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Embassy of the United States of America

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15. April 1992

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GUS-HILFE

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION GUTES
ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats

NICHTVERBREITUNG

DREI JAHRE FORTSCHRITTE
BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung von Staatsekretär Bartholomew

EBWE

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR
DEN PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

HANDEL

DER US-HANDEL 1992 EIN AUSBLICK
von John Jelacic

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
15. April 1992

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION
GUTES ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge sind die in den neuen Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums stattfindenden demokratischen Revolutionen zeit seines Lebens "die beste Hoffnung" für "echten
Frieden".
Nach dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus "befinden wir
uns an der Schwelle zu einer neuen Welt der Chancen und des Friedens", erklärte Bush am 9. April 1992 vor
Mitgliedern der amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bushs im Wortlaut mit leichten Kürzungen.
Heute möchte ich mit Ihnen einige ernsthafte Betrachtungen zu den Ereignissen auf der Welt anstellen.
Blicken Sie auf die Welt von heute. Denken Sie an die
Schlagzeilen machenden Ereignisse der vergangenen
Jahre und unseren Sieg im kalten Krieg, den Zerfall
des imperialen Kommunismus, die Befreiung Kuwaits.
Denken Sie an die großen Revolutionen von 1989, die
den Fall der Berliner Mauer bewirkten, die Fesseln des
Kommunismus iösten und Osteuropa eine neue Welt
der Freiheit erschlossen. Und denken Sie an die Rolle,
die diese Nation bei jedem dieser großen Triumphe
gespielt hat - die Opfer, die wir erbrachten und das
Sendungsbewußtsein, das uns leitete.
Jeder Tag eröffnet neue Chancen, neue Realitäten,
neue Hoffnungen, neue Horizonte. Allein in den vergangenen sechs Monaten haben wir 18 völlig neue
Nationen anerkannt. Der Großteil dieser Nationen
wurde natürlich aus einem Ereignis von großer Tragweite heraus geboren: dem Zerfall des sowjetischen
Kommunismus.
Heute möchte ich mit Ihnen über die wichtigste au ßenpolitische Chance unserer Zeit sprechen - eine Chance, die die Sicherheit und Zukunft jedes Amerikaners,
jung und alt, im Verlauf dieses gesamten Jahrzehnts
betreffen wird.
Die in Rußland, Armenien, der Ukraine und den anderen neuen Nationen des alten sowjetischen Imperiums
staffindenden Revolutionen verkörpern zeit meines
Lebens die beste Hoffnung für echten Frieden. Kurz
nach meiner Amtsübernahme umriß ich eine neue
amerikanische Strategie als Reaktion auf die sich in
AMERIKA DIENST 15

der Sowjetunion sowie Ost- und Mitteleuropa vollziehenden Veränderungen. Sie sollte über das Containment hinausgehen, Reformen ermutigen und für die
gefangenen Nationen des Ostens auf immer Freiheit
unterstützen.
Nach den dramatischen Revolutionen in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, Revolutionen, die
sich dann auf Rumänien, Bulgarien und selbst Albanien ausbreiteten, nach der Vereinigung Deutschlands
in der NATO, nach dem Zerfall der einen Macht - der
UdSSR -, die unsere Lebensart bedrohte, ist diese
Mission jetzt erfüllt. Der kalte Krieg ist vorüber. Das
Gespenst des nuklearen Weltkriegs ist verschwunden. Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen. Und jetzt befinden wir uns an der Schwelle zu
einer neuen Welt der Chancen und des Friedens.
Mit dem Ende des kalten Kriegs muß jedoch noch eine
neue Ordnung an seine Stelle treten. Die Chancen enorm. Sie sind riesig. Aber ebenso groß sind die
Gefahren. Und so stehen wir im Rampenlicht der
Geschichte - eine neue Welt lockt, während die Geschichte im Dunkeln liegt.
Ich möchte heute einen neuen Auftrag der amerikanischen Politik gegenüber Rußland und den anderen
neuen Nationen der ehemaligen UdSSR umrei ßen. Es
ist ein Auftrag, der unsere Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen fördern kann, während er gleichzeitig
den Primat amerikanischer Werte hochhält - Werte,
die wie Lincoln es formulierte, die "letzte, beste Hoffnung der Erde" sind.

Seite 1

�Die Amerikaner haben stets gut reagiert, wenn Neuland lockte. Meines Erachtens besteht das vor uns
liegende Neuland für uns und nachfolgende Generationen darin, einen demokratischen Frieden in Europa
und der ehemaligen UdSSR sicherzustellen, der dauerhaften Frieden für de Vereinigten Staaten von Amerika
gewährleisten wird.

Sie streben danach, die Herrschaft des Zwangs durch
Rechtsstaatlichkeit zu ersetzen. Und sie sind bestrebt,
zum ersten Mal in der Geschichte ihrer Länder Herrschaft nicht im Namen des Volkes zu erzwingen,
sondern Regierungen des Volkes durch und für das
Volk aufzubauen. Und sie streben eine Zukunft freier
und offener Märkte an, in denen die wirtschaftlichen
Rechte beim einzelnen liegen und nicht den Launen
Der demokratische Frieden muß sich auf die beiden zentraler Planer ausgesetzt sind. Sie streben PartnerSäulen politischer und wirtschaftlicher Freiheit grün- schaften an. Sie möchten mit uns Bündnisse eingeden. Der Erfolg der Reformen in Rußland und der hen. Und sie streben danach, Wettlauf und Konflikte
Ukraine, Armenien und Kasachstan, Belarus und dem zu beenden.
Baltikum wird der beste Garant unserer Sicherheit,
unseres Wohlstands und unserer Freiheit sein.
Unsere Ziele sind ihre Ziele. Und in dieser Zeit des
Übergangs gehen sie auf uns zu. Sie möchten unsere
Nach einem langen kalten Krieg ist soviel klar: Demo- Hilfe. Und wenn wir handeln wollen, müssen wir
kraten im Kreml können unsere Sicherheit auf eine Art eindeutig herausfinden, was auf dem Spiel steht.
gewährleisten, wie Raketen es niemals konnten. Ein
Großteil der Außenpolitik meiner Administration war Vor vierzig Jahren hatten Amerikaner die Vorsteldem friedlichen Sieg im kalten Krieg gewidmet. Und lungskraft und Vernunft, besiegten Feinden wieder auf
die nächsten vier Jahre müssen dem Aufbau eines die Beine zu helfen - als Demokratien. Nun, als welch
demokratischen Friedens gewidmet sein - nicht nur für kluge Investition hat sich dies herausgestellt. Diejenidiejenigen von uns, die den kalten Krieg erlebt und gen, denen wir halfen, wurden enge Verbündete und
gewonnen haben, sondern auf Generationen hinaus. wichtige Handelspartner.
Seit den ersten Tagen des kalten Krieges war unsere
Mission das Containment - der Einsatz der kombinierten Ressourcen des Westens, um der Expansion, den
expansionistischen Zielen des sowjetischen Imperiums
Einhalt zu gebieten. Als Präsident habe ich die Politik
verfolgt, über das Containment hinaus zu gehen und
die Macht Amerikas und des Westens einzusetzen,
um den kalten Krieg mit dem Sieg der Freiheit zu
beenden.
Und heute sind wir an einem Wendepunkt angelangt.
Wir haben den imperialen Kommunismus besiegt.
Aber wir haben noch nicht'den Sieg der Demokratie
erlangt. Dieser demokratische Frieden ist nicht leicht
zu erringen. Das Gewicht der Geschichte, der 74
Jahre kommunistischer Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR lehrt uns, daß der Aufbau von Demokratie
und wirtschaftlicher Freiheit Jahre erfordern wird.
Amerika muß deshalb zu dem Schluß kommen, daß
unser Engagement ebenso fest und dauerhaft sein
muß.
Mit diesem Engagement haben wir die Chance, eine
gänzlich andere Welt aufzubauen - eine Welt, die sich
auf die gemeinsamen Werte politischer und wirtschaftlicher Freiheit zwischen Rußland und Amerika, zwischen Ost und West gründet sowie auf einen Frieden,
der auf gegenseitigem Vertrauen und nicht gegenseitigem Schrecken beruht.

Unsere heutige Wahl ist klar: Mit unserer Hilfe können
Rußland, die Ukraine und andere neue Staaten demokratische Freunde und Partner werden. Und ich möchte
hier feststellen, daß sie unsere Hilfe bekommen werden. Wie nützt dies Amerika, werden sie vielleicht
fragen? Wir können endgültig die nukleare Konfrontation beenden, die unsere gesamte Zivilisation über vier
Jahrzehnte hinweg zur Geisel machte. Die Drohung
eines großen Landkrieges in Westeuropa ist mit dem
Zerfall des Warschauer Pakts verschwunden.
Ein demokratisches Rußland ist die beste Garantie
gegen eine erneuerte Gefahr des Wettlaufs und die
Drohung der nuklearen Rivalität. Das Scheitern des
demokratischen Experiments könnte eine dunkle Zukunft
heraufbeschwören, die Rückkehr des A'itnritarismus
oder einen Sturz in die Anarchie. In jedem Fall wäre
das Resultat auf Jahre hinaus eine Bedrohung unseres Friedens, unseres Wohlstands und unserer Sicherheit.
Wir sollten uns jedoch nicht auf die Gefahren des
Scheiterns konzentrieren, sondern auf die Dividenden
des Erfolgs.

Erstens können wir dieses Jahr und Jahr für Jahr
danach eine echte Friedensdividende in Form dauerhaft verringerter Verteidigungshaushalte ernten. Wir
haben bereits Einsparungen der Verteidigungsausgaben von 50 Milliarden Dollar bis 1997 vorgeschlagen.
Und heute finden wir uns in einer nahezu unvorstellba- Diese Kürzungen erfolgen zusätzlich zu den Einsparen Welt wieder, in der Demokraten, nicht Kommuni- rungen in Höhe von 267 Milliarden Dollar, also über
sten, in Moskau, Kiew und Eriwan an der Macht sind. eine viertel Billion Dollar an vorgesehenen VerteidiIn einer neuen Welt, in der eine neue Sorte von gungsausgaben seit dem Fall der Berliner Mauer.
politischen Entscheidungsträgem - unter anderen Boris Täuschen Sie sich nicht: Ich werde keine rücksichtsJelzin, Lewon Ter-Petrosjan, Leonid Krawtschuk, Askar losen Kürzungen vornehmen, die unsere nationale
Sicherheit grundlegend gefährden würaen.
Akajew - auf Reformen drängen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�Zweitens können wir in Zusammenarbeit mit unseren
russischen Partnern und unseren Verbündeten eine
neue internationale Landschaft errichten - eine Landschaft, in der entstehende Bedrohungen eingedämmt
und zunhhte gemacht werden, in der wir konzertiert
handeln, um gemeinsamen Bedrohungen unserer
Umwelt zu begegnen, in der Terroristen keinen sicheren Zufluchtsort finden und in der echte Koalitionen
gleichgesinnter Länder gemeinsam auf Gefahren und
Chancen reagieren.
Drittens schließlich wird der Triumph freier Regierungen und freier Märkte in der alten Sowjetunion große
Chancen für den Welthandel und das Wirtschaftswachstum bedeuten. Ein demokratisches Rußland,
das der freien Marktwirtschaft verpflichtet ist, wird
einen Impuls zu starkem Wachstum des Welthandels
und weltweiter Investitionen geben. Die Bürger der
ehemaligen Sowjetunion sind gut ausgebildet und
hochqualifiziert. Sie möchten für ihre Familien ebenso
eine bessere Zukunft wie jeder von uns für seine
Familie.
Und gemeinsam bilden sie einen potentiell riesigen
Markt, der sich über 11 Zeitzonen erstreckt und nahezu 300 Millionen Menschen umfaßt. Kein Volkswirtschaftler kann den Wert der Handelsmöglichkeiten
genau angeben, die wir uns erhoffen. Es ist unmöglich,
dies zu berechnen. Aber das Potential für Wohlstand
ist groß. Verstärkter Handel bedeutet enorme neue
Märkte für amerikanische Waren, neue Chancen für
amerikanische Unternehmer, neue Arbeitsplätze für
amerikanische Arbeitnehmer. Und ich fühle mich dazu
verpflichtet, der amerikanischen Wirtschaft jede erdenkliche Möglichkeit zu verschaffen, fair und gleichberechtigt auf diesen neuen Märkten zu konkurrieren.
So habe ich in der vergangenen Woche beispielsweise
den amerikanischen Kongreß ersucht, die Stevensonund Byrd-Zusätze aufzuheben, die die Möglichkeiten
der Export import-Bank einschränken, amerikanische
Exporte in die ehemalige UdSSR zu fördern. Und ich
freue mich, daß der Kongreß gehandelt hat. Darüber
hinaus strebe ich den Abschluß von Verträgen über
'-tendel, bilaterale Investitionen und Steuern mit jedem
der neuen Staaten an. Das erste Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Armenien wurde letzte
Woche unterzeichnet. Und wir erwarten, daß zahlreiche weitere folgen werden.
Die russische Demokratie liegt im Interesse Amerikas.
Sie steht darüber hinaus mit den wichtigsten Idealen
dieser Nation im Einklang. Über die Grenzen von
Sprache und Kultur, über den Abgrund des durch den
kalten Krieg verursachten Mißtrauens hinweg, fühlen
wir uns zu gemeinsamen Werten hingezogen. Und in
der Prüfung der langen Leidenszeit der Völker des
sowjetischen Imperiums erkennen wir Spuren der
Vergangenheit unserer Nation. In ihren Hoffnungen
und Träumen erkennen wir unsere eigenen.

AMERIKA DIENST 15

Dies ist ein Artikel des amerikanischen Bekenntnisses:
Freiheit ist nicht das besondere Vorrecht einer Nation,
sondern das Geburtsrecht von Männern und Frauen
überall. Und wir haben immer von dem Tag geträumt,
an dem Demokratie und Freiheit in jedem Winkel der
Erde, in jeder gefangengehaltenen Nation und jeder
geschlossenen Gesellschaft triumphieren werden. Und
dies mag zeit unseres Lebens niemals eintreten, aber
es kann nun für die Millionen von Menschen geschehen, die so lange unter der totalitären sowjetischen
Herrschaft gelitten haben.
Manche halten diese Betrachtungsweise der Zukunft
vielleicht für etwas unrealistisch. Ich möchte Sie daran
erinnern, daß drei unserer wichtigsten Partner, die mit
uns der Demokratie in Rußland zum Erfolg verhelfen,
keine geringeren sind als Deutschland, Japan und
Italien. Wenn wir jetzt Rußland in die Gemeinschaft
freier Staaten einbeziehen können, die amerikanische
Ideale teilen, werden wir Hoffnung in einem Jahrhundert verwirklichen, das so viel Leid erfahren hat.
De Tocqueville hat geschrieben, es sei nicht unvermeidlich gewesen, daß sich ausgerechnet Amerika
und Rußland dem Kampf um globale Vorherrschaft
verschrieben haben. De Tocqueville kannte nur ein
despotisches Rußland, aber wir sehen ein demokratisches Rußland, das wir sichern helfen können. Eine
der größten Leistungen Amerikas in diesem Jahrhundert war unsere Führungsrolle in einer bemerkenswerten Staatengemeinschaft; der freien Welt. Diese
Gemeinschaft ist demokratisch. Sie ist stabil. Sie ist
wohlhabend und kooperativ. Sie ist unabhängig. Und
Amerika - wir alle - ist deshalb umso besser. Wir haben
starke Verbündete. Wir treiben umfangreichen Handel
und sind infolge unseres Engagements für diese freie
Welt sicherer.
Jetzt müssen wir diese erfolgreichste Gemeinschaft
erweitem, damit sie unsere früheren Gegner einschließt.
Dies ist jetzt gut für Amerika. Eine Welt, die mit uns
Handel treibt, bringt uns größeren Wohlstand. Eine
Welt, die unsere Werte teilt, stärkt den Frieden. Dies
ist die Welt, die jetzt vor uns liegt. Dies ist die Welt, die
wir hervorbringen können, wenn wir die Vision haben,
nach ihr zu streben. Und dies ist der Frieden, den wir
nicht verlieren dürfen.
Genau dies tun wir jetzt, um den Frieden zu gewinnen.
Strategisch betrachtet, streben wir gemeinsam mit
den Russen nach historischen Reduzierungen von
Nuklearwaffen. Wir drängen auf eine baldige Ratifizierung von START und KSE. Und wir arbeiten mit allen
neuen Staaten zusammen, um die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Wir bieten
unsere Hilfe an, um Sicherheit, die Sicherheit von
Nuklearwaffen und deren Zerstörung zu gewährleisten.

Seite 3

�Darüber hinaus engagieren wir uns für ein intensives
Austauschprogramm bei den Militärs, um die Verbindungen zwischen unseren Armeen zu verliefen und
eine einmalige Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich aufzubauen - eine Zusammenarbeit, die noch vor
wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen teilen wir die
Lasten verantwortungsvoll und handeln im besten
Interesse des amerikanischen Steuerzahlers.

Ich weiß, daß eine breite öffentliche Unterstützung für
unsere Bestrebungen zur Verabschiedung dieses
Programms entscheidend ist. Deshalb möchte ich
Auf politischer Ebene sind wir bestrebt, daß Amerika denjenigen, die sagen: "Ja, die Menschen in Rußland
und amerikanische Werte in diesen neuen Ländern und im gesamten alten Sowjetimperium kämpfen, und
repräsentiert sind. Wir sind das einzige Land, das wir wünschen uns ihren Erfolg und daß sie der demoBotschaften in allen früheren Republiken unterhält. kratischen Staatengemeinschaft beitreten. Aber was
Wir planen, Amerika Häuser und amerikanisches Know- ist mit uns? Wie halten wir es mit den Herausforderunhow in die frühere UdSSR zu bringen, Hunderte von gen und Zwängen hier in Amerika? Ist es nicht an der
freiwilligen Helfern des Peace Cors dorthin zu entsen- Zeit, daß wir uns um uns selbst kümmern?" folgendes
den, um beim Aufbau kleiner Betriebe zu helfen, entgegenhalten: Frieden und Wohlstand liegen im
wichtige Austauschprogramme von Studenten, Frei- Interesses jedes Amerikaners, jedes einzelnen Menberuflern und Wissenschaftlern einzuführen, damit schen heute und aller nachfolgenden Generationen.
unser Volk die Bindungen begründen kann, die für den
Als Nation haben wir über 4.000 Milliarden Dollar
dauerhaften Frieden so wichtig sind.
ausgegeben, um den kalten Krieg zu gewinnen. VerIn der Wirtschaft haben wir gemeinsam mit der Euro- glichen mit einem solch ungeheuren Opfer betragen
päischen Gemeinschaft und vielen anderen Ländern die Kosten zur Förderung der Demokratie nur einen
eine globale Koalition gebildet und im letzten Winter Bruchteil dessen, und die Auswirkungen auf Frieden
dringend benötigte Nahrungs- und Arzneimittelhilfe und Wohlstand sind unermeßlich. Amerika muß die
gewährt. Jetzt werden wir Amerikaner entsenden, Führung übernehmen, um diese neue Welt des Friedamit sie Verbesserungen bei der Verteilung von dens zu schaffen.
Lebensmitteln, im Energiesektor, bei der Umwandlung
Dreimal in diesem Jahrhundert wurde Amerika aufgeder Rüstungsindustrie und Demokratisierung leisten.
fordert, an der Konstruktion eines dauerhaften FrieIch habe dem Kongreß das Gesetz zur Förderung der dens in Europa mitzuwirken. Diesen Monat vor 75
Freiheit vorgelegt, ein umfassendes und integriertes Jahren sind die Vereinigten Staaten in den Ersten
Gesetzespaket, das neue Möglichkeiten zur Förde- Weltkrieg eingetreten, um die Waage gegen Aggresrung der Freiheit schafft und alle Gesetze des kalten sion ausschlagen zu lassen. Und dennoch hat sich
Kriegs außer Kraft setzt. In seinen wichtigsten Punk- Amerika nach der gewonnenen Schlacht hinter dem
ten fordert dieses Gesetz den Kongreß auf, meiner Ozean zurückgezogen, und "der Krieg zur Beendigung
Forderung nach 620 Millionen Dollar nachzukommen, aller Kriege" hat einen Frieden hervorgebracht, der
um technische Hilfsprojekte in der früheren UdSSR zu nicht einmal eine Generation überdauerte. Tatsächfördern. Es fordert ferner den Kongreß auf, die US- lich hatte sich der Frieden zur Zeit meiner Geburt, im
Quote beim IWF um 12 Milliarden Dollar zu erhöhen. Jahr 1924, bereits wieder aufgelöst. Wozu hat Deutschlands wirtschaftliches Chaos bald geführt? Zu faschiIch möchte mit beiden Parteien im Kongreß zusam- stischer Diktatur. Die Saat eines anderen, schrecklimenarbeiten, um dieses Gesetz zu verabschieden. cheren Krieges war gesät.
Ich möchte dieses Gesetz noch vor dem Gipfel mit
Präsident Jelzin im Juni in Washington unterzeichnen. Und immer noch blieb der isolationistische Impuls
Ebenso wie die Früchte dieser neuen Welt nicht von stark. Jahre später, als die Nazis über den Kontinent
einem einzigen Land geerntet werden, liegt auch die zu marschieren begannen, kann ich mich daran erinLast nicht nur auf Amerika allein. Zusammen mit nern, daß die Zeitungen hier in den Vereinigten Staaunseren Verbündeten haben wir ein 24-Milliarden- ten immer noch über "Europas Krieg" sprachen, als ob
Dollar-Paket finanzieller Hilfe entwickelt. Sein Ziel: Amerika sich abschotten könnte, als ob wir uns von der
Präsident Jelzins Reformen die dringend benötigte Welt jenseits unserer Ufer abschotten könnten.
Unterstützung zu gewähren.
Infolgedessen - Sie kennen die Antwort - haben wir d&lt;*n
Wir verfolgen eine Politik des kollektiven Engage- teuersten Krieg in der Geschichte der Menschheit
ments und der gemeinsamen Verantwortung. In geführt. Einen Krieg, der das Leben zahlloser MillioZusammenarbeit mit der G-7, dem IWF und der Welt- nen gekostet hat. Am Ende des Krieges erblickten wir
bank wollen wir die wirtschaftliche Umgestaltung för- wieder einmal die Aussicht auf eine neue Welt am
dern, die für einen dauerhaften demokratischen Frie- Horizont. Aber der große Sieg über den Faschismus
wich bald der grausigen Realität einer neuen kommuden so wichtig ist.
nistischen Bedrohung.
45 Jahre nach ihrer Gründung dienen jetzt die von uns
nach dem Zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffenen Institutionen ihrem ursprünglichen Zweck.
Seite 4

AMERIKA DIENST 15

�Wir hatten Glück, daß unsere Spitzenpolitiker nach
dem Krieg - Demokraten und Republikaner gleichermaßen - die Lektionen der Vergangeneheit beim Aufbau des Friedens in den nächsten vierzig Jahren nicht
verlernt hatten. Sie bildeten eine Koalition, in der sich
Amerika weiterhin engagierte, die den Frieden im
langen schwierigen Kampf gegen den Sowjetkommunismus aufrechterhielt. Sie lehrten die Lektion, die wir
heute auch beachten müssen: daß es die nobelste
Aufgabe des Siegers ist, den Feind zum Freund zu
machen.
Jetzt hat Amerika zum dritten Mal die Möglichkeit, die
Art dauerhaften Friedens zu schaffen, die uns so lange
versagt blieb. In diesem entscheidenden Augenblick
weiß ich, wo ich stehe. Ich stehe für Amerikas Engagement ein, einen demokratischen Frieden zu fördern,

*

AMERIKA DIENST 15

einen Frieden, der der nächsten Generation eine Welt
bieten kann, die frei von Kriegen und frei von Konflikten
ist.
Nach 50 Jahren der Angst und des Mißtrauens müssen Amerika, Rußland und die neuen Länder der
früheren UdSSR Partner im Frieden werden. Nach 50
Jahren des kalten Kriegs und der scharfen Worte
müssen wir uns für gemeinsame Werte aussprechen
und danach handeln. Und nach 50 Jahren des bewaffneten und unsicheren Friedens müssen wir in eine
neue Welt der Freiheit, Zusammenarbeit, Versöhnung
und Hoffnung eintreten.
Ich danke Ihnen, daß Sie mich heute hierher eingeladen haben. Gott segne die freien Völker des früheren
sowjetischen Imperiums - und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika.

* * *

*

Seite 5

�GUS-HILFE
15. April 1992

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Kongreß das Gesetz zur Förderung der Freiheit vor der Ankunft von Präsident
Jelzin im Juni verabschiedet, wären die Vereinigten Staaten Außenminister Baker zufolge in der Lage, den
Washingtoner Gipfel als "Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung
der Demokratie in ganz Rußland und Eurasien zu nutzen".
In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats warnte Baker am 9. April 1992, daß die Beziehungen zu Rußland, der Ukraine, Armenien, Kasachstan und Belarus ohne die Zustimmung zu dem Gesetz
ebenso leiden werden wie "unsere Position in der Welt allgemein".
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit würde die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten unterstützen, stellte Baker fest, die auf den "Abbau der Bedrohung, Demilitarisierung und nukleare
Sicherheit" abzielen, Mittel für "Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug und Verlegung der
damals sowjetischen Streitkräfte sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung" bewilligen.
Baker drängte den Kongreß, jetzt zu handeln und die sich durch das Ende des kalten Kriegs bietenden Chancen
zu ergreifen, "um auf demokratischen Frieden und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten". Die Entscheidungen,
"die wir jetzt treffen, werden auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben", betonte der Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Mitte des vergangenen Jahrhunderts prophezeite Alexis
de Tocqueville, Amerika und Rußland seien dazu
bestimmt, jeweils eine Hälfte der Welt in ihren Händen
zu halten. Im Verlauf dieses Jahrhunderts wurden de
Tocquevilles Worte wieder und wieder als Prophezeiung der Rivalität zwischen den Supermächten zitiert,
die die Weltpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg beherrscht und geteilt hat.
Heute sind wir zur Erörterung eines Themas zusammengekommen - der demokratischen Revolutionen in
Rußland und Eurasien - das bis weit ins nächste
Jahrhundert tiefgreifende Auswirkungen auf den Frieden und Wohlstand der Vereinigten Staaten haben
wird.
Mit unseren Hoffnungen für das 21. Jahrhundert vor
Augen bin ich heute hierher gekommen, um unsere
Arbeit für ein vorrangiges Ziel voranzubrigen - die
Rivalitäten der Geschichte zu überwinden und statt
dessen mit den Völkern Rußlands und Eurasiens
einen demokratischen Frieden aufzubauen, einen
dauerhaften Frieden, der weit bis ins nächste Jahrhundert zur Einigung der Welt beitragen kann.

AMERIKA DIENST 15

Ich möchte Ihnen heute unsere Vision eines demokratischen Friedens erläutern, der den alten Eisernen
Vorhang für immer heben und die Länder Rußlands
und Eurasiens - und Mittel- und Osteuropas - mit der
demokratischen Staatengemeinschaft vereinigen kann.
Darüber hinaus möchte ich erklären, was bei dieser
historischen Umgestaltung auf dem Spiel steht, wie wir
Demokratie und freie Märkte in Rußland und Eurasien
unterstützen werden und was der Kongreß tun muß.
Bevor ich fortfahre, möchte ich Ihnen unseren Tenor
erläutern. Der Präsident und ich bitten den Kongreß,
das Gesetz zur Förderung der Freiheit bis zur Ankunft
Präsident Jelzins im Juni zu verabschieden. Mit der
Verabschiedung des Gesetzes werden wir in der Lage
sein, den Gipfel im Juni als Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung der Demokratie in ganz Rußland und
Eurasien zu nutzen. Ohne das Gesetz zur Förderung
der Freiheit werden nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen leiden, sondern auch unsere
Beziehungen zu der Ukraine und Armenien, Kasachstan und Belarus sowie unsere Position in der Welt
allgemein.
Seite 1

�Ein demokratischer Frieden
Lassen Sie mich mit unserer Vision der Zukunft beginnen - einer Vision und einem Ansatz, den der Präsident
heute nachmittag darlegen wird, wenn er vor der
Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsverleger
spricht. Wie Sie sehen werden, ist die Vision des
Präsidenten eine zielgerichtete und zwingende Vision
- eine Sichtweise der amerikanischen Beziehungen zu
Rußland und Eurasien, die unseres Erachtens alle
Amerikaner teilen können.
Bis vor kurzem wurde de Tocquevilles Prophezeiung
größtenteils durch die Ereignisse verwirklicht. Amerika und das zaristische Rußland waren niemals enge
Partner, und mit der bolschewistischen Machtübernahme 1917 wurden die neue Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten rasch zu Rivalen. Mit Ausnahme
des Zweiten Weltkriegs und der letzten Jahre unter
Präsident Gorbatschow blieben wir Rivalen und Konkurrenten der Sowjetunion.
Obwohl einige das Argument vorbringen mögen, der
kalte Krieg sei primär eine geopolitische, durch konkurrierende Interessen genährte Rivalität, wurde das echte
Feuer der Konfrontation aus einer anderen Quelle
geschürt: einem deutlichen und unversöhnlichen Konflikt
über Grundwerte. Im Kern war der kalte Krieg ein
gigantischer Kampf zwischen Freiheit und Totalitarismus.
Unsere Lösung für diesen schwierigen und unbequemen Zustand war das Containment. Obwohl das
Containment eine erfolgreiche Politik war, war es nie
eine wirklich zufriedenstellende, denn im Grunde war
es eine Politik mit einem negativen Ziel: Die Stalinisten
davon abzuschrecken, weiterzugehen und gleichzeitig
einen Atomkrieg abzuwenden.
Infolgedessen war der Frieden nach dem kalten Krieg
überhaupt kein echter Frieden, sondern in Wirklichkeit
ein durch häufige Krisen zwischen den Supermächten
akzentuiertes sporadisches Entgegenkommen. Frieden war schlicht und einfach die Vermeidung von
Krieg, nicht die Versöhnung der Menschen. Und die
Vermeidung von Krieg wurde nur durch Konfrontation,
Spannung und das Damoklesschwert eines nuklearen
Holocaust erreicht.
Heute sehen wir uns mit einer vollständig anderen und
neuen Situation konfrontiert - der Chance, einen auf
gemeinsame demokratische Werte gegründeten echten Frieden aufzubauen.
Heute leben wir in einer Welt, in der frei gewählte
Politiker in Moskau und Kiew, Eriwan und Bischkek,
Kischinjow und Alma-Ata regieren. Unsere Bestrebungen - der Wunsch, unser Schicksal in politischer
und wirtschaftlicher Freiheit selbst zu bestimmen - sind
gleichermaßen ihre Bestrebungen. Unsere Fundamente - die Rechte des einzelnen, Rechtsstaatlichkeit,
freie Wahlen - werden ihre Fundamente.
Seite 2

Heute haben wir die Chance, radikal mit der Vergangenheit zu brechen. Wir können unseren Blick weit
über das negative Ziel des Containment hinausrichten,
weil jetzt ein positiver Zweck winkt: Die Unterstützung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit und die Schaffung eines demokratischen Friedens mit Rußland und
Eurasien.
Ein demokratischer Frieden wäre ein echter Frieden,
nicht nur das Fehlen eines Krieges. Wenn wir von dem
ausgehen, was der Präsident als die beiden Säulen der
politischen und wirtschaftlichen Freiheit bezeichnet, ist
der Boden für Kooperation und gemeinsame Arbeit
bereitet, nicht für Konflikt und militärischen Wettbewerb. Mit einer solchen Grundlage für unsere Beziehungen wäre der Frieden, den wir mit Rußland, der
Ukraine und den anderen neuen Staaten teilen, ein auf
gemeinsame Werte gegründeter Frieden - der dauerhafte Frieden, den wir mit Großbritannien oder Frankreich teilen.
Es wäre ein Frieden, den wir mit ehemaligen Gegnern
wie Deutschland, Italien und Japan teilen, die heute die
gleichen demokratischen Werte wie wir haben. Niemand sieht heute einen Krieg mit diesen Ländern
voraus, und der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach
dem Zweiten Weltkrieg haben wir in diesen Nationen
politische und wirtschaftliche Freiheit unterstützt, und
indem wir dies taten, haben wir einem Analysten
zufolge eine Friedenszone aufgebaut.
Indem wir heute den Russen und Kasachen, Usbeken
und Aserbaidschanern unsere Hand reichen, können
wir diese Friedenszone erweitern. Indem wir jetzt
unsere gemeinsamen Werte kultivieren, können wir für
nachfolgende Generationen gefährliche Konflikte
vermeiden. Das ist ein dem amerikanischen Volk
wertes Ziel. Und unseres Erachtens sind alle Amerikaner bereit, dieses Ziel zu unterstützen.
Was auf dem Spiel steht
Dies ist der Grund.
Eine demokratische Regierung in Rußland wird nicht
länger eine eindeutige und allgegenwärtige Bedrohung der Vereinigten Staaten darstellen. Echte
Demokratien beginnen keinen Krieg mit einem anderen Land. Rüstungskontrolle hat sich mit diesem
Symptom befaßt - Nuklearwaffen - während der demokratische Erfolg in Rußland sich der Ursache annimmt:
Totalitarismus.
Demokratie in Ru Bland wird die Chancen für Demokratie in Belarus und der Ukraine, Kasachstan und Usbekistan stützen. All dies wird sich nicht nur zum Vorteil
unserer Verbündeten in Westeuropa erweisen, sondern auch für die Aussichten auf Demokratie in Mittelund Osteuropa sowie im Nahen Osten und Südostasien.

AMERIKA DIENST 15

�So hoffen wir, daß sich die Gemeinschaft demokratischer Nationen bald von Japan bis Europa über die
eurasische Landmasse erstrecken wird, wie sie sich
heute von Europa über die westliche Hemisphäre nach
Japan erstreckt. Dies würde unsere kollektive Arbeit
bei der Bewältigung wachsender neuer Herausforderungen effektiver gestalten: Weiterverbreitung, Terrorismus, Drogenbekämpfung, Umweltschutz.
Ein solcher Zustand liegt nicht nur im strategischen
Interesse der Vereinigten Staaten, sondern im Interesse jedes Amerikaners. Seit Jahrzehnten geben wir
nun schon Billionen Dollar aus, um uns gegen die
kommunistische Bedrohung zu verteidigen. Indem wir
heute in einen demokratischen Frieden invesiieren,
können wir unseren Kindern und Enkeln ein reiches
Erbe hinterlassen - ein Erbe dauerhaften Friedens, ein
Erbe beständiger Chancen, Amerika zu einem besseren Land zu machen.
Das Wachsen von Demokratie und freien Märkten in
Rußland und Eurasien kann für die amerikanische
Wirtschaft und amerikanische Unternehmen eine neue
Quelle des Handels und der Investitionen sein. Diese
Länder sind so reich an Bodenschätzen und gebildeten, talentierten Völkern. Sie möchten, daß wir mit
ihnen Handel treiben und in ihre Unternehmungen und
ihre Zukunft investieren. Dies liegt in unserem beiderseitigen Vorteil. Während wir ihnen helfen, eine freie
Marktwirtschaft aufzubauen, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern und unsere Ressourcen
einsetzen, um dem Bedarf dieser neuen Märkte gerecht zu werden. Dies wird unsere Wirtschaft stärken,
während wir ihre Bemühungen zur Schaffung freier
Märkte unterstützen.
Überdies wissen wir, daß es unseren Bürgern in einer
demokratischen Welt am besten geht. Je demokratischer die Länder Rußlands und Eurasiens werden,
desto größer sind die Chancen für Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern. Das ist etwas, das
in unser aller Interesse liegt.
Vor allem aber ist dieses Ziel des amerikanischen
Charakters würdig. In der Vergangenheit haben wir
das amerikanische Volk oft für den Krieg mobilisiert,
um unseren Lebensstil zu verteidigen. Heute streben
wir danach, es zu mobilisieren, um einen demokratischen Frieden aufzubauen und unseren Lebensstil
und unsere Werte auf neue Regionen auszudehnen.
Kollektives Engagement
Herr Vorsitzender, nachdem ich erörtert habe, was auf
dem Spiel steht, möchte ich mich nun dem zuwenden,
was wir zur Unterstützung der Demokratie in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten tun
müssen.
Während sich die Sowjetunion im vergangenen Dezember im Endstadium des Zerfalls befand, appellierte

AMERIKA DIENST 15

ich in einer Rede an der Princeton University an den
Westen, eine Politik des kollektiven Engagements
gegenüber der ehemaligen Sowjetunion zu verfolgen.
Ich erklärte, wir sollten mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten und unsere Bemühungen auf die
folgenden drei Aufgaben konzentrieren:
Erstens, Unterstützung bei der Zerstörung und
Kontrolle der militärischen Relikte des kalten
Krieges;
Zweitens, Unterstützung unserer ehemaligen
Gegner beim Aufbau von Demokratie und politischer Legitimität nach dem Scheitern des
Totalitarismus;
Drittens, Unterstützung der Kräfte des freien
Markts bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen
Stabilisierung und Gesundung in den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion.
Indem wir uns dem gesamten Spektrum dieser Aufgaben widmen, gehen wir auf die zahllosen militärischen,
politischen und wirtschaftlichen Probleme ein, die von
den neuen Staaten beim Aufbau von Demokratie und
freien Märkten überwunden werden müssen. Und seit
Dezember haben wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten bei jedem dieser Punkte Fortschritte
erzielt.
Im militärischen Bereich haben wir mit neuen Vorschlägen von Präsident Bush und Präsident Jelzin zur
nuklearen Rüstungskontrolle ein gutes Stück Weges
zurückgelegt. Dasselbe gilt für neue praktische Schritte, um Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan
zu helfen, Kernwaffen zu entschärfen und zu beseitigen und für die Schaffung eines internationalen Wissenschaftszentrums in Rußland und der Ukraine, um
das Problem der Abwanderung von Wissenschaftlern
in den Griff zu bekommen.
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen mit allen neuen unabhängigen Staaten hergestellt, und wir werden dort Botschaften eröffnen. Überdies
haben wir sie in den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa willkommen geheißen. Darüber hinaus gab es die historische
Erklärung von Camp David zwischen Präsident Bush
und Präsident Jelzin - ein klares Zeichen für die neue
Ära, in die Ru ßland und Amerika gemeinsam eintreten.
In der Wirtschaft haben wir auf einen besonderen
Assoziierungsstatus der Sowjetunion mit IWF und
Weltbank gedrängt, und wir haben uns in jüngster Zeit
für die Vollmitgliedschaft Rußlands und der neuen
unabhängigen Staaten eingesetzt. Mit der Aktion
Hoffnung haben wir massive Bemühungen unternommen, um der humanitären Notlage zu begegnen. Wir
haben unsere Programme zur technischen Hilfe erweitert. Und bei der Washingtoner Koordinierungskonfe-

Seite 3

�renz haben wir mit unseren Verbündeten umfangreiche und produktive Bemühungen eingeleitet, um die
Hilfe zu koordinieren.
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit
Heute, da wir in das nächste Stadium der Unterstützung für Demokratie und freie Märkte eintreten, verschafft uns das Gesetz zur Förderung der Freiheit
größeren Spielraum und mehr Elan.
Es stellt einen umfassenden, integrierten Rahmen dar,
mittels dessen wir die militärischen, politischen und
wirtschaftlichen Probleme Rußlands und Eurasiens
bewältigen können. Es unterstützt unsere Politik des
kollektiven Engagements sowie unsere Bemühungen
zur Koordinierung und Aufteilung der Lasten mit unseren Verbündeten. Das Gesetz zur Förderung der
Freiheit hebt die Beschränkungen des kalten Krieges
auf, aber noch wichtiger ist, daß es unsere Bemühungen zum Aufbau eines demokratischen Friedens unterstützt.
In dieser Hinsicht handelt es sich dabei ebenso um
eine politische Erklärung wie um ein Gesetzespaket.
Was jedoch seine Funktion als legislatives Instrument
angeht, um dessen Unterstützung wir Sie bitten, so
versuchen wir, Exekutive und Legislative in einem
überparteilichen Programm zu vereinen, mit dem das
amerikanische Volk mobilisiert werden kann.
Ich möchte kurz darauf eingehen, wie das Gesetz das
von mir erwähnte dreiteilige Programm unterstützen
kann.
Erstens unterstützt das Gesetz den Abbau der Bedrohung, die Demilitarisierung und nukleare Sicherheit.
Es stellt Mittel bereit, die für Demilitarisierung, Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug
und Verlegung der ehemals sowjetischen Streitkräfte
sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung eingesetzt
werden sollen. Es wird ferner die zulässige Verwendung der Nunn-Lugar-Mittel - sowie von Mitteln zur
Finanzierung von Militärhilfe (FMF) - für diese Zwecke
erweitern. Darüber hinaus enthält es Unterstützung
für ein Internationales Wissenschafts- und Technologiezentrum in der Ukraine, das demjenigen ähnelt, das
wir für Rußland vereinbart haben.
Zweitens unterstüzt das Gesetz unsere Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Es wird unsere Bestrebungen
zum Aufbau von "Amerika Häusern" fördern - Zentren
für die Bürger der neuen Staaten, in denen sie von in
diesen Staaten lebenden amerikanischen Beratern
etwas über die Vereinigten Staaten erfahren können.
Es wird unser Engagement für das Bürgerkorps
Demokratie des Präsidenten ebenso stärken wie unsere
Fähigkeit zur Unterstützung einer Eurasien-Stiftung.
Diese beiden Organisationen werden als Katalysator
für das Engagement unseres Privastsektors bei diesen Bestrebungen wirken.

Seite 4

Das Gesetz wird ferner die Mittel für neue diplomatische Missionen bewilligen, um eine effektive diplomatische Präsenz in der gesamten ehemaligen Sowjetunion sicherzustellen.
Darüber hinaus unterstützt das Gesetz ein Programm
für internationalen Austausch und die Ausbildung von
Militärs (International Military Exchanges and Training
- IMET) mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten, das die Förderung des demokratischen
Prinzips der zivilen Kontrolle in diesen neuen Staaten
zum Ziel hat.
Drittens unterstützt das Gesetz zur Förderung der
Freiheit freie und offene Märkte durch technische Hilfe,
Förderung von Handel und Investitionen sowie makroökonomische Stabilisierung. Ich möchte jeden
dieser Bereiche getrennt behandeln.
Im Hinblick auf technische Hilfe gestattet das Gesetz
den mit der Unterstützung der osteuropäischen Demokratien (Support for Eastern Europan Democracies SEED) befaßten Behörden die Durchführung vergleichbarer Aktivitäten in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Dadurch können wir von den
von einer ganzen Bandbreite amerikanischer Regierungsstellen bei der Bereitstellung technischer Hilfe in
der ehemaligen Sowjetunion gemachten Erfahrungen
profitieren. Das Gesetz verleiht auch den Programmen des US-Landwirtschaftsministeriums größere
Flexibilität.
Was diese neuen unabhängigen Staaten mehr als
alles andere benötigen - wonach sie wirklich dürsten ist Wissen: Aufbau demokratischer Institutionen, wirtschaftliche Aktivitäten in einer freien Marktwirtschaft.
Diese Staaten benötigen nicht die antiquierte "Auslandshilfe", sondern vielmehr etwas sehr viel anderes:
das Wissen, daß durch aktives Engagement eines
dynamischen Privatsektors vermittelt werden kann,
der mit der US-Regierung zusammenarbeitet. Unser
technisches Hilfsprogramm konzentriert sich auf die
Erleichterung einer solchen Partnerschaft.
Im Hinblick auf die Förderung von Handel und Investitionen wird das Gesetz unseren Firmen die Nutzung
von Handels- und Investitionschancen in Rußland und
den anderen neuen unabhängigen Staten erleichtern.
Das Gesetz hebt vor allem ansonsten gültige Begrenzungen von Programmen der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank auf und gestattet
uns, unsere Mittel zur Deckung der Kreditbürgschafter,
zu verwenden. Auf diese Art und Weise können wir die
Mittel der US-Regierung in Handel und Investitionen
des Privatsektors dirigieren. Das ist gut für unsere
Wirtschaft und unseren Handel - ebenso wie für die
Entwicklung von Märkten und Demokratien in den
neuen Staaten.
Das Gesetz räumt dem Präsidenten die Befugnis zur
Aufhebung von Bestimmungen ein, die jetzt die normalen Wirtschaftsbeziehungen beschneiden und ameriAMERIKA DIENST 15

�kanische Unternehmen behindern, einschließlich
Gewährung des allgemeinen Präferenzsystems (GSP)
und Aufhebung der Einschränkungen bei privater
Kreditvergabe im Rahmen des Johnson-Gesetzes über
Zahlungsunfähigkeit. Das Gesetz läßt ferner keinen
Zweifel an unserer Absicht, weitere COCOM-Begrenzungen aufzuheben.

Rußland ist ein an Bodenschätzen und talentierten
Menschen reiches Land. Die Marktwirtschaft ist der
Schlüssel, um diese Ressourcen und Talente anzuzapfen. Märkte werden die Tür zu Wirtschaftswachstum
und Entwicklung öffnen. Aber während sich die Märkte
entwickeln, benötigt Rußland Hilfe bei der Bewältigung
seiner Liquiditätsprobleme.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken sind neue Länder.
Sie sollten ihre neue Geschichte frei von Bürden
beginnen und nicht über Gebühr durch auf Stalinisten
abzielende Einschränkungen belastet werden.

Wir betrachten dies nicht als endlosen Kreislauf von
Milliarden Dollar zur Stützung der russischen Wirtschaft. Das gesunde, vom IWF unterstützte Wirtschaftsprogramm, das Präsident Jelzin in die Wege
geleitet hat, wird unserer Meinung nach Wachstum
und Entwicklung fördern. Und dieses Wirtschaftswachstum wird darüber hinaus den von uns angestrebten demokratischen Frieden unterstützen.

Im Hinblick auf die makroökonomische Stabilisierung
wird das Gesetz einen unterstützenden Rahmen bereitstellen, um unsere wichtige Rolle beim multilateralen Stabilisierungsprogramm fortzusetzen, das wir mit
IWF, Weltbank und G-7 entwickeln.
Am wichtigsten ist jedoch, daß das Gesetz die Quotenerhöhung des IWF genehmigt - ein Schritt, den der
Kongreß unbedingt unternehmen muß, um diese
multilateralen Bemühungen zu unterstützen. Dazu
möchte ich anmerken, Herr Vorsitzender, daß Mitglieder des Ausschusses als ich vor zwei Monaten hier
gesprochen habe, mir gegenüber bekräftigten, der
Kongreß werde dazu nichts unternehmen, bevor nicht
der Präsident sein Gewicht in die Waagschale legt.
Herr Vorsitzender, der Präsident hat dies nun - öffentlich und unmißverständlich - getan, und wir erwarten
jetzt vom Kongreß, daß er handelt. Nicht nur brauchen
wir die Genehmigung des Kongresses zur Quotenerhöhung durch das Gesetz zur Förderung der Freiheit,
sondern wir beantragen, daß der Kongreß im gleichen
Sinne handelt, um die notwendigen Bewilligungsgesetze zu verabschieden.
Das Gesetz unterstützt ferner unsere Bemühungen,
eine führende Rolle bei der Unterstützung des makroökonomischen Stabilisierungsprogramms zu spielen,
indem es die Zustimmung des Kongresses für die
amerikanische Beteiligung an einem oder mehreren
Währungsstabilisierungsfonds von bis zu 3 Milliarden
Dollar beinhaltet.
Das Gesetz stellt darüber hinaus klar, daß der Kongreß den Ansatz der Administration unterstützt, durch
IWF und Weltbank die makroökonomische Stabilisierung multilateral zu unterstützen.
Bevor ich schließe, möchte ich noch kurz auf das
makroökonomische Stabilisierungsprogram.i. und
unsere Rolle dabei eingehen.
Die 24 Milliarden Dollar an makroökonomischer Unterstützung der G-7 für den vom Präsidenten angekündigten ehrgeizigen Wirtschaftsreformplan Rußlands
wird grundlegende Hilfe für den Übergang Rußlands
zur Marktwirtschaft bereitstellen.

AMERIKA DIENST 15

Unterstützung der Zahlungsbilanz wird in Form von
Krediten des IWF und der anderen internationalen
Finanzinstitutionen im Kontext eines ausgehandelten
Ad-hoc-Arrangements sowie in Form von bilateraler
Hilfe durch die Länder der G-7 selbst erfolgen. Weitere
Umschuldungen könnten gegebenenfalls Zinszahlungen zum bereits bestehenden Aufschub der Tilgung
von Schulden hinzugefügt werden, die bereits vor
1991 aufgelaufen waren.
Die Details werden mit dem Ziel ausgearbeitet, ein
Abkommen bis Ende April fertigzustellen. Viel wird
davon abhängen, ob Rußland mit dem IWF eine Einigung über ein Ad-hoc-Programm erzielt. Details einer
größeren Umschuldungsaktion müßten von den Gläubigerländern ausgearbeitet werden.
Die G-7 hat ferner beschlossen, einen Währungsstabilisierungsfonds für Rußland einzurichten. Der genaue Charakter und Zweck dieses Fonds werden noch
definiert. Wir werden vorsichtig vorgehen, damit der
Fonds sinnvoll zusammengestellt wird und solide wirtschaftliche Maßnahmen unterstützt. Der Währungsstabilisierungsfonds kann solche Maßnahmen nicht
ersetzen. Wie im Falle Polens könnte ein Währungsstabilisierungsfonds Rußlands Bemühungen entscheidend unterstützen, den Rubel zu einer effektiven
Währung zu machen.
Die Finanzierung des Währungsstabilisierungsfonds
wird voll und ganz aus den Allgemeinen Arrangements
zur Kreditvergabe bestritten, einer in den sechziger
Jahren geschaffene Kreditbewilligung des IWF, um es
letzterem zu ermöglichen, seine Mittel in Zeiten erhöhten Bedarfs aufzustocken. Dieser Fall ist jetzt eingetreten. Der amerikanische Anteil an den Allgemeinen
Arrangements zur Kreditvergabe beträgt 25 Prozent,
so daß wir im Endeffekt 1,5 Milliarden Dollar zu den 6
Milliarden Dollar des Währungsstabilisierungsfonds
beitragen würden. Dafür würden jedoch unter dem
Strich keine zusätzlichen Haushaltsmittel erforderlich.

Seite 5

�Im Prinzip wären wir bereit, die Schaffung eines oder
mehrerer Fonds für die ehemaligen Sowjetrepubliken
zu unterstützen, jeweils abhängig von deren Reformplänen und dem Bedarf. Offengesagt ist jedoch noch
keine der anderen Republiken bei der Entwicklung
eines umfassenden Wirtschaftsreformprogramms in
Zusammenarbeit mit dem IWF so weit fortgeschritten
wie Rußland. Und viele davon werden wahrscheinlich
in die Rubelzone einbezogen werden, anstatt eigene
Währungen einzuführen. Sollte jedoch ein eindeutiger
Bedarf entstehen, werden wir einen Weg finden, um
auch diesem Bedarf gerecht zu werden.
Fortschritte bei mikroökonomischen und strukturellen
Fragen sind ebenso unabdingbar wie die makroökonomische Stabilisierung. Stabilisierungsmaßnahmen
schaffen das Klima für Märkte, aber Rußland und die
anderen Republiken benötigen darüber hinaus durchgreifende Maßnahmen, um Wettbewerb, echte Eigentums-und Vertragsrechte, Entmonopolisierung und
Privatisierung sowie sektorale Reformen zu fördern.
Unsere technische Hilfe wird sich teilweise auf diese
Bereiche konzentrieren. Darüber hinaus erwarten wir,
daß die Weltbank hierbei eine Schlüsselrolle spielen
wird.
Schlußbemerkungen
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich folgendes feststellen:
Wie der Präsident verdeutlich hat, befinden wir uns an
einem Wendepunkt für Amerika und die Welt. Mit dem
Ende des kalten Krieges hat uns die Geschichte eine
einzigartige Chance geboten. Die Aufgabe ist beängstigend, und der Erfolg kann nicht garantiert werden.
Aber die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden
auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben, und ich
bin davon überzeugt, daß wir diese heutige Chance
nutzen müssen, um auf einen demokratischen Frieden
und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten.
* *

Seite 6

Es trifft zu, daß die Amerikaner ein kluges, pragmatisches Volk mit wenig Neigung zu außenpolitischen
Abenteuern sind. Wir sind jedoch auch ein mutiges
Volk. In diesen revolutionären Zeiten müssen wir
diesen Mut einsetzen. Wir müssen etwas wagen.
Wir haben diesen Mut in der Vergangenheit bewiesen,
und wir haben auch früher etwas gewagt. In den
langen, dunklen Jahren des kalten Krieges haben wir
zu glauben gewagt, daß der Alptraum des Kommunismus vorübergehen werde. Wir wagten zu glauben,
daß wir eine bessere Welt schaffen würden - eine Welt,
die nicht länger in bewaffnete Lager gespalten ist, eine
Welt frei von den Fesseln der Unterdrückung. Auf dem
Weg zu dieser Welt haben wir schon eine beträchtliche
Strecke zurückgelegt. Es ist an der Zeit, erneut etwas
zu wagen und unsere Arbeit zu vollenden.
Wir müssen zu glauben wagen, daß Amerika groß
genug ist - daß Amerika gut genug ist -, um den Weg
in eine friedlichere, freiere und wohlhabendere Welt zu
weisen.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir im Inland
florieren können, auch wenn wir im Ausland Erfolge
haben.
Wir müssen zu glauben wagen, daß unsere Unternehmen konkurrenzfähig sein können, daß unsere Kinder
ohne Furcht vor Krieg schlafen können, daß unsere
Werte in einem neuen Jahrhundert wachsen und
gedeihen können.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir gleichzeitig mit
der Unterstützung beim Aufbau einer neuen Welt im
Ausland ein neues Amerika hier bei uns zu Hause
aufbauen und daß wir beides zusammen tun können und müssen.

* *

*

AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
15. April 1992

DREI JAHRE FORTSCHRITTE BEI NICHTVERBREITUNG
Rede von Staatssekretär Bartholomew vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter für internationale Sicherheit im US-Außenministerium, Reginald
Bartholomew, zufolge sind die Vereinigten Staaten die treibende Kraft der'liefgreifenden positiven Revolution"
der vergangenen drei Jahre zur Begrenzung der Verbreitung von Waffensystemen. Bartholomew stellte fest, daß
die Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April 1992 auf amerikanische Initiative zum ersten Mal eine
umfassende Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien verabschiedet hat.
Vor dem Unterausschuß für ausländische Operationen des Bewilligungsausschusses im Repräsentantenhaus
berichtete Bartholomew am 8. April 1992 von einem weiteren diplomatischen Erfolg, als die Vereinigten Staaten
China und die ehemalige Sowjetunion von der Anwendung strengerer Raketenkontrollnormen für deren Exporte
überzeugen konnte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bartholomew in wesentlichen Auszügen.
Übersicht
Diese Administration mißt der Verhinderung der Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und deren Trägerraketen hohe Priorität bei.
In den vergangenen drei Jahren waren wir mit der
Entwicklung und Durchführung neuer Initiativen in all
diesen Bereichen befaßt. Wir haben die internationalen Kontroll normen verbessert und erweitert. Wir
haben die Liste der Exportkontrollen unterworfenen
Geräte und Technologien sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch auf multilateraler Ebene verlängert.
Wir haben regionale Initiativen in die Wege geleitet, um
die Verbreitung in instabilen Regionen der Welt einzudämmen. Und wir haben einen Prozeß erarbeitet, um
(
3n Transfer konventioneller Waffen in den Griff zu bekommen.

Lieferanten von Atommaterial - haben sich auf die
traditionelle amerikanische Position zu "umfassenden
Schutzmaßnahmen" verständigt, das heißt, ein Land,
das einen bedeutenden Bestand an nuklearfähigem
Material bekanntgibt, muß für all seine nuklearen Einrichtungen Schutzmaßnahmen einführen.
Die internationale Liste von aus Gründen der nuklearen Verbreitung kontrollierten Gütern wurde ergänzt
und erweitert.
Auf Initiative der Vereinigten Staaten vereinbarte die
Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April
die Kontrolle einer umfangreichen Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien.

Zunächst möchte ich einige dieser Leistungen im
einzelnen erörtern und dann die Problembereiche
anführen, auf die wir uns derzeit konzentrieren.

Zusammengenommen bedeuten diese Fortschritte einen
entschieden gefestigten institutionellen Rahmen für
nukleare Nichtverbreitung. Sie verschärfen die Barrieren gegen die Beschaffung von Nukleartechnologie
durch Länder, die Nuklearwaffenfähigkeiten anstreben.

1.

2.

Die mit der nuklearen Verbreitung befaßten
Institutionen wurden unter amerikanischer
Führung deutlich gestärkt

Die Zahl der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) hat sich erhöht. Langjährige Zögerer wie
China und Südafrika sind beigetreten, und Frankreich
steht unmittelbar vor dem Beitritt.
Zahlreiche Länder haben darüber hinaus ihre Exporte
von nuklearfähigem Material strengeren Kontrollen
unterworfen. 27 Länder- die Mitglieder der Gruppe der

AMERIKA DIENST 15

Auch bei vordringlichen regionalen Nuklearproblemen wurden Fortschritte erzielt

Argentinien und Brasilien haben von ihren Ambitionen
zum Erwerb von Nuklearwaffen Abstand genommen.
Wenn sich die Dinge weiterhin positiv entwickeln,
könnten sie bald von der Liste der Länder gestrichen
werden, die zu Sorgen bei der atomaren Verbreitung
Anlaß geben.
Unsere seit langem bestehende Besorgnis über die
südafrikanischen Bestrebungen zur Beschaffung von
Seite 1

�Nuklearwaffen konnte zerstreut werden. Südafrika ist
jetzt dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten und
hat unverzüglich die Schutzmaßnahmen des NPT
erfüllt.

- EPCI) werden in Kürze Lizenzen für alle Exporte zu
Raketenprojekten im Nahen Osten und in bestimmten
anderen Ländern erforderlich, die Anlaß zu Besorgnis
bei der Verbreitung geben.

Wir haben das Programm des Irak zur Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen vereitelt. Die irakischen
Programme für Massenvernichtungswaffen wurden
während des Golfkriegs schwer beschädigt, und die
verbleibenden werden unter internationaler Beaufsichtigung zerstört. Die internationale Überwachung wird
auf lange Sicht fortgesetzt, um sicherzustellen, daß
diese Programme nicht wiederaufgebaut werden.

Im Rahmen eines 1990 in den Vereinigten Staaten
verabschiedeten Gesetzes haben wir Sanktionen für
den Handel mit Raketen durch ausländische Körperschaften in mehreren Nationen verhängt, einschließlich China, Pakistan, Südafrika, Nordkorea und iran.

Wir haben bei den Nuklearproblemen mit Nordkorea
einen wesentlichen Fortschritt erzielt, indem wir den
Nord-Süd-Dialog sowie ein nukleares Inspektionsabkommen stärkstens befürworten und Nordkorea zur
vollständigen Einhaltung seiner nuklearen Verpflichtungen im Rahmen des NPT drängen.
3.

Bei der Verbesserung multilateraler Kontrollen von Raketentechnologie waren positive Entwicklungen zu verzeichnen

Die Hauptlieferanten wie Deutschland und die Schweiz
haben ihre nationalen Exportkontrollen verschärft.
Die Mitgliedschaft in den Institutionen hat sich drastisch erhöht. Die Zahl der dem für die Bekämpfung
der Raketenverbreitung verantwortlichen Kontrollregime für Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR) beigetretenen Länder hat sich
von 7 auf 18 Mitgliedstaaten erhöht, und im Verlauf
dieses Jahres werden mindestens zwei weitere beitreten.
Die Liste der kontrollierten Güter wurde überarbeitet
und ergänzt. Das MTCR hat seinen Rahmen erweitert
und bezieht auch Raketen ein, die als Trägersysteme
für alle Massenvernichtungswaffen dienen können,
einschließlich chemischer, biologischer und nuklearer
Waffen.
Die Vereinigten Staaten haben die Hauptlieferanten
von der strikten Anwendung von MTCR-Raketenexportkontrollnormen überzeugt. Diese beziehen auch
Rußland und China ein. Argentinien hält sich jetzt an
MTCR entsprechende Kontrollen ebenso wie Israel.
Mehrere osteuropäische Länder sind dabei, dies ebenfalls zu tun.
Darüber hinaus führt das MTCR ein aktives Programm
für Nichtmitgliedstaaten durch, um ihnen bei der Durchführung wirksamer Raketenexportkontrollen behilflich
zu sein. Am 30. März haben die Vereinigten Staaten
- unter Beteiligung anderer MTCR-Partner - ein Seminar für osteuropäische Nationen, das Baltikum und die
ehemalige Sowjetunion veranstaltet.
4.

Die Vereinigten Staaten haben Ihre Kontrollen für Raketentechnotogie verschäft

Im Rahmen der Initiative zur erweiterten Kontrolle der
Verbreitung (Enhanced Proliferation Controls Initiative
Seite 2

Das heißt, daß praktisch alle Lieferanten von Raketentechnologie jetzt von Ländern, die diese Technologien
verbreiten, abgeschottet wurden. Nur Nordkorea
exportiert nocht vollständige Raktensysteme der MTCRKlasse.
Wir haben eine Reihe von Ländern dazu veranlaßt, auf
den Erwerb von Raketen zu verzichten. Argentinien
hat vergangenes Jahr die Einstellung seines Programms zur Entwicklung der ballistischen Rakete Condor
bekanntgegeben. Irakische Raketenprogramme unterliegen Bemühungen der Vereinten Nationen zu deren
Beseitigung.
5.

Wichtige Schritte wurden ferner gegen die
Verbreitung chemischer und biologischer
Waffen unternommen

Die internationale Institution, die sich mit der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen beschäftigt
- die "Australien-Gruppe" - wurde gestärkt und erweitert. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 20 auf 22
(die neuesten sind Finnland und Schweden).
Die Liste der international kontrollierten Güter, die mit
chemischen und biologischen Waffen in Verbindung
stehen, wurde auf Drängen der Vereinigten Staaten
sprunghaft erweitert. Im Jahr 1991 haben die Vereinigten Staaten ihre eigene Liste der kontrollierten Grundstoffe für chemische Waffen erheblich - von 11 auf 50
weltweit - verlängert und Kontrollen für zur Produktion
chemischer und biologischer Waffen in Ray« kommende Mehrzweckausrüstung und ganze chemische
Fabriken eingeführt.
Heute führen alle Mitglieder der Australien-Gruppe
dieselben strengen Kontrollen ein. Darüber hinaus
wurden auch regionale Fortschritte erzielt.
Argentinien, Brasilien und Chile sind letztes Jahr
übereingekommen, eine C- und B-waffenfreie Zone
zu bilden.
In Osteuropa haben sich die Exportkontrollen für biologische und chemische Waffen vervielfacht. Die
Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien halten
sich an die scharfen Exportkontrollnormen der Australien-Gruppe.
Andere Länder schließen sich dem Trend zu besseren
Kontrollen an. Israel, China und in gewissem Maß
auch Indien haben ebenfalls in diesem Bereich Exportkontrollen eingeführt.

AMERIKA DIENST 15

�Unter dem Strich bestand das Ergebnis dieser hartnäckigen Bemühungen darin, die traditionellen Nachschubquellen für Programme zur Entwicklung chemischer und biologischer Waffen abzuschneiden.
6.

Die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen haben begonnen, Verantwortungsbewußtsein, Transparenz und Konsultationen beim Transfer konventioneller
Waffen einzuführen

Im Hinblick auf Verantwortungsbewußtsein haben die
Fünf ihre besondere Verpflichtung anerkannt, zu
gewährleisten, daß ihre Waffenlieferungen die Stabilität nicht untergraben.
Im Hinblick auf Transparenz sind sie ferner übereingekommen, daß wir Informationen über Waffenverkäufe
austauschen müssen, um destabilisierende Waffenlieferungen zu identifizieren und abzuwenden.
Im Hinblick auf Konsultationen haben die Fünf zum
ersten Mal vereinbart, ihre Waffentransfers für Debatten und Kritik zu öffnen und sich an gemeinsame
Richtlinien für Waffenlieferungen zu halten.
Kurzum, die Fünf haben sich verständigt, die kollektive
Vernunft der Fünf auf Entscheidungen anzuwenden,
die sie - au ßer den Vereinigten Staaten - nicht mit ihren
Parlamenten teilen.
Dies ist kein business as usual. Es ist sowohl neu als
auch wichtig.
Der gegenwärtige Schwerpunkt: Konvention über
chemische Waffen, Nordkorea, Südasien, Naher
Osten, ehemalige Sowjetunion.
Zu unseren Hauptanliegen gehören die folgenden
Punkte:
Institutionell gilt unsere erste Priorität dem diesjährigen Abschluß der Konvention über chemische Waffen
als grundlegendem Rahmen für den Umgang mit
chemischen Waffen.
Es bestehen mehrere regionale Probleme, die unserer
anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen.
Cai Nordkorea müssen wir sicherstellen, daß der Norden
seine nuklearen Verpflichtungen uneingeschränkt erfüllt. Dazu gehören nukleare Inspektionen im Rahmen
der IAEO sowie das bilaterale Abkommen mit dem
Süden. Wir müssen den Druck auf Nordkorea aufrechterhalten, um der unkontrollierten vVeitergabe von
Raketentechnologie durch dieses Land Einhalt zu
gebieten.
In Südasien machen wir bei der Nichtverbreitung einen
Anfang. Unser Vorschlag einer Fünfmächtekonferenz
ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, und
unsere bilateralen Gespräche dauern an. Vier derfünf
Teilnehmer haben der Konferenz bereits zugestimmt,
und wir stehen weiterhin mit Indien in Kontakt, um auch
dessen Teilnahme zu sichern.

AMERIKA DIENST 15

Im Nahen Osten werden wir weiterhin den Irak zur
Einhaltung seiner Verpflichtungen drängen, seine
Massenvernichtungswaffen zu vernichten und keine
neuen zu beschaffen. Der Iran hat seine Bemühungen
zur Beschaffung von Raketen und Massenvernichtungswaffen verstärkt und seine konventionellen Fähigkeiten vergrößert. Wir werden den Iran weiterhin
genauestens beobachten.
Wir werden gewährleisten müssen, daß Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion nicht zu neuen Quellen
von Nachschub oder Know-how für Länder werden,
die Massenvernichtungswaffen erwerben wollen. Zur
Zeit werden Initiativen verwirklicht, um Exportkontrollen zu verschärfen, Nachweis, Kontrolle und physischen Schutz von Nuklearmaterial zu verbessern und
Wissenschaftler für sinnvolle nichtmilitärische Vorhaben einzusetzen. Unsere Kontakte mit den neuen
unabhängigen Staaten sind ermutigend verlaufen.
Bei konventionellen Waffenlieferungen gedenken wir,
den Prozeß durch die Veranstaltung einer Plenarsitzung dieses Frühjahr voranzutreiben.
Regionale Erfolge: Osteuropa und andere führen
Exportkontrollen ein
Die Ausweitung von Exportkontrollen für chemische
und biologische Waffen außerhalb der AustralienGruppe in den vergangenen 12 Monaten war ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien sind dabei, der Australien-Gruppe
vergleichbare Kontrollen anzuwenden. Israel hat
Kontrollen für alle 50 chemischen Grundstoffe eingeführt. China hat ebenfalls einige Kontrollen chemischer Grundstoffe eingeführt, und dasselbe gilt mit
Abstrichen für Indien.
Im September 1991 haben Chile, Argentinien und
Brasilien den wichtigen Schritt unternommen, eine Cund B-waffenfreie Zone zu bilden.
Die Konvention über chemische Waffen: Vertrag
noch dieses Jahr angestrebt
Die langfristige Lösung des Problems der chemischen
Waffen ist ein weltweites, verifizierbares C-Waffen verbot. Wir streben einen Vertrag in diesem Jahr an.
Letzten Mai forderte Präsident Bush die Beschleunigung der Verhandlungen über eine C-Waffenkonvention (CWC) im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz. Gleichzeitig machten die Vereinigten Staaten bei
wichtigen Fragen, die in den Gesprächen umstritten
waren, erhebliche Zugeständnisse. In der Folge setzte die Abrüstungskonferenz das Jahr 1992 als Zieldatum für den Abschluß der Konvention fest und verdoppelte die Arbeit daran. Die Vereinigten Staaten bemühen sich energisch, die relativ wenigen wichtigen
ausstehenden Probleme - insbesondere bei der Verifizierung - mit dem Ziel zu lösen, einen Vertrag so bald
wie möglich dieses Jahr fertigzustellen.

Seite 3

�Im März hat Australien bei den Genfer Verhandlungen
über C-Waffen einen neuen Vertragsentwurf vorgelegt. Wir begrüßen diese Initiative. Mit einigen für uns
wichtigen Veränderungen glauben wir, daß dieser Text
als Grundlage für den Abschluß einer Konvention
dienen kann. Wir fordern die anderen an den Verhandlungen über die Konvention beteiligten Staaten und
den Vorsitzenden bei diesen Verhandlungen dringend
auf, den australischen Text als Grundlage für die
Vollendung eines allseits akzeptablen Vertrags zu
benutzen, den wir dieses Jahr unterzeichnen können.
Die Sowjetunion und Osteuropa
Aufgrund des Zusammenbruchs der zentralen Kontrollen und der Versuchungen, die durch schwierige
Wirtschaftsbedingungen hervorgerufen werden, galten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion intensivierte Bemühungen zur Nichtverbreitung. Ein wichtiges Ziel bestand darin, diese Länder für die Bedeutung der Nichtverbreitung zu sensibilisieren und sie
dazu zu bewegen, angemessene Exportkontroll- und
Durchführungsmechanismen einzuführen.

Kontrollsysteme einzuführen. Obwohl das Ausmaß, in
dem diese Staaten organisiert sind, sehr unterschiedlich ist, waren alle dem Ansatz der Vereinigten Staaten
gegenüber aufgeschlossen. Rußland, das vom Knowhow und den Ressourcen der ehemaligen Sowjetunion
profitiert, hat am ehesten ein effektives Kontrollsystem
verwirklicht.
Wir werden auf unterschiedliche Weise darauf zurückkommen. In naher Zukunft werden Gruppen die ehemalige Sowjetunion besuchen, um den neuen unabhängigen Staaten bei der Einführung effektiver Nichtverbreitungsregime zu helfen. Wir erwarten, daß
mehrere Verbündete in diesen Gruppen mitarbeiten.
Der Präsident hat einen hochrangigen Koordinator
benannt, der die Zusammenarbeit zwischen den Staaten der früheren Sowjetunion bei Angelegenheiten der
Abwanderung von Wissenschaftlern koordinieren soll.

Die Vereinigten Staaten, Rußland, Japan und die
Europäische Gemeinschaft haben die Einrichtung von
Zentren für Wissenschaft und Technologie in Rußland
und der Ukraine vereinbart, um den an der Entwicklung
Gemeinsam mit Partnerländern haben wir uns an einer von Waffen beteiligten Wissenschaftlern der ehemalilangen Serie von Kontakten beteiligt. Im Juli 1990 gen Sowjetunion Arbeit im zivilen Bereich zu verschafführten die Vereinigten Staaten einen Sonderbesuch fen. Das Zentrum wird als Zentralstelle für die Entwicklung, Auswahl, Finanzierung und Überwachung von
in Osteuropa durch, der sich auf die Notwendigkeit
konzentrierte, verantwortungsbewußte und wirksame Projekten dienen, die hauptsächlich in Institutionen
Kontrollen der Nichtverbreitung und des Handels mit und Einrichtungen in Rußland und anderen GUSRüstungsgütern einzuführen. Ein Folgebesuch in der Staaten durchgeführt werden. Man will damit den
Region fand im Oktober 1991 statt. Im Dezember 1990 Rüstungswissenschaftlem und Ingenieuren helfen, ihre
und erneut im Dezember 1991 veranstaltete die Au- Talente für nichtmilitärische Projekte zur Verfügung zu
stralien-Gruppe in Osteuropa und der Sowjetunion stellen und damit die Versuchung minimieren, daß sie
Seminare über chemische und biologische Waffen. ihre Fähigkeiten für Weiterverbreitungsprojekte nutEine multilaterale Gruppe von MTCR-Partnern be- zen. Darüber hinaus werden wir Rußland konkrete
suchte im Oktober 1991 Moskau, um die Verbreitung Hilfe bei der Zerstörung von Atomwaffen leisten. Femer
von Raketen zu erörtern. Im Februar dieses Jahres haben wir Rußland Hilfe angeboten, damit es den
Prozeß der Vernichtung seiner Chemiewaffen aufnehbesuchte ein interministerielles Team Lettland, Litauen und Estland, um über die Notwendigkeit effektiver men kann.
Exportkontrollen zu diskutieren und die Bedeutung der
Rüstungskontrolle im Nahen Osten
Teilnahme an den Nichtverbreitungsregimen zu betonen. Das MTCR organisierte am 30. März ein Seminar
Die Regierung verfolgt ein offizielles Programm, das
für die Länder Osteuropas, des Baltikums und der
Lieferanten und Empfänger zur Zurückhaltung bei
ehemaligen Sowjetunion, und ein drittes Seminar der Waffenlieferungen anhält, seit der Präsident im Mai
Australien-Gruppe wird im Dezember in Budapest nach dem Golfkrieg seine Rüstungskontrollinitiative
stattfinden.
fürden Nahen Osten verkündet hat. Die Regierung hat
Die Ergebnisse in Osteuropa waren äußerst ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien haben bereits Kontrollmaßnahmen
verschiedet - oder sind dabei,dies zu tun -, die denen
der Australien-Gruppe und des MTCR vergleichbar
sind.
Mit der Auflösung der Sowjetunion haben wir eine neue
Reihe von Initiativen ins Leben gerufen, um der veränderten Situation gerecht zu werden. Im Januar 1992
habe ich vier Länder besucht - Rußland, Belarus, die
Ukraine und Kasachstan - und eine Sondergruppe
mitgenommen, die Vorträge über Nichtverbreitung und
die Kontrolle des Handels mit Rüstungsgütem gehalten sowie die neuen Länder ermutigt hat, effektive
Seite 4

dem Kongreß einen Bericht über die von uns mit dieser
Initiative erzielten Fortschritte vorgelegt. Ich möchte
an dieser Stelle kurz Rückschau halten, bevor ich
unsere Ziele erörtere.
Die Initiative des Präsidenten
Der Präsident hat am 29. Mai 1991 die Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten angekündigt. Diese
Initiative enthält Vorschläge
zur Einführung von Richtlinien für Lieferanten,
die sich Zurückhaltung beim destabilisierenden
Handel mit konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen und der entsprechenden
Technologie auferlegen sollen,
AMERIKA DIENST 15

�zum Einfrieren und zur eventuellen Zerstörung
der Arsenale von Boden-Boden-Raketen in der
Region,

rigsten ist, wenn die Bedrohung eines bewaffneten
Konflikts realer wird. Aber wir haben einen wichtigen
Anfang gemacht.

zur Einführung eines verifizierbaren Verbots
von Material, das zur Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden kann, in der Region. Alle
Staaten der Region sind aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und alle nuklearen Einrichtungen an lAEO-Standards anzupassen.

Die regionalen Teilnehmer am Treffen der Arbeitsgruppe über Rüstungskontrolle in Moskau haben ernsthaftes Interesse bekundet, sich der Sache zu widmen.
Das erste Treffen der Gruppe soll Mitte Mai in Washington stattfinden, und wir freuen uns auf die kontinuierliche Unterstützung der Länder in der Region.

die Staaten in der Region aufzufordern, Mitglieder der Konvention über chemische Waffen zu
werden und ihre vertrauensbildenden Maßnahmen durchzuführen und

Es stimmt, daß wir erhebliche Fortschritte in allen
Bereichen erzielt haben. Gemeinsam mit unseren
Partnern bei der Nichtverbreitung haben wir viel erreicht. Das vergangene Jahr war im Hinblick auf
unsere gemeinsame Arbeit beispielhaft.

eine Stärkung der Konvention über biologische
Waffen zu fordern und die Staaten in der Region
aufzufordern, vertrauensbildende Maßnahmen
für biologische Waffen zu verabschieden.
Die Initiative des Präsidenten fordert die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen an den Nahen
Osten auf, sich zu treffen, um Richtlinien für ihre
Zurückhaltung beim destabilisierenden Transfer von
konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen,
ihrer Systeme und Technologie zu erörtern.
Rüstungskontrolle im Nahen Osten - Die Gruppe
für Regionale Sicherheit und Rüstungskontrolle
Im Januar vergangenen Jahres führten die Vereinigten
Staaten und die Russische Föderation ein Vorbereitungstreffen für die multilaterale Phase des Friedensprozesses im Nahen Osten durch. Dabei wurde eine
Arbeitsgruppe für Rüstungskontrolle und Regionale
Sicherheit ins Leben gerufen. Der Prozeß wird nicht
leicht sein, denn aus unserer eigenen Geschichte
wissen wir, daß Rüstungskontrolle immer am schwie*

AMERIKA DIENST 15

Zusammenfassung

Aber es stimmt auch, daß die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen
eine kontinuierliche Bedrohung darstellt.
Es ist an der Zeit, die Bemühungen zu intensivieren,
nicht gleichgültig zu werden. Wir müssen auf nationaler und internationaler Ebene mehr tun. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat uns eine Chance gegeben, unsere Energie in neue Bahnen zu lenken. Das
Problem der Weiterverbreitung muß eine unserer ersten
Prioritäten sein.
Es gibt kein Patentrezept, das der Weiterverbreitung
Einhalt gebieten kann. Wir müssen vielmehr an allen
Fronten aktiv werden.
Nur in einer konzertierten Aktion können wir die Gefahren der Weiterverbreitung von konventionellen und
nichtkonventionellen Waffen mindern und schließlich
bannen. An dieser wichtigen Aufgabe wollen wir
gemeinsam mit dem Kongreß arbeiten.

* * *

*

Seite 5

�EBWE
15. April 1992

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR DEN
PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE
WASHINGTON - (AD) - Dem Finanzminister Nicholas Brady zufolge soll die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sich weiterhin - möglicherweise noch stärker - darauf konzentrieren, das private
Unternehmertum in Osteuropa und der Sowjetunion zu entwickeln.
Bei der ersten Jahresversammlung der Bank am 13. April 1992 in Budapest erklärte Brady, es sei ein
"schwerwiegender Fehler" der Institution, ihre Aufgaben zu verwässern, indem sie sich in anderen Bereichen
engagiert, und es müsse eine "Arbeitsteilung unter den multilateralen Institutionen" stattfinden.
Darüber hinaus stellte er eine Funfpunktestrategie vor, die seiner Meinung nach den Lebensstandard in den
früheren kommunistischen Ländern anheben würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Finanzminister Bradys Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Präsident, verehrte Vorstandsmitglieder, Delegierte und Gäste. Es ist mir eine Ehre, anläßlich der
ersten Jahresversammlung der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung zu Ihnen sprechen
zu dürfen.

und ihre Ziele klar definiert sind, ist ihr Erfolg durch die
harten Realitäten jüngst aufgegebener Systeme und
Wirtschaftsorganisationen behindert, die sich nicht
ohne starken politischen Willen und öffentliche Unterstützung ablösen lassen.

Uns allen, die wir heute hier zusammengekommen
sind, ist klar, daß wir in einer Zeit großer Veränderungen und gro ßer Erwartungen leben. Wir verlassen das
Zeitalter des kalten Kriegs und treten in eine Zeit der
weltweiten Gesundung und tiefgreifenden Hoffnung
ein.

Die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Wirtschaftspolitik einer Regierung ist unter Umständen schwach,
wenn gerade erhebliche Veränderungen stattfinden.
Sie hängt von der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen,
Verbrauchsgütern und der relativen Kaufkraft ab. Es
besteht die Versuchung, aus verständlichen innenpolitischen Erwägungen heraus vor einem Engagement
für Reformen zurückzuschrecken. Die in Osteuropa
und den früheren Sowjetrepubliken verfolgten Reformprogramme müssen eine schwierige Gratwanderung
vollführen zwischen der Beibehaltung kurzfristiger
sozialer Stabilität und langfristigen wirtschaftlichen
Umstrukturierungen und Fortschritten. Kurz gesagt es ist schwierig.

Wenn wir uns der Zukunft stellen, erkennen die Länder
in ganz Osteuropa ebenso wie die früheren Sowjetrepubliken, daß die Entstehung eines starken Privatsektors für wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar ist.
Und auf die Gepflogenheiten einzelner Länder zugeschnittene marktorientierte Wirtschaftssysteme werden allen Bürgern die wirtschaftlichen Chancen eröffnen, die demokratische und stabile Gesellschaften
fördern. Die Vereinigten Staaten und andere wuctliche
Länder bewundern den Mut und die Entschlossenheit
der Länder Osteuropas und der ehemaligen Sowjetrepubliken auf ihrem nicht vorgezeichneten Weg zu
politischen Reformen und freier Marktwirtschaft.
Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam einige
heilsame Einsichten in die Schwierigkeiten gewonnen,
die beim Prozeß der Umgestaltung von einstmals
planwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften zu
Marktwirtschaften auftreten. Auch wenn ihre Politik
AMERIKA DIENST 15

Wir sind jedoch weiterhin der Überzeugung, daß die
Förderung privaten Unternehmertums, der Privatisierung staatseigener Systeme und eines freundlichen
Investitionsklimas die Grundlage darstellt, um international konkurrenzfähige Volkswirtschaften aufzubauen. Die Mittel sind knapp, und bei dieser empfindlichen
Gleichung müssen wir sorgfältig untersuchen, wie die
EBWE ihren Beitrag am besten leisten kann. Wie
sollte die Bank ihre knappen Mittel und ihren qualifizierten Personalkader einsetzen, um beim wirtschaftli-

Seite 1

�chen Übergang in den Ländern, für die sie zuständig
ist, eine maßgebliche Rolle zu spielen?

Verkauf anstatt Rekapitalisierung staatseigener
Unternehmen. Die Rekapitalisierung defizitärer
Betriebe wird die Aufgabe nicht lösen. Gegebenenfalls müssen Regierungen Staatsfirmen
rationalisieren, um sie durch Direktverkäufe oder
die Ausgabe neuer privater Anteile für Käufer
akzeptabel zu machen.

Erstens kann sie sich ihrem Mandat nicht entziehen,
60 Prozent ihrer Finanzmittel der Privatwirtschaft
zukommen zu lassen - vielleicht sollte sie ihren Schwerpunkt in diesem Bereich sogar noch verstärken.
Nach einem Jahr der Erfahrungen können wir einige
Schlüsse ziehen und ein spezifisches Aktionsprogramm
für die Zukunft der Bank verabschieden. Ich gehe
davon aus, daß es ein schwerwiegender Fehler wäre,
wenn die Bank ihre Mission verwässern würde. Die
Anforderungen Osteuropas und der ehemaligen
Sowjetunion sind enorm, und unter den multilateralen
Institutionen muß Arbeitsteilung herrschen.

Privatisierung des Bankwesens. Vorschriften,
die kleine und mittlere Unternehmen kapitalmäßig aushungern, müssen geändert werden, und
objektive Methoden der Kreditbewertung sollten
eingeführt werden.
Schaffung eines offenen Investitionsklimas. Bei
der Zusammenstellung von Investitionsprojekten in Schuldnerländern sollten rechtliche und
Durchführungshemmnisse für aus- und inländische Investitionen ausgeräumt werden.

Die EBWE kann nicht die gesamte Bandbreite der
Anforderungen abdecken, sie kann nicht alles für alle
Menschen leisten, sie kann nicht hoffen, alle Sektoren,
ob öffentlich oder privat, in allen Ländern abzudecken.
In dieser Hinsicht sind wir nicht von der Notwendigkeit
überzeugt, in neue Umstrukturierungsvorhaben einzusteigen, die bedeutende politische Veränderungen mit
sich bringen und von der eigentlichen Aufgabe der
Bank ablenken.

Unterstützung umweltverträglicher Investitionen.
Reform von Umweltpraktiken bestehender staatseigener Industriezweige bei deren Übergang in
Privathand. Die EBWE und alle Vertreter des
Staates haben ein Mandat zu entschiedenem
Vorgehen, um die Region vordem ökologischen
Verfall zu retten. Die Bereitstellung öffentlicher
Mittel für umweltpolitisch aktive Organisationen
bei der Bewertung von Umweltprojekten durch
die Bank ist ein wichtiger Teil ihres Mandats.

Die EBWE hat eine Schwerpunktaufgabe und das
hehre Ziel, die Energie bereitzustellen, die nur aus dem
Wachstum des Privatsektors entsteht.
Meiner Meinung nach ist nichts wichtiger in der Region
als die Freisetzung der Energie, die mit der raschen
Entwicklung des Privatsektors entsteht. Die EBWE
steht bereit, an diesem Wendepunkt der Geschichte
eine maßgebliche Rolle zu spielen. Wenn sie ihre
Energien konzentrieren und die Bemühungen zur Privatisierung und Investitionsreform anführen kann, wird
sie den Lebensstandard in den Demokratien anheben,
für die sie zuständig ist. Und sie wird dafür in Erinnerung bleiben, daß sie eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Dies ist die Herausforderung - die Konzentration von
Energien, um durch eine Fünfpunktestrategie zur Hebung
des Lebensstandards in Osteuropa und den ehemaligen Sowjetrepubliken das ursprüngliche Ziel der Bank
zu verfolgen. Die Aktionsbereiche sind folgende:
Konzentration auf die Bereitstellung von Startkapital für kleine und mittlere Unternehmen, um
den Unternehmergeist einzelner Bürger in der
gesamten Region zu entwickeln.
*

Seite 2

*

Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich die in der Vergangenheit
erzielten Leistungen der Staaten Osteuropas sowie
den durch ihre Regierungen und Bürger unter Beweis
gestellten Mut auf dem Weg zu marktwirtschaftlichen
Reformen würdigen. Dies ist ein Zeugnis unserer
gemeinsamen Entschlossenheit, auf offene Gesellschaften, Demokratie und Marktwirtschaft hinzuarbeiten, die für den Wohlstand ihrer Bürgersorgen werden.
Ich möchte Jacques Attali und seinen Mitarbeitern für
ihre Arbeit und ihr Engagement danken, mit dem sie in
Rekordzeit die Bank bei dieser äußerst wichtigen
Aufgabe geführt haben.
Und stellvertretend für meine Delegation möchte ich
der Regierung Ungarns meinen herzlichsten Dank für
die freundliche Begrüßung und die Gastfreundschaft
aussprechen, die sie uns hier in dieser wundervollen
Hauptstadt Budapest entgegengebracht hat.
*

*

AMERIKA DIENST 15

�W A H L E N '92
15. April 1992

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (8. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in New York, Kansas, Minnesota und Wisconsin.
Die letzte Zählung der Delegierten

Vorwahlen in Kansas
Demokraten

Prozentsetz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Brown

13

Clinton

Clinton

51

1.264,25

Tsongas

539,25

Tsongas

15

Nicht gebunden

475,75

Sonstige

7

Brown

264,25

Nicht gebunden

14

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1. 105)

Republikaner

Bush

Buchanan

15

54

Bush

62

8

Duke

2

Sonstige

5

963

Buchanan
Nicht gebunden

»

Prozentsetz der Stimmen

Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. April

Nicht gebunden

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 7.
April erhalten hat.

Vorwahlen in Minnesota
Demokraten

Vorwahlen in New York
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Brown

26

Clinton

41

Tsongas

29

Sonstige

4

AMERIKA DIENST 15

16

Prozentsatz der Stimmen

Brown

32

Clinton

AA

33

Tsongas

23

Sonstige

12

Republikaner

Prozentsetz der Stimmen

Buchenen

25

Bush

68

Sonstige

4

Nicht gebunden

3

Seite 1

�Vorwahlen in Wisconsin

Republikaner

Demokraten

Buchanan

17

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Brown

35

Bush

77

Clinton

38

Duke

3

Tsongas

22

Sonstige

1

Sonstige

3

Nicht gebunden

2

Nicht gebunden

2
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�HANDEL
15. April 1992

Der US-Handel 1992 - ein Ausblick
von John Jelacic
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Weltwirtschaft im Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien erstmals am 6. April 1992 in Business America, einer
Publikation des US-Handelsministeriums.
Seit 1987 hat sich die Bilanz des US-Waren handeis
erheblich verbessert. Das Handelsdefizit ist rapide
gesunken, von 152,1 Milliarden Dollar im Jahr 1987 auf
nur 66,3 Milliarden Dollar 1991. Damit befindet sich
das Defizit auf dem niedrigsten Stand seit 1983. Im
Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt fiel das Defizit
von fast 3,5 Prozent 1987 auf 1,3 Prozent im Jahr
1991.
In den letzten vier Jahren sind die Exporte um 66
Prozent gestiegen, von 254,1 Milliarden Dollar 1987
auf 421,6 Milliarden Dollar 1991. Bis 1991 überstiegen
die starken Exportzuwächse die gleichmäßigen, aber
bescheidenen Importsteigerungen erheblich und führten zu einer Verbesserung des Defizits. 1991 stiegen
die Exporte weiterhin, aber die Rezession in den
Vereinigten Staaten führte zu einem geringen Abbau
der Importe, und die Abnahme der Importe machte
etwa 20 Prozent des 35-Milliarden-Rückgangs im Defizit
aus.
Die Aussichten für eine kontinuierliche Verbesserung
im Handelsdefizit 1992 sind vage und hängen zum
großen Teil von den relativen Wachstumsraten in den
Vereinigten Staaten und den Volkswirtschaften der
wichtigsten US-Handelspartner ab. Während der letzten vier Jahre überstieg das Wirtschaftswachstum auf
unseren Auslandsmärkten im wesentlichen das Wachstum in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit sehr
konkurrenzfähigen relativen Preisen von US-Exporten
legte die Expansion dieser Märkte den Grundstein für
eine gute Handelsbilanz.
Ausblick auf das Wirtschaftswachstum
Ausland

im

Jüngste Trends und die Prognosen vieler Ökonomen
verweisen auf eine Abnahme des Wachstumsgefälles
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Auslandsmärkten für 1992. Während sich die Vereinigten
Staaten von ihrer Rezession erholen, vollzog sich in
den Volkswirtschaften anderer Industrieländer, insbeAMERIKA DIENST 15

sondere in Deutschland und Japan, in den letzten
Monaten eine schleppende Entwicklung. Andere
Volkswirtschaften - vor allem Kanada, Großbritannien
und Australien - bleiben in der Konjunkturflaute stekken, die bereits vor über einem Jahr begann.
Die Industrieländer - Die Verlangsamung in den Volkswirtschaften der Industrieländer begann 1991 das USExportwachstum zu beeinträchtigen. US-Warenexporte in die Industrieländer stiegen 1991 um lediglich
6,8 Milliarden Dollar und lagen damit erheblich unter
dem durchschnittlich 30 Milliarden Dollar betragenden
Zuwachs im Zeitraum 1987-90. Entwicklungsländer
waren 1991 für etwa 70 Prozent des US-Exportanstiegs verantwortlich.
Mexiko, die Länder Südamerikas, die vier Schwellenländer Asiens (Hongkong, Singapur, Südkorea und
Taiwan) und die Länder des Nahen Ostens waren für
nahezu den gesamten Zuwachs verantwortlich. Für
1992 sind die Aussichten für anhaltend starkes Wachstum in diesen Regionen vielversprechend. Sie bieten
Grund zur Hoffnung, daß US-Exporte in diesem Jahr
rapide zunehmen werden.
1991 stiegen die US-Exporte nach Kanada, unserem
größten Exportmarkt, von 83,7 Milliarden auf 85,1
Milliarden Dollar, um nur 1,7 Prozent und weniger als
ein Drittel so schnell wie 1990. In den vergangenen
drei Jahren wurde in der kanadischen Wirtschaft so gut
wie kein Wachstum erzielt, was zu einer schwachen
Nachfrage nach US-Exporten in Kanada führte. Für
das Jahr 1992 wird eine Erholung in Kanada erwartet,
aber jüngste Statistiken deuten darauf hin, daß bis
Mitte des Jahres kein nennenswertes Wachstum stattfinden wird.
Japans Wirtschaft wuchs 1991 um 3,2 Prozent, eine
erhebliche Abnahme gegenüber der 5prozentigen
Steigerung 1990. 1991 wurde ein großer Teil des
Wachstums im 1. Quartal erzielt, weil sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres nur schleppend entwickelSeite 1

�te, wobei das Bruttosozialprodukt beim Übergang vom
3. zum 4. Quartal sank. Jüngste Statistiken belegen,
daß sich das Wachstum im 1. Quartal des Jahres 1992
weiter fortsetzte, aber der Anstieg des Bruttosozialprodukts war gering, und die Aussicht für das Jahr ist
unbestimmt. Manche Analysten prognostizieren, daß
Japans Wirtschaftswachstum 1992 unter 2 Prozent
fallen könnte. Seit der Ölkrise von 1974 gab es in
Japan kein so geringes Wachstum mehr. Die USExporte nach Japan sind leicht gesunken, von 48,6
Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf 48,1 Milliarden Dollar
1991, und das Handelsdefizit mit Japan hat sich von
41,1 Milliarden Dollar auf 43,4 Milliarden Dollar erhöht.
Angesichts der Aussichten für Japans Wirtschaftswachstum 1992 ist es unwahrscheinlich, daß sich das
US-Handelsdefizit mit Japan im Laufe des Jahres
verbessern wird.
Die Europäische Gemeinschaft verzeichnete 1991 ein
Wachstum von schätzungsweise 1,5 Prozent, und für
das Jahr 1992 wird ein nur geringfügig höheres Wirtschaftswachstum von vielleicht 2 Prozent erwartet.
US-Lieferungen in die EG stiegen um 5,2 Prozent, von
98,1 Milliarden im Jahr 1990 auf 103,2 Milliarden 1991,
2 Prozentpunkte unter dem Anstieg des gesamten USJahresexports und erheblich unter der 13prozentigen
Wachstumsrate, die 1990 verzeichnet wurde. Im
Laufe des Jahres 1991 verbesserten sich die Exporte
nach Deutschland und Frankreich jeweils um 13,6 und
12,4 Prozent, während die Lieferungen nach Großbritannien um 6,1 Prozent sanken. Eine restriktive Geldpolitik und hohe Zinsen aufgrund der Bestrebungen
Deutschlands, den Anstieg der Inflationsrate zu bremsen, sind in starkem Maße verantwortlich für das
langsame Wachstum in Europa. Die unerwartet hohen
Kosten der deutschen Einheit, die zu hohen Haushaltsdefiziten und rapiden Steigerungen des Konsums
im Inland führten, werden für die steigende Inflation in
Deutschland verantwortlich gemacht. Wie im Falle
Kanadas und Japans werden die US-Exporte nach
Europa wahrscheinlich nicht nennenswert steigen, bis
solide wirtschaftliche Expansionsraten verzeichnet
werden.
Die Entwicklungsländer - Lateinamerika, der Nahe
Osten und Südostasien (einschließlich China) bieten
die meiste Hoffnung auf Wirtschaftswachstum 1992
und sind vielversprechend für US-Exporte. In Lateinamerika bieten die wirtschaftliche Umstrukturierung
einschließlich der Privatisierung, bessere fiskalische
Kontrolle mit niedrigerer Inflation und steigende ausländische Direktinvestitionen dieser Region die besten
Aussichten für mehrere Jahre. Das Wirtschaftswachstum betrug 1991 schätzungsweise 2 bis 3 Prozent, und
für 1992 wird ein noch schnelleres Wachstum erwartet. Diese Wachstumsraten sind die besten seit Jahren und geben US-Exporten in die Region zum ersten
Mal seit der Schuldenkrise der achtziger Jahre echten
Auftrieb. 1991 stiegen die US-Exporte nach Mexiko
um fast 18 Prozent. Bei den Exporten nach Latein-

Seite 2

amerika wurde eine 27prozentige Steigerung verzeichnet, verglichen mit einer durchschnittlichen jährlichen
Wachstumsrate von weniger als 6 Prozent im Zeitraum
1987-90. Rapide Zunahmen der US-Exporte nach
Argentinien, Brasilien, Ecuador und Venezuela bereiteten den Weg.
Im Nahen Osten ist der Wiederaufbau nach dem
Golfkrieg der Hauptgrund für rasche Wachstumsraten,
die große Zuwächse amerikanischer Exporte in die
Region zur Folge haben. Die Exporte der Vereinigten
Staaten in den Nahen Osten stiegen 1991 um 36
Prozent auf 15,3 Milliarden Dollar und dürften auch
1992 beträchtlich zunehmen. Der IWF hat den realen
Zuwachs des BSP in der Region für 1992 auf rund 11
Prozent beziffert.
1991 lagen die Wachstumsraten der vier asiatischen
Schwellenländer plus Thailand, Indonesien und Malaysia zwischen 4,5 und 8,5 Prozent. Für die Mehrzahl
dieser Volkswirtschaften wird 1992 eine leicht höhere
Wachstumsrate erwartet. 1991 exportierten die Vereinigten Staaten allein für 45,6 Milliarden Dollar in die
vier Schwellenländer sowie für weitere 15,3 Milliarden
Dollar in die anderen asiatischen Länder ausgenommen Japan und China. In jüngster Zeit nahmen
größere Investitionen im Inland, insbesondere in den
öffentlichen Sektor, einen höheren Anteil am Wirtschaftswachstum ein als die Exporte. In China sind die
florierenden "besonderen Wirtschaftszonen" im südlichen Küstengebiet Chinas eine Hauptquelle für das
chinesische Wachstum. 1991 verzeichnete die chinesische Volkswirtschaft einen Zuwachs von schätzungsweise 6,5 Prozent. Für 1992 wird eine Wachstumsrate
von rund 7 Prozent erwartet. Die amerikanischen
Exporte nach China stiegen 1991 um 31 Prozent auf
6,4 Milliarden Dollar.
Osteuropa und die Republiken der ehemaligen Sowjetunion - In den vergangenen drei Jahren war eine
drastische Verschlechterung der Volkswirtschaften
Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion zu verzeichnen, die störende Auswirkungen der wirtschaftlichen Umstrukturierungsprogramme in dieser Region
widerspiegelt. Einige der osteuropäischen Volkswirtschaften könnten 1991 den Tiefstand überwunden
haben und 1992 ein gewisses Wachstum verzeichnen.
In den neuen unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion wird jedoch noch mindestens ein
weiteres Jahr des Konjunkturabschwungs erwartet,
obwohl sich das Tempo verlangsamen wird. Da das
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten mit dieser
Region gering ist, waren die direkten Auswirkungen
der Umstrukturierung auf die amerikanische Wirtschaft
unerheblich. Weil Westeuropa und insbesondere
Deutschland jedoch die kurzfristigen negativen Konsequenzen dieser Veränderungen zu spüren bekamen, waren erhebliche negative indirekte Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft zu verzeichnen,
die bis 1992 andauern werden.

AMERIKA DIENST 15

�Der Dollar bleibt wettbewerbsfähig
Amerikanische Produkte hatten 1990 und Anfang 1992
einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil aufgrund des
gesunkenen Dollars in diesem Zeitraum und wegen
der kontinuierlichen Verbesserung der realen Lohnkosten in den Vereinigten Staaten verglichen mit den
realen Lohn kosten der führenden Wettbewerber, insbesondere Deutschland. Nach dem Ende des Golfkriegs im Februar 1991 steigerte sich der Wert des
Dollars bis Mitte des Jahres, nahm dann jedoch ab,
und schloß am Ende des Jahres auf demselben Niveau ab, auf dem er begonnen hatte. In den ersten
Monaten des Jahres 1992 verzeichnete der Dollar
einen Aufwärtstrend. Der Dollar kann sich weiter
stabilisieren, wenn die amerikanische Volkswirtschaft
verglichen mit den Volkswirtschaften Japans und
Europas an Dynamik gewinnt. Der Zuwachs des
Dollarwerts wird jedoch wahrscheinlich mäßig sein,
und die Aufwertung des Dollars wird voraussichtlich
geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition
amerikanischer Produkte oder auf den Exportzuwachs
der Vereinigten Staaten im Jahr 1992 haben.
Auswirkungen der Importe auf das Wirtschaftswachstum im Inland
1991 nahm der Wert amerikanischer Importe aufgrund
der Rezession und der niedrigeren ölpreise auf dem
Weltmarkt ab. Der Rückgang der Importe betraf
praktisch alle wesentlichen Produktkategorien. Der
geringe Importzuwachs von Kapitalgütern (mit Ausnahme der Automobilindustrie) in Höhe von 4,3 Prozent und Verbrauchsgütern (2,1 Prozent) wurde durch
den rückläufigen Import von Autos und Ersatzteilen,
Nahrungsmitteln, Industriegrundstoffen und insbesondere Erdöl mehr als ausgeglichen. Der Wert der
Erdölimporte sank um über 17 Prozent, vor allem weil
die ölpreise nach dem Ende des Golf kriegs im Februar
1992 drastisch zurückgingen. Der Importwert wird
1992 voraussichtlich zunehmen. Die Größenordnung
des Zuwachses hängt vom Ausmaß der Gesundung
der amerikanischen Volkswirtschaft ab.
~*er Handel mit Industriegütern ist dominierend
Da der Handel mit Fertigwaren einen so großen Anteil
des gesamten amerikanischen Handelsvolumens
ausmacht (1991 rund 80 Prozent der Im- und Exporte), sind Tendenzen im Fertigungsbereich wegweisend für die Gesamthandelsposition der Vereinigten
Staaten. 1991 nahmen die Exporte von Industriewaren um 9,5 Prozent zu, zwei Prozentpunkte schneller
als die Gesamtexporte und nahezu neunmal schneller
als die Wachstumsrate der Importe an Fertigwaren.
Infolgedessen sank das amerikanische Handelsdefizit
bei Industriewaren im Jahr 1991 um 25,8 Milliarden
Dollar auf ein Defizit von 47,7 Milliarden Dollar. Ebenso wie im Falle der Gesamthandelsbilanz wird eine
weitere Abschwächung dieses Defizits in hohem Maße

AMERIKA DIENST 15

von der Wachstumsrate der amerikanischen Volkswirtschaft im Jahr 1992 verglichen mit der Wachstumsrate unserer führenden Handelspartner abhängen.
Exporte von Kapitalgütern weiterhin hoch - Die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern machen den
größten Anteil der Exporte von Industriegütern aus.
1991 stellten die Exporte von Kapitalgütern (ausgenommen Autos und Ersatzteile) insgesamt rund 50
Prozent aller Exporte von Industriewaren. Zwischen
1990 und 1991 stiegen die Exporte von Kapitalgütern
von 152,7 Milliarden Dollar auf 166,7 Milliarden Dollar
- ein Zuwachs von 9,2 Prozent. Für 1992 werden
kontinuierliche Exportgewinne in zahlreichen Bereichen von Maschinenbau und Transportgeräten erwartet, und die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern
werden 1992 ihren Weltmarktanteil weiterhin vergrößern.
Der Export von Flugzeugen und Flugzeugteilen hat
1991 um über 17 Prozent zugenommen und einen
Gesamtwert von nahezu 35 Milliarden Dollar erreicht.
Auftragsrückstände werden für 1992 kontinuierliche
Lieferungen gewährleisten.
Der Export von Computern und verwandtem Gerät ein weiterer wichtiger Bereich der amerikanischen
Kapitalgüterexporte - nahm 1991 etwas schneller als
1990 um fast 5 Prozent zu. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den Industrieländern, wachsender Konkurrenzdruck durch ausländische Produzenten und die Produktion amerikanischer Firmen im
Ausland verlangsamen das Wirtschaftswachstum in
diesem Industriezweig. Der Gesamtwert dieser Exporte belief sich 1991 auf 26 Milliarden Dollar.
Im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr waren die Importe
von Kapitalgütern schwach. Die Importe von Geräten
zur Energieerzeugung waren leicht rückläufig, die Importe
von elektrischem Gerät nahmen um nur 4 Prozent zu,
und im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr blieb der
Wert der Importe von Industriemaschinen praktisch
gleich. Der Import von EDV-Gerät nahm 1991 schneller zu und expandierte um 12 Prozent verglichen mit
nur 5 Prozent im Jahr 1990.
Die Importe von Kapitalgütern nahmen 1991 insgesamt lediglich um 5 Milliarden Dollar oder 4,2 Prozent
gegenüber 1990 zu. Das projizierte Wachstum der
amerikanischen Wirtschaft könnte den Zuwachs dieser Importe im Jahr 1992 beschleunigen.
Sinkende Exporte von Verbrauchsgütem - Exporte
amerikanischer Verbrauchsgüter stiegen 1990 erheblich an und zwar um 19 Prozent. Im Jahr 1991
verlangsamte sich das Exportwachstum jedoch auf
nur 6,5 Prozent. Dies ist auf die wirtschaftliche Abschwächung in den Industriestaaten zurückzuführen.
Trotz des allgemeinen Rückgangs in dieser Kategorie
von Exporten gab es auch einige positive Beispiele.

Seite 3

�Von einem relativ geringen Basisniveau ausgehend,
wuchsen die amerikanischen Bekleidungsexporte im
Jahr 1991 um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar, und
die Exporte von Spielzeug, Spielen und Sportgeräten
stiegen um 16,6 Prozent.
Die amerikanische Rezession führte zu einem zweiten
Jahr mit sehr schwachem Anstieg der Verbrauchsgüterimporte, besonders im Vergleich zu dem starken
Importwachstum in dieser Kategorie zur Mitte des
letzten Jahrzehnts. Im Jahr 1991 stiegen die Verbrauchsgüterimporte nur um 2,2 Prozent. In den
meisten Sektoren, darunter Bekleidung, Schuhe und
Möbel, stagnierten sie oder wiesen unbedeutende
Steigerungsraten auf.
Automobilhandel wird 1992 wachsen - Wert und
Stückzahl der Importe von Automobilen und Automobilteilen sanken im Jahr 1991. Der Wert der Importe in
dieser Kategorie ging um 6,3 Prozent zurück, während
das Importvolumen um 2,9 Prozent abnahm. Hingegen nahmen die Exporte von Automobilen und Automobilteilen sowohl wert- (um 6,7 Prozent auf 39,9
Milliarden Dollar) als auch volumenmäßig (um 4,6
Prozent) zu. Die Besserung der Wirtschaftslage in den
Vereinigten Staaten wird im Jahr 1992 zu einer Zunahme von Importen und Exporten von Automobilen und
Automobilteilen führen. Die Integration der amerikanischen Automobilindustrie, sowohl der inländischen
Unternehmen als auch der Niederlassungen ausländischer Firmen, auf dem gesamten nordamerikanischen
Kontinent nimmt ständig zu. Mit der Zunahme der
Automobilproduktion wird damit der Handel mit Automobilen und Teilen zwischen Werken in Mexiko, Kanada
und den Vereinigten Staaten angekurbelt.
Im Hinblick auf den Handel mit fertig montierten Automobilen stieg der Wert der amerikanischen Importe
aus Japan 1991 um 6,2 Prozent auf 20,4 Milliarden
Dollar, was den ersten Anstieg seit drei Jahren bedeutete. Die zusätzlichen Importe aus Japan bestanden
hauptsächlich in hochpreisigen Luxusmodellen, die
europäischen Hersteilem von Luxuswagen einen immer
größeren Marktanteil abnahmen. Der Wert der Importe von fertig montierten Automobilen aus Kanada
nahm geringfügig zu, während der Wert der Autoimporte aus anderen Ländern erheblich um über 12
Prozent zurückging. Der Importwert von Lastkraftwagen und Automobilteilen nahm im Jahr 1991 ab.
*

Seite 4

Abnehmendes Exportwachstum bei modernen
technischen Produkten (ATP)
Der amerikanische Handelsüberschuß bei ATP nahm
1991 auf 36,7 Milliarden Dollar zu, ein Sprung von 7,3
Prozent gegenüber 1990, lag jedoch wesentlich unter
dem 26prozentigen Anstieg, der im Jahr 1990 verzeichnet wurde. Der Gesamthandel (Importe plus
Exporte) stieg im Jahr 1991 bei modernen technischen
Erzeugnissen auf 163 Milliarden Dollar, ein Sechstel
des gesamten US-Handels. Wie im Fall der Kapitalgüter allgemein sind die amerikanischen ATP-Produkte
auf den Weltmärkten äußerst konkurrenzfähig, und für
1992 ist ein anhaltendes Exportwachstum zu erwarten.
Steigender
erwartet

Agrarhandelsüberschuß

für

1992

Nach einem Jahr, in dem der Wert des US-Agrarhandels, und zwar Exporte und Importe zusammengenommen, nahezu unverändert blieb, wird im Jahr 1992
auf der Grundlage leicht erhöhter Preise und Mengen
ein geringfügiger Anstieg der Agrarexporte erwartet.
Da bei den Importen in dieser Kategorie mit keiner
wesentlichen Veränderung gerechnet wird, dürfte sich
der Handelsüberschuß im Agrarsektor 1992 erhöhen.
Unveränderte Ölimporte im Jahr 1992
Die amerikanischen Zahlungen für Importe von ölprodukten werden im Jahr 1992 etwa auf dem Niveau von
1991 (50 Milliarden Dollar) verharren, wobei niedrigere
ölpreise erwartungsgemäß durch eine Volumensteigerung ausgeglichen werden. Im Jahr 1991 betrugen
die Ölimporte durchschnittlich 7,7 Millionen Faß pro
Tag (mmbd) gegenüber 8,2 Millionen mmbd im Jahr
1990. Die Ölpreise, die in den letzten fünf Monaten des
Jahres 1990 aufgrund der Golfkrise rapide anstiegen,
fielen auf das Niveau vor der irakischen Invasion in
Kuwait und dem folgenden Golfkrieg zurück Im Verlauf des Jahres 1992 werden mäßige Rohölpreise von
17 bis 19 Dollar pro Faß erwartet. Mit Besserung der
Wirtschaftslage im Jahr 1992 wird das Volumen der
Ölimporte zunehmen, was durch den anhaltenden
Abbau der amerikanischen Ölförderung noch verstärkt
wird.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umfassende wissenschaftliche Untersuchungen in den USA zur Frage der Strahlungsgefährdung durch Strontium-90 aus Kernwaffenversuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Kultura" ist Propaganda und Propaganda ist "Kultura"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Konzeption der Kultur im Sowjetbereich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit der Pressefreiheit steht und fällt die Republik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pulitzer-Preise 1957&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues Instrument für Ozeanforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles ersucht Kongress um Zustimmung zum Beitritt der USA zur internationalen Atombehörde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Erklärung, die US-Außenminister Dulles am 10. Mai 1957 vor dem Außenpolitischen Senatsausschuss abgegeben hat&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Mai 1985

19

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise
- Pressekonferenz i n Lissabon Reagan:

KVAE t r ä g t zur Minderung der Spannungen i n Europa bei

- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WIRTSCHAFT
40 Jahre f r e i e Wirtschaft - 40 Jahre E r f o l g
- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft i n der Nachkriegszeit -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kreuzzug gegen die Drogensucht
- I n t e r n a t i o n a l e Aktionen notwendiger denn j e
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

15. Mai 1985

PRÄSIDENT REAGAN ZIEHT FAZIT SEINER EUROPAREISE
- Pressekonferenz in Lissabon -

Lissabon -(AD)- Unmittelbar vor seiner Rückkehr in die Vereinigten
Staaten gab Präsident Reagan am 10. Mai L985 in Lissabon eine Pressekonferenz, auf der er die Ergebnisse seiner zehntägigen Europareise bewertete. Nachstehend die wichtigsten Auszüge:

PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte Sie heut2 morgen über einige der bedeutsameren Ergebnisse dieser Reise ins Bild setzen und vor unserer Heimreise
einige Ihrer Fragen beantworten.

Diese Europareise hat viele Höhepunkt?, aber auch einige guälende Augenblicke gesehen. Sie führte uns in eine der jüngsten Hauptstädte Europas und in zwei seiner ältesten sowie in eine Stadt, die das fortwährende
Streben Europas nach Einheit symbolisiert. Auf jeder Station dieser Reise
habe ich betont, daß wir Europa helfen wollen, zu wachsen, und daß wir
bereit sind, es in seinen demokratischen Zielen zu unterstützen und bei
der Bewahrung des Frieden;; an seiner Seite zu stehen.
Wenn wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Wenn wir heute die Heimreise antreten, so tun wir dies in dem Bewußtsein, daß die atlantischen Bindungen gefestigt sind und wir unsere Aufgabe erfüllen konnten. Ich möchte zusammenfassen, was, wie ich meine, die
dauerhaften Ergebnisse dieser Reise darstellt.

Unser Besuch in der Bundesrepublik Deutschland hat die deutsch-amerikanischen Beziehungen

gefestigt

und

die Aussichten

auf fortdauernden

Frieden in Europa verbessert. Die politischen Führer der Bundesrepublik
meinten in Zusammenhang mit unserem Besuch, daß eine neue Seite der deutschen Geschichte aufgeschlagen worden sei. ...

Wir haben uns auf eine gemeinsame Strategie zur Gewährleistung eines
fortdauernden wirtschaftlichen Aufschwungs und zur Schaffung von Arbeitsplätzen geeinigt, und wir sind unserem Ziel der Einleitung einer neuen
Runde multilateraler Handelsgespräche nähergekommen ... Alle auf dem Gipfel vertretenen Staaten bestätigten die Notwendigkeit einer neuen Gesprächsrunde, und alle bis auf einen meinten, daß sie Anfang nächsten
Jahres eröffnet werden sollte.

Wir haben mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß unsere Partner
hinter

unseren Genfer Bemühungen

um eine erhebliche Verminderung der

Kernwaffen stehen. Außerdem haben wir eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels vereinbart.

Vor dem Europaparlament in Straßburg haben wir sodann einen vernünftigen Rahmen für eine Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets abgesteckt, dessen Hauptfaktoren Stärke, Realismus, friedlicher Wettstreit
und Verhandlungen sein sollten. Ich habe der Sowjetunion erneut zu verstehen gegeben, daß Amerika aus ganzem Herzen Frieden wünscht. Die von
uns vorgeschlagenen konstruktiven, dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Initiativen zum Abbau der zwischen uns bestehenden Spannungen
verdienen eine ernsthafte sowjetische Erwiderung.

In Spanien und Portugal haben wir unsere Bindungen zu diesen beiden
eng befreundeten und geschätzten Partnerstaaten vertieft. Es war ermutigend, sich von den politischen und wirtschaftlichen Fortschritten, die
- 2 -

�Fortschritten, die diese beiden mutigen demokratischen Staaten gemacht
haben, an Ort und Stelle überzeugen zu können.

Es war eine ausgedehnte, historische und voll und ganz lohnende Reise. Gegenwartsfragen von großer Bedeutung konnten offen, energisch und
gründlich erörtert werden. Unsere Begegnungen erbrachten eine starke gemeinsame Verpflichtung auf Freiheit, Demokratie, Wachstum und die Einheit
Europas. ...

FRAGE: Haben Sie die Absicht, im Herbst vor den Vereinten Nationen zu
sprechen und dort möglicherweise mit Gorbatschow zusammenzutreffen ? Und
wieso haben Sie eigentlich während dieser Reise Versöhnung mit den Deutschen, die so viel Schreckliches getan haben, gepredigt, ohne der Sowjetunion das gleiche anzubieten ?

ANTWORT: Ich meine, einiges dazu gesagt zu haben. Ich sprach über die
Veränderungen, die nach unserer Auffassung in diesem der Einheit zustrebenden Europa vonstatten gehen sollten. Ich habe aber auch betont, daß
dies friedlich geschehen müsse ... Was den Auftritt vor der U.N. angeht,
so haben wir bislang keine Bestätigung erhalten, daß Herr Gorbatschow
kommen wird ... Ich habe zu verstehen gegeben, daß, falls er käme, die
Tür zu einer Begegnung offen sei ... Das gilt immer noch ...

FRAGE:

Herr

Präsident,

in

der

Vergangenheit

haben

Sie

zwischen

rechtsgerichteten und marxistischen Diktaturen unterschieden und gesagt,
daß die rechtsgerichteten sich zu Demokratien entwickeln könnten, während
kommunistische Diktaturen dies niemals täten. Hier in Europa haben Sie
jedoch Veränderungen in Osteuropa befürwortet, obwohl die kommunistische
Diktatur dort am nachhaltigsten Fuß gefaßt hat. Wie könnten solche Veränderungen vonstatten gehen, und welches wäre Ihre Rolle dabei ?

ANTWORT: Wir haben gesagt, daß wir jedem nach bestem Vermögen helfen
würden, der einen solchen Wandel vollziehen will. Im übrigen haben wir
allein auf dem amerikanischen Kontinent genug Beispiele für den Wandel
von Militärdiktaturen erlebt ... Heute leben rund 90 Prozent der Menschen
Lateinamerikas in Ländern, die demokratisch sind oder danach streben, es
- 3-

�streben, es zu werden ... Die beiden einzigen totalitären Mächte in unserer Hemisphäre sind Nicaragua und Kuba. Es läßt sich also belegen, daß
rechtsgerichtete Regierungen oder Diktaturen sich ändern können. Wir befinden uns hier ja schließlich in einem Land, das den Weg von der Diktatur zur Demokratie gegangen ist. Für Spanien gilt das gleiche ...

FRAGE; Vor einigen Tagen sagte ein Vertreter Ihres Verteidigungsministeriums, nämlich Richard Perle, daß es seines Erachtens an der Zeit sei,
daß die Vereinigten Staaten aufhörten, sich an das SALT-II-Abkommen zu
halten ... Was halten Sie davon ? ...

ANTWORT: In unserem Lande darf jeder seine Meinung zum Ausdruck bringen, und nur das hat er getan ... Wir haben diesen Vertrag zwar nicht ratifiziert, aber da er von den Unterhändlern unterzeichnet worden war,
hatten wir beschlossen, uns an seine Bestimmungen zu halten. Inzwischen
deutet aber viel darauf hin, daß dies ein ziemlich einseitiger Vorsatz
war. Wenn dem tatsächlich so wäre, bestünde für uns in der Tat kein Anlaß, dabei zu bleiben. Aber darüber wird erst später zu entscheiden sein.
Wir sind noch nicht an einem Punkt angelangt, wo wir die Bestimmungen des
Vertrages übertreten ...

FRAGE: In praktisch allen Staaten, die Sie in Europa besucht haben,
waren die politisch Verantwortlichen gegen das Handelsembargo gegen Nicaragua ... Wie kommt es, daß einige Ihrer engsten Verbündeten in dieser
Sache nicht hinter Ihnen stehen ? ...
ANTWORT: Es ist keineswegs so, daß sie mit uns hinsichtlich der Bedrohung nicht übereinstimmen. Das tun sie. Sie wissen, was sie von Nicaragua zu halten haben. Wir haben es hier jedoch mit grundsätzlichen Meinungsunterschieden im Hinblick auf Sanktionen zu tun. Wir haben selbst
lange darüber nachgedacht. Es gibt eben einige Regierungen, die dergleichen nicht für eine legitime Waffe halten ...

FRAGE: Wie war der Empfang hier in Portugal im Vergleich zu anderen
Ländern in Europa ? ...
ANTWORT: Ich
- 4 -

�ANTWORT: Ich darf sagen, daß ich überall in Europa von der Herzlichkeit der Menschen und von der offenen Gastfreundschaft, mit der ich willkommen geheißen wurde, beeindruckt war. Das war hier genauso wie in jedem
anderen Lande, und ich habe den Empfang durch die Menschen als große Ermutigung empfunden. Wenn Sie nun bestimmte Demonstrationen vor Augen haben - nun, die erlebe ich auch in meinem eigenen Land. Wo man auch hingeht: Man wird immer eine Gruppe vorfinden, die auf der anderen Seite
steht, und manchmal bringt eine solche Gruppe eben ihre Meinung in einer
rüden und ungehörigen Form zum Ausdruck ... Aber ich habe gelernt, das
als einen Teil des Lebens hinzunehmen. Harry Truman hat gesagt: "Wer Hitze nicht verträgt, sollte aus der Küche herausbleiben." Ich kann also nur
sagen, daß ich sehr zufrieden bin. Ich glaube, ich kann in dem Bewußtsein
die Heimreise antreten, daß mich mit Ihren Regierenden eine solide, persönliche Freundschaft verbindet, und auch das Bündnis und die Übereinstimmung zwischen uns. Ich bin wirklich sehr zufrieden. ...

* * * * *

- 5 -

�19

15. Mai 1985

REAGAN: KVAE TRÄGT ZUR MINDERUNG DER SPANNUNGEN IN EUROPA BEI
- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WASHINGTON - (AD) - Zur Eröffnung der sechsten Runde der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE)
erklärte Präsident Reagan am 13. Mai 1985 in Washington, "daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch die Sowjetunion hinsichtlich
konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu einem Abkommen bereit ist. Wir
hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft in Erwägung ziehen wird."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Morgen, am 14. Mai, tritt die Stockholmer Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in ihre
sechste Runde. Die Konferenz umfaßt alle Staaten der NATO und des Warschauer Paktes sowie die neutralen Länder Europas und ist daher in der

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�daher in der einzigartigen Lage, eine herausragende Rolle bei der Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost und West zu spielen. Ich messe dieser
Konferenz große Bedeutung bei.

Die NATO-Staaten haben in Stockholm gemeinsam eine Reihe konkreter
vertrauensbildender Maßnahmen eingebracht, die das Ziel verfolgen, die
militärischen Aktivitäten in Europa vorhersagbarer und stabiler zu machen
und dadurch sicherzustellen, daß es niemals zum Einsatz irgendeiner Waffe
kommt. Diese Maßnahmen würden zur Ankündigung und zur Beobachtung aller
miltärischer Aktivitäten über einen bestimmten Umfang hinaus verpflichten
und zudem angemessene Verifizierungsmaßnahmen - wie etwa Austausch von
Informationen und Inspektionen vor Ort - beinhalten. Sie dienen dazu, die
Gefahr eines Krieges durch Fehleinschätzung und Mißvertändnisse zu verringern, gegen einen Überraschungsangriff zu schützen und die politischen
Kosten für jeden Staat beträchtlich zu erhöhen, der zur Einschüchterung
anderer Gewalt androhen sollte.

Dieses ehrgeizige Programm hat die volle Unterstützung aller NATOMitgliedstaaten wie auch die überparteiliche politische Zustimmung hier
in unserem Land. Auch die neutralen und bündnisfreien Staaten Europas
unterstützen die im NATO-Vorschlag dargelegten generellen Grundsätze.
In meiner Rede vor dem Europäischen Parlament in der vergangenen
Woche habe ich die Stockholmer Konferenz erneut darauf gedrängt, hinsichtlich

dieses

Maßnahmenpaketes,

wie

es

die

NATO-Länder

vorgelegt

haben, zu einer raschen Einigung zu gelangen. Und ich habe das Versprechen wiederholt, daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch
die Sowjetunion hinsichtlich konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu
einem Abkommen bereit ist. Wir hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft
in Erwägung ziehen wird.

In Stockholm haben wir die Möglichkeit, auf praktische Weise an einer
Verringerung

der Spannungen in Europa zu arbeiten. Die Konferenz ist

�Die Konferenz ist nunmehr an einem Punkt angelangt, wo sie in eine noch
intensivere

Verhandlungsphase

eintreten

könnte, wenn

die

Sowjetunion

bereit wäre, sich den anderen Konferenzteilnehmern dabei anzuschließen,
sinnvolle

vertrauensbildende

Maßnahmen

auszuhandeln,

die

beträchtlich

über bestehende Vereinbarungen hinausgehen. Botschafter James E. Goodby,
mein Vertreter auf der Stockholmer Konferenz, hat bei diesem Bestreben
mein ungeteiltes Vertrauen und meine volle Unterstützung.

- 3-

�15. Mai 1985

19

40 JAHRE FREIE WIRTSCHAFT - 40 JAHRE ERFOLG

- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft: i n der Nachkriegszeit -

WASHINGTON -

(AD) - Das Handels- und Währungssystem der Nachkriegs-

z e i t , das im Frühjahr 1945 auf der

Wirtschafts- und Währungstagung von

Bretton Woods geschmiedet wurde, hat seine Teilnehmer i n den seither vergangenen 40 Jahren nicht nur zum Widerstand gegen die kommunistische Aggression

befähigt,

sondern ihnen auch einen w i r t s c h a f t l i c h e n

Aufstieg

sondergleichen ermöglicht: Dies betonte der ehemalige Unterstaatssekretär
im US-Finanzministerium und Forschungsdirektor

des I n t e r n a t i o n a l e n Wäh-

rungsfonds, Edward M. B e r n s t e i n , i n einem Interview mit einem V e r t r e t e r
des US-Informationsamtes i n Washington.
Edward M. Bernstein gehörte e i n s t als D i r e k t o r der Abteilung Geld im
US-Finanzministerium
Woods.

selbst

zu den Architekten des Systems von Bretton

"Aufgabe der Demokratien i s t es heute," so meinte B e r n s t e i n , " i h -

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�Bernstein,

"ihre

gesamte w i r t s c h a f t l i c h e ,

zu m o b i l i s i e r e n , und ihre

soziale und p o l i t i s c h e

Entschlossenheit

Starke

zu demonstrieren, sich

von

niemandem ihre Rolle i n der Wirtschaft von heute verwehren zu lassen.
Das Interview mit Edward M. Bernstein hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Die i n Europa siegreichen A l l i i e r t e n - die Vereinigten Staa-

t e n , Großbritannien und die

Sowjetunion -

waren bei Ende des

Zweiten

Weltkrieges das mächtigste M i l i t ä r b ü n d n i s , das die Welt j e gekannt hatte
- e i n Bündnis, das über die Stärke v e r f ü g t e , die nötig war, eine
l i c h e Vteltordnung zu begründen.
zustande?

Worin unterschieden

fried-

Hörum brachten sie diese dann doch nicht
sich die

sowjetischen Vorstellungen

von

der Nachkriegswelt so sehr von denen der westlichen Demokratien?

ANTOWRT:

Die Russen, die stärkste Macht auf dem europäischen K o n t i -

nent, wollten zum herzen des Kontinents werden, foäre ihnen nicht k l a r g e macht worden, daß man ihnen dies nie gestatten würde, so hätten sie ihren
Druck ü b e r a l l auf dem Kontinent zur Geltung bringen können.
ja genau das, was b e r e i t s Napoleon gewollt hatte

Denn das war

und was auch H i t l e r ge-

tan hat.
Dieser marschierte nach Westen und marschierte nach Osten.

Er suchte

sich zum Herren des Kontinents aufzuschwingen.
I n Bretton Woods und später zur Z e i t

des Marshall-Plans hatten wir

a u f r i c h t i g geglaubt, die starken Zerstörungen würden die Sowjetunion dazu
veranlassen, das Schwergewicht auf den Wiederaufbau i h r e r Produktion, die
Erhöhung des Lebensstandards
Wirtschaft

zu legen.

ihres Volkes und die Modernisierung

ihrer

Und das war bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch

t a t s ä c h l i c h eine der A l t e r n a t i v e n , die sie i n s Auge gefaßt h a t t e .
Sie nahm an der Konferenz von Bretton Yboös t e i l .

Und gegen Ende

jenes Jahres 1945 ersuchte Rußland die Vereinigten Staaten um einen Kred i t i n Höhe von zehn M i l l i a r d e n D o l l a r .
union einen Kredit

Wir boten daraufhin der Sowjet-

von einer M i l l i a r d e Dollar durch die

Export-Import-

�Export-Import-Bank i n Washington a n , der eine günstige I n t e r i m s h i l f e
zum Anlaufen des Marshall-Plans hätte sein können.
Sie

alle

wissen, der

Sowjetunion

bis

Und wir boten, wie

und den osteuropäischen Staaten

die

Teilnahme am Marshall-Plan an.
Wie ich vermute, war die Sowjetunion zu dem Schluß gelangt, sie würde
w i r t s c h a f t l i c h zu sehr unter den Einfluß der Vereinigten Staaten geraten,
wenn sie versuchte, i h r Land mit massiver amerikanischer H i l f e wiederaufzubauen.
FRAGE:

Wo stünde die Welt heute, wenn die Sowjets M a r s h a l l - P l a n - H i l -

fe angenommen hätten?
ANTWORT:

Ich glaube, wir hätten eine von Grund auf bessere Welt.

Allem voran wäre meines Erachtens der Lebensstandard i n der Sowjetunion heute v i e l , v i e l höher; s t a t t bei Wiederaufbau, Aufschwung, Produkt i o n und Einkommen h i n t e r

Westeuropa, der Bundesrepublik Deutschland und

Frankreich - und auch h i n t e r Japan - herzuhinken, hätte die

Sowjetunion

mit ihnen gleichziehen können.
Meiner Meinung nach wäre das gesamte Umfeld für

die Erhaltung des

Friedens e i n ganz anderes geworden.
FRAGE:

Welche Faktoren bewogen die W e s t a l l i i e r t e n , den Wiederaufbau

bei ihren Kriegsgegnern zu u n t e r s t ü t z e n , ihnen w i r t s c h a f t l i c h zu h e l f e n
und eine demokratische A l l i a n z mit ihnen einzugehen?
ANTWORT:

Ich glaube, uns wurde Folgendes k l a r :

Die Sowjetunion h a t -

te die M ö g l i c h k e i t , ihre gewaltige Militärmacht i n Europa zum Tragen zu
bringen - nicht durch einen Einmarsch oder dessen Androhung, sondern a l l e i n durch die Demonstration dieser Macht mit

dem Hinweis:

"Wenn i h r

nicht so oder so handelt, dann wißt i h r j a , wie die A l t e r n a t i v e aussehen
könnte'."
Dies aber

stellte

�Dies aber s t e l l t e

uns vor die Notwendigkeit, a l l e

jene Gebiete zu

stärken, i n denen der Sowjetunion andernfalls e i n Vordringen l e i c h t g e f a l l e n wäre.

Das waren Deutschland i n Westeuropa, und Japan im Fernen Osten.

FRAGE:

Wieso brachten die Demokratien den Willen a u f , sich der kom-

munistischen Aggression nach dem Krieg zu widersetzen, nachdem sie

sich

Jahre zuvor a l s unfähig erwiesen h a t t e n , gegen die faschistische Aggression zusammenzustehen?

ANTWORT:

Die wahre Antwort hierauf l a u t e t wohl, daß sich die Demo-

k r a t i e n i n den dreißiger
fühlt

Jahren allzusehr dem Frieden v e r p f l i c h t e t

h a t t e n , wenn man das so sagen kann;

ge-

das h e i ß t , sie werteten den

Frieden sehr v i e l höher als a l l e s andere - wie die Preisgabe von P o s i t i o n
um P o s i t i o n an H i t l e r j a s c h l i e ß l i c h gezeigt hat.

Chamberlains

Politik

war "Frieden i n unserer Z e i t . "

Erst a l s er sah, daß H i t l e r , der wie-

derholt

die l e t z t e Forderung, die wir

erklärt

hatte,

"das i s t

haben",

s c h l i e ß l i c h doch i n Polen einmarschierte, entschlossen sich Chamberlain,
die B r i t e n und die Franzosen zum Widerstand.
Als wir i n der Nachkriegszeit, i n den späten v i e r z i g e r Jahren, eine
ähnliche Gefahr erkannten, wie sie H i t l e r d a r g e s t e l l t hatte - daß nämlich
die stärkste Macht auf dem Kontinent diesen zu beherrschen t r a c h t e t e
und w i r , wie im F a l l e

-

H i t l e r , f e s t s t e l l t e n , daß deren Normen, Moralvor-

stellungen und p o l i t i s c h e n wie w i r t s c h a f t l i c h e n Ziele sich von den unseren so stark unterschieden, mußten wir uns ihrem Vordringen widersetzen.
Oder wir

mußten i h r

zumindest

klarmachen:

"Falls

du dich

in

Marsch

s e t z t , wird das nicht ohne Folgen b l e i b e n . "
FRAGE:

Wird das Bündnis der Demokratien, das den Stürmen der l e t z t e n

40 Jahre zu t r o t z e n vermochte, seine K r a f t und Stärke bewahren können?
ANTWORT:

Das wird es meiner Überzeugung nach.

meiner Meinung nach darüber

Wir müssen uns aber

im klaren s e i n , daß sich heute wohl jeder

wohlhabender und zufriedener f ü h l t a l s Ende des Zweiten Weltkrieges.

Und

Menschen, die sich zufrieden und wohlhabend fühlen - und das t r i f f t

für

- A -

�trifft

für Europa, Japan und auch für uns zu - , h o f f e n , daß nichts i h r e n

Frieden s t ö r t .

Wir sind a l l e zufrieden.

Wir freuen uns des Lebens.

Wir lehnen uns geruhsam zurück.

Und wir wollen keine Störungen - wir wollen

keine Störungen etwa durch die Entwicklung neuer Waffen. Wir wollen nicht
den Eindruck erwecken, wir bedienten uns gegenüber den Russen eines rüden
Umgangstones, auch wenn sie uns gegenüber eine solche Sprache sprechen.
FRAGE:

Welche neuen Aufgaben g i b t es f ü r die demokratische A l l i a n z ?

ANTWORT:

Ihr gesamte w i r t s c h a f t l i c h e , soziale und p o l i t i s c h e Stärke

zu m o b i l i s i e r e n und i h r e r

Entschlossenheit

Ausdruck zu v e r l e i h e n ,

sich

von niemandem ihre Rolle i n der Welt untergraben zu lassen.
FRAGE:

Können Sie uns einige der spezifischen Probleme nennen, vor

die sich die demokratische A l l i a n z i n naher und ferner Zukunft

gestellt

sehen wird?
ANTOWRT:

Eines der Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben,

i s t die Tatsache, daß das i n t e r n a t i o n a l e Währungssystem, das wir nach dem
Krieg geschaffen haben -

Internationaler

regionalen Entwicklungsbanken -

mit

Währungsfonds, Waltbank und die

neuen Problemen k o n f r o n t i e r t

sind.

Es g i l t , darüber nachzudenken, was sie i n der derzeitigen S i t u a t i o n tun
können. Und sie müssen auch mit mehr M i t t e l n ausgestattet werden.
Um es anders zu sagen:

Bei einem noch so bemerkenswert günstigen i n -

ternationalen w i r t s c h a f t l i c h e n und f i n a n z i e l l e n Aufschwung, Wachstum und
Wahlstand, die unsere Demokratien produzieren, müssen wir

jetzt

riarauf

bedacht s e i n , daß die Veränderungen, die i n der Weltwirtschaft e i n t r e t e n ,
konstruktiver Natur s i n d .
Wir haben z u l e t z t d r e i schlechte Jahre durchlebt.
l a r auf eine beträchtliche höhe steigen sehen.
Währungen der

Er i s t verglichen mit den

größeren europäischen Ländern und auch mit

d u r c h s c h n i t t l i c h über 80 Prozent mehr wert.
bewertet.

Wir haben den D o l dem Yen um

Damit i s t der D o l l a r

über-

Die Folge davon i s t , daß i n den Vereinigten Staaten i n d r e i

�i n d r e i V i e r t e l der Wirtschaft e i n Boom h e r r s c h t , während e i n V i e r t e l
einer Rezession s t e c k t .

Das t r i f f t

in

zu f ü r die Landwirtschaft, den Berg-

bau und jenen T e i l unserer F e r t i g u n g s i n d u s t r i e n , der exportabhängig

ist

und mit Einfuhren konkurrieren muß.
Und i n Europa war eine nur schleppende Erholung von der l e t z t e n Rezession zu beobachten.

Der Grund f ü r den schleppenden Verlauf der Erho-

lung i s t d a r i n zu suchen, daß die europäischen Währungen an Wert verloren
haben.

Man i s t i n Europa gegenüber dem Wechselkurs und dem Außenwert der

eigenen Währung sehr empfindlich.

Dort sieht man die Aufrechterhaltung

der Stärke der eigenen Währung a l s das Problem Nr. 1 an und schirmt die
eigene Volkswirtschaft

nach außen h i n sehr ab -

insbesondere, was den

Geldmarkt angeht.
Hierher gehört auch das Problem der hohen Verschuldung der Entwicklungsländer.

Das sind Probleme, die wir lösen müssen, und i c h b i n über-

zeugt , daß wir sie lösen werden.
sichten der

Weltwirtschaft

Ich b i n kein Pessimist, was die Aus-

angeht.

Ich glaube, die Vereinigten Staaten

werden i n den nächsten 15 Jahren, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, noch
mehr l e i s t e n , als sie i n den siebziger Jahren g e l e i s t e t haben.

Und wenn

es auch i n Europa nicht mehr ganz so rasant aufwärts gehen kann wie

in

der Vergangenheit - unmöglich i s t das deshalb schon, weil damals die Ausgangslage eine ganz andere war - , so werden die europäischen Länder - und
auch Japan - doch recht zufrieden sein können.

Und meines Erachtens werden wir eine konstruktive Lösung auch f ü r die
Probleme der Entwicklungsländer finden.
Deshalb b i n i c h , was die Wirtschaft angeht, o p t i m i s t i s c h .

Wir haben

Schwierigkeiten; aber es handelt sich doch um Schwierigkeiten, derer wir
Herr werden können.

Wir s o l l t e n uns a l l e r d i n g s z e i t i g an i h r e Überwin-

dung machen.
Ich kann nicht
sagen.

sehr v i e l zu diplomatischen und m i l i t ä r i s c h e n Fragen

Es besteht nach wie vor die hbffnung, daß wir eines Tages i r g e n d - 6 -

�Tages i r g e n d w i e zu einem E i n v e r s t ä n d n i s m i t der Sowjetunion gelangen werden.

Man h ö r t

immer wieder

einem neuen Kremlchef
bensstandards

sagen:

"Schließlich

haben w i r es j e t z t

zu t u n , der den Nachdruck a u f

des r u s s i s c h e n Volkes

legen w i r d .

die

mit

Hebung des L e -

Das wiederum

bedeutet,

daß e r mehr Ressourcen a u f d i e w i r t s c h a f t l i c h e E n t w i c k l u n g i n d e r S o w j e t u n i o n verwenden muß , und weniger a u f m i l i t ä r i s c h e Zwecke verwenden k a n n .
Und so könnte es s e i n , daß auch i h r e D i p l o m a t i e weniger Schärfe

Das bekomme i c h
Tages auch so s e i n .

FRAGE:

heute o f t

zu h ö r e n .

Und v i e l l e i c h t

zeigt."

w i r d das

eines

I c h h o f f e , womöglich i n den nächsten 15 J a h r e n .

Was s i n d d i e b l e i b e n d e n Lehren aus dem N a c h k r i e g s v e r s u c h , e i n

neues demokratisches

System i n

Europa

zu e r r i c h t e n

und es

gegen

seine

Gegner zu schützen?

ANTWORT:

Die

Menschen A r b e i t
geben muß.

erste

Lehre

besagt

meiner Meinung

n a c h , daß man den

zu einem g u t e n R e a l l o h n und d i e Hoffnung a u f

I c h g l a u b e , wenn s i e

beides

Fortschritt

haben, e n t w i c k e l n s i e

B e w u ß t s e i n , daß s i e etwas zu v e r t e i d i g e n haben.

auch das

Und genau darum geht es

heute.

Erzfeind

der Demokratie

der Demokratie i s t

ist

eine

die berechtigte

tiefe

Depression.

Stärkste

Stütze

H b f f r u n g a u f e i n hohes Maß an B e s c h ä f -

t i g u n g , gute Löhne und e i n anhaltendes

Wachstum.

Und d i e haben w i r

tat-

sächlich.

FRAGE:

Worin i s t

der

Hauptgrund f ü r

den F o r t b e s t a n d der A l l i a n z

zu

sehen?

ANTWORT:

Der Hauptgrund d a f ü r

ist,

daß s i e

so Gutes g e l e i s t e t

Wir s i n d a l s Verbündete und P a r t n e r insbesondere a u f dem Gebiet der
s c h a f t gut g e f a h r e n .
dem E r s t e n

Weltkrieg

hat.
Wirt-

Und wenn man diesen S a c h v e r h a l t m i t dem U n h e i l nach
und

der

k l a r , welcher Wandel e i n g e t r e t e n

großen

Depression

vergleicht,

dann

wird

ist.
Wenn i c h
- 7 -

sage ,

�Wenn i c h sage, die Realeinkommen haben sich s e i t

1944 v e r d r e i f a c h t

oder nahezu v e r d r e i f a c h t , bedeutet das, daß wir i n diesen 40 Jahren größere - doppelt so große - w i r t s c h a f t l i c h e F o r t s c h r i t t e gemacht haben wie
i n der bisherigen Geschichte der Menschheit i n M i l l i o n e n Jahren.

So ge-

w a l t i g war also das Wachstum.
Dennoch tauchen von Z e i t zu Z e i t Probleme a u f , die uns Sorgen machen.
Wir mußten uns wegen der I n f l a t i o n sorgen.
Arbeitslosigkeit
mern müssen.

sorgen.

Und wir müssen uns wegen der

Es g i b t soziale Probleme, um die wir uns küm-

Jedermann aber

ist

heutzutage

zuversichtlich,

daß

diese

Probleme lösbar sind.
So h ä l t die A l l i a n z meiner Auffassung nach i n e r s t e r L i n i e
zusammen, weil

sie

funktioniert.

wirtschaftlichem Gebiet.
sagen:

Besonders

bewährt

hat

sie

Auf diplomatischem Gebiet können wir

deshalb
sich

auf

immerhin

"Sie f u n k t i o n i e r t i n dem Sinne, daß keine echte Gefahr eines neu-

en Krieges b e s t e h t . "

Wir fühlen uns sicherer.

Wir haben somit auf w i r t s c h a f t l i c h e r Ebene gewaltigen E r f o l g und auf
d i p l o m a t i s c h - m i l i t ä r i s c h e r Ebene mindestens eine echte Leistung.
ben Frieden.

Wir sprechen miteinander.

Wir ha-

Niemand war bisher w i l l e n s , zu

e r k l ä r e n , er wäre b e r e i t , Gewalt anzuwenden, um seinen Willen durchzusetzen.

Das i s t w i c h t i g .
FRAGE:

»

Meinen S i e , wie Präsident Reagan, die Demokratie steht im Be-

g r i f f , die t o t a l i t ä r e Staatsformen zu überflügeln?
ANTWORT:

Es besteht meines Erachtens bei uns Übereinstimmung

dar-

über, daß sich die Demokratie, so wie wir sie verstehen - a l s den Willen
des Volkes, wie er
wird.

in

freien

Wahlen zum Ausdruck kommt - ,

durchsetzen

Denken wir dann noch an die Organisierung der Wirtschaft auf eine

Weise, daß sie nicht vom Staat selbst i n s t a a t l i c h e n Unternehmen gelenkt
wird - was ja s c h l i c h t gesagt Sozialismus i s t - , so sehen wir doch übera l l , daß die Regierungen jener Entwicklungsländer, die den russischen Wag
zur Entwicklung erprobt haben, gescheitert s i n d .
Und auf der

�Und auf der anderen Seite geht es den Ländern i n Lateinamerika und im
Fernen Osten, die e i n f r e i e s Wirtschaftssystem haben, bemerkenswert g u t .
Es i s t

schier u n g l a u b l i c h , was i n Formosa, Südkorea, Hongkong, Malaysia

und Singapur e r r e i c h t wurde.

Diese Länder haben i h r e Produktion v e r f ü n f -

und versechsfacht, so daß sie i n den l e t z t e n 20 Jahren zwischen 50 und
100 Prozent zugenommen - i h r reales Pro-Kopf-Einkommen sich im gleichen
Zeitraum verdoppelt bis verdreifacht hat.
Und i n Lateinamerika, wenn wir von Mexiko, B r a s i l i e n und Argentinien
sprechen, das eben e r s t - wie zuvor B r a s i l i e n - zur Demokratie zurückgekehrt
fache.

ist,

betragen die Produktionssteigerungen das Doppelte oder D r e i -

Das i s t eine große Leistung.

derne Volkswirtschaften.

Diese Länder haben heute sehr mo-

Sie befinden sich gegenwärtig i n Schwierigkei-

t e n ; aber das sind Schwierigkeiten, mit denen sich irgendwie fertigwerden
läßt.
Wir müssen uns klarmachen, daß i n weiten Teilen Lateinamerikas, wo
bisher M i l i t ä r r e g i m e bestanden, heute demokratische Regierungen die Macht
ausüben, die auf den Willen i h r e r

Völker hören.

Ich b i n w i r k l i c h

er-

s t a u n t , wie weit wir i n Lateinamerika auf dem Weg zu p o l i t i s c h e r Demokrat i e vorangekommen s i n d .
Selbst i n A f r i k a , wo noch immer extreme Armut h e r r s c h t , sind die Länd e r , denen es am besten geht, nicht s o z i a l i s t i s c h o r i e n t i e r t .

Und d i e j e -

nigen, die es mit dem Sozialismus versucht haben, kehren zu einer

freien

Weltwirtschaft zurück.
Somit bin i c h , was die w i r t s c h a f t l i c h e Seite angeht, sehr zuversichtlich,

daß die

Form der

staatlich

gelenkten

Wirtschaft

schwinden w i r d , daß man den Völkern gestatten w i r d , f r e i
und f r e i Handel zu t r e i b e n .

- 9 -

irgendwie

ver-

zu produzieren

�15. Mai 1985

KREUZZUG GEGEN DIE DROGENSUCHT
- Internationale Aktionen notwendiger denn je -

- (AD) - Die Drogenseuche, ein weltumspannendes Problem, gefährdet
jetzt immer mehr junge Menschen.

Ihnen und ihren Familien zu helfen,

aber auch dem Übel vorzubeugen und es, wo immer möglich, an der Wurzel zu
packen, hat sich Nancy Reagan zum Ziel gesetzt.

Der ungeheuren Schwie-

rigkeiten, die ihrem mit hohem persönlichen Einsatz geführten Kampf entgegenstehen, ist sich die Frau des amerikanischen Präsidenten durchaus
bewußt.

Aber sie weiß auch, daß die Eltern und Angehörigen der Opfer die

wichtigsten Verbündeten in diesem Kampf sind.

So nahm sie die Europareise und den Staatsbesuch Präsident Reagans
Anfang Mai in der Bundesrepublik als besondere Chance wahr, auch hier mit
Eltern Drogenabhängiger zusammenzutreffen.

Frau Marianne von Weizsäcker,

die Frau des Bundespräsidenten, hatte bereits für den ersten Tag in Bonn
Gespräche mit Angehörigen und mit Vertretern von Betreuungsorganisationen
arrangiert, die alle aus eigener schlimmer Erfahrung die Auswirkungen von
Drogen kennen.
Meinungs- und

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�Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern machte erneut
deutlich, was sich wenige Tage zuvor auf einer internationalen Konferenz
in Atlanta (Georgia) so eindrucksvoll gezeigt hatte:

Eltern und Angehö-

rige sind von allen, die sich bemühen, am ehesten in der Lage, ein Bollwerk gegen die Drogenflut zu schaffen.

Für sie bedeuten Drogen nicht we-

niger als für abhängig gewordene junge Menschen selbst eine Tragödie. Und
sie sind es zuallererst, die durch Aufklärung, Informieren und Überzeugen
versuchen, vorzubeugen.

Gut, wenn auch Schule und Organisationen mithel-

fen, junge Menschen zu motivieren, es gar nicht erst aufs "Probieren" ankommen zu lassen.

Dieses Probieren gilt nicht nur für Drogen, sondern

ebenso für den Alkohol - bei Jugendlichen häufig der "Einstieg" zu den
Suchtstoffen.

Auf der PRIDE-Konferenz in Atlanta (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug Education" - einer privaten Organisation
für Hilfe und Eltemberatung bei Drogenproblemen) zeigte sich eindrucksvoll, daß tatsächlich Hoffnung besteht, eine Art Immunbarriere zu schaffen.

Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die Arbeit an der Basis zum

Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten
paar Jahren mehr als 4000 Elternkreise als sehr aktive Arbeitsgruppen in
allen Bundesstaaten.

Erfolge beginnen sich abzuzeichnen:

sum unter Jugendlichen geht langsam zurück.

Der Drogenkon-

Viele machen sich Gedanken

über drogenabhängig gewordene Altersgenossen, möchten sich und ihre Familie frei halten von dem, was noch vor wenigen Jahren als "in" galt.

Die Tagung (24. - 27. April 1985) wurde von mehr als 3000 Personen
besucht, etwa die Hälfte von ihnen Jugendliche.
40 Ländern nahmen an ihr teil.

Auch 125 Delegierte aus

Während der zwei letzten Tage kam Nancy

Reagan mit prominenten Gästen hinzu.

Sie hatte die Frauen ausländischer

Staats- und Regierungschefs nach Washington und Atlanta zu Aussprachen
über Drogenprobleme eingeladen.
ihnen Frau von Weizsäcker.
formulierte:

17 waren der Einladung gefolgt, unter

Sie kamen, wie es Außenminister George Shultz

"... als Erste Damen, als Mütter und als Repräsentanten ih-

rer Völker und Kulturen, die einer internationalen Öffentlichkeit deutlich machen, daß es bei Drogenmißbrauch keine Grenzen, keine nationalen
Tagungen gibt".
Sprecher

der

�Sprecher der Elternkreise, aber auch von Jugendorganisationen, Behörden und Kirchen verwiesen darauf, daß noch in den achtziger Jahren durch
Mytholisierung, medizinische

Fehlinformationen

über Gesundheitsschäden,

aber auch falsche Behauptung über die psychogene Wirkung im Zusammenhang
mit Drogen dem Konsum

von Suchtstoffen viel Vorschub geleistet wurde.

Dr. Carlton Turner, zuständig im Weißen Haus für das Amt für Politik gegen Drogenmißbrauch, prangerte "Gewährenlassen und den Mangel an glaubwürdigen Informationen" in der zurückliegenden Zeit an.

Mrs. Reagan for-

derte allgemein von den Eltern, die "Mauer des Leugnens" von Drogenproblemen ihrer Kinder zu überwinden.

Nur dann seien sie zu tatkräftiger

Hilfe mit Liebe und Zuwendung, aufmerksamem Beobachten, Engagement und
fortdauernder Verpflichtung fähig - zu einer Hilfe, die Regierungsprogramm nie zu geben vermögen.

Drogen - ein Feind aller Nationen
Längst sei das Suchtproblem "kein amerikanisches Problem mehr, das
eine amerikanische Lösung fordere", sagte Jon Thomas, Unterstaatssekretär
im US-Außenministerium für internationale Rauschgiftfragen.
nationale Lösung sei dringend notwendig.

Eine inter-

Die jüngsten Entwicklungen in

Lateinamerika und Afrika in bezug auf Drogenmißbrauch verlangten unmittelbare Aufmerksamkeit.

Unter dem Druck von Altersgenossen habe sich, wie der Psychiater Dr.
Raul Jeri (Peru) berichtete, unter jungen Peruanern ebenso wie in Kolumbien, Ecuador und Bolivien neben dem Konsum von Alkohol der von Kokapaste
wie ein Buschfeuer ausgebreitet.
der Herstellung von Kokain.

(Kokapaste ist ein Zwischenprodukt bei

Sie enthält viele chemische Verunreinigun-

gen, die vom Körper aufgenommen werden und schwere Gesundheitsstörungen
verursachen.)

"Wir haben miterlebt,wie sich diese Epidemie vor unseren

Augen entwickelte, wie Hunderttausende von Menschen der Kokapaste verfielen", sagte er.

Ähnliches

berichtete

�Ähnliches berichtete Dr. Oluwolfe Famuyiwa aus Nigeria und aus anderen Teilen Afrikas, wo bis Mitte der sechziger Jahre nur Marihuana bekannt gewesen sei, und das eng begrenzt. Inzwischen werde es in großer
Menge konsumiert - einer kürzlich in Nigeria angestellten Erhebung zufolge rauche jeder vierte Oberschüler Marihuana.

Wie sehr die Regierung

über die Entwickung besorgt sei, zeige sich u.a. darin, daß Drogenhändlern die Todesstrafe drohe.

Auf Europa komme eine Kokainwelle zu, war sowohl von John Thomas als
auch von Charles Vella, dem Direktor eines Zentrums für Familienstudien
in Mailand, zu hören, als die Beobachtungen von Dr. Giuseppi Degennaro,
einem Beamten der Vereinigten Staaten, zur Sprache kamen.

In Italien

wiesen einige Studien darauf hin, daß dort mindestens 280 000 Jugendliche
drogenabhängig seien.

Auf einem von Bonn aus unternommenen Kurzbesuch in

Rom informierte sich Mrs. Reagan vor Ort über die dortige Situation.

Unter der Diktatur von Verbrechern

"Die Suchtstoffkette vom Erzeuger zum Verbraucher hinterläßt Opfer
entlang des gesamten Weges, den sie nimmt", erklärte Thomas.

Die Men-

schen an beiden Enden, die Produzenten wie die Verbraucher, seien in
Elend aneinandergekettet.

Die Bauern in den Bergen Thailands und Burmas,

die Schlafmohn für Opium anbauen, lebten in Armut, ausgebeutet von den
Händlerorganisationen.

Diesen Bauern sei nicht bewußt, daß ihr Produkt

Aufstände entlang der thailändisch-burmesischen Grenze mitfinanziere und
zum Tod zahlreicher Polizisten und Soldaten beider Länder im Einsatz gegen den Drogenhandel geführt habe.

Das Endprodukt, Heroin, ziehe seine

Spur von Südost- und Südwestasiens bis zu den Süchtigen in Europa, in den
USA und sonstwo.
zu kommen.

Und diese schreckten vor nichts zurück, um an den Stoff

Nichts anderes interessiere sie mehr - nicht die Familie,

nicht ihr Land, nicht einmal sie selbst, nur noch die Droge.

Alle Süchtigen, so Thomas, trügen direkte Mitverantwortung für Korruption, Gewalt und Tod im Zusammenhang mit dem Drogenhandel.
- 4 -

Das gelte

�Das gelte auch für jene, die Suchtstoffe "zur Erholung" konsumieren.
zitierte

Justizminister

Edwin Meese:

"Drogenkonsumenten

Er

leisten sich

nicht nur persönlichen Genuß... Sie unterstützen gleichzeitig jene, die
mit Terror, Folter und Tod Geschäfte machen."

Der Marihuana-Raucher wisse gewöhnlich nichts von den Bedingungen,
unter denen Marihuana in Mexiko, eine der Hauptquellen, angebaut werde.
Bei der Großaktion gegen den illegalen Anbau im mexikanischen Bundesstaat
Chihuahua stellte sich z.B. heraus, daß Kinder regelrecht als Sklaven zu
dieser Arbeit gezwungen werden.

Auch mache sich der Raucher keine Gedan-

ken darüber, daß er mit dem Kauf von neuem Stoff zu den Millionen der
Händlerbosse beitrage - von Leuten, deren Geld durch die "Waschanlagen"
von Geldinstituten gehe, um die illegale Herkunft zu verschleiern, sagte
Thomas.

Überall in der Welt setzten die Händler ihre verbrecherischen

Mittel ein, um im Geschäft zu bleiben, ja es noch auszuweiten.

Und da

derzeit die illegale Drogenherstellung umfangreicher sei als die Nachfrage, suchten sich die Händler zunehmend Absatzmärkte auch in den Erzeugerländern.

Ermutigung durch internationale Zusammenarbeit

Dennoch sähen sich die USA, wie Jon Thomas hervorhob, durch die Mitarbeit der Erzeugerländer bei der Zerstörung illegaler Anbauflächen sowie
durch die Anstrengungen vieler Staaten ebenso wie der Vereinten Nationen
ermutigt, anderen Nationen dabei zu helfen, dem Vertrieb und dem Weiterschleusen von Drogen Einhalt zu gebieten. Den politischen wie den gesellschaftlichen

Auswirkungen

von Drogenmißbrauch

und Drogenhandel

auch die Teilnehmer am Weltwirtschaftsgipfel in Bonn Rechnung.

trugen

Sie ver-

sicherten, alles in ihren Kräften stehende tun zu wollen, um vor allem
die Machenschaften der Händler zu unterbinden.

Das Programm der Reagan-Administration zielt Dr. Turner zufolge auf
folgende Punkte ab:

Aufhalten der Drogenflut so nahe wie möglich an der

Quelle, verschärfter Rechtsvollzug und härtere Strafen für verurteilte

�für verurteilte Drogenhändler, Abfangen von Drogen, bessere Therapieprogramme, Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Informations- und Erziehung sprog ramm.

Allerdings sei die Mitarbeit und das Engagement der Fami-

lien, von Menschen an der Basis das Wichtigste in diesem Kampf.

Die PRIDE-Zentrale in Atlanta unterstützt sie mit Informationen, mit
Anregungen und Anleitungen in ihrem Bemühen, der Drogengefährdung ihrer
Kinder wirksam vorzubeugen.

Dr. Thomas Gleaton, Mitgründer und Leiter

von PRIDE, versorgt die Eltern mit Material über Trends in der Drogenszene, über die Auswirkungen von Suchtstoffen, auch über die neuesten Erkenntnisse der medizinischen Forschung.

Mark Gold, der einen landeswei-

ten telefonischen Beratungsdienst gegen die Kokainwelle eingerichtet hat,
berichtete in Atlanta beispielsweise, daß 14 Prozent der Hilfesuchenden
als Folge ihrer Abhängigkeit von Kokain unter Krämpfen und epileptischen
Anfällen litten und daß ihm neun Prozent sagten, Selbstmordversuche unternommen zu haben.

Als Gold im Jahr 1983 mit dem Beratungsdienst be-

gann, rechnete er mit etwa 10 000 Anrufen pro Jahr.
heute ca. 1000 Personen pro Tag Rat und Hilfe.

Statt dessen suchen

Kokain bezeichnete er als

"eine Droge, die geradezu teuflisch für die achtziger Jahre ersonnen ist".

Dr. Gleaton appellierte leidenschaftlich an die anderen Nationen,
doch aus den Erfahrungen Amerikas mit Drogen zu lernen.

"Leider werden

unsere schlimmsten Fehler in der Zeit der siebziger Jahre jetzt in vielen
Ländern noch einmal gemacht", sagte er.

Damit bezog er sich vor allem

auf die Diskussionen, die es zur Zeit in Australien, Dänemark und in den
Niederlanden darüber gibt, ob Marihuana "entkriminalisiert" werden solle.
Solche Kampagnen kämen de facto einer Legalisierung gleich - zum Schaden
junger Menschen, aber ebenso der betroffenen Familien.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz in Lissabon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: KVAE trägt zur Minderung der Spannungen in Europa bei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;40 Jahre freie Wirtschaft - 40 Jahre Erfolg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein zur Entwicklung der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kreuzzug gegen die Drogensucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Aktionen notwendiger denn je -&lt;/em&gt;</text>
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1

15. Mai 1991

CHEMISCHE WAFFEN

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE ZU
CHEMISCHEN WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

NEUE WELTORDNUNG

USA WEITERHIN ENGAGIERT FÜR
NEUE WELTORDUNG
Rede von Robert Gates

INSTITUTIONEN IN AMERIKA

AMERIKAS EINZIGARTIGES
OBERSTES BUNDESGERICHT
von Barrett McGurn

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�CHEMISCHE

WAFFEN
15. Mai 1991

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE ZU
CHEMISCHEN WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht über Präsident Bushs Initiative zu chemischen Waffen
wurde am 13. Mai 1991 vom Weißen Haus veröffentlicht

Mit der Feststellung, daß der jüngste Konflikt am
Persischen Golf erneut das Gespenst des Einsatzes
chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen
heraufbeschworen habe, gab der Präsident eine Reihe
neuer Maßnahmen im Rahmen seines langfristigen
Ziels bekannt, diese Waffen des Terrors für immer von
der Welt zu verbannen. Präsident Bush bekräftigte
seine Überzeugung, die beste Hoffnung zur Verwirklichung dieses Ziels sei die Konvention über chemische
Waffen (CWC) - ein multilateraler Vertrag, der Herstellung, Besitz, Transfer und Einsatz chemischer Waffen
vollständig verbieten würde -, die im Rahmen der
Genfer Abrüstungskonferenz (CD) ausgehandelt wird.
Vorrangiges Ziel dieser Initiative ist, die Aussichten für
einen baldigen Abschlu ß dieser Konvention zu verbessern, das Engagement der Vereinigten Staaten unter
Beweis zu stellen, so bald wie möglich ein wirksames
Verbot chemischer Waffen zu erzielen und anderen
Nationen einen Anreiz zu bieten, sich ebenfalls diesem
wichtigen Ziel zu verschreiben. Aus diesem Grund
erklärte der Präsident, daß die amerikanische Delegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz mit Wiederaufnahme der Gespräche am 14. Mai 1991 folgende
Maßnahmen ergreifen wird:
1. Die Vereinigten Staaten fordern die Lösung aller
wesentlichen noch ausstehenden Fragen zu C-Waffen
bei der Genfer Abrüstungskonferenz bis Ende 1991
sowie den Abschlu ß einer Konvention über chemische
Waffen binnen 12 Monaten.

AMERIKA DIENST 19

2. Um diese Ziele zu verwirklichen und sicherzustellen, daß keine Zeit verschwendet und keine Chance
vertan wird, um die Verhandlungen bald zu einem
erfolgreichen Abschluß zu bringen, werden die Vereinigten Staaten den Vorschlag unterbreiten, daß mit
Beginn der Mai-Sitzungsperiode ein C-Waffen Adhoc-Ausschuß der Genfer Abrüstungskonferenz ständig in Genf tagen soll. Die Vereinigten Staaten sind
bereit, ihren Botschafter am Verhandlungstisch zu
belassen und ihre Delegation zur Unterstützung dieses Zeitplans entsprechend zu verstärken.
3. Die Vereinigten Staaten werden formell ihre Absicht
bekunden, erster Unterzeichner des Vertrags über
chemische Waffen zu sein und werden alle anderen
Staaten öffentlich auffordern, ebenfalls Erstunterzeichner des Vertrags zu werden sowie ihre C-Waffenbestände offenzulegen.
4. Die Vereinigten Staaten werden ihre Position aufgeben, daß Staaten das Recht zu einem C-WaffenVergeltungsschlag haben, solange sie über C-Waffenbestände verfügen, wenn C-Waffen zuerst gegen sie
eingesetzt werden. Die Vereinigten Staaten werden
offiziell dem Einsatz chemischer Waffen aus jedwedem Grund abschwören, einschließlich der gleichartigen Vergeltung mit chemischen Waffen gegen jeden
Staat. Diese Klausel wird mit Inkrafttreten der CWC
wirksam. Darüber hinaus werden die Vereinigten
Staaten eine Klausel vorschlagen, damit die CWC den
Einsatz von C-Waffen aus jedem erdenklichen Grund
verbietet.

Seite 1

�5. Die Vereinigten Staten werden von ihrer Position
abrücken, daß es ihnen gestattet werden müßte, 2
Prozent ihres C-Waffenbestands (500 Tonnen) beizubehalten, bis alle C-waffenfähigen Staaten dem Vertrag beigetreten sind. Die Vereinigten Staaten werden
sich bedingungslos der Zerstörung ihres gesamten CWaffenbestands und ehemaliger Produktionseinrichtungen binnen 10 Jahren nach Inkrafttreten der CWC
verschreiben. Sie werden alle Staaten auffordern,
dem amerikanischen Vorbild zu folgen und mit der
Vernichtung ihrer C-Waffenbestände und Produktionseinrichtungen so bald wie möglich zu beginnen. Sie
werden Klauseln für die Konvention über chemische
Waffen vorschlagen, die für alle Vertragsparteien die
bedingungslose Zerstörung ihrer C-Waffenbestände
und Produktionseinrichtungen vorschreiben, sobald
die CWC in Kraft tritt. Diese Beseitigung muß binnen
10 Jahren nach diesem Datum abgeschlossen sein.

7. Die Vereinigten Staaten werden anderen Staaten
umfassendes Informationsmaterial über die amerikanischen Exportkontrollen für alle chemiewaffenrelevanten Materialien und Technologien ihre unsere zu
deren Durchsetzung getroffenen gesetzlichen Maßnahmen liefern. Sie werden alle Staaten auffordern,
ähnliche Kontrollen einzuführen und damit die Kontrolle der Verbreitung chemischer Waffen zu verbessern,
während sie ein vollständiges und offizielles Verbot
anstreben.

8. Neben den bedeutenden unmittelbaren Vorteilen,
die allen Parteien durch ein vollständiges Verbot chemischer Waffen zuteil werden, sollten die Staaten, die
sich der Konvention anschließen und diese stärken,
greifbare Vorteile daraus ziehen. Andererseits sollten
genau definierte Strafen gegen die Staaten verhängt
werden, die durch ihren Nichtbeitritt eindeutig demonstrieren, daß sie ein solches Verbot nicht unterstützen.
6. Die Vereinigten Staaten werden anderen Staaten Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten für
praktische und wirksame Hilfe zur Verfügung stellen, die Konvention über chemische Waffen Bestimmunum zur raschen, sicheren und umweltverträglichen gen vorschlagen, die es den Vertragsparteien untersaZerstörung von Chemiewaffen beizutragen, wo immer gen, zur Herstellung von Chemiewaffen verwendbares
Material an solche Staaten zu liefern, die der Konvendiese vorgefunden werden.
tion nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums
Dazu gehören folgende Maßnahmen:
nach deren Inkrafttreten beigetreten sind.
Schaffung einer aus Vertretern der amerikanischen Regierung und Privatindustrie zusammengesetzten Expertengruppe, die Vorschläge
entwickeln soll, wie die Vereinigten Staaten
anderen Ländern bei der Zerstörung chemischer Waffen mit Rat und Tat zur Seite stehen
können.

9. Die Vereinigten Staaten werden ihre Position bekräftigen, derzufolge Sanktionen gegen die Staaten
verhängt werden sollten, die die Konvention über
chemische Waffen verletzen sowie besonders einschneidende Sanktionen gegen solche Staaten, die
den Einsatz chemischer Waffen vorbereiten. Die
Vereinigten Staaten erklären, daß sie Verletzungen
der Konvention über chemische Waffen, insbesondere
Bereitstellung technischer Hilfe bei der Zerstödie Vorbereitung des Einsatzes chemischer Waffen,
rung (etwa Besuche bei amerikanischen Zerstöals äu ßerst schweren Bruch des Völkerrechts betrachrungseinrichtungen, Pläne und technische Beten und daß sie in solchen Fällen alle geeigneten
ratung) für solche Staaten, auf deren HoheitsSanktionen verhängen werden.
gebiet sich chemische Waffen befinden.
Der Vorschlag zur Schaffung einer Arbeitsgrup- 10. Die Vereinigten Staaten werden ihr Engagement
pe zur Zerstörung chemischer Waffen im Rah- für ein solides und offenes Verifikationsregime bekräfmen der Genfer Abrüstungskonferenz sowie tigen. Sie werden zusätzliche konkrete Vorschläge
unterbreiten, um das zentrale Problem der Inspektion
das Angebot, zu diesem Zweck amerikanische
verdächtiger Einrichtungen zu behandeln. Sie werden
Experten zu delegieren.
die Genfer Abrüstungskonferenz auffordern, sich die
Position der Vereinigten Staaten zu Ad-hoc-Inspektionen solcher Einrichtungen zu eigen zu machen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 19

�NEUE

WELTORDNUNG
15. M a i l 991

USA WEITERHIN ENGAGIERT FÜR
NEUE WELTORDNUNG
Rede von Robert Gates
VANCOUVER - (AD) - Mit dem Hinweis auf die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten keinen Niedergang erleben
und heute die einzige wirkliche Supermacht sind, hat der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Robert
Gates die Notwendigkeit bekräftigt, sein Land müsse sich weiterhin weltweit engagieren und der Versuchung
eines Rückzugs aus der Weltpolitik widerstehen.
In einer Rede vor dem Verband Amerikanischer Zeitungsverleger (American Newspaper Publisher's Association) erklärte Gates, "sicherlich sind weder Isolationismus noch nationale Alleingänge die Antwort" für eine
Nation, die im vergangenen Jahr Waren im Wert von über 637 Milliarden Dollar exportiert hat.
Gates erläuterte die amerikanische Vision der Neuen Weltordnung und der Probleme, die es zu lösen gelte.
Insbesondere betonte er in diesem Zusammenhang den Aufbau der Demokratie in Osteuropa und der
Sowjetunion. Ferner behandelte er die amerikanische Politik gegenüber Irak und die Nachkriegssituation am
Persischen Golf.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Gates im Wortlaut.

Lord Salisbury hat vor vielen Jahren einmal gesagt:
"Keine Lehre scheint von der Lebenserfahrung so sehr
bestätigt zu werden wie die, daß man Experten niemals trauen sollte. Glaubt man den Ärzten, so ist
nichts gesund. Glaubt man den Theologen, so ist
nichts unschuldig. Glaubt man den Soldaten, so ist
nichts sicher." Dem möchteich hinzufügen: Glaubte
man vielen Kommentatoren, Analysten und Gelehrten
der letzten Jahre, so ist die Zukunft vom Niedergang
der Vereinigten Staaten gekennzeichnet - einer ungeliebten Führung und schwindendem Einfluß, einer
undisziplinierten und phantasielosen Politik ohne Vision und einer Wirtschaft, deren Wettbewerbsfähigkeit
ständig nachläßt.
In einer Atmosphäre solch kritischen Pessimismus'
besteht ein Bedürfnis innezuhalten, einen neuen Standpunkt einzunehmen und darüber nachzudenken, wie
außergewöhnlich doch die Zeiten sind, in denen wir
leben und warum so viele Experten und Beobachter es
versäumt haben, Umfang und Macht der sich vollziehenden Veränderungen vorherzusehen (oder später
zu erkennen) - oder die amerikanische Rolle bei diesen
Veränderungen zu würdigen.

AMERIKA DIENST 19

Wieviele haben vor neun Monaten geglaubt,
daß Kuwait vor Ende des Winters befreit würde
und sich unsere Truppen im Frühjahr auf dem
Heimweg befänden?
Wer hat vor einem Jahr die Vereinigung Deutschlands innerhalb der NATO mit sowjetischer
Duldung vorhergesehen?
Wieviele Beobachter haben vor zwei Jahren
den vollständigen Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa, den Abzug der sowjetischen Truppen, den Fall der Berliner Mauer
und die Auflösung des Warschauer Pakts vorhergesehen (der der Washington Post lediglich einen Artikel auf Seite 16 wert war)?
Wer hat vor zwei Jahren den Abbau grundlegender Elemente der Apartheid in Südafrika vorhergesagt?
Wer hätte vor vier Jahren darauf gewettet, daß
sowjetische Truppen aus Afghanistan, vietnamesische Truppen aus Kambodscha, kubanische Truppen aus Angola abgezogen würden,

Seite 1

�Noriega aus Panama vertrieben und freie Wahlen
in Nicaragua abgehalten - und von der Opposition gewonnen würden?
Vor 10 Jahren lebten 10 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas in demokratischen Staaten. Wer hätte vorhergesagt, daß heute 90
Prozent demokratisch regiert werden?
Was wir am Ende des Jahrtausends erleben, ist eine
neue Dämmerung der Freiheit für lang unterdrückte
Völker - eine neue Dämmerung am Ende des Jahrhunderts, das trotz seines materiellen und technischen
Fortschritts vielleicht das am meisten durch Gewalt,
Krieg und Unterdrückung verdunkelte in der Geschichte war.
Heute, nahezu am Ende des Jahrhunderts sind die
alten Imperien und die neuen totalitären "ismen" tot
oder im Absterben begriffen. In der ganzen Welt ist die
alte Weltordnung entweder zusammengebrochen, oder
sie liegt in den letzten Zügen. Die Ereignisse haben die
Experten in Regierung, Universitäten und Medien
erschlagen. Ihre vorsichtigen, konventionellen Prognosen und pessimistischen Vorhersagen wurden von
der ungeheuren Macht mutiger Völker zunichte gemacht, die frei sein wollten; von despotischen Regierungen, deren wirtschaftlicher, politischer und moralischer Bankrott allzu häufig nicht erkannt oder ignoriert
wurde; von den vereinten Demokratien, deren Standhaftigkeit, vertrauensvolle Unterstützung und Führungskraft über Jahrzehnte hinweg diese dramatischen
Veränderungen möglich machten.
Neue Ansätze für eine neue Welt
Heute müssen wir die Welt und unsere Rolle darin mit
neuen Augen betrachten. Im Gegensatz zur Vorliebe
einiger auf der Linken und auf der Rechten, die Lasten
der internationalen Führung an andere weiterzugeben,
ist eine Rückkehr zum Isolationismus nicht möglich nicht für ein Land, das im vergangenen Jahr Waren im
Wert von über 673 Milliarden Dollar exportierte und
dessen Kultur und politischer Einfluß so weitverbreitet
sind. Trotzdem müssen wir uns auch der Tatsache
bewußt sein, daß die Art und Weise unserer Reaktion
auf unseren alleinigen Supermachtstatus und unsere
Übermacht vielen Ländern Sorge bereitet, und zwar
sowohl den mit uns befreundeten als auch den uns
weniger freundlich gesonnenen. Sicherlich sind weder
Isolationismus noch nationale Alleingänge die Antwort. Wir haben keine Wahl als uns weiterhin zu
engagieren, aber wir müssen aufs Neue überlegen,
wie wir uns engagieren und die Führungsrolle ausüben.
Die uns durch die gegenwärtig in der ganzen Welt
stattfindenden Veränderungen gegebenen Chancen
zu ergreifen, stellt uns vor eine zweifache Herausforderung: erstens, aufbauend auf unseren Erfahrungen
am Golf die Schaffung eines dauerhaften internationalen Engagements zur friedlichen Beilegung von StreitSeite 2

fällen und Solidarität gegen Aggression. Zweitens, die
Ermutigung und Unterstützung der Staaten, die gerade ihre Freiheit gewonnen haben, bei der Stärkung
ihrer Demokratie und dem Wiederaufbau ihrer Volkswirtschaften und Gesellschaften.
Bereits zweimal in diesem Jahrhundert haben amerikanische Präsidenten nach Weltkriegen die Bemühungen angeführt, einen internationalen Mechanismus für
den kollektiven Widerstand gegen Aggression ins Leben
zu rufen - zuerst Präsident Wilson und der Völkerbund,
später dann Präsident Roosevelt und die Vereinten
Nationen. Doch erst heute, am Ende des kalten
Krieges hat am Persischen Golf zum ersten Mal ein
internationales Gremium - die Vereinten Nationen - die
von ihren Begründern vorgesehene Rolle gespielt Organisierung und Sanktionierung kollektiven Widerstands gegen einen Aggressor. Das Potential der
UNO, diese Rolle auch weiterhin auszufüllen und die
neue Bereitschaft zahlreicher Staaten, Geld und militärische Einheiten dafür zur Verfügung zu stellen, sind
die Grundsteine eines neuen Zeitalters der internationalen Sicherheit - einer neuen Weltordnung, die durch
den wachsenden Konsens gekennzeichnet ist, daß
Gewalt nicht angewendet werden darf, um Streitfälle
zu regeln und bei einem Bruch dieses Konsenses die
Lasten und Verantwortlichkeiten von vielen Nationen
geteilt werden.
Die Neue Weltordnung ist weder eine Pax Americana
noch ein Euphemismus für die Vereinigten Staaten als
Weltpolizist. Sie ist einfach ein Versuch, Aggression
abzuschrecken und ihr gegebenenfalls durch kollektive und freiwillige Maßnahmen der internationalen
Staatengemeinschaft entgegenzutreten.
Wirtschaftliche Probleme bedrohen in vielen Ländern
Bestrebungen zu Aufbau und Förderung der Demokratie. Ungeachtet der vielfältigen Ursachen dieser
Probleme - der wirtschaftlichen Hinterlassenschaften
des Kommunismus oder der Konsequenzen massiver
Verschuldung - muß die Initiative und Opferbereitschaft aus dem Land selbst und von seiner Bevölkerungkommen. Aberwirund andere können und sollten
helfen, und wir müssen - im Bewußtsein, daß eine
Wirtschaftskrise die Demokratie unterminieren kann kreativ und aggressiv sein, wenn wir neue Instrumente
amerikanischer Außenpolitik entwerfen.
Ein solches Instrument besteht in der Förderung einer
erweiterten Partnerschaft zwischen Privatsektor und
Regierung. Die Grundbedürfnisse vieler neuer Demokratien sind wirtschaftlicher Art- Investitionen, Märkte,
technische Beratung und Know-how. Wir müssen
neue Mechanismen finden, um private Führungskraft
und Initiative partnerschaftlich mit den aufstrebenden
Demokratien zu fördern.
Unsere Hilfsprogramme sollten darauf abzielen, das
Wachstum eines Privatsektors in den Empfängerländem zu fördern und sie auf eigene Füße zu stellen.
Unsere traditionelle Förderung des freien Handels
AMERIKA DIENST 19

�kann für ihr Wirtschaftswachstum ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Indem wir ihnen Zugang zu den
Weltmärkten verschaffen, können wir den Handel und
die Investitionen fördern, von denen unwirtschaftlicher
Erfolg abhängt. Kurzum, unsere Regierung muß erkennen, daß den neuen Demokratien in vielen Fällen
unser - von der Regierung geförderter und gestärkter
- Privatsektor besser helfen kann als traditionelle
Programme.
Die Gestaltung der Zukunft: Historische Chancen
Wir befinden uns in einer Zeit der Entscheidung. Dank
der zwei Generationen dauernden Bemühungen von
Demokratien und dank jüngster Ereignisse ist die
Zukunft offen und bietet eine reale Möglichkeit zur
Stärkung von Weltfrieden und Stabilität und zur Verbreitung von Freiheit und wirtschaftlicher Vitalität oder
die gleichermaßen reale Möglichkeit des Rückschritts
- zurück zu Spannungen, heißen und kalten Kriegen,
autoritärer Regierung und Entbehrung. Wir haben
historisch einmalige Chancen, die nicht verschenkt
werden dürfen. Ich möchte lediglich drei davon ansprechen: Osteuropa, die Sowjetunion und den Nahen
Osten.
Osteuropas langer totalitärer Alptraum ist vorbei. Wir
sehen jetzt ein Mittel- und Osteuropa, das nichtkommunistisch ist und dessen sowjetische Truppen nach
Hause zurückgekehrt sind. Wir müssen den Osteuropäern auf eine Weise helfen, die ihre langfristigen
Aussichten auf einen erfolgreichen Übergang zu einer
stabilen demokratischen Regierung und zu Marktwirtschaft verbessert.
Es besteht kein Zweifel, daß die neuen Demokratien in
Osteuropa sich gravierenden wirtschaftlichen Problemen gegenübersehen. Trotz dieser Herausforderungen sollten wir über die Zukunft Osteuropas und sein
reiches menschliches Potential optimistisch sein. Die
Unterstützung und Führungsrolle der Vereinigten Staaten
wurden früh sichtbar. Im April 1989 bot der Präsident
Hilfe für echte Fortschritte bei politischen und wirtschaftlichen Reformen in Osteuropa an. Er übernahm
beim Weltwirtschaftsgipfel in Paris im Sommer 1989
die Führung bei der Mobilisierung internationaler Unterstützung für Polen und Ungarn, eine Maßnahme,
die allein im ersten Jahr zu Zusagen an diese Länder
im Umfang von 14 Milliarden Dollar führte. Darüber
hinaus bewilligte das Gesetz zur Förderung der Demokratie in Osteuropa nahezu eine weitere Milliarde
Dollar zur Förderung von politischem Pluralismus und
wirtschaftlichem Wiederaufbau. Ferner gab es andere
wichtige Initiativen wie die Unternehmensfonds für
Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei, mit dem
Ziel einer echten Lösung für Osteuropa - ausländische
Investitionen, Aufbau von Privatunternehmen und
Öffnung unserer Märkte für ihre Waren.

AMERIKA DIENST 19

Das Leben ist heute in Osteuropa sehr hart. Nur Mut
und Entschlossenheit sind im Überfluß vorhanden.
Der Westen darf diese Menschen nicht im Stich lasen.
In der Zwischenzeit bleibt die Aufmerksamkeit der
Welt auf die Sowjetunion gerichtet, wo die kommunistische Herrschaft zerfällt und politische Dynamik ebenso freisetzt wie gesellschaftliche Spannungen und
wirtschaftlichen Druck, die einerseits die Sowjetunion
zu Pluralismus und wirtschaftlicher Vernunft führen
und andererseits erhebliche Instabilität, Repression
und vielleicht noch größere Härten und Bürgerkrieg mit
sich bringen können.
Die Reformen in der Sowjetunion müssen vier Hindernisse überwinden:
Erstens haben sich die politischen Veränderungen wesentlich schneller vollzogen als die wirtschaftlichen Reformen, und die Wirtschaft ist in
einer ausweglosen Lage. Infolgedessen können die Menschen jetzt ihre Beschwerden leichter zum Ausdruck bringen, aber zu einer Zeit, da
die Regierung über keine Mittel verfügt, um auf
sie einzugehen. Damit sind erhebliche Schwierigkeiten vorprogrammiert.
Zweitens dauert das Nationalitätenproblem in
beunruhigender Weise an, als Vermächtnis eines
mannigfaltigen Reiches, das durch jahrhundertelange Eroberungen zustande kam. Dieses
Vermächtnis zeigt sich in unterschiedlicher Weise:

in alten Feindschaften zwischen Minderheiten,
dem Kampf der Minderheiten gegen das Zentrum und dem Kampf der Millionen von Russen
in nichtrussischen Gebieten für ihren Schutz
und die Sicherung ihres weiteren politischen
Einflusses.
Drittens wurde das alte System aufgelöst und
zerstört, bevor ein neues geschaffen wurde, das
Ordnung und die Bedingungen für Reformen
und Wachstum in der Wirtschaft schafft. Das
Ergebnis waren Aufruhr, Verbrechen, eine zusammenbrechende Wirtschaft, Versorgungsengpässe und ein allgemeines Gefühl sozialer
Hoffnungslosigkeit.
Viertens und letztens ist die russische Geschichte selbst eine große Last. Die Reformer müssen
nicht nur 70 Jahre kommunistischer Geschichte, sondern tausend Jahre russischer Geschichte bewältigen, eine Geschichte, die niemals eine
andere Regierungsform gekannt hat als Diktatur und niemals ein anderes Wirtschaftsleben
als das staatlich kontrollierte und dominierte.
Der Schwerpunkt unseres Ansatzes für die Sowjetunion hat sich von der Eindämmung eines Feindes zu
konstruktiver weltweiter Zusammenarbeit, Unterstüt-

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�zung demokratischer Tendenzen und verzweifelt
benötigter Wirtschaftsreformen in der UdSSR verlagert. Wir sind uns der Realität voll und ganz bewußt sowohl im Hinblick auf die fortgesetzte große Militärmacht der Sowjetunion und die zeitweise Unvermeidbarkeit von Gegensätzen als auch im Hinblick auf den
langen Weg der Reformen und Veränderungen, den
die Menschen in der Sowjetunion noch gehen müssen.
Dies ist ein Ansatz, der uns Ausdauer und Beharrlichkeit abfordert.
Wir haben es nach wie vor mit dem sowjetischen
Politiker an der Spitze zu tun, der diese Veränderungen freigesetzt und sich in Europa, am Persischen Golf
und zum gro ßen Teil auch in Angola, Kambodscha und
in der Rüstungskontrolle als konstruktiver Partner
erwiesen hat. Gleichzeitig müssen wir unsere Kontakte mit demokratischen Reformern in den Republiken
und Kommunen ausbauen, um sicherzustellen, daß
die sowjetische Gesellschaft unsere Unterstützung
der Reformpolitik wahrnimmt. Aber unser Ansatz bei
allen Problemen in der Sowjetunion muß auf der
unerschütterlichen Botschaft basieren, daß die einzige
Zukunft der Sowjetunion in dem Weg zu Demokratie
und weitreichenden wirtschaftlichen Reformen besteht.
Ob sich die Sowjetunion tatsächlich auf friedlichem
Wege in eine politisch pluralistische, marktorientierte
Gesellschaft mit internationaler Verantwortung entwickelnkann, bleibt offen. Dies ist eine historische Zeit
der Entscheidung für die Sowjetunion. Wird ihr - wie
wir hoffen - der Aufbruch in eine andere, bessere
Zukunft gelingen oder wird sie in eine bewährte aber
unglückliche Vergangenheit zurückfallen? Im Augenblick und wahrscheinlich noch in den kommenden
Jahren müssen wir auf beide Eventualitäten gefaßt
sein.
Der Persische Golf und der Nahe Osten sind eine
weitere Herausforderung. Am Golf versuchen wir
sicherzustellen, daß wir nie wieder mit einer solchen
Herausforderung konfrontiert werden wie am 2. August. Es wurden Sanktionen verhängt, damit der Irak
seine Nachbarn nicht bedrohen kann. Gleichzeitig
bauen wir zusammen mit unseren Freunden neue
Verteidigungsarrangements auf, die weiter zur Stabilität der Region beitragen. Wie Sie wissen, stellen die
Vereinigten Staaten darüber hinaus beträchtliche Mittel zur Milderung des massiven menschlichen Elends
bereit, das auf Saddam Husseins Unterdrückung seines eigenen Volkes zurückzuführen ist.
Unsere Politik gegenüber Saddam Hussein und dem
Irak ist, solange er an der Macht bleibt, entschlossen
und unerschütterlich:
Die Vereinigten Staaten und die internationale
Staatengemeinschaft unterstützen nach wie vor
die Souveränität und territoriale Integrität des
Irak, wünschen jedoch eine neue irakische
Führung, die auf die Bedürfnisse des irakischen

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Volkes eingeht und bereit ist, in Frieden mit
seinen Nachbarn zu leben. Eine neue politische
Führung sollte durch Verhandlungen zwischen
den Irakern und nicht durch Gewalt herbeigeführt werden.
Aufgrund der Invasion und Besetzung Kuwaits
sowie der brutalen Unterdrückung seines eigenen Volkes hat sich Saddam Hussein in nicht
wiedergutzumachender Weise diskreditiert. Seine
Führung wird niemals von der internationalen
Staatengemeinschaft akzeptiert werden, und
deshalb werden die Iraker den Preis dafür bezahlen, solange er an der Macht ist.
Alle nur möglichen Sanktionen werden aufrechterhalten, bis er aufgibt. Eine Lockerung der
Sanktionen wird nur in Erwägung gezogen, wenn
eine neue Regierung eingesetzt ist.
Die Zeit arbeitet gegen den Irak, solange Saddam Hussein an der Macht festhält. Der Irak ist
nichts anderes als der Staat eines Parias, solange er im Amt ist. Die Iraker werden nicht an den
nach der Krise abgehaltenen wirtschaftlichen
und sicherheitspolitischen Gesprächen teilnehmen, bis ein Regierungswechsel stattgefunden
hat.
Wir hatten und haben keine Probleme mit dem
irakischen Volk, sondern mit seiner Führung
und vor allem mit Saddam Hussein. Er ist nach
wie vor das Problem.
Im Nahen Osten hoffen wir, daß sich nach dem Krieg
neue Chancen für Frieden ergeben werden. Der
gefährlichste Gegner Israels ist besiegt worden. Unseres
Erachtens sind die arabischen Mitglieder der Koalition
bereit, mit Israel in Frieden zu leben. Und es wurde
krass demonstriert, daß in modernen Zeiten Städte zu
militärischen Grenzgebieten gemacht werden und
Zivilisten sich an der Frontlinie finden können. Die
Herausforderung besteht darin, diese Erkenntnis in
Diplomatie umzusetzen.
Niemand sollte an unserer Fähigkeit zweifeln, unseren
Freunden zu helfen - sei es in Zeiten des Krieges oder
Friedens. Außenminister Baker hat in den vergangenen zwei Monaten drei anstrengende Reisen in die
Region unternommen, um eine regionale Friedenskonferenz herbeizuführen, bei der direkte Verhandlungen zwischen den einzelnen Parteien in die Wege
geleitet werden könnten. Wir müssen alte Tabus
brechen und die Ursachen an der Wurzel angehen, die
Israelis und Palästinenser und Israel von den arabischen Staaten trennen.
Die uns leitenden Prinzipien sind kein Geheimnis: Wir
streben einen umfassenden Frieden an, der auf die
Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats und
das Prinzip Land für Frieden gegründet ist. Wir wollen
einen wahren Frieden für alle Staaten in der Region
AMERIKA DIENST 19

�einschließlich Israels. Aber als Gegenleistung müssen wir bereit sein, den legitimen politischen Rechten
des palästinensischen Volkes gerecht zu werden und
eine Lösung für die Fragen bezüglich Land, Wasser
und Sicherheit finden, die für die Zukunft der Region
von so zentraler Bedeutung sind.

Das 20. Jahrhundert geht seinem Ende entgegen,
beherrscht von zwei Weltkriegen, zahllosen anderen
Konflikten, mehr Leiden als Worte zu beschreiben
vermögen und einem langen und feindseligen kalten
Krieg, der die Menschheit selbst als Geisel gefangenhielt. Wie befinden uns an der Schwelle zu einem
neuen Jahrhundert, einem neuen Jahrtausend, hoffen
auf einen klareren und ruhigeren Himmel und darauf,
daß wir auf den Ruinen großer despotischer Imperien
und diskreditierter Ideologien jetzt ein neues Zeitalter
des Friedens aufbauen und weitere Fortschritte der
Freiheit sicherstellen können. Dies könnte in greifbare
Nähe rücken, wenn wir vertrauensvoll und mutig sind,
unseren internationalen Verpflichtungen nachkommen
und unerschütterlich in unserer Führungsrolle sind. Es
ist eine Rolle, die von der Welt begrü ßt wird und die wir
- wie uns die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts lehrt - nicht aufgeben dürfen.

Es gibt kein Patentrezept "Made in America" für den
Frieden - nur Verhandlungen können ihn herbeiführen.
Wir wissen, daß allen Kompromisse abverlangt werden. Wir sind nicht naiv - die Bitterkeit und das Erbe
von Haß und Gewalt sind uns bestens bekannt. Wir
lassen uns jedoch nicht von Schwierigkeiten abschrekken. Wir sind entschlossen, voranzugehen - wie
schwierig der Weg auch sein mag. Amerikanische
Bestrebungen können den Nahostkonflikt nicht lösen nur die Völker und Regierungen des Nahen Ostens
können das - aber ein Engagement der Vereinigten
Staaten kann als Triebfeder und notwendiger Katalysator wirken. Es ist höchste Zeit zusammenzukommen, zu sprechen und um der Sache des Friedens
willen dieselben Risiken einzugehen wie für den Krieg.
Schlußbemerkung:
Wunschdenken

Entschlossenheit,

Und damit ende ich, wo ich angefangen habe - bei den
von den Revolutionen unserer Zeit verwirrten Experten und Insidern. Zu viele haben den Anschluß verpaßt, weil sie die Auswirkungen der amerikanischen
Führungsrolle, Macht, des vertrauenswürdigen Engagements, nationalen Willens und demokratischen
Vorbilds vom Persischen Golf über ein vereinigtes
Deutschland bis zu Osteuropa und Lateinamerika
unterschätzten.

nicht

Noch vor einem Jahr waren Theorien des Niedergangs
und kritischer Pessimismus in Washington sehr in
Mode. Heute sind sie vielleicht etwas weniger aktuell,
aber deshalb noch lange nicht verschwunden. Dennoch stellt heute niemand die Realität nur einer Supermacht und ihrer Führungsrolle in Frage. Bei all den
herkömmlichen Mitteln nationaler Macht - wirtschaftlich, militärisch, kulturell, politisch und selbst philosophisch - haben wir keine Herausforderer.

Vielleicht haben sie auch den Anschluß verpaßt, weil
sie den menschlichen Geist unterschätzten. Um Churchill
zu zitieren: "Fachwissen, so unerläßlich es auch sein
mag, ist kein Ersatz für einen großzügigen und umfassenden Ausblick auf die Geschichte der Menschheit
mit all ihrer Traurigkeit aber - vor allem - mit ihrer
untilgbaren Hoffnung." Was zu viele Experten (und
andere) anscheinend übersehen haben, hat Dostojewski als "das Feuer im Geiste des Menschen" bezeichnet - das Feuer der Freiheit. Es ist zweifelsohne
ein großes Wunder, daß dieses Feuer an so vielen
Orten nach Generationen der Unterdrückung noch
immer so hell leuchtet und so viele Menschen noch
immer glauben, daß die Amerikaner die Fackel tragen,
die dieses Feuer entflammt. Wir können und dürfen sie
nicht enttäuschen.

Was wir haben - um Joseph Nye von der Universität
Harvard zu zitieren - sind Herausforderungen. Bildung, Produktivität und handwerkliches Können,
Haushaltsvorschriften und die Bereitschaft, den Preis
der weltweiten Führungsrolle zu bezahlen: kontinuierliches, vertrauenswürdiges Engagement und Führung,
Aufrechterhaltung eines starken und fähigen Militärs,
Unterstützung der neuen Demokratien.

Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 19

*

*

Seite 5

�INSTITUTIONEN

IN

AMERIKA
15. Mal 1991

AMERIKAS EINZIGARTIGES
OBERSTES BUNDESGERICHT
von Barrett McGurn
BONN - (AD) - Vor etwa 200 Jahren - genau am 1. Februar 1790 - kam das Oberste Bundesgericht der Vereinigten
Staaten zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien erstmals im
September 1990 in der Zeitschrift American Studles Newsletter. Er beschreibt die dritte "Gewalt" in der
Regierung und ihre Funktion in der amerikanischen Gesellschaft. Der Autor Barrett McGurn war von 1973 bis
1982 Pressesprecher des Obersten Bundesgerichts. Er ist darüber hinaus Verfasser mehrerer politischer
Bücher.

Ein dramatischer Augenblick in der zweihundertjährigen Geschichte des Obersten Bundesgerichts der
Vereinigten Staaten war in den siebziger Jahren erreicht, als die neun Richter den aufsehenerregenden
Fall "Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen
Richard M. Nixon, Präsident der Vereinigten Staaten"
zu verhandeln hatten.
Für die Journalisten war das eine Sternstunde der
Berichterstattung, und die Richter übertrugen mir die
Verantwortung, das Pressekorps zu betreuen. In
Washington gibt es 3.000 hauptamtlich akkreditierte
Journalisten, dazu Reporter aus den meisten Ländern
der Welt. Alle 3.000 schienen entschlossen, sich in
den kleinen Gerichtssaal zu zwängen, um der Verhandlung des Falls beizuwohnen. Dafür Journalisten
nur 19 Plätze vorgesehen waren, gab es ein Problem.
Den Verhandlungen des Obersten Bundesgerichtes von denen die erste am 1. Februar 1790 stattfand - liegt
die Idee zugrunde, daß die Verfahren eine öffentliche
Angelegenheit sind und auch der letzte Bürger zumindest Gelegenheit haben sollte, die Richter in ihren
schwarzen Roben auf ihren hohen Richterbänken zu
sehen, wenn sie Fälle verhandeln, die noch viele
Generationen nach uns betreffen können. Deshalb
sind mehrere Dutzend der 300 Plätze im Gerichtssaal
bei jeder Verhandlungen für die Öffentlichkeit reserviert.

AMERIKA DIENST 19

Mein erster Gedanke war zu empfehlen, daß die
Presse alle Plätze im Gerichtssaal einnehmen sollte,
auch die für die Öffentlichkeit reservierten. Die Richter
legten Einspruch ein. Ich erhielt jedoch die Genehmigung, zusätzlich 80 Stühle aufzustellen, womit ich nun
für das potentielle Publikum von 3.000 Journalisten
100 Plätze hatte. Während der dreitägigen Verhandlung mußten sich fünf Journalisten einen Platz teilen,
und es wurde jeweils nur ein Platz an jedes Medium
(Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Radio- und Fernsehstationen sowie Zeitschriften) vergeben, und so
kam ich mit relativ wenigen Protesten durch die hektischen Tage.
Die paar Dutzend Plätze für die Öffentlichkeit waren
ebenfalls immer besetzt. Mitglieder der 60 Mann
starken Polizeitruppe des Bundesgerichts hatten damit
zu tun, eine Gruppe nach der anderen hereinzuführen,
damit sie wechselweise drei Minuten lang einen Blick
auf die Verhandlung erhaschen konnten. Dasselbe
Verfahren wird bei jeder Verhandlung des Obersten
Bundesgerichts durchgeführt, aber dieses Mal nahm
die lange Warteschlange fast kein Ende. Einige hatten
die ganze Nacht gewartet, um einen schnellen Blick
auf Wirklichkeit werdende Geschichte werfen zu können.
Wie alle Verhandlungen des Obersten Bundesgerichts
endete auch diese ohne eine unmittelbare Entschei-

Seite 1

�düng. Die Richter zogen sich hinter die schweren
Vorhänge im rückwärtigen Gerichtssaal in einen separaten Raum zurück. Dort erörterten sie das weitere
Vorgehen. Wie gewöhnlich waren sie allein. Keiner
ihrer 300 Mitarbeiter war bei ihnen. An den Wänden
standen in Hunderten von Bänden die Entscheidungen, die 100 Richter seit Ende des 18. Jahrhunderts
gefällt haben. Wie immer ergriff der Vorsitzende
Oberste Bundesrichter, damals Warren E. Burger, das
Wort. Auf dem Spiel stand die Präsidentschaft von
Richard Nixon. Kein anderer Präsident war der Amtsenthebung jemals so nahe.
Zur Debatte stand ein technisches Problem. Kongreßabgeordnete sprachen von einer möglichen Anklageerhebung gegen den Präsidenten wegen Behinderung der Justiz in einem Fall von Politik und Diebstahl
und verlangten, Tonbänder von Gesprächen des Präsidenten im Weißen Haus zu hören. Der Präsident
hatte dies abgelehnt. Mitarbeiter des Präsidenten
wurden im Zusammenhang mit demselben Fall angeklagt. Sie baten um eine Freigabe der Bänder des
Präsidenten, weil sie sich damit Hilfe bei ihrer eigenen
Verteidigung gegen die Anklage erhofften. Die Richter
hatten die Frage zu prüfen, ob der Präsident gezwungen werden sollte, die möglicherweise belastenden
Aufzeichnungen zu übergeben.
Der Vorsitzende Oberste Bundesrichter arbeitete
wochenlang von morgens früh bis abends spät und traf
schließlich eine Entscheidung auf der Basis dessen,
was sein großer Vorgänger im 19. Jahrhundert, John
Marshall, in einem ähnlichen Konflikt um einen Präsidenten getan hatte. Bei diesem frühen Fall ging es um
Thomas Jefferson, den ehrenwerten Verfasser der
amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Aaron Burr,
einer der wichtigsten Politiker seiner Zeit, war des
Landesverrats angeklagt. Jefferson versicherte Marshall, ihm lägen Beweise für Burrs Schuld vor.
"Zeigen Sie uns die Beweise," forderte Marshall.
"Nur Auszüge," antwortete Jefferson. Andere Teile
des Dokuments sollten nicht enthüllt werden.
"Alle Beweise oder keinen," forderte Marshall. Wenn
jemand unter Anklage steht, kann er in Wahrnehmung
des Rechts auf Selbstverteidigung die Vorlage aller
Beweise verlangen, die für seinen Fall hilfreich sind.
Kein Bürger, nicht einmal der Präsident, kann sich
dieser Bürgerpflicht der Kooperation entziehen. Jefferson blieb hart und und Burr kam frei.
Nixon mußte seine Bänder herausgeben. Es wurde
einstimmig abgestimmt. Innerhalb weniger Tage trat
Nixon von seinem Amt zurück.
Kein anderes Gericht der Welt hat die Macht des
Obersten Bundesgerichts des Vereinigten Staaten,
auch wenn das Gericht über keine Armee zur Durchsetzung seiner Entscheidungen verfügt. Die Macht
des Gerichts wird allgemein akzeptiert, auf der GrundSeite 2

läge der Vereinbarung, mit der das Land nach dem
Revolutionskrieg im 18. Jahrhundert gegründet wurde.
Die Gründerväter wollten ein System der gegenseitigen Kontrolle und geteilten Verantwortung schaffen,
das der Regierung ausreichend Macht zugesteht, aber
sie trotzdem teilt, um die Art der Tyrannei zu vermeiden, gegen die sie rebelliert hatten.
Mit diesem Gedanken wurde die Regierung dreigeteilt:
Der Kongreß soll die Gesetze schreiben, die Exekutive
sie durchführen, und eine separate Judikative unter
dem Vorsitz des Obersten Bundesgerichts sollte die
Aufsicht haben.
Um den Menschen gerecht zu werden und gleichzeitig
angesichts wechselnder Moden Kontinuität zu sichern,
verfügten die Gründerväter, daß Mitglieder des Unterhauses der Legislative, die Kongreßabgeordneten oder
Volksvertreter, sich alle zwei Jahre zur Wahl stellen
sollten, der Präsident sollte vier Jahre im Amt bleiben,
die Senatoren (im Oberhaus der Legislative) sollten
alle sechs Jahre wiedergewählt werden, und die Bundesrichter als Bewahrer der Kontinuität sollten solange
dienen, wie sie "gutes Verhalten" an den Tag legen.
Damit wurde den Obersten Bundesrichtern als den
einzigen Mitgliedern der Regierung eine lebenslange
Amtszeit zugebilligt.
Die grundlegende Vereinbarung zwischen den erfolgreichen Revolutionären des 18. Jahrhunderts war die
Verfassung der Vereinigten Staaten, ein knapp formuliertes Dokument mit einer starken Bill of Rights zum
Schutz der Freiheiten des einzelnen.
Die neue Nation war erst einige Jahre alt, als es zu
Debatten kam, wie die knappe Sprache der Verfassung zu interpretieren sei. John Marshall, der kühne
Gegner von Präsident Jefferson, legte den Fall ein für
allemal bei. Er erklärte, in Zweifelsfällen sollte der
Oberste Gerichtshof sagen, was die Verfassung bestimmt. Das Wort Marshalls galt und hat seitdem das
Leben der Nation bestimmt.
Jedes Jahr werden dem Obersten Gerichtshof 5.000
Fälle vorlegt. Das bedeutet, an einem Arbeitstag
müßte in 90 Minuten ein Fall verhandelt werden. Die
erste Aufgabe der Richter besteht also darin, aus
dieser Vielzahl etwa 150 Fälle herauszugreifen, über
die "aufgrund der ihnen innenwohnenden Umstände"
entschieden werden soll, um Präzedenzfälle zu schaffen, die Tausenden anderer Richter und den Hunderttausenden Anwälten im Land als Entscheidungsgrundlage dienen.
Jeder Oberste Richter hat das Recht auf die Hilfe von
vier Mitarbeitern, jungen Männern und Frauen, die
unter den absolut besten Universitätsabsolventen
ausgewählt werden. Die meisten Richter bitten diese
brillianten jungen Mitarbeiter, die eingehenden Fälle zu
prüfen und wichtige Fragen im Hinblick auf die Bundesgesetzgebung zu finden, die für die anderen Gerichtssäle des Landes entschieden werden sollten. Das ist
AMERIKA DIENST 19

�eine große Verantwortung, und ein Oberster Richter,
der 83jährige William Brennan, hat den Ruf, die enorme Papierflut, die 5.000 Fälle mit sich bringen, selbst
zu lesen.
Einer Schätzung zufolge wendet ein Oberster Richter
etwa ein Sechstel seiner Zeit für die erste Phase, die
Auswahl der zu verhandelnden Fälle, auf.
Die Sitzungsperiode - der Zeitraum, in dem die Obersten Bundesrichter Fälle verhandeln und beraten dauert neun Monate jährlich. An drei Tagen im Monat
versammeln sich die Richter in ihrem Konferenzzimmer, um darüber abzustimmen, welche Fälle zur Verhandlung kommen. Bei dieser Abstimmung kann auch
eine Minorität gewinnen. Sprechen sich mindestens
vier Richter dafür aus, über einen Fall zu verhandeln,
so wird er als einer von jährlich 150 Fällen zur Verhandlung zugelassen.
Neunzehn von 20 Fällen werden ohne Verfahren
abgewiesen. In diesen Fällen bleibt die Entscheidung
der Vorinstanz bestehen, die aber keinen landesweit
gültigen Präzedenzfall darstellt. Dahinter steht die
Haltung, daß dem Grundsatz, demzufolge jedem
Prozeßführer sein "Tag vor Gericht" zusteht, dadurch
Genüge getan wurde, daß bereits mindestens zwei
Vorinstanzen über den abschlägig beschiedenen Fall
verhandelt haben.
Die Tätigkeit als Oberster Bundesrichter verlangt ein
besonderes Temperament. Vor einigen Jahrzehnten
gab es einmal einen Richter, der mehr als gewissenhaft war und an den sich noch manch ein heutiger
Mitarbeiter des Obersten Bundesgerichts erinnert. Dank
seines großen Erfahrungsschatzes konnte er bei jeder
Frage zumindest zwei Seiten erkennen. Jede Entscheidung stürzte ihn in Gewissenskonflikte. Häufig
besteht im Gericht ein Patt von vier zu vier Stimmen,
so daß die Stimme eines einzelnen Richters einen
bindenden, landesweit gültigen Präzedenzfall schaffen kann. Von der Not getrieben, fällte dieser Richter
zwar letztlich seine Entscheidung und stimmte ab,
beschäftigte sich wenig später jedoch erneut mit den
Gegenargumenten und kam zu dem Schluß, er habe
sich geirrt. Der Richter verlie ß schlie ßlich das Oberste
Bundesgericht mit einem Nervenzusammenbruch.
Gerichtsbeobachter - und davon gibt es unter amerikanischen Juristen eine ganze Menge - zerbrechen sich
häufig den Kopf über die Motive des einzelnen Richters. Ein Richter unterhielt sich einmal mit mir über
diese Frage. Er erklärte:
"Ich bin sicher, daß einige meiner alten Freunde von
meinem Stimmverhalten enttäuscht sind. Und sicherlich ist es so, daß ich anders abstimmen würde, wenn
ich Mitglied im Kongreß wäre. Aber ich bin nicht
Mitglied im Kongreß. Ich bin nicht dafür zuständig, die
Gesetze abzufassen. Meine Tätigkeit besteht darin,
die von Kongreßabgeordneten geschriebenen Gesetze anzuwenden."
AMERIKA DIENST 19

Er und die anderen Richter prüfen die eingehenden
Fälle, untersuchen die anzuwendenden Gesetze und
vergleichen dann diese Gesetze mit dem Wortlaut der
Verfassung. Wenn die Gesetze die verfassungsmäßige Überprüfung bestehen, werden sie angewandt, und
der Fall wird entschieden.
Entscheiden ist das Schlüsselwort, wie mir ein anderer
Richter einmal erklärte. Jemand muß entscheiden,
und in den Vereinigten Staaten ist diese Person häufig
der Oberste Bundesrichter. Das Gericht orientiert sich
gerne an Präzedenzfällen. Es folgt der Doktrin des
stare decisis, d.h. bereits getroffene Entscheidungen
aufrechtzuerhalten. Bisweilen hat das Gericht jedoch
- wenn auch widerstrebend und trotz der verwirrenden
Folgen für nachgeordnete Gerichtsinstanzen - von ihm
selbst gesprochene Urteile wieder rückgängig gemacht.
Der ehemalige Vorsitzende Oberste Bundesrichter
Burger drückte es einmal folgendermaßen aus: "Wir
Richter sind unfehlbar! Denn wir sitzen hier im Gericht.
Wir sind jedoch nicht hier im Gericht, weil wir unfehlbar
sind!"
Ein häufig beim Gericht diskutiertes Thema ist die
Frage, ob die Richter überarbeitet sind. Verlangt man
nicht zuviel von Menschen aus Fleisch und Blut, so
gesetzeskundig sie auch sein mögen? Burger und der
verstorbene William O. Douglas vertraten dazu unterschiedliche Ansichten. Der ehemalige Vorsitzende
Oberste Bundesrichter erinnerte sich daran, daß die
Obersten Bundesrichter, als das Oberste Bundesgericht gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch seinen
Sitz im Wall-Street-Viertel von New York hatte, Fälle
von der ersten Instanz bis zum Ende verhandelten.
Damit aber waren die ursprünglich fünf Obersten
Bundesrichter eindeutig überlastet, und deshalb wurde das Oberste Bundesgericht erweitert. Eine neue
gerichtliche Instanz wurde eingeführt, die Bundesbezirksgerichte (Federal District Courts). Letztere führten die ersten und häufig endgültigen Verfahren durch.
Eine Zeitlang reichte dies aus, aber am Ende des 19.
Jahrhunderts war eine neue Instanz erforderlich geworden, die Bundesberufungsgerichte (Federal Courts
of Appeal). Vielleicht war es sogar an der Zeit, noch
eine weitere Instanz zwischen den Berufungsgerichten und dem Obersten Bundesgericht zu schaffen.
Dieser neue Gerichtshof könnte die eingereichten
5.000 neuen Fälle durchforsten, etwa 500 davon an
das Oberste Bundesgericht weiterleiten und vielleicht
100 bis 200 selbst "aufgrund der besonderen Umstände" entscheiden und damit Präzedenzfälle schaffen.
Viele Juristen sind sich darin einig, daß mehr als 150
Präzedenzfälle schaffende Urteile notwendig sind, um
den juristischen Interessen des Landes gerecht zu
werden.
Einer Lösung für die Probleme des Obersten Bundesgerichts widersetzte sich Burger jedoch: der Erweiterun des Gerichts, zum Beispiel auf 15 Oberste Bundesrichter. Es war bereits äußerst schwierig, fünf
Seite 3

�Richter zu einer gemeinsamen Meinung zu bewegen.
Es wäre noch wesentlich schwieriger, acht Übereinstimmungen herzustellen. Das Oberste Bundesgericht kennt keine verschiedenen Senate. Alle neun
Richter stimmen über jeden Fall ab.

jemandem zusammen gedient, den ich nicht leiden
konnte."

Der überhebliche William O. Douglas vertrat eine
abweichende Auffassung. Als Mann mit blitzschneller
Urteilsgabe und einer tiefverwurzelten Leidenschaft
für die Sache des "kleinen Mannes" war er der Meinung, die Arbeit des Gerichts ließe sich in der Hälfte
der Zeit bewältigen, die von anderen Richtern für
notwendig erachtet wurde. Um sein Argument zu
untermauern, daß jedes Jahr viel Zeit übrigbleibt,
schrieb er über 30 Bücher.

"Aber", drängte der Reporter, "meinen Sie nicht auch,
daß jeder Präsident die Richter aussucht, die seinem
eigenen Bild entsprechen?" Mit anderen Worten:
würde ein Nixon nicht auch Nixons auswählen, und wie
könnte ein Liberaler wie Douglas das gutheißen?

Wenn einige Beobachter darüber erstaunt waren, daß
der "Nixon-Gerichtshof" Warren Burgers beim Tonbandfall einstimmig gegen Präsident Nixon votierte,
so lag dies nur daran, daß sie eine Binsenweisheit im
Hinblick auf das Oberste Bundesgericht vergessen
hatten: Der Präsident ernennt die Richter, nach seiner
Ernennung ist der Richter jedoch auf sich allein gestellt
und trägt niemandes Farben.
Dies wurde mir in den siebziger Jahren verdeutlicht, als
Richter Douglas mit über 34 Jahren den Rekord für die
längste Amtszeit beim Obersten Bundesgericht brach.
Das Oberste Bundesgericht veranstaltet keine Pressekonferenzen, aber ich diskutierte mit Richter Douglas darüber, daß wir in einem solch historischen
Augenblick eine Ausnahme machen sollten. Er stimmte widerstrebend zu, und acht Fernsehteams versammelten sich in unseren Marmorhallen. Ich warnte den
Richter davor, daß Journalisten ihn wahrscheinlich
dazu bringen wollten, seine neuen konservativen, von
Nixon ernannten Kollegen anzugreifen. Ich war der
Meinung, daß solch öffentlich zur Schau getragene
Uneinigkeit im Zentrum des Justizwesens nur nachteilig sein konnte. Der Richter versicherte mir, daß er
solchen Rates nicht bedürfe.
"Ich bin schon länger hier tätig als Sie", versicherte er
mir.
Welche

Meinungsverschiedenheiten

auch

"Ja", erwiderte der Richter. "Jeder Präsident versucht, das zu tun. Und wäre ich Präsident, würde ich
das auch versuchen. Aber wie Sie wissen, liegen die
Fragen, mit denen sich ein Präsident beschäftigt, für
uns als Nation bereits in der Vergangenheit. Die
Fragen, die ein neuer Richter zu behandeln hat, liegen
vor uns in der Zukunft, und ein Präsident kann diese
ebenso wenig wie wir alle vorhersehen!"
Was der Richter damit ausdrückte, entsprach sicherlich der Wirklichkeit. Auch wenn sie es noch so sehr
versuchen, können Präsidenten das künftige Stimmverhalten der von ihnen ernannten Richter nicht vorhersagen. So ernannte der konservative Dwight Eisenhower William Brennan, der konsequent die Sache
der Liberalen unterstützte. Dagegen war der einzige
von dem Liberalen John Kennedy ernannte Oberste
Bundesrichter, Byron White, ein Mann der Mitte, der
häufig der konservativen Mehrheit half.
Zwischen den Richtern besteht ein Altersunterschied
von einem Vierteljahrhundert, wobei die einzige Frau,
Sandra Day O'Connor, mit 59 Jahren zu den jüngsten
zählt und mehrere, darunter der einzige Schwarze,
bereits das Alter von achtzig überschritten haben oder
kurz davor stehen. Darin liegt eines der ungelösten
Probleme des Obersten Bundesgerichts. Indem sie
eine praktisch lebenslange Amtszeit der Bundesrichter vorsahen, um damit den Zufällen von Modeerscheinungen vorzubeugen, versäumten es die Gründerväter, eine Regelung für ein angemessenes Pensionierungsalter zu treffen. Jeder Richter entscheidet selbst,
wann er sich von diesem aufreibenden aber faszinierenden Lebenswerk zurückziehen möchte.

immer

bestehen werden - und davon gibt es eine Menge,
wenn die acht Männer und eine Frau sich mit den
schwierigsten nationalen Fragen auseinandersetzen so besteht doch eine Ergebenheit für die Institution
selbst, die alle Obersten Bundesrichter vereint. Kein
Mitglied des Gerichts würde sie vorsätzlich beschädigen.
Als die historisch einmalige Pressekonferenz begann,
stellte einer der Journalisten die erwartete Frage:
"Was halten Sie von der gegenwärtigen Zusammensetzung des Gerichtshofs?"
"Ich diene seit 34 Jahren", erwiderte Richter Douglas
kühl. "Und in all den Jahren habe ich niemals mit

Seite 4

Politische Meinungsverschiedenheiten seien eine Sache.
Menschlicher Respekt und Freundschaft eine andere.

Der Kongreß hat Anreize bereitgestellt, um alte Richter
zum Rücktritt zu veranlassen. Jeder Richter, der
mindestens 10 Jahre an einem Bundesgericht gedient
und das 70. Lebensjahr vollendet hat, kann bei vollem
Gehalt auf Lebenszeit in den Ruhestand treten und
behält gleichzeitig bei Gericht ein Büro mit einer Sekretärin, einem Sachbearbeiter und einem Boten. Darüber hinaus kann der pensionierte Richter auf seinen
Wunsch von Zeit zu Zeit bei einem Bundesberufungsgericht Dienst tun. Nur wenige Richter nehmen dieses
Angebot an. Richter Oliver Wendell Holmes, eine der
hervorstechendsten Persönlichkeiten des Obersten
Bundesgerichts in diesem Jahrhundert, tat auch noch
mit über 90 Jahren seinen Dienst.

AMERIKA DIENST 19

�Das nach einem erfolgreichen nationalen Befreiungskrieg im 18. Jahrhundert geschaffene Oberste Bundesgericht tritt in das dritte Jahrhundert seines Beste-

*

hens ein. Dieses Herzstück des amerikanischen
Rechtssystems ist dabei immer noch äußerst lebendig
und erfreut sich bester Gesundheit.

* * *

*

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AMERIKA DIENST 19

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Initiative zu chemischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Neue Weltordnung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA weiterhin engagiert für neue Weltordnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Robert Gates&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Institutionen in Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas einzigartiges oberstes Bundesgericht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Barrett McGurn&lt;/em&gt;</text>
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^ M'%

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
15. Mai 1996

10

GESAMTAMERIKA

FREIHEIT, FRIEDEN UND WOHLSTAND FÜR
DIE GESAMTE WESTLICHE HEMISPHÄRE
Rede von Vizepräsident AI Gore

BOSNIEN

USA WERDEN AUSHARREN
Anhörung von Staatssekretär Peter Tarnoff

NATO

DAUERHAFTE ZUSAMMENARBEIT
ZWISCHEN NATO UND RUSSLAND
von General George A. Joulwan

USA-EUROPA

NATIONALISMUS IN EUROPA AMERIKANISCHE ANMERKUNGEN
von J.D. Bindenagel

WIRTSCHAFT

USA MUSSEN WEITERHIN FÜHRUNGSSTÄRKE IM AUSLAND BEWEISEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

USIA

DIE BEDEUTUNG EINES UNABHÄNGIGEN
US-INFORMATIONSAMTS
von Senator Howell Heflin

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�GESAMTAMERIKA
15. Mai 1996

Freiheit, Frieden und Wohlstand für die
gesamte westliche Hemisphäre
Rede von Vizepräsident AI Gore

WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge gebührt dem Rat der amerikanischen Staaten (Council of
the Americas) ein großer Teil des Verdienstes für die bemerkenswerten Fortschritte zu Freiheit, Frieden und
Wohlstand, die in der westlichen Hemisphäre in den letzten 31 Jahren erzielt wurden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Vizepräsidenten zum Abschluß der jährlichen Zusammenkunft des
Rates im US-Außenministerium am 7. und 8. Mai 1996.

Seit 31 stolzen Jahren ist der Council of the Americas
ein herausragendes Sprachrohr der Unternehmen
unserer Nution zur Verteidigung von freien Märkten
und freien Gedanken in unserer gesamten Hemisphäre.
Seit Präsident Clinton und ich im Weißen Haus sind,
arbeiteten der Council und seine Mitglieder Seite an
Seite mit uns und bedeutenden multilateralen Institutionen wie der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS), um nicht nur den Bürgern der Vereinigten
Staaten, sondern allen Mitgliedern der Familie unserer
Hemisphäre Chancen und Hoffnung zu bringen.
Unsere Zusammenarbeit bringt gesunde Dividenden
hervor. Wer das bezweifelt, braucht nur an die
historische Umgestaltung zu denken, die seit der
Gründung dieser Organisation im Jahr 1965 in unserer
Hemisphäre stattgefunden hat. Vor 31 Jahren waren
die meisten Volkswirtschaften und Gesellschaften
Lateinamerikas vollkommen abgeschottet.
Die
Wirtschaftspolitik war von rückwirkender Importsubstitution geleitet.
Die Regierungen waren großenteils nicht demokratisch
und fast immer idiosynkratisih. Die Aussichten für
Investitionen und Handel .varen gelinde gesagt
erschreckend.

AMERIKA DIENST 10

Aber David Rockefeller und die visionären Männer und
Frauen, die gemeinsam mit ihm den Council of the
Americas gründeten, waren klug genug zu wissen, daß
in den Vereinigten Staaten und den anderen amerikanischen Ländern ein Großteil des Geschäfts Geschäfte
sind und sich unsere Hemisphäre nur mit Hilfe von
Dialog, Partnerschaft und Handel von den Fesseln
ihrer illiberalen Vergangenheit befreien und den Weg
zu einem neuen Zeitalter des Fortschritts und Wohlstands ebnen konnte.
Heute freue ich mich sagen zu können, daß das vom
Council ins Auge gefaßte Zeitalter endlich in voller
Blüte steht. In den Staaten Amerikas ist jetzt wirklich
Frühling. Von Port Arthur im Norden bis Feuerland im
Süden bauen wir in dieser Hemisphäre eine Zukunft
auf der Grundlage von freiem Handel, starken demokratischen Institutionen und tragfähigem, umweltfreundlichem Wachstum. Wir gestalten eine Zukunft,
die durch ein gemeinsames Engagement zur Bekämpfung von Armut und Korruption gestärkt wird - eine
Zukunft, die durch ein gemeinsames Engagement zur
Förderung von Gerechtigkeit, Bildung, Gesundheitsfürsorge und freies Unternehmertum gesichert wird.
Gemeinsam haben wir etwas wahrhaft Großartiges
geschaffen, denn heute ist nahezu die Hälfte unseres
Globus - von einem Pol zum anderen und von einem
großen Ozean zum anderen - das Land der freien
Menschen. Nahezu eine Dreiviertelmilliarde Men-

Seite 1

�sehen bestimmen ihre eigenen Gesetze und Politiker
und leben praktisch in Frieden.

die Schaffung von Wohlstand, die Förderung von
Demokratie, Freiheit und Frieden.

In diesen fruchtbaren Ländern pflegen wir die am
schnellsten wachsenden und größten freien Märkte
der Welt. Wir ersetzen Handelshemmnisse durch
Brücken für den Handel. Wir begleichen unsere
nationalen Schulden. Wir gestalten unsere Instrumente der Selbstverwaltung effizienter und richten sie
stärker auf die Bedürfnisse unserer Bürger aus. Wir
können stolz auf die Reise sein, die wir vor anderthalb
Jahren beim gesamtamerikanischen Gipfel in Miami
begannen. Manchmal war die Reise nicht einfach,
aber der Weg liegt klar vor uns und ist von realen
Fortschritten gekennzeichnet, deren sich unsere
Menschen bewußt sind. NAFTA und MERCOSUR
waren großartige Anfänge. Wir müssen und werden
weiterhin die Schaffung einer Freihandelszone in
unserer Hemisphäre bis zum Jahr 2005 anstreben.
Unsere Handelsminister machten in Denver und
anschließend in Kartagena wichtige Fortschritte. Jetzt
besteht unsere Arbeit darin, auf diesen Erfolgen
aufzubauen und allen Menschen das Versprechen
wirtschaftlicher Belebung zu bringen.

Funktioniert das NAFTA für Amerika? Und ob! Aber
jeder von uns kann und muß mehr tun um sicherzustellen, daß unsere Hemisphäre unseren schönsten
Zukunftsträumen entspricht - mehr Zusammenarbeit,
mehr Offenheit, mehr Modernisierung, mehr Austausch
von Wissen und Know-how zur Förderung unserer
Demokratie und Freiheit.

Wer die entscheidende Bedeutung der westlichen
Hemispäre für die Wirtschaft dieser Nation versteht,
muß dieses Ziel einfach unterstützen. Als Bürger der
Vereinigten Staaten möchte ich darauf hinweisen, daß
1995 40 Prozent der amerikanischen Exporte in die
westliche Hemisphäre gingen - mehr als in die Pazifikrandstaaten und mehr als in die Europäische Union.
Viele sind sich der dramatischen Veränderungen gar
nicht voll bewußt, die sich in den letzten 31 Jahren an
dieser Front ereigneten. Der Handel innerhalb Lateinamerikas ist in weniger als einem Jahrzehnt um das
Dreifache gestiegen.
Die Schaffung einer amerikanischen Freihandelszone
wird diese Errungenschaften nicht nur konsolidieren,
sondern sie zum Nutzen aller Amerikaner ausweiten.
Der Erfolg des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA zeigt, daß wir auf dem richtigen
Weg sind. Dieser Handel schafft gute Arbeitsplätze,
deren Bezahlung in den Vereinigten Staaten 17
Prozent höher liegt als bei nicht exportorientierten
Industrien. Die Exporte nach Mexiko und Kanada
erhielten 1995 schätzungsweise drei Millionen Arbeitsplätze - gegenüber 1993 ein Anstieg von mehr als
einer halben Million. Das sind 500.000 neue Arbeitsplätze.
Darum geht es schließlich bei der vorgeschlagenen
amerikanischen Freihandelszone: Die Schaffung von
Arbeitsplätzen, Chancen und Sicherheit für alle Bürger
unseres Landes und unsere Partner in dieser Hemisphäre. Es geht um die Erschließung von Märkten,

Seite 2

Unsere in Haiti gemachten Erfahrungen weisen den
Weg. Gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschafthalfen die Nationen unserer Hemisphäre
durch Zusammenarbeit diesen Nationen und ihren
Menschen, sich von jahrzehntelanger Tyrannei und
Unterdrückung zu befreien. Als wir vor einigen
Monaten sahen, wie Präsident Rene Preval in Port-auPrince den Amtseid ablegte, wurde mir bewußt, daß
wir nicht nur ein politisches Ereignis feierten, sondern
die spirituelle Erneuerung des haitianischen Volkes eine Wiedergeburt der Hoffnungen für seine Kinder
und die Zukunft der Nation.
Damit die Demokratie in Haiti und andernorts Bestand
haben kann, muß unsere Region natürlich weiterhin in
Stabilität und Frieden leben. Aus diesem Grund habe
ich mich gefreut, in der historischen Stadt Williamsburg
zusammen mit Verteidigungsminister Perry an der
ersten Konferenz der Verteidigungsminister dieser
Hemisphäre teilzunehmen, die je einberufen wurde,
um an Abbau, Reform und Umgestaltung des Militärs
unserer Nationen sowie am Aufbau von Vertrauen und
sicherheitsbildenden Maßnahmen zu arbeiten.
Dank unserer Zusammenarbeit legen die Nationen des
amerikanischen Kontinents endlich im In- und Ausland
Streitigkeiten mit Worten, nicht mit Waffen bei. Und wir
entscheiden mit dem Stimmzettel, nicht mit Gewehrkugeln über unsere nationalen Geschicke.
Aber keine Nation und keine Region ist auf Dauer
geschützt vor den Bedrohungen ihrer Sicherheit. Die
Ereignisse in Paraguay vor zwei Wochen erinnern uns
daran, daß manche immer noch das Rad der Geschichte zum allzu dunklen Zeitalter der Diktatur in
Lateinamerika zurückdrehen wollen. Wir beglückwünschen die Menschen in Paraguay zu ihrem Mut, das
durch Willenskraft zu verhindern.
Und Präsident Clintons starke, unmißverständliche
Reaktion auf den jüngsten Abschuß von zwei unbewaffneten Zivilflugzeugen durch Kuba ist eine klare
Warnung an Castro, daß sein Bollwerk der Unterdrückung letztlich nicht Bestand haben kann und wird.
Wir müssen auch bei unserem Krieg gegen die
Drogenhändler der Region wachsam bleiben, die
weiterhin unsere Kinder vergiften. Die Rauschmittel,
mit denen sie handeln, sind ein Krebsgeschwür. Wenn

AMERIKA DIENST 10

�es Metastasen bilden kann, wird es in unseren Gemeinden Gewalt, Korruption und Krankheit hervorrufen. Aus diesem Grund bin ich stolz auf die stetigen
Fortschritte, die wir in den letzten Jahren bei der
Bekämpfung dieser Geißel erzielt haben. Wir gehen
hart gegen die Kartelle und ihre Kuriere vor. Wir
verbessern die Zusammenarbeit beim Strafvollzug und
dem Austausch nachrichtendienstlicher Informationen.
Mit der neuen Strategie unserer Hemisphäre gegen
Geldwäsche haben wir die Drogenhändler dort
getroffen, wo es für sie am härtesten ist - an ihren
Geldbörsen. Und wir haben sie bereits gezwungen,
ihre Methoden, ihre Infrastruktur und ihre Transportrouten zu ändern. Hier in den Vereinigten Staaten
befassen wir uns mit der Nachfrageseite dieser
Gleichung.
Wir verstehen sehr gut, daß eine echte Partnerschaft,
die diese Geißel wirksam bekämpft, gleichzeitig
Bestrebungen zur Verringerung und Beseitigung der
Nachfrage sowie Bestrebungen zur Verringerung und
Beseitigung des Angebots beinhaltet. Ebenso erkannten viele der Nationen, die als Quelle illegaler Drogen
identifiziert wurden, daß die Konsequenzen für die
jungen Menschen in ihrem Land jetzt ebenfalls offenkundig werden.
Daher ist unsere Partnerschaft
wichtiger denn je.
Denken Sie an meine Worte: Die Drogenhändler
werden nicht die Oberhand gewinnen. Sie werden
besiegt.
Und schließlich wäre keine Überprüfung der uns
konfrontierenden Herausforderungen vollständig, wenn
sie nicht die schwerwiegenden und sehr realen
Bedrohungen unserer gemeinsamen Ökosysteme
einbeziehen würde.
Letztlich können wir keine
verantwortungsbewußten Hüter der Freiheit sein, wenn

*

AMERIKA DIENST 10

wir nicht auch verantwortungsbewußte Hüter von
Land, Wasser, Luft und anderen natürlichen Ressourcen unserer Hemisphäre sind. Die Förderung von
Demokratie setzt wirtschaftliche Freiheit und die
tragfähige Entwicklung der Ressourcen voraus, die
unsere Freiheiten bewahren. Ich ermutige Sie alle,
diese Sache zu der Ihren zu machen und zu erwägen,
wie Sie uns auf der bevorstehenden Folgekonferenz
über tragfähige Entwicklung im bolivianischen Santa
Cruz bei der Erlangung unserer Ziele helfen können.
Nebenbei bemerkt bedeutet der Einsatz für nachhaltige Entwicklung nicht nur gute Staatsbürgerschaft,
sondern ist ein gutes Geschäft, und die Zahlen
sprechen für sich. Es wird erwartet, daß der Absatz
amerikanischer Umweltprodukte in die Region 1998
auf 8 Milliarden Dollar ansteigt. Ob es um Verträge für
die Klärung von Abwässern in Sao Paulo oder um
Abgasuntersuchungen in Mexiko geht - amerikanischen Unternehmen geht es gut, indem sie Gutes
tun.
So machen wir gemeinsam Fortschritte bei der
Schaffung einer Hemisphäre der Demokratie, Stabilität
und Prosperität. Wir zeigen, daß der Geist von Miami
mehr ist als eine Kollektion abstrakter Ideen und
Prinzipien. Der Geist von Miami ist konkretes Handeln,
das reale und positive Auswirkungen auf das Leben
unserer Bürger hat. Als Geschäftsleute, gewählte
Volksvertreter, Partner und Freunde wollen wir den
epochalen Marsch zu Fortschritt und Frieden fortsetzen, denn unsere besten Tage und besten Momente
als Bürger des amerikanischen Kontinents liegen noch
vor uns.
Präsident Clinton, alle Bürger der Vereinigten Staaten
und ich freuen sich darauf, mit jedem von Ihnen diese
Reise fortzusetzen.

* * * *

Seite 3

�BOSNIEN
15. Mai 1996

USA werden ausharren
Anhörung von Staatssekretär Peter Tarnoff

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Ausschuß für internationale Beziehungen des
Repräsentantenhauses erklärte der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Peter
Tarnoff, am 23. April 1996, "mit 'D+90' (Dayton plus 90 Tage) am 19. März und dem Abschluß der
Gebietsübergabe haben wir das Ende der ersten Schlüsselphase des Abkommens von Dayton und den Beginn
der nächsten erreicht - die Rückkehr zu einem normalen Leben und die Vorbereitung geeigneter Bedingungen für
Wahlen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Staatssekretärs.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für die Einladung,
heute vor diesem Ausschuß zu sprechen. Ferner
begrüße ich die Gelegenheit, mit meinen Kollegen aus
dem Verteidigungsministerium und vom Amt für
internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID) die Lage in Bosnien erörtern zu
können.
Unsere Bestrebungen, durch die Umsetzung des
Abkommens von Dayton Frieden nach Bosnien zu
bringen, machen Fortschritte. In den fünf Monaten seit
der Paraphierung des Friedensabkommens auf dem
Luftwaffenstützpunkt Wright-Patterson wurden wir
Zeuge einer bemerkenswerten Umgestaltung. Wir
befinden uns tatsächlich auf dem Weg von Konfrontation zu Versöhnung. Aber wir stehen erst am
Anfang des Weges. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.
Meines Erachtens sind die bis heute erzielten Fortschritte jedoch allgemein ermutigend.
Wir haben immer gewußt, daß diese Aufgabe schwierig ist und es Rückschritte geben würde. Aber wir
verpflichten uns, bis zum Ende durchzuhalten. Der
jüngste tragische Verlust von Wirtschaftsminister
Brown und seine Mission haben unsere Entschlossenheit nur noch erhöht.
Der große Einfluß der amerikanischen Politik auf
diesen Konflikt wird offensichtlich, wenn wir uns vor
Augen führen, wo wir vor einem Jahr standen. Im April
1995 waren nahezu 70 Prozent des bosnischen

AMERIKA DIENST 10

Territoriums in serbischer Hand. Die internationalen
Friedensbemühungen wurden vollständig vereitelt.
Sarajevo blieb umstellt und belagert. Tausende von
Zivilisten litten unter enormen Entbehrungen. UNPROFOR - die einzige Möglichkeit, irgendeine Art von
Schutz zu erhalten - zog einen Rückzug in Erwägung.
Heute ist das Töten beendet, einige Flüchtlinge kehren
nach Hause zurück, die Menschen erhalten Nahrung,
Kleidung und Unterkunft, und in ganz Bosnien faßt der
Frieden Fuß.
Jetzt werden wir mit den Herausforderungen des
Friedens, nicht mit denen des Krieges konfrontiert.
Denn die Notwendigkeit von Frieden und Stabilität in
diesem Teil Europas und die Beendigung der ethnischen und nationalistischen Kämpfe trieben unsere
diplomatischen Bestrebungen voran, die im Abkommen von Dayton gipfelten. Dieselben Ziele
veranlassen jetzt die amerikanische Politik zu einer
Umsetzung des Abkommens.
Die Übereinkünfte von Dayton sind jedoch keine sich
selbst erfüllenden Versprechungen des Friedens. Sie
sind schlicht und einfach die vereinbarten Pläne für
das Streben nach Frieden. Zur Erreichung dieses
Ziels arbeiten wir in Abstimmung mit unseren Verbündeten auf militärischen und zivilen Kanälen daran, die
Parteien zu einer Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu
ermutigen. Ferner sind wir entschlossen, die Chancen
für einen dauerhaften Frieden zu erhöhen, indem wir in

Seite 1

�Bosnien ein möglichst gutes wirtschaftliches und
Sicherheitsumfeld schaffen.

digkeit einer Einhaltung aller Bestimmungen des
Abkommens konzentrieren.

Das Daytoner Abkommen stellt einen Zeitplan für von
den Parteien zu ergreifende Maßnahmen auf. Mit
jedem Schritt erhöht sich die Aussicht auf allgemeinen
Erfolg. Von der Truppenentflechtung über den Gebietsaustausch bis zur Demobilisierung der Truppen
baut jeder Schritt auf dem anderen auf und dient der
Stärkung des Friedens insgesamt. Mit D+90 (Dayton
plus 90 Tage) am 19. März und dem Abschluß der
Gebietsübergabe haben wir das Ende der ersten
Schlüsselphase des Abkommens von Dayton und den
Beginn der nächsten erreicht - die Rückkehr zu einem
normalen Leben und die Vorbereitung geeigneter
Bedingungen für Wahlen. Die OSZE (Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) muß die
Erfüllung der Bedingungen bescheinigen und das
Datum für die Wahlen in Bosnien festsetzen. Nachdem die OSZE bestätigt hat, daß Bosnien bereit zur
Veranstaltung von Wahlen ist, werden der Wahlkampf
und ausführliche Vorbereitungen beginnen. Nach den
Wahlen müssen die Institutionen funktionieren, auf die
man sich in Dayton einigte und die entscheidend für
einen lebensfähigen bosnischen Staat sind.

Einer der wichtigsten Aspekte dieser Bestrebungen zur
Einhaltung von Dayton beinhaltet die Verpflichtung
aller Parteien, ausländische Truppen und Berater des
Landes zu verweisen. In diesem Zusammenhang
legen wir besonderen Wert darauf, daß iranisches
Militär und Mitarbeiter der Nachrichtendienste Bosnien
verlassen.

Herr Vorsitzender, seit letzten November ist viel
erreicht worden. Wie mein Kollege aus dem Verteidigungsministerium bestätigen wird, haben die dem
NATO-Befehl unterstehenden IFOR-Truppen die
Entflechtung der kriegerischen Streitkräfte und den im
Daytoner Abkommen vorgesehenen Gebietsaustausch
überwacht. In Sarajevo beispielsweise wurde zwar die
Vereinigung der ehemals sorbischen Teile der Stadt
unter Kontrolle der Föderation durch von den Serben
initiierte Störmanöver beeinträchtigt, aber die Menschen dort können jetzt rechtmäßig ein besseres
Leben anstreben.
Wir haben auch sehr eng mit unseren Partnern in der
Kontaktgruppe zusammengearbeitet sowie mit dem
Hohen Repräsentanten Carl Bildt und seinem Stab, um
unsere Bestrebungen möglichst gut zu koordinieren.
Mein Kollege von AID wird im einzelnen auf die
Umsetzung der zivilen Seite des Abkommens eingehen.
Trotz dieser Errungenschaften ist die Erfüllung bestimmter Verpflichtungen - insbesondere was Gefangene, Bewegungsfreiheit und das heikle Thema
Kriegsverbrechen betrifft - nicht so, wie sie sein sollte.
Während der ersten Phase von Dayton wurde die
Umsetzung großenteils von der IFOR vorangetrieben.
Im Vorfeld der Wahlen werden die Parteien einen
größeren Teil der Verantwortung für den Erfolg tragen.
Daher ist es von elementarer Bedeutung, daß die
Unterzeichner des Daytoner Abkommens - die politische Führung in Bosnien, Kroatien und Serbien - sich
auf die vor ihnen liegenden Aufgaben und die Notwen-

Seite 2

In den letzten Tagen zogen Berichte besondere
Aufmerksamkeit auf sich, daß die Vereinigten Staaten
sich nicht aktiv der Lieferung iranischer Waffen über
Kroatien nach Bosnien vor zwei Jahren widersetzt
hatten. Ich möchte auf die Umstände und Fakten
dieses Falls zu sprechen kommen.
Von Anfang an lehnten die Clinton-Administration - und
die meisten Mitglieder des Kongresses - das gegen
Bosnien verhängte Waffenembargo ab. Wir wünschten eine multilaterale Aufhebung des Waffenembargos,
denn wenn die Vereinigten Staaten das Embargo
einseitig aufgehoben hätten, wäre das Sanktionsregime der Vereinten Nationen gegen Libyen und den
Irak geschwächt worden. Die UNPROFOR wäre aus
Bosnien abgezogen, hätte das Land einem größeren
kurzfristigen Risiko ausgesetzt, und die Vereinigten
Staaten hätten intervenieren müssen, um beim Abzug
der UNPROFOR-Truppen unter schwierigen und
gefährlichen Bedingungen behilflich zu sein. Im
Frühjahr 1994 waren die von der Regierung gehaltenen Gebiete Bosniens unter Belagerung und die kurz
zuvor gegründete muslimisch-kroatische Föderation in
einem labilen Zustand.
Im April 1994 wurden die Vereinigten Staaten von der
kroatischen Regierung gefragt, ob sie Einwände
hätten, wenn Kroatien Waffenlieferungen an die
bosnische Regierung aus anderen Ländern - darunter
Iran - über kroatisches Gebiet erlauben würde.
Angesichts der militärischen Dringlichkeit der Situation,
mit der sich die Föderation am Boden konfrontiert sah,
und des Ungleichgewichts zugunsten der bosnischserbischen Streitkräfte hatte die Administration keine
Einwände gegen mögliche Waffenlieferungen an die
Bosnier durch kroatisches Gebiet. Wir entschieden,
wir würden solche Lieferungen weder genehmigen
noch ablehnen. Den amerikanischen Regierungsvertretern wurde gesagt, sie sollten auf weitere Anfragen
der kroatischen Regierung mit der Aussage antworten,
sie hätten "keine Anweisungen" zu diesem Thema.
Die Vereinigten Staaten haben keinen Kontakt mit der
Regierung des Iran in dieser Angelegenheit.
Anfang Mai 1994 begannen die amerikanischen
Nachrichtendienste über Flüge iranischer Transportmaschinen nach Kroatien mit für Bosnien bestimmter
Ladung zu berichten, die angeblich militärische und
humanitäre Güter enthielt. Diese Berichte waren Teil

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�eines nachrichtendienstlichen Papiers, das den
maßgeblichen Kongreßausschüssen täglich übermittelt
wird. Die führenden Vertreter des Kongresses und
ihre Mitarbeiter hatten Zugang zu diesen täglichen
Berichten.
Im Oktober 1994 verabschiedete der Kongreß als
Alternative zu der einseitigen Aufhebung des Waffenembargos - mit starker Unterstützung beider Parteien
und der Administration - ein Gesetz, das die Verwendung zugewiesener Mittel zur Durchsetzung des
Waffenembargos gegen Bosnien für die Vereinigten
Staaten als illegal erklärte. Dem Kongreß war die
Lieferung iranischer Waffen an Bosnien zu jenem
Zeitpunkt bekannt. Die iranischen Waffenlieferungen
waren aus dem Anwendungsbereich dieses Gesetzes
nicht ausgenommen, das im November in Kraft trat.
Unsere Aktionen standen im Einklang mit dem Willen
des Kongresses, wie in dem Gesetz vom Oktober
1994 zum Ausdruck gebracht, das uns die Verwendung zugewiesener Mittel zur Durchsetzung des
Waffenembargos gegen Bosnien untersagte, während
wir gleichzeitig vermieden, einseitig eine bindende
Resolution des Sicherheitsrats zu unterlaufen, indem
wir direkt oder indirekt Waffen an die bosnische
Regierung lieferten.
Die gute Nachricht lautete, daß die mutigen Streitkräfte
Bosniens durchhalten und ihr Gebiet halten konnten.
Weil sie dies taten, konnte die NATO 1995 Maßnahmen ergreifen, und die Vereinigten Staaten
brachten in Dayton ein Abkommen hervor, das den
Menschen in Bosnien in allen drei Gemeinden die
beste Chance für Frieden bietet, die sie seit Jahren
hatten.
Am 23. November verabschiedete der UN-Sicherheitsrat Resolution 1021, die die Aufhebung des Embargos
infolge des Daytoner Abkommens vorsah. Seitdem
arbeitet die bosnische Regierung mit uns zusammen
und kommt ihrer Verpflichtung im Rahmen des Abkommens nach, die ausländischen Streitkräfte zu
entfernen. Die Präsenz und der Einfluß des Iran in
Bosnien wurden beträchtlich reduziert und die bosnische Regierung versteht, daß die Vereinigten
Staaten die Umsetzung ihres Programms zur Ausbildung und Ausrüstung an die Bestimmungen über
ausländische Streitkräfte im Daytoner Abkommen
gebunden haben. Dieser Punkt wurde den Bosniern
sowohl von der Administration als auch vom Kongreß
drastisch verdeutlicht.
Das Abkommen von Dayton enthielt eine wichtige
Initiative für die Parteien zur Aufgabe der andauernden
Kriegshandlungen und der Bewahrung des Friedens.
Das war die Chance für die Parteien, beim wirtschaftlichen Wiederaufbau von Bosnien und Herzegowina Partnerschaften mit der internationalen Staatengemeinschaft zu bilden. Alle Seiten sind durch diesen

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bitteren Konflikt erschöpft. Während Armeen demobilisiert und Waffen in begrenzte Arsenale verlagert
werden können, ist es sehr viel schwieriger für die
Regierungen, den Soldaten einen echten Arbeitsplatz
anbieten zu können, ganz zu schweigen von einem
sicheren Lebensunterhalt. Die Wiederaufbauhilfe ist
eine unerläßliche Investition für den künftigen Frieden
in der Region. Wir benutzen sie, um die Psychologie
des Krieges zu durchbrechen.
Die Anfang dieser Woche in Brüssel abgehaltene
erfolgreiche Konferenz der Geberländer hat in der
internationalen Staatengemeinschaft die Erkenntnis
dieser dringenden Notwendigkeit vertieft und signalisiert, daß sich aus der Einhaltung des Abkommens
von Dayton bald finanzielle Vorteile ergeben würden.
Bei der Konferenz wurden über 1,2 Milliarden Dollar an
neuen Mitteln für den Wiederaufbau zugesagt, und
zusammen mit den im Dezember zugesagten 600
Millionen Dollar wurde das Gesamtziel der internationalen Staatengemeinschaft von 1,8 Milliarden Dollar
für 1996 erreicht.
Die Unterstützung des Kongresses für das Zusatzpaket des Präsidenten in Höhe von 198 Millionen Dollar
war für den Erfolg der Konferenz entscheidend und
gestattete uns insbesondere, das Dreifache der von
uns zugesagten Mittel bei anderen bilateralen Gebern
"locker zu machen". Mit dem Zusatzpaket und anderen neuen Fonds konnten wir bei der Brüsseler
Konferenz 219 Millionen Dollar an neuen Geldern für
den Wiederaufbau und damit in Verbindung stehende
Programme wie Einrichtung einer Polizei, Minenräumung und Wahlen zusagen, von denen für 1996
insgesamt 281 Millionen Dollar vorgesehen sind. Das
ist ungefähr die Hälfte unserer Gesamtzusage in Höhe
von 550 Millionen Dollar für die zivile Umsetzung in
diesem Fiskaljahr für Bosnien und Ostslawonien. Von
dieser Gesamtsumme sind 200 Millionen Dollar reine
Hilfe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau, die die
erste Tranche der Zusage des Präsidenten von 600
Millionen Dollar für den wirtschaftlichen Wiederaufbau
über mehrere Jahre hinweg darstellen.
Konkrete Vorteile für die Menschen in Bosnien aus
dem Daytoner Abkommen - die sogenannte "Friedensdividende" - werden gewährleisten, daß das bosnische
Volk der Verbesserung seines Lebens in diesem
Sommer an der Wahlurne Rechnung trägt. Wir sehen
die Wiedergeburt von Sarajevo, aber diese Wiedergeburt wird durch die zerstörte Infrastruktur ernsthaft behindert. Das gilt für ganz Bosnien. Unsere
Prioritäten in den kommenden Wochen bestehen darin
sicherzustellen, daß die in Brüssel zugesagten Mittel
rasch fließen, daß die Menschen - insbesondere die
Zehntausende demobilisierter Soldaten - beschäftigt
und die einzelnen Wiederaufbauprogramme richtig
koordiniert werden. Die Europäische Union, die den
Löwenanteil der Finanzhilfe bereitstellt, die Weltbank
und der Hohe Repräsentant Bildt haben hier alle eine

Seite 3

�Rolle zu spielen, aber die Vereinigten Staaten müssen
eine Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, daß
die Arbeit getan wird.
Direkte Hilfe allein kann den Frieden nicht gewährleisten. Das Wirtschaftsleben hängt vom Handel ab.
Das Prinzip, daß Handel den Frieden verbessert,
führte Wirtschaftsminister Brown und seine Delegation
Anfang dieses Monats auf den Balkan. Dieser Gedanke wurde durch die Tragödie über Dubrovnik nicht
ausgelöscht. Wir haben uns verpflichtet, weiterhin
Frieden durch Handel anzustreben - sowohl im
Gedenken an die Brown-Delegation als auch, als
effektives Instrument zur Erlangung dauerhafter
Stabilität auf dem Balkan.
Die muslimisch-kroatische Föderation ist ein Eckpfeiler
des Abkommens von Dayton. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Verhinderung erneuter
Kampfhandlungen zwischen diesen Gemeinden und
der Kanalisierung ihrer Differenzen in die politische
Arena. Darüber hinaus bietet die Föderation das
notwendige Gegengewicht zur Republik Srpska. Die
gesamte rechtliche Struktur von Bosnien-Herzegowina
nach Dayton geht von einer gesunden, funktionierenden Föderation aus.
Angesichts der Bedeutung der Föderation für den
Erfolg des Daytoner Abkommens haben die Vereinigten Staaten sie zum Kernstück eines breitgefächerten Programms politischer, technischer und
wirtschaftlicher Unterstützung gemacht. Zusammen
mit unseren Partnern haben wir eine Reihe hochrangiger Treffen in Rom, Genf, Moskau und Sarajevo
abgehalten, die vornehmlich auf die Lösung der
Probleme der Föderation ausgerichtet waren. Am
kommenden Donnerstag werde ich die amerikanische
Delegation bei dem nächsten dieser Treffen in Bonn
leiten.
Am 3. April hat der amtierende Abteilungsleiter Kornblum das erste Treffen des Föderationsforums einberufen - einem Mechanismus für intensivere, regelmäßigere Diskussionen mit den beiden Parteien über
die Föderation betreffende Fragen unter Leitung der
Vereinigten Staaten.
Die Grundlage für einen dauerhaften Frieden hängt
nicht nur von Wahlen ab, sondern auch von der
Schaffung einer effektiven Abschreckung von erneuter
bosnisch-serbischer Aggression gegen die Föderation
sowie einer ausgewogenen Verteilung der Waffen in
der gesamten Region.
Darüber hinaus verpflichtet das Abkommen von
Dayton die Parteien zu einer Reihe von vertrauensbildenden und Rüstungskontrollmaßnahmen. Diese
Maßnahmen zielen darauf ab, Transparenz und
Vertrauen aufzubauen sowie ausgewogene und stabile
Verteidigungsstreitkräfte auf dem niedrigsten Niveau

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zu schaffen im Einklang mit den jeweiligen Sicherheitsbedürfnissen der Parteien und der Notwendigkeit,
einen Rüstungswettlauf in der Region zu verhindern.
Aber selbst mit der uneingeschränkten Umsetzung
dieser Maßnahmen haben die Föderations-Streitkräfte
immernoch einen Nachteil. Aus diesem Grund haben
wir uns verpflichtet, internationale Bestrebungen zur
Ausbildung und Ausrüstung der Föderations-Streitkräfte anzuführen, so daß sie eine effektive
Abschreckungs- und Selbstverteidigungsfähigkeit
haben.
Und schließlich ist es unmöglich, sich einen dauerhaften Frieden vorzustellen, der nicht die in den vergangenen Jahren verübten Greueltaten berücksichtigt.
Wir sind keine Befürworter von Rache, denn das wird
nur mehr Verachtung und Gewalt hervorbringen. Wir
können auch nicht Gruppen kollektiv für die böswilligen
Aktionen von Einzelpersonen in ihrer Mitte verantwortlich machen. Aus diesem Grund haben die
Vereinten Nationen auf Drängen dieser Administration
den Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingerichtet. Seit Unterzeichnung des Daytoner Abkommens wurden 57 Personen angeklagt, sechs verhaftet
und die Ermittler haben auf der Suche nach Beweisen
Tausende von Stunden in Bosnien und den Nachbarländern verbracht.
Die Einhaltung der Verfügungen des Internationalen
Tribunals wurde zu einem der Prüfsteine des Daytoner
Abkommens gemacht. Sarajevo, Zagreb und Belgrad
haben seit letztem Jahr Schritte zur Verbesserung
ihrer Zusammenarbeit mit dem Tribunal unternommen. Aber der Mangel an Zusammenarbeit mit dem
Tribunal seitens der bosnischen Serben ist weiterhin
eines der krassesten Beispiele der Nichteinhaltung des
Abkommens.
Anschließend sollte man die amerikanische Führungsrolle nicht vergessen, die die relativen aber realen
Verbesserungen hervorbrachte, die wir jetzt in Bosnien
beobachten können. Und die amerikanische Führungsrolle wird uns in Zusammenarbeit mit unseren
Freunden und Verbündeten durch die von mir beschriebenen Herausforderungen und Chancen leiten.
Als wir und unsere NATO-Partner die IFOR nach
Bosnien entsandten, haben wir den ehemals kriegführenden Parteien gegenüber eindeutig klargestellt, daß
sie letztlich für die Umsetzung des Friedensabkommens verantwortlich sind. Durch die zeitliche Begrenzung der IFOR-Stationierung auf ein Jahr signalisierte die NATO, daß sie kein Ersatz für echte Fortschritte der Parteien zur Erlangung eines dauerhaften
Friedens ist. Zweifelsohne wird der vollständige
Umsetzungsprozeß länger als ein Jahr dauern, aber
wir vertrauen auf die Parteien, daß sie auf die während
dieses ersten kritischen Jahres gemachten Fortschritte
aufbauen, damit sie nach dem Abzug der IFOR
weiterhin den Frieden konsolidieren und Institutionen

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�aufbauen können. Das in Dayton erzielte Abkommen
sah einen schrittweisen Prozeß der Versöhnung und
des Aufbaus von Institutionen vor, den die Vereinigten
Staaten zu unterstützen beabsichtigen.
Angesichts der von uns im vergangenen Jahr gemachten bemerkenswerten Fortschritte - und der Resultate

der amerikanischen Führungsrolle während dieser Zeit
- hat diese Administration die Absicht auszuharren.
Wie Präsident Clinton wiederholt erklärt hat, liegt es im
nationalen Interesse der Vereinigten Staaten, Frieden
nach Bosnien zu bringen. Wir werden mit anderen zur
Erlangung dieses Ziels zusammenarbeiten.

* * * * *

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�NATO
15. Mai 1996

Dauerhafte Zusammenarbeit zwischen
NATO und Rußland
von General George A. Joulwan

Mons - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) der
NATO, General George A. Joulwan, verfaßten Artikel, der erstmals in The Washington Post erschien.

Das Friedensabkommen von Dayton führte zur
bedeutendsten militärischen und politischen Zusammenarbeit des Westens mit Rußland seit dem
Zweiten Weltkrieg.
Obwohl das Friedensabkommen den Krieg in BosnienHerzegowina beendete und gleichzeitig die Gefahr
eines größeren Krieges verringerte, hatte es auch den
weniger bemerkten Effekt, das gegenseitige Vertrauen
zwischen dem russischen Militär und den Streitkräften
der NATO sowie der Vereinigten Staaten zu fördern.
Ferner unternahmen die NATO und Rußland historische Schritte für zukünftige militärische Zusammenarbeit, indem sie lernten, sich gemeinsam für die
Durchsetzung des Friedens einzusetzen.
Die Militärplaner der NATO und Rußlands trafen in
weniger als zwei Monaten die Vorkehrungen für dieses
bemerkenswerte Ereignis. Ihre intensiven Bestrebungen führten zu einem einzigartigen Ansatz bei der
Zusammenarbeit zwischen NATO und Rußland im
Rahmen einer Militäroperatior.
Rußland kann jetzt umfassend mit NATO-Streitkräften
operieren - von der strategischen Ebene in meinem
Hauptquartier im belgischen Mons bis zur taktischen
Ebene, auf der amerikanische und russische Soldaten
in Bosnien-Herzegowina Seit; an Seite tätig waren gemäß einem militärischen Plan genannt Operation
Joint Endeavor.
Der erste Schritt wurde am 15. Oktober 1995 unternommen, als eine Abordnung des russischen Generalstabs unter der Leitung von Generaloberst Leontij

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Schewtsow in meinem Brüsseler Hauptquartier eintraf,
um Gespräche über den russischen Beitrag zur IFOR
in Bosnien aufzunehmen.
Nach jahrzehntelanger Trennung während des Kalten
Krieges konnten sich Offiziere der NATO und Rußlands in nur 13 Tagen auf bestimmte Grundprinzipien
einigen. Das Abkommen bot die Grundlage für alle
Aspekte militärischer Zusammenarbeit: Verantwortlichkeit (einheitliche Führung); gemeinsame Mission, Ziel
und Richtlinien für die Aktionen der Soldaten; Unparteilichkeit bei der Erfüllung der Pflichten; Abschaffung
des dualen Entscheidungsfindungsprozesses, der in
der Vergangenheit beispielsweise verlangte, daß sich
die Vereinten Nationen und die NATO über Luftangriffe
einigen.
Der dritte Schritt konzentrierte sich auf die entscheidende Frage der Führung. Wir trafen eine besondere
Vereinbarung, die das russische Kontingent meinem
Befehl unterstellte - durch General Schewtsow, der für
die russischen Truppen als mein Stellvertreter fungiert.
Im Rahmen dieser Vereinbarung weise ich dem
russischen Kontingent alle Aufgaben durch ihn zu.
Das entsprach den russischen Forderungen, nicht in
die integrierte Militärstruktur der NATO einbezogen zu
werden, wahrte jedoch die einheitliche Führung, die für
die Effektivität der IFOR unerläßlich ist.
Ferner reflektierte das Abkommen auch das Prinzip
der einheitlichen Führung das gewährleistet, daß alle
IFOR-Streitkräfte - der NATO, Rußlands und anderer
Nichtmitgliedstaaten der NATO - meinen Befehlen
Folge leisten.

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�Am 8. November einigten sich der russische Verteidigungsminister Pawel Gratschow und sein amerikanischer Amtskollege William Perry bei einem Treffen
im NATO-Hauptquartier auf diesen einzigartigen
Ansatz. Perry legte ihn anschließend dem Nordatlantikrat der NATO vor, der seine Zustimmung gab.
Am 21. Dezember gab ich der russischen Brigade
schließlich die Einsatzanweisung.
Infolgedessen
übernahm eine 1.500 Mann starke Luftlandebrigade
die Verantwortung für einen sehr wichtigen, 75 Kilometer langen Abschnitt der Pufferzone.
Die Russen operieren in der sogenannten Sapna
Thump. Es ist eine extrem schwierige Mission in
einem Gebiet, in dem während des Krieges einige der
bittersten und intensivsten Kämpfe stattfanden.
Die Streitkräfte der NATO und Rußlands führen
gemeinsame Patrouillen in Brcko im Herzen des
Posavina-Korridors durch. Als Beweis für die Unparteilichkeit der IFOR richtete die russische Brigade ein
Bataillonshauptquartier auf dem Gebiet der Föderation
Bosnien-Herzegowina und ein weiteres auf Seiten der
bosnischen Serben ein.
Die russischen Truppen operieren jetzt innerhalb der
Grenzen der multinationalen Division (Nord). Der
Befehlshaber, Generalmajor Bill Nash von der USArmee, hat nicht die Befugnis, ihnen Missionen oder
Aufgaben zuzuweisen. Er kann jedoch eine taktische
oder tägliche Kontrolle ihrer Pflichten vornehmen.
Dadurch ging die Zusammenarbeit zwischen der
NATO und Rußland von der Theorie zur Praxis über
und bildet eine echte Partnerschaft in einer militärischen Beziehung, die allzu lange durch das Mißtrauen
aus der Vergangenheit verhindert wurde.
Innerhalb von zwei Monaten machten wir große
Fortschritte bei der Harmonisierung von zwei Militärsystemen, die mehr als 50 Jahre lang durch politische
Realitäten getrennt waren. Durch diese Schritte
näherte sich Europa stärker der Stabilität und Sicherheit, die nach dem Ende des Kalten Krieges
angestrebt wurden.
Die Professionalität des russischen Militärs bei der
gemeinsamen Planung mit den NATO-Streitkräften war
entscheidend für diese erfolgreiche Dislozierung unter
extrem schwierigen Bedingungen. Russische Verbindungsoffiziere im NATO-Hauptquartier halfen bei der
abgestimmten Planung der komplexen Truppenbewegungen zum Einsatzgebiet.
Das beinhaltete die
gleichzeitige Bewegung von Lastwagenkonvoys,
Flugzeugen, Schiffen und Zügen aus allen Himmelsrichtungen während des schlimmsten Wetters in
Europa in diesem Jahrhundert in das schwierigste
Gebiet, das man sich vorstellen kann.

Seite 2

Die russische Brigade leistet außerordentlich gute
Arbeit. Sie errichtete entlang der Pufferzone zwölf
Kontrollpunkte und entwickelte gemeinsame Vorgehensweisen für Tätigkeiten wie Artillerieunterstützung und medizinische Evakuierung.
Soldaten der NATO und Rußlands führen jetzt gemeinsame Patrouillen durch, tauschen nachrichtendienstliche Informationen aus und machen gemeinsame
Bestandsaufnahmen von Minenfeldern.
Infolgedessen wurden 60 Tage nach Unterzeichnung
des Abkommens die Grenzen markiert, die Beseitigung bosnischen und serbischen militärischen Geräts
hatte begonnen, es waren gemeinsame Militärausschüsse mit Vertretern der ehemals feindlichen
Armeen eingerichtet worden, und die Parteien setzten
die Entflechtung, Demobilisierung und den Transport
schwerer Ausrüstung in Ortsunterkünfte fort.
Als Minister Gratschow und ich das Gebiet am 7.
Februar besuchten, sahen wir, daß die Soldaten der
NATO und Rußlands bei dieser Mission zu echten
Partnern geworden waren. Wir waren Zeuge, wie
russische und amerikanische Soldaten Seite an Seite
patrouillierten - nicht mehr Gegner im Kalten Krieg,
sondern Kameraden, die sich gemeinsam für die
Sache des Friedens einsetzen.
Diese gemeinsame Mission des Bündnisses und
Rußlands zeugt davon, daß die beiden ehemaligen
Gegner durch militärische Zusammenarbeit friedliche
Ziele erreichen können. Zudem vertiefte sie das
Verständnis und Vertrauen zwischen den Soldaten der
NATO und Rußlands, die in Uglewik, Vicenza, Tuzla
und Mons zusammenarbeiten.
Dies ist das direkte Resultat - das natürliche Resultat einer gemeinsamen Mission. Kontakte zwischen
Offizieren der NATO und Rußlands sind zu einer
täglichen Realität geworden. General Schewtsows
Stab spielt eine entscheidende Rolle bei den IFORPlanungen. Noch wichtiger ist aber, daß seine
Offiziere beim Generalstab in Moskau das Verständnis
für die NATO erhöhen und einen direkten Kanal für
den Umgang mit im beiderseitigen Interesse liegenden
militärischen Fragen bieten. Das ist ein enormer
Fortschritt.
Dies wird auch weiterhin ein Jahr großer Herausforderungen und Erwartungen für das Bündnis sein.
Jede Aktion birgt ihre Risiken, und niemand kann mit
Sicherheit Europas künftiges Sicherheitsumfeld
prognostizieren. Aber meines Erachtens müssen wir
bereit sein, um des dauerhaften Friedens willen
Risiken einzugehen.

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�Das ist erst der Anfang neuer Beziehungen zwischen
der NATO und Rußland. Diese Zusammenarbeit kann

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zu einem dauerhaften partnerschaftlichen Rahmen für
das kommende Jahrhundert werden.

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�USA-EUROPA
15. Mai 1996

Nationalismus in Europa - Amerikanische Anmerkungen
von J.D. Bindenagel

LEIPZIG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, vor dem Fachbereich Politische Wissenschaften
der Universität Leipzig am 11. April 1996 gehaltene Rede.

Sehr geehrte Frau Professor Menschel,
meine Damen und Herren,

politische Waffe ist in Europa und für Europa zu einem
sehr ernsten außenpolitischen Problem geworden.

vielen Dank für die freundlichen Begrüßungsworte und
die Gelegenheit, mit Ihnen über Nationalismus zu
sprechen.

Die Umbruchphase nach dem Ende des Kalten
Krieges hat eben nicht nur zu einer neuen Ordnung im
internationalen System geführt. Nicht überall in Europa
konnten sich persönliche Freiheit, demokratische
Strukturen, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft
durchsetzen.

Nationalismus ist zunächst die Haltung eines einzelnen, einer Bewegung oder eines Staates, die sich
die Durchsetzung nationaler Ziele zur Aufgabe macht.
Es gibt, wie Ihnen bekannt ist, eine ganze Bandbreite
nationalistischer Verhaltensweisen. In der Nationalismusforschung stehen deskriptive Untersuchungsansätze neben ideengeschichtlichen Ansätzen, die ihr
Augenmerk vor allem auf die Herausbildung und die
Geschichte der europäischen Nationalstaaten gerichtet
haben. Angesichts der Vielzahl möglicher Ziele
nationaler Bewegungen wird in der politikwissenschaftlichen Analyse versucht, eine an Zielvorstellungen ausgerichtete allgemeingültige Typologie aller
nationalen Bewegungen zu bilden. Darüber hinaus
gibt es individualpsychologische Ansätze, wonach der
Nationalismus zur Erfüllung des menschlichen Grundbedürfnisses nach Identität beiträgt.
Ich will Frau Menschel nicht vorgreifen und mit Ihnen
Definitionsfragen klären. Meine Absicht ist es, den
Bogen zur politischen Realität zu schlagen. Ich
möchte Ihren Blick für eine bedrohliche Variante des
Nationalismus schärfen und deutlich machen, wie
zweckmäßig theoretische Kenntnisse bei der Analyse
aktueller internationaler Probleme sind.
Nationalismus kann - wie wir Anfang der neunziger
Jahre bedauerlicherweise wieder einmal zur Kenntnis
nehmen mußten - zur Legitimation staatlicher Aggressionspolitik werden. Nationalismus als innen-

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In Südosteuropa entwickelte sich eine neue Unordnung, die zu regionaler Instabilität, Krieg, Zerstörung, Massakern und endlosem Leid führte. Diese
Unordnung wirft natürlich viele Fragen auf, die uns zur
Auseinandersetzung mit einer gefährlichen Geisteshaltung zwingen. Wir müssen uns fragen, welche Rolle
der Krieg aus nationalistischen Beweggründen in
Europa einnehmen darf. Oder anders und genereller
formuliert, wieviel Krieg sind wir bereit zu ertragen?
Welche Vorstellungen haben wir vom friedlichen
Mitt.nander der Staaten und Völker in Europa? Und
inwieweit sind wir bereit, unser Verständnis anderen zu
oktroyieren.
Unsere Verpflichtung zum Frieden beinhaltet auch eine
internationale Verantwortung gegenüber jenen, die
Opfer einer gewalttätigen Politik geworden sind. Der
Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat uns gezwungen,
darüber nachzudenken, wie weit die postulierten
Grundwerte Europas reichen und mit welchen Mitteln
sie verteidigt werden sollen. Mit diplomatischen
Anstrengungen allein ist kein internationales Recht
durchzusetzen. Letztlich geht es darum, ob die
Staatengemeinschaft zuläßt, ein nationalistisches
Krebsgeschwür wuchern zu lassen, das leicht zu
diagnostizieren war, aber unendlich viel schwerer zu
therapieren ist.

Seite 1

�In einem Zeitungskommentar letzte Woche über den
Abschied des EU-Verwalters von Mostar, Hans
Koschnick, hieß es zum Schluß: "Wie lange wird es
dauern, bis die Nationalisten alles zunichte gemacht
haben?"
Das ist eine erschreckende Frage. Wie kann unter
heutigen Bedingungen einem menschenverachtenden
Nationalismus Einhalt geboten werden? Wie kann sich
eine Staatengruppe gegen nationalistisch gesinnte
Kriegstreiber verwahren? Welche Verfahren und
Instrumente stehen der Staatengemeinschaft zur
Verfügung, um Frieden, Stabilität und Sicherheit zu
bewahren?
Wenn ich von "uns" spreche, dann meine ich die
Staaten der Atlantischen Allianz, das heißt die Vereinigten Staaten und die Mitglieder der Europäischen
Union.
Wie der Krieg im ehemaligen Jugoslawien gezeigt hat,
war die politische Entscheidungsfähigkeit und militärische Handlungsfähigkeit der Europäischen Union
nicht gegeben. Ohne den politischen Einsatz der
Vereinigten Staaten und deren militärisches Engagementwäre der verbrecherische Krieg gegen ethnische
Minderheiten wohl nicht im letzten Jahr zu Ende
gebracht worden. Ein Krieg, der zweifelsohne aus
nationalistischen Motiven dem multiethnischen Leben
im ehemaligen Jugoslawien vorläufig ein Ende gesetzt
hat.
Krieg bei den Nachbarn stellt politische Entscheidungsträger vor schwierige Aufgaben und Herausforderungen. Zum einen sind es die Probleme anderer
Wähler, anderer Menschen, anderer Volksgruppen,
anderer Völker. Zum anderen ist das eigene, nationale
Interesse an den Problemen anderer Staaten von jeher
nicht allzu groß, sofern diese nicht bedrohliche Ausmaße annehmen. Wer interessierte sich schon für die
Vorgänge in Jugoslawien Ende der achtziger Jahre,
als der Nationalismus einzelner Volksgruppen eine
Renaissance erlebte. Europa war mit anderen Dingen
beschäftigt: Dem langsamen aber stetigen Zusammenbruch des sowjetischen Reiches, der Selbstbefreiung
Mittel- und Osteuropas, der deutschen Vereinigung
und dem irakischen Überfall auf Kuwait.
Folglich muß man als aufmerksamer Beobachter sehr
vorsichtig sein, wenn man mit dem Finger auf andere
zeigt, um Schuldzuweisungen vorzunehmen. Fehler
sind gemacht worden, das Einmaleins der Diplomatie
wurde aus Uneinigkeit, Wohlwollen oder vielleicht auch
aus Unkenntnis außer Kraft gesetzt. Oder um Friedrich den Großen zu zitieren: "Diplomatie ohne Schwert
ist wie Musik ohne Instrumente."
Man kann nicht ständig Friedenskonferenzen abhalten
und Sanktionen androhen, wenn im Kriegsgebiet eine
ethnische Minderheit im besten Fall vertrieben, im

Seite 2

schlimmsten Fall ermordet wird. Erst sehr spät hat die
westliche Staatengemeinschaft Wege gefunden, die
aus einem Entscheidungs- und Handlungsdilemma
herausführten.
Dies zeigt zum einen, daß politische Uneinigkeit in der
Lagebeurteilung zu erheblichen Verzögerungen bei
der Realisierung von Maßnahmen zur Beendigung der
Kampfhandlungen führt. Des weiteren geriet die
Staatengemeinschaft aufgrund ihrer Uneinigkeit unter
starken öffentlichen Druck, was die Beeinflussung von
Kriegsparteien nochmals erschwert.
Zum anderen bestand am Anfang das Problem, daß es
sich um einen innerstaatlichen Konflikt handelte. Eine
Einmischung in die inneren Angelegenheiten wird in
der Regel von jedem Staat zurückgewiesen. Diese
rechtliche Problematik hat letztlich zur Anerkennung
von Kroatien und Slowenien geführt. Die Bundesrepublik Deutschland hatte Anfang der neunziger Jahre
den außenpolitischen Versuch unternommen, einen
Beitrag zur Eindämmung des Teilungskonfliktes im
ehemaligen Jugoslawien zu leisten. Die mit der
Anerkennung einhergehende Internationalisierung des
jüngsten Balkankonflikts hatte leider keinen durchschlagenden Erfolg. Alle Minderheiten waren infolgedessen in der einen oder anderen Form kriegerischen
Repressalien ausgesetzt.
Die Anerkennung von
Staatsgebieten - ohne gesicherten Schutz der Grenzen - konnte angesichts der hohen Gewaltbereitschaft
der politisch Verantwortlichen keine friedensbewahrende Wirkung entfalten. Deutschland hat für diese
Vorgehensweise im In- und Ausland viel Kritik erhalten.
Historische Parallelen, wie sie in dieser Diskussion
gezogen wurden, sind meines Erachtens allerdings
unzutreffend. Argumente, die Deutschlands Rolle in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts thematisieren,
werden dem ausgeprägten Friedenswillen des demokratischen Deutschlands nicht gerecht, das aus seiner
Geschichte gelernt hat.
Der Einsatz von Macht, politischem Gewicht, diplomatischem Engagement und militärischen Optionen ist
allerdings notwendig, um einem Friedenswillen die
nötige Glaubwürdigkeit beziehungsweise den nötigen
Nachdruck zu verleihen. Dieses Beispiel verdeutlicht,
wie risikoreich außenpolitische Initiativen sind, wenn
sie nicht auf einem breiten internationalen Konsens
basieren. Der verantwortungsbewußte Umgang mit
Macht muß prinzipiell die internationalen, innenpolitischen und psychologischen Rahmenbedingungen
berücksichtigen, in denen das politische Gewicht eines
Staates eingesetzt wird.
Damit will ich nicht einer wie auch immer gearteten
"Militarisierung der Außenpolitik" das Wort reden. Im
Gegenteil, es kommt darauf an, gemeinsam geeignete
und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um
Konflikte zu verhüten und Formen der friedlichen
Streitbeilegung zu nutzen, damit Krisen entschärft

AMERIKA DIENST 10

�werden. Wenn Maßnahmen der Konfliktverhütung
nicht greifen, müssen friedenserhaltende und gegebenenfalls friedensschaffende Schritte unternommen
werden, die durch den Einsatz militärischer Mittel
unserem Engagement für den Frieden die nötige
Glaubwürdigkeit verleihen.
Wir stehen jetzt an einem Wendepunkt. Die Einstellung der Kampfhandlungen in Bosnien ist militärisch erzwungen und diplomatisch durch das
Friedensabkommen von Dayton abgesichert worden.
Präsident Clinton sprach von einer großen Chance für
alle Kriegsparteien, einen international abgesicherten
Neuanfang zu machen. Das heißt aber auch, daß
nationalistische, ethnisch bestimmte Dominanzbestrebungen ein Ende finden müssen und eine
Rückkehr zu einem friedlichen und toleranten Umgang
der Volksgruppen gefunden werden muß. Ich vermag
Ihnen nicht zu sagen, was passieren wird, sollte das
Friedensabkommen scheitern.
Lassen Sie mich auf die amerikanische Europapolitik
zu sprechen kommen, wie sie sich als Reaktion auf
den Nationalismus im Ersten und Zweiten Weltkrieg
entwickelt hat. Damit möchte ich aufzeigen, daß es in
der internationalen Politik durchaus Wege und Verfahren gibt, die durch Nationalismus bedingte Kriegsgefahr erheblich einzuschränken.
Für die amerikanische Regierung stand 1945 der
Aufbau einer stabilen Friedensordnung in Europa im
Vordergrund. Krieg in Europa durfte nicht noch einmal
dazu führen, daß amerikanische Soldaten auf europäischen Schlachtfeldern ihr Leben ließen. Ohne kontinuierliches Engagement, militärische Präsenz und ökonomische Aufbauhilfe war dieses Ziel nicht zu erreichen. Der Kalte Krieg trug das Seine dazu bei, daß
Westeuropa unter dem externen Druck zu Formen der
Zusammenarbeit und Integration fand, die geschichtlich gesehen jeden Europäer mit Stolz erfüllen sollten.
Die Gründung der NATO, als Wertegemeinschaft
konzipiert, mit einem klaren Verteidigungsauftrag,
schuf ein Netz politischer wie auch militärischer
Zusammenarbeit, das den Frieden in Europa sichert.
Dies macht die NATO jetzt für die mittel- und osteuropäischen Staaten so attraktiv. Die Vereinigten
Staaten von Amerika verstehen sich, wenn es um
Europa geht, als eine europäische Macht. Die Sicherheit Europas ist auch unsere Sicherheit. Dies
entspricht unseren historischen Erfahrungen in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Amerika wird auch weiterhin in Europa engagiert
bleiben und mit der Europäischen Union zusammenarbeiten. Das transatlantische Verhältnis ist und bleibt
unsere Geschäftsgrundlage. Der Verlauf von Krisen
und Konflikten in den letzten Jahren zeigt deutlich, daß
in nahezu allen internationalen Krisensituationen Amerikaner und die meisten Europäer gemeinsame Ziele

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verfolgen. Vielfach unterscheiden sich zwar die
Vorschläge, die Lösungsmodelle und Strategien zu
deren Verwirklichung, doch was die Bewahrung des
Friedens und der Stabilität des internationalen Systems angeht, zieht das transatlantische Bündnis an
einem Strang. Das kann man auch daran erkennen,
daß es gerade diese Staatengruppe ist, die sich bereit
erklärt, Garantien zu geben und die aktiv an konstruktiven Friedenslösungen arbeitet.
Weil politische Zusammenarbeit, militärische Kooperation und faire Handelsbeziehungen elementare
Bestandteile einer stabilen Friedensordnung sind, hat
ein wie auch immer begründeter aggressiver Nationalismus keinen Entfaltungsraum innerhalb der
Atlantischen Allianz. Deshalb tritt die amerikanische
Regierung vehement für die Öffnung der NATO ein.
Unsere Außenpolitik gegenüber den Staaten des
früheren Warschauer Paktes ist eindeutig:
Wir
möchten diesen Staaten zu demokratischen und
marktwirtschaftlichen Strukturen verhelfen, so daß sie
eine souveräne Politik betreiben können und ihr
ökonomisches Potential einsetzen, um den Lebensstandard ihrer Bürger anzuheben. Wir streben die
Öffnung unserer westlichen Institutionen für die
ehemals kommunistischen Länder an, die willens und
bereit sind, sich zu Demokratie und offenen Märkten zu
verpflichten. Wir arbeiten an einem neuen transatlantischen Rahmen für das 21. Jahrhundert.
Demokratie, freie Märkte und gegenseitige Sicherheit
sind dabei die grundlegenden Elemente einer dauerhaften internationalen Ordnung.
Die gesellschaftliche Verwurzelung der Demokratie
erfordert neben neuen rechtsstaatlichen Verfassungen,
einer unabhängigen Rechtsprechung und Wahlen
auch kulturelle Erneuerung. Eine neue politische
Kultur muß entstehen, die sich die Gepflogenheiten
demokratischer Prinzipien zu eigen macht. Gewerkschaften sind da ebenso zu nennen wie auch eine freie
Presse. Eine freie Presse ist ungemein wichtig, um
gerade jenen Kräften zu widerstehen, die eine Rückkehr zu den alten Zeiten propagieren. Auch hier haben
wir die Aufgabe, durch den Austausch von Ideen,
durch Programme aller Art jene Entwicklungen zu
fördern, die gegen einen engstirnigen Nationalismus
immun machen.
Ich möchte zum Schluß kommen. Europa und die
Vereinigten Staaten sind auch weiterhin gefordert, mit
gutem Beispiel voranzugehen. Deutlich zu machen,
daß sich Zusammenarbeit lohnt. Daß Toleranz und
Verständnis erheblich dazu beitragen, den internen wie
auch externen Frieden zu bewahren. Er ist letztlich die
Voraussetzung für Freiheit und Wohlstand unserer
Gesellschaften.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�WIRTSCHAFT
15. Mai 1996

USA müssen weiterhin Führungsstärke
im Ausland beweisen
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Finanzminister Lawrence H. Summers erklärte in einer Rede vor der
Society of American Business Editors und Writers am 29. April 1996 in New Orleans, die Vereinigten Staaten
müßten weiterhin ihre internationale Führungsrolle unter Beweis stellen, "um Märkte zu öffnen, die Sicherheit zu
bewahren und die aufstrebenden Märkte auf dem richtigen Weg zu Demokratie und Wirtschaftswachstum zu
halten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers in wesentlichen Auszügen.

Einleitung
Dies ist ein entscheidender Augenblick in der
Geschichte unseres Landes. Die Amerikaner sind
müde nach einer langen Periode der Konflikte. Sie
sind zunehmend mit den Problemen im Inland - nicht
im Ausland - beschäftigt und wollen sich aus
auswärtigen Verstrickungen zurückziehen.
Unsere gewählten Vertreter geloben, die Regierung
schlanker zu machen. Die Unternehmen werden
immer erfolgreicher, aber die Arbeitnehmer fürchten
um ihre Sicherheit. Die Zölle sind in die Höhe
geschnellt.
Es macht sich Besorgnis über
Einwanderer breit. In einigen Reihen hört man Worte
wie, man müsse Amerika "rein" halten. Quoten und
neue Gesetze verringern den Strom der Einwanderer.
Für einige ist es die beste Zeit, für andere die
schlechteste.
Man könnte annehmen, ich spreche über 1995.
Tatsächlich beschreibe ich das Jahr 1925. Amerika
steht vor einer Reihe katastrophaler wirtschaftlicher
und außenpolitischer Fehler. Sie tragen dazu bei, die
Welt in das zu katapultieren, was vielleicht das
dunkelste Kapitel in der Geschichte der Menschheit ist.
Die Lektionen der zwanziger Jahre sind mächtig. Sie
verweisen auf die Tatsache, daß Amerika nicht sicher
ist, selbst wenn wir die einzige Supermacht der Welt

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sind. Sie sprechen eloquent über die Notwendigkeit
einer amerikanischen Führungsrolle und ein
Engagement selbst in Regionen der Welt, die auf kurze
Sicht weit entfernt zu liegen oder unwichtig zu sein
scheinen. Und sie bieten wichtige Beispiele der Art
und Weise, wie unsere internationale Wirtschaftspolitik
und unsere nationale Sicherheit untrennbar verbunden
sind.
Wir leben in einer Zeit großer Chancen und großer
Herausforderungen.
Chancen, weil
unsere
Wirtschaftsgrundlage stärker ist als je zuvor seit John
F. Kennedy Präsident war. Chancen, weil die Millionen
von Menschen auf der ganzen Welt sich für freie
Märkte und Demokratie entschieden haben und eine
prosperierende
Weltwirtschaft
schaffen.
Herausforderungen, weil - wie Präsident Clinton es
formulierte und wie es die Einwohner von New Orleans
solange praktiziert haben - Amerika wettbewerbsfähig
sein muß und sich nicht zurückziehen darf, wenn das
Land Vorteile aus dieser Weltwirtschaft ziehen will.
Die Vereinigten Staaten sehen sich in den kommenden
Jahren mit drei Prioritäten konfrontiert, wenn unser
Wohlstand gesichert sein soll. Erstens müssen wir
weiterhin die Grundlage für eine starke Wirtschaft hier
im Inland schaffen.
Zweitens müssen wir
Führungsstärke im Ausland beweisen - um Märkte zu
öffnen, die Sicherheit zu bewahren und die

Seite 1

�aufstrebenden Märkte auf dem richtigen Weg zu
Demokratie und Wirtschaftswachstum zu halten.
Drittens müssen wir sicherstellen, daß alle Amerikaner
die Chance zur Beteiligung an unserem Wohlstand
haben. Ich möchte kurz auf jede dieser drei Prioritäten
eingehen. Ich beginne mit der Notwendigkeit für eine
starke Wachstumsgrundlage hier im Inland.
Eine starke Wirtschaftsgrundlage
Wenn ich mir den Stand unserer heutigen Wirtschaft
betrachte, denke ich, daß sie stärker ist als zu jedem
anderen Zeitpunkt meines Berufslebens.
Amerika hat in den vergangenen drei Jahren
unter dieser Administration über 8,5 Millionen
Arbeitsplätze geschaffen und uns eine
Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent beschert dies ist ein Rückgang von 7,3 Prozent zur Zeit
der Amtsübernahme des Präsidenten.
Die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze hat
bereits die Zusage des Präsidenten zur
Schaffung von 8 Millionen Arbeitsplätzen in
vier Jahren übertroffen. Und dies vor dem
Hintergrund,
daß
alle
anderen
Industrienationen
Arbeitsplätze
verloren
haben und einen explosionsartigen Anstieg
ihrer Arbeitslosenquoten beobachten mußten.
Wir konnten einen beträchtlichen Anstieg der
Unternehmensprofite verzeichnen, die nach
Steuern von 1992 bis 1994 um über 25
Prozent gestiegen sind sowie eine weitere
15prozentige Steigerung in den ersten drei
Quartalen von 1995.
Und es gibt eine ganze Reihe von Anzeichen, die
Ihnen sagen, wie gut es den Amerikanern geht, von
den Hypothekenzinsen, die selbst trotz der jüngsten
Anhebung immer noch nur 120 Punkte höher als der
effektive Zinssatz liegen - dem niedrigsten Niveau seit
25 Jahren im Jahr 1993 -, bis zur Armutsgrenze, die
während des ersten Amtsjahres dieser Administration
zum ersten Mal seit einem halben Jahrzehnt gesunken
ist.
Erneuerung des Privatsektors
Worauf ist die wirtschaftliche Stärke zurückzuführen,
die wir beobachten?
Die amerikanischen
Unternehmen haben sich verglichen mit anderen
Ländern als bemerkenswert dynamisch erwiesen. Wir
haben das flexibelste Finanzwesen der Welt, wir
haben die wettbewerbsfähigsten Märkte der Welt, und
wir zwingen uns stets, gegen die Besten der Welt den
Konkurrenzkampf anzutreten.

Seite 2

Betrachten
Sie
sich
den
amerikanischen
Fertigungssektor und die Art von Änderungen, die IBM
oder General Electric - die ihre Einnahmen im letzten
Jahrzehnt vervierfachten - eingeführt haben. Sie
können auf eine Bilanz verweisen, die viele
Unternehmen andernorts auf der Welt noch
erwirtschaften müssen.
So wichtig wie die Wiedergeburt alter Industrien ist die
Entwicklung neuer. Wir sind in einzigartiger Weise
ausgerüstet, im Informationszeitalter zu konkurrieren.
Microsoft ist jetzt eines der zehn am höchsten
bewerteten Unternehmen in den Vereinigten
Staaten
im
Hinblick
auf
die
Marktkapitalisierung. AIG ist eines der 16 am
höchsten bewerteten Unternehmen in den
Vereinigten Staaten.
Betrachten Sie sich die Industrien außerhalb
des Fertigungsbereichs - Federal Express,
Disney, Netscape. Es ist klar, daß ein hoher
Prozentsatz dieser weltweit führenden
Unternehmen aus den Vereinigten Staaten
kommt.
Mit anderen Worten: Wir sind am besten, was die
Technologie von morgen anbetrifft.
Eine gut verwaltete Wirtschaft
Ein Großteil des Lobes für unsere Volkswirtschaft
gebührt dem Privatsektor, der sehr vieles richtig
macht, um in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähig sein
zu können. Aber der Privatsektor könnte nicht
konkurrieren, wenn wir keine Administration hätten, die
etwas tut, das seit Jahrzehnten nicht getan wurde: Sie
verwaltet die Wirtschaft gut.
Die Haushaltsreduzierungen des Präsidenten
haben das staatliche Defizit zum ersten Mal
seit Harry Trumans Präsidentschaft in drei
aufeinanderfolgenden Jahren verringert.
Mit ungefähr 1,9 Prozent im vergangenen Jahr
- im Vergleich zu 4,2 Prozent 1992 - war unser
staatliches Haushaltsdefizit als Anteil am
Bruttoinlandsprodukt das niedrigste von allen
G-7-Staaten. Es sieht so aus, als könnten wir
dieser Leistung auch 1996 entsprechen.
Die Administration konnte die staatlichen
Ausgaben kürzen, weil sie die Regierung
verschlankte. Tatsächlich ist die Regierung so
klein geworden, daß die Anzahl ihrer
Mitarbeiter niedriger ist als in den letzten 30
Jahren
und
die
Zahl
der
Regierungsangestellten als Prozentsatz der
im zivilen Bereich Beschäftigten - die

AMERIKA DIENST 10

�Landwirtschaft ausgenommen niedrigsten Stand seit 1993.

auf dem

Warum ist das wichtig? Es ist wichtig, weil Rückgrat
bei der Finanzdisziplin ein starkes Sinken der
Zinssätze gestattete.
Die Zinssätze befinden sich an diesem Punkt im
Konjunkturzyklus auf einem historischen Tiefstand,
wobei die über zwanzigjährigen Anleihen nur 85
Punkte über dem Tiefstand vom Oktober 1993 liegen.
Die durch die Finanzdisziplin der Regierung
hervorgerufenen niedrigen Zinssätze verschafften
unserer Wirtschaft eine gesunde Belebung. Sie
führten aber auch zu einem rapiden Anstieg der
Ausrüstungsinvestitionen.
Ausrüstungsinvestitionen verzeichneten erstmals seit
30 Jahren drei Jahre hintereinander zweistellige
Wachstumsraten. Das ist wichtig, denn es bedeutet,
daß Amerika die Investitionen in Kapazitäten tätigt, die
für ein tragfähiges, nichtinflationäres Wachstum der
Volkswirtschaft erforderlich sind.
Mit anderen Worten: Wir erfreuen uns einer Situation,
die es seit der Präsidentschaft John F. Kennedys in
unserem Land nicht mehr gegeben hat - einer
niedrigen Inflationsrate sowie einer von Investitionen
geleiteten wirtschaftlichen Erholung.
Das
ist
von
Bedeutung,
denn
die
Wirtschaftsgeschichte seit dem Krieg hat uns eines
gelehrt: Keine wirtschaftliche Erholung ist je an
Altersschwäche gestorben. Sie ist gestorben, weil sie
durch von der Zentralbank hervorgerufene steigende
Zinssätze - für die Inflationsbekämpfung das Motiv war
- unter Druck geriet.
Die Inflationsrate steigt.
Die Menschen werden
nervös. Die Zentralbank hält mit Recht die Zügel
straffer. Die Wirtschaft gerät ins Schleudern und wir
erleben eine Rezession. So war es 1958. So war es
1967. So war es 1970. So war es 1974. So war es
1982. Und so war es 1989.
Wenn wir eine Wiederholung dieses Musters
verhindern wollen, muß die Inflation unter Kontrolle
gehalten werden. Und die Inflationsrate befindet sich
auf dem niedrigsten Stand seit den sechziger Jahren.
Wir müssen die Kapazitäten so ausweiten, daß die
Nachfrage nach Output steigen kann, ohne Preisdruck
auszuüben. Aus diesem Grund ist es so wichtig, daß
diese wirtschaftliche Erholung von Investitionen
geleitet ist - bis der Punkt erreicht ist, an dem unsere
Investitionszahlen positiver sind als seit einer
Generation. Die kluge makroökonomische Verwaltung
des Präsidenten gestattete diese entscheidende

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Justierung von niedriger Inflationsrate, niedrigen
Zinssätzen und hoher Investitionsrate.
Die Wahrung der amerikanischen Führungsrolle
Eine starke wirtschaftliche Grundlage in unserem Land
ist von großer Bedeutung. Sie würde jedoch weniger
bedeuten, wenn wir nicht die amerikanische
Führungsrolle nutzen würden um sicherzustellen, daß
wir unsere Produkte in einer stabilen Weltwirtschaft
absetzen können und Sicherheit und Wohlstand der
Amerikaner durch ein sicheres globales System
gewährleistet werden.
Betrachten Sie sich einen Augenblick lang die
Situation. Wenn sich später Historiker mit unserem
Zeitalter beschäftigen, werden sie wahrscheinlich nicht
das Ende des Kalten Krieges - das Ende der
Auseinandersetzung zwischen zwei Großmächten - als
wichtigstes Ereignis betrachten. Vielmehr könnte das
hervorstechende Ereignis die Tatsache sein, daß in
dieser Ära ungefähr drei Milliarden Menschen in Asien,
Osteuropa und Lateinamerika die schnelle Rolltreppe
in die Modernität betraten. Das geschah, weil sich
erstmals in der Geschichte des Menschen die
Nationen auf ein Modell für wirtschaftlichen Wohlstand
und politische Freiheit einigten. Dieses Modell ist das
amerikanische Modell von freien Märkten und
Demokratie. Und seine Akzeptanz auf der ganzen
Welt
bietet
bemerkenswerte
Chancen
für
amerikanische Arbeitsplätze, Exporte und Wohlstand
in den kommenden Jahrzehnten.
Es steht außer Frage, daß Handel im letzten halben
Jahrzehnt der Motor unserer Wirtschaftsentwicklung
gewesen ist.
Das Wachstum der Exporte lag seit 1992 im
Durchschnitt bei acht Prozent jährlich - mehr als das
Doppelte
des
Wachstums
unseres
Bruttoinlandsprodukts. Amerikanische Unternehmen
exportieren derzeit im Wert von über 700 Milliarden
Dollar - ausreichend für den Erhalt von 10 Millionen
amerikanischen Arbeitsplätzen. Und es sind gute
Arbeitsplätze, deren Bezahlung etwa 15 Prozent über
dem Durchschnitt liegt.
Die Antwort auf die Frage, woher das schnelle
Exportwachstum stammt, lautet neuentstehende
Märkte - Märkte, die bereits vier Millionen
hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze erhalten.
Sollten die Möglichkeiten für Amerikaner wachsen und
die Zahl hochbezahlter Arbeitsplätze ansteigen, wird
es für uns keine höhere Priorität geben als
sicherzustellen, daß die Handelshemmnisse anderer
Länder für unsere Produkte abgebaut werden und sie
ihre Märkte für unsere Waren öffnen.

Seite 3

�Aus diesem Grund hat diese Administration die seit
Jahrzehnten größte Kampagne zur Öffnung von
Märkten für unsere Waren eingeleitet.
Wir haben mehr
anderen Ländern
abgeschlossen,
abzubauen und
schaffen.

als 100 Abkommen mit
zur Öffnung von Märkten
um
Handelshemmnisse
gleiche Bedingungen zu

Wir schlössen die Uruguay-Runde ab, und
unser Rahmenabkommen mit Japan zeigt
bereits Früchte. Das Wachstum bei. den
Exporten, über die wir mit Japan Einigung
erzielten, ist dreimal so groß wie das bei
anderen Produkten.
Amerikanische Führungsrolle für Sicherheit
Die Erschließung von Märkten ist ein Aspekt der
amerikanischen Führungsrolle. Ein weiterer ist die
Gewährleistung, daß die auf dem Weg zu freien
Märkten und Wachstum befindlichen Länder auch den
richtigen Kurs halten. Natürlich geht es dabei um die
Chancen, die wohlhabende Entwicklungsländer den
Amerikanern bieten - durch Exporte und Arbeitsplätze.
Aber die Unterstützung dieser Länder beim Übergang
zu Wachstum und Demokratie beinhaltet eine andere
Erkenntnis: Daß Konflikte ihre Wurzeln in Frustration
haben. Die amerikanische Führungsrolle bei der
Verankerung von Wachstum in Entwicklungsländern
ist wesentlich für die Verankerung von Stabilität sowie
für die Gewährleistung der amerikanischen Sicherheit
in einer Welt, in der Herausforderungen bestehen
bleiben.
Es kann kein Zufall sein, daß nach einem halben
Dutzend Kriegen innerhalb von hundert Jahren, denen
jedesmal Friedensverträge und dann erneute Konflikte
folgten, Krieg in Europa nach 1945 undenkbar wurde.
Das hatte großenteils mit der ökonomischen Vision
von manchen auf beiden Seiten des Atlantiks nach
dem Krieg zu tun. Es war eine Vision, die schnellen
Wiederaufbau als wesentlich für eine Normalisierung
und für Wohlstand erachtete und unterstützte. Und sie
förderte wirtschaftliche Integration als wichtige
Gewährleistung dafür, daß die Menschen von einem
gemeinsamen Frieden mehr zu gewinnen haben als
von entzweienden Konflikten.
Wenn wir uns heute die Regionen ansehen, die für
Amerikas Sicherheit von wesentlicher Bedeutung sind,
müssen wir auf dieselbe Vision bezug nehmen. Es ist
offensichtlich, daß die Aussicht auf Stabilität in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion stark
davon abhängt, daß diese riesigen Länder den
Übergang zu Marktwirtschaft und Wohlstand
erfolgreich vollziehen.
Es ist klar, daß
Konfliktvermeidung in Asien und keine Behinderung
von Fortschritten in der Region durch ideologische,

Seite 4

kulturelle und Grenzstreitigkeiten stark davon
abhängen, wie sehr beide Seiten des Pazifiks in
Wohlstand miteinander verbunden sind und
aufstrebende Mächte in das weltweite Wirtschafts- und
Handelssystem integriert werden. Und es ist klar, daß
die Aussicht auf echte Stabilität in Mittelamerika, auf
die tatsächliche Abschaffung der Apartheid im
südlichen Afrika und auf die Verankerung des Friedens
im Nahen Osten stark damit zusammenhängt, ob
Wohlstand seinen Weg nach Nicaragua findet, die
Industrie in Soweto Fuß faßt und der Handel von Kairo
bis Tel Aviv und Katar ausgeweitet wird.
Unterstützung Rußlands
Ich möchte jetzt auf ein riesiges Land zu sprechen
kommen, dessen erfolgreicher Übergang zu
Demokratie und Marktwirtschaft für unseren Wohlstand
und unsere Sicherheit gleichermaßen von essentieller
Bedeutung ist - Rußland.
50 Jahre lang waren wir mit der Sowjetunion in einem
Kalten Krieg gefangen. Heute haben wir die Chance,
die Früchte unseres historischen Sieges zu genießen.
Unsere Politik, Geld für die Unterstützung Rußlands
zur Verfügung zu stellen - vorausgesetzt das Land
bleibt auf dem Reformweg - hat funktioniert und
Rußland auf dem Kurs des Wandels gehalten.
Vor vier Jahren wurde auf den Moskauer Straßen vom
Hungertod der Massen gesprochen. Das gescheiterte
kommunistische System war nicht in der Lage,
Lebensmittel vom Land in die Städte zu transportieren.
Heute schießen auf jeder Straße neue Geschäfte aus
dem Boden - und sie sind mit Waren gefüllt. Der
Konsum der russischen Bevölkerung ist seit 1992 real
um 20 Prozent angestiegen. Schätzungsweise 70
Prozent der Industrie befinden sich in privater Hand,
und Schlüsselsektoren wie Plastik, Metall und Stahl
sind im Wachstum begriffen. Die Regierung schätzt,
daß
ungefähr
900.000
neue
kleine
und
mittelständische Betriebe gegründet und damit 14
Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Die russische Regierung hat bedeutende Fortschritte
gemacht. Rußland gewann schließlich den Kampf
gegen die Inflation - sie sank von monatlich 18 Prozent
im Januar 1995 auf drei Prozent Ende des Jahres.
Der Rubel wurde stark aufgewertet - im Frühjahr um
15 Prozent. Er bleibt sieben Prozent über seinem
Stand vom April 1995 und durchaus innerhalb seiner
Bandbreite. Rußland scheint bereit für Wachstum zu
sein.
Einige wünschen angesichts der Unsicherheit im
Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen und
einem möglichen Rückzieher vom Reformweg, daß
sich die Vereinigten Staaten zurückziehen.
Sie
argumentieren, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt,

AMERIKA DIENST 10

�Geld für Rußland auszugeben. Ihres Erachtens war
unsere Politik fehlgeleitet - zu stark auf die
Unterstützung eines führenden Politikers oder einer
Partei oder eines Standpunktes ausgerichtet.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die von den
Vereinigten Staaten übernommene Führungsrolle bei
den internationalen Bestrebungen zur Unterstützung
des russischen Übergangs gehen nicht von einer
Person, einer Partei oder auch nur einer eng
definierten Weltsicht der Mächtigen aus. Wie ich
bereits erwähnte, basierte die Politik der ClintonAdministration vom ersten Tag ihrer Amtsübernahme
an darauf, daß Rußland klare, definierbare Schritte
unternimmt, um den wirtschaftlichen Übergang zu
verankern.

Ausführungen zu sprechen kommen. Die Wirtschaft
der Vereinigten Staaten macht Fortschritte. Zum
ersten Mal seit einer Generation bringen wir unseren
Haushalt in Ordnung.
Wir erschließen die
Weltwirtschaft für unsere Exporte und schneiden
auf den
internationalen Märkten besser ab. Insgesamt haben
drei Jahre kluger Verwaltung unserer Wirtschaft
unsere Volkswirtschaft stärker gemacht, als sie seit 30
Jahren war.
Jetzt besteht unsere Herausforderung in der Stärkung
des Fundaments für Fortschritt und darin, Schritte zu
unternehmen die gewährleisten, daß alle Amerikaner
die Chance, die Mittel und die Grundlage erhalten, an
der Schwelle zum nächsten Jahrhundert Erfolg zu
haben.

Schlußbemerkung
Ich danke Ihnen.
Ich möchte noch einmal auf meine anfänglichen

*

AMERIKA DIENST 10

* * *

*

Seite 5

�USIA

15. Mai 1996

Die Bedeutung eines unabhängigen
US-Informationsamts
von Senator Howell Heflin

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Senator Howell Heflin, Demokrat aus
Alabama, über die große Bedeutung der vom US-Informationsamt (United States Information Agency - USIA)
geleisteten Öffentlichkeitsarbeit.

Die Diplomatie hat viele verschiedene Aspekte, zu
denen auch das Image einer Nation im Ausland zählt.

verbreiten und ein Gefühl für gemeinsame kulturelle
Werte zu vermitteln.

Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Indien
beispielsweise werden fast ebenso stark durch die
Vorstellungen der Inder von den Vereinigten Staaten
beeinflußt wie durch die "traditionellere" Diplomatie.
Aus diesem Grund befürworte ich mit Überzeugung
das Fortbestehen eines starken, unabhängigen USInformationsamts.

Diese Programme dienen nicht nur unseren nationalen
Sicherheitsinteressen, sondern bieten auch direkte
wirtschaftliche Vorteile und begünstigen ein Klima, in
dem amerikanische Unternehmen Märkte im Ausland
erschließen können. Diese Märkte schaffen Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer sowie die
Menschen im Gastland.

Während der vergangenes Jahr im US-Senat geführten Debatte über eine optimale Gestaltung der amerikanischen Außenpolitik sprachen sich verschiedene
meiner Kollegen für ein Gesetz aus, das USIA abgeschafft und die Mehrzahl seiner Funktionen und
Programme dem Außenministerium übertragen hätte.

Es gibt bedeutende Unterschiede zwischen der
offiziellen Diplomatie unseres Außenministeriums und
der sogenannten Öffentlichkeitsarbeit. Das Außenministerium führt einen leisen, oft geheimen Dialog mit
anderen Ländern, wobei die Betonung auf Verständigung, Verhandlung und Kompromiß gelegt wird. Sie
sind wichtig, da sie die Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern zur Erlangung übergeordneter
Ziele pflegen.

Ich sprach mich gegen diesen Ansatz aus und setzte
mich entschieden für das US-Informationsamt ein.
Das schließlich verabschiedete Kompromißgesetz,
gegen das Präsident Clinton sein Veto einlegte,
forderte zwar nicht die gänzliche Abschaffung von
USIA, aber viele mächtige Stimmen schworen, weiterhin für seine Auflösung zu kämpfen.
Meines Erachtens dient das US-Informationsamt
weiterhin dem elementaren Ziel, die übrige Welt über
Amerika zu informieren. Das Amt hat die entscheidenden Funktionen, Öffentlichkeitsarbeit zu fördern, über
seine Radiosender und seine Satellitenkonferenz
"Worldnet" im Rundfunk und Fernsehen zu senden,
Bildungs- und kulturelle Austauschprogramme zu
ermöglichen, eine Vielzahl von Informationen zu

AMERIKA DIENST 10

Bei unseren Beziehungen zu Indien wird diese Art der
Diplomatie in der Abteilung für südasiatische Angelegenheiten des Außenministeriums unter der Leitung
von Abteilungsleiter Robin Raphel entwickelt und in
Indien von unserer dortigen US-Botschaft unter
Botschafter Frank Wisner umgesetzt.
Auf der anderen Seite strebt Öffentlichkeitsarbeit, wie
sie vom US-Informationsamt geleistet wird, die Förderung direkter Wirtschaftsbeziehungen an, beteiligt
sich am Aufbau demokratischer Institutionen und
ermutigt gegenseitiges Verständnis und ein gemeinsames Wertebewußtsein.

Seite 1

�Sollte USIA abgeschafft werden, würde diese Art von
dualer Diplomatie schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Und sollte USIA abgeschafft oder in das
Außenministerium eingegliedert werden, würden die
Funktionen der Öffentlichkeitsarbeit stark reduziert,
insbesondere auf Gebieten, wo die Demokratie sie
zum Überleben oder Prosperieren am meisten benötigt.
Ein weiterer wichtiger Grund, warum ich ein unabhängiges US-Informationsamt unterstütze, liegt in
seinen Austauschprogrammen für ausländische oder
amerikanische zukünftige Politiker. Über die Jahre
hinweg haben diese Programme jungen Kommunaloder Staatsbeamten eine Reise in die Vereinigten
Staaten ermöglicht, damit sie mit eigenen Augen sehen
konnten, wie unsere Regierung arbeitet. Mehr als30
derzeitige Staatsoberhäupter hatten ihre ersten
Kontakte zu den Menschen und Institutionen der
Vereinigten Staaten im Rahmen eines Austauschprogramms des US-Informationsamts. Hunderte von
Ministern, Bürgermeistern, Gouverneuren und Parlamentsabgeordneten aus der ganzen Welt bildeten sich
eine erste Meinung von Amerika, als sie in unser Land
kamen und mit den Menschen dort zusammentrafen,
wo diese leben und arbeiten.
Hunderte anderer führender Politiker hier und im
Ausland machten wertvolle internationale Erfahrungen
dank der Unterstützung von USIA für Programme wie
das des American Council of Young Political Leaders.
25 Kongreßabgeordnete sowie zahllose Beamte auf
kommunaler und bundesstaatlicher Ebene aus der
ganzen Nation nahmen an diesen Programmen teil.
Sie alle werden die positiven Auswirkungen dieser
Programme bezeugen.
Das USIA-Programm für Rechtsstaatlichkeit ist ein
Beispiel für die Bestrebungen des Informationsamts,
aufstrebenden Demokratien weltweit Beistand zu
geben. Dieses spezielle Programm leistet einen
aktiven Beitrag zur Reform des Justizwesens in
Rumänien, dem vielleicht unterdrückerischsten der
ehemals kommunistischen Regime. Durch die Entsendung amerikanischer Richter in das Justizministerium

für Langzeitprojekte, Programme zur Stärkung des
Ausbildungsinstituts für Richter sowie laufende
Unterstützung für die neugegründete Ausbildungsvereinigung für Richter ist USIA führend bei der Unterstützung Rumäniens in seinen Bestrebungen zur Schaffung einer unabhängigen Justiz.
In ähnlicher Weise kann USIA auch Experten zur
Verfügung stellen, die Hilfe bei der Entwicklung von
Justiz- und demokratischen Systemen auf der ganzen
Welt leisten.
Ferner fördert das Amt auch Projekte wie das American People Ambassador Program, ein Programm von
People-to-People International. Im Rahmen dieses
Programms wird ein persönlicher Austausch auf
beruflicher, wissenschaftlicher, technischer und
Gemeindeebene zwischen Amerikanern und ihren
Kollegen auf der ganzen Welt arrangiert. Jeder befaßt
sich mit einem anderen Thema, aber alle engagieren
sich für den persönlichen Austausch von Informationen, Ideen, Zielen und Erfahrungen mit führenden
Vertretern des öffentlichen und Privatsektors anderer
Länder.
Wir alle sind uns der uns konfrontierenden haushaltspolitischen Engpässe sehr wohl bewußt, aber wir
dürfen nicht kurzsichtig Investitionen in die Zukunft
unserer Nation, die weltweite Sicherheit und die
Förderung von Freiheit und Demokratie streichen.
Wer kann sagen, ob Bildungs- oder kulturelle Austauschprogramme beibehalten werden, wenn sie in ein
Ministerium verlagert werden, das völlig andere
Aufgaben, Prioritäten und offizielle Ziele hat?
Die Welt bleibt ebenso gefährlich wie früher. Neue
Bedrohungen haben einige der alten ersetzt, die mit
dem Ende des Kalten Krieges wegfielen, aber sie sind
ebenso real und gefährlich für Weltfrieden und Stabilität. Die Welt erwartet von uns die Übernahme einer
Führungsrolle - Führung mit kräftiger Stimme. Ich
werde weiterhin die Bestrebungen unterstützen die
gewährleisten, daß Amerika auch in Zukunft durch ein
unabhängiges US-Informationsamt mit kräftiger
Stimme spricht.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Gesamtamerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freiheit, Frieden und Wohlstand für die gesamte westliche Hemisphäre &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Al Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden ausharren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Staatssekretär Peter Tarnoff&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dauerhafte Zusammenarbeit zwischen NATO und Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von General George A. Joulwan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Europa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nationalismus in Europa - amerikanische Anmerkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA müssen weiterhin Führungsstärke im Ausland beweisen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. USIA&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Bedeutung eines unabhängigen US-Informationsamt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Senator Howell Heflin&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>I

ai

i

und
Dokumentation
United States Information Service

16

15. Juni 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Vance umreißt amerikanische Ziele auf der KSZE-Folgekonferenz
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
KSZE-Folgekonferenz zieht Bilanz über Fortschritt seit Helsinki
Von Candis C. Agnone
Nukleare Exportpolitik der Vereinigten Staaten
Energiebedürfnisse und Gefahr der Atomwaffen-Proliferation müssen
gegeneinander abgewogen werden
Von Dr. Joseph S. Nye Jr.
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hormon aus der Bakterienfabrik
Vermehrungsfähiges Ratten-Gen für Insulinproduktion auf Bakterien
übertragen
Unbekannte Pflanzenrostpilze identifiziert

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�1

Dokumentation

I

United States Information Service

14. Juni 1977

16

VANCE UMREISST AMERIKANISCHE ZIELE
AUF DER KSZE-FOLGEKONFERENZ
- Wortlaut -

Washington - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat
am 6. Juni vor der Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
des amerikanischen Kongresses die Haltung und Ziele der Vereinigten Staaten
auf der bevorstehenden KSZE-Folgekonferenz in Belgrad erläutert.

Die von

dem Außenminister vor dem Ausschuß abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder der Kommission für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa:
Sie alle haben den Bericht der Regierung über die Verwirklichung der
Schlußakte der Konferenz von Helsinki erhalten.

Heute möchte ich, wie dies

auch der Bericht getan hat, die fortbestehende Bedeutung der Bemühungen
hervorheben, die seinerzeit in Helsinki ihren Anfang nahmen.
Sie wissen alle, welches Interesse die Regierung daran nimmt, stabilere
und allseits fruchtbarere Beziehungen zwischen den Völkern in Ost und West

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�*

West zu fördern und zwar ungeachtet ihrer politischen und sozialen Vergangenheit und Zielsetzungen.

Die Konferenz über Sicherheit und Zusammen-

arbeit in Europa hat einen multilateralen Mechanismus geschaffen, über den
diese Ziele verfolgt werden können.
Bevor ich unsere Pläne für die bevorstehende Konferenz in Belgrad
erläutere, möchte ich Ihnen danken für die enge Zusammenarbeit, die
zwischen der Exekutive und der Legislative unserer Regierung

in den

vielen politischen, wirtschaftlichen und humanitären Fragen erreicht
worden ist, die in den Vereinbarungen von Helsinki anklingen.
Ich habe Ihnen, Herr Vorsitzender, vor drei Monaten schriftlich
mitgeteilt, daß "ich sehr großen Wert darauf lege, zwischen dem State
Department und der Kommission ein Verhältnis umfassender Zusammenarbeit
zu erreichen".

Ich glaube, daß solche Beziehungen erreicht worden sind.

Sie und Ihre Kollegen im Kongreß haben eine hilfreiche und konstruktive
Rolle gespielt. Wir rechnen mit einem persönlichen Beitrag Ihrerseits zu
der Arbeit der Belgrader Folgekonferenz.
Der Geist der Zusammenarbeit war ebenfalls maßgebend für unsere
Beziehungen zu unseren Verbündeten, während der Genfer Phase der KSZE wie
auch in Helsinki und auch bei unseren Vorbereitungen für den bevorstehenden
Überprüfungsprozeß.
Lassen Sie mich jetzt die Ziele umreißen, die wir auf unserer Konferenz
in Belgrad anstreben werden:
- Wir streben die volle Verwirklichung aller bindenden Zusagen an, die
in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind.

Es gibt wohl keine, die

man gegenüber den anderen als bindender oder wichtiger bezeichnen könnte.
Alle drei sogenannten "Körbe" sind wichtig.
- Wir bemühen
- 2 -

«

�- Wir bemühen uns um weitere Verbesserungen der Beziehungen zwischen Ost
und West auf all den Gebieten, die in Helsinki zur Sprache kamen - den politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen, Sicherheits- und
humanitären Fragen.
- Wir suchen auf allen diesen Gebieten gleichzeitig Fortschritte zu
erzielen; der freiere Fluß von Menschen und Ideen ist langfristig für die
Sicherheit und Zusammenarbeit beispielsweise genauso wichtig wie eine
Vorausbenachrichtigung über größere militärische Manöver; die humanitären
Zusagen in Helsinki sind ebenso wichtig wie zum Beispiel die Versprechungen,
auf dem Gebiet des Handels enger zusammenzuarbeiten.
- Es werden neue Vorschläge erörtert werden. Aber wir werden uns nicht
von einer Überprüfung der Frage ablenken lassen, in welchem Ausmaß die
spezifischen Vereinbarungen von Helsinki von allen Signatarstaaten verwirklicht worden sind.
Dies ist eine Tagesordnung mit hochgesteckten Zielen.

Es wird Meinungs-

verschiedenheiten bezüglich der Vereinbarungen und der Prioritäten geben;
darüber läßt sich in gutem Glauben und in der Hoffnung auf Annäherung bei
solchen Meinungsverschiedenheiten sprechen.
Aber diese Gespräche dürfen nicht als Ablenkung oder als Vorwand dafür
dienen, nichts zu unternehmen.

Die KSZE-Schlußakte ist von 35 Staats- und

Regierungschefs nach drei Jahren intensiver Verhandlungen gebilligt
worden.

Vereinbarungen von solchem Gewicht können nicht später gelockert

oder einfach übergangen werden.
In Belgrad werden wir an Ort und Stelle prüfen, wie wir am besten
wirksam und überzeugend unsere Ziele verfolgen können.

Wir werden die

öffentliche aber auch die Geheimdiplomatie nutzen, um in der Praxis ein
Maximum an Wirkung zu erzielen.
Wir werden
- 3 -

�Wir werden grandiose neue Vorschläge vermeiden, die wenig Aussicht
haben, angenommen zu werden.

Für Propagandaeffekte und bloße Rhetorik

ist kein Raum in unserer Strategie.
Wir werden unsere Ziele und unsere Ansichten klar und ohne Polemik
darlegen.
Es würde niemandem gedient sein, wenn solche ernsten und weitreichenden
Fragen anders als ernst und aufrichtig erörtert werden.
Der Bericht, den ich der Kommission im Auftrage des Präsidenten übergeben habe, gibt Ihnen einen detaillierten Überblick über das, was getan
worden ist, und das, was noch zu tun bleibt.
Lassen Sie mich vorweg sagen, daß kein Land vollkommen ist und daß wir
konstruktive Kritik an unserem Verhalten akzeptieren werden, genauso wie
wir dies von anderen erwarten.
Als ich im vergangenen April die Menschenrechtspolitik der Regierung
vor der Universität von Georgia umriß, erklärte ich: "Eine Entscheidung,
ob und wie in der Sache der Menschenrechte gehandelt werden soll, ist eine
Frage des informierten und sorgfältigen Urteils.

Eine mechanische Formel

führt keinesfalls automatisch zu einer Antwort."
Somit wird es also in unserer Hand liegen, für die Verwirklichung der
Verpflichtungen zu arbeiten, die in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind - die Verpflichtungen, die sich mit unseren politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen befassen wie auch die Verpflichtungen, die die Menschenrechte betreffen.
Die Achtung der Vereinbarungen,die auf der KSZE-Konferenz feierlich beschlossen worden sind, ist eine Sache, zu der sich unsere Regierung unerschütterlich bekennt in dem vollen Bewußtsein, daß das Streben nach Sicher-

�Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eine Bewährungsprobe für unsere
Beharrlichkeit wie auch für unsere Ideale darstellt.

Ich bin zuver-

sichtlich, daß wir uns hierin gemeinsam als standhaft erweisen werden.

+ + +

- 5 -

�(KlUnited States Information Service

14. Juni 1977

16

KSZE-FOLGEKONFERENZ ZIEHT BILANZ ÜBER FORTSCHRITTE SEIT HELSINKI
Von Candis C. Agnone

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten Jimmy
Carter wird der Erfolg der in Belgrad tagenden KSZE-Folgekonferenz davon
abhängen, ob die dort geführten Gespräche zur Verwirklichung der grundlegenden Ziele der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit von Helsinki
beitragen werden oder nicht.

Diese Ziele sind echte Verminderung der

Spannungen zwischen den einzelnen Staaten, vermehrte Achtung der Menschenrechte und wirkliche Verbesserung in den Lebensverhältnissen der Völker in
Ost und West.
Welche Bedeutung der amerikanische Präsident den bevorstehenden Beratungen in Belgrad beimißt, zeigt sein am 6. Juni veröffentlichter Halbjahresbericht über die Verwirklichung der politischen, militärischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, humanitären und sonstigen Bestimmungen, die in
der KSZE-Schlußakte von Helsinki zusammengefaßt sind.

Die am 15. Juni in der

jugoslawischen Hauptstadt zusammengetretene Konferenz der Vertreter der 35
Signatarstaaten der Schlußakte, unter ihnen auch die Vereinigten Staaten,

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�Staaten, dient in erster Linie der Vorbereitung auf eine umfassendere Tagung, die voraussichtlich im Herbst dieses Jahres stattfinden soll.

In

den auf etwa 6 Wochen angesetzten Beratungen sollen Zeitpunkt, Tagesordnung und Verfahrensfragen dieser Konferenz festgelegt werden.
Bereits bei der Vorlage des Halbjahresberichtes hatte der amerikanische
Außenminister Cyrus Vance vor der Kommission des US-Kongresses für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erneut die in der Vergangenheit schon so
oft bekräftigte Verpflichtung der Vereinigten Staaten unterstrichen, sich
für die Achtung und Förderung der Rechte des Einzelnen wie auch der Menschenrechte unter den Völkern ohne Rücksicht auf ihre politische oder soziale Herkunft oder Bestrebungen einzusetzen.

Und dies kann am besten über einen in-

ternationalen Mechanismus erreicht werden.
Der 93 Seiten umfassende Bericht stellt ganz allgemein fest, daß sich
die Politik der Warschauer Pakt-Staaten, was die Aktivitäten auf dem Gebiet
der Menschenrechte, den freien Fluß von Informationen sowie die menschlichen
Kontakte anbetrifft, trotz der in den Vereinbarungen von Helsinki gemachten
Zusagen nicht wesentlich geändert hat.

Auf der anderen Seite betont der Be-

richt, daß das Interesse des Westens an den Menschenrechten keine Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten bedeutet, sondern in der
Schlußakte von Helsinki sowie anderen auf höchster Ebene getroffenen internationalen Vereinbarungen fest begründet ist.
So hat denn auch der Leiter der amerikanischen Delegation in Belgrad,
Botschafter Albert Sherer

betont, daß die KSZE-Schlußakte eine moralische

und politische Verpflichtung darstellt, auch wenn es sich hier weder um
einen Vertrag noch um ein rechtlich bindendes Dokument handelt.

Er betrachte

Helsinki als einen lange währenden Prozeß, so betonte der Botschafter, und
solange dabei Fortschritte erzielt werden, solle man optimistisch und nicht
skeptisch sein.
Die
- 2 -

�Die Schlußakte von Helsinki enthält im ersten der drei Hauptteile allgemein als "Körbe" bezeichnet - eine Grundsatzerklärung, die die Prinzipien festlegt, nach denen die einzelnen Staaten die Beziehungen zueinander ausrichten sollen. Dies schließt auch ein feierliches Versprechen
ein, die Menschenrechte und die fundamentalen Freiheiten gemäß der Charta
der Vereinten Nationen und der allgemeinen Menschenrechtsdeklaration zu
achten. Ferner sind in diesem Abschnitt Bestimmungen über Maßnahmen zur
Stärkung des Vertrauens, über Sicherheit und Abrüstung enthalten.
Der zweite Abschnitt befaßt sich mit der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Technik und des Umweltschutzes,
wobei besonders Maßnahmen zur Ausweitung des Warenverkehrs und der industriellen Zusammenarbeit herausgestellt werden.
Der dritte Abschnitt schließlich führt die Bestimmungen für eine Zusammenarbeit auf humanitären und verwandten Gebieten an. So sollen der
freiere Verkehr von Personen, Ideen und Informationen, die Familienzusammenführung und Besuche, die Heirat von Angehörigen verschiedener Länder, der
Reiseverkehr, der Zugang zu Druckerzeugnissen und Filmmaterial sowie das
Abhören von Rundfunksendungen erleichtert und gefördert werden. Die Arbeitsbedingungen für Journalisten sollen verbessert und der Kulturaustausch
verstärkt werden.
Der Gedanke einer Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
geht, wie eine Studie des US-Kongresses zeigt, bereits auf die frühen fünfziger Jahre zurück. Damals hatte die Sowjetunion eine gesamteuropäische
Konferenz vorgeschlagen, die sich mit Sicherheitsfragen befassen und den
während des Zweiten Weltkrieges entstandenen osteuropäischen Grenzen ihre
Zustimmung geben sollte. Die westeuropäischen Länder und die Vereinigten
Staaten stimmten schließlich Ende der sechziger Jahre einer solchen Konferenz
zu, sofern der Themenkreis erweitert und auch den Abbau der Spannungen zwischen Ost- und Westeuropa einschließen würde. Der Westen bestand vor allem
auf "Korb 3", weil er eine strenge Kontrolle der individuellen Kontakte und
- 3 -

�und der Verbreitung von Informationen als den europäischen Sicherheitsinteressen abträglich erachtete.
Als die Schlußakte vor zwei Jahren in Helsinki unterzeichnet wurde,
herrschte in westlichen Kreisen vielfach die Ansicht vor, daß dieses Dokument in erster Linie der Sowjetunion Vorteile brächte, da es einer Anerkennung der sowjetischen Vorherrschaft in Osteuropa praktisch gleichkäme. Aber die von allen Signatarstaaten der Schlußakte gegebenen feierlichen Versprechen verpflichten diese auch, die Menschenrechte, die grundlegenden Freiheiten und den freieren Verkehr von Menschen und Ideen zu achten.

Und diese Verpflichtung hat sich auf die Entwicklung der Ost-West-

Beziehungen in den letzten Jahren mit am stärksten ausgewirkt.
Präsident Carter hat sein Bekenntnis zu den Menschenrechten als "absolut" bezeichnet. Die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Vereinbarungen haben aktive Verfechter der Menschenrechte in den osteuropäischen
Ländern veranlaßt, die Verwirklichung der von ihren Regierungen unterzeichneten und die Menschenrechte betreffenden Bestimmungen zu fordern.
Die amerikanische Regierung vertritt die Auffassung, daß allen Bestimmungen der Schlußakte gleiches Gewicht zukommt. Die Kongreßstudie dagegen
betont, daß der Westen "Korb 3" als den wichtigsten betrachte, auf den das
Schwergewicht der Arbeit gelegt werden sollte. Das amerikanische Außenministerium und gleicherweise auch zahlreiche private Organisationen in den
Vereinigten Staaten haben ein starkes Interesse an der Verwirklichung aller
Bestimmungen der Schlußakte bekundet, zumal die Vereinbarungen bereits vor
zwei Jahren unterzeichnet worden sind. Besonders aktiv hat sich hier die
Kommission des US-Kongresses für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ge
zeigt. Als unabhängige Kommission vom amerikanischen Kongreß ins Leben gerufen und allgemein unter dem Namen Helsinki-Kommission bekannt, setzt sie
sich aus Angehörigen des Kongresses sowie der Exekutive zusammen und hat
den Auftrag, den Fortschritt bei der Verwirklichung der Bestimmungen der
Schlußakte zu überprüfen und zu fördern. Die Kommission hat bereits eine
- 4 -

�eine Reihe öffentlicher Anhörungen durchgeführt, verschiedene Berichte
veröffentlicht und eine spezielle Studienmission nach Westeuropa entsandt,,
Die amerikanische Regierung hat in diesem Zusammenhang wiederholt die Auffassung der USA unterstrichen, daß die Achtung der Menschenrechte nicht vor
nationalen Grenzen halt machen darf und die Besorgnisse des Westens, soweit
sie Osteuropa betreffen, durch Helsinki legitimiert sind
Präsident Carter hat im März in seiner Ansprache vor den Vereinten
Nationen angekündigt, daß er den Kongreß um Zustimmung zu der Konvention
über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie der Konvention
über bürgerliche und politische Rechte ersuchen werde
Im April erklärte
der amerikanische Präsident vor der Organisation der Amerikanischen Staaten
(OAS), daß er den US-Senat um Ratifizierung der Menschenrechtskonvention ersuchen wolle., Und auf der NATO-Ministerratstagung im Mai sagte Präsident
Carter in London: "Amerikas Sorge um die Menschenrechte spiegelt nicht den
Wunsch wider, unsere speziellen politischen oder sozialen Verhältnisse irgendeinem anderen Land aufzuzwingen. In ihr kommen vielmehr die zutiefst
empfundenen Werte des amerikanischen Volkes zum Ausdruck Oo„ Wir werden
weiterhin unserer Oberzeugung Ausdruck verleihen - nicht nur, weil wir uns
selbst treu bleiben müssen, sondern auch weil wir überzeugt sind, daß der
Aufbau einer besseren Welt darauf beruht, daß jede Nation die Werte klar
zum Ausdruck bringt, die ihrem Leben als Nation Sinn und Bedeutung geben."
Die offen bekundete Sorge der USA um die Menschenrechtsbestimmungen
der Vereinbarungen von Helsinki hat zu der Kritik der kommunistischen Signatarstaaten geführt, daß die anderen beiden "Körbe" ignoriert würden„ Doch
der Vorsitzende der Helsinki-Kommission, der Abgeordnete Dante Fascell, hat
in einem kürzlichen Interview darauf hingewiesen, daß Berichte über das
Schicksal von Menschen in den Medien stets großen Widerhall finden. So
sei beispielsweise die Verurteilung eines Menschen, nur weil er für sich
das Recht in Anspruch nehme, ein Land zu verlassen oder seine Familie zu
besuchen, für die Weltpresse weit interessanter als trockene Statistiken
über den Handel zwischen den Ländern. Der beste Weg, damit "Korb 3" nicht
- 5 -

�nicht mehr Mittelpunkt des Interesses der Weltpresse bilde, sei, die Unterdrückung der Menschenrechte einzustellen.

Gleichzeitig verwies Fascell

darauf, daß seine Kommission öffentliche Anhörungen zu allen drei "Körben"
durchgeführt hat.

So haben beispielsweise der frühere Handelsminister

Elliot Richardson, der Präsident von Radio Free Liberty und Radio Free
Europe, Sig Mickelson, und der Direktor des US-Informationsamtes, John E.
Reinhardt, und der stellvertretende Unterstaatssekretär für Europa im USAußenministerium, John Armitage, aber auch der jetzt in den USA lebende
sowjetische Vorkämpfer für die Menschenrechte, Wladimir Bukowski, und zahlreiche andere vor der Kommission ausgesagt.
Das große Interesse, das die amerikanische Öffentlichkeit der HelsinkiKonferenz entgegenbringt, wird allein schon durch die Tatsache dokumentiert,
daß das US-Außenministerium Zehntausende von Kopien der KSZE-Schlußakte verteilen ließ, um allen Anfragen nachzukommen.

Und das amerikanische Handels-

ministerium veröffentlichte einen Leitfaden für die US-Wirtschaft, der sich
eingehend mit den Auswirkungen der Vereinbarungen von Helsinki für Wirtschaft und Handel befaßt.
Wohl am treffendsten hat Botschafter Sherer die Bedeutung der bevorstehenden Gespräche charakterisiert, als er sagte, "über die in Helsinki
getroffenen Vereinbarungen werden die führenden Staatsmänner der Welt in
den kommenden Jahren wohl auf jeder internationalen Konferenz zu sprechen
haben." Sherer, der bereits in Helsinki mit am Verhandlungstisch saß und
die USA in Belgrad wieder vertritt, fügte hinzu: "Jeder ist an der Erhaltung des Friedens interessiert, und Helsinki ist ein guter Weg, damit zu beginnen."

+ + + + +

- 6 -

�14. Juni 1977

16

NUKLEARE EXPORTPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
EnergiebedUrfnisse und Gefahr der Atomwaffen-Proliferation
müssen gegeneinander abgewogen werden
Von Dr. Joseph S. Nye Jr.
Stellvertretender Staatssekretär für Sicherheitshilfe im
US-Außenmi ni steri um

Dr. Nye ist Vorsitzender einer regierungsamtlichen Studiengruppe, die im Auftrag
Präsident Carters die amerikanische Politik hinsichtlich der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und des Nuklearexports
untersucht. Die folgende Analyse der Fragen und Probleme, die sich im Zusammenhang mit dem Versuch ergeben, berechtigte
Bedürfnisse an neuen Energiequellen gegen
die Gefahren einer Ausweitung des Atomwaffenpotentials abzuwägen, basiert auf
der Stellungnahme Dr. Nyes vor dem amerikanischen Senatsausschuß für Regierungsangelegenheiten.
- (AD) - Präsident Carter hat deutlich gemacht, daß das Problem der nuklearen Proliferation eine der kritischsten und vielschichtigsten Fragen ist,

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�ist, der wir uns gegenübersehen.

Und so wies er die von mir geleitete inter-

ministerielle Gruppe an, eine äußerst umfassende Überprüfung unserer Politik
hinsichtlich der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und des Nuklearexports vorzunehmen.

Als wir diese Überprüfung begannen, erkannten wir zwei

elementare Ziele - daß nämlich Atomkraft verfügbar sein sollte, um berechtigte Ansprüche auf Deckung des Energiebedarfs zu erfüllen, dies aber in
einer Weise geschehen müsse, die eine Ausweitung der Fähigkeiten zur Produktion nuklearer Sprengsätze vermeidet.

Die Ausweitung dieser Fähigkeiten auf

eine wachsende Zahl von Ländern kostete, was unsere gesamte Außenpolitik und
die Ziele unserer nationalen Sicherheit anbelangt, einen übermäßig hohen
Preis.

Sie würde das Risiko verstärken, daß Kernwaffen erneut in einem Krieg

eingesetzt werden.

Sie würde unsere Fähigkeit vermindern, internationale

Krisen unter Kontrolle zu bekommen, unser Volk neuen Gefahren aussetzen und
sich äußerst schädlich auf unsere Bündnisse auswirken.

In Anbetracht einer optimalen Strategie der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen muß man zwei wichtige Elemente des Problems erkennen: Die Beweggründe einer Nation, in den Besitz von nuklearen Sprengsätzen zu kommen oder
sich darum nicht zu bemühen, und ihr diesbezügliches technisches Potential.
Beide Elemente sind von einschneidender Bedeutung. Und wir müssen sorgfältig
darauf achten, nicht eine Politik einzuschlagen, die sich nur mit dem einen
Element des Problems befaßt und ernste nachteilige Wirkungen auf das andere
Element hätte.
Was die Motivation angeht, so sollten wir mit unserer Politik Anreize
zur Erlangung eines nuklearen Waffenpotentials mindern. Beispielsweise reduzieren die Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem NATO-Bündnis und unserem bilateralen Sicherheitsabkommen mit
Japan die Anreize für die beteiligten Staaten, sich um eigene Kernwaffen zu
bemühen, obgleich bei ihnen die technischen Voraussetzungen für eine Atomrüstung gegeben sind. In der Tat meine ich, um nicht das Augenfällige zu
übersehen, daß die Sicherheitsgarantien, die unsere Bündnisbeziehungen beinhalten, zu den wichtigsten Instrumenten unserer Politik der Non-Prolifera- 2 -

�Non-Proliferation zählen. Ähnlich schafft der Atomwaffen-Sperrvertrag
(NPT) einen wichtigen Rahmen für die Beeinflussung von Motivationen. Allgemein gesehen verkörpert der Atomwaffen-Sperrvertrag einen internationalen Kodex, unter dem Staaten darin übereinstimmen, daß ihren Sicherheitsinteressen besser gedient sei,wenn die weitere Verbreitung der Fähigkeit
zur Kernwaffenproduktion vermieden wird. Konkret ausgedrückt gibt der Vertrag die Beruhigung, daß potentielle Gegner ihre nuklearen Aktivitäten auf
friedliche Ziele beschränken und daß im Fall einer Abzweigung für militärische Zwecke das mit dem Vertrag geschaffene Sicherheitssystem rechtzeitig warnen würde. Dies vermindert auch eine Motivation der Mitgliedstaaten des Atomwaffen-Sperrvertrags, sich für eigene Nuklearsprengkörper
zu entscheiden,, Aus diesem Grund - und weil es sich hier um einen unerläßlichen Rahmen für wirksame Anstrengungen um die Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen handelt -, streben wir auch weiterhin das Festhalten am
Atomwaffen-Sperrvertrag auf breitestmöglicher Basis an.
Der Atomwaffen-Sperrvertrag ist eine ausgeklügelte internationale
Übereinkunft, in der die Staaten einen ausdrücklich unterschiedlichen
Status auf militärischem Gebiet akzeptiert haben. Aber es ist eine zwingende Notwendigkeit, daß wir in unserer Nuklearpolitik hinsichtlich der
nuklearen Zusammenarbeit auf dem nichtmilitärischen Sektor keinerlei Unterschiede zwischen den zum Atomwaffen-Sperrvertrag stehenden Staaten machen.
Der Wesensgehalt des Vertrages ist ein Kompromiß, bei dem auf militärischem
Gebiet Diskriminierung - zwischen Atommächten und Mächten ohne eigene Atomwaffen - akzeptiert wird als Gegenleistung für den Nutzen, den man aus der
zivilen Kerntechnik zieht. Würden die Atommächte auch auf dem zivilen Sektor
Unterschiede machen, so zerstörten sie das eigentliche Gerüst des Atomwaffensperrvertrags und damit eine der wichtigsten Institutionen gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen.
Alles in allem müssen wir also ungemein hellhörig für die politischen
und militärischen Motivationen sein, die Länder veranlassen, sich nukleare
Sprengkörper zuzulegen.

Dies wird eine Absicherung der Glaubwürdigkeit be^
- 3 -

�bestehender Sicherheitsgarantien erforderlich machen, aber ebenso Fortschritte in der Erlangung sinnvoller und verifizierbarer Rüstungskontroi 1Vereinbarungen, welche die Stärke nuklearer Streitkräfte verringern und
Atomtests begrenzen oder verbieten, und nicht zuletzt eine Abwertung des
Prestiges, das dem Besitz von Kernwaffen anhaftet.
Das andere Element 'des Proliferationsproblems - die technische Fähigkeit - konfrontiert uns mit einem ganz anderen Komplex von Aufgaben sehr
viel größerer Aktualität.

Denn wenn Motivationen mit der Fähigkeit, nuk-

leare Sprengkörper zu produzieren, zusammenfallen, ist eine weitere Proliferation nahezu unausweichlich.

In dem Maße, in dem sich das nukleare Po-

tential ausweitet, insbesondere in bezug auf die sensitiven Anlagen zur Anreicherung und Wiederaufarbeitung, mit denen waffenfähiges Material produziert werden kann, wächst auch die Zahl der Staaten an der NuklearwaffenSchwelle.

In gewissem Sinne haben wir es hier mit einem unbeabsichtigten

Fortschritt auf dem Wege zur Bombe zu tun.

Wenn dann aber ein Staat plötz-

lich seine Motivation ändert - beispielsweise infolge eines Regierungswechsels oder einer überraschenden Aktion eines Nachbarstaates -, kann er sich
sehr schenll zu einer Atommacht entwickeln.

Deshalb müssen wir die nur na-

tionaler Kontrolle unterstehende weitere Verbreitung von Anlagen und Materialien, mit denen schnell oder auf einfache Weise eine Umstellung auf
die militärische Produktion möglich ist, zu verhindern suchen und gleichzeitig unseren Verpflichtungen aus dem Atomwaffen-Sperrvertrag nachkommen.
Wir brauchen eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen des AtomwaffenSperrvertrags und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), um
zu gewährleisten, daß wir im Fall einer absichtlichen Abzweigung (für militärische Zwecke) der diplomatischen Aktivität so viel Zeit wie nur irgend
möglich verschaffen und helfen, einen solchen Mißbrauch zu entmutigen.
In der Vergangenheit, insbesondere vor 1974, konzentrierter» wir unsere
Anstrengungen im Sinne einer Non-Proliferation auf die Verstärkung des internationalen Kontroll Systems, um sicherzustellen, daß zivile Nuklearlieferungen
ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet werden.
- 4 -

Dazu gehörte auch

�auch die Verschärfung des IAEA-Sicherheitssystems und die Verbesserung technischer Sicherungsmaßnahmen gegen die unberechtigte Verwendung nuklearer
Materialien und Einrichtungen.

Seit 1974 wissen wir, daß Sicherungsmaßnah-

men, wie wichtig sie auch sind, nicht immer ausreichen.

Deshalb schlugen

wir eine Politik ein, die die Lieferländer ermutigt, hinsichtlich der Weitergabe sensitiver Anlagen und Technologien, insbesondere solcher zur Anreicherung und Wiederaufarbeitung, Zurückhaltung zu üben, um die Ausbreitung von
waffenfähigem Material und der Anlagen, mit denen es produziert wird, zu verzögern.

Wir glauben, daß diese zweite Verfahrensweise der Selbstbeschränkung

notwendig ist, während die internationale Gemeinschaft Wege zur Formung der
Zukunft der Nuklearenergie unter Minderung der Risiken einer Proliferation
entwickelt.
Beide Wege - Sicherungen und Zurückhaltung - sind für unsere Anstrengungen noch immer von größter Bedeutung, jedoch sind jedem von Natur aus
Grenzen gesetzt. So könnte sich beispielsweise eine nur auf Sicherungsmaßnahmen gestützte Politik bei Wiederaufarbeitungsanlagen als unzureichend
erweisen. Die zentrale Idee der Sicherungsmaßnahmen ist eine angemessene
Warnung vor Abzweigungen, die für diplomatische Aktivitäten zur Lösung des
Problems genügend Zeit läßt. Aber gerade die Natur der PUREX-Aufarbeitungstechnologie bedeutet, daß die Funktion der Sicherungsmaßnahmen mit rechtzeitiger Warnung nahezu ausgelöscht würde. Selbst wenn die denkbar wirksamsten
Sicherungsmaßnahmen von Engeln durchgeführt würden, gäbe es am Ende des Prozesses einen Vorrat an reinem Plutonium. Die Gefahren sind unverkennbar,
wenn man die Möglichkeit in Erwägung zieht, daß eine Nation, die sensitive
Anlagen besitzt, sich plötzlich nicht mehr an eine Sicherungsvereinbarung
hielte. Innerhalb weniger Wochen könnte sie einen Sprengsatz herstellen
- das ist eine zu kurze Zeit für die Diplomatie, wirksam tätig zu werden.
Andererseits ist es wichtig, die Grenzen einer Politik des Nicht-Zulassens
zu erkennen. Ein Programm, das in erster Linie aus Verweigerungen besteht,
würde nicht nur ernste politische Verärgerungen hervorrufen, sondern es würde
auch eine Nation, die sich nukleare Sprengkörper zulegen möchte und die Fähigkeit mit eigenen Mitteln zu entwickeln gedenkt, nicht zwangsläufig davon

- 5 -

�davon abhalten können, dies zu tun.
Deshalb glauben wir, daß ein drittes Schlüsselelement für eine erfolgreiche, langfristige Atompolitik notwendig ist - ein Element, das auf dem
Prinzip der Anreize basiert, die in bilateralen und multilateralen Abkommen
gegeben sind.

Diese Anreize würden am Beginn des Kernbrennstoff-Zyklus unsere

Fähigkeit einschließen, die garantierte Versorgung mit nicht-sensitiven Kernbrennstoffen zeitgerecht, ausreichend, zuverlässig und wirtschaftlich durchzuführen, und am Ende des Brennstoffzyklus ausreichende Möglichkeiten für
die Lagerung verbrauchter Brennelemente und radioaktiver Abfälle zu gewährleisten.
Was die Frage garantierter BrennstoffVersorgung anbelangt, so muß unseres Erachtens ein erfolgreiches Programm den Zugang zu ausreichenden
Lieferungen von Natururan und Anreicherungsdiensten zu vernünftigen Preisen
sicherstellen.

In diesem Zusammenhang werden wir, wie Präsident Carter am

7. April ankündigte, in den Vereinigten Staaten die Produktionskapazität
für angereichertes Uran vergrößern.

Ein weiteres wichtiges Merkmal eines

solchen Programms wären parallel laufende Maßnahmen bei den nuklearen Exportländern, um zu verhindern, daß ein Reaktor-Exporteur kommerzielle Nachteile hinnehmen muß.

Und schließlich müssen wir sicherstellen können, daß

Exportlizenzen an jene Nationen, die sich bereitwillig an unsere Exportbedingungen halten, prompt und zuverlässig erteilt werden.
Die Analyse der Elemente eines attraktiven Garantieprogramms für die
Brennstoffversorgung brachte uns zu dem Schluß, daß eine streng bilaterale
Behandlung dieser Angelegenheit nicht ausreichen würde.

Deshalb glauben

wir, daß wir eine nach drei Seiten gesicherte Verfahrensweise auf der Basis
folgender Komponenten sondieren sollten:
- Bilaterale Verpflichtungen zur BrennstoffVersorgung, die als Unterbau für internationale Zusammenarbeit dienen müssen.

Jedoch sollten wich-

tige Brennstoffexporteure eine gleichlaufende Politik verfolgen, damit eine
- 6 -

�eine Handelskonkurrenz vermieden wird, die den gemeinsamen Interessen der
Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen schaden könnte.
- Multilaterale Maßnahmen, die darauf abgestellt sind, Garantien an
die Verbraucher zu bekräftigen, indem Brennstofflieferanten sowohl die
Lieferverträge wechselseitig stützen, als auch jenen Reaktorexporteuren den
Zugang zur Kernbrennstoffversorgung sicherstellen, die nicht über eine eigene
Brennstoffproduktion und eigene Rohstoffvorkommen verfügen.
- Internationale Maßnahmen wie etwa die Einrichtung einer "Internationalen Brennstoffbank" nach dem Modus der Internationalen Kernbrennstoffbehörde, wie sie in den dem US-Senat jetzt vorliegenden Gesetzesvorschlägen
vorgesehen ist. Sie könnte als Zusatzreserve für die anderen Lieferabmachungen dienen.
Wir sondieren alle diese Wege.
uns mit anderen Nationen beraten.

Wir werden sie weiter untersuchen und
Der wichtige Punkt ist jedoch, daß ein

wirksames und glaubwürdiges Brennstoff-Garantiesystem auf internationaler
Basis drei Merkmale aufweisen muß: Es muß danach trachten, jegliche Anreize
auszuschalten, die für die Einrichtung geschlossener Brennstoffzyklen bestehen.

Es darf Verbraucher nicht diskriminieren, die ihre NPT-Verpflich-

tungen erfüllen.

Und es darf nicht die Abhängigkeit der Importländer von

möglichen Willküraktionen der Exportländer erhöhen.
Die mit der Endphase des Brennstoffzyklus zusammenhängenden Probleme,
vor allem die Notwendigkeit, geeignete Lagerstätten für verbrauchte Brennelemente und radioaktiven Abfall bereitzustellen, sind nicht weniger vordringlich. Wir sondieren gegenwärtig ein breites Spektrum möglicher Lösungen, die wie im Fall der Brennstoffversorgungsgarantien den Druck mildern
würden, eigene Kapazitäten zur Wiederaufbereitung zu schaffen. Zu den gegenwärtig untersuchten Vorschlägen zählt u.a. die Möglichkeit, Lagerkapazitäten
für eine Zwischenlagerung verbrauchter Kernbrennstoffe aus dem Ausland sowie
Vorkehrungen für die Deponie verbrauchter Brennelemente auf internationaler
- 7 -

�internationaler Basis zu schaffen, wozu auch die Einrichtung regionaler
Zentren gehören würde.
Ich habe bisher unsere Politik im Hinblick auf die gegenwärtige Generation nukleartechnischer Anlagen erörtert.

Wenn wir weiter in die Zukunft

und auf die Nukleartechnologie der nächsten Generation blicken, ist unsere
Politik zwangsläufig eher vorläufiger Natur»

Aber wir haben sie eingeleitet,

indem wir zunächst einmal einige Grundannahmen überprüfen, die in diesem
Lande und in anderen Ländern während der letzten 25 Jahre weitgehend von
der Atomindustrie vertreten worden sind.

Unsere Politik basierte bisher

auf der Annahme, daß die Wiederaufbereitung in Angriff genommen würde, wenn
es genügend Leichtwasserreaktoren gebe, die jene Großanlagen rechtfertigten,
welche für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig sind, und daß Plutonium
bis zur Einführung der SchneiIbrut-Reaktoren im Brennstoffzyklus der Leichtwasserreaktoren eingesetzt werde. Andere Länder, die nicht wie wir über
fossile Brennstoffe und Natururanvorkommen verfügen, sind sogar noch stärker
der Idee verhaftet, daß die Wiederaufbereitung notwendig sei, um auf weite
Sicht Risiken infolge des Vorhandenseins von Atommüll zu reduzieren, und daß
man frühzeitig Plutonium-Vorräte für die Verwendung in Brutreaktoren anlegen müsse, um auf dem Energiesektor unabhängig zu werden.
Heute wissen wir, daß diese früheren Annahmen nochmals überprüft werden
müssen. Jetzt werden zu Recht Fragen hinsichtlich der Auswirkungen des Vorhandenseins von Plutonium aus Abtrennungsprozessen auf die Weiterverbreitung
von Kernwaffen und hinsichtlich der Möglichkeit gestellt, daß Terrorist
Plutonium für die Waffenherstellung in ihren Besitz bringen könnten. Weitere
Bedenken werden wegen der gesundheitlichen Gefahren durch Plutonium geäußert.
Es gibt stichhaltige Gründe, die frühere Annahme in Frage zu stellen, daß
die Einführung von Plutonium in den Brennstoffkreislauf von Leichtwasserreaktoren wirtschaftlich vorteilhaft sei; vielmehr dürfte es sich dabei
günstigstenfalls um einen geringen Vorteil handeln. Ein solches Recycling
führt nicht zur Unabhängigkeit* und es gibt andere mögliche Wege, um die
Uranvorräte zu strecken. Auch existieren Anzeichen dafür, daß die Entsor- 8 -

�Entsorgungsprobleme durch die Wiederaufbereitung verschlimmert anstatt gemildert werden. Die Frage ist, ob wir auf dem Plutonium-Weg schon zu weit
vorangeschritten sind oder ob noch Zeit dafür besteht, um die Dinge ein
zweites Mal zu prüfen. Wir sind der Meinung, daß wir tatsächlich Zeit haben, Alternativen für den Brennstoffzyklus zu untersuchen, welche die Proliferation und die Risiken für den technischen Schutz auf ein Mindestmaß
reduzieren. Dies war die Grundlage für die am 7. April bekanntgegebenen
Entscheidungen Präsident Carters, die Kommerzialisierung der Wiederaufarbeitung ganz auszusetzen und das amerikanische Brutreaktorprogramm umzugestalten. Ich sollte hier hervorheben, daß es nicht unsere Absicht ist, die
Uhr zurückzustellen oder irgendeiner Nation benötigte Energiequellen vorzuenthalten. Wir wollen vielmehr herausfinden, ob wir in der Lage sind, die
Zukunft der Kerntechnik so zu gestalten, daß sie unseren gesellschaftlichen
Zielen auf breiter Basis dient und wir gleichzeitig die Vorteile ihres
Energiepotentials wahrnehmen können.
Es gibt vieles, was die Vereinigten Staaten sofort tun könnten, um
die von mir erwähnten Voraussetzungen zu überprüfen. Längerfristig gesehen
müssen wir jedoch, wenn eine nochmalige Überprüfung des Plutonium-Brennstoffkreislaufs als wirtschaftliche Basis sinnvoll sein soll, andere Nationen in
das Wagnis einschalten. Dies ist das Ziel der Forderung Präsident Carters
nach einem internationalen Programm zum Studium von Kernbrennstoffzyklen.
Nach unserer Auffassung müßte diese Analyse sowohl die Reaktoren der gegenwärtigen Generation, einschließlich der Wege zur Gewährleistung einer zuverlässigen Brennstoffversorgung und zur Lösung der Entsorgungsprobleme, als
auch die Reaktoren der künftigen Generation und deren Brennstoffzyklen umfassen, wobei Zyklen mit nicht-sensitiven Kernbrennstoffen sowie institutionellen Maßnahmen zur Reduzierung der Risiken für eine Weiterverbreitung von
Atomwaffen besondere Aufmerksamkeit zu widmen wäre.
Spezielle technische Elemente dieses Vorschlags für multinationale Bemühungen wären Untersuchungen zur Verfügbarkeit von Uran und von Anreicherungskapazität, institutionelle Vorkehrungen in bezug auf garantierte Brenn- 9 -

�BrennstoffVersorgung, die Lagerung verbrauchter Brennelemente, einschließlich des Studiums der Technologie für langfristige Lagerung entweder mit
der Möglichkeit der Wiederaufbereitung oder der Endlagerung samt der Einrichtung internationaler oder multinationaler Lagerstätten, die Kapazitäten
für kürzerfristige Lagerung, ferner Verfahren zur besseren Nutzung des Urans
in den Brennelementen von Leichtwasserreaktoren, und Entwicklungslinien bei
fortgeschrittenen "konventionellen" Reaktortypen sowie bei Brutreaktoren einschließlich solcher Brüter, die nicht auf der Basis des Plutoniumzyklus arbeiten.
Ein weiterer Aspekt unserer Non-Proliferationspolitik auf weitere Sicht
betrifft nichtnukleare Technologien. Wir sind uns darüber im klaren, daß
Zusammenarbeit und Unterstützung in der Entwicklung nichtnuklearer Energiequellen, einschließlich der zugehörigen Technologien, ein wichtiges Element
in jeder Strategie gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen bildet» Deshalb sondieren wir, wie eine solche Kooperation am besten durchzuführen sei,
wobei wir die Notwendigkeit nicht aus den Augen verlieren, unsere Ziele der
Nichtweiterverbreitung mit den allgemeinen Wirtschafts- und Entwicklungszielen
jener Länder, denen wir Unterstützung leisten könnten, in Übereinstimmung zu
bringen.
Auch wird untersucht, welche Rolle die nichtnukleare Energietechnologie
möglicherweise dabei spielen könnte, die nukleare Technologie zu verzögern,
in ihrem Ausmaß zu verändern oder zu ersetzen. Wir sind besonders an jenen
Technologien interessiert, die im wesentlichen regenerierbare Energiequellen
erschließen.
Die Auswirkungen alternativer Technologien hängen letzten Endes von der
Lage jedes einzelnen Landes ab. Aber man kann kaum bezweifeln, daß eine beschleunigte Entwicklung und Nutzbarmachung nichtnuklearer Energietechnologien
die künftigen Anteile der Energiequellen an der GesamtenergieproduRtäon und
somit auch die Proliferationsrisiken in Ländern beeinflussen könnte, die zum
gegenwärtigen Zeitpunkt keine festen Verpflichtungen in bezug auf große Nuk- 10 -

�Nuklearprogramme haben.
Ich möchte kurz die neuen politischen Entscheidungen erläutern, die
Präsident Carter am 27. April verkündete.

Demnach wäre es erforderlich,

daß vor Erteilung einer Exportlizenz für nukleares Material oder nukleare
Anlagen die Nukleare Aufsichtskommission (NCC) von der Exekutive über deren
Meinung unterrichtet werden muß, daß die Erteilung der Exportgenehmigung
der gemeinsamen Verteidigung und der Sicherheit der Vereinigten Staaten
nicht schadet.

Bei ihrer Urteilsfindung wird die Exekutive folgende Richt-

linien beachten:
- wir werden auch künftig den Export von Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungsanlagen aus den Vereinigten Staaten nicht zulassen;
- wir werden vermeiden, neue Verpflichtungen zur Ausfuhr größerer Mengen
von Plutonium mit Ausnahme von Mengen in der Größenordnung einiger Gramm für
Forschung und analytische Zwecke einzugehen;
- wir werden keine neuen Verpflichtungen für den Export größerer Mengen
von stark angereichertem Uran eingehen - ausgenommen solche Fälle, wo es sich
um ein besonders verheißungsvolles Projekt handelt und klar erwiesen ist,
daß von der Verwendung von niedrig angereichertem Brennstoff oder eines anderen, für die Waffenproduktion kaum brauchbaren Materials technisch nichts
erwartet werden kann;
- wir werden die Lieferung von hoch angereichertem Uran in Mengen von
mehr als 15 kg nur dann genehmigen, wenn der Präsident persönlich der Ausfuhr zugestimmt hat;
- wir werden uns bemühen, Projekte und Anlagen ausfindig zu machen,
die auf die Verwendung von niedrig angereichertem Uran anstelle hoch angereichertem Urans umgestellt werden können;
- wir
- 11 -

�- wir werden Schritte unternehmen, um die Vorräte an waffenfähigem
Uran im Ausland zu verringern.
Diese Maßnahmen bedeuten eine beachtliche Verschärfung der nuklearen
Exportpolitik der Vereinigten Staaten.
Schließlich möchte ich betonen, daß wir nicht in einer Welt leben,
in der die USA allein die Politik anderer Nationen diktieren können.

Es

liegt einfach nicht in unserer Macht, die Einhaltung einschneidender neuer
Bestimmungen zu erzwingen - und wenn wir darauf bestünden, könnte dies von
vielen unserer Nuklearpartner als Bruch unserer Lieferverpflichtungen angesehen werden.

Sie könnten sich entschließen, eigene Anlagen zu entwickeln.

So heißt es im Bericht über nukleare Proliferation und Sicherheitsmaßnahmen
des Amtes für Technologie-Bewertung u.a.: "Lösungen für das Proliferationsproblem

werden vornehmlich, wenn nicht sogar ausschließlich durch multila-

terale Aktionen gefunden werden müssen ... Das Ausmaß des Einflusses der
USA wird von Land zu Land variieren."

Oder wie Paul Warnke, der amerika-

nische Verhandlungsführer in Fragen der Rüstungskontrolle, Ihnen bereits
zum gleichen Punkt so treffend sagte, ist die wirksamste Non-Proliferationspolitik nicht unbedingt jene Politik, die die härtesten Restriktionen aufzubürden scheint.

+ + + + +

- 12 -

�UJi//cn/choft
imd Technik

I

United States Information Service

14. Juni 1977

16

HORMON AUS DER BAKTERIENFABRIK
Vermehrungsfähiges Ratten-Gen für Insulinproduktion
auf Bakterien übertragen

- (AD) - Einen Durchbruch in der molekular-genetischen Forschung melden Wissenschaftler der Universität Kalifornien aus San Francisco:

Wie Dr.

William J. Rutter vom Department für Biochemie und Biophysik berichtet, ist
es gelungen, eine Kopie des für die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse der Ratte "zuständigen" Gens in Bakterien vom Typ Escherichia Coli
(E. Coli) einzubringen, wo es sich weiter vermehrte.

Als nächstes werde

man versuchen, jene Teile des genetischen Materials bzw. jene Abschnitte
aus dem tierischen DNS-Molekül zu übertragen, die bei der Ratte die InsulinProduktion in Gang setzen und stoppen.

Der Forscher schätzt, daß dieses Ziel

in etwa zwei Jahren zu erreichen sei. Als letzter

und wichtigster Schritt

könne in etwa fünf Jahren die Einbringung von menschlichen Insulin-Genen in
geeignete Bakterienkulturen folgen, was die "Massenproduktion" von menschlichem Insulin für die Diabetes-Behandlung ermögliche.
Gene

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Gene als die Grundeinheiten für die Vererbung bestimmter Merkmale enthalten genaue chemische Anweisungen für die Produktion von Substanzen wie
etwa des Hormons Insulin aus Aminosäuren.

Jeder Eiweißkörper und jedes

Hormon, die der Körper aufbaut, werden hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrer Produktion und ihres Einsatzes von besonderen Instruktionen aus dem zugehörigen Gen gesteuert.

Jedes Gen, das Teil des gene-

tischen "Schlüsselmoleküls" DNS (Desoxyribonukleinsäure) im Zellkern ist,
setzt sich seinerseits aus Aminosäuren in ganz bestimmter Aufeinanderfolge
zusammen.
Die Technik des Herauslösens einer solchen Sequenz aus der komplizierten
Helix-Struktur des DNS-Moleküls und ihre Kombination mit genetischem Material
ganz anderer, artfremder Organismen wurde in letzter Zeit außerordentlich verfeinert.

Solche Neukombinationen, die mit Hilfe bestimmter "Vehikel" wie

z.B. der einfacheren ringförmigen DNS-Moleküle aus dem Zellplasma (Plasmide)
und unter Verwendung von Enzymen erfolgen, machen nun den Weg frei für die
Übertragung spezieller genetischer Merkmale von einem Organismus auf einen
völlig andersgearteten Organismus.
Im Fall der Experimente Dr. Rutters und seiner Mitarbeiter mußte zunächst
das Gen ausfindig gemacht werden, das die Insulinproduktion steuert. Dies
allein ist schon ein überaus mühsamer und schwieriger Prozeß. Im Laufe der
Untersuchungen gelang es auch, einen Teil des Insulin-Gens zu analysieren,
dessen Aufbau bis dahin nicht bekannt war. Die erfolgreiche Fortsetzung dieser Art berechtigt zu der Hoffnung, daß eines Tages die eigentlichen Ursachen
der Diabetes-Erkrankungen erkannt werden. Sie werden durch einen Defekt des
Organismus ausgelöst, das Hormon Insulin, welches den Stoffwechsel von Zucker
und anderer Kohlenhydrate steuert, entweder selbst zu produzieren oder für die
Stoffwechselreaktionen richtig zu nutzen.
Gegenwärtig gewinnt man das zur Diabetes-Behandlung erforderliche Hormon
aus Rinder- und Schweine-Insulin. Viele Diabetiker sind jedoch allergisch
gegen tierisches Insulin, so daß sich bei ihnen oft schwerwiegende Nebenwir- 2 -

�Nebenwirkungen entwickeln.
Diabetes überall
größer.

Auch nimmt die Häufigkeit der Erkrankungen an

in der Welt zu - der Bedarf an Insulin wird also immer

Eine "Synthese" des Hormons in ausreichender Menge und in der dem

Menschen am besten zuträglichen Form würde einen großen Fortschritt bedeuten.
Das Umkopieren und die Reproduktion des Ratteninsulins innerhalb der DNSMoleküle von E.Coli-Bakterien können als erste Schritte zu diesem Ziel betrachtet werden.
bis 4000 Gene.

Die als "Synthesefabrik" benutzten Bakterien haben 3000
Beim Menschen geht diese Zahl in die Zehntausende.

Die Mitteilung der Universität Kalifornien kommt zu einem Zeitpunkt,
da in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern leidenschaftliche Diskussionen über die Gen-Chirurgie und die Experimente der Neukombination von
genetischem Material im Gange sind. Sowohl im US-Kongreß als auch in den
Parlamenten verschiedener amerikanischer Bundesstaaten und auf kommunaler
Ebene wird die Frage erörtert, ob diese Forschungen überhaupt durchgeführt
werden sollen und dürfen, und wenn ja, unter welchen Bedingungen und nach
welchen Richtlinien.
Die Frage wurde vor vier Jahren zum ersten Mal in der Öffentlichkeit
gestellt, als einige Wissenschaftler, die in der molekular-genetischen Forschung tätig waren, sich für die Einstellung der Arbeiten auf bestimmten Gebieten der DNS-Forschung einsetzten. Das Moratorium sollte vor allem für
Versuche gelten, bei denen Gene tierischer Tumorviren mit Bakterien-Genen,
die im menschlichen Körper existieren können, kombiniert werden sollten.
Man fürchtete, daß durch Rekombination veränderte Bakterien auf irgendwelchen
Wegen aus den Laboratorien hinausgelangen und Infektionen auslösen könnten,
deren Art und Ausmaß gar nicht abschätzbar sei.
Die Mehrzahl der Wissenschaftler, die sich mit diesem Gebiet der genetischen Forschung befassen, halten zwar Epidemien durch rekombinierte Organismen für wenig wahrscheinlich.

Jedoch war die Öffentlichkeit alarmiert,

aus der nun Stimmen laut wurden, die forderten, "der Natur nicht ins Handwerk zu pfuschen".. Das freiwillige Moratorium von 1973 führte zwei Jahre
später zu der internationalen Konferenz in Asilomar (Kalifornien), auf der
- 3 -

�der sich die Teilnehmer auf bestimmte Auflagen für die Durchführung der
wissenschaftlichen Experimente einigten.

Die Richtlinien und strengen

Sicherheitsmaßnahmen, die im Anschluß daran von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) für die Vereinigten Staaten ausgearbeitet und im Juni 1976 bekanntgegeben wurden, erscheinen jedoch vielen als
nicht ausreichend: Sie gelten z.B. nur für Experimente, die mit staatlicher
Förderung durchgeführt werden, jedoch nicht für Forschungen von privater
Seite.
In diesem Jahr begannen im US-Kongreß Anhörungen zu Gesetzesvorlagen,
die die gesamte DNS-Forschung in den Vereinigten Staaten regeln werden.

Je-

doch konnten sich Senat und Repräsentantenhaus noch nicht darüber einigen,
ob die Entscheidungen in Händen einer 11-köpfigen Fachkommission oder beim
Bundesminister für das Gesundheits-, Bildungs- und Fürsorgewesen liegen
sollten.

Manche Wissenschaftler warnen eindringlich vor übereilten Maß-

nahmen.

Sie fordern gründliche Überlegungen und die Untersuchung des ge-

samten Komplexes "Rekombination" unter allen nur erdenklichen Aspekten
- nicht nur unter Berücksichtigung von Gesichtspunkten, die beispielsweise
für die Medizin interessant sein könnten.

+ + + + +

- 4 -

�1

Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

16

14. Juni 1977

UNBEKANNTE PFLANZENROSTPILZE IDENTIFIZIERT

- (AD) - Dr. Joe F. Hennen, Botaniker von der Purdue-Universität
(Lafayette, Indiana), identifizierte bei Arbeiten in Brasilien mehr als 20
bisher unbekannte parasitäre Rostpilze, die u.a. die Kaffee-Ernte bedrohen.
Sie zählen zu den über 5 000 Arten solcher Parasiten, die es überall auf
der Erde gibt. Die meisten sind unschädlich für ihre Wirtspflanzen.
Befallen sie jedoch Kulturen, so besteht die Gefahr, daß die Produktion
der Kulturpflanzen aus dem Gleichgewicht gerät. Sie verlieren ihre
Blätter und sterben schließlich ab. Das Besprühen mit Chemikalien bringt
meist nur bis zu einem gewissen Grade Rostkrankheiten under Kontrolle.
Manchmal bleibt nichts anderes übrig, als den gesamten Pflanzenbestand des
Feldes zu vernichten.
Gewöhnlich zeigt sich die Krankheit in gelblichen und rötlichen
"Rostflecken" oder in einem schwärzlichen puderähnlichen Belag.

Der Rost

greift die Wirtspflanze an, indem der Parasit mit fadenähnlichen Fasern in
die Pflanzenzellen eindringt und ihnen Nährstoffe entzieht.

Es handelt sich

um überaus komplizierte Mikropilze, die in einem einzigen Zyklus vier oder
fünf verschiedenartige Sporen bilden und auf einer oder auch zwei bestimmten
Wirtspflanzen leben.
Dr. Hennen

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dr. Hennen stellt gegenwärtig mit seinem brasilianischen Kollegen
Dr. Mario Figueiredo vom "Instituto Biologico" in Sao Paulo ein "Handbuch
zur Identifizierung tropischer Rostparasiten" zusammen.

Die erforder-

lichen Geldmittel stellt die US-Behörde für internationale Entwicklung
(AID) zur Verfügung.

Wie Hennen jetzt der amerikanischen Nationalen

Wirtschaftsstiftung (NSF) berichtete, sei eine der neuentdeckten Rostarten
die erste, die mit Sicherheit auf Palmen identifiziert worden sei.
Einige andere sind Parasiten bestimmter,

in Brasilien heimischer Baum-

arten.
•

"Die Entdeckungen zeigen", so Dr. Henne, "wie wenig wir noch von
Rostparasiten in den Tropen wissen".

In Zusammenarbeit mit brasilianischen

landwirtschaftlichen Stationen sollen sowohl die Varianten der etwa 2500
Rostparasiten als auch ihre Wirtspflanzen, soweit sie bisher in diesem
Teil Südamerikas bekannt geworden sind, erfaßt und die komplexen Phasen
der Lebenszyklen dieser Mikroorganismen untersucht werden.

Dies ist

schon deshalb besonders wichtig, weil in Brasilien und in anderen tropischen Ländern derzeit große Dschungel gebiete für die Anlagen von
Pflanzenkulturen gerodet werden.
In Brasilien konzentriert sich das Interesse gegenwärtig auf die erst
seit ein paar Jahren beobachteten Rostkrankheiten von Kaffeepflanzen.
Obgleich in Afrika und Asien schon seit langem bekannt, wurden sie erst
Anfang der siebziger Jahre in Südamerika eingeschleppt - möglicherweise
mit importierten Pflanzen.
+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vance umreißt amerikanische Ziele auf der KSZE-Folgekonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;KSZE-Folgekonferenz zieht Bilanz über Fortschritt seit Helsinki&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Candis C. Agnone&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleare Exportpolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Energiebedürfnisse und Gefahr der Atomwaffen-Proliferation müssen gegeneinander abgewogen werden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. Joseph S. Nye Jr. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hormon aus der Bakterienfabrik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vermehrungsfähiges Ratten-Gen für Insulinproduktion auf Bakterien übertragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unbekannte Pflanzenrostpilze identifiziert</text>
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                    <text>nrormouon
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1982

23
INHALT

DOKUMENTATION
Interview mit dem amerikanischen Präsidenten am Vorabend seiner
Europareise
- Europäische Fernsehgesellschaften befragen Ronald Reagan Erklärung des US-Präsidenten vor seiner Abreise nach Europa
Erklärung von Präsident Reagan zum Abschluß des Wirtschaftsgipfels
in Versailles
Ronald Reagan betont Amerikas Bemühen um den Weltfrieden
- Ansprache des Präsidenten bei seinem Besuch im Vatikan Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und italienischen Regierung
zum Besuch des US-Präsidenten
Rede des US-Präsidenten vor dem Britischen Parlament
Ansprache Präsident Reagans vor demDeutschen Bundestag
Ansprache Präsident Reagans vor dem Charlottenburger Schloß in Berlin
Erklärung des Präsidenten beim Abflug in Bonn
Ankunftserklärung des Präsidenten in Washington

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Dokumentation

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

INTERVIEW MIT DEM AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN AM VORABEND
SEINER EUROPAREISE
Europäische Fernsehgesellschaften befragen Ronald Reagan -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview mit dem französischen, italienischen,
britischen und deutschen Fernsehen, das per Satellit nach Europa ausgestahlt
wurde, ging der amerikanische Präsident am 1. Juni 1982 in Washington auf Fragen der Journalisten ein, die sich auf seine Europareise und die damit zusammenhängenden Problempreise - wie Ost-West-Handel, amerikanische Zinssätze, Friedensbewegungen in Amerika und Europa, Gefahren eines wirtschaftlichen Protektionismus - bezogen.
Die wesentlichen Auszüge dieses Interviews haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Der Präsident meines Landes, Francois Mitterrand, möchte, zusammen mit anderen Führern Europas, eine bessere Harmonie zwischen dem Dollar,
dem japanischen Yen und den europäischen Währungen erreichen. Sehen Sie einen
möglichen Konpromiß in dieser Frage?
ANTWORT: Ich

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Telex: 08-85432

�ANTWORT:

Ich glaube, um einen stabilen Wechselkurs zu bekommen, ist

bei diesem Kompromiß vor allem wichtig, daß wir alle stabilere

Volkswirt-

schaften haben. Und ich hoffe, daß wir bei unseren Gesprächen Wege finden,
um die Probleme, vor denen wir alle im wirtschaftlichen Bereich stehen, auf
eine Weise anzugehen, daß wir alle noch mehr in dieselbe Richtung gehen.
Hier, in unserem eigenen Land, haben wir uns vor allem der Inflationsbekä'mpfung angenommen und haben dabei, wie ich meine, einen bemerkenswerten Erfolg erzielt, liegt die Inflation doch seit den letzten drei Monaten bei weniger als einem Prozent, für die letzten sechs Monate bei 2,8 Prozent.
Was Eingriffe des Staates in die Wechselkurse angeht, so wissen Sie,
daß wir dagegen sind. Wir hätten gern eine Untersuchung über solche Interventionen von staatlicher Seite in jüngster Zeit, um zu sehen, was sie bewirkt
haben.
Gleichzeitig werden wir jedoch Interventionen bei extremen Störungen
und Verzerrungen der Wechselkurse unterstützen. Oberstes Ziel bleibt, um es
zu wiederholen, das Erreichen stabiler Wechselkurse.
FRAGE: Herr Präsident, im vergangenen Jahr in Ottawa sagten Sie voraus,
daß die amerikanischen Zinssätze innerhalb von sechs Moanten herunterkommen
würden. Werden Sie in diesem Jahr in Versailles die gleiche Erklärung abgeben?
ANTWORT: Ich glaube, das könnte ich gefahrlos tun. Denn wenn zu jener
Zeit auch unser Wirtschaftsprogramm noch nicht endgültig verwirklicht war, so
haben wir doch zwischenzeitlich vom Kongreß fast alles bekommen, was wir angestrebt haben. Und die Zinsen sind ja zurückgegangen. Sie gingen um etwa 25
Prozent zurück - auch wenn dies noch immer nicht ausreichend ist.' Als diese
Administration ihr Amt antrat, übernahmen wir die höchsten Zinssätze, die es
seit über 100 Jahren in unserem Land gegeben hat. Sie gingen, wie ich sagte,
um etwa 25 Prozent herunter, aber mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde

�Arbeitslosigkeit wurde dafür viel zu viel bezahlt.

Ich hoffe, daß der Kongreß

beim neuen Haushalt noch entgegenkommender sein wird, als er dies vorige Woche
war; denn ich bin überzeugt: wenn wir noch einen Haushalt wie den vom vergangenen Jahr bekommen, der weitere Verminderungen bei dem Anstieg der Regierungsausgaben ausweist, dann werden wir auch vor Jahresende einen weiteren Rückgang
der Zinsen erleben.
FRAGE:

Herr Präsident, es gab noch keinen Wirtschaftsgipfel, der nicht

mit einer wohltönenden Deklaration gegen den Protektionismus endete, und wir
erwarten das auch diesmal - obgleich der Protektionismus weiter zu leben scheint.
Ich wüßte gern:

Besteht bei dieser Frage - wie bei anderen auch - ein so großer

Unterschied darin, ob Sie nach Versailles gehen oder nicht?
ANTWORT:

Dies wird in Versailles ein wichtiges Thema sein,und ich werde

sehr bemüht sein - wie die anderen sicher auch -, auf das Trügerische des
Protektionismus hinzuweisen. Was die Welt heute wirklich braucht, ist eine
stärkere Ausweitung des freien Handels, eine Beseitigung der Hindernisse für
diesen freien Handel. Und dies ist auch von größter Bedeutung für die Entwicklungsländer, die weniger entwickelten Staaten, mit denen wir alle über Hilfsmaßnahmen sprachen, als wir uns in Cancun trafen.
Sie sollen wissen, daß es einen offenen Markt für ihre Produkte gibt - ob
landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Fertigwaren. Und ich werde mich sehr
darum bemühen, die Botschaft zu verkünden, daß Protektionismus schließlich in
einer Behinderung des Handels endet und offener Handel mehr Arbeitsplätze für
alle unsere Völker bedeutet.
FRAGE: Der Ost-West-Handel, Herr Präsident, bringt für die europäischen
Volkswirtschaften große Chancen.
sollen.

Es ist traurig, daß sie diesen Handel zügeln

Vor allem wollen Sie die Verbündeten davon abbringen, der Sowjetunion

besonders billige Kredite für ihre Volkswirtschaften zur Verfügung zu stellen.
Könnten Sie dazu etwas sagen?
ANTWORT: Ja.

�ANTWORT: Ja.

Es geht nicht darum, eine dauernde Quarantäne für die

Sowjetunion oder etwas Ähnliches anzustreben.

Aber es gab bei uns Diskussionen

und verschiedene Maßnahmen aufgrund der Tatsache, daß wir gegen das sind,
was die Sowjetunion in Polen und in Afghanistan tut, und weil wir gegen ihre
militärische Rüstung sind, die einen Punkt erreicht hat, da sie über uns allen
wie eine Drohung hängt.
Die Sowjetunion hat natürlich auch ihre wirtschaftlichen Probleme.

Und

ich bin einfach der Überzeugung, daß jetzt nicht die Zeit ist, sie mit billigen
Krediten zu subventionieren, damit sie mit ihrer Aufrüstung fortfahren kann.
Es ist vielmehr die Zeit, sie anzusprechen und zu zeigen, daß es auch einen anderen Weg gibt.

Keines der Länder des Westens stellt eine Bedrohung der Sowjet-

union dar, keiner von uns hat den Wunsch, aggressiv zu sein. Aber vielleicht
könnten wir sie durch Verweigerung von Krediten und durch die Verweigerung,
ihre militärische Aufrüstung noch länger zu subventionieren, dazu bringen, doch
lieber ein Mitglied jener Staatenfamilie in Europa und in Asien zu werden, die
den Frieden will und weltweite Handelsbeziehungen.
Was ich daher vorschlage, ist keine Rückkehr zum Kalten Krieg als solchem,
sondern eine temporäre Periode der Zurückhaltung, während wir ihnen zeigen, was
wir zu bieten haben, wenn sie ihre expansionistische Politik und ihren so offenkundigen Militarismus aufgeben.
FRAGE: Sie konnten die europäischen Verbündeten nicht davon überzeugen,
auf den Bau der transsibirischen Erdgasleitung zu verzichten. Wie wollen Sie
die Verbündeten von diesem Programm überzeugen?
ANTWORT:

Die Gründe, die von unserem Verbündeten angeführt wurden

und

deretwegen wir nicht in der Lage waren, sie zu überzeugen, liefen darauf hinaus,
daß es sich um Verträge handelte, die in vielen Fällen bereits abgeschlossen
worden waren, bevor die jetzige Administration ihr Amt antrat.

Und daher fühl-

ten sie sich aufgrund der Verträge verpflichtet, sie auch einzuhalten.
Die Kredite sind eine andere Frage. Aber auch hier glaube ich nicht, daß

�nicht, daß es sinnvoll ist, auf unsere Seite in kostspielige Rüstungsprogramme hineingezwungen zu werden - nur um mit einer Bedrohung fertigzuwerden,
die von einer einzigen Stelle herkommt, nämlich der Sowjetunion, die in diesen letzten Jahren der Entspannung - in einem Zeitraum, der angeblich Entspannung sein sollte - das umfassendste Rüstungsprogramm der Menschheitsgeschichte
vorantrieb.

Vielleicht müssen wir das einfach klar machen.

FRAGE:

Herr Präsident,in welchem Maß haben die Friedensbewegungen in

Europa, in Japan und auch in den Vereinigten Staaten Ihre Entscheidung beeinflußt?

Wie bewerten Sie die Bedeutung dieser Bewegungen?

ANTWORT:

Sie zeigen den Wunsch sehr vieler Menschen nach Frieden und das

Bestreben, dem dunklen Schatten der nuklearen Vernichtung zu entrinnen.

Sie

haben mich eigentlich nicht beeinflußt, sondern sie folgen eigentlich dem,
der vorangeht:

Damals, als ich gegen den amtierenden Präsidenten kandidierte,

brachte ich bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich meine Absicht zum Ausdruck, daß

ich - falls ich gewählt würde - ein Programm des Rüstungsabbaus

anstreben würde, das sich von den Anstrengungen der vergangenen Jahre zur
Rüstungsbegrenzung unterscheiden und konkrete, meßbare Waffenverminderungen
bringen sollte.

Ich kann nur sagen, ich verstehe sie; auch wenn ich bei man-

chen ihrer Vorschläge anderer Meinung sein mag - wie etwa dem Vorschlag eines
Einfrierens auf derzeitigem Niveau.

Wir haben jetzt in Genf einen Vertrag auf

dem Tisch, den wir mit der Sowjetunion besprechen und der die nuklearen Mittelstreckensysteme gänzlich aus Europa wegschaffen würde.

Wir haben einen Zeit-

punkt, den 29. Juni, für den Beginn der Verhandlungen mit der Sowjetunion genannt - und sie hat zugestimmt -, um über eine Verminderung der strategischen
Waffen zu sprechen.

Und natürlich sprechen wir schon seit einiger Zeit in

Wien über eine Verminderung der konventionellen Waffen.
Ich bin also nur dort anderer Meinung, wo einige Vertreter dieser Friedensbewegungen lediglich ein Einfrieren auf derzeitigem Niveau fordern.

Es wäre

keine große Leistung, die Sowjetunion in eine Position der Überlegenheit über
den Rest von uns einzufrieren.
FRAGE:
- 5 -

Wieweit

�FRAGE:

Wieweit würde Amerika bei seiner Verpflichtung zur Verteidigung

Westberlins gehen - wenn es nötig ist, sogar vielleicht bis zu einem Krieg?
ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß die eigentliche Frage ist, wie weit

wir gehen würden.

Wir haben uns der Bewahrung der Freiheit in Westberlin ver-

schrieben, und diese Insel der Freiheit ist, wie ich meine, ein Symbol für
die ganze Welt hinsichtlich dessen, was auf dem Spiele steht und worum es
&gt;

zwischen Ost und West geht.
FRAGE:
ANTWORT:

Würden Sie auch einen begrenzten Krieg wegen Berlin riskieren?
Ich bin kürzlich in einige Schwierigkeiten geraten, als ich

die Frage eines Pressevertreters im Rahmen einer Konferenz beantwortete.

Er

stellte eine hypothetische Frage, und ich hätte nichts sagen sollen, statt
eine hypothetische Antwort zu geben, als er fragte, ob es meiner Meinung nach
so etwas wie einen begrenzten Atomkrieg geben könne.
ich diesen Fehler noch einmal begehen werde.

Ich glaube nicht, daß

Ich glaube nur, daß unser Ziel

der Friede sein muß, und alles was wir tun, ist auf eine Abschreckung vor
einem Krieg jeglicher Art gerichtet, und wenn wir keinen konventionellen Krieg
haben werden, dann brauchen wir uns auch niemals darüber Sorgen zu machen, in
welchem Umfang man einen Atomkrieg haben könnte.
FRAGE: Herr Präsident, sind Sie sich der Tatsache bewußt, daß Sie in
Berlin sozusagen ein heißer Empfang erwartet? Etwa 1000 verschiedene Organisationen bereiten sich auf einen Protest gegen Ihren Besuch vor. Was halten
Sie davon?
ANTWORT:

Ich möchte gerne wissen, was in den Köpfen dieser Leute vor sich

geht, und ob sie wirklich verstehen, was ich repräsentiere. Oder lassen sie
sich von irgendeiner Einbildung leiten, die für sie zusammengebraut worden ist,
indem sie glauben, ich stellte eine Gefahr für den Frieden dar?

Und sollte

das der Fall sein, so hoffe ich, daß Sie alle ihnen übermitteln werden, daß
ich seit vielen Jahren der erste bin, der die Sowjetunion davon überzeugt
hat, sich mit uns zu echten Rüstungsverminderungsgesprächen zusammenzusetzen,
und daß ich mich diesem Ziel verpflichtet habe.
FRAGE:
- 6 -

Andererseits

�FRAGE:

Andererseits sind Sie sicher, daß ein großer Prozentsatz der

Deutschen Ihrem Besuch erwartungsvoll entgegensieht - es findet ja gerade eine
Umfrage statt -

und sich über Ihren Besuch freut. Herr Präsident, je mehr

dieser Europa-Besuch näherrückt, desto versöhnlicher - so hat es den Anschein ist ihre Einstellung zu jenen Punkten, die für das Bündnis von entscheidender
Bedeutung sind.
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht - ich will eher sagen, daß man jetzt,

wo diese Reise bevorsteht, dem, was ich gesagt habe, größere Aufmerksamkeit
schenkt.

Aber ich sage nichts, was sich von dem unterscheidet, was ich wäh-

rend des Wahlkampfes erklärt habe.

Ich weiß, daß einige meiner früheren Er-

klärungen auf einer Pressekonferenz hinsichtlich der Sowjetunion falsch ausgelegt worden sind - sie sind so wiedergegeben worden, als ob ich die Sowjetunion
aller möglichen Dinge beschuldigte.

Praktisch habe ich in Beantwortung einer

Frage nur zitiert, was die Sowjets selbst über sich und ihr Recht gesagt haben, Moral oder Unmoral so zu praktizieren, daß es ihrer Sache dienlich ist.
Ich habe sie nur zitiert, keine Beschuldigungen erhoben.

Deshalb nehme ich

von dem, was ich gesagt habe, nichts zurück.
ABer ich möchte noch einmal sagen, daß meiner Meinung nach die Antwort
die Verminderung der Rüstungen ist, und auch, daß wir nicht so naiv sind, oder
so tun, als ob wir eine Entspannung haben könnten, während die Sowjets mit
ihren Expansionsprogrammen und all dem anderen weiter machen.

Nein.

Wir bemühen uns, sie davon zu überzeugen, daß sie durch Taten ihre Behauptung beweisen, daß auch sie den Frieden wollen.
FRAGE:

Da ich nun einmal die Gelegenheit habe, möchte ich, Herr Präsident,

eine sehr einfache Frage stellen.

Bevor Sie morgen abreisen - was werden Sie

den jungen Europäern erklären, und welches Bild von sich möchten Sie Europa
während ihrer Reise vermitteln?
ANTWORT:

Als jemand, der sehr stark an das Bündnis glaubt, das den Frieden

für fast 40 Jahre bewahrt hat, trotz aller Kritik, die selbst von Mitgliedern
- 7 -

�von Mitgliedern zuweilen gegen das Bündnis vorgebracht worden sind. Ich
glaube an das Bündnis. Ich glaube, daß unser Schicksal mit dem Europas verknüpft ist. Wir sind kein Außenseiter, der versucht, anderen behilflich zu
sein. Das Bündnis ist für uns genau so wichtig, wie für die Länder Europas,
ich glaube auch, daß wir bessere Handelsbeziehungen, freiere Handelsbeziehungen
haben können, daß unsere Wirtschaftsprobleme in all unseren Ländern ähnlich
sind und daß die Antwort sein muß: eine Reduzierung und Beseitigung der Inflation, ein freierer Handel, der all jenen Menschen in unseren Ländern, die
zur Zeit keine Arbeit finden können, einen Arbeitsplatz verschafft. Wenn man
mir glaubt, daß ich all diese Dinge ehrlich wünsche und aufrichtig darum bemüht bin, dann wird mir das genügen.

+ + + + +

�Dok

ation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

ERKLÄRUNG DES US-PRÄSIDENTEN VOR SEINER ABREISE NACH EUROPA

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung vor
seiner Abreise nach Europa am 2. Juni 1982 die Hoffnung zum Ausdruck gebracht,
daß der Wirtschaftsgipfel in Versailles, seine Besuche in London, Rom, Bonn
und Berlin sowie der NATO-Gipfel in Bonn eine "Neugeburt der Einheit und Zielstrebigkeit" des westlichen Bündnisses bringen werde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte kurz etwas dazu sagen, was ich zu erreichen hoffe.
Eine der höchsten Pflichten, die, wie ich meine, mit diesem Amt verbunden sind, ist, für Frieden und Prosperität für unser Volk zu sorgen.

Seit über

30 Jahren hat die Erfüllung dieser Aufgabe zu Konsultation und Kooperation mit
unseren Nachbarn hier auf diesem Kontinent, mit Japan und mit unseren Freunden
und Verbündeten in Westeuropa geführt - jenen Ländern, die die gleichen demokratischen Ideale haben wie wir.
Wir haben zusammen Aggressionsdrohungen und innere Meinungsverschiedenheiten überstanden, weil wir ein Gefühl der Einigkeit und eine Verpflichtung

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Telex: 08-85432

�eine Verpflichtung zur Freiheit bewahrt haben, und wir werden weiterhin auf
die Probe gestellt - heute vielleicht mehr denn je.
Es ist daher wichtig, daß wir zusammenkommen und unsere Bindungen erneuern.

Ich weiß, daß es Leute gibt, die den Wert des Bündnisses in Zweifel

ziehen, die es als lästig empfinden und glauben, daß es manchmal nicht auf
die Notwendigkeit zum Handeln reagiere.

Und es gibt noch Leute in unserem

Lande, die sich am liebsten in das Schneckenhaus des Isolationismus zurückziehen möchten.

Aber gerade weil wir solche andere Kurse in den letzten Jahr-

zehnten abgelehnt haben, ist uns der Frieden im Westen fast 40 Jahre lang erhalten geblieben.
Die Außenpolitik dieser Administration begann im vorigen Jahr. Zu ihr
gehörte die Wiederherstellung der Stärke Amerikas und eine Neubelebung unserer Wirtschaft.

Wir haben das Programm für den wirtschaftlichen Wiederauf-

schwung und den Verteidigungsplan in Gang gebracht.
Unser Land hat niemals nach der Führung gestrebt, die uns Ende des Zweiten
Weltkrieges zufiel, aber was wir in diesem vergangenen Jahr, wie ich meine,
getan haben, war die Bekräftigung gegenüber unseren Freunden in der Welt und
den möglichen Gegnern, daß wir diese Verantwortung akzeptieren.
Wenn wir mit den Führern der demokratischen Industriestaaten in Versailles
zusammenkommen, dann sollten wir uns darüber klarer werden, wo und wie wir eine
bessere wirtschaftliche Zukunft brauchen. Das Gipfeltreffen bietet eine Gelegenheit, nach fast einem Jahrzehnt der Stagnation, der niedrigen Produktivität
und Investitionstätigkeit und der Energieanfälligkeit für ein wirklich anhaltendes, nichtinflationäres Wachstum zu arbeiten.
Wir haben den längsten Zeitraum anhaltender Inflation, weltweiter Inflation, in der Weltgeschichte erlebt. Ich habe die Absicht, regelmäßige und
engere Konsultationen unter uns vorzuschlagen, damit wir zusammen Wirtschaftspolitiken verfolgen können, die in die gleiche Richtung gehen, nämlich erstens,

- 2 -

�nämlich erstens, die Inflation zu senken und dann größere monetäre und fiskalische Disziplin üben.
Wir müssen nach Mitteln und Wegen suchen, um das internationale Handelssystem durch mehr Vertrauen auf den freien Markt zu stärken.

Es ist an der

Zeit, daß wir Front machen gegen die wachsende Neigung zum Protektionismus
in so vielen Teilen der Welt, und selbst in unserem eigenen Lande.
Neben Versailles sind noch weitere Treffen vorgesehen in London, Rom,
Bonn und in Berlin.

Ich freu© mich, mit seiner Heiligkeit dem Papst im Va-

tikan zusammenzutreffen.

Auf dem NATO-Gipfel in Bonn werden wir Gelegenheit

haben, unsere Pläne, die Sowjetunion in realistische Rüstungsverminderungsverhandlungen zu engagieren, im Detail darzulegen.
Ich weiß, daß Sie sich erinnern, daß wir im November vorigen Jahres das
Problem aufgegriffen und der Sowjetunion Verhandlungen vorgeschlagen haben,
die zu einer Null-Lösung führen sollen - zur Beseitigung der Mittel Streckensysteme, ihrer SS-20, SS-4 und SS-5 in Europa,und zur Nichtdislozierung unserer PERSHING-Raketen und Marschflugkörper als Abschreckung gegen diese
Streitkräfte: also zur totalen Beseitigung dieser Streitkräfte.
Dieser Vertrag, den wir vorgeschlagen haben, liegt jetzt in Genf auf dem
Tisch,und unsere Delegation verhandelt dort. Und dann habe ich vor kurzem in
Eureka über die START-Verhandlunge, Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen, gesprochen, und vorgestern konnte ich bekanntgeben,
daß die Verhandlungen in 27 Tagen, am 29. Juni in Genf, beginnen werden.
Wenn es so ist, wie es aussieht, daß wir bestimmt sind, eine führende
Rolle zu spielen, dann werden wir das mit dem Ziel vor Augen tun, die grundlegenden Werte unseres Volkes und der Völker jener Länder zu bekräftigen und
zu schützen, die mit uns in der Entschlossenheit verbunden sind, frei zu sein.
Unsere Gesellschaften sind ein Spiegelbild all dessen, was gut und würdig für den Menschen ist. Auf dieser Reise wird in Bonn noch ein besonderes

�ein besonderes Ereignis stattfinden:

Es wird eine Zeremonie abgehalten werden,

und Spanien wird Mitglied der NATO und des Nordatlantischen Bündnisses werden.
Ich frage mich, ob jemand wirklich über die Bedeutung dieser Tatsache
nachgedacht hat. Ganz abgesehen, daß wir es begrüßen, daß eine weitere Demokratie sich uns in diesem Bündnis anschließt: Haben wir je erlebt, oder werden wir je erleben, daß sich ein Land dem Warschauer Pakt anschließen möchte?
Das wird es nie geben. Und im übrigen, wo sonst in der Welt können Menschen
auf die Straße gehen und gegen Kernwaffen demonstrieren?
Wir haben fast zehn Jahre beunruhigender Ereignisse und der Ungewißheit
unter den Verbündeten und unter uns selbst erlebt, aber heute erleben wir eine
Neugeburt der Einigkeit und der Zielsetzung, und ich hoffe, daß diese Reise
dazu beitragen und es verstärken wird.
Das ist der Grund, warum ich reise, und ich kann Ihnen nur sagen, daß ich
stolzer sein werde als jemals zuvor, daß ich dabei sein kann, um die Vereinigten
Staaten zu vertreten - mit der Chance, all diesen Menschen und der Welt erneut
darzulegen, was wir nach unserer Meinung verkörpern und was wir allen Völkern
der Welt wünschen.

- 4 -

�23

14. Juni 1982

ERKLÄRUNG VON PRÄSIDENT REAGAN ZUM ABSCHLUSS DES WIRTSCHAFTSGIPFELS
IN VERSAILLES

VERSAILLES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat zum Abschluß des Wirtschaftsgipfels der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten des Westens - Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan, Kanada und Vereinigte

Staaten - am 6. Juni 1982 auf den Geist

der Partnerschaft verwiesen, der sehr lebendig sei.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben unsere Völker in Europa, Kanada, Japan
und den Vereinigten Staaten zusammengearbeitet, um die Grundlage für weltweite
Prosperität zu schaffen. Zusammen haben wir die internationalen Institutionen
aufgebaut, die uns durch die größte wirtschaftliche Expansion in der Weltgeschichte geführt haben. An diesem Wochenende in Versailles war dieser Geist
der Partnerschaft sehr lebendig.
In den formellen Sitzungen und informellen Gesprächen haben die Führer
der wichtigen demokratischen Industriestaaten an der Stärkung und Festigung
der Zusammenarbeit des Westens gearbeitet.
Wir haben

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�Wir haben die ernsten Schwierigkeiten unserer Volkswirtschaften nicht
ignoriert.

Diese Probleme werden nicht über Nacht verschwinden, aber wir werden

sie überwinden.

Die Inflation überzeugend und dauerhaft aus dem Felde zu

schlagen, ist der Schlüssel zu einem starken Wiederaufschwung von Wachstum
und Beschäftigung.

Darüber waren wir uns einig. Und ich freue mich, meinen

Kollegen berichten zu können, daß wir in den Vereinigten Staaten die Inflation
niederwerfen und unser Volk überzeugen, daß wir nicht zu der inflationären
Politik der Vergangenheit zurückkehren werden.
In Zeiten wirtschaftlicher Belastung ist man immer versucht, einfache Lösungen auf Kosten anderer zu suchen.
widerstanden.

In Versailles haben wir dieser Versuchung

Statt dessen haben wir uns auf Mittel und Wege konzentriert,

um unsere wirtschaftliche Leistung einzeln und gemeinsam zu steigern. Wir
sind übereingekommen, die internationalen Institutionen zu stärken, die Kooperation und Koordination gewährleisten. Wenn wir das tun, dann rechnen wir
mit einer Zukunft mit niedriger Inflation, großen Arbeitsplatzchancen, steigendem Lebensstandard durch moderne Technologie und reibungslos funktionierenden internationalen Wirtschaftsbeziehungen.
Um nur einige wenige Gebiete zu nennen:
- Wir werden im Zusammenwirken mit dem Internationalen Währungsfonds
(IWF) daran arbeiten, eine bedeutungsvolle Koordination der mittelfristigen Wirtschaftspolitiken zu erreichen, die auf fiskalische und monetäre
Disziplin und stärkere Berücksichtigung der Marktkräfte abzielt.
- Wir haben unsere Anstrengungen in den Dienst einer produktiven GATTKonferenz auf Ministerebene gestellt, die sich mit den Handelsproblemen
der achtziger Jahre befassen wird.
- Wir haben unsere im vorigen Jahr in Ottawa eingegangene Verpflichtung
bekräftigt, dafür zu sorgen, daß unsere Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjetunion mit unseren politischen und sicherheitspolitischen Zielen voll in
Einklang stehen. Vor allem haben wir uns darauf geeinigt, in Finanzbe- 2 -

�in Finanzbeziehungen mit der Sowjetunion Vorsicht zu üben, einschleßlich
einer Begrenzung von Exportkrediten.
- Wir sind ferner übereingekommen, zusammen an der Entwicklung des beträchtlichen Energiepotentials des Westens zu arbeiten - als weiteren
Schritt zur Gewährleistung eines starken, anhaltenden wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs, der weniger von Störungen der Energieversorgung abhängig ist.
In unseren informellen Gesprächen haben wir uns mit den wichtigen kritischen Problemen des Westens befaßt. Wir wissen, daß das von uns angestrebte wirtschaftliche Wachstum hohl wäre ohne die kollektive Fähigkeit, unsere
demokratischen Prinzipien und unsere Freiheit zu verteidigen.
Wir sprachen über unsere gemeinsamen Besorgnisse in den Ost-West-Beziehungen. Die ständige Aufrüstung der sowjetischen Militärmacht ist eine große
Herausforderung, die durch das Handeln der Sowjets in Polen, Afghanistan und
Südostasien verschärft wird - Fragen, über die ich auf dem Bonner Gipfeltreffen in größerer Ausführlichkeit sprechen möchte. Gleichzeitig stimmten wir
überein, daß die ernsten wirtschaftlichen Probleme und die bevorstehende Regierungsnachfolge in der Sowjetunion uns große Chancen bieten, einen konstruktiveren Dialog zwischen Ost und West herbeizuführen.
Wir müssen den Dialog mit der Sowjetunion auf der Basis der Gegenseitigkeit und der Zurückhaltung aufrechterhalten. In diesem Geiste haben meine
Kollegen amerikanische Rüstungskontrollinitiativen, vor allem die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen, die am 29. Juni beginnen werden, unterstützt.
Die Tragödie auf den Falkland-Inseln ist für uns alle Anlaß zu ernster
Besorgnis.

Während der ganzen Krise waren wir alle von der britischen Ent-

schlossenheit beeindruckt, und wir haben auf verschiedene Weise zum Ausdruck
gebracht, daß wir der Überzeugung sind, daß wir den Kämpfen im Südatlantik
ein Ende setzen und eine politische Lösung erreichen müssen.
Bezüglich anderer
- 3 -

�Bezüglich anderer Fragen haben wir alle Parteien im Libanon aufgefordert, Zurückhaltung zu üben. Verstärktes Blutvergießen in jener Region ist
etwas, was wir alle verabscheuen. Wir haben auch in dem Konflikt zwischen
dem Iran und dem Irak eine politische Lösung gefordert, die die territoriale
Integrität beider Länder gewährleisten würde. Und wir kamen überein, unseren
koordinierten Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu verstärken.
Und schließlich bin ich der Überzeugung, daß wir die jungen Generationen
erreichen müssen.

Die am Gipfel beteiligten Staaten können durch verstärkten

Austausch junger Menschen aus Nordamerika, Japan und Europa in die Zukunft
investieren.
Vor einem Jahr in Ottawa beendeten wir die erste Reihe von Wirtschaftsgipfeln, die in Frankreich begann. Mit diesem Gipfeltreffen in Versailles
haben wir eine neue Runde begonnen. Wir bekräftigen damit unsere nachhaltige
Verpflichtung zu wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit.

Im Geiste

der Partnerschaft mit den anderen Demokratien möchte ich erklären, daß ich
mich schon sehr darauf freue, diese Nationen im nächsten Jahr in den Vereinigten Staaten zu begrüßen.

- 4 -

�14. Juni 1982

23

RONALD REAGAN BETONT AMERIKAS BEMÜHEN UM DEN WELTFRIEDEN
- Ansprache des Präsidenten bei seinem Besuch im Vatikan •

VATIKAN - (AD) - Präsident Ronald Reagan, der am 7. Juni 1982 im Verlauf
seiner Europareise auch mit Papst Johannes Paul II. zusammentraf, unterstrich
in einer Ansprache in der Päpstlichen Bibliothek das beiderseitige Bemühen um
den Weltfrieden.

Der Papst wiederum betonte in seiner Antwort, daß das ameri-

kanische Volk in seiner Geschichte "viele Beweise der Selbstlosigkeit, der
Großzügigkeit, der Sorge um den anderen, der Sorge um die Armen, die Bedürftigen, die Unterdrückten erbracht habe."
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Eure Heiligkeit, Eminenzen, Exzellenzen, Mitglieder der Geistlichkeit,
meine Damen und Herren.
Ich möchte für mich und alle Amerikaner Ihnen gegenüber, Eure Heiligkeit,
und gegenüber all jenen der Heiligen Stadt die tiefste Wertschätzung zum Ausdruck bringen, die unser Zusammentreffen hier in der Vatikanstadt ermöglicht
haben.
Dies ist

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�Dies ist wahrhaft eine Stadt des Friedens, der Liebe und der Nächstenliebe,
wo der Höchste und der Niedrigste unter uns danach streben, in die Fußspuren des
Fischers zu treten. Wie Sie wissen, Eure Heiligkeit, ist dies mein erster
Europabesuch als Präsident. Und ich möchte ihn gern als eine Pilgerfahrt für
den Frieden verstanden wissen, als eine Reise, die darauf abzielt, die Kräfte
für den Frieden im freien Westen zu stärken, indem neue Möglichkeiten für
realistische Verhandlungen mit jenen angeboten werden, die die Werte und den
Geist nicht teilen, die uns so teuer sind.
Dies ist keine leichte Aufgabe, aber ich verlasse diese Audienz mit einem
erneuerten Gefühl der Hoffnung und der Hingabe. Hoffnung, weil man nicht einen
Menschen wie Sie, Eure Heiligkeit, treffen kann, ohne das Gefühl zu haben, daß
eine Welt, die aus Widrigkeit und Unterdrückung heraus einen solchen Mut und
solche visionäre Kraft erstehen lassen kann, auch in der Lage ist, mit Gottes
Hilfe eine bessere Zukunft zu bauen. Hingabe, weil man diese Zitadelle des
Glaubens, des Urquelles so vieler Werte, die wir in der freien Welt hochhalten,
nicht betreten kann, ohne sie in dem Entschluß zu verlassen, alles in seinen
Möglichkeiten Stehende zu tun, um ihnen gemäß zu leben.
Bestimmte gemeinsame Erfahrungen, die wir, Eure Heiligkeit, in unseren
unterschiedlichen Lebensbereichen miteinander teilen, sowie der herzliche
Briefwechsel, den wir miteinander führen, verleihen unserem Treffen für mich
eine besondere Bedeutung. Ich hoffe, daß weitere Zusammenkünfte folgen werden.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß alle Amerikaner mit großer Herzlichkeit an
Ihren historischen Besuch in unserem Lande im Jahr 1979 zurückdenken. Wir alle
hoffen, daß Sie mit Ihrer zeitlosen Botschaft wiederkommen werden: "Unser ist
ein Land, das auf den Glauben gegründet ist, auf den Glauben in die Fähigkeit
des Menschen, durch seine von Gott verliehene Freiheit in Toleranz und Frieden
zu leben, da der Glaube an ein höchstes Wesen unser tägliches Streben in dieser
Welt leitet." Das Leitmotiv unserer Nation "In God We Trust" (In Gott vertrauen
wir) bringt diesen Glauben zum Ausdruck.
Viele unserer

\

"
\

2

"

�Viele unserer ersten Siedler kamen nach Amerika auf der Suche nach einer
Zufluchtsstätte, wo sie Gott ungehindert ehren konnten. Auf diese Weise ist
unsere Verpflichtung zu den Freiheiten des einzelnen eng verbunden mit der
religiösen Freiheit. Freiheit hat den Amerikanern nie Zügel!osigkeit bedeutet.
Wir schätzen sie aus genau dem Grund, weil sie die menschlichen und spirituellen
Werte schützt, die wir am höchsten halten: Das Recht auf die selbstgewählte
Religionsausübung, das Recht zur Wahl einer demokratischen Führung, das Recht
auf Wahl jener Art von Erziehung, die wir für unsere Kinder möchten, sowie
Freiheit von Furcht, Mangel und Unterdrückung. Dies sind gottgegebene Freiheiten
und keine Erfindungen des Menschen.
Wir glauben auch an die gegenseitige Hilfe durch unsere Kirchen und
karitativen Einrichtungen - oder ganz einfach an die Hilfe eines Freundes, eines
guten Samariters, für den Mitmenschen. Die zehn Gebote und die Bergpredigt sind
genauso Teil unseres lebendigen Erbes wie die Verfassung, auf die wir so stolz
sind. Und wir haben - vielleicht nicht immer erfolgreich, aber stets mit gutem
Gewissen - versucht, eben diese Grundsätze bei unserer Rolle in der Welt zur
Anwendung zu bringen\
Wir wissen, daß Gott Amerika mit der Freiheit und dem Überfluß gesegnet
hat, die unseren weniger glücklichen Brüdern und Schwestern in der Welt verwehrt
wurden. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir unser Bestes getan, ihnen
Hilfe zu geben - Hilfe, die Milliarden Dollar an Nahrungsmitteln, Medikamenten
und Material wert war. Und wir werden dies auch in den kommenden Jahren tun.
Wir Amerikaner haben stets an die Worte der Schrift geglaubt: "Dem viel
gegeben ist, bei dem wird man viel suchen." Für uns alle in dieser bewegten Welt
bedeuten der Heilige Stuhl und Ihr seelsorgerisches Amt eine der größten
moralischen und spirituellen Kräfte der Welt.
Wir bewundern Ihre aktiven Anstrengungen zur Förderung des Friedens und
der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Mitleidens in einer Welt, die noch immer
von den Kräften des Bösen heimgesucht wird. Als Volk und als Regierung versuchen

- 3 -

�Regierung versuchen wir, im politischen und wirtschaftlichen Bereich dieselben
Ziele des Friedens, der Freiheit und der Menschlickeit zu verfolgen, die die
Kirche bei ihrer spirituellen Rolle verfolgt. Deshalb schätzen wir zutiefst
Ihren Rat und Ihre Unterstützung und bringen unsere Solidarität mit Ihnen zum
Ausdruck.
Eure Heiligkeit, einer der Bereiche gemeinsamer Besorgnis ist Lateinamerika. Wir möchten mit der Kirche in diesem Gebiet

eng zusammenarbeiten, um

Frieden, soziale Gerechtigkeit und Reform zu fördern und um die Ausdehnung
von Unterdrückung und gottloser Tyrannei zu verhindern.
Wir teilen auch Ihre Besorgnis bei der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit
für die geplagten Gebiete im Nahen Osten, wie dem Libanon. Ein weiterer, ganz
besonderer Bereich der gemeinsamen Sorge ist die gequälte polnische Nation Ihre eigene Heimat. Durch Jahrhunderte der Not hindurch ist Polen stets eine
tapfere Bastion des Glaubens und der Freiheit in den Herzen seines mutigen
Volkes gewesen, nicht jedoch in den Herzen derer, die es beherrschen.
Wir streben nach einem Prozeß der Versöhnung und der Reform, der zu einem
neuen Hoffnungsschimmer für das polnische Volk führt, und wir werden auch weiterhin eine Aufhebung des Kriegsrechts, die Freilassung aller politischen Gefangenen
und die Wiederaufnahme eines Dialogs zwischen der polnischen Regierung, der Kirche
und der Bewegung Solidarität fordern, die für die überwältigende Mehrheit der
Polen spricht.
Trotz der Verweigerung finanzieller Hilfe für das unterdrückerische
polnische Regime wird Amerika fortfahren, dem polnischen Volk so viele Nahrungsmittel und Unterstützung an anderen Gütern wie möglich über Kirche und Privatorganisationen zukommen zu lassen.
Heute, Eure Heiligkeit, ist der Beginn der Sondersitzung der Vereinten
Nationen über Abrüstung. Wir verpflichten uns, bei diesen Gesprächen genau wie
bei unseren eigenen Initiativen für Frieden und Rüstungsverminderung alles in*

- 4 -

�alles in unserer Macht Stehende zu tun, um auf der ganzen Welt einen echten,
dauerhaften Frieden herbeiführen zu helfen. Für uns ist dies nicht weniger als
eine heilige Verpflichtung.
Dante hat einmal geschrieben, "der unendliche Gott hat so offene Arme,
daß sie alles umfassen können, was sich ihm zuwendet". Wir bitten um Ihre
Gebete, Heiliger Vater, damit Gott uns bei unseren Anstrengungen um den Frieden
auf dieser Reise und in den vor uns liegenden Jahren leiten wird und daß die
offenen Arme des Glaubens und der Vergebung eines Tages eine Welt umfassen
können, die in Frieden lebt und Gerechtigkeit und Mitgefühl für die ganze
Menschheit hat.
+++++

\

�mE

1J

DlEl

V

9)

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER AMERIKANISCHEN UND ITALIENISCHEN REGIERUNG
ZUM BESUCH DES US-PRÄSIDENTEN

ROM - (AD) - Im Verlauf der Europareise von Präsident Reagan, bei der er
sich am 7. Juni 1982 in Italien aufhielt, wurde an diesem Tag eine gemeinsame
Erklärung der amerikanischen und italienischen Regierung veröffentlicht, die
folgenden Wortlaut hat:
Gemeinsame Erklärung der Regierung der Vereinigten Staaten und der Regierung der Republik Italien.
Auf Einladung des Präsidenten der italienischen Republik stattete der
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, am 7. Juni 1982
Rom einen Besuch ab. Der Besuch bot den beiden Präsidenten Gelegenheit zu
einem produktiven Meinungsaustausch. Zwei nützliche Treffen gab es auch
zwischen Präsident Reagan und dem Präsidenten des Ministerrates, Giovanni
Spadolini. Präsident Reagan nahm die Gelegenheit wahr, Präsident Pertini für
seinen jüngsten Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten zu danken und überbrachte

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�und überbrachte ihm die wärmsten Wünsche der amerikanischen Regierung und des
amerikanischen Volkes. Präsident Pertini brachte Präsident Reagan gegenüber
seine Wertschätzung für den herzlichen Empfang zum Ausdruck, dessen er sich
in den Vereinigten Staaten erfreut hatte.
Die Präsidenten Reagan und Pertini beschäftigten sich mit der Bedrohung,
die der internationale Terrorismus für die freie Welt bildet und stellten mit
Befriedigung die Erfolge der italienischen Regierung und anderer westeuropäischer
Regierungen bei der Bekämpfung dieser Bedrohung fest. Die beiden Präsidenten
besprachen außerdem internationale Krisenherde wie Afghanistan, Polen, Mittelund Südamerika; die beiden bekräftigten erneut ihre feste Verpflichtung zur
Bewahrung und Wiederherstellung von Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen.
Sie brachten ihre gemeinsame Hoffnung auf eine Beendigung der Feindseligkeiten
im Südatlantik zum Ausdruck. Die beiden Staatsoberhäupter beendeten ihr Treffen
mit einer Versicherung hinsichtlich der Stärke der amerikanisch-italienischen
Bande und einem Rückblick auf die gemeinsamen Werte, auf denen die beiden
Gesellschaften gegründet sind.
Ministerpräsident Spadolini und Präsident Reagan gingen zunächst unter
vier Augen, dann zusammen mit den Außenministern Emilio Colombo und Alexander
Haig auf eine Reihe von Fragen ein, die beide Länder beschäftigen, einschließlich des NATO-Doppelbeschlusses von 1979, nukleare Mittel Streckensysteme in
Europa zu dislozieren und gleichzeitig der Sowjetunion Verhandlungen über die
Kontrolle und Begrenzung solcher Waffen anzubieten; des weiteren die Gesamtlage
im Nahen Osten mit besonderer Betonung der derzeit beiden drängendsten Fragen
hinsichtlich dieses Gebietes, nämlich der Situation im Libanon, wo es von
äußerster Dringlichkeit ist, ein Ende der Kämpfe herbeizuführen und des iranisch-'
irakischen Konflikts, wobei beide Seiten einhellig der Meinung waren, daß eine
politische Lösung notwendig ist, die die territoriale Integrität der beiden
Staaten respektiert.
Außerdem beschäftigten sie sich mit Richtigkeit der Teilnahme beider
Länder an der multilateralen Sinai-Streitmacht und den Aussichten für die

\

- 2 -

�für

die Gespräche über die palästinensische Autonomie. Sie gingen auch auf die

Ost-West-Beziehungen, einschließlich der Handels- und Kreditprobleme sowie jene
Fragen ein, die sich auf die wirtschaftliche und monetäre Zusammenarbeit
zwischen den beiden Ländern ergeben. Die beiden Regierungschefs bekräftigten
erneut ihre Verpflichtung zu einer Politik, die auf ein wachsendes Ausmaß der
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern abzielt, um
die Inflation zu bekämpfen, das Wachstum und hierdurch die Arbeitsplatzsituation
zu fördern.
Präsident Reagan legte noch einmal seine Vorschläge für eine weltweite
Verminderung der strategischen Kernwaffen und für einen Abbau bei den nuklearen
Mittel Streckensystemen in Europa dar. Ministerpräsident Spadolini brachte
seine Anerkennung zu der jüngsten Ankündigung zum Ausdruck, daß die START-Gespräche am 29. Juni in Genf beginnen werden. Beide betonten, daß sie die
Bestrebungen vieler der jungen Menschen teilten, die für den Frieden marschieren,
wiesen auf die Institutionen und die Politiken hin, die den Frieden in Europa
seit nunmehr fast vierzig Jahren bewahren und drängten die Sowjetunion, positiv
auf die Vorschläge zu reagieren, die die Vereinigten Staaten unterbreitet
haben.
Der Ministerpräsident und der Präsident brachten ihre Freude über die
neuen Initiativen für den Austausch von Schülern und Studenten zwischen beiden
Ländern zum Ausdruck, der 1982 beginnen wird.
Die beiden Regierungen kamen überein, regelmäßige Treffen abzuhalten, um
kulturelle Fragen und Fragen der gegenseitigen Information mit der Absicht
zu erörtern, Kulturprogramme zu verbessern und Mittel zur Stärkung der Beziehungen auf diesen Gebieten zu untersuchen. Die ersten Kultur- und Informationsgespräche werden in Washington im Oktober stattfinden.
Beide Seiten schlössen ihre Gespräche ab, indem sie die jüngsten Beschlüsse
zur Stärkung der gegenseitigen Konsultationen als Ausdruck der besonderen und
engen Beziehungen begrüßten, derer sich Italien und die Vereinigten Staaten erfreuen.
+++++
- 3 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1982

23

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR
DEM BRITISCHEN PARLAMENT

LONDON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat im Rahmen seines
Besuches in London am 8. Juni 1982 eine vielbeachtete Rede vor dem
britischen Parlament gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
My Lord Chancellor, Mr. Speaker,
die Reise, deren Teil dieser Besuch bildet, ist eine lange Reise.
Sie hat mich bereits in zwei große Städte des Westens geführt - Rom und
Paris - und zu dem Wirtschaftsgipfel in Versailles.

Dort haben unsere

Schwesterdemokratien einmal mehr den Beweis geliefert, daß freie Völker
selbst in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Belastungen frei und
freiwillig zusammenarbeiten können, um so ernste Probleme wie Inflation
und Arbeitslosigkeit, den Außenhandel und die wirtschaftliche Entwicklung
im Geiste der Kooperation und Solidarität zu lösen.
meiner Reise liegen vor mir.

Weitere Meilensteine

Im Verlauf dieser Woche werden wir und

unsere NATO-Verbündeten in Deutschland über Maßnahmen zur gemeinsamen

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�gemeinsamen Verteidigung und über Amerikas jüngste Initiative für eine
friedlichere und sicherere Welt durch die Verminderung der Rüstungen
diskutieren.
Jede Station auf dieser Reise ist wichtig; dieser Augenblick aber nimmt
unter allen einen besonderen Platz in meinem Herzen und in den Herzen meiner
Landsleute ein - ein Augenblick verwandtschaftlicher Verbundenheit und der
Heimkehr in diese heiligen Hallen.
Ich möchte Ihnen - und ich spreche für alle Amerikaner - zum Ausdruck
bringen, wie sehr wir uns hier in diesem Raum zuhause fühlen.

So

empfindet jeder Amerikaner, ist dieses Haus doch, wie man uns so beredt
berichtet, ein Schrein der Demokratie.

Hier wurde über die Rechte und

den Prozeß der Repräsentation freier Menschen diskutiert, und hier wurden
diese Rechte verfeinert.
Man sagt, Institutionen seien Schatten des Menschen.

Diese Institution

ist der lange Schatten aller Männer und Frauen, die je hier gesessen und
je mit ihrer Stimme einen Abgeordneten hierher entsandt haben.
Dies ist der zweite Besuch, den ich Großbritannien als Präsident der
Vereinigten Staaten abstatte.
Eine erste Gelegenheit, britischen Boden zu betreten, hatte ich
vor fast eineinhalb Jahren, als mich Ihre Premierministerin freundlicherweise zu einem Dinner in die britische Botschaft in Washington einlud.
Mrs. Thatcher erklärte damals, sie hoffe, ich fühle mich nicht beunruhigt,
daß von der großen Freitreppe herab ein Portrait seiner Majestät Königs
George III auf mich herabblicke. Sie meinte, es wäre das beste, Vergangenes
vergangen sein zu lassen und fügte - unter Hinweis auf die bemerkenswerte
Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern in späteren Jahren - hinzu,
die meisten Engländer würden heute Thomas Jefferson beipflichten, daß

- 2 -

�daß "eine kleine Rebellion hie und da eine sehr gute Sache sei,"
Von hier werde ich nach Bonn Weiterreisen und dann nach Berlin,
wo sich ein grimmiges Symbol ungezügelter Macht befindet:
Mauer.

die Berliner

Jene schreckliche, graue und klaffende Wunde quer durch die Stadt

tritt in ihr drittes Jahrzehnt ein.

Sie ist das passende Signum des

Regimes, das sie errichtet hat. Und einige hundert Kilometer hinter
der Berliner Mauer liegt ein weiteres Symbol: eine Tafel im Zentrum
Warschaus, die Entfernungen nach zwei großen Hauptstädten anzeigt - in
die eine Richtung weist sie Moskau, in die andere nach Brüssel, dem
Sitz der greifbaren Einheit Europas.

Diese Tafel sagt, daß die Entfernung

von Warschau nach Moskau und nach Brüssel die gleiche ist. Das heißt
mit anderen Worten:

Polen ist weder Ost noch West.

Zentrum der europäischen Kultur.
beigetragen.

Polen liegt im

Es hat ganz erheblich zu dieser Kultur

Und es trägt heute zu ihr bei, indem es sich der Unterdrückung

auf so großartige und unerbittliche Weise erwehrt.
Polens Kampf, Polen zu bleiben und die grundlegenden Rechte zu
gewährleisten, die wir so oft für selbstverständlich nehmen, zeigt, warum
wir es nicht wagen dürfen, jene Rechte als selbstverständlich anzusehen.
Gladstone hatte in Verteidigung des Reformgesetzes von 1866 erklärt:
"Sie können nicht gegen die Zukunft ankämpfen.
Seite."

Die Zeit ist auf unserer

Es war in Gladstones Tagen leichter, an das Vordringen der Demokratie

zu glauben - in jener Hochzeit des Viktorianischen Optimismus.
Wir nähern uns dem Ende eines blutigen Jahrhunderts, das von einer
schrecklichen politischen Erfindung heimgesucht wurde - dem Totalitarismus.
Der Optimismus fällt heute weniger leicht - nicht weil die Demokratie
weniger lebenskräftig ist, sondern weil die Feinde der Demokratie ihr
Instrumentarium der Unterdrückung verfeinert haben. Dennoch ist Optimismus
am Platz, weil die Demokratie Tag für Tag Beweise liefert, daß sie alles
andere als eine existenzgefährdete Blume ist.
Von Stettin
- 3 -

�Von Stettin an der Ostsee bis Varna am Schwarzen Meer hatten vom
Totalitarismus eingesetzte Regierungen inzwischen über 30 Jahre Zeit,
ihre Legitimität herzustellen.

Keine von ihnen'-nicht" eine unter ihnen -

sah sich bisher in der Lage," frete Wahlen zu riskieren.

Regierungen, die

auf Bayonettspitzen errichtet" werden, schlagen keine Wurzeln.
Die Stärke der Solidaritätsbewegung in Polen läßt die Wirklichkeit
erkennen, wie sie aus einem in der Sowjetunion hinter vorgehaltener Hand
erzählten Witz hervorgeht:

Daß die Sowjetunion

ein Einparteienstaat blei-

ben werde, selbst wenn man eine Oppositionspartei zuließe - weil sich dann
alle der Oppositionspartei anschließen würden.
Amerika tritt erst seit kurzer Zeit als Akteur auf der Bühne der
Weltgeschichte in Erscheinung. Ich glaube, das Bewußtsein dieser Tatsache
hat Sie immer Geduld gegenüber ihren jüngeren Vettern üben lassen. Nun ja,
nicht immer. Ich erinnere Sie daran, daß Sir Winston Churchill in Verzweiflung über einen unserer tüchtigsten Diplomaten einmal ausrief: "Er ist der
einzige mir bekannte Fall eines Elephanten, der seinen Porzellanladen immer mit sich herumschleppt."
So witzig Sir Winston war, er hatte auch jenes besondere Attribut,
des großen" Staatsmannes: die Gabe des Weitblicks und die Bereitschaft,
die Zukunft als auf die Basis der Erfahrung aus der Vergangenheit gegründet
zu sehen.
Sein Geschichtsbewußtsein und sein Verständnis für die Vergangenheit
sind das Thema, über das ich heute zu Ihnen sprechen möchte.

Es ist die

Erinnerung an die Dinge, in die wir uns in der Vergangenheit geteilt haben,
die unsere beiden Völker heute befähigt, um der Zukunft willen zusammenzuarbeiten.
Wir haben

- 4 -

�Wir haben keine einfache Welt geerbt. Wenn Entwicklungen wie die
von England ausgegangene industrielle Revolution und die Segnungen der
Wissenschaft und Technik das Leben für uns leichter gemacht haben, so
haben sie es doch auch erschwert.

Es bestehen heute Bedrohungen für

unsere Freiheit, ja, Bedrohungen für unsere Existenz, die sich frühere
Generationen nie hätten vorstellen können.
Da ist allem voran die Bedrohung durch einen weltweiten Krieg.

Kein

Präsident, kein Kongreß, kein Premierminister und kein Parlament können
auch nur einen Tag gänzlich frei von dieser Bedrohung zubringen.

Und

ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß die Existenz von Kernwaffen in
der Welt von heute wenn nicht gar die Vernichtung der Menschheit»so doch
sicherlich das Ende der Kultur und Zivilisation bedeuten kann, wie wir sie
kennen.
Aus diesem Grunde sind die gegenwärtig in Europa laufenden Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckenraketen (Negotiations of Intermediate Range
Nuclear Forces) und die Gespräche über die Verringerung der strategischen
Rüstungen (Strategie Arms Reduction Talks - S.T.A.R.T.),die im weiteren
Verlauf dieses Monats beginnen werden, von entscheidender Bedeutung
nicht nur für die amerikanische oder die westliche Welt. Sie sind von
entscheidender Bedeutung für die Menschheit. Unsere Verpflichtung auf
einen alsbaldigen Erfolg in diesen Verhandlungen ist fest und unerschütterlich.
Und unsere Absicht ist klar: die Verringerung des Risikos eines Krieges
durch die Verringerung der Mittel zur Führung eines solchen Krieges auf
beiden Seiten.
Gleichzeitig besteht die Bedrohung, die der Freiheit des Menschen
aus der gewaltigen Macht des modernen Staates erwächst.

Die Geschichte

lehrt uns die Gefahren einer Regierung mit allzu großer Machtfülle:

daß

die politische Kontrolle Vorrang vor dem freien wirtschaftlichen Wachstum
gewinnt, daß sich die Geheimpol zei und eine seelenlose Bürokratie

- 5 -

�Bürokratie miteinander verbinden, um die Tüchtigkeit des Einzelnen und
die Freiheit der Person zu ersticken.
Ich bin mir durchaus dar'dber im klaren, daß hier unter uns und
'überall in Europa berechtigte Meinungsverschiedenheiten darüber herrschen,
bis zu welchem Ausmaß der Staat in das Wirtschaftsleben eines Landes
eingreifen dürfe,

über eines aber sind wir uns alle einig:

die Abscheu

vor einer Diktatur in jeder nur möglichen Form, insbesondere aber vor
dem Totalitarismus und der schrecklichen Inhumanität, die er in unserer
Zeit verursacht hat - die große Säuberung, Auschwitz und Dachau, Gulag und
Kampuchea.
Wenn Historiker späterer Zeiten einmal auf unsere Zeit zurückblicken,
werden sie die beharrliche Mäßigung und die friedlichen Absichten des
Westens feststellen müssen.

Sie werden feststellen, daß es die Demokratien

waren, die während der vierziger und fünfziger Jahre darauf verzichtet
haben, um territorialer oder imperialer Gewinne willen die Drohung mit
ihrem Kernwaffenmonopol auszuspielen.

Hätte die kommunistische Welt

damals ein solches Kernwaffenmonopol besessen, würde die Landkarte Europas ja die Landkarte der Welt - heute sehr viel anders aussehen.

Und künftige

Historiker werden sicher feststellen, daß es nicht die Demokratien waren,
die in Afghanistan eingedrungen sind, die Bewegung Solidarität in Polen
unterdrückt haben oder in Afghanistan und Südostasien chemische oder toxische
Waffen zum Einsatz brachten.
Wenn die Geschichte etwas lehrt, dann das, daß Selbsttäuschung angesichts unangenehmer Fakten Irrsinn ist. Rund um uns sehen wir heute
die Spuren eines schrecklichen Dilemmas - Vorhersagen des Weltuntergangs,
Demonstrationen gegen die Kernenergie, ein Wettrüsten, bei dem der Westen
um seines eigenen Schutzes willen als unfreiwilliger Teilnehmer mitmachen
muß. Gleichzeitig sehen wir in aller Welt totalitäre Kräfte am Werk,
die rund um den Erdball auf Subversion und Konflikte aus sind, um ihren

- 6 -

�um ihren barbarischen Angriff auf den Geist des Menschen weiter voranzutreiben.
Welchen Kurs werden wir nehmen?
atomaren Feuerdom untergehen?

Muß die Zivilisation in einem

Muß die Freiheit in lautloser, tödlicher

Anpassung an das totalitäre Böse verwelken?

S1r Winston Churchill

weigerte sich, die Unvermeidbarkeit des Krieges oder selbst dessen unmittelbares Bevorstehen zuzugeben.

Er sagte einmal:

"Ich glaube nicht,

daß die Sowjetunion Krieg wünscht.

Was sie wünscht, sind die Früchte des

Krieges und die unbeschränkte Ausdehnung ihrer Macht und ihrer Lehren;
wir aber müssen hier und heute erwägen, solange uns noch Zeit verbleibt,
wie sich ein Krieg auf die Dauer verhindern läßt und wie wir möglichst
rasch die Vorbedingungen der Freiheit und Demokratie in allen Ländern
schaffen können."
Das genau ist unsere Aufgabe auch heute: die Freiheit und den
Frieden zu bewahren.

Das mag nicht immer leicht zu erkennen sein; ich

glaube aber, daß wir inzwischen an einem Wendepunkt angelangt sind.
Im ironischen Sinne hatte Karl Marx recht: wir werden heute Zeuge
einer großen revolutionären Krise, einer Krise, in der die Forderungen
der wirtschaftlichen Ordnung in direkten Konflikt geraten mit den Forderungen
der politischen Ordnung.

Aber diese Krise vollzieht sich nicht im freien,

nicht-marxistischen Westen, sondern im Heimatland des Marxismus-Leninismus,
in der Sowjetunion.

Es ist die Sowjetunion, die gegen die Flut der

Geschichte anläuft, indem sie ihren Bürgern die Freiheiten und die
Würde des Menschen verweigert.
Schwierigkeiten.

Sie steckt zudem in tiefen wirtschaftlichen

Die Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes geht dort

seit den fünfziger Jahren ständig zurück und beläuft sich heute auf weniger
als die Hälfte des damaligen Satzes.
sind erstaunlich:

Die Dimensionen ihres Scheiterns

Ein Land, das ein Fünftel seiner Bevölkerung in der

Landwirtschaft beschäftigt, ist nicht in der Lage, das eigene Volk zu

- 7 -

�Volk zu ernähren.

Gäbe es dort keinen privaten Sektor - jenen winzigen

privaten Sektor, der innerhalb der sowjetischen Landwirtschaft geduldet wird -,
stünde das Land am Rande einer Hungersnot.

Auf die sogenannten privaten

Hoflande, die bestenfalls drei Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren
Bodenfläche in Anspruch nehmen, entfällt nahezu ein Viertel der gesamten
Agrarproduktion der Sowjetunion und nahezu ein Drittel der Fleisch- und
Gemüseerzeugung des Landes.
übermäßig zentralisiert, durch nur geringe oder Liberhaupt keine
Anreize motiviert, verwendet das sowjetische System Jahr um Jahr seine
besten natürlichen Hilfsquellen auf die Herstellung von Instrumenten der
Zerstörung.

Der beharrliche Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums im

Verein mit dem Wachstum der Produktion für militärische Zwecke erlegt
der sowjetischen Bevölkerung schwere Lasten auf.
Womit wir es hier zu tun haben, ist ein politischer Oberbau, der
nicht mehr länger zu seiner wirtschaftlichen Basis paßt, eine Gesellschaft,
in der die produktiven Kräfte von den politischen Kräften behindert werden.
Das Scheitern des sowjetischen Experiments kann uns nicht überraschen.
Wo immer man Vergleiche zwischen freien und geschlossenen Gesellschaften
anstrengt - zwischen West- und Ostdeutschland, zwischen Österreich und
der Tschechoslowakei, zwischen Malaysia und Vietnam - es sind die
demokratischen Länder, die über eine blühende Wirtschaft verfügen und
die Erfordernisse ihrer Bevölkerung befriedigen können. Eine einfache,
aber überwältigende Tatsache unserer Zeit besteht darin: bei all den
Millionen von Flüchtlingen, die wir in der modernen Welt bisher gesehen
haben, ging der Fluchtweg immer fort von der kommunistischen Welt und
nicht hin zu ihr. Heute stehen unsere Streitkräfte entlang der NATOLinie mit dem Gesicht nach Osten, um eine mögliche Invasion zu verhindern.
Auf der anderen Seite der Linie stehen die sowjetischen Streitkräfte
ebenfalls mit dem Gesicht nach Osten, um ihre eigenen Landsleute am Verlassen

- 8 -

�am Verlassen des kommunistischen Bereiches zu hindern.
Die greifbaren Ergebnisse der totalitären Herrschaft haben in
der Menschheit einen Aufstand des Geistes und des Willens bewirkt.

Ob

wir das Entstehen neuer wirtschaftswissenschaftlicher Schulen in Amerika
und England oder das Aufkommen der sogenannten "neuen Philosophen" in
Frankreich betrachten, überall gibt es einen einenden Faden, der sich
durch die intellektuelle Arbeit all dieser Gruppen rieht: die Ablehnung
der willkürlichen Macnc des Staates, die Weigerung, die Rechte des
Individuums dem Superstaat unterzuordnen, die Erkenntnis, daß der
Kollektivismus gerade die besten menschlichen Impulse abwürgt.
Seit dem Auszug aus Ägypten haben Historiker über jene geschrieben,
die im Kampf für die Freiheit Opfer gebracht und gekämpft haben: die
Schlacht bei den Thermopylen, der Aufstand des Spartakus, die Erstürmung
der Bastille und der Aufstand von Warschau im Zweiten Weltkrieg.
In jüngster Zeit beobachten wir Zeugnisse des gleichen menschlichen
Strebens in einem Entwicklungsland in Zentralamerika. Monate um Monate
berichteten die Medien der Welt über die Kämpfe in El Salvador. Tag
für Tag werden wir mit gefärbten Berichten und Filmmaterial über die tapferen
Freiheitskämpfer eingedeckt, die die oppressiven Regierungsstreitkräfte
im Namen der schweigenden und leidenden Bevölkerung jenes schwer geplagten
Landes bekämpfen.
Und dann bot man jenen schweigenden und leidenden Menschen die Chance,
mit dem Stimmzettel zu entscheiden:
die sie sich selbst wünschten.

jene Art von Regierung zu wählen,

Plötzlich wurden die besagten Freiheits-

kämpfer in den Bergen als das bloßgestellt, was sie wirklich sind:

von

Kuba unterstützte Guerillas, die die Macht für sich selbst und ihre
Hintermänner anstreben, nicht aber Demokratie für das Volk.

Sie bedrohten

jeden mit dem Tod, der sich an der Wahl beteiligen wollte und zerstörten

- 9 -

�zerstörten Hunderte von Bussen und Lastkraftwagen, um die Menschen
daran zu hindern, an ihren Wahlort zu gelangen.

Am Wahltag aber trotzten

die El Salvadorianer - bei einer nie vorher erreichten Zahl von 1,4 Millionen
Wählern - den Überfällen aus dem Hinterhalt und den Gewehrläufen und legten
weite Wege zurück, um ihr Votum für die Freiheit abzugeben.
Sie standen stundenlang in der glühenden Sonne Schlange und warteten,
bis sie an der Reihe waren, ihre Stimme abzugeben.

Mitglieder unseres

Kongresses, die als Beobachter an Ort und Stelle weilten, berichteten mir
von einer Frau, die auf dem Weg zum Wahllokal durch Gewehrfeuer verwundet
worden war und sich dennoch weigerte, aus der Schlange herauszutreten,
um ihre Wunde behandeln zu lassen, ehe sie ihre Stimme abgeben konnte.
Eine Großmutter, der die Guerillas gesagt hatten, sie würden sie töten,
wenn sie von der Wahl zurückkomme, antwortete ihnen:

"Sie können mich

töten, sie können meine Familie töten, sie können meine Nachbarn töten,
aber sie können uns nicht alle töten."
Als die wahren Freiheitskämpfer von El Salvador erwiesen sich die
einfachen Bewohner dieses Landes - d i e Jungen, die Alten und alle
übrigen.

Es ist merkwürdig, aber in meinem eigenen Land wurde nur sehr

wenig, wenn überhaupt etwas über jenen Krieg rund um die Wahlen berichtet.
Vielleicht wird man sagen, weil es heute aktuellere Kämpfe gibt.
Auf entfernten Inseln im Südatlantik kämpfen junge Menschen für England
und es erheben sich Stimmen des Protestes angesichts der Opfer, die von
ihnen für ein paar entlegene Felsen gebracht würden. Aber jene jungen
Leute kämpfen nicht um einfachen Grundbesitz. Sie kämpfen für eine Sache für die Überzeugung, daß man der bewaffneten Aggression keinen Erfolg
zugestehen darf und daß das Volk unter der Herrschaft des Rechts an den
Entscheidungen der Regierungen teilnehmen muß. Hätte dieser Grundsatz
vor 45 Jahren stärkere Unterstützung gefunden, wäre unserer
Generation wahrscheinlich der Aderlaß des Zweiten Weltkrieges

- ,10 -

�Zweiten Weltkrieges erspart geblieben.
Im Nahen Osten sprechen wieder einmal die Kanonen - dieses Mal im
Libanon, einem Land, das schon allzu lange die Tragödie des Bürgerkriegs,
des Terrorismus und der Intervention und Besetzung durch ausländische
Mächte ertragen muß.

Die Kämpfe im Libanon müssen auf allen Seiten

eingestellt werden, und Israel sollte seine Streitkräfte in die Heimat
zurückführen.

Aber das reicht nicht aus. Wir alle müssen darauf hin-

arbeiten, die Plage des Terrorismus auszutilgen, die den Krieg im
Nahen Osten zu einer stets präsenten Bedrohung macht.
Aber den Streitpunkten liegt ein tieferes und positiveres Muster
zugrunde.

Heute gewinnt die demokratische Revolution rund um die Erde

an neuer Stärke.

Indien hat mit dem friedlichen Wechsel der herrschenden

politischen Parteien einen kritischen Test bestanden.
nimmt Nigeria

In Afrika unter-

bemerkenswerte und unmißverständliche Versuche, seine

demokratischen Institutionen auszubauen und zu verstärken.

In der

Karibischen See und in Mittelamerika haben 16 von 24 Ländern frei gewählte
Regierungen.

Und in den Vereinten Nationen sind acht von den zehn

Ländern, die sich jener Organisation in den letzten fünf Jahren angeschlossen haben, Demokratien.
Auch in der kommunistischen Welt tritt die instinktive Sehnsucht
des Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung wieder und wieder in
Erscheinung. Sicherlich erinnern uns schlimme Ereignisse daran, mit
welch brutalen Mitteln Polizeistaaten versuchen, dieses Streben nach
Selbstherrschaft auszulöschen - 1953 in Ostdeutschland, 1956 in Ungarn,
1968 in der Tschechoslowakei und 1981 in Polen.
Das Ringen um Polen geht weiter.

Und wir wissen, daß es selbst

innerhalb der Grenzen der Sowjetunion Menschen gibt, die sich nach der
Freiheit sehnen und für sie leiden.

Wie wir uns hier in den westlichen

- 11 -

�westlichen Demokratien verhalten, wird darüber entscheiden, wie sich
dieser Trend weiterentwickelt.
Nein, die Demokratie ist keine existenzgefährdete Blume. Sie bedarf
allerdings der Pflege. Wenn wir in den verbleibenden Jahren dieses Jahrhunderts das allmähliche Wachstum der Freiheit und der demokratischen Ideale
erleben wollen, müssen wir den Kampf für die Demokratie aktiv unterstützen.
Manche Kreise argumentieren dahingehend, wir sollten den demokratischen
Wandel in rechtsgerichteten Diktaturen ermutigen, nicht aber in kommunistischen
Staaten.

Diese widersinnige Auffassung zu akzeptieren - wie es manche

wohlmeinende Leute tun -, hieße das Argument herausfordern, daß ein Land,
sobald es nukleare Kapazitäten erlangt hat, auch das Recht habe, ungestört
ein Terrorregime über seinen eigenen Bürger aufzurichten.

Wir lehnen einen

solchen Kurs ab.
Was die sowjetische Auffassung angeht, hat der Vorsitzende Breschnew
wiederholt unterstrichen, daß der Wettstreit der Ideen und Systeme weitergehen müsse und daß dies vollkommen mit Entspannung und Frieden vereinbar
sei.
Wir wünschen lediglich, daß jene Systeme endlich damit anfangen,
gemäß ihren eigenen Verfassungen zu leben, ihre eigenen Gesetze einzuhalten
und den internationalen Verpflichtungen nachzukommen, die sie auf sich
genommen haben.
Wir fordern nur einen Prozeß, eine Richtung, einen grundlegenden
Anstandskodex,nicht aber sofortige Veränderungen.
Wir können die Tatsache nicht ignorieren, daß es selbst ohne unser
Engagement wiederholt zum Aufstand gegen die Repression in den Diktaturen
gekommen ist. Die Sowjetunion selbst ist nicht immun gegen diese Realität.

- 12 -

�Realität.

Jedes System, das keine friedlichen Mittel zur Legitimierung

seiner führenden Männer kennt, ist vom Innern heraus instabil.

Es sind in

diesen Fällen die Vertreter des Staates, die das Volk letztlich in den
Widerstand gegen diesen treiben - wenn notwendig, mit Gewalt.
Während wir uns davor hüten müssen, das Tempo des Wandels zu forcieren,
dürfen wir nicht zögern, unsere letzten Zielsetzungen klar herauszustellen
und konkrete Schritte zu ergreifen, um ihnen näher zu kommen.

Wir müssen

in unserer Überzeugung standhaft sein, daß die Freiheit kein ausschließliches
Vorrecht einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche
und universale Recht aller.

So steht es in der Universellen Erklärung der

Menschenrechte der Vereinten Nationen, die unter anderem auch das Recht
auf freie Wahlen garantiert.
Das Ziel, das ich vorschlage, ist ganz einfach zu umreißen:

die

Infrastruktur der Demokratie weiter auszubauen,jenes System aus einer freien
Presse, freien Gewerkschaften, freien politischen Parteien und freien Hochschulen, das es den Menschen gestattet, ihren eigenen Weg selbst zu
wählen, um ihre eigene Kultur weiterzuentwickeln und ihre

Meinungsverschieden-

heiten auf friedfertige Weise beizulegen.
Das ist kein Kulturimperialismus; das bedeutet vielmehr die Gewährung
echter Selbstbestimmung und den Schutz der Vielfalt.

Die Demokratie

gedeiht in Ländern mit sehr unterschiedlichen Kulturen und historischen
Erfahrungen.

Es wäre kulturelle Herablassung oder übleres, zu sagen, daß

irgendein Volk die Diktatur der Demokratie vorziehe.

Wer würde freiwillig

auf das Wahlrecht verzichten, Regierungspropaganda anstatt unabhängiger Zeitungen
kaufen, staatliche Gewerkschaften von der Arbeiterschaft überwachten
Gewerkschaften vorziehen, für die Überführung des Bodens in Staatseigentum
optieren, statt in die Hände jener, die das Land bearbeiten?

Wer wünscht

von sich aus die Unterdrückung der Religionsfreiheit durch den Staat,
eine einzige politische Partei statt der freien Wahl unter mehreren Parteien,

- 13 -

�Parteien, strenge kulturelle Orthodoxie an Stelle demokratischer Toleranz
und Mannigfaltigkeit?
- • • -

Seit 1917 gewährt die Sowjetunion Marxisten und Leninisten in vielen
Ländern politische Schulung und Hilfe.

Natürlich fördert sie auch die

Anwendung von Gewalt und die Subversion durch die gleichen Kräfte.
In den letzten Jahrzehnten haben Sozialdemokraten, Christdemokraten
und politische Führer anderer Parteien in Westeuropa und in der Welt
Brüderparteien und sozialen Institutionen in anderen Ländern offene Hilfe
angeboten, um friedliche und demokratische Prozesse in Gang zu setzen.
Wie dies für eine lebenskräftige neue Demokratie angemessen ist, wurden
politische Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland zu einer wichtigen
Kraft in diesen Bemühungen.
Wir in Amerika wollen nunmehr zusätzliche Schritte unternehmen,
wie dies viele unserer Verbündeten bereits getan haben, um das gleiche Ziel
anzustreben. Die Vorsitzenden und andere Führungskräfte der landesweiten
Republikanischen und Demokratischen Partei haben gemeinsam mit der von
beiden Parteien getragenen American Political Foundation eine Studie in
Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie die Vereinigten Staaten als Nation
am besten zu dem weltweiten Kampf für Demokratie beitragen können, der
sich gegenwärtig verschärft. Sie können der Mitarbeit führender Männer
von beiden Parteien im Kongreß und auch von Vertretern der Wirtschaft,
der Gewerkschaften und anderen größeren Institutionen unserer Gesellschaft
sicher sein.
Ich sehe diesen Empfehlungen und der Zusammenarbeit mit diesen
Institutionen und dem Kongress bei der Lösung der gemeinsamen Aufgabe
der Stärkung der Demokratie überall in der Welt, mit gespannter Erwartung
entgegen.
Es ist
- 14 -

�Es ist an der Zeit, daß wir uns als Nation sowohl auf dem staatlichen
als auch auf dem wirtschaftlichen Sektor dazu

verpflichten, die demokratische

Entwicklung zu fördern.
Wir beabsichtigen auch mit den Führern anderer Nationen über diesen
Fragenkomplex zu reden.

Dem Europarat liegt der Vorschlag vor, Parlamentarier

aus demokratischen Ländern für nächstes Jahr zu einer Tagung nach Straßburg
einzuladen.

Diese Tagung angesehener Politiker könnte sich mit Methoden

der Unterstützung demokratischer politischer Bewegungen befassen.
Im November dieses Jahres wird in Washington eine internationale
Tagung über freie Wahlen stattfinden. Und im kommenden Frühjahr wird
unter den Auspizien des Obersten Bundesrichters am Obersten Bundesgerichtshof der Vereinigten Staaten eine Konferenz von Experten auf dem Gebiet
des fonstitutionalismus und der Selbstregierung aus aller Welt stattfinden.
Kapazitäten sowohl aus Entwicklungsländern wie aus Industriestaaten Richter, Philosophen und Politiker mit praktischer Erfahrung - werden
gemeinsam der Frage nachgehen, wie sich demokratische Grundsätze am besten
in die Praxis umsetzen und wie sich die Rechtsstaatlichkeit weiter fördern
lassen.
Gleichzeitig laden wir die Sowjetunion ein, gemeinsam mit uns zu
überlegen, wie der Wettstreit der Ideen und Werte, den zu fördern auch sie
sich verpflichtet hat, auf der Basis des Friedens und der Gegenseitigkeit
geführt werden kann.

So bin ich beispielsweise bereit, Präsident Breschnew

Gelegenheit zu bieten, über das amerikanische Fernsehen zum amerikanischen
Volk zu sprechen, wenn er mir dieselbe Gelegenheit beim sowjetischen Volk
verschafft.

Wir schlagen ferner vor, daß Journalisten aus unseren Ländern

Fernsehdiskussionen im jeweiligen anderen Land veranstalten, um wichtige
Ereignisse zu erörtern.
Ich möchte

- 15 \

�Ich möchte hier nicht überoptimistisch erscheinen, doch.auch die
Sowjetunion ist nicht immun gegen die Wirklichkeit dessen, was in der
Welt vor sich geht. So geschah es in der Vergangenheit: eine kleine
herrschende Elite versuchte entweder auf irrtümliche Weise die Unruhe im
eigenen Lande durch noch größere Unterdrückung und Abenteuer im Ausland zu
beseitigen oder aber sie wählte einen klügeren Kurs - und begann, ihrem
Volk eine Stimme in der Gestaltung seines eigenen Schicksals einzuräumen.
Auch wenn letzterer Prozeß nicht umgehend in Gang kommen mag, so
glaube ich doch, daß die erneuerte Stärke der demokratischen Bewegung,
ergänzt durch eine weltweite Kampagne für die Freiheit,die Aussichten auf
Rüstungsbegrenzungen und eine Welt des Friedens stärken wird.
Ich habe schon aus anderen Anlässen, so in meiner Ansprache vom
9. Mai 1982, die Elemente der westlichen Politik gegenüber der Sowjetunion in der Absicht zur Sprache gebracht, unsere Interessen zu wahren
und den Frieden zu erhalten. Was ich gegenwärtig darzulegen suche, ist
ein Plan und eine Hoffnung auf lange Sicht - das Vorrücken von Freiheit
und Demokratie, das den Marxismus-Leninismus auf dem Aschehaufen der
Geschichte zurückläßt,so wie Freiheit.und Demokratie über andere Tyranneien
hinweggeschritten sind, die die Freiheit zu ersticken und die Selbstverwirklichung des Volkes zu unterbinden suchten. Und das.ist der Grund, aus
dem wir mit unseren Anstrengungen fortfahren müssen, die NATO zu stärken,
selbst wenn wir in den Verhandlungen über die Mittelstreckenraketen und
unseren Vorschlag zur Reduzierung der strategischen ballistischen RaketenSprengköpfe um ein Drittel in Richtung auf unsere Initiative der Null-Option
weiter voranmachen.
Unsere militärische Stärke ist eine Grundvoraussetzung für den Frieden;
aber man sollte sich darüber im klaren sein, daß wir diese Stärke in der
Hoffnung unterhalten,daß sie niemals gebraucht werden wird. Die letzte
Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der Welt wird nicht von Bomben

- 16 -

�Bomben und Raketen herbeigeführt, sie läuft vielmehr auf einen Test des
Willens und der Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen Entschlußkraft
und der Werte, die wir schätzen, des Glaubens, den wir hochhalten und der
Ideale, denen wir uns weihen.

Das britische Volk weiß, daß sich die Kräfte

des Guten letztlich zusammenscharen und über das Böse triumphieren werden sofern eine starke Führung,hinreichend Zeit und ein kleiner Funke Hoffnung
gegeben sind.

Hier stehen wir an der Wiege der Selbstregierung, dieses

Haus ist die Mutter aller Parlamente.

Hier manifestiert sich die anhaltende

Größe des britischen Beitrags zur Menschheit:

die großen Zivilisationsideen

wie individuelle Freiheit, repräsentative Regierung und die Herrschaft des
Rechts unter Gott.

Ich habe mich oft über die Scheu gewundert, die manche

unter uns im Westen an den Tag legen, wenn es darum geht, für die Ideale
aufzustehen, die so viel dazu beigetragen haben, die Not des Menschen und
die Härten unserer unvollkommenen Welt zu mildern.

Dieses Zaudern, die uns zu

Gebote stehenden gewaltigen Hilfsquellen zu nutzen, erinnert mich an jene alte
Dame, deren Haus während des Blitzkrieges ausgebombt worden war.

Als die

Rettungsmannschaften eintrafen, stießen sie, hinter der Treppe verborgen, die
als einziges

stehengeblieben war, auf eine Flasche Branntwein. Und da

die alte Dame nahezu bewußtlos war, entkorkte einer der Helfer die Flasche,
um ihr einen Schluck anzubieten.

Sie kam sofort zu sich und sagte:

"Hey

Sie, stellen Sie die Flasche bitte sofort zurück, die ist nur für Notfälle
gedacht."
Nun,der Notfall ist da.
Laßt uns unsere Schüchternheit ablegen. Laßt uns unsere Stärke gebrauchen.
Laßt uns anderen Menschen Hoffnung geben. Laßt uns der Welt sagen, daß
ein neues Zeitalter nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist.
Es war in den Tagen des Zweiten Weltkrieges, daß diese Insel Mut
ausstrahlte, als Winston Churchill den Gegnern Englands zurief:

"Welche

Art von Volk meinen die denn, daß wir sind?" Gut denn, Englands Gegner

- 17 -

�Gegner fanden heraus, welch außerordentliches Volk die.Briten sind.

Aber

alle Demokratien bezahlten einen schrecklichen Preis dafür, daß sie es
den Diktatoren gestattet hatten, uns zu unterschätzen.. Wir wollen diesen
Fehler nicht noch einmal machen.

So fragen wir uns selber, welche Art

von Volk glauben wir denn, daß wir sind?
die Antwort geben:

Und wir wollen uns auch selbst

ein freies Volk, der.Freiheit würdig und entschlossen,

nicht nur frei zubleiben, sondern auch anderen zu helfen, frei zu werden.
Sir Winston führte dieses Volk im Krieg zu einem großen Sieg und
verlor dann die Wahl gerade in dem Augenblick, als es die Früchte des Sieges
zu ernten galt. Aber er schied ehrenvoll aus seinem Amt und, wie sich erweisen
sollte, nur vorübergehend und in dem Bewußtsein, daß die Freiheit seines
Volkes wichtiger war als das Schicksal eines einzelnen Politikers. Die
Geschichte erinnert sich seiner Größe in einer Art und Weise, wie sie kein
Diktator je kennenlernen wird. Und er hinterließ uns eine Botschaft
der Hoffnung für die Zukunft, die heute so zeitgemäß ist wie damals,als
er sie zum ersten Mal äußerte. Als Führer der Opposition im Unterhaus erklärte
er vor nahezu 27 Jahren: "Wenn wir auf all jene Gefahren zurückblicken,
durch die wir hindurchgegangen, auf die mächtigen Feinde, mit denen wir
fertiggeworden sind, und all die dunklen und tödlichen Pläne, die wir
vereitelt haben, warum sollten wir dann um unsere Zukunft fürchten?
Wir haben," fuhr er fort, "das Schlimmste unbeschadet überstanden." Die
Aufgabe, die ich hier aufzeige, wird weit über unsere eigene Generation
hinaus fortgeführt werden müssen. Gemeinsam aber haben wir das Schlimmste
überwunden. Laßt uns nunmehr mit einer großen Anstrengung beginnen, das
Beste zu erringen: in einem Kreuzzug für die Freiheit, der den Glauben und
die Stärke der kommenden Generation in Anspruch nehmen wird. Um des Friedens
und der Gerechtigkeit willen wollen wir uns.in Richtung auf eine Welt fortbewegen, in der alle Menschen zumindestens frei sind, ihr eigenes Schicksal
zu bestimmen.

Ich danke Ihnen.
+ + +•+ +

- 18 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1982

23

ANSPRACHE PRÄSIDENT REAGANS VOR DEM DEUTSCHEN BUNDESTAG

BONN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hielt am 9. Juni 1982 vor dem
Deutschen Bundestag eine Ansprache, in der er die Freundschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland und das Festhalten
am gemeinsamen Bündnis unterstrich.
Die von starkem Beifall begleitete Rede hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundestagspräsident, Bundeskanzler Schmidt, Mitglieder des Hohen
Hauses, verehrte Gäste!
Es ist mir eine große Ehre, heute zu Ihnen und damit zu allen Deutschen
sprechen zu dürfen.

Im kommenden Jahr werden wir gemeinsam den 300. Jahres-

tag der ersten deutschen' Ansiedlung in den amerikanischen Kolonien feiern.
Jene 13 Familien, die in die Neue Welt aufbrachen, waren die Vorläufer von
über sieben Millionen deutschen Einwanderern, und heute berufen sich mehr

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�sich mehr Amerikaner auf eine deutsche Abstammung als auf jede andere.
Diese

Deutschen rodeten und bepflanzten unser Land, erbauten unsere

Industrien und bereicherten unsere Kunst und Wissenschaften.

Um diesen

deutschen Beiträgen über einen Zeitraum von 300 Jahren Ehre zu erweisen,
sind Bundespräsident Carstens und ich heute übereingekommen, daß er zur
Feier dieses Jubiläums im Oktober 1983 zu einem Staatsbesuch in die USA
kommen wird.
Wir verdanken deutschen Menschen sehr viel.
einen Teil dieser Schuld wieder abgetragen.

Vielleicht hat mein Land

Die amerikanische Revolution

war die erste in der modernen Geschichte, die den Kampf um Selbstregierung
und um die Garantie der Bürgerrechte zum'Gegenstand hatte. Dieser Gedanke
war ansteckend.

Die vom Frankfurter Parlament 1849 verkündeten grundlegen-

den Bürgerrechte garantierten Rede- und Religionsfreiheit und die Gleichheit
vor dem Gesetz.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland leben diese

Prinzipien weiter. Viele Völker im Osten warten auch heute noch auf diese
Rechte.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf die deutsche Demokratie - aber
sie ist nicht unsere Schöpfung. Als Heinrich Heine von den Menschen sprach,
die im Mittelalter die ehrfurchtheischenden Dome und Kathedralen gebaut haben, sagte er: "Die Menschen in jener" alten Zeit hatten Überzeugungen. Wir
Neueren haben nur Meinungen, und es gehört mehr als eine bloße Meinung dazu,
um so einen gotischen Dom aufzurichten." Im Verlauf der letzten 30 Jahre haben die Oberzeugungen des deutschen Volkes einen Dom der Demokratie aufgerichtet - ein großes und" rühmliches Denkmal der Ideale Ihres Volkes.
Wir Amerikaner betrachten die freie Gesellschaft, die Sie in so wenigen
Jahrzehnten aufgebaut haben,"mit echter Bewunderung.
läßt uns umso

Unsere eigene Geschichte

besser verstehen, was Sie hier geleistet haben. Wir Amerikaner

sprechen mit tiefster Ehrfurcht von unseren Gründervätern und ersten Bürgern,
denen wir die Freiheiten verdanken, welche wir heute genießen.

- 2 -

Und obwohl

�Und obwohl deren Schaffen mehr als 200 Jahre zurückliegt, tragen wir sie in
unseren Herzen, nicht nur in unseren Geschichtsbüchern.
Ich glaube, kommende deutsche Generationen werden einmal auf Sie, die
Deutschen der Gegenwart und auf Ihre Mitbürger mit derselben tiefen Ehrfurcht
und Anerkennung zurückblicken.

Sie haben eine freie Gesellschaft geschaffen,

die auf das Herzstück der Ideale der westlichen Zivilisation gegründet ist:
Dem unerschütterlichen Glauben an die Würde des Menschen.
nie vergessen.

Das wird man Ihnen

Die Nachfolgegenerationen dieser Republik werden Ihnen noch

in kommenden Jahrhunderten dafür Ehre und Bewunderung zollen.
Gestern sprach ich vor dem britischen Parlament über die Grundwerte der
westlichen Zivilisation und über die Notwendigkeit, allen Völkern zu helfen,
in den Besitz der Institutionen der Freiheit zu kommen. Auf viele Weise und
an vielen Orten werden unsere Ideale auf die Probe gestellt.

Wir stehen heu-

te nachmittag zwischen zwei wichtigen Gipfeltreffen - der Konferenz der führenden demokratischen Industrieländer in Versailles und der morgigen Zusammenkunft des Atlantischen Bündnisses hier in Bonn. Wir stehen vor kritischen
und komplizierten Problemen.

Wir werden uns aber mit jedem Dilemma leichter

auseinandersetzen können," wenn wir uns daran erinnern, daß unsere Partnerschaft auf derselben gemeinsamen westlichen Tradition basiert, nämlich daß
die Demokratie die beste Hoffnung für die Zukunft darstellt.
Als Haupttriebfeder für die Gemeinsamkeit des Atlantischen Bündnisses
sehe ich die Suche nach dem Frieden.

Innerer Frieden für unsere Bürger und

Friede zwischen den Nationen.
Warum innerer Frieden?

Weil die Demokratie die Selbstentfaltung erlaubt.

Weil sie die Würde und die Kreativität des Einzelmenschen respektiert.

Weil

in der Demokratie nach dem Recht gehandelt wird, nicht aufgrund von Terror
und Unterdrückung.

Weil sie Regierung mit Zustimmung der Regierten bedeutet.

Dies alles ist der Grund, warum die Bürger des Atlantischen Bündnisses ein
vormals unerreichtes Maß an materiellem und geistigem Wohlstand genießen.

- 3 -

�Wohlstand genießen. Und es steht ihnen frei, ihren eigenen Weg zum persönlichen Frieden zu finden.
Es ist aber auch der Weg zum Frieden zwischen den Nationen, den wir
suchen.

Es steht in den Psalmen:

"Suche den Frieden, jage ihm nach."

Auf

diesem Prinzip und auf diese Zielsetzung ist unsere Außenpolitik gegründet.
Das vornehmste Ziel unserer diplomatischen Arbeit ist die schwierige und
Geduld erfordernde Aufgabe, unsere Gegner auf den Pfad des Friedens zu bringen.

Und sicherlich würden alle von uns den Tag begrüßen, an dem als letzte

Kriegsindustrie nur noch die Forschungsarbeit der Historiker zu verzeichnen
ist.
Aber nur einfach auf den Frieden hoffen, genügt nicht. Wir sollten uns
an Friedrich Schillers Worte

erinnern:

"Es kann der Frömmste nicht in Frie-

den leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Unserer Friedenssuche
muß ein Verfahren zugrundeliegen, ein Verfahren, das die Gefahren und Wirklichkeiten dieser Welt berücksichtigt.

Als Bundeskanzler Schmidt letztes

Jahr zu einem Staatsbesuch in Washington war, habe ich gesagt, Ihre Republik
"stünde auf einer Klippe der Freiheit". Damit habe ich dem deutschen Volke
nichts Neues erzählt. Wer, wie Sie, im Herzen des geteilten Europas lebt,
sieht deutlicher als andere, daß es Regierungen gibt, die sich weder mit dem
eigenen Volk noch mit der übrigen Welt im Zustand des Friedens befinden.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendein rationell denkender Beobachter bestreiten würde, daß sowohl der Frieden als auch die Freiheit heute
bedroht sind. Dies ist so unmißverständlich sichtbar wie die Schnittwunde
der Grenze, die das deutsche Volk teilt. Wir werden von einer Macht bedroht,
die öffentlich unsere Wertvorstellungen verhöhnt und unsere Zurückhaltung damit beantwortet, daß sie ungezügelt ihre militärische Stärke immer weiter
ausbaut.
Wir dürfen nicht simplistisch annehmen, daß jede andere Nation den
Frieden wünscht, den wir so dringlich ersehnen. Das polnische Volk kann uns

�kann uns ein Lied von jenen singen, die andere mit militärischer Gewalt
unterdrücken, nur weil sie menschliche Grundrechte anstreben.

Desgleichen

können uns die afghanischen Freiheitskämpfer bestätigen, daß Bedrohung
durch Aggression noch nicht aus dieser Welt geschaffen wurde.
Die Gefahr militärischer Erpressung wäre sehr groß, wenn die atlantische
Sicherheit nicht verstärkt wird.

Dies ist keine unmögliche Aufgabe; fast

40 Jahre lang hat unsere Abschreckung den Krieg verhindert. Auf dem nuklearen wie auf dem konventionellen Sektor haben wir unser Verteidigungspotential auf solche Weise geordnet, daß für einen möglichen Aggressor keine Hoffnung auf einen militärischen Sieg bestand.

Das Bündnis hat seine Stärke

nicht als Kriegsflagge, sondern als Friedensbanner getragen.
hat den Frieden erhalten.

Die Abschreckung

Deshalb müssen wir weiterhin diejenigen Schritte

unternehmen, die getan werden müssen, um die Abschreckung glaubhaft zu machen.
Dies hängt zum Teil von einem starken Amerika ab. Mein Land bemüht sich
gegenwärtig, längst überfällige Verbesserungen unserer militärischen Fähigkeiten vorzunehmen, die unseren Bürgern Opfer abverlangen. Der amerikanische
Bürger unterstützt diese Initiative, weil er weiß, wie fundamental wichtig
sie ist, um den Frieden, den er aus allen Kräften will, zu erhalten.
Wir sind entschlossen, die Präsenz gut ausgerüsteter und ausgebildeter
Truppen in Europa zu erhalten, unsere: strategischen Streitkräfte zu modernisieren und sie dem Bündnis zugeordnet zu belassen.

Durch diese Handlun-

gen sendet Ihnen das amerikanische Volk eine Botschaft:
stehen auf deiner Seite!

Du steht nicht allein!"

"Deutschland, wir

Unsere Gegner würden

einen schrecklichen Fehler machen, es je darauf ankommen zu lassen, daß wir
Amerikaner unsere Bündnisverpflichtungen nicht einhalten würden, ganz gleich
wie schwer die Probe ist, auf die wir gestellt werden.
Die Sicherheit der Allianz stützt sich auf eine völlig glaubhafte konventionelle Verteidigung, zu der alle Verbündeten beitragen:

Es besteht bei

jedem Konflikt die Gefahr, daß er sich zu einem Kernwaffen krieg ausweiten

- 5 -

�Kernwaffenkrieg ausweiten könnte. Starke konventionelle Streitkräfte können
die Gefahr einer Auseinandersetzung mit konventionellen oder nuklearen Waffen
weniger wahrscheinlich machen.
an sich:

Stärke in vernünftigen Maßen ist nichts Böses

Im Gegenteil, solche Stärke ist ehrenhaft, wenn sie der Erhaltung

des Friedens oder der Verteidigung der tiefsten Überzeugungen dient.
Daher liegt eine der ersten Aufgaben zur Erfüllung unserer gegenseitigen
Verpflichtungen darin, mit der Stärkung unserer konventionellen Verteidigung
fortzufahren.

Dazu muß die Verbesserung der Bereitschaft unserer stehenden

Kräfte gehören sowie auch die Fähigkeit dieser Kräfte, als gemeinsames Ganzes
eingesetzt zu werden.

Auch das technische Genie des Westens muß zur Verbes-

serung unserer konventionellen Abschreckung eingesetzt werden.
Es gibt keinen Zweifel daran, daß unser Bündnis über die Mittel verfügt,
unsere konventionelle Verteidigung zu verbessern.

Immer wieder haben unsere

Völker bewiesen, daß sie willens sind, das ihnen eigene Gut der persönlichen
Freiheit und der Menschenwürde zu verteidigen.

Die Dynamik unserer Wirt-

schaft ist der unserer Gegner bei weitem überlegen.

Unsere freie Wirtschaft

hat technologische Vorteile erarbeitet, denen andere Systeme in ideologischen
Zwangsjacken nie etwas Gleiches entgegensetzen können. Alle diese Ressourcen
können für unsere Verteidigung eingesetzt werden.
Es stimmt, daß viele unserer Nationen gegenwärtig in wirtschaftlichen
Schwierigkeiten stecken. Trotzdem müssen wir sicherstellen, daß unsere Sicherheit nicht darunter leidet. Obwohl wir wirtschaftliche Probleme hatten, haben wir auf dem Gebiet der konventionellen Verteidigung in den letzten Jahren
Fortschritte gemacht und die Pessimisten, die unsere Anstrengung für nutzlos
halten, eines besseren belehrt. Mit jedem Schritt zur Ausfüllung der konventionellen Lücke verringert sich das Risiko von Aggression oder Nuklearkonflikt.
Der Boden Deutschlands, der Boden aller Verbündeten sind ein Hauptanliegen für alle Mitglieder der Allianz, und diese fundamentale Verpflichtung

- 6 -

�fundamentale Verpflichtung ist im Nordatlantikvertrag niedergelegt.

Dieser

Verpflichtung können wir aber nicht nachkommen, ohne sicherzustellen, daß
amerikanische Streitkräfte zur Verstärkung Europas bereitstehen und daß Europa bereit ist, sie in Empfang zu nehmen.

Deswegen begrüße ich das vor kurzem

mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossene Abkommen über Unterstützung
durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg.

Dieses Abkommen stärkt unsere

Fähigkeit zur Aggressionsabschreckung in Europa und bezeugt, daß wir gemeinsam
entschlossen sind, einem Angriff zu begegnen.
Da jedem Bündnispartner der volle Schutz durch das Bündnis zusteht,
ist auch jeder dafür verantwortlich, einen angemessenen Teil der Lasten zu
tragen. Da gibt es nun natürlich des öfteren Meinungsverschiedenheiten, und
Kritik am Bündnis ist so alt wie das Bündnis selbst. Auf beiden Seiten des
Atlantik hören wir jetzt aber Stimmen, die den unvermeidbaren Prozeß der Anpassung innerhalb des Bündnisses mit einer dramatischen Veränderung der Interessenlage verwechseln. Einige Amerikaner glauben, die Europäer kümmern
sich nicht genug um ihre eigene Sicherheit; einige wollen die Anzahl der in
Europa stehenden amerikanischen Truppen einseitig reduzieren. Und in Europa
selber hören wir den Gedanken geäußert, die amerikanische Präsenz sei kein
Beitrag zur Friedenssicherung; im Gegenteil, sie hätte keinen Abschreckungswert oder würde sogar das Risiko eines Angriffs auf unsere Bündnispartner
verschärfen.
Solche Argumente verkennen die geschichtliche Entwicklung und die Realität der transatlantischen Koalition.
Die amerikanische Verpflichtung gegenüber Europa - das versichere ich
Ihnen - bleibt verläßlich und stark.

Die Küsten Europas sind unsere Küsten.

Die Grenzen Europas sind unsere Grenzen.

Und wir werden Ihnen bei der Ver-

teidigung der uns überlieferten Freiheit und der Menschenwürde zur Seite
stehen.

Das amerikanische Volk ist sich der erheblichen Beiträge Europas

für unsere gemeinsame Sicherheit bewußt. Nirgends kann man diesen Beitrag
klarer sehen als hier in der Bundesrepublik.

- 7 -

Bei deutschen Bürgern sind

�Bürgern sind die Streitkräfte von sechs Nationen zu Gast.

Deutsche Soldaten

und Reservisten bilden das Rückgrat der konventionellen Abschreckung der NATO
im Herzen Europas.

Die Bundeswehr ist ein Modell für die Verschmelzung von

militärischen Notwendigkeiten mit einem demokratischen Lebensstil.

Und Sie

sind nicht der schweren Verantwortung ausgewichen, die für die Abschreckung
notwendigen Kernwaffen bei sich aufzunehmen.
Es gilt eine andere Aufgabe zu bewältigen, bei der ich um Ihre Hilfe
bitte.

Viele amerikanische Bürger sind der Meinung, daß manche Europäer

- insbesondere junge Europäer - nicht richtig verstehen, warum wir Amerikaner
in Europa stehen. Wenn Sie mithelfen können, den Menschen auf dieser Seite
des Atlantik die amerikanische Rolle klarzumachen, werde ich auf unserer Seite
das Gleiche tun.
In Ihrem Lande wie auch in meinem haben wir in den letzten Monaten erneut öffentliche Bezeugungen der Besorgnis über die Gefahr eines Atomkrieges
und über den Ausbau der Waffenarsenale gesehen. Ich weiß, daß für die deutschen Menschen das Leben nicht einfach ist, wenn vom Osten her ein Sturm der
Einschüchterung bläst. Gestatten Sie mir, Heine noch einmal zu zitieren. Er
hat fast die Angst vor dem Atomkrieg vorausgesehen, als er schrieb: "Wilde
und düstere Zeiten dröhnen heran. Und der Prophet, der eine neue Apokalypse
schreiben wollte, müßte ganz neue Bestien erfinden, und zwar so erschreckliche, daß die älteren, Johanneischen Tiersymbole dagegen nur sanfte Täubchen und Amoretten wären". Die atomare Bedrohung ist eine schreckliche
Bestie. Vielleicht hat es ein Banner bei einer Demonstration gegen Kernwaffen hier in Deutschland am besten ausgedrückt. Darauf stand: "Ich habe
Angst!" Ich kenne niemand in führender Rolle im Westen, der für diese ernste
Mahnung kein Verständnis hat. Auch ich fühle mich jenen verbunden, die für
den Frieden marschieren. Wäre ich überzeugt, daß Marschieren allein eine
sicherere Welt herbeiführen könnte, würde ich sogar die Parade anführen.
Und ich möchte auch den 2800 Frauen von Filderstadt, die einen Friedensappell
an Präsident Breschnew und an mich gesandt haben versichern, daß ich diesen
Appell gern unterzeichnen würde, wenn ich glauben könnte, daß man damit Ober-

- 8 -

�damit Übereinstimmung herbeiführen könnte.
aus.

Ihr Anliegen verstehe ich durch-

Die Frauen von Filderstadt und ich streben das gleiche Ziel an. Die

Frage ist nur, wie man es am besten erreicht. Wir müssen die Konsequenzen
der Methoden Liberdenken, mit denen" wir die Gefährdung des Friedens eindämmen wollen.
Diejenigen, die vorschlagen, daß wir einseitig auf die Nachrüstung verzichten sollen, werden beweisen müssen, daß dieser Schritt unsere Sicherheit
erhöht und zur Mäßigung auf der anderen Seite führt - kurz gesagt, daß er
die Friedenssicherung fördert, statt sie zu untergraben. Die Ereignisse der
jünsten Geschichte stellen diese Auffassung in Frage.
Diejenigen, die verlangen, daß wir auf die Verwendung eines bedeutsamen Elementes unserer Abschreckungsstrategie verzichten sollen, werden beweisen müssen, wie dies die Kriegsgefahr vermindern würde. Nur im Vergleich
zu einem Nuklearkrieg sind die durch einen konventionellen Krieg hervorgerufenen Leiden das kleinere Übel. Unser Ziel muß es sein, jede Art von Krieg
abzuschrecken.
Und diejenigen, die sich darüber beklagen, daß die Bemühungen zur
Rüstungskontrolle bisher keine wesentlichen"Ergebnisse gebracht haben, müssen
in Erwägung ziehen, wo die Schuld dafür zu suchen ist.

Ich möchte daran er-

innern, daß es die Vereinigten Staaten waren, die ein Verbot der bodengestützten
INF-Waffen vorgeschlagen haben, und es sind diese nuklearen Mittelstreckenraketen, die Europa am meisten bedrohen.

Es war ein Vorschlag der Vereinigten

Staaten, den wir weiterverfolgen werden, drastische Kürzungen in den strategischen Systemen vorzunehmen.

Es war der Westen, der seit langem detaillierte

Informationsaustausche über Streitkräfte und wirksame Nachprüfmethoden zu erreichen gesucht hat.

Und es sind die Diktaturen, nicht die demokratischen

Staaten, die den Militarismus brauchen, um ihre eigenen Menschen im Griff zu
halten und um anderen ihr System aufzuzwingen.
Wir im Westen

�Wir im Westen - Deutsche,Amerikaner, unsere anderen Verbündeten - sind
ernsthaft bestrebt, unsere Bemühungen zur Beschränkung des Wettrüstens weiter
zu verfolgen.

Der gesunde Menschenverstand gebietet uns, nicht aufzugeben.

Ich fordere diejenigen auf, die ernsthaft um wirksame und dauerhafte Rüstungskontrolle bemüht sind, sich hinter die weitreichenden Vorschläge zu stellen,
welche wir vorgelegt haben. Meinerseits verspreche ich, daß wir mit unseren
Verbündeten hierüber weiterhin" die engsten Konsultationen unterhalten werden.
Am 18. November habe ich ein umfassendes und zielstrebiges Programm für
Rüstungskontrolle dargelegt. Darin wird die beiderseitige Reduzierung der
bodengestützten INF-Waffen auf Null vorgeschlagen. Wird dies in die Tat umgesetzt, würde die wachsende Bedrohung Westeuropas durch die modernen sowjetischen SS-20-Raketen beseitigt werden und der NATO-Doppelbeschluß über die
Aufstellung amerikanischer INF-Systeme wäre nicht mehr notwendig.

Und mir

ist es, nebenbei gesagt, unverständlich, warum einige Leute vor den Waffen,
deren Aufstellung die NATO plant, größere Angst haben als vor den Waffen, die
die Sowjetunion schon stehen hat. Unser Vorschlag ist fair, weil er beiden
Seiten die gleichen Beschränkungen und Verpflichtungen auferlegt und weil
er wesentliche Reduzierungen vorschreibt und nicht nur für ein schon bestehendes hohes Maß an Vernichtungspotential Obergrenzen setzt. Wie Sie wissen,
haben wir diesen Vorschlag in Genf gemacht, wo wir seit dem November vorigen
Jahres verhandeln.
zuverfolgen.

Wir beabsichtigen, diese Verhandlungen intensiv weiter-

Ich betrachte sie als einen wichtigen Prüfstein für die Bereit-

schaft der Sowjets zum Abschluß von wesentlichen Rüstungskontroll abkommen.
Wir haben der Sowjetunion am 9. Mai vorgeschlagen, in Genf in diesem
Monat mit den START-Gesprächen über die Reduzierung von strategischen Waffen
zu beginnen.
eröffnet.

Die UdSSR hat zugestimmt, und die Gespräche werden am 29. Juni

Die amerikanische Seite beabsichtigt, sich besonders auf diejenigen

Systeme zu konzentrieren, die am meisten destabilisierend wirken, um dadurch
das Kriegsrisiko zu mindern.

Aus diesem Grunde schlagen wir für die erste

Phase vor, die Anzahl der Gefechtsköpfe für ballistische Raketen sowie die
Raketen selber um ein wesentliches zu verringern.

- 10 -

In der zweiten Phase suchen

�Phase suchen wir eine beiderseitig gleiche Begrenzung bei anderen Elementen
unserer strategischen Kräfte, einschließlich des Wurfgewichts (throw weight)
ballistischer Raketen, die unter dem gegenwärtigen amerikanischen Bestand
liegt.

Cruise Missiles und Bombenflugzeuge werden von uns auf ausgewogene

Weise behandelt werden.
Wir werden mit gutem Willen verhandeln und an diese Gespräche mit demselben Ernst und derselben Zielstrebigkeit herangehen, wie wir dies schon
bei der mehrere Monate andauernden Vorbereitungsphase demonstriert haben.
Ein weiteres Element in dem von mir dargelegten Programm ist die Aufforderung, die konventionellen Streitkräfte in Europa zu reduzieren.

Schon

seit den frühesten Nachkriegsjahren haben sich die westlichen Demokratien
mit der nichts Gutes verheißenden Realität auseinandersetzen müssen, daß
massive sowjetische konventionelle Truppenkontingente immer noch dort stationiert bleiben, wo sie nicht hingehören.

Die Stärke der sowjetischen

Truppen in Mitteleuropa geht weit über legitime Verteidigungsinteressen hinaus.

Ihre Anwesenheit ist umso bedrohlicher, weil die sowjetische militärische

Doktrin sich stark auf" Mobilität und Überraschungsangriffe stützt.

Diese

Truppen, wie man aus der Geschichte ablesen kann, haben sich als Werkzeug
für Einschüchterung und Unterdrückung einen Namen gemacht.
Um dem zu entgehen, müssen die NATO-Verbündeten zeigen, daß sie den
Wil&gt;en und die Fähigkeit besitzen, einen konventionellen Angriff oder Einschüchterungsversuch abzuschrecken. Wir werden aber auch weiterhin nach vertretbaren Wegen suchen, die Zahl des Militärpersonals bei der NATO und beim
Warschauer Pakt auf gleiche Stärke zu reduzieren.
In den letzten Wochen wurden in unserem Bündnis Beratungen geführt,
wie am besten die Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen wieder stimuliert werden können. Als Ergebnis dieser
Beratungen werden die westlichen Vertreter bei den Wiener Gesprächen demnächst einen Vorschlag einbringen, nachdem die beiden Bündnisse beiderseitig

- 11 -

�Bündnisse beiderseitig ihre Landstreitkräfte in nachprüfbaren Phasen auf eine
Gesamtstärke von 700 000 Mann Senken'würden und die Kombination von Landtruppen und Luftwaffenpersonal auf 900 000.
Wenn ein solches Abkommen"auch die Bedrohung nicht aus der Welt schaffen
und unseren Bürgern nicht die Last abnehmen würde, eine umfangreiche Streitkraft zu erhalten, würde es doch ein größerer Schritt sein hin auf ein sichereres Europa, im Osten wie im Westen.

Es könnte zu militärischer Stabilität

auf niedrigeren Ebenen führen und die Gefahren von Fehleinschätzungen und
Überraschungsangriffen mindern. Auch wäre es ein Zeichen für den politischen
Willen beider Bündnisse, durch die Beschränkung ihrer Streitkräfte im Zentral gebiet der militärischen Konkurrenz die Stabilität zu fördern.
Der Westen hat eine Reihe von klaren Zielen gesetzt. Wir im Bündnis
werden unsere Pläne vorantreiben, unsere konventionellen Streitkräfte in Europa zu verbessern. Gleichzeitig schlagen wir ein Rüstungskontroll abkommen vor,
das die konventionellen Kräfte auf einer wesentlich niedrigeren Ebene gleichstellen würde.
Wir werden mit unseren Vorbereitungen fortfahren, die nuklearen Streitkräfte in Europa zu modernisieren.

Aber auch hier werden wir nicht aufhören,

daran weiterzuarbeiten, die andere Seite in Genf zur Annahme unseres Vorschlags
über das Verbot bodengestützter INF-Raketen zu bewegen.
In den Vereinigten Staaten bewegen wir uns vorwärts mit den von mir im
letzten Jahr angekündigten Plänen, unsere strategischen Nuklearstreitkräfte
zu modernisieren.

Diese Kräfte leisten einen wichtigen Beitrag zur Friedens-

sicherung und Kriegsabschreckung.

Auch auf diesem Gebiet haben wir die Auf-

nahme der START-Gespräche angeregt, und wir werden diese Gespräche mit Entschlossenheit führen und verfolgen.
Auf jedem dieser Gebiete basiert unsere Politik auf der Oberzeugung,
daß ein stabiles militärisches Gleichgewicht auf der niedrigstmöglichen Ebene

�niedrigstmöglichen Ebene der Sache des Friedens dienlich ist.

Die andere

Seite wird auf diese Initiativen nur dann ernsthaft eingehen, wenn sie glaubt,
daß wir entschlossen sind, für unsere eigene Verteidigung zu sorgen. Wenn
unsere Gegner nicht davon überzeugt sind, daß wir uns zusammenschließen werden
und daß wir weiterhin hinter diesen Initiativen zur Rüstungskontrolle und hinter diesen Modernisierungsprogrammen geschlossen stehen bleiben können, werden
sie versuchen, uns voneinander und unsere Völker von ihren Regierungen zu
trennen.
Ich bleibe optimistisch über unsere Beziehungen zur Sowjetunion» solange
die westlichen Nationen ihren Werten treu bleiben und die Treue zueinander
nicht verlieren. Ich glaube an die westliche Zivilisation und an ihre moralische Kraft. Ich glaube zutiefst an die Ideale, denen der Westen verschrieben ist. Und wenn wir uns von diesen Idealen leiten lassen, glaube ich, daß
wir eine geradlinige, durchführbare und dauerhafte Politik finden können,
welche uns den Frieden erhält.
Ich habe gesagt, das deutsche Volk habe einen bewunderungswerten Dom
der Demokratie aufgerichtet.

Aber ein weiteres Bauwerk steht uns noch bevor.

Wir müssen einen Dom des Friedens bauen, wo Nationen den Krieg und Menschen
den Verlust ihrer Rechte nicht zu fürchten brauchen.
Ich habe von der Geschichte des berühmten Kölner Doms gehört; wie seine
herrlichen., aufstrebenden Türme wie ein Wunder die Zerstörung ringsumher und
die Beschädigung der Kirche selber überdauert haben.

Laßt uns wie die Kölner

einen solchen Dom bauen - aus tiefster Überzeugung und mit Entschlossenheit.
Laßt ihn uns bauen wie sie es taten - nicht nur für uns, sondern für die kommenden Generationen.

Denn wenn wir beim Bau des Friedens richtig vorangehen,

wird er genauso dauerhaft sein wie die Türme von Köln.

+ + + + +

- 13 -

�14. Juni 1982

23

ANSPRACHE PRÄSIDENT REAGANS IM CHARLOTTENBURGER SCHLOSS IN BERLIN
AM 11. JUNI 1982

BERLIN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hielt am 11. Juni 1982
vor dem Charlottenburger Schloß in Berlin eine Ansprache, in der er eine
neue Friedensinitiative ankündigte. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Es war einer der größten Söhne Deutschlands, Goethe, der sagte:
"Wo viel Licht ist, ist starker Schatten".

In unseren Zeiten ist Berlin

mehr als jeder andere Ort der Welt ein solcher Treffpunkt von Licht und
Schatten, Tyrannei und Freiheit.

Hier in Berlin zu sein, heißt wahrhaftig

am Rande der Freiheit und im Schatten einer Mauer zu stehen, die zum Symbol
der schwärzesten Schatten in der heutigen Welt geworden ist, und zu spüren,
wie leuchtend und unbezahlbar unser Erbe der Freiheit ist - und wie sehr
es der ständigen Wachsamkeit und des ständigen Schutzes bedarf.
Dieser Tag bedeutet für mich eine glückliche Rückkehr.

Ich stattete

dieser großen Stadt vor über drei Jahren als privater Bürger meinen ersten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�ersten Besuch ab.

Und wie jeder andere Berlinbesucher kehrte ich mit dem

lebendigen Eindruck einer Stadt nach Hause zurück, die mehr ist als nur ein
Punkt auf der Landkarte - eine Stadt, die ein bleibendes Zeugnis beider Seiten
unserer Zeit darstellt, das, was uns am meisten erhebt und das, was uns am
meisten bedrückt.
Thomas Mann schrieb einmal:

"Der Mensch lebt nicht nur sein persön-

liches Leben als Einzelwesen, sondern, bewußt oder unbewußt, auch das
seiner Epoche und Zeitgenossenschaft."

Nirgendwo gilt dies mehr als in

Berlin, wo jeder Augenblick des täglichen Lebens vor dem Hintergrund
konkurrierender Weltsysteme und Ideen stattfindet.
sein

Ein Berliner zu

heißt,in dem großen historischen Kampf dieses Zeitalters, dem jüngsten

Kapitel im zeitlosen Streben des Menschen nach Freiheit zu leben.
Als Amerikaner verstehen wir dies. Unsere Verpflichtung gegenüber
Berlin ist eine dauerhafte Verpflichtung. Tausende unserer Bürger haben
hier Dienst getan, seit das erste kleine Kontingent amerikanischer Truppen
am 4. Juli 1945, dem Jahrestag unserer eigenen Unabhängigkeit als Nation,
hier eingetroffen ist. Seither haben Amerikaner ständig hier Dienst getan - nicht als Eroberer, sondern als Hüter der Freiheit Westberlins und
seiner tapferen, stolzen Einwohner.
Heute möchte ich meinen amerikanischen Mitbürgern, im militärischen
und im zivilen Bereich, die den USA und der Bevölkerung von Berlin damit
als Schildwache der Freiheit für alle dienen, mein Lob und meinen Dank
aussprechen.
Ich möchte auch der Bevölkerung dieser großen Stadt meine persönliche
Hochachtung ausdrücken.

Mein heutiger Besuch hier ist Beweis dafür, daß

sich diese amerikanische Verpflichtung gelohnt hat.

Unsere Freiheit ist

unteilbar.
Die amerikanische

�Die amerikanische Verpflichtung geht weit tiefer als unsere militärische Präsenz.

In den 37 Jahren seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben

amerikanische Präsidenten immer wieder klargemacht, daß unsere Rolle in
Berlin Sinnbild für unser gesamtes Streben nach Frieden in ganz Europa
und in der Welt ist.
Es ist diesen Monat zehn Jahre her, seit dieses Streben zum Inkrafttreten des Viermächte-Abkommens für Berlin geführt hat. Heute, ein Jahrzehnt später, leben die Westberliner sicherer, können freier reisen und
haben, was noch wichtiger ist, mehr Kontakte zu Freunden und Verwandten
in Ostberlin und Ostdeutschland, als dies vor zehn Jahren möglich war.
Diese Ergebnisse spiegeln die realistische Einstellung der alliierten
Unterhändler wider, die erkannten, daß praktischer Fortschritt erzielt
werden kann, selbst wenn grundlegende Unterschiede zwischen Ost und West
bestehen bleiben. Als Ergebnis ist es beiden Seiten gelungen, ihre Differenzen in Berlin zum Segen der ganzen Menschheit ohne einen bewaffneten
Zusammenstoß zu regeln.
Die Vereinigten Staaten bleiben dem Berlin-Abkommen verpflichtet.
Wir werden weiterhin die strikte Einhaltung und volle Verwirklichung
aller Aspekte dieses Abkommens erwarten, einschließlich jener, die für
den Ostsektor Berlins gelten.
Obwohl wir über den in Berlin erreichten teilweisen Fortschritt erfreut sind, so lassen uns aber andere Entwicklungen der zunehmenden militärischen Macht und des Expansionismus der Sowjetunion bewußt werden.
Statt mit dem Westen daran zu arbeiten, Spannungen abzubauen, um die
Kriegsgefahr zu beseitigen, hat die Sowjetunion die größte militärische
Aufrüstung in der Weltgeschichte unternommen.

Sie hat ihre neu gewonnene

Macht dazu benutzt, rücksichtslos ihre Ziele in der ganzen Welt zu verfolgen.
Wie das traurige Beispiel Afghanistans beweist, hat die Sowjetunion keineswegs

- 3 -

�keineswegs immer das kostbare Recht der nationalen

Souveränität respek-

tiert, das zu bewahren sie als Signatarstaat der Charta der Vereinten
Nationen verpflichtet ist.

Und nur eine Tagesreise mit dem Auto von hier,

in der großen Stadt Warschau, leidet ein mutiges Volk, weil es gewagt hat,
nach den grundlegendsten Menschenrechten zu streben, die in jener Schlußakte von Helsinki verkündet werden.
\

Die Bürger des freien Berlin wissen die Bedeutung der Einheit des
Bündnisses angesichts solcher Herausforderungen besser zu schätzen als .
irgend jemand sonst.

Zehn Jahre nach dem Berlin-Abkommen ist die Hoff-

nung auf dauerhaften Frieden, die es geweckt hat, mehr eine Hoffnung als
eine Gewißheit geblieben.

Aber die Hoffnungen freier Menschen - seien

sie Deutsche oder Amerikaner - sind sehr schwer zu ersticken.

Wir werden

uns nicht in Fatalismus oder in Resignation hineinreden oder hineinzwingen
lassen.

Wir sind der Überzeugung, daß Fortschritt zu einem gerechten und

dauerhaften Frieden erzielt werden kann - daß wesentliche Gebiete der

..

Übereinstimmung mit potentiellen Gegnern gefunden werden können -, wenn
die Kräfte der Freiheit mit Festigkeit und Einigkeit handeln und mit ernsthaftem Verhandlungswillen vorgehen.
Wir Verbündete haben gelernt, daß ein gesundes militärisches Gleichgewicht notwendig ist, um am Verhandlungstisch Erfolg zu haben. Gestern
sind die anderen Regierungschefs der NATO und ich übereingekommen, daß es
wesentlich ist, ein solches militärisches Gleichgewicht zu erhalten und
zu stärken. Und hieran soll niemand zweifeln: Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin ihre Verpflichtung gegenüber Berlin einhalten. Unsere
Streitkräfte werden so lange hier bleiben wie notwendig, um den Frieden
zu erhalten und die Freiheit der Bevölkerung von Berlin zu schützen.
Für uns ist die amerikanische Präsenz in Berlin, solange sie notwendig ist,
keine Last, sondern eine unumstößliche Verpflichtung.
Unser Auftrag

�Unser Auftrag hier ist ein Verteidigungsauftrag.

Wir stellen keine

Bedrohung für jene Menschen dar, die auf der anderen Seite der Mauer leben.
Ich möchte die Führer des Sowjetblocks zu etwas herausfordern - einer
neuen Berlin-Initiative!

Sie ist eine Aufforderung zum Frieden.

Wir fordern sie auf, sich uns anzuschließen in unseren Bemühungen um
den Frieden, die Sicherheit und den Abbau der Spannungen und der Waffenarsenale, die zu einem künftigen Konflikt führen könnten.
Wir fordern die Sowjetunion auf, wie wir es im vorigen Jahr vorgeschlagen haben, ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abzubauen. Wenn
Präsident Breschnew dem zustimmt, sind wir bereit, auf alle unsere landgestützten Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen zu verzichten.
Wir fordern die Sowjetunion, wie die NATO gestern vorgeschlagen
hat, auf, die konventionellen Landstreitkräfte des Warschauer Paktes
und der NATO in Mitteleuropa auf jeweils 700 000 Mann zu verringern und
die Gesamtstärke der Land- und Luftstreitkräfte der beiden Bündnisse
auf jeweils 900 000 Mann.
Und wir fordern die Sowjetunion auf, sich an das zu halten, was
ihre Führer durch ihre Unterschrift in Helsinki bestätigt haben, nämlich
die grundlegenden Menschenrechte des sowjetischen Volkes und der osteuropäischen Völker zu achten.
Eine positive Antwort der Sowjets auf diese ernsthaften, ausgewogenen Vorschläge - diesen Appell zur Versöhnung statt zur Konfrontation könnte die Tür zu einer Konferenz über Abrüstung in Europa öffnen.

Wir Amerikaner

�Wir Amerikaner sind Optimisten - aber wir sind auch Realisten.
Wir sind friedfertige Menschen - aber schwach oder leichtgläubig sind
wir nicht. Wir sehen also mit Hoffnung der Antwort der Sowjetunion entgegen - aber wir erwarten positive Handlungen, nicht bloße Worte als
ersten Beweis der guten Absichten der Sowjets. Wir erwarten, daß die
Antwort auf meine Berliner Friedensinitiative endlich den.Beweis dafür
liefern wird, daß die Sowjetunion ernsthaft mitarbeiten will, die Spannungen
in anderen Teilen der Welt abzubauen, wie sie dazu hier in Berlin fähig
war.
Frieden, so heißt es, ist mehr als nur Abwesenheit eines bewaffneten
Konflikts. Eine Verringerung der Streitkräfte allein wird.nicht automatisch die langfristigen Aussichten auf Frieden garantieren.
In den fünfziger und sechziger Jahren ist die Welt für Berlin mehrmals bis an den Rand des Krieges gegangen. Streitkräfte oder militärische
Bewegungen allein führten nicht zu jenen Konfrontationen. Sie entstanden,
weil sich die Sowjetunion weigerte, den freien Fluß von Menschen und
Ideen zwischen Ost und West zuzulassen. Und sie entstanden, weil die
sowjetischen Behörden und ihre Günstlinge.Millionen von Bürgern in Ostdeutschland unterdrückten, die nicht unter einer kommunistischen Diktatur
leben wollten.
So möchte ich mich im zweiten Teil der neuen Berlin-Initiativen
Amerikas auf Mittel und Wege konzentrieren, die menschlichen Schranken
abzubauen - Schranken so trostlos und brutal wie die Berliner Mauer
selbst, die Europa heute trennen.
Wenn ich den Führern des Sowjetblocks.nur eine Botschaft ans Herz
zu legen hätte, dann wäre es diese: Denkt an eure eigenen künftigen
Generationen. Blickt mit mir zehn Jahre in die Zukunft, wenn wir den
20. Jahrestag des Berlin-Abkommens feiern werden. Was werden dann die

\

- 6 \

�dann die Früchte unserer Bemühungen sein?
Führer dann als ihr Denkmal sehen?

Was wollen die sowjetischen

Eine Gefä'ngnismauer, umringt von

Stacheldraht und bewaffneten Posten, deren Waffen auf unschuldige Zivilisten
gerichtet sind - ihre eigenen Bürger?

Wollen sie sich weiterhin so ver-

halten, daß sie nur die Verachtung freier Menschen und das Mißtrauen
ihrer eigenen Bürger ernten werden?
Oder wollen sie, daß man sich ihrer erinnert, weil sie unser Angebot
angenommen haben, Berlin als einen Ausgangspunkt für echte Anstrengungen
zum Abbau der menschlichen und politischen Spaltungen zu benutzen, die
die letztliche Ursache jedes Krieges sind?
Wir im Westen haben unsere Wahl getroffen. Amerika und seine Verbündeten begrüßen den friedlichen Wettstreit - in Ideen, in der Wirtschaft
und in allen Bereichen der menschlichen Tätigkeit. Wir erstreben keinen
Vorteil. Wir begehren kein anderes Territorium und wir wollen anderen
keine Ideologie oder Lebensform aufzwingen.
Zehn Jahre nach dem Berlin-Abkommen ist die Zeit gekommen, das Versprechen zu erfüllen, das es zu seinem Beginn zu bieten schien. Ich fordere Präsident Breschnew auf, sich mir in einer ernsthaften Bemühung anzuschließen, die enttäuschten Hoffnungen der siebziger Jahre in die Wirklichkeit eines sichereren und freieren Europas der achtziger Jahre umzusetzen.
Ich bin entschlossen, alles nur mögliche zu tun, unserer Zivilisation
die Katastrophe eines Atomkrieges zu ersparen.

Stabilität hängt in erster

Linie von der Aufrechterhaltung eines militärischen Gleichgewichts ab,
das einen Aggressor nicht in Versuchung führt; und die Rüstungskontroi 1vorschläge, die ich gemacht habe, dienen dazu, die Abschreckung zu stärken
und Stabilität auf einem wesentlich niedrigeren und gleichen Stand der
Streitkräfte zu erreichen.

Gleichzeitig könnte zwischen den Vereinigten Staaten

- 7 -

�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über andere Maßnahmen verhandelt
werden, die den Frieden stärken und dazu beitragen, die Möglichkeit eines
nuklearen Konflikts zu verringern.

Dazu gehören Maßnahmen zur Förderung

des gegenseitigen Vertrauens und zur Verbesserung der Kommunikation sowohl
in Friedens- wie in Krisenzeiten.
Frühere Abkommen haben den "heißen Draht" zwischen Moskau und Washington
geschaffen, Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines unbeabsichtigten
Ausbruchs eines Kernwaffenkrieges eingeführt und die Ankündigung bestimmter
Raketenstarts vorgesehen.

Wir prüfen jetzt andere konkrete und praktische

Schritte, um zu einer weiteren Verringerung des Risikos eines nuklearen
Konflikts beizutragen.

Ich habe vor, dies mit der Sowjetunion weiter zu

verfolgen.
Es ist an der Zeit, noch weiter gehende Schritte zu unternehmen,
um das Risiko eines Krieges durch Zufall oder Mißverständnisse auszuschalten. Wir werden der Sowjetunion in Kürze Vorschläge unterbreiten
auf solchen Gebieten wie der Bekanntgabe strategischer Übungen, dem Abschuß von Raketen und eines erweiterten Austausches von Daten über strategische Streitkräfte. Zusammengenommen würden diese Schritte eine
qualitative Verbesserung im nuklearen Bereich darstellen. Sie würden
ferner dazu beitragen, die Möglichkeiten der Fehlinterpretation im Falle
von Übungen und Raketenprobeschüssen zu verringern. Und sie würden die
Geheimhaltung und Zweideutigkeit verringern, mit denen militärische Tätigkeiten umgeben sind. Und wir erwägen noch weitere Maßnahmen.
Wir werden diese Vorschläge der Sowjetunion in gutem Glauben unterbreiten.

Wir hoffen, daß ihre Antwort auf diese Berlin-Initiative - be-

nannt nach einer Stadt, die sich der Kosten und Risiken des Krieges ganz
besonders bewußt ist - positiv sein werden.
Ein einiges,

- 8 -

�Ein einiges, entschlossenes westliches Bündnis steht bereit, sich,
wenn notwendig, zu verteidigen, aber wir sind ebenso bereit, mit dem
Sowjetblock friedlich zusammenzuarbeiten, wenn die Führer des Ostens bereit sind, dasselbe zu tun.
Ich darf die andere Seite an die Worte Schillers erinnern:

"Denn

wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten."
Sie sollten sich uns heute anschließen indem Bemühen um einen dauerhaften
Frieden und ein besseres Leben für die Generationen von morgen auf beiden
Seiten dieser öden Mauer; und das Brandenburger Tor soll dann ein Symbol
werden, nicht für zwei getrennte und

feindliche Welten, sondern ein

offenes Tor, durch das freie Ideen und friedlicher Wettbewerb passieren
können.
Abschließend möchte ich mich noch einmal an die Menschen von Berlin
wenden.

Schon bei meinem ersten Besuch in Ihrer Stadt habe ich mich

Ihnen zugehörig gefühlt, wie alle freien Frauen und Männer in der Welt.
Wir haben die Blockade und die Luftbrücke mit Ihnen durchgestanden.
haben den heroischen Wiederaufbau einer verwüsteten Stadt erlebt.

Wir
Wir

haben gesehen, wie Sie starke und demokratische Institutionen geschaffen
haben.
Als ich im Jahr 1978 hierher kam, war ich tief bewegt und stolz
auf Ihren Erfolg.

Welchen besseren Beweis könnte es geben, was Freiheit

vollbringen kann, als die pulsierende, blühende Insel, die Sie inmitten
eines feindlichen Meeres geschaffen haben?

Heute ist meine Bewunderung

für Ihren Mut und Ihre Leistung noch größer geworden.
Sie sind für uns alle eine ständige Inspiration - für unsere Hoffnungen und Ideale und für die menschlichen Eigenschaften des Mutes, der
Standhaftigkeit und des Glaubens, die die einzigen Geheimwaffen des Westens
sind, denen kein totalitäres Regime je etwas Gleichwertiges entgegensetzen

- 9 -

�entgegensetzen kann. Solange Berlin besteht, kann es keinen Zweifel
an der Hoffnung für die Demokratie geben.
Sicher, die verhaßte Mauer steht noch immer. Aber auf dieser Seite,
wo es keine Unterdrückung gibt, steht etwas, das diese trostlose Mauer,
die den Osten vom Westen trennt, überragt und das stärker ist, nämlich
der Charakter der Berliner.
Sie haben in Ihrer großartigen Stadt an der Spree ausgehalten und
mein erneuter Besuch hat mich überzeugt, wie es in den Worten des beliebten alten Liedes heißt: "Berlin bleibt doch Berlin".
Wir alle erinnern uns an die bewegenden Worte John F. Kennedys, als
er Berlin besuchte. Ich kann nur hinzufügen, daß wir in Amerika und im
Westen noch immer Berliner sind und auch immer bleiben werden. Und ich
sage dies mit Stolz: "Es ist schön, sich wieder zuhause zu fühlen".

+ + + + +

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

ERKLÄRUNG DES PRÄSIDENTEN BEIM ABFLUG IN BONN

BONN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat vor seinem Abflug auf dem Flughafen Köln-Bonn am 11. Juni 1982 für die herzliche Aufnahme in Bonn und Berlin
gedankt und die deutsch-amerikanische Freundschaft als "unerschütterlich" bezeichnet.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundeskanzler Schmidt, Herr Genscher, Exzellenzen, meine Damen und Herren,
Nancy und ich sind sehr dankbar für die Herzlichkeit und Freunschaft,
die uns bei unseren kurzen Besuchen 1n Bonn wie auch in Berlin entgegengebracht worden sind.
Ich habe heute morgen in Berlin über jene tragische Mauer geblickt und die
schrecklichen Konsequenzen gesehen, die sich ergeben, wenn die Freiheit verweigert wird. Aber ich war von dem Mut und von der Hingabe an die Freiheit, die
ich in so vielen Gesichtern auf der westlichen Seite Berlins gesehen habe,
sehr inspiriert.
Der Zweck meines Besuches nach Bonn war, mich mit führenden Persönlich-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�führenden Persönlichkeiten

in der Bundesregierung und mit unseren Kollegen

aus anderen Ländern zu beraten.
ßer Erfolg.

Beide Aspekte dieses Besuches waren ein gro-

Wir haben nicht versucht, den Problemen, denen der Westen in den

kommenden Jahren gegenübersteht, auszuweichen.

Wir haben sie tatkräftig an-

gepackt und festgestellt, daß-wie immer - das, was uns vereint, viel tiefer
gegründet ist und viel bedeutsamer ist, als irgendwelche Differenzen, die
existieren mögen.
Wir verlassen die Bundesrepublik mit erneutem Optimismus über die Zukunft der westlichen Welt. Wir verlassen Ihr Land auch mit einem sehr warmen
Gefühl in unseren Herzen über die Menschen in Bonn, in Berlin und in der
Bundesrepublik Deutschland.
Diplomatie ist wichtig,aber die Freundschaft hinterläßt einen noch bleibenderen Eindruck. Und diese Freundschaft füreinander war ein besonders bewegendes Erlebnis für uns. Nancy und ich waren auch besonders gerührt über
Ihre große Gastfreundschaft.

Wir wissen jedoch, daß Ihr Willkommen nicht nur

für uns gemeint war, sondern für das gesamte amerikanische Volk.
Solche Reisen, solche Konferenzen sind sehr anstrengend, man arbeitet
lange Stunden und für alle sind sie ermüdend. Aber diese waren erfolgreich
und darauf kommt es an. Und heute ist erkennbar, warum sie erfolgreich sein
müssen - denn worum es geht und worauf es ankommt bei all dem,was wir auf diesen Konferenzen zu erreichen suchen, wird in diesen jungen Menschen hier sichtbar. Wir müssen ihnen eine Welt der Chancen und des Friedens hinterlassen.
Und wenn das unser Ziel und unsere Inspiration ist, dann können wir nicht
scheitern.
Jetzt bleibt mir nur noch übrig, Ihnen noch einmal für das herzliche
Willkommen zu danken und zu sagen, daß die deutsch-amerikanische Freunschaft
im wahrsten Sinne des Wortes eine der beständigsten Grundlagen für die westliche Zusammenarbeit und für den Frieden und für die Freiheit in der Welt

- 2 -

�der Welt darstellt. Dieser Besuch hat mich überzeugt, daß uns eine Freundschaft verbindet, die unerschütterlich ist.
Ich danke Ihnen noch einmal aus ganzem Herzen und möchte sagen, good-bye
und auf Wiedersehen.

+ + + + +

3 -

�14. Juni 1982

ANKUNFTSERKLÄRUNG DES PRÄSIDENTEN IN WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung nach seiner Rückkunft von der
zehntägigen Europareise betonte Präsident Ronald Reagan am 11. Juni 1982,
daß Amerika wieder von Freunden und potentiellen Gegnern respektiert werde.
Die kurze Ansprache auf dem Luftstützpunkt Andrews in der Nähe von Washington,
wo der Präsident mit seiner Sondermaschine landete, hat folgenden Wortlaut:
Nach dem Besuch sechs großer Städte Europas ist eines ganz klar geworden und wir verlieren das gelegentlich aus den Augen: Amerika hat viele Freunde in
der Welt.
Sicher, es gab Demonstranten, die mit dem oder jenem unserer Politik nicht
einverstanden waren. Aber ich kann Ihnen versichern, daß in jeder Stadt die
Straßen von Menschen gesäumt waren, die Amerika zujubelten, und die meisten
schwenkten amerikanische Flaggen.
Und heute Vormittag sprach ich zu 25 000 Menschen vor dem Charlottenburger
Schloß in Berlin. In dem Park zu stehen und zu erleben, wie diese 25 000 Berliner

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�25 000 Berliner amerikanische Flaggen schwenkten und uns zujubelten und uns
für das dankten, was wir für sie bedeuten, das ist ein Erlebnis, das man
schwer in Worten ausdrücken kann.
Ich kann berichten, daß wir das erreicht haben, was wir auf dieser Reise
erreichen wollten. Unsere Freundschaften sind fest und Amerika ist wieder bei
Verbündeten und potentiellen Gegnern respektiert.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in Versailles bekräftigten wir unsere Verpflichtung, die Inflation zu bekämpfen, den Handel auszuweiten und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Wir einigten uns auf kooperative Mittel
und Wege zur Lösung der schwierigen wirtschaftlichen Probleme, vor denen unsere
Länder stehen, und auf eine wachsamere und zurückhaltendere Einstellung zum
Handel mit dem Sowjetblock.
Auf dem NATO-Gipfel in Bonn begrüßten wir Spanien als 16. Mitglied des
Bündnisses, und ich mußte dort einfach - ich konnte nicht widerstehen - auf
die Einzigartigkeit dieser Situation in der Welt hinweisen. Hier ist ein
weiteres demokratisches Land, Spanien, unserem Bündnis beigetreten. Wann haben
Sie je davon gehört, daß sich ein Land freiwillig darum bemüht hätte, Mitglied
des Warschauer Paktes zu werden?
Wir billigten einen neuen Vorschlag des Westens für den Abbau der konventionellen Waffen in Europa, und wir haben das, woran wir seit einem Jahr
gearbeitet haben, formell zum Ausdruck gebracht - einen Konsens über die Notwendigkeit, unsere Verteidigung zu verbessern, während wir unsere Bereitschaft
bestätigen, mit den Sowjets in gutem Glauben über einen sichereren Frieden zu
verhandeln.
Die NATO ist heute zuversichtlicher - zuversichtlich hinsichtlich ihrer
Fähigkeit, sowohl ihre Stärke zu bewahren als auch den Frieden zu fördern.
In Rom

�In Rom habe ich mit seiner Heiligkeit, dem Papst, über unser ständiges
Streben nach Frieden gesprochen, und ich hatte die Gelegenheit, mit führenden
Persönlichkeiten Italiens zusammenzutreffen - eines Landes, das in seiner
Unterstützung des Bündnisses und der Politik der Vereinigten Staaten so stark
und beharrlich ist, wie kaum ein anderes.
Und in Rom hatte ich auch das Vergnügen, mit einer Gruppe junger Männer
zusammenzukommen und ihnen persönlich zu danken. Es waren die Männer, die
General Dozier befreit haben.
Die Erhaltung unserer freien Institutionen ist schließlich der wichtigste
Grund für unsere Bemühungen, das Bündnis zu stärken. Als ich meinen europäischen
Freunden zuhörte, habe ich viel über ihre Einstellungen und Besorgnisse erfahren.
Sicher, wir haben unsere Differenzen, aber ich bin fest überzeugt, daß
unsere Werte die gleichen sind; daß unsere Ziele die gleichen sind - und wenn
wir verschiedener Ansicht sind, wie diese Ziele erreicht werden sollen, dann
können wir uns einigen.
Als meine Reise begann, taten die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende, um den Konflikt im Südatlantik ehrenvoll zu beenden. Und jetzt,
am Ende meiner Reise, versuchen die Vereinigten Staaten wieder, dem Nahen Osten
Frieden zu bringen.
Unsere Verantwortungen als großes Volk umspannen ohne Frage den Erdball.
Die Nationen des Westens erwarten alle von uns die Führung in der Erhaltung
von Freiheit und Frieden. Das ist keine Bürde, die wir erstrebt haben, aber
wir werden sie auch niemals abschütteln.
Ich habe unseren Verbündeten eine Botschaft gebracht, daß die Vereinigten
Staaten ein fester und zuverlässiger Partner bleiben werden. Ich habe in Bonn
gesagt, daß sie nicht allein dastehen und wir auf ihrer Seite stehen.
Und heute

�Und heute abend kehre ich mit einer Botschaft von unseren Verbündeten
nach Hause zurück - eine Botschaft, die mir bei jedem Aufenthalt auf meinem
Wege aufgetragen wurde - Amerikaner, wir stehen nicht allein da, auch sie
stehen auf unserer Seite.
Unsere Bündnisse waren nie stärker. Die mächtige Freundschaft freier
Nationen wird nie untergehen. Zusammen mit unseren Freunden in Obersee werden
wir unsere Pflichten als die größte Macht der Welt für Freiheit und Frieden
erfüllen.
+++++

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Interview mit dem amerikanischen Präsidenten am Vorabend seiner Europareise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Europäische Fernsehgesellschaften befragen Ronald Reagan -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Präsidenten vor seiner Abreise nach Europa&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Präsident Reagan zum Abschluss des Wirtschaftsgipfels in Versailles&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ronald Reagan betont Amerikas Bemühen um den Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Präsidenten bei seinem Besuch im Vatikan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und italienischen Regierung zum Besuch des US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten vor dem Britischen Parlament&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Reagans vor dem Deutschen Bundestag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Reagans vor dem Charlottenburger Schloss in Berlin&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Präsidenten beim Abflug in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung des Präsidenten in Washington&amp;nbsp;</text>
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24

15. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen
- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -

HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet
Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung

1

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All

i

Stress bei Pflanzen
- Indikator für Wasserbedarf -

wird gebeten

D 5300 Bonn 2

22 40
Telex: 8-85432

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Dokumentation

ii

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24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU DEN NEUEN START-VORSCHLÄGEN
Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung am
8. Juni 1983, dem Tag der Wiederaufnahme der START-Verhandlungen in Genf,
bekanntgegeben, daß sein revidierter Vorschlag für die Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen (START) den Empfehlungen der ScowcroftKommission folgte

und eine größere Flexibilität der amerikanischen Position

böte.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut: Die Verhandlungen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) sind heute in Genf
offiziell wieder aufgenommen worden. Ich möchte kurz über meine Hoffnungen
für diese wichtigen Verhandlungen und über Änderungen sprechen, die in unserem
START-Vorschlag vorzunehmen wir beschlossen haben. Diese Änderungen geben
Besorgnisse und Empfehlungen der Scowcroft-Kommission, des Kongresses und
anderer wieder. Sie bieten die Aussicht auf neuen Fortschritt zu einem STARTAbkommen.
Neuer Konsens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�*

Neuer Konsens und neuer Fortschritt
Bevor ich auf Einzelheiten zu sprechen komme, möchte ich auf etwas eingehen, was ich als eine sehr positive Entwicklung sowohl hier im eigenen Land
als auch im Ausland betrachte. Id. freue mich,sagen zu können, daß heute ein
wachsendes Gefühl besteht, daß wir Fortschritte machen. Ich bin gerade in
Williamsburg mit den Führern der wichtigsten Industriestaaten zusammengetroffen
und war dort nicht nur von den Fakten und Zahlen beeindruckt, die auf einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung hindeuten, sondern auch von dem Geist des
Optimismus und der Zusammenarbeit, der beachtlich war. Dieser gleiche Geist
ist in unseren Erörterungen von Sicherheitsräten sichtbar. In der NATO
herrscht, wie in unseren anderen Bündnissen, ein neues Gefühl der Partnerschaft. Das Atlantische Bündnis ist lebendig und in gutem Zustand, und die
dortigen engen Konsultationen sind eine Quelle der Stärke und der Mitwirkung
eines jeden Mitgliedstaates.
Die Scowcroft-Kommission
Mindestens ebenso wichtig und erfreulich für mich ist der neue Geist
der Überparteilichkeit in Fragen der nationalen Sicherheit, der in beiden
Häusern des Kongresses immer deutlicher wird. Als ich die Scowcroft-Kommission
einsetzte, konnte ich die Wirkung noch nicht voraussehen, die dieses ausgezeichnete Gremium ausüben würde. Die Arbeit der Kommission, die über die MXRakete hinausging und sich entscheidenden Fragen der Abschreckung und
Rüstungskontrolle zuwandte, ist eindeutig zu einem starken Anreiz für das
überdenken der nationalen Politik geworden. Der Bericht der Kommission
stellt einige Lieblingsannahmen in Frage und fordert Änderungen in unserer
strategischen Planung. Gleichzeitig unterstützt er die Ziele der Rüstungskontrolle, die meiner Administration am meisten am Herzen liegen: einschneidende Verringerungen, Modernisierung um der Stabilität will et und Beseitigung
- 2 -

�der Erstschlag-Drohung.
Ich habe dem Kongress meine volle Unterstützung der Empfehlungen der
Scowcroft-Kommission und meine ..o^icht zugesichert, -ie in unseren STARTVorschlag einzubauen. Damit wir auch weiterhin von ihrem klugen Rat profitieren können, habe ich die Kommission gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen.
Ihre überparteiliche Mitgliedschaft wird sie in die Lage versetzen, mir zur
rechten Zeit mit Rat zur Seite zu stehen, sowohl was die Übernahme ihrer
Vorschläge in unser Verteidigungsprogramm als auch in unsere Rüstungspolitik
angeht.
Konsultationen mit dem Kongress
Der Bericht der Scowcroft-Kommission bietet uns eine neue Chance für
Fortschritt. Er bietet einen konsequenten und zusammenhängenden Rahmen als
Richtschnur für unsere Überlegungen bezüglich der grundlegenden Elemente
unserer nationalen Sicherheitspolitik: Abschreckung, Verteidigung und Rüstungskontrolle. Aber darüberhinaus bietet er die Basis für eine neuerliche überparteiliche Unterstützung dieser Politik.
Um diese entscheidende Chance zu nutzen, habe ich auf der Basis der
Ergebnisse der breitestmöglichen Beratung

neue Schritte angeordnet, um einen

Fortschritt bei der Erzielung echter RüstungsVerringerungen bei den STARTVerhandlungen zu erzielen. Diese an Botschafter Ed Rowny, unseren Chefunterhändler bei den START-Verhandlungen, ergangenen Anweisungen haben den Zweck,
die amerikanische START-Position anzupassen und sie in Übereinstimmung mit
den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu bringen, und unseren Verhandlungsführern bei der Verfolgung unserer Grundziele zusätzliche Flexibilität
zu geben.
Obwohl wir

�Obwohl wir einen umfassenden Vorschlag über die Begrenzung strategischer
Raketen und Bomber vorgelegt haben, ist jnd bleibt es unser Hauptziel bei den
START-Verhandlungen, die Bedrohung zu verringern, die von den am meisten destabilisierenden Systemen, nämlich den ballistischen Raketen ausgeht. Um
dieses Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen nötig, die Zahl, Zerstörungskraft
und Potential von Raketengefechtsköpfen einschränken. Die von uns vorgeschlagene Begrenzung auf insgesamt 5000 Raketengefechtsköpfe - eine Verringerung
des gegenwärtigen Standes um ein Drittel - bleibt das zentrale Element der
amerikanischen START-Position.
Die in früheren Gesprächsrunden unterbreitete amerikanische Verhandlungsposition schließt eine weitere Einschränkung ein. Sie hätte nämlich jede
Seite auf nicht mehr als 850 dislozierte Raketen begrenzt. Diese Maßnahme
wurde allerdings nie als eine so nützliche oder wichtige Einschränkung angesehen wie die Begrenzung der Gesamtzahl der Raketengefechtsköpfe. Der Bericht
der Scowcroft-Kommission hat ausdrücklich vorgeschlagen, daß dieses überprüft werden sollte, da es die von uns angestrebte Entwicklung zu kleinen
Interkontinentalraketen mit einem einzigen Gefechtskopf einschränken könnte.
Auf die Empfehlung der Scowcroft-Kommission hin habe ich jetzt unsere
Verhandlungsführer angewiesen, unsere Position bezüglich dislozierter
Raketen anzupassen und in unserem gegenwärtigen Vorschlag für eine Begrenzung
auf 850 dislozierte Raketen nachgiebig zu sein. Gleichzeitig bleiben die
Vereinigten Staaten in dem Punkt fest, daß die Zerstörungskraft und das
Potential von Raketen bei den START-Verhandlungen angesprochen werden muß.
Zu unserer gegenwärtigen Position gehört ein Netz von Einschränkungen, die
geeignet sind, zu einem stabileren strategischen Gleichgewicht auf einem
niedrigeren Stand der Streitkräfte zu führen - und gleichzeitig das Zerstörungspotential von Raketen anzusprechen. Die Sowjets und andere haben
sich beschwert, daß diese Einschränkungen geeignet seien, den Aufbau der
sowjetischen Streitkräfte nach amerikanischen Normen zu diktieren. Aber dies
- 4 -

�Aber dies ist nicht der fall. Wir sind genau wie die Scowcrofi-Kommission der
Überzeugung, daß die Stabilität durch Begrenzungen der Zerstörungskraft und
des Potentials von Raketen erhöht werden kann. Deshalb werden wir auch weiterhin solche Einschränkungen vorschlagen, die indirekt, das Problem des Wurfgewichts berühren, während wir gleichzeitig den Sowjets unsere Bereitschaft
klarmachen, direkt über die damit zusammenhängende Zerstörungskraft zu
sprechen, wenn sie das vorzieht.
Es gibt wahrscheinlich mehr als einen Weg, um unser Ziel der größeren
Stabilität auf einem niedrigeren Stand der Rüstung zu erreichen. Ich habe
Botschafter Rowney instruiert, der sowjetischen Delegation unsere Verpflichtung zu unseren fundamentalen Zielen klarzumachen, aber ich habe ihm auch
die Flexibilität gegeben, alle geeigneten Wege zur Erreichung unserer Ziele
zu prüfen. Ich hoffe zutiefst, daß die Sowjetunion mit einer entsprechenden
Flexibilität antworten wird.
Und schließlich wird mit hoher Priorität die Arbeit fortgesetzt, wie
das Konzept eines beiderseitigen und garantierten Abbaus, wie es von mehreren
amerikanischen Senatoren vorgeschlagen wurde, in unser Streben nach bedeutsamen
und stabilisierenden Verringerungen der strategischen Rüstung eingebaut werden
kann.
Zusammenfassung
Diese Maßnahmen spiegeln einen überparteilichen Konsens in der Rüstungskontrolle und eine neue Flexibilität in den Verhandlungen wider - Schritte,
die von den Sowjets und allen anderen, denen es um den Weltfrieden geht,
ernsthaft geprüft werden sollten. An die Führer der Sowjetunion appelliere
ich, daß diese neue Chance nicht verpaßt wird. Den Freunden und Verbündeten
Amerikas in der ganzen Welt erkläre ich, daß ihre unerschütterliche Unterstützung der Ziele der Abschreckung und Rüstungskontrolle entscheidend für
- 5 -

�entscheidend für die Zukunft ist. Dem Kongress und dem amerikanischer, Volke
sage ich, daß man in der Zukunft von diesen Tagen als jener Zeit sprechen
wird, in der Amerika einen bedeutsamen Schritt getan hat. Wollen wir unsere
Differenzen vergessen. Wollen wir maßvolle Flexibilität in unserer Einstellung
demonstrieren, während wir in unserer Entschlossenheit stark bleiben, unsere
Ziele der Rüstungsverringerung, Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Wollen wir die Führer in der Sache des Friedens sein.

+ + + + +

�15. Juni 1983

WEINBERGER-INTERVIEW ZU DEN START-VERHANDLUNGEN
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -

WASHINGTON - (AD) -

Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Wein-

berger erklärte in einem Fernsehinterview der Gesellschaft ABC am 8. Juni 1983,
Präsident Reagans Schritt, bei den Gesprächen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) nicht die Anzahl der Raketen, sondern die der Gefechtsköpfe in den Mittelpunkt zu rücken, sei "ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur
Bemessung der Zerstörungskraft".

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Allen Berichten zufolge scheint sich unsere neue Verhandlungsposition
bei den Langstreckenraketen zu verlagern: Von der Anzahl der Raketen hin zu der
Anzahl der Gefechtsköpfe.

Wie bedeutsam ist diese Veränderung?

ANTWORT: Ich glaube, es ist dies ein viel besserer Weg, ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur Bemessung der Zerstörungskraft, denn Raketen können eine sehr
große Zahl von Gefechtsköpfen tragen, und wenn man lediglich die Raketen bemißt,
dann erhält man keine echten Aussagen über die Gesamtzerstörungskraft.

Das

war ja eines der Probleme mit SALT II; was dabei zu begrenzen, nicht einmal zu
verringern, versucht wurde, waren die Abschußeinrichtungen.

Aber dies ist kein

sehr wirksamer Maßstab für die Gesamtzerstörungskraft, vor der wir stehen.

�FRAGE: Der Präsident stellt nunmehr fest, unsere Position sei flexibler,
er werde so flexibel wie nötig sein. Was bedeutet das?
ANTWORT: Ich glaube, im Wesentlichen bedeutet es dies: In Verhandlungen ist
es sehr schwer, wenn alles, was ein Unterhändler tun kann, darin besteht, daS er
etwas von einem Stück Papier abliest und dann, wenn sein Gesprächspartner erklärt:
Tun wir doch dieses, unternehmen wir doch jenes, einfach nur erwidert: Nein, ich
kann nichts anderes tun, als nur eben von meinem Papier etwas abzulesen.
Umgekehrt hat er mehr Bewegungsspielraum zum Verhandeln, um letztlich dem
Präsidenten die Ergebnisse seiner Verhandlungen vorzulegen - auch wenn diese
natürlich erst dann verbindlich sind, wenn der Präsident die entsprechenden
Schritte unternimmt. Aber in den Verhandlungen selbst - so sehe ich es - gibt
es mehr Flexibilität.
FRAGE: Akzeptieren wir jetzt den Grundsatz, von den großen Raketen mit den
Mehrfachgefechtsköpfen abzugehen und zu vielleicht weniger bedrohlichen, weniger
destabilisierenden Raketen mit nur einem Gefechtskopf zu kommen?
ANTWORT: Ich glaube, das ist einer der zentralen Punkte des ScowcroftBeric(ites; das ist eines der Dinge, die wir tun; wir müssen eine solche Rakete
entwickeln. Die Sowjets haben bereits eine in der Erprobung. Wir müssen eine
solche Rakete entwickeln, und wir konzentrieren uns hier im Pentagon auf die
nötige Organisation in einer Weise, daß die verschiedenen Anstrengungen, die in
verschiedenen Bereichen hierzu gemacht wurden, sich nun auf dieses eine Ziel in
diesem Raketenbereich konzentrieren.
FRAGE: Was wären die Folgen hinsichtlich der Stabilisierung des Wettrüstens?
ANTWORT: Sollten wir zu einer guten Abrüstungsvereinbarung kommen, die
Parität auf beiden Seiten bringt und etwas auf die Zusammensetzung der Streit- 2 -

�der Streitkräfte beider Seiten eingeht, dann dürfte diese kleine Rakete
- auch wenn es davon natürlich eine ganze Reihe geben wird - einen stabilisierenden Effekt haben, denn jede dieser Raketen wäre sozusagen ein etwas
geringerwertiges Ziel. Es wird also bei diesen schwierigen Gleichungen, mit
denen wir hier jeden Tag umgehen, um die Abschreckung aufrechtzuerhalten und
das Gleichgewicht zu bewahren, eine beträchtlich stabilere Lage geben. Ich
bin sicher, daß wir in der Lage sind, diese kleine, leichtgewichtige Rakete
mit einem Gefechtskopf zu entwickeln.
FRAGE: Welche Botschaft versucht der Präsident mit dieser neuen Haltung
der Sowjetunion zu übermitteln?
ANTWORT: Er versucht, eine Botschaft zu übermitteln, wie er dies nun
schon seit fast zwei Jahren tut, daß wir nämlich dringend eines wünschen:
Ein Abkommen, das umfangreiche Verringerungen auf beiden Seiten bringt, kein
Abkommen -wie SALT II-, das lediglich eine Expansion in etwa auf der Linie erlaubt,die die Sowjets möchten. Dies hier wäre ein Abkommen, das die Kernwaffen
beträchtlich auf ein Niveau der Gleichheit verringern würde und voll verifizierbar wäre. Genau dies wollte der Präsident immer - sowohl bei den Mittelstreckenwaffen als auch bei den Kernwaffen großer Reichweite, ja auch bei
den konventionellen Waffen.
Frage: Sie kommen gerade von Gesprächen mit den NATO-Verbündeten zurück,
und da besteht natürlich die Frage nach der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckenraketen später in diesem Jahr; die Übereinkunft hierzu wurde auf dem
Gipfel von Williamsburg bekräftigt. Gibt es eine Möglichkeit für ein Abkommen
mit den Sowjets über nukleare Mittelstreckenraketen in Europa, das unsere
Dislozierung der neuen Raketen noch in diesem Jahr unnötig machen würde?
ANTWORT: Das hoffen
- 3 -

�ANTWORT: Das hoffen wir alle. Aber sicherlich gibt es bislang seitens der
Sowjets kein Anzeichen dafür, daß wir ein solches Abkommen in dieser Zeit
erreichen könnten, auch wenn wir alle dies wirklich hoffen. Erinnern Sie sich
doch daran, daß der Präsident einen Vorschlag unterbreitet hat, den alle aus
unserer Sicht heraus für den besten halten - nämlich eine Verringerung auf Null dem haben die Sowjets bislang nichts entgegengesetzt. Um flexibel zu sein und
um zu zeigen, daß wir wirklich ein Abkommen wollen, hat der Präsident einen
anderen Weg aufgezeigt, um auf Null zu kommen - eine Zwischenlösung - : die
Sowjets reagierten auch hierauf nicht. Dabei ist nicht mehr viel Zeit, denn
planmäßig ist die Dislozierung der Rakete für Ende dieses Jahres vorgesehen
und wir sind absolut bereit, dies einzuhalten. Was wir also hoffen, ist ein
Abkommen vor der Dislozierung; aber wir handeln so, daß es eben auch keines
geben könnte - und fahren daher mit unseren Produktionsplänen fort.

+ + + + +

�Hintergrund
matcriol

I
24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

DER WELTFRIEDENSRAT IM DIENSTE MOSKAUS GEGEN INF-DISLOZIERUNG

WASHINGTON - (AD) - In der Woche vom 21. bis 26. Juni 1983 werden
sich einige Tausend Menschen in Prag versammeln, um an der "Weltversammlung für Frieden und Leben gegen den Atomkrieg" teilzunehmen, den der
Weltfriedensrat und die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gemeinsam veranstalten. Das Hauptziel der Veranstaltung in Prag ist die
Stärkung der Opposition gegen die geplante Dislozierung von amerikanischen Mittel Streckensystemen (INF) in Europa durch die NATO, wenn die
Verhandlungen mit den Sowjets in Genf kein Ergebnis zeitigen.
Der Weltfriedensrat wurde im Jahre 1949 als "Weltkomitee der Friedenspartisanpn" gegründet und hat seit 1968 seinen Sitz in Helsinki.
Es handelt sich ur. eine cypische Frontorganisation der Sowjets, die
sich aus über 135 nationalen Mitgliedsgruppen zusammensetzt, darunter
der Amerikanische Friedensrat, das Sowjetische Komitee für die Verteidigung des Friedens und die Britische Friedensversammlung. Der Weltfriedensrat unterhält auch Verbindungen zu anderen kommunistischen Frontorganisationen, die sich als Gewerkschafts-, Studenten-, Jugend- oder
Kirchengruppen ausgeben.
Die Sowjetunion

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Sowjetunion hat seit ihrer Gründung versucht, durch solche Frontorganisationen, die angeblich ein breites Meinungsspektrum repräsentieren,
Unterstützung für ihre Politik zu finden. Die Sowjetunion hofft mit Hilfe
solcher Organisationen, ihrer Politik einen Anstrich von Achtbarkeit,
Glaubwürdigkeit und öffentlicher Unterstützung zu geben, der sonst nicht
existierte, wenn ihre Unterstützung in der ganzen Welt lediglich aus eingeschworenen kommunistischen Quellen käme.
Die Frontorganisationen behaupten zwar, keine Verbindung zu kommunistischen Parteien oder Ländern zu haben, werden jedoch praktisch völlig
von Kommunisten kontrolliert, und ihre Tätigkeiten werden bewußt in den
Dienst sowjetischer Interessen gestellt. Solche Gruppen, die nach außen
aussehen wie andere Massenorganisationen, versuchen im allgemeinen, ihre
Mitglieder dadurch anzuziehen, daß sie den Nachdruck auf Themen wie Abrüstung und Antikolonialismus legen.
Der Weltfriedensrat ist eine typische Frontorganisation. Er ist ein
großer internationaler Schirm, dessen Führung an der Spitze geschickt die
Untergruppen des Weltfriedensrates in ihrem Sinne zur Unterstützung der
sowjetischen Politik einsetzt, wobei die Tätigkeiten meist von den örtlichen kommunistischen Parteien organisiert werden, jedoch unter Teilnahme
einiger Nichtkommunisten. Der Weltfriedensrat unterstützte die sowjetische Invasion Ungarns im Jahre 1956, die sowjetisch angeführte Invasion
der Tschechoslowakei im Jahre 1968 und die sowjetische Invasion Afghanistans im Jahre 1979.
Nichtkommunistische Organisationen und Einzelpersonen, die an den
Kampagnen und Versammlungen des Weltfriedensrates teilnehmen, finden es
unmöglich, ihre Auffassungen zur Geltung zu bringen, wenn diese von dem
prosowjetischen Standpunkt abweichen, wie er von der Führung des Weltfriedensrates formuliert wurde. Diese Kontrolle wird durch organisatorische und finanzielle Mittel aufrechterhalten.
Organisatorisch kontrolliert
- 2 -

�Organisatorisch kontrolliert das Zentralkomitee der kommunistischen
Partei der Sowjetunion den Weltfriedensrat durch das Büro für internationale gesellschaftliche Organisationen der Internationalen Abteilung,
das für Frontorganisationen zuständig ist. Diese Sonderabteilung gehört
in den allgemeinen Aufgabenbereich von Vi tau Schaposchnikow, einem Stellvertretenden Leiter der Internationalen Abteilung und Mitglied des Präsidialausschusses des Weltfriedensrates. Juri Schukow, ein Vizepräsident
des Weltfriedensrates, ist auch Kandidat des Zentralkomitees der KPdSU
und Vorsitzender des sowjetischen Komitees für die Verteidigung des Friedens, also des sowjetischen Zweiges des Weltfriedensrates, Durch solche
direkte Verbindungen über führende. Mitglieder des Weltfriedensrates wie
auch durch eine starke Vertretung der pro-Moskau eingestellten Kommunisten in den leitenden Gremien des Weltfriedensrates kontrolliert die
KPdSU die Entscheidungen über Projekte und Tätigkeiten des Weltfriedensrates wie auch den Inhalt von Erklärungen und Kommuniques. So sind beispielsweise von den 26 Vizepräsidenten im Präsidialausschufi des Weltfriedensrates allein 11 Mitglied einer kommunistischen Partei. Der langjährige Präsident des Weltfriedensrates, Romesh Chandra, ist Mitglied
des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Indiens und Träger des
Lenin-Friedenspreises.
Der Weltfriedensrat behauptet, finanziell durch Beiträge der nationalen Friedenskomitees, Spenden für seinen Weltfriedensfonds und Sammlungen und auch Beiträge angeschlossener Organisationen und Einzelpersonen
getragen zu werden. Seine beträchtlichen Ausgaben lassen sich jedoch mit
solchen Mitteln nicht decken. Die meisten seiner Ausgaben werden von der
Sowjetunion und ihren osteuropäischen Verbündeten übernommen. So überweist beispielsweise der sowjetische Friedensfonds Geld an das Hauptquartier des Weltfriedensrates in Helsinki. Darüber hinaus erhalten
zahlreiche Gruppen des Weltfriedensrates Unterstützung direkt von sowjetischen Parteien des jeweiligen Landes. Im Jahre 1981 wurde der Weltfriedensrat gezwungen, seinen Antrag auf konsultativen Status der Kategorie I beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen zurück- 3 -

�Nationen zurückzuziehen, weil er die Herkunft seiner Mittel nicht aufdecken wollte und sich weigerte, seine Bücher unabhängigen Prüfungen zu
unterwerfen.
In zahlreichen sowjetischen und ostdeutschen amtlichen Erklärungen
und Veröffentlichungen ist die Verhinderung der Dislozierung amerikanischer nuklearer Mittel Streckensysteme als "die entscheidende Aufgabe für
1983" bezeichnet worden.
Man kann davon ausgehen, daß die Prager Versammlung 1983 unter Führung des Weltfriedensrates
*

- die amerikanische Verhandlungsposition bei den Genfer INF-Verhandlungen angreifen und die Öffentlichkeit in den Ländern Westeuropas
aufstacheln wird, sich der Dislozierung amerikanischer INF-Raketen
zu widersetzen. Die amerikanische Position, die die volle Unterstützung unserer Verbündeten findet, bietet den Verzicht auf die
Dislozieruna amerikanischer Mittel Streckensysteme an, wenn die Sowjets ihre nuklearen Mittel Streckensysteme beseitigen, oder, wenn
man sich darüber nicht einigen kann, wesentliche Reduzierungen auf
einen gleichen Stand der Gefechtsköpfe auf nuklearen Mittel Streckensystemen beider Seiten ausgehandelt werden; und
- die sowjetische Position in Genf unterstützen wird. Die sowjetische
Position würde eine Modernisierung der nuklearen Mittelstreckensysteme der NATO verhindern, den Abzug praktisch aller amerikanischen
Flugzeuge mit Doppelkapazitat, die gegenwärtig für die konventionelle Verteidigung der NATO gebraucht werden, erfordern und es der
Sowjetunion erlauben, wesentliche SS-20-Streitkräfte in Europa und
Asien beizubehalten.
Das diesbezügliche

�Das diesbezügliche Engagement des Weltfriedensrates, wie in seinem
Aktionsprogramm für 1983 niedergelegt, ist ein weiterer Beweis für die
langjährigen Bemühungen, jedes unmittelbare Ziel der sowjetischen Außenpolitik zu unterstützen.
+ + + + +

�24

15. Juni 1983

AM 18. JUNI: US-RAUMFÄHRE TRÄGT DEUTSCHEN SATELLITEN INS ALL

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Raumfähre "Challenger" wird
während ihrer am 18. Juni 1983 beginnenden, sechstägigen Mission nach
Informationen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA auch einen deutschen Satelliten an Bord haben ("Space-Pallet Satellite - SPAS").
Der Start von "Chanenger" - es ist der zweite Flug dieser Raumfähre in der. Weitraum - ist für 11.33 MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida aus vorgesehen. Zum erstenmal wird eine Shuttle auch wieder
im Kennedy-Zentrum landen - voraussichtlich fünf Tage, 23 Stunden und
20 Minuten später, am 24. Juni um 10.53 MEZ.
Die von der Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm entwickelte Plattform
wird am vierten Tag der Mission durch den Roboter-Arm der Raumfähre für
etwa 9 1/2 Stunden in den Weltraum gebracht werden. Dabei wird der 13
Millionen Dollar teure Satellit zehn Experimente durchführen, die von
der Bundesrepublik, der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) und von der
NASA vorbereitet wurden. Neben der Analyse von Reibungsvorgängen und
chemischen Verunreinigungen im All wird SPAS auch benutzt für die ShuttleManöver der Mission 13 - wenn Astronauten den derzeit im All kreisenden,
beschädigten Satelliten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�beschädigten Satelliten "Solar-Max" zwecks Reparatur aufnehmen werden.
Die Experimente sollen innerhalb wie außerhalb des Frachtbereichs
von "Challenger" stattfinden.
In diesem Frachtraum wird sich zudem eine Ladung aus Materialien befinden, die der amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit entstammen: Sie
dienen Untersuchungen, die praktische Bedeutung für die Elektronik- und
Glasindustrie haben werden.
Teil der Experimente sind auch sieben Kanister ("Getaway Specials"),
mit deren Hilfe Interessenten - Länder, Firmen oder Einzelpersonen - die
Auswirkung der Schwerelosigkeit in den verschiedensten wissenschaftlichen
Bereichen untersuchen können. Die sieben Behälter - die größte Anzahl, die
bislang bei einem Shuttle-Flug mitgeführt wurde - geben Raum für 22 verschiedene Experimente. So enthält einer fünf Experimente, die im Verlauf
eines Bundeswettbewerbs unter Gymnasiasten in der Bundesrepublik ausgewählt wurden; ein anderer wiederum enthält eine lebende Ameisenkolonie,
die von amerikanischen Studenten aus Camden in New Jersey eingesandt wurde. Das California Institute of Technology wird in einem Behälter untersuchen, wie Rettich-Samen auf ein schwereloses Umfeld reagieren; die
Purdue-University in Indiana schließlich wird analysieren, wie sich flüssiges Mercurium verhält, wenn es in eine andere Flüssigkeit gelangt.

+ + + + +

- 2 -

�24

8. Juni 1983

STRESS BEI PFLANZEN
Indikator für Wasserbedarf

- (AD) - Nicht Trockenheit des Bodens, sondern der "Stress" für die
Pflanzen infolge ungenügender Wasserzufuhr zum Blattwerk ist ein guter
Maßstab dafür, wann ein Feld künstlich bewässert werden muß. Zu diesem
Schluß kam eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern der Universität Kalifornien bei längerer Beobachtung von BaumwollPflanzungen im Bereich einer
landwirtschaftlichen Außenstation in Kings County (Kalifornien). Es zeigte
sich u.a., daß bei sorgfältiger Beachtung dieser Anzeichen die Zeitintervalle zwischen der Bewässerung von zehn auf fünfzehn Tage verlängert werden konnten, ohne daß der Ertrag beeinträchtigt wurde.
Um den Stress für die Pflanzen zu messen, benutzten Blaine Hanson und
Sidney Kite eine "Druckkammer", mit der der Feuchtigkeitsgehalt des Blattwerks ermittelt wird. Sofern es stehendes Grundwasser in nicht allzu
großer Tiefe gibt, können Baumwollsträucher einen großen Teil ihres Wasserbedarfs von dort her decken. Da aber flaches Grundwasser häufig für einen
guten Pflanzenwuchs zu viel Salz enthält, ist mancherorts trotz guter Bodenfeuchtigkeit Oberflächenbewässerung notwendig, um die Salzkonzentration im Wurzelbereich der Anpflanzungen zu verdünnen.

+ + + ++

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stress bei Pflanzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Indikator für Wasserbedarf -&lt;/em&gt;</text>
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VION

AMERIKA DIENST
4

Sonderdienst

15. Juni 1987

BERLINER MAUER NIEDERREISSEN FÜR DIE SACHE DES FRIEDENS
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor in
Berlin gehaltenen Rede forderte Präsident Reagan den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow auf, dieses Tor zu öffnen und die Mauer niederzureißen.
Er erklärte: "Nur' Freiheit führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt den Völkerhaß durch Einvernehmen und Frieden".
Reagan schlug darüber hinaus vor, Berlin wieder zu einem Zentrum der Luftfahrt zu machen, in der Stadt verstärkt internationale Konferenzen abzuhalten
und beide Teile der Stadt als Veranstaltungsort für eine Olympiade in Betracht
zu ziehen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herr Bundeskanzler Kohl, Herr Regierender Bürgermeister Diepgen, meine Damen und Herren.
Vor 24 Jahren hat Präsident John
F. Kennedy Berlin besucht und vor dem
Rathaus zu den Menschen dieser Stadt
und
der
ganzen
Welt
gesprochen.
Seitdem sind zwei Präsidenten in ihrer jeweiligen Amtszeit nach Berlin
gekommen. ich selbst unternehme heute meinen zweiten Besuch in diese
Stadt.
Wir

amerikanischen

Präsidenten

kommen nach Berlin, weil wir gerade
an diesem Ort von der Freiheit sprechen sollten. Aber ich muß gestehen,
daß es noch andere Dinge sind, die
uns hierhergeführt haben: das Gefühl
für Geschichte in dieser Stadt, die
mehr als 500 Jahre älter ist als unsere eigene Nation.
Die Schönheit
des Grunewalds und des Tiergartens.
Am meisten aber Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit .
Vielleicht hat der Komponist Paul
Lincke die amerikanischen Präsidenten
richtig eingeschätzt.
Wissen Sie,

�ich komme heute hierher wie so viele
Präsidenten vor mir, weil, wo ich
auch hingehe und was ich auch tue:
"ich hab' noch einen Koffer in Berlin"
Unsere heutige Veranstaltung wird
in ganz Westeuropa und Nordamerika
ausgestrahlt.
ich denke, daß sie
auch im Ostblock zu hören und zu sehen sein wird.
ich möchte auch den Zuhörern in
Osteuropa
meine herzlichsten
Grüße
und die besten Wünsche des amerikanischen Volkes aussprechen. Denen,
die in Ost-Berlin zuhören, gebühren
einige besondere Worte.
Obwohl ich
nicht bei ihnen sein kann, richte ich
meine
Ansprache
selbstverständlich
ebenso an Sie wie an meine unmittelbaren Zuhörer. Ich stehe genauso zu
Ihnen wie zu ihren Landsleuten im Westen in dem festen, unerschütterlichen Glauben:
Es gibt nur ein
Berlin.
Hinter mir steht eine Mauer, die
die freien Sektoren dieser Stadt umschließt,
ein
Teil
der
massiven
Schranken, die den gesamten Kontinent
Europa spalten.
Südlich der Ostsee
schneiden
diese
Schranken
durch
Deutschland hindurch einen Riß aus
Stacheldraht, Beton, Hundelaufanlagen
und Wachtürmen. Weiter im Süden mag
es keine sichtbare, augenfällige Mauer geben.
Aber es bleiben trotzdem
noch die bewaffneten Wachposten und
Kontrolltürme - immer noch eine Einschränkung der Freizügigkeit, immer
noch ein Instrument, Menschen den
Willen eines totalitären Staates aufzuzwingen.
Es ist jedoch gerade in Berlin,
wo die Mauer am sichtbarsten aufragt;
sie spaltet die Stadt genau an der
Stelle, wo Zeitungsphotos und Fernsehschirme
diese
brutale
Teilung
eines Kontinents für das Bewußtsein

der Welt festhalten. Jeder Deutsche,
der vor dem Brandenburger Tor steht,
ist ein Mensch, der von seinen Landsleuten getrennt ist.
Jeder dieser
Menschen ist ein Berliner, der gezwungen ist, diese sichtbare Wunde zu
ertragen.
Präsident von Weizsäcker hat einmal gesagt:
Die deutsche Frage ist
so lange offen, wie das Brandenburger
Tor zu ist. Heute sage ich: solange
das Tor zu ist, solange wird diese
Mauer als Wunde forbestehen; es ist
nicht die deutsche Frage allein, die
offen bleibt, sondern die Frage der
Freiheit für die gesamte Menschheit.
ich komme jedoch nicht hierher,
um zu klagen.
Denn ich erkenne in
Berlin ein Signal der Hoffnung - im
Schatten dieser Mauer sogar ein Signal des Triumphes.
im Frühjahr 1945, als die Berliner aus ihren Luftschutzbunkern heraustraten, fanden sie Verwüstung vor.
Tausende von Kilometern entfernt bot
das Volk der Vereinigten Staaten seine Hilfe an; und im Jahr 1947 verkündete
Außenminister
George
Marshall
die
Schaffung
dessen,
was
als
Marshall-Plan bekannt werden sollte.
In diesem Monat vor genau vierzig
Jahren erklärte er: "Unsere Politik
richtet sich nicht gegen irgendein
Land oder irgendeine Doktrin, sondern
gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und
Chaos".
Gerade sah ich im Reichstag eine
Tafel, die an diesen 40. Jahrestag
des
Marshall-Plans erinnerte.
Ich
war beeindruckt von diesem Schild auf
einem alten, verfallenen Gebäudeteil,
der
gerade
wiederaufgebaut
wurde.
Ich weiß, daß Berliner meiner Generation sich daran erinnern können, solche Schilder im gesamten Westsektor
der Stadt gesehen zu haben.
Auf dem

- 2 -

�Schild
steht
ganz
einfach:
hilft der Marshall-Plan.
Zur
kung der freien Welt".

"Hier
Stär-

Eine starke und freie Welt - im
Westen ist dieser Traum Wirklichkeit
geworden.
Japan erhob sich aus den
Trümmern zu einer gigantischen Wirtschaftsmacht.
Frankreich,
Italien,
Belgien - nahezu jede Nation Westeuropas erlebte eine politische und
wirtschaftliche
Wiedergeburt.
Die
Europäische
Gemeinschaft wurde gegründet.
Im Westen Deutschlands und hier
in Berlin wurden Wunder vollbracht,
das "Wirtschaftswunder" fand statt.
Adenauer, Erhard, Reuter und andere
Politiker wußten um die praktische
Bedeutung der Freiheit - daß nur,
wenn
dem Journalisten
Redefreiheit
eingeräumt wird, die Wahrheit gedeihen kann, nur wenn Landwirte und Geschäftsleute wirtschaftliche Freiheit
genießen, kann Wohlstand entstehen.
Die deutschen Politiker setzten die
Zölle herab, entwickelten den freien
Handel und senkten die Steuern. Allein in den Jahren 1950 bis 1960 verdoppelte sich der Lebensstandard in
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Berlin.

Aus der Zerstörung - aus bloßen
Ruinen - haben Sie, die Berliner, in
Freiheit eine Stadt wiederaufgebaut,
die wiederum als eine der großartigsten der Erde einzuordnen ist.
Die
Sowjets mögen andere Pläne gehabt haben. Aber meine Freunde, es gab einige Dinge, die die Sowjets nicht berücksichtigten: Berliner Herz, Berliner Humor und Berliner Schnauze.
In den fünfziger Jahren prophezeite
Chruschtschow:
"Wir
werden
Euch begraben". Aber heute erblicken
wir im Westen eine freie Welt, die
ein Niveau an Wohlstand und Wohlergehen erlangt hat, die in der Geschichte ihresgleichen suchen.
Die kommunistische Welt leidet unter Fehlschlägen,
technologischer
Rückständigkeit, einer Verschlechterung des
allgemeinen
Gesundheitszustandes.
Sogar eines der wichtigsten Grundbedürfnisse wird nicht befriedigt - Lebensmittel. Noch heute kann sich die
Sowjetunion nicht selbst ernähren.
Nach vier Jahrzehnten ist nun für
die
gesamte
Welt
klar:
Freiheit
führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt
den Völkerhaß durch Einvernehmen und
Frieden.
Freiheit siegt.

Wo vor vier Jahrzehnten nur Trümmer lagen, haben jetzt die Westsektoren Berlins die umfangreichste industrielle Produktion aller Städte in
Deutschland; Bürotürme, schöne Wohnanlagen
und
Siedlungen;
prächtige
Straßen und ausgedehnten Parks.
Wo
die Kultur einer Stadt zerstört zu
sein schien, gibt es heute zwei große
Universitäten,
Orchester
und
eine
Oper, zahllose Theater und Museen.
Wo einst Bedarf bestand, herrscht
heute Fülle - Lebensmittel, Kleider,
Autos, die wunderbare Warenwelt des
Ku'dämm.

Jetzt wird den Sowjets auch allmählich die Bedeutung der Freiheit
klar. Aus Moskau ist viel von einer
neuen Politik der Reform und Offenheit zu vernehmen. Einige politische
Gefangene sind freigelassen worden.
Bestimmte
ausländische
Nachrichtensendungen werden nicht länger gestört. Manche Wirtschaftsunternehmen
können jetzt freier von staatlicher
Kontrolle operieren.
Sind dies die Anfänge tiefgreifender Veränderungen im Sowjetstaat?
Oder sind es Scheingesten, die im

- 3 -

�Westen falsche Hoffnungen wecken oder
das sowjetische System festigen sollen, ohne es zu verändern? Wir sind
der Ansicht, daß Freiheit und Sicherheit zusammengehen - daß das Vorrükken der Menschenrechte die Sache des
Friedens nur vorantreiben kann. Die
Sowjets würden damit ein unmißverständliches Zeichen setzen, das die
Sache von Freiheit und Frieden dramatisch vorantreiben würde.
Generalsekretär Gorbatschow, wenn
Sie nach Frieden streben - wenn Sie
Wohlstand für die Sowjetunion und für
Osteuropa wünschen - wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen Sie
hierher zu diesem Tor.
Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor.
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.
Ich weiß um die Angst vor einem
Krieg und das Leid der Teilung, die
diesen Kontinent heimsuchen - und ich
verbürge mich für die Bemühungen meines Landes zur Überwindung dieser
Bürde.
Freilich bleibt es weiterhin
notwendig, uns der sowjetischen Expansion zu widersetzen.
Das heißt,
wir im Westen müssen eine starke Verteidigung aufrechterhalten.
Dennoch
streben wir nach Frieden.
Deshalb
werden wir darum ringen, die Waffen
auf beiden Seiten zu reduzieren.
Vor zehn Jahren begannen die Sowjets, das westliche Bündnis mit einer neuerlichen schwerwiegenden Bedrohung
herauszufordern:
zahllose
neue und gefährliche Nuklearraketen
des Typs SS-20, die in der Lage sind,
jede Hauptstadt in Europa zu treffen.
Das westliche Bündnis reagierte, indem es sich für eine Gegenstationierung einsetzte, bis daß die Sowjets
Verhandlungen über eine bessere Lö-

sung zustimmten - besonders der Abschaffung solcher Waffen auf beiden
Seiten. Viele Monate lang haben sich
die Sowjets geweigert, ernsthaft zu
verhandeln.
Als das Bündnis sich
darauf vorbereitete, seine Gegenstationierung
fortzuführen,
gab
es
schwierige Augenblicke - Augenblicke
heftiger Proteste wie die anläßlich
meines Besuches in dieser Stadt im
Jahr 1982 - und später zogen sich die
Sowjets vom Verhandlungstisch zurück.
Aber das Bündnis stand fest zusammen.
Und ich fordere diejenigen,
die damals protestierten - und die
heutigen Demonstranten - auf, sich
diese Tatsache zu merken:
Weil wir
stark blieben, sind die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückgekehrt.
Weil wir stark geblieben sind, besteht heute die Möglichkeit, nicht
nur die Zunahme der Waffen einzuschränken, sondern zum ersten Mal
eine gesamte Klasse nuklearer Waffen
von der Erdoberfläche zu beseitigen.
Gerade treffen sich die NATO-Minister in Island, um die jüngsten
Fortschritte zu überprüfen, die unsere Vorschläge hervorgebracht haben.
Ferner haben wir bei den Verhandlungen in Genf einschneidende Reduzierungen
strategische
Offensivwaffen
vorgeschlagen.
Und die westlichen
Verbündeten
haben
ihrerseits weitreichende Vorschläge zum Abbau der
Gefahr eines konventionellen Krieges
und vollständigen Abschaffung aller
chemischen Waffen unterbreitet.
Als
Teil
dieser
Anstrengungen
verbürge ich mich für die Aufrechterhaltung unserer
Fähigkeit zur Abschreckung
einer
möglichen
sowjetischen Aggression, auf welchem Niveau sie auch stattfinden mag.
Und
in Zusammenarbeit mit einigen unserer
Verbündeten betreiben die Vereinigten
Staaten
weiterhin die
Strategische

- 4 -

�Verteidigungsinitiative
- ein Forschungsprojekt,
das
Abschreckung
nicht auf die Androhung einer offensiven Vergeltung stützt, sondern auf
eine Verteidigung, die wahrhaft abwehrt; kurz gesagt, auf Systeme, die
die Bevölkerung nicht angreifen, sondern sie schützen.
Auf diesem Weg versuchen wir die
Sicherheit
Europas und der ganzen
Welt zu erhöhen.
Aber eins dürfen
wir nicht vergessen:
Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauung. Als Präsident Kennedy vor
24 Jahren seine Ansprache vor dem
Rathaus hielt, war das freie Berlin
bedroht und belagert. Trotzdem kann
Berlin heute seiner Freiheit sicher
sein, trotz all des Drucks, der auf
dieser Stadt lastet.
Und die Idee
dieser Freiheit verwandelt die Erde.
Auf den Philippinen sowie in Südund Mittelamerika hat es eine Wiedergeburt der Demokratie gegeben.
Der
gesamte pazifische Raum bringt mit
Hilfe seiner Märkte ein Wunderwerk
nach dem anderen an wirtschaftlichem
Wachstum hervor. In den Industrienationen findet eine technologische Revolution statt - eine Revolution, die
von
schnellen,
dramatischen
Fortschritten im Bereich der Computertechnik und Telekommunikation geprägt
ist.
In Europa verweigert nur eine Nation den Beitritt zur freien Welt.
Der Weg ist auch anderen Ostblockstaaten versperrt...
Aber in diesem
Zeitalter des doppelten Wirtschaftswachstums, der Informationen und Innovation hat die Sowjetunion immer
noch die Wahl. Sie muß grundlegende
Veränderungen vornehmen oder sie wird

sich überleben.
Daher
besteht
heute
Hoffnung.
Wir im Westen sind bereit, gemeinsam
mit dem Osten an einer wahren Offenheit zu arbeiten - die Schranken niederzureißen, die die Menschen trennen, eine sicherere und freiere Welt
zu schaffen. Und sicherlich gibt es
keinen besseren Ort als Berlin, den
Angelpunkt von Ost und West, um damit
anzufangen.
Freie Berliner:
Heute vertreten
die Vereinigten Staaten wie in der
Vergangenheit die strikte Einhaltung
und volle Anwendung aller Teile des
Viermächte-Abkommens von 1971.
Lassen Sie uns diese Gelegenheit, den
750. Jahrestag dieser Stadt, zum Anlaß nehmen, um in ein neues Zeitalter
aufzubrechen - um nach einem noch
ausgefüllteren, reicheren Leben für
das Berlin der Zukunft zu streben.
Lassen Sie uns gemeinsam die Bindungen
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
den
Westsektoren
Berlins aufrechterhalten und entwikkeln, wie dies im Abkommen von 1971
vorgesehen ist.
Und ich unterbreite Herrn Gorbatschow folgenden Vorschlag:
Bringen
wir die Ost- und Westteile der Stadt
enger zusammen.
Alle Bewohner der
gesamten Stadt Berlin sollen die Vorzüge genießen, die das Leben in einer
der größten Städte der Welt mit sich
bringt.
öffnen wir Berlin dem gesamten
Europa, Ost und West, gegenüber noch
weiter.
Durch eine Erweiterung des
lebenswichtigen
Zugangs
zu
dieser
Stadt auf dem Luftweg finden wir Wege,
den
kommerziellen
Luftverkehr
nach Berlin bequemer, vorteilhafter
und wirtschaftlicher zu machen. Wir
sehen dem Tag entgegen, an dem WestBerlin eines der wichtigsten Zentren

- 5 -

�der Luftfahrt im gesamten Mitteleuropa werden kann.
Gemeinsam mit ihren französischen
und britischen Partnern möchten die
Vereinigten Staaten es ermöglichen,
zusätzliche internationale Konferenzen in Berlin abzuhalten.
Es wäre
für Berlin nur angemessen, als Veranstaltungsort für die Konferenzen der
Vereinten Nationen zu dienen, oder
für Konferenzen über Menschenrechte
und
Rüstungskontrolle
oder
andere
Problemkreise, die eine internationale Zusammenarbeit verlangen.
Wenn wir den Horizont junger Menschen erweitern, dienen wir auch der
Stärkung der Hoffnung für die Zukunft.
Zur Erlangung dieses Ziels
möchten wir Sommeraustauschprogramme,
kulturelle Veranstaltungen und Programme für junge Berliner aus dem
Osten fördern.
Ich bin sicher, daß
unsere französischen und britischen
Freunde dasselbe tun werden. Und ich
hege die Hoffnung, daß in Ost-Berlin
eine entsprechende
Stelle gefunden
werden kann, die Besuche junger Menschen aus den Westsektoren ausweitet.
Und nun zu einem letzten Vorschlag, der mir sehr am Herzen liegt.
Der Sport stellt eine Quelle der
Freude und Weiterentwicklung dar, und
Sie werden bemerkt haben, daß die Republik Korea - Südkorea - ihre Zustimmung erteilt hat, daß einige Veranstaltungen der Olympiade von 1988
im Norden des Landes stattfinden können. Warum können nicht internationale sportliche Wettbewerbe verschiedenster Art in beiden Teilen dieser
Stadt abgehalten werden?
Und wie
könnte man besser die Offenheit dieser Stadt dokumentieren als durch das
Angebot, in naher Zukunft die Olympischen Spiele hier in Berlin, im Osten
und im Westen, abzuhalten?

Wie ich bereits erwähnt habe, haben Sie, die Berliner, in diesen vier
Jahrzehnten
eine
großartige
Stadt
wiederaufgebaut. Sie haben das trotz
vieler Bedrohungen getan:
Die Sowjets versuchten, zum Beispiel bei
Ihnen die Ostmark als Währung einzuführen. Es gab die Blockade. Trotz
der Herausforderungen der Mauer blüht
diese Stadt heute.
Was hält Sie hier?
Sicherlich läßt sich viel über
Ihre Stärke und Ihre Entschlossenheit
sagen.
Aber
ich glaube, dahinter
steht noch etwas anderes. Der gesamte Charakter Berlins, sein Lebensgefühl und seine Lebensart. Nicht nur
Idealismus - niemand könnte lange in
Berlin leben, ohne seiner Illusionen
völlig beraubt zu werden. Sie haben
die Schwierigkeiten
des Lebens in
Berlin erkannt, aber dennoch die Entscheidung getroffen, sie zu akzeptieren.
Dadurch wird diese großartige
und stolze Stadt ständig weiterentwickelt. Welch ein Gegensatz zu einer totalitären Umgebung, die keine
menschlichen Kräfte oder Hoffnungen
freisetzt.
Sie sprechen mit einer
mächtigen Stimme der Zustimmung - die
diese Stadt und ihre Zukunft bejaht,
ein "ja" zur Freiheit.
Das heißt,
das, was Sie in Berlin hält, ist die
Liebe - eine tiefe und aufrichtige
Liebe.
Hier treffen wir den Kern der Sache, den grundlegendsten Unterschied
zwischen Ost und West. Die totalitäre Welt bringt Rückständigkeit hervor, weil sie dem Geist Gewalt antut,
dem menschlichen Drang zuwiderläuft,
zu schaffen, zu genießen und zu verehren.
Für die totalitäre Welt stellen
sogar die Symbole der Liebe und des
Glaubens eine Herausforderung dar.

- 6 -

�Bevor die Ost-Berliner ihre Kirchen
wiederaufbauten, haben sie ein weitliches Monument errichtet, das die
Stadt dominiert - den Fernsehturm am
Alexanderplatz.
Seither haben die
Behörden daran gearbeitet, um das zu
korrigieren, was sie als den wesentlichsten Mangel des Turms ansagen;
sie behandelten den oberen Glasbereich mit verschiedenen Farben und
Chemikalien.
Dennoch erstrahlt dieser Bereich - der sich über das gesamte Berlin erhebt - auch heute noch
beim Sonneneinfall
im Zeichen des
Kreuzes. Dort in Berlin können Symbole der Liebe und des Glaubens genauso wie die Stadt selbst nicht unterdrückt werden.
Als ich gerade aus dem Reichstag
blickte
- dieser Verkörperung der
deutschen Einheit - fielen mir diese
an die Mauer gesprühten Worte auf,
die vielleicht von einem jungen Berliner stammen und eine Antwort auf
die deutsche Frage darstellen: "Diese Mauer wird fallen.
Glaube wird
Wirklichkeit".
Ja, quer durch Europa wird die
Mauer fallen.
Denn sie kann dem
Glauben nicht standhalten. Sie kann
der Wahrheit nicht standhalten.
Die Mauer wird der Freiheit nicht
standhalten können.
Vielen Dank.

* * * * * *
- 7 -

�</text>
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