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                    <text>AMERIKA DIENST
VoH

*

15. J u n i 1988

23

INHALT

DOKUMENTATION
Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam -

INFORMATION
Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WIRTSCHAFT
Neues System zur Bilanzierung der Handelszahlen

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung
- Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Juni 1988

23

OFFENHEIT SCHLÜSSEL ZU ECHTER SICHERHEIT
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam POTSDAM - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Außenminister
Whitehad zufolge müssen die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Pakts
"die Entwicklung zu mehr Offenheit" in der Region weiterführen, wenn sie "eine
wirklich sichere Welt wünschen". Im Rahmen einer vom Institut für Ost-WestSicherheitsstudien in Potsdam in der Deutschen Demokratischen Republik veranstalteten Konferenz erklärte Whitehead am 10. Juni 1988, daß die gegenwärtig
stattfindende Diskussion über Offenheit in Osteuropa und der Sowjetunion eine
"sehr ermutigende Entwicklung" darstelle.
Die Ausführungen Whiteheads haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte dem Institut für OstWest-Sicherheitsstudien für die Möglichkeit danken, vor diesem erlesenen
Kreis sprechen zu dürfen.
Ferner
möchte dem Institut und dessen Präsident John Mroz ein besonderes Lob dafür aussprechen, daß es in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium der
Deutschen
Demokratischen
Republik
diese Konferenz ermöglicht hat. Ich
weiß, daß ich auch für viele andere
spreche, wenn ich dem Institut und
dessen Leistungen meine Anerkennung
ausspreche. Ich wünsche dem Institut
viel Erfolg bei seinen gegenwärtigen
und Zukünftigen Projekten zur Förderung eines immer umfasenderen OstWest-Dialogs, gegenseitigen Respekts
und Verständnisses.
Verwechslungen von Personen sind,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wie Sie wissen, einer der bevorzugten
Kunstgriffe von Theaterstückautoren.
Gleichermaßen gehören Witze und Geschichten, die auf Verwirrung über
den Sinn von Worten gründen, zum
festen Repertoire der Komödie. Für
diejenigen, die sich mit Diplomatie
und den Beziehungen zwischen Staaten
beschäftigen, ist Verwirrung über den
Sinn von Worten alles andere als belustigend, und dies gilt insbesondere
für Worte, die nicht nur beschreibenden Charakter haben, sondern die für
sich genommen Erwartungen wecken.
In jüngster Zeit ist in diesem
Teil der Welt viel von "Offenheit"
die Rede gewesen. Dasselbe gilt für
den Westen, wo Nachrichten und Analysen über die hoffnungsvollen Entwicklungen in der Sowjetunion und den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzelnen Staaten Osteuropas in der
jüngsten Vergangenheit regelmäßig das
Wort "Offenheit" verwenden. Aber gerade weil dieses Wort so häufig benutzt wird, ist es wichtig, seine
verschiedenen Bedeutungen und Begleiterscheinungen klarzustellen.
Im Westen kann sich das Wort "Offenheit" sowohl auf einen Zustand als
auch auf eine Haltung beziehen. Wir
sagen, daß eine Aussicht, eine Straße
oder eine Grenze "offen" ist, wenn
diese frei von Hindernissen und Beschränkungen sind. Diese Definition
ist die Grundlage für die hiermit
verwandte Begriffsbestimmung von "Offenheit"
als
Geisteshaltung
her.
Wird das Wort "Offenheit" in dieser
Form verwendet, bedeutet es die Aufnahmefähigkeit für neue Ideen und
Menschen und es ist in diesem Fall
eng verwandt mit anderen Attributen
wie etwa Toleranz und Unvoreingenommenheit.
Aber
das
vielleicht
Interessanteste, das ich Ihnen über das Wort
"Offenheit" sagen kann ist, daß es abgesehen von seinem jüngsten Gebrauch im Hinblick auf Glasnost
kein Wort ist, für dessen Gebrauch
Amerikaner in ihrem täglichen Sprachgebrauch eine Notwendigkeit sehen.
In vielen unserer Standardwörterbücher gibt es für dieses Wort noch
nicht einmal einen Eintrag.
Auf den ersten Blick scheint dies
doch sehr merkwürdig zu sein, da sowohl ihre Bewunderer wie auch ihre
Kritiker zugestehen, daß die Vereinigten Staaten eine "offene Gesellschaft" sind.
Einige Kritiker behaupten sogar, die Vereinigten Staaten seien zu offen, der Mangel and
Beschränkungen ermutige gesellschaftliche Verwirrung und persönliche Zügellosigkeit.
Des Rätsels Lösung
liegt natürlich auf der Hand. Es ist
unnötig, einen normalen Zustand immer
wieder zu erwähnen, und "Offenheit"
ist der Normalzustand des Lebens in
den Vereinigten Staaten.
Es gibt
aber eine noch tiefergehende Erklärung, die sich auch in der alltäg-

lichen Sprache des Durchschnittsbürgers in den Vereinigten Staaten niederschlägt.
Wenn ein Amerikaner auf irgendeine Weise verletzt oder geschädigt
wird, so wird er sofort ohne Umschweife zum Ausdruck bringen, daß
man seine Rechte verletzt hat. Ferner wird er auf sehr direkte und persönliche Weise über diese Rechte
sprechen. Er wird von seinen Rechten
nicht so sprechen, als hingen diese
vom Staat ab. Er wird von diesen
Rechten nicht so sprechen, als ob sie
nur aufgrund seiner Mitgliedschaft in
einer Organisation oder Partei bestünden.
Er wird stattdessen von
seinen Rechten als Teil seiner Person
sprechen - ja, als unveräußerlich und
untrennbar von seiner Existenz als
Mensch.
Manchem mag das Prinzip, wonach
jeder Mensch Rechte hat, die untrennbar mit seiner Existenz verbunden
sind, merkwürdig erscheinen. Trotzdem ist dieses Prinzip nicht neu, die
Gründer der Vereinigten Staaten von
Amerika schrieben genau dies vor 200
Jahren in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fest.
Wo hatten diese ersten Amerikaner
diesen Begriff entlehnt? Aus Athen
und Jerusalem, aus Wittenberg und
Edinburgh, denn man könnte diese
Überzeugung ebenso als ein in vielen
Jahren gereiftes Produkt der größten
Geister der westlichen Zivilisation
beschreiben.
Viel ist einem alten Griechen zu
verdanken, der den Schierlingsbecher
leerte, damit das ihm zugefügte Unrecht die Freiheit künftiger Generationen von Philosophen sichere. Noch
mehr verdankt diese Idee den Jahrhunderten frommer Beispiele von Männern
und Frauen, die in Wort und Tat lehrten, daß das Leben ein Geschenk des
Schöpfers und deshalb jedes Individuum wertvoll sei. Der Anteil Martin
Luthers sowie verschiedener Philosophen der Aufklärung ist so offensichtlich wie umfassend.

- 2 -

�Natürlich nehmen wir im Westen da wir den Ursprung der "offenen Gesellschaften" anerkennen - es zur
Kenntnis, wenn "Offenheit" im Hinblick auf Regierungen andernorts erwähnt wird.
Besonders aber nehmen
wir Notiz davon, wenn sie in einem
Teil der Welt diskutiert und sogar
gefördert wird, in dem die von uns
mit offenen Gesellschaften in Verbindung gebrachten Prinzipien der Menschenrechte von den Regierungen nicht
allgemein akzeptiert wurden.
Wir betrachten die gegenwärtige
Diskussion über Offenheit im Osten
als eine sehr ermutigende Entwicklung.
Bisher ist das gegenwärtig
östlich und südlich von Potsdam in
Erwägung gezogene Konzept der Offenheit nicht so grundlegend wie das
unsrige.
Es scheint Offenheit als
ein Mittel zu anderen Zwecken zu betrachten, insbesondere zu mehr wirtschaftlichem Wohlstand, anstatt als
eines der Merkmale einer gut geordneten Gesellschaft. Trotzdem bedeutet
dLe Diskussion an sich schon einen
Neubeginn. Mit der Zeit könnte sie
sich als historisch erweisen.
In meinen heutigen Ausführungen
möchte ich einen Beitrag zu dieser
Diskussion leisten, indem ich auf Offenheit in ihrer Beziehung zum Thema
unserer Konferenz, "Neue Wege der
europäischen
Sicherheit", eingehe.
Ich tue dies im Geist des kürzlichen
Gipfeltreffens von Moskau, wo Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow ihre Überzeugung bekräftigten, daß ein erweiterter Dialog
"ein zunehmend wirkungsvolles Mittel
zur Lösung von Fragen wird, die von
beiderseitigem Interesse sind und auf
beiden Seiten Besorgnis auslösen".
Obwohl ich zu dem von mir soeben beschriebenen tieferen westlichen Verständnis stehe, werde ich mich ferner
aus instrumenteilen
oder "pragmatischen" Gründen für Offenheit einsetzen. Ich bin nämlich der Ansicht,
daß - in der neuen Welt, an deren
Schwelle wir stehen - Offenheit unverzichtbar für die Sicherheit ist.
Je offener Politik und Praxis einer

Nation sind, desto größer wird ihre
Sicherheit sein, vor militärischer
Bedrohung von außen und auch im Hinblick auf die Sicherstellung des materiellen Wohlstandes ihrer Bürger
durch wirtschaftliches Wachstum.
Meine Hauptthese lautet folgendermaßen: Wenn die Sowjetunion und
die anderen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts eine wirklich sichere
Welt wünschen, müssen sie die gegenwärtige Entwicklung zu größerer Offenheit weiterführen - und vorzugsweise noch beschleunigen. Ich werde
diese These im Hinblick auf Rüstungskontrolle, Wirtschaft und Menschenrechte veranschaulichen - drei Kategorien, die grob genommen den drei
Körben der Schlußakte von Helsinki
entsprechen. Dies ist umso angemessener, als die Vereinbarungen von
Helsinki die Erkenntnis von 35 Regierungen in Europa und Nordamerika widerspiegeln, daß diese Fragen eng
miteinander und mit der europäischen
Sicherheit selbst verflochten sind.
Das offensichtlichste und direkteste Bindeglied zwischen Offenheit
und Sicherheit ist - ziemlich paradoxerweise - im Zusammenhang mit der
Rüstungskontrolle aufgetaucht.
Wie
wir alle wissen, spielte die Frage
der Verifizierung eine zentrale Rolle
bei den erfolgreichen Verhandlungen
zur Beseitigung der Atomwaffen mittlerer und kürzerer Reichweite. Die
Verifizierung spielt auch bei den gegenwärtig stattfindenden START-Verhandlungen eine wichtige Rolle. Man
kann sogar sagen, sie bildet den
Schlüssel für den Abschluß eines
START-Abkommens.
Zu Beginn des Zeitalters der Rüstungskontrolle haben wir viel über
die sogenannten
"nationalen technischen Mittel der Verifizierung" gehört. Dabei handelte es sich niemals
um eine völlig zufriedenstellende
Methode. Sie wurde umso unbefriedigender, als die Raketen kleiner, verschiedenartiger und mobiler wurden.
Heute glaubt niemand daran, daß eine
mobile Nuklearrakete mit Sicherheit

- 3-

�einzig und allein aus der Luft von
ihrer Produktionsstätte bis zum Einsatzort verfolgt werden kann. Und
wie unterscheidet man - aus welcher
Entfernung auch immer - einen atomar
bestückten von einem konventionellen
Marschflugkörper?

tionsgruppen ausgesetzt, die jeden
Winkel ihrer streng geheimen und
schwerbewachten Einrichtungen untersuchen. Das Paradoxon könnte nicht
deutlicher zutage treten: Weil wir
uns nicht trauen, öffnen wir uns der
Gegenseite.

Die Lösung für dieses Problem
heißt Offenheit. Bei den Verhandlungen zum INF-Vertrag sind beide Seiten
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
einzige Weg zur Gewährleistung der
Einhaltung des Abkommens darin besteht, der anderen Seite die Inspektion der Produktionsstätten zu gestatten, in denen die Waffen hergestellt werden.

Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
ist Offenheit für die Sicherheit unerläßlich geworden. Das wird darüber
hinaus auch bei den START-Gesprächen
und bei allen zukünftigen Verhandlungen so sein. Um es einfacher auszudrücken:
Je größer die Offenheit,
der jede Seite zustimmt, umso größer
werden unsere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle, und umso höher
wird die Sicherheit auf beiden Seiten
sein.

Dies könnte sich in den nächsten
Jahren als am meisten richtungweisender Fortschritt in der Geschichte der
nuklearen Abrüstung erweisen. Im Interesse höherer Sicherheit haben zwei
Gegner - argwöhnisch im Hinblick auf
die Motive des anderen und mit geringem Vertrauen - vereinbart, einige
ihrer sichersten und geheimsten Einrichtungen für die Inspektion durch
die andere Seite zu öffnen.
Der
Austausch der Ratifizierungsurkunden
durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow beim Moskauer
Gipfel war ein angemessener Höhepunkt
für dieses bahnbrechende Experiment
der Offenheit.
Ungeachtet
des
bemerkenswerten
Charakters der endgültigen Leistung
stellte die Verifizierung bis zum Ende ein Problem bei den Verhandlungen
dar. Obwohl unsere Unterhändler beim
Moskauer Gipfel hart gearbeitet und
einige Fortschritte erzielt haben,
erweisen sich die Probleme im Hinblick auf den START-Vertrag als noch
größer.
START
beschäftigt
sich
schließlich mit einer großen Zahl unterschiedlicher Waffensysteme, deren
Anzahl verringert, die aber nicht
vernichtet werden. Wie beide Seiten
in Moskau erkannt haben, wird die Lösung für das Problem noch größere Offenheit erfordern. Beide Seiten sehen sich der unbequemen Aussicht
einer noch größeren Zahl von Inspek-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei diesem Fortschritt ihren
gesamten Beitrag zu leisten. Wir befürworten die Öffnung unserer Einrichtungen auf jede Art und Weise,
die notwendig ist, um angemessene Verifizierung bei den Rüstungskontrollverhandlungen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu gewährleisten. Aber
wenn wir weiterhin Fortschritte bei
Rüstungskontrollverhandlungen
erzielen wollen, müssen beide Seiten die
gleichen Leistungen erbringen. Gegenseitigkeit wird dem Fortschritt
Tür und Tor öffnen. Offenheit wird
der Schlüssel
zur Gegenseitigkeit
sein.
Das Wirtschaftsleben verweist auf
eine subtilere, aber nicht weniger
wichtige Verbindung zwischen Offenheit und Sicherheit. Natürlich ist
die Beziehung zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes und
seiner Sicherheit offensichtlich genug. Nicht so offensichtlich ist jedoch, daß Offenheit in der Wirtschaft
der einzig sichere Weg zum wirtschaftlichen Erfolg ist.
Vor nicht allzu langer Zeit freute sich mancher in diesem Teil der
Welt auf eine blühende Wirtschaft im
Sozialismus. Die Schwerindustrie war
in Osteuropa auf dem Vormarsch. Die

�Wachstumsraten der nationalen Volkswirtschaften stiegen steil an - und
übertrafen sogar die des Westens.
Das Vertrauen war so groß, daß sowjetische Politiker den Tag vorhersagten, an dem die sowjetische Wirtschaft die der Vereinigten Staaten
überholen würde.
Es geschah
aber nicht.
Das
"Wirtschaftswunder" im Osten hatte
sich auf ein großes Potential an
überschüssigen
Arbeitskräften
und
einen reichlichen Nachschub preiswerter Rohstoffe verlassen. Als diese
materiellen Vorteile etwa zu Beginn
der siebziger Jahre ausgeschöpft waren, begannen die Wachstumsraten rapide zu fallen.
Statt die Vereinigten Staaten
einzuholen, erreichte die Sowjetunion
den Höchststand ihrer Produktion auf
einem Stand von etwa 50 Prozent des
amerikanischen
Bruttosozialprodukte.
Und da sich die Volkswirtschaften des
Ostblocks auf die Schwerindustrie
konzentrierten
- auf Kosten des
durchschnittlichen Konsumenten, waren
die Zahlen des Pro-Kopf-Verbrauchs in
der Sowjetunion noch aufschlußreicher
- enttäuschende 35 Prozent gegenüber
den Vereinigten Staaten. In anderen
Ländern des Ostblocks waren die Ergebnisse mehr oder weniger gleich.
Seit 20 Jahren weist der Ostblock
trotz anhaltenden absoluten Wachstums
und absoluter Leistung eine vergleichsweise fallende Bilanz auf.
Die Gründe für diesen Niedergang
sind im allgemeinen gut bekannt.
Präsident Reagan verwies in seiner
Rede vor der Moskauer Staatsuniversität darauf, daß Volkswirtschaften im
Sozialismus in stärkerem Maße bürokratisiert und aus diesem Grunde weniger flexibel und leistungsfähig
sind als Volkswirtschaften mit dem
System der freien Marktwirtschaft.
Aber das ist nicht das schwerwiegendste Problem, das sich solchen
Wirtschaftssystemen stellt. Denn die
Unzulänglichkeiten der Vergangenheit
werden durch die künftigen Herausforderungen in den Schatten gestellt, da

mit zunehmend komplexer Wirtschaft
die mangelnde Leistungsfähigkeit der
gegenwärtigen Methoden noch schärfer
zutage treten wird.
Warum ist das notwendigerweise
so? Weil solche Systeme, die Marktgesetze durch Bürokratie ersetzen,
ihm eine unmögliche Aufgabe zuweisen.
Im Jahre 1909 hat der italienische
Wirtschaftswissenschaftler
Vilfredo
Pareto errechnet, daß eine Gesellschaft von nur 100 Menschen, die mit
700
Gütern
handelt,
gleichzeitig
70 699 Gleichungen lösen muß, um Angebot und Nachfrage so zu verbinden,
wie dies ein freier Markt aufgrund
seiner ihm eigenen Gesetze tut. Was
muß dann ein System tun, wenn eine
Fabrik allein hundert mal hundert Arbeiter beschäftigt und sieben mal 700
Arten von Maschinen, Ausrüstungsgegenständen und Arbeitsgängen aufweist?
Und so ist das "Wirtschaftswunder" am Ostblock vorübergegangen.
Staatliche Direktiven erlauben keine
effektive Mobilisierung in begrenzten
Wirtschaftssektoren wie etwa beim Militär. Als die anfänglichen Vorteile
eines überschüssigen Arbeitskräftepotentials und im Überfluß vorhandener
preiswerter Rohstoffe erschöpft waren, fanden diese Volkswirtschaften
heraus, daß traditionelle Mechanismen
bürokratischer Kontrolle und Leitung
der Leistungsfähigkeit keinen Vorschub leisteten.
Vielmehr erwiesen
sie sich selbst als Hindernisse für
die Leistungsfähigkeit.
Diese Tatsache ist auch im Rest
der Welt nicht unbemerkt geblieben.
In der gesamten Dritten Welt machen
Länder, die bisher das sozialistische
Modell kopiert hatten, keine Fortschritte, sondern verfallen. Sie haben durch bittere Erfahrung gelernt,
daß eine Organisation der Wirtschaft
allein durch den Staat gemäß dem alten Modell nicht funktioniert. Diejenigen, die in der Lage sind, zu
wählen, beginnen ihre Volkswirtschaften nach marktwirtschaftlichen Kriterieren umzugestalten. Sie erkennen,
daß die einzigen Erfolgsbilanzen in

- 5 -

�der Dritten Welt in Ländern zu verzeichnen sind, die auf ihren Märkten
Freiheit und Offenheit zulassen.
Keine Äußerung irgendeines westlichen Staatsmannes spricht so deutlich zu den Ländern der Dritten Welt
wie die Beispiele von Ländern wie
Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong. Unter ihnen stellen diese vier
Länder - deren Bevölkerung in der
Dritten Welt lediglich zwei Prozent
ausmacht - die Hälfte der Exporte von
Fertigungsgütern
aller Länder der
Dritten Welt.
Natürlich ist dem vergleichsweisen Niedergang der sozialistischen
Wirtschaftssysteme auch hier im Ostblock
beträchtliche
Aufmerksamkeit
zuteil geworden.
Diese Aufmerksamkeit ist in vielen Ländern in Forderungen
nach
Umstrukturierung
und
größerer Offenheit zutage getreten.
Unserer Ansicht nach trifft diese
Diagnose zu.
Die Rezepte für den
Wandel - dezentralisierte Entscheidungsfindung,
zunehmende
Autonomie
der Kommunen und stärkere materielle
Anreize - erscheinen uns vernünftig
und seit langem überfällig.

Unserer Ansicht nach wird in den
kommenden Jahren die Wettbewerbsfähigkeit der Sowjetunion und der Länder Osteuropas in zunehmendem Maße
von deren Bereitschaft abhängen, ihre
Wirtschaftssysteme zu öffnen und echte Marktreformen durchzuführen.
Sie stellen die Frage:
"Wie
sieht es mit den Wirtschaftsproblemen
im Westen aus? Haben Sie nicht genug
eigene Probleme?" Die haben wir tatsächlich. Meiner Meinung nach unterscheiden sich jedoch die Wirtschaftsprobleme, denen der Westen gegenübersteht, ganz erheblich von denen, mit
denen es die sozialistischen Länder
zu tun haben.
Dem Zeitalter der Industrialisierung sagen wir Lebewohl. Im jetzt im
Westen anbrechenden neuen Zeitalter
der Hochtechnologie ist die Geschwindigkeit wirtschaftlichen Wandels dramatisch gestiegen. Produkte mit einer bisherigen Lebensdauer von einem
Jahrzehnt oder mehr, werden nun innerhalb von zwei oder drei Jahren
durch verbesserte Technologien ersetzt. Die Lebensdauer der am höchsten entwickelten Technologie ist sogar noch kürzer.

Natürlich haben wir im Westen
auch die unterschiedliche Aufnahme,
die diese Tatsachen in der Sowjetunion und in den einzelnen Ländern
Osteuropas erfahren haben, verzeichnet. Manche haben die Reformen begrüßt, andere argumentieren, sie gingen nicht weit genug, wiederum andere
bleiben der Auffassung verhaftet, daß
stark zentralisierte Wirtschaftssysteme funktionsfähig gemacht werden
können.

Wie Präsident Reagan in seiner
Ansprache vor der Moskauer Staatsuniversität betonte, belohnt diese technologische Revolution - vielleicht
die dramatischste in der Geschichte
überhaupt - Flexibilität und Initiative des Einzelnen. Ihre Schlagworte
lauten: Geschwindigkeit der Kommunikation und wirtschaftliche Interdependenz.

Möglicherweise ist das System der
Kombinate in der DDR so leistungsfähig wie jedes andere stark bürokratisierte Wirtschaftssystem auch. Verglichen mit anderen sozialistischen
Volkswirtschaften
funktioniert
es
gut. Vergleiche mit der Bundesrepublik Deutschland und anderen westlichen Wirtschaftsystemen fallen jedoch bei weitem nicht so günstig aus.

Was die Initiative des Einzelnen
betrifft, sind zahlreiche der wichtigsten technologischen Innovationen
im Westen das Ergebnis eines intensiven Wettbewerbs relativ kleiner Unternehmen, vielfach unter der Leitung
ihrer Gründer.
Und die technologische Revolution hat zugleich in zunehmendem Maße internationalen Charakter.
88 Prozent der amerikanischen Hersteller verwenden ausländische Teile für ihre Produkte. Die

�technologische Revolution deutet auf
eine weltweit marktorientierte Wirtschaft hin, in der Wohlstand mit Offenheit innerhalb und zwischen den
einzelnen Nationen einhergeht.
Die sozialistischen Wirtschaftssysteme treten mit überholten und
veralteten Konzepten ins 21. Jahrhundert ein.
Die gleichen bürokratischen Verkrustungen, die für ihren
relativen Rückgang in den vergangenen
20 Jahren verantwortlich waren, erlauben die Aussicht auf sogar noch
größere Schwierigkeiten in den nächsten Jahren.
Man muß sich jedoch
folgende Frage stellen:
Wenn ein
Wirtschaftssystem schon nicht in einem Umfeld konkurrenzfähig sein kann,
in dem sich modernste Technologie alle zehn Jahre überholt, wie kann es
dann darauf hoffen, in einem Umfeld
in den Wettbewerb zu treten, in dem
dies drei-, fünf- oder sogar zehnmal
so schnell abläuft? Ohne eine größere Öffnung bei der Organisation der
Wirtschaft müssen die Nationen des
Ostblocks - wie groß auch immer ihre
Fortschritte insgesamt auch sein mögen - mit einer Beschleunigung der
relativen Rezession
rechnen.
Ich
vermute, eine solche Situation könnte
unsichere Konsequenzen für die Sicherheit in Ost und West haben, Konsequenzen, die wahrscheinlich nicht
im Interesse irgendeiner Seite lägen.
Darum halten wir im Westen die
derzeit in zahlreichen Ländern des
Ostens diskutierten Wirtschaftsreformen für ermutigend. Wir befürworten
energischere und mutigere Schritte.
Wir wünschen dem Osten bei seinem
Streben nach größerer Öffnung in der
Wirtschaft Erfolg.
Warum? Weil wir die Wette einzugehen bereit sind, daß eine größere
wirtschaftliche Offenheit und eine
weitere Integration der Volkswirtschaften des Ostblocks in das Weltmarktsystem dazu beitragen werden,
die Spannungen zu verringern und die
Aussichten auf eine sicherere und
wohlhabendere Welt für uns alle zu
verbessern.

In verschiedenen Ostblockländern
beginnt sich eine andere wertvolle
Einsicht zu verbreiten.
Man stößt
nunmehr auch auf das Argument, daß
eine wirtschaftliche Offenheit die
Wettbewerbssituation der Länder des
Ostblocks zwar temporär verbessern,
jedoch nur eine Lockerung der politischen Kontrolle die Wettbewerbsfähigkeit für einen längeren Zeitraum
fortschreiben kann.
Sicher läßt das Beispiel anderer
Nationen einen solchen Schluß zu. In
der Dritten Welt war der Wohlstand in
den Ländern besonders auffällig, die
nicht nur eine marktwirtschaftliche
Politik übernommen haben, sondern
auch dem Wunsch ihres Volkes nach
mehr individueller Freiheit und politischer Entfaltung nachkamen.
Und
wie Sie wissen, entwickelten sich die
politischen Demokratien des Westens
in ganz ähnlichen Bahnen. Es ist ermutigend, daß das Streben nach mehr
Offenheit in der Sowjetunion und in
Osteuropa eine politische wie auch
ökonomische Dimension angenommen hat.
Fortschritte in der Politik sind
nicht mehr zu leugnen.
In einigen
Ländern ist eine beträchtliche Anzahl
politischer Gefangener freigelassen
worden, und es werden weniger Menschen wegen politischer Vergehen verhaftet. Die Praxis der Verurteilung
politischer Straftäter zur Einlieferung in psychiatrische Anstalten gerät zunehmend in Verruf.
Die Schranken der zugestandenen
Freiheit des Ausdrucks, in Wort und
Bild, sind zunehmend geöffnet worden.
Den Medien dürfen nun über Themen berichten, die zuvor als zu delikat
oder peinlich galten.
Immer mehr
Menschen erhalten die Erlaubnis zu
Auslandsreisen.
Kontakte und Austauschprogramme mit dem Westen sind
gestiegen, was auch für die Zahl der
Ausreisen zutrifft. Solche Maßnahmen
bereichern das Leben im Ostblocks und
verleihen ihm Hoffnung; sie mobilisieren öffentliche Unterstützung für
den schwierigen Prozeß wirtschaftlicher Reformen und Anpassungen.

- 7 -

�Wir im Westen haben diese Entwicklungen mit Interesse verfolgt, da
wir sie in einen direkten Bezug zu
unserer eigenen Sicherheit setzen.
Unserer Meinung nach gibt es eine enge Verbindung zwischen der Art, wie
eine Regierung ihr eigenes Volk behandelt und ihrem Verhalten in den
auswärtigen Beziehungen.
Regierungen, die ihre eigenen Bürger schlecht
behandeln oder ihnen die wesentlichen
Menschenrechte verweigern, scheinen
auch eher zu einem schlechten Umgang
mit ihren Nachbarn bereit zu sein.
Unsere umgekehrte Beobachtung läßt
sich so zusammenfassen:
je größer
die Bandbreite politischer Freiheit
und Offenheit in einem Land, je unwahrscheinlicher ist es, daß das Land
eine Gefahr für andere wird.
Obwohl wir die jetzt in der Sowjetunion und den Ostblockländern offensichtlich werdende größere Offenheit ermutigend finden, wird unser
Enthusiasmus durch die Erkenntnis gedämpft, daß noch viel zu tun bleibt,
um den in Helsinki vereinbarten Maßstäben gerecht zu werden. Außerdem
möchten wir darauf hinweisen, daß im
Ostblock die grundlegenden Menschenrechte - ob Rede- oder Pressefreiheit, ob Freizügigkeit oder Auswanderungsmöglichkeit - immer noch wie Geschenke staatlicher Macht behandelt
werden.
Und was der Staat geben
kann, kann er auch wieder nehmen.
Daher können weder die Nachbarn noch
die Bürger eines Landes darauf bauen,
daß diese Verbesserungen einen unumkehrbaren Trend des zukünftigen politischen Lebens darstellen, bis die
Dinge aus einem grundsätzlich anderen
Blickwinkel betrachtet werden.
In jenem Geist der Offenheit und
der Hoffnung auf eine Verbreiterung
des Dialogs über dieses wichtigste
Thema überhaupt hat Präsident Reagan
beim Gipfel in Moskau solchen Wert
auf die Menschenrechte gelegt. Während er seiner Genugtuung über die in
der Sowjetunion bereits erfolgten
Veränderungen Ausdruck verlieh, verwies der Präsident gegenüber Generalsekretär Gorbatschow auf die Notwendigkeit der Verfestigung dieses Wan-

dels. Wie bei solchen Zusammenkünften üblich, rief der Präsident zu
mehr Veränderungen, zu mehr Offenheit
und zu häufigerem Dialog auf. Und
unser Dialog über Menschenrechte hat
sich tatsächlich erweitert. Wie immer fand Präsident Reagan in dem Generalsekretär
einen
willigen
Gesprächspartner über dieses Thema.
Und man muß nur die in Genf vereinbarte Gemeinsame Erklärung mit der in
Moskau veröffentlichten vergleichen,
um zu sehen, wie weit unser Dialog
gediehen ist.
Ferner glauben wir, daß der Osten
trotz Ermangelung eines grundsätzlichen Wandels dennoch beginnt, ein
Gefühl für die Anziehungskraft der
Öffnung zu bekommen und deren Nutzen
zu erkennen, und wir schätzen dies.
Die Notwendigkeit des Wandels wird
anerkannt. Dies sind positive Entwicklungen. Sie geben Grund zu Optimismus. Wir würden es begrüßen, wenn
daraus dauerhafte, unumkehrbare Elemente eines stärkeren Prozesses des
Wandels auf breiter Ebene würde.
Bis dahin werden wir im Westen
alles in unser Macht stehende tun, um
den Reformprozeß im Osten zu fördern.
Fortschritten werden wir, wenn sie
sich einstellen, positiv gegenüberstehen - in Worten und Taten. Und da
wir auf die Offenheit stolz sind, die
das Leben in unseren eigenen Ländern
charakterisiert, und uns des Lebensstils erfreuen, der unsere Freiheiten
schützt und uns gleichzeitig mit vielen materiellen Segnungen versorgt,
werden wir zugleich auch stets unsere
Ansichten freimütig vortragen - wie
ich dies heute getan habe.
In einer abschließenden Analyse
bleibt die Rolle des Westens jedoch
begrenzt.
Es ist schließlich die
Sowjetunion und jede Nation Osteuropas selbst, die den Nutzen der Offenheit erkennen müssen.
Sie müssen
aufgrund eigener Erfahrung zu der
Einsicht gelangen - wie wir im Westen
aus unserer Erfahrung gelernt haben daß echte Sicherheit auf größerer Offenheit basiert.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

VlON $ &lt;

15. Juni 1983

23

FÄHIGER STRATEGE ZUM NEUEN STABSCHEF DES WEISSEN HAUSES ERNANNT
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist der neue Stabschef des
Weißen Hauses, Kenneth Duberstein, "ein hervorragender Organisator und fähiger
Stratege". Duberstein, der sein neues Amt am 1. Juli 1988 antreten wird, ist
seit März 1987 Stellvertreter des scheidenden Amtsinhabers Howard Baker. In
dieser Funktion hat er, wie Reagan erklärte, "entscheidend an unseren bedeutenden Leistungen in der Innen- und Außenpolitik mitgewirkt".

In der Frühzeit der Reagan-Administration hatte Duberstein die Funktion des Stellvertretende Beraters
und dann des Beraters des Präsidenten
für legislative Angelegenheiten. Im
Dezember
1983 quittierte er den
Staatsdienst und wurde Vizepräsident
der
Unternehmensberatungsfirma
Timmons and Company in Washington,
bei dem er bis zu seiner Rückkehr ins
Weiße Haus tätig war.
Zu seiner früheren beruflichen
Tätigkeit zählen vier Jahre als Vizepräsident und Direktor für Beziehungen zwischen Privatindustrie und Regierung des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung (CED), einer gemeinnützigen Organisation für öffentliche Politik, deren Mitgliederschaft
sich aus 200 prominenten Unternehmern

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und Universitätspräsidenten zusammensetzt.
Während der Ford-Administration
war Duberstein Stellvertretender Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium und in dieser Funktion verantwortlich für alle legislativen und
zwischenstaatlichen
Handlungen
des
Ministeriums. Ferner war er Direktor
für Kongreß- und zwischenstaatliche
Angelegenheiten bei der General Services Administration der Vereinigten
Staaten.
Davor war Duberstein Assistent
für
Verwaltungsangelegenheiten
des
Präsidenten am Franklin and Marshall
College in Lancaster (Pennsylvania),
wo er im Jahr 1965 den Grad eines
Bachelor of Arts erworben hatte. Ein

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�Jahr später erwarb er den Grad eines
M.A. an der American University in
Washington D.C. Ferner war er Praktikant und schließlich Forschungsassistent des zwischenzeitlich verstorbenen Senators Jacob Javits.
Duberstein und seine Frau Sydney
haben drei Kinder.

* * * * *

2 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

23

15. Juni 198(1

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH UND DUKAKIS VERSPRECHEN FAIRE AUSEINANDERSETZUNG
- Die Ergebnisse der Vorwahlen von 7. Juni -

WASHINGTON - (AD) - Michael Dukakis, Gouverneur von Massachusetts, gewann
am 7. Juni mit überwältigendem Ergebnis die Vorwahlen in vier Bundesstaaten
und sicherte sich damit die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und das Recht, Vizepräsident George Bush bei den Präsidentschaftswahlen am 8. November herauszufordern.
In getrennten Interwies versprachen beide Kandidaten eine harte, aber faire Auseinandersetzung, die den Wählern bei den einzelnen Problembereichen echte Alternativen bietet.
Nahezu vollständige Wahlergebnisse aus Kalifornien, New Jersey,
Montana und New Mexiko wiesen für
Dukakis einen Vorsprung im Verhältnis
von etwa zwei zu eins vor seinem Rivalen,
dem
Bürgerrechtler
Jesse
Jackson, auf. Erwartungsgemäß gewann
Bush ohne einen Gegenkandidaten die
Nominierung der Republikaner in allen
vier Staaten.
In der vergangenen Woche errang
Dukakis die Unterstützung von etwa
250 Delegierten für den Parteikonvent
der Demokraten in Atlanta, die sich
entweder noch nicht festgelegt oder
sich an frühere Kandidaten gebunden
hatten, und bei den Wahlen am 7. Juni
fehlten ihm zu der für die Nominierung benötigten Zahl von 2 081 Delegierten noch weniger als 200 Stimmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Er gewann etwa 300 der 466 Delegierten aus den vier Staaten, die als
letzte ihre Auswahl trafen, für sich.
In den letzten zehn Wochen der
Nominierungskampagne
beeindruckte
Dukakis als Gewinner von 14 aufeinanderfolgenden Vorwahlen in den Bundesstaaten. Am 6. Juni, dem letzten Tag
seiner Kampagne in Kalifornien, verbreitete er Optimismus und versicherte, die Demokratische Partei sei in
stärkerem Maße geeint als er in seinem ganzen Leben erlebt hätte. Als
Grund dafür bezeichnete er eine "in
der Luft liegende Siegesgewißheit"
für die Präsidentschaftswahl.
Nach den Ergebnissen vom 7. Juni
erklärte Dukakis, keine großen Unstimmigkeiten innerhalb der Demokra-

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�tischen Partei zu erkennen. Auf dem
Parteikonvent in Atlanta, "könnte es
einen oder zwei harte Kämpfe geben,
und... einige Problembereiche könnten
zur Sprache kommen".
Jackson, mit dem Dukakis am Vorabend der Vorwahlen privat zusammengetroffen war, versprach, das Thema
Apartheid aufzuwerfen, wenn die von
den Demokraten beim Konvent verabschiedete Erklärung über ihre Ziele
die Regierung Südafrikas nicht als
terroristisches Regime verurteile eine Forderung, die Dukakis als "bedeutungslos" bezeichnete.
Jackson beglückwünschte und lobte
seinen ehemaligen Rivalen und erklärte, Dukakis "bringt Integrität und
Intelligenz
in
den
Öffentlichen
Dienst ein... und dies zeichnet eine
Führungspersönlichkeit aus".
Bei einer Pressekonferenz in Los
Angeles erklärte Dukakis, er werde
bei seiner Suche nach einen geeigneten Vizepräsidenten "seine Netze weit
auswerfen".
Der frühere Präsidentschaftskandidat Senator Paul Simon verwies in
Washington darauf, daß er Dukakis unterstützen werde und drängte seine
etwa 150 Delegierten, das gleiche zu
tun. Aber er erklärte auch, Jackson
verdiene als Zweiter bei der Abstimmung der Delegierten, für die Nominierung zum Vizepräsidenten berücksichtigt zu werden. Gleichzeitig erklärte Simon aber, die Nominierung
sei kein "Freibrief", und fiele dem
Kandidaten
auf
dem
zweiten
Platz
nicht automatisch zu.
Dukakis erhielt auch die Unterstützung
der ehemaligen Kandidaten
Bruce Babbitt und des Abgeordneten
Richard Gebhardt.
Bei den Vorwahlen, in Kalifornien
erhielt Dukakis aus 97 Prozent der
Wahlkreise 61 Prozent der Stimmen vor
Jackson, dem 35 Prozent zufielen.
Von 99 Prozent der Wahlkreise in New
Jersey führte Dukakis mit 63 Prozent

der Stimmen vor Jackson mit 33 Prozent. In Mew Mexico und Montana erzielte er sogar noch bessere Ergebnisse.
Bei den Vorwahlen am 7. Juni wurde Widerstand gegen Bush allein durch
Stimmen für die Kandidaten laut, die
bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten bereis aus dem Rennen sind.
Für den Konvent seiner
Partei im August in New Orleans gewann er die Delegierten aller Staaten.
Der Vizepräsident hat eine e'rste
"Wandlung" vollzogen, mit der er aus
dem Schatten Präsident Reagans heraustritt, dem er siebeneinhalb Jahre
gedient hat. Er erklärte, er hoffe,
das tun zu können, ohne "diesen Präsidenten schlecht zu machen".
In Kalifornien wurde Bush zum
Beispiel von ABC News über Reagans
Kommentar
bei
der
abschließenden
Pressenkonferenz in Moskau befragt,
daß grundlegende Meinungsverscheidenheiten
zwischen
den
Supermächten
"weiterhin in den Hintergrund treten"
und daß sowjetische Sprecher einen
"grundlegenden Wandel in der Politik... und in ihrer Regierung" verzeichnet haben.
Berichten zufolge
antwortete Bush, seiner Ansicht nach
hätten die Sowjets ihre Politik nicht
grundlegend geändert und fügte hinzu,
"meiner Meinung nach ist es noch zu
früh, um ein Urteil zu fällen" was
die Absichten des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow angeht.
Um beim Parteikonvent der Republikaner den Grundstein der Einheit
zu legen, wird Bush am 10. Juni mit
vier seiner ehemaligen Rivalen in
Denver
zusammentreffen.
Auch Bush
wird
seinen Vizepräsidenten wählen
müssen, aber er wird mit der Verkündung seiner Entscheidung wahrscheinlich bis nach dem Treffen der Demokraten warten.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'A

"V

Wirtschaft

6

15. Juni 1983

23

NEUES SYSTEM ZUR BILANZIERUNG DER HANDELSZAHLEN

WASHINGTON - (AD) - Einem am 9. Juni 1988 vom amerikanischen Wirtschaftsministeriun eingeführten neuen System zur Bilanzierung der Handels^ahlen zufolge würde sich das im vergangenen Monat für März 1988 errechnete Handelsdefizit von 9,746 Milliarden Dollar nunmehr auf 11,946 Milliarden belaufen. Den
ersten Eindruck zum Trotz bedeutet dies jedoch nicht, daß das Handelsdefizit
höher liegt als zuvor berechnet.
Dem neuen System zufolge werden
die Zahlen für den monatlichen Import
und Export von Waren saisonbereinigt,
um die starken monatlichen Schwankungen teilweise auszugleichen.
Addiert man jeweils die nichtbereinigten und die saisonbereinigten
Zahlen am Ende eines Jahres, so werden sich die gleichen Gesamtsummen
ergeben. Nur die Verteilung über die
einzelnen .Monate wird sich unterscheiden.
Durch die saisonbereinigte Bilanzierung wird sich Vertretern des
Wirtschaftsrainisteriums zufolge ein
besseres Bild von den Tendenzen in
der Handelsbilanz gewinnen lassen.
Beispielsweise

fiel das nichtbe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

reinigte
Handelsbilanzdefizit
von
13,828 Milliarden Dollar im Februar
auf 9,746 Milliarden Dollar im März.
Oberflächlich
betrachtet
erschein),
dies als eine bedeutende Wende in der
Handelsbilanz. Da die Exporte jedoch
traditionell im Monat März sehr hoch
sind, ist die rückläufige Tendenz
nicht so bedeutend, wie man den Zahlen nach vermuten könnte.
In einem Informationsgespräch mit
Journalisten
erklärte der Staatssekretär
im
Wirtschaftsministeriun
Robert Ortner, auch saisonbereinigt,
sei das durchschnittliche monatliche
Handelsdefizit von 14,3 Milliarden
Dollar in den letzten sechs Monaten
des Jahres 1979 auf 12,5 Milliarden
Dollar in den ersten drei Monaten des
Jahres 1988 zurückgegangen.

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�Eine saisonbereinigte Bilanzierung der Handelszahlen ist nicht neu;
sie wurde bis 1985 angewendet und
dann aufgrund von Problemen mit der
Datenqualität
eingestellt.
Damals
wurde
vom
Wirtschaftsministerium
festgestellt, daß bis zu 55 Prozent
der verzeichneten Importe tatsächlich
während der voraufgegangenen Monate
eingeführt worden waren. Diese Bilanzierung früherer Handelsdaten in
den Zahlen des letzten Monats wird
als "Übertrag" bezeichnet.
Das Ministerium hat dieses Problem so korrigiert, daß der Übertrag
heute auf etwa drei Prozent zurückgegangen ist. Zusätzlich zur Saisonbereinigung wird das Ministerium die
Handelsdaten des letzten Monats dergestalt überarbeiten, daß auch der
Übertrag berücksichtigt wird, obwohl
diese Berichtigung im Vergleich zur
Saisonbereinigung recht gering ausfallen wird.
Vertretern
des
Wirtschaftsministeriums zufolge erwiesen sich Januar und Februar dieses Jahres aufgrund von Problemen mit den kanadischen Zahlen als Ausnahmen von der
normalerweise geringen Berichtigung
beim Übertrag.
Das Problem ergebe
sich aus der Tatsache, daß Kanada ein
neues System der Zollklassifizierung
einführte.
Das Gesamthandelsdefizit der Vereinigten Staaten im Jahr 1987 wurde
nach Berichtigung der Ubertragszahlen
von 171,217 Milliarden Dollar auf
170,320 und- für 1986 von 156,156 auf
155,137 Milliarden Dollar nach unten
korrigiert.
Schließlich erklärten Vertreter
des
Wirtschaftsministeriums,
daß
trotz der Berichtigung von saisonalen
und Ubertragsfaktoren weiterhin mit
starken monatlichen Schwankungen der
Handelszahlen zu rechnen sei. Zur
Bewertung der zugrundeliegenden Tendenzen bei den Handelszahlen werde
die Berücksichtigung der Daten des
letzten Dreiraonatszeitraums empfohlen.

Die am 9. Juni veröffentlichten
Erklärung des Ministeriums beinhaltet
einen solchen Überblick mit einer Tabelle, die den gleitenden Durchschnitt der saisonbereinigten Daten
innerhalb eines Dreimonatszeitraums
angibt.
Ein gleitender DreimonatsDurchschnitt von" 12,544 Milliarden
Dollar für das Handelsdefizit des Monats März wird auf der Grundlage der
monatlichen Defizite von Januar bis
März berechnet. Der gleitende Durchschnitt für Februar würde sich demzufolge auf den Durchschnitt der Monatsdefizite von Dezember 1987 bis
Februar 1988 stützen.
Diese
gleitenden
DreimonatsDurchschnitte sind in vier der vergangenen fünf Monate gesunken, was
darauf hindeutet, daß die Tendenz des
Handelsdefizits in diesem Zeitraum
rückläufig war.

�Nachfolgend einige besonders wichtige Zahlen:
US-Handelsbilanz
Milliarden Dollar, saisonbereinigt und nichtbereinigt

Saisonbereinigt

Nichtbereinigt

1987
Januar-Dezember

-170,3202

-170,3202

Januar

-14,7330

-14,8211

Februar

-13,5265

-12,2703

März

-13,8243

-12,0913

April

-13,2368

-13,1002

Mai

-14,0744

-13,9128

Juni

-15,0581

-15,2908

Juli

-13,8782

-16,0761

August

-15,0781

-15,3098

September

-13,9350

-13,9754

Oktober

-15,5561

-16,9867

November

-13,6224

-13,4600

Dezember

-13,7972

-13,0259

Januar-März

-37,6317

-34,2731

Januar

-11,2712

-11,5326

Februar

-14,4146

-12,9943

März

-11,9458

-9,7462

1988

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzporträt von Kenneth Duberstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

15. Juni 1994

23

USA-EUROPA

USA UND EUROPA MÜSSEN GEMEINSAME
FRIEDENSSTRATEGIE VERFOLGEN
Rede Präsident Clintons vor der
französischen Nationalversammlung

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN

CHRISTOPHER: PARTNERSCHAFT FÜR DEN
FRIEDEN IST BEMERKENSWERTE LEISTUNG
Rede des Außenministers vor dem
Nordatlantikrat

WIRTSCHAFT

DIE
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
Ron Brown vor der
American Chamber of Commerce

ARBEITSWELT

REICH FORDERT
INTERNATIONALE
ARBEITSNORMEN
Ansprache von Arbeitsminister Reich
vor der IAO

««

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�USA-EUROPA
15. Juni 1994

USA UND EUROPA MÜSSEN GEMEINSAME
FRIEDENSSTRATEGIE VERFOLGEN
Rede Präsident Clintons
vor der französischen Nationalversammlung
PARIS - (AD) - Präsident Clinton zufolge müssen die Vereinigten Staaten und Europa eine gemeinsame
Strategie für den Frieden verfolgen, die den gesamten europäischen Kontinent durch drei Bande integriert:
"Erstens Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik, zweitens Marktwirtschaft, drittens Demokratie."
Das schwierigste europäische Sicherheitsproblem stelle Bosnien dar, äußerte Präsident Clinton am 7. Juni
1994 vor der französischen Nationalversammlung, und obwohl es nicht gelöst worden sei, "wurden
entschlossene und bislang erfolgreiche Bestrebungen zur Beschränkung des Konflikts auf Bosnien
unternommen, damit er sich nicht zu einem größeren Balkankrieg ausweitet".
"Heute sehen sich die ehemals kommunistischen Staaten einer beängstigenden Übergangszeit gegenüber...
Es muß unser Ziel sein, ihnen zum Erfolg zu verhelfen - durch die Förderung marktwirtschaftlicher Reformen,
gezielte Hilfe bei der Privatisierung, Verstärkung unserer Bande in den Bereichen Handel und Investitionen."
Der Präsident bezeichnete die Demokratie als den "Klebstoff, der Wirtschaftsreformen und sicherheitspolitische
Zusammenarbeit verkitten kann" und äußerte, trotz einiger "Entwicklungen mit Hindernissen" in den ehemals
kommunistischen Staaten habe es auch ermutigende Ergebnisse gegeben, einschließlich neuer Verfassungen
und der Gründung unabhängiger Fernsehstationen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Weißen Haus freigegebene Rede des Präsidenten in Paris.

Es ist mir eine große Ehre, gemeinsam mit meiner
Frau und unserer verehrten Botschafterin Pamela
Harriman hierher eingeladen worden zu sein.
Zwischen unseren beiden Völkern besteht eine
besondere Verwandtschaft, denn schließlich wurden
unsere beiden Republiken im Abstand von nur
wenigen Jahren gegründet. Wir setzten die Regeln
von Königen außer Kraft und ersetzten sie durch
gemeinsame Ideale, Gleichheit, Freiheit, Gemeinschaft und Menschenrechte.
Zwei Jahrhunderte lang haben unsere Nationen
einander großzügig gegeben. Frankreich vermittelte
unseren Gründervätern die Ideale von Montesquieu
und Rousseau. Lafayette und Rochambeau halfen,
diese Ideen in die Realität unserer eigenen Unabhängigkeit umzuwandeln. Denn ebenso wie wir
bei der Befreiung Ihres Landes 1944 halfen, halfen

AMERIKA DIENST 23

Sie bei der Befreiung unseres Landes vor zwei
Jahrhunderten.
Während dieser ganzen Zeit haben Ihre Kunst und
Kultur zahllose Amerikaner inspiriert - von Benjamin
Franklin bis zu John und Jacqueline Kennedy. Wir
wiederum liehen Ihnen das revolutionäre Genie
Thomas Jeffersons, den feurigen Geist Thomas
Paines und das Leben so vieler junger Männer, als
die Freiheit Europas am stärksten in Gefahr war.
Diese Woche haben Sie uns ein weiteres großartiges
Geschenk in Form der wunderbaren Gedenkfeiern
aus Anlaß der Landung der Alliierten in der Normandie gemacht. Ich danke Präsident Mitterand und dem
ganzen französischen Volk für diese großzügige
Gastfreundschaft. Mein Dank gilt insbesondere den
Tausenden französischer Familien, die unseren
Veteranen ihr Heim geöffnet haben.

Seite 1

�Die gestrigen Bilder werden mich den Rest meines
Lebens begleiten - die eindrucksvollen Cliffs von
Pointe du Hoc, die Parade unserer Alliierten Streitkräfte am Utah Beach, die tödlichen Felsufer an der
blutigen Omaha Beach, die endlosen Reihen von
Grabsteinen auf unserem Friedhof bei Colleville.
D-Day war der Wendepunkt des 20. Jahrhunderts.
Er setzte die Befreiung Europas in Gang. Auf
vielerlei Weise bewies der Sieg der Alliierten, wie
der Glaube der Demokratie an den einzelnen die
Demokratie selbst rettete. Von der tapferen französischen Resistance bis zum Erfindungsreichtum der
Soldaten an der Omaha Beach bewies er, was freie
Nationen erreichen können, wenn sie gemeinsam
hinter einer großen und edlen Sache stehen.
Die bemerkenswerte Einigkeit der Alliierten während
des Zweiten Weltkriegs spiegelte die lebensbedrohliche Gefahr für die Freiheit wider. Demokratien freier
und oftmals ungestümer Völker werden angesichts
einersolchen Gefahr eherzusammenhalten. Unsere
Herausforderung besteht jetzt jedoch darin, unser
Volk um die Chancen für den Frieden zu einen, wie
sich unsere Vorfahren angesichts der Gefahren des
Krieges einten.
Wie Ihr Präsident so beredt formulierte, konnten wir
einmal in diesem Jahrhundert - nach dem Ersten
Weltkrieg - nicht diesem Gebot folgen. Nach dem
Waffenstillstand waren viele Amerikaner der Ansicht,
es beständen keine Gefahren mehr für uns. Amerika zog sich zunehmend von der Welt zurück, wodurch hohen Zöllen, Handelskriegen, dem Anstieg
des Faschismus und einem weiteren Weltkrieg
innerhalb von 20 Jahren Tor und Tür geöffnet
wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machten Amerika,
Frankreich und die anderen Demokratien es besser.
Unter der Führung von weitblickenden Staatsmännern wie Truman, Marshall, De Gaulle, Monnet und
anderen bauten wir unsere Bündnisse und die
Länder unserer ehemaligen Feinde - Deutschland,
Italien und Japan - wieder auf und stellten uns der
Gefahr einer sowjetischen Expansion und Nuklearmacht.
Gemeinsam gründeten wir die NATO,
setzten den Marshallplan, das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen GATT sowie weitere Motoren
wirtschaftlicher Entwicklung in Gang. In einem
großartigen historischen Akt der Versöhnung reichte
Frankreich die Hand zur Bildung der deutsch-französischen Partnerschaft - der Grundlage von Einheit
und Stabilität im modernen Westeuropa.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben
in der Tat einen Akt politischer Alchimie begangen,
ein Zauberkunststück, das Schutt in Erneuerung,

Seite 2

Mißtrauen in Sicherheit und Feinde in Verbündete
verwandelte.
Jetzt sind wir am dritten Scheideweg dieses Jahrhunderts angelangt. Der Kalte Krieg ist vorüber.
Prag, Warschau, Kiew, Riga, Moskau und viele
andere sind Hauptstädte demokratischer Länder mit
vom Volk gewählten Politikern. Wir bauen das
Atomwaffenarsenal ab, und Amerika und Rußland
richten nicht mehr ihre Atomwaffen gegeneinander.
Unsere Arbeit ist jedoch noch lange nicht beendet.
Um diesen Frieden zu sichern, müssen wir unseren
Blick auf einen strategischen Stern richten. Hier, wo
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten so hart
um die Rettung dieser Welt gekämpft haben, sollte
dieser Leitstern für uns beide - Amerikaner und
Europäer gleichermaßen - die Integration und Stärkung eines umfassenden Europas sein. Dies ist eine
gewaltige Herausforderung, die Ressourcen erfordert.
Sie wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte benötigen.
Sie wird von uns etwas für Demokratien sehr Schwieriges erfordern - unser Volk zu einen, wenn es sich
nicht mit der direkten Gefahr konfrontiert sieht,
entfernteren Bedrohungen begegnen zu müssen und
schwierige und aufregende Chancen zu ergreifen.
Dennoch sprechen die geheiligten Grabsteine, die wir
gestern ehrten, eine deutliche Sprache. Sie definieren den Preis des Scheiterns in Friedenszeiten. Sie
bekräftigen die Notwendigkeit, jetzt zu handeln.
Wir können bereits die grausame Alternative sehen.
Militanter Nationalismus ist im Ansteigen begriffen
und verwandelt den gesunden Stolz von Nationen,
Volksstämmen, religiösen und ethnischen Gruppen in
tödliche Vorurteile, die Staaten unterminieren und ihr
Volk abhängig von den politischen Schmerzstillern
Gewalt und Demagogie machen, die anderen die
Schuld an ihren Problemen geben, wenn sie sich
eigentlich der harten Arbeit widmen sollten, durch
Versöhnung, Gewaltenteilung und umweltverträgliche
Entwicklung wirkliche Antworten auf diese Probleme
zu finden.
Anzeichen dieser Krankheit sind von dem willkürlichen Gemetzel in Bosnien bis zu der wahllosen
Gewalt der Skinheads in allen unseren Ländern zu
beobachten. Wir sehen sie an dem mit der Geschichte getriebenen aufwiegelnden Mißbrauch sowie
an dem Antisemitismus und dem Irredentismus
einiger ehemals kommunistischer Staaten. Und
jenseits von Europa sehen wir die dunkle Zukunft
dieser Trends an massenhaftem Abschlachten,
ungezügeltem Terrorismus, verheerender Armut und
völliger Zerstörung von Umwelt und Gesellschaft.

AMERIKA DIENST 23

�Unser transatlantisches Bündnis ist eindeutig an
einem kritischen Punkt angelangt. Wir müssen die
für diese Zeit erforderlichen Bande zwischen Nationen schmieden, wie wir das nach dem Zweiten
Weltkrieg taten. Wir müssen das jedoch zu einer
Zeit tun, in der unsere Sicherheit nicht direkt bedroht
ist - wie nach dem Ersten Weltkrieg.
Für diese Generation führender Politiker lautet die
Frage, ob wir den Willen, die Vision und die Geduld
hierzu aufbringen. Ich möchte die Position der
Vereinigten Staaten deutlich darlegen. Amerika wird
sich weiterhin in Europa engagieren. Das gesamte
transatlantische Bündnis zieht Nutzen, wenn wir Europa und Amerika - stark und engagiert sind.
Amerika wünscht sich ein starkes Europa, und
Europa sollte sich die Zusammenarbeit mit einem
starken Amerika wünschen.
Um sicherzustellen, daß unser Land ein starker
Partner bleibt, leisten wir zu Hause harte Arbeit, um
einen neuen Geist der amerikanischen Erneuerung
zu schaffen, unser Haushaltsdefizit abzubauen,
unsere Wirtschaft neu zu beleben, den Handel zu
erweitern, unsere Straßen sicherer vor Verbrechern
zu machen und die Grundpfeiler unserer Stärke
wiederherzustellen - Arbeit, Familie, Gemeinschaft
sowie die Aufrechterhaltung unserer defensiven
Präsenz in Europa.
Wir wünschen uns auch ein starkes Europa. Aus
diesem Grund unterstützt Amerika die von Europa
unternommenen Schritte für stärkere Einigung - die
Europäische Union, die Westeuropäische Union
sowie die Entwicklung einer europäischen Verteidigungsidentität. Wir müssen jetzt eine gemeinsame Strategie verfolgen - den Frieden und Wohlstand
eines umfassenderen Europas zu sichern. Diese
Strategie hängt von der Integration des gesamten
Kontinents durch drei Bande ab: Erstens Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik, zweitens Marktwirtschaft und drittens Demokratie.
Zunächst einmal müssen wir in einem Zeitalter stark
und sicher bleiben, das noch viele Gefahren birgt.
Zu diesem Zweck sind unsere Sicherheitsinstitutionen an neue Gebote anzupassen. Die Vereinigten
Staaten haben den Umfang ihrer Militärpräsenz in
Europa reduziert, wir werden hier jedoch weiterhin
eine starke Streitmacht aufrechterhalten.
Die Europäische Union, die Westeuropäische Union,
die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa sowie andere Organisationen müssen alle
eine größere Rolle spielen. Ich war erfreut darüber,
daß die NATO kürzlich einen amerikanischen Vorschlag annahm, ihre Aktivposten der WEU zugänglich zu machen. Zur Förderung größerer sicherheits-

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politischer Zusammenarbeit in ganz Europa müssen
wir auch die NATO an dieses neue Zeitalter anpassen.
Beim NATO-Gipfel im Januar einigten wir uns auf die
Schaffung einer Partnerschaft für den Frieden, um die
Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik zwischen
den Mitgliedstaaten der NATO und den anderen
europäischen Staaten zu fördern - den ehemaligen
Warschauer Pakt-Staaten, den Staaten der früheren
Sowjetunion und den aus anderen Gründen nicht der
NATO angehörenden Staaten. Nur sechs Monate
später ist diese Partnerschaft für den Frieden Realität. 19 Nationen sind ihr bereits beigetreten, und
weitere befinden sich auf dem Weg dazu. Auch
Rußland hat Interesse an einem Beitritt bekundet.
Die Partnerschaft wird ihre ersten Militärübungen im
kommenden Herbst durchführen. Stellen Sie sich
diese Veränderung vor: Truppen, die sich einst durch
den Eisernen Vorhang getrennt gegenüberstanden,
arbeiten jetzt auf europäischem Gelände zusammen.
Wir haben Verständnis für die historisch begründeten
Ängste Mittel- und Osteuropas. Die Sicherheit dieser
Staaten ist für unsere eigene Sicherheit von Bedeutung. Und wir sind der Erweiterung der NATO
verpflichtet. Solange wir die Chance haben, überall
in Europa zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
beizutragen, sollten wir diese Möglichkeit nirgendwo
verspielen.
Es gibt Anzeichen dafür, daß ein solches Ergebnis
möglich ist. Die Ukraine, Kasachstan und Belarus
haben sich jetzt zur Beseitigung aller auf ihrem
Territorium stationierten Atomwaffen verpflichtet. Bis
August haben sich möglicherweise erstmals seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs alle russischen Truppen
aus Osteuropa und dem Baltikum zurückgezogen.
Sind diese Entwicklungen eine Garantie dafür, daß
wir alle ehemals kommunistischen Staaten in die
friedliche Zusammenarbeit einbinden können? Das
ist nicht der Fall. Wir würden jedoch unserer Generation und unseren Nachfahren gegenüber versagen,
wenn wir nicht den Versuch unternähmen.
Bedeuten diese Absprachen, daß wir alle Probleme
lösen können? Nein, zumindest nicht direkt. Das
schwierigste europäische Sicherheitsproblem und das
herzzerreißendste humanitäre Problem stellt natürlich
Bosnien dar. Wir haben dieses Problem nicht gelöst,
es ist jedoch wichtig anzuerkennen, was bereits
getan wurde, denn Frankreich, die Vereinigten
Staaten, Großbritannien und andere haben im
Rahmen der Vereinten Nationen und der NATO
zusammengearbeitet. Schauen Sie auf das, was
getan wurde. Erstens wurden entschlossene und

Seite 3

�bislang erfolgreiche Bestrebungen zur Beschränkung
des Konflikts auf Bosnien unternommen, damit er
sich nicht zu einem größeren Balkankrieg ausweitet.
Zweitens hat die massivste Luftbrücke mit humanitären Gütern in der Geschichte Tausende von Menschenleben gerettet - ebenso wie die UNPROFORMission, bei der Frankreich einen großen Truppenbeitrag leistete.
Wir haben eine Ausweitung des Krieges auf den
Luftraum verhindert.
Es wurde ein Abkommen
zwischen den bosnischen Muslimen und den Kroaten geschlossen. Es wurden Fortschritte gemacht.
Was bleibt noch zu tun? Heute haben die Vereinten
Nationen durch ihren Beauftragten Akaschi einen
Vorschlag über die Einstellung der Kampfhandlungen für mehrere Monate vorgelegt. Die Vereinigten
Staaten unterstützen dieses Programm. Frankreich
unterstützt diesen Vorschlag. Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um beide Seiten zu
seiner Annahme zu veranlassen.
Die Kontaktgruppe arbeitet an einer Landkarte, die
die Grundlage einer vollständigen und endgültigen
Einstellung der Kampfhandlungen dort darstellen
kann. Wir müssen alles uns Mögliche tun, um
dieses Abkommen zu sichern.
Letztlich dürfen wir auch nicht vergessen, was diese
Wahrscheinlichkeit erhöht hat: Rußland wurde in
den Prozeß zur Lösung dieser schrecklichen Krise
eingeschaltet, was bisher sehr positiv verlief und den
Weg zu einer Zukunft weist, in der wir vielleicht alle
zusammen eine Zeitlang an der Lösung von Problemen wie diesem arbeiten.
Wir brauchen Geduld. Wir müssen verstehen, daß
wir keine vollständige Kontrolle über die Ereignisse
in jeder Nation haben. Wir haben jedoch in Bosnien
Fortschritte erzielt und müssen das weiterhin tun:
Mit Geduld und Festigkeit weiterarbeiten, bis die
Arbeit getan ist. Das wird gelingen, wenn wir
zusammenbleiben und zusammenarbeiten können.
Die beste Möglichkeit zur Beibehaltung dieser Art
von Kooperation stellt die Unterstützung der allgemeinen europäischen Entwicklung dar. Diese
muß auch eine wirtschaftliche Dimension haben.
Wir müssen den Ländern Osteuropas bei ihrer Arbeit
beistehen, sich in den Kreis der prosperierenden
marktwirtschaftlichen Demokratien zu integrieren.
Das führt mich zum zweiten Element unserer Integrationsstrategie. Integration erfordert den erfolgreichen Übergang zu starken Volkswirtschaften in ganz
Europa.
Heute sehen sich die ehemals kommunistischen
Staaten einer beängstigenden Übergangszeit gegen-

Seite 4

über. Es muß unser Ziel sein, ihnen zum Erfolg zu
verhelfen - durch die Förderung marktwirtschaftlicher
Reformen, gezielte Hilfe bei der Privatisierung,
Verstärkung unserer Bande in den Bereichen Handel
und Investitionen. Dieses Verfahren verläuft unweigerlich langsam und natürlich nicht ohne Hindernisse.
Es hängt teilweise davon ab, was in diesen Ländern
geschieht. Wir waren Zeuge, wie Wähler in ehemals
kommunistischen Staaten ihre Stimme gegen Reformen und ihre Härten abgaben. Solange diese
Staaten jedoch demokratische Prozesse respektieren,
sollten wir nicht zu beunruhigt reagieren. Die Reformarbeit wird Jahre und Jahrzehnte erfordern.
Trotz einer Vielzahl von Problemen waren die Wirtschaftsreformen in Osteuropa immer noch beeindruckend. Mittlerweile sind 40 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung Rußlands im Privatsektor beschäftigt, und 50 Millionen Russen haben Aktienanteile an im Privatbesitz befindlichen Unternehmen.
Im vergangenen Januar habe ich in Prag erklärt, der
Westen müsse solche Reformen durch die weitestgehende Öffnung unserer Märkte für solche Reformen
unterstützen. Denn wenn unsere neuen Freunde ihre
Produkte nicht exportieren können, exportieren sie
statt dessen vielleicht Instabilität, selbst gegen ihren
Willen.
Wir können auch andere Reformen unterstützen,
indem wir das Weltwirtschaftswachstum fördern. In
den vergangenen Jahren war einer der wichtigsten
Schritte zu diesem Ziel das neue GATT-Abkommen.
Es schafft Millionen Arbeitsplätze. Frankreich spielte
beim erfolgreichen Abschluß dieser Gespräche eine
absolute Schlüsselrolle. Ich bin mir bewußt, daß
diese Angelegenheit für Ihr Land sehr schwierig war.
Ich weiß, daß sie Staatskunst erforderte. Und ich
versichere Ihnen, daß diese Frage auch für die
Vereinigten Staaten nicht einfach war.
Es bleiben noch Fragen zu regeln. Nachdem wir
jedoch die Tür zu der weitreichendsten Handelsvereinbarung der Geschichte geöffnet haben, müssen
wir die Sache abschließen. Mein Ziel ist die Ratifizierung des GATT-Ankommens durch den amerikanischen Kongreß in diesem Jahr sowie im Rahmen
der G-7 eine Politik zur Belebung unserer Volkswirtschaften.
Wir haben uns in den G-7-Staaten darauf verständigt,
einander die schwierigen Fragen zu stellen: Was
können wir zur Förderung von Wirtschaftswachstum
und der Schaffung von Arbeitsplätzen unternehmen?
Welche Handelspolitik ist der Erwerbsbevölkerung
unserer Länder gegenüber fair? Wie können wir
Wirtschaftswachstum auf eine Weise fördern, die in
den ärmeren Ländern der Welt umweltverträgliches
Wachstum fördert, so daß sie nicht ihre Ressourcen

AMERIKA DIENST 23

�verschwenden und letztlich alle diese Bestrebungen
zum Scheitern verurteilt sind? Dies sind Fragen von
größter Bedeutung. Sie werden erstmals in einem
multilateralen Forum gestellt, was von großer Tragweite ist.
Ungeachtet dessen, wie wir mit Sicherheits- oder
Wirtschaftsfragen umgehen, muß unsere Mission
denselben Kern haben wie die vor einem halben
Jahrhundert an den Küsten der Normandie durchgeführte. Das ist Demokratie. Denn letztlich ist
Demokratie der Klebstoff, der Wirtschaftsreformen
und sicherheitspolitische Zusammenarbeit verkitten
kann. Aus diesem Grund muß unser drittes Ziel die
Konsolidierung der jüngsten demokratischen Errungenschaften Europas sein.
Dieses Ziel steht im Einklang mit den grundlegenden
Idealen unserer beiden Republiken. Schließlich
haben wir so angefangen. Es dient auch unseren
fundamentalen Sicherheitsinteressen, denn Demokratie ist ein machtvolles Abschreckmittel, das die
dunklen Ambitionen der Möchtegern-Tyrannen und
-Aggressoren eindämmt und die vielversprechenden
Hoffnungen freier Bürger respektiert.
Unsere beiden Nationen und andere Länder haben
gemeinsam große Anstrengungen zur Förderung der
Demokratie in den ehemals kommunistischen
Staaten unternommen. Der Fortschritt kommt nicht
über Nacht. Es wird Entwicklungen mit Hindernissen
geben, aber wir können bereits ermutigende und
bisweilen atemberaubende Resultate ausmachen.
Wir waren Zeuge, wie unabhängige Fernsehstationen gegründet wurden, wo früher nur die staatliche
Version der Wahrheit übertragen wurde. Wir sahen,
wie Tausende von Menschen aus der ehemals
kommunistischen Welt - Studenten, Bankiers,
Politiker - in unsere Länder kamen, um etwas über
die Ideen und den Umgang mit der Freiheit zu
lernen.
Wir konnten beobachten, wie neue Verfassungen
geschrieben und neue Staaten auf der Grundlage
der Prinzipien gegründet wurden, die unsere Republiken bei ihrer Geburt inspirierten. Letztlich müssen
wir demokratische Bande fördern - nicht nur innerhalb dieser ehemals kommunistischen Staaten,
sondern auch zwischen ihren und unseren Staaten.

*

AMERIKA DIENST 23

Die Nationen spechen in der Sprache der Demokratie
miteinander. Sie zeigt sich an der Art und Weise, in
der wir unsere Differenzen überbrücken, mit den
Bürgern anderer Länder umgehen und das Erbe der
anderen in Ehren halten. Es ist die Sprache, in der
unsere beiden Republiken seit mehr als 200 Jahren
miteinander sprechen. Es ist die Sprache, in der die
westlichen Alliierten während des Zweiten Weltkriegs
miteinander sprachen.
Jetzt haben wir die Chance, die Sprache der Demokratie auf diesem gesamten Kontinent zu hören.
Wenn wir dieses Ziel erreichen können, werden wir
denen aus unseren beiden Ländern einen großartigen
und dauerhaften Tribut zollen, die vor fünfzig Jahren
für die Freiheit kämpften und starben.
Nahezu 25 Jahre nach dem D-Day kehrte ein amerikanischer Veteran, der bei dieser Invasion als Stabsarzt tätig war, in die Normandie zurück. Er schlenderte die Omaha Beach entlang, an der er im Juni
1944 gelandet war, und ging dann zum nächstgelegenen Dorf. Dort klopfte er an eine ihm vertraut erscheinende Tür.
Eine Französin öffnete ihm, drehte sich dann plötzlich
um und rief ihrem Mann zu: "Er ist zurückgekommen. Der amerikanische Doktor ist wieder da."
Einen Augenblick später kam ihr Mann, in der Hand
eine mit Staub und Spinnweben bedeckte Weinflasche. "Willkommen, Herr Doktor!", rief er. "1944
haben wir diese Flasche für Ihre Rückkehr aufgehoben. Jetzt wollen wir feiern."
Dieses freudige Wiedersehen und feierliche Gedenken fand diese Woche überall statt - bei geplanten
und ungeplanten Begegnungen.
Während unser Volk alte Bande erneuert, wollen wir
die zeitlose Arbeit wiederaufnehmen, die uns hierhergebracht hat und unsere Vorfahren vor 200
Jahren zusammenführte - die Stärkung der Grundlagen der Freiheit und den Aufbau eines dauerhaften
Friedens für kommende Generationen.
Meines
Erachtens können wir das tun. Es ist der einzige und
letzte Tribut, den wir der aus dem Zweiten Weltkrieg
und den Ereignissen in der Normandie gelernten
Lektion zollen können.

* * *

*

Seite 5

�PARTNERSCHAFT

FÜR

FRIEDEN
15. Juni 1994

CHRISTOPHER: PARTNERSCHAFT FÜR DEN FRIEDEN
IST BEMERKENSWERTE LEISTUNG
Rede des Außenministers vor dem Nordatlantikrat
ISTANBUL - (AD) - Außenminister Christopher bezeichnete die Partnerschaft für den Frieden als
"bemerkenswerte Leistung" und fügte hinzu, der Vorschlag Präsident Clintons habe sich in nur fünf Monaten
"von einem bloßen Konzept zu einer funktionierenden Realität" gewandelt.
In einer Rede vor der Ministertagung des Nordatlantikrats am 9. Juni 1994 in Istanbul erklärte Christopher:
"Die Partnerstaaten engagieren sich aktiv im NATO-Hauptquartier in Brüssel und werden in Kürze im
Partnerschaft-Koordinationszentrum in Mons Seite an Seite mit den Militärplanern der NATO zusammenarbeiten."
Mit der Feststellung, die Friedenssicherungsmanöver der Partnerschaft für den Frieden würden in diesem Jahr
aufgenommen, erläuterte der Außenminister: "Stellen Sie sich vor - Truppen, die sich im Kalten Krieg ein
halbes Jahrhundert feindlich gesinnt gegenüberstanden, kommen jetzt bei gemeinsamen Manövern
zusammen."
Christopher verwies ferner darauf, daß der Rat die Beziehungen der NATO zu den Nationen im Osten erörtere
und dabei "Rußland eine prominente Rolle in unseren Überlegungen spielen" wird. Die Zusammenarbeit
zwischen der NATO und Rußland bei der Eindämmung von nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen
würde unsere gemeinsamen Interessen voranbringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut.

Ich danke Ihnen. Es ist eine Freude, wieder im
Nordatlantikrat zusammenzukommen. Ich möchte
unseren türkischen Gastgebern unseren Dank für
diesen beeindruckenden Tagungsort am Ufer des
Bosporus aussprechen und auch unseren verehrten
Stellvertretenden Generalsekretär Sergio Balanzino
nicht unerwähnt lassen, der die Diskussion leiten
wird.
Unsere Gedanken weilen heute auch bei Generalsekretär Wörner. Präsident Clinton und ich übermitteln
unsere besten Wünsche für Manfreds vollständige
und rasche Genesung. Seine Stärke, Widerstandskraft und sein Mut sind uns allen ein Beispiel. Sein
Beitrag zur Erneuerung dieses Bündnisses war
bemerkenswert.
In der vergangenen Woche hat Präsident Clinton - in
Italien, Großbritannien und Frankreich - erneut das
unerschütterliche Engagement der Vereinigten
Staaten für Europa unterstrichen. Am Dienstag hat
Präsident Clinton vor der französischen Nationalversammlung unsere gemeinsame strategische Heraus-

AMERIKA DIENST 23

forderung beim Aufbau eines stärkeren und besser
integrierten Europa auf der Grundlage von Sicherheitszusammenarbeit, Marktwirtschaften und demokratischen Institutionen dargelegt.
Der Präsident wird seine Vision eines umfassenderen
Europa bei seinen Reisen nach Italien, Deutschland
und Polen im nächsten Monat bekräftigen. Während
das hoffnungsvollste Kapitel der europäischen
Geschichte geschrieben wird, werden die Vereinigten
Staaten weiterhin Seite an Seite mit den Menschen
eines ungeteilten, demokratischen Kontinents stehen.
In der vergangenen Woche erneuerte Präsident
Clinton sein beim Gipfeltreffen in Brüssel abgegebenes Versprechen zur Beibehaltung von rund 100.000
amerikanischen Soldaten in Europa. Er bekräftigte,
daß unser politisches Engagement weiterhin durch
unsere militärische Präsenz verstärkt wird. Unsere
Präsenz ist nach wie vor zum Schutz der vitalen
amerikanischen und europäischen Interessen erforderlich.

Seite 1

�Das NATO-Bündnis wird weiterhin das Kernstück
des amerikanischen Engagements in Europa und
der europäischen Sicherheit bilden. Seit dem
Ministertreffen im Juni letzten Jahres in Athen haben
wir unsere Bestrebungen zur Verstärkung der transatlantischen Bande erneuert, die von der NATO
verkörpert werden. Während wir die beim Gipfel
getroffenen bahnbrechenden Entscheidungen umsetzen, gestalten wir das Bündnis um, damit die Sicherheitserfordernisse der Welt nach dem Kalten
Krieg bewältigt werden können.
Die Bedrohung heute ist nicht eine Invasion aus dem
Osten, sondern Instabilität im Osten. In Mitteleuropa
konsolidieren neue demokratische Marktwirtschaften
die Freiheit und zeigen vielversprechende Anzeichen
von Wirtschaftswachstum. Aber in vielen aus dem
sowjetischen Imperium hervorgegangenen Ländern
steht die Demokratie noch auf tönernen Füßen.
Demagogen setzen auf ethnische Spaltung und
Vertreibung ethnischer Minderheiten, um Aggression
zu schüren. Unkontrolliert werden diese Spannungen die Fortschritte der Region zu Reformen vereiteln und letztlich die umfassendere Sicherheit
Europas gefährden.
Wie Präsident Clinton in seiner Rede im Januar in
Brüssel feststellte: "Diese Zeit entscheidet vielleicht,
ob die Nachfolgestaaten der Sowjetunion in das
Gefüge des transatlantischen Wohlstands und der
Sicherheit eingegliedert oder aber isoliert und im
Stich gelassen werden." Wir müssen die sich uns
bietende Chance ergreifen, damit die Demokratien
stabile Partner bei der Sicherheit und im Handel
werden können.
Beim Gipfeltreffen in Brüssel setzte das Bündnis
zwei zentrale, sich gegenseitig verstärkende Ziele
fest. Das erste war der Entwurf flexiblerer Kommandostrukturen und die Inangriffnahme neuer
Sicherheitsbedrohungen wie die Weiterverbreitung
von Waffen. Das zweite historische Ziel war die
Vertiefung unserer Bande mit den aufstrebenden
Demokratien im Osten. Wir haben sie zur Beteiligung an einem breiten Spektrum politischer und
militärischer Aktivitäten mit Mitgliedern des Bündnisses eingeladen, wodurch der Weg zu einer möglichen Erweiterung des Bündnisses geebnet wird.
Wir haben bei diesen beiden Zielen Fortschritte
gemacht. 1994 war in der Tat ein Jahr von enormer
Bedeutung für das Bündnis.
Zur Erlangung des ersten Ziels verbesserter Effektivität hat die NATO wichtige Entscheidungen zur
Unterstützung der Bestrebungen der Verbündeten
getroffen, um eine fähigere europäische Sicherheitsund Verteidigungsidentität zu entwickeln. Diese

Seite 2

Identität sollte die öffentliche Unterstützung in Europa
für die Erfüllung der europäischen Verpflichtungen
und Verantwortungsbereiche aufrechterhalten und
erweitern und unsere kollektive Fähigkeit zur Reaktion auf künftige Sicherheitserfordernisse stärken.
Sie sollte auch die transatlantischen Beziehungen
verstärken. Wir blicken weiterhin auf unsere Verbündeten für eine ausgewogenere Aufteilung der
Verantwortung.
Eine weitere wichtige beim Gipfeltreffen getroffene
Entscheidung zur Verwirklichung des ersten Ziels war
die Gründung alliierter Streitkräftekommandos (Combinded Joint Task Forces - CJTF). Wir haben bei der
Umsetzung dieses innovativen Konzepts einen
vielversprechenden Anfang gemacht. Unser Ziel ist
nach wie vor die Erneuerung des Bündnisses und die
Stärkung der Westeuropäischen Union (WEU). Wir
hoffen, daß die Bestrebungen in der NATO und der
WEU uns zu konkreten Entscheidungen über die
alliierten Streitkräftekommandos beim Ministertreffen
im Dezember in die Lage versetzen.
Als Teil der Förderung des Ziels, die Effektivität des
Bündnisses zu verbessern, unternehmen wir wichtige
Schritte zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme. Die
NATO muß diese Bedrohung in Angriff nehmen,
sowohl um andere internationale Bestrebungen zu
ergänzen als auch um unser feierliches Versprechen
einzulösen, die Sicherheit der Bündnispartner zu
schützen.
Ich bin erfreut über die rasche Arbeit der infolge
dieser Initiative gegründeten Hochrangigen PolitischMilitärischen und Verteidigungsgruppen. Wir werden
diese Fortschritte heute durch die Verabschiedung
des politischen Rahmens des Bündnisses für Nichtverbreitung konsolidieren. Dieser Rahmen bildet die
politische Grundlage für die Verbesserung der
Fähigkeiten des Bündnisses zum Schutz vor der
Androhung oder dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen.
Die Verteidigungsgruppe hat der
Prüfung der Bedrohungen, der Verteidigungsplanung,
militärischen Doktrin und Fähigkeiten zugestimmt.

Zur Erlangung des zweiten Ziels war die beim NATOGipfel erzielte bedeutendste Entscheidung die Schaffung der Partnerschaft für den Frieden. Die von
Präsident Clinton vorgeschlagene und vom Bündnis
verabschiedete Partnerschaft für den Frieden bezieht
den Osten mit ein, um die neuen Demokratien zu
kräftigen und die europäische Sicherheit zu stärken.
In nur fünf Monaten konnten wir eine bemerkenswerte Entwicklung beobachten: Die Partnerschaft hat
sich von einem bloßen Konzept zu einer funktionierenden Realität, einer Reihe konkreter Beziehungen
gewandelt. 20 Länder sind beigetreten. Ich möchte

AMERIKA DIENST 23

�zwei der zahlreichen von uns bisher für das Funktionieren der Partnerschaft unternommenen Schritte
besonders hervorheben.
Erstens engagieren sich die Partnerstaaten aktiv im
NATO-Hauptquartier in Brüssel und werden in Kürze
im Partnerschaft-Koordinationszentrum in Mons Seite
an Seite mit den Militärplanern der NATO zusammenarbeiten. Das bisher Unvorstellbare wird allmählich zur Routine.
Zweitens werden wir den beim Gipfeltreffen geäußerten Appell zur Aufnahme von Friedenssicherungsmanövern im Jahr 1994 erfüllen. Diese Manöver stehen für einen bemerkenswerten Umbruch.
Stellen Sie sich vor - Truppen, die sich im Kalten
Krieg ein halbes Jahrhundert feindlich gesinnt
gegenüberstanden, kommen jetzt bei gemeinsamen
Manövern zusammen.
Im kommenden Herbst werden die Niederlande eine
Geländeübung veranstalten und Polen wird auf dem
Boden eines Partnerlandes das erste Manöver
abhalten. Der Oberste Alliierte Befehlshaber Atlantik
(SACLANT) veranstaltet im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden eine maritime Übung, die vor
Ende des Jahres stattfinden wird. Darüber hinaus
werden die Vereinigten Staaten sowie andere Verbündete und Partner bereits geplante Manöver zur
Förderung der Ziele der Partnerschaft für den
Frieden nutzen. Wir erwarten mindestens 14 derartige Aktivitäten vor Ende des Jahres. Wir entwikkeln ferner einen umfangreichen Manöverplan für
1995.
Diese Übungen von NATO-Einheiten mit ihren
ehemaligen Gegnern werden eine deutliche Botschaft aussenden, daß die alte Ost-West-Teilung
Europas tot ist. Dies sind reale, konkrete Schritte zu
dem integrierten und gestärkten Europa, das Präsident Clinton beim Gipfeltreffen und erneut in der
vergangenen Woche forderte.
Wir werden die Partner auch in zahlreiche Ausschuß- und Trainingsaktivitäten der NATO einbeziehen. Die Mitglieder des Bündnisses und die Partner
werden gemeinsam praktische Mittel für die Bewältigung der neuen Bedrohungen der regionalen Sicherheit entwickeln. Nichtmitgliedstaaten der NATO
können sich mit gewohnheitsmäßiger Kooperation
wie Verteidigungsplanung vertraut machen, die der
Lebensnerv des Bündnisses ist.
Wir verpflichten uns zur Erweiterung der NATO.
Effektive Kooperation ist ein entscheidender Schritt
bei der Vorbereitung der Partner für die NATOMitgliedschaft. Ich möchte heute unterstreichen, was
der Präsident den osteuropäischen Staats- und

AMERIKA DIENST 23

Regierungschefs gegenüber im Januar in Prag
äußerte: "Die Partnerschaft verändert die gesamte
Diskussion innerhalb der NATO über die Erweiterung
der NATO-Mitgliedschaft. Die Frage lautet jetzt nicht
länger, ob das Bündnis neue Mitglieder aufnehmen
wird, sondern vielmehr wann und wie."
Herr Stellvertretender Generalsekretär, bei unserer
Erörterung der Beziehungen der NATO zu den
Nationen im Osten wird Rußland eine prominente
Rolle in unseren Überlegungen spielen. Rußland
vollzieht einen schwierigen Übergang, der tiefgreifende Auswirkungen für die gesamte Welt haben wird.
Welchen Kurs die innenpolitische Evolution auch
nehmen wird - Rußland ist und bleibt ein lebenswichtiger Akteur bei europäischen Sicherheitsbelangen. Es liegt in unserem - und Rußlands - Interesse,
eine umfassende und konstruktive Interaktion zwischen der NATO und Rußland zu entwickeln. Die
Partnerschaft für den Frieden ist von zentraler
Bedeutung für diesen Prozeß.
Wir begrüßen Verteidigungsminister Gratschows
jüngste Äußerung, daß Rußland sich ohne Einschränkungen an der Partnerschaft für den Frieden beteiligen wird. Wie die NATO erklärt hat, wird jeder
Partner das gleiche Rahmenabkommen unterzeichnen. Aber jeder Partner wird sein eigenes Präsentationsdokument erarbeiten und jeder sein eigenes,
unabhängiges Partnerschaftsprogramm entwickeln.
Zweifelsohne hat Rußland beachtliche Fähigkeiten

und inhärente Stärken, auf die wir bei der Erarbeitung
eines Partnerschafts-Kooperationsprogramms zurückgreifen können, das den Interessen der Partnerschaft
für den Frieden dient und die Sicherheit Europas
erweitert.
Gleichzeitig bieten Rußlands Größe, umfassende
Interessen, Ressourcen und militärische Fähigkeiten
die Grundlage für produktive Beziehungen zur NATO
zusätzlich zu der Partnerschaft für den Frieden.
Entsprechend gestaltet und umgesetzt, können diese
Beziehungen den Interessen aller europäischen
Länder dienen. Vor kurzem haben wir Minister
Gratschow im NATO-Hauptquartier zu einer außerordentlich fruchtbaren Sitzung begrüßt. Wo Rußland
einen konstruktiven Beitrag leisten kann und will,
wären periodische Konsultationen und praktische
Zusammenarbeit außerhalb der Partnerschaft für den
Frieden natürlich und von gegenseitigem Vorteil.
Die nuklearen Fähigkeiten Rußlands bilden beispielsweise eine offensichtliche Grundlage für einen Dialog
über Nukleartragen wie die sichere und geschützte
Zerlegung von Waffen. Die Kooperation zwischen
der NATO und Rußland zur Eindämmung der Verbreitung von nuklearen und anderen Massenver-

Seite 3

�nichtungswaffen würde unsere gemeinsamen Interessen voranbringen.
Die europäischen Staaten könnten natürlich auch
Interessen oder Fähigkeiten besitzen, die "Sechzehn-plus-Eins"-Konsultationen oder die Zusammenarbeit mit ihnen außerhalb der Partnerschaft für den
Frieden gegebenenfalls rechtfertigen. Wir sollten
diese Möglichkeiten befürworten.
Bilaterale Beziehungen zwischen Rußland und den
einzelnen Verbündeten ergänzen Rußlands Beziehungen zur NATO. Die Vereinigten Staaten und die
anderen Verbündeten entwickeln eine bilaterale
politische und militärische Zusammenarbeit, die die
Arbeit des Bündnisses ergänzen wird.
Ich möchte mich jetzt kurz zwei bedeutenden Fragen
zuwenden, die weitreichende Konsequenzen für die
Beziehungen Rußlands zur NATO und den generellen Kurs der europäischen Sicherheit haben.
Erstens hängt die Stabilität Europas von der Respektierung der Souveränität, Unabhängigkeit und
territorialen Integrität aller Staaten ab, die aus dem
sowjetischen Imperium hervorgegangen sind. Wir
sind uns Rußlands berechtigter Sorgen in dieser
Region bewußt, haben jedoch klargestellt, daß kein
Land das Recht zur Übernahme einer Rolle hat, die
nicht mit den internationalen Normen in Einklang
steht.
Ein zweites Schlüsselelement der Stabilität und
Sicherheit Europas ist der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich zur Aufrechterhaltung der Integrität
des Vertrags auf lange Sicht. Wir begrüßen die
Erörterung aller Fragen bezüglich der Implementierung unter den Signatarstaaten des KSE-Vertrags in
dem von dem Vertrag geschaffenen Forum - der
Gemeinsamen Wiener Konsultativgruppe.
Ein bedeutender Bereich, in dem Rußland und die
Mitglieder des Bündnisses produktiv zusammengearbeitet haben, ist die Herbeiführung von Frieden
im ehemaligen Jugoslawien. Dieses Bündnis - in
der Tat alle mit der Zukunft Europas und den Normen der humanitären Würde befaßten Nationen sind weiterhin zutiefst besorgt über die andauernden
Kämpfe in Bosnien. Dieser brutale und tragische
Konflikt - die grausamsten Kämpfe in Europa seit
1945 - schreit nach einer Lösung.
Wir sind nach wie vor der Überzeugung, daß dieser
Konflikt nur durch Verhandlungen gelöst werden
kann. Wir wissen, daß die NATO keine Lösung
aufzwingen kann. Seit unserem letzten Treffen hat
die NATO die Bestrebungen der Vereinten Nationen
unterstützt, Frieden für das ehemalige Jugoslawien

Seite 4

herbeizuführen. Unsere Bemühungen haben zweifelsohne das Ausmaß an Gewalt und Zerstörung
verringert. Das NATO-Ultimatum vom 9. Februar hat
den Beschuß Sarajevos beendet. Wir haben die
Flugverbotszone über Bosnien durchgesetzt. Die
Entscheidung der NATO vom 22. April beendete die
brutalen Angriffe auf Zivilisten in Gorazde. Wir alle
erkennen die Führungsrolle der italienischen Regierung bei der Bereitstellung von Stützpunkten für
Operationen der Alliierten bei diesem lebenswichtigen
Unternehmen an.
Diese und frühere Aktionen der NATO - einschließlich
der Durchsetzung von Sanktionen - demonstrieren
unsere Fähigkeit, als 16 Verbündete schwierige
Entscheidungen zu treffen.
Die entschlossenen
Aktionen der NATO beweisen, wie Präsident Clinton
es formulierte, daß das Bündnis "in der Zeit nach
dem Kalten Krieg immer noch eine glaubwürdige
Kraft für Frieden sein kann". Diese Aktionen bieten
den Vereinten Nationen weiterhin entscheidende
Unterstützung und retten das Leben Unschuldiger.
Die NATO hat in Bosnien unter Beweis gestellt, daß
sie die einzige internationale Institution mit dieser
Fähigkeit ist.
Wir befinden uns jetzt an einem entscheidenden
Punkt unserer Bemühungen um eine Verhandlungslösung. Gemeinsam haben die Europäische Union,
die Vereinten Nationen, Rußland und die Vereinigten
Staaten gute Fortschritte bei der Zusammenstellung
eines territorialen Vorschlags erzielt, der unseres
Erachtens als vernünftige Basis für eine Lösung
dienen könnte. Unsere Hoffnung ist, daß dieser
Vorschlag von beiden Seiten akzeptiert wird und das
gestrige Waffenstillstandsabkommen ein Schritt zur
landesweiten Einsteilung der Feindseligkeiten ist.
Wenn diese Bestrebungen Erfolg haben, können wir
unsere Aufmerksamkeit und Ressourcen der Aufgabe
zuwenden, ein Friedensabkommen durchzusetzen
und das vom Krieg erschütterte Bosnien wiederaufzubauen. Wir müssen jedoch davon ausgehen, daß
die für den Frieden erforderlichen Kompromisse nicht
leicht erzielt werden. Das Bündnis muß wie bisher
zur Unterstützung des diplomatischen Prozesses
bereit stehen. Und die NATO muß sich weiterhin für
diese Bestrebungen engagieren.
Die internationale Staatengemeinschaft - und insbesondere die NATO - sind mächtige Kräfte, die zur
Lösung dieses Konflikts beitragen. Wir müssen
dabeibleiben, bis die Arbeit vollendet ist. Wir können
den Konflikt eindämmen. Wir können die Gespräche
erleichtern. Wir können bei der Erarbeitung von
Lösungen behilflich sein. Wir können die zur Verwirklichung des endgültigen Abkommens erforderlichen Streitkräfte bereitstellen.
Und ich möchte
ausdrücklich die Verpflichtung der Vereinigten Staa-

AMERIKA DIENST 23

�lebenswichtigen

Ländern zu intensivieren. Die OECD unterzeichnete
auch ein Kooperationsabkommen mit Rußland.

Der Krieg in Bosnien ist weiterhin eine schwerwiegende Bedrohung unseres Ziels eines integrierten
Europa. Er droht andere, noch instabile Demokratien in einen größeren Krieg einzubeziehen. Und
gewalttätiger Nationalismus unterminiert die Sicherheit aller europäischen Nationen.

Wir setzen uns für die Ausweitung der Wirtschaftsinstitutionen nach Osten ein, weil wir uns bewußt
sind, daß das Streben nach Sicherheit in Europa
nicht allein den Sicherheitsinstitutionen überlassen
werden kann. Es muß auch auf dem politischen und
wirtschaftlichen Wiederaufbau der neuen demokratischen Nationen ruhen.
Unsere Erfahrungen in
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg lehrten uns,
daß wirtschaftliche Integration unabdingbar zur
Verankerung der Stabilität in Nationen ist, die sich im
Wiederaufbau befinden. Aus diesem Grund müssen
wir die verbliebenen Handelsschranken abbauen, die
Exporte des Ostens und sein Potential für dauerhaftes Wachstum behindern.

ten zur Beteiligung an dieser
Aufgabe bekräftigen.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu größerer
Integration aller europäischen Demokratien - Ost und
West. Wir sind entschlossen, die Vorteile - und
Pflichten - der gleichen liberalen Handels- und
Sicherheitsordnung auf den Osten auszuweiten, die
Säulen der Stärke für den Westen waren. Dies ist
der beste Weg zur Sicherstellung der Vorteile der
Demokratie im Osten. Dies ist der beste Weg zu
gewährleisten, daß niemals wieder ein größerer
Krieg Europa verschlingt.
Gestern waren viele von uns anwesend, als die
OECD in Paris die Entscheidung zur Aufnahme der
Verhandlungen über die Mitgliedschaft mit den
Visegrad-Ländern traf. Wir beschlossen, die OECDAktivitäten in anderen mittel- und osteuropäischen

*

AMERIKA DIENST 23

Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen die Türen
des Westens offen für offene Gesellschaften und
offene Märkte im Osten sein. Mit der größeren
Reichweite der NATO und von Organisationen wie
der OECD, EU und dem GATT werden wir den
Wohlstand eines ungeteilten Europa mehren und die
Sicherheit stärken, die dieses Bündnis weiterhin
erhält.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
15. Juni 1994

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
Ron Brown vor der American Chamber of Commerce
Düsseldorf - (AD) - Am 9. Juni 1994 bezeichnete der amerikanische Wirtschaftsminister Ron Brown in
Düsseldorf vor der American Chamber of Commerce in Germany die Förderung von Wirtschaftswachstum
"in den neunziger Jahren und im 21. Jahrhundert" als Grundlage der Wirtschaftsstrategie der ClintonAdministration. Brown nannte Deutschland den wichtigsten Markt für die Stärkung der amerikanischen
Wirtschaftspräsenz in Europa und die Initiative Showcase Germany die Vorhut eines dramatischen
Wachstums amerikanischer Wirtschaftsaktivitäten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Wirtschaftsminister Brown.

Meine Damen und Herren, es ist mir eine Freude
und eine Ehre, hier sein zu dürfen. Die American
Chamber of Commerce in Germany spielt bei der
Stärkung der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten
eine führende Rolle.
Im Rahmen dieser engen Beziehungen besteht
jedoch ein starker und andauernder Wettbewerb, bei
dem es um Millionen von Arbeitsplätzen und Milliarden Dollar geht. Die Gesundheit, die Wettbewerbsfähigkeit und der Wohlstand multinationaler Unternehmen sind für eine gesunde Binnenwirtschaft
unserer beiden Nationen von grundlegender Bedeutung.
Ich werde heute darüber sprechen, wie die USRegierung meiner Ansicht nach - im Gefolge von
vielleicht erfahreneren Handelsnationen wie beispielsweise Deutschland - enger mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten kann um sicherzustellen,
daß amerikanische Unternehmen effizienter arbeiten
und auf der internationalen Bühne mehr Erfolg
haben.
Zunächst einmal möchte ich betonen, daß es für
mich keine Frage ist, daß Sie - als Mitglieder der
amerikanischen und deutschen Wirtschaft - Vertreter
der wettbewerbsfähigsten, fortschrittlichsten und
erfolgreichsten Unternehmen der Welt sind.

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Diese Attribute alleine garantieren noch keinen
Absatz und Wachstum.
Ein günstiges Umfeld und die aktive Unterstützung
des öffentlichen Sektors können selbst den wettbewerbsfähigsten Unternehmen enormen Auftrieb
geben.
Der öffentliche Sektor kann niemals den Privatsektor
verdrängen. Wir können und sollten jedoch Ihr
Partner werden: Eine kräftige Stimme für freien und
fairen Handel, ein Partner bei der strategischen
Planung, der Trends verzeichnet und entstehende
Sektoren und Märkte anvisiert und ein wirklicher
Fürsprecher, wenn Fürsprache hilfreich sein könnte.
Zur Zeit wird die Aufgabe, amerikanische Unternehmen hier und auf der ganzen Welt zu unterstützen, durch eine politische Auseinandersetzung in
unserem Land über die Abkommen der UruguayRunde erschwert. Ich bin zuversichtlich, daß wir die
Zustimmung erhalten. Besorgt bin ich jedoch angesichts einer Parallele zwischen dieser Debatte und
derjenigen, die die Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zu einem so
mühsamen Unterfangen machte: Wohin man schaut,
rüsten sich die Gegner zum Kampf.
Man sieht jedoch nicht, daß diejenigen, die um die
Bedeutung einer Annahme des aus der UruguayRunde hervorgegangenen Abkommens wissen,

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�ebenfalls Vorbereitungen treffen, um zurückzuschlagen.
Im vergangenen Jahr exportierten amerikanische
Unternehmen Güter und Dienstleistungen im Wert
von 19 Milliarden Dollar nach Deutschland - und im
Wert von 120 Milliarden Dollar nach Europa als
Ganzes. Zwei Millionen amerikanischer Arbeitsplätze hängen vom Handel mit Europa ab - und zwei
Millionen Familien benötigen das GATT, um die
Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren und ihre
Hypotheken abzahlen zu können. Allein der Absatz
von in Deutschland angesiedelten Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen bewegt sich
jährlich in der Größenordnung von nahezu 200
Milliarden Dollar. Hierher stammen die Milliarden
Dollar an Dividenden aus Aktienbesitz, die Rentenfonds oder die F&amp;E-Ausgaben, die die nächste
Produktgene ratio n und Profite hervorbringen.
Es steht viel auf dem Spiel. Wir brauchen Ihre Hilfe,
um unserer Botschaft Gehör zu verschaffen.
Die Wirtschaftsstrategie der Clinton-Administration
beruht auf einer einzigen, einfachen Annahme: Die
Förderung von Wirtschaftswachstum in den neunziger Jahren und im 21. Jahrhundert bedeutet, uns
den immer schnelleren Wandel in der uns umgebenden Welt zu eigen zu machen, anstatt sich ihm zu
widersetzen.
Dieses Jahr führten mich meine Dienstreisen in ein
kapitalistisches Rußland, zur Amtseinführung eines
Präsidenten schwarzer Hautfarbe nach Südafrika,
und nach den Feierlichkeiten aus Anlaß des 50.
Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie in ein geeintes Deutschland, das in Kürze
die Präsidentschaft der Europäischen Union übernehmen wird. Das ist atemberaubend. Diese
Ereignisse demonstrieren, daß es nicht nur nutzlos,
sondern sogar schädlich ist, sich gegen Wandel zu
sträuben.
Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert finden bei
den deutsch-amerikanischen Beziehungen dramatische Veränderungen statt. Der ehemalige Grundstein eines multinationalen, auf die Eindämmung des
Kommunismus abzielenden Militärbündnisses muß
jetzt Mittelpunkt multinationaler Handelsbeziehungen
werden, welche die Vorteile des Kapitalismus ganz
Europa zugänglich machen.
Das US-Wirtschaftsministerium erfüllt unsere Bestrebungen in den neuentstehenden großen Märkten China, Indien, Polen und Türkei - mit neuem Leben.
Deutschland mit seinen engen Beziehungen zu
Mittel- und Osteuropa sowie Rußland und den
Neuen Unabhängigen Staaten (NUS) kann und muß

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bei der Unterstützung des Übergangs dieser Nationen
zu Demokratie und Marktwirtschaft eine Schlüsselrolle
spielen.
Wir in den Vereinigten Staaten bemühen uns um ein
Gleichgewicht zwischen unserem Streben nach
Innovation und erneuter Konzentration auf den
Handel - ebenso wie Europa und Japan, die heute
den Großteil des Welthandels abwickeln.
In Zeiten beschleunigten Wandels und der Unsicherheit ist eine starke und verläßliche Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland
gleichermaßen ermutigend und vorteilhaft. Unsere
Regierungen und unsere Unternehmen sind - aufgrund langjähriger Erfahrung und Bündnisse - in der
Lage, über vorübergehende Unstimmigkeiten hinaus
langfristig zu handeln, um eine für beide Seiten
vorteilhafte Freundschaft zu stärken und zu vertiefen.

*

Meines Erachtens wird eine wachsende Superstruktur
von Lizensierungen, Joint Ventures und F&amp;D-Abkommen zwischen amerikanischen und deutschen
Unternehmen beide Nationen stärker in die Lage
versetzen, die Chancen des 21. Jahrhunderts auf
diesen neuentstehenden und im Übergang befindlichen Märkten zu ergreifen.
Trotz einer rezessionsbedingten Wachstumslücke bei
unserer bilateralen Handelsbilanz war Deutschland
der fünftgrößte Handelspartner der Vereinigten
Staaten und unser zweitgrößter Partner in Europa.
Der Handel zwischen unseren beiden Ländern belief
sich 1993 auf 48 Milliarden Dollar. Die Vereinigten
Staaten und Deutschland wetteifern jährlich um den
Titel der größten Exportnation der Welt.
Deutschland wurde tatsächlich als wichtigster Markt
für die Stärkung der amerikanischen Wirtschaftspräsenz in Europa ausgewählt. Ich möchte jetzt kurz
auf das Modell Showcase Germany eingehen.
Showcase Germany wird hier und in ganz Europa
die Vorhut eines dramatischen Wachstums amerikanischer Wirtschaftsaktivitäten bilden.
Eine der Säulen von Showcase Germany ist die
Wiedereröffnung des amerikanischen Generalkonsulats als American Business Center. Das Dusseldorfer American Business Center wird sich auf
Wirtschaftsaktivitäten und die Förderung des Handels
konzentrieren, insbesondere auf den wachsenden
Messen in Köln, Essen und Düsseldorf.
Düsseldorf, die Hauptstadt Nordrhein-Westfalens, ist
der Anker einer Region, in der ein Fünftel des gesamten deutschen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet
wird.

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'

�Dieses Gebiet fördert die Aktivitäten von 600 amerikanischen Unternehmen. Ferner ist dort die zweithöchste Konzentration japanischer Firmen außerhalb
Japans zu finden, und somit wurden der Generalkonsul und seine Stellvertreterin teilweise aufgrund
ihrer Asienerfahrungen sowie ihres europäischen
Hintergrunds ausgewählt.
Angesichts des geplanten Umzugs der US-Botschaft
nach Berlin hält die Wiedereröffnung des Konsulats
die amerikanische Präsenz in einer wirtschaftlich
lebenswichtigen Region aufrecht und betont erneut
die Bedeutung, die wir den deutsch-amerikanischen
Beziehungen in der Zeit nach dem Kalten Krieg
beimessen.

nische Präsenz bei den großen deutschen Messen aufbauen und eine größere Zahl europäischer
Käufer anziehen, die auf dem Messegelände
Kontakt zu den amerikanischen Ausstellern
knüpfen.
In Zusammenarbeit mit dem deutschen Wirtschaftsminister errichten wir mehrere Handelsund Investitionsmissionen in den neuen Bundesländern - einer Region, die von amerikanischen
Wirtschaftsvertretern oftmals übersehen wird.

Angesichts der Bedeutung dieser Aufgabe haben wir
den neuen Generalkonsul aus den Reihen der
Handelsabteilung im US-Wirtschaftsministerium
(Foreign Commercial Service - FCS) ausgewählt:
Wir entschieden uns für Thomas "Lee" Boam.

Im September veranstaltet Botschafter Holbrooke
in Berlin eine Konferenz "Neue Traditionen", an
der ich gerne teilnehmen möchte. Vertreter der
deutschen und amerikanischen Wirtschaft werden
die Zukunft der bilateralen Geschäfts- und Wirtschaftsbeziehungen erörtern. Die für den 8. bis
10. September anberaumte Konferenz fällt zeitlich
mit den Feierlichkeiten aus Anlaß des Abzugs der
Berlin Brigade zusammen.

Lee hat viel Zeit in Deutschland verbracht, und viele
von Ihnen haben ihn sicher während seiner zehnjährigen Tätigkeit für den Foreign Commercial Service
in Stuttgart, Frankfurt und Berlin kennengelernt. Wir
haben ihn gebeten, seinen derzeitigen Posten in
Hongkong frühzeitig zu verlassen, um diese Herausforderung anzunehmen.

Wir gestalten die Präsenz der US-Regierung in
Europa effektiver, um Ihnen stärkere Unterstützung
anbieten zu können. Botschafter Holbrooke hat alle
Mitarbeiter der US-Botschaft angewiesen, wie Wirtschaftsbeamte zu handeln und zu denken und Hand
in Hand mit den acht Büros des Foreign Commercial
Service in Deutschland zu arbeiten.

Ein neues American Business Center ist jedoch
nur ein Teil unserer umfassenden Bemühungen um
eine Partnerschaft. Showcase Germany wird auf
zwei Gleisen Fortschritte machen:

Marktchancen als Ergebnis politischer Initiativen: Auf den Gebieten, auf denen durch die
Liberalisierung des deutschen und europäischen
Marktes und die Deregulierung protektionistische
Hemmnisse abgebaut werden, unterstützen wir
amerikanische Unternehmen durch Frühwarnprogramme und Fürsprache für amerikanische
Bewerber bei größeren Projektausschreibungen.
Für Deutschland scheinen Telekommunikation,
Energie und Umwelt die vielversprechendsten
Sektoren zu sein.

Erstens wollen wir das Profil amerikanischer Unternehmen verbessern, die in Deutschland tätig werden
wollen - wir machen amerikanische Verkäufer und
deutsche Abnehmer miteinander bekannt und
überlassen ihnen alles weitere.
Zweitens unterstützen wir amerikanische Unternehmen durch eine Vielzahl von Dienstleistungen,
Daten und Empfehlungen.
Wir haben eine Reihe von Initiativen zur Förderung
von Kontakten zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen eingeleitet:
Die Initiative Hauptkunden wird deutsche Abnehmer mit einer größeren Auswahl amerikanischer Technologie bekannt machen, insbesondere mit dem Angebot kleinerer, in Deutschland
noch nicht so bekannter Unternehmen.
Ferner haben wir großes Interesse an der Initiative Showcase Germany auf Handelsmessen, durch die wir auf die bereits starke amerika-

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Im Januar wurde in Frankfurt das erste gemeinsame Business Information Center des Foreign
Commercial Service und des US-Informationsamts
(United States Information Service - USIS) eröffnet, um an einem Ort erleichterten Zugang zu
Wirtschafts- und Handelsdienstleistungen zu
gewähren. Weitere Business Information Centers existieren in Berlin, Köln, Hannover und
München; für Hamburg, Leipzig und Stuttgart ist
ihre Eröffnung geplant.
Wirtschaftsförderung durch die Konsulate:
Konsularbeamte in Deutschland fördern jetzt
durch ihre Kontakte mit Antragstellern für Wirtschafts- und Investitionsvisa die Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten. In den Konsular-

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�abteilungen in Bonn, Berlin, Frankfurt, Hamburg
und München wurden Business InformationStellen eingerichtet.
Im September konsolidiert die US-Regierung ihre
Unterstützung im landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich in Hamburg. Wir hoffen,
daß die gemeinsame Ansiedlung von Wirtschaftsund Landwirtschaftsbeamten einen synergetischen Effekt bei der Erhöhung von Exporten in
dieser bedeutenden norddeutschen Stadt haben
wird.
Das Programm Showcase Germany ist jedoch in
vielerlei Hinsicht nur die Spitze des Eisbergs - ein
kleiner Teil der politischen Initiativen der ClintonAdministration zur Förderung von Geschäftsabschlüssen und Exporten.
Wir haben das Haushaltsdefizit unter Kontrolle
gebracht, unsere feste Entschlossenheit demonstriert, unsere internationale Position verbessert und
die Zinssätze niedrig gehalten.
Wir haben das Exportkontrollregime gelockert und
die Lizenzverfahren für amerikanische Hochtechnologieunternehmen vereinfacht, was der Regierung
erlaubt, sich stärker auf die wirklich gefährlichen
Nationen und Technologien zu konzentrieren. Unser
neuer Ansatz gestattet beispielsweise die Ausweitung des Verkaufs von Satellitenaufnahmen sowie
den Export von Fernerkundungssystemen.
Diese Politik sollte in Europa tätigen amerikanischen
Luftfahrtunternehmen die Chance zu effektiverem
Wettbewerb auf einem 400 Millionen Dollar-Weltmarkt eröffnen - einem Markt, der bis zum Jahr 2000
auf mehr als 2 Milliarden Dollar anwachsen könnte.
Der Markt für geographische Informationssysteme für Bilder, die demographische oder technische
Daten mit digitalen Karten verbinden - könnte zur
Jahrhundertwende zwischen 5 und 15 Milliarden
Dollar betragen.
*

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*

Wir haben das NAFTA angenommen und die Uruguay-Runde nahezu zum Abschluß gebracht.
Wir wurden unermüdliche Fürsprecher der Geschäftswelt, angefangen mit Präsident Clinton. Und
die Ergebnisse sind bereits sichtbar - Düsenflugzeuge
und Telekommunikationsmittel für Saudi Arabien, eine
Verschiebung und möglicherweise Aufhebung massiver Zollerhöhungen in Rußland, Joint Ventures und
neue Initiativen in Südafrika.
Der Zweck ist jedoch in jedem Bereich der gleiche:
Eine effektivere Zusammenarbeit mit der amerikanischen Wirtschaft in einer im Wandel begriffenen Welt.
Bill Clinton wurde zum Präsidenten gewählt, um in
Amerika Arbeitsplätze zu schaffen.
Früher konnte das durch alleinige Konzentration auf
die Binnenwirtschaft getan werden. Aber die von uns
geschaffenen drei Millionen Arbeitsplätze - und die
steigenden Unternehmensgewinne, die diese Einstellungen begleiteten - waren hauptsächlich das
Ergebnis eines weltwirtschaftlichen Ansatzes.
In Deutschland, ganz Europa, in allen Mitgliedstaaten
der Uruguay-Runde wird sich die Geschwindigkeit
des Wandels weiter beschleunigen, der Wettbewerb
zunehmen und die nationale Sicherheit enger an die
wirtschaftliche Leistung gebunden. Nur durch die
Kombination der Ressourcen des öffentlichen und
privaten Sektors können die Vereinigten Staaten den
Wohlstand und die Sicherheit erreichen, die sie
anstreben. Die Clinton-Administration ist Ihr Fürsprecher und Ihr Partner.
Wenn die Regierung und der Privatsektor weiterhin
effektiv zusammenarbeiten und langfristige Ziele im
Auge behalten, können wir sowohl den amerikanischen Familien als auch den Familien in ganz Deutschland und Westeuropa zu einem neuen Maß an
Wohlstand verhelfen.

*

*

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�ARB E I T S W E L T
15. Juni 1994

REICH FORDERT INTERNATIONALE ARBEITSNORMEN
Ansprache von Arbeitsminister Reich vor der IAO
GENF - (AD) - Der amerikanische Arbeitsminister Robert Reich forderte die Annahme "grundlegender
Arbeitsnormen", die jedes Land der Welt einhalten sollte.
In seiner am 9. Juni 1994 bei der 81. Sitzung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) gehaltenen Rede
äußerte Reich, solch grundlegende Normen sollten das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit bei der
Herstellung kommerzieller Produkte beinhalten sowie ein Ende der Einschränkung der Koalitionsfreiheit der
Arbeitnehmer oder des Rechts von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf Tarifverhandlungen.
Reich erklärte ferner, er werde Präsident Clinton die Ratifizierung einer wichtigen Konvention der IAO durch
den Senat empfehlen und teilte mit, derzeit würde eine zweite Konvention ausgehandelt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Arbeitsminister Reich.

Es ist mir eine Ehre, an dieser 81. Sitzung der
Internationalen Arbeitsorganisation teilnehmen zu
dürfen. Ich gratuliere Charles Gray zu seiner Wahl.
Ferner entbiete ich IAO-Generaldirektor Michel
Hansenne meine Glückwünsche zu seinem anregenden Bericht an diese Konferenz. Es handelt sich um
ein vorausschauendes Dokument, das einen wertvollen Rahmen für die Debatte über die Integration von
Arbeitsnormen und handelspolitischen Tagesordnungen darstellt.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich das
dauerhafte Engagement der Vereinigten Staaten für
die Belange der IAO bekräftigen und die pragmatischen Bestrebungen dieser Organisation zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf der ganzen Welt
begrüßen.
Mit Stolz kann ich berichten, daß sich die ClintonAdministration der Ratifizierung der wichtigsten
Konventionen der IAO verpflichtet hat. Vor meiner
Reise nach Genf habe ich dem Präsidenten empfohlen, die Ratifizierung von Konvention 150 durch den
Senat anzustreben, und wir beteiligen uns an den
trilateralen Gesprächen über Konvention 111.
Wir befinden uns an einem besonders angemessenen Punkt in der Geschichte, um die von der IAO
geleistete Arbeit zu würdigen. Dieses Jahr markiert
nicht nur den 75. Jahrestag der Gründung der IAO,
sondern auch den 50. Jahrestag der Erklärung von

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Philadelphia, dem bislang vielleicht ehrgeizigsten
Versuch, einer internationalen Position zu Arbeitsnormen Ausdruck zu verleihen. Heute hat die Frage
internationaler Arbeitsnormen jedoch zusätzliche
Betonung erhalten, was in Marrakesch durch die
Anerkennung symbolisiert wurde, daß Arbeitsnormen
bei der Formulierung der Aufgaben der neuen
Welthandelsorganisation (World Trade Organization WTO) in Betracht gezogen werden müssen.
Wir sind aus der konzeptuellen Sackgasse herausgekommen, welche die internationale Staatengemeinschaft so lange belastet hat. Nur wenige sind bereit
öffentlich zu behaupten, Arbeitsnormen seien zwar
hervorragend, jedoch rein innenpolitische Belange.
Es gibt auch nur wenige unvoreingenommene Befürworter des anderen Extrems, die Normen müßten in
jedem Land identisch sein. Wir haben die unerläßliche Voraussetzung eines Abkommens erreicht - den
Konsens, einen Mittelweg zu suchen.
Während wir ihn noch ausarbeiten, möchte ich die
Rechtmäßigkeit einer Definition absoluter Normen
geltend machen, deren Einhaltung von jedem Land
erwartet wird. Einige Praktiken am Arbeitsplatz
schließen manche Länder einfach aus der Gemeinschaft zivilisierter Nationen aus. Wie können diese
grundlegenden Arbeitsnormen definiert werden? Hier
müssen wir zunächst auf die Internationale Arbeitsorganisation blicken, deren Arbeit eine solide Grundlage für alle Bestrebungen zur Entwicklung von Listen

Seite 1

�verbotener Praktiken bietet. Jede dieser Listen
umfaßt zweifellos durch Zwangs- oder Sklavenarbeit
hergestellte Waren. Einige Formen der Kinderarbeit
- beispielsweise die Arbeit sehr kleiner Kinder verstoßen ebenfalls gegen die universellen Normen,
selbst in den ärmsten Ländern. Armut ist auch kein
stichhaltiger Vorwand für die Einschränkung der
Versammlungs- und Koalitionsfreiheit oder des
Rechts von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf
Tarifverhandlungen.
Über die kurze Liste grundlegender Arbeitsnormen
hinaus müssen die Urteile stärker von den jeweiligen
Bedingungen abhängig gemacht werden.
Die
internationale Staatengemeinschaft kann keinesfalls
den Versuch unternehmen, Arbeitszeit, Mindestlöhne, Sozialleistungen, Gesundheits- oder Sicherheitsnormen zu diktieren, die jenen in den Vereinigten Staaten oder anderen Industrienationen
entsprechen. Die Überzeugung, daß die Entwicklungsländer reicher werden müssen, um ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern - und
zu diesem Zweck Handel treiben müssen - ist
fundiert. Diese Beobachtung enthält jedoch das
implizite Zugeständnis, daß Normen nicht statisch
sein sollten, daß die Fähigkeit eines Landes, seinen
Bürgern bessere Arbeitsbedingungen anzubieten, mit
dem zunehmendem Grad seiner Entwicklung steigt
und internationale Erwartungen ebenfalls entsprechend steigen könnten.
Obwohl es weder fair noch realistisch ist darauf zu
bestehen, daß Arbeitsnormen in Entwicklungsländern
mit denen in den reicheren Ländern identisch sein
sollten, kann man zu Recht erwarten, daß sich die
Arbeitsnormen mit zunehmendem Entwicklungsgrad
verbessern.
Diese Erwartung spiegelt sowohl
moralische als auch materielle Interessen wider.
Länder mit einem steigenden Lebensstandard für die
Massen bieten auch einen Markt für die Exporte
anderer Staaten. Somit haben alle Länder ein
ökonomisches Interesse an verbreitetem Wohlstand
im Ausland. Freier Handel ist hierzu das Mittel, nicht
der Zweck. Das Ziel ist ein höherer Lebensstandard
weltweit. Wenn ein Land jedoch eine Politik verfolgt,
die auf die Einfrierung des Lebensstandards auf
niedrigem Niveau und die Beschränkung der Vorteile
des Handels auf eine kleine Elite abzielt, wird das
Versprechen offenen Handels verkehrt und seiner
logischen Grundlage beraubt.
Wenn die Welt zu Recht erwarten kann, daß Wachstum in der Dritten Welt mit verbesserten Arbeitsbedingungen einhergeht, welche Kriterien - die über
die Verletzung absoluter Normen hinsichtlich
Zwangs-, Sklaven- und Kinderarbeit sowie offenkundige Beschränkungen der Versammlungs- und
Koalitionsfreiheit hinausgehen - könnten dann einen

Seite 2

Leitfaden dafür bieten, worauf die internationale
Staatengemeinschaft ihre Aufmerksamkeit richten
sollte?
Ich möchte einen aus zwei Teilen bestehenden Test
vorschlagen. Der erste betrifft demokratische Institutionen, der zweite Trends.
Arbeitsbedingungen werden sowohl von wirtschaftlichen als auch von politischen Faktoren bestimmt, und
die Auswirkungen sind schwer auseinanderzuhalten.
Die Existenz demokratischer Institutionen - Pluralismus, Rede- und Pressefreiheit, saubere Wahlen geben Anlaß zu der Überzeugung, daß niedrige
Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen mit ökonomischen Beschränkungen in Verbindung stehen. Je
weniger demokratisch ein Land ist, desto größerer
Anlaß besteht zu Mißtrauen, daß Arbeitsnormen
unterdrückt werden, um engstirnigen kommerziellen
Interessen oder einem irregeleiteten merkantilistischen Impuls der Eliten zu dienen.
Im Falle einigermaßen gefestigter demokratischer
Institutionen können wir demnach vermuten, daß
Arbeitsnormen ein Spiegelbild dessen sind, was sich
ein Land angesichts seines Entwicklungsstandes
leisten kann. Was gilt jedoch für Länder mit schwachen oder nicht vorhandenen demokratischen Institutionen?
Ungleichheit ist eine weitere Meßlatte. Das Leben
schlechtbezahlter Arbeitnehmer sollte sich verbessern, nicht verschlechtern, wenn Handel und Investitionen das Volkseinkommen erhöhen. Die Kluft
zwischen reich und arm sollte mit zunehmendem
Entwicklungsgrad schmaler, nicht breiter werden.
Wenn ein Land nicht über demokratische Institutionen
verfügt und nicht allen die Vorteile des Wachstums
zukommen läßt, könnten andere Länder zu Recht
den Schluß ziehen, daß Arbeitsnormen nicht auf die
Armut an sich zurückzuführen sind, sondern auf
politische Entscheidungen, die Entwicklung und die
Wirtschaftsstruktur verzerren.
Der von mir umrissene vorläufige Rahmen befaßt
sich nur mit der Diagnose, nicht mit dem Rezept.
Welche Antwort sollte die internationale Staatengemeinschaft auf Maßnahmen geben, welche die von
ihr artikulierten Nuimen verletzen?
In diesem Zusammenhang möchte ich mich auf drei
allgemeine Prinzipien beschränken. Erstens sollte
jede Intervention vorzugsweise multilateral genehmigt
und durctigeführt werden, um die Expertise globaler
Organisationen auszunutzen und die Chance zu
erhöhen, daß diese intervention wirksam ist.

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�Zweitens sollte es eine Reihe potentieller Antworten
auf den Mißbrauch von Arbeitsnormen je nach deren
Natur und Schwere geben. Diese könnten technische Hilfe zur Förderung von Verbesserungen
umfassen, Vorschriften zum Aufdecken von Mißbrauch, eine Verweigerung des Anspruchs auf
internationale Kredit- und Darlehensprogramme
sowie gezielte handelspolitische Maßnahmen.
Das dritte Prinzip, das den beiden anderen Auftrieb
verleiht, ist Pragmatismus. Der Zweck jeder Intervention muß in der Herbeiführung von Wandel in
den die Normen verletzenden Nationen liegen.
Eingehende Untersuchung und Analyse auf jeder
Stufe müssen die Bestrebungen der internationalen
Staatengemeinschaft zur Verbesserung von Arbeitsnormen durchsetzen. Und wir dürfen nicht die

* *

AMERIKA DIENST 23

Tatsache aus den Augen verlieren, daß der Handel
an sich - durch die Öffnung der Wirtschaft für externe
Einflüsse und Ermöglichung eines breiteren Spektrums innenpolitischer Interessen - ein Katalysator für
progressiven Wandel sein kann.
Die Entwicklung eines detaillierten Programms für die
Förderung internationaler Arbeitsnormen wird uns bis
zum Ende dieses Jahrhunderts und vielleicht sogar
darüber hinaus beschäftigen. Wir dürfen bei der
Fortsetzung, Ausweitung und praktischen Umsetzung
der Kernaufgaben der IAO keine Zeit verschwenden.
Wir hoffen und erwarten, daß sich die Welthandelsorganisation das herausragende Wissen und die
Expertise der IAO zunutze machen wird, während sie
die Rolle angemessener Arbeitsnormen in einer
zunehmend integrierten Weltwirtschaft erörtert.

*

*

Seite 3

�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United^pfetes of America
.&lt;*
.r.

K*°&gt;A

28

15. Juli 1992
* * * * * *

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

PRESSEKONFERENZ VON PRÄSIDENT BUSH
Residenz München

KSZE

BUSH: KSZE MUSS HILFE FÜR BOSNIEN
SICHERSTELLEN
Rede beim KSZE-Gipfel in Helsinki

WAHLEN '92

PARTEIKONVENT DER DEMOKRATEN BEGINNT
AM 13. JULI
Partei zur Nominierung Clintons entschlossen

MODERATE KONTROLLIEREN PARTEITAG DER
DEMOKRATEN
Amerikanische Pressestimmen

DER DEMOKRATISCHE VIZEPRASIDENTSCHAFTSKANDIDAT AL GORE
Amerikanische Pressestimmen

PORTRAT

CLINTON WÄHLT PROTAGONISTEN DES
UMWELTSCHUTZES ALS VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee

EINWANDERUNG

AMERIKANER DISKUTIEREN EINWANDERUNGSPOLITIK IHRES LANDES
Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
15. Juli 1992

BUSH: KONSENS ZUR STÄRKUNG DES WELTWEITEN
WIRTSCHAFTSWACHSTUMS ERZIELT
Die Pressekonferenz des Präsidenten in München
in wesentlichen Auszügen
MÜNCHEN - (AD) - Bei seiner Pressekonferenz zum Abschlu ß des Weltwirtschaftsgipfels der sieben führenden
Industriestaaten hat Präsident Bush am 8. Juli 1992 insbesondere fünf Leistungen der Konferenz gewürdigt: den
"Konsens zur Stärkung des weltweiten Wirtschaftswachstums", weitere Hilfen für Polen durch den Währungsstabilisierungsfonds, um die marktwirtschaftlichen Reformen dort zu unterstützen, die "uneingeschränkte
Unterstützung" für Präsident Jelzins Reformprogramm, die Bekräftigung des Engagements, um die Sicherheit
von Kernreaktoren sowjetischer Bauart zu verbessern und schließlich "eine Reihe von Schritten im Hinblick auf
Jugoslawien, sowohl zur Milderung des schrecklichen Leidens in Bosnien als auch zur Eindämmung der
Ausbreitung ethnischer Konflikte".
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus der Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Präsident Bush: Ich habe die vergangenen drei Tage
mit der Erörterung der Pflichten und Chancen verbracht, die wir bei der Ermutigung von stärkerem
Wirtschaftswachstum in unseren Ländern und in der
Tat auf der ganzen Welt haben. Darüber hinaus haben
wir auch die kontinuierliche Entwicklung politischer
Reformen in den aufstrebenden Demokratien sowie
regionale politische Themen diskutiert, einschließlich
Jugoslawiens.
Ich möchte fünf Leistungen des Münchner Weltwirtschaftsgipfels nennen: Es ist uns gelungen, einen
Konsens zur Stärkung des weltweiten Wirtschaftswachstums zu erzielen. Die Vereinigten Staaten befinden sich auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung.
Japan, Deutschland und Italien haben in den vergangenen Tagen Maßnahmen zur Verbesserung ihres
Wachstums ergriffen. Die Vereinigten Staaten haben
ihre Zinssätze gesenkt. Diese Maßnahmen werden
zur weiteren Gesundung unserer Volkswirtschaften
beitragen.
Die amerikanischen Exporte in einer wachsenden
Weltwirtschaft werden die Zahl amerikanischer Arbeitsplätze erhöhen. Wir werden mit Polen an neuen
Verwendungsmöglichkeiten des Währungsstabilisierungsfonds zusammenarbeiten, die Marktreformen
unterstützen, sobald Polen mit dem IWF Einigung
bezüglich eines Programms erzielt. Meines Erachtens

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ist dies eine außerordentlich wichtige Ermutigung für
Polen und Ausdruck unseres Vertrauens auf Polens
Verpflichtung zu Marktreformen.
Wir haben unsere uneingeschränkte Unterstützung für
Präsident Jelzins Reformprogramm zum Ausdruck
gebracht. Sie ist ein Tribut an seine Führung und
Vision bei dem Unterfangen, dieses große Land in die
demokratische, marktorientierte Staatengemeinschaft
einzubringen.
Wir haben unser Engagement für die Zukunft sicherer
Kernkraftwerke mit der Zustimmung zu koordinierten
kooperativen Bestrebungen mit Osteuropa und der
ehemaligen Sowjetunion unter Beweis gestellt, um die
Sicherheit von Kernreaktoren sowjetischer Bauart zu
verbessern.
Und schließlich unternehmen wir eine Reihe von Schritten
im Hinblick auf Jugoslawien, sowohl zur Milderung des
schrecklichen Leidens in Bosnien als auch zur Eindämmung der Ausbreitung ethnischer Konflikte.
Mit mehr Wachstum werden wir neue Arbeitsmarktchancen im Inland schaffen. Darüber hinaus werden
wir in der Lage sein, den aufstrebenden Demokratien
bei der Einführung florierender Marktwirtschaften
behilflich zu sein, die für ihre politische und wirtschaftliche Entwicklung so lebenswichtig sind.

Seite 1

�Zum Thema Handel hatten wir einen offenen Meinungsaustausch. Wir sind uns alle der Tatsache
bewußt, daß der Abschluß der Uruguay-Runde dem
Weltwirtschaftswachstum durch die Erweiterung des
Handels für alle Länder - Industrienationen wie Entwicklungsländer gleichermaßen - entschiedenen Auftrieb verleihen wird. Und wir haben im vergangenen
Jahr hart an der Sondierung konstruktiver Lösungen
für schwierige Probleme gearbeitet.
Es ist nur natürlich, daß das Vorgehen so kurz vor dem
Ende schwieriger wird. Aber ich werde darauf beharren, weil die Vorteile des Erfolgs enorm sind. Und alle
Gipfelteilnehmer erwarten bis zum Ende dieses Jahres eine Einigung.
Eines hat sich eindeutig in unseren Erörterungen
abgezeichnet: Der Triumph der Ideale von Demokratie
und freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt
bedeutet, daß Unterscheidungen zwischen innenpolitischen und internationalen wirtschaftlichen Maßnahmen zunehmend an Bedeutung verlieren. Dies gilt
insbesondere für die Vereinigten Staaten, wo über 70
Prozent des Wachstums in den vergangenen fünf
Jahren auf Exporte zurückzuführen ist. Und zweifelsohne ist Amerikas Wohlergehen eng mit einer gesunden Weltwirtschaft verbunden. Dieser Gipfel und wie
wir unsere Verpflichtungen in die Praxis umsetzen,
betreffen jeden Amerikaner.

Hinsicht ermutigen. Meines Erachtens ist einer der
schnellsten Wege zur Gesundung der russischen
Wirtschaft Fortschritt im Energiesektor mit sehr viel
zügigeren Privatinvestitionen.
Frage: Herr Präsident, haben Sie Ihrer Meinung nach
dem amerikanischen Volk und dem Kongreß gegenüber die zukünftige Rolle der NATO im Hinblick auf
Europa und die Welt nach dem Kalten Krieg ausreichend definiert? Heißt das, amerikanische Truppen
müssen je nach Anweisung der NATO in jeden ethnischen Konflikt und jeden Bürgerkrieg eingreifen - und
sollten wir dies tun?
Antwort: Nein, das heißt nicht, daß amerikanische
Truppen zu jedem Konflikt entsandt werden. Aus
unserer Sicht, und ich glaube aus dem Blickwinkel der
meisten wenn nicht aller Teilnehmer ist die NATO der
wesentliche Garant der europäischen Sicherheit. Es
liegt meiner Meinung nach im nationalen Interesse der
Vereinigten Staaten eine starke Präsenz aufrechtzuerhalten, eine starke amerikanische Präsenz in der
NATO. Und ich glaube nicht, daß irgendjemand von
einer Entsendung amerikanischer Truppen ausgeht,
wenn hier oder dort Krawalle oder Konflikte entstehen.

Nun bin ich gerne bereit, auf Ihre Fragen einzugehen.

Jugoslawien ist ein gutes Beispiel. Wir sind daran
interessiert, dort zu helfen, aber ich habe mich nicht zur
Entsendung amerikanischer Truppen nach dort verpflichtet, und niemand geht davon aus, daß NATOTruppen auf den Schauplatz verlegt werden.

Frage: Herr Präsident, in Washington haben Sie ihre
Unterstützung der Idee zum Ausdruck gebracht, die G7 mit Einbeziehung Rußlands zu einer G-8 zu machen.
Ist das vom Tisch gewischt oder...

Frage: Was verstehen Sie unter einem Garant der
Sicherheit? Jemand hat gesagt, Sie warten auf die
Neuformierung der Roten Armee. Was soll das heißen?

Antwort: Ich dachte, ich habe gesagt, wir nehmen zu
diesem Thema eine offene Haltung ein.

Antwort: An diesem Scheideweg ist der Feind die
Unberechenbarkeit. Und eine starke NATO hat den
Frieden bewahrt, seit über 40 Jahren zur Bewahrung
des Friedens in Europa beigetragen und kann ihn in
den nächsten 40 Jahren bewahren. Das ist es, was ich
meine.

Frage: Jemand hat gefragt: "Unterstützen Sie das?",
und Sie haben geantwortet: "Das ist richtig."
Antwort: Nun, ich denke, Sie müssen sich die Erklärung als Ganzes betrachten, aber es wird in Erwägung
gezogen. Ru Bland hat letztes Jahr teilgenommen und
nimmt dieses Jahr teil. Diese Frage wird erst heute
nachmittag erörtert. Aber zweifellos unterstütze ich
Präsident Jelzins Anwesenheit hier. Die Weltwirtschaft ist von einem großen Gefälle gekennzeichnet.
Und vielleicht gelangt man zu dem Schluß, sieben plus
eins ist die Antwort. Wir müssen jedoch zunächst
abwarten und sehen, wie die Verhandlungen laufen.
Frage: Sind Sie besorgt über die Rückschläge in
Rußland im Energiebereich und bei der Inflationsbekämpfung? Sind Sie zufrieden mit den Fortschritten
des wirtschaftlichen Reformpakets in diesem Land?
Antwort: Ich glaube nicht, daß Rußland mit den
Fortschritten seiner Wirtschaftsreformen zufrieden ist.
Und eben die Wirtschaftsreformen wollen wir in jeder

Seite 2

Frage: Herr Präsident, jedes Jahr, oder zumindest in
den vergangenen Jahren, sind wir zu diesen Gipfeltreffen gereist und uns wurde ein Handelsabkommen
versprochen. Das haben Sie auch dieses Jahr getan.
Warum sollte sich dieses Jahr unterscheiden, insbesondere, da Sie anscheindend von der Presse solchen
Widerstand erfahren haben? Hat Präsident Mitterrand
Ihnen gegenüber Verspechungen zur Behandlung dieses
Problems gegeben, sobald sein Referendum abgeschlossen ist?
Antwort: Meines Erachtens herrscht allgemein das
Gefühl vor, daß das Referendum den Franzosen
Probleme verursacht. Ich weiß nur, daß wir am Ball
bleiben. Wir sind jetzt zu einem Abschluß bereit. Ich
habe eindeutig klargestellt - ungeachtet einiger gegenteiliger politischer Kommentare in den Vereinigten

AMERIKA DIENST 28

�Staaten - daß die Maßnahmen nicht der Bereitschaft
zu Fortschritten der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen. Und das haben wir auch hier deutlich gemacht.
Aber ich bin enttäuscht.
Wir sind nicht in der Annahme hierhergekommen, daß
dies das Forum sei, in dem die GATT-Runde zum
Abschluß gebracht werden könnte. Wenn ich dieses
Gefühl gehabt hätte, hätten Sie wahrscheinlich unsere
äußerst fähigen Unterhändler hier gesehen. Es gibt
jedoch politische Realitäten, die es dem einen oder
anderen Land erschweren, ein Abkommen zu erzielen.
Ich wei ß nur, daß wir dies unabhängig von den Wahlen
in den Vereinigten Staaten weiterhin vorantreiben. Es
liegt in unserem Interesse. Und dies ist die einzig
richtige Antwort.
Frage: Wie weit ist Präsident Mitterrand Ihnen gegenüber mit Zusicherungen gegangen, daß er sich nach
Beendigung des Referendums der Sache annehmen
wird?
Antwort: Ich möchte nicht dazu Stellung nehmen, wie
weit er gegangen ist. Ich glaube einfach, daß nach
dem Referendum die Bereitschaft der Franzosen größer
sein wird.
Frage: Herr Präsident, mirscheint, man könnte dieses
Abschlußkommunique lesen und logischerweise zu
dem Schluß gelangen, daß Polen und Rußland mehr
von dem Wirtschaftsgipfel profitiert haben als die
Vereinigten Staaten. Wo ist die Substanz für die
amerikanische Wirtschaft?

Antwort: Erstens sollten diese Gipfeltreffen nicht als
etwas angesehen werden, aus dem man mit einer acht
Punkte umfassenden Tagesordnung hervorgeht oder
so ähnlich. Darum geht es hier nicht. Es gibt eine
Weltwirtschaft. Und wenn wir Verpflichtungen zum
Wachstum eingehen, profitieren davon nicht nur die G7 plus 1, sondern alle. Und daher möchte ich feststellen, während wir zusammen mit den Europäern Fortschritte machen, sei es im Hinblick auf Jugoslawien
oder das Weltwirtschaftswachstum, liegt dies im Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann
die internationale Wirtschaft nicht von der Binnenwirtschaft trennen.
Frage: Ich wollte Ihnen eine Frage zu Boris Jelzin
stellen - Ihre jüngste Meinung über ihn. Er ist hier
gestern zum Abendessen hereingeplatzt. Er beschwerte sich über den 24-Milliarden-Dollar-Fonds, daß ihm
der IWF mehr Restriktionen auferlegt, daß Rußlands
Souveränität beleidigt wird. Sehen Sie ihn als wirklich
verläßlichen Partner oder eher als einen Querschläger?
Antwort: Ich betrachte ihn als sehr mutige Führungspersönlichkeit, die gegen ziemlich gro ße Schwierigkeiten versucht, ein autoritäres kommunistisches System
zu reformieren und in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. Und ich kann die Frustration verstehen, die er
AMERIKA DIENST 28

fühlen muß und von Zeit zu Zeit zum Ausdruck bringt
- wo ist ein Stück von dem Kuchen für uns, was bringt
es uns? Aber ich denke, er weiß auch, wenn er vom
IWF Rat zu wirklichen Reformen erhält, mu ß er diesen
befolgen. Es kann schon sein, daß er frustriert ist.
Andererseits unterstützen ihn alle bei diesem Treffen
der G-7 und das, was er versucht. Und ich möchte
nochmals auf den Teil Ihrer Frage eingehen, wo Sie
sagen, er sei hereingeplatzt. Der Tisch war auch für
ihn gedeckt, und er wurde herzlich willkommen geheißen. Meines Erachtens war das keine faire Beurteilung einer mutigen Führungspersönlichkeit.
Frage: Halten Sie die Charakterisierung, er sei wie ein
Elefant im Pozellanladen, für unzutreffend?
Antwort: Nun, diese Charakterisierung habe ich
bisher noch nicht vernommen. Aber der Mann ist stark,
und er ist hart, und er ist engagiert. Das konnte ich bei
meinen verschiedenen bilateralen Zusammentreffen
mit ihm feststellen. Er bemüht sich sehr, und er
genießt unseren Respekt. Er hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie wir alle wissen. Aber er hat
ein gutesjungesTeam um sich, und das sollte man ihm
hoch anrechnen. Kosirew und Gaidar - insbesondere
letzterer im Finanzwesen. Und wir unterstützen ihn
hier. Meines Erachtens hat er sich hier sehr sehr gut
verhalten.
Frage: Herr Präsident, es hat zahlreiche Spekulationen darüber gegeben, daß die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in der Welt und vielleicht sogar die
des amerikanischen Präsidenten mit dem Ende des
Kalten Krieges etwas geschwächt wurde angesichts
der Schwierigkeiten, die bei allen Volkswirtschaften,
auch Ihrer eigenen, auftreten. Sind Sie der Meinung,
daß bei Treffen wie diesem die Beziehungen zwischen
Ihnen und Ihren Amtskollegen anders sind als früher?
Und falls ja, wie?
Antwort: Nein, ich habe nicht diesen Eindruck.
Frage: Gehen Sie davon aus, daß es die derzeitige
Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten schwieriger
für Sie macht, das Wort zu ergreifen und Ihre Ansichten deutlich zu machen?
Antwort: Nein, denn wenn Sie sich die Volkswirtschaften weltweit ansehen, dann haben zahlreiche
Volkswirtschaften auf der Welt die gleichen Probleme.
Ich kann dies also nicht bestätigen. Seit Operation
Wüstensturm habe ich einen ganz anderen Eindruck.
Frage: Die Vereinigten Staaten haben beim Gipfel
einen Vorschlag unterstützt, der in Helsinki vorgelegt
werden soll und vorsieht, daß die NATO bei der
Friedenssicherung an Orten wie Jugoslawien eingesetzt wird. Die Vereinigten Staaten haben 200.000
Mann bei der NATO. Zuvor haben Sie gesagt, die
Vereinigten Staaten würden keine Truppen an Orte
wie Jugoslawien entsenden. Wie können wir es ver-

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�meiden, mit amerikanischen Truppen an der Friedenssicherung teilzunehmen, wenn die NATO diese Rolle
wahrnimmt?
Antwort: Nun, wenn die NATO eine Rolle wahrnimmt,
dann werden sich die Vereinigten Staaten von Amerika
natürlich daran beteiligen. Aber im Hinblick auf Jugoslawien besteht unsererseits ein Interesse daran,
humanitäre Unterstützung dorthin zu liefern, und ich
habe keine Pläne, uns in eine Kampfsituation in Jugoslawien zu verwickeln. Wir haben Marinestreitkräfte,
wir haben Luftstreitkräfte, und wir sind selbstverständlich ein wichtiger und entscheidender Teil der NATO.
Aber nichts davon sollte so interpretiert werden, daß
ich amerikanische Truppen für Kampfeinsätze zusage. Ich sage einfach nicht, was wir in dieser Frage
unternehmen werden.
Ich habe mir heute Colins (Powell, Anm. d. Red.)
Erklärung angesehen, und er hat meines Erachtens
die Haltung der Administration sehr gut dargelegt. Das
Ziel der Lieferung humanitärer Hilfe ohne die zugrundeliegende politische Problematik lösen zu wollen. Ich
glaube also, Sie eilen im Hinblick auf die Erwägungen
der NATO-Rolle für Jugoslawien derzeit den Ereignissen voraus.
Frage: Sie haben in den Vereinigten Staaten mehrere
Male erklärt, die USA seien heute die unbestrittene
Führungsmacht der freien Welt. Meines Erachtens
werden viele dem zustimmen, aber trotzdem haben wir
Schwierigkeiten dabei, unser nationales Interesse in
Bereichen wie dem Handel zur Geltung zu bringen.
Und bei diesen Konflikten in Jugoslawien und in Südafrika scheint unsere Führungsrolle nicht respektiert
zu werden, und demokratische Werte werden nicht
beachtet. Ich frage mich, wie Sie dies wohl interpretieren?

Sie, daß Sie das politische Problem in Jugoslawien
nicht behandeln können. Was kann die neue Weltordnung den Menschen des ehemaligen Jugoslawien
bieten...
Antwort: Ich habe nicht gesagt, daß wir politische
Probleme nicht behandeln können, ich habe vielmehr
gesagt, wir werden keine Truppen der Vereinigten
Staaten einsetzen, um die politischen Probleme zu
lösen. Das ist etwas ganz anderes. Wir unternehmen
energische diplomatische Bemühungen. Wir haben
zunächst an der humanitären Frage gearbeitet und
dann - in solchen Konfliktsituationen - versucht man,
seine besten diplomatischen Bemühungen einzubringen. In diesem Fall arbeitet man mit den Europäern
zusammen. Man unterstützt Lord Carrington, man
unterstützt Cyrus Vance bei seiner Mission für die
Vereinten Nationen, man unterstützt die G-7-Nachbarn Jugoslawiens. Es geht also nicht darum, jedes
mal Truppen zu entsenden, wenn eine solche Situation
entsteht.
Schauen Sie kurz auf die Länder, die heute vom Joch
des Weltkommunismus und der ehemaligen Sowjetunion befreit sind. Und wenn ich Ihrer Frage bis zur
logischen Konsequenz folgen würde, dann wäre die
einzige Lösung für die Probleme in Aserbaidschan und
Armenien oder auf der Krim oder wo immer sonst die
Entsendung amerikanischer Truppen. Und das entspricht nicht der Art und Weise, in der wir unsere Politik
betreiben. Das ist nicht der Weg, um den Frieden zu
erhalten.
Frage: Zurück zu Herrn Jelzin. Wirtschaftsexperten
geben sich zunehmend alarmiert über die 24 Milliarden
Dollar, die insgesamt ziemlich erbärmlich sind angesichts der enormen Aufgaben und Risiken. So hat
Deutschland bereits über 100 Milliarden Dollar für die
Umgestaltung Ostdeutschlands aufgebracht, nur um
dort Stabilität zu bewahren. Sind Ihrer Meinung nach
24 Milliarden Dollar ausreichend?

Antwort: Ich stimme Ihrer Bewertung der amerikanischen Führungsrolle nicht zu, und meiner Meinung
nach würde niemand in der G-7 damit übereinstimmen. Wir arbeiten im Konzert mit unseren Verbündeten. Wir haben eine Weltwirtschaft, und kein einzelnes
Land kann ein Problem allein lösen. Seit ich Präsident
bin, war ich der Überzeugung, daß wir multilateral
vorgehen müssen, wenn dies in unserem Interesse
liegt und zum besten Ergebnis führt, und daran werde
ich mich weiterhin halten.

Antwort: Ich weiß nicht, ob es auf der Welt genug
Geld gibt, um die Probleme der russischen Wirtschaft
sogleich zu lösen. Meines Erachtens ist es eine erhebliche Verpflichtung. Aber sie muß von einer Fortsetzung des energischen Reformprogramms in Rußland
begleitet sein. Und das wird rascher zum Erfolg führen
als alles andere.

Ich akzeptiere diese Einschätzung also nicht. Eine
Sache, die während unserer ganzen Anwesenheit hier
von allen begrüßt wurde, ist die bedeutende Reduzierung der Kernwaffen. Und dies wird hier allgemein als
wichtige Leistung der Führungsrolle der Vereinigten
Staaten von Amerika und Rußlands angesehen. Ich
habe also die Art von Unterton nicht feststellen können, von dem Sie gesprochen haben.

Wir haben vor diesem Treffen über die Kapitalmenge
gesprochen, die seit unserem Amtsantritt, seit dem
Brady-Plan und der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas nach Südamerika
geflossen ist. Es ist erstaunlich, wie viele Milliarden
Dollar in diese Länder geflossen sind, als diese ihre
Volkswirtschaften reformiert haben - einige stecken
zur Zeit noch in diesem Reformprozeß.

Frage: Sie haben erklärt, daß Sie am Persischen Golf
für Prinzipien in den Krieg gezogen sind und daraus
eine neue Ordnung entstanden ist. Und heute sagen

Und darin liegt auch die Antwort für Rußland. Das läßt
sich nicht einfach durch einen Kredit des IWF erreichen. Aber man muß dort das Reformprogramm

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AMERIKA DIENST 28

�fortsetzen, das Jelzin und Gaidar sehr mutig eingeleitet haben. Und darauf müssen sie aufbauen und noch
rascher mit privaten Investitionen fortfahren. Es gibt
zahlreiche Dinge, die sie tun können und sollten, um
die Dynamik des Privatsektors einzubeziehen. Und
darin liegt letztlich die Antwort. Das wird nicht durch
eine Kapitalspritze der internationalen Finanzinstitutionen bewirkt.
Frage: Herr Präsident, die Interessen der europäischen Bauern scheinen auf diesem Gipfel ziemlich
effektiv verteidigt worden zu sein. Warum geraten die
Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer und
Landwirte bei Handelsgesprächen ständig ins Hintertreffen?
Antwort: Ich bin nicht der Meinung, daß die amerikanischen Bauern verloren haben. Wir werden kein
Abkommen verabschieden, das der amerikanischen
Landwirtschaft schadet. Und meines Erachtens geht
niemand davon aus, daß wir dies tun werden.
Was meinen Sie mit "ständig ins Hintertreffen geraten"
- vielleicht ist mir etwas entgangen?
Frage: Jedes Jahr wird uns versprochen, daß bis zum
Jahresende ein GATT-Abkommen zustande kommen
wird - jedes Jahr, seit Sie Präsident sind. Und jedes
Jahr kommt keines zustande. Gibt es Grund zu der
Annahme, daß eines verabschiedet wird...
Antwort: Aber ein schlechtes Abkommen wäre nichts,
für das der amerikanische Bauer dankbar sein würde.
Wir werden ein gutes Abkommen erzielen, und es wird
der Landwirtschaft zugute kommen, weil wir mit allen
überall konkurrieren können. Und das ist die Grundlage der Verhandlungen. Ich glaube also nicht, daß der
amerikanische Landwirt ins Hintertreffen gerät, wenn
man nicht überhastet ein Abkommen verabschiedet,
*

AMERIKA DIENST 28

*

das vielleicht nicht gut ist. Man bemüht sich weiter, bis
man ein gutes Abkommen erreicht hat. Und das ist es,
was wir zu tun versuchen.
Frage: Ist der Status quo für die amerikanischen
Landwirte akzeptabel?
Antwort: Der Status quo ist besser als ein schlechtes
Abkommen, aber er ist nicht so gut wie ein gutes
GATT-Abkommen. Und das ist die Antwort. Im
Hinblick auf Ihre Frage glaube ich nicht, daß der
amerikanische Bauer ständig übers Ohr gehauen wird.
Was er will, ist Zugang zu den Märkten, weil wir wissen,
daß wir konkurrieren können. Und das ist die Art von
Abkommen, die wir zu erlangen entschlossen sind.
Und es sollte ein faires Abkommen sein, und es wird
ein faires Abkommen sein.
Frage: Könnten Sie mir etwas über die Atmosphäre
bei diesem und anderen Treffen sagen? Mit Ausnahme von Premierminister Major hat jeder seine eigenen
innenpolitischen und Wahlprobleme. Wird dieses Thema
zwischen Ihnen erörtert und bemitleiden Sie sich
gegenseitig? Wie würden sie es beschreiben?
Antwort: Das ist eine sehr interessante Frage. Und
eines, was man von diesem Gipfel lernt, ist, daß nicht
nur in den Vereinigten Staaten eine solche Stimmung
der Unruhe herrscht. Es ist sehr interessant, wenn
man mit diesen Staats- und Regierungschefs spricht,
nicht nur von der wirtschaftlichen Seite, sondern auch
von der politischen Seite. Und wir sprechen darüber.
Und jeder hat meines Erachtens dasselbe Vertrauen

wie ich, daß mit dem Wachstum der Weltwirtschaft ein
Großteil dieser Unzufriedenheit verschwinden wird.
Ein Großteil ist wirtschaftlich begründet - nicht alles,
einiges ist schlicht apolitisch. Ja, wir hatten interessante Diskussionen über dieses Thema.

*

*

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�KSZE
15. Juli 1992

BUSH: KSZE MUSS HILFE FÜR
BOSNIEN SICHERSTELLEN
Rede bei KSZE-Gipfel in Helsinki
HELSINKI - (AD) - Präsident Bush zufolge muß die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) "dafür sorgen", daß humanitäre Hilfe die leidende Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina erreicht und
daß die UN-Sanktionen eingehalten werden "egal, was dafür erforderlich ist".
In seiner Rede beim Gipfeltreffen der KSZE-Staaten am 9. Juli 1992 in Helsinki fügte der Präsident hinzu, daß
die KSZE alles in ihrer Macht Stehende zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikts tun und sich
dafür einsetzen sollte, "die Waffen durch einen Waffenstillstand an allen Fronten zum Schweigen zu bringen".
Bush nannte ein Fünfpunkteprogramm, um die KSZE in Jugoslawien und anderen Krisenherden effektiver zu
machen:
Veränderungen zur Demokratie sollten unumkehrbar gemacht werden;
diejenigen, die KSZE-Normen verletzen, sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden;
die Wurzeln von Konflikten sollten behandelt werden;
Mechanismen für die Schlichtung von Streitfällen sollten gestärkt werden;
die KSZE sollte eine euro-atlantische Friedenssicherungsfähigkeit haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Zunächst möchte ich Präsident Koivisto und der Regierung sowie dem Volk von Finnland für ihre Gastfreundschaft danken. Es ist angemessen, daß wir
erneut in Helsinki zusammentreffen, der Stadt, deren
Name während des Kalten Krieges zum Symbol für
Hoffnung und Entschlossenheit wurde. Als wir uns im
Jahr 1990 in Paris trafen, erklärten wir den Kalten Krieg
für beendet. Aber selbst dann erfaßten wir nicht, was
uns erwartete. Seit 1990 ist ein ungeheures Imperium
zusammengebrochen, eine Vielzahl neuer Staaten
wurde geboren, und auf dem Balkan tobt ein brutaler
Krieg.
Unsere Welt hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert.
Aber unsere Grundsätze haben sich nicht gewandelt.
Sie haben sich als richtig erwiesen. Mit unseren
Prinzipien als Kompaß müssen wir uns als Gemeinschaft bemühen, den Wandel zu einer friedlichen
Ordnung zu kanalisieren, die dieses Jahrhundert bisher nicht hervorgebracht hat.
Die Vereinigten Staaten haben die KSZE als Instrument zur Förderung der Menschenrechte stets unterstützt. Während des Kalten Krieges betrachteten wir
die Verweigerung von Menschenrechten als HauptAMERIKA DIENST 28

quelle der Konfrontation, die Europa entstellte und
einen Weltkrieg heraufzubeschwören drohte. Und
heute ist es eine neue Ideologie: Intoleranter Nationalismus bringt neue Spaltungen hervor, neue Verbrechen, neue Konflikte.
Weil wir davon ausgehen, daß der Schlüssel zur
Sicherheit in dem neuen Zeitalter darin besteht, einen
demokratischen Frieden zu schaffen, erkennen die
Vereinigten Staaten für die KSZE eine unverzichtbare
Rolle. Und deshalb möchte ich ein Fünfpunkteprogramm vorschlagen, um die KSZE effektiver zu machen.
Erstens sollten wir uns dafür engagieren, den demokratischen Wandel unumkehrbar zu machen. Wir
dürfen uns von den um uns herum stattfindenden
Unruhen nicht so weit lähmen lassen, daß wir unsere
historische Aufgabe aus dem Blickfeld verlieren, die
große Befreiung der vergangenen drei Jahre zu vollenden. Wir sollten die KSZE einsetzen, um demokratische Verfahrensweisen in diesen Gesellschaften zu
fördern, in denen Menschen über Generationen hinweg von den Stiefeln des Staates unterdrückt wurden.

Seite 1

�Wir sollten die Aufffasung zurückweisen, daß die
Demokratie eine Büchse der Pandora geöffnet hat.
Die Demokratie ist nicht die Ursache dieser Probleme,
sondern vielmehr das Mittel, mit dem die Menschen
ihre Differenzen beilegen und ihre Bestrebungen miteinander versöhnen können.

des Kalten Krieges immer noch schwer bewaffnet. Adhoc-Operationen hastig zusammengestellter Einheiten werden nicht ausreichen, und aus diesem Grund
betrachte ich das Angebot der NATO, einen Beitrag
zur Friedenssicherung durch die KSZE zu leisten, als
so wichtig.

Wir haben Beweise dafür. In diesem Saal befinden
sich die Staats- und Regierungschefs von Ländern, für
die die Demokratie sowohl Aggression als auch Bürgerkrieg undenkbar gemacht hat.

Wir haben gelernt, daß die Probleme Europas auch die
Probleme Amerikas sind. Seine Hoffnungen und
Bestrebungen sind auch die unsrigen. Und wegen der
NATO wird mein Land erhebliche militärische Fähigkeiten in Europa belassen, die zur Friedenssicherung
Und zweitens sollten wir uns alle darauf einigen, daß im Rahmen der KSZE beitragen könnten. Die Bewahwir für die in unseren feierlichen Erklärungen niederge- rung des Friedens in Europa ist jedoch nicht Aufgabe
legten Verhaltensnormen zur Rechenschaft gezogen der NATOallein. Wir begrüßen die Rolle der WEU, und
werden. Diejenigen, die KSZE-Normen verletzen, wir laden darüber hinaus jedes hier anwesende Land
müssen ausgesondert, kritisiert, isoliert und sogar mit ein, beim Aufbau einer neuen euro-atlantischen FrieSanktionen bestraft werden. Die heutige Abwesenheit densstreitmacht direkt mit der NATO zusammenzuarSerbiens sollte anderen in diesem Zusammenhang beiten.
eine eindeutige Warnung sein.
Ich muß diese Ausführungen mit einem weiteren Wort
Drittens sollten wir die KSZE darauf verpflichten, die zu dem Alptraum in Bosnien beschließen. Wenn
Wurzeln der Konflikte anzugehen. Die niederländi- unsere KSZE-Gemeinschaft irgendeinen echten Sinn
sche Initiative zur Einsetzung eines Hohen Kommis- in dieser neuen Welt haben soll, dann müssen wir bei
sars für nationale Minderheiten ist ein wichtiger Schritt unseren unmittelbaren Zielen einig sein. Erstens
zur Gewährleistung eines Frühwarnsystems. Es wird sollten wir dafür sorgen, daß Hilfsgüter dorthin gelanuns helfen zu handeln, bevor ein Konflikt ausbricht.
gen, egal, was dafür erforderlich ist. Und zweitens
sollten
wir dafür sorgen, daß die UN-Sanktionen eingeUnser Land, mein Land, hat ein KSZE-Projekt für
halten
werden,
koste es, was es wolle. Und drittens
Toleranz vorgeschlagen, das zu praktischer Zusamsollten
wir
alles
in unserer Macht Stehende tun, um
menarbeit bei der Bekämpfung von Diskriminierung
eine
Ausbreitung
dieses Konflikts zu verhindern. Vierund rassistischen Vorurteilen führen kann. Wir können
tens
sollten
wir
mit
einer Stimme fordern, die Waffen
nicht umhin, dies zur obersten Priorität zu erheben, da
durch
einen
Waffenstillstand
an allen Fronten zum
die sogenannte ethnische Säuberung von Muslimen in
Schweigen
zu
bringen.
Bosnien selbst während unseres Treffens andauert.
Und viertens sollten wir unsere Mechanismen zur
Beilegung von Streitfällen stärken. Die KSZE sollte ein
flexibles Angebot von Leistungen zur Schlichtung,
Aussöhnung und Vermittlung bereitstellen, damit
Konflikte abgewendet werden können. Ein baldiges
Folgetreffen sollte bestimmte Mittel zur Beilegung von
Streitfällen aufgreifen, darunter die amerikanische Idee,
derzufolge unsere Gemeinschaft darauf bestehen kann,
daß sich die Streitparteien der Schlichtung durch die
KSZE unterwerfen.
Und fünftens sollten wir hier und heute beschließen,
eine glaubwürdige euro-atlantische Friedenssicherungsfähigkeit zu schaffen. Diese Region ist aus den Tagen
* *

Seite 2

Ich möchte mit folgendem Gedanken schließen. Wir
wissen heute mehr über dieses neue Zeitalter, seine
Gefahren und auch über seine Möglichkeiten als bei
unserer letzten Zusammenkunft in Paris. Es besteht
immer noch übermäßig viel Unsicherheit, und doch
dürfen wir uns durch das Unbekannte nicht abschrekken lassen. Die von uns hier unternommenen Schritte
werden nur der Anfang sein, aber es sollten entschlossene erste Schritte zu einer echten Gemeinschaft der
Freiheit und des Friedens sein. Und um dieses Zieles
willen bin ich nach Finnland gekommen, um die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten Staaten
von Amerika zuzusagen.

JL

JL

AMERIKA DIENST 28

�WAHLEN

'92
15. Juli 1992

PARTEIKONVENT DER DEMOKRATEN
BEGINNT AM 13. JULI
Partei zur Nominierung Clintons entschlossen
WASHINGTON - (AD) - Wenn die Demokratische
Partei vom 13. -16. Juli 1992 ihren nationalen Parteikonvent in New York veranstaltet, wird dabei nicht nur
der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, als Präsidentschaftskandidat nominiert, sondern auch Tausenden von Delegierten die Chance gegeben, die Ziele
und Programme ihrer Partei zu definieren - und Millionen von Wählern die Gelegenheit, Partei, Programm
und Kandidaten zu beurteilen.
Die nationalen Nominierungskonvente der beiden großen
Parteien sind ein unabdingbarer Bestandteil des
amerikanischen Wahlprozesses. Ursprünglich bildeten sie den Rahmen für die Wahl des Präsidentschaftskandidaten , aber die wachsende Zahl der Vorwahlen in
den jeweiligen Bundesstaaten und die Wahlversammlungen der vergangenen Jahre haben dies geändert.
Heute ratifizieren die Delegierten nur den durch die auf
Bundesstaatenebene gewonnene Unterstützung bestimmten Präsidentschaftskandidaten. Sie sprechen
sich jedoch auch für den Vizepräsidentschaftskandidaten aus und verabschieden eine "Parteiplattform"
von Zielen, die ihr zukünftiges Programm darstellt.
Die Millionen von Zuschauern, die am Fernseher teilnehmen, sehen eine Parteiführung in Aktion, hören die
von den politisch Verantwortlichen als wichtig erachteten Themen, wie sie an deren Lösung herangehen
wollen sowie die Erläuterungen der Kandidaten, wohin
sie die Nation in den kommenden vier Jahren führen
wollen. Wenn die Demokraten in diesem Jahr zusammenkommen, werden einige Zuschauer zum ersten
Mal den Mann aus der Nähe sehen, den Clinton gerade
zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten ernannt
hat - Senator AI Gore aus Tennessee.
Traditionell versammelt sich die oppositionelle Partei
zuerst und veranstaltet ihren Parteikonvent in der
dritten Juliwoche, während die andere große Partei in
der dritten Augustwoche zusammenkommt. Für die
Republikaner bedeutet das vom 17. - 20. August 1992
in Houston.

AMERIKA DIENST 28

Beim Parteikonvent der Demokraten werden in diesem Jahr 4.288 Delegierte - die Hälfte davon Frauen anwesend sein, und am Eröffnungstag werden von
Senator Bill Bradley aus New Jersey, Gouverneur Zell
Miller aus Georgia und der ehemaligen Kongreßabgeordneten Barbara Jordan aus Texas drei programmatische Reden gehalten. Auch der nationale Vorsitzende der Demokratischen Partei, Ron Brown, die Vorsitzende des Parteikonvents, Gouverneurin Ann Brown
aus Texas und der Bürgermeister der gastgebenden
Stadt New York werden kurze Ausführungen machen.
Unter Verwendung neuer Technologien und Produktionstechniken werden die Demokraten eine Videowand mit 56 großen Fernsehmonitoren als Hintergrund des Podiums im Madison Square Garden, dem
berühmten Veranstaltungsort zahlreicher Sportereignisse installieren, an dem der Parteikonvent stattfindet. Das Programm umfaßt musikalische und tänzerische Darbietungen sowie Reden, da die Demokraten
wissen, daß die Zuschauer - sowohl die Teilnehmer
des Konvents als auch die am Fernseher zu Hause unterhalten werden möchten.
Am 14. Juli stimmt der Konvent über die Verabschiedung der vorgeschlagenen Parteiplattform ab und hört
den Ausführungen von Bürgerrechtler Reverend Jesse Jackson, Senator Jay Rockefeller aus West Virginia, Bürgermeisterin Sharon Pratt Kelly von Washington, D.C., und anderen zu.
Das Thema der diesjährigen Parteiplattform lautet "Ein
Neuer Bund mit dem amerikanischen Volk". Im Entwurf fordert sie eine "Revolutionierung der Regierung,
um den sturen Bürokraten und Eigeninteressen in
Washington Macht zu entziehen und sie wieder in die
Hand des Volkes zu legen". Der Vorschlag enthält
ferner den Aufruf zur Umstrukturierung der Streitkräfte, Wiederherstellung der amerikanischen Führungsrolle, Förderung der Demokratie, weltweiter Schutz
der Umwelt, eine Reform des Sozialwesens und die
freie Wahl auf Schwangerschaftsabbruch.

Seite 1

�Die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten bildet am 15. Juli den Höhepunkt des Konvents. Der New
Yorker Bürgermeister Mario Cuomo, der beim Konvent
der Partei im Jahr 1984 die programmatische Rede
vortrug, wird Clinton offiziell nominieren - mit genügend vorgesehener Zeit für "spontane" Demonstrationen mit Luftballons, Trompeten, Konfetti und plakateschwenkenden Anhängern. Die Bundesstaaten werden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen und die
bevollmächtigten Delegierten geben ihre Stimme für
den Präsidenten ab.
Falls sich mehr als zwei Kandidaten zur Wahl stellen
und keiner die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt,
findet eine zusätzliche Wahl statt. Aber da praktisch
alle Delegierten sich bereits vor dem Parteikonvent
aufgrund der Ergebisse der Vorwahlen in den Bundesstaaten und der Wahlversammlungen für einen Kandidaten verpflichtet haben, wurde in den letzten 40
Jahren keine zweite Stimmabgabe erforderlich.

betischer Reihenfolge. Der Parteikonvent endet mit
der Zustimmungsrede des Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten.
Die nationalen Parteikonvente gehen auf das Jahr
1830 zurück, als der erste von einer längst nicht mehr
existierenden politischen Partei, den Anti-Masons,
abgehalten wurde. In jenen Tagen gab es keine guten
Kommunikations- und Transportmittel, und die Konvente wurden als einziger Weg erachtet, auf dem die
Parteifunktionäre ihre Meinugsverschiedenheiten
ausräumen, ihre Prinzipien darlegen und ihre Kandidaten wählen konnten.
Die Demokraten hielten ihren ersten Konvent 1832 ab
und nominierten erneut Andrew Jackson, der als der
siebte Präsident des Landes eine zweite Amtsperiode
antrat.

Die Republikaner veranstalteten ihren Gründungskonvent 1856 und nominierten John Freemont, der später
Im Rahmen des Programms am 15. Juli werden ferner den Präsidentschaftswahlkampf gegen den Demokraauch Senator Edward Kennedy und der ehemalige ten James Buchanan verlor. Aber vier Jahre später
Senator Paul Tsongas, beide aus Massachusetts, nominierten die Republikaner ihren ersten erfolgreichen Kanidaten, Abraham Lincoln, den 16. Präsidensprechen.
ten.
Die Nominierung des Vizepräsidentschaftskandidaten
findet am 16. Juli statt, dem letzten Tag des Parteikon- Alle späteren Parteikonvente haben Experten zufolge
vents, wieder mit Aufruf der Bundesstaaten in alpha- "politische Geschichte" gemacht.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 28

�WAHLEN

'92
15. Juli 1992

MODERATE KONTROLLIEREN PARTEITAG
DER DEMOKRATEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben zur Demokratischen Partei am Vorabend
ihres nationalen Parteikonvents in New York Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus
einigen dieser Kommentare.

Thomas Edsall, Washington Post
"Parteivorsitzende und Moderate nutzen den Präsidentschaftswahlkampf von Clinton, um ihre Truppen
zu mobilisieren und diesen Parteitag zu dominieren",
stellt Edsall fest. "Davor fanden sie Organisation und
ideologische Führung im Demokratischen Führungsrat, einer in Washington ansässigen, größtenteils von
Geschäftsleuten mit Verbindung zur Demokratischen
Partei finanzierten Organisation."
Edsall zufolge gründen sich die Attacken der Zentristen auf den vom Bürgerrechtler Reverend Jesse
Jackson und anderen angeführten liberalen Flügel auf
die Überzeugung, daß die Interessen von Minderheiten - Schwarzen, Homosexuellen, Gewerkschaften,
Feministen - die Parteikonvente und Parteiplattformen
in einer Weise dominieren, die die Wähler der Mittelklasse entfremdet hat.

Unterstützung der Koalition von Arbeitern und Schwarzen sowie anderen Minderheiten ist, die ihren Kern seit
den Anfängen des New Deal" unter der Administration
von Präsident Franklin D. Roosevelt gebildet haben.
Jack Germind, Baltimore Sun
Germond stellt fest, daß sich zwar sowohl Clinton als
auch Gore für die Bürgerrechte engagieren, "die rein
aus Südstaatlem zusammengesetzte Liste jedoch auf
eine generelle Wahlstrategie deutet, die einigen Führern der Schwarzen" - insbesondere Jackson und dem
Kongreßabgeordneten aus New York, Charles Rangel, zufolge - "brennende Themen für die Schwarzen
und die Innenstädte nicht genügend berücksichtigt".

Er zitiert einen Anhänger des voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der Partei, Gouverneur Bill Clinton aus Arkansas, mit den Worten: "Jetzt ist es an uns,
das Ruder der Regierung zu übernehmen und etwas
Besseres für unsere Kinder zu schaffen."

Jackson, der Clinton seit einigen Monaten offen kritisiert hat, unterstützte schließlich die Clinton-GoreListe zwei Tage vor der Eröffnung des Parteitages.
Obwohl Jackson dies laut Germond leugnet, wurde
ihm Berichten zufolge mit dem Verlust seines Sitzes
beim Parteikonvent gedroht, wenn er seine Unterstützung nicht im voraus publik machen würde. Jackson
wird programmgemäß am 14. Juli eine Rede vor dem
Parteitag halten.

Jules Witcover, Baltimore Sun

Kolumnist Carl Rowan

Clintons Entscheidung für Senator AI Gore aus Tennessee als seinen Präsidentschaftskandidaten, so
Witcover, "unterstreicht die Abkehr vom Liberalismus
des Nordens" der Demokratischen Partei.

Rowan, ein Schwarzer und ehemaliger Direktor des
US-Informationsamts erklärt, Kritik der Schwarzen an
der Liste der Demokraten sei "dumm und bedeutungslos". Wenn er in Clintons Haut stecken würde, so
Rowan, würde er 'Versuchen, die Demokratische Partei
aus dem Fegefeuer zu holen, und auch ich würde mich
für diese neue 'Südstaatentstrategie' entscheiden - die
sich auf den Appell zur Einheit der Rassen und nicht
auf das Schüren von Rassenhaß gründet".

Witcover zufolge will Clinton das Wohlergehen aller
Amerikaner verbessern, nicht nur der Armen. Er
verweist jedoch darauf, daß die Demokraten ihre traditionelle Rolle als Fürsprecher der Unterdrückten
beibehalten und die Partei "weiterhin ein Magnet für die
*

AMERIKA DIENST 28

* * *

*

Seite 1

�W A H L E N '92
15. Juli 1992

DER DEMOKRATISCHE
VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT AL GORE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe von amerikanischen Zeitungen haben in Leitartikeln zu Bill Clintons
Entscheidung für den Senator aus Tennessee, AI Gore, als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten Stellung
genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare im Wortlaut.

The New York Times

The Washington Post

Als Gouverneur Bill Clinton gestern (9. Juli) Senator AI
Gore als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten vorstellte, betonte Gore, es sei an der Zeit, daß eine neue
Generation von Führungskräften diejenigen ersetzten,
denen ihm zufolge Energie und Ideen ausgegangen
sind. Die demokratischen Kandidaten - beide Mittvierziger - geben in der Tat einen jugendlichen Kontrast zu
George Bush und Ross Perot ab, die beide über 60
Jahre alt sind. Noch wichtiger als jeder Altersunterschied sind jedoch die historischen Kräfte, die diese
jüngere Generation politischer Führungspersönlichkeiten geprägt haben, die nach dem Zweiten Weltkrieg
geboren und herangewachsen sind.

Es ist eine junge Liste, aber dies sind keine unerfahrenen Männer. Die Demokraten setzen besonders auf
die südliche Trumpfkarte, aber das hat für den Wahlausgang mindestens ebenso viele Vor- wie Nachteile.
Auf einer Reihe von Fachgebieten, von Rüstungskontrolle bis zu Umweltbedrohungen, werden die Referenzen Senator Gores die Liste stärken. Daran ist sicherlich nichts verkehrt. Die Demokraten bieten dem Land
eine gute Wahl.

Christian Science Monitor
Gore leistet einen wichtigen Eigenbeitrag für die
demokratische Liste. Er ist einer der originellsten
Köpfe im Senat. Er ist anerkannter Experte zu Umwelt- und Rüstungskontrollfragen und hat solide Referenzen in anderen außenpolitischen Bereichen - etwas, das Clinton fehlt. Als Befürworter des Golfkriegs
könnte Gore nachklingende Sorgen über eine angeblich "weiche" Haltung der Demokraten zur Verteidigung beschwichtigen. Und seine Frau, Tipper Gore,
setzt sich seit langem aktiv für die "Familienwerte" ein,
von denen Vizepräsident Quayle spricht.
Fürdie erste wahrhaft "präsidiale" Entscheidung, die er
zu fällen hatte - die Wahl eines Vizepräsidentschaftskandidaten, der zur Übernahme des höchsten Amts
qualifiziert ist - erhält Bill Clinton eine gute Note.

AMERIKA DIENST 28

The Baltimore Sun
Senator Gores Hauptvorteil ist wahrscheinlich seine
Erfahrung in den Bereichen nationale Sicherheit und
internationale Angelegenheiten als Mitglied des Streitkräfteausschusses. Wie die meisten Gouverneure hat
Clinton auf diesem Gebiet nicht sehr viel vorzuweisen.
Senator Gores weitere Stärke ist, daß er einer der
bekanntesten Protagonisten des Umweltschutzes und
ein Experte der damit in Zusammenhang stehenden
wissenschaftlichen und technologischen Themen ist.
Es ist möglich, daß seine Ansichten und die von Dan
Quayle zu diesen Fragen so unterschiedlich sind (wie
sie durch die führende Rolle des Vizepräsidenten bei
der Deregulierung im Wettbewerbsrat demonstriert
wird), daß ihre Debatten zu diesen Themen die Kampagne der Vizepräsidenten dominieren wird.
The Washington Times
Bill Clintons Entscheidung für Senator Albert Gore aus
Tennessee als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten ist interessant. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der

Seite 1

�herkömmlichen politischen Vernunft. Aber sie ist
gleichzeitig ein Schachzug von beachtlicher Schärfe.
Der erste über den Haufen geworfene Aspekt betrifft
die angebliche Notwendigkeit für ein regionales Gleichgewicht der Liste. Ebenso wie Clinton ist Gore ein
Südstaatler, und diejenigen, die erwartet hatten, daß
Clintons Kampagne die "Basis" des Gouverneurs aus
Arkansas verbreitem würde, sind enttäuscht, daß die
Wahl nicht auf jemanden wie Senator Harris Wofford
aus Pennsylvania oder den Abgeordneten des Repräsentantenhauses Lee Hamilton aus Indiana gefallen
ist. Ihre Besorgnis könnte sich jedoch in diesem
äußerst lebhaften politischen Jahr als unbegründet
erweisen. Die Kandidatur von Ross Perot hat die
Wahldynamik maßgeblich beeinflußt. In der Politik
des Präsidentschaftswahlkampfes kann die Republikanische Partei traditionell auf beträchtliche Vorteile
im Westen und Süden verweisen. Perot könnte jedoch
im Westen bewirken, daß Präsident Bush sich seines
Geldes wert erweisen muß. Wenn Bush sehr viel Zeit,
Energie und Geld darauf verwenden muß, dort an der
Spitze der Liste zu bleiben, könnte er für eine Herausforderung im Süden durch eine starke demokratische
Liste besonders empfindlich sein.

Dies sind Fortschritte, aber sie reichen nicht aus.
Diese weißen, männlichen Kandidaten werden noch
ansprechender aussehen, wenn sie Pläne darlegen,
Frauen und Minderheiten wichtige Jobs zu geben. Sie
könnten noch vor der Wahl Ministerposten vergeben.
Los Angeles Times
Was man auch immer über die Verbindung ClintonGore sagen mag - Gore genießt ein hohes Maß an
Vertrauen bei denen, die für ihn gearbeitet haben. In
dieser Hinsicht kommt er dem Modell dessen, wie ein
Kandidat für die Vizepräsidentschaft aussehen soll,
eindeutig näher als andere potentielle Kandidaten.
Mit der Wahl von Gore will Clinton offensichtlich ein
Zeichen setzen im Hinblick auf einen Wechsel zur
Nachkriegsgeneration. Clinton ist 45, Gore 44. (Clinton erklärte, in seiner Jugend Marihuana geraucht,
aber nicht inhaliert zu haben, während Gore ganz
einfach erklärte, in seiner Zeit am College Marihuana
geraucht zu haben und es klugerweise dabei beließ.)
The Philadelphia Inquirer

Wir nehmen an, niemand wird nach Luft schnappen
oder verständnislos mit den Achseln zucken angeUSA Today
sichts der Wahl von AI Gore, dem dynamischen In diesem unorthodoxen Präsidentschaftswahljahr hat hyperdynamischen? - Senator aus Tennessee, der
sich eines nicht geändert: Bis jetzt sind die Kandidaten jetzt Bill Clinton's Mitkandidat bei dem Unterfangen
weiß und männlich. Mit Bill Clintons Entscheidung für wird, die Demokraten aus dem Exil zurück ins Weiße
AI Gore als Vizepräsidentschaftskandidat beläuft sich Haus zu bringen.
die Zahl auf fünf Kandidaten, einschließlich des unabWir können - wenn überhaupt - an wenige denken, die
hängigen Ross Perot.
eine bessere Wahl wären als Mr. Gore, um der bereits
Nur Geraldine Ferraros Nominierung im Jahr 1984 überzeugenden Clinton-Kampagne zusätzliches
unterbricht das historische Muster...
Gewicht zu verleihen.
Eine Rekordzahl von Frauen und Minderheiten bewerben sich in diesem Jahr um ein Amt, daher werden die
künfitgen Präsidentschaftskandidaten mehr Entscheidungen treffen missen.

Tatsache ist, daß wir AI Gore kennen. Wir haben
vieles, für das er steht, bewundernd betrachtet. Und
wir sagen dazu folgendes. AI Gore, meine Damen und
Herren, ist kein Dan Quayle.

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AMERIKA DIENST 28

�PORTRÄT
15. Juli 1992

CLINTON WÄHLT PROTAGONISTEN DES
UMWELTSCHUTZES ALS VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee
WASHINGTON - (AD) - Albert Gore ist vielleicht am
besten bekannt für sein Engagement und die Fähigkeit, "beim Schutz der Umwelt eine führende Rolle zu

1987 beschrieb David Rogers Gore im Wall Street
Journal als "Vollblutpolitiker". Gore sei "absolut konkurrenzfähig, aber anscheinend blind gegenüber den

spielen", erklärte der Hoffnungsträger der Demokraten

ihn treibenden Ambitionen", stellte Rogers fest. "Als

für die Präsidentschaftswahlen, Bill Clinton, am 9. Juli
1992 zu seiner Entscheidung, den 44jährigen Senator
aus Tennessee zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten zu machen.

Nachkomme einer Politikerfamilie trägt erden Stempel
seines populistischen Vaters und führt seine Wahlkampagne mit einem von der Bildung der herrschenden Elite geschärften Intellekt."

Gore, der bereits seit 15 Jahren im Kongreß ist, hat
sich in den letzten zehn Jahren für die Bewältigung
unterschiedlicher Umweltprobleme engagiert - Erderwärmung, Abbau der Ozonschicht und Energieerhaltung. Als starker Verfechter des Umweltschutzes
leitete er eine Senatsdelegation beim jüngsten "Erdgipfel" der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro.

Bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung für den
Vizepräsidentschaftskandidaten lobte der Gouverneur
von Arkansas, Clinton, Gores Buch: Earth in the
Balance: Ecology and the Human Spirit, das sich
mit der Zukunft der menschlichen Rasse und der Erde
selbst auseinandersetzt. Das Buch wurde bereits
achtmal neu aufgelegt und war im Frühjahr Houghton
Millers Bestseller unter den Sachbüchern.

Zusätzlich zu seinem starken Interesse an Umweltschutz wird Gore - aufgrund seiner Tätigkeit in Senatsausschüssen - auch als Kenner der Verteidigungspolitik, Rüstungskontrolle und außenpolitischer Themen
angesehen. Er wurde 1976 erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt und übte sein Amt dort bis 1984 aus,
als er in den Senat gewählt wurde.
Sein Familienname ist in der Politik des Staates Tennessee renommiert. Sein Vater, Albert Gore Sr., war
32 Jahre lang Mitglied des Repräsentantenhauses und
des Senats.
Gore werden eine Reihe von Qualitäten zugeschrieben, die ihn potentiell zu einem attraktiven Präsidentschaftskandidaten für die Demokratische Partei machen. Er sieht gut aus, ist wortgewandt und zu seinen
Stärken zählen der Militärdienst in Vietnam, ein berühmter politischer Name, ein makelloses Familienleben und eine - tiefe, jedoch nicht fanatische - religiöse
Überzeugung als bekennender Baptist.
Ein ehemaliger politischer Gegner sagte voraus, Gore
würde auf einer nationalen Liste aufgestellt, und der
konservative Kommentator John McLaughlin hat ihn
als "zu gut, um wahr zu sein" bezeichnet.

AMERIKA DIENST 28

Gore "hat mich gebeten, sein Engagement zu teilen,
nicht nur die Umwelt der Vereinigten Staaten, sondern
der Welt für künftige Generationen zu erhalten. Und
gemeinsam werden wir schließlich den Vereinigten
Staaten eine wirklich umweltbewußte Präsidentschaft
verleihen", verprach Clinton.
Im gesamten Verlauf seines öffentlichen Lebens hat
Gore Clinton zufolge "für das Gesundheitswesen und
Verbaucherschutz gekämpft und ist vielleicht Amerikas führender Verfechter der Entwicklung neuer Technologien - wie Faseroptik und Gentechnologie - zur
Schaffung der hochdotierten Arbeitsplätze, die Amerika beim Übergang ins 21. Jahrhundert benötigt."
Politische Experten betrachten die Wahl Gores als
kühnen Schachzug. Beide Männer sind Südstaatler ihre Bundesstaaten haben eine gemeinsame Grenze
- und werden als relativ vorsichtige gemäßigte Politiker
innerhalb der Demokratischen Partei angesehen. Und
beide sind jung - Clinton ist mit 45 ein Jahr älter als
Gore. "Das ist eine junge Liste, die eine neue Generation markiert", erklärte der Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas Foley, in Washington.

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�Gore, der sich im Jahr 1988 erfolglos um die demokratische Nominierung als Präsidentschaftskandidat
beworben hatte, entschloß sich vergangenen Sommer, 1992 nicht erneut anzutreten. Dabei verwies er
auf den Wunsch, mehr Zeit mit seiner Familie zu
verbringen anstatt sich auf Wahlkampf reisen zu begeben. Sein junger Sohn Albert war gerade von einem
Auto angefahren und lebensgefährlich verletzt worden, hat sich seither aber erholt.
Gores Bewerbung um die Präsidentschaft vor vier
Jahren scheiterte nach einem schwachen Abschneiden in der Vorwahl des Staates New York, wo seine
Zustimmungsquote fiel, nachdem der Bürgermeister
von New York, Ed Koch, seine Angriffe auf Gores
Rivalen, den Bürgerrechtler Jesse Jackson, unterbrach, um Gore zu unterstützen. Anlysten zufolge
schadete diese Unterstützung Gore, da Kochs bittere
Attacken auf Jackson Schwarze und Liberale entfremdeten.
Gore wurde am 31. März 1948 in der Bundeshauptstadt Washington geboren, wo sein Vater im zehnten
Jahr als demokratischer Abgeordneter aus Tennessee
tätig war. Gore wuchs in der Hauptstadt auf, wo er die
exklusive St. Alban's Episcopal School für Jungen
besuchte. Er war ein ausgezeichneter Schüler und
Kapitän des Football-Teams.
Gore erwarb im Jahr 1969 ein Bakkalaureat in Staatswissenschaften an der Harvard University, seine
Examensarbeit hatte den Titel "Die Auswirkungen des
Femsehens auf die Führung der Präsidentschaft, 1947
-1969".
Im Vietnamkrieg war Gore Heereskorrespondent beim
20. Pionierbataillon, das außerhalb von Saigon stationiert war. Er sandte Kopien seiner Berichte nach
Hause zu seiner Frau, die sie an die Redaktion des
Tennessean, einer Zeitung in Nashville weiterreichte.
Diese veröffentlichte einige davon, und nach Beendigung seiner Dienstzeit im Jahr 1971 bot man Gore eine
Stelle als Reporter an. Im Jahr 1976 gab Gore seine
journalistische Laufbahn beim Tennessean und sein
Jurastudium an der Vanderbilt University auf, bewarb
sich um den einst von seinem Vater gehaltenen Sitz im
Kongreß - und gewann. Acht Jahre später gewann er

mit 61 Prozent der Stimmen den von dem republikanischen Fraktionsvorsitzenden im Senat, Howard Baker, freigemachten Senatorensitz des Staates Tennessee.
Sowohl als Abgeordneter als auch als Senator war
Gore seinen eigenen Worten zufolge ein "begeisterter
Gemäßigter".
"Ich glaube, daß die Leute den Liberalismus teilweise
diskreditiert haben, weil sie das Vertrauen in dessen
Kompetenz verloren haben", erklärte er, nachdem er
seine erste Kongreßwahl gewonnen hatte. "Sie haben
den Konservatismus diskreditiert wegen dessen offensichtlicher Gleichgültigkeit angesichts von Problemen
beispiellosen Ausmaßes. Es besteht das Gefühl, es
habe zu viel Philosophie und nicht genug gesunden
Menschenverstand gegeben."
Im Kongreß konzentrierte sich Gore besonders auf
Probleme des Gesundheitswesens. In seinem letzten
Jahr als Abgeordneter im Repräsentantenhaus unterstützte er das Gesetz über Organspenden und Transplantationen von 1984, das den Ver- oder Ankauf
menschlicher Organe zu Transplantationszwecken
untersagte und darüber hinaus jährlich 2 Millionen
Dollar bewilligte, um eine nationale Organbank aufzubauen.
Obwohl er sich gegen das freiwillige Schulgebet wandte, stimmte er dafür, Schülern eine Schweigeminute
zuzugestehen, die sie nach eigenem Ermessen nutzen können. Er lehnte das Verbot des Verkaufs von
Handfeuerwaffen über die Grenzen von Bundesstaaten hinweg ab und stimmte gegen die Finanzierung
von Schwangerschaftsabbrüchen aus Bundesmitteln.
Gore ist in die Antarktis gereist, um das Ozonloch zu
studieren und nach Brasilien, um sich über den Schwund
der Regenwälder zu informieren, der das Erdklima
beeinflussen könnte. Er schlug neue Erdbebenwarnsysteme vor und forderte, daß alle Verpackungsmaterialien biologisch abbaubar sein sollten. Er brachte im
Jahr 1989 ein Nationales Hochleistungscomputergesetz (National High Performance Computer Technology Act) ein und forderte alle Länder auf, den Einsatz
von FCKW vor dem Jahr 2000 zu beenden.

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AMERIKA DIENST 28

�EINWANDERUNG
15. Juli 1992

AMERIKANER DISKUTIEREN EINWANDERUNGSPOLITIK IHRES LANDES
Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?
WASHINGTON - (AD) - Historisch gesehen waren
Einwanderer die Quelle der Stärke, Vitalität und Vielfalt
der Vereinigten Staaten, aber einige Amerikaner bezweifeln die Fähigkeit der Nation, weiterhin all diejenigen mit offenen Armen zu empfangen, die sich "nach
freier Luft zum Atmen sehnen".

Damit könnten die Vereinigten Staaten "weiterhin ihrem Vermächtnis als Zufluchtsort gerecht werden" für
Menschen, die vor politischer Verfolgung flüchten bei
gleichzeitiger "Regulierung der Gesamtzahl, die im
Einklang mit unserem nationalen Interesse und Bedarf
steht".

Steven Moore, Direktor für Finanzwesen am Cato
Institute, einer Denkfabrik, die pro Einwanderung eingestellt ist und Dan Stein, Vorstandsmitglied des Verbands für die amerikanische Einwanderungsreform
(Federation for American Immigration Reform - FAIR),
einer nationalen Organisation, die auf schärfere Restriktionen drängt, haben vor kurzem im ausländischen Pressezentrum des US-Informationsamts USIA
in Washington die amerikanische Einwanderungspolititk diskutiert.

Steins "vernünftiger, verantwortungsbewußter Ansatz"
zu Milderung "außer Kontrolle geratener" Einwanderung beinhaltet verschärfte Kontrollen an den Grenzen, Bestrafung von Arbeitgebern, die illegale Arbeitskräfte einstellen, eine Obergrenze von 300.000 Zulassungen legaler Einwanderer pro Jahr, Schließung der
Schlupflöcher bei der Asylgesetzgebung sowie die
Abschaffung von Magneten im Beschäftigungs- und
Sozialwesen, die illegale Einwanderer anziehen.

Moore zufolge "belebt" die amerikanische Fähgikeit,
hart arbeitende, engagierte und von Unternehmergeist
geleitete Talente aus der ganzen Welt anzuziehen,
"kontinuierlich die Energien und Ambitionen des Landes".
"Es scheint unvorstellbar, daß der Wert des Einwanderungsprozesses, von dem Amerika seit über zwei
Jahrhunderten profitiert hat, jetzt in Frage gestellt und
bezweifelt werden soll", schrieb Moore in einem in
Business and Societey Review veröffentlichten Artikel.
Stein argumentiert jedoch folgenderma ßen: "Alles legt
den Schluß nahe, daß Einwanderung ... den wesentlichen nationalen Zielen zuwiderläuft, auf die sich
unser Land derzeit konzentrieren muß."
Ihm zufolge zieht das Land sehr viel mehr Menschen
an als es in der Lage ist, aufzunehmen und einzugliedern. Er schlägt vor, die Einwanderungsreform sollte
es der Regierung gestatten, die Zahlen zu regulieren
und mit Einwanderung in Zusammenhang stehende
Betrügereien zu unterbinden.

AMERIKA DIENST 28

Schätzungen des Cato Institute zufolge kommen jedes
Jahr 750.000 - 800.000 legale Einwanderer in die
Vereinigten Staaten, und zusammen mit den illegalen
beläuft sich die Gesamtzahl auf 1 bis 1,1 Millionen.
FAIR schätzt die Gesamtzahl auf 2 bis 3 Millionen.
"Das klingt so, als ob wir überschwemmt würden",
erklärt Moore. "Wir lassen mehr Einwanderer ins Land
als der Rest der Welt zusammengenommen, aber das
ist kein einmaliger Vorgang. Um die Jahrhundertwende kamen Millionen von Einwanderern nach Amerika."
Der Zuwachs von jährlich einer Million Einwanderern
hat laut Moore bei einer Gesamtbevölkerung von 250
Millionen keine großen Auswirkungen auf die Infrastruktur des Landes.
In einer von Moore im Jahr 1990 für das Hudson
Institute und das American Immigration Institute durchgeführten Erhebung gaben 80 Prozent von 38 befragten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern an,
Einwanderer hätten "sehr günstige Auswirkungen für
das Wirtschaftswachstum des Landes in diesem Jahrhundert" gehabt, und nahezu zwei Drittel unterstützten
höhere Einwanderungsquoten als Weg, um "den
Lebensstandard in den Vereinigten Staaten zu heben".

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�Moore zufolge füllen Einwanderer oft "wichtige Nischen" auf dem Arbeitsmarkt. Landwirtschaft, Viehzucht, Geflügelzucht und Textilindustrie werden "so
sehr von Einwanderern dominiert, daß sie ohne sie bis
heute geschrumpft oder sogar völlig verschwunden
wären", stellt er fest.
Stein dagegen meint, daß sich die amerikanische
Industrie und Volkswirtschaft erheblich verändert haben
und sich nicht länger auf einen unbegrenzten Nachschub ungelernter Arbeitskräfte stützen. "Wir bauen
keine Kohle mehr ab, und wir bauen keine Eisenbahnen (mehr)", führt er aus.
Stein verweist femer darauf, daß Einwanderer von
städtischen Ballungsgebieten im Ausland in städtische
Ballungsgebiete in den Vereinigten Staaten umziehen
und die Infrastruktur von Städten wie New York und
Miami unter der Belastung zusammenbricht. "Bildungswesen, Gesundheitswesen, Krankenhäuser und
Gefängnisse verschlechtern sich", erklärt er. "Städte
wie Los Angeles werden unregierbar."

"Städte florieren", setzt Moore dem entgegen. Er
behauptet, daß New York nur dadurch am Leben
erhalten wird, daß Einwanderer dort arbeiten und neue
Geschäfte gründen. Er stimmt mit Stein darin überein,
daß gebürtige Amerikaner die Städte verlassen und
führt aus, "der einzige Zuzug kommt von Einwanderern".
Stein geht davon aus, daß Amerikas Zukunft in flexiblen Systeminformationstechnologien liegt, die Konkurrenz mit Japan und Deutschland ermöglichen werden. Er nennt Japan als "bemerkenswertes Beispiel
mit einer gesunden und florierenden Volkswirtschaft
ohne bedeutende Einwanderung".
Moore verwirft das Argument für Beschränkungen als
Teil einer historischen Stimmung gegen die Einwanderung. "Da wir wissen, daß die Leute, die während der
vergangenen 200 Jahre diese Behauptung erhoben
haben, unrecht hatten, sollten wir dieser Behauptung
auch heute wenig Glauben schenken", erklärt er.

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AMERIKA DIENST 28

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                <text>&lt;strong&gt;1. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pressekonferenz von Präsident Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Residenz München&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: KSZE muss Hilfe für Bosnien sicherstellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim KSZE-Gipfel in Helsinki&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Parteikonvent der Demokraten beginnt am 13. Juli&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Partei zur Nominierung Clintons entschlossen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moderate kontrollieren Parteitag der Demokraten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Al Gore&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton wählt Protagonisten des Umweltschutzes als Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner diskutieren Einwanderungspolitik ihres Landes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

14

15. Juli 1998

USA-CHINA

PERSONLICHE FREIHEIT IST MANDAT
DES NEUEN JAHRTAUSENDS
Rede von Präsident Clinton
vor der Pekinger Universität

4. JULI

AMERIKA VOR EINEM NEUEN JAHRHUNDERT
GRENZENLOSER CHANCEN
Proklamation des Präsidenten

TECHNOLOGIE

DAS JAHR 2000-PROBLEM
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

ELEKTRONISCHER HANDEL

INTERNET IST "STARKER
WACHSTUMSMOTOR"
Rede von Ira Magaziner

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-CHINA

15. Juli 1998

Persönliche Freiheit ist Mandat des neuen Jahrtausends
Rede von Präsident Clinton vor der Pekinger Universität

PEKING - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Präsident Clinton im Rahmen seiner
Chinareise am 29. Juni 1998 vor Studenten der Universität Peking gehalten hat.

Ich bin heute hierhergekommen, um zu Ihnen, der
nächsten Generation chinesischer Führungspersönlichkeiten, über die entscheidende Bedeutung einer
starken Partnerschaft zwischen China und den
Vereinigten Staaten für Ihre Zukunft zu sprechen.
Das amerikanische Volk bewundert China wegen
seines jahrtausendelangen Beitrags zu Kultur und
Religion, Philosophie und Kunst, Wissenschaft und
Technologie. Wir erinnern uns gut an unsere enge
Partnerschaft im Zweiten Weltkrieg. Jetzt sehen wir
China in einem Moment der Geschichte, in dem Ihre
ruhmreiche Vergangenheit ihre Entsprechung in Ihren
gegenwärtig stattfindenden tiefgreifenden Umwälzungen und den noch größeren Versprechungen Ihrer
Zukunft findet.
Vor nur drei Jahrzehnten war China praktisch von der
Welt abgeschottet. Jetzt gehört Ihr Land mehr als
1.000 internationalen Organisationen an - die sich mit
Themen von der Luftfahrt bis zu landwirtschaftlicher
Entwicklung befassen. Sie haben Ihre Nation für
Handel und Investitionen im großen Stil geöffnet.
Heute studieren 40.000 junge Chinesen in den Vereinigten Staaten und Hunderttausende in Asien, Afrika,
Europa und Lateinamerika.
Ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Umgestaltung
war noch bemerkenswerter: Von einer geschlossenen
Kommandowirtschaft zu einer pulsierenden, zunehmend marktorientierten Wirtschaft, die zu zwei Jahrzehnten einzigartigem Wachstum führte und den
Menschen mehr Reisefreiheit inner- und außerhalb
Chinas, das Wahlrecht bei Kommunalwahlen, das
Recht auf Hausbesitz, Wahl des Arbeitsplatzes und
den Besuch einer besseren Schule gibt. Infolgedessen haben Sie buchstäblich Millionen Menschen von

AMERIKA DIENST 14

der Armut befreit. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich
im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Die meisten Chinesen führen ein Leben, das sie sich vor nur 20 Jahren
nicht hätten vorstellen können.
Natürlich haben diese Veränderungen den geordneten
Lebens- und Arbeitsrhythmus gestört und Ihre Umwelt
enorm belastet. Früher wurde jedem in der Stadt
lebenden Chinesen ein Arbeitsplatz in einem staatlichen Unternehmen garantiert. Jetzt müssen Sie sich
auf dem Arbeitsmarkt dem Wettbewerb stellen. Früher
mußte ein chinesischer Arbeitnehmer nur die Forderungen der zentralen Planer in Peking erfüllen. Jetzt
bringt es die globale Wirtschaft mit sich, daß alle es im
Hinblick auf Qualität und Kreativität mit der übrigen
Welt aufnehmen müssen. Für diejenigen, die nicht
über die richtige Ausbildung, Qualifikation und Unterstützung verfügen, kann diese neue Welt furchterregend sein.
Kurzfristig werden zumindest einige rechtschaffene,
hart arbeitende Menschen arbeitslos sein. Und wie Sie
alle sehen können, haben die Entwicklung und der
Energieverbrauch der vergangenen 20 Jahre enorme
Kosten für Umwelt, Wirtschaft und Gesundheitswesen
mit sich gebracht - von der Luftverschmutzung über die
Entwaldung und den sauren Regen bis zur Wasserknappheit.
Angesichts dieser Herausforderungen müssen neue
Ausbildungs- und Sozialversicherungssysteme entwickelt und neue umweltpolitische Maßnahmen und
Technologien mit dem Ziel eingeführt werden, Ihre
Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig die Umwelt zu
verbessern. Alles, was ich über die Intelligenz, die
Erfindungsgabe und den Unternehmungsgeist des
chinesischen Volkes weiß und alles, was ich während

Seite 1

�dieser Tage in meinen Gesprächen mit Präsident
Jiang, Ministerpräsident Zhu und anderen erfahren
habe, erfüllt mich mit Zuversicht, daß Sie Erfolg haben
werden.
Während Sie ein neues China aufbauen, möchten die
Vereinigten Staaten neue Beziehungen zu Ihnen
aufbauen. Wir möchten, daß China ein erfolgreiches,
sicheres und offenes Land ist, das sich zusammen mit
uns für eine friedlichere und wohlhabendere Welt
einsetzt. Ich weiß, daß manche in China und den
Vereinigten Staaten bezweifeln, ob engere Beziehungen zwischen unseren Ländern von Vorteil sind. Aber
alles, was wir über die Art und Weise wissen, in der
sich die Welt verändert sowie über die Ihre Generation
konfrontierenden Herausforderungen sagt uns, daß
unsere beiden Nationen profitieren, wenn wir zusammenarbeiten anstatt getrennt vorzugehen.
Der verstorbene Deng Xiaoping riet uns, die Wahrheit
in den Fakten zu suchen. Am Vorabend eines neuen
Jahrhunderts sind die Fakten klar. Die Entfernung
zwischen unseren beiden Nationen, ja zwischen allen
Nationen, nimmt ab. Während früher ein amerikanischer Klipper Monate brauchte, um den Weg von
China nach Amerika zurückzulegen, macht die
Technologie uns heute alle zu Nachbarn. Von Laptops
zu Lasern, von Mikrochips zu Megabytes erleuchtet
eine Informationsrevolution das weite Feld menschlichen Wissens und bringt uns alle näher zusammen.
Ideen, Informationen und Geld überqueren den
Planeten durch einen einfachen Tastendruck auf dem
Computer und bieten außergewöhnliche Chancen
Wohlstand zu schaffen, Krankheiten zu verhüten und
zu besiegen und mehr Verständnis zwischen Völkern
mit unterschiedlicher Geschichte und unterschiedlichen Kulturen hervorzurufen.
Wir wissen aber auch, daß diese größere Offenheit
und der schnellere Wandel bedeuten, daß Probleme,
die außerhalb der Grenzen einer Nation ihren Ursprung haben, schnell auf die Nation übergreifen
können - die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Bedrohungen durch organisiertes Verbrechen und Drogenhandel, Umweltzerstörung und
schwere wirtschaftliche Erschütterungen.
Keine
Nation kann sich von diesen Problemen abschotten,
und keine Nation kann sie alleine lösen. Wir, insbesondere die jüngeren Generationen in China und
den Vereinigten Staaten, müssen aus unseren gemeinsamen Herausforderungen gemeinsame Sache
machen, damit wir gemeinsam ein neues Jahrhundert
herausragender Möglichkeiten gestalten können.
Im 21. Jahrhundert - Ihrem Jahrhundert - sehen sich
China und die Vereinigten Staaten der sicherheitspolitischen Herausforderung in Asien gegenüber. Auf
der koreanischen Halbinsel waren wir einst Gegner.
Heute setzen wir uns gemeinsam für dauerhaften

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Frieden und eine Zukunft mit weniger Nuklearwaffen
ein.
Während sich die übrige Welt von der nuklearen
Gefahr entfernt, riskieren Indien und Pakistan auf dem
indischen Subkontinent einen neuen Rüstungswettlauf. Wir verfolgen jetzt eine gemeinsame Strategie,
Indien und Pakistan von weiteren Tests abzuhalten
und zu einem Dialog über die Beilegung ihrer Differenzen zu veranlassen.
Im 21. Jahrhundert muß sich Ihre Generation der
Herausforderung stellen, der Ausbreitung noch
todbringenderer nuklearer, chemischer und biologischer Waffen Einhalt zu gebieten. Wenn sie in die
falschen Hände oder an den falschen Ort geraten,
können diese Waffen den Frieden kleiner und großer
Nationen bedrohen.
China und die Vereinigten
Staaten sind sich in zunehmendem Maße über die
Bedeutung der Nichtverbreitung einig. Aus diesem
Grund fangen wir an, gemeinsam die gefährlichsten
Waffen der Welt zu kontrollieren.
Im 21. Jahrhundert muß Ihre Generation den internationalen Anstieg von Kriminalität und Drogen bremsen.
Weltweit beraubt das organisierte Verbrechen jedes
Jahr die Menschen um Milliarden Dollar und unterminiert das Vertrauen in die Regierung. Amerika weiß
von der Zerstörung und Verzweiflung, die Drogen in
Schulen und Gemeinden bewirken können. China,
das an mehr als ein Dutzend Länder grenzt, ist zu
einem Mittelpunkt für Schmuggler aller Art geworden.
Im vergangenen Jahr baten Präsident Jiang und ich
hochrangige chinesische und amerikanische Strafverfolgungsbeamte, unsere Kooperation bei der
Bekämpfung dieser Verbrecher zu verstärken, der
Geldwäsche Einhalt zu gebieten, den grausamen
Handel mit Ausländern zu stoppen und die Banknotenfälschung zu bekämpfen. Diesen Monat eröffnete
unsere Drogenbekämpfungsbehörde ein Büro in
Peking, und chinesische Suchtmittelbekämpfungsfachleute werden bald von Washington aus tätig
werden.
Im 21. Jahrhundert muß es sich Ihre Generation zur
Aufgabe machen sicherzustellen, daß die Fortschritte
von heute nicht auf Kosten von morgen erfolgen. Das
bemerkenswerte Wachstum Chinas während der
letzten beiden Jahrzehnte hat einen toxischen Preis
gehabt - Schadstoffe, die das Trinkwasser verschmutzen und die Luft verpesten. Der Preis war nicht nur
umweit-, sondern auch gesundheitspolitischer Natur:
Ernsthafte Konsequenzen für die Gesundheit Ihres
Volkes und eine Belastung für das Wirtschaftswachstum.
Umweltprobleme sind zunehmend globaler wie auch
nationaler Natur. In naher Zukunft wird China bei einer
Fortsetzung des gegenwärtigen Energieverbrauchs die

AMERIKA DIENST 14

�Vereinigten Staaten als Land mit dem weltweit größten
Ausstoß von Treibhausgasen überrunden - den
Gasen, die der Hauptgrund für die Erderwärmung sind.
Wenn die Nationen der Welt nicht den Ausstoß der
Gase verringern, die die Erderwärmung verursachen,
wird irgendwann im nächsten Jahrhundert die ernsthafte Gefahreines Klimawandels bestehen, der unsere
Lebens- und Arbeitsweise verändern, einige Inseln
buchstäblich unter Wassermassen begraben und das
wirtschaftliche und soziale Gefüge von Nationen
unterminieren wird.
Wir müssen zusammenarbeiten. Wir Amerikaner
wissen aus Erfahrung, daß Wirtschaftswachstum und
Umweltschutz parallel erfolgen können. Wir müssen
im eigenen und im Interesse der ganzen Welt gemeinsam handeln.

systems sowie von Wachstum und Wohlstand - die
diese gesamte Region erfassen sollten - abzuwehren.
Im 21. Jahrhundert wird Ihre Generation eine große
Chance haben, die Talente Ihrer Wissenschaftler,
Ärzte und Ingenieure beim gemeinsamen Streben
nach Fortschritt zusammenzubringen.
Die durch
unsere Zusammenarbeit bereits erzielten Fortschritte bei Herausforderungen wie der Behandlung von Spina
Bifida bis zur Bewältigung extremer Wetterbedingungen und Erdbeben - beweisen, was wir gemeinsam tun
können, um das Leben von Millionen Menschen in
China, den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt zu verändern. Die Erweiterung unserer Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie kann
eines unserer größten Geschenke für die Zukunft sein.

Auf der Grundlage der von Vizepräsident AI Gore mit
der chinesischen Regierung geleisteten Arbeit suchen
Präsident Jiang und ich nach Wegen, wie wir mit
sauberen amerikanischen Energietechnologien die
Qualität der Luft verbessern und gleichzeitig die
chinesische Wirtschaft ankurbeln können.

In jedem der von mir genannten lebenswichtigen
Bereiche können wir offensichtlich so viel mehr
erreichen, wenn wir zusammen, statt jeder für sich
vorgehen. Aus diesem Grund sollten wir darauf
hinarbeiten, daß sich die produktiven Beziehungen,
deren wir uns heute erfreuen, in dem neuen Jahrhundert zu einer umfassenderen Partnerschaft
entwickeln.

Ich möchte es noch einmal wiederholen - dies steht
nicht in meinem Manuskript: Ihre Generation muß auf
diesem Gebiet mehr tun. Dies ist eine enorme Herausforderung für Sie, das amerikanische Volk und die
Zukunft der Welt. Und sie muß auf universitärer Ebene
angesprochen werden, weil die führenden Politiker nie
gewillt sein werden, umweltpolitische Maßnahmen zu
ergreifen, wenn sie der Ansicht sind, daß sie zu
Massenarbeitslosigkeit oder mehr Armut führen
werden. Es ist offensichtlich, daß das nicht der Fall
sein muß. Sie werden tatsächlich ein größeres
Wirtschaftswachstum und besser bezahlte Arbeitsplätze haben, die bei richtigem Vorgehen zu einem
höheren Bildungs- und Technologieniveau führen.
Aber Sie und die Universität, die Gemeinden in China,
den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
müssen die Führung übernehmen.

Wenn das geschieht, dann ist es äußerst wichtig, daß
wir einander besser verstehen - sowohl unsere
gemeinsamen Interessen als auch unser gemeinsames Streben und unsere offenen Differenzen.
Meiner Ansicht nach kann ein offener, direkter Gedankenaustausch der Art, wie Präsident Jiang und ich ihn
bei unserer Pressekonferenz am Samstag hatten - von
der ich weiß, daß viele von Ihnen sie im Fernsehen
gesehen haben - unsere Meinungsverschiedenheiten
gleichermaßen klären und abbauen. Noch wichtiger
ist, wenn man den Menschen gestattet zu verstehen,
zu debattieren und zu diskutieren, dann können diese
Dinge unseren Völkern ein größeres Gefühl des
Vertrauens vermitteln, daß wir eine bessere Zukunft
gestalten können.

Im 21. Jahrhundert muß sich Ihre Generation auch der
Herausforderung eines internationalen Finanzsystems
stellen, das keine nationalen Grenzen respektiert.
Wenn in Hongkong oder Jakarta die Aktienkurse fallen,
sind die Auswirkungen nicht länger örtlich begrenzt sie sind global. Das pulsierende Wachstum Ihrer
Volkswirtschaft ist aus diesem Grund eng mit der
Wiederherstellung von Stabilität und Wachstum in der
asiatisch-pazifischen Region verbunden.
China hat seine Verantwortung gegenüber der Region
und der Welt während dieser letzten Finanzkrise
entschlossen übernommen - und zur Vermeidung
eines weiteren Zyklus gefährlicher Abwertungen
beigetragen.
Wir müssen weiterhin zusammenarbeiten, um diese Bedrohung des globalen Finanz-

AMERIKA DIENST 14

Von den Fenstern des Weißen Hauses - wo ich in
Washington wohne - aus gesehen, beherrscht das
Monument unseres ersten Präsidenten George
Washington die Skyline. Es ist ein sehr hoher Obelisk.
Aber in unmittelbarer Nähe dieses großen Monuments
gibt es einen kleinen Stein mit folgender Inschrift: In
den Vereinigten Staaten gibt es weder Adels- oder
Königstitel noch ein Erbsystem. Die Angelegenheiten
des Staates werden durch öffentliche Abstimmung
entschieden.
Dadurch wurde eine neue politische Situation geschaffen, die vom Altertum bis zur Gegenwart ihresgleichen
sucht. Wie schön das ist. Diese Worte wurden nicht
von einem Amerikaner geschrieben. Sie wurden von
Xu Jiyu, dem Gouverneur der Provinz Fujian verfaßt
und unserer Nation 1853 von der chinesischen
Regierung als Geschenk überreicht.

Seite 3

�Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk aus China.
Es beschreibt zutreffend unsere Ideale als ein Volk das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück, Redefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf Ausübung der Religion ohne
Einmischung des Staates. Das sind die Ideale, die im
Zentrum unserer Gründung vor über 220 Jahren
standen. Das sind die Ideale, die uns bei unserem
Weg quer über unseren Kontinent und auf die Weltbühne leiteten. Das sind die Ideale, die Amerikaner
heute hochhalten.
Wie ich in der Pressekonferenz mit Präsident Jiang
gesagt habe, streben wir weiterhin danach, diesen
Idealen gerecht zu werden. Die Menschen, die unsere
Verfassung schrieben, wußten, daß wir niemals
Perfektion erreichen würden.
Sie erklärten, die
Aufgabe Amerikas sei stets, "eine perfektere Union zu
werden" - mit anderen Worten, wir würden niemals
perfekt sein, aber wir müßten weiterhin versuchen, es
besser zu machen.
Die dunkelsten Augenblicke unserer Geschichte
kamen, als wir den Versuch aufgaben, es besser zu
machen, als wir unseren Bürgern aufgrund ihrer Rasse
oder ihrer Religion, weil sie neue Einwanderer waren
oder eine unpopuläre Meinung vertraten, die Freiheit
verweigerten.
Die besten Augenblicke unserer
Geschichte kamen, als wir die Freiheit der Menschen
schützten, die eine unpopuläre Meinung vertraten,
oder die Rechte, deren viele sich erfreuten, auf die
wenigen ausdehnten, denen sie zuvor verweigert
worden waren und damit die Versprechen unserer
Unabhängigkeitserklärung und Verfassung zu mehr als
nur verblaßten Worten auf altem Pergament machten.
Wir möchten unsere Vision anderen heute nicht
aufzwingen, aber wir sind überzeugt, daß bestimmte
Rechte universell sind - und nicht amerikanische
Rechte oder europäische Rechte oder Rechte von
Industrienationen, sondern die Geburtsrechte von
Menschen überall auf der Welt, die jetzt in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankert sind - das Recht auf menschenwürdige Behandlung; das Recht, seine Meinung
zu äußern, seine Politiker zu wählen, sich frei mit
anderen zu versammeln und frei seine Religion
auszuüben oder nicht - wie immer man sich entscheidet.
Im letzten Brief seines Lebens schrieb der Verfasser
unserer Unabhängigkeitserklärung und unser dritter
Präsident, Thomas Jefferson, damals, "alle Augen
öffnen sich für die Rechte der Menschen". Ich bin der
Überzeugung, daß in dieser Zeit - endlich -172 Jahre
nachdem Jefferson diese Worte geschrieben hat, alle
Augen sich für die Rechte von Männern und Frauen
auf der ganzen Welt öffnen.

Seite 4

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat eine
zunehmende Woge der Freiheit das Leben von
Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessert
und gescheiterte Diktaturen in der ehemaligen Sowjetunion und in ganz Zentraleuropa hinweggefegt, den
Teufelskreis von Militärputschen und Bürgerkriegen in
Lateinamerika beendet und mehr Menschen in Afrika
eine Chance gegeben, das Beste aus ihrer schwer
erkämpften Unabhängigkeit zu machen. Und von den
Philippinen bis nach Südkorea, von Thailand bis zur
Mongolei hat die Freiheit die Küsten Asiens erreicht
und Wachstum und Produktivität Auftrieb verliehen.
Wirtschaftliche Sicherheit kann auch ein unerläßliches
Element der Freiheit sein. Ihr wird in der Konvention
der Vereinten Nationen zu wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Rechten Rechnung getragen. In China
haben Sie außerordentliche Fortschritte bei der Pflege
dieser Freiheit erzielt und die Freiheit von Not verbreitet, so daß sie eine Quelle der Stärke für Ihr Volk
ist. Die Einkommen sind gestiegen, die Armut wurde
bekämpft, die Menschen können zwischen mehr
Arbeitsplätzen wählen, und sie haben die Möglichkeit
zu reisen - die Möglichkeit zu einem besseren Leben.
Aber wahre Freiheit beinhaltet mehr als wirtschaftliche
Freiheit. In Amerika glauben wir, sie ist ein Konzept,
das unteilbar ist.
In den vergangenen vier Tagen habe ich in China
Freiheit in vielen Manifestationen gesehen. Ich habe
die Demokratie in den Dörfern Ihres Herzlands
knospen sehen. Ich habe ein Dorf besucht, das seine
Politiker in freien Wahlen gewählt hat. Ich habe auch
die Handys, die Videogeräte, die Faxmaschinen
gesehen, die Ideen, Informationen und Bilder aus der
ganzen Welt übermitteln. Ich habe Menschen gehört,
die ihre Meinung äußerten, und ich habe mit Menschen
meiner eigenen Glaubensrichtung gebetet. Bei all dem
spürte ich die stete Brise der Freiheit.
Die Frage lautet, wohin gehen wir? Wie arbeiten wir
zusammen, um gemeinsam auf der richtigen Seite der
Geschichte zu stehen? Vor über 50 Jahren sagte Hu
Shi, einer Ihrer großartigen politischen Denker und ein
Dozent an dieser Universität folgende Worte: "Es gibt
Menschen, die mir sagen, Du mußt Deine persönliche
Freiheit opfern, damit die Nation frei sein kann. Aber
ich antworte, der Kampf für persönliche Freiheit ist der
Kampf für die Freiheit unserer Nation. Der Kampf für
deinen eigenen Charakter ist der Kampf für den
Charakter der Nation."
Wir Amerikaner glauben, daß Hu Shi Recht hatte. Wir
glauben es, und unsere Erfahrung beweist, daß
Freiheit die Stabilität stärkt und Nationen bei Veränderungen hilft.
Einer unserer Gründerväter, Benjamin Franklin, sagte
einmal: "Unsere Kritiker sind unsere Freunde, denn sie
zeigen uns unsere Fehler." Nun, wenn das stimmt,

AMERIKA DIENST 14

�gibt es viele Tage in den Vereinigten Staaten, an
denen der Präsident mehr Freunde als sonst jemand in
Amerika hat.
In der Welt, in der wir leben, in diesem globalen
Informationszeitalter, sind konstante Verbesserungen
und Veränderungen für Wirtschaftschancen und
nationale Stärke erforderlich. Daher werden ein
möglichst freier Fluß von Informationen, Ideen und
Meinungen sowie größere Respektierung unterschiedlicher politischer und religiöser Überzeugungen
Stärke und Stabilität beim Weg nach vorne hervorbringen.
Es liegt daher zutiefst in Ihrem Interesse und dem der
Welt, daß junge Chinesen frei sind, um ihr Potential in
seiner ganzen Fülle auszuschöpfen. Das ist die
Botschaft unserer Zeit und das Mandat des neuen
Jahrhunderts und des neuen Jahrtausends.
Ich hoffe, China wird dieses Mandat besser annehmen. Denn trotz all der Größe Ihrer Geschichte bin ich
der Ansicht, daß Ihre größten Tage noch vor Ihnen
liegen. Trotz all der Unbilden des 20. Jahrhunderts hat
China nicht nur überlebt, sondern macht auch dramatische Fortschritte.

*

AMERIKA DIENST 14

Andere alte Kulturen scheiterten, weil sie sich dem
Wandel nicht stellten. China hat die Fähigkeit konstant
unter Beweis gestellt, sich zu ändern und zu wachsen.
Jetzt müssen Sie China für eine neues Jahrhundert
neu ersinnen, und Ihre Generation muß im Herzen der
Erneuerung Chinas stehen.
Das neue Jahrhundert steht vor uns. Alle Blicke sind
auf die Zukunft gerichtet. Ihr Land hat mehr Jahrtausende erlebt als die Vereinigten Staaten Jahrhunderte. Heute ist China jedoch so jung wie jede
andere Nation auf der Welt. Dieses neue Jahrhundert
kann die Geburt eines neuen Chinas sein, mit Stolz auf
Ihre frühere Größe, mit Stolz auf das, was Sie tun und
noch mehr Stolz auf das noch vor Ihnen Liegende. Es
kann eine Zeit sein, in der die Welt erneut auf China
blickt wegen seiner Kraft und seiner Kultur, der Frische
seines Denkens und der menschlichen Würde, die in
seinen Werken ersichtlich ist. Es kann eine Zeit sein,
in der die älteste aller Nationen zur Schaffung einer
neuen Welt beiträgt.
Die Vereinigten Staaten möchten mit Ihnen zusammenarbeiten, um diese Zeit Realität werden zu lassen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 5

�4. J U L I
15. Juli 1998

Amerika vor einem neuen Jahrhundert
grenzenloser Chancen
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft von Präsident Clinton zum Unabhängigkeitstag 1998.

Ich freue mich, den Unabhängigkeitstag gemeinsam
mit meinen amerikanischen Mitbürgern im ganzen
Land und auf der Welt feiern zu können.
Im Verlauf des Jahres haben wir immer wieder Gelegenheit, unserer verschiedenen ethnischen Wurzeln
zu gedenken und sie zu feiern. Aber am Unabhängigkeitstag freuen wir uns alle über unser gemeinsames
Erbe als Amerikaner sowie über die Werte und
Geschichte, die wir teilen.
Wir alle haben von der Weisheit der Gründerväter
unserer Nation profitiert, die einen Plan für die Demokratie ausarbeiteten, der uns seit mehr als 200 Jahren
gute Dienste leistet und die neuen unabhängigen
Nationen auf der ganzen Welt weiterhin inspiriert. Wir
alle sind Erben der Rechte, die in unserer Verfassung
niederlegt sind und von mutigen Männern und Frauen
jeder Generation erneut bekräftigt werden, die für
Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpfen. Wir
alle schulden auf ewig den Millionen von Amerikanern
in Uniform Dank, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt

*

AMERIKA DIENST 14

haben, um unsere Freiheit zu verteidigen und unsere
Werte in ganz Amerika und weltweit zu erhalten.
Aber wir Amerikaner sind nicht nur durch unsere
gemeinsame Vergangenheit verbunden, sondern auch
durch eine gemeinsame Zukunft. Wir genießen
Frieden und Wohlstand. Und wir haben die einzigartige Chance, uns auf die Herausforderungen des
kommenden Jahrhunderts vorzubereiten: Dafür zu
sorgen, daß Amerika frei und sicher bleibt, Gesundheitsfürsorge und Bildung zu verbessern, die Chancen
des Informationszeitalters in jede Wohnung und jedes
Klassenzimmer zu bringen und die Bande unserer
nationalen Gemeinschaft zu stärken, während wir in
rassischer und ethnischer Hinsicht noch vielfältiger
werden.
An diesem Unabhängigkeitstag feiern wir unsere
Rechte und Freiheiten und freuen uns auf ein neues
Jahrhundert grenzenloser Chancen. Hillary und ich
möchten Ihnen einen schönen 4. Juli wünschen.

* * *

*

Seite 1

�TECHNOLOGIE

15. Juli 1998

Das Jahr 2000-Problem
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Finanzminister
Lawrence Summers am 6. Juli 1998 bei einer Anhörung vor dem Sonderausschuß des Senats zum Jahr 2000Problem gehalten hat.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
das Finanzministerium möchte Ihnen für diese wichtige
Anhörung danken und unterstützt Ihre Bestrebungen
einer Überprüfung des Jahr 2000-Problems sowie
seiner Auswirkungen auf das internationale Bank- und
Finanzwesen. Wird das Jahr 2000-Problem nicht
behoben, wird es jeden Aspekt unseres Finanzsystems beeinflussen, einschließlich der Durchführung
von Finanzgeschäften und routinemäßiger Finanztransaktionen sowie der Geldausgabe an Bankautomaten.
Alle Finanzfirmen sehen sich potentiell einem Risiko
ausgesetzt. Sogar verantwortungsbewußt an der
Erneuerung ihrer Systeme arbeitende Unternehmen
können aufgrund der engen Verflechtung des Finanzsystems immer noch geschädigt werden: Der Bankrott
einer Gegenpartei, eines Anbieters oder Verkäufers
kann negative Auswirkungen auf eine ansonsten
solvente Firma haben. Wenn es häufig zu Bankrotten
kommt, können sie eine Bedrohung zentraler Märkte
wie der Devisenmärkte oder eines Clearinghaus
darstellen.
Die heutige Anhörung zu diesem Thema kommt zum
richtigen Zeitpunkt. In den vergangenen Monaten
konnte man hektische internationale Aktivitäten zur
Behebung des Jahr 2000-Problems beobachten. Vor
zwei Wochen wurde in Großbritannien ein Expertentreffen der Außenminister der G 8 veranstaltet, um das
Jahr 2000-Problem und grenzüberschreitende Probleme zu erörtern. Bei diesem Treffen gab jedes Land
einen kurzen Überblick über seine Bestrebungen und
legte eine Analyse der Fortschritte in anderen Ländern
vor. Andere internationale Foren, darunter die Welt-

AMERIKA DIENST 14

bank, die OECD und regionale Organisationen, leiten
ebenfalls bedeutende Programme in die Wege, um zur
Koordinierung der internationalen Aktivitäten auf
diesem Gebiet beizutragen.
Aufsicht in den Vereinigten Staaten
In den Vereinigten Staaten haben Finzanzaufsichtsbeamte Schritte unternommen, um die Firmen zur
Inangriffnahme des Jahr 2000-Problems zu ermutigen.
Die amerikanische Bundesbörsenaufsichtsbehörde
fordert jetzt von öffentlichen Unternehmen die Offenlegung der mit dem Jahreswechsel 2000 in Zusammenhang stehenden Probleme in ihren Unternehmensakten. Das kann den Investoren bei der Einschätzung
der Auswirkungen des Jahr 2000-Problems auf den
Marktwert einer Firma behilflich sein. Unter anderem
fordert die Börsenaufsichtsbehörde jetzt von einem
öffentlichen Unternehmen die Bekanntgabe der
Tatsache, daß es noch keine Beurteilung seiner
Probleme im Zusammenhang mit der Computerumstellung im Jahr 2000 vorgenommen hat. Darüber
hinaus muß ein öffentliches Unternehmen materielle
Jahr 2000-Probleme darlegen sowie die Art der
potentiellen Auswirkungen auf die Firma bekanntgeben, einschließlich ihrer generellen Pläne zur
Bewältigung des Problems. Diese Offenlegung, die
potentiell ein sehr stark auf Anreizen basierender
Ansatz ist, soll Druck des Marktes auf öffentliche
Unternehmen bewirken, die geeigneten Korrektivmaßnahmen zu ergreifen.
Entsprechend überprüfen amerikanische Bankaufsichtsbeamte jetzt routinemäßig Jahr 2000-Probleme,

Seite 1

�wenn sie von der Bundesregierung überwachte
Bankinstitutionen prüfen. Diese Überprüfungen sollen:
feststellen, ob die Organisation einen effektiven Plan für die Erarbeitung, Überarbeitung,
Erprobung und Umsetzung einer Lösung für
das Jahr 2000-Problem hat;
die Auswirkungen der Bestebungen zur
Lösung des Jahr 2000-Problems auf die
strategischen und betrieblichen Pläne der
Bank einschätzen;
feststellen, ob die Organisation die Computerumstellung auf das Jahr 2000 effektiv mit ihren
Kunden, Verkäufern und Partnern bei den
jeweiligen Zahlungssystemen koordiniert hat;
die Angemessenheit interner Kontrollen für
das Jahr 2000-Problem bewerten und
feststellen, ob weitere Korrektivmaßnahmen
erforderlich sein könnten.
Bedenken außerhalb der Vereinigten Staaten
In den Vereinigten Staaten und andernorts scheint die
Finanzdienstleistungsindustrie anderen wichtigen
Industriezweigen bei der Inangriffnahme des Jahr
2000-Problems voraus zu sein. Finanzfirmen arbeiten
hart an der Umstellung veralteter Systeme in so
großen Finanzzentren der Vereinigten Staaten wie
New York und Chicago sowie in anderen wichtigen
Zuständigkeitsbereichen wie London und Frankfurt.
Führende internationale Finanzfirmen haben bereits
interne Tests begonnen, und industrieweite Testprogramme sind für nächstes Jahr geplant.
Es ist jedoch sehr schwierig, die Effektivität der derzeit
in jedem Land durchgeführten Umstellungsprogramme
einzuschätzen. Jedes Land sieht sich bei der Suche
nach einer wirksamen Lösung des Problems mit
spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert. In Europa
beispielsweise müssen viele Länder in der Europäischen Union die Umstellung auf den Euro gleichzeitig
mit dem Jahr 2000-Problem bewältigen. Japan nimmt

größere Veränderungen in seinem Finanzsystem vor,
die auch seine Bestrebungen zur Bewältigung der
Computerumstellung im Jahr 2000 beeinflussen
könnten. Andere asiatische Länder müssen sich mit
unmittelbareren Bedrohungen ihrer Volkswirtschaften
befassen.
Außerhalb der wichtigsten Finanzzentren könnten die
durch das Jahr 2000 verursachten Probleme noch
größer sein. In diesen Ländern könnte es schwieriger
sein, die Kosten für die Einstellung von Programmierern zur Behebung des Problems zu finanzieren oder
überhaupt die Systeme auszumachen, die überhaupt
umgestellt werden müssen. Andererseits bedeutet die

Seite 2

Tatsache, daß viele Entwicklungsländer noch nicht in
dem Maße automatisiert sind wie die Vereinigten
Staaten, daß es nicht so viele Systeme gibt, die
zusammenbrechen können. Darüber hinaus wurden
die in diesen ärmeren Ländern verwendeten Systeme
vor nicht allzu langer Zeit gekauft und sind daher eher
für die Umstellung ausgerüstet als Computersysteme
in vielen Regionen der modernen Industrienationen.
Mögliche Schritte für andere Länder
Jedes Land wird seine eigene Lösung für das Jahr
2000-Problem auf der Grundlage seiner speziellen
Gegebenheiten, Ressourcen und Probleme einführen
müssen. Es gibt jedoch einige Prämissen, die Experten zufolge jedes Land bei der Computerumstellung
auf das Jahr 2000 berücksichtigen sollte. Insbesondere gibt es drei grundlegende Probleme - Inventur,
Umstellung und Erprobung.
Erstens vertreten Computerfachleute die Auffassung,
daß es für jedes Land hilfreich ist festzustellen, wie
stark es vom Jahr 2000-Problem betroffen ist. Dies
sollte eine Bestandsaufnahme aller Geräte beinhalten,
die eine Umstellung erfordern sowie eine Beurteilung,
welche Umstellungsmaßnahmen ergriffen werden
müssen. In den Vereinigten Staaten bestand das Ziel
in der Sicherstellung, daß alle diese Bestandsaufnahmen und Überprüfungen bis September abgeschlossen sein müssen, und Aufsichtsbeamte überwachen die Finanzinstitutionen, die diese Frist nicht
eingehalten haben.
Zweitens sind sich die Experten einig, daß jedes Land
der Bewertung eine Umstellungsphase folgen lassen
sollte, in der individuelle Softwareprogramme geändert
werden, damit ihre Anpassung an das Jahr 2000
gewährleistet ist. Entscheidend ist, daß die Unternehmen eine Prioritätenliste ihrer Bestrebungen aufstellen,
damit den entscheidenden Anwendungen größte
Aufmerksamkeit gewidmet wird, gefolgt von Softwareprogrammen, die im Falle eines technischen Versagens im Jahr 2000 begrenztere Auswirkungen auf die
Firmen haben. Die meisten Unternehmen in den
Vereinigten Staaten führen derzeit Umstellungsprogramme durch, die im Großen und Ganzen im
Dezember 1998 abgeschlossen sein sollten.
Drittens. Ebenso wichtig ist in den Augen praktisch
aller Fachleute die Erprobungsphase, die einzelne
Länder von Unternehmen in ihrem Zuständigkeitsbereich verlangen sollten. Die Bedeutung solcher
Erprobungsprogramme kann gar nicht hoch genug
eingeschätzt werden, da sogar geübte Programmierer
entscheidende Aufgaben übersehen können. Externe
Erprobungen sollten Erprobungen mit einzelnen sowie
mit mehreren Parteien beinhalten. In den Vereinigten
Staaten beginnen solche Erprobungen voraussichtlich
im Dezember 1998, aber externe Erprobungen setzen

AMERIKA DIENST 14

�die Zusammenarbeit mit Regierungen und Unternehmen anderer Länder voraus.
Die Arbeit in anderen internationalen Foren
Angesichts unserer Besorgnis über die von anderen
Nationen auf dem Gebiet des Jahr 2000-Problems
gemachten Fortschritte leitete das US-Finanzministerium umfassende Bestrebungen ein, das Profil dieser
Frage aufzuwerten und als Katalysator für Aktionen in
zahlreichen Ländern zu fungieren. Das Finanzministerium unterbreitete der G 7 im März 1998
Unterlagen über das Jahr 2000-Problem, in dem die
G 7-Staaten aufgefordert werden, in ihrem jeweiligen
Zuständigkeitsbereich umfassende Jahr 2000-Programme durchzuführen und anderen Ländern dabei
behilflich zu sein. Seitdem arbeiten wir mit anderen
Staaten zusammen um sicherzustellen, daß die Jahr
2000-Frage auf die Agenda des Gipfels in Birmingham
gesetzt wird. Die Schlußfolgerungen des Treffens der
Finanzminister der G 7 am 8. Mai beinhalten die
Aufforderung an internationale Regulierungsbehörden
(das heißt, den Baseler Ausschuß zur Bankenüberwachung, die internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden, den internationalen Verband für
Versicherungsaufsicht und den Ausschuß für Zahlungssysteme und -ausgleich), die Bestrebungen des
Privatsektors zu "kontrollieren" und "alles in ihrer
Macht Stehende zu tun, um eine Computerumstellung
zu ermutigen". Ich werde im folgenden noch darlegen,
daß diese Institutionen die Herausforderung des Jahr
2000-Problems angehen und die Bestrebungen von
Finanzinstitutionen in ihren entsprechenden Industriezweigen sorgfältig bewerten und überwachen, anstatt
nur "das Problembewußtsein zu schärfen".
Am 17. Mai kamen die Staats- und Regierungschefs
der G 8 zusammen, riefen die Länder zur Zusammenarbeit bei der Bewältigung des Jahr 2000-Problems auf
und forderten die internationalen Organisationen,
einschließlich der Weltbank und der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ausdrücklich zur Mithilfe bei der Lösung des
Problems auf.
Das Finanzministerium brachte das Jahr 2000-Problem auch in anderen internationalen Foren auf die
Tagesordnung. Ende Mai diskutierten die Finanzminister im Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) mit Vertretern des
Privatsektors über die Bedeutung der rechtzeitigen
Lösung des Jahr 2000-Problems in den Volkswirtschaften des APEC. Darüber hinaus forderten sie die
Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank auf,
anderen Ländern beim Umgang mit diesem Problem
zu helfen, und die nationalen Überwachungs- und
Regulierungsbehörden in der Region arbeiten gemeinsam mit den internationalen Regulierungsbehörden
Maßnahmen zur Lösung dieses Problems aus. Das
Jahr 2000-Problem fand auch Erwähnung in der

AMERIKA DIENST 14

gemeinsamen Erklärung der Finanzminister beim
gesamtamerikanischen Gipfel vergangenen Dezember
in Chile, und das Finanzministerium ermutigt weiterhin
diese regionale Gruppierung nord- und südamerikanischer Finanzministerien zur Zusammenarbeit mit
ihren Mitgliedstaaten bei der effektiven Lösung des
Problems.
Die Arbeit internationaler Regulierungsbehörden
Die internationalen Regulierungsbehörden haben
einen globalen Jahr 2000-Rat gegründet und ergreifen
Maßnahmen zur Koordinierung der finanziellen
Aspekte der Jahr 2000-Frage. Die Bestrebungen des
Jahr 2000-Rats begannen im April mit einer Konferenz
über das Jahr 2000-Problem in Basel unter Teilnahme
von führenden Politikern aus der ganzen Welt. Diese
Konferenz schärfte das Bewußtsein für die Problematik
der Computerumstellung im Jahr 2000.
Derzeit
bestimmten wir eine Verbindungsperson des Finanzministeriums für den Jahr 2000-Rat, der über dessen
Bestrebungen informiert wird und diese unterstützt, ein
aktives Programm zur Überwachung und Beurteilung
der Situation einzuleiten und angemessene korrigierende Schritte zu unternehmen, wenn offensichtlich ist, daß ein bestimmtes Land oder eine Gruppe
von Ländern mit dem Jahr 2000-Programm im Rückstand ist.
Andere Organisationen, insbesondere die OECD,
beteiligen sich an der Aufgabe, einige der wichtigsten
nichtfinanziellen Aspekte des Jahr 2000-Problems zu
koordinieren, beispielsweise Telekommunikation und
Stromversorgung, da Störungen der Telekommunikationsverbindungen oder Stromversorgung allgemeinen
wirtschaftlichen Schaden verursachen könnten.
Die Rolle der internationalen Finanzinstitutionen
und der multilateralen Entwicklungsbanken
Das Finanzministerium widmet der Rolle der Weltbank
und des Internationalen Währungsfonds sowie der
regionalen multilateralen Entwicklungsbanken, beispielsweise der Asiatischen Entwicklungsbank, der
Interamerikanischen Entwicklungsbank und der
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Jahr 2000-Frage besondere Aufmerksamkeit. Bei unseren Gesprächen mit diesen Institutionen waren wir im allgemeinen zufrieden, daß sie
angemessene Maßnahmen zur Beurteilung und
Umstellung ihrer internen Systeme ergreifen, und wir
begrüßen ihren diesbezüglichen Weitblick. Alle diese
Institutionen haben unter anderem Schritte zur Bewertung der für ihre Aufgabe unerläßlichen Systeme
unternommen, und sie haben gute Fortschritte bei
Umstellung oder Austausch der veralteten Systeme
gemacht, die nicht kompatibel sind.
Ferner ermutigen wir die internationalen Finanzinstitutionen, eine breite Palette von Maßnahmen zu

Seite 3

�prüfen, die sie zusammen mit den Ländern ergreifen
könnten, die ihre Kunden sind. Wir hoffen, daß bei
allen von diesen Organisationen finanzierten Projekten
und Programmen die Umstellung auf das Jahr 2000
reibungslos erfolgt. Am 15. Juni treffen die Leiter aller
internationalen Finanzinstitutionen zusammen, um
Meinungen und Erfahrungen im Hinblick auf potentielle
Computerprobleme im Jahr 2000 auszutauschen und
Wege zu sondieren, wie sie ihren Mitgliedstaaten
technische Hilfe gewähren können.
Schlußfolgerung
Es gibt kein Patentrezept für das Jahr 2000-Problem.
Wie viele andere Fragen erfordert das Jahr 2000Problem viel Sorgfalt, Planung und harte Arbeit, damit
die Länder verhindern können, daß entscheidende
Systeme ausfallen. Das Finanzministerium ist in
mehreren internationalen Foren tätig, um bei der
Suche nach geeigneten Lösungen zu helfen.
Auch wenn verschiedene internationale Institutionen
und das Finanzministerium bei den in mehreren
Ländern eingeleiteten Bestrebungen zur Lösung des
Problems der Umstellung auf das Jahr 2000 behilflich
sein können, muß letztlich jedes Land seine eigene Lö-

Seite 4

sung für das Problem finden und die Verantwortung für
Computerausfälle übernehmen. Wir benötigen eine
realistische Einstellung zu der Tatsache, daß das Jahr
2000-Problem etwas Neues ist und wir nicht alle
möglichen Komplikationen voraussehen können. Aus
diesem Grund können wir die Möglichkeit von Störungen des Finanzsystems und anderer Sektoren der
Wirtschaft sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
andernorts nicht völlig ausschließen. Das wichtigste
ist der richtige Umgang mit den Risiken, indem den
Systemen Priorität eingeräumt wird, deren Funktionieren unerläßlich ist, während für andere Bereiche
weniger Mittel aufgewendet werden, und indem
entsprechende Vorkehrungen für den Notfall getroffen
werden, um den Schaden möglicher Ausfälle gering zu
halten.
In den Vereinigten Staaten machen wir dabei gute
Fortschritte, und wir hoffen, daß andere Länder bei der
Umstellung und Erprobung ihrer Computersysteme im
Hinblick auf das Jahr 2000-Problem ähnlich gut
vorankommen. Diese Anhörung ist für diesen Prozeß
sehr nützlich, da sie das Bewußtsein schärfen und
sicherstellen kann, daß alle relevanten Einrichtungen
ihr Bestes zur Lösung des Problems beisteuern.

AMERIKA DIENST 14

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
15. Juli 1998

Internet ist "starker Wachstumsmotor"
Rede von Ira Magaziner

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Ira Magaziner, hochrangiger
politischer Berater Präsident Clintons, am 27. Mai 1998 bei einer Konferenz von führenden Vertretern der
Telekommunikationsindustrie in Brüssel gehalten hat.

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen wirtschaftlichen Zeitalter- ähnlich der Industriellen Revolution vor 200 Jahren. Während der Industriellen
Revolution waren wir Zeuge der Verbindung von zwei
großartigen technologischen Fortschritten: Der
Nutzung der Elektrizität sowie der Entwicklung zuerst
der Dampfmaschine und dann des Elektromotors.
Zusammen veränderten sie jeden Sektor der Volkswirtschaft.
Heute gibt es ebenfalls zwei großartige technologische
Innovationen: Die Fähigkeit, in Lichtgeschwindigkeit
anstatt mit Hilfe von Elektrizität zu kommunizieren und
die Fähigkeit, Informationen in Miniaturform blitzschnell
elektronisch zu verarbeiten. Wenn diese beiden
Innovationen im Internet zusammenkommen, wird das
Potential für eine Revolution von der Größenordnung
der Industriellen Revolution geschaffen.
In den Vereinigten Staaten sehen wir bereits die
Auswirkungen des Internet auf unsere Volkswirtschaft.
Während der letzten drei Jahre entfiel mehr als ein
Drittel des realen Wachstums der amerikanischen
Volkswirtschaft auf die Informationstechnologieindustrie. Dieser wirtschaftliche Aufschwung ist fast
ausschließlich auf den Ausbau des Internet in den
Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die Zahl der
Internet-Nutzer ist innerhalb von vier Jahren von
ungefähr vier Millionen auf 100 Millionen angestiegen.
Während dieses Zeitraums verzeichnete die amerikanische Volkswirtschaft ein gesundes Wachstum, das
hauptsächlich durch diese Entwicklung angekurbelt
wurde. Derzeit sind mehr als sieben Millionen Menschen in der Informationstechnologieindustrie beschäf-

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tigt. Die in dieser Branche gezahlten Löhne und
Gehälter belaufen sich im Durchschnitt auf 46.000
Dollar pro Jahr, während sie im Privatsektor bei nur
28.000 Dollar liegen. Wir haben eine signifikante
Schaffung von Arbeitsplätzen mit Löhnen und Gehältern gesehen, die beträchtlich höher - fast doppelt so
hoch - sind als die durchschnittliche Bezahlung in der
Industrie insgesamt. Wir verzeichnen gutes Wachstum
mit niedriger Inflationsrate. Die Inflationsrate in den
Vereinigten Staaten lag im vergangenen Jahr bei nur
2.1 Prozent. Nimmt man jedoch den Absatz der
Computerbranche aus, liegt unsere Inflationsrate bei
3.2 anstatt 2,1 Prozent. Somit ist die sinkende Inflationsrate zu mehr als einem Drittel auf den Preisabfall in der Computerbranche zurückzuführen.
Wir sind Zeugen einer Revolution, die unser Wirtschaftswachstum ankurbelt, und diese Revolution steht
noch am Anfang. Vor dem Hintergrund des exponentiellen Wachstums des Internet während der vergangenen vier Jahre sind wir überzeugt, daß im Jahr 2005
eine Milliarde Menschen Internetzugang haben
werden. Während der letzten vier Jahre hat das
Anwachsen des Internet auf 100 Millionen User einen
Großteil unseres Wirtschaftswachstums angekurbelt,
und die Bedeutung des Internet für unsere Volkswirtschaft nimmt jeden Tag zu.
Wir beobachten neben dem Ausbau der Informationstechnologieinfrastruktur auch den Beginn von elektronischem Handel (E-Commerce). Die von mir gerade
beschriebene treibende Kraft des Wirtschaftswachstums ist schlicht und einfach der Ausbau der Infrastruktur. Es gibt vier allgemeine Bestandteile von
E-Commerce.

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�Der erste und umfangreichste Bestandteil ist der
elektronische Handel zwischen einzelnen Unternehmen. Manche Unternehmen fangen an, ihren Einkauf,
ihre Lieferantenbeziehungen, Logistik, Lagerverwaltung, Kundenbeziehungen und ihren Transport ins
Internet zu bringen. Die Unternehmen, die begonnen
haben, das Internet auf diese Weise zu nutzen,
erkennen die enormen Produktivitätsverbesserungen
und Kostenersparnis, die gleichermaßen den Ausbau
des Netzes ankurbeln.
Der zweite Bestandteil von E-Commerce ist die digitale
Lieferung von Waren und Dienstleistungen. Er ist
noch wenig ausgebaut, wird letzten Endes aber das
umfangreichste Gebiet für elektronischen Handel
darstellen. Er beinhaltet tatsächlichen Verkauf und
Zustellung von Software, Musik, Videospielen, Bankund Versicherungsdienstleistungen, Berufsberatungsdiensten, Bildungsangeboten, medizinischer Diagnostik, Nachrichten und einer Vielzahl anderer Waren
und Dienstleistungen über das Internet.
Diese Art von elektronischem Handel wird von beiden
Seiten durch ein komplexes Spektrum digitaler Produkte angekurbelt. Einerseits führen Kinder das Einkaufen
im Internet zu Hause ein und kaufen Spiele und Musik,
die sie herunterladen. Andererseits werden in den
Vereinigten Staaten im kommenden Jahr sieben
Prozent aller Flugtickets über das Internet verkauft und
zugestellt - im Vergleich zu gar keinen vor zwei Jahren
- weil die Kosten weitaus geringer und die Ersparnisse
signifikant sind. Im nächsten Jahr werden etwa 10
Millionen Amerikaner ihre Bankgeschäfte über das
Internet abwickeln. Während die Einlösung eines
Schecks mehr als einen Dollar kostet, wenn der Kunde
zur Bank geht, den Scheck an der Kasse einreicht und
dann das Geld erhält, kostet es weniger als einen
Penny, diesen Scheck über das Internet einzulösen.
Das ist die treibende Kraft hinter den Einzelkundengeschäften der Banken. In ähnlicher Weise werden
mehr als eine Milliarde Versicherungspolicen über das
Internet verkauft und zugestellt.
Das dritte Gebiet ist die Veränderung beim Handel mit
realen Gütern, wenn der Verkauf im Internet getätigt
und das Produkt im traditionellen Sinne ausgeliefert
wird. Sie wissen wahrscheinlich alle, daß Amazon.Com in den Vereinigten Staaten und jetzt weltweit
Pionierarbeit beim Verkauf von Büchern leistet. Seine
Hauptkonkurrenten in den Vereinigten Staaten Barnes, Noble und Borders - gehen ebenfalls ins
Internet. Unseres Erachtens werden in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr etwa 20 Prozent
aller Bücher im Internet verkauft. Wir beobachten ein
ähnliches Wachstum beim Verkauf von Autos, Blumen,
Kleidung und einer Vielzahl anderer Produkte.
Unternehmen wie Autobytel, die Autos über das
Internet verkaufen, steigerten sich von einem Absatz
von 30 Millionen Dollar im ersten Jahr über 600
Millionen Dollar im zweiten Jahr auf 6 Milliarden Dollar

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im dritten Jahr. Amazon weist ähnliche Steigerungen
auf: Sein Absatz wuchs jedes Jahr um das acht- bis
zehnfache.
Das letzte Gebiet ist eine neue Art von Geschäftstätigkeit, die direktes Marketing und Werbung im Internet
beinhaltet und aufgrund der Effizienz bei der Nutzung
des Internet zu Marketingzwecken wächst. Wenn man
im Internet Gruppen mit Menschen gleicher Interessen
zusammenbringt, kann es für den Inserenten oder
Verkäufer sehr effizient sein, sich direkt an diese
Gruppe zu wenden.
Zusammengenommen verändern die tatsächlich am
Ausbau des Internet beteiligten Unternehmen, die
Informationstechnologieindustrie, der elektronische
Handel zwischen einzelnen Unternehmen, die digitale
Lieferung von Waren und Dienstleistungen sowie die
Einzeihandelsgeschäfte und Direktvermarkter jeden
Aspekt der Volkswirtschaft. Obwohl wir sie noch nicht
genau messen können, sind wir überzeugt, daß die
gesamte Produktivität unserer Wirtschaft, die derzeit
besser dasteht als von allen Ökonomen prognostiziert,
von diesen Investitionen und dem Beginn des elektronischen Handels angetrieben wird. Obwohl wir als
Administration gerne das Verdienst für die Gesundheit
der amerikanischen Volkswirtschaft in Anspruch
nehmen und auch überzeugt sind, daß wir dabei eine
Rolle spielen, sind wir sicher, daß die gute Wirtschaftslage in unserem Land auf das Wachstum dieses neuen
Wirtschaftsbereichs zurückzuführen ist. Und unseres
Erachtens haben die Volkswirtschaften auf der ganzen
Welt dasselbe Potential.
Damit der elektronische Handel prosperieren und sich
die Informationstechnologieindustrie wirklich mit voller
Kraft entwickeln kann, muß unser Eintritt in das neue
digitale Zeitalter von mehreren Prinzipien geleitet sein.
Die Strategie der US-Regierung setzt sich im Großen
und Ganzen aus fünf Prinzipien zusammen.
Das erste Prinzip lautet, daß der Privatsektor beim
Übergang in das neue elektronische Zeitalter die
Führung übernehmen muß. Wir sind nicht gegen die
Regierung - wir sind Demokraten, was in den Vereinigten Staaten bedeutet, daß unsere Partei mehr an
die Regierung glaubt als unser Gegner. Wir sind aber
überzeugt, daß die digitale Wirtschaft sich für die
Gangart einer Regierung zu schnell entwickelt und zu
viel Flexibilität erfordert. Regierungen sind von Natur
aus langsam und für dieses digitale Zeitalter zu
unflexibel. Selbst wenn kollektive Aktionen erforderlich
sind, ziehen wir privates kollektives Vorgehen oder
Selbstkontrolle der Industrie einer staatlichen Regulierung vor.
Das zweite Prinzip legt fest, daß es sich um ein
marktgestütztes System handeln sollte.
Hiermit
meinen wir etwas ganz Bestimmtes: Wie Sie wissen,
werden in den kommenden Jahren Fernsehen, Telefon

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�und Internet immer stärker ineinander übergehen. Das
Internet wird auf ihrem Fernsehschirm sein, Sie
können auf ihrem Computer Fernsehprogramme
empfangen und Telefongespräche von Ihrem Fernsehschirm und Ihrem Bildschirm anmelden. Die Übertragung in Ihre Wohnung kann per Satellit, über Funk,
Fernsehkabel oder Telefonleitung erfolgen. Aber es
wird alles ein und dasselbe Umfeld sein.
Es ist von Bedeutung, wie sich dieses neue, immer
stärker ineinander übergehende Umfeld entwickelt.
Traditionell haben wir in allen Ländern Telefondienste
und Fernsehübertragungen reguliert. Daher hielten
viele Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten,
das Internet anfangs für eine regulierte Industrie und
eine Ausweitung unserer Telekommunikationspolitik.

senden Richtlinien oder allgemeingültigen Gesetze für
eine Regulierung erlassen werden sollten, sondern
alles auf der Annahme basieren sollte, daß es keine
entsprechenden Gesetze gibt und wir nur auf sehr
spezifische Weise Gesetze erlassen oder regulieren,
wenn allen klar ist, daß das erforderlich ist.
Maßnahmen der Regierung sollten präzise, auf ein
Minimum beschränkt sein und nur im Notfall erfolgen.
Das basiert auf einer veränderten Einstellung, die
besagt, daß wir keine Gesetze und keine Regulierung
haben. Das ist freie Marktwirtschaft. Es wird jedoch
Fälle geben, wo Regulierung erforderlich ist. Dann
gehen wir sehr präzise vor, anstatt davon auszugehen,
daß wir umfassende Gesetzesbestimmungen oder
Regulierungen benötigen. Wir versuchen zu entscheiden, was erforderlich ist.

Es gibt jedoch ein anderes Modell, das unseres
Erachtens besser funktioniert. Es besagt, daß ein
privater Käufer und ein privater Verkäufer ohne
staatliche Einmischung zusammenkommen
und
Geschäfte tätigen dürfen sollten - zu den Bedingungen,
die sie wünschen. Die Rolle der Regierung in diesem
Umfeld besteht nicht in Regulierungstätigkeit, sondern
vielmehr darin, die Bedingungen für Vertragsabschlüsse und einen einheitlichen Handelskodex für Verträge
zu schaffen. Wenn Käufer und Verkäufer es wünschen, können sie einen rechtsgültigen Vertrag
abschließen. Sie sind aber nicht dazu gezwungen.

Das vierte Prinzip ist am schwierigsten zu verstehen.
Es ist aber entscheidend, da es den derzeitigen
Wandel verkörpert: Unsere Maßnahmen müssen
allesamt die Natur dieses neuen Mediums respektieren. Beispielsweise verändert sich die Technologie
sehr schnell mit dem Internet, und aus diesem Grund
ist jede auf eine spezifische Technologie zeitlich
ausgerichtete Politik vor ihrer Umsetzung sinnlos, da
sich die Technologie so schnell verändert. Unsere
Politik muß technologieneutral sein.

Die Geschichte des freien Unternehmertums lehrt uns,
daß Käufer und Verkäufer in den meisten Fällen einen
Vertrag über ihre Transaktionen abschließen möchten.
Aber die neue Rolle der Regierung ist keine Regulierungstätigkeit. Wir sind der Ansicht, daß in diesem
neuen Umfeld der Markt vertragsorientiert anstatt
reguliert sein sollte. Aus diesem Grund ist eine
komplette Deregulierung von Telefongesellschaften
und Fernsehanstalten erforderlich, und das Internet
darf nicht reguliert werden.

In ähnlicher Weise - und das ist der schwierigste Punkt
- ist das Internet von Natur aus ein dezentralisiertes
Medium, was bedeutet, daß jeder Versuch einer
zentralen Kontrolle sinnlos ist. Solche Versuche sind
zum Scheitern verurteilt. Selbst wenn es wünschenswert wäre, das Internet beispielsweise einer staatlichen Zensur zu unterwerfen, ist das unmöglich. Das
Leben ist zu kurz, um zuviel Zeit mit unmöglichen
Dingen zu verbringen. Statt dessen müssen wir zur
Bewältigung dieser gesellschaftlichen Probleme nach
Wegen suchen, die die dezentralisierte Natur des
Mediums respektieren.

Ihre anfänglichen Diskussionen ähneln stark den
Diskussionen, die wir in den Vereinigten Staaten
geführt haben. Wir sind aber überzeugt, daß am Ende
dieser Diskussionen die Regulierungsbehörden im
wesentlichen die Kontrolle über das Medium abgeben
müssen. Man kann öffentliches Fernsehen haben,
man kann Inhalte für Kinder öffentlich fördern, man
kann öffentliche Interessen haben - aber das ist etwas
ganz anderes als eine Regulierung. Unseres Erachtens muß dieses Umfeld marktorientiert und
wettbewerbsfähig sein.
Das dritte Prinzip lautet folgendermaßen: Immer dann,
wenn staatliches Vorgehen erforderlich ist - und das
wird auf Gebieten wie Besteuerung, Schutz geistigen
Eigentums oder Einführung eines einheitlichen Handelskodex der Fall sein - sollten die Maßnahmen der
Regierung auf ein Minimum beschränkt, präzise und
transparent sein. Damit meinen wir, daß keine umfas-

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Das Internet ist der erste Weltmarkt, der global entsteht. Aus diesem Grund können wir nicht die traditionelle Art und Weise wiederholen, wie Industriezweige
innerhalb eines Landes wachsen und die Länder
anschließend deren Zusammenarbeit aushandeln.
Das Internet muß von Anfang an ein ineinander
übergehender globaler Marktplatz sein. Aus diesem
Grund benötigen wir internationale Abkommen über
seine Funktionsweise. Unseres Erachtens sollten
diese Abkommen zwischen Regierungen geschlossen
werden, um ein kalkulierbares rechtliches Umfeld für
die Industrie zu schaffen und dieser zuzusichern, daß
die Regierung in bestimmte Bereiche nicht eingreift.
Der von mir gerade beschriebene Rahmen und die
Prinzipien werfen eine Reihe von Themen auf. Wir
befassen uns mit zwölf verschiedenen Themen, um die
Art von Übereinkunft zu schaffen, die unserer Ansicht

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�nach notwendig ist, damit der elektronische Handel
prosperieren kann. Ich möchte einige erwähnen.
Erstens sind wir der Meinung, daß keine Zölle auf
elektronische Übermittlung erhoben werden sollten.
Es gelang uns, die Welthandelsorganisation zu
überzeugen, diesem Prinzip mindestens für ein Jahr
zuzustimmen. Wir hatten uns jedoch mehr erhofft. Wir
hatten gehofft, daß es hierüber ein ständiges Übereinkommen geben würde.
Wir benötigen einen nahtlos ineinander übergehenden
Markt. Wir verbrachten 50 Jahre mit dem Versuch der
Abschaffung von Zöllen in der realen Welt; wir sollten
sie jetzt nicht in dieser neuen Welt einführen. Im
Hinblick auf die Besteuerung sollte es unserer Meinung nach keine das Internet diskriminierenden
Steuern geben - keine Steuern auf Bits oder Internettelefonie, keine Besteuerung des Internetzugangs. Wir
würden durch die Erhebung von Steuern unseren
potentiellen Wohlstand aufs Spiel setzen. Wir sind der
Auffassung, daß bestehende Steuern auf der Grundlage von Gegenseitigkeit und Einfachheit erhoben
werden sollten; wenn man in einem Geschäft etwas
kauft, auf das Steuern erhoben werden, sollte dieses
Produkt im Internet ebenso hoch besteuert werden.
Aber wie korrigiert man diese Steuer, damit sie
unkompliziert ist und automatisch erhoben wird? Wir
haben einige Ideen, die zu erläutern heute Morgen zu
lange dauern würde, aber meines Erachtens kann man
Ansätze dazu entwickeln, mit denen die Prinzipien der
Steuerneutralität gewahrt werden. Wichtig sind jetzt
jedoch vor allem keine Zollabgaben und keine diskriminierende Besteuerung.
Im Hinblick auf Themen wie elektronische Zahlungssysteme und technische Standards ist es unserer
Ansicht nach von Bedeutung, daß der Markt - nicht die
Regierungen - die Bedingungen festlegt. Einerseits
könnte es einen gewissen Anreiz haben zu sagen, die
Regierungen müßten sich zusammensetzen und
Standards vereinbaren, weil das die Interoperabilität
verbessert. Aber das ist falsch argumentiert. Es ist
falsch, weil die Regierungen sich unweigerlich für die
falschen Standards entscheiden. Und selbst wenn sie
sich für die richtigen entscheiden würden, würde das
Tempo des Marktes diese Standards rasch veralten
lassen. Es ist viel besser, dem Markt die Festsetzung
der Standards zu gestatten und den Markt die elektronischen Zahlungssysteme entwickeln zu lassen.
Wir sollten alle nichttarifären Hemmnisse abbauen, die
heute für elektronischen Handel bestehen. Es gibt
immer noch zu viele Länder auf der Welt, in denen ein
Internetanbieter, der auf den Markt kommen möchte,
sich erst einmal an das Telekommunikationsunternehmen des Onkels des Ministerpräsidenten wenden
muß, um diesen Marktzugang zu erhalten. Unseres
Erachtens sollte es einen nahtlos ineinander überge-

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henden globalen Markt geben, der zum Nutzen aller
funktioniert. Es sollte keine nichttarifären Handelshemmnisse geben.
Unserer Meinung nach ist der Schutz von geistigem
Eigentum wichtig, denn sehr vieles, das im Internet
verkauft werden wird, ist geistiges Eigentum. Wir
befürworten die Ratifizierung der von der weltweiten
Organisation für den Schutz von geistigem Eigentum
(WIPO) ausgehandelten Verträge über Urheberrecht,
und wir sind jetzt dabei, die technische Verwaltung des
Internet zu privatisieren, um den Schutz von Warenzeichen zu ermöglichen. Aus historischen Gründen und
weil das Internet als ein Forschungsprojekt der USRegierung gewachsen ist, hat die US-Regierung
immer noch die Verantwortung für einige Bereiche der
technischen Verwaltung des Domain-Namens und des
Root-Server-Systems des Internet.
Wir haben die Absicht, diese Funktionen zu privatisieren und die US-Regierung vollständig von der
technischen Verwaltung zu entbinden. Es ist auch
unsere Absicht, im Zuge ihrer Privatisierung eine
Struktur mit einem internationalen Direktorengremium
zu schaffen, weil das Internet jetzt ein internationales
Medium ist, nicht nur ein amerikanisches. Daher sind
wir der Ansicht, daß es eine internationale Organisation mit treuhänderischen Verwahrern geben sollte.
Sie sollte als private gemeinnützige Organisation
konzipiert sein, die diese technischen Verwaltungsfunktionen übernimmt. Wir sind jetzt dabei, ein solches
System in die Praxis umzusetzen.
Ich möchte mich auf zwei weitere Themen konzentrieren. Eines betrifft den Inhalt, weil ich weiß, daß das
in Belgien ein wichtiges Thema war. Ebenso wie Sie
sind wir besorgt, daß Kinder Zugang zu Inhalten
haben, die ihre Eltern als anstößig erachten und
denken, daß die Eltern die Möglichkeit zur Sichtung
der Inhalte haben sollten, die ihre Kinder sehen. Wir
denken jedoch nicht, daß die Regierung diese Inhalte
zensieren sollte, denn selbst wenn das wünschenswert
wäre, ist es im Internet nicht möglich.
Stattdessen befürworten wir den Einsatz der vom
Privatsektor entwickelten Filtersysteme, mit denen die
Eltern von zu Hause aus die Inhalte sichten können,
die sie nicht auf dem Bildschirm haben möchten. Aus
unserer Sicht ist es wichtig, den Menschen die Macht
zu geben, sich selbst zu schützen, statt daß die
Regierung es für sie tut. Staatliche Zensur wird das
Internet lähmen und ihr Ziel sowieso nicht erreichen.
Bei einem weiteren Thema, das sowohl für Belgien als
auch für unser Land sehr wichtig ist, vertreten wir die
Auffassung, daß jeder seine eigene Privatsphäre im
Internet schützen können und Kontrolle über seine
persönlichen Daten haben sollte. Eine Übersicht nach
der anderen belegt, daß die größten Vorbehalte, die
gegen Geschäfte im Internet vorgebracht werden, die

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�Angst vor dem Verlust der Privatsphäre ist. Ebenso
wie in Europa ist man in den Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß der Schutz der Privatsphäre ein äußerst
wichtiges Recht des Menschen ist.

beschwert, der denkt, ein Unternehmen habe das
Siegel angebracht, befolge aber die Regeln des
Verhaltenskodex nicht, weiß er, an wen er sich
wenden muß.

Wir sind uns mit der Europäischen Union und anderen
einig, worum es beim Schutz der Privatsphäre geht.
Das heißt, ein Verkäufer sollte einen Käufer darüber in
Kenntnis setzen, was mit den gesammelten Informationen geschieht. Und der Käufer sollte die Möglichkeit
haben zu sagen: "Nein, ich stimme dem nicht zu, ich
möchte nicht, daß Sie diese Informationen einholen,
ich gebe Ihnen nicht die Erlaubnis, das zu tun", so daß
Verbraucher die Verwendung ihrer Informationen
kontrollieren.

Wenn das geschieht, können Industrie und Regierung
zu dem Verbraucher gehen und sagen: "Das Internet
ist ein Freiraum. Sie können gehen, wohin Sie möchten. Aber seien Sie vorsichtig. Wenn Sie auf eine
Seite gehen, die dieses Siegel nicht hat, könnte Ihre
Privatsphäre nicht geschützt sein." Einigen Verbrauchern macht das etwas aus, anderen nicht - aber
Sie haben eine Sicherheitszone geschaffen. Sie
haben die Informationen für die Verbraucher bereitgestellt, wie sie sich selbst schützen, und das geschieht über den Privatsektor und nicht über die
Bürokratie.

Tatsächlich einigen sich der Verkäufer und der Käufer
darüber, was mit den Informationen geschieht beinahe wie bei einem Vertrag. Wir hatten einige
Meinungsverschiedenheiten über die Umsetzung
dieser Schutzmaßnahmen. Wir sind der Ansicht, daß
der Versuch einer Umsetzung über staatliche Gesetzgebung oder Regulierung möglicherweise sehr
bürokratisch und im Hinblick auf elektronischen Handel
im Internet unsicher sein könnte.
Wir glauben auch nicht, daß es gut funktioniert. Jede
Woche werden auf der ganzen Welt Zehntausende
von Webseiten eingerichtet, und sie alle können in
Belgien gelesen werden. Es ist unmöglich, daß
irgendeine staatliche Behörde alle diese Webseiten
überwacht. Wenn man also ein Gesetz erläßt und
sagt, wir schützen Eure Privatsphäre, führt man die
Mitbürger in die Irre, weil man nicht in der Lage ist, es
durchzusetzen.
Stattdessen sind wir dafür, daß die Industrie Verhaltenskodizes erarbeitet, die auf OECD-Prinzipien sowie
auf den von mir beschriebenen Prinzipien der Benachrichtigung und Zustimmung basieren. Der Verhaltenskodex wird jedoch mit einem Siegel versehen, das
man auf den mit ihm in Einklang stehenden Webseiten
anbringt.
Der Verhaltenskodex besagt, ich muß
meinen Kunden benachrichtigen, ich benötige seine
Erlaubnis zur Verwendung von Daten, und die Benachrichtigung muß mit Buchstaben einer bestimmten
Größe erfolgen. Aber es ist ein von der Industrie
entwickelter Kodex, und wenn eine Webseite oder ein
Unternehmen der für die Durchsetzung des Verhaltenskodex zuständigen Organisation beitritt und den
Kodex befolgt, können sie das Siegel anbringen.
Diese Organisation überprüft dann, ob das Anbringen
des Siegels gerechtfertigt ist. Sie kann Collegestudenten anheuern, um im Web nach all den Seiten zu
suchen, die das Siegel haben und sicherzustellen, daß
die Unternehmen den Verhaltenskodex einhalten. Sie
führt von Zeit zu Zeit Anhörungen durch um zu gewährleisten, daß sie die Beschwerden der Verbraucher
entgegennehmen kann. Wenn sich ein Verbraucher

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Das wird auch einen Marktanreiz für Unternehmen
schaffen, die einer dieser Siegel-Organisationen
beitreten möchten, weil es eine Reihe von Verbrauchern geben wird, die nicht auf eine Seite gehen, die
das Siegel nicht hat. Wenn Sie also Ihren Markt nicht
einschränken möchten, werden Sie versuchen, das
Siegel anzubringen. Sie schaffen einen Marktanreiz
für Unternehmen, Maßnahmen zum Schutz der
Privatsphäre zu befolgen, Sie stellen Informationen für
Verbraucher zur Verfügung, und Sie schaffen Sicherheitszonen im Internet für Verbraucher und tun
dies in einer dezentralisierten Weise, die effektiver sein
wird.
Das kann von der Regierung über Bestimmungen
bezüglich Betrug unterstützt werden. Beispielsweise
kann jemand strafrechtlich verfolgt werden, wenn er in
betrügerischer Absicht das Siegel anbringt. Aber der
erste Schritt der Entwicklung und Umsetzung wird vom
Privatsektor unternommen, und wir glauben, daß er in
diesem digitalen Zeitalter weniger bürokratisch und
effektiver sein wird.
Es gibt eine Reihe anderer Themen, auf die ich heute
nicht eingehen möchte. Sie haben mit Sicherheit zu
tun und mit der Gewährleistung, daß eine angemessene Bandbreite zur Verfügung steht.
Das Phänomen, das wir jetzt beobachten, wenn wir die
richtigen Bedingungen schaffen, wird unsere Wirtschaft und die Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten ankurbeln. Es ist ein starker Wachstumsmotor. Aus diesem Grund haben wir die Verantwortung, die richtigen Bedingungen zu schaffen, die
das Entstehen dieser neuen Wirtschaftswelt wirklich
ermöglichen.
In den Vereinigten Staaten hatten wir Glück, weil sich
bestimmte Dinge einander angenähert haben. Zum
Beispiel haben wir einen meines Wissens in Europa
nicht so verbreiteten Risikokapitalmarkt, der das
Wachstum unseres elektronischen Handels und

Seite 5

�unserer E-Technologieindustrien gefördert hat. Jede
Woche werden buchstäblich Tausende und Abertausende mit Risikokapital finanzierte Unternehmen
gegründet.
Wir haben ein generelles Finanzsystem auf dem
Aktienmarkt, das künftigen Einnahmen hohen Wert
beimißt. Das gestattet auf den Markt kommenden
Unternehmen zu investieren, um einen Marktanteil zu
schaffen und im ersten Jahr keine Gewinne machen zu
müssen.
In den Vereinigten Staaten kann unser Finanzsystem
das leisten. Deswegen ist dieses Finanzsystem von
entscheidender Bedeutung, und wir schätzen uns
glücklich, es zu haben.
Wir haben auch eine gute Forschungs- und Entwicklungsbasis in unseren Universitäten, die zum Teil von
unserer Regierung finanziert wurde und zur Schaffung
der Voraussetzungen für das Internet beigetragen hat.
Wir haben uns nicht eingemischt. Wir haben nicht
versucht, sie zu früh zu regulieren, und das war
meines Erachtens sehr wichtig.
In den Vereinigten Staaten gibt es eine gravierende
Unzulänglichkeit, die wir ansprechen müssen, aber
dennoch nicht richtig ansprechen. Unsere Bildungsund Ausbildungssysteme sind der Aufgabe dieses
neuen Informationsmarkts nicht gewachsen. Wegen
des Internet werden Millionen von Arbeitsplätzen
geschaffen, und wegen des Internet gehen Millionen
von Arbeitsplätzen verloren. Die gute Nachricht ist: Es
werden mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut,
weil wir reales Wachstum haben. Eine weitere gute
Nachricht ist, daß diese Arbeitsplätze besser bezahlt
werden als die abgebauten. Der Abbau von Arbeitsplätzen wird im Einzelhandel und bei Vermittlertätigkeiten erfolgen wie Versicherungen, Reisebüros und
so weiter. Die Schaffung von Arbeitsplätzen wird in
den besser bezahlten Informationstechnologien
erfolgen.
Die schlechte Nachricht für alle Volkswirtschaften inklusive unserer eigenen - wird sein, daß unsere
Bürger nicht gut genug ausgebildet sind und wir nicht
genügend Umschulungskapazitäten haben, damit sie
diese Arbeitsplätze übernehmen können. Ich muß
zugeben, daß wir in den Vereinigten Staaten auf
diesem Gebiet noch nicht da sind, wo wir sein sollten.

*

Seite 6

Abschließend möchte ich noch sagen, als der Präsident mich gebeten hat, diese Aufgabe zu übernehmen, habe ich als erstes einiges über die Industrielle
Revolution gelesen. Es war sehr interessant, denn
während der Industriellen Revolution fanden grundlegende Veränderungen in den wirtschaftlichen, rechtlichen und kommerziellen Paradigmen statt. Einige
Nationen waren diesen Veränderungen gegenüber
aufgeschlossen und haben im Hinblick auf wirtschaftliche, kommerzielle und rechtliche Fragen rasch
umgedacht. Andere Nationen taten das nicht. Sie
versuchten, an den alten Zeiten festzuhalten. Sie
hatten Angst vor Veränderungen. Sie können sich die
Korrelationen betrachten - sie stimmen 100 Prozent.
Die Länder, die sich veränderten, hatten im Industriezeitalter Erfolg. Die sich nicht veränderten, hinkten
hinterher.
Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Periode. Bei
unseren Vorbereitungen auf die Gespräche mit
anderen Ländern auf der ganzen Welt haben wir diese
Diskussionen nicht wie Handelsgespräche behandelt,
bei denen wir versuchen, andere Nationen zu zwingen,
dies oder das zu tun, und sie versuchen, uns zu
zwingen, etwas zu tun. Wir halten das für altmodisch.
Es ist nicht neumodisch. Es werden eine Milliarde
Menschen im Internet sein. Wenn ein Land versucht,
das Internet zu drastisch zu regulieren, es zu drastisch
zu besteuern oder es zu zensieren, werden die
Einwohner dieses Landes nicht im Internet sein. Das
wird nicht das Problem der Welt sein, sondern das
Problem dieses Landes.
Deswegen sind wir nicht daran interessiert, irgend
jemanden zu irgend etwas zu zwingen. Wir sind an
Zusammenarbeit als gleichberechtigte Partner interessiert, um zur Schaffung der Architektur für diese
neue Zukunft beizutragen. Denn obwohl wir dies alles
jahrelang studiert haben, verstehen wir nicht, in welche
Richtung das alles geht. Keiner tut das. Jeder, der
sich hinstellt und behauptet zu wissen, wie das alles in
fünf Jahren aussieht, stellt eine falsche Behauptung
auf.
Deswegen möchten wir mit anderen zusammenarbeiten, die an dieser Zukunft interessiert sind, um
eine gemeinsame Architektur zu schaffen, die uns
allen von Nutzen ist.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-China&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Persönliche Freiheit ist Mandat des neuen Jahrtausends&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton vor der Pekinger Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. 4.Juli&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika vor einem Jahrhundert grenzenloser Chancen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Technologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr 2000-Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Elektronischer Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internet ist "starker Wachstumsmotor"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Ira Magaziner&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Aus der kernphysikalischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomforschungszentrum Argonne National Laboratory&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gesundheitswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesundheitsfürsorge im amerikanischen Pazifik-Treuhandgebiet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die einheimischen Hilfsärzte haben sich ausgezeichnet bewährt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten zehn Jahre der Weltgesundheitsorganisation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jazz-Impressionen aus Europa und Asien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dave Brubeck kündigt Schallplattenalbum mit musikalischen Reminiszenen seiner Tournee an&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Eisenhowers vor der UN-Vollversammlung vom 13.08.1958&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen Memorandum über Chinapolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des am 11. August 1958 vom US-Außenministerium herausgegebenen Memorandums&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer

15. August 1973

31

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:

Eine einflußreiche Stimme im amerikanischen Kongreß
-Interview mit Senator Jacob Javits aus New YorkDas neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz
-Gesicherte Ertrags-und EinkommensteigerungVon John J. Harter

INFORMATION:
"Moderne Krankenhausausrüstungen"
-Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt-

WIRTSCHAFT:
Rückgang der Ernteerwartungen in USA läßt an Exportkontrollen denken
-Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

31/1973

EINE EINFLUSSREICHE STIMME IM AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Interview mit Senator Jacob J a v i t s

a u s New York -

Der r e p u b l i k a n i s c h e S e n a t o r J a c o b J a v i t s
a u s New York g e h ö r t z u d e n e i n f l u ß r e i c h s t e n
P e r s ö n l i c h k e i t e n im a m e r i k a n i s c h e n Kongreß
und i s t M i t g l i e d d e s w i c h t i g e n A u ß e n p o l i t i s c h e n Ausschusses des Senats. J a v i t s
s t u d i e r t e J u r a , w a r im z w e i t e n W e l t k r i e g
S o l d a t a u f dem e u r o p ä i s c h e n u n d dem p a z i f i s c h e n K r i e g s s c h a u p l a t z , w a r dann Gen e r a l s t a a t s a n w a l t d e s S t a a t e s New Y o r k ,
den e r a c h t J a h r e l a n g im R e p r ä s e n t a n t e n h a u s u n d dann a b 1956 a l s S e n a t o r v e r t r a t .
E r w i r d zum l i b e r a l e n F l ü g e l s e i n e r P a r t e i
g e r e c h n e t u n d h a t i n dem f o l g e n d e n I n t e r v i e w
m i t u n s e r e m I P S - K o r r e s p o n d e n t e n B a r r y Brown
s e i n e Auffassungen zu wichtigen w e l t p o l i t i s c h e n Fragen d a r g e l e g t .

Die "War Powers B i l l "

Frage: Senator J a v i t s ,

v i e l l e i c h t dürfen w i r u n s e r Gespräch m i t einem

Thema b e g i n n e n , m i t dem S i e , w i e i c h w e i ß , e n g v e r t r a u t s i n d , ü b e r d a s a l l e r d i n g s i n u n s e r e m Lande i n l e t z t e r Z e i t mehr a l s e i n e i n n e n p o l i t i s c h e F r a g e g e sprochen wird,

u n d zwar im Zusammenhang m i t dem K r ä f t e v e r h ä l t n i s

und d e r E x e k u t i v e im a m e r i k a n i s c h e n R e g i e r u n g s s y s t e m .

der Legislative

I c h meine d i e s o g e n a n n t e

"War Powers B i l l " . Wie s o l l t e man d a s n a c h I h r e r A u f f a s s u n g im A u s l a n d v e r -

-

1-

�verstehen? (Dem amerikanischen Kongreß liegen zwei Gesetzesentwürfe vor, die
sich ausdrücklich mit dem verfassungsmäßigen Recht des Präsidenten als "Oberster
Befehlshaber der Streitkräfte", und dem Recht des Kongresses "Armeen aufzustellen" und "Krieg zu erklären", befassen und eine eindeutige juristische
Klärung und Abgrenzung dieser Rechte, der "War Power", versuchen. Eine dieser
Vorlagen, nämlich die im Senat, wurde von Senator Javits - zum ersten Mal am
15. Juni 1970 - zusammen mit 60 anderen Senatoren eingebracht. Keine dieser
beiden Vorlagen ist bisher endgültig verabschiedet worden.)

Antwort: Ich meine, das sollte als eine Bekräftigung der amerikanischen
Verpflichtung angesehen werden, wenn eine solche Verpflichtung tatsächlich
eingegangen worden ist - es sollte keineswegs als ein Mittel betrachtet werden,
die amerikanische Position zu schwächen. Was wir in der "War Powers Bill" sagen,
ist, daß der Präsident zur Erfüllung einer Verpflichtung der Vereinigten Staaten
nur mit Zustimmung des Kongresses in den Krieg ziehen darf. Das bedeutet nämlich
nichts anderes, - wenn es erst einmal geschehen ist - als daß das ganze Land
engagiert ist. Wenn der Präsident aus seiner eigenen Vollmacht heraus in den
Krieg zieht - wie er dies in Vietnam sehr stark getan hat - dann ist das Ergebnis

Spaltung, eine Tendenz zur Zurückhaltung, die Unfähigkeit zu einer Ge-

samtanstrengung - alles Schwächen, die unsere Führung des Vietnam-Krieges gekennzeichnet haben. Vom Standpunkt anderer Nationen aus gesehen wären diese
also besser daran - viel besser daran - wenn die Vereinigten Staaten unter dem
"War Powers Act" operierten. Sie, die anderen, wüßten, daß wir, wenn wir einmal
in den Krieg ziehen, um eine nationale Verpflichtung einzulösen, ohne Einschränkung bis zum Ende gehen würden, weil die effektive politische Führung des amerikanischen Volkes geschlossen hinter einem solchen Kurs stehen würde.

Frage: Sie würden also die von Ihnen vorgeschlagene Gesetzgebung in keiner
Weise als einen Ausdruck des Neoisolationismus betrachten?

Antwort: Im Gegenteil, sie versucht die Vereinigten Staaten in die Lage
zu versetzen, das Übel anzupacken - unseren Verantwortlichkeiten in der Welt
als Nation total nachzukommen. Man kann eine solche Politik nicht dadurch verfolgen, daß man nur den Präsidenten den Kopf hinhalten läßt.
Entspannung
- 2-

�- Entspannung und Sicherheit -

Frage: Wird die Stabilität der amerikanischen Position, die Ihrer Ansicht
nach durch die von Ihnen befürwortete Gesetzgebung unterstrichen wird, durch
die Entspannungsatmosphäre geschwächt oder gefährdet?

Antwort: Die Entspannung ist meiner Auffassung nach gut, j* überaus
wünschenswert, da man durch sie lernt, mit Völkern zu sprechen, deren Ideoloqie
wir nicht teilen. Natürlich haben wir eine andere Ideologie als die Völker der
Volksrepublik China oder der Sowjetunion, und sie haben eine andere als wir.
Aber alle Völker der Welt haben doch ein gemeinsames Interesse an ihrer gemeinsamen Zukunft, was den Bereich der Wirtschaft, der Umwelt und der Gesellschaft
angeht. Wir müssen diese gemeinsamen Interessen erkennen, damit die Gefahr eines
Konfliktes geringer wird. Insofern befürworte ich nachdrücklich eine Entspannung.
Eine Entspannung bedeutet jedoch nicht, daß wir darüber die Bestrebungen
solcher Nationen oder den Druck vergessen, unter dem sie operieren. Im Falle der
Sowjetunion ist deren Motivation in erster Linie ideologisch bedingt; die Sowjets
sind immer noch der Meinung, daß die Welt kommunistisch sein sollte, daß das Ergebnis dann eine bessere Welt wäre. Wir sind diametral anderer Meinung. Die
Volksrepublik China hat ein gewaltiges Menschenpotential ; sie muß irgendetwas
mit sich selbst anfangen. Derartige Realitäten müssen wir in Rechnung stellen.

vir müssen also weiterhin einige notwendige Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Trotz unserer Hoffnungen gibt es immer noch keine Instrumente für eine Herrschaft des Rechtes statt einer Herrschaft der Gewalt in der Welt - nicht in
den Vereinten Mationen und auch nicht in irgendeinem anderen Forum. Solange
sich kein solcher Wandel vollzogen hat, müssen wir sicherstellen, daß Ach keine
Bedingungen entwickeln, die irgendeinen aggressiven Politiker verführen könnten,
sein Land in eine Aggression zu führen. Daher bin ich der Ansicht, daß das Bemühen um Sicherheit ein notwendiger Faktor der Entspannung bleibt, und dies
bedingt eine angemessene und ausreichende Verteidigungsposition. Die Hauptverteidigungsorganisation, der wir angehören, nämlich die NATO, gewinnt dadurch
besondere 3edeutung.
Die

�- Die amerikanische T r u p p e n s t ä r k e i n Europa F r a g e : Damit kommen w i r zu der Frage der A u f r e c h t e r h a l t u n g der amerikanischen Truppenstärke i n Europa. Man weiß, daß Sie auch i n d i e s e r Kontroverse
e i n e führende Rolle s p i e l e n . Könnten S i e I h r e Ansicht zu diesem Thema d a r legen?

Antwort: Es g e h t n i c h t darum, ob e i n S o l d a t oder g a r 10 000 S o l d a t e n aus
dem amerikanischen NATO-Kontingent abgezogen werden oder n i c h t , sondern es
geht vielmehr darum, daß d i e Größenordnung d e r amerikanischen S t r e i t k r ä f t e

in

Europa - rund 300 000 S o l d a t e n - 4 1/2 Divisionen - n i c h t r e d u z i e r t w i r d .
Meiner Meinung nach i s t d i e s zum gegenwärtigen Z e i t p u n k t aus zwei Gründen von
e n t s c h e i d e n d e r Bedeutung.

E r s t e n s , und das habe i c h b e r e i t s erwähnt, darf gerade i n e i n e r Z e i t der
Entspannung niemand zu dem Gedanken v e r l e i t e t werden, daß durch p o l i t i s c h e n
o d e r m i l i t ä r i s c h e n Druck mehr e r r e i c h t werden könnte a l s durch e i n e F o r t s e t z u n g
des Entspannungsprozesses. Der zweite Grund - und d i e s e r e r g i b t s i c h aus dem
e r s t e n - i s t , daß gerade d i e Russen am meisten wünschen, daß w i r w e i t e r h i n
Truppen i n Deutschland s t a t i o n i e r t haben, u n g e a c h t e t der Art und Weise, wie
s i e dagegen w e t t e r n . Wenn w i r nämlich d i e s e Truppen d o r t n i c h t

unterhielten,

dann wissen s i e , daß d i e s nur e i n e s t ä r k e r e deutsche Rüstung bedeuten würde,
und davor haben s i e mehr Angst a l s vor i r g e n d etwas anderem. Wir s i n d immerhin
e i n e Supermacht, mit d e r d i e Sowjetunion auf g l e i c h e r Ebene u n t e r g l e i c h e n Bedingungen v e r h a n d e l t . Unsere Präsenz macht es für s i e weniger notwendig,

sich

mit i h r e n f e s t g e f a h r e n e n V o r s t e l l u n g e n h i n s i c h t l i c h e i n e s deutschen Revanchismus
auseinanderzusetzen.
Würden wir unsere Truppen heute aus Europa a b z i e h e n , dann würde d i e s

ferner

b e d e u t e n , daß d i e Russen an einem Abkommen über e i n e b e i d e r s e i t i g e und ausgewogene Truppenreduzierung d e s i n t e r e s s i e r t würden. Darüber h i n a u s würde d i e s d i e
meisten w e s t e u r o p ä i s c h e n Länder dazu ermutigen, e i n e e r n s t h a f t e k o l l e k t i v e Vert e i d i g u n g s p o s i t i o n aufzugeben. Das i s t t r a u r i g , aber wahr und ich b i n f e s t davon ü b e r z e u g t .
Nun

�Nun können wir uns allerdings die zusätzliche Devisenlast nicht leisten,
und wir sollten sie auch nicht tragen - etwa eineinhalb Milliarden Dollar im
Jahr für die Stationierung unserer Truppen in Europa - zu einem Zeitpunkt, da
wir hinsichtlich unserer internationalen Zahlungsbilanz in Schwierigkeiten
sind. Die Lösung sollte also darin bestehen, daß Europa die Devisenkosten für
unsere Präsenz in Europa und für unser Verbleiben dort bezahlt, und zwar in
einer Stärke, die der heutigen allgemeinen Größenordnung entspricht.

- Entspannung und Ideologie -

Frage: Sie haben von den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen gesprochen. Ferner wird im Rahmen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa verhandelt. Können Sie uns Ihren Standpunkt hinsichtlich der amerikanischen Position bei diesen parallel laufenden
Gesprächen darlegen?

Antwort: Hier ist es wichtig, daß wir darauf bestehen, daß jedes sich aus
diesen Verhandlungen ergebende Abkommen spezifische Bestimmungen beinhalten muß,
die den freien Austausch von Menschen und Ideen zwischen Ost und West fördern;
wir dürfen es nicht zulassen, daß die Sowjetunion die Konferenz einfach dazu
benutzt, die Spaltung Europas zu bestätigen. Die einzige Gewähr, die wir dafür
haben können, daß die Russen ihre Macht nicht konsolidieren und eine aggressive
Präsenz in Mitteleuropa fortsetzen - daß sie beispielsweise nicht massive
Streitkräfte wieder direkt an die Grenzen Westdeutschlands zurückverlegen -,
besteht darin, daß wir die Möglichkeit haben, uns darüber zu informieren. Es
muß einfach einen Fluß an Wissen und Informationen sowie einen Austausch von
Ideen geben statt einer absoluten geschlossenen Gesellschaft.

Der einzige Grund für uns, den Russen einen gewissen Zugang zu unserer
eigenen Wirtschaft zu gewähren, und zwar im Rahmen der Weizenverkaufe und der
vorgeschlagenen industriell en Vorhaben, besteht darin, ihnen die Vorstellung zu
vermitteln, daß sie in dieser Welt leben können, daß die Außenwelt der Sowjetunion nicht verhärtet gegenübersteht. Die einzige Möglichkeit, ihnen dies ver-

�verständlich zu machen, besteht darin, daß wir irgendwie mit ihnen in Kontakt
kommen und daß wir sie in Kontakt mit uns bringen. Wir brauchen einen offenen
Austausch von Menschen und Ideen und Gütern, wobei das eine so wichtig ist
wie das andere.

Sollten die Russen meinen, der einzige Grund dafür, daß wir an einem
Handel mit ihnen interessiert sind, seien die Dollar, um die es geht, dann
irren sie sich sehr. Wir sind jahrelang hervorragend ohne irgend einen Handel
mit der Sowjetunion ausgekommen, und das könnte jederzeit wieder der Fall sein.
Der einzige Grund, warum wir Handel treiben, ist, daß dies Teil des dreifachen
Prozesses ist, Geist und Chancen der Völker zu erschließen und ihnen Zugang
zu unseren Waren zu vermitteln.

Frage: Besteht hier nicht eine gewisse Ungereimtheit zwischen der Vorstellung, daß eine offenere sowjetische Gesellschaft erreicht werden kann,
und dem Festhalten der Sowjetunion an der Tatsache - aus der Sicht der Sowjets daß es keine Koexistenz im ideologischen Bereich geben kann?

Antwort: Das ist sicherlich der Fall. Das ist eine völlige Widersinnigkeit, ein völliges Paradox, eine völlige Gabelung, aber dies bedeutet nicht,
daß wir nicht versuchen müßten, diese Barriere niederzureißen, daß wir darangehen müssen, jeden sichtbar werdenden Fortschritt zu nutzen. Wenn wir aufgeben und zu der Ansicht gelangen würden, die einzige Möglichkeit zur Beendigung
des ideologischen Antagonismus sei eine nukleare Vernichtung, dann könnten wir
genau so gut gleich Selbstmord begehen. Niemand ist dieser Ansicht, weder wir
noch die Russen. Die einzige pragmatische Methode, zu tatsächlichen Abkommen
zu gelangen und zu sehen, wie sie funktionieren - wobei man sich immer vor
Augen halten muß, daß man nicht einfach die Hände in den Schoß legen und das
beste hoffen kann - ist daher die Methode, die wir anwenden, und meiner Meinung
nach ist das eine gesunde Methode.

China

�- China und Japan i n der Atmsophäre der Entspannung Frage: Lassen Sie uns einen Augenblick auf die andere S e i t e der Welt
gehen. S i e haben auf die Tatsache hingewiesen, daß d i e Volksrepublik China
s i c h e b e n f a l l s an der Schaffung e i n e r Atmsophäre der Entspannung b e t e i l i g t .
Sie haben schon vor l a n g e r Z e i t e i n e Änderung d e r amerikanischen P o l i t i k
gegenüber China b e f ü r w o r t e t ,

n i c h t wahr?

Antwort: J a , schon s e h r früh. Ich g l a u b e , daß d i e s e i n e gesunde P o l i t i k
i s t . Man kann n i c h t einfach an 800 Millionen Menschen i n der Welt - etwa 20
b i s 25 Prozent d e r Weltbevölkerung - vorbeigehen, und es g i b t auch keinen Grund,
d i e s zu t u n . Die Chinesen s i n d e i n s e h r p r o d u k t i v e s Volk, e i n a l t e s Volk mit
e i n e r großen T r a d i t i o n . Wir können mit ihnen leben und w i r wünschen mit ihnen
zu l e b e n , und am b e s t e n können wir d a s , wenn w i r p r a k t i z i e r e n , was w i r p r e d i g e n .
Wir sagen, daß die M ö g l i c h k e i t , d i e Menschen zu einem Leben i n Frieden und z u r
g e g e n s e i t i g e n H i l f e i n der Entwicklung zu v e r a n l a s s e n , d a r i n b e s t e h t , s i e durch
den Austausch von Ideen und Gütern aufgeschlossen zu machen. Nun, wenn w i r das
sagen, dann s o l l t e n w i r das auch p r a k t i z i e r e n , wenn s i e uns d i e Möglichkeit dazu
geben. Und genau darüber verhandeln wir im Augenblick. Deshalb b i n i c h s t o l z
darauf, daß i c h b e r e i t s i n den J a h r e n 1969 und 1970 dafür e i n t r a t , daß d i e Vere i n i g t e n S t a a t e n s i c h dem Gedanken a u f s c h l i e ß e n s o l l t e n , b e s s e r e Beziehungen zu
der Volksrepublik China h e r z u s t e l l e n .
Frage: Ich nehme an, daß Sie g l e i c h z e i t i g anerkennen, daß das Bündnis mit
Japan genau so w i c h t i g i s t wie das NATO-Bündnis?
Antwort: Ohne jede Frage und aus dem g l e i c h e n P r i n z i p h e r a u s . Japan i s t
d i e p r o d u k t i v s t e Nation im O s t e n , was die T e c h n o l o g i e , d i e P r o d u k t i v i t ä t

seiner

W i r t s c h a f t und die A k t i v i t ä t s e i n e r Bevölkerung angeht. Die J a p a n e r haben ebenf a l l s e i n e t o t a l i t ä r e T r a d i t i o n , aber s e l b s t die T a t s a c h e , daß w i r im zweiten
Weltkrieg Feinde waren, was niemand vergessen kann, darf n i c h t v e r h i n d e r n ,

daß

Amerikaner und J a p a n e r gemeinsam für e i n e b e s s e r e Welt e i n t r e t e n . Wir können
mit einem so großen und e f f e k t i v e n Volk n i c h t i n einem k o n s t a n t e n Zustand der
F e i n d s e l i g k e i t leben. Die J a p a n e r können e i n e überaus w i c h t i g e Rolle b e i der Be-

7 -

�1
Befreiung Asiens von jahrhundertealten Übeln, Krankheiten und Armut s p i e l e n ,
und Japan kann auch wesentlich dazu beitragen, China zu helfen, weil es ihm
w i r t s c h a f t l i c h weit voraus i s t .
Ich erachte daher den gemeinsamen Sicherheitsvertrag mit Japan immer noch
als sehr wichtig - und in unterschiedlichem Ausmaß i s t dies auch der F a l l mit
unseren anderen Sicherheitsvereinbarungen, die wir mit den Philippinen, mit
Australien und Neuseeland, mit Thailand usw. haben. Selbst was unser Verhältnis
zu Formosa a n b e t r i f f t , so schwierig dieses auch sein mag, so müssen wir doch
die Tatsache respektieren, daß dort 12 Millionen Menschen leben, die s e l b s t
bestimmen s o l l t e n , wie sie r e g i e r t werden wollen, und deren Zukunft nicht
durch Gewalt bestimmt werden darf.
Das a l l e s sind schwierige Probleme, aber ich bin der Meinung, daß wir
dabei sind, s i e weitaus i n t e l l i g e n t e r zu lösen, als dies jemals in unserer
Nachkriegsgeschichte der Fall gewesen wäre.

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31/1973

DAS NEUE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFTSGESETZ
-Gesicherte Ertrags- und EinkommensteigerungVon John J.Harter

WASHINGTON -«.(AD)— Das neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz, stellt in
Form und Inhalt eine bedeutsame Wende dar. Angesichts der weltweiten Verknappung an landwirtschaftlichen Erzeugnissen - vor allem an Futtergetreide und Naturfasern - wird der amerikanische Farmer ermutigt, die Produktion zu steigern, ohne dabei fürchten zu müssen, daß sein Einkommen wesentlich zurückgeht.
Das von Präsident Nixon am 10. August unterzeichnete neue Gesetz
- der "Agriculture and Consumer Protection Act of 1973"- ist von vorneherein
auf eine vierjährige Geltungsdauer abgestellt und wird für die Ernte 1974
ebenso verbindlich sein wie für die Ernte 1977.
Zunächst soll das Gesetz den Anbau von Weizen, Futtergetreide und
Baumwolle fördern. Der Anbauanreiz soll vor allem von den Marktpreisen ausgehen, jedoch sind bestimmte Sicherheitsklauseln eingebaut,die den Farmer
vor einem Preisverfall auf den Weltmärkten schützen sollen. Dabei wird die
maximale Ausgleichszahlung pro Farmer und Erntejahr jedoch auf 20 000 Dollar

-1-

�Dollar . gegenüber 55 000 Dollar in dem am 31. Dezember dieses Jahres auslaufenden Gesetz - festgelegt.
Für die Ernte 1974 und 1975 sind bereits Preisgarantien vorgesehen, die
jedoch beträchtlich unter den gegenwärtigen Weltmarktpreisen für Weizen,
Mais und Baumwolle liegen. Für die Ernten 1976 und 1977 sind bestimmte Faktoren für eine Erhöhung der garantierten Mindesterlöse eingebaut. So wird
der Garantiepreis 1976 von dem Garantiepreis 1975 plus den in dem Jahr angestiegenen landwirtschaftlichen Betriebskosten ausgehen und dazu entsprechend den jeweiligen Hektarerträgen eingependelt werden. Eine ähnliche Anpassung wird dann für 1976 vorgenommen werden.
Der amerikanische Landwirtschaftsminister Earl L. Butz sprach von einem
"historischen Wendepunkt" der amerikanischen Landwirtschaftspolitik, da
nach vierzig Jahren der Einschränkung und Schrumpfung wieder auf Expansion
umgeschaltet werde, um der steigenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten
und in der Welt nachkommen zu können. Butz versicherte in diesem Zusammenhang, daß die Nixon-Administration auch weiterhin an einer liberalen Handelspolitik festhalten wolle. Er, Butz, sei überzeugt, daß die amerikanische Landwirtschaft der erhöhten Nachfrage gerecht werden könne. Er räumte ein, daß
ein wachsender Druck festzustellen sei, jedoch wird von anderen amerikanischen
Regierungsvertretern die Ansicht geäußert, daß das neue Gesetz eine Erhöhung
der landwirtschaftlichen Anbaufläche um zwei bis drei Prozent mit sich bringen werde.
Prinzipiell soll der Einfluß der Regierung auf die Landwirtschaft
- außer durch bestimmte Garantien und Anreize - so klein wie möglich gehalten
werden. Der einzelne Farmer soll ermutigt werden, das anzubauen, was nach
seiner Ansicht entsprechend der Leistungsfähigkeit seines Betriebes und der
Marktlage den höchsten wirtschaftlichen Ertrag bringt. Nur wenn die Preise
unter die gesetzlichen Richtpreise fallen, erhält der Farmer einen Ausgleich;

�Ausgleich; direkte Subventionen für unzureichende Ernteerträge - außer
bei katastrophalen Mißernten - sollen praktisch gestrichen werden. Landwirtschaftsminister Butz rechnet damit, daß die Ausgleichszahlungen der Regierung im Jahre 1974 unter 500 Millionen Dollar liegen werden - verglichen
mit Subventionen in Höhe von rund vier Milliarden Dollar im Jahre 1972.
Präsident Nixon hat in einer Erklärung anläßlich der Unterzeichnung
des Gesetzes dieses als einen "realistischen Kompromiß" zwischen den Auffassungen des Kongresses und denen der Administration bezeichnet. Die Verteilung von Lebensmitteln für Sozialfürsorgeempfänger, die von dem vorigen
Gesetz in verstärktem Maße übernommen worden ist, stößt beim Präsidenten
auf wenig Gegenliebe. Nach seiner Auffassung solle Unterstützung in Barund nicht in Sachleistungen erfolgen,und er wird in Kürze dazu eine neue
Vorlage unterbreiten.
Ebenso ist Landwirtschaftsminister Butz über die fünfprozentige Anhebung der Subventionen für Molkereiprodukte nicht begeistert. Allerdings
sieht das neue Gesetz eine Sonderstudie über den Einfluß erhöhter Einfuhren
von Molkereierzeugnissen auf die amerikanische Milchwirtschaft vor. Die
Subventionen für das laufende und das am 1. April 1974 beginnende Marktjähr
entsprechen dem gegenwärtigen Preisniveau und sollen die ausreichende Versorgung des amerikanischen Verbrauchers mit Molkereierzeugnissen sicherstellen.
Andere wichtige Aspekte des neuen Gesetzes sind eine umfassende Zählung
in der amerikanischen Landwirtschaft im Jahre 1974; ein Anreiz für private
Forstbetriebe zur stärkeren Aufforstung und eine verstärkte Exportförderung
für private Betriebe durch das Landwirtschaftsministerium. In diesem Zusammenhang müssen alle Exporteure von Weizen, Futtergetreide, Ölsaaten,
Baumwolle und bestimmten anderen Erzeugnissen dem Landwirtschaftsministerium
wöchentlich einen detaillierten Bericht über alle Exportverkäufe unterbreiten.
Das

�Das Gesetz ist - wie gesagt - ein Kompromiß, aber per Saldo sieht es,
wie Präsident Nixon erklärte, vor, "daß der Farmer den größten Teil seines
Einkommens auf dem Markt verdient.... Da die Auslands-und Binnenmärkte für
landwirtschaftliche Erzeugnisse expandieren, wird der amerikanische Steuerzahler der direkte Nutznießer dieser neuen Programme sein. Dieses neue Gesetz ist gut für den Verbraucher, gut für unsere wachsende Binnenwirtschaft
und nützlich für unseren Außenhandel."

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31/1973
"MODERNE KRANKENHAUSAUSRÜSTUNGEN"
-Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt-

--(AD)— Rund 25 amerikanische Hersteller zeigen vom 17.-21. September
1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet modernisierter und automatisierter Krankenhausausrüstungen.
Unter anderem werden Spezialeinrichtungen für folgende Sachgebiete zu
sehen sein:
Integrierte EDV-Systeme mit Peripherieeinrichtungen, darunter medizinische Datenbanken, Einrichtungen für die strahlentherapeutische Behandlung, rechnerunterstützte Dosimetrie, Datenverarbeitung bei der Herzkathe".irisierung

sowie Einrichtungen für die chirurgische Patientenüberwachung.

Ferner wird ein automatisiertes Testsystem für phyisi©logische Profile und
Anamnese einschließlich Datenspeicherung, -Verarbeitung und -ausdrucker
vorgestellt.
Moderne Behandlungseinrichtungen umfassen u.a. Spezialkrankenbetten
mit elektrischer Verstellmöglichkeit, tragbare Wiederbelebungsgeräte, elektrische Sedativsysteme zum drogenfreien Schlaf sowie diverse Rehabilitationseinrichtungen.

»
Aus

-1-

�Aus dem medizinischen und chirurgischen Bereich werden neben vielen anderen Produkten batteriegespeiste Leuchten und Instrumente für den Einmalgebrauch, Faseroptikleuchten und pneumatische Instrumente für die Mikrochirurgie zu sehen sein. Fernerhin sind Tucherzeugnisse aus nicht-gewebten, vernetzten, natürlichen oder künstlichen Fasern,einlagig oder laminiert,zu
erwähnen.
80 7o der Firmen sind zum ersten Mal auf dem deutschen oder europäischen
Markt und daher besonders interessiert an Verbindungen zu Lizenznehmern bezw.
Vertriebsgesellschaften.
Wegen des zu erwartenden Interesses wird das gleichzeitig mit der Ausstellung stattfindende Symposium von zwei auf drei Tage (18.,19.,20. September) erweitert.

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31/1973

RÜCKGANG DER ERNTEERWARTUNGEN IN USA LÄSST AN EXPORTKONTROLLEN DENKEN
-Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway-

WASHINGTON — ( A D ) — Nachdem die diesjährigen Ernteerwartungen in den Vereinigten Staaten offensichtlich geringer sind als noch im vorigen Monat angenommen, räumt man in amtlichen Kreisen in Washington ein, daß die Möglichkeit der Einführung von Exportkontrollen für Getreide zumindest "geprüft"
wird, um dem starken Preisauftrieb zu begegnen.
Obwohl der Rückgang der geschätzten landwirtschaftlichen Erträge nicht
allzu groß ist und die Gesamternte bei den meisten Getreidearten sogar über
den Rekorderträgen des Vorjahres liegt, ist doch bereits ein Druck auf die
ohnehin knappe Versorgungslage zu spüren.
Zuständige Stellen in Washington erklären ohne Umschweif, daß entweder
der Verbrauch im eigenen Lande oder die Exporte gedrosselt oder gar die
- ohnehin niedrigen - Reserven weiter verkleinert werden müssen. Diese amtliche Stellungnahme erfolgte genau zu dem Zeitpunkt, da amerikanische Zeitungen mit Schlagzeilen die Erhöhung des Brotpreises - um 2 Cent pro Laib verkündeten. Der Stellvertretende Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, Richard Bell,
verhehlte nicht, daß die Bevölkerung mit weiteren Erhöhungen der Lebensmittelpreise rechnen müsse. Aber nicht nur der amerikanische Verbraucher wird

�wird mehr bezahlen müssen - auch der ausländische Käufer wird die rasch
steigenden Preise für Weizen, Mais und andere Erzeugnisse bezahlen - oder
darauf verzichten - müssen. Nach Auskunft von Bell haben bereits einige
- von ihm nicht genannte - Länder angekündigt, daß sie sich vom amerikanischen
Markt zurückziehen wolen. Damit dürfte eine Entlastung des Marktes und ein
Nachlassen des Preisdrucks eintreten.
Wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium erklärt, wird die Prüfung der neuen Statistiken noch "einige Tage" in Anspruch nehmen, während
der eine erneute Prüfung der Möglichkeit von Exportkontrollen vorgenommen
werde. Dabei werde man sich unter anderem mit der großen Zahl der "ungenannten" Exportkäufer befassen, bei denen es sich im wesentlichen um Spekulanten
handeln dürfte. Ein Großteil der von diesen aufgekauften Getreidemengen dürfte das Land gar nicht verlassen, sondern zu erhöhten Preisen an amerikanische
Kunden verkauft werden. Wie Bell ausführte, würde der tatsächliche Weizenexport nach Abzug dieser rund sechs Millionen Tonnen "ungenannter" Käufe nur
rund 35 Prozent des zu erwartenden Angebots betragen. Normalerweise führen
die Vereinigten Staaten rund 50 Prozent ihres Weizens (Erzeugung plus Reserven) aus. Daher, so sagte Bell, sei er über die jetzt vorliegenden Statistiken nicht "besonders alarmiert" . Es gebe auch keinen bestimmten Punkt, an dem
sein Ministerium "automatisch" Exportkontrollen empfehlen würde.
In diesem Zusammenhang erklärte Bell, daß die amerikanische Regierung
für den Fall, daß es zu Exportkontrollen kommen sollte, das für die Sojabohnen angewandte Modell nicht wieder benutzen würde. Künftige Systeme würden
sicher anders aussehen, und bestehende Kontrakte würden so weit wie nur irgend möglich erfüllt.
Am stärksten sind die Ernteaussichten bei Mais zurückgegangen. Obwohl
die amerikanischen Farmer sieben Prozent mehr Anbaufläche bestellt haben als
im Vorjahr, wird die Ernte nach den revidierten Schätzungen nur um zwei Prozent über dem Vorjahr liegen (nämlich bei 5 661 379 000 Bushel gegenüber
5 553 061 000 Bushel im Vorjahr). Der Hektarertrag ging wegen der großen

�großen Überschwemmungen im Frühjahr zurück, und die Ernteerwartung sank dann
wegen der Trockenheit in den Hauptanbaustaaten Iowa und Illinois in den
letzten Wochen. Wenn der jetzt einsetzende Regen weiter anhält, dürfte jedoch im September wieder eine leichte Verbesserung der Ernteerträge eintreten.
Die Verknappung an Mais bringt naturgemäß einen Preisdruck auf anderes
Futtergetreide mit sich. Dabei sind die Ernteerwartungen bei Hafer vom l.Juli
bis 1.August

von

716 615 000 Bushel auf 707 756 000 Bushel und bei Gerste

von 439 642 000 Bushel auf 430 181 000 Bushel zurückgegangen.
Bell versicherte im übrigen, daß die amerikanische Regierung weiterhin
plane, die Exportkontrollen für Sojabohnen im nächsten Monat wieder aufzuheben, und auch im nächsten Jahr sei nicht an die Wiedereinführung von Exportkontrollen für dieses landwirtschaftliche Erzeugnis gedacht.

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                    <text>uäla

Information
und
Dokumentation

3~ L3IH

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

I N H A L T

INFORMATION
US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr
Reubin Askew:

Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen

DOKUMENTATION
Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Von Botschafter Malcolm Toon -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde
Zuckerrohr als Energierohstoff

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�1

1

HUI laflKlB

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

US-VORRATSLAGER IN EUROPA DIENEN DER NATO-VERTEIDIGUNG
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr

WASHINGTON - (AD) - In Vorratslagern und Depots der amerikanischen Streitkräfte in Europa stehen Panzer, schwere Waffen und anderes Gerät bereit, um im
Krisenfalle auf dem Luftwege aus den USA herangeführte Truppen auszurüsten und
sofort einsatzbereit zu machen.
Dieses Material - das für die Ausrüstung von fast drei Divisionen und den
dazugehörenden Versorgungseinheiten ausreicht - gehört zu der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber der NATO.
Im Rahmen der Zusagen für das vom Bündnis beschlossene Langfristige Verteidigungsprogramm (LTDP) werden die Vereinigten Staaten bis 1982 in Europa
Gerät für weitere drei Divisionen und einige Versorgungseinheiten einlagern.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist eine bedeutsame gemeinsame Anstrengung der Bündnisländer, die Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der NATO zu erhöhen. Das amerikanische Programm im Rahmen des LTDP trägt die Bezeichnung
"POMCUS" - Pre-Positioned Overseas Material Configurated in Unit Sets - was

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�was auf deutsch etwa so viel bedeutet wie Ausrüstung nach Einheiten, zusammengefaßt an vorher festgelegten Standorten in Übersee. Militärischer Nachschub
wird in feuchtigkeitssicheren Lagerräumen jeweils für ein Bataillon zur raschen
Ausgabe eingelagert.
Nach Feststellung des amerikanischen Verteidigungsministers Harold Brown
wird dieses zusätzlich vorher eingelagerte Material zusammen mit einer erhöhten
Luftbrückenkapazität der Vereinigten Staaten es ermöglichen, die Stärke der
amerikanischen Truppen in Europa innerhalb von zwei Wochen um 150 000 Mann zu
erhöhen.
Die Konzeption des Langfristigen Verteidigungsprogramms stammt von Präsident Carter, der diesen Vorschlag auf der Gipfelkonferenz der NATO-Staaten
im Mai 1977 in London unterbreitete.

Die Durchführung dieses Programms wurde

dann auf dem NATO-Gipfel im Mai 1978 in Washington beschlossen.

Die führenden

Männer im Bündnis betrachten dieses Programm als ein wesentliches Mittel, um
den Sicherheitsanforderungen des Bündnisses gerecht zu werden, die sich durch
die Aufrüstung des Warschauer Paktes stellen.
An den "POMCUS-Standorten" sind rund 90 Prozent des Ausrüstungsbedarfs
einer amerikanischen Division eingelagert.

Ein amerikanischer Soldat, der an

Bord eines Passagierflugzeuges mit seiner Handfeuerwaffe und seiner Marschausrüstung nach Europa kommt, erhält alles andere aus. dem vorbestimmten Depot
dort.

Material, das eine starke Wartung erfordert, wie Luftverteidigungssysteme

und Hubschrauber, würde, auch über eine Luftbrücke nach Europa befördert.
Die Einlagerung von Gerät für Verstärkungen, die in Amerika stationiert
sind, ist billiger als die Aufrechterhaltung von mehr amerikanischen Truppen
in Europa. Die Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, daß in Krisenzeiten eine
ausreichende Vorwarnung gegeben ist.
Eine kürzliche Studie des amerikanischen Kongresses hat ergeben, daß ein
wesentlicher Teil des "POMCUS-Geräts" innerhalb von fünf Tagen ausgegeben wer-

- 2 -

�werden könnte - vorausgesetzt, daß die Entscheidung zur Dislozierung amerikanischer Streitkräfte sofort nach Eintreffen der Vorwarnung erfolgt.

Bei

einer Vorwarnzeit von zehn Tagen kann alles Gerät rechtzeitig ausgegeben
werden.
Ohne dieses vorher eingelagerte Material würden die Vereinigten Staaten
nach Schätzungen von Experten etwa zehn Tage benötigen, um eine Division mit
Mannschaften und Gerät und Nachschub auf dem Luftwege nach Europa zu bringen.
Das Einlagerungsprogramm für Gerät begann nach der Berlinkrise im Jahre
1961, als offensichtlich wurde, daß die Vereinigten Staaten nicht Truppen und
Gerät rasch genug nach Europa entsenden können, um sowjetischen Schritten zu
begegnen. Das erste Einlagerungsprogramm erstreckte sich auf die Ausrüstung
für eine Panzerdivision, eine motorisierte Division und zehn dazugehörende
Versorgungseinheiten.
Das Programm wurde im Jahre 1968 ausgeweitet, als die Vereinigten Staaten
ihre Ausgaben in Übersee senkten, indem sie etwa zwei Drittel der Ersten Infanteriedivision nach den USA zurückholten.

Für diese der NATO zugesagten

Einheiten wurde das Material in Europa eingelagert.
Angesichts der erhöhten Aufrüstung des Warschauer Paktes auf konventionell
Gebiet verpflichteten sich die Vereinigten Staaten 1978, bis zum Jahr 1982
genügend Material für drei weitere Divisionen einzulagern, um die Verstärkungskapazität des Bündnisses zu erhöhen.
Neben dem Gerät für drei Divisionen werden an den "POMCUS-Standorten"
Materialien für ein Kavallerieregiment (Panzer), 74 nicht divisionsgebundene
Einheiten, 36 Kampfversorgungseinheiten und 28 Sani tätseinheiten eingelagert.
Bis 1982 werden sechs der elf in den USA stationierten Divisionen, die für
eine Verstärkung der NATO in Frage kommen, mit "POMCUS-Lagern" in Europa versehen sein.

Dem

�Dem Ausmaß, in dem "POMCUS-Standorte" die Verstärkungskapazität erhöhen
können, sind jedoch Grenzen gesetzt, da sonst die Flexibilität des Einsatzes
in Frage gestellt würde.

Diese "POMCUS-Standorte" grenzen natürlich die Ge-

biete ein, in die die Verstärkungen verbracht werden können.
Verteidigungsminister Brown wies auf diesen Punkt hin und erklärte: "Wir
wollen die Beweglichkeit aufrechterhalten, Streitkräfte zwischen der Mittelregion Europas und den Flanken oder anderswo hin zu verschieben, wie es der
Verlauf eines Krieges erforderlich machen könnte."

Eine weitere Beschränkung

könnte dadurch gegeben sein, daß die Vereinigten Staaten Truppen in Gebieten
dislozieren möchten, in denen "POMCUS-Standorte" politisch nicht durchsetzbar
sind.
Die Vereinigten Staaten pflegen gegenwärtig Konsultationen mit ihren Verbündeten über die Standorte der "POMCUS-Lager" für drei weitere Divisionen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits drei Standorte für die ersten Einheiten dieser Art zur Verfügung gestellt.
Die Vorbereitung der Lagerflächen und der Bau der Lagerhallen und der dazugehörenden Gebäude wird aus dem Infrastrukturfonds der NATO finanziert.
Dieser Fonds wird aus jährlichen Beiträgen der Mitgliedsländer des Bündnisses
gespeist, um Verteidigungseinrichtungen zu bauen, die für die NATO entscheidend wichtig sind. Nach einer Studie des amerikanischen Kongresses wird die
NATO etwa 400 Millionen Dollar für den Bau der "POMCUS-Lager" aufwenden.
Im Zusammenhang mit dem "POMCUS-Programm" und der Verstärkung der NATO
stehen die "Host Nation"-Abkommen (Gastlandabkommen) der USA mit europäischen
Ländern, in denen amerikanische Einrichtungen liegen oder in denen in Krisensituationen Transporteinrichtungen benutzt würden.

Diese Länder unterstützen

die Bewegungen amerikanischer Truppen und amerikanischen Materials durch die
Gestellung von Häfen und Flugplätzen. -

In

�In einer Stellungnahme zu den jährlich stattfindenden REFORGER-Übungen
(deren wichtiger Bestandteil die Verstärkung der Verteidigungsstreitkräfte
der NATO durch amerikanische Truppen ist) betonte Verteidigungsminister Brown,
daß die meisten der auf dem Luftwege nach Europa gebrachten Bataillone weniger Zeit brauchten, ihr Gerät aus den "POMCUS-Lagern" zu übernehmen, als
ursprünglich vorgesehen.

Er hob hervor, daß "die Leistung unserer Soldaten

in Zusammenarbeit mit amerikanischen und alliierten

Zivilisten ganz ausge-

zeichnet war, ebenso wie das beispiellose Maß an Unterstützung durch die
Gastländer."

+ + + + +

�3
I
33

Information
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Embassy of the United States of America
15. August 1979

REUBIN ASKEW: DER NEUE US-SONDERBEAUFTRAGTE FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 8. August 1979 den ehemaligen Gouverneur von Florida Reubin O'Donovan Askew zu seinem Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen ernannt. Er tritt die Nachfolge von Robert S. Strauss
an, der zum persönlichen Vertreter des Präsidenten bei den Nahostverhandlungen
bestellt worden ist. Die Nominierung muß noch vom US-Senat bestätigt werden.
Carter und Askew kennen sich bereits aus den Tagen, als sie in den siebziger Jahren beide noch Gouverneure der Nachbarstaaten Georgia und Florida
waren. Regierungssprecher Powell hob anläßlich der Ernennung hervor, daß Präsident Carter Askews "Fähigkeit als Verwaltungsmann und als Fü'hrungspersönl ichkeit" schon seit langem schätzt, und wies auf die Aufgaben hin, die auf den
frischernannten Sonderbeauftragten warten: zum einen gehe es darum, die kürzlich im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelte Handelsvereinbarungen zu erfüllen;
zum andern solle die vom Präsidenten vorgeschlagene Reorganisation der für
die Handelspolitik zuständigen Bundesbehörden durch den Kongreß gebracht werden,
Auch Alan W. Wolff, der Stellvertreter von Askews Vorgänger bei den Verhandlungen der Tokio-Runde, unterstrich die vorzügliche Besetzung des neuen

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Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�neuen Postens:

"Gouverneur Askew ist von seiner Weltsicht her in völligem

Einklang mit dem offenen Handelssystem, das wir gerade ausgehandelt haben.
Und als Floridas erster Mann war er überaus aktiv bei der Förderung der Handel sinteressen seines Staates". Als Gouverneur unternahm er verschiedentlich
Reisen mit Geschäftsleuten aus Florida nach Europa, Japan und Lateinamerika,
um Probleme hinsichtlich des gegenseitigen Handels und der Investitionen zu
besprephen.
Reubin O'Donovan Askew wurde am 11. September 1928 in Muskogee, Oklahoma
geboren.

Ihren Vater sahen die sechs Kinder sehr selten: er war als Zimmer-

mann unterwegs.

Die Mutter zog mit ihnen 1937 in ihre Heimatstadt Pensacola

in Florida, wo sie als Kellnerin und Näherin arbeitete und der zukünftige
Gouverneur durch Schuhputzen und Zeitungsaustragen die Familie mit unterstützte.
Nach Schule, Militärdienst und Studium arbeitete Askew zunächst vier Jahre lang
als Anwalt und wurde 1958 ins Abgeordnetenhaus von Florida gewählt.

1962

folgte die Wahl in den Senat von Florida, 1970 die Wahl zum Gouverneur.

1974

war er der erste Gouverneur des Staates, der zweimal hintereinander gewählt
wurde.

1979 hat er bereits Präsident Carter bei der Einführung des neuen

brasilianischen Staatschefs und auf einer Erdölkonferenz in Caracas vertreten.
Als wesentliches Merkmal des Gouverneurs h,eben Kenner seine "absolute Integrität" hervor.
Er ist mit Donna Lou Harper verheiratet; das Ehepaar hat zwei Kinder.

+ + + + +

�Dokumentation

I

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Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

AUSBLICKE AUF DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Von Botschafter Malcolm Toon -

Der amerikan ische Botschafter in der UdSSR,
Malcolm Toon , der in Bälde seinen Posten
verläßt, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Gese 11schaft für Außenpolitik
(Foreign Pol icy Association) am 9. August
1979 in NewYork einen grundlegenden überblick und Ausb1 ick auf die amerikanischesowjetischen Beziehungen und die Bedeutung
von SALT II in diesem Zusammenhang gegeben,
Wir geben na chstehend die Ausführungen von
Botschafter Toon im vollen Wortlaut wieder.

Ich werde manchmal als Scharfmacher bezeichnet, aber ich halte mich selbst
nicht für einen solchen - noch bin ich grundsätzlich gegen irgend etwas "anti"
eingestellt.

Aber seit ich den Wandel von einem Schneilbootskommandanten im

Zweiten Weltkrieg zum Berufsdiplomaten durchgemacht habe, habe ich herausgefunden, daß ich meinem Land immer am besten gedient habe, wenn ich zu den Völkern
und Regierungen, bei denen ich akkreditiert war, frei und offen über die amerikanischen Auffassungen und Werte gesprochen habe und meiner eigenen Regierung und
meinem Volk frei und offen meine Ansichten darüber vorgetragen habe, wie den
amerikanischen Interessen am besten gedient wäre.

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D 5 3 0 0 Bonn 2

v

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Vor diesem Hintergrund möchte ich heute zu Ihnen über die amerikanischsowjetischen Beziehungen und die Rolle von SALT im Rahmen dieser Beziehungen
sprechen.

Ich glaube es ist nützlich, wenn ich zunächst über das sowjetische

Regime und darüber spreche, wie wir nach meiner Meinung mit ihm umgehen sollten.
Auf die Gefahr hin, Binsenweisheiten zu verkünden, möchte ich mit einigen
Grundwahrheiten beginnen.

Das sowjetische System ist Ausdruck einer Geschichts-

betrachtung, einer Vorstellung vom Verhältnis des Menschen zum Staat sowie
eines Komplexes von Werten und Grundsätzen, die von den unsrigen völlig verschieden sind.

Die Historiker können sich darüber streiten, ob diese Auffas-

sung traditionell russisch oder ob sie im wesentlichen sowjetisch ist und 1917
von oben aufgezwungen wurde. Ich neige zu der Auffassung, daß Lenin und Stalin
eine im wesentlichen westliche Philosophie, nämlich den Marxismus, genommen
und sie der russischen Realität angepaßt haben, so daß seit der Zeit Stalins
bis heute kein fundamentaler Konflikt zwischen sowjetischer Ideologie und
russischem Nationalismus entstanden ist.
Auf jeden Fall werden die beträchtlichen Ressourcen der Sowjetunion
heute - und auch für absehbare Zukunft - wirksam für die Unterstützung einer
charakteristischen und nach meiner Meinung verzerrten historischen Weltanschauung mobilisiert. Das sowjetische Regime kann Ideen der freien Meinungsäußerung und der Entscheidungsfreiheit des einzelnen, so wie wir sie verstehen,
nicht akzeptieren und wird sie nicht tolerieren. Es wird versuchen, seine
Ideologie durchzusetzen, indem es abweichende Meinungen im eigenen Lande zum
Schweigen bringt und indem es häufig im Ausland repressive Regime unterstützt,
die sich selbst als marxistisch-leninistisch bezeichnen.
Neben der Ideologie haben auch geographische und historische Erfahrungen
das sowjetische System und die Politik seiner Führer wesentlich mitgestaltet.
Jahrhunderte der Invasionen aus Ost und West haben ihre Spuren in den Anschauungen des russischen Volkes und seiner Führer hinterlassen. Die sowjetische
Führung hat massive Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit an Rußlands
- 2 -

�Rußlands Grenzen zu gewährleisten - zum Teil durch den Versuch, diese Grenzen
nach außen hinauszuschieben.

Diese historische Einstellung, zu der die Kommu-

nisten noch ihre geistige Voreingenommenheit gegenüber militärischer Stärke
als Schlüsselelement der politischen Macht hinzugefügt haben, mag erklären,
wenn auch nicht rechtfertigen, warum die Sowjetunion heute eine Militärmaschinerie unterhält, die in keinem Verhältnis zu einer objektiven Abschätzung ihrer
Erfordernisse steht, und warum die Kosten dieses Strebens nach absoluter
Sicherheit und nach größerem politischem Einfluß mit Hilfe militärischer Macht
so enorm hoch sind.

Das alles bedeutet Entbehrungen für die sowjetische Be-

völkerung und Belastungen und Reibungen in den Beziehungen der Sowjetunion zu
ihren Nachbarn, mit gelegentlich gefährlichen Folgen für die Stabiltät
Welt.

der

Totale Sicherheit, wie sie die Sowjets anstreben, kann nur Unsicherheit

für andere bedeuten.

Das gleiche leidenschaftliche Sicherheitsbedürfnis kennzeichnet auch die
Szene in der Sowjetunion selbst, obwohl hier seit meinem ersten dienstlichen
Aufenthalt in Moskau Anfang der fünfziger Jahre ins Auge fallende Veränderungen
eingetreten sind.

Der stalisnistische Terror hat aufgehört.

Trotzdem begeg-

net organisierter Dissens der Feindseligkeit der Regierung, vor allem wenn er
die amtliche Parteilinie direkt in Frage stellt.

Ich bin jedoch geneigt zu

glauben, daß die Unterdrückung im eigenen Lande sehr viel größer wäre, wenn
die Sowjetunion ihre Politik der Entspannung aufgeben müßte, denn dann läge
ihr noch sehr viel weniger an der öffentlichen Meinung der Welt.

In den letzten 30 Jahren und auch heute noch ist eine der zentralen Fragen der amerikanischen Außenpolitik, wie man dieses komplexe und repressive
System behandeln soll.

Ich meine, wir müssen damit anfangen, die Sowjetunion

als das zu sehen, was sie wirklich ist.

Weder, wie einige meinen, als 260 Mil-

lionen Menschen, die wie wir Amerikaner sein wollen s noch, wie es wiederum andere tun, als 260 Millionen Dschingis Khans, die bereit, willens und in der
Lage sind, die Welt zu erobern.

Es handelt sich um ein bemerkenswertes Volk,

das langsam seinen eigenen Kurs verfolgt und gewaltige, ihm eigene Stärken einsetzt;

ein Volk aber auch, das von bestürzenden Schwächen bedrängt wird - vor

- 3 -

�- vor allem im Wirtschaftsbereich - und das Ziele und Methoden verfolgt,
die sich grundsätzlich von den unsrigen unterscheiden.
Wir müssen auch die Sowjetunion und unsere Beziehungen zu ihr unter einer
langfristigen Perspektive betrachten.

Wenn wir uns auf die kurzfristige Ent-

wicklung konzentrieren, können wir nicht hoffen, die Richtung zu ändern, in
die sich die Sowjetunion bewegt, und auch nicht ihre Tendenz, Einzelpersonen
und machtlose Länder zu überrennen, die ihr in den Weg geraten.

Wenn wir uns

ständig fragen, wieviel Fortschritte wir in den letzten 24 Stunden erzielt
haben

oder in der letzten Woche oder sogar im letzten Jahr, dann müssen wir

freimütig eingestehen: nicht viel.

Aber wenn wir alles unter einem länger-

fristigen Aspekt betrachten, wenn wir auf die Periode des Kalten Krieges zurückblicken und auf die Entfernung, die wir seither zurückgelegt haben, dann
glaube ich, daß trotz einer Folge von Pendel schlagen in unseren Beziehungen
eine allmähliche Bewegung nach vorn sichtbar wird.

Im Lauf der letzten 10

Jahre haben die sowjetischen Führer in ihrem ureigensten Interesse die Art
und Weise geändert, in der sie mit ihrem eigenen Volk umgehen.

Und, ich er-

wähnte es bereits, sie sind der Weltmeinung gegenüber nicht unempfindlich.
Trotz mancher Schwankung gibt es einen langfristigen Aufwärtstrend in Richtung
auf eine nützliche Zusammenarbeit auf den Gebieten gegenseitigen Interesses.
Eins der bedeutsamsten ist die Rüstungskontrolle.
Für jemanden, der wie ich - 30 Jahre lang - seit dein Zeiten des Kalten
Krieges - die Sowjetunion beobachtet hat, gibt es Gründe für einen vorsichtigen Optimismus, daß mit Geduld, Beharrlichkeit und klarem Kopf unsererseits
die Sowjetunion schließlich doch zu der Einsicht gebracht werden kann, daß
durch ständigen Ausbau ihrer Militärmacht und militärische Abenteuer in fremden Ländern ihren Interessen weniger gedient ist als durch ausgehandelte
Rüstungsbegrenzungen und eigene Zurückhaltung in anderen Teilen der Welt.
Gewiß dürfen wir nicht zuviel zu bald erwarten. Wir müssen vermeiden, daß
die Stimmung
in unserer Öffentlichkeit von einem Extrem ins andere verfällt,
von einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit mit der Sowjetunion z~il offenen
- 4 -

�offenen Bekundungen der Feindseligkeit.

Nach meiner Auffassung hat sich zu

Anfang der siebziger Jahre ein sehr ärgerliches Mißverständnis über die wahre
Natur der Entspannung entwickelt, das dann zu einer unkritischen und ungerechtfertigten Euphorie führte.. Entspannung heißt nicht, daß ein Jahrtausend der
Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens angebrochen ist - was in jedem
Falle ohne einen grundlegenden Wandel der sowjetischen Philosophie und Weltanschauung unmöglich wäre.

Im besten Falle bedeutet Entspannung ein zunehmendes

Bewußtsein in diesem nuklearen Zeitalter für die Notwendigkeit, in einigen Dingen zusammenzuarbeiten, den Wettstreit in bezug auf andere Fragen in geordneten Bahnen zu halten und zu einer Übereinkunft hinsichtlich der Mittel zur Entschärfung jener Spannungen zu gelangen, die zu einer gefährlichen Konfrontation
führen könnten.

Das aber ist alles, mehr nicht.

Irgendwelche Veränderungen im sowjetischen System zustandezubringen,
muß als eine sehr langfristige Aufgabe angesehen werden. Aber die Chance
einer Veränderung, so gering sie auch sein mag, ist größer, wenn ein gewisses
Maß an Verpflichtung zwischen unseren beiden Ländern besteht. Und meiner Ansicht nach ist es genau so falsch, den Wert des Versuchs einer Zusammenarbeit
mit Moskau überhaupt in Frage zu stellen, wie viele das heute tun.
Wir müssen unsere eigenen Ziele in unserem Verhältnis zur Sowjetunion klar
vor Augen behalten. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation, die zu selbstmörderischen militärischen Feindseligkeiten eskalieren
könnte, so gering wie möglich halten. Wir wollen die Chancen für ein destabilisierendes Auftreten der Supermächte in den Entwicklungsländern verringern,
soweit es geht. Wir wollen jedoch das gegenseitige Verständnis, das - lassen
Sie mich dies betonen - nicht vom gegenseitigen Vertrauen abhängt, so weit wie
möglich steigern, da es zu den ersten beiden Zielen beitragen und auch zu einer
gedeihlichen Zusammenarbeit auf jenen Gebieten führen kann, auf denen sich
unsere Interessen decken.
Nachdem wir festgelegt haben, was wir aus unseren Beziehungen zur Sowjetunion erwarten, müssen wir methodisch, beharrlich und realistisch darangehen, es

- 5 -

�es zu erlangen.

Es ist überflüssig, zu erwähnen, daß ich keinesfalls der

Auffassung bin, alles, was wir zu tun hätten, bestünde darin, uns mit der
Sowjetunion zusammenzusetzen und mit ihr vernünftig zu argumentieren, um
unsere Ziele zu erreichen. Wir sollten bei jedem anstehenden Problem von
der Voraussetzung ausgehen, daß wir und die Sowjets an entgegengesetzten
Polen stehen und daß sie versuchen werden, uns auszunützen, wo immer es möglich ist. Aber wir sollten gleichzeitig genug Selbstveritauecn besitzen,
um einen Dialog zu begrüßen und unseren Einfallsreichtum für Lösungen zu nützen, die zwar für die Sowjetunion attraktiv sind, indem sie ihren eigenen
Interessen entgegenkommen, die aber gleichzeitig in Einklang mit unseren
eigenen wesentlichsten- Zielen stehen und die - vor allem - unsere Sicherheit
und die unserer Verbündeten nicht schwächen.
Unsere Politik wird auch weiterhin im Widerstreit stehen. Nach meiner
Ansicht hält die derzeitige sowjetische Führung an ihrem Glauben an die traditionellen marxistisch-leninistischen Ziele der "Weltrevolution" fest. Aber
ich glaube auch, daß eben diese Führung davon überzeugt ist, daß ihre globalen
Ziele durch einen nuklearen Krieg nicht gefördert werden. Während sie für eine
"friedliche Koexistenz" zwi:schenOst und West eintritt, ist die Sowjetunion
weiterhin ständig als Protektor und Unterstützer für die radikalen, im wesentlichen antiwestlichen Strömungen in der Dritten Welt - die die Sowjets als
"nationale Befreiungsbewegungen" bezeichnet haben - tätig geworden. Eine solche Weltanschauung bietet uns nur geringen Trost, sollte uns jedoch auch
nicht zu dem Schluß verleiten, gegenseitig nutzbringende Zusammenarbeit sei
unmöglich. Sie ist möglich, solange sie sorgfältig geplant und ohne jede
Illusion oder utopische Vorstellung darüber durchgeführt wird, was wirklich
machbar ist.
Meiner Meinung nach haben sich die historischen Gegebenheiten auf eine
Weise entwickelt, daß nunmehr konkrete Abrüstungsmaßnahmen eine große Anziehungskraft auf die sowjetische Führung ausüben. Noch vor 10 Jahren hätten
nur wenige kenntnisreiche Amerikaner geglaubt, daß wir uns mit den Sowjets
zusammensetzen und zu einer Vereinbarung über die Begrenzung der strategischen
- 6 -

�strategischen Kernwaffen gelangen könnten.

Aber genau das ist es, was wir

mit SALT II getan haben - nach nützlichen und wirkungsvollen Schritten zur
Behandlung des Problems der Begrenzung strategischer Waffen, wie dies bei
SALT I und in Wladiwostok geschehen ist.
Ich will nicht auf die Inhalte des SALT-Abkommens eingehen; seine detaillierten und komplexen Bestimmungen sind in den letzten Wochen angemessen - einige
würden sagen: ad nauseum - vor den Senatsausschüssen diskutiert worden. Lassen
Sie mich lediglich erwähnen, was ich von meinem besonderen Standpunkt aus als
einige seiner größten Vorzüge erachte. Das Abkommen wird ein grundlegendes
Element der Stabilität in unsere Beziehungen mit der Sowjetunion einbringen.
Es scheint mir wichtig, daß der Vertrag gleiche Höchstgrenzen für das strategische Arsenal beider Seiten festsetzt und dadurch ein bis dahin bestehendes
zahlenmäßiges Ungleichgewicht zugunsten der Sowjetunion aufhebt. Er läßt uns
die Freiheit der Wahl, die Waffen zu bauen, die wir zur Erhaltung des strategischen Gleichgewichts benötigen. Er vergrößert unsere Möglichkeit, sowjetische
Tätigkeiten zu überwachen, und er ist angemessen verifizierbar - ein grundlegender Aspekt eines jeden Abkommens mit den Sowjets, da wir uns nicht auf ihren
guten Willen verlassen können.
Lassen Sie mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß ich vor einiger
Zeit öffentlich festgestellt habe, ich würde tatsächlich gegen einen Vertrag
sein, der nicht angemessen verifizierbar sei. Angesichts des Verlusts unserer
Einrichtungen im Iran behielt ich mir mein Urteil über den Vertrag vor; jetzt,
nachdem ich von den Experten hier in Washington informiert wurde - es waren
dieselben Informationen, die auch der Präsident selbst erhielt -, stimme ich
mit ihm, mit Verteidigungsminister Brown und mit dem Gemeinsamen Stab der
amerikanischen Streitkräfte überein.

Keinerlei militärisch bedeutsame Ver-

tragsverletzungen von SALT II könnten unentdeckt bleiben.

Ich hätte vor dem

Senat nicht die Zustimmung zum Vertrag empfohlen - wie ich dies vor einigen
Wochen getan habe - ,wenn ich nicht davon überzeugt wäre.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Worte zur Aushandlung des Vertrags sagen.

Eine häufig von Kritikern des Vertrags geäußerte Meinung ist die,
- 7 -

�die, daß wir besser weggekommen wären, wenn wir nur hartnäckiger gewesen
wären, weniger erpicht auf ein Abkommen - mit einem Wort: zäher.

Die logische

Folge davon ist, daß wir immer noch einen besseren Abschluß erzielen und
unsere vergangenen Fehler korrigieren könnten, wenn wir wieder zu den Sowjets
gehen und den Vertrag neu aushandeln.
Annahmen völlig falsch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß beide

Meiner Ansicht nach basieren sie auf der falschen

Einschätzung dessen, was wirklich geschah und was in unseren Beziehungen zu
den Sowjets möglich und durchführbar ist. Wir würden uns auf gefährliche Weise
täuschen, wenn wir etwas anderes glaubten.
Hinsichtlich der Aushandlung des Vertrags bin ich überzeugt, daß das Abkommen das beste ist, was zu bekommen war.

Wir hätten von den Sowjets bei je-

dem spezifischen Punkt nicht mehr erlangen können, ohne einen unannehmbaren
Preis bei einem anderen Teil des Abkommens zu bezahlen.

Ich sage dies auf-

grund meiner eigenen Teilnahme an den SALT-Verhandlungen und meiner langjährigen Erfahrung mit den Sowjets.
Auch sollten wir uns einen klaren Kopf hinsichtlich der Aussichten auf
eine Neuverhandlung bewahren. Wenn wir wieder zu den Sowjets gehen, um bei
bestimmten Themen eine Neuverhandlung zu unseren Gunsten aufgrund einiger vom
Senat verabschiedeter Abänderungsanträge zu verlangen, so würde dies höchsten
zur Neueröffnung solcher Themen führen, die zu unseren Gunsten abgeschlossen
wurden - und es gibt viele davon. Oder aber sie werden es rundweg ablehnen.
In jedem Fall würde dies den Vertrag zunichte machen. Wir sollten uns keinerlei Illusionen hingeben, was dies betrifft. Die Sowjets haben den Vertrag
unterschrieben im Glauben daran, daß dies in ihrem nationalen Interesse ist und auch wir glauben, daß er in unserem ist. Sie wollen SALT, und sie haben
gewichtige Gründe dafür. Aber ich kann mir keinerlei Umstände vorstellen, unter
denen wir sie dazu überreden könnten, mit einem Vertrag zu leben, den sie für
sich als nachteilig erachten, oder ein Abkommen anzunehmen, das auf unser
Drängen hin zu unseren Gunsten abgeändert wurde. Dies kann ganz einfach nicht
gutgehen. Aufgrund von 30 Jahren Erfahrung im Umgang mit den Sowjets kann ich
Ihnen sagen, daß es nicht ein Akt des Glaubens, sondern ein Akt der Torheit

�Torheit wäre, anders zu denken.
In diesem Zusammenhang ist es meiner Ansicht nach von großer Bedeutung,
zu begreifen, warum die Sowjets den Vertrag wollen.

Sie wollen ihn, würde

ich sagen, größtenteils aus den gleichen Gründen wie wir. Während sie uns
grundsätzlich immer noch antagonistisch gegenüberst hen, haben die Sowjets dennoch allmählich erkannt, daß ein Weltkrieg, der den Einsatz von Kernwaffen
einschließt, ihre globalen Ziele nicht fördert.

Daher sind die Sowjets an der

Entwicklung einer beständigeren Beziehung zu uns und an der Verringerung der
Möglichkeit einer gefährlichen Konfrontation mit uns interessiert.

Außerdem

will die sowjetische Führung die Mittel etwas begrenzen, die zur Zeit noch
für die strategischen Waffen verwendet werden, um auf diese Weise zusätzliche
Hilfsmittel für

andere Zwecke bereitzustellen.

Obwohl die Sowjets genau wie wir die

Notwendigkeit einer strategischen Parität und einer Zweitschlagkapazität begreifen, sind sie nicht daran interessiert, in Kernwaffensystemen zu investieren, die sie nie zu benutzen hoffen - solange sie überzeugt sind, daß sie auf
solche Systeme verzichten können, ohne ihre nationale Sicherheit zu gefährden.
Gleichzeitig ist es jedoch naiv anzunehmen, daß die Sowjetunion in einem
so hoffnungslosen wirtschaftlichen Zustand sei, daß die Sowjets ein für sie
nachteiliges SALT-Paket schlucken müssen. Ich glaube, daß dies falsch und ein
gefährliches Argument ist. Es wäre gleichermaßen naiv anzunehmen, daß Breschnew
so begierig auf ein SALT-Abkommen ist, daß er bereit wäre, sich über jede Opposition vonseiten seiner Kollegen hinwegzusetzen und ein für die Sowjetunion
nachteiliges Abkommen einzugehen. Kein Mensch mit einiger Erfahrung im Umgang
mit der Sowjetunion würde dies auch nur eine Minute lang glauben. Breschnew
würde unter keinen Umständen gegen die sowjetischen Interessen handeln, und
selbst wenn er geneigt wäre, dies um seiner eigenen Selbststilisierung willen
zu tun, hätte er dazu keine Macht.
Und was passiert, wenn der Senat SALT II nicht ratifiziert?

Meiner Mei-

nung nach würde dies ein ernster Schlag für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im allgemeinen und im besonderen
- 9 -

für den SALT-Verhandlungsablauf

�SALT-Verhandlungsablauf sein.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, daß

die Ablehnung von SALT II entweder alle Abrüstungsverhandlungen einfriert oder
einen dauerhaften Bruch unserer bilateralen Beziehungen verursacht.

Der Ab-

rüstungsprozeß ebenso wie unsere bilaterale Beziehung insgesamt wären jedoch
stark beeinträchtigt, und zu diesem Zeitpunkt kann niemand sagen, wieviel
Zeit nötig wäre, um den Schaden zu beheben.
Außerdem glaube ich, daß die Sowjets eine Alternative zu einem SALT IIAbkommen sehen - zwar eine riskante, aber auch eine mit beträchtlicher Anziehungskraft.

Wenn es dem Senat nicht gelingt, das Abkommen zu billigen,

oder wenn er auf Abänderungen besteht, die für den Kreml unannehmbar sind, so
wird das Ergebnis eine Vertrauenskrise bei unseren westlichen Verbündeten hinsichtlich der amerikanischen Führung sein.

Einen Keil zwischen die Vereinig-

ten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben, ist ein Ziel der
sowjetischen Außenpolitik, das viel älter als die Rüstungskontrolle ist.

Ich

bin davon überzeugt, daß Moskau einen Zusammenbruch des SALT-Prozesses ausnützen würde, um dieses Ziel mit aller Macht zu verfolgen.
sie würden damit einigen Erfolg haben.

Und ich glaube,

Das Ergebnis könnte eine zunehmende

Isolation Amerikas sein sowie ein Zusammenbruch unserer Anstrengungen, die
Verbesserung der konventionellen und nuklearen Verteidigung Westeuropas zu
fördern.
Ich möchte klarstellen, daß ich von der Ratifizierung des SALT II-Vertrages kein Klima erwarte, in dem wir mit Moskau ein Herz und eine Seele sind.
Nichts wäre weiter von der Wirklichkeit entfernt. Unsere Beziehung ist gegnerisch, und es wird immer ein ziemliches Maß an Reibung, an Problemen und an
Unannehmlichkeit geben.
Aber obwohl SALT II die schädigenden Elemente des Wettstreits zwischen
uns und den Sowjets nicht aus der Welt schafft, wird der Vertrag die Stabilität in der Welt vergrößern und als Sprungbrett für weitere Verhandlungen über
Waffenkontrolle und andere politische Themen dienen. Er wird es uns ermöglichen,
auf SALT III zuzugehen, auf weitere Verringerungen unserer strategischen Ar-

- 10 -

�Arsenale und auf fortgesetzte Anstrengungen zur Verminderung des Risikos,
daß unser Wettstreit in einen Nuklearkrieg umschlägt.

Und dies ohne unsere

Sicherheit oder die unserer Freunde und Verbündeten zu beeinträchtigen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß der Vertrag die Unterstützung und die Zustimmung aller Amerikaner mit gesundem Menschenverstand verdient, die, wie
ich selbst, die vitalen Interessen unseres Landes über alle anderen Erwägungen
stellen.

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15. August 1979

SEISMISCHE SONDE FÜR HEISSDAMPF IN DER ERDE

(AD) - Die Idee von Geophysikern der kalifornischen StanfordUniversität, unterirdische Heißwasser- und Heißdampffel der mittels seismischer
Wellen ausfindig zu machen, wurde jetzt in Feldstudien einer Wissenschaftlergruppe der Universität Kalifornien in Berkeley mit großem Erfolg in der
Praxis erprobt. Professor Arnos Nur (Stanford) hatte die Methode auf Grund
der Ergebnisse von Laborversuchen vorgeschlagen. Er und seine Mitarbeiter
beobachteten nämlich, daß seismische Wellen beim Durchgang durch dampfhaltiges Gestein unterschiedliche Veränderungen erfahren: Die Amplitude,
d.h. die Stärke, der transversal sich fortpflanzenden sogenannten Scherungswellen verändert sich nur geringfügig. Die Verdichtungswellen jedoch, die
sich longitudinal fortpflanzen, erfahren beim Durchgang durch eine DampfWasser-Mischung eine starke Abschwächung. Demnach müßten, so die Hypothese
der Forschergruppe Arnos Nur, an seismischen Wellen auch beim Durchgang durch
ein natürliches geothermisches Dampf-Wasser-Reservoir diese Effekte zu
erkennen sein und helfen, solche unterirdischen Vorkommen ausfindig zu machen,
Und nicht nur das: Mit der Zeit dürften sich sogar die Anteile von Wasser
und Dampf in dem bestimmten Reservoir mengenmäßig bestimmen lassen.

Im

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Im Verlauf ihrer Untersuchungen an einem bereits bekannten, jedoch
noch nicht explorierten unterirdischen Heißwasser-Reservoir in Mexiko
(nache Guadalajara im Bereich des Vulkans La Primavera, einer "jungen"
Formation, die vor 20 000 bis 30 000 Jahren sehr aktiv gewesen sein dürfte)
beobachtete eine Forschergruppe der Universität Berkeley die von den
Stanford-Wissenschaftlern vorhergesagten Effekte. Professor Thomas McEvilly,
der Leiter der Gruppe und Direktor des Departments für Geologie und Geophysik
der Universität von Berkeley, bezeichnet die Übereinstimmung der Ergebnisse
als "einen jener dankbaren Fälle, wo im Labor gewonnene Erkenntnis auf die
Natur übertragen werden können. Wir fanden genau das, was die neue Theorie
besagte.

Noch dazu war die Wellenabschwächung ein viel besserer Indikator

für die Existenz des unterirdischen Dampffeldes als alles andere, mit dem
wir bisher solche Sondierungen durchgeführt haben."
Vergleiche zwischen den Geschwindigkeiten von Verdichtungs- und
Scherungswellen wurden in den letzten Jahren zusammen mit einigen anderen
Indikatoren für Versuche zur Erdbebenvorhersage herangezogen. Wie Prof. Nur
erklärt, sei demgegenüber bei der Prospektion zur Auffindung geothermischer
Vorkommen die Amplitude, nicht aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit der
seismischen Wellen ein wichtiger Hinweis auf die Existenz eines unterirdischen Reservoirs. Man sollte sich nicht mehr auf so einfache Indikatoren
Wie heiße Quellen oder Geysire an der Oberfläche beschränken angesichts
der Notwendigkeit, auch die Erdwärme als Energiereserve so umfassend wie nur
irgend möglich zu erschließen. Vielmehr sollte jetzt systematisch unter
Einsatz der seismischen Methode nach unterirdischen Heißwasserfeldern gesucht
werden. In der Umgebung bekannter derartiger Felder seien übrigens schon
seit längerer Zeit bei Erdbeben besondere Effekte beobachtet worden, die
wissenschaftlich schwer zu deuten waren. Aber es handelte sich um ganz vereinzelte Beobachtungen, und Literaturangaben dazu seien äußerst spärlich.
Wenn aber aufgrund der jetzigen Erfahrung das Phänomen in wissenschaftlichen
Kreisen mehr beachtet wird, dürfte sich dies bald grundlegend ändern.

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15. August 1979

ZUCKERROHR ALS ENERGIEROHSTOFF

- (AD) - In der gegenwärtigen Debatte über die künftige Energiepolitik
der Vereinigten Staaten ist der Begriff "Biomasse" kaum mehr als ein
möglicher Programmpunkt für Planungen, zusätzliche Rohstoffe für die
Energieproduktion zu finden. Aber im pazifischen Inselstaat Hawaii ist
die Verwendung von Biomassen bereits eine Realität. Der 16 640 qkm große
Bundesstaat bezieht durchschnittlich 13 Prozent seines elektrischen Stromes
aus Biomassen. Auf zwei der acht größeren Inseln - nämlich auf Hawaii und
Kauai - sind es sogar 50 Prozent.
In den sogenannten Biomassen pflanzlicher und tierischer Herkunft ist
natürliche Energie gespeichert, die in verwendbare Energieformen wie z.B.
elektrischen Strom, Dampf, petrochemische Ersatzprodukte oder verschiedene
flüssige und gasförmige Brennstoffe umgewandelt wird. Zuckerfabriken in
Hawaii haben in den letzten Jahren mit großem Erfolg ein auf der Verarbeitung
solcher Biomassen basierendes Verfahren angewandt, um elektrischen Strom
für die öffentliche Versorgung und daneben noch den gesamten Betriebsstrom
für die Verarbeitungsprozesse zu erzeugen. Die anderen amerikanischen

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432

�amerikanischen Bundesstaaten nahmen davon kaum Notiz.

Erst Präsident

Carter machte kürzlich anläßlich eines Besuches in Hawaii auf die dort
bereits gut entwickelte Nutzung alternativer Energiequellen wie Erdwärme,
Sonnenenergie mittels Solarzellen sowie von Biomassen (vorwiegend auf der
Basis der Zuckerrohrverarbeitung für die Produktion von Methyl- und Äthylalkohol)
aufmerksam.

Das Hawaii-Modell sei beispielhaft, so der Präsident, und sollte

in möglichst großem Umfang in den kontinentalen Bundesstaaten der USA Nachahmung finden.
Der Energie-"Rohstoff" für die Stromerzeugung ist Bagasse, der Preßrückstand des Zuckerrohrs. Für die Zuckergewinnung wird Zuckerrohr nach
dem Waschen zwischen großen Walzen zerkleinert, die gleichzeitig den Zuckersaft herauspressen. Die zurückbleibende Bagasse wird zusammen mit restlichem
Blattwerk in der Heizanlage eines Dampfkessels verbrannt. Der so gewonnene
Heißdampf treibt einen Turbogenerator, mit dem Kraftstrom für das öffentliche
Stromnetz erzeugt wird. Der Abdampf dieser Turbine hält drei weitere
(Niederdruck)-Turbinen in Gang, die den Strom für die innerbetriebliche
Versorgung liefern. Sogar die Abwärme dieser Aggregate wird noch genutzt nämlich zum Trocknen des Saftes, aus dem in Trocknerbatterien der Rohzucker
kristallisiert. An diesem Punkt der Produktionskette hat der kondensierte
Dampf seine Energie zum größten Teil abgegeben und wird als Speisewasser zum
Kessel zurückgeleitet.
Dieses wirtschaftliche Verfahren gab der "Hilo Coast Processing
Company" die Möglichkeit, mit der Elektrizitätsgesellschaft von Hawaii
einen 20-Jahres-Vertrag über die kontinuierliche Lieferung von Strom für
das Versorgungsnetz abzuschließen. Er bringt ihr jährlich neben einer
gesicherten Energieversorgung des eigenen Betriebs Einkünfte von schätzungsweise zwei Millionen Dollar sowie die zusätzliche Honorierung von Sonderleistungen ein. Dieses Geschäft erwies sich angesichts der schlechten
Zucker-Weltmarktpreise und der rapide gestiegenen Erdöl kosten als ein
Schlüsselfaktor für das überleben der Zuckerindistrie auf Hawaii.
Die
- 2 -

�Die Wirtschaft sah sich durch den Erfolg ermutigt, gemeinsam mit
bundesstaatlichen Behörden in Hawaii und Fachleuten des US-Energieministeriums
in Washington nach Mitteln und Wegen zu suchen, um auch die bei der Zuckerproduktion anfallende Melasse zu verwerten und daraus Äthylalkohol in großtechnischen Mengen zu gewinnen.

Die Melasse-Rückstände, die noch erhebliche

Mengen von Zucker, dazu Stickstoffverbindungen, Salze und Wasser enthalten,
werden als Futterzusatz, zur Herstellung von Hefe und zum Vergären verwendet.
Äthylalkohol als Benzinzusatz ließe sich durch Fermentation der Melasse nach
dem Zugeben von Hefe und Wasser gewinnen.
1:9 Benzin zugemischt.
GASOHOL.

Das Produkt würde im Verhältnis

Dieser Kraftstoff erhielt in den USA die Bezeichnung

Auf der Hawaii-Insel Maui wird gegenwärtig eine Pilotanlage errichtet,

die jährlich 2,3 Millionen Liter Äthanol aus Melasse erzeugen soll.

Damit

könnte bei Verwendung dieses Alkohols als Benzinzusatz mehr als 20 Prozent
des Kraftstoffbedarfs auf der Insel gedeckt werden.

+ + + + +

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