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Al

ERIKA DIENST

2 1 . Dezember 1988

47
INHALT

INFORMATION
Tower bringt Sachkenntnis In Rüstungskontrollfragen Ins Pentagon
- Porträt des designierten Verteidigungsministers -

Bush nominiert Yeutter als Landwirtschaftsminister
- Porträt von Clayton Yeutter -

Kemp für das Wohnungsbauressort nominiert
- Porträt des designierten Wohnungsbauministers -

HINTERGRUNDMATERIAL
Gorbatschows Reduzierungen stellen die NATO vor Herausforderungen
- Von Senator Sam Nunn -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Klimaveränderung;

Ein Hauptproblem unserer Zeit

- Überschwemmungskatastrophen, LandVerlust, Dürre und Hunger
können die Folge sein -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * * *

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�^DST-,

VON

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Information

4

21. Dezember 1988

47

TOWER BRINGT SACHKENNTNIS IN RÜSTUNGSKONTROLLFRAGEN INS PENTAGON
- Porträt des designierten Verteidigungsministers -

WASHINGTON - (AD) - Der neu ernannte Verteidigungsminister John Goodwin
Tower bringt umfangreiche Sachkenntnis in Fragen der Verteidigung und Rüstungskontrolle mit ins Pentagon.

Auf Präsident Reagans Wunsch leistete Tower 1988 beim Ratifizierungsprozeß des INF-Vertrages im Kongreß
informelle Hilfestellung.
Tower diente ferner von 1985 bis
1986 als Reagans Unterhändler bei den
mit der Sowjetunion abgehaltenen Genfer Verhandlungen über Verteidigung
im Weltraum, wo er während seiner 14monatigen Amtszeit den Rang eines
Botschafters bekleidete und vordringlich mit
technischen Einzelheiten
strategischer Waffen befaßt war.
Der frühere Senator war ebenfalls
vier Jahre lang Vorsitzender des einflußreichen
Streitkräfteausschusses
im Senat (1981-1985).
Tower ist ein unabhängiger Bera-

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ter in Fragen der Verteidigung und
nationalen Sicherheit. Er gehört dem
nachrichtendienstlichen Beratungsausschuß des Präsidenten an und sitzt im
Aufsichtsrat zweier wichtiger Verlagshäuser, die Schriften zur Verteidigung herausgeben.
Towers Nominierung durch den neu
gewählten Präsidenten Bush am 16. Dezember erfolgte lange nach Gerüchten
über ihn als wahrscheinlichen Kandidaten. Bei seiner ersten Zusammenkunft mit Bush im November legte der
designierte Verteidigungsminister ein
Fünf-Punkte-Programm zur Lösung der
Probleme im Pentagon vor.
Die Nominierung wurde aufgeschoben, während das FBI eine Untersuchung seiner persönlichen und finan-

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�ziellen Verhältnisse durchführte.
Er wurde trotz Berichten über Widerstand gegen ihn seitens einiger
dem Vizepräsidenten nahestehender Berater ernannt. Der Widerstand beruhte zum Teil auf der Annahme, Tower
könne unfähig sein, im Pentagon Ausgabenkürzungen vorzunehmen, nachdem
er als Mitglied des Streitkräfteausschusses zahlreiche Waffenprogramme
unterstützt hat.
Dennoch hat Tower vor vier Jahren
noch als Ausschußvorsitzender der
Reagan-Administration zu einem Kompromiß mit dem Kongreß über den Verteidigungshaushalt geraten.
Obwohl
Tower sich gegen Verschwendung und
Betrug im Pentagon ausgesprochen hat,
erklärte er doch, die Summe dessen
sei "bemerkenswert niedrig".
Einwände wurden auch über Towers
enge Verbindungen zu wichtigen Rüstungsfirmen laut. Er ist Mitglied
im ^ufsichtsrat von Unternehmen wie
etwa British Aerospace, und seine eigene Beraterfirma hat Verbindungen zu
Luftfahrtgiganten wie Rockwell International und Martin-Marietta. Obwohl
diese Praxis durchaus üblich ist, besteht angesichts von Beschaffungsproblemen im Pentagon im Zusammenhang
mit Nominierungen für das Kabinett
größere Sensibilität im Hinblick auf
solche Verbindungen und ethische Fragen.
Sowohl Tower als auch Bush sind
Texaner, und aus ihrer langjährigen
Freundschaft resultiert auch Towers
Beraterrolle zu »nilitärischen Fragen
im Wahlkampf von Bush und Quayle.
Der Wahlsieg in Texas wird ihm ebenfalls als Verdienst angerechnet.
Angesichts der Möglichkeit eines
niedrigeren
Verteidigungshaushaltes
hat Tower in diesem Herbst angedeutet, daß die Beseitigung von Waffensystemen nicht angemessen sei und er
Kürzungen bei Einsätzen, Wartung,
Personal sowie Forschung und Entwicklung anstrebe.

Tower erklärte, die neue Administration solle "unsere nationalen
Zielsetzungen definieren" und solche
Elemente wie Waffensysteme und die
Streitkräftestruktur untersuchen
"mit einem Blick auf ihre Rollen und
Aufgaben sowie darauf, welche Rollen
und Aufgaben für die Durchführung der
Strategie entscheidend sind, wonach
dann die Ausgaben gewichtet werden
müssen".
"Ferner muß entschieden werden,
ob die Rollen und Aufgaben, die diese
Streitkräfte
und Systeme erfüllen
sollen, auch für die erarbeitete
Strategie zur Verfolgung der selbstgewählten Zielsetzung relavant sind",
so Tower.
Die Kandidatur des 63jährigen
Tower als Verteidigungsminister hatte
die einhellige Unterstützung des neuen Vizepräsidenten Dan Quayle. Die
Freundschaft
zwischen
Tower
und
Quayle reicht in die Zeit zurück, als
Quayle Mitglied im Streitkräfteausschuß war und Tower dort den Vorsitz
führte.
Tower übertrug Quayle die
Leitung einer Arbeitsgruppe über die
Reform des Beschaffungswesens.
Tower unterstützte Quayle in der
schwierigen Zeit, nachdem Bush ihn zu
seinem VizepräsidentSchaftskandidaten
ausgewählt hatte.
Gegen Ende des
Konvents der Republikaner im August
wurde er mit der Aufgabe betraut, der
Wahl von Quayle eine positive Wendung
zu geben.
Obwohl er in den politischen
Kreisen der Republikaner Erfolg hätte
haben können, war Tower ursprünglich
Demokrat. Seit 1948 ist er Republikaner konservativen Zuschnitts. 1962
schrieb er ein Buch mit dem Titel A
Program for Conservatives, das einen
ausgewogenen Bundeshaushalt als Mußvorschrift fordert. Tower nahm 1968
aktiv am Wahlkampf für Richard Nixon
teil.
Die Washington Post beschrieb
Tower als "verdienten Kämpfer und
klassischen Konservativen". Die New

�York Times nannte ihn einen "rhetorisch starken Redner". Er ist für
seine
Neigung
bekannt
Winston
Churchill zu zitieren.
Der stellvertretende Führer der
Republikanischen
Partei,
Senator
Allan Simpson, beschreibt Tower als
"hartnäckig" und "ein wahrer Bulldog
bei den Dingen, an die er glaubt."
Auf dem Capitol Hill hatte er aufgrund seiner Fähigkeit, mehr Durchhaltevermögen bei Verhandlungen an
den Tag zu legen als seine Gegner,
den Spitznamen "Iron-butt".
Der 1,63 m große Tower lockert
die Atmosphäre gern mit folgendem
Wortspiel auf: "Mein Name ist Tower
(Turm) - aber Sie sehen ja, daß ich
Sie nicht überrage."
Präsident Reagan hat ihn im November 1986 mit der Bildung einer
Sonderkommission betraut, die nach
dem geheimen Verkauf von Waffen an
den Iran - der im Gegensatz zur offiziellen Politik der Vereinigten Staaten stand - und der Umleitung der
daraus abgezweigten Gewinne an die
Contras in Nicaragua die Operationen
des Nationalen Sicherheitsrats untersuchen sollte. Der am 26. Februar
1987 von der Tower-Kommission veröffentlichte Bericht kam zu dem Schluß,
daß Präsident Reagan keinerlei Kenntnis "von einer solchen Umleitung" besaß.
Senator Malcolm Wallop hat einmal
erklärt, Tower habe sich in außenpolitischen Fragen den Ruf "von Klugheit und Vernunft" erworben.
Als Senator traf er häufig mit
ausländischen Politikern zusammen und
unternahm ausgedehnte Reisen in Länder wie die Türkei, Israel, Oman, Libanon, Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien. Tower wurde von der Republik
Tunesien mit dem Verdienstorden sowie
von der Bundesrepublik Deutschland
mit dem Großen Verdienstkreuz mit
Stern des Verdienstordens ausgezeichnet.

Er lehnte den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Libanon sowie
den War Powers Act ab, mit dem das
Recht des Präsidenten zur Entsendung
von Truppen nach Übersee beschnitten
werden sollte.
Tower unterstützt die Strategische Verteidigungsinitiative.
Schon
in den sechziger Jahren befürwortete
er eine begrenzte Abwehr gegen feindliche Raketen und erklärte, diese
werde benötigt, um sich gegen einen
irrationalen Angriff einer Nicht-Supermacht und gegen einen sowjetischen
Angriff aus Versehen zu verteidigen.
Ferner ist er für den B 1-Bomber und
die Interkontinentalrakete MX.
Während sich Tower im Kongreß den
Ruf eines Anwalts der meisten militärischen Ausgabenprogramme für große
Waffensysteme erwarb, war er im Hinblick auf Regierungsbehörden weniger
großzügig. In seiner ersten Amtszeit
als Senator zum Beispiel brachte er
mit seiner Stimme eine Aufstockung
der Mittel für die US-Informationsbehörde zu Fall. Er lehnte einen Gesetzeszusatz ab, mit dem das US-Amt
für Rüstungskontrolle und Abrüstung
Forschungsaufgaben im Abrüstungsbereich übernehmen sollte und stimmte
ein Gesetz zur Schaffung einer Abrüstungsbehörde im amerikanischen Aussenministerium nieder.
Der Senator wurde im Jahr 1925 in
eine Methodistenfamilie in Houston
(Texas) geboren.
Sein Vater war
Pfarrer, und seine beiden Großväter
waren ebenfalls Geistliche. Er besuchte die High School in Beaumont,
die er im Jahr 1942 abschloß.
Tower ging danach ein Jahr lang
aufs College und meldete sich dann
freiwillig zum Dienst in der Marine.
Während des Zweiten Weltkriegs diente
er drei Jahre lang im Westpazifik als
Obermaat auf einem Landungsboot.
Nach dem Marinedienst besuchte er
die
Southwestern
University
in
Georgetown (Texas) und studierte dort
in den Hauptfächern Politische Wis-

- 3 -

�senschaften und Theaterwissenschaften. Im Jahr 1948 legte er sein Abschlußexamen ab.
Nach dem Examen war er zunächst
als Ansager für Rundfunkstationen in
Beaumont und Taylor (Texas) tätig.
Zwei Jahre später arbeitete Tower
kurz als Versicherungsvertreter.
Im Jahr 1951 ging er zurück an
die Universität und wurde Dozent für
Politische Wissenschaften an der Midwestern University In Wichita Falls
(Texas).
Seine eigene Bildung vervollkommnete er gleichzeitig an der
Southern
Methodist
University
in
Dallas. Im Jahr 1952 ging er zu weiterführenden Studien an die London
School of Economics, wo er die Organisation der Konservativen Partei
Großbritanniens untersuchte.

Die Politik entwickelte eine magische
Anziehungskraft
auf
ihn.
Tower kandidierte in einer Sonderwahl
für den Senat und nahm im Jahr 1961
seinen Sitz dort ein, den vor ihm der
zum Vizepräsidenten der Vereinigten
Staaten ernannte Lyndon Johnson gehalten hatte. Mit 35 war Tower der
erste republikanische Senator, der
seit den siebziger Jahren des 19.
Jahrhunderts eine solche Abstimmung
in Texas gewonnen hatte. Er behielt
seinen Senatssitz 24 Jahre lang.
Der designierte Minister hat drei
Töchter - Penelope, Marian und Jeanne
- aus seiner ersten Ehe mit Josa Lou
Bullington, von der er 1976 geschieden wurde.
Seine zweite Ehe mit
Lilla Burt Cummings, der Schwester
des
internationalen
Waffenhändlers
Sam Cummings, endete ebenfalls mit
einer Scheidung.
* * * * * *

�^eos^

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21. Dezember 1988

47

BUSH NOMINIERT YEUTTER ALS LANDWIRTSCHAFTSMINISTER
- Porträt von Clayton Yeutter -

WASHINGTON - (AD) - Als der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des
amerikanischen Repräsentantenhauses, E. de la Garza, erfuhr, daß Clayton
Yeutter vom Amt des Handelsbeauftragten der Reagan-Administration unter der
Präsidentschaft von Bush in das Landwirtschaftsressort Überwechseln würde,
verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck, daß Yeutter weiterhin die Verantwortung
für die internationalen Verhandlungen über Agrarprodukte ausüben werde. Es
Ist allerdings wenig wahrscheinlich, daß die Verhandlungspartner der anderen
Länder - insbesondere aus der Europäischen Gemeinschaft - den Wunsch de la
Garzas teilen.

Im Kongreß gilt Yeutter (dessen
Name sich im Englischen mit "Fighter"
- Kämpfer - reimt) als Befürworter
des freien Handels im allgemeinen und
der amerikanischen Agrarexporte im
besonderen. Bei internationalen Konferenzen ist Yeutter als Verhandlungspartner bekannt, der sich unerbittlich für die letztliche Beseitigung aller, den Handel mit Agrarprodukten verzerrender Subventionen einsetzt, ein Ziel, das von den Europäern ebenso hartnäckig abgelehnt wird.
Jedenfalls erklärte der gewählte
Präsident Bush in seiner Ankündigung
vom 14. Dezember 1988, der zufolge er
Yeutter im Januar für das Amt des
Landwirtschaftsministers
nominieren
werde, die HauptVerantwortung für die
internationalen Verhandlungen werde

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weiterhin dem Handelsbeauftragten obliegen.
Es wird jedoch erwartet, daß
Yeutter - wie auch der gegenwärtige
Landwirtschaftsminister - weiterhin
großen Einfluß auf die Gestaltung der
amerikanische Handelspolitik bei Agrarprodukten nehmen wird.
Der 58jährige Yeutter sowie die
für das Amt des Handelsbeauftragten
nominierte Carla Hills benötigen die
Bestätigung durch den Senat. Senator
Patrick Leahy, der Vorsitzende des
Landwirtschaftsausschusses
des Senats, der die Anhörungen zu Yeutters
Nominierung durchführen wird, nannte
ihn "einen Mann, den ich respektiere".
Seit seinem Amtsantritt als Han-

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�delsbeauftragter im Jahr 1985 widersetzte sich Yeutter einigen Versuchen
des Kongresses, bestimmte Importe zu
beschränken, wie etwa Textilien und
Schuhwerk.
Andererseits
bereist
Yeutter unermüdlich solche Länder,
die ihre Märkte gegen amerikanische
Produkte abschotten.
Ein Grund dafür, daß der hochgewachsene, breitschultrige Yeutter zur
Leitung des Agrarressorts sowie davor
zum für den industriellen Bereich zuständigen Handelsbeauftragten berufen
wurde, ist sein landwirtschaftlicher
Hintergrund.
In seinem Heimatstaat
Nebraska besitzt der promovierte Agrarökonom eine 100-Hektar-Ranch für
Viehzucht und Maisanbau.

Er trat im Jahr 1970 in das Landwirtschaftsministerium ein und wurde
vier Jahre später zum Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten ernannt. Von 1975 bis 1977 war
er
Stellvertretender
Handelsbeauftragter der Vereinigten Staaten.
Im Jahr darauf wurde er Leiter
der Chicagoer Warenbörse, des größten
Markts für den Handel mit Waren und
Rohstoffen sowie für Termingeschäfte.
Mit seiner Frau Jeanne hat
vier Kinder und lebt in Virginia.

* * * * * *

er

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'VoN

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4

47

21. Dezember 1988

KEMP FÜR DAS WOHNUNGSBAURESSORT NOMINIERT
- Porträt des designierten Wohnungsbauministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Wahl des tatkräftigen, lebhaften Kongreßabgeordneten Jack Kemp zum designierten Minister für Wohnungs- und Städtebau signalisiert sowohl ein starkes Gefühl der Sicherheit seitens des neu gewählten Präsidenten George Bush als auch einen einschneidenden Wandel im Arbeitstempo des
betreffenden Ministeriums.
Der nach 18 Jahren aus dem Kongreß ausscheidende konservative Kemp
war einer von Bushs erfolglosen Rivalen im Kampf um die diesjährige Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner.

Was jedoch die Gegenwart angeht,
so hat Kemp sich verpflichtet, ein
loyales - und wie es seinem Verhalten
in der Vergangenheit entspricht innovatives - Mitglied des Bush-Teams zu
sein.

Als einzigem der von Bush bis
heute benannten Kabinettsmitglieder
werden dem 53jährigen Kemp eine unabhängige Wählerschaft sowie weiterbestehende Hoffnungen auf ein nationales Wählermandat zugeschrieben. Er
hat nichts unternommen, um diese Ansicht zu zerstreuen, als er während
einer am 19. Dezember 1988 abgehaltenen gemeinsamen Pressekonferenz, bei
der seine Ernennung von Bush verkündet wurde, auf Fragen von Reportern
erklärte, daß "ich nicht ausgeschlossen habe, mich eines Tages um ein Amt
zu bewerben".

Bush hat seinerseits erklärt, er
werde sich freuen, wenn Kemp seine
Kritikerrolle, wie ein Reporter es
ausdrückte, nicht abstreifen würde.
"Ich möchte sein objektives Urteil
hören. Und wie ich Jack kenne, wird
er es mir nicht vorenthalten," meinte
Bush.

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Kemps dynamischer Stil, der seiner Vorliebe für die Entwicklung neuer Ideen entspricht, wird dem Wohnungsbauministerium gewiß neue Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, das
während der Reagan-Ära als eine Art

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�Elfenbeinturm
wurde.

im Kabinett

angesehen

Der gegenwärtige Minister Samuel
Pierce Jr. hielt sich angesichts der
während seiner Amtszeit vorgenommenen
scharfen Einschnitte in den Wohnungsbauprogrammen auf Bundesebene in der
politischen Diskussion zurück.
Bei den Bundesmitteln für die Sanierung der Innenstädte und die Bewältigung des Obdachlosenproblems erwartet Kemp keine bedeutende Aufstokkung
und
befürwortet
diese auch
nicht. In der Theorie hat er sich
stets als Anwalt von Lösungen profiliert, die - wo immer möglich - auf
freies Unternehmertum gegründet waren. In der Praxis ist er sich der
Grenzen bewußt, die durch das enorme
Defizit
im Bundeshaushalt gezogen
sind.
Er unterstützt deshalb Bush bei
seiner Forderung nach einer "Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor". Einer seiner marktwirtschaftlich
orientierten
Lieblingsvorschläge für die Innenstädte
ist die Schaffung von "unternehmerischen Zonen", in denen die Gründung
neuer Unternehmen durch Steuererleichterungen und weitere Anreize gefördert werden soll.
Ferner setzte er sich für ein
Programm zur Schaffung "städtischer
Heimstätten" ein, mit dem, wie er
kürzlich vor dem Institut des Nationalen Städteverbandes erklärte, "den
Mietern von Sozialwohnungen dadurch
zur Selbstbestimmung über ihre Zukunft verholfen würde, daß sie ihre
Wohungen erwerben und ihre Gemeinden
selbst verwalten".
Kemp stellte jedoch ebenso deutlich fest, daß er weitere zum Ausgleich des Haushalts vorgenommene
Kürzungen bei aus Bundesmitteln geförderten Wohnungsbauprogrammen nicht
kampflos hinnehmen wird.
"Ich bin
nicht der Auffassung, daß wir den
Haushalt durch Kürzungen beim Wohnungsbau ausgleichen werden", erklärte er bei der Pressekonferenz. "Ich

glaube nicht, daß wir den Haushalt
durch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgleichen können. Ich glaube,
wir
können
die
Haushaltsprobleme
nicht lösen, wenn wir keine gesunden
Innenstädte haben. Ich möchte betonen, daß man den Haushalt nicht auf
dem Rücken der Armen ausgleichen
kann," erklärte er.
Diese Sorge um die Armen und insbesondere um Minderheiten ging während der gesamten Karriere Kemps
stets einher mit einer äußerst konservativen außenpolitischen Haltung
und innovativen - manche würden sagen
nonkonformistischen - wirtschaftlichen Ideen.
In der Außenpolitik war er der
Liebling der konservativen Republikaner, die ihn allgemein als legitimen
Nachfolger Reagans ansahen. Als er
im April 1987 seine Bewerbung um die
Nominierung als Präsidentschaftskandidat ankündigte, wollte er die Präsidentschaftswahl zu einem nationalen
Referendum über die von Reagan vorgeschlagene Strategische Verteidigungsinitiative machen.
Er war ein energischer Befürworter der Hilfe an die Contras in Nicaragua und hat sich für Guerilla-Bewegungen auf der ganzen Welt eingesetzt, wenn diese dazu beitragen
konnten, kommunistisch beherrschten
Ländern "die Freiheit wiederzugewinnen".
In der Wirtschaftspolitik war er
einer der ersten und energischsten
Anwälte
des
"angebotsorientierten"
Konzepts von niedrigen Steuern und
starkem Wirtschaftswachstum, das ein
Hauptbestandteil
der
sogenannten
Reagan-Revolution wurde.
Sein im
Jahr 1979 erschienenes Buch American
Renaissance:
A Strategy for the
1980s enthielt die Grundlagen dessen, was später als Reaganomics bekannt wurde.
Zusammen mit dem republikanischen
Senator William Roth kämpfte Kemp an
vorderster Front für die Einkommensteuerreform von 1981, die das Kern-

- 2 -

�stück von Reagans Programm darstellte. Als in den darauffolgenden Jahren die Haushaltsdefizite schwindelnde Höhen erreichten, erregte er Aufsehen mit der Behauptung, die Defizite seien nicht besonders wichtig.
Ein weiterer seiner umstrittenen
Vorschläge in der Wirtschaftspolitik
war folgender: Er befürwortete die
Rückkehr zu einer größeren Rolle des
Goldes bei der Festlegung der Wechselkurse.
Kemp zog seine Bewerbung um die
Präsidentschaftskandidatur
im
März
nach schlechten Resultaten in den ersten Vorwahlen zurück und war später
der erste von Bushs besiegten Konkurrenten, die seine Nominierung unterstützten. Er machte bei seinem Rückzug deutlich, daß er ein Angebot für
die Vizepräsidentschaft begrüßen würde. Diese Rolle fiel dann jedoch Senator Dan Quayle zu.

Wie er Reportern gegenüber erklärte, hat Bush ihm versichert, daß
seine Stimme im Kabinett gehört werde,
"zur
Binnenwirtschaftspolitik
ebenso wie zu Wohnungsbau und Stadtentwicklung.
Ich werde also ein
mannschaftsdienlicher Spieler sein,
nicht nur im Kabinett, sondern auch
in meiner neuen Position."
Der in Los Angeles geborene Kemp
legte im Jahr 1957 sein Abschlußexamen am Occidental College ab. Danach
unternahm er weiterführende Studien
in Pädagogik und Politischen Wissenschaften an der Long Beach University
und an der California Western University.
Als noch aktiver Football-Spieler
war er im Jahr 1967 Sonderberater des
damaligen Gouverneurs von Kalifornien, Ronald Reagan.
Mit seiner Frau Joanne hat Kemp
zwei Söhne und zwei Töchter.

Kemps Annahme des weniger bedeutenden Wohnungsbauressorts kommt angesichts seines Hintergrunds etwas
überraschend.
* * * * * *

Über 13 Spielzeiten als professioneller Football-Spieler war er
Quarterback
seiner Mannschaft und
hatte damit die wichtigste Position
inne. Auch während seiner neun Amtszeiten als Kongreßabgeordneter aus
dem Staat New York war er sein eigener Herr.

- 3 -

�^°s?&lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

21. Dezember 1988

47

GORBATSCHOWS REDUZIERUNGEN STELLEN DIE NATO VOR HERAUSFORDERUNGEN
- Von Senator Sam Nunn -

(Der Autor ist demokratischer Senator aus Georgia und Vorsitzender des Streitkräfteausschusses. )

WASHINGTON - (AD) - Generalsekretär Gorbatschows Ankündigung weitreichender Reduzierungen in den sowjetischen Streitkräften hat die politische Landschaft verändert, auf deren Grundlage die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in den kommenden Monaten und Jahren das militärische Konzept der NATO
sowie RUstungskontrollvorschläge formulieren müssen.

Dabei bestehen sicherlich Ungewißheiten und Risiken:
- Kann Gorbatschow seine Entscheidung umsetzen oder werden seine
Gegner sie erfolgreich verwässern
oder sogar rückgängig machen können?
- Wird der chinesisch-sowjetische
Gipfel im nächsten Jahr zu erheblichen zusätzlichen Reduzierungen
der Streitkräfte an ihrer gemeinsamen Grenze führen?
Wenn das
der Fall
ist:
werden diese
Streitkräfte
dann
verschrottet
oder als Bedrohung der NATO erneut stationiert?
- Werden die Reduzierungen auf ehrliche Art und Weise erfolgen das heißt, mit proportionalen Re-

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duzierungen
von
Streitkräften,
die jetzt nahe der Grenze zwischen Ost und West (insbesondere
in der DDR) vorne stationiert
sind, oder werden sie bei den
rückwärtigen Einheiten erfolgen?
Wo werden die 10 000 Panzer,
8 500
Stück
Artillerie,
800
Kampfflugzeuge und Sturmeinheiten
zur Uberquerung von Flüssen neu
stationiert werden?
Wird Gorbatschow "starken Produktionszweigen", die jetzt 3 400
moderne sowjetische Panzer pro
Jahr fertigen, Grenzen setzen?
Wird der Westen in der Lage sein,
die Reduzierungen in der Zentralregion trotz der Tatsache zu verifizieren,
daß
die
Sowjets

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�gleichzeitig die größte Reorganisation der Roten Armee seit dem
Zweiten Weltkrieg durchführen?
Eine angemessene Analyse der Initiative Gorbatschows erfordert ferner
eine offene Selbsteinschätzung des
gegenwärtigen
Einsatzkonzeptes
der
NATO:
- Aufgrund des starken Ungleichgewichts im konventionellen Bereich
vertraut die NATO auf die Bedrohung mit dem frühzeitigen Einsatz
von Kernwaffen, um einen nichtnuklearen Angriff des Warschauer
Paktes abzuschrecken.
- Das NATO-Bündnis steuert keinen
Kurs der Verbesserungen konventioneller Streitkräfte, mit denen
die nukleare Schwelle auf bedeutende
Weise
angehoben
werden
könnte und dennoch wird der Widerwillen der Öffentlichkeit gegen
Nuklearwaffen
jedes
Jahr
stärker.
- Die Glaubwürdigkeit der Androhung
eines Ersteinsates der NATO wird
dadurch unterlaufen, daß die Nuklearwaffen längerer Reichweite
des Bündnisses gemäß dem INF-Vertrag verschrottet werden und die
öffentliche Meinung im Westens
sich auf die in Mitteleuropa verbleibenden nuklearen Kurzstrekkenwaffen konzentriert.
- Das entscheidende Interesse der
NATO, sich vom Vertrauen auf den
frühzeitigen Ersteinsatz von Nuklearwaffen abzuwenden, ohne die
Abschreckung zu verringern, kann
erheblich verbessert werden, wenn
der NATO zusätzliche Vorwarnzeit
vor einer möglichen Großoffensive
des Warschauer Paktes zugesichert
wird.
Gegenwärtig vertritt die NATO die
Auffassung, daß die in Osteuropa vorne stationierten sowjetischen Streitkräfte ausreichende Fähigkeiten haben, um mit sehr geringer Warnung
einen Großangriff von einem unbeweglichen Startpunkt aus durchzuführen.

uberschlägige
Vorausberechnungen
deuten darauf hin, daß die von
Gorbatschow
angekündigten
Reduzierungen bedeuteten, daß die Sowjets
wahrscheinlich keinen solchen Angriff
versuchen würden, ohne die verbleibenden Streitkräfte zu verstärken.
Die Bewegung der 5 000 Panzer und ihrer
Besatzung,
die
dem
Plan
Gorbatschows zufolge zurück auf ihre
Position vorne abgezogen würden, würde etwa eine Woche dauern.
Gorbatschows Reduzierungen könnten der NATO sieben zusätzliche Tage
verschaffen, um sich auf einen sowjetischen Angriff mit kurzer Vorwarnzeit vorzubereiten - vorausgesetzt
die Kürzungen werden vollständig und
ehrlich durchgeführt.
Damit meine
ich, daß Gorbatschow auf das sowjetische Militär einwirken kann, um sicherzustellen, daß der Effekt der Reduzierungen nicht durch geschickte
Maßnahmen verwässert wird.
Die Bedeutung von sieben Tagen
zusätzlicher Vorwarnzeit für die NATO
sollte nicht unterschätzt werden.
Zum Beispiel würde zusätzlich Zeit
gewonnen, damit:
-

Belgien und die Niederlande ihre
im Inland stationierten Brigaden
nach vorn zu ihren vorbestimmten
Positionen in die Norddeutsche
Tiefebene bringen - das wahrscheinliche Terrain für einen Angriff des Warschauer Paktes - und
damit die in der Bundesrepublik
stationierten
amerikanischen,
britischen
und
bundesdeutschen
Streitkräfte vorrücken können;

- unsere Verbündeten ihre Reserven
mobilisieren können und Frankreich und Großbritannien ihre im
Inland stationierten Streitkräfte
nach vorn vorrücken lassen können
- und damit der Verteidigungsfront der NATO das Äquivalent von
weiteren sechs Divisionen hinzugefügt werden kann;
- die Ingenieure der NATO Minenfelder installieren und andere Hindernisse zur Verteidigung errichten können;

�- die amerikanische Luftwaffe 500
Kampfflugzeuge auf Flugfelder in
Westeuropa bringen kann - eine
Verstärkungsflotte, die etwa den
Umfang der Hälfte unseres in den
Vereinigten Staaten stationierten
wiederstationierbaren Flugzeuginventars hat;
- die amerikanischen Streitkräfte
die Leitstaffel der Verstärkungsdivisionen schicken kann, um das
voreingelagerte Gerät
zu entnehmen;
- Die Armeen der NATO empfindliches
Gerät
schützen,
Munition
und
Nachschub verteilen und ihre Logistik und FUhrungs- und Kommunikationseinrichtungen
auf
den
Kriegsfall einrichten können.
Mit anderen Worten: Gorbatschows
Ankündigung
könnte
die
Bedrohung
durch einen möglichen Angriff des
Warschauer Paktes mit kurzer Vorwarnzeit merklich verringern. Gleichzeitig muß die NATO erkennen, daß
Gorbatschows Vorschlag eine erhebliche Herausforderung für das westliche Bündnis darstellt.
Selbst wenn die Einschnitte vollständig und energisch ausgeführt würden, bliebe im Bereich der konventionellen Streitkräfte immer noch ein
Vorsprung von 2 : 1 zugunsten des
Warschauer Paktes bestehen. Darüber
hinaus wird eine aufrichtige Durchführung des Plans von Gorbatschow die
politische Wirkung haben, die Interessen der NATO bei der Förderung verstärkter Beiträge zur Verteidigung
auf Seiten zahlreicher Verbündeter
und die Modernisierung der atomaren
Streitkräfte der NATO erheblich zu
komplizieren.
Bei der Erwiderung der außergewöhnlichen
Herausforderungen,
die
Gorbatschows Rede aufwirft, muß die
NATO mehr als nur fest zusammenhalten: sie muß Ideen entfalten. Ein
grundsätzliches überdenken des Einsat zkonzepts des Bündnisses und seiner Haltung in der Rüstungskontrollfrage ist dringend notwendig.

Auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle sollte die NATO einen frühen
Austausch von Daten zu allen relevanten Streitkräften der NATO und des
Warschauer Paktes anstreben.
Dies
muß der Ausgangspunkt für die bevorstehenden Gespräche über konventionelle Stabilität
und gleichzeitig
eine wesentliche Voraussetzung für
die Beantwortung der Frage sein, ob
Gorbatschows einseitige Reduzierungen
auch energisch durchgeführt werden.
Zweitens sollte die NATO Zwischenübe rprüfungen vor Ort vorschlagen, die von Inspektionsteams an allen militärischen Mobilisierungszentren, wie beispielsweise auf Flugplätzen,
an
Eisenbahnknotenpunkten
und sogar in militärischen Hauptquartieren durchgeführt werden.
Drittens sollten wir eine Serie
von Pilotprojekten über Verifizierungsexperimente vorschlagen, die gegebenenfalls von den gleichen Inspektionsteams vorgenommen werden, die
auch
vor
Überraschungsangriffen
schützen. Diese Pilotprojekte sollten rechtzeitig ins Leben gerufen
werden, um die Durchführung der einseitigen Reduzierungen durch die Sowjets in den kommenden zwei Jahren zu
überprüfen.
Viertens muß die NATO auf militärischem Gebiet eine verstärkte Spezialisierung der Rolle und des Auftrags jeder Nation anstreben. Jedes
Mitglied des Bündnisses sollte das
Instrument spielen, das es am besten
beherrscht, statt zu versuchen, eine
ganze Symphonie
aufzuführen.
Die
NATO muß ferner bedenkliche konventionelle Lücken beseitigen und fortschrittliche Technologien entwickeln,
mit denen der erhebliche Vorsprung
bei sowjetischen Panzern hinfällig
wird, der auch nach Durchführung der
vorgesehenen Truppenreduzierungen erhalten bleibt.
Schließlich muß die NATO einen
Plan zur dauerhaften und nachdrücklichen Information der Öffentlichkeit
entwerfen. Hierzu gehören auch deutliche Erklärungen unserer militär-

- 3 -

�ischen Notwendigkeiten und der Grundlagen unserer Rüstungskontrollpolitik. Ohne ein weit verbessertes öffentliches Verständnis über das Verhältnis zwischen Lücken im konventionellen Bereich und dem Vertrauen der
NATO auf den frühen Erstschlag mit
nuklearen Waffen kann das Bündnis
nicht erwarten, die notwendige öffentliche Unterstützung
für einen
vernünftigen Ansatz bei der Beseitigung der Asymmetrien hervorzurufen,
die nach Abschluß der sowjetischen
Reduzierungsmaßnahmen im Jahr 1991
erhalten bleiben.
Die westeuropäische Öffentlichkeit muß verstehen und akzeptieren,
daß ihr Gebiet im Falle eines sowjetischen Angriffs mit konventionellen
Waffen ohne den Gebrauch nuklearer
Waffen in den ersten Tagen eines
Krieges nicht verteidigt werden kann,
wenn weder die Rüstungskontrolle noch
die eigenen Anstregungen der NATO bei
der Verbesserung ihrer konventionellen Streitkräfte zu dem Erfolg führen, die weiterhin bestehenden Lücken
bei der Vorneverteidigung des Bündnisses zu schließen.

•

-4

Vielleicht wird ja sogar das sowjetische Militär unter Gorbatschows
neuer Doktrin der "Verteidigung auf
ausreichendem Niveau" einsehen, daß
Sicherheit und Stabilität kein Nullsummen-Spiel ist. In einem Zeitalter
wachsamer, intelligenter und mutiger
sowjetischer Führung muß das sowjetische Militär bereit sein, eine
schwierige Frage zu beantworten: Wie
soll die Sicherheit der Sowjetunion
erhöht werden, wenn eine bedrohliche
Offensivstrategie
aufrechterhalten
wird, die die sowjetische Wirtschaft
ausblutet, Spannungen bei den Nachbarn hervorruft und die NATO ständig
kurz vor dem Abzug eines nuklearen
Krieges hält?

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Wissenschaft und Technik

4

47

21. Dezember 1988

KLIMAVERÄNDERUNG:

EIN HAUPTPROBLEM UNSERER ZEIT

- Überschwemmungskatastrophen, Landverlust, Dürre und Hunger
können die Folge sein -

WASHINGTON - (AD) - Ein Teil der Meßdaten des jüngsten Wetterbeobachtungssatelliten der amerikanischen Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung,
NOAA-11, liefert täglich ein komplettes "Ozonbild" unseres Planeten. Der Satellit, der die Erde auf nahezu polarer Umlaufbahn umkreist, hat ein Instrument an Bord, das die von der Erdatmosphäre reflektierte ultraviolette Strahlung quantitativ erfaßt und so Rückschlüsse auf die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre zuläßt.
Daß die Ozonschicht durch die von
Menschen verursachten Schadstoffemissionen bereits angegriffen ist, steht
außer Zweifel. Nach Ansicht der Experten bedeutet die im September/Oktober 1988 gemessene "Ausdünnung" der
Ozonschicht über der Antarktis von 15
Prozent gegenüber 50 Prozent im Jahr
1987 keine Entwarnung. Diese Schwankung in der Größe des sogenannten
Ozonloches mache nur deutlich, daß
die stratosphärische Ozonkonzentration nicht ausschließlich von chemischen Stoffen wie Chlorfluorkohlenwasserstoffen
und
Stickstoffoxyden
beeinflußt werde, sondern auch von
dynamischen Vorgängen in der höheren
Atmosphäre.
Das
Ausmaß
des Ozonverlustes
dürfte Dr. Jerry Mahlman von der Uni-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

versität Princeton zufolge auch davon
abhängen, wie ruhig - und das heißt
wie kalt - die Hochatmosphäre über
den Polen ist. "Polare Stratosphärenwolken", kurz als PSC bezeichnet,
wirken an der Ozonzerstörung mit,
weil an der Oberfläche der Eiskristalle aktives Chlor aus den in der
Luft vorhandenen Schadstoffen freigesetzt wird. Sie entstehen in Höhen
zwischen 18 und 25 km, wenn die Temperaturen über den Schnee- und Eisflächen der Antarktis im Winter und
am Frühjahrsanfang minus 80° C und
darunter erreichen.
Und wegen der
Beschaffenheit der Erdoberfläche in
dieser weiten Region sind strömungsdynamische Veränderungen in der Atmosphäre, die einer Bildung oder Erhaltung von PSCs entgegenwirken könnten,
viel seltener und weniger stark aus-

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�geprägt als zum
Nordpolargebiet.

Beispiel

über dem

Dennoch kann es auch dort zu einem Ozonloch kommen - dann nämlich,
wenn die PSC die Erwärmung der unteren Erdatmosphäre
verstärkt.
Sie
wird
von Gasen wie Kohlendioxyd
(CO2, Methan und wiederum den halogenierten Kohlenwasserstoffen verursacht, weil sie Infrarotstrahlung (=
Wärme) absorbieren und das Abstrahlen
von Wärme in den Weltraum blockieren.
Dr. Donald Wuebbles (Lawrence Livermore National Laboratory, Kalifornien) , der sich mit der Ausarbeitung
von Klimamodellen befaßt, sieht bei
Erwärmung der unteren Atmosphäre eine
dramatische Abkühlung der Stratosphäre voraus, in der sich zwischen 12
und 50 km Höhe die Ozonschicht befindet. Diese Ozonschicht ist aufgrund
ihrer Fähigkeit, die gefährlichen Anteile der UV-Strahlung von der Sonne
zu absorbieren, ungemein wichtig für
alles Leben auf der Erde. Und da die
Freisetzung von Gasen, die den Treibhauseffekt hervorrufen, in erster Linie auf der Nordhalbkugel erfolgt,
scheint ein "nördliches Ozonloch" nur
noch eine Frage der Zeit zu sein.
Die Warnungen der Wissenschaftler
auf Konferenzen, die unter Teilnahme
von Politikern und Ökologen jetzt nahezu ständig stattfinden, hört man
wegen der wirtschaftlichen Auswirkung
von geforderten Produktions- und Verbrauchseinschränkungen bei den "inkriminierten" Chemikalien nicht gerne. Noch immer wird die nach wie vor
sehr schwierige Beweisbarkeit für die
komplexen Abbauvorgänge als Vorwand
benutzt, wirksame Gegenmaßnahmen vorläufig zu verzögern oder abzuschwächen.
Mit Delegierten aus Nord- und
Zentralamerika, der Karibik, aus Europa und Asien hielt das "Climate Institute" in Washington vom 6. bis 8.
Dezember seine zweite internationale
Konferenz ab. Dies ist eine gemeinnützige Organisation, der Wissenschaftler, Politiker und Ökologen angehören.
Auch sie forderte, wie

schon einen Monat zuvor die die Internationale
Klima-Kommission
in
Genf, Maßnahmen, die über das am 1.
Januar 1989 in Kraft tretende Protokoll von Montreal noch hinausgehen.
Die "Internationale Klima-Kommission" setzt sich aus Vertretern der
WMO (UN-Organisation für Meteorologie) und von UNEP (UN-Umweltschutzprogramm)
zusammen.
Klimatologen,
Wissenschaftler anderer Disziplinen
und Regierungsvertreter waren sich
einig, daß "einzelne Nationen angesichts der Probleme, die die ganze
Welt angehen, nichts ausrichten können" . Das im vergangenen Jahr unterzeichnete
Protokoll
von
Montreal
schreibt vor, im Verlauf von zehn
Jahren die Mengen an Chlorfluorkohlenwasserstoffen, von denen zum Zeit
ca. zwei Millionen Tonnen freigesetzt
werden, zu halbieren. Wichtigste Anwendungsgebiete sind Kühlmittel, geschäumte Kunststoffe, Reinigungsmittel in der Mikroelektronik und Treibmittel.
"Wir wissen noch nicht, ob oder
wann ein wesentliches Ansteigen der
Mengen von Treibhausgasen zu einer
irreversiblen
Erwärmung
der
Erde
führt", erklärte der amerikanische
Unterstaatssekretär
vom
amerikanischen Außenministerium
in Genf,
"oder welche Konsequenzen sich daraus
ergeben. Aber die potentiellen Konsequenzen sind so einschneidend, daß
wir die Möglichkeit der Erwärmung
einfach nicht ignorieren dürfen."
Senator Rudy Boschwitz (Minnesota) wird in der nächsten Sitzungsperiode des amerikanischen Kongresses
Gesetzesvorlagen zu Umweltfragen einbringen, die einer Vielzahl von Quellen gelten, welche zur weltweiten Erwärmung beitragen. Dabei stützt er
sich auf ein bereits gültiges Gesetz,
das in den Vereinigten Staaten praktisch die Eliminierung von halogenen
Kohlenwasserstoffen bis zum Jahr 2000
und die Verringerung der Emission von
CO2 um 35 Prozent bis zum Jahr 2010
vorsieht. Die ganze Welt sollte zusammenarbeiten, um gegen die Auswir-

- 2 -

�kung der Wäldervernichtung etwas zu
tun, und Neuanpflanzungen fördern.
Nobel Brown, der Vertreter der USA
bei der UNEP-Organisation, setzte
sich für verstärkte Investitionen
ein, um den Nutzeffekt bei der Energieverwendung merklich zu verbessern.
Der Treibhauseffekt dürfte nicht
nur dazu führen, daß durch Abschmelzen der Polkappen der Meeresspiegel
ansteigt und weite KUstenregionen in
der ganzen Welt bedroht werden, sondern es werden auch Dürreperioden
verursacht, die die Welternährung bedrohen.
Einer Studie der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA zufolge wäre zum Beispiel zu erwarten,
daß bei einem Temperaturanstieg um
wenige Grad bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts allein die Vereinigten Staaten 18 200 Quadratkilometer Küstengebiete
verlieren und
Ernteeinbußen von 25 Prozent zu verzeichnen hätten.

Die Komplexität des Systems Erde
lasse zwar auch Spielraum für Entwicklungen mit weniger dramatischen
Folgen, erklärte ein Wissenschaftler
für Planetenforschung von der Harvard-Universität.
Aber die heute
noch gar nicht- übersehbare Vielfalt
von Wechselwirkungen der Prozesse in
der Atmosphäre, in den Meeren, den
Eiskappen, der festen Erde und der
Biosphäre, die zu Klimaveränderungen
beitragen, verlange, die Erde als ein
Ganzes zu sehen und die Probleme unter diesem Aspekt anzugehen.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tower bringt Sachkenntnis In Rüstungskontrollfragen Ins Pentagon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Verteidigungsministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush nominiert Yeutter als Landwirtschaftsminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Clayton Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kemp für das Wohnungsbauressort nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Wohnungsbauministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gorbatschows Reduzierungen stellen die NATO vor Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Senator Sam Nunn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klimaveränderung: ein Hauptproblem unserer Zeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überschwemmungskatastrophen, LandVerlust, Dürre und Hunger können die Folge sein&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*
4. J a n u a r 1989

INHALT

INFORMATION
Dole bringt lange Regierungserfahrung mit
- Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole Minister für Transport und Verkehr bringt Erfahrung mit
- Porträt von Samuel Skinner Bush nominiert Hispano-Amerikaner zum neuen Innenminister
- Porträt von Manual Lujan Designierter Chef der Umweltbehörde befürwortet weltweiten
Umweltschutz
- Porträt von William Reilly -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten verhängen Handelssanktionen gegen EG
- Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses

HINTERGRUNDMATERIAL
"Zentrale Rolle" für Mujahedin in neuer afghanischer Regierung
- Bericht des US-Außenministeriums Liste der als Vergeltungsmaßnahme gegen das Fleisch-Importverbot
der EG verhängten Sanktionen
- Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte -

* * * * *

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Information

%r,oN^

4. Januar 1989

DOLE BRINGT LANGE REGIERUNGSERFAHRUNG MIT

- Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole -

WASHINGTON - (AD) - Die vom gewählten Präsidenten Bush als Arbeitsministerin in seine Administration
berufene ELizabeth Dole ist aus hohen
Regierungämtern nicht mehr wegzudenken.

dentschaftswahlkampfes 1988 nur zum
Teil spaßig gemeint, als Robert ein
echter Konkurrent von Bush war; einige vertraten die Ansicht, Elizabeth
wäre eine gute Wahl für den Posten
der Vizepräsidentin.

Dole, eine 52jährige Juristin,
hat in fünf vorherigen Administrationen bereits unter Präsident Lyndon
Johnson im Jahr 1966 gedient und leitete unter Präsident Reagan das Ministerium für Transport und Verkehr.

Elizabeth Dole nahm den Gedanken
immerhin soweit ernst, daß sie Journalisten auf die Frage, ob ihrer Ansicht nach nicht etwas an der Kandidatur von zwei Ehepartnern auszusetzen sei, antwortete:
"Theoretisch
nicht. Wir haben jeder unsere eigene
Karriere. Es wäre jedoch etwas ungewöhnlich."

Sie und ihr Gatte Robert, der den
Vorsitz der Republikaner im Senat
führt, werden häufig als "das Paar
mit der größten Macht" in Washington
bezeichnet. In der Tat war das Gerede vom "Ehepaar Dole" auf der Wahlliste in der Anfangsphase des Präsi-

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Als Bush die Nominierung seiner
Partei gewann, hielten sich die Gerüchte, Elizabeth Dole würde als Vizepräsidentin
aufgestellt.
Aber

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�schließlich wurde Senator Dan Quayle
benannt.

die Präsident Carter wegen angeblicher Falschaussagen angriff.

In North Carolina geboren und
aufgewachsen bevor sie für ihre juristische Ausbildung und Karriere in
der Bundesregierung nach Norden ging,
wurde "Liddy" Dole - sie machte sich
den weitverbreiteten Kosenamen als
junges Mädchen zu eigen - stets dem
sprichwörtlichen Charme des Südens
gerecht.

Mit der Wahl von Präsident Reagan
wurde Dole zu seiner Assistentin für
Öffentlichkeitsarbeit ernannt und damit zur ersten Frau auf einem hochrangigen Posten in seiner Administration. Zu Beginn des Jahres 1983 beförderte Reagan sie zur Ministerin
für Transport und Verkehr im Kabinett. Ihre Wahl wurde im großen und
ganzen als Bestreben angesehen, die
Benachteiligung der Frau zu verringern und die Position des Präsidenten
gegenüber Frauen im Vorfeld der Wahlen 1984 zu verbessern.

Ihr wird ein beruhigender Einfluß
auf Senator Dole nachgesagt, den sie
im Jahr 1975 heiratete und der in dem
Ruf steht, aufbrausend und scharfzüngig zu sein.
Im Anschluß an ihr Examen an der
Harvard Law School kam sie 1966 nach
Washington und begann ihre Karriere
in der Regierung als Mitarbeiterin im
Gesundheitsministerium, ein Amt, in
dem sie sich auf die Ausbildungsprobleme von Behinderten spezialisierte.
Später hatte sie Positionen als
stellvertretende Direktorin für juristische Angelegenheiten im Büro für
Konsumentenbelange
unter
Präsident
Johnson und als geschäftsführende Direktorin der Kommission zur Wahrung
von Konsumenteninteressen unter Präsident Nixon inne. Nixon berief sie
dann zu einer siebenjährigen Amtszeit
beim Bundeskartellamt (FTC), einer
unabhängigen Behörde, die sich mit
der Förderung des Wettbewerbs im Binnenhandel und der Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, wie beispielsweise
mutwillige Täuschung durch Werbeversprechen befaßt. Ihre Amtszeit wurde
bis in die Administration von Ford
und Carter verlängert.
Demokratin, als sie nach Washington kam, wurde Dole bei ihrer Berufung zum FTC als politisch unabhängig
bezeichnet. Mit ihrem Rücktritt von
diesem Amt im Jahr 1979 hatte sie den
Übe rgang zur Republikanerin vollzogen
und
beim
Präsidentschaftswahlkampf
des Jahres 1980 war sie Vorsitzende
der Wähler für Reagan-Bush und Mitglied des "truth squad" einer Gruppe,

Zu Doles Leistungen während ihrer
Amtszeit als Transportministerin zählen der erfolgreiche Verkauf von Conrail, dem ehemals regierungseigenen
Gütertransportsystem, sowie die Übergabe von zwei Washingtoner Flugplätzen an eine regionale Behörde.
Dole trat wie auch von ihrem Amt
beim FTC von ihrem Posten als Transportministerin zurück, um eine aktive
Rolle in dem erfolglosen Präsidentschaftswahlkampf
ihres
Mannes
zu
übernehmen.
Für ihn unternahm sie
zahlreiche Reisen und Robert Dole bezeichnete sie scherzhaft als "meine
Strategie für den Süden".
Mit ihrer Ernennung zur Arbeitsministerin erfüllt Bush - vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat
- sein Versprechen, eine Frau in sein
Kabinett zu berufenn. Diesen Posten
hat derzeit die einzige Frau in
Reagans Kabinett - Ann McLaughlin inne.

Nachdem die Wahl auf sie gefallen
war, erklärte Dole, sie strebe "die
Verbesserung und den Schutz des Wohlergehens der amerikanischen Arbeitnehmer" an.
Dole legte ihr Examen in politischen Wissenschaften an der Universität Duke im Jahr 1958 ab und wurde
Mitglied in der studentischen Vereinigung hervorragender Akademiker (Phi

- 2 -

�Beta Kappa).
Sie studierte an der
Universität Oxford in Großbritannien,
erwarb dann den Magister in Pädagogik
und Staatskunde an der Universität
Harvard im Jahr 1960, bevor sie ihre
Studien an der juristischen Fakultät
aufnahm.
Im Jahr 1974 wählte das Time Magazine sie zu einem der 200 "Gesichter der Zukunft" Amerikas.
Sie und Senator Dole haben keine
Kinder. Der Senator hat eine Tochter, Robin, aus einer vorherigen Ehe.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

e&lt;

4. Januar 1989

MINISTER FÜR TRANSPORT UND VERKEHR BRINGT ERFAHRUNG MIT
- Porträt von Samuel Skinner -

WASHINGTON - (AD) - Der vom neu gewählten Präsidenten George Bush für das
Ministerium für Transport und Verkehr ausgewählte Samuel Skinner bringt sowohl
Erfahrungen auf seinem Gebiet als auch die politischen Verbindungen mit nach
Washington, die seinen Ansichten Gewicht verleihen.
Der Jurist Skinner ist seit 1984
Vorsitzender der regionalen Verkehrsbetriebe von Chicago (Chicago Regional Transit Authority - RTA), dem Betreiber von Pendlerzügen und Buslinien in und um Chicago. Die RTA sind
mit 2,4 Millionen Verkehrsteilnehmern
dem Umfang nach die zweitgrößten in
den Vereinigten Staaten nach den New
Yorker
Verkehrsbetrieben.
Skinner
ist im Besitz einer Instrumentenflugberechtigung.

"Sicherheit muß für uns immer an
erster
Stelle
stehen",
erklärte
Skinner gegenüber Journalisten auf
einer Pressekonferenz am 22. Dezember, auf der seine Nominierung und
die anderer Kabinettsmitglieder bekanntgegeben wurde. Er will das amerikanische Flugverkehrssystem verbessern und die Anstrengungen der KUstenwache unterstützen, dem Drogenverkehr in die Vereinigten Staaten
Einhalt zu gebieten.

Ferner sind Skinners enge Verbindungen zum neu gewählten Präsidenten
von Bedeutung. Er war zweiter Vorsitzender von Bush Kampagne um die
Präsidentschaft im Jahr 1980 gegen
Ronald Reagan und Anfang dieses Jahres Leiter des erfolgreichen BushWahlkampfes in Illinois.

Der 50jährige Skinner wurde unter
der Ford-Administration 1975 Staatsanwalt für den nördlichen Verwaltungsbezirk von Illinois. 1983 wurde
er Stellvertretender Vorsitzender in
der Kommission des Präsidenten gegen
das organisierte Verbrechen und gegenwärtig ist er Sozius im Chicagoer

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�Büro der internationalen Anwaltskanzlei Sidley und Austin.
Skinner begann seine Laufbahn in
der International Business Machines
Corporation (IBM), wo er von 1961 bis
1968 in der Marketingabteilung arbeitete.
1967 wurde er zusammen mit
zwei anderen Kollegen zum besten IBMVerkäufer in den Vereinigten Staaten
gewählt.
1966 legte er an der De
Paul
University
sein
Examen
in
Rechtswissenschaften
ab und wurde
1968 erster Assistent
von James
Thomson, dem damaligen Staatsanwalt
für den nördlichen Verwaltungsbezirk
von Illinois. In diesem Zeitraum erhielt er zweimal eine Auszeichnung
des Justizministeriums für hervorragende Leistungen.

Thompson hat sich als Gouverneur
von Illinois für die Berufung von
Skinner auf den Posten des Verkehrsministers stark gemacht.
Skinner war darüber hinaus Vorsitzender im Ausschuß für Kapitalentwicklung in Illinois, in der Kommission des Gouverneurs gegen Betrug und
der Arbeitsgruppe des Gouverneurs zur
Energieeinsparung und Kohleverarbeitung.
Er legte 1960 an der University
of Illinois seine Prüfung in Rechnungswesen ab und diente von 1960
bis 1961 als Offizier in der Armee.
Skinner hat drei Kinder.

* * * * * *

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Information

*

4. Januar 1989

BUSH NOMINIERT HISPANO-AMERIKANER ZUM NEUEN INNENMINISTER
- Porträt von Manual Lujan -

WASHINGTON - (AD) - Der langjährige Abgeordnete im Repräsentantenhaus,
Manual Lujan, ist für das Amt des Innenministers in der nächsten Administration nominiert worden. Der im Jahr 1968 zum ersten Mal für den Staat New
Mexico in den Kongreß gewählte Lujan bekleidet im Innenausschuß des Repräsentantenhauses bei den Republikanern die zweitwichtigste Position. Im Unterausschuß für Energie und Umwelt ist er ein wichtiges Mitglied der Minderheitsfraktion. Ferner hält er einen Sitz im Unterausschuß für Wasser- und Elektrizitätswirtschaft. Im Ausschuß für Wissenschaft, Weltraumforschung und Technologie steht er bei den Republikanern an führender Stelle.
In letzterer Funktion war er eines von vier Mitgliedern des Kongresses in der vom Präsidenten gebildeten
Nationalen Kommission für Weltraumforschung, die für die Langzeitplanung der amerikanischen Weltraumpolitik zuständig war. In dem von dieser
Kommission im Jahr 1986 veröffentlichten Bericht wurde ein 50-JahresPlan vorgeschlagen, in dessen Verlauf
permanente Stützpunkte auf dem Mond
und dem Mars eingerichtet werden
sollten, mit denen der Abbau von Bodenschätzen auf Mond und Mars ermöglicht würde.
Während der Reagan-Administration
war Lujan schon drei Mal für den Posten des Innenministers im Gespräch.
Als Kongreßmitglied blockierte er ein
Gesetz für die Verpachtung von Land

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in bestimmten noch im Urzustand belassenen Gebieten New Mexicos zum
Zweck der Erschließung von Öl- und
Erdgasvorkommen.
Letztlich stimmte
er jedoch einem Kompromißvorschlag
zu, mit dem eine solche Verpachtung
nach dem Jahr 2000 ermöglicht würde.
In bezug auf die Zuständigkeit
des Innenministeriums für Nationalparks und andere große Landflächen in
Staatsbesitz erklärte Lujan auf einer
Pressekonferenz am 22. Dezember, in
deren Verlauf Bush seine Nominierung
ankündigte: "Wie Sie wissen, engagiere ich mich sehr für den Erhalt
dieses Erbes, das uns hinterlassen
wurde und das wir unseren Kindern und
deren Kindern in besserem Zustand
vererben wollen, als wir es vorgefunden haben." Weiter sagte er, wenn

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�"ein kleines Stück des uns allen Anvertrauten entweiht wird, leiden wir
alle darunter".
Seine Bilanz im Kongreß ist konservativ. So stimmte er für Kürzungen der Haushaltsmittel für Wasserwirtschaftsprojekte und im öffentlichen Wohnungsbau.
Im allgemeinen
befürwortete er Verteidigungsvorhaben, wie etwa die Produktion der MXRakete und die Hilfe an die Contras
in Nicaragua.
Er ist ein vehementer Verfechter
der Atomenergie. Der Staat New Mexico ist einer der Hauptlieferanten
für Uran in den Vereinigten Staaten.

Lujan, der eigentlich vorgehabt
hatte, nach 20jähriger Tätigkeit im
Kongreß im Januar in den Ruhestand zu
treten, ist der zweite Amerikaner
hispanischer Abstammung im Kabinett
Bush.
Der andere, Bildungsminister
Lauro Cavazos, wird von der ReaganAdministration übernommen.
Der 60jährige Lujan studierte am
College of Santa Fe. Er ist ehemaliger
Vizepräsident
der
Republikanischen Partei im Staat New Mexico.
Ferner war er Präsident der Vereinigung selbständiger Versicherungsvertreter des Staates New Mexico. Er
hat vier Kinder.

* * * * * *

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VON

Information

4

4. Januar 1989

DESIGNIERTER CHEF DER UMWELTBEHÖRDE BEFÜRWORTET WELTWEITEN UMWELTSCHUTZ

- Porträt von William Reilly -

WASHINGTON - (AD) - Der vom gewählten Präsidenten George Bush für
das Amt des Leiters der Umweltbehörde
(EPA) ausgesuchte
William
Reilly
bringt für diese Tätigkeit große Erfahrung in Umweltschutzfragen sowohl
auf internationalem wie auch auf heimischem Parkett mit.

ste Präsident seine Wahlkampfversprechen ernst nehmen und Umweltfragen
einen höheren Stellenwert einräumen
wird.

Die Nominierung von Reilly am 22.
Dezember 1988 wurde von fast allen
namhaften Umweltschützern in den Vereinigten Staaten begrüßt. Viele hoben Reillys Fähigkeit zum Konsens und
Ausgleich zwischen Umweltschutz- und
Wirtschaftsinteressen hervor.

Der
geschäftsführende
Direktor
des Fonds zur Verteidigung der Umwelt, Frederic Krupp, hatte - wie die
meisten UmweltSchützer - einen positiven Eindruck von Reillys Nominierung.
Ihm zufolge hat die Gemeinschaft
der
UmweltSchützer
jetzt
"Grund zum Optimismus, daß diese Administration große Fortschritte bei
der Bewältigung dieser Probleme machen wird".

Die Wahl einer Persönlichkeit,
die praktisch ihr gesamtes Berufsleben Umweltanliegen unterstützt hat,
ist ein Hinweis darauf, daß der näch-

Der Sprecher einer anderen Umweltschutzinitiative
(Environmental
Action), Dan Becker, vertrat dagegen
eine der allgemein positiven Stimmung

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�zuwiderlaufende Auffassung und äußerte sich besorgt, da Reilly in der
Vergangenheit zu viele Kompromisse
mit der Wirtschaft eingegangen sei.
Seiner Ansicht nach "wird die wichtigste von ihm zu bestehende Herausforderung darin liegen, Umweltverschmutzern gegenüber eine harte Haltung einzunehmen statt mit ihnen zu
verhandeln".

Aufstellung von Normen und Zielvorgaben bei saurem Regen und in der Erzielung von Fortschritten bei der
Entwicklung von Technologie zur Säuberung der Kohle.
Er hob hervor,
Reilly habe umfassende Kenntnisse
über das zwischen den Vereinigten
Staaten und Kanada unterzeichnete Abkommen über die Reduzierung des sauren Regens.

Der designierte Leiter der EPA
wird voraussichtlich keine leichte
Aufgabe bei der Förderung umweltpolitischer Prioritäten haben. Dies beruht teilweise darauf, daß durch das
enorme Defizit im Bundeshaushalt der
finanzielle Spielraum für Umweltprogramme eingeengt wurde.

Zu saurem Regen zählt man Niederschläge in Form von Regen, Schnee,
Nebel und sogar Staub, die über das
normale Maß hinausgehende Säurewerte
aufweisen.
Umweltschützern zufolge
wird dieses Phänomen verursacht, wenn
Emissionen bestimmter chemischer Substanzen, insbesondere Schwefeldioxyd
aus
Kohleverbrennungsanlagen
sowie
Stickoxide aus Automobilen sich in
der Atmosphäre verändern.

Ferner wird mit dem designierten
Innenminister Manuel Lujan ein Mann
dem Kabinett Bush angehören, der in
seiner 20jährigen Mitgliedschaft im
Kongreß
bei
Abstimmungen
zumeist
Wirtschaftsinteressen
vor
Anliegen
des Umweltschutzes den Vorrang gegeben hat, wie den jedes Jahr von Umwelt- und Wirtschaftsgruppen verteilten Noten für Kongreßabgeordnete zu
entnehmen ist.
Die Umweltschutzbehörde überwacht
die Einhaltung einer Reihe von Umweltschutzgesetzen, darunter die Gesetze zur Reinhaltung von Luft und
Wasser, zur Kontrolle von Pestiziden
und anderen giftigen Substanzen sowie
Sondermüll.
"Obwohl die EPA nicht im Kabinett
vertreten ist, erfüllt diese Behörde
in meinen Augen eine für die Zukunft
Amerikas immens wichtige Aufgabe",
erklärte Bush bei der Bekanntgabe
seiner Wahl für den Posten des Leiters. "Ich habe großes Interesse an
der Arbeit dieser Behörde ... (Reilly) ist sich nicht nur der zwingenden
Notwendigkeit zum Schutz unserer eigenen Umwelt bewußt, er weiß auch um
die Notwendigkeit der internationalen
Zusammenarbeit in diesem Bereich."
Der gewählte Präsident erklärte,
eines seiner Ziele bestehe in der

Saurer Regen, der häufig weit von
seinem Ursprungsort entfernt niedergeht, vermischt sich am Boden mit Erde oder Wasser. Es gibt stichhaltige
Beweise dafür, daß übersaures Wasser
Fauna und Flora der Gewässer abtötet
und übersäuerte Böden den Ertrag von
Ernten und Wäldern senken.
Eigener Einschätzung zufolge ist
Reilly der erste Vorsitzende einer
wichtigen
UmweltSchutzorganisation,
der je zum Leiter der Umweltschutzbehörde ernannt wurde. "Ich werde sehr
eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten,
um die notwendige überparteiliche Unterstützung zur Gewährleistung wirklicher und dauerhafter Fortschritte
in der Umweltpolitik aufzubauen," erklärte Reilly.
Reilly ist seit Oktober 1985 Präsident des World Wildlife Fund in den
Vereinigten Staaten.
Damals schloß
sich diese Organisation mit der seit
1973 von ihm geführten Conservation
Foundation zusammen.
Mit Programmen in Lateinamerika,
Afrika und Asien, insbesondere in den
tropischen
Regenwäldern,
ist
der
World Wildlife Fund eine der führenden internationalen Umweltorganisati-

- 2 -

�onen. Er hat ca. 1 350 Projekte in
103 Ländern unterstützt, um gefährdete Tierarten und deren Lebensraum zu
schützen. Er zählt etwa 600 000 Mitglieder und hat ein Jahresbudget von
30 Millionen Dollar.
Die Conservation Foundation beschäftigt Wissenschaftler, Rechtsanwälte, Volkswirtschaftler, Städteplaner und Wirtschaftsexperten zu Fragen
der Landschaftsplanung, der Kontrolle
toxischer Abwässer, der Stadterhaltung und Energie. In Umweltschutzfragen strebt sie Lösungen vorwiegend
durch Verhandlungen statt durch den
Rechtsweg an.
In den Jahren 1970-72 war Reilly
führend im Rat des Präsidenten für
die Qualität der Umwelt sowie als geschäftsführender Direktor der Projektgruppe Landnutzung und städtisches Wachstum tätig.
Ferner war er stellvertretender
Direktor des Urban Policy Center und
diente als Hauptmann bei den amerikanischen Streitkräften in Europa.
Reilly,
der
in
Chicago
als
Rechtsanwaltspraktizierte, legte an
der Harvard Law School in Rechtswissenschaft und an der Columbia University in Städteplanung Examina ab.
Ferner besuchte er das College der
Yale University. Er spricht Französisch und Spanisch und hat Kenntnisse
in Deutsch und Italienisch. Er hat
zwei Kinder.

* * * * *

- 3 -

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Dokumentation

VN'^

4. Januar 1989

VEREINIGTE STAATEN VERHÄNGEN HANDELSSANKTIONEN GEGEN EG

- Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden am Vergeltung für
einen EG-Beschluß, der Einfuhren von
hormonbehandeltem Rindfleisch aus den
USA untersagt, Handelssanktionen im
Gegenwert von 100 Millionen Dollar
gegen die Europäische Gemeinschaft
verhängen.
Einer Ankündigung des
US-Handelsbeauftragten
Clayton
Yeutter zufolge treten diese Sanktionen am 1. Januar 1989 zugleich mit
dem von der EG erklärten Einfuhrverbot in Kraft.
Obwohl der Anteil des hiervon betroffenen Handels am Gesamthandelsstrom zwischen diesen beiden Handelspartnern relativ gering ist, besitzt
das Problem alle Attribute eines Handelskrieges. Ein Vertreter des Weissen Hauses äußerte jedoch die An-

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sicht, daß beide Seiten es nicht so
weit kommen lassen werden.
"Natürlich sind wir der Ansicht,
daß wir die von uns eingenommene Position zur Handelsfrage aggressiv
vertreten müssen, aber die EG-Staaten
sind unsere Verbündeten", erklärte
die stellvertretende Pressesprecherin
des Weißen Hauses, Leslye Arsht, im
Anschluß an Yeutters Ankündigung bei
einer Pressekonferenz in Los Angeles.
"Wir sind wichtige Handelspartner.
Wir hatten vereinzelte Handelskonflikte. Wir besitzen einen Rahmen,
innerhalb dessen wir diese lösen können. Und ... es besteht kein Grund
zu der Annahme, daß dieser Streit
nicht ebenso gelöst werden kann."
Die

Vereinigten

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Staaten

werden

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�Zölle von 100 Prozent auf bestimmte
Rindfleischprodukte, Schweineschinken
und -schultern, verarbeitete oder
konservierte Tomaten, löslichen Kaffee, alkoholische Getränke mit weniger als 7% vol. Alkohol, bestimmte
Fruchtsäfte und auf einzelne verpackte, aus Getreide hergestellte Arten
von Haustierfutter verhängen.
Die Liste der Produktkategorien
bot keine Überraschungen, da sie
schon vor einem Jahr, als die EG ursprünglich die Verhängung des Einfuhrverbots für den 1. Januar 1988
angekündigt
hatte,
veröffentlicht
worden war. Allerdings verschob die
EG dann den Termin auf den 1. Januar
1989.
Die einzige in der ursprünglichen
Liste enthaltene und dieses Mal nicht
betroffene Produktkategorie waren bestimmte Tierdärme und Produkte, die
bei der Herstellung von Wurstdärmen
Verwendung finden. Auf diese wurde
Yeutter zufolge verzichtet, da die EG
die Einfuhr von hormonbehandeltem
Fleisch zur Herstellung von Haustierfutter auch weiterhin gestatten wird.
Wie US-Vertreter mitteilten, werden die Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten in etwa den gleichen
Wert ausmachen, wie die durch das EGVerbot verursachten Verluste bei amerikanischen Fleischexporten. Die Anhebung der Zollsätze wird solange in
Kraft bleiben, wie der amerikanische
Handel durch das Einfuhrverbot behindert wird, erklärten sie.
"Ich bedaure, daß die Vereinigten
Staaten gezwungen sind, Vergeltungsmaßnahmen gegen das von der EG verhängte Einfuhrverbot für mit Wachstumshormonen behandeltes Fleisch zu
treffen", so Yeutter.
"Wir haben
wiederholt
versucht,
diese
Frage
einem
wissenschaftlichen
Schlichtungsausschuß gemäß dem Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen zu unterbreiten, um sie zu lösen. Unsere europäischen Handelspartner haben unsere Bemühungen jedoch ständig blokkiert."

"Trotz der Behauptung der EG, daß
das Verbot von Hormonen bei der Tiermast auf gesundheitlichen Bedenken
beruht, muß die EG weiterhin stichhaltige Beweise dafür vorlegen, daß
die sachgerechte Anwendung der in
Frage kommenden wachstumsfördernden
Hormone eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellt.
Aus
diesem Grund stellt der Beschluß zur
Einführung des Verbots eine unfaire
Handelspraxis dar."
Einer von Yeutters Behörde veröffentlichten Erklärung zufolge hat die
US-Lebensmittelbehörde (FDA) berichtet, daß die tägliche Produktion von
Hormonen im menschlichen Körper weit
höher ist als die minimalen Rückstände im Fleisch von behandelten Tieren.
Das Fleisch unbehandelter Tiere können einen Gehalt von natürlich vorkommenden Hormonen haben, der ebenso
hoch oder noch höher liege als
Fleisch von behandelten Tieren. Das
Ergebnis der FDA wird dieser Erklärung zufolge von einem hochkarätigen
Ausschuß
internationaler
Wissenschaftler
in
der
Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt,
der zu dem Schluß kam, daß bei sachgerechter Anwendung die von der EG
verbotenen Hormone keinerlei Gesundheitsrisiken darstellen.

* * * *

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Hintergrundmaterial

\ON'$&lt;

4. Januar 1989

'ZENTRALE ROLLE" FÜR MUJAHEDIN IN NEUER AFGHANISCHER REGIERUNG
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Den meisten Beobachtern zufolge wird sich das Najibullah-Regime nach der im Rahmen der Genfer Vereinbarungen vorgesehenen Beendigung Abzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan am 15. Februar 1989 nicht
mehr lange halten können. Ein am 27. Dezember 1988 vom US-Außenministerium
veröffentlichter Sonderbericht kommt zu dem Schluß, daß das Regime "schon zerfällt, da sich immer mehr Parteimitglieder absetzen und die Fraktionskämpfe
zunehmen, wobei jede Gruppe die andere für die drohende Krise verantwortlich
macht". Bemühungen zur Einbindung von Elementen des Widerstandes in eine Koalitionsregierung der "nationalen Aussöhnung" hätten die Widerstandsbewegung
"unbeeindruckt und uninteressiert" gelassen.
Wir veröffentlichen nachfolgend Einleitung und Zusammenfassung
richts:
Obwohl das Jahr 1988 einen Wendepunkt bedeutete, hält der blutige
Konflikt in Afghanistan unvermindert
an. Langwierige Verhandlungen unter
Schirmherrschaft der UNO wurden am
14. April mit der Unterzeichnung
einer Übereinkunft zwischen Afghanistan und Pakistan in Genf beendet;
die UdSSR und die Vereinigten Staaten
unterzeichneten als Garantiemächte.
Am 15. Mai begannen die Sowjets im
Einklang mit dem Genfer Abkommen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen; bis Mitte August hatten sie etwa
die Hälfte ihrer Truppen abgezogen.
Die Verschiebung der militärischen
Initiative zugunsten des Widerstands,
der Mujahedin, ist wahrscheinlich unumkehrbar. Aufgrund dieser Entwicklungen hat sich die Demoralisierung
des von den Sowjets unterstützten Re-

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des Be-

gimes in Kabul beschleunigt.
Falls die Sowjetunion ihrer Verpflichtung gerecht wird, bis zum 15.
Februar 1989 alle ihre Truppen abzuziehen, wird das neunte das letzte
Jahr der sowjetischen Besetzung Afghanistans
sein.
Generalsekretär
Michail Gorbatschow ist zu dem Schluß
gekommen, daß die sowjetische Verwicklung in Afghanistan eine "blutende Wunde" darstellt und arbeitete
stetig auf seine Beendigung hin.
Seine Entscheidung wurde unzweifelhaft von mehreren Gesichtspunkten beeinflußt: Im Jahr 1987 hatten die
Mujahedin in ihrem Kampf gegen die
sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen ein Patt herbeigeführt.
Die Afghanistan-Politik Moskaus hatte
die UdSSR von den islamischen, west-

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�liehen und blockfreien Staaten entfremdet. Schließlich gelang es den
Sowjets nicht, einen ihnen treu ergebenen Führer in Kabul zu finden, der
die Loyalität des afghanischen Volkes
für sich gewinnen konnte. Des weiteren blieben über 5 Millionen Afghanen, ungefähr ein Drittel der Vorkriegsbevölkerung
des Landes, als
Flüchtlinge in Iran und Pakistan.
Trotz
systematischen
Luftterrors,
Flächenbombardements und Artilleriefeuer über die Grenze hinweg stellte
Pakistan seine Unterstützung des afghanischen Widerstands nicht ein.
Der Washingtoner Gipfel zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow im Dezember 1987, eine
letzte Rundreise des UNO-Unterhändlers Diego Cordovez nach Pakistan,
Afghanistan und Iran im Januar 1988
und die Ankündigung Gorbatschows vom
8. Februar 1988, er habe sich zum Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan
entschlossen,
bereiteten
den Weg für die letzte Runde der unter der Schirmherrschaft der UNO abgehaltenen Genfer Verhandlungen, die
im Jahr 1982 begonnen hatten. Die
Parteien fanden sich Anfang März zum
letzten Mal in Genf ein. Nach zweimonatigen Verhandlungen wurde am 14.
April 1988 eine Vereinbarung unterzeichnet, die am 15. Mai in Kraft
trat: Danach würde die UdSSR bis zum
15. August 1988 eine Hälfte ihrer
Truppen und bis zum 15. Februar 1989
die andere Hälfte abziehen. Afghanistan und Pakistan verpflichteten sich
zur Nichteinmischung in die inneren
Angelegenheiten des anderen.
Der ersten Phase des sowjetischen
Abzugs folgte eine Serie militärischer Rückschläge für das Regime. In
der Folge intervenierten sowjetische
Truppen, um die Eroberung von wichtigen Städten durch die Mujahedin zu
verhindern. Ende Oktober führte die
UdSSR hochmoderne Flugzeuge und Boden-Boden-Raketen in den Konflikt ein
und erklärte, sie würde den Beginn
der letzten Abzugsphase aussetzen.
Trotzdem sind die Sowjets verpflichtet, den Rest ihrer Truppen bis zum

15. Februar 1989 abzuziehen.
Den meisten Beobachtern zufolge
wird sich das Najibullah-Regime nach
dem Rückzug der Sowjets nicht mehr
lange halten können. Der Zerfall des
Regimes hat schon begonnen, da sich
immer mehr Parteimitglieder absetzen
und die Fraktionskämpfe zunehmen, wobei jede Gruppe die andere für die
drohende Krise verantwortlich macht.
Im Bemühen, Elemente des Widerstandes
in eine Koalitionsregierung der "nationalen Aussöhnung" einzubinden, haben Najibullah und sein "parteiloser"
Premierminister, Hassan Sharq, die
Rolle von Mitgliedern der Volksdemokratischen Partei Afghanistans (PDPA)
in der Kabuler Regierung ständig verringert, den Kommandeuren des Widerstands hohe Regierungsposten angeboten und den ethnischen Minderheiten
mehr Autonomie versprochen. Der Widerstand zeigt sich davon jedoch weiterhin unbeeindruckt und ohne Interesse an solch einer Koalition.
Mit einer zunehmend instabilen
Lage konfrontiert entsandte Moskau im
Oktober den Ersten Stellvertretenden
Außenminister Julij Woronzow als Botschafter nach Kabul. Eine Säuberung
der Partei und die anschließende
Kaltstellung des Führers der KhalqFraktion Gulabzoi, der als Botschafter nach Moskau geschickt wurde,
sollten die Gegner von Kompromissen
und der "nationalen Aussöhnung" entmachten und den Fraktionskämpfen innerhalb der PDPA ein Ende bereiten.
Es ist weiterhin unklar, ob die Sowjets bereit oder in der Lage sind,
die PDPA zum Rückzug zu zwingen und
die Macht auf friedlichem Wege an
eine Ubergangsregierung zu übergeben.
Falls nicht, sind Partei und Regierung als Folge einer wahrscheinlichen
militärischen Niederlage
zum Verschwinden verurteilt.
Die Konturen einer Regierung nach
Najibullah sind noch nicht erkennbar,
aber die Mujahedin sollten darin eine
zentrale Rolle spielen. Die Vereinten Nationen setzen ihre Bemühungen
für einen friedlichen Machtwechsel

- 2 -

�und die Bildung einer "Ubergangsregierung" fort. Für eine solche Regierung wurden zahlreiche Möglichkeiten vorgeschlagen, so auch von der
Widerstandsallianz in Peschawar am
31. Oktober 1988. Die Allianz schlug
die Abhaltung von Wahlen in Afghanistan zu einer großen, repräsentativen
Versammlung (Schura) vor, die einen
neuen Staatschef wählen und eine neue
Übergangsregierung bestimmen würde.
Die Einleitung
direkter Gespräche
zwischen Vertretern der Sowjets und
des Widerstandes in Taif (Saudi-Arabien) Anfang Dezember bedeutete einen
neuen Meilenstein und könnte zu einer
politischen Lösung führen.
Eine Wiederherstellung des Friedens zusammen mit einem Regierungswechsel würde zur Rückkehr von Millionen von Flüchtlingen führen. Unter der Führung des UNO-Koordinators
für die Hilfsmaßnahmen für Afghanistan, Sadruddin Aga Khan, haben Bemühungen für die Wiederansiedlung und
für den Wiederaufbau der zerstörten
Infrastruktur
Afghanistans
bereits
begonnen.

Innenpolitisch hatte der Krieg
die wirtschaftlichen und sozialen Belastungen verschärft, und die wachsende Zahl der Gefallenen und Verwundeten hatte zu vermehrter Unruhe in
der Bevölkerung geführt. Durch einen
Abzug hoffte Moskau ferner, sein Internationales Image aufpolieren zu
können, einschließlich der Verbesserung seiner Beziehungen mit den Vereinigten Staaten, dem Westen, der
Volksrepublik China und der islamischen Welt. Der Abzug stand außerdem
im Einklang mit Gorbatschows gesamter
Innen- und
Außenpolitik.
Zusammen
mit dem INF-Vertrag betrachten sie
Sowjets eine Lösung des Afghanistanproblems als Sieg von Gorbatschows
"neuem Denken". Schließlich hat Gorbatschow erklärt, die Afghanistan-Regelung sei ein Modell für andere regionale Konflikte.

Das Angebot Gorbatschows
Die von Gorbatschow in seiner Erklärung vom 8. Februar 1988 angebotenen Modalitäten des Abzugs beinhalten:
Beginn des sowjetischen Truppenabzugs am 15. Mai 1988, falls die
Vereinbarungen bis zum 15. März
unterzeichnet würden;

Die sowjetische Entscheidung zum Abzug
Der
beim
amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Washington
Ende 1987 eingeschlagenen Richtung
folgend
verkündete
Generalsekretär
Gorbatschow am 8. Februar 1988 die
Entscheidung
Moskaus,
die
sowjetischen Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Die Erklärung bildete den
Höhepunkt eines langen und schwierigen Entscheidungsprozesses, der nahezu drei Jahre gedauert hatte. Die
sowjetische Führung erkannte, daß ohne eine massive Erhöhung ihres militärischen Engagements eine militärische Lösung in Afghanistan unmöglich
sei. Letztlich war Moskau nicht bereit, die für einen militärischen
Sieg notwendige Unterstützung bereitzustellen.
Für die Beendigung der
Verluste und einen Rückzug bestand
keine realistische Alternative.

Abzug innerhalb
oder weniger;
-

von

10 Monaten

Zustimmung, daß der Abzug des
Großteils der Truppen zu Beginn
des Prozesses In den Verhandlungen diskutiert werden könnte;
die Erwartung einer
der "Einmischung von
Afghanistan.

Beendigung
außen" in

Gorbatschow
erklärte
ausdrücklich, die Bildung einer Ubergangsregierung sei "eine rein afghanische
Angelegenheit", die nicht an den sowjetischen Abzug gekoppelt sei. Er
fügte hinzu, Moskau werde an Gesprächen zu diesem Thema nicht teilnehmen. Gorbatschow vermied ferner Angriffe auf die Vereinigten Staaten

- 3 -

�und Pakistan und schien - wie auch
Außenminister Schewardnadse während
seines Besuchs in Kabul im Januar seine heimische Zuhörerschaft auf
mögliche Kämpfe in Afghanistan nach
dem Abzug der sowjetischen Truppen
vorzubereiten. Insbesondere lobte er
die sowjetischen Soldaten, die in Afghanistan gedient hatten - ein Thema,
das er auch während des 19. Parteikongresses und des Moskauer Gipfeltreffens im Sommer ansprach.

* * * * *

- 4

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'VON

Hintergrundmaterial

4

4. Januar 1989

LISTE DER ALS VERGELTUNGSMASSNAHME GEGEN DAS
FLEISCH-IMPORTVERBOT DER EG VERHÄNGTEN SANKTIONEN
- Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
hat eine Liste bestimmter Produkte veröffentlicht, die von den Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten gegen das europäische Importverbot für hormonbehandeltes amerikanisches Rindfleisch betroffen sind. Die Maßnahmen beider
Seiten sollen am 1. Januar 1989 in Kraft treten.
Nachfolgend bringen wir die am 27. Dezember 1988 als Anhang zu der Yeutter-Erklärung veröffentlichte Liste von Produkten, auf die ein lOOprozentiger
Einfuhrzoll erhoben wird:
Anhang zur Presseerklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten
Angeglichene Zollverordnung der Vereinigten Staaten
Kapitel 99
Abschnitt III

beint und gekocht und in luftdichten
Behältern verpackt worden sind), verarbeitet oder anderweitig bearbeitet
oder konserviert (siehe Unterüberschrift
0210.11,
1602.41.90
oder
1602.42.40).

Produkte der Europäischen Gemeinschaft
(Belgien,
Bundesrepublik
Deutschland,
Dänemark,
Frankreich,
Griechenland, Großbritannien, Irland,
Italien, Luxemburg, die Niederlande,
Portugal und Spanien):

9903.23.15.
Tomaten,
anderweitig
als mit in Kapiteln 7 oder 11 oder in
Überschrift 2002 (siehe Unterüberschrift 2002.10, 2002.90 oder 2103.20.40) festgelegten Verfahren bearbeitet oder konserviert (außer Tomatenmark) .

9903.23.00.
Rindfleisch ohne Knochen (außer Abfällen), frisch, gekühlt oder gefroren (siehe Unterüberschrift 0201.30.60 oder 0302.30.60).
9903.23.05.
Schweineschinken
und
-schulter (außer solchen, die ent-

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9903.23.20.
Löslicher Kaffee, Extrakte und Konzentrate (die keine Zumischung von Zucker, Getreide oder
anderen Zusätzen enthalten) (siehe
Unterüberschrift 2101.10.20).

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Telex: 8-85432

�9903.23.25.
Andere
alkoholische
Getränke, die weniger als 7% vol. Alkohol enthalten
(siehe Unterüberschrift 2206.00.90).
9903.23.30.
Nicht näher definierte
Fruchtsäfte, konzentriert oder nicht
konzentriert, gesüßt oder ungesüßt,
ungemischt und die nicht mehr als
0.5%
vol. Äthylalkohol
enthalten
(siehe Unterüberschrift 2009.80.60).
9903.23.35.
Für den Einzelhandel
verpacktes Tierfutter aus Nebenprodukten, die durch das Mahlen von Getreide, Mischfutter und MischfutterZusätzen gewonnen wurden (siehe Unterüberschrift 2309.10).

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dole bringt lange Regierungserfahrung mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Minister für Transport und Verkehr bringt Erfahrung mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Samuel Skinner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush nominiert Hispano-Amerikaner zum neuen Innenminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Manual Lujan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Designierter Chef der Umweltbehörde befürwortet weltweiten Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von William Reilly&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten verhängen Handelssanktionen gegen EG&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Zentrale Rolle" für Mujahedin in neuer afghanischer Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Liste der als Vergeltungsmaßnahme gegen das Fleisch-Importverbot der EG verhängten Sanktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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1 1 . Januar 1988

«

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I N H A L T

INFORMATION
Sulllvan wird erster schwarzer Minister Im Kabinett Bush
- Porträt des neuen Gesundheitsministers -

DOKUMENTATION
Shultz drängt auf Beendigung des Einsatzes chemischer Waffen
- Rede vor der Pariser Konferenz Reagan legt Haushaltsentwurf für 1989/90 vor
- Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits -

HINTERGRÜNDMATERIAL
Amerikanische Wissenschaftler führen Sicherheit von Hormonen an
- Artikel über bei der Tiermast eingesetzte Wachstumshormone -

Die Kontroverse über den Einsatz von Hormonen bei der Tiermast
- Der Hintergrund

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Information

11. Januar 1989

Sulllvan wird erster schwarzer Minister im Kabinett Bush
- Porträt des neuen Gesundheitsministers -

(AD). - Dr. Louis Sullivan, Präsident der "Morehouse School of Medicine" in Atlanta (Georgia), wurde von
George Bush als künftiger Minister
für das Gesundheitsund Sozialwesen
nominiert.
Der 55jährige wird der
erste Schwarze im Kabinett des nächsten
Präsidenten
der
Vereinigten
Stiiten
sein.
Beide kennen und
schätzen sich seit vielen Jahren, wie
Vizepräsident Bush kürzlich vor Journalisten erklärte. Wissenschaftliche
Fachgebiete Sullivans sind die Erforschung der Sichelzellen-Anämie sowie
verschiedener
Anämieformen
infolge
ernährungsbedingten Mangels an Vitamin B 12 oder gestörter Resorption
des Vitamins bzw. erhöhten Bedarfs an
Vitamin B 12.
George Bush möchte Sullivan vor

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allem deshalb an der Spitze des Gesundheitsund
Sozialministeriums
sehen, weil er weitreichende Erfahrungen sowohl als Mediziner als auch
im Gesundheitswesen und im akademischen Bereich besitzt. Gemeinsam mit
ihm beabsichtigt er die Realisierung
vom Kongreß verabschiedeter Sozialreformen, die "dazu bestimmt sind, benachteiligten Bürgern die notwendigen
Hilfsmittel an die Hand zu geben, um
unabhängig von Fremdhilfe zu werden".
Auch werde man eng zusammenarbeiten,
"um zu versuchen, der schrecklichen
AIDS-Tragödie Herr zu werden".
Sullivan selbst bezeichnete es
als eines seiner wichtigsten Ziele,
allen Amerikanern gute Gesundheitsfürsorge zugänglich zu machen "und
insbesondere Wege zu finden, diese

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�Fürsorge für die Angehörigen von Minderheiten und für unsere benachteiligten Bürger zu verbessern". Vorrangig will er, die explodierenden
Kosten auf dem Sektor Medizin unter
Kontrolle bringen, den speziellen Bedürfnissen von Kindern und alten Menschen gerecht werden, sich mit dem
Problem des Drogenmißbrauchs auseinandersetzen und Anstrengungen in der
biomedizinischen Forschung verstärken,
die
Heilungsaussichten
bei
Krebs, Herzerkrankungen und AIDS erhöhen.
In letzter Zeit war Sullivan von
Abtreibungsgegnern angegriffen worden, weil in einem Zeitungsartikel
behauptet worden war, er habe sich
für das Recht der Schwangeren auf Abbruch ihrer Schwangerschaft ausgesprochen. Dagegen erklärte Dr. Sullivan am 22. Dezember, er lehne Abtreibung ab, sofern die Schwangerschaft nicht Folge von Vergewaltigung
oder Inzest ist oder für das Leben
der Schwangeren gefürchtet werden
muß. "Mit Ausnahme des letztgenannten Falles bin ich auch dagegen, eine
Abtreibung auf Staatskosten vornehmen
zu lassen", sagte Sullivan.
Sein
Standpunkt sei in dieser Frage identisch mit dem des künftigen Präsidenten Bush, "mit dem ich voll übereinstimme". Im Verlauf der Wahlkampagne
war das Thema "Abtreibung" zu einer
stark emotionalisierten Streitfrage
geworden.
Während Bush das "Recht
auf Leben" betonte, bestand der demokratische Kandidat Michael Dukakis
darauf, daß die Entscheidung über die
Durchführung
einer Abtreibung der
Schwangeren überlassen werden müsse.
Der Forschertätigkeit Sullivans
sind zahlreiche Studien zu verdanken,
u.a. über den täglichen Mindestbedarf
an Vitamin B 12, und Folsäure sowie
die Auswirkungen von Alkoholkonsum
und anderer Faktoren auf die Bildung
roter Blutkörperchen. Für den letztgenannten Vorgang ist das in der Leber gespeicherte Vitamin B 12, das
auch hilft, Energie aus der Nahrung
freizusetzen, von großer Bedeutung.

Die Sichelzellenanämie, um deren
Erforschung sich Sullivan große Verdienste erwarb, beruht auf einem angeborenen Defekt der Erythrozyten
(rote Blutkörperchen). Sie enthalten
ein durch Mutation verändertes Hämoglobin-Molekül.
Die Erkrankung ist
im Verbreitungsgebiet
der Malaria
Tropica, vor allem in Schwarzafrika
besonders häufig. In den USA ist etwa jeder vierhundertste in Amerika
geborene Schwarze davon betroffen.
Auch bei Personen spanisch-mexikanischer Herkunft oder solchen aus Mittelost- und Mittelmeerländern sind
häufiger Fälle von Sichelzellenanämie
zu verzeichnen, während sich die
Krankheit unter Personen mitteleuropäischer Herkunft äußerst selten findet.
Die normalerweise runden Erythrozyten erhalten durch Auskristallisieren des pathologischen Hämoglobins
eine sichelähnliche Form.
Dadurch
wird das Blut dickflüssiger, Gefäße
und wichtige Organe wie die Milz können blockiert werden. Es kommt verbreitet zu kleineren Infarkten, die
Nieren- und
Lungenfunktion
beeinträchtigen und zu neurologischen Ausfällen führen können.
Gefürchtet
sind die Schmerzzustände an Knochen,
Gelenken und Wirbelsäule bei Infektionen, aber auch schon nach körperlicher Anstrengung.
In einem im vergangenen Jahr im
"New England Journal of Medicine"
veröffentlichten
Artikel
erörterte
Sullivan die Ergebnisse einer Studie,
die zeigte, daß bei Trägern der Anlage für die Erkrankung während oder
nach starken körperlichen Anstrengungen das Risiko eines plötzlichen Todes erhöht ist. Diese Personen, die
als "heterozygote Träger" bezeichnet
werden, sind meist symptomfrei. Ihr
Blut enthält sowohl normales Hämoglobin als auch die pathologischen Moleküle. Sind jedoch beide Eltern Sichelzellen-Träger, ohne selbst krank
zu sein, ist für das Kind Sichelzellenanämie vorprogrammiert.

�Die Studie basierte auf fünfjährigen Untersuchungen an Rekruten während der Grundausbildung. Das Todesrisiko war für schwarze Rekruten, die
Träger sind, 28 Mal größer als für
schwarze Nicht-Träger der Anlage, und
40 Mal größer als für alle anderen
Rekruten. Die Forschungen erbrachten
keine Beweise für die Ursache des
plötzlichen Todes von Anlageträgern
im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung. Sullivan entwickelte dazu
die Hypothese, daß die Existenz eines
anomalen
Hämoglobin-Moleküls
die
Blutzellen veranlaßt, die sichelähnliche Form anzunehmen, wenn für längere Zeit die Sauerstoffversorgung
vermindert ist, wie es beim harten
Training während der militärischen
Grundausbildung der Fall sein kann.
Gleichzeitig
verwies
der Wissenschaftler darauf, daß normale Alltagsaktivitäten diese Gefahr für Anlageträger
ausschlössen.
Deshalb
seien Vorbehalte seitens der Versicherungsgesellschaften oder von Arbeitgebern
gegenüber
Anlageträgern
nicht gerechtfertigt.

Louis Sullivan wurde am 3. November 1933 in Atlanta (Georgia) geboren
und studierte an der Universität Boston Medizin. Nach der Promotion im
Jahr 1958 spezialisierte er sich auf
Pathologie und arbeitet einige Jahre
am Massachusetts General Hospital.
Von 1970 bis 1977 war er als außerordentlicher Professor für Medizin und
Physiologie an der Universität Boston
tätig, bis ihn der Ruf an die "Morehouse School of Medicine" in Atlanta
erreichte. An dieser vor allem von
Schwarzen besuchten Hochschule hatte
er von 1977 bis 1985 die Ämter des
Dekans und Direktors inne und bekleidete seit drei Jahren das Amt des
Präsidenten.
Sullivan ist Inhaber
zahlreicher akademischer und anderer
Auszeichnungen, mit denen er sowohl
für wissenschaftliche Leistungen als
auch für seine Beiträge zur Ausbildung von Angehörigen von Minderheiten
in der Medizin geehrt wurde.

- 3 -

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

11. Januar 1989
SHULTZ DRÄNGT AUF BEENDIGUNG DES EINSATZES CHEMISCHER WAFFEN
- Rede vor der Pariser Konferenz -

PARIS - (AD) - Der amerikanische Außenminister George P. Shultz hat am 7.
Januar vor der Konferenz über chemische Waffen in Paris an die politisch Verantwortlichen in über 140 Ländern appelliert, dem Einsatz chemischer Waffen
abzuschwören und sie nicht in die Hände von Terroristen gelangen zu lassen.
Er forderte die Staatengemeinschaft auf, sich zusammenzuschließen und die Ziele und Grundsätze des Genfer Protokolls aus dem Jahre 1925 zu bekräftigen.
Nachfolgend
Wortlaut.

veröffentlichen wir die Ansprache des US-Außenministers im

Zu Beginn unserer Gespräche über
diese große Herausforderung, der sich
die Weltsicherheit durch die chemischen Waffen ausgesetzt sieht, habe
ich die Ehre, Ihnen eine Botschaft
des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Ronald Reagan, zu übermitteln.
Sie lautet folgendermaßen:
"Verehrte Delegierte: Vor weniger als drei Monaten habe ich die
Parteien des Genfer Protokolls
und andere betroffene Staaten
aufgefordert, eine Konferenz zu
dem Zweck einzuberufen, die Einhaltung
internationaler
Normen
gegen den illegalen Einsatz chemischer Waffen zu erneuern. Heute haben sich dank der Initiative
des
französischen
Präsidenten
Mitterrand und der französischen

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Regierung Vertreter von über 145
Staaten in Paris versammelt, um
ihr Engagement für das Ziel der
Beendigung der Weiterverbreitung
dieser gefürchteten Waffen und
für die Verhinderung ihres Einsatzes zu bekräftigen.
Mit Ihrer Teilnahme wird die allen Ländern gemeinsame tiefe Besorgnis und Unruhe über die gefährliche Verbreitung
und den
wiederauflebenden Einsatz einer
der von der Menschheit am meisten
gefürchteten und fürchterlichsten
Formen der Kriegführung unterstrichen. Sie zeigt ferner, daß
Sie den Wunsch teilen, die notwendigen Schritte zu unternehmen,
um zu verhindern, daß solche Waffen erneut eingesetzt werden.

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�Das Genfer Protokoll von 1925
bleibt ein ungemein wertvoller
und notwendiger Vertrag, aber
seine Ziele können nur erreicht
werden, wenn die Staaten sich daran halten. Eine erneute Bekräftigung der Ziele des Genfer Protokolls ist nicht nur eine Frage
des Rechts, sondern ein bedeutender Schritt zu einer sichereren
Zukunft der Menschheit. Es ist
meine Hoffnung, daß die Teilnehmer der Pariser Konferenz diesen
wichtigen Schritt tun werden.
Regierung und Volk der Vereinigten Staaten übermitteln ihre Gebete und besten Wünsche für das
Gelingen dieses lebenswichtigen
Unternehmens, das von Ihnen in
Angriff genommen wird."
In d er Tat hat uns ein Grauen
heute hier zusammengeführt, das wie
ein Damoklesschwert seit nahezu einem
Jahrhundert
über
der
Menschheit
schwebt - die Bedrohung durch und der
Einsatz von chemischen und biologischen Waffen.
Die Geschichte verzeichnet, daß
am Vorabend dieses geplagten Jahrhunderts - eines Jahrhunderts, das von
einer Reihe vom Menschen geschaffenen
Schrecken erfüllt sein sollte -, die
Teilnehmer an der ersten Haager Friedenskonferenz im Jahr 1899 sich bereiterklärten, chemische Waffen zu
verurteilen.
Aber die Warnungen der Haager Erklärung gegen den Einsatz von Giftgas
wurden nicht beherzigt. Im Jahr 1915
wurden auf den Schlachtfeldern von
Flandern nahe Ypern - nur 200 Kilometer von unserem Tagungsort entfernt chemische Waffen zum ersten Mal in
großem Umfang im Krieg eingesetzt.
Im Ersten Weltkrieg wurden über eine
Million Menschen, Soldaten wie Zivilisten, von chemischen Waffen getötet
oder verletzt - ein grauenvolles Vorzeichen für die Hunderttausenden, die
von dieser Geißel noch zu Tode gebracht werden sollten.

Das Schicksal der Überlebenden
war kaum besser als das derjenigen,
die sofort getötet wurden. Ein Augenzeuge beschrieb sie später folgendermaßen:
"Gesichter, Arme, Hände waren von
glänzend
grau-schwarzer
Farbe.
Mit offenen Mündern und glasigen
Augen taumelten sie vor und zurück und versuchten, zu Atem zu
kommen während sie um ihr Leben
kämpften."
Im Ersten Weltkrieg senkten sich
die todbringenden chemischen Wolken
über die Fronten im Westen wie im
Osten. Sie kannten keine Grenzen und
vereinten in ihrem Schrecken und gemeinsamen Leid viele der am heutigen
Tage hier vertretenen Nationen. Diese Art der Vernichtung brachte keinen
militärischen Vorteil.
Sie machte
das Patt dieses Konflikts schlicht
noch verheerender - so furchtbar, daß
die Staatengemeinschaft sich schließlich zum Handeln gezwungen sah.
Die Maßnahmen erfolgten rasch und
gipfelten im Genfer Protokoll des
Jahres 1925 ihren Höhepunkt, mit dem
die führenden Staaten der Welt - unter ihnen die Regierung der Vereinigten Staaten - eine Übereinkunft schufen, die den Einsatz chemischer und
biologischer Waffen im Krieg verbot.
Die Arbeit der Konferenz blieb
über sechs Jahrzehnte hinweg gültig.
Allerdings wurden die in Genf aufgestellten rechtlichen und moralischen
Schranken auf tragische Weise in den
dreißiger und vierziger Jahren gebrochen. Deshalb hatte Franklin Roosevelt Recht, als er sagte, es sei "die
Menschheit
allgemein
davon
überzeugt" , daß chemische Waffen verboten
werden sollten.
Haben wir die Lehren der Geschichte
vergessen?
Dies ist weiterhin eine begründete Ansicht. In den letzten Jahren
sind die internationalen Normen gegen

�chemische Waffen in der Praxis allmählich ausgehöhlt worden - zuerst im
Nahen Osten und unlängst in regionalen Konflikten von Südostasien bis zu
Afghanistan und dem Persischen Golf
Und selbst, wenn der Frieden in
diese konfliktgeschüttelten Gebieten
Einzug halten sollte - und wir hoffen
und beten für den Tag, an dem dies
geschieht -, wird diese Hinterlassenschaft des Einsatzes chemischer Waffen für sie noch auf Jahre hinaus
eine wirkliche Belastung sein. Der
Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 1970 kam zu dem Schluß:
"Chemische und biologische Waffen
bilden eine ernste Bedrohung für die
Zivilbevölkerung.
Der
umfassende
Einsatz chemischer und biologischer
Waffen könnte dauerhafte Veränderungen unvorhersehbarer Art in der Umwelt zur Folge haben."
Die Konsequenzen des Einsatzes
chemischer Waffen in der Vergangenheit belasten Europa heute immer
noch. Nicht detonierte chemische Munition aus dem Ersten Weltkrieg setzt
weiterhin in den Gewässern, in denen
sie versenkt wurden, ihren alternden
- aber immer noch tödlichen - Inhalt
frei.
Nordseefischer und Schwimmer
in Küstengewässern tragen immer noch
Senfgasverbrennungen von versenkter
und korrodierender Munition davon.
Auch in den Gewässern des Schatt
al Arab wird nicht detonierte chemische Munition auf Jahrzehnte hinaus
Menschenleben und Umwelt bedrohen.
Wir können keinen Aufschub mehr
zulassen.
Die Zeit arbeitet gegen
uns.
Die Technologie bleibt nicht
stehen. Noch tödlichere und heimtükkischere chemische Waffen befinden
sich in der Entwicklung - Waffen, mit
denen Verteidigungssysteme überwunden
werden und die verheerende Auswirkungen haben. Die Fähigkeit zur Herstellung solcher Waffen verbreitet
sich rasch - und mit ihr die Technologie der Herstellung ballistischer
Raketen als Trägersysteme.

Zusätzlich sehen wir uns mit dem
noch groteskeren Schreckgespenst der
Verbreitung biologischer Waffen konfrontiert. In Verletzung der Konvention über biologische und toxische
Waffen von 1972 werden von Staaten
noch
tödlichere
und
resistentere
Krankheitserreger entwickelt, produziert und gelagert.
Es ist keine
Übertreibung, zu sagen, daß die bloße
Existenz
dieser Waffen eine der
ernsthaftesten Bedrohungen für das
überleben der Menschheit darstellt.
Mutet es nicht wie grausame Ironie an, daß diese neuen und todbringenden Bedrohungen uns gerade zu der
Zeit zunehmend in Schrecken versetzen, da wir begonnen haben, Fortschritte bei der Kontrolle und Reduzierung von Kernwaffen zu erzielen?
Ein Alptraum für jedermann wäre folgerichtig die Kombination ballistischer Raketen, chemischer Gefechtsköpfe und biologischer Waffen in der
Hand von Regierungen, die sich in der
Vergangenheit terroristischer Gewalttaten schuldig gemacht haben.
Der Zugang von Terroristen zu
chemischen und biologischen Wirkstoffen ist eine weitere Bedrohung für
die
internationale
Staatengemeinschaft.
Es gibt keinerlei unüberwindliche technische Hindernisse, die
terroristische Gruppen vom Einsatz
chemischer Waffen abhalten könnten.
Die Bedrohung ist real. Einige Regierungen, die als Förderer des Terrorismus bekannt sind, besitzen heute
beträchtliche Fähigkeiten bei chemischen Waffen.
Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen?
In einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat
Präsident Reagan den Vorschlag für
diese Konferenz unterbreitet.
Wir
wollen uns seine Worte ins Gedächtnis
rufen:
"Giftgas.
Chemische Waffen ...
Diese Schrecken. Dieses Grauen ...
Es obliegt allen zivilisierten Natio-

- 3 -

�nen, Kriegführung unter Einsatz von
chemischen Waffen und Giftgas ein für
alle mal zu verbieten."
Die internationale Gemeinschaft
muß heute an verschiedenen Fronten
vorgehen, um die Bedrohung durch chemische Waffen auszumerzen, ihren illegalen Einsatz zu verhindern und ihrer gefährlichen Verbreitung Einhalt
zu gebieten.
Selbst während wir bei den Genfer
Verhandlungen über ein Verbot der
Entwicklung,
Herstellung, Beschaffung, Lagerung, Beibehaltung oder des
Transfers chemischer Waffen Fortschritte erzielen, muß jeder von uns
jetzt Schritte zur Stärkung unserer
politischen Verpflichtung zur Offenlegung der Bedrohung und Kontrolle
der Verbreitung und des Einsatzes
dieser verabscheuungswürdigen Waffen
unternehmen.
Meine Regierung hat die Schwierigkeiten - vor allem der Verifizierung - niemals unterschätzt, die bei
der Verwirklichung dieses vordringlichen Ziels überwunden werden müssen. Als Vizepräsident Bush im Jahr
1984 im Namen von Präsident Reagan
den Vertragsentwurf in Genf auf den
Verhandlungstisch legte, erklärte er,
ein umfassendes Verbot chemischer
Waffen könne erst dann funktionieren,
wenn die Staaten bereit seien, "sich
zu einem neuen, aber absolut notwendigen Maß an Offenheit zu verpflichten" - "einer neuen Art und Weise,
miteinander
umzugehen".
So eindrucksvoll diese Herausforderung auch
sein mag, sollte die Völkergemeinschaft die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten nicht unterschätzen,
diese Probleme zu überwinden und
einen wirksamen Vertrag in Kraft zu
setzen.
Vor kurzem hat der künftige Präsident Bush erklärt, eine seiner
höchsten Prioritäten liege darin,
das, was er so treffend als "diese
schreckliche Geißel" bezeichnet, zu
bekämpfen. Er führte aus, er wolle
als ein Präsident in der Erinnerung

verhaftet bleiben, der gemeinsam mit
den Verbündeten, der Sowjetunion und
anderen Nationen die Beseitigung chemischer Kriegführung und chemischer
Waffen herbeigeführt hat.
Die Staatengemeinschaft muß sich
vereinigen und sich erneut - entschlossen und wirksam - den Zielen
und Grundsätzen des Genfer Protokolls
aus dem Jahr 1925 verpflichten. Kein
Land sollte angesichts der Bedrohung
durch chemische Waffen nur auf sich
selbst gestellt sein, denn kein Land
ist dagegen immun. Wir müssen bereit
sein, Staatskunst auszuüben, zu kooperieren und die Durchführung zu erzwingen.
Aus diesem Grund fordern wir diese Konferenz
auf, die folgenden
Schritte unverzüglich zu unterstützen:
Jede Nation muß die politische
Verpflichtung auf sich nehmen,
die internationalen Normen über
den Einsatz chemischer Waffen
einzuhalten;
Nationen, die dem Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925 noch nicht
beigetreten sind, sollten dies
tun;
Die Fähigkeit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Beschuldigungen über den illegalen
Einsatz chemischer Waffen bei bewaffneten Konflikten unverzüglich
nachzugehen, sollte gestärkt und
erweitert werden.
Es bleibt noch viel zu tun, sowohl im Verlauf dieser Konferenz als
auch im Anschluß daran.
Wir sollten Verfahren für humanitären Beistand für Opfer eines Angriffs mit chemischen Waffen in Erwägung ziehen.
Wir müssen die Unterstützung für
die in der Charta der Vereinten Nation verankerten Maßnahmen verstärken, wenn es in Zukunft zum illegalen
Einsatz
chemischer
Waffen
kommen

- 4 -

�sollte - und hierbei denke ich vor
allem an die Sanktionen in Kapitel
7. Um den künftigen Präsidenten Bush
zu zitieren, "... die Nationen, die
sich
der
chemischen
Kriegführung
schuldig gemacht haben, müssen einen
Preis bezahlen. Sie müssen wissen,
daß die Verletzung des Verbots über
den Einsatz solcher Waffen schwere
Bestrafung nach sich zieht. Nicht
nur ein Bußgeld oder eine kleinere
Sanktion, die man ignorieren kann."
Es besteht die dringende Notwendigkeit für Schritte zur Erlangung
größerer Zurückhaltung auf internationaler Ebene bei Export von Technologien, Chemikalien und Waffen, die mit
chemischer Kriegführung in Zusammenhang stehen.
Seit 1985 haben die
Vereinigten Staaten mit 18 anderen
Nationen bei der Koordinierung von
Bestrebungen zur Kontrolle des mit
chemischen Waffen in Verbindung stehenden internationalen Handels zusammengearbeitet. Wir sollten Möglichkeiten für wirksamere Mittel zur Kontrolle des Transfers von Vorläufern
chemischer Waffen, Technologie und
Waffen zur chemischen Kriegführung
erforschen, ohne den legitimen Handel
und die friedliche Anwendung zum Nutzen der Menschheit zu unterbinden.
Schließlich möchte ich Sie bitten, mit mir gemeinsam unsere Regierungen zu verpflichten, nicht nur den
Einsatz chemischer Waffen bei bewaffneten Konflikten zu verhindern, sondern terroristischen Gruppen den Zugang zu chemischen Waffen zu verweigern.
Das Problem der Verbreitung chemischer Waffen ist ebenso schwierig
wie gefährlich. Die Herausforderung,
die sie für die Sicherheit der Welt
darstellen, ist so vordringlich, daß
internationale Bestrebungen in diesem
Bereich nicht von anderen schwierigen
RUstungskontrollthemen wie der Verbreitung von Nuklearwaffen abhängig
gemacht werden sollten. Wenn wir der
Bedrohung durch chemische Waffen in
jeder Hinsicht wirksam begegnen wollen, müssen wir zum Kern des Problems

vordringen.
Die Verbreitung chemischer Waffen
ist kein Problem zwischen Entwicklungs- und
Industrienationen.
Es
geht nicht darum, daß einige Nationen
versuchen, ein Monopol an chemischen
Waffen aufrechtzuerhalten, indem sie
es anderen Ländern unmöglich machen,
in ihren Besitz zu gelangen. Alle
Nationen haben den größtmöglichen
Vorteil, wenn sie sich auf das wirkliche Problem konzentrieren:
die
Verbreitung und den Einsatz dieser
Waffen zu verhindern, auch dann, wenn
wir uns der Befreiung der Welt von
den bereits bestehenden chemischen
Waffen verschrieben haben.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so haben wir seit 1971 aktiv
an den Verhandlungen bei der Abrüstungskonferenz
teilgenommen.
Wir
engagieren uns für den Erfolg dieser
Verhandlungen, und wir werden so lange wie nötig am Verhandlungstisch
bleiben. Wir werden das Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925 und alle anderen Bestimmungen des Völkerrechts
im Zusammenhang mit dem Einsatz chemischer Waffen, einschließlich der
Genfer Konvention von 1949 einhalten.
Und wir fordern alle hier versammelten Länder - und alle Länder der Welt
- auf, ein ebensolches Versprechen
abzugeben.
Es bedarf weltweiter Anstrengungen
Wir sind der Regierung Frankreichs und Präsident Mitterrand zu
Dank verplichtet, daß sie als Antwort
auf Präsident Reagans Aufforderung
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen die Staatengemeinschaft hier
in Paris zusammengerufen haben.
Die Wiederaufnahme der chemischen
Kriegführung in den vergangenen 25
Jahren bedeutet für die Menschheit,
die Vernunft und die Zivilisation
einen
gefährlicheren
Rückschritt.
Der künftige Präsident Bush hat den
Ausbruch eines Krieges mit chemischen
Waffen und die Verbreitung ballistischer Raketen als "deutliche Erinne-

- 5 -

�rung, wie leicht Nationen vom Wege
abkommen und auf den Abgrund zusteuern können", bezeichnet. Und zu seiner "feierlichen Mission" hat er die
zur Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft erklärt, "dies
zu beenden und zwar heute".
Jetzt ist es an der Zeit, daß wir
uns zu unserer Verantwortung bekennen. Lassen Sie uns gemeinsam unsere
Aufgabe bewältigen, unsere feierlichen moralischen und rechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen.
Ein von dem großen amerikanischen
Schriftsteller Carl Sandburg - seinerzeit Kriegsberichterstatter in Europa - im Jahr 1916 verfaßtes Gedicht
geht mir nicht aus dem Kopf.
Es
heißt Gras und endet mit diesen
eindrucksvollen und bitteren Zeilen:
"Stapelt die Körper ... in Ypern
und Verdun.
Begrabt sie und laßt mich an die
Arbeit gehen.
Zwei Jahre, zehn Jahre später und
die Fahrgäste fragen den Schaffner:
Was ist dies für ein Ort?
Wo sind wir jetzt?
Ich bin das Gras.
Laßt mich an die Arbeit gehen."
Heute sage ich Ihnen: Laßt uns
unsererseits an die Arbeit gehen und
sicherstellen, daß wir die Opfer der
chemischen Kriegführung niemals vergessen. Laßt jeden einzelnen von uns
sicherstellen, daß wir uns weder
durch den Lauf der Zeit noch die Notwendigkeiten des Augenblicks jemals
wieder aus der Verantwortung stehlen,
die wir der Menschheit gegenüber tragen.

* * * * *

- 6

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rt3n,

'VON

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

e&lt;

*

11. Januar 1989

REAGAN LEGT HAUSHALTSENTWURF FÜR 1989/1990 VOR
- Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits -

WASHINGTON - (AD) - Mit der am 9. Januar 1989 dem Kongreß zugeleiteten
Vorlage des Entwurfs für das am 30. September 1990 endende Haushaltsjahr befürwortet Präsident Reagan eine Kürzung des Ausgabenumfangs, um das Haushaltsdefizit abzubauen.
Die Begleitbotschaft des Präsidenten zur Haushaltsvorlage hat folgenden
Wortlaut.
An den Sprecher des Repräsentantenhauses und den Präsidenten des Senats:
Vor acht Jahren waren viele in
diesem Land besorgt über die Zukunft
der Wirtschaft, unserer Regierung und
nicht zuletzt unserer Nation selbst.
Die Arbeitslosenquote war hoch und im
Steigen begriffen.
Inflation und
Zinssätze
erreichten
Rekordhöhen.
Die
Verteidigungsfähigkeit
unseres
Landes war vernachlässigt worden und
somit geschwächt. Das internationale
Ansehen der Vereinigten Staaten befand sich auf einem Tiefpunkt.
Um die Wirtschaftsprobleme zu lösen, mit denen wir uns damals konfrontiert sahen, schlug unsere Administration
ein
Gesundungsprogramm

United States Information Service
Embassy of the United States of America

vor, das sich auf vier Grundprinzipien konzentrierte:
Senkung der Einkommens- und Unternehmenssteuersätze .
Verringerung
der
bei Bundesausgaben.

Wachstumsrate

Verringerung der Fülle von Bundesvorschriften durch Abbau unnötiger Einschränkungen bei gleichzeitigem Schutz der Interessen
und der Sicherheit der Öffentlichkeit.
Unterstützung
einer
gemäßigten
und kontinuierlichen Geldmarktpolitik zur Eindämmung der Inflation.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Um unsere Verteidigungsfähigkeiten wiederaufzubauen und die Stellung
der Vereinigten Staaten in der Welt
zu erneuern, haben wir erweiterte nationale Sicherheits- und internationale Programme vorgeschlagen.

Arbeitslosenquote
um mehr als
fünf Prozentpunkte auf 5,4 Prozent - ihren niedrigsten Stand
seit 14 Jahren - zurückgegangen
ist.
Die in den vier Jahren vor meiner
Amtszeit
durchschnittlich
10,4
Prozent betragende Inflation ist
im Verlauf der vergangenen sechs
Jahre auf durchschnittlich weniger als ein Drittel dieses Wertes
zurückgefallen.

Ferner haben wir das umfassendste
Programm zur Verbesserung der Verwaltung in die Wege geleitet, das je
in Angriff genommen wurde, um die jeweiligen Beziehungen zwischen den Regierungen des Bundes, der Einzelstaaten, der Kommunen und dem Privatsektor wiederherzustellen, Verschwendung
bei Bundesprogrammen abzubauen und
Kontrollen im Verwaltungsablauf sowie
eine Steigerung der Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Verbesserung
der Dienstleistungen einzuführen.
Heute kann das amerikanische Volk
stolz auf die Fortschritte sein, die
in jedem dieser Bereiche erzielt worden sind. Als Ergebnis dieser Fortschritte haben die Vereinigten Staaten ihre Position im Inland gestärkt,
sind auf internationaler Ebene sicherer geworden und stehen in den Augen
der Welt besser da als vor acht Jahren.

Gleichzeitig sind die Realeinkommen nach Steuerabzug seit 1982 um
24 Prozent gestiegen und mit ihnen unser Lebensstandard insgesamt.
Steuergesetzgebung
stimmungen

Be-

Seit 1981 ist die vom Bürger für
das Ausfüllen von Formularen für
die Bundesregierung aufgewandte
Zeit jährlich um 600 Millionen
Stunden verkürzt worden, und die
Anzahl der Seiten von jährlich im
Bundesanzeiger
veröffentlichten
Verfügungen ist um mehr als 45
Prozent verringert worden.

In gemeinsamer Arbeit haben wir
in den vergangenen acht Jahren viel
erreicht.
Die Wirtschaft

Seit Beginn dieser Expansion sind
19 Millionen neuer Arbeitsplätze
geschaffen worden, während die

sonstige

Zwischen 1981 und 1987 sind die
Steuergesetze
durch
Änderungen
der Bundessteuergesetzgebung gerechter geworden und die Einkommenssteuersätze wurden gesenkt.
Für 4,3 Millionen einkommensschwache Familien ist die Abgabe
von Stuererklärungen nicht länger
erforderlich.

Die Bilanz der vergangenen acht Jahre

Die nunmehr im sechsten Jahr anhaltende wirtschaftliche Expansion hat alle vorherigen Aufschwungperioden in Friedenszeiten
in der Geschichte der Vereinigten
Staaten ilbertroffen. Betriebliche Investitionen und Exporte
steigen an und das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich bis
in die neunziger Jahre anhalten.

und

Haushalt
-

Die Ausgabenexplosion bei Bundesaufwendungen ist eingedämmt worden und die Haushaltsprioritäten
wurden auf solche Aufgaben verlagert, die von der Bundesregierung
zur Verfügung
gestellt werden
sollten, wie beispielsweise nationale
Verteidigung,
wissenschaftliche
Grundlagenforschung
und Wahrung der Rechte aller Bürger.

�-

Das System der Sozialversicherung
konnte vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit gerettet werden
und ist bis ins nächste Jahrhundert sichergestellt.

Abschreckung durch die Bedrohung
eines nuklearen Vergeltungsschlages gründet sondern auf Verteidigungssysteme, die niemanden bedrohen.

Die Ausgabenexplosion der siebziger Jahre bei vermögensabhängigen
Leistungsprogrammen
ist
eingedämmt worden.
Bestimmungen für
die Inanspruchnahme wurden verschärft, um die Leistungen wieder
den wirklich Bedürftigen zufliessen zu lassen. Die GrundVergütungen
für
Einkommensschwache,
Ältere und andere von Unterstützung durch den Staat Abhängige
sind beibehalten worden.

Unsere Bereitschaft, die Freiheit
auf der ganzen Welt zu verteidigen hat bei der Verbreitung der
Demokratie und der Eindämmung der
Flut
kommunistischer
Expansion
Erfolge gezeitigt.
Verwaltung und Regierung
Die
Bundesbehörden
haben
ein
wichtiges Programm zum Abbau der
Verwaltungsbürokratie - "Reform
'88" - eingeleitet, mit dem die
Maßnahmen der Bundesregierung im
Bereich der Finanzverwaltung rationeller durchgeführt und Verschwendung, Betrug und Mißbrauch
beseitigt werden sollen.

Wir haben Schritte eingeleitet,
um andere Leistungsprogramme auf
eine soliderer Grundlage zu stellen. Dazu zählt die Krankenhausversicherung Medicare, die von
einem Zuschußprojekt in ein System umgewandelt wurde, mit dem
Wettbewerb gefördert und Kosten
niedrig gehalten werden.
Verteidigung und
gelegenheiten

internationale

Einige von der Bundesregierung
wahrgenommene Aufgaben sind wieder an den Privatsektor oder die
Regierungen
der
Bundesstaaten
oder Kommunen zurückgegeben worden.

An-

Unsere Verteidigungsfähigkeit ist
gestärkt und Waffensysteme sind
modernisiert und verbessert worden. Wir rekrutieren und halten
besser qualifiziertes Personal.
Bereitschaft, Ausbildung und Moral unserer Truppen sind entschieden gesteigert worden.
Aufgrund
unserer
verbesserten
Stärke konnten wir mit der Sowjetunion einen verifizierbaren
Vertrag aushandeln, der eine gesamte Kategorie von Nuklearwaffen
vollständig beseitigt.
Wir haben das Forschungs- und
Technologieprogramm der Strategischen Verteidigungsinitiative in
die Wege geleitet, das Anlaß zu
berechtigter Hoffung auf eine sicherere Welt gibt, in der unsere
eigene Sicherheit und die unserer
Verbündeten sich nicht länger auf

Kostenbeteiligungsprogramme
und
NutzergebUhren wurden in höherem
Maße in Anspruch genommen, damit
die Kosten von Projekten und Programmen - wo immer dies angemessen erscheint - wieder von denjenigen getragen werden, die davon
profitieren.
Das Haushaltsdefizit
Ein Bereich, der mir im gesamten
Verlauf meiner Amtszeit stets Enttäuschung bereitet hat, waren die Bestrebungen, den Haushalt in den Griff
zu bekommen. Immer wieder habe ich
Maßnahmen zur Eindämmung der Ausgabenprogramme des Bundes im Inland
vorgeschlagen.
Immer wieder wurden
diese Vorschläge vom Kongreß abgelehnt.
Die Gründe für den Anstieg des
Haushaltsdefizits zu Beginn der acht-

- 3 -

�ziger Jahre liegen auf der Hand. Erstens erlebten wir die stärkste Rezession
in
der
Nachkriegszeit.
Schätzungen zufolge sind 81 Prozent über 640 Milliarden Dollar - der Zunahme des Defizits über die in meiner
Haushaltsvorlage vom März 1981 vorgesehenen Obergrenzen hinaus auf diese
Rezession zurückzuführen. Der zweite
Grund ist, daß selbst nach Einbeziehung der notwendigen Erhöhung der
Verteidigungsausgaben
meine
Haushaltsvorlage vom März 1981 Ausgabenkürzungen in Höhe von insgesamt 331
Millarden Dollar netto im Verlauf von
fünf Jahren forderte; aber der Kongreß hat weniger als 40 Prozent dieser Einsparungen genehmigt.
Verschwenderische Programme wurden weiterhin finanziert.
Die notwendigen
Kürzungen sind noch immer nicht vorgenommen worden.
Wenn dem Defizit nicht Einhalt
geboten wird, indem wir der Regierung
Zügel anlegen, gefährden wir das, woran wir jahrelang hart gearbeitet haben. Durch unmäßige Ausgaben verursachte größere Defizite unterminieren
den Anreiz zu arbeiten und zu sparen,
da die Ersparnisse verschlungen werden, die ansonsten produktiv investiert worden wären. Dies dürfen wir
nicht zulassen.
Ich bin stolz auf die Errungenschaften der Vereinigten Staaten.
Unsere Wirtschaft floriert, unsere
Verteidigung ist verbessert und unsere Position in der Welt ist von Neuem
unerreicht.
Dieser Haushalt verringert bis 1990
das Defizit unter die durch das
Gramm-Rudman-Gesetz
vorgeschriebene
Grenze und wird bis 1993 ausgeglichen
Die Vorlage für das Haushaltsjahr
1990 - meine letzte - stellt eine
Fortführung meiner Bestrebungen dar,
das
Defizit
des
Bundeshaushaltes
durch Zurückhaltung bei den Ausgaben
im Inland abzubauen.

Der heute von mir vorgelegte
Haushaltsentwurf steht in Einklang
mit dem im Gramm-Rudman-Gesetz verankerten Ziel, da er Maßnahmen vorschlägt, die nicht über die für 1990
festgelegte Obergrenze von 100 Milliarden Dollar hinausgehen und den
kontinuierlichen Abbau des Defizits
bis hin zu einem ausgegelichenen
Haushalt im Jahr 1993 sicherstellen.
Meinen Vorschlägen zufolge würde
das Defizit auf weniger als 2 Prozent
des BSP im Jahr 1990 zurückgehen und
die öffentliche Verschuldung als Anteil des BSP würde sich ebenfalls
verringern.
Der vorliegende Haushalt zeigt,
daß ein schrittweiser Abbau des Defizits möglich ist, ohne die Steuern zu
erhöhen, Einschnitte bei unerläßlichen
Sozialprogrammen
vorzunehmen,
ohne die Verteidigung zu demontieren
und andere vorrangige nationale Aufgaben zu vernachlässigen. Der Abbau
kann auf vernünftige, verantwortungsbewußte Weise erfolgen - diszipliniert und fair. Neue Steuern sind
nicht erforderlich. Aufgrund unseres
Wirtschaftswachstums werden die Einnahmen in den Jahren 1989 und 1990
drastisch steigen. Mit diesem Haushalt wird ganz einfach vorgeschlagen,
die Ausgaben langsamer steigen zu
lassen als die Steuereinnahmen und
somit das Defizit abzubauen.
Die
vorgeschlagenen Reformen werden in
den kommenden Jahren zusätzliche Reduzierungen des Defizits bringen.
Dieses Jahr haben wir die Chance, den
schlimmsten Teil des Defizitproblems
hinter uns zu lassen und es der nächsten Administration zu ermöglichen,
ihre Amtszeit mit einem reinen Tisch
und mit der Aussicht auf eine Fortdauer des Wohlstandes zu beginnen.
Die Finanzierung
tionaler Aufgaben

vordringlicher

na-

Um die vordringlichen nationalen
Aufgaben innerhalb der vom Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz festgelegten Defizitgrenzen zu bewältigen, wird in
meinem Haushalt vorgeschlagen, die

�Ausgaben für einige Programme - wie
etwa diejenigen für die Erforschung
und Eindämmung von AIDS, der Bekämpfung
des
Drogenhandels
und -mißbrauchs sowie technologische Entwicklung - erheblich zu steigern und die
Ausgaben für andere Programme zu reduzieren, umzuschichten und in einigen Fällen zu streichen.
Verteidigung
Die Bewahrung des Friedens und
der Schutz unseres Landes sind die
wichtigsten Aufgaben der Bundesregierung.
Die für Verteidigungszwecke
bewilligten Mittel sind im Jahr 1989
mit einem Gesamtvolumen von 299 Milliarden Dollar im vierten Jahr hintereinander
real
(inflationsbereinigt) zurückgegangen.
Dieser Trend
kann nicht ohne einschneidende Folgen
für die Kampfbereitschaft fortgesetzt
werden.
Deshalb beantrage ich mit
diesem Haushalt Mittel für die Verteidigung in Höhe von 315 Milliarden
Dollar an Zahlungsverpflichtungen und
303 Milliarden Dollar an Ausgaben für
1990 sowie von 331 Milliarden Dollar
an Zahlungsverpflichtungen und 314
Milliarden Dollar an Ausgaben für
1991. Diese Zahlen bedeuten bei den
Zahlungsverpflichtungen einen realen
Anstieg von 2 Prozent gegenüber dem
Niveau des Jahres 1989. Im Jahr 1989
wird inflationsbereinigt das Niveau
des Jahres 1984 wieder erreicht werden. Der Haushalt geht auch für die
Jahre danach bei diesen Programmen
von einem realen Wachstum von 2 Prozent aus.
Wir müssen ferner unser atomares
Abschreckungspotential aufrechterhalten. Für das Jahr 1990 schlägt dieser Haushalt 9 Milliarden Dollar für
atomare Verteidigungsprogramme vor,
eine Steigerung um 900 Millionen Dollar gegenüber 1989.
Insgesamt 2,8
Milliarden Dollar sind für die Modernisierung des Komplexes zur Produktion spaltbaren Materials und zur
Steigerung der Bemühungen für die Beseitigung von Umweltschäden und Entsorgung von atomarem Sondermüll vorgesehen.

Außenpolitik
Um die außenpolitischen Erfolge
der vergangenen acht Jahre zu konsolidieren und weiter auszubauen, benötigen wir zusätzliche Mittel für internationale Angelegenheiten, mit denen unsere Außenpolitik und nationale
Sicherheitsinteressen im Nahen Osten,
in Mittelamerika und andernorts unterstützt würden. Ein Sonderprogramm
wird zur Förderung eines starken
Wirtschaftswachstums auf den Philippinen gefordert, um die Rückkehr dieses Landes zur Demokratie zu unterstützen. Weitere zusätzliche Mittel
für Auslandshilfe würden eingesetzt,
um rückständige Beiträge zu multilateralen Kreditinstitutionen zu entrichten und Zahlungen an die Vereinten Nationen und deren Unterorganisationen zu leisten.
Drogenmißbrauch
kämpfung

und

Verbrechensbe-

Unser Kampf gegen Drogenmißbrauch
muß ebenso wie unsere Bemühungen zum
Schutz des einzelnen vor Verbrechen
fortgesetzt werden:
Für Verbrechensbekämpfung, Vorbeugung und Behandlungsprogramme
schlage ich für das Jahr 1990 5,7
Milliarden Dollar vor, ein Zuwachs von 164 Millionen Dollar
gegenüber 1989. Zusammen mit den
im Gesetz gegen den Drogenmißbrauch von 1988 enthaltenen Ermächtigungen und Sanktionen werden es uns diese Mittel ermöglichen, auf unser Ziel eines drogenfreien Amerikas hinzuarbeiten.
Um der Uberfüllung der Gefängnisse abzuhelfen und eine zunehmende
Zahl von Strafgefangenen angemessen unterzubringen, beantrage ich
1,6 Milliarden Dollar für den Bau
und Betrieb von Gefängnissen, 193
Millionen Dollar mehr als 1989
für diesen Zweck veranschlagt
sind.
AIDS-Forschung und Aufklärung

- 5 -

�Dieser Haushalt spiegelt meine
feste Überzeugung wider, daß die Behandlung des AIDS-Problems eine vordringliche Aufgabe bleiben muß:

Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unseres
Raumtransporters, für die Einleitung zweier neuer und bedeutender
wissenschaftlicher Missionen zur
Erforschung von Planeten auf internationaler Ebene sowie zur Unterstützung der kommerziellen Erschließung des Weltraums.

Vorbeugung
und
Linderung
des
durch das HIV-Virus, das die
Krankheit AIDS auslöst, herbeigeführten Leidens ist unsere höchste Priorität im Bereich des öffentlichen
Gesundheitswesens.
Die Unterstützung des Bundes für
Forschung, Prävention und Behandlung übersteigt im Jahr 1989 2,1
Milliarden Dollar und wird 1990
nahezu 2,8 Milliarden Dollar erreichen. In diesem Haushalt werden 1,6 Milliarden Dollar oder 24
Prozent mehr als 1989 für die Finanzierung von Maßnahmen gegen
HIV durch den öffentlichen Gesundheitsdienst beantragt.

Für das Jahr 1990 beinhaltet der
Haushalt
ferner
250 Millionen
Dollar als Bundesanteil zur Förderung des Baues des supraleitenden Teilchenbeschleunigers (SSC).
Ein Drittel der Projektkosten
werden aus Nicht-Bundesmitteln zu
finanzieren sein.
Der heutigen
Planung zufolge wird der SSC das
größte je in Angriff genommene
rein wissenschaftliche Vorhaben
sein.
Es wird dazu beitragen,
unserem Land bis ins nächste
Jahrhundert eine Spitzenstellung
in der Hochernergiephysik zu sichern.

Forschung
Eine
unserer
vordringlichsten
Aufgaben besteht darin, die amerikanische Technologie zu stärken und die
Vereinigten Staaten wettbewerbsfähiger zu machen. Zum Beispiel:
Ich schlage einen dauerhaften Zuwachs in aus Bundesmitteln geförderter Grundlagenforschung vor,
die längerfristige Verbesserungen
bei Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes in
der Welt zum Ziel hat. Dieser
Haushalt setzt unser Engagement
zur Verdopplung der Fördermittel
der Nationalen Wissenschaftsstiftung für akademische Grundlagenforschung bis 1993 fort, erhöht
die Unterstützung für die Ausbildung künftiger Wissenschaftler
und Ingenieure und beschleunigt
die Weitergabe der Ergebnisse
staatlich geförderter Grundlagenforschung an die Industrie.

Weitere Prioritäten
Andere Bereiche, denen in diesem
Haushalt Priorität bei der Mittelzuweisung eingeräumt werden, sind:

Unser Weltraumprogramm wird 13,1
Milliarden Dollar für die andauernde
Entwicklung
der
ersten
ständig bemannten Raumstation der
Vereinigten
Staaten
enthalten,
für zusätzliche Unterstützung zur
- 6 -

Zur Fortsetzung des sich über
mehrere Jahre erstreckenden Programms der Zivilluftfahrtbehörde
(FAA) zur personnellen Aufstokkung bei Fluglotsen und Inspekteuren sowie zur Modernisierung
der Flugsicherung unseres Landes
werden im Haushalt 7,7 Milliarden
Dollar bereitgestellt - 17 Prozent mehr als 1989.
Um die Probleme unsere Sparkassen
zu mildern, schlage ich vor, daß
die Bundesspareinlagen- und Kreditversicherungsgesellschaf t
(FSLIC) im Jahr 1989 16 Milliarden Dollar und 1990 9 Milliarden
Dollar ausgibt, um die größten
Probleme bei Sparkassen in den
Griff zu bekommen. Der Finanzminister
entwickelt
gegenwärtig
einen umfassenden Plan, um die
Probleme der Kreditwirtschaft zu

�lösen und die Struktur des Vorschriftenwesens im Bereich der
Finanzinstitutione sowie das Einlagensicherungssystem zum reformieren und damit eine Wiederkehr
dieser Probleme auszuschließen.
Ich erwarte, daß der Minister
seine Vorschläge in Kürze dem
neuen Präsidenten vorlegt.
Um die Koordinierung von Bundesprogrammen zur Entwicklung des
ländlichen Raums zu verbessern
und Mittel an besonders bedürftige Gegenden und Empfänger umzuverteilen, unterstütze ich weiterhin die vom Landwirtschaftsminister
koordinierte
Initiative
zur Erschließung ländlicher Gebiete.
Durch
verstärkte
Vergabe
von
Wohnberechtigungsscheinen
würde
ich
im Jahr 1990 zusätzlich
132 000 einkommensschwache Haushalte mit Wohnraum versorgen, 5
Prozent mehr als die 126 124 zusätzlichen Haushalte, die im Jahr
1989
Wohngeld
erhalten.
Mit
Wohnberechtigungsscheinen
kann
einkommensschwachen
Haushalten
bei geringeren Kosten für den
Bundeshaushalt
besser
gedient
werden, und diese Familien werden
damit eher in die Lage versetzt,
Wohnraum ihrer Wahl zu mieten.
Um die bei der Förderung von Reformen des Bildungswesens auf
Staats- und Gemeindeebene erzielten Fortschritte
zu bewahren,
würde ich das gegenwärtige Ausgabenniveau von 18,5 Milliarden
Dollar für frei verfügbare Bildungsprogramme
aufrechterhalten,
diese Mittel jedoch so umschichten, daß mehr Geld dort eingesetzt wird, wo der Bedarf von benachteiligten
und
behinderten
Studenten am größten ist.
Um die von uns bei der Beseitigung von Umweltschäden erzielten
bedeutenden Fortschritte weiterzuführen, empfehle ich einen Anstieg von 153 Millionen Dollar
- 7 -

für die Programme der Umweltbehörde (EPA) in den Bereichen Vorschriftenwesen,
Forschung
und
Durchführung. Ferner schlage ich
einen Zuwachs von 315 Millionen
Dollar für den Superfonds zur Beseitigung von Sondermüll vor, um
die Schwungkraft dieses Programms
zu erhalten und eine stärkere
Rolle der Durchführung zu unterstützen.
Da Veränderungen in den natürlichen Ökosystemen der Erde enorme
wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen haben können,
werden weltweite Klimaveränderungen zu einem besonders wichtigen
Anliegen. Unsere Fähigkeit, diese Veränderungen zu verstehen und
vorherzusagen, sind gegenwärtig
begrenzt, und ein besseres Verständnis dieses Phänomens ist für
die Entwicklung von Maßnahmen unerläßlich.
In diesem Haushalt
wird ein koordiniertes und wirksames Bundesforschungsprogramm zu
den weltweiten Veränderungen vorgeschlagen.
Diesem
Haushalt
liegt ein Bericht des Ausschusses
zu den Geowissenschaften bei, der
dieses Programm und seine Strategie beschreibt.
Die Waldbrände des vergangenen
Jahres auf Bundesterritorien haben die Notwendigkeit für eine
zeitgerechtere Finanzierung der
Kosten für die Bekämpfung von
Waldbränden unterstrichen.
Ich
schlage deshalb vor, daß zwei
neue Ausgabenposten für die Bekämpfung von Waldbränden bei den
Ministerien
für
Landwirtschaft
und des Innern eingerichtet werden.
Zur weiteren Stärkung unserer
Energiesicherheit schlage ich ein
Gesetz zum Verkauf der Marinepetroleumreserven an den Privatsektor im Tausch gegen Geld und Öl
vor, das der strategischen Petroleumreserve
hinzugefügt
werden
soll.
Ferner schlage ich die
Schaffung
eines
Lagerbestandes

�von 10 Millionen Faß Petroleum zu
Verteidigungszwecken vor.
Um die fristgerechte Vollendung
meines Programms zur Verbesserung
der Verwaltungseffizienz mit dem
Titel "Reform '88" zu sichern,
schlage ich die zusätzliche Bewilligung von 103 Millionen Dollar für das Jahr 1990 vor, um unsere Verwaltungs- und Kreditsysteme weiter zu verbessern.

Wichtige
Programme
werden
reformiert, um das Defizit zu reduzieren
Programmstruktur und die den vielen innenpolitischen Reformprogrammen
des Bundes immanenten Anreize müssen
geändert werden, um zu mehr Effizienz
und Kostenwirksamkeit beizutragen.
Die gegenwärtigen Programme zur
Stützung der Agrarpreise sind
viel zu kostspielig. Im Zeitraum
von 1986 bis 1989 wurden mit
einer geschätzten Summe von 130
Milliarden Dollar aus Bundesmitteln für mit der Landwirtschaft
in Verbindung stehende Hilfsprogramme
durchschnittlich
nahezu
600 000 Dollar an jeden einzelnen
Bauern ausgeschüttet. Ein großer
Teil dieser Hilfe geht an Bauern
mit hohem Einkommen - die um mehr
als doppelt so hoch liegen wie
das durchschnittliche Familieneinkommen
in
den
Vereinigten
Staaten.
Ich schlage deshalb
eine Reduzierung der Ausgaben für
die
Preis- und
Einkommensstützungsprogramme um 2 Milliarden
Dollar im Jahr 1990 und zusätzlich jährliche Reduzierungen zwischen 2 und 2,5 Milliarden Dollar
von 1991 bis 1994 vor. Des weiteren setze ich mich nachdrücklich dafür ein, das kontraproduktive Programm zur Stützung des
Zuckerpreises zu reformieren.
Der rapide Anstieg der Kosten des
Medicare-Programms muß gebremst
werden.
Ich schlage eine vernünftige Erhöhung der Beiträge zu
- 8 -

Medicare sowie Reduzierungen bei
den Leistungen an Krankenhäuser
und bei bestimmten Zahlungen für
die Ärzteausbildung vor. Um ferner das exzessive Wachstum bei
den Kosten für die ergänzende
Krankenversicherung (SMI) einzudämmen, schlage ich die Ausweitung der gegenwärtigen gesetzlich
vorgeschriebenen
Beitragssätze,
eine Begrenzung der Arzthonorare,
eine Senkung der Zahlungen für
bestimmte kostenträchtige Verfahren und Reformen bei den Leistungen für langlebige medizinische
Geräte vor. Die Ausgaben für Medicare würden auch bei Verwirklichung dieser Vorschläge in den
Jahren 1989 und 1990 um 9 Prozent
steigen - nicht jedoch um die 13
Prozent, die sich den heutigen
Gesetzen zufolge ergeben würden.
Ich schlage des weiteren eine Reform des Medicaid-Programms vor,
um das Ausgabenwachstum in den
Jahren 1989 und 1990 auf 1,7 Milliarden Dollar oder 5 Prozent zu
begrenzen, anstatt der 3,3 Milliarden Dollar oder 9 Prozent,
die dem heutigen Gesetz zufolge
entstehen würden. Mit diesen Reformen werden in den frühen achtziger Jahren angewandte erfolgreiche Anreize wiedereingeführt.
In meinem Haushalt wird ferner
vorgeschlagen, die Finanzierung
von Verwaltungsausgaben durch den
Bund neu zu strukturieren, um den
Einzelstaaten größere Anreize zu
bieten, ihre Verwaltungssysteme
so effizient wie möglich zu führen.
Die Regierung führt auf Bundesebene häufig Programme fort, die
entweder eine Duplizierung bedeuten, nicht länger benötigt werden
oder die auf anderen Regierungsebenen oder vom Privatsektor angemessener ausgeführt werden können. Dazu zählen die Behörde für
wirtschaftliche Entwicklung, Amtrak, frei verfügbare Zuschüsse
für den öffentlichen Personennahverkehr sowie die meisten der Be-

�triebssubventlonen für den Postdienst. Bemühungen, diese Situation umzukehren, sind von den
meisten früheren Administrationen
und auch von meiner unternommen
worden. Diese Programme sollten
abgeschafft werden. Der Haushalt
schlägt die Streichung von 82
Programmen vor, die zur Befriedigung
vordringlicher
nationaler
Aufgaben nicht benötigt werden.
Den heutigen Gesetzen zufolge
wird der Anstieg bei den Ausgaben
für die Pensionen und Krankenversicherungen von Bundesbediensteten von 51,3 Milliarden Dollar im
Jahr 1989 auf 55,9 Milliarden
Dollar im Jahr 1990 geschätzt.
Ich schlage vor, die Anpassung
der Pensionen an den Lebenshaltungskosten-Index (COLA) einzufrieren sowie weitere Reformen
durchzuführen, um das Niveau des
Jahres 1990 nur wenig über dem
von 1989 zu halten und den normalerweise zu erwartenden Anstieg
um 4,4 Milliarden Dollar zu verringern.

Angemessene
Aufgabenerfüllung
der
Bundesregierung und Verbesserung der
Verwaltung
Mit zunehmendem Wachstum der Bundesregierung hat diese unangemessene
Aufgaben übernommen und ihre Programme unwirtschaftlich verwaltet. Wir
wollten der Bundesregierung wieder
ihre angemessene Rolle zuweisen. Wir
haben ebenfalls ein wichtiges Programm ins Leben gerufen, um die Verwaltung der bestehenden Programme zu
verbessern. Diese Prioritäten werden
fortgesetzt und in dieser Haushaltsvorlage erweitert.
Privatisierung
Die Regierung und der Privatsektor sollten jeweils das tun, was sie
am besten leisten können. Die Bundesregierung sollte keine Waren und
Dienstleistungen anbieten, die Privatunternehmen preiswerter und besser

bereitstellen können.
Demgemäß sieht meine Haushaltsvorlage vor, daß eine Reihe bundeseigener Unternehmen durch Ausschreibungen oder ganz einfach Verkäufe für
den Privatsektor geöffnet werden.
Nach unserem erfolgreichen Verkauf
von Conrail und 21 Milliarden Dollar
ausgewählter Bundesanleihen schlage
ich die Veräußerung der Petroleumreserven der Marine (Naval Petroleum
Reserves - NPR), der Energiebehörde
Alaskas und der Energiebehörde für
den Südosten vor. Ferner befürworte
ich den Verkauf der Helium-Vermögenswerte der Bundesregierung, überschüssiger Immobilien und weiterer 4,3
Milliarden Dollar an Bundesanleihen.
Darüber hinaus schlage ich in meiner
Haushaltsvorlage als ersten Schritt
zur eventuellen Privatisierung der
Legislative
die Einrichtung einer
Körperschaft des Bundes für Verfahren
der Urananreicherung vor.
Die Bundesregierung sollte sich
darüber hinaus im Hinblick auf zusätzliche und unterstützende Dienstleistungen für Aktivitäten, die weiterhin der Bundesregierung obliegen,
stärker auf den Privatsektor verlassen. Deshalb schlage ich eine Reihe
von Pilotprojekten und Untersuchungen
in Bereichen wie etwa der privaten
Zustellung
von Werbesendungen und
Eilpost sowie auch bei den vom Justizministerium verwalteten Gefängniskrankenhäusern vor.
Verbesserung
Verwaltung

der

Effizienz

in

der

Im Jahr 1981 habe ich dem amerikanischen Volk ein Versprechen gegeben, "die Regierung auf ihre angemessene Rolle zu beschränken und sie zum
Diener und nicht zum Herrn des Volkes
zu machen". Mein "Programm zur Verbesserung der Effizienz in der Verwaltung: Reform 88" hat zur erhöhten
Leistungsund
Reaktionsfähigkeit
der Regierung beigetragen. Wir haben
bei Programmen der Bundesregierung
Verschwendung und Betrug eingedämmt,
indem wir die Arbeit der Generalin-

- 9 -

�spekteure in den Rat des Präsidenten
für Integrität und Effizienz eingegliedert haben, wodurch 110 Milliarden Dollar eingespart oder einer besseren Verwendung
zugeführt werden
konnten - und diese Arbeit wird fortgeführt.
Ich habe erkannt, daß der Bundesregierung weder effektive Konzepte
zur Verfügung standen, um eine jährliche Geldmenge im Umfang von nunmehr
2 Billionen Dollar zur bearbeiten
noch hatte sie ein einheitliches Kreditprogramm für Anleihen in der Grössenordnung von 1 Billion Dollar.
Dies führte zur Verschwendung von
Milliarden Dollar pro Jahr. Wir haben in beiden Bereichen die notwendigen behördenübergreifenden Kontrollmechanismen errichtet und dadurch die
Aufzehrung der Mittel gestoppt.
Darüber hinaus haben wir das erste
behördenübergreifende
Buchhaltungssystem eingerichtet, das über
400 vorher unvereinbare Systeme einzelner
Behörden
vereinheitlicht.
Dies ist für jede gut geführte Regierung unerläßlich und wird gerade eingeführt.
Die Bundesregierung nimmt starken
Einfluß auf das tägliche Leben, indem
sie Steuern und Abgaben erhebt,
Dienstleistungen direkt bereitstellt,
mittels verschiedener Leistungsprogramme für bestimmte Bevölkerungsgruppen finanzielle Unterstützung gewährt und den Handel regelt. Durch
Modernisierung,
bessere
Verwaltung
und automatisierte Dienstleistungen
konnte die Regierung das Angebot von
Dienstleistungen an die Öffentlichkeit den erforderlichen Zeitraum erheblich verringern.
Angesichts des
bevorstehenden 21. Jahrhunderts muß
die Bundesregierung ihre Rolle in unserer Gesellschaft an veränderte Bedingungen und neue Technologien anpassen. Beim Eintritt in das neue
Jahrhundert wird die Bevölkerung der
Vereinigten Staaten sich auf mehr als
268 Millionen Menschen belaufen, wovon ältere Menschen den größten Teil
ausmachen werden.
Veränderungen in

Technologie und Kommunikation werden
Volkswirtschaften, Handel und Kapitalverkehr zunehmend verbinden und
sich wie niemals zuvor ausbreiten.
Der dem Kongreß als Teil der
Haushaltsvorlage für 1990 vorgelegte
Bericht zur Verbesserung der Effizienz in der Verwaltung bis 1990
spiegelt die wichtigsten Punkte des
mir vom Haushaltsbüro (0MB) vorgelegten Berichts über die "Regierung der
Zukunft" wider.
Dieser Organisationsbericht ist erweitert worden als
Beginn eines Planungsprozesses, der
zum Teil die Vorschläge in dieser
Haushaltsvorlage mitgestaltet hat und
Teil des alljährlichen Haushaltsprozesses werden sollte.

Die Reform des Verfahrens zur Einbringung des Haushalts ist zum weiteren Defizitabbau unbedingt erforderlich
Das anhaltende Haushaltsdefizit
ist der überwältigende Beweis dafür,
daß das Verfahren zur Einbringung des
Bundeshaushalts grundlegende Mängel
aufweist. Bestrebungen in der Vergangenheit um "Reform" zielten größtenteils darauf ab, einen großen Teil
der nationalen Ausgaben vor dem Zugriff des Fiskus zu schützen. Vierzehn Jahre nach der Verabschiedung
des Haushaltsgesetzes durch den Kongreß und drei Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes über einen ausgewogenen Haushalt und zur Kontrolle des
Defizits ist das Verfahren zur Einbringung des Bundeshaushalts immer
noch schwer durchführbar und wenig
geordnet. Das amerikanische Volk erwartet etwas bbsseres von seinem politischen System und verdient es auch.
Gemäß dem Haushaltsgesetz des
Kongresses werden vom Kongreß jedes
Jahr Resolutionen zum Haushalt
Haushaltssvorlagen - verabschiedet.
Sie werden dem Präsidenten nicht zur
Genehmigung vorgelegt und haben damit
keine Gesetzeskraft.
Sie enthalten
Empfehlungen an die Kongreßausschüsse, die jedoch oftmals zu spät kommen

- 10 -

�und mehrdeutig sind. Die Resolutionen werden in der Regel erheblich
später als zum gesetzlich vorgeschriebenen Termin vorgelegt und lange nachdem sie von den Finanz- , Genehmigungsund
Bewilligungsausschüssen benötigt werden.
Darüber
hinaus herrscht im Kongreß wenig
Übereinstimmung über die ausgesprochenen Empfehlungen.
Das Repräsentantenhaus und der Senat stimmen außer in den sehr allgemein gehaltenen Bereichen - nicht den Prioritäten
zu, wie sie in den beiderseits verabschiedeten Resolutionen niedergelegt
sind.
Außer der termingerechten Abwicklung im vergangenen Jahr sind die vom
Kongreß selbst gesetzten Fristen für
den Haushalt in der Regel überschritten worden und zusätzliche Resolutionen und Ausgleichsgesetze waren eher
die Regel als die Ausnahme. Diese
umfangreichen und hinderlichen Gesetzesvorlagen bieten den Hunderten von
eigennützigen
Zusätzen
bequeme
Schlupfwinkel, die der Präsident bei
Gewährung eines selektiven Vetos anfechten könnte.
Eine Reihe von Veränderungen bei
der Einbringung des Haushalts - von
denen ich die meisten bereits empfohlen habe - sind erforderlich, um das
gesamte
Gesetzgebungsverfahren
für
den Haushalt diszipliniert durchzuführen. Ich fordere den Kongreß zur
Verabschiedung der folgenden Maßnahmen auf:
Verfassungszusatz für
glichenen Haushalt

einen

ausge-

Ich setze mich weiterhin energisch für die Zustimmung zu einem
Verfassungszusatz ein, der einen ausgewogenen
Haushalt
zwingend
vorschreibt.
Der Zusatz sollte für
Steuererhöhungen eine große Mehrheit
(von mindestens 60 Prozent) im Kongreß fordern.

sein, gegen einzelne Artikel in den
jährlichen Bewilligungsgesetzen sein
Veto - das jedoch vom Kongreß überstimmt werden kann - einzulegen, gegen Gesetze, die die Finanzierung bestimmter
Programme
gewähren
oder
zwingend vorschreiben und gegen Steuergesetze. Mit dieser Vollmacht würde erheblicher Verschwendung Einhalt
geboten und sie wäre ein wirkungsvolles Mittel, um Haushaltsdisziplin
durchzusetzen.
Erweitertes
nehmen

Recht,

Kürzungen

vorzu-

Um dem Präsidenten eine bessere
Möglichkeit zur Kontrolle der Ausgaben der Regierung zu gewähren, schlage ich vor, daß die Ermächtigung zu
einem selektiven Veto mit einer Gesetzesänderung einhergeht, derzufolge
der Kongreß über jede vom Präsidenten
vorgeschlagene Kürzung im Haushalt
mit "Ja" oder "Nein" abstimmen muß.
Die gegenwärtige Gesetzgebung gestattet es dem Kongreß, sich der Verantwortung zu entziehen, da er KUrzungsvorschläge 45 Tage lang ignorieren
kann.
ZweiJahresintervall
des Haushalts

zur

Einbringung

Das jährlich durchgeführte Verfahren zur Haushaltsvorlage kostet
zuviel Zeit und Energie. Ein zweijähriger Haushaltsrahmen würde die
sich jährlich wiederholenden Aufgaben
bei der Aufstellung des Haushalts
vermindern, mehr Zeit zur Erörterung
von Ausgaben- und Steuerentscheidungen in Schlüsselbereichen und weniger
Spielraum für Tricks lassen, die
"Einsparungen" suggerieren - wie etwa
eine Verlagerung von Ausgaben von
einem Jahr ins nächste - und die Realisierung echter Einsparungen ermöglichen, die mit einer gesicherteren
Verfügbarkeit von Mitteln möglich wären. Aus diesen Gründen empfehle ich
das Zweijahresintervall zur Einbringung des Haushalts.

Selektives Veto
Gemeinsame Haushaltsresolution
Mein Nachfolger sollte berechtigt
- 11 -

�Um die bessere Überwachung und
strengere Disziplin zu gewährleisten,
die im Kongreß bei der Behandlung des
Haushaltes erforderlich sind, schlage
ich vor, daß der Kongreß eine Haushaltsresolution ausarbeiten muß, die
einen ZweiJahreszeitraum umfaßt, einzelne Vorschläge für zusätzliche Einnahmen ausweist und Ausgabeprioritäten aufzeigt. Ferner soll der Kongreß dem Präsidenten seine Haushaltsvorlage zur Unterschrift oder zur Abgabe seines Vetos vorlegen. Weitere
Gesetzgebung, die über diese Bestimmungen hinausgeht, darf nicht ohne
Zustimmung der großen Mehrheit erwogen werden.
Einzelübergabe
setze

der

Bewilligungsge-

Die Praxis der Übergabe von Haushaltsfortschreibungen für das ganze
Jahr hinweg, die eine Reihe von Bewilligungsgesetzen zugleich betreffen, gestattet es der Legislative und
der Exekutive nicht, diese Gesetze
angemessen zu überwachen. Nur allzu
oft haben diese Fortschreibungen eigennützigen Ausgaben, die einer näheren Überprüfung nicht standgehalten
hätten, Tür und Tor geöffnet. Um
dieses Risiko auf ein Minimum zu beschränken, schlage ich vor, daß die
Bewilligungsgesetze dem Präsidenten
einzeln vorgelegt werden.

regierung vergeben werden und sie mit
den Kosten anderer Programme der Bundesregierung vergleichen. Diese Veränderung muß ein integraler Bestandteil der Reform des Verfahrens der
Haushaltserstellung sein.
Bewertung der Ergebnisse
haltsverfahrens

des Haus-

Disziplin im Haushalt und anhaltender Abbau des Defizits würden erleichtert, wenn die Legislative und
die Exekutive sich einen gemeinsamen
Katalog von Grundsätzen zur Bewertung
von Haushaltsvorschlägen und Aktionen
auferlegen würden. Ich fordere, daß
der Haushaltsbehörde des Kongresses
und dem Haushaltsbüro die Aufgabe
übertragen wird, in enger Abstimmung
mit den Haushalts- , Finanz- , Ermächtigungsund
Bewilligungsausschüssen einen gemeinsamen Katalog
von Bewertungskriterien aufzustellen,
nach dem sich die Legislative und die
Exekutive richten.
Die Annahme dieser Reformen sollte die Bundesregierung in die Lage
versetzen, sachlich begründete Entscheidungen so zu treffen, daß damit
vernünftige
Prioritäten
gefördert
werden. Das amerikanische Volk verdient nichts anderes von seinen gewählten Vertretern.
Schlußfolgerung

Kreditreform
Die Auswirkungen der Kreditvergabe werden in den gegenwärtigen Berechnungen des Haushalts nur unzureichend festgehalten. Die Subventionskomponente des Bundeskreditprogramms
tritt nicht zutage.
Um diesem entscheidenden Mangel
im Haushaltssystem abzuhelfen, habe
ich vor zwei Jahren eine Gesetzgebung
über die Reform der Kreditvergabe
vorgeschlagen. Diese jetzt von mir
erneut empfohlene Gesetzgebung würde
die echten Kosten - den gegenwärtigen
Wert - der Subventionen errechnen,
die mit Kreditprogrammen der Bundes- 12

Die Leistungen des amerikanischen
Volkes in den vergangenen acht Jahren
werden für mich immer Anlaß bieten,
stolz zu sein. Dennoch müssen wir
unsere jüngsten Fortschritte zum Abbau des Defizits im Bundeshaushalt
fortsetzen.
Der Abbau des Defizits ist eine
wichtige nationale Priorität, die im
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
ihren
Niederschlag findet, das trotz all
seiner Mängel einem Prozeß zur Erlangung eines ausgewogenen Haushalts Gesetzeskraft verleiht.
Dieser Haushalt erreicht das für
1990 gesetzte Ziel des Gesetzes und

�seiner Zusätze und sieht für das Jahr
1993 einen ausgewogenen Haushalt vor.
Es erhält berechtigte Programme für
die älteren und bedürftigen Mitbürger, gewährt eine angemessene nationale Sicherheit, stellt mehr Mittel
für andere Aktivitäten von hoher Priorität bereit und leistet all dies
ohne eine Steuererhöhung. Steuererhöhungen sind nicht erforderlich.
Die Geschichte lehrt uns, daß diese
lediglich zu höheren Ausgaben des
Kongresses führen würden.
Bei den
letzten drei Präsidentschaftswahlen
sind Steuererhöhungen immer mit überwältigender Mehrheit überstimmt worden.
Ich fordere den Kongreß auf, diesen Haushalt zu verabschieden. Höhere Steuern sind nicht notwendig - wie
dieser Haushalt zeigt - sondern ein
echter Abbau des Defizits durch Einschränkung des Ausgabenwachstums ist
erforderlich, damit die nächste Administration und der Kongreß das Programm für die Zukunft dieser Nation
gestalten können.
In den vergangenen acht Jahren
haben wir Amerikaner unsere Welt zu
einem sichereren Ort für die Freiheit
gemacht, weil wir die Willenskraft
hatten, unsere Wirtschaft zu beleben,
unsere Verteidigung wiederaufzubauen
und für die weniger Begünstigten unter uns zu sorgen. Gemeinsam haben
wir in unserem Land einen neuen Anfang gemacht und der nächsten Administration den Weg geebnet, damit sie
auf unseren Leistungen aufbauen kann.

- 13 -

�Zusammenfassung der Haushaltsaufwendungen
(in Millarden Dollar)

1988

1989

1990

1991

909,0
1 064,0

975,5
1 137,0

1 059,3
1 151,8

1 140,5
1 207.3

Überschuß/Defizit (-)

- 155,1

- 161,5

-

92,5

-

66,8

Überschuß/Defizit (-)
ohne Veräußerung
von Bundesvermögen

- 155,1

- 161,5

-

98,6

-

69,2

- 144,0

- 136,0

- 100,0

-

64,0

11,1

25,5

3,2

3,2

Einnahmen
Ausgaben

Gramm-Rudman-Defi z i t
Obergrenzen
Differenz

-

1,4

5,2

1,7

1,1

Nachtrag
Überschuß/Defizit (-)
als Prozentsatz des BSP

Zusammenfassung der Haushaltsaufwendungen (Fortsetzung)

1992

1993

1994

Einnahmen

1 212,2

1 281,4

1 345,0

Ausgaben

1 244,4

1 279,0

1 311,6

Überschuß/Defizit (-)

-

32,2

2,4

33,4

Überschuß/Defizit (-)
ohne Veräußerung von
Bundesvermögen

-

34,3

1,6

32,6

-

28,0

0,0

Gramm-Rudman-Defizit
Obergrenzen

Differenz

6,3

-

- 14 -

1,6

*

�Nachtrag
Überschuß/Defizit (-)
als Prozentsatz des BSP

-

0,5

0,0

0,5

Anmerkung: Die Zahlen schließen die Sozialversicherung ein, die im
Haushalt nicht berücksichtigt wird.
*

Die Zahlen liegen nicht vor.

* * * * *

- 15 _

�AMERIKA DIENST
VON

^

Hintergrundmaterial

11. Januar 1989

AMERIKANISCHE WISSENSCHAFTLER FÜHREN SICHERHEIT VON HORMONEN AN
- Artikel über bei der Tiermast eingesetzte Wachstumshormone -

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische
Wissenschaftler und Regierungsvertreter berichten, daß in den Vereinigten
Staaten bei der Tiermast eingesetzte
Wachstumshormone zur Steigerung des
Protein- sowie Verringerung des Fettgehalts und der Kalorien in Fleisch
weltweit mit am gründlichsten getestet sind und somit keine Gefahr für
die Gesundheit der Konsumenten darste Llen.
Den Experten zufolge haben umfangreiche
wissenschaftliche
Forschungen belegt, daß die fünf in den
Vereinigten Staaten zugelassenen Hormone - Testosteron, Östradiol, Progesteron sowie zwei synthetische Verbindungen, Zeranol und Trenbolon unschädlich sind. Sie betonen ferner, daß die bei Vieh zum schnelleren

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wachstum verwendete Menge natürlicher
Hormone verglichen mit der Menge vom
menschlichen
Körper
produzierter
gleicher Hormone minimal ist.
Ihren Berichten zufolge werden
bei der Viehzucht nicht nur in den
Vereinigten Staaten sondern auch in
anderen führenden fleischproduzierenden Ländern wie Kanada, Australien,
Brasilien und Argentinien häufig Hormone verwendet.
Lester Crawford, Verwalter des
Nahrungsmittelsicherheits- und
Inspektionsdienstes des amerikanischen
Landwirtschaftsministeriums
erklärte
vergangenen Monat einem Prüfungsausschuß des Europäischen Parlaments,
daß die fünf Wachstumshormone eingesetzt werden, um den Fettgehalt im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fleisch zu reduzieren und die zur
Aufzucht benötigte Zeit sowie den
Einsatz von Futtermitteln zu verringern.
"Wenn man sich die Liste der
weltweit bei Menschen und Tieren verwendeten medizinischen Präparate betrachtet, zählen diese Verbindungen
zu den unschädlichsten", erklärte
Crawford, der promovierter Pharmakologe und Tiermediziner ist.
Die Europäische Gemeinschaft hat
mit Wirkung vom 1. Januar 1989 als
Reaktion auf den Druck von Verbrauchergruppen, die behaupten, die Hormone seien gesundheitsgefährdend, ein
Einfuhrverbot für sämtliches Fleisch
von hormonbehandelten Tieren aus den
Vereinigten Staaten verhängt.
Die
Vereinigten Staaten exportieren pro
Jahr ca. 50 000 metrische Tonnen
Fleisch im Wert von ungefähr 125 Millionen Dollar in die 12 Länder der
Europäischen Gemeinschaft und machen
Europa damit zu ihrem zweitgrößten
Rindfleisch-Exportmarkt.
Das Problem entstand 1980, als
der Einsatz eines nicht genehmigten
synthetischen Hormons, Diäthylstilböstrol (DES) durch europäische Viehzüchter mit Gesundheitsschäden in
Italien, der Bundesrepublik und Holland in Verbindung gebracht wurde.
Dies rief eine Verbraucherbewegung
auf den Plan, die ein gesetzliches
Verbot für alles von hormonbehandelten Tieren stammende Fleisch in ganz
Europa bewirkte.
Die Anwendung von DES bei der
Viehzucht, das den Erkenntnissen zufolge Krebs verursacht, wurde nach
einer gründlichen Untersuchung durch
Wissenschaftler und nationale Regierungen weltweit verboten. Das synthetische Hormon wurde in den Vereinigten Staaten von Ende der sechziger
Jahre bis 1978 verwendet, als die Genehmigung dafür entzogen wurde.
"Bedauerlicherweise waren es die
weltweiten Erfahrungen mit diesem gefährlichen Präparat, die Entscheidun-

gen über als unschädlich und wirtschaftlich nützlich für die Völker
der Welt erwiesene wachstumsfördernde
Hormone über Gebühr beeinflußt haben", führte Crawford aus.
Dem Professor für Veterinärmedizin an der Auburn University, Robert
Wilson, zufolge haben die fünf in den
Vereinigten Staaten bei Tieren, die
zur Nahrungsmittelproduktion verwendet werden, zugelassenen Hormone eines wurde im Jahr 1969, die anderen
in den achtziger Jahren zugelassen das strengste Arzneimittelzulassungsverfahren in der Welt durchlaufen.
Zu diesem Verfahren gehören Tests von
Veterinärmedizinern,
Toxikologen,
Chemikern und Umweltwissenschaftlern.
Kleinste Mengen von drei natürlichen Hormonen - Östrogen, Testosteron
und Progesteron - kommen ohnehin bei
allen Säugetieren und auch im menschlichen Körper vor.
Diese von bestimmten Drüsen abgesonderten Hormone
haben unterschiedliche Wirkungsweisen
auf die Funktionen des Körpers. Die
gleichen, in großen Mengen mittels
Gentechnik hergestellten Hormone können bei Tieren direkt injiziert werden, um die natürliche Hormonproduktion zu ergänzen und das Wachstum der
Tiere zu fördern, indem der Körper in
die Lage versetzt wird, mehr Nährstoffe aus Futtermitteln in Muskelwachstum anstatt in Fett umzusetzen.
"Die in amerikanischen Produkten
eingesetzten Hormonmengen erhöhen den
Gehalt des betreffenden Hormons im
Tierkörper um maximal 1 Prozent und
um Null Prozent beim menschlichen
Verbraucher des von diesem Tier erzeugten Fleischs", erklärte Wilson.
Er fügte hinzu, das in Europa
weithin verzehrte Bullenfleisch weise
Konzentrationen des Hormons Testosteron auf, die wesentlich höher liegen
als die im Fleisch von mit Hormon-Implantaten
behandelten Ochsen oder
Jungkühen.
Wilson zufolge besteht ein weiterer Grund für das Urteil des amerika-

-f-

�nischen Bundesgesundheitsamts (FDA)
über die Unschädlichkeit von Hormonen
darin, daß lediglich winzige Rückstände von Hormonen im Fleisch behandelter Tiere zurückbleiben. Dies beruht teilweise auf der Tatsache, daß
die Bestimmungen der FDA es nicht zulassen, Hormone in eßbare Partien der
Tiere zu injizieren.
Stattdessen
werden die Hormone in den Ohren der
Tiere appliziert, von wo aus die Substanz dann langsam in den Blutkreislauf eingeführt wird.
Wilson stellte fest, neue wissenschaftliche Tests, bei denen mit radioaktiven Molekülen verbundene Antikörper zur Identifizierung und Qualifizierung von Wirkstoffen eingesetzt
werden, zeigten, daß die Zunahme des
Hormongehalts im Fleisch behandelter
Tiere im Vergleich zur körpereigenen
Produktion
derselben Hormone beim
Menschen verschwindend gering ist.
"Eine
500-Gramm-Portion
von
Fleisch mit Östradiol behandelter
Tiere enthält 15 000 mal weniger
Östradiol als die Menge, die ein Mann
durchschnittlich pro Tag produziert",
erklärte er. Er fügte hinzu, daß sogar bei Kindern vor der Pubertät, die
den geringsten
Hormonspiegel beim
Menschen aufweisen, das zusätzliche
mit dem Fleisch behandelter Tiere
aufgenommene Östradiol 1 000 mal geringer ist als die Tagesproduktion
des menschlichen Körpers. Ähnliches
treffe auf Progesteron und Testosteron zu.
"Es gibt noch einen weiteren Sicherheitsfaktor",
stellte
Wilson
fest.
"Diese natürlichen Hormone
werden vom Körper sehr gut absorbiert
und umgewandelt.
Tatsächlich würde
nur ein sehr geringer Teil eines aufgenommenen Hormons aktiv bleiben,
vielleicht 10 Prozent.
Dies würde
lediglich 0,1 Prozent der Tagesproduktion eines Kindes vor der Pubertät
ausmachen."
Die FDA ist zu dem Schluß gekommen, daß keinerlei physiologische
Auswirkungen auf den Verbraucher beim

Verzehr von Fleisch zu erwarten seien, das zusätzliche Hormone mit einem
Gehalt aufweist, der bis zu einem
Prozent der vom Menschen täglich produzierten Menge aufweist.
Im Gegensatz zu natürlich vorkommenden Hormonen gibt es keine tägliche Produktionsquote für die synthetischen Verbindungen Trenbolonacetat
und Zeranol. Daher fordert die FDA
umfangreiche toxikologische Untersuchungen bei Tieren, um einen unbedenklichen Höchstwert dieser Verbindungen im Fleisch festzusetzen. Sie
fordert darüber hinaus Beweise der
Fleischverarbeiter, daß die Menge der
nach der Behandlung im Fleisch verbleibenden Hormone unter dieser unbedenklichen Höchstgrenze liegt.
Das Programm der FDA über toxikologische Tests für synthetische Hormone erfordert langfristige Untersuchungen über die Behandlung zweier
Tierrassen - in der Regel Ratten und
Mäuse - bei denen als Ergebnis keine
wahrnehmbare hormonelle Wirkung auftreten darf sowie eine zweite Reihe
langfristiger Untersuchungen, um eine
Höchstgrenze für Hormone festzusetzen, die keine hormonellen Auswirkungen auf Primaten in der Tierwelt hat.
Ein im vergangenen April von
einem Ausschuß des Nationalen Forschungsrates - einer Zweigstelle der
Nationalen Akademie der Wissenschaften - veröffentlichter wichtiger Bericht über tierische Nahrungsmittel
fordert weitere Erforschung der Verwendung
von Wachstumshormonen für
Tiere, die Muskel- statt Fettgewebebildung fördern.
Das 16 Teilnehmer umfassende Komitee aus Ernährungswissenschaftlern
und Vertretern anderer Fachrichtungen
wies darauf hin, daß tierische Produkte in unserer Nahrung mehr als die
Hälfte des gesamten Fettanteils, drei
Viertel der gesättigten Fettsäuren
und den Gesamtanteil an Cholesterin
ausmachen. Bei zu großen Mengen dieser Nährstoffe sind Zusammenhänge mit
Herzkrankheiten, Schlaganfällen und

- 3 -

�einigen
Krebserkrankungen
stellt worden.

festge-

Das Komitee sieht die "richtige
Lösung" für zu hohe Fettaufnahme "in
der Produktion magerer Tiere". Dem
Gremium zufolge könnte dies durch die
Anwendung
verfügbarer
Technologien
wie auch den Einsatz von Wachstumshormonen bei der Aufzucht, Fütterung
und Haltung von Vieh erreicht werden.
Fedesa - einer europäischen Vereinigung
der
veterinärpharmazeutischen Industrie - zufolge, "besteht
das Endergebnis der Anwendung von
Hormonen in besserer Qualität, geringeren Kosten und magererem Fleisch."
Fedesa kommt zu dem Schluß, daß die
fünf in den Vereinigten Staaten zugelassenen Hormone von allen zuständigen Behörden und internationalen Ausschüssen, die dazu Statistiken geprüft haben, als unbedenklich bezeichnet wurden.
Der Codex Alimentarius-Ausschuß,
eine hochgeachtete internationale Organisation im Zuständigkeitsbereich
der Weltgesundheitsorganisation und
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen,
hat die Hormone überprüft und den
Schluß gezogen, die natürlichen Verbindungen seien so unbedenklich, daß
für ihre Anwendung keine Einschränkungen erforderlich sind. Der Ausschuß hat sich zum Ziel gesetzt, die
Gesundheit der Verbraucher zu schützen und weltweit faire Handelspraktiken bei Futtermitteln zu gewährleisten.
In den Vereinigten Staaten spielen drei
Bundesbehörden
bei der
Durchführung von Verfahren zum Schutz
der Öffentlichkeit von Rückständen in
Nahrungsmitteln eine wichtige Rolle.
Crawford zufolge prüft das Landwirtschaftsministerium verarbeitende Betriebe und analysiert Gewebe des
Viehs, um sicherzustellen, daß dieses
verarbeitete Fleisch zum Verzehr geeignet ist. Die Umweltschutzbehörde
ist mit Pestiziden und industriellen
Che.-nikal ien befaßt, die bei der Nah

rungsmittelverareitung Anwendung finden können, und die Nahrungsmittelbehörde legt Höchstgrenzen für Rückstände von Tierarzneimitteln in eßbarem Gewebe fest.
"Die Vereinigten Staaten haben
ein sehr strenges Programm zur Kontrolle von Rückständen, dank dem eine
gefahrlose Versorgung mit Fleisch und
Geflügel sichergestellt werden kann",
erklärte Crawford. "Das Zulassungsverfahren ist extrem komplex, detalliert und zeitaufwendig".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

11. Januar 1989

DIE KONTROVERSE ÜBER DEN EINSATZ VON HORMONEN
BEI DER TIERMAST - DER HINTERGRUND

BONN - (AD) - Der nachstehende Beitrag wurde vom Büro des Landwirtschaftsattaches der US-Botschaft in Bonn erarbeitet. Fragen, die der vorliegende
Text nicht beantwortet, können dorthin gerichtet werden - Tel. (0228) 339-2133.

Am 31. Dezember 1985 verabschiedete der EG-Ministerrat die Richtlinie 85/649 "Verbot der Anwendung anabolischer Substanzen bei der Tiermast". Mit dieser Richtlinie wurde
beabsichtigt, die Anwendung von Hormonen in der EG sowie Einfuhr und
Verkauf von außerhalb der EG mit dieser Methode erzeugtem Fleisch zu verbieten.
Die "Hormon-Richtlinie" trat am
1. Januar 1988 in Kraft, jedoch gewährte der Ministerrat aufgrund energischer Intervention der amerikanischen Regierung im Herbst 1987 einen
einjährigen Aufschub der Durchführung
- bis zum 31. Dezember 1988.
Ebenfalls im Herbst 1987 veröffentlichte die Regierung der Verei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigten Staaten eine am 1. Januar 1988
in Kraft getretene Liste von Vergeltungsmaßnahmen-'-.
Die
Anwendung
dieser Liste wurde jedoch bis zur
Einführung der Hormon-Richtlinie ausgesetzt.
Am Montag, dem 19. Dezember 1988
beschloß der Ministerrat, die Durchführung der Richtlinie nicht über den
1. Januar 1989 hinaus zu verschieben.
Er erklärte
sich jedoch bereit,
Fleischimporte
zur
Verwendung
in
Heimtierfutter von dieser Maßnahme
auszunehmen. Der Rat beschloß ferner, weitere Gegenmaßnahmen zu ergreif en^,
falls
die
Vereinigten
Staaten ihre Vergeltungsmaßnahmen in
Kraft setzen sollten. Dieser Schritt
wurde jedoch vertagt, um die Auswirkungen der Aussetzung des Verbots bei

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heimtierfutter auf die Liste von Vergeltungsmaßnahmen
der
Vereinigten
Staaten abzuwarten. Der Ministerrat
wies die EG-Kommission an, die Möglichkeit zu prüfen, die Vereinigten
Staaten wegen ihres "einseitigen" Beschlusses
von
Vergeltungsmaßnahmen
vor das GATT zu zitieren. Die Kommission versuchte dies tatsächlich
sehr bald, aber der Versuch wurde von
den Vereinigten Staaten verhindert,
die anführten, daß gerade die EG seit
langem jeden amerikanischen Versuch
blockierten, das ganze Problem dem
GATT zu unterbreiten.
Die amerikanischen Rindfleischexporte in die EG im Wert von 145 Millionen Dollar bestehen zum größten
Teil aus Innereien, wie etwa Leber,
Zunge, Herz, Nieren etc. für die
fleischverarbeitende Industrie (einschließlich Heimtierfutter) und einer
winzigen Quote von 10 000 Tonnen an
qualitativ hochwertigem Rindfleisch
(Hilton Beef).
Zum Vergleich: Argentinien exportiert 380 000 Tonnen
an
qualitativ
hochwertigem
Rindfleisch in die EG.

Warum dieser Konflikt?
Warum sind die Vereinigten Staaten in ihrer Ablehnung des Hormonverbots so unnachgiebig, insbesondere
wenn man bedenkt, daß sie von anderen
Anbietern, wie etwa Argentinien, Australien und Neuseeland praktisch
keine Unterstützung in dieser Angelegenheit erfahren?
Hierfür gibt es zwei Gründe: am
wichtigsten ist, daß das Hormonverbot
jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Zu Beginn versuchte die
EG-Kommission, das Hormonverbot als
Maßnahme darzustellen, die der "Gesundheit"
oder
dem
"Verbraucherschutz" diene. Aufgrund erdrückender
wissenschaftlicher
Beweise^ mußten
die Kommission und die Mitgliedstaaten sich darauf zurückziehen, es als
"politische" Maßnahme zu bezeichnen "weil unsere Verbraucher dies wünschen" .

Die amerikanische Position geht
davon aus, daß das gesamte System der
gesundheitspolitischen
Beziehungen
zwischen den Staaten in Gefahr geraten würde, "politischen" Maßnahmen zu
unterliegen, wenn solche Angelegenheiten nicht auf wissenschaftlicher
Grundlage behandelt werden.
Ferner
erkennen weder die Vereinigten Staaten noch das GATT politische Gründe
als eine legitime Basis für eine Beschränkung des Handels an. Die amerikanische Regierung ist der Auffassung, daß im Falle einer politisch
motivierten Handelsbeschränkung die
dafür verantwortlichen Staaten nicht
überrascht sein dürfen, wenn die geschädigte Partei Retorsionsmaßnahmen
ergreift.
Der zweite Grund, aus dem die
Vereinigten Staaten dieses Problem so
ernst nehmen, ist, daß trotz der in
Anbetracht des Gesamthandelsvolumens
zwischen den USA und der EG relativ
unbedeutenden Summe von 145 Millionen
Dollar dies für die hiervon betroffenen Erzeuger und Exporteure schwer zu
Buche schlägt. überdies mußten sich
die in die EG exportierenden amerikanischen Fleischwarenhersteller gerade
erst
an
die
EG-Richtlinie
für
fleischverarbeitende
Betriebe
in
Drittstaaten anpassen. Diese Richtlinie hält sich nicht an das Prinzip
der
Gleichwertigkeit-*,
sondern
schreibt spezielle Anforderungen für
Konstruktion und Betrieb fleischverarbeitender Betriebe vor. Zu allem
Übel muß sich die Mehrheit der
fleischverarbeitenden Betriebe in der
EG nicht an diese Richtlinie halten lediglich diejenigen, die im grenzüberschreitenden Handel tätig sind.
Die Drittlandsrichtlinie hatte zur
Folge, daß die Fleischwarenhersteller
in den Vereinigten Staaten 20 Millionen Dollar investieren mußten, um ihre Betriebe anzupassen - ohne Gewinn
an Wirtschaftlichkeit oder Verbesserungen des Produkts.

Die Funktionsweise
schen Systems

des

amerikani-

�Seit der Besiedlung des amerikanischen Westens boten die weiten, offenen Weideflächen einen Anreiz für
die Entwicklung der Rinderhaltung in
großem Stil. Dabei trat schnell zutage, daß Bullenkälber schon früh kastriert werden mußten, wenn wenige
Arbeiter große Herden auf offenen
Weideflächen unter Kontrolle halten
wollten. Aus diesem Grund wurde es
in den Vereinigten Staaten die Norm,
Ochsen zum Schlachten aufzuziehen und
Bullen lediglich zu Zuchtzwecken zu
verwenden.
Diese Praktiken wurden
auch in Kanada, Südamerika, Australien, Neuseeland und anderen Ländern
eingeführt.
Wegen der grundverschiedenen Bedingungen in Europa setzte sich hier
die Praxis der Aufzucht von Ochsen
zur
Rindfleischherstellung
nicht
durch - außer in begrenztem Maße in
Frankreich, Großbritannien und Irland
nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der
Großteil des Rindfleischs von männlichen Tieren in Europa stammt von Bullen, die in Ställen gehalten und 18
Monate bis 2 Jahre lang mit einem Nasenring vor einem Futtertrog angepflockt sind.
In den Vereinigten
Staaten werden Rinder 14-16 Monate
lang auf offenen Weideflächen gehalten und dann etwa 120 Tage in "feedlots" mit Mais und Sojaschrot gemästet.
In den späten vierziger Jahren
ermöglichten Fortschritte in der Medizin die Entwicklung von Hormonanwendungen für Menschen und Tiere.
Diese Technologie stellte sich bei
der Rindermast als besonders wirksam
heraus, insbesondere bei Ochsen, da
deren
natürliche
Hormonproduktion
durch die frühzeitige Kastration erheblich reduziert wird. Die Verabreichung einer minimalen Dosis bestimmter Hormone führt zu einer deutlichen Steigerung der Futterverwertung, d.h., es wird eine geringere
Menge Futter pro Kilogramm Zunahme
benötigt.
Gleichzeitig
verbessert
sich die Fleischqualität durch Reduzierung des Fettanteils. Der Einsatz
von Hormonen führte also zu einer Er-

höhung der Rentabilität für den Mäster und zu einer besseren Fleischqualität für den Verbraucher.
Fünf hormonelle Substanzen sind
in den Vereinigten Staaten bei der
Rindermast erlaubt. Das sind einmal
"natürliche" (natürlich vorkommende,
aber im Labor produzierte) wie Ö'stradiol, Progesteron und Testosteron sowie die "synthetischen" Substanzen
Zeranol und Trenbolon. Bei richtiger
Anwendung werden die natürlichen Hormone umgewandelt
und hinterlassen
keine Spuren.
Das heißt, es ist
schwer, wenn nicht unmöglich, an Hand
von Fleischproben herauszufinden, ob
zur Tiermast natürliche Hormone verwendet wurden - wenn diese nicht unsachgemäß angewandt wurden. Die synthetischen Hormone hinterlassen hingegen Rückstände oder Signaturen, die
meßbar sind und an Hand derer festgestellt werden kann, ob die Substanzen
richtig eingesetzt wurden. Das synthetische Hormon Zeranol wurde vom
amerikanischen
Bundesgesundheitsamt
(FDA) 1969 genehmigt, mit Hilfe modernster Technologie neu überprüft
und 1983 erneut mit einem empfohlenen
Rückständewert von 0,5 ppB (pro Pfund
Rindfleisch)
genehmigt.
Trenbolon
wurde nach neunjährigen Untersuchungen 1987 von der FDA genehmigt, und
für Rückstände wurde ein Wert von 0,1
ppB empfohlen.
Hormone für die Tiermast sind in
den Vereinigten Staaten nicht verschreibungspflichtig.
Sie sind in
speziellen Kapseln erhältlich und
werden mit einem besonderen Apparat
im Ohr des Tieres implantiert. Die
Verbindung gelangt über einen längeren Zeitraum hinweg in kleinsten Mengen in den Blutkreislauf des Tieres.
Ein Kontakt zu Muskelgewebe wird
nicht hergestellt. Bei der Schlachtung des Tieres wird das behandelte
Ohr abgeschnitten und beseitigt. Besondere Erwähnung sollte in diesem
Zusammenhang finden, daß Färsen auch
Hormonimplantate erhalten, so daß das
Fleisch dem der Ochsen qualitativ
gleichzusetzen ist.

- 3 -

�Zusätzlich zur Transparenz und
Offenheit des amerikanischen Systems
bildet das vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium
landesweit
durchgeführte umfangreiche Programm
zur Überprüfung und Stichprobenerhebung ebenfalls einen wichtigen Bestandteil, um das Vertrauen der Verbraucher und Gesetzgeber zu erhalten.
Dieses obligatorische Programm prüft
nicht nur den Hormongehalt, sondern
auch auf Pestizide, Arzneimittel und
andere Rückstände.
Die Ergebnisse
des Programms werden jährlich veröffentlicht. Unterstützung leisten dabei die auf lokaler Ebene tätigen
amtlichen Veterinäre, die regionalen
Labors des Ministeriums und der auf
Bezirksebene tätige Auswertungs- und
Informationsdienst.
In Anbetracht des von der EG verhängten totalen Hormonverbots wirkt
es wie Ironie, daß der Hormongehalt
in amerikanischem Ochsenfleisch sehr
viel geringer ist als in europäischem
Fleisch.
Dies
trifft
auch
bei
Fleisch von Kühen zu.
Der Grund
liegt darin, daß die natürliche Hormonproduktion eines Bullen in nur
vier Tagen den 200 Milligramm der im
Ohr eines amerikanischen Ochsen implantierten Kapsel entspricht und darüber hinausgeht. Dabei muß die implantierte Dosis für die gesamte
Mastperiode ausreichen.
N.B.: Hier sind jedoch nicht die auf
dem schwarzen Markt erhältlichen Verbindungen berücksichtigt, die ebenfalls in europäischen Fleischlieferungen vorhanden sein können (d.h.
illegal hergestellte und gemischte
"Cocktails" aus Hormonen, mißbräuchlich
angewandte
Arzneimittel
wie
"Clenbuterol" und das international
verbotene "DES"). Das genaue Ausmaß
des europäischen Schwarzmarktes für
diese illegalen Substanzen ist unbekannt , wird jedoch als sehr groß betrachtet.

Schlußfolgerung

Die Bundesregierung hat die Anwendung von Hormonen für die Tiermast
innerhalb ihrer Grenzen im Jahr 1959
verboten. Während es In Frankreich,
Großbritannien und Irland in den folgenden 30 Jahren kaum Skandale im Zusammenhang mit illegalen Substanzen
gab, wurde in der Bundesrepublik und
den anderen EG-Staaten wiederholt die
weitverbreitete Anwendung von (illegal hergestellten und illegal verbreiteten)
Schwarzmarkt-Drogen
bei
der Tiermast aufgedeckt. Gleichzeitig führten zunehmend verfeinerte
Technologien und Testtechniken dazu,
daß immer mehr wissenschaftliche Gremien den Einsatz von Hormonen bei der
Rindermast befürworteten (Anhang II).
Die Reaktion der europäischen Regierungen auf die Schwarzmarkt-Probleme mit "Hormon-Cocktails" und Arzneimitteln sowie die zunehmende Empörung der Öffentlichkeit wogen die
Vorteile einer Legalisierung der Anwendung sicherer, international genehmigter Hormonpräparate nicht auf
sondern führten zur Entwicklung und
Durchsetzung der EG-Hormon-Richtlinie.
Interessanterweise
lehnten
Frankreich^, Großbritannien und Irland die Verabschiedung der Verordnung ab, jedoch nicht vehement genug,
um eine Sperrminorität zu bilden.
Auch hier siegte politischer Eigennutz über wissenschaftliche Beweise.
Die Vereinigten
Staaten haben
vergeblich versucht, das Problem auf
der Grundlage der internationalen
wissenschaftlichen
Erkenntnisse
zu
lösen. Bereits frühzeitig erklärten
sich die Vereinigten Staaten freiwillig bereit, alle von der EG für ihr
Fleisch gefordertenn Höchstmengen für
Hormone und Rückstände zu befolgen.
Die EG lehnte diesen Vorschlag jedoch
ab.
Amerikanische Vorschläge, die
Frage dem Normenausschuß des "GATT zur
Entscheidung vorzulegen, wurden von
der EG wiederholt blokkiert. Im Verlauf der einjährigen Aussetzungsperiode vom 1. Januar 1988 bis zum 31.
Dezember 1988 zeitigten die Diskussionen zwischen der EG und den Vereinigten Staaten keinerlei Ergebnisse,

�da die Kommission keine Anweisungen
hatte, das Thema zu verhandeln. Das
für September 1988 vorgesehene bilaterale Treffen zwischen der EG und
den Vereinigten Staaten fand nicht
statt, da die Kommission erklärte,
sie habe nichts Neues zu sagen. Im
Dezember 1988 entschied der EG-Ministerrat dann, keine Maßnahmen zu ergreifen, um die Einführung des Verbots weiter zu verzögern.
Die einzige daraus zu ziehende
Schlußfolgerung lautet, daß die EG
beabsichtigt, die Hormon-Richtlinie
durchzuführen, selbst unter dem Vorbehalt,
sie
sei
wissenschaftlich
nicht haltbar.
Die folgende Tabelle zeigt, daß
unbehandeltes Bullenfleisch einen 10
bis 44mal höheren Gehalt an männlichen Hormonen hat als das Fleisch behandelter Tiere:

4 NB: Mit dem 1. Januar 1988 wurde
Frankreich und allen anderen europäischen Mästern legaler Zugang zu genehmigten
Präparaten
verweigert.
Seitdem wurde auch in Frankreich beachtlicher Mißbrauch von Clenbuterol
festgestellt.

�Tabelle 1
Vergleich männlicher und weiblicher Hormone
im Fleisch implantierter und unimplantierter Tiere

Weibliche Hormone
(Nanogramm)

Gewicht der Portion
(500 g)

Bulle
Ochse
Ochse
Ochse
Ochse
Färse
Färse
Kuh*

20
6,1
(m.weibl.Hormon implantiert)
(mit Zeranol implantiert)
(mit Trenbolon implantiert)
(mit Trenbolon implantiert)
(m.mann 1.Hormon implantiert)

Männliche Hormone
(Nanogramm)

1560-2000

20
20
20

11,4

7,0
75*
75*

135-150
135-150

35

75

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts waren detaillierte Informationen über den Östrogengehalt bei ungedeckten Färsen nicht
verfügbar. Es kann jedoch mit Sicherheit angenommen werden, daß
er nicht höher sein wird als bei Kühen.
Quellen: "Hormoneinsatz in der Tiermast," Prof. Dr. Heinrich Karg, Technische Universität München, Weihenstephan, und "Was sind Anabolika,"
Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn.

Tabelle 2
In verschiedenen Nahrungsmitteln natürlich vorkommende
Menge weiblicher Hormone (Östrogene)
Nahrungsmittel

Hühnerei
Kohl
Erbsen
Weizenkeime
Sojaöl
Milch

Gewicht der Portion
(Gramm)

50-60

100
100
10
10 ml
500 ml

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn.

- 6 -

Östrogenaufnähme
(Nanogramm)

1750
2400

400
200
20000

75

�Tabelle 3
Produktion natürlicher -Hormone beim Menschen
Alter/Geschlecht

Junge (vor der Pubertät)
Erwachsener Mann
Mädchen (vor der Pubertät)
Nicht schwangere Frau
Schwangere Frau

Östrogenproduktion
(ng/24 Std.)

41
136
54
540
20 000

000
000
000
000
000

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn.

- 7 -

Androgenproduktion
(ng/24 Std)

65
6 500
32
320
320

000
000
000
000
000

�ANHANG I
Liste der von den amerikanischen Vergeltungsmaßnahmen betroffenen Produkte (lOOprozentige Einfuhrzölle)
Rindfleisch ohne Knochen, frisch, gekühlt oder gefroren
Schweineschinken und -schultern, verarbeitet oder konserviert
Tomaten (außer Tomatenmark), verarbeitet oder konserviert
Löslicher Kaffee oder Kaffee-Extrakte
Fruchtsäfte, konzentriert oder nicht konzentriert
Alkoholische Getränke
(außer Bier)

mit weniger

als

7 Prozent Alkoholgehalt

Für den Einzelhandel verpacktes Heimtierfutter
(Naturdärme für die Wurstproduktion wurden aufgrund der Aussetzung
bei Heimtierfutter von der Liste gestrichen).
Gesamtwert der amerikanischen Importe

100 Millionen Dollar

Liste der von EG-Gegenmaßnahmen betroffenen Produkte
Honig
Walnüsse in Schale
getrocknetes Obst
-

Mais in Dosen
Gesamtwert der EG-Importe

- 8 -

144 Millionen Dollar

�ANHANG II
Wissenschaftliche Gremien, die der sachgerechten Anwendung von
Hormonen als nicht gesundheitsgefährdend zugestimmt haben

1981

Gemeinsame Expertenkommission für Nahrungsmittelzusätze
der Weltgesundheitsorgansation (WHO) und der Ernährungsund Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
(FAO)

1981

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer
Bundesrepublik Deutschland

1981/1985/1987

Kommission für Hormontoxikologie, Deutsche Gesellschaft
für Endokrinologie

1982

EG-Arbeitsgruppe5

1987

Wissenschaftliche Arbeitsgruppe
("Lamming Bericht")5

1988

Kommission für Rückstände veterinärmedizinischer Präparate in Nahrungsmitteln, Codex Alimentarius

1
2
3
^

5

in der

(EG) "Anabolic Agents"

siehe Anhang I
siehe Anhang II
Das Prinzip der Gleichwertigkeit erlaubt unterschiedliche Technologien, wenn das Endprodukt identisch ist, wie etwa gesundes Fleisch
NB: Mit dem 1. Januar 1988 wurde Frankreich und allen anderen europäischen Mästern legaler Zugang zu genehmigten Präparaten verweigert.
Seitdem wurde auch in Frankreich beachtlicher Mißbrauch von Clenbuterol festgestellt.
Diese Gruppe wurde 1980 von der EG-Kommission gegründet. Sie gab ihre erste positive Stellungnahme zur physiologischen Hormontechnologie
im Jahr 1982 ab. Im Jahr 1985 wurde sie zur Überprüfung von Zeranol
und Trenbolon erneut einberufen, aber die EG-Kommission löste die
Gruppe vor Fertigstellung des Berichts auf. Die Gruppe trat auf privater Ebene wieder zusammen, beendete ihre Aufgabe und veröffentlichte ihre Stellungnahme im Jahr 1987 im "Lamming Report".

* * * * *

- 9 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sullivan wird erster schwarzer Minister Im Kabinett Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Gesundheitsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz drängt auf Beendigung des Einsatzes chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor der Pariser Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan legt Haushaltsentwurf für 1989/90 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Wissenschaftler führen Sicherheit von Hormonen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über bei der Tiermast eingesetzte Wachstumshormone&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Die Kontroverse über den Einsatz von Hormonen bei der Tiermast&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Hintergrund&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST
Sonderdienst

V O N **

13. Januar 1989

REAGAN BETONT FRIEDEN UND HOFFNUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT
- Abschiedsrede des Präsidenten -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�REAGAN BETONT FRIEDEN UND HOFFNUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT
- Abschiedsrede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 11. Januar vom 'Oval Office' des Weißen
Hauses gehaltenen Abschiedsrede erklärte Präsident Reagan, seine Wirtschaftspolitik habe "den längsten Aufschwung in Friedenszeiten" in der Geschichte der
Vereinigten Staaten mit sich gebracht während die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte den "Jahren der Schwäche und Konfusion" ein Ende bereitet
habe.
Er verwies ferner auf die komplexen Herausforderungen, denen sich die Vereinigten Staaten gegenübersehen, "weil wir ein großes Volk sind. Das wird immer so sein. Aber solange wir unserer Grundsätze gedenken und an uns selbst
glauben, wird uns die Zukunft gehören."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Abschiedsrede im Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger,
ich spreche heute zum 34. und letzten
Mal zu ihnen aus dem Oval Office.
Wir haben jetzt acht Jahre zusammen
verbracht, und bald wird es Zeit für
mich sein, zu gehen. Aber bevor ich
gehe, möchte ich Ihnen einige meiner
Gedanken darlegen, die mir zum Teil
schon lange durch den Kopf gehen.

f

»

Es war für mich die wichtigste
Ehre meines Lebens, Ihr Präsident zu
sein. So viele von Ihnen haben mir
in den vergangenen Wochen geschrieben, um mir Dank zu sagen, aber ebenso muß ich Ihnen danken. Nancy und
ich sind Ihnen dankbar für die Gelegenheit, daß wir Ihnen dienen durften.
Eine Besonderheit der Präsidentschaft ist es, daß man sich immer et-

was ausgeschlossen fühlt. Als ob man
zu schnell in einem Auto fährt, das
jemand anders steuert, und die Menschen draußen durch getönte Scheiben
betrachtet - die Eltern, die ein Kind
hochhalten und das zu spät erkannte
Winken, das nicht erwidert werden
konnte. Und so oft wollte ich anhalten, hinter dem Glas hervortreten und
die Verbindung herstellen.
Vielleicht gelingt mir das heute abend.
Ich werde gefragt, wie ich mich
bei meinem Abschied fühle und bekanntlich "hat Abschied eine positive
und eine negative Seite". Die positive Seite heißt Kalifornien und meine Ranch und mehr Freiheit. Die negative? Natürlich 'Auf Wiedersehen'
sagen und diesen schönen Ort zu verlassen.

�Wie Sie wissen, befindet sich
quasi gegenüber von diesem Büro der
Teil des Weißen Hauses, wo der Präsident mit seiner Familie wohnt. Es
gibt dort ein paar Fenster, an die
ich gerne trete und früh morgens hinausschaue. Man blickt dort über die
Wiesen hinweg auf das Washington Monument, die Mall und das Jefferson
Memorial.
Aber morgens, wenn die
Luft noch klar ist, kann man an Jefferson vorbei auf den Fluß Potomac
und das Ufer von Virginia sehen. Jemand hat einmal gesagt, dies sei genau die Aussicht, die Lincoln hatte,
als er den Rauch der Schlacht von
Bull Run sah. Ich sehe prosaischere
Dinge: das Gras am Ufer, den morgendlichen Verkehr, wenn die Menschen zur
Arbeit fahren und dann und wann ein
Segelboot auf dem Fluß.
An diesem Fenster kamen mir einige Gedanken. Ich habe darüber nachgedacht, was mir diese vergangenen
acht Jahre bedeutet haben und jetzt
bedeuten.
Und das wiederholt vor
meinem inneren Auge erscheinende Bild
kommt aus der Seefahrt - eine kleine
Geschichte über ein großes Schiff
einen Flüchtling und einen Matrosen.
Anfang der achtziger Jahre auf
dem Höhepunkt des Problems der ' Boat
People' arbeitete ein Matrose an Deck
der 'Midway', die im Südchinesischen
Meer patroullierte. Der Seemann war
wie die meisten amerikanischen Soldaten jung, klug und ein scharfer Beobachter. Die Besatzung machte am Horizont ein leckes kleines Boot aus voll besetzt mit Flüchtlingen aus Indochina, die ihren Weg nach Amerika
zu finden hofften.
Die 'Midway'
sandte ein Rettungsboot aus, um sie
an Bord und in Sicherheit zu bringen.
Als die Flüchtlinge ihren Weg über
das rauhe Meer nahmen, erblickte einer von ihnen den Seemann an Deck,
stand auf und schrie: "Hallo, amerikanischer Matrose - Hallo, Mann der
Freiheit".
Ein winziger Moment von großer
Bedeutung und ein Augenblick, der dem
Matrosen, der ihn in einem Brief

festhielt, nicht aus dem Kopf ging.
Als ich dies las, ging es mir ebenso.
Genau das bedeutete es in den
achtziger Jahren Amerikaner zu sein:
Wir standen für Freiheit. Ich weiß,
daß wir das immer taten, aber die
Welt - und vielleicht auch wir selbst
- haben es in den letzten Jahren wiederentdeckt.
In den letzten zehn Jahren haben
wir eine große Strecke zurückgelegt
und in stürmischer See fest zusammengehalten. Und am Ende erreichen wir
zusammen unser Ziel.
Tatsache ist, daß wir von Grenada
bis zu den Gipfeltreffen von Washington und Moskau, von der Rezession der
Jahre 1981 und 1982 bis zu dem Aufschwung, der im Jahr 1982 seinen Anfang nahm und bis heute fortdauert,
Zeichen gesetzt haben.
Wie ich es sehe, haben wir zwei
große Triumphe errungen, zwei Dinge,
auf die ich am stolzesten bin. Eine
davon ist der wirtschaftliche Aufschwung, im Rahmen dessen das amerikanische Volk 19 Millionen Arbeitsplätze geschaffen - und ausgefüllt
hat. Die andere ist die Wiederherstellung unserer Moral: Amerika wird
in der Welt wieder respektiert und
bekommt eine Führungsrolle zugewiesen.
Eines meiner Erlebnisse in den
vergangenen Jahren spiegelt etwas davon wider. Im Jahr 1981 habe ich an
meinem ersten großen Wirtschaftsgipfel teilgenomen, der damals in Kanada
stattfand.
Der Tagungsort ist abwechselnd einer der Mitgliedsstaaten.
Das Eröffnungstreffen war ein Diner
der Staats- und Regierungschefs der
sieben Industrieländer. Ich saß dort
wie ein Erstkläßler und hörte zu, wie
man sich mit Francois und Helmut anredete. Sie ließen die Titel weg und
nannten sich beim Vornamen, warauf
ich in die Unterhaltung eingriff und
mich als "Ron" vorstellte.
In diesem Jahr haben wir die Maßnahmen
ergriffen, von denen wir

- 2 -

�glaubten, daß sie den wirtschaftlichen Aufschwung hervorbringen würden:
Steuersenkungen und Abbau von Vorschriften, Einschränkung der Ausgaben.
Bald darauf begann der Aufschwung.
Zwei Jahre später fand ein weiterer Wirtschaftsgipfel in etwa derselben Besetzung statt. Beim großen Eröffnungstreffen trafen wir uns alle
wieder und ich bemerkte, daß mich einen Augenblick lang alle ansahen.
Dann durchbrach einer von ihnen das
Schweigen:
"Erzählen Sie uns vom
amerikanischen Wunder", bat er.
Als ich 1980 für die Präsidentschaft kandidierte, war alles anders.
Einige Experten sahen uns mit unseren
Programmen in die Katastrophe schlittern. Unsere Ansichten zur Außenpolitik würden in einen Krieg münden,
unsere Wirtschaftspläne die Inflation
in die Höhe treiben und zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führen.
Ich erinnere mich sogar daran, daß
ein hochangesehener Wirtschaftswissenschaftler 1982 erklärte: "Die Motoren des Wirtschaftswachstums sind
hier und auf der ganzen Welt zum
Stillstand gekommen und sie werden
auch in den nächsten Jahren stillstehen ..."
Nun, er hatte - wie auch die anderen "Meinungsmacher" Unrecht. Was
sie als "radikal" ansahen, erwies
sich als "richtig", was sie für "gefährlich" hielten, war "dringend erforderlich".
In der ganzen Zeit erwarb ich einen Spitznamen - "Der große Kommunikator". Aber ich habe niemals geglaubt, daß dies auf meinen Stil oder
die von mir verwendeten Worte zurückzuführen war - es war vielmehr der
Inhalt. Ich war kein großer Kommunikator, sondern ich hatte wichtige
Dinge zu vermitteln, nicht so mir
nichts dir nichts entstanden sind,
sondern einer großen Nation aus dem
Herzen sprachen - sie entsprangen unserer Erfahrung, unserer Weisheit und
unserem Vertrauen in die Prinzipien,

die uns zwei Jahrhunderte
lenkt haben.

lang ge-

Man hat es als Reagan-Revolution
bezeichnet, was ich akzeptiere, aber
mir kam es vor wie eine bedeutende
Wiederentdeckung: Eine Wiederentdekkung unserer Werte und unseres gesunden Menschenverstandes.
Der
gesunde
Menschenverstand
lehrt uns, daß die Menschen ein Produkt in geringerem Umfang produzieren, wenn es hoch besteuert wird.
Deshalb haben wir die Steuersätze gesenkt und die Menschen haben mehr als
je zuvor produziert. Die Wirtschaft
blühte wie eine Strauch, der zurückgeschnitten worden war und jetzt
schneller und stärker wachsen konnte.
Unser Wirtschaftsprogramm
hat den
längesten Aufschwung in Friedenszeiten in der Geschichte der Vereinigten
Staaten mit sich gebracht: das Familieneinkommen ist gestiegen, die Zahl
der Armen gesunken, Unternehmensgründungen erleben einen Boom und
Forschung und neue Technologien nehmen rapide zu. Wir exportieren mehr
als je zuvor, weil die amerikanische
Industrie wettbewerbsfähiger geworden
ist und wir gleichzeitig auf nationaler Ebene den gemeinsamen Willen haben, protektionistische Schranken im
Ausland niederzureißen statt sie im
Inland zu errichten.
Der gesunde Menschenverstand hat
uns darüber hinaus gelehrt, daß wir
zur Erhaltung des Friedens nach Jahren der Schwäche und Konfusion wieder
stark werden mußten. Deshalb haben
wir unsere Verteidigung aufgebaut und zum Neuen Jahr auf die neue Friedensbereitschaft auf der ganzen Welt
angestoßen.
Die Supermächte haben
nicht nur tatsächlich mit dem Abbau
ihrer Nuklearwaffenarsenale begonnen
- und wir dürfen dabei auf weitere
Fortschritte hoffen - sondern die
weltweiten und bedenklichen regionalen Konflikte werden zunehmend eingestellt. Der Persische Golf ist kein
Kriegsschauplaz mehr, und die Sowjets
ziehen aus Afghanistan ab, die Vietnamesen bereiten ihren Abzug aus Kam-

- 3 -

�bodscha vor und dank einer von den
Amerikanern vermittelten Vereinbarung
werden bald 50 000 kubanische Soldaten aus Angola abziehen.
Dies alles hat uns gelehrt, daß
unsere
Herausforderungen
komplex
sind, weil wir ein großes Volk sind.
Das wird immer so sein.. Aber solange wir unserer Grundsätze gedenken
und an uns selbst glauben, wird uns
die Zukunft gehören.
Und wir haben noch etwas anderes
gelernt. Wenn man etwas in Bewegung
bringt, kann man es nicht so einfach
aufhalten. Wir wollten eine Nation
verändern und wir haben stattdessen
die Welt verändert.
Länder auf der ganzen Welt wenden
sich der freien Marktwirtschaft und
der Freiheit der Rede zu - und von
den Ideologien der Vergangenheit ab.
Für sie war die große Wiederentdekkung der 80er Jahre die Tatsache, daß
die moralische Art zu regieren die
praktische Art zu regieren ist. Die
grundsätzlich gute Demokratie ist
ebenfalls grundsätzlich produktiv.
Wenn man an den Punkt kommt, wo
man seinen 39. Geburtstag feiert,
lehnt man sich manchmal zurück, läßt
das Leben vorüberziehen und sieht den
Rest vor sich liegen. Für mich war
es wie die Gabelung eines Flusses und
bezeichnete genau die Mitte meines
Lebens.
Ich wollte nie in die Politik gehen - diese Absicht hatte ich nicht,
als ich jung war. Aber ich wuchs in
der Überzeugung auf, daß man das Gute, was man erhält, zurückgeben muß.
Ich war mit meiner Karriere in der
Unterhaltungsbranche zufrieden, aber
ich ging schließlich in die Politik,
weil ich etwas Wertvolles schützen
wollte.
Unsere Revolution hat als erste
in der Geschichte der Menschheit der
Regierung eine neue Richtung gegeben,
und dies mit nur drei Worten: "Wir,
das Volk."

"Wir, das Volk" sagen der Regierung, was sie tun soll, nicht umgekehrt.
"Wir, das Volk" sind die
treibende Kraft - und die Regierung
ist das ausführende Organ. Und wir
entscheiden, wohin sie sich wenden
soll, auf welchem Weg
und wie
schnell. Fast alle Verfassungen auf
der ganzen Welt sind Dokumente, in
denen die Regierungen den Menschen
ihre Privilegien zuteilen.
Unsere
Verfassung ist ein Dokument, in dem
"Wir, das Volk" der Regierung sagen,
was sie tun darf. "Wir, das Volk"
sind frei.
Dieses Prinzip war die Grundlage
all dessen, was ich In den vergangenen acht Jahren zu tun versucht habe.
Aber als ich in den sechziger
Jahren anfing, hatte ich den Eindruck, daß wir die Ordnung der Dinge
umzukehren begonnen hatten - daß uns
die Reierung durch immer mehr Vorschriften, Regeln und ruinöse Steuern
immer mehr Geld abnahm, unsere Möglichkeiten und unsere Freiheit einschränkte. Ich bin auch in die Politik gegangen, um meine Hand zu erheben und "Stop" sagen zu können. Ich
war ein politisch bewußter Bürger und
das schien mir für einen Bürger angemessen zu sein.
Meiner Ansicht nach haben wir
vieles gestoppt, was gestoppt werden
mußte. Und ich hoffe, daß wir den
Menschen nochmals vor Augen geführt
haben, daß der Mensch nicht frei ist,
wenn der Regierung keine Beschränkungen auferlegt werden. Hier besteht
ganz klar ein Verhältnis von Ursache
und Wirkung, so eindeutig und vorhersehbar wie ein physikalisches Gesetz:
wenn sich die Regierung ausbreitet,
nimmt die Freiheit ab.
Nichts ist unfreier als Kommunismus in seiner reinsten Form und dennoch haben wir in den vergangenen
Jahren eine zufriedenstellende neue
Annäherung
zur Sowjetunion hergestellt. Ich bin gefragt worden, ob
dies kein gewagtes Spiel ist, aber
die Antwort darauf lautet nein, weil

�wir unsere Handlungsweise nicht auf
Worte sondern auf Taten stützen.
Die Entspannung der siebziger
Jahre stützte sich nicht auf Taten,
sondern auf Versprechungen. Sie haben versprochen, ihr eigenes Volk und
die Menschen auf der ganzen Welt besser zu behandeln, aber der Gulag war
immer noch der Gulag, der Staat verfolgte immer noch eine expansionistische Linie und führte Stellvertreterkriege in Afrika, Asien und Lateinamerika.

*

Dieses Mal ist bis jetzt alles
anders:
Generalsekretär Gorbatschow
hat innenpolitische demokratische Reformen eingeleitet und mit dem Abzug
aus Afghanistan begonnen. Er hat Gefangene befreit, deren Namen ich ihm
bei jedem Besuch genannt habe.
Aber das Leben erinnert einen in
der Regel mit Kleinigkeiten an große
Dinge. Einmal während der hektischen
Tage des Moskauer Gipfels trafen
Nancy und ich eines Nachmittags die
Entscheidung, uns von unseren Begleitern zu entfernen und die Geschäfte
der Arbatstraße nahe der Haupteinkaufsgegend Moskaus zu besuchen.

^

Obwohl unser Besuch nicht geplant
war, erkannte uns jeder Russe dort
sofort, nannte uns beim Namen und
schüttelte uns die Hand. Wir waren
gerührt über die Freundlichkeit - man
konnte die Möglichkeiten in all dieser Freude spüren.
Aber innerhalb
von Sekunden bahnte sich eine Einheit
des KGB ihren Weg zu uns und begann
die Menschenmenge aufzulösen.
Das
war interessant zu sehen. Das zeigte
mir, daß der Mann auf der Straße sich
nach Frieden sehnt, die Regierung das heißt, ihre Vertreter - jedoch
kommunistisch ist und deshalb betrachten wir Themen wie Freiheit und
Menschenrechte aus ganz verschiedenen
Blickwinkeln.
Wir müssen wachsam sein - aber
wir müssen auch weiterhin zusammenarbeiten, um Spannungen und Mißtrauen
abzubauen.

Ich vertrete die Auffassung, daß
Generalsekretär Gorbatschow sich von
früheren sowjetischen Staatschefs unterscheidet.
Meiner Ansicht nach
kennt er die Schwachstellen seiner
Gesellschaft und sucht sie auszuräumen.
Dazu wünschen wir ihm viel
Glück. Und wir werden weiterarbeiten, um sicherzustellen, daß die aus
diesem Prozeß möglicherweise hervorgehende Sowjetunion weniger bedrohlich ist.
Es läßt sich alles auf einen
Punkt bringen: Ich möchte, daß die
neue Offenheit anhält. Und das wird
sie tun, wenn wir klarstellen, daß
wir in einer bestimmten Weise handeln
werden, wenn sie aufgeschlossen bleiben. Wenn sie das nicht tun, werden
wir uns zunächst zurückhalten. Wenn
sie insistieren, müssen wir den Kontakt abbrechen.
Es heißt immer noch: Vertrauen
ist gut, Kontrolle ist besser.
Das Spiel geht weiter: aber die
Karten müssen ehrlich gemischt werden.
Es gilt immer noch, wachsam zu
sein - aber wir dürfen vor dem, was
wir sehen, keine Angst haben.
Ich bin gefragt worden, ob ich
etwas bedaure. Das tue ich.
Zum Beispiel das Defizit. Darüber habe ich in letzter Zeit viel
geprochen, aber heute abend ist nicht
der Zeitpunkt, um zu argumentieren,
und deshalb werde ich das Thema nicht
anschneiden.
Nur eine Beobachtung: Ich hatte
meinen Teil an Siegen im Kongreß,
aber nur wenige haben bemerkt, daß
ich niemals etwas gewonnen habe, was
Sie nicht für mich gewonnen haben.
Sie sahen niemals meine Soldaten,
Reagans Regimenter.
Das amerikanische Volk hat jede Schlacht mit jedem
Telephonanruf und jedem Brief mit der
Bitte um Taten gewonnen.

- 5 -

�Nun, Handeln ist immer noch notwendig. Wenn wir die Arbeit zu Ende
führen wollen, dann müssen die Regimenter Reagans die Brigaden Bushs
werden. Bald wird er an der Spitze
stehen, und er wird Ihre Hilfe ebenso
benötigen wie ich dies tat.
Schließlich gibt es beim Abschied
von Präsidenten noch die große Tradition, Warnungen auszusprechen, und
ich habe hier eine, die mich schon
seit einiger Zeit beschäftigt.
Merkwürdigerweise beginnt sie jedoch mit einer Errungenschaft der
vergangenen acht Jahre, auf die ich
am stolzesten bin: mit der Wiedergewinnung unseres nationalen Stolzes,
die ich als "den neuen Patriotismus"
bezeichnet habe. Dieses Nationalgefühl ist gut, aber es wird nicht viel
zählen und nicht lange anhalten, wenn
es sich nicht auf Nachdenken und Wissen gründet.
Was wir erreichen möchten, ist
ein informierter Patriotismus. Und
bemühen wir uns wirklich ausreichend
darum, unsere Kinder zu lehren, was
Amerika ist und was es in der langen
Geschichte der Welt darstellt?
Diejenigen unter uns, die älter
sind als 35, sind in einem anderen
Amerika großgeworden. Uns wurde sehr
direkt beigebracht, was es heißt,
Amerikaner zu sein, und wir nahmen
fast mit der Atemluft eine Liebe für
das Land und Dankbarkeit für seine
Institutionen in uns auf. Wenn man
diese Dinge nicht in der Familie vermittelt wurden, dann von der Nachbarschaft, von dem Vater am anderen Ende
der Straße, der in Korea gekämpft
hatte oder der Familie, die ein Mitglied in Anzio verloren hatte. Oder
man konnte sich einen Sinn für Patriotismus in der Schule erwerben.
Und wenn alles andere fehlschlug,
wurde einem der Patriotismus vielleicht über die Populärkultur vermittelt. In den Spielfilmen wurden demokratische Werte gefeiert und ausdrücklich der Gedanke verstärkt, daß
Amerika etwas Besonderes darstellte.

Bis Mitte der sechziger Jahre war
dies auch im Fernsehen der Fall.
Aber heute stehen wir an der
Schwelle zu den neunziger Jahren, und
einiges hat sich verändert. Jüngere
Eltern sind sich nicht mehr so sicher, daß sie den Kindern von heute
eine ungeschmälerte Bewunderung der
Vereinigten Staaten beibringen sollten. Und für diejenigen, die Populärkultur schaffen, ist wohlbegründeter Patriotismus nicht mehr in Mode.
Unser Geist ist zurückgekehrt,
aber wir haben ihn nicht wieder institutionalisiert.
Wir müssen uns
erfolgreicher darum bemühen, die Botschaft zu verbreiten, daß Amerika
Freiheit bedeutet - Redefreiheit, Religionsfreiheit ,
unternehmerische
Freiheit - und daß Freiheit ein besonderes und rares Gut ist. Sie ist
zerbrechlich, und sie benötigt Schutz.
Wir müssen Geschichte nicht auf
der Grundlage dessen vermitteln, was
gerade in Mode ist, sondern aufgrund
dessen, was wichtig ist: Warum die
Pilgerväter hierher kamen, wer Jimmy
Doolittle war und was jene 30 Sekunden über Tokio bedeuteten... Wie Sie
wissen, las ich vor 4 Jahren, am 40.
Jahrestag der Landung in der Normandie, den Brief einer jungen Frau an
ihren verstorbenen Vater, der am Omaha Beach gekämpft hatte. Ihr Name
war Lisa Zanatta Henn und sie sagte,
wir würden uns immer daran erinnern,
wir würden niemals vergessen, was die
Männer in der Normandie getan haben.
Nun, wir sollten ihr helfen, Wort zu
halten.
Wenn wir vergessen, was wir getan
haben, werden wir nicht wissen, wer
wir sind. Ich warne vor einer Auslöschung der Erinnerung, die letzlich
zur Erosion des amerikanischen Geistes führen könnte.
Lassen Sie uns mit einigen grundsätzlichen Dingen anfangen - indem
wir der Geschichte Amerikas mehr Aufmerksamkeit schenken und staatsbürgerliche Rituale stärker betonen.
6 -

X

\
'

^

(

�Als erste Lektion über Amerika möchte
ich Ihnen folgendes sagen:
Alle
großen Veränderungen in den Vereinigten Staaten beginnen am Eßtisch. Ich
hoffe also, daß nun morgen abend in
der Küche die Gespräche einsetzen
werden. Und, Kinder, wenn Eure Eltern Euch nicht gelehrt haben, was es
heißt, Amerikaner zu sein - laßt es
sie wissen und nagelt sie fest. Das
wäre eine sehr amerikanische Reaktion.

/

Das ist so ungefähr alles, was
ich heute abend zu sagen habe. Nur
noch eines:
Als ich in den letzten Tagen an
jenem Fenster im Obergeschoß stand,
habe ich ein wenig über die leuchtende "Stadt auf dem Hügel" nachgedacht.
Dieses Bild wurde von John Winthrop
benutzt, um das Amerika zu beschreiben, wie er es sich vorstellte. Was
er sich ausmalte war wichtig, weil er
einer der ersten Pilger war - ein
"Mann der Freiheit" der ersten Stunde. Er benutzte für seine Reise nach
hier ein Gefährt, das wir heute als
kleines hölzernes Boot bezeichnen
würden. Wie die anderen Pilger suchte er nach einer Heimat, die frei
sein sollte.

&lt;
\

Und wie steht es um diese Stadt
am heutigen Winterabend?
Sie ist
wohlhabender, sicherer und glücklicher als vor acht Jahren. Aber mehr
noch: nach 200 Jahren, zwei Jahrhunderten, steht sie immer noch stark
und unverrückbar an diesem Grat aus
Granit, und ihr Leuchten hat alle
Stürme überdauert. Und sie ist immer
noch ein Leuchtfeuer, ein Magnet für
alle, die frei sein müssen, für all
die Pilger von den verlorenen Orten,
die durch die Dunkelheit nach Hause
eilen.
Wir haben unseren Beitrag geleistet. Und wenn ich mich jetzt anschicke, in die Straßen der Stadt zu
gehen, möchte ich noch ein letztes
Wort an die Männer und Frauen der
Reagan-Revolution richten - die Männer und Frauen in den ganzen Vereinigten Staaten, die acht Jahre lang
die Arbeit getan haben, mit der Amerika zu neuer Größe gelangt ist:
Meine Freunde, wir haben es geschafft. Wir haben nicht nur einem
Zeitabschnitt unseren Stempel aufgedrückt, wir haben etwas bewegt. Wir
haben die Stadt stärker gemacht - wir
haben die Stadt freier gemacht - und
wir haben sie in gute Hände gegeben.

Ich habe in meinem gesamten politischen Leben von der leuchtenden
Stadt
gesprochen, aber
ich weiß
nicht, ob ich jemals genau das vermittelt habe, was ich sah, wenn ich
darüber sprach. In meinen Gedanken
war sie eine hoch aufragende stolze
Stadt, die auf Felsen stärker als
Ozeane gebaut, von Winden umtost, von
Gott gesegnet war und von Menschen
aller Art bewohnt, die in Eintracht
und Frieden lebten - eine Stadt mit
freien Häfen, die voller Handel und
Kreativität waren, und falls diese
Stadt Mauern benötigte, hatten diese
Mauern Tore, und diese Tore standen
jedermann offen, der den Willen und
die Kraft hatte, dorthin zu gelangen.
So sah ich es, und so sehe ich es
immer noch.

- 7 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

18. Januar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Pariser Konferenz verurteilt den Einsatz chemischer Waffen
- Die Gemeinsame Abschlußerklärung -

INFORMATION
Botschafter Vernon A. Walters
- Porträt des zukünftigen amerikanischen Botschafters in Bonn Atomexperte soll Energieministerium leiten
- Porträt von James David Watkins Eagleburger bringt langjährige Erfahrung in Bushs Außenpolitik ein
- Porträt des designierten Stellvertretenden Außenministers William Bennett für Härte im Kampf gegen Drogen
- Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Koordinierung der Wissenschaftspolitik gefordert
- Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Themenindex AMERIKA DIENST 1988

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
18. Januar 1988

PARISER KONFERENZ VERURTEILT DEN EINSATZ CHEMISCHER WAFFEN
- Die Gemeinsame Abschlußerklärung -

PARIS - (AD) - Die Teilnehmerstaaten der Pariser Konferenz über das Verbot chemischer Waffen haben den Einsatz von Chemiewaffen verurteilt und ihr
Engagement dafür bekräftigt, daß solche Waffen nicht verwendet werden.
Die am 11. Januar veröffentlichte Abschlußerklärung betont ferner die Notwendigkeit zur "baldigen Verabschiedung einer Konvention über das Verbot der
Entwicklung, Herstellung Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und
über deren Zerstörung".
Nachfolgend veröffentlichen wir den einmütig verabschiedeten Text der Abschlußerklärung :
Die Vertreter der Teilnehmerstaaten an der vom 7. bis 11. Januar in
Paris abgehaltenen Konferenz über ein
Verbot chemischer Waffen, zu denen
die Unterzeichner des Genfer Protokolls von 1925 wie auch andere interessierte Staaten
zählen, erklären
feierlich:

verurteilen.
Sie erinnern an ihre
ernsthafte Besorgnis angesichts jüngster Verletzungen, die bei den zuständigen Stellen der Vereinten Nationen registriert und verurteilt
wurden. Sie unterstützen die den Opfern chemischer Waffen geleistete humanitäre Hilfe.

1. Die Teilnehmerstaaten sind entschlossen, im Einklang mit der Charta
der Vereinten Nationen den Frieden
und die Sicherheit auf der Welt sowie
wirksame Abrüstungsmaßnahmen zu fördern.
In diesem Zusammenhang sind
sie entschlossen, jeden Rückgriff auf
chemische Waffen zu verhindern, indem
sie diese vollständig beseitigen werden. Sie bekräftigen feierlich ihre
Verpflichtung
keine chemischen Waffen einzusetzen und deren Einsatz zu

2. Die Teilnehmerstaaten
erkennen
die Bedeutung und anhaltende Gültigkeit des am 17. Juni 1925 in Genf unterzeichneten
Protokolls über das
Verbot des Einsatzes von Giftgas, Erstickungs- und anderen Gasen sowie
biologischen Methoden der Kriegführung. Die Unterzeichner des Protokolls bekräftigen erneut das damals
niedergelegte Verbot.
Sie fordern
alle Staaten, die das noch nicht getan haben, dazu auf, dem Protokoll

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�beizutreten.
3. Die Teilnehmerstaaten betonen die
Notwendigkeit
der baldigen Verabschiedung einer Konvention über das
Verbot der Entwicklung, Herstellung,
Lagerung und des Einsatzes chemischer
Waffen und über deren Zerstörung.
Diese Konvention soll weltweit gelten, umfassend und wirksam verifizierbar und von unbefristeter Dauer
sein. Aus diesem Grunde forderen sie
die Genfer Abrüstungskonferenz auf,
ihre Anstrengungen zu erhöhen, um die
verbleibenden Probleme vordringlich
und so schnell wie möglich zu lösen
und baldmöglichst eine Konvention zu
verabschieden.
Alle Staaten sind
aufgefordert, auf angemessene Art und
Weise und durch Anstrengungen in den
entsprechenden Bereichen einen bedeutenden Beitrag zu den Genfer Verhandlungen zu leisten. Die Teilnehmerstaaten vertreten daher die Auffassung, daß jeder Staat, der den Wunsch
hegt, sich an den Verhandlungen zu
beteiligen, dies tun sollte. Darüber
hinaus rufen sie alle Staaten auf,
dieser Konvention unmittelbar nach
deren Abschluß beizutreten und ihr
somit den unerläßlichen allgemeingültigen Charakter zu verleihen.
4. Die Teilnehmerstaaten sind, solange es chemische Waffen gibt und
diese verbreitet sind, tief besorgt
über die zunehmende Gefahr für Frieden und Sicherheit auf der Welt durch
das Risiko ihres Einsatzes. In diesem Zusammenhang betonen sie die Notwendigkeit eines baldigen Abschlusses
und Inkrafttretens dieser Konvention,
nach der alle Staaten gleich behandelt werden sollen. In der Zwischenzeit sehen sie die Notwendigkeit für
jeden Staat, sich Zurückhaltung aufzuerlegen und im Einklang mit den
Zielen der vorliegenden Erklärung
verantwortlich zu handeln.
5. Die Teilnehmerstaaten bestätigen
den Vereinten Nationen bei der Ausübung ihrer unerläßlichen Rolle gemäß
ihrer Charta ihre volle Unterstützung. Sie bestätigen, daß die Vereinten Nationen den Rahmen abstecken

und ein Instrument der internationalen Staatengemeinschaft sind, um im
Hinblick auf das Verbot des Einsatzes
chemischer Waffen Wachsamkeit walten
zu lassen. Sie bestätigen ihre Unterstützung für entsprechende angemessene und wirkungsvolle Maßnahmen
der Vereinten Nationen gemäß ihrer
Charta.
Sie erneuern ferner ihre
volle Unterstützung für den Generalsekretär bei der Ausübung seiner
Pflicht der Nachforschungen im Falle
mutmaßlicher Verletzungen des Genfer
Protokolls.
Sie
bekunden
ihren
Wunsch nach baldigem Abschluß der Arbeit, die unternommen wurde, um die
Wirksamkeit bestehender Verfahrensweisen zu stärken und fordern die Zusammenarbeit aller Staaten, um die
Tätigkeit des Generalsekretärs zu erleichtern.
6. Die Teilnehmerstaaten erinnern an
das Schlußdokument der ersten Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen über Absrüstung im
Jahr 1978 und unterstreichen die Notwendigkeit, entschiedene Anstrengungen zu verfolgen, um überall eine
vollständige Abrüstung unter effektiver internationaler Kontrolle durchzuführen und das Recht aller Staaten
auf Frieden zu Sicherheit zu gewährleisten.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%,

^

Information

#

18. Januar 1989

BOTSCHAFTER VERNON A. WALTERS
- Porträt des zukünftigen US-Botschafters in Bonn -

WASHINGTON - (AD) - Vernon A.
Walters wurde am 8. Februar 1985 von
Präsident Reagan zum Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen ernannt und
wurde am 22. Mai 1985 nach einstimmiger Bestätigung durch den Senat vereidigt. Als Chefdelegierter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen ist er gleichzeitig Mitglied
in Reagans Kabinett.
Vor seiner Berufung in die Vertretung der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen diente Botschafter Walters als ranghöchster Berater von Außenminister Alexander
Haig bis zu seiner Nominierung durch
den Präsidenten zum Sonderbotschafter
- eine Position, die er von Juli 1981
bis Mai 1985 innehatte. In dieser

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Funktion bereiste er über 108 Länder
und legte als höchster diplomatischer
Friedenstifter der Reagan-Administration anderthalb Millionen Meilen zurück.
Botschafter Walters diente von
1941 bis 1976 in der Armee der Vereinigten Staaten und trat im Rang
eines Generalleutnants in den Ruhestand. Während seiner militärischen
Laufbahn fand er Verwendung als Sonderberater und Dolmetscher für eine
Reihe von amerikanischen Regierungsvertretern, hochrangigen Diplomaten
und Präsidenten. Im Anschluß an Reisen nach Italien, Brasilien, Vietnam
und Frankreich, in deren Verlauf er
ebenfalls als Sonderberater und Dolmetscher für die Präsidenten Truman,
Eisenhower und Nixon auf deren Aus-

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�landsreisen tätig war, wurde General
Walters im Jahr 1972 zum stellvertretenden Direktor des amerikanischen
Nachrichtendienstes
CIA
ernannt.
Während
seiner
viereinhalbjährigen
Amtszeit beim CIA war er auch fünf
Monate lang geschäftsführender Direktor. Von 1976 bis 1981 arbeitete er
als Berater, Referent und Autor.
Im Ruhestand schrieb General Walters seine Memoiren, "Silent Missions", eine Autobiographie, die im
Jahr 1978 von Doubleday herausgegeben
wurde. Unter seinen Werken sind ferner "Sunset at Saigon" und "The Mighty And The Meek". Er ist auch Verfasser zahlreicher Artikel und Buchrezensionen.
Am 3. Januar 1917 in New York geboren, lebte Botschafter Walters dort
bis 1923, als er mit seinen Eltern
nach Europa ging. Er blieb mehr als
10 Jahre lang in Europa, besuchte die
St. Louis Gonzaga Schule in Paris und
Stonyhurst College in Großbritannien.
Von mehreren Universitäten wurden im
akademische Grade ehrenhalber verliehen.

Botschafter Walters spricht sieben Sprachen fließend: Französisch,
Protugiesisch, Spanisch, Italienisch,
Deutsch, Holländisch und Russisch.
Ihm wurden zahlreiche Auszeichnungen
und Dekorationen für herausragende
Dienste verliehen: die amerikanische
National Security Medal, die Distinguished Service Medal (mit doppeltem
Eichenlaub), die Legion of Merit
(Eichenlaub), der Bronze Star, die
Air Medal, die Distinguished Intelligence Medal und zahlreiche andere, im
Kampf erworbene Medaillen. Er wurde
von den Regierungen der Länder Frankreich (Legion of Merit), Italien,
Brasilien, Vietnam, Spanien, Protugal, Marokko und Peru ausgezeichnet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

18. Januar 1989

ATOMEXPERTE SOLL ENERGIEMINISTERIUM LEITEN
- Porträt von James David Watkins -

WASHINGTON - (AD) - Der neue
Präsident George Bush schloß die Zusammenstellung seines Kabinetts mit
der Ernennung von James David Watkins
als Leiter des Energieministeriums ab.
Der
Kernenergieexperte
Watkins
wird in seiner neuen Stellung schwierige Aufgaben übernehmen müssen, deren vordringlichste darin besteht,
eine Möglichkeit zu finden, um Produktionsstätten
für Kernwaffen zu
säubern und wieder in Betrieb zu nehmen.
Im Rahmen seiner Ernennung erklärte Bush am 12. Januar, er habe
aufgrund der besonderen Probleme, die
sich gegenwärtig bei der Kernenergie
stellen, einen Atomexperten statt eines Fachmanns für Öl und Gas als Mi-

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nister ausgewählt.
"Ich verpflichte mich, die Probleme im Rahmen des Komplexes der mit
der Verteidigung zusammenhängende unklaren Produktinosstätten zu lösen,"
erklärte Bush. "Ich bin sicher, daß
mir dies mit Jim Watkins an meiner
Seite gelingen wird."
Der neue Präsident erklärte, er
werde sich "voll und ganz" für die
Säuberung von Kernreaktoren entsetzen. Aber er verwies darauf, daß die
Energieprobleme des Landes nicht allein durch die Entwicklung von aus
Kohle hydrierten Brennstoffen und
passiven Energiequellen gelöst werden
kann.
"Wir

müssen

Kernenergie

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sicher

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�nutzen", erklärte er.
Watkins erklärte nach der Mitteilung Bushs gegenüber Reportern^ er
habe "in Fragen der sicheren und effizienten Betreibung von Kernreaktoren viele Jahre Erfahrung in Ausbildung und Praxis bei der Armee und in
jüngster Zeit im Privatsektor. Diese
Erfahrung hat meine seit langem bestehende Überzeugung bestätigt, daß
die Ziele der Umwelt- und Energiepolitik miteinander vereinbart werden
können. Ich vertraue darauf, daß ...
ich dazu beitragen kann, das gewünschte und ausgewogene Konzept zu
finden, demzufolge Sicherheit niemals
untergraben, die Umwelt angemessen
geschützt wird und die nationale Sicherheit und andere Ziele im Bereich
der Energie im Einklang miteinander
erreicht werden können."
Der 61jährige Watkins schloss
1949 die U.S. Naval Academy ab und
erwarb sein M.A. in Maschinenbau an
der U.S. Naval Post Graduate School,
ein Examen, das einen sechsmonatigen
Kurs über Reaktortechnologie an der
Oak Ridge School umfaßt.
Im Jahr 1959 wurde er von Admiral
H.G. Rickover, dem "Vater" der atomgetriebenen U-Boote für die Teilnahme
am Programm für Atom-U-Boote augewählt. Zusätzlich zu seinen Einsätzen auf Atom-U-Booten war Watkins
verantwortlich für die Auswahl, Ausbildung und Weiterbildung des mit
Wartung und Betrieb von Produktionsstätten für die nuklearen Triebwerke
der Marine befaßten Personals.
Zu Beginn der sechziger Jahre war
er drei Jahre lang Assistent von
Rickover und später Leiter einer Abteilung für Kernenergie im Personalbüro der Marine. Er war darüber hinaus für die Atomenergiekommission Manager von Reaktoren der Marine, Kommandeur der Kreuzer- und Zerstörereinheit der Siebten Flotte, NATO-Befehlshaber der Sechsten Flotte und
Stellvertretender
Personalchef
für
Marineoperationen und Stellvertretender Leiter für Marineoperationen.

Watkins wurde im Juni 1982 in die
höchste Position der Marine, zum Chef
des Operationstabes
berufen.
Als
Mitglied der Vereinigten Stabschefs
war er ein starker Verfechter des
Konzepts, daß nukleare Abschreckung
zur Verhinderung eines Nuklearkrieges
notwendig ist.
Nach seinem Ausscheiden aus der
Marine im Juni 1986 wurde Watkins von
Präsident Reagan zum Leiter der Arbeitsgruppe des Präsidenten über AIDS
ernannt. Im Entwurf seines Berichts
an den Präsidenten forderte er eine
neue Bundesgesetzgebung, mit der die
Diskriminierung
aller
Virusträger
verhindert wird.
Im Juni 1988 wurde Watkins zum
Leiter der Elektrizitätswerke von
Philadelphia gewählt und in den Kernenergieausschuß dieses Unternehmens
berufen, wo ihm die Überwachung aller
kerntechnischen Operationen oblag.
"Er ist ein energischer Manager
und eine Führungskraft, die keine
Verschwendung oder nachlässige Arbeit
duldet", bemerkte ein Marineexperte
zu Beginn der 80er Jahre über Watkins.
Ein anderer Experte erklärte im
vergangenen Jahr gegenüber der New
York Times, Watkins "betrachtet jedes
Problem aus moralischer und aus praktischer Sicht.... Es macht nichts,
wenn andere seine Meinung nicht teilen. Wenn er ein Problem überdacht
hat und zu einem Schluß gekommen ist,
ist er nur schwer umzustimmen, auch
wenn er sich mit seiner Meinung unbeliebt macht.
In seiner militärischen Laufbahn
wurde Watkins mehrmals mit Orden ausgezeichnet, darunter dreimal der Legion of Merit für besonders verdienstvolle Leistungen bei der Ausübung herausragender Aufgaben und dem
Bronze Star für Heldentum ausgezeichnet.
Watkins ist verheiratet und hat
sechs Kinder.

- 2 -

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18. Januar 1989

EAGLEBURGER BRINGT LANGJÄHRIGE ERFAHRUNG IN BUSHS AUSSENPOLITIK EIN
- Porträt des designierten stellvertretenden Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Nominierung von Lawrence S. Eagleburger für
den Posten des stellvertretenden Aussenministers stellt erneut die Entschlossenheit der künftigen Bush-Administration unter Beweis, gemäßigte
und erfahrene Pragmatiker für außenpolitische Schlüsselpositionen zu ernennen.
Wie der für das Amt des nationalen Sicherheitsberaters von Bush ernannte Brent Scowcroft - mit dem zusammen Eagleburger bis vor kurzem bei
der Beratungsfirma Kissinger Associates tätig war - ist Eagleburger ein
erfahrener außenpolitischer Experte,
der in weiten Kreisen der mit außenpolitischen Angelegenheiten Vertrauten hohes Ansehen genießt.

Der
27 Jahre im auswärtigen
Dienst der Vereinigten Staaten tätige
Eagleburger erregte zum ersten Mal
als Berater des damaligen Außenministers Henry Kissinger in den siebziger Jahren landesweit Aufsehen. Zu
jener Zeit war er Verwaltungschef des
Außenministeriums und eignete sich in
dieser Funktion detaillierte Kenntnisse in der Gestaltung der Außenpolitik an.
Während der Carter-Administration
war er Botschafter in Jugoslawien und
unter Reagan Unterstaatssekretär für
politische Angelegenheiten.
Dieser
Posten ist der Position, für die er
jetzt nominiert wurde, direkt untergeordnet .
Berichten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in der Öffentlichkeit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zum Trotz, er leide an einem Emphysem
- Eagleburger, 58, ist als Kettenraucher bekannt -, wird Eagleburgers Gesundheit als gut genug beurteilt, um
diesen Posten auszuüben.
Während seiner Amtszeit als Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten wurde Eagleburger - der
für seine persönliche Offenheit und
manchmal etwas informelle Kleidung
bekannt ist - als einflußreichster
Berater von Außenminister Shultz angesehen, eine wichtige Rolle, da
Shultz bei seinem Amtsantritt nur geringe unmittelbare Erfahrung in der
Außenpolitik besaß.
In dieser Stellung spielte Eagleburger Presseberichten zufolge die
Rolle des "Erzkonservativen" im Aussenministerium, obwohl ultrakonservative Reagan-Anhänger
ihm aufgrund
seiner Verbindung zu Kissinger, dem
Vater der Entspannungspolitik der
siebziger Jahre, mißtrauten.
Die Wirkung seines freimütigen
Führungsstils wurde während seiner
gesamten Laufbahn dadurch gemildert,
daß er viele seiner Kollegen persönlich kennt und viele von ihnen beim
Vornamen nennt.
Nach dem Studium an der University of Wisconsin trat Eagleburger 1957
im Alter von 27 Jahren In den auswärtigen Dienst ein; er hatte ein Plakat
gesehen, auf dem zur Teilnahme am
Auswahlverfahren für den auswärtigen
Dienst aufgerufen wurde und nahm aus
einer Laune heraus daran teil. Bis
Mitte der sechziger Jahre hatte er
sich schon den Ruf eines der besten
Europa-Kenner des US-Außenministeriums erworben.
Der große Sprung in Eagleburgers
Laufbahn fand im Jahr 1968 statt, als
er während des Übergangs von der
Johnson- zur
Nixon-Administration
Verbindungsmann zu Henry Kissinger
wurde. Kissinger mochte den Karrierediplomaten und noch vor seinem
vierzigsten Geburtstag war er Kissingers Spitzenberater im Stab des na-

tionalen Sicherheitsrats.
Eagleburger sagt, er sei gerne in
der Gesellschaft von Kissinger wegen
dessen "Intellekt - da sprühen die
Funken und man wird angeregt. Am Ende merkt man, das man wirklich seinen
Verstand anstrengen mußte."
Eagleburger wurde von Präsident
Carter aus dem Zentrum der Macht entfernt, der ihn als Botschafter nach
Jugoslawien entsandte.
Nachdem er
zum ersten Außenminister unter Präsident Reagan ernannt wurde, holte Alexander Haig ihn zurück.
Eine von
Shultz' ersten Amtshandlungen nach
der Ablösung von Haig bestand darin,
Eagleburger auf seinem Posten zu belassen.
Im Jahr 1984 wurde Eagleburger
Präsident von Kissinger Associates in
New York (Scowcraft war Repräsentant
der Firma in Washington), eines Consultingunternehmens,
in
dem
die
fähigsten Köpfe im Bereich der Außenpolitik zusammenarbeiten.
In
jüngsten
Erklärungen
ist
Eagleburger ausführlich auf das eingegangen, was er als widersprüchliche
Tendenzen in der amerikanischen Aussenpolitik seit der Zeit betrachtet
als Vietnam und Watergate das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Grundsätze der Außenpolitik erschütterten.
Dennoch ist dies Eagleburger zufolge von einem "wichtigen Führungswechsel" in der Sowjetunion aufgewogen worden.
In einer Monographie von 1985
kritisiert Eagleburger die "amerikanische Unberechenbarkeit und Naivität" und warnt vor sozialen und kulturellen Spannungen, die die NATO
schwächen oder spalten könnten. Ferner weist er darauf hin, daß ein
wirtschaftlich wenig wettbewerbsfähiges Westeuropa sich eher der Sowjetunion zuwenden könnte.
In der Monographie wägt

er die

�Schwächen
des
Westens
ab
und
schreibt, die Sowjets befänden sich
angesichts der Entwicklung der Informationstechnologie
gegenwärtig
im
"Abseits".
"Sie werden sicher im Bereich der
Informatik viel bessere Fähigkeiten
entwickeln, als sie gegenwärtig besitzen" so Eagleburger "und sie werden diese wirkungsvoll für militärische Zwecke nutzen. Dennoch geht die
Entwicklung einer umfassenden neuen
Informationstechnologie, die auch die
Gesellschaftsform verwandelt, meiner
Ansicht nach sicherlich über ihre
Leistungsfähigkeit hinaus."
"Die Sowjetunion wird immer mehr
dem Dinosaurier gleichen, der sich
ebenfalls nicht an seine Umgebung anpassen konnte. Der Dinosaurier starb
jedoch langsam aus und war in der
Zwischenzeit gefährlich." So wie die
Sowjetunion ihre "Haltung gegenüber
den Vereinigten Staaten verändert,
könnte sie eher in stärkerem als in
geringerem Maße gefährlich werden."
In anderen Kommentaren erklärte
Eagleburger in jüngster Zeit, wenn
der Westens nicht fest und einmütig
auf den Terror reagiere, würde sich
der Terror wie eine Epidemie ausbreiten.
Eagleburger war zweimal verheiratet und hat drei Kinder.

* * * * *

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$ &lt;

18. Januar 1989

WILLIAM BENNETT FÜR HÄRTE IM KAMPF GEGEN DROGEN
- Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik -

WASHINGTON - (AD) - William Bennett bringt den Ruf von Aggressivität
und unabhängigem Denken in das neue
Amt des Direktors für die Anti-Drogenpolitik, das Kabinettsrang hat.
Der neue Präsident Bush nominierte Bennett am 12. Januar 1989 für
dieses vom Kongreß im vergangenen
Jahr geschaffene Amt. Bennett bedarf
noch der Zustimmung des Senats.
In seinen vorherigen Regierungsämtern als Vorsitzender der Nationalen Stiftung für die Geisteswissenschaften und Erziehungsminister profilierte sich Bennett mit scharfen
Verurteilungen von Institutionen und
Ideen, die er dem Wohl der Vereinigten Staaten für abträglich hielt.
Voraussichtlich wird er diese Haltung

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an der Spitze des Kampfes gegen Drogenhandel und -mißbrauch beibehalten.
Bennett wurde am 31. Juli 1943 in
New York geboren.
Seinen Aussagen
zufolge haben seine streng jesuitische Erziehung und seine sportlichen
Leistungen in der Schule erheblich zu
seiner Standhaftigkeit in allen Lebensbereichen beigetragen.
Seine Familie zog nach Washington
um, als Bennett im Teenager-Alter
war. Er besuchte das Williams College in Massachussetts, an dem er im
Jahr 1965 sein Abschlußexamen ablegte. Danach ging er zur University of
Texas und promovierte dort im Jahr
1970. Im Jahr 1971 schloß er ein Jura-Studium an der Harvard University
ab.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bennett war nach seiner Ausbildung als Dozent und Verwaltungsexperte an der Boston University tätig.
Er kam bald zu der Schluß, daß "jegliche Erziehung Erziehung des Charakters ist". Er trat 1976 in das Nationale Zentrum für Geisteswissenschaften in North Carolina ein und
wurde im Jahr 1979 dessen Präsident
und Direktor.
Während dieser Zeit
lehrte er zudem Philosophie an der
University of North Carolina und
schrieb Artikel über konservative
Standpunkte für verschiedene Publikationen.
Er unterstrich die seiner
Meinung nach durch Quotenregelungen
zur Durchsetzung rassischer Ausgewogenheit in öffentlichen und privaten
Institutionen zum Ausdruck gebrachte
Unmoral.

ment .

Präsident Reagan bat Bennett im
Dezember 1981, die Leitung der Nationalen Stiftung für die Geisteswissenschaften zu übernehmen. Während der
drei Jahre an der Spitze der Stiftung
beendete Bennett deren liberalen Kurs
und straffte ihren Haushalt.
Er
hielt sich an eine enge Auslegung des
Begriffs "Geisteswissenschaften" und
förderte geisteswissenschaftliche Seminare an den höheren Schulen.

Bennett trat im September 1988
vom Posten des Erziehungsministers
zurück, um eine bildungspolitische
Denkfabrik aufzubauen, die als Madison Center bekannt geworden ist.
Ferner unternahm er landesweite Vortragsreisen.

Zum Teil aufgrund von Bennetts
Arbeit und Ansichten bei der Stiftung
ernannte Präsident Reagan ihn im Januar 1985 zum Nachfolger von T.H.
Bell als Erziehungsminister. Bennett
wurde vom Senat einstimmig bestätigt.
Eine seiner ersten Amtshandlungen
im Erziehungsministerium bestand darin, auf eine Kürzung der Darlehen an
Studenten zu dringen, da er davon
überzeugt war, viele Personen gehörten nicht auf die Colleges. Er behauptete, viele Studenten an den höheren Bildungsanstalten seien nicht
ausreichend an akademischer Arbeit
interessiert, um aus dieser Erfahrung
Nutzen zu ziehen.
Er bestand darauf, daß der Erziehungsminister für "das amerikanische
Volk" arbeiten solle, und nicht für
"das
bildungspolitische
Establish-

Er sprach sich für Erziehungsgutscheine
(education
vouchers) und
Steuergutschriften für Studenten sowie für Zulagen an Lehrkräfte für
außergewöhnliche Leistungen aus.
Er unterstützte einen Verfassungszusatz, der es dem Kongreß verwehren würde, das Schulgebet vorzuschreiben oder zu verbieten.
Die Reform der Lehrpläne war
ebenfalls ein wichtiges Anliegen von
Bennett. Er bemühte sich ferner um
die Reorganisierung des Erziehungsministeriums und die Schaffung eines
neuen Systems der Sammlung von Daten
zu bildungspolitischen Fragen.

Er nahm weiterhin dezidiert zu
öffentlichen Problemen Stellung, was
sein anhaltendes Interesse an der
Entscheidungsfindung
innerhalb
der
Regierung unterstreicht.
Er befürwortete umfassende AIDS-Tests und den
Einsatz des Militärs im Kampf gegen
den Drogenhandel. Diese und andere
Positionen sowie seine Regierungserfahrung ließen ihn zum logischen Kandidaten für die Führung im Kampf gegen Drogen werden.
Bennett, der selbst starker Raucher ist, versprach am 12. Januar
1989, er werde ein Beispiel geben,
indem er sofort mit dem Rauchen aufhöre. Seinem Ruf für Entschlossenheit getreu, verkündete er:
"Sie
werden keinen Direktor für Anti-Drogenpolitik haben, der raucht."

*****

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Wissenschaft und Technik

18. Januar 1989

KOORDINIERUNG DER WISSENSCHAFTSPOLITIK GEFORDERT
Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Ein von der amerikanischen Nationalen Akademie
der Wissenschaften
(NAS), der Nationalen Akademie für
Ingenieurwissenschaften und dem Instituts für Medizin berufenes Sonderkomitee fordert in einem am 20. Dezember 1988 veröffentlichten Bericht
eine Umstrukturierung der Etataufstellung für Forschung und Entwicklung. Der größte Mangel im gegenwärtigen Verfahren sei darin zu sehen,
daß die Erfordernisse für Programme,
in die mehrere Ministerien bzw. Regierungsbehörden eingeschaltet sind,
nicht ordnungsgemäß bewertet werden
können. Regierung und Kongreß müßten
daher Wege finden, um vorrangige nationale
Wissesschaftsprogramme
wie
AIDS-Forschung, Weltraumforschung und
kommerzielle Erschließung der Supraleitfähigkeit wirksamer und nutzbrin-

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gender als bisher zu finanzieren.
NAS-Präsident Frank Press verwies
darauf, daß beispielsweise Reaktionen
auf Veränderungen in weltweiten Umweltbedingungen wie die allgemeine
Erwärmung Programme berührten, die
unter die Zuständigkeit der Bundesumweltschutzbehörde EPA, des Energieministeriums, der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) und einer Reihe
anderer Behörden fielen.
Um entscheiden zu können, ob für dieses
Spezialgebiet genügend Bundesmittel
vorgesehen sind, seien behördenübergreifende Prüfungen erforderlich, die
im Rehmen der jetzt angewandten Verfahrensweisen kaum zu erreichen seien.
Die Kommisssion empfahl, daß der

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Tel.: 0228-339 2035
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�Präsident mit Unterstützung des Wissenschaftsberaters im Weissen Haus
und des Direktors des Amtes für Management und Budget Prioritäten im Wissenschaf tsund
Technologieprogrammen
setzt, mit denen verschiedene Behörden befaßt sind. Auch wurde hervorgehoben, daß von den mehr als 62 Milliarden Dollar, die im Haushaltsjahr
1989 für wissenschaftliche und technologische Aktivitäten bewilligt wurden, mehr als 30 Milliarden dem Verteidigungsministerium für die Entwicklung modernster Technologien und
militärischer Ausrüstungen zugeteilt
wurden. Das restliche Budget sei für
Grundlagen- und angewandte Forschung
sowohl für zivile als auch militärische Zwecke bestimmt.
Nach Dr. Robert White, dem Präsidenten der Nationalen Akademie für
Ingenieurwissenschaften,
führt
das
Zusammenwerfen von Forschungsund Entwicklungsaufgaben militärischer und
ziviler Behörden "zu Verzerrungen in
unserer Bewertung der Frage, wieviel
Geld wir in Forschung und Entwicklung
investieren.
Auch Gemeinschaftsprogramme von Regierung und Industrie
dürften immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das gelte vor allem für die
Supraleiter-Technik
und die neuen
Technik der Röntgenstrahlen-Lithographie, die nach Ansicht von Experten
die "Dichte", d.H. die Speicherfähigkeit von Chips für Daten, tausenfach
vergrößern und gleichzeitig die Größe
von Computern um ein Vielfaches verringern könnte.
Ein weiterer Bericht, den das der
NAS angeschlossene Institut für Medizin veröffentlichte, empfiehlt höhere
Gehälter und mehr Unaghängigkeit für
wissenschaftliche Führungskräfte an
den "Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA" (NIH - National
Institutes of Health in Bethesda, Maryland).
Dort befinden sich die
wichtigsten regierungseigenen Institute, in denen sich Forscher mit der
Entwicklung neuer bzw. verbesserter
Strategien zur Bekämpfung von AIDS
und anderer Erkrankungen befassen.
Nach Ansicht des neugeschaffenen "Na- 2

tionalen Komitees zur Überprüfung gegenwärtiger Genehmigungsverfahren für
neue Krebsund AIDS-Medikamente" müsse
man angesichts des bisher üblichen
Modus nach Möglichkeiten suchen, um
neue Entwicklungen früher in die Therapie einzubringen. Auch die pharmazeutische Industrie sei gefordert,
ihre Forschungsanstrengungen, wo immer möglich, besser zu organisieren
oder zu integrieren, um so ihren Beitrag noch effektiver zu gestalten.
Vorschläge, die NIH-Institute in
eine unabhängige Behörde umzuwandeln
oder ihre Projekte an private Unternehmen zu vergeben, werden von den
Vertretern des Instituts für Medizin
nicht gutgeheißen.

* * * * *

&gt;

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST
Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST 1988
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten
Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das
betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 15, 16

Mittelamerika

1, 4, 12, 13

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen allg.
Reagan-Go rbat schow-Tre f fen Moskau
Nuklear- und Weltraumwaffen
Chemische Waffen
Sicherheitsstrategie
Rüstungskontrolle
Konventionelle Rüstung
SDI
INF
NATO
START
Desinformationen

17, 20, 23, 25, 29, 30,
31, 45, 46
20, 21, 22
3, 6, 25, 43, 44
20, 29
3, 4
11, 18, 28, 32, 36, 42,
47
10
15
5, 9, 17, 19
9, 10, 18, 31, 33, 37,
44, 47
13, 35
15

Vereinigte Staaten
Bericht zur Lage der Nation
Präsident Reagans Haushaltsvorlage
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten
Wirtschaft/Handel

Die Wahlen in Amerika 1988

Präsidentschaftskandidaten
Notninierungen
Porträts
Pre!sverleihungen
Rentner-Krankenversicherung
Reagans Prokl. Tag der Deutsch-Amerikaner
Arafat Einreiseverweigerung

4
8
8
2, 10, 13, 14, 16, 23,
29, 31, 34, 38, 40, 41,
43, 45, 46
1, 15, 16, 20, 23, 24,
26, 27, 28, 29, 30, 33,
34, 35, 37, 38, 39, 41
5, 6
2, 23, 29,
42, 43, 44, 45, 46, 47
7
28
36
44

�Internationale Probleme
Außenpolitik
Naher Osten/Golf
KSZE
OECD
Drogen
AIDS
Ozon
Antarktis
Menschenrechte

6, 7, 9, 40
12, 14, 16, 26, 27, 28
10
20
5, 18, 37, 40, 45
10, 26, 29, 32
12
24, 35
33, 46

Wissenschaft und Technik
Forschung

1, 2, 7, 9, 11, 14, 15,
16, 19, 22, 24, 27, 30,
33, 35, 42, 43, 44, 46,
47
11
3, 9, 14, 31, 34, 36, 46
8, 39

Krebs
NASA/Shuttle-Programm
Raumfahrt

- 2 -

�Reden, Artikel und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
20. Januar 1988
Der INF-Vertrag:
AD Nr. 3

Die richtigen Lehren ziehen

24. Februar 1988
Singularisierung:
AD Nr. 8

Ein Produkt der Phantasie

13. April 1988
Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder
Ost-West-Bezlehungen
Rede vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
(Sonderdienst)
13. Juli 1988
Burt: Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt
- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm AD Nr. 27
7. September 1988
Gedenken an die Opfer von Ramstein
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier AD Nr. 32

SONDERDIENST

4. Mai 1988
Die sowjetische Militärmacht 1988
- Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums

- 3 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Sonderdienst&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
23. Januar 1989&#13;
&#13;
BUSH:&#13;
&#13;
"DAS ZEITALTER DES TOTALITARISMUS IST VORÜBER"&#13;
.- Die Antrittsrede des neuen Präsidenten -&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�'&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - In seiner Antrittsrede vor dem Kapitol erklärte der&#13;
neue Präsident Bush am 20. Januar 1989, er übernehme die amerikanische Präsidentschaft in einem "Augenblick voller Hoffnung", in dem auf der ganzen Welt&#13;
ein "neuer Wind" in Richtung auf Demokratie und Freiheit weht.&#13;
&#13;
"Große Nationen der Welt bewegen sich auf Demokratie zu - durch das Tor&#13;
der Freiheit", erklärte Bush. "Die Menschen gehen weltweit auf freie Märkte&#13;
zu - durch das Tor des Wohlstands. Auf der ganzen Welt kämpfen Menschen für&#13;
Rede- und Gedankenfreiheit."&#13;
&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Antrittsrede Präsident Bushs im Wortlaut:&#13;
Herr Oberster Richter, Herr Präsident, Herr Vizepräsident Quayle,&#13;
Senator Mitchell, Herr Wright, Senator Dole, Herr Abgeordneter Michel,&#13;
liebe Mitbürger, Nachbarn und Freunde.&#13;
Es gibt einen Mann, der einen&#13;
festen Platz in unseren Herzen - und&#13;
in unserer Geschichte - verdient hat.&#13;
Präsident Reagan, im Namen unseres&#13;
Landes danke ich Ihnen für die Leistungen, ''ie Sie für Amerika vollbracht haben.&#13;
&#13;
wir uns heute an Washington erinnern,&#13;
nicht nur, weil 200 Jahre seit der&#13;
ersten Amtseinführung vergangen sind,&#13;
sondern weil Washington nach wie vor&#13;
Vater unseres Landes ist. Meiner Ansicht nach hätte ihn dieser Tag erfreut. Denn der heutige Tag ist konkreter Ausdruck einer überwältigenden&#13;
Tatsache: 200 Jahre Kontinuität seit&#13;
Anbeginn unserer ersten Regierung.&#13;
&#13;
Ich habe gerade wortwörtlich den&#13;
Eid wiederholt, den George Washington&#13;
vor 200 Jahren geleistet hat, auf&#13;
dieselbe Bibel, auf die er seinen Eid&#13;
geschworen hat.&#13;
&#13;
Wir treffen uns am Tor zur Demokratie.&#13;
Einem guten Ort, um als&#13;
Nachbarn und als Freunde miteinander&#13;
zu sprechen. Denn dies ist ein Tag,&#13;
an dem unsere Nation zu einem Ganzen&#13;
wird und unsere Meinungsverschiedenheiten einen Augenblick lang in den&#13;
Hintergrund treten.&#13;
&#13;
Es ist nur recht und billig, daß&#13;
&#13;
Meine erste Amtshandlung als Prä-&#13;
&#13;
�sident ist ein Gebet:&#13;
"Vater im Himmel, wir verneigen&#13;
uns vor Dir und danken Dir für Deine&#13;
Liebe.&#13;
Nimm unseren Dank für den&#13;
Frieden, der uns heute zuteil wird&#13;
und für den gemeinsamen Glauben, der&#13;
seine Bewahrung wahrscheinlich macht.&#13;
Gib uns Stärke für unsere Arbeit, die&#13;
Bereitschaft, Deinen Willen zu erkennen und zu befolgen und lege in unser&#13;
Herz diese Worte: 'Nutzet die Macht,&#13;
um den Menschen zu helfen.' Denn die&#13;
Macht wird uns nicht gegeben, um unsere eigenen Ziele zu verfolgen, uns&#13;
in der Welt damit zu brüsten und einen Namen zu machen. Es gibt nur ein&#13;
Ziel der Macht, und das besteht darin, den Menschen zu dienen. Herr,&#13;
hilf uns, dies im Gedächtnis zu bewahren. Amen."&#13;
Ich trete vor Sie und übernehme&#13;
die Präsidentschaft in einem Augenblick voller Hoffnung. Wir leben in&#13;
einer friedlichen Zeit des Wohlstands, die wir noch verbessern können.&#13;
Denn es weht ein neuer Wind, und&#13;
es scheint, daß eine durch Freiheit&#13;
erquickte Welt neu ersteht - denn zumindest in den Herzen der Menschen&#13;
ist die Stunde der Diktatur vorbei.&#13;
Das Zeitalter des Totalitarismus geht&#13;
vorüber, seine alten Ideen werden&#13;
weggefegt wie Blätter eines alten toten Baumes.&#13;
Es weht ein neuer Wind - und eine&#13;
durch Freiheit erquickte Welt ist zu&#13;
neuen Taten bereit: es müssen neue&#13;
Wege eröffnet und neue Taten vollbracht werden.&#13;
Es gibt Zeiten, wenn die Zukunft&#13;
im Nebel zu liegen scheint - man wartet untätig, in der Hoffnung, daß der&#13;
Nebel aufsteigen und den richtigen&#13;
Weg enthüllen wird.&#13;
Aber dies ist eine Zeit, in der&#13;
die Zukunft als ein Tor erscheint,&#13;
durch das man ungehindert gehen kann&#13;
- in einen Raum mit Namen "Morgen".&#13;
&#13;
Große Nationen der Welt bewegen&#13;
sich auf Demokratie zu - durch das&#13;
Tor der Freiheit.&#13;
Die Menschen gehen weltweit auf&#13;
freie Märkte zu - durch das Tor des&#13;
Wohlstands.&#13;
Auf der ganzen Welt kämpfen Menschen für Rede- und Gedankenfreiheit&#13;
- für die moralische und intellektuelle Erfüllung, die nur Freiheit&#13;
gestattet.&#13;
Wir kennen das Rezept: es heißt&#13;
Freiheit.&#13;
Wir wissen, was richtig&#13;
ist: die Freiheit. Wir wissen, wie&#13;
ein gerechteres Leben in Wohlstand&#13;
für alle Menschen auf der Welt gewährleistet werden kann: durch freie&#13;
Märkte, Redefreiheit, freie Wahlen&#13;
und die Ausübung freien, nicht durch&#13;
den Staat eingeschränkten Willens.&#13;
Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert - und vielleicht zum ersten Mal&#13;
in der Geschichte - muß der Mensch&#13;
kein neues Lebensmuster erfinden.&#13;
Wir müssen nicht nächtelang die bessere Regierungsform erörtern.&#13;
Wir&#13;
müssen nicht Königen Gerechtigkeit&#13;
abringen - wir müssen sie vielmehr&#13;
aus uns selbst schöpfen.&#13;
Wir müssen auf der Grundlage unseres Wissens handeln.&#13;
Mein Motto&#13;
ist die Hoffnung eines Heiligen: bei&#13;
entscheidenden Dingen Einigkeit, bei&#13;
wichtigen Dingen Vielfalt und in allen Dingen Großzügigkeit walten lassen.&#13;
Die Vereinigten Staaten von heute&#13;
sind ein stolzes, freies Land, anständig und zivilisiert - ein Ort, zu&#13;
dem wir uns hingezogen fühlen müssen.&#13;
Ohne viel Aufhebens darum zu machen,&#13;
erkennen wir intuitiv, daß dieses&#13;
Land eine Bedeutung jenseits des unmittelbar Wahrnehmbaren hat, und daß&#13;
unsere Stärke Gutes hervorbringen&#13;
wird.&#13;
Aber haben wir uns denn als Nation in dieser Zeit verändert? Stehen wir ganz im Bann materieller Din-&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�ge und haben wir weniger Achtung vor&#13;
der Würde von Arbeit und Opferbereitschaft/&#13;
Meine Freunde, wir sind nicht die&#13;
Summe unserer Besitztümer. An ihnen&#13;
wird unser Leben nicht gemessen. In&#13;
unserem Herzen wissen wir, was wichtig ist. Unsere Hoffnung kann nicht&#13;
nur darin bestehen, unseren Kindern&#13;
ein größeres Auto, ein größeres Bankkonto zu vererben. Wir müssen hoffen, ihnen einen Sinn dafür zu vermitteln, was es bedeutet, ein aufrichtiger Freund zu sein, ein liebender Elternteil, ein Bürger, der sein&#13;
Haus, sein Wohnviertel und seine&#13;
Stadt in besserem Zustand verläßt,&#13;
als er sie vorgefunden hat.&#13;
Was sollen die Männer und Frauen,&#13;
die mit uns arbeiten, sagen können,&#13;
wenn wir einmal nicht mehr sind? Daß&#13;
wir mehr von Erfolgstreben getrieben&#13;
waren als alle anderen um uns herum?&#13;
Oder daß wir innehielten, um zu fragen, ob es einem kranken Kind besser&#13;
geht und daß wir einen Augenblick&#13;
verweilten, um ein paar freundliche&#13;
Worte zu wechseln?&#13;
Kein Präsident, keine Regierung&#13;
kann uns lehren, woran wir uns in der&#13;
Zukunft als unserer größten Leistung&#13;
erinnern sollen. Aber wenn der Mann,&#13;
den Sie zur Führung dieser Regierung&#13;
gewählt haben, dazu beitragen kann,&#13;
etwas besser zu machen, wenn er die&#13;
stilleren, tiefgreifenderen Erfolge&#13;
feiern kann, die sich nicht in Samt&#13;
und Seide darstellen, sondern aus&#13;
besseren Herzen und Seelen bestehen,&#13;
wenn er dies tun kann, dann muß er&#13;
entsprechend handeln.&#13;
Die Vereinigten Staaten werden&#13;
ihrem Wesen nie vollkommen gerecht,&#13;
wenn sie sich nicht für hohe moralische Grundsätze engagieren.&#13;
Wir&#13;
als Volk haben heute solch ein Ziel.&#13;
Es besteht darin, das Antlitz der Nation gütiger zu gestalten und dem&#13;
Antlitz der Welt mehr Sanftmut zu&#13;
verleihen.&#13;
Meine Freunde, es liegt viel Ar-&#13;
&#13;
beit vor uns. Da sind Obdachlose,&#13;
die ziellos umherstreifen - da sind&#13;
Kinder, die nichts haben, keine Liebe&#13;
und kein normales Leben - da sind&#13;
diejenigen, die sich nicht aus der&#13;
Abhängigkeit von einer Sucht befreien&#13;
können - Drogen, Sozialhilfe, der Demoralisierung, die die Slums beherrscht. Das Verbrechen muß besiegt&#13;
werden, die rohe Gewalt auf den&#13;
Straßen. Es gibt junge, hilfsbedürftige Frauen, die Kinder zur Welt&#13;
bringen werden, für die sie nicht&#13;
sorgen und die sie vielleicht nicht&#13;
lieben können. Sie bedürfen unserer&#13;
Sorge, unserer Anleitung und unserer&#13;
Erziehung, auch wenn wir sie preisen,&#13;
weil sie das Leben gewählt haben.&#13;
Früher bestanden die Lösung und&#13;
der Weg dorthin in der Annahme, allein mit öffentlichen Geldern könnten&#13;
wir diesen Problemen ein Ende bereiten. Wir haben jedoch gelernt, daß&#13;
dies nicht der Fall ist. Und ohnehin&#13;
ist es so, daß die öffentlichen Kassen leer sind. Wir müssen das Defizit senken. Wir haben mehr Willenskraft als Geld, aber es ist der Wille, den wir brauchen.&#13;
Wir werden schwierige Entscheidungen treffen. Wir werden prüfen,&#13;
was wir haben, und dies dann vielleicht anders aufteilen. Wir werden&#13;
unsere Entscheidungen auf der Grundlage wirklichen Bedarfs und kluger&#13;
Sicherheitserwägungen treffen.&#13;
Schließlich werden wir das Vernünftigste tun: Wir werden uns der&#13;
einzigen Hilfsquelle zuwenden, die in&#13;
Zeiten der Not immer kräftiger sprudelt: die Güte und der Mut des amerikanischen Volkes.&#13;
Ich spreche von einer neuen Anteilnahme am Leben anderer - einem&#13;
neuen, engagierten und tatkräftigen&#13;
Aktivismus, mit dem die Aufgabe bewältigt wird. Wir müssen alle Generationen daran beteiligen, indem wir&#13;
die ungenutzten Fähigkeiten der Alteren und die ziellose Energie der Jugend einsetzen. Denn nicht nur die&#13;
Führung wird von Generation zu Gene-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ration weitergereicht, sondern auch&#13;
die Verwaltung. Und die Nachkriegsgeneration ist erwachsen geworden.&#13;
Ich habe von Tausenden Punkten&#13;
des Lichts gesprochen - von all den&#13;
Organisationen&#13;
der&#13;
verschiedenen&#13;
Gruppen und Gemeinschaften, die wie&#13;
Sterne über das ganze Land verteilt&#13;
sind und Gutes tun.&#13;
Wir werden Hand in Hand arbeiten,&#13;
Zuspruch&#13;
geben,&#13;
manchmal&#13;
führen,&#13;
manchmal geführt werden und belohnen.&#13;
Wir werden daran im Weißen Haus und&#13;
im Kabinett arbeiten. Ich werde auf&#13;
die Menschen zugehen und mein Augenmerk auf die Programme richten, die&#13;
sich von der Masse abheben, und ich&#13;
werde jedes Mitglied meiner Regierung&#13;
auffordern, sich zu engagieren.&#13;
Die Begriffe von früher sind wieder modern, weil sie nicht alt, sondern zeitlos sind:&#13;
Pflichtgefühl,&#13;
Opferbereitschaft,&#13;
Engagement&#13;
und&#13;
Patriotismus, der sich darin ausdrückt, daß man Anteil nimmt und&#13;
einen Beitrag leistet.&#13;
Auch zwischen Exekutive und Kongreß bedürfen wir eines neuen Engagements. Die vor uns liegenden Herausforderungen werden zusammen mit&#13;
Repräsentantenhaus und Senat bewältigt werden. Wir müssen das Defizit&#13;
im Bundeshaushalt ausgleichen.&#13;
Wir&#13;
müssen sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten der Welt gegenüber&#13;
einheitlich auftreten: stark, friedlich und mit soliden Finanzen. Sicherlich&#13;
mag&#13;
dies&#13;
im&#13;
einzelnen&#13;
schwierig sein.&#13;
Wir benötigen den Kompromiß, während es früher den Dissens gab. Wir&#13;
benötigen Harmonie, während es früher&#13;
einen Chor dissonanter Stimmen gab.&#13;
Denn auch der Kongreß hat sich in&#13;
unserer Zeit verändert.&#13;
Eine bestimmte Art der Auseinandersetzung&#13;
hat sich dort entwickelt. Wir haben&#13;
verhärtete Mienen gesehen und Erklärungen vernommen, in denen nicht die&#13;
Gedanken des anderen, sondern dessen&#13;
&#13;
Motive in Frage gestellt wurden. Unsere großen Parteien haben oft zu&#13;
weit auseinander gestanden und sich&#13;
gegenseitig&#13;
zuwenig Vertrauen geschenkt.&#13;
Das ist seit Vietnam der Fall.&#13;
Jener Krieg spaltet uns immer noch.&#13;
Aber, meine Freunde, dieser Krieg begann ernsthaft vor einem Vierteljahrhundert, und die Verjährungsfrist ist&#13;
sicherlich erreicht. Dies ist eine&#13;
Tatsache:&#13;
Die letzte Lektion von&#13;
Vietnam besteht darin, daß keine Nation es sich lange leisten kann, sich&#13;
von der Erinnerung entzweien zu lassen.&#13;
Es weht ein neuer Wind - und die&#13;
alte Überparteilichkeit muß erneuert&#13;
werden.&#13;
Meinen Freunden - und ich meine&#13;
Freunde -, in der loyalen Opposition&#13;
- und ich meine loyal - reiche ich&#13;
die Hand.&#13;
Ich reiche Ihnen die Hand, Herr&#13;
Wright.&#13;
Ich reiche Ihnen die Hand, Herr&#13;
Mitchell.&#13;
Denn darum geht es: Dies ist das&#13;
Zeitalter der ausgestreckten Hand.&#13;
Wir können und wollen die Uhren&#13;
nicht zurückdrehen. Aber als unsere&#13;
Väter jung waren, Herr Wright, endeten unsere Differenzen an den Landesgrenzen. Wir wollen die Zeit nicht&#13;
zurückdrehen, aber als unsere Mütter&#13;
jung waren, Herr Mitchell, waren Kongreß und Exekutive zur Zusammenarbeit&#13;
fähig und in der Lage, einen Haushalt&#13;
zustande zu bringen, mit dem diese&#13;
Nation leben konnte. Lassen Sie uns&#13;
bald - und intensiv - verhandeln.&#13;
Aber lassen Sie uns letztlich ein Ergebnis hervorbringen.&#13;
Das amerikanische Volk erwartet&#13;
Taten. Es hat uns nicht hierher entsandt, damit wir streiten. Es fordert uns auf, über rein parteipolitische Belange hinauszugehen.&#13;
In&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�entscheidenden&#13;
Angelegenheiten&#13;
ist&#13;
Einigkeit das Gebot der Stunde - und&#13;
dies, meine Freunde, ist eine solche&#13;
Stunde.&#13;
Auch der Welt bieten wir neues&#13;
Engagement und erneuern unser Gelöbnis: Wir werden stark bleiben, um&#13;
den Frieden zu bewahren. Die "ausgestreckte Hand" wird nur widerstrebend&#13;
zur Faust geballt; aber die einmal&#13;
geballte Faust ist stark und kann mit&#13;
großer Wirkung eingesetzt werden.&#13;
Es gibt Amerikaner, die heute gegen ihren Willen im Ausland festgehalten werden und Amerikaner, die&#13;
vermißt werden. Hier kann etwas getan werden, dessen man sich lange erinnert.&#13;
Guter Wille erzeugt guten&#13;
Willen. Vertrauen kann einer Spirale&#13;
vergleichbar s«in, die sich endlos&#13;
dreht.&#13;
Große Nationen müssen, wie große&#13;
Männer auch, ihr Wort halten. Wenn&#13;
die Vereinigten Staaten etwas sagen,&#13;
dann meinen die Vereinigten Staaten&#13;
das auch - ob es um einen Vertrag&#13;
geht oder eine Übereinkunft oder um&#13;
ein Versprechen, das auf Marmorstufen&#13;
abgelegt wird. Wir werden stets versuchen, uns klar und deutlich auszudrücken - denn Freimütigkeit ist etwas Positives. Aber auch Feinsinnigkeit hat ihre guten Seiten und ist&#13;
angebracht.&#13;
Während wir Bündnisse und Freundschaften rund um die Welt stärken,&#13;
werden wir die neue Nähe zur Sowjetunion beibehalten, die sowohl mit Sicherheitsbelangen als auch mit Fortschritten im Einklang steht.&#13;
Man&#13;
könnte sagen, daß unsere neuen Beziehungen zum Teil den Triumph von Hoffnung und Stärke über die Erfahrung&#13;
widerspiegeln.&#13;
Hoffnung&#13;
ist gut.&#13;
Aber dasselbe gilt für Stärke. Und&#13;
Wachsamkeit.&#13;
Heute sind Hunderttausende unserer Mitbürger hier versammelt, die&#13;
die verständliche Befriedigung derjenigen verspüren, die am demokratischen Prozeß teilgenommen und die&#13;
&#13;
Erfüllung&#13;
haben.&#13;
&#13;
ihrer&#13;
&#13;
Hoffnungen&#13;
&#13;
gesehen&#13;
&#13;
Aber in den vergangenen Tagen haben sich meine Gedanken denjenigen&#13;
zugewandt, die dem Geschehen zu Hause&#13;
vor dem Fernseher beiwohnen.&#13;
Dem älteren Mitbürger, der vor&#13;
der vorbeiziehenden Flagge salutiert&#13;
und der Mitbürgerin, die ihren Söhnen&#13;
den Text&#13;
der Nationalhymne vorspricht. Dies ist nicht sentimental&#13;
gemeint.&#13;
Ich meine, an Tagen wie&#13;
diesem sollten wir uns vor Augen führen, daß wir alle Teil eines kontinuierlichen Ganzen sind, unentrinnbar&#13;
in ein Geflecht eingebunden.&#13;
überall in unserem großartigen&#13;
Land verfolgen unsere Kinder in ihren&#13;
Schulen diese Zeremonie. Und an sie&#13;
gewandt sage ich: Ich danke euch,&#13;
daß ihr an diesem großen Tag der Demokratie teilnehmt. Denn Demokratie&#13;
steht uns allen zu, und Freiheit ist&#13;
einem&#13;
wunderschönen&#13;
Drachen&#13;
vergleichbar, der im Aufwind höher und&#13;
höher fliegen kann.&#13;
Und an alle gewandt, sage ich:&#13;
Gleichgültig, unter welchen Umständen&#13;
und an welchem Ort Sie auch sein mögen - Sie alle sind Teil dieses Tages, Sie alle sind Teil des Lebens&#13;
unserer großen Nation.&#13;
Ein Präsident ist weder Prinz&#13;
noch Papst und ich suche kein "Fenster in der Seele des Menschen". Ich&#13;
strebe vielmehr nach größerer Toleranz und Umkompliziertheit bei der&#13;
Begegnung mit dem anderen und dessen&#13;
Lebensstil.&#13;
Es gibt einige wenige, klar umrissene Bereiche, über die wir uns&#13;
als Gesellschaft einmütig empören und&#13;
in denen wir uns unnachgiebig zeigen&#13;
müssen. Der Offenkundigste ist das&#13;
Drogenproblem. Als das erste Kokain&#13;
auf einem Schiff ins Land geschmuggelt wurde, hätte es sich ebensogut&#13;
um tödliche Bakterien handeln können,&#13;
in dem Sinne, daß sie Körper und Seele unseres Landes angreifen.&#13;
Hier&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�bleibt viel zu tun und ich gebe Ihnen&#13;
mein Wort: Dieser Geißel wird ein&#13;
Ende bereitet.&#13;
Es bleibt also viel zu tun.&#13;
morgen nehmen wir die Arbeit auf.&#13;
&#13;
Und&#13;
&#13;
Ich habe Vertrauen in die Zukunft.&#13;
Ich fürchte mich nicht vor&#13;
dem, was vor uns liegt. Denn unsere&#13;
Probleme mögen groß sein, aber unsere&#13;
Herzen sind größer. Die Herausforderungen sind groß, aber unser Wille&#13;
ist größer. Und wenn wir auch unzählige Fehler haben mögen, so ist Gottes Liebe wahrhaft grenzenlos.&#13;
Einige sehen politische Führung&#13;
als ein großes Drama an und hören die&#13;
Fanfarenstöße. Und manchmal ist das&#13;
auch so. Aber ich sehe die Geschichte als ein Buch mit vielen Seiten an&#13;
- und jeden Tag füllen wir eine Seite&#13;
mit Taten voller Hoffnung und Bedeutung.&#13;
Es weht ein neuer Wind, eine Seite wird aufgeschlagen, die Geschichte&#13;
entfaltet sich vor uns - und so beginnt heute ein neues Kapitel: eine&#13;
kurze und erhabene Geschichte der&#13;
Einheit, Mannigfaltigkeit und Großmütigkeit - gemeinsam erlebt und geschrieben.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
Gott&#13;
schütze&#13;
Sie.&#13;
Und Gott&#13;
schütze die Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>Amerikadienst 23.01.1989 - Sonderdienst</text>
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                <text>Bush: "das Zeitalter des Totalitarismus ist vorüber"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Antrittsrede des neuen Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

c&amp;

25. Januar 1989

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz: Die Welt tritt In eine Phase der Hoffnung ein
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien

Baker nennt fünf wichtige Veränderungen in der Welt
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

INFORMATION

Mulford neuer Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten
im Finanzministerium
- Porträt von David C. Mulford -

Gelb bringt langjährige Erfahrung aus dem Privatsektor mit zu USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation

4

25. Januar 1989
SHULTZ: DIE WELT TRITT IN EINE PHASE DER HOFFNUNG EIN
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien -

WIEN - (AD) - Außenminister Shultz zufolge "tritt die Welt in eine Phase
großer Hoffnung ein, in der die Gefahr eines Krieges durch Beendigung von Expansionismus und durch Abrüstungs- und Rüstungskontrollprozesse gebannt werden
kann".
In seiner Rede vor der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Wien am 17. Januar 1989 erklärte Shultz ferner, dies sei eine
Phase "der Chancen für jene Länder, die zur Unterstützung und Erweiterung eines offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen wie
der Verbreitung chemischer Waffen, Terrorismus und Drogenhandel unabdingbar
ist".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenminister Shultz im
Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Die heutige Wiener Konferenz findet im Anschluß an eine Reihe von
Treffen statt, die ihren Ausgangspunkt in Helsinki hatten. In Helsinki haben unsere Regierungen zum
ersten Mal das Versprechen abgelegt,
die Verpflichtungen gegenüber anderen
Ländern und gegenüber unseren Völkern
zu erfüllen - Verpflichtungen, die
darauf abzielen, ein Europa mit mehr
Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu
schaffen.
Glücklicherweise
haben
unsere
Bürger - in Zeiten der Spannungen,
Unstimmigkeiten und Enttäuschungen an der in Helsinki angekündigten
vielversprechenden Vision der Zukunft
festgehalten. Und durch ihr Verhalten haben sie dieses Versprechen zu
einer positiven Kraft des Wandels ge-

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Embassy of the United States of America

macht. Dieser Prozeß hat dazu beigetragen, die Zukunft Europas zu gestalten.
Das von uns hier in Wien verabschiedete Dokument ist bis heute der
umfassendste Ausdruck der in Helsinki
festgelegten
Prinzipien.
Es fügt
dem, was Präsident Reagan in seiner
Rede in der Finlandia Halle im vergangenen Frühjahr als "einen Wegweiser durch den Dschungel gegenseitiger
Feindseligkeit" bezeichnet hat, eine
neue Dimension hinzu.
Ein weiter Weg liegt jedoch noch
vor uns. Die KSZE kann nur Erfolg
haben, wenn wir uns mit den Realitäten auseinandersetzen, die uns nach
Helsinki, Belgrad, Madrid und Wien
geführt haben.

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Telex: 8-85432

�Wir leben noch immer mit dem Vermächtnis des Kalten Krieges. Er war
keine Überraschung. Es war das Ergebnis von Versuchen, den Völkern
Osteuropas mit Gewalt ein politisches
System
aufzuzwingen:
Grenzen
zu
schließen,
Volkswirtschaften
abzuschotten, den Informationsfluß zu unterbinden, die Freiheit der eigenen
Entscheidung zu verweigern.

durch Versprechen erzielt werden.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der KSZE von Anfang
an die zentrale Bedeutung der Durchführung betont.

Die Folgen dieser Politik sind
noch immer spürbar:
die gesellschaftliche und politische Teilung
Europas, die Militarisierung der OstWest-Beziehungen, der Aufbau zweier
diametral
entgegengesetzter
Wirtschaftssysteme sowie das Entstehen
zweier absolut gegensätzlicher Arten
politischer
und
gesellschaftlicher
Organisation - eine, in der der Bürger vom Staat beherrscht und die andere, in der die Staatsgewalt vom
Bürger definiert und gelenkt wird.

Europa ist heute über den gesamten Kontinent hinweg sehr viel offener als zu der Zeit, als wir uns im
November 1986 zum ersten Mal in Wien
versammelten.

Dennoch tritt die Welt in eine
Phase großer Hoffnung ein, in der die
Gefahr eines Krieges durch Beendigung
von Expansionismus und durch die Abrüstungs- und RUstungskontrollprozesse abgebaut werden kann. Eine Phase
der Chancen für jene Länder, die zur
Unterstützung und Erweiterung eines
offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur
Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen
wie der Verbreitung chemischer Waffen, Terror!smus und Drogenhandel unabdingbar ist.

Wenn die Durchführung das Kernstück des gesamten KSZE-Prozesses
bildet, so ist Offenlegung seine
Triebfeder.

In den zwei Jahren der Wiener
Treffen hat sich das Bild der Sowjetunion und einiger Länder des Ostblocks in bedeutender Hinsicht positiv gewandelt.
Aber es gibt noch
dunkle Bereiche, die vom Licht der
Offenheit noch nicht erhellt worden
sind.
- Das Stören von Rundfunksendungen
wurde beendet. Heute können alle
Bürger unterschiedliche Meinungen
hören und für sich selbst entscheiden, welche der Wahrheit
entspricht. Unser Schlußdokument
verpflichtet uns alle, den Äther
beständig offenzuhalten.
Warum
jetzt nicht noch einen Schritt
weitergehen und alle bestehenden
Störeinrichtungen beseitigen.

Wiens Vermächtnis der Offenlegung

- In der Sowjetunion haben sich die
Gefängnistore für über 600 politische Gefangene geöffnet, einschließlich der Mitglieder der
KSZE-Beobachtergruppe; Minderheiten, Dissidenten und Gläubige
können ihre Rechte freier wahrnehmen und erzielen in einigen
Fällen Fortschritte. Andere jedoch werden immer noch unterdrückt oder ungerechterweise für
die Inanspruchnahme ihrer Rechte
festgenommen.
Wir dürfen sie
nicht vergessen.

Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen müssen durch Taten, nicht
durch Worte, durch Leistung und nicht

- Neue Offenheit besteht in größerer Rede- und Versammlungsfreiheit in den Ländern, wo diese

Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir in eine Phase eintreten, in der
die Wahrung der Menschenrechte Fortschritte macht - in der allen klar
wird, daß der Vorrang des einzelnen
und die Achtung seiner fundamentalen
Freiheiten
Merkmal
aller
erfolgreichen Gesellschaften bedeutet.

�Grundrechte
bisher
verweigert
wurden. Wir begrüßen die gegenwärtig zu verzeichnenden Fortschritte in Ungarn, Polen und der
Sowjetunion, von denen wir mehr
zu sehen hoffen. Dennoch bedauern wir die Zurückhaltung der
Deutschen
Demokratischen
Republik, Rumäniens, Bulgariens und
der Tschechoslowakei, die keine
ähnlichen
Schritte
unternommen
haben.
- Erst am Sonntag, eine Stunde nach
der Verabschiedung
der Wiener
Schlußakte und in direkter Verletzung der gerade feierlich von
der tschechoslowakischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen
wurden
Teilnehmer
einer
friedlichen Demonstration in Prag
von der Polizei mit Schlagstökken, Tränengas und Wasserwerfern
traktiert.
Berichten
zufolge
wurden 91 Demonstranten festgenommen.
- Und am gleichen Tag - dem Tag der
Verabschiedung der Wiener Schlußakte - erhalten wir Kenntnis davon, daß die Behörden der DDR 190
aktive Verfechter der Menschenrechte bei einer Demonstration in
Leipzig festgenommen haben. Die
meisten von ihnen scheinen ebenso
wie in Prag freigelassen worden
zu sein. Aber gestern abend waren einige von ihnen noch in Haft
- in krassem Wiederspruch zu der
fast zur gleichen Zeit in internationalem
Rahmen
abgegebenen
feierlichen Erklärung.
- In Rumänien werden die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen wie auch die politischen
und bürgerlichen Rechte aller
Bürger in entmutigendem Ausmaß
untergraben. Und sowohl in Rumänien als auch in Bulgarien sind
Minderheiten von der staatlichen
Politik der jüngsten Zeit besonders stark betroffen.
- Es gibt mehr Offenheit in bezug
auf verbesserte Beweungsfreiheit
- 3 -

der Menschen.
Im vergangenen
Jahr sind mehr als sieben Millionen DDR-Bürger in den Westen gereist, und mehr als fünf Millionen Bundesbürger besuchten die
DDR - Rekordzahlen auf beiden
Seiten. Darüber hinaus sind uns
vorliegenden Informationen zufolge
im vergangenen Jahr etwa
77 000 Menschen aus der Sowjetunion ausgewandert und viele andere - darunter Andrej Sacharaow
durften ins Ausland reisen.
Dennoch streben wir immer noch
nach vollständiger Verwirklichung
des Rechts auf Bewegungsfreiheit
in allen Unterzeichnerstaaten des
Ostblocks.
- Die vollständige Verwirklichung
der von uns eingegangenen Verpflichtungen, jedem das Recht
"auf Verlassen seines Landes" zuzugestehen, wird in den nächsten
Jahren zu einem offeneren Europa
führen. Wir haben uns dabei auf
vernünftige Fristen für die Entscheidungen über Reiseanträge ins
Ausland geeinigt. Und die Unterzeichnerstaaten sind übereingekomen, die Häufigkeit und Willkür
der Verweigerung von Reisen aus
Sicherheitsgründen einzuschränken.
- Wir erwarten, daß bei der Durchführung der Wiener Verpflichtungen zur "schnellen und ungehinderten" Postzustellung und den
Verpflichtungen, die den Respekt
vor der Vertraulichkeit und Integrität von Post- und Fernmeldeverkehr garantieren, zu größerer
Offenheit ermutigt wird.
- Und die Offenheit des Wiener
Treffens selbst - ein Tribut an
unsere österreichischen Gastgeber
wie auch an den KSZE-Prozeß sollte Vorbildcharakter für das
Verhalten bei künftigen Zusammenkünften haben. In der Schlußakte
von Wien verpflichten sich alle
Gastgeberländer - Frankreich, Dänemark, die Sowjetunion, Malta,
Polen, Großbritannien, Spanien,
Bulgarien, Österreich, die Bun-

�desrepublik Deutschland und Finnland
ausländischen
Journalisten, nicht-staatlichen Organisationen und einzelnen Bürgern
Zugang zu gewähren und ihren Bürgern den ungehinderten Umgang mit
Delegierten und Besuchern zu gestatten.
Insgesamt ist die von uns hier in
Wien so eindeutig und laut erhobene
einhellige Forderung nach Einhaltung
und Offenheit stärker geworden und
hat einen Wandel zum Besseren besiegelt, einen Wandel, der den Alltag
von Millionen von Menschen, ihre
Hoffnungen, Rechte und ihre Zukunft,
unmittelbar
betreffen
wird.
Das
Schlußdokument von Wien, zu dessen
vollständiger Veröffentlichung sich
all unsere Regierungen verpflichtet
haben, kann - wie bereits die Schlußakte von Helsinki - ein Motor für
fortgesetzte Veränderungen sein.

Kein Ende, ein Anfang
Aus diesem Grund bezeichnet das
Wiener Treffen nicht das Ende unserer
Reise seit Helsinki, sondern vielmehr
einen neuen Anfang.
Der berühmte
amerikanische Dichter Robert Frost
hätte auch Wien meinen können als er
seine Heimat Neuengland beschrieb:
"The woods are lovely, dark and
deep, but we have promises to keep,
and miles to go before we sleep, and
miles to go before we sleep."
Es ist noch ein langer Weg bis
zur Erlangung echten Friedens in Europa - eines dauerhaften Friedens,
der sich auf Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit
und
die
Integrität
freier und souveräner Staaten gründet. Es ist eine Herausforderung für
uns, so weit zu gehen. Was wir hier
in Wien getan haben, ist ein Zeichen
dafür, daß wir diese Herausforderung
wirklich annehmen wollen.
Die in Wien anerkannte umfassende
Tagesordnung zu den Menschenrechten
Ist ein wichtiges Zeichen für unseren
Neubeginn.

Wien steht auch für einen weiteren neuen Anfang - die Aufnahme wichtiger
Rüstungskontrollverhandlungen
über konventionelle Waffen. In einigen Wochen wird die 35 Teilnehmer umfassende Folgekonferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen die Arbeit der Stockholmer Konferenz fortführen, die das Konzept der
Offenheit im militärischen Bereich
ins Leben gerufen hat.
Darüber hinaus werden 23 unserer
Staaten unabhängige Verhandlungen im
Rahmen des KSZE-Prosesses aufnehmen,
die Stabilität bei den konventionellen Streitkräften in Europa zum Ziel
haben.
Zwischen Wien und Helsinki im
Jahr 1992 wird eine Reihe von Treffen
geben, die Bereiche der Kooperation
zwischen Ost und West - oder anhaltende
Meinungsverschiedenheiten
aufdecken können: im Informationswesen, der Wirtschaft, Umwelt, dem Mittelmeer, Kultur, bei der friedlichen
Beilegung von Konflikten und - was am
wichtigsten ist - bei den Menschenrechten. Das Wiener Treffen hat einen Mechanismus geschaffen, der es
allen Ländern ermöglicht, jederzeit
alle Menschenrechtsfragen mit jedem
anderen Land zu erörtern.
Dieser
Mechanismus wird zusammen mit den
Treffen in Paris, Kopenhagen und
Moskau einen anhaltenden Prozeß der
Überprüfung von Menschenrechtsfragen
ergeben.
Darüber hinaus wird der KSZE-Prozeß weiterhin eine bedeutende Rolle
spielen, da er die Lage in Europa widerspiegelt und mitbestimmt. Eigeninitiative, Erfindungsgabe, der freie
Fluß von Informationen und Ideen und
Freizügigkeit sind Qualitäten, mit
denen die einzelnen Staaten am besten
die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zukunft bewältigen können.
Dies sind die Ideale der Schlußakte
von Helsinki. Der Erfolg des KSZEProzesses wird daran gemessen werden,
wie gut diese Ideale in das internationale Beziehungsgeflecht eingebunden werden.

�Bereits
heute
beobachten
wir
Schritte in die richtige Richtung.
Heute wird die Behauptung, daß in unserer zunehmend interdependenten Welt
nationale Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein gemessen,
geschweige denn vollständig erreicht
werden kann, weit häufiger akzeptiert. Mit militärischer Macht läßt
sich eine bestimmte Art von Frieden
sichern, aber es ist ein Friede ohne
Seelenfrieden.
Und
überwältigende
militärische Stärke bringt keine dauerhafte Sicherheit, wenn sie zu Lasten internationaler Spannungen geht
und mit großen Kosten für das nationale Wachstum verbunden ist. Erst
vor wenigen Wochen hörte wir Generalsekretär Gorbatschow vor uen Vereinten Nationen sagen, daß "der einseitige Rückgriff auf militärische Macht
letztlich andere Komponenten der nationalen Sicherheit schwächt".
Ferner ist man zunehmend zu der
Erkenntnis gelangt, daß die Freisetzung von Marktkräften und menschlicher Kreativität die wahre Grundlage für dauerhaften Wohlstand und nationalen Erfolg bildet. Unser Vertrauen in die Lebenskraft freier Gesellschaften und offener Märkte ist
stark und fest in unseren eigenen Erfahrungen und unseren Beobachtungen
der Erfahrungen anderer verankert.

Die anhaltende Herausforderung der
Durchführung
In meinem Amt als Außenminister
kam ich vor sechs Jahren zum ersten
Mal nach Europa. Ich kam als Freund
Europas, als jemand, der an die Größe
Europas glaubte. Nach diesem, meinem
letzten offiziellen Besuch werde ich
überzeugter als je von dier-er Ansicht
nach Kalifornien zurückkehren.
Söhne und Töchter Europas haben
mein Land gegründet und eine Gesellschaft auf von Locke, Montesquieu und
Rousseau abgeleiteten Ideen aufgebaut.
Tatsächlich war die Distanz
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa niemals sehr groß und wir wa-

ren ihm niemals näher als heute. Geschichte, Sprache und Traditionen
bilden ein gemeinsames Band - ein
Band, das jedes der hier vertretenen
Länder mit allen anderen verbindet.
Vor allem jedoch ist es die Macht der
demokratischen Ideen - Ideen, die vor
200 Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Widerhall fanden und
die Welt auf den Kopf stellten - die
unsere Völker auch weiterhin vereinen
und Europas Bestimmung die Richtung
weisen.
Als ich im Jahr 1986 anläßlich
der Eröffnungssitzung dieser Konferenz eine Rede hielt, blickte ich in
die Zukunft zu dem Tag, an dem alle
Völker der KSZE-Gemeinschaft an dem
Geist der Offenheit und Kreativität
teilhaben würden - dem Tag, an dem
alle sich an der Freisetzung geistiger und gesellschaftlicher Energie
beteiligen könnten. Durch die Arbeit
dieser Konferenz sind wir glaube ich
dem von mir beschriebenen Tag ein
Stück näher gekommen - nicht einfach
durch den Lauf der Zeit, sondern weil
wir den Abstand zwischen Versprochenem und Geleistetem, zwischen Wort
und Tat, verkürzt haben. Es bleibt
aber noch eine große Distanz zu überbrücken.
Ich möchte Sie noch einmal an die
großen Worte Puschkins erinnern, der
im Jahr 1703 schrieb, Peter der Große
habe "ein Fenster nach Europa" aufgestoßen. Dieses Bild trifft auch auf
die in Wien geleistete Arbeit zurück.
Der KSZE-Prozeß hat dazu beigetragen,
Fenster und Türen des Verständnisses
sowie hilfreiche Kommunikationswege
zu öffnen.
Für viele Männer und
Frauen hat er dazu beigetragen, das
Tor zur Freiheit aufzustoßen.
Wir
müssen diesen Prozeß der Offenheit in
beide Richtungen
fortsetzen.
Wir
wissen, daß noch viele Schranken zwischen Ost und West durchbrochen werden müssen - ob dies physische
Schranken wie die Berliner Mauer,
starre Wirtschaftssysteme, entmutigende bürokratische Hemmnisse gegen
Freizügigkeit und Redefreiheit oder
starre Denkgewohnheiten sind.

- 5 -

�Ich möchte Ihnen einige persönliche Gedanken über die KSZE vortragen. Während meiner Amtszeit bin ich
zu diesen Sitzungen gereist und habe
mich an deren Rand mit Kollegen getroffen. Und wo immer ich sonst hingereist bin - zu den Vereinten Nationen oder anderen Orten in der Welt,
nicht nur in Europa - habe ich Menschen kennengelernt, die auf die eine
oder andere Weise an diesem Prozeß
teilhaben
und
interessiert
sind.
Diejenigen, mit denen ich zusammentraf, teilten die Haltung meines Landes zu tagespolitischen Problemen
nicht immer.
Ohne das Bindeglied
KSZE hätte es für uns weder einen Anlaß für ein Treffen gegeben noch irgendeine gemeinsame Grundlage für ein
Gespräch.
Die KSZE lieferte jenes
erste verbindende Band, daß die Konversation erleichterte.
Dies war gewiß der Fall, als
Außenminister Schewardnadse und ich
zum ersten Mal zusammentrafen. Wie
Sie sich vielleicht erinnern, begegneten wir uns während des 10. Jahrestages der KSZE-Schlußakte.
Meine
Frau und ich beschlossen, daß wir die
Schewardnadses als Menschen kennenlernen müßten, unabhängig von unseren
politischen Meinungsverschiedenheiten.
Wahrscheinlich waren sie derselben Meinung. Wir haben unsere jeweiligen Kinder und Enkelkinder kennengelernt - mit anderen Worten: unsere
gemeinsame Zukunft. Dieser zwischenmenschliche Kontakt verkörpert in
vieler Hinsicht den Wesensgehalt des
KSZE-Prozesses. Die KSZE half uns
also dabei, den Stein ins Rollen zu
bringen und konstruktive Arbeit zu
leisten. Seit jenem Tag waren wir
nicht immer einer Meinung, aber wir
haben uns immer engagiert. Ich bin
sicher, daß Sie alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ferner glaube
ich, daß die von der KSZE gebotenen
Chancen für diese einzigartige Art
zwischenmenschlicher
Kontakte
ein
weiterer wichtiger Grund dafür sind,
daß dieser Prozeß so nützlich ist.

Im Verlauf der Wiener Konferenz
haben
Bevölkerung
und
Regierung
Österreichs uns allen Grund gegeben,
uns hier willkommen zu fühlen. Ihre
Gastfreundschaft hat uns viele Gelegenheiten beschert, miteinander zu
arbeiten und uns in einer Atmosphäre
besonderer Herzlichkeit kennenlernen
zu können.
Im Namen des amerikanischen Volkes und von Präsident
Reagan möchte ich dem Volk und der
Regierung von Österreich aufrichtig
danken.
Wenn wir uns nun den neuen Herausforderungen, die wir in Wien definiert haben, stellen, befindet sich
meine Regierung in einer Periode des
demokratischen Wechsels und der Erneuerung. Doch ich kann allen heute
hier Versammelten versichern, daß der
neue Präsident Bush, seine Regierung
und das amerikanische Volk in den
kommenden Jahren eine aktive und konstruktive Rolle in diesem Prozeß
spielen werden.
Wie von Anfang an, werden die
Vereinigten Staaten auch weiterhin
auf den Tag hinarbeiten, an dem endlich jenes große Ziel des KSZE-Prozesses verwirklicht ist - den Tag, an
dem Europa frei, sicher, offen und
ungeteilt sein wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

^

Dokumentation

Ä&lt;

25. Januar 1989

BAKER NENNT FÜNF WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IN DER WELT
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Außenminister der Vereinigten Staaten, James Baker, zufolge vollziehen sich weltweit gegenwärtig fünf bedeutende
Veränderungen: eine demokratische Revolution, die Ausbreitung des freien Unternehmertums, wirtschaftspolitische Experimente in den kommunistischen Staaten, technologische Fortschritte im Bereich der Information und Kommunikation
sowie neue militärische Tendenzen.
In der Anhörung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats, der über die Bestätigung Bakers als Außenminister zu befinden hat, bezeichnete Baker am 17.
Januar 1989 amerikanische Werte und Ideale wie "Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Achtung der Menschenwürde, Fairplay" als Grundlage und "einzig
sichere Leitlinie für diesen Wandel".
Die Ausführungen Bakers haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder!
Es ist mir eine Ehre, als der vom
neuen Präsidenten Bush für das Amt
des Außenministers Nominierte vor Ihnen zu sprechen.
Ich danke Ihnen
ferner für Ihre Bereitschaft, diese
Anhörungen noch in der Ubergangsphase
zu veranstalten. Jede Administration
möchte einen fliegenden Start, anstatt zunächst in den Startlöchern zu
bleiben.
An diesem Freitag (20. Januar)
wird ein npuer Präsident sein Amt antreten. Er wird ein Land regieren,
das sich von dem, wie wir es noch zu
Beginn dieses Jahrzehnts kannten, erheblich
unterscheidet.
Als sich
George Bush zum ersten Mal um die

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Embassy of the United States of America

Präsidentschaft bewarb, wurden die
amerikanischen Institutionen und Werte in Frage gestellt. In den vergangenen acht Jahren haben wir sie bekräftigt. Als Ergebnis dessen wurde
unsere Nation sowohl nach innen wie
nach außen wesentlich gestärkt. Dafür schulden wir Außenminister Shultz
und zuallererst Präsident Reagan unseren Dank.
Das Vermächtnis der Reagan-Ara
ist ein kraftvolleres Amerika. Wir
haben bewiesen, daß unser Präsident
führen kann, unsere Regierung funktioniert und Fortschritte möglich
sind. Die Kreativität des Einzelnen
und die Achtung seiner Rechte - die
Prüfsteine der Demokratie - erleben
einen neuen Aufschwung.

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�Ein Teil dieser Lebenskraft spiegelt sich in den internationalen Entwicklungen unserer Zeit wider. Bei
unserem mächtigster Gegner, der die
noch vor einem Jahrzehnt so aggressiven Sowjetunion vollzieht sich eine
ideologische Gewissenserforschung von
historischem Ausmaß. Regionale Konflikte, die lange Zeit als unlösbar
galten - zum Beispiel in SUdwestasien
und im südlichen Afrika -, sind mit
Hilfe der kreativen amerikanischen
Diplomatie ihrer Lösung ein Stück näher gerückt. Die von der längsten
wirtschaftlichen Aufschwungphase der
Geschichte in den Vereinigten Staaten
angetriebene Weltwirtschaft hat neue
Hoffnung auf Fortschritte geweckt.

Eine Welt im Wandel
Diese Entwicklungen
sind symptomatisch für die großen Veränderungen und Herausforderungen, denen wir
uns im kommenden Jahrzehnt stellen
müssen. In unserer Welt vollziehen
sich fünf bedeutende Veränderungen:
Erstens, die demokratische Revolution: In Lateinamerika haben viele
Staaten unlängst die Demokratie errungen oder bemühen sich darum, während sich in Asien die Philippinen
und Südkorea den Demokratien zugesellt haben. Viele dieser jungen Demokratien sind noch nicht gefestigt.
Ihre Institutionen benötigen Zeit, um
Wurzeln zu schlagen, und der Erfolg
ist nicht sicher. Wir wissen ferner,
daß, diese Forderungen nach Freiheit
- wenn überhaupt - nicht immer friedlich gewährt werden, obwohl Millionen
von Menschen in anderen Ländern freie
politische Institutionen fordern.
Zweitens, die Ausbreitung des
freien Unternehmertums: freie Märkte
und
Privatinitiative
sind
neue
Schlüsselbegriffe
der
wirtschaftlichen Entwicklung - weil sie in der
Praxis funktionieren. Der klassische
Sozialismus und Varianten staatlich
gelenkter Wirtschaft sind in Mißkredit geraten. Insbesondere die Staaten des pazifischen Beckens haben be-

wiesen, wie das Modell des freien Unternehmertums in Entwicklungsländern
erstaunlich gut funktioniert, nicht
nur in gereiften Volkswirtschaften.
In vielen Regionen werfen Probleme
der Verschuldung, großer Ungleichgewichte im Handel sowie protektionistischen Drucks einen Schatten auf diese Fortschritte und bedrohen die Zukunft.
Drittens, Veränderungen in der
kommunistischen Welt: Praktisch jede
kommunistische Regierung experimentiert heute mit einst als Häresie
verschrienen
wirtschaftspolitischen
Ideen, darunter auch Marktwirtschaft.
Die Krise der kommunistischen Systeme
ist deren eigenem Eingeständnis zufolge wesentlich tiefgreifender. Politische Veränderungen, insbesondere
die Forderung nach freieren Institutionen, stehen auf der Tagesordnung
ganz oben.
Trotzdem steht nicht
fest, daß die Reformen erfolgreich
sein oder zur Demokratie führen werden.
Viertens, technologischer Fortschritt: Rasche Fortschritte in der
Informations- und Kommunikationstechnologie haben dazu beigetragen, eine
Weltwirtschaft zu schaffen, Zeit und
Raum ihre Bedeutung zu nehmen und die
traditionellen Grenzen des Nationalstaats zu überwinden. Es ist jetzt
bereits klar, daß in der Weltwirtschaft von heute die Binnenwirtschaftspolitik nicht mehr unabhängig
von ihren internationalen Auswirkungen betrachtet werden kann. Es steht
jedoch noch nicht fest, daß wir die
Zusammenarbeit, die wir benötigen,
erreichen werden. Auf unfairem Verhalten
beruhende
Handelsvorteile
könnten ferner verstärkt zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen und
letztlich zu einer Zunahme des Protektionismus führen.
Fünftens, neue militärische Tendenzen: der sich auf die Weltwirtschaft
auswirkende
technologische
Wandel verändert ebenso die militärstrategischen
Beziehungen.
Präzisionsfeuer leittechnologien
gestatten

�es den konventionellen Waffen von
heute, Ziele zu zerstören, die in der
Vergangenheit hauptsächlich den Kernwaffen zugewiesen wurden. Die Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative untersuchen das Potential zur Veränderung der künftigen Zusammensetzung
von Offensiv- und Defensivpotential.
Wir müssen die Auswirkungen dieser
Veränderungen auf Abschreckung und
Rüstungskontrolle
weiterhin
untersuchen.
Es gibt einen weiteren, zu größerer Besorgnis Anlaß gebenden Gesichtspunkt der neuen militärischen
Tendenzen. Eine gefährliche Verbreitung von Spitzentechnologie hat eingesetzt. Während wir gerade im Begriff sind, einige Kernwaffen zu kontrollieren oder zu beseitigen, sind
chemische Gefechtsköpfe und ballistische Raketen Regierungen und Gruppen
in die Hände gefallen, die sich erwiesenermaßen der Aggression und des
Terrorismus schuldig gemacht haben.

Die Gegensätze unserer Zeit und
unsere Haltung
Diese fünf Wandlungsprozesse konfrontieren uns mit einer Reihe von
Gegensätzen und Paradoxen. Wir könnten zu einer zunehmend demokratischen
Welt gelangen oder - sollten die neuen, noch ungefestigten Demokratien
scheitern - die Sache der Demokratie
könnte zurückgeworfen werden.
Die
Weltwirtschaft könnte weiter wachsen
oder der Wettbewerbsdruck könnte zu
Protektionismus und miteinander rivalisierenden Handelsblöcken führen
letztlich zum Nachteil aller Beteiligten. Ein vernünftig durchdachter
Ansatz des Atlantischen Bündnisses
könnte die mit der Sowjetunion erreichten Fortschritte weiter ausbauen.
Oder diese Chance könnte aufgrund von beiderseits des Eisernen
Vorhangs gemachten Fehlern vertan
werden. Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräfteniveaus herbeiführen. Oder wir könn-

ten auf ein neues und dunkleres Zeitalter zusteuern, wenn es uns nicht
gelingt, der Verbreitung von Waffen
Einhalt zu gebieten, mit denen Staaten - insbesondere in politisch instabilen Regionen - an den Rand eines
Krieges getrieben werden.
Ich bitte um Ihre Bestätigung als
Außenminister.
Es ist deshalb nur
billig und recht, daß ich Ihnen - so
gut ich kann - über meine Haltung zu
dieser Welt der Herausforderungen und
Gegensätze Auskunft gebe.
Während meiner juristischen Ausbildung las ich in einer Vortragssammlung von Richter Benjamin Cardozo
mit dem Titel "Der Charakter des juristischen Prozesses". Ich erinnere
mich daran, wie ich von seiner Beobachtung gefesselt wurde, daß "jedem
von uns eine Tendenz innewohnt, ob
man es nun Philosophie nennen möchte
oder nicht, die unseren Gedanken und
Handlungen Kohärenz und Richtung verleiht".
Einige haben meine Philosophie als "pragmatisch" bezeichnet.
Ich gebe zu, daß Etikette irreführend
sein können - tatsächlich bin ich ein
texanischer Republikaner, die ja alle
konservativ sind. Ich bin jedoch mit
dem Etikett Pragmatismus einverstanden, wenn Sie damit meinen, daß man
die Welt realistisch betrachtet und
es als wichtig empfindet, Aufgaben zu
erfüllen.
Mein Ziel besteht nicht darin,
die Welt zu verstehen um sie zu akzeptieren, sondern sie zu verstehen,
um sie zu verändern, wo dies nötig
ist - manchmal mit großen, häufig gezwungenermaßen mit kleinen Schritten,
aber immer nach vorn gerichtet. Die
einzig sichere Leitlinie für solche
Veränderungen ist der Kompaß der amerikanischen Ideale und Werte - Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung,
Achtung der Menschenwürde, Fairplay die Prinzipien, denen ich treu bin.
Ich glaube an die Freiheit des
Einzelnen, weil sie ein von Gott gegebenes Recht und die Quelle menschlicher
Schöpfungskraft
ist.
Die

- 3-

�Gründer unseres Landes erkannten, daß
diese Freiheit am besten durch eine
begrenzte Regierung bewahrt wird das System der "checks and balances",
das immer noch den Rahmen für unseren
Erfolg liefert. Teil dieses Systems
ist eine dezentralisierte Regierung,
eine volksnahe Regierung, eine Regierung des Volkes. Ich möchte des weiteren argumentieren, daß wirtschaftliche Freiheit, das System der freien
Marktwirtschaft,
ein
unerläßlicher
Bestandteil
dieses
Rahmens
ist.
Schließlich und zuallererst bin ich
wie Lincoln der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in der Welt eine besondere Rolle haben, einen besonderen
Beitrag leisten müssen - wie er es
ausdrückte "die letzte, beste Hofnung
der Erde".

Führung und Überparteilichkeit
Mein Sinn für Realismus, meine
Einschätzung des Trends, sagen mir,
daß wir Fortschritte zu diesen Idealen erzielen können, wenn wir bei
zwei Fragen fest bleiben.
Die erste ist die Notwendigkeit
amerikanischer Führung. Als Finanzminister sprach ich vor einigen Jahren von der "Wahl" der Führung - aber
tatsächlich gibt es keine Wahl. Als
mächtigste Demokratie, größte Wirtschaft, reichste Gesellschaft und
größte Ansammlung wissenschaftlicher
Talente werden wir - bewußt oder unbewußt - die Zukunft in erheblichem
Maße beeinflussen. Wir können eine
Kraft für Freiheit und friedlichen
Wandel sein, die mit keiner anderen
Kraft der Welt zu vergleichen ist.
Gelingt uns dies jedoch nicht, werden
wir uns nicht vor den Folgen verstecken können.
Die amerikanische Führungsrolle
muß sich einer Welt anpassen, die der
Nachkriegszeit entwachsen ist. Die
Vereinigten Staaten sind gleichzeitig
Tribun der Demokratie, Katalysator
für internationale Zusammenarbeit und
Wächter unserer nationalen Interessen. Wir leben in einer Welt mächti-

ger Gegner. Wir dürfen das überleben
der Demokratie nicht als selbstverständlich ansehen oder annehmen, daß,
wenn wir unsere Interessen nicht
selbst schützen, jemand anderes oder
irgendeine internationale Organisation dies für uns tun wird. Wir leben ferner in einer Welt zunehmend
einflußreicher Verbündeter, deren Zusammenarbeit unerläßlich ist, wenn
wir gemeinsame Probleme überwinden
wollen. Es gibt neue, weltweite Gefahren wie etwa Terrorismus, internationaler Drogenhandel und die weltweite Zerstörung der Umwelt, die
nicht von einer Nation allein bewältigt werden können, wie mächtig sie
auch sein mag.
Diese Realitäten erlauben keinen
blinden
Isolationismus
oder rücksichtslosen
Unilateralismus.
Nur
durch eine realistische Haltung können wir im Hinblick auf die amerikanische Führungsrolle in einer sich
rasch wandelnden Welt ein neues Kapitel aufschlagen.
Es gibt noch ein zweites Problem,
das von uns gelöst werden muß. Es
betrifft die Beziehungen zwischen
Exekutive und Kongreß im Bereich der
Außenpolitik.
Schlicht ausgedrückt:
wir benötigen zum Erfolg die Zusammenarbeit beider Parteien. Das entspricht dem Urteil der Geschichte und
der jüngsten Erfahrung.
Überparteilichkeit
bedeutet
nicht, daß wir immer übereinstimmen
müssen. Es gibt und wird immer Unterschiede in Ansatz und Substanz geben. Die Äußerung dieser Meinungsverschiedenheiten in einer Art und
Weise, die das Recht des anderen auf
eine andere Meinung achtet, ist eine
deutliche Bekräftigung des demokratischen Prozesses.
Aber letztlich
müssen wir handeln, und wenn wir dies
tun, ist es am besten, es zusammen zu
tun, wenn wir nationale Interessen
verwirklichen wollen.
Zu diesem Thema möchte ich Dean
Acheson zitieren. Offensichtlich war
er mit einigen unserer texanischen

�Bräuche vertraut, denn er sagte, daß
es in den Saloons des alten Westens
ein Gesetz gab:
"Erschieß niemals
den Klavierspieler." Und er schrieb,
daß in der Außenpolitik der Präsident
der Klavierspieler sei.
Ja, dies ist ein Appell für einen
gütigeren, sanfteren Kongreß. Aber
Überparteilichkeit ist auch mehr als
Achesons "Weihwasser der politischen
Notwendigkeit". Sie ist das Schmiermittel, mit dem die verschiedenen
Zweige des Staates in die Lage versetzt werden, ihre natürliche, von
der Verfassung bewußt angelegte Reibung zu überwinden, eine Reibung, die
aus unseren unterschiedlichen Perspektiven
und
Verantwortlichkeiten
herrührt.
Als Realist weiß ich, daß wir der
Zusammenarbeit zwischen den Parteien
bedürfen, um erfolgreich zu sein.
Während die Exekutive für das Vorschlagen und die Ausführung der Aussenpolitik zuständig ist, wird eine
Handlungsweise von der Legislative
unterstützt, modifiziert oder in manchen Fällen mit einem Veto belegt.
Aus diesem Grund wird über die Zusammenarbeit zwischen den Parteien in
der Praxis entschieden.
So laßt uns also die jüngste Erfahrung unser Lehrmeister sein. Als
wir zu Afghanistan oder während der
INF-Verhandlungen eine gemeinsame Linie verfolgt haben, waren wir erfolgreich. Als wir dies nicht taten bei Mittelamerika - war das Resultat
für jedermann unbefriedigend.
Die Schlußfolgerung daraus ist
unausweichlich. Um Erfolg zu haben,
müssen wir zusammenarbeiten.
Und
eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik beruht auf drei Grundsätzen:
- Erstens: Vertrauen darauf, daß
jeder von uns an das öffentliche
Interesse denkt, daß wir unser
Bestes tun, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.

- 5

- Zweitens Konsultationen als Beweis dafür, daß wir versuchen zu
kommunizieren, einen gemeinsamen
Weg einschlagen und gemeinsam ans
Ziel gelangen wollen.
- Drittens
konsequente
Durchführung, die belegt, daß die einmal
erzielten Entscheidungen und Abkommen in der Tat Entscheidungen
und Abkommen sind, die eingehalten werden.
Die Senatoren Danforth und Boren
haben den Vorschlag einer neuen Art
von Konsultationen zur Erörterung der
umfassenderen
und
langfristigeren
Probleme unterbreitet - einschließlich regelmäßiger Treffen der Kongreßabgeordneten mit dem Außenminister und gelegentlich mit dem Präsidenten. Am 18. November 1988 schrieb
der künftige Präsident Bush an Senator Danforth diesbezüglich, "sobald
mein Nationales Sicherheitsteam seine
Arbeit aufgenommen hat, werde ich ein
Treffen dieser Gruppe mit Ihnen zur
Erörterung Ihrer hervorragenden Vorschläge anberaumen". Ich sehe diesem
Treffen erwartungsvoll entgegen.
Lassen Sie uns nun gemeinsam Exekutive und Kongreß -, vom Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle
und der Praxis der Überparteilichkeit
geleitet, das vor uns liegende Programm in Angriff nehmen.

Die internationale Tagesordnung:
Nord- und Südamerika
An erster Stelle unserer Tagesordnung stehen unsere Nachbarländer die Länder, die an uns angrenzen, die
Länder unseres Kontinents und unserer
Hemisphäre. Die Vereinigten Staaten
sind sowohl eine Land- als auch eine
Seemacht, was uns eine einzigartige
geopolitische Perspektive verschafft.
Die alte Lehre, daß Außenpolitik zuerst einmal das eigene Land betrifft,
gilt jedoch auch für uns. Sie wurzelt in unseren Werten und dies muß
so sein. Und sie gewinnt Stärke und
Kraft
durch
unsere
unmittelbaren

�Nachbarländer - abhängig von unseren
Beziehungen mit unseren Freunden und
Nachbarn im Nordea und Süden.
Vor kurzem haben wir gemeinsam
mit Kanada ein Freihandelsabkommen
geschlossen - etwas, das beide Nationen hundert Jahre lang erfolglos angestrebt hatten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Abkommens
auf bestimmte Industriezweige haben
ein vielfältiges Echo und einige Besorgnis ausgelöst.
Meiner Ansicht
nach liegt das Freihandelsabkommen in
unserem
beiderseitigen
Interesse.
Aber es gibt geopolitische Folgen,
die weit über die wirtschaftliche Bedeutung dieser Errungenschaft hinausgehen.
Das amerikanisch-kanadische Abkommen stellt den richtungweisenden
Erfolg einer Strategie dar, die darauf ausgerichtet ist, alle Länder zu
einem
offeneren
Handelssystem
zu
bringen. Es belegt, daß die beiden
größten Handelspartner der Welt nicht
nur Zollschranken abbauen, sondern
auch Lösungen in solchen Bereichen
wie Dienstleistungen und Investitionen - beide zunehmend transnational
ausgelegt - bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität aushandeln können. Es ist ein Beweis
dafür, daß eine aktive, internationalistische
Freihandelspolitik
eine
überparteiliche Koalition im Inland
beschleunigen und protektionistische
Bestrebungen abwenden kann. Es ist
also möglich. Und wir sehen der Zusammenarbeit mit Kanada bei anderen
vorrangigen Problemen - einschließlich internationaler Umweltprobleme erwartungsvoll entgegen, während wir
den Rahmen unserer neuen Zusammenarbeit erweitern.
Mit Blick auf den Süden haben wir
eine nicht weniger bedeutende Reihe
von Themenkomplexen zu berücksichtigen.
Unser Nachbarland Mexiko ist
hochverschuldet
und
seine Sozialstruktur sieht sLch mit ernsthaften
Herausforderungen konfrontiert. Andererseits verfügt Mexiko jedoch über
viele Vermögenswerte - die Fähigkei-

ten seines Volkes und seine bedeutenden Rohstoffe. Unter der Leitung von
Präsident Salinas hat die mexikanische Regierung den Weg wirtschaftlicher und politischer Reformen eingeschlagen. Es ist ein schwieriger
Weg und wir sind zur Unterstützung
entschlossen.
Es liegt in unserem Interesse,
dies zu tun. Es ist an der Zeit, daß
wir Mexiko den Respekt und die Ernsthaftigkeit entgegenbringen, die es
verdient. Unabhängig von der Vergangenheit müssen wir uns darüber im
klaren sein, daß die Beziehungen der
Vereinigten Staaten zu Mexiko sehr
viel bedeuten: Sie sind ebenso wichtig wie unsere Beziehungen mit jedem
anderen Land der Welt. Ich bin davon
überzeugt, daß wir gemeinsam Fortschritte erzielen können, wenn wir
Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt
zu unserer Ausgangsposition
machen.
Ich weiß, daß der neue Präsident
Bush baldigen Konsultationen mit Präsident Salinas und Premierminister
Mulroney
erwartungsvoll
entgegensieht, um den vor uns liegenden Kurs
festzulegen.
Ein anderes Thema auf unserer Tagesordnung für diesen Kontinent betrifft Mittelamerika.
Wir blicken
auf nahezu zehn Jahre frustrierender
und
gelegentlich
widersprüchlicher
amerikanischer Politik gegenüber dieser Region zurück.
Einige Erfolge
sind erzielt worden.
Die meisten
mittelamerikanischen Nationen haben
sich der Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte verschrieben. Und wir
müssen helfen, diese Errungenschaften
gegen Bedrohungen der Menschenrechte
zu verteidigen, gleichgültig, ob diese Bedrohung von rechts oder von
links kommt.
Der größte Makel bleibt jedoch
bestehen:
der verheerende Konflikt
zwischen Nicaragua und seinen Nachbarländern und zwischen den nicaraguanischen Marxisten und dem eigenen
Volk, das zum Teil zu den Waffen ge-

- 6 -

�griffen hat und amerikanische Unterstützung verdient.
Im Jahr 1987 kamen alle Regierungen der Region lange genug zu sich,
um sich auf eine Reihe von Grundsätzen für den Frieden zu einigen. Das
Abkommen von Esquipulas - bekannt als
Esquipulas II und von Präsident Arias
von Costa Rica verfaßt - brachte die
Ziele aller sehr gut zum Ausdruck.
Es ist eine gute Friedensplattform.
Was ihm jedoch fehlt, ist ein Mechanismus für seine Durchsetzung. Dieses Problem trat klar und deutlich im
Verlauf der Verhandlungen nach der
Übereinkunft von Sapoa zwischen den
Sandinisten und dem demokratischen
Widerstand zutage.
Bis heute sind
weder Demokratie - wie in Esquipulas

II niedergelegt - noch die Wiedereingliederung des Widerstandes - wie in
der Sapoa-Ubereinkunft gefordert
verwirklicht worden.
Zweifellos benötigen wir einen
anderen Ansatz, einen Ansatz, der
hier in Washington von beiden Häusern
des Kongresses getragen sein muß,
wenn er in der Region Erfolg haben
soll. Die Ereignisse haben belegt,
daß nur solch ein überparteiliches
Vorgehen Einfluß auf die Sandinisten
hat.
Aus diesem Grund müssen wir uns
auf klare Ziele für Mittelamerika einigen - Demokratisierung, Entwicklung
und Sicherheit für jeden einzelnen
Staat der Region. Sie alle müssen
frei von Angst vor subversiven Nachbarländern sein.
Sie alle müssen an einem Plan zur
wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können - vielleicht unterstützt
von unseren europäischen und japanischen Verbündeten. Aber dies alles
kann nicht verwirklicht werden, bevor
nicht die Versprechen von Demokratie
und Sicherheit Realität werden. Wir
müssen auf dem Schutz der Menschenrechte in Nicaragua, El Salvador und
Ihren Nachbarländern bestehen - indem
wir alle gleich behandeln und allen
gerecht werden.

Diese Ziele der amerikanischen
Diplomatie bergen große Verantwortung. Wir können und dürfen den demokratischen Widerstand nicht aufgeben. Wir müssen ihm beistehen, bis
unsere gemeinsamen Ziele erreicht
worden sind.
Schließlich möchte ich einen Vorschlag unterbreiten.
Im Jahr 1992
werden wir den 500. Jahrestag der
Entdeckungsreise
von
Christoph
Kolumbus feiern.
Ich möchte vorschlagen, daß wir uns heute auf eine
Entdeckungsreise begeben - in die Karibik und nach Südamerika.
Unsere
Nachbarn in dieser Hemisphäre streben
nach größerer Freiheit und wirtschaftlichem Fortschritt. Wir teilen
zahlreiche
ihrer Interessen.
Und
auch die Geißel der Drogen müssen wir
gemeinsam bekämpfen.
Jetzt ist es an der Zeit, diese
Probleme erneut einer Überprüfung zu
unterziehen und mehr aus unseren Möglichkeiten zu deren Bewältigung zu
machen.

Veränderungen bei unseren
Verbündeten und Freunden
Lassen Sie mich nun von unserer
unmittelbaren Nachbarschaft zur der
umfassenderen Welt unserer Freunde
und Verbündeten kommen. Durch Handel, politische Bündnisse und Verteidigungsabkommen verbinden die Vereinigten Staaten zwei höchst dynamische, fortschrittliche Regionen
Westeuropa und die Länder des Pazifiks. Wir sind gleichzeitig eine atlantische und ein pazifische Macht
und wir sollten uns zu keiner Zeit
dem Gedanken hingeben, eine dieser
Beziehungen auf Kosten der anderen zu
erweitern.
Realismus zwingt uns die umfassenden Veränderungen zu verstehen,
die unter unseren Verbündeten und
Freunden in beiden Regionen stattfinden. In diesem Jahr begehen wir den
40. Jahrestag der Gründung der NATO des erfolgreichsten Bündnisses aller

- 7 -

�Zelten. Aber das Westeuropa von heute ist nicht mehr das erschöpfte Europa, das sich von seiner eigenen
Verwüstung erholt, noch ist es das
ungeteilte Europa der politischen
Propheten. Von unserer wie von ihrer
Seite ist eine Neueinschä'tzung erforderlich, wie wir uns an die sich wandelnden Umstände als eine Kraft für
den Frieden anpassen können.
An erster Stelle erfordert dies wie der neue Präsident vorgeschlagen
hat - gedankliche Überstimmung, wie
wir mit einer sich wandelnden Sowjetunion umgehen sollen. In einem Zeitalter gekürzter Verteidigungshaushalte benötigen wir einen gemeinsamen
Ansatz zu den neuen militärischen Gegebenheiten, die durch den INF-Vertrag geschaffen worden sind - die
Notwendigkeit zur Modernisierung unserer nuklearen und konventionellen
Waffen.
Wir benötigen eine Reihe
realistischer und vernünftiger Normen
für konventionelle Rüstungskontrolle.
Wir brauchen ferner einen gemeinsamen
Ansatz zu den Problemen der Darlehen
und Kredite für sowie Handel und
Technologietransfer nach Moskau und
Osteuropa.
Schließlich müssen wir
eine gerechtere und kreativere Grundlage schaffen, auf der wir unsere
Verpflichtungen teilen. Unsere Erörterungen und Konsultationen sollten
so offen und ehrlich sein, wie es
seit langem Verbündete verdient haben.
Der Einsatz ist gleich geblieben.
Unser Engagement für die NATO ist
stärker, da wir als Nationen stärker
sind. Solange Europa der am schwersten bewaffnete Kontinent ist, auf
dem sich amerikanische und sowjetische Truppen an der Frontlinie gegenüberstehen, bleibt das Atlantische
Bündnis unsere erste Verteidigungslinie.
Das Jahr 1989 ist gleichzeitig
der 32. Jahrestag der Unterzeichnung
der Römischen Verträge, mit denen der
Gemeinsame Markt offiziell ins Leben
gerufen wurde. Und in nur drei weiteren Jahren wird die erweiterte Europäische Gemeinschaft das Ziel die-

ser Verträge erreicht haben - die
Schaffung
eines einzigen Marktes.
Aber wird dieses neue Europa - eine
wachsende wirtschaftliche Supermacht
- den Blick nach außen oder innen
richten? Wird es ein weiterer Baustein in dem neuen Gebäude eines offeneren,
weltweiten
Handelssystems
oder ein massiver Block sein, der gegen Wettbewerb von außen abgeschottet
ist? Wird es eine gesunde, dynamische Wirtschaft haben, die eine Fülle
von Abreitsplätzen schafft oder eine
vorsichtige, stagnierende Region, die
sich mit anhaltender Arbeitslosigkeit
zufriedengibt? Die richtigen Antworten auf diese Gegensätze müssen meiner Ansicht nach in einem Europa gefunden werden, das nach außen und
nicht nach innen orientiert ist, das
Strukturreformen
fördert, Handelshemmnisse
abbaut,
wirtschaftliche
Chancen für alle Nationen und nicht
nur für Europa eröffnet.
Als Verbündeter und wichtiger Handelspartner
werden die Vereinigten Staaten an
dieser Veränderung lebhaftes Interesse bekunden.
Wenn wir uns dem Pazifischen
Becken zuwenden, können wir einen
sich bereits abzeichnenden beeindrukkenden Erfolg beobachten. Kein Gebiet kann vergleichbare Leistungen
bei der Schaffung fortschrittlicher
Volkswirtschaften in Rekordzeit vorweisen.
Der wirtschaftliche Fortschritt ist in der beachtlichen,
jetzt vier Jahrzehnte währenden Partnerschaft zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan verankert.
Ich
erwarte, daß diese Partnerschaft noch
weiter gestärkt und erweitert wird.
Viele haben über das pazifische
Jahrhundert gesprochen und das Pazifische Becken als die Welt der Zukunft bezeichnet. Eines ist gewiß.
Bis Ende dieses Jahrhunderts hängt
die Weltwirtschaft davon ab, wie gut
die Vereinigten Staaten und ihre
Partner im Pazifik ihre Angelegenheiten in den Griff bekommen. Unsere
Beziehungen mit der pazifischen Region müssen - ebenso wie unsere Beziehungen mit Europa und auch auf un-

t
»

'

�serem eigenen Kontinent - in einer
nach außen gerichteten Wirtschaftspolitik bestehen, die Handel und Wachstum fördert. Ich unterschätze die
Herausforderungen in Asien oder in
anderen Regionen zur Erlangung freien
und fairen Handels, zur Vermeidung
jeglicher Form von Protektionismus,
einschließlich der Manipulation von
Wechselkursen, nicht. Nach fast 10
Jahren, in denen die amerikanische
Wirtschaft Motor des internationalen
Wachstums war, sehen wir uns alle mit
einer sich wandelnden Welt konfrontiert. Die Regel, daß Erfolg Verantwortung zeugt, wird ihren Niederschlag in besserer Weise finden, wenn
die Nationen des Pazifiks eine wichtigere Rolle in Wirtschaft und Politik übernehmen.
Darüber hinaus haben wir im Pazifik lebenswichtige
politische und
strategische Interessen.
Diese Interessen werden durch in Japan, auf
den Philippinen und in Korea stationierte militärische Fähigkeiten geschützt - und durch unsere enge Zusammenarbeit mit diesen Ländern. Wir
müssen diese Zusammenarbeit erweitern, während wir "iie gemeinsame Verantwortung für Verteidigung und Entwicklung übernehmen.
Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zur Volksrepublik China, die
an sich schon von Bedeutung sind,
tragen darüber hinaus maßgeblich zur
gesamten Stabilität der internationalen politischen Ordnung bei. Die vom
künftigen Präsidenten Bush in China
gesammelten
tiefgreifenden
persönlichen Erfahrungen werden die Erweiterung unserer wichtigen und vielschichtigen Bindungen erleichtern.
Unsere Politik gegenüber dem pazifischen Raum insgesamt muß alle Aspekte
berücksichtigen:
Gewährleistung des Wirtschaftswachstums der
Region mit seinen weltweiten Auswirkungen im Kontext einer sicheren regionalen Abschreckung.
Meiner Ansicht nach werden wir in Asien die
Notwendigkeit zu engerer Koordinierung mit den ASEAN-Ländern und ande- 9

ren regionalen Gruppen beobachten
können - und vielleicht sogar neue
institutionelle Vereinbarungen.
Beim Eintritt in ein neues, von
größerer Stärke unserer Freunde gekennzeichnetes Zeitalter kann die vor
uns liegende Herausforderung folgendermaßen formuliert werden:
Unser
gemeinsamer Erfolg sollte den Weg zu
engeren Verbindungen ebnen und nicht
in die Sackgasse kontraproduktiver
Rivalität geraten. Das ist der Weg,
den wir gemeinsam ebnen müssen.

Transnationale Themenkomplexe
Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei
der Bewältigung einer neuen Art von
Problemen vorgehen, die transnationaler Natur sind. Terrorismus ist zum
Mittel
kleiner,
gelegentlich
von
Staaten unterstützter Gruppierungen
geworden, unschuldige Menschen auf
der ganzen Welt anzugreifen.
Die
Drogenhändler sind mächtig genug geworden, um Regierungen zu unterminieren, selbst während ihre Drogen ganze
Länder vergiften. Fanatiker verbreiten ihre Botschaft der Intoleranz und
des Hasses unter Einsatz von grenzüberschreitenden
Massenkommunikationsmitteln.
Jedes Land ist sich
auch bewußt, daß wir uns großen ökologischen
Herausforderungen
gegenübersehen.
Umweltschäden
können
durch Wind und Wasser bis hin zu Kontinenten und Hemisphären getragen
werden, die vom unmittelbaren Katastrophenherd weit entfernt liegen.
Wissenschaftler haben uns wiederholt
vor den möglichen Konsequenzen einer
langfristigen Erwärmung - dem sogenannten Treibhauseffekt - gewarnt.
Der neue Präsident Bush hat eine
internationale Konferenz über weltweite Umweltprobleme gefordert. Ich
bin der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten bei diesen Bestrebungen eine Führungsrolle übernehmen
sollten. Wir müssen dazu beitragen,
einen Gesinnungswandel, eine Kombination der herausragenden Forderungen

�nach wirtschaftlicher Entwicklung einerseits und einer sicheren Umwelt
andererseit herbeizuführen. Als Finanzminister habe ich die multilateralen Entwicklungsbanken zur Berücksichtigung umweltverträglicher, anhaltender Entwicklung gedrängt und
dazu beigetragen, Schuldenerlaß im
Austausch für Gegenleistungen zur Erhaltung der Umwelt in Entwicklungsländern einzuführen.
Als Außenminister hoffe ich, auf diese Bilanz
aufbauen zu können.
Noch niemand konnte bisher den
politischen Rahmen für die gemeinsamen Maßnahmen perfektionieren, die
wir bei der Bewältigung dieser besonderen Art weltweiter Probleme benötigen. Aber der Einsatz ist zu hoch,
als daß wir aufgeben könnten. Wir
werden mit unseren Verbündeten beginnen, unsere Freunde einbeziehen und
unsere Gegner auffordern, sich die
Bewältigung dieser Probleme zum gemeinsamen Anliegen zu machen.

Reduzierungen bei Truppen und Panzern
in Europa erschlichen. Die Bedeutung
und die Dauerhaftigkeit der neuen sowjetischen Politik werden in den Vereinigten Staaten wie im Ausland eingehend erörtert.
Sowohl für eine optimistische als
auch für eine pessimistische Betrachtungsweise der heutigen Sowjtunion
gibt es berechtigte Gründe. Zweifellos haben sehr greifbare Veränderungen stattgefunden, von denen viele
noch vor einigen Jahren unvorstellbar
waren. Die SS-20 sind zerstört worden. Sowjetische Truppen ziehen aus
Afghanistan ab.
Einige politische
Gefangene sind befreit worden. Bald
werden amerikanische Arzte psychiatrische Kliniken besuchen, in die man
Gefangene aus Gewissensgründen eingeliefert hat.
Die sowjetische Geschichte selbst wird manchmal einer
genauen Prüfung unterzogen. Mit anderen Worten: die Schlagworte Glasnost und Perestrojka gewinnen an Inhalt.

Über Nord- und Südamerika, engere
Partnerschaft mit unseren Verbündeten, über
internationale Probleme
hinaus gibt es noch die amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Dank der
in den vergangenen acht Jahren verfolgten Politik des Friedens durch
Stärke sind unsere Beziehungen zu
Moskau
spürbar
weniger
gespannt.
Fortschritte gäbe es im Bereich der
Rüstungskontrolle - hervorzuheben wäre der INF-Vertrag -, bei den Menschenrechten, bilateralen Beziehungen
und regionalen Konflikten. Wir sehen
dem Tag entgegen, an dem alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sein werden.

Es besteht Grund zur Hoffnung.
Aber die Realität erfordert Vorsicht.
So faszinierend die Drehungen und
Wendungen der Perestrojka und so fesselnd der in den sowjetischen Zeitungen beschriebene Rückzug auch sein
mögen, so sehr bleibt die Sowjetunion
doch eine schwer bewaffnete Supermacht.
Trotz anderslautender Äußerungen haben sich ihre weitreichende
Interessen und Vasallenstaaten unterstützende
Streitkräftestruktur
und
ihre Politik nicht nennenswert gewandelt.
Vielfach sind diese Politik
und diese Vasallenstaaten amerikanischen Werten gegenüber feindlich
gesonnen und stellen eine Bedrohung
für unsere Interessen wie auch für
unsere Verbündeten dar. Das ist eine
Tatsache.

Es wurden vielfach Vorschläge
laut, denen zufolge dieser Fortschritt eine radikal andere amerikanische Politik verdient. Ferner Befürchtungen, Michail Gorbatschow habe
einen Pluspunkt bei den Demokratien
durch solche Aktionen wie einseitigen

Ich würde auch die Auswirkungen
der innenpolitischen Schwierigkeiten
Moskaus auf die sowjetische Außenpolitik
nicht
unterschätzen.
Der
Marxismus-Leninismus muß als Gesellschaftsform zweifelhaft sein, wenn
das System nach 70 Jahren einen Rück-

Realismus in den amerikanischsowjetischen Beziehungen

�gang der Volksgesundheit, Mangel an
Nahrungsmitteln und Konsumgütern und
eine überholte
industrielle Basis
verzeichnet. Die jetzt vorgenommenen
politischen
Veränderungen
spiegeln
ein anhaltendes Paradoxon wider: Obwohl das Ziel der Reform offensichtlich darin besteht, wiederkehrenden
Mißbrauch eines Diktators zu verhindern, hängt die Reform selbst von der
Machtkonzentration in der Hand eines
Mannes ab.
In der Zwischenzeit gibt es Unruhen in den osteuropäischen Ländern,
da die Prinzipien ihrer eigenen Regierungen und ihre Beziehungen zur
Sowjetunion neu festgelegt werden.
Darüber hinaus haben das Baltikum und
Armenien der Welt die seit langem mit
stalinistischen Methoden unterdrückten Probleme ethnischer Minderheiten
in Erinnerung gerufen. Diese Tatbestände dürfen nicht außer acht gelassen werden.
Angesichts von Veränderungen und
Kontinuität in der Sowjetunion sollte
eine realistische amerikanische Politik von folgenden Grundsätzen geleitet sein:
Erstens sollten wir weiterhin Reformen und Veränderungen in der Sowjetunion begrüßen, die mehr Freiheit
zuhause, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Institutionen verspricht.
Wir sollten aber den Fortschritt von
Gorbatschows Reformen niemals an den
von uns eventuell gewährten Krediten,
Zugeständnissen oder Gefälligkeiten
messen, mit denen wir ihm bei seinen
innenpolitischen Plänen zum Erfolg
verhelfen. Letztlich geben die Sowjets selbst zu, daß Perestrojka
nicht nur von auswärtiger Hilfe, sondern von politischen, bürokratischen
und soziologischen Veränderungen in
der Sowjetunion abhängt.
Zweitens: Obwohl wir sehen, daß
die Politik Moskaus von einem neuen
Realitätsbewußtsein
geprägt
ist,
sollten wir erkennen, daß unsere Politik zu diesem Realitätsbewußtsein
beigetragen hat. Unsere Bereitschaft

zur Unterstützung der Mujahedin - und
nicht nur wirtschaftliche Dilemmas in
der Sowjetunion - haben zum Rückzug
der Sowjets aus Afghanistan geführt.
Unsere zusammen mit der NATO bekundete Bereitschaft zur Stationierung der
Pershing und Marschflugkörper - und
nicht nur der Mangel an Nahrungsmitteln - haben zum INF-Vertrag geführt.
Wo wir nicht den Preis für Abenteurertum oder Aggression erhöht haben,
nehmen wir kaum Veränderungen wahr.
Kann es Zufall sein, daß wir bei dem
einzigen regionalen Konflikt, bei dem
wir
keinen
anhaltenden
wirksamen
Druck ausgeübt haben - in Mittelamerika - kaum Spuren einer neuer Denkweise in der sowjetischen Außenpolitik wahrnehmen?
Drittens müssen wir weiterhin
Moskau zu jedem Punkt unserer Tagesordnung - Rüstungskontrolle, Menschenrechte, regionale Konflikte und
bilaterale Beziehungen - auf die Probe stellen. Wir sind an Kooperation
und an Verhandlungen interessiert, um
in möglichst vielen Bereichen Fortschritte zu erzielen. Rüstungskontrolle sollte konventionelle und chemische Waffen wie auch die Weiterverbreitung ballistischer Raketen umfassen, über die Formulierung allgemeiner Prinzipien hinausgehen und praktische Details erarbeiten. Und Menschenrechte bedeuten die vollständige
Einhaltung der Schlußakte von Helsinki. Wir dürfen nicht von unseren
Maßstäben in diesem Bereich abrücken.
Viertens müssen wir den regionalen Konflikten in Mittelamerika, Südasien, dem südlichen Afrika, dem Persischen Golf oder dem israelisch-arabischen Konflikt zusätzliche Aufmerksamkeit widmen. Liegen ein Abbau von
Spannungen und Verhandlungen wirklich
im ureigenen Interesse der Sowjetunion?
Wir dürfen weder zulassen,
daß Gespräche über Begrenzungen ein
Ersatz für Begrenzungen werden noch
dürfen wir gestatten, daß Interesse
an diplomatischen Prozessen bei mangelndem Engagement für echte Fortschritte ausreichend ist.

- 11 -

�Fünftens müssen wir vielleicht
einen neuen Bereich in unseren Beziehungen definieren, der internationale
Probleme wie Terrorismus, Drogen und
Umwelt abdeckt. Wir sollten herausfinden, ob Moskau bei diesen Problemen Hilfe leisten kann und oder wenn nicht - aus welchen Gründen.
Ich bin überzeugt, daß die Stärke
des Westens und die innenpolitische
Schwäche der Sowjetunion dem bemerkenswerten
Realitätssinn,
der
Gorbatschows Amtszeit bis jetzt gekennzeichnet hat, den Weg bereitet
haben. Unsere Aufgabe besteht darin,
die Angelegenheiten so zu ordnen, daß
ungeachtet aller Ergebnisse der Perestrojka eine verantwortungsbewußtere,
konstruktivere sowjetische Außenpolitik weiterhin im Interesse Moskaus
liegt. Wir möchten, daß sich diese
Politik nicht nur mit alten Problemen
beschäftigt, sondern auf die uns betreffenden neuen Gefahren und Themen
eingeht. Ein großer Teil der Hoffnung der ganzen Welt auf eine stärker
von Frieden geprägte internationale
Ordnung hängt von diesem Ergebnis ab.

Die Lösung regionaler Konflikte
Ich möchte mich jetzt den sehr
regionalen Konflikten zuwenden, durch
die den Völkern im südlichen Afrika,
Süd- und Südostasien und im Mittleren
Osten Frieden und Freiheit vorenthalten yarden« Wir haben in den jüngst
durch Vermittlung
der Vereinigten
Staaten zustande gekommenen Vereinbarungen ermutigende Fortschritte erzielt, die Unabhängigkeit für Namibia
und den Abzug kubanischer und südafrikanischer Truppen aus Angola vorsehen. Und wir werden sorgfältige Beobachtungen vornehmen, um sicherzugehen, daß Kuba seinen Verpflichtungen
nachkommt.
Aber es ist noch mehr
notwendig. Angola braucht unbedingt
eine nationale Aussöhnung. Und bis
sie stattfindet, werden wir weiterhin
lie UNITA und ihren Führer Jonas
Sawimbi unterstützen, wie der neue
Präsident Bush angedeutet hat. Namibia wir! ein neuer, leicht zu er- 12

schotternder Staat sein. In Südafrika selbst werden die das unvermeidliche Ende der Apartheid begleitenden
Spannungen und Belastungen alle Beteiligten auf eine harte Probe stellen. Wir müssen in diesem Land unsere Rolle und die Auswirkungen unserer Handlungsweise sorgfältig überdenken, nicht um unseres eigenen
Selbstwertgefühls, sondern um der
Menschen willen, denen wir helfen
wollen. Schließlich dürfen wir auch
den sehr unmittelbaren Bedarf an humanitärer und Entwicklungshilfe der
Menschen im Afrika südlich der Sahara
nicht vergessen.
In Südasien hoffen wir auf den
endgültigen Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und darauf, daß
dieses Land zu unabhängiger Neutralität mit einer Regierung findet, die
das afghanische Volk voll und ganz
akzeptieren kann. Und mit einem Abbau der Spannungen in Afghanistan
hoffen wir auch, auf dem jetzt von
den politisch Verantwortlichen Indiens und Pakistans geschaffenen konstruktiveren Verhältnis aufbauen zu
können. Es ist unerläßlich, daß wir
unsere Beziehungen sowohl zu Indien
als auch zu Pakistan verbessern, wenn
wir diesen Prozeß fördern wollen.
Alle Länder Südostasiens und der
internationalen Gemeinschaft insgesamt sollten den Abzug vietnamesischer Truppen aus Kambodscha anstreben. Dort muß ebenfalls eine schwierige nationale Aussöhnung erfolgen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin an einem neuen Kambodscha arbeiten, befreit sowohl von der vietnamesischen Besatzung als auch von
den Roten Khmer.
Im Mittleren Osten beansprucht
der
israelisch-arabische
Konflikt
seit langem die Aufmerksamkeit, Ressourcen und den guten Willen der Vereinigten Staaten. Unsere Vermittlung
hat teilweise im Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten - dem Teil
des Camp David-Abkommens für eine umfassende Regelung - Früchte getragen.
Und unsere Politik im Mittleren Osten

�Ist wahrhaft überparteilich.
Jede
Administration hat ihren Beitrag dazu
geleistet. Ich war stolz darauf, unter Reagan an der Ausweitung unseres
Verhältnisses mit Israel in ein echtes strategisches Bündnis zu arbeiten, das auch unsere Verpflichtungen
im Persischen Golf erfüllt hat.
Jetzt hat Präsident Reagan einen
Dialog mit der PLO gestattet, nachdem
Jassir Arafat erklärt hat, seine Organisation erkenne das Recht Israels
auf friedliche Existenz an, unterstütze die UN-Resolutionen 242 und
338 und sage sich vom Terrorismus
los.
Durch Dialoge entstehen Botschaften. Und wir vermitteln der PLO
eine Botschaft über Terrorismus und
die Notwendigkeit eines stärkeren Realitätssinns, der praktische Fortschritte auf vorhandenen Grundlagen
schafft. Aber das Bestehen des Dialoges sollte niemanden dazu verleiten, unsere Politik insgesamt mißzuverstehen oder unsere anhaltende Unterstützung des Staates Israel in
Zweifel zu ziehen.
Wie der neue Präsident Bush es
beschrieben hat, besteht ein solider
Konsens über Ziele und Mittel der Erlangung des Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn. Dazu
zählt die Zielsetzung der Verhandlungen, die vor allem in einem gerechten, anhaltenden Frieden besteht, der
die Sicherheit Israels gewährleistet
und die legitimen Rechte der Palästinenser berücksichtigt. Wir sprechen
uns für direkte Verhandlungen auf der
Grundlage der UN-Resolutionen 242 und
338 aus, die einen Austausch von Territorium als Gegenleistung für den
Frieden vorsehen.
Realisitisch betrachtet, muß Jordanien in jedes Abkommen einbezogen werden. Die Palästinenser müssen an der Bestimmung
ihrer eigenen Zukunft teilhaben. Wir
sind jedoch auch weiterhin der Auffassung, daß ein unabhängiger Palästinenserstaat keine Quelle der Stabilität sein oder zu einem gerechten
und dauerhaften Frieden beitragen
wird. Dies sind gesunde Prinzipien,
von denen wir uns leiten lassen sollten.

Heute fliegen Steine und es gibt
Blut - böses Blut - zwischen den Palästinensern und den Israels in den
militärisch von Israel verwalteten
Gebieten. Wir sind entschlossen, auf
den Leistungen unserer Vorgänger aufzubauen und die Situation so zu verändern, daß sie eine Grundlage für
echten Frieden bildet. Und wir wollen mit allen Beteiligten in der Region zusammenarbieten, um dies hervorzubringen.
Eine sich ausschließlich auf den
israelisch-arabischen Konflikt konzentrierende
Politik
im Mittleren
Osten wäre jedoch zu eng gefaßt. Libyen ist weiterhin ein destabilisierender Faktor in Nordafrika und an
anderen Orten der Region. Der Libanon macht alle Hoffnungen auf eine
Wiederherstellung von Stabilität und
Unabhängigkeit in diesem tragischen
Land zunichte. Ein dauerhafter Frieden zwischen Iran und Irak muß noch
geschaffen werden. In der Zwischenzeit erfordern die Probleme chemischer Kriegführung und der Weiterverbreitung ballistischer Raketen unsere
Aufmerksamke11.
Wir werden weiterhin mit anderen
Ländern zusammenarbeiten, um bei diesen Problemen die Initiative zu ergreifen.
Ganz sicher fordern die
tragischen Erfahrungen, die Verluste
und die Opfer des iranisch-irakischen
Krieges eine zivilisiertere Ordnung
in der Region und von der Welt.
Darüber hinaus werden wir einige
dieser regionalen Konflikte auch vor
den Vereinten Nationen erörtern. Die
Vereinten Nationen sollten als das
gesehen werden, was sie sind - als
Ausdruck des weltweiten Wunsches nach
Frieden aber auch allzuoft als Bühne
solcher Auftritte, die den Frieden
verhindern. Die Erfahrung lehrt uns,
daß die Vereinten Nationen ein nützliches Forum zur Erzielung von Fortschritten sind, wenn Nationen Mittler
brauchen und Einigkeit über Verfahrensweisen und die meisten grundsätzlichen Fragen herrscht. Wir unterstützen dies und auch die Vereinten

- 13 -

�Nationen. Dennoch können die Vereinten Nationen letztlich weder Ersatz
für eine amerikanische FUhrungsrolle
noch eine Entschuldigung für nicht
unternommene Bemühungen sein.

Chemische Kriegführung und Weitergabe von Technologie
Der letzte Punkt, den ich heute
erörtern möchte, ist die Weitergabe
neuer und gefährlicher Waffen an
Staaten, die oftmals auf eine von
Terrorismus und Aggression geprägte
Geschichte zurückblicken. Die größte
Furcht jagt dabei vielleicht die Kombination von ballistischen Raketen gegen die es gegenwärtig noch keine
Verteidigung gibt - mit chemischen
Waffen - die als Verbrechen an der
Zivilisation geächtet werden - ein.
Dennoch bleibt die Tatsache bestehen,
daß diese Waffen eingesetzt werden.
Die internationale Reaktion auf diesen Einsatz war nicht stark und
rechtzeitig genug. Diese Waffen werden jetzt von einigen Nationen gelagert. Und oft genug lassen die wenigen zur Herstellung der todbringenden
Chemikalien fähigen Staaten nicht genug Vorsicht walten, um ihre Weiterverbreitung zu verhindern.
Waffen fangen jedoch keinen Krieg
an. Ein Krieg wird durch Konflikte,
Haßgefühle, Ehrgeiz und manchmal Zufall, begonnen.
Dennoch müssen wir
besondere Maßnahmen ergreifen, um die
Ansammlung von Waffen zu verhindern,
die von Natur aus Furcht und überstürzte Reaktionen provozieren. Ich
weiß, daß dies ein besonderes Anliegen des neuen Präsidenten Bush ist,
und wir sind entschlossen, auf der
gerade beendeten Pariser Konferenz
aufzubauen und bald Fortschritte zu
erzielen.

Schlußfolgerung
Wir sehen uns zweifelsohne einem
gewaltigen Programm gegenüber, wenn
wir die Gegensätze unseres Zeitalters
lösen wollen. Dennoch haben wir als

Ausgangspunkt die starke Hand eines
starken Amerikas.
Und wir werden
weitermachen, weil wir wissen, daß
sehr viel auf dem Spiel steht.
In einigen Jahren könnten wir
wissen, ob dauerhafte, konstruktive
Beziehungen mit der Sowjetunion möglich sind.
Ob die Weltwirtschaft
Fortschritte machen wird. Ob unsere
Verbündeten in Europa und Asien ihren
Blick nach außen richten. Ob wir Rüstungskontrolle und Abschreckung ausbauen können. Ob wir erfolgreich mit
internationalen Problemen wie Umwelt,
Terrorismus und Drogen fertigwerden
können. Ob wir den Entwicklungsländern einen neuen Rahmen schaffen können, damit sie sich frei vom Fluch
regionaler Konflikte bewegen können.
Für mich und meine Generation
sind dies großartige Aussichten, aber
sie sind noch großartiger für die
nächste Generation von Amerikanern.
Der neue Präsident Bush hat für uns
alle gesprochen, als er im Westminister College zu einer Gruppe von
Studenten sagte:
"Wir haben unser
Leben teilweise auf der Sonnenseite,
aber immer im Schatten von Kämpfen
verbracht ... Dieser Kampf ist noch
nicht vorüber." Und dann erklärte er
den jungen Amerikanern: "Ihre Generation hat die Möglichkeit, aus diesem
Schatten
herauszutreten
und
schließlich furchtlos die Sonne zu
genießen."
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich bin sicher, daß
eine realistische amerikanische Führung diese Gelegenheit ergreifen und
in ein friedlicheres und wohlhabenderes Zeitalter aufbrechen kann.
Es
ist die Chance, den Schatten des
Kampfes wegzureißen und Amerika eine
bessere Welt zu hinterlassen, die
mich motiviert. Dafür bitte ich Sie
heute um Ihre Unterstützung. Zusammen und unter Leitung unseres Präsidenten können wir es schaffen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

25. Januar 1989

MULFORD NEUER UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
IM FINANZMINISTERIUM
- Porträt von David C. Mulford -

WASHINGTON - (AD) - David Mulford, treibende Kraft hinter den Initiativen
der Reagan-Administration zur stärkeren internationalen Koordinierung der
Wirtschaftspolitik und Entwicklung eines Plans zur Bewältigung der Schuldenkrise der Dritten Welt, wurde von Präsident George Bush als neuer Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium ausgewählt.
Der seit 1984 als Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium tätige
Mulford hat einen Großteil der vergangenen vier Jahre mit Reisen zwischen den Industriestaaten verbracht,
um mit führenden Vertretern der Finanzwelt Möglichkeiten verbesserter
weltweiter Koordinierung und Wechselkursstabilität zu erörtern.
"Mulford wird mehr oder weniger
dasselbe tun, was er immer schon getan hat," erklärte ein Sprecher des
Ministeriums.
Mulford wird jedoch
als Erster formal den Titel eines Unterstaatssekretärs für internationale
Angelegenheiten im Finanzministerium
führen.
In der Vergangenheit war der Un-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

terstaatssekretär für Währungsangelegenheiten auch für den internationalen Bereich zuständig. Nachdem Beryl
Sprinkel im Jahr 1984 diesen Posten
aufgegeben hatte und Vorsitzender des
Rates der Wirtschaftsberater Präsident Reagans wurde, waren diese Aufgaben von Abteilungsleiter Mulford
wahrgenommen worden.
In den vergangenen vier Jahren
profilierte Mulford sich als energischer Befürworter staatlicher Interventionen auf den Devisenmärkten,
wann
immer
solche
Interventionen
durch
andere
wirtschaftspolitische
Maßnahmen unterstützt wurden.
"Wenn offizielle Interventionen
positive Auswirkungen haben sollen",
erklärte Mulford während einer Rede

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1

am 28. Mai 1988, "müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Am wichtigsten ist, daß offizielle Interventionen andere wirtschaftspolitische Maßnahmen unterstützen und mit diesen in
Einklang stehen...
(Zweitens), daß
die Marktteilnehmer auf die Bereitschaft der Behörden zur Anpassung ihrer Maßnahmen vertrauen müssen, wenn
es scheint, daß letztere den gewünschten Zweck nicht erreichen...
(Drittens), daß die führenden Länder
auf den Devisenmärkten auf konzertierter und kooperativer Grundlage
auftreten müssen, die eindeutige Vereinbarungen zu den Zielen und Pflichten jedes Teilnehmers bei bestimmten
Maßnahmen widerspiegeln muß."

hielt er mehrfach Forschungsstipendien und schrieb zwei Bücher, die
beide von der Oxford University Press
verlegt wurden.
Mulfords Nachfolger als Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten wird
Charles Dallara.
Seit 1984 war Dallara leitender amerikanischer Direktor des Internationalen Währungsfonds.

Er hat sich solchen Vorschlägen
widersetzt, die einen drastischen und
formaleren Umbau des gegenwärtigen
Weltwährungssystems
forderten.
Stattdessen betrachtet er die Bemühungen der Industrieländer, binnenwirtschaftliche Maßnahmen stärker mit
den international vereinbarten Zielen
in Einklang zu bringen, als den korrekten Ansatz zum Abbau der Instabilität auf den Weltmärkten. In dieser
Hinsicht ist Mulford davon überzeugt,
daß die Industriestaaten ihre Koordinierungsbemühungen auf die Bereiche
Steuerreform, Liberalisierung der Finanzmärkte, Abbau von Hemmnissen für
die Mobilität der Arbeitnehmer, Reform der Landwirtschaft, staatliche
Subventionen und Handelsschranken erweitern müssen.
Mulford, der 20jährige Erfahrung
im internationalen Bankwesen mitbringt, war vor seiner Tätigkeit im
Finanzministerium leitender Berater
der saudi-arabischen Währungsbehörde
in Riad. Davor war er einer der Direktoren
des
Finanzunternehmens
Merril, Lynch, Pierce, Fenner and
Smith sowie Direktor von White, Weld
and Company. In den Jahren 1965 und
1966 war er Sonderberater des Finanzministers im Rahmen des White House
Fellow Program.
Mulford promovierte im Jahr 1965
an der Oxford University. Ferner er- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Information

C&amp;

25. Januar 1989

GELB BRINGT LANGJXHRIGE ERFAHRUNG AUS DEM PRIVATSEKTOR MIT ZU USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Bush zum Leiter des US-Informationsamtes (USIA) designierte Bruce Gelb hatte noch keine öffentlichen Ämter oder
Aufgaben in der Regierung inne, bringt aber als langjähriger Topmanager in der
pharmazeutischen Industrie einen großen Erfahrungsschatz in Führungsaufgaben
mit in die international tätige USIA.

Gelb begann seine Laufbahn in der
pharmazeutischen Industrie 1950 bei
der Kosmetikfirma Clairol, kehrte jedoch ein Jahr später wieder auf die
Schulbank zurück, um an der Universität Harvard einen Abschluß (MBA) in
Betriebswirtschaft zu erwerben.
Nach Abschluß seiner Studien im
Jahr 1953 wurde er Manager bei einem
anderen führenden Unternehmen der
pharmazeutischen Industrie, Procter
und Gamble, wo er bis 1957 tätig war.
1958 ging er zu Clairol zurück, und
wurde 1961 zum Vizepräsidenten befördert.
Im Jahr 1965 wurde er dann
Präsident der Firma.
1981 trat er in das Unternehmen
Bristol Myers ein, das vor allem Arzneimittel herstellt.
1984 übernahm

United States Information Service
Embassy of the United States of America

er dort die Abteilungen Konsumgüter
und Gesundheitsfürsorge.
Gelb ist
gegenwärtig Stellvertretender Vorsitzender von Bristol Meyers.
Der am 18. Januar 1989 für das
höchste Amt bei USIA nominierte Gelb
erinnert sich an sein erstes Zusammentreffen mit Bush vor 47 Jahren,
als beide die Privatschule Andover in
Massachusetts besuchten und der künftige Präsident ihm bei einem Streit
in der Schule beistand.
Bush und Gelb trafen sich erst
1978 wieder. Gelb arbeitete bei der
Sammlung von Spendengeldern für Bushs
Kampagne, mit der er die Nominierung
der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 1980 erringen wollte.
Ihm wird das Verdienst dafür zuge-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schrieben, für Bush bei den Vorwahlen
der Republikaner und der Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
große Summen aufgebracht zu haben.
Gelb wurde am 24. Februar 1927 in
New York geboren. Sein Vater war der
Gründer von Clairol. Er besuchte die
Universität Yale, wo er 1950 sein
Examen ablegte.
Kurz nach Beendigung seines Studiums in Harvard heiratete Gelb Lueza
Denise Thirkield.
Die Gelbs haben
vier Kinder: John, Joan, Richard und
Mary.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: die Welt tritt in eine Phase der Hoffnung ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker nennt fünf wichtige Veränderungen in der Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mulford neuer Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im Finanzministerium&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von David C. Mulford&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelb bringt langjährige Erfahrung aus dem Privatsektor mit zu USIA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>1 . Februar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Bumst

Erfolg der Pariser Erklärung muß ausgebaut werden

- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Technologie für Behinderte
- Computer - Mittler zur Umwelt

*

United States Information Service
Embassy of the United States of America

* * * * *

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�«&amp;*?*&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. Februar 1989

BURNS:

ERFOLG DER PARISER ERKLÄRUNG MUSS AUSGEBAUT WERDEN

- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, William Burns, zufolge müssen sich die Teilnehmerstaaten der Pariser
Konferenz über chemische Waffen noch energischer um die Beseitigung dieser
Waffen bemühen.
Vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats lobte Burns am 24. Januar 1989 die
Erklärungen der beteiligten Staaten gegen chemische Kriegführung sowie die
eingebrachten Vorschläge für deren Abschaffung. Es müsse aber noch mehr getan
werden. "Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, auf dem Erfolg von Paris aufzubauen", erklärte er.
Die Erklärung von Burns vor dem Ausschuß hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über die Gelegenheit, mich heute morgen mit Ihnen
treffen zu können, um über die Ergebnisse der kürzlich in Paris abgehaltenen Konferenz zum Einsatz chemischer Waffen zu berichten. Wie Sie
wissen, fand diese Konferenz, an der
149 Staaten teilnahmen, vom 7. bis
11. Januar 1989 statt. Die Delegation der Vereinigten Staaten wurde
von Außenminister Shultz geleitet.
Ich war zunächst sein Stellvertreter
und wurde nach seiner Abreise aus
Paris am 8. Januar Delegationsleiter.
Unserer Delegation gehörten Senator
Nickles und der Abgeordnete Cheney
sowie Vertreter verschiedener Regierungsbehörden an.
Am 28. September des vergangenen
Jahres forderte Präsident Reagan die
Parteien des Genfer Protokolls sowie
andere betroffene Staaten auf, eine

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Embassy of the United States of America

Konferenz zu veranstalten, um Maßnahmen zur Stärkung der Normen gegen den
völkerrechtswidrigen Einsatz chemischer Waffen zu beraten. Diese Aufforderung war ein Zeichen unserer Besorgnis über die gefährliche Verbreitung und den neuerlichen Einsatz chemischer Waffen.
Die Administration
hatte es sich zum Ziel gesetzt, die
vorgeschlagene Konferenz zu nutzen,
um der Aushöhlung
internationaler
Normen gegen den verbotenen Einsatz
chemischer Waffen Einhalt zu gebieten, Normen, die sich in der Vergangenheit bewährt hatten.
Präsident Mitterrand aus Frankreich, dessen Regierung als Treuhänder des Genfer Protokolls von 1925
fungiert, machte sich unsere Besorgnisse zu eigen und bot an, die vorgeschlagene Konferenz in Paris auszurichten.
Aufgrund außergewöhnlicher

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Telex: 8-85432

�Bemühungen seitens der französischen
Regierung wurde die Konferenz in der
kurzen Frist von vier Monaten organisiert und abgehalten.
Selten hat die internationale
Staatengemeinschaft so rasch und mit
solch
einhelliger
Entschlossenheit
auf ein dringliches internationales
Problem reagiert. Nahezu jedes Land
der Erde war bei der Konferenz vertreten, fast die Hälfte auf Außenministerebene.
Die Konferenz hat einen überwältigenden weltweiten Konsens geschmiedet.
In ihren Erklärungen vor dem
Plenum sowie in der einmütig verabschiedeten AbSchlußerklärung nahmen
die teilnehmenden Staaten energisch
und prinzipiell gegen den verbotenen
Einsatz und die gefährliche Verbreitung
chemischer
Waffen
Stellung.
Ferner bekräftigten sie ihre Unterstützung für die andauernden Bemühungen der Genfer Abrüstungskonferenz,
ein umfassendes, wirksam verifizierbares und wirklich weltweites Verbot
von Entwicklung, Herstellung und Lagerung chemischer Waffen auszuhandeln.
Das Ziel der Pariser Konferenz
bestand nicht darin, einzelne Länder
wegen des Einsatzes chemischer Waffen
in der Vergangenheit an den Pranger
zu stellen.
Wäre dies tatsächlich
unser Ziel gewesen, hätten mehrere
äußerst wichtige Staaten des konfliktgeschüttelten Nahen Ostens nicht
teilgenommen. Stattdessen sollte die
Konferenz den Blick in die Zukunft
richten: Um den Einsatz generell zu
verurteilen und das weltweite politische Engagement für die internationalen Normen gegen den verbotenen
Einsatz chemischer Waffen zu bekräftigen. Auch war die Konferenz nicht
als Verhandlungsforum
gedacht, um
diese internationalen Normen zu überarbeiten. Ihre Aufgabe bestand vielmehr darin, die Gültigkeit der bestehenden Beschränkungen, insbesondere
des Genfer Protokolls, wiederherzustellen.
Darüber hinaus gab es einige andere Bereiche, in denen sich die Vereinigten Staaten - wie Außenminister

Shultz in seiner Rede
Fortschritte erhofften:

ausführte

- Internationale Unterstützung für
die Überprüfung von Behauptungen
über den Einsatz chemischer Waffen durch den Generalsekretär der
Vereinten Nationen.
- Unterstützung
angemessener
Schritte im Einklang mit der
Charta der Vereinten Nationen für
den Fall eines zukünftigen verbotenen Einsatzes chemischer Waffen.
Wir fordern die Nationen
auf, in solchen Fällen Saktionen
gemäß Kapitel sieben in Erwägung
zu ziehen.
- Unterstützung humanitärer Hilfe
für die Opfer eines Einsatzes mit
chemischen Waffen durch die Völkergemeinschaft.
Im Verlauf der fünftägigen Konferenz haben über 100 Nationen im Plenum das Wort ergriffen. In der Größe
variierten sie von den führenden Nationen bis hin zu den winzigkleinen
Pazifikinseln.
Mit
erstaunlicher
Einmütigkeit drängten sie die Konferenz, über die bloße Artikulierung
der Besorgnis hinauszugehen und bei
der Pariser Konferenz eine Schlußerklärung zu verabschieden, die eine
Vielzahl von Themen konstruktiv behandelt.
Die im Plenum abgegebenen Erklärungen enthielten eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Die Teilnehmerstaaten
bekräftigten ihre Verpflichtung zur
Einhaltung
des Genfer Protokolls.
Darüber hinaus haben 14 Staaten ihre
Absicht bekundet, dem Protokoll beizutreten.
- Die Teilnehmer unterstrichen die
Bedeutung der derzeit in Genf
stattfindenden Verhandlungen sowie die Notwendigkeit, ein vollständiges Verbot chemischer Waffen zu erzielen. In diesem Zusammenhang betonten sie, ein solches
Verbot
müsse
umfassend,
wahrhaft weltweit und wirksam verifizierbar sein.
Ferner wurde
nahezu einmütig der Wunsch zum

�senden und wirksam verifizierbaren Verbots von unbegrenzter Dauer für alle chemischen Waffen.
Die Abschlußerklärung erkennt an,
daß ein Verbot chemischer Waffen,
wenn es Wirkung zeitigen soll,
weltweit gelten muß und fordert
alle Staaten auf, einer Konvention beizutreten, sobald diese
vereinbart ist.

Ausdruck gebracht, einen Beitrag
zu den Genfer Abrüstungsverhandlungen zu leisten.
- Die Nationen unstrichen wiederholt die Bedeutung des Verfahrens, mit dem der Generalsekretär
den Einsatz chemischer Waffen
überprüft.
Darüber hinaus forderten die unterschiedlichste Regionen und politische Gruppierungen vertretenden Nationen die Einführung von Kontrollen
für die Ausfuhr von Materialien, die
mit chemischen Waffen in Verbindung
stehen, mit dem Zweck, die gefährliche Verbreitung chemischer Waffen
zu unterbinden.
Die Schlußerklärung der Pariser
Konferenz spiegelt die Zielsetzung
der Vereinigten Staaten in diesen
wichtigen Bereichen wider:
- Die Konferenz
verurteilte den
Einsatz chemischer Waffen als
eine Verletzung des Völkerrechts
und der bestehenden Normen.
- Die Teilnehmer betonten die Bedeutung und fortwährende Gültigkeit des Genfer Protokolls.
- Die Teilnehmer brachten ihre tiefe Besorgnis über die Verbreitung
chemischer Waffen zum Ausdruck
und forderten alle Staaten auf,
Zurückhaltung zu üben und sich
verantwortungsbewußt zu verhalten.
- Die Konferenz bekräftigte die uneingeschränkte Unterstützung des
Generalsekretärs bei der Ausübung
seiner Pflichten zur Überprüfung
von Berichten über den Einsatz
chemischer Waffen und brachte ihre Unterstützung geeigneter und
wirksamer
Schritte
gemäß
der
Charta der Vereinten Nationen zum
Ausdruck.
- Die Teilnehmer unterstützten ferner humanitäre Hilfe für die Opfer chemischer Waffen.
- Die Konferenz forderte die Aushandlung eines weltweiten, umfas-

In den Plenarsitzungen und in Erörterungen über den Text der AbSchlußerklärung suchten eine Reihe
von Teilnehmerländern
ein Junktim
zwischen chemischen Waffen und Nuklearwaffen herzustellen, mit dem Argument, erstere könnten nicht beseitigt
werden, wenn letztere existieren.
Die Vereinigten Staaten und viele andere Länder widersetzten sich diesem
vorgeschlagenen
Junktim
vehement.
Darüber hinaus wurden Forderungen
nach einem Moratorium für die Herstellung chemischer Waffen laut. Als
Reaktion darauf erklärte die amerikanische Delegation, für die Vereinigten Staaten sei die Beibehaltung
einer glaubwürdigen Vergeltungsfähigkeit mit chemischen Waffen erforderlich, um die Abschreckung eines Angriffs mit chemischen Waffen gegen
ihre eigenen und verbündete Streitkräfte sowie den Anreiz für andere
Staaten aufrechtzuerhalten, ernsthaft
über ein Verbot chemischer Waffen zu
verhandeln.
Die Vereinbarung einer Abschlußerklärung war für die amerikanischen
Zielsetzungen bei der Konferenz kein
wesentliches Kriterium.
Die Tatsache, daß 149 Länder dem Ruf zur
Pariser Konferenz folgten und sich
mit den Gefahren des Einsatzes und
der Weiterverbreitung chemischer Waffen auseinandersetzten, hat dieses
Problem auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Das wirkliche Ergebnis liegt darin, daß jeder künftige Einsatz chemischer Waffen von den
Ländern der Welt streng verurteilt
wird und ihr Bewußtsein im Hinblick
auf die Gefahren der Weiterverbreitung chemischer Waffen und der Notwendigkeit eines weltweit gültigen
Verbots solcher Waffen geschärft ist.

- 3 -

�Die Abschlußerklärung ist dennoch
insofern eine bemerkenswerte Leistung, als daß 149 Länder andere,
sonst in diesen Foren häufig vorherrschende Belange im Interesse einer
einmütig
verabschiedeten
Erklärung
beiseite gelassen haben. Hätte die
volle Verantwortung für den Text der
Erklärung bei der amerikanischen Delegation gelegen, wäre die Notwendigkeit
starker Exportkontrollen als
Maßnahme zur Nichtweiterverbreitung
ausdrücklich darin niedergelegt worden. Darüber hinaus wäre der Erwägung von Sanktionen gegen Übertretungen größere Bedeutung beigemessen und
die Verurteilung des Einsatzes eindeutiger formuliert worden. Aber wir
tragen die Verantwortung für die AbSchlußerklärung zusammen mit 148 anderen Ländern und werten sie daher
als zusätzlichen Erfolg der Konferenz.
Die Pariser Konferenz hat im Hinblick auf chemische Waffen einen
Schlußstrich unter die tragischen Ereignisse der Vergangenheit gezogen.
Wir haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Abschlußerklärung und
die Verlautbarungen der Plenarsitzungen liefern uns eine gute Grundlage
für unsere zukünftige Arbeit - unsere
Anstrengungen, künftig den illegalen
Einsatz chemischer Waffen zu verhindern, Bestrebungen, der gefährlichen
Verbreitung dieser Waffen Einhalt zu
gebieten und unsere Bemühungen, die
für uns einzig vernünftige Lösung all
dieser Probleme zu finden - ein weltweites, verifizierbares Verbot chemischer Waffen.
Die Staatengemeinschaft hat in Paris anerkannt, daß
diese Ziele über alle nationalpolitischen oder ideologischen Erwägungen
hinausgehen. Unsere Aufgabe ist es
nun, auf dem Erfolg von Paris aufzubauen.

•

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

1. Februar 1989

TECHNOLOGIE FÜR BEHINDERTE
Computer - Mittler zur Umwelt -

- (AD) - Bestimmte Muskel- und Nervenerkrankungen oder ein schwerer Unfall
können bedeuten, daß die Betroffenen die gewohnte Unabhängigkeit nie wieder
erlangen. Aber unter Nutzbarmachung moderner Technologien, insbesondere der
in Industrie, Wirtschaft, Medizin und auch im privaten Bereich so vielfältig
angewandten Elektronik und Computertechnik, kann für Menschen mit schwersten
Beeinträchtigungen ihrer Bewegungsfähigkeit doch ein gewisser Freiraum geschaffen werden. Durch intelligent eingesetzte "High-Tech"-Elemente - oft in
Verbindung mit recht simplen Hilfsmitteln - kann es bei entsprechender Anpassung an die individuellen Gegebenheiten dem Behinderten z. B. möglich werden,
sich mit Personen in seiner Umgebung und auch in einer der Menschenwürde eher
entsprechenden Weise zu verständigen. Für nicht wenige öffnet "angepaßte
Technik" das Tor zu Aktivitäten, die sogar ins Berufsleben führen und die Entfaltung persönlicher Begabungen unterstützen.

Ein
Paradebeispiel
ist
das
Schicksal eines inzwischen promovierten jungen Biologen an der Universität Colorado. Mit 19 Jahren hatte er
infolge von Verletzungen im Halswirbelbereich bei einem Autounfall eine
Querschnittlähmung
erlitten.
Arme
und Beine sind seitdem nicht mehr zu
gebrauchen.
Im Krankenhaus lernte
er, mit einem Elektrorollstuhl umzugehen und, mit Hilfe eines mit dem
Mund geführten Stabes, Maschine zu
schreiben. Den Wunsch, zu studieren,
gab er trotz seiner mißlichen Lage
nicht auf, obgleich die Hindernisse
oft allzu mächtig zu sein schienen.
Schließlich öffnete ihm die Anschaffung eines Personalcomputers den Zugang zu Bibliotheken und anderen
wichtigen
Informationsquellen, erleichterte das Schreiben und gab ihm

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die Möglichkeit, sein für den Beruf
eindeutig vorhandenes Talent praktisch zu nutzen. Am wichtigsten aber
ist ihm die Tatsache, daß er jetzt
für seine Tätigkeiten keine Hilfsperson mehr bemühen muß.
Bei einer 40jährigen Patienten
der Universität Washington in Seattle
hatte der Unfall nicht nur eine Lähmung aller Gliedmaßen, sondern auch
der Sprechmuskeln zur Folge. Sie erhielt einen der ersten computergesteuerten Elektrorollstühle. Gleichzeitig verschafft ihr der Computer
ein gewisses "Sprechvermögen". Mit
dem im Stirnband angebrachten Lichtdetektor deutet sie auf eine am Rollstuhl befestigte Anzeigekonsole. In
diese sind nicht nur die Steuerungselemente
für Geschwindigkeit
und

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Telex: 8-85432

�Fahrrichtung ihres Rollstuhls eingebaut, sondern sie enthält auch Buchstaben des Alphabets, Zahlen und ein
paar einfache Sätze wie zum Beispiel
"Ich habe Hunger". Durch Bewegung
des Kopfes richtet die Patientin den
Lichtdetektor auf einen Buchstaben,
eine Zahl oder ein anderes "Signal"Kästchen auf der Konsole und setzt so
ihre Botschaften zusammen. Der Computer macht diese auf einem kleinen
Bildschirm sichtbar, kann sie auch
ausdrucken oder in seiner synthetischen Sprache akustisch weitergeben.
Zuvor war Kommunikation nur
über eine Hilfsperson möglich, die
nacheinander auf die auf einer Tafel
aufgemalten Buchstaben des Alphabets
zeigte.
Hatte sie den richtigen
Buchstaben getroffen, nickte die Patienten mit dem Kopf. Buchstabe um
Buchstabe ließen sich so zu Wörtern
zusammensetzen - eine überaus mühsame
Prozedur.
An der Staatsuniversität Michigan
wurde ein "Eyescan"-Kommunikator entwickelt, der eine größere Arbeitsgeschwindigkeit hat und sprechunfähige
Personen in die Lage versetzt, mit
den Augen zu "reden". Dem kommt der
Umstand zugute, daß die Funktion der
Augenmuskeln von allen Muskelfunktionen im menschlichen Körper am längsten erhalten bleibt. Der Patient
trägt eine Spezialbrille, auf deren
eines Glas ein fünf cm langer Zylinder mit einer Art Bildtafel am Ende
aufgesetzt ist. Diese ist in sechs,
um ein gleichgroßes Mittelfeld gruppierte Kästchen unterteilt, die jeweils fünf um ihren Mittelpunkt angeordnete Buchstaben oder andere Zeichen enthalten. Der Patient visiert
den gewünschten Buchstaben und anschließend den Mittelpunkt des betreffenden Kästchens an, und sofort
erscheint der Buchstabe auf dem Bildschirm des angeschlossenen Computers
als Teil des Wortes, das "gesagt"
werden soll und relativ rasch zusammengesetzt werden kann.
Kernstücke des Zylinders sind
sechs ringförmig angeordnete Dioden,
die
Infrarotlicht
aussenden, und

sechs empfindliche Sensoren, die das
an der Retina reflektierte Licht erfassen. Aus der Intensität des am
Auge reflektierten Lichtes kann der
Computer die Richtung und damit auch
das im Gitter anvisierte Zeichen errechnen. Apparaturen dieser und ähnlicher Art dürften nach Meinung von
Experten immer häufiger gebraucht
werden, weil die Zahl der Patienten
steigt, die einen schweren Unfall
oder Schlaganfall überleben.
Auch
nach der Manifestation einer neurologischen Erkrankung wie ALS (amyotrophische Lateralsklerose) leben heute
die Betroffenen durchschnittlich länger als ihre Leidensgenossen noch vor
etwa einem Jahrzehnt.
Man schätzt, daß allein unter den
etwa 600 000 mehr oder weniger stark
körperbehinderten Personen in den USA
(von ca. 13 Millionen im arbeitsfähigen Alter, die mit Behinderungen verschiedenster Art behaftet sind) bis
zu 50 000 solche Hilfen benötigen
würden. Bei größerem Bedarf könnten
die Herstellungskosten gesenkt werden.

Biotechnik als Freizeithobby
In der regelmäßig am Jahresende
erscheinenden Ehrenliste der amerikanischen Fachzeitschrift "Aviation
Week &amp; Space Technology" zur Würdigung von Verdiensten im technischen
und organisatorischen Bereich wurde
in der Ausgabe vom 2. Januar 1989 unter der Rubrik "Elektronik" John R.
Staehlin genannt. Er ist leitender
Beratungsingenieur in der Elektronikbranche und wurde für seine Verdienste um die gemeinnützige Organisation
"Volunteers for Medical Engineering"
(VME) ausgezeichnet, die er 1981
gründete. Ziel dieser Gruppe ist es,
Entwicklungen der Wehrtechnik so umzugestalten, daß sie sich für Hilfsmittel und Anwendungsverfahren eignen, die Behinderten das Leben erleichtern können oder in der Medizin
zu verwenden sind. Eine Schreibmaschine, die der Benutzer mit Hilfe
eines durch Anvisieren gesteuerten
Bildschirmzeigers bedient, war eines

�der ersten Resultate.
Inzwischen gehören ca. 600 Personen aus 75 amerikanischen Firmen dem
Verband an und basteln in ihrer Freizeit an Projekten für Behinderte.
Neuentwicklungen werden an interessierte Personen und Stellen ausgeliehen und, wenn sie sich in der Praxis
bewähren, weiter verbessert, um sie
eventuell in Serie bauen zu können.
Die der Vereinigung angeschlossenen
Firmen gestatten ihren Mitarbeitern,
Konstruktionspläne, wissenschaftlichtechnische Ausrüstungen und Fabrikationswerkzeuge in der Freizeit für
VME-Zwecke zu benutzen.
Staehlin begann sein Programm mit
ein paar Ingenieuren. Inzwischen arbeiten auch Konstrukteure, technische
Zeichner, Metallfacharbeiter der verschiedensten Spezialbereiche und andere technische Fachkräfte mit. Eines der ersten Projekte war die Verbesserung des Handschlusses einer
Orthese für Patienten, die ihre Finger nicht gebrauchen können. "Aviation Week" berichtet, daß auf der Basis eines komplexen Antennenantriebs
für ein Flugzeug-Radargerät ein einfacher
Servomechanismus
entwickelt
wurde, der die Benutzung des Hilfsmittels für den Behinderten vereinfachte und zuverlässiger machte.

Rollstuhl angewiesen und praktisch
den ganzen Tag über zum Sitzen verurteilt. VME-Enthusiasten entwickelten
ein mobiles Haltegestell, das diese
Personen in die Lage versetzt, sich
auch in aufrechter Haltung im Raum
sicher zu bewegen. Mit Computerhilfe
arbeiteten Konstruktionszeichner Entwürfe aus, die die verschiedenen
Größen der Benutzer berücksichtigen,
und Ingenieure führten Belastungstests für das System durch. Inzwischen wurden ein Prototyp und fünf
für die Produktion geeignete Modelle
gebaut. Tagsüber zumindest ab und zu
stehen zu können ist nicht nur für
Kreislauf
und Muskeltonus besser,
sondern gibt auch psychische Hilfe.
Es sei wichtig, dem Gesprächspartner
auch einmal Auge in Auge gegenüberstehen zu können, anstatt sich mit
ihm stets nur aus der tiefen Sitzposition heraus unterhalten zu können,
meinte ein Patient, der an Muskeldystrophie leidet.

In der Entwicklung befinden sich
unter anderem eine Miniatur-Antenne
von nur 0,1 mm Durchmesser, um Gehirntumoren mit Mikrowellenstrahlung
behandeln zu können, und künstliche
Muskelfasern, die sich unter Strom
zusammenziehen. Ein von der Freiwilligen-Organisation gebauter Universaladapter erlaubt, einen Computer
mit der Stimme oder mit der von
Blicksensoren aktivierten Schaltanlage anstatt mit einer Tastatur zu bedienen. Die Anrengung dazu gab ein
amerikanisches Bundesgesetz vom Oktober 1986, das Regierungsbehörden vorschreibt,
behinderten
Angestellten
den Zugang zu allen neuen elektronischen Büromaschinen zu ermöglichen.
Querschnittgelähmte

sind auf den
- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;div&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&#13;
&lt;div&gt;Burns: Erfolg der Pariser Erklärung muß ausgebaut werden&lt;/div&gt;&#13;
&lt;div&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technologie für Behinderte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Computer - Mittler zur Umwelt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

8. Februar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Tower: Enormes Ungleichgewicht zwischen NATO und Sowjets
- Rede des designierten Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung Asymmetrien zwischen NATO und Warschauer Pakt weiterhin problematisch
- Interview mit James Blackwell vom CSIS -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategiepolitik erfordert überparteilichen Konsens
- Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa - VKSE
- Eine Übersicht der ACDA -

WIRTSCHAFT
Yeutter fordert harte Gangart bei hormonbehandeltem Fleisch
- Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG Regierungen benutzen Gesundheitsvorschriften zur Einfuhrbegrenzung
- Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

8. Februar 1989

TOWER:

ENORMES UNGLEICHGEWICHT ZWISCHEN NATO UND SOWJETS

- Rede des designierten Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung MÜNCHEN - (AD) - Den Ausführungen des designierten Verteidigungsministers
John Tower zufolge "wird ein enormes Ungleichgewicht zwischen den Fähigkeiten
der Sowjets und denen des westlichen Bündnisses bestehenbleiben", selbst wenn
die Sowjetunion ihr Versprechen zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte einlöst.
In meiner Rede bei der jährlich stattfindenden Wehrkundetagung in München
am 29. Januar 1989 bekräftigte Tower ferner das Engagement der Bush-Administration für die NATO und ihre "Entschlossenheit, gemeinsam mit dem Bündnis an
der Stärkung des Wesens und der Qualität der Verteidigung des Westens zu arbeiten."
Sachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des künftigen Verteldigungsinintsters. Es gilt das gesprochene Wort.

Ms
designierter
Verteidigungsminister
der
Bush-Administration
möchte ich zunächst das Engagement
der Vereinigten Staaten für die NATO
unter
Präsident
Bush
bekräftigen.
Seit; dem Zweiten Weltkrieg war jede
Ilegi ^rungszei t eines
Präsidenten
sei pr Republikaner oder Demokrat von Kontinuität geprägt, die das Konzept gegenseitiger Sicherheit beinhaltet und der sich die Bush-Administration
verschrieben
hat:
Unsere
Entschlossenheit, gemeinsam mit dem
Bündnis an der Stärkung des Wesens
und der Qualität der Verteidigung des
Westens zu arbeiten...
Viele von Ihnen haben meine Ausführungen bei der jüngsten Anhörung
vor dem Streitkräfteausschuß des Senat«; der Vereinigten Staaten gelesen,

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in dessen Hand mein Schicksal im Hinblick auf meine Bestätigung liegt.
Sollten meine ehemaligen Kollegen zu
der Überzeugung gelangen, daß ich für
das Amt des Verteidigungsministers
nicht geeignet bin, werde ich mich
wieder ins Privatleben zurückziehen
und über sehr viel mehr Freiheit und
Wohlstand verfügen. Aber trotz mancher sicherlich sehr schwierigen Zeiten begrüße ich diese Herausforderung.
Alles, was andere Vertreter der
Bush-Administration und ich in den
vergangenen Tagen gesagt haben, muß
im Zusammenhang mit der Tatsache gesehen werden, daß die Vereinigten
Staaten
sich
mit einem
beträchtlichen, vielleicht sogar Schwindelei—
regenden Ungleichgewicht
im Handel
und
einem enormen
Haushaltsdefizit

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Telex: 8-85432

�konfrontiert sehen, das - wenn es
nicht ausgeglichen wird - nicht nur
das wirtschaftliche Wohlergehen der
Vereinigten Staaten, sondern auch aller anderen Nationen bedroht, die
Mitglieder der NATO sind...
Diese
Budgetzwänge und alle größeren Ausgaben der Vereinigten Staaten müssen
sorgfältig überprüft werden, und dies
beinhaltet
auch
nationale
Sicherheitsinteressen.
In den Anhörungen
habe
ich
öffentlich
erklärt, daß
nichts in der Militärorganisation unanatastbar ist und wir alles eingehend prüfen werden, jedes einzelne
Programm, jedes Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.
Wir werden uns
die Streitkräftestruktur, die Operationsgeschwindigkeit, Militäreinrichtungen sowie jeden einzelnen Aspekt
der Verteidigungsausgaben vornehmen.
Dies betrifft auch unsere umfangreichen Stationierungen weltweit und
den Umfang dieser Stationierungen.
Ich hoffe jedoch, daß Sie meine Ausführungen nicht dahingehend interpretieren, unser Engagement gegenüber
der NATO würde erheblich verringert.
Ich bin mir nicht nur des militärischen Wertes, sondern auch der
politischen Notwendigkeit der amerikanischen Präsenz bewußt.
7arner bin ich mir darüber im
Viaren, daß wir nicht aus reinem
Altruismus in Westeuropa sind, sondern weil es in unserem nationalen
Interesse
liegt.
Die Bush-Administration wird daher alles in ihrer
Macht stehende tun, um unsere nationalen Ziele klar zu umreißen und eine
Strategie zu entwerfen, die auf die
Verwirklichung
dieser Ziele ausgerichtet ist. Und dann wird es meine
Aufgabe
sein, unsere Streitkräftestruktur
und unsere
operationeilen
Verpflichtungen im Hinblick auf ihre
Rolle und Ziele zu überprüfen... Unsere Verteidigungsausgaben stehen an
erster Stelle der Prioritätenliste,
aber wir müssen rational vorgehen und
uns eindeutig klar machen, was erforderlich ist, um der Bedrohung für
Frieden und Sicherheit des Westens zu
begegnen, die sich uns durch die Fähigkeiten
eines
mächtigen
Gegners

Ferner stellen wir fest, daß eine
Modernisierung
unerläßlich
ist.
Vielleicht müssen wir in anderen Bereichen um der Modernisierung willen
Opfer bringen.
Wir können es uns
nicht leisten, anders zu handeln, wir
können die Zukunft nicht verpfänden.
Eines sollte klar verstanden werden:
Selbst wenn wir Abkommen erlangen wie im Fall der nuklearen Mittelstreckenwaffen -, die eine erhebliche
Reduzierung der strategischen Fähigkeiten zur Folge haben, selbst wenn
wir das vielleicht am schwierigsten
zu Erreichende, ein Abkommen über die
asymmetrische Reduzierung der konventionellen Streitkräfte, zuwege bringen und selbst wenn wir uns auf wirksame Maßnahme zur Beendigung des Einsatzes chemischer und
biologischer
Waffen verständigen, müssen wir auch
nach all diesen Abkommen eine militärische
Streitmacht
aufrechterhalten, die so modern... und so schlagkräftig wie möglich ist. Die auf unserer Seite verbleibenden Streitkräfte müssen die besten sein, die aufzustellen wir in der Lage sind, denn
Sie können versichert sein, daß die
Sowjets bei der Auswahl ihrer nach
solchen Vereinbarungen verbleibenden
Systeme die besten nehmen werden, die
sie herstellen können und daß ihr
Vorgehen bei der Beschaffung und Stationierung dieser Systeme nicht darauf beruhen wird, was sie sich finanziell leisten können. Es wird vielmehr von dem Gedanken geleitet sein,
der
Sowjetunion
die
bestmögliche
Kampffähigkeit
in
einem
möglichen
Xriegseinsatz bereitzustellen.
Der einzige bedeutende Bereich,
in dem wir den Sowjets zahlenmäßig
überlegen
sind,
sind
die
großen
Schiffe. Und das ist für uns natürlich eine Frage geostrategischer Notwendigkeit,
die
von
den
geographischen Gegebenheiten der Vereinigten Staaten, des westlichen Bündnisses, der anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt
und der Sowjetunion geprägt wird und
stark von der Sicherung der Verbindungswege abhängt.

�Ferner muß ich feststellen, daß
die Sowjets nichts für uns tun werden, was wir nicht selbst für uns
tun. Mit anderen Worten: Wir dürfen
nicht erwarten, daß sie durch ihre
einseitigen Handlungen unsere Sicherheit verbessern.
Wir müssen alles
erforderliche unternehmen, um unsere
eigene Sicherheit zu verbessern. Es
wurde in den vergangenen eineinhalb
Tagen hier vieles für mich Ermutigende gesagt, was meiner Meinung nach
eine gesunde Skepsis gegenüber den
Initiativen Gorbatschows widerspiegelt.
Tatsache ist:
Selbst wenn
Herr Gorbatschow aufrichtig ist und
selbst wenn er in gewissem Maß Erfolg
hat, können wir nicht außer acht lassen, daß eine enorme Bedrohung der
Sicherheit der Vereinigten Staaten
und
ihrer
Verbündeten
bestehenbleibt. ..
In den 14 Monaten meiner Tätigkeit als Unterhändler bei den Verhandlungen mit den Sowjets über strategische Waffen habe ich gelernt, daß
sie wirklich keine Zugeständnisse ohne Gegenleistung machen. Vielleicht
können wir alle etwas Hoffnung und
Ermutigung aus Gorbatschows öffentlich bekundeter Absicht ziehen, seine
konventionellen Streitkräfte um 10
Prozent zu verringern.
Aber selbst wenn er dies in gutem
Glauben tun sollte, wird immer noch
ein enormes Ungleichgewicht zwischen
den Fähigkeiten der Sowjets und denen
des westlichen Bündnisses bestehenbleiben.
Wir sollten die Lehren der Geschichte beherzigen. Ein weiser Man
hat einmal gesagt: Ich denke, die
einzige Lehre, die wir aus der Geschichte ziehen, besteht darin, daß
wir keine Lehren aus der Geschichte
ziehen.
Ich hoffe, wir sind nicht
dazu verdammt, unsere Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Wenn wir
vielleicht die Lehren der Zeit vor
hundert Jahren oder selbst die Lehren
aus der Zeit vor 50 Jahren vergessen,
währe es unverzeihlich, wenn wir die
Lehren der vergangenen zwei Jahr- 3

zehnte nicht beherzigen, die uns alle
noch lebhaft vor Augen stehen. Wir
sollten uns in Erinnerung rufen, daß
es in den siebziger Jahren - im Zeitalter der Entspannung - geschah, daß
wir Amerikaner - vielleicht aus Naivität und Torheit - unsere Militärausgaben real reduzierten, während
die Sowjetunion
ihre militärische
Aufrüstung unerbittlich fortsetzte.
Ich hoffe, wir können uns dieser Lehre erinnern. Es gibt wirklich Tauwetter im Kalten Krieg. Wir freuen
uns über diese beabsichtigten Reduzierungen, aber ich wiederhole nochmals: Die Bedrohung hat sich nicht
verringert.
Und lassen Sie mich nun auf eines
unserer Lieblingsthemen, die Lastenverteilung, eingehen.
Ich erinnere
mich an meine erste Wehrkundetagung
vor 22 Jahren, und damals sprachen
wir auch über die Lastenverteilung.
Und heute, 22 Jahre danach, reden wir
immer noch über die Lastenverteilung.
Diese Frage wird von den Amerikanern
sehr ernst genommen.
Der Durchschnittsbürger
in den Vereinigten
Staaten fragt, ob wir für die Verteidigung Europas und darüber hinaus für
die Verteidigung europäischer Interessen außerhalb des definierten NATOGebiets Mittel in diesem Ausmaß bereitstellen sollten, wenn der Eindruck besteht, daß unsere Verbündeten
nicht so viel für sich selbst tun,
wie sie sollten.
Ich denke, wir alle können uns
noch an den Mansfield-Verfassungszusatz in der Mitte der siebziger Jahre
erinnern, mit dem erhebliche Truppenreduzierungen in Europa vorgeschrieben werden sollten. Wie wir uns erinnern, wurde dieses Vorhaben im Senat der Vereinigten Staaten mit knapper Mehrheit abgewiesen. In der jüngeren Vergangenheit können wir uns an
eine Initiative von Senator Nunn einem großen Freund des Bündnisses erinnern, der in anderen gesetzgeberischen Angelegenheiten so viel getan
hat, um die Zweibahnstraße zu fördern. Er stellte im Senat einen Verfassungszusatz zur Diskussion, mit

�dem gewisse Kriterien aufgestellt
worden wären, die im Falle der Nichterfüllung durch das Bündnis stufenweise
Reduzierungen
vorgeschrieben
und (die Vereinigten Staaten) verpflichtet hätte, die amerikanischen
Truppen in Westeuropa zu verringern.
Auch dieser Zusatz wurde mit knapper
Mehrheit abgewiesen.
Aber im Nachhinein denke ich, wir
können über den Zusatz von Senator
Nunn froh sein, da dieser eine heilsame Wirkung hatte und zusammen mit
der Initiative Lord Carringtons erhebliche höhere Beiträge der Verbündeten zur Verbesserung des militärischen Einsatzkonzepts in Westeuropa
hervorbrachte.
Aber wir dürfen nicht nur im Zusammenhang mit Westeuropa an Lastenverteilung
denken, sondern müssen
über den von der NATO abgesteckten
Rahmen hinausblicken.
Und was die
bündnisfremden Gebiete betrifft, so
hat mich Senator Glenn gestern abend
an den Umfang der amerikanischen Verpflichtungen auf der ganzen Welt erinnert.
Die US-Marlne bildet den
wesentlichen Punkt für die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten, militärische Macht zu projizieren.
Wir
alle sind auf die Seeverbindungen angewiesen.
Die Vereinigten Staaten,
die den Verbündeten während des Zweiten Weltkrieges soviel Unterstützung
geleistet haben, sind jetzt wirtschaftlich gesehen eine Insel und
ebenso wie Sie bei Rohstoffen, Energie, neuen Märkten abhängig von ausländischen Quellen.
Darüber hinaus
hängen von unserer geostrategischen
Position die Verteidigung unserer Interessen und die Erhaltung der Fähigkeit zur Verteidigung jener ausländischen Quellen und Seewege ab, die
einen wichtigen Bestandteil der Verteidigung des Westens bilden, die
wiederum größtenteils von den Vereinigten Staaten übernommen wird...
Unser Aktionsradius ist enorm groß:
unsere Präsenz im Persischen Golf und
die rechtzeitige und schwer aufzuwiegende
Unterstützung
durch
unsere
westlichen Verbündeten bringen meiner

Ansicht nach eine Lösung des Krieges
zwischen Iran und Irak hervor, der
eine Bedrohung für eine lebenswichtige Energiequelle darstellt, eine Bedrohung für die sehr notwendige Stabilität im Nahen Osten, eine Bedrohung für ihre strategische Position
in der Region.
Ein Flugzeugträger gilt manchmal
als Präzisionsinstrument der Diplomatie.
Ich muß Ihnen sagen, meine
Freunde, daß er auch ein teures Instrument der Diplomatie ist, ein sehr
notwendige Instrument nicht nur der
Diplomatie, sondern auch ebenso zur
schnellen Reaktion auf Situationen,
die militärische Aktion erfordern,
insbesondere, wenn Sie die Tatsache
berücksichtigen,
daß
stationäre
Stützpunkte auf der Welt nicht immer
in sehr sicheren Gebieten liegen, wir
die Fähigkeit zum Einsatz der Luftstreitkräfte haben und unsere Überlegenheit in vielen Teilen der Welt dokumentieren müssen.
Ich bin mir bewußt, daß unsere
Verbündeten weltweit nur einen begrenzten militärischen Beitrag leisten. Ich bin mir bewußt, daß unsere
Verbündeten nicht die Fähigkeiten zur
Machtprojektion haben wie die Vereinigten Staaten.
Aber andere Bestandteile der Machtprojektion sind
vielleicht
genauso
(unverständlich)... die Verbündeten sehr wohl in
der Lage sind, die Lasten zu teilen.
Ich denke dabei an Wirtschaftshilfe
an für uns wichtige Länder und Regionen. Das ist eine Teillast, die von
unseren sehr wohlhabenden europäischen Verbündeten übernommen werden
kann.
Zur Militärhilfe: Es gibt viele
kleine Länder, die dem Westen friedlich gegenüberstehen, aber schwierige
Nachbarn haben und sich Bedrohungen
ausgesetzt sehen, wie zum Beispiel
Tunesien und Ägypten, die von Oberst
Gadhafi,
seinen
expansionistischen
Absichten und seinen erheblichen militärischen Fähigkeiten bedroht werden. Meiner Ansicht nach könnten unsere Verbündenten mehr Unterstützung

�im Bereich der Militärhilfe leisten.
Und dann gibt es noch das Schuldenproblem der Dritten Welt: Diese
Last wird vor allem von den Vereinigten Staaten getragen, und sie könnte
meiner Ansicht
nach von unseren
Freunden im Westen und insbesondere
von den Japanern mitgetragen werden.
Und deshalb müssen wir erkennen,
daß wir ungeachtet der Definitionen
über die Grenzen der NATO und den
Vertrag selbst keine Inselmentalität
entwickeln dürfen und zusammenarbeiten müssen, um mit diesen Krisen und
Bedrohungen fertigzuwerden, denen wir
uns ohne diesen abgesteckten Rahmen
ausgesetzt sind.
Und wenn man sich an eine kluge
Äußerung erinnert, die vor 15 Jahren
auf der Wehrkundetagung von einem
klugen Mann namens Gerd SchmUckle der hier unter uns weilt und dessen
Haar in all den Jahren kaum grauer
geworden ist - vorgebracht wurde, der
etwas Kluges gesagt hat, das heute
noch mehr Gültigkeit hat als nach der
Krise im Nahen Osten vor 15 Jahren:
"Wenn wir nicht als Bündnis handeln
können, müssen wir lernen, uns wie
Verbündete zu benehmen."

- 5

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röi

•&lt;!&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

8. Februar 1989

ASYMMETRIEN ZWISCHEN NATO UND WARSCHAUER PAKT WEITERHIN PROBLEMATISCH
- Interview mit James Blackwell vom CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Die Ungleichgewichte zwischen der NATO und dem
Warschauer Pakt bei den konventionellen Streitkräften in Mitteleuropa werden
dem Washingtoner Rüstungsexperten James Blackwell Jr. zufolge wahrscheinlich
auch nach dem vom sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow angekündigten Truppenabbau fortbestehen. Blackwell, ein erfahrener Verteidigungsexperte des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS),
erklärte in einem Interview mit einem Vertreter des US-Informationsamts am 1.
Februar 1989, daß selbst nach dem von Gorbatschow versprochenen Abbau um
500 000 Soldaten und 10 000 Panzer (5 000 aus Osteuropa) Asymmetrien zwischen
NATO und Warschauer Pakt bestehen blieben. "Die größte Bedrohung für die Sicherheit des Westens besteht seit 1945 in der Anwesenheit von über 50 000 Panzern von Warschauer Pakt/Sowjetunion westlich des Urals."

"Wenn Gorbatschow es ernst meint
und 5 000 der modernsten russischen
Panzer verschrottet, dann wird dies
sicherlich ihre Angriffsfähigkeit in
gewisser Weise einschränken. Es bedeutet jedoch keine erhebliche Reduzierung der Bedrohung für die NATO,
fall sie nicht wesentlich mehr als
5 000 Panzer abbauen."
Wenige Tage
zuvor hatte der
Warschauer Pakt einen Streitkräftevergleich veröffentlicht, der bei
Panzern eine Überlegenheit von 2:1
gegenüber der NATO ausweist. Ein
amerikanischer Sprecher bei der NATO
nahm das Eingeständnis der Überlegenheit bei Kampfpanzern seitens des
Warschauer Pakts zur Kenntnis und betonte die Fähigkeit dieses Waffensystems zu "Überraschungsangriffen und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

großangelegten Offensivoperationen".
Blackwell geht davon aus, daß
Gorbatschow keine weiteren einseitigen Zugeständnisse bei Panzern machen
wird. "Ich denke, er hat mit seinen
Militärs verhandelt, und dies ist das
Maximum, was er bei ihnen erreichen
konnte."
Obwohl
Gorbatschow
versprochen
habe, in den kommenden Jahren die Militärausgaben zu verringern, "sollten
wir in unserer Wachsamkeit nicht
nachlassen". "Nach vier Monaten der
Rhetorik können wir Gorbatschow kein
Verdienst für einen Wandel des von
den Sowjets in den vergangenen 40
Jahren
gezeigten Verhaltens zugestehen."

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dem Verteidigungsexperten zufolge
besteht das vorrangige Ziel der Sowjetunion in Europa nach wie vor darin, Zwietracht unter den NATO-Verbündeten zu säen.
Laut Blackwell
entspricht die von Gorbatschow im Dezember 1988 und von den anderen osteuropäischen Politikern im vergangenen Monat angekündigte Reduzierung
der Streitkräfte "höchstens einem 10prozentigen Abbau
ihres Verteidigungshaushaltes. Dies entspricht den
Kürzungen, die von den Vereinigten
Staaten bereits bei der Neufestsetzung des Etats für das Haushaltsjahr
1989 vorgenommen wurden".
"Wenn man auf beiden Seiten Kürzungen vornimmt, aber von einem enormen Ungleichgewicht ausgeht, dann ist
mit ausgewogenen Kürzungen nichts gewonnen", fügte Blackwell hinzu.
Die militärische Situation könnte
seiner Ansicht nach noch sehr viel
gefährlicher sein.
"Wenn wir die
Streitkräfte durch einseitige Kürzungen im Verteidigungshaushalt auf beiden Seiten oder durch beiderseitig
vereinbarte ausgewogene Reduzierungen
ausdünnen, hätten wir am Ende dieselbe Asymmetrie bei den Streitkräften. Als Ergebnis würden wir in Europa eine lange Front mit weniger
Streitkräften
verteidigen und den
Verteidiger damit in eine schwierigere Position manövrieren", erklärte er.
In einer Studie mit dem Titel
The Military Impact of the Gorbachev
Reductions (Die militärischen Auswirkungen
der
Truppenreduzierungen
unter Gorbatschow) stellt Phillip
Karber,
Vizepräsident
der
VerteidIgungs-Forschungsinstitution
BDM
mit
Sitz
in
Washington,
fest,
Gorbatschows Unilateralismus habe wiewohl nicht ohne Reiz - seine Grenzen.

rungsmaßnahmen oder eine beiderseitig
vereinbarte "Form oder Definition der
Erwartungen".
Zweitens ist die Glaubwürdigkeit
der Sowjets der Schwachpunkt: In der
Vergangenheit haben sie den Abzug von
Truppen aus Osteuropa vorgetäuscht,
so Karber. Als Beispiel zitiert er
den mit erheblichem Propagandaaufwand
durchgeführten einseitigen Abzug sowjetischer Truppen aus der DDR unter
Breschnew im Jahr 1979. Es stellte
sich heraus, daß man die Flagge der
Einheit zwar in die Sowjetunion zurückgebracht hatte, Soldaten und Gerät jedoch in ganz Osteuropa umverteilt wurden.
Drittens wäre Karber zufolge eine
Verifizierung der sowjetischen Reduzierungen außerordentlich schwierig,
da über die Streitkräfteniveaus kein
Datenaustausch erfolgen würde, wie es
beim INF-Vertrag der Fall war. "Eine
Verifizierung der über einen Zeitraum
von mehreren Jahren erfolgten Neustationierugen
vorzunehmen,
gestaltet
sich als äußerst schwierig, wenn diese Stationierungen noch nicht abgeschlossen sind", so Karber.
Im Hinblick auf die militärische
Offensivstratgie befürwortet Karber
eine abwartende Haltung gegenüber den
Behauptungen der Sowjets, ihre der
NATO an der zentralen Front gegenüberstehenden Streitkräfte würden zu
solchen mit rein defensivem Charakter
umstrukturiert.
"Wenn die Sowjets tatsächlich eine neue, große, defensive Struktur
der Art einer 'Division' im Sinn haben", erklärte Karber, "so existiert
kein bekanntes Modell ihrer Organisations- und GeräteaufStellungen - weder in Osteuropa noch in der Sowjetunion."

Karber zufolge kann erstens "alles, was unilateral vorgenommen wird
auch unilateral wieder rückgängig gemacht werden". Da es sich hierbei
nicht um ein unterzeichnetes Abkommen
handelt, gibt es keine Verifizie- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'^7

""" &lt;Ä

Hintergrundmaterial

6

8. Februar 1989
STRATEGIEPOLITIK ERFORDERT ÜBERPARTEILICHEN KONSENS
- Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung -

WASHINGTON - (AD) - Der am 3. Februar 1989 veröffentlichte Bericht
Deterring through the T u m of the Century (Abschreckung bis zum Ende des
Jahrhunderts) fordert einen Konsens bei der atomaren Strategiepolitik und unterstreicht die Modernisierung der landgestützten Atomstreitkräfte. Dem ehemaligen Verteidigungsminister Harold Brown zufolge sind landgestützte Raketen
"das unsicherste Element" der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und die Wiederherstellung der Uberlebensfähigkeit dieser Raketen gegen
einen Erstschlag der Sowjetunion sei unabdingbar. Der Bericht stellte ferner
fest, die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) solle weiterhin im bisherigen Umfang unterstützt werden. Der Bericht wurde vom Zentrum für strategische und internationale Studien und dem Johns Hopkins Institut für auswärtige Politik in Washington in Auftrag gegeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in wesentlichen Auszügen.

Die Bedrohung
Die zur Zeit vordringlichste Frage im Bereich der Abschreckung lautet, ob eine ausreichende Anzahl amerikanischer Streitkräfte einen sowjetischen Angriff überleben wird, um
wirksam Vergeltung zu üben. Heute
vertrauen wir darauf, daß der Großteil amerikanischer Bomber (mit ca.
1 300 Waffen bestückt) und U-Boote
auf See (mit ca. 3 000 Waffen) selbst
in ihrer Aufstellung in Friedenszeiten einen möglichen Angriff der Sowjetunion überleben wird.
Dieses Vertrauen erstreckt sich
jedoch nicht auf unsere landgestützten Raketen in Silos. Einem Überraschungsangriff sowjetischer Streitkräfte, bei dem nur ungefähr ein

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Drittel ihrer derzeit verfügbaren Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBMs) zum Einsatz kommt, würden
nur ca. 5 Prozent der amerikanischen
ICBMs standhalten. Selbst wenn die
Begrenzungen des Vertrages über nuklear-strategische Waffen (START) in
Kraft getreten sind, wird sich diese
Situation in Zukunft nicht verbessern
und könnte sich sogar verschlechtern,
es sei denn, wir nehmen Veränderungen
bei der Stationierung unserer Interkontinenatalraketen
und
vielleicht
bei den Raketen selbst vor.
Die Sowjetunion hat derzeit ca.
11 000 strategische Waffen stationiert, von denen mindestens 3 000
(wahrscheinlich mehr) unsere Interkontinentalraketen-Silos wirksam angreifen könnten. Das START-Abkommen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�würde diese Anzahl auf 9 000 (oder
vielleicht weniger) Waffen verringern, aber diese Streitkräfte hätten
immer noch ungefähr 3 000 ICBMs zur
Verfügung, die alle durch Verbesserung ihrer Zielgenauigkeit wirksam
gegen unsere Silos eingesetzt werden
können.
Ein beunruhigender Unsicherheitsfaktor betrifft die technologischen
Fortschritte der Sowjets, mit denen
die Wirksamkeit ihrer Streitkräfte
erhöht werden könnte. Verbesserungen
der Zielgenauigkeit ihrer U-Bootgestützten
ballistischen
Raketen
(SLBMs) sowie der Sprengkraft ihrer
Gefechtsköpfe könnte die Uberlebensfähigkeit der ICBMs in Silos weiter
unterminieren und - was noch wichtiger ist - einige Optionen zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit dieser
Raketen zunichte machen.
Anlaß zu noch größerer Besorgnis
böten neue sowjetische Waffen - seegestützte ballistische Raketen mit
niedrigerer Flugbahn und getarnte
seegestützte Marschflugkörper (SLCMs)
- deren Angriff mit geringer Vorwarnzeit erfolgen würde. Solche Waffen
könnten ein wesentliches Merkmal unserer Streitkräftestruktur unterminieren. Logik und Verbesserungen des
heutigen Standes der Technik legen
die Vermutung nahe, daß sie bis zum
Ende des Jahrhunderts in den sowjetischen Arsenalen verfügbar sein werden.
Derzeit ist das Zusammenwirken
von amerikanischen Bombern und silogestützten Raketenstreitkräften entscheidend. Diese beiden StreitkrMfteelemente komplizieren die zeitliche
Berechnung
eines sowjetischen Angriffs, da ein Angriff auf beide genügend Vorwarnzeit für zumindest eines der beiden Elemente läßt, um zu
einem
wirksamen
Vergeltungsschlag
auszuholen.
Diese neuen sowjetischen Waffen
(seegestützte
ballistische
Raketen
mit niedrigerer Flugbahn und größerer
Zielgenauigkeit sowie getarnte seege-

stützte ballistische Raketen) könnten
dieses Zusammenwirken jedoch unterminieren und damit die gleichzeitige
Zerstörung unserer ICBMs in Silos und
alarmbereiten
Bomber
ermöglichen.
Sollte dies der Fall sein, könnten
die Vereinigten Staaten in eine potentiell gefährliche Situation geraten. Die Erhaltung unserer Strategie
der Abschreckung würde dann einzig
und allein auf einem Streitkräfteelement ruhen - den seegestützten Raketen. Die Sicherheit - und nicht zuletzt die Freiheit und tfberlebensfähigkeit - unserer Nation einzig und
allein auf der Lebensfähigkeit eines
bestimmten Waffensystems
ruhen zu
wissen, wäre zweifelsohne ein unannehmbares Risiko.
Die heute bestehende und sich in
der Zukunft möglicherweise ergebende
Bedrohung ist eine Bestätigung der
Grundstruktur
der
strategischen
Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Diese Struktur besteht aus einer Triade land- und seegestützter ballistischer Raketen und aus teilweise mit
Marschflugkörpern bestückten Bombern.
Die Entwicklung und Stationierung
moderner
sowjetischer
Streitkräfte
und Technologien, die wir heute beobachten und unschwer in die Zukunft
projizieren können, kann den Verlust
eines oder vielleicht zweier Säulen
der Triade zur Folge haben. Wenn den
Vereinigten Staaten Zeit zur Verfügung steht, können sie darauf reagieren. Sie können das neue Wesen der
Bedrohung verstehen lernen, ihre eigenen Technologien zu deren Bewältigung anwenden und die Abschreckung
kontinuierlich aufrechterhalten.
Um
diese Strategie lebensfähig zu machen, müssen wir jedoch stets eine
zweite und dritte Reserve haben. Die
Sicherheit der Vereinigten Staaten
kann sich zu keinem Zeitpunkt eine
vorübergehende Lücke leisten, die sowjetische Politiker zu der Annahme
verleiten könnte, in einer Krisensituation sei ein Atomkrieg zu gewinnen
oder sie verfügten über das entscheidende Kriterium, das sie in die Lage
versetzen würde, durch Einschüchte-

�rung der Vereinigten Staaten oder deren Verbündete politischen Druck auszuüben.
Über
diese
"Uberbrückungsfunktion" hinaus trägt jede Säule der
Triade dazu bei, die sowjetischen Bestrebungen zur Unterhöhlung der anderen Säulen abzuwehren. Gemeinschaftlich zwingen sie die Sowjets, ihre
Ressourcen zur Neutralisierung dreier
absolut unterschiedlicher Technologien auszudehnen. Um dies aufzuheben, sind unterschiedliche sowjetische Technologien und Streitkräfte
erforderlich.
Ballistische Raketen
unterstützen Bomber beim Angriff auf
die
sowjetsiche
Luftverteidigung.
Bomber und ICBMs arbeiten ebenfalls
zusammen, da ein Angriff auf einen
von beiden den Grund zum Abschuß des
anderen liefert.
Schließlich hat jedes Element der
Triade einzigartige Fähigkeiten, unterschiedliche
Typen
sowjetischer
Ziele zu bedrohen; beispielsweise
verfügen ICBMs über eine große Zielgenauigkeit, gute Führungs- und Kommunikattonselnrichtungen sowie unverzügliche Ankunft am Ziel.
Gemeinschaftlich bietet die Triade dem Präsidenten ein breites Spektrum von Optionen, angemessen auf die vielfältigen Formen einer sowjetischen Aggression zu reagieren. So gesehen stärkt
die Triade die Abschreckung, indem
sie die politisch Verantwortlichen in
der Sowjetunion von dem Irrtum befreit, sie könnten einen Angriff so
gestalten, daß es dem Präsidenten
entweder an Willen oder der Fähigkeit
zur Reaktion mangeln würde.
Wenn wir den Gedanken einer festen Triade akzeptieren, sollten wir
den Stand und die Aussichten jeder
einzelnen Säule überprüfen, um Prioritäten bezüglich dessen zu entwikkeln, was getan werden muß, damit unsere Strategie in den kommenden Jahren weiterhin funktioniert.

Seegestützte Raketen
Diese Raketen bilden das zuverlässigste Element
unserer Triade.
Gegenwärtig oder in unmittelbarer Zukunft gibt es keine bekannte sowjetische Technologie, die ihr überleben
angesichts
eines
Präventivschlages
bedroht.
Wir müssen jedoch nach wie vor
wachsam sein, falls sich die derzeitige Situation verändert. Eine beunruhigende Tendenz ist beispielweise
die Absicht der Vereinigten Staaten,
weniger U-Boote mit mehr Raketen zu
bestücken.

Mit Waffen bestückte Bomber
Heute scheinen unsere Bomber gegen einen Erstschlag der Sowjetunion
in hohem Maße überlebensfähig zu
sein, gleichgültig, ob der Schlag von
einer durch START begrenzten oder einer sehr viel größeren Streitmacht
ausgeführt wird. Die zukünftigen sowjetischen Dislozierungen (zum Beispiel seegestützte ballistische Raketen mit niedrigerer Flugbahn) könnten
diese Situation jedoch drastisch verändern.
Die großen Investitionen der Sowjetunion in massive Luftverteidigung
sind ebenfalls eine Quelle möglicher
Besorgnis.
Heute scheinen unsere
Bomber und Marschflugkörper fähig,
diese Verteidigung mit akzeptablen
Verlusten
zu durchdringen, obwohl
Probleme mit der Verteidigungsaviontk
des B-l beuruhigend sind. Wenn die
Sowjets in Zukunft die Fähigkeit unserer ballistischen Raketen zur Unterdrückung
der
Luftverteidigung
(durch Präventivschläge
oder eine
Verteidigung mit ballistischen Raketen) unterhöhlen, könnte die Wirksamkeit der Bomber und Marschflugkörper
abnehmen.
Getarnte
Bomber
und
Marschflugkörper könnten diese Situation verbessern, werden jedoch einen
Kampf zur Folge haben, bei dem Maßnahmen mit Gegenmaßnahmen vergolten
-werden.

�Landgestützte Raketen
Die Fähigkeit dieses Elements der
Triade zur vollständigen Wahrnehmung
seiner Abschreckungsfunktion - Vergeltung nach einem sowjetischen Erstschlag - unterliegt heute sicherlich
Zweifeln.
Die sowjetischen ICBMs,
insbesondere die SS-18, sind zahlenmäßig und technisch in der Lage, einen erheblichen Teil unserer in Silos
stationierten landgestützten Raketen
zu vernichten.
In der Zukunft werden die für sowjetische Raketen im Rahmen von START
auferlegten Reduzierungen die Verwundbarkeit
unserer
silogestützten
Raketen nicht unbedingt vermindern,
wenn wir keine Maßnahmen treffen, um
ihre Uberlebensfähigkeit durch mobile
oder versteckte Stationierung zu erhöhen. START wird die Zahl der sowjetischen SS-18 - gegenwärtig die
wirksamste Waffe der Sowjets gegen
Silos - halbieren.
Wahrscheinlich
werden die Sowjets aber insgesamt ca.
3 000 ICBMs zurückbehalten. Aufgrund
möglicher Verbesserungen bei Zielgenauigkeit und Sprengkraft wäre diese
Streitmacht ausreichend, um die Mehrzahl unserer Silos zu zerstören. Mit
den uns zur Verfügung stehenden Varianten, einschließlich versteckter
oder mobiler Stationierung, könnte
sie jedoch nicht fertig werden.
Während der zehn Jahre oder mehr,
in denen dieses Problem offen zutage
trat, wurden zahlreiche Optionen zu
dessen Lösung entwickelt. Keine davon hat jedoch die grundlegenden Kriterien der militärischen Wirksamkeit,
Finanzierbarkeit und politischen Akzeptanz erfüllt. Es wäre nicht nützlich, erneut Optionen in Erwägung zu
ziehen, die schon in der Vergangenheit diesen Voraussetzungen nicht gerecht werden konnten.
Heute werden drei Optionen in Betracht gezogen. Keine von diesen hat
die Grundlage für einen Konsens geschaffen, aber es ist auch keine entschieden zurückgewiesen worden. Diese Optionen sind:

Schienengestutzte MX. Diese Option fordert die Stationierung von
MX-Raketen auf Eisenbahnwaggons. Im
Frieden würden diese in einigen wenigen
Garnisonen
auf
militärischen
Stützpunkten gelagert.
Bei einer
strategischen Warnung (eine Frage von
Stunden) würden die Raketen über das
öffentliche
Schienennetz
verteilt,
und ein Angreifer müßte deshalb große
Teile des Schienennetzes unter Feuer
nehmen, um die Zerstörung der Raketen
sicherzustellen.
Straßenmobile Midgetman.
Diese
Option verlangt die Stationierung
kleiner, mit Einzelgefechtskopf ausgerüsteter Midgetman ICBMs auf gehärteten Fahrzeugen, die entweder schon
in Friedenszeiten oder im Falle einer
taktischen Warnung (eine Frage von
wenigen Minuten) aufgelockert stationiert würden. Dies würde einen Angreifer zwingen, weite Landstriche
unter Feuer zu nehmen, um die Zerstörung der Raketen zu gewährleisten.
Carry-Hard.
Bei dieser Option
würde eine Rakete
(beispielsweise
eine MX, Midgetman oder Minuteman
III) in einer gehärteten Kapsel untergebracht, die in irreführender
Weise in einem von mehreren tausend
preisgünstig zu errichtenden Silos
stationiert würde.
Ein Angreifer
müßte einen Schlag gegen Tausende von
Silos durchführen, um die Vernichtung
einer weit geringeren Zahl von Raketen sicherzustellen.
Bei Option 1, die schienengestützte MX, wären die Kosten relativ
gering (12 Milliarden Dollar für den
gesamten Lebenszyklus). In Situationen, in denen wohlüberlegte Entscheidungen zur Verteilung der MX über das
öffentliche Schienennetz viele Stunden vor einem Angriff getroffen werden können, wäre ihre Uberlebensfähigkeit sehr hoch. Eine entscheidende Frage ist jedoch, ob Situationen
wahrscheinlich sind, in denen diese
Zeit für die Verteilung der MX auf
Schiene nicht zur Verfügung stünde,
zum Beispie] vor einem Angriff. So
könnten die Sowjets etwa ihre Vorbe-

�reitungen beschränken oder verbergen,
um ihre Absichten zu vernebeln. Sie
könnten versuchen, die strategischen
Streitkräfte bis unmittelbar vor einem Angriff nicht in einen höheren
Bereitschaftsgrad zu versetzen als in
Friedenszeiten.
Eine weitere Möglichkeit bestünde
darin, daß der Präsident Anzeichen
erhielte, die auf einen Angriff hindeuten, er aber die Entscheidung
treffen würde, die MX-Züge nicht zu
verteilen. Der Präsident könnte etwa
besorgt sein, daß die MX-Stationierung über das öffentliche Schienennetz von der amerikanischen Öffentlichkeit, unseren Verbündeten oder
den Sowjets als unmittelbarer Vorläufer eines offensiven Atomschlages der
Vereinigten
Staaten
mißverstanden
werden könnte, obwohl die Absicht
rein defensiv ist. Schließlich ist
noch festzustellen, daß wir im Falle
ausreichender Zeit für die Stationierung der MX-Züge mit weit geringerem
Aufwand eine gleiche oder größere
Zahl von Alarmgefechtsköpfen auf andere Art und Weise, wie untenstehend
besprochen, stationieren könnten.
Option
2,
die
straßenmobile
Midgetman, hat zwei Varianten. Bei
der ersten Variante würden im Frieden
mobile Midgetman-Abschußvorrichtungen
auf den bestehenden Midgetman-Stützpunkten im Norden der Vereinigten
Staaten stationiert. Bei einer taktischen Angriffswarnung würden sie in
der Umgebung verteilt.
Die andere
Variante beinhaltet die Verteilung
von Midgetman-Raketen über große Teile weitläufiger Militärstützpunkte im
Südwesten. Bei einer taktischen Angriff swarnung würden diese über noch
weiträumige Gebiete sowohl innerhalb
als auch außerhalb der Stützpunkte
verlegt.
Mobile Midgetman im Südwesten wären die teuerste Lösung (39 Milliarden Dollar während des gesamten Lebenszyklus).
Eine Stationierung im
Norden würde die bestehende Minuteman-Infrastruktur der Air Force ausnutzen und etwas weniger kostspielig

sein (36 Milliarden Dollar im Lebenszyklus) .
Diese Kosten sind hoch und bilden
das Hauptargument gegen die Midgetman. Sie könnten jedoch um ca. ein
Drittel verringert werden, wenn jede
Midgetman doppelt bewaffnet würde.
Damit würde die Zahl der Abschußvorrichtungen und zu stationierenden Raketen halbiert.
Diese Zunahme der
Nutzlast würde jedoch den Aktionsradius derart einschränken, daß eine
Stationierung
im Südwesten ausgeschlossen wäre.
Bei einer taktischen Warnung würden alle Varianten der Midgetman-Lösung im Falle eines Angriffs durch
eine von START begrenzte sowjetischen
Streitmacht ein sehr Uberlebensfähiges Element darstellen, obwohl bei im
Norden stationierten, weniger weiträumig verteilten Midgetman weniger
Raketen überleben würden. Alle Varianten würden die Sowjets von einem
Bruch des START-Vertrags abschrecken
und die Sowjets im Falle eines solchen Bruchs zwingen, für jede Midgetman, die sie vernichten wollen, viele
zusätzliche Raketen einzusetzen.
Die
Uberlebensfähigkeit
der
Midgetman kann durch technische Verbesserungen bei den Sowjets teilweise
verringert werden (zum Beispiel durch
erhöhte Sprengkraft oder Angriffe mit
SLBMs
mit
niedrigen
Flugbahnen).
Trotzdem würde die Midgetman auch
diesen Verbesserungen begegnen können
(im Falle einer Stationierung im Südwesten mehr als im Norden).
Falls
notwendig könnte eine noch weiträumigere Verteilung die Uberlebensfähigkeit weiter erhöhen.
Option 3, Carry-Hard, kann für
die Stationierung verschiedener Raketentypen verwendet
werden
- MX,
Midgetman oder Minuteman III. Die
Kosten würden je nach gewähltem System variieren (Kosten pro Lebenszyklus wären ca. 24 Milliarden Dollar
für die MX, 40 Milliarden oder mehr
für Midgetman - reduzierbar auf vielleicht 27 Milliarden bei der Version

- 5 -

�mit zwei Gefechtsköpfen - und 19 Milliarden für die Minuteman III).
Der Carry-Hard-Option liegt dasselbe Prinzip zugrunde wie dem vom
ehemaligen Präsidenten Carter für die
MX
vorgeschlagenen
Stationierungsmodus in Silos - eine kleine Anzahl
von Raketen (etwa 50 MX, 500 Midgetman oder 167 Minuteman III) in einer
Vielzahl von Silos (zum Beispiel
2 300).

Die Rolle der Rüstungskontrolle
Die Bewahrung der Abschreckung
hängt zuallererst von der Bereitschaft des Präsidenten und des Kongresses ab, die harten Entscheidungen
zu treffen, die für Entwicklung und
Stationierung effektiver, überlebensfähiger
strategischer
Streitkräfte
erforderlich sind. Rüstungskontrollvereinbarungen mit den Sowjets sollten weiterhin in dem Maße angestrebt
werden, in dem sie eine stabile Abschreckung
bewahren
und
stärken.
Dennoch möchten wir betonen, daß das
Hauptaugenmerk der Vereinigten Staaten darauf liegen sollte, zu bestimmen, welche Streitkräftestruktur eine
stabile Abschreckung am besten gewährleistet und die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verringert und
dann erst damit in Einklang stehende
Rüstungskontrollabkommen anzustreben,
nicht umgekehrt.
Das bevorstehende START-Abkommen
ist in diesem Zusammenhang von vorrangigem Interesse. Obwohl noch eine
Vielzahl von Einzelheiten der Klärung
bedürfen, scheint eine Übereinkunft
zu Bestimmungen in greifbare Nähe gerückt zu sein, mit denen die heutigen
Streitkräfteniveaus auf beiden Seiten
reduziert werden. Ob diese Reduzierungen vorteilhaft für die Vereinigten Staaten sein werden hängt davon
ab, wie wir unsere Systeme im Umfeld
nach START stationieren. Den in Betracht gezogenen Vertragsbedingungen
zufolge könnten die amerikanischen
Streitkräfte von heute 12 300 Waffen
auf 10 600 begrenzt werden und die

sowjetischen Streitkräfte von 10 600
auf 9 000. In der Kategorie der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
werden die Zahlen von ca. 9 400 sowjetischen und 7 500 amerikanischen
Gefechtsköpfen auf je 4 900 begrenzt
werden.
Insgesamt wird die Verteilung auf die einzelnen Elemente der
Triade eine verstärkte Stützung auf
Bomber bedingen als heute der Fall
ist.
Wenn man eine Bewertung unserer
Fähigkeit zur Erfassung der möglichen
sowjetischen Ziele vornimmt, wird die
Situation nach START zufriedenstellend
bleiben.
Die heutigen USStreitkräfte besitzen die Fähigkeit,
einen erheblichen Teil der sowjetischen Streitkräfte und politischmilitärischen Infrastruktur zu bedrohen, obwohl diese Fähigkeit abnehmen
wird, wenn die Sowjets ihre Mobilität
und Auflockerung in Krisenfällen ausbauen. Unter START können die Vereinigten Staaten die erforderliche
Fähigkeit nur dann aufrechterhalten,
wenn sie ihre Streitkräfte effektiv
modernisieren.
Eine relevantere Frage ist jedoch, ob die Streitkräfte der Vereinigten Staaten einem sowjetischen
Angriff so flexibel entgegentreten
können wie heute (oder, vorzugsweise,
noch flexibler). Im Zuge unserer Modernisierungs- und
Verhandlungsbemühungen muß unser Ziel darin bestehen,
das Verhältnis zwischen zielgenauen
sowjetischen Gefechtsköpfen und den
von diesen zu zerstörenden amerikanischen Zielen auf dem gleichen oder
- vorzugsweise - einem niedrigeren
Niveau zu halten wie heute, um den
Sowjets den Anreiz zu einem solchen
Angriff zu nehmen. Insgesamt würden
Reduzierungen keinen Gewinn bedeuten,
wenn die Sowjets von ihren verbleibenden Waffen eine größere Zahl auf
Uberproportional
weniger
amerikanische Ziele richten könnten.
Mit diesem Umstand vor Augen haben sich die für die Modernisierung
der ICBMs verantwortlichen amerikanischen Militärplaner darauf konzen-

- 6 -

�triert, wie man den Umfang der in den
Vereinigten Staaten vorhandenen Ziele
vergrößern kann.
Die verschiedenen
real in Betracht gezogenen Vorschläge
beruhen alle auf Täuschung - das
heißt, ICBMs werden auf Bahnlinien,
an Straßen oder in zahlreichen Silos
versteckt - so daß die Anzahl der von
den Sowjets anzugreifenden Punkte
größer würde als heute. Es ist vorstellbar, daß die Sowjets ohne eine
Obergrenze bei Gefechtsköpfen genug
Waffen für einen Angriff bauen könnten, um die Täuschung wettzumachen,
indem sie Waffen auf jeden Ort richten, an dem sich unsere ICBMs befinden könnten - zugegebenermaßen eine
große Zahl, aber im Prinzip wäre dies
angesichts eines fehlenden Abwehrkonzepts oder zahlenmäßiger Beschränkungen möglich.
Die niedrigeren Obergrenzen für
Gefechtsköpfe bei START bedeuten somit - trotz des Spielraums für Täuschungen und Vertragsbrüche - eine
Bedrohung für unsere ICBMs, machen es
jedoch zwingend erforderlich, daß unsere
Modernisierungspläne
soviele
Ziele wie möglich auf unserer Seite und möglichst noch mehr als heute vorsehen.
Die Vereinigten Staaten schlagen
gegenwärtig ein Verbot aller mobilen
ICBMs als eine Möglichkeit vor, um
die amerikanische Besorgnis über die
Schwierigkeiten bei der Gewährleistung einer genauen Verifizierung der
Anzahl dieser Systeme zu betonen. Im
Prinzip sind mobile ICBMs so konzipiert, daß sie zur Sicherstellung ihrer Überlebensfähigkeit leicht verborgen werden können; daraus folgt
jedoch, daß leicht zu verbergende Systeme auch leichter illegal zu dislozieren sind. Aus diesem Grund sind
die amerikanischen Unterhändler zu
Recht besorgt.
Wenn sich die Sowjets jedoch zur
Täuschung entschließen, wäre es Ihnen
praktisch unmöglich, genügend Streitkräfte illegal zu stationieren, um
ihre Fähigkeit zum erfolgreichen Angriff auf mobile amerikanische Syste-

me erheblich zu verbessern. Wenn Sie
jedoch diesen Versuch unternehmen
würden, wäre für uns die Ausweitung
unseres
Stationierungsgebietes
wesentlich einfacher zu bewerkstelligen
als für sie die Bereitstellung der zu
einem Angriff benötigten Gefechtsköpfe.
Zum Gleichgewicht vertreten wir
die Auffassung, daß die Gewinne bei
der Stabilität und die der versteckten Stationierung immanenten mangelnden Anreize zu Täuschungsmanövern die
Risiken einer tatsächlichen Täuschung
mehr als aufwiegen. Wir kommen daher
zu dem Schluß, daß die Position der
Vereinigten Staaten so verändert werden sollte, daß sie die Stationierung
mobiler Systeme auf beiden Seiten gestattet. Dieses Urteil setzt natürlich voraus, daß die Vereinigten
Staaten sich tatsächlich einem Plan
der versteckten Stationierung zuwenden.
(Die Sowjets besitzen bereits
eine große Zahl - wahrscheinlich mehr
als 100 - mobile ICBMs, die mit einem
Gefechtskopf ausgerüstete, auf Strassen bewegliche SS-25.) Es wäre unverzeihlich, den Sowjets mehr Möglichkeiten zum Rückzug aus START zu
gestatten, während wir selbst darauf
verzichten, ein wirklich angemessenes
Gegenmittel zu stationieren.
Einschneidendere
Reduzierungen
über START hinaus erfordern die sorgfältige Lösung einer Reihe von Problemen. Das erste ist die Uberlebensfähigkeit der Streitkräfte und
damit die bereits erörterte Frage des
Verhältnisses von Gefechtsköpfen und
Zielen. Das zweite betrifft die amerikanische Fähigkeit, wichtige Einrichtungen auf sowjetischer Seite zu
treffen.
Wie bereits ausgeführt,
stellen die von START begrenzten
Streitkräfte genug Waffen bereit, um
die meisten der jetzt zur militärischen Planung verwendeten Ziele abzudecken, ohne daß viele nicht abgesteckte
Ziele
übrigblieben.
Mit
niedrigeren Niveaus würden wir hinter
den Stand zurückfallen, der jetzt von
Militärplanern als vernünftig erachtet wird. Wir müssen erneut UberprU-

- 7 -

�fen, ob diese Reduzierungen einen
wünschenswerten Eeffekt auf die Abschreckung haben.
Das dritte Problem betrifft die
Auswirkung auf eine erweiterte Abschreckung. Einige Verbündete haben
Vorbehalte im Hinblick auf die Unterschreitung der von START festgesetzten Niveaus geäußert, wenn nicht zunächst das konventionelle Ungleichgewicht der Streitkräfte in Europa ausgeglichen würde. Wir benötigen eine
klare Vereinbarung, daß wir unsere
Verpflichtungen für eine über amerikanisches Territorium hinausgehende
Abschreckung einhalten können, und
diese Botschaft müssen wir in engen
Konsultationen mit unseren Verbündenten vermitteln.

Zusammenfassung
Die Sicherheit der Vereinigten
Staaten muß in absehbarer Zukunft auf
Abschreckung und Offensivstreitkräften basieren; kurzfristig gibt es
keine Alternative.
Zur Gewährleistung der Abschreckung müssen die
Vereinigten Staaten weiterhin Streitkräfte stationieren, die einen Gegner
unbedingt davon überzeugen, daß jede
Aggression
gegen
die
Vereinigten
Staaten oder ihre Verbündeten eine
Reaktion hervorruft, die ihm untragbare Kosten aufbürden würde. Praktisch bedeutet das die Beibehaltung
einer Triade von Streitkräften, die
insgesamt die Fähigkeit besitzt, einen Präventivschlag zu überleben und
die
sowjetische
Verteidigungslinie
mit
einem
Vergeltungsschlag
von
nichtakzeptablem Ausmaß zu durchbrechen. Die Vereinigten Staaten müssen
die zur Erfüllung dieser Maßgabe erforderliche Modernisierung
in den
nächsten Jahren im Rahmen ihres niedrigeren Verteidigungshaushalts durchführen.
Wir sprechen folgende Empfehlungen aus:
- Die Modernisierung der ICBM sollte erste Priorität sein.
Die
Midgetman (mit einem Gefechtskopf) in einer straßenbeweglichen

Konfiguration im Südwesten stationiert oder eine Midgetman (mit
zwei Gefechtsköpfen) in zahlreichen "carry-hard" Silos sind
die zwei vielversprechenden Ansätze
mit
der
erforderlichen
tfberlebensfähigkeit.
Die
Entwicklung und Stationierung einer
dieser Möglichkeiten sollte vorrangig finanziert werden.
Die
Entscheidung für eine von ihnen
sollte davon abhängig sein, welche Möglichkeit die besten Aussichten auf Erlangung eines politischen Konsenses hat, der für
die Bewilligung und Durchführung
erforderlich ist. Bis diese Entscheidung getroffen wird, sollten
wir weiterhin umfangreiche silogestützte Streitkräfte unterhalten.
Diese Streitkräfte werden
eine wirksame Fähigkeit für bestimmte Anwendungsbereiche, insbesondere die Unterstützung der
erweiterten Abschreckung haben.
Die MX-Rakete sollte, wenn sie
nicht
"carry-hard"
stationiert
wird, in ihren gegenwärtig 50 Silos beibehalten werden. Wenn in
den neunziger Jahren mehr Mittel
zur Verfügung stehen, sollte die
Stationierung aus den Silos auf
die Schiene verlegt werden.
- Pläne für die Stationierung der
Trident U-Bootflotte einschließlich der D-5 Rakete sollten ebenfalls vollendet werden.
Einige
kleinere Verzögerungen sind jedoch bei diesem Programm akzeptabel.
Die seegestützte Modernisierung sollte Möglichkeiten für
die Bereitstellung einer größeren
Zahl von Schiffen, insbesondere,
wenn Begrenzungen
durch START
vorgenommen
werden,
vorsehen.
Kurzfristig würde dies die Stationierung einer größeren Zahl
von
Trident-U-Booten
bedeuten,
von denen jedes mit weniger als
dem Maximum von 24 Abschußvorrichtungen
ausgerüstet
ist.
Langfristig würde das heißen, eine neue Generation kleinerer UBoote zu entwickeln.

�der MX gegen die SS-24 bedarf
eingehender Prüfung
Die Zustimmung zu mobilen Systemen setzt
natürlich voraus, daß die Vereinigten Staaten ihr Recht auf
Entwicklung einer der hier erörterten
Konfigurationen
erhält
(auf
Straßen
beweglich
oder
"carry-hard").
Als letztes Detail
sollten
die
Vereinigten
Staaten
die
gegenwärtige
Beschränkung von Abschußvorrichtungen (1 600) weiter lockern oder
abschaffen.
Solch
eine
Einschränkung steht dem Wunsch zur
Verbesserung
des
Verhältnisses
von Gefechtsköpfen zu Zielen entgegen.

- Gegenwärtige Pläne zur Modernisierung von Bombern und deren Bewaffnung
sollten
verwirklicht
werden. Das vollständige B-l Geschwader sollte weiter stationiert werden.
Die Entwicklung
des B-2 sollte sorgfältig und
gründlich vollendet werden. Wenn
das
Entwicklungsprogramm
abgeschlossen ist, sollte der B-2
stationiert werden.
- Eine Untersuchung sollte durchgeführt werden, um zu bestimmen, ob
die nuklear bestückten SLCMs in
unserem Interesse zu liegen versprechen und ob die nuklearen und
nichtnuklearen SLCMs verifizierbar sind.
- Das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative
sollte
wie bisher finanziert werden, mit
bescheidenen jährlichen Erhöhungen, und es sollte weiterhin auf
das bereits erörterte Ziel hin
ausgerichtet sein.
- Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
sind die vorgeschlagenen zahlenmäßigen Beschränkungen im bevorstehenden START-Abkommen vernünftig und werden vorsehen, daß ausreichende amerikanische Streitkräfte die Abschreckung unterstützen.
Die möglichen Bestimmungen dieses Abkommens können
nützliche Verbesserungen für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten hervorbringen, insbesondere
in Zusammenhang mit der Stationierung moderner, überlebensfähiger, landgestützter Raketen. Die
Vereinigten Staaten haben bereits
begonnen, Ansätze zur Verifizierung mobiler Systeme zu erörtern
und werden wahrscheinlich ihren
Vorschlag eines Verbots fallenlassen, wenn geeignete Vereinbarungen getroffen werden.
Wir
sollten dennoch erwägen, weiterhin ein Verbot von Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) auf mobilen
Systemen
auszusprechen,
angesichts ihrer besseren Wirkung bei
Täuschungsmanövern.
Ein Tausch

Wie zu Beginn erklärt, waren die
vergangenen 15 Jahre im Hinblick auf
die Erhaltung einer stabilen Abschreckung für die Vereinigten Staaten eine Zeit enormer Herausforderungen. Zu Beginn der achtziger Jahren
hat das Land kurzzeitig den regelmäßig
wiederkehrenden
Enthusiasmus
seiner Bevölkerung für eine selbstbewußtere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt genossen. Einige, aber
nicht alle Aspekte dieses Enthusiasmus haben Eingang in vernünftige Programme zur nationalen Sicherheit gefunden. Die Verluste waren das Ergebnis einer konzeptionellen Unsicherheit darüber, was zu tun sei.
Andere waren auf politische Parteilichkeit zurückzuführen. Gegenwärtig
treten die Vereinigten Staaten in eine Phase begrenzter Mittel ein. Anhaltende Streitigkeiten und ambivalente Konzepte werden reale Kosten
verursachen, die sich in zunehmender
Anfälligkeit für Zwang und Einschüchterung äußern werden. Diese Publikation ist eine überparteiliche Bemühung, diese Kosten zu verhindern.
Die nächsten zehn Jahre versprechen so turbulent zu werden wie die
vergangenen - aufgrund finanziellen
Drucks, technologischer Entwicklungen
und dem normalen Ausschlag des politischen Pendels im Westen.
Es ist
der letzte nicht vorhersagbare Trend,
der beunruhigt. Im Gegensatz zu den

- 9-

�vergangenen Zeiten» als ihre Stärke
den Vereinigten Staaten einön bestimmten Fehlerquotienten beim Experimentieren
mit
unterschiedlichen
Konzepten zur Wahrung unserer Interessen zugestand, wenn diese Umschwünge stattfanden, kann sich das Land
diesen Luxus nicht mehr leisten. Es
ist viel wichtiger geworden, daß die
Vereinigten Staaten ihre strategische
Politik klar Und einstimmig darlegen
und das Land von einem konkreten Verständnis der anstehenden Bedrohung
und dem Umgang mit ihr geleitet wird.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

8. Februar 1989

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KONVENTIONELLE STREITKTÄFTE IN EUROPA - VKSE
- Eine Übersicht der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Behörde für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) hat eine Übersicht zu den Zielen der Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) veröffentlicht, an denen 16 Mitgliedstaaten der NATO und sieben Warschauer Pakt Staaten teilnehmen.
Diese Übersicht wurde bei Ankunft von Außenminister Shultz in Wien veröffentlicht, wo er sich zur Abschlußerklärung der 35 Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einfand.
Nachfolgend der Text der Übersicht:
Die Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte in Europa
(VKSE)
-

Die Beseitigung des militärischen
Ungleichgewichts zwischen Ost und
West im konventionellen Bereich
durch Rüstungskontrolle und Verbesserung der Verteidigung hat
seit Jahren Priorität in der NATO.

- Auch nach Durchführung der von
Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
hätte der
Warschauer Pakt bei Panzern und
Artillerie einen Vorteil von mehr
als 2:1.
- Die Landstreitkräfte
des Ostblocks sind in der Lage, eine
Großoffensive einzuleiten.
Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reduzierung
von Streitkräften,
die eine Offensive denkbar erscheinen lassen, Territorium besetzen und halten können, ist
vordringliches Ziel der RUstungskontrollstrategie
der NATO im
konventionellen Bereich.
Die NATO ist um die Beseitigung
von Asymmetrien bei den Streitkräften und die Erlangung eines
höheren Maßes an Stabilität und
Sicherheit auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau bestrebt.
Die NATO wird dieses Ziel einer
Verbesserung der Sicherheit durch
die Wiener Verhandlungen über
konventionelle
Streitkräfte
in
Europa (VKSE) verfolgen.
Teilnehmer der VKSE sind die 16 Mit-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gliedsstaaten der NATO und sieben
Warschauer Pakt-Staaten.
- Weiterhin wird sich eine besondere Verhandlungsreihe Fragen der
Sicherheit durch Vertrauens- und
sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSM) zuwenden. An diesen Verhandlungen werden alle 35 europäischen und nordamerikanischen
Mitglieder der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) teilnehmen.

e NATO schlägt für die VKSE unter
derem folgende Punkte vor:
- Eine generelle Begrenzung des Gesamtbestandes
konventioneller
Waffen in Europa auf ein erheblich niedrigeres als das gegenwärtige Niveau, bei Panzern etwa
eine Anzahl von 40 000 und damit
die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes.
- Eine Bestimmung, daß kein Staat
mehr als 30 Prozent des Gesamtbestandes in Europa besitzen darf
und damit kein Land den Kontinent
mit
Waffengewalt
beherrschen
kann. Zum Beispiel könnte kein
Land mehr als 12 000 Panzer besitzen - die Sowjetunion hat im
Augenblick etwa 37 000.

- Besondere
Einschränkungen
für
Streitkräfte, die auf dem Territorium anderer Länder stationiert
sind, um sowjetische Streitkräfte
in Osteuropa zu beschränken.
- Zusätzlich zur Streitkräftereduzierung wird sich die NATO um
stabilisierende
Maßnahmen
zur
Verbesserung von Offenheit und
Stabilität bemühen. Darüber hinaus wird die NATO ein strenges
System der Verifizierung vorschlagen.
- Die VKSE und die VSM sollen nicht
später als sieben Wochen nach Abschluß
der
KSZE-Folgekonferenz
aufgenommen werden.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

1,

^

ck

Wirtschaft

8. Februar 1989

YEUTTER FORDERT HARTE GANGART BEI HORMONBEHANDELTEM FLEISCH
- Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG -

WASHINGTON - (AD) - Der designierte amerikanische Landwirtschaftsminister
Clayton Yeutter erklärte, die Vereinigten Staaten sollten in ihrem Streit mit
der Europäischen Gemeinschaft über den Import von Rindfleisch nicht nachgeben.
"Wenn die EG zu weiteren Vergeltungsmaßnahmen greift, würde ich vorschlagen, daß wir dagegen wiederum
mit Vergeltungsmaßnahmen vorgehen",
erklärte Yeutter bei der Anhörung zu
seiner Bestätigung vor dem Landwirtschaftsausschuß des Senats.

Strafzöllen ausgenommen bleiben.

Am 1. Januar 1989 hat die Europäische Gemeinschaft alle Importe von
mit
Wachstumshormonen
behandeltem
Fleisch verboten, worauf die Vereinigten Staaten als Vergeltungsmaßnahme auf eine Reihe von Exportgütern
der EG Zölle von 100 Prozent erhoben
haben.

Ein anderer Vertreter der amerikanischen Regierung erklärte, solch
eine Bitte würde möglicherweise die
Zustimmung der Vereinigten Staaten
finden.

Beide Seiten vereinbarten eine
Frist von 30 Tagen, in der alle
strittigen Waren, die sich bereits
auf dem Exportweg befanden, von den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Frist endete am 1. Februar,
und ein Mitarbeiter aus dem Büro des
amerikanischen
Handelsbeauftragten
erklärte, den Vereinigten Staaten läge keine Bitte um Verlängerung vor.

Wenn jedoch keine Fristverlängerung vereinbart wird, so hat die Europäische Gemeinschaft erklärt, sie
werde wiederum Vergeltungsmaßnahmen
gegen die erhöhten amerikanischen
Zölle ergreifen, obwohl sie noch keinen Termin für das Inkrafttreten ih-

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�rer Vergeltungsmaßnahmen
hat.

festgesetzt

Der Staat Texas hat angeboten,
der Europäischen Gemeinschaft Fleisch
zu verkaufen, das nicht mit Hormonen
behandelt wurde.
Aber das amerikanische
Landwirtschaftsministerium
hat sowohl der EG als auch dem Staat
Texas Schreiben zukommen lassen, denen zufolge es nicht - wie von der EG
gefordert - garantieren kann, daß das
texanische Rindfleisch den EG-Normen
für hormonfreies Fleisch entspricht.

* * * * *

�^°^&gt;
'V,oN

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

4

8. Februar 1989

REGIERUNGEN BENUTZEN GESUNDHEITSVORSCHRIFTEN ZUR EINFUHRBEGRENZUNG
Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde -

WASHINGTON - (AD) - Eine der einfachsten Möglichkeiten für ein Land Einfuhrverbote für bestimmte Produkte zu rechtfertigen, besteht darin, zu behaupten, diese Produkte verletzten dessen nationale Gesundheits- und Hygienebestimmungen.

Dies ist deshalb so einfach, weil
es die internationalen Regelungen
nach dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) jedem Staat gestatten, solche Beschränkungen zu
verhängen. Innenpolitisch ist dabei
kaum Widerspruch zu erwarten, wenn
der Schutz der Gesundheit und Verbesserung der Sicherheit auf dem Spiel
stehen.
Wenn jedoch Anbieter in anderen
Ländern den Verdacht schöpfen, daß
solche Regelungen mehr auf wirtschaftlichen Motiven als auf stichhaltingen
gesundheitspolitischen
Gründen beruhen, kann diese Art der
Einfuhrbeschränkung
weltweit
verstärkt zu einer Quelle des Unmuts
werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dieses Problem
tritt nirgends
deutlicher zutage als beim gegenwärtigen Streit zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Gemeinschaft (EG) über die Verwendung von
Hormonen bei der Tiermast. Mit Wirkung vom 1. Januar 1989 verhä'ngte die
EG ein Einfuhrverbot für Fleisch von
Tieren, denen Wachstumshormone zugeführt wurden. Die Vereinigten Staaten reagierten darauf unmittelbar,
indem sie für eine Reihe europäischer
Exporte in die Vereinigten Staaten
einen lOOprozentigen Einfuhrzoll verhängten.
Der EG zufolge stellen die Hormone für den Menschen eine Gesundheitsgefährdung dar. Unter Berufung auf
die GATT-Bestimmungen erklärt die EG,
sie besitze das Recht, ein weltweit

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�gültiges Verbot solcher Importe zu
verhängen. Die Vereinigten Staaten,
die sich ebenfalls auf die GATT-Regeln berufen, erklären, das Einfuhrverbot koste amerikanische Fleischproduzenten jährlich 100 Millionen
Dollar, für die ihnen eine Entschädigung zustehe.
"Es kann sehr häufig vorkommen,
daß gesundheitspolitische Anliegen zu
einer unfairen Handelspraxis führen
können, die unter dem Deckmantel einer Gesundheitsgefä'irdung besteht",
erklärte der stellvertretende amerikanische
Handelsbeauftragte
Alan
Holmer am 5. Januar 1989 vor Journalisten. "Und wenn dieses Hormonverbot
einer
wissenschaftlichen
Grundlage entbehrt, werden sich die
Vereinigten Staaten mit einem solchen
Vorgehen nicht abfinden können. Das
war der Grund, warum wir der Meinung
waren, die von uns eingeleiteten Maßnahmen ergreifen zu müssen."
Obwohl über die wissenschaftliche
Dimension dieses Falles weiterhin
Meinungsunterschiede bestehen, sind
sich die meisten Länder darin einig,
daß ein Ausufern des gegenwärtigen
Fleischstreits zwischen den Vereinigten Staaten und der EG - der fast
schon das Ausmaß eines Handelskrieges
erreicht - hätte vermieden werden
können, wenn die gültigen GATT-VerfUgungen zu Gesundheits- und Hygienefragen eindeutiger gefaßt wären und
wenn es besondere, verläßliche internationale Regelungen zur Schlichtung
von Streitfällen gegeben hätte.
Als Teil der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche haben sich
in den vergangenen zwei Jahren Unterhändler aus den 96 Mitgliedstaaten
des GATT in Genf getroffen, um Bestimmungen zu verbessern, die Auswirkungen von Meinungsverschiedenheiten
über nationale Gesundheits- und Hygienevorschriften auf den Handel betreffen.
In einer Zusammenfassung der bis
heute geleisteten Arbeit erklärte ein
führender
Vertreter
des
amerika-

nischen
Landwirtschaftsministeriums
gegenüber dem US-Informationsamt, daß
heute "eine recht gute Grundlage für
eine Übereinkunft besteht".
Amerikanischen Vertretern zufolge
herrscht allgemein Einigkeit darüber,
daß Artikel 20 des GATT die Grundlage
für eine Reform der GATT-Bestimmungen
über Gesundheit und Sicherheit enthält«
Dieser Artikel gestattet gegenwärtig
die
Verabschiedung
und
Durchführung von Maßnahmen, die zum
Schutz menschlichen, tierischen oder
pflanzlichen Lebens oder der Gesundheit erforderlich sind. Darin wird
jedoch ebenfalls festgestellt, daß
solche Maßnahmen weder als Deckmantel
für Beschränkungen des internationalen Handels benutzt noch in willkürlicher oder in einer anderen Art und
Weise angewendet werden sollten, die
zwischen Ländern, in denen gleiche
Bedingungen herrschen, ungerechtfertigt Diskriminierung schaffenDie
Aufgabe
der
Unterhändler
bestehe
jetzt darin, zur Klärung von Artikel
20 im Hinblick darauf beizutragen,
welche Handlungen als willkürlich
oder ungerechtfertigt zu betrachten
sind.
Einem
amerikanischen
Vertreter
zufolge könnte sich die EG dabei als
Haupthindernis erweisen. Obwohl sich
die EG den Forderungen anderer Länder
nach Vereinheitlichung - in der Handelsterminologie als "Harmonisierung"
bezeichnet - nationaler Gesundheitsbestimmungen
angeschlossen
hat,
scheint sie weniger als andere GATTMitglieder bereit zu sein, der Notwendigkeit eines wirksamen Schlichtungsverfahrens für den Fall zuzustimmen, daß ein Land sich dieser
Harmonisierung widersetzt.

Die Ziele der Vereinigten Staaten
Von
offizieller
amerikanischer
Seite werden die folgenden fünf Ziele
der Vereinigten Staaten als entscheidend für dieses Element der UruguayRunde genannt:

- 2 -

�- Alle Gesundhelts- und Hygienebestimmungen müssen auf solidem und
Überprüfbarem
wissenschaftlichem
Beweismaterial beruhen.

nalen Gremien die Festlegung der spezifischen Normen vornehmen sollten,
auf die sich alle nationalen Bestimmungen gründen:

- Harmonisierung der nationalen Gesundheits- und
Hygienevorschriften in dem Maß, in dem die Harmonisierung Gesundheit und Sicherheit nicht gefährdet, um so die
Einhaltung international vereinbarter Normen zu gewährleisten.

Die
Kodex
Alimentarius-Kommission. Als Unterorganisation der
Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation wurde der Kodex Alimentarlus im Jahr 1963 geschaffen,
um die Gesundheit der Konsumenten
zu schützen, faire Praktiken im
Welthandel
mit
Nahrungsmitteln
sicherzustellen und die Koordinierung aller von internationalen
Regierungs- und
zwischenstaatlichen Organsationen entwickelten
Nahrungsmittelnormen zu fördern.
Der Kodex Alimentarius enthält
Normen für alle Grundnahrungsmittel - nicht verarbeitet, halb
verarbeitet oder verarbeitet
die zum Verzehr geeignet sind.
Die Kommission besteht aus einen
Exekutivausschuß und 25 Unterorganisationen.
Die
Ausschüsse
sind ein Forum für Wissenschaftler, die technische Daten im Zusammenhang mit der Entwicklung
von
Produktnormen
überprüfen.
Nach Genehmigung durch die jeweiligen Regierungen werden die Normen im Kodex Alimentarius veröffentlicht. Zusätzlich zur Aufgabe der Normierung ist die Kommission gleichzeitig ein informelles
Forum für Diskussionen zwischen
internationalen
Vertretern
von
Regierung und Industrie.

- Anerkennung des Konzepts "gleichwertiger Garantien". Dies bedeutet, daß jedes Land seinen eigenen Ansatz zur Erreichung eines
bestimmten Sicherheitsniveaus eines Produkts wählen kann und daß
Einfuhren dieses Produkts nicht
lediglich deshalb beschränkt werden können, weil eine bestimmte
von dem exportierenden Land angewandte Methode zur Gewährleistung
der Sicherheit nicht mit der vom
importierenden Land angewandten
identisch ist.
- Entwicklung angemessener Schlichtungsmechanismen,
die
speziell
auf Gesundhelts- und Hygienefragen eingehen.
- Rechtzeitige Benachrichtigung und
Konsultationen vor der Einführung
von Gesundhelts- und Hygienevorschriften.
Einige der Maßnahmen, bei denen
amerikanische
Regierungsvertreter
eine Harmonisierung begrüßen würden,
betreffen die Unbedenklichkeit von
Nahrungsmitteln (z.B. Nahrungsmittelzusätze, maximale Rückstände an Pestiziden, veterinärmedizinische Arzneimittel), Gesundheit von Tieren und
Pflanzen und diesbezügliche Quarantänevorschriften sowie Analysemethoden
und Stichprobenerhebung.

Harmonisierung der nationalen Normen
Die Vereinigten Staaten haben den
Vorschlag
unterbreitet,
daß
ausschließlich folgende drei internatio- 3 -

Das Internationale Tierseuchenamt. Hierbei handelt es sich um
die älteste internationale veterinärmedizinische
Organisation,
die auf das Jahr 1924 zurückgeht
und sich primär mit Tiergesundheit und Hygienevorschriften für
den Import und Export von Tieren
und Tierprodukten befaßt.
Sie
hat ein weltweites Informationssystem ins Leben gerufen, das zur
Beschleunigung des internationalen Handels ohne ein Krankheitsrisiko bei Nutzvieh gedacht ist.

�Die Hauptbüros befinden sich in
Paris, wo die jährlichen Generalversammlungen einberufen werden,
das Amt hat jedoch über 100 Länder als Mitglieder. Das Internationale Tierseuchenamt unterhält
regionale Kommissionen für Afrika, Lateinamerika, Europa, Asien
und Ozeanien. über die wissenschaftliche Arbeit hinaus stellt
es ein Netz von Regierungsvertretern zur Verfügung, die für die
Gewährleistung der Tiergesundheit
in ihren jeweiligen Ländern verantwortlich sind.
Die
Internationale
Pflanzenschutzkonvention
(IPPC).
Im
Jahr 1950 gegründet und der Verwaltung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorgansation
unterstellt, hat die IPPC derzeit 88
UnterzeJchnerstaaten.
Ihre Arbeit ist darauf ausgerichtet, die
internationale
Verbreitung
von
Pflanzenseuchen
und
sonstigen
Krankheiten
durch
Pflanzenseuchenüberwachung in den Mitgliedstaaten,
die
Entwicklung
von
PflanzenquarantänebeStimmungen,
Kontrolle der Pflanzenseuchen und
Ausgabe von Zertifikaten mit der
Bescheinigung zu verhindern, daß
Pflanzenladungen oder Pflanzenprodukte inspiziert und als frei
von schädlichen Seuchen befunden
worden sind.
Die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, daß keine anderen
Gremien über die Kapazität oder den
internationalen
wissenschaftlichen
Ruf und die Glaubwürdigkeit dieser
drei Organisationen verfügen.
Die EG beruft sich jedoch auf
eine Reihe regionaler Gruppen, von
denen einige in den Vereinten Nationen konzentriert sind, die ebenfalls
Arbeit im Bereich der Gesundheit und
Sicherheit von Tieren und Pflanzen
leisten. Während die Europäische Gemeinschaft
der Ansicht
ist, die
Standpunkte
dieser
Organisatioen
so!lten in den Prozeß der Normierung
einbezogen werden, glauben die Ver-

einigten Staaten nicht, daß regionale
Organisationen über die erforderliche
Objektivität und Weitläufigkeit verfügen, die in diesem heiklen Bereich
vonnöten sind.

Schlichtungsverfahren
Ein Hauptproblem wird die Gestaltung des GATT-Verfahrens bei der
Schlichtung von Kontroversen über Gesundheits- und
Hygienevorschriften
sein, einschließlich der Verbingung
zwischen GATT und einem internationalen Gremium wie dem Kodex Alimentarius.
Einigen Quellen zufolge könnte
der Ansatz grundsätzlich ähnlich dem
derzeitigen GATT-Verfahren zur Beilegung von Konflikten gestaltet sein.
Mit anderen Worten: ein Land, das
eine Beschwerde über die Gesundheitsund Hygienevorschriften eines anderen
Landes vorbringt, würde diese Beschwerde im Rahmen des normalen GATTVerfahrens zur Beilegung von Konflikten führen. Zu Beginn macht dies bilaterale Konsultationen erforderlich.
Wenn diese Konsultationen scheitern,
könnte das beschwerdeführende Land
den GATT-Beschwerdeausschuß bitten,
seinen Fall zu prüfen, und daraufhin
würde ein Ausschuß gebildet.
In diesem Bereich kann das hygienische
und
pflanzenhygienische
Verfahren vom GATT-Ansatz zu herkömmlichen
Handelsproblemen
abweichen.
Man geht davon aus, daß der Ausschuß
zur Behandlung des Problems auf geltende
internationale
wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen müßte, und dies würde bedeuten, Anleitungen von Gremien wie der Kodex Alimentarius-Kommission in Angelegenheiten der Nahrungsmittelsicherheit zu
Hilfe zu nehmen. Der Ausschuß würde
dann auf der Grundlage der GATT-Vorschriften
und
relevanter
wissenschaftlicher Informationen eine Entscheidung treffen.

von

Die Aufgabe der Harmonisierung
Gesundheits- und
Hygienevor-

�Schriften ist Teil der umfassenderen
Arbeit, die von der Verhandlungsgruppe für Landwirtschaft der UruguayRunde geleistet wird.
Das nächste
Treffen dieser Gruppe findet vom 13.
- 14. Februar 1989 in Genf statt und
Regierungsvertreter hoffen, unmittelbar im Anschluß daran ein kleineres
Treffen über Gesundheits- und Hygienevorschriften abhalten zu können.
Auf der Grundlage der bisher unter den Mitgliedstaaten des GATT geführten Diskussionen besteht amerikanischen RegierungsvertretPrn zufolge
Grund zu Optimismus im Hinblick auf
das Verfahren zur Harmonisierung der
Gesundheits- und
Hygienevorschriften
in der Uruguay-Runde.

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tower: enormes Ungleichgewicht zwischen NATO und Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Asymmetrien zwischen NATO und Warschauer Pakt weiterhin problematisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit James Blackwell vom CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategiepolitik erfordert überparteilichen Konsens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa - VKSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter fordert harte Gangart bei hormonbehandeltem Fleisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regierungen benutzen Gesundheitsvorschriften zur Einfuhrbegrenzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

VION ^

14. Februar 1989

i
PRESSEKONFERENZ VON US-AUSSENMINISTER JAMES BAKER
IN BONN AM 13. FEBRUAR 1989

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenminister Baker: Ich möchte eine offizielle Erklärung über unsere
Zusammenkunft vorlesen. Ich bitte Sie um Entschuldigung, daß ich nicht lange
bleiben kann, aber der Verteidigungsminister erwartet uns schon. Wir haben
unser Treffen um 15 bis 20 Minuten überzogen.
Zunächst möchte ich sagen, daß
unser Treffen in einer sehr freundschaftlichen
Atmosphäre
stattfand,
weil es sich um ein Gespräch zwischen

Ferner über eine Erklärung, die von
der Bundesregierung in Kürze veröffentlicht werden wird und in der alle
diesen Vorfall betreffenden Fakten

alten

aus

Freunden

handelte

-

und

wenn

ich das sage, bediene ich mich hierbei der Formulierung des Bundeskanzlers, und ich mache mir seine Worte
zu eigen. Der Tenor dieses Treffens
bestand meiner Ansicht nach darin,
daß die deutsch-amerikanische Partnerschaft stark ist. Wir sind starke
Partner, und wir vertrauen einander.
Wir haben über die Frage der
Chemiewaffenfabrik in Libyen gesprochen sowie über die von der Bundesrepublik im Hinblick auf Änderungen
ihrer Exportkontrollgesetze und ihrer
Vorschriften zur Bestrafung von Gesetzesbrechern getroffenen Maßnahmen.

ihrer

Sicht

dargelegt

werden.

Ich erklärte hierzu, wir seien über
die von der Bundesregierung getroffenen und uns gegenüber dargelegten
Maßnahmen sehr erfreut.
Wir haben
einige Zeit darüber gesprochen. Wir
haben ziemlich lange über die OstWest-Beziehungen
diskutiert.
Was
dieses Thema angeht, haben wir produktive Gespräche über Ost-West-Sicherheitsfragen, einschließlich der
KurzstreckenSysteme geführt. Wir haben über das Brüsseler NATO-Kommunique von 1988 gesprochen und dieses
bekräftigt. Das gilt auch für die
Bedeutung, die der Aufrechterhaltung
der Strategie der Vorneverteidigung

�und der flexiblen Reaktion beizumessen ist. Wir waren uns über die Notwendigkeit einig, ein Gesamtkonzept
für die Haltung des Bündnisses in
Fragen der Sicherheit und Rüstungskontrolle beim nächsten NATO-Gipfel
zu verabschieden und stimmten überein, die Gespräche zu diesem Thema
fortzuführen. Der Bundeskanzler hat
keinen Zweifel daran gelassen, daß
seine Erklärungen in dem Interview
mit der Financial Times vollkommen im
Einklang mit dem NATO-Kommunique vom
Mai 1988 stehen, und er hat mehrmals
uns gegenüber festgestellt: "Ich habe meine Position nicht geändert."
Er hat uns autorisiert, Ihnen dies
mitzuteilen.
Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten, bevor ich zu meinem
Treffen mit dem Verteidigungsminister
fahre.
Frage:
Bedeutet das, daß die
Debatte über die Kurzstreckensysteme
jetzt vorüber ist?
Daß sie beim
NATO-Gipfel erörtert werden wird und
daß sie nicht länger...
Antwort:
Es bedeutet, daß ein
Engagement besteht, diese Frage durch
weitere Gespräche und Verhandlungen
zu lösen.
Frage:
Und es wird zwischendurch keine Gespräche geben, die Frage wird dann innerhalb der NATO behandelt werden, ....
Antwort:
Nun, die Frage wird,
wenn man es formell betrachtet, beim
nächsten NATO-Gipfel behandelt werden, aber wir werden natürlich in der
Zwischenzeit weitere Gespräche darüber führen.
Frage:
Glauben
Sie,
den
Kongreß dazu bewegen zu können, die
weitere Modernisierung der LANCE-Rakete finanziell zu unterstützen, wenn
wir nicht bis - sagen wir einmal vor 1991 oder 1992 eine Entscheidung
oder eine Verpflichtung zur Stationierung hervorbringen?

Antwort: Wir wollen die Ereignisse des nächsten NATO-Gipfels, wo
die Entscheidungen getroffen werden,
abwarten.
Ich habe bereits darauf
hingewiesen, daß diese Reise nicht
als Unternehmen der Entscheidungsfindung geplant war. Bei diesen Zusammenkünften sollen die Tagesordnungspunkte festgelegt werden: es handelt
sich um Konsultationen.
Ich bin
hier, um zuzuhören. Wir können diese
Frage also bis zum Zeitpunkt des Gipfels - wann immer dieser auch stattfinden wird - nicht beantworten.
Frage:
Ich möchte auf einige
Bemerkungen eingehen, die Sie gestern
im Flugzeug über den START-Vertrag
gemacht haben - ihre eigene Ansicht
dazu und die Möglichkeit, ihn im
Kongreß
durchzusetzen.
Vielleicht
können Sie diese Bemerkungen im einzelnen erläutern, weil hier noch etwas Verwirrung herrscht.
Antwort:
Wenn
darüber
noch
Verwirrung herrscht, möchte ich diese
gern ausräumen. Alles, was ich sagen
wollte - und ich habe dies bereits
erörtert, vielleicht nicht bei der
Anhörung zu meiner Bestätigung, obwohl ich in dieser Anhörung etwas
Ähnliches gesagt habe - ist:
wir
wollen die Verhandlungspositionen erneut überprüfen. Betrachten Sie das,
was auf dem Verhandlungstisch liegt.
Wir wollen die Angebote überprüfen,
so daß wir unter der Voraussetzung
weiterer Fortschritte einen Vertrag
aushandeln, der auch ratifiziert werden kann. Das war alles, was ich sagen wollte.
Frage:
In den Gesprächen gestern haben Sie auf Mängel im bestehenden Entwurf hingewiesen, die eine
Verabschiedung durch den Kongreß in
der gegenwärtigen Form fraglich machen.
Antwort:
Ich denke, wenn Sie
sich die Formulierungen durchlesen,
was ich nochmals getan habe, geht
daraus eindeutig hervor, daß ich Vorbehalte gegen die potentielle Ratifizierbarkeit des Abkommens geäußert

- 2 -

�habe.

Wir wollen sicherstellen ...

Frage:
gen Form?

...

in

gemeint hat - es klingt, als sei Ihnen das noch nicht gelungen.

der gegenwärti-

Antwort:
Ich habe wiederholt
darauf hingewiesen, daß wir in den
Vereinigten Staaten eine Entscheidung
über die Modernisierung strategischer
Waffen treffen müssen. Und wir müssen uns vor Augen führen, daß wir und ich betrachte dies nicht etwa als
Mangel in unserer Verhandlungsposition - eine Position gegen mobile Raketen eingenommen haben.
Eine der
Fragen, die wir bei der Modernisierung unserer strategischen Waffen zu
überprüfen haben werden, ist das Problem mobiler Raketen.
Aber worauf
ich wirklich hinweisen wollte, ist
der allgemeine Grundsatz, gewährleisten zu wollen, daß alles, was wir
mit nach Hause nehmen, auch ratifiziert werden kann. Wir möchten kein
SALT-Abkommen mit nach Hause bringen
und vergleichbare Probleme mit dem
von uns ausgehandelten START-Abkommen
vermeiden.
Frage:
Zurück zu SNF - die
Deutschen drängen auf Verpflichtungen
im Gesamtkonzept - Verpflichtungen
für Verhandlungen über SNF - sind Sie
bereit, das zu unterstützen?
Antwort:
Ich kann nur wiederum
darauf hinweisen, daß dies keine Zusammenkunft zur Entscheidungsfindung
war. Mit diesem Treffen sollte nur
die Tagesordnung abgestimmt werden.
Ich habe Ihnen erläutert, worüber wir
gesprochen haben und wie weit wir gegangen sind. Dabei möchte ich es belassen.
Weitere Gespräche werden
stattfinden, und ich bin sicher, daß
Fragen dieser Art im Hinblick auf
einen NATO-Gipfel in künftigen Gesprächen erörtert werden.
Frage:
Bundeskanzler Kohl erklärte, er sage er damit nichts Neues. Sie hingegen erklären, es werde
weitere Diskussionen geben - dies
läßt den Schluß zu, daß hier noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen.
Uns würde interessieren, was genau er

Antwort:
Meiner Ansicht nach
ist er nicht von früheren Positionen
abgewichen, was man weithin angenommen hatte. Dies hat er gesagt und
mir gestattet, es Ihnen so weiterzugeben. Mir scheint, daß wir Einigung
erzielt haben.
Frage:
Können Sie uns erläutern, wie Sie ihn verstehen, wenn er
davon spricht, er stehe im Einklang
mit dem Kommunique vom Mai 1988. Was
heißt das für Sie?
Antwort:
Im Hinblick auf Paragraph 5 dieses Kommuniques - um nur
einen Paragraphen zu zitieren - heißt
das für mich konkret (Außenminister
Baker liest das Dokument vor): "Unser Ziel besteht darin, weiterhin
jegliche Art von Krieg oder Einschüchterung zu verhindern.
Durch
die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Abschreckung hat das Bündnis
nahezu vierzig Jahre lang Frieden in
Europa gesichert. Die konventionelle
Verteidigung allein kann dies nicht
gewährleisten. In der unmittelbaren
Zukunft gibt es keine Alternative zur
Strategie des Bündnisses zur Verhinderung eines Krieges.
Es handelt
sich hierbei um die Strategie der Abschreckung, die sich auf angemessene
Arsenale ausreichender und wirksamer
nuklearer und konventioneller Streitkräfte gründet, die auf dem gebotenen
Stand gehalten werden, wo immer dies
erforderlich ist.
Frage: Wann wird die Entscheidung zur Modernisierung der LANCE
fallen? In diesem oder im nächsten
Jahr?...
Antwort:
Ebenso
wie
andere
Fragen bedarf auch diese Entscheidung
noch weiterer Erörterung vor dem
nächsten Gipefeltreffen. Aus unserer
Sicht wäre es wünschenswert, wenn die
Entscheidung beim nächsten Gipfel getroffen werden könnte. Und wir werden versuchen, dies unter Berücksichtigung der Interessen all unserer

�NATO-Partner zu verwirklichen.
Frage:
Dieses Treffen kam für
sie zu einem Zeitpunkt noch ungeklärter Fragen bezüglich der Entscheidung
über die Stationierung, die Sie gerade angeschnitten haben. Zwischen den
beiden Regierungen bestehen jedoch
offensichtliche
Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf Verhandlungen
über dieses Thema. Haben Sie das Gefühl, daß hier eine nenneswerte Annäherung hin zu einem Konsens zwischen
Ihnen und Bundeskanzler Kohl und der
Bundesregierung über Verhandlungen zu
den Kurzstreckenraketen stattgefunden
hat?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
wird es im Hinblick auf beide anhaltende Erörterungen geben, obwohl ich
nochmals betonen möchte, daß es sich
hierbei nicht um eine Zusammenkunft
gehandelt hat, mit dem Ziel, Entscheidungen zu treffen.
Das war
nicht der eigentliche Grund unserer
Gespräche. Ich hoffe, ich konnte einige der hier in der Öffentlichkeit
bestehenden Ungereimtheiten klären.
Frage:
Nachdem Sie Gespräche
mit Bundeskanzler Kohl und einigen
der anderen Verbündeten geführt haben, und nachdem Sie die politischen
Probleme in der Bundesrepublik erörtert haben, die auch in Großbritannien zur Sprache gebracht wurden verstehen Sie jetzt besser, wie die
NATO vorgehen sollte, um auf Bundeskanzler Kohl nicht den Druck auszuüben, der ihm bei den Wahlen im nächsten Jahr Probleme bereiten könnte?
Antwort:
Nun, ich glaube, ich
kann guten Gewissens sagen, nachdem
ich soviel Zeit in diesem und den anderen Ländern verbracht habe, werde
ich - hoffentlich - zu einem besseren
Verständnis gelangen - denn das ist
ja schließlich der Zweck meiner Reise.

* * * * * *

�</text>
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