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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

11.

18

Mai

1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bündnis spielt entscheidende Rolle beim Konzept
der Lastenteilung
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft HINTERGRUNDMATERIAL
Verlagert Moskau wirklich den Schwerpunkt auf Verteidigung?
- Von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Rauschgift bedeutet Selbstzerstörung
- Aufklärung und Erziehung muß im Kindesalter beginnen

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11. Mai 1988

18

BÜNDNIS SPIELT ENTSCHEIDENDE ROLLE BEIM KONZEPT DER LASTENTEILUNG
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft in London LONDON - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsminister William Taft zufolge kommt der NATO als Institution "eine entscheidende
Rolle" beim Problem der Lastenteilung innerhalb des Bündnisses zu. Taft
sprach am 4. Mai im Londoner Regents College, wo er die Lastenteilung als Problem des gesamten Bündnisses bezeichnete und ferner als wichtigen ersten
Schritt zur Erarbeitung eines "gemeinsamen Konzepts im Bündnis", das "die Vereinigten Staaten in höchstem Maße begrüßen" würden. Taft erklärte, die Absicht seines gegenwärtigen Besuchs in Europa "bestehe nicht darin, neue Vorschläge zu unterbreiten, sondern vielmehr darin, die Bedeutung der Verpflichtungen zu unterstreichen, die von der NATO bereits eingegangen wurden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Tafts Rede im Wortlaut:
Vor drei Jahren kam ich zu Gesprächen
über einen
Problembereich
nach London, der für die NATO von
entscheidender
Bedeutung war:
die
Vorzüge einer verbesserten Zusammenarbeit im Bündnis auf dem Gebiet der
Rüstung. Der vorteil gemeinsamer Bemühungen zur Entwicklung neuer Waffensysteme, mit denen einer Bedrohung
für uns alle entgegengetreten werden
könnte, schien auf der Hand zu liegen
- ebenso wie die Verschwendung der
Bündnispartner durch die gesonderte
Entwicklung neuer Waffensysteme.
Ich freue mich, ihnen mitteilen
zu können, welch große Fortschritte
das Bündnis in diesen drei Jahren
seit meinem letzten Besuch bei unseren Bemühungen um Zusammenarbeit im
Bereich
der
Waffensysteme
gemacht

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hat. Unsere Leistungen in diesem Bereich bestätigen den Wert gemeinsamer
Aktivitäten
und auch
meine
feste
Überzeugung, daß gemeinsame Arbeit
als Eckpfeiler
des NATO-Bündnisses
der Grund dafür ist, daß ich heute
wiederum nach Europa komme.
Mein heutiges Thema ist sowohl
umfangreicher als auch heikler: die
Verteilung von Rollen, Risiken und
Pflichten unter den Bündnispartnern
im Rahmen der Verteidigung - was wir
in den Vereinigten Staaten oftmals
als Lastenteilung bezeichnen.
Wie in jüngster Zeit vielfach beobachtet werden konnte, wird diesem
Problem in Amerika nunmehr aus unterschiedlichen Gründen große Aufmerksamkeit zuteil.
ich besuche diese

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Woche NATO-Hauptquartiere und eine
Reihe von Hauptstädten der NATO, um
darzulegen, welche Betrachtungsweisen
es in den Vereinigten Staaten zu diesem Problem gibt und um gemeinsam mit
unseren Verbündeten Möglichkeiten zu
untersuchen, wie die Bündnispartner
dieses Problem der Lastenteilung einzeln und zusammen mit ihren partnern
lösen könnten.
Meine Mission beschränkt sich nicht nur auf die NATO
- in der nächsten Woche werde ich zu
demselben Zweck Japan und Korea besuchen.
Gestern bin ich in Brüssel mit
den Ständigen Vertretern des Nordatlantikrates und mit Lord Carrington
zusammengetroffen.
ich bin ebenfalls
der dort geäußerten Überzeugung, daß
die NATO als Institution eine entscheidende Rolle bei der Behandlung
dieses Problems spielen muß. ich bin
mir der Tatsache bewußt und wir hegen
die Hoffnung, daß Lastenteilung als
Thema im Bündnis ein Auftakt für die
Entwicklung
eines gemeinsamen Konzepts im Bündnis ist. Solche Bemühungen werden die Vereinigten Staaten
in höchstem Maße begrüßen.
Die Bedeutung einer gemeinsamen
Antwort des Bündnisses darf nicht
unterbewertet werden.
Die vom Warschauer Pakt unter Führung der Sowjetunion ausgehende Bedrohung für die
NATO wird ungeheuer groß bleiben.
Tatsache ist, daß der Warschauer Pakt
gerade qualitativ noch ausgereiftere
Systeme einführt, und damit seinen
seit langem gehaltenen qualitativen
Vorsprung noch erhöht. Doktrin, Fähigkeiten und Übungen im Warschauer
Pakt deuten auf die anhaltende Betonung
des
Elements
eines
Überraschungsangriffs
in
Verbindung
mit
Operationen im Stil des 'Blitzkriegs'
hin.
Alle Tatsachen lassen erkennen,
daß die NATO sich in den kommenden
zehn Jahren einer noch ernstlicheren
Bedrohung gegenübersehen wird.
Das
Bündnis kann sich belastende innere
Streitigkeiten kaum leisten, die es
von seinen politischen und sicher-

heitspolitischen Zielen ablenken. Es
besteht jedoch kein Grund zu der Befürchtung, daß Lastenteilung zu solch
einem Problem wird, solange wir es
wirklich verstehen und es engagiert
angehen.
Wie erklärt sich nun das wiedererwachte Interesse der Amerikaner an
diesem Thema?
Es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, welche
Faktoren und Einstellungen amerikanische Diskussionen
zu diesem Thema
prägen, wenn die Bündnispartner in
einen konstruktiven Dialog eintreten
wollen. Heute möchte ich Ihnen einige unterschiedliche Einstellungen und
Meinungen darlegen, die die Art und
Weise beeinflussen, wie Amerikaner und mit ihnen eine Reihe amerikanischer Kongreßabgeordneter - über unsere Bündnisse
im allgemeinen und
Lastenteilung im besonderen denken.
Erstens sind wir in den Vereinigten Staaten angesichts des sehr angespannten finanziellen Klimas, in dem
wir uns befinden, dem Druck ausgesetzt, weniger für die Verteidigung
auszugeben.
Die Besorgnis über das
amerikanische Handels- und Haushaltsdefizit hat zu einem starken Druck
auf
die
Verteidigungsausgaben
und
einer eingehenden Prüfung des Beitrags geführt, den unsere Verbündeten
für die gemeinsame Verteidigung leisten.
Zweitens nimmt das Bewußtsein anderer
strategischer
Prioritäten
Veränderungen der strategischen Landschaft - zu, die Amerika nicht außer
acht lassen darf. Die zunehmende Bedeutung des pazifischen Beckens, die
erhöhte Bedrohung der Stabilität in
Mittelamerika,
Auseinandersetzungen
im Nahen Osten und im Persischen Golf
- diese und andere Probleme konkurrieren
mit
unserer
traditionellen
Verpflichtung gegenüber der NATO, ihr
allein die Aufmerksamkeit im strategischen Bereich zu widmen.
Drittens gibt es das Empfinden,
unsere Verbündeten würdigten oder unterstützten
unsere Aktivitäten
zur

- 2 -

�Verteidigung unserer nationalen Interessen oder sogar der Interessen
der Verbündeten nicht in ausreichendem Maße.
Es besteht zunehmend die
Tendenz, die Weigerung unserer Verbündeten zu hinterfragen, solche Aktionen zu unterstützen, die unserer
Ansicht
nach
einen
existentiellem
Beitrag zu unserer gmeinsamen Sicherheit leisten - einschließlich der Erhaltung
der nuklearen Fähigkeiten,
die notwendig sind, um eine sowjetische Aggression abzuschrecken sowie
außerhalb der Grenzen der NATO unternommene Aktionen, die Auswirkungen im
Bündnis
zeitigen.
Einseitige oder
grundsätzliche Kritik unserer Politik
in Mittelamerika und anderen Bereichen, wo unsere Interessen eher betroffen sind als die unserer Verbündeten, hat bei vielen besorgten Amerikanern den Enthusiasmus für das
Bündnis gedämpft.
Viertens gibt es Enttäuschungen
über die Politik einzelner Bündnispartner.
Die Vielfalt der Meinungen
zu vielen Problemen innerhalb des
Bündnisses ist für viele ein zeichen
für die Auflösung unserer Verbindung.
Politische
Entscheidungen wie etwa
der Beschluß Spaniens zur Verweigerung der stationierungsrechte für das
401. taktische Geschwader oder die
jüngste Abstimmung des dänischen Parlaments über Beschränkungen bei Kernwaffen auch auf Schiffen des Bündnisses untermauern diese Vermutung.
Fünftens herrscht die Auffassung
vor, wir gewährten denjenigen Verbündeten eine zu umfangreiche Unterstützung, die wirtschaftlich weniger begünstigt sind.
Die Amerikaner wundern sich, warum die wohlhabenderen
nördlichen NATO-Staaten nicht mehr
zur Unterstützung ihrer Partner an
der Südflanke tun.
Sechstens und letztens gibt es
die Meinung, daß unsere Verbündeten um es deutlich zu sagen - wohlhabend
genug sind, um mehr zu tun als sie
jetzt leisten.
Meiner Ansicht nach trifft ledig-

lich die letzte dieser Annahmen vollständig
zu.
Die anderen Annahmen
spiegeln - obwohl sie weit verbreitet
sind - bestenfalls eine Mischung aus
verzerrten Informationen und geringerem Verständnis wider.
Leider entbehren diese Annahmen
nicht jeder Grundlage.
Dennoch ist
diese Situation zu komplex, als daß
nur wenige allgemeingültige
Punkte
auch nur auf ein Land - umso weniger
auf alle Länder - zuträfen.
ich
möchte kurz auf jede der von mir erwähnten Annahmen eingehen und sie in
eine präzisere Perspektive rücken.
Erstens können sich die Vereinigten Staaten trotz ihrer angespannten
finanziellen
Lage das gegenwärtige
Niveau
ihrer
Verteidigungsausgaben
sehr wohl leisten.
Sie wenden zur
Zeit 5,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts (BSP) für die Verteidigung
auf.
Diese Zahl liegt unter dem
durchschnittlichen Anteil des BSP für
die Verteidigung in den vergangenen
fünfzig Jahren - ein Beweis dafür,
daß wir keine übermäßigen Beträge für
unsere nationale Sicherheit ausgeben.
Zweitens wird die Bedeutung der
NATO nicht durch die Tatsache verringert, daß die Vereinigten Staaten ein
Land mit weltweiten Interessen sind.
Unsere
Sicherheitspartnerschaft
mit
Europa bleibt unsere wichtigste Priorität.
Um es einfach auszudrücken:
ein unabhängiges Europa ist für unsere nationale Sicherheit insgesamt wesentlich - welche anderen Interessen
auch hinzugekommen sein mögen oder
noch hinzukommen mögen.
Drittens haben unsere Verbündeten
oftmals ihr Bewußtsein für die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen und
gegenseitiger Hilfe bewiesen. Die im
Gegenzug erfolgte Stationierung der
Mittelstreckenraketen (INF) ist dafür
ein Beispiel. Die Sowjetunion hätte
niemals ein Abkommen über den Abzug
ihrer SS-20 und aller anderen INF unterzeichnet, wenn die NATO nicht fest
zusammengehalten hätte.
Und es besteht Grund zu der Annahme, daß eine

- 3 -

�Reihe unserer Verbündeten - einzeln
und in manchen Fällen auch gemeinsam
- zunehmend die Bedeutung von Aktionen außerhalb der Grenzen des Bündnisses erkennen. Die Marineeinheiten
der fünf NATO-Länder sind jetzt im
Persischen Golf aktiv und schützen
die Freiheit der Schiffahrt auf diesem Seeweg, der für so viele unserer
Verbündeten von entscheidender strategischer Bedeutung ist.
Viertens
bildet die Verbindung
von unabhängigen Ländern in der NATO
den Hintergrund für ihre Stärke. Es
besteht kein Zweifel, daß einzelne
NATO-Staaten Entscheidungen getroffen
haben, die eine Herausforderung an
andere Hitglieder des Bündnisses darstellen, aber das Bündnis hat im Laufe seines Bestehens demonstriert, daß
es unter solchen Umständen die notwendigen Schritte unternehmen wird,
um die erforderlichen Fähigkeiten zur
Gewährleistung
der gemeinsamen Sicherheit zu erhalten. Wir sind daher
zuversichtlich im Hinblick auf das
Problem des 401. Geschwaders.
Fünftens wissen wir, daß Amerika
nicht allein innerhalb des Bündnisses
wirtschaftliche und militärische Hilfe gewährt.
Die Bundesrepublik unterhält umfangreiche Programme der
Militärhilfe für
Griechenland, die
Türkei und Portugal, und der Europarat gewährt diesen drei Ländern wie
auch dem Süden Italiens erhebliche
wirtschaftliche Unterstützung. Unsere europäischen Partner sollten diese
Anstrengungen weiterführen und ausweiten, um den weniger begünstigten
Mitgliedern des Bündnisses zu helfen.
Aber das stärkste Argument der
Amerikaner
betrifft
den
niedrigen
Stand der Verteidigungsausgaben unserer Verbündeten und die Überzeugung,
daß sie mehr tun können.
Der Prozentsatz des BSP, den jeder Verbündete für seine Verteidigung aufwendet,
ist ein höchst offensichtlicher und
aufschlußreicher Indikator aller Bemühungen
in dieser Hinsicht, auch
wenn er uns keine Informationen über
das liefert, was wir über den Beitrag

zur Verteidigung
sollten.

eines Landes wissen

Im Hinblick auf das Verhältnis
zum BSP ist der Unterschied zwischen
den Ausgaben der Vereinigten Staten
und ihren Bündnispartnern bemerkenswert:
außer den Vereinigten Staaten
wenden gegenwärtig nur Großbritannien
und Griechenland mehr als 5 Prozent
ihres BSP für ihre Verteidigung auf.
Amerika hingegen ist in den vergangenen fünfzig Jahren nur sieben Mal unter die 5 Prozent-Grenze gefallen,
und in den letzten zehn Jahren haben
wir unseren für die Verteidigung aufgewandten Teil des BSP um etwa 1,5
Prozent gesteigert - von etwas unter
5 auf 6,5 Prozent.
Unsere
Bilanz
wirtschaftlichen
Wachstums in den letzten 25 und den
letzten zehn Jahren zeigt, daß eine
Nation ihre Verteidigungsausgaben auf
oder über diesem Niveau halten - und
trotzdem einen Aufschwung erfahren kann.
In den vergangenen fünfzig
Jahren ist unser BSP von 100 Milliarden Dollar im Jahr 1940 auf mehr als
vier Billionen Dollar heute gestiegen.
Bemerkenswertes ist auch in den
sieben Jahren zu verzeichnen, in denen die Vereinigten Staaten unter der
5 Prozent-Grenze lagen.
Das erste
Mal stand - 1940 - der Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg unmittelbar bevor. Die nächsten drei Male
- 1948 bis 1950 - waren von der auf
den Krieg folgenden Demobilisierung
geprägt - und von der bevorstehenden
Invasion Südkoreas.
Die verbleibenden drei Jahre folgten auf das Ende
unseres Engagements in Vietnam, ein
Zeitalter unterschiedlicher Strömungen und Unentschlossenheit, das in
der
sowjetischen
Invasion Afghanistans und der Besetzung unserer Botschaft in Teheran seinen Höhepunkt
fand. Die Senkung der Verteidigungsausgaben kann gefährlicher sein als
wir für möglich halten.
Im Hinblick auf die Zukunft müssen
unsere
Bündnispartner
bereit
sein, mehr für ihre Verteidigung aus-

�zugeben.
Aber wir müssen nicht nur
unser Augenmerk darauf richten, wieviel wir ausgeben, sondern auch darauf, wofür wir es ausgeben.
Tatsächlich müssen zusätzliche Investitionen allein dem Bündnis noch keine
Vorteile bringen, wenn nicht andere
Schritte damit einhergehen.
Die Absicht meines gegenwärtigen
Besuchs in Europa besteht nicht darin, neue Vorschläge zu unterbreiten,
sondern vielmehr darin, die Bedeutung
der Verpflichtungen
zu unterstreichen, die von der NATO bereits eingegangen worden sind. In vielen Fällen
hat innerhalb der NATO eine gründliche Überprüfung ihrer militärischen
Schwächen stattgefunden. Das Bündnis
muß nunmehr
seine
Entschlossenheit
bekräftigen, um seine Schwächen auszugleichen und die Beseitigung dieser
Schwachstellen
zu
seiner
höchsten
Priorität erklären.
Dies erfordert folgende gemeinsame Verpflichtungen:
mehr Gewinn aus den derzeit getätigten Investitionen,
besser koordinierte Maßnahmen bei
Problemkreisen, die im Interesse
des gesamten Bündnisses liegen,
Erlangung
der
Ziele
bei
den
Streitkräften
und
Durchführung
der bereits vereinbarten Verbesserungen.
Zusammenarbeit im Bereich der Rüstung ist ein Beispiel für die Maßnahmen, die meiner Ansicht nach die
Leistung unserer Verteidigung steigern und Gewinne aus den gegenwärtig
für
die
Verteidigung
aufgewandten
Mitteln maximieren kann. Wie ich bereits dargelegt habe, erzielt die
NATO hier Fortschritte, aber es kann
noch mehr getan werden.
Das neue
NATO-System zur Planung konventioneller Bewaffnung sollte uns bei der
Harmonisierung unserer Waffenprogramme zu Hilfe kommen, so daß die Mittel
des Bündnisses wirkungsvoller eingesetzt werden können. Die Ausweitung

der gegenseitigen Austauschfähigkeit
unserer
Waffen- und
Kommunikationssysteme ist ein weiteres Gebiet, das
Nutzen für das gesamte Bündnis verspricht, genau wie die stärkere Integration der NATO-Streikräfte.
Die Entwicklung gemeinsamer politischer Maßnahmen über eine Vielzahl
von Problemen der Sicherheitspolitik
würde das Bündnis enorm stärken. Die
NATO muß beweisen, daß sie auch weiterhin zur Übernahme der gemeinsamen
Verteidigungslasten bereit ist.
Das
bedeutet, die Mitgliedstaaten müssen
die Streitkräfte und die verschiedenen Arten der grundlegenden unterstützungsmaßnahmen bereitstellen, die
das Bündnis benötigt - trotz der damit verbundenen unvermeidlichen Risiken und Unannehmlichkeiten.
Der Bedrohung des militärisch starken jedoch wirtschaftlich
schwachen Warschauer Paktes muß begegnet werden.
Die NATO muß auch zusammenarbeiten, um ihren technologischen Vorsprung zu erhalten und fortzuentwikkeln,
durch
den
die
zahlenmäßige
Überlegenheit der Sowjetunion und des
Warschauer Paktes ausgeglichen werden
kann.
Das bedeutet, zur Ausweitung
der gemeinsamen Nutzung von technologischem Fachwissen und Innovationen
innerhalb des Bündnisses zusätzliche
Schritte zu ergreifen - und ebenso
den Zustrom militärisch hochsensibler
Technologie in die Sowjetunion zu beenden, wo sie gegen uns gerichtet
wird.
Diese und andere Formen der Zusammenarbeit im Bündnis auf Gebieten
und zu Themenkreisen gemeinsamen Interesses - ob im Persischen Golf oder
beim Kampf gegen den Terrorismus
würden die Sicherheit eines jeden
Mitglieds im Bündnis stärken, und damit die gesamte Allianz.
Die NATO muß ferner größere Anstrengungen unternehmen, um gemeinsam
vereinbarte politische Maßnahmen und
Initiativen in die Praxis umzusetzen.
Das Bündnis muß im erforderlichen Umfang seine konventionellen und nu-

- 5 -

�klearen Streitkräfte aufrechterhalten
und modernisieren. Gerade die Bedeutung unserer konventionellen Streitkräfte ist durch unseren Erfolg beim
INF-Abkommen
unterstrichen
worden.
Die NATO muß auf den vor drei Jahren
in ihrem Programm zur "Verbesserung
der
konventionellen
Verteidigung"
festgelegten Gebieten auf Portschritte drängen. Das Bündnis muß seine
Betriebsreserven und Waffenlager aufstocken, um seine Kampfbereitschaft
und Infrastruktur zu stärken - durch
Erhalt des bestmöglichen Ertrags aus
den derzeit ausgegebenen Mitteln.
Beim Entwurf der Langzeitstrategie der NATO müssen sich alle Bündnis-Partner der Tatsache bewußt sein,
daß die Stärkung unserer Sicherheit
mehr Geld kosten wird - als direkte
Verteidigungsausgaben und in Form von
Militärhilfe für die wirtschaftlich
benachteiligten Verbündeten.
Dies ist auch keine unmögliche
Forderung. Es ist eine Tatsache, daß
Europa als Ganzes es sich leisten
kann, mehr für seine eigene Sicherheit auszugeben. Selbst die Vereinigten Staaten - die im Vergleich zum
Durchschnitt der europäischen NATOLänder derzeit nahezu das Doppelte
ihres Bruttosozialprodukts für Verteidigung aufwenden - könnten es sich
meiner Meinung nach leisten, mehr
auszugeben. Wie bereits gesagt, haben wir in den vergangenen fünfzig
Jahren fast immer mehr als heute für
die Verteidigung aufgewendet - und
gleichzeitig hat unsere Volkswirtschaft expandiert, und die Sozialhilfeleistungen wurden aufgestockt. Es
trifft schlicht und einfach nicht zu,
daß anstatt der derzeitigen 3 Prozent
3,5 oder 4 Prozent des BSP für Verteidigungsausgaben den europäischen
Volkswirtschaften
schaden oder zu
einer einschneidenden Kürzung bestehender
Sozialhilfeprogramme
führen
würden. Obwohl zweifelsohne niemand
damit andeuten will, daß eine solche
Verlagerung der Prioritäten überwacht
oder selbst in wenigen Jahren stattfinden könnte, so haben die amerikanischen Erfahrungen der vergangenen

zehn Jahre doch gelehrt, daß Anhebungen von einem Prozent des BSP über
einen solchen Zeitraum hinweg leicht
vorgenommen werden können, ohne den
Wohlstand zu gefährden.
Natürlich ist es sehr viel angenehmer, in öffentliche Sozialprogramme und privaten Luxus zu investieren.
Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß die sowjetische militärische
Aufrüstung allen Anzeichen nach unvermindert
fortgeführt wird.
Wir
sollten uns vorsehen und die Erfahrungen der "verweichlichten und wohlhabenden Provinzen" des Römischen
Reichs nicht wiederholen, die - wie
Gibbon lapidar formuliert - "alles
besaßen, was einen barbarischen Eroberer anzog und nichts, was ihn abhalten konnte".
Das Bündnis muß darauf hinarbeiten, ein solches Resultat zu vermeiden. Es kann sich ein Versagen nicht
leisten.
Unser vorrangiges ziel muß es
sein, die Abschreckung der NATO aufrechtzuerhalten - die nicht nur einen
Krieg verhindert, sondern auch die
sowjetischen Bestrebungen vereitelt,
einen Bündnis-Partner
zu nötigen,
einzuschüchtern oder
zu bedrohen.
Unsere gemeinsame Stärke war stets
der ausschlaggebende Faktor bei unserer Aufgabe, Freiheit und Sicherheit
der Länder des Bündnisses zu bewahren
- und sie ist das unerläßliche Fundament, auf das sich die entschieden
verbesserten Beziehungen mit der Sowjetunion gründen werden.

- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
7

Hintergrundmaterial

&lt;l7-,oN ^

11. Mai 1988

18

VERLAGERT MOSKAU WIRKLICH DEN SCHWERPUNKT AUF VERTEIDIGUNG?
Von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci

WASHINGTON - (AD) - Wie ernst ist es der Sowjetunion mit der Entwicklung
einer neuen Militärdoktrin, die Verteidigung betont und von ihren amtlichen
Vertretern als Konzept des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus" der
Streitkräfte bezeichnet wird?
Nach meinem kürzlichen Treffen mit Verteidigungsminister General Dimitri T. jasow bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
sowjetische Regierungsvertreter trotz der fortbestehenden großen Kluft zwischen Realität und Rhetorik zumindest eingehend über einen solchen Wandel reden.
Moskau
scheint das militärisch
"ausreichende Niveau" immer noch als
sehr
umfassend
zu betrachten
und
zeigt
keinerlei
Neigung,
seine
Streitkräfte zu reduzieren, außer in
Zusammenhang mit gegenseitigen Abrüstungsvereinbarungen.
Bevor die vereinigten Staaten eine Lockerung ihres
Verteidigungskonzepts
in
Erwägung
ziehen könnten, müßte es überzeugende
Beweise eines Wandels im offensiven
Charakter
der sowjetischen Streitkräfte und eine Bereitschaft zu einseitigen Reduzierungen geben, um diese Streitkräfte auf ein dem Westen
vergleichbares Niveau zu bringen.
Dies heißt nicht, daß in unseren
Gesprächen
nichts
erreicht
wurde.
Schon
das
Abhalten
eines
solchen
Treffens - dem ersten zwischen den

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Embassy of the United States of America

führenden amerikanischen und sowjetischen
Militärvertretern
nach
dem
Krieg - schuf einen wichtigen Präzedenzfall und verhalf uns zu einem
besseren Verständnis der Standpunkte
des anderen. Aber die Gespräche ergaben keinen konkreten Beweis für
einen Wandel in der Doktrin.
Obwohl er für die nähere Zukunft
keine größeren Veränderungen bei den
sowjetischen
Streitkräften und den
Militärausgaben in Aussicht stellte,
deutete General jasow doch eindeutig
an, daß gegenwärtig eine defensive
Doktrin umgesetzt werde und bei den
Streitkräften Veränderungen offen zutage treten würden.
Ich wies General Jasow darauf
hin, daß die sowjetischen Militäraus-

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�gaben unseren vorsichtigsten Schätzungen zufolge nach Abzug der Inflationsrate immer noch um etwa drei
Prozent jährlich ansteigen, während
der Verteidigungshaushalt der Vereinigten Staaten
in den vergangenen
Jahren real um 11 Prozent abgenommen
hat.
Ich fügte hinzu, daß die Einschätzung
des ehemaligen Verteidigungsministers Harold Brown weiterhin
zuzutreffen scheint: Wenn wir aufrüsten, rüstet auch die Sowjetunion
auf; wenn wir aufhören, rüstet die
Sowjetunion weiter auf.

sionen unterstützt werden.
Abbau anderer offensiv ausgerichteter Fähigkeiten, wie etwa einer
großen und wachsenden Zahl militärischen Geräts, das in vorderen
Gebieten
stationiert
ist, beträchtlichem Material zum Brükkenbau
und Pioniereinheiten
in
Osteuropa
und
der
anhaltenden
Aufrüstung
von
Reserveeinheiten
des Heeres zu einem aktiven Status im Warschauer Pakt. All dies
stärkt Moskaus Fähigkeit zur Invasion der NATO-Staaten.

Wenn Moskau wirklich ein defensives
Verteidigungskonzept
einführen
möchte,
dann
könnte
es
mehrere
Schritte
unternehmen,
ohne
seine
eigene Sicherheit zu gefährden, darunter die folgenden:
Beseitigung
der
zahlenmäßigen
Überlegenheit
des
Warschauer
Pakts gegenüber der NATO bei panzern, Artillerie und anderen Offensivwaffen.
Der
Ostblock
hat
bei
seinen
Streitkräften
einen
in
besonderem
Maße bedrohlichen Vorteil, der zur
Invasion, Annexion und Besetzung von
Territorium
in
Westeuropa
genutzt
werden könnte. Dazu übersteigen die
Waffenarsenale berechtigte Verteidigungserfordernisse bei weitem.
Abzug von Luftlandeeinheiten aus
Europa und drastischer Abbau der
vergleichsweise großen zahl luftgestützter Streitkräfte, die in
der
Sowjetunion
aufrecherhalten
v/erden.
Luftlandeeinheiten
spiegeln
den
offensiven Charakter der sowjetischen
Militärmacht wider.
Allein in der
DDR unterhält die Sowjetunion genügend Einheiten, um eine vollständige
Luftlandedivision
aufzubauen.
Eine
solche Division könnte rasch durch
zahlreiche ähnliche in Osteuropa und
der Sowjetunion stationierte Brigaden
und Bataillione Verstärkung erhalten
oder von den sieben weiteren vollbemannten
sowjetischen
Luftlandedivi-

Gemeinsam
mit
den
Vereinigten
Staten der Abbau von Nuklearwaffen
längerer
Reichweite
durch
einen Vertrag zum Abbau strategischer Waffen und Anhebung des
Beitrags zur effektiven strategischen Verteidigung gegen einen
Angriff ballistischer Raketen.
Die Sowjetunion behält weiterhin
eine große Zahl silogestützter Interkontinentalraketen
für einen Erstschlag bei. Die sowjetische Bereitschaft, gemeinsam mit uns eine Verlagerung
von
den
Offensivwaffen
zu
einem
größeren
Vertrauen
auf
die
strategische
Verteidigung
vorzunehmen, würde zu unserer beiderseitigen
Sicherheit und insgesamt zu einer
sicheren Welt beitragen.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin gespannt auf Zeichen wie" diese, mit denen bewiesen würde, daß
sich die sowjetische Militärdoktrin
verändert hat.
In der Zwischenzeit
betrachten wir den Dialog über militärische Angelegenheiten als nützlich
und beabsichtigen dessen Fortführung.
Die Sowjetunion hat ihren Anteil
an Leid
in Kriegszeiten kennengelernt, und niemand mißgönnt ihr ein
Militär, das die nationale Sicherheit
der Sowjetunion stärkt. Aber Moskau
kann seine Sicherheit ohne seine gegenwärtig gezeigte aggressive Doktrin
und offensive Haltung gewährleisten.
Bis jetzt haben wir lediglich sowjetische Forderungen nach einer Umwand-

- 2 -

�lung der Doktrin vernommen. Auf die
schlagkräftigen
Beweise warten wir
noch.

* * * * *
- 3 -

i

4

�AMERIKA DIENST
"VoN^

Wissenschaft und Technik

11. Mai 1988

18

RAUSCHGIFT BEDEUTET SELBSTZERSTÖRUNG
- Aufklärung und Erziehung zur Abwehr muß im Kindesalter beginnen - (AD) - Alkohol und Rauschgift - "ein vielschichtiges und mehrdimensionales Problem, das alle Mitglieder der Gesellschaft angeht". Allein die Rauschgifte verursachen Amerika jährlich Kosten von mehr als zwei Milliarden Dollar,
erklärte Peter Bell, ein prominenter Teilnehmer aus Minnesota an der vom Weissen Haus veranstalteten "Konferenz für ein drogenfreies Amerika". uas Präsidentenpaar eröffnete die Tagung, zu der mehr als 2 000 Teilnehmer aus allen
amerikanischen Bundesstaaten nach Washington gekommen waren. In ihren Heimatstaaten arbeiten sie als Lehrer oder Geschäftsleute, als Eltern und junge Menschen in kommunalen und staatlichen Programmen zur Vorbeugung gegen die Sucht,
oftmals auch als freiwillige Betreuer von Gefährdeten und suchtkranken in Therapieprojekten.
Aufklärung
und Information der
Öffentlichkeit, Schärfung des allgemeinen Bewußtseins für die Gefahren
von
Alkohol
und Drogen
erfordern
auch,
wie
Nancy
Reagan
fordert,
selbst den gelegentlichen Rauschgiftkonsum strikt abzulehnen.
Denn er
führe nur zu leicht zum suchterzeugenden Konsum.
"Es gibt keinen Zwischenweg", sagte sie, und deshalb muß
die Nachfrage nach Drogen gestoppt
werden.
Das sei ebenso wichtig wie
die Unterbindung von Schmuggel und
Handel. Nach dem Ende der Präsidentschaft
ihres Mannes wird
sie im
"Nancy Reagan Center" in Los Angeles,
einer Institution der Therapiezentren
"Phoenix House", aktiv mitarbeiten.
Zu dieser Einrichtung gehört eine
weiterführende
Schule mit Internat
für junge Menschen, die sich der

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Embassy of the United States of America

langwierigen Therapie und Rehabilitation unterziehen, ferner eine Pädagogik- und
Trainingsabteilung
sowie
eine Forschungsbereich.
Das Zentrum
solle zu einem Ort werden, wo neue
Methoden entwickelt, neue Wege erprobt und neue Antworten gefunden
werden.
Präsident Reagan verwies darauf,
daß in den vergangenen sieben Jahren
zum ersten Mal in den Vereinigten
Staaten
koordinierte Kampagnen von
Dienststellen des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen gegen den
Drogenschmuggel geführt wurden. Polizei und Zoll wurden verstärkt, militärische Einheiten zu Lande, zu
Wasser und in der Luft einbezogen.
Dieser Zusammenarbeit ist es unter
anderem zu verdanken, daß 1987 Dro-

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�genfahnder der amerikanischen Bundesregierung Sachwerte und Guthaben von
Drogenkriminellen im Wert von mehr
als 500 Millionen Dollar konfiszierten. 683 geheime Drogenlabors wurden
geschlossen und 41 768 kg Kokain beschlagnahmt.
Die
Gefängnisstrafen
für
Rauschgiftdelikte
wurden
drastisch erhöht, die Zahl der Verhaftungen stieg in den letzten Jahren um
66 Prozent, die von Rädelsführern der
Händlerringe sogar um das Dreifache.

Einstiegsdroge Marihuana
Marihuana gilt bei manchen noch
immer als nahezu harmlose
"weiche
Droge". Das ist sie aber nicht, und
zwar
in
doppelter
Hinsicht:
Zum
einen weckt sie beim Konsumenten den
Drang zur Wiederholung des Rauscherlebnisses und bahnt so den Weg zum
Einstieg in härtere Drogen bis hin
zum Heroin.
Zum anderen sind Haschisch-Zigaretten auch unter medizinischen Aspekten gefährlich.
Denn
sie belasten zum Beispiel die Lunge
mindestens fünfmal stärker mit Kohlenmonoxyd und Ablagerungen als gewöhnliche
Zigaretten.
Fast
8 000
Studien belegen inzwischen, was im
menschlichen Körper durch Marihuana
alles geschädigt werden kann - von
den Zellen über das Gehirn bis zu den
Fortpflanzungsfunktionen.
Aufgrund
solcher Befunde und Erfahrungen haben
in den USA Bestrebungen zur Legalisierung von Marihuana keine Aussicht
mehr auf Erfolg.
Dennoch bereitet der illegale Anbau von Cannabis in den USA dem amerikanischen Bundesamt für Rauschgiftbekämpfung (Drug Enforcement Administration - DEA) erhebliche Sorgen.
Wo immer solche Kulturen ausgemacht
werden, werden sie vernichtet.
Im
vergangenen Jahr waren es mehr als
7,4 Millionen Pflanzen, gegenüber 4,7
Millionen im Jahr 1986. Bei den Sinsemilla-pflanzen wurden 1987 ca. 72
Prozent mehr als 1986 vernichtet.
Diese haben einen besonders hohen Gehalt an THC (Tetrahydrocannabiol),
dem aktiven Bestandteil von Marihua-

na.
Hauptanbaugebiete sind Kalifornien, Tennessee und Hawaii.
im Zusammenhang mit den Vernichtungsaktionen wurden im vergangenen Jahr 6 502
Personen verhaftet und 1 728 Waffen
sichergestellt.
Aber Untersuchungen von Mitarbeitern des amerikanischen Außenministeriums zufolge sind die Vereinigten
Staaten dem Bericht zur internationalen Strategie für Suchtmittelkontrolle (International Narcotics control
Strategy) nach Mexiko und Kolumbien
noch immer drittgrößter Erzeuger von
Marihuana.
Hauptsächlich in den lateinamerikanischen
Ländern
wurden
1987 Mengen im Umfang 11 000 und
17 000 Tonnen produziert, wovon ein
erheblicher Anteil in die USA eingeschmuggelt wurde.
Nur Jamaika und
Belize gelang es, den Cannabis-Anbau
drastisch zu reduzieren.
in den übrigen
lateinamerikanischen
Ländern
stieg der Anbau trotz umfangreicher
Vernichtungsaktionen um 25 Prozent an.

Europa wird mit Kokain überschwemmt
Der stellvertretende DEA-Administrator, David L. Westrate, äußerte
sich kürzlich in einem vom US-Informationsamt (USIA) für Worldnet vermittelten Interview mit europäischen
Spezialisten für Drogenbekämpfung zu
der Kokainwelle, die jetzt offensichtlich Europa überschwemmt.
Sinkende Profite auf dem amerikanischen
Kontinent hätten die Händler veranlaßt,
ihre Methoden
einschließlich
der Verteilungsstrategie zu ändern,
und Europa stärker ins Visier zu nehmen, vor etwa fünf Jahren sei in den
USA ein Kilogramm Kokain für 60 000
Dollar verkauft worden. Heute bringt
in New York, Los Angeles oder Miami
die gleiche Menge nur noch 9 000 Dollar, in Europa dagegen ca. 40 000
Dollar.
Diese
"Profitdynamik" gefährde nicht nur Europa, sondern auch
Japan und Australien. Zwar wurden in
Europa 1987 mit 2,5 Tonnen Kokain und
drei Tonnen Heroin erhebliche Mengen
beschlagnahmt. Aber dies sind erfahrungsgemäß nur zehn bis 15 Prozent

�der Mengl, die tatsächlich abgesetzt
werden.

.
i

i

Selbst in den Anbauländern schaffe Kokain in seinen verschiedenen
Produktionsstufen
inzwischen
ebenfalls erhebliche Drogenprobleme. Als
Beispiel nannte Westrate in Kolumbien
"Bazooka", ein Derivat der Kokapaste.
Auf "Crack" angesprochen, erklärte
Westrate, weshalb er diese Droge für
besonders gefährlich halte: Sie werde aus Kokainbase, der Vorstufe zum
eigentlichen
Rauschgift
(Kokainhydrochlorid),
hergestellt.
In den
Vereinigten Staaten seien wegen der
großen Nachfrage nach "Crack" die
Händler sogar dazu übergegangen, diese letzte Stufe wieder in Base zurückzuverwandeln, weil Kokain nur in
dieser Form geraucht werden könne.
Der Rauch werde inhaliert und erreiche somit das Gehirn ebenso schnell
wie Sauerstoff. Beim Schnupfen dagegen dauerte es länger, bis das Rauschmittel absorbiert werde. "Crack"
hat verheerende Auswirkungen auf den
Blutdruck und führt häufig zu Schlaganfällen, Herzinfarkt oder schweren
Herzattacken.
Außerdem bewirkt es
noch stärker als Kokainhydrochlorid
eine zwanghafte Sucht - manche behaupteten, stärker noch als Heroin.
Westrate äußerte sich auch besorgt über den wachsenden Konsum von
Aufputschmitteln wie Amphetamin und
neuerdings von Metamphetamin, das man
als "Kokain des armen Mannes" bezeichnet. Unter den «83 im vergangenen Jahr ausgehobenen Geheimlabors
hatten 615 Metamphetamin hergestellt,
Angesichts dieser Umstände kommt der
Vorbeugung, die bei den Kindern einsetzen müsse, allergrößte Bedeutung
zu.
Zwar sei die Tatsache ermutigend, daß in den vereinigten Staaten
unter Oberschülern der höheren Klassen in letzter Zeit der Kokainkonsum
erstmals zurückgegangen ist.
Aber
unter
den Acht- bis
Zwölfjährigen
nehme der Konsum von Kokain und anderen Drogen zu, so daß Therapie, Rehabilitation, Aufklärung und Schulung
immer wichtiger werden und natürlich
auch mehr Personal und Zeit erfordern.

Dem Internationalen Strategie-Bericht zufolge haben sich die lateinamerikanischen Länder noch nicht zur
Vernichtung
von Kokaplantagen
mit
Herbiziden entschließen können, obgleich die 1987 durchgeführten Tests
gute
Ergebnisse
zeitigten.
Diese
Haltung dürfte dem Druck durch Händlersyndikate
zuzuschreiben
sein.
Ähnliches zeigt sich in bezug auf die
Vernichtung von Marihuanapflanzen in
Kolumbien und von Schlafmohn zur
Opiumgewinnung
in
Mexiko.
Man
schätzt heute, daß 1987 in den Anden
zwischen 162 000 und 211 400 Tonnen
Kokablätter produziert wurden.
Heroin
Dem internationalen Strategie-Bericht über Suchtstoffkontrolle zufolge nahm die Opiumproduktion im Jahr
1987 weiter zu, wobei Opium aus der
Region "Goldener Halbmond", insbesondere aus Afghanistan mit 735 bis
1 360 Tonnen den größten Anteil hatte. In Pakistan machte die Opiumgewinnung in Gebieten von Volksstämmen,
die gegenwärtig von der Regierung
nicht kontrolliert werden können, die
Bemühungen um strikte Reduzierung im
übrigen Land durch Sprühaktionen von
Flugzeugen aus nahezu zunichte. Seit
1980 hat in Pakistan selbst der Heroinmißbrauch stark zugenommen. Zur
Zeit rechnet man dort mit ca. 660 000
Süchtigen.
Rechtsvollzug und Fahndung sind in Pakistan nach wie vor
schwach. So war es bisher nicht möglich, die Herstellung von Heroin und
den Handel mit dem Rauschgift zu
stoppen.
Nicht ganz so drastisch nahm in
Südostasien die Opiumproduktion zu,
obgleich die Region mit Kulturen in
der Größenordnung von 1 095 bis 1 575
Tonnen nach wie vor als der Welt
größter Opiumproduzent zu gelten hat.
Nur in Thailand wurde in den letzten
Jahren der Anbau stark eingeschränkt.
Dennoch ist Thailand ein bedeutendes
Transitländ für Heroin. Hauptlieferant für den amerikanischen Markt ist
gegenwärtig Mexiko.

- 3 -

�Seit Mitte März 1988 verlieren
amerikanische Staatsbürger, die beim
Handel mit Rauschgift erwischt werden, ihren Paß.
In einigen Bundesstaaten wird Personen, die man im Besitz von Rauschgift findet, der Führerschein abgenommen. Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin für internationale Suchtstoffprobleme im amerikanischen Außenministerium, forderte erneut mehr und engere Zusammenarbeit
auf
internationaler
Ebene, um die
Macht der Händlerringe und der Drogenbosse zu brechen: "Jedes Land ist
gefährdet, denn Drogen und Drogengelder korrumpieren, unterminieren und
liefern
Geldmittel für
Gewalttaten
und
Einschüchterungsaktionen.
Und
sie drohen jene zu paralysieren, die
beauftragt sind, das Richtige zu tun.
Wir alle haben den Schaden, wenn ein
Land zur Geisel des Drogenhandels
wird. Wir alle leiden, denn das ist
ein Krebsgeschwür, das sich in der
Völkerfamilie ausbreitet und jegliche
Stabilität bedroht."

* * * * * *

- 4

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bündnis spielt entscheidende Rolle beim Konzept&lt;br /&gt;der Lastenteilung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verlagert Moskau wirklich den Schwerpunkt auf Verteidigung?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rauschgift bedeutet Selbstzerstörung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufklärung und Erziehung muß im Kindesalter beginnen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

18.

19

Mai 1 9 8 8

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan 'zuversichtlich* ober die Zustimmung
- Pressekonferenz des Präsidenten -

des Senats zu INF

Shultz;
INF 'vorteilhaft" fflr Vereinigte Staaten und NATO
- Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats Shultz; Technische Probleme der Verifizierung von INF gelSst
- Erklärung des amerikanischen Außenministers in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung
- Ein Produkt der Gentechnik -

* * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19

18. Mai 1983
REAGAN "ZUVERSICHTLICH" ÜBER DIE ZUSTIMMUNG DES SENATS ZU INF
- Pressekonferenz des Präsidenten -

VIASHINGTON - '• \D) - Präsident Reagan erklärte, er sei "hoffnungsvoll und
zuversichtlich", cViß der Senat angesichts der Aufnahme seiner Debatte über den
INF-Vertrag am 17. Mai ebenfalls zu der Ansicht gelangt, daB es sich bei dem
Vertrag um einen 'diplomatischen Meilenstein" handelt und seine Zustimmung zur
Mitwirkung der Ver einigten Staaten geben wird.
Bei seinem übt rraschenden Auftritt im Besprechungszimmer des Weißen Hauses
am 17. Mai versprach der Präsident dem amerikanischen Volk ebenfalls einen umfassenden Bericht über die Verhandlungen zur Absetzung des panamaischen Machthabers Manuel Noriega und begrüßte die Verbesserungen in der amerikanischen
Außenhandelsbilanz.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz:
Ich
möchte
heute
eine
kurze
Stellungnahme abgaben. Zunächst einmal freue ich mi :h darüber, daß der
Mehrheitsführer im Senat, Bob Byrd,
und der Führer iier Republikanischen
Partei,
Bob
Dole,
übereingekommen
sind, Überlegungen zu einem Vertrag
anzustellen, mit dem eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen beseitigt
wird. Dieser im vergangenen Dezember
unterzeichnete Vertrag hat die amerikanisch-sowjetischen
Gespräche
über
Waffensysteme
auf einen
Kurs gebracht, der über Rüstungskontrolle
hinausgeht und eine echte Reduzierung
von Nuklearwaffen ansteuert.

der Ansicht gelangen wird, daß dieser
Vertrag einen diplomatischen Meilenstein darstellt und seine Zustimmung
zur Mitwirkung der Vereinigten Staaten gibt.

Ich bin hoffnungsvoll und zuversichtlich, daß der Senat nach sorgfältigen
Überlegungen ebenfalls zu

Vor einigen Tagen habe ich vom
Kongreß eine Vorlege für ein Handelsgesetz erhalten, meine Botschaft an

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zweitens gab es gute Neuigkeiten
in der Handelsbilanz von März, die
besten Neuigkeiten in diesem Bereich
seit März 1985. Mit dem um 4 100
Millionen Dollar gesunkenen Handelsdefizit und den um 5 400 Millionen
Dollar gestiegenen Exporten ist dies
ein eindeutiger Beweis dafür, daß die
Handelsbilanz sich mit unserer weiterhin wachsenden Wirtschaft verbessert.

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�den Kongreß wird gegenwärtig noch
überprüft, und ich rechne in einigen
Tagen
mit
ihrer
Veröffentlichung.
Aber die Neuigkeiten von heute unterstützen das, worauf wir schon immer
hingewiesen haben - daß dies nicht
die Zeit ist, um dem Handel Bechränkungen
aufzuerlegen,
Anreize
für
freie und offene Märkte zu verringern
oder Arbeitsmöglichkeiten zu eliminieren. Wir wollen mehr, nicht weniger Arbeitsplätze, und wir wünschen
uns einen Arbeitsmarkt, der allen arbeitsfähigen Männern und Frauen offensteht.
Ich bin bereit, mir die Xrmel
aufzukrempeln und wieder einmal gemeinsam mit dem Kongreß ein Handelsgesetz zu erarbeiten, mit dem diese
Tendenz zur weiteren Schaffung von
Arbeitsplätzen und zu größerem wirtschaftlichen
Wachstum
fortgesetzt
werden kann.
Frage:
Herr Präsident, warum haben
Sie ihre Zustimmung dazu gegeben, daß
die Anklage gegen General Noriega wegen
Drogengeschäften
fallengelassen
wird? Liefert das nicht den Demokraten
Munition
für
die
Präsidentschaftskampagne?
Antwort:
Nicht
wenn
sie warten,
bis es etwas zu erklären gibt. Wir
verhandeln gerade, und ich kann keinen Kommentar über laufende Verhandlungen abgeben. Ich wäre dumm, wenn
ich das täte. Manche Dinge muß man
für sich behalten, wenn man mit jemandem argumentiert. Zu einigen Diskussionspunkten ist noch keine Entscheidung getroffen worden, und ich
muß sagen, daß vieles von dem, was
Sie als Berichte behandelt haben, auf
irgendwelchen undichten Stellen oder
Fehlinformationen
beruht,
weil
es
keine Tatsachen gibt, die dies belegen.
Frage: Wenn Sie diesen einen Punkt
noch klären könnten: haben Sie zugestimmt, daß die Anklage gegen irgendein Vergehen Noriegas fallengelassen
wird?

Antwort:
Ich muß wiederum sagen,
daß man bei Verhandlungen - und ich
habe 25 Jahre lang als Gewerkschaftsvertreter an Verhandlungen über Arbeitsbeziehungen mitgewirkt - nicht
der Öffentlichkeit preisgibt, worüber
verhandelt wird.
Frage:
Herr Präsident, jetzt, wo
die
Konservativen
in
Gestalt
der
Washington Times Justizminister Edwin
Meese über Bord geworfen haben, wo im
Ministerium die Moral nachläßt und
das Justizministerium im Land im Hinblick auf seine Integrität an Respekt
verliert - stehen Sie immer noch hinter Meese und haben volles Vertrauen
zu ihm, oder werden Sie ihn aus dem
Amt drängen?
Antwort:
Nein,
Vertrauen zu ihm.
Frage:

ich

habe

volles

Warum?

Antwort:
Weil zwar viele Anschuldigungen erhoben wurden, aber nichts
bewiesen worden ist, und ich habe
keine Beweise für irgendein Fehlverhalten seinerseits, das in den umherschwirrenden Anschuldigungen erkennbar wird.
Und meiner Ansicht nach
sollten Sie gerade über dieses Thema
mit ihm persönlich sprechen.
Ich
denke, daß es im Hinblick auf diese
jüngste Anschuldigung mehr gibt, als
wir uns unmittelbar vorstellen.
Frage:
Was meinen Sie damit?
Worauf beziehen Sie sich?
Heißt das,
Eastland hat etwas getan, um den Justizminister in ein falsches Licht zu
rücken?
Antwort:
Nein, er hat selbst eine
Erklärung abgegeben, daß es bei allem, was geschehen ist, keine Animositäten gegeben hat. Aber ich denke,
Sie sollten mit dem Justizminister
darüber sprechen.
Frage:
Besteht die Rolle des Pressesprechers nun darin, Verteidiger zu
sein?
Antwort:

Nun,

jemand

hat

Spekula-

�tionen darüber abgegeben, daß all
dies einen Grund hatte. Und ich denke, Sie sollten mit dem Justizminister sprechen.

und in den Nachrichten davon gehört.

Frage:
Herr
Präsident, wenn
Siei
nichts zu den Verhandlungen mit Noriega sagen können, möchte ich Siei
dennoch über ihre politischen Zielet
befragen.
Sie haben in der Vergangenheit gesagt, das Ziel bestünde ini
einem
Machtverlust
Noriegas.
Bei
verschiedenen Geelgenheiten haben Sie&gt;
davon gesprochen, er solle das LandJ
verlassen, und bei anderen Gelegenheiten haben Sie das vermieden. Besteht ihr Ziel nicht nur darin, daß5
Noriega die Macht abgibt, sondern1
auch, daß niemand von seinen KumpanenI
in seinem Namen Macht ausübt?

Antwort:
...und
nein,
ich
werde
nichts von dem aufgeben, was wir dort
durchzuführen versuchen.

Antwort:
Ich sagte, dazu würde ichi
keinen Kommentar abgeben, aber etwas3
kann ich doch kommentieren. Wir sind3
daran interessiert, daß in Panama diei
Demokratie
wiederhergestellt
wird..
Es hat nicht etwa mit diesem Mann angefangen, sondern bereits vor einigerr
Zeit rangierte unter jemand anderemn
der Befehlshaber der Nationalgarde ini
Panama plötzlich vor dem Präsidenteni
und hat der Regierung Vorschrifteni
gemacht. Unserer Ansicht nach ist ess
Zeit, daß die Demokratie in Panamaa
wiederherstellt wird.
Und das istt
das Ziel unserer Verhandlungen.
Frage:
Wenn jemand Kontrolle überr
die Regierung ausübt - wenn Noriegaa
der Drahtzieher im Hintergrund ist können Sie das akzeptieren?
Antwort:
Nicht, wenn wir die Demokratie in Panama neu errichtet haben.
Aber ich kann dazu keine weiterenn
Kommentare abgeben. Wir befinden unss
inmitten echter Verhandlungen.
Frage:
Dennoch besteht die Furcht,
,
daß ein Ausverkauf stattfindet.
Man
n
fürchtet, daß Sie einem Pakt zustimmen, der unter dem Feigenblatt derr
Wiederherstellung von Demokratie Noriega an der Macht läßt.
Antwort:

Ich

habe

all

das

Frage:
Nun, wenn Sie dazu
Stellung nehmen möchten...

nicht

Frage:
Herr Präsident, es hat auch
Anschuldigungen gegeben, wonach diese
Regierung von Drogengeschäften in Zusammenhang mit dem Contra-Nachschub
wußte - möglicherweise eine illegale
Operation zur Beschaffung von Nachschub für die Contras.
Können Sie
uns und den Kongreßausschüssen, die
diese Frage untersucht haben, versiehern, daß weder die Regierung noch
die CIA oder irgendeine andere Behörde dieser Regierung an Drogenschmuggel beteiligt waren, für den dieselben Flugzeuge benutzt wurden, die
Waffen für die Contras transportierten?
Und führen Sie Untersuchungen
durch - falls Sie nicht darüber Bescheid wußten -, um herauszufinden,
ob an diesen Behauptungen irgendetwas
wahr ist?
Antwort:
Alles, was
ich
darüber
wußte, bevor eine Anklage erhoben
wurde, die sich offensichtlich auf
ausreichendes Beweismaterial stützte
- daß früher Gerüchte aufgetaucht waren, wonach er Informationen über die
Situation in Mittelamerika lieferte wie ich glaube an unseren Nachrichtendienst CIA. Es gab Gerüchte über
mögliche Drogengeschäfte - aber niemand war je in der Lage, diesen Gerüchten Substanz zu verleihen.
Und
dann geschah dieses letzte Ereignis,
und es ist mir nicht klar, ob er gerade damit angefangen hatte oder ob
die ganze Sache schon länger lief.
Frage:
Aber es gibt weitere Anschuldigungen, denen
zufolge
diese
Regierung in Drogenschmuggel mit denselben Flugzeugen verwickelt ist, mit
denen Waffen an die Contras geliefert
wurden, ohne daß Noriega dabei eingeschaltet war.
Wußten Sie etwas davon? Ist irgendetwas davon wahr?

gelesen
- 3 -

�Antwort:
Nein.
Nein, das einzige,
das ich wußte, war, als wir durch
eine
Geheimoperation
herausfanden,
daß die Sandinisten Drogen aus ihrem
Land herausschmuggelten, und leider
wurde der Pilot des bei dieser Operation benutzten Flugzeuges kurz darauf
in einer amerikanischen Stadt niedergeschossen. ..
Frage:
Aber Sie gehen diesen
sten Anschuldigungen nach?
Antwort:

jüng-

Ja, das tun wir.

Frage:
Herr Präsident, wie können
Sie, wenn man ihre harte Linie zu Beginn der Entwicklung in Panama berücksichtigt - als Sie sagten, Noriega müsse außer Landes gehen und
daß die Dominikanische Republik dafür
nicht weit genug entfernt sei und unter Berücksichtigung unserer Anerkennung von Delvalle als Präsident - wie
können Sie irgendeinen Kompromiß eingehen, ohne dabei Ihre ursprünglichen
politischen Ziele aufzugeben?
Antwort:
Ihre Frage würde wiederum
zu etwas führen, was gegenwärtig diskutiert wird. Und ich kann Ihnen nur
sagen,
daß
wir
einfach
niemanden
reinwaschen werden.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
wiederholt verneint, daß die Astrologie irgendeine Rolle bei der Festlegung der Politik gespielt habe, aber
Sie sind der Frage ausgewichen, ob
sie eine Rolle bei der Festlegung von
Terminen gespielt hat. Neben Mr. Regan hat eine Reihe von Mitarbeitern
angedeutet, daß Astrologie Einfluß
auf die Terminplanung hatte, darunter
auch das Datum für die Unterzeichnung
des INF-Vertrages.
Warum haben Sie
so etwas zugelassen?
Antwort:
So etwas ist nicht geschehen.
Und diese ganze Geschichte
geht auf eine Geschichte zurück, bei
der gedruckt wurde, daß dies mit der
Terminierung einer meiner Operationen
zusammenhänge. Nun, es ist überhaupt
nichts von der Art geschehen.

Und
Sie wissen
auch, daß es
nichts damit zu tun hatte, als ich
als Gouverneur eingeführt wurde, daß
ich den Amtseid um Mitternacht ablegte - genauer, eine Minute nach Mitternacht. Als ich damals zum ersten
Mal zum Gouverneur gewählt wurde, begann der noch amtierende Gouverneur,
den ich besiegt hatte, verschiedene
befristete Stellungen und Richterposten zu besetzen. Dies nahm ein solches Ausmaß an, daß ich bei meinem
Amtsantritt eine völlig neue Regierung vorgefunden
hätte.
Nun, ich
konnte nicht viel daran ändern. Bis
zu meiner Einführung war er noch im
Amt.
ich fragte den Leiter meiner
Wahlkampagne, Bill Roberts, wann der
frühestmögliche
Termin
für
meinen
Amtsantritt
sei.
Und er erklärte
mir:
"Eine Minute nach Mitternacht
am Abend vor der feierlichen Einführung." Und ich erwiderte: "Ich werde eine Minute nach Mitternacht meinen Eid ablegen." So geschah es dann
auch, und so konnte ich zumindest
einen halben Tag früher die Besetzung
von Ämtern stoppen, weil ich ihm dazu
keine Zeit mehr ließ, denn am nächsten Nachmittag wurde ich in mein Amt
eingeführt.
Frage:
Wir
sprechen
von
einigen
bestimmten
Vorfällen.
Bestreiten
Sie, daß weder Sie noch Mrs. Reagan
zu irgendeiner Zeit hier im Weißen
Haus mit Hilfe der Astrologie Termine
für Reisen oder die Unterzeichnung
des INF-Vertrages festgesetzt haben?
Ich muß sagen, daß dies dem widerspricht, was uns von vielen ihrer Berater gesagt wurde.
Antwort:
Nun, ich kann ihnen nur
erzählen, daß ich nach den Schüssen
auf mich, die sicherlich eine traumatische Erfahrung für meine Frau bedeuteten ...
Frage:

Und für Sie.

Antwort: ... Nein, ich war zuversichtlich, daß ich mich wieder erholen würde. Außenstehende können das
nicht wissen. Aber ein Freund - sie
bekam damals viele Anrufe von Freun-

- 4 -

�den - ein Freund rief an und sagte,
er hätte sich gewünscht, vorher gewußt zu haben, was ich an diesem Tag
unternehmen wollte und er erwähnte
jemand, der gesagt habe, das alle
Zeichen schlecht gewesen seien u.s.w.
Und Nancy litt unter diesem Trauma, das nicht so leicht zu überwinden
war, und so kam es für eine kurze
Zeit, daß sie bei ähnlichen Terminen
wie dem, bei dem ich angeschossen
wurde, fragte, wie es denn aussehe.
Aber es wurden niemals irgendwelche
Änderungen vorgenommen.
Frage:
Aber warum die
nung des INF-Vertrages?
Antwort:

Unterzeich-

Wie bitte?

Frage:
Warum ein
Unterzeichnung ...

Ereignis

wie

die

Antwort:
Hein, die war davon nicht
betroffen.
Das
war
wiederum
nur
Schall und Rauch, und wir haben keine
Entscheidungen auf dieser Grundlage
getroffen, wir stellen unser Leben
nicht darauf ab.
Ich möchte aber
niemanden
beleidigen,
der
daran
glaubt oder sich ernsthaft damit beschäftigt. ..
Frage:

Glauben Sie daran?

Antwort:
Ich
lasse
mein
Leben
nicht davon leiten, aber ich kann die
Frage auch nicht verneinen, weil ich
zu wenig darüber weiß, um zu entscheiden, ob wirklich etwas daran ist
oder nicht.
Frage:
Glauben sie daß der Mordanschlag gegen sie hätte verhindert
werden können?
Antwort:
Nein, dieser Freund dachte, daß dies für mich ein denkbar
schlechter Zeitpunkt war, daß ich etwas hätte tun können - nun, wir taten
nichts.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
oft von ihrem Glauben an die Integrität und Ehrlichkeit Ihres Justizmini-

sters gesprochen.
Ich möchte dazu
noch eine andere Frage stellen: Sind
Sie nicht der Ansicht, daß all diese
Rücktritte
und
die
Schwierigkeit,
diesen Posten zu besetzen und die Angriffe aus so vielen Richtungen
selbst wenn er ein Mann von Integrität und Fähigkeiten ist -, meinen Sie
nicht, daß er die Arbeit des Justizministeriums blockiert und ist das
nicht Grund genug für ihn, zurückzutreten?
Antwort:
Nein, denn ich bin der
Ansicht, daß es seit einiger Zeit
eine Tendenz gibt - und das gilt
nicht nur für ihn, auch für andere -,
derzufolge Anschuldigungen oder Behauptungen als Verurteilung aufgefaßt
v/erden.
Und es gab davon viel zu
viel. In diesem unserem Land ist man
unschuldig, solange man nicht ohne
jeden Zweifel für schuldig befunden
wird.
Und nichts ist bewiesen worden. Weiterhin werden diese Anschuldigungen erhoben. Dies traf auch auf
andere zu. Das galt für Ray Donovan,
und sein bissiger Satz paßt meiner
Meinung
nach zu dieser Situation.
Als er gänzlich von jeder Schuld
freigesprochen wurde, sagte er: "Wer
wird mir meinen Ruf zurückgeben?"
Dies
gilt
auch
für
Beggs,
der
schließlich aufstand und von seinem
NASA-Posten zurücktrat - aufgrund von
Dingen, die er angeblich vor seinem
Eintritt in den Staatsdienst getan
hatte -, und er wurde von allen Anschuldigungen freigesprochen. Es gab
nicht den geringsten Beweis für irgendeine dieser Anschuldigungen.
Frage:
Erklären Sie also, daß Mr.
Meese im Amt bleiben sollte, falls
gegen ihn keine Anklage erhoben wird?
Oder kann es geringfügigere Anschuldigungen geben, die zu einer Anklage
nicht ausreichen und trotzdem Grund
für seinen Rücktritt wären?
Antwort:
Meiner Ansicht nach würde
sein Rücktritt bedeuten, daß er, wie
er selbst einmal gesagt hat, in diesem Fall der Rest seines Lebens von
dieser
Angelegenheit
überschattet
würde, ohne daß jemals irgendetwas

- 5 -

�bewiesen wurde.
Frage:
Noch eine Frage zu Noriega.
Die Kombination von Sanktionen und
Verhandlungen ist schon seit geraumer
Zeit
angewandt
worden,
und
es
scheint, als sähen die Vereinigten
Staaten
dabei
zunehmend
schwächer
aus. Sind Sie nicht etwas ärgerlich
darüber, daß es Noriega gelungen ist,
die Vereinigten Staaten zu erniedrigen und bloßzustellen?
Antwort:
Nun, wir hatten gehofft,
daß wir es dem Volk Panamas selbst
ermöglichen könnten, Druck auszuüben
und etwas zu tun. Ich nehme an, die
Tatsache, daß sie dabei mit ihren
eigenen
Streitkräften
konfrontiert
wurden, die bereit waren, auf sie zu
schießen, hat ihren Elan gedämpft.
Wir verhandeln weiter, und unser Ziel
bleibt dasselbe.
Frage:
Xrgern Sie sich nicht über
die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten ein so schwaches Bild abgegeben haben, als sie sich gegen diesen
Mann wandten?
Antwort:
Es tut nichts zur Sache,
ob ich ärgerlich bin oder nicht. Zur
Situation in Panama kann ich keinen
Kommentar über die laufenden Verhandlungen abgeben.
Zu gegebener zeit
werde ich eine eingehende Erklärung
an das amerikanische Volk richten.
Frage:

schließungen, die nicht in dieses
Handelsgesetz passen und daß Sie es
andernfalls unterstützen würden.
Antwort:
Das ist der Hauptpunkt.
Es gibt da andere Dinge, von denen
ich nicht glaube, daß sie hilfreich
sind oder auch nur dahingehören. Es
ist zur Gewohnheit geworden, allen
Gesetzen im Kongreß im Interesse einzelner Staaten liegende Bestimmungen
anzufügen. Und das trifft auch hier
zu. Das ist der Hauptpunkt.
Und all meine Amtskollegen aus
anderen Ländern - die Staats- und Regierungschefs der Länder, zu denen
wir Handelsbeziehungen unterhalten haben mich beim Wirtschaftgipfel zum
"amerikanischen Wunder" befragt. Ich
habe bei der Beantwortung ihrer Fragen festgestellt, daß sie selbst bedauern, wie sehr die staatlichen Regulierungen und Vorschriften in ihren
Ländern sowie die Regeln für Beschäftigungsverhältnisse
sie hemmen und
ihnen die Art von wirtschaftlicher
Erholung versagen ...
Frage:
Sind
batschow?

Sie

bereit

Frage:
Hat Regan ihren Ruf
digt, Herr Präsident?
Antwort:
Ich mache
über seinen Ruf.

mir

Wird das bald geschehen?

Antwort:
das.

Ich

wünschte,

ich

wüßte

Frage:
Herr Präsident, wie stark
sind Sie verletzt worden durch ...
Frage:
Haben
für Don Regan?

Sie

eine

für

Botschaft

Frage:
Manche behaupten, Herr Präsident, wenn der Kongreß ungeachtet
ihres Vetos für das Handelsgesetz
stimmen würde, hätte es einen ähnlichen Effekt wie Smoot-Hawley.
Warum
sagt die Regierung jetzt, es seien
nur die Bestimmungen über Firmen- 6 -

* * * * *

eher

Gor-

geschä-

Sorgen

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

18. Mai 1988

19

SHÜLTZ:

INF "VORTEILHAFT" Für VEREINIGTE STAATEN UND NATO

- Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz hat in einer Erklärung vor dem
Auswärtigen Ausschuß des US-Senats am 16. Mai den Senat aufgefordert, den Vertrag zur Abschaffung der Mittelstreckenraketen (INF) mit der Sowjetunion zu
ratifizieren. Er nannte die Übereinkunft "vorteilhaft" für die NATO und die
Vereinigten Staaten. Des weiteren betonte der Minister, daß der Vertrag "in
unserem Sicherheitsinteresse liegt". Er "beseitige "ein fü'r alle Male" eine
atomare Bedrohung durch die Sowjets, mit denen die NATO-Verbündeten wie auch
"unsere Freunde und Verbündeten im Pazifik" konfrontiert waren.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung im Wortlaut:
Dies ist das dritte Mal, daß ich
mich vor diesem Komitee für den INFVertrag ausspreche. In den zwei Monaten, seit ich das letzte Mal hier
erschien, hat sich die Diskussion
über den Vertrag häufig auf Detailfragen konzentriert, insbesondere auf
einige spezielle Einzelheiten der Verifizierungsregelung.
In
Zusammenhang mit der Diskussion über die
technische Durchführung wurde klar,
daß es erforderlich war, sicherzustellen, daß die Sowjets ihre vertraglichen Verpflichtungen verstanden
und anerkannten.
In einigen Fällen
mußten Fragen geklärt werden, die in
Zusammenhang mit der Anwendung dieser
Verpflichtungen aufgetaucht waren.

und

Zusammen
definierten der Senat
die Administration neun Schlüs-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selfragen
zur
Durchführung.
Ich
freue mich, berichten zu können, daß
wir alle neun Fragen zu unserer Zufriedenheit gelöst haben, wie in dem
von den Vertragsparteien vergangene
Woche in Genf vereinbarten Dokument
niedergeigt ist.
Während der Senat sich nun anschickt, diesen Vertrag zu debattieren, hoffe ich jedoch, daß sich das
Interesse nicht nur auf die Einzelheiten konzentriert, die wir gerade
diskutiert haben. Ich hoffe, die Debatte wird die Vorzüge des Vertrages
insgesamt zum Gegenstand haben. Wie
ich bei meinem letzten Erscheinen
hier erklärt habe, "gibt es eine
grundlegende Frage, zu deren Beantwortung sie aufgerufen sind, wenn sie
diesen oder jeden anderen Rüstungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kontrollvertrag in Betracht ziehen:
Liegt er im Sicherheitsinteresse der
Vereinigten Staaten?"

setzungen sei. Sie bekräftigten diese Einschätzung während der sechsjährigen Verhandlungen.
Auch heute ist
ihre Haltung dieselbe.

INF und NATO

Nur die Vereinigten Staaten und
die
Sowjetunion
sind
unmittelbare
Vertragspartner.
jedoch
betrachten
unsere Verbündeten - die so viel getan haben, um diesen Vertrag herbeizuführen - ihn auch als ihren Vertrag.

Ich habe damals gesagt und wiederhole heute, daß dieser Vertrag in
unserem
Sicherheitsinteresse
liegt.
Die im NATO-Bündnis verankerte kollektive Sicherheitsverpflichtung ist
seit 1949 ein grundlegender Bestandteil unserer nationalen Sicherheit.
Dieser Vertrag beseitigt ein für alle
Male eine atomare Bedrohung durch die
Sowjets, mit der unsere NATO-Verbündeten - und, wie ich hinzufügen möchte, unsere Freunde und Verbündeten in
Asien und dem Pazifik - über dreißig
Jahre lang konfrontiert waren. Dieser Vertrag stärkt die NATO.
Indem
er dies tut, stärkt er die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.
Der Vertrag stellt das erfolgreiche Ergebnis einer Strategie dar,
die von der NATO im Dezember 1979
verabschiedet wurde. Das Bündnis war
damals mit der Bedrohung eines wachsenden Ungleichgewichts zwischen NATO
und Warschauer Pakt bei den INF-Raketen konfrontiert - schlaglichtartig
gekennzeichnet durch die Stationierung der SS-20. Das Bündnis verständigte sich auf eine Handlungsweise
zur Verminderung dieses Ungleichgewichts:
ein Programm amerikanischer
Stationierungen in Europa und ein Angebot amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen
zur
Schaffung
eines
Gleichgewichts auf niedrigstmöglichem
Niveau.
Wir waren erfolgreicher als wir
im Jahr 1979 zu hoffen gewagt hatten.
Wir haben das Ungleichgewicht bei den
INF-Raketen nicht nur reduziert, wir
haben es beseitigt.
Als Präsident
Reagan 1981 die Null-Lösung für INF
vorschlug - mit einhelliger Unterstützung des Senats, wie ich vorhin
schon feststellte -, stimmten unsere
Verbündeten zu, daß dies der bestmögliche Weg zur Erlangung der von der
NATO im Jahr 1979 aufgestellten Ziel-

Als ich das letzte Mal vor Ihnen
gesprochen habe, beschrieb ich die
einhellige Unterstützung, die diesem
Vertrag auf dem NATO-Gipfel im März
zuteil wurde. Seither sind die Verteidigungsminister der NATO in Brüssel zu einer der regelmäßigen Sitzungen der Nuklearen Planungsgruppe zusammengekommen.
Sie hätten ihre Ansichten zu diesem Vertrag nicht eindeutiger zum Ausdruck bringen können.
Lassen Sie mich aus ihrem Kommunique
zitieren.
•Das kürzlich zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
abgeschlossene INF-Abkommen ist ein
Meilenstein
in unseren Bemühungen,
einen sichereren Frieden auf niedrigerem Rüstungsniveau
zu erreichen.
Die Erlangung dieses seit langem bestehenden Rüstungskontrollziels
der
NATO wurde durch die Solidarität und
Entschlossenheit der Bündnismitglieder ermöglicht. Wir sehen dem baldigen
Inkrafttreten dieses Abkommens
erwartungsvoll entgegen."
Als ich mich auf dem Rückweg von
Genf am vergangenen Freitag im Brüsseler NATO-Hauptquartier mit meinen
Amtskollegen
traf,
stellten
diese
klar, daß sie die gleiche Auffassung
vertreten.

Beibehaltung des Kurses:
rungen und Verhandlungen

Stationie-

Wie
die
Verteidigungsminister
feststellten, war die Erlangung dieses Ziels nicht einfach. Wir hätten
in den Verhandlungen nichts erreicht,
wenn wir nicht die notwendigen Maß-

- 2 -

�nahmen zur Bewahrung unserer Sicherheit ergriffen hätten. Die NATO hatte den Mut, ihrer Überzeugung treu zu
bleiben und die verabredete Stationierung der amerikanischen Pershing
II und Marschflugkörper auch angesichts
enormen
politischen
Drucks
durchzuführen.
Diese Stationierungen
bildeten den unerläßlichen Grundstein
für unseren Erfolg in Genf. Die Ratifizierung dieses Vertrags wird unsere Freunde bestätigen, insbesondere
in den
INF-Stationierungsländern
die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Großbritannien, Belgien und die
Niederlande -, die auch in schwieriger Lage zu ihren Verpflichtungen
standen.
Die Stationierungen waren grundlegend. Aber sie allein konnten keinen guten Vertrag garantieren.
Die
Umsetzung
eines strategischen Konzepts in präzise Details erforderte
Festigkeit, Geduld und harte Arbeit
am Verhandlungstisch, um dem Mut und
der Standhaftigkeit unserer Verbündeten ebenbürtig zu sein.
Botschafter
Nitze begann mit der Arbeit, die Botschafter
Glitman als Mitglied der
NST-Delegation unter Leitung von Botschafter Kampelman später zu einem
erfolgreichen Ende führte.
In der
ganzen Zeit hat der Kongreß unsere
Bemühungen
für die Stationierungen
als auch bei den Verhandlungen vollständig unterstützt, auch mit Hilfe
der Beobachtergruppe des Senats.

Errungenschaften des INF-Vertrags
Das Ergebnis ist der Vertrag, den
der
Präsident
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Dezember
hier in Washington unterzeichnet haben.
Er entspricht den von uns und
unseren
Verbündeten
aufgestellten
Kriterien:
- Gleiche Rechte und Begrenzungen;
- Begrenzungen nur von amerikanischen und sowjetischen Systemen;
-

weltweite

Begrenzungen,

wobei

keine Verschiebung der Bedrohung von
Europa nach Asien oder umgekehrt zulässig ist;
- keine nachteiligen Auswirkungen
auf die konventionelle Verteidigung
der NATO und
- wirksame Verifizierung.
Der Vertrag schützt Optionen für
die Zukunft, während die NATO sich
anschickt, ein glaubwürdiges atomares
Abschreckungspotential
beizubehalten
und ihre Strategie der flexiblen Reaktion weiterzuführen.
Er betrifft
nicht die bestehenden Strukturen der
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten oder die zukünftige Kooperation
bei der Modernisierung.
Er stellt
wichtige Präzedenzfälle für die weitere Verfolgung unsere anderen Rüstungskontrollprioritäten
auf.
In
dieser Hinsicht betonten die Staatsund Regierungschefs beim NATO-Gipfel
die asymmetrischen Reduzierungen sowie die einschneidenden Verifizierungsbestimmungen
des Vertrags als
besonders bedeutende Präzedenzfälle.

Reduzierungen und Verifizierung
Diese spiegeln zwei der vom Präsidenten bei seinem Amtsantritt erklärten Hauptziele wider.
Eines bestand darin, das Zeitalter zu beenden, in dem Rüstungskontrolle lediglich eine Leitlinie für die wachsende
Zahl von Atomwaffen darstellte und
einen Prozeß von Verhandlungen über
die Reduzierung von Atomwaffen zu beginnen. Das andere Ziel war die Anhebung der Normen für die Verifizierung, unter anderem dadurch, daß man
es den Sowjets nicht länger gestattete, das Ansinnen von Inspektionen vor
Ort einfach mit "Nein" zu beantworten.
Bei diesen wichtigen Punkten
ist es dem Präsidenten gelungen, die
Sowjets zur Beschäftigung mit unserem
Programm im Bereich der Rüstungskontrolle zu veranlassen.
Die Tatsachen in bezug auf die
durch den INF-Vertrag herbeigeführten

- 3 -

�Reduzierungen sind inzwischen wohlbekannt.
Die Sowjets werden Raketen
zerstören müssen, die in der Lage
sind, fast viermal so viele Gefechtsköpfe zu tragen, wie die von uns zu
vernichtenden stationierten Raketen.
Ich möchte etwas ausführlicher
über den anderen Punkt sprechen, auf
den die Spitzenpolitiker der NATO näher eingegangen sind - die Verifizierungsregelung
des Vertrages.
Die
Verbündeten wissen, wovon sie in diesem Zusammenhang reden: vieles von
dieser Regelung findet auf ihrem Territorium Anwendung. Ebenso wie der
INF-Prozeß sich in seinem gesamten
Verlauf auf Bestrebungen des Bündnisses zurückführen läßt, tragen unsere
Verbündeten zur Verwirklichung der
Verifizierungsregelung bei. Sie unternehmen mit ihrer Legislative und
Exekutive die notwendigen Schritte,
um sicherzustellen, daß wir alle mit
dem Vertrag in Zusammenhang stehenden
Aktivitäten durchführen können, die
auf dem Territorium der Verbündeten
stattfinden. Der Deutsche Bundestag
sprach sich einstimmig für die Durchführung dieser Maßnahmen aus.
Ich wie auch andere haben diesem
Ausschuß wie auch dem Streitkräfteausschuß und dem Geheimdienstausschuß
Einzelheiten zu dieser Regelung vorgetragen. Es ist die detaillierteste, umfassendeste und wirkungsvollste in der Geschichte der Rüstungskontrolle.
Mit diesem Vertrag eröffnen wir
neue Horizonte. Die Vor-Ort-Inspektion ist bei den amerikanisch-sowjetischen
RüstungskontrollVerträgen
über
Nuklearwaffen
ein
wichtiger
Schritt nach vorn. Wir sollten nicht
überrascht sein, wenn dieser Prozeß
nicht immer glatt abläuft. Genau aus
diesem Grund haben wir noch vor dem
Inkrafttreten des Vertrages Gespräche
mit den Sowjets darüber aufgenommen,
wie wir genau die vereinbarten vorgehensweisen durchführen würden.
Wenn
Meinungsverschiedenheiten
zutage traten, haben wir diese beige-

legt. Einige dieser Probleme konnten
auf Expertenebene gelöst werden, andere fanden auf höherer Ebene Aufmerksamkeit. Wie ich bereits erwähnte, haben wir vergangene Woche während meiner Zusammenkunft mit dem
sowjetischen Außenminister Schewardnadse die neun wichtigsten technischen Details im System der Vor-OrtInspektion geklärt.
Um die reibungslose Durchführung
des Vertrages zu gewährleisten, werden wir natürlich mit den Sowjets
weiterhin Gespräche über Verwaltungsfragen führen, etwa zu Einzelheiten
der Unterbringung von Personal. Zusätzliche technische Gespräche, die
bereits verabredet waren, werden diese Woche in Wien aufgenommen.
Aber ich kann ihnen heute mitteilen, daß wir als Ergebnis der gerade
beendeten Gespräche in Genf mit den
Sowjets in bezug auf die in diesem
Vertrag
niedergelegten Rechte und
Pflichten übereinstimmen.
Es gibt keine absolute hundertprozentige Verifizierung.
Aber es
ist unsere Ansicht, daß dieser Vertrag durch seine Abfolge von Vorgehensweisen die notwendigen Maßnahmen
für eine wirkungsvolle Verifizierung
enthält.
Das Ziel des Präsidenten
einer Null-Lösung bei INF zahlt sich
im Hinblick auf die Verifizierung
aus. Das wichtigste ist, daß die Verifizierungsbestimmungen dieses Vertrages dies hervorbringen.

Andere Problembereiche: Waffensysteme der Zukunft und Fragen der Interpretation
Im Verlauf der Betrachtung des
Vertrages durch den Senat wurde eine
Frage aufgeworfen, die über die Verifizierung hinausgeht.
Ich beziehe
mich hier auf das Problem der sogenannten "Waffensysteme der Zukunft".
Die Frage ist, ob alle landgestützten
Marschflugkörper
und
ballistischen
Raketen, die als Trägersysteme der
von diesem Vertrag abgedeckten Reich-

- 4 -.

�weiten fungieren, abgeschafft würden,
einschließlich derer, die "Waffensysteme der Zukunft" transportieren.
Die Regierung vertritt die Ansicht im
Zusammenhang mit der Bilanz der Verhandlungen und angesichts des internationalen Gewohnheitsrechts wie es
sich in der Wiener Konvention zum
Vertragsrecht
widerspiegelt, demonstriere der Vertragstext die bestehende Vereinbarung beider
Parteien
über
ein
Verbot
solcher
Systeme.
Nach Konsultationen mit dem Senat haben wir diese Tatsache vergangene Woche in Genf mit einem formellen Austausch diplomatischer Noten bestätigt.

Präsidenten seine Zustimmung zur Ratifizierung dieses Vertrages zu geben, ohne Zusätze oder Bedingungen.

Es gibt noch eine letzte Frage zu
diesem Vertrag, auf die ich eingehen
sollte.
Das ist der Wunsch einiger
Senatoren, der Resolution über die
Zustimmung zur Ratifizierung eine Bedingung anzufügen, mit der die Autorität des Präsidenten zur Interpretation von Verträgen eingeschränkt würde.
Ich bin sicher, daß Ihnen allen
die Gründe klar sind, aus denen wir
uns einer solchen Bedingung widersetzen.
Die Erklärung von Regierungsmitgliedern
innerhalb
ihrer Verfügungsgewalt ist maßgeblich.
Unserer
Ansicht nach sollten Sie es nicht gestatten, daß
der
INF-Vertrag
zum
Spielball in einer Diskussion über
verfassungsrechtliche
Fragen
wird,
sondern sie sollten den vertrag aufgrund seiner eigenen Vorzüge betrachten.

Zusammenfassung
Ich habe in meiner heutigen Erklärung kurz und in anderen Vorträgen
detaillierter die Vorzüge des Vertrages beschrieben. Der Vertrag ist auf
die Führungsrolle des Präsidenten zurückzuführen, aber er ist ebenfalls
eine bedeutende Leistung beider Parteien wie auch ein Zeugnis der Stärke
und Entschlossenheit des NATO-Bündnisses.
Er ist sowohl für die NATO
als auch die Vereinigten Staaten vorteilhaft.
Ich bitte den Senat, dem
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

18. Mai 19i58

19

SHÜLTZ:

TECHNISCHE PROBLEME DER VERIFIZIERUNG VON INF GELÖST

- Erklärung des amerikanischen Außenministers in Genf -

GENF - (AD) - Die noch verbleibenden Problenbereiche beim amerikan_schsowjetischen Vertrag zur Abschaffung von Mittelstreckenraketen (INF) sind "auf
völlig zufriedenstellende Art und Weise" abgehandelt worden, erklärte Außenminister Shultz am 12. Mai nach Abschluß seiner Gespräche mit dem sowjetischen
Außenminister Schewardnadse.
Nachfolgend veröffentlichen wir die anläßlich einer Pressekonferenz abgegebene Erklärung:

Wir haben gerade ein Ministertreffen beendet, mit dem im wesentlichen die Vorbereitungen zum Gipfel
weitergeführt
werden sollten.
Wir
sind übereingekommen, daß es sich
hierbei um eine nützliche, notwendige
und produktive Zusammenkunft handelte. Und meiner Ansicht nach liegt es
auf der Hand, daß dieses Gipfeltreffen selbst sehr interessant werden
wird:
es wird eindrucksvoll sein,
umfangreiche Leistungen widerspiegeln
und es wird eine gute Gelegenheit
bieten, um vorausschauend in die Zukunft zu blicken.
Beim
Ministertreffen
haben wir
all
die Problembereiche
abgedeckt,
die wir normalerweise
behandeln
meiner Ansicht nach mit gutem Ergebnis. Wir haben unsere Gespräche über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Menschenrechte fortgeführt.
Es war
die Sache wert, denn wir haben aus
der
Sowjetunion
interessante
neue
Ideen vernommen. Wir haben über das
Wiener KSZE-Treffen gesprochen, und
ich hoffe, wir konnten bei den Gesprächen über die Menschenrechtsaspekte dieser Konferenz ebenso wie in
unserer
Diskussion über konventionelle Waffen konstruktive Impulse für
das geben, was gegenwärtig in Wien
verhandelt wird - wie wir es auch bei
anderen Gelegenheiten getan haben,
bei denen wir Fragen abhandeln, für
deren Lösung wir uns in multinationalen Foren einsetzen.
Wir sind vor
einigen Monaten in Moskau übereingekommen, daß wir beide auf einem ausgewogenen Ergebnis bestehen werden,
und wir arbeiten weiter an allen
Teilbereichen der Wiener Verhandlun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen.
Im Bereich der Rüstungskontrolle
haben wir unsere Diskussionen über
strategische Waffen und Verteidigung
im Weltraum fortgeführt. Meiner Ansicht nach sollte man fairerweise erwähnen, daß wir in einzelnen Bereichen kleine Portschritte erzielt haben.
Und ich denke, wenn wir uns
alle die Dinge vergegenwärtigen, die
getan worden sind und all das, was
erreicht wurde, können wir sehr stolz
darauf sein.
Gleichzeitig ist es
jetzt klar, daß keine Möglichkeit besteht, aus diesen Fragen bis zum Gipfel einen Vertragstext zu formulieren. Beide Seiten sind jedoch entschlossen, daran bis zum Gipfel und
beim Gipfel weiterzuarbeiten, und ich
bin sicher, daß beim Gipfeltreffen
Vereinbarungen getroffen werden, um
diesen Verhandlungen Auftrieb zu verleihen. Sie werden fortgeführt.
Früher oder später wird es in
diesen Bereichen Übereinkünfte geben,
und diese Vereinbarungen werden auf
der umfangreichen Arbeit aufbauen,
die geleistet worden ist, und es ist
- wenigstens unserer Ansicht nach umso besser, je eher diese Dinge vereinbart werden.
Wir haben einige Gespräche über
INF geführt, inbesondere auf Expertenebene. Wie Sie wissen, haben uns
Botschafter Glitman und eine Arbeitsgruppe begleitet. Er hat gemeinsam
mit seinem sowjetischen Amtskollegen
diese Bereiche bearbeitet, und wir
haben eine sogenannte diplomatische
Note über zukünftige Waffensysteme
unterzeichnet, die diesen Bereich
meiner Ansicht nach auf vollständig
zufriedenstellende Art und Weise abhandelt. Sie steht in völligem Einklang mit der vor einiger Zeit abgegebenen Erklärung Botschafter Glitmans zu diesem Thema und schreibt
einzelne Bereiche sorgfältig fest.
Wie Sie wissen, haben die Botschafter
Kampelman und Karpow diese Note heute
nachmittag unterzeichnet.
Und

dann

gab

es

neun

weitere

Problembereiche, die als Ergebnis der
Diskussionen zwischen den am Prozeß
der Vertragsdurchführung Beteiligten
zutage traten, und wir haben in all
diesen Bereichen eine vollständig zufriedenstellende
Übereinkunft
erzielt. Was INF betrifft, war dies
ein sehr lohnenswertes Unterfangen.
Ich sollte darauf hinweisen, daß
General Powell und Botschafter Glitman heute abend nach Washington zurückkehren, und sie werden den betreffenden Senatoren darüber direkt
Bericht erstatten, so daß ihnen die
entsprechenden Informationen zugänglich sind, wenn sie den INF-Vertrag
erwägen.
Im Bereich der Atomtests haben
wir, wie Sie wissen, seit einiger
Zeit stetige Fortschritte erzielt.
Die Unterlagen über das gemeinsame
Verifizierungsexperiment sind in ihren Grundzügen vorbereitet. Es ist
erstaunlich, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um das sorgfältig und gut zu tun, aber so wird es
nun einmal gemacht. Nur um eine Vorstellung über den Umfang zu vermitteln: Im Abkommen sind etwa 160 Seiten der Durchführung dieser gemeinsamen Verifizierungsexperimente gewidmet, dazu kommen 37 Anhänge, und
alles außer Kleinigkeiten in drei Anhängen ist abgeschlossen.
Aber es
geht gut voran. In der Zwischenzeit
arbeiten beide Seiten an den Experimenten, und sie leisten die Arbeit im
Einklang mit dem, was im Grunde hier
in Form von Abkommen festgehalten
wird.
Wir sind zuversichtlich, daß diese Unterlagen bis zum Gipfel unterzeichnungsreif sein werden. Es ist
ebenso vereinbart worden, daß wir ein
neues Protokoll zum Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) von 1976 erstellen, und
unserer Ansicht nach ist es sehr wohl
möglich - oder wahrscheinlich -, daß
wir in der Lage sein werden, dieses
neue Protokoll rechtzeitig zum Gipfel
untersehriftsreif
fertigzustellen.
Das ist nicht sicher, aber wahr-

- 2 -

�scheinlich.
Im Bereich der chemischen Waffen
haben wir weitere Gespräche geführt,
die wir auch weiterhin vorantreiben
werden, und ich bin sicher, daß wir
bis zum Gipfel zu diesem Thema Interessantes beizusteuern haben.
Wir haben eine Reihe von neuen
Fragen aufgeworfen oder zumindest die
Aufmerksamkeit der Sowjets darauf gelenkt.
Es bleibt abzuwarten, welche
Richtung unsere gemeinsamen Gespräche
nehmen werden, aber wir haben unserer
Sorge über die Weiterverbreitung der
Technologie
ballistischer
Raketen
Ausdruck verliehen.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß genau zu dem Zeitpunkt, an
dem die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion vereinbaren, auf die Produktion und den Besitz ballistischer
Raketen
bestimmter
Reichweiten
zu
verzichten, andere Länder diese herstellen, vertreiben und stationieren.
Wir müssen die Weiterverbreitung ballistischer Raketen - und ich
denke, außer uns beiden auch andere
Länder der Welt - zu unserem Anliegen
machen.
Wir haben dieses Thema aufgegriffen und hoffen, es weiter zu diskutieren. Und ich bin sicher, Sie sind
sich der Tatsache bewußt, daß wir gemeinsam mit den sieben Ländern, mit
denen wir beim Wirtschaftsgipfel zusammenkommen werden, ein System zur
Kontrolle der Technologie ballistischer Raketen erarbeitet haben. Meiner Ansicht nach wird es wichtig
sein, dies im Hinblick auf diejenigen
auszuweiten, die sich daran halten
werden. Wir haben ebenfalls die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit gelenkt, noch vor dem Inkrafttreten eines START-Abkommens, Äußerungen über
vertrauensbildende
Maßnahmen,
unter
ihnen Mitteilungen
über Teststarts
machen zu können.
Im Bereich der bilateralen Fragen
haben wir Dinge abgehandelt, die vereinbart wurden oder kurz vor der Ver-

einbarung stehen - und möglicherweise
können diese Dinge rechtzeitig zum
Gipfel abgeschlossen werden. Es gibt
einige wichtige Vereinbarungen, die
möglicherweise dort abgehandelt werden. Eine davon betrifft die wissenschaftliche
Grundlagenforschung
und
eine andere das Verkehrswesen.
Der
Bereich des Kulturaustausches ist gut
abgedeckt und könnte erneut aufgegriffen werden. Es können möglicherweise Fortschritte bei einem Fischereiabkommen erzielt werden.
Es gibt
eine Vereinbarung - mehrere Vereinbarungen - die unsere Küstenwache und
die
sowjetischen
Schiffahrtsbhörden
betreffen und solche Bereiche wie
Seenotrettung und Kontrolle der Umweltverchmutzung betreffen.
Bei den bilateralen Angelegenheiten werden viele Fortschritte erzielt, und sie bilden einen von vier
Bereichen, in denen wir an der Entwicklung unserer Beziehungen weiterarbeiten.
Im Bereich der regionalen Angelegenheiten haben wir kurz alle Bereiche behandelt, über die wir uns normalerweise austauschen - Afghanistan,
den Nahen Osten, Iran-Irak, Mittelamerika, das südliche Afrika, Äthiopien, die koreanische Halbinsel, Kambodscha. Es war in diesem Zusammenhang
lohnenswert, insbesondere
das
Augenmerk auf die Entwicklungen im
südlichen Afrika zu richten. Vor einer Woche fand eine sehr interessante
Zusammenkunft in London statt, an der
wichtige Betroffene teilnahmen, und
sowohl die Sowjetunion als auch wir
haben daran erhebliches
Interesse.
Wir haben vereinbart, daß unsere beiden
Experten,
Abteilungsleiter
Crocker und der stellvertretende sowjetische
Außenminister
Adamischin,
zusammenkommen sollen - bis jetzt
stehen Ort und Datum noch nicht fest,
aber wir wünschen uns ein Treffen
noch vor dem Gipfel - um in diesem
Bereich eine Bestandsaufnahme zu machen und nach Fortschritten zu suchen.

über

- 3 -

Schließlich haben wir Gespräche
die Dokumentation des Gipfels

�geführt. Wir möchten eine Möglichkeit entwickeln, um die Bereiche dieser Beziehungen seit den Genfer und
Washingtoner Gipfeltreffen festzuhalten, und hier erzielen wir Fortschritte. Das Ergebnis dieser Arbeit
wird, so hoffe ich, bis zum Gipfel
vorliegen.
Ich kann darüber nicht
viel mehr sagen, als daß hier Aktivitäten im Gange sind.
Wie ich bereits zu Beginn erklärt
habe, können wir meiner Ansicht nach
auf ein eindrucksvolles und gutes
Gipfeltreffen vorbereitet sein, und
diese Zusmmenkünfte waren sicherlich
produktiv und nützlich und tragen dazu bei, daß Portschritte erzielt werden.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
^ r ^

*

Wissenschaft und Technik

18. Mai 1988

19

Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung
Ein Produkt der Gentechnik

- (AD) - Das amerikanische Wistar-Institut hat in Zusammenarbeit mit einer
französischen Biotechnik-Firma einen neuen Impfstoff gegen Wildtollwut entwikkelt. Das auf gentechnischen Wege gewonnene Produkt wird derzeit in Belgien
erprobt. Feldversuche in Frankreich sind noch in diesem Jahr vorgesehen. Gegenwärtig bemüht sich das Wistar-Institut um die Zustimmung des US-Landwirtschaftsministeriums, für erste Feldversuche in den USA und damit in Nordamerika überhaupt einige unbewohnte Inseln vor der Küste der amerikanischen Bundesstaaten Virginia oder South Carolina benutzen zu können.
Nach neuesten Erkenntnissen hat
sich in den letzten drei Jahrzehnten
Wildtollwut in den Vereinigten Staaten
verdreifacht.
Fledermäuse,
Skunks
(Stinktiere) und Waschbären
sind dort in erster Linie die Überträger dieser gefährlichen Virusinfektion.
In Europa dagegen sind es
die
Füchse, in Entwicklungsländern
streunende und wildlebende Hunde. Im
Südosten der USA hat sich Tollwut unter Waschbären zu einer regelrechten
Epidemie entwickelt.
Wie Warren Cheaton vom Wistar-Institut berichtete, ist in vielen Teilen der Erde Tollwut "ein ernstes und
ständig zunehmendes Problem, insbesondere in Entwicklungsländern". Bei
der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
wurden 1981, dem letzten Jahr, für

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das weltweite Statistiken vorliegen,
20 482 Todesfälle registriert.
Epidemiologen sind jedoch davon überzeugt, Cheston zufolge, daß sehr viel
mehr Menschen nach Kontakt mit dem
Speichel eines tollwütigen Tieres der
Krankheit zum Opfer fallen. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle dürfte
zehnmal höher liegen, als nach Angabe
der WHO.
Da die Viren das zentrale Nervensystem befallen, ist eine Tollwut-Infektion wegen der sich ausbreitenden
Lähmung fast immer tödlich, wenn der
Betreffende nicht noch vor Auftreten
der ersten Krankheitssymptome geimpft
werden kann.
Hilary Koprowski, Direktor des Wistar-Instituts, verweist
darauf, daß der heute verwendete aus
Gewebekulturen
menschlicher
Zellen

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�gewonnene Heilimpfstoff außerordentlich kostspielig und in vielen Entwicklungsländern nicht verfügbar ist.
Der neue Impfstoff dagegen ist ebenso
wirksam wie erschwinglich.
Er enthält nicht die kompletten Tollwutviren, sondern nur einen - nichtschädlichen - Anteil davon, der aber das
Immunsystem des menschlichen Körpers
veranlaßt, Antikörper gegen die Erkrankung zu bilden, so daß sie nicht
zum Ausbruch komme.
Wichtig sei es, Tollwut "an der
Quelle", d.h. in der Tierwelt, zu bekämpfen, denn alle warmblütigen Tiere
können virusträger und damit Überträger von Tollwutviren sein.
Da der
neue Impfstoff auch oral verabreicht
werden kann, ist es möglich, ihn über
Köder an die Tiere zu bringen. Die
Köder sollen über Versuchsgebieten in
Beuteln
aus
Flugzeugen
abgeworfen
werden. Laborversuche haben gezeigt,
daß dieses Vakzin, in Köder injiziert,
Waschbären
und
Stinktiere
wirksam gegen Tollwut
immunisieren
kann.
Schon vor zwei Jahren hatte
die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation mit Feldversuchen in Argentinien begonnen, um die Wirksamkeit
des
neuen
Impfstoffes
gegen
Tollwut bei Rindern zu testen, die in
Südamerika ein großes Problem ist.
Obgleich die Bildung von Antikörpern
bei den Tieren nachgewiesen wurde,
ließ die argentinische Regierung nach
einigen Monaten die Durchführung weiterer Versuche stoppen, offenbar weil
die Organisation versäumt hatte, sie
vorher davon zu unterrichten.

* * * * *

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                <text>Amerikadienst 18.05.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan "zuversichtlich" über die Zustimmung des Senats zu INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: INF "vorteilhaft" für Vereinigte Staaten und NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Technische Probleme der Verifizierung von INF gelöst &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;in Genf &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Produkt der Gentechnik&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*

25.

20

Hai

L988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und
Stärke gegründet
- Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartnec Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen
- Rede beim OECD-Ministertreffen HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen
- Zusammenfassung der ACDA Probleme der Freizügigkeit
- Übersicht des Weißen Hauses Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel
- Das Programm des Gipfeltreffens Religiöse Rechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht Menschenrechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der
Vergangenheit
- von Dom Bonafede * * * * *

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�^°5?&lt;

%

AMERIKA DIENST
Dokumentation

"^ '&lt;£

23. Mai 1983

20

AMERIKANISCHE POLITIK BEIM GIPFEL IST AUF
REALISMUS UND STÄRKE GEGRÜNDET
- Fernsehansprache Präsident Reagans an die Bündnispartner WASHINGTON - (AD) - In seiner am 24. Mai 1988 vom Fernsehsender Wor^.dnet
des US-Informationsamts (USIA) über Satellit ausgestrahlten Ansprache erklärte
Präsident Reagan, er begrüße "die Fortschritte, die wir iTI Bereich der Menschenrechte in der Sowjetunion beobachten konnten", fügte jedoch hinzu, die
Menschenrechtssituation "ist immer noch alles andere als gut. Die Politik der
Unterdrückung hält an". In seiner an die "anderen Demokratien der Welt am
Vorabend seiner Abreise zum Gipfeltreffen nach Moskau irit Generalsekretär
Gorbatschow" gerichteten Rede erklärte Reagan, "wir, die Vereinigten Staaten,
sind unsererseits zu einem nützlichen Gedankenaustausch bereit".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache Präsident Reagans Lm Wortlaut.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist,
werde ich Washington morgen verlassen, um nach einem Zwischenaufenthalt
in Helsinki zum Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow nach Moskau
weiterzureisen. Es erschien mir angemessen, am Vorabend meines vierten
Zusammentreffens mit Generalsekretär
Gorbatschow einige Worte an die anderen Demokratien dieser Welt zu richten, mit denen wir den Traum von
Freiheit und Frieden teilen.
Zunächst möchte ich die Politik
erörtern, die zu diesem Gipfeltreffen
geführt hat, und die meiner Ansicht
nach in hohem Maße dazu beigetragen
hat, Freiheit und Frieden in der Welt
weiterzuverbreiten.
Von Anfang an hat unsere Admini-

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stration ?ine Politik gegenüber der
Sowjetunion angestrebt, die auf Realismus, einen vernüftigen Austausch
mit den Sowjets und auch auf Stärke
gegründet ist, insbesondere im Hinblick auf die Einheit des Westens.
Die sowjetische Führung spricht um den von ihr geprägten Begriff zu
verwenden - von einem "gemeinsamen
Haus Europa". Meiner Meinung nach
ist das wahre Heimatland Europas
eines, das von hehren Überzeugungen
definiert ist, dem Glauben an die geheiligte Freiheit des Einzelnen, an
die Bedeutung der Familie, an einen
gerechten und liebenden Gott und an
Demokratie.
Die atlantische Gemeinschaft ist
nicht nur ein militärisches Bündnis.

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�Denn sie ist aus Nationen zusammengesetzt, die sich der Demokratie und
dem freien Unternehmertum verpflichtet fühlen. Die atlantische Gemeinschaft ist auch nicht mehr nur auf
den Westen beschränkt. Denn die Gemeinschaft der demokratischen Nationen hat sich über den Atlantik hinweg
ausgebreitet und umschließt nun auch
Japan, Australien, die Philippinen,
Indien, zahlreiche Länder Lateinamerikas und in anderen Regionen der
Welt.
Bei den Gesprächen und Verhandlungen mit der Sowjetunion standen
die Vereinigten Staaten stets in engen Konsultationen mit dieser Gemeinschaft freier Nationen - mit unseren
Verbündeten im nordatlantischen Bündnis und anderen Freunden. Die NATO
selbst hat angesichts der ernsthaften
Herausforderungen Anfang der achtziger Jahre ihre Standhaftigkeit und
ihren Zusammenhalt unter Beweis gestellt.
Wir waren bereits Zeugen einer
historischen Errungenschaft: die Unterzeichnung des historischen INFVertrages beim Washingtoner Gipfel im
vergangenen Dezember.
Dieser Vertrag, mit dem zum ersten Mal in der
Geschichte eine gesamte Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Nuklearraketen beseitigt -wird, wurde
durch die Solidarität und auch den
Mut der NATO ermöglicht.
Dieser Vertrag birgt auch eine
entscheidende Lehre für die Politik
des Westens gegenüber der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt, nämlich, daß
die freien Nationen ihre Ziele verwirklichen können, wenn sie fest dazu
stehen.
Bei der Durchführung des
Doppelbeschlusses von 1979 - der Entscheidung,
die
Stationierung
der
INF-Raketen voranzutreiben - hat das
Bündnis weder gezögert noch versagt.
Ebenso war man sich einig, die
durch die neu stationierten sowjetischen SS-20 Raketen entstandene Bedrohung zu beseitigen, und auch hier
hat das Bündnis keine Minute gezö-

gert. Als Ergebnis dessen wird die
SS-20 Bedrohung bald beseitigt, denn
die Sowjets hatten guten Grund, diese
SS-20 und andere Raketen abzuziehen,
die sie im Rahmen des INF-Verträges
abbauen müssen.
Jetzt wenden wir diese Lehren des
INF-Vertrages auf die Verhandlungen
zu einem Vertrag über den Abbau strategischer Fernwaffen an. Wir hoffen
auf den Abschluß eines START-Abkommens noch in diesem Jahr. Der Zeitplan wird jedoch von den Erfordernissen eines guten Vertrages diktiert
und nicht von irgendeiner willkürlich
gesetzten Frist.
Da wir aus einer Position der
Stärke heraus verhandeln, lassen wir
uns von einer realistischen Sichtweise darüber leiten, was in unseren Beziehungen zur Sowjetunion erreicht
werden kann und was die Sowjets
selbst erreichen wollen.
Wir erwarten keine unverzügliche
radikale Umgestaltung des sowjetischen Systems. Wir erwarten nicht,
eines Tages aufzuwachen und festzustellen, daß sich all unsere Probleme
in Nichts aufgelöst haben, weil unser
Gegner sich verändert hat.
Wir
müssen
weiterhin
unsere
Pflicht erfüllen, fest zusammenstehen
und wachsam sein, um Anreize für eine
neue sowjetische Politik zu schaffen,
die sich von der alten unterscheidet.
Denn es bestehen immer noch grundlegende politische und moralische Gegensätze zwischen dem sowjetischen
System und dem unsrigen.
Die Geburtsstätte der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) - die Stadt Helsinki,
die ich auf meinen Weg nach Moskau
besuchen werde - hat einem Prozeß den
Namen gegeben, der das Kernstück der
Ost-West-Beziehungen
bildet.
Die
1975 unterzeichnete Schlußakte von
Helsinki regelt internationale Verhaltensnormen bei den Menschenrechten
und hat - als Barometer für die OstWest-Beziehungen - in den Bereichen

- 2 -

�Wirtschaft und Soziales sowie in der
Sicherheitspolitik neue Maßstäbe für
Offenheit gesetzt.
Es ist keine Übertreibung, wenn
man darauf verweist, daß die Schlußakte von 1975 den Austausch zwischen
Ost und West neu definiert und dabei
Menschenrechte als Thema von dauerhafter Bedeutung
hervorhebt.
Der
Prozeß wird gegenwärtig im KSZE-Folgetreffen weitergeführt, das seit
1986 in Wien stattfindet.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich, gemeinsam mit den anderen KSZE-Ländern an der Erlangung
eines ausgewogenen Ergebnisses in
Wien
zusammenzuarbeiten, das entscheidende
Verbesserungen
sowjetischer und osteuropäischer Praktiken
bei den Menschenrechten umfassen muß,
und ein Gleichgewicht zwischen der
neuen Zusammenarbeit, Sicherheitsbelangen und der Wirtschaft hervorbringt.
Dieses
Gleichgewicht
ist
das
Kernstück des KSZE-Prozesses.
Als
Unterzeichner der Schlußakte von Helsinki haben sich die Regierungen der
Sowjetunion, Europas, Kanadas und der
Vereinigten Staaten formell und öffentlich zur Anerkennung grundlegender Freiheiten verpflichtet: Religionsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung,
Pressefreiheit
und
Freizügigkeit.
Nur wenn diese Freiheiten gewahrt
werden, kann das größte Potential
eines jeden Landes - die Kreativität,
Ideen und Initative seiner Bürger gedeihen.
In Moskau werde ich Fortschritte
begrüßen, die wir im Bereich der Menschenrechte insbesondere seit Ende
1986 erkannt haben. Mehr als 300 politische Gefangene und aus religiösen
Gründen Inhaftierte sind aus Arbeitslagern entlassen worden.
Die immer noch zu niedrige Zahl
der Auswanderer ist gestiegen. Viele
Fälle geteilter Familien und getrenn-

ter Ehepartner sind zufriedenstellend
gelöst worden, und die Zensur von
Filmen, Büchern und anderen kreativen
Arbeiten ist gelockert worden.
Trotz dieser Fortschritte ist die
Lage der Menschenrechte in der Sowjetunion und Osteuropa immer noch
alles andere als gut. Die Politik
der Unterdrückung hält an. Friedliche Demonstrationen von Minderheiten,
Ausreisewilligen und anderen Gruppen
werden immer noch von der Polizei gewaltsam aufgelöst.
Religionsfreiheit wird immer noch
verweigert und Mitglieder nichtregistrierter religiöser Gruppen werden
immer noch verfolgt. Nichtoffizielle
Publikationen sind verboten. Dutzende politischer Gefangener und religiöser Abweichler sind immer noch in
den Gefängnissen und viele aus Gewissensgründen Inhaftierte werden immer
noch
in
psychiatrischen
Kliniken
festgehalten.
Die Freizügigkeit ist immer noch
eingeschränkt. Wir alle, die wir uns
in unserem Glauben an die Demokratie
vereint wissen, werden die Sowjetunion weiterhin drängen, in diesen
entscheidenden Bereichen ihr Verhalten zu verbessern, kurz gesagt, die
grundlegenden
Menschenrechte
vollständig anzuerkennen.
Unsere Neigung, diese Probleme
anzusprechen, entspricht nicht nur
einem traditionellen Grundsatz. Gemäß der Schlußakte von Helsinki ist
dies unsere Pflicht.
Die Vereinigten Staaten sind zu
einem
nützlichen
Meinungsaustausch
bereit. Wir werden zuhören, wenn die
Sowjets uns kritisieren, und wir werden ihre Anliegen so offen und konstruktiv
wie möglich diskutieren.
Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
daß unser Austausch mit den Sowjets
eine Grundlage hat. Sie ist nicht
neutral oder wertfrei. Diese Grundlage ist nicht nur eine Angelegenheit
amerikanischer Maßstäbe.
Dies sind
moralische Normen, die Maßstäbe der

- 3 -

�westlichen Zivilisation selbst, die
wir Amerikaner von Europa geerbt haben.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben wir in Europa gekämpft, um diese
Maßstäbe zu verteidigen. Diese gemeinsamen Normen und Überzeugungen
verbinden uns heute mit Europa. Sie
bilden den Wesensgehalt der Gemeinschaft freier Nationen, der wir angehören .
Ich habe die Reduzierung der Rüstungen genannt, und ich habe die
Menschenrechte erwähnt. Wie die Tagesordnung der meisten Ihrer Regierungen mit den Sowjets enthält meine
Tagesordnung mit Herrn Gorbatschow
noch zwei weitere Elemente. Eines
ist die sowjetische Politik im Hinblick auf regionale Konflikte.
Wir stellen mit Freude fest, daß
die sowjetische Armee Afghanistan
verläßt. Wenn dieser Abzug vollendet
ist und den Afghanen wieder das Recht
auf Selbstbestimmung
zuteil wird,
wird dies ein historischer Triumph
sein.
Ich werde noch andere Problembereiche zur Sprache bringen und die
sowjetische Kooperation bei der Erlangung politischer Lösungen für andere Konflikte anstreben, wie im südlichen Afrika, beim Krieg zwischen
Iran und Irak, Kambodscha, Mittelamerika, Äthiopien und beim arabisch-israelischen Konflikt.
Außerdem werden unsere Gespräche
das Thema größerer Offenheit und des
freieren Austauschs von Menschen, Informationen
und
Ideen
umfassen.
Staatliche Schranken, die das Verständnis der Menschen von der Außenwelt und den Kontakt mit dieser Aussenwelt behindern, müssen beseitigt
werden.
Wir alle glauben, daß Menschen
frei sein müssen, um miteinander in
Kontakt zu treten, seien sie Journalisten, Wissenschaftler, Hochschullehrer, Touristen oder Gymnasiasten,

und ich werde deshalb Generalsekretär
Gorbatschow auffordern, mit uns zusammen die menschlichen Kontakte zwischen Ost und West in großem Umfang
auszubauen.
Eine Angelegenheit liegt mir in
dieser Hinsicht besonders am Herzen,
einer wachsenden Zahl junger Menschen
die Möglichkeit zu verschaffen, zwischen Ost und West zu reisen. Ich
werde mit Generalsekretär Gorbatschow
über den Jugendaustausch sprechen,
weil dieser für ein besseres Verständnis in der Zukunft so vielversprechend ist.
Junge Menschen sollten frei sein,
frei, zu kommen und gehen wie sie
möchten, frei, zu reisen und im Land
des anderen zu leben. Frei, in der
ganzen
Welt
Freundschaften
zu
schließen. Als ich vor fast einem
Jahr in Berlin war, habe ich Generalsekretär
Gorbatschow
aufgefordert,
die Mauer niederzureißen, die diese
Stadt trennt - und die in vieler Hinsicht Europa selbst, Ost und West,
trennt.
Die Mauer steht immer noch, eine
Narbe, eine schreckliche Erinnerung
an die Teilung Europas. Diese Teilung ist grausam, sie ist unnötig;
sie besteht schon zu lange. Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, bis diese Teilung durch Frieden und Freiheit abgelöst wird. Bis
zu diesem Tage mag noch viel Zeit
vergehen, aber die Vereinigten Staaten werden der Erringung dieser vollständigen Freiheit immer bedingungslos verpflichtet bleiben.
Bis dahin werden wir bei der Verteidigung unseres gemeinsamen Erbes
und unserer Überzeugungen, unserer
gemeinsamen Heimat der Freiheit an
Ihrer Seite stehen. Vielen Dank, und
Gott segne Sie.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
1-7

Dokumentation

C*

20

25. Mai 1988

BAKER SIEHT POSITIVE AUSWIRKUNGEN DER KOORDINIERUNGSBEMÜHUNGEN
- Rede beim OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge wird
die zwischen den Industriestaaten vereinbarte Koordinierung in die Tat umgesetzt und hat schon erste Erfolge gezeitigt. Beim jährlichen Ministertreffen
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in
Paris verwies Baker am 18. Mai auf anhaltendes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten, das wachsende Volumen des Welthandels und den Rückgang außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte der Industriestaaten als Beweise für die Effektivität der Koordinierung.
Die Rede des Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender Feldt, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Das Thema unserer Tagesordnung heute
morgen - die weitere Durchführung
wirtschaftlicher Maßnahmen zur Verbesserung
des Wirtschaftswachstums
und der Beschäftigung weltweit - beschreibt im wesentlichen die Aufgaben
der Finanzminister in der ganzen Welt
dar.
Es wirft die grundsätzliche
Frage auf, die wir uns selbst stellen
sollten:
Welche Maßnahmen sollten
wir anstreben, um unsere Volkswirtschaften zu stärken und das Wohlergehen unserer Bürger zu verbessern?
Mit zunehmender Integration der
Weltwirtschaft erfordert die erfolgreiche Bewältigung unserer Aufgaben
als Finanzminister zunehmend einen
kooperativen Ansatz. Bedeutende Ver-

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änderungen in der Weltwirtschaft haben die Notwendigkeit zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik zwischen
den führenden Industriestaaten noch
verstärkt. Insbesondere gilt:
Die weltweite Verflechtung der
Finanzmärkte hat die Unabhängigkeit der politischen Entscheidungsträger
in den einzelnen
Staaten verringert.
Die Liberalisierung von internationalem Handel und Investitionen
hat die Bedeutung des außenwirtschaftlichen
Sektors in allen
Ländern erhöht.
Und schließlich
erfordert das
stärkere Gleichgewicht in wirtschaftlicher Größe zwischen den

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�wichtigsten Landern, daß alle
sich die Verantwortlichkeit für
eine effektive außenwirtschaftliche Anpassung teilen.
Sicherlich haben wir einen fortlaufenden Prozeß zur Förderung miteinander im Einklang stehender Maßnahmen und Leistungen benötigt, von
dem alle profitieren. Der seit der
Plaza-Übereinkunft entwickelte - auf
den Gipfeln von Tokio und Venedig unterstützte und bekräftigte - Koordinierungsprozeß dient dazu, diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Er zielt
darauf ab, eine gesunde Weltwirtschaft und ein stabiles internationales Finanzsystem zu fördern. Er hat
die Annahme miteinander vereinbarer,
konsequenter und sich gegenseitig unterstützender Maßnahmen der sieben
führenden Industriestaaten zum Ziel.
Der Prozeß wurde schrittweise in
den vergangenen zweieinhalb Jahren
entwickelt. Heute sind wir im Begriff, einen weiteren Schritt nach
vorn zu machen - mit der Vereinbarung, einen Warenpreisindex als zusätzliches analytisches Instrument in
unsere Koordinierungsbemühungen einzubeziehen.
Die Vereinbarungen der G-7 haben
meiner Meinung nach den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive Ergebnisse geliefert:
Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar verringert. Der
Rückgang ist gleichbedeutend mit
fast 2 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP).
Unser gesamtes
Haushaltsdefizit - einschließlich
der Bundesstaaten sowie Städten
und Gemeinden - ging im Jahr 1987
auf nur 2,25 Prozent des BSP zurück, eine Zahl unter dem OECDDurchschnitt.
Des weiteren garantiert die einzigartige
Haushaltsvereinbarung
zwischen Präsident und Kongreß
ein Einsparungspaket von insge-

samt 76 Milliarden Dollar in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989.
Wir erwarten weitere Defizitreduzierungen in den folgenden Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf unter 2 Prozent des BSP
fallen wird. Außerdem haben wir
trotz starken Drucks Protektionismus vermieden.
Japan hat eine Reihe monetärer
und steuerpolitischer Maßnahmen
getroffen, darunter vergangenes
Jahr das Paket zur Ankurbelung
der Wirtschaft in Höhe von 6 Billionen Yen, die zum höchsten Anstieg der Binnennachfrage unter
den Industriestaaten geführt haben.
Kombiniert mit Bemühungen
zur weiteren Öffnung seiner Märkte für importierte Waren leistet
dieses Wachstum einen Beitrag zur
Verringerung
außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte.
Großbritannien hat eine bedeutende Steuerreform durchgeführt, zu
der auch eine erhebliche Reduzierung der Spitzensteuersätze gehört.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Anreize für Investitionen geschaffen und ein bedeutendes mittelfristiges Steuerreformprogramm formuliert.
Ich denke, daß diese und andere
koordinierte Bemühungen zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und zur Förderung von
Wachstum bei geringer Inflation beitragen werden. Seit unserem letzten
Treffen im Mai vergangenen Jahres
sind uns gute Gründe zum Optimismus
gegeben worden.
Diese lassen sich
wie folgt illustrieren:
Die Unruhe an den Finanzmärkten
im vergangenen Oktober war natürlich für uns alle Grund zur Besorgnis. Tatsächlich aber wuchs
das reale BSP in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der

�ersten. Die Stärke unseres Wirtschaftsaufschwungs wurde eindeutig unterschätzt. Heute stellen
wir neuen Optimismus im Hinblick
auf die Wachstumsaussichten für
1988 fest.
Überdies stieg das Volumen des
Welthandels 1987 um über 5 Prozent, die größte Rate seit 1984.
Die Exporte der nichtölproduzierenden Entwicklungsländer wuchsen
volumenmäßig um 10 Prozent - und
verhalfen dadurch ihrem BSP real
zu einem Anstieg von 4,5 Prozent.
Außerdem zeichnete sich in den
größten Industriestaaten eine Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte ab. In den
Vereinigten Staaten stiegen die
Exporte 1987 real um 18 Prozent,
während die Importe lediglich um
sieben Prozent anwuchsen.
Wir
erwarten einen weiteren Rückgang
der amerikanischen Handels- und
Zahlungsbilanzdefizite in diesem
Jahr, was sich in den gestern
verkündeten
Handelszahlen
für
März widerspiegelt.
Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Japans Handelsüberschuß, ausgedrückt als Anteil am BSP, erreichte im Jahr 1986 seinen Höhepunkt und ging seitdem stetig zurück; der Überschuß der Bundesrepublik Deutschland stabilisierte
sich im vergangenen Jahr und wird
sich erwartungsgemäß 1988 verringern.

Verbleibende Herausforderungen
Um nicht verdächtigt zu werden,
alles durch eine rosarote Brille zu
sehen, möchte ich betonen, daß immer
noch viel Arbeit vor uns liegt. Während die kurzfristige wirtschaftliche
Lage ermutigend aussieht, müssen wir
diesen Elan auch mittelfristig beibehalten. Wir müssen handeln, um das
Wachstum zu bewahren, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu re-

duzieren und ein günstiges Umfeld für
die wirtschaftliche Entwicklung und
die Verbesserung des internationalen
Schuldenproblems zu schaffen.
Die OECD erkennt die Notwendigkeit struktureller Reformen zur Ergänzung
solider
makroökonomischer
Maßnahmen. Im Februar 1984 hat sie
ein Ministertreffen in kleinem Rahmen
veranstaltet, wobei der Schwerpunkt
darauf lag, wie mit Hilfe struktureller
Anpassungen
Wachstumshemmnisse
abgebaut werden können. Solche Verkrustungen verhindern, daß Marktsignale von Gewerkschaften, Unternehmern
und Verbrauchern in wirtschaftliche
Reaktionen
umgesetzt werden.
Sie
verhindern oder verlangsamen den Grad
der Anpassung an neue Bedingungen in
der Wirtschaft und deren Umfeld. Wir
Tiüssen unsere Regierungen in den
Dienst einer Politik stellen, die unsere Volkswirtschaften befreit.
Viele von uns haben bereits in
erheblichem Maße Schranken abgebaut,
mit denen die Flexibilität unserer
Volkswirtschaften gehemmt wird.
In
den OECD-Ländern sind Steuerreformen
für Privatpersonen und Unternehmen zu
allseits akzeptierten Schritten geworden. Die Stitzensteuersätze sind
in vielen Ländern erheblich und in
anderen in bescheidenem Umfang gesenkt
worden.
Mittels
positiver
staatlicher Aktivitäten werden Anreize für Arbeit, Spartätigkeit und Investitionen geschaffen.
Darüber hinaus ist die Deregulierung auf den Finanzmärkten auf dem
Vormarsch. Großbritannien und Kanada
mit ihrem "big bang" und "little
bang" waren hier Wegbereiter. Andere
folgen auf dem Fuße. In den Vereinigten Staaten suchen wir die umfangreiche Deregulierung auszubauen, die
vor einigen Jahren stattfand. Gegenwärtig überdenkt der Kongreß das Gesetz, demzufolge Bank- und Wertpapiergeschäfte bei uns getrennt sind.
Der Senat hat ein Gesetz verabschiedet, mit dem das Glass-Steagall-Gesetz gründlich überholt wird. Unsere
Regierung unterstützt diesen lange

- 3 -

�überfälligen Schritt zur Modernisierung unseres Finanzwesens.
Wir erkennen ebenfalls die Notwendigkeit zur Stärkung der Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten.
Aus diesem Grunde wurden wir im vierten Halbjahr des vergangenen Jahres
von der auf 4,75 Prozent gestiegenen
Sparrate der Privathaushalte ermutigt. Die Rate lag im ersten Halbjahr über 4,50 Prozent. Das bedeutet
eine Zunahme gegenüber 3,50 Prozent
zu Beginn des Jahres 1987 und 4,25
Prozent im Jahr 1986.
Die europäischen Länder haben bei
der Liberalisierung ihrer Arbeitsund Kapitalmärkte sowie bei der Verringerung der Vorschriftenlast für
Unternehmen
Fortschritte
erzielt.
Aber es muß noch mehr getan werden,
um die hohe Arbeitslosenquote abzubauen und mehr Wachstum ohne Inflation herbeizuführen.
Japan hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Schaffung von mehr
Wettbewerb und Effizienz auf seinen
Kapitalmärkten erzielt. Aber es sind
weitere Aktivitäten notwendig, um die
bestehenden Verkrustungen abzubauen
und einen verbesserten weltweiten Zugang zu den japanischen Finanzmärkten
zu gewährleisten.

Die Rolle der Schwellenländer
Die Schwellenländer Asiens müssen
sich ebenfalls in erhöhtem Maße an
den Anpassungprozessen in der Außenwirtschaft beteiligen.
Ihre Außenhandelsüberschüsse erschweren - insbesondere im Falle Koreas und Taiwans
- eine Korrektur des weltweiten Ungleichgewichts und tragen zu protektionistischem Druck bei. Zur Verbesserung des Gleichgewichts zwischen
In- und Auslandsnachfrage sind bedeutsame strukturelle Veränderungen
erforderlich.
Bei Wechselkursen, Handel, Besteuerung, Deregulierung, Investitionen und Zugang zu den Kapitalmärkten

sind insbesondere in Korea und Taiwan
besondere Reformen notwendig. Diese
Veränderungen liegen langfristig im
besten Interesse dieser Länder. Die
Veränderungen sind ebenfalls erforderlich, wenn diese Länder ein Maß an
Verantwortung zur Erhaltung des internationalen Handelssystems übernehmen sollen, das mit ihrer rasch zunehmenden wirtschaftlichen Stärke im
Einklang steht.

Zusammenarbeit
in
schaft und Technik

Handel,

Wissen-

über diese Aufgaben hinaus ist
die Erhaltung eines offenen Handelsystems entscheidend für die interdependente Welt von heute. Um eine Liberalisierung des Handels zu erlangen, insbesondere in der Landwirtschaft, unterstützen wir die Arbeit
der Uruguay-Runde voll und ganz und
engagieren uns für ihren erfolgreichen Abschluß.
Dennoch sind alle
Länder letztlich verantwortlich für
den Erfolg der Runde, nicht nur die
Industrieländer.
Ich möchte ihre Aufmerksamkeit
kurz auf die politischen Empfehlungen
für Mitgliedstaaten, einen "Allgemeinen Rahmen von Prinzipien für die Internationale Zusammenarbiet in Wissenschaft und Technik" richten, der
im letzten Monat vom OECD-Ministerrat
verabschiedet wurde. Angemessene Investitionen
in
dynamische
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme
werden eine zunehmend wichtige Rolle
spielen, wenn es darum geht, die Dauerhaftigkeit des Wirtschaftswachstums
in den OECD-Ländern zu gewährleisten.
Dieser Rahmen stellt für diese Organisation eine große Leistung dar. Er
birgt die Möglichkeit zu weitreichenden Auswirkungen auf einen zunehmend
wichtigen Aspekt der internationalen
Wirtschaftsbeziehungen.
Ich fordere
Sie auf, mit mir zusammen dieses Dokument morgen in unserem Kommunique
zu bekräftigen.
Internationale Schuldenlast

�Ich möchte mich jetzt unseren gemeinsamen Bemühungen in einem anderen
Bereich zuwenden - dem Abbau der internationalen
Schuldenlast.
Der
wachstumsorientierte, auf den Einzelfall ausgerichtete Ansatz, den wir
seit 1985 verfolgen, hat uns unserem
Ziel ein erhebliches Stück näher gebracht und bleibt der einzige, für
alle Parteien akzeptable und praktizierbare Ansatz.
Unsere Strategie
ist evolutionär angelegt, und das hat
sich im vergangenen Jahr in der Weiterentwicklung eines "Spektrums" von
Finanzierungsoptionen für Finanzierungspakete von Geschäftsbanken widergespiegelt.
Im Gegensatz dazu
sind wir strikt gegen jeden Ansatz einschließlich der Schaffung einer
internationalen
Schuldenbehörde
-,
der seiner Beschaffenheit nach allgemein, global, von Regierungen der
Gläubigerländer finanziert oder obligatorisch ist. Solche Programme sind
nicht nur undurchführbar, sondern bewirken auch das Gegenteil. Im Hinblick auf die ärmsten Länder begrüßen
wir die positiven Schritte, die in
diesem Jahr unternommen worden sind,
um die Annahme von wirtschaftlichen
Reformprogrammen zu fördern.

Zusammenfassung
Abschließend möchte ich bemerken,
Herr Vorsitzender, daß trotz unserer
großen Leistungen in den vergangenen
Jahren noch wichtige Aufgaben vor uns
liegen. Das Programm ist weiterhin
von Herausforderungen gekennzeichnet,
und weitere Fortschritte werden anhaltende Zusammenarbeit erfordern.
Der große französische Philosoph
Alexis de Tocqueville hat im Jahr
1835 bemerkt, der Vorteil eines jeden
Mitglieds einer Gemeinschaft bestehe
in der Arbeit für das Gemeinwohl ein Grundsatz, den er als "wohlverstandenes Eigeninteresse" bezeichnete. Wir sollten de Tocquevilles Rat
folgen und die kleinlichen Eigeninteressen zum allgemeinen Wohl der internationalen Gemeinschaft beiseite
legen.
- 5 -

* * * * *

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Hintergrundmaterial

20

25. Mai 1983

ACDA-CHRONOLOGIE DER VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Zusammenfassung der Verhandlungen
über chemische Waffen wurde im Mai von der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben.
Verhandlungen über chemische Waffen
Die Vereinigten Staaten streben
seit langem ein umfassendes, wirksames, verifizierbares und wirklich
weltweites Verbot chemischer Waffen
an.

einigten Staaten strebten die Erörterung der umfangreichen Verifizierungsprobleme an, die sich aus dem
Verbot solcher Waffen ergeben würden
sowie die offene Verbreitung der zur
Verwirklichung eines solchen Verbots
erforderlichen Informationen.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der 40 Nationen
umfassenden
Abrüstungskonferenz
in
Genf eine Reihe von Inititiativen
vorgeschlagen.
Im Jahr 1984 legten
die Vereinigten Staaten einen Vertragsentwurf vor, der ein weltweites
Verbot der Entwicklung, Beschaffung,
Produktion, Lagerung sowie des Transfers und Einsatzes chemischer Waffen
vorsieht. Dieser Entwurf bildet nach
wie vor die Grundlage für die andauerden Verhandlungen.
Die Ver-

Im Jahr 1983 haben die Vereinigten Staaten beispielsweise für die
Abrüstungskonferenz
einen
Workshop
über die Verifizierung der Vernichtung chemischer Waffen im TooeleHeeresdepot in Utah veranstaltet. Im
August 1987 nahm die UdSSR die seit
langem ausgesprochene Einladung zum
Besuch des Heeresdepots an, nachdem
sie im Jahr 1983 ihre Teilnahme an
dem Tooele-Workshop verweigert hatte.
Bei diesem Besuch im November 1987
wurden der sowjetischen Delegation

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�Proben aller chemischen Munition in
amerikanischem Bestand gezeigt, einschließlich des Protoyps einer binären Artilleriegranate des Kalibers
155mm . Ferner wurden detaillierte
Ausführungen über die Charakteristika
der chemischen Kampfstoffe in amerikanischem Bestand sowie über das Vernichtungsprogramm für chemische Munition gemacht und das Vernichtungssystem für Munition mit chemischen
Kampfstoffen (CAMDS) besichtigt, wo
die ausgereiftesten Technologien der
Welt zur Vernichtung chemischer Waffen vorgeführt wurden. Im Jahr 1986
legten die Vereinigten Staaten der
Abrüstungskonferenz umfangreiche Informationen über die Zusammensetzung
chemischer Waffen und den Standort
der amerikanischen Bestände vor und
drängten andere Nationen, ihrem Beispiel zu folgen.
Es sind zahlreiche Verletzungen
der Genfer Konvention von 1925 über
das Verbot des Einsatzes chemischer
Waffen festzustellen. Die Sowjetunion war bei Produktion, Transfer und
Einsatz von Giftstoffen und anderen
Kampfstoffen zur chemischen Kriegführung in Laos, Kambodscha und Afghanistan
beteiligt.
Seit Januar
1931 sind chemische Waffen auch wiederholt im iranisch-irakischen Krieg
eingesetzt worden.
Die derzeitige
Anzahl von Staaten, die tatsächlich
oder
möglicherweise
einsatzfähige
chemische Waffen besitzen, ist groß
und weiter im Zunehmen begriffen.
Die amerikanische Regierung verurteilt
jeglichen
illegalen Einsatz
chemischer Waffen und unterstützt die
unverzügliche Überprüfung von Berichten über den Einsatz chemischer Waffen zusammen mit diplomatischen und
politischen Aktionen, die auf die
Wahrung des Genfer Protokolls von
1925 ausgerichtet sind.
Die Vereinigten Staaten treffen in regelmässigen Abständen mit einer Gruppe
westlicher Staaten und auf bilateraler Ebene mit der Sowjetunion zusammen, um Schritte zu erörtern und zu
koordinieren, mit denen der Weitergabe und dem Einsatz chemischer Waffen
Einhalt geboten werden kann.

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1984 zum Zweck der Erörterung
bilateraler Fragen in dem Versuch,
multilaterale Verhandlungen zu erleichtern und sich insbesondere auf
amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren, Gespräche mit der UdSSR über chemische
Waffen aufgenommen. Im November 1985
forderte die beim Gipfel abgegebene
Erklärung von Reagan und Gorbatschow
die Intensivierung bilateraler Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen. Wir haben solche Gespräche im Rahmen der Abrüstungskonferenz aufgenommen, und seither haben
acht Gesprächsrunden stattgefunden.
Wir erwarten weitere Gespräche im
Sommer 1988.
Im März 1987 haben die Sov/jets
zum ersten Mal den Besitz chemischer
Waffen zugegeben und behauptet, deren
Produktion
eingestellt
zu haben.
Ebenfalls im Jahr 1987 luden die
Sowjets die Abrüstungskonferenz zum
Besuch in ihren Produktionsstätten
für chemische Waffen in Schichany
ein, akzeptierten das Prinzip der Adhoc-Inspektion ohne Ablehnungsrecht
und gaben zweifelhafte Stückzahlen
für ihre Arsenale an.
Im Jahr 1988 haben die Sov/jets
ihre aktive Propaganda-Kampagne weitergeführt, die darauf abzielt, das
amerikanische Programm zur Modernisierung unseres eigenen CW-Abschrekkungspotentials
zu
unterminieren.
Sie verurteilten dieses Modernisierungsprogramm als Hindernis für den
Abschluß eines Vertrages, ignorierten
aber gleichzeitig die Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten seit Jahren
mit ihnen trotz ihres Besitzes chemischer
Waffen
verhandelten.
Die
Sowjets haben für die rasche Erarbeitung eines Verbots öffentlich Druck
ausgeübt. Dennoch haben ihre Experten daraufhin in den Verhandlungen
keine detallierten Vorschläge darüber
unterbreitet, wie noch anstehende
Fragen gelöst werden sollten. Wie
zahlreiche Vertreter bei den Verhandlungen über chemische Waffen festge-

- 2 -

�stellt haben, liegt "der Teufel im
Detail".
Leider waren die Sowjets
gerade bei den Details am unproduktivsten.
Obwohl sowjetische Initiativen,
mit denen größere Offenheit demonstriert wird, begrüßenswert sind, haben sie mehr Fragen aufgeworfen als
sie beantworten konnten. Die Sowjets
haben nicht das gleiche Datenmaterial
geliefert, wie es von den Vereinigten
Staaten über die Zusammensetzung des
Bestands, die Stationierungsorte, abgeschlossene, gegenwärtige und geplante Programme zur Zerstörung und
Technologie
geliefert wurde.
Die
dargelegte
Zahl
zum Bestand von
"nicht mehr als 50 000 Tonnen chemischer
Kriegführungsmittel"
liefert
keine Information über deren Zusammensetzung im Hinblick auf die abgefüllte Munition gegenüber der Gesamtmenge .
Trotz des bis jetzt bei der Abrüstungskonferenz
erzielten
Fortschritts bleiben zahlreiche entscheidende Fragen ungelöst.
Die Konferenzteilnehmer müssen immer noch detaillierte Bestimmungen aushandeln,
die eine verläßliche Verifizierung
sicherstellen, unverminderte Sicherheit für alle am Abkommen Beteiligten
im Zeitraum der Zerstörung der Bestände gewähren, die zivile chemische
Industrie überwachen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen
Waffen herstellt und sich mit dem Risiko befassen, daß einige Staaten,
die mit ihren chemischen Waffen eine
Bedrohung darstellen, nicht Unterzeichner der Konvention über chemische Waffen werden. Darüber hinaus
müssen Struktur, Durchführung, personelle Besetzung und Finanzierung der
internationalen Behörde noch erarbeitet und vereinbart werden, die diese
Konvention verwirklicht und überwacht.
Ein weltweites Verbot über chemische Waffen wäre schwierig zu verifizieren, und wir haben noch keine Lösungen für zahlreiche noch anstehende
entscheidende Verifizierungsprobleme.
Dazu zählen:

Ein militärisch bedeutsamer Bestand könnte in einem kleinen Gebiet versteckt werden.
Die Tatsache, daß viele Chemikalien und Materialien, die bei
chemischen Waffen Verwendung finden, ebenfalls in der Industrie
und Landwirtschaft verwandt werden.
Die Leichtigkeit und das Tempo,
mit dem chemische Waffen heinlich
unter Verwendung neuester Technik
hergestellt werden können.
Die Vereinigten Staaten verhandeln weiterhin über diese Probleme
und modernisieren gleichzeitig ihren
größtenteils veralteten Bestand, sowohl um einen Angriff auf amerikanische StreD.tkräfte und unsere Verbündeten weltweit abzuschrecken als auch
um der UdSSR einen Anreiz 2U schaffen, ernsthaft über ein Verbot, zu
verhandeln. Die Vereinigten Staaten
haben 196) einseitig die Produktion
chemischer Waffen eingestellt. Seitdem haben die Sowjets jedoch ihre
CW-Fähigkeiten erhöht. Demgemäß mußten die Vereinigten Staaten einen
doppelten Ansatz verfolgen.
Als Folge der von den Vereinigten
Staaten geübten einseitigen Zurückhaltung und des intensiven Modernisierungsprogramms der Sowjets bei ihren chemischen Waffen besteht bei
diesen Waffen ein ernstliches Ungleichgewicht zwischen Ost und West.
Die UdSSR besitzt ein enormes modernes C-Waffen-Arsenal, das als größter
Bestand chemischer Waffen auf der
Welt gilt, während die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten - größtenteils
unbrauchbar und vielfach aus den
vierziger und fünfziger Jahren - viel
von ihrer abschreckenden Wirkung gegen einen Ersteinsatz chemischer Waffen verloren hat. Es ist daher von
entscheidender Bedeutung, daß wir die
Glaubwürdigkeit der westlichen Abschreckung mit C-Waffen wiederherstellen, während Verhandlungen über
ein weltweites Verbot weitergeführt

- 3 -

�werden. Die Vereinigten Staaten sind
von Rechts wegen verpflichtet, ihre
Bestände an herkömmlichen C-Waffen
ungeachtet des Ergebnisses des Vertragsverhandlungen zu zerstören.
Ein umfassendes, wirksam verifizierbares und weltweites Verbot chemischer Waffen wäre eine bedeutende
Leistung und bleibt das Ziel der Vereinigten Staaten. Dennoch würde ein
nicht umfassendes oder verifizierbares Verbot die demokratischen Nationen ganz einfach der Fähigkeit berauben, den Einsatz chemischer Waffen
von seiten skrupelloser Mächte abzuschrecken.
Bis zum Abschluß eines
verläßlichen Verbots muß der Westen
seine Fähigkeit erhalten, den Einsatz
dieser Waffen durch andere Staaten
abzuschrecken.

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

25. Mai 1983

20

PROBLEME DER FREIZÜGIGKEIT
- Übersicht des Weißen Hauses -

Nachfolgend bringen wir eine vom Weißen Haus am 23. Mai anläßlich des Gipfeltreffens veröffentlichte Übersicht zu Problemen der Freizügigkeit.
Die Freizügigkeit ist bei allen
hochrangigen Diskussionen mit sowjetischen Regierungsvertretern über die
Menschenrechte ein Thema von besonderer Bedeutung. Unser Engagement bei
diesem Themenkomplex entstammt der
ersten Menschenrechtsverfügung, die
in der amerikanischen Gesetzgebung in
Form des Jackson-Vanik-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz von 1974 verankert
wurde.
Anfang des Jahres 1987 stieg die
Zahl der auswanderungswilligen sowjetischen Juden beachtlich über den relativ geringen Stand Mitte der achtziger Jahre an. Die Gesamtzahl des
Jahres 1987 belief sich auf 8 155
verglichen mit insgesamt nur 914 im
Jahr 1986. Im Verlauf des Jahres
1987 erhielten pro Monat 700 bis 900

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sowjetische Juden Auswanderungsdokumente. Seit Beginn des Jahres 1988
scheinen die sowjetischen Behörden
diese Zahl auf 1 000 pro Monat angehoben zu haben, eine Zunahme, die in
der Zahl derjenigen ihren Niederschlag fand, die ihre Auswanderungsvorbereitungen im März und April trafen. Die Zahl der auswandernden sowjetischen Juden liegt jedoch noch
immer weit unter den Zahlen der siebziger Jahre, als im Jahresdurchschnitt ca. 25 000 sowjetische Juden
ausreisten. Im Spitzenjähr 1979 emigrierten 51 320 sowjetische Juden.
Am 1. Januar 1987 traten neue sowjetische Einund Ausreisebestimmungen in Kraft. Diesen Bestimmungen
zufolge müssen Antragsteller eine
Einladung von engen Verwandten im

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�Ausland vorweisen - Geschwistern, Eltern oder Ehepartnern. Die sowjetischen Behörden haben sich nicht immer
ganz strikt an diese Bestimmung gehalten, sie dient jedoch dazu, neue
Antragsteller abzuschrecken.

Monat das Land verlassen.

Die Mehrzahl der Ausreiseverweigerungen erfolgt noch immer aufgrund
angeblicher "Kenntnis von Staatsgeheimnissen". Diese Logik wird höchst
willkürlich und häufig auch dann angewandt, wenn der Antragsteller noch
nie Zugang zu sicherheitsempfindlichen Informationen hatte, oder der
Zugang so lange zurückliegt, daß jegliche aus dieser Zeit stammenden Informationen längst nicht mehr sicherheitsrelevant sind.
Ein weiteres
Ausreisehindernis ist die erforderliche Unterzeichnung von finanziellen
Verzichtserklärungen durch die Eltern
und ehemaligen Ehegatten von erwachsenen Antragstellern. Die amerikanische Regierung hat die Sowjets wiederholt aufgefordert, diese und andere die Ausreise erschwerende Hemmnisse abzubauen.
Die Zahl der Emigranten ist auch
bei den anderen beiden Gruppen angestiegen, die als einzige in beträchtlicher Zahl ausreisen dürfen, den
Volksdeutschen
und den Armeniern,
tlehr als 14 000 Deutsche emigrierten
im Jahr 1987 in die Bundesrepublik
Deutschland, ein neuer Rekord im Vergleich zu 783 im Jahr 1986. Im Jahr
1988 belief sich die Zahl der deutschen Auswanderer im Durschnitt auf
über 2 000 pro Monat. Im Jahr 1986
wurde nur 247 sowjetischen Armeniern
die Ausreise gestattet. 1988 erhielten schätzungsweise 0 000 die Ausreisegenehmigung, die meisten von ihnen
in der zweiten Jahreshälfte. Aufgrund dieses steilen und unerwarteten
Anstiegs konnte die amerikanische
Botschaft in Moskau bis Ende des Jahres nur 3 000 armenische Anträge bearbeiten.
Die Botschaft hat jetzt
ihre Bearbeitungskapazität entsprechend der Anzahl derer erhöht, die
eine
Ausreisegenehmigung
erhalten,
und im Jahr 1988 haben durchschnittlich 1 000 sowjetische Armenier pro
- 2 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

25. Mai 1988

20

FÜNF TREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEIM GIPFEL
- Das Programm des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung des Weißen Hauses vom 20. Mai
1988 zufolge wird Präsident Reagan
während des Gipfeltreffens - bei dem
täglich Öffentliche Auftritte vorgesehen sind - fünfmal mit Generalsekretär Gorbatschow zusammentreffen.
Offizieller Beginn des Gipfeltreffens ist der 29. Mai, der Präsident verläßt das Weiße Haus jedoch
bereits am 25. Mai und kommt am frühen Morgen des nächsten Tages in Helsinki an. Reagan wird am 27. Mai von
Präsident Koivisto offiziell in Finnland willkommen geheißen; das Programm sieht eine BegrüßungsZeremonie,
ein Gespräch sowie ein Mittagessen
vor.
Danach

wird

sich

der

Präsident

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zum großen Finlandia Konzertsaal begeben, in dem die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet wurde und um 2.00
Uhr MESZ eine Ansprache über die
Durchführung
dieser
Vereinbarungen
und die Tagesordnung des Moskauer
Gipfels halten. Am 28. Mai wird die
wöchentliche
Rundfunkansprache
des
Präsidenten zum Gipfeltreffen ausgestrahlt.
Präsident Reagan kommt am 29. Mai
um 12.15 Uhr MESZ in Moskau an und
wird von Staatspräsident Gromyko am
Flughafen begrüßt.
Im Anschluß an
eine kurze Begrüßungszeremonie wird
sich der Präsident, begleitet von
einer Polizeieskorte, zum Kreml begeben. Sein erstes Zusammentreffen mit
Generalsekretär Gorbatschow ist für
13.15 Uhr MESZ im Georgssaal des

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�Kreml vorgesehen.

sion vorgesehen.

Das
zweite
Treffen
zwischen
Reagan und Gorbatschow findet am 30.
Mai um 8.00 Uhr MESZ im Katharinensaal statt. Nach einem für die Mittagszeit anberaumten Besuch des Danilow-Klosters treffen die beiden Regierungschefs ein drittes Mal, wiederum im Katharinensaal, zusammen.
In dem 700 Jahre alten Danilow-Kloster, das mit staatlichen Mittel restauriert wird, unterhält sich der
Präsident
mit
russisch-orthodoxen
Mönchen und sieht ihnen bei der Restaurierung von Ikonen zu. Dem Sprecher des Weißen Hauses Marlin Fitzwater zufolge betrachtet das Weiße Haus
diesen Besuch als "Symbol unseres Anliegens der Religionsfreiheit".

Arn Abend gibt Präsident Reagan im
Spaso-Haus ein Abendessen zu Ehren
von Generalsekretär Gorbatschow.

Um 14.30 MESZ ist eine Begegnung
mit sowjetischen Dissidenten und Ausreisewilligen im Spaso-Haus vorgesehen, der Residenz des amerikanisehen
Botschafters, in der Reagan während
des
Gipfels
untergebracht
ist.
Reagan wird mit den Besuchern Themen
wie die Rede- und Pressefreiheit und
das Recht auf Ausreise erörtern, gab
Fitzwater bekannt.
Der Präsident wird am Abend an
einem von Gorbatschow gegebenen offiziellen Essen im Facettenpalast des
Kreml teilnehmen.
Eine vierte offizielle Begegnung
zwischen Reagan und Gorbatschow findet am 31. Mai wiederum im Kreml
statt. Der Präsident kommt am Mittag
mit der sowjetischen Kulturund Künstlergemeinde im Schriftstellersaal zusammen.
"Bei diesem Treffen mit
Schriftstellern, Künstlern, Filmemachern und Intellektuellen wird die
Freiheit der Künste diskutiert", erklärte Fitzwater.
Am frühen Nachmittag wird der
Präsident vor Studenten der Moskauer
Universität eine Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen halten, unter besonderer Berücksichtigung der Jugendlichen; im Anschluß an
seine Ausführungen ist eine Diskus-

Am 1. Juni findet das fünfte und
letzte Treffen mit Gorbatschow im
Kreml statt. Der Präsident hat für
14.00 MESZ eine Pressekonferenz im
Spaso-Haus anberaumt.
Am Abend des 1. Juni werden die
Ehepaare Reagan und Gorbatschow einer
Aufführung des Bolschoi-Balletts beiwohnen und anschließend an einem privaten Abendessen in Gorbatschows Datscha teilnehmen.
Die beiden Ehepaare verabschieden
sich offiziell am 2. Juni um 8.00 Uhr
MESZ, und Staatspräsident Gromyko
nimmt an der Abschiedszeremonie für
Präsident Reagan am Flughafen teil.
Der Präsident unterbricht den
Rückflug in London. Zum Nachmittagstee ist er zu Gast bei Königin Elisabeth im Buckingham Palast. Nach Abschreiten der königlichen Ehrengarde
kommt Präsident Reagan mit Premierministerin Thatcher in Nr. 10 Downing
Street
zusammen.
Das
Ehepaar
Thatcher gibt am Abend ein Essen zu
Ehren der Reagans.
Am 3. Juni hält der Präsident um
13.00 Uhr MESZ eine Ansprache im Rathaus der City von London mit einer
Zusammenfassung der Ereignisse in
Moskau. Fitzwater zufolge wird der
Präsident ferner die Zukunft der
Ost-West-Beziehungen ansprechen. Vor
der Rede ist ein Treffen mit dem japanischen Premierminister Takeshita
vorgesehen.
Der Präsident und seine Gattin
werden am 3. Juni um 22.30 Uhr MESZ
auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrew
Air Force Base zurückerwartet.

* * * * *

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1

W

Hintergrundmaterial

25. Mai 1983

20

RELIGIÖSE RECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem am 23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichen
Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Obwohl die sowjetische Regierung
für sich in Anspruch nimmt, die Rechte ihrer Bürger auf Ausübung jeglicher Religion zu respektieren, werden
die Gläubigen durch zahlreiche vom
Staat auferlegte Hindernisse eingeschränkt.
Zum Beispiel garantiert
die sowjetische Verfassung das Recht
auf "religiöse Verehrung", gestattet
aber nicht die Bildung religiöser Organisationen und die Verbreitung religiöser Überzeugungen im Hinblick
auf eine vollständige verfassungsmässige Gleichstellung mit atheistischen
Organisationen.
Selbst das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Religionsausübung
ist in der Sowjetunion sehr eingeschränkt. Alle religiösen Bekenntnisse müssen zur legalen Religions-

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Embassy of the United States of America

ausübung vom sowjetischen Staat offiziell anerkannt sein.
Diese Vorschrift wurde in der Vergangenheit
dazu benutzt, um die Legalisierung
der von der sowjetischen Regierung
vor über 40 Jahren verbotenem Ukrainischen Katholischen Kirche zu blokkieren und die Registrierung der Hare-Krishna-Bewegung
zu
verhindern.
Des weiteren muß jede Religionsgemeinschaft per Gesetz mindestens 20
Gläubige zählen und vom Staat zugelassen
und
registriert
werden.
Manchmal schleppt sich die Bearbeitung von Anträgen dieser Art jahrelang dahin und hindert somit eine Gemeinde daran, sich legal zu formieren.
Sowjetische Bürger, die trotz
dieser Hindernisse hartnäckig an der
Praktizierung ihres Glaubens fest-

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�halten, sind häufig Belästigungen
ausgesetzt. Gläubige sind von der
Mitgliedschaft in der Kommunistischen
Partei ausgeschlossen und haben deshalb in der Sowjetunion praktisch
keinerlei Zugang zu einflußreichen
Stellungen. Außerdem wird Gläubigen
der Zugang zu bestimmten Bildungswegen und Berufen verweigert.
Zahlreiche Gläubige wurden inhaftiert. Die meisten wurden auf der
Grundlage von Paragraphen des Strafgesetzbuches verurteilt wie etwa denen für "antisowjetische Verleumdung"
oder "antisowjetische Agitation und
Propaganda", die eine direkte Verletzung freiwillig von der Sowjetunion
eingegangener
internationaler
Verpflichtungen darstellen. Andere etwa
"die Verletzung von Gesetzen über die
Trennung von Kirche und Staat" betreffende Paragraphen werden benutzt,
um Gläubigen ihre Rechte vorzuenthalten. Obwohl, über 100 Gläubige in den
vergangenen eineinhalb Jahren aus
Haftanstalten, Arbeitslagern und Verbannung entlassen wurden, sind über
100 Personen weiterhin
in Haft.
Einigen Berichten zufolge sind die
Zahlen der Häftlinge aus religiösen
Gründen noch höher.
Religiöse Erziehung ist ebenfalls
sehr stark eingeschränkt. Alle Formen religiösen Unterrichts, mit Ausnahme der Ausbildung in Priesterseminaren und der elterlichen Erziehung,
sind in der Sowjetunion verboten.
Die Ausübung der Religion wird weiterhin durch Schranken gegen die Einfuhr und Herstellung religiösen Materials sowie durch den Mangel an
ausgebildeten Geistlichen und Gebetsstätten behindert.

* * * * *

-2

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Hintergrundmaterial

^^ION

25. Mai 1983

20

MENSCHENRECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin unbefriedigt über das sowjetische Verhalten bei den Menschenrechten.
Die Sowjetunion verletzt
anhaltend Menschenrechte und Grundfreiheiten, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen internationalen Abkommen definiert werden.
Dennoch haben in den vergangenen
anderthalb Jahren mehrere bedeutsame
Entwicklungen bei den Menschenrechten
in der Sowjetunion stattgefunden. Im
Dezember 1986 gestatteten die sowjetischen Behörden Andrej Sacharow nach
sieben Jahren Verbannung die Rückkehr
nach Moskau. Mehr als 300 politische
Gefangene sind seit Februar 1987
freigelassen worden, die umfangreichste Haftentlassung von Dissidenten
seit der Zeit unmittelbar nach Sta-

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lin. Die Sowjets haben ebenfalls erklärt, psychiatrische "Spezial"-Kliniken gehörten nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums.
Vereinigungen und Organisationen
ohne staatliche Unterstützung werden
geduldet, obwohl die Mitglieder einiger
politischer
Interessengruppen,
wie etwa des "Presseclubs Glasnost"
belästigt werden. Im Dezember 1987
gelang dem "Presseclub Glasnost" die
Durchführung eines Seminars zur Problematik der Menschenrechte, obwohl
sich die Teilnehmer in Privatwohnungen treffen mußten und einige potentielle Teilnehmer
verhaftet wurden.
Einer Reihe von Amerikanern, die sich
um eine Teilnahme bemüht hatten, wurden sowjetische Visa verweigert.

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Telex: 8-85432

�Es muß noch viel mehr getan werden. Uns sind die Namen von über 300
Personen bekannt, die aufgrund ihrer
politischen oder religiösen Überzeugung immer noch in Gefängnissen, Arbeitslagern und psychiatrischen Kliniken eingesperrt sind.
Obwohl im
November 1986 eine Überprüfung des
entsprechenden Gesetzes zugesagt wurde, ist bis jetzt keine einschneidende Reform durchgeführt worden. Einen
besonderen Anlaß zur Besorgnis liefert die Festnahme des armenischen
Aktivisten Paruir Arikian im März
1988 wegen "antisowjetischer Verleumdung". Es handelt sich hierbei um
einen der "politischen" Paragraphen,
der Vertretern der sowjetischen Regierung zufolge mit der ' Gesetzesreform abgeschafft werden sollte - Arikian war seit anderthalb Jahren die
erste aufgrund dieses Paragraphen
festgenommene Person.
In diesem Jahr der Tausendjahrfeier des Christentums in der Kiewer
Rus ist die religiöse Unterweisung
außerhalb des eigenen Hauses verboten. Die Gebetsstätten, die Zahl der
Priester und die Versorgung mit religiöser Literatur reichen nicht aus,
um den Bedarf der Gläubigen zu dekken. Die Lehre der hebräischen Sprache ist verboten. Die unabhängige
Ukrainische Orthodoxe Kirche bleibt
zwangsweise mit einer russisch-orthodoxen Kirche verbunden, und die
Ukrainische Katholische Kirche darf
dem Gesetz nach nicht bestehen.
1987 stieg die Zahl der Auswanderer. Die Gesamtzahl der im Jahr 1987
ausgewanderten Juden betrug 8 155,
und gegenwärtig erhalten monatlich
etwa 1 000 sowjetische Juden Ausreisegenehmigungen. Obwohl diese Zahlen
gegenüber 914 im gesamten Jahr 1986
ein günstiges Bild zeigen, liegen sie
wesentlich unter den Zahlen der siebziger Jahre, als jeden Monat etwa
2 000 sowjetische Juden ausreisten.
Im Spitzenjähr der Auswanderung von
Juden, 1979, emigrierten mehr als
51 000 sowjetische Juden.

- 2 -

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Hintergrundmaterial

20

25. Mai 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE UND IHRE PARALLELEN
IN DER VERGANGENHEIT
- von Dom Bonafede (Der Verfasser ist leitender Redakteur der Zeitschrift 'National Journal')

Die
amerikanische
Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
hat ähnlich wie die voraufgegangenen
Wahlkämpfe der letzten zwei Jahrhunderte Parallelen in der Vergangenheit
und Auswirkungen für die Zukunft.
Ein hervorragendes Beispiel dafür
liefern die gegenwärtige Kampagne und
der Wahlkampf von 1960, bei denen offensichtlich Parallelen bestehen. In
beiden Fall standen zwei populäre
Präsidenten - damals Dwight Eisenhower und jetzt Ronald Reagan - am
Ende
ihrer
verfassungsmäßig
beschränkten zwei Amtszeiten und machten den Weg frei für ein offenes Rennen in beiden politischen Parteien.
Jeder war bei seinem Rücktritt
der älteste Präsident der Geschichte

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und in seiner Eigenschaft als Regierungschef bekannt dafür, daß er Vollmachten delegierte. Während seiner
Amtszeit erlebte jeder eine nationale
Rezession, eine Wahlniederlage seiner
Partei zur Mitte der Amtszeit sowie
Skandale bei seinen Beratern und fand
dennoch weiterhin Anklang in der Öffentlichkeit.
Im Bereich der Außenpolitik amtierte jeder gerade zu der Zeit, als
die sowjetische Führungsspitze die
überkommenen
Formen
aufzubrechen
suchte, zuerst Nikita Chruschtschow
und gegenwärtig Michail Gorbatschow.
Sowohl Eisenhower als auch Reagan
ließen der Republikanischen Partei
als Teil ihres Vermächtnisses die
Wahl zwischen Kontinuität oder Wan-

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�del.
Darüber hinaus versetzten sie
ihre Vizepräsidenten in die Lage,
Nachfolger zu werden.
Ungeachtet
der
Übereinstimmung
zwischen Vergangenheit und Gegenwart
hat jedes Streben nach der Präsidentschaft seinen besonderen Eigencharakter und eigene Merkmale, wenn es darum geht, die Anliegen und Wunschvorstellungen der Zeit zu berücksichtigen.
Im Einklang mit dem historischen
Zyklus und der Stimmung im Land
scheinen amerikanische Wähler bei ihrem nächsten Präsidenten in stärkerem
Maße Kompetenz und eine starke Führungsrolle zu suchen als Stil und
Charisma, wozu im Zeitalter der Massenmedien die Tendenz bestand.
Der gegenwärtige Wahlkampf ist
der ertse seit 1968, in dem sich kein
amtierender Präsident zur Wiederwahl
stellt. Noch wichtiger ist, daß der
erste ernsthafte schwarze Kandidat,
Jesse Jackson, sich nunmehr um die
Präsidentschaft bewirbt.
Obwohl George Bush schon für die
Nominierung der Republikaner feststeht, sollte man sich vergegenwärtigen, daß die Geshichte nicht wohlwollend mit Vizepräsidenten umgegangen
ist, die direkt aus ihrer Position
der Nummer Zwei heraus ins Weiße Haus
gewählt werden wollten. Der letzte
erfolgreiche Kandidat war Martin Van
Buren im Jahr 1836 als Vizepräsident
unter Andrew Jackson.
Van Buren war der Nutznießer der
loyalen Gefolgschaft von "Old Hickory", wie Jackson genannt wurde. Dasselbe trifft nicht auf das Verhältnis
zwischen Bush und Reagan zu.
Die Billigung des Präsidenten bedeutet nicht den Sieg für einen Vizepräsidenten, wie Richard Nixon 1960
und Hubert Humphrey 1968 erfahren
mußten.
Als Nicht-Regierungspartei suchen
die Demokraten - wie im Jahr 1960 bei

ihrer Nominierung John F. Kennedys nach einem neuen und anders gearteten
Kandidaten, der keine Assoziationen
mit der Vergangenheit hervorruft.
Diese Beschreibung trifft auf den
möglichen Kandidaten der Partei, den
Gouverneur von Massachusetts Michael
Dukakis, zu.
Im Gegensatz zu den letzten Präsidentschaftswahlkampagnen zieht keiner der Kandidaten gegen Washington
zu Felde. Unter den möglichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen, ist die allgemein gesunde
Wirtschaftslage der Nation, mit bemerkenswert niedriger Inflationsrate
und Arbeitslosenquote sowie die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
eine Zeitspanne relativen Friedens
erleben, obgleich sie ihre nationalen
Interessen gegen internationale Terroristen verteidigen und weltweit ihre Präsenz in Unruheherden behaupten,
wie etwa in Mittelamerika und dem
Persischen Golf.
Es ist auch das erste Mal in der
jüngeren Vergangenheit, daß es keine
Kandidaten gibt, die als Außenseiter
oder Unabhängige gegen den Strom und
das politische Establishment kandidieren, wie etwa George Wallace,
Eugene McCarthy, John Anderson und
Jimmy Carter in früheren Kamapagnen.
Darüber hinaus gibt es den Beobachtungen Gary Orrens von der John F.
Kennedy School of Government an der
Harvard University
zufolge keinen
herausragenden Kandidaten, der eindeutig das Zeug zum Präsidenten hat.
Zitat Orren: "Es gibt keinen Kandidaten, der als Komet fungiert, an dem
sich die anderen orientieren".
Ihm zufolge "bedeutet dies, daß
die Kampagne von kurzfristigen Faktoren dominiert wird - den Medien, den
Vorschriften, Geld und der Charakterfrage" .
Damit besteht ebenfalls die grössere
Wahrscheinlichkeit
für
ein
Kopf-an-Kopf-Rennen im November.

�Ein weiterer herausragender Faktor der Kampagne von 1988 besteht darin, daß die führenden Kandidaten Bush, Dukakis und Jackson - eher
Pragmatiker als Ideologen sind. Das
steht in starkem Gegensatz zur Kampagne von 1984, bei der Reagan seine
konservativen Werte und der demokratische Kandidat Walter Mondale seinen
Liberalismus propagierte.
Statt dessen stellt sich jeder
Kandidat mit dem Thema dar, daß er
die Kompetenz, Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt, um mit den Problemen des Landes sowohl auf nationaler
wie auch auf internationaler Ebene
fertigzuwerden.
Jeder stellt seine
zupackenden organisatorischen Fähigkeiten stärker heraus als seine Ideologie.
Ungewöhnlich an der gegenwärtigen
Kampagne ist das Fehlen eines 'heißen
Eisens', mit dessen Hilfe die Parameter des Wettbewerbs abgesteckt werden
und zu dem die Kandidaten eine Koalition mobilisieren können. Traditionell schlägt der Spitzenkandidat ein
Programm vor, das größtenteils auf
eine Wiederbelebung der Wirtschaft
und Stärkung der amerikanischen Aussenpolitik abzielt. Aber dieses Mal,
so bemerkt der Politikwissenschaftler
Erwin Hargrove von der Vanderbilt
University, "gibt es keine Problembereiche, die der Öffentlichkeit ein
Anliegen wären".
Dennoch gibt es zahlreiche soziale und die Lebensqualität betreffende
Fragen von großer Bedeutung für nahezu jeden Amerikaner, auf die der Kandidat eingehen muß. Dazu zählen Erziehung,
Drogenkonsum, Verbrechen,
Gesundheitsfürsorge, AIDS, die Todesstrafe, Abtreibung und Pornographie.
Die vom Meinungsforscher des Weißen
Hauses, Richard Wirthlin, durchgeführten Untersuchungen zur öffentlichen Meinung zeigen, daß soziale Fragen die Wähler stärker beschäftigen
als die Wirtschaft. Man sollte sich
auch daran erinnern, daß Reagan in
seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
Werte wie Familie, Gemeinwesen und

Religion hervorhob.
Jackson hat sich mehr als alle
anderen Kandidaten auf diese Themen
konzentriert und vorgeschlagen, der
Staat solle bei ihrer Lösung eine
größere Rolle spielen. Zum Drogenproblem vertritt Bush die Auffassung,
führende Köpfe des Drogengeschäfts
sollten im Falle ihrer Überführung
mit dem Tode bestraft werden; Dukakis, der die Todesstrafe ablehnt,
spricht sich dagegen für verstärkte
Erziehungsmaßnahmen, Prävention und
Rehabilitation bei Jugendlichen aus.
Um die Präsidentschaftswahl 1988
zu gewinnen, muß ein Kandidat der
einhelligen Meinung der politischen
Beobachter zufolge in gesellschaftlichen Fragen einen nachhaltigen Eindruck bei ethnischen, religiös motivierten und zur Arbeitnehmerschaft
zuzurechnenden Wählern hinterlassen.
Ein weiteres parteiübergreifendes
Thema betrifft die persönliche Moral
und das Berufsethos der Kandidaten.
Robert Teeter, ein Experte zu Fragen
der öffentlichen Meinung, der sich
auf republikanische Kandidaten und
Anliegen spezialisiert hat, behauptet, daß nach der Ausschaltung von
Ideologie als entscheidender Faktor
die Wähler nun dem Charakter der Kandidaten mehr Beachtung schenken.
Die von großem publizistischen
Echo begleiteten Skandale um den ehemaligen demokratischen Kandidaten Senator Gary Hart, die Insider-Geschäfte an der Wall Street und die Sexund-Geld-Enthüllungen um die Fernsehevangelisten Jim und Tammy Bakker und
Jimmy Swaggart sowie die Verurteilungen
der
früheren
Reagan-Berater
Michael Deaver und Lyn Nofziger haben
die amerikanische Öffentlichkeit besonders für das Problem der Moral
sensibilisiert.
Enthüllungen über moralisch zweifelhafte Verhaltensweisen sind kaum
neu. Dennoch habe sich die Spielregeln geändert: das Privatleben von
im Lichte der Öffentlichkeit stehen-

- 3 -

�den
Personen,
Regierungsvertretern
und Politikern wird heute als legitimes Betätigungsfeld der Nachrichtenmedien angesehen, womit theoretisch
ein Schlüssel zu ihrem Charakter hinter den Kulissen, ihren potentiellen
Fähigkeiten und zu erwartenden Leistungen geliefert wird.
Eine damit in Zusammenhang stehende Frage betrifft die Kontroverse
über den Mißbrauch staatlicher Macht
in der Iran-Contra-Affäre.
Obwohl
gegen zwei ehemalige Berater des
Weißen Hauses für Angelegenheiten der
nationalen Sicherheit, Admiral John
Poindexter und Oberstleutnant Oliver
North, in diesem FalL Anklage erhoben
wurde, bleiben die Auswirkungen auf
Bushs Wahlkampf weiter ungewiß. Der
Vizepräsident hat standhaft behauptet, daß er mit dem Entscheidungsfindungsprozeß vor der Affäre nichts
zu tun hatte.
Trotzdem könnte die Besorgnis der
Öffentlichkeit über den Vorfall Auswirkungen auf die Wahl haben.
Ein ehernes Gesetz der amerikanischen Politik besagt, daß die Außenpolitik - mit Ausnahme der Frage von
Krieg oder Frieden - keinen starken
Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat. Die anstehende Wahl könnte jedoch eine Ausnahme bilden.
Bushs Haltung zur Außen- und Verteidigungspolitik
ist zum größten
Teil eine Reproduktion derjenigen
Präsident Reagans - Unterstützung antikommunistischer Kräfte, eine starke
Verteidigung, Weiterverfolgung eines
Rüstungskontrollabkommens
mit
der
Sowjetunion
und Unterstützung der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).
Die beiden führenden Bewerber bei
den Demokraten haben andere politische Maßnahmen vorgeschlagen, die
sich in vielen Bereichen unterscheiden.
Aufgrund
seiner
Erfahrung
in
"Privatdiplomatie" und seines Ein-

fühlungsvermögens für die Dritte Welt
tritt Jackson für eine radikale Neuorientierung amerikanischer Außenund Verteidigungspolitik ein, die er
als "neuen Realismus" bezeichnet.
Grundlegende
Vorschläge
sind:
Beendigung der amerikanischen Hilfe
für die Contra-Rebellen in Nicaragua,
Unterstützung eines unabhängigen Palästinenserstaates,
schärfere
USSanktionen gegen Südafrika, Schuldenentlastung für Staaten der Dritten
Welt. Im Verteidigungsbereich befürwortet er: Einfrieren der Militärausgaben auf gegenwärtigem Dollarstand für fünf Jahre, Reduzierung der
US-Streitkräfte in Westeuropa, Einstellung der Entwicklung von Tarnbombern (Stealth) und SDI, Reduzierung
der Flugzeugträgerverbände der Marine, Abschaffung der MX-Raketen und
einen Stop bei Midgetman und D-5-Raketen.
Kritiker argumentieren, die
Reduzierungen im Militärarsenal des
Landes machten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten verwundbar
für einen sowjetischen Angriff. Ausserdem drücken sie ihre Besorgnis
über sein gutes Verhältnis zu Kubas
Fidel Castro und zu Yassir Arafat,
dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), aus.
Was seine Vorschläge zur Außenund Verteidigungspolitik angeht, so
hat sich Dukakis weniger deutlich
ausgedrückt und wurde sowohl von
Jackson wie auch von Bush wegen seines Mangels an direkter Erfahrung in
diesem Bereich kritisiert.
Er hat eine außen- und verteidigungspolitische Haltung umrissen, die
den Vorstellungen der liberalen Mitte
der Demokratischen Partei entspricht.
So hat er betont, was er als eine politische Position bezeichnet, die
"amerikanische Werte" widerspiegelt,
darunter Menschenrechte, Respektierung der Herrschaft des Gesetzes und
einen multilateralen Ansatz zur Lösung weltweiter Probleme durch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Organisation
Amerikanischer Staaten.

- 4 -

�Dukakis ist strikt gegen die Gewährung von Hilfe an die Contras. Er
ist ein energischer Freund Israels,
weigert sich aber gleichzeitig, eine
positive oder negative Haltung gegenüber einem Palästinenserstaat einzunehmen. Er hat über die Möglichkeit
eines Abzugs amerikanischer Truppen
aus Korea spekuliert und Wege zur
Aufnahme von Gespräche mit Castro
sondiert.
In der Verteidigung befürwortet
er eine Reduzierung der strategischen
Waffen um 50 oder mehr Prozent, einen
umfassenden Atomteststopp, die Beschränkung von SDI auf das Forschungs- und Entwicklungsniveau von
vor 1983 sowie eine Aufrüstung der
konventionellen Streitkräfte.

der enorm breiten Berichterstattung
durch die Medien sowie des großen
Felds früher Kandidaten hat der Präsidentschaftswahlkampf
1988
nicht
vermocht, intensives Interesse oder
echte Begeisterung unter den Wählern
hervorzubringen. Weitgehend aufgrund
seiner Fähigkeiten als Redner, persönlicher Anziehungskraft und seinem
Status als Superstar hat Jackson allein ein gewisse Maß an Energie und
Enthusiasmus geliefert. Bush und Dukakis entbehrten dem allgemeinen Empfinden zufolge der Wärme, des Flairs
und jener undefinierbaren Aura, die
einer nationalen Zuhörerschaft imponiert.
Angesichts dessen ist es nicht
unvorstellbar, daß die Wahlbeteiligung geringer ausfallen wird als die
im Jahr 1984 verzeichneten 53 Prozent.

Während Dukakis weniger Erfahrung
im Umgang mit ausländischen Politikern hat als Bush oder Jackson, ist
er ihnen gegenüber jedoch durch seine
natürliche Begabung für Fremdsprachen
im Vorteil. Er spricht fließend Spanisch und besitzt ausreichende Kenntnisse in Griechisch und Französisch.
In einer bedeutsamen Abkehr von
der Praxis des Jahres 1984 hat Dukakis es sorgfältig vermieden, Politik
für einzelne Wählergruppen zu machen
und vor seiner Nominierung Verpflichtungen für mächtige Interessengruppen
einzugehen, wie Mondale dies zu seinem Bedauern getan hatte. Zu Beginn
seiner Kampagne um die demokratische
Nominierung hatte Mondale sich beflissen um die Unterstützung der
AFL-CIO, der National Education Association und der National Organization
for Women bemüht und sie auch erhalten. Zu seinem Nachteil wurde Mondale als "Gefangener" von Interessengruppen dargestellt.
Im
Dukakis
höherer
wohl er

Gegensatz zu Mondale vermied
es auch, sich zur Einführung
Steuern zu verpflichten, obdies nicht ausgeschlossen hat.

Trotz des langen Zeitraums der
Vorwahlen und Caucus-Abstimmungen und
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und Stärke gegründet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim OECD-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Freizügigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Programm des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Religiöse Rechte in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dom Bonafede&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ o N

V

4

21

1 . Juni

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge
Der Krieg zwischen Iran und Irak
- Ein Überblick Der Nahost-Friedensprozess
- Ein Überblick Der KSZE-Prozess
- Eine Ü b e r s i c h t Die B e r l i n I n i t i a t i v e
- Eine Ü b e r s i c h t -

\

Regionaler Dialog
- Eine Ü b e r s i c h t -

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4

VON

1. Juni 1988

21

VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge -

Der folgende Abriß amerikanischer und sowjetischer Vorschläge bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen gibt den Stand vom 6. Mai 1988 wieder.
Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Rüstungen - START
Vereinigte Staaten
Allgemeine Haltung
50prozentige stufenweise Reduzierung strategischer Offensivwaffen bis
auf einen Gleichstand im Zeitraum von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrages.
Das Abkommen ist nicht abhängig
von der Lösung anderer Probleme ausserhalb der START-Verhandlungen.

50prozentiger Abbau strategischer
Offensivwaffen bis auf einen Gleichstand in zwei Phasen über einen Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages, mit nachfolgenden Verhandlungen über zusätzliche
Reduzierungen.
Die Durchführung der 50prozentigen Reduzierung ist abhängig von der
Lösung des Problems der Verteidigung
im Weltraum (DDS).

Vereinigte Staaten
Trägersysteme

Sowjetunion
Allgemeine Haltung

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Eine Obergrenze von 1 600 stationierten offensiven strategischen Trägersystemen in Form von stationierten

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Telex: 8-85432

�Interkontinentalraketen (ICBMS), stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und schweren
Bombern.

Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen,
gleiche Gefechtskopfuntergrenzen für
ICBMs und SLBMs sowie eine Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf Bombern.

Sowjetunion
Trägersysteme

Vereinigte Staaten

Eine Obergrenze von 1 600 stationierten offensiven strategischen Trägersystemen in Form von stationierten
Abschußvorrichtungen für ICBMs und
SLBMs und stationierten schweren Bombern.

Schwere ICBMs
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren
ballistischen Raketen.
Verbot von
Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder existierender
Typen schwerer ICBMs.

Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe

Sowjetunion

Eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs
und SLBMs und atomar bewaffneten
ALCMs (luftgestützten Marschflugkörpern) großer Reichweite; jeder nur
mit Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite (SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt als ein
Gefechtskopf.

Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren
ICBMs.
Produktion,
Flugerprobung
oder Modernisierung existierender Typen schwerer ICBMs ist erlaubt. Entwicklung, Erprobung und Stationierung
neuer Typen schwerer ICBMs ist verboten.

Sowjetunion

Vereinigte Staaten

Gefechtsköpfe
Identisch mit der
Vereinigten Staaten.

Schwere ICBMs

Wurfgewichte
Position der

Vereinigte Staaten
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf
ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen

Die Wurfgewichte der sowjetischen
ICBMs und SLBMs zusammengenommen werden um 50 Prozent unter das gegenwärtig
bestehende
Niveau
reduziert.
Während der Geltungsdauer des Vertrages wird keine Seite dieses Niveau
überschreiten.

Sowjetunion
Wurfgewichte
Im Prinzip identisch mit der Position der Vereinigten Staaten, aber
beide Seiten müssen sich darauf verständigen, wie diese Verpflichtung
schriftlich niedergelegt werden soll.

�Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe
Raketen

auf

ballistischen

Für die bestehenden Typen wird
eine Quote von Inspektionen vor Ort
festgesetzt, um zu verifizieren, daß
die beim Washingtoner Gipfel deklarierte und vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
nicht
überschritten
wird.
Für zukünftige Typen sowie
Veränderungen bei der Zahl der Gefechtsköpfe auf bestehenden Typen
müssen
die
Verfahrensweisen
noch
festgelegt werden.

Sowjetunion
Gefechtsköpfe
Raketen

auf

ballistischen

Inspektionen vor Ort sind nur
dann erlaubt, wenn eine Seite eine
Zahl von Gefechtsköpfen angibt, die
das Maximum der erprobten Gefechtsköpfe unterschreitet.

klearwaffen (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben
und
Angriffsraketen
kurzer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber würde im Rahmen der Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen als
ein Gefechtskopf zählen.
Sowjetunion
Schwere Bomber
Die sowjetische deckt sich
der amerikanischen Position.

mit

Vereinigte Staaten
ALCMs
Luftgestützte
Marschflugkörper
(ALCMs) werden als luftgestützte, nuklearbestückte riarschflugkörper mit
einer Reichweite von 1 500 Kilometern
definiert. Jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber wird eine vereinbarte Anzahl von ALCMs zugeschrieben, damit gegen die Obergrenze von
6 000
Gefechtsköpfen
aufgerechnet
werden kann.
Sowjetunion
ALCMs

Vereinigte Staaten
Mobile ICBMs
Sind verboten, falls es nicht gelingt, das Problem der Verifizierung
zu lösen.

Sowjetunion

ALCMs werden als luftgestützte
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 Kilometern definiert.
Die Anzahl der einem ALCM- fähigen
schweren Bomber zugerechneten ALCMs
soll maximal so hoch sein wie die
Zahl, für die der jeweilige Typ ausgerüstet ist. Die Anzahl der nuklearbestückten ALCMs soll reduziert
werden.

Mobile ICBMs
Vereinigte Staaten
Sind erlaubt, mit Begrenzung für
Abschußvorrichtungen und Gefechtsköpfe.

Vereinigte Staaten
Schwere Bomber
Jeder schwere Bomber zählt als
ein TrägerSystem für stragegische Nu-

SLCMs
Beide
Vertragsparteien
werden
eine für beide Seiten annehmbare Lösung zur Begrenzung der Stationierung
nuklearbestückter
SLCMs
längerer
Reichweite (seegestützten Marschflugkörpern) erarbeiten. Solche Begrenzungen bedeuten nicht, daß diese
SLCMs im Rahmen der Obergrenzen von

- 3 -

�6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen offensiven TrägerSystemen
gezählt werden.
Beide Seiten verpflichten sich zur Schaffung von
Obergrenzen für diese Raketen und zur
Erarbeitung für beide Seiten annehmbarer und wirksamer Methoden zur Verifizierung
solcher
Begrenzungen.
Dazu zählen Nationale Technische Mittel (NTM), kooperative Maßnahmen und
Vor-Ort-Inspektionen. Bisher konnten
die Vereinigten Staaten keinen wirksamen Ansatz zur Verifizierung der
SLCMs erkennen.

nierung von Systemen vermutet. Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet
werden.
Sowjetunion
Verifizierung der Einhaltung
Im Prinzip ist die sowjetische
Position mit der amerikanischen identisch. Bei den Einzelheiten sind jedoch beträchtliche Abweichungen festzustellen. Die sowjetischen Punkte
sind für eine wirksame Verifizierung
nicht geeignet.

Sowjetunion
SLCMs
Bei den SLCMs werden besondere
Begrenzungen des Streitkräfteniveaus
auf 400 nuklearbestückte und 600 konventionell bestückte SLCMs vorgenommen. Die Sowjets haben bisher jedoch
keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen ausgemacht. Der sowjetische Ansatz würde ferner die amerikanische
Politik unterminieren, die Präsenz
von Nuklearwaffen an einem bestimmten
Standort weder zu bestätigen noch zu
dementieren.
Dieses Konzept bildet
einen bedeutenden Stützpfeiler der
Abschreckung.
Vereinigte Staaten
Verifizierung der Einhaltung
Die Punkte müssen mindestens folgendes enthalten:
Sowohl vor als
auch nach den Reduzierungen findet
ein Datenaustausch statt sowie Vorort- Inspektionen
zur
Verifizierung
des Datenaustausche und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen ebenso wie von Vor-Ort-Überwachungen des
Zugangs und Geländes der entscheidenden Produktionsstätten. Ferner finden sowohl während als auch nach dem
Reduzierungszeitraum kurzfristig anberaumte Inspektionen von Standorten
statt, an denen sich durch den Vertrag begrenzte Systeme befinden sowie
von Standorten, an denen eine Vertragspartei die geheime Produktion,
Lagerung, Instandsetzung oder Statio-

DDS
Vereinigte Staaten
Allgemeine Haltung
Das Thema der Verteidigung im
Weltraum wird in einem aus der beim
Washingtoner Gipfel abgegebenen Gemeinsamen Erklärung hervorgegangenen
Vertrag behandelt.
Die Vereinigten
Staaten haben am 22. Januar 1988
einen Vertragsentwurf zu DDS unterbreitet.
Sowjetunion
Allgemeine Haltung
Das Thema der Verteidigung im
Weltraum wird in einem neuen und getrennten Abkommen behandelt, das auf
die Gemeinsame Erklärung des Washingtoner Gipfels aufbaut. Die Sowjetunion hat am 22. April 1988 den Entwurf zu einem Abkommen vorgelegt.
Vereinigte Staaten
Verpflichtung
vom ABM-Vertrag

zum

Nichtrücktritt

Das Abkommen würde beide Seiten
zur Einhaltung des ABM-Vertrags in
der 1972 unterzeichneten Fassung verpflichten, während sie die notwendige
und vom ABM-Vertrag genehmigte Forschung, Entwicklung
und Erprobung
durchführen und nicht für einen be-

�stimmten Zeitraum zum Zwecke der Stationierung
strategischer
Verteidigungssysteme oder zum Erwerb strategischer Verteidigungsfähigkeiten vom
ABM-Vertrag zurückzutreten.
Sowjetunion
Verpflichtung
vom ABM-Vertrag

zum

Nichtrücktritt

Das Abkommen würde beide Seiten
zur Einhaltung des ABM-Vertrages in
der 1972 unterzeichneten Fassung verpflichten, während sie die notwendige
und im ABM-Vertrag genehmigte Forschung, Entwicklung
und Erprobung
durchführen und für einen festgelegten Zeitraum (9-10 Jahre) aus keinerlei Gründen vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
(Die Sowjets halten sich
weiterhin an eine Auslegung des AMBVertrags, die restriktiver als die im
Jahr 1972 von den Vertragsparteien
vereinbarte Fassung ist).
Vereinigte Staaten
Maßnahmen nach Ablauf der vertraglich festgelegten Geltungsdauer
Intensive
Gespräche
über
das
strategische
Gleichgewicht
sollten
nicht später als drei Jahre vor Ablauf eines bestimmten Zeitraums beginnen.
Falls die Vertragsparteien
nichts anderes vereinbart haben, kann
jede Seite nach Ablauf dieses Zeitraums frei über ihr weiteres Vorgehen
entscheiden.
Jeder
Vertragspartei
steht es frei, die Stationierung von
Verteidigungssystemen gegen strategische Raketen zu wählen, die nicht unter den ABM-Vertrag fallen, nachdem
sie die andere Vertragspartei sechs
Monate vorher schriftlich von dieser
Absicht in Kenntnis gesetzt haben.
(Die Vereinigten
Staaten
streben
einen gemeinsamen Übergang zu eher
auf Verteidigung gestützte strategische Maßnahmen an, für den Fall, daß
wirksame strategische Verteidigungssysteme sich als realisierbar erweisen) .
Sowjetunion

Maßnahmen nach Ablauf der vertraglich festgelegten Coltungsdauer
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden.
(Sowjetischen
Vorschlägen
zufolge
soll das Ziel der Gespräche die Erlangung eines Abkommens über die
"weitere Stärkung der strategischen
Stabilität" sein; die Beteiligten
würden die "Probleme der Raketenabwehr unter Berücksichtigung der sich
durch Reduzierungen strategischer Offensivwaffen ergebenden neuen Situation" diskutieren".)
Im Falle, daß
nach Ablauf des Vertrages über Verteidigung im Weltraum im Rahmen dieser Gespräche keine anderslautenden
Vereinbarungen getroffen werden, soll
jede Seite ihre zukünftigen Vorgehensweisen im Hinblick auf den ABMVertrag und den START-Vertrag selbst
bestimmen, vorbehaltlich der Einhaltung entsprechender Bestimmungen dieser Verträge.
Vereinigte Staaten
Inkrafttreten, Dauer, Koppelung
Inkrafttreten abhängig vom Inkrafttreten des START-Vertrages; der
DDS-Vertrag wäre unbegrenzt gültig,
wobei ein "näher zu bezeichnender
Zeitraum" des Nichtrücktritts vom
ABM-Vertrag auszuhandeln wäre, ferner
die Einhaltung des ABM-Vertrages in
diesem Zeitraum. Dies gilt, bis sich
eine Seite zu einer anderen Vorgehensweise entschließt.
Sowjetunion
Inkrafttreten, Dauer, Koppelung
Dieses Abkommen würde gleichzeitig mit dem START-Abkommen in Kraft
treten.
Die Sowjets schlagen vor,
das Abkommen solle am Ende seiner
vertraglich vorgesehenen Geltungsdauer auslaufen. Das START-Abkommen ist
außer Kraft gesetzt, wenn irgendeine
Partei den ABM-Vertrag oder dieses

- 5 -

�Abkommen verletzt.

Verteidigung,
gegenseitige Besuche einschlägiger Forchungseinrichtungen, und
gegenseitige Beobachtung von Erprobungen im Rahmen der strategischen Verteidigung.

Vereinigte Staaten
Rücktr ittsrechte
Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß den Beteiligten die aufgrund des Völkerrechts zuerkannten
Rechte
zum
Rücktritt
vorbehalten
bleiben, - etwa solche, die im Fall
der Gefährdung höchster Interessen
einer Seite wahrgenommen werden könnten - sowie das Recht auf Kündigung
und vorläufige Aufhebung, wenn der
Vertrag tatsächlich gebrochen wird.

Sowjetunion
Berechenbarkeit
Die Sowjets gehen über die Gemeinsame Erklärung des Washingtoner
Gipfels hinaus nicht auf Berechenbarkeit ein. Im Rahmen eines am 12.
April 1988 vorgelegten Verifizierungsprotokolls fordern sie jedoch:

Sowjetunion
einen Informationsaustausch zur
Klärung zweifelhafter Situationen,
Datenaustausch im Hinblick auf
bestimmte Vorrichtungen, die im
Weltraum stationiert werden sollen,
Inspektion bestimmter Gelände und
Einrichtungen, die im Hinblick
auf die Einhaltung des ABM-Vertrages Anlaß zur Besorgnis geben,
und
die Lösung von Fragen der Einhaltung im Ständigen Konsultativausschuß .

Rücktr ittsrechte
Die Sowjets schlagen eine "bedingungslose" Verpflichtung
für
den
Nichtrücktritt vor, derzufolge eine
Partei keinerlei Gründe für den Rücktritt vom Vertrag geltend machen kann.
Vereinigte Staaten
Berechenbarkeit
Die Beteiligten werden Möglichkeiten erörtern, um die Berechenbarkeit in der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
im
strategischen Bereich unter der Bedingung strategischer Stabilität zur
Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges zu gewährleisten.
Im
Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen
und um für die strategischen Verteidigungsprogrammen der jeweils anderen
Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben die
Vereinigten Staaten am 15. März 1988
ein Protokoll über die Berechenbarkeit vorgelegt, in dem folgende Punkte gefordert werden:
jährlicher Austausch von Datenmaterial über geplante Aktivitäten
im Bereich der strategischen Verteidigung,
gegenseitige
Informationsgespräche über die jeweiligen Bemühungen im Bereich der strategischen

INF
Die Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen sind erfolgreich abgeschlossen worden.
Am 8. Sezember
1987 haben Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow den INF-Vertrag
unterzeichnet.
Der
Vertrag
sieht die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen der Reichweiten von 500
bis 5 500 Kilometern sowie die Abschaffung oder den Umbau damit in Zusammenhang
stehender
Einrichtungen
innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten vor. Der Vertrag verbietet die gesamte Produktion und Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar
nach seinem Inkrafttreten. Nach erfolgter Beseitigung wird der Vertrag
alle Einrichtungen zur Stationierung,
Lagerung, Wartung und Produktion die-

�ser Raketensysteme verbieten.
Der
Vertrag enthält die überzeugendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle, einschließlich verschiedener Arten von
kurzfristigen Inspektionen sowie auch
Inspektionen durch am Ort stationierte Teams. Der Vertrag wurde dem Senat mit der Bitte um Zustimmung zur
Ratifizierung am 25. Januar 1988 vorgelegt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

1. Juni 1988

21

DER KRIEG ZWISCHEN IRAN UND IRAK
- Ein Überblick -

Washington - (AD) - Nachstehend geben wir eine am 23. Mai veröffentlichte
Übersicht aus dem vom Weißen Haus zum Moskauer Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch wieder.
Die amerikanische Aktion im Golf vom
18. April
Die amerikanische Aktion gegen
die iranischen Plattformen war
eine angemessene Reaktion auf die
iranische verminung von internationalen Gewässern und den Minenangriff, gegen die "Samuel Roberts", wobei zehn Männer verwundet wurden.
Die nachfolgenden amerikanischen
Aktionen hatten trotz der feindseligen iranischen Aktionen defensiven Charakter. Die Angelegenheit ist damit abgeschlossen,
und die Vereinigten Staaten hoffen auf friedliche und normalere
Beziehungen zum Iran. Wir werden
jedoch
zur
Selbstverteidigung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

auch weiter entschlossen reagieren, wenn wir dazu herausgefordert werden.
Der Kongreß war im voraus von unserer Reaktion unterichtet worden. Wir werden einen engen Kontakt zum Kongreß aufrechterhalten
und begrüßen die deutliche Unterstützung, die wir von beiden Parteien erhalten haben.
Die amerikanische Politik
Existentielle amerikanische Interessen im Golf: sichere Versorgung mit Öl, Unterstützung für
die nicht kriegführenden arabischen GolfStaaten, Verhinderung
der sowjetischen Einflußerweiterung, Unterbindung von iranischen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Einschüchterungsversuchen und Hegemoniestreben .
Die Präsenz der amerikanischen
Marine, der Sicherheitsbeistand
und diplomatische Bemühungen sind
Mittel
zur
Erreichung
dieses
Ziels.
Zusätzlich zur Begleitung von
Einsätzen haben wir uns dazu entschlossen, unter bestimmten Voraussetzungen befreundeten, unbeteiligten neutralen und unter Beschuß stehenden Schiffen zu helfen. Wir sind nicht die Polizei
des Golfs und schützen nicht die
Fracht irgendeiner kriegführenden
Partei.
Diese Entscheidung erfordert keine Steigerung unserer
Präsenz im Golf.
Die
amerikanische
Entscheidung
bedeutet, daß unsere Kriegsschiffe nun nach Befehlen im Einsatz
sind, die für die französischen
und britischen Kriegsschiffe im
Golf schon gelten. Dies wird von
vielen Regierungen und amerikanischen Schiffseignern als Beitrag
zur Freiheit der Schiffahrt durch
nicht kriegführende Schiffe begrüßt.
Keine Abkehr von unserer Politik.
Wir streben nicht nach einem Konflikt mit dem Iran. Der zentrale
Grund für die Spannungen ist der
Krieg, und auf ihre Lösung muß
man sich nun konzentrieren. Der
Iran verweigert die Annahme und
Verwirklichung
der
Resolution
598, wie dies vom UN-Sicherheitsrat gefordert wird. Der Irak hat
sie akzeptiert.
Die iranische Beschuldigung, die
Vereinigten Staaten hätten die
Saudis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Iran
bewegt, ist unbegründet; es ist
ebenfalls unwahr, daß die Vereinigten Staaten an irakischen
Militäraktionen beteiligt waren.
Die Vereinigten Staaten widerset-

zen sich energisch der Kriegführung mit chemischen Waffen sowohl
durch den Iran wie auch den Irak
und unterstützten den jüngsten
Bericht des UN-Generalsekretärs,
der eine Beendigung ihrer Anwendung und ein Ende des Krieges
durch die Verwirklichung der Resolution 598 des Sicherheitsrates
forderte.
Die Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
Unser Ziel ist die sofortige auf
dem Verhandlungsweg erzielte Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak auf der Basis
der Resolution 598. Wir benötigen eine umfassende Beendigung
des Krieges - auf dem Land, zur
See und in der Luft. Jüngste
Vorkommnisse unterstreichen die
Notwendigkeit dringlicher Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zur
WeiterVerfolgung der Resolution
über ein Waffenembargo gegen den
Iran bei einer Nichteinhaltung
der Resolution 598.
Die Vereinigten Staaten begrüßen
die Annahme der Resolution 598
des Sicherheitsrates durch den
Irak, bedauern aber dessen Zurückweisung des Vorschlags vom
UN-Generalsekretär, daß der Irak
und der Iran die Resolution 598
des Sicherheitsrates akzeptieren
und mit seinem Vertreter nach
Möglichkeiten suchen, wie diese
Resolution im vollen Umfang verwirklicht werden kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

&lt;X

1. Juni 1988

21

DER NAHOST-FRIEDENSPROZESS
- Ein Überblick -

Der nachfolgende Überblick zum Friedensprozeß im Nahen Osten ist dem am
23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichten Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Allgemeines
Außenminister Shultz kehrte am
23. April 1988 aus Moskau zurück.
Den Sowjets zufolge sollte eine
internationale Konferenz eine aktive und substantielle Rolle in
den Verhandlungen spielen. Wir
sind uns der Notwendigkeit einer
internationalen Konferenz bewußt,
jedoch sollte diese nicht mit uneingeschränkten Vollmachten ausgestattet sein, weil dadurch bilaterale Verhandlungen die
einzige Art von Verhandlungen,
die zu einer Einigung führen kann
- unmöglich gemacht werden. Die
Konferenz muß ein Mechanismus zur
Erleichterung - nicht zum Ersatz
- solcher Verhandlungen sein.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der Außenminister reiste Anfang
April in den Nahen Osten und besuchte bei dieser Gelegenheit Israel, Jordanien, Ägypten, Saudi
Arabien und Syrien. Er bekräftigte unser Engagement für die
Friedensinitiative.
Unser Vorschlag fand nirgendwo Zustimmung,
aber es lehnte ihn auch niemand
rundweg ab. Wir werden allseits
zur Fortführung unserer Bemühungen ermutigt.
Unser Vorschlag stellt den einzigen realistischen und durchführbaren Ansatz dar. Er besteht aus
einem integrierten Paket - kein
Teil kann herausgelöst werden ohne die Ausgewogenheit des gesamten Plans zu zerstören. Präsident Reagan hat dazu erklärt:

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Telex: 8-85432

�I

"Die Vereinigten Staaten werden
diese Initiative nicht zerstükkeln, und sie werden sie auch
nicht aufgeben."
Unsere Initiative betont die Verzahnung zwischen Ubergangsregelungen und Verhandlungen über den
Endstatus.
Die
Verhandlungen
müssen
mit
Ubergangsregelungen beginnen, um
zu vermeiden, daß die verschiedenen Parteien zur Einnahme von Extrempositionen getrieben werden.
Sie müssen auf eine schnelle Beendigung der israelischen militärischen Besetzung drängen, den
Palästinensern
das
Recht
auf
Selbstverwaltung
gewähren
und
eine Grundlage für die Gespräche
über
den
endgültigen
Status
schaffen.
Die grundlegenden
Ziele einer
Verhandlungslösung sind weiterhin
die Sicherheit aller Staaten in
der Region, einschließlich Israels, sowie die Verwirklichung
der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes. Keines dieser
zentralen Ziele läßt sich langfristig ohne eine Verständigung
erreichen.
Drei Probleme nehmen beim Prozeß
der Herbeiführung von Verhandlungen zwischen Israel und seinen
Nachbarn einen zentralen Stellenwert ein: eine angemessen strukturierte
internationale
Konferenz, die Vertretung der Palästinenser und die Bedeutung der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats.

Verhandlungen innerhalb einer angemessen strukturierten internationalen Konferenz aufnehmen.
Die von uns vorgeschlagene Konferenz würde keine Lösungen aufzwingen oder Vereinbarungen durch
Veto zu Fall bringen. Sie würde
direkte Verhandlungen
in Gang
bringen und von den Verhandlungsparteien in noch zu vereinbarender Weise Berichte erhalten.
Die zu den Verhandlungen eingeladenen Teilnehmer müssen die Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats als Grundlage der
Verhandlungen akzeptieren und auf
Gewalt und Terrorismus verzichten.

Vertretung der Palästinenser
Alle stimmen darin überein, daß
die Palästinenser eine Partei des
arabisch-israelischen
Konflikts
sind, die in jeder Phase des Verhandlungsprozesses vertreten sein
muß.
Alle sind sich ferner einig, daß
eine Regelung die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes
berücksichtigen muß - in der
gleichen Art und Weise, wie die
legitimen Rechte der anderen Verhandlungsparteien zu berücksichtigen sind.
Die palästinensischen Vertreter
werden an den Verhandlungen als
Teil der gemeinsamen jordanischpalästinensischen
Delegation
teilnehmen.

Die von einigen abgelehnte Konferenz ist nicht die Art von Konferenz, wie wir sie vorschlagen.

Diejenigen, die sich an den Verhandlungetisch setzen, müssen guten Willens sein und sich für den
Frieden engagieren.
Es dürfen
keine Personen ausgewählt werden,
die Vertreter anderer Parteien
vertreiben würden.

Den Verfahrensweisen unseres Vorschlages zufolge werden die beteiligten Parteien rasch direkte

Das Beharren auf einer sichtbaren
Teilnahme der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO) von

Internationale Konferenz

-S

�gen abhängen.

Beginn an würde bedeuten, daß
keine Konferenz und kein Prozeß
zustandekommt.

Zusammenfassung
Die Bedeutung der Resolution 242 des
UN-Sicherheitsrats
Dies ist die erste substantielle
Frage, mit der sich die Parteien
konfrontiert sehen. Sie ist deshalb so bedeutsam, weil die Parteien die akzeptierte Grundlage
der Verhandlungen verstehen müssen und grundsätzlich eine ähnliche Sichtweise zu den möglichen
Parametern
einer
endgültigen
Übereinkunft teilen.

Der amerikanische Vorschlag ist
ein sorgfältig durchdachter Plan, der
die grundlegende substantielle Frage
anspricht - Land für Frieden - und
der einen Weg bietet, um mit den zwei
wichtigsten Problemen der Verfahrensweise fertigzuwerden - der Konferenz
und der Vertretung der Palästinenser.
Je eher Entscheidungen getroffen werden, desto eher können die beteiligten Parteien am Verhandlungstisch
Platz nehmen.

Ein Bestandteil der Prinzipien
der Resolution 242 sind eindeutig
Verhandlungen über einen Tausch
von Land gegen Frieden. Die amerikanische Haltung: Im Austausch
für Frieden findet die Rückzugsklausel von Resolution 242 Anwendung
auf alle Fronten, einschließlich Westjordanland, Gaza-Streifen und die Golan-Höhen.
Alle Versuche, der Resolution 242
auszuweichen oder sie neu zu interpretieren, sind zum Fehlschlag
verurteilt.
Die Araber können
dem Frieden nicht ausweichen, die
Israelis können den Rückzug nicht
vermeiden.
In unserem Vorschlag wird die Resolution 242 als Grundlage der
Verhandlungen
festgeschrieben,
und alle ihre Bestimmungen und
Prinzipien werden auf sämtliche
zwischen Israel und seinen Nachbarn stattfindenden Verhandlungen
Anwendung finden.
Es bleibt noch viel Spielraum für
die Verhandlungen.
Unserer Ansicht nach wird das Ausmaß, in
dem Israel zur Aufgabe von Territorium aufgefordert werden sollte, zu einem großen Teil von dem
Ausmaß an echtem Frieden und Normalisierung sowie den im Gegenzug
angebotenen Sicherheitsvorkehrun- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

1. Juni 1988

21

DER KSZE-PROZESS
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus zum Moskauer Gipfeltreffen
veröffentlichten Pressehandbuch entnommen:
Im November 1986 wurde in Wien
das dritte Folgetreffen der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) eröffnet. Delegationen
aus den 35 Teilnehmerstaaten - Vertreter aus Ost und West sowie neutraler und blockfreier Staaten - haben
die Verwirklichung der in der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975
verankerten
Verpflichtungen
überprüft. Gegenwärtig fassen sie Vorschläge ins Auge, um eine strengere
Einhaltung dieser Verpflichtungen zu
ermutigen.
Die Bedeutung einer Überprüfung
der
Verwirklichung
der KSZE-Verpflichtungen - und warum eine solche
Überprüfung häufig umstritten ist erklärt sich aus dem Charakter der
Schlußakte selbst und aus dem bishe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

rigen Verlauf des KSZE-Prozesses.
Die nach jahrelangen Ost-V Jest-Verhandlungen verabschiedete Schlußakte
definiert eine Reihe von Normen und
Zielsetzungen für das Verhalten der
Staaten untereinander und gegenüber
ihren eigenen Bürgern. Außerdem enthält sie ein Programm für praktische
Schritte zur Verwirklichung dieser
Ziele.
Bei der Behandlung menschlicher,
wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer
Angelegenheiten
bekräftigt
die Schlußakte die grundlegenden Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie
andere Prinzipien wie die gleiche
Souveränität der Staaten und das
Recht auf Selbstbestimmung.
Grundsätzliches

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Ziel

des KSZE-

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�Prozesses ist der Abbau künstlicher
Schranken, die Ost und West über das
ganze Spektrum menschlicher Belange
hinweg trennt - darunter die Respektierung der Menschenrechte, freier
Informationsfluß, Zusammenarbeit in
den Bereichen Bildung und Kultur,
wirtschaftliche und wissenschaftliche
Zusammenarbeit und Vereinbarungen im
sicherheitspolitischen Bereich.
In der Schlußakte wird anerkannt,
daß diese Fragen miteinander in Verbindung stehen und daß die Solidität
des KSZE-Prozesses von ausgewogenen
Fortschritten in allen diesen Bereichen abhängt.
Leider wird die Bilanz der Einhaltung von Verpflichtungen aus der
Schlußakte durch das Verhalten der
Sowjetunion und anderer osteuropäischer Staaten getrübt, wie folgende
Beispiele zeigen:
Obwohl sich die Sowjetunion zum
Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan verpflichtet hat, hält sie
das Land weiterhin besetzt; ferner inhaftiert und bestraft sie
ihre Bürger für die Ausübung von
Bürgerrechten, zu deren Schutz
sich die UdSSR in Helsinki verpflichtet hat (z. B. Religionsfreiheit und Freizügigkeit).
Trotz der gelegentlichen Lösung
von Einzelfällen sind zahlreiche
Sowjetbürger weiterhin auf grausame Weise von ihren Familien getrennt, weil ihnen von offizieller Stelle die Ausreisegenehmigung verweigert wird.
Obwohl die Zahl der sowjetischen
Juden, denen die Auswanderung gestattet wird, im vergangenen Jahr
gestiegen ist, bleibt sie doch
unter dem Niveau der Genehmigungen gegen Ende der siebziger Jahre.
Dennoch sind im Laufe der Jahre
einige Fortschritte bei KSZE zu verzeichnen.

Einige
Warschauer-Pakt-Staaten
haben Maßnahmen zur Erfüllung ihrer
Verpflichtungen
getroffen,
und ein paar bemerkenswerte Fälle, bei denen es um Verfechter
der Menschenrechte und getrennte
Familien ging, sind gelöst. In
der sowjetischen Bilanz zur Beachtung der Menschenrechte gab es
positive Entwicklungen, aber insgesamt muß noch viel mehr getan
werden,
einschließlich
solcher
Schritte zur Institutionalisierung jüngster Reformen.
Unter dem Schutz der KSZE haben
menschliche Kontakte zwischen den
Bürgern in Ost und West um ein
Vielfaches zugenommen.
Durch die im September 1986 in
Stockholm beendeten KSZE-Verhandlungen sind der Schlußakte wichtige Bestimmungen zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung und
zum Abbau des Risikos eines durch
Fehleinschätzung
hervorgerufenen
Krieges hinzugefügt worden. Die
vereinbarten Maßnahmen umfassen
die Vorhersage, Ankündigung, Beobachtung und Inspektion militärischer Aktivitäten vom Atlantik
bis zum Ural.
Der KSZE-Prozeß hat sich seit
Helsinki durch Folgetreffen in Belgrad (1977-78) und Madrid (1980-83)
weiterentwickelt wie auch durch eine
Reihe von Expertentreffen über spezielle Aspekte der Schlußakte, einschließlich Menschenrechte, menschliche Kontakte, friedliche Beilegung
von Streitigkeiten und kulturelle Beziehungen.
Bei jedem dieser Treffen haben
die Vereinigten Staaten auf einer
aufrichtigen und gründlichen Überprüfung der
Bilanz bestanden.
Die
Schlußakte enthält die politische
Verpflichtung der 35 Teilnehmerstaaten, sich an bestimmte Vorgaben zu
halten; sie ist rechtlich nicht bindend und enthält keinen Mechanismus,
um ihre Verwirklichung zu erzwingen.
Aus diesem Grunde ist es von ent-

�scheidender Bedeutung, Nichteinhaltungen ans Licht der Öffentlichkeit
zu bringen und auf einem besseren
Verhalten zu bestehen.
Unsere
NATO-Partner
verfahren
nach demselben Muster.
Gemeinsam
nutzen wir den KSZE-Prozeß als Mittel, um auf die Sowjets und andere
politischen und moralischen Druck
auszuüben, damit sie die Menschenrechte und Grundfreiheiten respektieren.
Eine bessere Einhaltung bleibt
vordringliches Ziel unserer Delegation beim laufenden Wiener Folgetreffen. Wir streben nach einem ausgewogenen Ergebnis innerhalb und zwischen
den einzelnen KSZE-Bereichen - bei
menschlichen
Kontakten,
Wirtschaft
und Sicherheit.
Entsprechend hat der Westen beachtliche Vorschläge zu allen Bereichen unterbreitet. Im Sicherheitsbereich zum Beispiel wurden vom Westen
zwei getrennte Verhandlungsrunden im
Rahmen des KSZE-Prozesses vorgeschlagen: 1. die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen allen 35 KSZEStaaten, um auf den in Stockholm erarbeiteten Vertrauensund Sicherheitsbildenden Maßnahmen aufzubauen und
diese zu erweitern, und 2. autonome
Verhandlungen zwischen den 23 Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Pakts, die darauf ausgerichtet sind, ein konventionelles Gleichgewicht in Europa auf einem niedrigeren Streitkräfteniveau zu erzielen.
Im Bereich der Menschenrechte und
menschlichen Kontakte sind wir mit
der Ausarbeitung und Erweiterung der
Verpflichtungen von Helsinki befaßt,
wobei die Betonung auf Taten und
nicht auf Worten liegt. Unter anderem beinhaltet dies verstärktes Engagement für Freizügigkeit im eigenen
Land und das Recht auf Ausreise aus
jedem beliebigen Land; Religionsfreiheit,
insbesondere
Religionsunterricht? Erleichterung von Familienzusammenführungen; Zugang zu Informationen sowie die Freiheit zur Bewahrung

der kulturellen Identität. Der Westen hat ferner einen Vorschlag über
umfassende
Nachfolgeaktivitäten
zu
Menschenrechtsfragen
unterbreitet,
wobei die verbesserte Wahrung der
Menschenrechte einschließlich eines
Instruments zur Erörterung schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen im
Mittelpunkt steht.
Wir sind von der Entschlossenheit
geleitet, daß neue Schritte nach vorn
sich fest auf die entschieden verbesserte Verwirklichung der Menschenrechte und die in der Schlußakte von
Helsinki verankerten Grundfreiheiten
im Ostblock gründen müssen.
Die sechste Runde des Wiener
Treffens begann am 15. April 1988.
Die Delegationen arbeiten anhand von
Kompromißpapieren, die von den Koordinatoren der neutralen und blockfreien Staaten vorgelegt wurden. Zusammen mit den bereits unterbreiteten
Vorschlägen bilden diese Dokumente
eine solide Grundlage für ernsthafte
Verhandlungen
über
den Text des
Schlußdokuments. Aufgrund der Verzögerungstaktik des Ostblocks sind jedoch buchstäblich
keinerlei Fortschritte im Bereich der Menschenrechte gemacht worden, obwohl über einen
Großteil
der
Sprachregelungen
im
Sicherheitbereich vorläufige Einigung
erzielt wurde.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
zusammen mit ihren Bündnispartnern
und den Delegationen der neutralen
und blockfreien Staaten an der Gewährleistung nützlicher und beachtlicher Fortschrittte in Wien. Wir haben eindeutig unsere Bereitschaft zum
Ausdruck gebracht, so lange in Wien
zu bleiben, wie es zur Verwirklichung
der verbesserten Einhaltung und erweiterten Verpflichtungen im Bereich
der Menschenrechte und Grundfreiheiten durch den Osten erforderlich ist.
Trotz der Diskrepanz zwischen den
Versprechungen und dem Verhalten des
Ostens ist es nach wie vor Hauptaufgabe der Schlußakte, das Leben der in
Unterdrückung lebenden Menschen zu

- 3 -

�erleichtern.
Daher
bleiben
die
Schlußakte und der durch sie eingeleitete Prozeß entscheidende Instrumente westlicher Diplomatie, denen
eine Schlüsselrolle in unserer gesamten Ost-West-Tagesordnung zukommt.

* * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

\DN'^

1. Juni 1988

21

DIE BERLIN INITIATIVE
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus am 23. Mai zum Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch entnommen:
Die Berlin Initiative wurde von
Präsident Reagan anläßlich seines Besuchs in Berlin am 12. Juni vergangenen Jahres ins Leben gerufen.
Ihr Ziel besteht darin, für das
Leben der Berliner gewisse praktische
Verbesserungen zu schaffen:
Ausweitung des Luftverkehrs in
die Stadt,
Förderung
des
Jugendaustauschs
und
anderer
Austauschprogramme
zwischen Ost- und Westberlin,
Vermehrte Durchführung internationaler Zusammenkünfte in Berlin,
Abhaltung von mehr internationalen Sportveranstaltungen in Berlin, einschließlich möglicherweise einer zukünftigen Olympiade.

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Embassy of the United States of America

Die Initiative der Vereinigten
Staaten findet die aktive Unterstützung und Beteiligung der Regierungen
von Frankreich, Großbritannien und
der Bundesrepublik.
Seit dem Sommer letzten Jahres
finden zwischen den vier Regierungen Diskussionen auf Expertenebene statt.
Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich haben im
vergangenen Dezember den Sowjets die
Initiative formell unterbreitet und
Gespräche über ihre vier Vorschläge
angeregt.
Die Sowjets erklärten, sie hofften darauf, bis zum Sommer auf
die Initaitive reagieren zu kön-

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Telex: 8-85432

�nen.
Der Präsident hat beim Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow im Dezember vergangenen Jahres
die Initiative angesprochen und wird
dies aller Wahrscheinlichkeit nach
auch beim Gipfeltreffen in Moskau tun.
N.B.: Die drei westlichen Verbündeten in Berlin werden mit der Unterstützung und in Zusammenarbeit mit
der Bundesregierung in Bonn und den
Behörden Berlins gegenwärtig und in
Zukunft erhebliche Bemühungen unternehmen, um in Berlin positive Veränderungen herbeizuführen.
Es wird keine Veränderungen im
Status der Stadt geben. Unser
Vorschlag zielt darauf ab, auf
das Viermächteabkommen über Berlin von 1971 aufzubauen, nicht
darauf, es zu revidieren.
Wenn die Sowjets es mit dem Abbau
der Spannungen in Europa und der
Sicherung des Friedens ernst meinen, fordern wir sie auf, mit den
drei westlichen Verbündeten gemeinsam einige Schritte insbesondere im Bereich der menschlichen
Kontakte zu unternehmen, um die
Situation der Menschen in Berlin
zu verbessern.
Wir freuen uns, baldmöglichst die
Vorschläge des Präsidenten mit
den Sowjets zu besprechen, sowie
sie positiv auf die Anstöße der
Verbündeten reagieren.

* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

1. Juni 1988

21

REGIONALER DIALOG
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus am 23. Mai zum Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch entnommen.

In den vergangenen Jahren haben
wir mit Moskau einen aktiven und
freimütigen Dialog über regionale
Angelegenheiten
aufgebaut
und
aufrechterhalten.
Dieser bleibt
integraler
Bestandteil
unseres
Vier-Punkte-Programms.

Gesprächen über regionale Konflikte bewiesen und dabei die
Notwendigkeit politischer Lösungen auf der Basis nationaler Aussöhnung,
Selbstbestimmung
und
verbesserten regionalen Dialogs
betont.

Dieser Dialog hat sich zum Abbau
möglicher
Mißverständnisse und
Fehlkalkulationen
als nützlich
erwiesen.

Dies ist ermutigend, insbesondere
weil diese Ideen an Präsident
Reagans Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom
Oktober
1985 angelehnt
sind.
Aber wir müssen die Sowjets weiterhin an ihren Taten und nicht
nur an ihren Worten messen.

Wie auch in anderen Bereichen der
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen betrachten wir den Dialog
jedoch nicht als Ersatz für konkrete Fortschritte.
Die Sowjets haben in jüngster
Zeit mehr Flexibilität in ihren

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Embassy of the United States of America

Unserer Ansicht nach besteht ein
entscheidender Faktor für die Erlangung von Fortschritten mit den
Sowjets bei regionalen Konflikten

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�in unserer anhaltenden Unterstützung (sei sie nun politischer,
wirtschaftlicher oder militärischer Art) für Freiheitskämpfer,
die sich gegen Unterdrückung von
Moskau und seinen Verbündeten zur
Wehr setzen.
Unsere Zielsetzung besteht allein
darin, politische Lösungen für
regionale Konflikte zu finden.
Der Gipfelerklärung von Washington gemäß wollen wir Möglichkeiten finden, um "die bei regionalen Konflikten beteiligten Parteien bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen,
die ihre Uabhängigkeit, Freiheit
und Sicherheit fördern".
Die Unterzeichnung des Genfer Afghanistan-Abkommens am 14. April
stellte für die Lösung regionaler
Konflikte durch politischen Dialog einen in der Geschichte einmaligen Schritt dar.
Generalsekretär Gorbatschow hat
darauf hingewiesen, daß mit dem
Abkommen über Afghanistan Wege
zur Lösung anderer regionaler
Konflikte mit politischen Mitteln
eröffnet werden sollten.
Dem
stimmen wir voll und ganz zu.
Wir werden dies gemeinsam mit den
Sowjets
weiterverfolgen,
indem
wir auf praktischen Möglichkeiten
zur Beendigung anderer regionaler
Konflikte drängen, von denen viele
sowjetische
Vasallenstaaten
betreffen.
Der Präsident erwartet, die gesamte Bandbreite regionaler Angelegenheiten während des Gipfeltreffens in Moskau abdecken zu
können. Dazu zählen Afghanistan,
der Krieg zwischen Iran und Irak,
der
Friedensprozeß
im
Nahen
Osten, Südafrika, Äthiopien, Kambodscha, Korea und Mittelamerika.

- 2

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Krieg zwischen Iran und Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Nahost-Friedensprozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der KSZE-Prozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Berlin Initiative &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionaler Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#
8. J u n i 1988

22
INHALT

DOKUMENTATION
Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"
- Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Verifizierungsexperiment
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der
Kernenergie
- Eine Übersicht -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum
- Eine Übersicht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Biotechnik - eine Zukunftsindustrie
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt
- Bluttests in der Erprobung -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
%

Dokumentation

^ Js

8. Juni 1988

22

GIPFELTREFFEN FÜHRTE ZU "ERWEITERTEM DIALOG"
Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

MOSKAU - (AD) - Der am 1. Juni 1988 im Moskau veröffentlichten gemeinsamen
Gipfelerklärung zufolge befinden sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion inmitten eines "sich entfaltenden Dialogs", der "ein zunehmend wirkungsvolles Mittel zur Lösung von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse
sind und auf beiden Seiten Besorgnis auslösen". Dabei wurden jedoch "aus Geschichte, Tradition und Ideologie herrührende reale Differenzen nicht unterschätzt, die weiterhin das amerikanisch-sowjetische Verhältnis charakterisieren werden".
Die gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut;
Im Einklang mit der beim amerikanisch-sowjetischen
Gipfeltreffen
von Genf im November 1985 erzielten
und beim Washingtoner Gipfeltreffen
vom Dezember 1987 bekräftigten Übereinkunft trafen sich der Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika,
Ronald W. Reagan, und der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Michail S. Gorbatschow, vom 29. Mai
bis 2. Juni 1988 in Moskau.

besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in Rüstungskontrollfragen,
Paul H. Nitze, der Sonderberater des
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontrollfragen,
Botschafter
Edward L. Rowny, der amerikanische
Botschafter in der UdSSR, Jack F.
Matlock sowie die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische
Angelegenheiten im Außenministerium,
Rozanne L. Ridgway.

Teilnehmer
waren
auf
amerikanischer
Seite:
Außenminister
George P. Shultz, Verteidigungsminister Frank C. Carlucci, der Stabschef des Präsidenten, Howard H. Baker
Jr., der Berater des Präsidenten in
Fragen der nationalen Sicherheit,
Colin L. Powell, der -Botschafter zur

Auf sowjetischer
Seite nahmen
teil:
Mitglied des Politbüros des
Zentralkomitees der KPdSU und Vorsitzender des Präsidiums des Obersten
Sowjet der UdSSR, Andrej A. Gromyko,
das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister
Eduard A. Schewardnadse, das Mitglied

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�des Politbüros des Zentralkomitees
der KPdSU und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
Jakowlew, der Kandidat des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Verteidigungsminister Dimitri T. Jasow,
der Sekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatolij F. Dobrynin, der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, Anatolij S.
Tschernajew,
der
stellvertretende
Außenminister
Alexander
A.
Bessmertnich sowie der Botschafter
der UdSSR in den Vereinigten Staaten
von Amerika, Jurij W. Dubinin.
Der Präsident und der Generalsekretär betrachten das Moskauer Gipfeltreffen als bedeutenden Schritt im
Prozeß der Schaffung einer produktiveren und dauerhafteren Grundlage für
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Ihre umfassenden und eingehenden Gespräche
erstreckten sich
über das gesamte Spektrum von Fragen,
auf das sich die beiden führenden Politiker während ihres ersten Treffens
in Genf im November 1985 verständigt
hatten -, Rüstungskontrolle, Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, die Beilegung regionaler Konflikte sowie die bilateralen Beziehungen. Bei wichtigen Fragen bestehen weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten; der zwischen beiden
Ländern entstandene
offene Dialog
bleibt entscheidend für die Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten.
Die Gespräche fanden in einer
konstruktiven Atmosphäre statt, die
breiten Raum für einen offenen Meinungsaustausch bot.
Als Ergebnis
dessen erzielten beide Seiten ein
besseres Verständnis der Positionen
des anderen. Die beiden Staatsmänner
begrüßten die seit ihrem letzten
Treffen in Washington in verschiedenen Bereichen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz der Schwierigkeit und Komplexität der Fragen
erzielten Fortschritte. Mit Befriedigung nahmen sie zahlreiche konkret
erzielte Vereinbarungen zur Kenntnis
und verliehen ihrer Entschlossenheit
Ausdruck, in den kommenden Monaten

die Anstrengungen in den Bereichen zu
verdoppeln, in denen weitere Arbeit
geleistet werden muß. Sie lobten die
von Vertretern beider Seiten in den
letzten Monaten zur Lösung fortbestehender Meinungsverschiedenheiten geleisteten kreativen und intensiven
Bemühungen.
Bei der Einschätzung des Stands
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betonten der Präsident und der
Generalsekretär die historische Bedeutung ihrer Treffen in Genf, Reykjavik, Washington und Moskau bei der
Schaffung des Fundaments für ein realistisches Konzept für die Probleme
der Stärkung der Stabilität und der
Verringerung
des
Konfliktrisikos.
Sie bekräftigten feierlich ihre Überzeugung, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals ausgelöst werden darf, ihre Entschlossenheit, jeden Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
- ob nuklear oder konventionell - zu
verhindern sowie ihre Zurückweisung
jeglicher Absichten zur Erlangung militärischer Überlegenheit.
Die
beiden
Staatsmänner
sind
überzeugt, daß die Entfaltung des von
ihnen ins Leben gerufenen Dialogs ein
zunehmend wirksames Mittel zur Lösung
von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse sind und auf beiden
Seiten Besorgnis auslösen. Sie unterschätzen jedoch nicht die aus Geschichte, Tradition und Ideologie
herrührenden realen Differenzen, die
weiterhin
das
amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
charakterisieren
werden. Sie sind aber der Ansicht,
daß der Dialog von Dauer sein wird,
da er sich auf Realismus gründet und
sich auf die Erlangung konkreter Ergebnisse konzentriert. Er kann als
konstruktive Grundlage nicht nur für
die Behandlung der Probleme heute,
sondern auch morgen und im nächsten
Jahrhundert dienen. Es ist dies ein
Prozeß, der nach Überzeugung des Präsidenten und des Generalsekretärs den
besten Interessen der Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
dient und einen Beitrag zu einer sta-

- 2 -

�bileren, friedlicheren und sichereren
Welt leisten kann.

Rüstungskontrolle
Nachdem sie das Engagement ihrer
beiden Länder bekundet hatten, auf
den bisher in der Rüstungskontrolle
erzielten Fortschritten aufzubauen,
bestimmten der Präsident und der Generalsekretär die Ziele und nächsten
Schritte für ein breites Spektrum von
Fragen in diesem Bereich. Sie werden
in den kommenden Monaten die Bemühungen beider Regierungen leiten, wenn
diese miteinander und mit anderen
Staaten auf ausgewogene, verifizierbare Vereinbarungen zur Stärkung der
internationalen Stabilität und Sicherheit hinarbeiten.

INF
Der Präsident und der Generalsekretär unterzeichneten das Protokoll
über den Austausch der Ratifizierungsurkunden zu diesem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer
Reichweite.
Die
beiden
Staatsmänner begrüßten das Inkrafttreten dieses historischen Abkommens,
mit dem zum ersten Mal eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Atomwaffen beseitigt wird und
neue Maßstäbe für die Rüstungskontrolle gesetzt werden. Die Staatsmänner sind entschlossen, die vollständige Anwendung aller Bestimmungen
und Vereinbarungen der Vertrages zu
erfüllen, und sie betrachten die gemeinsame und erfolgreiche Arbeit in
diesem Sinne als bedeutenden Präzedenzfall für künftige Rüstungskontrollbemühungen.
Die Gespräche über Nuklear- und
Weltraumwaffen
zur

Die beiden Staatsmänner nahmen
Kenntnis, daß ein Gemeinsamer

Vertragsentwurf über die Reduzierung
und Begrenzung strategischer Offensivwaffen
ausgearbeitet
wurde.
Durch diesen Prozeß waren die Seiten
in der Lage, in dem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung wie
auch die Detailfragen zu verbleibenden Bereichen der Nichtübereinstimmung festzuhalten.
Obwohl noch zusätzliche wichtige Arbeit geleistet
werden muß, bevor dieser Vertrag unterzeichnungsreif ist, fanden bereits
viele Schlüsselbestimmungen Eingang
in den gemeinsamen Vertragsentwurf
und gelten als einvernehmlich gutgeheißen unter der Bedingung, daß der
Vertrag fertiggestellt und ratifiziert wird.
Unter
Berücksichtigung
eines
Vertrages über strategische Offensivwaffen haben beide Seiten - aufbauend auf der Sprachregelung der
Gemeinsamen
GIpfelerkläruug
von
Washington vom 10. Dezember 1987 ihre Verhandlungen über ein den ABMVertrag betreffendes getrenntes Abkommen
fortgeführt.
Fortschritte
wurden bei der Erstellung des Gemeinsamen Textentwurfs für ein Zusatzprotokoll festgestellt.
In Zusammenhang mit ihren Verpflichtungen
gemäß diesem Protokoll haben sich
beide Seiten insbesondere darauf geeinigt, die Zentren zur Reduzierung
des nuklearen Risikos für die Übermittlung zweckdienlicher Informationen zu nutzen. Die Staatsmänner wiesen ihre Verhandlungsführer an, den
gemeinsamen Textentwurf für ein getrenntes Abkommen auszuarbeiten und
die Arbeiten an dessen Zusatzprotokoll weiterzuführen.
Der
Gemeinsame
Vertragsentwurf
zur Reduzierung und Begrenzung der
strategischen
Offensivwaffen
spiegelt die bereits erzielte Verständigung über die Schaffung von Obergrenzen von maximal 1 600 strategischen
offensiven Trägersystemen und 6 000
GefechtsKÖpfen wider, ferner das Einvernehmen zu den Untergrenzen von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen
Interkontinentalraketen

- 3 -

�(ICBMs) und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) zusammengenommen sowie 1 540 Gefechtsköpfen
auf 154 schweren Raketen.

Erklärungen und zweckmäßiger Benachrichtigungen
zu
Zahl
und
Standort der von START begrenzten
Waffensysteme, darunter auch die
Standorte und Einrichtungen für
Produktion, Endmontage, Lagerung,
Erprobung, Instandsetzung, Ausbildung, Stationierung, Umrüstung
und Beseitigung solcher Systeme.
Derartige Erklärungen werden vor
Unterzeichnung des Vertrages zwischen beiden Seiten ausgetauscht
und regelmäßig fortgeschrieben.

Der Vertragsentwurf fixiert ausserdem die Übereinkunft beider Seiten, wonach als Ergebnis der Reduzierungen
das
Gesamtwurfgewicht
der
ICBMs und SLBMs der Sowjetunion auf
ein Niveau reduziert wird, das etwa
50 Prozent des gegenwärtig bestehenden beträgt und daß dieses Niveau
nicht überschritten wird.
Im Verlauf der Verhandlungen erzielten die beiden Seiten ferner Einvernehmen darüber, bei der künftigen
Arbeit an dem Vertrag davon auszugehen, daß bei stationierten ICBMs und
SLBMs der bestehenden Typen der Zählmodus die in der Gemeinsamen Erklärung vom 10. Dezember 1987 berücksichtigte Zahl von Gefechtsköpfen
einbeziehen wird und daß die Zahl der
für jeden neuen Typ ballistischer Raketen
zugestandenen
Gefechtsköpfe
Verhandlungssache ist.
Ferner verständigten sich beide
Seiten auf einen Zählmodus für in
schweren Bombern mitgeführte Waffen,
demzufolge nur für nukleare Freifallbomben und Angriffsflugkörper kurzer
Reichweite
(SRAMs)
ausgerüstete
schwere Bomber als ein Trägersystem
auf die Obergrenze von 1 600 und als
ein Gefechtskopf auf die Obergrenze
von 6 000 angerechnet werden.
Die Delegationen haben außerdem
gemeinsame Textentwürfe für ein Inspektionsprotokoll, ein Umrüstungsoder Beseitigungsprotokoll und eine
Regierungsvereinbarung über Daten erstellt, die integrale Bestandteile
des Vertrags sind. Diese Dokumente
gründen auf den Verifizierungsbestimmungen des INF-Vertrages, wobei
sie diese unter Berücksichtigung der
höheren Anforderungen, von START erweitern und ausbauen.
Die Verifizierungsmaßnahmen für START werden
mindestens folgendes beinhalten:
A.

Datenaustausch,

einschließlich

B.

Grundinspektionen zur Verifizierung der Richtigkeit dieser Erklärungen.

C.

Vor-Ort-Beobachtung der zur Erreichung der vereinbarten Obergrenzen notwendigen Beseitigung
strategischer Systeme.

D.

Ständige Vor-Ort-Uberwachung von
Umfeld
und
Zugängen wichtiger
Produktionsstätten, um den Produktionsumfang von der Begrenzung
unterliegenden Waffen zu bestätigen.

E.

Kurzfristig anberaumte
Inspektionen an:

Vor-Ort-

(I)
angemeldeten
Stationierungsorten im Verlauf des Verfahrens der Reduzierung auf vereinbarte Obergrenzen;
(II) Stationierungsorten, an denen diesem Vertrag unterliegende
Systeme nach Erreichung der vereinbarten Obergrenzen verbleiben;
(III) Stationierungsorten, an denen solche Systeme stationiert
waren (vormals angemeldete Einrichtungen).
F.

Kurzfristig anberaumte Inspektionen - in Übereinstimmung mit den
vereinbarten Verfahrensweisen von Orten, an denen nach Meinung
einer der Seiten eine geheime
Stationierung, Produktion, Lagerung oder Instandsetzung strategischer Offensivwaffen erfolgen

�kann.
G.

H.

Verbot der Verwendung einer Tarnung sowie anderer Maßnahmen, die
der Erschwerung einer Kontrolle
vermittels nationaler technischer
Mittel dienen. Derartige Bestimmungen würden ein Verbot der
Chiffrierung des Fernmeßverkehrs
einschließen und den vollständigen Zugang zu sämtlichen Fernmeßdaten gewährleisten, die während
des Flugs einer Rakete gesendet
werden.
Verfahrensweisen, die die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
stationierten ballistischen Raketen jeden Typs gewährleisten, einschließlich Inspektionen vor Ort.

I. Mit Hilfe nationaler technischer
Mittel
vorgenommene
erweiterte
Beobachtung der Maßnahmen, die
mit der Reduzierung und Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
zusammenhängen.
Hierzu
würde die offene Aufstellung der
durch den Vertrag zu begrenzenden
Objekte in den Stützpunkten für
Raketen, Bomber und U-Boote an
den Orten und zu den Zeitpunkten
gehören, die von den inspizierenden Seiten gewählt werden.
Die beiden Seiten begannen ebenfalls mit dem Austausch von Daten
über ihre strategischen Streitkräfte.
Im Verlauf dieses Treffens in
Moskau hat der Meinungsaustausch über
START zu einer weiteren erheblich
Verbreiterung der gemeinsamen Basis
geführt, insbesondere auf den Gebieten der ALCMs und der Versuche, eine
Lösung des Verifizierungsproblems bei
den beweglichen ICBMs zu entwickeln
und sich darauf zu verständigen. Die
Einzelheiten dieser verbreiterten gemeinsamen Basis sind in zwischen den
beiden Seiten ausgetauschten Dokumenten festgehalten worden. Die Delegationen in Genf werden diese Fortschritte in den gemeinsamen Textentwurf des START-Abkommens aufnehmen.

Die Seiten erörterten ferner die
Frage der Begrenzung der nuklear bewaffneten SLCMs längerer Reichweite.
Ronald
Reagan
und
M.S.
Gorbatschow drückten ihr beiderseitiges Vertrauen in die Tatsache aus,
daß die geleistete intensive Arbeit
eine Basis für den Abschluß eines
Vertrages über den Abbau und die Begrenzung strategischer Offensivwaffen
darstellt, der die strategische Stabilität fördern und die Sicherheit
nicht nur der Menschen in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten,
sondern der gesamten Menschheit stärken wird.
Von dieser grundsätzlichen Übereinkunft geleitet vereinbarten der
amerikanische Präsident und der Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, ihre Bemühungen auf diesem Gebiet nachdrücklich und entschlossen
fortzusetzen. Die Delegationen beider Länder sind beauftragt worden,
sich am 12. Juli dieses Jahres erneut
in Genf zu treffen. Es wurde eine
prinzipielle Übereinstimmung darüber
erzielt, daß nach Lösung noch bestehender Probleme und der Vereinbarung
des Vertrages nebst der mit ihm zusammenhängenden Dokumente diese ohne
Verzug unterzeichnet werden.

Ankündigung des Starts ballistischer
Raketen
Die während des Moskauer Gipfels
unterzeichnete Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zur Ankündigung von Starts
von interkontinentalen und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen ist
ein zweckmäßiger neuer Schritt, der
den Wunsch beider Seiten wiederspiegelt, die Risiken des Ausbruchs eines
nuklearen Krieges zu begrenzen, insbesondere als Ergebnis einer Mißdeutung,
einer
Fehlkalkulation
oder
durch Zufall.

- 5 -

�Atomtests
Die Staatsmänner bekräftigten die
Verpflichtung beider Seiten, Schritt
für Schritt in einem speziellen Forum
umfassende Verhandlungen über Fragen
bezüglich Atomtests zu führen.
Im
Laufe dieser Verhandlungen werden die
Seiten als ersten Schritt wirkungsvolle
Kontrollmaßnahmen
abstimmen,
die es erlauben, den sowjetisch-amerikanischen Schwellenvertrag von 1974
(TTBT) und den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 zu ratifizieren und mit Verhandlungen über weitere Zwischenschritte
zur Begrenzung von Atomtests fortzufahren, die zu der letztlich völligen
Einstellung von Atomtests als Teil
eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen. Neben anderen Maßnahmen würde dieser Prozeß als oberste
Priorität das Ziel verfolgen, nukleare Waffen abzubauen und schließlich
völlig abzuschaffen.
Zur Verwirklichung des ersten Ziels dieser Verhandlungen, nämlich die Vereinbarung
von wirkungsvollen Uberprüfungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von
1974, kamen die Seiten überein, ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
am Versuchsgelände der jeweils anderen Seite zu planen und durchzuführen.
Mit Genugtuung ist daher die Unterzeichnung eines Vertrages über ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
aufgenommen worden sowie die umfangreichen derzeit laufenden Vorbereitung smaßnahmen für dieses Experiment
und die positive Zusammenarbeit, insbesondere zwischen den derzeit mit
Arbeiten auf dem jeweils anderen Versuchsgelände beschäftigten zahlreichen Personen. Ferner wurde der erhebliche Fortschritt bei dem neuen
Protokoll zum Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken vermerkt und auf anhaltende konstruktive
Verhandlungen über wirkungsvolle Verifizierungsmaßnahmen , des Schwellenvertrags gedrängt.
Während
sie ihrer Überzeugung
Ausdruck verliehen, daß die bisher
erzielten Fortschritte eine solide

Basis für weitere Fortschritte bei
Problemen bezüglich der Atomtests
darstellen, wiesen die Staatsmänner
ihre Unterhändler an, unverzüglich
die Vorbereitung eines Protokolls für
den Vertrag über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken sowie auch für
den Schwellenvertrag fertigzustellen,
sobald das gemeinsame Verifizierungsexperiment durchgeführt und analysiert worden ist. Sie unterstrichen
ihre Auffassung, daß Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag in
angemessenem Umfang in zusätzlichen eventuell im weiteren Verlauf erreichten - Abkommen zur Begrenzung
von Atomtests angewendet werden können. Sie erklärten ferner ihre beiderseitige Absicht, die Ratifizierung
der beiden Verträge von 1974 und 1976
anzustreben, wenn die entsprechenden
Protokolle zum Schwellenvertrag und
zum Vertrag über ^tomexplosionen zu
friedlichen Zwecken vorliegen, und
die Verhandlungen wie in der gemeinsamen
Washingtoner
Gipfelerklärung
vereinbart fortzusetzen.

Die Nichtverbreitung von Kernwaffen
Die beiden Staatsmänner vermerkten, daß dieses Jahr der 20. Jahrestag
des
Atomwaffensperrvertrages
(NPT) ist, eines der wichtigsten internationalen RüstungskontrollVerträge mit über 130 Unterzeichnerstaaten.
Sie erneuerten ihre Überzeugung, daß
eine weltumfassende
Befolgung des
Atomwaffensperrvertrages wichtig für
den internationalen Frieden und die
Sicherheit ist. Sie verliehen ihrer
Hoffnung Ausdruck, daß jeder NichtUnterzeichnerstaat dem Vertrag beitritt, oder in vergleichbarer Weise
nach internationalem Recht die Verpflichtung eingeht, auf den Erwerb
von Atomwaffen zu verzichten und deren Verbreitung zu verhindern. Dies
wird die Möglichkeiten für Fortschritte zu einem Abbau von atomarer
Bewaffnung verstärken und die Bedrohung durch einen Atomkrieg verringern.
Die beiden Staatsmänner bestätigten ebenso Jhre Unterstützung für die

�Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos

chemischer Waffen sowie des Verzichts
auf die Nutzung von zweifach verwendbaren chemischen Wirkstoffen für chemische Waffen verwiesen, betonten die
Staatsmänner die Notwendigkeit konkreter Lösungen des Problems der Sicherstellung einer wirkungsvollen Verifizierung und unverminderter Sicherheit für alle Beteiligten der
Konvention. Ihren jeweiligen Delegationen gaben sie entsprechende Anweisungen.

Die Staatsmänner drückten ihre
Zufriedenheit über die Aktivierung
einer neuen KommunikationsVerbindung
zwischen den beiden Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos in
Moskau und Washington aus, welche gemäß dem amerikanisch-sowjetischen Abkommen vom 15. September 1987 eingerichtet wurden. Man stimmte überein,
daß die Zentren im Zusammenhang mit
einem zukünftigen Vertrag über den
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen eine wichtige Rolle spielen können.

Beide Seiten waren sich einig,
wie wichtig es ist, daß alle Staaten
größere Offenheit an den Tag legen,
weil dies eir Weg zur Vertrauensbildung und zur Stärkung des Fundaments
für eine wirkungsvolle Konvention
ist. Die Staatsmänner betonten ebenfalls die Notwendigkeit einer engen
Koordinierung auf multilateraler Ebene, um die Teilnahme aller Staaten
sicherzustellen, die gemäß der Konvention im Besitz von chemischen Waffen und zur Herstellung solcher Waffen fähig sind.

Internationale Atomenergiebehörde und
vereinbarten, ihre Anstrengungen zur
weiteren Stärkung der Behörde fc_tzusetzen. Sie hoben erneut den Wert
ihrer
regelmäßigen
Konsultationen
über die Nichtverbreitung hervor, und
kamen überein, daß diese beizubehalten seien.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner überprüften den
Stand der laufenden multilateralen
Verhandlungen und bilateralen Konsultationen über ein umfassendes, wirkungsvoll überprüfbares und tatsächlich weltweites Verbot von chemischen
Waffen, welches alle zur Herstellung
chemischer Waffen fähiger Staaten
einschließt.
Ferner verliehen sie
ihrer Besorgnis über das wachsende
Problem der. Verbreitung und des Einsatzes von chemischen Waffen Ausdruck.
Die
Staatsmänner
unterstrichen
die Bedeutung der Anstrengungen, die
auf die Behandlung der unvermindert
dringlichen und unvergleichlich wichtigen Aufgabe des Verbots chemischer
Waffen sowie auf den Abschluß einer
wirkungsvollen Konvention gerichtet
sind. Während sie auf die schon erzielten Fortschritte in den Verhandlungen und die schwierigen Probleme
im Hinblick auf eine wirkungsvolle
Überwachung eines weltweiten Verbots

Beide Seiten verurteilen entschieden die gefährliche Verbreitung
und den rechtswidrigen Einsatz von
chemischen Waffen unter Verletzung
des Genfer Protokolls von 1925. Sie
unterstrichen die Bedeutung von sowohl technischen als auch politischen
Lösungen dieses Problems und bekräftigten ihre Unterstützung für internationale Untersuchungen mutmaßlicher
Verletzungen. Die Staatsmänner verwiesen auf erste Bemühungen zur Kontrolle des Exports von chemischen
Wirkstoffen, die bei der Produktion
von chemischen Waffen verwendet werden, und forderten alle Staaten, die
zur Herstellung solcher Wirkstoffe in
der Lage sind, dazu auf, eine strenge
Exportkontrolle einzuführen, um der
Verbreitung chemischer Waffen Einhalt
zu gebieten.

Konventionelle Rüstungskontrolle
Die Seiten unterstrichen die Bedeutung der Festigung von Stabilität
und Sicherheit in ganz Europa. Sie

- 7 -

�begrüßten in diesem Zusammenhang die
bereits erzielten Fortschritte bei
der Ausarbeitung des Mandats für neue
Verhandlungen über Streitkräfte und
konventionelle Rüstungen und äußerten
ihre Hoffnung auf einen baldigen und
ausgewogenen
Abschluß
des
Wiener
KSZE-Folgetreffens.
Der Generalsekretär und der Präsident stellten zugleich fest, daß die vollständige
Verwirklichung der Bestimmungen des
Dokumentes der Stockholmer Konferenz
über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa in bedeutendem Maße zur Erweiterung der Offenheit und zur Festigung
des gegenseitigen Vertrauens beitragen kann.
Sie erörterten ferner den Stand
der Wiener Verhandlungen über die
beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa
(MBFR).

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Die Staatsmänner bekräftigten ihr
Engagement zur Fortführung des KSZEProzesses. Die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten werden ihre Zusammenarbeit mit den anderen 33 Teilnehmerstaaten fortsetzen, um das Wiener KSZE-Folgetreffen zu einem erfolgreichen
Abschluß
zu
bringen.
Dies soll durch bedeutsame Ergebnisse
auf allen Hauptgebieten der Schlußakte von Helsinki und des Madrider Abschlußdokumentes geschehen.

Verbreitung von Technologie ballistischer Raketen
Die
Staatsmänner
kamen
darin
überein, das Problem der Verbreitung
der Technologie von ballistischen Raketen bilateral auf Expertenebene zu
erörtern.

Dritte Sondersitzung
versammlung

der UN-General-

Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf die Bedeutung
der laufenden dritten UN-Sondertagung
für Abrüstung.

Menschenrechte und humanitäre Anliegen
Der Präsident und der Generalsekretär sprachen eingehend über Menschenrechte und humanitäre Anliegen.
Die Staatsmänner erörterten den immer
breiteren und detaillierteren amerikanisch-sowjetischen Dialog auf diesem Gebiet und stimmten darin überein, daß dieser auf allen Ebenen
stattfinden sollte, um zu anhaltenden
und konkreten Fortschritten zu gelangen. Es wurde festgestellt, daß dieser Dialog darauf ausgerichtet sein
sollte, die Rechte, Freiheiten und
Menschenwürde des Einzelnen möglichst
umfassend sicherzustellen;
menschliche Kommunikation und Kontakte zu
fördern; einen regen Austausch von
geistigen, kulturellen, historischen
und sonstigen Werten zu betreiben;
und größeren gegenseitiges Verständnis und Respekt zwischen beiden Ländern herbeizuführen. Zu diesem Zweck
erörterten sie die mögliche Einrichtung eines Forums, in dessen Rahmen
sich Vertreter der verschiedenen Bereiche beider Gesellschaftsordnungen
regelmäßig treffen würden.
Bereits
vollzogene Schritte zur Herstellung
eines Austauschs von Informationen
und Kontakten zwischen den gesetzgebenden Körperschaften beider Länder
wurden hervorgehoben. Hierzu gehören
ebenfalls die Diskussionen zwischen
Rechtsexperten, Medizinern und Vertretern anderer Berufsrichtungen, die
direkt in Menschenrechtsfragen engagiert sind, und zwischen Vertretern
von regierungsunabhängigen Organisationen.

�Regionale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär führten eingehende Gespräche
über ein breites Spektrum regionaler
Fragen,
einschließlich
des
Nahen
Ostens, des Krieges zwischen Iran und
Irak, Südafrika, dem Hörn von Afrika,
Mittelamerika, Kambodscha, der koreanischen Halbinsel und anderer Bereiche. Sie drückten ihre Befriedigung
über den im April 1988 in Genf erfolgten Abschluß eines Abkommens über
eine Regelung für Afghanistan aus.
Obwohl die Gespräche sowohl im Hinblick auf die Beurteilung der Ursachen regionaler Spannungen als auch
bei den Mitteln zu deren Überwindung
ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten
aufdeckten, kamen beide Staatsmänner
überein, daß diese unterschiedlichen
Meinungen kein Hindernis für eine
konstruktive Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellen sollten.
Sie bestätigten ihre Absicht, Gespräche
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion auf allen
Ebenen weiterzuführen, die darauf abzielen, den an regionalen Konflikten
Beteiligten bei der Auffindung friedlicher Lösungen zu helfen, die ihre
Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit fördern. Sie betonten die Bedeutung, die einer verbesserten Stellung der Vereinten Nationen und anderer internationaler Institutionen im
Hinblick auf ihren Beitrag zur Lösung
regionaler Konflikte zukommt.

Bilaterale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär erörterten die seit ihrem
Treffen in Washington von Dezember
1987 durch den weiteren Ausbau bilateraler Kontakte, Austauschprogramme
und Zusammenarbeit erzielten Fortschritte. Sie verwiesen auf die zunehmend wichtige Rolle, die ein Austausch zum beiderseitigen Nutzen zwischen beiden Ländern bei der Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und Schaffung von Stabilität im

amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
spielen kann. Sie erklärten ihre Absicht zur Intensivierung dieser Verbindungen.
Mit besonderer Genugtuung wurde
verzeichnet, daß in den meisten der
bei den Zusammenkünften in Genf,
Reykjavik und Washington definierten
Bereiche konkrete Abkommen erzielt
wurden.

Bilaterale Abkommen
Aktivitäten

und

gemeinsame

Der Präsident und der Generalsekretär begrüßten den Abschluß einer
Reihe bilateraler Abkommen, mit denen
einer fruchtbaren Zusammenarbeit in
den folgenden Bereichen neue Möglichkeiten
eröffnet
werden:
wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit im Verkehrswesen; Seenotrettung; praktische Koordination zwischen amerikanischen und sowjetischen
Funknavigationssystemen im Nordpazifik und der Beringstraße sowie Zusammenarbeit im Fischereiwesen.
Beide Staatsmänner begrüßten die
jüngste Unterzeichnung einer neuen
Vereinbarung über die Atomreaktorsicherheit im zivilen Bereich gemäß
dem bilateralen Abkommen über die
friedliche Nutzung der Atomenergie.
Zur Erweiterung dieses Abkommens fand
ein Notenaustausch statt.
Sie drückten Befriedigung über
die jüngste Unterzeichnung eines neuen Protokolls zum bilateralen Abkommen über das Wohnungswesen aus, das
eine Zusammenarbeit im Bereich der
Bauforschung im Hinblick auf extreme
geologische und ungewöhnliche klimatische Bedingungen vorsieht.
Der Stand der Verhandlungen zwischen beiden Ländern zur Schiffahrt,
den Seegrenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR, der Grundlagenforschung und Notfallbeseitigung
von Umweltschäden in der Beringstraße
und der Tschuktschen See wurde einer
Betrachtung unterzogen.
Die Unter-

- 9-

�händler wurden angewiesen, ihre
strengungen zur baldmöglichsten
langung beiderseitig akzeptabler
kommen in diesen Bereichen zu
schleunigen.

AnErAbbe-

Beide Staatsmänner begrüßten die
Aufnahme bilateraler Gespräche zur
Bekämpfung des Drogenhandels.
Mit
Befriedigung verzeichneten sie die
laufenden Konsultationen beider Seiten über See- und Luftrecht, die Sicherheit der Schiffahrt und in Bereichen von gemeinsamem Interesse in juristischen Fragen.

Kulturelle und Austauschprogramme
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau des Austausches in den Bereichen Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Sport nach dem Allgemeinen
Austauschabkommen, begrüßten die Unterzeichnung eines neuen Durchführungsprogramms für 1989-91 gemäß dem
Abkommen und bekundeten ihre Absicht
zum weiteren Ausbau solcher Austauschprogramme.
Im Zeitraum der
Gültigkeit dieses Abkommens werden
beide Seiten unter Berücksichtigung
ihrer gemeinsamen Interessen und der
finanziellen und technischen Voraussetzungen Verhandlungen über die Eröffnung von Kultur/Informationszentren in den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion führen, mit dem Ziel
der Unterzeichnung eines angemessenen
Abkommens durch die Regierungen beider Seiten.
Es wurde mit Befriedigung vermerkt, daß im Verlauf des Dialogs
beider Staatsmänner menschliche Kontakte und Austauschprogramme zwischen
nichtstaatlichen Organisationen erheblich zugenommen haben und zu einem
der lebendigsten Bestandteile in den
bilateralen
Beziehungen
geworden
sind. Sie bestätigten ihr Engagement
für den Ausbau solcher Austauschprogramme, die zum gegenseitigen Verständnis beitragen und begrüßten Pläne für zukünftige erweiterte Austauschprogramme junger Menschen. In
diesem Zusammenhang drückten sie ihre

Bereitschaft aus, das Konzept der
weiteren Erarbeitung von Austauschprogrammen für Schüler weiterführender Schulen in die Praxis umzusetzen.
Sie verwiesen auf jüngste gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Initiativen
in den Bereichen Kultur, Theater und
Film als Beispiele neuer Möglichkeiten der Zusammenführung von Menschen
aus kreativen Berufen.
Beide Staatsmänner bemerkten die
sich schnell intensivierenden Verbindungen zwischen beiden Ländern im
Sport, auch bei den jeweiligen nationalen olympischen Komitees und drückten ihre Unterstützung für die internationale olympische Bewegung aus,
die durch den Wettbewerb der Athleten
internationale Kooperation und Verständigung fördert.

Andere gemeinsame Aktivitäten
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf den erfolgreichen Ausbau der Zusammenarbeit in
der Wissenschaft im Rahmen bilateraler Abkommen zum Umweltschutz, der
Medizin und
dem Gesundheitswesen,
Forschung und Entwicklung künstlicher
Herzen, Landwirtschaft
und Erforschung der Weltmeere, und sie bekundeten ihre Absicht zum weiteren Ausbau von Aktivitäten unter diesen Abkommen in den Bereichen, die für beide Seiten Nutzen bringen.
Der Präsident und der Generalsekretär verzeichneten erfreut die
Aufnahme der Arbeit an der Konzeption
eines Internationalen Thermonuklearen
Experimentellen Reaktors (ITER) unter
der Schirmherrschaft der Internationalen Atomenergiebehörde und unter
Beteiligung von Wissenschaftlern und
Experten aus den Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion, den an der Atomenergie arbeitenden europäischen Ländern
und Japan. Beide Staatsmänner verwiesen auf die Bedeutung dieses nächsten Schritts zur Entwicklung der
Kernkraft als preiswerte, umweitfreudliche und Im wesentlichen unerschöpfliche Energiequelle zum Nutzen

- 10 -

�der ganzen Menschheit.
Der Präsident und der Ger.aralsekretär begrüßten die Übereinkunft
von Vertretern der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Kanadas und
Frankreichs, in nächster Zukunft das
weltraumgestutzte Such- und Rettungssystem zur weltweiten Rettung von
Menschenleben - COSPAS/SARSAT - zu
institutionalisieren.
Beide
Staatsmämmer
bekräftigen
erneut ihre Unterstützung für das
Ziel von WHO und UNICEF, das Ausmaß
der zu verhindernden Kindersterblichkeit mit den wirkungsvollsten Methoden zur Rettung der Kinder zu verringern. Sie drängten andere Länder und
die internationale Gemeinschaft, die
Anstrengungen zur Erlangung dieses
Ziels zu intensivieren.
Initiativen zum Klima auf der Erde
und zur Veränderung der Umwelt
Beide Staatsmänner drückten ihre
Befriedigung über die seit dem Gipfeltreffen in Washington unternommenen Aktivitäten zum Ausbau der Zusammenarbeit im Hinblick auf das Klima
auf der Erde und die Veränderung der
Umwelt aus, einschließlich der beide
Seiten betreffenden Bereiche wie Umweltschutz, insbesondere der Schutz
und die Erhaltung der Ozonschicht und
die mögliche Tendenz zur Erwärmung
des Klimas.
Sie betonten ihren
Wunsch zur aktiveren Nutzung der einzigartigen Möglichkeiten, die die
Weltraumprogramme beider Länder zur
Durchführung der weltweiten Beobachtung der Umwelt und der ökologischen
Bedingungen der Landmassen, Weltmeere
und der Erdatmosphäre bieten.
Sie
unterstrichen die Notwendigkeit der
zukünftigen Weiterführung bilateraler
und multilateraler Zusammenarbeit in
diesem wichtigen Bereich.

Initiative für mehr Zusammenarbeit
bei der zivilen Nutzung des Weltraums
Beide Staatsmänner erkannten das

seit langem bestehende Engagement
beider Länder für die Weltraumwissenschaft und die Erforschung des Alls
an und verwiesen auf die im Rahmen
der Gemeinsamen Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von 1987 über die Erforschung und Nutzung des Weltraums für
friedliche
Zwecke erzielten Fortschritte. In diesem Zusammenhang einigte man sich auf eine neue Initiative zum Ausbau der Zusammenarbeit im
Weltraum im zivilen Bereich durch die
Gewährung gegenseitiger Flugmöglichkeiten für wissenschaftliche Instrumente im jeweils anderen Raumfahrzeug
und durch den Austausch von Ergebnissen unabhängiger nationaler Studien
über zukünftige unbemannte Missionen
zur Erforschung des Sonnensystems.
Damit soll eine Beurteilung über die
zukünftige
amerikanisch-sowjetische
Zusammenarbeit bei solchen Missionen
ermöglicht werden. Beide Staatsmänner vereinbarten ebenfalls den erweiterten Austausch von Daten und Wissenschaftlern im Bereich der Weltraumwissenschaft sowie die Verbesserung des wissenschaftlichen Nutzens,
der aus den Forschungsmissionen beider Länder im Weltraum gezogen werden
kann.
Sie verwiesen auf wissenschaftliche Missionen zum Mond und
zum Mars als Bereiche möglicher bilateraler und internationaler Kooperation.

Kontakte und Kooperation am Nordpol
Beide Staatsmänner berücksichtigten die einzigartigen ökologischen
und
demographischen
Merkmale
des
Nordpols und bestätigten ihre Unterstützung erweiterter bilateraler und
regionaler Kontakte sowie der Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Sie
verwiesen auf Pläne und Möglichkeiten
für mehr wissenschaftliche und ökologische Zusammenarbeit im Rahmen einer
Reihe bilateraler Abkommen sowie im
Rahmen eines Internationalen Komitees
zur Erforschung des Nordpols, der
Länder angehören, die Interessen in
der Region verfolgen. Sie haben ihre
Unterstützung für mehr menschliche

- 11 -

�Kontakte zwischen der Bevölkerung
Alaskas und der Sowjetunion bekundet.
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen in diesem Zusammenhang auf die positive Rolle des
multilateralen
Antarktis-Vertrages
und betonten die Bedeutung der wissenschaftlichen und umweltpolitischen
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
dieser Region.

Wirtschaft und Handel
Beide Seiten bestätigten ihre
einhellige Unterstützung für den Ausbau von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zum beiderseitigen Nutzen
und verwiesen auf jüngste Aktivitäten
in diesem Bereich. Sie verliehen ihrer Überzeugung Ausdruck, wirtschaftlich lebensfähige und mit den Gesetzen und Bestimmungen beider Länder im
Einklang befindliche Joint Ventures
könnten bei der weiteren Entwicklung
der Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle
spielen. Sie begrüßten die Ergebnisse der Zusammenkunft der Gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Wirtschaftskommission im April und bemerkten mit Befriedigung die Schaffung von Arbeitsgruppen im Rahmen der
Kommission, mit denen bessere Bedingungen hervorgebracht werden sollen,
im Rahmen derer sich ein für beide
Seite vorteilhafter Handel entwickeln
kann. Unter Verweis auf die Gemeinsame Erklärung von 1974 sowie das
Protokoll mit dem Anhang des langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union Sozialistischer Sowjetrepubliken zur Erleichterung wirtschaftlicher, industrieller und technischer
Zusammenarbeit, das beim Abschluß der
Geraeinsamen
Wirtschaftskommission
veröffentlicht wurde, kam man überein, daß die Kommission weiterhin zusammentreffen sollte, ,um auf den bisherigen Impulsen aufzubauen.
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau der Beziehungen zwischen
Aeroflot und Pan American Airlines
- 1

unter dem zwischen beiden Regierungen
geschlossenen Abkommen über den zivilen Luftverkehr als positives Beispiel der Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen.

Austausch über
Konsulate/Diplomatische und
konsularische Vertretungen
Der Präsident und der Generalsekretär bestätigten ihre Vereinbarung, in Kiew und New York Generalkonsulate zu eröffnen, sobald dies
praktikabel ist.
Beide
Staatsmänner
erörterten
Fragen im Hinblick auf die Gewährleistung angemessener und sicherer Bedingungen für amerikanische und sowjetische diplomatische und konsularische Einrichtungen und deren Personal auf dem Territorium des anderen.
Sie waren sich über die Notwendigkeit
einig, Fragen zu diesem Problemkreis
konstruktiv und auf der Basis der Gegenseitigkit anzugehen.

Zukünftige Treffen
Der Präsident und der Generalsekretär erkennen die Bedeutung ihrer
persönlichen Beteiligung an der Entwicklung der Beziehungen in den kommenden Monaten und wiesen die Außenminister Shultz und Schewardnadze an,
sich gegebenenfalls zu treffen und
ihnen Möglichkeiten vorzuschlagen, um
weitere praktische Fortschritte bei
der gesamten Bandbreite von Themen zu
gewährleisten.
Kontakte auf Expertenebene werden auf einer intensivierten Grundlage weitergeführt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
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"""

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

8. Juni 1988

22

DIE VEREINBARUNGEN ÜBER DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht zu den Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische Verifizierungsexperiment (JVE) wurde am 31. Mai 1980 in Moskau vom Weißen Haus veröffentlicht:

Die Arbeitsgruppe Sicherheit und
Rüstungskontrolle hat die technischen
Einzelheiten des Gemeinsamen Verifizierungsexperiments
fertiggestellt,
und damit können wir diese Vereinbarungen heute unterzeichnen.
Dies ist ein bedeutender Schritt
zu einem Abkommen über effektive Verifizierungsmaßnahmen, die uns die
Ratifizierung des Schwellenvertrages
(TTBT) und des Vertrages über Kernexplosionen
zu
friedlichen
Zwecken
(PNET) erlauben würden.
Die Vereinbarungen über das JVE
werden jeder Seite eine Gelegenheit
bieten, den Detonationswert einer
Kernexplosion der jeweils anderen
Seite zu messen und dabei jeweils das
eigene, bevorzugte Verfahren anzuwen-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß bei Abschluß des JVE-Prozesses zu dem auch die Auswertung durch jede
Seite und der Austausch von Daten gehören - die Sowjets in der Lage sein
werden, die routinemäßige Anwendung
des CORRTEX-Verfahrens als angemessene Verifizierungsmethode der Vereinigten Staaten zu akzeptieren. Wir
hoffen, daß das JVE diesen Sommer abgeschlossen werden kann.
Die
technischen
Vereinbarungen
umfassen ca. 160 Seiten, darunter 37
Anhänge. Die beiden durchzuführenden
Tests werden über 100 Kilotonnen und
annähernd bei der TTBT-Obergrenze von
150 Kilotonnen liegen. Der amerikanische Test wird auf dem Versuchsge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lande in Nevada, der sowjetische Test
auf dem Versuchsgelände von Semipalatinsk stattfinden.

* * * * *

i

�^eos^

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^

AMERIKA DIENST

Ä&lt;

Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE
FRIEDLICHE NUTZUNG DER KERNENERGIE
- Eine Übersicht Die nachfolgende Übersicht zum amerikanisch-sowjetischen Abkommen über die
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde am 31. Mai
vom Weißen Haus in Moskau veröffentlicht.

Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über wissenschaftliche und
technische Zusammenarbeit im Bereich
der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde in seiner Urfassung im Juni
1973 von Präsident Nixon und Generalsekretär
Breschnew
unterzeichnet.
Der Energiebehörde obliegt die Verwirklichung der Zusammenarbeit, und
sie trägt die Verantwortung im Hinblick auf den Ablauf und die Oberaufsicht der amerikanischen Beteiligung
an Aktivitäten gemäß diesem Abkommen.
Das Abkommen sieht die Zusammenarbeit in den Bereichen Kernschmelzung und Hochenergiephysik vor und
wird weiterhin als Grundlage für zukünftige bilaterale Aktivitäten zur
zivilen Nutzung der Kernenergie dienen. Beim Abschluß des siebten Tref-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fens des gemeinsamen Ausschusses für
das Abkommen am 2. Mai 1988 in Washington beschlossen beide Seiten
eine einjährige Verlängerung des Abkommens, damit Zusatzartikel zur Urfassung beschlossen werden konnten,
einschließlich solcher Bestimmungen
zum zusätzlichen
Schutz geistigen
Eigentums.
Beide Seiten bekundeten
nach Vereinbarung der Zusatzartikel
ihr Interesse an der Verlängerung des
Abkommens für einen Zeitraum von fünf
bis zehn Jahren.
Sie vereinbarten
ebenfalls neue Arbeitsprogramme zur
Kernschmelzung und Physik und unterzeichneten eine neue Gemeinsame Vereinbarung über die Sicherheit von
Atomreaktoren im zivilen Bereich, die
damit in Kraft trat.
Angesichts

der sich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

aus diesem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�seit langem bestehenden Abkommen ergebenden Vorteile und im Hinblick auf
die Bedeutung der neuen Übereinkunft
über Sicherheit von Atomreaktoren
kamen beide Seiten überein, die Verlängerung mit einem Austausch diplomatischer Noten anläßlich des Besuchs
von Präsident Reagan in der Sowjetunion zu vollziehen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR
ZUSAMMENARBEIT IM WELTRAUM
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht über das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum wurde vom Weißen Haus am 31. Hai in Moskau herausgegeben :
Im April 1987 unterzeichneten der
amerikanische
Außenminister
Shultz
und der sowjetische Außenminister
Schewardnadse das Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Erforschung und
Mutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. Das Abkommen sieht die Einrichtung von fünf gemeinsamen Arte itsgruppen auf den Gebieten der Erforschung des Sonnensystems, Weltraum-Astronomie und Astrophysik, Geowissenschaften,
Sonnenphysik
mit
Rückwirkung auf die Erde (solar terrestrial physics), sowie der Weltraumbiologie und -medizin vor. Sämtliche
fünf Arbeitsgrupen haben Sitzungen
abgehalten. Ihre Tagesordnungen basierten auf mindestens einem der ursprünglichen 16 gemeinsamen Projekte,
die im Anhang des Weltraumabkommens
aufgelistet sind.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Angesichts der im Rahmen des
Weltraumabkommens
erzielten
Fortschritte haben beide Seiten vereinbart, die Zusammenarbeit bei der
Weltraumwissenschaft
kontinuierlich
auszuweiten. Sie kamen überein, den
Austausch von Daten aus der Weltraumwissenschaft und von Wissenschaftlern
zu verstärken und gegenseitig Möglichkeiten des Transports von wissenschaftlichen Instrumenten in den bemannten oder unbemannten Raumtransportern beider Seiten einander anzubieten. Schließlich haben sie sich
dazu verpflichtet, die Ergebnisse unabhängiger nationaler Studien über
zukünftige unbemannte Missionen zur
Erforschung des Sonnensystems auszutauschen, um mit deren Hilfe die Aussichten auf eine zukünftige amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
derartigen Missionen zu bewerten.

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Wissenschaft und Technik

8. Juni 1903

22

BIOTECHNIK - EINE ZUKUNFTSINDUSTRIE
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Das Amt für Technologiebewertung
(Office of Technology Assessment OTA) , eine Forschungsinstitut des
US-Kongresses hält Umweltprobleme infolge der Freisetzung genetisch veränderter Organismen bei begrenzten
Tests außerhalb von Laboratorien für
unwahrscheinlich. Das geht aus einem
Bericht hervor, der die Ergebnisse
einer von OTA durchgeführten Dreijahresstudie
zusammenfaßt.
Damit
liegt die gründlichste Analyse im
Hinblick auf mögliche Probleme vor,
die durch das Einbringen künstlich
erzeugter Organismen in die Umwelt
entstehen könnten. Die gegenwärtig
üblichen Prüfungsverfahren für die
Felderprobung genetisch manipulierter
Lebensformen reichen demnach aus, um
die meisten denkbaren Probleme im voraus zu erkennen und zu verhindern.

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Luther Val Giddings, der Leiter der
Wissenschaftlergruppe, sieht jedoch
keine Gewähr dafür, daß dies mit
fortschreitender Technik und ehrgeizigeren
Anwendungsversuchen
auch
künftig der Fall sein wird.
Gentechnik zielt darauf ab, die
Erbsubstanz lebender Zellen so zu
verändern, daß diese neue Substanzen
produzieren oder neue Funktionen erfüllen können. Genetisch veränderte
Organismen dienen den verschiedensten
Zwecken - beispielsweise der Gewinnung von Vakzinen zum Schutz von
Mensch und Tier, der Züchtung neuer
Pflanzensorten mit verbesserter Resistenz gegen Krankheiten, Schädlinge
und Herbizide, der Produktion von Mikroben,
die
Ernteverluste
durch
Frosteinwirkung verringern oder durch

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�den Abbau toxischer Abfälle die Qualität der Umwelt verbessern.
Manche Wissenschaftler und Umweltschutzgruppen äußerten sich besorgt, einmal freigesetzte veränderte
Mikroben könnten sich vermehren und
ausbreiten und dann vielleicht andere
Organismen schwer schädigen oder empfindliche ökologische Systeme aus
dem Gleichgewicht bringen. Der OTABericht schließt potentielle Risiken
nicht aus: "Praktisch jeder Organismus, der in eine neue Umgebung gelangt, wird eine geringe, aber doch
reale Chance zu überleben und zur
Vermehrung haben. Das könnte in manchen Fällen unerwünschte Konsequenzen
haben". Jedoch seien solche Sorgen
eher bei irgendwann in der Zukunft zu
erwartenden großräumigen Tests oder
kommerzieller Anwendung berechtigt.
"In der Tat dürften begrenzte,
kleine Feldtests der einzige Weg
sein" - sagen die Verfasser des Berichts - "um Unsicherheiten in bezug
auf diese oder jene kommerzielle Anwendung genetisch veränderter Organismen zu klären. Ergeben sich dabei
keine
besorgniserregenden
Fragen,
dürfte aus wissenschaftlicher Sicht
kein Grund bestehen, Feldtests oder
die Anwendung
in größerem Rahmen
nicht in Angriff zu nehmen". Vor
einem Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses verwies Giddings darauf,
es sei für die zuständigen Behörden
wichtig, wenn auch schwierig, die
richtige Mischung von Vorsicht und
sachgerechter Beurteilung zu finden,
so daß kein ehrgeiziges Projekt ohne
angemessene Überprüfung "durchschlüpfen" könne.
Seit Oktober 1986 haben das USLandwirtschaftsministerium
und
die
Bundesumweltschutzbehörde
EPA
34
Feldtests mit genetisch veränderten
Mikroben oder Pflanzen genehmigt.
Als erstes Unternehmen erhielt im
April vergangenen Jahres eine kalifornische Biotechnikfirma die Erlaubnis zu einem Freilandtest mit genetisch veränderten Bakterien, die Erdbeerpflanzen vor Frostschäden bewah-

ren sollten. Inzwischen wurde Anträgen von zwei weiteren Biotechnik-Firmen stattgegeben; über den Antrag
eines vierten Unternehmens auf Erprobung eines gentechnisch produzierten
Pestizids zum Schutz von Mais, soll
in allernächster
Zeit entschieden
werden.
Der
Kongreßabgeordnete
James
Scheuer, Vorsitzender des Unterausschusses für Natürliche Ressourcen,
Agrarforschung und Umwelt, äußerte
allerdings "ernste Besorgnis", ob die
von Bundesbehörden erlassenen Vorschriften im Zusammenhang mit der
Freisetzung genetisch veränderter Organismen den Problemen gerecht werden. "Von konkreten, klaren Verwaltungsvorschriften für biotechnische
Produkte scheinen wir noch weit entfernt zu sein", meinte er. "Dennoch
werden solche Produkte weiterhin geprüft und ihre Freisetzung erlaubt.
Diese Situation dürfte in Zukunft bei
dem erwarteten dramatischen Anstieg
angewandter Biotechnik nicht befriedigend sein."
Die Biotechnik gilt als eine
künftige Schlüselindustrie. Aus diesem Grund kommt nach Ansicht führender Persönlichkeiten in der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) den Aktivitäten von
Kongreß und Regierung zum Schutze der
Öffentlichkeit,
gleichzeitig
aber
auch zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit
der
amerikanischen
Wirtschaft, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Akademie kann eine nützliche Rolle spielen, indem sie den Politikern
hilft, zwischen echten und hypothetischen Problemen
zu unterscheiden.
Der NAS-Ausschuß, der im August 1987
einen Bericht zum Thema der Anwendung
gentechnisch
erzeugter
Organismen
veröffentlicht hatte, befürwortet ein
Klassifizierungssystem,
mit
dessen
Hilfe abgeschätzt werden kann, ob genetisch veränderte Organismen, deren
Freisetzen beabsichtigt ist, ein Risiko darstellen. Dieses System könnte z.B. an der Art der durch genetische Manipulation eingeführten Funktionen, an der natürlichen Umwelt und

�den ökologischen Merkmalen der betreffenden Organismen und an den Gegebenheiten des Gebietes orientiert
sein, in dem die Organismen freigesetzt werden sollen .
* * * * *

- 3 -

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A

Wissenschaft und Technik

8. Juni 1988

22

ERREGER DER NON-A-NON-B HEPATITIS ENTDECKT
- Bluttests in der Erprobung -

Das dritte Hepatitis-Virus, das
sich im Gegensatz zu den Typen A und
B lange Zeit dem mikrobiologischen
Nachweis entzog, wurde endlich identifiziert. Wissenschaftler der Chiron-Corporation, eines Biotechnik-Unternehmens im Emeryville (Kalifornien) , berichteten kürzlich auf einem
wissenschaftlichen Symposion der Universität Kalifornien in San Francisco
über ihre Entdeckung. Zusammen mit
Forschern der Zentren für Seuchenüberwachung in Atlanta (Georgia) wurden Teile des Erregers sogar schon
kloniert, so daß Aussicht besteht,
Spenderblut auf Verseuchung durch Hepatitis-Viren vom Typ Non-A-non-B testen zu können. Fast 95 Prozent der
Leberentzündungen nach Bluttransfusionen gehen auf das Konto dieses Erregers. Mehr als 15 Jahre lang war

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Embassy of the United States of America

in vielen Laboratorien der Welt an
seiner
Identifizierung
gearbeitet
worden. Da keine Züchtung auf Gewebekulturen gelang und die herkömmlichen Tiermodelle sich als nutzlos erwiesen, war er nur indirekt, nämlich
durch Ausschließen einer Infektion
mit Viren von Typ A und Typ B, nachweisbar.
Die auf dem Blutwege oder durch
engen persönlichen Kontakt übertragene Infektion ist weltweit ein Problem, vor allem in westlichen und
asiatischen Ländern.
Nach Angaben
der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes
of Health - NIH) erkranken in den USA
jährlich bis zu 150 000 Personen infolge einer Bluttransfusion an einer
Leberentzündung, die auf der Infek-

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�tion mit dem Non-A-non-B-Virus beruht. Und pro Woche kommen zu den
Fällen von chronischer Hepatitis, die
auf eine Transfusion zurückzuführen
sind, 1500 neue hinzu.
Edward E. Penhoet, Präsident der
Chiron-Corporation, verwies auf einer
Pressekonferenz in Washington darauf,
daß "unsere Entdeckung und die sich
daran anschließenden Arbeiten einen
bedeutsamen Schritt darstellen, der
Millionen von Menschen zugute kommen
wird". Gegenwärtig werden mit einem
Prototypverfahren
zur
Untersuchung
von Blut auf Antikörper gegen den
dritten Hepatitis-Virustyp und damit
zur Feststellung einer Infektion präklinische
Tests
durchgeführt.
Penhoet ist zuversichtlich, daß die
Behörde für Nahrungsund Arzneimittelüberwachung (FDA) noch in diesem Jahr
die Aufnahme klinischer Tests genehmigen wird. Gegenwärtig gibt es in
den Blutbanken, in Krankenhäusern
oder an anderen Stellen noch keine
Möglichkeit,
Non-A-non-B-Hepatitis
Infektionen direkt zu diagnostizieren. Die Symptome können sich als
milde bis schwere Gelbsucht, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit und
Mattigkeit äußern.
In der chronischen Form kann es zu Lebernekrose
und Leberzirrhose wie auch zu primärem Leberkrebs kommen.
Sobald das neue Verfahren zugelassen und verfügbar ist, könnten
Blutbanken mit einem relativ einfachen Test infiziertes Blut herausfinden. Durch Klonieren bzw. Genisolierung läßt sich Penhoet zufolge das
bei dem Bluttest verwendete Virusprotein reproduzieren.
Außerdem wird
das neue Verfahren die Ärzte in die
Lage versetzen, bei Patienten mit Hepatitissymptomen,
die
verschiedene
Ursachen haben können, exakte Diagnosen zu erstellen und den Verlauf der
Erkrankung während der Therapie zu
kontrollieren. Die Forschungen wurden von der Chiron-Tochterfirma Biocine Company durchgeführt, deren Wissenschaftler mit Ciba-Geigy in Basel
zusammenarbeiten.

- Hepatitis-B Chiron entwickelte auch als erstes Unternehmen auf gentechnischem
Wege eine Vakzine zur aktiven Schutzimpfung gegen Hepatitis-B.
Schätzungsweise 200 Millionen Menschen,
meist in Entwicklungsländern, sind
mit Hepatitis-B infiziert. Die aktive Vakzine wird, da sie sehr kostspielig ist, meist nur bei besonders
exponierten Personen, z.B. im Gesundheitsdienst, durchgeführt.
Es gibt
auch eine passive Immunprophylaxe,
die einige Monate lang bei Infektionen vor der schweren Form einer Hepatitis-B-Erkrankung schützt.

•
i

Wissenschaftler der Universität
Kalifornien in Davis setzten sich
jetzt dafür ein, Tests auf Hepatitis-B-Infektion bei Neugeborenen routinemäßig durchzuführen, um die Babies sofort zu immunisieren und damit
"unsägliches Leid und jährlich Kosten
von Millionen von Dollars zu ersparen".
Gegenwärtig werden, so Dr.
Jose A. Arevalo, nur Schwangere auf
Hepatitis-B getestet, die als "großes
Risiko" gelten. Wird dieses Kriterium jedoch als einziger Indikator
benutzt, übersieht man bis zu 50 Prozent chronisch infizierter schwangerer Frauen. Betrachtet man die direkten und indirekten Kosten der Erkrankungen, so sind Test-und Immunisierungsprozeduren mehr als gerechtfertigt.

- 2 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische&lt;br /&gt;Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biotechnik - eine Zukunftsindustrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bluttests in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
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Wirtschaft

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14. J u n i 1988

INHALT

Reagan stellt Themen des Wirtschaftsgipfels In Toronto vor
- Rede des Präsidenten vor dem Atlantikrat -

Baker;

Koordinierung Hauptthema des Weltwirtschaftsgipfels

- Rede vor der International Monetary Conference •

Baker schlägt neue Schuldeninitiative vor
- Rede vor der Afrikanischen Entwicklungsbank -

Schuldentilgung der Entwicklungsländer und Landwirtschaft Themen beim
Gipfel
- Informationsgespräch im Foreign Press Center -

* * * * * *

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Wirtschaft

14. Juni 1988

REAGAN STELLT THEMEN DES WIRTSCHAFTSGIPFELS IN TORONTO VOR
- Rede des Präsidenten vor dem Atlantikrat WASHINGTON - (AD) - Am 13. Juni 1988 erklärte Präsident Reagan bei einem
Treffen des Atlantikrates in Washington, die Beschleunigung multilateraler
Handelsgespräche und die verbesserte Koordinierung der Wirtschaftspolitik
zählten zu den wichtigsten Programmpunkten der Staats- und Regierungschefs
führender westlicher Industrienationen bei ihrem Gipfeltreffen in Toronto vom
19. bis zum 21. Juni 1988.
Reagan wies ferner darauf hin, daß die Gipfelpartner Hilfe für die Philippinen und Afghanistan, eine Zusammenarbeit zur Abschaffung des internationalen
Rauschgifthandels und Konzepte zur Erleichterung der Schuldenprobleme ärmerer
afrikanischer Länder in Erwägung ziehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Vor eineinhalb Wochen hatte ich
die Ehre, von dem alten und geschichtsträchtigen Podium der Guildhall in London zum britischen Volk,
der atlantischen Gemeinschaft und der
übrigen Welt zu sprechen. Nach meinem Vortrag zum Moskauer Gipfel verlieh Frau Thatcher ihrer Überzeugung
Ausdruck, daß "jetzt mehr Hoffnung
zwischen Ost und West besteht als die
meisten von uns in ihrem Leben jemals
erlebt haben". Sie sprach von neuem
Vertrauen und Optimismus im Westen
und erinnerte an die Worte Sir
Winston Churchills: "Wo immer wir in
der Lage sind, zusammenzustehen und
uns gemeinsam für eine gerechte Sache
einzusetzen, solltea wir heilfroh
sein; solange wird die Welt frei
sein".

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Diese von Einigkeit, Optimismus,
Hoffnung und Stärke gekennzeichnete
Botschaft überbringe ich Ihnen heute.
Sie haben heute hier über "die Neuschaffung des Konsens in den OstWest-Beziehungen" gesprochen.
Aber unser Konsens besteht nicht
nur darüber, was wir ablehnen, sondern auch bei dem, was wir befürworten. Wir sind gegen Totalitarismus.
Wir befürworten Freiheit und Demokratie - ohne Verzug oder Entschuldigungen - und ich wage zu sagen, auch ohne Teilung.
Diese Wahrheit müssen
wir uns zunächst einmal vergegenwärtigen. Unter unseren Ländern mag es
geteilte Meinungen über Methoden geben, nicht jedoch im Hinblick auf die
grundlegenden Ziele.

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�In den letzten fünfzehn Jahren
haben wir in den Demokratien in wahrhaft demokratischer Art und Weise unterschiedliche Ansätze für die beste
Behandlung der Ost-West-Beziehungen
probiert. Angesichts des nunmehr abgechlossenen INF-Vertrages - dem ersten Abkommen, mit dem eine gesamte
Kategorie amerikanischer und sowjetischer
Nuklearraketen
abgeschafft
wird und das die umfassendsten Verifizierungsbestimmungen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle enthält, angesichts des sowjetischen Abzugs aus Afghanistan und angesichts
dessen, daß wir jetzt Veränderungen
im Innern der Sowjetunion wahrnehmen
- kann noch ein Zweifel darüber bestehen, daß wir Recht hatten im Hinblick auf unsere zukunftsweisende
Strategie für die Freiheit, auf die
Bedeutung von Freimütigkeit bei den
Unterschieden in unseren Systemen und
daß wir Recht hatten mit unserer Meinung, daß der Weg zum Frieden nicht
über Schwäche, Teilung oder leere Zugeständnisse führt, sondern über Einigkeit, Vertrauen und Stärke?

Lebensfähigkeit
probt.

der

Wirtschaft

er-

überall in der demokratischen
Welt streben wir nach der Hervorbringung eines neuen Konsens darüber, daß
Wachstum und Möglichkeiten Hand in
Hand gehen müssen. Nehmen Sie nur
die Steuern. In den vergangenen drei
Jahren haben unter anderem Großbritannien, Kanada, Japan und Frankreich ihre Spitzensteuersätze gesenkt. Warum? Vor nicht allzu langer Zeit hat der britische Finanzminister Nigel Lawson dazu erklärt:
"Der Grund für die weltweite Tendenz
zu
niedrigeren
Spitzensteuersätzen
liegt auf der Hand. überhöhte Einkommensteuersätze zerstören den Unternehmergeist, ermutigen Steuerumgehung und treiben Talente an gastfreundlichere Ufer in Übersee. (...)
Damit werden mit der Zeit keine zusätzlichen, sondern vielmehr geringere Einnahmen erzielt." Und er fügte
hinzu: "Im Gegensatz dazu kann ein
Abbau der Spitzensätze bei der Einkommensteuer langfristig zu höheren,
nicht niedrigeren Einnahmen der öffentlichen Hand führen."

In wenigen Tagen werde ich an
einem anderen Gipfel teilnehmen - dem
Wirtschaftsgipfel in Toronto.
Dies
hier ist ein ausgezeichntes Forum, um
über unsere Hoffnungen für diesen
Gipfel zu sprechen. Ich weiß, daß
der Atlantikrat Untersuchungen darüber anstellt, wie Wirtschaft und Sicherheit sich am besten integrieren
lassen. Das International Management
and Development Institute kommt zusammen, um Gespräche zu den vor uns
liegenden wirtschaftlichen Herausforderungen zu führen.

Aber der neue Konsens macht nicht
bei den Steuern halt. Ein Land nach
dem anderen hat mit der Privatisierung staatseigener Betriebe begonnen.
Restriktive Vorschriften sind zunehmend abgebaut worden. Die hohe Inflation, mit der exzessive Regierungsausgaben
einstmals
finanziert
wurden, gibt es nicht mehr. Und zumindest in den Vereinigten Staaten
geht das vom Staat verursachte Defizit zurück.

über die Jahre hinweg sind die
Wirtschaftsgipfel zu einem Fundament
der Zusammenarbeit unter den wichtigsten demokratischen Volkswirtschaften
geworden. Sie. bilden einen Teil des
Gerüstes der westlichen Stärke und
der Ost-West-Beziehungen.
Und hier
haben unsere Demokratien wiederum wie Demokratien dies tun - selbst
seit dem ersten Gipfeltreffen, an dem
ich im Jahr 1981 teilnahm, verschiedene Vorschläge für Wachstum und zur

Das alle verbindende Konzept ist
der Markt. Die Industrienationen die ganze Welt - wendet sich von
staatlicher Kontrolle der Wirtschaft
ab und kehrt zur freien Marktwirtschaft zurück. Von Indien nach Argentinien, von Afrika nach China und
sogar in der Sowjetunion beginnen
sich die Fesseln staatlicher Kontrolle der Wirtschaft zu lösen. Und Sie
wissen, daß etwas im Gange ist, wenn
Gerüchte über niedrigere Steuern in

�der Sowjetunion laut werden.
Ich brauche Ihnen nun nicht zu
erklären, daß die Vereinigten Staaten
stets eine Führungsrolle übernommen
haben oder daß die bemerkenswerten
Leistungen unserer Wirtschaft seit
dem Beginn unserer Expansion die
treibende Kraft hinter jenem neuen
Konsens war. Ich muß nicht auf all
unsere Leistungen erneut verweisen:
die längste Expansion in Friedenszeiten; die Schaffung von über doppelt
so vielen neuen Stellen als alle anderen sechs Gipfelländer zusammengenommen; der starke Anstieg des Familieneinkommens seit seinem Sturz im
vergangenen Jahrzehnt; die Beschäftigung eines größeren Teil des Arbeitskräftepotentials als jemals in
unserer Geschichte;
die Erzielung
eines neuen Höchststandes bei den Exporten.
Aber dieser neue Konsens hat
nicht nur den Volkswirtschaften der
Vereinigten Staaten, Großbritanniens,
Kanadas und so vieler anderer Länder
erneut zu einer gesunden Verfassung
verholfen. Es hat auch den Weg zur
Koordinierung
wirtschaftspolitischer
Maßnahmen unter den Gipfelländern geebnet, der vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Ob in der sogannten G-7, in der Handhabung der Schuldenkrise in so zahlreichen Ländern
der Dritten Welt, oder ob in Reaktion
auf die Unruhe an den Finanzmärkten
der Welt im vergangenen Jahr - wir
arbeiten zusammen.
Heute sprechen wir eine gemeinsame Sprache, um uns über die Entwicklung unserer Maßnahmen zu unterrichten, und wir arbeiten gemeinsam am
Ausgleich des Handels, der Finanzströme, des Haushalts und für die Sicherheit der Finanzmärkte der Welt.
Angefangen mit den Vereinigten Staaten, haben die Gipfelländer annähernd
sechs Jahre ununterbrochenen Wachstums erlebt. Ich würde daraus gerne
60 oder mehr machen.
Aber dazu wird es nicht kommen,
wenn wir versuchen so zu leben als

- 3

seien wir die einzige Wirtschaft auf
Erden. Die Gipfelländer arbeiten zusammen wie niemals zuvor, weil unsere
Volkswirtschaften
miteinander
verknüpft sind wie niemals zuvor. Hierfür möchte ich ein Beispiel anführen.
Neulich hat mir jemand erklärt, daf&gt;
an der New Yorker Börse zwar an einem
guten Tag acht Milliarden Dollar umgesetzt werden, die ausländischen
Börsen jedoch bis zu 25 Mal so viele
Geschäfte täglich abwickeln.
Die Industrien der Welt wachsen
oder fallen gemeinsam auf diesem
Weltmarkt. Der Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Stahlerzeugnissen
wurde im Rheinland Europa» genauso
spürbar wie in unserem Le.iigh Tal.
Tausende von Stellen verschwanden in
beiden Gebieten, und zwar nicht nur
wegen des Wettbewerbs mit dem Ausland.
Hier in Amerika schmolzer.
durch hochentwickelte Kleinst-Stahlwerke die Geschäfte zahlreicher eingesessener Produzenten dahin.
Aber da gibt es einen Unterschied
in der Art, wie wir in Amerika mit
dem Niedergang umgingen. Wir verloren die gleiche Art von Stellen wie
in anderen Ländern, aber wir schufen
- im Gegensatz zu europäischen Ländern, die im Hinblick auf Steuersenkungen, Vorschriften und Regierungseigentum zurückliegen - neue Stellen
anstatt der alten.
Allentown im
Lehigh-Tal
beherbergte
einst
die
Schwerindustrie. Dann schlössen das
Stahlwerk und die Lastwagenfabrik ihre Tore.
Viele Menschen schrieben
Allentown schon ab - zu schnell. Anstelle einiger alter Großunternehmen
nahmen Dutzende neuer Firmen ihre Geschäfte auf. Kleine bereits eröffnete Betriebe wuchsen weiter. Unternehmer schufen, was jene Kapazität
zur
Schaffung
von
Stellen
vom
Massachusetts
Institute
of
Technology, David Birch, eine "versteckte
Wirtschaft" nannte. Er fügt hinzu,
daß in ganz Amerika "nicht den grossen, sondern den kleinen Firmen so
viel Aufmerksamkeit zuteil wird und
diese eine neue Wirtschaft aufbauen,
die für die Schaffung von Stellen

�I

sorgt und das Land wieder wettbewerbsfähig macht."
Dies ist genau
der Grund, warum Allentown eine Arbeitslosenquote
von
lediglich
5,4
Prozent hat.
Im gesamten sogenannten "Rostgürtel" ist die Geschichte die gleiche.
Ein Einwohner des Mittleren Westens
berichtete kürzlich der New York
Times: "Ich schaue mir die Zeitungen
in Städten mit ländlichem Charakter
an und sehe Dutzende von Ankündigungen neuer Fabriken und Pläne für neue
Fabriken und Erweiterungsprojekte."
Und neue und aufstrebende Firmen
oder größere, ältere aber nun rationalisierte Hersteller führen einen
Exportboom an, von dem einige sagen,
er hätte schon zu einer fast vollständigen Auslastung unserer Produktionskapazitäten geführt. Vor nicht
allzu
langer
Zeit berichtet die
"Business Week" beispielsweise, daß
Amerikas Stahlkocher zu den produktivsten der Welt geworden sind und
veröffentlichte
die
Schlagzeile:
"Sagt die Beerdigung ab - Stahl ist
auf dem Weg der Besserung."
Ja, Amerika führt die Welt - sowohl als Konsument wie als Hersteller
- in den Weltmarkt des kommenden
Jahrhunderts. Für uns alle haben Ereignisse in Japan oder der Bundesrepublik, in Großbritannien, Frankreich, Italien oder Kanada die gleiche Tragweite wie die Geschehnisse in
Kalifornien, Florida, New York oder
Illinois.
Aus alldem kann man eine Lehre
ziehen, aus der Geschichte Allentowns
und des sogenannten "Rostgürtels", so
wie auch aus der Globalisierung des
Handels und der Finanzen.
Und da
gibt es die Lektion, daß die Zukunft
dem Flexiblen gehört.
Sie gehörte
denjenigen, die sich ein Problem anschauen und darin eine Gelegenheit
erblicken; denen, die auf das Unbekannte schauen und ein Abenteuer sehen; denen, die auf das Unversuchte
blicken
und
eine
Herausforderung
wahrnehmen;
denen, die die Last

struktureller
Verkrustungen
und
schützender Subventionierungen abgelegt haben und der Zukunft mit Energie und Zuversicht entgegensehen.
In keinem anderen Bereich gilt
es, soviel Spreu vom Weizen zu trennen wie In der Landwirtschaft, deren
Subventionierung
Konsumenten
und
Steuerzahler
Europas,
Nordamerikas
und Japans jährlich mit über 200 Milliarden Dollar belastet. Die Landwirtschaft ist fester Bestandteil der
Tagesordnung in der Uruguay-Runde von
Handelsgesprächen - ebenso wie das
Problem der Festlegung von Regeln für
den Handel mit geistigem Eigentum,
Investitionen
und
Dienstleistungen
sowie die Senkung der tarifären und
nichttarifären Handelshemmnisse. Die
Dauer dieser Gespräche wurde mit vier
Jahren angesetzt. Gegenwärtig nähern
sie sich der Halbzeit. Es ist nun an
der Zeit, bestimmte Ziele einzugrenzen und auszuarbeiten - eine Art Wegweiser und einen Fahrplan bis zur
Ziellinie. In Toronto können wir die Staats- und Regierungschefs der
führenden Industriestaaten - unsere
Minister drängen, diesen Auftrag bis
Ende des Jahres auszuführen. Da gelten keine Entschuldigungen.
Es ist an der Zeit, daß wir in
den Staaten der Gipfelteilnehmer keine Zeit mehr verschwenden und uns zu
einem
großen
"Unternehmen
Fortschritt" zusammenschließen - einem
gemeinsamen
Unternehmen,
das
den
Weltmarkt öffnet und außerdem die
schwachen Glieder in der Weltwirtschaft stärkt.
Laßt uns bei der Wiederherstellung der Volkswirtschaften
zweier
Länder zusammenstehen:
das eine die Philippinen - eine von einem kommunistisch geführten Aufstand verwüstete heldenhafte Demokratie; das
andere - Afghanistan - ein Opfer brutaler Aggression.
Laßt uns zusammenarbeiten, um die
Schwellenländer zu vollständigen und
reifen Mitgliedern des Welthandelssystems zu machen, was sie sich ehrlich

- 4 -

�verdient haben.
Laßt uns zusammenarbeiten, um den
Völkern Afrikas südlich der Sahara
bei der Bewältigung ihrer Schuldenprobleme beizustehen. Wir werden ihre Probleme aufgreifen, wie wir dies
auch bei anderen Schuldnerstaaten getan haben, auf einzelfallbezogener
Grundlage, und wir werden dabei das
Ziel verfolgen, bei der Entwicklung
Wachstums- und
chancenfördernder
wirtschaftspolitischer Maßnahmen Hilfe zu leisten. Die Vereinigten Staaten haben schon ihre Bereitschaft erklärt, über neue Wege der Umschuldung
für die ärmsten Länder nachzudenken,
die zu erheblichen neuen Erleichterungen führen können.
Und laßt uns zusammenstehen beim
Angriff auf die Lebenslinien eines
Handels, der niemals Teil des Welthandels hätte werden dürfen - der internationale Rauschgifthandel.
Auf
diesem Gipfel sollten wir uns in einer gemeinsamen Offensive gegen das
Waschen von Geld und die Schleusung
von Profiten aus dem Drogenhandel
durch die Finanzinstitutionen der
Welt zusammenschließen.
Das Vorantreiben der Handelsgespräche, ein gemeinsames Unternehmen
Fortschritt, die Stärkung des Systems
der Koordinierung - dies ist die Tagesordnung für den Gipfel von Toronto. Wir werden auf einem Jahrzehnt
des Fortschritts aufbauen, auf dem
neuen wirtschaftlichen Konsens in unseren Ländern. Wir werden weiter am
Aufbau des Weltmarkts arbeiten.
Ich weiß, daß.manch einer Schritte zurück, eher zu den insularen oder
isolationistischen Tagen der Vergangenheit machen möchte. Ich habe vergangene Woche mein Veto gegen das
Handelsgesetz eingelegt, weil ich
nicht der Auffassung bin, daß wir
Rückschritte machen können oder sollten.
Die Kritiker unserer Politik beklagen sich, daß die Vereinigten
Staaten einerseits, wie sie behaup-

ten, "Arbeitsplätze exportieren", also, daß unsere Unternehmen in Übersee
investieren.
Andererseits behaupten
sie, die Vereinigten Staaten verkauften sich an Ausländer, d. h., ausländische
Unternmehmen
investieren
hier. Nimmt man alles zusammen, dann
lautet
ihre
Aussage
eigentlich:
"Wenden wir uns zurück." Der Isolationismus ihrer Außenpolitik geht
Hand in Hand mit dem Isolationismus
ihrer Wirtschaftspolitik, und beide
werden uns ins Verderben führen.
Wir befinden uns in einem neuen
Zeitalter der Erfindungen und der Erforschung, einer Zeit, in der das
riesige Potential der menschlichen
Vorstellungskraft uns neue Welten zur
Erforschung erschließt. "Das Universum in einem Staubkorn sehen" ist
nicht länger eine poetische Metapher,
sondern die tägliche Realität des Silikon-Chips.
F. Scott Fitzgerald
schrieb, daß die frühen Entdecker,
als sie dieses Land betrachteten,
wahrscheinlich den Atem anhalten mußten. Sie hatten zum letzten Mal in
der Geschichte etwas mit eigenen Augen gesehen, das der unbegrenzten Fähigkeit des Menschen zum Staunen angemessen war.
Und doch war dies
nicht das letzte Mal. Auch wir stehen an der Schwelle zu etwas Unermeßlichem - zu einer wirtschaftlichen
und technologischen Zukunft mit immensen Aussichten.
Wenn wir uns der Zukunft stellen,
wenn wir uns nicht mehr von Ihr abwenden, dann wird diese Zukunft die
demokratische Welt umgestalten, und davon bin ich nach meinem Besuch in
Moskau überzeugt - auch die Länder
des Ostblocks. Ich glaube, daß der
gegenwärtig im Demokratischen Haus
herrschende Konsens für Stärke und
Wachstum ein neues Zeitalter einleiten wird, von dem wir heute nur träumen können. Wenn wir aber den Mut
und die Entschlossenheit besitzen,
dann wird uns dieses Zeitalter meiner
festen Überzeugung nach eine Welt des
Friedens und der Freiheit, der Chancen und der Hoffnung für viele Generationen geben.

- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

^

Wirtschaft

et

14. Juni L988

BAKER:

KOORDINIERUNG HAUPTTHEMA DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS

- Rede vor der International Monetary Conferem e -

CH..CAG0 - (A.D) - Den amerikanischen Firanzminister James Bakei zufalge
wird sich der vom 19. bis 21. Juni 1988 in Toronto stattfindende &lt;Jeltwlrtschaft;;gipfel hauptsächlich • mit der Stärkung des gegenwärtig Btattfindenden
weltweiten Koordinierungsprozesses beschäftigen.
Im Rahmen der International Monetary Conferenc?. in Chicago erklärte Biker
am 6. Juni 1988, seiner Meinung nach stelle der Koordinierungsprozeß - "und
keine tiefgreifenderen Veränderungen" - den besten Weg zur Eeform des internationalen Währungssys ;ems dar. Die Koordinierung wirt.schaf tspolitisc her -laßnahmen zwischen den führenden Industriestaaten sei "ein praktischer \omprimiß
zwischen den NachteiLen flexibler Wechselkurse und der Unbeweglichke t fester
Kurse".
Die Rede des Finanzministers hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, erneut vor diesem erlesenen
Kreis von Spitzenvertretern der Finanzwe]t sprechen zu können.
Insbesondere begrüße ich die Möglichkeit,
mich am Vorabend des Wirtschaftsgipfels von Taronto über Ihre Vorstellungen informieren zu können.

ferenzzimmern stattfinden, in rianen
sich die Staats- und Regierangschefs
und ihre Jinanzminister treifen werden. Ein anderer Gipfel mag sich auf
den Eildschirmen der Fernseh Zuschauer
abspielen, auf: denen Repo -ter und
Kommeitato :en Spekulationen über all
die möglichen Konflikte zwischen den
HauptbeteiLigten anstellen werden.

Die Entwicklung der wirtschaftspolitischen Koordinierung

Ich kann Ihnen nicht scgen, was
Sie von diesem
zweiten, hypethetisehen Gipfel zu erwarten heben.
Ich kann Ihnen jedoch einige Einblicke in das geben, was Sie vom eigentlichen
Gipfeltreffen
erwerten
können.

Der diesjährige Weltwirtschaftsgipfel wird in weniger als zwei Wochen beginnen. Wie Ihnen sicherlich
bekannt ist, werden eigentlich zwei
Wirtschaftsgipfel
stattfinden,
und
beide zur gLeichen Zeit.
Der erste Gipfel wird in den Kon-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ein Großteil dieses Treffens wird
sich mit dem wirtschaftspolititchen
Koordinierungsprozet befasser, der im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Jahr 1985 eingeleitet wurde, um unserem internationalen Wirtschaftssystem
zu mehr Zielstrebigkeit und Disziplin
zu verhelfen.
Im Jahr 1986 habe ich anläßlich
dieser Konferenz, die damals in
Boston stattfand, kurz das Thema der
Koordinierung angesprochen.
Damals
war der Koordionierungsprozeß noch
relativ jung. In den seither vergangenen zwei Jahren haben wir einige
Erfahrung mit diesem Prozeß gewonnen.
Ich möchte Ihnen vortragen, was in
den vergangenen Jahren seit Beginn
des Prozesses geschehen ist, kurz dazu Stellung nehmen, wie der Prozeß
fortschreitet und Ihnen erklären, warum meiner Meinung nach der Koordinierungsprozeß - und keine tiefgreifenderen Veränderungen - den besten
Weg darstellt, um die Reform des internationalen Währungssystems herbeizuführen.
Seit das in den vierziger Jahren
entwickelte Währungssystem der Nachkriegszeit die ersten Sprünge bekam,
haben intensive Bemühungen zur Schaffung einer neuen Weltwährungsordnung
stattgefunden.
Diese Anstrengungen
ließen mit der Einführung flexibler
Wechselkurse zeitweise nach. Da jedoch die Schwächen des Systems flexibler Wechselkurse die Zunahme grosser, nicht aufrechtzuerhaltender Ungleichgewichte
begünstigten,
ergab
sich erneut ein wachsendes Interesse
an einer Reform des internationalen
Währungssystems.
Unsere Antwort auf diese Entwicklung bestand in der Stärkung der internationalen
wi.rt schaftspolitischen
Koordinierung zwischen den Industriestaaten. Die Notwendigkeit zur Koordinierung ergab sich aus zwei wichtigen Überlegungen.
Erstens sind die
Volkswirtschaften von heute weit enger miteinander verflochten als noch
vor einem Jahrzehnt, woraus sich ein
stärkeres Bedürfnis zur Koordinierung
binnenwirtschaftlicher Maßnahmen ergibt.
Zweitens: Obwohl das System
der flexiblen Wechselkurse eindeutig
mehr Disziplin und Struktur erforder-

te, war das System der festen Wechselkurse sicherlich zu starr, um den
in der Weltwirtschaft stattfindenden
Veränderungen gerecht zu werden. Die
Koordinierung
stellte einen praktischen Kompromiß zwischen den Nachteilen flexibler Wechselkurse und der
Unbeweglichkeit fester Kurse dar.

Die Schaffung des Prozesses
Die Plaza-Vereinbarung von 1985
war der erste bedeutende Schritt dieser Koordinierungsbemühungen.
Dazu
gehörte eine Übereinkunft der G-5
über die Richtung, die bei nationalen
wirtschaftspolitischen Maßnahmen und
bei den Wechselkursen eingeschlagen
werden sollte, um Wachstum und außenwirtschaftliche Anpassung zu fördern.
Noch grundlegender ist die Tatsache,
daß diese Übereinkunft eine neuartige
Verpflichtung
der führenden Industriestaaten zu intensiverer Zusammenarbeit mit dem Ziel darstellte,
weltweiten wirtschaftlichen Wohlstand
zu erlangen und dadurch jedes Lani in
die Lage v.u versetzen, seine eigenen
binnenwirt.schaftlichen Ziele besser
zu verwirklichen.
Der Erfolg der Plaza-Vereinbarung
brachte
Schwungkraft
für
weitere
Fortschritte. Beim Gipfel von Tokio
entwickelten wir einen Rahmen für die
multilaterale
Überwachung
unserer
Volkswirtschaften
durch
Anwendung
wirtschaftlicher
Indikatoren.
Der
Direktor des Internationalen Währungsfonds wurde zur Teilnahme an
diesen Treffen eingeladen, wodurch
sichergestellt wurde, daß unsere Perspektive wirklich globalen Charakter
hat. Ferner wurde eine neue Gruppe
gebildet, die G-7, um die politische
Führungsrolle der Staats- und Regierungschefs für die Koordinierungsbemühungen vollständig zum Trager zu
bringen. Dieses Engagement auf höchster politischer Ebene war entscheidend für die bisher erzielten Fortschritte und wird auch von grundlegender Bedeutung für die Aufrecbterhaltung der Schwungkraft im vor uns
liegenden Zeitraum sein.

- 2 -

�Beim Gipfel von Venedig im vergangenen Jahr wurde der Koordinierungsprozeß durch die Verabschiedung
von Absprachen zur
Entwicklung mittelfristiger Ziele und Leistungsindikatoren zur Bewertung von Maßnahmen
und Leistungen weiter gestärkt.
Somit haben die wichtigsten Industriestaaten
nun einen politischen
Mechanismus entwickelt, um ihre Fähigkeit
zur
Koordinierung
wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu stärken.
Und obwohl dieser Prozeß noch
in den Kinderschuhen steckt, gibt es
schon viele Beweise dafür, daß er
Früchte trägt. Steuer- wie auch währungspolitische Maßnahmen werden sowohl unter weit- wie auch unter binnenwirtschaftlichen
Gesichtspunkten
entworfen.
Im Ergebnis dessen haben
die Vereinigten Staaten Maßnahmen zur
Senkung des Haushaltsdefizits, Erhöhung der Sparleistung und Verbesserung dor Wettbewerbsfähigkeit getroffen.
Die wichtigsten Überschußländer, Japan und die Bundesrepublik
Deutschland, haben Schritte unternommen, um die Binnennachfrage zu stärken und die Abhängigkeit von exportorientiertem Wachstum zu reduzieren.
Es haben koordinierte Aktionen zu den
Leitzinsen stattgefunden. Die Zusammenarbeit auf den Devisenmärkten wurde aufgrund spezieller Absprachen intensiviert.
Das Ergebnis ist, daß die Weltwirtschaft heute auf einer wesentlich
solideren Grundlage steht. Das Wachstum hält an, ist aber ausgewogener
und unterstützt den Anpassungsprozeß.
Die
Inflationsraten
sind weiterhin
gering, und die außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte
werden
abgebaut.
Die US-Handelszahlen für den Monat
März sind ein Beweis dafür, daß diese
Ungleichgewichte jetzt nominell wie
auch real verringert werden.
Der Koordinierungs,prozeß wurde im
vergangenen Herbst durch den Börsenkrach vom Oktober auf eine ernste
Probe gestellt.
Es wäre jedem von
uns ein leichtes gewesen, sich nach
innen r,u wenden und sich auf kurzfri-

stige Maßnahmen zu konzentrieren, um
die
unmittelbaren
binnenwirtschaftlichen Erfordernisse
zu behandeln.
Stattdessen schloß sich die G-7 noch
enger zusanmen und intensivierte ihre
Anstrengungen zur Erarbeitung einer
kompatiblen und einander verstärkenden Reihe von Maßnahmen, um die gemeinsamen Zielsetzungen zu erreichen.
Diese Bemühungen
(die in vertraulichen Gesprächen zwischen Ministem
und
Notenbankpräsidenten
in
einem
Zeitraum von Wochen durchgeführt wurden) spiegeln sich in der DezemberErklärung der G-7 wider. Damit wurde
auch die ?lexibilität des Koordinierungsproze:3ses
angesichts
einer
schwierigen Lage demonstriert. Seither haben sich die intensivierten zugrundeliegenden politischen Maßnahmen
in einer verbesserten Stabilität der
Devisenmärkte niedergeschlagen.

Engere Koordinierung und
Reformierung des Systems
In dem Maße, wie sich der Prozeß
der Koordinierung zwischen den wichtigsten Industrienationen entwickelt
hat, werden auch weiter Fragen über
die Notwendigkeit einer "grundsätzlichen Reform des Währungusystems"
gestellt.
Das ist nur zu verständlich. Wir haben ganz bestimmt weder
ein
perfektes
Währungssystem
noch
eine umfassende Koordierung unserer
politIschel Maßnahmen. Wir können es
uns nicht leisten, uns auf unseren
Lorbeeren auszuruhen.
Wir brauchen
eine weitere Stärkung und Reform des
Systems.
In welcher Form und in welche
Richtung sollte es sich entwickeln?
Es ist verlockend, durchgreii'ende und
revolutionäre Veränderungen des Systems in Erwägung zu ziehen - insbesondere im Hinblick auf das System
der Wechselkurse. Aber es ist alles
andere als klar, ob solche Veränderungen wünschenswert oder praktikabel
sind.
Man kann zwar eine Reform, die
sich Schritt für Schritt entwickelt,

- 3 -

�nur schwer als solche erkennen. Dennoch bin Ich der Auffassung, daß eine
weitere Stärkung unseres Prozesses
der Koordinierung das beste Mittel
zur Verwirklichung einer weitergehenden Reform des WMhrungssystems ist.
Was sind die Merkmale dieses Ansatzes, Schritt für Schritt oder phasenweise vorzugehen, die ihn zu der
besten verfügbaren Option machen?
- Erstens verbindet es Flexibilität
mit
stärkerem
Engagement
und
größerer
Verpflichtung.
Verschiedene Länder haben sich zu
diesem Prozeß auf höchster politischer Ebene verpflichtet, mittelfristige wirtschaftliche Ziele
neben
Leistungsindikatoren
zur
Bewertung
des Fortschritts in
Richtung auf diese Ziele zu entwickeln.
Dies bedeutet gleichzeitig keinen Verzicht auf Souveränität.
- Zweitens wird dadurch anerkannt,
daß eine Reform des Systems nicht
einfach eine Frage der Wechselkurse oder der Währungsreserven
igt.
Wechselkurse sind sicherlich eine variable Größe von zentraler Bedeutung. Letztlich muß
sich jedoch ein internationales
Währungssystem der Prüfung stellen, ob es zur Unterstützung einer offenen und wachsenden Weltwirtschaft beitragen kann. Hierzu gehören angemessene steuerliche,
währungspolitische
und
strukturelle
Maßnahmen
genauso
wie die Wechselkurse.
Das von
uns entwickelte Indikatorensystem
deckt diese gesamte Bandbreite
politischer Maßnahmen ab.
- Drittens kann das System durch
Verwendung von Indikatoren und
unterschwelligem Druck zu politischen Abhilfemaßnahmen ermutigen, ohne sich auf interne automatische Ausgleichsmaßnahmen zu
verlassen.
- Viertens ist der Anpassungsdruck
unabhängig von binnenwirtschaft- 4

lichen Wechselkursmaßnahraen, wie
dies bei den nennwertorientierten
beziehungsweise den anfangs benutzten flexiblen Kursen der Fall
war. In den Jahren 1985 und 1986
konzentrierte sich die Koordinierung vornehmlich auf die Rolle
der Wechselkurse. Im Jahr 1987
und auch dieses Jahr hat sich der
Akzent zu Veränderungen der zugrundeliegenden politischen Maßnahmen verschoben.
Es ist ein
bedeutender Kraftakt, daß sich
dieser Wandel ohne einer, schwerwiegenden Zusammenbruch des Systems vollzog.
Fünftens enthält der Koordinierungs- und Indikatorenprozeß wegen der genauen Beobachtung von
Überschuß- und
Defizitländern
eine Symmetrie.
Symmetrie ist
ein seit langem angestrebtes
und netwendiges - Element internationaler
Währungsabm.ichungen.
In der Vergangenheit sind Eemühungen zu deren Integration in
das System durch verschiedene automatisch ablaufende Mechanismen
gescheitert, und dies würde wahrscheinlich auch in Zukunft der
Fall sein.
Hingegen sorgt das
derzeit verfügbare Indlkatorensystem für ein strukturelles und
bewertungsmäßiges Gefüge zur Einschätzung der Notwendigkeit von
Maßnahmen Seitens der Defizitwie auch der Uberschußländer.
Sechstens würde ich als letztes
Attribut die Glaubwürdigkeit anführen. In der heutigen Situation weltweiter wirtschaftlicher
Verflechtungen und Kommunikation
ohne
Zeitverlust
liegt
der
Schlüssel bei der Glaubwürdigkeit. Ein Versuch der plötzlichen oder grundsätzlichen Veränderung in der Struktur des Systems durch die Einführung eines
detaillierten
Maßnahmenkatalogs
formeller Zwänge könnte von den
Märkten als zu ehrgeizig und unhaltbar aufgenommen werden, und
solch ein Ansatz könnte den politischen Realitäten oder der Kraft

�der Finanzströme nicht angemessen
gerecht werden.
Die Weltwirtschaft ist zu dynamisch und die Kräfte des Wandels sind
zu stark, um mit großer Sicherheit
vorausschauen und sich eine perfekte
internationale Währungsstruktur vorstellen zu können, die auf die Weltwirtschaft im Jahr 1995 genauso Anwendung finden kann wie auf die des
Jahres 2005.
Daher müssen wir vorsichtig aber
beharrlich voranschreiten, und dabei
für weitere Verbesserungen in dem
Prozeß und dem System ein wachsames
Auge behalten.
In diesem Zusammenhang vereinbarten die wichtigsten Industrienationen im April die Entwicklung
eines
Warenpreisindikators.
Dieser Indikator wird die bereits bestehenden nationalen Indikatoren bei
der Einschätzung und Bewertung wirtschaftlicher Maßnahmen und Leistungen
ergänzen.
Es wird als analytisches
Instrument bei der Untersuchung von
weltweiten
Preisentwicklungen
benutzt, nicht als automatischer Auslöser politischer Maßnahmen oder fester
Halt für Währungen.

schaffen,
der
den
internationalen
EntScheidungsprozessen in der Wirtschaftspolitik Disziplin und Struktur
gebracht hat.
Und unser Ansatz hat
seine Aufgaben erfüllt - natürlich
nicht perfekt.
Ich möchte aber die
deutliche
Prognose wagen, daß die
Weltwirtschaft heute in einem besseren Zustand ist, als sie es gewesen
wäre, wenn wir uns nicht für diesen
Weg entschieden hätten. Meiner Meinung nach werden sich in der Zukunft
zusätzliche Erfolge einstellen.
Viele, die früher an diesem Prozeß zweifelten, haben dessen Vorzüge
erkannt. Im Ergebnis genießt die Zusammenarbeit
derzeit eine breitere
Unterstützung und mehr Impulse, die
sie in die Zukunft tragen sollte,
weit über die Amtsperioden d«r heutigen Regierungen in den G-7 Ländern
hinaus. Wir sind in einiger wenigen
Jahren einen weiten Weg gegangen, und
die Koordinierung von Maßnahmen sollte ein solides Gerüst zur Erreichung
bedeutungs/oller
und
wirkungsvoller
Reformen in den vor uns Liegenden
Jahren darstellen.

Wir werden ferner weitere Maßnahmen in Erwägung ziehen müssen, wie
beispielsweise die Ausweitung des Koordinierungsprozesses, um strukturelle Reformen in Bereichen wie der
Steuerreform, der Liberalisierung der
Finanzmärkte
und der Deregulierung
der Arbeitsmärkte abzudecken. Hierzu
gehört auch die Verwendung von "Uberprüfungsbereichen" für zentrale Indikatoren wie beispielsweise das Wachstum und die Ha.ndelsgleichgewichte,
um die Leistung einer Wirtschaft besser bewerten zu können.

Schlußbeme rkungen
Abschließend möchte ich festhalten, daß unser Prozeß internationaler
Koodinierung wirtschaftlicher Maßnahmen das internationale Währungssystem
reformiert und gestärkt hat. Wir haben einen politischen Mechanismus ge-

- 5 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'4-

^

Wirtschaft

Ä&lt;

14. Juni 1988
BAKER SCHLXGT NEUE SCHULDENINITIATIVE VOR
- Rede des amerikanischen Finanzministers vor der
Afrikanischen Entwicklungsbank WASHINGTON - (AD) - US-Finanzminister James Baker hat eine neue Initiative
vorgeschlagen, um den ärmsten Entwicklungsländern zusätzl.che Hilfe bei der
Bewältigung ihrer Auslandsschulden zu gewähren. Dem am 1. Juni von Baker in
einer Rede beim Treffen von Afrikanischer Entwicklungsbank und Afrikanischem
Entwicklungsfonds in Abidjan vorgeschlagenen Plan zufolge wurde es jeder Gläubiger regierung des Pariser Clubs gestattet, Zugeständnisse oei der Neufestsetzung von Zinssätzen zu machen und den ärmsten Ländern längere Rück Zahlungsfristen einzuräumen. In der Vergangenheit hatten sich die im Pariser Club
vertretenen Gläubigerländer - eine informelle Gruppe westlicher Staaten, die
von Zeit zu Zeit zur Überprüfung der Rückzahlurgsbedingungen von Auslandsschulden zusammenkommt - bei Umschuldungsaktionen jeweils auf einen einheitlichen Zinssatz und eine einheitliche Rückzahlungsfrist geeinigt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:
Wir sind heute aufgrund unseres
groBen Interesses und unserer Entschlossenheit hier zusammengekommen,
um die Menschen in Afrika dabei zu
unterstützen, für sich und ihre Familien ein produktiveres, von zunehmendem Wohlstand geprägtes Leben aufzubauen. Mein heutiger Vortrag und die
Bemühungen der Vereinigten Staaten in
Afrika sowie die Bemühungen der Afrikanischen - Entwicklungsbank
stehen
ganz im Zeichen dieses gemeinsamen
Ziels.

Die Probleme der Region in den achtziger Jahren
Herr Vorsitzender, in den achtziger Jahren sind wir Zeugen energischer Bemühungen zahlreicher afri-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

kanischer Regierungen geworden, um
erneut
c'en Pfad
Wirtschaft 1 .chen
Wachstums einzuschlagen.
Ihre Entschlossenheit zur Wiedergewinnung des
Wachstums wurde unterstützt durch intensive iiternationale Anstrengungen,
die auf 3er Einsicht beruhten, daß
die Volkswirtschaften der Region eindeutig im Verfall begriffen waren.
Zu den nachteiligen Entwicklungen
gehörten ein scharfer Rückgang der
Rohstoffpreise, die daraus entstehenden höheren Anteile der Schuldenlast
am Bruttosozialprodukt und an den Exporterlösen, das Vermächtnis der unproduktiven Politik des Planwirtschaftsmodells sowie eine bedrückende
Hungersnot, die weite Gebiete der Region erfaßte.

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Telex: 8-85432

�Langsames oder negatives Wachstum
in Verbindung mit hohem Bevölkerungswachstum, Zahlungsbilanz- und Haushai tspr ob leine - all dies waren Anzeichen einer grundlegenden Wirtschaftskrise. Die ungünstigen äußeren Einflüsse, Wetter- und Klimabedingungen
sowie
unhaltbare
wirtschaftspolitische Maßnahmen wirkten zusammen, um
die Brüchigkeit
der afrikanischen
Volkswirtschaften aufzuzeigen.
Im großen und ganzen hatten die
afrikanischen Regierungen geglaubt,
der Staat sei ein Mechanismus zur Erlangung wirtschaftlicher Entwicklung.
In den meisten Ländern wurde der
Staat zum dominierenden Wirtschaftsfaktor. Unternehmergeist und Initiative wurden im Keim erstickt. Regierungen wurden zur Hauptquelle von Arbeitsplätzen für die Gebildeten; sie
kontrollierten
die
landwirtschaftliche Produktion und Vermarktung von
Agrarprodukten;
sie
kontrollierten
den Außenhandel; sie begannen selbst
zu produzieren; sie schützten unwirtschaftlich
arbeitende
Industrien,
kontrollierten die Preise und schrieben durch unterschiedliche Preismechanismen
die
Einkommensniveaus
fest. Ferner erlegten sie Produzenten und Exporteuren Steuern auf, während sie die städtischen Konsumenten
und Importeure subventionierten.
Ressourcen wurden nicht mehr dort
investiert, wo sie den größten Nutzen
erbracht hätten. Die Sparraten sanken, Exporte wurden abgeschreckt und
Importe ermutigt.
Wirtschaftswachstum und Entwicklung kamen zum Stillstand.
Reaktion der afrikanischen
Regierungen und der internationalen
Staatengemeinschaft
Als Reaktion auf diese sich verschärfende Wirtschaftskrise schlössen
sich die afrikanischen Regierungen
und die internationale Staatengemeinschaft zusammen, leiteten politische
Maßnahmen ein und schufen Institutionen für die Wiedergewinnung von Wach-

stum und Entwicklung zu schaffen.
Um zum Ursprung für die Entwicklung dieser Reaktion zu kommen, sollte ich angemessenerweise zunächst erwähnen, daß während dieses Jahrzehnts
der achtziger Jahre die Afrikanische
Entwicklungsbank für nichtregicnale
Mitglieder geöffnet wurde.
Ferner
wurden die Mittel des Afrikanischen
Entwicklungsfonds
erhöht.
Afrikanische Regierungen wurden von der
Weltbank und dem IWF in einen intensiven Dialog über ihre Wirtschaftspolitik eingebunden. Damit wurde insofern die Grundlage für eine internationale Übereinstimmung geschaffen,
als daß verstärkte Hilfe von außen
zur Verfügung gestellt würde, um diejenigen Länder zu unterstützen, die
zur
Durchführung
grundsätzlicher
Wirtschaftsreformen bereit sind.
Die Weltbank
organisierte ein
Sonderprogramm zur Schuldenerleichterung für Afrika, um zusätzliche Mittel für WLrtschaftsreformen zur Verfügung zu stellen. Mit der deutlicheren Definition der Verbindungen
zwischen strukturellen und makrcökonomisehen Erfordernissen der Wirtschaftspolitik verbesserten Weltbank
und IWF ihre Zusammenarbeit, indem
sie ihr gemeinsames Programm der politischen Rahmendokumente einführten.
Diesem Ansatz zufolge entwickeln afrikanische und andere Länder mit geringen pro-Kopf-Einkommen umfassende
Wirtschaftsprogramme, die Kapital von
außen anlocken können. Diese Dokumente sind zu einem ungemein wertvollen Instrument der Koordinierung bilateraler und multilateraler Hilfe
von außen geworden.
Als Teil dieses Prozesses führte
der IWF seine Strukturelle Arpassungseinrichtung
zur
Unterstützung
von Reformen ein und erweiterte diese
Einrichtung mit Unterstützung zahlreicher IWF-Mitgliedstaaten in der
Folge erheblich. Fünfzig Prozent der
Mittel des lDA-8-Fonds werden für afrikanische Projekte und Bemühungen
für politische Reformen bereitgestellt, und ein Großteil dieser Un-

- 2-

t

t
v

�terstützung wird in Verbindung mit
der Strukturellen Anpassungseinrichtung des IWF im Kontext mit dem politischen Rahmenprozeß zur Verfügung
gestellt.
Weitere Impulse ergeben
sich aus der Tatsache, daß bilaterale
Hilfsorganisationen
erst
kürzlich
über 6 Milliarden Dollar an Beiträgen
für von der Weltbank koordinierte Anpassung sprogramme in den am meisten
"schuldenbelasteten" Ländern der Region zugesagt haben.

hierzu in der Lage befindliche Gläubiger! ander für Zugeständnisse bei
der Neufestsetzung von Zinssätzen für
die ärmsten Länder - von Fall zu Fall
- sorgen. Andere Länder könnten zu
einer Entlastung beitragen, indem sie
längere Laufzeiten bei Umgeschuldaten
Krediten als derzeit in Erwägung ziehen. Alles in allem sind wir der
Auffassung,, daß diese Veränderungen
zu einer spürbaren neuen Entlastung
für die ämsten Länder führen können.

Für Afrika sind die Probleme der
Verschuldung oft genannt worden, und
in einige Fällen sind sie weiterhin
sehr ernst. Durch Umschuldungsaktionen des Pariser Clubs bieten die Vereinigten Staaten und weitere staatliche Gläubiger erhebliche Schuldenerleichterungen
zur
Unterstützung
wirtschaftlicher Programme. Um darüber hinaus zusätzlich auf die Wirtschaftsprobleme
Afrikas
einzugehen
hat der Pariser Club ferner begonnen,
den Ländern mit niedrigem Einkommen
und großer Schuldenlast weiteren Zahlungsaufschub ' und bessere Rückzahlungsbedingungen zu gewähren.

Ich sollte hervorheben, daß die
Gewährung einer solchen Differenzierung, die eine Abkehr von der strengen Handhabung von einer Politik
strikter Gleichbehandlung l)edeutet,
eine erhebliche Erweiterung der dem
Pariser Club verfügoaren Optionen zur
Lösung der extrem schwierigen Schuldensituation in den ärmsten Ländern
darstellt.
Dies steht mit unserem
einzelfallorientierten Ansatz bei der
Lösung von Schuldenproblemer in den
Entwicklungsländern im Eink'ang und
ist daher kein allgemeingültiger Ansatz. Es handelt sich um eine besondere verfügbare Technik, um mit einer
weiteren Maßnahme nur den Ärmsten der
Armen zu helfen, deren Rüc&lt;kehr zu
Stablitität und Wachstum zu l^eschleunigen.

Obwohl wir anerkennen, daß die
Neufestsetzung von Zinszahlungen temporäre Liquiditätserleichterung verschafft, muß in diesem Zusammenhang
festgestellt werden, daß die Struktur
dieser neu eingeteilten Schulden häufig ein schweres Problem für die ärmsten Länder darstellt.
Betrachtet
man die unterschiedlichen finanziellen und gesetzlichen Bedingungen, innerhalb derer sich jede Gläubigerregierungen bewegen muß, so ist dies
ist eines der schwierigsten Probleme,
die vom Pariser Club behandelt wurden.
In unserem Fall ist es beispielsweise so, daß der Handlungsspielraum der Vereinigten Staaten
durch Gesetze, Politik und haushaltsmäßige Gegebenheiten beschränkt wird.
Um jedoch zur Lösung dieses Problems beizutragen, möchte ich heute
die
Bereitschaft
der
Vereinigten
Staaten ankündigen, die Bandbreite
von
Möglichkeiten
innerhalb
des
Pariser Clubs zu erweitern, so daß

Engagement für den Reformprozeß und
wirtschaftlichen Fortschritt
Bei meinen Kontakten zu Afrikas
wirtschaftlichen und politischen Führungskräften wurde ich von deren besonders starken Engagement für wirtschaftliche Reformen ermutigt - nicht
nur für die derzeitige Situation,
sondern langfristig bis weit in die
neunziger Jahre hinein.
Ich bin mir darüber im klaren,
daß die Verfolgung dieser Reformen
ein großes Maß an politischem Mut bedeutet. Das Engagement für Reformen
wird von der Erkenntnis getragen, daß
das Ausbleiben der Umstellung der
Wirtschaft - das Ausbleiben der Reformen - bedeutet, die Menschen Hungersnöten, Schulden, Stagnation und

- 3-

�politischer
Unruhe
auszuliefern.
Ganz sicher liegen die Kosten für ein
Versäumnis der Umstrukturierung weit
höher als für die Anpassung.
Obwohl Afrika auch weiterhin viele ernsthafte Problemen belasten werden, zeichnen sich schon positive Resultate aus der Kombination von Finanzierung und Anpassung ab. Es ist
deutlich geworden, daß viele afrikanische Regierungen
langsam aber
sicher den Prozeß der Umkehr aus Jahren des schwachen Wirtschaftswachstums, rückläufigem Pro-Kopf Einkommen, niedrigen Exporten und Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihres
Schuldendienstes
einleiten.
Das
Wachstum hat sich in Ländern mit dauerhaften
Wi rtschaftsreformprogrammen
mit jährlich vier Prozent in den Jahren 1986 bis 1987 mehr als verdoppelt. Bedauerlicherweise mußten Länder, die keine Wirtschaftsreformen
durchführten, eine Halbierung ihrer
Wachstumsraten erfahren - bis hin zu
einer Jahresrate von weniger als
einem Prozent. Im Verlauf der Jahre
1984 bis 1986 ist die Pro-Kopf Produktion von Nahrungsmitteln um 4,2
Prozent in den Ländern gestiegen, die
eine
Wirtschaftsreform
verfolgen.
Bei den anderen Länder ohne solche
Reformen lag diese Rate bei lediglich
2,4 Prozent.

Die Notwendigkeit weiterer Entwicklung
Durch die Hinwendung zu den Bedürfnissen .Afrikas gelangen wir zu
einer weitgehenden Übereinstimmung in
der Frage, daß makro ökonomische und
strukturelle Reformen die notwendige
Basis für eine wirkungsvollere Nutzung der Ressourcen liefern.
Sie
stellen ein Klima her, in dem tiefergehende wirtschaftliche Probleme angesprochen werden können.
Für ein
anhaltendes Wachstum und eine fortgesetzte Entwicklung ist jedoch an vielen Fronten noch mehr erforderlich.
Wenn die Agrarproduktion mit dem
Bevölkerungswachstum mithalten soll -

ganz zu schweigen von einer Mehrproduktion - müssen neue Technologien
gefunden
werden.
Wissenschaftler
müssen
ausgebildet,
Forschungsmöglichkeiten verstärkt, neue Samenarten
entwickelt und die Techniken zur Verwaltung des Landes erheblich verbessert werden. Dem Bedarf an Gesundheits- und schulischer Grundausbildung muß ein größerer Stellenwert und
mehr Unterstützung eingeräumt werden.
Inländische und regionale Finanzierungssysteme müssen gepflegt und
gestärkt werden, und sie müssen den
afrikanischen
Unternehmergeist
befruchten können.
Die Märkte zum
Austausch von Gütern müssen sich frei
von übertriebener Regulierung und
Preiskontrollen
entwickeln
können.
Der gesetzliche Rahmen und das wi rtschaf tliehe Umfeld müssen ausländischen Investionen, die technologische und unternehmerische Fähigkeiten mit sich bringen, aufgeschlossen
gegenüberstehen. Im Privatsektor besteht ein großer Bedarf für freie
Entfaltung und Wachstum.
Und wie in jeder anderen Region
der Welt muß der angemessenen Verwaltung von Afrikas natürlichen Ressourcen eine wachsende Aufmerksamkeit zuteil werden. Weite Teile Afrikas befinden sich in einer Umweltkrise.
Wir müssen auf der Grund Lage handeln, daß der Schutz der Umwelt nicht
nur ein gesellschaftspolitisches Problem, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Die Konzepte zum Schutz der Umwelt, zum Wirtschaftswachstum und dessen Entwicklung müssen als gemeinsames Ganzes
behandelt werden, wenn sich die Vision vom zukünftigen Wohlstand Afrikas und der anderen Regionen der Welt
erfüllen soll.

Das globale wirtschaftliche Umfeld
Diese vielfältigen Ziele stellen
ein ehrgeiziges Unterfangen für Afrika und seine Führungspersönlichkeiten
dar. Selbstverständlich erkennen wir

�alle an, daß die Gesundheit der Weltwirtschaft eine große Rolle bei der
Bestimmung der zukünftigen Lebenskraft und Richtung des afrikanischen
Wirtschaftswachstums spielt.
Herr Vorsitzender, meines Erachtens ist es wichtig darauf hinzuweisen, daß es im vergangenen Jahr eine
Vielzahl positiver Entwicklungen in
der industrialisierten Welt gegeben
hat, die dazu beitragen sollten, für
eine Stärkung des wirtschaftlichen
Umfelds und anhaltendes Wachstum der
Märkte für Exporte aus afrikanischen
Ländern zu sorgen. Das reale Wachstum des Bruttosozialprodukts in den
Industrienationen lag im vergangenen
Jahr bei drei Prozent - dem vierten
Jahr konjunkturellen Aufschwungs und die Voraussagen sprechen für dieses Jahr von nochmals drei Prozent
Wachstum. Die Handelsungleichgewichte zwischen den größten Industrienationen werden verringert und die Inflation bleibt niedrig.
In den Vereinigten Staaten arbeiten wir energisch an einer Verhinderung protektionistischen Drucks und
erachten diesbezüglich Fortschritte
bei der Uruguay-Runde für absolut
notwendig, wenn ein offenes weltweites Handelssystem erhalten werden
soll, das den entwickelten wie auch
den Entwicklungsländern zugute kommen
kann.
Bei einer Bilanzierung der Bemühungen der Industrieländer zur Unterstützung Afrikas möchte ich hervorheben, daß die Vereinigten Staaten auch
weiter finanzielle Unterstützung zur
Reform des politischen Systems und
für Entwicklungsprogramme in Afrika
auf sehr hohem Niveau bereitstellen trotz der unumgänglichen weiteren
Verringerung unseres eigenen Haushaltsdefizits..
Wir stellen im laufenden Haushaltsjahr fast eine Milliarde Dollar
für bilaterale Wirtschafts- und Nahrungsmittelhilfe an afrikanische Länder südlich der Sahara zur Verfügung.
Auf multilateraler Ebene haben wir

uns zur Zahlung von 2,9 Milliarden
Dollar an die IDA-8, 720 Millionen
Dollar für die vierte allgemeine Kapitalerhöbung der Afrikanischen Entwicklungsbank und 315 Millionen Dollar für die fünfte Ergänzung des Afrikanischen
Entwicklungsfonds
verpflichtet.

Die Rolle der Afrikanischen
Entwicklungsbank
Unter den Institutionen und Programmen, die sich der Afrika betreffenden er.twicklungs- und wirtschaftlichen Probleme annimmt, kommt der
Afrikanischen Entwicklungsbank eine
exponierte Stellung zu.
Seit 3eginn ihrer Mitgliedschaft
haben die Vereinigten Staaten daran
gearbeitet, ein konstruktiver Partner
zu sein und zur Annahme von Maßnahmen
und Praktiken zu ermutigen, üie unseres Erach:ens die Leistungsfähigkeit
und Wirksamkeit dieser Bankengruppe
erhöhen kann.
Bei verschiedenen Anlässen standen wir den seitens der Bank vorgeschlgenen besonderen Kredi ten und
Maßnahmen äußerst kritisch gegenüber.
Unsere Kritik spiegelt jedocn eindeutig keine mangelnde Unterstützung für
die Bank oder ihren Auftrag wider,
sondern vielmehr unser Engagement dafür, daß diese Bank eine leistungsfähigere Brücke der Unterstützung zur
Ermutigung der Entwicklungsbestrebungen Afrikas bildet.
In diesem Zusammenhang möchte ich
auf eine Reihe von Fragen eingehen,
denen wir im Hinblick auf die Fähigkeit der Bank, auf das Wohlergehen
Afrikas einzuwirken, eine zentrale
Bedeutung beimessen.

Kredite mit politischem Ziel
Die erste Frage betrifft Kredite
mit politischem Ziel.
Kredite zur
sektoralen und strukturellen Anpassung müssen in den Schuldnerländern

- 5 -

�die Akzeptanz gesunder Maßnahmen fördern. Unserer Ansicht nach ist dies
ein wichtiges Instrument, mit dem die
Bank ihre Verpflichtung zur Wirtschaftsreform in Afrika untermauern
kann.
Dennoch vertreten wir die Meinung, daß die Bank aufgrund des für
sie relativ neuen Tätigkeitsfeldes
hier mit Bedacht vorgehen muß. Der
Umfang der Gewährung solcher Darlehen
darf nicht schnell ausgedehnt werden,
und die Bank muß sicherstellen, daß
ihre Ausgleichskredite mit anderen gegebenenfalls auch mit der Weltbankgruppe, dem IWF und bilateralen Behörden - abgestimmt sind. Internationale Finanzbehörden müssen im Hinblick auf ihren Erfahrungsaustausch
Partner werden. Sie dürfen beim Prozeß der Entwicklungshilfe keine Konkurrenten sein.

Die Qualität der Kredite
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß bei der Verbesserung der
Qualität der Kreditvergabe insgesamt
weitere Fortschritte erzielt werden
müssen. Unserer Ansicht nach ist der
Vorstand zur Finanzierung zu vieler
Projekte aufgefordert worden, die
nicht zum wirtschaftlichen Wachstum
beitragen werden.
Wir ermutigen die Verwaltung zur
Zusammenarbeit, um sicherzustellen,
daß bei Projekten Investitionen im
Hinblick auf deren Dringlichkeit getätigt werden und daß sie die notwendigen Voraussetzungen für sichere Erfolge mitbringen. Wir fordern die
Verwaltung auf, ein wirksameres System einzusetzen, um zu gewährleisten, daß die dem Vorstand vorgelegten Kredite im Hinblick auf die Entwicklung und Wirtschaftlichkeit einwandfrei sind.

Der Privatsektor
Unserer Ansicht nach muß die Bank
bei der Entwicklung des Privatsektors

innerhalb Afrikas eine viel größere
Rolle spielen.
Leider stellt sich
nur allzuoft heraus, daß Projekte für
Aktivitäten der öffentlichen Hand
vorgeschlagen
werden,
deren
Leistungsfähigkeit oftmals eine düstere
Bilanz aufweist. Aus diesem Grunde
begrüßen wir den vom Präsidenten eingerichteten
Gesprächskreis
afrikanischer Geschäftsleute, mit dem die
Bank beim Aufzeigen von Wegen unterstützt werden soll, wie sie eine
stärkere Rolle bei der Unterstützung
des Privatsektors spielen kann.

Die Verwaltung der Finanzen
Die Bank hat eine Reihe von
Schritten zur Korrektur finanzieller
Probleme unternommen, aber wir sind
besorgt darüber, daß sie in diesem
Bereich nicht schnell genug vorankommt. Die Verwaltung hat dem Vorstand Vorschläge unterbreitet, die im
Rahmen der Kreditvergabe der Bank
auftretende Risiken bei Zinssätzen
und Wechselkursen mindert. Wir hoffen auf deren baldige Verwirklichung.
Wir sind ebenfalls der Ansicht,
daß die steigenden Ausgaben im Bereich der Administration und ausstehende Forderungen der finanziellen
Situation der Bank Schaden zufügen
können. Wir ermutigen die Mitglieder
zur Unterstützung der Bank durch
rechtzeitige Leistung ihrer Kapitalbeiträge, und wir fordern die Bank
auf, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, die darauf abzielen, das Niveau der Außenstände bei den Krediten
wie auch die zunehmenden Verwaltungskosten abzubauen.
Die Umwelt
Die Bank hat Fortschritte beim
Schutz der Umwelt in Afrika erzielt,
und wir sind der Ansicht, daß die
Bank in diesem Bereich eine wichtige
Rolle spielen sollte. Wir erkennen,
daß die Bank weiterhin unter haushaltsmäßigen Beschränkungen arbeiten
muß, und aus diesem Grund stellt mei-

- 6 -

�ne Regierung der Bank einen Umweltspezialisten zur Verfügung. Wir hoffen, daß die Bank mit der Zeit in der
Lage sein wird, ihre eigene Gilde von
Umweltexperten zu rekrutieren.
Ich fordere die Bank ferner auf,
das vorgeschlagene gemeinsame Modellprojekt Banb-NGO fortzuführen, das
unsere Ziele im Bereich der Umwelt
positiv unterstützen wird.

Und schließlich hat meine Regierung zusammen mit allen internationalen Geberländern die Herausforderung
akzeptiert, gemeinsam mit Afrika an
der Erlangung Ihrer wirtschaftlichen
Ziele zu arbeiten. Diese Ziele sind
ehrgeizig - Beendigung des Hungers,
Wiederherstellung dauerhaften wirtschaftlichen Wachstums und Bereitstellung eines angemessenen Lebensstandards für alle Afrikaner in den
nächsten Jahrzehnten und in ferner
Zukunft.

Schlußbemerkung
Gemeinsam haben wir ehrgeizige
Aufgaben für die Afrikanische Entwicklungsbank und für afrikanische
Regierungen unternommen, die nach Erreichen
eines
dauerhaften
Wirtschaftswachstums streben wie auch für
die internationalen Geberländer insgesamt.
Heute bietet die Leistung
aller Grund zum Optimismus.

Ich danke Ihnen für die Ehre,
heute an diesem großartigen afrikanischen Projekt teilnehmen zu dürfen.
Zum Abschluß möchte ich Ihnen versichern, daß die besten Wünsche und die
Unterstützung meines Landes Sie bei
Ihrer Arbeit zur Sicherung des zukünftigen Erfolges Afrika und seines
stolzen Volkes begleiten.

Der Bank stellt sich die Herausforderung, eine zunehmend wichtigere
Rolle dabei zu spielen, afrikanische
Länder bei der Entwicklung und Umgestaltung ihrer Volkswirtschaften zu
unterstützen, damit sie Wirtschaftswachstum erlangen. Wir sind der Meinung, daß die kommenden Jahre dies
zeigen werden - und wir glauben, daß
die Bank ihren Auftrag ausgezeichnet
erfüllen kann.
Zahlreiche afrikanische Regierungen haben sich der Herausforderung
einer Verwirklichung umfassender Reformprogramme - oftmals mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen - gestellt.
Manche Regierungen leiten
gerade den Prozeß wirtschaftlicher
Reformen und Anpassungen ein. Und
eine Reihe von Regierungen muß diesen
Prozeß noch aufnehmen. Für diese Regierungen an der Schwelle haben wir
ein besonderes Wort der Ermutigung,
und wir betonen unsere - wie ich meine - gemeinsame Bereitschaft, aktiv
mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn es
darum geht, Bestrebungen für Anpassung und dauerhaftes Wachstum zu unterstützen.

- 7-

* * * * * *

�x e ° ST;

AMERIKA DIENST
Wirtschaft
14. Juni 1988

SCHULDENTILGUNG DER ENTWICKLUNGSLÄNDER UND LANDWIRTSCHAFT
THEMEN BEIM GIPFEL
- Informationsgespräch im Foreign Press Center -

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für Wirtschaftsfragen W. Allen
Wallis zufolge werden der Schuldenerlaß für die ärmsten Entwicklungsländer und
die Kontrolle nationaler Subventionsmaßnahmen in der Landwirtschaft zwei der
zentralen Themen sein, die von den Staats- und Regierungschefs der wichtigsten
Industrienationen auf dem diesen Monat stattfindenden Gipfel in Toronto erörtert werden.

Wallis erklärte gegenüber Reportern am 9. Juni 1988 im Washingtoner
Foreign Press Center, die USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada würden bei ihrer vom 19. bis 21. Juni
stattfindenden
Zusammenkunft
Vorschläge zur Erleichterung der Schuldenlast der ärmsten Entwicklungsländer vorlegen.
Am Wirtschaftsgipfel der Industrienationen werden ebenfalls die
Staats- und Regierungschefs
Japans,
der Bundesrepublik Deutschland, Italiens und der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen.
Es handelt sich
um die 14. regelmäßig jedes Jahr
stattfindende Gipfelbegegnung.
Obwohl
Wallis
eine
möglicher
amerikanischer

Erörterung
Vorschläge

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ablehnte, verwies er auf die Rede von
Finanzminister James Baker beim Jahrestreffen der Afrikanischen Entwicklungsbank Anfang Juni.
Baker hatte
hier zu einer größeren Flexibilisierung von Seiten der einzelnen Gläubigerländer gegenüber den ärmsten Ländern durch eine Zinsverbilligung und
die Verlängerung von Laufzelten bei
Darlehen aufgerufen.
Wallis wurde zu der Regierungsmeinung über die soeben verlautbarten
französischen Vorschläge befragt, in
dem die Hauptgläubiger zur Verwirklichung einer der drei Lösungsraögllchkelten des Schuldenproblems der
ärmsten
Länder
aufgerufen
werden:
Konsolidierung und Verlängerung der
Laufzeiten von Krediten, Verkürzung
der
Fälligkeit
bei
gleichzeitiger

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zinsverbilligung um bis zu 50 Prozent
oder völlige Streichung von einem
Drittel der von der Regierung vergebenen oder abgesicherten Warenkredite.
Wallis zufolge ist es wahrscheinlich, daß die Vereinigten Staaten einen dieser Vorschläge akzeptieren, aber nicht in der Lage sind,
einen zusätzlichen Vorschlag anzunehmen.
Der Staatssekretär wollte
hierzu keine weiteren Ausführungen
machen und fügte hinzu, dieses Thema
müsse vom Finanzminister erörtert
werden.
Wallis zufolge würden sich die
beim Gipfel vertretenen Staats- und
Regierungschefs im Hinblick auf den
Handel mit landwirtschaftlichen Gütern wahrscheinlich auf eine Formel
verständigen, die der Vereinbarung
der Finanz- und Handelsminister beim
Ministertreffen der Organisation für
wirtschaftliche
Zusammenarbeit
und
Entwicklung (OECD) im Mai nahekommt.
Bei dem OECD-Treffen einigten
sich die Mitgliedstaaten darauf, Rahmenbedingungen zur Lösung sämtlicher
Probleme in der Landwirtschaft bis zu
dem Zeitpunkt anzustreben, wenn die
Handelsainister
im
Dezember
in
Montreal zu einer Zwischenbilanz der
derzeitigen Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen über den Handel
zusammenkommen.
In dem OECD-Kommunique heißt es:
"Es ist wichtig, daß eine Zwischenbilanz dem Verhandlungsprozeß zusätzliche Impulse gibt...
Zu diesem
Zweck solLten die Mitgliedstaaten
Rahmenbedingungen vereinbaren..., zu
denen lang- wie . auch kurzfristige
Elemente gehören sollten, die den im
vergangenen Jahr in Gang gesetzten
Reformprozeß vorantreiben und die
derzeitigen Spannungen auf den Märkten für landwirtschaftliche Güter beseitigen werden."
Wallis erklärte den Reportern gegenüber, die Landwirtschaft sei "das
schwerwiegendste Problemfeld der heutigen Weltwirtschaft".

Er fügte hinzu, die ihre landwirtschaftliche Produktion subventionierenden Länder würden nicht nur Unmengen von Ressourcen verschwenden,
sondern es würde für nicht-subventionierende Länder zunehmend schwieriger, auf den Weltmärkten zu konkurrieren.
Er verwies darauf, daß der amerikanische Kongreß im nächsten Jahr ein
neues Landwirtschaftsgesetz entwerfen
will und daß es für die Vertreter der
Landwirte in den einzelnen Bundesstaaten leichter sein wird, sich für
einen Abbau staatlicher Unterstützung
auszusprechen, wenn sie Fortschritte
bei den im Rahmen der Uruguay-Runde
geführten Gespräche entdecken.
Wallis verwies darauf, daß der
Gipfel in Toronto insgesamt weniger
umstritten sein könnte als einige der
voraufgegangenen
Gipfeltreffen.
"Insgesamt gesehen besteht bei politischen Fragen Übereinstimmung", und
die
Volkswirtschaften
der
sieben
wichtigsten Industrieländer florieren.
Wallis zufolge werden wahrscheinlich Gespräche über wirtschaftliche
Koordinierungsprozesse
stattfinden
wie auch über den Vorschlag von Finanzminister Baker, die Länder sollten "Kontrollzonen" für wichtige Indikatoren wie Wachstum und Handelsbilanz in Erwägung ziehen. Baker betrachtet solche Zonen als Möglichkeit
der Einschätzung, ob die Leistungen
der Volkswirtschaft eines Landes erheblich von einem angemessenen Kurs
abweichen und korrektive Maßnahmen
erforderlich sind.
Wallis betonte
jedoch, daß darüber beim Gipfeltreffen keine Entscheidung fallen wird.
Er erklärte, die Staats- und Regierungschefs würden erwartungsgemäß
über Bakers Vorschlag zur Entwicklung
eines Warenpreisindikators diskutieren, der in den Gipfelländern einen
der nationalen Indikatoren für ökonomische Maßnahmen und wirtschaftliche Leistung bilden soll. Dieser
Vorschlag wurde von den Finanzministern der sieben Länder im April
angenommen.

�Ein weiterer wahrscheinlich beim
Gipfeltreffen angesprochener Themenkreis ergibt sich Wallis zufolge aus
der Notwendigkeit, daß die Finanzminister den Ausbau des Koordinierungsprozesses
unter
Einbeziehung
von
Strukturreformen in Erwägung ziehen.
Obwohl Baker bisher auf keine Einzelreformen direkt eingegangen ist, hat
er in der Vergangenheit auf die Steuerreform, die Liberalisierung der Finanzmärkte und die Deregulierung der
Arbeitsmärkte verwiesen.
Der Staatssekretär erklärte, andere zur Diskussion anstehende Themenbereiche seien Drogen und Umwelt.
Der Ablauf des Gipfeltreffens von
Toronto wird im Großen und Ganzen so
erfolgen wie bei den voraufgegangenen
Gipfeltreffen,
wobei
insbesondere
Zwanglosigkeit Wert gelegt werde, erklärte Wallis. Es wird kein einzelnes Kommunique geben. Wallis zufolge
werden
erwartungsgemäß
von
den
Staats- und Regierungschefs lediglich
zwei Erklärungen abgegeben, am 20.
Juni eine politische Erklärung zu
Themen wie Terrorismus und Ost-WestBeziehungen und am 21. Juni ein Kommunique zur Wirtschaft.
Wallis verwies auf eine zusätzliche Sitzung zur Wirtschaft am frühen Abend des 20. Juni als neues organisatorisches Element. Bei dieser
Sitzung werden Probleme angegangen,
die als "wichtig, aber nicht dringlich" erachtet werden. Dem Staatssekretär zufolge wird dabei der Versuch einer .Vorausschau auf die Welt
in den kommenden drei Jahrzehnten unternommen.
Um für die zusätzliche wirtschaftliche Sitzung Zeit zu schaffen,
werden die Staats- und Regierungschefs am 19. Juni eher mit einer
Nachmittagssitzung über Wirtschaftsfragen beginnen.
Darauf folgt ein
Abendessen, bei dem politische Fragen
das Thema sein werden.

* * * * *

- 3 -

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                    <text>AMERIKA DIENST
VoH

*

15. J u n i 1988

23

INHALT

DOKUMENTATION
Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam -

INFORMATION
Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WIRTSCHAFT
Neues System zur Bilanzierung der Handelszahlen

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung
- Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Juni 1988

23

OFFENHEIT SCHLÜSSEL ZU ECHTER SICHERHEIT
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam POTSDAM - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Außenminister
Whitehad zufolge müssen die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Pakts
"die Entwicklung zu mehr Offenheit" in der Region weiterführen, wenn sie "eine
wirklich sichere Welt wünschen". Im Rahmen einer vom Institut für Ost-WestSicherheitsstudien in Potsdam in der Deutschen Demokratischen Republik veranstalteten Konferenz erklärte Whitehead am 10. Juni 1988, daß die gegenwärtig
stattfindende Diskussion über Offenheit in Osteuropa und der Sowjetunion eine
"sehr ermutigende Entwicklung" darstelle.
Die Ausführungen Whiteheads haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte dem Institut für OstWest-Sicherheitsstudien für die Möglichkeit danken, vor diesem erlesenen
Kreis sprechen zu dürfen.
Ferner
möchte dem Institut und dessen Präsident John Mroz ein besonderes Lob dafür aussprechen, daß es in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium der
Deutschen
Demokratischen
Republik
diese Konferenz ermöglicht hat. Ich
weiß, daß ich auch für viele andere
spreche, wenn ich dem Institut und
dessen Leistungen meine Anerkennung
ausspreche. Ich wünsche dem Institut
viel Erfolg bei seinen gegenwärtigen
und Zukünftigen Projekten zur Förderung eines immer umfasenderen OstWest-Dialogs, gegenseitigen Respekts
und Verständnisses.
Verwechslungen von Personen sind,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wie Sie wissen, einer der bevorzugten
Kunstgriffe von Theaterstückautoren.
Gleichermaßen gehören Witze und Geschichten, die auf Verwirrung über
den Sinn von Worten gründen, zum
festen Repertoire der Komödie. Für
diejenigen, die sich mit Diplomatie
und den Beziehungen zwischen Staaten
beschäftigen, ist Verwirrung über den
Sinn von Worten alles andere als belustigend, und dies gilt insbesondere
für Worte, die nicht nur beschreibenden Charakter haben, sondern die für
sich genommen Erwartungen wecken.
In jüngster Zeit ist in diesem
Teil der Welt viel von "Offenheit"
die Rede gewesen. Dasselbe gilt für
den Westen, wo Nachrichten und Analysen über die hoffnungsvollen Entwicklungen in der Sowjetunion und den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzelnen Staaten Osteuropas in der
jüngsten Vergangenheit regelmäßig das
Wort "Offenheit" verwenden. Aber gerade weil dieses Wort so häufig benutzt wird, ist es wichtig, seine
verschiedenen Bedeutungen und Begleiterscheinungen klarzustellen.
Im Westen kann sich das Wort "Offenheit" sowohl auf einen Zustand als
auch auf eine Haltung beziehen. Wir
sagen, daß eine Aussicht, eine Straße
oder eine Grenze "offen" ist, wenn
diese frei von Hindernissen und Beschränkungen sind. Diese Definition
ist die Grundlage für die hiermit
verwandte Begriffsbestimmung von "Offenheit"
als
Geisteshaltung
her.
Wird das Wort "Offenheit" in dieser
Form verwendet, bedeutet es die Aufnahmefähigkeit für neue Ideen und
Menschen und es ist in diesem Fall
eng verwandt mit anderen Attributen
wie etwa Toleranz und Unvoreingenommenheit.
Aber
das
vielleicht
Interessanteste, das ich Ihnen über das Wort
"Offenheit" sagen kann ist, daß es abgesehen von seinem jüngsten Gebrauch im Hinblick auf Glasnost
kein Wort ist, für dessen Gebrauch
Amerikaner in ihrem täglichen Sprachgebrauch eine Notwendigkeit sehen.
In vielen unserer Standardwörterbücher gibt es für dieses Wort noch
nicht einmal einen Eintrag.
Auf den ersten Blick scheint dies
doch sehr merkwürdig zu sein, da sowohl ihre Bewunderer wie auch ihre
Kritiker zugestehen, daß die Vereinigten Staaten eine "offene Gesellschaft" sind.
Einige Kritiker behaupten sogar, die Vereinigten Staaten seien zu offen, der Mangel and
Beschränkungen ermutige gesellschaftliche Verwirrung und persönliche Zügellosigkeit.
Des Rätsels Lösung
liegt natürlich auf der Hand. Es ist
unnötig, einen normalen Zustand immer
wieder zu erwähnen, und "Offenheit"
ist der Normalzustand des Lebens in
den Vereinigten Staaten.
Es gibt
aber eine noch tiefergehende Erklärung, die sich auch in der alltäg-

lichen Sprache des Durchschnittsbürgers in den Vereinigten Staaten niederschlägt.
Wenn ein Amerikaner auf irgendeine Weise verletzt oder geschädigt
wird, so wird er sofort ohne Umschweife zum Ausdruck bringen, daß
man seine Rechte verletzt hat. Ferner wird er auf sehr direkte und persönliche Weise über diese Rechte
sprechen. Er wird von seinen Rechten
nicht so sprechen, als hingen diese
vom Staat ab. Er wird von diesen
Rechten nicht so sprechen, als ob sie
nur aufgrund seiner Mitgliedschaft in
einer Organisation oder Partei bestünden.
Er wird stattdessen von
seinen Rechten als Teil seiner Person
sprechen - ja, als unveräußerlich und
untrennbar von seiner Existenz als
Mensch.
Manchem mag das Prinzip, wonach
jeder Mensch Rechte hat, die untrennbar mit seiner Existenz verbunden
sind, merkwürdig erscheinen. Trotzdem ist dieses Prinzip nicht neu, die
Gründer der Vereinigten Staaten von
Amerika schrieben genau dies vor 200
Jahren in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fest.
Wo hatten diese ersten Amerikaner
diesen Begriff entlehnt? Aus Athen
und Jerusalem, aus Wittenberg und
Edinburgh, denn man könnte diese
Überzeugung ebenso als ein in vielen
Jahren gereiftes Produkt der größten
Geister der westlichen Zivilisation
beschreiben.
Viel ist einem alten Griechen zu
verdanken, der den Schierlingsbecher
leerte, damit das ihm zugefügte Unrecht die Freiheit künftiger Generationen von Philosophen sichere. Noch
mehr verdankt diese Idee den Jahrhunderten frommer Beispiele von Männern
und Frauen, die in Wort und Tat lehrten, daß das Leben ein Geschenk des
Schöpfers und deshalb jedes Individuum wertvoll sei. Der Anteil Martin
Luthers sowie verschiedener Philosophen der Aufklärung ist so offensichtlich wie umfassend.

- 2 -

�Natürlich nehmen wir im Westen da wir den Ursprung der "offenen Gesellschaften" anerkennen - es zur
Kenntnis, wenn "Offenheit" im Hinblick auf Regierungen andernorts erwähnt wird.
Besonders aber nehmen
wir Notiz davon, wenn sie in einem
Teil der Welt diskutiert und sogar
gefördert wird, in dem die von uns
mit offenen Gesellschaften in Verbindung gebrachten Prinzipien der Menschenrechte von den Regierungen nicht
allgemein akzeptiert wurden.
Wir betrachten die gegenwärtige
Diskussion über Offenheit im Osten
als eine sehr ermutigende Entwicklung.
Bisher ist das gegenwärtig
östlich und südlich von Potsdam in
Erwägung gezogene Konzept der Offenheit nicht so grundlegend wie das
unsrige.
Es scheint Offenheit als
ein Mittel zu anderen Zwecken zu betrachten, insbesondere zu mehr wirtschaftlichem Wohlstand, anstatt als
eines der Merkmale einer gut geordneten Gesellschaft. Trotzdem bedeutet
dLe Diskussion an sich schon einen
Neubeginn. Mit der Zeit könnte sie
sich als historisch erweisen.
In meinen heutigen Ausführungen
möchte ich einen Beitrag zu dieser
Diskussion leisten, indem ich auf Offenheit in ihrer Beziehung zum Thema
unserer Konferenz, "Neue Wege der
europäischen
Sicherheit", eingehe.
Ich tue dies im Geist des kürzlichen
Gipfeltreffens von Moskau, wo Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow ihre Überzeugung bekräftigten, daß ein erweiterter Dialog
"ein zunehmend wirkungsvolles Mittel
zur Lösung von Fragen wird, die von
beiderseitigem Interesse sind und auf
beiden Seiten Besorgnis auslösen".
Obwohl ich zu dem von mir soeben beschriebenen tieferen westlichen Verständnis stehe, werde ich mich ferner
aus instrumenteilen
oder "pragmatischen" Gründen für Offenheit einsetzen. Ich bin nämlich der Ansicht,
daß - in der neuen Welt, an deren
Schwelle wir stehen - Offenheit unverzichtbar für die Sicherheit ist.
Je offener Politik und Praxis einer

Nation sind, desto größer wird ihre
Sicherheit sein, vor militärischer
Bedrohung von außen und auch im Hinblick auf die Sicherstellung des materiellen Wohlstandes ihrer Bürger
durch wirtschaftliches Wachstum.
Meine Hauptthese lautet folgendermaßen: Wenn die Sowjetunion und
die anderen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts eine wirklich sichere
Welt wünschen, müssen sie die gegenwärtige Entwicklung zu größerer Offenheit weiterführen - und vorzugsweise noch beschleunigen. Ich werde
diese These im Hinblick auf Rüstungskontrolle, Wirtschaft und Menschenrechte veranschaulichen - drei Kategorien, die grob genommen den drei
Körben der Schlußakte von Helsinki
entsprechen. Dies ist umso angemessener, als die Vereinbarungen von
Helsinki die Erkenntnis von 35 Regierungen in Europa und Nordamerika widerspiegeln, daß diese Fragen eng
miteinander und mit der europäischen
Sicherheit selbst verflochten sind.
Das offensichtlichste und direkteste Bindeglied zwischen Offenheit
und Sicherheit ist - ziemlich paradoxerweise - im Zusammenhang mit der
Rüstungskontrolle aufgetaucht.
Wie
wir alle wissen, spielte die Frage
der Verifizierung eine zentrale Rolle
bei den erfolgreichen Verhandlungen
zur Beseitigung der Atomwaffen mittlerer und kürzerer Reichweite. Die
Verifizierung spielt auch bei den gegenwärtig stattfindenden START-Verhandlungen eine wichtige Rolle. Man
kann sogar sagen, sie bildet den
Schlüssel für den Abschluß eines
START-Abkommens.
Zu Beginn des Zeitalters der Rüstungskontrolle haben wir viel über
die sogenannten
"nationalen technischen Mittel der Verifizierung" gehört. Dabei handelte es sich niemals
um eine völlig zufriedenstellende
Methode. Sie wurde umso unbefriedigender, als die Raketen kleiner, verschiedenartiger und mobiler wurden.
Heute glaubt niemand daran, daß eine
mobile Nuklearrakete mit Sicherheit

- 3-

�einzig und allein aus der Luft von
ihrer Produktionsstätte bis zum Einsatzort verfolgt werden kann. Und
wie unterscheidet man - aus welcher
Entfernung auch immer - einen atomar
bestückten von einem konventionellen
Marschflugkörper?

tionsgruppen ausgesetzt, die jeden
Winkel ihrer streng geheimen und
schwerbewachten Einrichtungen untersuchen. Das Paradoxon könnte nicht
deutlicher zutage treten: Weil wir
uns nicht trauen, öffnen wir uns der
Gegenseite.

Die Lösung für dieses Problem
heißt Offenheit. Bei den Verhandlungen zum INF-Vertrag sind beide Seiten
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
einzige Weg zur Gewährleistung der
Einhaltung des Abkommens darin besteht, der anderen Seite die Inspektion der Produktionsstätten zu gestatten, in denen die Waffen hergestellt werden.

Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
ist Offenheit für die Sicherheit unerläßlich geworden. Das wird darüber
hinaus auch bei den START-Gesprächen
und bei allen zukünftigen Verhandlungen so sein. Um es einfacher auszudrücken:
Je größer die Offenheit,
der jede Seite zustimmt, umso größer
werden unsere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle, und umso höher
wird die Sicherheit auf beiden Seiten
sein.

Dies könnte sich in den nächsten
Jahren als am meisten richtungweisender Fortschritt in der Geschichte der
nuklearen Abrüstung erweisen. Im Interesse höherer Sicherheit haben zwei
Gegner - argwöhnisch im Hinblick auf
die Motive des anderen und mit geringem Vertrauen - vereinbart, einige
ihrer sichersten und geheimsten Einrichtungen für die Inspektion durch
die andere Seite zu öffnen.
Der
Austausch der Ratifizierungsurkunden
durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow beim Moskauer
Gipfel war ein angemessener Höhepunkt
für dieses bahnbrechende Experiment
der Offenheit.
Ungeachtet
des
bemerkenswerten
Charakters der endgültigen Leistung
stellte die Verifizierung bis zum Ende ein Problem bei den Verhandlungen
dar. Obwohl unsere Unterhändler beim
Moskauer Gipfel hart gearbeitet und
einige Fortschritte erzielt haben,
erweisen sich die Probleme im Hinblick auf den START-Vertrag als noch
größer.
START
beschäftigt
sich
schließlich mit einer großen Zahl unterschiedlicher Waffensysteme, deren
Anzahl verringert, die aber nicht
vernichtet werden. Wie beide Seiten
in Moskau erkannt haben, wird die Lösung für das Problem noch größere Offenheit erfordern. Beide Seiten sehen sich der unbequemen Aussicht
einer noch größeren Zahl von Inspek-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei diesem Fortschritt ihren
gesamten Beitrag zu leisten. Wir befürworten die Öffnung unserer Einrichtungen auf jede Art und Weise,
die notwendig ist, um angemessene Verifizierung bei den Rüstungskontrollverhandlungen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu gewährleisten. Aber
wenn wir weiterhin Fortschritte bei
Rüstungskontrollverhandlungen
erzielen wollen, müssen beide Seiten die
gleichen Leistungen erbringen. Gegenseitigkeit wird dem Fortschritt
Tür und Tor öffnen. Offenheit wird
der Schlüssel
zur Gegenseitigkeit
sein.
Das Wirtschaftsleben verweist auf
eine subtilere, aber nicht weniger
wichtige Verbindung zwischen Offenheit und Sicherheit. Natürlich ist
die Beziehung zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes und
seiner Sicherheit offensichtlich genug. Nicht so offensichtlich ist jedoch, daß Offenheit in der Wirtschaft
der einzig sichere Weg zum wirtschaftlichen Erfolg ist.
Vor nicht allzu langer Zeit freute sich mancher in diesem Teil der
Welt auf eine blühende Wirtschaft im
Sozialismus. Die Schwerindustrie war
in Osteuropa auf dem Vormarsch. Die

�Wachstumsraten der nationalen Volkswirtschaften stiegen steil an - und
übertrafen sogar die des Westens.
Das Vertrauen war so groß, daß sowjetische Politiker den Tag vorhersagten, an dem die sowjetische Wirtschaft die der Vereinigten Staaten
überholen würde.
Es geschah
aber nicht.
Das
"Wirtschaftswunder" im Osten hatte
sich auf ein großes Potential an
überschüssigen
Arbeitskräften
und
einen reichlichen Nachschub preiswerter Rohstoffe verlassen. Als diese
materiellen Vorteile etwa zu Beginn
der siebziger Jahre ausgeschöpft waren, begannen die Wachstumsraten rapide zu fallen.
Statt die Vereinigten Staaten
einzuholen, erreichte die Sowjetunion
den Höchststand ihrer Produktion auf
einem Stand von etwa 50 Prozent des
amerikanischen
Bruttosozialprodukte.
Und da sich die Volkswirtschaften des
Ostblocks auf die Schwerindustrie
konzentrierten
- auf Kosten des
durchschnittlichen Konsumenten, waren
die Zahlen des Pro-Kopf-Verbrauchs in
der Sowjetunion noch aufschlußreicher
- enttäuschende 35 Prozent gegenüber
den Vereinigten Staaten. In anderen
Ländern des Ostblocks waren die Ergebnisse mehr oder weniger gleich.
Seit 20 Jahren weist der Ostblock
trotz anhaltenden absoluten Wachstums
und absoluter Leistung eine vergleichsweise fallende Bilanz auf.
Die Gründe für diesen Niedergang
sind im allgemeinen gut bekannt.
Präsident Reagan verwies in seiner
Rede vor der Moskauer Staatsuniversität darauf, daß Volkswirtschaften im
Sozialismus in stärkerem Maße bürokratisiert und aus diesem Grunde weniger flexibel und leistungsfähig
sind als Volkswirtschaften mit dem
System der freien Marktwirtschaft.
Aber das ist nicht das schwerwiegendste Problem, das sich solchen
Wirtschaftssystemen stellt. Denn die
Unzulänglichkeiten der Vergangenheit
werden durch die künftigen Herausforderungen in den Schatten gestellt, da

mit zunehmend komplexer Wirtschaft
die mangelnde Leistungsfähigkeit der
gegenwärtigen Methoden noch schärfer
zutage treten wird.
Warum ist das notwendigerweise
so? Weil solche Systeme, die Marktgesetze durch Bürokratie ersetzen,
ihm eine unmögliche Aufgabe zuweisen.
Im Jahre 1909 hat der italienische
Wirtschaftswissenschaftler
Vilfredo
Pareto errechnet, daß eine Gesellschaft von nur 100 Menschen, die mit
700
Gütern
handelt,
gleichzeitig
70 699 Gleichungen lösen muß, um Angebot und Nachfrage so zu verbinden,
wie dies ein freier Markt aufgrund
seiner ihm eigenen Gesetze tut. Was
muß dann ein System tun, wenn eine
Fabrik allein hundert mal hundert Arbeiter beschäftigt und sieben mal 700
Arten von Maschinen, Ausrüstungsgegenständen und Arbeitsgängen aufweist?
Und so ist das "Wirtschaftswunder" am Ostblock vorübergegangen.
Staatliche Direktiven erlauben keine
effektive Mobilisierung in begrenzten
Wirtschaftssektoren wie etwa beim Militär. Als die anfänglichen Vorteile
eines überschüssigen Arbeitskräftepotentials und im Überfluß vorhandener
preiswerter Rohstoffe erschöpft waren, fanden diese Volkswirtschaften
heraus, daß traditionelle Mechanismen
bürokratischer Kontrolle und Leitung
der Leistungsfähigkeit keinen Vorschub leisteten.
Vielmehr erwiesen
sie sich selbst als Hindernisse für
die Leistungsfähigkeit.
Diese Tatsache ist auch im Rest
der Welt nicht unbemerkt geblieben.
In der gesamten Dritten Welt machen
Länder, die bisher das sozialistische
Modell kopiert hatten, keine Fortschritte, sondern verfallen. Sie haben durch bittere Erfahrung gelernt,
daß eine Organisation der Wirtschaft
allein durch den Staat gemäß dem alten Modell nicht funktioniert. Diejenigen, die in der Lage sind, zu
wählen, beginnen ihre Volkswirtschaften nach marktwirtschaftlichen Kriterieren umzugestalten. Sie erkennen,
daß die einzigen Erfolgsbilanzen in

- 5 -

�der Dritten Welt in Ländern zu verzeichnen sind, die auf ihren Märkten
Freiheit und Offenheit zulassen.
Keine Äußerung irgendeines westlichen Staatsmannes spricht so deutlich zu den Ländern der Dritten Welt
wie die Beispiele von Ländern wie
Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong. Unter ihnen stellen diese vier
Länder - deren Bevölkerung in der
Dritten Welt lediglich zwei Prozent
ausmacht - die Hälfte der Exporte von
Fertigungsgütern
aller Länder der
Dritten Welt.
Natürlich ist dem vergleichsweisen Niedergang der sozialistischen
Wirtschaftssysteme auch hier im Ostblock
beträchtliche
Aufmerksamkeit
zuteil geworden.
Diese Aufmerksamkeit ist in vielen Ländern in Forderungen
nach
Umstrukturierung
und
größerer Offenheit zutage getreten.
Unserer Ansicht nach trifft diese
Diagnose zu.
Die Rezepte für den
Wandel - dezentralisierte Entscheidungsfindung,
zunehmende
Autonomie
der Kommunen und stärkere materielle
Anreize - erscheinen uns vernünftig
und seit langem überfällig.

Unserer Ansicht nach wird in den
kommenden Jahren die Wettbewerbsfähigkeit der Sowjetunion und der Länder Osteuropas in zunehmendem Maße
von deren Bereitschaft abhängen, ihre
Wirtschaftssysteme zu öffnen und echte Marktreformen durchzuführen.
Sie stellen die Frage:
"Wie
sieht es mit den Wirtschaftsproblemen
im Westen aus? Haben Sie nicht genug
eigene Probleme?" Die haben wir tatsächlich. Meiner Meinung nach unterscheiden sich jedoch die Wirtschaftsprobleme, denen der Westen gegenübersteht, ganz erheblich von denen, mit
denen es die sozialistischen Länder
zu tun haben.
Dem Zeitalter der Industrialisierung sagen wir Lebewohl. Im jetzt im
Westen anbrechenden neuen Zeitalter
der Hochtechnologie ist die Geschwindigkeit wirtschaftlichen Wandels dramatisch gestiegen. Produkte mit einer bisherigen Lebensdauer von einem
Jahrzehnt oder mehr, werden nun innerhalb von zwei oder drei Jahren
durch verbesserte Technologien ersetzt. Die Lebensdauer der am höchsten entwickelten Technologie ist sogar noch kürzer.

Natürlich haben wir im Westen
auch die unterschiedliche Aufnahme,
die diese Tatsachen in der Sowjetunion und in den einzelnen Ländern
Osteuropas erfahren haben, verzeichnet. Manche haben die Reformen begrüßt, andere argumentieren, sie gingen nicht weit genug, wiederum andere
bleiben der Auffassung verhaftet, daß
stark zentralisierte Wirtschaftssysteme funktionsfähig gemacht werden
können.

Wie Präsident Reagan in seiner
Ansprache vor der Moskauer Staatsuniversität betonte, belohnt diese technologische Revolution - vielleicht
die dramatischste in der Geschichte
überhaupt - Flexibilität und Initiative des Einzelnen. Ihre Schlagworte
lauten: Geschwindigkeit der Kommunikation und wirtschaftliche Interdependenz.

Möglicherweise ist das System der
Kombinate in der DDR so leistungsfähig wie jedes andere stark bürokratisierte Wirtschaftssystem auch. Verglichen mit anderen sozialistischen
Volkswirtschaften
funktioniert
es
gut. Vergleiche mit der Bundesrepublik Deutschland und anderen westlichen Wirtschaftsystemen fallen jedoch bei weitem nicht so günstig aus.

Was die Initiative des Einzelnen
betrifft, sind zahlreiche der wichtigsten technologischen Innovationen
im Westen das Ergebnis eines intensiven Wettbewerbs relativ kleiner Unternehmen, vielfach unter der Leitung
ihrer Gründer.
Und die technologische Revolution hat zugleich in zunehmendem Maße internationalen Charakter.
88 Prozent der amerikanischen Hersteller verwenden ausländische Teile für ihre Produkte. Die

�technologische Revolution deutet auf
eine weltweit marktorientierte Wirtschaft hin, in der Wohlstand mit Offenheit innerhalb und zwischen den
einzelnen Nationen einhergeht.
Die sozialistischen Wirtschaftssysteme treten mit überholten und
veralteten Konzepten ins 21. Jahrhundert ein.
Die gleichen bürokratischen Verkrustungen, die für ihren
relativen Rückgang in den vergangenen
20 Jahren verantwortlich waren, erlauben die Aussicht auf sogar noch
größere Schwierigkeiten in den nächsten Jahren.
Man muß sich jedoch
folgende Frage stellen:
Wenn ein
Wirtschaftssystem schon nicht in einem Umfeld konkurrenzfähig sein kann,
in dem sich modernste Technologie alle zehn Jahre überholt, wie kann es
dann darauf hoffen, in einem Umfeld
in den Wettbewerb zu treten, in dem
dies drei-, fünf- oder sogar zehnmal
so schnell abläuft? Ohne eine größere Öffnung bei der Organisation der
Wirtschaft müssen die Nationen des
Ostblocks - wie groß auch immer ihre
Fortschritte insgesamt auch sein mögen - mit einer Beschleunigung der
relativen Rezession
rechnen.
Ich
vermute, eine solche Situation könnte
unsichere Konsequenzen für die Sicherheit in Ost und West haben, Konsequenzen, die wahrscheinlich nicht
im Interesse irgendeiner Seite lägen.
Darum halten wir im Westen die
derzeit in zahlreichen Ländern des
Ostens diskutierten Wirtschaftsreformen für ermutigend. Wir befürworten
energischere und mutigere Schritte.
Wir wünschen dem Osten bei seinem
Streben nach größerer Öffnung in der
Wirtschaft Erfolg.
Warum? Weil wir die Wette einzugehen bereit sind, daß eine größere
wirtschaftliche Offenheit und eine
weitere Integration der Volkswirtschaften des Ostblocks in das Weltmarktsystem dazu beitragen werden,
die Spannungen zu verringern und die
Aussichten auf eine sicherere und
wohlhabendere Welt für uns alle zu
verbessern.

In verschiedenen Ostblockländern
beginnt sich eine andere wertvolle
Einsicht zu verbreiten.
Man stößt
nunmehr auch auf das Argument, daß
eine wirtschaftliche Offenheit die
Wettbewerbssituation der Länder des
Ostblocks zwar temporär verbessern,
jedoch nur eine Lockerung der politischen Kontrolle die Wettbewerbsfähigkeit für einen längeren Zeitraum
fortschreiben kann.
Sicher läßt das Beispiel anderer
Nationen einen solchen Schluß zu. In
der Dritten Welt war der Wohlstand in
den Ländern besonders auffällig, die
nicht nur eine marktwirtschaftliche
Politik übernommen haben, sondern
auch dem Wunsch ihres Volkes nach
mehr individueller Freiheit und politischer Entfaltung nachkamen.
Und
wie Sie wissen, entwickelten sich die
politischen Demokratien des Westens
in ganz ähnlichen Bahnen. Es ist ermutigend, daß das Streben nach mehr
Offenheit in der Sowjetunion und in
Osteuropa eine politische wie auch
ökonomische Dimension angenommen hat.
Fortschritte in der Politik sind
nicht mehr zu leugnen.
In einigen
Ländern ist eine beträchtliche Anzahl
politischer Gefangener freigelassen
worden, und es werden weniger Menschen wegen politischer Vergehen verhaftet. Die Praxis der Verurteilung
politischer Straftäter zur Einlieferung in psychiatrische Anstalten gerät zunehmend in Verruf.
Die Schranken der zugestandenen
Freiheit des Ausdrucks, in Wort und
Bild, sind zunehmend geöffnet worden.
Den Medien dürfen nun über Themen berichten, die zuvor als zu delikat
oder peinlich galten.
Immer mehr
Menschen erhalten die Erlaubnis zu
Auslandsreisen.
Kontakte und Austauschprogramme mit dem Westen sind
gestiegen, was auch für die Zahl der
Ausreisen zutrifft. Solche Maßnahmen
bereichern das Leben im Ostblocks und
verleihen ihm Hoffnung; sie mobilisieren öffentliche Unterstützung für
den schwierigen Prozeß wirtschaftlicher Reformen und Anpassungen.

- 7 -

�Wir im Westen haben diese Entwicklungen mit Interesse verfolgt, da
wir sie in einen direkten Bezug zu
unserer eigenen Sicherheit setzen.
Unserer Meinung nach gibt es eine enge Verbindung zwischen der Art, wie
eine Regierung ihr eigenes Volk behandelt und ihrem Verhalten in den
auswärtigen Beziehungen.
Regierungen, die ihre eigenen Bürger schlecht
behandeln oder ihnen die wesentlichen
Menschenrechte verweigern, scheinen
auch eher zu einem schlechten Umgang
mit ihren Nachbarn bereit zu sein.
Unsere umgekehrte Beobachtung läßt
sich so zusammenfassen:
je größer
die Bandbreite politischer Freiheit
und Offenheit in einem Land, je unwahrscheinlicher ist es, daß das Land
eine Gefahr für andere wird.
Obwohl wir die jetzt in der Sowjetunion und den Ostblockländern offensichtlich werdende größere Offenheit ermutigend finden, wird unser
Enthusiasmus durch die Erkenntnis gedämpft, daß noch viel zu tun bleibt,
um den in Helsinki vereinbarten Maßstäben gerecht zu werden. Außerdem
möchten wir darauf hinweisen, daß im
Ostblock die grundlegenden Menschenrechte - ob Rede- oder Pressefreiheit, ob Freizügigkeit oder Auswanderungsmöglichkeit - immer noch wie Geschenke staatlicher Macht behandelt
werden.
Und was der Staat geben
kann, kann er auch wieder nehmen.
Daher können weder die Nachbarn noch
die Bürger eines Landes darauf bauen,
daß diese Verbesserungen einen unumkehrbaren Trend des zukünftigen politischen Lebens darstellen, bis die
Dinge aus einem grundsätzlich anderen
Blickwinkel betrachtet werden.
In jenem Geist der Offenheit und
der Hoffnung auf eine Verbreiterung
des Dialogs über dieses wichtigste
Thema überhaupt hat Präsident Reagan
beim Gipfel in Moskau solchen Wert
auf die Menschenrechte gelegt. Während er seiner Genugtuung über die in
der Sowjetunion bereits erfolgten
Veränderungen Ausdruck verlieh, verwies der Präsident gegenüber Generalsekretär Gorbatschow auf die Notwendigkeit der Verfestigung dieses Wan-

dels. Wie bei solchen Zusammenkünften üblich, rief der Präsident zu
mehr Veränderungen, zu mehr Offenheit
und zu häufigerem Dialog auf. Und
unser Dialog über Menschenrechte hat
sich tatsächlich erweitert. Wie immer fand Präsident Reagan in dem Generalsekretär
einen
willigen
Gesprächspartner über dieses Thema.
Und man muß nur die in Genf vereinbarte Gemeinsame Erklärung mit der in
Moskau veröffentlichten vergleichen,
um zu sehen, wie weit unser Dialog
gediehen ist.
Ferner glauben wir, daß der Osten
trotz Ermangelung eines grundsätzlichen Wandels dennoch beginnt, ein
Gefühl für die Anziehungskraft der
Öffnung zu bekommen und deren Nutzen
zu erkennen, und wir schätzen dies.
Die Notwendigkeit des Wandels wird
anerkannt. Dies sind positive Entwicklungen. Sie geben Grund zu Optimismus. Wir würden es begrüßen, wenn
daraus dauerhafte, unumkehrbare Elemente eines stärkeren Prozesses des
Wandels auf breiter Ebene würde.
Bis dahin werden wir im Westen
alles in unser Macht stehende tun, um
den Reformprozeß im Osten zu fördern.
Fortschritten werden wir, wenn sie
sich einstellen, positiv gegenüberstehen - in Worten und Taten. Und da
wir auf die Offenheit stolz sind, die
das Leben in unseren eigenen Ländern
charakterisiert, und uns des Lebensstils erfreuen, der unsere Freiheiten
schützt und uns gleichzeitig mit vielen materiellen Segnungen versorgt,
werden wir zugleich auch stets unsere
Ansichten freimütig vortragen - wie
ich dies heute getan habe.
In einer abschließenden Analyse
bleibt die Rolle des Westens jedoch
begrenzt.
Es ist schließlich die
Sowjetunion und jede Nation Osteuropas selbst, die den Nutzen der Offenheit erkennen müssen.
Sie müssen
aufgrund eigener Erfahrung zu der
Einsicht gelangen - wie wir im Westen
aus unserer Erfahrung gelernt haben daß echte Sicherheit auf größerer Offenheit basiert.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

VlON $ &lt;

15. Juni 1983

23

FÄHIGER STRATEGE ZUM NEUEN STABSCHEF DES WEISSEN HAUSES ERNANNT
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist der neue Stabschef des
Weißen Hauses, Kenneth Duberstein, "ein hervorragender Organisator und fähiger
Stratege". Duberstein, der sein neues Amt am 1. Juli 1988 antreten wird, ist
seit März 1987 Stellvertreter des scheidenden Amtsinhabers Howard Baker. In
dieser Funktion hat er, wie Reagan erklärte, "entscheidend an unseren bedeutenden Leistungen in der Innen- und Außenpolitik mitgewirkt".

In der Frühzeit der Reagan-Administration hatte Duberstein die Funktion des Stellvertretende Beraters
und dann des Beraters des Präsidenten
für legislative Angelegenheiten. Im
Dezember
1983 quittierte er den
Staatsdienst und wurde Vizepräsident
der
Unternehmensberatungsfirma
Timmons and Company in Washington,
bei dem er bis zu seiner Rückkehr ins
Weiße Haus tätig war.
Zu seiner früheren beruflichen
Tätigkeit zählen vier Jahre als Vizepräsident und Direktor für Beziehungen zwischen Privatindustrie und Regierung des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung (CED), einer gemeinnützigen Organisation für öffentliche Politik, deren Mitgliederschaft
sich aus 200 prominenten Unternehmern

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und Universitätspräsidenten zusammensetzt.
Während der Ford-Administration
war Duberstein Stellvertretender Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium und in dieser Funktion verantwortlich für alle legislativen und
zwischenstaatlichen
Handlungen
des
Ministeriums. Ferner war er Direktor
für Kongreß- und zwischenstaatliche
Angelegenheiten bei der General Services Administration der Vereinigten
Staaten.
Davor war Duberstein Assistent
für
Verwaltungsangelegenheiten
des
Präsidenten am Franklin and Marshall
College in Lancaster (Pennsylvania),
wo er im Jahr 1965 den Grad eines
Bachelor of Arts erworben hatte. Ein

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Jahr später erwarb er den Grad eines
M.A. an der American University in
Washington D.C. Ferner war er Praktikant und schließlich Forschungsassistent des zwischenzeitlich verstorbenen Senators Jacob Javits.
Duberstein und seine Frau Sydney
haben drei Kinder.

* * * * *

2 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

23

15. Juni 198(1

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH UND DUKAKIS VERSPRECHEN FAIRE AUSEINANDERSETZUNG
- Die Ergebnisse der Vorwahlen von 7. Juni -

WASHINGTON - (AD) - Michael Dukakis, Gouverneur von Massachusetts, gewann
am 7. Juni mit überwältigendem Ergebnis die Vorwahlen in vier Bundesstaaten
und sicherte sich damit die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und das Recht, Vizepräsident George Bush bei den Präsidentschaftswahlen am 8. November herauszufordern.
In getrennten Interwies versprachen beide Kandidaten eine harte, aber faire Auseinandersetzung, die den Wählern bei den einzelnen Problembereichen echte Alternativen bietet.
Nahezu vollständige Wahlergebnisse aus Kalifornien, New Jersey,
Montana und New Mexiko wiesen für
Dukakis einen Vorsprung im Verhältnis
von etwa zwei zu eins vor seinem Rivalen,
dem
Bürgerrechtler
Jesse
Jackson, auf. Erwartungsgemäß gewann
Bush ohne einen Gegenkandidaten die
Nominierung der Republikaner in allen
vier Staaten.
In der vergangenen Woche errang
Dukakis die Unterstützung von etwa
250 Delegierten für den Parteikonvent
der Demokraten in Atlanta, die sich
entweder noch nicht festgelegt oder
sich an frühere Kandidaten gebunden
hatten, und bei den Wahlen am 7. Juni
fehlten ihm zu der für die Nominierung benötigten Zahl von 2 081 Delegierten noch weniger als 200 Stimmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Er gewann etwa 300 der 466 Delegierten aus den vier Staaten, die als
letzte ihre Auswahl trafen, für sich.
In den letzten zehn Wochen der
Nominierungskampagne
beeindruckte
Dukakis als Gewinner von 14 aufeinanderfolgenden Vorwahlen in den Bundesstaaten. Am 6. Juni, dem letzten Tag
seiner Kampagne in Kalifornien, verbreitete er Optimismus und versicherte, die Demokratische Partei sei in
stärkerem Maße geeint als er in seinem ganzen Leben erlebt hätte. Als
Grund dafür bezeichnete er eine "in
der Luft liegende Siegesgewißheit"
für die Präsidentschaftswahl.
Nach den Ergebnissen vom 7. Juni
erklärte Dukakis, keine großen Unstimmigkeiten innerhalb der Demokra-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tischen Partei zu erkennen. Auf dem
Parteikonvent in Atlanta, "könnte es
einen oder zwei harte Kämpfe geben,
und... einige Problembereiche könnten
zur Sprache kommen".
Jackson, mit dem Dukakis am Vorabend der Vorwahlen privat zusammengetroffen war, versprach, das Thema
Apartheid aufzuwerfen, wenn die von
den Demokraten beim Konvent verabschiedete Erklärung über ihre Ziele
die Regierung Südafrikas nicht als
terroristisches Regime verurteile eine Forderung, die Dukakis als "bedeutungslos" bezeichnete.
Jackson beglückwünschte und lobte
seinen ehemaligen Rivalen und erklärte, Dukakis "bringt Integrität und
Intelligenz
in
den
Öffentlichen
Dienst ein... und dies zeichnet eine
Führungspersönlichkeit aus".
Bei einer Pressekonferenz in Los
Angeles erklärte Dukakis, er werde
bei seiner Suche nach einen geeigneten Vizepräsidenten "seine Netze weit
auswerfen".
Der frühere Präsidentschaftskandidat Senator Paul Simon verwies in
Washington darauf, daß er Dukakis unterstützen werde und drängte seine
etwa 150 Delegierten, das gleiche zu
tun. Aber er erklärte auch, Jackson
verdiene als Zweiter bei der Abstimmung der Delegierten, für die Nominierung zum Vizepräsidenten berücksichtigt zu werden. Gleichzeitig erklärte Simon aber, die Nominierung
sei kein "Freibrief", und fiele dem
Kandidaten
auf
dem
zweiten
Platz
nicht automatisch zu.
Dukakis erhielt auch die Unterstützung
der ehemaligen Kandidaten
Bruce Babbitt und des Abgeordneten
Richard Gebhardt.
Bei den Vorwahlen, in Kalifornien
erhielt Dukakis aus 97 Prozent der
Wahlkreise 61 Prozent der Stimmen vor
Jackson, dem 35 Prozent zufielen.
Von 99 Prozent der Wahlkreise in New
Jersey führte Dukakis mit 63 Prozent

der Stimmen vor Jackson mit 33 Prozent. In Mew Mexico und Montana erzielte er sogar noch bessere Ergebnisse.
Bei den Vorwahlen am 7. Juni wurde Widerstand gegen Bush allein durch
Stimmen für die Kandidaten laut, die
bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten bereis aus dem Rennen sind.
Für den Konvent seiner
Partei im August in New Orleans gewann er die Delegierten aller Staaten.
Der Vizepräsident hat eine e'rste
"Wandlung" vollzogen, mit der er aus
dem Schatten Präsident Reagans heraustritt, dem er siebeneinhalb Jahre
gedient hat. Er erklärte, er hoffe,
das tun zu können, ohne "diesen Präsidenten schlecht zu machen".
In Kalifornien wurde Bush zum
Beispiel von ABC News über Reagans
Kommentar
bei
der
abschließenden
Pressenkonferenz in Moskau befragt,
daß grundlegende Meinungsverscheidenheiten
zwischen
den
Supermächten
"weiterhin in den Hintergrund treten"
und daß sowjetische Sprecher einen
"grundlegenden Wandel in der Politik... und in ihrer Regierung" verzeichnet haben.
Berichten zufolge
antwortete Bush, seiner Ansicht nach
hätten die Sowjets ihre Politik nicht
grundlegend geändert und fügte hinzu,
"meiner Meinung nach ist es noch zu
früh, um ein Urteil zu fällen" was
die Absichten des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow angeht.
Um beim Parteikonvent der Republikaner den Grundstein der Einheit
zu legen, wird Bush am 10. Juni mit
vier seiner ehemaligen Rivalen in
Denver
zusammentreffen.
Auch Bush
wird
seinen Vizepräsidenten wählen
müssen, aber er wird mit der Verkündung seiner Entscheidung wahrscheinlich bis nach dem Treffen der Demokraten warten.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'A

"V

Wirtschaft

6

15. Juni 1983

23

NEUES SYSTEM ZUR BILANZIERUNG DER HANDELSZAHLEN

WASHINGTON - (AD) - Einem am 9. Juni 1988 vom amerikanischen Wirtschaftsministeriun eingeführten neuen System zur Bilanzierung der Handels^ahlen zufolge würde sich das im vergangenen Monat für März 1988 errechnete Handelsdefizit von 9,746 Milliarden Dollar nunmehr auf 11,946 Milliarden belaufen. Den
ersten Eindruck zum Trotz bedeutet dies jedoch nicht, daß das Handelsdefizit
höher liegt als zuvor berechnet.
Dem neuen System zufolge werden
die Zahlen für den monatlichen Import
und Export von Waren saisonbereinigt,
um die starken monatlichen Schwankungen teilweise auszugleichen.
Addiert man jeweils die nichtbereinigten und die saisonbereinigten
Zahlen am Ende eines Jahres, so werden sich die gleichen Gesamtsummen
ergeben. Nur die Verteilung über die
einzelnen .Monate wird sich unterscheiden.
Durch die saisonbereinigte Bilanzierung wird sich Vertretern des
Wirtschaftsrainisteriums zufolge ein
besseres Bild von den Tendenzen in
der Handelsbilanz gewinnen lassen.
Beispielsweise

fiel das nichtbe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

reinigte
Handelsbilanzdefizit
von
13,828 Milliarden Dollar im Februar
auf 9,746 Milliarden Dollar im März.
Oberflächlich
betrachtet
erschein),
dies als eine bedeutende Wende in der
Handelsbilanz. Da die Exporte jedoch
traditionell im Monat März sehr hoch
sind, ist die rückläufige Tendenz
nicht so bedeutend, wie man den Zahlen nach vermuten könnte.
In einem Informationsgespräch mit
Journalisten
erklärte der Staatssekretär
im
Wirtschaftsministeriun
Robert Ortner, auch saisonbereinigt,
sei das durchschnittliche monatliche
Handelsdefizit von 14,3 Milliarden
Dollar in den letzten sechs Monaten
des Jahres 1979 auf 12,5 Milliarden
Dollar in den ersten drei Monaten des
Jahres 1988 zurückgegangen.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Eine saisonbereinigte Bilanzierung der Handelszahlen ist nicht neu;
sie wurde bis 1985 angewendet und
dann aufgrund von Problemen mit der
Datenqualität
eingestellt.
Damals
wurde
vom
Wirtschaftsministerium
festgestellt, daß bis zu 55 Prozent
der verzeichneten Importe tatsächlich
während der voraufgegangenen Monate
eingeführt worden waren. Diese Bilanzierung früherer Handelsdaten in
den Zahlen des letzten Monats wird
als "Übertrag" bezeichnet.
Das Ministerium hat dieses Problem so korrigiert, daß der Übertrag
heute auf etwa drei Prozent zurückgegangen ist. Zusätzlich zur Saisonbereinigung wird das Ministerium die
Handelsdaten des letzten Monats dergestalt überarbeiten, daß auch der
Übertrag berücksichtigt wird, obwohl
diese Berichtigung im Vergleich zur
Saisonbereinigung recht gering ausfallen wird.
Vertretern
des
Wirtschaftsministeriums zufolge erwiesen sich Januar und Februar dieses Jahres aufgrund von Problemen mit den kanadischen Zahlen als Ausnahmen von der
normalerweise geringen Berichtigung
beim Übertrag.
Das Problem ergebe
sich aus der Tatsache, daß Kanada ein
neues System der Zollklassifizierung
einführte.
Das Gesamthandelsdefizit der Vereinigten Staaten im Jahr 1987 wurde
nach Berichtigung der Ubertragszahlen
von 171,217 Milliarden Dollar auf
170,320 und- für 1986 von 156,156 auf
155,137 Milliarden Dollar nach unten
korrigiert.
Schließlich erklärten Vertreter
des
Wirtschaftsministeriums,
daß
trotz der Berichtigung von saisonalen
und Ubertragsfaktoren weiterhin mit
starken monatlichen Schwankungen der
Handelszahlen zu rechnen sei. Zur
Bewertung der zugrundeliegenden Tendenzen bei den Handelszahlen werde
die Berücksichtigung der Daten des
letzten Dreiraonatszeitraums empfohlen.

Die am 9. Juni veröffentlichten
Erklärung des Ministeriums beinhaltet
einen solchen Überblick mit einer Tabelle, die den gleitenden Durchschnitt der saisonbereinigten Daten
innerhalb eines Dreimonatszeitraums
angibt.
Ein gleitender DreimonatsDurchschnitt von" 12,544 Milliarden
Dollar für das Handelsdefizit des Monats März wird auf der Grundlage der
monatlichen Defizite von Januar bis
März berechnet. Der gleitende Durchschnitt für Februar würde sich demzufolge auf den Durchschnitt der Monatsdefizite von Dezember 1987 bis
Februar 1988 stützen.
Diese
gleitenden
DreimonatsDurchschnitte sind in vier der vergangenen fünf Monate gesunken, was
darauf hindeutet, daß die Tendenz des
Handelsdefizits in diesem Zeitraum
rückläufig war.

�Nachfolgend einige besonders wichtige Zahlen:
US-Handelsbilanz
Milliarden Dollar, saisonbereinigt und nichtbereinigt

Saisonbereinigt

Nichtbereinigt

1987
Januar-Dezember

-170,3202

-170,3202

Januar

-14,7330

-14,8211

Februar

-13,5265

-12,2703

März

-13,8243

-12,0913

April

-13,2368

-13,1002

Mai

-14,0744

-13,9128

Juni

-15,0581

-15,2908

Juli

-13,8782

-16,0761

August

-15,0781

-15,3098

September

-13,9350

-13,9754

Oktober

-15,5561

-16,9867

November

-13,6224

-13,4600

Dezember

-13,7972

-13,0259

Januar-März

-37,6317

-34,2731

Januar

-11,2712

-11,5326

Februar

-14,4146

-12,9943

März

-11,9458

-9,7462

1988

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzporträt von Kenneth Duberstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V.ON

*

22. Juni

24

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der
Sowjetunion
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zweiter genetischer Code entdeckt
Konvention über Erschliessung der Antarktis

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
V(0N

Hintergrundmaterial

*

22. Juni L988

24

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DUKAKIS FORDERT ENERGISCHEN UND REALISTISCHEN KURS
GEGENÜBER DER SOWJETUNION
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen von USIA herausgegebenen
Beitrag in einer Reihe von Veröffentlichungen, in denen die amerikanischen
Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre Positionen zur Außenpolitik
und anderen Themen von internationalem Interesse in ihren eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe handelt es sich um den vollständigen
Text einer Ansprache des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael
Dukakis vor dem Atlantic Council am 14. Juni 1988 in Washington:

Vor 40 Jahren erteilte der amerikanische Senat dem Präsidenten den
Auftrag, in einer gemeinsamen Anstrengung mit anderen Nationen deren
Sicherheit und die der Vereinigten
Staaten zu schützen.
Dieser historische Vorschlag, den
der demokratische
Präsident Harry
Truman beantragt hatte, wurde von Senator Arthur Vandenberg - einem Republikaner - unterbreitet. Er wurde
einstimmig verabschiedet. Und er ebnete der NATO den Weg - dem erfolgreichsten Bündnis zu Friedenszeiten
in der Geschichte.
Unser Bündnis muß derzeit - militärisch wie auch politisch - eine
Herausforderung bestehen.
Und zwar
wegen der neuen Führungsspitze in der

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Embassy of the United States of America

Sowjetunion, infolge der Tendenzen
eines
weltverändernden
wirtschaftlichen Wandels, und aufgrund der Notwendigkeit, als Konsequenz aus dem
INF-Vertrag eine gemeinsame Verhandlungsstrategie für nukleare, konventionelle und chemische Waffen zu entwickeln.
In diesem Herbst werden wir einen
neuen Präsidenten der Vereinigten
Staaten wählen. Und in den kommenden
fünf Monaten werden wir eine lebhafte
Debatte über die zukünftige Richtung
unseres Landes führen. Diese Debatte
wird sich mit der Art Führung beschäftigen, die wir benötigen, um den
Wandel zu unserem Vorteil und nicht
zu unserem Nachteil zu nutzen. Wir
werden die Frage erörtern, wie wir
mit wirtschaftlicher wie auch mili-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tärischer Stärke in das nächste Jahrhundert eintreten können.
Und es
wird zur Diskussion stehen, wie wir
gesunden Menschenverstand, Prinzipien
und Respekt für amerikanische Werte
wieder in die Außenpolitik unseres
Landes einbringen können.
Wenn wir uns jedoch mit der Zukunft beschäftigen, sollten wir niemals die Lektionen vergessen, die wir
im und nach dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben. Laßt uns niemals vergessen, welche Stärken wir aus unserer gemeinsamen Verpflichtung - als
Demokraten und Republikaner - für die
grundlegenden Prinzipien von Freiheit
und Demokratie und Achtung vor dem
Rechtsstaat gewonnen haben.
Durch
diese Prinzipien werden unsere Absichten als Nation festgelegt. Dies
sind Prinzipien, die das Fundament
unseres Bündnisses ausmachen.
Und
dies sind Prinzipien, die uns zusammenhalten und unsere Stärke erhalten.
Diese Stärke und Gemeinsamkeit
ist selten deutlicher geworden als in
den vergangenen Wochen. Als Präsident Reagan in Moskau seine Stimme
für die Sache der Menschenrechte und
Demokratie erhob, sprach er für uns
alle hier in den Vereinigten Staaten; für die Hunderte von Millionen
Menschen auf beiden Seiten des geteilten Europa; und für die Milliarden Menschen in der ganzen Welt.
Der INF-Vertrag - das erste Abkommen, das nukleare Waffen nicht nur
kontrolliert, sondern verringert fand bei der breiten Mehrheit des
amerikanischen Volkes Unterstützung.
Er legt Zeugnis ab von der Schaffenskraft eines entschlossenen und geeinten demokratischen Bündnisses.
Seit acht Jahren und im Verlaufe
zweier Administrationen haben wir
Amerikaner und unsere Verbündeten uns
der sowjetischen Aggression in Afghanistan widersetzt; und nun befinden
sich die Sowjets im Rückzug.
Nach vier Gipfeln in drei Jahren
erkennt eigentlich jeder von uns den

Wert regelmäßiger Vier-Augen-Gespräche zwischen den Führern der beiden
Supermächte an. Und wir hegen fast
alle die Erwartung auf einen neuen
und weniger gefährlichen Wettbewerb
mit der Sowjetunion.
Heute aber wollen einige die Zukunft der NATO in Frage stellen, anstatt unsere Einheit zu würdigen.
Einige unter uns sind der Auffassung,
unser Engagement für die NATO würde
sich irgendwie abschwächen und die
Beseitigung nuklearer Mittelstreckenwaffen mittlerer und kurzer Reichweite würde zu einer Änderung amerikanischer Positionen oder einem Nachlassen der amerikanischen Entschlossenheit führen.
Aber all dem kann ich nicht zustimmen.
Unser Engagement für Europa geht
weit über einige hundert Raketen hinaus.
Europas Sicherheit ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit. Darum haben wir über 300 000
Soldaten auf europäischem Boden stationiert; darum werden wir auch weiter die NATO-Doktrin der flexiblen
Reaktion unterstützen.
Unser Ziel ist und bleibt eine
NATO, die so stark und so geeint ist,
daß keine Nation in die Versuchung
geraten könnte, einen Krieg gegen uns
zu beginnen. Und wir glauben, daß
der Friede durch unsere Stärke und
Entschlossenheit
aufrechterhalten
wird.
Die NATO hat seit 40 Jahren ihre
Aufgaben erfüllt.
Dies kann auch
weitere 40 Jahre so bleiben. Allerdings nur, wenn unsere Verbündeten
ihren Beitrag hierzu leisten.
Und
wenn wir damit aufhören, die Dinge im
Alleingang zu bewältigen, wie wir
dies im Verlaufe der vergangenen sieben Jahre allzu häufig getan haben.
Wir sollten niemals wieder radikale
Veränderungen unserer strategischen
Doktrin ankündigen oder entscheidende
neue Positionen bei Verhandlungen
über nukleare Waffen einnehmen, ohne

- 2 -

�zuvor unsere Verbündeten konsultiert
zu haben.
Wir müssen zusammenarbeiten. Und
wenn wir uns den Herausforderungen
der neunziger Jahre dieses Jahrhunderts und denen des kommenden Jahrhunderts stellen, müssen wir ein aktives - kein reaktives - Bündnis
bleiben.
Wir müssen die Initiative ergreifen. Wir müssen gegenüber der Sowjetunion einen energischen, stetigen
und realistischen Kurs verfolgen.
Wir müssen einen koordinierten
Plan zur Beendigung des nuklearen
Wettrüstens und für einschneidende,
beiderseitige und verifizierbare Reduzierungen bei den strategischen
Waffen entwerfen.
Und wir müssen den Warschauer
Pakt dazu drängen, eine Reihe besonderer Schritte zu unternehmen, um das
Risiko eines Krieges in Europa weiter
abzubauen.
Unser Ziel?
Ein Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften, deren Stationierung höhere Sicherheit mit sich bringen und es den
NATO-Partnern gestatten wird, weniger
auf taktische Nuklearwaffen zu vertrauen.
Dazu werden Reduzierungen bei den
Streitkräften erforderlich sein, aber
nicht die von Herrn Gorbatschow erwähnten gleichen Reduzierungen auf
beiden Seiten. Wenn wir die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs so
vollständig wie möglich ausschließen
wollen, müssen wir stärkere Reduzierungen auf der Seite mit den umfangreichsten Streitkräften vornehmen beim Warschauer Pakt.
Solch ein Abkommen wird nicht
über Nacht zustande gebracht. Aber
wir sind stark, beharrlich und einig,
und ich denke, daß erhebliche Fortschritte erzielt werden können.
Der Warschauer Pakt hat bei Pan-

zern und schwerer Artillerie - den
Waffen, die im Hinblick auf einen Offensivschlag
die größte Bedrohung
darstellen - einen erheblichen Vorteil. Und er hat zur Vorbereitung
eines mit chemischen Kampfstoffen geführten Krieges viel mehr getan als
wir.
Aber als Herr Gorbatschow vor
drei Jahren sein Amt antrat, erbte er
zusammen mit all diesen Panzern und
Geschützen ein drittklassiges Wirtschaftssystem. Und er weiß, daß diese Art von Ungleichgewicht nicht aufrechterhalten werden kann.
Seit einiger Zeit spricht er vom
Abbau der Spannungen in Europa; er
hat "ausreichende" Streitkräfte statt
überlegener Streitkräfte ins Gespräch
gebracht; er hat über die Umgestaltung der Streitkräfte zu einer Verteidigungshaltung gesprochen, und er
hat erklärt: "Im Europäiseien Haus
darf sich jede Wohnung gegen Einbrecher schützen, aber nur so, daß dabei
nicht die Wohnung des Nachbarn demoliert wird."
Eine einige NATO kann seine Absichten prüfen. Durch Vorlage eines
detaillierten, phasenweise durchzuführenden Plans für erhebliche Reduzierungen bei den konventionellen
Streitkräften, die bei den einsatzbereiten Panzer- und Artillerieeinheiten des Warschauer Pakts beginnt.
Aber wir brauchen nicht auf ein
umfassendes Abkommen zu warten. In
der Zwischenzeit können wir auch mehrere Schritte unternehmen.
Wir sollten nach neuen Wegen suchen, um zwischen beiden Seiten Vertrauen zu schaffen, etwa durch mehr
Inspektionen von Manövern gemäß der
Vereinbarung von Stockholm.
Wir können das Risiko eines Überraschungsangriffs verringern, indem
wir die Sowjets überreden, einen Teil
ihres modernen Panzergeräts aus Osteuropa und Brückenlegegerät bei ihren
vorne stationierten Divisionen abzu-

- 3 -

�ziehen.
Wir sollten mit den sowjetischen
Spitzenpolitikern offen über die Militärdoktrin, den Aufbau der Streitkräfte und Techniken der Verifizierung reden.
Wir sollten weiterhin mit dem
Warschauer Pakt zusammenarbeiten, um
eine verifizierbare Möglichkeit zur
Abschaffung der Bedrohung chemischer
Kriegführung nicht nur in Europa,
sondern auf der ganzen Welt zu finden.
Wir sollten alles in unserer
Macht Stehende tun, um darauf hinzuwirken, daß die Sowjets ihr beschränktes Kapital in die Reform ihrer Wirtschaft statt in die Aufrüstung
ihres Militärs investieren.
Und wir sollten klarstellen, daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen zur
Sowjetunion von den Fortschritten abhängen, die sie bei der Liberalisierung der Ausreisebestimmungen und
Einhaltung ihrer in der Schlußakte
von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen erzielen.
Kurz gesagt, wir müssen tun, was
wir können, um die Sicherheit unseres
Bündnisses mittels Verhandlungen zu
stärken.
Aber neben den Verhandlungen müssen wir ebenfalls das Bündnis stärken
und dabei bei unseren konventionellen
Streitkräften beginnen.
Die Befehlshaber unserer Streitkräfte haben uns wiederholt vor den
sich uns stellenden Gefahren gewarnt.
Rückstände bei der Instandhaltung
werden größer.
Es bestehen ernstliche Defizite bei luft- und seetransportfähigen Ersatzteilen und Munition.
Dazu ein hochrangiger Befehlshaber der Luftwaffe: "Ende des
Jahres werden wir wohl Flugzeuge ohne
Triebwerke haben."
Wir alle wissen, daß der Verteidigungshaushalt - wie immer die Wahlen auch ausgehen - real nicht ansteigen wird, es sei denn in einem

Notfall. Das heißt, der nächste Präsident wird einige sehr schwerwiegende Entscheidungen darüber treffen
müssen, wofür unsere Mittel aufgewendet werden.
Wir brauchen eine starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung, und wir haben diese starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung.
Aber wir haben weiterhin
ernsthafte Defizite bei unseren konventionellen Streitkräften.
Wir brauchen keine Aufstellung
neuer strategischer Systeme. Wir benötigen eine Verteidigungsstrategie,
die vernünftige Prioritäten setzt,
eine Strategie, die unsere Ressourcen
wirksam einsetzt, eine Strategie, mit
deren Hilfe das Risiko eines Nuklearkrieges und das Risiko eines konventionellen Krieges abgebaut werden
können.
Wir brauchen nicht SDI, sondern
CDI. Wir müssen die von Kongreßabgeordneten vorgeschlagene Konventionelle Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um moderne Technologie für
den Kampf nutzbar zu machen - und um
damit einen konventionellen Krieg gewinnen zu können.
Wir brauchen keine schienengestützten MX-Raketen.
Wir brauchen
eine Panzerabwehrwaffe gegea sowjetische Panzer.
Wir brauchen keine Milliarden von
Dollar für ein Raumflugzeug auszugeben,
das
in
drei
Stunden
von
Washington nach Tokio fliegen kann.
Wir müssen unsere Luft- und Seetransportkapazität ausbauen, damit unsere
Truppen rechtzeitig an einen Konfliktschauplatz gebracht werden können, um eine Schlacht zu gewinnen und
nicht, um ihr nur zuzuschauen.
Es ist an der Zeit, im Bereich
der Verteidigung durchgreifende Entscheidungen zu treffen. Und nach 40
Jahren ist es an der Zeit, mit unseren Verbündeten ehrlich und offen
über etwas zu sprechen, dessen wir

�uns alle bewußt sind - daß die Welt
sich verändert hat. Unsere Pflichten
müssen unserer Fähigkeit zur Erfüllung von Pflichten ebenbürtig sein.
Das amerikanische Volk erwartet von
unseren Verbündeten in Europa - und
es hat das Recht, dies zu erwarten die Übernahme eines fairen Anteils
der wirtschaftlichen wie auch der militärischen Lasten bei der Verteidigung der Freiheit in der ganzen Welt.
Ein wirksamer europäischer Beitrag bemißt sich nicht einfach danach, wieviele Pfund, Franc oder
D-Mark wir ausgeben, sondern darin,
welche militärischen Fähigkeiten wir
mit unseren Investitionen erwerben.
Eine bessere Zusammenarbeit sowohl
innerhalb Europas als auch zwischen
Europa und den Vereinigten Staaten bei Planung, Ausbildung, Forschung
und Entwicklung - können eine stärkere Verteidigung mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln hervorbringen.
Das Thema der Lastenverteilung
stellt aber nur eine der wirtschaftlichen Herausforderungen dar, denen
sich unser Bündnis in den kommenden
Jahren ausgesetzt sieht.
In vier
Jahren wird der europäische Binnenmarkt die Vereinigten Staaten als
größter Verbraucher und größter Produzent des Weltmarkts ablösen.
Der Grat zwischen Handelspartner
und Handelskonkurrent ist beunruhigend schmal. Wenn sich also Schwierigkeiten ergeben, so müssen wir sie
beilegen - und zwar rasch und gerecht.
Ferner müssen wir jede erdenkliche Möglichkeit zur Zusammenarbeit sondieren - den Handel ausbauen,
starke Volkswirtschaften errichten,
in Forschung und Technologie investieren, die den Lebensstandard des
Arbeitnehmers auf beiden Seiten des
Atlantiks erhöhen werden - wie auch
den Lebensstandard der gesamten Weltbevölkerung.
Schließlich muß unser Bündnis
eine Strategie für die Reaktion auf
den Wandel in Osteuropa entwickeln.
Die vergangenen 40 Jahre waren so

grausam für Warschau und Budapest und
Prag, wie sie für Paris und London
und Bonn angenehm waren. Als Ergebnis ist Osteuropa heute ebenso reif
für die Umgestaltung wie die Sowjetunion selbst.
Natürlich können wir nicht mit
Sicherheit vorhersagen, welche Richtung die sechs osteuropäischen Nationen mit ihrer jeweils eigenständigen
geschichtlichen Entwicklung
- und
einer gemeinsamen Last - einschlagen
werden. Wir wissen aber, daß ihre
Zukunft Auswirkungen auf unsere Zukunft und noch mehr auf die unserer
Verbündeten haben wird.
Als Bündnis müssen wir darauf
hinarbeiten,
Forschritte
zu
mehr
Freiheit in Osteuropa zu unterstützen, die Vielfalt zu ermutigen, Veränderungen zu fördern, so daß wir in
fünf Jahren nicht nur eine Diskussion
über Glasnost aus Moskau vernehmen,
sondern über "Offenheit" in OstBerlin und "verejna informace" in
Prag, daß wir eine Diskussion über
Offenheit und erwachende Hoffnung in
der gesamten Region feststellen.
Meine Freunde, wenn wir über Veränderungen in Osteuropa nachdenken,
während wir uns des Anblicks von
Ronald Reagan erinnern, wie er Arm in
Arm mit Michail Gorbatschow auf dem
Roten Platz spazieren ging, ist es
vielleicht wichtig, uns der Tatsache
zu entsinnen, daß Geschichte ein evolutionärer und kein revolutionärer
Prozeß ist.
Wir werden auch weiterhin grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten
mit der Sowjetunion haben. Wir werden weiterhin zu unseren starken und
einigen Bündnissen stehen. Wir müssen weiterhin vorbereitet sein. Und
es wird zwischen uns Meinungsverschiedenheiten geben, so wie dies
auch innerhalb unseres Landes der
Fall ist.
Aber wir haben in vier Jahrzehnten niemals das Ziel aus den Augen
verloren; wir haben die Lehren des

- 5 -

�Zweiten Weltkriegs nicht vergessen;
wir haben nicht zugelassen, daß Meinungsverschiedenheiten uns entzweien
und Irritationen in Zorn umschlagen.
Wir können - und wir müssen - im
selben Geist in die Zukunft schreiten. Denn die Zukunft hängt von uns
ab. Dies galt vor vier Jahrzehnten,
und dies gilt auch heute.

Und wir wissen, wenn wir den
Blick nach vorn richten, daß das
beste Amerika nicht hinter uns liegt;
das beste Amerika liegt noch vor uns.

* * * * *

Wenn wir eine bessere Welt aufbauen wollen, muß unser Bündnis den
Weg weisen, und wenn Amerika stark
ist, müssen wir das Bündnis anführen.
Vor 28 Jahren verkündete ein anderer Sohn von Massachusetts seine
Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. John F.
Kennedy weckete unseren Sinn für das
Mögliche. Er entfachte unseren Idealismus aufs Neue. Und er verstand
den Wesensgehalt nationaler Stärke
und nationaler Sicherheit.

*

"Ich glaube, ein starkes Amerika
ist dasjenige, das die freie Welt
führt", so erklärte er, "nicht nur,
weil wir die Reichsten oder die
Stärksten oder die Mächtigsten sind,
sondern weil wir diese Führungsrolle
für die Sache der Freiheit in der
ganzen Welt ausüben. Weil wir sowohl
agieren als auch reagieren, weil wir
Vorschläge machen wie auch zurückweisen und ... weil wir den Weg des
Friedens gehen."
Meine Freunde, Amerika ist nicht
einfach ein Stück Land oder nur irgendein Land, wir sind eine Nation
der Einwanderer, die hierher kamen,
wo es keine Könige gab, die hierher
kamen, wo es keine Diktatoren oder
Gulags oder Todesschwadronen gab, die
hierher kamen, wo niemand uns sagte,
wo wir zu beten oder was wir zu drukken oder wie wir zu denken hatten.
Wir sind die Erben einer stolzen
und ruhmreichen Vergangenheit. Wir
sind die Teuhänder eines großartigen
und erfolgreichen demokratischen Experiments.
Wir sind Führer, keine
Mitläufer.

f

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2 2 . J u n i 1988

24

ZWEITER GENETISCHER CODE ENTDECKT

Ein
zweiter
genetischer
Code,
d e s s e n E x i s t e n z s e i t langem v e r m u t e t
wurde
und d e r
nur
bei
bestimmten
Schritten
in biologischen
Prozessen
wirksam i s t , wurde am M a s s a c h u s e t t s
I n s t i t u t e of T e c h n o l o g y (MIT) n a c h g e w i e s e n und zum T e i l
entschlüsselt.
Paul Schimmel, P r o f e s s o r
für M i k r o b i o l o g i e , und Ya-Ming Hou, e i n D o k t o rand a u s s e i n e m I n s t i t u t , b e r i c h t e t e n
kürzlich
in
der
britischen
Zeits c h r i f t " N a t u r e " (Ausgabe v . 1 2 . Mai
1988) ü b e r i h r e E n t d e c k u n g .
Der e r s t e , i n den s e c h z i g e r J a h r e n e n t z i f f e r t e g e n e t i s c h e Code s e t z t
entsprechend
den I n s t r u k t i o n e n ,
die
das lange Kettenmolekül
Desoxyribonukleinsäure
(DNS) im Z e l l k e r n
enth ä l t , den Aufbau s p e z i f i s c h e r P r o t e ine a u s Aminosäuren a l s " A r b e i t s m o l e -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

küle" der Z e l l e für d i e Lebensprozesse
i n Gang.
Das j e t z t
entdeckte
z w e i t e System s o r g t d a f ü r , d a ß u n t e r
den zwanzig i n d e r Z e l l e v e r f ü g b a r e n
Aminosäuren d i e j e w e i l s r i c h t i g e Verbindung gefunden
und im wachsenden
P r o t e i n m o l e k ü l an dem vom e r s t e n Code
vorgeschriebenen o r t eingebaut wird.
Eine S c h l ü s s e l r o l l e s p i e l e n d a b e i
die
sog.
Transfer-Ribonukleinsäuren
(t-RNS) im Z y t o p l a s m a , d a s d e n Z e l l kern u m g i b t .
D i e s e b i n d e n d i e Aminos ä u r e n und t r a n s p o r t i e r e n s i e zu den
Ribosomen.
Dabei i s t j e d e r Aminosäur e e i n e t-RNS g a n z b e s t i m m t e r c h e m i scher
Zusammensetzung
zugeordnet.
Bei d e n Ribosomen h a n d e l t e s s i c h um
k l e i n e Z e l l o r g a n e l l e n a u s P r o t e i n und
r-RNS
(ribosonale
Ribonukleinsäure) .
Sie v e r m i t t e l n d i e Verbindung mit der

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�m-RNS
(Boten-Ribonukleinsaure) ,
die
an der - d o p p e l s t r ä n g i g e n - "informat i o n s z e n t r a l e " DNS s y n t h e t i s i e r t wurde und dabei einen bestimmten Abschnitt kopierte.
Nach dem Ablösen
von der M a t r i t z e wanderte s i e durch
die Poren der Kernmembran in das Zytoplasma.
Die von der DNS übernommenen I n formationen für d i e Synthese des Prot e i n s sind bei der in nur einem
Strang vorhandenen m-RNS durch die
Aufeinanderfolge der Nukleotide (Baus t e i n e der Nukleinsäuren) f e s t g e l e g t ,
wobei j e d e s Nukleotid e i n e von v i e r
organischen
Basen
enthält.
Diese
wiederum ergeben a l s s p e z i e l l a r r a n gierte
Dreiergruppen
(als
Triplett
oder Codon bezeichnet)
d i e Anheftung spunkte für d i e s p e z i f i s c h e n Aminosäuren zum Aufbau des Eiweißkörpers.
Die Aminosäuremoleküle können
n i c h t von s i c h aus mit der m-RNS Verbindung aufnehmen, sondern benötigen
dazu das s o g . Anticodon am Ende der
t-RNS, dessen Drei-Basen-Kombination
die Bindung mit dem zugeordneten Codon der m-RNS e r m ö g l i c h t .
Dies ges c h i e h t nach dem e r s t e n g e n e t i s c h e n
Code.
Das andere Ende der t-RNS aber
benutzt den zweiten Code um d i e r i c h t i g e Aminosäure
zu f i n d e n .
Dafür
i s t , wie Schimmel und Ya-Ming Hou e r m i t t e l t e n , e i n s p e z i f i s c h e s Basenpaar
an einem s p e z i f i s c h e n Ort des t-RNSMolekülendes
erforderlich.
Sowohl
das Basenpaar a l s auch s e i n Ort sind
T e i l des Codes.
Er wird von einem
Enzym, d . h . dem bestimmten Typ e i n e s
P r o t e i n s , " g e l e s e n " , das d i e Aminosäure bindet.
Nach Ansicht der W i s s e n s c h a f t l e r
könnte der zweite g e n e t i s c h e Code,
der e i n f a c h e r a l s der e r s t e i s t , d e s sen Vorläufer in der Evolution gewesen und damit ä l t e r s e i n .
Schimmel
bezeichnet das System a l s "ein spektakuläres Beispiel
für
biologische
Logik oder für das von der Natur ben u t z t e l o g i s c h e System.
Je weiter
wir es e n t s c h l ü s s e l n , d e s t o l e h r r e i cher könnte e s für uns werden - s p e -

z i e l l für d i e Konstruktion neuer Computersysteme" .
Dank der neuen E r k e n n t n i s s e e r g i b t s i c h u . a . e i n e zweite S t a t i o n in
der P r o t e i n s y n t h e s e , wo Veränderungen
der
Interpretation
genetischer
Ins t r u k t i o n e n für e i n e Z e l l e möglich
wären.
Dies i s t für d i e Erforschung
bestimmter Erbkrankheiten von großer
Bedeutung - v i e l l e i c h t sogar für Bemühungen, g e n e t i s c h e F e h l e r auszumerzen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

&lt;£

Wissenschaft und Technik

22. Juni 1988

24

KONVENTION ÜBER ERSCHLIESSUNG DER ANTARKTIS

Bislang war nach dem Antarktisvertrag von 1959 die Erschließung von
Bodenschätzen auf dem Weißen Kontinent praktisch tabuisiert. Militärische Aktivitäten sind verboten, Forschung darf betrieben werden.
Vorstöße einzelner Länder, wirtschaftliche Möglichkeiten zumindest zu erkunden, wurden seit acht Jahren durch
ein informelles Moratorium zur Erschließung des Kontinents geregelt.
Am 2. Juni 1988 haben sich jedoch 33
Staaten
in Wellington
(Neuseeland)
über eine Konvention geeinigt, die
das Moratorium ablösen und Maßstäbe
für eine geregelte Erschließung der
Ölund Mineralvorkommen setzen soll.
Der neuen Konvention zufolge muß
von einer Komission der 20 stimmberechtigten Partnerländer des Antark-

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tisvertrages die Öffnung jeder Region
der Antarktis für die Exploration zunächst einmal genehmigt werden. Erst
dann dürfen Öl- und Bergbaufirmen
Lizenzen
zur Exploration
und Erschließung der Bodenschätze in dem
betreffenden Gebiet beantragen. Aufgrund der Konvention sind die Firmen
dann gehalten, einem aus zehn Mitgliedern bestehenden Kontroikomitee,
das für jede Region gebildet wird,
ihre Pläne vorzulegen, Dieses befindet über Genehmigung oder Ablehnung
der Lizenzen und überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Sowohl die
Komission als auch die Kontrollkomitees werden mit Gebühren finanziert,
die die Firmen zu zahlen haben.
Für die Kontrollkomitees ist rotierende
Mitgliedschaft
vorgesehen,

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�jedoch sollen die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion als die Staaten
mit den umfangreichsten Forschungsprojekten
in der Antarktis
darin
ständig vertreten sein. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 16
der wegen ihres Forschungsengagements
20 stimmberechtigten Mitglieder der
Antarktisvertrages (18 weitere Staaten sind dem Vertrag als Beobachter
angeschlossen)
ratifiziert
worden
ist.
Schätzungen
des
R.
Tucker
Scully, Unterhändler der Vereinigten
Staaten bei der Konferenz in Wellington, zufolge werden bis zur Ratifizierung zwei bis drei Jahre vergehen.
Scully zufolge hat bisher noch
keine amerikanische Ölfirma Interesse
an der Antarktis bekundet. Das dürfte auch in naher Zukunft nicht zu erwarten sein. Aber "wir wollten etwas
in der Hand haben, wenn sich Interesse an der Erschließung der Antarktis
zeigen sollte".
Die Signatarstaaten
der Konvention müssen gewährleisten,
daß Firmen ihres Landes, die sich auf
dem
Südkontinent
betätigen wollen,
nicht gegen die Vorschriften handeln.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache vor dem Atlantic Council &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter genetischer Code entdeckt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konvention über Erschliessung der Antarktis</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"4-

"""

Ä«

29. J u n i 1986

25

INHALT

DOKUMENTATION

Carluccl warnt vor Wunschdenken bezüglich der Sowjets
- Ansprache des Verteidigungsministers vor dem
Nationalen Presseclub -

Keine Veränderung bei Einsatzkonzept und Doktrin des
Warschauer Pakts
- Erklärung der amerikanischen Delegation bei MBFR -

HINTERGRUNDMATERIAL

Fortschritte bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und
Weltraumwaffen
- Bericht von ACDA-Direktor B u m s an den Kongreß -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

29. Juni 1988

25
CARLUCCI WARNT VOR WUNSCHDENKEN BEZÜGLICH DER SOWJETS

- Ansprache des Verteidigungsministers vor dem Nationalen Presseclub WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Verteidigungsminister Frank
Carlucci zufolge müssen sich die Vereinigten Staaten vor einer Politik der
"Uberreaktion" und des "Wunschdenkens" bezüglich der Möglichkeit echter Reformen in der Sowjetunion hüten und sich die Tatsache vor Augen führen, da3 sie
nur in begrenztem Maße auf das Geschehen in der Sowjetunion Einfluß nehmer.
können.
In einer Bestandsaufnaheme von "Gipfeltreffen, Sicherheit und dem OstWest-Dialog" erklärte Carlucci in seiner Ansprache vor dem Nationalen Presseclub am 27. Juni 1988: "Die nackte Wahrheit ist, daß unsere Möglichkeiten zur
Einflußnahme auf den Wandel in der Sowjetunion begrenzt sind" und daß wir
"einfach nicht vorhersagen können, welche Auswirkungen dies nach sich ziehen
wird".
Nachfolgend bringen wir die Rede im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute vor den Mitgliedern des
Nationalen Presseclubs sprechen zu
dürfen.
Seit dem Treffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Moskau ist ein Monat
vergangen. Heute möchte ich mit Ihnen gemeinsam die vor uns liegenden
Projekte erörtern - welche Strategie
im Anschluß an den Gipfel am besten
zur Behebung der Spannungen geeignet
ist und der Verbesserung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und der
Verbündeten dient.
Als Augenzeuge des Gipfelprozesses bin ich davon überzeugt, daß unser anhaltender Dialog mit den Sowjets
in Moskau
einen
weiteren

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Schritt nach vorne gekommen ist. Bei
der vierteiligen Tagesordnung konnten
wir in jedem Bereich Fortschritte erzielen - bei den Menschenrechten, bilateralen und regionalen Konflikten
sowie bei der Rüstungskontrolle - die
inzwischen fester Bestandteil unserer
Treffen mit der Sowjetunion geworden
sind.
Das Gipfeltreffen hat auch großes
Interesse an den Entwicklungen geweckt, die zur Zeit in der Sowjetunion stattfinden - und die Hoffnung
genährt, daß der Prozeß des inneren
Wandels positive Auswirkungen auf das
sowjetische Verhalt en im internationalen Umfeld haben möge.
Es besteht kein Zweifel, daß ein
solcher Prozeß in die Wege geleitet

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�worden ist, er ist jedoch noch in
keiner Weise abgeschlossen. Das angemessene Verhalten gegenüber Entwicklungen im Inneren der UdSSR unter
diesen Umständen ist, aufnahmebereit
aber wachsam zu sein.
Ich möchte
Präsident Reagan aus seiner Ansprache
nach dem Gipfel im Rathaus der City
von London zitieren: "Wenn ein ehrlicher Wandel stattfindet, stehen wir
diesem
unvoreingenommen
gegenüber.
Aber wir müssen auch wachsam sein,
wir müssen stark bleiben und wir müssen zuversichtlich sein."
Trotz der Konzentration auf den
Wandel in der UdSSR war der Moskauer
Gipfel in vieler Hinsicht der logische Höhepunkt der seit Jahren von
den Vereingten Staaten verfolgten Politik. Nehmen wir zum Beispiel den
INF-Vertrag: Schon im Jahr 1981 hat
Präsident Reagan die "Null-Lösung"
vorgeschlagen, die als Grundlage für
den heute gültigen Vertrag diente.
Und der Präsident hat auch angesichts
des enormen Gegendrucks, der von einigen amerikanischen wie auch sowjetischen RUstungskontrollexperten auf
ihn ausgeübt wurde, an der Null-Lösung festgehalten. Auch im Bereich
der Menschenrechte können wir Kontinuität verzeichnen.
Die Neuheit,
Präsident Reagan auf dem Roten Platz
zu sehen, sollte nicht die Tatsache
verschleiern, daß er mit denselben
lange bewährten Ansichten zu den
Grundrechten
und
Freiheiten
nach
Moskau gefahren ist und - wie er in
seinen Gesprächen mit sowjetischen
BUrgerrechtlern unter Beweis gestellt
hat - nicht zögert, diese auch zu artikulieren.
Es gibt zahlreiche Anzeichen, die
den zur Zeit in der Sowjetunion
stattfindenden tiefgreifenden Wandel
belegen: lange verbotene Bücher werden jetzt veröffentlicht, politische
Kontroversen und öffentliche Proteste
finden ihren Weg in die offizielle
Presse.
Selbst die Vergangenheit
wird
der
"Reform"
unterworfen:
Stalin wird nun zunehmend kritisiert,
seine Gegner rehabilitiert; und in
den Schulen sind Geschichtsprüfungen

abgesagt worden, während die Schulbücher neu geschrieben werden. Das
andere Kernstück der Reform, die
wirtschaftliche Umstrukturierung, ist
- wenn auch noch nicht sehr weit
fortgeschritten - ein Thema icitensiver öffentlicher Diskussionen. Bei
der Parteikonferenz, die morgen in
Moskau eröffnet wird, könnte sehr
wohl die Rolle der Partei neu definiert werden.
Der Schlüssel im Verhalten zu den
Sowjets liegt heute darin, den Wandel
in der richtigen Perspektive zu sehen.
Die bloße Tatsache, daß ein
Wandel stattfindet, verrät uns noch
nicht, wohin dieser Wandel führen
wird.
Es liegt an uns, den harten Realitäten ins Auge zu blicken, von denen die Grenzen des Wandels definiert
sind - die Umstände, die ihm im Wege
stehen.
Dies bedeutet, sich der
Grenzen sowjetischer Reformen bewußt
zu sein - und unserer eigenen begrenzten Fähigkeiten, die Ereignisse
zu kontrollieren.
Und es gibt Grenzen. Das vorsichtige Tempo der sowjetischen Wirtschaftsreform ist nicht auf Unsicherheit über die Richtung zurückzuführen, die diese Reform einschlagen
muß. Von den politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion wird sehr
wohl verstanden, daß die Hauptursache
für wirtschaftliche Stagnation in der
Kontrolle des Staates zu suchen ist,
und der Schlüsel zur Wiederbelebung
der Wirtschaft liegt in der Lockerung
des staatlichen Zugriffs.
Es gibt
eine Vielzahl von Möglichkeiten, um
dies herbeizuführen: der Staat könnte einige Elemente der Planwirtschaft
abbauen, um Spielraum für den Mechanismus von Angebot und Nachfrage zu
schaffen, oder den Entscheidungsprozeß dezentralisieren. Solche Schritte würden die Wirtschaftsleistung
verbessern, jedoch nur auf Kosten der
staatlichen Kontrolle der Wirtschaft
- und dies ist die politische Barriere, die der Perestrojka im Wege
steht.
Die zentrale Kontrolle ist

- 2 -

�etwas gelockert worden, aber es gibt
keine Anzeichen dafür, daß Perestrojka die Beseitigung des Systems bedeutet. Wie man wirtschaftliche Notwendigkeiten mit der politischen Realität
in
Einklang
bringt
ist
Gorbatschows Problem - und es ist
kein leichtes Problem.
Auch Glasnost, dem zweiten Grundelement des sowjetischen Reformprogramms, sind Grenzen gesetzt.
Es
gibt, wie ich bereits gesagt habe,
eine wirkliche Öffnung - ebenso besteht jedoch der begründete Eindruck,
daß Glasnost ein Fenster ist, das jederzeit wieder geschlossen werden
kann. Wir müssen die Distanz zwischen Glasnost und der Redefreiheit
westlicher Prägung zur Kenntnis nehmen. Gegenwärtig ist Glasnost im engeren Sinne vom Staat beeinflußt und das ist weit von dem entfernt,
was wir unter den Grundrechten freier
Rede und offenen Meinungsaustauschs
verstehen, die vom Staat nicht beschnitten werden können und die wir
schützen müssen.
Alle uns bisher vorliegenden Beweise deuten darauf hin, daß das gegenwärtig in der Sowjetunion durchgeführte Reformprogramm nicht auf eine
Umwandlung des Systems an sich, sondern auf dessen effizientere Gestaltung ausgerichtet ist - auf seine
Wiederzubelebung - ohne Veränderung
der Grundstrukturen von Einparteienherrschaft und Staatskontrolle.
Wir müssen die sowjetische Reform
in der richtigen Perspektive betrachten und gleichzeitig auch die Grenzen
unserer Fähigkeit zur Beeinflussung
der Ereignisse anerkennen. Von einigen Kreisen werden die Vereinigten
Staaten aufgefordert, ihre Politik
neu zu formulieren, um den Erfolg der
sowjetischen Reformen zu ihrem Ziel
zu machen. Ich kann mir keinen gefährlicheren Weg vorstellen, um eine
über das Ziel hinausschießende Politik mit Wunschdenken im Hinblick auf
deren Ergebnis zu kombinieren.
Wir

müssen

klare

Vorstellungen

davon haben, was die amerikanische
Politik leisten kann und was nicht.
In den internationalen Beziehungen
können Festigkeit und Entschlossenheit des Westens das Verhalten der
Sowjets beeinflussen, wie wir bei der
INF-Frage und Afghanistan gesehen haben. Unsere Fähigkeit zur Beeinflussung inneren Wandels in der UdSSR ist
jedoch eine andere Sache. Wir können
auf Veränderungen hoffen, wir können
sie begrüßen, wenn sie zustande kommen. Die nackte Wahrheit ist, daß
unsere Möglichkeiten zur Einflußnahme
auf den Wandel in der Sowjetunion
sehr begrenzt sind. Trotz der unlängst an die Öffentlichkeit gedrungenen politischen Auseinandersetzungen unter führenden sowjetischen Politikern ist die Funktionsweise des
sowjetischen Systems in seinem Innern
- die Fraktionen, die Machtkämpfe,
die verschiedenen Interessen - grundsätzlich immer noch jedermann außerhalb des Kremls unbekannt. Als Ergebnis dessen wissen selbst die politisch Verantwortlichen im Westen
über die Ziele und Absichten der sowjetischen Führung wenig mehr als der
sowjetische Durchschnittsbürger.
Wenn man als Katalysator des Wandels fungieren möchte, besteht eine
große Gefahr:
Wir können einfach
nicht vorhersagen, welche Auswirkungen dies nach sich ziehen wird.
Wenn das Endresultat der Reform
eine weniger expansionistische Sowjetunion ist, die ihre gegenwärtig
für militärische Zwecke eingesetzten
Ressourcen reduziert, die ihr seit
langem verzögertes Versprechen zur
Respektierung der Grundfreiheiten und
Menschenrechte
einlöst, die einem
Dialog mit dem Westen aufgeschlossen
gegenübersteht, dann wird dies ein
Wandel zum Besseren sein. Wenn andererseits das Endprodukt der sowjetischen Umgestaltung nicht mehr als
die Entwicklung - vielleicht sogar
mit westlicher Hilfe - eines stärkeren industriellen Motors ist, um die
sowjetische Militärmaschinerie anzutreiben, dann werden wir es im Westen
mit einer weit gefährlicheren Bedro-

- 3 -

�hung zu tun bekommen als heute.
Die Tatsache allein, daß ein Wandel stattfindet, birgt keinen Hinweis
darauf, ob dieser zum Besseren oder
zum Schlechteren vonstatten geht.
Unser Denken - oder unsere Politik darf nicht von unserem Wunsch nach
Wandel beherrscht werden.
Wie sollen wir also in unseren
Beziehungen mit den Sowjets vorgehen?
Meine Antwort lautet, daß wir den
Kurs, der uns zum Moskauer Gipfel geführt hat, beibehalten sollen.
- Wir müssen ein klares Gefühl für
die Unterschiede behalten, die
das amerikanische und das sowjetische System trennen - selbst,
wenn wir versuchen, diese Unterschiede abzubauen.
- Wir müssen vermeiden, Ursache und
Wirkung zu verwechseln, indem wir
annehmen, daß Spannungen deshalb
existieren, weil wir bewaffnet
sind, wiewohl es tatsächlich so
ist, daß wir bewaffnet sind, weil
die amerikanischen und sowjetischen
Ziele
und
Interessen
Spannungen hervorrufen.
- Zuallererst müssen wir und unsere
Verbündeten uns an unseren eigenen
Sicherheitsbedürfnissen
orientieren.
In der Rüstungskontrolle dürfen
wir beispielsweise nicht vergessen,
daß weniger Raketen nicht gleich mehr
Sicherheit bedeuten. Unser Ziel bei
der Erzielung von Rüstungsreduzierungen besteht darin, die Stabilität auf
niedrigerem Niveau zu erhöhen - nicht
nur, die Waffen zu reduzieren. Wir
können Systeme, die zur Aufrechterhaltung eines soliden Verteidigungspotentials notwendig sind - wie etwa
seegestützte
Marschflugkörper
-,
nicht einfach deshalb preisgeben, um
die Verifizierung eines RUstungskontrollabkommens zu vereinfachen.
Ebenso wichtig
unsere Kontrollen

ist es, daß wir
im Hinblick auf

strategisch
wichtige
Technologien
beibehalten, auch wenn wir danach
streben, die Spannungen mit den Sowjets abzubauen.
In den siebziger
Jahren haben die Vereinigten Staaten
es den Sowjets gestattet, große Mengen an moderner Technologie zu erwerben. Dadurch wurde es ihnen ermöglicht, die seit langem bestehende
Lücke
zwischen
der
militärischen
Technologie der Sowjets und des Westens zu verringern. Durch die Verschärfung der Kontrollen über den
Fluß sicherheitsempfindlicher Technologie hat die Reagan-Administration
diesen Trend umgekehrt. Wir haben es
den Sowjets bedeutend erschwert, die
Früchte westlicher Technologie in
Form von neuen und raffinierteren
Waffensystemen gegen uns zu verwenden. Der Schutz unseres qualitativen
Vorsprungs ist von entscheidender Bedeutung für den Westen, der sich traditionell erheblich auf seine technologische Überlegenheit verläßt, um
den quantitativen Vorsprung der sowjetischen Streitkräfte wettzumachen.
Jetzt ist es nicht an der Zeit,
in unserer Wachsamkeit nachzulassen.
Wir haben allen Grund anzunehmen, daß
die Sowjets unsere Technologie als
einen Weg ansehen, um nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärische Vorteile zu gewinnen.
Aus
besten strategischen Gründen können
wir es uns nicht leisten, dies geschehen zu lassen.
Bei meinen Zusammenkünften mit
dem
sowjetischen
Verteidigungsminister Jasow habe ich mir vergegenwärtigt, daß der Dialog als Selbstzweck wertlos
ist, sondern ausschließlich als Mittel zur Verbesserung unserer Sicherheit. Unsere Gespräche in Bern und vergangenen Monat
in Moskau waren offen - und wie ich
denke, gerade aufgrund dessen - konstruktiv. Wir haben viel dadurch gewonnen, daß wir die Gelegenheit hatten, unsere Meinungsverschiedenheiten
zu bereinigen und Wege zur möglichen
Verbesserung unserer Beziehungen zu
erforschen.

- 4 -

�Aus diesem Grund werde ich Anfang
August zu einem dritten Treffen mit
Minister Jasow nach Moskau zurückkehren.
Wie bei unseren früheren Zusammenkünften wird unsere Tagesordnung
Möglichkeiten zur Vermeidung gefährlicher
militärischer
Zwischenfälle
wie auch die Ausweitung der Kontakte
im militärischen Bereich umfassen.
Darüber hinaus werden Minister Jasow
und ich erneut unseren Dialog über
die Militärdoktrin aufnehmen.
Die
Sowjets erheben weiterhin Anspruch
auf ihren Kurswechsel im Hinblick auf
ein
eindeutig
defensives
militärisches Einsatzkonzept.
Ich für
meinen Teil habe eindeutig dargelegt,
daß die Vereinigten Staaten einen
solchen Kurzwechsel begrüßen würden,
der nach wie vor etwa 15 bis 17 Prozent des sowjetischen BSP verschlingt
- aber daß wir trotz der sowjetischen
Behauptungen keine Veränderungen bei
der sowjetischen Streitkräftestruktur
und keine Verminderung der für das
sowjetische
Militär
aufgewendeten
Ressourcen feststellen können.
Der
zahlenmäßige Vorteil der Sowjets gegenüber der NATO bei Panzern und Artillerie, zusammen mit dem Schwergewicht auf einsatzfähigen Manövergruppen, luft- und seegestützten Streitkräften und Brückenlegegerät zur Unterstützung eines Vorstosses deuten
unzweifelhaft darauf hin, daß die offensive Ausrichtung der sowjetischen
Streitkräfte erhalten bleibt.
Der Schlüssel zur Förderung des
gegenwärtig mit den Sowjets geführten
Dialogs liegt in der Erkenntnis der
Bedeutung von Gesprächen aus einer
Position der Stärke heraus. In dieser Hinsicht
nahm
der Weg zum
Moskauer Gipfel seinen Anfang lange
bevor Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow gegenseitige Besuche in ihren Hauptstädten vereinbarten. Er begann mit dem vor mehr
als sieben Jahren gefaßten Entschluß
Präsident Reagans, Amerikas Verteidigung wiederaufzubaunen.
Wenn die
Vereinigten Staaten dieses Wiederaufbauprogramm nicht durchgeführt hät-

ten, gäbe es meiner Überzeugung nach
heute keinen inhaltsreichen Dialog
mit den Sowjets.
Und die Vereinigten Staaten sind
heute in jeder Hinsicht viel stärker
als noch zu Beginn der achtziger Jahre. Sie alle kennen die wichtigsten
Bestandteile unseres Wiederaufbauprogramms - die Modernisierung unserer
strategischen Triade und unserer konventionellen Streikträfte. Ich nöchte einige ebenso wichtige, aber weniger bekannte Indikatoren unseres verbesserten Verteidigungskonzepts aufführen:
- Wir haben in den vergangenen sieben Jahren mehr als 50 Milliarden
Dollar für Munition und Ersatzteile aufgewendet.
- Wir haben das Material für uasere
Streitkräfte in Europa um 15C
Prozent aufgestockt.
- Wir haben unsere Transportfähigkeiten in der Luft um 18 Millionen Tonnenmeilen pro Tag erhöht das sind 70 Prozent mehr als 1980.
- Die Seetransportfähigkeit ist im
selben Zeitraum um 50 Prozent gestiegen.
Insgesamt haben diese Leistungen
zur Verbesserung der Fähigkeit des
Landes beigetragen, Macht zu dokumentieren und damit eine Aggression abzuschrecken.
Die Anerkennung für die Wiederherstellung von Amerikas Stärke gebührt Präsident Reagan, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk, die den
gefährlichen
Niedergang
amerikanischer Macht erkannt und die Bestrebungen zum Wiederaufbau unterstützt
haben. Aber mit dieser Anerkennung
geht die Verantwortung einher, heute
in unseren Bemühungen nicht nachzulassen und daß dafür auch wirklich
kein Grund besteht.
Nach dem Moskauer Gipfel bin ich
nach Japan und in die Republik Korea

- 5 -

�gereist, um dort mit den Staatschefs
der beiden Länder zusammenzutreffen.
An meinem letzten Tag in Korea habe
ich die Gegend nördlich von Seoul besucht, um die amerikanische Soldaten
zu besuchen, die auf dem sogenannten
DMZ-Streifen Wache stehen - einer der
Grenzlinien, die freie Nationen von
den uns bedrohenden Kräften abtrennen. Von den dortigen Wachtürmen aus
gesehen ist die Bedrohung immer allgegenwärtige Realität - sie ist keine
Theorie, die man allzu leicht übersehen könnte.
Mein Führer war ein Unteroffizier
der US-Armee, James Haie, ein junger
Mann aus Portland in Oregon, der
jetzt
auf
einem Wachturm seinen
Dienst verrichtet, der nur wenige Meter vom feindlichen Territorium entfernt ist. Haie zeigte mir die von
diesem
gefährlichen
Stellungspunkt
sichtbaren nordkoreanischen Posten und noch etwas anderes. Er hat mir
vor Augen geführt, was es ist, das
Amerika und seinen Verbündeten Freiheit und Frieden beschert: Wachsamkeit und Entschlossenheit.
Eben diese Haltung bestimmt unseren Ansatz bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Die politischen Maßnahmen der
vergangenen sieben Jahre haben eine
Grundlage für bessere Beziehungen zur
Sowjetunion geschaffen und die Serie
der Gipfeltreffen hat einen nützlichen Dialog hervorgebracht.
Als
Ergebnis davon sind wir nunmehr in
einer Position, positiv auf echte
Veränderungen in der sowjetischen Politik, beim Einsatzkonzept und Verhalten zu regieren, wann immer diese
auch stattfinden mögen. Auf genau
diese Art und Weise müssen wir die
Beziehungen zur Sowjetunion handhaben: Immer offen für die Aussichten
eines Spannungsabbaus, aber in jedem
Fall entschlossen zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit.
* * * * *

- 6

�AMERIKA DIENST
^7

Dokumentation

&lt;£*

25

29. Juni 19811
KEINE VERÄNDERUNG BEI EINSATZKONZEPT UND DOKTRIN DES WARSCHAUER PAKTS
- Erklärung der amerikanischen Delegation bei MBFR -

WIEN - (AD) - Der Chefunterhändler der amerikanischen Delegation bei der
MäFR-Verhandlungen, Botschafter Stephen Ledogar, erklärte am 23. Juni 1983 bei
eLner Plenarsitzung, die von den Regierungen des V/arschauer Pakts vorgebrachte
Aikündigung eines neuen Engagements für konventionelle Rüstungskontrolle hätte
bii den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverm;nderunger
ii Mitteleuropa (MBFR) keine neuen, konkreten Rüütungskontrollvorschläge hervorgebracht.
Ledogar zufolge bieten die von den Ostblockstaaten unterbreiteten Vorschläge bei den nunmehr 15 Jahre dauernden Gesprächen keine angemessene Verifizierung und "würden damit nicht die Zielsetzungen erfüllen, auf die siel
beide Seiten zu Beginn dieser Verhandlungen geeinigt haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Presseerklärung der amerikanischen
Delegation, der Botschafter Ledogars Rede zugrunde Liegt.
Botschafter Stephen J. Ledogar,
ChefUnterhändler der Delegation der
Vereinigten
Staaten
von
Amerika
sprach heute im Namen der westlichen
Regierungen vor der Plenarversammlung. In seiner Rede verwies er darauf, daß Ost und West diese Verhandlungen seit nunmehr 15 Jahren führen.
Das deutet Ledogar zufolge auf eine
umfangreiche Erfahrung mit Rüstungskontrolle hin, und die westliche Seite ist der Ansicht, daß regelmäßige
Überprüfungen für alle Beteiligten
von Nutzen sind. Der Auffassung des
Westens zufolge bildet der Verhandlungsprozeß selbst einen der wichtigsten Aspekte dieser Erfahrung. Erfolge in der Rüstungskontrolle verlangen von den Unterhändlern harte
Arbeit, einen konstruktiven Ansatz,
Geduld und Phantasie und von ihren

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Regierungan eine feste politische
Verpflichtung. Die Teilnahme allein
reicht nicht aus. Ohne echten Einsatz für die beiderseits vereinbarten
Zielsetzungen und die Entschlossenheit, mit der anderen Seice an der
Verwirklichung dieser Ziele zu arbeiten, werden die Probleme, die zunächst einmal auf beiden Seiten zur
Aufnähme der Gespräche geführt haben,
nicht gelöst.
In diesem Zusammenhang begrüßt
der Westen die öffentliche Ankündigung der Regierungen des Warschauer
Pakts über ihr neues Engagement f U :
die konventionelle Rüstungskontrolle.
Dem Westen wird vermittelt, daß in
Hinblick auf die militärische Lage in
Europa ein neues Zeitalter angebrochen ist, und man hört aus dem Ost-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�block von einer Vielzahl unterschiedlicher
Rüstungskontrollpläne,
Umstrukturierung der Streitkräfte und
Neuformulierung der Doktrin auf der
Basis "defensiver Verteidigungshaltung" und "vernünftigen und ausreichenden Verteidigungsniveaus".
Bis
jetzt hat der Westen jedoch weder
vergleichbare Veränderungen im grundlegenden Einsatzkonzept und der Doktrin des Warschauer Paktes verzeichnet noch bestehen Anzeichen dafür,
daß er seinen erheblichen militärischen Vorteil gegenüber der NATO abbaut.
Ebensowenig haben wir hier
neue, konkrete RUstungskontrollvorschläge vernommen - trotz der Tatsache, daß dieses Forum mit der Berücksichtigung genau dieser Fragen
befaßt ist.
Die westliche Seite ist insbesondere durch das plötzliche Interesse
des Ostblocks am Datenaustausch und
einer vorher dazu abzuschließenden
Vereinbarung neugierig geworden, umsomehr, als der Ostblock als fordernde Partei auftritt - und den Westen
öffentlich ins Gebet nimmt, weil er
auf seine Vorschläge nicht positiv
reagiert. Im Prinzip ist ein Datenaustauch in der Anfangsphase sinnvoll. Beide Seiten würden Datenmaterial vorlegen, vergleichen und verifizieren, so daß eine Einigung über
das bestehende Streitkräfteniveau und
später über die Maßnahmen erzielt
werden könnte, die zur Erlangung der
Zielsetzungen
erforderlich
sind.
Tatsächlich ist dies der Ansatz, den
der Westen bei diesen Verhandlungen
seit vielen Jahren verfolgt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen haben den
Westen davon überzeugt, sich eines
anderen Ansatzes zu bedienen, und
laut Botschafter Ledogar sind sie es
wert, einer erneuten Prüfung unterzogen zu werden.
Beide Seiten haben in den siebziger Jahren Datenmaterial vorgelegt,
die Zahlen wichen jedoch stark voneinander ab. Darüber hinaus war das
höchst allgemeine Datenmaterial unmöglich zu verifizieren und eignete
sich nicht als Grundlage für eine

Statistik und für den Streitkräftevergleich, für die es wohl beabsichtigt war.
Es wurde offensichtlich, daß der
Ostblock das Problem des Datenmaterials als Prozeß für Verhandlungen
über den Umfang der Reduzierungen und
nicht als Bestrebung betrachtete,
eine einheitliche sachliche Grundlage
zu schaffen, auf der bei Verhandlungen über Reduzierungen und Begrenzungen aufgebaut werden konnte.
Der Westen hat als ersten Schritt
zur Beilegung der Differenzen wiederholt einen systematischen Vergleich
einzelner Zahlen von Ost und West
vorgeschlagen. Der Westen hat ebenfalls beantragt, daß beide Seiten
eine Arbeitsgruppe zur Klärung der
Angelegenheiten einrichten sollten.
Der Ostblock hat dies verweigert.
Der Westen versucht auch weiterhin,
das Problem des Datenaustauschs realistisch und flexibel anzugehen - und
er hat seine Position einige Male in
dem Versuch revidiert, dem Ostblock
entgegenzukommen.
Dies geschah zum
Beispiel bei den Gesprächen von 1976
bis 1979 über die Bestimmung der zu
zählenden einzelnen Streitkräfteteile
und bei den beschränkteren Erfordernissen unseres Vorschlags vom Dezember 1979. Dennoch hat der Ostblock
die Sorge des Westens über wenig repräsentatives Datenmaterial als unwesentlich abgetan und sie als absichtliches Hindernis für Fortschritte bezeichnet. Der Ostblock kam zu dem
Schluß, daß der Westen entweder das
strittige Datenmaterial des Ostblocks
akzeptieren oder sich mit einfachen
Stellungnahmen beider Seiten begnügen
müsse, denen zufolge es nach Reduzierungen keine Aufrüstung geben würde.
In dem Bemühen zur Überwindung
dieser Sackgasse beim Datenmaterial
schlug der Ostblock im Februar 1983
vor, jede Seite solle ihre eigenen
Reduzierungen im Hinblick auf allseits gleiche Obergrenzen festlegen.
Der Westen hat daraufhin das Angebot
unterbreitet, von seiner Forderung
nach einer vorherigen Vereinbarung

- 2 -

�über den Datenaustausch abzusehen,
betrachtet aber dennoch den Austausch
detaillierter Zahlen über Streitkräfte als wesentlichen Bestandteil der
Verhandlungen
über
konventionelle
Streitkräfte. Dies steht im Einklang
mit dem Schwerpunkt, den der Westen
auf Ergebnisse und die Stärke der
verbleibenden Reststreitkräfte legt.
Dieser Ansatz fand seinen Niederschlag in unserer Initiative vom Dezember 1985. Der Ostblock hat diese
Initiative jedoch bis auf den heutigen Tag abgelehnt.
Beim NATO-Gipfel im März diese
Jahres haben die Staats- und Regierungschefs der NATO die Zielsetzungen
und Prioritäten für neue Gespräche
über konventionelle Rüstung umrissen.
Sie stellten fest, daß das konventionelle Ungleichgewicht in Europa nach
wie vor das Kernstück der Sicherheitsproblerae in Europa bildet und
das vorrangige Ziel der NATO bei einer erneuten Gesprächsrunde in der
Behebung dieses Ungleichgewichts liege. Der offizielle sowjetische Sprecher reagierte darauf unmittelbar mit
der Feststellung, die Kampfpotentiale
der beiden Bündnisse seien tatsächlich bereits nahezu gleich. Solche
Äußerungen sind ein Hinweis dafür,
daß die beiden Seiten in der Frage
der Truppenstärken noch weit voneinander entfernt sind; für den Westen
sind sie zumindest ein Anzeichen dafür, daß die von den Sowjets beim Kategorisieren und Zählen der Truppen
angewandten Methoden sich von denen
des Bündnisses grundsätzlich unterscheiden.
Abgesehen von dem Problem bei den
Daten ist der Westen jedoch über die
Diskrepanz zwischen dem von der sowjetischen Seite gezeigten neuen Enthusiasmus
für
konventionelle
Rüstungskontrolle und dem hier an den
Tag gelegte Verhalten in höchstem
Maße erstaunt. Die westliche Seite
hat auf eine solche Manifestation in
diesem Bereich nahezu 15 Jahre lang
gewartet und in den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der Westen noch
nicht einmal eine gebührende Antwort

auf seine Initiativen erhalten.
Anstelle dessen haben die Sowjets
vielmehr Vorschläge unterbreitet, die
keine angemessene Verifizierung vorsehen und die daher den von beiden
Seiten zu Beginn dieser Verhandlungen
vereinbarten
Zielsetzungen
nicht
Rechnung tragen. Sie haben sich geweigert, diese Vorschläge zu überarbeiten und auf die grundsätzlichen
Bedenken des Westens einzugehen. Sie
haben es abgelehnt, die westlichen
Vorschläge ernsthaft in Erwägung zu
ziehen oder auch nur konstruktiv darauf einzugehen. Und jetzt unterstüzten die Sowjets in der Öffentlichkeit
"neue" Rüstungskontrollvorschläge im
konventionellen Bereich, die eine
Wiederholung
zahlreicher
Elemente
sind, mit denen wir uns hier in diesem Forum seit Jahren - ohne Erfolg auseinandergesetzt haben.
Man kommt daher zwangsläufig zu
der Schlußfolgerung, daß sich die Sowjets in diesem Forum inkonsequent
verhalten haben. Um nur ein Beispiel
zu nennen: Die Sowjets lehnen die
derzeitige Initiative des Westens als
Grundlage für ernsthafte Verhandlungen ab, da sie eine Reduzierung der
Rüstungen als Teil einer Übereinkunft
in der ersten Phase nicht erforderlich machen würde. Von 1975 bis 1979
hatte der Westen Vorschläge auf dem
Verhandlungstisch, in denen die Rüstungen enthalten waren. Die Sowjets
behaupten ferner, die vom Westen vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
seien übertrieben. Während die Sowjets in diesem Forum dem Vertragsentwurf vom Februar 1986 weiterhin
den Vorzug geben, der nicht angemessen verifiziert werden könnte, behaupten sie an anderer Stelle öffentlich, daß sie bei der Verifizierung
genauer seien als der Westen.
Die Sowjets lehnen die derzeitige
Initiative des Westens auch mit dem
Argument ab, die vorgeschlagenen Reduzierungen seien unbedeutend.
Von
1979 bis 1985 hatte der Westen jedoch
Vorschläge für den anfänglichen Abbau
von 13 000 amerikanischen und 30 000

- 3 -

�sowjetischen Soldaten auf dem Verhandlungstisch, dem eine Reihe stufenweiser Reduzierungen folgen sollte, bis der Gleichstand von 900 000
Luft- und Bodentruppen erreicht ist.
Die Sowjets waren nicht interessiert.
Im Jahr 1984 unternahm die westliche Seite eine Reihe von Schritten,
um den Sowjets entgegenzukommen. Zusätzlich zu etwas gelockerten Bestimmungen über eine vorherige Einigung
in der Datenfrage umfaßten sie auch
die Annahme des sowjetischen Vorschlags, den Gleichstand in einem
kürzeren Zeitraum zu erreichen sowie
des Vorschlags der anderen Seite, die
meisten Reduzierungen in Einheiten
vorzunehmen. Die Sowjets waren nicht
interessiert.
Tatsächlich erfolgten
die negativen Reaktionen genau an dem
Tag, an dem die Initiative des Westens unterbreitet wurde.
Die Initiative der westlichen
Seite vom Dezember 1985 ist seitdem
nicht wesentlich konstruktiver behandelt worden - obwohl sie in einer
Reihe von Punkten den Sowjets gegenüber entscheidende Konzessionen machte.
Es handelte sich hierbei um
sorgfältig erwogene Bemühungen des
westlichen Bündnisses, die Pattsituation dieser Gespräche zu beenden und
zwar basierend auf der Annahme, wenn
beide Seiten einen ersten Schritt unternehmen würden, kämen weitere und
bedeutendere zweifelsohne nach. Dei
Westen ist weiterhin der Überzeugung,
nur ein nüchterner und realistischer
Ansatz bei der Rüstungskontrolle sei
von Erfolg gekrönt. Die Sowjets lehnen diesen Ansatz in diesem Forum
nach wie vor ab. Bei den jüngsten
öffentlichen Stellungnahmen zu diesem
Thema haben die Sowjets außerdem angedeutet, daß sie unter zukünftigen
RUstungskontrollbestrebungen
eher
grandiose Gesten und den alles umfassendenen großen Plan verstehen als
den langfristigen, aufreibenden Prozeß, der sie tatsächlich sind.
Mit dieser Darstellung in der Öffentlichkeit haben die Sowjets dennoch hohe Erwartungen für die Rü-

stungskontrolle der Zukunft geweckt.
Damit haben sie eine ernsthafte Verantwortung übernommen.
Der Westen
begrüßt Absichtserklärungen im Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle, stellt jedoch fest, daß
deren Durchführung echtes Engagement,
Flexibilität und harte Arbeit erforderlich macht.
In seiner jüngsten
Ansprache vor der Sondersitzung der
Vereinten Nationen zu Abrüstungsfragen erklärte der britische Außenminister Sir Geoffrey Howe, der Schlüssel sei Realismus - die Konzentration
auf das Mögliche, nicht das Utopische. Abrüstung mit Worten allein
funktioniere nicht - sie erfordere
vielmehr harte Arbeit, gründliches
Nachdenken, zähe Verhandlungen, Klarheit und Zielstrebigkeit. Der amerikanische Außenminister machte vor
den Vereinten Nationen ähnliche Ausführungen: "Um bei unserem Unterfangen erfolgreich zu sein, müssen wir
unsere Visionen realistisch verwirklichen.
Wunschdenken ist nicht am
Platze...
mitreißende Grundsatzerklärungen sind abgebracht, aber noble
Worte allein können keine konkreten
Taten ersetzen".
Die militärische Konfrontation in
Europa hat zu lange existiert, um
hinweggefegt oder durch Wunschdenken
oder schlichte Rhetorik radikal verändert werden zu können. Wenn wir
über die Teilung zwischen Ost und
West reden, sprechen wir über die
seit Jahrzehnten bestehende Teilung
von Staaten und Völkern. Wir sprechen von tiefsitzendem Mißtrauen. In
diesem Zusammenhang konnten wir in
den vergangenen 40 Jahren in Europa
die stetige Expansion der Militärmacht des Warschauer Pakts beobachten.
Wir konnten auch beobachten,
wie diese Macht Anwendung findet.
Die Verringerung dieser Konfrontation
wird nur schrittweise möglich sein
und Rüstungskontrolle ist nur eines
der Elemente eines umfassenderen Versuchs zur Verbesserung der Ost-WestBeziehungen.
Der Erfolg oder das
Scheitern
der
RUstungskontrollverhandlungen kann jedoch tiefgreifende
Auswirkungen auf den Prozeß als Gan-

- 4 -

�zes haben. Dies macht sie zu einem
außerordentlich ernsthaften Anliegen
und fordert von uns ein Höchstmaß an
Bemühungen, Geduld und Entschlossenheit.

* * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

29. Juni 1988

25

FORTSCHRITTE BEI DEN GENFER VERHANDLUNGEN
ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
- Bericht von ACDA-Direktor Bums an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde, Generalmajor William Bums, berichtete heute von "guten Fortschritten"
bei den Genfer Verhandlungen über die Begrenzung von Atomtests. Genv?insam mit
weiteren Regierungsvertretem legte er dem Unterausschuß des Kongresses für
Auswärtige Angelegenheiten am 28. Juni 1988 seinen Bericht vor.
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Generalmajor Bums im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, seit meiner
Bestätigung als Direktor der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
diesem Unterausschuß meinen ersten
Bericht zu dem außerordentlich wichtigen Problem der amerikanischen Haltung zu Kernwaffenversuchen vorlegen
zu können. Meine Ausführungen werden
sich vornehmlich darauf konzentrieren, wie unsere Haltung zu Atomtests
unsere umfassenden Ziele im Bereich
der nationalen Sicherheit und die damit verbundenen Zielsetzungen bei der
Rüstungskontrolle
unterstützen und
wie unsere Verhandlungen über Kernwaffenversuche sich auf diese Haltung
auswirken. Ich bin der festen Überzeugung, daß ein tragfähiges Atomtestprogramm für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten unabdingbar ist.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Seit dem Zweiten Weltkrieg gründet sich unsere nationale Sicherheit
auf die Strategie der Abschreckung,
die auf Stärke und den sich gegenseitig ergänzenden konventionellen und
nuklearen Waffensystemen beruht. Wie
Sie sicherlich wissen, haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten einen
deutlichen Vorteil gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten im Bereich der konventionellen
Waffensysteme, insbesondere bei Artillerie, Panzern und Landstreitkräften.
Angesichts dieser Bedrohung
bilden die amerikanischen Nuklearwaffen den Eckpfeiler unserer Fähigkeit
zur Abschreckung von Aggression gegen
die Vereinigten Staaten und das westliche Bündnis und sind damit die
treibende Kraft bei der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in

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�der Welt.
Die Glaubwürdigkeit unseres nuklearen Abschreckungspotentials ist
ein direktes Ergebnis unserer nuklearen Versuchsprogramme.
Wir müssen
sicherstellen, daß unsere Nuklearwaffen zuverlässig, sicher und wirksam
sind, wenn sie unseren gegenwärtigen
und
zukünftigen militärischen Anforderungen gerecht werden sollen.
Unsere Erfahrungen mit 43 Jahren nuklearer Abschreckung haben die Notwendigkeit von Versuchen eindeutig
belegt und solange unser Abschrekkungspotential aufrechterhalten werden muß, werden Versuche auch weiterhin erforderlich sein.
Der mit den Versuchen zur Aufrechterhaltung
der
Zuverlässigkeit
unseres nuklearen Bestands geleistete
Beitrag ist unbestreitbar. Seit 1958
ist ein Drittel aller entwickelten
Waffen zur Lösung von Problemen Versuchen im Anschluß an die Stationierung unterzogen worden. Aufgrund von
Versuchen waren wir zum Beispiel in
der Lage, mit großer Aussicht auf Erfolg die Probleme bei dem landgestützten
Marschflugkörper-Gefechtskopf W84 zu lösen. Die permanente
Fähigkeit zur Durchführung von Versuchen ist zur Bewältigung von Problemen erforderlich, die sich mit zunehmender Überalterung unserer Bestände ergeben werden.
Nukleartests gestatten uns auch,
die Sicherheit und Sicherheitsvorrichtungen weiter zu verbessern, die
eine Explosion oder unberechtigten
Gebrauch von Nuklearwaffen verhindern. Zahlreiche Waffensysteme werden zum Beispiel seit neuestem mit
einem unempfindlichen, hochexplosiven
Sprengsatz ausgerüstet, wodurch unsere Chancen beträchtlich erhöht werden, daß unsere Nuklearwaffen selbst
die extremsten Zwischenfälle ohne
eine hochexplosive Detonation überstehen. Versuche sind auch erforderlich, um Vertrauen zu schaffen, daß
Nuklearwaffen ihren Leistungsanforderungen mit dem neuen hochexplosiven
Material gerecht werden.

Um sowjetische Vorteile bei Militärtechnologie und Strategie auszugleichen, müssen wir unseren Waffenbestand modernisieren. Damit unsere
Führungs- und
Kommunikationseinrichtungen vor einem sowjetischen Nuklearangriff geschützt sind, müssen wir
außerdem das nukleare Strahlungsumfeld mit einer tatsächlichen Atomexplosion simulieren.
Die Vereinigten Staaten nehmen zu
den Kernwaffenversuchen eine besonnene Haltung ein. Sie nehmen solche
Tests weder häufiger noch mit höheren
Detonationswerten als nötig vor. Unser Testprogramm steht seit jeher im
Einklang mit dem Vertrag zur Begrenzung von Kernwaffenversuchen aus dem
Jahr 1963. Ferner haben wir die in
dem im Jahr 1974 unterzeichneten, jedoch nicht ratifizierten Schwellenvertrag (TTBT) definierte Obergrenze
für den Detonationswert von 150 Kilotonnen eingehalten.
Jegliche
Testbegrenzungen,
die
noch restriktiver als die im TTBT
niedergelegten ausfallen, können nur
in Zusammenhang mit einem integrierten und umfassenden Konzept der atomaren und konventionellen Rüstungskontrolle erwogen werden.
Es ist
naiv, anzunehmen, daß Testbegrenzungen allein zur Lösung der schwierigen
Probleme des RüstungskontroLlprozesses beitragen können. Ein umfassendes Testverbot wird nicht zwangsläufig zu einer Reduzierung der Kernwaffen führen.
Stattdessen würde ein
solches Verbot im heutigen Umfeld des
Vertrauens auf atomare Abschreckung
wahrscheinlich zu verstärkter Unsicherheit führen, da der Verzicht auf
Tests das Vertrauen in diese Abschreckung untergraben und deshalb
einer Reduzierung der atomaren Arsenale eher abträglich sein würde. Wir
sollten zunächst wirksame und verifizierbare Rüstungskontrollvereinbarungen aushandeln, die eine Reduzierung
der Anzahl von Waffen auf beiden Seiten vorsehen und Vertrauen schaffen,
daß beide Seiten diese Vereinbarungen
einhalten.
Weitere
Beschränkungen
für Kernwaffenversuche sind nur im

- 2 -

�Zuge eines verringerten Vertrauens
auf
Kernwaffen
zur
Abschreckung
zweckmäßig.
Deshalb haben die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in einer
gemeinsamen Erklärung vom 17. September 1987 ihre Übereinkunft verkündet,
umfassende, stufenweise Verhandlungen
über die Begrenzung von Kernwaffenversuchen aufzunehmen. Die formellen
Verhandlungen begannen im November
1987 in Genf.
Wir haben mit den Sowjets als ersten Schritt vereinbart, wirksame Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag (1974) sowie den Vertrag
über Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken [PNET] (1976) auszuhandeln,
die beide unterzeichnet, aber nicht
ratifiziert wurden.
Sobald unsere
Bedenken in bezug auf die Verifizierung beigelegt und die Verträge ratifiziert sind, werden die Vereinigten
Staaten dieser Übereinkunft zufolge
bereit sein, mit der Sowjetunion Verhandlungen über Möglichkeiten aufzunehmen, ein stufenweises Programm der
Begrenzung von Kernwaffenversuchen in
Zusammenhang mit einem Parallelprogramm zur Reduzierung und letztlichen
Beseitigung aller Kernwaffen durchzuführen.
Bei den TTBT/PNET-ProtokollVerhandlungen machen wir gute Fortschritte.
Sowohl die Sowjets als
auch wir haben Protokollentwürfe für
beide Verträge vorgelegt. Zusätzlich
verständigt-or» sich Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow beim
Washingtoner Gipfel im Dezember 1987
auf die Durchführung von gemeinsamen
Verifizierungsexperimenten
auf
dem
Testgelände der jeweils anderen Seite. Das gemeinsame Verifizierungsexperiment wird Möglichkeiten zur Messung des Detonationswertes einer einzelnen Kernexplosion auf jedem der
beiden Versuchsgelände bieten, wobei
jeweils die von beiden Seiten vorgeschlagenen Methoden
zur Anwendung
kommen. Mit Hilfe dieses Experiments
werden wir der Sowjetunion die von
ihr zur Annahme der von amerika-

nischer Seite routinemäßig angewandten CORRTEX-Methode benötigten Informationen liefern. CORRTEX ist unseres Erachtens die genaueste, unaufdringlichste Technik zur Verifizierung des Detonationswertes von Kernexplosionen.
Während einer der entscheidenden
Gesichtspunkte bei Verhandlungen über
Kernwaffenversuche die wirksame Verifizierung ist, so ist diese sicherlich nicht das einzige Kriterium bei
der Entscheidung, ob weitere Beschränkungen im nationalen Interesse
der Vereinigten Staaten liegen, wie
in meiner Erklärung zum Ausdruck
kommt. Deshalb ist die Prämisse, daß
weitere Fortschritte bei der seismischen Verifizierung schon irger.dwie
den Weg zu einem umfassenden Testverbot freimachen werden, wie dies von
einigen Kongreßmitgliedern unter Verweis auf den OTA-Bericht (OTA =
Office of Technology Assessment = etwa "Amt für Technologiebewertung")
über
"Seismologische
Verifizierung
von Verträgen über Kernwaffenversuche" behauptet wird, unbegründet.
Ferner zeigen alle bis heute gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse, daß seismologische Methoden
für die wirksame TTBT-Verifizierung
unzureichend sind, und - wie Botschafter Robinson noch verdeutlichen
wird -, deshalb hat sich- die Administration notwendigerweise auf die Erlangung einer wirksamen Verifizierung
des TTBT und des ihn begleitenden
PNET als Hauptanliegen in Bereich der
Kernwaffenversuche konzentriert.
Die Notwendigkeit wirksamer Verifizierung ist offensichtlich, wenn
man die sowjetische Bilanz der Einhaltung des TTBT prüft. Im vergangenen Jahr kam die Administration nach
sorgfältiger und umfassender Diskussion im Hinblick auf die 150 Kilotonnen-Schwelle des TTBT zu dem Schluß,
daß
"wahrscheinliche
Verletzungen"
der rechtlichen Verpflichtungen gemäß
TTBT stattgefunden haben.
Ferner
verstärkt die Gesamtbeweislage die
Erkenntnisse der Vergangenheit über

- 3 -

�wahrscheinliche Verletzungen des TTBT.
Die den niedrigen Schwellen beim
Detonationswert oder einem Vertrag
über ein umfassendes Atomtestverbot
(CTB) immanenten Verifizierungsprobleme bereiten größere Schwierigkeiten als der Schwellenvertrag.
Mit
abnehmendem Detonationswert steigen
die Schwierigkeiten bei der Überwachung und die Möglichkeiten für Vertragsumgehungen. Darüber hinaus gibt
es mehr Anreize für Täuschungsversuche.
Legt man die Möglichkeiten
der Umgehung zugrunde, würden die Sowjets von unentdeckten oder unklaren
Verletzungen eines CTB oder einem
niedrigen Detonationswert profitieren; die Kernwaffenarsenale können
effektiver unterhalten werden, und
sie könnten mehr Vertrauen in ihre
Fähigkeit zur Aufrechterhaltung und
Verbesserung ihres Kernwaffenarsenals
gewinnen. Für die sich strikt an ihre vertraglich
eingegangenen Verpflichtungen
haltenden
Vereinigten
Staaten wird es zunehmend schwierig,
angesichts niedrigerer Detonationswerte den militärischen Notwendigkeiten
der
Aufrechterhaltung
einer
glaubwürdigen Abschreckung gerecht zu
werden.
Der Schlußsatz in der Einleitung
der Zusammenfassung des OTA besagt:
"Ein solcher Vertrag (sehr niedrige
Schwelle oder CTB) könnte immer noch
im nationalen Interesse liegen, wenn
unter
Berücksichtigung
seismologischer und nichtseismologischer Verifizierungsmethoden
die
Bedeutung
unentdeckter Verletzungen von den
Vorteilen eines solchen Vertrages
aufgewogen würde."
Meiner Ansicht
nach wird diese Situation nicht eintreten, solange unser Land auf eine
glaubwürdige
nukleare
Abschreckung
vertraut.
Was andere Teile des OTA-Berichts
betrifft, so ist es schwierig, besondere Diskussionspunkte in einem Dokument aufzugreifen, dessen Tenor sehr
wirkungsvoll zur Einseitigkeit des
Berichts beiträgt. Zum Beispiel ist
die von den Autoren in dem Teil der

Zusammenfassung, der sich mit der
Vertragseinhaltung beschäftigt, vertretene Auffassung, "die Sowjets beachten Begrenzungen des Detonationswertes im Rahmen der Beschränkung auf
150 Kilotonnen
laut Schwellenvertrag", nur der Teil eines Zitats, dem
im Original hinzugefügt ist: "Trotz
der statistischen Unsicherheit bei
der Schätzung des Detonationswertes
und Unklarheiten bei der Übertragung
amerikanischer Erkenntnisse auf das
sowjetische Versuchsgelände ist jedoch die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß einige der sowjetischen Tests über der Grenze lagen."
Ein weiteres Beispiel ist die gewagte Behauptung im Teil über Verifizierung von TTBT und PNET: "Bei der
Einteilung des sowjetischen Testgeländes in Raster und Anwendung moderner seismologischer Methoden könnte
der Unsicherheitsfaktor bei der seismologischen Schätzung
des Detonationswerts auf einen mit CORRTEX vergleichbaren Stand reduziert werden."
Im Hinblick darauf sind Versuche unternommen worden, aber es handelt
sich hierbei immer noch um einen Forschungsgegenstand und nicht um eine
erprobte Methode.
Daher ist eine
solche, nicht von technischen Erfahrungen untermauerte Hypothese für den
Laien und auch für manche Experten in
gefährlichem Maße irreführend.
Insgesamt zerstört die Abschaffung der Tests ohne Abschaffung der
Notwendigkeit von Nuklearwaffen die
Glaubwürdigkeit
unseres
Abschrekkungspotentials und untergräbt unsere
Fähigkeit, wirksame und verifizierbare RUstungskontrollabkommen auzuhandeln. Meiner Ansicht nach haben die
Rüstungskontrollinitiativen des Präsidenten in den vergangenen acht Jahren die Erhaltung der Stabilität und
eine starke, glaubwürdige Abschrekkungsfähigkeit betont.
Der Erfolg
des für die Rüstungskontrolle vom
Präsidenten verfolgten Ansatzes tritt
durch den Abschluß des INF-Vertrages
zutage.
Im Bereich der Atomtests
wird sein Erfolg insofern sichtbar,
als er nicht zu unrealistischen Vor-

�schlagen im Hinblick auf eine atomwaffenfreie Welt geführt hat, sondern
dazu, daß die Sowjets einen konstruktiven, praktischen und methodischen
Ansatz für Verhandlungen über Atomtests akzeptiert haben.

* * * * *

i

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci warnt vor Wunschdenken bezüglich der Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Verteidigungsministers vor dem&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nationalen Presseclub&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Veränderung bei Einsatzkonzept und Doktrin des&lt;br /&gt;Warschauer Pakts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der amerikanischen Delegation bei MBFR&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht von ACDA-Direktor Burns an den Kongreß&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

&lt;*

26

6. J u l i 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Aktion Im Golf diente der Selbstverteidigung

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush verspricht Außenpolitik des "Friedens durch Stärke'
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco -

*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Strategie im Kampf gegen HIV Epidemie
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen

* * * * * *

United States Information Service
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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Dokumentation

Ä&lt;

26

6. Juli 19S8
REAGAN:

AMERIKANISCHE AKTION IM GOLF DIENTE DER SELBSTVERTEIDIGUNG

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß WASHINGTON - (AD) - In seinem Schreiben an den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten pro tempore vom 5. Juli 1988 erklärte Präsident Reagan, die von den amerikanischen Streitkräften als Erwiderung
auf den Angriff iranischer Schnellboote im Persischen Golf durchgeführte Aktion, bei der es bedauerlicherweise zum Abschuß eines iranischen Zivilflugzeuges kam, "wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung durchgeführt".
Der Präsident erläuterte in seinem Schreiben: "wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl amerikanische Streitkräfte weiterhin in Bereitschaft bleiben werden, um zusätzliche Verteidigungsaktionen zum Schutz unserer
Einheiten und desraililtärischenPersonals durchzuführen". Reagan wiederholte
in seinem Brief das tiefe Bedauern der Vereinigten Staaten über "den tragischen Verlust von Menschenleben" am 3. Juli.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Briefes:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Präsident,
Am 3. Juli 1988 befanden sich die
USS VINCENNES und die USS ELMER
MONTGOMERY in internationalen Gewässern im Einsatz - im Persischen Golf
in der Nähe der Straße von Hormus.
(Am 2. Juli hatte die MONTGOMERY das
Notsignal
eines
von
iranischen
Schnellbooten angegriffenen dänischen
Tankers beantwortet und einen Warnschuß abgegeben, woraufhin der Angriff
abgebrochen
wurde.)
Der
VINCENNES lagen Anzeichen dafür vor,
daß sich etwa ein Dutzend iranischer
Schnellboote zum Angriff auf Handelsschiffe formierten, und sie entsandte
einen Hubschrauber des Typs Mark III
LAMPS zum Zweck der Lagebeurteilung
zu einem Patrouillenflug in den in-

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ternationalen Luftraum. Um 10.10 Uhr
Ortszeit (im Golf) wurde dieser von
iranischen Schnellbooten beschossen,
als er sich bis auf vier Seemeilen
näherte (die VINCENNES befand sich zu
dieser Zeit etwa zehn Seemeilen vom
Schauplatz des Geschehens entfernt).
Der LAMPS-Hubschrauber wurde nicht
beschädigt und kehrte sofort auf die
VINCENNES zurück.
Als sich die VINCENNES und die
MONTGOMERY den iranischen Schnellbooten um etwa 10.42 Uhr Ortszeit (im
Golf) näherten, nahmen mindestens
vier Schnellboote Kurs auf die amerikanischen Kriegsschiffe und begannen
mit deren Einkreisung.
Zu dieser
Zeit eröffneten beide amerikanischen
Schiffe das Feuer auf die Schnellboote, wobei zwei versenkt und ein drit-

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�tes getroffea wurde. Bedauerliche)—
weise wurde im Verlauf der amerikanischen Erwiderung das iranischen Augriffs von der VIKCENNES ein iranischej: Zivi lf .ugzeug abgeschossen,
die zum Zweck ihrer Selbstverteidigung ein Objekt beschoß, das sie für
ein feindliches iranisches Kampfflugzeug hielt.
Wir bedauern zutiefst
den tragischen Verlust von Menschenleben.
Das Verteidigungsministerium
wird eine eingehende Untersuchung
durchführen.
Die
von
den
amerikanischen
Streitkräften a .s Erwiderung auf den
Angriff iranischer Schnellboote im
Persischen Golf durchgeführte Aktion
wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung
durchgeführt, gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen und im
Rahmen meiner verfassungsmäßigen Autorität im Hinblick auf die Wahrnehmung der auswärtigen Beziehungen und
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Es gab keine weiteren feindlichen
Aktionen
der
iranischen
Streitkräfte, und wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl
amerikanische Streitkräfte weiterhin
in Bereitschaft bleiben werden, um
zusätzliche Verteidigungsaktionen zum
Schutz unserer Einheiten und des militärischen Personals durchzuführen.
Auf seiten der amerikanischen Streitkräfte gab es keine Verluste oder
Schäden.
Seit März 1987 haben Mitglieder
meiner Regierung und ich im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Persischen Golf und den Aktivitäten der
amerikanischen Streitkräfte in der
Region dem Kongreß Briefe und Berichte zugeleitet, Informationsgespräche
geführt und Reden gehalten.
Gemäß
meinem Wunsch, daß der Kongreß auch
weiterhin
in dieser Angelegenheit
vollständig informiert sein soll, lege ich diesen Bericht im Einklang mit
der Resolution über die Kriegsvollmacht vor. Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß an unserem gemeinsamen, vorrangigen Ziel des Friedens und der Stabilität im Persischen
- 2

Golf gerne entgegen,
Hochachtungsvoll
(gez.) Ronald Reagan

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Juli 1980

26

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH VERSPRICHT AUSSENPOLITIK DES "FRIEDENS DURCH STARKE"
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihre eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe bringen wir
Auszüge aus einer am 29. Juni 1988 gehaltenen Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush vor dem World Affairs Council in San Francisco, in der dieser die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten und der Politik des Friedens durch Stärke fordert. Obwohl
Raum für "gedämpften Optimismus" bestehe, erklärte Bush, "ist der Kalte Krieg
noch nicht vorüber".
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte mit drei kleinen Geschichten beginnen, drei Episoden aus
meiner Erfahrung als Vizepräsident,
die - wie Schnappschüsse in einem Fotoalbum - eine längere Geschichte erzählen, in diesem Fall die Geschichte
unserer Vision von der Außenpolitik
der Vereinigten Staaten, ihrer Durchführung und ihrer Ziele.
Die erste Geschichte spielt in
Wien im Jahr 1983, der letzten Station einer Reise, die mich in die
Hauptstädte Jugoslawiens, Ungarns und
Rumäniens geführt hatte, hinter ein
Gebilde, das wir so anschaulich als
den "Eisernen Vorhang" beschreiben.
In einer Rede in der Hofburg sprach
ich von der unnatürlichen Teilung Europas, von der Mauer, die das Herz
dieses Kontinents durchschneidet und

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nicht nur den hinter ihr gefangengehaltenen Menschen Gewalt antut, sondern alle Normen des menschlichen Anstands verletzt.
Ich erklärte damals, wir könnten
"eine legale Teilung Europas nicht
anerkennen" und würden uns mit einem
solch grundlegenden moralischen Unrecht nicht arrangieren. Denjenigen,
die von "Realpolitik" sprachen, antworteten wir, daß sich die einzig
wahre Form des politischen Realismus
auf das beständige Engagement für die
amerikanischen Ideale der Freiheit
und Demokratie gründet, und daß die
Preisgabe dieser Ideale hieße, die
Ziele Amerikas - das hieße, Amerika
selbst - preiszugeben.
Wir würden
weiterhin, so sagte ich damals, alle
Parteien des Abkommens von Jalta -

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�das freie Wahlen und Selbstbestimmung
für alle Staaten Europas, Ost und
West, garantierte - beim Wort nehmen.
In jener Rede brachte ich auch zum
ersten Mal die amerikanische Politik
der Differenzierung zum Ausdruck
eine aktive Politik, um die Länder
des Ostblocks zu ermutigen, ihre Haltung zu ändern, zu beginnen, ihre geschlossenen Gesellschaften zu öffnen
und mehr Unabhängigkeit von der sowjetischen Linie anzustreben.
Bild 2: Krefeld in der Bundesrepublik Deutschland, etwas später im
selben Jahr. Das Auto, in dem Bundeskanzler Kohl und ich sitzen, wird
von Demonstranten angegriffen und der
Bus mit unserem Begleitstab mit Steinen beworfen. Die Demonstranten protestieren gegen die geplante Stationierung der Pershing-Mittelstrecjcenraketen in Europa. Zum Glück wurde
niemand verletzt und wir entkamen mit
lediglich ein paar zerbrochenen Fenstern und einigen schockierten Mitarbeitern. Zu jener Zeit konnten wir
nicht sicher sein, daß die NATO ebenso intakt bleiben würde.
Als Reaktion auf die einseitige,
durch die Einführung der sowjetischen
SS-20 in Osteuropa hervorgerufene Eskalation hatten die Verbündeten sich
auf eine zweigleisige Politik von
Verhandlungen und damit einhergehenden Stationierungen geeinigt.
Die
Sowjets verfolgten jedoch ihre eigene
Doppelstrategie - Blockierung der
Verhandlungen und Ausübung all des
ihr zur Verfügung stehenden politischen Einflusses, um das Bündnis zu
entzweien und uns an der Stationierung zu hindern.
Kaum ein Monat
schien zu vergehen, ohne daß in irgendeiner
europäischen
Hauptstadt
eine Massendemonstration gegen die
amerikanischen
Raketen
mobilisiert
wurde. Die Grünen in der Bundesrepublik Deutschland, die Labor Party
in England, verschiedene Parteien in
den Niederlanden und Dänemark sowie
einige in unserem Land übten enormen
Druck für ein "Einfrieren" der Potentiale aus, das den sowjetischen Vorteil festgeschrieben und die INF-Ver-

handlungen zum Scheitern verurteilt
hätte. Die Sowjets hatten 1 000 Gefechtsköpfe gegen den Westen in Stellung gebracht. Der Westen hatte Mull
Gefechtsköpfe gegen den Osten stationiert.
Der sowjetische Plan sohlen zu
funktionieren: Die Europäer bekamen
den Druck zu spüren und wurc.en immer
unsicherer, ob sie den politischen
Folgen der Stationierung standhalten
könnten. Sie mußten von der Verläßlichkeit
der
Vereinigten
Staaten
überzeugt werden, davon, daß wir die
Verpflichtung
zur
Stationierung
ernstnahmen und bereit waren, sie umzusetzen. Sie konnten es sich nicht
leisten, das Risiko einzugehen, daß
wir ihnen den Boden unter cen Füßen
wegziehen könnten, wie dies die vorherige Administration bei der Absage
an die Neutronenbombe getai hatte.
Das war meine Aufgabe in Europa.
Bei unserer Rückkehr war ich ein
wenig überrascht, ein Lob von ungewohnter Stelle zu bekommen - ein
Leitartikel in der Washington Post
verkündete:
"George schafft es."
Natürlich spielte auch der Außenminister eine wichtige Rolle. Zum Erfolg führte schließlich die Entschlossenheit des Präsidenten und das
standhafte Engagement der gesamten
Administration. Da sie dieses Engagements versichert waren, führten die
Verbündeten die Stationierung wie geplant durch. Endlich gaben auch die
Sowjets ihre Taktik der Verzögerung
und Einschüchterung auf - und zusammen unterzeichneten wir schließlich
den ersten Vertrag in der Geschichte,
durch den eine gesamte Kategorie von
Atomraketen nicht nur reduziert, sondern gänzlich beseitigt wird.
Bild 3:
San Salvador im Jahr
1983, die Residenz von Präsident
Magana, im Hintergrund kann man den
Lärm des Krieges hören. Vom Balkon
seines schwer bewachten Hauses waren
die Berge zu sehen, in denen es kurz
zuvor zu schweren Kämpfen zwischen
der salvadoranisehen Armee und der
Guerrilla gekommen war.

- 2 -

�Kurze Zeit zuvor hatte das Volk
von El Salvador In zwei Wahlen mutig
den Kugeln und Todesdrohungen der
Kommunisten widerstanden und war in
Rekordzahlen an die Wahlurnen geströmt, um mit überwältigender MehrheLt für die Demokratie zu stimmen gerade als die Demokratie in höchster
Gefahr schwebte. Mit Hilfe der Kubaner steigerte die Regierung der kommunistischen Sandinisten in Nicaragua
ihren Waffennachschub an die Kommunisten in El Salvador weiter. Auf die
Intensivierung des Linksterrorismus
reagierte die Rechte mit wiederauflebender Aktivität der Todesschwadronen, und da es schien, daß einige Militärs daran beteiligt sein könnten,
stoppte der Kongreß die Hilfe für die
zerbrechliche neue Demokratie.
Ohne die Hilfe der Vereinigten
Staaten war das Schicksal El Salvadors eindeutig vorgezeichnet - ein
kurzes, blutige Intermezzo sich steigernder Gewalttätigkeit auf der Linken und auf der Rechten, bevor das
zerrissene und übel zugerichtete Land
für immer dem Zugriff des sowjetischkubanischen Lagers anheimfallen würde, ein weiteres Nicaragua auf dem
amerikanischen Festland.
In der Residenz von Präsident Magana führte ich Unterredungen mit
führenden Vertretern von Regierung
und Militär. Das Ziel unserer Administration bestand darin, in unzweifelhaften Formulierungen klarzustellen, daß sie ihr eigenes Haus in Ordnung bringen mußten, daß entweder die
Todesschwadronen ihre Handlungen oder
die Vereinigten Staaten ihre Hilfe
einstellten. Sie hatten die Wahl.
Nachdem sie des amerikanischen
Engagements nochmals versichert worden waren, wurden die demokratischen
Kräfte in El Salvador gestärkt, die
gewalttätige Rechte in großem Maß unterdrückt, und der Kongreß verabschiedete die Hilfe.
Für El Salvador begann ein neues
Zeitalter, und
der heute schwer
krebskranke Napoleon Duarte wies den

Weg. Ich habe ihn kürzlich im Krankenhaus besucht und mußte dabei an
die dramatischen Fortschritte zur Demokratie denken, die in El Salvador
erzielt worden waren.
Ich fragte
mich, ob die Welt diesem noblen und
heroischen Mann jemals die Anerkennung zuteil werden lassen wird, die
er verdient.
Ich erzähle diese drei Episoden,
weil jeder ein gemeinsamer Tenor zugrundeliegt - die Notwendigkeit amerikanischer Stärke, Verpflichtung und
Entschlossenheit. Es sind drei Fallstudien in den Annalen des Friedens
durch Stärke, Beweise dafür, wie die
Vereinigten Staaten in den vergangenen acht Jahren die manchmal so bezeichnete "Kräftekorrelation" dramatisch zu ihrem Vorteil umgekehrt haben, so daß heute die Freiheit, die
sich einstmals in der ganzen Welt auf
dem Rückzug befand, jetzt wieder auf
dem Vormarsch ist.
Wir sollten die durch amerikanische Schwäche gegen Ende der siebziger Jahre hervorgerufene Vertrauenskrise niemals vergessen. Eine unstete Außenpolitik, die ihre moralische Richtung verloren zu haben
schien, rief die Verachtung unserer
Feinde wie auch unserer Freunde hervor. Während der Kongreß ständig unsere militärische Einsatzbereitschaft
für innenpolitische Ausgabenprogramme
opferte, wurden unsere Streitkräfte
gefährlich schwach. Ich werde nicht
noch einmal die inzwischen weithin
bekannte
Litanei
aufzählen:
von
Flugzeugen, die wegen Ersatzteilmangel nicht fliegen konnten, Schiffen,
die aufgrund von Treibstoffmangel ihre Häfen nicht verlassen konnten und
der schwer angeschlagenen Moral unserer Soldaten.
Während die Sowjets ihre militärische Aufrüstung weiter betrieben
und sich in vielen wichtigen Bereichen uns gegenüber einen Vorteil verschafften, wurden in unserem Land
wichtige
Waffensysteme
abgeschafft
oder auf Eis gelegt.
RUstungskontrollverhandlungen trugen nur in ge-

- 3 -

�ringem Maße zur Verlangsamung der sowjetischen Eskalation bei - es wurde
vielfach behauptet, damit sei nur das
gegenwärtige Ungleichgewicht festgeschrieben worden.
Nach Jahren der
Verhandlungen wurde SALT II vom Kongreß verworfen.
Mit dem schwindenden amerikanischen Engagement für den Schutz der
Freiheit auf der ganzen Welt wurde
der Tyrannei Vorschub geleistet. Die
Sowjets erkannten die günstige Gelegenheit und ergriffen sie: In Afghanistan, Nicaragua, Kambodscha, dem
SüdJemen, Äthiopien und Angola. Unsere Reaktion darauf: Gespräche über
einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Südkorea. Es schien, als ob Amerika vorsätzlich seine Rolle als
WeLtmacht und Beschützer der freien
Welt aufgeben wollte.
•
Der
amerikanische
Machtverlust
hat die Welt nicht sicherer, sondern
gefährlicher werden lassen. Er hat
den Rüstungswettlauf nicht aufgehalten, sondern nur dazu geführt, daß
die Sowjets glaubten, ihn gewinnen zu
können.
Wir haben 1981 unser Amt mit dem
Mandat zum Wiederaufbau unseres Militärs angetreten. Wir haben die Produktion wichtiger neuer Waffensysteme
wie etwa dem B-1-Bomber erweitert und
deutlich gemacht, daß die einzige Position, aus der heraus wir verhandeln
wollen, die Position der Stärke ist.
Unsere
militärische
Aufrüstung
war kostspielig, aber um wieviel höher wäre der Preis gewesen, wenn wir
die weitere Vernachlässigung unserer
Streitkräfte
zugelassen
hätten
nicht der Preis in Dollar, sondern
die dauerhafte Lähmung der amerikanischen Macht. Es sollte nicht vergessen werden, daß wir bei unserem
Amtsantritt 1981 eine Krisensituation
zu meistern hatten - wir mußten
schnell und entschlossen handeln.
Heute beobachten wir mit gedämpftem Optimismus die Veränderungen, von
denen in der Sowjetunion gesprochen

wird. Vieles davon ist imoer loch
Gerede, aber in einer totalii ären Gesellschaft kann bereits Gerede revolutionär sein.
Die Stahltür hat sich einen Spalt
geöffnet und die frische "Mit d"-.r
Freiheit bahnt sich ihren Weg - vird
die Tür wie in der Vergangenheit nieder zuschlagen oder sich ;u einem
neuen Zeitalter der Hoffnung öffnen,
einem neuen Zeitalter, für das der
Frieden auf seiner einzig wehren und
dauerhaften Grundlage prognostiziert
wird - den gemeinsamen Interessen und
der
Interdependez
freier
Gesallschaften.
Wir können das jetzt nicht wissen
- aber wir sollten wissen, daß die
Versprechen
von
Glasnost
und
Perestrojka nicht in einem Vakuum abgegeben wurden, sondern im Kontext
der wiederhergestellten Stärke Amerikas. Ende der siebziger Jahre, am
Tiefpunkt amerikanischer Macht, müssen die Sowjets geglaubt haben, den
Wettbewerb um die Welt gewinnen zu
können. Aber ich denke, daß dieser
Traum schnell zerrann, als Amerika
den Absprung aus der zerrütteten
Wirtschaft der siebziger Jahre in die
aufstrebende,
von
Unternehmergeist
geprägte Wirtschaft
der achtziger
Jahre
schaffte,
als
wir
unsere
Streitkräfte wiederaufgebaut hatten
und der sowjetischen Aggression und
Subversion auf der ganzen Welt mit
neuer Entschlossenheit entgegengetreten sind, um diejenigen zu unterstützen, die für ihre Freiheit und die
Sicherung der Freiheit aller Menschen
kämpfen.
Mit eben dieser Unterstützung
konnte die afghanische Widerstandsbewegung die Sowjetunion zwingen, ihre
Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Der UdSSR zufolge ist der Abzug auf
eine neue Betrachtungsweise regionaler Konflikte zurückzuführen. Vielleicht wird es dazu kommen, aber nur,
wenn die Freiheit weiterhin starke
Unterstützung auf der ganzen Welt erhält.
Wo unsere Unterstützung und
unsere Führungsrolle stark waren -

�wie etwa In Afghanistan, im Golf und
in El Salvador - schließen unsere
Verbündeten wie auch die Staaten der
Region sich mit uns zusammen, und die
Freiheit triumphiert. Wo das nicht
der Fall ist - wie In Nicaragua trifft das Gegenteil zu.
Mit SDI haben wir Technologie als
unsere große Stärke - und die große
Schwäche der Sowjets - zum Kern des
Wettbewerbs gemacht. Obwohl die Sowjets über 200 Milliarden Dollar für
ihre strategische Verteidigung ausgegeben haben, war es ihnen klar, daß
sie den Wettkampf in der Technologie
niemals gewinnen können, wenn sie uns
nicht zur Aufgabe unseres Programms
veranlassen können - wie sie es in
Reykjavik versucht haben.
Ich lege Wert auf die Feststellung, daß es die acht Jahre amerikanischer Stärke waren, die die Sowjets mit dem wahren Preis der Aggression und der Notwendigkeit für
Reformen konfrontiert
haben.
Aus
diesem Grunde war der Moskauer Gipfel
eine so passende Krönung der Amtszeit
des Präsidenten, da sich die Hoffnungen dieses Gipfels auf acht Jahre moralischer Entschlossenheit und harter
Arbeit
zum
Wiederaufbau
amerikanischer Macht gründen.
Trotzdem müssen wir uns vor Augen
führen, daß der Kalte Krieg nicht
vorbei ist. Wir müssen wagemutig genug sein, um im Hinblick auf Veränderungen die Gelegenheit zu ergreifen,
aber gleichzeitig auf das vorbereitet
sein, was ein Experte in seinem Artikel "Der verschleppte Konflikt" nannte. Wir sollten daran denken, daß
Amerikas militärische Stärke nicht
nur ein Titel in unserem Haushalt
ist, sondern der Preis für die Verteidigung unserer Freiheit.

* * * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

6. Juli 1988

26

NATIONALE STRATEGIE IM KAMPF GEGEN HIV-EPIDEMIE
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen -

WASHINGTON - (AD) - Mit nahezu 600 Empfehlungen hat die im September 1987
von Präsident Reagaa eingesetzte AIDS-Kommission Ende Juni 1988 ihren Abschlußbericht vorgelegt. Das 13köpfige Gremium unter Vorsitz von Admiral a.D.
James D. Watkins verbrachte allein 43 Tage mit der Anhörung von mehr als 500
Experten verschiedenster Fachrichtungen und suchte sich an zahlreicnen Orten
selbst ein Bild von der Situation der Betroffenen sowie auch von den Problemen
in Forschung, Therapie, Pflege und Gesundheitsvorsorge zu verschaffen.

Die Notwendigkeit der möglichst
frühzeitigen Erfassung und Behandlung
einer HIV-Infektion (HIV - Immunschwäche auslösendes Virus) wird in
dem Bericht ebenso hervorgehoben wie
die Dringlichkeit einer Therapie, bei
der die diskrete und einfühlsame Behandlung des Erkrankten gewährleistet
ist. Die intensive Erforschung des
Wesens dieser Krankheit und die Ausweitung der Bemühungen um Vorsorge,
Beratung, Pflege und Information seien ungemein wichtig.
Als überholt
müsse die ursprüngliche Bezeichnung
AIDS (erworbenes Immunschwäche-Syndrom) angesehen werden, weil sie nur
einem Teilaspekt gilt, nicht aber das
gesamte, weite Spektrum umfaßt. Weil
man sich nur auf AIDS konzentriert
habe, sei "die Nation bisher nicht in
der Lage gewesen, sich angemessen mit
der Epidemie zu befassen". Und da

United States Information Service
Embassy of the United States of America

intravenöser
Rauschgiftabusus
eine
der Hauptquellen für eine HIV-Infektion sei, müsse Vorbeugung gegen
Fixen und die Therapie solcher Süchtigen "zur nationalen Priorität werden" .
Im Folgenden veröffentlichen wir
eine Zusammenfassung des Berichtes:
Die HIV-Epidemie wird auf Jahre
hinaus eine Herausforderung im amerikanischen Leben bedeuten und sollte
allen Amerikaner ein Anliegen sein.
Neuen Schätzungen zufolge sind bis
1992 fast 500 000 Amerikaner der
Krankheit zum Opfer gefallen oder befinden sich in einem fortgeschrittenen
HIV-Erkrankungsstadium.
Aber
nicht einmal diese unglaubliche Zahl
zeigt an, wie ernst die Probleme ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtitg sind. 1 bis 1,5 Millionen
Amerikaner dürften mit dem HI-Virus
infiziert sein, sind aber noch nicht
so krank, daß sie dies realisieren.

sourcen
mie ist
weniger
Nutzung

Mit ihren Empfehlungen will die
Kommission ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unseren Verpflichtungen
als Gesellschaft gegenüber den HIVinfizierten
Mitbürgern
und
jenen
schaffen, die das Virus nicht haben.
Die Verlangsamung oder das Ende seiner Ausbreitung, angemessene medizinische Versorgung der Infizierten und
Schutz der Rechte von infizierten und
nicht infizierten Personen erfordern
eine sorgfältige Ausbalancierung von
Interessen in einer überaus komplexen
Gesellschaft.

Für Leser, die keine Zeit zur
Sichtung des gesamten Materials haben, hat die Kommission 20 ihrer
wichtigsten
Resultate
und
Empfehlungen aufgelistet, von denen
jedoch kein Punkt allein stehen oder
außer acht gelassen werden la-fctJ. Sie
werden im Gesamtbericht im Detail erläutert und ergeben zusammen eine umfassende nationale Strategie, zur
wirksamen Bekämpfung der HIV-Epidemie.

Wissen ist eine ganz wichtige
Waffe gegen HIV - Wissen um das Virus
und wie es übertragen wird, Wissen um
die Erhaltung der Getsundheit des einzelnen, Wissen um den persönlichen
Infektionsstatus.
Auch
ist
von
großer Bedeutung, daß Wissen zur Verantwortung gegenüber sich selbst und
anderen führt. Es ist die Verantwortung aller Amerikaner, über HIV informiert zu sein. Es ist die Verantwortung der Infizierten, andere nicht
anzustecken. Es ist die Verantwortung aller Bürger, daß die HlV-Infizierten respektvoll und einfühlsam
behandelt werden.
Jeder einzelne
sollte für seine Handlungen und deren
Konsequenzen verantwortlich sein.
In der ausführlichen Fassung des
Berichtes der Kommissions werden fast
600 Empfehlungen zur Verhinderung
einer weiteren Ausbreitung des Virus,
zur Pflege der HlV-Infizierten und
zur Verbesserung unserer Anstrengungen zur Auffindung von Heilungsmöglichkeiten aufgeführt.
Die Dringlichkeit und Bandbreite der nationalen Anstrengungen in der HIV-Forschung als Reaktion der amerikanischen Regierung auf eine Krise im
Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit ist ohne Parallele in der
Geschichte. Aber von allen notwendigen Antworten sind wir noch weit entfernt. Die Aufwendung von mehr Res-

zur Bewältigung dieser Epideein kritischer Punkt. Nicht
bedeutsam ist die gerechte
solcher Ressourcen.

- Die Bezeichnung "AIDS" ist überholt.
"HIV-Infektion" definiert
das Problem besser. Die führenden Persönlichkeiten in der Ärzteschaft, im Öffentlichen Gesundheitswesen, in Politik und Kommunalverwaltungen müssen sich auf
den gesamten Verlauf der HIV-Infektion anstatt nur auf die späteren Stadien der Krankheit (ARC
und AIDS - d.h. "AIDS"-assoziierter Symptomkomplex und die Vollerkrankung an AIDS) konzentrieren.
Da fortgesetzt AIDS im
Brennpunkt stand, nicht aber das
ganze Spektrum der HIV-Infektion,
war unsere Nation bisher nicht
fähig, sich in angemessener Weise
mit der Epidemie zu befassen.
Die Anstrengungen von Bund und
Einzelstaaten im Hinblick auf die
Sammlung von Daten müssen sich
jetzt auf frühe HIV-Berichte konzentrieren;
gleichzeitig
sind
weiterhin Daten über symptomatische Krankheitsphänomene zusammenzutragen.
- Die frühzeitige Diagnose der HIVInfektion ist nicht nur für die
angemessene medizinische Therapie
und Beratung der infizierten Person, sondern auch für die angemessene
Folgebeobachtung
durch
die Gesundheitsbehörden von entscheidender Bedeutung. Eine HIVInfektion kann wie jede andere
chronische Erkrankung
- Herzkrankheit, Bluthochdruck, Diabe-

�tes, Krebs - wirksamer behandelt
werden, wenn man sie frühzeitig
erkennt.
Deshalb sollten medizinische Stellen regelmäßige HIVTests anbieten, um den gegenwärtig kleinen Anteil jener Infizierten, die sich der Tatsache
bewußt sind und entsprechend betreut werden, zu erhöhen.
Da
sich viele Manifestationen von
HIV für eine Behandlung eignen,
sollten Infizierte ungehinderten
Zugang zur Behandlung der opportunistischen Infektionen haben, die sich häufig für Personen
mit HIV als tödlich erweisen.
- Besseres Verständnis der tatsächlichen Häufigkeit und der Schwerpunkte von HIV-Infektionen spielt
eine Schlüsselrolls und kann nur
durch sorgfältiges Zusammentragen
von Daten aus stark ausgeweiteten
Tests erworben werden. Tests mit
Qualitätsgarantien sollten leicht
zugänglich, vertraulich, freiwillig sowie mit angemessener Beratung und mit Pflegeleistungen
verbunden
sein.
Gegenwärtig
kennt nur ein kleiner Prozentsatz
von HlV-Infizlerten seinen Infektionsstatus. Zum eigenen Schutz
und zum Schutz der nicht Infizierten sollten große Anstrengungen unternommen werden, um freiwillige Tests leicht zugänglich
zu machen. Viele der detaillierten Vorschläge im vorliegenden
Bericht in bezug auf Tests zielen
auf die Erhöhung dieses Prozentsatzes ab.
- HIV ist eine Behinderung und
sollte im öffentlichen und privaten Sektor im Bundes- und Einzelstaatsrecht als solche behandelt
werden. Angst hat zur Diskriminierung von Personen geführt, von
denen man weiß, daß sie infiziert
sind. Diese Reaktion ist unangemessen.
Infizierte
Personen
sollten zur Fortsetzung normaler
Aktivitäten wie Arbeit oder Schule ermutigt werden und so lange,
wie sie dazu in der Lage sind, in
der eigenen Wohnung bleiben. Die

- 3-

durchschnittliche Zeitspanne zwischen Infektion und klinischen
Symptomen bemißt man derzeit auf
sieben bis acht Jahre - Jahre,
die produktiv sein sollten.
- Im Bundes- und Staatsrecht ist
strikterer Schutz der Privatsphäre HlV-Infizierter in der Form
erforderlich,
daß
Verletzungen
der
Vertraulichkeitsnormen
mit
beachtlichen Strafen belegt werden, aber auch notwendige Ausnahmen in den Vorschriften klar
definiert sind. Diese Ausnahmen
sind im Detail in Kapitel 9 unseres Berichtes aufgeführt, d.h. im
Abschnitt
über
Schweigepflicht
bzw. vertrauliche Behandlung.
- Einige Vorbeugungsmaßnahmen müssen sofort in Angriff genommen
werden.
- Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes überall in den Vereinigten Staaten müssen sofort
mit der vertraulichen Partner-Information beginnen. Dies ist ein
Warnsystem in bezug auf Intimkontakte von Personen, die Träger
sexuell übertragbarer Krankheiten, einschließlich HIV, sind.
- Dienststellen, die medizinische
Einrichtungen
genehmigen
und
überwachen, müssen sofort Maßnahmen ergreifen, mit denen jede
dieser Einrichtungen verpflichtet
wird, alle Personen, die seit
1977 Bluttransfusionen erhielten,
davon zu unterrichten, daß sie
möglicherweise einer HIV-Infektion ausgesetzt waren und Tests
sowie
gegebenenfalls
Beratung
notwendig seien.
- Vorbeugung und Therapie bei intravenösem Rauschgiftabusus, mit
dem der HIV-Epidemie wichtiger
Vorschub geleistet wird, muß zu
einer
nationalen
Aufgabe
von
höchster Priorität werden. Verstärkte Anstrengungen im Rechtsvollzug zur Unterbindung des Angebotes an Rauschgiften müssen

�mit erheblich erweiterter Therapie und Therapiemöglichkeiten mit
dem Ziel einer "Behandlung auf
Verlangen" gekoppelt werden, um
Süchtige wieder ein gesundes Leben zu ermöglichen.
- Der Konsum illegaler Drogen wie
der Mißbrauch von Alkohol erleichtern die Ausbreitung von
HIV, indem sie das Urteilsvermögen beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen.
Die Bemühungen von Bund und ELnzelstaaten
um eine Eindämmung der HIV-Verbreitung müssen nichtige Maßnahmen zu Bereich enthalten. Erziehung gegen Alkohol- und Drogenmißbrauch mit entsprechender Information ist für alle Schulkinder und Heranwachsenden, für Angehörige von Minderheiten wie für
alle übrigen Amerikaner lebenswichtig.
- Neue bundes- und einzelstaatliche
Stipendien und Darlehen müssen
sofort im Bereich der Krankenpflege
eingeführt
werden, um
Pflegepersonal zum Dienst in Bereichen mit großer HIV-Häufigkeit
zu ermutigen und gleichzeitig das
Problem des Mangels an Pflegepersonal anzugehen, der auch in allen anderen Bereichen eine wirksame Gesundheitsfürsorge beeinträchtigt. Krankenschwestern und
Pfleger
leisten innerhalb und
außerhalb der Krankenhäuser einen
hohen Anteil zur Betreuung der
HIV-Kranken.
Gegenwärtig
existiert ein gravierender Mangel an
Pflegekräften, der in den nächsten zehn Jahren noch erheblich
zunehmen dürfte.
- Die
Tätigkeit
des
"National
Health Service Corps", das medizinische Fachkräfte in unterversorgte Gebiete schickt, soll gegenwärtigen Plänen zufolge eingestellt werden. Diese müßte jedoch verlängert
und erheblich
ausgeweitet werden. Die im Gesundheitswesen tätigen Verbände
und Berufsgruppen sollten der An-

werbung und Ausbildung von Fachkräften aus Minderheitengruppen
besondere Beachtung schenken.
- Aggressive biomedizinische Forschung ist der Schlüssel zu den
Rätseln und Ungewißheiten, die
mit der Suche nach einem Impfstoff und einer Heilung von HIV
noch verbunden sind. Die Medizinischen Bundesforschungsanstalten
(National
Institutes
of
Health) brauchen mehr administrative Flexibilität, zur Verwirklichung ihrer Forschungszielen.
Schadensrechtliche
Hindernisse
müssen aus dem Weg geräumt und
klinische Versuche stark ausgeweitet werden, um eine größere
Bandbreite der infizierten Bevölkerung einzubeziehen.
- Eine gerechtere und kosteneffektivere Finanzierung der Betreuung
HlV-Infizierter ist zu prüfen,
und zwar durch eine Reihe neuer
oder erweiterter Programme im
Rahmen derer bedürftigen Patienten Zuschüsse von Bundesregierung
und Staatsbehörden zu privaten
Versicherungsleistungen
sowie
größere Beiträge zu Risikofonds
gewährt werden. Es ist wichtig,
auf ein durchorganisiertes Betreuungssystem hinzuarbeiten, in
dem die Individualbehandlung ein
wesentliches
Hilfsmittel
darstellt, um Kosten unter Kontrolle
zu halten und qualifizierte Betreuung zu ermöglichen.
- Die Anliegen der im Gesundheitswesen tätigen Personen müssen auf
allen Behördenebenen sowie vom
privaten Sektor mehr angesprochen
werden. Ihnen allen - vom Sanitätswagenfahrer und anderen für
Erste Hilfe zuständigen Personen
bis zu Ärzten, Krankenschwestern,
Zahnärzten,
Laborpersonal, Sozialarbeitern,
Geistlichen
und
allen übrigen Angehörigen von Berufen im Gesundheitsdienst bis zu
Gynäkologen und Chirurgen, die
invasiv vorgehen müssen - sollten
komplette Informationen über HIV

�und ein angemessener Schutz in
bezug auf Materialien und Arbeitsbereich gewährt werden, so
daß eine umfassende und humane
Betreuung der Kranken möglich ist.
- Die sichere Versorgung mit Spenderblut muß von der Bundesregierung
kontinuierlich
sichergestellt werden. Die Bandesbehörde
für
Lebens- und
Arzneimittel
(Food and Drug Administration FDA) sollte die Prüfung neuer,
weniger zeitaufwendiger Tests zum
Aufspüren von HIV vorrangig behandeln. Darüber hinaus muß ein
umorganisierter Beratungsausschuß
für Blutprodukte mit der FDA zusammenarbeiten, un Verfahrenswege
zum Schutz von Kenservenblut kontinuierlich zu überprüfen.

i

- In Kliniken und anderen Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollte alles unternommen werden,
um eine Transfusion von Fremdblut
(homologe Transfusion) zu vermeiden und statt dessen nach Möglichkeit
Eigenblut
(autologe
Transfusion) zu Infundieren. Zu
den gegenwärtig verfügbaren Methoden einer autologen Transfusion zählen eine vorherige Spende
von Eigenblut, die Rezirkulation
von Eigenblut während der Operation
(intraoperative
autologe
Transfusion), Blutverdünnung (Hämodilution) sowie nachoperatives
Sammeln von Blut: des Patienten
zur Retransfusion. Die Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollten ihre Mitarbeiter besonders gut und gründlich in diesen
Techniken ausbilden, und der Patient, der seine Zustimmung zu
einer Transfusion von Blut oder
Blutkomponenten gibt, sollte sowohl über das Risiko in Verbindung mit der Transfusion als auch
über die Alternativen zur homologen Transfusion informiert werden.
- Informationsprogramme müssen weiterhin für die nahe Zukunft entwickelt und angewandt, aber auch
im Hinblick auf größte Wirksam- 5 -

keit bei der nächsten Generation
konzipiert werden. Altersgerechte, umfassende Programme zur gesundheitlichen Aufklärung in unseren Schulen - vom Kindergarten
bis zur letzten Schulklasse
sollten als nationale Aufgabe mit
Vorrang behandelt werden.
- Das Problem der HlV-infizierten
"Heimbabies" zählt zu den erschütternsten, denen die Kommission begegnet ist. Diese Kinder
verbringen ihr gesamtes kurzes
und tragisches Leben im Krankenhaus, mit Ärzten und Schwestern
als ihrer einzigen Familie. Die
10 000 bis 20 000 HlV-inf izierten
Neugeborenen, mit denen man 1991
zu rechnen hat, lenken außerdem
die Aufmerksamkeit auf die so
dringend benötigten Pflegeheime.
Wenn die Probleme der Benachteiligten nicht angesprochen werden,
wird die HIV-Epidemie weiterhin
in diese Bevölkerungsgruppen eindringen, und wir werden es mit
einem erheblichen Anstieg sowohl
pädiatrischer als auch drogenassoziierter
HIV-Erkrankungen
zu
tun bekommen.
- Die Probleme von Teenagern, insbesondere von Jugendlichen, die
von Zuhause weggelaufen sind,
sind ein spezielles Risiko der
HIV-Exposition und müssen aggressiv angegangen werden. Die HIVAusbreitung in der heterosexuellen Bevölkerung muß besser definiert, die allgemeine Öffentlichkeit muß korrekt und ausreichend
informiert
werden.
Unrichtige
und irreführende Verlautbarungen,
denenzufolge HIV nicht durch heterosexuelle Kontakte verbreitet
werden könne, sind als unqualifiziert abzulehnen.
- Die HIV-Epidemie wirft Schlaglichter auf eine Reihe ethischer
Überlegungen und Pflichten, u.a.
- die Verantwortung der HlV-infizierten, andere nicht anzustecken;

�- die Verantwortung der im Gesundheitswesen tätigen, allen HlV-infizierten Personen umfassende und
humane Hilfe zukommen zu lassen;
und
- die Verantwortung aller Bürger,
HlV-infizierten Personen respektvoll und einfühlsam zu begegnen.
- Internationale Anstrengungen zur
Bekämpfung
der
HIV-Infektion
sollten von den Vereinigten Staaten durch unsere Wissenschaftler
und unseren nationalen Beitrag
zur
Weltgesundheitsorganisation
und den weltweiten AIDS-Programmen ermutigt werden.
Die Kommission ist überzeugt, daß
eine uneingeschränkte Verwirklichung
der Empfehlungen dieses Berichtes das
schwierige Gleichgewicht zwischen den
komplexen Notwendigkeiten und die
sich für die gesamte Gesellschaft im
Hinblick auf ihre Reaktion auf die
HIV-Epidemie
ergebenden
Pflichten
herzustellen vermag.
Unmittelbar nach Erhalt des Berichtes der Kommission beauftragte
Präsident Ronald Reagan Dr. Ian Macdonald, Berater für Drogenfragen und
im Stab des Weißen Hauses zuständig
für Drogenpolitik, innerhalb von 30
Tagen Pläne zur Durchführung der Kommissionsempfehlungen vorzulegen.

* * * * * *

- 6

�</text>
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