteils von unserer

Seite 7

�Fähigkeit ab, diese neuen Herausforderungen zu
verstehen und darauf zu reagieren. Die zukünftige
Bewohnbarkeit und Stabilität der Welt steht auf
Messers Schneide.
1948, als die Erforschung des Weltraums noch
Sciencefiction war, erklärte der Astronom Fred Hoyle:
"Wenn wir erst einmal eine aus dem Weltraum aufgenommene Fotografie der Erde haben, werden neue
Ideen entwickelt, die mächtiger sind als alle anderen in
der Geschichte."
Zwanzig Jahre später, als die Raumfahrt Realität
wurde, verliehen die Astronauten Hoyles Gefühl für
die Einheit der Welt überzeugend Ausdruck. Ich
möchte eine Äußerung des amerikanischen Astronauten James Irwin zitieren:
"Dieses wunderschöne, warme, lebendige Objekt sah
so zerbrechlich, so zart aus, als würde es bei der
ersten Berührung brechen und zerfallen."

*

Seite 8

Und ein russischer Kosmonaut äußerte: "Nachdem
eine orangefarbene Wolke - die sich als Ergebnis
eines Sandsturms über der Sahara gebildet hatte - die
Philippinen erreicht und dort mit dem Regen zu Boden
fiel, verstand ich, daß wir alle in demselben Boot
sitzen."
In diesem letzten Jahrzehnt des Jahrtausends haben
wir die Macht und die enorme Verantwortung, dieses
Boot vorsichtig zu steuern. Wir haben auch die
Fähigkeit, den Wandel zum Nutzen der gesamten Welt
zu gestalten. Den heute in diesem Raum widergespiegelten Interessen und intellektuellen Fähigkeiten
kommt in diesem Zusammenhang eine besondere
Verantwortung zu. Wenn wir zusammenarbeiten, sind
Ihre Begabungen, Ihre Energie und Ihre Macht den
Herausforderungen und beteiligten Institutionen mehr
als gewachsen. Ich weiß, daß jeder Einzelne von
Ihnen sich an diesem Bestreben beteiligen wird und
wir unsere Energie und Klugheit in den Dienst dieser
Ziele stellen können. Zweifelsohne hängt unsere
Zukunft davon ab.

* * *

*

AMERIKA DIENST 20

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12838">
                <text>15.10.1997</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12839">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12840">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12841">
                <text>Amerikadienst 15.10.1997</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12842">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Weg zu Fortschritten in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Nationalen Sicherheitsberaters Samuel Berger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Globalisierung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Globalisierung und Diplomatie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Strobe Talbott&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere globale Zukunft: Klimawandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Timothy Wirth&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
    <tagContainer>
      <tag tagId="31">
        <name>Bosnien</name>
      </tag>
      <tag tagId="32">
        <name>Globalisierung</name>
      </tag>
      <tag tagId="33">
        <name>Umwelt</name>
      </tag>
    </tagContainer>
  </item>
</itemContainer>
