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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN

4

13. J u l i 1988

27

INHALT
DOKUMENTATION
Burt; Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt
- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanische Präsenz im Persischen Golf
- Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukaki8 Entscheidung für Bentsen schafft Ausgewogenheit
- Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen
Dukakis wählt Bentsen als Kandidat für die Vizepräsidentschaft
- Senator aus Texas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Warnzeichen; Ökologische Krisen
- Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen

Hinweis: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
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Dokumentation

13. Juli 1988

27

BURT:

VEREINIGTE STAATEN UNTERSTÜTZEN EUROPÄISCHEN BINNENMARKT

- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm FRANKFURT AM MAIN - (AD) - Botschafter Burt zufolge genießt das Streben
Europas nach Schaffung eines europäischen Binnenmarkts die energische Unterstützung der Vereinigten Staaten. "Die Europäische Gemeinschaft ist in unserem transatlantischen Beziehungsgeflecht ein wichtiger Partner," erklärte der
Botschafter, "und die Vereinigten Staaten unterstützen die europäischen Bemühungen zur Schaffung eines Binnenmarkts." In einer Ansprache anläßlich der
Grundsteinlegung für den neuen Messeturm in Frankfurt warnte Burt am 13. Juli
jedoch gleichzeitig vor Gefahren, die sich aus dem Bau einer "Festung Europa"
ergeben würden.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut (es gilt das gesprochene
Wort):

Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend bei diesem
historischen Anlaß anwesend sein zu
können.
Ich sage historisch, weil
Handelsmessen in Deutschland eine
lange und reiche Tradition besitzen.
Am Schnittpunkt vieler bedeutender
europäischer Handelsrouten gelegen,
ist Deutschland seit langem ein beliebter Messeort.
In diesem Jahr
werden 92 internationale Messen hier
stattfinden.
Dies ist eine eindrucksvolle Bilanz.

Die durch die Aussicht auf einen
wirklich
ganz
Europa
umfassenden
Markt von Gütern und Dienstleistungen
geweckte Begeisterung hat sich in den
letzten Monaten dramatisch verstärkt.
Wie nie zuvor werden meine Gespräche
von "1992" beherrscht.

über die Bewahrung eines hervorragenden Rufes hinaus symbolisiert
dieser neue Messeturm die vielversprechende Zukunft des Handels in
Europa. Wenn ich dies sage, denke
ich an den europäischen Binnenmarkt
des Jahres 1992.

- Erstens, die amerikanische Sichtweise zum gemeinsamen Binnenmarkt;

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Heute abend möchte ich Ihnen meine Perspektiven zum europäischen Binnenmarkt des Jahres 1992 erläutern.
Sie konzentrieren sich auf vier wesentliche Punkte:

- zweitens, unsere Sorgen über möglicherweise verstärkten Protektionismus, der daraus erwachsen
könnte;

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Telex: 8-85432

�- drittens, die Notwendigkeit der
Beibehaltung eines multilateralen
Ansatzes zur Lösung wirtschaftlicher Probleme; und
- viertens und letztens, einige besondere politische Probleme, die
sich aus jüngsten Vorschlägen der
Europäischen Gemeinschaft ergeben.
Zunächst möchte ich mich der amerikanischen Haltung zum gemeinsamen
Binnenmarkt zuwenden. Das Europa des
Jahres 1992 wirft für die Vereinigten
Staaten und für das bilaterale Verständnis zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa wichtige Fragen
auf. Lassen Sie mich eines jedoch
klar zum Ausdruck bringen: Die Vereinigten Staaten unterstützen die europäischen Bemühungen zur Schaffung
eines Binnenmarkts.
Die Europäische Gemeinschaft ist
in unserem transatlantischen Beziehungsgeflecht ein wichtiger Partner ein Partner, den wir traditionell unterstützen. Diese Unterstützung besteht unverändert seit der Gründung
der Montanunion im Jahr 1951 über die
Unterzeichnung der Römischen Verträge
im Jahr 1957 bis zum kürzlichen Beitritt von Spanien und Portugal fort.
Der Binnenmarkt des Jahres 1992 ist
ein logischer nächster Schritt.
Die von den europäischen Staatsmännern der fünfziger Jahre bei der
Gründung der Europäischen Gemeinschaft verfolgten Ziele behalten auch
heute ihre Gültigkeit: für das wirtschaftliche Wohlergehen der Region zu
sorgen, die äußere Sicherheit zu garantieren und politische Stabilität
im Innern sicherzustellen. Trotz der
geringfügigen
Auseinandersetzungen,
die wir in der Vergangenheit zu bestimmten Themen hatten - und die wir
auch in Zukunft haben werden - sollte
man diese Gesamtperspektive im Gedächtnis behalten.
Ein stärkeres Europa dient unseren gemeinsamen Interessen, und die
Entwicklung des Binnenmarkts im Jahr
1992 wird erheblich dazu beitragen.

Der Gegensatz zu der noch vor einigen
Jahren
vorherrschenden
Einstellung
könnte schon jetzt nicht schärfer
sein. Vorbei ist das selbstzerstörerische Gerede von Europessimismus
und Eurosklerose. Statt dessen diskutieren Unternehmen und Regierungen
intensiv ihre Strategien zur Arbeit
auf dem größeren und dynamischeren
Markt der Zukunft.
Der Gedanke eines neuen Europas
im Jahr 1992 hat sich nicht nur bereits verfestigt, sondern es wurden
auch
schon
bedeutende
praktische
Fortschritte erzielt - insbesondere
in den vergangenen sechs Monaten.
Beim jüngsten Treffen des Europäischen Rats in Hannover wurde berichtet, daß über ein Drittel des Weißbuchs der EG-Kommission - der Fahrplan für 1992 - verabschiedet werden
konnte. Dazu gehören die vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs, die gegenseitige Anerkennung
von Hochschuldiplomen, die Öffnung
des Versicherungsmarkts
sowie des
Markts im Straßen- und Lufttransportwesen.
Schon werden die nächsten
Prioritäten ins Auge gefaßt: die Deregulierung des öffentlichen Beschaffungswesens,
Unternehmensgesetzgebung, Steuerharmonisierung, Bankwesen
und andere Finanzdienstleistungen sowie Patente und Markenzeichen.
Schwierige Fragen und Probleme
sind noch zu lösen. Jedoch zeigen
die bis heute erzielten Fortschritte,
daß 1992 mehr als nur ein Traum ist es ist ein Ziel, das zu erreichen die
Europäer entschlossen sind. Und täuschen Sie sich nicht: wir unterstützen dieses Ziel.
Es gibt einige vordringliche Fragen bezüglich 1992, die von Amerikanern wie Europäern gleichermaßen erörtert werden müssen. Die Amerikaner
sind bestrebt, mehr über die Ziele
des Jahres 1992 und den Weg dorthin
in Erfahrung zu bringen. Im vergangenen Monat fand ein von der KonradAdenauer-Stiftung
veranstaltetes
Treffen zwischen deutschen und amerikanischen Regierungsvertretern statt.

- 2 -

�Die amerikanischen Teilnehmer brachten ihre Bedenken und auch Mißverständnisse über den Binnenmarkt zum
Ausdruck. Sie sprachen sogar von einer "Festung Europa".
Damit komme
ich zu meinem zweiten Punkt.
Die Entfaltung des europäischen
Binnenmarktes im Jahr 1992 bringt eine dynamischere Marktsituation mit
sich. Schwächere Unternehmen könnten
sich neuem und stärkerem Konkurrenzdruck ausgesetzt sehen. Um den noch
stärkeren Konkurrenzdruck durch Unternehmen in Drittländern - insbesondere aus den Vereinigten Staaten und
Japan - abzuwenden, werden sie voraussichtlich um Schutz ersuchen.
Jedes neue Abenteuer birgt Risiken. Die Gefahr des Protektionismus
ist nicht neu. Aber Präsident Reagan
hat beispielhaft bewiesen, daß man
sich den Rufen nach Protektionismus
widersetzen kann. Und dies muß der
Fall sein - sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa.
Was würde die "Festung Europa"
für die Europäer bedeuten? Ein isoliertes, schwächeres Europa, das gegenläufige Auswirkungen auf die politische und militärische Zusammenarbeit im Bündnis hätte. Wie ich bereits erwähnte, liegt ein stärkeres
Europa in unserem vorrangigen Interesse.
Eine "Festung Europa" würde vorwiegend den Europäern selbst schaden.
Sie würde ihren Bürgern die uneingeschränkte Nutzung der Vorteile versagen, die ihnen dank der zahlreichen
Opfer zustehen, die sie für die Verwirklichung eines tatsächlich ganz
Europa umfassenden Marktes erbringen.
Wachsende Kosten und Ineffizienz würden die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen untergraben. Dies ist keine neue Lektion und sicherlich keine, die wiederholt
werden muß.
Um Verhaltensweisen nach dem Muster "Festung Europa" - oder Regionalismus jeglicher Art - zu vermeiden,

dürfen wir unseren traditionellen
multilateralen Ansatz bei der Lösung
von Wirtschaftsproblemen nicht bagatellisieren. Damit komme ich zu meinem dritten Punkt. Europas Weg ins
Jahr 1992 sollte unsere gemeinsamen
Bemühungen bei der gegenwärtig in
Genf
tagenden Uruguay-Runde nicht
überschatten. Diese Runde von Handelsgesprächen ist ein gigantisches
Unterfangen, um Disziplin in den Handel mit Agrarprodukten und Dienstleistungen, geistigem Eigentum und Investitionen zu bringen.
Tatsächlich
können die äußerst schwierigen Probleme im Agrarsektor nur im multilateralen
Kontext
gelöst
werden.
Dies ist ein Problem, für das wir alle gleichermaßen die Schuld tragen.
Daher müssen wir gemeinsam an seiner
Lösung arbeiten.
Während
multilaterale
Ansätze
nicht außer acht gelassen werden
sollten, können bilaterale und regionale Lösungen ein Mittel zur Stärkung
des weltweiten Handelssystems darstellen.
Das Schlußkommunique des
jüngsten Wirtschaftsgipfels in Toronto hätte in diesem Punkt nicht
präziser formuliert sein können:
"Wir begrüßen das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den
Vereinigten Staaten sowie die
stetigen Fortschritte in Richtung
auf das Ziel der Europäischen Gemeinschaft, den Binnenmarkt bis
1992 zu verwirklichen.
Unser
Grundsatz ist, daß diese Entwicklungen
gemeinsam
mit
anderen
Schritten zur Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern das offene,
multilaterale Handelssystem unterstützen und den von der Uruguay-Runde eingeleiteten Liberalisierungsprozeß
beschleunigen
sollten."
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen ist hierfür ein einschlägiges Beispiel: wir bauen die
Handelsschranken
zwischen
unseren
beiden Ländern ab und errichten keine
neuen gegen andere Länder. Von ebensolcher Bedeutung ist, daß das ameri-

- 3 -

�kanisch-kanadische Abkommen das Allgemeine
Zoll- und
Handelsabkommen
(GATT) respektiert und darauf achtet,
die Erfolge des multilateralen Ansatzes nicht zu unterlaufen. Dank dieser
Bestrebungen
der
Vereinigten
Staaten und Kanadas werden neue Märkte eröffnet und ein Gegengewicht gegen Protektionismus und Investitionshemmnisse gebildet.

hat es vielleicht niemanden so sehr
überrascht - obwohl es schon enttäuschend war -, daß die von der EG-Kommission neu vorgelegten Richtlinien
für das Bankwesen eine Gegenseitigkeitsklausel für die Gründung von
Tochtergesellschaften einer Bank enthielten.
Entwicklungen auf diesem
Gebiet werden wir mit Interesse verfolgen.

Ich möchte mich jetzt zwei besonderen Themenkomplexen zuwenden, die
sich im Zusammenhang mit dem Jahr
1992 herausgebildet haben: der erste
ist die Politik der Gegenseitigkeit
und der zweite betrifft Fusionen und
Firmenübernahmen.

Gegenseitigkeit ist tatsächlich
ein Instrument des Bilateralerismus.
Wenn wir wirklich am Multilateralismus interessiert sind, ist eine nationale Behandlung - wobei Firmen und
Produkte aller Länder gleich behandelt werden - die einzig billige und
gerechte Politik, die das multilaterale System stärkt.
Die nationale
Behandlung ist der Kern des GATT-Systems, das dem Handelssystem in der
Nachkriegszeit so gute Dienste erwiesen hat.

Gegenseitigkeit bedeutete einmal,
Zugeständnisse gegen Vorteile aufzuwiegen - der Schlußstrich am Ende von
Verhandlungen. In den Handelsbeziehungen jedoch wurde Gegenseitigkeit
zur Regel. In seiner ausgeprägtesten
Form bedeutet dies: "Ich werde Dir
auf meinem Markt nur das erlauben,
was Du mir auf Deinem Markt gestattest."
Dies mag recht und billig klingen, ist es aber nicht.
Zwischen
zwei Ländern angewandt führt Gegenseitigkeit zu mehr - und nicht zu weniger - Protektionismus.
Kanada,
Norwegen und Schweden zum Beispiel
gestatten ausländischen Banken die
Niederlassung in ihren Ländern nur
als Tochtergesellschaft, nicht aber
als Filiale. Wenn andere Länder die
Politik der Gegenseitigkeit nun ebenfalls anwenden würden, wären die Filialen kanadischer, norwegischer und
schwedischer Banken gezwungen, ihren
Betrieb einzustellen. Daher beruhen
durch Gegenseitigkeit geförderte Normen nur auf dem kleinsten gemeinsamen
Nenner.
Bedauerlicherweise hat sich Gegenseitigkeit in der Finanzwelt recht
komfortabel eingenistet.
Einer Untersuchung der OECD von 1984 zufolge
wenden fast die Hälfte der 24 OECDMitgliedstaaten eine Art der Gegenseitigkeit im Bankwesen an. Daher

Das zweite Thema, an dem die Vereinigten Staaten interessiert sind,
ist die Politik gegenüber Fusionen
und Firmenaufkäufen. Meiner Meinung
nach bedeutet der Geist von 1992 flexiblere Märkte, auf denen ganz allgemein gesprochen Investitionsentscheidungen von finanzpolitischen Zielen
geleitet und nicht durch einzelstaatliche Erwägungen eingeschränkt werden.
Die Fähigkeit zur Fusion mit anderen Firmen in dieser Region wird
für europäische Unternehmen ein entscheidener Faktor im Hinblick auf die
Frage sein, ob der neue Gedanke des
europäischen Binnenmarkts alte Vorurteile überwunden hat. Vorschläge auf
diesem Gebiet befinden sich noch im
Frühstadium. Ich möchte unsere Position aber schon zu Beginn der Diskussion deutlich machen.
Aus unserer
Sicht sollten die Rechte von Firmen
aus Drittländern bei der Fusion mit
oder Übernahme von europäischen Firmen nicht eingeschränkt werden. Fusionen und Übernahmen, die den Wettbewerb nicht einschränken, sind der
Lebensnerv eines gut funktionierenden
Marktes.

�Wie Sie sicherlich wissen, haben
wir in den Vereinigten Staaten erfolgreich jene Zusatzartikel aus dem
Handelsgesetz gestrichen, die - wenn
auch nur in bescheidenem Maße - bestehende Rechte ausländischer Firmen
zum Erwerb von amerikanischen Unternehmen eingeschränkt hätten. Unsere
Botschaft ist klar: offenere - und
nicht geschlossenere - Märkte sind
der Schlüssel zu gesünderen Volkswirtschaften und einer Stärkung der
freien Welt.
Abschließend möchte ich nochmals
betonen, daß der gemeinsame europäische Binnenmarkt europäischen und
ausländischen Firmen enorme Möglichkeiten und Chancen eröffnet.
Neue
Investitionsentscheidungen
und Marketingstrategien werden schon
heute eingeleitet.
Die Zusammenarbeit zwischen Tishman-Speyer, Citicorp und der Frankfurter Messe- und
Ausstellungs-GmbH bei der Durchführung dieses ehrgeizigen Bauvorhabens
ist in der Tat ein Beispiel für die
jetzt entstehenden Geschäftsbeziehungen und Chancen.
•
Die Furcht vor Wettbewerb und
Protektionismus, vor einer "Festungsmentalität", wird durch die Unsicherheit über derzeitige und noch vor uns
liegende
Veränderungen
ausgelöst.
Vor 25 Jahren hat Präsident Kennedy
in genau dieser Stadt festgestellt:
"Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen, die nur in die
Vergangenheit schauen oder die Gegenwart betrachten, werden die Zukunft
ganz bestimmt verpassen."
Diese Worte haben eine besondere
Bedeutung für all jene, die mit der
Gestaltung des Europas der neunziger
Jahre befaßt sind. Ganz sicher werden diejenigen, die an der heutigen
Grundsteinlegung zu jenem innovativen
Bauvorhaben beteiligt sind, die Zukunft nicht verpassen.
* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

13. Juni 1988

27

DIE AMERIKANISCHE PRÄSENZ IM PERSISCHEN GOLF
- Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie zum
Engagement der Vereinigten Staaten im Golf, die den Zeitraum der vergangenen
zwei Jahre abdeckt.

1986
12. Mai
Ein amerikanischer Zerstörer verwarnt eine iranische Fregatte bei ihrem offensichtlichen Versuch, das
amerikanische Handelsschiff "President McKinley" im Golf von Oman abzufangen. Dem Verteidigungsministerium
zufolge leisten die Iraner der Aufforderung Folge, "die freie Durchfahrt des Schiffes zu gewährleisten",
und drohen keine Kampfhandlungen an.
16. November
Kuwait
informiert die anderen
Mitglieder des Rates für die Zusammenarbeit im Golf, der sich aus einer
Gruppe arabischer Staaten zusammen-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

setzt, über seine Bestrebungen um internationale Hilfe für seine Schiffe
im Golf. Die Bitte erfolgt nach einem verstärkten Angriff des Iran auf
Schiffe unter kuwaitischer Flagge und
Schiffe auf der Reise von und nach
Kuwait.

1987
13. Januar
Kuwait richtet die Anfrage an die
Botschaft der Vereinigten Staaten, ob
seine Schiffe bei einer Registrierung
unter amerikanischer Flagge unter den
Schutz der US-Navy gestellt würden.
29. Januar

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Präsident Reagan bekräftigt sein
Engagement
für
freien
Öltranport
durch die Straße von Hormus und gestattet Kuwait die Umflaggung seiner
Schiffe, sofern diese amerikanischen
Vorschriften entsprechend ausgerüstet
sind.
6. Februar
Die Vereinigten Staaten bestätigen Kuwait gegenüber, die amerikanische Marine würde alle Schiffe unter amerikanischer Flagge im höchstmöglichen Ausmaß und mit allen verfügbaren Mitteln zu unterstützen.
2. März

Iran greift innerhalb von acht
Tagen einen dritten Tanker mit dem
Bestimmungshafen Kuwait an und warnt
Kuwait vor der Inanspruchnahme amerikanischen Schutzes.
17. Mai
Die
amerikanische
Fregatte
"Stark" wird von zwei Raketen eines
irakischen Kampfflugzeuges getroffen.
Dabei werden 37 Besatzungsmitglieder
getötet. Der Irak entschuldigt sich
für das "Versagen des Piloten", aber
Außenminister Shultz erklärt, der
Zwischenfall "demonstriert die Härte
des Krieges zwischen Iran und Irak,
nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für andere Länder".

Eine kuwaitische Reederei ersucht
darum, sechs Handelsschiffe umflaggen
zu dürfen.
7. März
Die Vereinigten Staaten bieten
elf kuwaitischen Tankern Schutz an.
Die Entscheidung zur Umflaggung der
Tanker wird von Präsident Reagan nach
Konsultatonen mit dem Verteidigungsminister, dem Marineminister, dem Nationalen Sicherheitsberater und anderen Regierungsvertretern getroffen.
10. März
Kuwait erklärt, das amerikanische
Angebot zu seinem Schutz annehmen zu
wollen.
4. April
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger verfügt eine stärkere Präsenz der Marine im Golf.

18. Mai
Präsident Reagan beruft eine Zusammenkunft der Planungsgruppe zur
nationalen Sicherheit (NSPG) ein, um
die Gesamtlage im Golf zu überprüfen
und bekräftigt das Engagement der
Vereinigten Staaten zur "Unterstützung der Selbstverteidigung unserer
Freunde im Golf und Gewährleistung
des freien Öltransports in der Straße
von Hormus".
Nach dem Treffen der NSPG veröffentlicht das Weiße Haus eine Erklärung, derzufolge Präsident Reagan für
die amerikanischen Schiffe im Golf
erhöhte Alarmbereitschaft angeordnet
hat. Die Erklärung enthält die Warnung: "Im Zustand erhöhter Alarmbereitschaft werden die Flugzeuge jedes
Landes (Iran und Irak) beschossen,
die sich in offensichtlich feindlicher Absicht nähern, bis sie uns von
ihren Absichten in angemessener Form
in Kenntnis setzen".

14. April
21. Mai
Die Sowjetunion erklärt, Kuwait
drei Tanker zum Öltransport durch den
Persischen Golf überlassen zu wollen
und damit die Möglichkeit zu erhöhen,
daß sowjetische Kriegsschiffe diese
begleiten.

Die
amerikanische
Küstenwache
veröffentlicht eine Entbindung vom
amerikanischen Seerecht, um die zügige Umflaggung kuwaitischer Tanker unter amerikanische Flagge sicherzustellen.

11. Mai
_ 2 -

�29. Juli

16. Juni
Wie aus Berichten des Verteidigungsministeriums an den Kongreß zu
entnehmen ist, operieren amerikanischen Seestreitkräfte, die den Begleitschutz der Handelsschiffe im
Golf sichern, nach extrem verschärften Einsatzrichtlinien. Diese neuen
Bestimmungen sind dem Pentagon zufolge seit dem Angriff auf die "Stark"
in Kraft. Gleichzeitig verlautet aus
Schiffahrtskreisen, daß die Iraner
den Golf verminen.
30. Juni
Präsident Reagan erklärt - unbeeinflußt durch die Einwände des Kongresses - daß die Vereinigten Staaten
weiterhin die Absicht haben, Tankern
im Golf Begleitschutz zu gewähren.
Hochrangige Regierungsvertreter erklären auf einer Pressekonferenz des
Weißen Hauses gegenüber Journalisten,
daß es trotz des erheblichen Risikos
weit risikoreicher ist, nichts zu tun.
1. Juli

Der Regierung zufolge hat das
Verteidigungsministerium
acht
Hubschrauber in den Golf beordert, um
die Minen zu suchen und zu entschärfen.
10. August
Ein
amerikanischer
Supertanker
wird unmittelbar außerhalb des Golfs
von Minen getroffen. Großbritannien
und Frankreich entsenden Minensuchboote und Versorgungsschiffe in die
Region.
20. August
Der Iran bekennt sich zur Verlegung von Minen "zur Verteidigung unseres
Kiistenstreifens".
"Solange
sich ausländische
Streitkräfte im
Golf befinden, ist der Einsatz solcher Mittel zur Blockierung des Zugangs
nur
verständlich",
erklärt
Kamal Kharazi, Sprecher ces iranischen
Obersten
Verteidigungsrats
und Leiter des Kriegsinformationszentrums dieser Behörde.

Berichten zufolge finden amerikanische Einheiten auf den Schiffahrtsrouten im Golf zwölf Minen.
21. Juli
Gemäß dem Abkommen mit den Vereinigten Staaten werden zwei kuwaitische Öltanker umgeflaggt.
Ihre
arabischen Namen werden in "Gas
Prince" und "Bridgeton" geändert.
22. Juli
Die erste Flotte amerikanischer
Kriegsschiffe und umgeflaggter kuwaitischer Öltanker erreicht den Persischen Golf.
24. Juli
Einer
der
von
amerikanischen
Schiffen
eskortierten
kuwaitischen
Tanker, die "Bridgeton", läuft in der
Nähe der Insel Farsi auf eine Mine.

15. September
Drei italienische Minensuchboote
und Unterstützungsschiffe kommen den
amerikanischen, britischen und französischen Schiffen bei der Minenräumung der Gewässer zu Hilfe. Eine Woche später beteiligen sich auch zwei
holländische Minenjagd- und zwei belgische Minensuchboote an der Aktion.
Die europäischen Regierungen erklären, individuell und nicht als Teil
der vereinigten Streitkräfte unter
amerikanischem Kommando operieren zu
wollen.
21. September
Ein amerikanicher Kampfhubschrauber nimmt einen iranischen MLnenleger
im Golf unter Beschuß; Berichten zufolge werden fünf Iraner getötet und
26 gefangengenommen. Das Weiße Haus
erklärt, die in internationalen Ge-

- 3 -

�wässern 80 Kilometer nordöstlich von
Bahrain gelegten Minen bedeuteten eine "Provokation", die "eine unmittelbare Bedrohung" für amerikanische und
andere Schiffe darstelle.
"Die Aktionen der Streitkräfte
der Vereinigten Staaten wurden in
Ausübung unseres Rechts auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen durchgeführt", stellt Präsident Reagan in
einem Brief an die Parteivorsitzenden
im Kongreß fest und fügt hinzu, "Minenverlegen auf hoher See ohne vorherige Benachrichtigung und in einem
Gebiet mit Schiffahrtsbeschränkungen
ist ungesetzlich und bedroht ernsthaft die weltweite öffentliche Ordnung sowie die Sicherheit der internationalen Handelsschiffahrt".
8. Oktober
Amerikanische
Kampfhubschrauber
versenken drei iranische Patrouillenboote, nachdem ein amerikanischer Beobachtungshubschrauber unter Beschuß
genommen wurde.
15. Oktober
Eine vermutlich in China hergestellte iranische Rakete des Typs
Seidenraupe
setzt
einen
amerikanischen Tanker in kuweitischen Gewässern in Brand und verursacht umfangreiche Schäden, es wird jedoch niemand verwundet.
16. Oktober
Ein kuwaitischer Tanker wird von
einer iranischen Rakete des Typs Seidenraupe getroffen.

die Bohrinsel sei für Angriffe auf
die zivile Schiffahrt genutzt worden
und die militärische Reaktion darauf
habe in "der gesetzmäßigen Ausübung
des in Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen verankerten Rechts
auf Selbstverteidigung" bestanden.
"Die Vereinigten Staaten wünschen
keine militärische Konfrontation mit
dem Iran", erklärt der Präsident,
"aber die iranische Regierung sollte
sich keine Illusionen über unsere
Entschlossenheit und Fähigkeit machen, unsere Schiffe und unsere Interessen vor nicht provozierten Angriffen zu schützen."
12. Dezember
Amerikanische Streitkräfte retten
28 Menschen von einem Tanker, der von
einem iranischen Schiff in Brand gesetzt wurde.

1988
12. Januar
Verteidigungsminister
Carlucci,
der über seine jüngste Reise in den
Golf Bericht erstattet, stellt in einem Fernsehinterview fest, daß die
Vereinigten Staaten "keineswegs die
Absicht zu einer Änderung ihrer Politik" in der Region haben und fügt
hinzu:
"Die Iraner sind sich der
Tatsache sehr wohl bewußt, daß wir im
Falle eines iranischen Angriffs bereit sind, uns zu verteidigen, daß
wir die Fähigkeit haben, uns zu verteidigen, und daß wir zu einem Vergeltungschlag ausholen werden."
17. Februar

19. Oktober
Als Vergeltung für die einige Tage zuvor erfolgten Angriffe auf die
Tanker
zerstören
amerikanische
Kriegsschiffe eine Bohrinsel vor der
Küste, die Berichten zufolge als
Stützpunkt für iranische Kanonenboote
dient.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärt Präsident Reagan,

Die Vereinigten Staaten verringern die Zahl ihrer Schiffe im Golf
auf 28 Kriegsschiffe.
14. April
Die amerikanische Fregatte "USS
Samuel B. Roberts" läuft in internationalen Gewässern vor der Küste von

�Katar auf eine Mine; 10 Seeleute werden verwundet und das Schiff ernsthaft beschädigt.
In einem Schreiben an die Parteivorsitzenden im Kongreß erklärt Präsident Reagan, die amerikanischen
Streitkräfte blieben im Golf, um
Frieden und Stabilität in der Region
herbeizuführen und seien bereit "alle
erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sich, die Schiffe unter amerikanischer
Flagge sowie amerikanische Menschenleben zu schützen".
18. April
Amerikanische Kriegsschiffe zerstören zwei iranische Bohrinseln, die
vom Iran zu militärischen Zwecken genutzt wurden. Sechs iranische Schiffe werden kampfunfähig gemacht oder
versenkt. Der Angriff erfolgte auf
Anweisung von Präsident Reagan, der
die Parteivorsitzenden
von seiner
Entscheidung in Kenntnis setzte.

und ein zweites getroffen hatten.
Das Passagierflugzeug wurde Irrtümlich für ein F-14-Kampfflugzeug amerikanischer Bauart gehalten. Präsident Reagan und der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe Jr., bringen ihr
tiefes Bedauern über den Zwischenfall
zum Ausdruck.
5. Juli
In einem Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den
Senatspräsidenten pro tempore, stellt
Präsident Reagan fest, die amerikanische Aktion im Golf sei "im Einklang mit unserem verbrieften Recht
auf Selbstverteidigung" erfolgt. Er
wiederholt, die Vereinigten Staaten
bedauerten den tragischen Verlust an
Menschenleben zutiefst.

29. April
Präsident Reagan erteilt der Marine den Befehl, ihre Rolle im Golf
auszuweiten, um neutralen, nichtkommunistischen
Schiffen
ebensolchen
Schutz zu gewähren wie den Schiffen
unter amerikanischer Flagge.
2. Juli
Ein amerikanisches Kriegsschiff
reagiert auf den Notruf eines dänischen Supertankers, der von iranischen Kanonenbooten im Golf angegriffen wird und gibt einen Warnschuß ab.
3. Juli
Ein iranischer Airbus mit 290
Passagieren stürzt, von einer von der
"USS Vincennes" abgefeuerten Rakete
getroffen, über dem Golf ab. Es gibt
keine überlebenden.
Dem Verteidigungsministerium zufolge ist der Abschuß erfolgt, kurz nachdem ein amerikanischer Hubschrauber beschossen
wurde und amerikanische Kriegsschiffe
ein iranisches Kanonenboot versenkt
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

\ o N ^

13. Juli 1988

27

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS ENTSCHEIDUNG FÜR BENTSEN SCHAFFT AUSGEWOGENHEIT
Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen

WASHINGTON - (AD) - Lloyd Miliard Bentsen, Jr., der von Michael Dukakis
als Demokratischer Vizepräsidentschaftskandidat bestimmte 67jährige Millionär
und Senator aus Texas hat das, was Dukakis braucht, um zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt zu werden: starke Anziehungskraft auf die
Wähler in einem wichtigen amerikanischen Bundesstaat.

Texas ist eines der großen Lose,
die bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu ziehen sind. Durch
sein 29 Mitglieder umfassendes Wahlmännergremium - das drittgrößte nach
New York und Kalifornien - wird der
Staat zu einem enorm wichtigen Faktor
bei der Strategie beider Parteien.
Hinzu kommt, daß der mit Ölvorkommen
reich gesegnete südwestliche Bundesstaat eine der Hauptquellen für Wahlkampfspenden ist. Keinem Demokraten
ist es je gelungen, ins Weiße Haus
einzuziehen, ohne den Staat Texas gewonnen zu haben. Dieser Tatsache war
sich Michael Dukakis sicher bewußt,
als er seine Wahl am 12. Juli bekanntgab.
Den beliebten Favoriten texanischer Wähler - Bentsen wurde zu-

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nächst ins Repräsentantenhaus und
dann in den Senat von Texas gewählt kennzeichnet darüber hinaus die Tatsache, daß er den damaligen republikanischen Kandidaten George Bush bei
einer Wahl schlug. Bentsen überlistete Bush im Jahr 1970, als Bush ihn
bei seinem ersten Anlauf auf das Amt
im Senat herausforderte. Bentsen erreichte seinerzeit 53,3 Prozent der
Stimmen; als er 1976 die Wiederwahl
gegen einen anderen Herausforderer
anstrebte, konnte er das Ergebnis sogar noch auf 56,8 Prozent steigern.
Trotz der Popularität in seinem
Heimatstaat könnten Bentsen noch einige Auseinandersetzungen bevorstehen, wenn er und Bush am 8. November
um die Stimmen der Texaner ringen.
Obwohl Bush - wie auch Dukakis - in

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�Massachusetts geboren, hat der Vizepräsident den "Lone Star State" zu
seiner Heimat erklärt und im Laufe
der Jahre viel für die dortige Ölindustrie getan.
Meinungsumfragen
zufolge
liegt
Bush in Texas in Führung. Die Umfragen deuten aber auch darauf hin, daß
sich Dukakis Chancen für einen Wahlsieg in dem Staat durch Bentsen verbessert haben. Auf Fragen zu den
Spekulationen, wonach Dukakis den texanischen Senator zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten machen würde,
antwortete Bush kürzlich: "Ich mache
mir deshalb keine Sorgen. Wir können
den Staat gewinnen, auch wenn die
Wahl auf Bentsen fällt."
Bentsen, dessen Wahl nur sechs
Tage vor dem Nominierungsparteitag
der Demokraten in Atlanta angekündigt
wurde, ist für texanische Verhältnisse ein Liberaler. Im Vergleich zu
Dukakis gilt er allerdings als konservativ. Somit gleicht er - neben
anderen Pluspunkten - die Liste der
Demokraten ideologisch aus.
Ein möglicher Nachteil könnte
sich für Bentsen daraus ergeben, daß
er außerhalb der Grenzen von Texas
den amerikanischen Wählern nur wenig
bekannt ist.
Politische Analytiker
neigen dazu, dies herunterzuspielen,
weisen jedoch darauf hin, daß die
Wähler in der Regel für den Hauptkandidaten auf der Liste stimmen, vorausgesetzt, es gibt keine Kontroverse
über den Vizepräsdidentschaftskandidaten.
Die

Partnerschaft

zwischen

Dukakis und Bentsen ruft Erinnerungen
an eine andere Verbindung zwischen
Massachusetts und Texas wach - an
John F. Kennedy
und Lyndon B.
Johnson, die 1960 das Weiße Haus
übernahmen.
Bald
darauf
wurde
Johnson als erster Texaner Präsident
der Vereinigten Staaten.
Der elegant gekleidete, grauhaarige und aristokratisch auftretende
Bentsen gilt als geschickter Politi-

ker. Wie sonst könnte jemand so lange Zeit seiner Karriere im Senat das
amerikanische Unternehmertum fördern
und gleichzeitig den amerikanischen
Gewerkschaften positiv gegenüberstehen? Bentsen hat in den Vereinigten
Staaten auf Gewerkschaftsversammlungen Reden gehalten und ist ein Freund
des Präsidenten der AFL-CIO, Lane
Kirkland. Obwohl er sich zu Gewerkschaftsfragen nicht immer in ihrem
Sinne ausspricht, haben die Gewerkschaftsfunktionäre seine Wahl sofort
gutgeheißen.
Als Sproß einer wohlhabenen Großgrundbesitzerfamilie aus dem Tal des
Rio Grande in Texas wurde Bentsen
1948 im Alter von 27 Jahren in sein
erstes Amt im Repräsentantenhaus in
Washington gewählt. Er hatte seinen
Sitz in drei aufeinanderfolgenden
Amtsperioden inne, stellte sich jedoch nicht zur Wiederwahl, um in der
Privatwirtschaft
tätig
zu werden.
1970 wurde er Präsident einer Holding-Gesellschaft in Houston.
Bentsen hat bereits Erfahrung mit
Präsidentschaftswahlen.
Er
bewarb
sich schon 1976 erfolglos um die Nominierung der Demokraten, fiel aber
dann zu Beginn des Jahres aus dem nationalen Wettbewerb.
Im Jahr 1984
war er als Kandidiat für die Vizepräsidentschaft des Demokraten Walter
Mondale
gegen Ronald Reagan und
George Bush im Gespräch.
über Bentsens Ansichten zur Aussenpolitik ist wenig bekannt. Als
Vorsitzender des Finanzausschusses im
Senat spielte er jedoch eine zentrale
Rolle beim Kampf des Kongresses gegen
Reagan über die Handelsgesetze - ein
Problem, das die Demokraten bei der
Wahl erwartungsgemäß hervorheben werden. Die Demokraten haben versucht,
das Ungleichgewicht im Handel der
Vereinigten Staaten durch die Exportförderung und Vergeltung gegenüber
Ländern mit unfairen Handelspraktiken
abzubauen.
Im Jahr 1986 änderte Bentsen in
letzter Minute seine Haltung, um die

- 2 -

�Reagan-Administration bei ihrem Plan
zum Verkauf von Waffen im Wert von
265 Millionen Dollar nach Saudi-Arabien zu unterstützen. Zu diesem Geschäft gehörten etwa 1 700 Luft-LuftRaketen des Typs Sidewinder und 100
Luft-See-Raketen vom Typ Harpoon.
Bentsen wurde am 11. Februar 1921
in Mission, Texas geboren. Sein Jurastudium schloß er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Texas ab. 1942 trat er in die
Armee ein, wo er es als B-24-Flieger
und Geschwaderkommandant im Einsatz
in Europa bis zum Major brachte. Ihm
wurden die Air Medal und das Distinguished Flying Cross verliehen.
Nach dem Krieg kehrte er nach
Hause zurück und war vor seiner Wahl
in
den
Kongreß
Bezirksrichter.
Bentsen ist verheiratet und hat drei
Kinder.

* * * * * *

-3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. Juli 1988

27

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS WÄHLT BENTSEN ALS KANDIDAT FÜR DIE VIZEPRÄSIDENTSCHAFT
- Senator aus Texas -

BOSTON - (AD) - Michael Dukakis hat Senator Lloyd Bentsen aus Texas als
seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten bestimmt. Diese Entscheidung wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in der Faneuil Hall in Boston an
12. Juli nach einem Vormittag der Spekulationen über die Wahl Bentsens verkündet.
In seiner Ankündigung zog Dukakis
Parallelen
zwischen
einer
Liste
Dukakis-Bentsen
und der KennedyJohnson-Liste des Jahres 1960, die
ebenfalls aus einem Präsidentschaftskandidaten des Staates Massachusetts
und einem Vizepräsidentschaftskandidaten bestand, der Senator des Staates Texas war.
"Jack Kennedy und Lyndon Johnson
schlugen den republikanischen Vizepräsidenten und Bewerber um die Präsidentschaft (Richard Nixon) im Jahr
1960, und Mike Dukakis und Lloyd
Bentsen werden ihn (Bush) im Jahr
1988 schlagen," erklärte Dukakis vor
begeisterten Anhängern.

te

Die Ankündigung von Dukakis führzu erneuten Spekulationen über

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mögliche Auswirkungen auf die Unterstützung
von Dukakis
durch die
schwarzen Wähler.
Die Wahl eines
Senators aus einem konservativen SUdstaat könnte einigen Beobachtern zufolge möglicherweise schwarze Wähler
entfremden, die sich durch Jesse
Jacksons Wahlkampf zum Lager der Demokratischen Partei hingezogen fühlten.
Dukakis ist sich der Notwendigkeit wohlbewußt, die Loyalität der
schwarzen Wähler zu gewinnen, die
während der Vorwahlen Jesse Jackson»
Bewerbung um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat
unterstützten.
In den letzten Wochen hatte Dukakis
jedoch keinen Hehl aus seiner Verärgerung über die deutlichen Anspielungen Jacksons, wonach dieser Anspruch

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�auf die Nominierung für das Amt des
Vizepräsidenten erhob, sowie über andere Forderungen von Jackson-Anhängern gemacht.

bedeutet eine unmittelbare persönliche Herausforderung für Vizepräsident Bush, als dessen stärkste Basis
im Süden Texas betrachtet wird.

In Washington erklärte Jackson
nach der Dukakis-Ankllndigung, daß er
wahrscheinlich die von der Partei nominierten
Kandidaten
unterstützen
werde. Eine eindeutige Unterstützung
der Dukakis-Bentsen-Liste blieb jedoch aus.

Der 67jährige Bentsen wurde erstmals im Jahr 1970 in den Senat gewählt, als er den damaligen republikanischen
Kandidaten
George
Bush
schlug. Gegenwärtig ist er Vorsitzender des mächtigen Finanzausschusses des Senats. Diese Position hat
ihn zur Schlüsselfigur in den diesjährigen
Auseinandersetzungen
zwischen Kongreß und Präsident Reagan
über die Handelsgesetzgebung gemacht.
Außerdem war er ein Hauptbeteiligter
bei der anstehenden Reform der Sozialgesetze.

"Zweifellos werde ich die Liste
unterstützen, die vom Konvent in der
nächsten Woche aufgestellt wird," erklärte er vor Reportern. "Der richtige Zeitpunkt ist jedoch ein wichtiger Faktor in diesem Prozeß."
"Meine Kampagne wird uneingeschränkt an diesem Prozeß teilnehmen.
Wir werden diesen Prozeß beherzigen
und jedermann dazu auffordern, desgleichen zu tun." Weiter erklärte
er:
"Meine Pläne sind unverändert.
Mein Name wird für die Nominierung
als Präsidentschaftskandidat eingebracht werden."
Jackson lehnte es ab, zu Berichten Stellung zu nehmen, denen zufolge
Dukakis ihn nicht vorher über die
Entscheidung informiert habe, Bentsen
für die Nominierung als Vizepräsidentschaftskandidat
zu
empfehlen.
"Es wäre unangemessen, wenn ich jetzt
dazu Stellung nähme," erklärte er.
Die Art seines Vorgehens war Bestandteil seines Wahlkampfs, und ein strategischer Schachzug, um seine Organisation zu stärken."

Bentsens Vater war ein vermögender Rancher, und Bentsen ist ein
wohlhabender Geschäftsmann mit einem
persönlichen Vermögen von weit über
einer Million Dollar. Meinungsumfragen zufolge ist er unter den amerikanischen Wählern noch nicht sehr bekannt .
Die
Entscheidung
von
Dukakis
stellt praktisch sicher, daß Bentsen
beim Konvent der Demokraten in Atlanta am 21. Juli formell nominiert
werden und er im Herbst gemeinsam mit
Dukakis in den Wahlkampf gegen die
Republikaner ziehen wird.

"Meine
Verpflichtung
besteht
nicht darin, auf seine Strategie zu
reagieren, sondern darin, meine eigene zu bekräftigen, eine progressive
Koalition aufzubauen und die nationalen Prioritäten zu verändern," betonte Jackson.
Die Wahl Bentsens erscheint geeignet, die Unterstützung für Dukakis
unter den konservativen Wählern zu
stärken, insbesondere bei den Wählern
in den Südstaaten.
Dieser Schritt
- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'^r,oN^

Wissenschaft und Technik

13. Juni 1988

27

WARNZEICHEN:

ÖKOLOGISCHE KRISEN

Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen -

WASHINGTON - (AD) - "Hört auf die Delphine!" überschrieb im Spätsommer
vergangenen Jahres die "New York Times" einen Kommentar, in dem beschwörend
auf die Notwendigkeit strafferer und umfassender UmweltSchutzmaßnahmen hingewiesen wurde. Anlaß war ein ungewöhnliches Delphinsterben entlang der Atlantikküste. Im Gegensatz zu anderen Sommern, in denen 17 bis 20 verendeten
Tiere gefunden wurden, schwemmte nun das Meer allein zwischen Virginia und New
Jersey mehr als 200 tote und sterbende Delphine an. Bei vielen lösten sich
Hautpartien ab, Mundhöhle und Rachen waren voller Geschwüre.

Etwa zur gleichen Zeit wurde in
der Chesapeake Bay vor Maryland und
um Long Island vor New York, Connecticut ein katastrophales Fischsterben
beobachtet.
Sommeralgen vermehrten
sich explosionsartig, was man in dieser Form nicht kannte. Auch die Lage
in den Buchten und Flußmündungen sei
angespannt, hieß es weiter. Laichgründe und Aquakulturen seien in Gefahr. Der Fischfang, der zu etwa 70
Prozent in diesem oder jenem Punkt
auf die Mündungsgebiete angewiesen
sei, werde immer stärker beeinträchtigt.
Eine Krankheit unter den Delphinen konnte nicht ausgeschlossen, aber
auch nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Ahnliche Vorfälle hatte
es bereits gegeben: So waren von En-

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de 1979 bis Mitte 1980 allein an den
Küsten der etwas nördlicher gelegenen
Bundesstaaten Massachusetts bis Maine
mehr als 500 Robben infolge einer Influenzavirus-Infektion verendet. Virusinfektionen sind auch die unmittelbare Todesursache bei den fast
2 000 Seehunden, die seit Mitte Mai
dieses Jahres bisher an Nord- und
Ostseeküsten gefunden wurden.
Die ungewöhnliche Krankheitsanfälligkeit der Tiere dürfte allerdings mit einer allgemeinen Schwächung der Abwehrkräfte infolge der
fortschreitenden Vergiftung ihrer Umwelt durch Schadstoffe zusammenhängen. Diese werden als Industrieabfälle verschiedenster Art oder mit
Spillwasser von Schiffen aus "beseitigt", gelangen mit Abwässern und

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�Schwemmwasser vom Land über die Flüsse oder als Aerosole über die Atmosphäre ins Meer. Hat die Forschung
schon Schwierigkeiten, dem natürlichen Kreislauf der Stoffe nachzuspüren, so sind ihr die Wirkungsmechanismen und Wirkungsdimensionen der
durch menschliche Aktivitäten freigesetzten und zusätzlich in die Ozeane
eingebrachten Stoffe noch weitgehend
unbekannt.
Sie verändern jedenfalls die Lebensbedingungen der tierischen und
pflanzlichen Organismen bis hin zu
den kleinsten und primitivsten Lebensformen. Heiße Sommer wie die der
letzten Jahre - manche Wissenschaftler sehen darin bereits Vorboten des
gefürchteten "Treibhauseffekts", den
die steigende Menge von Kohlendioxyd
in der unteren Luftschicht vor allem
durch die zunehmende Verwendung fossiler Brennstoffe, der Mengen von
Methan, Stickoxyden und anderen Gasen
bewirkt - tragen zusätzlich zur Störung natürlicher Gleichgewichte bei.
Seit der Verabschiedung des amerikanischen Gesetzes gegen Wasserverschmutzung im Jahr 1972, das Behörden
und Wirtschaft der USA bisher mehr
als 300 Milliarden Dollar kostete,
hat sich zwar der Zustand vieler Binnengewässer merklich verbessert. Inzwischen verfügen auch die meisten
Städte über zweistufige Kläranlagen.
Aber erst seit 1986 kümmert man sich
in einigen KUstenregionen - insbesondere
im
Wassereinzugsgebiet
der
Chesapeake Bay - auch darum, das von
landwirtschaftlich genutzten Flächen
und von Straßen abgeschwemmte Wasser
wegen seines hohen Gehalts an Stickstoff und Phosphaten aus Dünger in
Klärprozesse
einzubeziehen.
Damit
sollen dem Schwemmwasser bis zu 40
Prozent der Chemikalien entzogen und
so die Uberfütterung der Algen mit
Nährstoffen verringert werden. Das
Verfahren ist jedoch recht kostspielig-

Auch "Saurer Regen" schädigt das
Meer

Daß Schwefel- und Stickoxyde aus
Schornsteinen, Autoabgasen und von
Agrarflächen nach komplexen Reaktionen in der Atmosphäre den Säuregehalt
der Niederschläge erhöhen, ist längst
bekannt. Vor allem Wälder und das
Leben in Binnengewässern leiden darunter, die Wasser- und Bodenqualität
verschlechtert sich, Bauwerke werden
zerstört. In einem Anfang Mai 1988
veröffentlichten
Bericht
vertreten
Wissenschafter
des
"Environmental
Defense Fund" (EDF), einer gemeinnützigen Organisatiaon in New York, die
Meinung, daß insbesondere Stickoxyde
im sauren Regen bereits zu 25 Prozent
für Schäden an der Tierwelt in den
KUstengewässern verantwortlich seien.
Sie beeinträchtigten "direkt Ressourcen im Meer, die von Millionen Menschen genutzt werden", und trügen zur
Eutrophie durch Uberdüngung bei.
Bei der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde der EDF-Befund zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen.
Auch die Meinungen der
Wissenschaftler, die Ende Mai bei Anhörungen vor einem US-Kongreßausschuß
zu Wort kamen, waren geteilt. Während die einen rieten, zur Veröffentlichung im Mai 1990 vorgesehene Ergebnisse einschlägiger, im Auftrag
der Regierungen Kanadas, der USA und
der Bundesrepublik Deutschland durchgeführter Studien abzuwarten, hielten
andere das bereits vorliegende Material für ausreichend, um die weitere
Emission von Schadstoffen gesetzlich
einzudämmen. Würde jetzt - so Dr.
James Galloway von der Universität
Virginia - die Emission von Schwefel
erneut um 50 Prozent reduziert, könnten in etwa zehn Jahren viele der
versauerten Süßwasserseen und Flüsse
wieder einen akzeptablen pH-Wert (Parameter für den Säurespiegel) aufweisen.
Demgegenüber
behauptet
George
Hidy vom "Electric Power Research Institute" (Forschungsstelle des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft),
in den Vereinigten Staaten gebe der
Grad der Umweltbelastung durch sauren
Regen keinen Anlaß zu der Vermutung,

�daß menschliche Gesundheit gefährdet
sei oder Umweltkatastrophen vor der
Tür stünden.
Striktere Kontrollen
solle man zugunsten noch gründlicherer Informationen um fünf bis zehn
Jahre aufschieben, weil die sofortige
Einführung neuer Vorschriften der
amerikanischen Wirtschaft in ihrer
schwierigen Wettbewerbssituation eine
unnötig große Belastung aufbürde.

Autoabgase sollen sauberer werden
UmweltschUtzer
fordern
jedoch
dringend eine weitere Senkung zulässiger
Schadstoffkonzentrationen
in
Autoabgasen. Auch die "American Lung
Association" (Gesellschaft für Lungenforschung) setzt sich dafür ein.
Eine unter Leitung von Dr. Michael
Walsh ausgearbeitete Studie besagt,
daß in den meisten amerikanischen
Städten die Luftverschmutzung durch
Abgase die 1970 gesetzlich zugelassenen
Höchstwerte
regelmäßig
überschreite. Zwar lägen heute die Emissionen von Kohlenwasserstoffen und
Kohlenmonoxyd um 96 Prozent, die von
Stickoxyd um 76 Prozent niedriger als
vor 1970. Jedoch müßten, wie in Gesetzesvorschlägen bereits gefordert,
Kohlenwasserstoffe um weitere 47 Prozent und Stickoxyde um weitere 58
Prozent gesenkt werden. Ein Rückgang
der Kohlenmonoxydemission ergäbe sich
dann automatisch.

,
•

Die allgemeine Verbesserung der
Luftqualität sei schon allein deshalb
geringer als erhofft, weil die Verkehrsdichte immer stärker zunehme und
mit jedem Kraftfahrzeug immer mehr
Fahrkilometer
zurückgelegt
würden.
Neuesten Angaben der EPA zufolge wurde zwischen 1976 und 1985 bei Kohlenmonoxyd ein Rückgang um 30 Prozent,
bei Stickoxyd um elf Prozent und bei
bodennahem,
d.h.
troposphärischem
Ozon - dem Hauptbestandteil von Smog
- um zehn Prozent ermittelt. Dieser
Ozon ist unerwünscht und hat eine andere Entstehungsgeschichte als der
stratosphärische Ozon, der z. T. unter der Einwirkung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen abgebaut wird. Bo-

dennaher Ozon ist ein Produkt von Reaktionen freigesetzter Kohlenwasserstoffe mit Stickoxyden in der Atmosphäre, jedoch tragen auch Schadstoffemissionen aus anderen Quellen
in Verbindung mit bestimmten klimatischen Bedingungen zu seiner Anreicherung bei.
Nach Dr. Walsh leben etwa 80 Millionen Amerikaner in Regionen, wo die
Ozonkonzentration fast immer die zulässigen Höchstwerte überschreitet.
An heißen Tagen beeinträchtigt Ozon
selbst bei gesunden Personen die Lungenfunktion, verursacht Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Husten, Asthmaanfälle und führt zu Erkrankungen der
oberen Luftwege. Außerdem gehen die
Verluste der Landwirtschaft durch
Ozon aus Abgasen und Abluft der Industrie in die Milliarden.

Giftanreicherung an Wasseroberflächen
Die hauchdünne Oberflächenschicht
der Meere, Seen, Meeresbuchten und
anderen Gewässern scheint für die Anreicherung von Schadstoffen eine viel
wichtigere Rolle zu spielen als man
bisher annahm. Dies gilt in erster
Linie für Schadstoffe aus der Luft,
aber auch aus Abwässern. Dr. John T.
Hardy, Biologe an der Staatsuniversität Oregon in Corvallis, fand einem
Bericht der
"International Herald
Tribüne" zufolge an Oberflächen toxische Stoffe in Konzentrationen, die
ein Vielfaches, ja bis zum Tausendfachen der Werte betrugen, die nur
wenige Zentimeter darunter im Wasser
gemessen wurden.
Aber
gerade
die
Oberflächenschicht ist ein Ort, wo sich die
mikroskopisch
kleinen
pflanzlichen
und tierischen Organismen sammeln,
von denen für die NahrungsVersorgung
der Menschen wichtige Fischarten und
Schaltiere im Frühstadium leben.
Selbst bei Gewässern, die als "gesund" und sauber gelten, könnten toxische Stoffe in der dünnen obersten
Schicht gefährlich hohe Konzentratio-

- 3 -

�nen erreichen, sagt Hardy. Deshalb
seien dort entnommene Wasserproben
z.B. auch geeignet, jeweilige Trends
von Schadstoffimmissionen, also der
Ablagerung von Luftverunreinigungen,
anzuzeigen.
Physikprofessor Hermann Gucinski
(Maryland) beobachtete bei Studien in
der Chesapeake Bay, daß zwar Wind,
Strömungen oder Tierbewegungen die
Oberflächenschicht aufrissen, diese
sich aber sofort wieder stabilisiere,
sobald z. B. der Wind aufhöre. Die
Fremdstoffe würden infolge der Oberflächenspannung des Wassers und eigener chemischer Eigenschaften in der
dünnen Schicht an der Oberfläche gehalten, ob sie nun aus der Luft kämen
oder aus tieferen Schichten nach oben
transportiert würden. Allerdings sei
die Verweildauer - Stunden, Tage, Wochen - für die einzelnen Komponenten
sehr
unterschiedlich.
Labor- und
Feldexperimente im Puget-Sund, wo die
Erschließung der Ö'lfelder zu größerer
Umweltverschmutzung geführt habe als
ursprünglich vermutet, haben ergeben,
daß die konzentrierte, wenn auch in
ihrer
Zusammensetzung
wechselnde
Giftmixtur der Oberfläche kleinere
Lebewesen töten kann.
Die Anlagerung von Schmutzrändern
(Badewannenrand-Effekt) unter Gezeitenwirkung an der Küste könnte eine
Rolle spielen, wenn z.B. Giftstoffe
in den Sand vordringen.
Womöglich
seien bislang nicht erklärbare bakterielle Infektionen bei Schaltieren,
durch die Population im Bereich des
Puget-Sund und der Chesapeake Bay
stark dezimiert wurden, auf diesem
Weg zustande gekommen.

Metallische Gifte
Indirekt trägt saurer Regen auch
zu der wachsenden Belastung der Umwelt mit Schwermetallen bei.
In
kalkarmen Gebieten z.B. werden diese
in Gewässern mit hohem Säuregrad
leichter aus dem Untergrund gelöst.
Die Hauptquellen der Freisetzung von
Quecksilber, Cadmium, Blei, Nickel,

Zink, Kupfer, Aluminium oder Elemente
wie Selen sind allerdings wiederum
Industrieprozesse,
Heizkraftwerke,
Müll und Kohlenasche. Im Gegensatz
zu vielen organischen Schadstoffen
sind sie jedoch nicht biologisch abbaubar. Sie verbleiben im Ökosystem
und werden in Wasser und Boden, in
Pflanzen und Tieren der gesamten Nahrungskette allmählich auf toxische
Konzentrationen angereichert.
Nach einer in der Zeitschrift
"Nature" (Ausgabe vom 12. Mai 1988)
veröffentlichten
Untersuchung
von
Jerome 0. Nriagu und Jozef M. Pacyna
dürfte in Europa, Nordamerika und
Asien die Süßwasserkontamination mit
Metallen weitaus größer sein als vermutet. In einigen Teilen Japans und
Europas übersteigen die Metallkonzentrationen in Böden bereits die natürlichen Fähigkeiten des Ökosystems zur
Selbstreinigung.
Dank der Einführung strenger Kontrollen über Bleizusätze zu Benzin in
Nordamerika
und
Europa sei, wie
Nriagu feststellte, seit 1975 die Belastung der Luft mit Cadmium, Blei,
Zink
und
Kupfer
zurückgegangen.
Weltweit gesehen besteht aber das
Problem weiter - es verlagert sich
nur von den Industrie- zu den Entwicklungsländern, in denen es keinerlei Kontrollen über Blei- und andere
toxische Metallemissionen gebe.
Robert A. Duce, Atmosphärenphysiker an der Universität von Rhode Island, bestätigt Beobachtungen der
beiden Wissenschaftler aufgrund von
Messungen in abgelegenen Regionen des
Pazifik. Dabei wurden u.a. Metallemissionen Tausende von Kilometern
von ihrer Quelle entfernt aufgespürt.
Nriagu sieht darin Anzeichen für eine
"stumme Epidemie von metallischer Umweltvergiftung" .

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burt: Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Präsenz im Persischen Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Dukakis Entscheidung für Bentsen schafft Ausgewogenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis wählt Bentsen als Kandidat für die Vizepräsidentschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senator aus Texas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnzeichen: ökologische Krisen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>; eo

ST&gt;

'^IQN

AMERIKA DIENST

^

27. J u l i 1988

28

INHALT

DOKUMENTATION
Shultzt Irans Erklärung "erster Schritt" zum Frieden Im Golf
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio Resolution 598 des Weltsicherheitsrats ein Jahr alt
- UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak -

INFORMATION
Verbesserte Rentner-Krankenversicherung in USA
- Erste wichtige Reform in 23 Jahren -

HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie zu Atomtests
- Zusammenfassung der ACDA -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Wahlplattform der Demokraten auf Einigkeit ausgerichtet
- Meinungen auf dem Parteikonvent -

* * * * * *

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Ä

Dokumentation

&lt;

28

27. Juli 1988

SHULTZ:

IRANS ERKLÄRUNG "ERSTER SCHRITT" ZUM FRIEDEN IM GOLF

- Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio -

TOKIO - (AD) - Bei einer Pressekonferenz in Tokio erklärte Außenminister
Shultz am 19. Juli 1988, die Vereinigten Staaten begrüßten die Handlungsweise
des Iran und unterstützten den UN-Generalsekretär im Friedensprozeß. Die Zustimmung Irans zur Waffenstillstandsresolution 598 des Weltsicherheitsrates
bezeichnete Shultz als "ersten Schritt" zum Frieden im Persischen Golf.
Zur amerikanischen Präsenz im Golf bemerkte Shultz, "unsere Präsenz wurde
als Reaktion auf Probleme erhöht. Wenn die Probleme gelöst sind, wird die
Flottenpräsenz unserer Schiffe reduziert."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Pressekonferenz:

Dies war ein erfolgreicher Tag
für mich. Ich habe an einem Mittagessen mit dem Premierminister, dem
Außenminister,
dem
Finanzminister,
dem Generalsekretär der Liberalen Demokratischen Partei und einer Reihe
anderer Persönlichkeiten teilgenommen, von denen ich den früheren Premierminister Nakasone besonders erwähnen möchte.

gut und fruchtbar sind, wie ich sie
bisher - und das ist eine ziemlich
lange Zeit - immer erlebt habe. Diesen Erfolg müssen wir uns jetzt zunutze machen, darauf aufbauen und natürlich Probleme an der Wurzel packen
und effektiv bewältigen. Und meiner
Ansicht nach haben wir das Vertrauen,
den Hintergrund und die dazu erforderlichen Verfahrensweisen.

Ich freue mich, zu einer Zeit
hierher zu kommen und vor Ihnen sprechen zu können, da viele Probleme
beigelegt sind und wir erleben, wie
die
gesamte
Wirtschaftsentwicklung
einen günstigen Kurs nimmt. Meiner
Ansicht nach sollte man fairerweise
erwähnen, daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan zum gegenwärtigen Zeitpunkt so

Im Verlauf unserer Gespräche haben wir einige bilaterale Fragen angeschnitten und beide Seiten teilten
die Ihnen gerade dargelegten Einstellungen. Dann haben wir bei einigen
Zusammenkünften verschiedene internationale Themen von gemeinsamem Interesse diskutiert, und dies werde ich
heute abend bei meinem Diner mit den
Außenministern weiterführen.

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�Aber wir haben auch über den
Krieg zwischen Iran und Irak und die
dortigen Entwicklungen gesprochen und
insbesondere natürlich über den jüngsten Schritt des Iran, der meiner Ansicht nach weltweit begrüßt wurde und
den auch ich begrüße. Weitere Themen
waren Kambodscha, der Nahe Osten, die
Philippinen und die koreanische Halbinsel. Den Friedensprozeß im Nahen
Osten habe ich bereits erwähnt. Ich
habe bereits über meine Zusammenkünfte in China sowie auch über unsere
Einschätzung der Entwicklung in der
Sowjetunion - die der frühere Premierminister Nakasone morgen besuchen
wird - Bericht erstattet. Eins weiteres Thema wird Mittelamerika sein.
Sie sehen also, daß unsere Tagesordnung ein breites Spektrum umfaßt.
Und
unsere Gespräche waren sehr
fruchtbar. Meiner Ansicht nach lehrt
uns das - da in der Regel die Zeit
eher knapp wird als die Themen - daß
häufige Zusammenkünfte und Dialoge
eine gute Sache sind, und deshalb
werden wir diesen Prozeß fortführen.

Ich möchte nun Ihre Fragen beantworten.
Frage:
Herr
Außenminister,
wieviel Hoffnung macht Ihnen die offensichtliche Bereitschaft des Iran,
die
UN-Waffenstillstands-Resolution
anzunehmen? Und wenn es sich hier um
eine ehrliche Absicht handelt - prognostizieren Sie in naher Zukunft einen Beginn des Abzugs amerikanischer
Kriegsschiffe aus dem Golf?
Antwort:
Wir
begrüßen
diese
Entwicklung. Diese Einstellung spiegelt sich in unserer gesamten Regierung wider, wurde vom Weißen Haus als
offizielle Reaktion verbreitet, und
auch ich bin dieser Ansicht. Wir erkennen an, daß es sich hierbei um den
ersten Schritt in einem Friedensprozeß handelt, und wir werden den Generalsekretär der Vereinten Nationen in
seinen
Bestrebungen
unterstützen,
diese Entwicklung zu nutzen und an
der Verwirklichung von Resolution 598

zu arbeiten, die mit dem Waffenstillstand eingeleitet wird, die aber auch
viele andere Bestandteile hat, die
noch durchgearbeitet werden müssen.
Wir werden diesen Prozeß unterstützen.
Was die amerikanische Flottenpräsenz im Golf anbetrifft, so wurde unsere Präsenz als Reaktion auf Probleme erhöht. Wenn die Probleme gelöst
sind, wird die Flottenpräsenz reduziert. Das ist eine Frage des Eingehens auf Notwendigkeiten, und wenn
die Notwendigkeiten nicht mehr bestehen, wird auch die Präsenz unserer
Schiffe abnehmen. Es bleibt abzuwarten, wann sich dies herausstellen
wird, aber das ist und bleibt unsere
Politik.
Frage:
Seit vielen Jahren haben amerikanische und japanische Regierungsvertreter die Lösung der jeweiligen Handelsprobleme in verschiedenen Sektoren - beispielsweise in
der Automobil- oder Textilindustrie angekündigt, aber trotz der in einzelnen Bereichen erzielten Verbesserungen hat das Ungleichgewicht im
Handel weiterhin zugenommen. Denken
Sie, daß beide Länder jetzt beim Abbau dieses Ungleichgewichts einen
Schritt weitergekommen, und wann kann
damit begonnen werden?
Antwort:
Wie
Sie mit Ihrer
Frage andeuten, haben wir zahlreiche
Probleme bereits gelöst. Es ist gut,
daß Sie darauf hinweisen. Diese Probleme bildeten nur einen Teil dessen,
was das Handelsdefizit herbeigeführt
hat.
Unser Handelsdefizit und der
große Exportüberschuß auf selten der
Japaner sind das Ergebnis komplexerer
Faktoren. Diese mußten auch besprochen werden, und sie sind besprochen
worden. Und ich denke, daß sich die
Bedeutung der nunmehr in der japanischen Wirtschaft erkennbaren weitreichenden
Umstrukturierung
darin
zeigt, daß der Anstieg der Inlandsnachfrage in Japan den Zuwachs des
Bruttosozialprodukts übersteigt. Mit
anderen Worten:
ihre Abhängigkeit
von einer exportorientierten Form des
Wachstums ist geringer geworden, und

- 2 -

�sie sind dafür weniger anfällig. Und
meiner Ansicht nach ist das eine kluge Politik. Entsprechend erleben wir
den Rückgang unseres Handelsdefizits.
Ich vertrete dazu die Meinung, daß es
noch drastischer zurückgehen wird,
aber das bleibt abzuwarten. Es ist
zurückgegangen.
Und wenn Sie den
Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan betrachten, hat unser
Defizit gegenüber Japan abgenommen,
wenn Sie die heutigen Zahlen mit den
Vorjahreszahlen
vergleichen.
Das
trifft seit einiger Zeit sowohl für
das Handelsvolumen als auch für den
Umsatz zu.
Wir erkennen diese Entwicklungen.
Und ich denke, daß hier ein neues Kapitel eingeleitet worden ist. Dies
war als Folge erheblicher Anstrengungen auf beiden Seiten möglich, und
wir werden diese Anstrengungen zweifellos fortsetzen. Es sind in der
Tat begrüßenswerte Entwicklungen.
Frage: Welches würden Sie als
das größte zwischen Japan und den
Vereinigten Staaten verbleibende Handelsproblem betrachten, und - als eine sich daraus ergebende Frage - wie
sind ihrer Meinung nach die Aussichten für ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
geht es nicht so sehr um ein großes
Handelsproblem. Wir haben viele dieser
Themenkreise
durchgearbeitet.
Sie mögen sagen, daß unsere größte
Chance im Handel darin besteht, der
Uruguay-Runde von Handelsverhandlungen zum Erfolg zu verhelfen und uns
im allgemeinen um den Abbau von Handelshemmnissen auf der ganzen Welt zu
bemühen. Wir sind sehr wohl in der
Lage dazu, haben oft darüber gesprochen, und meiner Meinung nach ist das
der wichtigste von uns zu bearbeitende Themenkreis. Was ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan betrifft, so ist
dies ein interessanter Gedanke, mit
dem man sich hier und in Washington
beschäftigt. Ich denke, davon sind

wir noch ein Stück entfernt. Meiner
Ansicht ist es das Wichtigste, an
diesem Punkt alles nur mögliche zu
tun, um der Uruguay-Runde zum Erfolg
zu verhelfen. Und in diesem Zusammenhang halte ich insbesondere die im
Dezember in Montreal zu ziehende Zwischenbilanz für einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir noch soviel
wie möglich erreichen.
Frage:
Haben die Vereinigten
Staaten seit der Erklärung des Iran,
Resolution 598 anzunehmen, dem Iran
über die Schweizer Regierung eine
Botschaft zukommen lassen, in der sie
ihr Wohlwollen über die Zustimmung
ausdrücken, und was bedeutet die Ankündigung
des Waffenstillstands
wenn sie ernst gemeint ist - für die
Zukunft der amerikanisch-iranischen
Beziehungen?
Antwort:
Wir
werden
unsere
diesbezügliche Meinung in jeder Hinsicht klar und deutlich zum Ausdruck
bringen. Mehr möchte ich dazu nicht
sagen, sondern nur nochmals unterstreichen, daß wir unsere Ansichten
zweifelsohne publik machen werden und
zwar auf eine Art und Weise, die sie
überzeugen wird. Was die Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
dem Iran anbetrifft, nehmen wir nach
wie vor dieselbe Haltung ein: Wir
sind zu direkten Gesprächen über das
gesamte Spektrum der uns betreffenden
Probleme bereit, so wie wir über
schweizer und andere Unterhändler indirekte Gespräche mit ihnen geführt
haben. Wir wollen diesen Unterredungen offiziellen Charakter geben, damit kein Zweifel daran besteht, daß
wir mit den zuständigen Regierungsvertretern verhandeln und daher alle
Äußerungen maßgeblich sind. Aber wir
sind bereit, dies zu tun.
Frage:
Hat es Kontakte oder
Verhandlungen mit dem Iran gegeben,
um die Annahme der UN-Waffenstillstands-Resolution über den zu fördern? Sie haben einmal erwähnt, der
Iran habe etwas signalisiert. Haben
wir mit den Iranern je darüber ge-

- 3-

�sprochen?
Antwort: Wir haben seit langem
eindeutig Position bezogen, und wie
Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte,
war die beiderseitige Annahme von Resolution 598 das Beste, was passieren
konnte. Unserer Ansicht nach bietet
sie eine gute Arbeitsgrundlage über
den Waffenstillstand hinaus bis hin
zur Entwicklung friedlicher Beziehungen zwischen den beiden Kontrahenten
in diesem Konflikt. Wir haben diesen
Gedanken natürlich in den Vereinten
Nationen mit unserer Befürwortung der
Resolution vor über einem Jahr unterstützt. Mir wurde die Ehre zuteil,
die Stimme im Namen der Vereinigten
Staaten abzugeben. Wir haben diese
Resolution von Stund an unterstüzt,
und ich denke, der Iran ist sich dessen sehr wohl bewußt.
Frage:
Herr Außenminister, haben Sie in Ihren heutigen Gesprächen
mit japanischen Regierungsvertretern
die Möglichkeit eines japanischen Engagements bei der Lösung der Probleme
im Nahen Osten erörtert - insbesondere die jetzige iranische Kehrtwendung?
Berichten von heute zufolge
könnten die Japaner bereit sein, zur
Wahrung des Friedens beizutragen.
Wurde dies diskutiert und wenn ja, in
welchen Einzelheiten?
Antwort:
Jegliche
Aussagen
über die Bereitschaft Japans, an der
Erhaltung des Friedens mitzuwirken,
müssen von Japan selbst kommen. Die
Japaner haben die unterschiedlichsten
Vorschläge unterbreitet und ich denke, alle begrüßen die Tatsache, daß
Japan angesichts seiner Fähigkeiten
zweifelsohne etwas ausrichten kann.
Meiner Ansicht nach ist es eine
höchst erfreuliche Entwicklung, daß
Japan an diesen Dingen mitwirkt. Was
nun dieses spezielle Thema anbetrifft, so ist es Sache der Japaner
und nicht meine Aufgabe, dies zu erörtern, falls etwas dazu gesagt werden soll. Wir haben den Nahen Osten
betreffende Themen diskutiert, jedoch
nicht den iranisch-irakischen Krieg.
Wir haben über den Friedensprozeß ge-

sprochen und Außenminister Uno hat
mir einen äußerst interessanten Bericht über seine jüngste Reise nach
Syrien, Jordanien, Ägypten und Israel
gegeben - übrigens der erste Besuch
von einem japanischen Kabinettsmitglied, einem Außenminister, in Israel. Dies war in jeder Hinsicht eine begrüßenswerte Entwicklung, und
ich war an seinem vollständigen Bericht höchst interessiert. Ich hatte
bei früherer Gelegenheit eine kurze
Zusammenfassung davon gehört.
Frage:
Können
Sie
uns
den
Zeitpunkt dieser scheinbaren Kehrtwendung der Iraner näher erläutern.
Warum jetzt?
Und können Sie uns
vielleicht erklären, wie dieser Wandel zustande kam?
Antwort:
Nun, wir können Spekulationen darüber anstellen, was den
Iran genau zu diesem Zeitpunkt zu der
Entscheidung veranlaßt hat. Ich habe
keine
vertraulichen
Informationen
über ihre Vorgehensweise, und meiner
Ansicht nach ist mit meinen Spekulationen niemandem gedient. Einige der
auslösenden Faktoren liegen ja wohl
offen auf der Hand. Aber es ist eher
an den Iranern, ihre Entscheidung zu
erklären. Es lohnt sich, die abgegebene Erklärung sorgfältig zu lesen,
und dies würde ich an Ihrer Stelle
tun.
Frage:
Herr
Außenminister,
wurde in den Gesprächen, die der japanische Außenminister mit Ihnen über
seinen Besuch in Israel geführt hat,
irgendeine Andeutung gemacht, daß japanische Firmen bereit sind, ihren
derzeitigen Boykott Israel gegenüber
aufzugeben, der den Amerikanern Sorgen bereitet?
Antwort:
Wir haben die Frage
japanischer Investitionen erörtert,
und Außenminister Uno berichtete mir
von seinen Gesprächen mit den Israelis, aber auch hier ist es meiner
Ansicht nach an ihm und nicht an mir,
die Haltung der Regierung zum Ausdruck zu bringen.

�Frage:
Berichten zufolge stand
der irakische Minister für Informationswesen und Kultur, Al-Jassem, in
den vergangenen 24 Stunden der Absicht des Iran, Resolution 598 anzunehmen, eher mißtrauisch gegenüber.
Vor ungefähr einer Stunde erhielten
wir eine amerikanische Agenturmeldung
aus Manama in Bahrein, daß zahlreiche
irakische Flugzeuge die iranische
Küste bombardierten und ein irakisches Flugzeug von einer iranischen
F-14 abgeschossen wurde. Wenn dies
die Realitäten sind, wird die amerikanische Regierung dann auf die irakische Führung einwirken, von einer
Provokation der Iraner Abstand zu
nehmen?
Antwort:
Die beste Vorgehensweise ist unserer Ansicht nach, daß
sowohl Iran als auch der Irak Resolution 598 annehmen. Der Irak hat sich
in der Vergangenheit unmißverständlich dazu bekannt. Vor einiger Zeit
erklärte der Außenminister sowohl dem
Generalsekretär in New York als auch
der Öffentlichkeit, daß der Irak Resolution 598 ohne Einschränkung akzeptiert. Punkt. Er hat sie weder
modifiziert noch erweitert, sondern
genau dies gesagt. Wir nehmen dies
also als offizielle Stellungnahme,
und der Iran hat die allen bekannte
Erklärung abgegeben.
Jetzt müssen
wir den Generalsekretär bei seinen
Bemühungen unterstützen, denn er ist
derjenige, der diese Erklärungen beim
Wort nehmen und dann das verwirklichen muß, was Resolution 598 fordert.
Resolution 598 fordert den
Waffenstillstand. Und dann wird der
Friedensprozeß mit den in 598 verankerten Mechanismen in die Wege geleitet, den auch der Generalsekretär
verwirklicht sehen will.

tion aus, brechen mit niemandem einen
Streit vom Zaun und haben dies auch
nicht vor. Wir möchten eine Entspannung der Lage.
Frage:
Hatte die amerikanische
Militärpräsenz im Persischen Golf Ihrer Ansicht nach entscheidenden Einfluß auf die politische Kehrtwendung
der iranischen Regierung?
Antwort: Das ist schwer zu sagen. Die Iraner sollten diese Frage
beantworten. Aus unserer Sicht hatten wir den Auftrag in der Region zu
erfüllen, amerikanischen Flaggschiffen Schutz zu bieten und im Rahmen
der internationalen Bestrebungen die
freie Schiffahrt im Golf zu gewährleisten. Dadurch wurden wir in weitere Aktionen verwickelt, wie das
Verlegen von Minen in den befahrenen
Wasserstraßen zu unterbinden und anderen Schiffen Geleitschutz zu gewähren. Dies ist der Grund für unsere
Präsenz in der Region. Wir haben unseren Auftrag durchgeführt, und wenn
unsere Präsenz nicht länger erforderlich ist, werden wir abziehen. Aber
wir werden so lange dort präsent
sein, wie es unserer friedlichen und
angebrachten Mission dient.

In der Zwischenzeit liegt die
Entscheidung über das militärische
Vorgehen natürlich bei den beiden
Kontrahenten.
Angesichts der sich
abzeichnenden Entwicklung scheint eine Beruhingung der Lage jedoch angeraten. Wir werden die Position beibehalten, die wir stets vertreten haben. Wir sind nicht auf Konfronta- 5 -

* * * * * *

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Dokumentation

27. Juli 1988

28

RESOLUTION 598 DES WELTSICHERHEITSRATS EIN JAHR ALT
UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak -

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Juli 1987 wurde Resolution 598 des Weltsicherheitsrats verabschiedet, mit der die unverzügliche Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak gefordert wird. Nach einem Jahr gibt es jetzt Anzeichen,
daß ein Waffenstillstand endlich in greifbare Nähe gerückt ist.

Generalsekretär Javier Perez de
Cuellar erklärte am 20. Juli 1988, er
werde die Entsendung einer UN-Delegation in den Iran und Irak veranlassen, um die militärischen Einzelheiten für einen umfassenden Waffenstillstand
ausarbeiten
zu
lassen.
Die Delegation solle nach "ungefähr
einer Woche" Bericht erstatten, woraufhin er "unverzüglich den Tag X
bekanntgeben" werde, an dem der Waffenstillstand und andere, in Resolution 598 verankerte Verfügungen in
Kraft treten.

Resolution
598 des Weltsicherheitsrats wurde am 20. Juli 1987 nach
sechsmonatigen
Verhandlungen
und
enormem
Druck
des
Generalsekretärs
verabschiedet. Als erster unterbreitete Perez de Cuellar auch den Vorschlag, daß die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - China,
Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
- einen Entwurf zur Beendigung des
iranisch-irakischen
Krieges
ausarbeiten.

Die
Entscheidung
des
Generalsekretärs vom 20. Juli erfolgte nur
drei Tage nachdem der Iran die Resolution formell anerkannt hatte. Aber
die Annahme von Resolution 598 war
bereits seit langem in Sicht.

Als sieben der
Weltsicherheitsrats
ster zur Teilnahme
Vereinten Nationen
Resolution formell
wurde das Ereignis
Schritt" gewürdigt.

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15 Mitglieder des
ihre Außenminian der Sitzung der
entsandten, um die
zu verabschieden,
als "historischer

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Telex: 8-85432

�Der
Weltsicherheitsrat
entwarf
eine Resolution auf der Grundlage bestimmter Artikel von Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen, in dem
Durchführungsmaßnahmen
für den Sicherheitsrat
aufgeführt sind, einschließlich
Wirtschaftssanktionen,
Waffenembargos
und Blockaden.
Der
Sicherheitsrat legte seltene Einmütigkeit unter den fünf ständigen Mitgliedern an den Tag, die alle über
ein Vetorecht verfügen. Der Entwurf
wurde als "Schrift des Präsidenten"
vorgelegt, und nicht als ein von einer Staatengruppe erarbeitetes Dokument, wie es normalerweise der Fall
ist.
Unter anderem fordert die Resolution die unverzügliche Feuereinstellung und den Rückzug aller Streitkräfte zu international anerkannten
Grenzen als einen ersten Schritt hin
zu einer ausgehandelten Beilegung des
Konflikts.
Ferner ist der Generalsekretär aufgerufen, ein Team von UNBeobachtern
zu entsenden, die den
Waffenstillstand und Truppenabzug verifizieren und überwachen sowie darauf drängen sollen, Kriegsgefangene
zu befreien und sie unverzüglich in
ihre Heimat zurückkehren zu lassen.
Die Resolution fordert Iran und Irak
auf, mit dem Generalsekretär bei den
Vermittlungsbemühungen
bis hin zur
vollständigen Beilegung des Konflikts
zusammenzuarbeiten und ruft alle anderen Staaten auf, äußerste Zurückhaltung zu üben und von jeglichen
Handlungen Abstand zu nehmen, die eine weitere Eskalation und Verschärfung des Konflikts zur Folge haben
könnten.
Binnen zwei Tagen hatte der Irak
der Resolution zugestimmt.
Der Iran
weigerte sich jedoch und äußerte Vorbehalte
gegen
die
von
Perez
de
Cuellar eingeleiteten Gespräche sowie
die Beschuldigung, die Vereinigten
Staaten verletzten 598, indem ihre
Kriegsschiffe weiterhin im Golf stationiert blieben.
Mit weiteren Hinhaltemanövern des
Iran kam eine zweite Embargo-Resolu-

tion ins Gespräch, um den Iran zur
Einhaltung zu zwingen. Als die Gespräche
scheiterten
und auch eine
Reise in die Region nicht zu einem
Waffenstillstands-Abkommen
führte,
wandte sich Perez de Cuellar im Dezember 1987 an den Weltsicherheitsrat
mit der Erklärung, "neuer Auftrieb"
sei erforderlich.
Als der Sicherheitsrat eine Embargo-Resolution in Erwägung zog, erwies sich die Einstimmigkeit der fünf
ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats als brüchig; China und die Sowjetunion vertraten die Ansicht, dem
Iran müsse mehr Zeit für die Einhaltung gegeben werden. Dennoch bestand
der Sicherheitsrat auf der Einhaltung
von Resolution 598.
Erneute Bemühungen von Perez de
Cuellar scheiterten im März, und im
Juni lehnte der Irak seinen Vorschlag
zur Gründung einer hochrangigen Beratergruppe in Genf ab, die an der Verwirklichung der Resolution arbeiten
sollte.
Der versehentliche Abschuß eines
iranischen
Passagierflugzeugs
durch
ein Kriegsschiff der amerikanischen
Marine, beim dem alle 290 Passagiere
und
Besatzungsmitglieder
ums Leben
kamen, ließ die
Friedensaussichten
auf einen neuen Tiefstand sinken.
Die Diplomaten wurden jedoch durch
die Tatsache ermutigt, daß der Iran
seinen siebenjährigen Boykott des Sicherheitsrats beendete, indem er ihn
zum Handeln aufforderte.
Während die Beratungen des Sicherheitsrats über den Zwischenfall
noch im Gange waren, legte der iranische Botschafter Mohamad Mahallati
überraschenderweise ein Schreiben des
iranischen Präsidenten Ali Khameni an
Perez de Cuellar vor, in dem er den
Entschluß verkündete, Resolution 598
am 17. Juli um 0.00 Uhr "offiziell
und bedingungslos" anzunehmen.
Binnen Stunden nach Erhalt des
Schreibens aus dem Iran kam Perez de
Cuellar mit dem Sicherheitsrat zusam-

- 2 -

�raen und begann Gespräche mit den Botschaftern des Iran und Irak, um den
"Tag
X"
für
den
Waffenstillstand
festzulegen.
Der
britische
Botschafter
Sir
Crispin Tickeil bemerkte, "aus einer
sehr schlechten Situation heraus ergeben sich manchmal Mittel und Wege
zu Fortschritten, die anders nicht
möglich gewesen wären. Die Menschen
gelangten erstmalig zu der Erkenntnis,
daß
dieser
Konflikt
einfach
nicht
länger
andauern
kann."
Er
warnte jedoch, "es ist noch viel zu
früh, um das Ende des Golfkriegs zu
feiern."

Erfahrung nach sei die Situation im
Iran
folgendermaßen:
"Häufig
hört
man sehr starke Rhetorik, gekoppelt
mit friedfertigen Worten oder umgekehrt - und dies ist für uns verwirrend."

Nach dem ersten Jahrestag der Resolution warten die Mitglieder des
Sicherheitsrats
jedoch nur darauf,
den Friedensprozeß in jeder erdenklichen Weise zu unterstützen und hoffen, daß der Frieden dieses Mal in
greifbare Nähe gerückt ist.
Der
amerikanische
Botschafter
Vernon Walters erklärte in einem Interview am 19. Juli 1988, "der Generalsekretär hat seit langem auf eine
Gelegenheit zur Verwirklichung seines
Friedensplans gewartet...
Diese ist
nun gekommen."
"Wir müssen jetzt mit dem Generalsekretär
zusammenarbeiten,
damit
er so bald wie möglich einen Tag für
den Waffenstillstand bestimmen kann",
fuhr Walters fort. "Für beide Länder
ist der Krieg sinnlos.
Wir wollen
das Blutvergießen in beiden Ländern
beenden.
Wir wollen, daß sie ihre
Kampfhandlungen einstellen und einen
friedlichen Weg zur Lösung ihrer Probleme finden."
Walters zufolge ist jetzt jeder
der Kontrahenten im Besitz von Gebieten des anderen, so daß der zweite
wichtige Punkt von Resolution 598 der Rückzug zu international anerkannten Grenzen
- "erledigt ist".
"Die amerikanische Position hat stets
die Unabhängigkeit und territoriale
Integrität von Iran und Irak befürwortet", erklärte Walters.
Seiner
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^

^

Information

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27. Juli 1988

28

VERBESSERTE RENTNER-KRANKENVERSICHERUNG IN USA
- Erste wichtige Reform in 23 Jahren -

WASHINGTON - (AD) - Mit dem von Präsident Reagan am 1. Juli 1988 unterzeichneten Gesetz mit dem Titel "Medicare Catastrophic Coverage Act of 1988",
das am 1. Januar 1989 rechtskräftig wird, erfährt die amerikanische "Medicare"-Krankenversicherung für Rentner und Behinderte eine erhebliche Ausweitung. Etwa 32 Millionen Amerikaner werden von dem Programm profitieren, das
die erste große Reform seit der Einführung der Rentnerversicherung im Jahr
1965 darstellt. Es soll, wie der Präsident bereits 1987 in seiner "Rede zur
Lage der Nation" erklärte, "einen Albtraum beseitigen, der unsere älteren Mitbürger belastet - nämlich die Furcht vor dem Krankwerden, das so teuer ist,
daß es zu einer einfach nicht duldbaren Wahl zwischen dem finanziellen Ruin
oder der Nichtbehandlung und damit dem Tode zwingt" .

Das neue Gesetzeswerk folge, so
Reagan, den gleichen Grundsätzen wie
jedes
vernünftige
Versicherungsprogramm.
Es werde von jenen finanziert, die in den Genuß seiner Leistungen
kommen.
Allerdings müßten
künftige Kongresse und künftige Regierungen der Vereinigten Staaten einer Eskalation von Kosten wehren, "
die genau den Menschen schaden würde,
denen wir zu helfen versuchen". Berechnungen zufolge dürften sich die
zusätzlichen Kosten in den nächsten
fünf Jahren auf ca. 31 Milliarden
Dollar belaufen (1988: ca. 79 Milliarden
Dollar).
Praktisch
werden
sie aber in voller Hähe mit den Beiträgen der Rentner zu ihrer Krankenversicherung finanziert.
Zu

den

gegenwärtig

von

allen

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"Medicare-Berechtigten bezahlten Monatsbeiträgen in Höhe von 24,80 Dollar kommt ab 1989 ein Aufschlag von
vier Dollar hinzu, der sich bis 1993
auf 10,20 Dollar erhöht.
Dies gilt
jedoch nur für Rentner, die nicht
einkommenssteuerpflichtig sind.
Müssen sie aufgrund einer höheren Rente
bzw. von Zusatzeinkommen Einkommensteuer bezahlen, so wird ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag erhoben,
der von 15 Prozent der im Jahr 1989
bezahlten Einkommensteuer auf 28 Prozent der Einkommensteuer im Jahr 1993
ansteigt. Allerdings ist für diesen
jährlichen Zusatzbeitrag eine Höchstgrenze
festgesetzt:
Sie liegt im
Jahr 1989 bei 800 Dollar, 1993 bei
1050 Dollar.
Im

Krankheitsfall

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ergeben

sich

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Telex: 8-85432

�dadurch u.a.
besserungen :

folgende

wichtige

Ver-

- Unbegrenzte Krankenhausbehandlung
(bisher waren nur 60 Tage kostenfrei) nach Leistung eines Eigenbeitrags für das betreffende Jahr
(560 Dollar im Jahr 1989, später
ansteigend) ;
- Gesamtbetrag
für
Selbstbeteiligung pro Jahr in Höhe von 1400
Dollar für Arzthonorare, Klinikkosten
und andere
medizinische
Leistungen, die dem Medicare-Leistungskatalog
entsprechen.
Wünscht der Betreffende zusätzliche Leistunge, so muß er diese
aus eigener Tasche bezahlen.
- Die Kostenerstattung für Medikamente, die bei ambulanter Behandlung verschrieben werden, sowie
Zuschüsse für Heim- und Hauspflege werden erheblich ausgeweitet.
Für Betreuung in einem Hospiz für
unheilbar Kranke mit einem Tageszuschuß von 68 Dollar gibt es
keine zeitliche Begrenzung mehr.
- Bei Bedürftigkeit der Anspruchsberechtigten sind die zuständigen
Behörden des betreffenden Bundesstaates gehalten, über ihr medizinisches
Sozialhilfe-Programm
"Medicaid"
die
"Medicare"-Beitragserhöhungen, die Gebühren für
Selbstbeteiligung sowie die medizinische Betreuung von Schwangeren und Babies bis zu einem Jahr
(einschließlich
Vorsorgeuntersuchungen)
zu
übernehmen.
Im
Fall von Langzeit-Heimpflege muß
dem Ehepartner des Kranken ein
monatliches
Mindesteinkommen
(1989:
825 Dollar, 1993: 1200
Dollar) belassen werden; ebensowenig sind Sparguthaben bis zu
60 000 Dollar für Eigenbeiträge
heranzuziehen.

* * * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

27. Juli 1988

28

ACDA-CHRONOLOGIE ZU ATOMTESTS
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Maßnahmenkatalog der Reagan-Administration zu Atomtests wurde am 19. Juli 1988 von der amerikanischen Behörde
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben:

Die erste Priorität des Präsidenten im Bereich der Nuklearversuche
liegt in der Zustimmung der Sowjets
zu neuen Protokollen, mit denen die
wirksame Verifizierung der beiden bestehenden, jedoch noch nicht ratifizierten Verträge geregelt würde: Der
Schwellenvertrag (TTBT) aus dem Jahre
1974 und der Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET).
In den vergangenen Jahren hat die Administration
folgende Schritte zur
Verwirklichung dieses Ziels in die
Wege geleitet:
1983
Bei mehreren Gelegenheiten versuchen die Vereinigten Staaten erfolglos, mit der Sowjetunion Verhandlungen über die wirksame Verifizierung von TTBT und PNET aufzunehmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

September 1984
In seiner Rede vor der Vollversammlung
der
Vereinten
Nationen
(UNGA) umreißt der Präsident Vorschläge für direkte Vor-Ort-Messungen
des
Detonationswerts
amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen.
Juli 1985
In einem Schreiben an Generalsekretär Gorbatschow lädt der Präsident den sowjetischen
Parteiführer
zur - vorbehaltlosen - Entsendung
seiner Experten auf das amerikanische
Versuchsgelände ein, um die Sprengkraft eines amerikanischen Tests zu
messen.
Die sowjetische Delegation
kann die von ihr für diesen Zweck als
notwendig
erachteten
Meßinstrumente
mitbr ingen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dezember 1985
Präsident Reagan unterbreitet den
Vorschlag zu einem Treffen der amerikanischen und sowjetischen Experten,
um ihren jeweiligen Ansatz zur Verifizierung zu erörtern.
März 1986
In einem Schreiben an Generalsekretär Gorbatschow beschreibt der
Präsident das Verfahren von CORRTEX
(einer
direkten,
hydrodynamischen
Meßmethode vor Ort zur Bestimmung des
atomaren Detonationswertes, die die
Ausbreitung der unterirdischen Druckwelle einer Explosion mißt) und lädt
sowjetische Experten nach Nevada zu
einer umfassenden Prüfung von CORRTEX
ein. Die Delegation hat die Möglichkeit, die amerikanischen Experten bei
der Anwendung der CORRTEX-Methode zu
beobachten und den atomaren Detonationswwert eines amerikanischen Versuchs zu messen sowie Verifikationsmethoden zu erörtern.
25. Juli, 1. August und
4. - 18. September 1986
Als direktes Ergebnis der vom
Präsidenten unterbreiteten Vorschläge
findet ein Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Technologieexperten in Genf statt, an das
keine Vorbedingungen geknüpft sind,
bei dem der gesamte Themenkatalog von
Atomtests
diskutiert
wird.
Dr.
Robert Barker, Abteilungsleiter für
Atomenergie
beim
Verteidigungsministerium wird zum Leiter der amerikanischen Delegation benannt.
September 1986
In einer Ansprache vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen
erklärt Präsident Reagan die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die
Ratifizierung von TTBT und PNET voranzutreiben,
sobald
Einigung
über
verbesserte
Ver ifikationsverfahren
erzielt worden ist. Mit der Ratifizierung von TTBT und PNET und im Zusammenhang mit einem Programm zur Re-

duzierung und letztlichen Beseitigung
aller Nuklearwaffen
sind die Vereinigten Staaten bereit, die Verwirklichung eines schrittweisen Parallelprogramms zur Begrenzung und schließlichen Beendigung von Atomversuchen
zu erörtern. Er forderte die Sowjetunion auf, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten unverzüglich praktische Schritte zur Begrenzung der
Versuche in die Wege zu leiten, indem
die erforderliche Verbesserung
der
Verifizierung von TTBT und PNET vorgenommen würde.
Oktober 1986
Beim Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik deutet der
Präsident an, daß er den Senat vorbehaltlich der Zustimmung der Sowjets
zu den wesentlichen Verbesserungen im
Verifizierungsverfahren
um
Beratung
und Zustimmung zu diesen Verträgen
ersuchen werde. Sollten die Sowjets
dem geforderten Paket unerläßlicher
Verbesserungen bei der Verifizierung
vor der Zusammenkunft des Kongresses
im Januar 1987 nicht zustimmen, würde
der Präsident dennoch den Senat um
Beratung und Zustimmung ersuchen, jedoch
mit
den
entsprechenden
Einschränkungen der Verträge, die ein
Inkrafttreten vor ihrer wirksamen Verifizierung verhindern.
In Reykjavik unterbreiteten die
Vereinigten Staaten ferner den Vorschlag zur Aufnahme offizieller Verhandlungen
über Atomtests
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
An erster Stelle dieser
Tagesordnung stünde die Lösung der im
Zusammenhang mit den bestehenden Verträgen
verbleibenden
Verifikationsprobleme.
Sobald
diese Verifizierungsbedenken ausgeräumt und die Verträge ratifiziert worden sind wären
die Vereinigten Staaten bereit, unverzüglich mit der Sowjetunion Verhandlungen
über die Verwirklichung
eines schrittweisen Programms parallel zu einem Programm aufzunehmen,
das den Abbau und die letztliche Beseitigung aller Nuklearwaffen sowie
die Begrenzung und letztliche Beendi-

�gung von Atomversuchen zum Ziel hat.
13. - 15. November 1986
Das dritte Treffen amerikanischer
und sowjetischer Experten für Atomtests findet in Genf statt.
13. Januar 1987
Der Präsident ersucht um Rat und
Zustimmung des Senats zu TTBT und
PNET, mit der entsprechenden Einschränkung, die ein Inkrafttreten vor
ihrer wirksamen Verifizierung verhindert.
Der Senat trifft keine Maßnahmen .
22. Januar - 9. Februar und
16. - 10. März 1987
Das vierte Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Experten
für Atomtests findet in Genf statt.
18. - 29. Mai 1987
Das fünfte Treffe zwischen amerikanischen und sowjetischen Experten
für Nuklearversuche findet in Genf
statt.
13. - 20. Juli 1987
In Genf findet das sechste Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen
Experten
für
Atomtests
statt.
17. September 1987
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion geben in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, daß sie sich
auf
die
Aufnahme
umfassender,
schrittweiser
Verhandlungen
über
Atomtests vor dem 1. Dezember 1987
geeinigt haben.
Als erster
Schritt bei diesen
Verhandlungen werden sich beide Seiten auf wirksame Verifikationsmaßnahmen einigen. Dadurch wird die Ratifizierung der Schwellenvertrags und
des Vertrags über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken durch die Ver-

einigten Staaten ermöglicht.
Im Anschluß daran sollen weitere mittelfristige Begrenzungen von Atomtests
als Teil eines wirksamen Abrüstungsprozesses verhandelt werden.
Unter
anderem würde dieser Prozeß als vorrangige Priorität die Reduzierung von
Nuklearwaffen und ihre letztliche Beseitigung zum Ziel haben. Zum Zwecke
der Ausarbeitung von verbesserten Verifizierungsmaßnahmen
für TTBT und
PNET beabsichtigen die Vertragspartner, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment (JVE) auf dem Testgelände
der jeweils anderen Seite aufzubauen
und durchzuführen.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden im geeigneten
Rahmen bei zukünftigen Abkommen über
die Begrenzung von Atomversuchen Anwendung finden, die zu einem späteren
Zeitpunkt erzielt werden könnten.
9. - 20. November 1987
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion halten die erste Runde
formeller, schrittweiser Verhandlungen über Atomtests in Genf ab. Dr.
Robert Barker ist weiterhin Leiter
der amerikanischen Delegation.
Bei
Beendigung dieser Runde von Verhandlungen über Nukleartests (NTT) geben
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bekannt, daß die Delegationen die Versuchsgelände der anderen
Seite im Januar 1988 besuchen werden,
um sich mit den Bedingungen und Operationen auf dem jeweiligen Testgelände vertraut zu machen. Diese Besuche werden die Aussichten für den
Aufbau und die anschließende Durchführung des JVE verbessern.
9. Dezember 1987
Beim Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington geben die
beiden
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse bekannt, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
den Aufbau eines gemeinsamen Verifizierungsexperiments in die Wege geleitet haben. Dieses Experiment wird
so durchgeführt, daß es den von beiden Seiten geäußerten Bedenken im

- 3 -

�Hinblick auf die jeweils vorgeschlagenen Methoden der Verifizierung von
TTBT und PNET Rechnung trägt.
5. Januar 1988
Die Vereinigten Staaten geben die
für den 7. Januar 1988 geplante Abreise einer Delegation amerikanischer
Experten für Atomtests in die Sowjetunion bekannt, wo sie das sowjetische
Testgelände in Semipalatinsk besuchen
werden. Eine Gruppe sowjetischer Experten wird den Vereinigten Staaten
vom 23. - 30. Januar einen Gegenbesuch abstatten und das amerikanische
Versuchsgelände in Nevada besuchen.

CORRTEX-System
für
hydrodynamische
Messung des atomaren Detonationswertes angewandten Techniken und Geräte
vor.
Die
Erklärung
unterstreicht
ferner, daß die gegenseitigen Besuche
erheblich
zum besseren
Verständnis
der praktischen Probleme im Zusammenhang mit der Durchführung eines JVE
beigetragen
haben, mit denen sich
beide Seiten konfrontiert sehen.
15. Februar 1988
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf mit Eröffnung von Runde II der Gespräche über
Atomversuche die schrittweisen Verhandlungen über Atomtests wieder auf.

8. - 15. Januar 1988
18. Februar 1988
Amerikanische
Experten
für Nukleartests
besuchen
Semipalatinsk.
In einer mit Beendigung des Besuchs
herausgegebenen
gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Erklärung
wird
festgestellt, daß die amerikanische
Seite sich mit der Organisation und
Arbeit auf dem sowjetischen Testgelände
vertraut
gemacht
hat, einschließlich einer Reihe von Operationen zur Vorbereitung und Durchführung
von Atomtests sowie einzelne der zur
Schätzung des atomaren Detonationswerts angewandten Methoden. Der amerikanischen Seite wird Bohr-, Sondier- und
Stemmgerät
vorgeführt,
ebenso wie Techniken und Instrumente
zur hydrodynamischen Messung und weniger
genauen
teleseismologischen
Messungen
von
Nuklearexplosionen.
Der Besuch findet in einer positiven
und konstruktiven Atmosphäre statt.
24. - 30. Januar 1988
Sowjetische
Experten
für Atomtests besuchen Nevada. Eine am Ende
des Besuchs herausgegebene gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Erklärung
hat zum Inhalt, daß die sowjetischen
Experten in Organisation und Betrieb
des amerikanischen Testgeländes eingeführt wurden, einschließlich
der
einzelnen Phasen der Vorbereitung und
Durchführung
von
Nuklearversuchen.
Die amerikanische Seite führte die im

Präsident
Reagan verkündet
die
Benennung von Dr. C. Paul Robinson
zum Unterhändler der Gespräche über
Atomversuche und Leiter der Delegation. Dr. Robinson ist der Nachfolger von Dr. Robert B. Barker, der
seine Tätigkeit als Abteilungsleiter
für Atomenergie im Verteidigungsministerium wieder aufnimmt.
23. Februar 1988
Beim
Ministertreffen
in Moskau
weisen die Außenminister Shultz und
Schewardnadse
ihre Delegatione an,
die Arbeit an neuen Verifizierungsprotokollen für TTBT und PNET zu beschleunigen.
9. März 1988
Die amerikanische Delegation legt
den Entwurf eines Verifizierungsprotokolls vor, der den routinemäßigen
Einsatz
von direkten, hydrodynamischen Messungen des atomaren Detonationswertes vor Ort (CORRTEX) vorsieht, um die Einhaltung von TTBT zu
verifizieren.
16. März 1988
Die Vereinigten Staaten bekräftigen frühere Erkenntnisse, daß "sowjetische Aktivitäten bei einer Reihe

- 4 -

�von Atomversuchen wahrscheinlich ein
Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen von TTBT darstellen".
18. März 1988
Die Sowjetunion legt den Entwurf
eines
Verifizierungsprotokolls
für
TTBT vor.
21. - 23. März 1988
Bei ihrem Treffen in Washington
weisen die Außenminister Shultz und
Schewardnadse ihre Unterhändler an,
bis April die Planung und ein Programm für das JVE zu erstellen. Sie
beauftragen sie ferner, bis zum Termin des JVE einen gemeinsamen Entwurf
zum TTBT-Protokoll vorzubereiten, der
mit der Durchführung und Analyse des
gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vervollständigt werden soll und die
Arbeit an einem Verifizierungsprotokoll für PNET zu beschleunigen.

12. April 1988
Eine Delegation von vier amerikanischen Experten trifft auf dem sowjetischen Testgelände ein.
14. April 1988
Eine Delegation von sieben sowjetischen Experten reist zum Versuchsgelände nach Nevada, um Bohren, Entmischen und Stemmen des Satellitenlochs für das dort durchzuführende
gemeinsame Verifikationsexperiment zu
beobachten.
15. April 1988
In Genf unterzeichnen Bptschafter
Robinson und der Leiter der sowjetischen
Delegation,
Igor
Palenik,
eine Verbalnote mit Einzelheiten über
die Verantwortlichkeiten der jeweiligen Seite bei der Bohrung des Satellitenlochs für das gemeinsame Verifizier ungsexper iment.

31. März 1988
18. April 1988
Die amerikanische Delegation legt
einen Entwurf zum Verifizierungsprotokoll vor, der den routinemäßigen
Einsatz von CORRTEX zur Verifizierung
der Einhaltung
des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken von 1976 vorsieht. Die Vereinigten Staaten stellen ferner fest, daß
die amerikanischen Unterhändler die
notwendigen Vorbereitungen
für die
Durchführung des JVE so bald wie möglich veranlassen werden, da die Sowjets darauf bestehen, daß das gemeinsame Verifizierungsexperiment zur
Vervollständigung des TTBT-Protokolls
erforderlich sei.
12. - 14. April 1988
Beim
Minist ertreffe n in Moskau
verabschieden
Außenminister
die
Shu ltz un d Schewardnadsi= ein vorläuf ig*ss Programm für das JVE und eine
über
seine
Durchführung.
Abk&lt;Dmmen
Sie weisen die Unterh,andler ferner
an, einen Anhang zu dem Abkommen über
die technischen Einzelheiten des Exper iments zu ers teilen.
- 5

Die Vereinigten Staaten transportieren Bohrgerät in die Sowjetunion,
um die Aufstellung und Satellitenlöcher zu überwachen, die von den Sowjets auf ihrem Testgelände in Semipalatinsk gebohrt wurden und um festzustellen, ob das Satellitenloch für
die
CORRTEX-Messung
geeignet
ist.
Das Gerät wird von einer 14köpfigen
amer ikanisehen
Experten-Delegation
begleitet, die das Gerät in Betrieb
nehmen und die die Daten auswerten
soll.
3. - 7. Mai 1988
Auf sowjetische Bitte transportieren die Vereinigten Staaten per
Luft eine Bohrplattform mit Mannschaft nach
Semipalatinsk, um ein
neues Satellitenloch für das JVE zu
bohren.
24. Mai 1988
Die Sowjetunion legt einen Entwurf zum Verifizierungs-Protokoll zu
PNET vor.

�29. Mai - 1. Juni 1988
Beim Moskauer Gipfeltreffen weisen Präsident Reagan und GeneralSekretär Gorbatschow ihre Unterhändler an, die Erstellung eines Protokolls zu PNET zu beschleunigen und so
bald wie möglich nach der Durchführung des JVE und der Analyse der Ergebnisse ein Protokoll zu TTBT anzufertigen. Im Verlauf des Gipfeltreffens unterzeichnen die Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
über das gemeinsame Verifizierungsexperiment,
das
Verfahren
für
die
Durchführung des Experiments festlegt.

für das Experiment, das in den Vereinigten Staaten voraussichtlich im
August und in der Sowjetunion im September durchgeführt wird.

* * * * *

14. Juni 1988
Sowjetisches hydrodynamisches Gerät zur Messung des atomaren Detonationswertes der JVE-Explosion auf dem
Testgelände in Nevada kommt in den
Vereinigton Staaten an und wird von
Washington nach Nevada transportiert.
19. Juni 1988
Die wichtigsten
Mitglieder
der
sowjetischen Delegation, die am JVE
teilnehmen, trefCen in den Vereinigten Staaten ein.
28. Juni 1988
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion beenden Runde II der NTT
in Genf.
Im Verlauf der Verhandlungsrunde sind beträchtliche Fortschritte in Richtung auf eine wirksame Verifizierung von PNET und TTBT
erzielt worden.
Ein Abkommen über
das Verifizierungs-Protokoll zu PNET
ist für beide Seiten in greifbare Nähe gerückt.
Die Einigung über das
Protokoll wird weitere Fortschritte
beim Verifizierungs-Protokoll zu TTBT
erleichtern.
Juli 1988
Die Vorbereitungen zum JVE sind
weit fortgeschritten.
Personal beider Seiten befindet sich jetzt auf
dem Testgelände der jeweils anderen
Seite und trifft die Vorbereitungen
6 -

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

27. Juli 1933

28

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

WAHLPLATTFORM DER DEMOKRATEN AUF EINIGKEIT AUSGERICHTET
- Meinungen auf dem Parteikonvent -

ATLANTA - (AD)- Die beim alle vier Jahre stattfindenden nationalen Parteikonvent versammelten Demokraten schlagen zunehmend den ungewohnten Kurs der
dem Wahljahr eigenen Eintracht ein und entschärfen somit die politischen Differenzen zwischen dem Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis und seinem
hartnäckigen Rivalen, dem BUrgerrechtsführer Jesse Jackson.
Die Delegierten beim Konvent vereinbarten am zweiten Tag ihres Zusammentreffens am 19. Juli im Omni
Coliseum die Aufnahme einer Reihe von
neuen Erklärungen zu nationalen Programmen, zur Außenpolitik und Verteidigung in die Wahlplattform ihrer
Partei, mit der die erklärte Politik
der Partei gegenüber der von Jackson
befürworteten
Position
abgegrenzt
wird.
Der
frühere
Kongreßabgeordnete
und Vertreter des Gouverneurs von
Massachusetts Michael Dukakis bei den
Verhandlungen zwischen beiden Lagern,
Michael Barnes, erklärte, die Plattform "schließe den Konvent auf eine
Weise zusammen, in der die Demokratische Partei noch niemals in einer
Plattform vereint war - wie sich alle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in diesem Saal erinnern werden. Dies
kann dazu beitragen, der Demokratischen Partei in diesem November zum
Sieg zu verhelfen", erklärte er.
Die beiden Themenkreise, über die
Dukakis und seine Anhänger einfach
keine Kompromisse schließen konnten Jacksons Vorschläge für Steuererhöhungen für die Reichen und die Forderung, auf einen Erstschlag mit Nuklearwaffen zu verzichten - wurden nach
den Debatten im Plenum mit eindeutiger Stimmenmehrheit vorworfen.
Ein
anderer
Programmpunkt
Jacksons, der das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung forderte,
erwies sich nahezu als das entzweiendenste Element, das dem Konvent
vorgetragen wurde.
Es wurde gemäß

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einer früheren Vereinbarung zurückgezogen, nachdem Jacksons Anhänger ihre
Position in einer emotionsgeladenen
Diskussionen dargelegt hatten.
Die Plattform war in den vergangenen Wochen von erheblichen Kontroversen geprägt.
Dukakis Anhänger
suchten eine allgemeine Erklärung
über ein weitgestecktes Parteiprogramm zu entwerfen und hofften damit
einzelne Punkte zu umgehen, mit der
die eine oder andere Wählergruppe abgeschreckt werden könnte, während
Jackson auf die Einbeziehungen sehr
viel
kontroverserer
Bestimmungen
drängte.
Einige der Ideen Jacksons fanden
zu Beginn des Verhandlungsprozesses
Eingang in die Plattform - am bemerkenswertesten der deutlich formulierte Punkt, in dem Südafrika zu einem
terroristischen Staat erklärt wird,
gegen den eine Reihe von Sanktionen
verhängt werden sollen.
Jacksons Erfolg bei der Einbringung einiger seiner Positionen stärkt
die noch vor einigen Tagen zweifelhaften Aussichten darauf, daß er bei
der Wahlkampagne im Herbst enthusiastisch für Dukakis arbeiten wird.
Dukakis, der zu Beginn dieses
Jahres Jackson und einige andere Mitstreiter bei den Vorwahlen der Einzelstaaten überrundet hatte, ist am
20. Juli vom Parteikonvent formell
zum Kandidaten seiner Partei gewählt
worden.

rückgehen:
- Eine eindeutige Abkehr von den
Prioritäten
der Reagan-Administration beim Umgang mit dem Bundeshaushalt.
Der Punkt besagt,
daß "Investitionen in Amerika und
ein Abbau des Defizits es erfordern, daß die Wohlhabenden und
die Unternehmen ihren gerechten
Anteil tragen und wir die Ausgaben des Pentagon beschränken."
- Sofortige Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Aushandlung
eines gemeinsamen Moratoriums mit
der Sowjetunion über die Erprobung von Raketen im Flug zusammen
mit einem Teststopp für Nuklearraketen.
- Durchführung einer Politik gegenüber Mittelamerika, die "ein Ende
der Unterstützung für nicht reguläre
Streitkräfte"
vorsieht,
wahrscheinlich einschließlich des
Widerstands der Contras, die das
sandinistische Regime in Nicaragua bekämpfen, sowie eine Politik, die von Verhandlungen und
Wirtschaftshilfe und nicht durch
militärische Lösungen geprägt ist.
- Im Nahen Osten, Unterstützung der
"Souveränität, Unabhängigkeit und
territorialen Integrität des Libanon", sowie Förderung der Anstrengungen der Vereinten Nationen um Beendigung des Krieges
zwischen Iran und Irak und Sicherung der freien Schiffahrt im
Golf.

Obwohl eine Wahlplattform die Politik der Partei darlegt, ist sie
nicht bindend für den Präsidentschaftskandidaten, wenn er gewählt
wird. Tatsächlich wies der frühere
Präsident Jimmy Carter beide Male
nach seiner Nominierung in den Jahren
1976 und 1980 Teile der demokratischen Wahlplattform sofort nach ihrer Verabschiedung zurück.

- Im Hinblick auf Sozialprogramme
im Inland, eine erhebliche Erhöhung der Mittel für das Bildungswesen, die Verpflichtung zur Verbesserung der Schwangerschaftsvorsorge, Ernährung von Kleinkindern und der Vorschulerziehung
sowie die Erarbeitung eines "nationalen Gesundheitsprogramms".

Nachfolgend die von den Delegierten befürworteten Zusätze, die auf
Jacksons wichtigste Forderungen zu-

Der Zusatz, in dem ausdrücklich
Steuererhöhungen für Unternehmen und
hohe
Einkommensgruppen
gefordert

�wird, wurde mit mehr als zwei zu eins
verworfen.
Obwohl viele Demokraten erklärt
haben, Steuererhöhungen seien zum Abbau des ungeheuren Haushaltsdefizits
der vergangenen Jahre erforderlich,
sind sie doch der Ansicht, das deutliche Aussprechen dieser Idee würde
die Wähler abschrecken.
Zahlreiche Beobachter sind der
Ansicht, daß die Forderung des früheren Vizepräsidenten Walter Mondale
nach Steuererhöhungen ihn bei den
Wahlen 1984 die Präsidentschaft gekostet hat.
Gegen diesen Punkt wandte die Abgeordnete Barbara Kennelly aus Kalifornien gegenüber den Delegierten
ein, "Michael Dukakis will seine Präsidentschaft nicht mit einer Steuererhöhung beginnen, und meiner Ansicht
nach sollten wir ihn auch nicht dazu
zwingen."
Ein Zusatz, mit dem die Vereinigten Staaten aufgefordert werden, den
Ersteinsatz von Nuklearwaffen auszuschließen, wurde mit noch größerer
Mehrheit abgelehnt.
Führende Kernwaffengegner wie Senator Alan Cranston sprachen sich gegen diesen Punkt aus. Cranston gab
zu bedenken, die Sowjetunion hätte
keinen Grund, einer solchen Forderung
Glauben zu schenken, ebensowenig wie
die Vereinigten Staaten kein Vertrauen in eine solche Erklärung der Sowjets hätten. Und "die Versicherung
eines unglaubwürdigen Punktes trägt
nicht zu gegenseitigen Respekt bei",
erklärte
Cranston.
Stattdessen
schlug Cranston vor, "wir sollten zusammenarbeiten, um
eine Welt zu
schaffen, in der es keinen ersten
Einsatz, keinen zweiten Einsatz und
überhaupt keinen Einsatz von Kernwaffen gibt."

war. Es kamen Emotionen auf, als der
amerikanische Delegierte arabischer
Abstammung
James
Zogby
aus
Washington, D.C. einen von Jackson
unterstützten Vorschlag aufgriff, der
für die Palästinenser das Recht auf
Selbstbestimmung fordert.
Zogby nannte diesen umstrittenen
Vorschlag eine "grundlegende Forderung nach Gerechtigkeit, Menschenrechten, Gleichberechtigung und Frieden". Er erklärte, daß die Befürworter der Selbstbestimmung einen wichtigen Sieg errungen hätten, indem sie
das Thema erst einmal zur Diskussion
gestellt hätten und daß eine Abstimmung darüber nicht erforderlich und
auch nicht beabsichtigt sei.
Senator Daniel Inouye aus Hawaii
sprach sich gegen diesen Zusatz aus,
und erklärte, er "möge unschuldig
klingen", aber tatsächlich "einen
Staat errichten, der sich weigert,
auf Terrorismus gegen Israel zu verzichten.
Aus den Reihen der Delegierten
und Beobachter waren Buh-Rufe zu vernehmen, und man suchte Inouye niederzuschreien, als er erklärte, mit der
Umwandlung der Palästinensischen Befreiungsfront und ihrer Befürworter
in eine Regierung "könnte für Amerikas einzig verläßlichen Verbündeten
in dem Teil der Welt - Israel - der
Samen der Zerstörung gesät werden".
Es gab weitere Buh-Rufe, als der
Abgeordnete Charles Schumer aus New
York erklärte, Zogbys Argumente "zutiefst falsch" zu finden, und darauf
hinwies, daß der Vorschlag sicherlich
noch vor einer Abstimmung zurückgezogen würde, weil er keine Zustimmung
finden würde.

* * * * *

Nahezu die gesamte Debatte über
die Wahlplattform fand in zivilem
Rahmen statt, was bei früheren Parteikonventen nicht immer der Fall
- 3 -

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 27.07.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Irans Erklärung "erster Schritt" zum Frieden im Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Resolution 598 des Weltsicherheitsrats ein Jahr alt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Rentner-Krankenversicherung in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste wichtige Reform in 23 Jahren &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ACDA-Chronologie zu Atomtests&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Wahlplattform der Demokraten auf Einigkeit ausgerichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Meinungen auf dem Parteikonvent &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 0 . A u g u s t 1988

29

I N H A L T
DOKUMENTATION
Carlucci bezweifelt sowjetische Behauptung defensiver Strategie
- US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs
Vereinigte Staaten geben Produktionsorte für chemische Waffen bekannt
- Rede des amerikanischen Vertreters bei der
Genfer Abrüstungskonferenz -

INFORMATION
Finanzminister Bakers Nachfolger heißt Nicholas Brady
- Ankündigung des Weisen Hauses -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush verspricht Unterstützung für Raketenabwehr im Weltraum
- Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee -

WIRTSCHAFT
Was steht im neuen Handelsgesetz?
- Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Seuche hemmt Entwicklungspolitik
- Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN *&lt;

10. August 1988

29

CARLUCCI BEZWEIFELT SOWJETISCHE BEHAUPTUNG DEFENSIVER STRATEGIE
- US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs -

MOSKAU - (AD) - Verteidigungsminister Carlucci zufolge haben die Vereinigten Staaten Schwierigkeiten, eine angeblich die Verteidigung betonende sowjetische Militärdoktrin mit einer Streitkräftestruktur und operativen Strategie
in Einklang zu bringen, bei der "die Betonung auf der Offensive liegt - insbesondere auf Überraschung und Beweglichkeit. Zu Beginn einer viertägigen Besichtigungstour militärischer Einrichtungen in der Sowjetunion erklärte
Carlucci am 1. August 1988, die sowjetischen Regierungsvertreter seien "ausgesprochen bereit, sogar geradezu begierig" darauf gewesen, mit ihm "eine Verlagerung der sowjetischen Militärdoktrin hin zu einer defensiven Strategie und
Kräfteverteilung" zu erörtern.
Nachfolgend
Wortlaut.

bringen wir die Rede von Verteidigungsminister Carlucci im

Es ist mir eine Ehre, heute in
Moskau vor Ihnen sprechen zu dürfen
und damit den Dialog, in dem sich unsere beiden Länder befinden, einen
weiteren Schritt voranzubringen. Ich
möchte insbesondere meinen Gastgebern
für diese Gelegenheit zu einer Ansprache vor der Akademie des Generalstabs danken. Dies ist bereits mein
zweiter Besuch in Moskau in den vergangenen zwei Monaten. Ich gehe davon aus, daß die in den nächsten Tagen stattfindenden Gespräche mit Verteidigungsminister Jasow sowie die
anderen auf der Tagesordnung vorgesehenen Veranstaltungen zu meinem Verständnis der sowjetischen Einstellung
zu Sicherheitsangelegenheiten in den
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten beitragen werden - und gleichzeitig mein Verständnis des sowjetischen
Systems vertiefen werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich habe die Absicht, heute über
die Aussichten für unseren Dialog
über Verteidigungs- und Sicherheitsproblemen zu sprechen - wo wir heute
stehen und welche Entwicklungen wir
von diesem Dialog erwarten können.
Angesichts der Einblicke, die ich im
Verlauf meines Besuchs in das sowjetische System erhalten werde, möchte
ich meine heutigen Ausführungen damit
beginnen, Ihnen einige von mir angestellte Beobachtungen über das amerikanische System sowie die Ideale und
Interessen, von denen die amerikanische Politik geprägt ist, darzulegen.
Ich weiß nicht, wie viele unter
Ihnen Zeit darauf verwandt haben, das
amerikanische System und seine Funktionsweise zu studieren.
Ich beglückwünsche Sie, wenn Sie sich die-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ser Mühe unterzogen haben. Selbst in
meiner Position als Regierungsmitglied mit mehr als 30jähriger Erfahrung lerne ich noch immer jeden Tag
aufs neue, wie das amerikanische System funktioniert.
Am augenfälligsten ist wohl die
Vielzahl der "Spieler" - wie wir sie
in Washington zu bezeichnen pflegen
-, die an dem Prozeß beteiligt sind.
Es gibt den Präsidenten, das Kabinett, den Kongreß, das Gerichtssystem; es gibt Berater, unabhängige
Behörden, Ausschüsse und Unterausschüsse und - natürlich - die Bürokratie. Außerhalb der Regierung gibt
es die Oppositionspartei, organisierte Lobbyisten und Interessenverbände,
Fürsprecher und Experten aller Art.
Dann gibt es die Presse - sie berichtet, erklärt, kommentiert und stellt
jede politische Entscheidung in Frage, die getroffen wird, oder erst
noch im Werden ist. Die Formulierung
einer bestimmten Politik kann sehr
häufig ein Dutzend unterschiedlicher
Institutionen und Hunderte von Personen beschäftigen.
Und selbst wenn
eine Entscheidung gefällt worden ist,
scheint es, als ob die Probleme niemals bewältigt werden können.
Aber der Schein, im amerikanischen System befänden sich die Angelegenheiten normalerweise im Fluß,
kann trügen.
Das System wird der
Aufgabe gerecht, für die es entworfen
wurde und es ist - vor allem - offen: Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, absolut alle Meinungen und Aspekte vorzubringen und darauf zu reagieren. Und diese Offenheit ist das
Kernstück des demokratischen Systems.
In jedem System, abgesehen von
einer Ein-Mann-Diktatur, gibt es Diskussionen unter den Regierungsmitgliedern über das generelle Vorgehen
- obwohl diese Diskussion leicht vor
der Öffentlichkeit verborgen werden
kann. Wenn das Volk regiert, wird
die Öffentlichkeit zu einem offenen
Forum, in dem die Geschicke des Landes entschieden werden. Vor über 150
Jahren kam ein höchst weitsichtiger
Student der politischen Wissenschaf-

ten mit Namen Alexis de Tocqueville
nach Amerika, um die Demokratie in
der Praxis zu sehen. Die erste Notiz
in seinem Reisebericht war der ständige Tumult, den er in Amerika beobachtete. Wohin er auch ging, überall
waren Menschen in öffentliche Diskussionen vertieft und äußerten ihre
Meinungsverschiedenheiten
lautstark.
Mit der Zeit erkannte Tocqueville,
daß es sich hierbei in Wirklichkeit
um demokratische Debatten handelte die Stimme des Volkes, das sich
selbst regiert - und nicht um den Beweis für ein zutiefst zerstrittenes
und in Auflösung begriffenes Volk,
wie er zunächst angenommen hatte.
Unbestreitbare Tatsache ist, daß
das amerikanische System bei all seiner Vielfältigkeit eine gemeinsame
Wurzel hat - die Freiheit, die jedem
Einzelnen zusteht.
Freiheit ist das Grundprinzip,
das Demokratie definiert und der amerikanischen
Politik
die
Richtung
weist.
Unsere
Sicherheitspolitik
gründet sich auf unsere Verpflichtung, unsere Freiheit im Verbund mit
anderen freien Nationen zu erhalten.
Unsere Außenpolitik wird von der Wahrung der Grundrechte und Freiheiten
der Menschen überall auf der Welt geleitet.
Amerika
ist
militärisch
nicht aggressiv, denn Demokratie ist
keine Doktrin, die mit Gewalt aufgezwungen werden kann. In dem Maße, in
dem ein demokratisches Volk seine
Wahl treffen kann, wird es nichts
sehnlicher wünschen, als in Frieden
zu leben und die Freiheiten auszuleben, die es genießt. Aber es kann
und wird alles Erforderliche tun, um
sicherzustellen, daß diese Freiheiten
nicht in Gefahr geraten.
Vielleicht werden einige oder alle von Ihnen eines Tages die Gelegenheit haben, Amerika mit eigenen Augen
zu sehen und sich selbst aus erster
Hand einen Eindruck von seinem System
und seinem Volk zu verschaffen. Ich
hoffe, den amerikanischen Offizieren
wird in der Sowjetunion eine ähnliche
Möglichkeit geboten.
Das von Marschall Achromejew und Admiral Crowe

�entworfene Austauschprogramm zwischen
hohen Offizieren ist ein vielversprechender Anfang.
Ich selbst bin hier in Moskau als
eine Art Beobachter der Tagespolitik
in der UdSSR. Soweit ich sehen kann,
findet hier ein höchst bedeutender
Prozeß des Wandels statt. Ich hoffe,
in den nächsten Tagen mehr über die
Veränderungen erfahren zu können, die
sich jetzt vollziehen.
Als
Verteidigungsminister
habe
ich vorrangiges Interesse daran, welchen Einfluß dieser Prozeß auf die
sowjetische Militärmacht haben könnte
sowohl auf ihre Fähigkeiten als
auch auf die Mittel und Wege, mit denen diese Fähigkeiten eingesetzt werden.
Ich werde mit Interesse beobachten,
- ob durch Glasnost die das sowjetische Militär umgebende Geheimhaltung gelockert wird, wie dies
in anderen Bereichen des sowjetischen Lebens ansatzweise geschehen ist,
- ob Perestrojka zu einer Umverteilung der Ressourcen von der militärischen Produktion zum zivilen
Bedarf führen wird,
- und, ob das gegenwärtig vorherrschende "neue Denken" in der
UdSSR eine Neugestaltung der sowjetischen
Militärdoktrin
und
Streitkräftestruktur sowie dauerhafte Veränderungen der Art und
Weise bedeutet, wie die Sowjetunion ihre Beziehungen zu anderen
Ländern unterhält.
Im Augenblick sind dies interessante - aber im großen und ganzen
noch offene Fragen. Wir in den Vereinigten Staaten werden abwarten und
beobachten - und wir werden konstruktive Veränderungen begrüßen, wenn sie
sich uns konkret darstellen.

haft anführen. Verteidigungsminister
Jasow und viele andere sowjetische
Regierungsvertreter, mit denen ich
gesprochen habe, waren ausgesprochen
bereit - sogar geradezu begierig -,
Gespräche über eine Verlagerung der
sowjetischen Militärdoktrin hinzu eine Defensivstrategie und Kräfteverteilung zu führen. Dennoch gibt es
meiner Meinung nach noch eine Reihe
unbeantworteter Fragen bezüglich einer Verlagerung der sowjetischen Militärdoktrin.
Erstens haben wir Schwierigkeiten
damit, eine defensive Doktrin mit dem
in Einklang zu bringen, was wir bei
der sowjetischen Streitkräftestruktur
und bei der Einsatzstrategie als
Schwergewicht auf der Offensive wahrnehmen - insbesondere auf Überraschung und Beweglichkeit.
Ich verweise zum Beispiel auf das Einsatzkonzept, vorne stationierte Brückenlegeeinheiten und die starke Betonung
auf Panzern und Artillerie. Gleichzeitig beobachten wir keine Verlagerung
des
Schwergewichts auf die
Streikträftearten, die man gemeinhein
mit Verteidigung in Verbindung bringt.
Wir haben ferner Schwierigkeiten,
das sowjetische Versprechen zu keinem
Ersteinsatz von Nuklearwaffen mit Ihrer anhaltenden Betonung schwerer Interkontinentalraketen
(ICBMS),
wie
etwa der SS-18, in Einklang zu bringen. Diese Raketen sind unserer Ansicht nach am besten für einen Erstschlag gegen amerikanische silogestützte Systeme geeignet - eine Fähigkeit, die eher auf eine Militärdoktrin zutrifft, die einen Präventivschlag mit Nuklearwaffen betont.
Ich bin mir natürlich darüber im
klaren, daß die Durchführung erheblicher Veränderungen bei der Streitkräftestruktur Zeit erfordert - aber
ich bin ebenso sicher, Sie sind sich
darüber im klaren, daß kein vernünftiger Soldat sein eigenes Einsatzkonzept aufgibt, solange ihm keine Beweise für echte Veränderungen vorliegen.

Ich möchte hier das Problem der
sowjetischen Militärdoktrin beispiel- 3 -

�Ich bin von ihrer Führung auch
gedrängt worden, militärische Übungen
in der Sowjetunion auf Anzeichen einer neuen Betonung der Verteidigung
hin zu überprüfen. Es stimmt natürlich, daß wir von Ihren Übungen lernen, ebenso wie Sie von unseren Übungen lernen können. Gegenwärtig sind
jedoch trotz zahlreicher Veränderungen die Anzeichen dafür mehrdeutig.
Wir haben Übungen beobachtet, bei denen sowjetische Streitkräfte einen
Angriff abwehren, bevor sie in die
Offensive gehen.
Dennoch ist es
schwierig, den Unterschied zwischen
offensiven Streitkräften, die auf die
Durchführung eines Angriffs angelegt
sind und denen zu bestimmen, die eine
Gegenoffensive durchführen sollen ein Punkt, auf den von einigen sowjetischen Strategen verwiesen wird.
Wir stehen der Beobachtung sowjetischer Übungen in Zukunft natürlich
aufgeschlossen gegenüber.
Lassen Sie mich an diesem Punkt
eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten überhaupt kein Interesse daran haben, sich im Hinblick
auf militärische Umgestaltungen der
Sowjets unrealistischen Erwartungen
hinzugeben.
Wir erkennen, daß die
Sowjetunion einen legitimen Bedarf an
Verteidigung hat, und wir sind uns
der Leiden bewußt, die Ihr Land in
der Vergangenheit erduldet hat. Niemand spricht Ihnen die Notwendigkeit
einer starken und fähigen Armee ab.
Wir sind besorgt, wenn die UdSSR mit
der Fortsetzung der Entwicklung von
Streitkräften ihren Verteidigungsbedarf weit übersteigt - insbesondere,
wenn diese neu hinzugefügte Stärke
sich auf Streitkräfte konzentriert,
die massive offensive Einsätze durchführen können, um Territorium zu erobern und zu halten.
Bei der gegenseitigen Beurteilung
unserer Streitkräfte müssen wir uns
die
geostrategischen
Unterschiede
zwischen unseren beiden Ländern vergegenwärtigen.
Die Sowjetunion ist
eine Landmacht, die im Hinblick auf
strategische Ressourcen und Materialien nahezu autark ist. Im Gegensatz
dazu ist Amerika eine Insel, die sich

nicht allein mit Ressourcen versorgen
kann und aus diesem Grund eine Interessengemeinschaft mit anderen Ländern
braucht, um Erfolg zu haben und zu
überleben.
Die Vereinigten Staaten
brauchen eine starke Marine, um Amerikas Zugang zu den Schiffahrtslinien
zu gewährleisten, die unsere lebenswichtige Verbindung zu den Handelspartnern bildet, um Aggression abzuschrecken und zur Verteidigung der
gemeinsamen Interessen mit unseren
Verbündeten und Freunden in Übersee
beitragen zu können.
Ihre Führung
drängt uns zur Reduzierung unserer
Seestreitkräfte. Aber die Aufforderung an die Vereinigten Staaten zur
Reduzierung ihrer Fähigkeit auf See
käme der Aufforderung an die UdSSR
gleich, ihre Straßen- und Schienennetze zu zerstören. Angesichts unserer
geopolitischen
Gegebenheiten
könnte sich niemand von uns die Zerstörung dieser lebenswichtigen Verbindungen leisten.
Angesichts der von sowjetischer
Seite erfolgenden Entwicklung ihrer
Angriffs-U-Boote und des Ausbaus ihrer Fähigkeiten in der Luft über den
Weltmeeren, müssen die Vereinigten
Staaten ihre eigenen Fähigkeiten auf
See verbessern und Schritte zu deren
Schutz unternehmen, zum Beispiel mit
Hilfe von Waffen wie etwa der seegestützten Marschflugkörper. Und dennoch stellt unsere Marine keine Bedrohung für irgendein Land dar, das
uns seinerseits nicht bedroht.
Unsere Politik heißt Abschrekkung. Ich weiß, daß dieser Begriff
in der militärischen Terminologie der
Sowjetunion
abschätzig
verwendet
wird, und ich möchte daher offen sagen, was der Begriff im Sprachgebrauch amerikanischer Strategen bedeutet. Abschreckung ist einzig und
allein unserer Ziel, um einen Gegner
davon zu überzeugen, daß ein Angriff
auf uns einen zu hohen Preis hat und
nicht erfolgreich sein kann - und im
Grunde am besten nicht ausgeführt
werden sollte. Diese Auffassung von
Abschreckung ist so weit wie möglich
von einer Strategie des Erstschlags
entfernt, die andere Länder zu Recht

- 4 -

�bedrohlich finden würden.
Unsere Streitkräftestruktur liegt
für alle offen zutage. Obwohl wir
eine starke Marine haben, ist sie
zahlenmäßig kleiner als Ihre. Unsere
Armee verfügt über weit weniger Panzer, unsere Luftwaffe über weniger
Kampfflugzeuge, und wir sind in starkem Maße von Reservestreitkräften abhängig, deren erforderliche Mobilisierung
einen
Überraschungsangriff
nahezu unmöglich machen.
Und die
Vereinigten Staaten haben - im Gegensatz zur Sowjetunion - ein begrenztes
Programm zur zivilen Verteidigung und
kein
vergleichbares
unterirdisches
System von Bunkern, Tunnels und Wegen, um in einem lang andauernden
Nuklearkrieg Schutz zu gewähren.
Bei der Einschätzung amerikanischer Macht sollten Sie ferner die
Offenheit beachten, mit der Einzelfragen unserer Verteidigungshaltung
diskutiert werden.
Die Wiederherstellung einer starken amerikanischen
Verteidigung zu Beginn der achtziger
Jahre ist in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert worden - ebenso
bleibt die Tatsache, daß der amerikanische Verteidigungshaushalt nunmehr im vierten Jahr geringer ausfällt, der Öffentlichkeit nicht verborgen. Vor einem Jahr hat Präsident
Reagan die Sowjetunion in seiner Ansprache vor amerikanischen und sowjetischen Teilnehmern bei der Chautauqua-Konferenz aufgefordert, ihre eigenen militärischen Prozesse offenzulegen - einen gültigen Militärhaushalt zu veröffentlichen, den Umfang
und Aufbau der sowjetischen Streitkräfte zu enthüllen und im Obersten
Sowjet den Kurs der wichtigsten militärischen Entscheidungen und die Waffensysteme öffentlich zu erörtern.
Sowohl Ihr Generalsekretär wie
auch Ihr Verteidigungsminister haben
angedeutet, daß sie die Möglichkeit
einer öffentlichen Bekanntgabe Ihres
Militärhaushalts prüfen.
Dies wäre
in unserem andauernden Dialog eine
sehr willkommene Entwicklung. Gegenwärtig müssen wir jedoch die sowjetische Rüstungsproduktion als Maßstab

nehmen, und
nach unseren besten
Schätzungen belaufen sich die sowjetischen Militärausgaben weiterhin auf
volle 15 bis 17 Prozent Ihres Bruttosozialprodukts und steigen von Jahr
zu Jahr weiter an. Demgegenüber verwenden die Vereinigten Staaten 5,7
Prozent ihres nationalen Reichtums
für die Verteidigung. Ich gebe zu,
daß unser Bruttosozialprodukt größer
ist, aber quantitativ übertrifft Ihre
Rüstungsproduktion die unsrige bei
weitem.
Ich bin bereit anzuerkennen, daß
die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen einen technologischen Vorsprung gegenüber der Sowjetunion besitzen - und ich erkläre zusätzlich,
daß '-rir auf jeden Fall unsere technologischen Fähigkeiten weiter verbessern werden. Wir können es uns einfach nicht leisten, etwas anderes zu
tun. Wenn wir zum Beispiel die technologischen Möglichkeiten einer Verteidigung gegen strategische Raketen
sehen, dann müssen wir die Gelegenheit in der Hoffnung ergreifen, eines
Tages ein stabileres, defensives Abschreckungspotential zu entwickeln.
Wir wissen um die Bedeutung, die
Sie der Verteidigung Ihrer Heimat
beimessen - und dieses Interesse wird
durch Ihre eigene intensive Arbeit an
modernen Raketenabwehrsystemen unterstrichen, die in vieler Hinsicht mit
unserer Strategischen Verteidigungsinitiative vergleichbar sind. Dieses
Interesse an der Entwicklung von Verteidigungssystemen ist verständlich
und wird von uns geteilt. Ich kann
Ihnen versichern, daß SDI rein defensiv ist und nicht die geringste Bedrohung für die UdSSR darstellt. Sie
dient einzig und allein einem Zweck:
Systeme zu entwickeln, die gegen uns
abgefeuerte Raketen zerstören können.
Tatsächlich sind wir der Ansicht,
daß die von uns gegenwärtig erforschten Verteidigungssysteme uns eines
Tages dazu verhelfen könnten, zu einer stabileren strategischen Regelung
überzugehen, die auf einer ausgewogenen Kombination von Verteidigung und
Offensive beruht.
Sicherlich würde

- 5 -

�ein System, das eine Verteidigung gegen einen Raketenangriff beinhaltet,
bei weitem einem solchen überlegen
sein, das sich für alle Zeiten auf
das "Gleichgewicht des Schreckens"
verläßt und allein auf offensiven
Atomwaffen beruht.
Ich hege die Hoffnung, daß unsere
gegenwärtig in Genf stattfindenden
Verhandlungen uns diesem Ziel näher
bringen werden. Wer hätte noch vor
fünf Jahren angenommen, daß wir heute
das erste Abkommen der Welt über die
Beseitigung von Atomwaffen - den INFVertrag - in die Tat umsetzen und daß
wir uns auf dem Weg zu einem noch
weitreichenderen Abkommen zur Reduzierung der strategischen Atomwaffen
um 50 Prozent befinden würden? Sicher müssen noch einige Probleme gelöst werden, aber diese sind keineswegs unüberwindbar.
Der Schlüssel
liegt darin, daß unser militärisches
Establishment auf beiden Seiten die
Vorteile eines Abkommens erkennt, das
zu einem stabileren strategischen
Gleichgewicht auf reduzierten Stärkeniveaus führt. Wenn wir die RUstungskontrollgespräche
mit
diesem
Ziel im Kopf angehen, dann bin ich
zuversichtlich, daß ein Abkommen geschlossen werden kann.
Ich spreche heute offen vor Ihnen, da ich überzeugt bin, daß Offenheit konstruktiv ist.
Schließlich
ist der Dialog allein kein Wert an
sich - er ist es nur insoweit, wie
er unsere Sicherheit verbessert. Und
das ist ein Argument dafür, die sehr
realen Unterschiede deutlich auszusprechen, die unsere Nationen voneinander trennen, selbst dann, wenn wir
Spannungen abzubauen und unsere Beziehungen zu verbessern suchen.
Der Weg zur Förderung des amerikanisch-sowjetischen Dialogs besteht
nicht darin, unsere Unterschiede zu
verwischen, sondern darin, sie offen
zur Kenntnis zu nehmen, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und darauf aufzubauen.
Ich möchte mich auf einige gemeinsame Interessen konzentrieren,

bei denen Fortschritte möglich sind:
- Wir müssen weiterhin bei der Suche nach Wegen zur Verhinderung
gefährlicher militärischer Zwischenfälle zusammenarbeiten, die
eine von keiner Seite gewünschte
Konfrontation auslösen könnten.
- Wir müssen weiterhin unser Verständnis der Sicherheitsanliegen
beider Seiten durch Kontakte zwischen den Militärs verbessern.
- Wie ich schon erwähnte, müssen
wir weiterhin auf Rünstungskontrollabkommen
hinarbeiten,
die
Stabilität auf niedrigerem Niveau
schaffen - sowohl bei den atomaren wie bei den konventionellen
Streitkräften.
Schließlich besteht zusätzlich zu
diesen Bereichen in unseren Gesamtbeziehungen ein gemeinsames Interesse
am Abbau von Spannungen, und das ist
der zentrale Grund dafür, daß der von
uns ins Leben gerufene Dialog - über
regionale Konflikte und Menschenrechte wie auch über militärische Fragen
- weitere Fortschritte machen muß.
Allein die Tatsache, daß ich heute In der Akademie des sowjetischen
Generalstabs zu Gast bin, ist ein
Hinweis darauf, wie weit dieser Dialog schon gediehen ist. Trotz dieser
Fortschritte sollte es jedoch klar
sein, daß dies kein Höhepunkt, sondern nur ein Anfang ist. Was dieser
Dialog bietet, ist eine Chance, auf
der Grundlage von Realismus und Gegenseitigkeit
weiterhin
Spannungen
abzubauen und
bessere Beziehungen
zwischen unseren Ländern aufzubauen.
Das ist das Ziel, das mich nach Moskau geführt hat und für dessen Förderung ich während meines Aufenthalts
hier mein Bestes tun werde.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. August 1988

29

VEREINIGTE STAATEN GEBEN PRODUKTIONSORTE FÜR CHEMISCHE WAFFEN BEKANNT
- Rede des amerikanischen Vertreters bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Mit der Bekanntgabe ihrer fünf Produktionsstätten für chemische Waffen vor der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) haben die Vereinigten
Staaten am 28. Juli 1988 einen "weiteren entscheidenden Schritt zu größerer
Offenheit" getan. Der amerikanische Vertreter bei den Gesprächen über chemische Waffen, Max L. Friedersdorf, unterbreitete den Delegierten der CD ein
siebenseitiges Dokument, das eine Landkarte mit den folgenden fünf Produktionseinrichtungen enthält: Rocky Mountain Arsenal, Colorado; Newport Army
Ammunition Plant, Indiana; Pine Bluff Arsenal, Arkansas; Muscle Shoals,
Alabama; Aberdeen Proving Ground, Maryland.
"Wir hoffen, daß dieses Papier (über die Produktionsstätten) sowohl zu
größerem Vertrauen als auch zur Verhandlung von weiteren Verfügungen im Rahmen
der Konvention beitragen wird," erklärte Friedersdorf, dessen Äußerungen wir
nachfolgend in Auszügen veröffentlichen:
Herr Präsident, am Ende der Frühjahrssitzung der CD habe ich vor dem
Plenum zwei Erklärungen zum Stand der
Verhandlungen über chemische Waffen
abgegeben. Am 14. April kommentierte
ich die bis zum damaligen Zeitpunkt
in der Sitzungsperiode 1988 erzielten
Fortschritte. Meine Erklärung am 19.
April befaßte sich mit den Aussichten
für den Sommer der diesjährigen Sitzungsperiode. Heute möchte ich mich
erneut dem wichtigen Thema des Verbots chemischer Waffen widmen. Seit
meiner letzten Rede bei der Konferenz
zu dieser Frage ist viel geschehen.
In den vergangenen Monaten ist
das Verbot chemischer Waffen mehrmals
Gegenstand hochrangiger bilateraler
Gespräche zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gewesen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wie ich bereits feststellte, haben
die beiden führenden Politiker der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wichtige und weitreichende Diskussionen über Rüstungskontrollfragen
geführt, auch über ein Verbot der
chemischen Waffen. Weiterhin wurden
mehrere Treffen auf Ministerebene abgehalten.
Beim Moskauer Gipfel haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow die Bedeutung von Bemühungen bekräftigt, die einzigartige
Herausforderung eines Verbots chemischer Waffen und die Erlangung einer wirksamen Konvention als Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit
zu behandeln. Sie betonten die bisher in den Gesprächen erzielten Fortschritte
sowie
die
verbleibenden

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�schwierigen Probleme im Hinblick auf
die effektive Überwachung des weltweiten Verbots chemischer Waffen und
des Nichtgebrauchs von mehrfach verwendbaren Wirkstoffen für chemische
Waffen.
Ferner betonten die beiden
Politiker Probleme der Sicherstellung
einer wirksamen Verifizierung und unverminderter
Sicherheit
für
alle
Teilnehmer der Konvention.
Beide Seiten waren sich ferner
einig über die entscheidende Bedeutung von größerer Offenheit aller
Staaten als Weg zur Vertrauensbildung
und Stärkung der Grundlage einer
wirksamen Konvention.
Die beiden
führenden Politiker betonten ferner
die Notwendigkeit enger Koordinierung
auf multilateraler Basis, um die Beteiligung aller Staaten, die chemische Waffen besitzen oder zu ihrer
Herstellung in der Lage sind, an der
Konvention sicherzustellen.
Meiner
Ansicht nach entspricht dies auch der
Haltung der internationalen Staatengemeinschaft.
Auf multilateraler Ebene erhielt
ein Text, in dem die anhaltende
Dringlichkeit
eines
Verbots
chemischer Waffen zum Ausdruck kommt,
breite Unterstützung - auch durch die
Vereinigten Staaten - im Rahmen der
SSOD-III. Herr Präsident, all diese
Positionen finden sich auch in den
Instruktionen
meiner
Delegation.
Wenn diese Verpflichtung in den Anweisungen der anderen Delegationen
ebenfalls ihren Niederschlag finden,
dann sind meiner Auffassung nach die
Aussichten auf weitere Fortschritte
gut. Ich komme nun zur Substanz der
Verhandlungen. Dabei möchte ich drei
entscheidende Punkte behandeln, auf
die in der gemeinsamen amerikanischsowjetischen Erklärung Bezug genommen
wird:
- Die entscheidende Bedeutung grösserer Offenheit;
- das
schwierige
Problem
einer
wirksamen Überwachung der chemischen Industrie; und

- die Sicherung der Beteiligung aller Staaten an der Konvention,
die chemische Waffen besitzen
oder zu deren Herstellung in der
Lage sind.
Die an den Verhandlungen Beteiligten haben zunehmend die entscheidende Bedeutung größerer Offenheit
aller Staaten in bezug auf ihre Fähigkeiten zur Herstellung chemischer
Waffen und ihre chemischen Industrien
erkannt.
Die amerikanische Delegation selbst hat in diesem Bereich
wichtige Beiträge geleistet. In dem
im Juli 1986 vorgelegten Dokument
CD/711 haben die Vereinigten Staaten
zum Beispiel detaillierte Informationen über ihr Arsenal chemischer Waffen geliefert, einschließlich der Depotstandorte.
Ferner haben wir in
dem im letzten April vorgelegten Dokument CD/830 weitere Einzelheiten
über die chemischen Waffen an sich
bereitgestellt.
Heute unternimmt die amerikanische Delegation einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung auf
größere Offenheit.
Wir geben den
Standort jeder unserer Produktionseinrichtungen für chemische Waffen
bekannt.
In dem heute vorgelegten
Arbeitspapier mit dem Titel "Vernichtung von Produktionseinrichtungen für
chemische Waffen" ist eine Karte der
jeweiligen Standorte enthalten. Wir
hoffen, daß dieses Papier sowohl zu
größerem Vertrauen als auch zur Verhandlung von weiteren Verfügungen im
Rahmen der Konvention beiträgt.
Die von uns heute abgegebene Erklärung sucht in der Geschichte ihresgleichen.
Kein anderes Mitglied
der Konferenz hat Informationen über
seine Produktionsstätten
für chemischen Waffen zur Verfügung gestellt. Wir fordern die anderen Länder mit solchen Einrichtungen auf,
den Standort ihrer Produktionsstätten
bekanntzugeben und zu darzulegen, wie
diese Einrichtungen vernichtet werden
könnten.
Herr Präsident, in den vergange-

- 2 -

�nen Monaten hat die Konferenz bei der
Lösung permanenter Probleme im Zusammenhang mit Produktionsstätten für
chemische Waffen entscheidende Fortschritte erzielt. Eine übereinstimmende Definition ist in greifbare Nähe gerückt. Wir sind uns einig, daß
all diese Einrichtungen zerstört werden müssen.
Entsprechende Veränderungen werden bereits im Vertragstext
der zukünftigen Konvention vorgenommen. Während Übereinstimmung darüber
besteht, daß die Produktionsstätten
für chemische Waffen vernichtet werden müssen, liegen der Konferenz nur
spärliche Informationen darüber vor,
wie dies verwirklicht werden könnte.
Das Thema ist in diesem Sommer bereits in Arbeitsgruppe B erörtert
worden. Um die Verhandlungen zu erleichtern, umreißt unser Arbeitspapier in groben Zügen, wie die Vereinigten Staaten die Vernichtung ihrer Produktionseinrichtungen angehen
werden.
Offenheit war natürlich nicht
ausschließlich einigen wenigen Delegationen vorbehalten.
Wir werden
durch die Tatsache ermutigt, daß das
Prinzip des multilateralen Datenaustausch^ in den vergangenen ein oder
zwei Jahren zur gängigen Praxis geworden ist. In Erklärungen vor dem
Plenum oder in Arbeitspapieren haben
zahlreiche Delegationen unerläßliche
Informationen zur Verfügung gestellt.
Zweifelsohne werden in den verbleibenden Wochen dieser Sitzungsperiode
noch zusätzliche Informationen erarbeitet.
Unseren Unterlagen zufolge
haben ungefähr ein Dutzend Mitglieder
der Konferenz bisher noch nicht bekanntgegeben, ob sie im Besitz chemischer Waffen sind oder nicht. Wir
fordern sie dringend auf, dies noch
in diesem Sommer zu tun.
Bevor ich mich einem anderen Thema zuwende, möchte ich eine vorsichtige Warnung aussprechen.
Die der
Konferenz vorgelegten Informationen
können die Verhandlungen nur dann erleichtern, wenn sie präzise sind.
Ungenaue Erklärungen werden jedoch
das Vertrauen schmälern und den Ver-

such eines Verbots chemischer Waffen
komplizieren.
Bedauerlicherweise
sind unserer Ansicht npch bereits Erklärungen abgegeben worden, daß man
nicht im Besitz chemischer Waffen
sei, die höchstwahrscheinlich einen
solchen Effekt haben werden. So gravierend
die
Auswirkungen
bereits
jetzt sein könnten, hätten unpräzise
Erklärungen nach Inkrafttreten womöglich eine Reihe von Ad-hoc-Inspektionen zur Folge, die politische Konsequenzen nach sich ziehen würden.
Wahrheitsgetreue Erklärungen sind für
den gesamten Prozeß eines Verbots
chemischer Waffen unabdingbar.
Herr Präsident, die Konferenz hat
sich seit einiger Zeit mit dem
schwierigen Problem einer wirksamen
Überwachung der chemischen Industrie
auseinandergesetzt. Der Bericht des
Ad-hoc-Kommittes für chemische Waffen
von Ende April (Dokument CD/831) belegt eindeutig, daß beträchtliche
Fortschritte
erzielt worden sind.
Der Bericht stellt jedoch auch klar,
daß komplizierte und heikle Themen
noch zu erörtern sind. Die Lösung
dieser Themenkomplexe erfordert nicht
nur einen kreativen Ansatz, sondern
auch eingehendes Verständnis der Gegebenheiten in der zivilen chemischen
Industrie.
Unsere Delegationen sind der Auffassung, daß die Vertreter der chemischen Industrie entschieden zu den
Verhandlungen beitragen können. Diese Überzeugung erwächst aus den engen
und seit langem bestehenden Kontakten
zwischen unseren Unterhändlern und
den politischen Entscheidungsträgern
einerseits und den Vertretern der
amerikanischen chemischen Industrie
andererseits.
Wir
haben
festgestellt, daß die Industrie unser Ziel
eines umfassenden, wirksam verifizierbaren und wirklich weltweiten
Verbots chemischer Waffen teilt. Gestatten Sie mir, eine kürzlich von
Mr. Robert Roland, dem Präsidenten
des amerikanischen Verbands der Chemieindustrie, abgegebene Erklärung zu
zitieren.
Dieser Industrieverband,
kurz CMA genannt, vertritt Unterneh-

- 3 -

�men, die mehr als 95 Prozent der chemischen Produktionskapazität der Vereinigten Staaten ausmachen.
In seiner Erkärung von 28. April
1988 forderte Mr. Roland einen "starken, wirksamen, internationalen Vertrag" für ein Verbot chemischer Waffen.
Seinen Ausführungen zufolge
hatten amerikanische, kanadische, japanische und europäische Vertreter
der chemischen Industrie mehrere Monate an einem Satz von Empfehlungen
gearbeitet, die nach Meinung der CMA
ein Abkommen über ein Verbot chemischer Waffen erleichtern könnten.
Wenn diese Empfehlungen verabschiedet
worden sind, erklärte Mr. Roland,
"werden sie unseren Unterhändlern zusammen mit dem Versprechen unseres
Industrieverbands
zugeschickt,
daß
wir alles in unserer Macht stehende
tun werden, um einen solchen Vertrag
zu verwirklichen."

Ihr technisches Urteilsvermögen und
ihre praktische Erfahrung erweisen
sich bei der Lösung der zahlreichen
im Rahmen der Diskussion behandelten
gemeinsamen Probleme als sehr wertvoll.
Eine weitere positive Entwicklung
ist der Vorschlag zur Aufnahme multilateraler Bemühungen zur Entwicklung
und Erprobung von Verfahrensweisen,
mit deren Hilfe Inspektionen von Einrichtungen der chemischen Industrie
vorgenommen werden können. Zu Beginn
hielt sich meine Delegation mit ihrer
Meinung zu diesem Vorschlag zurück,
bis dieser besser ausgearbeitet war.
Angesichts der von der sowjetischen
Delegation gelieferten durchdachten
Einzelheiten akzeptieren die Vereinigten Staaten das Konzept eines
solchen
multilateralen
Experiments
und sind zu einer Teilnahme daran bereit.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, daß der Vorstand der CMA soeben seine einhellige Unterstützung
für einen Vertrag über chemische Waffen versichert und gefordert hat, daß
die chemischen Industrien aller Länder einen Konsens über technische
Fragen erarbeiten.
Unsere Überzeugung über die Bereitschaft der Industrie zur Förderung der Verhandlungen
wurde durch die mit Vertretern der
Industrie in der letzten Woche hier
in Genf abgehaltenen informellen Gespräche bestärkt. Wir werden durch
den ernsthaften
und konstruktiven
Austausch zwischen den Unterhändlern
und den Experten aus der Industrie
ermutigt.

Für den Erfolg des Experiments
ist die Teilnahme all der Staaten von
entscheidender Bedeutung, in denen
sich chemische Werke befinden, die
der Konvention zufolge Routineinspektionen unterworfen werden.
Ferner ist die Teilnahme anderer
Staaten in höchsten Maße wünschenswert. Unserer Ansicht nach ist nicht
nur die Erklärung der Verhandlungspartner wichtig, ob sie chemische
Waffen besitzen oder nicht - wichtig
ist auch die Erklärung, ob sie im zivilen Bereich chemische Werke besitzen, die inspiziert werden würden.
In den Vereinigten Staaten befinden
sich natürlich solche Werke.

Dieser
Austausch
verdeutlichte
die Notwendigkeit, daß den Bestimmungen zum Schutz vertraulicher Geschäftsinformationen größere Aufmerksamkeit gewidmet werden muß. Er betonte ebenfalls die Notwendigkeit der
genauen Darlegung, welche Informationen als vertraulich betrachtet werden
müssen. Wir sprechen den Vertretern
der Industrie, die sich in Genf eingefunden haben wie auch den Organisatoren der Gespräche unseren Dank aus.

Wir stimmen dem Vorschlag vom 26.
April über eine phasenweise Durchführung des Experiments zu. Vor Aufnahme der Entwicklung und Erprobung auf
internationaler Ebene müssen einzelne
Staaten jedoch Experimente auf nationaler Ebene durchführen und die Ergebnisse der CD vorlegen. Die amerikanische Regierung arbeitet bereits
mit dem Verband der amerikanischen
Chemieindustrie an der Entwicklung
und Erprobung von Verfahrensweisen

- 4 -

�zur Inspektion.
Wir fordern die Sowjets und andere auf, uns anzuzeigen, was sie dazu
unternehmen.
Im Rahmen der CD müssen viele Gespräche und Planungen erfolgen, um
dieses Experiment zu relalisieren.
Diese Konzeption ist gut, muß aber
noch an Substanz gewinnen.
Viele
Fragen zur Vorgehensweise müssen noch
beantwortet werden. Wie können zum
Beispiel sensible Geschäftsinformationen unter solchen Umständen geschützt werden, wo es keine rechtsverbindlichen Vorschriften zur Geheimhaltung gibt? Wir erwarten, daß
die sowjetische Delegation bei der
Erarbeitung von Antworten die Führungsrolle übernimmt.

tiven Vorschlag der ägyptischen Delegation, daß eine Möglichkeit gefunden
werden muß, um Beratungen mit wichtigen Staaten, die sich nicht an den
Verhandlungen beteiligen, abzuhalten.
Ähnliche Ideen sind von den Botschaftern Selesby (Vereinigtes Königreich)
und Rose (Deutsche Demorkatische Republik) geäußert worden.
Wir teilen die Ansicht, daß Konsultationen zur Förderung der wünschenswerten Allgemeingültigkeit beitragen würden. Wir versichern unsere
Zusamamenarbeit mit der ägyptischen
Delegation und anderen betroffenen
Staaten, um diesen Vorschlag zu verwirklichen.

* * * * * *

Zum Schluß, Herr Präsident, möchte ich noch die Notwendigkeit eines
weltweiten Verbots chemischer Waffen
hervorheben. Der Sicherheit in Europa ist viel Aufmerksamkeit gewidmet
worden.
Aber die Ereignisse der
letzten Jahren weisen eindeutig darauf hin, daß das größte Risiko für
den Einsatz chemischer Waffen außerhalb Europas liegt - wie es sich im
nahen Osten gezeigt hat. Wir teilen
die am 26. April im Plenum vorgetragene Auffassung des Vertreters von
Ägypten, Botschafter Elaraby, daß die
Konvention universellen Charakter haben sollte.
Eine Konvention, die
sich nicht
wirkungsvoll mit der
schrecklichen Realität auseinandersetzt, daß die Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen weitverbreitet
ist, kann nicht als erfolgreich betrachtet werden.
Wir verfolgen ein sehr ehrgeiziges Ziel - wir wollen die Beteiligung
aller Länder, die im Besitz chemischer Waffen oder zu deren Herstellung befähigt sind, gewährleisten.
Die Pessimisten argumentieren, daß
dies unmöglich ist und deshalb die
Länder
ihre
Ambitionen
herunterschrauben sollten.
Dem können wir
nicht zustimmen.
Wir unterstützen
vielmehr den konstruktiven und krea- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

10. August 1988

29

FINANZMINISTER BAKERS NACHFOLGER HEISST NICHOLAS BRADY
- Ankündigung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den Rücktritt von James Baker als
Finanzminister erklärt und seine Absicht bekundet, den New Yorker Investment
Banker Nicholas Frede.rick Brady für die noch verbleibende Amtszeit de.r ReaganAdministration für dessen Nachfolge zu nominieren.

Baker
wird
für
Vizepräsident
George Bush die Präsidentschaftswahlkampagne leiten. Sein Rücktritt als
Finanzminister wird zum 17. August in
Kraft treten, wenn Bushs Nominierung
als Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei beim nationalen
Parteikonvent bestätigt wird.
Der
Stellvertretende
Finanzminister M. Peter McPherson wird bis
zur Bestätigung von Bradys Nominierung durch den Senat als Finanzminister amtieren.
Bei einem Informationsgespräch am
5. August im Weißen Haus, an dem auch
Reagan und Brady teilnahmen, erklärte
Baker, er betrachte seinen Wechsel
zur Kampagne von Bush als beste Möglichkeit, um das Fortbestehen des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reagan-Erbes zu sichern.
Der Präsident lobte Bakers Arbeit
in Reagans beiden Amtszeiten zunächst
als Stabschef und dann als Finanzminister und verwies insbesondere auf
Bakers Rolle bei der Verwirklichung
der Steuerreform, bei der Einführung
eines Koordinierungssystems zwischen
den wichtigsten Industrieländern und
beim Abschluß des Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada.
"Sie waren das Geheimnis unseres
Erfolges", erklärte Reagan, "Verhelfen Sie jetzt George dazu, Jim."
Reagan bemerkte
zu Brady, daß
"ich mir niemanden vorstellen kann,
der besser geeignet wäre, die Rolle

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Finanzministers
zu übernehmen,
und wenn er seine Bestätigung erhält,
wird er der Hauptsprecher meiner Administration
zu
Wirtschaftsfragen
werden." Bradys Präsenz würde Reagan
zufolge "die stetige Fortsetzung der
Wirtschaftspolitik gewährleisten, mit
der das längste Wirtschaftswachstum
in unserer Geschichte hervorgebracht
wurde".

die Tatsache, daß er bereits Senator
war, wird erwartungsgemäß den Prozeß
seiner Bestätigung beschleunigen.

Brady
zufolge
haben
die Vereinigten Staaten mit "Jim Bakers fester Hand ihre Führungsrolle in den
Finanzkreisen der Welt zurückerobert.
Ich möchte diesen Prozeß fortsetzen
und
Ihnen
sowie auch
dem amerikanische Volk dienen."

Brady
trat 1954 in die Firma
Dillon und Read ein, wo er schließlich
Firmenvorsitzender
und
Geschäftsführer wurde, bevor er seinen
Sitz im Senat erhielt.
Seit vielen
Jahren
ist er bei der Republikanischen Partei im Hintergrund aktiv.
Er ist ein langjähriger Freund von
Vizepräsident Bush - beide sind Absolventen von Yale - und hat Bush bereits bei der Präsidentschaftswahlkampagne 1980 unterstützt.

In einer nach dem Informationsgespräch veröffentlichten Stellungnahme
erklärte der Vorstandsvorsitzende der
US-Bundesbank, Alan Greenspan:
"Jim
Baker war einer der erfolgreichsten
Finanzminister in der Geschichte unseres
Landes.
Es
wird
schwierig
sein,
seine
Nachfolge
anzutreten.
Senator Brady ist jedoch von all den
mir bekannten Kandidaten der geeigneteste."
Brady ist gegenwärtig einer der
Vorsitzenden
der
Investmentbank
Dollin, Read und Company.
Er war
Vorsitzender einer von Reagan im vergangenen Jahr eingesetzten Kommission
zur Untersuchung des Börsenkrachs vom
vergangenen Oktober.
Der im Januar
veröffentlichte Bericht der Kommission empfahl eine Reihe von Maßnahmen, um die Vorschriften auf dem Aktienmarkt zu verschärfen - Empfehlungen, die bei Wertpapierhändlern der
Aktien und anderen Proteste hervorriefen und die sich auch die Administration zueigen machte.
Im April 1982 wurde Brady vom
Gouverneur von New Jersey zum Nachfolger
von
Senator
Harrison
A.
Williams bestimmt, der wegen eines
Skandals zum Rücktritt gezwungen war.
Seine Amtszeit betrug weniger als ein
Jahr, da im November 1982 ein neuer
Senator
gewählt
wurde,
woraufhin
Brady im Dezember zurücktrat.
Aber

Der Senatsausschuß, der über die
Kandidaten für das Amt des Finanzministers befindet - der Finanzausschuß
- wird von Lloyd Bentsen, dem demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten geleitet.

Brady ist ebenfalls im Sport aktiv. Er war Vorsitzender des Jockey
Club, der die Pferderennen im Staat
New York kontrolliert, und gilt als
ausgezeichneter Tennis- und Golfspieler.
Die
Familie
wohnt
in
New
Jersey.
Brady
und
seine
Frau
Katherine Douglas Brady haben vier
Kinder.
Nicholas Brady ist am 11.
April 1930 in New York City geboren.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

10. August 1988

29
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG FÜR RAKENTABWEHR IM WELTRAUM
- Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihren eigenen Worten darlegen. Die heutige Ausgabe enthält Auszüge aus
einer am 2. August 1988 vor dem Mid-America Committee in Chicago gehaltenen
Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush, in der er
seine außenpolitischen Grundsätze erläutert und seine Unterstützung für eine
weltraumgestutzte Raketenabwehr verspricht. Ferner erklärt er, im Falle seiner Wahl werde er Bemühungen, die Verbreitung ballistischer Raketen in der
Dritten Welt einzudämmen, mehr Gewicht verleihen und danach streben, multinationale Kontrollen über die Verbreitung solcher Waffen einzuführen.
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Mein Programm für die neunziger
Jahre besteht aus sieben Elementen:
Der Präsident ist der Oberkommandierende. Sein erstes Augenmerk muß
der nationalen Sicherheit gelten.
Das heißt, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen müssen auf unserer
außenpolitischen
Tagesordnung
ganz oben angesiedelt sein, solange
die Sowjetunion die Macht zur Zerstörung unserer Zivilisation besitzt.
Wir begrüßen die Entwicklungen in
der Sowjetunion - aber wir sollten
uns von unseren Hoffnungen nicht dazu
verleiten lassen, unsere praktischen
Erfahrungen zu verdrängen. Die sowjetische Ideologie hat sich als
Bankrotterklärung erwiesen - aber die
Sowjetunion bleibt eine enorme Mili-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tärmacht.
Wir begrüßen, was Herr
Gorbatschow sagt - ich bin beeindruckt von den Schritten, die er in
Richtung auf größere Offenheit und
mehr Reformen unternommen hat, aber
letztlich wird die Sowjetunion an ihren Taten gemessen werden - bei der
Reduzierung der konventionellen und
chemischen Waffen, beim Abbau regionaler Spannungen und der Zügelung aggressiver
sowjetischer
Satellitenstaaten, bei den Menschenrechten und
der Auswanderung sowie bei der Ablehnung der Breschnew-Doktrin in Osteuropa. Dies sind die Maßnahmen für
bedeutsame Veränderungen.
Mein Programm würde Pendelbewegungen
zwischen
ungerechtfertigter
Euphorie und übertriebenem Pessimismus vermeiden. Ich weiß, daß wir ge-

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�meinsame Probleme realistisch in Angriff nehmen können, wenn wir ohne
Illusionen zusammenarbeiten.

zierung der Gefahr bedeuten muß. Das
Kräfteverhältnis muß zu mehr und
nicht zu weniger Stabilität führen.

Das zweite Element ist Rüstungsreduzierung und -kontrolle, ein Prozeß, der primär die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betrifft und
sich doch - angesichts der neuen Gegebenheiten - zunehmend auch auf andere auswirkt.

Meine Politik wird der Tatsache
Rechnung tragen, daß trotz des Dramas
der Atomwaffen das Ungleichgewicht
bei den konventionellen Waffen ein
Hauptgrund für die Stabilität in Europa ist. Seit über 40 Jahren unterhält die Sowjetunion ein riesiges
vorne stationiertes Heer. Wenn der
Wandel in der sowjetischen Haltung
aufrichtig ist, dann sollte die UdSSR
den in naher Zukunft von der NATO zu
unterbreitenden Vorschlag annehmen,
die Streitkräfte der NATO und des
Warschauer Pakts bei Panzern und Artillerie auf niedrigere Niveaus zu
verringern, vom Atlantik bis zum Ural
- dies sind die Waffen, die einen Angriff als denkbar erscheinen lassen.
Wir sollten sie so reduzieren, daß
die Kriegsgefahr verringert, die Abschreckung gestärkt und der Frieden
gesichert wird.

In diesem Bereich ist unsere Erfahrung mit den Mittelstreckenraketen
lehrreich. Ich habe im Jahr 1983 eng
mit den führenden Politikern der NATO
zusammengearbeitet, als die Verbündeten in den sauren Apfel bissen - angesichts der geballten Macht, die von
der Friedensbewegung ins Feld geführt
wurde - und trotz beispiellosen sowjetischen Drucks an der geplanten
Stationierung festhielten. Wiederum
standen wir erfolgreich zusammen, als
Gorbatschow endlich Ronald Reagans
Angebot aufnahm, all diese Raketen zu
verschrotten.
Die Lektion ist unmißverständlich: ein wirklicher Rüstungsabbau,
echte Verbesserungen in den Ost-WestBeziehungen und tatsächliche Sicherheit können nur durch Stärke und Konsequenz erreicht werden. Wir können
hartnäckig Verhandlungen führen und
gleichzeitig die militärischen Maßnahmen treffen, um unsere Sicherheit
zu garantieren.
Die Modernisierung
unseres strategischen Abschreckungspotentials zu stoppen bedeutet, einseitig abzurüsten - die Vereinigten
Staaten zunehmend verwundbar zu machen und die Anreize für ernsthafte
Verhandlungen der Sowjets abzubauen die übrigens selbst ein schnell fortschreitendes
Modernisierungsprogramm
durchführen.
Meine Politik wird in weiterer
Modernisierung bestehen, während wir
gleichzeitig ein verifizierbares und
stabilisierendes Abkommen zur Reduzierung des strategischen Arsenals
jeder Seite um 50 Prozent verfolgen,
eingedenk der Tatsache, daß eine Reduzierung der Waffen auch eine Redu-

Meine Politik wird darin bestehen, ein tragfähiges strategisches
Abwehrsystem zu entwickeln, einen Ableger des SDI-Forschungsprogramms, um
unser Volk vor einem Angriff mit ballistischen Raketen zu schützen. Tatsache ist, daß diese Stadt, Chicago,
wie jede andere Stadt in den Vereinigten Staaten, absolut keine Verteidigung gegen einen Angriff besitzt. Selbst wenn nur eine Rakete
gegen uns abgefeuert würde, hätte der
Präsident keine andere Wahl, als zuzusehen, wie Millionen Amerikaner der
Zerstörung ausgesetzt werden - ohne
Mittel, sie zu verteidigen.
Die erste Phase einer weltraumgestützten SDI-Technologie kann jetzt
die
Versuchslabors
verlassen
und
praktisch vorgeführt werden.
Das
Problem liegt nicht bei der Technologie, die schneller vorankommt, als
sich ihre heftigsten Befürworter jemals vorgestellt haben - es sind
vielmehr die Demokraten im Kongreß,
die Verzögerungen zum Beispiel hervorrufen, indem sie die Mittel für
das
weltraumgestutzte
Abfangsystem

- 2 -

�von über 300 Millionen auf 85 Millionen Dollar kürzen und sich damit brüsten, dem "Krieg der Sterne die Sterne genommen zu haben".
Ich bin zuversichtlich, daß wir
einen besseren Weg finden können als
die gegenseitig gesicherte Zerstörung
mit all ihren zugegebenermaßen vorhandenen Schwächen.
Ich engagiere
mich für die Stationierung von SDI,
sobald es einsetzbar ist und werde
die genaue Zusamensetzung des Systems
in meiner ersten Amtszeit bestimmen,
wenn die Technologie erprobt wird.
Als Präsident werde ich kein Amerika
ohne Verteidigung gegen ballistische
Raketen zulassen.
Eben wegen der Verbreitung gefährlicher militärischer Technologien
müssen wir den Rüstungskontrollprozeß
über die enggezogenen Grenzen der Supermächte hinaus erweitern.
Länder
wie der Iran, Syrien, der Irak und
Libyen arbeiten an der Entwicklung
von Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen und bemühen sich um den
Erwerb - und in einigen Fällen um die
Herstellung - von ballistischen Raketen als deren Träger. Es beteht eine
reale Gefahr, und wir müssen jetzt
aktiv werden, wenn wir eine Katastrophe vermeiden wollen.
Wir müssen einen Anfang machen,
indem wir multinationale Programme
zur
Beschränkung
dieser
modernen
Geißeln neu beleben.
Mein Programm umfaßt eine Kampagne zum Verbot der Herstellung chemischer Waffen und zur Schaffung eines
umfassenden Verifizierungssystems zum
Schutz gegen Verletzungen.
Jeder,
der die Bilder vom Golfkrieg gesehen
hat - Bilder von Frauen und Kindern,
die durch Giftgas getötet wurden weiß, daß wir diesem schrecklichen
Übel Einhalt gebieten müssen.
Wir müssen ebenfalls mehr Druck
ausüben, um die Verbreitung von Nuklearwaffen einzudämmen.
Ich werde
mich dafür einsetzen, die weltweite
Einhaltung
des
Atomwaffensperrver-

trages sicherzustellen und die Internationale Atomenergiebehörde zu stärken.
Aber das reicht nicht aus. Wir
müssen ebenfalls der Verbreitung ballistischer Raketen und der Technologie für ballistische Raketen Einhalt
gebieten. Es gibt wenige Dinge, die
furchterregender sind als die Vorstellung, unsichere und manchmal irrationale Regime der Dritten Welt
brauchten nur einen Knopf zu drücken
und könnten schreckliche Waffen über
große Entfernungen hinweg abschießen.
Ich werde daran arbeiten, das
Kontrollsystem für Raketentechnologie
den Mechanismus, der geschaffen
wurde, um die Verbreitung der Raketentechnologie aufzuhalten - wiederzubeleben, voranzutreiben und effektiv wirken zu lassen.
Diejenigen,
die eine Teilnahme daran verweigern
oder seine Grundsätze verletzen, müssen wissen, daß sie den Preis dafür
werden zahlen müssen.
Neue Gegebenheiten erfordern eine
neue

Richtung.

Ich

möchte

einen

hochrangigen Beamten mit dem Problem
der ballistischen Raketen beauftragen
und ihm die Verantwortung übertragen,
um die notwendigen nachrichtendienstlichen, militärischen, technischen,
diplomatischen und wirtschaftlichen
Ressourcen
zusammenzutragen.
Aber
wir müssen ebenfalls mit der Realität
fertigwerden, daß ballistische Raketen schon zu weit verbreitet sind und
daß zum Beispiel bereits Israel davon
bedroht wird. Aus diesem Grunde bin
ich stolz darauf, daß wir gemeinsam
mit Israel ein System zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen (ATBM)
entwickeln - ein Zweig der SDI-Forschung - um das Land vor einem Angriff ballistischer Raketen zu schützen. Es ist eine Sache, sein Engagement für die Sicherheit Israels zu
erklären, aber wenn man sich im Zeitalter ballistischer Raketen gegen Defensivsysteme wie SDI ausspricht, hat
diese Erklärung nur geringe Bedeutung.
Der

dritte

Bestandteil

meines

�Programms ist eine Strategie, mit deren Hilfe regionale Konfliktherde, an
denen die Waffen verwendet werden
könnten, entschärft werden.
Waffen
rufen keine Kriege hervor und Rüstungskontrolle allein kann keinen
Frieden sichern. Durch Konflikte im
Nahen Osten, Südafrika, Mittelamerika
und SUdasien könnte sich Gewalt und
Zerstörung weiter ausbreiten - und
Beteiligung von außen entfachen.
Wir können und sollten mit anderen Ländernn bei der Beilegung dieser
Dispute
zusammenarbeiten.
Dennoch
gibt es letztlich keinen Ersatz für
uns, und wir müssen die FUhrungsrolle
bei der Suche nach Lösungen übernehmen, die auf dem Verhandlungswege erzielt werden.
Unsere Führungsrolle wird sich in
einem System von Strategien widerspiegeln, das sich von dem unserer
Kritiker unterscheidet, deren ständige Zurückhaltung darauf hinausläuft,
daß sie sich der Diplomatie bedienen
und sie gleichzeitig ihrer Instrumente berauben. Wir werden jedes verfügbare und angemessene politische
Instrument in ein vielseitiges Konzept integrieren. Dies bedeutet den
Einsatz von Verhandlungen, Intelligenz, wirtschaftlicher Stärke und Unterstützung,
Öffentlichkeitsarbeit
und sogar militärischer Macht.
So ist zum Beispiel die Entsendung unserer Flotte in den Persischen
Golf, unterstützt von fünf europäischen Seestreitkräften, keine militärische Lösung, wir gelegentlich von
denjenigen mit einem begrenzten aussenpolitischen Blickwinkel behauptet
wird.
Wir setzen vielmehr militärische Macht ein, um unsere Fähigkeit
zur Erlangung zufriedenstellender politischer Ergebnisse zu verbessern.
Und Sie können versichert sein, daß
die amerikanische Militärpräsenz im
Golf, unsere Bereitschaft zu deren
Einsatz sowie unsere Weigerung, sich
der Gewalt zu beugen, die iranische
Führung ernüchtert und zu den Bedingungen beigetragen haben, die nun
endlich das Ende des Golfkriegs in

greifbare Nähe gerückt zu haben
scheinen. Vor den Vereinten Nationen
habe ich den Iranern vor nicht allzu
langer Zeit in deutlichen Worten gesagt, was für den weiteren Verlauf
des
Friedensprozesses
erforderlich
sei - und nun ist es Wirklichkeit geworden.
Das vierte Element besteht darin,
die demokratische Revolution weiterzuverbreiten und ihr Auftrieb zu verleihen.
Vielerorts auf der Welt
leuchtet ihr Licht hell, aber zahlreiche andere Regionen bleiben im
Dunkeln. Aus Erfahrung wissen wir,
daß der Weg zur Demokratie von Rückschlägen, aber dennoch von ständigem
Fortschritt gekennzeichnet ist. Die
Förderung der Freiheit und die Befreiung anderer Nationen aus der inneren wie äußeren Unterdrückung stehen an oberster Stelle unserer Vorsätze. Ferner müssen wir die echten
Freiheitskämpfer unterstützen und den
aufstrebenden Demokratien beistehen.
Und bei alledem dürfen unsere Aktionen nicht das helle Licht des traditionsreichen amerikanischen Experiments und Beispiels verdunkeln. Wir
sind das Leuchtfeuer auf dem Hügel.
Letzten Endes hängt die Demokratie
vom Innersten eines Volkes ab, und
das amerikanische Leuchtfeuer kann
nur dann Soweit in die Ferne reichen,
wenn wir es stark und hell leuchten
lassen.
Der fünfte Punkt meines Programms
ist ein internationales Bündnis gegen
die Geißeln Drogen und Terrorismus.
Wir sehen uns mit hochentwickelten
Banden des Todes konfrontiert, die
teils gemeinsam und teils unabhängig
voneinander operieren.
Im Kern ist
dies ein Krieg gegen die Menschheit,
der jung und alt vernichtet. Um so
effektiv wie möglich vorgehen zu können, müssen wir unseren Zorn in einen
breitangelegten
Gegenschlag
münden
lassen und gemeinsam mit anderen Nationen von einer soliden Grundlage
aus diese Übel bekämpfen. Dies bedeutet zusätzliche Unterstützung bei
der Beschaffung von Nachrichten, Vernichtung der Nachschubs und der Ur-

�Sachen, Abfangen der Drogenschmuggler
und Händler und unverzügliche juristische Maßnahmen im Gefolge.
Insbesondere im Bereich der Drogen werden
wir niemals gewinnen, solange nicht
das gesamte amerikanische Volk das
wahre Gesicht des Feindes erkennt durch Ausbildung, Vorbeugen, Behandlung und - vor allem - eine neue Einstellung der Öffentlichkeit, die Drogen nicht duldet.
Das sechste Element ist die Weltwirtschaft - ein Faktor von zunehmender Bedeutung in unseren internationalen Beziehungen.
Unsere in den
vergangenen acht Jahren geleistete
Arbeit hat zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft nach 1945 beigetragen.
Wir haben die Welt erneut in Wohlstand geführt, sowohl durch unsere
wirtschaftliche Gesundung im eigenen
Land als auch ein Netz von Initiativen, das die Weltwirtschaft umspannt.

ger Steuern, Deregulierung und Unternehmertum stützt. Dies ist der einzig
realistische
Ansatz, um den
Schuldnerländern bei der Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften behilflich zu sein, damit sie langfristige Investitionen aufnehmen können.
Siebtens und letztens muß jede
erfolgreiche amerikanische Außenpolitik sich auf Unterstützung im Inland
gründen, und zwar wirtschaftlich wie
auch politisch. Unseren wohlhabenden
Nationen könnte es noch besser gehen.
Wir können eine neue Ära der Leistung
hervorbringen - von der Regierung unterstützt und nicht diktiert - durch
niedrige Steuern, Chancen für die Unternehmer und kleinen Geschäftsleute
mit hochfliegenden Ideen, einer dezentralisierten Regierung, die Experimentierfreude ermutigt, einem guten, breitgefächerten Ausbildungssystem und Vertrauen in die Märkte.

Mein Programm würde diese neue,
hochentwickelte amerikanische Führung
den modernen Zeiten anpassen und darauf aufbauen. Eine der ersten Prioritäten der Bush-Administration wird
sein, auf das amerikanisch-kanadische
Freihandelsabkommen aufzubauen, indem
wir den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen auf der ganzen Welt mit
Vehemenz vorantreiben.
Wir werden
auf den Westen blicken, auf unsere
Verbündeten in der Europäischen Gemeinschaft - und sie davon überzeugen, daß der für 1992 geplante Europäische Binnenmarkt auch seinen Weg
über den Nordatlantik finden sollte.
Wir werden nach Osten blicken, nach
Japan und den aufstrebenden Volkswirtschaften im Pazifischen Becken
und sie in ein neues Wirtschaftssystem integrieren, das sich eher auf
Kooperation als auf Handelskriege
gründet. Wir werden nach Süden blikken, um mit Mexiko eine homogene
wirtschaftiche Einheit zu schmieden,
die für die besonderen Bedürfnisse
und Belange ihrer Völker empfänglich
ist. Gleichzeitig werden wir weiterhin an dem Programm für anhaltendes
Wachstum weiterarbeiten - das sich
auf das amerikanische Modell niedri- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VOM

Wirtschaft

«*

10. August 1988

29

WAS STEHT IM NEUEN HANDELSGESETZ?
- Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz

WASHINGTON - (AD) - Mit dem vom amerikanischen Kongreß am 3. August 1988
verabschiedeten 1 128 Seiten umfassenden Handelsgesetz wurde die radikalste
Reform der amerikanischen Handelspolitik durchgeführt, die jemals stattgefunden hat.
Nachfolgend
Gesetzes:

veröffentlichen

wir

einige

Verhandlungsbefugnis
- Der Präsident ist bis einschließlich 31. Mai 1993 berechtigt,
Verhandlungen über bilaterale und
multilaterale Handelsabkommen zu
führen, einschließlich
der aus
der Uruguay-Runde hervorgehenden.

der

wichtigsten

Bestimmungen

des

bezieht sich auf den Zeitraum bis
zum 31. Mai 1991, mit einer Verlängerung bis zum 31. Mai 1993,
wenn der Präsident eine Verlängerung beantragt oder wenn entweder
Repräsentantenhaus oder Senat das
Gesetz ausdrücklich ablehnen.

- Der Präsident ist generell berechtigt, Zölle ohne die Zustimmung des Kongresses um bis zu 50
Prozent zu senken.

Der Kongreß kann den "schnellsten
Weg" immer dann aufheben, wenn
beide Häuser innerhalb von 60 Tagen Resolutionen zur "Abkehr vom
schnellsten Weg" verabschieden.

- Der Kongreß muß gesetzliche Bestimmungen
berücksichtigen,
im
Rahmen derer Handelsabkommen "auf
dem schnellsten Wege" durchzuführen sind, das heißt, innerhalb
vorgeschriebener Fristen und ohne
Abänderung. Der "schnellste Weg"

Die Vereinigten
Staaten
würden
die Beteiligung
von Staatshandelsländern wie der Sowjetunion
am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) effektiv verhindern, wenn diese nicht dem Handel
auf marktwirtschaftlicher
Grund-

United States Information Service
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�läge zustimmen.
- Der Präsident muß im Rahmen von
Verhandlungen über Handelsabkommen mit einem Land, daß seine
Währung manipuliert, mit diesem
Land auch Verhandlungen über den
Wechselkurs aufnehmen.

Das System der Harmonisierung
Mit Wirkung vom 1. Januar 1989
werden sich die Vereinigten Staaten
am Harmonisierten System, einem einheitlichen
weltweiten
System
zur
Klassifizierung von Zoll en auf Handelsgütern, betei ligen.
Nahezu alle
Handelspartner de r Vereinigten Staaten haben dieses System vor einem
Jahr eingeführt.

Reaktion auf unfaire Handelspraktiken (Abschnitt 301)
(Abschnitt 301 des Handelsgesetzes von 1974 gestattet dem Präsidenten den Einsatz von Zöllen und Quotierungen
als
Vergeltungsmaßnahmen
gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder.)
- Nach dem neuen Handelsgesetz geht
die
Entscheidungsbefugnis
über
unfaire Handelspraktiken vom Präsidenten auf das Büro des Amerikanischen
Handelsbeauftragten
(USTR) über, wenn der Präsident
dies verfügt. Durch die verbesserte Stellung des USTR als federführender
Behörde hofft der
Kongreß, die Handelspolitik von
der Außen- und Verteidigungspolitik und anderen Überlegungen abzukoppeln.
- Gemäß
einer
Zusatzbestimmung
("Super 301") muß der USTR muß
1989 und 1990 eine Reihe von Fällen
unfairer
Handelspraktiken
aufgreifen.
Zunächst sind vom
USTR die unfairen Handelshemmnisse zu bestimmen, deren Abschaffung
amerikanische
Exporte
am
meisten begünstigen würden. Dann

müssen den Ländern je nach Umfang
und Intensität der unfairen Handelspraktiken
Prioritäten
zugewiesen werden.
Schließlich muß
sich der USTR im Zeitraum von
drei Jahren um Verhandlungen zur
Abschaffung der unfairen Praktiken dieser
Länder bemühen und
wenn diese Bemühungen erfolglos
bleiben eine Überprüfung vornehmen, die in Vergeltungsmaßnahmen
münden könnte.
- Bei der Verletzung von Handelsabkommen oder internationalen Gesetzen sind Vergeltungsmaßnmahmen
für "ungerechtfertigte" Handelspraktiken zwingend erforderlich,
außer bei fünf eindeutig definierten
Ausnahmen:
wenn
eine
GATT-Kommission entscheidet, daß
den
Vereinigten
Staaten
keine
Nachteile entstanden sind; wenn
die ausländische Regierung einer
Abschaffung
der
Praktiken
zustimmt; wenn die ausländische Regierung
den Vereinigten
Staten
eine Entschädigung gewähren will;
wenn
Vergeltungsmaßnahmen
den
Vereinigten
Staaten mehr wirtschaftliche Nachteile als Vorteile bringen oder wenn Vergeltungsmaßnahmen die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden.
- Vergeltungsmaßnahmen bleiben "unzumutbaren"
Praktiken
vorbehalten, die nicht unbedingt illegal,
aber dennoch unfair sind sowie
"diskriminierenden"
Praktiken,
die keine Gleichbehandlung amerikanischer Waren, Dienstleistungen
und Investitionen gewährleisten.
- In die Liste "unzumutbarer" Handelspraktiken sind gezielte Exportoffensiven, Verweigerung von
Rechten für Arbeitnehmer und ausländische Kartelle neu aufgenommen
worden.
Exportoffensiven
sind koordinierte staatliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wettbewerbs im Export.
Zu den Rechten für Arbeitnehmer gehören Versammlungsfreiheit,
das
Recht,
sich zu organisieren und Tarif-

�Nach zwei Jahren kann der Präsident die Unterstützugnsmaßnahmen
abändern oder aufheben, wenn bei
dem Industriezweig keine Anpassungsprozesse
stattfinden.
Hilfsmaßnahmen können nicht länger als acht Jahre gewährt werden.

Verhandlungen zu führen, der Verzicht auf Zwangsarbeit, ein Mindestalter
bei der
Kinderarbeit
und Vorgaben
für Mindestlöhne,
Arbeitszeit
und Sicherheit und
Gesundheit am Arbeitsplatz. Ausländische Kartelle sind staatlich
kontrollierte Betriebe, die den
Erwerb amerikanischer Waren beschränken.

Zusätzlich zu den Zöllen und Quoten kann der Präsident als Hilfsmaßnahmen Verhandlungen auf internationaler Ebene, versteigerte
Quoten und andere in seiner Macht
stehende Maßnahmen anbieten.

Vergeltungsmaßnahmen
können
bei
Aufgabe
der
unfairen
Praktiken
verändert oder eingestellt werden. Nach vier Jahren werden sie
automatisch eingestellt.
Der USTR unterliegt bei der Überprüfung unfairer Handelspraktiken
neuen zeitlichen Beschränkungen.
Er muß bestimmen, ob eine Handelspraxis unfair ist und entscheiden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind - innerhalb von 12
Monaten bei Fällen von Subventionen und Fällen, die von keinem
Handelsabkommen abgedeckt werden
und innerhalb von 18 Monaten bei
Fällen, die keine
Subventionen
betreffen und unter das Handelsabkommen fallen.
Der USTR muß
daraufhin alle beschlossenen Maßnahmen - mit bestimmten Ausnahmen
- innerhalb von 30 Tagen durchführen.

Das Gesetz verfügt für den Notfall Hilfen für verderbliche Agrarprodukte und - bei "wichtigen
Umständen" - für jeden betroffenen Industriezweig (wenn Importwellen über einen kurzen Zeitraum
erfolgen).

Dumping und Subventionen
(Anti-Dumping-Gesetze gelten für
Waren, die unter ihrem eigentlichen
Wert verkauft werden, unter
ihren
Produktionskosten
oder
unter
dem
Preis in ihrem Ursprungsland oder in
einem Drittland.
Gesetze über Ausgleichszölle beziehen sich auf unfaire staatliche Subventionen).

Kompensation für Importe
(Abschnitt 201)
(Nach den gültigen Gesetzen kann
jeder
amerikanische
Industriezweig,
der durch eine Importwelle geschädigt
wird, vorübergehende
Zölle, Quoten
und Hilfen für handelsbedingte Anpassungsprozesse
verlangen, auch wenn
der Handel im Hinblick auf die Importe fair abläuft.
- Nach dem neuen Handelsgesetz unterliegt ein Industriezweig zum
ersten Mal der Beweispflicht, daß
Hilfe gemäß Abschnitt 201 für ihn
"positive Anpassungsprozesse" bedeutet und er dadurch konkurrenzfähiger oder produktiver wird.
- 3 -

- In einem internationalen Konsortium wie der Europäischen AirbusIndustrie finden sowohl die direkten Subventionen als auch die
Subventionen jedes einzelnen Landes bei der Berechnung der Ausgleichzölle Eingang in das neue
Handelsgesetz.
- Bei Fällen von Dumping sieht das
Gesetz eine Methode zur Berechnung des Marktwertes von Waren
aus
nicht
marktwirtschaftlich
orientierten
Volkswirtschaften
vor.
- Es sieht neue Verfahren für die
Anwendung von Anti-Dumping-Gesetzen bei Dumping in Drittlänern
vor.

�- Es erfordert verschärfte AntiDumping-Untersuchungen über kurzlebige Produkte in Wiederholungsfällen (bei mehr als zwei Verstößen in acht Jahren).
- Das Gesetz kann die Umgehung von
Anti-Dumping Gesetzen und Gesetzen
über
Ausgleichzölle
durch
Endmontage oder Fertigstellungsverfahren
in
den
Vereinigten
Staaten
oder
Drittländern
und
durch geringfügige Veränderungen
von Produkten besser verhindern.
- Das Gesetz sieht die Überwachung
von Täuschungen beim Dumping vor
- den Import von Materialien und
Teilen zur Umgehung von Zöllen
auf zu Dumpingpreisen verkauften
Waren.
- Um die Umgehung des Abkommens zur
freiwilligen
Beschränkung
(VRA)
von Stahlimporten
in die Vereinigten Staaten zu verhindern,
gestattet das Gesetz Beschränkungen auf Stahlimporte aus Ländern,
die sich nicht an das VRA halten,
wenn der Stahl in einem Land, das
die VRA anerkennt, geschmolzen
und gegossen wurde.

Das Recht auf geistiges Eigentum
- Das neue Gesetz verlangt, daß der
USTR Länder auflistet, die amerikanische Patente, Copyrights und
Marken nicht angemessen schützen
und in den schlimmsten Fällen Untersuchungen wegen unfairer Handelspraktiken einleitet.
- Um einen Importstopp herbeizuführen, unterliegt ein Unternehmen
nicht mehr der Beweispflicht über
entstandene wirtschaftliche Nachteile,
sondern
lediglich
über
eine Patentverletzung.
- Ein
heimischer
Produzent
kann
nicht
nur
Importbeschränkungen
verlangen, sondern auch eine Wiedergutmachung des ihm durch die
illegale Verwendung seiner paten- 4

tierten
Verfahren
Schadens.

entstandenen

Telekommunikation
- Binnen fünf Monaten muß der USTR
die Länder
der Priorität nach
prüfen, die ihre Märkte gegen
amerikanische TelekommunikationsImporte abschotten.
- Sollte es dem USTR nicht gelingen, mit einem Land binnen einer
bestimmten Frist (18 Monaten bis
zu dreieinhalb Jahren, je nach
Fortschritt
der
Verhandlungen)
eine Beendigung dieser unfairen
Praktiken auszuhandeln, ist der
Präsident aufgefordert, aus einer
umfangreichen Liste Vergeltungsmaßnahmen zu verhängen.

Sanktionen gegen Toshiba und
Kongsberg
- Als Reaktion auf den illegalen
Verkauf von Technologie an die
sowjetische Marine verbietet das
Gesetz der Toshiba Corporation in
Japan und der Kongsberg Vaapenfabrikk in Norwegen drei Jahre
lang den Verkauf von Produkten an
die amerikanische Regierung, mit
begrenzter
Ausnahme
von
militärisch anwendbaren Produkten und
handelsüblichen Ersatzteilen, die
anderweitig nicht verfügbar sind.
- Die
Tochtergesellschaften
von
Toshiba und Kongsberg sind für
den illegalen Verkauf direkt verantwortlich und es ist ihnen drei
Jahre lang untersagt, Produkte in
den Vereinigten Staaten zu verkaufen.
- Das Gesetz sieht obligatorische
Importverbote von zwei bis fünf
Jahren für ausländische Unternehmen vor, die in Zukunft internationale Exportkontrollen verletzen.

�Reform der Exportkontrolle
(Der
Koordinierungsausschub
für
Ost-West-Handel [COCOM], der sich aus
Japan und allen Mitgliedsstaaten der
NATO außer Island zusammensetzt, versucht zu verhindern, daß militärisch
anwendbare westliche Technologie die
Länder des Ostblocks erreicht).
- Das Handelsgesetz hebt Ausfuhrgenehmigungen in COCOM-Länder für
Produkte auf, deren Export in die
Volksrepublik China derzeit gestattet ist.
- Nach dem Gesetz sind für diejenigen COCOM-Länder, die erwiesenermaßen
über wirksame Exportkontrollsysteme verfügen, keinerlei
Genehmigungsverfahren mehr erforderlich. Der Präsident muß diese
Länder binnen drei Monaten benennen.
- Für die Wiederausfuhr von Produkten durch COCOM-Länder sind amerikanische
Genehmigungen
nicht
länger
erforderlich.
Für alle
anderen Länder werden Genehmigungen nicht mehr benötigt, wenn
amerikanische Bauteile und Komponenten 25 Prozent oder weniger
von im Ausland hergestellten Produkten ausmachen.
- Länge und Umfang der amerikanischen Exportkontroll-Liste wird
durch die Streichung von Niedrigtechnologie-Produkten
gekürzt.
Das Handelsgesetz hebt einseitige
Kontrollen im Bereich der nationalen Sicherheit mit Ausnahme der
Produkte auf, die ausschließlich
in den Vereinigten Staaten hergestellt werden oder den COCOM-Verhandlungen unterliegen.

Agrarsektor
- Mit dem Handelsgesetz wird das
Exportsteigerungsprogramm
des
amer ikanischen Landwirtschaftsministeriums
(USDA) bis zum Jahr
1990 verlängert, das einen Bonus
- 5 -

an Uberschußgütern für Exporteure
vorsieht, um amerikanische Agrarexporte auf Drittmärkten konkurrenzfähiger gegenüber subventionierten Erzeugnissen zu machen,
insbesondere solchen aus der Europäischen
Gemeinschaft.
Die
Obergrenze der Ausgaben wird von
1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden
Dollar angehoben.
Die Finanzierung
des gezielten
Exportförderungsprogramms
des
USDA wird für 1988 von 110 Millionen Dollar auf 215 Millionen
Dollar
aufgestockt.
In dieser
Summe sind Finanzmittel oder Erzeugnisse
zur
Markterschließung
und -förderung für Vereinigungen
amerikanischer
Produzenten
und
der
weiterverarbeitenden
Industrie enthalten.
Das Gesetz
führt ein Programm
"zur automatischen Einführung von
Vertriebskrediten" für bestimmte
Handelsgüter
ein.
Sollten
die
Agrarverhandlungen des GATT bis
zum 1. Januar 1990 keine entscheidenden Fortschritte beim Abbau von Agrarsubventionen erzielen,
würden
automatisch
Vertriebsanleihen für die Ernten von
Weizen, Futtergetreide und Sojabohnen des Jahres 1990 in die Wege geleitet, es sei denn, der
Präsident
erklärt, solche
Programme seien weiteren Verhandlungen abträglich.
Wenn das Programm durchgeführt wird, muß das
USDA auch ein Preisstützungsprogramm für die Ernten von Sonnenblumenkernen
und
Baumwollsamen
des Jahres 1990 verabschieden.
Sollte das USDA feststellen, daß
andere
Länder
amerikanische
Fleischimporte
durch
unfaire
Prüfnormen verhindern, ermächtigt
das
Gesetz
den
Präsidenten,
Fleischimporte aus diesen Ländern
zu untersagen.
Um die Effektivität von Marktordnungen nicht durch Importe zu gefährden, kann das USDA Marktord-

�nungen für bestimmte Erzeugnisse
um 35 Tage verlängern.
Das Gesetz definiert HoJ.z und
Holzprodukte als Agrargüter, wodurch sie in Markterschließungsprogrammen und Programmen für Exportkreditgarantien
eingesetzt
werden können.

rung aus einen Land, das amerikanischen Unternehmen nicht die
gleichen Rechte gewährt.
Diese
Bestimmung betrifft insbesondere
Japan und tritt nach einem Jahr
in Kraft, womit anderen Ländern
Zeit eingeräumt wird, ihr jeweiliges System zu ändern.
Die
strengen
Bestimmungen
der
amerikanischen
Bundesbank
für
bankeigene Exporthandelsunternehmen werden gelockert.

AuslandsInvestitionen
- Im Rahmen des Exon-Florio-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz
ist
der
Präsident
ermächtigt,
die
Übernahme oder Fusion eines amerikanischen durch oder mit einem
ausländischen unternehmen zu unterbinden, falls ein solches Vorgehen eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellt.

Internationales Finanzwesen
- Aufgrund des Gesetzes sind die
Vereinigten Staaten verpfichtet,
auf multilateraler Ebene mit den
anderen führenden Industrienationen Verhandlungen zur Verbesserung des Gleichgewichts im Welthandel und der Wechselkursstabilität durch bessere Koordinierung
makroökonomischer
Maßnahmen
zu
führen.
- Das amerikanische Finanzministerium ist aufgefordert, bilaterale
Verhandlungen mit den Ländern in
die Wege zu leiten, die gegenüber
den Vereinigten Staaten zum Teil
durch Manipulation ihrer Währungen entstandene Handelsüberschüsse haben. Diese Bestimmung gilt
für Südkorea, Taiwan und Hongkong
und hebt Verhandlungen aus Gründen der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit auf.
- Das Gesetz untersagt der Bundesbank (Federal Reserve) die Lizenzerteilung
an jedes ausländische Unternehmen als Haupthändler (primary dealer) von Wertpapieren der amerikanischen Regie- 6

Verschuldung der Dritten Welt
- Aufgrund des Gesetzes ist das Finanzministerium verpflichtet, mit
anderen Ländern die Gründung einer Einrichtung zur Bewältigung
der internationalen Verschuldung
zu erörtern, die als Mittlerinstitution
zwischen
Privatbanken
und
den
Schuldnerländern
der
Dritten Welt dient.
- Sollte
das
Finanzministerium
feststellen, daß eine solche Diskussion Gefahr läuft, den schuldenwert zu verringern, den Schuldendienst
zu unterbrechen oder
Zahlungsverzug zur Folge zu haben, braucht das Finanzministerium dem Kongreß nach sechs Monaten oder einem Jahr nur einen Bericht zu diesem Problem vorzulegen.
- Das
Finanzministerium
muß
die
Möglichkeit einer einmaligen Ausgabe
von
Sonderziehungsrechten
(SDR) durch den Internationalen
Währungsfonds (IWF) zur Verringerung der
Schulden der ärmsten
Länder prüfen.

Zweckgebundene Entwicklungshilfeprogramme
(Zweckgebundenen Entwicklungshilfe ist eine Form der Auslandshilfe,
die Finanzhilfe mit Exportfinanzierung kombiniert).

�- Das Gesetz überträgt die Hauptverantwortung für zweckgebundene
Entwicklungshilfe von der amerikanischen Behörde für internationale Entwicklung (A.I.D.) auf das
internationale Handels- und Entwicklungsprogramm der Behörde für
Internationale EntwicklungsZusammenarbeit (TDP) . Es hält die bestehende Verfügung
jedoch aufrecht, daß jeglicher Einsatz von
zweckgebundenen
Entwicklungshilfefonds der einstimmigen Genehmigung des Nationalen Beirats bedarf.
- Die "Kriegskasse" der Export-Import-Bank wird durch das Gesetz
bis
1989
aufgestockt.
Diese
"Kriegskasse" wurde eingerichtet,
um die Verwendung von zweckgebundener Entwicklungshilfe durch andere Länder - insbesondere Frankreich - als Mittel zur Erschliessung ausländischer Märkte zu bekämpfen.

- Das Verkehrsministerium muß den
Zeitraum, in dem es zu Beschwerden
amerikanischer
Luftfahrtgesellschaften
gegen
diskriminierende Praktiken anderer
Länder
oder Fluggesellschaften Stellung
zu nehmen hat, von sechs auf drei
Monate verringern.

Exportförderung
- Die ursprünglich
auf Anordnung
des Präsidenten im Jahr 1980 als
Teil der Internationalen Handelsbehörde
im
Handelsministerium
eingerichtete Behörde für Binnenund Außenhandel (U.S. and Foreign
Commercial
Service) wird
durch
das Handelsgesetz zu einer Dauereinrichtung.
- Das Gesetz verlangt, daß der Handelsminister
den
amerikanischen
Direktoren
multilateraler
Entwicklungsbanken Beamte beiordnet.
Diese
Beamten
sollen
amerikanische Exporte fördern.

See- und Luftverkehr
- Der
Bundes-Schiffahrtskommission
(FMC) ist es gestattet, Vergeltungsmaßnahmen gegen ein anderes
Land zu ergreifen, das unfair den
Zugang
für amerikanischen
Seetransportgesellschaften
(im Gegensatz
zu
Massengutfrachtern)
einschränkt, jedoch nur, wenn die
Vereinigten Staaten den Schiffen
dieses Landes keine entsprechenden
Restriktionen
auferlegen.
Vergeltungsmaßnahmen
können
Begrenzung der Schiffahrt, Aufhebung von Zoll- und anderen Abkommen sowie eine Gebühr von bis zu
1 Million Dollar pro Fahrt beinhalten. Der Präsident kann solche Vergeltungsmaßnahmen aufheben.
- Das Handelsgesetz gestattet der
FMC,
selbständig
Überprüfungen
vorzunehmen und verpflichtet das
FMC zur abschließenden Überprüfung und Vorlage einer Entscheidung binnen vier Monaten.
- 7

- Das Handelsministerium wird ermächtigt, ein Programm zur Erschließung
ausländischer
Märkte
für nichtlandwirtschaftliche amerikanische Produkte einzurichten
(das
Landwirtschaftsministerium
unterhält gegenwärtig ein solches
Programm für landwirtschaftliche
Produkte).
Es erhält die Vollmacht, in den Vereinigten Staaten
auf
ausländische
Käufer
ausgerichtete Messen und Ausstellungen
zu fördern.
- Das Gesetz schafft eine dem Handelsministerium
eingegliederte
Nationale
Handelsdatenbank,
um
Daten
zur
Exportförderung
und
über
die
internationale
Wirtschaft bereitzustellen.

Exportsteigerung
- Das auf Anordnung des Präsidenten
zur Förderung amerikanischer Exporte zugunsten von Entwicklungs-

�Projekten im Ausland ins Leben
gerufene
Handels- und
Entwicklungsprogramm
(TDP) der Behörde
für Internationale Entwicklungszusammenarbeit
wird
durch
das
Handelsgesetz zu einer dauernden
Einrichtung.
Die
kumulative
Obergrenze
für
Kreditgarantien der Gesellschaft
für
Private
Investitionen
in
Übersee (einer Regierungsbehörde,
die Kredite, Kreditgarantien und
eine
Versicherung
gegen
politische Risiken an amerikanische
Firmen vergibt, die in Entwicklungsländern
investieren)
wird
von 750 Millionen auf 1 Milliarde
Dollar erhöht. Die jährliche Untergrenze
für
Kreditgarantien
wird von 150 auf 200 Millionen
Dollar angehoben.
Die jährliche
Untergrenze für Direktkredite erhöht sich von 15 auf 25 Millionen
Dollar.
Das Ministerium
für Gesundheit
und Soziales ist dem Gesetz zufolge verpflichtet, mit Ländern,
die Nahrungsmittel in die Vereinigten
Staaten
exportieren,
Vereinbarungen über die Lieferung
von Informationen bezüglich der
Anwendung
von Pestiziden anzustreben.

Hilfen für handelsbedingte
Anpassungsprozesse (TAA)
(Das TAA-Programm gewährt Arbeitnehmern, die aufgrund verstärkter Importe ihren Arbeitsplatz verloren haben,
Arbeitslosengeld
und
Umschulungshilfen.)
- Das TAA-Programm wird um zwei
Jahre bis zum 30. September 1993
verlängert und auf Beschäftigte
der
öl- und Gasindustrie
sowie
"Zulieferarbeitskräfte", die von
Importen geschädigten Primärindustrien Waren und Dienstleistungen
liefern, ausgedehnt.

Während es gegenwärtig nur im
Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel in Anspruch genommen
werden kann, wird das Umschulungsprogramm des TAA dem neuen
Handelsgesetz zufolge jedem Arbeitnehmer zustehen, der die Bedingungen erfüllt.
Der Präsident wird aufgefordert,
mit dem GATT Verhandlungen über
die Einführung einer Importgebühr
von 0,15 Prozent aufzunehmen, die
für
das TAA-Programm
verwendet
werden soll.
Sollten diese Verhandlungen
scheitern, steht es
dem Präsidenten frei, die Gebühr
trotzdem einzuführen.

Umschulung und Weiterbildung von
Arbeitnehmern
- Das Gesetz genehmigt die Vergabe
von 980 Millionen Dollar im Jahr
1989, dem ersten Jahr eines Neuorientierungsprogramms
für
Arbeitnehmer,
das
umfassende
Dienstleistungen für "umgesetzte
Arbeitnehmer"
bereitstellt,
die
ihren Arbeitsplatz verloren haben.
- Es bewilligt ferner Ausgaben für
mehrere neue Programme, die auf
die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Arbeitnehmer durch Verbesserung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten abzielen. Dazu gehören drei Alphabetisierungsprogramme sowie Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Maschinenbau,
EDV
und
grundlegendem
Allgemeinwissen, wie es an einer
High School vermittelt wird.

Technologische Wettbewerbsfähigkeit
- Kraft dieses Gesetzes wird das
Nationale Büro für Normen im Handelsministerium in Nationales Institut für Normen und Technologie
(NIST) umbenannt und dessen Zuständigkeitsbereich
erweitert.
Es wird somit zur führenden Re-

�gierungsbehörde bei der Entwicklung von Technologien, mit deren
Hilfe die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Industrieerzeugnisse
verbessert
werden sollen.
- Es autorisiert die Vergabe von 5
Millionen Dollar zur Gründung von
zwei oder drei regionalen Zentren
für den Transfer von im Rahmen
des NIST entwickelter Technologie
an kleine und mittlere Unternehmen, wobei der Schwerpunkt auf
automatisierter Herstellung liegt.
- Das NIST soll technische Unterstützung für staatliche Programme
leisten sowie ein Programm zur
Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie bei der
Entwicklung moderner Technologien
ins Leben rufen und gemeinsame
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme ermutigen.
- Das Gesetz etabliert eine Politik
zur
Aushandlung
internationaler
Vereinbarungen, um in den Vereinigten Staaten ansässigen Personen
Zugang
zu
ausländischen
Forschungsmöglichkeiten
in
demselben Ausmaß zu garantieren, wie
er Ausländern in den Vereinigten
Staaten gewährt wird. Das Außenministerium ist gehalten, jedes
Jahr einen Bericht über "symmetrischen Zugang" mit den Haupthandelspartnern zu erstellen.

Sonstige Vorschriften
- Die
im Jahr
1980
eingeführte
Steuer
auf unerwartete
Gewinne
(windfall profits) bei heimischem
Rohöl wird abgeschafft.
- Das Gesetz verringert den Zeitraum, in dem das Handelsministerium mitteilen muß, ob ein importiertes Produkt die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten
gefährdet, von einem Jahr auf 270
Tage.

- 9 -

- Gemäß dem "Buy American Act" wird
es der amerikanischen Regierung
untersagt, Waren und Dienstleistungen von Firmen
in solchen
Ländern zu erwerben, die amerikanischen Firmen nicht dieselben
Möglichkeiten
einräumen.
Diese
Vorschrift betrifft nicht die "am
wenigsten entwickelten" Staaten.
Unter gewissen Umständen kann der
Präsident diese Bestimmung außer
Kraft setzen.
- Einige Bestimmungen des Gesetzes
über Ausländische Korrupte Praktiken werden gelockert. Dem bestehenden Gesetz zufolge können
Angehörige amerikanischer Unternehmen belangt werden, wenn sie
"Grund zur Annahme" haben, daß
durch
Dritte
Bestechungsgelder
oder andere nicht zulässige Zahlungen an ausländische Beamte geflossen sind.
Dem neuen Gesetz
zufolge
könnten diese Personen
nur für das "Wissen" um solche
Gesetzesbrüche
belangt
werden.
Normen im Hinblick auf die Verantwortlichkeit bei direkten Zahlungen
an
ausländische
Beamte
bleiben demgegenüber unverändert
bestehen.
- Ein Rat über Maßnahmen zur Wettbewerbsfähigkeit wird eingerichtet, der Empfehlungen zur Verbesserung der industriellen Produktivität und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten
ausarbeiten
soll.
Der
Rat wird für die Jahre 1989 und
1990 jeweils mit 5 Millionen Dollar ausgestattet.
- Das Außenhandelsbüro der Behörde
zur Förderung kleiner und mittlerer
Unternehmen wird
erweitert
und ermächtigt, zusätzliche Mittel für die Förderung von Exporten dieser unternehmen auszugeben.
- Ein Verbot der Einfuhr sowjetischer Felle wird aufgehoben.
- Mit der Initiative
bische Becken wird

für das Karider Präsident

�ermächtigt,
bestimmter
auszusetzen
anstatt ihn
gänzlich von
schließen.

die Zollfreistellung
Posten
aufzuheben,
oder
zu begrenzen,
zu zwingen, ein Land
dem Programm auszu-

- Die Vereinigten Staaten werden
ermächtigt, das Nairobi-Protokoll
zum Florenzer Abkommen umzusetzen, das die Zollfreistellung für
nicht auf Gewinn gerichtete Materialien für Bildung, Wissenschaft
und Kultur gestattet.
- Die Vereinigten
Staaten werden
ermächtigt, Zollsenkungen durchzuführen, um die Vereinbarung zur
Beendigung
ihrer
langwierigen
Auseinandersetzung mit der Europäischen
Gemeinschaft über den
Handel
mit
Zitrusfrüchten
und
Teigwaren zu erfüllen.
- Die Vereinigten
Staaten werden
ermächtigt, ihre Beteiligung am
Internationalen
Kaffeeabkommen
bis zum 30. September 1989 zu
verlängern.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

4

VON

29

10. August 1988

AIDS-SEUCHE HEMMT ENTWICKLUNGSPOLITIK
- Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe -

- WASHINGTON - (AD) - "Viele Fortschritte, die in Entwicklungsländern in
den letzten Jahren erzielt wurden, können durch die AIDS-Epidemie gefährdet
oder sogar zunichte gemacht werden", befürchtet Bradford Langmaid, Mitarbeiter
des amerikanischen Bundesamtes für Internationale Entwicklung (A.I.D.). Bei
Anhörungen vor einem Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses begründete er dies mit dem Hinweis, daß, weltweit gesehen, 75 bis 90 Prozent der HIV
(Immunschwächevirus)-Infizierten und der bereits manifest gewordenen AIDS-Fälle unter Personen der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren diagnostiziert wurden.
So erwiesen sich beispielsweise bei Untersuchungen von männlichen Facharbeitern in einer Bergarbeiterstadt Zentralafrikas im Jahr 1986 69 Prozent als
HIV-positiv.
Die Situation in den Städten vieler Entwicklungsländer sei kritisch,
sagte Langmaid.
Gleichzeitig fehle
es auf dem Lande in abgelegenen Gebieten an Arbeitskräften - dort seien
oft nur noch Kinder und alte Leute zu
finden. Als hoffnungsvolles Zeichen
sei jedoch zu werten, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit von AIDS auf
dem Lande viel geringer zu sein
scheine als in Städten. Wenn es gelänge, diesen Trend zu erhalten,
dürfte auch die Nahrungsmittelproduktion nicht zu stark gefährdet sein.
Glücklicherweise werde sich die Bevölkerung in manchen afrikanischen
Ländern, u.a. in Ruanda und Uganda,
der Gefahren durch AIDS immer mehr
bewußt.
Welche

Art

von

Schwierigkeiten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

aber zu erwarten sind, wenn dies
nicht der Fall ist, beschreibt der
vor kurzem veröffentlichte A.I.D.-Bericht zum Problem AIDS. Darin heißt
es u.a.:
- "Impfprogramme, die jährlich Millionen von Kindern das Leben retten, sind bedroht, weil die Menschen den Gebrauch von Spritzen
mit AIDS in Verbindung bringen."
Obgleich keine Beweise dafür vorlägen, daß HIV durch Verwendung
nichtsteriler Nadeln bei Impfungen übertragen werde, könne die
Furcht davor bewirken, daß die
Leute nicht zum Impfen kommen.
- Das Stillen der Babies sei infolge der Angst gefährdet, daß die
Kinder durch Muttermilch infi-

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�ziert werden könnten. Fachleute
für
Entwicklungspolitik
haben
sich aber stets für Stillprogramme eingesetzt, weil diese eine
bessere Ernährung der Babies gewährleisten, und weil durch Stillen über längere Zeit die Häufigkeit von Schwangerschaften verringert wird.
- Auch die Bekämpfung der durch
Fehlernährung oder Malaria und
andere
parasitäre
Krankheiten
verursachten Anämien wird durch
HIV-Infektionen
beeinträchtigt:
Kinder mit schwerer Anämie brauchen Bluttransfusionen, um überleben zu können. In den Blutbanken von Entwicklungsländern, insbesondere außerhalb der Hauptstädte, finden sich jedoch häufig
Blutkonserven, die HlV-verseucht
sind.
(In Zentralafrika sind
fünf bis 18 Prozent der Blutspender mit dem Virus infiziert.)
Mit dem 1987 von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) begonnenen
AIDS-Programm für Entwicklungsländer,
für das 75 Millionen Dollar bereitgestellt wurden (Beitrag der USA im
laufenden Haushaltjähr: 15 Millionen
Dollar), soll nun soweit wie möglich
versucht werden, die Probleme anzugehen. Denn wie z.B. Dr. James Chin
von der WHO dem Ausschuß berichtete,
sind in manchen Städten von Zentralund Ostafrika zehn bis 20 Prozent der
sexuell aktiven Bevölkerungsgruppen
HlV-infiziert.
Bei
Krankenhauspatienten liege der Anteil sogar bei 25
bis 50 Prozent. Mancherorts dürfte
die hohe Infektionsrate von Frauen im
gebärfähigen Alter eine Erhöhung der
Kindersterblichkeit um bis zu 50 Prozent zur Folge haben.
Solche Statistiken haben inzwischen in einigen Ländern der Dritten
Welt, die anfangs von den Berichten
über die Gefährdung ihrer Wirtschaft
und Bevölkerung durch die AIDS-Seuche
nichts wissen wollten, ein Umdenken
bewirkt. Das gelte, so Chin, beispielsweise für Uganda, das jetzt
"entschlossen ist, eine energische

und aufgeklärte Politik im Kampf gegen AIDS zu verfolgen". Dabei seien
exakte Informationen mit gesundheitlicher Aufklärung und Erziehung die
wichtigsten Waffen, was u.a. der UNBotschafter von Uganda bestätigte.
Allerdings machte er auch darauf aufmerksam, daß "dem Lande kostbare Arbeitskraft und Geldmittel für wichtige Entwicklungsprojekte
auf wirtschaftlichem Gebiet entzogen werden,
je mehr Ressourcen man für den Kampf
gegen AIDS abzweigt".

Einfacher HIV-Test im Laborund Feldversuch
Einen wichtigen Beitrag zum WHOProgramm gegen die Weiterverbreitung
von AIDS in Entwicklungsländern könnte vielleicht ein neuer Bluttest leisten, den eine Gruppe amerikanischer
Wissenschaftler unter der Leitung von
Dr. Thomas Quinn entwickelt hat.
Quinn und Mitarbeiter sind an den
"National Institutes of Health" (NIH)
in Bethesda und am Klinikum der Johns
Hopkins-Universität
in
Baltimore
(Maryland) tätig. In der Zeitschrift
der "American Medical Association"
(JAMA - Ausgabe v. 22. Juli 1988) berichteten sie über ihr neues Verfahren.
Während in den Industrieländern
Spenderblut vor der Freigabe routinemäßig mit höchst exakten Methoden auf
HIV geprüft wird, sind die dabei benutzten Verfahren in den Entwicklungsländern wegen der Kostspieligkeit der Instrumente,der kurzen Haltbarkeit des Testmaterials und der
Notwendigkeit, es bei tiefen Temperaturen zu halten, kaum anwendbar.
Außerdem bedeuten die hohen Kosten
und der Zeitaufwand von eineinhalb
bis dreieinhalb Stunden pro Test ein
großes Hindernis.
Der neue Test
könnte, wie
Quinn
meint, diese
Schwierigkeiten zum großen Teil ausschalten.
Bei dem von der Firma "Cambridge
BioScience Corporation" in Hopkinton
(Massachusetts) zur Anwendungsreife

- 2 -

�entwickelten Test wird auf einem
Glasplättchen als Objektträger eine
geringe Blutmenge mit winzigen LatexKügelchen zusammengebracht, die einen
speziellen
Antigen-Uberzug
haben.
Bei diesem handelt es sich um eine
künstlich produzierte Substanz nach
dem "Modell" eines Teiles der HlV-Virushülle.
Das Blut-LatexkügelchenGemisch wird zwei bis fünf Minuten
lang leicht gerüttelt und dann visuell geprüft. War der Patient bzw.
Blutspender
dem
Immunschwächevirus
HIV ausgesetzt, heften sich Antikörper (d.h. Substanzen im Blut, die das
körpereigene Immunsystem zur Abwehr
der eindringenden Viren produzierte)
an den Antigenüberzug des Latex-Materials. Die Kügelchen verklumpen dadurch - ein Zeichen, daß eine HIV-Infektion stattgefunden hat.
In den Universitätslaboratorien
in Baltimore wurden Blutserum-Proben
von 1 220 Personen aus den verschiedensten Regionen - Nordamerika, Europa, Afrika, Karibik und Südamerika sowohl nach dem neuen Verfahren als
auch nach den kostspieligen Verfahren
getestet, die in den Industrieländern
üblich sind. Ferner wurde am Mama
Yemo-Hospital in Kinshasa (Zaire) von
entsprechend geschulten einheimischen
Laboranten das Blut von 1 600 potentiellen Blutspendern nach der neuen,
als
"Glasplättchen-Latex-Agglutinationstest" bezeichneten Methode geprüft.
In jedem Fall wurden dann
Kontrolltests nach mindestens einer
der teuren Methoden durchgeführt. In
Baltimore wie in Kinshasa stimmten
Quinn zufolge die positiven Ergebnisse, die mit dem einfachen Agglutinationstest erzielt wurden, zu mehr als
99 Prozent mit den als HIV-positiv
bewerteten Bluttests überein, die
nach den anderen Methoden erzielt
wurden. Bei einem Feldtest in Kinshasa an 8 000 Spenderblut-Proben nach
dem neuen Schnellverfahren lag die
Übereinstimmung jedoch nur bei 71
Prozent.

andere Schnelltests bessere Ergebnisse gebracht hätten - nämlich 85 bis
99 Prozent Übereinstimmung. Die Diskrepanzen bestätigten jedenfalls die
Notwendigkeit weiterer vergleichender
Messungen und der Qualitätskontrolle
für Laborarbeiten unter Bedingungen,
wie sie außerhalb eines großen Krankenhauses gegeben seien.
Auch Quinn und Mitarbeiter verweisen darauf, daß der kritischste
Punkt bei der Durchführung ihres
Schnelltests das Können und die Erfahrung der Laboranten sei, die ja
jeden Test subjektiv interpretieren
müßten.
Intensives Training über
mehrere Tage unter Verwendung HIV-positiver und HIV-negativer Blutproben
sowie Beurteilung der Probe mit Lupe
und guter Lichtquelle sollte jedoch
die Fähigkeit des Personals zur richtigen Bewertung erheblich verbessern
können.
Die Schlußfolgerung Quinns, die
neue Schnelltest-Methode
könne in
vielen Entwicklungsländern die Weiterverbreitung von HIV infolge der
Transfusionen mit verseuchtem Blut
oder verseuchten Blutprodukten unmittelbar
unterbinden,
schränkt
der
JAMA-Leitartikel
außerdem mit der
Warnung ein, daß in manchen Gebieten
ihre Bedeutung begrenzt sei:
"In
Ländern, wo auf die heterosexuelle
Übertragung bis zu 90 Prozent aller
HIV-Infektionen entfallen, würden generelle Bluttests auf HIV die Zahl
der zu erwartenden neuen Fälle nur um
fünf Prozent verringern. Aus diesem
Grunde müssen sich die gegenwärtigen
Vorbeugungs- und
Kontrollmaßnahmen
weiterhin weitgehend auf Aufklärung
und Anpassung des Sexualverhaltens
stützen".
Bei der FDA (US-Behörde für Lebens- und Arzneimittelkontrolle) befinden
sich derzeit
einige HIVSchnelltests in der Prüfung. Keiner
davon wurde bisher für die USA zugelassen.

Der Verfasser eines Leitartikels
in der gleichen Ausgabe der JAMAZeitschrift bemerkte dazu, daß vier
- 3 -

* * * * * *

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988)

Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 15, 16

Mittelamerika

1, 4, 12, 13

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen allg.
Reagan-Gorbatschow-Treffen Moskau
Nuklear- und Weltraumwaffen
Sicherheitsstrategie
Rüstungskontrolle
Konventionelle Rüstung
SDI
INF
NATO
START
Desinformationen

17, 20, 23, 25
20, 21, 22
3, 6, 25
3, 4
11, 18
10
15
5, 9, 17, 19
9, 10, 18
13
15

Vereinigte Staaten
Bericht zur Lage der Nation
Präsident Reagans Haushaltsvorlage
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten
Wirtschaft
Die Wahlen in Amerika 1988
Präsidentschaftskandidaten
Nominierungen
Preisverleihungen

- 1 -

4
8
8
2,
1,
5,
2,

10, 13, 14, 16, 23
15, 16, 20, 23, 24
6
23

�Internationale Probleme
6, 7, 9
12, 14, 16
10
20
5, 18
10

Außenpolitik
Naher Osten/Golf
KSZE
OECD
Drogen
AIDS
Ozon
Antarktis

8

Wissenschaft und Technik
Forschung

1, 2, 7, 9, 11, 14, 15,
16, 19, 22, 24
11
3, 9, 14
8

Krebs
NASA/Shuttle-Programm
Raumfahrt

2-

�Reden, Artikel und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
20. Januar 1988
Der INF-Vertrag:
AD Nr. 3

Die richtigen Lehren ziehen

24. Februar 1988
Singularisierung:
AD Nr. 8

Ein Produkt der Phantasie

13. April 1988
Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder
Ost-West-Beziehungen
Rede vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
(Sonderdienst)

SONDERDIENSTE
4. Mai 1988
Die sowjetische Militärmacht 1988
- Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci bezweifelt sowjetische Behauptung defensiver Strategie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten geben Produktionsorte für chemische Waffen bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Vertreters bei der&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Finanzminister Bakers Nachfolger heißt Nicholas Brady&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ankündigung des Weisen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush verspricht Unterstützung für Raketenabwehr im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was steht im neuen Handelsgesetz?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Seuche hemmt Entwicklungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1?

"""

c$-

30

24. August 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Berliner flauer Beweis des gescheiterten Traums vom Kommunismus
- Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus -

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer Bericht fordert bessere Lastenverteilung
- Auszüge aus der Kongreßstudie -

DIE MAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Außenpolitik der Republikaner: Stärke, Realismus, Dialog"
- Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner Wahlplattform der Republikaner wertvolle Aussage für Bush-Kampagne
- Artikel über die Positionen beim Parteikonvent Quayle Vertreter einer neuen Generation in politischer Verantwortung
- Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesundheitsvorsorge durch vernünftige Ernährung
- Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus
allen einschlägigen Forschungsgebieten -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

24. August 1988

30

BERLINER MAUER BEWEIS DES GESCHEITERTEN TRAUMS VOM KOMMUNISMUS
- Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zum 27. Jahrestag des Baus der
Berliner Mauer bestätigte Präsident Reagan am 12. August 1988 das Engagement
der Vereinigten Staaten für Berlin. "Die Amerikaner glauben, daß Ost und West
die Stadt Berlin mit Phantasie und Willenskraft noch vor dem nächsten Gedenktag zum Symbol eines neuen Zeitalters machen können, das die wahren Hoffnungen
des menschliches Geistes widerspiegelt".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:

Der 13. August ist als Jahrestag
des Mauerbaus in Berlin ein trauriger
Gedenktag.
Diese Mauer zieht sich
nicht
nur
wie
eine
Narbe
durch
Berlin, sondern ist auch ein Symbol
der Teilung der deutschen Nation und
Europas.
Angesichts der verhaltenen
Anzeichen von Offenheit, von denen
jetzt die Gesellschaftssysteme
des
Ostblocks aufgerüttelt werden, steht
die Mauer heute in krassem Gegensatz
zu dem Kampf der Menschen um Freiheit, der jetzt in ihrem Schatten
stattfindet.
Es gibt keinen drastischeren Beweis für den gescheiterten
Traum des Kommunismus als die Mauer.
überall lassen sich freie Menschen von dem Mut der Menschen in
Berlin inspirieren.
Ihre Entschlossenheit zum Schutz ihres Bollwerks

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der Freiheit ist nach wie vor unerschütterlich trotz wiederholter Herausforderungen durch diejenigen, die
ihnen die Freiheit versagen wollen
und
ihr
Beispiel
fürchten.
Die
Berliner
engagieren
sich
weiterhin
für
die
Erhaltung
ihrer
demokratischen Lebensform und den Abbau der
Schranken, die Deutschland teilen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Ehre, gemeinsam mit den Briten und
Franzosen fest zusammenzustehen, um
die Freiheit Berlins zu verteidigen
und das Wohlergehen Berlins zu fördern.
Dieses standhafte Engagement
bleibt der Eckpfeiler amerikanischer
Politik in Europa.

ich

Im Juni vergangenen Jahres stand
vor dem Brandenburger Tor und

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Telex: 8-85432

�schlug eine Inititive vor, die das
Leben der Berliner im positiven Sinne
verändern sollte:
verbesserten Zugang aus der Luft; mehr Konferenzen
in der gesamten Stadt, die Veranstaltung internationaler sportlicher Ereignisse, einschließlich der Olympiade und die Förderung des Jugendaustauschs
zwischen
beiden
Teilen
Berlins.
Im vergangenen Dezember haben wir
den Sowjets gemeinsam mit den Briten
und Franzosen diesbezügliche detaillierte Konzepte unterbreitet.
Wir
warten immer noch auf eine Antwort.
Beim Gedenken an die Errichtung
der Mauer im Jahr 1961 bekräftigen
die Vereinigten Staaten ihr Engagement für Berlin und entbieten den
tapferen Menschen ihren Gruß.
Die
Amerikaner glauben, daß Ost und West
die Stadt Berlin mit Phantasie und
Willenskraft noch vor dem nächsten
Gedenktag
zum
Symbol
eines
neuen
Zeitalters machen
können, das die
wahren
Hoffnungen
des menschliches
Geistes widerspiegelt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VoN^

24. August 1988

30

NEUER BERICHT FORDERT BESSERE LASTENVERTEILUNG
- Auszüge aus der Kongreßstudie -

WASHINGTON - (AD) - Einem kürzlich veröffentlichten Kongreßbericht zur
Frage der Lastenverteilung zufolge sollten die europäischen Verbündeten der
Vereinigten Staaten "sich sehr wohl auf die Verteidigung ihres eigenen Territoriums ohne ein Engagement umfangreicher amerikanischer Landstreitkräfte vorbereiten müssen, weil dieses Engagement nicht für immer garantiert werden
kann". In dem Bericht, der von der Kommission für militärische Lastenverteilung des Streitkräfteausschusses erstellt wurde und der das Ergebnis einer
Reihe von Anhörungen über die bessere Verteilung der Kosten zur Sicherstellung
der Verteidigung des Westens darstellt, wird jedoch ebenfalls erklärt, daß die
"Vornestationierung amerikanischer Truppen kurzfristig weiterhin den Eckpfeiler der Militärstrategie der Vereinigten Staaten bilden sollte".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in Auszügen:

Das Problem der Lastenverteilung
ist so alt wie die NATO und unser
Bündnis mit Japan selbst, und Veränderungen in den internationalen militärischen,
politischen
und
wirtschaftlichen Entwicklungen haben dazu
geführt, daß das Thema Lastenverteilung in den vergangenen 40 Jahren mit
unterschiedlicher
Intensität
zutage
getreten ist.
Da die Vereinigten Staaten nach
dem Zweiten Weltkrieg das einzige
Land
waren, dessen
wirtschaftliche
Stärke ausreichte, um auf die enormen
Bedürfnisse der vom Krieg verwüsteten
Länder zu reagieren, gaben sie in der
Nachkriegszeit über 33,9 Milliarden
Dollar für den Marshall-Plan und andere Hilfsleistungen zum Wiederaufbau
der verbündeten wie auch der feind-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lichen Nationen
des Zweiten Weltkriegs aus. (Entsprechend dem heutigen Stand des Dollars hätten die Vereinigten Staaten 184,8 Miliarden Dollar für Hilfsmaßnahmen nach dem Kriege ausgegeben.)
Diese beispiellose
Aktion ging von der Voraussetzung
aus, daß wirtschaftliche Stärke und
die Wiederbelebung der Demokratie allen freien Nationen zugute kommen und
einen Beitrag zu dauerhaftem Frieden
leisten würden.
Ferner engagierten
sich die Vereinigten Staaten nach dem
Kriege mit umfangreichen Truppenverbänden auf dem europäischen Kontinent
und in Japan.
Insbesondere die Geschichte des Ratifizierungsverfahrens
für den Nordatlantikvertrag verdeutlicht jedoch, daß die starke militärische
Präsenz
der
Vereinigten
Staaten in Europa nicht als ein dau-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�erndes Engagement gedacht war - vielmehr war sie als Interimslösung zur
Verteidigung Westeuropas vorgesehen,
während Westeuropa sich vom Krieg erholte.
Bis heute ist die Welt über 40
Jahre lang von einem Weltkrieg verschont geblieben (obwohl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 158 regionale Kriege stattgefunden haben). In
Westeuropa und Japan ist die Demokratie fest verwurzelt und die einst
verwüsteten
Volkswirtschaften
sind
gesundet.
Im selben Zeitraum haben
sich die weltweiten Verpflichtungen
der Vereinigten Staaten wie auch deren wirtschaftliche Stärke erheblich
vergrößert. Die relative wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten
gegenüber dem Rest der Welt hat jedoch merklich abgenommen.
Im Jahr
1988 hat sich aufgrund der Besorgnis
über das Bundeshaushaltsdefizit, das
Ungleichgewicht im Handel, hohe Bundesausgaben im allgemeinen und die
hohen Verteidigungsausgaben im besonderen eine nationale Debatte über unsere
künftigen
Verteidigungsbedürfnisse und eine Neueinschätzung der
weltweiten
militärischen
Verpflichtungen der Vereinigten Staaten entzündet.
Viele Amerikaner sind der
Ansicht, daß wir mit unseren militärischen Bündnispartnern wirtschaftlich zu 100 Prozent im Wettbewerb
stehen.
Einige haben erklärt, daß
die Vereinigten Staaten alle Lasten
eines Weltreichs trügen und nur wenig
von dieser Rolle profitieren, wenn
überhaupt.
Die wichtigsten Fragen, die von
der Kommission als Ergebnis dieser
veränderten Bedingungen an die Regierungen der europäischen Staaten und
Japans gestellt werden, lauten: Warum erwartet ein demokratisches und
zunehmend
geeintes
Europa,
dessen
Bruttosozialprodukt
und
Bevölkerung
zusammengenommen größer sind als die
der Vereinigten Staaten, immer noch
einen solch umfangreichen Beitrag zu
seiner territorialen Verteidigung von
den Vereinigten Staaten?
(Schätzungen des Verteidigungsministeriums zu-

folge werden ca. 60 Prozent des amerikanischen
Verteidigungshaushalts
für Verpflichtungen
im Rahmen der
NATO aufgewendet. Das bedeutet, daß
die Vereinigten Staaten 160 bis 170
Milliarden Dollar für die NATO ausgeben - erheblich mehr als die Beiträge
der anderen 15 NATO-Länder zusammengenommen) .
Warum scheinen ferner die Japaner
- deren Elan und Genialität sie in
nur 40 Jahren von totaler Zerstörung
zum Status einer wirtschaftlichen Supermacht geführt hat - nicht bereit
zu sein, Lasten der freien Welt in
einem Ausmaß zu tragen, das ihrer
heutigen
Zahlungsfähigkeit
entspricht?
Welche neuen Rollen und
Verantwortlichkeiten
sollte
Japan
übernehmen?
Bei
der
Beantwortung
dieser Frage sollten seinem Status
als wirtschaftliche Supermacht, seiner Verfassung sowie seiner besonderen Geschichte, die für die Nachbarstaaten in Asien immer noch von erheblicher Bedeutung ist, Rechnung getragen werden.
Wie sind die Aussichten für die
Verteilung und eventuell die Senkung
der
Verteidigungslasten
für
alle
freien Staaten in den kommenden Jahrzehnten und welches sind die Hindernisse?
Sind die angeblich von der sowjetischen Führung erwogenen Veränderungen in bezug auf Wirtschaft, politische Rechte und militärische Strategie politisch lebensfähig und werden sie zur Reife gelangen? Was bedeutet all dies für die Verteidigung
des Westens?
Wie kann der Staatshaushalt der Vereinigten Staaten
der heute schon, unter anderem aufgrund der Besorgnis über die Konfrontation zwischen Ost und West sowie
der langfristigen militärischen Verpflichtungen in Europa und dem Fernen
Osten, bis zur Grenze des Erträglichen angespannt ist - in Zukunft
die Probleme der Dritten Welt besser
angehen, insbesondere die Bedürfnisse
der
Nachbarstaaten
in
Mittel- und
Südamerika und des Mittleren Ostens?

�Im Grundsatz geht es bei der Debatte über die Lastenverteilung im
Jahr 1988 darum, wie die wirtschaftliche und militärische Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im 21. Jahrhundert gewährleistet und sichergestellt werden kann,
daß die entwickelten Länder mit gemeinsamen Verteidigungsinteressen die
Kosten dieser Verteidigung gerechter
unter sich aufteilen und gleichmäßiger zur Sicherheit und zum wirtschaftlichen und politischen Wohlergehen der weniger entwickelten Länder
beitragen.
Diese
Aufgabe
wird
sicherlich
nicht leicht zu bewältigen sein, aber
die Kommission hofft, daß die Daten,
Erkenntnisse
und
Empfehlungen
des
vorliegenden
Berichts der
nächsten
Administration
bei
der
Behandlung
dieses Problems helfen wird.
Die Kommission legt die folgenden
vorläufigen Schlußfolgerungen und Empfehlungen vor:

nischer
Politik
und
nischen Interessen.

amerika-

2.
In den vergangenen Jahrzehnten befanden sich die Verteidigungsausgaben
der
Vereinigten
Staaten in einem Zyklus dessen
Motto lauten könnte:
"Entweder
Expandieren
oder
Kaputtgehen."
Stabilität
und
Berechenbarkeit
sollten die Eckpfeiler künftiger
Verteidigungsbudgets
sein,
und
die nächste Administration sollte
energische Schritte unternehmen,
um einen Teil der gegenwärtig von
den Vereinigten Staaten getragenen Verteidigungslasten auf andere entwickelte Bündnispartner zu
verlagern, damit die Vereinigten
Staaten in Zukunft besser in der
Lage sind, ihre Verpflichtungen
mit dem gleichen oder möglicherweise
einem
niedrigeren
Niveau
der Verteidigungsausgaben zu erfüllen.

Die Bedrohung und mögliche Veränderungen in der sowjetischen Haltung
Herausforderungen für die politisch
Verantwortlichen in den Vereinigten
Staaten
1.
In den neunziger Jahren und
danach stellen sich für die Vereinigten Staaten die Herausforderungen, 1. wirtschaftliche Stabilität und Wachstum
im eigenen
Land zu ermöglichen, 2. die Sicherheit amerikanischer Interessen in der ganzen Welt zu definieren und zu gewährleisten und
3. zur internationalen Ordnung,
insbesondere in der Dritten Welt,
beizutragen. Da all diese Anforderungen unauflöslich miteinander
verbunden sind, könnte das Versäumnis, sie alle in ausgewogener
Art und Weise zu behandeln, die
Vereinigten
Staaten
ernsthaften
inneren und internationalen Gefahren aussetzen, einschließlich
des
möglichen
wirtschaftlichen
Abstiegs der Vereinigten Staaten
und einer zunehmenden Entfremdung
der Dritten Welt von amerika- 3

1.
Eines der
Haupthindernisse
bei der Erlangung einer gleichmäßigen Lastenverteilung besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bei der
Bewertung der Dringlichkeit oder
des Ausmaßes der Bedrohung nicht
übereinstimmen, obwohl beide in
Europa und im Fernen Osten demselben
Gegner
gegenüberstehen.
Die
Vertreter
der
Vereinigten
Staaten und der Verbündeten müssen
sobald
wie
möglich
eine
ernsthafte Bedrohungsdebatte aufnehmen, um Übereinstimmung über
das Ausmaß der Bedrohung und über
die Aufteilung
der Verantwortlichkeiten zu erzielen, um dieser
Bedrohung
gerecht
zu
werden.
Wenn wir uns nach diesen Diskussionen letztlich darauf einigen
sollten, daß die
amerikanische
Einschätzung der Bedrohung "realitätsbezogener" ist, sollten die
Verbündeten
ihre Verteidigungsausgaben
entsprechend
erhöhen.

�Wenn wir uns andererseits darauf
einigen, daß die Einschätzung der
Verbündeten
"realitätsbezogener"
ist, würde dies darauf hinweisen,
daß die Vereinigten Staaten ihre
Ausgaben
reduzieren
sollten
einschließlich ihrer Truppen in
Übersee - wenn sie dann der Bedrohung
immer
noch
angemessen
entgegentreten können.
Die Kommission ist der Auffassung, daß
die gegenwärtige Situation - ein
hohes Niveau der amerikanischen
Verteidigungsausgaben und wesentlich niedrigere Niveaus bei den
Verteidigungsausgaben der Verbündeten - für die Vereinigten Staaten nicht fair ist. Obwohl die
Kommission
prognostiziert,
daß
die
Verbündeten
wahrscheinlich
der Beibehaltung des Status quo
den Vorzug geben werden (da hohe
amerikanische Verteidigungsausgaben ihnen eine kostenlose Versicherungspolice
gewähren,
falls
sich unsere Bedrohungsanalyse als
richtig und ihre als falsch erweisen sollte) , ist sie der Überzeugung,
daß
die
Verbündeten
nicht erwarten sollten, "beides
haben zu können".
2.
Der Kommission ist zu Ohren
gekommen, daß einige hohe Vertreter der Verbündeten mit Verantwortung im Bereich der Verteidigung über die Bedrohung und andere wichtige
Verteidigungsfragen
nicht
informiert sein
könnten.
Als
Minimum
sollten Premierminister
(oder Präsidenten) , Finanz- und
Außenminister
regelmäßig über die Bedrohung informiert
werden.
Die
Kommission
empfiehlt, daß die Vereinigten
Staaten - über die NATO und die
japanische Regierung - vorschlagen sollen, daß Regierungsvertreter in Schlüsselstellungen, deren
Positionen Auswirkungen auf die
Verteidigungsbudgets haben, obligatorisch an - zumindest einmal
jährlich abgehaltenen - Informationsgesprächen über die Bedrohung teilnehmen, bevor wichtige
Entscheidungen
über
Verteidi-

gungsausgaben gefällt werden.
3.
Da die öffentliche Meinung
ein wichtiger Faktor mit Auswirkungen auf die Verteidigungsausgaben aller verbündeter Regierungen ist, empfiehlt die Kommission, daß die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten einen koordinierten Plan zur besseren Information der Öffentlichkeit über
den Charakter der einvernehmlich
festgestellten Bedrohung, das Niveau der zur Abwehr dieser Bedrohung
erforderlichen
Verteidigungsausgaben sowie die möglichen
Konsequenzen
der
Verweigerung
ausreichender Mittel zur nationalen Verteidigung entwickeln.

ie Messung der Verteidigungslasten
1.
Berücksichtigt man sämtliche
Maßstäbe der Lastenverteilung einschließlich der aufgewendeten
Finanzmittel und der erbrachten
Verteidigungsleistungen
-,
so
tragen
die Vereinigten
Staaten
eine erheblich größere Verteidigungslast
als
ihre
sämtlichen
Verbündeten, und dies seit vielen
Jahren. Das bedeutet nicht, daß
einzelne Verbündete nicht erhebliche Verteidigungslasten trügen;
es besagt vielmehr, daß Europa
und Japan nicht zu Sicherheitsressourcen und Fähigkeiten beitragen oder in dem Maße produzieren, wie sie mit ihrer wirtschaftlichen
Zahlungsfähigkeit
oder ihrem vitalen Interesse an
der Sicherung der Freiheit ihrer
Heimat im Einklang stehen.
2.
Politische, gesellschaftliche
und andere, von den Verbündeten
häufig angeführte, nicht quantifizierbare Faktoren spielen zusammen mit der öffentlichen Meinung
bei
der
Lastenverteilung
eine Rolle, ändern jedoch nichts
an der Schlußfolgerung, daß die
Vereinigten Staaten einen unverhältnismäßig großen Teil der Verteidigungslast tragen.
Auch die

�Vereinigten Staaten haben politische und gesellschaftliche Probleme sowie Schwierigkeiten mit
der öffentlichen Meinung.
Unter
diesem Druck stehen alle Länder
der freien Welt, und er ist kein
auf Japan oder Europa begrenztes
Einzelphänomen.
3.
Den Welthandelsmächten steht
es nicht zu, ihren Verteidigungsbeitrag und ihre Verteidigungsfähigkeiten
auf
regionaler
Ebene
aufzurechnen. Solange 20 Prozent
des europäischen und 44 Prozent
des
japanischen
Handelsvolumens
in
den
nichtindustrialisierten
Ländern erzielt wird, sollten die
Verbündeten
nicht das Argument
vorbringen, sie seien nur regionale Mächte.
4. Die Vereinigten Staaten tragen zur Verteidigung Europas und
des Fernen Ostens bei, weil sie
wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen in diesen
Gebieten
haben.
Die
amerikanischen Interessen in Europa und
im Fernen Osten sind jedoch nicht
so groß oder so vordringlich wie
das Interesse der Europäer und
Japaner am Schutz ihrer Lebensweise.
Sollten die Verbündeten
der Ansicht sein, daß ihre Verteidigungshaltung angemessen und
ihre Lebensweise
nicht bedroht
ist, so könnte der amerikanische
Steuerzahler nach Auffassung der
Kommission vielleicht nicht bereit sein, in Zukunft weiterhin
soviel für die Verteidigung dieser Gebiete aufzuwenden wie bisher.
5. Obwohl die Vereinigten Staaten den Vorteil genießen, mehr
Verteidigungsprodukte an die Europäer
zu verkaufen als umgekehrt, wurde das Ungleichgewicht
in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut. Insgesamt belegen
die
Handelsstatistiken
ferner,
daß die Verbündeten der Vereinigten Staaten die Hauptnutznießer
des
amerikanischen
Handelsdefi- 5 -

zits sind.
Damit kann man sich
nicht mehr auf das Argument der
Gegenseitigkeit berufen.
6. Dem ehemaligen Abteilungsleiter
im
Verteidigungsministerium
für internationale Sicherheitspolitik, Richard Perle zufolge ist
einer der Bereiche, der in der
Diskussion über die Lastenverteilung im Bündnis mehr Aufmerksamkeit verdient, die Vergabe von
nicht
zweckgebundenen
Krediten
westlicher Banken an Länder des
Warschauer
Pakts.
Wenn
diese
nicht überprüft werden, könnten
die Kredite an unsere Hauptgegner
eine
zusätzliche Belastung
des
amerikanischen Verteidigungshaushalts darstellen und damit die
ungerechten
Lastenverteilung
im
Bündnis noch verschärfen.
Seit
jeher haben
amerikanische
Banken
weniger
als
5 Prozent
nicht zweckgebundener KrediLe an
den Ostblock vergeben, wohingegen
westeuropäische Banken mehr als
die Hälfte dieser Kredite zur
Verfügung stellen und die Japaner
- Schätzungen des CIA - zufolge
den Rest. Die durch die Vergabe
nicht zweckgebundener Kredite unserer Verbündeten herbeigeführte
Stärkung des sowjetischen Militärs hatte einen nicht genau kalkulierbaren,
aber
zweifelsohne
beträchtlichen Zuwachs der amerikanischen
Verteidigungsausgaben
zur Folge.
Die Kommission hat die Absicht,
in der bevorstehenden sechsmonatigen Anhörung dieses Problem genau zu überprüfen.
Ferner ist
die Kommission der Auffassung,
daß die Vereinigten Staaten in
der
NATO, im Koordinationsausschuß für Ost-West-Handel (COCOM)
oder anderen zuständigen multilateralen
Foren angemessene Kontrollen über die Vergabe nicht
zweckgebundener
Kredite an die
Sowjetunion erarbeiten sollten.

�7. Die Vereinigten Staaten sind
und sollten nicht der "Boss" im
Bündnis sein, und die Verbündeten
können von den Vereinigten Staaten nicht die Übernahme höherer
Verteidigungsausgaben
erwarten,
um der "Boss" zu sein. Die Verbündeten der Vereinigten Staaten
sind souveräne Staaten und zu
Recht in einigen politischen Fragen anderer Meinung. Die Kommission vertritt die Ansicht, daß
Lastenverteilung auch eine Umverteilung der Macht bedeutet und
daß die Vereinigten Staaten bereit sein sollten, etwas von ihrer Macht und Kontrolle über den
Entscheidungsprozeß abzugeben und
die Verbündeten mehr Verantwortung bei ihrer eigenen Verteidigung übernehmen.
8. Die Präferenzen und Defizite
in den Budgets der
jeweiligen
Länder sind ein wichtiger Indikator
für die Ausgabeprioritäten
der Vereinigten Staaten und der
Verbündeten.
Die
Vereinigten
Staaten wenden einen deutlich geringeren Teil ihres Bundeshaushalts in allen Ausgabebereichen
auf als die Mehrzahl der Industrienationen
im
Bündnis, mit
Ausnahme von Verteidigung, Wohnungsbau und Gemeindeeinrichtungen. Wenn die Vereinigten Staaten
denselben
Prozentsatz
des
Volksvermögens
für
Verteidigung
ausgeben würden wie die Bundesrepublik Deutschland und Japan,
könnten sie das Haushaltsdefizit
abbauen
und sogar einen Haushaltsüberschuß erwirtschaften.

Strategien für die Bedrohungen und
Herausforderungen der Zukunft
1. Die Vornestationierung amerikanischer Truppen sollte kurzfristig weiterhin den Eckpfeiler der
Militärstrategie der Vereinigten
Staaten bilden, jedoch nicht notwendigerweise auf dem Niveau, das
sie heute in allen Gebieten der
Welt aufrechterhalten.
(Mit an- 6 -

deren Worten, das amerikanische
Streitkräfteniveau
im
Ausland
sollte
kontinuierlich
überprüft
werden).
Die Kommission ist gegen einen kurzfristigen, umfangreichen
Abzug
amerikanischer
Truppen solange die Möglichkeit
zu Verhandlungen über einen asymmetrischen Abbau konventioneller
Streitkräfte mit der Sowjetunion
besteht.
Langfristig
vertritt
die Kommission die Ansicht, daß
eine auf der "Null-Lösung basierende" Studie des militärischen
Engagements und der Stützpunkte
der vereinigten Staaten im Ausland
in
folgender
Reihenfolge
vorgenommen
werden sollte:
1.
Bewertung und Schwerpunktsetzung
amerikanischer Interessen in den
jeweiligen Ländern und Regionen
der Welt und 2.
Anpassung und
möglicher
Abbau
amerikanischer
Streitkräfteniveaus
in
einigen
Regionen in Übersee im Einklang
mit den sich wandelnden amerikanischen Interessen und der Fähigkeit unserer Verbündeten zur eigenen Verteidigung
mit weniger
direkter militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und
angesichts einschneidender Verlagerungen der Bedrohung.
Obwohl das amerikanische Verteidigungsministerium
jährlich
Material
über die
amerikanischen
Interessen sowie die zur Wahrung
dieser Interessen erforderlichen
Streitkräfte
veröffentlicht,
stellt die Kommission fest, daß
die vom Verteidigungsministerium
vorgenommene Analyse anscheinend
die Prioritäten und Streitkräfteniveaus im Ausland vom Vorjahr
zum Ausgangspunkt für die Prioritäten und Streitkräfteniveaus der
nachfolgenden Jahre macht. Diese
Praxis tendiert zu einer Fortschreibung
des Status quo und
trägt dem sich verändernden internationalen Umfeld nicht in gegebenem Maße Rechnung.
Ein auf
der "Null-Lösung basierender" Ansatz beim militärischen Engagement und den Stützpunkten der

�Vereinigten Staaten im Ausland der Null zum Ausgangspunkt macht,
radikales
politisches
Umdenken
und eine Rechtfertigung von Bedarf, Kosten und Alternativen erzwingt - ist seit langem überfällig.
2. Die Kommission ist der Überzeugung, daß amerikanische Stützpunkte in einem bestimmten überseeischen
Gebiet
entweder
für
Verteidigungszwecke
notwendig
sind oder nicht. Ob und in welchem Umfang ein Land Militärhilfe
von den Vereinigten Staaten erhält, hat keinen Einfluß auf die
militärische Notwendigkeit eines
Stützpunkts. Daher empfiehlt die
Kommission, das Junktim zwischen
Auslandshilfe und dem Recht der
Vereinigten Staaten auf Errichtung von Stützpunkten bei der zukünftigen
Neuverhandlung
von
Stützpunkt-Vereinbarungen
strenger zu handhaben.
3.
Entgegen früherer Empfehlungen vertritt die Kommission die
Auffassung, daß Auslandshilfe von
entscheidender
Bedeutung
ist.
Einige Bündnispartner
der Vereinigten
Staaten
haben
einen
enormen
Bedarf
an
wirtschaftlicher und militärischer Modernisierung, und die Kommission ist
der Ansicht, daß es in der Verantwortung aller Industrienationen im Bündnis liegt, den weniger
wohlhabenden Verbündeten bei der
Befriedigung
ihrer
wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnisse zur Seite zu stehen. Entsprechend empfiehlt die Kommission, daß ein oder mehrere neue
Fonds geschaffen werden
(vielleicht ähnlich dem Infrastrukturfonds der NATO), so daß die Industrienationen
ihre
Ressourcen
bündeln und sie strategisch wichtigen Ländern von gemeinsamem Interesse
zufließen
lassen.
Die
Kommission ist überzeugt, daß ein
solcher Fonds von der NATO zugunsten
der
weniger
entwickelten
Länder der NATO in Europa einge- 7 -

richtet werden
könnte und die
Vereinigten
Staaten, Japan und
Korea einen weiteren Fonds schaffen könnten, um einigen der größten Mangel im Fernen Osten abzuhelfen
(insbesondere
auf
den
Philippinen).
Die
Europäische
Gemeinschaft
(EG) unterhält ein
ähnliches Hilfsprogramm für ihre
weniger
weit entwickelten
Mitgliedsstaaten und die Kommission
ist der Ansicht, daß das EG-Modell eingehender geprüft werden
sollte.
4.
Insgesamt sollten die Bündnisspartner
eine größere Rolle
bei der Entscheidung spielen, ob
sie
amerikanische
Truppen
und
Stützpunkte auf ihrem Gebiet als
zur Verteidigung notwendig erachten und wenn ja, die den Vereinigten Staaten durch die Stationierung ihrer Streitkräfte in
Übersee entstehenden zusätzlichen
Kosten ganz oder teilweise übernehmen, einschließlich:
1. Bautätigkeit
auf
amerikanischen
Stützpunkten in Übersee; 2. Gehälter und Vergütungen für vor
Ort zur Arbeit auf diesen Stützpunkten eingestelltem Zivilpersonal; 3.
Ausgleichszahlungen für
die Lebenshaltenskosten des amerikanischen Personals in Übersee;
4. Betriebs- und Unterstützungskosten
für
die
amerikanischen
Stützpunkte
in Übersee und 5.
Reisekosten
für
amerikanische
Truppen, die permament ins Ausland oder zurück in die Vereinigten Staaten verlegt werden.
in
vollem Umfang durchgeführt, würden diese Optionen zur Verringerung der amerikanischen Verteidigungslast um mehr als 7,7 Milliarden Dollar pro Jahr beitragen.
Obwohl sich die Kommission der
Tatsache bewußt ist, daß Kritiker
dieser
Empfehlung
das Argument
vorbringen könnten, die Finanzierung dieser Bereiche durch die
Bündnispartner mache die amerikanischen Truppen in Übersee zu
"Söldnern", stellt die Kommission

�fest, daß einige Länder bereits
durch
Unterstützungsleistungen
des Aufnahmestaats
ein Drittel
der fünf oben genannten Ausgabenbereiche bezahlen. Diese Empfehlung zielt daher nach Ansicht der
Kommission darauf ab, die Leistungen
des Aufnahmestaats zur
Unterstützung
amerikanischer
Streitkräfte
in Übersee aufzustocken.

Lastenverteilung in der NATO
Die Kommission betont, daß die
nationalen
Interessen
der
europäischen Länder in Zukunft verstärkte
militärische Zusammenarbeit und Einheit
zwingend
erforderlich machen.
Die Tatsache, daß Europa aus vielen
Nationen besteht und kein einheitliches Ganzes darstellt, sollte nicht
als Vorwand für einen unangemessenen
Beitrag zur Verteidigung durch die
Europäer angeführt werden. Verstärkte militärische
Zusammenarbeit
und
Einheit sollten vielmehr in Zukunft
als vorrangige Priorität der verbündeten Regierungen angesehen werden.
2. Die einzelnen NATO-Mitgliedsstaaten
leisten
einen
unterschiedlichen Beitrag zur Verteidigung. Daten des amerikanischen
Verteidigungsministeriums
über
die nichtamerikanischen NATO-Länder (Luxemburg, Kanada, Dänemark,
Portugal, Norwegen, Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande, Belgien, Spanien und Italien)
zufolge
scheinen
diese
Länder
entschieden weniger als ihren angemessenen Anteil zu entrichten,
oder die fraglichen Indikatoren
für die Verteidigungslast geben
ein
uneinheitliches Bild.
Die
größeren Beitragszahler unter den
nichtamerikanischen
NATO-Länder
sollten die anderen Länder, die
ihr Verhalten im Verteidigungsbereich
nicht ändern, konsequent
und nachhaltig dazu drängen.
3.
Die
jüngsten

Kommission
Bemühungen

begrüßt die
zu Stärkung
- 8

des
sogenannten
europäischen
Pfeilers der NATO und ist der Ansicht, die Europäer sollten bei
der Entscheidung über die zukünftige Verteidigung des europäische
Kontinents
die
Führungsrolle
übernehmen.
Diese
Empfehlung
signalisiert keinen Rückzug aus
der NATO, sondern die längst fällige Neuanpassung bei der militärischen Verantwortung.
In den
kommenden sechs Monaten wird die
Kommission Mittel und Wege zu einer Verbesserung der eigenen Verteidigung durch die Europäer ausloten, einschließlich verbessertem und zunehmendem Einsatz von
Reservisten und defensiven Strategien.
Die Kommission hat ferner die Absicht, eine Reihe von
Ideen und alternativen Verteidigungsstrategien
weiterzuverfolgen, die ihr von Regierungsvertretern und Privatpersonen (etwa
von Leonard Sullivan, dem ehemaligen Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für Programmanalysen und Auswertung) vorgetragen wurden.
Die Kommission kennt die innenpolitischen Einflüsse in Japan und
Europa, vertritt aber dennoch die
Auffassung, daß unsere Verbündeten sich über den starken politischen Druck nicht hinreichend
im klaren sind, der sich in den
Vereinigten Staaten im Hinblick
auf den Abbau unserer militärischen Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten aufbaut, wenn
sie nicht
zur Übernahme eines
größeren Teils der Lasten bereit
sind.
Der Kongreß teilt diese
Ansicht.
Aus diesem Grund verweist die
Kommission
ausdrücklich
darauf,
daß die Europäer sich sehr wohl
auf die Verteidigung ihres eigenen Territoriums ohne ein Engagement umfangreicher amerikanischer
Landstreitkräfte vorbereiten müssen, weil dieses Engagement nicht
für immer garantiert werden kann.
Wenn die Europäer zu der Ansicht

�gelangen, daß eine Luftbrücke zum
Transport
amerikanischer
Landstreitkräfte in Zukunft noch erforderlich sei, um einen Krieg in
Europa
zu führen, sollten die
nichtamerikanischen NATO-Mitglieder gemeinsam 60 Prozent der Anschaffungs- und
Betriebskosten
der Luftflotte (Flugzeuge vom Typ
C-17) zahlen.
(Die C-17 ist das
größte
und modernste Flugzeug,
mit dem amerikanische
Soldaten
und Kriegsgerät im Falle eines
Krieges nach Europa transportiert
würden.)
Zum
Beispiel
würden
sich bei einem Einsatz der gesamten Flotte von 210 Flugzeugen des
Typs C-17 nach Schätzungen des
Haushaltsausschusses
im
Kongreß
die von den Vereinigten Staaten
erbrachten
Anschaffungskosten
zwischen 1988 und dem Jahr 2000
um 19,4 Milliarden Dollar und die
von den Vereinigten Staaten übernommenen
Betriebskosten
um 950
Millionen Dollar pro Jahr verringern. Obwohl dieses Konzept noch
weitreichender
ist,
entspräche
dieser Ansatz dem gegenwärtigen
Plan der NATO, einsatzfähige Aufklärungsflugzeuge (AWACS) zu erwerben, die in Europa stationiert
würden.

Der Beitrag Japans
1.
Japan steht mit seinen Verteidigungsausgaben
weltweit
an
fünfter stelle, aber dennoch sind
die von Japan zu seiner Verteidigung geleisteten Beiträge und Fähigkeiten angesichts seiner wirtschaftlichen stärke unzureichend.
2.
Die japanische Verfassung,
die
Kabinettsentscheidung
zur
Aufwendung
von
"1 Prozent des
Bruttosozialprodukts" und die in
Ostasien verbreitete Furcht vor
einer erneuten japanischen Militarisierung
sind Faktoren, die
japanische
Verteidigungsausgaben
beschränken.
Dennoch
können,
sollten und müssen die Japaner
bei der Verteidigung und in an- 9 -

deren Bereichen der Sicherheitspolitik mehr leisten.
3. Die Vereinigten Staaten sollten Japan bei der Förderung grösserer politischer Einheit und Zusammenarbeit unter seinen Nachbarn
unterstützen.
Ebenso wie
die Bundesrepublik als ehemaliger
Feind
des
Zweiten
Weltkriegs
jetzt integraler Bestandteil Europas ist, kann Japan das Vertrauen seiner Nachbarn erlangen.
Minister treffen
und
parlamentarische Strukturen wie die Westeuropäische Union (WEU) und die
Eurogroup sollten ermutigt werden.
4.
Die japanische Unterstützung
für die Stationierung
amerikanischer Soldaten wird übertrieben
dargestellt.
Die vielfach genannte Zahl von 45 000 Dollar pro
amerikanischem
Soldat
umfaßt
"Nicht-Ausgaben" wie etwa den geschätzten Wert des den amerikanischen
Streitkräften
kostenlos
zur
Verfügung
gestellten
Terrains, Einnahmeverluste aufgrund
der Befreiung von Steuern, Anlege- und Hafengeführen sowie Zölle. Andererseits war die Errichtung amerikanischer Einrichtungen
durch die Japaner sehr hilfreich,
aber dennoch auf das begrenzt,
was die Japaner als "nichtoffensive" Einrichtungen betrachten.
5. Angesichts der erheblich eingeschränkten japanischen Bereitschaft
zu
Verteidigungsausgaben
vertritt die Kommission die Auffassung, es sei zwingend erforderlich, daß die japanische Regierung zumindest ihre Fähigkeit
zur
Selbstverteidigung
ausbaut
und bei Bedarf ihre Missionen der
"1000 Meilen"-Grenze und "Sperrung der Seewege" auch ohne direkte amerikanische Hilfe duchführen kann. Darüber hinaus ist
die Kommission der Ansicht, andere Länder in der Region sollten
Gespräche
über
ihre gemeinsame
Sicherheit aufnehmen.

�6. Japan sollte sein offizielles
Entwicklungshilfebudget erheblich
ausbauen und den Ländern mehr
nichtzweckgebundene Hilfe gewähren, die für Japan und die Vereinigten Staaten wirtschaftliche
und strategische Bedeutung haben
(zum Beispiel die Türkei und die
Philippinen).

Lastenverteilung in bündnisfremden
Gebieten
1. Mit wenigen Ausnahmen sollten
die Vereinigten Staaten nicht erwarten, daß die Verbündeten notwendigerweise einer Politik oder
einem Einsatz in bündnisfremden
Gebieten zustimmen. Die wichtigste Ausnahme betrifft den Fall,
wenn die Verbündeten in einer Region starke wirtschaftliche, politische und militärische Interessen haben. In diesem Fall müssen sich die Verbündeten der Kommission zufolge unbedingt beteiligen.
Eine Region, in der die
Verbündeten eine gemeinsame Verpflichtung
mit den Vereinigten
Staaten haben, ist der Persische
Golf.
2. In vieler Hinsicht bietet die
Umflaggung
kuwaitischer
Tanker
ein gutes Beispiel für die gerechte
Lastenverteilung:
ohne
Kommentar über die Zweckmäßigkeit
der Politik an sich haben die
Vereinigten Staaten umfangreiche
Streitkräfte
zur Verfügung gestellt, ohne zunächst mit den
Verbündeten
über eine mögliche
Beteiligung ihrerseits und deren
Form Übereinkunft
zu erzielen.
Einigen Beobachtern - einschließlich der früheren Botschafterin
Jeane Kirkpatrick - zufolge war
das Ergebnis dieses "großen Einsatzes" in mancher Hinsicht von
Nachteil.
Die Vereinigten Staaten hätten eine ausgewogenenere
Lastenverteilung mit den Verbündeten erzielt, wenn wir sie vor
Ankündigung unseres eigenen Engagements konsultiert hätten.
Die
- 10 -

Kommission ist der Ansicht, daß
ein
geringeres
Engagement
der
Vereinigten Staten bei künftigen
Einsätzen im Golf vorzuziehen ist.
3. Die Vereinigten Staaten sollten mit der NATO und Japan Gespräche
darüber
aufnehmen, wie
man in Zukunft Probleme in bündnisfremden
Gebieten
behandeln
soll.
Der Persische Golf zählt
sicher zu den Gebieten von gemeinsamem Interesse für die Vereinigten Staaten, Europa und Japan und sollte daher den Kernpunkt dieser
Gespräche bilden.
Das Ziel dieser Gespräche sollte
die Erarbeitung eines Mechanismus
sein, mit dessen Hilfe die Verbündeten Konsultationen durchführen und Abkommen erzielen können,
wie man Bedrohungen ihrer Interessen
in der Region bekämpfen
kann.
Es besteht Grund zu der
Annahme, daß die Verbündeten in
bestimmten Regionen delikate diplomatische
Missionen
besser
durchführen könnten als die Vereinigten Staaten, und dazu sollten sie ermutigt werden.
4.
Alle
NATO-Verbündeten
betrachten den Terror ismus als Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheitsinteressen.
Dieser Konsens hat Zusammenarbeit bei der
nachrichtendienstlichen Tätigkeit
und der gemeinsamen militärischen
Planung
herbeigeführt, die für
die bessere Koordinierung innerhalb der NATO bei Sicherheitsproblemen in Gebieten außerhalb des
eigentlichen Bündnisbereichs Modellcharakter
annehmen
könnte.
Die Kommission vertritt die Auffassung,
daß
gegenwärtige
Anstrengungen
zur
Terrorismusbekämpfung durch die Bildung eines
gemeinsamen
NATO-Koordinierungsausschusses
zur Bekämpfung
des
Terrorismus (ein Mechanismus, der
als Modell für erweiterte Zusammenarbeit von Institutionen dienen könnte) noch erhöht werden
könnten.

�Die amerikanische Haltung zur
Lastenverteilung
1. Trotz der Versicherungen von
Vertretern der amerikanischen Regierung,
daß
die
Verbündeten
ständig
zur
Übernahme
eines
größeren Anteils der Verteidigung
aufgefordert würden, liefern Statistiken Grund zu der Annahme,
daß die diplomatischen Bemühungen
der Vereinigten Staaten keine gerechtere Lastenverteilung hervorgebracht haben.
2. Dem US-Rechnungshof (GAO) zufolge hat Japan eher auf die Initiativen zur Lastenverteilung reagiert als die europäischen Verbündeten (obwohl die europäischen
Verbündeten für ihre Verteidigung
größere Opfer bringen als die Japaner) .
3. Die Verbündeten haben im Laufe der Jahre zur Lastenverteilung
unterschiedliche Signale aus den
Vereinigten Staaten aufgefangen der Kongreß hat seine große Unzufriedenheit bekundet und dennoch
hat die Administration die Botschaft verbreitet, die Beiträge
der Verbündeten würden oftmals
unterschätzt
und
amerikanische
Präsenz
in Übersee liege sehr
wohl im Interesse der Vereinigten
Staaten.
4. Insgesamt scheint es, daß die
Vereinigten Staaten die Lastenverteilung
mit den Verbündeten
nicht
angemessen
betont haben.
Wenn Japan dem Schluß des GAO zufolge auf amerikanische Initiativen positiv reagiert hat, liegt
es auf der Hand, daß die Vereinigten Staate nicht genug gefordert haben.
5.
Programme der Zusammenarbeit
waren erfolgreich, um eine Duplizierung
von
Waffensystemen
zu
vermeiden, Ressourcen der Vereinigten Staaten und ihrer verbündeten für wichtige Projekte zu
bündeln und größere Leistungsfä- 1

higkeit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu erlangen.
Die Programme sollten so
weit wie möglich erweitert werden, insbesondere im Hinblick auf
Japan. Dennoch verweist die Kommission darauf, daß zusätzliche
Sicherheitsmaßnahmen erforderlich
sein könnten, um den Schutz sicherheitsempfindlicher
amerikanischer
Technologie
zu gewährleisten.
6. Schließlich vertritt die Kommission die Auffassung, daß die
Verbündeten uns solange eine unverhältnismäßig große Last übernehmen lassen, wie wir die Bereitschaft dazu zeigen. Dazu erklärte die frühere Botschafterin
Jeane Kirkpatrick vor der Kommission:
"Wenn die Verbündeten erkennen,
daß wir nicht vortreten und unverhältnismäßig große Verantwortung übernehmen, dann - und nur
dann - werden sie vortreten und
ihren Anteil an der Verantwortung
tragen."
Verschiedenen
Quellen
zufolge
scheinen manche Bereiche der amerikanischen
Regierung
(zum
Beispiel
Handels- und
Verteidigungsministerium) aneinander vorbei zu arbeiten
und deshalb nutzen die Vereinigten
Staaten nicht ihre Macht in einem Bereich, um bei der Verteidigung eine
bessere Lastenverteilung zu erzielen.
Dem früheren Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für Internationale
Sicherheitspolitik,
Richard
Perle, zufolge
"... vergeht kaum ein Tag, an dem
nicht ein Verbündeter der Vereinigten
Staaten eine Entscheidung in Washington verlangt, die in seinem Interesse
- und oftmals in seinem innenpolitischen Interesse - liegt, die als
Grundlage eines vernünftigen und unsererseits
wünschenswerten
Handels
dienen könnte. Wenn man dies auf der
Basis entschlossener
Gegenseitigkeit
angeht... kann man Ergebnisse erzielen.

�Es sind Verträge zu vergeben. Es
gibt Handelsbeziehungen, die vielfach
der Intervention von Regierungsbehörden bedürfen. Es gibt zahlreiche andere wirtschaftliche Probleme und Finanzfragen - im Flugverkehr, Handelsbeziehungen im allgemeinen, Fischerei. Die Liste der in Washington getroffenen Entscheidungen, die Interessen unserer Verbündeten betreffen,
ist lang. Diese Entscheidungen sollten in einigem Umfang unsere Erfolge
im Hinblick auf eine ausgewogene Lastenverteilung widerspiegeln."
Die
Kommission
stimmt
diesem
Prinzip eines "Junktims" zu und vertritt die Auffassung, daß ein Mechanismus geschaffen werden muß, um zu
gewährleisten, daß
Lastenverteilung
auf allen Ebenen der amerikanischen
Beziehungen zu verbündeten Regierungen Beachtung findet.

* * * * * *

- 12

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

30

24. August 1988
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE AUSSENPOLITIK DER REPUBLIKANER:

"STARKE, REALISMUS, DIALOG"

- Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner NEW ORLEANS - (AD) - Der Wahlplattform der republikanischen Partei zufolge
bilden "Stärke, Realismus und Dialog" drei "Eckpfeiler", die einer republikanischen Administration als Leitlinie für ihre Außenpolitik dienen werden.
Diese Eckpfeiler waren bereits in der Reagan-Administration die Grundprinzipien der Außenpolitik und "die Welt von 1988 ist ein Beweis für Frieden
durch Stärke".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vom nationalen Parteikonvent in New Orleans verabschiedeten außenpolitischen Teil der Wahlplattform:

Amerika und seine Führungsrolle in
der Welt
In der republikanischen Partei
verfolgen wir traditionell außenpolitische Zielsetzungen, die von Weitblick und Führungskraft zeugen. Darüber hinaus wenden wir zur Verwirklichung dieser Ziele eine realistische
Langzeitstrategie an. Die vordringlichen außenpolitischen Ziele sollten
darin bestehen, die Nation und ihre
Menschen zu schützen und zu verteidigen, entscheidende nationale Interessen der Vereinigten Staaten im Ausland zu wahren, sowie Frieden, Stabilität und Sicherheit auf der ganzen
Welt durch demokratische Selbstbestimmung und wirtschaftlichen Wohlstand zu fördern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir vertreten die Auffassung, daß
sich unsere Politik auf die drei Eckpfeiler Stärke, Realismus und Dialog
gründen muß, wenn wir diese Ziele
verwirklichen wollen.
Die Außenpolitik der Republikaner
basiert auf einem Frieden, der durch
stetige Vorkehrungen für unsere nationale Sicherheit bewahrt wurde und
hat den INF-Vertrag hervorgebracht,
mit dem eine gesamte Kategorie von
Nuklearwaffen abgeschafft wurde. Die
Entschlossenheit
und
Willenskraft
Amerikas brachten zusammen mit der
zuverlässigen Unterstützung unserer
europäischen Verbündeten die Sowjets
zurück an den Verhandlungstisch und
ermöglichten eine einschneidende Reduzierung
der Nuklearwaffen.
Der
INF-Vertrag wurde nicht einseitig

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�durch Konzessionen oder die Aufhebung
von Waffenprogrammen erzielt.
Die heutige Außenpolitik der Republikaner wurde auf die Probe gestellt und hat sich bewiesen. Unsere
Formel für den Erfolg basiert auf einer realistischen Einschätzung der
Welt von heute, und nicht auf einer
Wunschvorstellung.
Der sowjetische
Rückzug aus Afghanistan ist nicht das
Ergebnis glücklicher Umstände oder
der für den Kreml notwendigen Einsparung einiger Rubel. Er ist ein direktes Resultat republikanischer Aussenpolitik, der sogenannten ReaganDoktrin:
unserer Entschlossenheit,
denjenigen Menschen die entscheidende
Hilfe zu leisten, die lieber aufrecht
sterben als sich dem Joch einer von
sowjetischer Seite aufgezwungenen Unterdrückung beugen wollen.
Unterstützung für die Freiheitskämpfer und
damit einhergehende Verhandlungsbereitschaft können als Modell für unseren Widerstand gegen die Verbreitung des Marxismus in der übrigen
Welt dienen.

len wir die massiven Interventionen
der
gegenwärtigen
demokratischen
Mehrheit im Kongreß in diesem Bereich, die versucht, den Anschein von
Schwäche und Verwirrung zu erwecken
und die erfolgreiche Durchführung der
amerikanischen Außenpolitik zu gefährden.
Die Welt von 1988 beweist den Erfolg des Konzepts von Frieden durch
Stärke und der Reagan-Doktrin zur
Förderung der nationalen Interessen
Amerikas. Unsere Beziehungen zur Sowjetunion gründen sich nunmehr auf
diese entschlossene und realistische
Politik. Ergebnisse wie der INF-Vertrag liefern ein konkretes Beispiel
für die Folgerichtigkeit dieses Konzepts:
- Das afghanische Volk steht kurz
vor der Befreiung seines Landes
von sowjetischer Besatzung und
kann mit unserer anhaltenden Unterstützung seine wirkliche Freiheit sichern.
- In Südostasien haben unsere Politik der Isolation gegenüber Vietnam und unsere Unterstützung des
Widerstands
in Kambodscha zur
Entscheidung Vietnams über den
Rückzug aus Kambodscha beigetragen.

Die Welt erwartet, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle
übernehmen.
Die Republikaner sind
der Ansicht, daß dies sehr wohl im
Interesse unseres Landes liegt. Aus
diesem Grund werden wir sowohl unsere
Freunde als auch unsere Feinde in die
Pflicht nehmen. Überleben und friedlicher Wettbewerb liegen in unserem
gemeinsamen Interesse.
Dennoch hat
die Reagan-Bush-Administration bewiesen, daß Dialog und Engagement nur
aus einer Position der Stärke heraus
Erfolg zeitigen können. Uns ist bewußt, was die Demokraten anscheinend
vergessen haben: wenn sich Außenpolitik auf Schwäche oder eine unrealistische
Einschätzung
der
Welt
stützt, ist sie zum Scheitern verurteilt.
Wenn sie auf Naivität basiert, wird sie in eine Katastrophe
münden.

Mittel- und Lateinamerika

Unserem Verfassungssystem zufolge
zählt die Durchführung der Außenpolitik zu den ersten Pflichten der Exekutive. Aus diesem Grunde verurtei-

Mittelamerika war für die Vereinigten Staaten immer eine Region
von strategischer Bedeutung.
Dort
ist jetzt Nicaragua - ebenso wie Kuba

- Im südlichen Afrika könnten die
kubanischen Truppen bald aus Angola abziehen und Namibia möglicherweise unabhängig werden.
- Der Krieg zwischen Iran und Irak
steht aufgrund der starken Führungsrolle der Reagan-Bush-Administration bei den Vereinten Nationen und der amerikanischen
Präsenz im Persischen Golf kurz
vor seiner Beendigung.

- 2 -

�- zu einem sowjetischen Vasallenstaat
geworden.
Der Demokratisierungsprozeß in der Region ist nunmehr durch
die sandinistische Militärmasch^nerie
und den aus Nicaragua, Kuba und der
Sowjetunion exportierten bewaffneten
Untergrundkampf direkt bedroht. Die
Sandinisten sind jetzt mit sowjetischen Waffen ausgerüstet, die qualitativ und quantitativ ihren eigenen
Verteidigungsbedarf weit überschreiten.
Dem Volk von Nicaragua werden von
der sandinistischen Junta grundlegenden Menschenrechte, das Recht auf Religionsfreiheit und politische Rechte
verweigert.
Heute schließen sich
Tausende von Nicaraguanern im Kampf
zur Befreiung ihres Heimatlandes von
einem totalitären Regime zusammen.
Die republikanische Partei steht ihnen in diesem Kampf zur Seite und
verpflichtet sich, sie sowohl mit humanitären als auch mit militärischen
Hilfsleistungen
zu
unterstützen.
Frieden ohne Freiheit für das nicaraguanische Volk reicht nicht aus.
Wenn sich die Demokratie nicht
durchsetzt, wenn Nicaragua eine kommunistische Diktatur bleibt, die weiterhin ihre Revolution exportiert,
sind die zerbrechlichen Demokratien
Mittelamerikas in Gefahr. Die republikanische Partei hält in ihrem
Kampf um Frieden, Freiheit und Wirtschaftswachstum zu ihnen. Wir erklären den Menschen und der Regierung in
El Salvador, einem Ziel der aus dem
Ausland gesteuerten Rebellionen, unsere einhellige Unterstützung. Unter
republikanischer Führung sollten die
Vereinigten Staaten auf die Bitte unserer Nachbarn in Mittelamerika um
Militärhilfe eingehen, um die aufstrebenden Demokratien vor den Sowjets, Kuba oder von anderer Seite
unterstützten Revolten zu schützen.
Wir vertreten die Auffassung, daß
die Regierungen
Lateinamerikas im
Kampf gegen den blühenden Drogenhandel in der Region zusammenhalten müssen.
Wir müssen die Anstrengungen
voll und ganz unterstützen, mit denen

Hersteller illegaler Drogen zu anderen Einnahmequellen bewegt werden.
Die Republikaner "erden sich so
lange jeder Normalisierung der Beziehungen mit der kubanischen Regierung
widersetzen, wie Fidel Castro das kubanische Volk unterdrückt und internationalen Terrorismus und Drogenhandel unterstützt. Wir werden die Einführung direkt vom kubanischen Volk
gewählten repräsentativen Regierungsform weiterhin vehement unterstützen.
Wir bekräftigen unsere Hilfe für Radio Marti und fordern die Gründung
von TV Marti, um das unterdrückte kubanische Volk besser erreichen zu
können.
Panama stellt die in den vergangenen acht Jahren erzielten Fortschritte in der Region vor eine andere Herausforderung.
Unsere Politik
muß dem autoritären Militärregime und
dem Drogen-Terrorismus ebenso entschieden entgegentreten wie der kommunistischen Tyrannei und der Subversion durch die Guerilla. Diese Politik muß entschieden dafür eintreten,
alle
bekannten
Drogen-Terroristen
oder Drogenhändler in ihren Heimatländern oder vor den Gerichten der
Vereinigten Staaten ihrer gerechten
Bestrafung zuzuführen. Die Republikaner betrachten den Panamakanal als
entscheidende strategische Verbindung
zwischen Atlantik und Pazifik. Wir
vertreten die Auffassung, daß der
freie und ungehinderte Zugang zum Panamakanal gewährleistet sein muß, wie
er im Panamakanal-Vertrag als Grundprinzip niedergelegt ist. Wir bekennen uns zur der historischen Partnerschaft und Freundschaft zwischen den
Menschen in Amerika und Panama.

Die Sowjetunion; Neue Herausforderungen und bleibende Realitäten
Die Republikaner sind stolz darauf, daß es ein republikanischer Präsident war, der die Botschaft der
Freiheit in die Sowjetunion trug.
Ein neuer republikanischer Präsident
wird auf diesen Erfolgen am besten

- 3-

�aufbauen können und aufgrund der langen Geschichte des sowjetischen Expansionismus und der falschen Versprechungen stets auf der Hut sein.
Wir sind bereit, echte Reformen anzuerkennen, aber Amerika darf nicht unvorbereitet sein, sollte sich diese
Reform als illusorisch erweisen.
Die sowjetischen Forderungen nach
Frieden und Harmonie auf der Welt haben einen hohlen Klang, wenn man sie
mit der anhaltenden sowjetischen Unterstützung kommunistischer Guerillas
und Regierungen in der Dritten Welt
vergleicht.
Sogar in Afghanistan
treten die Sowjets den Rückzug an nicht als Ergebnis einer wohlwollenderen Sichtweise der Welt, sondern
wegen des Mutes der entschlossenen
Mujahedin-Freiheitskämpfer, die von
den Vereinigten Staaten voll unterstützt werden.
Die
sowjetische
Militärmacht
nimmt zu.
Immer mehr Panzer und
Flugzeuge verlassen sowjetische Produktionsstätten, zwei- bis dreimal so
viele wie in den Vereinigten Staaten.

stungskontrolle um ihrer selbst willen oder um jeden Preis ist naiv und
gefährlich.
Die Republikaner werden weiterhin
mit der neuen sowjetischen Führung
zusammenarbeiten. Aber die Bedingungen des Verhältnisses werden sich
nach der konsequenten Einhaltung bestimmter Grundsätze richten:
- Menschenrechte und das Recht auf
Religionsfreiheit in der Sowjetunion,
- Reform der
schaft,

sowjetischen

Wirt-

- Aufgabe der sowjetischen Unterstützung für kommunistische Regime, radikale Gruppen und Terroristen,
- Verifizierbare vollständige Einhaltung aller RUstungskontrollabkommen,
- das Recht auf freie Ausreise für
alle Bürger der Sowjetunion,

Die
sowjetische
Militärdoktrin
hat weiterhin offensiven Charakter,
wie es die einschüchternde Präsenz
großer sowjetischer Panzerdivisionen
in Osteuropa demonstriert. Das ist
die Realität des militärischen Einsatzkonzepts.

- Abbau der massiven offensiven Fähigkeiten
der
Sowjetunion
im
strategischen und konventionellen
Bereich.
Mit anderen Worten die
sowjetische
Militärdoktrin
muß im Einklang mit ihrem Text
stehen,

Mit einer realistischen Betrachtungsweise der Sowjetunion und einem
angemessenen
Stellenwert
der Rüstungskontrolle in den amerikanischsowjetischen
Beziehungen
hat
die
Reagan-Bush-Administration das historische INF-Abkommen mit der Sowjetunion geschlossen. Gegenwärtig sind
Verhandlungen mit der Sowjetunion
über einen Abbau strategischer Nuklearwaffen um die Hälfte möglich, weil
das amerikanische Volk Vertrauen in
die Führungsrolle der Republikaner
bekundet.
Das amerikanische Volk
weiß, daß für die Republikaner kein
Abkommen besser ist als ein Vertrag,
der die Sicherheit der freien Welt
gefährdet. Die Durchführung von Rü-

- keine Gewährung von nicht-zweckgebundenen Krediten mehr, insbesondere keine Kredite mehr für
allgemeine Zwecke, mit denen die
Sowjets die dringend benötigte
harte Währung erhalten, um ihre
schwache Wirtschaft zu stärken
und den illegalen Erwerb amerikanischer Technologie zu erleichtern.
Die Republikaner bekennen sich
stolz zur Reagan-Doktrin:
Amerikas
Engagement
zur
Unterstützung
der
Freiheitskämpfer gegen kommunistische
Unterdrückung, die Freiheit und den
menschlichen Geist zerstört. Wir begrüßen die Befreiung Grenadas. Wir

�bekräftigen unsere Unterstützung für
die heldenhaften Kämpfer des afghanischen Widerstandes und verpflichten
uns, ihnen bis zum Ende ihres Kampfes
beizustehen. Wir geloben den demokratischen Befreiungsbewegungen auf
der ganzen Welt unsere politishe und
materielle Unterstützung.
Die Republikaner vertreten die
Auffassung, daß Menschenrechte dort
am ehesten verwirklicht werden, wo
die Freiheit auf dem Vormarsch ist.
Wir fordern die sowjetische Regierung
auf,
ihre
politischen
Gefangenen
freizulassen, den Dissidenten und anderen Regimekritikern die freie Ausreise zu gestatten und die Religionsfreiheit
einzuführen.
Sowjetische
Juden, Christen und andere ethnische
und religiöse Gruppen werden systematisch verfolgt, das Recht auf Ausreise wird ihnen verweigert, und sie
dürfen ihren Glauben nicht praktizieren. Diese Situation ist unerträglich, und die Republikaner fordern
ein Ende all dieser diskriminierenden
Praktiken.
Wir unterstützen den Wunsch nach
Freiheit und Selbstbestimmung all jener, die in totalitär beherrschten
Staaten leben.
Die republikanische
Partei verurteilt die Unterdrückung
der freien Willens der Polen, Ungarn,
Tschechoslowaken, Bürger der DDR,
Bulgaren, Rumänen und Albanier. Wir
unterstützen den Wunsch nach Freiheit
der Esten, Letten, Litauer, Ukrainer,
der Menschen im Kaukasus und anderer
Völker, die in der Sowjetunion gefangengehalten sind.
Wir unterstützen
die Gewerkschaftsbewegung Solidarität
in Polen.
Wir halten die Verletzung der
Menschenrechte aus religiösen oder
kulturellen Gründen für unvereinbar
mit unseren Werten. Tragödien in der
Geschichte - wie etwa der Holocaust
oder die schrecklichen Verfolgungen,
die das armenische Volk erdulden mußte - sind lebhafter Beweis für die
notwendige Wachsamkeit beim Schutz
und der Förderung der Menschenrechte.
Wir müssen zusammen mit anderen si-

cherstellen, daß sich solche Tragödien niemals wiederholen.
Die Republikanische Partei begrüßt die weitsichtigen Bemühungen
der Reagan-Bush-Administration um den
Ausbau der für unsere Öffentlichkeitsarbeit
eingesetzten
elektronischen Kommunikationsmittel, mit denen wir die totalitär beherrschten
Länder erreichen. Der Stimme Amerikas, Worldnet, Radio Free Europe und
Radio Liberty kommt bei unserer Öffentlichkeitsarbeit
eine
führende
Rolle zu. Diese elektronischen Kommunikationsmittel sind die treibende
Kraft und Multiplikatoren der Wahrheit. Sie bekämpfen eines der dunkelsten Kapitel des Totalitarismus:
die Unterdrückung des Volkes durch
Kontrolle von Informationen.
Wir
drängen auf den verstärkten Einsatz
moderner Technologien wie etwa Direktübertragungssatelliten und Videobändern sowie von Fernseh- und Rundfunkübertragungen, um den Wert der
Freiheit des Einzelnen auf der ganzen
Welt zu verbreiten.

Europa und die Verteidigung des
Westens
Die Republikaner sind der Überzeugung, daß der weitere Ausbau des
Handels zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zum Nutzen des amerikanischen Volkes und seiner europäischen Freunde ist.
Diese Wirtschaftsbeziehung muß sich jedoch auf
das Prinzip des freien und fairen
Handels gründen. Protektionismus und
andere gegen amerikanische Produkte
gerichtete
Handelshemmnisse
werden
nicht geduldet.
Das amerikanische
Volk fordert wirtschaftliche Fairneß
im amerikanisch-europäischen Handel.
Der vor kurzem unterzeichnete
INF-Vertrag hat bewiesen, daß der
NATO-Doppelbeschluß
zum Aubau der
NATO-Nuklearstreitkräfte
in
Europa
und gleichzeitige Verhandlungen über
Rüstungsbegrenzungen mit der Sowjetunion der einzige Weg waren, um die
sowjetische Führung zur Annahme be-

- 5 -

�deutender Reduzierungen bei den Nuklearwaffen zu bewegen.
Angesichts
der sowjetischen Propagandaangriffe
in den achtziger Jahren hat die NATO
als geschlossenes Bündnis ihre Flexibilität unter Beweis gestellt. Ermutigt durch die starke Führungsposition der Vereinigten Staaten nahm Europa eine unerschütterliche Haltung
gegenüber den sowjetischen Forderungen nach einem Atomstopp und einseitiger Abrüstung ein.
Amerikanische Hilfsleistungen und
der Fleiß der Europäer haben Westeuropa erneut zu einer Position weltweiter Stärke verholfen. In diesem
Zusammenhang ist die Republikanische
Partei der Auffassung, daß alle Mitgliedsstaaten der NATO ihren Teil der
Verteidigungslast tragen sollten.
Die Republikaner erachten Konsultationen und Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und Freunden als vorrangiges Ziel des Bündnisses, um der
Verbreitung von Technologie für ballistische Raketen Einhalt zu gebieten. Wir sind der Überzeugung, daß
die
andauernde
Unterstützung
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
zu der Versicherungspolice im Bereich
der Verteidigung führen wird, die das
amerikanische Volk für sich und seine
Verbündeten wünscht.

Der Nahe Osten

Wir werden unsere strategische
Beziehung zu Israel weiter festigen,
indem wir zusätzlich konkrete Schritte zur weiteren Institutionalisierung
unserer
Partnerschaft
unternehmen.
Dies beinhaltet die Aufrechterhaltung
eines angemessenen Umfangs an Militär- und Wirtschaftshilfe; die Fortsetzung unserer Treffen zu militärischer, politischer und wirtschaftlicher Kooperation und Koordination;
die Bereitstellung militärischen Geräts; die Entwicklung gemeinsamer
Pläne für jedwede Eventualität und
vermehrte gemeinsame See- und Luftübungen.
Die Zunahme der sowjetischen Militärpräsenz im östlichen
Mittelmeer und entlang der Südflanke
der NATO ist Beweis für die vordringliche Entwicklung und Erweiterung der
strategischen Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und Israel.
Wir lehnen die Schaffung eines
unabhängigen Palästinenserstaates ab;
seine Gründung steht den Sicherheitsinteressen Israels, Jordaniens und
der Vereinigten
Staaten entgegen.
Wir werden die Schaffung irgendeiner
palästinensischen Gruppe, die Israels
Sicherheit aufs Spiel setzen könnte,
in keiner Weise unterstützen.
Die Republikaner werden auf die
Bestrebungen der Reagan-Bush-Administration aufbauen und anhand der folgenden Prinzipien auf Frieden zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn hinarbeiten:

Die Grundlage unserer Politik im
Nahen Osten war und ist die Förderung
eines stabilen und andauernden Friedens in Anerkennung unserer moralischen und strategischen Beziehungen
zu Israel. Mehr als jede vorherige
Regierung hat die Reagan-Bush-Administration diese Partnerschaft gefestigt. Als Ergebnis dessen sind die
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Israel enger als je zuvor.
Wir werden Israels qualitativen
Vorteil gegenüber jedem Gegner oder
jeder Gruppe von Gegnern weiterhin
aufrechterhalten.

- 6 -

- Ein gerechter und andauernder
Frieden ist unabdingbar und vordringlich und kann nur durch direkte Verhandlungen zwischen Israel und den arabischen Nationen
verwirklicht werden.
- Friedensverträge müssen durch direkte
Verhandlungen
erarbeitet
werden und dürfen niemals einem
Partner aufgezwungen werden, der
dazu nicht bereit ist.
- Die PLO sollte keine Rolle im
Friedensprozeß spielen, es sei
denn, sie erkennt Israels Exi-

�stenzrecht an, akzeptiert Resolution 242 und 338 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, sagt
sich vom Terrorismus los und entfernt die Sprachregelung aus ihrer Charta, mit der die Vernichtung Israels gefordert wird.

menarbeit mit den pro-westlichen arabischen Staaten aufbauen. Wir sind
uns bewußt, daß diese arabischen Länder trotz möglicher VTgeltungsschläge durch radikale Elemente im Nahen
Osten freundliche Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unterhalten.

Wir sind der Überzeugung, daß Jerusalem eine ungeteilte Stadt sein
soll, mit freiem und ungehindertem
Zugang zu allen heiligen Stätten für
Menschen aller Konfessionen.

Die ständigen Auseinandersetzungen im Libanon liegen nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.
Bis
wieder Ordnung herrscht, wird der Libanon eine Quelle
internationaler
Terrorakte und regionaler Instabilität sein. Um den Normalzustand im
Libanon
wiederherzustellen,
müssen
die Vereinigten Staaten der überwiegenden Mehrheit der Libanesen hilfreich zur Seite stehen, die sich einem unabhängigem, friedlichen und demokratischen
Libanon
verpflichtet
fühlen.

Die Republikaner erachtten Ägypten als Mittler in der arabischen
Welt für die Sache des regionalen
Friedens und der Sicherheit.
Aus
diesem Grund sind die Vereinigten
Staaten unserer Ansicht nach an der
anhaltenden wirtschaftlichen Entwicklung Ägyptens äußerst interessiert.
Als einzige arabische Nation, die
formell Frieden mit Israel geschlossen hat, profitiert Ägypten jetzt davon.
Ägyptens
Unterstützung
des
Camp-David-Abkommens beweist, daß ein
arabisches Land mit Israel Frieden
schließen, ein Verbündeter der Vereinigten Staaten sein und gleichzeitig eine gute Position in der arabischen Welt beibehalten kann. Die
Republikaner unterstützen die formelle Anerkennung Ägyptens als wichtigstem Verbündeten außerhalb der NATO
durch die Reagan-Bush-Administration.
Unsere anhaltende Unterstützung
Ägyptens und anderer pro-westlicher
arabischer Staaten ist elementarer
Bestandteil der Politik der Republikanischen Partei. Zur Unterstützung
dieser Politik haben wir Seestreitkräfte in die Region entsandt, damit
sie gemeinsam mit den Verbündeten die
Schiffahrtsrouten während des iranisch-irakischen Krieges offenhalten.
Wir erkennen auch die besondere Rolle
der gemäßigten arabischen Staaten bei
der Unterstützung der amerikanischen
Sicherheitsinteressen an.
Die Republikaner werden auf die
Errungenschaften der Reagan-Bush-Administration und somit auf eine verbesserte sicherheitspolitische Zusam-

Um dieses Ziel zu verwirklichen,
werden wir die Politik der Vereinigten Staaten auf folgende Prinzipien
gründen: Einheit des Libanon; Abzug
aller
ausländischen
Streitkräfte;
territoriale Integrität des Libanon;
Wiederherstellung der Regierungsgewalt und die erneute Bestätigung der
libanesischen Souveränität im ganzen
Land in Anerkennung der Tatsache, daß
die Gewährleistung dieser Souveränität in der Verantwortung der libanesischen Regierung liegen muß. Wir
werden dem Libanon beim Wiederaufbau
seiner Gesellschaft behilflich sein,
damit religiöse Gruppierungen ebenso
wie in der Vergangenheit auch in Zukunft nebeneinander bestehen können,
der internationale Handel blühen kann
und internationaler Terrorismus der
Vergangenheit angehört.
Seit nahezu vier Jahrzehnten haben die strategischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen der
Vereinigten Staaten in der Region ihren Niederschlag in der amerikanische
Politik am Persischen Golf gefunden.
Die republikanische Politik verfolgt
drei Hauptziele:

- 7 -

- Gewährleistung
transports.

des

freien

Öl-

�- Die Ausdehnung des sowjetischen
Einflusses zu verhindern.
- Unterstützung der Unabhängigkeit
und Stabilität der Staaten in der
Region.

Bekämpfung des internationalen
Terrorismus und Bewältigung unterschwelliger Konflikte
Die Art der Kriegsführung an sich
hat sich gewandelt. Terrorismus ist
eine einzigartige Form der Kriegsführung, mit der die Sicherheit und Stabilität weltweit angegriffen und bedroht wird. Angefangen von dem mißglückten Attentat auf den Papst über
Anschläge auf Clubs der amerikanischen Streitkräfte in Europa mit
Autobomben bis hin zur Einschleusung
von Drogen in den Westen versucht der
Terrorismus, die Freiheit als unveräußerliches Recht des Menschen niederzukämpfen.
In dieser Kampagne des Terrors
haben sich das totalitäre Lager und
anti-westliche Fanatiker zusammengetan.
Die Ziele ihres subversiven
Krieges gegen die Demokratien sind
der Abzug unserer Truppen im Ausland
und der Widerruf unserer Freiheiten
im Inland.
Die Republikanische Partei ist
der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten zur Vereitelung von Terroranschlägen nachrichtendienstliche Fähigkeiten unvergleichlichen Ausmaßes
aufrechterhalten müssen. Falls Terroranschläge weder verhindert noch
abgewehrt werden können, müssen die
Vereinigten

Staaten

unserer

Ansicht

nach bereit sein, eine angemessene
Mischung von diplomatischem, politischem und militärischem Druck sowie
Mittel zur Bekämpfung des Terrorangriffs einzusetzen. Die Vereinigten
Staaten müssen weiterhin auf die Verpflichtung des Westens drängen, im
Bereich des Terrorismus eine Politik
"ohne Konzessionen" zu verfolgen.

Bush-Administration zu ihrer Bereitschaft, gegen Terroristen wie Libyens
Oberst Ghaddafi gemäßigt vorzugehen.
Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sein gesetzeswidriges Regime
weiterhin zu isolieren. Wir begrüßen
die unverzügliche Verabschiedung des
Gesetzes über diplomatische Sicherheit und Terrorismusbekämpfung durch
die
Reagan-Bush-Administration
im
Jahr 1986. Wir stehen unerschütterlich zu unserer Verpflichtung, alle
von terroristischen Elementen im Nahen Osten als Geiseln gefangengehaltenen Amerikaner zu befreien. Wo immer möglich, werden wir diejenigen
zur Rechenschaft ziehen, die für solche abstoßenden Taten verantwortlich
sind. Wir unterstützen ferner ausländische Militärhilfe, dank derer
befreundete Nationen für ihre eigene
Verteidigung
sorgen
können, einschließlich der Verteidigung gegen
Terroranschläge.
Wir sind uns der wachsenden Bedrohung unserer nationalen Sicherheit
durch den Terrorismus bewußt. Wir
werden den Terrorismus aktiv bekämpfen und sind bereit, gemeinsam
mit anderen Nationen oder - falls erforderlich - auch im Alleingang, Terroranschläge zu vereiteln oder darauf
zu reagieren. Unsere Politik konzentriert sich auf präventive Maßnahmen
zur Terrorismusbekämpfung; Zusammenarbeit mit den Verbündeten und auf
internationaler Ebene; Verhandlungen
über ein internationales Abkommen,
das präventive und aktive Maßnahmen
gegen Terroristen und Drogenterrorismus erleichtert, sowie die Schaffung
einer multinationalen Einsatztruppe,
die im Einklang mit dem multinationalen Abkommen operiert und auf Terrorismusbekämpfung,
nachrichtendienstliche Ermittlungen und Zerschlagung
des Drogenhandels spezialisiert ist.

Wir beglückwünschen die Reagan-

- 8-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1*

Hintergrundmaterial

""**" ck

24. August 1988

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

WAHLPLATTFORM DER REPUBLIKANER WERTVOLLE AUSSAGE FÜR BUSH-KAMPAGNE
- Artikel über die Positionen beim Parteikonvent -

NEW ORLEANS - (AD) - Die Wahlplattform der republikanischen Partei, mit
der die Leitlinien der bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampagne von Vizepräsident Bush festgelegt werden, spiegelt in hohem Maße die konservativen Ansichten wider, die in den acht Jahren der Reagan-Administration vorgeherrscht
haben.

In der beim nationalen Parteikonvent am 16. August verabschiedeten,
104 Seiten starken Grundsatzerklärung
wird insbesondere die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten in der Welt
hervorgehoben.
Im Bereich der Außenpolitik muß
der Plattform zufolge die vordringliche Zielsetzung darin bestehen, die
Nation und ihre Menschen zu schützen
und zu verteidigen, entscheidende nationale
Interessen der Vereinigten
Staaten im Ausland zu schützen, mit
Hilfe der durch Demokratie hervorgebrachten Selbstbestimmung und wirtschaftlichen
Wohlstandes
Frieden,
Stabilität
und Sicherheit auf der
ganzen Welt zu fördern.
In

anderen

wichtigen

Abschnitten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der Plattform wird die verbesserte
internationale Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung des Drogenhandels gefordert wie auch strukturelle Veränderungen, mit deren Hilfe Verschwendung
in der Regierung unter Kontrolle gebracht werden kann, verbesserte Fähigkeiten in Wissenschaft und Technologie und die Wiederherstellung der
amerikanischen
Vormachtstellung
im
Weltall.
Der Vorsitzende des Wahlplattform-Ausschusses, Gouverneur Kay Orr
aus Nebraska, bezeichnete das Dokument
als "wertvolle
Aussage, die
George
Bush
in seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
dem
amerikanischen Volk übermitteln kann".
Die

Plattform,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

die

George

Bush

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vom 106 Mitglieder umfassenden Ausschuß erbat, ist lang und ausführlich
und unterscheidet sich erheblich von
der acht Seiten umfassenden Plattform, die die Demokraten vor einem
Monat vorgestellt haben.

- Die
Regierungen
Lateinamerikas
"müssen zusammenhalten, um den in
dieser Region blühenden Drogenhandel zu besiegen".
- "Wir sind gegen die Bildung eines
unabhängigen
Palästinenserstaates" im Nahen Osten.

Der Vizepräsident erklärte vergangene Woche in einer Rede am ersten
Arbeitstag des Ausschusses, es sei
eine Aussage erforderlich, die auf
einzelne Bereiche eingeht, um dem
"auf Täuschung angelegten Text" der
Demokraten entgegenzutreten.
Die Republikaner erklärten, die
Plattform der Demokraten ziele darauf
ab, "die linke Einstellung" und ebensolche
Ansichten
eines
Präsidentschaftskandidaten
- des Gouverneur
von Massachusetts, Michael Dukakis zu verbergen, der seine Kampagne offensichtlich eher auf Fragen der Kompetenz als auf Konzepte ausrichte.
Bush erklärte, eine sehr detaillierte Plattform anzustreben, damit
die am 8. November zu den Urnen gehenden Amerikaner sich "ein möglichst
klares Bild des Kandidaten, der Parteien und der von ihnen verkörperten
Philosophien machen zu können".
Die Plattform
der
Republikaner
umfaßt einen großen Teil der konservativen Philosophie Reagans, betont
aber auch schwerpunktartig Themen wie
Umweltschutz und berührt neue Themen
wie etwa Kinderbetreuung.
Sie beinhaltet die Forderung nach
einer baldigen Stationierung der von
den
Demokraten
abgelehnten Strategischen Verteidigungsinitiative.
Die
Demokraten
fordern
ein Verbot von
Weltraumwaffen.
Einige der
im außenpolitischen
Teil der Plattform dargelegten Punkte:
- Die republikanische Partei verpflichtet
sich
zu
"humanitären
und militärischen" Hilfsleistungen für die antisandinistischen
Kräfte in Nicaragua.

- "Die Republikaner mißbilligen das
System der Apartheid in Südafrika
und betrachten es als moralisch
verwerflich."
Im Rahmen der Weltwirtschaftspolitik geht die Plattform auf die Bereitschaft der Republikaner ein, mit
den ASEAN-Ländern und anderen Handelspartnern wie etwa Taiwan Freihandelsabkommen zu schließen.
Sie heißt Menschen anderer Länder
in den Vereinigten Staaten willkommen, fordert aber eine Erweiterung
des Rechts der Regierung auf Kontrolle der amerikanischen Grenzen. Darüber hinaus fordert sie die Verbündeten der Vereinigten Staaten auf, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Wiederansiedlung von Flüchtlingen zu übernehmen.
Die Plattform beschreibt Maßnahmen zur Behandlung des Drogenproblems, fordert härtere Urteile - einschließlich
der Todesstrafe - für
führende Drogenhändler und engere Zusammenarbeit mit anderen Regierungen
bei der Vernichtung des internationale Drogenimperiums.
In der Wissenschaft befürworten
die Republikaner eine "kreative Partnerschaft zwischen Regierung und Privatsektor, damit die Dynamik und Kreativität von Forschung und Technologie in der Wissenschaft weiterhin gewährleistet ist." Die Plattform fordert ferner die Wiederherstellung der
amerikanischen Vorherrschaft auf dem
Gebiet der Erforschung des Weltraums.
Andere Abschnitte der Plattform
empfehlen strukturelle Veränderungen
im Haushaltsprozeß der Regierung, mit
denen Verschwendung unter Kontrolle

- 2 -

�gebracht werden kann sowie multilaterale Aktionen
zur Öffnung ausländischer Märkte für amerikanische Produkte etwa durch das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT).
Die Plattform der
Republikaner
enthält ferner die einhellige Absage
an Steuererhöhungen und die Unterstützung
für Mehrausgaben
im Bildungswesen. Und sie spricht sich gegen den Urlaub von Häftlingen aus,
die wegen Mordes und anderer Verbrechen verurteilt sind - eine kontroverse Frage, die Dukakis befürwortet.
Zwei Punkte, in denen beide Parteien in ihren Plattformen übereinstimmen,
betreffen
die
ablehnende
Haltung gegenüber der Legalisierung
von Betäubungsmitteln und die Unterstützung eines funktionsfähigen Sozialhilfesystems für ältere Menschen
in Amerika.
Nur
zwei Mitglieder des Wahlplattform-Ausschusses der Republikaner hielten ihr Dokument für "nicht
liberal genug", dennoch gab es keine
Forderungen
nach einem Zusatz der
Minderheit im Protokoll des Konvents,
so daß es beim Parteikonvent nicht zu
Diskussionen kam.
Der Stellvertretende Vorsitzende
des
Ausschusses,
Senator
Robert
Kasten aus Wisconsin, erklärte, die
Plattform seiner Partei konzentriere
sich auf Probleme, wohingegen die der
Demokraten eher vage sei. "Der Kampf
der Plattformen und Problembereiche
ist die wichtigste Schlacht, die in
der
Präsidentschaftswahlkampagne
zu
schlagen sein wird", erklärte Kasten.

* * * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

24. August 1988

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
QUAYLE VERTRETER EINER NEUEN GENERATION IN POLITISCHER VERANTWORTUNG
Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft

WASHINGTON - (AD) - Der von George Bush als Vizepräsidentschaftskandidat
der Republikaner ausgewählte Senator aus Indiana, James Danforth (Dan) Quayle,
erscheint vielen als Vorbote für die Zukunft der Partei, da er als erster Politiker der Nachkriegsgeneration in dieser Partei landesweiten Einfluß gewinnt.

Bei der Vorstellung des 41jährigen Senators bezeichnete Bush ihn auf
einer Pressekonferenz am 16. August
als "einen Mann der Zukunft", und
Wahlkampfleiter James Baker begrüßte
die Wahl des Vizepräsidenten als
"kühnen Brückenschlag zwischen den
Generationen".
Viele Delegierte auf dem republikanischen Konvent brachten sogleich
ihre Hoffnung
zum Ausdruck, daß
Quayle als erster Kandidat seiner Generation für ein solch hohes Amt in
der Lage sein werde, viele junge Wähler für die Republikaner zu gewinnen.
Der
Kongreßabgeordnete
Dick
Cheney, Mitglied der republikanischen
Führung im Repräsentantenhaus, sagte
über Quayle: "Er Ist eine exzellente

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wahl...
Es gibt viele unter uns
Vierzigern, die glücklich sind, daß
ein Kollege, einer von uns, in die
FUhrungsmannschaft aufgenommen wurde."
Der zweimalige Senator und Favorit der Konservativen in der Republikanischen Partei wurde im Jahr 1980,
dem Jahr nach Reagans erstem Erdrutschsieg, erstmalig zum Senator gewählt.
Dem Congressional Quarterly
Magazine zufolge unterstützte Quayle
in 80 bis 90 Prozent der Abstimmungen
die Politik von Präsident Reagan.
Der außerhalb seines Heimatstaates Indiana fast unbekannte Quayle
hatte durch seine Arbeit in den Senatsausschüssen für Haushalt, Arbeit
und Arbeitsmarktpolitik
sowie für
Streitkräfte Gelegenheit, solide po-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�litische Leistungen zu erbringen.
Als Mitglied des Streitkräfteausschusses war Quayle ein energischer
Gegner des kürzlich von beiden Kammern verabschiedeten Verteidigungsbewilligungsgesetzes, gegen das Präsident Reagan sein Veto eingelegt hat.
Quayles Einschätzung des Gesetzes und insbesondere seine scharfe Kritik
an der Kürzung der Gelder für die
Strategische
Verteidigungsinitiative
sowie an der Einbeziehung restriktiver
RUstungskontrollvorschriften
spiegelte sich später in der Begründung Präsident Reagans für sein Veto
wider.
Quayle spielte auch bei der Reform des militärischen Beschaffungswesens zur Mitte der achtziger Jahre
eine wichtige Rolle, indem er das
Verfahren verstärkt dem Wettbewerb
unterwarf.

blembereiche in enger Übereinstimmung
mit dem Vizepräsidenten. Beide Kandidaten befürworten die Unterstützung
des
nicaraguanisehen
Widerstands,
sind gegen schärfere Kontrollen für
den Waffenbesitz und die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze, und beide unterstützen die Todesstrafe für
führende Drogenhändler.
Trotz der ihm nachgesagten konservativen Haltung in Steuerfragen
stimmte Quayle im Jahr 1982 mit der
Mehrheit der Republikaner im Senat
für Steuererhöhungen.
In anderen Fällen vertrat er andere Meinungen als seine konservativen Mitstreiter, insbesondere in Fragen der Umwelt, der Stadtentwicklung
und der Bürgerrechte, zum Beispiel:
- Im Jahr 1983 unterstützte Quayle
eine Gesetzesinitiative der Demokraten, die den Kohleabbau auf
von der Regierung gepachtetem
Land untersagte, während eine
Überprüfung durch den damaligen
Innenminister James Watt noch
ausstand.

Obwohl er für die Ratifizierung
des INF-Vertrags stimmte, gehörte er
zu dessen aktivsten Kritikern im Senat. Seinen Anhängern zufolge trug
seine Rolle in der langen Senatsdebatte dazu bei, die Parameter für die
Gespräche
zur Reduzierung strategischer Waffen (START) zu definieren.

- Im Jahr 1987 war er unter denjenigen, die das Veto Präsident
Reagans gegen das Gesetz zur Wasserreinhaltung überstimmten.

In einem Interview am 17. August
wies Außenminister Shultz Vermutungen
zurück,
daß
Quayles
anfängliche
Opposition gegen den INF-Vertrag Uneinigkeit mit Vizepräsident Bush bedeutet, der den Vertrag von Anbeginn
unterstützte.
"Was Senator Quayle getan hat,"
erklärte Shultz, "war, ihn (den INFVertrag) in allen Einzelheiten zu untersuchen.
Er hat wirklich seine
Hausaufgaben gemacht, er hat sich
sehr sorgfältig damit beschäftigt.
Er hat sich einfach nicht auf die
Aussagen anderer verlassen, daß der
Vertrag gut sei. Und nachdem er zufriedengestellt war, hat er ihn unterstützt."

sich

Im allgemeinen befindet Quayle
bei vielen der wichtigen Pro-

- Im Jahr 1986 gehörte er zu denjenigen, die Reagans Veto gegen
Südafrikasanktionen überstimmten.
- 1982 stimmte er entgegen den Wünschen der Administration für die
Vergabe von Krediten zu niedrigen
Zinsen an Ersterwerber einer Immobilie.
Quayle ist außerdem als treibende
Kraft hinter dem Partnerschaftsgesetz
zur beruflichen Ausbildung des Jahres
1982 bekannt, einem Programm, das der
Ausbildung von Arbeitskräften für Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft
dient. Er arbeitete eng mit dem demokratischen Senator Edward Kennedy
zusammen, und das Gesetz erhielt von
führenden Vertretern beider Parteien

- 2 -

�viel Lob.
Einer von denen, die Quayles Rolle rühmten, war der Vorsitzende des
Republikanischen
Nationalkomitees,
Frank Fahrenkopf, der seine Bemühungen als Beweis dafür zitierte, daß er
ein "mitfühlender Staatsmann ist...
(der) davon überzeugt ist, daß die
Rolle der Bundesregierung darin besteht, sicherzustellen, daß jeder
Amerikaner die gleiche Chance für einen guten Arbeitsplatz und eine schöne Zukunft hat".

Bei der Wahl zum Senat im Jahr
1980 besiegte Quayle den demokratischen Veteranen Birch Bayh.
Im
Jahr 1986 wurde er mit 61 Prozent der
Stimmen wiedergewählt - dem höchsten
jemals in Indiana erzielten Stimmenanteil.
Quayle und seine Frau Marilyn,
geb. Tucker, haben drei Kinder.

Fahrenkopf bezeichnete Quayle als
"einen der besten Experten des Senats
zur Verteidigungspolitik" und fügte
hinzu, daß der junge Senator "sich
einen Namen für konstruktive Ideen
und innovative Lösungen gemacht hat.
Er fürchtet sich nicht davor, sich
den Problemen der nächsten Generation
zu stellen - er ist die nächste Generation".
Quayle wurde am 4. Februar 1947
in Indianapolis als Sohn einer prominenten
Verlegerfamilie
geboren.
Sein Großvater war Eugene Pulliam,
der Besitzer des Indianapolis Star
und der Arizona Republic. Im Jahr
1969 machte er an der Depauw University Examen, und im Jahr 1974 verließ
er die Indiana University Law School
mit einem Abschluß In Rechtswissenschaft.
Während seines Dienstes in der
Nationalgarde von 1969 bis 1975 war
Quayle im Büro des Justizministers,
im Büro des Gouverneurs und in der
Finanzbehörde des Staates Indiana tätig.
Nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst praktizierte er in Indianapolis als Rechtsanwalt und war
Mitherausgeber der Zeitung im Besitz
seiner Familie, der Huntington Herald
Press.
Vor seiner Wahl zum Senator war
er zwei Amtsperioden lang Abgeordneter
des
amerikanischen
Repräsentantenhauses.

- 3-

�v&lt;fc° S *&lt;

r

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

%ro^

24. August 1988

30

GESUNDHEITSVORSORGE DURCH VERNÜNFTIGE ERNÄHRUNG
Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus allen
einschlägigen Forschungsgebieten -

WASHINGTON - (AD) - Eine drastische Reduzierung des Fettkonsums fordert
Dr. C. Everett Koop, als "Surgeon General" der ranghöchste Gesundheitsbeamte
der Vereinigten Staaten, von der amerikanischen Bevölkerung.

Begründung:
Über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit bzw. über langfristige Auswirkungen falscher Ernährung auf das
Auftreten
von
Herzerkrankungen,
Schlaganfall, Diabetes, einige Formen
von Krebs und bestimmte andere Krankheiten könne kein Zweifel mehr bestehen. Dies zeige der Ende Juli 1988
vom amerikanischen Gesundheitsministerium veröffentlichte neue Bericht,
der die umfassendste Sammlung von
Studien auf diesem Gebiet überhaupt
darstellt.
Ernährungswissenschaftler, Ärzte und Fachkräfte der verschiedensten Fachrichtungen im Gesundheitswesen werden ihn als ungemein reichhaltige Informationsquelle
zu schätzen wissen.
Die

Todesursache

bei

etwa

zwei

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dritteln der im Jahr 1987 verstorbenen 2,1 Millionen Amerikaner hat dem Bericht zufolge - mit der Ernährungsweise im Zusammenhang gestanden.
Der Fettgehalt der täglichen Nahrung
liege bei 37 Prozent, also weit höher
als die von der "American Heart Association" seit langem als Maximalwert vorgeschlagenen 30 Prozent. Die
notwendige Menge an Faserstoffen
ca. 30 Gramm pro Tag - werde bestenfalls zur Hälfte erreicht.
Seine wichtigsten Empfehlungen,
nämlich Verringerung der Fett- und
Cholesterinaufnahme sowie des Kochsalz- und Alkoholkonsums, der Gewichtskontrolle, einer abwechslungsreichen Ernährung unter Einbeziehung
von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sind nicht neu. Aber sie stützen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sich nunmehr auf sehr viel Beweismaterial, das aus den verschiedensten
Gebieten der Forschung zusammengetragen wurde. Otis R. Bown, amerikanischer Minister für das Gesundheitsund Sozialwesen, bezeichnete es als
noch umfassender als das Material,
auf dessen Grundlage in den sechziger
Jahren der bahnbrechende Bericht über
"Rauchen und Gesundheit" erstellt
wurde.
Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung kausaler Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit werden
keineswegs verkannt. "Eine Kombination (und Wechselwirkungen) zahlreicher umweit- und verhaltensbedingter
sowie sozialer und genetischer Faktoren" trügen zu den auf die Ernährung
zurückzuführenden
Krankheiten
bei,
heißt es in dem Bericht. Welchen Anteil allein die Ernährung habe, sei
nicht genau auszumachen.
Zwar ist
eine Reihe von Experten überzeugt,
daß Ernährungsgewohnheiten ganz allgemein z.B. für etwa ein Drittel oder
mehr Fälle von Krebs verantwortlich
zu machen sind und ähnliches in etwa
für koronare Herzerkrankungen gilt.
Jedoch stützen sich diese Ansichten
auf die Interpretation von Studien,
bei denen Ernährung nicht getrennt
von genetischen Gegebenheiten, persönlichem Verhalten und der Umweltsituation betrachtet werden könnte.

Beispiel werden die Zusammenhänge
zwischen fetter Ernährung und hohem
Cholesterinspiegel mit Herzerkrankungen herausgestellt, für die eine Fülle von Beweismaterial vorliege: "Die
Ähnlichkeit in Ergebnissen der Laborforschung, der klinischen und epidemiologischen Forschung, die offensichtlichen
Zusammenhänge
zwischen
Dosis und Wirkung in diesen Studien,
die Beobachtung, daß höhere Werte des
Blutcholesterinspiegels mit gesättigten Fettsäuren, jedoch nicht mit anderen Fettsäuren etwas zu tun haben,
und die plausiblen biologischen Erklärungen für diese Beobachtungen erhärten alles in allem die Schlußfolgerung in bezug auf Kausalität - zumindesten bei bestimmten Personentypen bzw. Gruppen.
Als wichtigste allgemeine Empfehlung nennt der Bericht:

Manche Menschen seien nun einmal
aufgrund ihrer Erbanlagen für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und
Diabetes disponiert.
Das Zusammenwirken solcher Anlagen mit Ernährungsgewohnheiten sei dann mitbestimmend für das individuelle Risiko.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt machten
es derartige Zusammenhänge noch unmöglich, den Anteil chronischer Erkrankungen, der durch Ernährungsänderungen verringert werden könnte, sicher zu ermitteln. Fest stehe nur,
daß die Ernährung wesentlich zur Entwicklung dieser Krankheiten beitrage
und ihnen durch eine Ernährungsumstellung vorgebeugt werden könne.
Als

besonders

eindrucksvolles
- 2 -

- Verminderung des Konsums von Fetten, insbesondere von gesättigten
Fettsäuren, die den Blutcholesterinspiegel ansteigen lassen, sowie von cholesterinhaltigen Nahrungsmitteln.
Vorzuziehen seien
kohlenhydrat- und
faserstoffhaltige Nahrungsmittel wie Gemüse
(einschließlich getrockneter Bohnen und Erbsen), Obst und Vollkornprodukte, außerdem Fleisch,
Geflügelfleisch ohne Haut, mageres anderes Fleisch und Molkereiprodukte mit niedrigem Fettgehalt.
Zur
Speisenzubereitung
sollte wenig oder überhaupt kein
Fett verwendet werden.
- Man sollte ein wünschenswertes
Körpergewicht anstreben und aufrechterhalten.
Dazu ist einen
Ernährungsweise angebracht, bei
der
die
Kalorienaufnahme
dem
Energieverbrauch entspricht.
An
Kalorien
relativ
reichhaltige
Nahrungsmittel, Fette und Zucker
sollten begrenzt, der Alkoholkonsum auf ein Minimum reduziert
werden. Regelmäßige und mit bestimmtem
Kraftaufwand
durchgeführte körperliche Aktivität ist
wichtig.

�- Die Kochsalzaufnahme sollte durch
die Wahl salzarmer Speisen, den
Verzicht auf zu viel Salz bei der
Speisenzubereitung und Nachsalzen
bei Tisch verringert werden.
- Zurückhaltung bei Alkohol: Man
sollte sich pro Tag keinesfalls
mehr als zwei Drinks genehmigen,
besser auf sie ganz verzichten.
Während der Schwangerschaft sollten Frauen überhaupt keinen Alkohol trinken.

Im Interesse bestimmter Personengruppen wird empfohlen:
- Trinkwasserfluoridierung in allen
gemeindeeigenen
Leitungen
zur
Verhinderung von Karies. Dieses
Verfahren hat sich in den Vereinigten Staaten als eine der erfolgreichsten Maßnahmen erwiesen.
- Begrenzter Zuckerkonsum bei Personen, speziell bei Kindern, die
für Zahnfäule besonders anfällig
sind.
- Junge
Mädchen
und
erwachsene
Frauen sollten mehr kalziumreiche
Nahrungsmittel,
einschließlich
fettarmer
Molkereiprodukte,
zu
sich nehmen, um das Risiko einer
späteren Osteoporose (Entkalkung
der Knochen) zu verringern.
- Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter sollten stets nur Speisen zu sich nehmen, die genügend
Eisen enthalten - beispielsweise
mageres rotes Fleisch, Fisch, bestimmte Bohnenarten, mit Eisen
angereicherte
Nährmittel
und
Vollkornprodukte. Der Konsum Vitamin-C-haltiger Nahrung erhöht
die Wahrscheinlichkeit, daß der
Körper Eisen ausreichend absorbiert und verwertet.

* * * * * *

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berliner flauer Beweis des gescheiterten Traums vom Kommunismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Bericht fordert bessere Lastenverteilung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Kongreßstudie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die Außenpolitik der Republikaner: Stärke, Realismus, Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahlplattform der Republikaner wertvolle Aussage für Bush-Kampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über die Positionen beim Parteikonvent&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quayle Vertreter einer neuen Generation in politischer Verantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesundheitsvorsorge durch vernünftige Ernährung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus allen einschlägigen Forschungsgebieten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>;e° s&gt;,

AMERIKA DIENST

3 1 . August 1988

31

I N H A L

T

HINTERGRUMPflATERIftL
Da» sowjetische Militär:

Offene Worte aber keine Taten

Von Frank C. Carlucci -

Ein« Aufgabe der neuen Administration:

Anpassung der NATO

an neue Realitäten
- Von Sen. William V. Roth 3r. , Bill Richarcison und Ooug Bereutet

WIRTSCHAFT
Oll nichtprotaktionistlache amerikanische Handelsgesetz
- Von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des amerikanischen
Hände 1sbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreiche Brenntests mit DISCOVERY-Antriebsmotoren
- Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt

* * * * * H

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�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

^

31

31. August 1988

DAS SOWJETISCHE MILITäR:

OFFENE WORTE ABER KEINE TATEN

- Von Frank C. Carlucci -

WASHINGTON - (AD) - Frank C. Carlucci ist amerikanischer Verteidigungaminister.
Der folgende Artikel, wurde erstmals im Wall Street Journal vom 30,
August 1988 veröffentlicht.

Anfang dieses Monats konnte ich
vier Tage lang eine Seite des sowjetischen Militärs beobachten, die bis
dahin dem größten Teil der Welt hermetisch
verschlossen
war
ein
schließlich Millionen Bürgern in der
Sowjetunion.
Die Begegnung war die
dritte in einer Reihe von Treffen mit
dein
sowjetischen
Verteidigungsminister Dimitri Jasow,

Besuch gekennzeichnet war, zu beweisen, daß Glasnost auch ins sowjetische Militär Einzug hält. Der Zu
gang und die Freimütigkeit waren in
der Tat bemerkenswert gemessen an dem
bisher von den Sowjets zugrunde gelegten Standard.
Ich konnte jedoch
nicht: umhin, die sowjetische Art der
Offenheit mit dem Standard der westlichen Seite zu vergleichen.

Der Besuch war faszinierend, der
Gedankenaustausch
freimütig,
offen
und engagiert.
Die sich jetzt stel
Lende Frage lautet:
Wo stehen wir
heute, und was wird als nächstes geschehen?

Lassen sie mich ein Beispiel aus
dem Bereich der nationalen Sicherheit
nennen. Eis ist allseits bekannt, daß
der sowjetische Verteidigungshaushalt
in realen Zahlen abgenommen hat und
wir als Folge dessen den Umfang unserer Streitkräfte im Verlauf der kommenden zwei Jahre um eine Anzahl von
Schiffen, drei Fluggeschwader, einige
Einheiten des Heeres- und Marinekorps

Zweifelsohne versuchten die Sowjets, mit der Offenheit und dem ungehinderten Zugang, von denen mein

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�und nahezu
worden.

45 0 0 0 Soldaten

reduzieren

Über die militärischen F ä h i g k e i ten der Sowjets ist entschieden weniger bekannt.
Unseren Schätzungen z u folge sind die gegenwärtigen Militärausgaben
der
Sowjets
mindestens
sechsmal höher als die im Haushalt
angegebene Zahl.
Im Verlauf meiner
Gespräche habe ich den Vorschlag unterbreitet, daß die Sowjets ihr M i l i tärbudget
offen legen und
erklären,
welche Veränderungen vorgenommen w e r den könnten und welche Auswirkungen
dies auf die sowjetische Streitkräftestruktur haben würde.
Es wurde mir erklärt, die sowjetische Regierung sei aus technischen
Gründen nicht in der Lage, solche I n formationen zu liefern.
Dies hinge
mit; d e r Verteilung des sowjetischen
Militärhaushalts
über mehrere Mini
sterien zusammen, was eine d e r u n s r i gen vergleichbare Haushalt saufschlüsselung erschwere.
Die
sowjetischen
Regierungsvertreter vers icherten mir,
daß sie sich mit diesem Problem b e fassen werden, und ich bin bereit,
die Möglichkeit in Betracht zu z i e hen, daß die Veröffentlichung
eines
detai 11 ierten Mi 1 itärhaushaIts
ihnen
be s o nd e r e
S c hw i e r i g k e i t e n
b e re i t e n
mag.
Trotzdem sind wir noch weit d a von entfernt, das sowjetische Mil i
tärwesen als offen bezeichnen zu k ö n ne n, be v o r d :i e s e g ru nd 1 eg e nd e n I n f o rmalionen nicht d e r Öffentlichkeit z u gänglich gemacht werden.
Ich habe meine sowjetischen Gesprächspartner ferner gedrängt, z u sätzliche Einzelheiten über ihre neue
"Verteidigungsdoktrin" und das P r i n zip des "vernünftigen und ausreichen
den Niveaus" zur Verfügung zu s t e l len, die angeblich heute die Grundla
go
der
sowjetischen
Strategie
und
Streitkräftestruktur
bilden.
Ich
sprach dieses Thema an, da wir im
Westen noch kein Wach lassen im kontinuierlichen Wachstum der sowjetischen
Militärmacht feststellen konnten.
20 Jahre nach dem Prager

Frühling

unterhält die Rote Armee m e h r D i v i sionen in der Tschechoslowakei
als
die Vereinigten Staaten in ganz Europa, und mehr Divisionen in d e r DDR
als die Vereinigten Staaten in ihrem
gesamten aktiven Hoar haben.
Auf d e r
Halbinsel
Kola,
drei
norwegischen
Grenzbatail.Ionen mit leichter I n f a n terie gegenüber, haben die
Sowjets
drei Divisionen, eine Flotte und eine
Marineinfanteriebrigade
stationiert.
Vor der Küste Japans unterhalten sie
umfangreiche
Landstreitkräfte,
die
von
zahlreichen
Flugzeugen
unterstützt der Verteidigung gegen
eine
angebliche Invasionsbedrohung seitens
d e r japanischen
Selbstverteidigungsstreitkräfte dienen sollen.
Trotz d e r Tatsache, daß die S o wjetunion eine wesentlich größere M i litärmacht besitzt, als sie zu ihrer
Verteidigung benötigt, g a b V e r t e i d i gungsminister Jasow keinen Anlaß zu
d e r Annahme, daß - außer bei mit dem
We s ten au sgehande1ten be iderse i t igen
Reduzierungen - ein Abbau der sowjetischen
Streitkräfte
stattfinden
könnte.
Wie dies
mit den
sowjetischen Äußerungen über ein "vernünftiges und ausreichendes Miveau" der
militärischen Fähigkeiten in Einklang
zu bringen ist, bleibt abzuwarten.
Ich habe meinen sowjetischen G e sprächspartnern
gegenüber
verdeutlicht, daß die Vereinigten
Staaten
nichts lieber sähen als die Abkehr
d e r Sowjets von einer offensiv o r i e n tierten
militärischen
Haltung.
Gleichzeitig habe ich festgestellt,
daß gewisse Elemente in d e r sowjetischen
Streitkräftestruktur
die
starke Betonung von Panzern, motorisierter Artillerie, vorne stationiertem Brückenlegegerät, hochbeweglicher
operativer Manövergruppen und s c h w e rer Atomraketen vorn T y p SS 18 mit ihrem Erstschlagpotential - in scharfem
Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen
über die Verteidigungsdoktrin
stünden. Meine G a s t g e b e r erwiderten, ihre Streitkräfte könnten auch defensiv
eingeschätzt werden und wir sollten
die sowjetischen Versicherungen
akzeptieren, daß sie keine
Bedrohung

... 2 -

�für uns oder unsere Verbündeten darstellten.
Selbstverständlich
- und
dies erklärte ich den sowjetischen
Offizieren, mit denen ich sprach ••wäre kein kluger Soldat bereit, dies
zu tun.
Die Sowjetunion mag im Hinblick
auf Reformen zögernde Schritte unternehmen, aber im Umfang oder beim Einsatzkonzept ihres Militärs ist immer
noch keine nennenswerte Veränderung
zu verzeichnen.
Die "neue Doktrin"
hat weder zur Zerstörung oder Ausmusterung
eines
einzigen
Schiffes,
Flugzeuges oder Panzers geführt noch
zu einem Abzug von Truppen aus Europa
oder
Ostasien.
Die
sowjetischen
Streitkräfte sind ihrem Aufbau und
ihrer Ausrüstung nach immer noch in
der Lage, mächtige
Offensivschläge
auszuführen, um Territorium zu erobern und zu halten.

Erhaltung eines starken Amerika. Die
Reagan Administration verfolgt im Bereich der Verteidigung ein Modern!
sierungsprogramm, mit dem gewährleistet werden soll, daß wir die Fähigkeit und auch die Bereitschaft zur
Verteidigung unserer Interessen besitzen.
Genau
diese
Politik
der
Stärke hat den Weg für bessere Beziehungen zur Sowjetunion geebnet.
Das ist die Realität, die mit der
Hoffnung einhergehen muß, daß die Zukunft eine weniger bedrohliche Sowjetunion bringen wird.
Inzwischen
werden wir auf Veränderungen warten,
danach Ausschau halten - und den von
uns aufgenommenen Dialog vorantreiben.

x K x x x x
Bis jetzt; liegen also keine Hinweise dafür vor, daß die in der Sowjetunion geführte Debatte über militärische Strategie über das Stadium
von Diskussionen hinaus gediehen ist.
Dennoch besteht eine bemerkenswerte
ßere i 19 cha f t, Me i nungs versc hiedenhe iten zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion offen anzusprechen.
Das genügt, um mich davon zu
überzeugen, daß unsere Zusammenkünfte
fortgeführt werden können und sollen.
Gleichzeitig
ist es notwendig,
eine
realistische
Betrachtungsweise
darüber
beizubehalten,
was
dieser
Dialog
zu
leisten
vermag.
Meine
Treffen mit Herrn Jasow sind beispielsweise kein Ersatz für Verhandlungen zum Abbau strategischer oder
konventioneller
Streitkräfte.
Sie
sind vielmehr eine Möglichkeit, uns
gegenseitig persönlich unsere Ansich
ten zur Sicherheit darzulegen.
Wir müssen uns vergegenwärtigen,
daß der Fortschritt, den wir im Hinblick
auf
die
Behandlung
unserer
größten
potentiellen
Bedrohung ei—
zielt haben, auf mehr basiert als nur
auf Gesprächsbereitschaft
- er basiert auch auf unserem Entschluß zur

�AMERIKA DIENST

;0 S&gt;.

'%r,oN

4

Hintergrundmaterial

31

31, August 198 8

EINE AUFGABE DER NEUEN ADMINISTRATION:
AN NEUE REALITSTEN

ANPASSUNG DER NATO

Von Senator William V. Roth Jr., Bill Richardson und Doug Bereuter

(AD)
(Senator William V. Roth Jr., ein Republikaner aus dem Staat
Delaware, der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Bill Richardson, ein Demokrat
aus New Mexico und der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Doug Bereuter, ein
Republikaner aus Nebraska, sind Mitglieder im Ausschuß zur NATO in den neunziger Jahren.
Der folgende Artikel ist ein Nachdruck einer zuerst im Christian Science
Monitor erschienenen Veröffentlichung des Philadelphia Inquirer vom 2.9. August
1988. )

Der Amisantritt der nächsten amerikanischen Administration findet zu
einer Zeit außergewöhnlicher Chancen
statt.
Begünstigt durch zahlreiche
positive Tendenzen in den Ost-WestBeziehungen und unter dem Zwang zur
Sanierung des amerikanischen Bundes
haushalts sollte sich die Administration mit ihren Verbündelen in der
NA 10 zusammensetzen, um neue transat I ant :i. sehe Vere inbarungen auszuhandeln, die beiden Entwicklungen Rechnung tragen.
Ein neues Mandat für das Bündnis
sollte den anhaltenden Bedarf &lt;m Maßnahmen zur Sicherung der Abschreckung
widerspiegeln
und
gleichzeitig die
Ausweitung
von
Zusammenarbeit
und
Dialog mit den Staaten des Warschauer
Pakts anstreben; diese beiden Prin-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zipien sind
im Marmel-Bericht von
196/ festgeschrieben.
Das neue Mandat muß jedoch zusätzlich die Eni
sehlossenheit
widerspiegeln,
eine
wirklich europäische Säule innerhalb
des Atlantischen Bündnisses zu errichten, mit dar die Grundlage für
die schrittweise Übernahme weiterer
Verteid igungs und Führungsverantwor
tung durch die europäischen Bündnispartner geschaffen wird.
Der Plan für eine solche Verein
barung wird in einem kürzlich von
e iner transatlant i sehen
Parlamenta
riergruppe aus Demokraten und Republikanern, Nordamerikanern und Europäern, Christdemokraten und Sozialdemokraten
verabschiedeten
Sonderbe
rieht der Nordatlantischen Versammlung mit dem Titel "Die NATO in den

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�gen, und wir sollten keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen.

neunziger Jahren" dargelegt.
Dieser
Ausschuß
hat
Präsident
Reagan seinen Bericht vorgelegt, jedoch wird die Aufgabe, dessen Empfehlungen
umzusetzen,
weitgehend
der
nächsten Administration zufallen. In
den vergangenen Monaten hat Präsident
Reagan mit seiner ausdrücklichen Unterstützung
der europäischen
Säule
innerhalb der NATO und mit den jüngsten Verbesserungen in den Ost-West
Beziehungen bereits das Fundament für
solche Bemühungen gelegt.
Die NATO stellt auch weiterhin
für die Vereinigton Staaten, Kanada
und die westeuropäischen Bündnispartner das beste Mittel dar, um die nationale Sicherheit zu garantieren und
ein stabileres Sicherheitsgefüge ohne
Bedrohung in Europa anzustreben.
Es
hat sich jedoch im amerikanisch-europäischen Verhältnis ein grundlegender
Wandel vollzogen, der sich im Anstieg
der wirtschaftlicher Stärke und dos
politischen Potentials der westeuropäischen Verbündeton niederschlägt.
Einige
amerikanische
Beobachter
haben auf diesen Wandel dergestalt
reagiert, daß
sie die Vereinigten
Staaten zu einschneidenden Kürzungen
ihrer Beiträge zur IMATO auffordern,
wobei einige von ihnen hoffen, die
Europäer so zu zwingen, diesen Ausfall
wettzumachen.
Diese
Haltung
könnte jedoch leicht den gegenteiligen
Effekt
haben.
Generalsekretär
Gorbatschows Öffentlichkeitsarbeit in
Westeuropa ist nicht ohne Wirkung ge
blieben.
Deshalb würde ein Abzug
amerikanischer Truppen - ob angedroht
oder de facto - nicht notwendigerweise zu verstärkten europäischen Vei—
teidigungsanstrengungen führen.
Andere Beobachter wiederum argumentieren nach dem bekannten Motto
"Wenn etwas nicht kaputt ist, sollte
man nicht daran herumreparieren."
Mit anderen Worten:
Die IMATO hat
über 40 Jahre lang unseren Interessen
gut gedient, zur
Aufrechterhaltung
des Friedens und Sicherung der politischen Einheit des Westens beigetra
- 2

Der Bericht über "Die IMATO in den
neunziger Jahren" fordert, die meisten Teilbereiche der gegenwärtigen
Struktur und Politik der IMATO auf
Dauer beizubehalten. Die Vereinigten
Staaten sollten eine umfangreiche militärische Präsenz
in Europa aufrechterhalten und gleichzeitig ihre
IMuklearstreitkräfte so aufbauen, daß
damit die Abschreckung
einer jeglichen Bedrohung für die Sicherheit
des Westens gewährleistet wird. Alle
Mitglieder sollten ihre Beteiligung
am Bündnis bekräftigen.
Die gegenwärtige IMATO-Strategie
und - noch
mehr - ihre Doktrin der flexiblen Reaktion, mit der Optionen zur Vertei
digung offenstehen, sollten beibehalten werden.
Aber das Bündnis muß sich auch
verändern.
Das Wetz seines Zusammenhalts wird allmählich von Unmut zerfressen:
dem amerikanischen
Unmut
darüber, daß die Vereinigten Staaten
den Löwenanteil zur Verteidigung der
IMATO zahlen und dem europäischen Unmut, daß die Vereinigten Staaten immer den Ton angeben.
Kurzfristig
wäre es einfacher,
nichts zu tun. Die Bürokratien aller
NATO-Staatan neigen ihrem Wesen nach
zu dem Ratschluß, alles seinen Gang
gehen zu lassen.
Manche der amerikanischen RegierungsVertreter fürchten, größerer Einfluß der Europäer
auf
Entscheidungen
des
Bündnisses
würde die Position der Vereinigten
Staaten innerhalb der NATO "unterminieren" .
Aber die Verfasser von "Die NATO
in den neunziger Jahren" sind davon
überzeugt, daß Veränderungen stattfinden müssen, wenn wir in Zukunft
ein starkes und tragfähiges Bündnis
zwischen Nordamerika und Westeuropa
aufrechterhalten
wollen.
Dieses
Bündnis trägt dazu bei, zwischen den
Weltmächten Frieden und Stabilität in
einem Umfang zu gewährleisten, der in
der Geschichte seinesgleichen sucht.

»

*

�reich führen.
Verbesserte Zusammen
arbeit zwischen Ost und West könnte
ebenfalls dazu
beitragen, daß die
Probleme der Dritten Welt nicht zum
Zankapfel
zwischen den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion werden.
Aber ob diese Rüstungskontrollbestrebungen Erfolg zeitigen und zum Abbau
von Konflikten in der Dritten Welt
Bald nach der Amtseinführung dar
beitragen - die NATO-Verbündeten müsneuen
Administration
in Washington
soll ei n IM ATO--G i p f e 1 das E ng ag e m e n tsen sich zusammenschließen, um sicherzustellen, daß ihr Bündnis in den
für eine Politik bekräftigen, deren
neunziger Jahren denselben Erfolg hat
Leitlinie die Notwendigkeit für Vei—
wie in den ersten vier Jahrzehnton
teidigung, Dialog und Entwicklung eiseines Bestehens.
nes echten europäischen Pfeilers der
NATO bi1det. Mitg1ieder so111en sich
verpflichten, jede künftige Entscheidung der NATO im Hinblick auf dieses
Engatngent zu prüfen.
K tt K tt * K
Zur Absicherung dieser Dauerhaftigkeit müssen Veränderungen erfolgen.
Irn nächsten
Jahrzehnt sollten die
NATO-Verbündeten eine bewußte Umverteilung der Lasten und Pflichten voi—
nehmen, um für die NATO eine echte
Zwei-Säulen-Basis zu schaffen.

Wir sind ferner übereingekommen,
daß alle NATO-Länder ohne Entschädigung
die
von
den
amerikanischen
Stre i tkräf ten benötigten Stützpunkte
zur Verfügung stellen sollten und daß
nicht nur die Vereinigten Staaten,
sond e rn
alle
wohlhabe nd eren
NATOStaaten den
ärmeren Mitgliedern
Portugal, Griechenland, Türkei - Unterstützung leisten sollten.
Wir haben darüber hinaus die Einrichtung einer "Arbeitsgruppe westlicher Länder zu Fragen internationaler
Sicherheitspolitik"
empfohlen,
die einen Rahmen für Konsultationen
und die Planung für Eventualitäten
abstecken soll, um zusätzliche Ansätze zu entwickeln, wie den Herausforderungen aus bündnisfremden Gebieten
für die Sicherheit des Westens begegnet werden kann. Angesichts der formalen und politischen Beschränkungen
des Mandats der NATO sollte eine solche Gruppe von der NATO abgetrennt
sein und auch NATO-Verbündete, Japan
und
solche Demokratien
Westeuropas
Mitglieder werden können, die eine
Te i 1 nähme an st re be n.
Wenn wir Glück haben, wird die
Verbesserung der Ost-West-Beziehungen
zu weiteren soliden und verifizierbaren
RüstungskontrollVereinbarungen
für
Nuklearstreitkräfte,
chemische
Waffen und den konventionellen Be- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

«*

31

31. August 1908

DAS WOfTPROTEKTICmSTISCHE flflERXKMtt8GHE MMDCUOCMTZ
Von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des
amerikanischen Hande1sbeauftragten -

— (AD)
Im Jahr 1986 charakterisierte Präsident Reagan ein vom Reprä
sentantenhaus verabschiedetes Handelsgesetz als "Rambo, . . . Kamikaze"-Gesetzgebung.
Im August 1988 verlieh Präsident Reagan mit seiner Unterschrift dem
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz von 1988 Gesetzeskraft.

Hatte sich der Präsident eines
anderen besonnen?
Gewiß nicht. Was
sich dramatisch vorändert hatte, war
das
Gesetz.
Die
führenden
Wirtschaftsberater des Präsidenten hätten
ihm dringend nahegelegt, gegen ein
Gesetz, wie es im Jahr 1987 von R e präsentantenhaus
oder
Senat
verabschiedet worden wäre, sein Veto einzulegen.
Mach den im Verlauf der
Mammuthandelskonferenz mit 199 Teilnehmern zu Beginn des Jahres 1988 e r folgten Veränderungen wird das Gesetz
jedoch unter dem Strich einen Beitrag
zur Öffnung ausländischer Märkte und
zur Liberalisierung des Handels leisten und darüber hinaus die multilateralen Handelsgespräche fördern. Es
ist kein protektionistisches
Gesetz
mehr, das eine "Festung Amerika" zur
Folge hat.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Gesetz erneuert das Engagement
der Vereinigten Staaten für die
multilateralen Handelsgespräche
Was leisten die den Handel betreffenden Verfügungen des Gesetzes?
Ihr Herzstück bildet die Ermächtigung
des amerikanischen Kongresses zur beschleunigten Überprüfung der vom Präsidenten und seinen Mitarbeitern a u s g e ha nd e 11 e n
Ha nd e 1 s v e r e i n ba r u ng e n,
wobei weitere Abänderungen nicht zulässig sind.
Diese Ermächtigung zu
schnellem
Handeln
symbolisiert das
Engagement
dar
Vereinigten
Staaten
für die Liberalisierung des Handels
durch multilaterale Verhandlungen und
wird die zur Halbzeit der Verhandlungen der Uruguay Runde im Dezember in
Montreal fällige Überprüfung fördern.
Die wichtigsten den Handel betreffen

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�den Verfügungen des Gesetzes werden
demnach das G A U und das internationale Handelssystem stärken, anstatt
es zu untergraben.
In diesem Licht
betrachtet, erhält und erneuert das
Gesetz das amerikanische
Engagement
für die Liberalisierung des W e l t h a n dels und das Streben nach zügigen und
konstruktiven Lösungen von Handelsproblemen und dadurch hervorgerufenen
Spannungen.

Gegensatz
zu
zahlreichen
früheren
Versionen ist das G e s e t z d e s h a l b b e merkenswert, weil es keinerlei dem
G A L T zuwiderlaufende Zusätze zu den
Antidumping- und Ausgleichszollgesetzen enthält.
Zum Beispiel fehlen in
dem
Gesetz
frühere
vom
Reprä
sentantenhaus
verabschiedete
Verfügungen, die folgendes vorgesehen hätten:
- erhöhte Strafzahlungen für
derholungsfälle von Dumping,

Wie

Das G e s e t z verwirklicht andere V e r -

alnbftr.Mnatn xur Liberal i»iarunci da»

- ein Klagerecht für Privatpersonen
und -Institutionen
vor
amerikanischen Gerichten sowie a d m i n i strative Verfahren g e g e n das D u m ping sowie

Handais

Andere Verfügungen spiegeln das
amerikanische Engagement für das mult i 1 a t e ra 1. e H a nd a 1 s s y s t a m wider.
1. u m
Beispiel vorleiht das Gesetz d e r Exe
- die Einbeziehung des sog. "Down
kutive die Vollmacht, das N a i r o b i stream"-Dumping, so d a ß weitere
Protokoll d e r Konvention von Florenz
Fertigwaren nur d e s h a l b den A n t i umzusetzen, das Importen für die Bedumping-Zöllen
unterworfen
würreiche Bildung, Wissenschaft und Kulden,
weil sie zu Dumpingpreisen
tur Zollfreiheit gewährt.
Es vei—
verkaufte Komponenten enthalten.
wirklicht
das
harmonisierte
Tarifschema, mit dem der Handel dadurch
Auf
Drängen
der
Administration
erleichtert wird, d a ß es Im- und Exlehnte die Handelskonferenz auch eine
porteuren
aller
beteiligten
Länder
vom Senat verabschiedete
Vorschrift
die Benutzung d e r gleichen "Sprache"
ab,
mit d e r d i e W a h r s c h e i n l i c h k e i t
für
Zo 1 lange legenhe i tan
gestattet.
von Antidumpingzöllen in den Fällen
Es gewährt die Vollmacht für das Inerheblich erhöht worden w ä r e , in de
ternationale Kaffeeabkommen und r e d u nen ein ausländisches Unternehmen in
ziert bestimmte amerikanische Zölle,
den Vereinigten Staaten durch eine
um ein mit der Europäischen G e m e i n Filiale oder eine anderweitig mit ihm
schaft
geschlossenes
Abkommen
zur
verbundene Firma Handel treibt.
TatBeilegung
langwieriger
Auseinandersächlich
sind
d:i.e Anti.dumping - und
setzungen über diskriminierende
EGAusgleichszölle betreffenden
Zusätze
Zölle auf Zitrusfrüchte d u r c h z u f ü h von
allen
Experten
allgemein
als
ren.
(Ein GATT-Ausschuß hatte e n t "sauberstes" Paket solcher Zusätze in
schieden, daß die Praktiken der EG
Jahrzehnten bezeichnet worden.
nicht mit dem GATT in Einklang stünden, aber die EG blockierte die V e r Desgleichen wurde eine Vielzahl
abschiedung des Berichts durch den
von
Repräsentantenhaus
oder
Senat
(oder
von beiden z u s a m m e n )
verabGAIT Rat.)
schiedeter störender Verfügungen e i n fach fallengelassen.
Aus dem Gesetz
gestrichen
wurden:
Dar Kongreß verwarf eine Vielzahl zu
beanstandender Verfügungen
- Quoten
für
Importe
von
Lammfleisch und Drahtzaunelementen,
Ebenso wie durch seinen Inhalt
spiegelt
das Gesetz
amerikanisches
Engagement
für
das
internationale
- eine umfassende Erweiterung
der
Handelssystem auch durch das w i d e r ,
Zollrückvergütungs Verfügungen
was nicht in ihm enthalten ist. Im
bei Zucker,
2 -

�- besondere
Handelsbeschränkungen
für Länder, die als Unterstützer
des
internationalen
Terrorismus
gekennzeichnet sind,
die Verfügung zur Abschaffung der
Meistbegünstigung
für
Produkte
aus Rumänien und Angola,
und so weiter.
Das Ausmaß, in dem
von
der
Administration
abgelehnte
Verfügungen
nicht nur beschnitten,
sondern
komplett
verworfen wurden,
war benie rk en swert.
Einige Skeptiker äußern sich jedoch immer noch besorgt über die im
Gesetz verbliebenen, den Handel betreffenden Verfügungen, gleichgültig,
wie viel schlechter es gewesen wäre,
wenn diese vielen Streichungen nicht
stattgefunden hätten.
Um auf dieses
verbleibende
Anliegen
einzugehen,
sollte man zunächst eine Überprüfung
der Errungenschaften dieses Gesetzes
abgesehen von der Wiederbelebung
der amerikanischen Beteiligung an und
des amerikanischen Engagements
für
die multilateralen Handelsgespräche ••vornehmen.

Die durch dieses Gesetz vorgenommenen Änderungen in Abschnitt 301
werden keine Handelskriege auslösen
Sicherlich wird durch das Gesetz
Abschnitt 301, das wichtigste Gegenmittel der Vereinigten Staaten gegen
unfaire ausländische Handelsschranken
für amerikanische Investitionen oder
Exporte von Waren und Dienstleistungen sowie gegen den unzureichenden
oder unwirksamen Schutz geistigen Eigentums, abgeändert.
Die meisten Änderungszusätze
werden die Art und
Weise, in der diese Gegenmittel bis
1985 angewendet wurden, jedoch nicht
grundlegend verändern.
Die
dem
Händelsbeauftragen
im
Rahmen des Gesetzes verliehenen Befugnissse 1. zu entscheiden, ob bestimmte Praktiken einer ausländischen
Regierung unfair sind und 2. Maßnahmen als Reaktion darauf zu ergreifen
- 3

(gegebenenfalls vorbehaltlich spezifischer Richtlinien des Präsidenten)
werden
höchstwahrscheinlich
in bestimmten Fällen kein anderes Ergebnis
zeitigen.
Die Hauptverantwortung bei
der Formulierung von Empfehlungen an
den Präsidenten oblag schon in der
Vergangenheit dem Handelsbeauftragten
und er hat dazu alle interessierten
Behörden
konsultiert.
Da er
vom
Wohlwollen des Präsidenten abhängt,
ist es höchst unwahrscheinlich, daß
er Maßnahmen verabschiedet, die dem
Präsidenten nicht genehm sind.
Ferner hat der Präsident eindeutig das
verfassungsmäßige Recht, allen Verwaltungsbeamten Weisungen zu erteilen.
Und da im Bereich des Handels
vielfältige Interessen zusammenlaufen
und
zahlreichen Behörden
beteiligt
sind,
wird
der
Handelsbeauftragte
weiterhin den
Rat dieser Behörden
einholen
und
berücksichtigen.
Aus
diesen Gründen ist es unwahrscheinlich, daß sich die Grundsatzentscheidungen ÜQr unter Abschnitt 301 genannten Fälle als Folge der neuen gesetzlichen Befugnisse des Handelsbeauftragten verändern werden.
In ÖQr geänderten Version von Ab
schnitt 301 ist der Handelsbeauftragte zum ersten Mal verpflichtet (gegebenenfalls vorbehaltlich spezifischer
Richtlinien des Präsidenten), als Reaktion auf Verletzungen von Handelsabkommen durch eine ausländische Regierung Maßnahmen zu ergreifen. Abschnitt 301 sieht jedoch zahlreiche
Ausnahmen dieses begrenzten Mandats
vor, so daß in folgenden Fällen keine
Maßnahmen in die Wege geleitet werden:
- Das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen
GATT - (oder andere
entsprechende internationale Organisationen
im Rahmen
anderer
Handelsabkommen) beschließt, daß
die fragliche Handelspraxis der
ausländischen
Regierung
nicht
unfair ist;
- die ausländische Regierung verab
schiedet zufriedenstellende Maßnahmen, um den Vereinigten Staaten im Rahmen eines Händelsabkom

�mens die ihnen zustehenden Rechte
zu gewähren;
- die ausländische Regierung ei—
klärt sich zur Beendigung oder
schrittweisen
Einstellung
der
Handlungen bereit; die Anlaß zur
Beschwerde gegeben haben oder zu
einer
unverzüglichen
Aufhebung
der Belastung oder Beschränkung
des amerikanischen Handels;
- die ausländische Regierung bietet
den Vereinigten Staaten hinreichende Entschädigung an oder
- der Handel»beauftragte gelangt in
Ausnahmefällen zu der Schlußfolgerung, daß die Gegenmaßnahmen
nachteilige Auswirkungen auf die
amerikanische
Wirtschaft
haben
würden, die in keinem Verhältnis
zum Mutzen solcher Schritte stehen würden.
Dabei müssen auch
die
Auswirkungen
unterlassener
Maßnahmen auf die Glaubwürdigkeit
des in Abschnitt 301 beschriebenen Programms in Betracht gezogen
werden.
Zu diesem Mandat sind einige entscheidende Beobachtungen anzustellen.
Erstens findet es nur dann Anwendung,
wenn eine ausländische Regierung ein
Abkommen vorletzt hat und nicht,
wenn die Vereinigten Staaten ausländische Praktiken einseitig als unvernünftig oder diskriminierend erachten.
Zweitens sehen die genannten
Ausnahmen einen ausreichenden Ermessensspielraum \ior, um im Ergebnis eine Handelsliberalisierung zu gewährleistenen und unnötige Handelskriege
zu vermeiden. Drittens ist dar Handel sbeauftragte im Rahmen des Gesetzes befugt, sich bei jedem in Betracht kommenden Handelsabkommen auf
die formellen Bestimmungen zur Beilegung einer Kontroverse zu berufen.
Dieser Rückgriff auf internationales
Vorgehen bei der Beilegung von Kontroversen gewährleistet, daß die Vei—
einigten Staaten eher eine einheitliche Interpretation des Begriffs unfair anstreben als einseitig eine
solche Entscheidung zu treffen.

Zusammenfassend
ist das Gesetz
schlicht eine Erweiterung der bisher
unter Abschnitt 301 angewandten Praxis.
Handelspartner haben keinen
vernünftigen Grund zu der Annahme,
internationale Handelsabkommen ungestraft verletzen zu können.
Solch
unverantwortliches Verhalten, das dem
GATT und dem internationalen Handelssystem abträglich ist und den internationalen Bestrebungen zur Beilegung
von Kontroversen zuwiderläuft, untei—
ruiniert das GATE und seine Bestrebungen zur Liberalisierung des Handels
und kann somit nicht toleriert werden.
Eine weitere Neuerung
in Abschnitt
301
ist die
zusätzliche
Sprachregelung bezüglich der Verweigerung
international
anerkannter
Rechte der Arbeitnehmer, gezielter
Exportoffensiven sowie staatlich ge
duldeter
privater Aktivitäten zur
Wettbewerbsbeschränkung.
Abschnitt
301 war jedoch bereits umfassend genug ausgelegt, um unfaire Handelspraktiken einer Regierung abzudecken,
einschließlich
der
obengenannten,
wenn sie die in Abschnitt 301 festgelegten Kriterien erfüllten. In der
neuen Version macht Abschnitt 301
auch in keinem dieser Eälle Maßnahmen
zwingend erforderlich. Wie unter dem
vorherigen Gesetz ist der Handelsbeauftragte befugt, aber nicht verpflichtet, Maßnahmen als Reaktion auf
"unzumutbare" oder "diskriminierende"
ausländische Praktiken zu ergreifen
(aber selbst dann findet die Befugnis
nur dann Anwendung, wenn diese Praktiken eine Belastung oder Einschränkung des amerikanischen Handels darstellen) .
Dem sogenannten "Super 301-Zusatzartikel", der den Handelsbeauftragten
im Wesentlichen
nur vei—
pflichtet, in den Jahren 1989 und
1990 jeweils eine nicht näher definierte Anzahl von Überprüfungen von
Abschnitt 301 vorzunehmen, wurde unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit
gewidmet. Abschnitt 301 schreibt weder
zwingende
Vergeltungsmaßnahmen
oder verkürzte Fristen vor, noch werden öffentliche Beschuldigungen aus-

�gesprochen.
Der
Handelsbeauftragte
wird nur aufgefordert, in den Jahren
1989 und 1990 die an erster Stelle
für eine Liberalisierung des Handels
stehenden Praktiken und Länder zu be
nennen und diese Praktiken zu überprüfen.
Die im Zusammenhang mit Abschnitt
301 stehenden Zusatzartikel über eine
beschleunigte Überprüfung der geistiges Eigentum betreffenden Praktiken
sind etwas präziser formuliert.
Sie
fordern den Handelsbeauftragten auf,
die "an erster Stelle stehenden" Länder in Übersee zu benennen, die angemessenen Schutz oder Marktzugang für
das Recht an geistigem Eigentum \/ei—
wehren.
Ferner muß er diese Praktiken im Rahmen von Abschnitt 301 überprüfen,
jedoch
in einem
kürzeren
Zeitraum (nur sechs Monate).
Unter
bestimmten Umständen ist eine Verlängerung dieser Frist jedoch möglich,
und für solche Länder sind Ausnahmen
vorgesehen, die in gutem Glauben Verhandlungen
aufgenommen
haben
oder
Fortschritte bei Verhandlungen über
angemessenen und wirksamen Schutz der
Rechte an geistigem Eigentum erzielen.
Darüber hinaus kann der Handels beauftragte der Liste neue Länder
hinzufügen und aufgrund veränderter
Gegebenheiten vorher genannte Länder
streichen.
Folglich gewährt das Ge
setz ausreichende
Flexibilität, um
die
gesetzmäßige
Durchführung
dar
Verfügungen sicherzustellen.

Das Gesetz sieht Verhandlungen über
eine Liberalisierung des Handels mit
Produkten und Dienstleistungen im
Telekommunikationssektor vor

nicht,
ihn mit
protektionistisehen
Maßnahmen zu belegen. Mit ihm sollen
eher gegenwärtig geschlossene Märkte
geöffnet
als
bereits
zugängliche
Märkte geschlossen werden.
Wie bei
Abschnitt 301 besteht auch das Konzept des Titels über Telekommunika
tion darin, die Möglichkeiten und
Aussichten für erfolgreiche Verhandlungen zu erhöhen, mit denen der Handel verbessert und erleichtert werden
kann.
Im Grunde wird damit der Hände 1sbeauftragte
zunächst
aufgefordert, Länder nach ihrer Priorität zu
benennen - wobei er sich bei veränderten Umständen anders entscheiden
und Zusätze und Streichungen auf der
Liste dieser Länder vornehmen kann.
Zweitens muß er für jedes dieser Länder Zielsetzungen für Verhandlungen
zur Liberalisierung des Handels festlegen und dabei die im Gesetz vorgesehenen umfassenden Rahmen-Leit1i nien
sowie eine Auswahlliste detaillierterer
Zielsetzungen
berücksichtigen.
Im Falle schließlich, daß die Administration kein befriedigendes Abkommen
zur besseren Durchführung eines liberaleren Handels erzielen kann, muß
der Präsident "Maßnahmen ergreifen,
die ... angemessen sind und mit denen
dies e
a1lgemei nen Ve rhand1ungszie le
höchstwahrscheinlich
am besten erreicht werden können."
Wer könnte
berechtigte Beschwerden über eine gesetzliche Direktive vorbringen, mit
deren Hilfe der Präsident angemessene
Maßnahmen ergreifen kann, die höchstwahrscheinlich der Verwirklichung des
Ziels von Verhandlungen zur Liberalisierung des Handels dienen werden?

Insgesamt sind die Zusatzartikel
zu Abschnitt 301 und dem Kapitel Telekommunikation
des Gesetzes
weder
Die Verfügungen des Gesetzes zum
radikal noch drakonisch.
Sie wären
Tele kommuni k at i o ns be re i c h s i nd gele-richtig beschrieben, wenn man aus
gentlich als angeblich protektionist führte, daß sie nicht mehr tun, als
ische, bestimmten Interessen dienende
unter künftigen Administrationen eine
Gesetzgebung kritisiert worden. Dies
Politik fortzuführen, wie sie dem in
ist jedoch schlicht und einfach unAbschnitt 301 beschriebenen Programm
richtig.
Der Titel Telekommunikation
zufolge seit 1980 durchgeführt wurde.
des Gesetzes zielt darauf ab, den inEs wird vielfach behauptet, daß das
ternationalen
Handel
mit Produkten
in Abschnitt 301 beschriebene Pround Dienstleistungen im Telekommunigramm allzu oft die Zuflucht zu ein
kationssektor zu liberalisieren und
seitigen Maßnahmen bedeutet hat. Un-

�sere Antwort darauf lautet, daß es
(ITC) der Vereinigten Staaten befinLänder gibt, die ihre internationalen
det, daß höhere Importe eine wichtige
Verpflichtungen ignorieren, damit unUrsache ernstlicher Schädigung sind.
klugerweise unsere Bestrebungen zur
Und selbst wenn die ITC eine solche
Beilegung
\/on Streitigkeiten gemäß
Schädigung feststellt, muß der Präsiden
i n t e rnati o na1e n
Handeis ab k ommen dent keine Entlastung gewähren, wenn
blockieren und den Handel eher behiner der Ansicht ist, daß solche Maßdern als fördern. Natürlich ist die
nahmen nicht im Interesse der natioReagan-Administration nicht \/or dem
nalen Wirtschaft liegen. Damit bleiGebrauch
einseitiger Maßnahmen
zuben die grundlegenden Parameter dierückgeschreckt, wenn dies als Reakses Gegenmittels unverändert bestehen.
tion auf anhaltende, unfaire ausländische Handelspraktiken erforderlich
Der Gegenstand einiger Zusatzarwar.
Aber in den meisten Fällen hat
tikel zu Abschnitt 2.01 ist dennoch
die
Reagan Administration
bei Hanvon Bedeutung, weil hier hervorgehodelsabkommen
unterliegenden
Angeleben wird, daß die Verfügungen des Abgenheiten weiterhin dem GATT Verfahschnitts 2.01 darauf abzielen, ameriren für die Beilegung von Streitigkanische Hersteller gegenüber der Im
keiten den Vorzug gegeben, und bei
portkonkurrenz
anpassungsfähiger
zu
anderen
Angelegenhe iten
bilaterale,
machen.
Es ist nicht erforderlich,
für beide Seiten befriedigende Lösundaß die Antragsteller Pläne zur Angen vorgezogen. Einseitige Maßnahmen
passung vorlegen oder einzelne Unterder Vereinigten Staaten verdienen wenehmen
Verpflichtungen
für
Anpasgen ihres vergleichsweise seltenenen
sungspläne eingehen.
Und als wichVorkommens besondere Erwähnung.
tigster Punkt gilt, daß keine Regierungsbearnten den betroffenen
Industriezweigen
oder Unternehmen vorschreiben, wie sie sich an die ImDas Gasatz führt die Praxis in bezug
portkonkurrenz
anpassen sollen. Aber
auf Rücktrittsklauseln fort und
entsprechende
Pläne
können vorgelegt
verändert sie nicht wesentlich.
und Verpflichtungen eingegangen werden, und die ITC muß diese Informa
Abschnitt 201 ist das Hilfsmittel
im Handel, mit dessen Hilfe die Vertionen berücksichtigen, wenn sie Emeinigten Staaten ihre Rechte gemäß
pfehlungen über Entlastungsmaßnahrnen
Artikel XIX des GATT zur vorübergeformuliert (wenn sie entsprechenden
henden Einschränkung steigender ImSchaden für die amerikanische Induporte, die der amerikanischen Industrie feststellt).
Die ITC muß solstrie Schaden zufügen, ausüben.
Arche Maßnahmen empfehlen, die nicht
tikel XIX unterstreicht dieses Recht,
nur auf die Schädigung eingehen, sonlegt aber eine damit einhergehende
dern auch wirkungsvoll die positive
Verpflichtung fest: betroffene HanAnpassung der heimischen Industrie an
delspartner müssen für diesen vordie
Importkonkurrenz
fördern.
In
übergehenden "Rücktritt" von den norähnlicher Weise muß der Präsident die
M 1 e n V e r p f 1 i c h t u ng e n, wie s i e im
Bestrebungen der Industrie zur AnpasG AIT e i ng eg a ng e n wu rd e n, e nt s c häd i g tsung berücksichtigen
(einschließlich
werden.
der Anpassungspläne oder Verpflichtungen, die der ITC vorgelegt wurden).
Abschnitt 201 war - in der Vergangenheit - und ist - in Gegenwart
und Zukunft das Mittel zur Ausübung
Das Gesetz ist von ftntidumpinq- und
dieses Rechts und Verwirklichung dieAusglaichszöllan "gereinigt"
ser Verpflichtung.
Die Zusatzartikel
von 1988 bedeuten keine erhebliche
Es wurde bereits erwähnt, daß die
Veränderung:
eine Befreiung kann vom
Zusatzartikel
des Gesetzes zu den
grundsätzlichen Bestimmungen über AnPräsidenten nur gewährt werden, wenn
tidumping- und
Ausgleichszölle
werdie Internationale HändeIskommission

�gleichsweise gemäßigten Charakter haben.
Der vielleicht interessanteste
Zusatzartikel verbessert die Befugnis
des Handelsministeriums (nach Berück
sichtigung der Empfehlungen des ITC)
im Hinblick auf die Umgehung von Verfügungen über Antidumping- oder Aus
gleichszölle durch geringfügige Veränderungen der betroffenen Waren oder
durch deren Endmontage in den Vereinigten Staaten oder Drittländern.
Diese Verfügungsgewalt bei einer Umgehung bezieht sich jedoch nur auf
Produkte derselben Warenkategorie wie
das bereits den Gesetzen über Antidumpingoder Ausgleichszölle unter
liegende Produkt.
Diese Veränderung
ist im Vergleich zu den bei spielswei
se gerade verfügten und durchgefühi—
ten Antidumping-Praktiken der Euro
päisehen Gemeinschaft
ziemlich zurückhaltend .

des Handeln eher fördert als aus höhlt.
Aus diesen Gründen sollten
die über das Gesetz: besorgten Handelspartner mit ihrem Urteil bis zu
dessen endgültiger Anwendung warten,

* * * * *

Zusammenfassung
Die Bestimmungen des Allgemeinen
I lande 1 s - und We11bewerbs f äh igke itsge••setzes haben die Öffnung und Libera
lisierung des Handels zum Ziel, nicht
den Schutz amerikanischer Unternehmen
oder Arbeitnehmer oder die Schließung
des amerikanischen Marktes.
Durch
die Verfahrensweisen wird der Druck
auf den Präsidenten und insbesondere
auf den Handelsbeauftragten erhöht,
um die gewünschte und wünschenswerte
Liberalisierung im Handel zu erreichen.
Aber dadurch werden keinesfalls internationale Verpflichtungen
der Vereinigten Staaten verletzt oder
etwa die Administration zu einem protektionistischen Kurs gezwungen.
Es
liefert dar Exekutive Werkzeuge zur
Liberalisierung des Handels und befugt sie zur Entscheidung im Einzelfall.
Sicherlich
könnte
das
Gesetz
von einer künftigen Administration in
protektionistischem Sinne angewendet
werden.
Aber das trifft auch für
frühere Gesetze zu, und es gilt gleichermaßen, daß das Gesetz auf eine
Weise durchgeführt werden kann, die
eine
mu11 ilatera1e
Li be ra1i s i e ru ng
7 ....

K

�^osr&lt;

VON

AMERIKA DIENST
*

Wissenschaft und Technik

3i

31. August 1988

ERFOLGREICHE BREHMTESTS PUT DISOWERY-rfWTRlEßSmröfi'ElI*
Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt •

MASHINGTON - (AD) - Zwar ist die Auswertung des letzten Brenntests der
Feststoff-Zusatzraketen für den Raumtransporter DISCOVERY vom 18. August 1988
noch nicht beendet. Dennoch spricht alles dafür, daß der Versuch auf dem Gelände der Herstellerfirma Morton T'hiokol (Utah) ebenso erfolgreich verlief wie
der 22 Sekunden lange Brenntest dar drei Orbiter -Haupttriebwerke vom 10. August im Kennedy- Raumfahrtzentrum (Kap Canaveral). Die größten Hürden für den
Start der Raumfähre, der nunmehr für Ende September oder Anfang Oktober vorgesehen ist, wären damit überwunden.

Von technischen Veränderungen an
den Antriebseinheiten gegenüber den
Versionen, die bis zum CHAL IE IMGER Unglück am 28. Januar 1986 benutzt wurden, erwartet man mehr Sicherheit für
die
Astronauten.
So besitzen die
beiden Feststoffraketen, die zusammen
mit den drei mit Flüssigtreibstoff
arbeitenden Hauptmotoren den Transport in die Erdumlaufbahn ermöglichen, jetzt u.a. jeweils drei statt
zwei Dichtungsringe, eine verstärkte
Isolierung und einen zusätzlichen Metallring als Schutzvorrichtung zwischen ihren Segmenten.
Die Zerstörung einer Dichtung an einem der unteren Segmente war die Ursache dafür,
daß heiße Gase austreten und die Wandung
des großen
Flüssigtreibstofftanks durchschmelzen konnten, was zur
Explosion und zum Absturz des Orbiter

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Embassy of the United States of America

CHAlLENGER mit sieben Astronauten an
Bord führte. In den zweieinhalb Jahren wurden so viele Veränderungen am
Shuttle-System vorgenommen, daß die
DISCOVERY heute als neues experimentelles Fluggerät betrachtet wird.
Die zwei 38 Meter hohen Feststoffraketen sind zu beiden Seiten
des riesigen Außentanks angebracht,
der den
flüssigen Wasserstoff und
Sauerstoff für die Haupttriebewerke
des Orbiter aufnimmt.
Beim tatsächlichen Start brennen sie, mit je 500
Tonnen
festem
Treibstoff
gefüllt,
zwei Minuten lang und werden dann abgeworfen.
Für weitere sechs Minuten
übernehmen die drei Haupttriebwerke
allein den Transport bis zum Eintritt
des Fluggeräts in die Erdumlaufbahn.
Beim bevorstehenden DISCOVERY-Flug -

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�von der NASA als "Mission 26" bezeichnet - werden sich fünf Astronauten vier Tage im Weltraum aufhalten.
Als Nutzlast wird ein tonnenschwerer
TORS-Satellit
(Tracking
and
Data
Relay Satellite
Satellit zur Beobachtung
und
Datenübermittlung) mit
seinem Antriebss'ystern an Bord genommen, das ihn nach dem Absetzen im Orbit zu seinem "Stationierungsplatz"
in 36 000 km Höhe weiterbefördert.

tt * tt tt K *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das sowjetische Militär: offene Worte aber keine Taten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Frank C. Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Aufgabe der neuen Administration: Anpassung der NATO an neue Realitäten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Sen. William V. Roth Jr., Bill Richardson und Doug Bereuter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das nichtprotektionistische amerikanische Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des amerikanischen Handelsbeauftragten&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche Brenntests mit DISCOVERY-Antriebsmotoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
*

'VON

7. September 1988

32

INHALT

DOKUMENTATION

Gedenken an die Opfer von Ramstein
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier -

Sowjetisch-amerikanische Beziehungen fördern wirksame
Rüstungskontrolle
- Rede von ACDA-Direktor Burns in Den Haag -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Neuer Weg zur AIDS-Bekämpfung

••

- Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen
(

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

*

32

7. September 1988

GEDENKEN AN DIE OPFER VON RAMSTEIN
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier -

RAMSTEIN - (AD) - Aus Anlaß der Trauerfeier für die Opfer des Unglücks von
Rarastein sprach der amerikanische Botschafter, Richard R. Burt, am 3. September 1988 in der St. Nikolauskirche zu Ramstein den Angehörigen sowie den Verletzten in den Krankenhäusern sein tiefes Mitgefühl aus und versprach, daß
"wir aus den Ereignissen lernen und sicherstellen (werden), daß sich eine solche Tragödie niemals wiederholt".
Die Ansprache des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Wir sind heute hier versammelt,
um den Verlust und das Leid derer zu
beklagen, die erst vor sechs Tagen
auf der Ramstein Air Base an einem
Fest der Freundschaft teilgenommen
haben. Ich wende mich an diejenigen,
die Angehörige oder Freunde verloren
haben und an diejenigen, die in den
Krankenhäusern liegen:
wir können
heute hier Ihren Schmerz nicht lindern und ihren Verlust nicht ungeschehen machen. Wir können Ihnen nur
durch unser Mitgefühl beistehen und
Ihnen in Ihrem Leid Trost spenden.
Schon immer war es der Traum des
Menschen, fliegen zu können.
Der
Flug hat den Menschen Freiheit geschenkt und sie näher zusammengeführt.
Vergangenen
Sonntag
sind
Hunderttausende
gekommen,
um die

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Flugtechnik und diejenigen zu bewundern, die sie beherrschen. Aber der
Tod ist, wie Johann Wolfgang von
Goethe sagte, "eine Unmöglichkeit,
die plötzlich zur Wirklichkeit wird".
Und mit dieser Wirklichkeit sehen wir
uns heute konfrontiert. Die Tragödie
vom vergangenen Sonntag hat einem jeden von uns die Vergänglichkeit des
Lebens vor Augen geführt und uns erneut erkennen lassen, daß der Beherrschung der Welt durch den Menschen
Grenzen gesetzt sind.
Eine weitere Tragik besteht darin, daß eine Feier zur deutsch-amerikanischen Freundschaft und Solidarität im Bündnis der Anlaß für Verlust und Leid werden sollte. Ich
möchte unseren deutschen Freunden
versichern, daß wir in Ihrem Land zu

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�Gast sind. Wir sind Ihnen für die
Aufnahme dankbar, die Sie uns bereitet haben. Sie haben uns in guten
wie in schlechten Zeiten ihr Herz und
Ihr Land geöffnet. Wir werden Ihre
Gastfreundschaft niemals vergessen.
Und wir werden sie niemals mißbrauchen.
Unseren italienischen Kameraden
sage ich, daß wir den Verlust Ihrer
mutigen Flieger betrauern. Wir bewundern Ihren Beitrag zu Frieden und
Freiheit.
Unsere gemeinsame Trauer
bringt uns einander noch näher.
Und meinen Landsleuten in der
amerikanischen Luftwaffe sage ich,
daß Ihre Präsenz hier in der Bundesrepublik
Deutschland
hochgeschätzt
und dankbar anerkannt wird. Vor acht
Wochen flog ich zusammen mit Oberst
Guy Halvorsen an Bord eines derjenigen Flugzeuge nach Berlin, die er und
seine jungen Kameraden in der amerikanischen Luftwaffe während der Blokkade durch die Winternächte des Jahres 1948 nach Berlin steuerten. Die
Erinnerungen daran sind in Berlin
noch sehr lebendig. Sie sind es auch
in der Bundesrepublik Deutschland und
in der amerikanischen Luftwaffe. Vor
40 Jahren flog die amerikanische
Luftwaffe für die Freiheit, und dies
tut sie auch heute noch.
Vom ersten Moment der Katastrophe
am Sonntag an haben Deutsche, Amerikaner und die anderen Bündnispartner
zusammengearbeitet, um den Verletzten
zu helfen und denjenigen Trost zu
spenden, die Angehörige verloren haben. Obwohl nicht im Dienst, boten
zahlreiche deutsche und amerikanische
Ärzte und Sanitäter spontan ihre Hilfe an. 60 französische Soldaten reisten an, um Blut zu spenden. Zwei
Ärzte, selbst bei der Explosion verletzt, mit blutenden Wunden und versengten Kleidern, eilten anderen Menschen zu Hilfe, die noch schwerer
verwundet waren als sie selbst. Ihnen allen - aus den umliegenden deutschen und amerikanischen Gemeinden,
die Verletzte versorgt und denjenigen
Trost gespendet haben, die außer sich

waren, unter Schock standen oder
trauerten - sei gedankt. Unser Dank
ist unermeßlich.
In den nächsten Tagen werden wir
die Ereignisse des vergangenen Sonntags untersuchen. Amerikanische und
italienische Offiziere werden unter
der Leitung ihrer deutschen Kameraden
alle Aspekte dieser Tragödie, der ihr
vorausgehenden Entscheidungen und der
auf sie folgenden Handlungen überprüfen. Ich verspreche Ihnen, daß wir
aus den Ereignissen lernen und sicherstellen werden, daß sich eine
solche Tragödie niemals wiederholt.
Wir alle werden diesen Ort voller
Trauer verlassen.
Jeder unter uns
kann nur in seinem persönlichen Bild
von der Stellung des Menschen im Universum Trost finden. Über zwei Generationen haben Deutsche und Amerikaner Freud und Leid geteilt. Wir tun
dies auch heute. Indem wir uns hier
im Leid versammeln, indem wir zusammen trauern, erneuern wir unsere Verpflichtung auf diese Freundschaft und
wird uns diese Freundschaft eine
Stütze sein.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1*

"v"

Dokumentation

Ä&lt;

7. September 1988

32

SOWJETISCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN FÖRDERN WIRKSAME RÜSTUNGSKONTROLLE
- Rede von ACDA-Direktor Bums in Den Haag -

DEN HAAG - (AD) - Dem Direktor der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Generalmajor a. D. William Burns, zufolge
"könnte der gegenwärtige Zustand der Ost-West-Beziehungen für eine wirksame
Rüstungskontrolle günstiger sein als jemals zuvor in der jüngsten Geschichte".
Dies "gilt insbesondere für die konventionelle Rüstungskontrolle," erklärte
Burns am 2. September 1988 in einer Rede in Den Haag, die wir nachfolgend veröffentlichen.
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, an einem Zeitpunkt zu Ihnen
sprechen zu können, an dem wir alle
mit Befriedigung des 40. Jahrestages
der Gründung
des Nordatlantischen
Bündnisses und des Friedens in Europa
gedenken, den die NATO in all diesen
40 Jahren gefördert und aufgebaut
hat. Das Bündnis ist ein Erfolg ein Segen, den wir alle zu schätzen
wissen, nicht nur unter dem Gesichtspunkt unserer grundlegenden Sicherheitsinteressen, sondern auch aufgrund des Zusammenschlusses in einer
Gemeinschaft freier Nationen mit gemeinsamen moralischen und demokratischen Werten. Als Amerikaner versichere ich Ihnen erneut, daß die
NATO weiterhin der Eckpfeiler der nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten bleibt.

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Als die NATO vor 40 Jahren gegründet wurde, war ihr Ziel der
Schutz der Freiheit und die Abschrekkung eines sowjetischen Angriffs auf
den Westen. Der Harmel-Bericht trug
vor über 20 Jahren der Tatsache Rechnung, daß sich das Bündnis ausreichende militärische Stärke und politische Solidarität bewahren muß, um
eine Aggression abzuschrecken, das
Territorium der NATO im Falle einer
Aggression zu verteidigen und in einem Klima des Friedens ein stabileres
Verhältnis anzustreben, in dem die
zugrundeliegenden politischen Probleme gelöst werden können. Im Lauf der
Zeit haben sich weder die Zielsetzung
der NATO noch der Charakter der Bedrohung geändert. Heute wie in der
Vergangenheit
- trotz "Glasnost",
trotz "Perestrojka", trotz des "neuen

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�Denkens" - bleibt die Herausforderung
durch die Sowjetunion, und hier insbesondere die anhaltende und weit
über legitime Verteidigungsbedürfnisse hinausgehende Aufrüstung der militärischen Fähigkeiten des Warschauer
Pakts - nuklear wie konventionell die größte Bedrohung der Sicherheitsinteressen des Bündnisses.
Im Zuge des anhaltenden Strebens
der NATO nach Frieden in Europa ist
es jedoch bisweilen zu Ereignissen
gekommen, die eine Neubewertung der
vom Bündnis zur Bewahrung seiner Sicherheit
angewandten
Ansätze
und
Strategien erforderlich machten. Das
vielleicht bemerkenswerteste Beispiel
des evolutionären Wandels in der
NATO-Strategie war die Verabschiedung
der Strategie der flexiblen Reaktion
vor über zwei Jahrzehnten. Während
also die Ziele und der Zweck des
Bündnisses in der ganzen Zeit identisch geblieben sind, müssen die Methoden, um diese Ziele zu erreichen
und die Art und Weise, in der wir die
Verteidigung des Bündnisses planen,
notwendigerweise den weltweiten Entwicklungen angepaßt werden.
Heute sind wir uns alle der Tatsache bewußt, daß der von Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow am 8. Dezember des vergangenen Jahres unterzeichnete INFVertrag einen Meilenstein in unserem
Bemühen um , mehr Stabilität und die
Verbesserung der westlichen Sicherheit darstellt. Diese bemerkenswerte
Errungenschaft ist einer der herausragenden Erfolge der Sicherheitspolitik des Bündnisses in diesem Jahrzehnt. Natürlich hat der INF-Vertrag
nicht all unsere Sicherheitsprobleme
gelöst.
Das eklatante Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften, mit dem wir schon seit vielen Jahren leben, bleibt bestehen.
Der INF-Vertrag hat jedoch erneut die
Aufmerksamkeit auf die Lage im konventionellen Bereich gelenkt und die
politische Bedeutung einer Behandlung
dieser Frage durch eine Kombination
von Rüstungskontrolle und Verbesserungen in der Verteidigung verstärkt.

Die Durchführung des INF-Abkommens
wird unweigerlich die Verteidigungsplanung der NATO in den kommenden
Jahren beeinflussen.
Der lange und schwierige Prozeß,
der im Jahr 1979 mit dem Doppelbeschluß begann und im vergangenen Jahr
im INF-Vertrag kulminierte, hat allen
gezeigt, daß in der Rüstungskontrolle
wesentliche Fortschritte erzielt werden können, wenn das Bündnis aus einer Position der Einigkeit und Stärke
verhandelt. Präsident Reagan hat zu
Beginn dieses Jahres in einem Bericht
an den amerikanischen Kongreß zur nationalen Sicherheitsstrategie bekräftigt, daß
"Rüstungskontrolle kein
Selbstzweck ist, sondern lediglich
eines von mehreren Mitteln zur Stärkung unserer nationalen Sicherheit.
Unsere Ziele in der Rüstungskontrolle
sind vollständig in unsere nationale
Sicherheitspolitik integriert, um die
Abschreckung zu stärken, das Risiko
zu verringern, die Beziehungen im
Bündnis zu fördern und sicherzustellen, daß die Sowjets keinen wesentlichen einseitigen Vorteil erringen."
Unserer Auffassung nach ist diese Politik der Rüstungskontrolle in Verbindung mit einer starken Verteidigung auch für die NATO unerläßlich,
wenn sie mit dem Warschauer Pakt Verhandlungen über Rüstungskontrolle im
konventionellen Bereich aufnimmt.
Ich muß jedoch hervorheben, daß
der INF-Vertrag uns weder von der
Last der Verteidigung entbindet noch
die für Europa bestehende Bedrohung
durch sowjetische Nuklearwaffen beseitigt hat. Der Oberste Alliierte
Befehlshaber, General Galvin, hat dazu erklärt: "Obwohl die nuklearen Fähigkeiten der NATO durch Abschaffung
der Pershing II und bodengestützten
Marschflugkörper verringert werden,
reichen die nuklearen Fähigkeiten auf
dem europäischen Kriegschauplatz für
die weitere Anwendung der NATO-Abschreckungsstrategie aus und die Sicherheit Europas und der Vereinigten
Staaten wird nicht abgekoppelt. Weit
über 4 000 amerikanische Nuklearwaffen - und 326 000 amerikanische Sol-

�daten - werden im Gebiet des Oberkommandos Europa stationiert bleiben."

i

*

Darüber hinaus erkennen die Spitzenpolitiker des Bündnisses seit langem die Notwendigkeit für Verbesserungen im Bereich der konventionellen
Verteidigung zur Förderung der Stabilität, auch wenn gerade Rüstungskontrollverhandlungen stattfinden, die
darauf abzielen, den Umfang der gegnerischen konventionellen Streitkräfte in Europa zu verringern. Als Folge dessen widmet das Bündnis enscheidenden Notwendigkeiten größere Aufmerksamkeit, wie etwa größeren Munitionslagern und anderen Kriegsreserven, verbesserten Einrichtungen zur
Landung und zum Schutz von Flugzeugen
der Verbündeten, die Europa Verstärkung liefern, besseren Fähigkeiten
zur Neutralisierung angreifender Folgestaffeln des Ostblocks und modernisierten Fähigkeiten zur Verteidigung
in der Luft und auf See.
Obwohl ich mich in meinen folgenden Ausführungen auf konventionelle
Rüstungskontrolle als Aspekt der Sicherheit des Bündnisses konzentrieren
möchte, sollten diese dennoch im Zusammenhang mit meiner uneingeschränkten Unterstützung für die vereinbarte
Bündnispolitik von Verbesserungen im
konventionellen Bereich der Verteidigung verstanden werden, die ich soeben angesprochen habe. Rüstungskontrolle und Abrüstung sind nicht die
einzigen Mittel, um das in Euopa bestehende militärische Ungleichgewicht
zu beheben. Für die Sicherheit des
Westens müssen zur Erhaltung einer
glaubwürdigen Strategie der Abschrekkung eines Krieges bestimmte Bedingungen erfüllt sein und dabei die effektive Mischung nuklearer und konventioneller Waffen Vorrang haben.
Sorgfältig geplante Verbesserungen im
Bereich der konventionellen Verteidigung müssen mit Rüstungskontrollabkommen einhergehen, um sicherzustellen, daß die Bedingungen für die Sicherheit des Bündnisses erfüllt und
nicht verschlechtert werden.

Meiner Ansicht nach könnte der
gegenwärtige Zustand der Ost-West-Beziehungen für eine wirksame Rüstungskontrolle günstiger S'-in als jemals
zuvor in der jüngsten Geschichte.
Das trifft insbesondere für Rüstungskontrolle im konventionellen Bereich
zu. Stürmische Veränderungen in der
Sowjetunion werden von sowjetischen
Politikern als neue Denkweise propagiert, die bei westlichen Beobachtern
ein offenes Ohr findet. Begriffe wie
"Glasnost" und "Perestrojka", Behauptungen über eine neue defensive Militärdoktrin des Warschauer Pakts, die
außenpolitische
"Friedensoffensive"
des Ostblocks und die Bereitschaft,
umfassendere Verifizierungen und echte Truppenreduzierungen zu akzeptieren, üben auf die westliche Öffentlichkeit einen gewissen Reiz aus.
Sie sind tatsächlich so reizvoll, daß
ungeduldige Vertreter der westlichen
Presse kürzlich westliche Politiker
und
Regierungen
wegen
mangelnder
Fortschritte in der Rüstungskontrolle
kritisiert hat. Es ist sogar vielfach klar und deutlich festgestellt
worden, daß die Vorschläge des Warschauer Paktes weitreichender seien
als die des Westens.
Gorbatschows Bestrebungen in der
Öffentlichkeitsarbeit haben zugegebenermaßen Auswirkungen auf Verhaltensweisen im Westen, auch in Westeuropa.
Die Auffassung, es bestehe nunmehr
geringere Bedrohung durch die Sowjetunion breitet sich in der jüngeren
Generation aus, die nicht automatisch
den Ernst der Lage in den Ost-WestBeziehungen oder deren Geschichte erkennt .
Andere wiederum verweisen auf die
Einsparungen, die sich ihrer Ansicht
nach bei einem Rüstungskontrollabkommen bei Mitteln ergeben werden, die
andernfalls für die Entwicklung und
Unterhaltung von Waffensystemen aufgewendet würden. Solche Mittel könnten ihrer Auffassung nach der Verbesserung sozialer Bedingungen zufließen.
Aber wir fechten diese Annahme
an, weil sie illusorisch ist. RU-

�stungskontrollabkommen führen nicht
automatisch zu Einsparungen für die
beteiligten Regierungen, insbesondere
nicht in marktwirtschaftlich orientierten westlichen Volkswirtschaften.
Es ist ein Fehler westlicher Regierungen,
Rüstungskontrollinitiativen
im Hinblick auf mögliche finanzielle
Einsparungen zu planen, weil es ganz
einfach keine Garantie dafür geben
kann, daß RUstungskontrollabkommen zu
solchen Einsparungen führen.
Vorschläge zur Rüstungskontrolle müssen
darauf abzielen, die Sicherheit des
Westens zu verbessern und nicht auf
echte oder mögliche Einsparungen.
Gleichzeitig wird es für das Bündnis
bei unseren weiteren Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte von
Bedeutung sein, daß wir den wirkungsvollsten Einsatz der verfügbaren Verteidigungsressourcen des Bündnisses
und eine gerechte Verteilung der Rollen und Pflichten zur Teilung dieser
Last gewährleisten.
Obwohl die jüngsten Rüstungskontrollvorschläge des Warschauer Pakts
und die angeblich in der Sowjetunion
stattfindenden Veränderungen auf einige einen gewissen Reiz ausüben, muß
man sich doch den Charakter dieser
Veränderungen vor Augen führen. Eine
eingehendere und durchdachtere Betrachtung als sie im Großen und Ganzen in der westlichen Presse erfolgte, wird belegen, daß diese Veränderungen aus anderen Gründen erfolgen,
als das Entstehen einer "neuen Sowjetunion" suggeriert. In Wirklichkeit zeigt vieles von dem, was wir
jetzt in der UdSSR beoachten, die zunehmende sowjetische Erkenntnis, daß
man sich an das anpassen muß, was als
qualitative Revolution bei den Entwicklungen im militärischen Bereich
betrachtet wird, möglicherweise auf
Umfang und Auswirkungen der Entwicklungen von Nuklearwaffen. Zum Beispiel haben westliche Entwicklungen
der Doktrin für Luftlandeoperationen
und der Strategie vorne stationierter
Seestreitkräfte, neuer Waffensysteme
und
bei
Technologien
wie
etwa
"Stealth" sowie das veränderte Konkurrenzverhältnis zur Volksrepublik

China die Sowjets gezwungen, mit einer anderen Art von Kriegführung fertigzuwerden und traditionelle Ansätze
zur Taktik, Durchführung von Operationen und Strategie in Frage zu
stellen.
Die Behauptung des Warschauer Pakts, eine auf Verteidigung
ausgerichtete Militärdoktrin zu haben, ist in Wirklichkeit eher ein
Versuch zur Verteidigung sowjetischer
Interessen als eine zuvorkommende
Geste gegenüber dem Westen. Und sie
sollte als das erkannt werden, was
sie ist.
Der schlagende Beweis wird nicht
die Veränderung in den kürzlich vernommenen öffentlichen Erklärungen der
Sowjets sein, sondern eine geänderte
Militärstruktur
und
Stationierung.
Offensichtliche Tatsache ist, daß bis
heute weder positive oder ermutigende
Veränderungen
in der sowjetischen
Truppenstärke und Disposition noch
bei der Lagerung von Munition oder
anderem Material nahe dem mittleren
Abschnitt stattgefunden haben.
Im
Gegenteil, selbst in den Jahren unter
Gorbatschows Führung herrscht in der
sowjetischen Militär- und Außenpolitik eine bemerkenswerte Kontinuität,
indem die Sowjetunion weiterhin militärisch aufrüstet und sich gleichzeitig zu ihren defensiven Absichten
"bekennt". Präsident Reagan hat erklärt, daß "wir auch in Zukunft die
Sowjets eher an ihren Taten als an
ihren Worten messen und unsere nationale Sicherheitsstrategie auf eine
realistische Sicht der sowjetischen
Ziele und Fähigkeiten gründen werden".
Ferner besteht seitens der Sowjetunion die Tendenz, ihre RUstungskontrollinitiativen zuerst in die Öffentlichkeit zu tragen und den Vereinigten Staaten oder anderen NATOPartnern Initiativen auf bilateraler
Ebene zu präsentieren, die zwischen
den beiden Bündnissen ausgehandelt
werden müssen. Der Westen muß ein
Gelingen dieser Taktik vereiteln.
Die Vereinigten Staaten haben es in
den vergangenen Monaten abgelehnt,
eine ganze Reihe sowjetischer Angebote zur konventionellen Rüsutungskon-

- 4 -

�trolle auf bilateraler Ebene zu erörtern und zwar genau deshalb, weil es
sich hierbei um multilaterale Bündnisprobleme handelt, die besser im
Rahmen der Genfer Gespräche behandelt
werden, wo derzeit die Diskussionen
zwischen Ost und West über ein Mandat
für neue konventionelle Gespräche
stattfinden. Während die Erarbeitung
eines Konsenses zwischen den unterschiedlichen Standpunkten innerhalb
der NATO einige Zeit erfordern mag,
gibt es letztlich keine Alternative
zu einer sorgfältig abgestimmten Position der NATO bei Verhandlungen,
die alle Bündnispartner direkt betreffen.
Im Hinblick auf konventionelle
Rüstungskontrolle bietet sich den Sowjets auch ein nicht zu leugnender
wirtschaftlicher Anreiz, konstruktive
Verhandlungen mit dem Westen aufzunehmen. Solange es den Sowjets nicht
gelingt, die Truppenstärken der NATO
durch Abrüstungsgespräche zu reduzieren - insbesondere im Bereich neuer
Technologien - haben sie das Gefühl,
sie müßten Schritte zum Ausgleich
dieser
Truppenstärken
unternehmen.
Während die gängigen sowjetischen
konventionellen Streitkräfte wie Panzer, Artillerie und Menschenpotential
entschieden billiger sind als vergleichbare
NATO-Streitkräfte,
sind
Hochtechnologiewaffen, bei denen die
Sowjets nur schwer mit dem Niveau der
westlichen Entwicklungen Schritt halten können, sehr viel teurer. Daher
haben sie ein beachtliches Interesse
daran, die Verhandlungen zur Begrenzung neuer Entwicklungen im Bereich
der Hochtechnologie zu benutzen und
Zeit zum Aufholen zu schinden. Aus
sowjetischer Sicht ist die Alternative zu konventioneller Rüstungskontrolle wahrscheinlich ein massiver
Einsatz von Ressourcen bei dem weiteren Versuch, die technologische Kluft
zu verringern, die für sie immer unüberbrückbarer wird.
Für die sowjetische Führung wäre
dies eine zu schwierige Entscheidung
in einer Situation, in der sie versucht, sich zunehmend im zivilen Be-

reich zu engagieren und dem Militär
immer weniger an Ressourcen zuzugestehen. Daher ist zentraler Bestandteil der neuen sowjetischen Politik,
ein vernünftigeres und zuvorkommenderes Bild der Sowjetunion zu liefern.
Ein weiteres Element ist die Verringerung der
"westlichen Bedrohung"
durch politische Mittel wie Rüstungskontrollverhandlungen, die dann die
militärischen Bedürfnisse des Ostens
reduzieren, oder zumindest die Kosten
der militärischen Aufrüstung zu vermeiden. Es ist kein Zufall, daß das
Thema des neuen sowjetischen Entgegenkommens bei der Rüstungskontrolle
einen zentralen Stellenwert in der
Öffentlichkeitsarbeit
der
Sowjets
einnimmt.
Wir geben uns nicht der Illusion
hin, die Zukunft der konventionellen
Rüstungskontrolle sei leicht.
Sie
befaßt sich nicht mit einer einzigen
Kategorie von Waffen wie die INF-Verhandlungen. Konventionelle Rüstungskontrolle konzentriert sich auf ein
breites Spektrum von Bestandteilen
wie Streitkräftestruktur, Organisation, Gerät und Doktrin. Die diesen
Bestandteilen innewohnende Komplexität muß ferner noch mit der Zahl der
an
den
bevorstehenden
Gesprächen
teilnehmenden
Länder
multipliziert
werden, da es sich hierbei nicht um
bilaterale
amerikanisch-sowjetische
Verhandlungen, sondern um Gespräche
zwischen den 23 Nationen der beiden
Bündnisse handelt.
Auf westlicher
Seite müssen wir uns effektiv mit den
Belangen der 16 souveränen, unabhänigen Staaten auseinandersetzen.
Die
Probleme werden sehr vielschichtig
sein und die Art von Standhaftigkeit
und Geschick erfordern, die das Bündnis erfolgreich durch die INF-Probleme geleitet haben. Wir alle dürfen
nicht vergessen, daß kollektive Verteidigung
kollektive
Verantwortung
bedeutet.
Die INF-Erfahrung sollte
uns jedoch lehren, daß die NATO-Bündnispartner in gemeinsamer Arbeit Rüstungskontrollabkommen
erarbeiten
können, mit denen die Sicherheit der
NATO wirklich verbessert werden kann.

- 5 -

�Zweifelsohne muß der Westen die
potentiellen Möglichkeiten der sich
angeblich in der Sowjetunion abzeichnenden neuen Einstellung ebenso in
Erwägung ziehen wie die scheinbare
Bereitschaft, die traditionellen OstWest-Probleme in einem neuen Licht zu
betrachten - was immer die Motive des
Ostblocks dafür sein mögen. Im Hinblick auf konventionelle Waffen und
die Angst des Westens vor konventioneller
Überlegenheit
hat
Michail
Gorbatschow erklärt, "Laßt uns dies
alles in einem neuen Licht betrachten. Bei den Waffenkategorien, bei
denen der Westen eine größere Anzahl
besitzt, soll er die entsprechenden
Reduzierungen vornehmen, und bei den
Kategorien, von denen wir mehr besitzen werden wir ohne zu Zögern diesen
'Überschuß' abbauen.
Mit anderen
Worten, wir streben ein Gleichgewicht
auf einem niedrigeren Niveau an."
Wir dürfen uns von solchen Bekenntnissen der sowjetischen Bereitschaft zur Verringerung der Streitkräfte nicht einlullen lassen und
glauben, diese Gefühle signalisierten, der Osten mache sich unsere
Sicht der Natur des Problems der konventionellen Sicherheit in Europa zu
eigen.
Wir müssen jedoch bereit
sein, jede Gelegenheit für wirkliche,
auf
dem
Verhandlungsweg
erzielte
Fortschritte bei der konventionellen
Rüstungskontrolle zu nutzen in unserem andauernden Bestreben zur Behebung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa, das die größte Bedrohung eines anhaltenden Friedens
darstellt.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

32

7. September 1988

NEUER WEG ZUR AIDS-BEKÄMPFUNG
Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen

WASHINGTON - (AD) - Im Nationalen Krebsforschungsinstitut (U.S. National
Cancer Institute - NCI) der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland) wird an
50 Patienten mit AIDS-Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium seit kurzem ein
neues Medikament erprobt, das NIV-Viren "abfangen" soll, bevor sie in die Immunzellen des menschlichen Körpers eindringen und das Abwehrsystem des Organismus lahmlegen.

Es handelt sich um synthetisches
CD4, ein gentechnisch hergestelltes
Präparat.
Dieses imitiert gewissermaßen das natürliche CD4-Protein, das
sich an der Oberfläche der Immunzellen befindet. Im Gefolge einer HIVInfektion heftet sich ein spezielles
Protein der Hülle des AIDS-Virus an
das natürliche CD4-Protein, was das
Einschleusen des Virus in die Zelle
ermöglicht.
Dort vermehrt es sich
und
löst eine katastrophale Reaktionskette aus.
Die Forscher hoffen, daß das gentechnische Produkt AIDS-Viren vom natürlichen CD4-Protein abzulenken und
zu binden vermag, bevor sie gesunde
Zellen infizieren.
Viele AIDS-Spezialisten halten es für den bislang
aussichtsreichsten Wirkstoff in der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Entwicklung
von Medikamenten
gegen
die tödliche Immunschwächekrankheit.
Es ist das erste Präparat, bei dem
von Erkenntnissen
Gebrauch
gemacht
wird, die man beim Studium der Struktur des AIDS-Virus gewinnen konnte.
Die am 10. August 1988 am NCI begonnenen Versuche werden
in Kürze
durch weitere Erprobungsaktionen an
Kliniken in San Francisco und Boston
ergänzt. Vorläufig dienen sie in erster Linie dazu, festzustellen, ob
der Wirkstoff auch beim Menschen sicher ist und ob er die Vermehrung von
AIDS-Viren
verhindern
kann.
Bei
Tierversuchen
konnten
mit
dieser
"chemischen Falle" die Viren völlig
absorbiert werden, ehe sie in der Lage waren, Zellen zu infizieren. "Alle ersten Tests brachten gute Ergeb-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nisse",
berichtete
Dr.
Stephen
Sherwin, Direktor für klinische Forschung bei der Firma Genentech in Kalifornien, eine der Biotechnik-Firmen, die das synthetische CD4-Protein
herstellen.
Dr. Samuel Broder (NCI) sieht in
der Verwendung des Wirkstoffs einen
der wichtigsten Schritte, die bisher
im Kampf gegen die Immunschwächekrankheits AIDS überhaupt unternommen
werden konnten.
Es sei anzunehmen,
daß eine in dieser Richtung ständig
weiter verfeinerte Technik dazu beiträgt,
AIDS-Viren
zu
blockieren.
Dennoch sei es noch viel zu früh, um
etwas darüber sagen zu können, wie
gut und wie wirksam das Präparat tatsächlich sei.
Das einzige Medikament, das von
der zuständigen amerikanischen Behörde bisher zugelassen wurde und in
Apotheken
gegen
Rezept
erhältlich
ist, ist AZT.
In bestimmten Fällen
kann es das Leben von AIDS-Patienten
verlängern. Seine Nebenwirkungen erfordern allerdings ständige Beobachtung und regelmäßige Blutkontrollen.
Inzwischen
räumt die Bundesbehörde
für
Nahrungs- und
Arzneimittelüberwachung (Food and Drug Administration
- FDA) AIDS-Patienten auch die Möglichkeit ein, sich aus dem Ausland
kleine Mengen von Medikamenten zu beschaffen, die
in
den
Vereinigten
Staaten noch nicht zugelassen sind
und dort nicht für den Markt produziert werden. Die importierten AIDSMedikamente dürfen nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt sein und
ausschließlich den Bedarf von drei
Monaten decken.
Die FDA hat bisher 178 Anträge
amerikanischer Stellen genehmigt, Medikamente gegen AIDS-Erkrankungen zu
testen. In den meisten Fällen dürfte
jedoch ein weiter Weg zurückzulegen
sein, bis - wenn überhaupt - das getestete Präparat zur Behandlung eingesetzt werden
kann.
Angaben des
amerikanischen
Zentrums
für Krankhoitsüberwachung
(Atlanta, Georgia)
zufolge wurde in den letzten sieben

Jahren AIDS bei 66 464 Amerikanern
diagnostiziert; 37 535 Personen sind
inzwischen
daran gestorben, allein
etwa 13 000 im vergangenen Jahr.
Auch im Zusammenhang mit der Erprobung von synthetischem CD4 am Menschen sind noch viele Fragen offen:
So darf beispielsweise der Wirkstoff
nicht die normalen Funktionen des natürlichen
CD4-Proteins
stören, die
man noch nicht völlig versteht. Manche Forscher nehmen an, daß das natürliche CD4-Protein mit anderen Proteinen
zusammenwirkt, die
an
der
"Kommunikation" zwischen Zellen des
Immunsystems und damit einem wichtigen Teil der normalen Immunreaktionen
des Körpers beteiligt sind.

* * * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedenken an die Opfer von Ramstein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetisch-amerikanische Beziehungen fördern wirksame Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Burns in Den Haag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Neuer Weg zur AIDS-Bekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

14. September 1988

33

INHALT
DOKUMENTATION
Vernachlässigung der Lastenverteilung wäre schlechter Dienst am
Bündnis
- Rede von John Kornblum -

HINTERGRUNDMATERIAL
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist allgemeingültig
- Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Haltung der Kandidaten zu Verteidigungsfragen
- Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Galaktosämie; Fehlerhaftes Gen kloniert
- Ein wichtiger Schritt auf dem weiten Weg zur Gentherapie -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

33

14. September 1988

VERNACHLÄSSIGUNG DER LASTENVERTEILUNG WÄRE SCHLECHTER DIENST AM BÜNDNIS
- Rede von John Kornblum in Den Haag -

DEN HAAG - (AD) - "Ein anhaltendes Gefühl der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten" im Bereich der Verteidigung "wird nicht zu der Art von gesundem Selbstvertrauen führen, die Europa zur Bewältigung der vor ihm liegenden Aufgaben benötigt," erklärte der Stellvertreter des amerikanischen Ständigen Vertreters bei der NATO, John Kornblum, während einer Rede in Den Haag am
2. September 1988. "Wenn unsere Verbündeten die europäischen Aspekte der Debatte über die Lastenverteilung außer acht lassen, erweisen sie unserem Bündnis und vor allem sich selbst einen schlechten Dienst," sagte er weiter.
Nachfolgend bringen wir Kornblums Rede im Wortlaut:

Wenn man bei einem Treffen von
Experten zu solch entscheidenden Problemen Stellung nimmt, ist man gezwungen, an einen berühmten Witz zu
erinnern, der schon in unzähligen
Versionen erzählt worden ist.
Er betrifft zumeist ein kompliziertes und bedrückendes Thema. Dem
Erzähler zufolge gibt es nur drei
Menschen auf der Welt, die das Problem verstehen. Einer von ihnen ist
tot, der andere ist verrückt geworden
und der Dritte hat es vergessen.
Die meisten unter Ihnen haben
schon viele Versionen gehört. Das
Thema ist im allgemeinen internationales Finanzwesen, der Goldmarkt, die
Schleswig-Holstein-Frage oder die Baseballmeisterschaft in der American
League.

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Embassy of the United States of America

Ich möchte schon im voraus klarstellen, daß ich zu keinem der Themen
unserer Tagesordnung
ein Fachmann
bin. Ich versuche, beide zu verstehen, aber beruflich befasse ich mich
mit anderen Dingen. Die US-Mission
bei der NATO ist Mitveranstalter dieser Konferenz. Wir haben uns mit dem
Thema befaßt, weil wir in unserer Tätigkeit zunehmend mit den ökonomischen Auswirkungen der Sicherheitspolitik konfrontiert werden.
Bei unserer Arbeit mit Freunden
in der Niederländischen Atlantikkommission haben wir versucht, die besten Köpfe für diese komplizierte Anhäufung von Problemen zusammenzuführen. Ich hoffe, Sie werden in der
Lage sein, uns einige Ideen zur Wechselbeziehung dieser beiden "trostlo-

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�sen Wissenschaften" zu liefern. Im
Gegenzug werde ich heute abend versuchen, Ihnen einige Perspektiven aus
dem NATO-Hauptquartier vorzutragen.
Bismarck wird das Zitat zugeschrieben, daß jeder, der erfahren
würde, wie Gesetze und Wurst wirklich
gemacht werden, nie wieder friedlich
schlafen könnte.
Zugegebenermaßen
verlaufen
die
Prozesse innerhalb der NATO nicht
ganz so chaotisch , aber die Konsensfindung zwischen 16 souveränen Nationen fixiert unsere Tätigkeit eher auf
das Machbare als auf die bestmöglichen Lösungen.
Ich kann Ihnen heute abend keine
kühnen neuen Programme enthüllen.
Das Bündnis funktioniert nicht auf
diese Weise.
Ich kann jedoch ein
Bild unseres Bündnisses aus der Perspektive eines amerikanischen Regierungsvertreters geben, der mit der
Herstellung dieser Wurst, die wir als
NATO bezeichnen, beauftragt ist.

Kontinuität und Wandel
Dean Acheson pflegte jungen Attaches beim Verfassen von Telegrammen
für gewöhnlich zu sagen:
"Junger
Mann, das amerikanische Außenministerium MEINT nicht und es DENKT auch
niemals." Dieser einfache Rat gilt
auch für die NATO.

oft wie von selbst vor sich hin zu
tuckern scheint.
Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen. Unser Konsens ist
hart umkämpft und steht häufig auf
schwachen Füßen. Die Diskussionen im
Atlantikrat in Brüssel sind meines
Erachtens eine atlantische Version,
die den in unseren nationalen Parlamenten geführten ziemlich nahe kommen. Würde jemand die Tagesordnung
der vergangenen zehn Jahre untersuchen, so würde er feststellen, daß
die NATO über nahezu jedes wichtige
Anliegen unserer Nationen debattiert
hat.
Der
Verantwortungsbereich
der
NATO erstreckt sich hauptsächlich auf
die Sicherheit und damit auf das
Überleben unserer Gesellschaften und
unseres Lebensstils. Nimmt es wunder, daß im Falle einer Bedrohung der
Gesellschaft - sei sie militärisch
oder nicht - unser Bündnis zu den ersten gehörte, die die Auswirkungen zu
spüren bekämen?
Und ist es nicht unerläßlich, daß
die Politik des Bündnisses auf diesem
hart erkämpften demokratischen Konsens beruht?
So langwierig dieser
Prozeß auch sein mag, es gibt keinen
besseren Weg, um sicherzustellen, daß
die Interessen aller Mitgliedstaaten
- großer und kleiner - geschützt werden.

Während wir uns einem neuen JahrDie NATO meint nicht, sie denkt •'•' hundert nähern, scheint der Westen
sich an der Schwelle zu einer Xra
nicht und kann deshalb auch nicht
noch größeren Wohlstandes zu befinverwirrt
sein.
Wenn
überhaupt
den. Der Weg bis hierhin ist jedoch
Schritte unternommen werden, dann
schwierig und häufig erschöpfend gekommen sie durch den Konsens zwischen
wesen.
Grundsätzliche
Fragen und
den von uns vertretenen Staaten und
Richtungen sind heftig umstritten.
Regierungen zustande.
Ich stelle diese einfache Tatsache klar, weil es häufig leichter
ist, die NATO als Organismus zu betrachten, der wirklich etwas entscheiden kann. In der Tat ist es uns
unter dem Dach der NATO gemeinsam gelungen, in den vergangenen 40 Jahren
so viel zu erreichen, daß das Bündnis

Was auch immer der Standpunkt
sein mag, es besteht auf beiden Seiten des Atlantiks ein Gefühl, daß wir
vor neuen Herausforderungen stehen.
Es liegt eine Erwartung von Veränderungen in der Luft.

- 2 -

Im Jahr 1969, als die NATO kurz

�vor ihrem 20. Jahrestag stand, bestand in unserem Bündnis das gleiche
Gefühl des Wandels. Nur waren damals
viele Kommentatoren der Meinung, daß
sich die Nützlichkeit der NATO überlebt habe. Heute wird dies praktisch
von niemandem behauptet.
Die Tatsache, daß sie auch weit nach ihrem
40. Geburtstag fortbestehen sollte,
scheint außer Frage zu stehen.
Ebenso dauerhaft ist das amerikanische Engagement in Europa. Wir
debattieren ständig über Bedeutung
und Richtung unseres Engagements. Im
Gegensatz zu den späten sechziger
Jahren gibt es jedoch gegenwärtig in
den Vereinigten Staaten keine verantwortliche Gruppe, die unseren Austritt aus der NATO oder den Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa befürwortet.
Die Grundlage ist auf die Probe
gestellt worden und hat sich als für
die Interessen unserer Völker notwendig erwiesen. Zahlreiche bedeutende
Einflüsse auf unsere Zusammenarbeit
scheinen sich jedoch zu verändern.
Unter solchen Umständen erscheint es
mir besonders wichtig, zwei Extreme
zu vermeiden, und zwar den Widerstand
gegen Veränderungen unter dem Motto
"wenn etwas nicht kaputt ist, dann
sollte man nicht daran herumreparieren" oder das andere Extrem, das in
der Annahme besteht, unsere Strategie
bedürfe - gerade weil sie so lange
gut funktioniert hat - einer Überholung.
Im Hauptquartier der NATO schütteln wir oft die Köpfe über die Verfechter
beider
Lager.
Es
wäre
selbstzerstörerisch, die Folgen neuer
Probleme außer acht zu lassen. Andererseits fragen wir uns, warum einige
Leute der Meinung sind, unsere Strategie sei nicht mehr gültig, wenn sie
so gut zu funktionieren scheint.
Erfüllung unseres Auftrags bedeutet für uns, die Grundlage unseres
Erfolgs zu bewahren.
Wir können
nicht wissen, wohin die Dinge sich
entwickeln, aber wir können bestim-

men, wo wir stehen. Das sollte unsere erste wichtige Aufgabe sein.
Wenn man den Prozeß des Wandels
untersucht, sollte man sich vielleicht jener großen Neuerung im Denken der NATO zuwenden - dem HarmelBericht. Dieses Dokument entstand in
einer Epoche, die nicht weniger kompliziert als die unsrige war. Die
sechziger Jahre waren ein Zeitalter
tiefgreifender und häufig entzweiender Debatten im Westen. Der HarmelBericht stellte eine demokratische
Synthese dar, die nach - nicht vor dieser emotionalen Periode zustande
kam.
Meines Erachtens sollten wir die
heutige Debatte im selben Licht betrachten.
Zweifellos sollten wir
viele unserer Annahmen überdenken.
Schon bald wird sich ein Konsens ergeben, der die veränderten Haltungen
der neunziger Jahre widerspiegelt.
Und genau das ist der Punkt.
Dieser Konsens sollte das Ergebnis
einer demokratischen Debatte in allen
BUndnisstaaten sein. Bei allem gebotenem Respekt vor dem hier versammelten Fachwissen bezweifle ich, daß es
heute selbst den besten Köpfen im Westen möglich wäre, einfach eine Strategie zu entwerfen, die in allen
Bündnisstaaten politisch akzeptabel
wäre.
Hätte das Bündnis im Jahr 1962
eine Gruppe von Weisen berufen, was
wäre das Ergebnis gewesen? Wäre die
wunderbare Symmetrie des Harmel-Berichts im Jahr 1964 oder 1965 zu erzielen gewesen? Ich bezweifle es.
Dasselbe gilt für unsere gegenwärtige Diskussion.
Viele der im
Verlauf dieser Konferenz erörterten
Ereignisse sind Gegenstand tiefgreifender
Kontroversen
zwischen
den
BUndnisstaaten. Demokratisch gewählte Regierungen müssen sich mit diesen
Kontroversen befassen. Bis wir die
Auswirkungen von Rüstungskontrolle,
Gorbatschow, neuer wirtschaftlicher
Herausforderungen und zahlreicher an-

- 3 -

�derer vordringlicher Fragen durchdacht haben, ist die beste Grundlage
die auf der wir stehen.

Die Rolle der Wirtschaft
Sie leitet zu einem der hier erörterten Theraenkomplexe über.
Wenn
wir ehrlich mit uns selbst sind,
sollten wir zugestehen, daß die Wirtschaft in der gesamten Geschichte der
NATO praktisch nur eine zweirangige
Rolle in unseren politischen Diskussionen gespielt hat.
Verteidigungshaushalte waren natürlich stets von Bedeutung, ebenso
wie die Kosten der Streitkräfte, für
deren Stationierung wir uns entschieden hatten. In den ersten 30 Jahren
der Geschichte der NATO konnten wir
jedoch ein nahezu ungebremstes Wachstum beobachten. Der Wohlstand in allen Teilen Europas - einschließlich
des Ostblocks - erreichte ein nie zuvor gekanntes Niveau.
Wissenschaft
und Technologie wurden als Retter der
Menschheit angesehen.
Unser
Bündnis wurde auf der
Grundlage von Wachstum und wirtschaftlicher Dominanz der Vereinigten
Staaten geschaffen. Es handelte sich
nicht um eine gleich mächtige und
gleich wohlhabende Staatengruppe, die
sich zum gegenseitigen Nutzen zusammengefunden hatte. Ein Hauptziel bestand im Schutz der Vereinigten Staaten für ein Europa, das sich in einem
Prozeß des Wiederaufbaus und der
wirtschaftlichen
Gesundung
befand.
Auf der Grundlage dieser entscheidenden Divergenz der wirtschaftlichen
und politischen
Stärke entwickelt
sich ein bestimmtes Muster an Beziehungen.
Diese einfache Tatsache sollte
man sich bei der Erörterung der Tagesordnungspunkte vor Augen halten.
Sie bildet auch den Hintergrund der
immer wieder aufflammenden Debatte
über die Lastenverteilung, die erneut
unserer Aufmerksamkeit bedarf.

Ich beziehe mich nicht nur auf
die Frage der Verteidigungsausgaben.
Die Vereinigten Staaten haben Verständnis dafür, daß die Verteidigungsbeiträge der Europäer variieren
und von beträchtlicher Höhe sind.
Wie Staatssekretär Taft kürzlich ausführte, sind wir auch der Überzeugung, daß weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen den Beiträgen der Vereinigten Staaten und denen unserer
Verbündeten besteht.
Von ebensolcher Bedeutung ist jedoch die Rolle, die der Debatte über
die Lastenverteilung als Spiegel des
psychologischen Zustands des Bündnisses zukommt. Hier sind wir wieder
bei der alten Frage angelangt: Wer
war zuerst - die Henne oder das Ei?
Nahezu 45 Jahre nach dem Zweiten
Weltkrieg sind die europäischen Nationen häufig zu Recht verärgert über
eine den Vereinigten Staaten untergeordnete Rolle in der NATO.
Die
jüngere Generation in vielen europäischen Ländern ist über ein Gefühl
der Ohnmacht aufgebracht, das sich
aus einer scheinbar nicht ebenbürtigen Partnerschaft ergibt.
Ebenso fragen sich viele Amerikaner, warum die europäischen Verbündeten uns in Handel und Wirtschaft herausfordern
können,
während
sie
gleichzeitig zögern, den vollen Anteil der Risiken und Verantwortung zu
übernehmen, die ihre wirtschaftliche
Stärke erst ermöglicht haben.
Was immer wir über die Höhe unserer Verteidigungshaushalte denken mögen - ich bin sicher, wir stimmen
auch dahingehend überein, daß dieses
Bild der Partnerschaft angesichts der
wirtschaftlichen und politischen Realitäten der heutigen Welt aus den Fugen geraten ist.
Als der Seniorpartner in diesem
Unternehmen müssen die Vereinigten
Staaten selbst intensiv über die Auswirkungen ihrer Rolle als führende
Weltmacht
nachdenken.
Auf
wirtschaftlichen Wettbewerb durch Kürzung

�unserer Ausgaben in der NATO zu realeren, deckt sich nicht mit den ReaItäten dieser Rolle.

f

Die Aufgabe innerhalb Europas ist
ebenso kompliziert.
Die Bewahrung
der amerikanischen Führungsrolle
selbst auf die intelligenteste und
weitsichtigste Art - wird nicht notwendigerweise das zunehmende Gefühl
der Frustration unter den jungen
Nachkriegsgenerationen
wettmachen,
die jetzt erwachsen werden.
Ein anhaltendes Gefühl der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten
wird nicht zu der Art von gesundem
Selbstbewußtsein führen, die Europa
zur Bewältigung der vor ihm liegenden
Aufgaben benötigt. Weder die westliche Einigung noch die Überwindung
der Teilung dieses Kontinents werden
ohne d ieses Gefühl des Vertrauens und
der Weitsicht möglich sein.
Die Entwicklung dieses neuen Bewußtseins ist nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten. Es wird als Folge
eines schwierigen Prozesses innerhalb
Europas entstehen. Es ist nicht angebracht, daß ich hier Vorschriften
mache. Aber ich kann soviel sagen:
Wenn unsere Verbündeten die europäischen Aspekten der Debatte über die
Lastenverteilung außer acht lassen,
erweisen sie unserem Bündnis und vor
allen sich selbst einen schlechten
Dienst.

Eine Grundlage für den Wandel
Ich habe von Kontinuität und Wandel und der Rolle der neuen Herausforderungen - wie beispielsweise der
Wirtschaft - gesprochen, mit denen
wir uns in den kommenden Jahren konfrontiert sehen. Aber keine unserer
Nationen wird bereit sein, für die
Kosten dieser neuen Probleme ohne
eine Vision der Zukunft aufzukommen.
Trotz großer Fortschritte sind
die zugrundeliegenden Probleme nicht
behoben worden. Der Westen ist nach
wie vor durch die Projektion sowje-

tischer Militärmacht nach Mitteleuropa bedroht. Der Frieden ist weiterhin durch die wirtschaftliche und politische Instabilität im Ostblock* in
Gefahr.
Am schmerzlichsten jedoch
ist vielleicht die Begrenzung unseres
eigenen Bildes der Menschheit auf die
westliche Hälfte dieses Kontinents.
Die Unterdrückung der Freiheit in
einem Teil Europas hat auch Auswirkungen auf die Qualität der Freiheit
in unseren Ländern. Unsere Reaktion
auf die Hoffnungen der Völker im Ostblock werden viel über unser eigenes
Engagement für die Werte aussagen,
die wir so laut predigen.
Wir bemerken Zeichen des Wandels.
Und wir sollten uns darüber im Klaren
sein, daß das Modell, das zu Hoffnungen im Ostblock Anlaß gibt, sich auf
unsere Ideale gründet - Freiheit, Offenheit, Demokratie.
Die sowjetische Führung räumt öffentlich ein, daß ihre Wirtschaft
stagniert. Beobachtern in Moskau zufolge ist die Nahrungsmittelversorgung seit Jahren nicht so schlecht
gewesen.
Demographen stellen fest,
daß die Lebenserwartung in der Sowjetunion abnimmt.
Plötzlich sehen wir uns mit einer
neuen Herausforderung konfrontiert einem gefährlichen Gegner, dessen
wirtschaftliche Grundlage zerbricht.
Diese Entwicklung könnte zu einer
ebenso tiefgreifenden Diskussion über
die Ziele des Westens führen. Werden
wir genug Geduld für den Erhalt unserer Stärke aufbringen, während sich
die komplizierten Prozesse im Ostblock von selbst lösen?
Oder werden wir die Werte, von
denen wir so lange geleitet waren, in
dem Maße in Frage stellen, wie sie
von der anderen Seite übernommen werden? Niemand kann diese Frage beantworten, aber ich kann eine Folgerung
vorhersehen.
In meiner Vorstellung wäre die
schlimmste Entwicklung für die west-

- 5 -

�liehen Demokratien, in Generalsekretär Gorbatschow den Vorkämpfer des
demokratischen Wandels in Europa zu
sehen. Wir müssen uns vor Augen halten, wie das "Friedenskonzept" durch
sowjetische Rhetorik pervertiert wurde.
Wenn wir uns nicht vorsehen,
könnten unsere Grundwerte durch einen
Politiker gegen uns gerichtet werden,
der keinerlei Absicht hegt, sie zu
übernehmen.

einzige Art und Weise, den uns im
NATO-Hauptquartier
konfrontierenden
Problemen einen Sinn zu geben, darin
besteht, sich diese vornehmsten Ziele
vor Augen zu halten. Eine ähnliche
Sicht der Dinge kann meiner Ansicht
nach auch Ihnen behilflich sein.

* * * * * *

Für mich bedeutet dies, daß unsere erste Reaktion auf den Wandel im
Ostblock besseres Verständnis dafür
sein muß, wie wir den Wandel im Westen angehen wollen. Die Rolle von
Offenheit und Demokratie in unseren
Beziehungen zu kommunistischen Staaten muß eindeutiger definiert werden.
Letztlich bedeutet dies, unsere
Haltung gegenüber dem Ostblock auf
diese demokratischen Werte zu gründen. Dies ist nicht der Ruf nach einer neuen Politik des Rollback. Es
ist die Erkenntnis, daß die bloße
Aufrechterhaltung guter Beziehungen
mit kommunistischen Ländern nicht
notwendigerweise die Art des Wandels
unterstützt, die wir als vordringlich
erachten. Vor allem sollten wir uns
nicht von Anschuldigungen vom Kurs
abbringen lassen, das Streben nach
Verwirklichung westlicher Werte berge
das Risiko einer Unterminierung der
Reformen im Ostblock.
Ich gebe zu, daß diese Gedanken
nicht eine Vision als solche ergeben.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß
solche Erwägungen von besonderer Bedeutung sind, wenn man die Art von
komplexen Themen erörtert, mit denen
wir uns hier befassen.
Der Westen betreibt Rüstungskontrolle nicht vornehmlich zur Einsparung von Kosten. Und unsere wirtschaftliche Stärke ist nicht die einzige Determinante bei unserem Wettbewerb mit dem Ostblock. Sie alle stehen im Zusammenhang mit den bei der
Gründung der NATO festgelegten vornehmsten Zielen unserer Gesellschaften. Ich habe festgestellt, daß die

•

�AMERIKA DIENST
'VON**

33

Hintergrundmaterial

14. September 1988
ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE IST ALLGEMEINGÜLTIG
- Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop -

MAILAND - (AD) - Dem Leiter der Abteilung für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard Schifter, zufolge sind
die Ziele der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wahrhaft allgemeingültig und nicht nur auf die reichen Länder des Westens anwendbar. In einer Ansprache beim europäischen Workshop über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verabschiedeten Erklärung
stellte Schifter am 7. September 1988 ferner fest, daß "der menschlichen Erfahrung zufolge die Wechselwirkung zwischen Demokratie und Achtung der Rechte
des Einzelnen sowie zwischen Diktatur und Nichtachtung dieser Rechte ziemlich
ausgeprägt ist".
Nachfolgend bringen wir Schifters Ansprache im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort):
"...daß
zur
Sicherung
dieser
Rechte Regierungen unter den Menschen
eingesetzt werden, die ihre Macht aus
der Zustimmung der Regierten herleiten," ist in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten niedergelegt. Die Rechte, auf die Bezug
genommen wird, sind die Rechte auf
Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück.
Die Erklärung hat damit der so
lange Zeit gültigen grundsätzlichen
Vorstellung vom Gottesgnadentum der
Könige eine Absage erteilt, derzufolge der Herrscher durch Geburt das
Recht zur Ausübung der Macht und die
Untertanen die Pflicht des Gehorchens
hatten. Sie kehrte dieses Verhältnis
um, indem sie das Recht des Bürgers
als Hauptgrund
für die Existenz

United States Information Service
Embassy of the United States of America

staatlicher Autorität definierte.
Die Verfasser der amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776
waren nicht die Schöpfer dieser Idee.
In die Erklärung sind Gedanken eingeflossen, über die schon über ein
Jahrhundert lang diskutiert und geschrieben wurde - die Gedanken der
Aufklärung.
Dreizehn Jahre später,
im Jahr 1789, spiegelte die französische Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers dieselben Gedanken wider. Und fast zur gleichen
Zeit vervollständigten die Vereinigten Staaten ihre Erklärung mit der
Bill of Rights.
Jeder, der diese Dokumente des
späten 18. Jahrhunderts mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

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Telex: 8-85432

�vergleicht, wird natürlich ihre starke Ähnlichkeit erkennen.
Die Leistung der Allgemeinen Erklärung besteht sicherlich darin, daß sie die
von den Schriftstellern und Denkern
des Zeitalters der Aufklärung formulierten Prinzipien des Staatswesens
auf eine internationale Ebene gestellt hat.
Unterstütze ich mit diesen Beobachtungen die Kritiker der Allgemeinen Erklärung, denen zufolge sie
einer bestimmten Kultur zugehörig ist
und nur Haltung und Denken dessen widerspiegelt, was gemeinhin als westliche Zivilisation bezeichnet wird
und das sich wirklich nicht auf Gesellschaften mit anderen kulturellen
Wurzeln anwenden läßt? Mit anderen
Worten: Habe ich die Behauptung unterstützt, die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte sei nicht wahrhaft
allgemeingültig?
Um das hier zutagetretende Problem zu behandeln, schlage ich vor,
daß wir uns daran erinnern, wie ein
britischer Beobachter der politischen
Entwicklungen im Frankreich des Jahres 1789 auf die Nachricht von der
Verkündung der Erklärung der Rechte
des Menschen und der Bürger reagiert
haben könnte. Der Zeitpunkt lag etwas über 100 Jahre nach der Glorious
Revolution und viele Jahrzehnte nachdem die Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie in Großbritannien
begonnen hatte. Hätte es nicht nahegelegen, daß zahlreiche Beobachter in
London ausgerufen hätten:
"Rechte
des Bürgers in Frankreich?
Alles,
was diese Leute je gekannt haben, ist
die absolute Monarchie. Was versteht
der Durchschnittsfranzose von Bürgerrechten?"
Lassen Sie uns auch die amerikanische Erfahrung betrachten. Natürlich repräsentierten die Verfasser
der Unabhängigkeitserklärung und der
Bill of Rights ein aufstrebendes neues Land, in dem Regierung mit Zustimmung der Regierten und die Achtung
der Rechte des Einzelnen anerkannte
Vorstellungen waren. Hieß dies je-

doch Regierung mit Zustimmung aller
Regierten? Und wurden die Rechte jedes Einzelnen respektiert? Die Antwort auf beide Fragen lautete "Nein".
Die ungeheuerlichste Form der Unterdrückung, die Sklaverei, wurde in
vielen der Staaten praktiziert, aus
denen sich jenes neue Land zusammensetzte, das im Jahr 1776 durch die
Unabhängigkeitserklärung
entstanden
war. Die Sklaverei war eine Institution, die, nachdem die Gründer des
Landes stolz erklärt hatten, "alle
Menschen sind gleich geschaffen",
noch 87 Jahre Bestand hatte. Und es
mußte erst ein Bürgerkrieg geführt
werden - der schlimmste Krieg in der
amerikanischen Geschichte -, um die
Sklaverei aus dem Leben Amerikas zu
tilgen.
Ich will damit sagen, daß die in
Dokumenten wie der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung oder der französischen Erklärung der Rechte des
Menschen und der Bürger niedergelegten Prinzipien nicht in der Praxis
dieser Länder verwurzelt waren. Es
waren Aussagen über ein Ideal, das
genügend Unterstützung besaß, um eine
nationale Bestrebung zu bilden, auf
deren
Verwirklichung
hinzuarbeiten
sich beide Länder und andere, von
diesem Ideal in ähnlicher Weise erfaßte, verpflichteten.
Die in den Dokumenten des 18.
Jahrhunderts enthaltenen und von mir
genannten Vorstellungen waren nicht
gänzlich neu.
Die Staatstheorien,
auf denen sie fußten, reichten über
2 000 Jahre bis zu Schriftstücken und
Praktiken in einigen Stadtstaaten des
antiken Griechenlands zurück.
Ich
möchte in diesem Zusammenhang darauf
verweisen, daß, wenn wir vom philosophischen Erbe des antiken Griechenlands sprechen, wir natürlich vom Erbe des antiken Athen und nicht vom
antiken Sparta reden. Die Schriftsteller und Denker des Zeitalters der
Aufklärung hatten einige ihrer bemerkenswerten Inspirationen vom Athen
vor zwei Jahrtausenden erhalten.
Man

könnte

sagen,

daß

dieses

�Band, das die Aufklärung mit dem antiken Athen verbindet, einen lebendigen Beweis für die Tatsache darstellt, daß wir es hier mit einem
kulturspezifischen Phänomen zu tun
haben. Aber ist dies wirklich so?
Welche kulturellen Bande haben die
alten Athener mit den Barbaren verknüpft, die im Zeitalter des Aristoteles die Wälder Nord- und Mitteleuropas bevölkerten? Warum sollten die
Nachfahren dieser Barbaren dem mehr
Aufmerksamkeit gewidmet haben, was
sie über die griechische Demokratie
gelernt hatten als anderen Lehren und
Traditionen, die ihnen überliefert
wurden? Könnte es sein, daß sie nach
reiflichem Nachdenken über die verschiedenen Modelle politischer Organisation zu dem Schluß gelangten, daß
das demokratische Modell am besten
taugt, um die Bedürfnisse und Bestrebungen der Menschen zu erfüllen? Und
ist das der Grund, warum es Wurzeln
schlug? Könnte es sein, um Winston
Churchill zu zitieren, daß die Demokratie wirklich die schlechteste Regierungsform ist, abgesehen von allen
anderen?
Dies - so scheint mir - sind die
Fragen, die wir uns stellen müssen,
wenn wir heute über die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte nachdenken.
In diesem Vortrag habe ich unter
dem Terminus "Menschenrechte" zwei
verschiedene Konzepte zusammengefaßt:
Erstens, das der Regierung mit Zustimmung der Regierten und - zweitens
- das der Achtung der Rechte, Integrität und Würde des Einzelnen. Es
ist denkbar, daß eine demokratisch
gewählte Regierung einige Menschen
ihrer individuellen Rechte beraubt.
Ebenso ist es vorstellbar, daß eine
Diktatur, die nicht frei vom Volk gewählt ist, die meisten Rechte des
Einzelnen
wohlwollend
respektiert,
natürlich außer dem Recht, seine Regierung zu wählen. Zu diesem Thema
läßt sich sagen, daß der menschlichen
Erfahrung zufolge die Wechselwirkung
zwischen Demokratie und Wahrung der
Rechte des Einzelnen einerseits sowie

zwischen Diktatur und Nichtachtung
dieser Rechte ziemlich stark ist.
Wir können es als Tatsache hinnehmen,
daß ein gutes Mittel, um die Wahrung
der Rechte des Einzelnen durch staatliche Institutionen sicherzustellen,
darin besteht, diese Institutionen
dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu machen.
Ein weiteres Problem verdient in
diesem Zusammenhang unsere Beachtung.
Es ist die Frage der Beziehung zwischen dem, was wir als Bürger- und
politische
Bürgerrechte
bezeichnen
einerseits und den ökonomischen und
sozialen Rechten andererseits. Analytiker der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte werden der Tatsache
Aufmerksamkeit schenken, daß, während
22 Artikel ausdrücklich eine Reihe
bürgerlicher und politischer Rechte
beschreiben, fünf weitere eine Reihe
von Rechten aufzählen, die wir als
ökonomische und soziale Rechte bezeichnen.
Meiner Ansicht nach haben wir im
Lauf der Jahrzehnte eine ziemlich
sterile Debatte darüber beobachtet,
was ein "Recht" ist und was nicht.
Wir können diese Debatte abkürzen,
indem wir den fraglichen Themen verschiedene Kennzeichen zuordnen. Wenn
wir uns auf die unter dem Begriff
"bürgerliche und politische Rechte"
zusammengefaßten
Fragen
beziehen,
können wir von den Grenzen staatlicher Gewalt sprechen.
"Ökonomische
und soziale Rechte" können hingegen
als Aufgaben des Staates gekennzeichnet werden.
Ein bedeutender Unterschied zwischen den beiden Kategorien besteht
darin, daß erstere relativ leicht zu
verwirklichen ist. Alles, was vom
Staat zur Erfüllung seiner Verpflichtungen in diesem Bereich getan werden
muß, ist, etwas zu unterlassen. Gute
Leistungen im zweiten Bereich zu erbringen erfordert Geschick, Überlegung und Ressourcen. Fortschritte in
diesem Bereich erfordert Entscheidungen über den grundsätzlichen Ansatz
in der Wirtschaftspolitik, was häufig

- 3-

�erst nach der Überwindung erheblicher
Meinungsverschiedenheiten über geeignete Analysen und Abhilfemaßnahmen
möglich ist.
Denn die Leistungen
eines Staates auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet werden letztlich
nicht aufgrund gemachter Versprechungen beurteilt, sondern aufgrund dessen, wieviele dieser Versprechungen
erfüllt werden.
Das umfassende Problem der wirtschaftlichen und sozialen Programme
des Staates ist ein bedeutendes - ein
Problem, das des Nachdenkens, der
Analyse und Diskussion bedarf.
Es
verdient eine solche Diskussion in
geeignetem Rahmen, die Diskussion unter Experten mit praktischer Erfahrung, die Diskussion durch Wirtschaftswissenschaftler, durch Experten in den Bereichen Gesundheitswesen,
Wohnungswirtschaft,
landwirtschaftliche
Produktion,
Vertrieb
u.s.w.
Diese Diskussionen unterscheiden sich jedoch von jenen, die
sich mit den Grenzen staatlicher Gewalt befassen, die am zweckmäßigsten
von Fachleuten zu staatlicher Struktur und Gesetzen zu führen sind.
Um zur Erklärung zurückzukehren:
Sie wurde vor dem Höhepunkt der Welle
der Dekolonialisierung verabschiedet.
Sie wurde verabschiedet, als die
Mehrheit der Stimmen in den Vereinten
Nationen von den Ländern Süd-, West-

und Nordeuropas sowie des amerikanischen Kontinents abgegeben wurde.
Und, wie ich schon festgestellt habe,
spiegelte der Text die Vorstellungen
vom Staat und von den Rechten des
Einzelnen wider, die sich schon zweihundert Jahre zuvor in Westeuropa und
Nordamerika
herauszukristallisieren
begonnen hatten.
Aber bedeutet die Tatsache, daß
Menschen französischer und englischer
Herkunft die führende Rolle bei der
Formulierung des Konzepts der Freiheit des Einzelnen - und des Staates
als Diener anstatt als Herr des Bürgers - spielten, daß sie nur für
Franzosen und Engländer und deren
Nachfahren in Nordamerika sprachen?

Könnte es nicht vielmehr so sein, daß
sie Prinzipien des Staatswesens von
universeller
Gültigkeit
erkannten,
daß sie eine Sprache sprachen, die an
die Logik und die innersten Sehnsüchte aller Männer und Frauen jeglicher
kultureller Strömung appellierte?
Wie ich schon feststellte, waren
zu jener Zeit, als die Schriftsteller
und Denker der Aufklärung ihre Gedanken zu Papier brachten, die Erfahrungen ihrer Gesellschaften mit den Konzepten, die diese zu erklären versuchten, entweder begrenzt oder nicht
vorhanden.
Ich behaupte, daß das,
was die Denker der Aufklärung taten
und was auch die Verfasser der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anstrebten darin bestand, eine Reihe
von Idealen zu formulieren, allgemeingültige
Ideale der Begrenzung
staatlicher Gewalt, eine Reihe erstrebenswerter Ziele und vor allem,
die Achtung vor dem Menschen als
einem von Gott geschaffenem Wesen und
ein Leben frei von Furcht zu garantieren.
Von manchen wird behauptet, daß
ein Festhalten an den Prinzipien der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein Luxus sei, den sich die
reichen Industriegesellschaften leisten können, der jedoch in Staaten,
die sich zunächst auf die grundlegenden Elemente der Aufrechterhaltung
eines minimalen Lebensstandards konzentrieren, nicht funktioniert. "Wir
können uns nicht den Kopf über Pressefreiheit zerbrechen, wenn Menschen
verhungern," lautet ein häufig vernommener Kommentar.
Dem läßt sich einiges entgegenhalten.
Erstens schlugen die Vorstellungen von der Freiheit des Einzelnen, über die wir heute sprechen,
in Ländern wie dem meinigen zu einer
Zeit Wurzeln, die vorwiegend von der
Landwirtschaft geprägt war und in der
die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung nach heutigen Begriffen
"arm" war. Tatsächlich wurden diese
Vorstellungen am hartnäckigsten in
jenen Regionen des Landes vertreten,

�die fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt und fast ausschließlich "arm" waren.
Und was die Pressefreiheit und
den Bedarf an Nahrungsmitteln anbelangt: Wir sollten uns überlegen, ob
Länder, in denen Menschen hungern,
den verhängnisvollen politischen Maßnahmen im Agrarbereich gefolgt wären,
die zu einer drastischen Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion führten,
wenn sie eine freie Presse gehabt
hätten, eine Presse, die höchstwahrscheinlich diese Maßnahmen kritisiert
und die unvermeidlichen Konsequenzen
solch tiefgreifender politischer Fehler aufgezeigt hätte.
Lassen Sie uns nun einige der
Einzelbestimmungen
der
Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte betrachten. Wir sollten uns fragen, ob diese wirklich das exklusive Eigentum
einer einzigen Zivilisation sind oder
als allgemein gültig angesehen werden
sollten.
Was sollen wir von dem
Prinzip halten, daß jeder "das Recht
auf Leben, Freiheit und Sicherheit
der Person hat?" Was sollen wir von
dem Verbot der Sklaverei, der Folter
sowie grausamer, unmenschlicher und
entwürdigender Behandlung oder Bestrafung halten?
Und was von der
Vorstellung, daß alle vor dem Gesetz
gleich sind und ohne Diskriminierung
Anspruch auf Gleichbehandlung vor dem
Gesetz haben? Und wie ist es mit der
Vorschrift gegen willkürliche Eingriffe in Privatleben, Familie, Wohnung oder Schriftverkehr eines Menschen?
Und wie mit dem Recht auf
Freizügigkeit innerhalb eines Landes
und über Staatsgrenzen hinweg? Und
wie mit der Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit sowie mit der Redefreiheit? Und wie - als letztes mit dem Recht, die Regierung in freien Wahlen zu wählen?
Ist es nicht
eine wahrhaft verabscheuungswürdige
Art von Rassismus, die Auffassung zu
vertreten, dies sollten allein die
Ziele der westlichen Zivilisation
sein, ohne Einfluß oder Relevanz für
den Rest der Welt?

-5

Wir sollten uns deshalb wirklich
Gedanken machen, was wir alle als Angehörige der menschlichen Rasse gemeinsam haben; wie wir uns am besten
organisieren können, um zusammen zu
arbeiten und die Probleme zu lösen,
vor denen unsere Gemeinschaften und
unsere Gesellschaften stehen und wie
wir es am besten anstellen können,
uns selbst zu regieren. Wir sollten
uns vor Augen halten, daß wir bei der
Benutzung des Rades, beim Rechnen mit
arabischen Ziffern, beim Einschalten
einer Lampe, um uns Licht zu geben,
bei der Verabreichung von Penicillin
zur Heilung Kranker uns nicht damit
aufhalten, zu fragen, welche Kultur
den Erfinder oder Entdecker hervorgebracht hat. Das gleiche sollte auch
für die weltweite Anwendung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
gelten.

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

^

14. September 1988

33

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE HALTUNG DER KANDIDATEN ZU VERTEIDIGUNGSFRAGEN
Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen -

WASHINGTON - (AD) - Was das Thema
Verteidigung angeht, so sind sich die
beiden Präsidentschaftskandidaten der
großen Parteien in einem Punkt einig
- daß eine starke Verteidigung für
die Sicherheit der Nation unerläßlich
ist.
Scharfe Unterschiede bestehen jedoch zur Strategie und zur Verwendung
von Mitteln für die Verteidigung.
Dem Gouverneur von Massachussetts, Michael Dukakis, zufolge möchte dessen republikanischer Gegenspieler jedes irgend denkbare Waffensystem weiterentwickeln und beschaffen.
Sein Kommentar: "Man kann nicht alles haben, weder, wenn man es ernst
mit der Bereitstellung der für unsere
konventionellen Streitkräfte erfor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

derlichen Mittel meint, noch, wenn
man ernsthaft die Reduzierung des
Haushaltsdefizits anstrebt."
Vizepräsident George Bush nimmt
seinen demokratischen Opponenten mit
dessen Vorstellungen zu den Verteidigungsausgaben beim Wort: "Es ist naiv, zu denken, wenn man selbst kein
Geld für Verteidigung ausgibt, dann
würde der Gegner es auch nicht tun,"
erklärt er. Unter Hinweis auf die
anhaltende Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte vertritt der Vizepräsident die Auffassung, die Unterschiede zwischen Bush und Dukakis
zu Fragen der nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten seien "groß
und tiefgreifend".
Nachfolgend

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stellen

wir

einige

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Positionen der Kandidaten zu Fragen
der Verteidigung gegenüber:
Ausgabenpolitik
Dukakis: "Wir müssen unsere Mittel für die Verteidigung dort
einsetzen, wo der Bedarf am größten ist, wir müssen diese Mittel
zur Beschaffung von Waffen verwenden, die funktionieren, und
wir müssen diese Mittel so verwalten, daß sie unsere Streitkräfte stärken, und nicht, um die
Taschen betrügerischer RUstungsunternehmen zu füllen."
Bush:
"Wir geben heute sechs
Prozent unseres Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aus;
das sind 25 Prozent weniger als
zu Zeiten Eisenhowers und Kennedys. Wir müssen den Bewilligungsprozeß im Kongreß verbessern
und die Mittelvergabe auf eine
stabilere Grundlage stellen. Der
Kongreß muß bereit sein, unsere
strategischen Programme beständig
und langfristig zu unterstützen."
Chemische Waffen
Dukakis: "Wir müssen die Unterstützung möglichst vieler Staaten
für die Bemühungen zum Verbot von
Giftgas und die Verhängung harter
Sanktionen gegen jedes Land gewinnen, das so dumm und brutal
ist, diese Waffen gegen Menschen
einzusetzen."
Bush:
"Ich werde chemische und
biologische Waffen von dieser
Welt tilgen."

Reagan-Administration
begonnen
Ausbau der Marine auf 600 Schiffe
und tritt für die Beibehaltung
des gegenwärtigen Umfangs der
Flugzeugträgereinsatzverbände ein.
Strategische
(SDI)

Verteidigungsinitiative

Dukakis:
"Wir
brauchen
SDI
nicht; wir brauchen CDI.
Wir
sollten die von den führenden Politikern im Kongreß eingeleitete
Konventionelle
Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um mit
dem Einsatz moderner Technologien
die Herausforderung zu bewältigen, einen konventionellen Krieg
führen - und gewinnen - zu können." Er würde die Mittel für
das SDI-Forschungsprogramm einschneidend kürzen.
Bush: Ein energischer Befürworter des Programms der Reagan-Administration, der die Auffassung
vertritt, ein ausgefeiltes SDI
würde "Waffen anstatt Menschen
gefährden" und "die Gefahr eines
Angriffs aus Versehen reduzieren".
Er würde auf "intensive
Forschung" drängen, um herauszufinden, ob eine SDI-Verteidigung
funktioniert, und er würde SDI
stationieren, "wenn es funktioniert".
START-Verhandlungen
Beide Kandidaten treten für den
in den START-Verhandlungen angestrebten 50prozentigen Abbau der
strategischen Waffen ein.
Atomwaffensperrvertrag

Ausbau der Marine
Dukakis:
Befürwortet eine Verringerung der Marine und die Ausserdienststellung
zweier
Flugzeugträgergruppen.
Er
spricht
sich gegen die kurzfristige Ausweitung der US-Marinepräsenz im
Persischen Golf aus.

Dukakis:
"Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um
der Verbreitung von Kernwaffen
Einhalt zu gebieten." Er hat zu
verstehen gegeben, daß es aufgrund dieses Themas zu einer Einschränkung amerikanischer Hilfen
für Pakistan kommen könnte.

Bush:

Bush:

Unterstützte den von der

"Die Ära der Verbreitung

�von Atomwaffen muß aufhören,"
sagt er und fügt hinzu, es sei
"unsere moralische Verpflichtung,
alles menschenmögliche zu tun, um
nukleare Erpressung durch Verrückte wie Gadhafi in Libyen oder
Chomeini im Iran auszuschließen.
Er würde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um "Islamabad und Neu
Delhi zu einem bilateralen Abkommen zu bewegen," das die weitere
Entwicklung von Atomwaffen in den
beiden Ländern "nachprüfbar einschränken" würde.
Landgestützte
ten (ICBM)

len, daß die Vereinigten Staaten
ihre Führungsposition im Weltraum
wiedererlangen.
Bush
zufolge
sind die Sowjets "seit Jahren aktiv bemüht, die militärische Vorherrschaft im Weltraum zu erringen," und es sei verhängnisvoll,
wenn Amerikaner "naive Ansichten
über diese Bedrohung hätten."
Truppen in Europa
Keiner der beiden Kandidaten würde amerikanische Truppen aus Europa abziehen.

InterkontinentalrakeDer Nahe Osten
Dukakis: Die Vereinigten Staaten
müssen ihre fortdauernde Verpflichtung zur "Stärke, Sicherheit und Verteidigung des Staates
Israel" erneuern.
Dukakis fügt
hinzu:
"Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, dem Nahen
Osten bleibenden Frieden zu bringen, der Israel sichere Grenzen
und genauso dem palestinensischen
Volk eine Zukunft garantiert."

Dukakis: Mit den Argumenten, die
Vereinigten Staaten sollten die
Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV)
einzuschränken versuchen und weil
die kleineren Interkontinentalraketen zu teuer seien, befürwortet
er weder das MXnoch das Midgetman
ICBM-Programm. Er hat jedoch die
Möglichkeit einer neuen Interkontinentalrakete als Alternative zu
den beiden anderen Programmen
nicht ausgeschlossen.
Bush: Er ist der Auffassung, daß
der ' Peacekeeper' und die 'Midgetman'
unbedingt
erforderlich
sind, um eine glaubwürdige Abschreckung der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Wörtlich
fügt er hinzu: "Meines Erachtens
müssen wir sie beide am Leben
halten."

Bush:
"Israel bleibt das Bollwerk der Demokratie im Nahen
Osten, ein treuer Verbündeter,
ein Wirtschaftspartner und ein
Licht der Hoffnung. Wir werden
sein Volk niemals im Stich lassen."
Der Persische Golf

Der Weltraum

t

Dukakis:
Er
befürwortet
die
Gründung eines Weltraumrates und
würde
seinen
Vizepräsidentschaftskandidaten zu dessen Vorsitzenden ernennen. Er betrachtet die Entwicklung einer ständig
bemannten Raumstation als "eine
unserer wichtigsten Prioritäten."
Bush:
Er unterstützt das Programm einer amerikanischen Weltraumstation. Er will sicherstel- 3 -

Dukakis: Er trat nicht für die
amerikanische Politik der Umflaggung kuwaitischer
Öltanker im
Persischen Golf ein und wollte
keine
einseitig
durchgeführte
Verlegung der amerikanischen Marine in den Golf. Er war gegen
jede wahrnehmbare Parteinahme für
den Irak, und verwies dabei auf
das irakische Regime als Kriegsauslöser, auf dessen Angriffe gegen ausländische Öltanker und den
versehentlichen Angriff gegen die
•U.S.S. Stark' im Jahr 1987.
Bush:

Er unterstützt die ameri-

�kanische Golfpolitik der freien
Schiffahrt in internationalen Gewässern und die Resolution der
Vereinten Nationen zur Beendigung
des Krieges. Er unterstützte das
Programm zur Umflaggung der Tanker und wies darauf hin, daß die
Vereinigten Staaten Marineaktivitäten im Golf ergreifen mußten,
um multilateralen Verpflichtungen
für die Region den Weg zu ebnen.
"Da wir uns an die Spitze gestellt haben, unterstützen uns
derzeit fünf europäische Marineverbände beim Abbau der Bedrohung
für die Schiffahrt. Hätten wir
uns nicht an die Spitze gestellt,
wären Ohnmacht und Rückzug die
Folge gewesen," fügt er hinzu.
Lateinamerika und die Karibik
Dukakis:
Er hat Einheiten der
Nationalgarde in seinem Heimatstaat die Genehmigung verweigert,
an Übungen in Panama oder Honduras teilzunehmen, weil er unbeirrbar gegen eine Unterstützung
für die nicaraguanischen antisandinistischen
Widerstandskämpfer, die Contras, eintrat. Die
amerikanische
Entscheidung,
in
Grenada einzumarschieren, hat er
ebenfalls kritisiert.
Bush: Unterstützt Hilfe für die
Contras und andere Freiheitskämpfer in der ganzen Welt. Er war
für die Bemühungen, Versuche der
Kubaner zu unterbinden, "die winzige Insel Grenada zu zersetzen".

* * * * *

-4

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Wissenschaft und Technik

14. September 1988

33

GALAKTOSÄMIE:

FEHLERHAFTES GEN KLONIERT

Ein wichtiger Schritt auf dem weiten Weg zur Gentherapie

(AD) - Seitdem Jürgen Reichardt,
ein Doktorand am Institut von Nobelpreisträger Dr. Paul Berg (Stanford
University, Kalifornien), in der amerikanischen Fachzeitschrift "Molecular Biology and Medicine" die Ergebnisse seiner dreijährigen Suche nach
jenem Gen veröffentlichte, das für
die
Stoffwechselstörung
"Galaktosämie" verantwortlich ist, steht das
Telefon nicht mehr still. Kollegen
aus dem Inund Ausland wollen mit ihm
sprechen.
Mit Briefen melden sich
viele Eltern von Kindern, die an der
Krankheit leiden, um ihm für seine
gründliche Ursachenforschung zu danken.
"Vielleicht ist doch noch zu
Lebzeiten unseres Sohnes - jetzt vier
Monate alt - auf eine Heilung zu hoffen", schrieb ein Ehepaar aus Texas.

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Reichardt ist es gelungen, das
Gen zu isolieren und zu klonieren
(d.h., auf gentechnischem Wege zu
vermehren), das normalerweise für die
Produktion des Enzyms Galaktose-1Phosphat-Uridyltransferase
zuständig
ist. Bei Galakosämie, einer rezessiv
vererbbaren
StoffWechselstörung,
fehlt das Enzym, so daß der Metabolit
Galaktose
nicht
umgesetzt
werden
kann. Zu große Mengen davon verbleiben im Blut und werden mit dem Urin
ausgeschieden. Man spricht auch von
"Galaktosediabetes".
Galaktose ist ein Bestandteil von
Laktose, die als Hydrat (Anlagerung
von Wassermolekülen) unter der Bezeichnung Milchzucker bekannt ist.
In Verbindung mit Glukose und einem
weiteren Molekül bildet dieses Disac-

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�charid ein spezifisches Produkt der
Milchdrüsen.
Zwar ist schon seit
vielen Jahren bekannt, daß der erwähnte Enzymmangel die Ursache für
die Unverträglichkeit von Muttermilch
oder Kuhmilch und deren Produkten bei
manchen Säuglingen und Kleinkindern
ist. Galaktit bzw. Galaktose-1-Phosphat kann nicht abgebaut werden und
staut sich vor allem in der Leber und
im Gehirn. Schon bald nach der Geburt verweigern diese Babies die herkömmliche Nahrung. Ständiges Erbrechen und Gelbsucht sind erste Anzeichen der Stoffwechselkrankheit.

netisch aufgepfropft wurde, um ihren
Verlauf im Detail zu erforschen. So
beabsichtigt Reichardt zunächst einen
Gen-Austausch bei ursprünglich gesunden Mäusen mit dem Enzymmangel-Gen,
um an diesen Tieren die Gewebeveränderungen bis hin zu molekularen Vorgängen zu studieren. "Meine Hoffnung
ist, daß wir dann endlich herausfinden, warum die Probleme infolge des
Anstauens der Stoffe auftreten, von
denen die Galaktosämie-Symptome verursacht werden," meint der Biochemiker. Dann erst könne man Strategien
entwickeln, um den Problemen von
Grund auf entgegenzuwirken.

Für Säuglinge wurde eine spezielle milchfreie Nahrung aus Sojamehl,
Olivenöl, Reismehl und Calciumphosphat entwickelt.
Denn eine sofort
einsetzende und während der ersten
Lebensjahre konsequent weitergeführte
Diät kann schwere gesundheitliche
Schädigungen verhindern.
Zu diesen
zählen in erster Linie chronische Erkrankungen
der
Leber,
Anämie,
Schwachsinn und Trübung der Augenlinsen.
In manchen Fällen wird beim
Kleinkind anhand dieses dem Grauen
Star ähnlichen Symptoms der Enzymmangel überhaupt erst erkannt. Unter
günstigen Umständen ist jedoch die
Linsentrübung durch Diät noch rückgängig zu machen, lassen sich weitere
Gesundheitsschäden abwenden oder zumindest mildern.

Die Isolierung des Gens gibt den
Biochemikern außerdem die Möglichkeit, seine verschiedenen Mutationsformen zu analysieren.
Denn der
Schweregrad der Erkrankung ist unterschiedlich, und das bedeutet, daß
auch in bezug auf die Genveränderungen, die zum Enzymmangel führten, Unterschiede vorhanden sind. Ein weiterer Grund für das Interesse der
Forscher an Galakosämie ist darin zu
sehen, daß mit dem Studium dieser
Krankheit vielleicht ein Weg zu einer
Gen-Therapie
erkennbar wird.
Von
Gen-Therapie wird zwar viel geredet,
aber es ist noch nicht gelungen, defekte Gene durch gesunde zu ersetzen.

Die Häufigkeit von Galaktosämie
ist regional unterschiedlich. In den
Vereinigten Staaten tritt ein Fall
unter ca. 50 000 Einwohnern auf.
Weshalb sich aber die Medizin bisher
mit der Behandlung von Galaktosämie
relativ schwer tat, ist darauf zurückzuführen, daß die Krankheit nicht
am Tiermodell studiert werden konnte
und man die Prozesse zum Teil nicht
verstand, die die verschiedenartigen
Schädigungen - bei Frauen beispielsweise Funktionsstörungen der Eierstöcke - verursachten.
Dank der Arbeitsergebnisse von
Jürgen Reichardt eröffnet sich jetzt
aber ein Weg, Versuche mit Tieren zu
unternehmen, denen die Krankheit ge- 2 -

* * * * *

\

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vernachlässigung der Lastenverteilung wäre schlechter Dienst am Bündnis &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von John Kornblum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrungmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist allgemeingültig &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988 - Die Haltung der Kandidaten zu Verteidigungsfragen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Galaktosämie: fehlerhaftes Gen kloniert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gentherapie&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

34

21. Setpember 1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Nach erfolgreichster Wahlkämpfwoche;
Dukakis bereitet sich auf Fernsehdabatte mit Bush vor
- Erläuterungen zu den Wahlkampfreisen Dukakis und Bush nehmen gemäßigte Haltung zur Handelspolitik ein
- Erläuterungen zu den Ansichten der Kandidaten WIRTSCHAFT
Wie die Vereinigten Staaten mit Fällen unfairen Handels umgehen werden
- Eine Übersicht zum Verfahren gemäß Abschnitt 301
des Handelsgesetzes -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sicherheit an erster Stelle
- DISCOVERY-Raumtransporter mit vielen Veränderungen -

* * * * *

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Hintergrundmaterial

VON«*

21. September 1988

34

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
NACH ERFOLGREICHSTER WAHLKAMPFWOCHE:
DUKAKIS BEREITET SICH AUF FERNSEHDEBATTE MIT BUSH VOR
- Erläuterungen zu den Wahlkampfreisen -

WASHINGTON - (AD) - Angespornt
von einer gefühlsbetonten Verabschiedung aus Kalifornien, einem für den
Ausgang
der
Wahl
entscheidenden
Staat, wird Michael Dukakis diese Woche seine Wahlkampfreisen praktisch
abbrechen, um sich auf die erste seiner beiden Fernsehdebatten mit George
Bush vorzubereiten.
Nach Abstechern nach Florida und
Kentucky zu Anfang der Woche wird
sich der Gouverneur von Massachusetts
mit einigen bewährten Wahlkampfberatern nach Boston zurückziehen, um
seine Kenntnisse über die Themen aufzufrischen, die er in der am 25. September ausgestrahlten Fernsehdebatte
mit Vizepräsident George Bush in Winston-Salem (North Carolina) ansprechen will, und um sich gleichzeitig

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auf mögliche Fallen vorzubereiten.
Wenn man von seiner bisherigen
Wahlkampfrhetorik ausgeht, wird Dukakis dieses Forum dazu nutzen, um vor
90 Millionen Amerikanern - dem wahrscheinlich größten Publikum dieses
Wahlkampfes - zu verdeutlichen, daß
seine Wahl mehr Jobs zu besseren Löhnen, eine mehr auf die konventionelle
Bewaffnung gestützte festere Haltung
zu Verteidigungsfragen, eine größere
Bereitschaft zu Verhandlungen mit der
Sowjetunion über die Begrenzung der
strategischen Waffen als bei Bush,
und wirksamere Bemühungen zur Verbesserung des Umweltschutzes, zum Abbau
des sauren Regens, von Wasserverschmutzungen und giftigen Chemikalien
bedeuten würde.

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�Die notwendige moralische Unterstützung erhielt der demokratische
Präsidentschaftskandidat während der
vergangene Woche unternommenen Abstecher nach Illinois, Michigan, Washington, Maryland, Montana und Kalifornien. Hierzu trug auch die Gewißheit bei, daß sein Name die Kassen
seiner
WahlkampfSpendenorganisation
klingeln läßt. Dukakis konnte am 17.
September echte Begeisterung wecken,
als er vor demokratischen Arbeiternehmern sprach, die sich bemühen werden, für die Partei Wahlbezirke in
Orange County, einer Hochburg der Republikaner, zu organisieren.
über
1 000 freiwillige Helfer - ein Rekord
in diesem County - ließen Dukakis
hochleben und stimmten Sprechchöre
an, als dieser Bush beschuldigte, er
würde zu dem im umweit bewußten Südkalifornien heiklen Thema der Ö'lförderung vor der Küste mehr Purzelbäume
schlagen als die amerikanische Olympiamannschaft.
Dukakis verließ Kalifornien mit
einer Spendensumme von einer Million
Dollar, die er im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung für den Landesverband seiner Partei in Los Angeles
sammelte.
Eine ähnlich hohe Summe
konnte er für San Diego erzielen. In
Annapolis (Maryland), Chicago (Illinois) und Springfield (Missouri) sammelte er geringere Beträge, wobei die
letzte Station nur dem Auftanken seiner Maschine diente.
Alles in allem hat Dukakis nach
selaer erfolgreichsten Woche seit der
Nominierung im Juli zu seinem Debattenstil gefunden - doch das ist
nichts, womit er sich angesichts seines sechswöchigen Abrutschens in den
Meinungsumfragen
besonders
brüsten
sollte.
Trotz
des
anhaltenden
Gerüchts, wonach Dukakis' Kampagne
immer noch um die Nominierung kämpft,
hat der demokratische Kandidat den
Niedergang in einigen Meinungsumfragen sogar abfangen können und hat immerhin in zwei der Umfragen eine
kleinen Vorsprung erreicht (in der
Umfrage von der Washington Post zusaimen mit der Fernsehgesellschaft

ABC vom 16. September und der RoperMeinungsumfrage vom 15. September).
Andere Befragungen geben Bush einen
kleinen Vorsprung.
Die vergangene Woche konnte Dukakis erfolgreich nutzen, um solche
Schwächen anzusprechen, auf die sich
die Kritiker konzentriert hatten.
Gemeint ist sein Fachwissen auf innen- und außenpolitischen Gebieten,
sein Versagen bei der vollständigen
Ausnutzung aller Möglichkeiten zur
Schaffung eines optischen Images und
seine vermeintliche Unfähigkeit, eine
gewisse gefühlsmäßige Wärme unter den
Wählern zu wecken.
"Er hat keinen Killer-Instinkt",
beschwerte sich ein Zeitungsreporter.
"Er haut Bush nicht in die Pfanne,
wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet. Man könnte ja noch behaupten,
Dukakis täte sich selbst einen Gefallen, weil er nicht wie Bush unterhalb
der Gürtellinie argumentiert, um Dukakis' Partiotismus in Frage zu stellen, aber er könnte Bush doch wenigstens bei einigen Themen festnageln."
Über Verteidigungspolitik hat Dukakis beispielsweise an der Georgetown University eine Rede gehalten,
die bei seinen Zuhörern gut ankam,
und in der er darlegte, welche Verteidigungssysteme
er
unterstützen
würde und welche verringert werden
müßten. Er hat sich jedoch nicht zu
der Tatsache geäußert, daß die konventionellen Streitkräfte verringert
werden müßten, wenn Bush die von ihm
befürworteten
Waffensysteme
finanziert, da der Kongreß aller Wahrscheinlichkeit nach die Verteidigungsausgaben nicht anheben wird.
Bush hat bis jetzt noch nicht dargelegt, welche Ausgabenposten er kürzen
wird, und Dukakis hat ihn auch noch
nicht zu einer Stellungnahme hierzu
aufgefordert.
Dukakis und seine Mannschaft sind
bei der Wahl des visuellen Umfelds
für Auftritte des Kandidaten geschickter geworden, können es jedoch
noch nicht mit dem Vizepräsidenten

- 2 -

�oder Ronald Reagan aufnehmen, deren
Mitarbeiter anerkannte Meister in
diesem Fach sind.
Der Auftritt des Gouverneurs im
Yellowstone-Nationalpark, der vor den
Naturwundern in Szene gesetzt wurde,
brachte nicht den vollen Erfolg, was
teilweise auf Unzulänglichkeiten bei
den Mitarbeitern und teilweise auf
äußere Ereignisse zurückzuführen ist.
Nach seiner Ankunft in dem Nationalpark gelang es Dukakis nicht, eine
publikumswirksame Attacke gegen Bush
zu starten. Die Fernsehanstalten sahen deshalb wenig Anlaß, über seinen
Auftritt in den Abendnachrichten zu
berichten, die für die meisten Amerikaner meinungsbildend sind. Außerhalb der Kontrolle des Gouverneurs
lag die karibische Odyssee des Hurrikans Gilbert, des schlimmsten Wirbelsturms in diesem Jahrhundert, dem die
vollständige Aufmerksamkeit der Fernsehsender galt. (Während die landesweiten Medien ihm wenig Raum einräumten, wurde der Kandidat von den regionalen Fernseh- und Rundfunkstationen und Zeitungen mit Aufmerksamkeit
förmlich überschüttet.)
Andere Elemente unterliegen der
Kontrolle der Wahlkampfführung, aber
das Zusammenwirken von Eigensinn des
Kandidaten und Mangel an Erfahrung
der Mitarbeiter
haben nachteilige
Auswirkungen.
Am 16. September 1988 traf sich
Dukakis zum Beispiel mit 30 Polizisten aus Chula Vista und umliegenden
Gerichtsbezirken im Kreis Diego in
Kalifornien.
über 30 Minuten lang
führte der Gouverneur eine ruhige und
eindrucksvolle Diskussion über Verbrechen und Bestrafung mit den Polizisten, hörte sich deren Vorschläge
an, beantwortete Fragen und sprach
über die Bilanz der Fortschritte bei
der Verbrechensbekämpfung in Massachussetts. Doch obwohl seinen Mitarbeitern schon mehrfach erklärt worden
war, daß die Tonqualität des von Dukakis bevorzugten, an der Kleidung zu
befestigenden
drahtlosen
Mikrofons
für Rundfunk- und Fernsehzwecke zu

schlecht sei, wurde ein solches vom
Kandidaten benutzt.
Das Ergebnis:
von der Neonbeleuchtung an uer Decke
verursachte
elektrische
Störungen
machten den Ton weitgehend unbrauchbar.
Jegliche logistische oder planerische Fehler werden durch den mitreisenden
Pressetroß
noch
aufgebauscht.
Dies liegt sowohl daran,
daß einige der Teilnehmer zum ersten
Mal über einen Präsidentschaftswahlkampf berichten sowie auch, daß 'per
definitionem'
alles
ungewöhnliche
eine Nachricht ist.
Bis vor kurzem ermangelte es dem
Dukakis-Stab bekanntermaßen auch an
wahlkampferprobten Veteranen.
Sein
Mit-arbeiterstab hatte den Gouverneur
natürlich in den zermürbenden Monaten
des Vorwahlkampfs unterstützt und ihm
schließlich zur Nominierung verholten.
Nicht jeder Mitarbeiter wird
jedoch durch die - lediglich in einem
oder zwei Staaten gleichzeitig ausgetragenen - Vorwahlkämpfe befähigt,
die Anforderungen eines Rennens um
270 Wahlmännerstimmen von Küste zu
Küste zu bestehen.
Dukakis hat sich inzwischen um
zusätzliche Hilfe bemüht und Thomas
Donilon, einen Washingtoner Anwalt
und
Veteranen
der
demokratischen
Wahlkämpfe der Jahre 1980 und 1984,
zur Mitarbeit an der Debattenstrategie und anderen Aufgaben gewonnen.
Seine Wahlkampfleiterin
ist Susan
Estrich, eine Professorin der Harvard
Law School; John Sasso, sein vormaliger Wahlkampfleiter, der den Ruf
eines politischen Neuerers genießt,
hat sich wiederum seinem Team angeschlossen. Paul Brountas, ein Anwalt
und langjähriger Freund, begleitet
den Kandidaten als Berater. In der
vorigen Woche ernannte der Gouverneur
ein Dutzend stellvertretende Wahlkampfleiter, darunter die Senatoren
Bill Bradley und Sam Nunn sowie den
Gouverneur von New York, Mario Cuomo.
Beide Kandidaten haben in den
seit den Nominierungsparteitagen ver-

- 3 -

�gangenen Wochen ihren Wahlkampf besonders auf die lokale Basis konzentriert, indem sie hier eine Rede
hielten und dort an einer WahlkampfVeranstaltung
teilnahmen.
Am 25.
September verlagert sich das Schwergewicht auf die landesweite Ebene,
wenn sie Millionen und nicht nur Tausenden von Wählern ihre Ansichten
vortragen. Die Parteigänger von Dukakis sind der Ansicht, daß ihr Mann
dabei gut abschneiden wird, solange
seine Selbstsicherheit nicht wie Arroganz aussieht und sein intellektuelles Format bei der Behandlung der
meisten Probleme nicht herablassend
wirkt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

34

21. September 1983

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DUKAKIS UND BUSH NEHMEN GEMÄSSIGTE HALTUNG ZUR HANDELSPOLITIK EIN
- Erläuterungen zu den Ansichten der Kandidaten -

WASHINGTON - (AD) - Wenn man der
Rhetorik. von Präsidentschaf tswahlkäinpfen glauben schenken soll, werden
wahrscheinlich weder Michael Dukakis
noch George Bush im Fall der Wahl zum
Präsidenten der Vereinigten Staaten
eine protektionistische Haltung einnehmen.
Beide Kandidaten haben in ihren
offiziellen Verlautbarungen und Reden
der vergangenen Monate ihren Willen
bekundet, bei unfairen Handelspraktiken energisch durchzugreifen aber
gleichzeitig Situationen aus dem Wege
zu gehen, die zu einem Handelskrieg
führen würden.
In einer kürzlich gehaltenen Rede
trug Bush vor: "Als Präsident ...
•rfi'rde ich Handelsschranken nieder-

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reißen und dabei in einem vernünftigen Zeitrahmen hartnäckig Verhandlungen zum Abbau von Subventionen führen, die Märkte verzerren und den
Handel behindern." Bush fügte hinzu:
"Dabei müssen wir jedoch gemeinsam
mit unseren Handelspartnern vorgehen.
Einseitige Schritte werde ich nicht
ergreifen."
Bush erläuterte in einem hierzu
gesondert veröffentlichten Wahlkampfpapier, andere Länder ausgrenzende
Zölle
würden
"der amerikanischen
Wirtschaft die Anreize zu einem internationalen Wettbewerb nehmen, ausländische
Investionen
in unserer
Wirtschaft verhindern und die Wachstumskräfte unserer Industrien zum Export von Gütern in andere Länder hemmen."

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�Diese Stellungnahmen könnten genausogut von Dukakls stammen.
"Ein Handelskrieg wird - wie jeder Krieg - nur Opfer fordern, aber
keine Sieger hervorbringen", hob Dukakis in einem Thesenpapier zum internationalen Handel hervor. "Unfaire Handelspraktiken sind nur zum Teil
der Grund für unser Handelsbilanzdefizit...
Wenn
sämtliche Handelsschranken für amerikanische Güter
tatsächlich schon morgen fallen würden, hätten wir immer noch ein Handelsdefizit von 125 Milliarden Dollar."
Wie Bush betont auch Dukakis, daß
er gegen unfaire Handelspraktiken
vorgehen würde, die darauf hinauslaufen, ausländische Waren zu verschleudern und Märkte gegen amerikanische
Güter abzuschotten. Er fügte hinzu,
er sei zur Verhängung von Handelssanktionen bereit, wenn es in einigen
Ländern zur Verletzung von Handelsabkommen oder einer systematischen Verletzung von Arbeiterrechten kommt.
Gleichzeitig unterstützt er Kompensationsmaßnahmen
für
bestimmte
amerikanische
Industriezweige
als
Ausgleich für Einfuhren aus dem Ausland, doch nur, wenn es sich um eine
vorübergehende Unterstützung handelt
und diese Industriezweige sich zu Modernisierungsmaßnahmen verpflichten.
Wörtlich fügte Dukakis hinzu:
"Wir müssen darauf achten, daß die in
den Genuß jener Kompensation gelangenden
Industriezweige
Investionen
vornehmen, modernisieren und wettbewerbsfähiger werden."
* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

*

21. September 1988

34

WIE DIE VEREINIGTEN STAATEN MIT FALLEN UNFAIREN HANDELS UMGEHEN WERDEN
- Eine Übersicht zum Verfahren gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes -

In dem von Präsident Reagan am 23. August 1988 unterzeichneten Allgemeinen
Handels- und Wettbewerbsgesetz wird nicht nur Abschnitt 301 über uufaire Handelspraktiken verschärft, sondern es werden auch neue Fristen für die Behandlung solcher Probleme gesetzt.
Nachfolgend wird der Weg eines einfachen Falles gemäß Abschnitt 301 durch
die verschiedenen Instanzen der amerikanischen Regierung beschrieben (falls
keine ungewöhnlichen Verzögerungen oder Komplikationen auftreten):
Fälle gemäß Abschnitt 301
-

von sich aus
einleiten.

eine

Überprüfung

Jeder aus einer Reihe "interessierter Personen" kann beim USHandelsbeauftragten
(USTR) eine
Eingabe machen. Zu diesen Personen zählen amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer, Verbrauchergruppen, Exporteure und industrielle Nutzer der betreffenden
Waren und Dienstleistungen.

Am Tag des Beginns einer Überprüfung durch den USTR, muß dieser
sich um Konsultationen mit dem
davon betroffenen Land bemühen.
Falls der Streitfall nicht durch
Konsultationen bereinigt werden
kann, muß der USTR eine weitere
Maßnahme ergreifen.

Innerhalb von 45 Tagen nach Einreichung des Antrags muß der USTR
entscheiden, ob eine Überprüfung
eingeleitet werden soll.
Entscheidet der USTR gegen eine
Überprüfung, ist der Fall erledigt.

Berührt die Überprüfung ein Handelsabkommen, muß der USTR sich
bemühen, den Streitfall binnen
150 Tagen nach Aufnahme der Konsultationen mit den eventuell von
diesem Abkommen gewährten Mechanismen zu lösen.

Der USTR kann andererseits auch

In

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bestimmten

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Fällen,

in denen

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�ein solches Handelsabkommen eine kürzere Frist für diese Konsultationen
vorschreibt, ist für den USTR der
Zeitrahmen zur Beilegung des Falles
noch enger gesteckt.

dermaßen ablaufen:

Verlaufen die Konsultationen und
Verhandlungen über die Beilegung
des Streitfalls ergebnislos, muß
der USTR entscheiden, ob das betreffende Land unfair gehandelt
hat und ob die Vereinigten Staaten 1. binnen 12 Monaten nach
Einleitung
der Überprüfung in
Subventionsfällen und in Fällen,
dii? kein Handelsabkommen berühren, und 2. innerhalb von 18 Monaten in Fällen, die Handelsabkommen berühren, aber keine Subventionen betreffen, Gegenmaßnahmen ergreifen sollten.
In bestimmten Fällen, in denen
ein Fall durch Instrumente zur Beilegung von Streitfällen schnell gelöst
werden können, ist für den USTR die
Frist, um eine solche Entscheidung zu
fällen, noch kürzer.
Der USTR muß innerhalb von 30 Tagen nach einem solchen Beschluß
übor unfaire Handelspraktiken Gegenmaßnahmen einleiten.
Ausnahme: Der USTR kann Gegenmaßnahmen bis zu 180 Tagen aussetzen,
wenn der Antragsteller darum bittet
oder wenn der USTR entscheidet, daß
erhebliche Fortschritte erzielt werden oder daß ein solcher Aufschub zur
Lösung des Streitfalls beitragen würde.
-

Jegliche
Gegenmaßnahmen
werden
automatisch nach vier Jahren eingestellt.
Der USTR kann zuvor
unter bestimmten Bedingungen diese
Gegenmaßnahmen
modifizieren
oder beenden.

Ein gänzlich neuer Bereich gesetzlicher Vorschriften gegen unfairen Handel unter der Bezeichnung "Super 301" zielt darauf ab, unverzüglich gegen eine Reihe unfairer Praktiken vorzugehen. Dies würde folgen- 2 -

Im Jahr 1989 und 1990 muß der USHandelsbeauftragte
dem
Kongreß
binnen 30 Tagen nach Vorlage des
vorgeschriebenen
Jahresberichts
über
unfaire
Handelspraktiken
eine Liste derjenigen Praktiken
und Länder präsentieren, die der
amerikanischen Wirtschaft in bezug auf verlorene Exportaufträge
den größten Schaden zufügen. Der
Bericht für 1989 muß zum 30.
April vorliegen.
Innerhalb von 21 Tagen nach Vorlage des Berichts muß der USTR
gemäß Abschnitt 301 Überprüfungen
aller vorrangig zu behandelnden
Praktiken einleiten, die für jedes Land je nach Priorität aufgelistet werden.
Der USTR muß mit jedem dieser
Länder Verhandlungen über Abkommen zum schrittweisen Abbau dieser unfairen Praktiken oder über
Kompensationsmaßnahmen aufnehmen,
die innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein müssen. Die Erlangung eines solchen Abkommens
würde die Überprüfung gemäß Abschnitt 301 beenden.
Falls dem USTR der Abschluß eines
solchen Abkommens nicht gelingt,
oder falls das betreffende Land
ein solches Abkommen nicht einhält, wird die Überprüfung gemäß
Abschnitt 301 den einschlägigen
Bestimmungen zufolge - mit möglichen Gegenmaßnahmen - weitergeführt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
r

V,oN^

Wissenschaft und Technik

21. September 1988

34

SICHERHEIT AN ERSTER STELLE
DISCOVERY-Raumtransporter mit vielen Veränderungen

(AD) - Mit Hunderten von Änderungen an den Hauptsystemen wird der
Raumtransporter
DISCOVERY
starten.
Sie wurden nach dem CHALLENGER-Ungliick von 28. Januar 1986 in langwierigen und sorgsamen Prozeduren geplant und durchgeführt. Wie Flugdirektor Larry Bourgeois erläuterte,
sei neben ihrer Erprobung unter Flugbedingungen die wichtigste Aufgabe
beim
bevorstehenden
Unternehmen,
einen 2,25 Tonnen schweren Nachrichtensatelliten vom Typ TDRS im Weltraum abzusetzen.
Zusammen mit dem
seit April 1983 die Erde umkreisenden
identischen Gerät ermöglicht er nicht
nur ständige Funkverbindung zwischen
Raumtransporter
und Erde, sondern
kontinuierliche Bahnbeobachtung sowie
Erfassung und Übermittlung der Meßdaten von mehr als 20 der DISCOVERY-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Forschungssatelliten.
Die elf wissenschaftlichen Experimente an Bord
der Discovery dienen u.a. der weiteren Erforschung von Auswirkungen der
"Mikrogravitation" (nahezu schwereloser Zustand) auf Proben verschiedener
Art und der Untersuchung elektrischer
Stürme.
Für die fünfköpfigen Besatzung
wird zum ersten Mal ein Rettungssystem mitgeführt. Es kann allerdings
nicht in der Startphase, sondern nur
während des kontrollierten Gleitfluges bei der Rückkehr zur Erde benutzt
werden. Falls der Orbiter zu einer
unvorhergesehenen Landung gezwungen
ist und keine sichere Piste erreicht
werden kann, erlaubt ein von einer
Seitenluke ausfahrbarer langer Ausleger aus Aluminium und Stahl, daß die

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Astronauten dem Bereich der Tragflächen oder der Motorabgase entkommen,
um dann mit ihren in die Schutzanzüge
eingebauten Fallschirmen sicher zu
Boden zu gelangen.

die Überwachung bzw. Kontrolle des
Raumtransporter-Starts
wurden
in
38 000 Punkten geändert, um mehr
Sicherheiten einzubauen.

Die seinerzeit vom Präsidenten
eingesetzte Kommission zur Untersuchung des CHALLENGER-Unglücks stellte
fest, daß den Astronauten in der damaligen Situation kein Rettungssystem
hätte helfen können.
Alle sieben
starben bei der Explosion, die sich
kurz nach dem Start ereignete. Die
Kommission empfahl jedoch eine Vorrichtung, die im Notfall das Aussteigen während des gesteuerten Fluges
ermöglicht.

* * * * *

Richard Kohrs, der stellvertretende Direktor des Shuttle-Programms,
gab einen Überblick über die wichtigsten technischen Veränderungen. Sie
galten keineswegs nur den Dichtungen
zwischen den Segmenten der Feststoffraketen.
Jeweils dreißig entfallen
auf die drei Haupttriebwerke am Heck
des Orbiters - u.a. Verstärkung der
Turbinenschaufeln bei den Turbopumpen, um zu verhindern, daß Schaufelblätter Risse bekommen und robustere
Bauweise der Ventilgehäuse bei den
Treibstoffhauptleitungen.
Kohrs zufolge wurden am Orbiter 210 Veränderungen vorgenommen:
Sie betreffen
die Verkabelung, Verbesserung der
Steuerungsfähigkeit, Strukturverstärkung der Tragflächen und Triebwerksverkleidungen sowie Verbesserungen an
den Kacheln des Hitzeschilds. Das
mit Problemen behaftete Fahrwerk wurde mit neuen, abriebfesteren Bremsen,
versteifter
Achse
und
spezieller
Elektronik
zur
Verbesserung
der
Bremsfunktion ausgerüstet.
Am Außentank, der die riesigen
Mengen von flüssigem Sauerund Wasserstoff als Treibstoff für die Haupttriebwerke in der Startund Aufstiegsphase aufnimmt, wurden acht technische Änderungen vorgenommen.
Dazu
gehört z.B. ein verbessertes System
zum Trennen von Stromkabeln, solange
sich das Fluggerät noch am Startplatz
befindet. Die Computerprogramme für
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Nach erfolgreichster Wahlkämpfwoche:&lt;br /&gt;Dukakis bereitet sich auf Fernsehdabatte mit Bush vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen zu den Wahlkampfreisen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis und Bush nehmen gemäßigte Haltung zur Handelspolitik ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen zu den Ansichten der Kandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie die Vereinigten Staaten mit Fällen unfairen Handels umgehen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zum Verfahren gemäß Abschnitt 301&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;des Handelsgesetzes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheit an erster Stelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DISCOVERY-Raumtransporter mit vielen Veränderungen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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S

T&gt;

AMERIKA DIENST

28. September 1988

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan hält START-Abkommen Innerhalb des nächsten Jahres für möglich
- Rede aes Präsidenten vor den Vereinten Nationen HINTERGRUNDMATERIAL
Frieden, Chancengleichheit und Führungsstärke bestimmen die Debatte
- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Organtransplantationen sind Routine geworden
- Lange Wartezeiten für Empfänger Antarktisforschung begann vor 150 Jahren
u

* * * * *

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�^° s ^&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

28. September 1988

35

REAGAN HÄLT START-ABKOMMEN INNERHALB DES NÄCHSTEN JAHRES FÜR MÖGLICH
- Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen VEREINTE NATIONEN - (AD) - Trotz erheblicher Zweifel, ob es zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion innerhalb der nächsten Monate zum Abschluß eines Vertrags über den Abbau strategischer Waffen kommen wird, erklärte Präsident Reagan in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 1988, es "sei mehr als wahrscheinlich", daß innerhalb
des nächsten Jahres ein solches Abkommen zwischen beiden Seiten erzielt werden
kann.
Reagan verwies ferner auf den Einsatz chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak und forderte die Signatarstaaten des Genfer Protokolls von 1925
über ein Verbot chemischer Waffen auf, gemeinsam mit anderen Interessenten
"gemeinsame Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses
Vertrages zu erörtern".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär,
sehr verehrte Delegierte. Auf der
anderen Seite der Erde - und weit
entfernt von diesem Ort des Friedens
- haben zum ersten Mal in der jüngsten Zeit Kämpfe, Mord und Blutvergießen in zwei gnadenlosen Konflikten
nahezu ein Ende.
Nachdem wir zunächst der Liste von Schreckenstaten
neue Namen hinzufügen konnten - Namen
wie Halabja, Maidan Schar und Spin
Buldak - besteht heute im Persischen
Golf und in Afghanistan Hoffnung auf
Frieden.
Über Frieden wird auch in den
Hochebenen und Küstenstädten des südlichen Afrika - Stätten des Bürgerkrieges und der Besetzung durch ausländische
Truppen
gesprochen:
Frieden für das geplagte Angola.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6 500 Meilen weiter östlich besteht
jetzt in dem südostasiatischen Land
Kambodscha Hoffnung auf eine Einigung, Hoffnung auf den Abzug der
vietnamesischen
Besatzungstruppen.
Und schließlich leben auf unserem
Kontinent heute etwa 90 Prozent der
Völker Lateinamerikas in einer demokratischen Regierungsform - vor nur
zwölf Jahren waren es lediglich ein
Drittel. Insbesondere in Mittelamerika haben jetzt Länder wie El Salvador, die einstmals durch Todesschwadrone und das Gespenst totalitärer
Herrschaft von Anarchie bedroht waren, Hoffnung auf Selbstbestimmung
und Aussichten auf wirtschaftliches
Wachstum.
Und es gibt noch eine weitere
Veränderung, Herr Generalsekretär -

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Telex: 8-85432

�eine Veränderung steht bevor, die,
wenn sie sich fortsetzt, als eine der
bemerkenswertesten Leistungen der Geschichte gelten wird und uns verwundert den Kopf schütteln läßt - eine
Veränderung, die an die Wurzel der
Spannungen
in
der
Nachkriegszeit
rührt und den einstmals scheinbar unerfüllbaren Traum vom Ende der beiden
eng verknüpften Bedrohungen unserer
Zeit aufgreift - Totalitarismus und
einen thermonuklearen Weltkrieg.
Zum ersten Mal bestehen bei den
Unterschieden zwischen Ost und West grundlegenden
Unterschieden
über
wichtige moralische Fragen zum Wert
des Einzelnen und dem Problem, ob Regierungen die Menschen kontrollieren
sollten oder umgekehrt - Anzeichen
für eine Annäherung und zwar bis zu
einem Punkt, an dem nicht nur wie etwa in Afghanistan ein Abzug von Truppen stattfindet, sondern vielmehr im
Ostblock Gespräche über Reformen und
größere Presse- , Versammlungs- und
Religionsfreiheit
geführt
werden.
Dennoch bestehen weitere grundlegende
Unterschiede. Aber wenn die Gespräche über Reformen darüber hinausgehen
und zur Realität werden, besteht die
Aussicht, daß nicht nur ein neues
Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern ein neues Jahrhundert des Friedens in der
Welt anbricht. Denn solche Reformen
können Frieden hervorbringen; die Geschichte lehrt uns - und mein Land
hat immer daran geglaubt -, daß die
Achtung der Rechte des Einzelnen und
des Volkes den Krieg in weite Ferne
rücken läßt, denn es sind nicht Menschen, die Krieg führen, sondern lediglich Regierungen.
Ich stehe also in einem Augenblick der Hoffnung an diesem Pult Hoffnung nicht nur für die Menschen
in den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion, sondern für alle Völker
der Welt. Und Hoffnung auch für den
Traum vom Frieden unter den Völkern,
den Traum, der zur Gründung der Vereinten Nationen führte.
Aufgrund

eben dieser Veränderun-

gen haben die Vereinten Nationen heute eine Lebensfähigkeit und Arbeitsmöglichkeiten wie nie zuvor.
Herr
Generalsekretär, Sie haben bereits
durch Ihre Beharrlichkeit, Geduld und
ihre unerschütterliche Willenskraft
bei der Arbeit am Frieden in Afghanistan und im Persischen Golf bewiesen,
welcher Wert den Vereinten Nationen
zukommen kann. Und wir würdigen Ihre
Leistungen.
Genau in diesem Augenblick finden
in
Genf
zahlreiche
Verhandlungen
statt:
multilaterale Verhandlungen
bei der Abrüstungskonferenz sowie bilaterale Verhandlungen zu einer Reihe
von Problembereichen
zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.
Und diese Verhandlungen, von
denen einige unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen,
beinhalten ein umfangreiches Programm
im Bereich der Rüstungskontrolle bei den strategischen Offensivwaffen,
der strategischen Verteidigung im
Weltraum, Atomtests und der Kriegführung mit chemischen Waffen, deren
Dringlichkeit uns erst vor einigen
Tagen wieder bezeugt wurde.
Herr Generalsekretär, die Verhandlungen sind in vollem Gange und
waren in den vergangenen Jahren weit
mehr als nur eine akademische Fingerübung. Bewegung findet statt. Der
tote Punkt ist überwunden.
Erst
kürzlich wurde mit der Unterzeichnung
des INF-Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion
eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen abgeschafft. Weitere Fortschritte werden
bei Verhandlungen
zur Reduzierung
einer großen Zahl strategischer Waffen bei wirkungsvoller Verifizierbarkeit erzielt. Und in Kürze werden
Gespräche über einen Abbau konventioneller Streitkräfte in Europa aufgenommen.
Viele der Gründe für all dies
liegen meiner Ansicht nach in Genf
selbst - in dem kleinen Schloß am
See, in dem ich zum ersten meiner Kamingespräche mit dem Generalsekretär

- 2 -

�der Sowjetunion zusammentraf und wo
der Austausch von Offenheit, aber
auch Wohlwollen gekennzeichnet war.
Ich habe beim ersten Genfer Gipfeltreffen erklärt, daß dies eine einzigartige Zusammenkunft zweier Menschen war, die genug Macht besitzen,
um den Dritten Weltkrieg oder ein
neues Zeitalter des Friedens unter
den Völkern zu beginnen. Und ich habe ebenfalls darauf verwiesen, daß
Friedenskonferenzen,
Riistungskontrollverhandlungen und Vorschläge für
Verträge nur sinnvoll sein können,
wenn sie Teil eines umfassenderen
Kontextes sind - ein Kontext, in dem
die tiefer zugrundeliegenden Unterschiede zwischen uns erforscht und
gelöst werden. Ich habe damals Herrn
Gorbatschow wie jetzt auch Ihnen hier
erklärt:
Nationen hegen kein Mißtrauen gegeneinander, weil sie bewaffnet sind, sondern sie sind bewaffnet, weil sie einander mißtrauen.
An diesem Ort, an diesem friedlichen See in der neutralen Schweiz,
sind Herr Gorbatschow und ich eine
neue Beziehung eingegangen, die sich
nicht allein auf das Engagement zu
dem Einzelproblem der Rüstungskontrolle gründete, sondern auf ein umfangreicheres Programm über unsere
grundlegenden Unterschiede; ein Programm üter Menschenrechte, regionale
Konflikte und den Austausch zwischen
unseren Völkern. Sogar bei der Rüstungskontrolle selbst haben wir beschlossen, über die Vergangenheit
hinauszugehen und nicht nur nach Verträgen zu streben, die uns den Bau
von Waffen auf höherem Niveau erlauben, sondern nach revolutionären Abkommen, mit denen eine ganze Kategorie von Nuklearwaffen tatsächlich reduziert und sogar beseitigt werden
würde.
Was an diesem Morgen in Genf begonnen wurde, hat Früchte getragen:
den INF-Vertrag, meinen jüngsten Besuch in Moskau, meine Chance, mit
sowjetischen Bürgern und Dissidenten
zu Gesprächen über Menschenrechte zusammenzutreffen. Und ich konnte auf
dem Lenin-Hügel in Moskau zu den jun-

gen Menschen in der Sowjetunion über
das Wunder und die Qualität der Freiheit des Menschen sprechen. Die Ergebnisse dieses Morget.s. in Genf zeigen sich in den Friedenskonferenzen,
die jetzt auf der ganzen Welt zu regionalen Konflikten stattfinden und
auch in der Arbeit der Vereinten Nationen hier in New York und in Genf.
Herr Generalsekretär, die Geschichte mahnt dennoch zur Vorsicht:
tatsächlich ist das Gebäude in Genf,
in dem wichtige Verhandlungen stattgefunden haben - beispielsweise das
Genfer Afghanistan-Abkommen, die Verhandlungen zwischen Iran und Irak steinernes Zeugnis eines unerfüllten
Traums vom Frieden in einem anderen
Zeitalter.
Der Palais des Nations
war der Sitz des Völkerbundes - einer
Institution, die das Ende des Krieges
überhaupt symbolisieren sollte. Und
dennoch fanden diese Institution und
ihre edlen Ziele mit dem Zweiten
Weltkrieg ihr Ende, weil die Länder
der Welt in den dreißiger Jahren
nicht die Chance für den Frieden genutzt und die Menschheit nicht den
Mut gefunden hat, die Aggressoren zu
isolieren und Regierungsformen zu
verwerfen, die dem Staat und nicht
den Menschen dienen.
Herr Generalsekretär, wir haben
uns heute mit der Entschlossenheit
hier eingefunden, daß den Vereinten
Nationen ein solches Schicksal erspart bleiben soll. Wir wollen, daß
den Vereinten Nationen Erfolg beschieden ist und sie der Sache des
Friedens für die Menschheit dienen.
Herr Generalsekretär, wir sind
uns aber auch in dieser Zeit der
Hoffnung der Tatsache bewußt, daß die
Möglichkeit des Scheiterns real vorhanden ist. Dieses Wissen entmutigt
uns jedoch nicht. Es beflügelt uns
vielmehr. Denn der Einsatz ist hoch:
Werden wir jetzt schwanken und versagen und den gerechten Zorn künftiger
Generationen über uns heraufbeschwören? Oder setzen wir die Arbeit der
Gründer dieser Institution fort und
sorgen dafür, daß letzten Endes die

- 3 -

�Freiheit
geachtet
wird
und
die
Menschheit keine Kriege mehr kennt?
Und daß dieser Ort, dieser Boden hier
wahrhaftig
"der
Welt
letztes
Schlachtfeld" sein wird.
Wir sind entschlossen, dies zu
erreichen.
Deshalb wenden wir uns
nun dem Programm des Friedens zu.
Lassen Sie uns zunächst ein Anliegen
ansprechen, daß mich während meines
Treffens mit Herrn Gorbatschow im
Kreml wie auch die sowjetischen Bürger, denen ich in Moskau begegnet
bin, beschäftigt hat. Wie ich weiß,
ist dies auch ein Problem mit unmittelbarer Bedeutung für die Delegierten dieser Versammlung, die diesen
Herbst den 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
begehen.
Jene Erklärung drückt ganz klar
das aus, was diejenigen, die nach
Frieden streben, nur unter äußerster
Gefahr vergessen können, nämlich, daß
der Frieden auf einer Grundlage beruht: der Beachtung "der unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der
menschlichen
Familie".
In
einem
Jahrhundert, in dem totalitäre Regierungen die Menschenrechte verweigert
haben, wie nie zuvor in der Geschichte - wobei so viele Millionen Menschen aufgrund staatlicher Politik
willkürlich dem Hungertod preisgegeben oder vernichtet wurden -, einer
Geschichte aus Blut, Dummheit und
Stacheldraht, wie einmal gesagt wurde, da kann sich kaum jemand wundern,
daß sich der Frieden als so schwer
erreichbar erwiesen hat.
Wir sollten folgendes verstehen:
wenn wir Frieden möchten, dann müssen
wir die Grundrechte unserer Mitmenschen anerkennen. In unserem eigenen
Land und in anderen Ländern. Wenn
wir den Frieden wollen, dann darf der
menschliche Geist nicht länger mit
Füßen getreten werden. Menschenrechte gelten nicht nur für einige und
für eine befristete Zeit. Die Menschenrechte gelten, wie in der von
dieser Versammlung im Jahr 1948 verabschiedeten
Allgemeinen
Erklärung

proklamiert, "für alle Menschen und
alle Staaten". Und für alle Zeit.
Diese Beachtung der Menschenrechte als Grundlage des Friedens bildet
den Kern der Vereinten Nationen. Die
Verhungernden in Äthiopien, die Kurden, die dem Tod preisgegeben sind,
diejenigen, die mit rassischer Ungerechtigkeit in Südafrika konfrontiert
sind, diejenigen, die in der Sowjetunion immer noch nicht frei schreiben
oder sprechen können, diejenigen in
der Ukraine, die ihre Religion nicht
ausüben können und diejenigen, die
auf Booten im Südchinesischen Meer um
ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen,
diejenigen in Managua, die nicht frei
publizieren oder sich versammeln können - all dies ist mehr als nur ein
Tagesordnungspunkt auf ihrem Terminkalender. Es muß ein vordringliches
Anliegen sein; ein Problem, das den
anderen übergeordnet
ist.
Denn,
wenn die Menschenrechte nicht bei den
Vereinten Nationen an erster Stelle
stehen - wenn die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht in diesen Hallen und Konferenzzimmern respektiert wird -, dann steht die
Glaubwürdigkeit dieser Organisation
auf dem Spiel, ist der Zweck ihrer
Existenz in Frage gestellt.
Aus diesem Grund werden die Vereinten Nationen stärker, wenn Fortschritte im Bereich der Menschenrechte erzielt werden, und die Vereinigten Staaten sind darüber sehr erfreut. Nach zweijährigen Bemühungen
unter der Führung der Vereinigten
Staaten hat die UNO-Menschenrechtskommission zum Beispiel einen wichtigen Schritt zur Beendigung von Doppelmoral und Zynismus unternommen,
die sie so lange geprägt hatten.
Jahrelang war Kuba, ein eklatanter
Verletzer der Menschenrechte seiner
Bürger, der Mißbilligung oder auch
nur Überprüfung durch die Vereinten
Nationen entgangen. In diesem Jahr
hat Kuba auf den von der Menschenrechtskommission ausgeübten Druck reagiert, indem es eine Untersuchung
seiner Menschenrechtsverletzungen akzeptierte.
Fidel Castro hat schon

�begonnen, einige politische Gefangene
freizulassen, die Bedingungen in den
Gefängnissen zu verbessern und die
Existenz einer kleinen, unabhängigen
nationalen
Menschenrechtsgruppe
zu
tolerieren.
Es muß noch mehr getan werden;
die Vereinten Nationen müssen beim
Streben nach Veränderungen schonungslos und unnachgiebig sein. In Kuba
und andernorts. Und wir müssen uns
ebenso darum bemühen, daß die Allgemeine Erklärung nicht durch einzelne
Vorgänge entwertet wird, wie etwa die
Resolution "Zionismus ist Rassismus".
Die Beachtung der Menschenrechte ist
die erste und fundamentale Mission
dieses Gremiums, die grundlegendste
Verpflichtung seiner Mitglieder. Wohin man sich in der heutigen Welt
auch wendet, gibt es ein neues Bewußtsein, eine wachsende Leidenschaft
für die Menschenrechte - die Menschen
der Welt werden sich immer einiger;
neue Gruppen, neue Koalitionen bilden
sich; Koalitionen, die die Regierung
beobachten, die sich gegen Diskriminierung wehren, die gegen religiöse
oder politische Unterdrückung kämpfen, gegen unrechtmäßige Inhaftierung, Folter oder Exekution. Mit den
Worten derjenigen, mit denen ich im
vergangenen Juni im Spaso-Haus gesprochen habe: solche Bewegungen machen einen Unterschied.
Wenn wir uns nun den regionalen
Konflikten zuwenden, so spüren wir
wiederum Auftrieb für Hoffnungen. Im
Golf-Krieg zwischen Iran und Irak einem der blutigsten Konflikte seit
dem Zweiten Weltkrieg - gibt es einen
Waffenstillstand.
Die Entschlossenheit und Festigkeit der verbündeten
Nationen, den Persischen Golf für die
internationale Schiffahrt offen zu
halten, hat nicht nur die Herrschaft
des Gesetzes gewahrt, sondern auch
zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikt beigetragen und
die Grundlage des Friedens geschaffen.
Die entschlossene Resolution
des Sicherheitsrats vom Juli vergangenen Jahres ist zum Plan für einen
friedlichen Golf geworden. Laßt die-

sen Krieg - einen Krieg, in dem es
weder Sieger noch Besiegte, sondern
nur Opfer gab - laßt dieser. Krieg
jetzt zu Ende gehen. Sowohl der Iran
als auch der Irak sollte mit dem Generalsekretär und dem Sicherheitsrat
bei der Anwendung der Resolution 598
zusammenarbeiten.
Laßt den Frieden
einziehen.
Wenden wir uns einer zweiten Region zu. Als ich Jahr 1983 zum ersten Mal vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen sprach, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der
Weltöffentlichkeit auf die brutale
Invasion und illegale Besetzung Afghanistans.
Nach fast neun langen
Kriegsjahren haben sich der Mut und
die Entschlossenheit des afghanischen
Volkes und der afghanischen Freiheitskämpfer durchgesetzt - und heute
ist ein Ende der Besetzung in Sicht.
Am 14. April unterzeichnete die UdSSR
die Genfer Vereinbarungen, die unter
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen von Pakistan und dem Kabuler Regime ausgehandelt wurden. Wir ermutigen die Sowjetunion, ihren Truppenabzug zum frühestmöglichen Zeitpunkt
abzuschließen,

damit

das

afghanische

Volk ohne weitere Einmischung von
außen frei über seine Zukunft entscheiden kann.
Auch im südlichen Afrika beginnen
Jahre geduldiger Diplomatie und Unterstützung derjenigen in Angola, die
nach Selbstbestimmung streben, sich
auszuzahlen. Wir sehen einem Abkommen zwischen den Regierungen Angolas,
Kubas und Südafrikas mit Zuversicht
entgegen, das einen vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen - vor
allem der Kubaner - aus Angola vorsieht.
Ebenso zuversichtlich sind
wir im Hinblick auf die vollständige
Anwendung der UNO—Sicherheitsratsresolution 435 und unser seit langem
bestehendes Ziel der Unabhängigkeit
von Namibia.
Wir werden weiterhin
den wachsenden Konsens unter den führenden afrikanischen Politikern fördern, die ebenfalls der Meinung sind,
daß ein Ende des Konflikts in der Region unmöglich ist, solange es keine

- 5 -

�nationale Aussöhnung in Angola gibt.
Herr Generalsekretär, es bestehen
neue Hoffnungen in Kambodscha, einer
Nation, für deren Freiheit und Unabhängigkeit wir ebenso leidenschaftlich eintreten wie wir dies für die
Freiheit und Unabhängigkeit Afghanistans taten. Wir fordern den zügigen
Abzug aller vietnamesischen Truppen
und eine Lösung, die die Rückkehr der
Roten Khmer an die Macht verhindert
und stattdessen die Errichtung einer
wirklich
repräsentativen
Regierung
erlaubt
einer
Regierung,
die
schließlich die Rechte der Bürger
Kambodschas vollständig respektieren
und dem unsäglichen Leid, das sie so
mutig und unnötigerweise ertragen haben, ein Ende bereiten wird.
In anderen wichtigen Bereichen
begrüßen wir die Bemühungen des Generalsekretärs, ein Referendum über die
West-Sahara zu entwerfen.
Und im
Mittelmeerraum finden direkte Gespräche zwischen griechischen und türkischen Zyprioten statt, die große Aussichten auf ein Abkommen in diesem
geteilten
Inselstaat
bieten.
Schließlich
hoffen
wir auf eine
friedliche Lösung des arabisch-israelischen Konflikts. Und auch die unnatürliche
Teilung Europas bleibt
weiterhin ein bedeutendes Hindernis
für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
In der Mehrzahl dieser Bereiche
können wir also erfreulicherweise
Fortschritte beobachten.
Noch vor
wenigen Jahren, Herr Generalsekretär,
gerieten diese und andere Konflikte
in gefährlichem Maße außer Kontrolle.
In der Tat schien die Invasion Afghanistans und die offensichtlich fehlende Willenskraft der demokratischen
und friedliebenden Nationen zur Abschreckung solcher Vorfälle eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Aggression großer und wie auch kleiner
Nationen zu einer Epidemie wurde eine Atmosphäre, wie sie die Welt
seit den dreißiger Jahren nicht mehr
erlebt hatte. Nur wurde dieses Mal
ein größerer Krieg verhindert, weil

die freien und friedlichen Nationen
der Welt ihre Willenskraft und Entschlossenheit
wiedergewannen.
Und
die Vereinten Nationen leisten heute
wertvollen Beistand bei der Bekämpfung dieser Epidemie.
Und da wir diesen Zustand aufrechterhalten wollen, käme es einer
Vernachlässigung
meiner
Pflicht
gleich, wenn die eine Ausnahme unter
den regionalen Konflikten unerwähnt
bliebe, bei der keine Fortschritte zu
verzeichnen waren. Ich beziehe mich
auf die kontinuierliche Verschlechterung der Menschrechtssituation in Nicaragua und die Weigerung der verschwindend kleinen Elite, die heute
dieses Land regiert, das Versprechen
der Demokratisierung zu erfüllen, das
sie ihrem eigenen Volk und der internationalen Völkergemeinschaft gegenüber abgelegt haben.
Wiewohl sie
sich selbst als revolutionär bezeichnet, sucht diese Elite keine echte
Revolution; diesen Ausdruck zu verwenden ist eine Täuschung zur Verschleierung des Lasters, das zu den
ältesten und korruptesten der Menschheit gehört - des uralten Willens des
Menschen nach Macht, seine Lust, das
Leben anderer zu kontrollieren und
ihnen die Freiheit zu stehlen.
Aus diesem Grund werde ich als
Präsident weiterhin den Kongreß und
die
amerikanische
Öffentlichkeit
drängen, sich hinter diejenigen zu
stellen, die diesem Versuch widerstehen, dem Volk von Nicaragua ein totalitäres Regime aufzuzwingen; die Vereinigten Staaten werden nach wie vor
denjenigen Beistand gewähren, die von
der Aggression dieses Regimes gegen
seine Nachbarn in Mittelamerika bedroht sind.
Ebenso appelliere ich heute an
die Sowjetunion, in Mittelamerika
denselben konstruktiven Realismus an
den Tag zu legen, wie sie ihn in anderen regionalen Konflikten unter Beweis gestellt hat. Ihren Teil zur
Beendigung des Konflikts in Mittelamerika beizutragen, indem der Strom
von Waffen und Munition in Milliar-

�denhöhe an das sandinistische Regime
unterbrochen wird, ein Regime, dessen
Ziel der regionalen Beherrschung wenn auch letztlich zum Scheitern
verurteilt - weiterhin großes Leiden
für das Volk in diesem Gebiet verursachen kann und ein Risiko für die
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
birgt.
Wenn nicht jetzt Maßnahmen
ergriffen werden.
Zum Thema Rüstungskontrolle habe
ich bereits die Bedeutung des INFVertrages und die bei den START-Verhandlungen erzielten Fortschritte erwähnt. Der START-Vertragsentwurf ist
ein umfangreiches Dokument, in dem
zahlreiche Formulierungen zur Kennzeichnung solcher Abschnitte noch in
Klammern stehen, bei denen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den
beiden Vertragsparteien noch nicht
ausgeräumt sind. Aber im Verlauf der
Somtnersitzungen in Genf konnte eine
Vielzahl dieser Formulierungen in
endgültiger Version vorgelegt werden
und es besteht aller Grund zu der Annahme, daß dieser Prozeß fortgesetzt
werden kann. An die Adresse der hier
Anwesenden gerichtet kann ich sagen,
daß es höchst unwahrscheinlich ist,
einen solchen Vertrag in wenigen Monaten fertigzustellen - ich kann Ihnen aber versichern, daß der Zeitraum
eines Jahres von heute an gerechnet
wahrscheinlich, sogar mehr als wahrscheinlich ist. Wir haben uns jedoch
keine Frist gesetzt. Kein Abkommen
ist besser als ein schlechtes Abkommen.
Die Vereinigten Staaten sind
weiterhin optimistisch und erkennen
die von der Sowjetunion bei diesen
Verhandlungen bewiesene Kooperation
an. Wir erwarten, daß diese Einstellung auch bei unserer Besorgnis über
die Einhaltung der bestehenden Abkommen zum Tragen kommt.
Unsere Gespräche über Atomtests,
Verteidigung und den Weltraum waren
ebenfalls sehr nützlich. Ich möchte
hier vor der Vollversammlung jedoch
betonen, daß ein Großteil der bei den
Rüstungskontrollverhandlungen erzielten Fortschritte dem technologischen
Fortschritt selbst zu verdanken sind,

insbesondere im Hinblick auf das Potential für weltraumgestützte Defensivsysteme. Ich bin der Überzeugung,
daß die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, solche Defensivsyteme
- Systeme die der Vernichtung von Raketen und nicht von Menschen dienen zu erforschen, zu entwickeln und
wenn es soweit ist - zu stationieren,
in hohem Maße für die in den vergangenen Jahren in Genf erzielten Fortschritte verantwortlich ist. Im Falle eines versehentlichen Raketenabschusses oder der Tat eines Wahnsinnigen irgendwo auf der Welt werden
die Weltmächte mit solchen Systemen
zum ersten Mal nicht mit der alleinigen Option massiver Vergeltung konfrontiert sein, sondern stattdessen
die Möglichkeit zu einer weiseren
Entscheidung haben - sich gegen einen
Angriff zu schützen, anstatt ihn zu
rächen. In dem Maße, in dem Defensivsysteme an Wirksamkeit zunehmen,
verringern sie also die Bedrohung und
den Wert immer größerer Ofxensivarsenale. Noch vor kurzem habe ich aus
Informationsgesprächen im Oval Office
den Eindruck gewonnen, daß Fortschritte in Richtung auf solche Systeme noch rascher erzielt werden und
weniger kostenintensiv sein könnten,
als wir zunächst angenommen haben.
Heute
bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Verpflichtung zur Strategischen Verteidigungsinitiative und
unserem Angebot, den Nutzen strategischer Verteidigung mit anderen zu
teilen.
Und selbst während diplomatische
und technologische Fortschritte zu
Hoffnungen Anlaß geben, den schrecklichen Alptraum nuklearen Terrors, in
dem wir während der Nachkriegszeit
gelebt haben, aus der Welt zu schaffen - selbst in diesem Augenblick
breitet sich ein anderes bedrohliches
Gespenst des Schreckens auf der Welt
aus. Ein Grauen, von dem wir annahmen, es läge ninter uns, ein Grauen,
das nun aus der lange begrabenen Vergangenheit
bedrohlich
näherrückt:
aus der gespenstischen, traumatischen
Erfahrung der Schützengräben und den
gequälten, fahlen Gesichtern von Mil-

- 7-

�lionen Toten in einem der unmenschlichsten Konflikte aller Zeiten.
Giftgas. Chemische Waffen. Herr
Generalsekretär, verehrte Delegierte
- diese Schrecken.
Dieses Grauen.
Wir verurteilen sie.
Der Einsatz
chemischer Waffen im iranisch-irakischen Krieg bringt - über den tragischen menschlichen Tribut hinaus die Schranken von Moral und Gesetz
ins Wanken, die diese Waffen seit dem
Ersten Weltkrieg unter Kontrolle gehalten haben. Diese Tragödie muß zu
einer erneuten Bekräftigung des Genfer Protokolls führen, das den Einsatz chemischer Waffen für ungesetzlich erklärt. Ich fordere die Unterzeichnerstaaten
dieses
Protokolls
ebenso wie die anderen betroffenen
Staaten zur Einberufung einer Konferenz auf, um gemeinsam zu ergreifende
Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses Vertrages
zu erörtern. Und wir drängen alle
Nationen zur Zusammenarbeit bei der
Verhandlung
eines
verifizierbaren,
wirklich weltweiten Verbots chemischer Waffen bei der Abrüstungskonferenz in Genf.
Es obliegt allen zivilisierten
Nationen, Kriegführung unter Einsatz
von chemischen Waffen und Giftgasen
ein für allemal - auf einer verifizierbaren Basis und weltweit - zu
verbieten.
Darüber hinaus müssen wir, Herr
Generalsekretär,
unsere
Bemühungen
verdoppeln, der Weiterverbreitung von
Nuklearwaffen auf der Welt Einhalt zu
gebieten. Auch andere hochentwickelte Waffen wie die ballistischen Raketen sind nahezu weltweit verbreitet
und verschärfen somit regionale Rivalitäten in einer Art und Weise, die
weltweite Auswirkungen haben kann.
Die
Anzahl
potentieller
Anbieter
nimmt in alarmierendem Maße zu und es
muß mehr getan werden, um die Verbreitung dieser Waffen zu stoppen.
Dies war ein Thema bei den in der
vergangenen Woche zwischen den Außenministern Shuitz und Schewardnadse
geführten Gesprächen.
Gespräche zu

diesem Thema werden heute zwischen
amerikanischen und sowjetischen Experten aufgenommen. Und wir setzen
unsere Hoffnung auf multilaterale Bestrebungen, damit Krisenherde wie der
Nahe Osten nicht noch tödlichere
Schlachtfelder werden, als sie bereits sind.
Aber in der Mehrzahl dieser Bereiche können wir nicht nur Fortschritte sondern auch das Potential
für die immer maßgeblichere Rolle
multilateraler Bestrebungen und Institutionen wie der Vereinten Nationen beobachten.
Aus diesem Grund
müssen die Vereinten Nationen ihre
Effektivität mehr denn je durch Haushalts- und Programmreformen verbessern. Die Vereinten Nationen nehmen
bereits einschneidende Kürzungen vor,
die Personalabbau, Konsens bei der
Budgeterstellung und die Formulierung
der
Programmprioritäten
betreffen.
Diese Maßnahmen sind von vorrangiger
Bedeutung. Dank der Fortschritte bei
den Reformen konnte ich Mittel freigeben, die Restriktionen des Kongresses unterlagen. Ich gehe davon aus,
daß die Reformprogramme fortgeführt
und weitere Mittel im kommenden Haushaltsjahr freigegeben werden.
Und lassen Sie mich an dieser
Stelle hinzufügen:
wir beglückwünschen die Vereinten Nationen zu der
Arbeit, die sie auf drei besonders
wichtigen Gebieten geleistet hat.
Erstens muß unser Kampf gegen die
Geißel des Terrorismus und staatlich
geförderten Terrorismus unvermindert
anhalten. Ebenso müssen wir Geiselnahmen ein Ende bereiten. Zweitens
ist die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation bei der Koordinierung und
der Förderung von Forschungsvorhaben
zur Bekämpfung von AIDS lebenswichtig. Die internationalen Bestrebungen auf diesem Gebiet müssen verstärkt werden. Die AIDS-Problematik
ist bedrohlich - wir müssen ihr gemeinsam begegnen.
Das gleiche trifft auf das Drogenproblem zu.
Ein neues Abkommen
zur Bekämpfung des Drogenhandels ist

�in greifbare Nähe gerückt.
Dieser
wichtige Vertrag wird im Dezember
fertiggestellt sein und ich bin zuversichtlich, daß andere maßgebliche
Programme der Vereinten Nationen zur
Drogenkontrolle folgen werden.
Das
amerikanische Volk ist äußerst besorgt und zutiefst verärgert. Drogenhandel werden wir nicht tolerieren. Wir sind entschlossen, dagegen
zu Felde zu ziehen - und wir glauben,
daß dies ein Krieg ist, den die Vereinten Nationen unterstützen und an
dem sie sich beteiligen können.
Die Vereinten
Nationen stehen
besser da als noch vor acht Jahren dies gilt ebenso für die Welt. Doch
die wirkliche Reformproblematik in
den Vereinten Nationen ist nicht lediglich auf finanzielle oder verwaltungstechnische
Verbesserungen
begrenzt, sondern umfaßt auch eine höhere Ebene von Reformen intellektueller und philosophischer Natur, die
Reform althergebrachter Anschauungen
über die Beziehungen zwischen dem
Einzelnen und dem Staat.
Nur wenige Entwicklungen waren
beispielsweise für die Vereinigten
Staaten ermutigender als jene Sondersitzung, die dieses Organ vor zweieinhalb Jahren über Afrika abgehalten
hat.
Bei dieser Sitzung sprachen
sich die Vereinten Nationen mit einer
Stimme für freie Marktanreize und den
Abbau staatlicher Kontrollen zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklungen
aus.
Bei einer der ersten internationalen Versammlungen unter meiner Präsidentschaft erklärte ich im mexikanischen Cancun, die Geschichte beweise stets erneut, daß Wirtschaftswachstum und menschlicher Fortschritt
den größten Auftrieb in Ländern erhalten, die wirtschaftliche Freiheit
fördern. Jene Landwirte, Arbeitnehmer, Eigentümer, Händler und Geschäftsführer sind das Kernstück der
Entwicklung.
Vertraut ihnen.
Denn
wo immer sie etwas schaffen und erbauen dürfen, wo ihnen eine persönliche Beteiligung
an Entscheidungen

über Wirtschaftspolitik und an den
Früchten
ihrer
Arbeit
eingeräumt
wird, werden Gesellschaften dynamischer, erfolgreicher, fortschrittlicher und freier. Wir glauben an die
Freiheit. Wir wissen, daß sie funktioniert.
Und dies, Herr Generalsekretär
und sehr geehrte Delegierte, ist die
unwiderrufliche
Lektion der Nachkriegszeit:
die Freiheit funktioniert. Ich möchte sogar noch weitergehen:
Freiheit und Frieden gehen
Hand in Hand. Jedes Jahr findet diese Lektion weitere Verbreitung auf
der Welt, von der Volksrepublik China
bis zum Kamerun, von Bolivien bis
Botswana, und sogar in der Hochburg
des Marxismus-Leninismus. Nein, mein
Land hat dieses Zusammenwirken von
Frieden und Freiheit nicht erfunden,
aber - seien Sie versichtert - wir
werden dem freien Export unserer in
über zwei Jahrhunderten gesammelten
Erfahrung damit keine Beschränkungen
auferlegen. Freie Menschen, die von
den Segnungen wirtschaftlicher Chancen profitieren und die von Gesetzen
geschützt sind, die die Würde des
Einzelnen wahren, werden nicht in den
Krieg oder die Herrschaft über andere
getrieben. Darin liegt der Weg zum
Weltfrieden,
Und wir Amerikaner verfechten die
Freiheit nicht nur, weil sie praktisch und nutzbringend ist, sondern
auch weil sie gerecht und moralisch
richtig ist. Und ich hoffe, daß Sie,
Herr Generalsekretär, mir an dieser
Stelle erlauben darauf hinzuweisen,
daß ich vor dieser Versammlung häufiger als jeder meiner Vorgänger gesprochen habe, und daß dies zugleich
auch das letzte Mal sein wird. Ich
hoffe, Sie gestatten mir einige abschließende Bemerkungen.
Die Welt ist heute Zeuge einer
anderen Feier internationaler Zusammenarbeit. Bei den Olympischen Spielen beobachten wir, wie Nationen gemeinsam in den sportlichen Wettkampf
eintreten, und erleben junge Menschen, die so herzlich wenig von den

- 9 -

�Ressentiments ihrer Väter wissen, wir
sehen Sie als eine Gemeinschaft zusammenkommen.
Eine unserer jüngeren - aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Athletinnen sagte, sie schöpfe die
Kraft für ihre Leistungen aus einer
anderen Quelle des Reichtums. Über
die Liebe, die ihr gegeben, und die
Werte, die ihr vermittelt wurden, erklärte sie: "Als Familie waren wir
reich."
Herr Generalsekretär, ich wage zu
hoffen, daß wir in den Empfindungen
dieser jungen Athletin ein Zeichen
des Wiedererwachens althergebrachter
und erprobter Werte - wie beispielsweise der Familie - erblicken werden.
Dies ist die erste und wichtigste
Einheit der Gesellschaft, in der alle
Werte und alles Lernen beginnt, eine
Institution, die bewahrt und geschützt werden muß. Das gilt auch
für Werte wie Arbeit, Gemeinschaft,
Freiheit und Glauben.
Denn genau
hier finden wir die logische Grundlage für die Sache der Menschenrechte
und des Weltfriedens.
Und unsere eigene - amerikanische
- Erfahrung auf diesem Kontinent konfrontierte uns bei all ihrer Kürze
ganz unverkennbar mit dem Beharren
auf der Bewahrung einer heiligen
Wahrheit.
Es handelt sich um die
Wahrheit, die unser erster Präsident
- unser Gründervater - erstmals in
seiner Abschiedsrede an das amerikanische Volk weitergab. Es ist eine
Wahrheit, die ich mit Ihrer Erlaubnis
nun in meinen Abschiedsbemerkungen
zitieren möchte.
Es handelt sich um eine Wahrheit,
die in unserer Unabhängigkeitserklärung verankert ist: daß die Sache
der unveräußerlichen Rechte, der Gedanke der Menschenwürde, der Stellung
&lt;1es Gewissens über den Zwang nur im
Zusammenhang mit einem höheren Recht
vertreten werden kann. Nur im Zusammenhang mit dem, was einer der Gründer dieser Organisation, Generalsekretär Dag Hammarskjold, die "Hingabe

an etwas, das größer und höher ist
als wir selbst" genannt hat.
Dies ist ein endloser Kreislauf,
die letzte Wahrheit, zu der die
Menschheit anscheinend immer wieder
zurückkehrt. Daß Religion und Moral
und der Glaube an ein höheres Wesen
die
Voraussetzungen
für
Freiheit
sind. Und daß Gerechtigkeit und innerer Frieden der erste Schritt zu
Gerechtigkeit und Frieden auf der
Welt und für alle Zeiten ist.
Dies ist der Ort langer Debatten
und ernsthafter Diskussionen.
Und
dennoch muß ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß einer unserer
Gründerväter, der weltlich gesinnte
und zugleich international orientierte Benjamin Franklin den Ablauf unserer verfassungsgebenden Versammlung
unterbrach, um im Grunde das Gleiche
zu sagen.
Und ich muß am heutigen Vormittag
an andere Anfänge denken. Daran, wo
und wann ich zum ersten Mal jene Worte las: "und sie sollen ihre Schwerter zu Pflugscharen machen..." und
"ihre jungen Menschen sollen Visionen
haben und ihre alten Menschen sollen
Träume träumen..." An diesem Vormittag gehen meine Gedanken an sie, die
mir so viel im Leben gegeben hat, deren wichtigstes Geschenk aber die Gewißheit ihres Glücks war und der
Trost, den man im Gebet findet. Es
ist die größte Hilfe, die mir in meiner Präsidentschaft zukam. Ich erinnere mich hier an Lincolns Worte, der
gesagt hat, nur der dümmste Mensch
könnte annehmen, die Pflichten des
von mir derzeit übernommenen Amtes
erfüllen zu können, ohne sich an jemanden Stärkeren zu wenden, eine
Macht,
die
über
allem
anderen
steht...
Wenn also zukünftige Generationen
wirklich von uns sagen, daß in unserer Zeit der Friede nähergekommen ist
und wir tatsächlich ein neues Zeitalter der Wahrheit und Gerechtigkeit
hervorgebracht haben, dann wird dies
ein Grund, stolz zu sein. Aber es

- 10 -

�wäre sogar Grund zu noch größerem
Stolz, wenn dann auch gesagt wird,
wir wären klug genug gewesen zu erkennen, daß die Erwägungen großer
Staatsmänner und großer Gremien nur
eine Overtüre sind - daß die wahrhaft
königliche Musik - die Musik der
Freiheit, der Gerechtigkeit und des
Friedens - die Musik ist, die entsteht, wenn wir nicht nur an uns
selbst denken und uns dem Willen des
Schöpfers beugen.
Ich danke für den
Empfang, den Sie mir in
ren bereitet haben und
mich nun von Ihnen.
Sie.

freundlichen
all den Jahverabschiede
Gott schütze

* * * * *

- 11 -

�: e ° S7&gt;

V,aN

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

28. September 1988

35

FRIEDEN, CHANCENGLEICHEIT UND FÜHRUNGSROLLE BESTIMMEN DIE DEBATTE

- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WINSTON-SALEM (North Carolina) (AD) - In der ersten Fernseh-Debatte
der Präsidentschaftskandidaten am 25.
September 1988 betonte Vizepräsident
George Bush Frieden und Chancengleichheit, während sein Gegenspieler, der Gouverneur von Massachusetts
Michael Dukakis, den Schwerpunkt auf
eine starke Flihrungsrolle legte.
Beide Kandidaten haben in ihrer
Wahlkampagne immer wieder auf diese
Bereiche verwiesen und sie auch in
der neunzig Minuten langen Debatte,
die in der Wake Forst University
stattfand, erneut selbstbewußt und
überzeugend vertreten. Die Kandidaten beantworteten Fragen von Journalisten, wobei die Antworten landesweit
an ein Fernsehpublikum von
schätzungsweise
100 Millionen Zu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schauern gerichtet waren.
Keinem
Kandidaten unterlief bei der erneuten
Darstellung seiner Ansichten und Qualifikationen gegenüber den Wählern
ein größerer Schnitzer.
Bush verteidigte die Leistungen
der Reagan-Administration und erklärte, mit Frieden durch Stärke sei es
möglich gewesen, ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion zu
erzielen, das niemand für möglich gehalten hätte. Bush wörtlich: "Jetzt
erkennt jeder, daß Frieden durch
Stärke funktioniert."
Er erklärte, die Bilanz mit der
Vereinbarung eines Vertrages über die
Reduzierung strategischer Waffen und
eines Verbots zum Einsatz chemischer
Waffen noch verbessern zu wollen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der andere zentrale Punkt der
Wahl Ist Bush zufolge Chancengleichheit, die er als die Möglichkeit definierte, Amerika Arbeitsplätze - vor
allem im Privatsektor - zu erhalten.
Dukakis bekannte sich als leidenschaftlicher Verfechter der Führungsrolle, da ihm an den Menschen liegt
und er sich aus diesem Grunde um Probleme wie Gesundheitsfürsorge und den
Wohnungsmarkt kümmert. Er erklärte,
das Land benötige eine starke und
wirkungsvolle Abschreckung mit Nuklearwaffen, er befürworte dennoch nur
eine begrenzte Forschung im Rahmen
der Strategischen Verteidigungsinitiative
der
Reagan-Administration,
und seiner Ansicht nach sei die Ausgabe von Milliarden Dollar für das
Programm sinnlos. "Unsere nationale
Sicherheit und die Sicherheit unserer
Wirtschaft sind untrennbar", erklärte
Dukakis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

28. September 1^88

35

ORGANTRANSPLANTATIONEN SIND ROUTINE GEWORDEN
- Lange Wartezeiteten für Empfänger -

(AD) - Seit der ersten Herztransplantation durch Dr. Christiaan Barnard vor mehr als 20 Jahren in Kapstadt (Südafrika; wurden chirurgische
Techniken und spezielle Medikamente
entvickelt, die heute
den Erfolg
einer Organübertragung in den allermeisten Fällen sichern können. Stets
geht es darum, ein unheibar krankes
oder funktionsunfähiges Organ - Herz,
Leber, Niere - durch ein gesundes Organ von einer anderen Person zu ersetzen. Bei den Spendern handelt es
sich meist um Unfallopfer, seltener
um Menschen mit plötzlicher massiver
Hirnblutung.
Ihre
Hirnfunktionen
sind irreversibel zum Stillstand gekommen, obgleich das Herz mit apparativer Hilfe noch schlägt. Sie hatten
verfügt - oder ihre Angehörigen hatten zugestimmt -, in eiern solchen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Fall Organe zu entnehmen und anderen
Menschen mit einer Organspende zu
helfen.
Den größten Fortschritt für das
Gelingen
von
Organübertragungen
brachte zweifellos die Entdeckung von
Cyclosporin, eines Medikaments, das
die Abstoßung von Fremdgewebe drastisch verringert, ohne gleichzeitig
die körpereigenen Abwehrkräfte gegen
Infektionen völlig auszuschalten. Es
wurde Ende der siebziger Jahre gefunden, als man Bodenpilze auf mögliche
antibiotische
Eigenschaften
untersuchte.
Noch vor weniger als einem Jahrzehnt war das Einheilen eines Fremdorgans infoige von Abstoßungsreaktionen des körpereigenen
Immunsystems

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ernsthaft behindert. Aber schon 1986
konnten dank des nun verfügbaren Cuclosporings z.B. alleine in den Vereinigten Staaten 8 900 Nieren übertragen werden. Im gleichen Jahr kam
es zu 1 300 Herztransplantationen,
dreimal mehr als 1984 bis 1986, wurde
die Anzahl von Leberübertragungen
verdoppelt - auf 924. Eine Transplantation
der
Bauchspeicheldrüse,
die noch immer als risikoreiche Prozedur gilt, wurde im Jahr 1986 140
mal vorgenommen, dreimal so oft wie
zwei Jahre zuvor.
Der erste Transplantationspatient
Barnards starb 18 Tage nach Empfang
des neuen Herzens an Lungenentzündung. Heute ist damit zu rechnen, so
Dr. Glenn Barnhart, Chefarzt für Chirurgie am Herztransplantationszentrum
aes Virginia Medical College (Washington) , daß zwei Drittel der Organempfänger länger als ein Jahr, 50
Prozent länger als fünf Jahre leben.
Allerdings kann Cyclosporin Nebenwirkungen, u.a. Nierenschädigungen, hervorrufen. Aber es gibt dem Arzt auch
die Möglichkeit, Patienten über 50
Jahren, die zuvor von solchen Operationen ausgeschlossen waren, ein neues Organ einzupflanzen.
So kann
jetzt auch ein 58jähriger Patient ein
neues Herz erhalten, und er hat die
Chance, damit 65 Jahre oder älter zu
werden.
Der bisher älteste Organempfänger war 67 Jahre alt.
Die Zeit, in der ein Spenderorgan
transplantationsfähig bleibt, konnte
ebenfalls verlängert werden: Nieren
lassen sich jetzt für ca. 50 Stunden
(noch vor kurzem höchstens 24 Stunden) konservieren.
Eine Leber muß
innerhalb von 24 Stunden, ein Herz
innerhalb von 12 bis 14 Stunden implantiert werden. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, diese Fristen durch verbesserte Konservierungstechniken zu verlängern. Ebenso
werden die Untersuchungen auf Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und
Empfänger immer weiter verfeinert, um
ein möglichst komplikationsloses Einheilen des Spenderorgans zu gewährleisten.

Im Jahr 1984 verabschiedete der
US-Kongreß ein "National Organ Procurement and Transplantation Act".
Dieses Gesetz über die "Bereitstellung von Spenderorganen und deren
Transplantation" verlangte die Schaffung privater Organisationen zur Förderung der Bereitschaft, Organe zu
spenden, sowie eines privaten gemeinnützigen Netzwerks, um die Gewebetypisierung und die Entscheidung über
die
Gewebeverträglichkeit
zwischen
Spender und Empfänger zu erleichtern.
Dieses zentralisierte Netzwerk trägt
den Namen "United Network for Organ
Sharing"
(UNOS).
Es gewähleistet
eine faire Verteilung von Spenderorganen.
Einem im November 1987 verabschiedeten Bundesgesetz zufolge muß
jedes Hospital, in dem Organtransplantationen vorgenommen werden, der
Transplantationsorganisation UNOS angehören und genau spezifizierten Anforderungen genügen, um auch in die
zur medizinischen Versorgung alter
und minderbemittelter Bürger eingerichteten
Bundesprogramme
MEDICARE
und MED1CAID einbezogen werden zu
können. Das Gesetz verlangt außerdem
von allen Kliniken "schriftliche Protokolle über die Identifizierung potentieller Organspender".
Ca. 97
Prozent der 6 800 privaten und öffentlichen Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten partizipieren am
MEDICAREoder
MEDICAID-Program,
häufig auch an beiden.
Wie Dr. Keith Johnson, der Präsident von UNOS, berichtet, sei die
UNOS-Organisation verpflichtet, spezielle Daten über alle Spender und
Empfänger von Organen zu sammeln, die
innerhalb der USA transplantiert wurden - "gleichgültig, ob die Spender
bzw. Organe aus den Vereinigten Staaten...oder aus anderen Ländern stammen und zur Vornahme der Transplantation in die USA verbracht wurden".
John Gold, Stallvertretender Direktor
der Abteilung Organtransplantation am
US-Bundesministerium für Gesundheit
und soziale Dienste (HHS), fügte hin-

- 2 -

�zu, daß im allgemeinen keine Organe
aus anderen Ländern, Kanada ausgenommen, eingeführt werden. Von UNOS arrangiert würden allerdings bestimmte
Organe in andere Länder gesandt,
hauptsächlich nach England und in
einige weitere europäische Staaten.
Aufgrund des Gesetzes sei es ferner
ausdrücklich
verboten,
menschliche
Organe für Transplantationen zu kaufen oder zu verkaufen. Sämtliche im
Zusammenhang mit einer Transplantation ergriffenen Maßnahmen müssen den
Vorschriften der nationalen Organisation UNOS entsprechen.
Andernfalls
verlieren die betreffenden Kliniken
jeglichen Anspruch auf Zahlungen im
Rahmen von MEDICARE- und MEDICAIDProgrammen, was als sehr harte Strafbestimmung gilt.

Die Zahl der Zentren, in denen
Chirurgenteams Spenderorgane implantieren, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Landesweit gibt
es in den Vereinigten Staaten z. Zt.
123 Kliniken die Herztransplantationen durchführen (vor vier Jahren waren es erst 37). Obgleich die amerikanische Öffentlichkeit zum größten
Teil
Organtransplantationen
unterstützt, besteht ein erheblicher Mangel an Spenderorganen.
Mehr als
13 000 Menschen warten auf eine neue
Niere, erwa 900 auf ein Spenderherz.
Bei jedem dritten aus der letztgenannten Gruppe ist der Zustand so bedenklich, daß er den Zeitpunkt nicht
erleben dürfte, and dem für ihn ein
vielleicht ein geeignetes Spenderherz
zur Verfügung stünde.

Die mehr als 70 gemeinnützigen
Verbände zur Organbeschaffung in den
USA stellen dort die wichtigste Verbindung zwischen Spendern und Empfängern dar. Es gibt sie in fast jedem
amerikanischen Bundesstaat.
Gewöhnlich sind sie großen Kliniken angeschlossen. Sie verfügen über hochspezialisierte
medizinische
leams,
die potentielle Organspender identifizieren, Familien über Gewebeund Organspenden beraten, die Krankheitsgeschichten potentieller Spender prüfen
und Informationene über Spender and
die nationale Organisation
(UNOS)
weiterleiten.
UNOS speichert diese sofort in
einem permanent auf dem neuesten
Stand gehaltenen Computer, wo die Informationen mit den Daten aller in
den USA inzwischen erfaßten Personen,
die auf eine Organspende warten, verglichen werden. Spezielle Computerprogramme machen es möglich, den für
ein in Frage kommendes Organ am besten geeigneten Empfänger ausfindig
zu machen. Dann arrangiert UNOS den
Transport und sorgt für die sofortige
Kontaktaufnahme zwischen dem Zentrum,
wo die Explantation vorgenommen wird,
und dem Empfängerzentrum.
Täglich
rettet UNOS auf diese Weise Menschenleben.

- 3-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

28. September 1988

35

ANTARKTISFORSCHUNG BEGANN VOR 150 JAHREN

(AD) - Vor 150 Jahren begann eine
der wichtigsten Forschungsexpeditionen der Geschichte - eine Expedition,
in deren Folge geographische Karten
um eine bis dahin fast völlig unbekannte Region und entsprechende Bücher um ein neues großes Kapitel ergänzt wurden. Unter der Leitung des
amerikanischen
Marineleutnants
Charles Wilkes brach am 18. August
1838 eine wissenschaftliche Expedition aus den Vereinigten Staaten zu
den südlichsten Gewässern des Stillen
Ozeans auf. Am 30. Januar 1840 sichtete Wiikes Land. Er nannte es den
"Antarktischen Kontinent".
Als erster hatte Wilkes erkannt, daß man es
mit einer riesigen Landmasse, einem
"Kontinent", nicht nur mit unendlichen Eis- und Schneefeldern zu tun
hatte.

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Embassy of the United States of America

Generationen von Entdeckern und
Wissenschaftlern haben seitdem in der
Antarktis geforscht.
Während der
weltweiten als "Internationales Geophysikalisches Jahr" bezeichneten Gemeinschaftsaktien 1957/58 bildete sie
sogar einen der Schwerpunkte. Wissenschaftler aus 13 Ländern waren an
der Errichtung von 60 Forschungsstationen beteiligt. Der "Weiße Kontinent" wurde zu einem riesigen Laboratorium und ist es bis heute geblieben. In noch weitestgehend unberührter Natur studieren dort Wissenschaftler Erdgeschichte aus Zeiträumen, die Hunderte von Millionen Jahren zurückreichen. Sie suchten - und
fanden - Meteoriten aus Materie, die
vom Mond und vom Planeten Mars
stammt. Im Eis der Antarktis waren
sie unverändert erhalten geblieben.

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Telex: 8-85432

�Und die Forscher stellten z.B. fest,
daß der antarktische Kontinent eine
weite Strecke gewandert sein mußte,
bis er seine jetzige Position am Südende unserer Welt erreichte.
Versteinerungsfunde
und
Kohleschichten
geben Kunde von einer Zeit, in der
sich die Antarktis in einer tropischen Klimaregion befand.
Angesichts der Erfolge im "Internationalen
Geophysikalischen
Jahr"
setzten die USA ihr Antarktisprogramm
bis zum heutigen Tag fort. Eine Reihe anderer Nationen richteten ähnliche Programme ein, um die einzigartigen Forschungsmöglichkeiten in dieser
Region zu nutzen. Die Nationale Forschungsstiftung
der USA ("National
Science Foundation" - NSF) wendet
derzeit mehr als 115 Millionen Dollar
im Jahr für die Antarktisforschung
auf, an der etwa 100 000 Amerikaner
mitarbeiten.
Die
USA
unterhalten
jetzt ganzjährig vier Forschungsstationen, von denen aus Untersuchungen
auf den Gebieten Meeresund Landbiologie, Biomedizin, Geologie und Geophysik, Meteorologie
und
Physik
der
Hochatmospäre vorgenommen werden.
Dem 1959 abgeschlossenen Antarktis-Vertrag sind mittlerweile 32 Länder beigetreten.
Zusammen repräsentieren sie zwei Drittel der Erdbevölkerung. Der Vertrag schuf den rechtlichen Rahmen für internationale Zusammenarbeit in der Antarktis, für
freie Forschung in der Region und für
den Austausch von Forschungsplänen,
von Personal, Beobachtungen und von
Forschungsergebnissen.
Er verbietet
ausdrücklich nukleare Explosionen und
das Deponieren radioaktiver Abfälle
in diesem Gebiet und garantiert das
Recht
jedes
Teinehmerstaates,
die
Stationen und Ausrüstungen der anderen Partner zu inspizieren.

* * * * *
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan hält START-Abkommen Innerhalb des nächsten Jahres für möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden, Chancengleichheit und Führungsstärke bestimmen die Debatte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Organtransplantationen sind Routine geworden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Lange Wartezeiten für Empfänger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Antarktisforschung begann vor 150 Jahren</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

5 . Oktober 1988

36

f.

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner

Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft -

UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Rückkehr in den Weltraum
&lt;,

- DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
A?

"***"

Ä&lt;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

PRÄSIDENT REAGANS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER

WASHINGTON - (AD) -Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident
Reagan am 23. September 1988 unterzeichnete Proklamation zum Tag der DeutschAmerikaner 1988 sowie den Beschluß des Kongresses im Wortlaut:

Vor 305 Jahren landeten 13 Familien aus Krefeld am Rhein in der Nähe
von Philadelphia.
In den seither
vergangenen drei Jahrhunderten sind
ihnen über sieben Millionen Deutsche
auf der Suche nach Freiheit und einer
vielversprechenderen Zukunft für sich
und ihre Kinder nach Amerika gefolgt.
Heute kann praktisch
jeder vierte
Amerikaner sein Erbe auf deutsche Abstammung zurückführen.
Diese Tatsachen und die Anerkennung dessen, was Amerikaner deutschen
Ursprungs für unsere Nation geleistet
haben, sind der Anlaß für die Feiern
zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1988.
Unsere Geisteshaltung und unsere
Lebensart sind von Amerikanern deutschen Ursprungs stark beeinflußt wor-

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den. Sie haben Leben, Kultur, Fortschritt und Wohlstand in den Vereinigten
Staaten
in Bereichen wie
Kunst, Geisteswissenschaften,
Religion, Handel und Industrie, Wissenschaft
und
Technik,
Staatswesen,
Sport und Unterhaltung unauslöschlich
geprägt.
Dies veranlaßte Benjamin
Franklin vor vielen Jahren zu der Bemerkung:
"Amerika kultiviert das am
besten,
was
Deutschland
hervorgebracht hat...".
Die Bande internationaler Freundschaft sind heute zwischen Deutschen
und Amerikanern enger geknüpft als
jemals zuvor. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland arbeiten als Partner im NATOBündnis Seite an Seite für die Erhaltung des Friedens.

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�Die
Geschlossenheit
und
Entschlußkraft des Bündnisses hat die
erfolgreiche Unterzeichung des INFVertrages
zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion möglich
gemacht.
Als zwei der führendsten
Welthandelsländer haben die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik
Deutschland gemeinsam eine tiefverwurzelte Verpflichtung zu einer offenen
und
expandierenden
Weltwirtschaft.
Die persönlichen Bande zwischen unseren beiden Nationen gehen
heute über Einwanderung hinaus und
umfassen zahlreiche Austauschprogramme, florierenden Tourismus in beide
Richtungen sowie in der Bundesrepublik Deutschland stationierte amerikanische Streitkräfte und deren Angehörige. Die großartige Stadt Berlin
und ihre Bürger stehen als Symbol für
die Entschlossenheit unserer beiden
Nationen zur gemeinsamen Verteidigung
der Freiheit des Westens.

dieses Tages zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit
den 6. Oktober
1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte alle
Amerikaner, mehr über den Beitrag der
deutschen Einwanderer zu Leben und
Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und diesen Tag mit
angemessenen Feiern und Veranstaltungen zu begehen.
Unterzeichnet am dreiundzwanzigsten Tag des September, im Jahr des
Herrn
neunzehnhundertachtundachtzig
und im Jahr zweihundertdreizehn der
Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * *
Der Besuch von Bundeskanzler Kohl
in Washington zu Beginn dieses Jahres
hat die Vorrangstellung anschaulich
bekräftigt, die unsere beiden Regierungen dem Erhalt und der Förderung
der deutsch-amerikanischen Beziehungen beimessen.
Gemeinsame Traditionen,
Überzeugungen
und
Interessen
verpflichten uns zu verstärkter Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um den
Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Die kürzlich fertiggestellte Parkanlage zum Zeichen der
deutsch-amerikanischen
Freundschaft,
die - am Einkaufszentrum der Hauptstadt unseres Landes gelegen - in
diesem Herbst ihrer Bestimmung übergeben wird, steht als Symbol für die
engen und freundschaftlichen Beziehungen
zwischen der
Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika.
Sie erinnert uns
auch an die Notwendigkeit, unsere besonderen Bande zu kultivieren, damit
sie weiter gedeihen können.
Durch Gesetz Nr. 100-104 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1988 zum "Tag
der Deutsch-Amerikaner" erklärt und
den Präsidenten ermächtigt und ersucht, eine Proklamation zur Feier

Beschluß des Kongresses

In
Anbetracht
dessen,
daß
Deutsch-Amerikaner durch ihre Arbeit
und ihren Beitrag zur Kultur der Vereinigten Staaten seit Ankunft der ersten deutschen Einwanderer
in den
Vereinigten
Staaten
am 6. Oktober
1683 diesen besonderen Tag als Anerkennung für ihre Leistungen verdient
haben in Anbetracht dessen, daß Amerikaner deutscher
Abstammung
in der
Vergangenheit zum Leben und zur Kultur der Vereinigten Staaten beigetragen haben und dies auch in Zukunft
tun werden und im Hinblick darauf,
daß sie für die Regierung der Vereinigten Staaten, ihre demokratischen
Grundsätze und die Freiheit aller
Menschen auf der ganzen Welt arbeiten
und eintreten in Anbetracht dessen, daß solche
Beiträge anerkannt und im Jahr 1988
und danach jährlich - gewürdigt werden sollen - und

�in Anbetracht dessen, daß zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland sowie anderen deutschsprachigen Ländern enge
Bande und dauerhafte Freundschaft bestehen:
aus diesem Grunde erklären
der Senat und das Repräsentantenhaus
der Vereinigten Staaten von Amerika,
die hier im Kongreß zusammengekommen
sind, den 6. Oktober 1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner, und der Präsident
ist ermächtigt und angewiesen, eine
Proklamation zu veröffentlichen, mit
der das Volk der Vereinigten Staaten
aufgefordert wird, diesen Tag mit
Feiern und Veranstaltungen angemessen
zu begehen.

(unterzeichnet) Jim Wright
Sprecher des Repräsentantenhauses
(unterzeichnet) John C. Stennis
Präsident des Senats pro tempore
genehmigt am 11. August 1988
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. Oktober 1968

ob

VERNACHLÄSSIGUNG DER VERTEIDIGUNGSANSTRENGUNGEN BELASTEN DAS BÜNDNIS
- Rede aes Stellvertretenden Verteidigungsministers laft -

SAN BERNARDINO (KALIFORNIEN) - (AD) - Diejenigen Mitgiiedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses, die nicht genug zur gemeinsamen Verteidigung beitragen, haben einen "aushöhlenden Effekt" auf das Bündnis, erklärte der Stellvertretende US-Verteidip,ungsmini ster William Taft am 28. September 1988 während
eLner Rede in Kalifornien. Im Lauf der Zeit werde ein solches Verhalten "das
Vertrauen in die gemeinsamen Anstrengungen untergraben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Tafts im Wortlaut:
Den Herausforderungen der
ven Sicherheit begegnen

kollekti-

Ich möchte heute über die kollektive Sicherheit sprechen - das Bündnissystem, das den Eckpfeiler der nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten bildet, und die Herausforderungen, mit denen es sich heute konfrontiert sieht. Ich werde mich kurz
der Bedrohung widmen, zu deren Bewältigung das Bündnissystem geschaffen
wurde, und werde dann näher auf die
Frage eingehen, wie wir und unsere
Bündnispartner zusammenarbeiten müssen, um weiterhin in Freiheit, Sicherheit und Frieden zu leben.
Die kollektive Sicherheit war die
Antwort unseres Landes auf die Bedrohung durch die Sowjetunion, die sich

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in den sowjetischen Aktionen in Osteuropa und Korea im ersten Jatirzehnt
nach dem Kriege manifestierte.
über
vierzig Jahre hinweg war die kollektive Sicherheit ein schlagender Erfolg, der die Bedingungen für kontinuierliches und biswellen spektakuläres Wirtschaftswachstum
innerhalb
unserer Bündnissysteme hervorbrachte
und gleichzeitig eine sowjetische Aggression abschreckte.
Es besteht jedoch heute - zumindest in einigen Kreisen - das Gefühl,
der
ursprüngliche
Anstoß
für
die
Gründung unserer Bündnissysteme - die
sowjetische Bedrohung - nehme ab.
Die Veränderungen im Charakter der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- wie auch der sich gegenwärtig in
der Sowjetunion selbst vollziehende

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�Wandel - haben zu diesem Gefühl beigetragen.
Es ist richtig, daß wir einen
außerordentlich nützJichen Dialog mit
der
Sowjetunion
über
ein
breites
Spektrum von Prägen hinweg, von den
Menschenrechten
bis
zu
regionalen
Problemen, Rüstungskontrolle und anderen Sicherheitsbelangen erzielt haben - einen Dialog, von dem wir hoffen, daß er sich weiter entwickeln
wird.
Ferner werden innerhalb der
Sowjetunion entscheidende Veränderungen - offen - diskutiert.
Die Begriffe Glasnost und Perestojka sind
zum Bestandteil des Wort Schatzes amerikanischer Sov. jetexperten geworden,
und die gegenwärtig im sowjetischen
politischen
und
kulturellen
Leben
stattfindenden Veränderungen könnten
sich als weitreichend herausstellen.
Diese Fortschritte verdienen unsere
Auimerksamkeit nicht zuletzt deshalb,
weil sie sich gerade erst im Anfangsstadium befinden - und weil es heute
noch unklar ist, wo sie hinführen
werden.
Es gibt in der Tat viele Facetten
des sowjetischen Regimes, die bis
jetzt von der Perestrojka unberührt ge.schv.eige denn umgestaltet - sind.
Diese sollten uns zum Nachdenken veranlassen, bevor wir so tun, als ob
die sowjetische Bedrohung nachgelassen habe, selbst, wenn wir in bezug
auf andere Entwicklungen hoffnungsvoll sind. Insbesondere im militärischen Bereich hat es bei den Sowjets
wenig Veränderung gegeben. Unter dem
Gorbatschow-Regime
sind die Mittel
des sowjetischen Militärwesens weiterhin Jahr für Jahr stetig und deutlich erhöht worden.
Diese machen
heute schon zwischen 15 und 17 Prozent aer wirtschaftlichen Ressourcen
der UdSSR aus, etwa das dreifache des
Anteils am Bruttosozialprodukt, den
die Vereinigten Staaten für die Verteidigung ausgeben. Die UdSSR arbeitet weiterhin an der Einführung einer
neuen Generation von Kernwaffen sowie
am Ausbau und an der Verbesserung ihrer Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Um nur einige Beispiele zu nennen:

Die sowjetische Luftwaffe erhält
jeden lag zwei neue Kampfflugzeuge - über 700 pro Jahr.
Die Armee ernält jeden Tag acht
neue Panzer und sechs Artilleriegeschütze.
Der sowjetischen Marine wird alle
37 Tage ein neues Atom-U-Boot zugeführt.
Perestrojka hat sicherlich keine
Verlangsamung beim Wachstum der sowjetischen Militärmacht bedeutet.
Es steht außer Frage, daß wir jede sich bietende Chance zur Förderung
des heute stattfindenden Dialogs sondieren sollten, als Kittel zum Abbau
von Spannungen mit der Sowjetunion.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß ein riesengroßer Unterschied
zwischen Übergang
und
Umgestaltung
besteht - und es ist ziemlich klar,
daß wenig darauf hindeutet, in der
Sowjetunion habe sich eine Art der
Umgestaltung vollzogen, die sie nicht
länger zu einer Bedrohung der Vereinigten Staaten und des Bündnisses
macht.
Der
neue
Generalsekretär
der
NATO, der ehemalige Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Manfred Wörner, charakterisierte unlängst die unmittelbare Zukunft
des Bündnisses als eine doppelte Herausforderung.
Er erklärte:
"Einerseits muß die NATU
das
richtige
Gleichgewicht
zwischen
Verteidigung
und Dialog gegenüber einem sich wandelnden aber militärisch nicht weniger mä'chtigen Osten finden. Andererseits müssen wir ein Gleichgewicht
zwischen den Rollen und Verantwortlichkeiten im Bündnis herstellen."
Ich möchte mich nun der zweiten
Herausforderung zuwenden - die wir
als die Herausforderung zur Bewältigung des Wandels in unserem Bündnis
bezeichnen können.
Während die Zielsetzung der Bund-

�nisstruktur gleichgeblieben ist, haben sich die Bedingungen innerhalb
der
Bündnisse
in
den
vergangenen
vierzig
Jahren
stark
verändert
weitgehend
als Ergebnis der durch
diese Eündnisse ermöglichten Stabilität. Mit anderen Worten: In diesem
Fall müssen wir unsere Erfolge bewältigen. Im Fernen Osten ist Japan zur
wirtschaftlichen
Supermacht
aufgestiegen, und die Republik Korea entwickelt sich rasch zu einer der führenden Wirtschaftsmächte.
In Europa
erfreuen sich die Bürger vieler NATOStaaten eines Lebensstandards, der zu
den höchsten der Welt zählt - und mit
der weiteren wirtschaftlichen Integration Europas werden die NATO-Staaten in der Weltwirtschaft an Statur
zunehmen.
Während unsere Verbündeten - mit
wenigen Ausnahren - in der Wirtschaft
zunehmenden Einfluß ausüben, spiegeln
die von ihnen für die gemeinsame Verteidigung veranschlagten Mittel ihre
he raus ragenden
wirtschaftlichen
Fähigkeiten
nicht vollständig wider.
Diese Tatsache hat mehr als jede andere ein Wiederaufleben der sogenannten
"Lastenverteilungs"-Debatte
zur
Folge gehabt
- über die Frage, welchen Anteil an den Kosten des Bündnisses jedes Land übernehmen kann und
sollte.
Als Leiter der Sonderkommission
zur
Lastenverteilung
im Verteidigungsm'nisterium war ich unmittelbar
daran beteiligt, diese Frage zusammen
mit unseren Verbündeten in Fernen
Osten und Europa zu untersuchen - und
habe eine gleichmäßigere Verteilung
der verschiedenen Rollen, Risiken und
Verantwortlichkeiten innerhalb unserer Bündnisse gefordert.
Ich werde
diese Bemühungen nächste Woche wiederaufnehmen, wenn ich zum dritten
Mal in diesem Jahr Europa besuchen
werden, und zwar das NATO-Kauptquartier in Brüssel und sechs Haupstädte
von
XATO-Ländern.
Meiner
Ansicht
nach erzielen wir Fortschritte - im
Firnen Osten, wo Japan und Korea zum
Ausdruck gebracht haben, daß sie zusätzliche Kosten für die dort statio- 3

nierten amerikanischen Truppen übernehmen werden, und in Europa, wo die
NATO gegenwärtig an einer büaänisweiten Bewertung des Piublems der Lastenverteilung arbeitet. Ihr Bericht
soll den NATO-Verteidigungsministern
im Dezember vorgelegt werden.
Aber um die mögliche Bedeutung
neuer Entwicklungen zu erkennen, müssen wir wissen, was wir meinen, wenn
wir sagen, daß die Lastenverteilung
gerechter sein muß - und das heißt,
wir müssen über einige der eindimensionalen Ansätze hinausgehen, die in
der Debatte über Lastenteilung nur
allzu oft als Analyse ausgegeben werden.
Kritiker
unseres
Bündnissystems
verweisen darauf, daß die Vereinigten
Staaten von den Kosten für das Bündnis mehr als ihren fairen übernehmen.
Die zur Unterstützung dieser These
vorgebrachten
Beweise
sind
zumeist
statistischer Art:
insbesondere die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
gemessen am Prozentsatz ihres Bruttosozialprodukts nahezu doppelt soviel
für Verteidigung ausgeben wie die
NATC-Verbündeten im Durchscnitt und
mehr als das fünffache der Japaner.
Für die Kritiker stützen diese Tatsachen ihre These, und es bleibt lediglich die Entscheidung darüber offen,
ob wir auf höheren Verteidigungsausgaben
unserer Verbündeten
bestehen
oder ganz einfach unsere Bemühungen
verringern sollen.
Haben diese Kritiker nun recht
oder unrecht'/1
Die Antwort lautet:
sov^ohl als auch. Sie haben insofern
unrecht, als sie den Anteil unserer
Verbündeten an der gemeinsamen Verteidigung nicht in seinem vollen Umfang anerkennen - all die von unseren
Verbündeten
übernommenen
Aufgaben,
Risiken und Pflichten, die. sich nicht
in Dollar aufwiegen Lassen. Und sie
haben in einem anderen Funkt recht:
es stimmt, daß viele unserer Bündnispartner in Europa und im Fernen Osten
mehr tun können und sollten.
Lassen

Sie

mich

Ihnen

erklären

�was ich mit meiner Bemerkung meine,
daß sich die Beiträge eines Landes
zur gemeinsamen Verteidigung nicht
immer in Dollar und Cent aufwiegen
lassen. Da bei den meisten unserer
europäischen Verbündeten Wehrpflicht
besteht - und es keine aufwendigere
Armee aus Freiwilligen wie in den
Vereinigten Staaten gibt - können sie
ihre Armeen mit geringeren Kosten ins
Feld schicken.
Tatsächlich stellen
unsere Verbündeten 90 Prozent aller
in Europa zu Friedenszeiten stationierten Landstreitkräfte der NATO sowie 60 Prozent aller NATO-Kampfflugzeuge. Im Krieg würden unsere europäischen Verbündeten - sogar nach
einer Mobilisierung - den größten
leil der Land- und Luftstreitkräfte
der NATO stellen. Aufgrund der allgemeinen Wehrpilicht müssen die Aufwendungen nicht so hoch sein wie bei
einer Armee aus Freiwilligen wie in
den Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
stellen unsere
Verbündeten den auf ihrem Territorium
stationierten amerikanischen Streitkräften in großem Umfang Liegenschaften und kostenfreie Einrichtungen zur
Verfügung. Betrachten wir zum Beispiel iie Bundesrepublik Deutschland,
wo etwa eine Million Soldaten aus
sieben verbündeten Nationen in einem
Raum von etwa der Größe des Staates
Oregon stationiert sind - mit dem
entscheidenden Unterschied, daß die
Bundesrepublik im Gegensatz zu Oregon
65 Millionen Einwohner hat.
Die
Schäden an zivilem Eigentum bei NATOUbungen, die Belästigung durch dauernde Tiefflüge von Flugzeugen der
NATO und nächtliche Manöver sind Beispiele für echte Lasten, deren Preis
sich nicht so einfach festlegen läßt.
Aber wenn die Kritiker in der Debatte über Lastenverteilung - wie ich
gerade aufgezeigt habe - sich oftmals
zu eingehend auf Zahlen konzentrieren
um; aus diesem Grunde nicht mehr
e;rige der schwerer aufzuwiegenden
Leistungen des Eündnisses betrachten,
so stimmt es auch, daß auf selten
einiger unserer Verbündeten die Tendenz besteht, Zahlen insgesamt zu ig- 4

norieren oder ihre Bedeutung abzuwerten. Das ist ebenfalls ein Fehler obwohl uns die Zahlen allein kein
vollständiges Bild liefern, so vermitteln sie uns doch etwas Wichtiges
über den Grad der Verteidigungsbemühungen eines Landes. Von zu vielen
Verbündeten vernehmen wir jedoch, daß
sie mehr tun könnten.
Natürlich kann man nicht all unsere Verbündeten auf die gleiche Stufe stellen. Es ist vielmehr wichtig,
sich im einzelnen Ihre jeweiligen
Beiträge zu vergegenwärtigen, bevor
man Veränderungen vorschlägt. Lassen
Sie uns deshalb bei den einzelnen
Ländern kurz untersuchen, wie die
Beiträge unserer Verbündeten zur gemeinsamen
Verteidigung
gegenwärtig
aussehen und wo Mängel bestehen. Bereits ein kurzer Abriß dieser Art ist
meiner Ansicht nach hilfreich, um die
vielfältige Art und Weise aufzuzeigen, in der unsere Verbündeten zu unserer gemeinsamen Sicherheit beitragen - und der Umfang, in dem dies geschieht.
Ich möchte mich zunächst Japan
als unserem wichtigsten Verbündeten
im Fernen Osten und häufigsten Zielscheibe in der Debatte über die Lastenteilung zuwenden.
Die Kritiker
Japans verweisen darauf, daß dort nur
ein Prozent des Bruttosozialprodukts
für Verteidigung aufgewendet wird.
Diese Kritiker lassen aber außer
acht, daß Japan in den 80er Jahren
mehr Verteidigungsaufgaben übernommen
hat und für deren Erfüllung zehn Jahre lang eine jährliche Erhöhung der
Verteidigungsausgaben
von
durchschnittlich 5 Prozent hinnahm. Darüber hinaus hat Japan seine strategisch wichtige Entwicklungshilfe in
Übersee proportional erhöht, und diese Hilfe ist jetzt in absoluten Zahlen (in Dollar) umfangreicher als unsere. Ich habe in meinen Diskussionen mit japanischen Politikern darauf
hingewiesen, daß Japan diese - wie
auch weitere - Erhöhungen verkraften
kann. Aber wir müssen berücksichtigen was Japan leistet, auch wenn wir
das Land zu weiteren Leistungen auf-

�fordern.
In ähnlicher Weise hat sich die
Republik Korea mit ihren 47 000 amerikanischen Soldaten für unser Anliefen der Lastenteilung offen gezeigt.
Trotz der Tatsache, daß Korea - im
Gegensatz zu Japan und unseren NATOVerbündeten - immer noch in starkem
Maße ein Entwicklungsland ist, hat es
seine Absicht bekundet, den Beitrag
zu den Kosten für die Unterhaltung
der dort stationierten amerikanischen
Streitkräfte zu erhöhen.
In Europa ergibt sich ein komplizierteres Bild. Die NATO als Institution ist weiterhin höchst erfolgreich. Vor kurzem hat das Bündnis
den Status des 401. Geschwaders geklärt und beschlossen, dessen Stationierung in Italien zu finanzieren.
Zum Ihema Lastenteilung direkt zeigt
sich die Erkenntnis seiner Bedeutung
in dem gegenwärtig von der NATO erstellten Bericht.
Eine länderspezifische Überprüfung unterstreicht die Tatsache, daß
nicht alle Verbündeten gleich sind weder im Hinblick auf Verteidigung
noch bei den schwer vergleichbaren
Beiträgen zur gemeinsamen Verteidigung. Großbritanniens Verteidigungsausgaben betragen zum Beispiel etwa
4,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes, was gegenüber den frühen 80er
Jahren einen Rückgang darstellt, aber
iir.mer noca erheblich höher ist als
die
durchschnittlich
von
unseren
NATO-Verbündeten aufgewendeten 3 Prozent. Darüber hinaus übernimmt Großbritannien untor den fünf im Persischen Golf aktiven NATO-Ländern eine
Führungsrolle und ist eines von fünf
Ländern,
das
Mittelstreckenraketen
stationiert.
Zusätzlich
unterhält
und modernisiert Großbritannien einen
wichtigen Teil des Abschreckungspotentials strategischer Nuklearwaffen
der NATO insgesamt.
Frankreich wendet kontinuierlich
4 Prozent seines Bruttosozialprodukts
für Verteidigung auf, ungeachtet der
Tatsache,
dab
die
französischen

Streitkräfte militärisch nicht in die
NATO integriert sind. Frankreich unterhält ein umfangreiches unabhängiges nukleares Absch^ckungspotential
und ist im Begriff, die Kommunikationswege mit den NATO-Streitkräften
zu verbessern, nimmt aktiv an den Bestrebungen zur Rüstungszusammenarbeit
teil und hat eine Reihe von Pflichten
außerhalb des Bündnisgebiets übernommen.
Griechenland und die Türkei
sind zwei weitere Länder, die mit ihren Verteidigungsausgaben weit über
dem Durchschnitt
der europäischen
Verbündeten liegen. Für die Stärke
des Bündnisses wäre es jedoch von
vorrangiger Bedeutung, wenn die Bemühungen dieser beiden Bündnispartner
zur Beilegung ihrer Differenzen Erfolge zeitigen würden. Solange dieser Konflikt schwelt, ist das Bündnis
geschwächt.
Im Mittelfeld liegen im Hinblick
auf die Verteidigungsausgaben fünf
Länder, die mehr oder weniger den
durchschnittlichen Beitrag der NATOLänder von 3 Prozent aufwenden: Norwegen, die Niederlande, Spanien, Portugal und die Bundesrepublik Deutschland. Hier können wir sowohl positive als auch negative Entwicklungen
beobachten. Zweifellos war die von
Spanien getroffene Entscheidung, seine Stützpunkt-Vereinbarung mit dem
401. Geschwader nicht zu verlängern,
potentiell
ein
ernsthafter
Rückschlag, der nur durch unverzügliche
Maßnahmen des Bündnisses abgewendet
werden konnte. Derzeit stehen wir in
Stützpunkt-Verhandlungen mit Portugal
und hoffen, dort stärkere Verteidigungsbande schmieden zu können. Indem sie ein holländisches Patrouillenboot in den Persischen Golf entsandten, haben die Niederlande der
Tatsache Rechnung getragen, daß die
NATO-Partner Interessen außerhalb des
Bündnisgebiets haben. Die für Verteidigungsfragen zuständigen Verantwortlichen in den Niederlanden haben
ferner im Nordatlantikrat unermüdlich
die Bedeutung der Lastenverteilungsproblematik unterstrichen. In Norwegen wiederum wird zur Zeit Teamwork
'88 abgehalten, eine größere Übung

- 5 -

�auf 1 000 Quadratkilometern norwegischen Territoriums, an der 45 000
Soldaten aus neun NATO-Ländern teilnehmen.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland liegen die Verteidungsausgaben bei knapp über 3 Prozent des
BSP und im kommenden Jahr wird sich
die Entwicklung der vergangenen drei
Jahre umkehren, in denen die Verteidigungsauf..'endungen nicht mit der Inflation Schritt halten konnten. Darüber hinaus leistet die Bundesrepublik maßgebliche Wirtschaftsund Militärhilfe an wirtschaftlich eher benachteiligte Bündnispartner wie Portugal, Griechenland und die Türkei eine Maßnahme, die wir gerne auch bei
anderen Verbündeten beobachten würden.
Und während andere Seestreitkräfte der NATO Patrouillenfahrten im
Persischen Golf durchgeführt haben,
hat die Bundesmarine verstärkt Aufgaben Im Mittelmeer übernommen.
In der Rangfolge der Verteidigungsausgaben
kommen
als
nächstes
drei NATO-Mitgliedstaaten, die im Begriff sind, ihre Aufwendungen für die
Verteidigungsbestrebungen der NATO zu
erhöhen.
In den vergangener. Jahren
hat Italien seinen Verteidigungshaushai t aufgestockt, aber trotz dieser
Erhöbung belaufen sich die Verteidigungssusgsben Italiens noch auf 2,2
Prosent seines bSP. In anderer Hinsicht waren die italienischen Beiträge beträchtlich und reichen von der
Entsendung der italienischen Marine
in den Persischen Golf bis zur Stationierung von INF-Raketen auf italienischem Territorium und dem jüngstes) \ngebot, einen Stützpunkt für
das 40i . Geschwader zur Verfügung zu
stellen. In den kommenden Jahren erwarten wir einen stabileren Verteidigungsbausbslt
in
Italien, da
die
Wirtschaft nach wie vor expandiert
un.' Italien damit mit unter die erEten
der europäischen Wirtschaftsnächte rückt.
Auch Luxemburg nimmt
A m Stockungen
vor, wenn
auch
von
einem
noch
geringeren
Prozentsatz
ausgehend als Italien.
Obwohl ohne
Zugang zum Meer, hat Luxemburg sein
Verständnis
für die Bedeutung der
freien Schiffahrt im Persischen Colf

unter Beweis gestellt und finanziell
zu den Patrouillenoperationen in der
Region beigetragen. Eine in jüngster
Zeit vorgenommene deutliche Aufstokkung der Verteidigungsprogramme hat
in Kanada die Verteidigungsausgaben
auf 2,3 Prozent des BSP erhöht. Darüber hinaus leistet Kanada einen erheblichen Beitrag zur nordamerikanischen Sicherheit und ist auch in Zukunft dazu bereit.
Am Ende der Liste der Verteidigungsausgaben stehen zwei NATO-Länder;
Belgien kämpft mit einem gekürzten
Verteidigungshaushalt,
der
die Modernisierung seiner Luftverteidigung
verhindert
oder
verzögern
wird, was für die NATO insgesamt von
Nachteil
ist.
Andererseits
stand
Belgien fest zur Stationierung der
INF-Raketen auf belgischem Gebiet und
ensandte Seestreltkräfte zu Operationen im Persischen Golf.
Dänemarks
Aufwendungen schließlich nehmen kontinuierlich ab und sind von nur 2,5
Prozent Anfang der achtziger Jahre
auf derzeit 2 Prozent gesunken. Dänemark gibt nicht vor, irgendwelche
Versuche zur Aufstockung der Ausgaben
zu unternehmen und erhält das offizielle Ziel von realem Nullwachstum
aufrecht - und selbst das wird nicht
erreicht.
Welchen Platz würden die Vereinigten Staaten bei einem solchen Vergleich einnehmen?
Im Hinblick auf
die Verteidigungsausgaben wenden die
Vereinigten Staaten 5,7 Prozent ihres
BSP für Verteidigung auf - obwohl
1989 das vierte aufeinanderf clger.de
Jahr sein wird, in dem die Verteidigungsausgaben in realen Zahlen abgenommen haben. Trotz dieser Kürzungen
haben wir nach wie vor 400 000 amerikanische Soldaten in Europa und im
Fernen Osten stationiert - dies entspricht einem Fünftel unserer Streitkräfte.
Und schließlich ist es uns
zumindest in diesem Jahr gelungen,
der Versuchung zu widerstehen, unseren Beitrg an das Bündnis zu kürzen
oder den Bündnispartnern Strafen aufzuerlegen, die in unseren Augen weniger als ihren gerechten Anteil lel-

- 6 -

�sten. Angesichts der derzeitigen Bestrebungen innerhalb der NATO und
seitens unserer asiatischen Verbündeten zur Bewältigung des Problems der
Lastenverteilung ist dies ein gemässigtes Vorgehen.
Aus dieser Bilanz sollten verschiedene Schlußfolgerungen gezogen
werden. Wir müssen die beträchtlichen und unterschiedlichen Beiträge
würdigen, die von unseren Verbündeten
heute geleistet werden - ebenso wie
wir die Länder, die wenig beitragen,
drängen müssen, mehr zu tun und diejenigen, die jedes Jahr weniger leisten - auch uns selbst - auffordern,
diesen Abstieg aufzuhalten und einen
anderen Kurs einzuschlagen.
Selbst
Verbündete, die sich nahe am nichtamerikanischen Durchschnitt der Verteidigungsausgaben
bewegen
müssen
sich vor Augen halten, daß 3 Prozent
nicht ausreichen, um die zur Abschreckung der sich uns stellenden
Bedrohung erforderlichen Streitkräfte
aufrechtzuerhalten - noch sind dies
gerechte Anstrengungen gemessen an
den beträchtlichen Verteidigungslasten, die selbst einige der weniger
wohlhabenden
Bündnispartner
tragen
müssen. Es gibt keinen einleuchtenden Grund, warum einige unserer europäischen Partner bis zu 5 Prozent ihres nationalen Einkommens für Verteidigung aufwenden, während ganze fünf
unserer fünfzehn NAIC-Partner, die
alle eigentlich wohlhabend sind, nur
ungefähr die Hälfte ausgeben - und
einige sogar nur 2 Prozent.

gen unweigerlich zu der Annahme, daß
die Bündnispartner, die weniger leisten, entschieden haben, die anderen
ihre Last für sie tragen zu lassen.
Und der aushöhlende Effekt solcher
Vergleiche besteht darin, daß sie im
Verlauf der Zeit das Vertrauen in die
gemeinsamen Anstrengungen untergraben, die das Fundament eines jeden
Bündnisses bilden.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben ein gemeinsames Interesse daran, dies zu vermeiden.
Wir müssen zusammenarbeiten, um das
Fundament des Bündnissystems zu festigen, das uns über mehr als vier
Jahrzehnte Freiheit und Frieden beschert hat.
Dazu ist besseres Verständnis unter den
Bündnispartnern vonnöten.
Die Vereinigten Staaten - als Staat
wie als Volk - müssen ihre Verbündeten davon überzeugen, daß sie in vollem Umfang die von ihnen geleisteten
Beiträge verstehen und zu würdigen
wissen.
Unser Bündnis muß seinerseits die Vereinigten Staaten davon
überzeugen, daß es die Lastenverteilung ernst nimmt und die von den
Bündnispartnern
geforderten
unterschiedlichen Rollen, Risiken und Verantwortlichkeiten zu übernehmen bereit ist - in einem Umfang, der den
tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeiten eines jeden Landes entspricht.

* * * * *

Jedes Land sieht sich natürlich
öffentlichem Druck ausgesetzt, eine
Vielzahl sozialer Programme zu finanzieren - Forderungen, die es erschweren, angemessene Verteidigungsausgaben kontinuierlich aufrechtzuerhalten. In einer Demokratie war es noch
nie leicht, Unterstützung für eine in
der Hoffnung errichtete Verteidigung
zu erhalten, sie käme - sofern alles
nach Plan verliefe - niemals zum Einsatz.
Diejenigen Nationen, die zur
der politisch schwierigen Entscheidung einer angemessenen Verteidigunr.sfinanzierung bereit sind, gelan- 7-

�AMERIKA DIENST
'1-7

"""

C&amp;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

UdSSR HAT OFFENSIVES MILITÄRISCHES EINSATZKONZEPT NICHT GEÄNDERT
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Dem Obersten Alliierten Befehlshaber Europa der NATO,
General John R. Galvin, zufolge hat die Sowjetunion ihr offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert.
"Ich kann weder eine Veränderung bei sowjetischen Stationierungen noch bei
Übungen und Beständen feststellen", erklärte der General am 30. September 1988
vor dem verteidigungspolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses. Es heißt,
"gebt den Sowjets Zeit", aber Generalsekretär Gorbatschow hat in seiner mehr
als dreijährigen Amtszeit keinen Vorschlag zum Abbau der Rüstungsproduktion
unterbreitet, fügte General Galvin hinzu, der gleichzeitig Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte in Europa ist.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von General Galvin im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, ich begrüße diese
Gelegenheit, meine Ansicht zu entscheidenden Problemen des Verteidigungsprogramms der NATO äußern zu
können. Sie haben mir einen Katalog
freimütiger Fragen vorgelegt, die ich
in dieser Eröffnungsrede zu beantworten versuche.
Frage:
Wie definieren Sie konventionelle
Stabilität, und welche
Schritte sollten wir Ihrer Ansicht
nach in diese Richtung unternehmen?

te hat es niemals eine lange andauernde konventionelle Abschreckung gegeben; tatsächlich sind Kriege zwischen Gegnern ausgebrochen, deren relative Stärke im großen und ganzen
vergleichbar war oder sogar in Fällen, in denen der Angreifer dem Verteidiger unterlegen war. Eine Strategie,
die
nuklearen
Fähigkeiten
Rechnung trägt, hat sich als überzeugende Abschreckung eines Krieges erwiesen.
Wir im Westen müssen eine
glaubwürdige nukleare Reaktionsfähigkeit aufrechterhalten.

Antwort:
Konventionelle
Stabilität kann nicht losgelöst vom nuklearen Kontext definiert werden. In
jüngster Zeit war die nukleare Abschreckung zentraler Bestandteil der
Stabilität. Im Verlauf der Geschich-

Wir können jedoch Nuklearwaffen
abbauen, solange wir die Modernisierung dieser Waffen und die Fähigkeiten unserer konventionellen Streitkräfte gewährleisten. wir dürfen die
Sowjets nicht zu der Annahme verlei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten, daß sie im Falle eines Angriffs
strategische Ziele mit konventionellen Mitteln erreichen könnten, bevor
die NATO mit Nuklearwaffen reagiert.

nehmen, um Sie zu überzeugen?
Wie
sollte die Reaktion der NATO auf die
bisherigen
Initiativen der
Sowjets
aussehen?

Unsere beste Option besteht in
einer von Nuklearwaffen unterstützten
starken konventionellen Verteidigung.
Wir müssen:

Antwort:
Es
liegt
auf
der
Hand, daß Generalsekretär Gorbatschow
einige kühne Initiativen im Inland in
die Wege geleitet hat, es ist jedoch
weniger
offensichtlich,
daß
diese
kurzfristig Veränderungen in der Verteidigungspolitik oder langfristig in
der Außenpolitik zur Folge hatten.

- operativ entscheidende Durchbrüche
der
ersten
strategischen
Staffel des Warschauer Pakts vermeiden ;
- das Vorrücken der nachfolgenden
operativen
und
strategischen
Streitkräfte des Feindes in die
am stärksten bedrohten Bereiche
unserer Verteidigung verzögern;
- die Geschlossenheit unserer rückwärtigen Gebiete und deren Fähigkeit, Nahgefechte und Operationen
in der Tiefe durchzuführen, aufrechterhalten;
- die NATO rasch genug mit
sprechenden
Streitkräften
stärken, um dem Warschauer
seine strategischen Ziele zu
wehren; und

entverPakt
ver-

- konventionelle Operationen lange
genug andauern lassen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Konventionelle Verteidigung könnte jedoch zur Aufrechterhaltung der
Geschlossenheit
des
NATO-Gebietes
nicht ausreichen.
Die Strategie des
Bündnisses trägt dieser Tatsache mit
der "Triade" von Optionen Rechnung.
Diese lauten:
direkte Verteidigung,
beabsichtigte Eskalation und allgemeine nukleare Reaktion.
Frage:
Welches sind Ihrer Ansicht nach die von den Sowjets angekündigten Veränderungen in Militärdoktrin und Strategie?
Sofern Sie
diese nicht überzeugen - welche Veränderungen müssten die Sowjets vor-

Bei kurzfristigen Entscheidungen
im Hinblick auf die Verteidigungspolitik müssen wir eher Fähigkeiten als
Absichten bewerten.
Die Fähigkeiten
der Sowjetunion haben verglichen mit
den unseren weiterhin zugenommen. In
dem Gebiet vom Atlantik bis zum Ural
sind wir bei Panzern zahlenmäßig 3 zu
1, bei Artillerie 3 zu 1 und bei
Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Bei einem Krieg mit kurzer Vorwarnzeit wären wir bei Panzern 2 zu 1,
bei Artillerie 2 zu 1 und bei Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Die Sowjets produzieren modernste
Panzer und Artillerie weiterhin in
einer Geschwindigkeit, die ausreicht,
um eine Division und vier Artillerieregimente pro Monat neu auszurüsten.
Dies führt zu einem kontinuierlich
wachsenden
Ungleichgewicht
bei den
Fähigkeiten, die eher für Offensivais für Defensivoperationen bestimmt
und ausgerüstet sind.
Wir haben beobachtet, wie das sowjetische Militär die Lektion seiner
letzten Offensivoperationen im Zweiten Weltkrieg gelernt und geübt hat Vorausabteilungen als Angriffsspitze
und operative Manövergruppen.
Dies
ist genau die Art von Taktik und operativen Geschicks, die für unsere
Vornestrategie
der Verteidigung
am
gefährlichsten ist. Wir haben beobachtet, wie sie in den vergangenen
fünf bis acht Jahren ihre Streitkräfte für genau die Art von "Blitzkrieg"
umstrukturiert und ausgerüstet haben,
zu der sie sich in ihren ideologischen Schriften bekennen.
Die ra-

- 2 -

�sehe
und umfassende
Modernisierung
ihrer Panzertruppen mit Panzern, die
zu bekämpfen für uns - selbst mit unseren moderneren Panzerabwehrsystemen
- immer schwieriger wird, verbessert
ihre Offensivfähigkeit mehr als ihre
Defensivfähigkeit.
Welche
Veränderungen
sollten
stattfinden, um uns zu überzeugen?
Ich würde eine entscheidende Verringerung der militärischen Produktion
insbesondere bei den Panzern begrüssen. Wir würden es befürworten, wenn
die sowjetischen Streitkräfte so stationiert, ausgerüstet
und strukturiert wären, daß sie ihre eigene Verteidigungsdoktrin widerspiegeln.
Wenn die Sowjets ihre Streitkräftestruktur so optimal gestalten würden, daß
ihre Verteidigungsdoktrin
und ein Verteidigungsplan darin ihren
Niederschlag finden, sollten wir eine
Verlagerung beim Übergewicht der gepanzerten und vorne stationierten Divisionen hin zu mehr Infantrie mit
von Pionieren unterstützten Panzerabwehrwaffen beobachten können - Einheiten, die eher als Besatzung von
Stützpunkten und zum Bau von Barrieren und Hindernissen geeignet sind.
Bei den rückwärtigen Formationen und
Staffeln sollte eine größere Panzerdichte herrschen als - wie wir heute
beobachten können - bei den vorne
stationierten.
Depots für Nachschub und Logistik
sollten tiefer im rückwärtigen Bereich liegen: ein Offensivplan sieht
vor, daß sich der Nachschub so nah
wie möglich am Ausgangspunkt des Angriffs befindet, um die zügige Verlagerung des Nachschubs nach vorne zu
gewährleisten.
Dies entspricht den
sowjetischen Gegebenheiten.
Ein Defensivplan erfordert, daß sich der
Nachschub tiefer im rückwärtigen Bereich befindet, um seine Eroberung
und Zerstörung zu verhindern und eine
umfassende Verteidigung sicherzustellen (wie es die sowjetische Doktrin
vorschreibt).
Wir

würden

es

ferner

begrüßen,

wenn die Sowjets bei ihren Ansätzen
im Bereich der Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen und in
den Mandatsgesprächen über konventionelle Stabilität größeres Entgegenkommen zeigten.
Wir würden Fortschritte im Hinblick auf größere "Transparenz" militärischer Aktivitäten auf beiden Seiten begrüßen, damit wir nicht durch
Kriegsvorbereitungen überrascht werden. Wir würden ferner gerne ein Angebot des Warschauer Pakts vorliegen
haben,
das
eine
Reduzierung
der
Streitkräfte vorsieht, die sich stärker im Einklang mit ihrer Verteidigungsdoktrin befindet, eine defensive
Abschreckungshaltung und strategische
Planung sowie ein etwas reduziertes
EJ"satzkonzept der NATO-Streitkräfte.
Wie sollen wir auf die bisherigen
sowjetischen
Initiativen
reagieren?
Wir sollten weiterhin unsere Kontakte
zwischen
den
zivilen
und
militärischen Vertretern
von NATO und
Warschauer Pakt ausbauen, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern.
Wir sollten nach wie vor die in der
Schlußakte von Helsinki festgelegten
Verfahren zur Benachrichtigung, Beobachtung und Inspektion von Manövern
anwenden, um die Transparenz zu erhöhen.
Und wir sollten bereit sein,
beim Beginn der Gespräche über konventionelle Stabilität (CST) eine gemeinsame Position der NATO vorzulegen, die Parität als erstes Ziel auf
dem Weg zu größerer Stabilität und
einer
Verringerung
des
Konfrontationsniveaus vorsieht.
Dises Gespräche werden durch die
Tatsache erschwert, daß sie nicht
zwischen NATO und Warschauer
Pakt
stattfinden,
sondern
zwischen
den
souveränen Staaten beider Bündnisse insgesamt 23 Teilnehmerstaaten. Dies
erschwert die Koordinierung der Positionen und schränkt die Rolle des
Obersten
Alliierten
Befehlshabers
Europa (SACEUR) erheblich ein.
Zur
Aufrechterhaltung
eines
glaubwürdigen
Abschreckungskonzepts

�mit Nuklearwaffen
bis ins nächste
Jahrhundert
muß die Modernisierung
jetzt erfolgen. Die Lance-Rakete und
viele der von der Artillerie abgefeuerten Waffen werden bald nicht
mehr erforderlich sein.

entscheidender Bedeutung sind.
Die
damals von den Ministern festgestellten gravierndsten Mängel ziehen sich
durch alle fünf der oben genannten
Bedingungen. Die folgenden Beispiele
mögen dies verdeutlichen:

Eine ausreichende konventionelle
Abschreckung gegen die konventionellen
Streitkräfte
des
Warschauer
Pakts, wie sie sich uns heute darstellt, muß folgende Bedingungen erfüllen:

Defizite
bei den
stationierten
Landstreitkräften und die Abhängigkeit von Verstärkung aus dem
Ausland schränken die Fähigkeit
ein,
die
Leitstaffeln
des
Warschauer
Paktes
zu besiegen.
Die Reserveeinheiten des Bündnisses sind im Hinblick auf ihre
Ausbildung, Ausrüstung
personelle Ausstattung und Verfügbarkeit
sehr unterschiedlich strukturiert.

- Sie muß einen Durchbruch der ersten strategischen Staffel gegen
eine noch um Verstärkung bemühte
NATO-Verteidigung verhindern.
Sie muß das Vorrücken der zweiten
operativen und der zweiten strategischen
Staffel
lange
genug
aufhalten, um die Verstärkung der
Verteidigung zu gewährleisten und
die erste operative Staffel zu
besiegen.
Sie muß die Häfen, Depots, Luftwaffenstützpunkte,
Kommunikationswege,
Reserven,
Verstärkungseinheiten und das Abschrekkungspotential der Nuklearstreitkräfte vor einem Luftangriff, vor
Sabotage und den Landstreitkräften wie etwa Luftlande- und Luftsturmeinheiten und den SpetznatzStreitkräften schützen.
Sie muß schnell für Verstärkung
aus Nordamerika sorgen und
sie muß konventionelle Operationen lange genug führen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Im Dezember 1984 haben sich die
NATO-Minister zur Initiative für eine
Verbesserung der konventionellen Verteidigung
(CDI)
zusammengeschlossen
und wichtige Zielsetzungen für die
Streitkräfte
der
Mitgliedstaaten
festgelegt, die für die Verbesserung
der konventionellen Verteidigung von
- 4

- Die Mittel
zum Aufhalten,
Spaltung
oder
Zerstörung
nachfolgenden
Streitkräfte
Feindes sind unzureichend.

zur
der
des

- Wir sind von der raschen Verstärkung
durch
ausländische
Luftstreitkräfte abhängig, um in der
Luft eine vorteilhafte Situation
beizubehalten.
Es bestehen Mängel bei den Einrichtungen
für
Aufnahme, Schutz und Stationierung der Flugzeuge, die zur Verstärkung dienen.
Bei der Luftverteidigung
bestehen
Schwachstellen, insbesondere durch das
Fehlen eines gemeinsamen, konkurrenzfähigen und sicheren NATO-Systems
zur
Identifizierung
von
Flugzeugen.
- Eine bedeutende Schwäche auf See
besteht
im Mangel an Begleitschutz,
Minensuchbooten
und
Patrouillenbooten,
um
Missionen
zur Abwehr
von Unterseebooten,
Flugzeugen und zur Auffindung von
Minen durchzuführen.
- Schließlich könnten Defizite bei
der Durchhaltefähigkeit zur einer
frühzeitigen
Entscheidung
über
den
Einsatz
von
Nuklearwaffen
führen.
Seit ihrer Gründung haben die
NATO-Länder im Hinblick auf die Ver-

�wirklichung der von CDI hervorgehobenen Ziele bei den Streitkräften weit
bessere Ergebnisse erzielt als andere
Länder, und es ist bereits viel zur
Verbesserung der oben genannten Bedingungen getan worden.
Es ist seit langem bekannt, daß
unsere vorne stationierten
Streitkräfte
keine angemessenen
Reserven
haben. Die Ziele der CDI sehen mehr
als 19 Reservebrigaden vor, die in
den einzelnen Ländern aus anderen Reserven gebildet werden.
Der Mangel
an verfügbaren Ressourcen zur Ausrüstung dieser Einheiten mit wirksamen
Waffen hat deren Aufbau bis nach
1994, der Frist für die gegenwärtigen
Zielsetzungen, aufgeschoben. Die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und die Modernisierung sowjetischer
Panzer
bedeuten,
daß
Streitkräfte besiegt werden können,
wenn sie mit veralteten Waffen ausgerüstet sind. Im gesamten Oberkommando Europa modernisieren wir in nicht
ausgewogenem Maße. Meine größte Sorge gilt der Möglichkeit, daß Panzerabwehrsysteme - auch in der Hand der
Soldaten unserer am besten ausgerüsteten Einheiten - gegen einen großen
Teil der gegenwärtigen Panzereinheiten des Warschauer Pakts nicht wirksam einsetzbar sind. Der Kongreß muß
unsere Bedingungen für moderne Panzerabwehrsysteme unterstützen.
Das Aufhalten der zweiten Staffel
hängt vom Konzept zur Bekämpfung der
Folgestaffeln (FOFA) ab. Obwohl Verbesserungen bei den Waffen die potentielle Stärke von FOFA erhöhen werden, stellt dieses Konzept doch bereits einen wesentlichen Bestandteil
unserer heutigen Verteidigung dar.
Das Oberste Hauptquartier der alliierten Mächte in Europa (SHAPE) hat
das FOFA-Konzept veröffentlicht, und
die NATO hat für alle Mitgliedstaaten
Leitlinien zur Planung und Zielsetzungen für die Streitkräfte veröffentlicht.
Wir machen Fortschritte
beim Erarbeiten von Möglichkeiten zum
Austausch nachrichtendienstlichen Materials zwischen den NATO-Ländern.

Wir werden zur Verbesserung der Eindringfähigkeit und Allwetterfähigkeit
unserer Flugzeuge und der Fähigkeit
unserer
nachrichtendienstlichen
Systeme
zur Auffindung, Analyse und
Verbreitung
entscheidender
Informationen
weiterhin
die Unterstützung
des Kongresses benötigen.
Es gibt eine Reihe von Initiativen zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte, die die ersten
beiden Bedingungen erfüllen und nicht
sehr kostenintensiv sind.
Wir verbessern
unsere
Verteidigungsdoktrin
oberhalb der Korpsebene, wo die Luftund
Landstreitkräfte
vieler
Länder
zusammengeführt werden. Das betrifft
das Einsatzniveau im Krieg, ein Niveau, auf dem unsere potentiellen
Gegner überlegen sind. Wir verfolgen
aktiv die Möglichkeit, unsere hochrangigen Offiziere zur Kommandoführung unter Anwendung von Computertechnologie auszubilden.
Die Verbreitung von Technologie
im Bereich der Planspiele wird uns zu
besseren und kostengünstigeren Möglichkeiten zur Ausbildung großer Formationen verhelfen.
Es gibt neben
der Kostensenkung viele gute Gründe,
den Umfang unserer Übungen einzuschränken.
Mit der Verbreitung von
Planspielen können wir mehr Kommandobereiche
realistischer
für
den
Kriegsschauplatz
trainieren,
die
Kosten dämpfen und die Umwelt schonen.
Im Kriegsfall werden viele wichtige Funktionen von unseren rückwärtigen Gebieten wahrgenommen. Das ist
das Gebiet, aus dem wir unsere Stärke
für Luftgefechte und unser nukleares
Abschreckungspotential
gewinnen.
Dort wird die Verstärkung aufgenommen, formiert und nach vorne verlagert, und von dort aus versorgen Depots und Pipelines unsere vorne stationierten Kampfeinheiten.
All dies
muß geschützt werden.
Die Bedrohung unserer rückwärtigen Gebiete durch Agenten, Saboteure,
Luftlande- und Luftsturmeinheiten ist
beträchtlich, und wir setzen eine

- 5 -

�große Zahl von Reserveeinheiten zum
Schutz dieser Bereiche ein.
unsere
landgestützte Luftverteidigung muß im
gesamten
Alliierten
Befehlsbereich
Europa verbessert werden, wir müssen
ferner unsere passiven Maßnahmen wie
etwa Flugzeughallen und getarnte Landebahnen weiter verbessern.
Einige
unserer
Mitgliedstaaten
haben sich
zur Entwicklung eines Systems zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen
zusammengeschlossen. Wir werden nach
wie vor die Unterstützung des Kongresses . für moderne Flugabwehrraketen
und moderne Luftverteidigungssysteme
benötigen.
Die rechtzeitige Verstärkung für
Europa aus Nordamerika ist von entscheidender
Bedeutung.
Der
größte
Teil der Verstärkung aus Nordamerika
könnte zu spät eintreffen, um zur
konventionellen Verteidigung und Abschreckung beizutragen.
Zur Lösung
dieses Problems gibt es viele Ansätze, aber der größte Bedarf besteht
bei
der
Verbesserung
der
strategischen Transportfähigkeit.
Wir haben erst kürzlich unsere Bedingungen
für den Transport vereinfacht und unsere Pläne zum effektiveren Einsatz
des
verfügbaren
Seetransportpotentials verbessert. Wir benötigen die
Hilfe des Kongresses bei vielen Teilbereichen des Problems der Verstärkung, wenn wir in naher Zukunft Fortschritte erzielen wollen.
Die Feuerprobe einer glaubwürdigen Abschreckung im konventionellen
Bereich besteht darin, ob sie bei den
im Falle eines Krieges wahrscheinlichen
schweren
Kämpfen
angemessen
eingesetzt werden kann. Wir haben im
Rahmen der CDI für alle Länder in
diesem Bereich Zielsetzungen aufgestellt. Wir arbeiten ferner an wissenschaftlicheren und zuverlässigeren
Wegen, um den Bedarf an Munition
festzulegen.
Der Warschauer Pakt hat in den
vorderen Abschnitten genug Nachschub
gelagert, um 60 bis 90 Tage lang Operationen durchzuführen.
unser Nachschub wird wahrscheinlich sehr viel

eher verbraucht sein.
Meine größte
Sorge gilt dem Mangel an der zur Panzer- und
Flugabwehr
entscheidenden
Munition.
Auch bei größeren Ausrüstungsgegenständen, die im Kriegsfall
schwer beschädigt werden, ist der Bestand knapp.
Wenn wir uns alle fünf Bedingungen für eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung vergegenwärtigen, wird uns bewußt, daß sie wie jedes einzelne Glied einer Kette stark
und effektiv sein müssen.
Die Vernunft gebietet, daß wir die von mir
beschriebenen Mängel weiterhin entschlossen
beheben
und
gleichzeitig
nach Möglichkeiten suchen, um ein für
beide
Seiten
vorteilhaftes
neues
Gleichgewicht auszuhandeln.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Oktober 1988

36

RÜCKKEHR IN DEN WELTRAUM
DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

WASHINGTON - (AD) - Die "Mission 26" der amerikanischen Bundesbehörde für
Luft- und Raumfahrt (NASA) mit dem Raumtransporter DISCOVERY und seiner fünfköpfigen Besatzung ist erfolgreich beendet. Nach dem Start am 29. September
1988 um 16.37 Uhr MEZ von der Rampe 39 B in Kap Canaveral und einem ViertageFlug um die Erde in Höhen zwischen 250 und 300 km landete DISCOVERY am 3. Oktober um 17.37 Uhr MEZ in der Mojave-Wüste (Kalifornien).

Neben
der
Computer-Überwachung
aller technischen Funktionen während
Start, Flug und Landephase kommt den
Beobachtungen der Astronauten größte
Bedeutung zu. Alle fünf - Kommandant
Frederick
Hauck,
Kopilot
Richard
Covey, sowie David C. Hilmers, Mike
Lounge und George D. Nelson als Missionsspezialisten
- waren
bereits
mehrmals im Weltraum, einige von ihnen bei früheren Einsätzen der DISCOVERY.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
28. Januar 1986, das 73 Sekunden nach
dem Start infolge der Explosion von
Trägerraketen und Orbiter den sieben
Astronauten an Bord das Leben kostete, unterzog die NASA das gesamte Sy-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stem einer eingehenden Überprüfung.
Die seitdem mit einem Aufwand von
mehr als zwei Milliarden Dollar betriebenen
technischen
Veränderungen
und Neukonstruktionen
stellen
nach
Ansicht
der beteiligten
Ingenieure
wie auch der NASA-Vertreter das Menschenmögliche
zur Verbesserung der
Sicherheit dar. Aber erst die Eignung Hunderter neuer oder verbesserter Komponenten unter Raumflugbedingungen kann Gewißheit bringen, ob das
Richtige getan wurde. Die Auswertung
der damit zusammenhängenden Meßdaten,
aber auch der wissenschaftlichen Daten von den mitgeführten oder an Bord
vorgenommenen
elf Forschungsexperimenten, dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ein KoloB wurde ausgesetzt
Eine•der Hauptaufgaben der Besatzung, nämlich das Absetzen des Nachrichtensatelliten (Tracking and Data
Relay Satellite - TDRS) , wurde bereits sechs Stunden nach dem Start in
Florida erfüllt.
Nachdem Kommandant
Hauck nach Freisetzen der fast elf
Meter langen und 18,5 Tonnen schweren
Nutzlast mittels eines Federmechanismus die DISCOVERY in Sicherheitsabstand manövriert hatte, wurde die erste der beiden TDRS-Raketenstufen gezündet. Damit begann 250 km über der
Erde der zweitägige Aufstieg des Satelliten zur geostationären Bahn in
36 000 km Höhe, wo nach mehrwöchigen
Tests und funkgesteuerten Vorbereitungen für den regulären Betrieb der
nun als TDRS-2 bezeichnete Nachrichtensatellit auf dem 171. Längengrad
über dem Zentralpazifik stationiert
werden soll.
Von den Trägerrakten
befreit, ist seine Masse auf 2,25
Tonnen geschrumpft.
Die Spannweite
beträgt in der Achse der beiden ausgefahrenen
Sonnenenergie-Kollektoren
17 Meter, im 90-Grad-Winkel dazu in
der Achse der beiden Parabolantennen
13,5 Meter.
Zusammen mit dem Pendant TDRS-1
bietet dieses System die Möglichkeit,
die direkte Funkverbindung zwischen
Bodenstationen
und bemannten
sowie
unbemannten
Raumschiffen
wesentlich
zu verbessern und gleichzeitig einige
kostspielige
Bodenstationen
einzusparen.
Mit einem
Raumtransporter
oder mit anderen Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen wird über 85 Prozent der Flugbahn um die Erde ständiger Kontakt möglich. Dabei fungieren
die
beiden
leistungsstarken
TDRSNachrichtensatelliten
in 36 000 km
Höhe als Relaisstationen. Bereits im
Februar 1989 plant die NASA ein weiteres TDRS-Gerät für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung in den Weltraum
zu schicken, um den seit April 1983
über
dem
Atlantik
stationierten
TDRS-1, zu ersetzen und diesen dann
nur noch als Reservegerät zu verwenden.
Für
die
Forschungsprojekte
MAGELLAN (Radar-Sondierung des Plane-

ten Venus, Start April 1989), GALILEO
(Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner Atmosphäre, Start im Oktober
1989)
und
WELTRAUMTELESKOP
(Start
1990) ist das TDRS-System ebenfalls
von besonderer Bedeutung. im übrigen
sind diese von der amerikanische Firma CONTEL gebauten Satelliten von der
NASA angemietet.

Experimente in der Schwerelosigkeit
Bei einer Reihe von Experimenten
wurde die Schwerelosigkeit (korrekter
wäre die Bezeichnung "Mikrogravitation"
statt "Schwerelosigkeit", da
die Masse des Raumschiffs auch eine allerdings geringe - Gravitationswirkung hat) genutzt, um z.B. Kristallwachstum, Phasentrennung von Flüssigkeit verschiedener Viskosität, Kornbildung für metallisches Gefüge und
anderes zu studieren.
So schickten
Wissenschaftler
der
Firmen
Upjohn
Company, DuPont Corporation, Merck
Pharmaceuticals,
Schering-Plough,
Burroughs
Wellcome
Co.
(USA) und
Wellcome Research Laboratories (Großbritannien) Proben in Spezialbehältern mit, die bestimmte Proteinsubstanzen enthielten.
In einem Fall
war auch das Enzym Reserve Transkriptase beteiligt, das eine Schlüsselrolle bei der Vermehrung von AIDSViren spielt. Bei einem Wachstum der
Proteinkristalle unter Mikrogravitation können sich diese groß genug
ausbilden, um die
dreidimensionale
molekulare
Struktur
zu
erkennen.
Dies wiederum ist wichtig für die
Entwicklung geeigneter Medikamente nicht
nur gegen AIDS-Erkrankungen,
sondern beispielsweise auch gegen andere Immunstörungen, gegen Bluthochdruck, Emphysem, Schmerzzustände und
Entzündungen.
AgrarWissenschaftler
sind im Hinblick auf die Entwicklung
besserer Fungizide zur Behandlung von
Pilzkrankheiten bei Pflanzen an den
Experimenten interessiert.
Die Firma 3M setzte ihre Versuche
fort, bei denen festes organisches
Material bis zum Dampfzustand erhitzt
wird und sich dann als Kondensat in

- 2 -

�einem dünnen Film niederschlägt. Die
sich
dabei
bildenden
Kristallenen
sind in einer Weise geordnet arrangiert, wie sie unter irdischen Bedingungen niemals erreicht würde.
Mit
solchen
und ähnlichen
Experimenten
könnten z.B. der Computertechnik neue
Dimensionen eröffnet werden.
In einem
anderen
Experiment
wird
ein
Schmelzofen
zur
Herstellung
einer
Mangan-Wismuth-"Legierung"
benutzt,
die
möglicherweise
Bemühungen
zur
Entwicklung
besserer
magnetischer
Werkstoffe weiterbringen kann.
Von
der Universität Sydney kam ein Experiment, mit dem an menschlichem Blut
der Verklu.iipungsvorgang
von Zel len
studiert werden
kann.
Man hofft,
aufgrund der jetzt gewonnenen Ergebnisse überblicken zu können, ob künftige Versuche unter Schwerelosigkeit
die klinische Forschung auf dem Gebiet von Anomalien bei roten Blutzellen fördern könnten.
Die
Astronauten
erprobten
ein
Verfahren, im Orbiter über Infrarotwel'en statt über die üblichen Radiowellen miteinander zu telefonieren.
Dieses Verfahren würde die Unterhaltung völlig abhörsicher machen, weil
Infrarotwellen nicht nach außen dringen.
Fallt sich das Verfahren als
qeeignet erweist, könnte es später in
der geplanten Raumstation, aber auch
auf Kriegsschiffen sowie in Militärflug- und Fahrzeugen eingesetzt werden .
Ein weiteres Experiment, das die
Astronauten ausführten, galt der Beobachtung (mit Foto- und Fernsehkameras) von Blitzen auf der Nachtseite
der Erde.
Geophysiker sehen in dem
Versuch eine Möglichkeit, mehr Erkenntnisse
über
die
gegenseitigen
Auswirkungen
von
Blitzentladungen,
übei die Auswirkung von Blitzentladungen auf benachbarte Sturmfronten
und auf die wechselnde Struktur von
WinJströmungen über weiträumigen Gebieten zu gewinnen. Astronaut Nelson
hatte dabei die Aufgabe, mit einer
35-mm-Kamera und Spezialfilm zu genau
angegebenen Zeiten Aufnahmen vom Erdhorizont zu machen.
Das geschah im

Auftrag eines Unternehmens, das verbesserte Horizont-Sensoren für Satelliten in erdsynchroner Bahn - das
heißt in 36 000 km Höhe - herstellen
will.
Schließlich
durften
auch
die
Schülerexperimente nicht fehlen. Eines galt der Erzeugung möglichst fehlerfreier
Blei-Jodid-Kristalle,
die
eines Tages vielleicht in astrophysikalische Instrumente zum Erfassen von
Gamma- und Röntgenstrahlen im Universum eingebaut werden und die Leistung
solcher Apparaturen verbessern könnten.
Beim zweiten ging es um die
gleichmäßigere Kornbildung im Gefüge
von Titan.
Am dritten Flugtag legten Ilauck
und Nelson ihre Druckanzüge an und
machten die zum ersten Mal installierte Vorrichtung für einen Notausstieg
betriebsbereit.
Sie probten
den Ernstfall, um sich zu vergewissern, daß das Gerät auch bei Schwerelosigkeit funktionsfähig ist.
Während des Trainings für "Mission 26" kam dem Einsatz des Rettungsgeräts
in den
verschiedensten
Situationen
entscheidende
Bedeutung
zu.
Es handelt sich um einen durch
eine Seitenluke des Orbiter teleskopähnlich ausfahrbaren Tragmast, an dem
die Astronauten einer nach dem anderen bis zum Absprung in sicherem Abstand vom Fluggerät entlanggleiten.
Im Schutzanzug ist u.a. ein Fallschirm und ein aufblasbares Boot eingebaut.
Das Rettungssystem kann jedoch nur während des gesteuerten Fluges in der Atmosphäre verwendet werden .

- 3 -

* * * * * *

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