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                <text>&lt;strong&gt;1. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstungsverhandlungen im Jahre 1962&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine gemeinsame Grundsatzerklärung und zwei verschiedene Vertragsentwürfe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul L. Ford&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinten Nationen im Jahre 1962&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Jahr im Dienste des Friedens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft und Arbeit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaft hatte ein gutes Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die hohen Erwartungen wurden dennoch nicht ganz erfüllt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Guy Sims Fitch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beschleunigtes wirtschaftliches Wachstum durch Senkung der Steuern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zweck und Ziel der beabsichtigten Steuerreform&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hauptanliegen: Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaft und Technik in den USA - 1962&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltraumforschung und Raumflug&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Technik und Atomenergie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologie und Medizin&amp;nbsp;</text>
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                    <text>und
Dokumentation

1* J

United States Information Service

32

14. Dezember 1977
I N H A L T

DOKUMENTATION
USA halten an Konsultation mit europäischen NATO-Verbündeten fest
- Außenminister Vance und Verteidigungsminister Brown in Brüssel Präsident Carter legt dritten Halbjahresbericht zur KSZE vor
- Wortlaut des Einführungskapitels WIRTSCHAFT
Wie stark ist der US-Dollar wirklich?
von George E„ Cruikshank
Inflation durch Einkommenspolitik bekämpfen
- Interview mit Professor Walter Heller HINTERGRUNDMATERIAL
Der Schutz der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten
von Charles F, Abernathy
Amerikas Frauen beschlossen einheitlichen Aktionsplan
- Die Frauenrechtskonferenz von Houston WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfahrtprojekte auf internationaler Basis
- USA arbeiten mit anderen Ländern zusammen
Leben unter ewigem Eis
- Forschungssaison 1977/78 in der Antarktis

Um Über/endung von
Belegexemplaren wircl
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

14. Dezember 1977

32

USA HALTEN AN KONSULTATION MIT EUROPÄISCHEN NATO-VERBONDETEN FEST
• Außenminister Vance und Verteidigungsminister Brown in Brüssel -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance
und Verteidigungsminister Harold Brown haben im Rahmen der Wintertagung
des Atlantischen Bündnisses im NATO-Hauptquartier

in Brüssel versichert,

daß die Vereinigten Staaten bei ihren Verhandlungen mit der Sowjetunion
über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) die Interessen
ihrer europäischen Verbündeten nicht außer acht lassen werden.
Auf der Ministertagung des Nordatlantikrates am 8c Dezember, die hinter
verschlossenen Türen stattfand, hat Außenminister Vance nach Mitteilung
amerikanischer Regierungsvertreter darauf hingewiesen, daß ein SALT II
Abkommen mit der Sowjetunion zwar keine Garantie für die Stabilität biete,
daß es aber ohne ein solches Abkommen erst recht keine Stabilität geben
könne. Die strategisch nukleare, taktisch nukleare und konventionelle Abschreckung des Bündnisses seien jedoch weiterhin unerläßlich. Vance bekräftigte ferner, daß eine neues amerikanisch-sowjetisches Abkommen
nicht die Entwicklung und Erprobung von Marschflugkörpern (Cruise Missile
oder Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk) verhindern werde, sondern nur die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�nur die Dislozierung solcher Flugkörper drei Jahre lang begrenzen werde.
Die USA hätten auch alle Versuche der Sowjetunion abgelehnt, die vorgeschobenen Stützpunkte der Vereinigten Staaten 1n Westeuropa in ein
SALT-Abkommen einzubeziehen.
Vance hat, wie aus amtlichen Kreisen verlautet, betont, daß die
Vereinigten Staaten auf ihre europäischen Verbündeten hörten, sich ihrer
Besorgnisse bewußt seien und weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten würden»
Auf einer Pressekonferenz am 9„ Dezember vor seiner Abreise nach dem
Nahen Osten bestätigte Außerminister Vance seine vor dem Nordatlantikrat
gemachten Ausführungen. In einer einleitenden Erklärung sowie in Beantwortung von Fragen nahm er zum Verlauf der NATO-Wintertagung wie folgt
Stellung:
(Andere Fragen bezogen sich auf die Situation im Nahen Osten)
.... Ich verlasse die Ministertagung, die wir gerade beendet haben,
mit erneutem Vertrauen in das Bündnis als dem Eckpfeiler unserer Beziehungen
zu Europa und der amerikanischen Außenpolitik, Wenn diese Tagung auch keine
dramatischen Ereignisse brachte, so war sie meiner Meinung nach doch produktiv und sehr nützlich. Wir überprüften sehr eingehend den Stand der
Ost-West-Beziehungen und die laufenden SALT-Verhandlungen mit der Sowjetunion sowie die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) in Wien. Darüber hinaus haben wir die noch nicht beendeten Gespräche erörtert, die gegenwärtig in Belgrad stattfinden. Wir
überprüften ferner die Fortschritte, die bis heute bei der Verwirklichung
des Arbeitsprogrammes erzielt wurden, das wir auf der letzten Gipfelkonferenz im Mai abgesteckt hatten, und ich glaube, wir alle gelangten zu
dem Schluß, daß die hinsichtlich der verschiedenen Studien gemachten Fortschritte ermutigend sind. Wenn auch die Fragen, denen wir uns gegenübersehen, komplex und nicht leicht lösbar sind, so waren die Gespräche zwischen
den fünfzehn souveränen Nationen doch durch Harmonie gekennzeichnet.
Es ist klar,

�Es ist klar, daß die Entschlossenheit der Verbündeten, alles zu
tun, was für die Aufrechterhaltung der Wirksamkeit der NATO notwendig
ist, von allen geteilt wird. Und ich verlasse Brüssel in der Überzeugung,
daß das Bündnis den Willen, die Entschlossenheit jnd die Mittel hat, jeder
Bedrohung seiner Zielsetzung, seiner Stärke oder seines Zusammenhalts
zu begegnen.
Ich werde jetzt sehr gerne Ihre Fragen beantworten.
Frage: Herr Außenminister, haben Sie irgendeinen Eindruck darüber
gewonnen, ob das Bündnis wünscht, daß die Vereinigten Staaten mit der
Entwicklung und der Dislozierung der Neutronenwaffe fortfahren?
Antwort: Auf unserer Ministertagung wurde die Waffe mit der verminderten
Sprengwirkung, die sogenannte Neutronenbombe, nur zweimal - und das auch
nur sehr kurz - erwähnt. Verteidigungsminister Harold Brown hat sich mit
dieser Frage auf seiner Pressekonferenz ausführlich befaßt, und ich unterstütze, was er Ihnen hierzu vor zwei Tagen gesagt hat. Ich möchte hier
lediglich anmerken, daß der Präsident der Vereinigten Staaten hinsichtlich
der Produktion oder der Dislozierung (dieser Waffe) noch keine Entscheidung
getroffen hat. Der Präsident hat klargemacht, daß wir die Ansichten aller
unserer Verbündeten hinsichtlich sowohl der Frage der Produktion als auch
der Frage der Dislozierung kennenlernen möchten; wir haben bisher noch nicht
die Ansichten aller unserer Verbündeten erfahren, und wir warten darauf, daß
sie uns ihre Vorstellung
und Vorschläge bezüglich dieser Angelegenehit
mitteilen.
Frage: Wir haben sehr viel darüber gehört, daß die Verbündeten eine
größere

Beteiligung in bezug auf SALT III wünschen, und wir haben gehört,

daß die Richtlinien für SALT III Teil von SALT II sein sollen.Ich möchte
gerne wissen, ob Sie zu diesem Wunsch Stellung nehmen können und was nach
Ihrer Meinung die amerikanische Regierung in diesem Zusammenhang tun kann?
Antwort:

�Antwort: Dieses Thema habe ich gestern eingehend in meinen Ausführungen auf der Ministertagung behandelt. Ich gab unseren Kollegen
Zusicherungen hinsichtlich zweier oder dreier Fragen, über die Besorgnisse zum Ausdruck gebracht worden waren. Ich glaube, alle von ihnen
akzeptieren die Versicherungen, die ich ihnen gegeben habe. Wir sind der
festen Überzeugung, daß es hinsichtlich von SALT II volle und umfassende
Konsultationen mit unseren NATO-Verbündeten geben sollte, und auch hinsichtlich von SALT III, wenn wir das in Angriff nehmen.
Das ist von großer Bedeutung, und wir haben uns mit unseren NATOVerbündeten im Zuge von SALT II konsultiert. Wenn Sie mit den Ministern
der verschiedenen Länder sprechen, so glaube ich, daß sie Ihnen erklären
werden, daß ihrer Ansicht nach diese Konsultationen vollständig und
nützlich gewesen sind.
Wenn wir uns in Zukunft auf SALT III zubewegen, so glaube ich, daß
es wichtig ist, diese Konsultationen noch zu intensivieren, weil wir dann
in zunehmendem Maße auf immer komplexere Dinge stoßen werden. Daher ist
es wichtig, daß wir dann eine noch stärkere Konsultation als in früherer
Zeit führen werden, als wir uns noch mit nicht so vielen komplexen Fragen
befassen mußten.
FragerHerr Außenminister, mehrere Länder haben uns erklärt, daß jetzt
Aussichten auf eine gewisse Vorwärtsbewegung bei den Verhandlungen über eine
beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung in Wien bestehen. Ist
das auch der amerikanische Eindruck? Und wenn ja, welche Form würde dieser
Fortschritt haben?
Antwort: Wii haben ziemlich ausführlich die MBFR-Gespräche sowie verschiedene mögliche Schritte erörtert, uie ergriffen werden müßten, wenn es
Fortschritte bei diesen Gesprächen geben soll. Ich glaube, es war die einstimmige Meinung aller Minister, daß es im Interesse beider Seiten läge, wenn
Fortschritte erzielt werden können. Die erste Frage, die geklärt werden

- 4 -

�werden müßte, ist die Frage des Datenaustauschs, die von grundlegender
Bedeutung für alle anderen Nationen ist; und dies ist ein Gebiet, auf dem
- wie ich hoffe und erwarte - wir vielleicht die ersten wirklichen Fortschritte sehen werden.
Ähnlich hatte sich der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
auf einer Pressekonferenz am 7. Dezember nach Abschluß der Tagung des
Verteidigungsplanungsausschusses (DPG) der NATO ausgesprochen.
Die Pressekonferenz von Verteidigungsminister Brown vom 7. Dezember
1977 in Brüssel geben wir nachstehend im Wortlaut wieder.
Brown gab zunächst folgende einleitende Erklärung ab:
"Ich habe nicht gezählt, aber ich glaube, das ist meine fünfte NATOMinistertagung in diesem Jahr - drei Tagungen des Verteidigungsplanungsauschusses (DPG) und zwei Tagungen der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) und ich halte die letzte Sitzung für die ermutigendste und fruchtbarste.
Ich fühle mich besonders ermutigt durch den Fortschritt bei den kurzfristigen
Initiativen, über die man sich im Mai geeinigt hatte, und mehr noch durch
die Reaktion der Verbündeten auf den drei für diese kurzfristigen Initiativen
ausgewählten kritischen Gebieten: Panzerabwehr, Reserven und erhöhte Einsatzbereitschaft. Ich kann Ihnen beispielsweise Zahlen über die PanzerabwehrLenkflugkörper geben, über die das Bündnis verfügt. Auf der Grundlage der
bereits erteilten oder eingeplanten Aufträge wird sich die Zahl der im
Bündnis verfügbaren Panzerabwehr-Lenkflugkörper in der Zeit von Ende 1976
bis Ende 1978 - die jetzt etwa zur Hälfte abgelaufen ist - um etwa 47 000
auf insgesamt rund 193 000 erhöhen. Ich freue mich über den Fortschritt, den
wir bisher hinsichtlich der Weiterentwicklung der zehn langfristigen Verteidigungsprogramme gemacht haben. Die Hälfte der Zeit zwischen der letzten
Gipfelkonferenz und dem NATO-Gipfel und dem nächsten Gipfeltreffen, das in
Washington stattfinden wird, ist verstrichen. Wir sind somit noch nicht in
vorherzusagen,
der Lage, wieweit aiese Programme vorangetrieben werden können. Wir haben

�•&gt;

Wir haben aber echte Fortschritte erzielt. Wie Ihnen meines Wissens
Unterstaatssekretär General Mumford berichtete, haben die Arbeitsgruppen
bereits spezifische Punkte auf jedem der zehn Bereiche der langfristigen
Programme herausgegriffen, auf die wir uns konzentrieren werden, und die
Minister haben dieses Vorgehen gebilligt. Ich möchte damit nicht implizieren, wir werden im Mai kommenden Jahres, wenn das Gipfeltreffen stattfinden wird, bereits feststellen können: "Die langfristigen Programme sind
ein Erfolg." Es sieht aber so aus, als ob mindestens die meisten von ihnen
bis dahin so weit gediehen sein werden, daß man sie als etabliert bezeichnen
kann und daß die Pläne zur Verwirklichung der NATO-Programme in jedem
Bereich zum Vorteil des ganzen Bündnisses in Angriff genommen wurden. Ich
bin gerne bereit, nunmehr Fragen zu beantworten.
Frage: Herr Minister, unter den europäischen NATO-Partnern scheinen
gewisse Sorgen zu bestehen, die Vereinigten Staaten könnten bei den kommenden
SALT-Gesprächen der Sowjetunion Zugeständnisse machen, die geeignet wären,
die Abschreckungskapazität der europäischen Partner zu vermindern. Deshalb
frage ich: Trifft es zu, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, den Europäern Zugang zur Technologie der Marschflugkörper zu gewähren und daß sie
beabsichtigen, eine Beschränkung der Reichweite derselben auf 2500 km für luftgestützte und von 600 km für land- oder seegestützte Marschflugkörper vorzuschlagen?
Antwort: Die Verhandlungen mit der Sowjetunion, soweit sie see- und
landgestützte Marschflugkörper betreffen, finden ihren vollständigen Niederschlag in einem Protokoll, das voraussichtlich auf drei Jahre befristet sein
wird - eine Zeit, während der die Vereinigten Staaten und meines Erachtens
auch ihre europäischen Verbündeten tatsächlich nicht in der Lage wären, derartige Flugkörper zu dislozieren, weil ihre Entwicklung noch nicht an dem
Punkt angelangt ist, eine wesentlich frühere Dislozierung zu gestatten. Es
besteht mithin keine Einschränkung bezüglich dessen, was die USA oder ihre
europäischen Verbündeten tatsächlich bewerkstelligen könnten. Die Begrenzung
der Reichweite für see- oder landgestützte Marschflugkörper wird, was Ent-

- 6 -

�was Entwicklung und Erprobung angeht, nicht auf 600 km festgesetzt werden
- der vorläufigen Gestalt des Abkommens nach, das natürlich noch keineswegs
fixiert ist. Die Begrenzung wird einen erheblich größeren Bereich zulassen.
Die luftgestützten Marschflugkörper werden natürlich auf die amerikanischen
schweren Bomber beschränkt sein. Wir beabsichtigen sowohl für die Zeit der
Gültigkeit des Protokolls als auch für den Zeitraum danach, der der Vertragsdauer entsprechen wird, eine hinreichende Reichweite beizubehalten,
die genügen würde, jene Ziele in der Sowjetunion zu erreichen, gegen die
wir zu einem Vergeltungsschlag fähig bleiben müssen, wollen wir unsere
Abschreckungskapazität sicherstellen. Die Vereinigten Staaten haben keine
Verpflichtung übernommen, technologische Kenntnisse nicht an ihre europäischen Verbündeten zu transferieren. Dies alles ist selbstverständlich
im Zusammenhang mit der Notwendigkeit eines Abschlusses eines Abkommens zur
Begrenzung der strategischen Rüstungen zu sehen, die meines Wissens alle
NATO-Verbündeten stark befürworten. Ich habe noch von keinem europäischen
Verbündeten gehört, der ein Abkommen über die strategischen Rüstungen nicht
für wünschenswert erachtet. Die Vereinigten Staaten haben es jedenfalls nach
meinem Dafürhalten möglich gemacht - und das Abkommen ist natürlich noch
nicht fertiggestellt, und dennoch war meiner Überzeugung nach möglich und
wird es auch künftig möglich sein -, die Optionen des Bündnisses bezüglich
der see- und landgestützten Marschflugkörper in praxi offenzuhalten. Während
der Laufzeit des Protokolls werden sie und ihre Verbündeten meine ich, die
Frage der möglichen militärischen Vorteile und Grenzen der Marschflugkörper
sehr sorgfältig prüfen - ebenso wie die einer potentiellen Bedrohung durch
sowjetische Marschflugkörper. Und auf dieser Basis wie auch auf der des
Eigeninteresses des Bündnisses wird das Bündnis sicherlich nach Ablauf der
dreijährigen Laufzeit des Protokolls in der Position sein - eine Position,
die natürlich von den Vereinigten Staaten geteilt werden wird -, unsere
militärischen Kapazitäten aufrechtzuerhalten insoweit wir Marschflugkörper
hierzu für notwendig halten.

Frage:
- 7 -

�Frage: Sie scheinen zu sagen wollen, die Vereinigten Staaten schlagen vor,
eine auf drei Jahre veranschlagte Begrenzung der Reichweite von Marschflugkörpern vorzunehmen, während derer die USA ohnehin nichts zu deren Dislozierung tun könnten. Was ist Sinn und Zweck einer solchen Vereinbarung,
und warum sollten Ihnen die Russen hierfür irgendwelche Gegenleistungen
bieten?
Antwort: Ganz eindeutig wird beim Ablauf des Protokolls ein politischer
Druck entstehen, der auf die Beibehaltung der Begrenzungen hinwirken wird»
Ich kann die (sowjetischen) Motive nicht wirklich beurteilen; ich würde aber
sagen, daß ein Motiv möglicherweise darin besteht, einen Aufschub der Dislozierung von Marschflugkörpern zu erreichen, die meines Erachtens etwa gegro
Ende dieses Drei-Jahres-Zeiträums möglich sein wird. Ich habe nicht gesagt
in diesen drei Jahren könnten praktisch überhaupt keine solchen Flugkörper
disloziert werden. Ich wollte damit nur implizieren, daß bis dahin eine erhebliche diesbezügliche militärische Kapazität ohnehin nicht zu verwirklichen
wäre. Meines

Erachtens ist den Sowjets die Gewähr einiges wert, daß keine

Dislozierungen in der Zeit vorgenommen werden, während derer wir Beschränkungen
für dieses Waffensystem und möglicherweise auch andere

Systeme für die Folge-

zeit ausarbeiten.
Frage: Diese Ministertagung hat der Sorge über die starke Ausweitung der
militärischen Kapazitäten des Warschauer Paktes Ausdruck gegeben. Können Sie
angeben, welche Aspekte dieses Fragenkomplexe? Anlaß zu solchen Befürchtungen
geben?
Antwort: Das Interessante an der Erhöhung der Kapazität des Warschauer
Paktes besteht darin, daß dieselbe ihrem Wesen nach durchgehend war und in
der Tat fünfzehn Jahre lang in stetigem Tempo fortgeführt worden ist. Ich
möchte es jedem einzelnen überlassen, wie er die Frage beantworten möchte,
was Anlaß zu größerer Besorgnis gibt: ein plötzlicher Spurt oder ein offenkundiger Aufbau über weit mehr als ein Jahrzehnt hinweg, bei dem keinerlei
Anzeichen einer Verlangsamung zu erkennen sind. Letzteres scheint mir besonders

�besonders beunruhigend.
Der Aufbau der Warschauer-Pakt-Mä'chte schließt nicht nur die strategischen Kapazitäten der Sowjetunion ein, die während des Zeitraumes von der
Mitte der sechziger Jahre bis heute an fast allen Maßstäben gemessen von
einer Position der eindeutigen Unterlegenheit in eine Position der ungefähren Parität im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten aufgerückt ist.
Dazu rechnet auch die Zunahme des Umfangs der Streitkräfte, die in Osteuropa
stationiert sind, die mit der Dislozierung von fünf Divisionen in der
Tschechoslowakei im Jahre 1968 zu anderen Zwecken begonnen hat, die aber
seither dort verblieben sind. Die Verstärkung setzte sich fort mit den
Auffüllungen mit Kräften unter Divisionsstärke - Artillerie, Luftabwehreinheiten und so weiter -, wodurch die numerische Gesamtstärke des WarschauerPaktes wahrscheinlich in einer Größenordnung vor rund 150 000 Mann zugenonmen hat. Eine genaue Zahl ist mir nicht bekannt. Das geschah größtenteils
in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren.
Während der weiteren siebziger Jahre haben die Sowjets eine vollkommen
neue Generation von Ausrüstunger in einer ganzen Reihe von Sparten eingeführt.
Sie haben neue Flugzeugtypen eingeführt, die - im taktischen Sinne - über
lange Entfernungen hinweg große Kampfstärke gegen Bodenziele und eine beträchtliche Tragkraft aufweisen. Sie haber neue Geschütze größeren Kalibers
auf Selbstfahrlafette eingeführt. Sie haben eine neue Generation von Panzern
eingeführt, Panzer des Typs T-72S Ihre Ausrüstung wurde also durchweg verbessert. Sie haben ein neues gepanzertes Mannschaftsfahrzeug eingeführt. Ihre
Marine, die Mitte der sechziger Jahre größtenteils, wenn auch nicht gänzlich,
aus Küstenfahrzeugen bestand, besteht in einem sehr beträchtlichen Ausmaß aus
Hochseeschiffen.
Nichts hiervon sollte uns meiner Meinung nach in Panik stürzen. Das
westliche Bündnis wurde in dieser Zeit ebenfalls gestärkt. Ich halte es für
wichtig, die Sowjets nicht mit den Amerikanern, sondern den Warschauer-Pakt

- 9 -

�Warschauer-Pakt mit der Kapazität der NATO zu vergleichen. Wenn man diese
in Rechnung stellt, würde ich nicht sagen, die Sowjets hätten in irgendeinem
wichtigen Gebiet die Führung erlangt. Der verstärkte Umfang ihrer Streitkräfte in

Westeuropa und ihre neue Generation von Ausrüstungen, mit denen

die Sowjets die qualitative und technologische Überlegenheit des Westens
in erheblichen Maße - wenngleich nicht vollständig - ausgeglichen haben,
zeigen mir, daß das Bündnis wahrlich die Ärmel aufkrempeln muß. Ich meine,
wir sind eben dabei, dies zu tun. Ich halte es für sehr wichtig, das zu
tun, um zu verhindern, daß die Sowjetunion dank
dank des Eindrucks, den diese Streitkräfte in

ihrer

Streitkräfte

und

Europa hervorrufen, in eine

Lage versetzt wird, aus der heraus sie politische Zwänge ausüben könnte.
Frage: Herr Minister, wie werden Ihrer Auffassung nach die hiesigen
Erörterungen Präsident Carters Entscheidung über die Produktion und Dislozierung der sogenannten Neutronenwaffe beeinflussen?
Antwort: Dieses Thema wurde im Verlauf der Ministertagung kurz angeschnitten; es kam jedoch nur zu einer weit weniger eingehenden Diskussion
desselben während der Ministertagung als in der Vorbereitungsphase. Das
erklärt sich daraus, daß wir dieses Thema in der Vergangenheit schon mehrmals bei Ministertagungen behandelt haben und auch an der Tatsache, daß wir,
wie Sie wissen, bei früheren Tagungen den militärischen Wert solcher hochtechnischer Gefechtsköpfe mit verminderter Sprengwirkung, oftmals Neutronenwaffe genannt und besonders anwendbar bei der Panzerbekämpfung, zur Kenntnis
genommen haben. Wir haben auch die politische Besorgnis zur Kenntnis genommen,
die offensichtlich noch immer wegen möglicher Rückwirkungen auf die Frage
der Rüstungsbeschränkung bestehen.
Als erstes ergab sich dabei die Tatsache, daß die vorhandenen Nuklearwaffen eine erhebliche tödliche Wirkung gtjen sowjetische Panzer hätten und
wahrscheinlich die sowjetische Panzertaktik insofern beeinflußt haben, als sie
diese weniger effektiv macht,als sie anderweitig sein würden. Die vorhandenen
Kernwaffen hätten jedoch erheblich größere Nebenwirkungen in Gestalt der

- 10 -

�Gestalt der Vernichtung von befreundeten Truppen, Zivilisten und Wohngebieten in angrenzenden Gebieten als die Neutronenwaffe

unter vergleich-

baren Unständen. Die tödliche Wirkung bei Panzern - Panzerkolonnen - ist
etwa die gleiche, die schädlichen Nebenwirkungen - die Schädigung von
Menschen, seien es Zivilisten oder Angehörige befreundeter Streitkräfte würden aber weitaus geringer sein. Die militärische Seite ist somit ziemlich
klar.
Die Entscheidung über Entwicklung und Produktion bleibt jedoch dem
amerikanischen Präsidenten vorbehalten. Wir pflegen Konsultationen mit
unseren Verbündeten über die Dislozierung solcher Waffen, und wir möchten
gerne ihre Meinung hierzu hören. Wir wollen es nicht dazu kommen lassen, daß
wir sie herstellen und unsere Verbündeten dann beschließen, sie nicht dislozieren zu lassen. Wir haben auf dieser und auf anderen Tagungen einige
Informationen hierzu erhalten, die sämtlich

in die Entscheidung des Prä-

sidenten, wie es auf diesem Gebiet weitergeben wird, eingehen werden.
Frage: Darf ich hierzu noch bemerken: Der Präsident hat, wie wir die
Dinge ursprünglich verstanden, erklärt, er wünsche seine Verbündeten zu
konsultieren,

ehe er seine Entscheidung üder die Produktion treffe, weil

er wissen möchte, welche Möglichkeiten zur Dislozierung bestünden. Soviel ich
weiß, hat Verteidigungsminister Leber gesagt, er werde keinerlei Entscheidung
über eine Dislozierung treffen,ehe der Präsident sich entschieden habe, ob
er die Fertigung anordnen werde. Wo stehen wir mithin heute?
Antwort: Die Bekanntgabe von Entscheidungen fällt nicht immer zeitlich
mit deren Diskussion zusammen. Natürlich müßte eine Ankündigung der Dislozierung
der Ankündigung der Produktion folgen. Die Frage, wie solche Diskussionen
wahrscheinlich ausfallen werden, kann man vorab diskutieren. Das ist wirklich
eine Angelegenheit, die nicht die Verteidigungsminister,sondern die Staatsund Regierungschefs zu entscheiden haben. Ich habe diesen ganzen Fragenkomplex
mehrfach mit Minister Leber erörtert. Ich glaube, wir sehen die Dinge nicht

- 11 -

�nicht

sehr viel anders. Wir müssen uns aber neben den militärischen auch mit

den politischen Problemen auseinandersetzen, und das kann nur auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs geschehen.
Frage: Herr Minister, ich möchte auf SALT und die Marschflugkörper zurückkommen - den Dreijahres -Zeitraum, über den Sie gegenwärtig verhandeln.
Diese Beschränkungen haben, sofern sie in größerem Rannen der sowjetischamerikanischen

Beziehungen ausgehandelt werden, die Tendenz, zu einer

Dauereinrichtung zu werden. Meine Frage geht dahin, wird es ganäß den Beschränkungen, über die Sie gegenwärtig verhandeln, noch möglich sein, Marschflugkörper in Europa zu dislozieren, und wird den Europäern noch die Möglichkeit
verbleiben, mit Hilfe der Vereinigten Staaten Marschflugkörper zu

entwickeln?

Antwort: Es gibt keinen solchen Ausschluß. Das bleibt offen. Es gibt
in der Tat psychologische und politische Pressionen, die von mancher Persönlichkeiten des politischen Lebens und manchen Medienkreisen noch verstärkt
werden dürften, die die Forderung erheben, daß jede zeitlich begrenzte Übereinkunft in eine dauerhafte Vereinbarung umgewandelt werde. Das ist sicherlich
eine Überlegung von alles andere überragender Bedeutung. Um ein Beispiel zu
geben: Das 1972 unterzeichnete Interimsabkommen über die strategischen
Offensivstreitkräfte sah eine ungleiche Anzahl von land- und unterseebootgestützten Raketen sowie Unterseebooten für den Abschuß seegestützter Raketen
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vor. Die Übereinkunft von
Wladiwostock und das heute zur Verhandlung stehende SALT-II-Abkommen sind
frei von solchen Ungleichheiten. Es ist somit möglich - sofern eine der
Vertragsparteien entschlossen ist, dies zu tun - Vereinbarungen zu ändern. Ein
weiteres Beispiel ist der Vertrag über die Raketen zur Abwehr ballistischer
Raketen (ABM), der in der ursprünglich vereinbarten Form maximal zwei Abschußgebiete für Abwehrraketen vorsah. Diese Zahl wurde später auf je ein solches
Gebiet verringert; Änderungen sind mithin möglich.

In diesem besonderen Fall möchte ich anmerken, daß die Vereinbarung der
Form nach so geartet sein wird, daß das langfristige Abkommen bei Auslaufen des

- 12 -

�Auslaufen des Protokolls in Kraft bleiben wird und daß es keine derartigen
Beschränkungen für Marschflugkörper beinhalten wird.
Frage: Das, was Sie uns hier sagen, scheint zumindest zu implizieren,
daß dieses Abkommen eine jegliche Dislozierung in Europa oder auch eine
jegliche Entwicklung in Europa für die Zeitdauer des Dreijahres-Protokolls
ausschließt.
Antwort: Nein, das habe ich nicht ausdrücklich gesagt. Ich erklärte,daß
es während des Dreijahres-Zeitraums die Entwicklung von Marschflugkörpern
bis zu einer Reichweite von 2500 km erlaubt und daß es die Dislozierung von
Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km verbietet. Ich
habe ferner darauf hingewiesen, daß der Terminkalender der Entwicklung, der
uns zur Verfügung steht, ebenfalls effektiv dasselbst bewirkt hinsichtlich
der Begrenzung der Dislozierung, so daß dies keinerlei praktischen Effekt in
dieser Hinsicht hat.
Frage: Ich habe zwei Fragen. Die erste betrifft Spanien. Wird die CarterAdministration den schließlichen Beitritt Spaniens zur NATO unterstützen?
Die zweite Frage ist: Welche Meinung hat die Carter-Adninistration zu der
Möglichkeit der Schaffung einer Parallel-NATO für den Südatlantik - d.h.
eines Bündnisses, das aus mehreren südamerikanischen Ländern sowie wahrscheinlich Südafrika besteht?
Antwort: Lassen Sie mich die zweite Frage zuerst beantworten. Soweit
ich weiß, haben wir keinerlei Absicht, ein südatlantisches Bündnis zu schaffen.
Die Regierung hat sich die Ansicht zu eigen gemacht, daß dir lateinamerikanischen
Länder nicht in angemessener Weise als eine homogene Gruppe behandelt werden
können, sondern daß ein jedes Land seine eigene bestimmte Kultur, seine
eigenen bestimmten politischen Vorkehrungen hat und daß die Carter-Administration
sich mit ihnen entsprechend befassen wird; ein jeder ist ein wertvoller
Gesprächspartner in der Gemeinschaft der Nationen.
Hinsichtlich des
- 13 -

�Hinsichtlich des spanischen Beitritts zur NATO muß ich sagen, daß dies eine
Angelegenheit ist, über die die spanische Regierung entscheiden muß. Es ist
ganz klar, daß die Tatsache, daß Spanien sich in Richtung auf eine demokratische Regierungsform bewegt und demokratische Wahlen abgehalten hat, die
Haltung der NATO in bezug auf eine Mitgliedschaft Spaniens

beeinflußt oder

zumindest meiner Meinung nach beeinflussen sollte. Ja, es ist bemerkenswert,
daß es in Europa

keine nicht-leninistische

Diktaturen oder autoritäre

Staaten mehr gibt. Es ist jedoch Sache des spanischen Volkes und

der

spanischen Regierung, darüber zu entscheiden, ob sie sich der NATO anschließen
möchten. Die Reaktion der USA zu jenem Zeitpunkt wird zweifellos wohlwollend
sein, was unsere Überzeugung anbetrifft, daß Spanien sich in Richtung auf
eine demokratische Regierung bewegt hat und sowohl die politischen als auch
die militärischen Interessen mit dem übrigen Europa teilt. Aber, es ist Sache
des spanischen Volkes, zu entscheiden, was es tum möchte; und dann ist es
Sache aller NATO-Länder zu entscheiden, was sie tun möchten. Und dann wiederum
ist es Sache

aller NATO-Länder zu entscheiden

- falls ein solcher Schritt

erfolgt - darauf zu antworten.
Noch eine Frage.
Frage: Die Sowjets könnten diesen schließlichen Beitritt als eine Provokation interpretieren. Würde dies nicht der Kriedensdoktrin Präsident Carters
entgegenstehen?
Antwort: Beziehen Sie sich nun auf die gleiche Frage? Das heißt, wäre
ein spanischer Beitritt zur NATO eine Provokation für die Sowjetunion?
Nun, die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, und für einen eventuellen
Angreifer ist die gemeinsame Verteidigung in der Tat eine Provokation.
+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation
United States Information Service

32

14. Dezember 1977

PRÄSIDENT CARTER LEGT DRITTEN HALBJAHRESBERICHT ZUR KSZE VOR
- Wortlaut des Einführungskapitels -

WASHINGTON - AD - Präsident Jimmy Carter hat am 5. Dezember der
amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa durch
Außenminister Vance seinen dritten Halbjahresbericht unterbreitet, in dem
es heißt, daß im Hinblick auf die Verwirklichung der Menschenrechtsbestimmungen der Schlußakte von Helsinki zwar einige

Fortschritte erzielt

worden seien, daß jedoch in dieser Beziehung noch große Arbeit geleistet
werder Tnüsse.
Das Einführungskapitel des 76-seitigen Berichtes hat folgenden Wortlaut:
Während des Berichtszeitraumes war die wichtigste Entwicklung hinsichtlich der Verwirklichung der auf der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE) eingegangenen Verpflichtungen der Beginn der
ersten KSZE-Folgekonferenz

am 4. Oktober in Belgrad.

Die Ernennung des hervorragenden amerikanischen Juristen und Diplomaten
Arthur J. Goldberg zum Vorsitzenden der US-Delegation und zum KSZE-Sonderbotschafter durch Präsident Carter unterstreicht die Bedeutung, die der

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�die der Präsident dem ganzen KSZE-Prozeß und der Belgrader Konferenz im
besonderen beimißt. Diese Konferenz bietet die erste Gelegenheit, einen
Überblick über die in der KSZE-Schlußakte enthaltenen Absprachen vorzunehmen,
die im August 1975 von 35 Staats- und Regierungschefs in Helsinki unterzeichnet wurde, Sie bietet ferner ein Forum, vor dem der persönliche Einsatz
des Präsidenten für einen Dialog über humanitäre Fragen als einen der
fundamentalen Aspekte der Entspannung unmißverständlich dargelegt werden
kann.
Botschafter Goldberg leitet eine Delegation, der alle Kongreßmitglieder
der KSZE-Kommission wie auch Mitglieder des Arbeitsstabes der Kommission,
eine Reihe hervorragender Repräsentanten der Wirtschaft, des akademischen
Lebens, der Gewerkschaften und anderer Sektoren des öffentlichen Lebens
sowie Vertreter verschiedener Ministerien und Regierungsbehörden, darunter
des Außen-, Handels- und des Verteidigungsministeriums, angehören. Bei der
Vorbereitung der Belgrader Konferenz ersuchte die Delegation der Vereinigten
Staaten um die Unterstützung noch anderer Ministerien und verschaffte sich
mit Hilfe der KSZE-Kommission ein Bild über die Absichten zahlreicher privater
Organisationen, deren Interesse von den Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki berührt werden.
Als Folge davon ging Botschafter Goldberg mit der breiten Unterstützung
des amerikanischen Volkes für seine wichtige Aufgabe nach Belgrad. Im Rahmen
der vom Präsidenten persönlich gebilligten Anweisungen sind alle Delegationsmitglieder bestrebt, sicherzustellen, daß die Belgrader Gespräche zu einer
ehrlichen und freimütigen Überprüfung von Gebieten führen, auf denen bereits
Fortschritte erzielt worden sind, und von Gebieten, auf denen noch größere
Anstrengungen unternommen werden müssen, insbesondere auf dem entscheidend
wichtigen Feld der Menschenrechte.
Die Regierung teilt die Ansicht, die in dem anläßlich des zweiten Jahrestages der Gipfelkonferenz von Helsinki von der KSZE-Kommission veröffentlichten
Bericht zum Ausdruck gebracht worden ist» daß die Schlußakte bedeutsame Möglichkeiten für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost und West bietet.
Wir sind ebenfalls der Meinung, daß ein großer Teil dieser Möglichkeiten
- 2 -

�Möglichkeiten noch verwirklicht werden muß. Die Belgrader Konferenz hat die
einzigartige Möglichkeit geboten, dem mit der Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki eingeleiteten langfristigen Prozeß neue Imni'lse zu geben und
sicherzustellen, daß das durch diesen Prozeß gebotene große Potential nicht
zerstört wird»
Die Belgrader Konferenz stellt ein neues Vorhaben in der Geschichte
der Ost-West-Beziehungen dar. Es handelt sich um keine Verhandlung als solche,
und sie strebt auch kein neues Abkommen oder Veränderungen in der Schlußakte
von Helsinki an. Ihre Aufgabe besteht darin, einen Meinungsaustausch über
Erfahrungen zu führen, die während der letzten zwei Jahre gewonnen wurden,
sowie Mittel und Wege für eine Vertiefung der Zusammenarbeit in der Zukunft
zu finden. Die im Laufe dieses Meinungsaustausches gewonnenen Erfahrungen
werden eines der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz sein. Gestützt auf
diese Erfahrungen sollten die Teilnehmer besser in der Lage sein, eine Verwirklichung der Bestimmungen anzustreben, sowohl in ihren eigenen Ländern
als auch in ihren bilateralen Beziehungen in den könnenden Jahren,
Die Belgrader Konferenz tagte am 1. Dezember noch, und sie wird in
vollem Umfang im nächsten Halbjahresbericht erörtert werden. Während der
ersten beiden Monate der Gespräche haben Botschafter Goldberg und die
amerikanische Delegation jedoch bei der Förderung einer vollen und offenen
Diskussion der anstehenden Fragen eine führende Rolle eingenommen.
In seiner ersten Ansprache auf der Konferenz in Belgrad unterstrich
Botschafter Goldberg das nachdrückliche Eintreten der USA für eine umfassende
und detaillierte Überprüfung der Verwirklichung der Bestimmungen und betonte,
daß eine Verbesserung der politischen Erziehungen zwischen den KSZE-Teilnehmerstaaten nicht von dem Fortschritt hinsichtlich humanitärer Fragen und hinsichtlich der Mense+ienrechte getrennt werden könne, Wenn Botschafter Goldberg
auch deutlich machte, daß alle KSZE-Staaten ihr Verhalten im Hinblick auf die
Verwirklichung der Bestimmungen verbessern könnten, so hat er doch klargestellt,
daß die Staaten des Ostens noch den weitesten Weg in Richtung auf die Erfüllung

- 3 -

�Erfüllung der in Helsinki vereinbarten Verpflichtungen gehen müßten. Er
erklärte, daß die amerikanische Delegation in konstruktiver Weise ihre
Anstrengungen auf eine Förderung dessen konzentrieren würde, was das nobelste
gemeinsame Ziel der Belgrader Konferenz ist, nämlich dem Prozeß der Entspannung einen humanen Aspekt und humanitäre Konturen zu geben.
Die Vereinigten Staaten haben sich seither gemeinsam mit den westlichen
Verbündeten und mit zahlreichen neutralen und blockfreien Staaten ständig
darum bemüht, die von der Schlußakte geforderte gründliche und objektive
Diskussion zu führen. Wir haben spezifische Beispiele angeführt, um jene
Gebiete zu illustrieren, auf denen unserer Meinung nach eine verbesserte
Verwirklichung der Bestimmungen erforderlich ist, und wir haben Behauptungen
zurückgewiesen, daß eine Erörterung der KSZE-Verwirklichungsbestimmungen
eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten darstelle.
Die bisher von der amerikanischen Delegation aufgeworfenen Fragen umfassen
alle drei Körbe der Schlußakte und schließen beispielsweise ein:
- Die repressiven Maßnahmen, die in einigen Ländern gegen Menschenrechtsaktivisten unternommen wurden und insbesondere gegen solche Einzelpersonen
und Gruppen, deren Tätigkeit sich ausschließlich auf die Förderung der Ziele
und Verheißungen der Schlußakte beziehen;
- die andauernden Fälle geteilter Familien und der Behinderung der Bewegungsfreiheit von Menschen zwischen östlichen und westlichen Ländern;
- die Schwierigkeiten, auf die in einigen östlichen Ländern westliche
Journalisten und Wissenschaftler treffen, die ihrer beruflichen Tätigkeit
nachgehen wollen;
- die Schwierigkeiten, denen sich nationale Minderheiten und ethnische
Gruppen bei der Verwirklichung der Rechte gegenübersehen, die in den
Prinzipien sieben und acht der Schlußakte anerkannt werden, sowie die anhaltende Verweigerung der religiösen Freiheiten in einigen Ländern - Freiheiten,

- 4 -

�Freiheiten, die von der KSZE bekräftigt werden;
- der langsame Fortschritt in einigen Ländern hinsichtlich der Erleichterung des Zugangs zu Informationen, die zur Erweiterung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West erforderlich sind, sowie die
anhaltende Behinderung von informellen Kontakten und der Zusammenarbeit
zwischen östlichen und westlichen Wissenschaftlern;
- die anhaltende Störung von internationalen Rundfunksendungen seitens
einiger östlicher Länder trotz der Bestimmungen der Schlußakte, die einen
freieren Austausch von Informationen aller Art vorsehen, und
- die Weigerung einiger KSZE-Länder, sich an die Absprachen hinsichtlich
der Zustellung gewöhnlicher und eingeschriebener Postsendungen zu halten und das trotz des Prinzips zehn der Schlußakte, die die Erfüllung der Verpflichtungen im Rahmen des Völkerrechts vorsieht.
Wenn wir auch der Meinung sind, daß die Belgrader Konferenz sich eingehend mit all diesen Problemen befassen muß, so sind wir uns doch genauso
darüber im klaren, daß der Prozeß einer Durchführungs-Überprüfung schwierig
und kompliziert ist. Die Schlußakte von Helsinki enthält breitangelegte
Verpflichtungen, deren Erfüllung in erster Linie in den Verantwortungsbereich
der einzelnen Staaten fällt; sie enthält keine Bestimmungen für die Durchsetzbarkeit der Verpflichtungen oder für eine Vereinbarung, wie sie ausgeführt werden sollten. Wenn auch alle Signatarstaaten die Verpflichtungen
der Schlußakte akzeptiert haben, so gibt es doch reale Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen hinsichtlich der Frage, wie diese Verpflichtungen
interpretiert oder ir die Praxis umgesetzt werden sollten. Die Vereinigten
Staaten sind sich darüber im klaren, daß die KSZE ein langfristiger Prozeß
ist und daß die Praktiken vieler Jahrzehnte nicht alle in zwei Jahren verändert werden können. Wir sind daher mehr denn je entschlossen, geduldig und
unbeirrt - solange dies notwendig sein mag - daran zu arbeiten, daß die in
Helsinki erklärten Ziele erreicht werden. Wie Außenminister Vance am 6. Juni 1977

- 5 -

�am 6. Juni 1977 in seiner Aussage vor der KSZE-Kommission erklärt hat:
"Die KSZE-Schlußakte ist von 35 Staats- und Regierungschefs nach dreijährigen
intensiven Verhandlungen gebilligt worden. Unternehmungen dieses Gewichts
können daher nicht einfach abgeschwächt oder übersehen werden."
Die Verwirklichungs-

und Durchführungsbilanz, die gegenwärtig in Belgrad

untersucht wird, ist gemischt - es gibt Hinweise für Optimismus und für
Besorgnisse. Die umfassenden Prinzipien von Korb eins bezüglich der Beziehungen
zwischen den Staaten werden weiterhin besser respektiert als die Prinzipien,
die die Beziehungen zwischen Staaten und ihren Völkern betreffen, obwohl eine
echte Sicherheit in Europa die Beseitigung willkürlicher Inhaftierungen
oder Verfolgungen nicht weniger erfordert als die Beseitigung der Gefahr eines
Krieges. Die Vereinigten Staaten haben immer alle wirksamen Initiativen
für eine Kontrolle des Wettrüstens begrüßt und werden sie auch weiterhin
ernsthaft prüfen; dies ist bereits das T hema ainer Anzahl von Verhandlungen,
die gegenwärtig außerhalb des KSZE-Kontextes stattfinden. Der Appell
Präsident Carters vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Oktober,
die amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale um fünfzig Prozent zu
reduzieren, beweist, wie sehr wir nicht nur für Rüstungsbegrenzungen, sondern
auch für tatsächliche Reduzierungen der Streitkräfte und der Rüstugen eintreten. Wenn wir auch mit unseren Verbündeten die Ansicht teilen, daß die
KSZE nicht das geeignete Forum für die Behandlung spezifischer Rüstungskontroi lmaßnahmen ist, sind wir doch davon überzeugt, H aß unsere ernsthafte
und konstruktive Haltung gegenüber Sicherheitsfragen in Belgrad das Klima
des Vertrauens in Europa fördern und dadurch zur Schaffung der Grundlage beitragen wird, die zur Durchführung von Rüstungsreduzierungen notwendig ist.
Darüber hinaus werden die Vereinigten Staaten jedoch mit Nachdruck auf
jene Bestimmungen von Korb eins dringen, die sich auf die Sicherheit von
Einzelpersonen beziehen. Durch die Einbeziehung der Menschenrechte in die
Grundsatzerklärung der Schlußakte haben alle Signatarstaaten bekräftigt, daß
die Achtung der Menschenrechte ein legitimes

Gesprächsthema zwischen ihnen

ist. Wir haben legale und moralische Verpflichtungen, für eine volle Verwirk-

�Verwirklichung des Prinzips der Menschenrechte zu arbeiten und ihre
bisherige

Verwirklichung in Belgrad zu überprüfen.

Was den Bereich des Korbes zwei angeht, so erkennen wir einige Fortschritte bei der

wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit,

was eine positive Fortsetzung des Prozesses bedeutet, der bereits vor Helsinki eingesetzt hatte. Bestimmte Probleme bestehen jedoch fort, wie
beispielsweise die beklagenswerte Haltung einiger Länder hinsichtlich der
Gewährung wichtiger Informationen für Geschäftsleute oder die Schwierigkeit
einer privaten Zusammenarbeit

zwischen Wissenschaftlern aus Ost und West.

Auch dieo sind Fragen, die von der Belgrader Konferenz in der Hoffnung
geprüft werden, daß sich Verbesserungen und eine größere Zusammenarbeit
ergeben.
Die Situation hinsichtlich der Verwirklichung der humanitären Bestimmungen
der Schlußakte ist von besonderem Interesse für die Millionen von Menschen,
deren Familien und deren Leben das Ost-West-Verhältnis berührt. Wenn auch
einige Fortschritte seit der Gipfelkonferenz von Helsinki erzielt worden
sind, so bleibt doch noch viel zu tun übrig. Wir werden auch weiterhin in Belgrad wie anderswo - humanitäre Einzelfälle mit den östlichen Regierungen
erörtern. Gerade weil die Schlußakte ein ausgewogenes Dokument ist, das als
ein integriertes Ganzes betrachtet werden muß, müssen wir unsere Stimme
erheben, wenn ernsthafte Mängel bei der Verwirklichung irgendeines Abschnittes
(der Schlußakte) festgestellt werden.
Wir sind auch weiterhin bereit, in Belgrad über Kritik an unseren eigenen
Praktiken zu sprechen, wie wir ja auch von anderen erwartet haben, daß sie in
konstruktiver Weise die Ansichten erörtern, die wir über ihre Praktiken

zum

Ausdruck bringen. Auf dem Gebiet der Menschenrechte sind wir der Ansicht, daß
die Macht des Rechts und die Politik der Regierung in den USA auf eine größere
Respektierung des Rechts des Einzelnen und auf die Milderung von Mißbräuchen
gerichtet ist, sollten solche Rechte nicht voll und ganz beachtet werden. Wir
sind stolz auf unsere Leistungen; wir sind jedoch auch bereit, die Dinge zu

- 7 -

�Dinge zu verbessern und auf allen Gebieten noch mehr zu tun.
So hat Präsident Carter beispielsweise während des Berichtszeitraumes
die Konventionen der Vereinten Nationen über die Menschenrechte unterzeichnet,
die speziell in der Grundsatzdeklaration der Schlußakte hervorgehoben wurden.
Wir haben ferner Maßnahmen ergriffen - sie werden in dem nachfolgenden Bericht
erörtert -, die bestimmten Gruppen von Leuten die Reise nach den USA gestatten, nachdem sie dies in der Vergangenheit manchmal aufgrund ihrer
politischen Zugehörigkeit nicht tun konnten. In gleicher Weise hat Präsident
Carter im wesentlichen aufgrund der KSZE und auf Empfehlung der KSZE-Kommission
ein Gremium ernannt, das Mittel und Wege zur Verbesserung des Studiums fremder
Länder und der Fremdsprachen in den Vereinigten Staaten vorschlagen soll.
Die USA erörtern in Belgrad zusammen mit anderen Ländern auch eine Reihe
neuer Initiativen, um die Verwirklichung der Schlußakte durch alle Teilnehmerstaaten zu fördern. Wenn diese Vorhaben auch in keiner Weise eine Verbesserung
der Schlußakte darstellen sollen, so sollten sie doch die Schwungkraft und
Impulse des KSZE-Prozesses erhalten und zur Erfüllung der bestehenden Bestimmungen ermutigen. Wir fördern und unterstützen in Belgrad eine Reihe von
Vorschlägen, die diesen Zielen in bester Weise zugute kommen.
Die folgenden Kapitel bieten eine Übersicht über die Verwirklichung der
KSZE-Bestimmungen während der letzten sechs Monate. Das Fazit zeigt einige
Gebiete des Fortschritts zusammen mit einigen Gebieten der Untätigkeit oder
gar der Verschlechterung. Wie Botschafter Goldberg jedoch auf der Eröffnungssitzung der Belgrader Konferenz erklärt hat: "Diese Konferenz in Belgrad
ist ein Stadium eines dynamischen Prozesses und eines kontinuierlichen Dialogs
... Wir sind dem Anfang näher als dem Ende.
+ + + + +

- 8 -

�Ulirl/choft
United States Information Service

14. Dezember 1977

32

WIE STARK IST DER US-DOLLAR WIRKLICH?
von George E. Cruikshank
Vizepräsident der Morgan Guaranty Trust Company

NEW YORK -- AD -- Der amerikanische Dollar ist in den letzten Wochen
von der Presse mit ganz ungewöhnlicher Aufmerksamkeit bedacht worden.
Zeitungen, die Währungs- und Finanzfragen normalerweise in ihrem Wirtschaftsteil bringen, erschienen häufig auf der ersten Seite mit langen Berichten
über die amerikanische Währung. Und in den Schlagzeilen hieß es, "Kurssturz"
des Dollar oder "amerikanische Währung erreichte neuen Tiefststand".
Viele, die solche Berichte lesen, fragen sich mit Recht, worauf das
starke Abgleiten des Dollar-Kurses wohl zurückzuführen ist. Bedeutet ein
"schwacher"Dollar, daß die Vereinigten Staaten ihren Wettbewerbsvorsprung
auf den Weltmärkten verloren ,aben? Müssen sich hieraus zwangsläufig
schwerwiegende wirtschaftliche Folgen ergeben?
Eine Antwort auf solche Fragen bedingt, daß man die Situation des
Dollars von verschiedenen Gesichtspunkten her beleuchtet, und dies wiederum
erfordert eine eingehende Untersuchung zahlreicher Gebiete. Der hohe Preis
des arabischen Erdöls, das Vordringen der japanischen Exporte auf den Welt-

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�Weltmärkten, die niedrige Weizenernte in Rußland, das langsame Wirtschaftswachstum in Europa, die Preisentwicklung in Amerika - alle diese, und noch
viele andere Fragen wirken sich auf den Kurs des US-Dollars und den anderer
wichtiger Währungen an den Devisenmärkten aus.
Der Dollar-Kurs ist an den Devisenmärkten in der Tat in den letzten
Wochen zurückgegangen und zwar erheblich.. Aber dieser Rückgang beschränkte
sich auf einige wenige Währungen - vor allem auf den Japanischen Yen, den
Schweizer Franken und die Deutsche Mark. Dagegen konnte sich der DollarKurs gegenüber verschiedenen anderen Währungen - so unter anderem gegenüber
dem Kanadischen Dollar, der Spanischen Peseta oder der Schwedischen Krone festigen. Und die Abschwächung des Dollar-Kurses gegenüber den Währungen von
15 wichtigen Handelsnationen, als Gruppe betrachtet, war nur relativ gering.
Im Gegensatz zu dem starken Rückgang des Dollar-Kurses gegenüber einigen
wenigen Währungen fiel der Dollar - auf so breiter Basis gemessen - in den
letzten zwei Monaten lediglich um circa 1,5 Prozent zurück.
Die Wirtschaftswissenschaftler sind sich seit langem der Notwendigkeit
bewußt, die Veränderungen des Kurses einer bestimmten Währung gegenüber den
anderen Hauptwährungen - wobei einige gegenüber dieser Währung vielleicht
einen Kursanstieg, andere einen Kursrückgang zu verzeichnen

haben - auf eine

wirtschaftlich aussageträchtige Weise zu messen. Die Idee ist, einen Maßstab für effektive Wechselkursveränderungen zu entwickeln, der die Auswirkungen

unterschiedlicher Wechselkursbewegungen

auf die Wettbewerbs-

position eines Landes gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern zusammenfaßt.
Es ist jetzt sechs Jahre her, daß der Morgan Guaranty Trust (MGT) einen
Maßstab für die nach dem Handelsdurchschnitt gewogenen Wechselkursveränderungen
des Dollar - gegenüber den Hauptwährungen - auf der Basis der Wechselkursparitäten eingeführt hat, wie sie vor dem Juni 1970 bestanden haben. Dieses
Ausgangsdatum war gewählt worden, weil es als Beginn des Floatens der
Wechselkurse betrachtet werden muß. Die MGT-Berechnung gibt einen quantitativen

- 2 -

�quantitativen Anhalt für die Auswirkungen von Wechselkursveränderungen auf
die Wettbewerbsposition der Volkswirtschaft eines jeden Landes auf den
Weltmärkten - einschließlich seines eigenen Binnenmarktes. Dabei wird
davon ausgegangen, daß Änderungen des Wechselkurses einer Währung eine
unterschiedliche Wirkung haben können, je nachdem, welche Währungen gegenüber dem US-Dollar auf- oder abgewertet haben« Die Gewichtung in der MGTAufstellung erfolgt proportional zu dem jeweiligen bilateralen Handel der
Vereinigten Staaten mit diesen 15 Ländern. So würde eine Aufwertung des
kanadischen Dollar gegenüber der amerikanischen Währung um ein Prozent acht
mal so viel wiegen wie eine Aufwertung des holländischen Guldens um ein
Prozent, denn der Anteil Kanadas am US-Handel mit den 15 Ländern beträgt
das Achtfache des Anteils der Niederlande. Ebenso wiegen Wechselkursveränderungen der japanischen Währung nur halb so schwer wie solche der kanadischen Währung - entsprechend dem geringeren Anteil Japans am US-Handel mit
diesen 15 Ländern.
Tabelle 1 im Anhang gibt die effektiven Wechselkursänderungen des
US-Dollar gegenüber den 15 Hauptwährungen - gewichtet nach dem durchschnittlichen bilateralen Handel der Jahre 1974/75 - wider. Sie zeigt, daß
der Wert des US-Dollar in der am 18. November zu Ende gegangenen Woche trotz
allem nur rund 11,6 Prozent unter der Parität lag, wie sie vor dem Juni 1970
galt. Dieser Wert war auch nur geringfügig niedriger als der für Anfang
1977 errechnete Wert von 11,4 Prozent, Der Japanische Yen, die Deutsche Mark
und der Schweizer Franken sind gegenüber dem US-Dollar im Wert stark gestiegen,
wobei die Zunahme 40, 39 und 65 Prozent betrug. Da jedoch der Handel mit
diesen drei Ländern zusammen nicht so stark gewichtet wird wie der mit Kanada
allein, hat der eingetretene Rückgang des Wertes des Kanadischen Dollar gegenüber dem US-Dollar dazu beigetragen, den Rückgang des Wertes der amerikanischen
Währung insgesamt - nach dem durchschnittlichen Handel gewogen - etwas abzumildern.
Warum ist nun der Kurs des US-Dollar gesunken? Der jüngste Druck auf
den Dollar ist zu einem großen Teil auf die Verschlechterung der amerikanischen

- 3 -

�amerikanischen Handelsbilanz zurückzuführen» Die Vereinigten Staaten werden
in diesem Jahr für rund 30 Milliarden Dollar mehr importieren als exportieren, also ein Handelsdefizit aufweisen, das über dreimal so groß
ist wie 1976 (siehe Tabelle 2 ) . Der kürzlich bekanntgegebene Rückgang der
Getreideernte in Rußland wird vielleicht zu größeren Getreidelieferungen
aus den Vereinigten Staaten führen und so das Handelsdefizit etwas verringern.
Ganz allgemein stehen jedoch die Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz schlecht, und es ist für 1978 mit einem Handelsdefizit zu rechnen,
das noch höher ausfallen dürfte als in diesem Jahr. Zu dem Rückgang des
Dollar-Kurses hat aber auch beigetragen, daß das Ausland immer weniger
bereit ist, die als Folge des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits erworbenen Dollar zu halten. Da der US-Dollar gegenüber den anderen Währungen
floatet, haben die Verkäufe der unerwünschten amerikanischen Währung ebenfalls zu einem Rückgang des Dollar-Kurses geführt.
Die Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz in diesem Jahr
ist zum größten Teil auf die stark gestiegenen Erdölimporte zurückzuführen,
die sich bis zum Jahresende auf rund 45 Milliarden Dollar stellen dürften
gegenüber Erdöl einfuhren von 35 Milliarden Dollar 1976 und von 27 Milliarden
Dollar 1975. Die Agrarexporte sind in diesem Jahr zurückgegangen, und das
Gleiche gilt auch für die Erlöse aus den Fertigwarenexporten. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit Amerikas - was die Preise anbetrifft - hat
in den letzten Jahren ebenfalls gelitten - ganz besonders gegenüber den
Produzenten in der Bundesrepublik Deutschland und in Japan. Die Entwicklung
der Inflationsraten in den USA und in den übrigen Ländern zeigt Tabelle 3.
Und schließlich ist der Druck auf den US-Dollar auch auf die Ungewißheit
zurückzuführen, ob es in den Vereinigten Staaten zu einem wirksamen Energieprogramm kommen wird.
Für die Deutsche Mark und den Japanischen Yen, deren Kurse nach oben
tendieren, ergibt sich genau die umgekehrte Situation wie in den USA: ein
expandierender Handel mit hohen Überschüssen. Japan zum Beispiel kann dieses
Jahr mit einem Handelsüberschuß von 17 Milliarden Dollar rechnen gegenüber

�gegenüber einem Handelsliberschuß von 10 Milliarden Dollar 1976. Obwohl der
Yen gegenüber dem Dollar aufgewertet ist - wodurch die japanischen Exportguter in den USA und auf den Weltmärkten teuerer geworden sind - bleiben die
japanischen Erzeugnisse weiterhin wettbewerbsfähig, Ähnlich hat sich auch
der Kurs der Deutschen Mark aufgrund einer starken Handelsbilanz und der
niedrigsten Inflationsrate aller Industriestaaten , mit Ausnahme der Schweiz,
immer weiter gefestigt. Der verhältnismäßig niedrige Anstieg der Einkommen
aus Lohn und Gehalt in der Bundesrepublik Deutschland im ersten Halbjahr 1977
erleichterte ebenfalls die Eindämmung der Inflation. Und die pünktliche
Einhaltung der Lieferfristen sowie ein guter Service haben bewirkt, daß
deutsche Erzeugnisse für ausländische Käufer weiter attraktiv bleiben.
Der Kanadische Dollar, dessen Kurs gegenüber dem US-Dollar dieses Jahr
erheblich abgefallen ist, hatte unter einer lauen Wirtschaftstätigkeit, einer
wachsenden Inflation und den politischen Entwicklungen in der Provinz Quebec
zu leiden. Die niedrigeren Zinsen hatten geringere ausländische Investitionen
in kanadischen Schuldverschreibungen zur Folge. Der Druck in Richtung auf
höhere Preise und Löhne dürfte Anfang 1978 noch zunehmen, wenn die seit zwei
Jahren bestehenden Lohn- und Preiskontrollen aufgehoben werden.
So viel über die Entwicklung des Dollar-Kurses während der letzten
Monate gegenüber den übrigen Hauptwährungen. Aber was kommt jetzt? Wird der
Kurs des US-Dollar weiter zurückgehen? Voraussagen über künftige Wechselkursveränderungen sind eine gefährliche Sache - voll gefährlicher Klippen. Die
Wirtschaftswissenschaftler sind über die künftige Entwicklung häufig unterr
schiedlicher Meinung. Auf die Bitte, etwas über die künftige Kursentwicklung
des US-Dollar zu sagen, gab eine Gruppe amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler kürzlich folgende Antworten: Ein Drittel rechnete mit einem Steigen des
Dollar-Kurses; ein Drittel erwartete einen Rückgang des Dollar-Kurses; und
ein Drittel meinte, daß sich nichts ändern werde. Das war also die Ansicht
der Experten.
Ohne irgendwelche

�Ohne irgendwelche

Geheiminformationen preiszugeben, läßt sich wohl

sagen, daß sich an der Schwäche des Dollar-Kurses gegenüber dem Yen, der
DM und dem Schweizer Franken vorerst nichts ändern dürfte, Die grundlegenden Fakten - die die Wirtschafts- und Währungssituation maßgebend
beeinflussen - lassen keine derartige Änderung erwarten. Auf jeden Fall
wird der Dollar, gewichtet nach dem durchschnittlichen bilateralen Handel,
in der nächsten Zeit, etwa den nächsten sechs Monaten, voraussichtlich
keine wesentlichen Änderungen erfahren»
Die jüngste Schwäche des US-Dollar wie auch das hohe Handelsdefizit
der USA bereiten vor allem deshalb Sorge, weil sie zu einem Wiederaufflammen
des Protektionismus überall auf der Welt führen könnten. Eir Rückgang des
Dollar-Kurses bedeutet, daß die amerikanischen Erzeugnisse auf den Weltmärkten billiger werden. Die anderen Länder könnten nun Maßnahmen ergreifen,
um durch Errichtung von Handel schranken den amerikanischen Importen Einhalt
zu gebieten. In den Vereinigten Staaten selbst wird bereits von Seiten verschiedener Industriezweige Druck ausgeübt, den Vormarsch ausländischer Erzeugnisse auf dem amerikanischen Markt zu unterbinden.
Die folgenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen wären dringend erforderlich, wenn die Welt nicht in die alten Beschränkungen und Restriktionen für
Waren, Dienstleistungen und Kapital zurückfallen soll - Restriktionen, die
nur der Weltwirtschaft schaden würden:
-- Die starken Volkswirtschaften, vor allem die Bundesrepublik Deutschland
und Japan, müssen mehr zur Belebung der Wirtschaftstätigkeit tun und ihre
Einfuhren steigern. Das wäre das sogenannte Lokomotiv-Verfahren, bei dem die
Länder mit einer starken Zahlungsbilanzposition und einem guten Preisklima
die Weltwirtschaft aus ihrem gegenwärtig stagnierenden Wachstum herausziehen.
-- Die Vereinigten Staaten brauchen ein starkes und wirksames Energieprogramm, das sowohl Versorgung wie auch Verbrauch lenkt. Bei einem Rückgang
der Erdölimporte - und einem Anstieg der Fertigwarenexporte in andere Länder

�Länder, vor allem nach Japan - würde der amerikanische Außenhandel wieder
ein vernünftiges Gleichgewicht erreichen können. Leider trägt das Energiegesetz, das zur Zeit dem Vermittlungsausschuß in Washington vorliegt, nach
meiner Meinung dieser Situation noch nicht in ausreichendem Maße Rechnung.
Es steht zu hoffen, daß 1978 auf dem Energiesektor weitere Maßnahmen ergriffen werden.
Das - bereits erschütterte - Vertrauen in den US-Dollar kann wohl kaum
wiederhergestellt werden, so lange nicht den zwingenden Erfordernissen auf
dem Energiesektor entsprochen worden ist.

Tabelle 1
Die effektiven Wechselkursveränderungen des US-Dollar zu einer Gruppe
von Hauptwährungen - gewichtet nach dem durchschnittlichen bilateralen Hände
der Jahre 1974/75 - in Prozenten gegenüber den vor dem Juni 1970 geltenden
Paritäten:

USA
-10,91

Kanadi
Kanada

-10,84

-4,14
-2,48

Oktober
Oktober
Oktober
November
November

-10,82
-10,84

-3,76
-4,83

-10,98
-11,59
-11,34

-5,15
-5,22
-5,47

18. November

-11,64

-5,56

1. Oktober
7. Oktober
14.
21.
28.
4.
11.

Japan
35,62
33,21
35,20
36,15
37,28
38,76
39,31
40,55

Großbritannien
-38,79

Bundesrepublik
Deutschland
38,79

-39,11

38,30

-38,93
-38,82
-38,76
-37,29
-37,61
-37,43

38,43
39,06
39,18
39,45
39,69
39,89

Tabelle 2

�Tabelle 2
Handelsüberschuß/Defi zi t in Mill iarden Dollar
1975

1976

1977+

1978+

USA

11,01

-9,20

-30,00

-35,00

Bundesrepublik
Deutschland

1Q n Q
iy uy

18,31

21,00

23,00

5,03

9,89

17,00

15,00

Großbritannien

-7,00

-6,41

-4,00

-2,50

Kanada

-0,52

1,21

2,50

3,00

Frankreich

1,52

-4,19

-2,75

-2,00

Italien

0,07

-2,26

0,50

1,00

Holland

2,54

2,93

1,30

1,70

Schweiz

0,05

0,53

-0,50

-0,50

14,68

-4,04

Japan

Alle Industriestaaten

'

Schätzungen des Morgan Guaranty Trust

Tabelle 3
Inflationsraten (von Dezember zu Dezember auf der Basis des Indexes
Verbraucherprei se)
1974

1975

1976

1977'

12,2

7,1

4,7

6,8

5,9

5,4

4,0

4,0

Japan

21,9

8,2

10,6

7,0

Großbritannien

19,1

24,9

15,1

14,0

Kanada

12,4

Frankreich

15,2

9,5
9,6

5,8
9,9

8,0
9,0

Italien

24,5

11,2

22,0

16,0

Holland

10,7

Schweiz

7,6

9,1
3,4
9,0

8,3
1.3
8.1

7,0
1,5
8,0

USA
Bundesrepublik
Deutschland

Alle Industriestaaten
+

16,0

Schätzungen des Morgan Guaranty Trust
+ + + + +

�Wift/chciH
United States Information Service

14. Dezember 1977

32

INFLATION DURCH EINKOMMENSPOLITIK BEKÄMPFEN
- Interview mit Professor Walter Heller -

Der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats der amerikanischen Regierung unter Präsident Kennedy, Professor Walter
Heller, lehrt heute an der Staatsumversität von Minnesota
Professor Heller genießt nicht nur in den USA, sondern auch
in der übrigen Welt als Wirtschaftswissenschaftler hohes Ansehen und immer wieder
holen Kongreß und Regierung in Washington
seinen Rat ein. In dem folgenden, auszugsweise wiedergegebenen Interview mit dem
Korrespondenten des US-Informationsamtes,
John J. Harter, nimmt Professor Heller zu
den wichtigen gegenwärtigen Wirtschaftsfragen Stellung
FRAGE:
höhlen.

Die Inflation scheint die Wirtschaft fast aller Länder auszu-

Warum ist das so?

ANTWORT: Lassen Sie mich mit einem ermutigenden Hinweis beginnen: Die
Inflation läßt in einigen wichtigen Ländern, unter anderem in den Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik Deutschland, in Japan und der Schweiz, Zeichen eines Abebbens erkennen. Trotzdem ist die Inflation immer noch ein weit-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�weitverbreitetes und ernstes Problem, und es wird sehr schwer fallen, sie
völlig unter Kontrolle zu bringen.
FRAGE:

Was können die Regierungen tun, um die Inflation unter Kontrolle

zu bringen?
ANTWORT:

zunächst einmal müssen sich die Regierungen darüber klar

sein, daß das übernommene Erbe der Inflation sehr komplex ist, daß es kein
einfaches Heilmittel gibt und daß erfolgreiche Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation ein beträchtliches Maß an politischem Wollen über geraume
Zeit hinweg erfordern.

Unter anderem setzt dies meines Erachtens eine gute

Einkommenspolitik voraus - eine Politik, die die Mitarbeit der mächtigen Gewerkschaften , der großen Wirtschaftsverbände und anderer Gremien gewinnt,
wie wir dies Anfang der sechziger Jahre bei den Lohn- und Preisleitlinien
hatten.
FRAGE:

Können Sie sich dazu äußern, welche Form von Einkommenspolitik

Ihres Erachtens eingeschlagen werden sollte?
ANTWORT: Das wird von Land zu Land verschieden sein, aber jede Volkswirtschaft braucht heute auf dem privaten Sektor irgendein freiwilliges oder
halb freiwilliges Programm, das mit zur Eindämmung der Lohn- und Preiserhöhungen beiträgt. Auf einem weiten Sektor der modernen Volkswirtschaften
genügt der Wettbewerb als Regulativ einfach nicht mehr, um dem inflationistischen Druck Einhalt zu gebieten. Das führt nur zu leicht dazu, daß
Unternehmer und Gewerkschaften praktisch gemeinsam Löhne und Preise erhöhen
und die höheren Kosten dann an die Verbraucher weitergeben.
Die Einkommenspolitik sollte dieses Problem anpacken, allgemeine Leitlinien, Normen und Markierungen für ein nicht-inflationäres Lohn- und Preisverhalten geben oder durch solche Hilfen dazu anspornen. Das bedeutet nun
nicht, daß ein riesiger bürokratischer Apparat in Gang gesetzt werden soll.
- 2 -

�soll.

Vielmehr sollte der Präsident oder jeweilige Regierungschef die öffent-

liche Meinung gegen die Inflationsmentalität mobilisieren.

Unser Beirat für

Lohn- und Preisstabilität könnte einen solchen von der öffentlichen Meinung
ausgehenden konzentrierten Druck nutzen, um Lohn- und Preisanhebungen in
Schlüsselbereichen der Wirtschaft hinauszuschieben.

Ich möchte aber noch weiter gehen.

Ich möchte, daß die Großindustrie

und die einflußreichen Gewerkschaften die Regierung über ihre Pläne für Lohnund Preiserhöhungen vorher unterrichten.

Auch wenn die Regierung solche

Lohn- und Preiserhöhungen nicht unterbinden kann, so würde ich es doch gerne
sehen, daß die Regierung dann diese Pläne der Öffentlichkeit unterbreitet
und sich dazu äußert, ob diese Pläne inflationär wirken oder nicht.

Ein

sorgfältiges Studium der unter den Regierungen Kennedy und Johnson in den
sechziger Jahren gemachten Erfahrungen hat gezeigt, daß wir auf diese Weise
Lohn- und Preiserhöhungen eindämmen konnten.

FRAGE:

Besteht nicht eines der Hauptprobleme bei der Eindämmung der

Inflation darin, wie ein Anreiz zu höheren Investitionen auf dem privaten
Sektor gegeben werden kann?

ANTWORT:

Wir müssen zwischen kurzfristig und langfristig unterscheiden.

Ein plötzlicher Investitionsboom kann zu einer Quelle der Inflation werden,
wenn die Wirtschaft bereits mit voller Kapazitätsauslastung arbeitet.

Doch

langfristig, wenn da die Privatindustrie Investitionen zur Modernisierung,
Mechanisierung, Rationalisierung oder Steigerung der Produktivität vornimmt,
so könnte das ein starker, dauerhafter Damm gegen die Inflation sein.

FRAGE:

Ist es heute nicht schwieriger, die Privatwirtschaft zu ange-

messenen Investitionen zu bewegen, als es dies eigentlich der Fall sein
sollte?

ANTWORT:

Ja, und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

Einmal

besteht heute ein beträchtliches Maß an Unsicherheit über den Kurs der
- 3 -

�der amerikanischen Wirtschaft - zum Beispiel Unsicherheit über das Energieprogramm, das im nächsten Jahr in Kraft treten soll, über die Steuerreform
und die Steuersenkungsvorschläge des Präsidenten und über die Höhe der Inflationsrate im kommenden Jahr.

Aber selbst wenn diese Unsicherheit nicht

wäre, würden die privaten Investoren nicht zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten schreiten, bevor sie wissen,:daß es auch einen Absatzmarkt für ihre Erzeugnisse gibt.

Und was die Investitionen überall auf der

Welt tatsächlich hemmt, ist die weit verbreitete Auffassung, daß bereits auf
vielen Wirtschaftssektoren überschüssige Kapazitäten vorhanden sind.
In den Vereinigten Staaten sind die Produktionskapazitäten nur zu 83
Prozent ausgenutzt, und die Bundesrepublik Deutschland, Japan und andere
Länder haben ebenfalls ungenutzte Produktionskapazitäten.

Der Grund hier-

für ist, daß die Verbraucherkaufkraft nicht ausreicht, um alles das zu absorbieren, was produziert werden könnte.
FRAGE: Sind Sie der Ansicht, daß Probleme wie Inflation und Rezession
über nationale Grenzen hinweg ansteckend wirken?
ANTWORT:

Ja, zu einem großen Teil.

Und die Abhängigkeit von der üb-

rigen Welt stellt bei Ländern, die 40 Prozent ihrer Güterzeugung exportieren, wie dies bei vielen europäischen Ländern der Fall ist, ein noch weit
größeres Problem dar.

Die Vereinigten Staaten selbst exportieren lediglich

10 Prozent ihrer Gütererzeugung, so daß die amerikanische Wirtschaft viel
immuner ist.
Doch wir tragen heute auf unseren Schultern einen größeren Teil der
Last, die sich für die Welt aus der Anpassung an die hohen Erdölpreise ergibt, sowie der Lasten, die sich aus den hohen Defiziten der Entwicklungsländer ergeben, als alle übrigen Länder zusammengenommen. Wir importieren
nicht nur Erdöl - viel zu viel, so möchte ich hinzufügen - wir importieren
auch zahlreiche andere Güter. Damit helfen wir den Volkswirtschaften der
anderen Länder - und ich meine, die Bundesrepublik Deutschland und Japan, dj_e

�die anderen großen Lokomotiven der Weltwirtschaft, ob sie dies nun gerne
hören oder nicht, sollten hier mehr tun, um zu helfen.

Die auf dem Londoner Wirtschaftsgipfel im Mai dieses Jahres anwesenden
Staatschefs hatten sich zu einer höheren Expansionsrate als im vorangegangenen Jahr verpflichtet - das waren zum Beispiel für die Bundesrepublik
Deutschland damals 5 Prozent und für Japan 6,5 Prozent.

In Wirklichkeit

haben sie jetzt noch nicht einmal dieses Ergebnis erreicht.
Das Ausmaß der internationalen Zusammenarbeit hat noch nicht den Punkt
erreicht, an dem die Regierungen zu einem gleichzeitigen und integrierten
Angriff auf diese zentralen Wirtschaftsprobleme bereit sind.
erlich.

Das ist bedau-

Es wird noch viel Zeit vergehen, bis eine allmähliche Stabilisie-

rung der Wirtschaft erreicht ist,

und das bedingt in der Zwischenzeit ein

hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit.

FRAGE:

So betrachten Sie die Handelspolitik als einen wichtigen Faktor

in dem inflationistischen Bild der Weltwirtschaft?

ANTWORT:

Ja, natürlich, aus zwei Gründen

Wenn ein großes Land wie

die Vereinigten Staaten die Zölle heraufsetzt, Importquoten verhängt oder
andere protektionistische Maßnahmen ergreift, dann erhöht es damit auch
seine eigene Inflationsrate.

Darüber hinaus führt dies für die gesamte Welt

zu einem Druck auf die Preise nach oben, da dann die Nachfrage eingeengt
wird, die Gütererzeugung bei den mit niedrigen Kosten arbeitenden Produzenten
abfällt, während sie bei den mit hohen Kosten arbeitenden Betrieben steigt.
Es ist also klar, daß konkurrierender Protektionismus, Handelskriege und
eine Bettelmannspolitik die Weltwirtschaft immer weniger leistungsfähig und
immer inflationsanfälliger machen würden.

Ich bin jedoch überzeugt, daß Präsident Carter einer liberalen Handelspolitik den Vorzug gibt und daß er nachdrücklich auf einen erfolgreichen
Abschluß der gegenwärtigen Handelsverhandlungen drängen wird, von denen er

- 5 -

�er sich einen Abbau der Handelsschranken verspricht.

Und so wie höhere

Importbeschränkungen den inflationistischen Druck verstärken, so führt ein
Abbau dieser Beschränkungen zu größerer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und sinkenden Preisen.
Ich will damit jedoch nicht sagen, daß eine stärkere Liberalisierung
des Welthandels bereits die Inflationsprobleme der Welt lösen würde.

Dies

kann nur durch binnenwirtschaftliche Maßnahmen geschehen, um die Lohn-PreisSpirale zu bremsen.
FRAGE:

Verschiedene Wirtschaftswissenschaftler halten das derzeitige

Wechselkurssystem - nicht exakt festgelegte Kurse wie es das Bretton-WoodsSystem forderte, aber auch kein wirklich freies Floaten - für inflationär.
Sind Sie auch dieser Ansicht?
ANTWORT:

Ich bin der Meinung, daß das relativ freie Floaten, wie wir

es gegenwärtig haben, in Wirklichkeit zur Eindämmung der Inflation beigetragen hat, weil die einzelnen Regierungen leichter nachhaltige Maßnahmen
ergreifen können, um die Inflation im eigenen Lande unter Kontrolle zu bekommen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Wirtschaftler in den letzten Jahren etwas

dazu gelernt haben, was jetzt den Regierungen bei der Aufrechterhaltung
eines angemessenen Wirtschaftswachstums, ohne daß die Inflationsrate wieder
gefährliche Formen annimmt, nützen könnte?
ANTWORT:

Es ist vielleicht interessant, sich daran zurückzuerinnern,

daß die Wirtschaftler vor 30 Jahren erstmals von dem sogenannten "instabilen Dreieck" sprachen - davon, daß Vollbeschäftigung, Preisstabilität und
wirtschaftliche Freiheit angesichts starker organisierter Erzeugergruppen
nicht nebeneinander existieren können.

Der springende Punkt war, daß ein

Land, das sich zu einem hohen Beschäftigungsstand bekehnt und in dem es starke
- 6 -

�starke Unternehmerverbä'nde, organisierte Gewerkschaften und Landwirtschaftsorganisationen gibt, mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit die Preisstabilität aufgeben oder aber zu gewissen Beschränkungen bei Löhnen und Preisen
greifen mußte.

Kein Land hat bisher das Problem, in einer Demokratie eine

angemessene Vollbeschäftigung mit einer angemessenen Preisstabilität in
Einklang zu bringen, wirklich gelöst.

Meines Erachtens werden wir in den kommenden Jahren weitere Experimente
bei der Suche nach neuen Wegen erleben, um die Lohn-Preis- und die PreisLohn-Spirale zu entschärfen.

Die Regierungen werden sich um Sozial abkommen

und eine neue humane Politik der Selbstbeschränkung bei Löhnen und Preisen
bemühen müssen - was auch eine Steuerpolitik mit Zuckerbrot und Peitsche
einschließen könnte, um die angestrebte Mäßigung bei Löhnen und Preisen zu
erreichen.
Dies wird ferner ein Bekenntnis zu langfristigen Produktivitätssteigerungen erfordern, und das ist nicht einfach, wenn sich Regierungen miteinander konkurrierenden Prioritäten gegenübersehen.

Und die Regierungen wer-

den dann ganz generelle Entscheidungen zu treffen haben, wie die Früchte
des Wachstums eingesetzt werden sollen:

Wieviel zum Beispiel zur Verbesse-

rung der Lebensqualität verwandt werden sollte, wieviel für den Umweltschutz und wieviel für die Steigerung des Angebots von Gütern und Dienstleistungen.

Das dürfte harte Nüsse für die Wirtschaftler sein, die es da

zu knacken gibt.

FRAGE:

Bedeutet dies, daß Sie hinsichtlich der Zukunft pessimistisch

sind?

ANTWORT:

Nein, ich bin nicht pessimistisch.

Ich habe nur gesagt, daß

wir keine perfekten Lösungen für diese sehr diffizilen Probleme haben.

Und

wir können sie bestimmt nicht mit einer Wirtschaftspolitik lösen, die nur in
eine Richtung weist - die sich zum Beispiel nur auf die Inflation oder nur

- 7 -

�nur auf die Arbeitsplätze konzentriert.

Aber wir können einer angemessenen

Vollbeschäftigung bei angemessener Preisstabilität ein ganzes Stück näher
kommen.
Ich glaube, wir sind findig genug, um zwischen Regierung, Unternehmern
und Gewerkschaften so viel Verständnis schaffen zu können, daß die ganze
Lohn-Preis- und Preis-Lohn-Spirale gebremst werden kann.
Der Bundesrepublik Deutschland ist das ganz ohne Zwang, aber doch auf
sehr wirkungsvolle Weise gelungen, und Großbritannien hat einige interessante
Versuche auf diesem Gebiet unternommen. Aber es bedarf noch mehr Einfallsreichtums und neuer Mittel, damit die Länder gemeinsam einen Weg zum Abbau
der Inflation und zu einer stetigen Wirtschaftsexpansion beschreiten können.
Das eine haben wir gelernt, daß ein einzelnes Land in der heutigen Welt
nicht einfach dadurch Vollbeschäftigung erreichen kann, daß es die Wirtschaft mit Kaufkraft überschwemmt. Bevor noch genug zusätzliche Kaufkraft
geschaffen ist, um zu gewährleisten, daß sie in der Wirtschaft bis zum
harten Kern der Arbeitslosen gelangt, würde sie bereits das Feuer der Inflation wieder angeheizt haben.
Die Wirtschaftspolitiker in den Vereinigten Staaten wie auch anderswo
müssen sich darüber klar sein, daß die Ausweitung der Beschäftigtenzahl zu
einem Teil durch Schaffung von solchen direkten Arbeitsplätzen geschehen
muß, die keine überschüssige Kaufkraft schaffen. Ich glaube, die Regierungen und auch die Wirtschaftler haben das jetzt begriffen.
So lernen wir im Laufe der Jahre Wege zur Verwirklichung der Vollbeschäftigung kennen, die weit weniger inflationär sind.

+ + + + +

- 8 -

�14. Dezember 1977

DER SCHUTZ DER MENSCHENRECHTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Von Charles F. Abernathy

Die Frage der Menschenrechte ist durch
Erklärungen von Präsident Carter und Mitgliedern seiner Regierung sowie im Hinblick
auf die Belgrader Nachfolgekonferenz der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) stärker denn je zuvor in
den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In
der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre
1975 haben sich die 35 Signatarstaaten,
darunter auch die USA, zur Einhaltung der
Menschenrechte verpflichtet.
Niemand wäre kompetenter, über den Schutz
der Menschenrechte in den Vereinigten
Staaten zu sprechen, als Charles F. Abernathy,
der sich über die Grenzen seines Landes
hinaus einen Namen als Experte für Bürgerrechte und Verfassungsrecht gemacht hat.

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�gemacht hat. Nach dem Tode von Dr. Martin
Luther King trat Abernathy praktisch an
die Spitze der Bürgerrechtsbewegung in den
USA. Als Schwarzer ist er stets für die
Belange von Minderheiten eingetreten und
hat vor amerikanischen Gerichten wichtige
Prozesse geführt, die Rechtsnormen gesetzt
haben. Gegenwärtig lehrt Abernathy als
Professor an der Juristischen Fakultät der
Georgetown-Universität in Washington, D.C.
Die Menschenrechte, dieses "lästige Insekt" auf dem Gebiet des internationalen Rechts, haben in letzter Zeit an Gewicht und Bedeutung gewonnen.
Nachdem man in internationalen Dokumenten jahrelang nur ein Lippenbekenntnis
ablegte, sind die Menschenrechte in der 1975 in Helsinki unterzeichneten
Schlußakte zum Abschluß der Konferenz für Sicherheit und Zusanmenarbeit in
Europa (KSZE) auf einen zentralen Platz gerückt.
Und es ist fast ohne Beispiel, daß sich die Teilnehmer an dieser Konferenz
darauf einigten, im Jahre 1977 in Belgrad eine Nachfolgekonferenz abzuhalten,
um die Verwirklichung der in der Schlußakte niedergelegten Prinzipien zu
überprüfen.
Die westlichen Nationen, einschließlich der Vereinigten Staaten, haben
in Belgrad eine aktive, vorwärtsdrängende Haltung eingenommen, und die
Vereinigten Staaten haben durch Präsident Carter die Menschenrechte zu einem
zentralen Thema ihrer Außenpolitik gemacht. Angesichts dieser amerikanischen
Aktivität und unter Berücksichtigung des traditionellen Pessimismus hinsichtlich der Einhaltung solcher 'taenschenrechtlicher" Verpflichtungen muß man sich
fragen: Praktiziert Amerika auch das, was es predigt? Schützen die Vereinigten
Staaten die Menschenrechte im eigenen Lande?
Die Antwort

- 2 -

�Die Antwort muß zweigeteilt sein: einmal in den Schutz der Bürgerrechte
und der politischen Rechte und zum zweiten in den Schutz der wirtschaftlichen und sozialen Rechte.

Die Bürgerrechte und die politischen Rechte
Da die Aufnahme der bürgerlichen und politischen Rechte in das internationale Recht hauptsächlich auf Betreiben der Vereinigten Staaten und der
westeuropäischen Länder erfolgte - auf der Grundlage unserer eigenen politischen
Systeme und unserer Sozialethik bezüglich des Wertes und der Würde des Einzelnen - ist es nicht verwunderlich, daß die Vereinigten Staaten über ein
sehr gut ausgebautes System zum Schutz der Bürgerrechte und der politischen
Rechte verfügen. Unter diesen Schutz fallen wesentliche Freiheiten, die durch
die Verfassung wie auch durch ein fast unfehlbares zweigleisiges juristisches
System zur Verteidigung und zum Schutz der garantierten wesentlichen Rechte
gewährleistet werden.
Der erste Zusatzartikel der Verfassung schützt die Rede- und Pressefreiheit und die freie Religionsausübung, und dies schließt auch die Gedanken-und Gewissensfreiheit und das Recht der friedlichen Versammlung ein.
Erst in jüngerer Zeit hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten
in einigen Fällen diese Freiheiten eindeutig bestätigt.
Der wichtigste dieser Fälle ist die Zivilklage (1971) der Regierung
der Vereinigten Staaten gegen die "New York Times". Die Exekutive wollte
die beiden Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" daran hindern,
ein geheimes Dokument des Verteidigungsministeriums abzudrucken, das gestohlen oder sonstwie auf unrechtmäßige Weise aus den Akten der Regierung
entfernt worden war. Der Oberste Gerichtshof stellte mit sechs gegen drei
Stimmen fest, daß die Veröffentlichung nach Zusatzartikel I der Verfassung Rede- und Pressefrei hei4" - geschützt sei, da zwar der Exekutive Schaden

- 3 -

�Schaden zugefügt werde,daß aber die Regierungsdokumente eine wichtige
Rolle bei der Information der Öffentlichkeit über den Vietnamkrieg spielen
könnten. Und in dem Fall Gregory gegen die Stadt Chicago (1969) bestätigte
das Oberste Bundesgericht das Recht des für die Gleichberechtigung

und

gegen den Krieg kämpfenden Aktivisten Dick Gregory, eine Demonstration
gegen eine nach seiner Meinung auf eine Rassentrennung hinauslaufende
Wohnungspolitik der amtlichen Stellen anzuführen.
Die Redefreiheit in den Vereinigten Staaten ist nicht nur eine politische
Konzeption mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über Angelegenheiten der Regierung
zu informieren, sondern amerikanische Gerichte haben die Auffassung vertreten,
daß Zusatzartikel I der Verfassung dem weitergefaßten Ziel der persönlichen
Entfaltung und Selbstverwirklichung dient.Die Entscheidungen des Obersten
Bundesgerichtshofes schützen daher nicht nur die politische Rede, sondern
auch Bücher, Filme und andere Unterhaltungsmedien, die Ideen verbreiten,
die die Regierung möglicherweise einschränken oder zensieren möchte. Es
wird ein "Marktplatz der Ideen" gefördert, damit Veränderungen in der Regierung und in der Gesellschaft mit den Mitteln der Überzeugung und nicht
des Zwangs stattfinden können.
Andere fundamentale Rechte in den Vereinigten Staaten werden durch
Zusatzartikel V der Verfassung geschützt, der besagt, daß niemand ohne Antrag oder Anklage durch ein Großes Geschworenengericht wegen eines Kapitalverbrechens oder eines sonstigen schimpflichen Verbrechens angeklagt werden
darf. Mit diesem Verfassungszusatz wird auch das Privateigentum des Bürgers
gegen Obergriffe des Staates geschützt.
Der Schutz der Person beginnt bereits vor der formellen Anklageerhebung.
Schutz von Eigentum und Wohnung vor Durchsuchung ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl, Recht auf einen Anwalt - auch einen Pflichtverteidiger usw.
sind Dinge, die für einen Rechtsstaat selbstverständlich sind. Weiter gehören
dazu das Recht auf einen unverzüglichen Prozeß, auf einen Dolmetscher wenn
notwendig, das Recht, einen Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen, von der Anklage-

�Anklagebehörde alle Informationen zu erhalten, die den Angeklagten entlasten könnten. Und vor allem,der Angeklagte hat das Recht auf einen Prozeß
mit 12 Mitbürgern als Geschworenen vor einem unparteiischen Richter.
Diese Verfahrensgrundsä'tze schützen auch andere fundamentale Rechte
außerhalb des Strafrechts. So sind eingeschlossen beispielsweise das Recht
auf unbehinderte Reisen, das Recht auf Eheschließung und Schwangerschaft
sowie der Schutz der Privatsphäre.
Der Oberste Gerichtshof nimmt den Schutz dieser Rechte sogar

so

genau,

daß er in der Regel in der Presse von jenen kritisiert wird, die glauben,
er sei im Schutz der Bürgerrechte zu weit gegangen.
Zusatzartikel XIV der Verfassung schließlich besagt, daß kein Staat der
Union "irgend jemandem innerhalb seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz
durch das Gesetz versagen" darf. Diese Bestimmung hat sich als außerordentlich
wichtig für den Schutz gegen willkürliche Regierungsmaßnahmen, vor allem
mit rassischem Hintergrund, erwiesen. Die Vereinigten Staaten waren zwar
eine Nation mit schwarzen Sklaven, aber die Sklaverei wurde bereits vor
100 Jahren abgeschafft, und es hat sich wohl kaum ein anderes Land in den
letzten 15 Jahren so viel Mühe gegeben, seine Rassenprobleme zu lösen.
Der Schutz rassischer Minderheiten ist praktisch perfekt. Offene Diskriminierungen

haben in den Vereinigten Staaten ein absolutes Minimum er-

reicht, und in den meisten Fällen handelt es sich heute um "de facto" Diskriminierungen. Bei diesen Fällen kann keine Absicht der Diskriminierung
nachgewiesen werden, der Kläger behauptet vielmehr, eine bestimmte Politik
habe diskriminierende Auswirkungen. Der hohe Entwicklungsstand im Kampf
gegen den Rassismus in den Vereinigten Staaten hat jetzt sogar zu Fällen
der "umgekehrten Diskriminierung" geführt. Dabei geht es um ausgleichende
Programme, die frühere Diskriminierungen beheben sollen, indem ein bestimmter
Prozentsatz von Arbeitsplätzen, Parlamentssitzen, Studienplätzen usw. für
Minderheiten garantiert wird. Die Weißen, die aufgrund dieser für die Minder-

- 5 -

�Minderheiten positiven Regelungen keinen Platz erhalten, argumentieren jetzt
- und das ist fast ein Witz der Weltgeschichte - daß Weißen allein aus
rassischen Gründen die Gleichberechtigung verweigert werde. Ein solcher
Musterprozeß ist derzeit beim Obersten Bundesgericht anhängig.
Der Oberste Bundesgerichtshof hat diese Klausel des gleichen Schutzes
für alle auch dahingehend interpretiert, daß sie für alle sozialen Gruppen
in der Gesellschaft gilt, wie. z.B. für religiöse und völkische Minderheiten, Ausländer, Frauen

usw.
•

•

Man darf mit Fug und Recht sagen, daß der gleiche Schutz durch das
Gesetz laut Zusatzartikel XIV der Verfassung mehr ist als nur ein Schutz
auf dem Papier. Nicht zuletzt dank der Bemühungen der Nationalen Vereinigung
zur Förderung Farbiger (NAACP) ha f das Oberste Bundesgericht im Jahre 1954
einstimmig alle Bestimmungen der Einzelstaaten als verfassungswidrig erklärt, die eine Rassentrennung an öffentlichen Schulen vorsahen. Damit wurde
eine ganz entscheidende Anstrengung in die Wege geleitet, nicht nur die
Schulen, sondern auch die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten zu integrieren.
Schwierigkeiten mit der Schulintegration gibt es eigentlich nur noch
in den Ballungszentren, wo entweder überwiegend Schwarze oder überwieqend
Weiße wohnen, was sich natürlich auf den Prozentsatz der jeweiligen Minderheit an den Schulen auswirkt. Demographische und soziologische Untersuchungen
der letzten Jahre haben gezeigt, daß die Fälle, in denen noch keine Integration in Großstädten wie Chicago, Detroit, Philadelphia oder Los Angeles
durchgeführt wurde, einfach auf sachliche Faktoren wie die freie Wahl der
Schule zurückzuführen sind und keineswegs auf amtliche Maßnahmen, die auf
eine Rassentrennung in Schule und Wohnung abzielen würden. Diese Studien
lassen ferner erkennen, daß das Ausmaß der selbst gewollten Rassentrennung
nicht größer ist als bei den ethnischen Minderheiten unter den Einwanderern,
die sich früher in den Städten zusammengeballt hatten. Mit der Zeit werden
diese Reste der Rassentrennung durch die Entwicklung beseitigt werden.
So ergibt sich

�So ergibt sich also folgendes Bild: Ein Amerika , das praktisch und
effektiv integriert ist - mit Ausnahme einiger Enklaven im Schulsystem von
Großstädten in Vierteln mit überwiegend schwarzer Bevölkerung - was nicht
auf den bösen Willen der Behörden, sondern auf die Bevölkerungsstruktur
zurückzuführen ist. Im übrigen werden viele dieser großstädtischen Schulsysteme, wie beispielsweise in Washington, D.C„ urd Atlanta, Georgia, von
schwarzen Bürgermeistern kontrolliert» Wenn man diese Schulsysteme aus den
Angeln heben wollte, dann würde man vernünftige

Schul Programme zerstören,

die von Schwarzen selbst ausgearbeitet wurden und den schwarzen und weißen
Bevölkerungsgruppen in diesen Städten zugute kommen.
Der Prozeß der Schulintegratior verlief im großen und ganzen reibungslos
- weit reibungsloser, als man während der turbulenten sechziger Jahre
gedacht hatte. Eine kürz liehe Umfrage in 29 repräsentativen Gemeinden ergab,
daß 27 keinerlei Störungen an der öffentlichen Ordnung oder des Schulbetriebes zu berichten hatten. Interessant in diesem Zusammenhang ist die
Tatsache, daß der Anstoß zur Aufhebung der Rassentrennung an Schulen nur in
34 Prozent der Fälle durch Gerichtsurteile bewirkt wurde, durch behördliche
Maßnahmen in 25 Prozent der Fälle und in 41 Prozent, d.h. der Mehrzahl, von
Initiativen der Schulgemeinden selbst ausging.
I • b - i.

Kein System der Welt kann einen totalen Schutz der Menschenrechte gewährleisten. Letztlich wird es immer auf die Regierung ankommen, daß sie
alle Auswüchse unter Kontrolle hält. Das führt uns zu dem zweiten wichtigen
Charakteristikum des amerikanischen Systems zum Schutz der bürgerlichen und
politischen Rechte - die USA haben ein funktionierendes System vielfältiger
Sicherungen entwickelt, das den Schutz der verfassungsmäßigen Rechte gewährleistet.
Der wichtigste Punkt dieses Systems sind die unabhängigen Bundesrichter,
die über ungewöhnliche Vollmachten verfügen, wenn es gilt, Akte

der Legis-

lative und der Exekutive zu kontrollieren. Diese Richter sind auf Lebenszeit
ernannt und damit gegen politischen Druck immun. Die Unabhängigkeit der Richter
1

!

�Richter hat gelegentlich selbst die Präsidenten überrascht, die sie ernannt haben: So beispielsweise in dem Fall Vereinigte Staaten gegen Nixon
im Jahre 1974, als nicht einer der von Nixon ernannten Obersten Bundesrichter
hinsichtlich der Watergate-Tonbänder den Standpunkt des Präsidenten unterstützte.
Diese unabhängigen Bundesrichter haben auch das Recht, von Gerichten
der Einzelstaaten behandelte Fälle zu revidieren. Damit wird sichergestellt,
daß die Richter der einzelstaatlichen Gerichte die bürgerlichen und politischen
Rechte achten, die durch die über alles stehende Bundesverfassung garantiert
werden.
Den Einzel Staaten wird die Macht jedoch nicht völlig aus der Hand
genommen. Die Staaten selbst haben die Möglichkeit, noch striktere Bestimmungen
zum Schutz der Menschenrechte zu erlassen, die über die Mindestnorm des
Bundes hinausgehen, die von allen Einzel Staaten eingehalten werden muß.
Wenn auch kein Land der Erde für sich in Anspruch nehmen kann, im Schutz
der Menschenrechte perfekt zu sein, so sind die Vereinigten Staaten in ihren
verfassungsmäßigen Bestimnungen hinsichtlich der bürgerlichen und politischen
Rechte und in ihren Verfahren zum Schutz dieser Rechte doch vorbildlich.
Auch wenn sich hier und dort einmal ein Regierungsbediensteter irren mag das wird nie auszuschließen sein - so spielt die amerikanische Regierung
doch eine positive Rolle beim Schutz dieser Rechte - im Gegensatz zu den
Regierungen mancher anderer Länder.
Daß Dissidenten und aktive Bürgerrechtler in Amerika etwas zu bestellen
haben, läßt sich an zwei Beispielen erkennen: Andrew Young, Aktivist in der
Bürgerrechtsszene in den sechziger Jahren, ist heute amerikanischer Botschafter bei den Vereinten Nationen, und Thurgood Marshall, der Führer der
NAACP-Attacke gegen die Rassentrennung an den Schulen, ist heute Oberster
Bundesrichter.
Wirtschaftliche und soziale Rechte
- 8 -

�Wirtschaftliche und soziale Rechte
Im Gegensatz zu den bürgerlichen und politischen Rechten fielen die
wirtschaftlichen und sozialen Rechte - das Recht auf Arbeit, das Recht auf
Gesundheitsfürsorge, das Recht auf Erziehung und Ausbildung und das allgemeine Recht auf ein menschenwürdiges Leben - nach der Tradition nicht
unter die Zuständigkeit und den Schutz des Bundes. Die amerikanische Verfassung sah vielmehr vor, daß solche Dinge des täglichen Lebens in die
Zuständigkeit der einzelstaatlichen Behörden gehörten. Hinsichtlich der
Bildung haben alle Staaten große Anstrengungen unternommen, und in den
meisten herrscht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr. Hinsichtlich des
Schutzes der anderen Rechte ergab sich ein unterschiedliches Bild.
Die Bundesregierung wurde zum ersten Mal während der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren ernsthaft mit den wirtschaftlichen und
sozialen Rechten befaßt. Damals wurden begrenzte Programme in Angriff genommen, um die Arbeitslosigkeit in Landwirtschaft und Industrie zu mildern und
Rentnern ein Minimaleinkommen zu sichern. Die größten Anstrengungen und
beinahe revolutionäre neue Verpflichtungen zur Förderung der wirtschrftlichen
und sozialen Rechte unternahm die amerikanische Regierung in den letzten
zehn Jahren, als der Kongreß eine ganze Fülle von Programmen verabschiedete,
die dafür sorgen, daß jeder Amerikaner ausreichend gekleidet ist, wohnt,
ernährt und gesundheitlich versorgt ist.
Das Recht auf Arbeit wird durch den National Labor Relations Act (Gesetz
über die Arbeitsverhältnisse) aus dem Jahre 1935 gewährleistet. Dieses Gesetz
garantiert die Tarifautonomie der Sozialpartner. Aber das ist sozusagen nur
die Spitze des Eisbergs. Ein Bundesgesetz legt einen Mindeslohn fest und
sichert den Arbeiter vor Ausbeutung durch unzureichende Entlohnung. Eine
Vielfalt weiterer Bestimmungen regelt und schützt die Arbeitsbedingungen in
amerikanischen Betrieben.
Eine Reihe

�Eine Reihe weiterer, im Jahre 1964 im Rahmen des Bürgerrechtsgesetzes
verabschiedeter Bestimmungen schützt das gleiche Recht auf Arbeit; d.h. diese
Verordnungen

gewährleisten, daß das Recht auf Arbeit nicht aufgrund von

Rasse, Geschlecht, Religion, Alter oder nationaler Herkunft beeinträchtigt
werden darf. Dieser Schutz gilt für den öffentlichen Dienst genauso wie
für die Privatwirtschaft.
Die Bundesregierung hat sich auch in zunehmendem Maße darum gekümmert,
daß jeder Amerikaner sich eines Mindeslebensstandards erfreuen kann. Die
Arbeitslosenunterstützung erfaßt rund 70 Millionen amerikanische Arbeitnehmer und soll sicherstellen, daß jeder Arbeiter während der Zeit der
Beschäftigungslosigkeit seinen Lebensstandard aufrechterhalten kann. In den
letzten Jahren wurden für diese Programme über 10 Milliarden Dollar aufgewandt.
Ein weiteres Programm dient der Unterstützung von Personen mit chronischen
finanziellen Schwierigkeiten, vor allen Familien oder Mütter mit Kindern,
was unter dem Sammelbegriff "Wohlfahrt" fällt. Bei der Bedürftigkeit von
Kindern ist die Arbeitslosigkeit mit 4,1 Prozent übrigens die geringste
Ursache, 17,5 Prozent der Fälle gehen auf Scheidung, 28,9 Prozent auf Trennung
und 31,5 Prozent auf uneheliche Geburt zurück.
Die Bundesregierung hat drei weitere Sozialprogramme für Bedürftige
eingeführt: Medicaid, d.h. unentgeltliche Gesundheitsfürsorge (1976 rund
14 Milliarden Dollar); Medicare, ein Gesundheitsfürsorgeprogramm für ältere
Menschen; und Lebensmittelmarken, die ärmeren Menschen den Bezug von Lebensmitteln ermöglichen.
Und schließlich hat das amerikanische Wohnungsbauministerium ein Wohngeldprogramm entwickelt, das Bedürftigen eine billige oder sogar freie
Wohnung beschafft.
Obwohl Erziehung und Bildung in die Zuständigkeit der Einzelstaaten
fällt, hat die Bundesregierung auch hier fördernd eingegriffen.
Die Bundesregierung
- 10 -

�Die Bundesregierung hat große Beträge für die Unterstützung von
Bildungsstätten in Gemeinden bereitgestellt - im Haushaltsjahr 1975/76
allein 6 Milliarden Dollar, wodurch die Gesamtaufwendungen in den USA für
Bildung auf 67 Milliarden Dollar stiegen, d.h. auf fast 8 Prozent des
Bruttosozialprodukts. Das bedeutet fast eine Verdoppelung in 25 Jahren.
Zweitens hat die Bundesregierung die Grundlagen geschaffen, daß Erziehung und öildung ohne Diskriminierung erfolgen. Niemand darf aufgrund von
Rasse, Geschlecht, Herkunft, Religion, körperlicher Gebrechen usw. benachteiligt werden. Neben der geistigen Entfaltung sorgt sich die Bundesregierung auch um materielle Dinge, wie Schulspeisung usw.
Niemand wird behaupten, in den Vereinigten Staaten seien alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme gelöst. Obwohl in jedem Jahr eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen wird, so ist dieser Zuwachs doch nicht
ausreichend, um all den neu auf den Arbeitsmarkt drängenden Menschen
Beschäftigung zu geben. Wegen der starken Geburtsjahrgänge nach dem Krieg
ist die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen besonders hoch, vor allem
unter den Schwarzen ohne Schulabschluß.
Zwei Phänomene ragen jedoch aus dem amerikanischen Leben heraus. Einmal
besitzen private gesellschaftliche Organisationen die dynamische Fähigkeit,
das Bewußtsein der Öffentlichkeit ständig aufzurütteln und für einen stärkeren
Schutz der Menschenrechte zu kämpfen. Die NAACP ist bisher nur eii Beispiel
auf dem Gebiet der Bürgerrechte. Zum zweiten steht die Regierung auf der Seite
des sozialen Wandels und Fortschritts, und sie tritt für die sozialen und
wirtschaftlichen Rechte ein. Die legislative Revolution auf diesem Gebiet
in den sechziger Jahren hält weiter an.
Die Vereinigten Staaten haben sowohl auf dem Gebiet der bürgerlichen
und politischen Rechte als auch der wirtschaftlichen und sozialen Rechte
etwas geleistet. Unsere Verfassung legt den Nachdruck auf die politischen
und bürgerlichen Rechte, in der Hoffnung, daß in einem System mit Rede- und

- 11 -

�Rede- und Pressefreiheit, mit freien Wahlen und gleichberechtigter Beteiligung aller am politischen Geschehen das Volk seine wirtschaftlichen und
sozialen Rechte durch eine kluge Gesetzgebung sichern kann. Das hat sich auf
lange Sicht als richtig erwiesen.
Ich glaube nicht, daß amerikanische Bürger ihr System als die einzige
Methode des Schutzes der Menschenrechte ansehen. Aber sie sind der Überzeugung, daß ihr System, mit all seinen Fehlern und Mängeln, den Anforderungen
des internationalen Rechts entspricht, daß die Menschenrechte systematisch
geschützt werden müssen. Dabei geben wir uns keineswegs zufrieden. Wir sind
zwar der Auffassung, daß wir die internationalen Normen der Menschenrechte
ohne Frage erfüllen, aber wir drängen im eigenen Lande unsere Regierung
ständig, weitere Anstrengungen zur Förderung der bürgerlichen und politischen
Rechte wie auch der wirtschaftlichen und sozialen Rechte zu unternehmen.
Wir werden in der einen wie in der anderen Richtung nicht nachlassen.

+ + + + +

- 12 -

�14. Dezember 1977

32

AMERIKAS FRAUEN BESCHLOSSEN EINHEITLICHEN AKTIONSPLAN
- Die Frauenrechtskonferenz von Houston Von Charlotte Astor

HOUSTON, TEXAS - (AD) - Amerikas erste "Nationale Frauenkonferenz",
die vom 18. bis 21. November im Albert Thomas Convention and Exhibits
Center im texanischen Houston stattgefunden hat, endete mit der Verabschiedung von 25 der ursprünglich vorgeschlagenen 26 Punkte eines
"Nationalen Aktionsplans" der amerikanischen Frauenrechtsbewegung. Diese
Veranstaltung geht auf eine Anregung der amerikanischen Regierung zurück
und wurde von ihr - ein absolutes Novum - mit 5 Millionen Dollar bezuschußt.
Den Auftakt zur Konferenz bildete das Eintreffen der Schlußläuferin
eines Stafettenlaufs von Seneca Falls im Staat New York, dem Tagungsort
der ersten Frauenrechtlerinnenkonferenz auf amerikanischem Boden im Jahre
1848, nach Houston. Rund 2000 Läuferinnen hatten die brennende Fackel, die
am 29. September in Seneca Falls entzündet worden war, durch das Gebiet von
14 Unionsstaaten nach dem über rund 4200 km entfernten Houston gebracht, wo
sie von Bella Abzuq, der Vorsitzenden der "Nationalen Frauenkonferenz",und den
bekannten Sportlerinnen Billie Jean King und Wilma Rudolph entgegengenommen

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Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�entgegengenommen wurde.
Die auf der "Nationalen Frauenkonferenz" gefaßten Beschlüsse sollen
der US-Regierung, dem amerikanischen Volk und der Welt vor Augen führen,
daß sich die Frauenbewegung in den USA zu einer mächtigen Kraft des
öffentlichen Lebens entwickelt hat. Die Frauen wollen und werden nicht
mehr länger schweigend zusehen, was in bezug auf ihre rechtliche Stellung
läuft. Sie wollen künftig auch in Fragen der Innen- und der Außenpolitik
gehört werden und im Sinne ihres Aktionsplans selbst an deren Gestaltung
und Führung mitwirken.
Die Frauenkonferenz von Houston war in mehrerer Hinsicht bemerkenswert.
Sie knüpfte bewußt an

die Tradition der Soufragetten und Frauenrecht-

lerinnen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts an. So rief Dr. Susan B.
Anthony, eine Großnichte der gleichnamigen Führerin der Frauenbewegung von
damals,

den Teilnehmerinnen der Nationalen Frauenkonferenz zu: "Wir wollen

das Rennen beenden, das die Gründermütter unserer Bewegung 1848 in Seneca
Falls begonnen haben."
Zu den Ehrengästen des Nationalen Frauenkongresses gehörten auch die
Gattin Präsident Jimmy Carters, Rosalynn Carter, und die Ex-First Ladies
Betty Ford und Lady Bird Johnson, die sich auch selbst zu Wort meldeten und
der Konferenz mit ihrer aktiven Mitwirkung nur umso größeres Prestige und
Gewicht verliehen.
An den Diskussionen beteiligten sich zahlreiche der insgesamt 2000
Delegierte

aus allen 50 Einzel Staaten und den sechs amerikanischen Terri-

torien. Als Beobachter nahmen an der Konferenz auch 60 Vertreterinnen von
Frauenorganisationen aus 22 Ländern teil. Wichtigster Tagungsgegenstand
war der 38 Seiten umfassende "Nationale Aktionsplan" aus 26 Programmpunkten
und über 100 Empfehlungen, das Ergebnis von 56 Vorkonferenzen des vergangenen Jahres. Die Vorschläge befassen sich mit der Rolle der Frau in
Haushalt, Beruf, Wirtschaft und Politik sowie in Kunst und Wissenschaft,

- 2 -

�Wissenschaft, in den Medien und in der Erziehung und Gesundheitsfürsorge.
Wichtige Punkte betrafen auch den Kinderschutz, die Hilfe für körperbehinderte Frauen, die versicherungsrechtliche Stellung der Frau, die Rechte
weiblicher Minderheitsangehöriger, die Rolle der Frau auf dem Land, die
sexuelle Freiheit der Frau und die Verbesserung der Frauenstatistiken.
Besonders umstritten waren die Forderung nach Errichtung eines Bundesministeriums für Frauenfragen.die schließlich von der Mehrheit der Delegierten abgelehnt wurde, uno die Ratifizierung des 1972 vom Kongreß beschlossenen Verfassungszusatzes zur Gewährleistung der Rechtsgleichheit der Frau,
für die sich die Delegierten ganz entschieden einsetzen wollen. Dieser
Programmpunkt, vorab heftig umstritten, wurde schon am ersten Tag der Veranstaltung fast einstimmig gebilligt. Nach dem Verfassungsrecht muß dieser
Zusatzartikel bis spätestens 22. März 1979 von 38 Staaten ratifiziert werden,
um Rechtskraft zu erlangen; gegenwärtig fehlt hierfür noch die Ratifikation
durch drei Staaten, die bisher aber als nicht sehr wahrscheinlich galt. Gegen
diesen Verfassungszusatz wurden zunächst eherechtliche Bedenken geltend
gemacht, da er alle einzelstaatlichen Gesetze außer Kraft setzen würde, die
den Ehemann gesetzlich für den Unterhalt von Frau und Kindern verantwortlich
machen.
Die Konferenzteilnehmerinnen kamen aus allen Bevölkerungsschichten und
schlössen, wie die Vorsitzende Bella Abzug - eine ehemalige Abgeordnete des
Staates New York im US-Repräsentantenhaus und im Frühjahr 1977 erfolglose
Bewerberin um die Ncminierung für die New Yorker Bürgermeisterwahlen betonte, Frauen aller Rassen und Glaubensbekenntnisse aus allen wirtschaftlichen Schichten ein. Eine nicht geringere Vielfalt herrschte hinsichtlich
der aufgestellten Forderungen: Die Verfechter "der sexuellen Präferenz"
verlangten die Beseitigung der Diskriminierung der lesbischen Liebe; die
Kämpferinnen für "reproduktive Freiheit" setzten sich für das ^echt auf
Abtreibung ein und wandten sich vor allem gegen die
Weigerung de c Bundes
und vieler Einzelstaaten und Gemeinden, die Abtreibung als Gesundheitsmaßnahme
zu bezuschussen.
Die Konferenz hat,

�Die Konferenz hat, das kann man als Fazit festhalten, die amerikanischen
Frauen zu einem neuen Selbstverstä'ndnis geführt. Die Frauenbewegung hat aufgehört, eine ideologisch zerstrittene Gruppierung zu sein; sie hat sich
zu einer straffen Organisation formiert, einem Instrument, das den Bedürfnissen und Forderungen Geltung verschaffen wird. Die Frauenbewegung ist
inzwischen zu wichtig und mächtig geworden, als daß sich Politiker einfach
über sie hinwegsetzen könnten.
Was die Konferenz an rechtlicher und noch mehr in politischen Folgen
zeitigen wird, bleibt erst noch abzuwarten. Die Konferenzleitung wird dem
Präsidenten und dem Kongreß innerhalb von vier Monaten einen Bericht sowie
den "Nationalen Aktionsplan" zuleiten. Die Frauen sind sicher, dal3 viele der
darin enthaltenen Vorschläge als Anregung zu gesetzgeberischen Maßnahmen zur
Festigung der Rechte der Frau dienen werden.
Schon in den ersten Wochen nach der Konferenz zeigte sich ein eindeutiger Erfolg: Die Debatte um das Verfassungsgesetz zur rechtlichen Gleich
Stellung der Frau ist in einer Reihe von Staaten erneut aufgeflammt.

+ + + + +

- 4

�Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

14. November 1977

32

RAUMFAHRTPROJEKTE AUF INTERNATIONALER BASIS
- USA arbeiten mit anderen Ländern zusammen •

- (AD) - Projekte internationaler Zusammenarbeit auf acht wichtigen Gebieten der Raumfahrt verfolgen gegenwärtig die Vereinigten Staaten bis weit
in die achtziger Jahre hinein. Eine Obersicht gibt ein Bericht, den Marjorie
Craig Benton, Mitglied der amerikanischen UN-Delegation, Ende November 1977
dem UN-Ausschuß für die friedliche Nutzung des Weltraums übergab. Das Spektrum reicht von Vorhaben der bemannten Raumfahrt über die Nutzanwendung unbemannter Satelliten für wirtschaftliche Aufgaben im weitesten Sinn bis zu
rein wissenschaftlichen Untersuchungen.
Technologisch wie finanziell gesehen ist der von der US-Weltraumbehörde NASA entwickelte Orbiter im System des wiederverwendbaren Raumtransporters (Space Shuttle) im Verein mit der parallel laufenden europäischen Entwicklung des Weltraumlabors (Spacelab) das aufwendigste Projekt.

Im Hin-

blick auf vier wichtige Kategorien - Technologie, Biologie und Medizin; Erderkundung; extraterrestrische Forschung und Astronomie - kommt ihm allerdings größte Bedeutung zu.

Schafft es doch u.a. die wissenschaftlichen und

technischen Voraussetzungen, um in der Schwerelosigkeit völlig neuartige,
hochwertige Produkte samt ihrer optimalen Herstellungsverfahren zu entwickeln.

Mit diesem Unternehmen wird auch der Industrie solcher Nationen, die

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�die nicht zu den führenden Raumfahrtländern zählen, der Einstieg in modernste, zukunftsträchtige Technologien ermöglicht.
Gegenwärtiger Stand:

Die erste Testflugserie der NASA mit Anflug-

und Landemanövern des bemannten Orbiter-Geräts (freier Flug nach HuckepackTransport mit einer Boeing-747 in mehr als 7000 m Höhe) wurde im Oktober
1977 erfolgreich abgeschlossen.

Mitte 1979 erwartet man in den USA ein be-

triebsbereites Modell des bei ERNO in Bremen im Auftrag der Europäischen
Weltraumbehörde ESA gebauten Spacelab, das aus zwei Laboreinheiten und
einer Instrumenten-Doppelpalette bestehen wird.

Ab Ende September 1979

steht das flugfähige Weltraumlabor in Cape Canaveral zur Verfügung, von
wo aus der Start zum ersten Raumflugtest an Bord des Orbiter erfolgt.

In-

zwischen wurden von NASA und ESA Experimente von Wissenschaftlern aus 16
Ländern als Beitrag zum ersten operationellen Flug von Space Shuttle und
Spacelab Ende Dezember 1980 ausgewählt.
LANDSAT-Programm: Von den Fernerkundungssatelliten der NASA profitieren z.Zt. nationale und internationale Forschungsprojekte in 50 Ländern.
Außerdem gibt das LANDSAT-Datenzentrum in Sioux Falls (Süddakota) gegen
Gebühr Sateliiten-Meßdaten und Fotos an Benutzer in ca. 100 Ländern weiter.
Bodenstationen in Kanada, Brasilien und Italien empfangen LANDSAT-Daten
direkt von den Satelliten. Im Iran befindet sich eine Bodenstation in
Bau, die Errichtung weiterer Stationen in Argentinien, Chile und Schweden
ist geplant. Auch Japan, Australien und Indien haben bereits ihr Interesse an eigenen Empfangsstationen bekundet. Das Fernerkundungsprogramm
für Landgebiete wird in Kürze durch das Projekt SEASAT für die Beobachtung der Meere ergänzt werden. Den Start des ersten SEASAT-Satelliten bereitet die NASA für Mai 1978 vor.
Nachrichtentechnik:

Der weiteren technischen Verbesserung von Nach-

richtensatelliten dient ein Projekt, das die NASA gegenwärtig gemeinsam
mit Kanada durchführt.

Besonders interessiert die Übertragung von Fern-

�Fernsehprogrammen über Satelliten sowie der Einsatz kleiner Empfangsstationen und fahrbarer Funkstellen, mit denen via Weltraum Verbindung zu
Schiffen, Flugzeugen und Landfahrzeugen gehalten werden kann.

SAR-Satellitensystem für Such- und Rettungsaktionen:

Mit Sateliten-

unterstützung soll die Ortung und Rettung verunglückter Flugzeuge und
Schiffe erleichtert und beschleunigt werden.

Das Projekt wurde ursprüng-

lich von den USA gemeinsam mit Kanada geplant.

Inzwischen haben auch die

UdSSR und Frankreich die Absicht bekundet, sich daran zu beteiligen.

Orbitersonde für den Planeten Jupiter:

Die NASA führt dieses Projekt,

das für Anfang 1982 geplant ist, gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland durch.

Die Mission hat die detailliertesten wissenschaftlichen Unter-

suchungen zum Ziel, die vom Planeten, seiner Atmosphäre, seinen Monden und
seiner Umwelt je gemacht wurden.

Astronomie-Satellit für Beobachtungen im Infrarotbereich:

Die NASA

hat mit den Niederlanden und England vereinbart, 1981 einen Forschungssatelliten zu starten, der zum ersten Mal eine komplette Himmelsdurchmusterung im Spektralbereich der infraroten Wellenlängen vornimmt.

Diese sind

von stationären Erdobservatorien aus infolge des Abschirmeffekts der Atmosphäre nicht zu erfassen.

Weltraumteleskop:

Die europäische Weltraumbehörde ESA ist mit der

NASA übereingekommen, wesentliche Beiträge zum "Programm Weltraumteleskop"
zu leisten.

Das Teleskop mit einem 2,4 m großen Spiegel, das im Jahr 1983

an Bord eines Space Shuttle in den Weltraum transportiert wird, ermöglicht
Himmelsbeobachtungen mit einem unvergleichlich größeren Auflösungsvermögen,
als es mit noch so starken Fernrohren von Observatorien an der Erdoberfläche
je zu erreichen wäre.

Bei der Untersuchung von Planeten, Sternen, fernen

Sternsystemen oder auch Kometen lassen sich aus einer Position jenseits der
störenden Erdatmosphäre mit diesem Spiegel Einzelheiten 20 - 30mal besser

- 3 -

�besser auflösen als beispielsweise mit dem 5 m-Spiegel des Observatoriums
auf dem Mount Palomar.

Da außerdem das Luftleuchten als Störfaktor ent-

fällt, könnten selbst sehr schwach leuchtende Objekte in weitaus größeren
Tiefen des Universums, als mit den heutigen Instrumenten überhaupt erreichbar sind, abgebildet und gemessen werden.
Sonnenforschung:

Ein neuer Abschnitt zur Untersuchung des Einflusses

der Sonne auf den erdnahen Raum und damit letztlich auf atmosphärische
Prozesse, die Klima, Wetter und andere Bedingungen an der Erdoberfläche bestimmen, leitete der Zwillingsstart von ISEE I (NASA-Gerät) und ISEE II
(ESA-Gerät) mit einer amerikanischen Trägerrakete am 22. Oktober 1977 ein.
ISEE ist die Abkürzung für "International Sun-Earth Explorers", ein Gemeinschaftsprojekt der NASA und der europäischen Weltraumbehörde ESA.
Die ISEE-Satelliten, von ihren Erbauern liebevoll "Mutter" (ISEE I)
und "Tochter" (ISEE II) genannt, sind mit Instrumenten von 117 Wissenschaftlern ausgerüstet, die an 35 Universitäten in zehn Ländern arbeiten.

Zusam-

men mit einem dritten ISEE-Satelliten, der im Juli 1978 folgt, registrieren
und messen die Geräte mindestens drei Jahre lang physikalisch-chemische Prozesse unter der Einwirkung der Sonnenaktivität - beispielsweise das Auftreten von Partikel strömen im Magnetfeldbereich der Erde, Energieproduktion
und Umsetzungen in bestimmten Bereichen, Vorgänge an den Grenzzonen zum
interplanetaren Raum, Ozonabbau in der Erdatmosphäre.
Der Meßbereich erstreckt sich vorläufig auf ein Gebiet zwischen
240 km - 140 000 km Abstand von der Erde; durch ISEE II wird er bis auf
1,5 Millionen Kilometer ausgedehnt. Denn ISEE III soll am sogenannten Librationspunkt stationiert werden, wo - bei 1/100 des Abstandes der Erde zur
Sonne - die Massenanziehung beider Himmelskörper gleich groß ist. Der
Satellit beobachtet in seiner Position nahezu ununterbrochen solare Phänomene, etwa heftige Ausbrüche glühenden Gases oder den aus ionisiertem
Wasserstoff und Helium bestehenden Sonnenwind, der mit Überschallgeschwindigkeit, aber in unterschiedlicher Intensität ständig in den interplaneta- 4 -

�interplanetaren Raum abströmt.

Die Schwaden ionisierten Gases werden bei

ISEE III etwa eine Stunde früher ankommen als bei ISEE I und II-

Dieser

Umstand macht es den Wissenschaftlern auf der Erde möglich, "Mutter" und
"Tochter", die in "Sichtweite" voneinander die Erde in einer Ellipse zwischen
240 km und 140 000 km Höhe umkreisen (wobei sich ISEE II vom Muttersatelliten
mittels kleiner Düsenmotoren bis zu ein paar Tausend Kilometer entfernen und
sich ihm dann wieder auf geringen Abstand nähern kann), Funkbefehle für ganz
spezielle Beobachtungen zu geben.

Außerdem läßt die Vorwarnung genügend

Zeit, um zusätzlich Forschungsraketen von verschiedenen Punkten der Erdoberfläche aus zu starten und bestimmte Vorgänge im Zusammenhang mit dem Sonnenwind genauer zu untersuchen.
Die Forscher hoffen u.a. exakte Meßdaten darüber zu erhalten, wie sich
solare Materieteilchen, insbesondere aber der Sonnenwind, im Grenzbereich
zum irdischen Magnetfeld verhalten, ob sie direkt oder indirekt Partikelströme und andere Phänomene innerhalb der Magnetosphäre der Erde steuern.
Das ISEE-Programm ist Teil des weltweiten, über drei Jahre laufenden internationalen Studienprojekts "Magnetosphäre".

Jupiter als Steuerungskraft
Nach dem so erfolgreich durchgeführten deutsch-amerikanischen Sonnenforschungsprojekt HELIOS kündigten kürzlich Mitarbeiter des Jet Propulsion
Laboratory (JPL-Institut für Strahlantriebe) in Pasadena e m e sehr viel umfassendere und neuartige Studie an:

NASA und ESA werden zwei identische Sa-

telliten bauen, die Anfang der achtziger Jahre von einem Raumtransporter aus
gestartet werden.

Sie sollen jedoch die Sonne nicht aus der flachen Umlauf-

ebene der Planeten beobachten, sondern aus Positionen nördlich und südlich
der Ekliptik.

Und damit dies überhaupt zu bewerkstelligen ist, müßten sie

von Bord des Space Shuttle in der Erdumlaufbahn in Richtung auf den Planeten

�Planeten Jupiter abgeschossen werden.

Die Massenanziehung dieses größten

Planeten im Sonnensystem würde dann genutzt, um die Satelliten auf Flugbahnen zu zwingen, von denen aus sie die nördliche und südliche Sonnenhemisphäre in allen Breitengraden beobachten können.

Sie würden die von der

Sonne nach allen Richtungen abgegebenen Strahlungen sowie das solare Magnetfeld messen, die äußere Sonnenatmosphäre sowie Oberflächenphänomene überwachen und sogar die Pole der Sonne überfliegen.
des Experiments:

Vier Jahre.

+ + + + +

6 -

Voraussichtliche Dauer

�mim 5fi
»

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

32

14. Dezember 1977

LEBEN UNTER EWIGEM EIS
Forschungssaison 1977/78 in der Antarktis -

- (AD) - Unbekannte kleine Meerestiere, die wie Miniaturbäume aussehen,
fischten amerikanische Wissenschaftler in der Nähe der US-Station McMurdo
aus Schlamm und Bodenwasser unter dickem Eis, das die Oberfläche des RossSchelfmeeres bedeckt.

Die Eisdecke nimmt eine Fläche ein, die etwa der

Größe Frankreichs entspricht.

Eine Forschergruppe der Universität Kalifornien tauchte bis zu 30 m
tief, um die kleinen Lebewesen aus ihrer kalten Umwelt zu holen - d.h. aus
Meerwasser, dessen Temperatur noch unter dem Gefrierpunkt salzfreien Wassers
liegt.

Die Tiere, von denen die größten etwa 5 cm messen, wurden in Kühl-

behälter gepackt, um sie zu einem Laboratorium in den Vereinigten Staaten
transportieren und dort eingehend untersuchen zu können.

Wie Prof. Jere Lipps von der Universität Kalifornien berichtet, wurden
zwei verschiedene Typen dieser seltsamen Lebewesen geborgen.

Die einen

sehen aus wie kleine Bäume, die mit ihrem Astwerk nach Nahrung suchen. Sie
leben in verhältnismäßig großer Zahl im Schlamm unter der Eisdecke. Die
anderen ähneln einem Rumpf mit herabhängenden Armen.

Dieser Typ scheint

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�scheint weniger häufig zu sein.
weder "Augen" noch "Mund".

Sie sind von graubrauner Farbe und haben

Die Wissenschaftler können nocht nicht mit

Sicherheit sagen, wie sie Nahrung aufnehmen.

Dr. Lipps vermutet, daß sie

über ein wurzelähnliches System von "Armen" Nährstoffe absorbieren.

Erste Untersuchungsergebnisse lassen vermuten, daß es sich um einzellige Organismen handelt, die durch Sandkörner fest miteinander verbunden sind und so gleichzeitig geschützt werden.

Zur Verwertung als Nahrung

für Menschen sind sie nicht geeignet, da sie nichts Verwertbares enthalten.
Dr. Lipps und seine Mitarbeiter wählten für ihre "Fangexpedition" unter dem
Eis einen Platz nahe der McMurdo-Station, von dem sie wußten, daß sich infolge der Undurchlässigkeit des Eises für Licht und somit des Fehlens von
Photosyntheseprozessen dort Nahrung auf pflanzlicher Basis so gut wie gar
nicht würde entwickeln können.

Sollten dennoch tierische Lebewesen existie-

ren, müßten sie dem sehr geringen Nahrungsangebot besonders angepaßt sein.
In weiteren Tauchexpeditionen wollen die Forscher nun herausfinden, wie
diese Organismen in Dunkelheit und Kälte leben und sich vermehren.

Die diesjährige Forschungssaison in der Antarktis begann im Oktober
1977 und dauert bis Februar 1978.

Etwa 600 km von der Gruppe aus Kalifornien

entfernt, 664 km südöstlich der Station McMurdo, haben amerikanische Wissenschaftler und Ingenieure zusammen mit Forschern aus Australien, Dänemark,
Neuseeland, Norwegen und der Sowjetunion die Bohrungen im Ross-Eisschelf
wieder aufgenommen.

Man will die hier 420 m mächtige Eisdecke, die sich

bis 800 km weit vom Kontinent aufs Meer hinaus vorgeschoben hat, durchstoßen.

Während die Bohrkerne gesammelt und auf Zusammensetzung physika-

lischer Merkmale und Alter des Eises untersucht werden, versucht man eine
genügend große Öffnung zu schaffen, um Fernsehkameras, die verschiedensten
Meßinstrumente und Probennehmer ins Wasser unter der Eisdecke zu befördern.
Vor allem wird nach Lebewesen gesucht, die, seit Millionen von Jahren von
der übrigen Welt isoliert, womöglich dort in extremer Kälte und ewiger
Nacht existieren.
Mit

�Mit den von der amerikanischen National Science Foundation (NSF Nationale Wissenschaftsstiftung) für die diesjährige Saison bereitgestellten Mitteln werden 90 zum Teil neue, zum Teil schon seit Jahren laufende
Forschungsprojekte finanziert, an denen 335 amerikanische und ausländische
Wissenschaftler mitarbeiten.

Im November flog z.B. eine internationale

Gruppe zu einer abgelegenen Bergregion, um dort nach Meteoriten zu forschen.
Sie setzt unter der Leitung der amerikanischen und japanischen Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr 190 km nordwestlich von McMurdo in nur fünf
Wochen an 11 Stellen Meteoriten im Gesamtgewicht von 460 kg zusammentrugen
(davon ein in 33 Trümmer geborstener, 407 kg schwerer Steinmeteorit und
ein 1,4 kg schwerer Eisenmeteorit), die Suche nach Meteoritenfällen fort.
Der erwähnte Steinmeteorit - dieser Typ ist zehnmal häufiger als der des
Metallmeteoriten - ist der bisher größte aus der Antarktis und auch eines
der größten Exemplare unter den Funden in allen übrigen Gebieten der Erde.

"Momentaufnahmen" von kosmischer Strahlung der Vergangenheit

Der Beharrlichkeit japanischer Gletscherforscher nach einer Zufallsentdeckung im Jahr 1969 ist es zu verdanken, daß sie inzwischen in einem
mehrere Hundert Quadratkilometer großen Gebiet nahe dem Indischen Ozean,
ca. 3000 km von der US-Station McMurdo entfernt, fast 1000 Meteoritenfragmente bergen konnten.

Diese stammen vermutlich aus 330 Meteoritenfällen.

Welche Bedeutung sie für die Forschung haben, erhellt aus der Tatsache, daß
außerhalb der Antarktis auf der ganzen Erde zusammen kaum mehr als 2000
Meteoritenfälle und Funde von Überresten auszumachen sind.

Auch in diesem Jahr werden die Meteoritenjäger hauptsächlich in sogenannten Blaueisgebieten suchen - auf Flächen, wo das Kontinentaleis seine
Schneedecke verloren hat und unter dem Einfluß heftiger Stürme langsam abgetragen wird.

Das sehr alte Eis, das zum Vorschein kommt, ist von bläu-

licher Farbe.
Mit

- 3 -

�Mit radioaktiven Datierungsmethoden wurde das "Erdalter" eines der
im Vorjahr gefundenen Trümmer auf ca. 1,7 Millionen Jahre bestimmt.
heißt, daß sich der Meteorit schon so lange auf der Erde befindet.

Das
Für

die Wissenschaft ist es ein besonderer Glücksfall, solche Boten aus dem
Kosmos in einem Gebiet wie der Antarktis aufzufinden.

Denn sie stürzten

in dicken Schnee und zerbrachen vielleicht, machten aber im übrigen kaum
Veränderungen durch.

Dann blieben sie wahrscheinlich lange Zeit unter

Schnee bei extrem trockener Atmosphäre konserviert.

Vor Lufteinwirkung

waren sie nahezu völlig geschützt, und infolge der starken Kälte konnten
auch Oxidationsvorgänge nur sehr langsam ablaufen.

Intensiver Sonnenein-

strahlung waren sie ebenso wenig ausgesetzt wie "Verseuchung" durch organische

Materie.

Solche Meteoriten zeigen, wie einer der amerikanischen

Forscher erklärt, gewissermaßen in "Momentaufnahme" die Aktivität kosmischer Strahlung, wie sie zu jener Zeit bestand, in der sie zur Erde fielen.
Die Bestimmung des "Erdalters" der im Eis gefundenen Meteoriten gibt
außerdem Anhaltspunkte für sein Mindestalter und, sofern man sie an verschiedenen Punkten findet, für die Geschwindigkeit, mit der die Eismassen
über den Kontinent wandern. Von allergrößtem wissenschaftlichem Wert wäre
es, wenn sich auch ein kohlenstoffhaltiger Meteorit unter der Ausbeute
befände. Denn ein solches Exemplar erlaubte der Forschung einen Einblick
in die "kosmische organische Chemie", wie er bisher nicht möglich war.
Neueren Hypothesen zufolge könnten sich organische Verbindungen, deren
extraterrestrische Herkunft mit Sicherheit nachzuweisen ist, durch katalytische Reaktionen von Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Ammoniak im Sonnennebel gebildet haben.

Erkältungskrankheiten

- 4 -

�Erkältungskrankheiten werden nicht "ausgetrocknet"

Weitere Projekte der gegenwärtigen Saison umfassen Studien aus dem
Gebiet der Meteorologie, Ozeanographie, Paläobiologie, Geologie, Glaziologie, Biologie und Medizin.

U a. wird eine medizinische Studie über die

Auswirkungen langer Isolierung von Menschen m

nahezu steriler Umgebung,

wie die Antarktis sie darstellt, auf Abwehrmechanismen des menschlichen
Organismus und die Häufigkeit von Erkrankungen der Atemwege weitergeführt.
Aufgrund der Forschungsergebnisse aus der Saison 1975/76 und 1976/77 glaubt
Prof. Elliot C

Dick von der Universität Wisconsin in Madison sagen zu

können, daß die weitverbreitete Meinung, Erkältungskrankheiten würden in
solcher Umgebung gewissermaßen ausgetrocknet, aber auch die physiologischen
Immunreaktionen würden bei langer Isolation abgeschwächt, wohl nicht länger
zu vertreten sei.

Dies zeigten die Beobachtungen über jeweils sieben Monate an insgesamt 77 Personen, die in der amerikanischen Station McMurdo (66 Personen)
und der nahegelegenen neuseeländischen Station Scott Base (11 Personen)
überwinterten.

Weder verschwanden die Erkältungskrankheiten aus dem Tages-

geschehen, noch schienen die Abwehrmechanismen beeinträchtigt zu werden
In beiden Jahren traten während der totalen Isolierung von der Außenwelt
bei einem Viertel der Leute Erkrankungen der Atemwege auf.

Regelmäßig vor-

genommene Blutuntersuchungen ergaben, daß die Zahl der weißen Blutkörperchen als Indikator für die Wirksamkeit des Immunsystems nicht zurückging
und der Spiegel der Immunglobuline im Serum nicht niedriger wurde

Prof

Dick hofft, mit der Untersuchungsserie des nächsten Winters (Februar bis
Ende August 1978) diese Ergebnisse bestätigen zu können.
auch für die bemannte Raumfahrt von Bedeutung.

+ + + + +

- 5 -

Sie sind u a

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA halten an Konsultation mit europäischen NATO-Verbündeten fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenminister Vance und Verteidigungsminister Brown in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt dritten Halbjahresbericht zur KSZE vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Einführungskapitels -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie stark ist der US-Dollar wirklich?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von George E. Cruikshank&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inflation durch Einkommenspolitik bekämpfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Professor Walter Heller -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Schutz der Menschenrecht in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Charles F. Abernathy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Frauen beschlossen einheitlichen Aktionsplan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Frauenrechtskonferenz von Houston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfahrtprojekte auf internationaler Basis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA arbeiten mit anderen Ländern zusammen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leben unter ewigem Eis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschungssaison 1977/78 in der Antarktis -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Außenministeriums zu den Terrorangriffen in Kuwait

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan würdigt 30 Jahre Arbeit des US-Informationsamtes (USIA)
USA zum Protest bei Menschenrechtsverletzungen verpflichtet
- Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der
'Bill of Rights' -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Viel neues Material für die Forschung
- Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg Biologische Schädlingsbekämpfung
- Besonders wichtig für Regionen in der Dritten Welt

Um Übcr/cn Jung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
14. Dezember 1983

50

ERKLÄRUNG DES US-AUßENMINISTERIUMS ZU DEN TERRORANGRIFFEN IN KUWAIT
WASHINGTON - AD - Das amerikanische Außenministerium erklärte am
12. Dezember 1983, die Terrrorangriffe auf die Botschaft der Vereinigten
Staaten in Kuwait und andere Einrichtungen würden Amerika "nicht von einer
kontinuierlichen Politik im Nahen Osten abbringen."

Der Stellvertretende

Pressesprecher des Außenministeriums, Alan Romberg, bedauerte ebenso wie
der Stellvertretende Pressesekretär des Weißen Hauses die Anschläge in
Kuwait, und beide sprachen ihr Mitgefühl für die Opfer aus.
Die von Romberg verlesene Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Am heutigen 12. Dezember gegen 0630 GMT (0930 Uhr Ortszeit)
durchbrach ein Lastwagen das Haupttor der Anlage der amerikanischen
Botschaft in Kuwait.

Der Lastwagen fuhr noch etwa 45 Meter weiter zu

einem Anbau der Botschaft, wo eine große Bombe zur Explosion gebracht
wurde.

Durch die Explosion stürtzte ein Teil des Anbaus zusammen, und

es entstand großer Sachschaden an der Kanzlei und anderen Gebäuden auf
dem Gelände.
Die Information über die Zahl der Verluste ist noch unvollständig.
Nach ersten Berichten wurden vier Personen getötet und 37 verletzt;
zwei Personen werden noch vermißt. Zwei der Toten wurden als ausländische
der für die Wartung zuständigen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wartung zuständigen Abteilung der Botschaft gearbeitet haben.
Die beiden anderen Toten wurden noch nicht identifiziert.
Von den 37 verletzten Personen waren 20 örtliche Arbeitnehmer der
Botschaft (Foreign Service Nationais), die anderen waren 17 Besucher der
Botschaft oder auf Kontrakt arbeitende Privatpersonen.

Einige der verletzten

örtlichen Arbeitnehmer befinden sich in einem ernsten Zustand.
Alle Amerikaner sind zur Stelle, und obwohl einige amerikanische
Bedienstete Verletzungen erlitten, mußte keiner ins Krankenhaus gebracht
werden.

Die Aufräumungsarbeiten gehen weiter.

Wir haben Berichte über andere Bombenanschläge in Kuwait erhalten.
Die Informationen sind unvollständig; zu den Zielen gehörten jedoch die
französiche Botschaft und der Tower des Flughafens von Kuwait. Berichten
zufolge wurden weiter das nahegelegene SAS-Hotel sowie die Büros der Raytheon
Corporation
betroffen. Das Ausmaß des Schadens und der Verluste ist nicht
bekannt. Eingehendere Informationen müssen von der Regierung von Kuwait
kommen.
Wir bedauern all diese Angriffe zutiefst.

Sie werden uns jedoch nicht

von einer kontinuierlichen Politik im Nahen Osten abbringen.
Was die Verantwortung für die Anschläge angeht, so liegen uns Berichte
der Medien vor, nach denen eine Gruppe, die sich selbst als "Islamic Jihad"
(Islamischer heiliger Krieg) bezeichnet, die Verantwortung für den Angriff
übernommen hat. Wir besitzen keine eigene Bestätigung dieser Berichte.
Eine Organisation, die sich als Islamic Jihad bezeichnet, hat neben
anderen Organisationen auch die Verantwortung für die Bombenanschläge in
Beirut übernommen. Wir wissen nicht, ob hier ein Zusammenhang besteht.
Es gab

�Es gab keine Vorwarnung vor diesem Angriff.

Die Botschaft hat in

der Vergangenheit mehrere Drohungen gegen ihre Sicherheit erhalten und hat
versucht, geeignete Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, vor allem nach den
kürzlichen Bombenaschlägen in Beirut.
Da die Botschaften ihrer Natur nach für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen, können sie nicht in bewaffnete Festungen verwandelt werden.

Das setzt den Schutzmaßnahmen, die getroffen werden können, Grenzen.
In Kuwait befinden sich etwa 3000 amerikanische Staatsbürger.

An

der Botschaft sind etwa 65 Amerikaner tätig, die 237 Familienangehörige
haben.
Ich möchte bemerken, daß der Stellvertretende Ministerpräsident
und Außenminister von Kuwait, Scheik Sabah AI-Ahmad AI Sabah, kurz nach
der Explosion zum Gelände der Botschaft kam, um im Namen des Emirs von
Kuwait, des Kronprinzen und der kuwaitischen Regierung sein Mitgefühl zum
Ausdruck zu bringen. Der Außenminister bot der Botschaft die uneingeschränkte Mitarbeit und Unterstützung seiner Regierung an.

- 3 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

REAGAN WÜRDIGT 30 JAHRE ARBEIT DES US-INFORMATIONSAMTES (USIA)

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Botschaft
anläßlich des 30jährigen Bestehens die Arbeit des amerikanischen Informationsamtes - United States Information Agency (USIA) - im Dienste der Wahrheit und der Freiheit des Menschen gewürdigt.

In der auf Tonband aufge-

nommenen Botschaft, die bei den Feierlichkeiten am 9. Dezember 1983 abgespielt wurde, heißt es, daß USIA in all den Jahren höchste professionelle
Qualität gezeigt "und voll, genau und fair die Wahrheit berichtet" habe,
während andere Regierungen ihre Kommunikationskanäle dazu benutzt hätten,
um irreführende Propaganda und ausgesprochene Falschmeldungen zu verbreiten.

USIA habe durch seinen im Ausland tätigen US-Informationsdienst(USIS)

ein ehrliches Bild des amerikanischen Lebens und der amerikanischen Politik
und darüber hinaus auch des Weltgeschehens verbreitet.
Der Direktor des Amtes, Charles Z. Wick, erklärte anläßlich der Feier
in Washington

vor dem neuen USIA-Gebäude, die Aufgabe seiner Behörde,

"Tel 1ing America's story to the world" - die Darstellung Amerikas in der
Welt - die heute oft als "öffentliche Diplomatie bezeichnet wird, nimmt
einen immer wichtigeren Platz in der Verwirklichung der amerikanischen Außen-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanischen Außenpolitik ein".

Niemals in der Geschichte der Vereinig-

ten Staaten sei es wichtiger gewesen, "daß wir uns darstellen und daß andere
Nationen verstehen, was wir zu sagen versuchen".
Wick verwies darauf, daß in seinem Amt, beispielsweise bei der ihm
angeschlossenen "Stimme Amerikas", die modernste Technologie herangezogen
werde, um in der Welt Gehör zu finden.

Auch das neu eingeführte "Euronet",

eine über Satellit nach Europa übertragene Fernsehpressekonferenz, sei ein
gutes Beispiel.
Zu den Aufgaben von USIA gehört auch ein großangelegtes Austauschprogramm, das jetzt an die internationale Jugendaustausch-Initiative des
Präsidenten angegliedert worden ist.

Dadurch, so berichtete Wick, werde

eine "dramatische Steigerung" dieses Programms erreicht.
Ferner nimmt einen breiten Raum in der Informationsarbeit von USIA
das Bücherei-Programm ein, das in fast allen Ländern der Erde Fachbibliotheken unterhält und über einen Computer-Dienst amerikanische Veröffentlichungen beschaffen kann.
An den Feierlichkeiten in Washington nahm auch die amerikanische
Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick, teil, die ebenfalls den hohen Wert der USIA-Arbeit hervorhob. Sie selbst, so betonte sie,
habe an dem Vortragsprogramm des US-Informationsdienstes teilgenommen, weil
sie zutiefst an diese Arbeit glaube. "Ich glaube," so erklärte sie wörtlich, "daß Information das wichtigste Instrument der amerikanischen Außenpolitik ist". Dies gelte vor allem in der heutigen Zeit, in der immer mehr
Menschen sich in der Politik engagieren. Sie zitierte in diesem Zusammenhang den sowjetischen Dissidenten Solschenizyn: "Gewalt ist in unserer Zeit
unausweichlich mit der Lüge verbunden".
Die Botschaft von Präsident Reagan zum 30jährigen Bestehen von USIA
hat folgenden Wortlaut:
In diesem
- 2 -

�In diesem Jahr begehen wir den 30. Jahrestag eines Amtes, das ich
immer zu den wichtigsten der amerikanischen Regierung gerechnet habe - das
amerikanische Informationsamt (USIA).

In 30 Jahren hat sich USIA einen

höchst eindrucksvollen Ruf geschaffen, ja, viele große Ereignisse im Journalismus und im Medienbetrieb in Amerika haben mit USIA zu tun gehabt.
In all den Jahren hat USIA immer die höchste professionelle Qualität
bewahrt und voll, genau und fair die Wahrheit berichtet, während andere Regierungen ihre Kommunikationskanäle für irreführende Propaganda und ausgesprochene Falschmeldungen benutzt haben.
USIA hat seinen Ruf bewahrt, der Welt ein ehrliches Bild nicht nur
des amerikanischen Lebens und der amerikanischen Politik, sondern auch des
Weltgeschehens selbst zu geben - eines Geschehens, das viele niemals erfahren oder begreifen würden, gäbe es nicht USIA.

Wie wichtig

die Arbeit von

USIA ist, ist nie deutlicher geworden als bei der ausgezeichneten Berichterstattung kürzlich über die Enthüllungen und Darstellung des abscheulichen
Angriffs auf ein koreanisches Zivilflugzeug, den damit verbundenen tragischen
Verlust von Menschenleben und die verzweifelten Versuche, die Wahrheit zu
vertuschen.
Innerhalb von Minuten nach dem Bericht über die Vernichtung des
Düsenflugzeuges durch die Sowjets verbreitete die "Stimme Amerikas" das Ereignis in ihren Nachrichtensendungen. Jede sowjetische Erklärung und Gegenerklärung - angefangen von den ersten Dementis über all die mühsamen Änderungen und Widersprüche in den Darstellungen der Sowjets bis hin zu der
Erklärung des sowjetischen Delegierten bei den Vereinten Nationen, in der
er den Abschuß noch bestritt, während seine eigene Regierung ihn bereits zugegeben hatte - wurden von der "Stimme Amerikas" und anderen USIS-Publikationen voll wiedergegeben.
Für mich ist das ein weiteres Beispiel, wie die Arbeit von USIA im
Dienste der Sache der Wahrheit auch die Sache der menschlichen Freiheit fördert. Aus diesem Grunde ist es auch keine Propaganda, wenn USIA über die
- 3 -

�über die Unterdrückung der Freiheit berichtet, sondern das ist die wichtigste Nachricht unserer Zeit, so wie es die größte Tragödie unserer Zeit
ist - nämlich der Angriff auf die Menschenwürde durch jene, die die Macht
des totalitären Staates predigen.
Neben all jenen, die für die erstklassigen Nachrichtensendungen und
die zupackenden, gut geschriebenen, aber klar als solche erkenntlich gemachten Kommentare verantwortlich sind, arbeiten noch viele engagierte Männer
und Frauen als USIA-Bedienstete überall in der Welt - sie bieten Eindrücke
der amerikanischen Kultur, erläutern die amerikanische Politik und bringen
uns damit den Völkern anderer Länder näher und fördern die Sache des Weltfriedens.
Und so möchte ich heute Ihnen und Ihrem Direktor, Charles Z. Wick,
meine herzlichsten Glückwünsche
haben.

für das übermitteln, was Sie geleistet

Aber ich möchte auch, daß jeder von Ihnen weiß, daß nicht nur Ihr

Präsident, sondern alle

Amerikaner dankbar sind für das berufliche Können

und das Engagement, das Sie für Ihre Arbeit mitbringen.
Ich bin sicher, Sie hören diese schönen Worte fast so oft, wie Sie
sie verdienen, aber ich möchte im Namen des amerikanischen Volkes Ihnen meine
Geburtstagswünsche übermitteln und sagen:

Dankeschön!

Machen Sie so weiter, und Gott segne Sie.

+ + + + +

- 4 -

Wir sind dankbar.

�14. Dezember 1983

50

USA ZUM PROTEST BEI MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERPFLICHTET
• Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der
'Bill of Rights'-

WASHINGTON - (AD) - Zum 192. Jahrestag der amerikanischen "Bill of
Rights"- der in der Verfassung verbrieften Rechte des einzelnen - sowie zum
35. Jahrestag der Universellen Menschenrechterklärung durch die Vereinten
Nationen wurde der 10. Dezember in den Vereinigten Staaten zum "Tag der Menschenrechte" und die sich hieran anschließende Woche zur "Woche der Menschenrechte" sowie der 15. Dezember zum "Tag der Bill of Rights" erklärt.
In seiner Ansprache anläßlich der Unterzeichnung der Proklamation
verwies Präsident Reagan darauf, daß "wir in den freien Ländern manchmal
den Reichtum dieses kostbaren Besitzes"der Menschenrechte vergessen, während
es doch "unsere Verantwortung ist, unsere Stimme gegen die offenkundigen
Beleidigungen der Menschenrechte zu erheben", wie diese in der Sowjetunion,
in Polen, in Afghanistan, in Südafrika, im Iran und in Mittelamerika zu beobachten seien:
Reagan betonte,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Reagan betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine starke
Verteidigung als notwendiges Bollwerk gegen den Totalitarismus aufrechterhalten würden, doch bestehe "eine gleichstarke Waffe gegen die Tyrannei darin,
die Wahrheit zu verkünden."

Daher sei es eines der "großen Versäumnisse"

Washingtons gewesen, es den linken Diktaturen zu ermöglichen, "in der internationalen Debatte die Initiative zu ergreifen."

Um dies zu ändern,sei

nunmehr "Unterstützung der Demokratie ein zentrales Ziel der amerikanischen
Außenpolitik," wobei gerade auch die internationalen Rundfunksendungen der
Vereinigten Staaten, wie die "Stimme Amerikas","Radio Freies Europa" und ähnliche Einrichtungen, gestärkt werden sollen.

"Wir können," so sagte der Prä-

sident, "zuversichtlich sein, daß der Gang der Geschichte auf die Freiheit
gerichtet ist."
Die Proklamation selbst verwies auf die beiden historischen Daten der
Unterzeichnung:

"Am 15. Dezember 1791 erfreuten sich unsere Gründerväter

der Ratifizierung der ersten 10 Zusätze der Verfassung der Vereinigten Staaten - einer Bill of Rights, die dazu beigetragen hat, allen Amerikanern die
Freiheit zu garantieren, die wir so schätzen.
157 Jahre später, am 10. Dezember 1948, stimmten die Vereinten Nationen
der Universellen Menschenrechtserklärung zu - einem Bemühen, das darauf gerichtet war, die grundlegenden Menschenrechte für die Menschen aller Staaten zu
sichern."
Die Proklamation weist auf Ähnlichkeiten wie auf Unterschiede zwischen
"Bill of Rights" und "Universeller Menschenrechtserklärung" hin:

"Beide

große Menschenrechtsdokumente wurden in den Nachwehen eines bitteren Krieges
verabschiedet.

Beide stellen sich eine Gesellschaft vor, in der Herrscher

und Beherrschte an die Gesetze des Landes gebunden sind und wo die Regierung
auf der Zustimmung der Regierten ruht, wo sie in ihrer Macht begrenzt ist und
ihr Hauptzweck im Schutz der Freiheit des einzelnen liegt."
Aber während

�Aber während der "Bill of Rights" von einer Nation zugestimmt wurde,
die bereits blühende freie Institutionen besaß, fehlten vielen der Länder,
die die Universellen Menschenrechtserklärung annahmen, freie Institutionen.
Gerade indem sie sich zu wortreichen Verfechtern der Menschenrechte aufspielten, hofften noch immer viele Regierungen - und die Proklamation nennt in diesem Zusammenhang Polen, wo die Regierung nur von "der Illusion der Menschenrechte" spricht -, ihre eigenen Menschenrechtsverletzungen verschleiern zu
können.
Die Proklamation fordert denn auch dazu auf, "uns heute erneut der
Achtung vor diesen Rechten in unserem Land zu widmen und uns dafür einzusetzen, daß die Worte der

Universellen Menschenrechtserklärung lebendige Wirk-

lichkeit für die ganze Menschheit werden."
Am selben Tag veröffentlichte auch das amerikanische Außenministerium
eine Erklärung von Außenminister Shultz, in der es heißt:

"In diesen Zeiten,

da die Menschenrechte von Regierungen angegriffen werden, die sich weigern,
sich selbst dem frei bekundeten Willen der Völker zu unterwerfen, sind wir
und unsere Freunde uns in zunehmendem Maß der Notwendigkeit bewußt, die Freiheit zu schützen.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin ihre Mittel zur Unterstützung des Wachstums von Demokratie und Menschenrechten verwenden. Dabei
fordern wir die Führer überall in der Welt zu der Einsicht auf, daß die Menschenrechte von jeder Regierung anerkannt werden müssen, die vom eigenen Volk
getragen werden will."

+ + + + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

VIEL NEUES MATERIAL FÜR DIE FORSCHUNG
Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg

- (AD) - Im Johnson-Raumfahrtzentrum von Houston waren sich alle
einig:

Roboter oder noch so gut ausgeklügelte Fernsteuerungstechniken ver-

mögen den Menschen im Weltraum nicht zu ersetzen.

Die sechs Männer an Bord

der Raumfähre COLUMBIA machten immer wieder diese Erfahrung.

Und auf eine

entsprechende Frage von Forschungsminister Riesenhuber aus der Bundesrepublik
antwortete ihm Dr. Ulf Merbold in einem Funkgespräch:
besser als ein Computer.

"Der Mensch ist viel

Der Mensch ist flexibel und besitzt Fantasie.

Davon machten sowohl die beiden Flugastronauten Young und Shaw als
auch die vier Wissenschaftsastronauten während des Zehn-Tage-Fluges (28.
November bis 8. Dezember 1983),in dem das europäische Weltraumlabor SPACELAB
erprobt wurde, ausgiebig Gebrauch.

Pannen an Experimentiergeräten und Bord-

ausr'üstungen wurden behoben, manche Versuche anders durchgeführt als ursprünglich vorgesehen.

Ein Computer, über den Experimente auf der externen Palette

mit dem SPACELAB verbunden waren, begann zu streiken.

Aber weshalb?

Schließlich wurde die Ursache gefunden - er funktionierte nicht mehr, sobald er überhitzt war.

Die Astronauten improvisierten eine Lösung:

Sobald

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Lösung:

Sobald dieser Computer aktiviert werden mußte, wurde die Raumfähren-

position zur Sonne so verändert, daß er auf die Schattenseite kam.

Von da an

machte der Computer keine Schwierigkeiten mehr, obgleich es während der letzten
Flugtage für den Raumtransporter im Orbit keine "Nacht" mehr gab.

Die der Sonne

zugekehrte Seite der COLUMBIA spendete Schatten genug für eine ausreichende
Kühlung.
Das wissenschaftliche Programm erfuhr etwa 200 Umplanungen.

Sie wurden

von den Nutzlastexperten Merbold (Max-Planck-Institut für Festkörperphysik in
Stuttgart) und Lichtenberg (Massachusetts Institute of Technology in Boston)
sowie den Wissenschaftsastronauten Garriott und Parker aufs Beste bewältigt.
Kommandant Young und Kopilot Shaw hatten für dieses Programm weit über 200
Umsteuerungsmanöver zu unternehmen - 30 mehr als ursprünglich vorgesehen.
Und in 90 Fällen mußte über das jeweils durchzuführende Manöver gesondert entschieden werden.

Die Zahl der Einzeldaten, die über den Ablauf der 72 SPACE-

LAB-Experimente zur Erde gefunkt wurden, geht in die Billionen.
Ihre Auswertung sowie die Untersuchungen an den zurückgebrachten Proben
werden die über 200 Experimentatoren, von denen viele im Kontroll Zentrum
Houston den Flug verfolgten, noch lange beschäftigen. Aber es gilt z.B. auch
zu klären, was hinter der rätselhaften Leuchterscheinung steckt, die Owen
Garriott am Heck der COLUMBIA beobachtete: Seltsamerweise verstärkte sich
das Leuchten immer dann, wenn nach einem neuen Feuerstoß zum Manövrieren die
Triebwerke abgeschaltet wurden. Zwar sind Leuchtphänomene an Außenflächen
des Raumtransporters nichts Neues. Jedoch wurden sie noch nie am Heck und
nicht unter den geschilderten Bedingungen beobachtet. So bat das Kontrollzentrum, Film- und Fernsehaufnahmen davon zu machen.
Auch die quietschenden und knarrenden Geräusche, die im Orbit bei Tests
zur thermischen Belastung der Raumfähre von der Besatzung gehört wurden, sind
noch nicht geklärt. Ingenieure der NASA (US-Amt für Luft und Raumfahrt) begannen sofort nach der Landung der COLUMBIA mit der "Fahndung" nach möglichen
Ursachen. Alles in allem schien der Raumtransporter seinen jüngsten Einsatz

- 2 -

�jüngsten Einsatz im Weltraum, wie erste Außeninspektionen zeigten, sehr gut
überstanden zu haben.

Nur am Heck waren ein paar dunkle Flecke zu erkennen

- woher sie stammen, steht noch nicht fest.
Während die beiden Flugastronauten schon bald nach der Landung in der
kalifornischen Wüste nach Houston weiterflogen, unterzogen sich in Kalifornien
die vier Wissenschaftler noch tagelang gründlichen medizinischen Untersuchungen. Denn viele davon mußten sofort nach der Rückkehr durchgeführt werden,
will man Fragen der Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen
Organismus, die nach wie vor offen sind, zufriedenstellend klären. Die Weltraumkrankheit ist ja keineswegs das einzige Problem. Dr. Carolyn Leach, die
Leiterin der biomedizinischen Laboratorien der NASA, arbeitet mit Dr. E. W.
Voss (Universität Illinois) und Dr. Karl Kirsch (Freie Universität Berlin) zusammen, um beispielsweise herauszufinden, weshalb und wie das Blutvolumen durch
einen Raumflug verringert und die gesamte Blut-"Chemie" verändert wird.
Die SPACELAB-1-Wissenschaftler nahmen sich während der Mission gegenseitig mehrmals Blutproben ab, die sofort eingefroren wurden.

Die Analyse

und der Vergleich mit dem bereits vor dem Flug und nach der Rückkehr abgenommenen Blut zeigt u.a. Veränderungen des Erythropoetin-Spiegels.

Dies ist

ein vorwiegend in den Nieren und in der Leber gebildetes Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen anregt.

Man will u.a. klären, ob das Blutvolumen

reduziert wird, weil rote Blutzellen zugrundegehen, oder aber weil in der
Schwerelosigkeit weniger davon neu gebildet werden.

Auch sucht das Team in

den Proben nach jungen roten Blutzellen aus dem Knochenmark, was über den Umfang der Blutbildung unter anderen Schwerefeld-Bedingungen Auskunft geben
könnte.
Jedesmal vor der Blutentnahme an Bord wurde auch der
Betreffenden gemessen.

Blutdruck des

Denn im normalen Schwerefeld auf der Erde werde, wie

Dr. Kirsch in einem Interview sagte, Blut zu den Beinen gezogen.

Unter ver-

minderten oder fehlender Gravitationskraft dagegen sei die Blutverteilung im
Körper anders, und zwar konzentriere sich mehr im gesamten Oberkörper.

- 3 -

Dies sei

�Dies sei auch der Grund, weshalb das Gesicht eines Astronauten während des
Raumflugs etwas aufgedunsen erscheine.

Hier bestehe eine gewisse Ähnlichkeit

mit Symptomen bei bestimmten Krankheitsbildern, etwa mit jenen einiger Nierenkrankheiten.

Auch könne die andere Verteilung von Körperflüssigkeiten ein

Faktor sein, der zur Raumkrankheit beiträgt.

Darauf läßt auch das vorläufige

Ergebnis eines während des Zehn-Tage-Flugs vorgenommenen Experiments schließen:
Wurden mit Hilfe einer Spezialausrüstung die Füße unter Druck gehalten, verringerte sich bei den Astronauten die durch die Schwerelosigkeit verursachte
Desorientierung.
Nach Ansicht von Dr. Leach könnten ihre Untersuchungen vielleicht auch
eine Hilfe sein, um bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Anämie
zu finden.

Bei Anämie ist die Gesamtmenge von Erythrozyten und dem darin ent-

haltenen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) vermindert.

Die Wissenschaftlerin

hofft, daß durch die Blutzellenexperimente an der SPACELAB-Mannschaft mehr Erkenntnisse zur Physiologie der Produktion roter Blutzellen zu gewinnen sind.
Dr. Voss und Mitarbeiter interessieren vor allem die Auswirkungen von
Schwerelosigkeit auf die weißen Blutkörperchen, die für das Immunsystem des
menschlichen Organismus so wichtig sind.

Es gibt darüber nur sehr wenig Stu-

dien - vor allem fehlen präzise Messungen über den Umfang, in dem sich in der
Schwerelosigkeit die Produktion weißer Blutkörperchen verringert.

Mehr Erkennt-

nisse über das Immunsystem geben der Medizin, so sagte Dr. Voss, auch allgemein die Möglichkeit, viele schwere Erkrankungen in ihren Zusammenhängen besser zu verstehen.
Glückwünsche aus aller Welt trafen zu dem so erfolgreichen Verlauf des
ersten SPACELAB-Fluges in Houston und in den europäischen Raumfahrtzentren
ein - eines Fluges, der, wie es der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA formulierte, "neue Horizonte eröffnet hat". Die ESA vertraut darauf, künftig mit den Vereinigten Staaten in der Raumfahrt eng zusammenzuarbeiten. Und die deutsche Bundesregierung bekundete bereits großes Interesse für
eine Beteiligung der Bundesrepublik am Bau einer amerikanisch-europäischen
Raumstation.
Zu den
- 4 -

�Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen, soweit diese bisher bekannt
wurden:
- Entdeckung von Deuterium (schwerer Wasserstoff), von Kohlendioxid
und Methan in der irdischen Hochatmosphäre;
- Züchtung von "Superkristallen" für die Halbleitertechnik, Produktion
einer hochfesten Legierung aus Aluminium und Zink ,(Metalle, die im irdischen
Schwerefeld kaum legierbar sind), sowie Experimente zur Züchtung von Kristallen aus nichtmetallischem Material für Supraleiter und von einem Protein, welches der Forschung helfen könnte, die Struktur eines für die Galaktoseverwertung wichtigen Enzyms exakter zu bestimmen (mangelnde Verwertung führt beim
Neugeborenen zur Unverträglichkeit von Milch, und, als Folge davon, zu schweren Gesundheitsschäden);
- wichtige Erkenntnisse über die Rolle, die die Oberflächenspannung bei
der Bewegung von Flüssigkeiten spielt;
- Vorhandensein schwerer Elemente, vermutlich Eisen, in einem weit entfernten Neutronenstern, der Röntgenstrahlung aussendet, und von mineralbildenden Elementen in einer Supernova (Überreste eines explodierten Sterns);
- detaillierte Aufnahmen von 43 Gebieten der Erde mit einer Spezialkamera für die Landkartierung , u.a. von China (in Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern), von Inseln in der Karibik, im Indischen Ozean,
Ländern des Nahen und Mittleren Ostens und einzelnen Gebieten in den Vereinigten Staaten.
Den Ursachen der verschiedenen technischen Pannen, einschließlich des
Versagens von zwei der fünf Computer für die Sicherung der Rückkehrphase, wird
jetzt nachgegangen. Weitere Unternehmen mit SPACELAB sind bereits geplant
- das nächste für November 1984 mit sieben Mann an Bord.

+ + + + +
- 5 -

�14. Dezember 1983

50

BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
- Besonders wichtig für Regieren in der Dritten Welt

- (AD) - Ein Groüteil der von amerikanischen Behörden und Organisationen
der Vereinten Nationen geförderten landwirtschaftlicher, Forschung in internationalen Zentren rund um die Welt ist auf die Bedürfnisse, die Lebens- und
Arbeitsbedingungen kleiner Bauern abgestellt, die in Armut ihr Dasein fristen
müssen.

Auf einer einwc'chigen Tagung der Beratergruppe für internationale

Agrarforschung (CGIAR - Consultative Group on International Agricultural
Research) in Washington erörterten kürzlich die Direktoren von 13 Forschungszentren, die von der CGIAR finanziert v/erden, den gegenwärtigen Stand, die
Probleme und Zukunftspläne der Arbeit ihrer Institute.
Die größten Erfolge brachte zweifellos die Entwicklung der "Wundersorten"
von Weizen und Reis - Sorten, welche besonders gut auf künstliche Bewässerung
oder Kunstdünger ansprechen.

Sie machen derzeit etwa ein Drittel des Weizen-

und Reisanbaues in Entwicklungsländern aus.

Die durch sie erzielten Ertrags-

steigerungen werden laut CGIAR auf ca. fünf Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Besonderes Interesse aber verdienen Arbeiten aus jüngster Zeit, die der
Entwicklung anspruchsloser Sorten gelten.

Solche Sorten gedeihen selbst bei

einem Minimum an Wasser und Mineraldünger.

Außerdem benötigen sie sehr viel

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sehr viel weniger Mittel zur Schädlingsbekämpfung.
auch die ärmsten Bauern Nutzen haben.

Das bedeutet, daß davon

Denn diese können sich umfangreiche

Bewässerung, größere Mengen von Mineraldünger oder Insektiziden nicht leisten
oder verfügen, selbst wenn sie es könnten, nur über unzureichende Versorgungsmöglichkeiten.
- Suche nach genetischen Lösungen "Wo immer möglich versuchen wir eine genetische statt eine chemische Lösung
zu finden", sagt John Nickel, Direktor des Internationalen Zentrums für Landwirtschaft in den Tropen (CIAT) in Cali (Kolumbien).

In seinem Institut gehe es

in erster Linie darum, die Kosten für Nahrungsmittel niedrig zu halten - "denn
Hunger ist ein Problem von Armut.

Eine zu aufwendige Technologie verwehrt den

Armen den Zugang zu Nahrungsmitteln".

In der von diesem Institut betreuten

Region befasse man sich intensiv mit der Züchtung neuer, schädlingsresistenter
Bohnensorten.

Bohnen seien, so Nickel, "Risikopflanzen", weil sie gegen Schädlinge

und Krankheiten außerordentlich anfällig seien. Man habe inzwischen wichtige
Fortschritte gemacht - einige der Neuzüchtungen hätten ohne Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln sogar einen höheren Ertrag als die üblichen Sorten nach
sechsmaliger Insektizid-Behandlung.
Ein weiteres Beispiel für Fortschritte bei CIAT sei, wie Nickel weiter
berichtet, die Entwicklung neuer Gräser, die auf sauren Böden gedeihen, keinen
Mineraldünger und nur wenig Wasser benötigen. Solche Gräser seien für ausgedehnte
Weideflächen in Süd- und Mittelamerika geeignet, wo schlechte, saure Böden von
jeher mit viel Kalk und Kunstdünger behandelt werden mußten, damit sie überhaupt
etwas hergeben konnten. Man sei u.a. dazu übergegangen, die Gräser mit Schmetterlingsblütlern zu mischen, die Stickstoff binden und bewirken, daß weniger Stickstoffdünger gebraucht werde. Dieses billige Verfahren zur Verbesserung von Weideland in der Savanne könne dazu beitragen, die Zunahme des Lebendgewichts von Weidevieh um mehr als den Faktor zehn zu steigern - "gleichbedeutend mit einem
'Quantensprung' in der Nahrungsmittelproduktion".
In Afrika

- 2 -

�In Afrika gelten umfangreiche Studien und Versuche des Internationalen
Instituts für Landwirtschaft in den Tropen (UTA - International Institute of
Tropical Agriculture) in Ibadan (Nigeria) der Bekämpfung der Schildlaus und der
grünen Spinnmilbe, die den für die Ernährung der Bevölkerung so wichtigen Maniokstrauch attackieren.

Diese Insekten kamen vor etwa einem Jahrzehnt infolge

Unachtsamkeit in dem Frachtgut einer Schiffsladung aus Lateinamerika nach Afrika,
wo sie keine natürlichen Feinde haben. Die durch die Insekten verursachten
Verluste allein im Jahre 1982 werden auf zwei Milliarden Dollar geschätzt, denn
die Schädlinge dürften die Maniok-Produktion in Afrika um gut ein Drittel verringert haben.

Die Maniok-Schildlaus dringt jährlich um etwa 500 km weiter vor

und hat bereits ein Gebiet, so groß wie die Vereinigten Staaten, erfaßt.
Mit einem "aggressiven" Programm der Züchtung natürlicher Feinde dieser
Schädlinge versuche U T A jetzt sie zu bekämpfen, berichtet Direktor Ermond Hartmans.
Man züchte eine in Lateinamerika heimische kleine Wespenart und einen ebenfalls
von dort geholten Käfer, Insekten, die hauptsächlich von der Schildlaus leben.
In Nigeria wurden sie bereits erfolgreich eingesetzt, und viele andere Länder in
dieser Region hätten bereits um die Aussetzung dieser Insekten in ihren ManiokAnbaugebieten ersucht.

Da sie nur von den Maniokstrauch-Schädlingen leben,

bestehe auch so gut wie keine Gefahr, daß sie selbst zu einem Problem werden
können.

Denn mit einer Dezimierung der Schädlinge verringere sich auch auto-

matisch ihre Zahl.
Ähnliche Erfolge bei der Bekämpfung der grünen Spinnmilbe stehen noch aus,
obgleich intensiv an der Entwicklung entsprechender Verfahren gearbeitet werde,
sagte Hartmans. Zur Zeit konzentriere man sich auf die Suche nach anderen
natürlichen Feinden dieser Milbenart in Lateinamerika.

Laut Hartmans sei für

diese Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung eine einmalige Investition
von ca. 30 Millionen Dollar zu veranschlagen, eine Lappalie im Vergleich zu den
jährlichen Schäder durch Ernteausfälle in Milliardenhöhe.
Das Internationale

- 3 -

�Das Internationale Forschungsinstitut für die semi-ariden Tropengebiete
(ICRISAT) in der Nähe von Hyderabad (Indien) hat sich auf bestimmte Hirsearten
spezialisiert.

Wie Direktor Leslie Swindale berichtet, sei kürzlich ein afri-

kanisches Schwesterinstitut in der Nähe von Niamey (Niger) eingerichtet worden,
wo man sich hauptsächlich mit Rispenhirse und Erdnüssen sowie mit Anbauverfahren
befasse, die Feldfrüchte der südlichen Sahel-Zone einbeziehen.

Dieser Art

Forschungsarbeit komme besondere Bedeutung zu, da in der genannten Region der
jährliche Niederschlag zu 70 Prozent innerhalb von fünf Wochen erfolge, Bodentemperaturen 60 Grad Celsius erreichen können und der Boden zu 92 Prozent aus
Sand bestehe.

Rispenhirse werde in erster Linie Studienobjekt sein, da diese

normalerweise in Trockengebieten wächst, wo nur wenige andere Getreidearten
lebensfähig sind.
Menschen.

Sie bildet eine Hauptnahrungsquelle für etwa 300 Millionen

Sechzig Prozent des Hirseanbaues in der Welt entfällt auf die Sahel-

Zone, Heimatgebiet überaus armer bäuerlicher Bevölkerung.
Im vergangenen Jahr (1982) verteilte ICRISAT in Indien Saatgut für eine
gegen Krankheiten resistente, ertragreiche neue Art von Rispenhirse, die 1983
als erste vom Institut vermittelte Getreideart bereits kommerziell angebaut wurde.
Eine vielversprechende neue Zuckerhirseart, die auch auf schlechten Böden gedeiht
und keine Pestizide benötigt, dürfte in Kürze freigegeben werden.
Weitere landwirtschaftliche Forschungszentren befinden sich u.a. in Mexiko
(Weizen und Mais), auf den Philippinen (Reis), in Peru (Kartoffeln), Syrien
(Feldfrüchte für Trockengebiete), Äthiopien (Viehzucht) und in Kenia (Tierkrankheiten). Etwa 55 Prozent der Mittel, die der Beratergruppe zur Verfügung stehen,
werden auf Feldfrüchte verwandt, die von bäuerlicher Bevölkerung mit sehr
niedrigem Einkommen angebaut und konsumiert wird. Im Jahr 1982 betrug das Gesamtbudget der 13 Forschungszentren 140 Millionen Dollar. Das entspricht sieben
Prozent der Mittel, die von allen Entwicklungsländern zusammengenommen für landwirtschaftliche Forschung aufgewendet wurden.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

46

14. Dezember 1988

I N H A L T

{

INFORMATION
Neuer Handelsminister Ist alter Freund von Bush
- Porträt von Robert Mosbacher Bush benennt ehemalige Wohnungsbauministerin zur Handelsbeauftragten
- Porträt von Carla Hills -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan: Gespräche mit Gorbatschow positiv und ermutigend
- Artikel zur Rede beim American Enterprise Institute Shultz; Sowjetischer Vorschlag behebt Ungleichgewicht in Europa nicht
- Artikel über Pressekonferenz mit Shultz Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
- Verlautbarung des Außenministeriums zum 40. Jahrestag -

WIRTSCHAFT

i

Yeutter: Einigung über Agrarsektor bis April unerläßlich
- Erklärungen von Yeutter und Crosbie in Montreal -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumtransporter "ATLANTIS'' zurückgekehrt
- Zweiter Shuttle-Flug nach zehn Wochen Neuer Impfstoff gegen Rinderpest

* * * * * *

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Information

'SroN$&lt;

46

14. Dezember 1988

NEUER HANDELSMINISTER IST ALTER FREUND VON BUSH
- Porträt von Robert Mosbacher -

WASHINGTON - (AD) - Bushs Favorit für das Amt des Handelsministers, Robert
Mosbacher, ist ein alter Freund des neu gewählten Präsidenten und hat den
gleichen Hintergrund einer wohlhabenden Ostkllstenfamilie und einer erfolgreichen Karriere im Ölgeschäft in der Gegend von Houston.
Das Amt des Handelsministers ist
Mosbachers erster Posten in der Regierung, aber der 61jährige gestaltet
seit langem im Hintergrund die Politik der republikanischen Partei mit
und hat sich einen Ruf als erfolgreicher Manager von Geldsammelaktionen
erworben.
Bei Präsident Fords erfolglosem
Kampf um die Wiederwahl gegen Jimmy
Carter im Jahr 1976 leitete er den
Finanzierungsausschuß, und in dieser
Eigenschaft war er auch für Bush im
gerade beendeten Wahlkampf tätig, wobei es ihm gelang, mehr als 75 Millionen Dollar aufzubringen. Er war
darüber hinaus Zweiter Vorsitzender
des nationalen Finanzausschusses der
Republikaner.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Mit der Wahl von Mosbacher setzt
Bush einen Trend fort, im Rahmen dessen er mehrere andere Texaner für hohe Regierungsämter
nominiert hat.
Zwei hat er bereits in sein Kabinett
berufen - James Baker als Außenminister und Lauro Cavazos als Erziehungsminister.
Alle
Nominierungen
müssen noch vom Senat bestätigt werden.
Als
Handelsminister
wird
Mosbacher sowohl eine wichtige Rolle
bei der Durchführung des harten neuen
Handelsgesetzes spielen, das ausländische Märkte für amerikanische Produkte öffnen soll als auch bei der
Einführung des Freihandelsabkommens
mit Kanada, das nach der Ratifizierung durch Kanada in Kraft treten
wird.

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�Er bringt den Ruf eines hartgesottenen Geschäftsmannes mit, den er
sich in mehr als 30 Jahren als Leiter
des
Unternehmens
seiner
Familie,
Mosbacher Energy Co., erworben hat.
Mosbacher wurde in Mount Vernon
(New York) geboren und wuchs auch
dort auf. 1948, ein Jahr nachdem er
sein Examen in Betriebswirtschaft an
der Washington and Lee University abgelegt hatte, ging er nach Houston.
Ein paar Jahre später wurde er in
der New York Times mit den Worten zitiert, er "habe sich schon bei seiner
Ankunft in Houston verliebt". Er erklärte seinen Umzug:
"ich wollte
'Wildcatter'
(unabhängiger
Öl- und
Gasproduzent) sein und deshalb im Westen oder Südwesten leben."
Bush und er wurden Ende der fünfziger Jahre Freunde, und Mosbacher
sammelte erstmals Geld, als der künftige Präsident Anfang der sechziger
Jahre seine politische Laufbahn als
Kongreßabgeordneter begann.

Mosbacher, zu dessen geschäftlichen Interessen auch Immobilien und
Rinderzucht zählen, war Direktor der
Texas Commerce Bancshares in Houston
un der New York Life Insurance Company.
Es gehört zu den reichsten
Bürgern Amerikas,
Der begeisterte Segler Mosbacher
hat in zwei olympischen Segelklassen,
Drachenbooten und Soling, Medaillen
errungen. Über die von ihm und seiner dritten Frau Georgette veranstalteten Reisen und Parties wird oft in
den Klatschspalten der Zeitungen berichtet.
Das neue Kabinettsmitglied hat
vier erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder.
Sein einziger Sohn Rob
bewarb sich 1984 erfolglos um die Nominierung der Republikaner für einen
Sitz im amerikanischen Senat.

* * * * * *

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VON

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4

46

14. Dezember 1988

BUSH BENENNT EHEMALIGE WOHNUNGSBAUMINISTERIN ZUR HANDELSBEAUFTRAGTEN
- Porträt von Carla Hills -

WASHINGTON - (AD) - Binnen zwei Jahren nach ihrer Ankunft in Washington
Mitte der siebziger Jahre war Carla Anderson Hills bereits Ministerin für Bauwesen und Städtebau und als mögliche Oberste Bundesrichterin und Vizepräsidentschaftskandidatin im Gespräch.
Jetzt ist sie von dem gewählten
Präsidenten George Bush zur amerikanischen Handelsbeauftragten ernannt
worden, einem der exponiertesten Regierungsposten in Washington.
Bush beschreibt Frau Hills - die
als eine von Washingtons "Superjuristinnen" gilt als "harte, sachliche
Anwältin", die aggressiv an der Erschließung von Möglichkeiten für die
amerikanische Wirtschaft im Ausland
arbeiten wird.
"Sie befürwortet freien und fairen Handel", erklärte Bush am 6. Dezember 1988. Er wird ihre Nominierung zur Bestätigung nach seiner
Amtsübernahme am 20. Januar 1989 an
den Senat weiterleiten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bushs erste Entscheidung für eine
Frau in seinem Kabinett fiel inmitten
der im Rahmen des Allgemeinen Zollund
Handelsabkommens
(GATT)
in
Montreal stattfindenden Verhandlungen
der Handelsminister aus 96 Ländern.
Bei der aus Anlaß ihrer Ernennung
einberufenen Pressekonferenz erklärte
Frau Hills, sie werde nicht gemeinsam
mit dem derzeitigen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter an den Verhandlungen teilnehmen. Sie lehne es ab,
ihre Ansicht zu den sich dort im Verhandlungsstadium befindlichen Themen
zu äußern.
In Montreal brachte Yeutter seine
Begeisterung über die Nominierung von
Frau Hills zum Ausdruck.
"Sie ist
eine ausgezeichnete Wahl.
Sie ist

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�eine außerordentlich talentierte Persönlichkeit und ich hege den größten
Respekt für sie", erklärte er.
"Carla verfügt dank ihrer Arbeit
im Privatsektor über einen umfassenden internationalen Hintergrund und
reichliche Regierungserfahrung - eine
wichtige Qualifikation für eine Position wie der des amerikanischen Handelsbeauftragten, der für die Entwicklung politischer Richtlinien und
Verhandlungspositionen zwischen den
Behörden verantwortlich ist", fügte
Yeutter hinzu.
Frau Hills ist geschäftsführender
Partner im Washingtoner Büro der
Rechtsanwaltssozietät Weil, Gotshal
und Manges und Vorstandsmitglied von
Corning Glass Works, International
Business Machines, Chevron und American Airlines.

Frau Hills war als Mitglied der
Ford-Administation erst die dritte
Frau im Kabinett. Bush und seine Berater haben erklärt, sie würden besondere Anstrengungen zur Berufung
von Frauen in die nächste Administration unternehmen,.
Frau Hills ist 54 Jahre alt, hat
vier Kinder und ist mit Roderick
Hills verheiratet, der unter der
Ford-Administration Vorsitzender der
Wertpapierkommission war. Ihren Aussagen zufolge wird sich ihr Ehemann der
heute
eine
Beraterfirma
in
Washington betreibt - von allen handelsbezogenen Geschäften zurückziehen, die mit ihrer Rolle als Handelsbeauftragte kollidieren könnten.

* * * * *

Frau Hills kam im Jahr 1974 aus
Los Angeles nach Washington, um die
Abteilung für Zivilrecht im Justizministerium zu leiten. Bei ihrer Nominierung zur Wohnungsbauministerin ein
Jahr später äußerten Senat und Industrie Opposition, da sie über keine
Erfahrung auf dem Gebiet verfügte.
Obwohl es über einige der von ihr
in die Wege geleiteten politischen
Maßnahmen geteilte Meinungen gab,
verdiente sie sich den Ruf, schnell
zu lernen und energisch durchzugreifen.
Solche Eigenschaften sind unabdingbar für die Position des Handelsbeauftragten. Yeutter hat die ganze
Welt bereist, um über kontroverse
Handelspraktiken und Richtlinien zu
verhandeln und übernahm in der amerikanischen Regierung die Führungsrolle, um die Regierungsvertretern
zufolge unfairen Handelshemmnisse für
amerikanische Waren und Dienstleistungen im Ausland abzubauen und den
amerikanischen Markt gegen solche
ausländische Produkte abzuschotten,
bei denen man unfaire Subventionierung vermutet.

�reo ST&gt;

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14. Dezember 1988

REAGAN:

GESPRÄCHE MIT GORBATSCHOW POSITIV UND ERMUTIGEND

- Artikel zur Rede beim American Enterprise Institute -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärt, wenn die Sowjets die vom
sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow am 7. Dezember angekündigten
einseitigen Truppenreduzierungen "sofort und vollständig" durchführen, werde
sich dies als für die Geschichte wichtig und "bedeutungsvoll" erweisen.
In einer Rede beim American Enterprise Institute in Washington sprach
Reagan über seine Gespräche mit dem sowjetischen Generalsekretär am 7.
Dezember in New York.

Der Präsident beschrieb den Meinungsaustausch - seine fünfte und
letzte Zusammenkunft mit Gorbatschow
seinem Ausscheiden aus dem Amt - als
"positiv und ermutigend".
Er bezog sich auf Gorbatschows
Ansprache vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen, derzufolge die
Sowjetunion
ihre Streitkräfte bis
1991 einseitig um eine halbe Millionen Soldaten verringern und ihre konventionellen Waffen erheblich abbauen
will.
"Zum
einseitigen
sowjetischen
Truppenabbau kann ich nur sagen, daß
sich dieser als für die Geschichte
wichtig und bedeutungsvoll erweisen
wird", erklärte Reagan.

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Embassy of the United States of America

Reagan bemerkte weiter, er habe
Gorbatschow seine Zuversicht darüber
ausgesprochen, daß die von den beiden
Spitzenpolitikern bei ihrer ersten
Zusammenkunft 1985 in Genf aufgenommene Arbeit "unter der Bush-Administration fortgeführt wird".
"Das
heutige Treffen war eine Gelegenheit
zu Reflexion und Kontinuität", so
Reagan.
Die Gespräche umfaßten Reagan zufolge alle vier Teile der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung, Menschenrechte, Rüstungskontrolle, regionale Konflikte und bilaterale Fragen. "Wir haben insbesondere das betrachtet, was seit unserer letzten
Zusammenkunft in Moskau erreicht worden ist und was noch in Zukunft erreicht werden soll," fügte er hinzu.

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�Reagan erklärte, er habe die Bedeutung der Menschenrechte im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis betont und Gorbatschow erklärt, daß die
Amerikaner die von ihm in der Sowjetunion begonnenen Veränderungen begrüßt hätten.
"Wir hoffen, daß zum Wohl des sowjetischen Volkes und für die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern noch viel mehr getan wird", so
Reagan.
"Ich denke, wir haben beide unserer Befriedigung über unsere Leistungen der letzten Jahre Ausdruck verliehen",
erklärte
der
Präsident.
Aber wir haben auch erkannt, daß in
vielen Bereichen grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen unseren beiden Ländern bestehen und in
den kommenden Monaten und Jahren entschlossene Bemühungen auf beiden Seiten notwendig sind, um diese Meinungsverschiedenheiten auszuräumen."
In seiner Rede beim American
Enterprise Institute, einer konservativen politischen Forschungseinrichtung, legte Reagan eine umfassende
Beurteilung der Außenpolitik seiner
Administration dar.
"Ich bin stolz darauf, sagen zu
können, daß ich immer noch ein Antikommunist
bin,"
erklärte
Reagan.
"Und ich bin weiterhin auf die Idee
eingeschworen, daß wir unsere Überzeugungen laut verkünden und unsere
amerikanischen Ideale allen Völkern
der Welt vermitteln müssen, bis die
Festungen der Tyrannen zu Staub zerfallen."
Reagan erklärte, daß "Tyrannei
scheitert" und "Freiheit funktioniert" und daß "diese vor nur zehn
Jahren in so geringem Maße akzeptierten Tatsachen jetzt unstreitig sind".
"Die Experimente mit wirtschaftlicher Liberalisierung im Ostblock
und die zunehmende Freiheit in der
Volksrepublik China sind der schlagkräftige Beweis für die verzweifelten

Bemühungen der kommunistischen Welt,
einen Ausweg aus dem wirtschaftlichen
Sumpf im Sozialismus zu finden."
Reagan
verwies
ferner
darauf:
"Gleichzeitig
liefert der völlige
Fehlschlag der Sandinisten in Nicaragua ... eindeutige Beweise für die
dem Kommunismus eigene Unfähigkeit,
einer versklavten Bevölkerung etwas
anderes als Leiden zu bescheren."
Die Freiheitskämpfer Nicaraguas,
"die für die Seele ihres Vaterlandes
gekämpft haben, sind weiterhin die
beste Hoffnung für Freiheit und Demokratie in diesem Land", erklärte
Reagan.
Lateinamerika,
"einstmals
die
Hochburg der Despoten, ist jetzt zu
90 Prozent demokratisch", so Reagan.
"Das tapfere Volk von El Salvador hat
diejenigen gestürzt, die es mundtot
machen wollten, indem es sich in
großer Zahl zu den Wahlen eingefunden
haben." Er erklärte ferner, daß im
Fernen Osten "die Demokratie gewaltige Fortschritte gemacht hat", insbesondere in Ländern wie Südkorea und
den Philippinen.
Der Präsident bezeichnete sich
als Optimist: "Wir haben mit unserer
Politik des Friedens durch Stärke demonstriert, daß Frieden und Freiheit
sich durchsetzen werden, wenn wir
stark sind."
Reagan führte die NATO als bestes
Beispiel dafür an: "Wir müssen den
weniger begünstigten Völkern der Welt
zeigen, wie Freiheit und Demokratie
Freundschaft und gutes Einvernehmen
zwischen Völkern und Nationen schaffen."

Reagan erklärte, trotz seiner Ansicht, daß die NATO-Verbündeten ihre
Verteidigungslasten im Bündnis besser
verteilen könnten, "müssen wir uns
immer die reale Last vor Augen führen, die unsere Verbündeten tragen" niemals aber die Vereinigten Staaten
- "sie stehen wirklich an der Frontlinie des Westens".

�"Unsere
günstige
geographische
Lage hat die Kriege des 20. Jahrhunderts weit vom amerikanischen Festland ferngehalten, aber in Europa ist
die Erinnerung noch so frisch wie die
Erinnerung eines 50jährigen und die
Geschichten eines Großvaters", erklärte Reagan. "Ihre Soldaten, ihre
Kinder, ihre Häuser und ihre Zivilisation stehen jeden Tag auf dem
Spiel.
Das können und dürfen wir
nicht vergessen."

- 3

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14. Dezember 1988

46

SHULTZ:

SOWJETISCHER VORSCHLAG BEHEBT UNGLEICHGEWICHT IN EUROPA NICHT
- Artikel über Pressekonferenz mit Shultz -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz erklärte am
9. Dezember 1988 in Brüssel, trotz der konventionellen Abrüstungsvorschläge
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michael Gorbatschow bleibe ein "sehr
asymmetrisches" Streitkräfteverhältnis in Europa.
Auf
einer
Pressekonferenz
im
NATO-Hauptquartier in Brüssel erklärte Shultz, die Welt solle "nicht verdaß auch nach dem "sehr
gessen
willkommenen" einseitigen Truppenabzug (im wesentlichen 10 000 Panzer
und 500 000 Soldaten), den der sowjetische Staatschef am 7. Dezember in
New York angekündigt hatte, immer
noch ein Ungleichgewicht bestehen
bleibe.
Shultz zufolge würde demnach die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
gegenüber den Divisionen der NATO in
Europa von derzeit 2,99 : 1 auf lediglich 2,91 : 1 verringert, wenn die
Reduzierungen Gorbatschows in die Tat
umgesetzt würden. Außerdem würde die
Überlegenheit des Ostblocks bei Panzern . von derzeit 2,76 : 1 auf nur

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2,18 : 1 abgebaut, der Vorsprung bei
der Artillerie würde von 2,3 : 1 auf
1,74 : 1 schrumpfen und das Verhältnis bei Kampfflugzeugen würde von einer Überlegenheit von 3,2 : 1 auf
3,0 : 1 fallen, fügte der Außenminister hinzu.
"Daran können Sie erkennen, daß
die Reduzierungen
zwar willkommen
sind, doch wird Ihnen meines Erachtens ebenfalls auffallen, warum die
derzeit
bestehende
grundsätzliche
Asymmetrie
erhalten
bleibt," hob
Shultz hervor. Darum "begrüßen" die
Vereinigten Staaten und ihre 15 NATOPartner die Verhandlungen über konventionelle Stabilität
(KRK), die
voraussichtlich im kommenden Jahr in
Wien von der derzeitigen KSZE-Tagung
zur Überprüfung der Schlußakte von

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�Helsinki aufgenommen werden.
Am ersten Tag der zweitägigen
Konferenz des Nordatlantikrats verständigten sich die Außenminister auf
den Entwurf eines Vorschlags der
NATO, der auf den KRK-Verhandlungstisch gelegt werden soll. Die Minister fordern einen 50prozentigen Abbau der Panzer und andere Begrenzungen bei stationierten konventionellen
Streitkräften, sowie auch eine VorOrt-Inspektion der Reduzierungen.
Der amerikanische Außenminister
nannte die Vorschläge der NATO "konstruktiv und kreativ" und betonte,
daß diese "erheblich stärkere" Verringerungen fordere als die Initiative Gorbatschows.
Shultz nahm zum letzten Mal an
einer
NATO-Ministerkonferenz
teil,
nachdem er während seiner sechseinhalbjährigen Amtszeit als Außenminister 30 mal nach Brüssel gereist war.
Shultz erklärte:
"Das Bündnis
... ist in einer sehr guten Verfassung.
Es ist geschlossen; es ist
über die Abläufe informiert und gibt
seine Kenntnisse an die Öffentlichkeit weiter. Wir begrüßen nun die
von uns seit langem angestrebten Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle nach dem Konzept vom Atlantik bis zum Ural.
Auf die Frage, ob seiner Meinung
nach der "Kalte Krieg" zwischen Ost
und West nun angesichts der Veränderungen
in der Sowjetunion unter
Gorbatschow,
einschließlich
seiner
Initiative zum Rüstungsabbau, nun beendet sei, erklärte Shultz, dies hoffe er. In den vergangenen Jahren habe es "positive Entwicklungen" in den
Ost-West-Beziehungen gegeben, die an
den Tatsachen gemessen werden müßten,
meinte Shultz.
Er fügte hinzu: "Es gibt noch
immer Spannungen und unterschiedliche
Interessen. Und es gibt noch immer
jene
unbestreitbaren
Streitkräftestrukturen. Auch die Berliner Mauer

steht noch immer. Wenn es ein Symbol
für den Kalten Krieg gibt, dann ist
es diese Mauer."
Shultz verwies darauf daß sich
außerdem bei den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
sowie auch beim Osten und Westen ganz
allgemein ein "gewaltiger Wandel"
vollzogen habe, gemeinsam Probleme
anzugehen und "sie sorgfältig und
konstruktiv zu diskutieren und etwas
dagegen zu unternehmen".
Dieses geänderte Verhalten, so
Shultz, werde bei der Rüstungskontrolle, regionalen Konflikten und
Menschenrechten ersichtlich.
"All diese Sachverhalte haben
sich verglichen mit früher geändert.
Meiner Ansicht nach haben sie sich in
eine gute und positive Richtung verlagert, eine Richtung, die (uns) ein
wenig mehr Zuversicht gibt", erklärte
Shultz.
"Meiner Meinung nach ist
dies ganz ausgezeichnet."
Shultz hob hervor, daß die Geschlossenheit der NATO, ihre Fähigkeit zu Selbstverteidigung, Abschrekkung von Aggression und Friedenssicherung zu Rüstungskontrollverhandlungen geführt hat, wie beispielsweise die bevorstehenden Verhandlungen
über konventionelle Stabilität. "Und
wenn es eine Lektion gibt," die man
lernen müsse, "dann ist es diese,"
fügte der Außenminister hinzu.

* * * * * *

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46

14. Dezember 1988

DIE ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE
- Verlautbarung des Außenministeriums zum 40. Jahrestag -

WASHINGTON - (AD) - Die nachstehende Verlautbarung ist Teil einer vom Büro
für Öffentlichkeitsarbeit im amerikanischen Außenministerium herausgegebenen
Broschüre aus Anlaß des 40. Jahrestages der Allgemeinen Erkärung der Menschenrechte.
Die Allgemeine Erkärung der
Menschenrechte nach 40 Jahren
Am 10. Dezember 1988 jährt sich
die Verabschiedung der Allgemeinen
Erkärung der Menschenrechte durch die
Vereinten Nationen zum 40. Mal. Die
Erklärung ist die erste umfassende
weltweite
Verlautbarung
über
die
Grundrechte des Menschen, und sie
schließt zahlreiche der von Amerikanern immer schon vertretenen Werte
ein. Die amerikanische Außenpolitik
stützt sich auf das Konzept, wonach
die Rechte des Einzelnen von der Regierung respektiert werden müssen.
Diesen Gedanken will die Allgemeine
Erklärung weltweit vorantreiben.
Die Erklärung gibt den Vereinigten Staaten und anderen Nationen so-

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Embassy of the United States of America

wie auch Organisationen und Einzelpersonen Richtlinien an die Hand, an
denen sie die Behandlung von Bürgern
messen können. Der erste Absatz bezieht sich auf die "gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder des Menschengeschlechts".
Die
grausame Lektion des Zweiten Weltkriegs bewies, daß Regierungen, die
ihrem eigenen Volk grundsätzliche
Menschenrechte verweigerten, zur Anwendung von Aggression neigen, um
auch den Menschen anderer Staaten
diese Rechte streitig zu machen. Vor
dem Hintergrund dieser Überzeugung
zielten die einleitenden Sätze der
Erklärung gegen die "Mißachtung der
Menschenrechte", welche zu "barbarischen Vorgehensweisen" führte, "die
das Gewissen der Menschheit empörten".
Der damalige amerikanische

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�Außenminister George Marshall äußerte
sich in ganz ähnlicher Weise, als er
die Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Annahme der Allgemeinen
Erklärung drängte.
Marshall wörtlich:
"Die systematische und vorsätzliche Ablehnung der Menschenrechte sind der Ursprung unserer meisten
Schwierigkeiten."
Die
grundlegenden
Rechte
und
Freiheiten in der Allgemeinen Erklärung schlagen praktisch die Begrenzung der Regierungsgewalt vor, mit
der das Verhalten einzelner Bürger in
eine bestimmte Richtung gedrängt oder
kontrolliert werden kann. Die Allgemeine Erklärung nennt auch soziale
und wirtschaftliche
"Rechte", wie
beispielsweise das Recht auf eine
Ausbildung, das Recht auf Arbeit in
einem
Beschäftigungsverhältnis
der
eigenen Wahl, das Recht auf Eigentum
und das Recht auf Eheschließung mit
dem Partner der eigenen Wahl. Die
Vereinigten Staaten erkennen an, wie
wünschenswert diese Normen sind, gehen aber gleichzeitig davon aus, daß
sie von der Befriedigung der wesentlichen politischen, Bürger- und Menschenrechte einer wahrhaft freien und
demokratischen Gesellschaft abhängig
sind, ja sogar hieraus erwachsen.
Die Allgemeine Erklärung beinhaltet zahlreiche derjenigen Bürgerrechte, die auch in den ersten zehn Zusatzartikeln der amerikanischen Verfassung garantiert werden. Der philosophische Ausgangspunkt
ist der
gleiche, den auch unsere Gründungsväter übernommen haben, als sie zu ihrem obersten Prinzip erhoben, daß
"alle
Menschen
gleich
geschaffen
sind". Die Allgemeine Erklärung beinhaltet jedoch gleichzeitig Rechte,
die auf die heutige internationale
Staatengemeinschaft
eher
anwendbar
sind, zum Beispiel das Recht, Informationen auszusenden oder aus sämtlichen Quellen über internationale
Grenzen hinweg zu erhalten und das
Recht, sein Herkunftsland zu verlassen und dorthin wieder zurückzukehren.
Die Prämisse, wonach die in der

Allgemeinen
Erklärung
dargelegten
grundsätzlichen
Menschenrechte
auf
jedermann in der Welt, gleich in welchem politischen oder Wirtschaftssystem er lebt, anwendbar sind, ist ein
wesentlicher Bestandteil der Charta
der Vereinten Nationen. Die Charta
ruft zu einer "allumfassenden Einhaltung der Menschenrechte und grundsätzlichen Freiheiten aller" auf und
fordert deren "Beachtung, ohne Unterschiede im Hinblick auf Rasse, Geschlecht, Sprache und Religion".

Frühe amerikanische Erfahrungen
Amerikaner haben deutlich erfahren, daß friedvolle Beziehungen und
eine dynamische Wirtschaft in einem
Umfeld gedeihen, in dem die Rechte
des Einzelnen respektiert werden.
Ein wichtiges Prinzip, für das sich
die amerikanischen Gründerväter eingesetzt haben, war die zwangsläufige
Verbindung zwischen Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, In der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten konstatierten sie, daß
Regierungen, die "ihre rechtmäßige
Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten", für die Menschen eingerichtet werden, um die unveräußerlichen Rechte des Menschen zu sichern
und zu beschützen. Diese Tendenz ist
in der heutigen amerikanischen Menschenrechtspolitik so deutlich wie
damals. Die derzeitige amerikanische
Menschenrechtspolitik beruht auf der
Überzeugung, daß auf lange Sicht die
Förderung der Demokratie in der ganzen Welt der beste Weg zur Unterstützung der Menschenrechte ist. Der vom
Außenministerium letztes Jahr veröffentlichte Länderbericht über Vorgehensweisen bei Menschenrechten sagt
hierzu folgendes:
"Es liegt in unserem nationalen
Interesse, demokratische Prozesse zu
fördern, um beim Aufbau eines Umfelds
in der Welt zu helfen, das für die
Achtung der Menschenrechte günstiger
und somit auch für Stabilität und
Frieden förderlicher ist. Daher haben wir eine zweigleisige Politik

- 2 -

�entwickelt. Diese ist insofern reagierend, als wir auch weiter ganz bestimmten
Menschenrechtsverletzungen
entgegentreten, wo immer sie auftreten. Gleichzeitig ist sie agierend
bei der langfristigen Arbeit an der
Stärkung der Demokratie."
Die gleiche Auffassung spiegelt
sich in der Allgemeinen Erkärung der
Menschenrechte wieder:
Artikel 22
bestimmt, daß "jeder das Recht hat,
an der Regierung seines Landes teilzuhaben", und führt weiter aus: "Der
Wille der Menschen soll die Grundlage
der Regierungsgewalt sein...."
Ein anderer wichtiger Aspekt der
frühen amerikanischen Erfahrung war
die Überzeugung, daß die Ideale der
Freiheit, Demokratie und der Menschenrechte nicht nur Amerikanern,
sondern der ganzen Welt zuteil werden
sollten. Dieser Glaube an den allgemeingültigen Charakter der amerikanischen Erfahrung gab eine Überzeugung wieder, die von vielen Amerikanern geteilt wurde, daß nämlich Amerika - als eine junge Gesellschaft
mit
einem
einzigartigen
demokratischen politischen System und weit
entfernt von europäischen Machtkämpfen - in der Lage war, der ganzen
Welt moralische und geistige Führung
anzubieten.

•

Der Glaube an die Allgemeingültigkeit der amerikanischen Erfahrung
durchzieht die wichtigsten Dokumente
der frühen amerikanischen Geschichte.
Der Gedanke des Schutzes der natürlichen Rechte des Einzelnen findet
sich auch in zahlreichen Verfassungen
von Bundesstaaten und in der Bill of
Rights der amerikanischen Verfassung.
Diese Dokumente verteidigen vielleicht auf das energischste und lebendigste den Gedanken der Menschenwürde, Demokratie und Freiheit. Die
Allgemeingültigkeit dieser Dokumente
wurde' als eine nahezu selbstverständliche Vorstellung
betrachtet, die
Thomas Jefferson in einem Brief an
James Madison im Jahr 1787 zu der
Feststellung veranlaßte, daß "eine
Bill of Rights das enthält, was den

Menschen gegen jede Regierung der Erde zusteht".

Multilaterale Bemühungen
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist eine moderne Fassung
von Jeffersons "internationaler Bill
of Rights".
In all den 40 Jahren
seit Verabschiedung der Erklärung haben die Vereinigten Staaten an führender Stelle daran gearbeitet, die
Einhaltung der Prinzipien dieser Erklärung in der ganzen Welt auszubauen.
Die Regierung der Vereinigten
Staaten beteiligt sich aktiv an multilateralen Bemühungen wie etwa der
interamerikanischen
Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten sowie an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, im Rahmen derer die
Allgemeingültigkeit dieser Normen bekräftigt wurde.
Aber gerade durch die Vereinten
Nationen selbst - im Sicherheitsrat,
der Vollversammlung und ihren Ausschüssen sowie insbesondere in der
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen (UNHRC) - haben die Vereinigten Staaten einen Großteil ihrer
multilateralen Anstrengungen konzentriert, um Menschenrechtsverbesserungen in der ganzen Welt zu erlangen.
In der Kommission haben die Vereinigten Staaten zahlreiche "thematische" Fragen initiiert oder unterstützt. So schlugen die Vereinigten
Staaten im Jahr 1983 zusammen mit den
Niederlanden und Irland vor, die
UNHRC solle sich einem neuen Tagesordnungspunkt mit dem Titel "Verwirklichung der Erklärung über die Beseitigung aller Formen von Intoleranz
und Diskriminierung aufgrund religiöser Überzeugungen" widmen. Im Jahr
1986 spielten die Vereinigten Staaten
eine führende Rolle bei einer Resolution, die das Amt eines "Sonderberichterstatters über religiöse Intoleranz" ins Leben rief, der ein besonderes Mandat zur Überprüfung von
Vorfällen religiöser Intoleranz auf

- 3 -

�der ganzen Welt besitzt und über diese Vorfälle der Kommission Bericht
erstattet und Abhilfemaßnahmen vorschlägt.
Ferner unterstützten die
Vereinigten Staaten die Einsetzung
weiterer Sonderberichterstatter, um
andere
menschenrechtsverletzende
Praktiken zu untersuchen, wie etwa
die Anwendung der Folter oder grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung.
Zusätzlich zur Konzentration auf
diese "thematischen" Menschenrechtsfragen hat sich die Regierung der
Vereinigten Staaten energisch dafür
eingesetzt, daß internationale Gremien wie die Menschenrechtskommission
und die Vollversammlung der Vereinten
Nationen
auf
spezielle
Menschenrechtsprobleme in einzelnen Ländern
eingehen.
Im Lauf der Zeit haben
amerikanische Delegationen bei diesen
Organisationen
Resolutionen
eingebracht, in denen Regierungen aufgefordert wurden, Menschenrechtsverletzungen einzugestehen und zu behandeln, und sie haben die Notwendigkeit
energisch betont, daß die Menschenrechte überall zu gewähren sind.
Zu den wichtigsten Durchbrüchen
der vergangenen acht Jahre gehört die
Einsetzung eines Sonderberichterstatters zu Polen im Jahr 1982 sowie die
Erneuerung seines Mandats im folgenden Jahr.
Resolutionen, mit denen
ebensolche Berichterstatter zu Afghanistan und Iran eingesetzt wurden,
waren Anzeichen für die wachsende Bereitschaft der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, sich mit
politisch unpopulären und schwierigen
Problemen zu befassen. Ähnliche Bemühungen wurden unter anderem für
Guatemala, Chile und El Salvador bewilligt, obwohl in Guatemala mit der
Zeit eine ausreichende Verbesserung
erzielt wurde, die es gestattete, das
Mandat des Sonderberichterstatters in
das eines Beraters für Menschenrechtsfragen umzuwandeln.
Ahnliche
Fortschritte werden in El Salvador
erwartet.
Die Vereinigten Staaten befassen
sich ferner unmittelbar mit den be-

troffenen Regierungen.
Bemühungen,
um die Erfüllung der in der Allgemeinen Erklärung enthaltenen Menschenrechtsnormen zu ermutigen, sind wesentlicher Bestandteil der Arbeit
amerikanischer Diplomaten in ausländischen Hauptstädten. An jeder Botschaft gibt es mindestens einen Diplomaten, der sich primär der Beobachtung
von und Berichterstattung
über Entwicklungen in diesem Bereich
widmet.
Beim Vergleich der Leistungen einer Regierung im Bereich der Menschenrechte mit den von der Allgemeinen Erklärung gesetzten Normen werden
von den Vereinigten Staaten auch solche Faktoren wie etwa die Haltung einer Regierung gegenüber Untersuchungen angeblicher Menschenrechtsverletzungen
durch
internationale
und
nichtstaatliche Organisationen, Beweise für Diskriminierung aufgrund
von Rasse, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Sprache und gesellschaftlicher Stellung sowie die Arbeitsbedingungen (das Recht auf Gewerkschaftsbildung und TarifVerhandlungen,
annehmbare
Arbeltsbedingungen
etc.)
berücksichtigt.
Allgemeine
wirtschaftliche und politische Faktoren besitzen ebenfalls großes Gewicht, aber die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte bleibt unverändert
bestehen - als die Norm, an der das
Gesamturteil gemessen wird.
In jedem Land, in dem die Menschenrechtsnormen der Allgemeinen Erklärung anscheinend
nicht erfüllt
werden, strebt die amerikanische Regierung danach, die Lage unabhängig
zu prüfen und Maßnahmen zu treffen,
die am besten zu einer Verbesserung
beitragen können. Dies findet häufig
in Form Gesprächen auf Diplomatenebene mit den betroffenen Regierungen
statt, bisweilen auf höchster Ebene.
Manchmal halten wir formellere Gespräche ab, wie etwa bilaterale Menschenrechtskonferenzen.
Häufig sind
Kongreßmitglieder
aktiv an diesem
Prozeß beteiligt.
Aber unabhängig
davon, ob Verbesserungen möglich erscheinen oder nicht, die amerika-

- 4 -

�nische Regierung wird ihre Ansichten
öffentlich oder vertraulich der betroffenen Regierung kundtun, wann immer es scheint, daß die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte nicht
eingehalten wird.

Die Beseitigung doppelter Moral
In den vergangenen 40 Jahren hat
die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte eine klare und objektive
Norm gesetzt, an der die internationale Staatengemeinschaft die Leistungen einer Regierung im Bereich der
Menschenrechte
messen
kann.
Es
bleibt jedoch noch viel zu tun, sowohl in bezug auf die Lage in einzelnen Ländern als auch im Hinblick auf
die internationale Gesamtsituation.
Zum Beispiel sind die Vereinigten
Staaten davon überzeugt, daß die
Richtlinien der Allgemeinen Erklärung
von allen Mitgliedern der Vereinten
Nationen in gleicher und fairer Weise
angenommen und angewendet werden, ohne Rücksicht auf das jeweils herrschende politische oder wirtschaftliche System. Dennoch scheinen heute
viele Länder doppelbödige Richtlinien
anzulegen und kritisieren relativ geringe Verstöße gegen die Menschenrechte insbesondere in Industrieländern auf das schärfste, während sie
die ernstlichen anhaltenden Menschenrecht sver letzungen
selbsterrichteter
progressiver Staaten oder Entwicklungsländer ignorieren. Die internationale Staatengemeinschaft neigt dazu, massive Verletzungen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
herunterzuspielen, nach der Theorie,
daß wichtige Bürgerrechte, die Würde
des Menschen und die Respektierung
der Gesetze geringere Bedeutung haben
sollten als zum Beispiel wirtschaftliche Entwicklung.
Die Vereinigten Staaten suchen
die Bedeutung der unparteiischen Anwendung "gemeinsamer Richtlinien" der
Erklärung für die ganze Menschheit
dauerhaft zu unterstreichen. Wir haben uns insbesondere bemüht, "doppel-

bödige Richtlinien" in der Behandlung
der Menschenrechte in internationalen
Organisationen und insbesondere in
der Kommission für die Menschenrechte
selbst auszuschalten - oftmals eine
schwierige Aufgabe.
Zum Beispiel
wollen wir die . Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen überzeugen, Chile dieselbe Behandlung zukommen zu lassen wie anderen Ländern,
deren Fall gerade geprüft wird. Dies
würde im Einklang mit den "gemeinsamen Richtlinien" stehen, mit denen
die Behandlung von Menschenrechtsfragen durch die internationale Staatengemeinschaft festgelegt wird.
Während einige Länder von der
Kommission der Menschenrechtsverletzungen bezichtigt wurden, sind gegen
andere Länder, die sich mehr zuschulden kommen ließen, keine Vorwürfe erhoben worden. Zum Beispiel hat die
amerikanische Delegation 1987 eine
Resolution vorgelegt, die ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen in
Kuba anprangerte - sie wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. Obwohl der UNHRC nicht auf der Basis
der amerikanischen Resolution von
1988 handelte, entschied er sich doch
zur Entsendung eines sechsköpfigen
Untersuchungsausschusses der Vereinten Nationen nach Kuba, um die dortige Situation der Menschenrechte zu
bewerten und der Kommission bei ihrer
Sitzung im Jahr 1989 Bericht zu erstatten.
Es gibt noch weitere "doppelbödige Richtlinien". Trotz der Tatsache,
daß der Entwurf und die Annahme der
Allgemeinen Erklärung eine der ersten
Amtshandlungen der neu gegründeten
Vereinten Nationen war, schienen einige Mitglieder ihre Prinzipien lediglich als Lippenbekenntnisse zu betrachten. Im allgemeinen trifft dies
eher auf Regierungen zu, die sich das
alleinige Recht der Entscheidung darüber vorbehalten, was für ihre Bürger
gut ist und ihnen nicht selbst die
Entscheidung darüber überlassen. Sie
wollen ihren Bürgern - wenn nötig,
mit Gewalt - ihre Entscheidungen aufzwingen.
Verfassungsrechtliche Ga-

- 5 -

�rantien für die Rechte des Einzelnen
haben geringe Bedeutung, wenn sie
allgemeine, ungenau formulierte Verbote beinhalten, die diese Rechte
tätsächlich verweigern, wenn die Regierung das will. Wie Richter Oliver
Wendeil Holmes sagte, sind diese
"Richtlinien" so gut wie "überhaupt
keine Richtlinien".
Trotz all dieser Probleme haben
die Sache der Menschenrechte und der
Rechte des Einzelnen in den vergangenen 40 Jahren Fortschritte gemacht.
Gerade wegen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - die inzwischen in 70 Ubersetzugnen vorliegt sind die Unterdrückten sich eher ihrer Rechte bewußt als noch vor 40
Jahren.
Angesichts dieser breiten
Akzeptanz konnten sich diejenigen,
die sie verletzen, nicht länger darauf berufen, daß Kritik an Menschenrechtsverletzungen mit "Einmischung
in innere Angelegenheiten" gleichzusetzen ist. Und dieses Wissen wie
auch die Akzeptanz bedeuten, daß sich
diejenigen, die gegen Menschenrechte
verstoßen, jetzt aufgrund der heftigen öffentlichen Kritik kaum noch eine Strategie der Unterdrückung anwenden.

obwohl in diesen und in anderen Ländern noch viel zu tun bleibt, bis die
Richtlinien der Allgemeinen Erklärung
vollständig greifen.
Die Vereinigten Staaten verbessern auch weiterhin innerhalb ihrer
Grenzen die Situation der Menschenrechte, und es steht daher außer Frage, daß ihre Förderung ein institutionalisierter und grundlegender Aspekt unserer Außenpolitik bleibt.
Dies ist ein Thema, das weiterhin in
der Öffentlichkeit wie auch in beiden
Parteien weithin Beachtung findet.
Die Vereinigten Staaten verpflichten
sich zur Förderung der Menschenrechte
auf der ganzen Welt, gemäß den Grundsätzen, auf denen unser Land aufgebaut ist und wie sie für die gesamte
Menschheit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergelegt
ist.

Mit dem 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung hat es die Welt mit
ihren Bestrebungen um stärkere und
breitere Einhaltung der weltweiten
Richtlinien für die Menschenrechte
weit gebracht und ihre Vorteile kommen allen Menschen zugute.
Schutz
der Menschenrechte ist seit der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein wichtiges
Thema in der Außen- und Innenpolitik
der meisten Länder geworden. Freiheit hat mit der zunehmenden Unabhängigkeit von Kolonien weitere Verbreitung gefunden. Im Zuge dessen haben
auch sie die Richtlinien der Allgemeinen Erklärung anerkannt und politische Strukturen gebildet, die diese
Prinzipien widerspiegeln.
In jüngster Zeit sind viele Fortschritte bei
der Förderung der Menschenrechte und
Rechtsstaatlichkeit in der Sowjetunion und Osteuropa erzielt worden,
- 6 -

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Wirtschaft

V,oN ^

14. Dezember 1988

46

YEUTTER: EINIGUNG ÜBER AGRARSEKTOR BIS APRIL UNERLÄSSLICH
- Erklärungen von Yeutter und Crosbie in Montreal -

MONTREAL - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge müssen sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft
innerhalb der nächsten vier Monate auf eine Reform des Welthandels mit Agrarprodukten verständigen. Ohne eine solche Einigung könnten andere Länder ihre
Unterstützung für die im Rahmen der vom 5. bis 9. Dezember 1988 abgehaltenen
"Zwischenbilanz"-Konferenz der Uruguay-Runde getroffenen Vereinbarungen wieder
zurückziehen, wie Yeutter Reportern in Montreal unmittelbar vor Beginn der Abschlußsitzung mitteilte.

"Wenn
bei
der
Landwirtschaft
nichts geschieht, wird selbstverständlich das gesamte Paket im April
erneut zur Diskussion gestellt," erklärte Yeutter.
Die Handelsminister aus 96 Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT), unter
dessen Schirmherrschaft die Gespräche
der Uruguay-Runde stattfinden, einigten sich am 9. Dezember 1988 darauf,
in der ersten Aprilwoche des Jahres
1989 ein Treffen "auf hoher Beamtenebene" zu veranstalten, wie dem Abschlußbericht der Konferenz zu entnehmen ist.
"Die bei dieser Konferenz in
Montreal erreichten Ergebnisse ...
werden bis zu diesem Treffen ausgesetzt", wird in dem Bericht erklärt.
Ferner
wird
GATT-Generaldirektor

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Arthur Dunkel aufgefordert, "Konsultationen auf höchster Ebene" zu vier
Themenbereichen aufzunehmen - Textilien, Landwirtschaft, Recht an geistigem Eigentum sowie Schutzklauseln
-, damit beim April-Treffen Vereinbarungen in diesen Bereichen verabschiedet werden können.
Yeutter zeigte
sich zufrieden
über die in anderen Bereichen erzielten Ergebnisse:
ein Rahmenabkommen
über einen Ansatz für Verhandlungen
über multilaterale Regeln zum Handel
mit Dienstleistungen, ein verbessertes
und
schnelleres
System
zur
Schlichtung
von
Handelskonflikten,
einen Mechanismus
zur Überprüfung
handelspolitischer
Maßnahmen
der
GATT-Mitgliedstaaten
sowie
Vereinbarungen zum Abbau von Handelsschranken bei tropischen Produkten und zur
erheblichen Senkung von Zöllen.

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�' Was diese Woche geleistet worden
ist, bedeutet eine hervorragende Vorbereitung für die letzten zwei Jahre"
der Uruguay-Runde, erklärte Yeutter.
Sechs Verhandlungsmonate
seien in
diese eine Woche hineingepackt worden. Er hätte es vorgezogen, wenn es
den Handelsministern vor ihrer Abreise aus Montreal gelungen wäre, die
Vereinbarungen über die Bereiche, in
denen Einigung erzielt wurde, zu verabschieden. Dies sei jedoch an der
Weigerung einer Gruppe lateinamerikanischer Staaten gescheitert. Australischen Vertretern zufolge wurde
diese Gruppe von Brasilien, Argentinien und Chile angeführt.
Laut Yeutter liegen nach Ansicht
einiger dieser Länder viele der erzielten Vereinbarungen nicht im Interesse der lateinamerikanischen Länder. Es sei schwierig, ihren Bevölkerungen zu erklären, wie sie diese
Vereinbarungen ohne Einigung in der
Landwirtschaft verabschieden könnten.

Die Europäische Gemeinschaft sei
mit der Vorstellung in die Konferenz
gegangen, sie könne eine Vereinbarung
mit lediglich bescheidenen Reformen
im Agrarbereich erlangen. "Wir haben
gezeigt, daß wir nur geringfügigen
Reformen nicht. zustimmen würden,"
meinte Yeutter.
"Wir bedauern, daß die Europäische Gemeinschaft entweder nicht bereit oder nicht in der Lage war, bei
ihrer Haltung zu dieser Frage mehr
Flexibilität zu zeigen," erklärte der
kanadische
Handelsminister
John
Crosbie in einer am 9. Dezember 1988
veröffentlichten
Stellungnahme.
"Hätte sie dies getan, hätten die
Vereinigten Staaten vielleicht entsprechend darauf reagieren können.
Das wird mehrere Monate lang nicht
geschehen.
Dieses
Ereignis
in
Montreal könnte sich als genau die
benötigte Therapie herausstellen."

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

46

14. Dezember 1988

RAUMTRANSPORTER "ATLANTIS" ZURÜCKGEKEHRT
- Zweiter Shuttle-Flug nach zehn Wochen -

WASHINGTON - (AD) - Viereinhalb Tage umkreiste die am 2. Dezember 1988 gestartete Raumfähre ATLANTIS die Erde. Am 6. Dezember setzte sie kurz nach
Mitternacht MEZ in Kalifornien auf einem als Landebahn dienenden Trockenseebett auf.
Da es sich bei dem Flug um eine
militärische Mission gehandelt hatte,
war die Öffentlichkeit bei der Landung ausgeschlossen. Zehn Wochen zuvor waren bei der Landung der DISCOVERY 400 000 Menschen Zeuge der glücklichen Rückkehr des Raumtransporters
und seiner fünfköpfigen Besatzung.
Nach der CHALLENGERKatastrophe vom
Januar 1986 waren mit diesem Unternehmen die Shuttle-Flüge wieder aufgenommen worden.
Während des ATLANTIS-Fluges wurde
der Funkverkehr mit den Astronauten
aus Geheimhaltungsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt und keine Informationen über den Ablauf der Mission erteilt. Fachzeitschriften und
privaten
Raumfahrtexperten
zufolge
setzte die Besatzung einen Satelliten
einer neuen Generation in der Umlaufbahn ab, der mit hochempfindlichen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Radargeräten ausgerüstet ist. Seine
wichtigste Aufgabe: Überwachung der
Einhaltung
der
Abrüstungsverträge
durch die Sowjetunion. Er soll als
erstes Gerät dieser Art in der Lage
sein, bei jedem Wetter und auch bei
Nacht detaillierte Bodenaufnahmen zu
machen.
Der nächste Start des Raumtransporters DISCOVERY ist für den 18.
Februar 1989 vorgesehen. Ob es dabei
bleiben kann, Ist jedoch nicht sicher, weil infolge eines Fehlers bei
den üblichen Überprüfungen vor einem
Start die erste Trägerstufe der Rakete beschädigt wurde, mit der die
Nutzlast - ein Fernmeldesatellit
aus der Umlaufbahn zu seinem "Standort" im All transportieren werden
soll.
* * * * * *

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�;eo ST&gt;

'VON

^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
14. Dezember 1988

46

NEUER IMPFSTOFF GEGEN RINDERPEST

WASHINGTON - (AD) - Der Rinderpest fallen in Afrika und Asien pro Jahr etwa zwei Millionen Tiere zum Opfer. In westlichen Industrieländern schon seit
geraumer Zeit kein Problem mehr, bedeutet diese Viruserkrankung von Rindern
und Büffeln für viele Menschen in Entwicklungsländern eine Tragödie.

Hunger und noch mehr Armut in
ganzen Landstrichen sind die Folge.
Denn die Tiere stellen häufig den
einzigen Familienbesitz
dar.
Sie
liefern Milch, Käse und Fleischprodukte, aber auch Häute und Leder für
Bekleidung. Bisher unternommene Versuche, die Krankheit auszurotten,
hatten relativ wenig Erfolg - zum
Teil deshalb, weil die verfügbaren
Impfstoffe zuverlässiger Kühlung bedurften, und weil eine tierärztliche
Überwachung unerläßlich war.
Alan Woods, der Administrator des
US-Amtes für Internationale Entwicklung (A.I.D.), informierte kürzlich
in Washington Reporter über einen
Impfstoff, der nicht speziell behandelt werden oder gekühlt aufbewahrt
werden müsse. Er sei leicht herzu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stellen, gut transportierbar und einfach anzuwenden. Im Rahmen eines Kooperationsabkommens von A.I.D. mit
der Universität Kalifornien wurde die
Vakzine in den letzten drei Jahren
entwickelt.
Professor Tilahun Yilma, Virologe
an der Universität Kalifornien und
Leiter des zuständigen Wissenschaftlerteams, hält das Präparat für Entwicklungsländer selbst unter schwierigsten Bedingungen, wie sie zum Beispiel in manchen Regionen Afrikas bestehen, für besonders geeignet. Sobald die Exportgenehmigung des amerikanischen
Landwirtschaftsministeriums vorliege, seien weitere Feldversuche an Vieh in kleineren eingezäunten Arealen in Afrika vorgesehen.
Aber es dürften noch 12 bis 18 Monate

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vergehen, bis allgemeine Impfaktionen
aufgenommen werden können.
Bei Feldversuchen in den Vereinigten Staaten an 15 geimpften Rindern, die mit dem Virus in tödlicher
Dosis infiziert worden waren, überlebten die Tiere. Dagegen verendeten
vier nicht geimpfte Rinder sieben Tage nach der Exposition. Es handelt
sich um einen rekombinanten Impfstoff
aus zwei Genen des Rinderpest-Virus,
die auf Vaccinia-Viren (Pockenviren)
übertragen wurden. Diese Gene kodieren für Proteine des Rinderpest-Virus, die bei den geimpften Tieren
eine Immunreaktion zum Schutz gegen
die Erkrankung auslösen.

* * * * * *

�</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

14. Dezember 1994

49

DEMOKRATISCHE PARTEI

CLINTON UMREISST AUSSEN- UND
INNENPOLITISCHE ZIELE
Rede des Präsidenten

AMERIKA-GIPFEL

GIPFEL SOLL ANTEIL ALLER
AM WOHLSTAND SICHERN
Rede von Staatssekretär Summers

MENSCHENRECHTE

TAG DER MENSCHENRECHTE 1994
Proklamation des Präsidenten

KULTUR

PREISVERLEIHUNG AN FÜNF HERAUSRAGENDE AMERIKANISCHE KÜNSTLER
Auszeichnung des Kennedy Centers

PORTRAT

RUBIN WIRD NACHFOLGER VON BENTSEN
Porträt des designierten Finanzministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�DEMOKRATISCHE

PARTEI
14. Dezember 1994

CLINTON UMREISST AUSSEN- UND
INNENPOLITISCHE ZIELE
Rede des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer am 6. Dezember 1994 vor der Democratic Leadership Conference (DLC)
gehaltenen Rede stellte Präsident Clinton fest, außenpolitisches Ziel der Vereinigten Staaten in den nächsten
beiden Jahren müsse sein, in der Welt stark engagiert zu bleiben, eine starke und fähige Verteidigung
aufrechtzuerhalten und Handel zu erweitern, nicht zu begrenzen.
Der Präsident zog ferner eine Bilanz der Innenpolitik seiner Partei in den vergangenen beiden Jahren und
schlug einen Aktionskurs der Partei für die Zukunft vor.
"Die grundlegende Aufgabe der Partei ist die Erweiterung von Chancen, nicht eine Aufblähung des
Regierungsapparats", erklärte Präsident Clinton. "Wir müssen unsere Überzeugungen klar bekräftigen. Wir
müssen sagen, was wir geleistet haben und stolz darauf sein. Und wir müssen die Republikaner in einem
Geist echter Partnerschaft einbeziehen und sagen: ...'Wir wollen einen Ideenwettstreit veranstalten.'"
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Heute abend möchte ich mit Ihnen darüber sprechen, was wirklich in diesem Land vor sich geht,
nicht darüber, wer bei den Demokraten oder den
Republikanern verliert oder gewinnt, sondern wer in
Amerika verliert oder gewinnt.
Ende 1991 stürzte ich mich vor allem in den Präsidentschaftswahlkampf, weil ich in meinem tiefsten
Inneren davon überzeugt war, daß in diesem Land
etwas nicht stimmt, daß wir Gefahr liefen, den
Amerikanischen Traum zu verlieren, daß mehr
Menschen härter für weniger arbeiten, daß arme
Menschen, die sich zur Mittelschicht hocharbeiten
wollten, dies nicht konnten, daß wir keinen Zusammenhalt zeigten, als wir dies sollten und das politische System den Punkt erreicht hatte, an dem es
praktisch unfähig war, die grundlegenden Probleme
zu bewältigen.
Ich stellte mich zur Wahl in der Überzeugung, daß
ich als Bürger etwas dagegen unternehmen sollte.
Ich stellte mich zur Wahl, weil ich aufgrund meiner
Erfahrungen als Gouverneur glaubte, daß man
wirklich die Ärmel hochkrempeln, parteipolitische und
andere Grenzen überschreiten und echte Probleme
lösen kann, die reale Menschen haben. Ich stellte
mich zur Wahl, weil die DLC mich überzeugte, daß
Ideen in nationaler Politik ebenso wie bei anderen

AMERIKA DIENST 49

öffentlichen
könnten.

Unternehmen

von

Bedeutung

sein

Und als ich diese Kampagne startete, gab mir niemand außer meiner Mutter große Chancen, zu
gewinnen. Ich hatte jedoch Angst davor, daß ich
gewinnen könnte und die Menschen nicht verstehen
würden, wie schwierig es sein würde, wirkliche
Veränderungen vorzunehmen - nicht nur Dinge im
wesentlichen zu verändern, sondern auch die Kultur
Washingtons zu berücksichtigen und den Menschen
auf dem Land zu vermitteln. Außerdem gegenseitige
Kommunikation sicherzustellen, nicht den Kontakt zu
den Menschen zu verlieren, nie dieses mystische
Band zu überdehnen, das zwischen dem Präsidenten, einer Regierung und dem Volk bestehen muß.
Ich wußte, daß viele Gefahren bestanden. Eine war,
nur die schwierigsten Themen in Angriff zu nehmen.
Wenn es leichte Probleme wären, hätte jemand
anderes sich mit ihnen befaßt, weil dies einer Meinungsumfrage zufolge populär gewesen wäre. Die
zweite Gefahr ist, man macht Fehler, wenn man viele
Dinge in kurzer Zeit bewältigen will. Und ich habe
meinen Teil an Fehlern gemacht, das gestehe ich ein.
Die dritte Gefahr besteht darin, daß man in schwierigen Zeiten leicht mißverstanden wird, wenn man weit
von dem Mann auf der Straße entfernt ist. Man wird
dann leicht dämonisiert und eben die, denen man am

Seite 1

�meisten zu helfen versucht, wenden sich von einem
ab.
Das ist es, was ich an dieser Wahl mehr als alles
andere bedauere. All die Menschen, die für niedrigere Löhne und weniger Sicherheit härter als vor 10
Jahren arbeiten, sind diejenigen, denen zu helfen ich
im Wahlkampf versprochen habe. All die Menschen,
die versuchen, die Regeln einzuhalten, die es müde
sind, daß andere Sozialleistungen erhalten, die sie
nicht verdienen, die das System ausbeuten, egal ob
sie reich oder arm oder irgendwo dazwischen sind sie sind diejenigen, für die die Demokratische Partei
eintreten sollte und diejenigen, die letztlich profitieren
werden, wenn wir auf dem richtigen Kurs bleiben.
Wir haben vieles getan, was ihnen nicht besonders
gefiel, vor allem, nachdem es ihnen erklärt wurde.
Meines Erachtens hatte ich recht, Diskriminierung
und Intoleranz abzulehnen, aber viele dachten, ich
kümmere mich mehr um Minderheiten als die
Probleme der Mehrheit.
Meines Erachtens hatten wir recht, als wir uns gegen
den Verband der amerikanischen Waffenbesitzer
stellten und sagten, wir müßten diese Schußwaffen
von der Straße verbannen. Aber weit von den
Schlachtfeldern der Innenstädte entfernt, sagten die
auf dem Land Wohnenden: "Mein Gott, ich zahle so
viele Steuern, ich kann meinen Arbeitsplatz nicht
behalten, und jetzt wollen sie auch noch meine
Waffe. Warum lassen sie mich nicht einfach in
Ruhe?"
Meines Erachtens hatten wir recht, als wir für den
Abbau dieses schrecklichen Haushaltsdefizits
kämpften. Ich möchte Ihnen etwas sagen. Der
Haushalt wäre in diesem Jahr ausgeglichen, wenn
wir nicht die Zinsen für die in den Jahren aufgelaufenen Schulden zahlen müßten, als die Republikaner
die Kontrolle hatten und das Land in den Graben
steuerten.
Und bevor Sie dem Sirenengesang lauschen, den
Sie nächstes Jahr vernehmen werden, sollten Sie
sich folgendes vor Augen halten: 28 Prozent Ihrer
Einkommensteuer sind für die Zinsen der in den 12
Jahren vor unserer Amtsübernahme gemachten
Schulden. Wir haben also recht, dies zu tun.
Und ich denke, wir hatten recht, einen Weg zur
Verhinderung einer dreimal höheren Kostenexplosion
im Gesundheitswesen als die Inflationsrate zu
suchen, zu verhindern, daß die Menschen ihre
Gesundheitsfürsorge verlieren, wenn sie ein krankes
Kind haben oder einen anderen Arbeitsplatz annehmen wollen. Wir hatten recht, mittelständischen
Unternehmen und Freiberuflern eine finanzierbare

Seite 2

private Krankenversicherung zu ermöglichen. Aber
als diese Projekte dem amerikanischen Volk vorgelegt wurden, charakterisierte man in beiden Fällen
die Demokraten als die Partei der Regierung und der
Steuern. Und die Amerikaner haben kein großes
Vertrauen in die Regierung, weil sie für weniger Geld
härter arbeiten.
Die männlichen Arbeitnehmer ohne Collegeabschluß
verdienen in diesem Land 12 Prozent weniger als vor
10 Jahren und arbeiten mehr Stunden. Wir sind das
einzige Land der Welt mit einer modernen Wirtschaft,
in dem der Prozentsatz der Bevölkerung unter 65
Jahren mit einer Krankenversicherung heute niedriger
ist als vor 10 Jahren.
Manchmal sind Sie nicht glücklich, selbst wenn
jemand etwas Gutes tut - weil Ihnen das Resultat
nicht gefällt. Es gibt immer noch Menschen, die das
fast umbringt, die denken: Ich tue alles in meiner
Macht Stehende - ich habe eine längere Arbeitswoche, ich kann mir keinen Urlaub mehr leisten, ich
bezahle mehr für die Gesundheitsfürsorge, ich könnte
morgen meinen Arbeitsplatz verlieren, mein Kind
könnte auf dem Weg zur Schule erschossen werden,
und mein ganzes Geld geht an Leute, die sich nicht
richtig verhalten. Das ist es, was die Menschen
denken.
Und sie sind diejenigen, für die ich mir in den letzten
beiden Jahren fast ein Bein ausgerissen habe, um
ihnen und denjenigen zu helfen, denen sie zu helfen
versuchen. Können wir sie zurückgewinnen? Ganz
sicher. Aber sie müssen wissen, daß wir die Botschaft bei der Wahl vernommen haben. Sie müssen
wissen, daß wir die Botschaft verstanden haben.
Aber wir können ihnen nicht sagen, daß wir immer
zustimmen. Wir können es ihnen nicht sagen, selbst
wenn der Preis dafür sehr hoch ist. Manchmal treffen
Leute Entscheidungen, wenn sie äußerst verärgert
sind. Und manchmal sind diese Entscheidungen gut,
aber bisweilen ist das auch nicht der Fall.
Mit das erste, was ich als Kind gelernt habe, war,
zähle bis 10, Bill, bevor du etwas sagst. Ich tue es
zwar noch nicht immer, aber jedes Mal, wenn ich es
nicht tue, tut es mir leid.
Es gibt kein Patentrezept für eine perfekte Welt in
schwierigen Zeiten des Wandels, in denen jede Wahl
gut ausgeht und alle glücklich sind. Aber das amerikanische Volk muß erfahren, daß wir es gehört
haben, weil es das Volk ist, dem zu helfen ich beim
Präsidentschaftswahlkampf versprochen habe. Mein
ganzes Leben lang, seit ich ein kleiner Junge war,
habe ich Menschen wie diese gesehen, wie sie
mißhandelt und benachteiligt wurden, und ich habe
sie vor Wut schäumen und erbittert und ausgenutzt

AMERIKA DIENST 49

�gesehen. Wir schulden es ihnen, sie wissen zu
lassen, daß wir sie gehört haben, für sie kämpfen
und unsere Leistung erbringen werden.
Ich möchte drei Dinge sagen. Wir müssen unsere
Überzeugungen klar bekräftigen.
Wir müssen
sagen, was wir geleistet haben und stolz darauf sein.
Und wir müssen die Republikaner in einem Geist
echter Partnerschaft einbeziehen und sagen: Sie
haben neue Ideen. Wir auch. Wir wollen einen
Ideenwettstreit veranstalten. Aber hört auf mit dieser
Dämonisierung und nehmt die Arbeit in Angriff,
Amerika bei der Gestaltung dieses Landes behilflich
zu sein.
Wenn Sie in den nächsten zwei oder drei Tagen
wissen wollen, wie Sie unsere Prinzipien klar formulieren sollen, dann lesen Sie die Erklärung von New
Orleans von vor fünf Jahren. Sie ist optimal. Wir
glauben, das Versprechen Amerikas sind gleiche
Chancen, nicht gleiche Ergebnisse. Die grundlegende Aufgabe der Partei ist die Erweiterung von Chancen, nicht eine Aufblähung des Regierungsapparats.
Amerika muß in der Welt stark engagiert bleiben,
nicht sich zurückziehen. Die Vereinigten Staaten
müssen eine starke und fähige Verteidigung aufrechterhalten. Der richtige Weg zum Wiederaufbau der
wirtschaftlichen Sicherheit Amerikas sind Investitionen in unsere Menschen und eine Erweiterung des
Handels, nicht seine Begrenzung.
Wir glauben an die Verhinderung von Verbrechen
und die Bestrafung von Kriminellen, nicht an die
Erklärung ihres Verhaltens. Der Zweck von Sozialleistungen besteht darin, die Armen in den Wirtschaftskreislauf einzubeziehen, nicht sie in Abhängigkeit zu halten. Die Regierung sollte die Freiheit
des einzelnen respektieren und sich aus dem
Privatleben und persönlichen Entscheidungen
heraushalten. Wir glauben an die Moral und die von
den meisten Amerikanern geteilten kulturellen Werte
- Verantwortung des einzelnen, Toleranz, Arbeit,
Glaube und Familie.
Wir glauben, daß die amerikanische Staatsbürgerschaft sowohl Rechte als auch Pflichten enthält.
Und wir werden unsere Bürger bitten, ihren Gemeinden und ihrem Land etwas zurückzugeben. Ich
glaube daran, und wenn Sie daran glauben, werden
wir eine großartige Zukunft haben.
Ich möchte Ihnen folgendes sagen: Sie müssen
über Ihre Aufgabe in dieser neuen Welt entscheiden,
denn es ist wahr, daß wir in der neuen Demokratischen Partei bereits etwas bewirken. In den vergangenen beiden Jahren wurden trotz einer Atmosphäre der Kontroversen und trotz aller Schwierigkeiten mehr Tagesordnungspunkte der DLC als

AMERIKA DIENST 49

Gesetze verabschiedet, die das Leben der Amerikaner beeinflussen, als jede politische Bewegung in
einem vergleichbaren Zeitrahmen in der Geschichte
der Vereinigten Staaten je bewirkt hat. Und Sie
sollten stolz darauf sein.
Sie sollten keine Auszeichnungen fordern, und wir
sollten keine Auszeichnungen fordern, weil die Löhne
und Gehälter immer noch stagnieren, die Zukunft für
Millionen von Amerikanern noch zu viele Unsicherheiten birgt, das Land vielerorts in Form von zerrütteten
Familien und Kriminalität mit großen Schwierigkeiten
konfrontiert ist und die Regierung viele Menschen zu
stark belastet.
Aber Sie sollten zweifelsohne stolz auf den Anfang
sein, der gemacht wurde. Und wenn Sie dem nicht
Ausdruck verleihen, wird das niemand tun. Deshalb
sollten Sie sich erheben und darauf hinweisen, was
wir geleistet haben. Darauf werden wir aufbauen.
Wir werden Fortschritte machen.

Wir haben die

Botschaft bei den Wahlen vernommen, aber wir
sollten nicht herunterspielen, was bereits für die
Menschen getan wurde, die für die Zukunft dieses
Landes entscheidend sind.
Lesen Sie noch einmal, wofür sich die DLC besonders eingesetzt hat. Grundsätze sind etwas Gutes,
aber früher oder später muß auch etwas getan
werden. Das ist wirklich wichtig. Einer der großen
politischen Denker, der sich heute abend unter den
Zuhörern befindet, den ich jedoch nicht durch Nennung seines Namens in Verlegenheit bringen möchte,
sagte zu mir: "Wissen Sie, Herr Präsident, eines der
Probleme besteht darin, daß Sie versuchen, etwas zu
bewirken." Und er führte einen anderen Politiker als
Beispiel an, der in diesem Land äußerst beliebt ist,
weil er sehr viel redet, aber nichts unternimmt und
somit niemanden vor den Kopf stößt.
Wir versuchen, etwas zu bewirken. Darauf sollten
Sie stolz sein. Es war nicht einfach, erstmals seit
Truman in drei aufeinanderfolgenden Jahren das
Haushaltsdefizit abzubauen. Die DLC forderte uns
dazu auf, und es war keine einfache Aufgabe.
Es war nicht leicht, hierfür ein Konzept zu entwickeln
und Steuersenkungen - den ersten Schritt für Steuererleichterungen der Mittelschicht - für 15 Millionen
Arbeitnehmerfamilien mit 40 Millionen Amerikanern zu
veranlassen, für hart arbeitende Menschen mit
Kindern und bescheidenen Löhnen. Wir wollen nicht,
daß sie von der Sozialhilfe abhängig werden - im
Gegenteil. Wir wollen nicht, daß irgend jemand
aufgrund seiner Steuerlast verarmt. Genau darum
ging es beim Einkommensteuerfreibetrag. Das war
eine Idee der DLC, die wir in die Tat umsetzten.
Damit schufen wir mehr Steuergerechtigkeit, als in

Seite 3

�den letzten 20 Jahren gegeben war. Darauf sollten
wir stolz sein, denn es veränderte das Leben der
Menschen.
Es wurde darüber gesprochen, den Regierungsapparat zu verkleinern. Heute arbeiten verglichem
mit dem Tag meines Amtsantritts 70.000 Beamte
weniger in der Bundesregierung. Wir verringern den
Regierungsapparat um mehr als eine Viertel Million
Beamte. Wenn das getan wird, wofür die hier
anwesenden Kongreßabgeordneten bereits stimmten, haben wir am Ende dieses Haushaltsjahres den
kleinsten Regierungsapparat seit John F. Kennedy.
Das sind unsere bisherigen Leistungen. Die Republikaner wollen mehr unternehmen - wir werden es
tun. Bilden wir eine Partnerschaft. Beginnen wir
einen Wettstreit. Wir haben den Abbau des Regierungsapparats noch nicht abgeschlossen, sollten
aber nicht abstreiten, daß wir den Anfang gemacht
haben. Nicht die Republikaner, sondern wir haben
den Anfang gemacht. Jetzt sollten wir diese Aufgabe gemeinsam angehen und Fortschritte machen.
Und es geschah etwas Dramatisches, das Herr
McCurdy eben erwähnte. Die Demokratische Partei
kehrte dem Protektionismus entschieden den Rükken und wandte sich dem GATT, dem NAFTA, den
asiatischen Staaten, dem bevorstehenden gesamtamerikanischen Gipfel zu. Dies stellte einen grundlegenden Bruch mit der Vergangenheit dar und eröffnete neue Zukunftschancen.
Wir taten das aus einem einfachen Grund. Ungeachtet dessen, was wir unternehmen, wird Druck
ausgeübt, die Löhne niedrig zu halten. Da wir
jedoch Zugang zu Märkten und mehr Fairness
gegenüber amerikanischen Arbeitnehmern und
Unternehmen gefordert haben, werden wir neue,
hochbezahlte Arbeitsplätze für Amerika schaffen.
Das war die Position der DLC. Wir haben beim
Handel mehr Fortschritte gemacht, als zu jeder
anderen Zeit in einer Generation. Sie sollten darauf
stolz sein, diese Leistung verteidigen und darüber
sprechen.
Welche Resultate hat das gebracht? Über fünf
Millionen neuer Arbeitsplätze - in diesem Jahr mehr
Arbeitsplätze in der Baubranche als in den letzten
neun Jahren zusammengenommen, zum ersten Mal
innerhalb eines Jahrzehnts bereits elf Monate
andauerndes Wachstum von Arbeitsplätzen im
Fertigungsbereich. Das sind die Resultate.
Und schließlich beobachten wir einen Anstieg
hochbezahlter Arbeitsplätze - in diesem Jahr wurden
mehr hochbezahlte Arbeitsplätze geschaffen als in
den letzten fünf Jahren zusammengenommen. Wie

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lautet die Herausforderung? Die Einkommen zu
erhöhen und den Menschen, die ihren Arbeitsplatz
wechseln, zu helfen, damit sie nicht von Unsicherheit
gequält werden. Das ist die Herausforderung.
Wie können wir das erreichen? Zunächst einmal
müssen wir ein System für lebenslanges Lernen und
Weiterbildung bereitstellen. Wollen Sie das Einkommensgefälle in diesem Land abschaffen? Wir sollten
jedem Amerikaner, der dies wünscht, Ausbildungsförderung zukommen lassen. Das ist die einzige
Möglichkeit.
Schauen Sie sich die bildungspolitische Tagesordnung an. Es war das beste Jahr für Bildung und
Ausbildung seit 30 Jahren. Wir haben Head Start
erweitert, durch Reformen an der Basis den landesweiten Bildungsstandard erhöht, beispielsweise bei
staatlichen Schulen und Bildungsprogrammen, die
von der DLC befürwortet werden, sowie durch
Berufsausbildungsprogramme für junge Leute, die
nicht aufs College gehen. Heute waren 13 Manager
der größten Unternehmen dieses Landes im Weißen
Haus. Wir sprachen darüber, wie wir alle Unternehmen in diesem Land dazu veranlassen können,
an unserem Programm zur Erleichterung des Übergangs ins Berufsleben teilzunehmen, und wie zwei
Millionen junger Menschen, die nach der High School
nicht aufs College gehen, einen guten Arbeitsplatz
erhalten können.
Und betrachten Sie sich das Darlehensprogramm,
das Kindern aus der Mittelschicht den Collegebesuch
erleichtern soll. Wir haben es gegen maßgebliche
Interessengruppen durchgesetzt und damit Millionen
jungen Menschen Zugang zu zinsgünstigen Collegedarlehen geboten, die sie später ihrem Einkommen
entsprechend zurückzahlen können, damit niemand
das Studium aus finanziellen Gründen aufgeben muß.
Hierfür hat sich die DLC eingesetzt. Das amerikanische Volk sollte das erfahren, und Sie sollten stolz
darauf sein.
Weiterhin zu nennen sind das Gesetz über Urlaub
aus familiären Gründen, die Impfung aller Kinder

unter zwei Jahren, strengere Überwachung der
Unterhaltszahlungen für Kinder. Seit März liegt dem
Kongreß die Gesetzesvorlage über eine Reform des
Sozialwesens vor. All dies ist für Amerika von Vorteil.
Diese Administration hat auch versucht, den Bundesstaaten wieder mehr Befugnisse zu geben, was die
DLC immer befürwortet hat. Bereits 20 Bundesstaaten dürfen unter Umgehung von Regeln und Vorschriften der Bundesregierung ihre eigenen Vorschläge zur Sozialreform unterbreiten, neun Bundesstaaten zur Gesundheitsreform. Diese Dinge, die sie
befürwortet haben, wurden von uns bereits in die Tat
umgesetzt.

AMERIKA DIENST 49

�Die Republikaner wollen den Bundesstaaten und
den Städten wieder mehr Macht geben. Sie sollten
ihre Ideen vorbringen. Wir wollen darüber sprechen.
Wir sollten gemeinsam etwas unternehmen. Aber
Sie können nicht abstreiten, daß wir den Anfang
gemacht haben und unsere Projekte gemeinsam mit
den Republikanern zum Abschluß bringen wollen.
Wir müssen noch das Gesetz zur Verbrechensbekämpfung in Kraft setzen. 100.000 weitere Polizisten - das bedeutet, daß kleine Städte und ländliche
Gemeinden im Durchschnitt 20 Prozent mehr Polizisten bekommen. Wenn sie vernünftig eingesetzt
werden, wird die Verbrechensrate gesenkt. Seit
Jahren haben wir uns für eine Stärkung der Polizei
in den Gemeinden eingesetzt. Das ist eine der
Ideen der DLC. Und wir halten Präventionsprogramme für sinnvoll. Studieren Sie unsere Akten. Wir
haben recht. Die Polizei stimmt uns ebenfalls zu.
Wir wollen uns für den Erhalt dieser Präventionsprogramme verwenden. Wir werden diese Polizisten
einsetzen. Wir werden härtere Strafen einführen.
Wenn die Republikaner weitere Ideen zur Verbrechensbekämpfung haben, werden wir sie gerne
hören. Wir sollten jedoch nicht mit der Umsetzung
des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung aufhören, bis wir die Verbrechensrate gesenkt und die
Straßen für die amerikanischen Familien und ihre
Kinder wieder sicherer gemacht haben. Und vergessen Sie nicht, daß wir es waren, die dieses
Gesetz verabschiedeten.
Abschließend möchte ich noch betonen, daß Sie den
nationalen Sozialdienst als Verkörperung dessen
ansehen sollten, was wir unternehmen wollen. Er
wurde von einigen kritisiert, die neu im Kongreß
sind. Es handelt sich hier nicht um ein Regierungsprogramm, sondern um eine Gesellschaft mit Republikanern und Demokraten im Vorstand. Dies ist
keine Angelegenheit der Bürokratie, sondern auf die
Basis ausgerichtet. Es soll das Konzept des Dienstes an Amerika fördern und mit bildungspolitischen
Erleichterungen belohnen. Im nationalen Sozialdienst bemühen sich bereits mehr Menschen an der
Basis um die Lösung der amerikanischen Probleme
als im Peace Corps in seinem besten Jahr. Dieses
Jahr sind es 20.000. Im übernächsten Jahr werden
es 100.000 sein, wenn wir die erforderlichen Geldmittel aufbringen können. So ist der derzeitige
Stand der Dinge. Dies ist die Ansicht der neuen
Demokratischen Partei. Dies ist die Ansicht der
DLC. Wir wollen die Republikaner zur Unterstützung
des nationalen Sozialdienstes aufrufen, um dieses
Land zu dem zu machen, was es sein sollte.
Die beste Möglichkeit hierzu haben Sie bereits
genutzt: Als Gegenstück zu dem Vertrag der Republikaner zehn neue Ideen vorzubringen. Das ist das

AMERIKA DIENST 49

Beste, was getan werden kann. Wir sollten uns
daran halten und für diese Ideen kämpfen.
In der nächsten und übernächsten Woche werde ich
weitere neue Ideen bekanntgeben. Wir wollen das
mit Vision tun. Mit Überzeugung. Wir werden die
erforderlichen Bestrebungen unternehmen. Lassen
Sie uns das Land über die Partei stellen und die
Republikaner auffordern, ebenso zu handeln. Wir
wollen nicht die Errungenschaften aufgeben, für die
die DLC so hart gekämpft hat. Diese Errungenschaften sind nicht liberal oder konservativ. Sie
haben unsere Partei zusammengehalten. Sie werden
unser Land zusammenhalten. Und je mehr das
amerikanische Volk darüber weiß, desto stärker wird
es sie befürworten. Die Antwort besteht darin, das
bereits Geleistete nicht umzukehren, sondern darauf
aufzubauen. Die Antwort besteht darin, sich der
Mittelschicht zuzuwenden und zu sagen:
"Wir
wissen, warum Ihr ärgerlich und frustriert seid. Wir
haben Eure Botschaft bei den Wahlen verstanden.

Wir werden uns nicht auf unsere Grundsätze zurückziehen, sondern uns direkt an Euch wenden, denn wir
sind dazu da, Euch beim Aufbau einer besseren
Zukunft für alle zu helfen. Das ist unser einziges
Ziel."
Wenn wir das tun, wird sich die von den Republikanern geäußerte Prophezeiung unseres Niedergangs
als vollkommen verfrüht erweisen. Ich möchte Sie
jedoch darum bitten, nochmals über Ihre Verantwortung nachzudenken. Wir sprechen immer über die
Pflichten der Menschen. Was ist Ihre Pflicht? Sich
zu mir in die Arena zu begeben, zu kämpfen, die
Ärmel hochzukrempeln, und bereit zu sein, ab und zu
einen Fehler zu machen und sich tüchtig ins Zeug zu
legen, Engagement zu zeigen, zu diskutieren und all
das zu genießen.
Das amerikanische Volk befindet sich inmitten eines
großen Wandels. Aber ich möchte Ihnen eines
mitteilen: Dies ist ein großartiges Land. Wir können
mit diesem Konflikt umgehen. Dies kann sich für uns
als positiv erweisen. Als positiv für unsere Partei,
und, noch wichtiger, als positiv für das amerikanische
Volk. Vergessen Sie nie, daß es kein Zufall war, daß
die Vereinigten Staaten gebeten wurden, sich an der
Beendigung des Nordirlandkonfliks zu beteiligen. Die
Vereinigten Staaten wurden gebeten, sich der Aggression im Golf zu widersetzen, am Friedensprozeß
im Nahen Osten mitzuarbeiten und die Demokratie in
Haiti wiederherzustellen.
Wir engagieren uns für andere Länder, sollten uns
aber manchmal vielleicht etwas mehr mit deren
Augen sehen. Amerika ist ein wunderbares Land.
Wir tragen nicht die Verantwortung dafür, Wahlen zu
gewinnen, sondern für die Menschen zu kämpfen,

Seite 5

�wegen denen Wahlen abgehalten werden. Wenn wir
für sie und ihre Kinder kämpfen, erledigt sich das
Problem der Wahlen von selbst. Und selbst wenn
das nicht der Fall sein sollte, werden wir immer noch

tun, was richtig ist. Dafür setze ich mich ein, und Sie
sollten das auch tun.
Ich danke Ihnen und Gott schütze Sie.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 49

�AM E R I K A - G I P F E L
14. Dezember 1994

GIPFEL SOLL ANTEIL ALLER
AM WOHLSTAND SICHERN
Rede von Staatssekretär Summers
MIAMI - (AD) - Der Staatssekretär für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium, Lawrence
Summers, forderte die Staatschefs von 34 Ländern des amerikanischen Kontinents auf zu gewährleisten, daß
der wachsende Wohlstand in ihren Ländern alle Teile der Gesellschaft erreicht und stellte fest, "Demokratie
hat keinen Bestand, wenn sie nicht mit Wohlstand einhergeht".
In einer Rede, die Summers am 6. Dezember 1994, dem letzten Tag eines vom US-Zolldienst für Vertreter der
internationalen Handels- und Finanzwelt abgehaltenen Symposiums über Zoll, Handel und Finanzen hielt,
erklärte er, die Teilnehmerstaaten des vom 9. bis 11. Dezember in Miami anberaumten gesamtamerikanischen
Gipfels müßten eine Gemeinschaft bilden, die durch ein gemeinsames Ziel geeint ist - die Konsolidierung der
Demokratie, marktwirtschaftliches Wachstum und Zusammenarbeit zur Verbesserung staatlicher Institutionen,
von denen sozialer Fortschritt und Wohlstand abhängen.
Diese Punkte werden laut Summers die wichtigsten Gesprächsthemen des Gipfels bilden, der von Präsident
Clinton zur Förderung gemeinsamer wirtschaftlicher, politischer und sozialer Ziele in der Hemisphäre einberufen
wurde. Dem Staatssekretär zufolge ist es von entscheidender Bedeutung, daß der Gipfel und die von ihm
eingeleiteten Initiativen Erfolg haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext des Staatssekretärs.

Dieses Zeitalter ist außerordentlich aufregend.
Halten Sie sich vor Augen, wie anders unsere
Region verglichen mit der Zeit vor nur fünf Jahren
aussieht.
Wer hätte zu träumen gewagt, daß
Volkswirtschaften, die vor nur einem Jahrzehnt mit
Kapitalflucht zu kämpfen hatten, sich heute darüber
Gedanken machen, wie sie den enormen Kapitalstrom bewältigen, der ins Land drängt - 170 Milliarden Dollar an ausländischen Nettoinvestitionen in
den ersten drei Jahren dieses Jahrzehnts.
Wer hätte gedacht, daß jahrhundertelang von
Feudalherren und Juntas regierte Nationen heute
einen Mangel an Finanzexperten, Richtern und
Verfassungsexperten verspüren?

an denen man früher den Anstieg des Wechselkurses
daran verfolgen konnte, wie schnell die kleinen
Schuhputzer ihre Preise erhöhten. Und ich habe es
in Mexiko gesehen, wo nahe der Grenze zu den
Vereinigten Staaten neue Fabriken und Unternehmen
entstanden sind.
So sieht die heutige Situation aus. Das sind die
bemerkenswerten, vielfältigen Möglichkeiten, die sich
für Sie alle eröffnen. Das sind Ihre Chancen, deren
Fortbestand der diese Woche stattfindende AmerikaGipfel und weitere Initiativen der Vereinigten Staaten
in Lateinamerika in den kommenden Monaten gewährleisten werden.
Gemeinschaft unserer Hemisphäre

Und wer hätte sich vorstellen können, daß Nationen,
die sich jahrzehntelang abschotteten und Fortschritte
bei Wirtschaft und Handel zurückwiesen, sich heute
öffnen, Handelshemmnisse abbauen und den Weg
für amerikanischen Investitionen und Handel bahnen?
Ich habe es mit eigenen Augen in Buenos Aires
gesehen, wo die Käufer sich auf Straßen drängen,

AMERIKA DIENST 49

Wenn ich eine Zusammenfassung der großen Veränderungen geben sollte, die innerhalb eines so
kurzen Zeitraums in unserer Hemisphäre stattfanden,
würde ich sagen, daß die einst durch Abhängigkeit
gelähmten Nationen jetzt eine Gemeinschaft bilden,
die durch Interdependenz verbunden ist - mit allen
darin enthaltenen Chancen und Pflichten.

Seite 1

�Wir sind eine Gemeinschaft demokratischer Länder,
die überzeugt sind, daß Freiheit und Menschenrechte die größte Chance bieten, Wohlstand für alle
zu gewährleisten. Vor 20 Jahren lebte weniger als
die Hälfte der Menschen südlich unseres Landes in
Freiheit. Heute sind es 90 Prozent. Mexiko, Brasilien, Uruguay - jede Jahreszeit bringt neue Wahlen,
die uns an den Sieg der Demokratie erinnern.
Auf dem gesamten Kontinent kommt eine neue
Generation von Politikern an die Macht, die im
Geiste von Demokratie und bürgerlicher Gesellschaft
erzogen wurden.
Wir sind eine Gemeinschaft wohlhabender Länder
geworden, die auf den beiden Säulen ruht, die
wirtschaftliche Expansion in unseren Gesellschaften
tragen - solide makroökonomische Maßnahmen
einerseits und marktwirtschaftliches Wachstum
andererseits.
Dies zeigt sich an der neuen Betonung von haushalts- und währungspolitischer Zurückhaltung:
Mexiko und Argentinien halten sich beide an die für
die Europäische Währungsunion im Vertrag von
Maastricht niedergelegte Richtschnur niedriger
Inflationsraten und eines geringen Haushaltsdefizits ein Test, den die meisten europäischen Staaten
nicht bestehen.
Dies zeigt sich am Erfolg, den die Länder bei der
Bekämpfung der Inflation hatten - von einer durchschnittlichen Inflationsrate in der Region von 400
Prozent in den achtziger Jahren zu durchschnittlichen 12 Prozent - sowie an der Wahl von Regierungen in Brasilien und andernorts, die sich niedrigen Preisen verpflichten.
Dies zeigt sich an der Tatsache, daß von Kanada bis
Mexiko, von Peru bis Trinidad und Tobago die
Regierungen in staatlichem Besitz befindliche
Unternehmen verkaufen - bisher 2.000 - um den
Aderlaß des Staatshaushalts zu beenden, ihrer
Wirtschaft das Adrenalin des Wettbewerbs zu
injizieren und sich von den Ketten zu befreien, die
einst Initiative und Dynamik privater Unternehmer
fesselten.
Wir sind eine Gemeinschaft von Handelspartnern
geworden. Länder, die jahrzehntelang alles im
Alleingang versuchten - durch hohe Zölle, Ausschluß
ausländischer Investitionen und Autarkie - gelangen
jetzt zu der Erkenntnis, daß Wohlstand entsteht,
wenn Grenzen geöffnet werden und die Volkswirtschaft dem Wind von Wettbewerb und Handel
ausgesetzt wird.

Seite 2

Meinen Zählungen zufolge gibt es in unserer Hemisphäre 23 Handelsvereinbarungen. Betrachten Sie
sich MERCOSUR, das vom 1. Januar an 200 Millionen Brasilianer, Argentinier, Paraguayer und Uruguayer durch freien Handel verbindet. Die Außenzölle werden auf durchschnittlich 14 Prozent - im Fall
von Brasilien verglichen mit vorher 35 Prozent gesenkt. Die aus fünf Ländern bestehende Gruppe
der Andenstaaten schuf vor zwei Jahren eine Freihandelszone. Der mittelamerikanische gemeinsame
Markt senkte die Zölle von durchschnittlich 50 Prozent auf eine Marge von 5 bis 20 Prozent.
Aus diesem Grund hat sich der Handel innerhalb
Lateinamerikas in nur zehn Jahren nahezu vervierfacht - auf 26 Milliarden Dollar. Aus diesem Grund
hat die brasilianische Tochtergesellschaft von General Motors in Argentinien ein Werk im Wert von 100
Millionen Dollar gebaut, um Kleinlastwagen für
Brasilien herzustellen. Aus diesem Grund haben
Argentinien und Chile jetzt eine gemeinsame Gaspipeline, und auf kolumbianischen Finanzmärkten
werden venezolanische Wertpapiere emittiert.
Natürlich war das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) für unsere Wirtschaft die seit
Jahren wichtigste Konjunkturspritze. Bisher wurden
dadurch bereits über 100.000 Arbeitsplätze geschaffen. Unsere Exporte nach Mexiko stiegen in der
ersten Jahreshälfte um 17 Prozent an, dreimal so
schnell wie die Exporte in die übrigen Länder - trotz
der schweren Rezession in Mexiko. Tatsache ist,
daß Mexiko vor kurzem Japan als zweitgrößten
Abnehmer unserer Produkte ersetzte und Kanada,
unser wichtigster Exportmarkt, seine Importe um 10
Prozent erhöhte. Von dem 3000prozentigen Anstieg
der Exporte der Ford Werke bis zu dem Unternehmen Toyota, das eilig auf dem neuen nordamerikanischen Markt Fabriken errichten will, spricht das
NAFTA Bände für das, was auf unserem Kontinent
durch Integration erreicht werden kann.
Mit anderen Worten bilden die Nationen unserer
Hemisphäre jetzt eine Gemeinschaft, die durch ein
gemeinsames Ziel geeint ist - die Konsolidierung der
Demokratie, marktwirtschaftliches Wachstum und
Zusammenarbeit zur Verbesserung staatlicher
Institutionen, von denen sozialer Fortschritt und
Wohlstand abhängen.
Gesamtamerikanischer Gipfel
Dieser Gipfel ist aus ökonomischen Gründen von
entscheidender Bedeutung. Es haben die Staaten
Erfolg, die den schwierigen makroökonomischen Weg
gegangen sind: Peru, das in diesem Jahr die am
schnellsten wachsende Volkswirtschaft hat, Argentinien, dessen Wachstumsrate von 35 Prozent in

AMERIKA DIENST 49

�diesem Jahrzehnt die drittgrößte der Welt war, direkt
hinter China und Thailand. Und ich könnte noch
mehr Beispiele nennen - eine Wachstumsrate von
nahezu 23 Prozent in Chile in diesem Jahrzehnt und
von 15 Prozent in Kolumbien.
Die Vereinigten Staaten haben großes Interesse zu
gewährleisten, daß sich die wirtschaftliche Expansion
und unsere Beteiligung daran fortsetzen. Die westliche Hemisphäre wird sich in weniger als zehn
Jahren zu einem Markt von 13 Billionen Dollar
entwickeln. Sie ist bereits unser am schnellsten
wachsender Absatzmarkt mit ganzen 60 Prozent
Exportanstieg im vergangenen Jahr. Wir exportieren
im Wert von nahezu 200 Milliarden Dollar in unsere
Nachbarländer - mehr als unsere Exporte nach
Europa, einschließlich Rußland, und mehr als unsere
Exporte nach Asien. Tatsächlich importiert Venezuela mehr von uns als Rußland, und Ecuador mehr
als Ungarn und Polen zusammengenommen.
Lateinamerika hat für die neunziger Jahre bereits 30
Großprojekte in den Bereichen Energieversorgung
und Infrastruktur im Wert von 140 Milliarden Dollar
geplant. Allein Brasilien wird in den nächsten vier
Jahren 4 Milliarden Dollar für Umweltgüter und
-dienstleistungen ausgeben, auf die wir uns spezialisieren.
Insgesamt wird Lateinamerika am Ende des Jahrhunderts ein besserer Abnehmer unserer Exporte
sein als Westeuropa. Die wirtschaftliche Sicherheit
der Vereinigten Staaten ist immer nur dann gewährleistet, wenn unsere Region dynamisch, im Wachstum begriffen und integriert bleibt.
Erfolg ist auch aus strategischen Gründen entscheidend - zur Verankerung von Stabilität in unserer
Region. Das NAFTA hat uns gelehrt, daß die
Auswirkungen freien Handels weit mehr als nur
wirtschaftlicher Natur sind.
Die mexikanische
Gesellschaft durchlebte Anfang dieses Jahres mit
der Ermordung Colosios eine schwierige Phase. Die
politische und soziale Stabilität wurde aufrechterhalten und der Aufbau der mexikanischen Wirtschaft
fortgesetzt. Meines Erachtens ist es großenteils auf
das NAFTA zurückzuführen, daß Mexiko diese
schwierige Zeit überstand. Und diese Lektion über
Handel als Instrument zur Verankerung wirtschaftlicher und sozialer Reformen enthält für die übrige
Region große Versprechen.
Erfolg ist auch in moralischer Hinsicht entscheidend.
Integration und durch Handel bewirktes Wachstum
sind das einzige Mittel, um allen in der Hemisphäre
lebenden Menschen Wohlstand zu bieten. Dadurch
wird die soziale Stabilität gefestigt und gewährleistet,
daß die Nationen nicht in Bürgerkriege und Unter-

AMERIKA DIENST 49

drückung zurückfallen, denen sie erst kürzlich entronnen sind.
Ich möchte jetzt noch die spezifischen Fragen ansprechen, die auf der Tagesordnung des AmerikaGipfels stehen. Sie gehören in zwei große Kategorien: Erstens Vorschläge zur Förderung von Handel
und Integration, zweitens Bestrebungen zur Verbesserung der Rolle der Regierungen bei der Erfüllung
von Aufgaben, die Demokratie und sozialen Fortschritt untermauern.
Die Tagesordnung für Handel
Die Integration der gesamten Hemisphäre muß ein
Hauptziel der Vereinigten Staaten und ihrer Nachbarstaaten sein. Schätzungen zufolge könnte der
freie Handel über den Kontinent hinweg die amerikanischen Exporte in die Region um 290 Milliarden
Dollar verdreifachen und bis zum Jahr 2003 zusätzlich 4 bis 6 Millionen Arbeitsplätze für unsere Volkswirtschaft schaffen. Hierbei handelt es sich vorwiegend um hochwertige, hochbezahlte Arbeitsplätze.
Diesen Segen müssen wir nutzen.
Die Zölle in Lateinamerika und der Karibik sind immer
noch ungefähr fünfmal höher als in den Vereinigten
Staaten. Diese Zollschranken müssen abgebaut
werden, um unseren Unternehmen unbegrenzten
Zugang zu diesen Märkten zu gewähren sowie
Unternehmen und Verbrauchern auf beiden amerikanischen Kontinenten zu helfen.
Darüber hinaus müssen wir gewährleisten, daß die
jetzt errichteten - kurzfristig zwar hilfreichen - regionalen Freihandelszonen den Markt auf dem Kontinent
nicht langfristig zersplittern.
Ich bin zuversichtlich, daß sich die beim gesamtamerikanischen Gipfeltreffen versammelten Staatsund Regierungschefs auf spezifische Vorschläge zum
Abbau der Zölle und anderer Handelsschranken
einigen können, um in den kommenden Jahren eine
umfassende Integration unserer Hemisphäre vorzunehmen.
Die Lockerung der Zölle ist nicht die einzige Form der
Integration. Zollpraktiken und -Vorschriften müssen
harmonisiert werden, um die grenzüberschreitende
Geschäftstätigkeit zu erleichtern.
Gesetze und
Verfahren müssen transparent und verständlich sein.
Verbleibende Barrieren gegen den Investitions- und
Kapitalfluß müssen beseitigt werden.
Meines Erachtens werden bei dem Gipfel auch zu
diesen Themen wichtige neue Initiativen bekanntgegeben. Die Staatsoberhäupter werden Wege der

Seite 3

�Zusammenarbeit bei der Stärkung der lateinamerikanischen Wertpapiermärkte, der Lockerung von
Restriktionen beim Kapitalfluß sowie der Koordinierung von grenzüberschreitender Telekommunikation
und Infrastruktur erörtern.
Zusammen werden diese Initiativen den Prozeß zu
einem integrierten Markt auf der Hemisphäre enorm
beschleunigen. Und sie werden die bereits unternommenen Schritte zu makroökonomischen Reformen und Liberalisierung festschreiben und sicherstellen, daß wir auf dem Weg zu wirtschaftlichem
Fortschritt bleiben.

Programme zur Ausbildung von Beamten und Hilfestellung bei der Erarbeitung regelnder und rechtlicher
Regime auf einen neuen Inhalt zu konzentrieren. Die
versammelten Regierungschefs werden auch Einigung zu Initiativen erzielen, um die Korruption einzudämmen, Geldwäsche und den Drogenhandel zu
bekämpfen - Faktoren, die die im Aufbau befindlichen
marktorientierten, demokratischen Gesellschaften in
unserem Süden unterminieren.
Diese Regierungen müssen auch noch eine zweite
Aufgabe bewältigen. Sie müssen sicherstellen, daß
die Vorteile des Wohlstands durch Investitionen in
den Menschen alle Bevölkerungsschichten erreichen.

Effektive Demokratie
Auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens steht eine
zweite Gruppe von Themen, die sich auf die Gewährleistung konzentrieren, daß Regierungen in
Inhalt und Form demokratisch sind. Wir müssen
unsere Regierungen in der Hemisphäre neu erfinden. Eine Regierung des Volkes muß eine Regierung für das Volk sein. Eine effektive, auf die
Bedürfnisse der Bürger eingehende Regierung ist
das Wesen der Demokratie.
Eine bessere Regierung ist nicht gleichbedeutend
mit mehr Regierung. Sie fordert die Regierungen
vielmehr zur Verbesserung ihrer Kapazitäten auf, um
die für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
benötigten essentiellen Funktionen zu erfüllen.
Es gibt mehrere Komponenten einer besseren
Regierung. Erstens bedeutet eine bessere Regierung die Schaffung und Förderung der rechtlichen
und regelnden Infrastrukturen, ohne die Unternehmen nicht funktionieren und die Bedürfnisse der
Bürger nicht erfüllt werden können. Reagierende
und effiziente Regierungen mit gut ausgebildeten
professionellen Mitarbeitern sind in jedem Bereich
unerläßlich, von der Überwachung der Banken bis
zur Schutzimpfung von Kindern. Der Privatsektor
kann in einem Umfeld ohne logische Gesetze und
Steuerstrukturen und ohne gut ausgebildete Beamte
zu deren Verwaltung nicht prosperieren.
Eine
bürgerliche Gesellschaft kann nicht gedeihen ohne
die uneingeschränkte Durchsetzung legitimer Gesetze.
Die Staats- und Regierungschefs werden beim Gipfel
Programme zur Förderung dieser staatlichen Strukturen entwerfen - durch Kooperation, wo diese
hilfreich sein kann, oder durch die Neudefinition der
innenpolitischen Prioritäten, wo dies angemessen
erscheint. Die Organisation Amerikanischer Staaten
und die internationalen Finanzinstitutionen einschließlich der Interamerikanischen Entwicklungsbank werden gebeten, ihre Unternehmungen durch

Seite 4

Nicht alle einbeziehender Wohlstand kann nicht von
Dauer sein. Demokratie hat keinen Bestand, wenn
sie nicht mit Wohlstand einhergeht.
Es trifft zu, daß der Anteil der Armen in ganz Lateinamerika in den vergangenen beiden Jahrzehnten von
39 auf nahezu 30 Prozent gefallen ist. Es trifft zu,
daß die Zahl der erwachsenen Analphabeten von fast
30 auf 15 Prozent und die Rate der Kindersterblichkeit von 82 auf 44 Prozent gesunken ist. Aber
das sind immer noch 30 Prozent zu viele Arme, 15
Prozent zu viele Analphabeten und entschieden zu
viele Kinder, die sterben.
Lateinamerika ist nach wie vor die Region mit dem
größten Einkommensgefälle der Welt. Die wohlhabendsten fünf Prozent der Bevölkerung in Mexiko
verfügen über 27mal mehr Reichtum als die ärmsten
Mexikaner. In Argentinien beträgt das Verhältnis 16
zu 1. Verglichen damit beläuft es sich in Asien
durchschnittlich auf 5 bis 10 zu 1.
Dies sind nicht nur Zahlen. Die Hunderttausenden
von Kindern, die auf den Straßen Lateinamerikas
leben, die Truppen, die in den Ghettos von Rio
patrouillieren sind Zeugnis dafür, wie Armut selbst für
dynamische Gesellschaften eine Heimsuchung sein
kann.
Armut bedroht weiteren sozialen und wirtschaftlichen
Fortschritt. Und sie ist ein Anzeichen dafür, daß eine
Nation nicht in ihre größte Ressource investiert hat ihre Menschen.
Investitionen in Vorschul- statt
Universitätsausbildung, in medizinische Grundversorgung und Schwangerenvorsorge statt in teure
Kliniken für die obere Einkommensschicht - das sind
die Investitionen, die den höchsten Ertrag bringen.
Denn wenn der Löwenanteil der Bildungsressourcen
in die Unterstützung einer Minderheit von Universitätsstudenten fließt, oder der Löwenanteil der
Ressourcen im Gesundheitswesen zur Unterstützung
dertertiären medizinischen Versorgung in städtischen
Krankenhäusern verwendet wird, leidet die Effizienz.

AMERIKA DIENST 49

�Und die offenkundige Verstärkung der Ungerechtigkeit durch staatliche Maßnahmen höhlt das Vertrauen der Bürger aus, das eine Voraussetzung für
Demokratie ist.
Bei dem Gipfeltreffen werden sich die Staats- und
Regierungschefs auf eine Reihe von Prioritäten und
Programmen für Investitionen in ihre Menschen
einigen - durch Grundausbildung, medizinische
Grundversorgung und Schwangerenvorsorge sowie
unerläßliche Sozialdienste. Damit wird die Umgestaltung der lateinamerikanischen Gesellschaft konsolidiert. Und es werden die Ressourcen bereitgestellt, die unsere Hemisphäre für kontinuierliches
Wachstum im nächsten Jahrhundert benötigt.
Die Regierungen haben eine dritte Funktion in
Lateinamerika - die Unterstützung der Institutionen
der bürgerlichen Gesellschaft, die durch Jahre der
Armut und Diktatur verwehrt wurden. Die Demokratie der Vereinigten Staaten ist auf Rotary Clubs,
politische Gruppen und Gemeindeorganisationen
aufgebaut - Möglichkeiten der bürgerlichen Beteiligung. Nichtstaatliche Organisationen, Gemeindegruppen und Basisorganisationen in Lateinamerika
müssen gestärkt werden, wenn sie dort ein neues
Fundament für sozialen Zusammenhalt legen sollen.
Ein solcher Zusammenhalt und ihn fördernde Institutionen dienen zur Untermauerung der Demokratie. Ohne diesen Zusammenhalt können die Gesellschaften nicht stabil und produktiv bleiben.
Bei dem Gipfeltreffen werden die Staatsoberhäupter
einige klare Ziele definieren, um zu gewährleisten,
daß Lateinamerika diese Formen von sozialem und
institutionellem Kapital entwickelt, damit die demokratische Gesellschaft prosperieren kann.
Sie
werden Initiativen erörtern, um der Urbevölkerung,
Frauen und anderen Randgruppen die Beteiligung
am staatlichen und bürgerlichen Leben zu ermöglichen. Sie werden Wege sondieren, um die Organisation Amerikanischer Staaten effektiver zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten, zur
Unterstützung des Wahlsystems und der Neugestaltung der rechtlichen und gesetzgebenden Systeme
einzusetzen. Es werden Initiativen zur größeren
Beteiligung von Gemeinde- und Basisorganisationen
angekündigt. Und schließlich werden Programme
zur Bewahrung und Weitergabe der zahlreichen
kulturellen Traditionen unserer Hemisphäre diskutiert.

Schlußbemerkung
Die beim Gipfel vertretenen Nationen bilden eine
durch ein gemeinsames Ziel vereinte Gemeinschaft.
Diese Gemeinschaft wird gestärkt aus dem Gipfel
hervorgehen. Sie wird stärker in dem Maße, in dem
die bei dem Gipfeltreffen in Gang gesetzten Prozesse
greifen.
Wir werden eine wohlhabendere Gemeinschaft,
während die Konsolidierung makoökonomischer
Reformen andauert, die letzten Relikte der Restriktionen im Privatsektor abgebaut werden und die Arbeit
der Öffnung unserer Volkswirtschaften sowie ihre
gegenseitige Integration fortgesetzt wird.
Und wir werden eine Gemeinschaft mit einer besseren - nicht mit mehr - Regierung sein, während die
Stärkung des institutionellen und regulierenden
Rahmenwerkes fortschreitet, während Nationen
weiterhin die Institutionen konsolidieren, die eine
demokratische Gesellschaft untermauern und während die Investitionen in die Menschen unserer
Region verbessert werden.
Ich begann meine Ausführungen mit der Veränderung
der Denkweise, von der die Umgestaltung unserer
Hemisphäre im letzten Jahrzehnt geleitet war. Von
allen Veränderungen der Denkweise war die wichtigste meiner Ansicht nach die Erkenntnis, daß Integration nicht nur von Regierungen vorgenommen wird.
Integration wird von den Menschen bewirkt. Länder
werden nicht länger durch Regierungen definiert. Sie
werden durch Unternehmen, Industrien, Gemeinden
und Einzelpersonen definiert - die alle durch gemeinsame Belange vereint sind.
Die echte Probe für den Erfolg unserer Bestrebungen
zur Integration unserer Hemisphäre werden nicht die
in Miami geäußerten Worte sein. Es werden unser
aller Aktionen - im privaten wie im öffentlichen Sektor
- in den kommenden Jahren sein.
Das 20. Jahrhundert wurde als das amerikanische
Jahrhundert bezeichnet. Ich bin zuversichtlich, daß
mit einer neuen Generation von Führungskräften, die
sich der Demokratie verschrieben haben, einer neuen
Generation von Führungskräften, die sich der Marktwirtschaft verschrieben haben, und einer neuen
Generation von Führungskräften, die sich der Integration verschrieben haben, das 21. Jahrhundert das
gesamtamerikanische Jahrhundert wird. Ich danke
Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 49

*

Seite 5

�MENSCHENRECHTE
14. Dezember 1994

TAG DER MENSCHENRECHTE 1994
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation Präsident Clintons zum
internationalen Tag der Menschenrechte, Tag der Bill of Rights und der Woche der Menschenrechte 1994.

Jede Generation ist mit ihren eigenen moralischen
Führungspersönlichkeiten und ihren eigenen Visionären gesegnet. Im Verlauf der Jahre kam Amerika in
den Genuß der Klugheit und Führungsqualitäten von
Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Woodrow
Wilson. Viele von uns sind bestrebt, gemäß der
Lehren von Martin Luther King zu leben. Die heutige Jugend schöpft vielleicht Kraft aus dem von
Vaclav Havel oder Nelson Mandela gezeigten Mut.
Ungeachtet des Visionärs, ungeachtet der Generation, hat der Inhalt der Vision Bestand: Die Verpflichtung zu Freiheit, die Hoffnung auf Gerechtigkeit,
der Glaube an den unermeßlichen Wert der Menschlichkeit.
In einer Gefängnisszelle in Birmingham (Alabama)
schrieb Dr. King einige der beredtsten Worte der
amerikanischen Bürgerrechtsbewegung:
"Jedes
Gesetz ist gerecht, das die Persönlichkeit des
Menschen erhebt. Jedes Gesetz ist ungerecht, das
die Persönlichkeit des Menschen herabwürdigt."
Selbst in strenger Haft erkannte King an, daß
Diskriminierung, Ignoranz und Intoleranz den Menschen viel stärker einschränken als jede Konstruktion
aus Stahl und Stacheldraht. Und wirkliche Freiheit
erfordert viel mehr als die Überwindung von Gefängnismauern. Gerechtigkeit wird nur erreicht, wenn
Unrecht mit Vernunft und Gesetzeskraft bekämpft
wird.
Unsere Bill of Rights und die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte der Vereinten Nationen sind in
der Tat machtvolle Erklärungen. Sie haben die
Menschheit der Verwirklichung einer Gesellschaft mit
"gerechten" Gesetzen nähergebracht - einer Gesellschaft, die das würdigt, was wir für gerecht halten
und bejaht, was unseres Wissens nach richtig ist.

Während wir die Freiheiten feiern, die wir in einer
Demokratie genießen, sind wir denjenigen jedoch
ebenso verpflichtet, die Gefangene von Vorurteilen,
Armut und Gewalt sind. Bedauerlicherweise wurde in
dieser Nation und in Ländern auf der ganzen Welt ein
großer Teil der Arbeit von Dr. King noch nicht in die
Tat umgesetzt. Heute verpflichten wir uns erneut
dem Traum Martin Luther Kings, schließen uns
Präsident Mandela bei seinem Bestreben um eine
Erneuerung Südafrikas an, stehen hinter Präsident
Havel bei der Förderung von Wohlstand in der
Tschechischen Republik - um auf der ganzen Welt für
die Sache der Menschenwürde einzutreten. Freiheit
ist die Fähigkeit, andere einzubeziehen und die
Pflicht, am Aufbau teilzunehmen. Mit dem Wind der
Gerechtigkeit im Rücken gibt uns die Freiheit die
Kraft, die gesamte Menschheit zu erheben.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir durch die Verfassung und die Gesetze der
Vereinigten Staaten verliehenen Befugnis, den 10.
Dezember 1994 zum "Tag der Menschenrechte", den
15. Dezember 1994 zum "Tag der Bill of Rights" und
die am 10. Dezember 1994 beginnende Woche zur
"Woche der Menschenrechte".
Ich fordere alle
Menschen in den Vereinigten Staaten dazu auf, diese
Tage mit angemessenen Programmen, Feierlichkeiten und Aktivitäten zu begehen.
Unterzeichnet am 8. Tag des Dezember, im Jahre
des Herrn 1994 und im 219. Jahr der Unabhängigkeit
der Vereinigten Staaten von Amerika.

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�KULTUR
14. Dezember 1994

PREISVERLEIHUNG AN FÜNF HERAUSRAGENDE
AMERIKANISCHE KÜNSTLER
Auszeichnung des Kennedy Centers
WASHINGTON - (AD) - Fünf prominenten Vertretern
der amerikanischen Kultur, die allesamt während der
Nachkriegszeit weltweiten Einfluß hatten, wurde eine
der begehrtesten nationalen Auszeichnungen Amerikas verliehen.

Die himmlische Stimme von Franklin, die im Schoß
der New Bethel Baptist Church aufwuchs, wurde
wegen ihrer Vielseitigkeit, Reichweite und Theatralik
bekannt, und die Sängerin wurde als "Königin des
Soul" zur Legende.

Bei den Feierlichkeiten in Washington am Wochenende des 3. und 4. Dezember 1994 wurden der
Filmschauspieler Kirk Douglas, der Komponist
Morton Gould, der Theater- und Operndirektor sowie
Produzent Harald Prince, die Soulsängerin Aretha
Franklin und der Folksongpionier Pete Seeger als
jüngste Gewinner der Auszeichnungen des John F.
Kennedy Center for the Performing Arts mit farbigen
Bändern und Orden dekoriert.

Prince revolutionierte während der letzten 50 Jahre
das amerikanische Musiktheater - er verwischte die
Grenze zwischen Broadway und Oper und förderte
Produktionen wie Cabaret, Sweeney Todd und
Evita.

Am 3. Dezember würdigte Präsident Clinton bei
einem Empfang im Weißen Haus kurz vor der Gala,
die den Höhepunkt der Feierlichkeiten darstellte, die
Leistungen der fünf Künstler und erklärte, sie verdienten "stehende Ovationen der ganzen Nation".
Die Preisträger bilden eine bunt gemischte Gruppe:
ein ehemaliges musikalisches Wunderkind, der Sohn
eines Lumpensammlers aus einer kleinen Gemeinde
im Norden des Bundesstaates New York, die Tochter eines Priesters aus Detroit, ein New Yorker, der
in seiner Jugend sein Taschengeld für Theaterkarten
ausgab und ein Studienabbrecher der Harvard
University, der das College nach zwei Jahren
verließ, um durchs Land zu trampen, Menschen
kennenzulernen und ihre Musik zu verinnerlichen.
Das Wunderkind am Klavier, Gould, komponierte
einige der bekanntesten Musikstücke für Sinfonieorchester und kleinere Ensembles sowie Film- und
Tanzmusik. Der "Sohn des Lumpensammlers", wie
sich Douglas im Titel seiner Memoiren selbst bezeichnet, fand Zuflucht im New Yorker Theater und
später in Hollywood, wo er sich als äußerst charismatischer Filmschauspieler einen Namen machte.

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Bei Seeger wurde seine anfängliche Suche nach
Folk- und anderer Musik zu einer lebenslangen,
immer noch andauernden Reise. Seine zwar gelegentlich umstrittenen Songs brachten ihm weltweite
Bewunderung ein.
Seit die Auszeichnungen 1978 durch die Treuhänder
des John F. Kennedy Center for the Performing Arts
ins Leben gerufen wurden, gehören sie zu den
angesehendsten Kulturpreisen Amerikas. Andere wie beispielsweise die Auszeichnungen der Filmakademie (die Oskars) und die Antoinette Perry
Awards (Tonys) für Leistungen bei Film und Theater
sowie die Pulitzer Preise für Drama und Musik - sind
vielleicht bekannter, aber keiner ist angesehener.
Im Dezember jedes Jahres kommen Künstler aus der
gesamten Kulturwelt anderthalb Tage lang nach
Washington, um ihren Mentoren, Kollegen und - in
manchen Fällen - ihren Proteges Tribut zu zollen. Da
die Auszeichnungen sorgfältig auf die einzelnen
Disziplinen aufgeteilt werden - Film, Theater, Musik,
Oper, Tanz und Fernsehen - ist die Liste der Preisträger und Gäste weitaus umfassender als bei
anderen Ereignissen dieser Art.
Im ersten Jahr zählten beispielsweise die Opernsängerin Marian Anderson, der Filmschauspieler und
Tänzer Fred Astaire, der Choreograph George

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�Balanchme, der Theaterkomponist Richard Rodgers
und der Pianist Arthur Rubinstein zu den Preisträgem.
Weitere Auszeichnungen gingen an die klassischen
Komponisten Aaron Copland und Leonard Bernstein,
die Schauspieler James Stewart und Katharine
Hepburn, die Musiker Benny Goodman und Isaac
Stern, die Bühnenautoren Arthur Miller und Tennessee Williams, die Choreographen und Tänzer Martha
Graham und Alvin Ailey, die Jazzmusiker Dizzy
Gillespie und Lionel Hampton sowie die Popsänger
Lena Hörne und Ray Charles.
Nach dem offiziellen Abendessen im US-Außenministerium am Samstag (bei dem die Auszeichnungen verliehen werden) und dem Empfang im Weißen
Haus am Sonntag nachmittag findet am Sonntag
abend die Gala statt, die zu einem späteren Zeitpunkt landesweit im Fernsehen übertragen wird.
Bei der Gala halten die Preisträger keine Rede und
geben keine Kostprobe ihrer Kunst, ungeachtet
dessen, wie fit, extrovertiert oder begeistert sie sein
mögen. Sie sitzen einfach nur mit dem Präsidenten
und der First Lady (Hillary Rodham Clinton vertrat
ihren Gatten, der sich bereits auf dem Weg nach
Budapest zur KSZE-Konferenz befand) in der
Opernloge, wo sie ein sorgfältig zusammengestelltes
Programm ausgewählter Aufführungen genießen.
Die diesjährige Gala bildete keine Ausnahme. Viele
begabte Künstler gaben sich die Ehre und unterstrichen damit die von dem Ausschuß getroffene
Wahl.
Wie immer diente die Veranstaltung gemeinnützigen
Zwecken. Die Einnahmen der Gala werden zur
Förderung des nationalen Bildungswesens sowie der
Programme des Kennedy Center für die Unterstützung der Bevölkerung verwendet.
Fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung
hat das Kennedy Center ein breites Spektrum von
Programmen, Workshops und anderen Aktivitäten

entwickelt, durch die Jugendliche, Pädagogen, Eltern
und Gemeindemitglieder ermutigt werden, Kunst zu
einem Bestandteil ihres Lebens und ihres Alltags zu
machen.
Arthur Mitchell, Leiter des berühmten Harlemer
Tanztheaters, würdigte Franklin, die mit 52 Jahren
jüngste Preisträgerin. Sie sei eine Diva, stellte er
fest, die als "unangefochtene Primaballerina" bezeichnet würde, wenn sie Tänzerin wäre. Mitchell
sah sie als eine Frau, "die zwar verletzlich, aber
niemals hilflos ist, die Schmerz kennt, aber niemals

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ihren Stolz verliert", die in einem Zeitalter der Unterkühltheit "Kälte in Hitze verwandelt".
Die Popsängerin Parti LaBelle bot, begleitet vom
Mädchenchor der New Bethel Baptist Church, dem
Franklin in ihrer Jugend angehörte, eine beeindrukkende Wiedergabe der Musik der Preisträgerin, die
das Publikum bewegte. Franklins Auftritte mit diesem
Chor vor über 40 Jahren und die darauffolgende
Tournee mit der Gospelrevue ihres Vaters, einem
Priester, führte zu ihrem ersten Schallplattenvertrag.
Franklin mischte Gospelmusik, beliebte Popmusik,
Rock und Jazz wie niemand vor ihr - ihre volle
Stimme, ihr Markenzeichen, umfaßt mehrere Oktaven
- und machte Songs wie Respect und A Natural
Woman zu internationalen Hits.
Lauren Bacall bemerkte über Kirk Douglas, den "Held
mit den tausend Gesichtern", er sei auf der Leinwand
ein "gutaussehender Schurke und immer ein Rebell".
Sie fügte hinzu, der Schauspieler mit dem Grübchen
im Kinn "machte nicht als gutaussehender Junge
Karriere". Er stand zu seiner bescheidenen Herkunft,
war jedoch entschlossen, etwas aus sich zu machen.
Douglas, der jetzt 78jährige, als Issur Danielowitsch
geborene Sohn russisch-jüdischer Einwanderer,
begann seinen kometenhaften Aufstieg, indem er sich
mit Hausmeistertätigkeiten sein Studium verdiente.
An der Universität begann seine Begeisterung für das
Schauspiel. Nachdem er bei Theateraufführungen im
College immer die Hauptrolle gespielt hatte, ging er
nach New York und schließlich nach Los Angeles.
Der Durchbruch im Filmgeschäft kam mit Champion,
dem spannenden, provokativen Drama um einen
Boxer. In den darauffolgenden Jahren stellte er in
Filmen wie Paths of Glory, Spartacus, Lust for Life
und Lonely are the Brave Einzelgänger und unbeständige, aus der Gesellschaft ausgestoßene Männer
dar.
Zu Ehren der Wurzeln des Schauspielers sang ein
Washingtoner Chor bei der Gala Raisins and Almonds, was bei Douglas Erinnerungen an die
jiddischen Lieder weckte, die seine Mutter ihm
vorgesungen hatte. Und der Schauspieler Michael
Douglas äußerte - auch im Namen seiner drei Brüder,
die ebenfalls in der Unterhaltungsbranche tätig sind seinen Vater gegenüber bewundernd, "Du hast uns
die Liebe zum Film vererbt".
Der 66jährige Produzent und Direktor Prince leitet
derzeit am Broadway drei Shows, die sein Talent und
seine Vision unter Beweis stellen. Der unermüdliche
Befürworter des Musicals - selbst zu Zeiten, in denen
es sich großenteils durch Revivals und andere

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�nostalgischen Träumereien über Wasser hält - hat
dieser Kunst Dauerhaftigkeit verliehen.
Andrew Lloyd Webbers farbenfrohes, romantisches
Stück Phantom der Oper und Der Kuß der Spinnenfrau, das sich mit den Phantasien und der
Realität von zwei Gefangenen auseinandersetzt der eine ein politischer Gefangener, der andere ein
Homosexueller - sowie die Wiederaufnahme des
Musicals Show Boat von Jerome Kern und Oscar
Hammerstein sind repräsentativ für die Arbeit von
Prince am Broadway. Schauspieler jeder dieser
Produktionen gaben bei der Gala eine Kostprobe
ihrer Kunst.
Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern hat Prince ein Konzept geschaffen,
um seine Show von anderen abzuheben, Musik und
Handlung zu vermischen und die Grenze zu verwischen, bei der das eine Element beginnt und das
andere endet.
Durch sein Werk vermittelte er dem Publikum ein
Gefühl für das Berlin des Jahres 1936 (Cabaret), die
Flatterhaftigkeit und Ungerechtigkeit des England im
späten 19. Jahrhundert (Sweeney Todd), die Auswirkungen der Öffnung Japans durch den Westen
Mitte des letzten Jahrhunderts (Pacific Overtures),
das Aufstreben eines osteuropäischen Städtchens
vor einem Jahrhundert (Fiedler auf dem Dach) und
die politische Realität im Argentinien des 20. Jahrhunderts (Evita).
Seine gesamten anderen Leistungen - sogar sein
Streben nach einer Erweiterung seines Horizonts
durch die Tätigkeit als Operndirektor im In- und
Ausland - wurden jedoch gekrönt von seinem
unermüdlichen Einsatz für das Musical mit Hilfe von
Workshops, Stipendien und anderem. Wie die
Schauspielerin Jane Alexander, Vorsitzende der
Nationalen Stiftung für die Künste, feststellte, sucht
er immer weiter nach "neuen Talenten, neuen
Komponisten, neuen Direktoren, selbst nach dem
neuen Hai Prince".
Über den 81jährigen Komponisten Gould äußerte
der Schauspieler Tony Randall, schon immer ein
Anhänger klassischer Musik, begeistert, "nahezu
alles Amerikanische verleitet ihn zu musikalischen
Höhenflügen".
Im Laufe seiner steilen, abwechslungsreichen
Karriere verarbeitete Gould in seinen Orchesterstücken Jazz, Kampflieder von Studenten, Militärmärsche, Klagegesänge und sogar Rap. (Ihm zu
Ehren führten drei Militärkapellen begleitet von
Feuerwerk seine Adaptation von When Johnny
Comes Marching Home auf).

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Jeder andere hätte vielleicht den Mut verloren, als
das Familienpiano - wie bei Gould - in den dunkelsten Tagen der großen Wirtschaftskrise gepfändet
wurde. Der junge Musiker sah sich jedoch nach
einer anderen Möglichkeit um, einfach nur Klavier zu
spielen, und fand sie im Variete - einer sehr beliebten
Form der Unterhaltung Ende der zwanziger und
Anfang der dreißiger Jahre. Vom Variete" war es nur
ein kleiner Sprung zum Radio und dann bald zur
Konzertbühne.
Der avantgardistische Zweig der Musik blickte häufig
auf Gould herab, weil er gerne vertraute, eingängige
Lieder schrieb. "Es tut mir furchtbar leid, daß ich
etwas komponiert habe, das den Leuten gefällt, und
ich verpreche, es nie wieder zu tun", sagte er einmal
als leichten Seitenhieb auf seine Kritiker. Aber er tat
es immer wieder - zur Bereicherung der amerikanischen Instrumentalmusik.
Troubadour Seeger, 75, ist die Ausnahme unter den
Preisträgern des Kennedy Center - er ist der erste
Folksänger, der eine Auszeichnung erhält. Der
Verfasser oder Mitverfasser solcher allseits bekannten Refrains wie If I Had A Hammer, Where Have
All The Flowers Gone und We Shall Overcome hat
ein wagemutiges Leben als Wanderer, Poet und
Musikhistoriker gelebt.
Nach seiner Reise mit dem Zug und als Tramper
quer durch Amerika, bei der er allen möglichen
Leuten, darunter den Sängern Woody Guthrie und
Leadbelly, begegnete, kehrte Seeger nach Washington zurück, um in der Library of Congress in einem
Folksong-Archiv zu arbeiten. Bevor er im Zweiten
Weltkrieg eingezogen wurde, hatten er und Guthrie
die Almanac Singers gegründet - einen Vorläufer
von Seegers großem Ensemble der Nachkriegszeit,
The Weavers.
In den fünfziger Jahren bewegten sich The Weavers
- ermutigt und angeführt von Seeger - in die Richtung
politischer Kommentare in ihrer Musik und lösten
dadurch das Folksong-Revival aus, das Amerika
erfaßte. The Weavers und ihre Musik wurden in den
Vereinigten Staaten zum Teil als subversiv angegriffen. Seeger weigerte sich, seine politischen Überzeugungen zu diskutieren und stand infolgedessen
über ein Jahrzehnt lang auf der schwarzen Liste.
In den sechziger Jahren spielte der Künstler - der
nicht bei öffentlichen Konzerten oder im Fernsehen
auftreten durfte - sein fünfsaitiges Banjo und seine
12saitige Gitarre jedoch vor dem Publikum auf dem
College Campus, unter den Anhängern der Bürgerrechtsbewegung und Kriegsgegnern. Wieder einmal
sah sich der Mann, den der Dichter Carl Sandberg
als "Amerikas Stimmgabel" bezeichnete, erwünscht

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�und geliebt. In den darauffolgenden Jahrzehnten
triumphierte er weiterhin als Eider statesman des
Folk.

Als seine Kollegen Arlo Guthrie, Roger McGuinn und
Joan Baez die Gala zu einem dramatischen, emotionalen Abschluß brachten, war diese Liebe für alle
offenkundig.

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�PORTRAT
14. Dezember 1994

RUBIN WIRD NACHFOLGER VON BENTSEN
Porträt des designierten Finanzministers
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat sich
für die Nominierung von Robert Rubin, dem Leiter
seines Nationalen Wirtschaftsrats und langjährigen
Wall-Street-Experten, als Nachfolger für den in den
Ruhestand tretenden Finanzminister Lloyd Bentsen
entschieden.
Der Staatssekretär für Inlandsfinanzierung im Finanzministerium, Frank Newman, wird mit Bentsens
Ausscheiden am 22. Dezember 1994 amtierender
Finanzminister, bis Bentsens Nachfolger vom Senat
bestätigt ist. Bentsen erklärte, er habe Clinton im
September seine Rücktrittsabsicht mitgeteilt.

stert und sich Clinton-Beratern zufolge dabei aus dem
Scheinwerferlicht gehalten.
In einer Ankündigung des Weißen Hauses vom 6.
Dezember 1994 beschreibt Präsident Clinton Rubin
als "den ausgesprochen ehrlichen Makler, der wirtschaftliches Fachwissen, gesunden Menschenverstand und Redlichkeit in alle uns konfrontierenden
wirtschaftlichen Herausforderungen einbringt... Bob
Rubin ist ein würdiger Nachfolger von Lloyd Bentsen."

Bentsens Ausscheiden wird als Verlust für die
Administration angesehen, besonders wegen seiner
engen Beziehungen zum Senat, wo er jahrelang
Vorsitzender des Finanzausschusses und bei
Demokraten und Republikanern gleichermaßen
beliebt war.

"Es ist sehr viel geleistet worden, um kurzfristig das
Wachstum sowie langfristig die Position dieses
Landes bei Produktivität und wirtschaftlicher Gesundheit aufrechtzuerhalten", stellte Rubin fest. "Aber,
Herr Präsident, wie Sie uns konstant vor Augen
führen, bleibt noch viel zu tun, insbesondere angesichts der allzuvielen Amerikaner, die noch nicht die
Vorteile der sich jetzt abzeichnenden starken Erholung spüren."

Der 56jährige Rubin wurde vom Kongreß jedoch
ebenfalls wohlwollend aufgenommen und wird
voraussichtlich problemlos bestätigt werden. Der als
gemäßigter Demokrat eingeschätzte Rubin unterhält
enge Beziehungen zur Geschäftswelt.

"Wir müssen die Probleme unseres öffentlichen
Bildungswesens, unserer Innenstädte, unseres immer
größer werdenden Einkommensgefälles sowie die
Herausforderung der Stärkung und Ausweitung der
Mittelschicht angehen", erklärte Rubin.

Der künftige Mehrheitsführer im Senat Robert Dole
bezeichnete Rubin "als ehrlichen und integeren
Mann" und versprach, seine Nominierung zu unterstützen.

Bentsen bezeichnete Rubin als "ausgezeichnete
Wahl".

Vor seinem Eintritt in die Administration war Rubin
26 Jahre bei der Investmentbankingfirma Goldman
Sachs and Company und von 1990-1992 in deren
Vorstand. Rubin ist Absolvent der Harvard University, legte sein juristisches Staatsexamen in Yale ab
und besuchte die London School of Economics. Er
war auf praktisch allen Finanzmärkten von Wertpapieren bis zu Warenhandel tätig.
Als Leiter des Nationalen Wirtschaftsrats gehörte es
zu Rubins Aufgaben, Besprechungen mit Kabinettsmitgliedern über Wirtschaftsprobleme anzuberaumen. Er hat diese Tätigkeit in Bereichen von Handel
bis zu Haushaltsfragen mit großem Geschick gemei-

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"Er ist ehrenwert und rechtschaffen", so Bentsen. "Er
weiß sehr viel über unsere Probleme und Programme
und hat die Fähigkeit, sich mit dem Kongreß zusammenzusetzen und die Probleme zu lösen."
In den letzten Wochen sprach sich Rubin dagegen
aus, in Steuer- oder anderen Wirtschaftsfragen
verfrühte Verpflichtungen einzugehen - wie von der
neuen republikanischen Mehrheit im Kongreß gefordert - und ermutigte den Präsidenten, den Kurs der
seiner Meinung nach erfolgreichen Wirtschaftsstrategie beizubehalten.
"Meines Erachtens haben sich die Wähler nicht für
eine Umkehr der Wirtschaftspolitik ausgesprochen",
äußerte Rubin Anfang November, nachdem die

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�Republikaner sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit gewonnen hatten.

diesem Land zu den herausragendsten Wirtschaftspolitikern seit dem Zweiten Weltkrieg."

Es wird erwartet, daß Rubin das von Bentsen geschaffene unternehmerfreundliche Klima beibehält
und sich ebenfalls für Haushaltsdisziplin und freien
Handel einsetzt.

"Alle können das Resultat sehen", fuhr der Präsident
fort. "Den größten Abbau des Haushaltsdefizits der
Geschichte, die größte Ausweitung freien Handels in
einer Generation, mehr als fünf Millionen neuer
Arbeitsplätze in der Wirtschaft zu Weihnachten dieses
Jahres im Vergleich zum Weihnachtsfest vor zwei
Jahren, und mehr hochbezahlte neue Arbeitsplätze in
dieser Volkswirtschaft als in den letzten fünf Jahren
zusammengenommen."

Obwohl viele Wirtschaftsvertreter Rubin als fähigen
Nachfolger für Bentsen ansehen, haben einige ihrer
Besorgnis Ausdruck verliehen, er verfüge nicht über
ausreichende politische Erfahrung.
Als Präsident Clinton das Rücktrittsgesuch Bentsens
annahm, teilte er mit, Bentsen habe versprochen,
"als Teil eines erfahrenen Küchenkabinetts" nach
Washington zurückzukehren, "um dabei zu helfen,
diese Administration in den kommenden beiden
Jahren durch die Schwierigkeiten zu steuern und die
sich bietenden Chancen zu ergreifen".
Der 73jährige Bentsen war den größten Teil seines
Lebens im Staatsdienst tätig - als Pilot der Heeresflieger im Zweiten Weltkrieg, als Richter am Kreisgericht, als Kongreßabgeordneter, Senator, Bewerber
als Präsidentschaftskandidat, Kandidat der Demokratischen Partei für das Amt des Vizepräsidenten und
Finanzminister.
"Er hat seine Arbeit in jeder Funktion mit Würde und
Auszeichnung geleistet", so Clinton. "Er zählt in

Bentsen äußerte Journalisten gegenüber, dies sei
eine gute Zeit, vom Amt abzutreten, denn "ich könnte
zu keinem anderen Zeitpunkt gehen, an dem das
Wirtschaftsbanner so hoch gehißt ist. Wir haben die
besten Zahlen seit 30 Jahren... Wir haben das
Haushaltsdefizit in nur zwei Jahren um 87 Milliarden
Dollar gesenkt. Wir haben über fünf Millionen neuer
Arbeitsplätze geschaffen.
Die Inflationsrate ist
niedrig. Die Unternehmen investieren Rekordsummen... Und die vielleicht größte Errungenschaft ist
die Tatsache, daß wir neben Wohlstand auch Frieden
genossen haben."
Dem Präsidenten zufolge behandelt Bentsen "seine
Gegner mit Respekt - ein Beispiel, dem wir alle
folgen sollten".
Bentsen kehrt in die Privatwirtschaft nach Texas
zurück.

* * * *

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�</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

15. Januar 1975

Nummer

Inhalt
DOKUMENTATION:
Ford umreißt neues Wirtschafts-und F.nergieprogramm
-Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten am 13. Januar 1975-

INFORMATION:
Veranstaltungskalender 1975 im US-Handelszentrum Frankfurt/Main
Neues für die Bekleidungsindustrie aus USA
-Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt/MainUSA entwickeln deutsch-französische Rakete Roland II weiter

WIRTSCHAFT:
Das neue amerikanische Handelsgesetz
-Ford mit Einschränkungen zufrieden-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Der 94. Kongreß der Vereinigten Staaten
-Jünger, liberaler und noch mehr Demokraten.

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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United
53

States

Bonn-Bad

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Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Dokumentation

Service

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300

T e I e x : 08 - 8 54 32

1/1975

FORD UMREISST NEUES WIRTSCHAFTS- UND ENERGIEPROGRAMM
- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 13. Januar 1975

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ford hat in einer Rundfunk- und Fernsehansprache am Abend des 13. Januar dem amerikanischen Volk die Grundzüge seiner
Vorschläge für die Wirtschafts- und Energiepolitik dargelegt.

Damit hat zum

ersten Mal ein amerikanischer Präsident vor seiner Botschaft über die Lage
der Nation in dieser Form der Öffentlichkeit Ankündigungen über politische
Programme gemacht.

Ford kündigte unter anderem an, daß die Einfuhrabgaben für Rohöl in den
nächsten drei Monaten auf drei Dollar pro Barrel erhöht werden.

Ferner will

er den Kongreß um eine umfassendere Besteuerung von Rohöl und Erdgas ersuchen,
um eine Senkung des Verbrauchs zu erreichen, und die Wirtschaft durch Steuersenkungen beleben.

Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ohne viel Worte zu verlieren, möchte ich heute abend mit Ihnen darüber
sprechen, wie wir unser eigenes Haus in Ordnung bringen können.
Amerika eine neue Richtung geben.

Wir müssen

Wir müssen die gegenwärtige Rezession um-

kehren, die Arbeitslosigkeit abbauen und mehr Arbeitsplätze schaffen. Wir

- 1 -

�(
Wir müssen das Vertrauen der Verbraucher ebenso wie das der Investoren wiederherstellen. Wir müssen weiterhin einen wirksamen Plan zur Bekämpfung der Inflation verfolgen.

Wir müssen ohne Verzug unseren Fortschritt als freies Volk

wieder fest in die Hand bekommen.

Gemeinsam können und werden wir diese Aufgabe erfüllen.

Was Selbstdiszip-

lin und Durchsetzungsvermögen angeht, so ist unser nationaler Charakter stark.
Die Amerikaner sind immer dann am besten, wenn es schwierig wird.
es schwierig und es kann vielleicht noch schwieriger werden.

Derzeit ist

Aber wenn wir tun,

was getan werden muß, dann werden wir auf dem Wege zu besseren Tagen sein.

Wir

haben eine historische Chance.

Am Mittwoch werde ich dem neuen Kongreß die Botschaft über die Lage der
Nation vorlegen und ihn um seine Unterstützung bitten, diese Lage rasch zu
verbessern. Aber weder der Kongreß noch der Präsident können Gesetze verabschieden oder Verordnungen erlassen, die automatisch zur wirtschaftlichen Besserung und zur sofortigen Prosperität führen.

Die Regierung kann dabei helfen,

ungleiche Lasten besser zu verteilen, ein Beispiel gesunder wirtschaftlicher
Maßnahmen geben und mit einem klaren und koordinierten Programm des nationalen
WiederaufSchwungs eine führende Rolle übernehmen.

Heute abend möchte ich mit Ihnen über das sprechen, was getan werden muß,
denn schließlich sind Sie es, die am meisten betroffen sind.

Seit ich vor fünf

Monaten Ihr Präsident geworden bin, sind die wirtschaftlichen Probleme mein
größtes Anliegen gewesen.
flation und Energie.

Zwei Elemente unseres Problems sind langfristig - In-

Diese beiden Elemente werden nicht nur durch unser Han-

deln, sondern auch durch internationale Kräfte beeinflußt, die außerhalb unserer direkten Kontrolle liegen.

Das neue und beunruhigende Element im wirt-

schaftlichen Bild ist unsere sich verschärfende Rezession und die damit verbundene Arbeitslosigkeit.

Wir haben einige Fortschritte dabei gemacht, die sich nach oben drehende
Spirale der Inflation zu verlangsamen und die Zinssätze in eine Abwärtsbewegung
zu bringen.

Aber wir haben beim Absatz und bei der Arbeitslosigkeit plötzliche

�plötzliche und schwere Rückschläge erlitten.

Aus diesem Grunde müssen wir unseren Nachdruck von der Inflation auf die
Rezession verlegen.

Aber wenn wir das tun, dürfen wir die sehr realen und

tödlichen Gefahren steigender Preise und rückläufiger Binnenenergieversorgung
nicht aus dem Auge lassen. Wir Amerikaner haben nicht länger unser eigenes
nationales Schicksal völlig in der Hand, wenn dieses Schicksal von der unsicheren Versorgung mit ausländischen Brennstoffen zu hohen, von anderen festgesetzten Preisen abhängt.

Die höheren Energiekosten tragen sowohl zur Infla-

tion als auch zur Rezession bei.

Und die Abhängigkeit von anderen bei der

künftigen Energieversorgung ist für unsere nationale Sicherheit untragbar.

Wir müssen einen gleichzeitigen Dreifrontenkrieg gegen Rezession, Inflation und Abhängigkeit in der Energieversorgung führen.

Wir haben keine andere

Wahl.

Wir brauchen innerhalb von 90 Tagen das nachdrücklichste und weitreichendste
Energiesparprogramm, das wir jemals hatten.
mehr kosten als bisher.

Jawohl, Benzin und Öl werden noch

Aber dieses Programm wird zwei wichtige Ziele erreichen:

Es wird vom unnötigen Verbrauch an Erdölprodukten abhalten und es wird die Entwicklung und Einführung anderer Brennstoffe und neuer Energiequellen vorantreiben.

Um einen dringend erforderlichen nationalen Energieplan sofort in Gang zu
setzen, werde ich die Vollmachten des Präsidenten für Notfälle benutzen, um
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl dadurch zu verringern, daß ich die
Importabgaben für jedes Barrel ausländischen Rohöls während der nächsten drei
Monate von 1 Dollar auf 3 Dollar erhöhe.

Ein umfassenderes Programm der Be-

steuerung von Öl und Erdgas zur Energieeinsparung, um den Verbrauch wesentlich
zu senken, muß vom Kongreß verabschiedet werden.

Die Einkünfte aus solchen

Steuern werden in die Wirtschaft zurückgeführt werden.

Darüber hinaus enthält

mein Energiesparprogramm die Vollmacht zur Ölzuteilung, um in bestimmten geographischen Gebieten, wie etwa Neuengland, oder in bestimmten Industriezweigen
oder Gebieten des menschlichen Bedarfs, wo Öl unerläßlich ist, unnötige Härten

- 3-

�)
1

«.
Härten zu vermeiden.
zeuger.

Der Plan verhindert auch Spekulationsgewinne der Er-

Ferner müssen freiwillige Anstrengungen gemacht werden, um den Ver-

brauch von Benzin und anderer Energie zu senken.

Mein nationaler Energiespar-

plan wird den Kongreß ersuchen, einen fünfjährigen Aufschub der höheren Umweltverschmutzungsnormen für Automobile zu gewähren, um einen 40 Prozent geringeren
Verbrauch - in Gallonen pro Meilen - zu erreichen.

Von ebenso entscheidender

Bedeutung sind nachhaltigere Maßnahmen, um die Entwicklung anderer einheimischer
Energiequellen wie Kohle, geothermale, Sonnen- und Nuklearenergie zu beschleunigen.
Dieser Flan erfordert persönliche Opfer.

Aber wenn wir alle mitmachen,

dann werden wir unser Ziel erreichen, bis Ende dieses Jahres die ausländischen
ölimporte um eine Million Barrel pro Tag und bis Ende 1977 um zwei Millionen
Barrel pro Tag zu senken.

Die Energiesparmaßnahmen, die ich heute abend um-

rissen habe, werden durch die Vollmacht des Präsidenten ergänzt, die ölimporte

%

soweit zu begrenzen, wie dies für die volle Erreichung dieser Ziele notwendig
ist.

Bis 1985 - also in zehn Jahren - werden die Vereinigten Staaten gegen
Störungen der ausländischen Energieversorgung oder gegen Ölembargos, wie wir
sie im vorigen Jahr erlebt haben,unverwundbar sein.

Natürlich steht unser Be-

darf im eigenen Lande an erster Stelle. Aber unsere Fortschritte in der Unab- hängigkeit der Energieversorgung werden mit unseren Freunden im Ausland voll
koordiniert werden.

Unsere Anstrengungen sollten ähnliche Maßnahmen unserer

Verbündeten auslösen.

Wenn der Kongreß dieses Nationale Energieprogramm rasch verabschiedet,
dann wird keine Notwendigkeit für eine Zwangsrationierung oder für lange Schlangen an den Tankstellen bestehen.

Die Benzinpreise werden steigen, wenn auch

nicht so sehr, wie bei einer Steuer von 20 Cent pro Gallone.

Im übrigen wird

die Belastung durch die Besteuerung zum Zwecke der Öleinsparung auf alle Verbraucher nicht nur auf die Kraftfahrer, umgelegt werden.

Lassen Sie mich jetzt noch etwas zu dem Problem der Arbeitslosigkeit sagen.

�sagen.

Dieses Land braucht eine sofortige Senkung der Bundeseinkommenssteuer

um 16 Milliarden Dollar.

Drei Viertel dieser Gesamtkürzung oder 12 Milliarden

Dollar sollen dem einzelnen Steuerzahler in Form einer Barrückzahlung zugute
kommen, die sich auf 12 Prozent seiner Steuerzahlungen im Jahre 1974 belaufen
würde - bis zu einer Rückzahlung von 10O0 Dollar. Wenn der Kongreß die Behandlung bis 1. April abschließt, werden Sie ihren ersten Scheck über die halbe
Rückzahlung im Mai und für den Rest im September bekommen.
Das restliche Viertel der Steuersenkung, also rund 4 Milliarden Dollar,
werden an steuerzahlende Unternehmer, einschließlich Farmer, gehen, um Betriebsausweitungen zu fördern und mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Dies wird in Form

einer Erhöhung der Investitionssteuerabschreibung auf 1^2 Prozent für ein Jahr
geschehen. Besondere Bestimmungen werden wichtige öffentliche Versorgungseinrichtungen dabei unterstützen, ihre Energiekapazität auszuweiten.

Dies wird

Kapitalinvestitionen und Produktivität, der Schlüssel zu Wiederaufschwung und
Wachstum,anregen.

Sobald die neuen Einnahmen aus den Energiesparsteuern eingegangen sind,
werden wir in der Lage sein, 3 Milliarden Dollar - in Form zusätzlicher Zahlungen und Anleihen an Einzelpersonen, Unternehmen sowie einzelstaatliche und
kommunale Behörden - in die Wirtschaft zurückzuführen.

Auch diejenigen, die auf Grund ihrer niedrigen Einkünfte keine Einkommensteuern zahlen, können Barauszahlungen aus diesem Gesamtbetrag erhalten. Sie
sind von der Inflation und den gestiegenen Energiekosten am härtesten betroffen.

Dieses kombinierte Programm beläuft sich insgesamt auf 46 Milliarden
Dollar - 30 Milliarden Dollar an wiederausgeschütteten Einnahmen aus der Energiesteuer als Ausgleich für die gesti^jenen Brennstoffkosten - und 16 Milliarden
Dollar an Steuersenkungen, die zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen
sollen.

Und die Einnahmen aus der Energiesparsteuer werden solange in die

Wirtschaft zurückfließen, wie die Krise anhält.
Dieses
- 5 -

�I
Dieses Wirtschaftsprogramm unterscheidet sich in seinem Schwergewicht
von den Vorschlägen, die ich im Oktober vorigen Jahres unterbreitet habe. Der
Grund dafür ist, daß sich die Situation geändert hat. Sie wissen das, und ich
weiß das. Was wir heute am dringendsten brauchen, ist mehr Geld zum Ausgeben
in unserem Geldbeutel und nicht im Schatzamt in Washington.
darüber im klaren sein:

Wollen wir uns

Eine Steuersenkung zur Stärkung der Wirtschaft be-

deutet vorübergehend ein größeres Defizit im Bundeshaushalt, und ich habe mein
ganzes öffentliches Leben lang gegen Defizite gekämpft. Aber wenn die Wirtschaft nicht rasch wieder gesundet, werden die Steuereinnahmen des Bundes so
stark schrumpfen, daß die künftigen Defizite noch größer ausfallen würden.
Aber ich habe meine grundsätzliche Überzeugung,- daß fiskalische Zurückhaltung
notwendig ist, nicht aufgegeben.

Langfristig gibt es kein anderes wirkliches

Heilmittel für unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Als ich mich mit dem Haushalt für dieses und für das kommende Finanzjahr
herumschlug, stellte ich fest, daß mindestens drei Viertel
ausgaben bereits gesetzlich festgelegt sind.

der gesamten Bundes-

Der Präsident ist durch Gesetze

daran gehindert, die Ausgaben für eine ständig wachsende Liste von Programmen zu
kürzen, die Zahlungen an einzelstaatliche Behörden, Kommunen, Familien und
Einzelpersonen vorschreiben.

Wenn diese Gesetze nicht geändert werden, dann

gibt es, das kann ich Ihnen sagen, nur zwei Wege - noch höhere Bundessteuern
oder die noch ruinösere versteckte Besteuerung über die Inflation.

So wie

sie sind, werden die gesetzlich vorgeschriebenen Programme des Bundes die Hauptursache für das Defizit im Bundeshaushalt in diesem und im kommenden Jahr in
einerGrößenordnung von 30 bis 50 Milliarden Dollar sein.

Defizite in einer

solchen Größenordnung sind schlecht - es sei denn, sie seien unter ganz ungewöhnlichen Umständen auf einer vorübergehenden Basis zustandegekommen.

Eine

Reform dieser kostspieligen, gesetzlich vorgeschriebenen Ausgabenprogramme des
Bundes braucht Zeit.

Für diesen Zeitraum habe ich, um das Haushaltdefizit so

niedrig wie möglich zu halten, beschlossen, Interimsmaßnahmen zu ergreifen.

In meiner Botschaft über die Lage der Nation werde ich keine neuen Ausgabenprogramme des Bundes vorschlagen - den Energiesektor ausgenommen.

Und

der Kongreß - Ihre Vertreter in Washington - teilen mit mir eine gleiche Ver-

�Verantwortung, darauf zu achten, daß keine neuen Ausgabenprogramme verabschiedet werden.

Ich werde nicht zögern, ein Veto gegen jedes neue Ausgaben-

programm einzulegen, das der Kongreß mir vorlegt.

Zahlreiche vorgeschlagene

Ausgabenprögramme des Bundes sind wünschenswert und wären von mir in der Vergangenheit unterstützt worden.

Aber sie kosten Geld - Ihre Steuer-Dollar.

Es ist wirklich an der Zeit, ein einjähriges Moratorium für neue Ausgabenprogramme des Bundes zu erlassen.

Ich brauche hierzu Ihre Unterstützung.

Es ist entscheidend wichtig, daß Ihre Vertreter im Kongreß wissen, daß Sie
diese Sorge wegen der Inflation teilen.

Ich meine, die Bundesregierung muß allen Amerikanern zeigen, daß sie das,
was sie anderen über Opfer und Selbstbeschränkung prodigt, auch selbst tut.
Daher werde ich darauf bestehen, daß im Jahr 1975 jede Gehaltserhöhung beim
Bund auf fünf Prozent begrenzt bleibt und ich werde den Kongreß ersuchen, die
gleiche vorübergehende Höchstgrenze von fünf Prozent auch für die automatischen,
an die Lebenshaltungskosten gebundenen Pensionserhöhungen für ehemalige Regierungsbedienstete und Soldaten sowie bei der Sozialversicherung festzusetzen.
Die Regierung allein kann die Lebenshaltungskosten nicht senken.

Aber bis sie

zurückgehen, kann die Regierung davon Abstand nehmen, sie weiter in die Höhe
zu treiben.

Denn nur wenn die Lebenshaltungskosten heruntergehen, kann jeder

für seinen Pensions- und Gehaltsscheck den vollen Gegenwert erhalten.

Ich

möchte diesen Tag schneller herbei führen.

Heute abend habe ich die wichtigsten Punkte meiner Energie- und Wirtschaftsprogramme zusammengefaßt.

Sie müssen, so wie ich das sehe, Hand in Hand gehen.

Am Mittwoch werde ich diese Vorschläge vor dem Kongreß erläutern.

Es werden

noch weitere Empfehlungen, kurzfristige und langfristige, kommen, um unser Programm für alle so fair wie möglich zu gestalten.
deln und verantwortungsbewußte Gesetze drängen.

Ich werde auf promptes HanDie Gefahr, nichts zu tun,

ist groß; die Gefahr, zuviel zu tun, ist ebenso groß.

Wir können es uns nicht

leisten, Sand in das Getriebe unserer komplexen Wirtschaftsmaschinerie zu
streuen, nur weil sie nicht auf vollen Touren läuft.
Wir
- 7-

�Wir befinden uns in Schwierigkeiten.
einer neuen großen Rezession.

Aber wir stehen nicht am Anfang

Unserpolitisches und wirtschaftliches System

ist heute um ein Vielfaches stärker als in den dreißiger Jahren.

Wir haben

in unsere Wirtschaft Maßnahmen zum Schutz der Einkommen und zur Milderung der
Arbeitslosigkeit eingebaut.

Ich habe alle erforderlichen Schritte ergriffen,

und werde dies auch weiterhin tun, um massive Verzerrungen und persönliche
Härten und vor allem das Unglück einer wachsenden Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Aber vernünftige Lösungen unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten hän-

gen in erster Linie von der nachdrücklichen Unterstützung durch jeden von Ihnen
ab.

Die großen und die kleinen Unternehmen, die organisierten und die nicht

organisierten Arbeiter, die Behörden der Einzelstaaten und der Kommunen wie
auch die Bundesregierung müssen Selbstbeschränkung üben. Es wird niemandem
gestattet werden, aus den vorübergehenden Härten, die die meisten von uns
willig auf sich nehmen, Gewinn zu schlagen.

Ebensowenig können wir es zulassen,

daß irgend welche Sonderinteressen aus unserer gemeinsamen Notlage Vorteil
ziehen.
Um die wirtschaftlichen Aussichten zu verbessern, müssen wir zunächst
einmal den Glauben an uns selbst zurückgewinnen.

Niemand wird uns aus unseren

Schwierigkeiten heraushelfen, es sei denn wir .selbst mit eigener Kraft.

In

den 200 Jahren als Nation haben wir über äußere Feinde und innere Konflikte
triumphiert - und jedes Mal sind wir stärker als zuvor daraus hervorgegangen.
Dies hat immer entschlossene Führer und ein hingabebereites Volk verlangt, und
dieser Ruf ist niemals angehört verhallt.

In jeder Krise hat sich das amerikanische Volk enger zusammengeschlossen,
die Ärmel hochgekrempelt und das getan, was getan werden mußte.

Ich rufe Sie

und diejenigen, die Sie im Kongreß vertreten auf, eine Wende in unserer Wirtschaft herbeizuführen, unsere Unabhängigkeit auf dem Energiesektor zu verkünden
und dafür zu sorgen, daß unsere freie Gesellschaft wieder von der übrigen Welt
bewundert wird.

Der Beginn unserer Zweihundert Jahrfeier ist ein guter Zeitpunkt, um erneut
unseren Stolz und unsere Ziele als Amerikaner zu bekräftigen, die sich selbst

�selbst helfen und die ihren Nachbarn helfen, gleichgültig wie schwer die
Aufgabe ist. Was mich anbetrifft, so wer,de ich das tun, was ich für unser
gesamtes Volk als richtig erachte - ich werde mein Westes für Amerika geben,
so lange ich in diesem historischen Gebäude wohne.
ist.

Es ist jetzt an der Zeit, es zu tun.

und unsere Zukunft schützen.

Wir wissen, was zu tun

Wir müssen unsere Nation erhalten

Laßt uns gemeinsam handeln, und möge Gott unser

Unterfangen segnen."

+ + + + +

�»

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1/1975
VERANSTALTUNGSKALENDER 1975 IM US-HANDELSZENTRUM FRANKFURT/MAIN
--(AD)— Im ersten Halbjahr 1975 wird das US-Handelszentrum in Frankfurt fol
gende Ausstellungen und Fachtagungen veranstalten:
Materialprüfung - Geräte und Instrumente

11.-14. Februar 1975

Maschinen und Geräte für die Bekleidungsindustrie

18.-21. März 1975

Umweltverschmutzung - Meß- und Kontrolleinrichtungen

22.-25. April 1975

Klimaanlagen und Kühleinrichtungen

13.-16. Mai

1975

Sport, Freizeit und Erholung

10.-13. Juni

1975

Für das zweite Halbjahr sind folgende Themen geplant:
Bauelemente für die Mikroelektronik

September 1975

Industrielle Alarm-, Sicherheits-und Wartungseinrichtungen

Oktober

1975

Fertigungseinrichtungen für die Elektronik

November

1975

Industrielle Prozeßsteuerung

Dezember

1975

Die genauen Termine für das zweite Halbjahr stehen in Kürze zur Verfügung. Anfragen und Programmbestellungen sind zu richten an: US-Handelszentrum Frankfurt/Main, 6 000 Frankfurt,Bockenheimer Landstr.2-4. Tel.72 08 01,
Telex: 41 65 35

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1/1975

NEUES FÜR DIE BEKLEIDUNGSINDUSTRIE AUS USA
-Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt/Main-

-(AD)-- Das US-Handelszentrum in Frankfurt/Main veranstaltet vom 18.-21.März
1975 eine Fachausstellung zum Thema "Maschinen und Geräte für die Bekleidungsindustrie" .
Bekleidungsindustrie und Modebranche sind heute mehr denn je zu einer
weitgehenden Rationalisierung ihrer Fertigungsbetriebe gezwungen. Die Preiswürdigkeit amerikanischer Erzeugnisse angesichts der Dollar/D-Mark-Relation
einerseits sowie Erfahrung und Fortschritt in der Produktionsautomatisierung
andererseits machen die hier ausgestellten Produkte für den europäischen Textilverarbeiter attraktiv.
Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über das US-Angebot
an technischen Ausrüstungen für alle Verarbeitungsphasen in der Bekleidungsindustrie - vom Entwurf über den Schnitt bis zum Nähen, Applizieren, Ausrüsten/
Finishing einschließlich Einrichtungen zur Rationalisierung des Arbeitsflusses,
Ein Teil der Aussteller sucht in erster Linie Kontakte zu deutschen
Firmen(vertriebsfirmen,Lizenznehmer oder Partner für gemeinsame Projekte).
Anfragen und Programmbestellungen sind zu richten an: US-Handelszentrum,Frankfurt/Main, Bockenheimer Landstr. 2/4, Tel.:(0611) 72 08 Ol Telex: 41 65 35.

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1/1975

USA ENTWICKELN DEUTSCH-FRANZÖSISCHE RAKETE ROLAND I I
WEITER

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten- werden die von deutschen und
französischen Firmen gemeinsam entwickelte Boden-Luft-Rakete Roland II zur
Erprobung übernehmen, wie das amerikanische Verteidigungsministerium am
9. Januar bekanntgab. Die Roland II entstand bei Euromissile, an der Messerschmitt- Bölkow-Blohm und die französische Firma Aerospatiale beteiligt sind.
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat an die amerikanische
Flugzeugfirma Hughes Aircraft Corporation, die zusammen mit Boeing die
Alleinlizenz für den Bau der Rakete in den den Vereinigten Staaten besitzt,
einen Kontrakt von 108,4 Millionen Dollar vergeben. Der Kontrakt erstreckt
sich auf die Erprobung und Anpassung des Flugkörpers für die amerikanischen
Streitkräfte.
Insgesamt waren 21 Firmen zu Angeboten aufgefordert worden. In Auswahl
hatten unter anderem zwei weitere europäische Raketen, die britische Rapier
und die französische Cotale , gestanden. Ein Sprecher des Pentagon erklärte
jedoch, die Roland sei das "kosteneffektivste", also preisgünstigste System,
das gegenwärtig zur Verfügung stehe.
Die

-l-

�Die Roland ist von Euromissile nach den Erfordernissen der französischen
und deutschen Streitkräfte entwickelt worden. Es handelt sich um eine Allwetter-Rakete, die vor allem für die Abwehr von Tieffliegern eingesetzt werden
soll. Für amerikanische Zwecke wird sie zunächst auf einem vierrädrigen Fahrzeug montiert werden, das die Boeing Company baut.
Die Entscheidung der amerikanischen Regierung wird als ein Durchbruch
der europäischen Waffenhersteller betrachtet. Obwohl in der zwei-bis dreijährigen Laufzeit des Kontrakts nur 5,5 Millionen Dollar an Euromissile gehen,
sind viele Experten der Auffassung, daß sich damit eine neue Bereitschaft des
Pentagon erkennen läßt, auch in Europa Waffen und Gerät zu beschaffen. In zuständigen Kreisen in den USA wie auch bei der NATO hat sich seit langem die
Überzeugung durchgesetzt, daß die Einführung der jeweils preisgünstigsten,
also auch europäischer Waffensysteme bei den amerikanischen Streitkräften, die
Entwicklungskosten im Bündnis senken und seinen Streitkräften eine größere
Schlagkraft verleihen würde.
Der einzige größere Beschaffungsauftrag, den die Vereinigten Staaten bisher ans Ausland vergeben haben, war der Kauf des britischen Flugzeuges Harrier
im Jahre 1971 für das Amerikanische Marinekorps.
Von den 108,4 Millionen Dollar sind 10,8 Millionen Dollar sofort angewiesen worden, und von dieser Summe gehen 2 Millionen Dollar an Euromissile.
Im amerikanischen Verteidigungsministerium wird in diesem Zusammenhang
betont, daß sich

der Kontrakt nur auf die Entwicklung bezieht und keine Be-

schaffung einschließt.
Nach

�Nach amerikanischen Presseberichten würden die eigentlichen Produktionskosten auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Sprecher des Pentagon wiesen jedoch
alle solchen Spekulationen zurück, da noch keine endgültige Entscheidung über
die Beschaffung der Roland II getroffen sei.
Wenn sich die Vereinigten Staaten entschließen sollten, das Waffensystem,
das bei der deutschen Bundeswehr die Bezeichnung Fla-Rak-Panzer I trägt, zu
produzieren, dann würde es die Raketen vom Typ Vulcan und Chapparal in Buropa
ersetzen.
Die Verlautbarung des amerikanischen Verteidigungsministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Der Staatssekretär für die Armee (Armeeminister Howard H. Callaway) gab
heute (9. Januar) die Vergabe des folgenden Kontrakts bekannt:
Der Firma Hughes Aircraft, Canoga Park, Ca.,ist für die technische Entwicklung einer Allwetter-Kurzstrecken-Luftabwehr-Rakete (Short Range Air Defense = SHORAD) ein Kontrakt in Höhe von 108 394 160 Dollar für Kosten und Gebühren gewährt worden, von denen 10 769 702 Dollar heute angewiesen werden.
Der Vergabe ist eine Ausschreibung vorausgegangen, an der 21 Firmen teilgenommen und unsere Bedingungen erhalten haben. Kontraktor ist das U.S.Army Missile
Command, Redstone Arsenal in Huntsville, Alabama."

-3-

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1/1975

DAS NEUE AMERIKANISCHE HANDELSGESETZ
-Ford mit Einschränkungen zufrieden-

WASHINGTON --(AD)-- Das neue amerikanische Handelsgesetz, das nach zweijährigem Tauziehen am 20. Dezember 1974 vom Kongreß verabschiedet und am 3. Januar
1975 von Präsident Ford unterzeichnet wurde, wird übereinstimmend als das wichtigste Gesetzgebungswerk des 93. Kongresses bezeichnet. Das Repräsentantenhaus
verabschiedete die mehrfach geänderte Vorlage mit 323 gegen 36 Stimmen, der
Senat mit 72 gegen 4 Stimmen, so daß mit einem starken Rückhalt der Legislative gerechnet werden kann.
Bei der Unterzeichnung machte Präsident Ford zwar gewisse Einschränkungen, bezeichnete das Gesetz jedoch als "eine Grundlage für die Zusammenarbeit
mit allen Handelsnationen".
Der umstrittene Teil des sehr umfangreichen Gesetzeswerkes bezieht sich
auf die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für kommunistische Staaten,
die von der Mehrheit des Kongresses mit gewissen innenpolitischen Bindungen
verknüpft wurden. Die Ford-Administration, und nicht zuletzt Außenminister
Kissinger, warnte vor solchen politischen Forderungen. Zu dem jetzt gefundenen
Kompromiß erklärte Präsident Ford, die Bestimmungen über die Gewährung der
Meistbegünstigungsklausel im Handel mit kommunistischen Ländern seien kompliziert und schwer anwendbar und einige Staaten würden sicherlich Einwände erheben.

Ford

�Ford begrüßte ferner die Möglichkeit der Zollpräferenzen für Importe aus
Entwicklungsländern, bedauerte jedoch ebenfalls die "Starrheit und Unfairness
dieser Bestimmungen, vor allem gegenüber bestimmten ölproduzierenden Ländern"
Positiv sah der Präsident jedoch jetzt die Möglichkeit, den wirtschaftlichen Wohlstand der Welt durch einen verstärkten Fluß von Gütern und Dienstleistungen zu heben. Ebenso begrüßte Ford die verstärkten Möglichkeiten, importgeschädigten Firmen und Arbeitern besser und schneller helfen und gegen
unfaire Handelspraktiken vorgehen zu können.
Das Gesetz,so erklärte Präsident Ford wörtlich, "wird auf viele Jahre
hinaus die amerikanischen Handelsbeziehungen mit der übrigen Welt bestimmen."
Dieses so lange erwartete Gesetz, der "Trade Act 1974", ist die Voraussetzung für den Beginn der weltweiten Handelsverhandlungen im Rahmen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT). Es gibt dem amerikanischen Präsidenten die Vollmacht, über eine Senkung der Zölle und einen Abbau von nichttarifären Handelsschranken zu verhandeln. Solche Maßnahmen sind vor allem
auch für die Entwicklungsländer von lebenswichtiger Bedeutung.
Der amtierende Vorsitzende des Finanzausschusses des Abgeordnetenhauses,
AI Ullman, Demokrat aus dem Staate Oregon, erklärte vor der entscheidenden
Abstimmung, das Gesetz gebe dem Präsidenten die Vollmacht, Handelsabkommen
auszuhandeln "und andere Vollmachten, die der Präsident braucht, um die Verpflichtungen der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft erfüllen zu können." Diese Verhandlungsvollmachten seien jedoch "sehr sorgfältig begrenzt
und die Grenzen genau definiert worden, um die Wirtschaft der amerikanischen
Nation zu schützen."
Die neue Runde im Rahmen des GATT wird zeigen, ob es unter den gegenwärtigen schwierigen weltwirtschaftlichen Verhältnissen gelingen wird, eine

�eine weitere Liberalisierung des Handels zu erreichen, wie die Vereinigten
Staaten dies anstreben.

Die Bestimmungen des Gesetzes
Kurz zusammengefaßt enthält das Handelsgesetz 1974 folgende Bestimmungen:

I. Verhandlungsvollmacht
Vollmachten für Verhandlungen: Für die Dauer von fünf Jahren mit Einbringung von Abgabenreduzierungen über zehn Jahre bis zu einer Höhe, die wertmäßig 3 Prozent pro Jahr nicht übersteigen darf oder mit jährlichen Reduzierungen von einem Zehntel des Gesamten - je nachdem, welcher Wert größer ist.
Zollsenkungen: Zölle über 5 Prozent ad valorem können 60 Prozent gesenkt
werden, Zölle von wertmäßig 5 Prozent oder darunter können aufgehoben werden.
Zollerhöhungen: In erster Linie um die Höhe der Zollsätze auf die der anderen Länder abzustimmen, können bis zu einem Mehr von 50 Prozent über den
Sätzen von 1934 oder bis zu 20 Prozent ad valorem über den bestehenden Sätzen
ausgehandelt werden.
Eine Senkung, Eliminierung oder Harmonisierung der nichttarifären Schranken (NTBS) wird dringend gefordert. Abkommen, die diese nichttarifären Handelsschranken reduzieren, eliminieren oder harmonisieren, können mit einem
"Schnell-Verfahren" für die Billigung durch den Kongreß rechtskräftig gemacht
werden.
Zu einer solchen Durchführungs-Gesetzesvorlage sind Zusätze und Änderungen nicht erlaubt und es sind Bestimmungen vorgesehen, um
1) einen Ausschuß von der Erörterung einer solchen Gesetzesvorlage zu
entbinden;
2)
-3-

�2) Anträge zu begrenzen, die im Zusammenhang mit der Erörterung einer
solchen Gesetzesvorlage gemacht werden können;
3) die Debatten zeitlich zu

begrenzen und

4) den Termin für die abschließende Entscheidung festzusetzen.
Ehe der Präsident irgendein Handelsabkommen eingeht, hat er sich mit den
zuständigen Kongreßausschüssen über die Art und Weise zu beraten, wie die
Durchführungsgesetze dem Kongreß zu unterbreiten sind.
Ziele der Verhandlungen: Das allgemeine Ziel der Verhandlungen besteht
darin, einen offeneren und faireren Zugang zu den Märkten zu erlangen, sowie
in der Eliminierung, Reduzierung oder Harmonisierung der Instrumente, die den
Handel und den Warenverkehr verzerren.
Weitere Verhandlungsziele sind:
1) bis zu einem höchstmöglichen Grad Chancen für den amerikanischen Export in geeigneten Sektoren der Industrieproduktion und auf dem landwirtschaftlichen Sektor zu schaffen, die denjenigen gleichwertig sind, die die USA ausländischen Staaten für ähnliche Produkte bietet.
2) Bilaterale Handelsabkommen abzuschließen, wenn der Präsident entscheidet, daß solche Abkommen wirksamer für die Förderung des amerikanischen Wirtschaftswachstums und die Schaffung von Arbeitsplätzen sein werden als multilaterale.
3) Handelsabkommen abzuschließen, die sowohl den Entwicklungsländern als
auch den Vereinigten Staaten Nutzen bringen.
4) Zu befriedigenden internationalen Regeln und Bestimmungen in bezug auf
binnenwirtschaftliche Sicherungen zu gelangen, d.h., temporäre Anpassungen an
den Importwettbewerb und

1)

�5) Abkommen über den Zugang zu Rohstoffquellen zu erlangen.
Mitwirkung des Kongresses, der Öffentlichkeit und der Behörden:
Eine Mitwirkung des Kongresses ist durch die Ernennung von jeweils fünf
Mitgliedern des Finanzausschusses des Repräsentantenhauses und des Senates
als Berater für die amerikanische Delegation bei den Handelsverhandlungen sowie durch die Bestimmung gewährleistet, daß jeder Vorlage eines Abkommens über
nichttarifäre Handelsschranken zur Billigung durch den Kongreß Konsultationen
vorausgehen müssen. Das Gesetz enthält ferner fünf spezifische Fälle, in denen
der Kongreß Entscheidungen, die von der Exekutive getroffen wurden, überprüfen
und überstimmen kann.
Ein Netz von Beratungskomitees des öffentlichen und privaten Sektors soll
während der Vorverhandlungen und der eigentlichen Verhandlungsperiode tätig
sein. Die Administration muß darüber berichten, wie die auf diese Weise erteilten Ratschläge berücksichtigt wurden und die Komitees sollen dem Kongreß, der
über die Handelsabkommen berät, ihre Berichte vorlegen.
Bestimmte Verfahren während der Vorverhandlungen, wie die Veröffentlichung
einer Liste aller Artikel, für die eine Zollsenkung vorgesehen wird, Konsultation der Zollkommission und der Exekutive sowie öffentliche Anhörungen sind
erforderlich, ehe irgendwelche Angebote über grundlegende Zollabkommen gemacht
werden können; dies gilt auch für Neuverhandlungen und Kompensationsabkommen.
Die gleichen Verfahren sind notwendig, ehe für irgendeinen Handelsartikel allgemeine Präferenzen gewährt werden können.
Weitere Vollmachten:
Zahlungsbilanz-Vollmacht: Der Präsident ist gehalten, in Zeiten eines
amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits die amerikanischen Handelsschranken _zu

-5-

�zu erhöhen, wenn solches Defizit spezielle Maßnahmen gegen Importe erfordert
und diese Schranken in Zeiten eines Handelsbilanzüberschusses zu senken. Wenn
der Präsident entscheidet, daß die Restriktionen dem nationalen Interesse entgegenlaufen würden, braucht er die Handelsschranken nicht zu erhöhen, muß aber
den Kongreß darüber konsultieren. Maßnahmen,die vom Präsidenten aus Gründen der
Zahlungsbilanz getroffen werden, sind auf eine Dauer von 150 Tagen beschränkt,
die vom Kongreß verlängert werden kann.
Ausgleichs-Vollmacht: Wenn Maßnahmen zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft vor Importen getroffen werden, kann der Präsident die Abgaben für andere
Waren bis zu 30 Prozent senken, um betroffenen Handelspartnern einen Ausgleich
zu gewähren. Dabei muß der Präsident berücksichtigen, ob das andere Land Handelskonzessionen zum Vorteil der USA verletzt hat - es sei denn, es habe dafür
einen Ausgleich geleistet.
Die Vollmacht zur Neuverhandlung reicht zwei Jahre über die ursprüngliche
Fünfjahres-Vollmacht hinaus und der Ausgleich darf sich nicht über mehr als
2 Prozent der amerikanischen Gesamtimporte in einem Jahr erstrecken.
Vollmacht zur Kündigung: Alle im Rahmen des Gesetzes abgeschlossenen Handelsabkommen müssen eine Klausel über das Recht der Kündigung durch die Vereinigten Staaten enthalten. Wenn immer ein Land oder eine Einrichtung Verpflichtungen
zum Wohle der USA im Rahmen von Handelsabkommen einstellt oder aussetzt, ohne
einen entsprechenden Ausgleich zu leisten, kann der Präsident entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.
Keine gegenseitige Diskriminierung: Die allgemeine Regel der gegenseitigen
Meistbegünstigung wird bekräftigt. Das Gesetz verlangt jedoch vom Präsidenten,
in jedem Fall zu prüfen, ob ein wichtiges Industrieland bei den kommenden Ver-

�»

Verhandlungen entsprechende Konzessionen macht, die amerikanischen Produzenten
im wesentlichen die gleichen Wettbewerbsvorteile einräumt, wie den Produzenten
dieses Landes in den USA eingeräumt werden. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, muß er dem Kongreß eine gesetzliche Regelung vorschlagen, die das Ungleichgewicht beseitigt.
Ausgenommene Artikel: Zölle für Waren,die in den Rahmen der nationalen
Sicherheit oder des Schutzes der amerikanischen Industrie fallen, dürfen nicht
verringert und es dürfen auch keine Präferenzen gewährt werden.
Reform des internationalen Handelssystems: Es wird eine Revision des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) und die Aushandlung weiterer Handelsabkommen empfohlen, um die Entwicklung eines offenen, nicht diskriminierenden
und fairen Weltwirtschaftssystems zu fördern.

II. Schutzmaßnahmen
Unter Titel II (Import Relief) sind die Kriterien und Verfahren der früheren "Ausweichklausel" wesentlich liberalisiert worden:
1) Es braucht kein kausaler Zusammenhang mehr zwischen erhöhten Importen
und Konzessionen im Rahmen von Handelsabkommen zu bestehen.
2) Erhöhte Importe müssen eine "wesentliche" Ursache (substantial cause)
für ernste Schäden oder die Drohung solcher ernster Schäden für die amerikanische Industrie darstellen, statt wie früher die "Haupf'-Ursache (major cause)
zu sein. Wesentlich (substantial) wird "als wichtig und nicht geringer als
irgend eine andere Ursache" definiert.
3)

-7-

�3) Ein Schaden für die einheimische Industrie ist auch gegeben, wenn sie
sich auf ein bestimmtes geographisches Gebiet konzentriert und ihr Markt hauptsächlich in diesem Gebiet liegt und die Importe auch dieses Gebiet treffen.
In diesen Fällen muß der Präsident Maßnahmen gegen alle Importe eines solchen Artikels oder solcher Artikel oder gegen die Einfuhr aus einen oder mehreren Ländern ergreifen. Dazu gehören einzeln oder kombiniert: Einführung oder
Erhöhung von Abgaben oder Quoten, Verkündung einer Zollsatzquote oder Aushandlung eines Abkommens über die geregelte Vermarktung. Der Präsident kann Abstand
von solchen Maßnahmen nehmen, wenn er glaubt, daß solche Hilfeleistungen nicht
im nationalen Wirtschaftsinteresse liegen. Zuständig für solche Maßnahmen ist
die Internationale Handelskommission (International Trade Commission), die Nachfolgerin der Amerikanischen Zollkommission (U.S.Tariff Commission), Wenn der Präsident gegen die Empfehlungen der Kommission handelt, kann der Kongreß die Entscheidung des Präsidenten überstimmen.
Die Anwendung der Ausweichklausel ist zeitlich begrenzt und muß nach drei
Jahren abgebaut und nach fünf Jahren beendet werden, wobei eine Verlängerung um
drei Jahre möglich ist.
Anpassungshilfe: Arbeiter: In Ergänzung der einzelstaatlichen Arbeitslosenunterstützung können bis zu 52 Wochen und bis zu 70 Prozent des Durchschnittswochenlohnes zusätzliche Beihilfen gewährt werden. Ferner sind Ausbildungs-und
Umschulungsbeihilfen vorgesehen.
Firmen: Das Firmen-Beihilfeprogramm soll vor allem kleineren Unternehmen
zugute kommen und ist auf solche beschränkt, die anderweitig auf dem privaten
Kapitalmarkt keine Mittel aufbringen können. Zu dem Programm gehören technische Unterstützung, Kreditgarantien und direkte Anleihen.
Gemeinden:

�Gemeinden: Das Gemeinde-Unterstützungsprogramm soll kleineren Kommunen
bei der Ansiedlung neuer Industrien helfen und schließt technische Unterstützung, Zuwendung, Anleihen und Kreditgarantien ein.

III. Unfaire Handelspraktiken
Unter Titel III werden die gegenwärtigen Bestimmungen zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs verschärft. Das neue Gesetz bietet die Handhabe

gegen

ungerechtfertigte (ungesetzliche) und unvernünftige (unfaire) Handelspraktiken anderer Länder. Die Liste der Fälle, in denen Gegenmaßnahmen ergriffen
werden können, ist erweitert und auf Restriktionen für den Zugang zu und die
Exportsubvention nach Drittmärkten sowie auf Dienstleistungen ebenso wie auf
Waren ausgedehnt worden. Die Gegenmaßnahmen können selektiv oder nicht-diskriminierend (Meistbegünstigungsklausel) sein.
Zu den

Antidumpingbestimmungen gehören Fristen und Verfahrensänderun-

gen, die von der Administration vorgeschlagen werden, sowie Untersuchungen der
Internationalen Handelskommission. Ferner sind Bestimmungen gegen multinationale Gesellschaften vorgesehen,die durch umfangreiche Verkäufe über Tochtergesellschaften in geschützten Auslandsmärkten Billigverkäufe nach den Vereinigten Staaten unterstützen.
Die Verfahren der Gegenzölle werden auf zollfreie Importe ausgedehnt.
Die Fristen für Maßnahmen sind dahingehend eingeengt worden, daß eine erste
Entscheidung innerhalb von sechs Monaten und eine endgültige Entscheidung
innerhalb eines Jahres nach Antragstellung getroffen werden muß. Eine gerichtliche Prüfung von Entscheidungen ist sichergestellt.
IV.

-9-

�•

IV. Importe aus Staatshandelsländern

Unter Titel IV wird der Präsident ermächtigt, Ländern, die bisher ausgeschlossen waren, unter bestimmten Bedingungen die Meistbegünstigungsklausel
einzuräumen.
V. Allgemeine Präferenzen

Das neue Gesetz gibt unter Titel V dem Präsidenten die Vollmacht - unter
Berücksichtigung einer Reihe von Einschränkungen - Importen aus Entwicklungsländern Zollpräferenzen zu gewähren.

VI. Allgemeine Bestimmungen
Unter Titel VI schließlich wird der Präsident ermächtigt, Verhandlungen
über ein Handelsabkommen mit Kanada einzuleiten, um eine sich auf die USA und
Kanada erstreckende Freihandelszone einzurichten.
Ferner wird bestimmt, daß keine amerikanische Regierungsbehörde - mit
Ausnahme der Warenkreditgesellschaft - im Zusammenhang mit Exporten nach der
Sowjetunion Anleihen, Kreditgarantien oder -absicherungen über einen Betrag
von 300 Millionen Dollar hinaus ohne vorherige Zustimmung des Kongresses gewähren darf.

-10-

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1/1975

DER 94. KONGRESS DER VEREINIGTEN STAATEN
- Jünger, liberaler und noch mehr Demokraten -

WASHINGTON - (AD) - Der im November 1974 gewählte 94. Kongreß der Vereinigten Staaten ist am 14. Januar zu seiner ersten Sitzungsperiode zusammengetreten.

In beiden Häusern haben die Demokraten ihre Mehrheit gegenüber dem vorangegangenen 93. Kongreß erheblich ausbauen können, wobei vor allem die Zahl
der liberalen Demokraten zugenommen hat. Von den 435 Mitgliedern des Repräsentantenhauses gehören 291 der Demokratischen Partei an und 144 sind Republikaner.

Im Senat sehen sich die 39 republikanischen Senatoren einer Mehrheit

von 61 Demokraten gegenüber.

In beiden Häusern sind allerdings geringfügige

Änderungen der Stärkeverhältnisse noch möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, da in verschiedenen Stimmbezirken mit besonders knappen AusZählungsergebnissen Einspruch erhoben wurde.

Besonders hoch - mit fast 20 Prozent -

ist die Zahl der erstmalig in den Kongreß gewählten Abgeordneten und Senatoren;
im Repräsentantenhaus sind es 92 Abgeordnete, darunter 75 Demokraten, und im
Senat 11 Senatoren, darunter 8 Demokraten.

Damit hat sich auch das Durch-

schnittsalter der Parlamentarier verringert und, wie politische Beobachter
betonen, der Einfluß der liberalen Politiker im Kongreß erheblich zugenommen.

Angesichts der großen demokratischen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses wird sich die gesetzgeberische Arbeit in den kommenden Monaten vor
allem auf solche Vorlagen konzentrieren, die die liberalen Demokraten im letzten

Kongreß durchbringen wollten, die letztlich aber doch nicht verabschiedet wurden.

�wurden.

Hierunter fallen zum Beispiel Maßnahmen wie einschneidendere Be-

stimmungen für die Wirtschaft, Planungen für die Landnutzung, Verbraucherschutz und Lohn-Preiskontrollen.

Nach Ansicht der Zeitschrift "National

Journal Reports" wird im neuen Kongreß ferner verstärkt die Neigung bestehen,
Auslandshilfe sowie Verteidigungsausgaben zu kürzen.

Dies würde besonders

die Ausgaben für neue Waffensysteme und für Militärstützpunkte im Ausland betreffen.

Zweifellos wird der neue Kongreß versuchen, seine Position gegenüber
der Exekutive zu stärken und vor allem in außenpolitischen Fragen vermehrt
mitzusprechen.

Er dürfte ferner Maßnahmen ergreifen, um die Tätigkeit des

amerikanischen Geheimdienstes CIA besser kontrollieren zu können; die "Hearings" zu dieser recht delikaten Frage

haben bereits begonnen.

Aber die alles

überragende Aufgabe für den neuen Kongreß wird die Frage sein, wie die wirtschaftlichen Probleme am schnellsten gelöst werden können.

Die maßgebenden
i

Politiker beider großen politischen Parteien werden einem ungewöhnlich starken
Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt sein, Lösungen für diese Probleme - Inflation und Rezession - zu finden.

Sollte dem neuen Kongreß dies nicht ge-

lingen, würde die Öffentlichkeit ihm Unvermögen vorwerfen, und die Demokraten,
die den Kongreß zur Zeit kontrollieren, würden an Prestige und damit an Stimmen bei den nächsten, November 1976 stattfindenden Präsidentschaftswahlen verlieren.

Die demokratischen Politiker im Kongreß sind sich durchaus im klaren

darüber, unter welchem Zwang sie stehen.
Theoretisch sollten die Demokraten angesichts ihrer großen Mehrheit in
beiden Häusern des Kongresses keine Schwierigkeiten haben, ihre Programme zu
verwirklichen.

In der Praxis sieht es jedoch anders aus, und viel wird davon

abhängen, ob es ihnen gelingt, einheitliche politische Zielsetzungen zu erarbeiten und ihre Abgeordneten und Senatoren auf sie festzulegen.

Im Gegensatz

zu Europa kennt das politische System in den USA keine auch nur annähernd so
starke Parteisolidarität.

Die Abgeordneten und Senatoren beugen sich weniger

dem Diktat der Partei, sondern fühlen sich in erster Linie ihren Wählern verantwortlich.

Trotzdem ist damit zu rechnen, daß im neuen Kongreß die Ange-

hörigen der Demokratischen Partei geschlossener auftreten und abstimmen werden
2 -

�werden, als in früheren Jahren.

Wie der neue Kongreß, der nochfcärkerdemokratisch orientiert, noch reformfreudiger und - was das Durchschnittsalter der Abgeordneten und Senatoren
anbetrifft - weit jünger ist, die Probleme des Landes meistern wird, bleibt
abzuwarten.

Der Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, John

Rhodes, hat erst kürzlich betont, daß es nicht zu einem Patt zwischen einem
republikanischen Präsidenten und einem demokraitschen Kongreß kommen darf.
Rhodes verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß auch Präsident Truman seinerzeit 1947 mit einem republikanischen Kongreß regieren mußte und beide Seiten
damals ihre Meinungsverschiedenheiten zurückstellten, um den Marshall-Plan ins
Leben zu rufen . Diese Haltung müsse auch heute vorherrschen, denn niemals zuvor in der Geschichte der USA sei es so wichtig gewesen, daß beide Parteien
die Probleme des Landes gemeinsam angehen.

Ob nun der demokratische 94. US-Kongreß mit dem republikanischen Weißen
Haus zusammenarbeiten wird oder ob die Demokraten ihre große Mehrheit ausnutzen
und zu zeigen versuchen werden, daß sie mehr für das Land tun können, als die
Republikaner, darüber gibt es vorerst nur Vermutungen.

Am Ende der zwei Sit-

zungsperioden dieses Kongresses stehen Präsidentschaftswahlen und eine Anzahl
einflußreicher demokratischer Politiker trägt sich mit der Absicht, für dieses
höchste Amt in den USA zu kandidieren.

Dies ist ein Faktor, der sich sowohl

in Richtung auf eine Zusammenarbeit wie auch in Richtung auf einen Konflikt
auswirken kann.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford umreißt neues Wirtschafts- und Energieprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 13. Januar 1975 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Veranstaltungskalender 1975 im US-Handelszentrum Frankfurt/ Main&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues für die Bekleidungsindustrie aus USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt/ Main -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA entwickeln deutsch-französische Rakete Roland II weiter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ford mit Einschränkungen zufrieden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 94. Kongress der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jünger, liberaler und noch mehr Demokraten -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
7

-0r, O N ^

15. Januar 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den
Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Libyen
Weinberger: Sowjets bauen SS-25-Streitmacht aus
- Rede vor der Carnegie-Stiftung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Gadhafi unterstützt radikale Regime und hilft Terroristen
- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über
Libyen unter Gadhafi -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Generation von Wetterbeobachtungssatelliten
- Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und
die aktuelle Warnung Lebenswunder im ewigen Eis
- Primitive Organismen - Modell für gentechnologische
Prozesse -

* * * * * *

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�,^° s ^&lt;

VON

AMERIKA DIENST

#

Dokumentation

15. Januar 1986

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS IN BONN
ZU DEN MASSNAHMEN DER VEREINIGTEN STAATEN GEGEN LIBYEN

BONN - (AD) - Zu Beginn eines Pressegespräches, das am 9
Januar 1986 um 14.00 Uhr in der amerikanischen Botschaft in
Bonn stattfand, gab Botschafter Richard R. Burt die folgende
einleitende Erklärung ab:
Wie Sie wis sen, hat Präsi dent Reag an zus ätzl iche Maßn ahmen
ange kündigt , die da zu di enen, der anda uernde n Be droh ung d urch
den von Lib yen unte rstüt zten Terr orism us Her r zu wer den. Diese
Maßn ahmen b ilde n ei nen k onkre ten Ausdr uck un sere r Üb erzeu gung,
daß es für die zivi lisie rten Nati onen absolu t un entb ehrli ch
ist, gegen die Mord er vo n Fra uen und K indem Ste llun g zu beziehen. Die b ruta len und g edank enlo sen M orde a n un schu ldige n Mensehe n in Rom un d Wien bi lden ledi glich die jüngs ten in ei ner
Seri e von t erro rist ische n Akt en, einsc hließl ich des letzt en
Vorf alles h ier in d er Bu ndesr epub lik D eutsch land , wo bei einem
Bomb enansch lag auf unser Eink aufs zentr um in Fran kfur t ein e groGe A nzahl v on u nsch uldig en Me nsch en ve rletzt wur de. Die Regierung der Ve rein igte n Sta aten hat in an gemess ener Wei se Ma ßnahmen getroff en, um d en un vermi nder t and auernd en 1 ibys chen Aktivitä ten, di e al le a kzept ierte n in terna tional en V erha ltens normen
verl etzen, gere cht zu we rden. We nn wi r uns jedo ch w irksa m mit
Liby en und mit dem weite rgefa ßten Prob lern de s in tern ation alen
Terr orismus bef asse n wol len, müss en di e Anst reng unge n let ztlich
mult ilatera 1 se in - und desha lb s uchen wir w eite rhin die Zusammena rbeit m it u nser en Ve rbünd eten , einschlie ßlic h de r Bun des-

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�der Bundesrepublik Deutschland, und anderen gleichgesinnten Nationen in der Welt.
Ich weiß, daß es Fra gen dazu g ab, wa rum die Vere m i g ten
Staa ten vor i hrer Entsch eidu ng kei ne Kon sult atio nen anbe raumten. In eini gen Fällen könn en Kon sultat ione n au ch a ls A usrede
dien en u m Ent sehe idungen zu vermei den. Sich er h at n iema nd daran g ezwe ifelt , welche Ma ßnah men in der 1 etzt en W oche in
Wash ingt on in Bet rächt g ezog en wur den un d es bes tand jed e Gelegenh eit für a nder e Regie rung en, ih re Ans icht en b ekan ntzu geben,
wie es a uch v iele getan habe n. Ma nchmal abe r sc hlie ßt e ine
Führ ungs posit ion auch ei n, s ich vo t die Mein ung der ande ren zu
stel len und s ie a nzuführ en. Wir s treben dan ach, ein en n euen
Kons ens unter den zivili sier ten Na tionen vor anzu trei ben, um dem
inte rnat ional en T erroris mus verstä rkt en tgeg entr eten zu können,
Präs iden t Reagan hat die not wendig e Entschei düng get roff en, um
den Weg zu we isen . Wir sehen zukün ftigen aus führ lieh en u nd bedeut same n Kon sult ationen mit der B undesr epub lik Deut schl and
entg egen

* * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

15. Januar 1986

WEINBERGER:

SOWJETS BAUEN SS-25-STREITMACHT AUS

- Rede vor der Carnegie-Stiftung -

WASH INGTO N - ( AD) Der amer ikanisc he V e r t e idigu ngsm inister
Casp ar W einbe rger hat am 9 . Januar 19 86 w ähren d ei nes Essens
der Carn egie Stift ung für Inte rnation alen Frie den zu d en Haushalt spro bleme n und der Not wend igkeit der Weite rf ührung von
Präs iden t Rea gans stra tegi sehe m Moder nisi erung spro gram m Stellung gen ommen . Dabei enth üllt e der M inis ter d ie T atsa che, daß
die Sowj etuni on be reit s 45 gef echtsmä Big stati onie rte SS-25Rake ten stati onier t ha t. Die SS-25 i st e ine m obil e In terkontine ntal raket e mit ein er R eich weite v on 1 0 500 km, die mit einem Gefe chtsk opf a usge rüst et i st. In sei ner R ede beze ichnete
Wein berg er di e SS- 25 a ls e ine "klare Verl etzun g" d es 1 979 mit
der Sowj etuni on ab gesc hlos sene n SALT- II-V ertra ges und als eine
"mäc htig e Bed rohun g de r Ab sehr eckung"
Nach seinen Worten bedeutet das strategische Modernisierungsprogramm der Vereinigten Staaten "eine notwendige Bedingung für jedes wirksame Rüstungsbegrenzungsabkommen" mit
Moskau.
Die Rede von

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�Die Rede von Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:
Ich nehme an, daß wir alle mit der Geschichte von Daniel
in der Löwengrube vertraut sind. Nun, als ich mich darauf
vorbereitete, mit Ihnen hier und heute über den Haushalt, Rüstungsabbau und unsere weltweiten Verpflichtungen zu sprechen,
da meinte jemand zu mir, daß dieses Treffen mehr nach einer
Geschichte vom Löwen in der Grube des Daniel aussähe. Und
wenn ich an die diversen in diesem Raum vertretenen politischen Auffassungen denke, so bin ich sicher, daß es für alles, was ich Ihnen heute sagen möchte, immer jemanden geben
wird, der damit nicht übereinstimmt. Auch wenn meine Worte
wahrscheinlich niemanden trösten werden: Ich hoffe, daß wir
durch sie dazu veranlaßt werden, etwas mehr über unsere nationale Sicherheit nachzudenken.
Ich möchte mit einer einfachen Frage beginnen: Warum
spricht Herr Gorbatschow jetzt über bedeutende Verringerungen
von Atomwaffen, obwohl der Kreml dies abrupt abgelehnt hatte,
als die Regierung Carter 1979 solch einen Schritt vorschlug.
Ist das ein Zeichen von gutem Willen? Eines ernsthaften
und neugefaßten Wunsches, Spannungen abzubauen und die Stabilität zu fördern? Einer Sinnesänderung?
Vielleicht können wir diese Fragen beantworten, wenn wir
uns kurz an das Jahr 1977 erinnern. Schon früh in seiner
Amtszeit stoppte Präsident Carter erstens die Produktion des
B-l Bombers; zweitens beschnitt er den beantragten Verteidigungshaushalt um 6 Prozent; und drittens tadelte Präsident
Carter uns wegen "einer übermäßigen Furcht vor dem Kommunismus". Im Zuge dieser tatsächlichen und rhetorischen Gesten
guten Willens schickte er seinen Außenminister mit folgendem
Vorschlag nach Moskau: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten ihre strategischen Arsenale um 25 Prozent
reduzieren. Die Sowjetunion lehnte den Vorschlag von vorneherein ab; Breschnew wartete noch nicht einmal das Ende der
Präsentation durch Außenminister Vance ab. Anstatt hartnäckig
zu bleiben, ließ Präsident Carter sich auf Moskaus Lieblingsansatz ein. Nach einiger Zeit akzeptierte er das SALT-II-Abkommen: ein Abkommen, das sicherlich keine Rüstungsverringerung brachte.
Die Reagan-Administration übernahm die Regierungsgeschäfte
mit einem anderen Ansatz. Zunächst beschlossen wir, die wachsende militärische Unausgewogenheit umzukehren, das Resultat
eines Jahrzehnts, in welchem die amerikanischen Verteidigungsausgaben um 20 Prozent abnahmen, während die sowjetischen Investitionen in diesem Bereich um 50 Prozent anwuchsen. In den
siebziger Jahren führten die Sowjets acht neue strategische
- 2 -

�neue strategische Offensivsysteme ein, während die amerikanischen Ausgaben im Bereich strategischer Offensivwaffen zurückgingen und wir kein einziges neues Waffensystem einführten.
Eines dieser neuen sowjetischen Systeme ist die mobile Interkontinentalrakete SS-25, die eine klare Verletzung der
SALT-II-Ubereinkunft und eine mächtige Bedrohung der Abschrekkung darstellt. Ich kann heute bestätigen, daß die Sowjets zu
diesem Zeitpunkt 45 gefechtsmäßig stationierte SS-25-Raketen
besitzen, eine Anzahl, die für eine beständige Zunahme dieser
Bedrohung steht. Und diese Zahlen sind sogar noch sehr konservativ, da wir in der nahen Zukunft weitere Stationierungen
erwarten.
Einfach ausgedrückt waren wir 1981 gezwungen, der strategischen Modernisierung höchste Priorität einzuräumen. Dieses
Modernisierungsprogramm wurde von vielen Mitgliedern der vorherigen Administration, einer Anzahl von Kongreßmitgliedern
und einer Vielzahl von Hochschullehrern und Verteidigungsexperten abgelehnt. Sie behaupteten, eine wesentliche Steigerung der strategischen Kräfte sei unnötig und kontraproduktiv.
Ja, viele behaupteten im Ernst, daß diese Investitionen eine
gegenteilige Wirkung erzielen würden.
Anstatt der außerordentlichen sowjetischen Aufrüstung mit
strategischen Nuklearwaffen zu begegnen, schlugen sie vor, der
sowjetischen Pührung zu erklären: "Genug ist genug." Wir
sollten den Sowjets sagen, daß wir mehr als genug Atomwaffen
besäßen, um jeden sowjetischen Angriff abzuschrecken oder zu
beantworten. Wenn die Sowjets ihre Rubel zur Jagd nach der
Schimäre der Überlegenheit ausgeben wollten, so solle man sie
doch lassen, sagte diese Gruppe. Wir sollten weder davon beeindruckt sein, noch darauf antworten. Dies war jedoch die
Art von Philosophie und Fortschritt, die der Wähler 1980, genau wie wir, so klar ablehnte.
Unsere Ablehnung bestand weder aus Selbstüberschätzung,
noch aus einer Entschlossenheit, mehr oder größere Raketen als
Moskau zu besitzen. Im Gegenteil. Die Reagan-Administration
machte sich zuerst Sorgen über die Gefahr, die von der potentiellen Vorstellung der Sowjets ausging, daß für sie mit ihren
militärischen Kräften ein ausnutzbarer Vorteil in greifbare
Nähe gerückt sei. Was wäre, wenn unsere Anstrengungen, sie zu
"erziehen", keinen Erfolg haben würden? Was, wenn, aus ihrer
Sicht, ihr Vorsprung bei den strategischen Nuklearkräften ihnen ein zusätzliches politisches Druckmittel geben würde? Ihre Kräfte, ihre Stoßkraft und ihre Wahrnehmung unserer Inaktivität hätten sie zu einer katastrophalen Fehlkalkulation
verleiten können. Es wäre nicht das erste Mal, daß ein Land
die Entschlossenheit einer Demokratie unterschätzt oder unseren Wunsch nach Frieden mit purer Passivität verwechselt hätte.
Um diesem
- 3 -

�Um diesem Risiko gerecht zu werden, unternahm die ReaganAdministration sogleich Schritte, um diesen Trend umzukehren
und ihre Vorstellungen zu verändern. Wir hatten dabei nur ein
Ziel: Nicht die Sicherung von militärischer Überlegenheit,
sondern die schnellstmögliche Wiederherstellung von Bedingungen, bei deren Existenz die sowjetischen Führer keine Illusionen über die Benutzung ihrer Streitkräfte zur Erringung von
bedeutsamen militärischen oder politischen Vorteilen uns gegenüber hegen könnten.
Der Wiede raufb au d es s trat egis chen Atom waf fenpot enti als
der Vere inigt en St aate n ha t zw ei g roße n Zie len g edie nt: Nicht
nur hat er de n Sow Jets all e IIlusi onen auf Vorte ile verw ehrt,
er h at a ußerd em ei ne n otwe ndig e Vo rbed ingun g für Her rn
Gorb atsc hows Berei tsch aft zu G espr äche n übe r wesentl iche Reduzier unge n geschaff en. War um? Die Ant wort kann man in e inem
Wort zus ammen fasse n: Anre ize. Zu samm en mi t unserer Str ategisc hen Verte idigu ngsi niti ativ e ha t di e Mod ernis ieru ng d es Offens ivwa f fenpotent ials der Ver eini gten Staa ten e chte Anr eize
für die Sowje tunio n ge scha ffen , Rüstun gsver minde rung sabk ommen
in B etra cht z u zie hen und die Glei chhe it be i der Anz ahl von
Star tvor rieht ungen und Gef echt sköp fen prinz ipiel 1 zu akz eptieren. Di es wa r wed er d as R esul tat von gutem Will en, noch von
der Hoff nung auf S tabi litä t. Viel mehr könn ten d ie S owje ts dazu b erei t sei n, Ve rrin geru ngen bei ihr en ei genen str ateg ischen
Stre itkr äf ten als Prei s fü r die Be gren zung und R eduz ieru ng der
amer ikan ische n str ateg isch en W äffe n zu betr achte n. Ande rs wären sie besti mmt n icht daz u be reit , solche Reduz ieru ngen auch
nur in B etrac ht zu zie hen. Mo skau s Bereits chaft , ein Ab kommen
zu a kzep tiere n, wi rd p rimä r von de ssen Eins chätz ung der möglieh en S chrit te de r Ve rein igte n St aate n bei Abwe senh eit eines
Abko mmen s bestimmt wer den.
Deshalb bildet unser strategisches Modernisierungsprogramm
eine notwendige Bedingung für jedes wirksame Rüstungsverminderungsabkommen. Nur wenn wir unser Verteidigungsprogramm
fortführen, können wir die Anreize aufrechterhalten, die für
die Erreichung der sowjetischen Zustimmung und Einwilligung
nötig sind.
All dies sollte offensichtlich sein. Daß es das nicht
ist, zeigt, daß es in den Vereinigten Staaten einige grundsätzliche Verwirrung über die Art und Weise sowjetischer Verhandlungsführung gibt. Oft hören wir das Argument, daß wir
mit den Sowjets den Wunsch nach Vermeidung eines Atomkrieges
teilen und daß dies schon eine ausreichende Basis für die
Schaffung eines Rüstungskontrollabkommens darstelle.
Zweifellos wünscht der Kreml keinen Krieg, aber ebensowe-

�pluralistischen Welt zu leben. Moskau möchte die Früchte des
Krieges ohne Krieg ernten, wenn möglich. Die Sowjets erzählen
uns dies jeden Tag: Der Kapitalismus muß und wird zusammenbrechen. So bedauerlich dies ist, und so anstrengend dies in
unseren demokratischen Verfahren sein mag: Erfolg bei der Rüstungsverminderung stellt sich nur ein, wenn wir Moskau davon
überzeugen können, daß es im Unrecht ist. Wir sind bereit und
fähig, den Preis dafür zu bezahlen, um von einer Position der
Stärke zu verhandeln, und die Sowjets müssen dies wissen.
Als Verteidigungsminister habe ich unsere Modernisierungsanstrengungen mit dem Ziel geleitet, Anreize für die soowjetische Verhandlungsführung zu schaffen. Und ich hoffe leidenschaftlich, daß die durch das Verteidigungsprogramm des Präsidenten geschaffenen Anreize dazu führen werden, daß die Sowjetunion zum ersten Mal echten Reduzierungsabkommen zustimmt,
die Präsident Reagans Kriterien erfüllen.
Diese Kriterien sind folgende:
- kein Vertrag, durch den weitere Vermehrungen an Waffen legitimiert werden, sondern ein Abkommen zur wesentlichen
Verringerung der Anzahl offensiver Systeme;
- kein Vertrag, der Ungleichgewichte festschreibt, sondern
ein Abkommen, durch das Parität auf weit niedriger Ebene,
als die von beiden Seiten zur Zeit gehaltenen, erbringt;
- kein Vertrag, den die Sowjets ungestraft umgehen oder verletzen können, sondern ein verifizierbares Abkommen;
- kein Vertrag, der einen Rahmen bildet, innerhalb dessen
die Sowjets destabilisierende Vorteile erreichen können,
sondern ein Abkommen, daß zur einer breitangelegten Politik der Stärkung von Frieden und Stabilität beiträgt;
- und kein Vertrag, der defensive Forschung begrenzt.
Niemand kann bis jetzt sagen, ob Generalsekretär
Gorbatschow schließlich einem Abkommen zustimmen wird, das die
globale Sicherheit verstärkt und gleichgewichtige Reduzierungen verlangt.
Aber es ist sicher, daß nichts diese Suche so effektiv motivieren kann wie amerikanische militärische Stärke. Frieden
durch Stärke ist kein Motto: Es ist eine Tatsache des Lebens.
Es gibt keinen anderen sicheren, dauerhaften Frieden.
Sicherlich besteht unsere Friedensliebe aus mehr als diesen Anstrengungen zur Reduzierung atomarer Waffen.
Wir bilden

�Wir bilden heute das einzige Land, das in der Lage ist,
dem Ansturm einer Schar antidemokratischer Kräfte in der Welt
zu widerstehen. Konsequenterweise haben wir deshalb weltweite
Verpflichtungen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten einschließen.
Diese Verpflichtungen sind Versprechen an Menschen: Menschen, die uns vertrauen, die sich auf unseren Schutz verlassen, Menschen und Regierungen deren Sturz durch eine sowjetische Aggression es uns unendlich viel schwerer machen könnte,
vielleicht sogar unmöglich, unsere Freiheiten zu behalten.
Und u nsere Ver pflieh tunge n si nd e ine Warnung für eine andere Grup pe, u nd z war fü r diejeni gen, die aufgru nd un serer
Macht ihr e Agg ress ion zu rückh alte n. Es s ind die se Ve rpflichtungen un d die se L eute, die v on d rast isch en Eins chnit ten in
unserem V ertei digu ngspot entia 1 betrof fen sind, In de r Hitze
der Debat te um Bud get un d str ateg ie d ürfe n wir n ie ve rgessen,
daß wir V erpf 1icht ungen gegen über Leu ten rund um den Erdball
haben; di e Ver pfli chtung en sc hütz en u ns v iel wir kungs voller
als die d rasti sehe n Erhö hunge n in uns erem Vertei digun gshaushalt, die ohne sol che Fr eunde und Ver bünd eten er forde rlich
würden, Es is t ni cht Se lbstl osig keit all ein, we shalb wir u nsere Stre itkrä fte in so viele n La nder n st ationie rt ha ben.
Wir sollten deshalb immer daran denken, welche politische
Botschaft wir durch unberechenbare Verteidigungshaushalte unseren Gegnern, unseren Freunden und all jenen schicken, die
nach einem Klima streben, in dem Frieden und Freiheit florieren, so daß Wirtschaftswachstum, Entwicklung und Glück für
Millionen erreichbar werden.
Unsere NATO-Verbündeten in Europa haben hart und mit unserer ständigen Ermutigung, um nicht zu sagen, mit unserem Anstacheln für die drei Prozent realen Zuwachses in den Militärausgaben gearbeitet, über deren Notwendigkeit für die zukünftige Sicherheit wir übereingekommen waren. Es ist ihnen auch
zu einem bedeutenden Ausmaß gelungen - wir haben jedoch noch
viele, die für einen gleichzeitigen Einschnitt in unserem Verteidigungshaushalt stimmen und sich beklagen, daß es keine
"Lastenteilung" seitens der Europäer, Japaner oder Koreaner
gebe.
Fast jeden Tag bestätigt sich die Solidarität unserer
westlichen Verbündeten durch ihre eigene Verpflichtung gegenüber der westlichen Verteidigung - von der Beteiligung bei der
Modernisierung von nuklearen Mittelstreckenwaffen bis zur
jüngsten Unterstützung der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Ich denke,
- 6 -

�Ich denke, daß niemand wahrhaftig daran glaubt, daß wir
unsere Verpflichtung gegenüber der NATO fallenlassen oder radikal beschränken sollten. Aber wenn die Haushaltsausgaben in
dem Maße gekürzt werden, wie es einige im Kongreß jetzt fordern, werden die Verpflichtungen all unseren Freunden gegenüber unvermeidlich darunter leiden.
In Asien, der Heimat einiger der jüngsten und erfolgreichsten Demokratien - ein Erfolg, der manchmal einige unserer heimischen Industriezweige beunruhigt - sind wir genauso
wie in Europa verpflichtet, Frieden und Freiheit zu erhalten.
Allerdings beruhen diese Pflichten auf Gegenseitigkeit, da die
Stärke der NATO eng mit der Zukunft Asiens verknüpft ist, so
wie die Stärke von sowohl Europa als auch Asien eng mit unserer Fähigkeit verbunden ist, bei uns Frieden und Freiheit aufrechtzuerhalten. Wenn entweder Asien oder Europa politisch
neutralisiert wären und somit den Sowjets freigesetzt würden,
all ihre Bemühungen in eine Richtung zu konzentrieren, könnte
einer der beiden Kontinente einem solchen Druck standhalten?
Ohne Frage haben unsere militärische Macht und ihre beruhigende Präsenz bei der Geschichte des wirtschaftlichen Erfolges Asiens eine große Rolle gespielt. Wo der Frieden gesichert ist und Wahlfreiheit herrscht, wächst die Wirtschaft und
die Gerechtigkeit und die Menschen gedeihen.
Zum Bei spie 1 sind d ie Phil lppi nen - ei n gu ter Fr eund und
Verbünd eter - in ei nem besorgn iser rege nden Zus tand. Da die
Präside ntsc haft swah 1 herannaht , dränge n wi r al Ie pol itis chen
Akteure , ihren Wort en d er Demo krat ie e bens olch e Täte n fo Igen
zu lass en. Die Ver eini gten St aate n fr euen sie h auf die Zusammenarbe it m it jedem , der eine frei e un d fa ire Wahl g ewin nt und
die Bes orgn is a H e r dem okratis chen Fil ipin os ü ber di e wa chsende Bedr ohun g du rch die Neue Vo lksa rmee tei lt - eine Trup pe
brutale r, t otal itär er A ufständ isch er. Mit uns erer B esor gnis
ist jed och ein groß zügi ges Maß an Stol z und Ve rtraue n ve rbunden - S tolz auf die Ber uhigung , die im Lan d vo n unse rer militärisch en P rase nz a usge ht; Ver trau en, daß unse re Bern ühun gen
anerkan nt u nd u nser e We rte get eilt wer den.
Fast überall dort, wo amerikanische Interessen zu finden
sind, gibt es Menschen, die von Frieden und Stabilität abhängen, die das eigentliche Produkt amerikanischer Militärmacht
sind.
Obwohl wir verstehen, daß diese Welt eine Stätte der Vielfalt ist, kennen wir sie auch als eine der Gewalt. Angesichts
der vielen Gefahren und Bedrohungen des Weltfriedens, die von
einigen kriegerischen Nationen ausgehen, können wir uns nicht
einfach von unserer Pflicht als energischen Verfechtern der
Menschenrechte und Gerechtigkeit zurückziehen.
Das Problem

�Das Problem ist, daß, wenn uns nicht ausreichende Mittel
zur Ausführung unserer Verantwortung und Erfüllung unserer
Verpflichtungen gewährt werden, den trügerischsten Kräften der
Welt Tür und Tor geöffnet wird. Es gibt aber immer noch jene,
die argumentieren, daß wir den Verteidigungshaushalt kürzen
können, ohne negative Auswirkungen zu spüren zu bekommen. Daß
dies keinen Verlust unseres Einflusses und kein zusätzliches
Konfliktrisiko mit sich bringt.
Ungl ückl iche rwei se erke nnen die se L eute nicht das komp lizier te V erhä ltni s zw ischen poli tisc her und n ilitä risc her
Mach t. Wenn Ver bünd ete und Geg ner unse ren V ertei digu ngsha ushalt und des sen Verw endung betr acht en, sind sie n icht in e rster Lin ie m it d em " Erbsenz ähle n" u nser er Sy steme bes chäft igt,
obwo hl d eren Zah 1 zweifello s für sie wi chtig ist. Wa s sie am
meis ten besc häft igt oder si e ermuti gt, ist d ie Te nden z unserer
Ausg aben - ob wi r un s gleichmäß igen Seh ritte s fortbew egen, um
die inte rnat iona le S icherhe it z u er halt en un d zu erwe itern
oder ob wir unsc hlüs sig in eine m Kr eis von A usgab en u nd Kü rzung en p ende In, unte r offen sich tlic her Mißac htung uns erer eigene n Si eher heit und der un sere r Ve rbün deten , nieht z u red en
von der Tats ache , daß wir a lies , was wi r bra uchen , teurer als
nöti g ma chen wür den. Aber wede r wir noch un sere Verb ündet en
hege n ir gend welc he Z weifel über die Ten denz der s owje tisch en
Ausg aben . Ihre fort schreit ende , rücksi chtsl ose A ufrü stung demons trie rt i hre unbe irrbare Abs icht , die mil itäri sehe Vorh errscha ft z u er lang en u n d diese zum Zw ecke poli tisch er, wirtscha ftli eher und and erer Ge winn e au szub euten
Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß unsere militärischen Ausgaben über längere Zeit hinweg unberechenbar und
widersprüchlich waren, was von seiten der Verbündeten zur
Nachfrage nach unseren Absichten geführt hat und auch zur Verwirrung unserer eigenen Bürger über unsere letztlichen Absichten beitrug. Und, was vielleicht noch wichtiger ist, es hat
unseren Gegnern Möglichkeiten eingeräumt.
Ein Beispiel sollte bei der Klärung dieses Punktes helfen.
Von 1950 bis 1970 haben die Vereinigten Staaten jedes Jahr ungefähr 50 Prozent mehr in die Streitkräfte investiert als die
Sowjets. 1970 kehrte sich dieser Trend um, und im Verlauf der
70er Jahre überholte der Kreml unsere Ausgaben um 50 Prozent.
Obwohl es einige Hochs und Tiefs bei den sowjetischen Ausgaben
gab, sind sie doch im großen und ganzen stetig und beeindruckend angewachsen.
Sicher investierten wir noch in den frühen sechziger Jahre
ungefähr einen Dollar und vierzig Cents für jeden Dollar-Gegenwert sowjetischer Investitionen. Präsident Kennedy bestimmte, daß dies unzureichend sei und baute unsere Führung
- 8 -

�unsere Füh rung weit er au s. 1981 ha tten sich die Ding e bereits
geände rt u nd wi r ga ben n ur n och fün funds echz ig Ce nts für jeden
Sowjet isch en Do llar aus.
Un ser Hau shalt svor läge für 1986 würde die se L ücke bis auf n eunz ig Cent s für jed en in vest ierten
Sowjet isch en Do llar schl ieGe n. Die vom Kong reß g efor derten
Kürzun gen trübe n ab er un sere Aussic hten auf Besei tigu ng dieses
Unglei chge wicht s. Präsi dent Reagan ist stan dhaft in seiner
Entsch loss enhei t, d as Ha usha ltsdefi zit u nter Kont roll e zu
bringe n, o hne u nser e Ans tren gungen zu ge fähr den, wied er eine
De r Kon greß sehe int jedoch
ausrei chen de St ärke auf z ubau en.
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Schlußfolgerung
Kein e magi sehe For mel, die unse re we ltwei ten Verp flichtungen und die Gr ünde daf Ur ig nori ert, kann die Kris e de s Defizits lös en und gle ichz e i t i g uns eren zukü n f t i gen F ried en sieher n ; k ein Du rchb ruch in d er T echn ologi e w i r d un sere starke
Mili tärm acht ü berf lüss ig od er p reis günst ig m a chen ; ke ine Verhand lung wird den Char akter des phi losop h i s c h en u nd p olitisehe n Ka mpfes zwis chen Demo krat ie u nd To t a l i t aris mus ändern.
Wir soll ten un s vielme hr au f di ejen igen Dinge kon zent rieren,
die wir zur Ve rbes seru ng de r Ab sehr eckun g, un d Au swei tung der
Gren zen der Fr eihe it t un kö nnen und so d en Fr iede n si ehern,
trot z der unve rein bare n Unt ersc hied e zwi sehen Kornmuni smus und
Frei heit
Die Bemühungen um den Haushalt stellen ein ernsthaftes
Problem dar, weil dieser Haushalt der Welt gegenüber Bände
darüber spricht, was wir für Menschen sind, welche Art von Nation wir sein werden, wie stark wir als Beschützer der Freiheit dastehen und ob wir in der Lage sein werden, erfolgreich
mit der Sowjetunion zu verhandeln.
Wir wären weder die ersten noch die einzigen, die an der
zurückgehenden Stärke und dem zurückgehenden Einfluß Amerikas
leiden - es wären die Millionen Menschen, die auf uns als ihre
letzte Hoffnung in der Menschheit schauen. Am Ende liegt unsere Verantwortung im eigenen Interesse, aber es ist letzten
Endes viel mehr als das: Für die mit uns befreundeten Demokratien und all jene, die danach streben, so frei zu sein wie
wir.

* * * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
V,DN

4

Hintergrundmaterial

15. Januar 1986

GADHAFI UNTERSTUTZT RADIKALE REGIME UND HILFT TERRORISTEN
- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über
Libyen unter Gadhafi -

WASHINGTON - (AD) - Nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums hat der libysche Führer Muammar Gadhafi "den Terrorismus als eines der wichtigsten Instrumente seiner Außenpolitik benutzt und unterstützt radikale Gruppen, die sich terroristischer Taktiken bedienen".
In einer am 8. Januar 1986 veröffentlichten Studie mit dem
Titel "Libyen unter Gadhafi: Ein Muster der Aggression" kommt
das Ministerium zu dem Schluß, daß Gadhafis Vision seiner
selbst als Führer der Dritten Welt ihm "gleichzeitig ein Motiv
und eine logische Grundlage liefert, um radikalen Regimen militärische und wirtschaftliche Hilfe zu gewähren und um gemäßigte Regierungen durch die Unterstützung oder Bildung von
subversiven Gruppen und durch Hilfe für Terroristen zu untergraben".
Die Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums hat
folgenden Wortlaut:
LIBYEN UNTER

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�LIBYEN UNTER GADHAFI:

EIN MUSTER DER AGGRESSION

Der Charakter der libyschen Politik
Muammar Gadhafi kam 1969 durch einen Militä rputsch an die Macht. Seit dem hat er mit gewaltsamen Maßnahme n versucht, die
libysche Ges ellschaft nach seinen revolutionäre n Vorstellungen
Jedoch erstreckt sich Gadhafis E hrgeiz nicht
zu verändern
nur auf Liby en. Er sieht sich gerne als Führer und Instrument
von historis chen Kräften durch die die Politik der Dritten
Welt nach se inem Geschmack neu geordnet werde, Seine Vision
liefert glei chzeitig ein Motiv und eine logisch e Grundlage für
die Gewährun g von militärischer und wirtschaftl icher UnterStützung für radikale Regime und für die Zerset zung von gemäßigten Regim en durch Unterstützung oder Bildung von subversiven Gruppen und durch Hilfe für Terroristen. G adhafis aggressive Politik hat sich in wachsendem Maße auf di e Aushöhlung
von amerikan ischen und allgemeinen westlichen I nteressen in
der Dritten Welt konzentriert, da er diese als das Haupthindernis für s eine radikalen und expansionistisch en Ziele ansieht. Gadh afis Engagement von politischen, ök onomischen und
militärische n Ressourcen zur Unterstützung anti -westlicher
Handlungen i n der ganzen Welt wird vielleicht n ur noch von der
Sowjetunion, deren osteuropäischen Verbündeten und möglicherweise von No rdkorea oder Kuba übertroffen. Sei ne besondere
Feindschaft gilt Israel und den Vereinigten Sta aten. Seine
Taktik beinh altet eine Mischung von Drohungen u nd materieller
Unterstützun g für den Terrorismus, Angeboten zu r Zusammenarbeit, wirtsc haftlichen Anreizen und Einschüchte rung sowie offene militär ische Aggression.
Die libysche Beteiligung am Terrorismus
Gadhafi hat den Terrorismus als eines der wichtigsten Instrumente seiner Außenpolitik benutzt, und er unterstützt radikale Gruppen, die sich terroristischer Taktiken bedienen.
Tripolis betreibt zahlreiche Ausbildungslager für Gruppen ausländischer Dissidenten, in denen der Gebrauch von Bomben,
Flugzeugentführungen, die Ermordung von Gegnern sowie verschiedene Techniken für Kommandounternehmen und den Guerillakampf gelehrt werden. Außerdem mißbraucht Libyen diplomatische Privilegien zur Lagerung von Waffen und Explosivstoffen
in seinen diplomatischen Einrichtungen, wie bei der Schießerei
vor seiner Londoner Botschaft im April 198A deutlich wurde.
Die Hauptziele libyscher terroristischer Aktivitäten waren
im Exil lebende libysche Dissidenten und führende Vertreter
gemäßigter arabischer und afrikanischer Regierungen. In fast
- 2 -

�In fast allen Fällen benutzten die Mörder Handwaffen zur Tötung ihrer Opfer, die in vielen Fällen von libyschen diplomatischen Einrichtungen in den betreffenden Ländern zur Verfügung
gestellt worden waren. Im allgemeinen benutzt Gadhafi Libyer,
um solche Operationen auszuführen; für andere Arten von Angriffen verwendet er gerne Stellvertreter oder Söldner.
1980 begann die libysche Regierung mit ihren koordinierten
Anstrengungen zur Ermordung von Gadhafi-Gegnern im Exil.
1981, am Ende der ersten Phase, waren 11 im Ausland lebende
libysche Dissidenten ermordet worden. 1985 unterstützte Libyen fünf Anschläge auf libysche Dissidenten im Exil. Die Zielpersonen dieser Anschläge lebten in Griechenland, der Bundesrepublik Deutschland, Zypern, Italien und "Österreich.
Mindestens zweimal versuchte Gadhafi libysche Oppositionelle in Ägypten zu ermorden, wobei seine Häscher jedoch jedesmal von den ägyptischen Sicherheitsbehörden abgefangen wurden. Beim jüngsten Versuch wurde letzten November eine Gruppe
von vier Libyern während eines versuchten Anschlages auf ein
Treffen von im Exil lebenden Libyern in der Nähe von Kairo
festgenommen.
Libyen hat auch Anschläge gegen Dissidenten in den Vereinigten Staaten geplant. Ein in Colorado lebender Exil-Libyer
wurde 1981 von einem von Libyen gedungenen Attentäter angeschossen und verwundet. Im Mai 1984 nahm das FBI zwei Libyer
in der Nähe von Philadelphia fest wegen des Versuchs, Handwaffen mit Schalldämpfer zu kaufen - die übliche Waffe für libysche Mordanschläge. Ein Jahr später, im Mai 1985, wurde ein
libyscher Diplomat bei den Vereinten Nationen zur Persona non
grata erklärt, und es wurde ein Ring von nichtoffiziellen Libyern im Zusammenhang mit einem Plan zur Ermordung libyscher
Dissidenten in vier Staaten gesprengt.
Eine weitere Zielscheibe Gadhafis bilden gemäßigte arabische Regierungen wegen ihrer Weigerung, den militärischen
Kampf gegen Israel weiterzuführen und wegen ihrer Verbindungen
zum Westen. Es gibt Beweise für von Libyen unterstützte Pläne
zur Ermordung von führenden arabischen Politikern, wie Präsident Mubarak von Ägypten und den früheren Präsidenten des Sudan, Numeiri. Zum Beispiel gaben die letzten November wegen
des versuchten Anschlages auf das Treffen libyscher Dissidenten bei Kairo Verhafteten an, daß auch Präsident Mubarak auf
Gadhafis Liste von Zielpersonen steht. König Hussein von Jordanien und Saddam Hussein im Irak stehen mit ziemlicher Sicherheit auf dieser Liste, da sie ihre Beziehungen zu Kairo
bzw. Washington wiederhergestellt haben.
Gadhafi war außerdem an Verschwörungen zur Ermordung anderer gemäßigter Staatschefs beteiligt. Im September 1984 ent- 3 -

�1984 enthüllte die Regierung des Tschad einen von Libyen unterstützten Plan, welcher die Detonation einer in einer Aktentasche versteckten Bombe während einer Kabinettssitzung unter
dem Vorsitz von Präsident Habre vorsah. In der jüngsten Vergangenheit vereitelten zairische Beamte eine von Libyen geförderte Verschwörung gegen Präsident Mobutu im September 1985.
Libysche Verbindungen zu radikalen Kräften im Mittleren Osten
Die schon länger existierende libysche Unterstützung für
radikale palästinensische Gruppen wächst weiter an. Gadhafi
hat diesen Gruppen einen sicheren Zufluchtsort, Geld und Waffen zur Verfügung gestellt - einschließlich der Volksfront für
die Befreiung Palästinas - Generalkommando, den Fatah-Dissidenten und der berüchtigten Abu-Nidal-Gruppe. Die Ausbildung
von Palästinensern und anderen Radikalen findet häufig an mehreren Orten Libyens statt. Diese gegen Arafat eingestellten
Palästinenser sind tief in terroristische Handlungen verstrickt und konzentrieren ihre terroristische Aktivität auf
Israel und die besetzten Gebiete. In der jüngeren Vergangenheit hat Libyen jedoch seine Unterstützung um logistische Hilfe für terroristische Operationen erweitert. Libyen hat z. B.
die Pässe für die Mitglieder der Abu-Nidal-Gruppe zur Verfügung gestellt, die in Wien den El AI-Schalter angegriffen haben. Die Abu-Nidal-Gruppe erscheint Gadhafi besonders attraktiv wegen ihres Registers von erfolgreichen terroristischen
Operationen. Abu Nidals Auswahl von gemäßigten Palästinensern
und gemäßigten arabischen Politikern als Zielpersonen stimmt
mit Libyens Antipathie gegenüber den Teilnehmern am Friedensprozeß überein. Nach libyschen Presseberichten haben sich Abu
Nidal und Gadhafi 1985 mindestens zweimal getroffen. Außerdem
gab Abu Nidal letztes Jahr einer deutschen Publikation ein Interview in Tripolis und traf sich mit Gadhafis 'Haupthandlanger
Abd-el Salam Jallud. Zusätzlich hat Libyen der Organisation
von Abu Nidal Zuflucht, Ausbildungshilfe und finanzielle Unterstützung gewährt. Nach verläßlichen Presseberichten und
anderen Quellen hat die Gruppe ihr Hauptquartier nach Libyen
verlegt. Es gibt Beweise, die auf Libyens Verwicklung in die
blutige Entführung des Egypt Air Fluges 648 hindeuten.
Libyen versucht seine Verbindungen zu anderen regionalen
Terrorgruppen zu verbessern. Gadhafi wünscht außerdem engere
Verbindungen zu den terroristischen Machenschaften Teherans.
Im vorigen Sommer verkündete er eine "strategische Allianz"
mit dem Iran, von der er sich ein Fundament für gemeinsam geplante terroristische Anschläge gegen verschiedene regionale
Gegner erhofft. Zusätzlich unterstützt er ägyptische und tunesische Dissidenten.
Libyen hat
- 4 -

�Libyen hat außerdem dem berüchtigten, international tätigen, Terroristen Carlos Zuflucht gewährt, der ein Netz von gedungenen Terroristen anführte. Seine Gruppe zeichnete für
zahllose bösartige Anschläge verantwortlich, darunter die Geiselnahme der OPEC-Ölminister in Wien 1975.
Libyscher Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten
Während der letzten 18 Monate hat Gadhafi mehrmals öffentlich auf die sich ausbreitende terroristische Kampagne gegen
amerikanische Ziele hingewiesen. In einer Rede vom Juni 1984
erklärte er zum Beispiel seinen libyschen Zuhörern, daß "wir
fähig sind, den Terrorismus in das Herz Amerikas zu exportieren". Während einer Rede aus Anlaß des 16. Jahrestages seiner
Machtergreifung letzten September bemerkte Gadhafi, daß "wir
das Recht haben, Amerika zu bekämpfen, und wir haben das
Recht, den Terrorismus dahin zu exportieren..." Auf einer am
2. Januar abgehaltenen Pressekonferenz drohte er kürzlich "die
Bürger der Vereinigten Staaten in ihrem Land und in ihren
Straßen zu verfolgen", falls die Vereinigten Staaten Schritte
unternähmen, um auf Libyens angebliche Verwicklung in die terroristischen Anschläge von Rom und Wien zu reagieren.
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere von Libyen unterstützte Angriffe auf amerikanische Interessen zugetragen.
Diese Ereignisse beinhalten die Verwüstung der amerikanischen
Botschaft in Tripolis 1979, sowie die Entdeckung eines libyschen Planes zur Sprengung des amerikanischen Clubs in Khartum
mittels in Lautsprechern versteckten Bomben durch die sudanesischen Behörden. Amerikaner haben außerdem auf Gadhafis
Liste von Zielpersonen gestanden, wie durch den Plan zur Ermordung unseres Botschafters in Kairo 1977 gezeigt wurde.
Radikalismus in der arabischen Welt
Gadhafis ganzer Ehrgeiz gilt der Beherrschung und Einigung
der arabischen Welt. Er vergleicht sich oft mit Garibaldi
oder Bismarck, und er hat seine Benutzung von Gewalt und Terrorismus gegen gemäßigte arabische Regime als Notwendigkeit
zur Erreichung der arabischen Einheit gerechtfertigt.
Wegen seines Friedensvertrages mit Israel bildet Ägypten
ein besonderes Ziel. Seit den siebziger Jahren sind libysche
Agenten in Ägypten aktiv, und Gadhafi hat verschiedenen Gegnern der ägyptischen Regierung seine Unterstützung angeboten.
Unmittelbar nach der Ermordung von Präsident Sadat rief
Gadhafi im Oktober 1981 die Ägypter dazu auf, ihre Regierung
zu stürzen; innerhalb einer Woche explodierten zwei Bomben im
internationalen Flughafen von Kairo, die in Gepäckstücken aus
Tripolis versteckt waren.
In jüngerer
- 5 -

�In jüngerer Zeit hat Gadhafi versucht, die Regierung von
Präsident Mubarak in Verlegenheit zu bringen und die ägyptische Wirtschaft auszuhöhlen. Ein libysches Schiff unter dem
Kommando eines höheren libyschen Marinekommandeurs legte Minen
im Roten Meer und im Golf von Suez, durch die im Juli und August 1984 insgesamt 18 Handelsschiffe beschädigt wurden. Im
Mai 1985 vereitelten die Ägypter eine Verschwörung radikaler,
von Libyen unterstützter Palästinenser, die die amerikanische
Botschaft in Kairo mit einer Lastwagenbombe zerstören wollten. Als Teil eines Versuchs, die angespannte Wirtschaftslage
in Ägypten unter Druck zu setzen, wies Gadhafi im vergangenen
Sommer mehr als 10 000 ägyptische Arbeiter aus Libyen aus nachdem er ihre Ersparnisse und den überwiegenden Teil ihres
Eigentums beschlagnahmt hatte. Außerdem nahm Kairo 1985 mehrere Gruppen durch Libyen unterstützter ägyptischer Dissidenten fest, die angaben, daß ihre Pläne in der Destabilisierung
der Regierung Mubarak durch Sabotage und im Schüren von Unruhen in der Bevölkerung bestanden hätten.
Auch der Sudan ist ein vorrangiges Ziel. Seit langen hat
Gadhafi sudanesischen Dissidenten Ausbildung und Unterstützung
gewährt sowie Sabotageakte gegen die Regierung des früheren
Präsidenten Numeiri gefördert. Er war die Hauptquelle der
Waffen und des Geldes an südsudanesische Rebellen, die vor
zwei Jahren einen Guerilla-Krieg gegen die Zentralregierung
begannen. Im Februar 1983 verhinderten die Sudanesen mit
ägyptischer Hilfe einen von Libyen unterstützten Umsturzversuch, und im März 1984 bombardierte eine libysche T-22 die
Stadt Omdurman im Sudan, um eine Radiostation zu zerstören,
bei der eine Verurteilung der Politik Gadhafis durch libysche
Oppositionelle übertragen worden war.
Seit Numeiris Machtsturz hat Gadhafi die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Sudan ausgenutzt, um mit Hilfe eines
Netzes der Unterwanderung den sudanesischen Bemühungen um eine
parlamentarische Demokratie entgegenzuwirken. Eine Reihe von
bekannten libyschen Terroristen sind vom Libyschen Volksbüro
(Botschaft) oder dem Büro der libyschen Fluglinie in Khartum
beauftragt. Ferner hat Gadhafi den sudanesischen Revolutionskommitees, einer kleinen Gruppe im Sudan, die sich der Errichtung einer Regierungsform nach libyschem Modell verschrieben
hat, Waffen, Geld, Ausbildung und wahrscheinlich Beratung zur
Verfügung gestellt. Im Mai kam ein ganzes Flugzeug von mit
Sturmgewehren bewaffneten Dissidenten in Karthum an.
Gadhafi arbeitet auch daran, seinen Einfluß im MaghrebRaum auszuweiten. Er weigert sich, mit Algerien zu verhandeln, um den genauen Verlauf der libysch-algerischen Grenze zu
bestimmen. Unter Umständen verärgert über den gemäßigten Präsidenten Benjedid, stellt Gadhafi den algerischen Dissidenten,
wie z.B. Ahmed Ben Bella, Geld zur Verfügung.
In Tunesien
- 6 -

�In Tunesien versucht Gadhafi seit langem, die prowestliche
Regierung Habib Bourguibas zu stürzen. 1980 griffen von Libyen unterstützte Guerrillas die südtunesische Bergbaustadt
Gafsa an. Als Frankreich Tunesien seine Unterstützung anbot,
zündete ein libyscher Mob die französische und die tunesische
Botschaft an, während Sicherheitskräfte untätig zusahen. Nach
Hungeraufständen in Tunesien im Januar 1984 sprengten aus Libyen kommende Saboteure eine Rohrleitung in der Nähe der libysch-tunesischen Grenze.
Bei seinen Bemühungen im vergangenen Jahr, die sozialen
Spannungen zu verstärken, wies Gadhafi über 30 000 tunesische
Arbeiter aus dem Land aus und beschlagnahmte ihr Eigentum.
Als tunesische Zeitungen im September Gadhafi wegen der Ausweisungen angriffen, versuchte ein libyscher Diplomat, Briefbomben an die kritischen Journalisten zu schicken. Einige davon explodierten und verletzten zwei Postarbeiter, was Tunis
veranlasste, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen.
Libyen widersetzt sich standhaft dem Friedensprozess im
Mittleren Osten und Gadhafi tut sein möglichstes, um ihn zu
untergraben. Im Libanon flössen libysche Waffen und Geldmittel an verschiedene, die Regierung Präsident Gemayels bekämpfende Milizen und palästinensische Gruppen. Gadhafi ist besonders darauf bedacht, den Einfluß des PLO-Chefs Jassir
Arafat zu unterminieren, weil er ihn für nur zu bereit hält,
mit Israel eine Übereinkunft auf dem Verhandlungswege in Betracht zu ziehen. Aus diesem Grund gewährt Gadhafi radikalen
palästinensischen Gruppen - den von Abu Nidal geführten Fatah
Revolutionsrat eingeschlossen - Hilfe, die den andauernden
Krieg gegen Israel unterstützen. Seit 1981 hat Gadhafi diesen
Gruppen so gängige Teile wie Uniformen und so mächtige wie
Panzer und Mehrfachraketenwerfer BM-21 geliefert. 1984 nahmen
libysche Truppen an einem von Syrien unterstützten Angriff der
Truppen Arafats in Nordlibanon teil.
Der Persische Golf ist ebenfalls ein Schauplatz libyscher
Einmischung. Gadhafi hat sich mit dem Iran in dessen Krieg
gegen Irak verbündet und Teheran Panzer T-55, Panzerund Flugabwehrgeschütze, Munition und sogar SCUD-Raketen zur Verfügung
gestellt. Darüber hinaus liefert Libyen Waffen und Geld an
kurdische Separatisten im Nordirak und an die, der regierungsfeindlichen "Union irakischer Demokraten". 1984 und 1985 versuchten libysche Agenten, die islamische Pilgerfeier in SaudiArabien zu stören. 1984 wurden Flugzeuge voller libyscher
"Pilger" entdeckt, die Waffen bei sich trugen. Libyen hat der
Nationalen Demokratischen Front Unterstützung gewährt und
pflegt weiterhin gute Beziehungen zu dieser Organisation, die
aus dem marxistischen Südjemen gegen die Regierung Präsident
Salihs in Nordjemen operiert. Obwohl Libyen seine diplomatischen Beziehungen mit Somalia im vergangenen Mai wieder auf- 7 -

�wieder aufgenommen hat, brach Gadhafi seine Beziehungen zu
den, von ihm seit langem unterstützten, somalischen Widerstandsgruppen nicht ab.
Einmischung im Afrika südlich der Sahara
Tripolis betrachtet Schwarzafrika als eine Hauptarena zur
Bildung einer Gruppe radikaler anti-westlicher Staaten, die
Libyens Einfluß in internationalen Foren stärken und Gadhafi
den Status eines Führers der Welt verschaffen. Gadhafis Aggressivität wird noch gestärkt durch die Neigung der internationalen Gemeinschaft, seine oft eklatante Mißachtung der Souveränität kleiner afrikanischer Staaten zu ignorieren.
Der Tschad liefert sicher das ungeheuerlichste Beispiel.
1973 besetzte Gadhafi gewaltsam den nördlichen Teil des
Tschad, der als Aozou-Streifen bekannt ist. In den siebziger
Jahren unterstützte Libyen verschiedene Stammes- und Guerrilla-Gruppen im Tschad bei ihrem Versuch, in N'Djamena ein gefügiges Regime einzusetzen. Da ihm dies auf indirektem Wege
nicht gelungen war, marschierte die libysche Armee 1980 im
Tschad ein und versuchte, eine Union zwischen den beiden Ländern zu erzwingen. Die libysche Besatzungsmacht verließ das
Land im November 1981, kam jedoch 1983 zurück, als der pro-libysche Führer des Tschad, Goukouni Wueddei vom augenblicklichen Präsident Hissen Habre abgelöst wurde. Nur mit Hilfe bewaffneter französischer Truppen wurde die libysche Besetzung
flächenmäßig auf die 40 Prozent im nördlichen Tschad begrenzt.
Die französischen Truppen wurden im Herbst 1984 abgezogen.
Gadhafi mißachtet jedoch sein mit Präsident Mitterand getroffenes Abkommen und hält den nördlichen Tschad weiterhin mit
einer mehrere tausend Mann starken Armee besetzt.
Die von der Dürre heimgesuchten Länder der Sahel-Zone bieten Gadhafi viele Möglichkeiten der Einmischung. Gadhafi
stellt den nomadischen Tuareg-Stämmen auch weiterhin Waffen
und Ausbildung zur Verfügung, um diese in die Lage zu versetzen, die Regierungen von Mali und Niger zu unterwandern.
Gadhafi ist ebenfalls dazu entschlossen, Zaires Präsident
Mobutu zu stürzen. Er wird dazu bewegt von seiner Feindlichkeit gegenüber Kinshasas engen Bindungen zum Westen, der Anerkennung Israels und der Unterstützung von Präsident Habre im
Tschad. Gadhafi ist sich der Rolle Zaires als eines Hauptproduzenten von Kobalt und anderer strategisch verwendbarer Mineralien wohl bewußt. Tripolis stellt verschiedenen GuerrillaGruppen, zu denen auch die Nationale Front zur Befreiung des
Kongo und die Kongelesische Nationale Bewegung gehören, Ausbildung in Sabotage und Handwaffen zur Verfügung. In an Zaire
angrenzenden Ländern sind libysche diplomatische Vertretungen
- 8 -

�diplomatische Vertretungen Zentren der Unterstützung für all
diese Gruppen.
Einmischung in Lateinamerika und der Karibik
Gadhafis Vorsatz, die Interessen der Vereinigten Staaten
zu bekämpfen und seine Philosophie der Revolution zu verbreiten, hat zu einer aggressiveren libyschen Haltung in Lateinamerika geführt. Obwohl viele Regierungen und Gruppierungen
in dieser Region genug von Gadhafi haben, so sind einige doch
bereit, seine finanzielle und militärische Hilfe zu akzeptieren.
Tripolis betrachtet Nicaragua als Stützpunkt in Mittelamerika und versucht daher, die Diktatur der Sandinisten in
Managua zu unterstützen. Zusätzlich zu den mehreren hundert
Millionen Dollar Wirtschaftshilfe besteht Gadhafis Unterstützung der Sandinisten auch aus Flugabwehrgeschützen, SA-7 Boden-Luft-Raketen mit Abschußvorrichtungen und Handwaffen. Es
halten sich wenigstens einige Dutzend Personen libysches Militärpersonal in Nicaragua auf. Libyens Unterstützung hat die
Fähigkeit der Sandinisten erhöht, ihre Nachbarstaaten zu unterminieren. Darüber hinaus hat Libyen Geld und Waffen an die
Aufständischen in Guatemala und El Salvador und auch an die
terroristische Vereinigung M-19 in Kolumbien geliefert. Im
vergangenen Jahr hat Libyen einer stark linksgerichteten Gruppe von Terroristen, denen einen Schlüsselrolle zukommt, Ausbildung, Beratung und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und sie in die Lage versetzt, ihre bewaffneten Aktionen
gegen die chilenische Regierung auszudehnen.
Libysche Agenten waren, besonders seit dem Sommer 1984,
zunehmend auf den Karibischen Inseln aktiv. Der auf den Zusammenbruch der Bishop-Regierung im Jahr 1983 folgende Verlust
des Volksbüros in Grenada zwang Libyen zu dem Versuch, seine
subversiven Zentren in anderen Orten mit diplomatischen Vertretungen in der Region einzurichten. Gadhafi hat dort auch
die Religion als Deckung für geheimdienstliche Tätigkeit benutzt und islamische Konferenzen unterstützt, bei denen die
libyschen Teilnehmer oft Offiziere des Geheimdienstes oder
Funktionäre des Libyschen Revolutionskommitees sind. Linksgerichtete Führer aus der Dominikanischen Republik, Dominica,
Barbados, Antigua, St. Vincent, St. Lucia, den französischen
Departments und anderen Regionen wurden zu "Seminaren" oder
paramilitärischer Ausbildung nach Libyen eingeladen.
Besonders besorgniserregend sind die libyschen Bemühungen,
linksgerichtete Politiker zu ermutigen, eher gewaltsame Aktionen zu unternehmen als mit rechtmäßigen Mitteln die gemäßigten
Regierungen der Region zu ersetzen.
Süd- und Südostasien
- 9 -

�Süd- und Südostasien
Wie überall regeln die libyschen diplomatischen Vertretungen die Infrastruktur der libyschen Subversion, verteilen finanzielle Mittel und arrangieren die Ausbildung linker und anderer Dissidenten.
In Südasien konzentrieren sich die libyschen Bemühungen
auf islamische Staaten. Wenn man seine Abhängigkeit von sowjetischen Waffen bedenkt, ist Gadhafi zweifellos einer der
wenigen moslemischen Führer, die nicht die sowjetische Besetzung Afghanistans kritisieren. Obwohl Libyen Beziehungen zu
Pakistan unterhält, gab es Verbindungen zur terroristischen
Vereinigung "al-Zulfiqar". Darüber hinaus stellt Gadhafi den
Gegnern Präsident Erschads von Bagladesh Ausbildung und Geldmittel zur Verfügung.
In Südostasien konzentriert sich Gadhafi auf moslemische
Minderheiten. Er stellt seit einiger Zeit paramilitärische
Ausbildung für eine kleine Gruppe moslemischer Aufständischer
im Süden Thailands zur Verfügung. Auf den Philippinen unterstützt Libyen weiterhin die moslemischen Moro-Separatisten auf
Mindanao, obwohl ein Abkommen mit Manila von 1976 die Einstellung dieser Hilfe vorsieht. Obwohl Neukaledonien, im Südpazifik unter französischer Herrschaft, keine nennenswerte moslemische Bevölkerung hat, stellt Libyen dennoch der Sozialistischen Nationalen Befreiungsfront Kanak militärische Ausbildung
und Geldmittel zur Verfügung. Die Gruppe ist verantwortlich
für die meisten Gewaltakte zur Erlangung der Unabhägigkeit der
Insel. Es ist bekannt, daß Funktionäre des libyschen Geheimdienstes auf anderen Inseln Ozeaniens aktiv sind.
Die Zersetzung internationaler Normen
Gadhafis Subversionsbemühungen sind nicht auf diejenigen
Länder beschränkt, die das direkte Ziel seiner Ambitionen
sind. Die gesamte internationale Gemeinschaft leidet unter
Gadhafis Mißachtung internationaler Verhaltensmuster und anerkannter Verfahrensweisen. Gadhafi hat diplomatische Privilegien zu terroristischen Zwecken mißbraucht, internationale Abkommen verletzt und ein zunehmendes Maß an terroristischer Gewalt gegen politische Gegner angewandt. Darüber hinaus hilft
Gadhafis Unterstützung des Terrorismus, ungeachtet seines direkten Einsatzes in einer bestimmten terroristischen Aktion,
den Terrorismus als eine annehmbare politische Aktivität zu
rechtfertigen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST

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4

Wissenschaft und Technik

15. Januar 1986

NEUE GENERATION VON WETTERBEOBACHTUNGSSATELLITEN
Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und
die aktuelle Warnung -

- (AD) - Verbesserte Kurzzeit-Vorhersagen und exaktere
Sturmwarnungen für einzelne Gebiete sollen neue Satelliten zur
Wetterbeobachtung ermöglichen, die ab 1989 zur Verfügung stehen. Die amerikanische Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA)
hat inzwischen drei Exemplare des neuen GOES-Satelliten bestellt. GOES bedeutet "Geostationary Operational Environmental Satellites" d.h. Satelliten für Umweltbeobachtung auf stationärer Bahn (in 36 000 km Höhe). Vertragspartner ist die
Ford Aerospace and Communications Corporation), die gemeinsam
mit ITT (International Telephone and Telegraph) die Entwicklungen durchgeführt hat.
Während die gegenwärtigen GOES-Satelliten der NOAA (amerikanische Behörde für Meere und Atmosphäre) die Ermittlung von
Temperaturen, Feuchtigkeitsgrad und Wolkenfeldern über einem
Gebiet zulassen, das bis auf etwa zehn Kilometer eingegrenzt
werden kann, erhöht sich die Positionsgenauigkeit der neuen
Geräte auf zwei Kilometer Durchmesser für Bereiche an der Erd-

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�der Erdoberflache. Dies wird durch eine neuartige Stabilisierung des Satelliten erreicht. Anstelle der bisher üblichen
Drallstabilisierung wird die Stabilisierung über drei Achsen
eingeführt. Die Instrumente werden auf diese Weise ständig
zur Erde orientiert. Daraus ergeben sich genauere Meßprofile
für Temperatur und Feuchtigkeit in verschiedenen atmosphärischen Höhenschichten, was genauere Voraussagen von heftigen
Stürmen oder Springfluten erleichtert.
Im Gegensatz zu den heute gebräuchlichen GOES-Satelliten,
die mit einem Vielzweck-Instrument sowohl zur optischen Beobachtung als auch zur Meßdatenerfassung ausgerüstet sind, wurden bei der neuen Generation Optik und Meßdaten-Sondierung getrennt. Da die Instrumente jedoch, wie Burton Edelson von der
NASA erläuterte, zeitgleich aufnehmen, "bekommen wir die für
lokale Sturmwarnungen so wichtigen Meßdaten, ohne daß, wie
bisher, die Aufnahme von Wolkenfeldern unterbrochen wird.
Dies wiederum ist zur Berechnung von Windgeschwindigkeiten
notwendig".
Die Kamera liefert Aufnahmen von der Erdoberfläche, den
Meeren, der Wolkenbedeckung und der Entwicklung von Sturmfronten im sichtbaren Licht und im infraroten Spektralbereich.
Die Qualität im sichtbaren Licht sei, so Donald Rassier, Präsident von "Ford Aerospace", etwa dem Auflösungsvermögen einer
Kamera vergleichbar, "die die Landung eines Jumbo-Jets in 5000
km Entfernung vom Aufnahmeort beobachtet". Auch die Infrarotoptik sei gegenüber den heute gebräuchlichen Instrumenten erheblich besser, obgleich sie kleiner und billiger als die der
jetzigen Systeme sei. Wie die NOAA in diesem Zusammenhang
mitteilte, ist das Auflösungsvermögen für Infrarotmessungen
zur Wolkenidentifizierung viermal größer als bei den gegenwärtig verwendeten Instrumenten.
Die Sonde mißt atmosphärische Temperaturen, indem sie die
Intensität der von der Luft in verschiedenen Höhen abgegebenen
Infrarotstrahlung erfaßt. Jeder ihrer 19 Kanäle ist auf einen
anderen Bereich von Infrarotstrahlung abgestimmt, der jeweils
dem der Luftschicht entspricht, die bevorzugt diese Strahlung
abgibt. Laut "Ford Aerospace" beobachten und erfassen die
neuen GOES-Satelliten die Wetterentwicklung über den Vereinigten Staaten selbst, dazu über weite Teile des zentralen und
östlichen Pazifik und über dem zentralen und westlichen Teil
des atlantischen Ozeans.
Das amerikanische Wettersatellitenprogramm in seiner heutigen Form sei, wie Edelson erklärte, das Resultat der engen
Partnerschaft von NASA, NOAA (der Behörde, die die amerikanischen Wetterbeobachtungssatelliten betreibt) und der Industrie. Sie begann vor mehr als 35 Jahren. Zusammen mit neuen
Radaranlagen und Computern höchster Leistungsfähigkeit bilde
- 2 -

�Leistungsfähigkeit bilde das neue GOES-Satellitenprogramm das
Grundelement für die Verbesserung des NOAA-Wetterdienstes,
sagte Anthony Calio, Chef der NOAA. Das künftige System trage
dazu bei, öffentliche Sicherheit zu schaffen, Eigentum besser
zu schützen und die wirtschaftliche Entwicklung vernünftig zu
fördern. Zusätzlich zur Wetterbeobachtung erweitern die neuen
Geräte das internationale Such- und Rettungsprogramm SAR für
in Not geratene Flugzeuge und Schiffe, das bisher von den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich und der Sowjetunion
durchgeführt wird. Eine Anzahl anderer Staaten beabsichtigen,
sich ihm anzuschließen.
Bei den neuen Wettersatelliten handelt es sich um die ersten Geräte dieses Typs, die von einem Raumtransporter aus gestartet werden können. Dadurch würden sich, wie Edelson erklärte, die Startkosten erheblich verbilligen. Auch trage die
Modularbauweise dazu bei, den Aufgabenbereich auszuweiten, ohne daß der ursprüngliche Anwendungszweck beeinträchtigt werde.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON«''4

Wissenschaft und Technik

15. Januar 1986

LEBENSWUNDER IM EWIGEN EIS
Primitive Organismen - Modell für gentechnologische
Prozesse -

- (AD) - Bei Untersuchungen an Mikroorganismen, die in
winzigen Salzwasserkanälen im Eis der Meere um die Antarktis
leben, isolierten Wissenschaftler von der Universität Südkalifornien (USC) einen bisher unbekannten Typ eines Enzyms.
Es könnte für die Gentechnik sehr wichtig werden, weil es, wie
die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) mitteilte,
50 Mal wirksamer ist als die für klonierungsund Gensyntheseprozesse im Laboratorium verwendeten Substanzen.
Enzyme sind Eiweißverbindungen in pflanzlichen und tierischen Organismen sowie in Bakterien, die als eine Art Katalysator bestimmte biochemische Reaktionen auslösen oder beschleunigen. Aber sie bleiben gewöhnlich nur in Temperaturbereichen wirksam und stabil, in denen die Lebensprozesse der
betreffenden Organismen normalerweise ablaufen.
Dr. Cornelius W. Sullivan, Direktor der Forschungsabteilung für Meeresbiologie von USC in Los Angeles, befaßte sich
gemeinsam mit Dr. Hiroaki Shizuya und Dr. Hiromi Kobori mit
den Lebensbedingungen und der Bedeutung von Algen und Bakte-

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�und Bakterien, die im Eis der antarktischen Meere leben. Die
Region mit ihren extrem tiefen Temperaturen verlangt ja eine
spezielle Anpassung der biologischen Prozesse und physiologischen Reaktionen bei den Lebewesen, die dort zu Hause sind.
Sowohl im Gebiet des McMurdo-Sunds am Rande des RossmeerSchelfeises als auch des etwa 3000 km davon entfernten Schelfeises des Weddell-Meeres fanden die Forscher diese Kleinlebewesen in sehr dichten Populationen. Sie bilden für Krill und
andere Kleinkrebse eine wichtige Nahrungsquelle. Ungeachtet
der Dauerkälte vermehren sich bestimmte Gruppen der dort aufgefundenen Bakterien erstaunlich schnell, fanden die Forscher..
Das bedeute, so Sullivan, eine bemerkenswert gute Anpassung an
die Umwelt und einen sehr hohen "Nutzeffekt" der Syntheseprozesse für den Aufbau von Makromolekülen wie DNS (Desoxyribonucleinsäure), RNS (Ribonucleinsäure), Proteinen (Eiweißverbindungen) Kohlehydraten und Lipiden (Fettsubstanzen). Bei
DNS und RNS handelt es sich um jene chemischen Materialien, in
dem die genetischen Informationen für den Aufbau lebender Zellen gespeichert sind (DNS) bzw. mit dem die Protein-Produktion
in den Zellen gesteuert wird (RNS).
Sullivan und Mitarbeiter isolierten einen neuen Typ einer
alkalischen Phosphatase (APase) - eines Enzyms, das gewisse
Phosphatgruppen von DNS- und RNS-Molekülen abspaltet. Für
Klonierungs- und Gensyntheseprozesse im Laboratorium ist dieses Abspalten ein ganz wichtiger Schritt, für den gegenwärtig
eine aus dem Bakterium Escherichia coli gewonnene APase benutzt wird. Diese hat jedoch den Nachteil, sehr hitzebeständig zu sein, so daß sie sich durch einfache Wärmebehandlung
nicht inaktivieren läßt. Dafür ist aus dem genannten Grund
ein äußerst umständliches Verfahren erforderlich. Im Gegensatz dazu ist bei der APase aus antarktischen Meeresbakterien
- das Enzym konnten die Wissenschaftler inzwischen rein darstellen - nicht nur die Inaktivierung durch einfaches Erhitzen
sehr rasch zu bewerkstelligen, sondern es ist auch 50 Mal
wirksamer als die APase aus E .coli-Bakterien.
Die Forscher von der Universität Südkalifornien sind der
Ansicht, daß Bakterien aus Regionen der Antarktis überdies eine Quelle zur Identifizierung und Isolierung neuer Typen nützlicher Enzyme darstellen, die bis in den Temperaturbereich um
Null Grad (Celsius) wirksam sein oder die schon bei relativ
niedrigen Temperaturen inaktiviert werden könnten. Auch sei
es denkbar, daß diese Bakterien eine Quelle für die Entwicklung neuer Antibiotika darstellen. Entsprechende Untersuchungen zu diesem Fragenkomplex wurden bisher noch nicht in Angriff genommen.
Es zeigte sich, daß Bakterien aus der Antarktis sehr häufig ein Plasmid enthalten - ein ringförmiges DNS-Moelkül, das
- 2 -

�DNS-Molekül, das zusätzlich zum regulären Chromosomensatz aus
DNS in Bakterienzellen vorkommen kann. Diese Beobachtung lasse, wie Dr. Sullivan meint, darauf schließen, daß Plasmide in
den antarktischen Mikrobenpopulationen, die heute in den marinen Ökosystemen aus grauer Vorzeit leben, dort etwas alltägliches seien. Für Meeresökologen, die die Funktionen und die
Entwicklung von Plasmiden in einer von der menschlichen Zivilisation noch nicht berührten oder gar beeinträchtigten Welt
erforschen wollen, sei diese Tatsache von großer Bedeutung.

* *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Libyen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjets bauen SS-25-Streitmacht aus&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Carnegie-Stiftung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gadhafi unterstützt radikale Regime und hilft Terroristen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über Libyen unter Gadhafi -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Generation von Wetterbeobachtungssatelliten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und die aktuelle Warnung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lebenswunder im ewigen Eis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Primitive Organismen - Modell für gentechnologische Prozesse -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States of America

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53 00

DROGEN

dienet

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15. Januar 1992

Bonn

BUSH: FORTSCHRITTE BEI DER
DROGENBEKÄMPFUNG ZU VERZEICHNEN
Rede des Präsidenten vor dem Rat
gegen Drogenmißbrauch

FORTSCHRITTE IM KAMPF
GEGEN DROGEN ERZIELT
Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991

MARTIN LUTHER KING

DAS MARTIN-LUTHER-KING-ZENTRUM FÜR
GEWALTFREIEN SOZIALEN WANDEL
von Kathryn Johnson

WAHLEN '92

DREI PHASEN DER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Vorwahlen, Konvente und die
Präsidentschaftswahlkampagne

US-AUSSENPOLITIK

ENTSTEHUNG UND GESTALTUNG DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
von Barbara Beroth

WELTWIRTSCHAFT

EINE STRATEGIE FÜR WELTWEITES
WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
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�DROGEN
15. Januar 1992

BUSH; FORTSCHRITTE BEI DER
DROGENBEKÄMPFUNG ZU VERZEICHNEN
Rede des Präsidenten vor dem Rat gegen Drogenmißbrauch
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede bei der Sitzung des Rats gegen Drogenmißbrauch erklärte Präsident Bush
am 10. Januar 1992 in Washington, bei der Drogenbekämpfung seien Fortschritte zu verzeichnen, "es bleibt
jedoch noch viel zu tun".
"Wir sehen Fortschritte", fuhr Bush fort. "Für 1990 überschreiten wir unser Ziel bei der Reduzierung des
allgemeinen Drogenkonsums. Wir hatten eine Abnahme von 10 Prozent zwischen 1988 und 1990 erwartet - und
der Drogenmißbrauch ging noch stärker- um 11 Prozent - zurück."
"Es bleibt jedoch noch viel zu iun", stellte Bush fest und verwies darauf, daß noch immer 12,5 Millionen Amerikaner Drogen konsumieren und 1,9 Millionen Amerikaner zur Zeit Kokain nehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich freue mich, nach einer interessanten Reise wieder
hier zu sein. Zehn faszinierende Tage des Redens,
Zuhörens und Lernens im Femen Osten - der harten
Arbeit für Ziele, die wir alle teilen beim Versuch, unsere
Exportmärkte zu erweitern. Wir haben unseren Freunden auch vc"r!chv«rt, daß wir im Pazifik weiterhin
engagiert bleiben. Wie Sie wissen, hegen wir angesichts all der Veränderungen in Osteuropa die Hoffnung, daß die Menschen, die sich einst gehaßt haben,
ehemals Feinde waren, jetzt im Nahen Osten miteinander sprechen. Einige im Pazifischen Raum dachten,
wir hätten unsere Interessen in diesem Teil der Welt
einfach aufgegeben. Ich wollte daher die politisch
Verantwortlichen dort davon überzeugen, daß wir unsere
Sicherheitsbelange in diesem entscheidenen Gebiet
wahrnehmen und in dieser Region engagiert bleiben.
Hierbei handelt es sich im übrigen um unseren größten
Handelspartner.
Ich bin jedoch heute in der Überzeugung hierher
gekommen, daß das von uns Geleistete für das
Wohlergehen unseres Landes unabdingbar ist. Das
wollte ich Ihnen sagen. Unser Land weiß die unerläßliche Arbeit Ihrer gemeindeorientierten Koalition zur
Drogen bekämpf ung zu schätzen, und unser Land ist
jedem einzelnen von Ihnen äußerst dankbar.
Wir alle arbeiten hart, um den Ruch der Drogen von
unserer Landkarte zu verbannen. Unsere Bestrebungen zur Drogenbekämpfung stehen im Bundeshaushalt an oberster Stelle aller innenpolitischen Initiativen.

AMERIKA DIENST 2

Unser Haushaltsvorschlag für 1992 sieht 11,7 Milliarden Dollar zur Drogenbekämpfung vor - eine Aufstokkung von 82 Prozent seit dem Beginn meiner Amtszeit
und eine 11 prozentige Zunahme seit dem vergangenen Jahr. Dies ist einer der höchsten Beträge im
gesamten Haushalt.
Sie und ich kennen die Antwort in unserem Kampf
gegen Drogen - wir sehen Fortschritte. Ich bin nicht
sicher, ob das gesamte Land dies versteht, aber
meines Erachtens können wir Fortschritte verzeichnen. Für 1990 überschreiten wir unser Ziel bei der
Reduzierung des allgemeinen Drogenkonsums. Wir
hatten eine Abnahme von 10 Prozent zwischen 1988
und 1990 erwartet - und der Drogenkonsum ging noch
stärker, ich glaube um 11 Prozent, zurück. Gelegentlicher Kokainkonsum ist seit der Festsetzung unseres
Ziels um 29 Prozent gesunken, und ich glaube, das
Ziel, das wir vor Augen hatten, waren 10 Prozent. Für
1991 belegen die Zahlen, daß wir viele unserer Ziele
noch weiter überschritten haben, insbesondere im
Bereich des Kokainkonsums unter Erwachsenen. Sie
und ich wissen, daß dies ein Problem ist. Es ist
schrecklich, daran zu denken, daß Erwachsene Kokain nehmen. Aber es ist eine Tatsache, und es ist hart
genug. Wir machen jedoch Fortschritte. Wir hatten
gehofft, den Konsum ab 1988 um 30 Prozent zu
reduzieren, und er ist um über 60 Prozent zurückgegangen. Unsere Arbeit bewirkt also Fortschritte. Was
Sie tun, zeigt Wirkung und rettet das Leben von
Kindern.

Seite 1

�Aber wir müssen uns vor Augen führen - es bleibt
jedoch noch viel zu tun. Zur Zeit konsumieren noch
über 12,5 Millionen Amerikaner Drogen - 1,9 davon
Kokain. Der Drogenkonsum unter Erwachsenen ist
zurückgegangen, aber noch über 1,3 Millionen unserer
Kinder nehmen derzeit Drogen.
Wir haben uns ferner der Verschärfung der Drogengesetze verschrieben. Wir verwenden mehr Zeit und
Arbeit auf Drogenbekämpfung als auf jeden anderen
Verbrechensbereich. Aber wir können es nicht alleine
schaffen. Wir benötigen Bundesdrogengesetze, die
auf der Seite der Menschen stehen. Wir brauchen
überparteiliche Bestrebungen, damit die Strafverfolgungsbehörden die Gegenwart und Zukunft unserer
Kinder schützen. Wie ich bereits vor zwei Jahren bei
der Ankündigung der Drogenstrategie sagte, sehen wir
uns bei diesem Drogenproblem mit der schwersten
Herausforderung in Jahrzehnten konfrontiert. Wir
stellen uns dieser Herausforderung nicht als einzelne
sondern als Nation.
Wir haben es immer gesagt - wir können den Drogenkrieg nicht durch Strafverfolgung allein gewinnen. Ich
bin davon überzeugt, daß wir im Bereich der Strafverfolgung mehr tun könnten. Und ich beglückwünsche
diejenigen, die unsere Gesetze durchsetzen. Aber wir
können nicht mit Strafverfolgung allein gewinnen. Wir
benötigen wirksame Therapieprogramme und nationales Vorgehen.
Vor über zwei Jahren haben wir diesen Rat gegen
Drogenmißbrauch gegründet. Amerika hatte außerordentlich großes Glück, diese herausragenden Amerikaner für unser gemeinsames Ziel gewinnen zu können, dieses Land von den durch illegale Drogen verursachten Verwüstungen zu befreien. Ich möchte den
Mitgliedern unseres Rats heute meinen besonderen
Dank aussprechen, die unermüdlich daran arbeiten,
die enormen Kräfte zu mobilisieren, die der Privatsektor im Kampf gegen Drogen aufbringen kann. Blicken
Sie auf den ersten Tisch, blicken Sie um sich, blicken
Sie auf die Namen der Männer und Frauen, die sich
dieser Sache verschrieben haben - und Sie sehen, hier
widmen sich äußerst engagierte, erfolgreiche Menschen der Hilfe für andere.
Darüber hinaus ist jeder der heute hier Anwesenden
ein Soldat in unserem Krieg gegen Drogen. Sie führen
die Bestrebungen unseres Landes auf lokaler Ebene
zum Abbau des Drogenmißbrauchs am Arbeitsplatz,
in den Schulen und in der Nachbarschaft an. Wir
haben ein gutes Programm. Vor nicht allzu langer Zeit
wurde ich von AI Casey und anderen über ihre Arbeit
unterrichtet, und Jim ist nach Camp David gekommen,
um mir über sein Konzept zum drogenfreien Arbeitsplatz zu berichten. Und wir machen Fortschritte. Es
bleibt jedoch noch viel zu tun.
Sie organisieren Ihre Gemeinden zu Koalitionen. Der
Schlüssel zur Gesundung diesei Nation liegt an der

Seite 2

Basis, bei den von mir so bezeichneten "Punkten des
Lichts" - indem Sie dem Nachbarn Ihre Hand reichen.
Und die hier Versammelten sind sicherlich im besten
Sinne Beispiele für die Hilfsbereitschaft von Amerikanern.
Wenn Amerikaner Ihre Geschichten hören, werden sie
sich bewußt, daß es eine Alternative zu Drogen gibt und der Name dieser Alternative lautet Hoffnung. Sie
hören die Geschichte von Leuten wie Brad Gates, dem
Sheriff in Orange County, der sich über von Drogen
verursachte Todesfälle so viele Gedanken machte,
daß er das Programm "Drug Use is Life Abuse" (Drogenkonsum ist Lebensmißbrauch) ins Leben rief.
Zusammen mit Unternehmern initiierte er ein massives Aufklärungsprogramm über Drogen, das sich an
die Jugendlichen seines Bezirks richtete. Und dieses
Programm funktioniert, weil es die Einstellung der
Menschen ändert - es bewirkt einen grundlegenden
Wandel in der Einstellung zu Drogen.
Dasselbe gilt für die Bemühungen Tad Footes. Als er
sah, wie Drogen seine Gemeinde zerstörten, versammelte er führende Unternehmer wie Alvah Chapman
und andere - die engagiertesten und erfolgreichsten,
und sie gründeten The Miami Coalition, eine Gemeindeorganisation auf breiter Grundlage. Sie verschrieb
sich dem Ziel, auf jeden Aspekt des Drogenproblems
einzugehen - und gründete deshalb acht Arbeitsgruppen. Sie überzeugte über ein Drittel aller Unternehmen
Miamis, Maßnahmen für drogenfreie Arbeitsplätze und
damit verbundene Hilfen für die Beschäftigten einzuführen. Ferner haben sie über 1.500 Crack-Häuser
geschlossen. Dies ist wirklich ein Erfolg, und er beruht
einzig und allein auf freiwilligen Anstrengungen.
Der entscheidende Punkt lautet: keine Gemeinde wirklich keine - muß Drogenmißbrauch hinnehmen.
Amerikaner müssen nicht in Furcht leben. Drogen und
zahlreiche andere soziale Probleme können aus jeder
Gemeinde verbannt werden - wenn jede Gemeinde
sich genug dafür engagiert, die Hand auszustrecken
und es zu versuchen.
Den Amerikanern gebührt großes Lob für ihre individuellen und kollektiven Bemühungen. Aber es bleibt
immer noch viel zu tun. Dieser Krieg fordert Opfer. Wir
leben in einem Zeitalter, in dem Jahr für Jahr Zehntausende drogengeschädigter Babies geboren werden.
Dies bedeutet eine echte Tragödie. Wenn Sie eines
dieser Babies in ihren Armen halten, kann Ihnen dies
nur das Herz brechen. Wir leben in einem Zeitalter, in
dem einer von 4.000 amerikanischen Jugendlichen
von eigener Hand oder der eines anderen stirbt, und
allzuoft spielen Drogen eine Rolle - eine grundlegende
Rolle - bei diesen Tragödien. Wir leben in einem
Zeitalter, in dem die Geißel der Drogen den Preis eines
Menschenlebens billig gemacht hat und das moralische Gefüge dieser unserer großen Nation auszuhöhlen droht.

AMERIKA DIENST 2

�Nun, Sie haben Zeichen gesetzt, die sich mit dem
folgenden Text der von Bürgern Albuquerques geschaffenen Anti-Drogen-Plakate zusammenfassen
lassen: "Es ist einfacher, ein Kind aufzubauen als
* *

AMERIKA DIENST 2

einen Erwachsenen zu reparieren." Mit dieser Art
unerschütterlichen Engagements werden wir den Sieg
davontragen. Jeder einzelne von Ihnen kann etwas
bewirken, und Gott möge Sie alle dafür segnen.
* *

Seite 3

�DROGEN
15. Januar 1992

FORTSCHRITTE IM KAMPF GEGEN DROGEN ERZIELT
Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, der sich mit den im Jahr 1991 erzielten
Fortschritten bei der Bekämpfung von Drogenhandel und- konsum beschäftigt.
Die beiden wichtigsten amerikanischen Regierungsvertreter zu Drogenfragen betrachten 1991 als ein Jahr
erheblicher Fortschritte bei der Zerschlagung von
Operationen der Kokain-Kartelle sowie der verbesserten regionalen und internationalen Zusammenarbeit.
"Im Lauf des Jahres haben wir unsere kooperativen
Programme mit den drei Andenstaaten im Hinblick auf
Strafverfolgung und wirtschaftliche Aspekte verbessert, und das Ergebnis waren eine stärkere Konzentration dieser Länder auf das Problem, mehr nationaler
Wille, mehr Drogenhändler im Gefängnis, mehr zerstörte Start- und Landebahnen," so Melvyn Levitsky,
Abteilungsleiter für internationale Drogenprobleme im
US-Au ßenministerium.
"In zwei weitr-""* wichtigen Bereichen, der Geldwäsche und Kontrolle chemischer Substanzen, haben wir
ebenfalls internationale Fortschritte erzielt", stellte
Levitsky fest und erklärte, die Europäische Gemeinschaft sowie die Organisation Amerikanischer Staaten
hätten über die Interamerikanische Kontrollkommission gegen Drogenmißbrauch (CICAD) Leitlinien zur
Überwachung von zur Drogenherstellung verwendeten chemischen Substanzen erlassen. Beide Organisationen bereiteten darüber hinaus Vorschriften oder
Modellgesetze gegen Geldwäsche vor.
Dem Direktor des Büros für Nationale Drogenkontrollpolitik (ONDCP), Bob Martinez, zufolge sind die Vereinigten Staaten "außerordentlich erfreut, daß seit dem
ersten Andengipfel (im Februar 1990) die beteiligten
Länder zusammen mit Mexiko ihre Fähigkeit unter
Beweis gestellt haben, Drogenlieferungen ins Ausland
abzufangen und zu unterbinden und damit den KokainKartellen echten Schaden zuzufügen.... Wir haben
eine großartige Zusammenarbeit auf bilateraler Grundlage festgestellt."
Levitsky führte darüber hinaus Ecuador und Venezuela an und verwies dabei auf ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Venezuela - das erste
seiner Art - zur Identifizierung und Unterbindung von
AMERIKA DIENST 2

Drogenhandel zur See. Infolgedessen kam es in den
Vereinigten Staaten im vergangenen Monat zur zweitgrößten jemals erfolgten Beschlagnahmung von Kokain - nahezu 11 Tonnen, die in auf venezolanischen
Frachtschiffen transportierten Betonpfosten versteckt
waren.
Die amerikanisch-kolumbianische Zusammenarbeit ist
Levitsky zufolge weiterhin sehr eng. Jm Dezember
führten kolumbianische und amerikanische Drogenfahnder in Kolumbien gleichzeitig 32 Razzien gegen
Finanzoperationen des Cali-Kartells durch. Bankkonten in Kolumbien, Großbritannien, Deutschland, Hongkong und den Vereinigten Staaten im Gesamtwert von
über 15 Millionen Dollar wurden eingefroren.
Er verwies femer darauf, "in Bolivien wie in Kolumbien
hätten sich nicht nur Pablo Escobar, sondern auch
andere Drogenhändler entweder gestellt oder sie seien verhaftet worden, mehr denn je sind im Gefängnis,
und einige wurden bei Polizeieinsätzen getötet". Escobar,
der Gründer des Medellinkartells in Kolumbien, wurde
inhaftiert, nachdem er sich im Juni vergangenen Jahres den Behörden gestellt hatte.
Darüber hinaus steht der frühere panamaische Diktator General Manuel Noriega wegen zwölf Vergehen im
Zusammenhang mit Kokainhandel vor Gericht. Noriega wird beschuldigt, das Medellinkartell bei seinem
Drogenhandel und der Geldwäsche in Panama unterstützt und gedeckt zu haben.
Levitsky zufolge gab es 1991 in Kolumbien und Mexiko
bei den Festnahmen einen "drastischen" Anstieg, "und
auch in den Ländern Mittelamerikas, wo in Zusammenarbeit mit uns wichtige Einsätze durchgeführt wurden,
erfolgten mehr Festnahmen".
Insgesamt - so Levitsky - " war es auf der Grundlage
der vorliegenden Zahlen unserer Meinung nach ein
gutes Jahr, aber es bleibt immer noch viel zu tun... Wir
sehen uns mit denselben Problemen konfrontiert, die
die Effektivität lokaler Streitkräfte und Korruption beSeite 1

�treffen ... Die illegale Drogenindustrie ist immer noch
stark, wir haben jedoch gezeigt, daß unser Programm
wirkungsvoll sein kann, wenn wir mit diesen Ländern
zusammenarbeiten."
Er erklärte, die Vereinigten Staaten hätten im Mai ein
bilaterales Abkommen mit Peru unterzeichnet, das
den Rahmen für die Entwicklung eines vielschichtigen
Drogenbekämpfungsprogramms bietet. Darüber hinaus wurden besondere Durchführungsvereinbarungen abgeschlossen, die denen mit Kolumbien und
Bolivien ähneln. Ein Teil der Hilfe für Perus Drogenbekämpfung ist eingefroren, bis der Kongreß davon
ausgehen kann, daß Peru all die damit verbundenen
Bedingungen erfüllt.
Peru sollte 1991 60 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe
erhalten- im Rahmen der Strategie für die Andenstaaten der Bush-Administration, einem Fünfjahresplan in
Höhe von 2,2 Milliarden Dollar Hilfe für die Andenstaaten, damit sie den Drogenhandel reduzieren und wirtschaftliche Alternativen zur Kokaproduktion entwickeln können. Einige Gelder sind vom Kongreß freigegeben worden.
Im Rahmen der Strategie für die Andenstaaten hat
Kolumbien 50 Millionen und Bolivien 88 Millionen Dollar erhalten. Die Wirtschaftshilfe zur Drogenbekämpfung beläuft sich 1992 auf 50 Millionen Dollar für
Kolumbien und auf jeweils 100 Millionen Dollar für Peru
und Bolivien. Alle drei Länder erhalten darüber hinaus
Hilfe für die Strafverfolgung und militärische Drogenbekämpfungsprogramme.
Levitsky verwies femer darauf, "wir haben eine bessere Koordinierung mit den Europäern bei Programmen
in den Andenstaaten eingeleitet. Die EG hat ihr
Engagement erhöht, um mit ihnen zusammenzuarbeiten und finanzielle Ressourcen bereitzustellen, und
manche der einzelnen Länder leisten den Andenstaaten mehr Hilfe."
Am 4. Dezember hat Präsident Bush das Gesetz über
Handelspräferenzen gegenüber den Andenstaaten
unterzeichnet, das zollfreie Behandlung für die meisten Produkte aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien und
Peru autorisiert. Das Gesetz ergab sich aus einer von
Bush beim Gipfel im Februar 1990 gegenüber den
Präsidenten der Andenstaaten in Cartagena (Kolumbien) eingegangenen Verpflichtung, diesen Ländern
zu helfen, ihre Wirtschaft zu stärken und den KokaAnbauem alternative Verdienstmöglichkeiten zu bieten.
Bush hat eine Einladung der Präsidenten Boliviens,
Kolumbiens, Ecuadors, Perus und Venezuelas angenommen, an einem zweiten Drogengipfel teilzunehmen, der auf die in Cartagena erzielten Ergebnisse
aufbauen würde. Er schlug vor, den Gipfel Anfang
1992 in den Vereinigten Staaten abzuhalten und hat
dazu die fünf Präsidenten und den Präsidenten von
Mexiko eingeladen.
Seite 2

"Alle Länder sind sich der Tatsache bewußt, daß man
mit dem Drogenproblem nicht fertigwerden kann, indem man sich Land für Land vornimmt. Eine bilaterale
Basis ist nicht möglich," erklärt Levitsky. "Nicht nur
diese sechs Länder sind gefordert, sondern internationale Kooperation ist notwendig, an der wir mit den
Europäern und Ländern in der Karibik und in Mittelamerika sehr hart arbeiten."
"Wir müssen das Ausmaß der Zusammenarbeit auf
dem Kontinent immer noch steigern und einen noch
stärkeren regionalen Ansatz verfolgen," fügte er hinzu,
"die Zeichen dafür stehen günstig... Das Problem ist
sehr groß, und deshalb muß der Schlag, den wir der
Drogenindustrie versetzen, in den nächsten Jahren
noch größer sein. Wir hoffen, der Gipfel und andere
Aktivitäten werden dies 1992 noch steigern."
Unter den Themen, die Martinez zufolge bei einem
zweiten Gipfel zur Sprache kommen werden, sind
"neue Herausforderungen - die Herausforderung der
kolumbianischen Drogenhändler, im Heroin-und
Kokainhandel in Europa Fuß zu fassen und das Ausufern (des Drogenhandels) von einem Land zum
anderen." Darüber hinaus wird ihm zufolge die Reduzierung der Nachfrage wichtig sein. "Wir in den Vereinigten Staaten machen weiterhin Fortschritte, indem
wir die Zahl der Drogenkosumenten verringern, aber
die weltweite Nachfrage muß zurückgehen."
Eine neue Untersuchung in amerikanischen Haushalten deutet darauf hin, daß seit Mitte der achtziger Jahre
eine Verlangsamung oder Verflachung des steilen
Rückgangs beim Drogenkonsum stattgefunden hat,
aber Martinez betonte, der Stand sei immer noch um
die Hälfte niedriger als in den Jahren des Spitzenkonsums 1979 bei Marihuana und 1985 bei Kokain, insbesondere unter Jugendlichem im After von 12 bis 17
Jahren.
Der Kokainkonsum in einer Gruppe - bei den über
35jährigen - ist zwischen 1990 und 1991 gestiegen,
obwohl er immer noch weit unter dem Stand von 1985
liegt. Der gegenwärtige Konsum (im letzten Monat)
der untersuchten Gruppe stieg von 0,6 auf 0,8 Prozent,
1985 betrug er 2 Prozent. Die Raten lagen am höchsten bei Männern, Arbeitslosen, Schwarzen, Hispanoamerikanern und Bewohnern großer Städte.
In der Altersgruppe der 12- bis 17jährigen fiel der
Kokainkonsum von 0,6 Prozent auf 0,4 Prozent der
Untersuchten. Der gegenwärtige Konsum aller Drogen nahm von 8,1 Prozent auf 6,8 Prozent ab. 1979,
im Jahr des Höchststandes, betrug der Konsum aller
Drogen 17,6 Prozent.
Darüber hinaus stieg die Zahl der mit Kokain in Zusammenhang stehenden ambulanten Behandlungen, eine
Tendenz, die die steigenden medizinischen Konsequenzen von Langzeitabhängigen widerspiegelt.

AMERIKA DIENST 2

�"Es ist klar, daß die Botschaft zur Aufklärung und
Verhinderung funktioniert" und Jugendliche von Drogenkonsum abhält, erklärt Martinez. "Wir drehen den
Abhängigen den Hahn zu, weil die Jugendlichen auf
die Botschaft reagieren."
Die Gruppe der über 35jährigen hat wohl vor Jahren
begonnen, Drogen zu nehmen, als dies sozial stärker
akzeptiert war. Viele von ihnen sind Martinez zufolge
jetzt abhängig. "Es handelt sich hierbei um Menschen,
die zu einer Zeit jung waren, als es in den Vereinigten
Staaten keine nennenswerten Programme zur Aufklärung und Vermeidung gab", erläuterte Martinez. "Diese
Gruppe müssen wir ansprechen."
Als Teil der Nationalen Drogenbekämpfungsstrategie
hat Martinez zufolge die Bush-Administration den
Kongreß um zusätzliche 99 Millionen Dollar gebeten,
um die Behandlung von bedürftigen Bevölkerungsgruppen finanzieren zu können, der Kongreß hat jedoch nur 9 Millionen Dollar bewilligt.
Der Etat für die Drogenstrategie im Haushaltsjahr 1992
- der alle Drogenbekämpfungsaktivitäten der Bundesregierung sowie Unterstützung für die Programme der
Bundesstaaten und Kommunen umfaßt - beträgt 11,6
Millionen Dollar, gegenüber 1991 ein Anstieg von 11
Prozent und seit Bushs Amtsantritt 1989 eine Steigerung um 82 Prozent.
Rückblick auf 1991
Im Inland hat die Beschlagnahmung von Heroin durch
die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA
gegenüber 1990 um 70 Prozent zugenommen, bei
Kokain ist sie um 19 Prozent und bei Marihuana um 28
Prozent gesunken. Die US-Zollbehörde meldete eine
15prozentige Zunahme der Beschlagnahmung von
Heroin, eine 3prozentige Steigerung bei Kokain und
eine 29prozentige Zunahme bei Marihuana. Die
Küstenwache verzeichnete keine Beschlagnahmung
von Heroin, aber eine 79prozentige Zunahme bei
Kokain, während sie nur ein Drittel des Marihuanas
beschlagnahmt hat, das 1990 gefunden wurde.
*

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Die DEA verzeichnet auch einen Rückgang der Beschlagnahmung von gefährlichen Drogen wie LSD und
PCP, bei der Aufdeckung geheimer Labors zur Herstellung von Amphetaminen und anderen Drogen sowie
der Beschlagnahmung von Geld und Vermögen. Die
Zahl der Verhaftungen blieb mit 22.900 relativ konstant, während die Ausrottung kultivierter Marihuanapflanzen, einschließlich Sinsemilla, um 12 Prozent
zurückging.
Bis Ende des Jahres hatten 53 Länder bindende
Instrumente zur Ratifizierung, zu Beitritt oder Zustimmung zur UN-Konvention über Drogenhandel von 1988
unterbreitet.
Der Londoner Weltwirtschaftsgipfel verabschiedete
die von der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung chemischer Stoffe (Chemical Action Task Force - CATF)
empfohlenen Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Chemikalien zur illegalen Drogenherstellung. Die CATF empfahl, daß 10 zusätzliche Chemikalien in die Kontrollbestimmungen der UN-Konvention über Drogenhandel von 1988 aufgenommen werden sollten. Die UN-Kommission zur Internationalen
Kontrolle von Betäubungsmitteln prüft eine US-Petition, der zufolge diese Chemikalien aufgenommen
werden sollten, und die Europäische Gemeinschaft
überarbeitet ihre Kontrollvorschriften für Chemikalien,
die am 1. Juli vergangenen Jahres in Kraft traten und
die CATF-Empfehlungen berücksichtigen.
Viele Länder haben Schritte zur Bekämpfung der
Geldwäsche unternommen. Paraguay hat zum Beispiel eine Vorschrift erlassen, daß Banken Überweisungen von über 10.000 Dollar melden müssen, und
die Schweiz hat angekündigt, 1992 anonyme Bankkonten abschaffen zu wollen. Kolumbien hat eine
interministerielle Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von
Geldwäsche ins Leben gerufen, die von Präsident
Cesar Gaviria angewiesen wurde, Empfehlungen für
die Gesetzgebung auszusprechen.

* * *

*

Seite 3

�MARTIN

LUTHER

KING
15. Januar 1991

DAS MARTIN-LUTHER-KING-ZENTRUM FÜR
GEWALTFREIEN SOZIALEN WANDEL
von Kathryn Johnson
WASHINGTON - (AD) - Am 20. Januar 1992 wird in den Vereinigten Staaten der Geburtstag von Dr. Martin
Luther King Jr. als gesetzlicher Feiertag begangen. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir den nachstehenden
Artikel, der sich mit Geschichte und Auftrag des Martin-Luther-King-Zentrums für gewaltfreien sozialen Wandel
in Atlanta (Georgia), Geburtsort und Wirkungsstätte von Dr. King, befaßt. Die Autorin ist Mitarbeiterin von Cable
News Network (CNN) in Atlanta (Georgia).

Es ist der Hüter seines Traums.
Dr. Martin Luther King Jr. wurde am 4. April 1968
ermordet, aber "Der Traum" lebt weiter im MartinLuther-King-Zentrum für gewaltfreien sozialen Wandel in Atlanta (Georgia).
Das Zentrum ist ein Gebäudekomplex, dessen Mittelpunkt Kings Grabstätte bildet - ein weißer Marmorsarkophag und eine ewige Flamme, die sich inmitten
eines Wasserbeckens, des "Reflecting Pool" befinden.
Daneben erhebt sich die Ebenezer Baptist Church, in
der King, sein Vater und sein Großvater in ihren
Predigten die Lehren von Menschenwürde und Gewaltlosigkeit verkündeten. Auf der anderen Straßenseite liegen das Martin Luther King Jr. Community
Center sowie das öffentliche Schwimmbad dieses
Stadtviertels. Ein paar Meter die Straße hinauf befindet sich Kings im viktorianischen Stil errichtetes Geburtshaus.
In diesen beiden Häuserblocks entlang der historischen Auburn Avenue kann man auch heute noch die
Wurzeln der Bürgerrechtsbewegung und das geistige
Zentrum des Amerikas des Schwarzen erkennen.
Das im Jahr 1968 gegründete Zentrum ist der Kristallisationspunkt der nationalen Bestrebungen, Kings
Traum und sein Vermächtnisder Gewaltfreiheit lebendig
zu erhalten. Sein Hauptziel ist die Bewahrung und
Förderung von Kings unvollendetem Werk durch Vermittlung, Interpretation, Befürwortung und Förderung
der Gewaltlosigkeit. Durch die unermüdliche Energie
Coretta Scott Kings findet seine Botschaft ein weltweites
Echo.
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Für Millionen schwarzer Amerikaner war Martin Luther
King Jr. der Prophet, der ihrem Kampf für rassische
Gleichberechtigung eine überzeugende Stimme verlieh. Er sprach ihr Leiden aus, rief ihren Schlachtruf für
Menschenwürde, derMann.derfürsie eine machtvolle
neue Waffe - den gewaltfreien Protest - als Taktik im
Kampf gegen die Rassentrennung schuf.
Für Millionen wei ßer Amerikaner gehörte King zu einer
Gruppe führender Persönlichkeiten, die eine Brücke
der Kommunikation zwischen den Rassen aufrechterhielten als um die Mitte der sechziger Jahre in den
Vereinigten Staaten ein Rassenkrieg drohte.
Im Jahr 1964 wurde King für "die konsequente Durchsetzung des Prinzips der Gewaltlosigkeit" der Friedensnobelpreis verliehen. Er erhielt diese Auszeichnung als dritter Schwarzer, 12. Amerikaner und jüngster Preisträger überhaupt in der Geschichte des Friedensnobelpreises.
Das King-Zentrum ist Teil einer nationalen historischen Gedenkstätte und zieht Jahr für Jahr Millionen
Touristen an. Bei ihrem Gang durch das zweistöckige
Geburtshaus Kings, während ihnen Geschichten aus
seiner Kindheit erzählt werden, können die Besucher
und ihre Kinder Andenken an den Kampf für die
Menschenrechte in Amerika sehen, berühren und
fühlen.
Ein Ausstellungssaal, der sich im Verwaltungs- und
Archivgebäude befindet, in dem auch Veranstaltungen
abgehalten werden, enthält die umfassendste Sammlung von Erinnerungsstücken an Kings Wirken über-

Seite 1

�haupt, darunter seine zahlreichen hochkarätigen
Auszeichnungen.

King schrieb diesen Brief im April 1963 an einen
weißen Geistlichen in dieser Stadt Alabamas, der ihn
kritisiert hatte, weil er den Massenprotest gegen die
In großen Glasvitrinen sind viele persönliche Gegen- Rassentrennungspraxis in dieser Stadt anführte. Bei
stände Kings ausgestellt. Er bevorzugte dunkle Anzü- dieser Demonstration war King festgenommen worge, von denen er einen trug, als ihn eine geistig den.
verwirrte Frau in New York zu erstechen versuchte.
Dieser Anzug sowie zahlreiche andere Artikel - ein- Darüber hinaus können Besucher die Unterlagen von
schließlich einer handschriftlich verfaßten Predigt und neun Bürgerrechtsorganisationen einsehen, darunter
des Schlüssels für sein Zimmer im Lorraine Motel in die Southern Christian Leadership Conference u nd der
Memphis (Tennessee), wo er erschossen wurde - Congress of Racial Equality, sowie 5.000 Bände von
gehören zu den Ausstellungsstücken.
Werken und Unterlagen zur afro-amerikanischen
Geschichte.
Mit Photographien und Begleittexten kann der Besucher Kings Leben zurückverfolgen, er kann Filme Die Bibliothek besitzt ferner die seltenen 87bändigen
ansehen, in denen die dramatischen Märsche und "Collected Works of Mahatma Gandhi", die von der
Demonstrationen im Süden während des Kampfs für indischen Regierung gespendet wurden. Hinter einer
Gerechtigkeit und Gleichheit in den sechziger Jahren Eichentür befindet sich ein klimatisierter,
noch einmal lebendig
abgeschlossener
werden. Ferner wird
Raum mit schätauch
an
Kings
zungsweise 500 Dokuenormen
Einfluß
menten und pererinnert, als sich die
sönlichen Stücken des
Turbulenzen
des
ehemaligen Führers
Rassenkonflikts auf
der Bürgerrechtsden Norden der Vereibewegung - darunter
nigten Staaten ausseine Uhr und seine
breiteten. Im EinLesebrille.
gangsbereich steht
eine große Statue mit
Im Zentrum nehmen
dem Titel "Behold". Sie
Studenten aus den
wurde von Patrick
gesamten Vereinigten
Morelli geschaffen, der
Staaten an Workshops
sie als universelle
über Gewaltlosigkeit
Verherrlichung des
teil, um Lösungen für
Lebens und fortdie scheinbar undauernde Ehrung für
lösbaren Probleme
Martin Luther Kings Grabstätte
Mut und Standvon Krieg, Gewalt und
haftigkeit des Menschen betrachtet
Rassenkonflikten zu finden. Das Stipendienprogramm
führt Studenten der besten Colleges und Universitäten
Die King-Bibliothek und das angeschlossene Archiv Amerikas zusammen, die an einemvoll angerechneten
beherbergen die weltweit größte Sammlung von Pri- Seminar über Geschichte, Philosophie und Methodik
märquellen zu King und der amerikanischen Bürger- der gewaltfreien Aktion teilnehmen.
rechtsbewegung, darunter auch den Großteil der perDie Freedom Hall ist eine internationale Konferenzsönlichen Unterlagen Kings.
und Kultureinrichtung mit einem großen Theater- und
Der Leiterder Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums, Steve Konferenzsaal sowie einem Geschenkeladen. Das
Klein, bezeichnet es als "die beste Bürgerrechtsbiblio- Treppengeländer stammt von einem Sapeli-Baum aus
thek der Welt". Sie zieht zahlreiche Wissenschaftler, Nigeria. An einer Wand hängt ein Relief aus der
Schriftsteller, Forscher und Studenten aus vielen Republik Sambia mit dem Titel "Freedom and Justice".
Ländern an. Der leitenden Archivarin Diane Ware
zufolge wurde die Bibliothek im Jahr 1990 von nahezu Im Jahr 1968 wurde Kings Leichnam auf einem Eselskarren zum Southview Cemetery überführt. 1970
4.000 Personen aus 30 Ländern besucht.
wurden seine sterblichen Überreste dann in dem weiDer Besucher kann über 1.200 Predigten, Reden und ßen Marmorsarkophag beim Zentrum beigesetzt. Der
Manuskripte sowie 14.000 Briefe und Mitteilungen Sarkophag befindet sich auf einem kreisrunden PoKings in Augenschein nehmen, darunter seinen be- dest inmitten des "Reflecting Pool" von 82,8 Metern
rühmten "Brief aus dem Gefängnis in Birmingham". Länge, der den lebensspendenden Charakter des

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AMERIKA DIENST 2

�Wassers symbolisiert. Coretta King zufolge ist der
Platz, an dem ihr Gatte heute ruht, derselbe Ort, an
dem er sich als Kind an Sommernachmittagen häufig
unter einer Eiche niedergelegt hatte.

gen wissenschaftlichen Edition der Reden, Predigten
und Korrespondenz von King und anderen Autoren.
Über 15.000 Forschungsanfragen wurden seit Beginn
des Projekts bearbeitet.

Als King im Jahr 1929 an der Aubum Avenue geboren
wurde, war das Viertel von einer dynamischen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Die
Geschichte der Aubum Avenue begann am Ende des
Bürgerkriegs (1861-65), als Schwarze auf der Suche
nach Freiheit ihre Chance in Atlanta suchten. Da sie
vom gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben der Stadt ausgeschlossen waren, taten sie
sich zusammen und begannen ihr Aufbauwerk.

Als zentrale Quelle für das Studium von Martin Luther
King Jr. und der Bürgerrechtsbewegung enthalten
diese Papiere seiner Witwe zufolge in erheblichem
Umfang noch unveröffentlichtes Material. Das Vorhandensein von Tonband- und Filmaufzeichnungen Mittel, die den meisten Forschern bisher nicht zur
Verfügung standen - trägt ebenfalls zur Einzigartigkeit
des Projekts bei.

Auburn wurde eine unabhängige, autarke schwarze
Gemeinde, die gleichzeitig den Kampf um Gerechtigkeit und Gleichheit innerhalb der Gesellschaft als
Ganzem fortführte. Auf der von einem der frühen
Bürgerrechtler Atlantas auf den Namen "Sweet Auburn" getauften Straße konnten Schwarze stolz erhobenen Hauptes einhergehen. Auburn brachte schwarze Führungspersönlichkeiten hervor, die ihr Leben und
ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. Sie wurden
Geistliche, Pädagogen, Verleger, Freiberufler und
Geschäftsleute. Bereits etabliert waren die großen
Kirchen der Auburn Avenue - Wheat Street Baptist, Big
Bethel und Ebenezer.
King wurde in dieses Viertel hineingeboren. Es war
zwar nicht rassisch gemischt, beherbergte jedoch
Angehörige aller sozialen Schichten.
Kings Geburtshaus wurde soweit möglich in dem
Zustand wiederhe.yestellt, in dem es sich bei Kings
Geburt im Ja'""' 1Q&lt;29 befand. Im Eingangsbereich
hängen mehrere Porträts, darunter eines des Reverend A.D. Williams, Kings Großvater mütterlicherseits.
Eine Treppe führt nach oben zu seinem Gebu rtszimmer,
einemgroßenSchlafzimmermitzweigroßen Fenstern,
stilvoll möbliert mit einem Doppelbett, einer Kommode
sowie einem Frisiertisch mit einem mannshohen Spiegel. In diesem Haus verbrachte King seine ersten 12
Lebensjahre.

Forscher werden in der Lage sein, nicht nur Entwürfe
und vorbereitete Texte sondern auch Reden und Predigten miteinander zu vergleichen, von denen keine
schriftlichen Aufzeichnungen existieren und so tiefere
Einblicke in wichtige Reden Kings zu gewinnen.
Das in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Stanford University und unter der Leitung von Dr. Edward
Claybome Carson, Professor für Geschichte an dieser
Universität, durchgeführte Papers Project wurde aus
Mitteln der amerikanischen Nationalstiftung für Geisteswissenschaften, der Nationalen Kommission für
Historische Veröffentlichungen und Aufzeichnungen
sowie der Rockefeller-Stiftung finanziert
Das Zentrum arbeitet femer mit Bildungsinstitutionen
zusammen, um Filme und Dokumentationen zur Verfügung zu stellen, die in Tausenden von Klassenzimmern der gesamten Vereinigten Staaten gezeigt werden. Klein zufolge sind die Programme des Zentrums
heute wesentlich anspruchsvoller - so daß es ein
"lebendiges Laboratorium" für die Lehren der Gewaltlosigkeit darstellt.

Bei einer Führung erfährt der Besucher, daß King als
Junge auf dem Flurderoberen Etagegeme Brettspiele
spielte, daß er sich piekfein kleidete und sich als
kleines Kind häufig im Badezimmer versteckte, wenn
er mit dem Geschirrspülen an der Reihe war.

Das Zentrum entwickelt Aus-und Fortbildungsprogramme, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene
ihren gesellschaftlichen Status verbessern, ein positives Bild von sich selbst gewinnen und gleichzeitig
lernen können, Gewaltfreiheit im Alltagsleben zu praktizieren. Es arbeitet ferner mit Institutionen von Bundes- und Staatsregierungen sowie Gemeindeverwaltungen zusammen, um Strategien zur Verringerung
von Gewalt und Konflikten innerhalb von Familien, in
Schulen, am Arbeitsplatz, in Strafvollzugsanstalten, in
den Streitkräften, in Stadtvierteln und zwischen Nationen zu entwickeln.

Im Jahr 1984 wurde als Teil der anhaltenden Bemühungen zur Bewahrung des historischen Erbes der
Bürgerrechtsbewegung das Martin Luther King Jr.
Papers Project ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt des
Projekts steht die Zusammenstellung einer 12bändi-

Das Gemeindezentrum beherbergt ein Zentrum für
Vorschulerziehung, das Betreuung für Kinder aus
einkommensschwachen Familien bietet. Darüber
hinaus erlernen Eltern und Kinder dort die gewaltfreie
Bewältigung von Alltagsproblemen.

AMERIKA DIENST 2

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�Das King-Zentrum wird in den Worten Coretta Kings
"dem Vermächtnis Martins nur dann gerecht, wenn wir
uns weiterhin den Problemen der Gewalt widmen, die
uns heute betreffen... Armut, Krieg und Ungerechtigkeit", und sie fügt hinzu: "Martins Vision existiert auch
heute noch unter uns... und das gleiche gilt für seine
Botschaft der Standhaftigkeit und Liebe."

Die Nationalparkverwaltung plant, weitere Häuser in
dem gleichen Block unter Denkmalschutz zu stellen
und zu restaurieren, in dem King geboren wurde. Die
nationale historische Gedenkstätte umfaßt 67 Wohnund Geschäftshäuser in unterschiedlichem
Erhaltungszustand. Die meisten wurden zwischen
1890 und 1910 erbaut.

Gegenüber von Kings Geburtshaus stehen zum Beispiel zahlreiche bescheidenere Häuser. Diese als
"Shotgun"-Häuser bezeichneten Gebäude wurden um
das Jahr 1905 errichtet. Bei den "Shotgun"-Häusem
sind die einzelnen Räume hintereinander angeordnet,
wobei die Wände in der Mitte Türen aufweisen und
keine Flure existieren. Einer Redensart zufolge konnte
Nach einigem Nachdenken erklärt Frau King heute, man, wenn alle Türen geöffnet waren, ein Gewehr
daß die Welt erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu (shotgun) durch die Eingangstüre abfeuern, und die
mehr Freiheit, Menschenrechten und Frieden gemacht Kugel würde am Hinterausgang wieder austreten ohne
habe. Sie glaubt, daß das King-Zentrum mit Program- irgend etwas getroffen zu haben.
men für Gruppen aus Deutschland, den Philippinen,
Griechenland, der Sowjetunion, Nordirland, Südafrika Arbeiter in den "Shotgun"-Häusern, Freiberufler in
und anderen Ländern seinen Teil dazu beigetragen größeren Anwesen - Akademiker, Arbeiter, arm und
reich, gebildet und ungebildet - sie alle wohnten an der
hat.
Auburn Avenue.
"Obwohl der kalte Krieg beendet wurde, haben uns die
Krise am Persischen Golf gemeinsam mit dem Fortbe- Viele sind der Ansicht, daß King in seiner Jugend
stehen der Apartheid und dem Leid am Hörn von Afrika dadurch beeinflußt wurde, daß er miterlebte, wie
daran erinnert, wieviel wir noch tun müssen, bevorwir Menschen verschiedener Herkunft miteinander arbeiDr. Kings Traum von einer Welt ohne Armut, Rassis- teten, lebten und in der Nachbarschaft zusammenarmus und Gewalt verwirklichen können", erklärt Frau beiteten.
King.
King wuchs darüber hinaus in einem religiösen und
Im Jahr 1990 besuchte sie mit mehreren Mitarbeitern gesellschaftlich aktiven Elternhaus auf, das von Mendes Zentrums Südafrika, um an der Gründung eines schen geprägt war, die Leistungen vollbrachten und
King-Luthuli-Zentrums mitzuwirken, die Lehren von sich Ziele setzten.
King zu verbreiten und damit zum Ende der Apartheid
beizutragen. Das Zentrum hat darüber hinaus in den In den zwanziger Jahren führte sein Großvater, der
Vereinigten Staaten umfangreiche Feiern zum Ge- Prediger A.D. Williams, den Boykott einer Zeitung an,
burtstag von Mahatma Gandhi im Oktober 1990 aus- die für ihre zahlreichen negativen Artikel über Schwargerichtet. Coretta King zufolge will es auch einen ze berüchtigt war. In den dreißiger Jahren war sein
sinnvollen Beitrag zu den Olympischen Spielen 1996 in Vater, der Reverend Martin Luther ("Daddy") King Sr.
Anführer einer Kampagne für die gleiche Bezahlung
Atlanta leisten.
schwarzer und weißer Lehrer in Atlanta. In den vierziDas Zentrum spielt ferner eine wichtige Rolle als Teil ger Jahren beteiligte sich King Sr. aktiv an Kampagnen
der nationalen historischen Gedenkstätte und des zur Registrierung schwarzer Wähler.
unter Denkmaschutz gestellten Viertels, das im Jahr
1980 zum Teil des US-Nationalparksystems erklärt Heute führt das Zentrum diesen sozialen Aktivismus
wurde. Der Leiter des Martin Luther King Jr. Historie fort. Darüber hinaus bietet es als Erinnerungsstätte an
Site, Jerry Belson, stellt fest, der Zweck sei die Ehrung King den Gemeinden, Organisationen und EinzelperKings sowie der Schutz und die begleitende Erläute- sonen Hilfe bei der Organisation von Veranstaltungen
rung der Orte gewesen, an denen er geboren wurde, zum Geburtstag von Martin Luther King. Darüber
arbeitete, betete und beigesetzt wurde. Durch den hinaus bildet es das Kernstück von Kings Stadtviertel
Schutz und die Restaurierung wichtiger Gebäude in - einer blühenden Gemeinde, in der Menschen leben,
diesem Bezirk trägt die Nationalparkverwaltung der ihren Alltagsgeschäften nachgehen und sich bei warVereinigten Staaten dazu bei, daß Besucher einen mem Wetter einer Fülle kostenloser kultureller VeranEindruck von den bemerkenswerten Erfolgen der staltungen im Freien, am "Reflecting Pool" erfreuen
Schwarzen in Atlanta zu Beginn des 20. Jahrhunderts können.
gewinnen.

Den ersten Spatenstich für das Zentrum tat Coretta
King am 15. Januar 1975, dem Tag, an dem ihr Mann
46 Jahre alt geworden wäre. Sieben Jahre später
wurde es offiziell eröffnet. Als in vielen unterschiedlichen Bereichen tätige Institution erhielt das Zentrum
staatliche Zuschüsse und privaten Spenden.

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AMERIKA DIENST 2

�"Das Zentrum bewegt auch heute noch Herzen und
Geist von Menschen überall", stellt Coretta King fest
und verweist dabei auf die Gästebücher mit Eintragungen von Besuchern aus Brasilien, Japan, Schweden,
Deutschland, Griechenland und vielen anderen Ländern. Über die Besucher sagt sie:

"In dem Maß, in dem das King-Zentrum in diesen
Herzen und Seelen Gnade und Liebe stimulieren kann,
können wir sicherstellen, daß es nicht zum Monument
für Martins Tod sondern zu einem Meilenstein der
Größe und des Lebens wird."

* * * *

AMERIKA DIENST 2

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Seite 5

�W A H L E N '92
15. Januar 1992

DREI PHASEN DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Vowahlen, Konvente und die Präsidentschaftswahlkampagne
WASHINGTON - (AD) - Die Präsidentschaftswahlkampagne begann dieses Mal schleppender als sonst,
aber das ändert sich sehr schnell: inzwischen stellen
sich mehr als sechs Kandidaten, Themen werden
debattiert und Programme vorgestellt, und im kommenden Monat werden die ersten offiziellen Schritte in
dem nahezu ein Jahr dauernden Wahlproze ß erfolgen.
Wie alle vier Jahre wird ein dreistufiger Prozeß stattfinden, in dem festgelegt wird, wer die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren führen wird.
Stufe eins besteht aus den Vorwahlen oder Parteiversammlungen in den 50 Bundesstaaten und dem District of Columbia, wobei in jeder der wichtigsten
politischen Parteien eine Kandidatenliste vorliegt. Stufe
zwei sind die nationalen Nominierungskonvente der
Demokraten und Republikaner, bei denen jede Partei
ihren Kandidaten offiziell wählt. In der letzten Phase
reisen die nominierten Kandidaten zwei Monate lang
quer durch 'lz.z Land, um Wählerstimmen für die
landesweiten Wahlen am 3. November zu gewinnen.
Nach Ansicht des erfahrenen politischen Beobachters
Thomas Mann von der Brookings Institution handelt es
sich hierbei um "einen sich ständig verändernden
komplexen Prozeß". Mann erläuterte ferner, im Hinblick auf einzelne Kandidaten oder Probleme träten
Fragen auf, die vor einem Monat bei den Wahlen noch
keine Rolle gespielt hätten oder an die niemand gedacht hätte.
Insgesamt wird dies ein Jahr der Reden, Kundgebungen, Medienspektakel, Werbekampagnen, Slogans
und oftmals nicht eingelösten Wahlversprechen. Auf
dem Spiel stehen nicht nur die Präsidentschaft, sondern auch 12 Gouverneursposten der Bundesstaaten,
35 Senatssitze und alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus.
Die Demokraten kontrollieren beide Häuser des Kongresses mit einer großen Mehrheit, und es gibt keinen
Grundzu der Annahme, daß die Republikanerin einem
von beiden die Kontrolle erlangen können, egal wie die
Präsidentschaftswahl ausgeht. In den ersten 165
Jahren der amerikanischen Geschichte hat die eine

AMERIKA DIENST 2

oder andere politische Partei den Kongreß und das
Präsidentenamt nur vierzehn Jahre lang gleichzeitig
innegehabt. Vor 35 Jahren hat sich jedoch die Philosophie der Wähler verändert, und seitdem haben sich
in allen - außer 12 - Jahren Demokraten und Republikaner die Regierung geteilt. Meinungsumfragen zeigen, daß die meisten Wähler jetzt dieses System der
gegenseitigen Kontrolle und geteilten Verantwortung
zwischen den beiden Teilen der Regierung vorziehen.
Die Wahlkampagne beginnt traditionell in Iowa, wo
sich dieses Mal am 10. Februar die Bürger des Staates
in Bezirksversammlungen treffen, um öffentlich einem
Präsidentschaftskandidaten ihre Unterstützung zu
bekunden. In einer komplizierten Berechnung von
Prozentsätzen gewinnen die Kandidaten eine anteilige
Zahl von Delegierten für die Konvente der Bezirke und
Bundesstaaten, die dann ihrerseits bestimmte Delegierte in die nationalen Nominierungskonvente wählen. Die nationale Aufmerksamkeit konzentriert sich
auf die Versammlungen in Iowa als dem ersten Test für
den Pulsschlag der amerikanischen Wähler.
Acht Tage später findet die erste Vorwahl in New
Hampshire statt, und das aufreibende Tempo wird bis
zum 2. Juni anhalten, wenn in Kalifornien und vier
anderen Staaten die Saison der Vorwahlen und Parteiversammlungen endet. Der sogenannte Super Tuesday fällt auf den 10. März, weil dann in 11 Staaten zumeist im Süden - die Vorwahlen stattfinden.
Obwohl Präsident Bushs Kandidatur zur Wiederwahl
bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben wurde, hat
er die notwendigen Schritte unternommen, um auf den
Stimmzetteln für die Vorwahlen aufgeführt zu werden,
und seinem Büro zufolge wird die formelle Erklärung in
Kürze folgen. Bush genie ßt nicht den Vorzug, automatisch von der Republikanischen Partei zur Wiederwahl
nominiert zu werden. Er muß um seine erneute
Nominierung kämpfen. Herausforderer sind der konservative Kolumnist und Fernsehkommentator Pat
Buchanan sowie der ehemalige Ku-Klux-Klan-Führer
David Duke. Duke bewirbt sich ohne den Segen der
Republikanischen Partei, die in zahlreichen Staaten
sogar versucht, seinen Namen nicht auf den Stimmzetteln erscheinen zu lassen.

Seite 1

�Bei den Demokraten treten fünf Bewerber an: Der
Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, Senator Tom
Harkin aus Iowa, Senator Bob Kerrey aus Nebraska,
der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown
sowie der frühere Senator Paul Tsongas aus Massachusetts. Alle sind in ihren Heimatstaaten sehr bekannt, haben aber ein geringes nationales Profil.
Mehr Aufmerksamkeit als die Bewerber erregten diejenigen politischen Persönlichkeiten, die ankündigten,
sich nicht um eine Kandidatur zu bemühen. Prominentester Vertreter in diesem Kreis, zu dem auch der
Bürgerrechtler und ehemalige Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson gehört, ist der Gouverneur von New
York, Mario Cuomo.
Einer der erklärten Kandidaten, der Gouverneur von
Virginia, Douglas Wilder, hat seine Bewerbung bereits
zurückgezogen und dabei erklärt, er müsse seinem
Staat beim Kampf gegen die Rezession helfen. Mehrere
andere werden erwartungsgemäß im Lauf der Vorwahlkampagne aufgeben, und am Tag der Nominierungskonvente wird wahrscheinlich in jeder Partei ein
Kandidat genügend Stimmen von Delegationen aus
den Bundesstaaten besitzen, um die Nominierung
sicherzuhaben.
Dieses Szenarium kann jedoch die Demokraten nicht
von ihrer Geschichte langwieriger Vorwahlschlachten
befreien. Die führenden Köpfe der Partei sähen es am
liebsten, wenn ein Kandidat schon frühzeitig in Führung ginge und zur Mitte der Vorwahlen bereits die
Nominierung in der Tasche hätte, was diesem Bewerber dann einen fliegenden Start in den Präsidentschaftswahlkampf ermöglichen würde.
Bis zum 17. März wird bereits die Hälfte der Delegierten für die Nominierungskonvente in verschiedenen
Vorwahlen ausgewählt sein. Die Demokratische Partei wendet in jedem Staat ein Verhältniswahlrecht an,
bei dem die Prozentzahl der auf einen bestimmten
Kandidaten festgelegten Delegierten auf dem Anteil
der für ihn abgegebenen Stimmen beruht. Die Republikaner benutzen dagegen das Alles-oder-Nichts-Prinzip, nach dem alle Delegiertenstimmen demjenigen
zufallen, der aus einer Vorwahl als Sieger hervorgeht.
Die Rolle der Konvente - die dieses Mal für die Demokraten Mitte Juli in New York und für die Republikaner
Mitte August in Houston stattfinden - wurde im Lauf der

Zeit immer geringer, da die im Vorwahlkampf erfolgreichen Kandidaten schon im ersten Wahlgang von den
Delegierten aus den Bundesstaaten zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurden. Die Konvente
erschöpfen sich heute vornehmlich in der Verabschiedung der Wahlkampfplattform, der Zustimmung zu
dem von dem nominierten Präsidenschaftskandidaten
ausgewählten Vizepräsidentschaftskandidaten und
dienen darüber hinaus als nationale Bühne für Kandidaten und Programme der jeweiligen Partei.
Das Wochenende zum Tag der Arbeit Anfang September bildet traditionell den Auftakt zum Präsidentschaftswahlkampf der von beiden Parteien nominierten Kandidaten, der von ständigen Reisen in Begleitung eines
großen Pressekorps gekennzeichnet ist. Bisweilen
kreuzen sich dabei ihre Wege, besonders bei der
Teilnahme an einem landesweit übertragenen Streitgespräch im Femsehen, das von einer überparteilichen Organisation veranstaltet wird. Damit erhalten
die Wähler eine Gelegenheit, die Ansichten der Kandidaten zu verschiedenen Themen zu vergleichen.
Die meisten politischen Beobachter gehen davon aus,
daß der Zustand der amerikanischen Wirtschaft, die
sich zur Zeit in einer Rezession befindet, das wichtigste Thema des Wahlkampfs 1992 sein wird. Niemand
kann mit Sicherheit vorhersagen, wie das Bild am
Ende des Wahlkampfs aussehen wird, aber allgemein
wird angenommen, daß es der Amtsinhaber leichter
hat, seine Position zu behaupten, wenn sich die Wirtschaftslage zu diesem Zeitpunkt nicht weiter verschlechtert.
Auf allen Regierungsebenen von der Gemeinde bis zur
Bundesregierung verwenden die Kandidaten viel Zeit
und enorme Geldsummen darauf, um die Stimmen
einer äußerst kleinen Wählergruppe, der sogenannten
"Wechselwähler", zu kämpfen. Der politische Beobachter Harrison Hickman, Inhaber eines eigenen Meinungsforschungsinstituts, meint, daß vor zahlreichen
Wahlen der Vergangenheit 45 Prozent als Wähler der
Repu blikaner und 40 Prozent als Wähler der Demokraten galten. Damit blieben Hickman zufolge 15 Prozent
Unentschlossene übrig, die deshalb die einzig echte
Zielgruppe für die Jagd der Kandidaten nach Stimmen
seien. Diese Jagd wird mit großer Intensität gefüh t,
die schließlich mit der Stimmabgabe am 3. November
ihren Abschluß findet - bis zum nächsten Mal.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 2

�US-AUSSENPOLITIK
15. Januar 1992

ENTSTEHUNG UND GESTALTUNG DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
von Barbara Beroth
In dem nachfolgenden Artikel stellt Barbara Beroth, freie Journalistin in Washington, die an der Gestaltung der
amerikanischen Außenpolitik beteiligten Kräfte und Persönlichkeiten vor.
Ende 1945 lag der Großteil Europas nach sechs
Jahren eines verheerenden Krieges in Schutt und
Asche. Unzählige Wohnhäuser und Fabriken waren
zerstört. Brücken existierten nicht mehr, Straßen und
Schienenwege waren schwer beschädigt. Die Bauern
hatten kaum Saatgut und Dünger, um den Anbau auf
dem verwüsteten Boden wiederaufzunehmen. Selbst
die erzeugten Nahrungsmittel erreichten aufgrund der
zerstörten Verkehrswege nur unter Schwierigkeiten
die städtischen Ballungsgebiete.
Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur für Europa
sondern auch für r"« Zielrichtung der amerikanischen
Außenpolitik erhebliche Veränderungen, war es doch
dieser Krieg gewesen, der die Vereinigten Staaten von
einem nach innen gewandten mit seinen eigenen
Problemen beschäftigten zu einem nach außen, auf
internationale Lösungen und internationale Maßnahmen orientierten Land machte.
An keinem anderen Beispiel kam dies so klar zum
Ausdruck wie beim Marshallplan von 1947. Begründung, Entwicklung und Verwaltung des Plans (der
offiziell als Europäisches Wiederaufbauprogramm
bezeichnet wurde) zeigen, wie Außenpolitik in den
Vereinigten Staaten zustandekommt und welche
Auswirkungen amerikanische Maßnahmen für andere
Staaten haben können.
Am 5. Juni 1947 stand der amerikanische Außenminister George C. Marshall, der im Zweiten Weltkrieg
Stabschef und General des Heeres gewesen war, vor
einem Abschlußjahrgang der Harvard University in
Cambridge (Massachusetts), wo ihm die Ehrendoktorwürde verliehen werden sollte. Er sprach über seine
Hoffnungen und Pläne zum Wiederaufbau Europas.
Nachdem er die immer noch in Europa bestehenden
verzweifelten Bedingungen beschrieben hatte (obwohl bereits durch das Hilfswerk der Vereinten Nationen für den Wiederaufbau ein gewisses Maß an Hilfe
gewährt worden war), erklärte Marshall:
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"Unsere Politik ist nicht gegen irgendein Land
oder eine Doktrin, sondern gegen Hunger, Armut,
Verzweiflung und Chaos gerichtet. Ihr Zweck
sollte es sein, die Weltwirtschaft wiederherzustellen, um das Entstehen politischer und sozialer Verhältnisse zu ermöglichen, unter welchen
freie Institutionen existieren können."
Dies war der Beginn eines neuen Ansatzes in der
Außenpolitik und Auslandshilfe - nicht nur Hunger und
Armut zu bekämpfen, sondern die Systeme an sich,
die sie hervorbrachten.
Marshall stellte darüber hinaus fest: "Es wäre für die
amerikanische Regierung weder passend noch wirksam, einseitig ein Programm zu entwerfen, das bestimmt, wie Europa wirtschaftlich wieder auf die Füße
gestellt werden kann. Das ist die Aufgabe der Europäer selbst."
Und so geschah es dann auch. 18 europäische
Staaten beschlossen, an dem Programm teilzunehmen. Die Sowjetunion und die Länder Osteuropas
waren zur Teilnahme eingeladen, lehnten jedoch ab.
Die Teilnehmer trafen sich am 12. Juli 1947 als Konferenz über europäische wirtschaftliche Kooperation in
Paris. Es war eine Konferenz voller Debatten - wieviel
Verantwortung und welchen Anteil an der Leitung
sollten die Europäer für einen Plan übernehmen, der
von den Vereinigten Staaten finanziert werden würde?
Und wieviel "Führung" sollten die Vereinigten Staaten
haben, und mit welchem Nachdruck sollten sie diese
ausüben, denn es mußte ja letztlich ein Plan erarbeitet
werden, der für den amerikanischen Kongreß als
Kontrollinstanz über die Mittel eines solchen Programms annehmbar war.
Des weiteren wurde darüber debattiert, wieviel Kapital
erforderlich wäre (die Europäer gingen anfänglich von
29,2 Milliarden Dollar für ein Vierjahresprogramm aus,
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�was jedoch von den Vereinigten Staaten für zu hoch
gehalten wurde) und welche Rolle das besiegte und
geteilte Deutschland bei den Wiederaufbauplänen
spielen sollte. (Die Vereinigten Staaten brachten
schließlich über 13 Milliarden Dollar für diesen Plan
auf.)
Während die Konferenz in Übersee stattfand, gingen
Präsident Harry S. Truman und seine Administration
an die Arbeit, um den Plan dem amerikanischen Volk
und dem Kongreß näherzubringen, dessen gewählte
Mitglieder in Repräsentantenhaus und Senat sehr
aufmerksam die Stimmung des amerikanischen Wählers
verfolgten.
Der Marshallplan - wie er später genannt wurde - stand
ziemlich im Einklang mit der Linie Trumans und seiner
Administration. Marshall konzipierte seinen Plan,
nachdem er solide Ratschläge von innerhalb und
außerhalb des Außenministeriums eingeholt hatte. Es
war fast schon eine Frage, wer "die Rede" als erster
halten würde.
George F. Kennan, ein Karrierediplomat, der von
Marshall zum Leiter des politischen Planungsstabes
im Außenministerium ernannt worden war, gab seine
Ansicht zu den Elementen eines solchen Plans mit den
Worten wieder, daß "es einen vier- oder fünfjährigen
Gesamtplan geben sollte; es darf kein Stückwerk von
einem Jahr zum anderen stattfinden."
Truman schuf drei Sonderausschüsse, um die Angelegenheit zu untersuchen. Ein Ausschuß beschäftigte
sich mit dem Verhältnis zwischen amerikanischen
Bodenschätzen und europäischem Wiederaufbau, ein
anderer untersuchte die Auswirkungen eines umfangreichen Hilfspakets auf die amerikanische Wirtschaft
und der dritte, den man als den wichtigsten ansah,
erarbeitete eine detaillierte Analyse des europäischen
Bedarfs auf regionaler und Rohstoffbasis, anstatt jedes Land einzeln zu untersuchen. Der von dem
ehemaligen Wirtschaftsminister W. Averell Harriman,
der von 1943 bis 1946 amerikanischer Botschafter in
der Sowjetunion gewesen war, geleitete dritte Ausschuß war eine aus Bankiers, Vertretern von Industrie
und Gewerkschaften, Verwaltungsfachleuten von
Universitäten und einem ehemaligen US-Senator
zusammengesetzte Gruppe.
Aufgrund der Dringlichkeit des Bedarfs bat der Präsident im Dezember 1947 um Nothilfe für Europa im
Winter 1947/48, die vom Kongreß gewährt wurde.
Nach einigen Debatten und mehreren Anhörungen im
Kongreß wurde das Gesetz zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Europa im Jahr 1948 vom Kongreß
verabschiedet. Für das erste Jahr des Programms
wurden 4,3 Milliarden Dollar bewilligt. Das Gesetz trat
am 3. April 1948 in Kraft.
Die nächste Frage bestand darin, wer das Hilfsprogramm aus amerikanischer Sicht verwalten sollte. Der
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Kongreß war nicht bestrebt, dem Außenministerium
die Programmaufsicht zu übertragen. Das Außenministerium stimmte in der Annahme zu, daß der zeitaufwendige und detaillierte Charakter des Projekts nicht
mit den anderen Funktionen des Ministeriums vereinbar wäre. Deshalb wurde entschieden, zur Verwaltung
des Programms eine neue autonome Behörde ins
Leben zu rufen. Der Unternehmer Paul G. Hoffman,
Präsident des Automobilkonzems Studebaker, wurde
als deren Leiter berufen. Hoffman war bereits Mitglied
im Ausschu ß Averell Harrimans gewesen, und nun war
Harriman an der Reihe, in Hoffmans Behörde als
Sonderbeauftragter für den Marshallplan in Europa zu
dienen. In der Zwischenzeit hatten die europäischen
Staaten in Paris die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEWZ) gegründet.
Hier also war amerikanische Außenpolitik in der Entstehung begriffen. Außenminister George C. Marshall, ein Mitglied im Kabinett des Präsidenten und
verdienter Offizier, stand vor einem Publikum in Harvard, das nicht nur Dozenten und Studenten sondern
auch die Presse umfaßte, um einen Plan zu vermitteln,
der zu seiner Verwirklichung die Führung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Zustimmung und
Finanzierung des Kongresses sowie die Aufsicht eines
Unternehmers und zu seiner Unterstützung die Akzeptanz beim amerikanischen Volk erforderte.
Der Marshallplan hatte seine Kritiker: diejenigen, die
gegen ein weiteres Engagement in Europa waren,
insbesondere zu so hohen Kosten für den amerikanischen Steuerzahler, diejenigen, die ihn als zu provokativ für die Sowjetunion erachteten, und diejenigen, die
in ihm nur einen weiteren Versuch zur Öffnung von
Märkten für amerikanische Produkte sahen.
Diese Argumente waren jedoch nichtig angesichts der
vordringlichen Bedürfnisse der Völker Europas und
einer übermächtigen Besorgnis - zu verhindern, daß
Europa erneut in einen Krieg verstrickt wurde. Die
Lektion des Ersten Weltkriegs (1914 -1918) lautete:
ein vernichtender Friedensvertrag, der sehr viele
Ressentiments hervorrief und lähmende Reparationszahlungen von den Besiegten verlangte, die letztlich
wirtschaftliche Depression und den Zweiten Weltkrieg
zur Folge hatten.
Handelsbelange haben stets eine wichtige Rolle in der
amerikanischen Außenpolitik gespielt. Was sich seit
dem Zweiten Weltkrieg verändert hat, ist das Engagement.
Ende des 18. Jahrhunderts, als die Vereinigten Staaten eine unabhängige Nation wurden, wollten sich die
politisch Verantwortlichen in Amerika aus der europäischen Politik und den damit einhergehenden Bündnissen heraushalten. Sie kannten die lange Geschichte
europäischer Konflikte und vertraten die Auffassung,
die Unterstützung des einen oder anderen Landes
würde sie nur in diese Konflikte hineinziehen.

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�Von Präsident George Washington (1789 - 1797),
dessen Devise lautete, "sich von permanenten Bündnissen mit irgendeinem Teil der übrigen Welt fernzuhalten", bis zu Präsident Thomas Jefferson (1801 1809), der von verwickelnden Bündnissen sprach, war
die amerikanische Außenpolitik derart formuliert, solche Konflikte zu vermeiden. Die riesige Distanz zwischen Europa und Nordamerika tat ein übriges.
Während heute der Begriff "Isolationismus" als Politik
des Rückzugs eines Landes aus Bündnissen und Verpflichtungen gegenüber anderen Nationen definiert
wird, bedeutet isoliert, losgelöst oder getrennt zu sein,
und die natürlichen Grenzen der Vereinigten Staaten
und ihrer Nachbarländer spielten eine wichtige Rolle in
außenpolitischen Entscheidungen. Reisen, die heute
Stunden dauern, wurden damals in Wochen, wenn
nicht Monaten gemessen.
Die natürlichen Grenzen des Landes erlaubten den
Vereinigten Staaten eine Entwicklung in relativer Sicherheit und Frieden. Darüberhinaus entwickelte sich
ein optimistischer Zug des amerikanischen Charakters, der solche Sicherheit fördert. Der letzte größere
Krieg auf amerikanischem Boden unter Beteiligung
einer anderen Nation (Großbritannien) war der Krieg
von 1812 - ein in beiden Ländern höchst unpopulärer
Krieg. Er entstand vornehmlich aus dem andauernden
britisch-französischen Konflikt (den Napoleonischen
Kriegen), und war genau die Art von Verwicklung, die
die amerikanischen Politiker zu vermeiden gehofft
hatten. Aber nachdem man sich amerikanischer Schiffe
und Seeleute bemächtigt hatte (die Briten behaupteten, die Seeleute «eion britische Staatsbürger - einige
waren es, andere nicht), und Versuche unternommen
wurden, die &amp;. germanischen Schiffe von französischen
Häfen fernzuhalten, war Krieg unvermeidbar. Am
Ende gab es keine echten Gewinner, obwohl die
Amerikaner das Gefühl hatten, einen Erfolg errungen
zu haben und die Briten sehr großzügigen Friedensbedingungen zustimmten, mit denen praktisch der Status
quo wiederhergestellt wurde.
Andererseits gaben die europäischen Konflikte den
Vereinigten Staaten jedoch die Möglichkeit, ihrTerritorium durch Verträge und Verhandlungen zu erweitern,
einschließlich des direkten Kaufs von Land.
Der Kauf von Louisiana war eine solche Vereinbarung.
1803 befahl Napoleon seinem Außenminister Talleyrand, das gesamte französische Territorium Louisiana
(die westliche Hälfte des Mississippi-Beckens) den
Vereinigten Staaten zu einem Preis von rund 15 Millionen Dollar anzubieten. Was genau verkauft wurde,
war nie klar, aber mit diesem einen Kauf verdoppelten
die Vereinigten Staaten ihr Gebiet.
Das soll nicht hei ßen, daß die amerikanischen Politiker
sämtliche Konfrontationen mit europäischen Mächten
vermieden. Was sie zu umgehen versuchten, waren

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Bündnisse in diesen Konfrontationen. Die Monroedoktrin - noch heute Bestandteil des diplomatischen Vokabulars - ist ein solcher Fall. Bis 1823 hatten eine Reihe
ehemaliger spanischer Kolonien in Lateinamerika ihre
Unabhängigkeit erhalten, bestimmte europäische
Mächte wollten jedoch die spanische Herrschaft wiederhergestellt sehen. Sowohl Großbritannien als auch
die Vereinigten Staaten erhoben Einwände. Die Vereinigten Staaten waren femer über einen möglichen
russischen Vorstoß und die russische Besiedlung im
pazifischen Nordwesten besorgt. Großbritannien schlug
ein gemeinsames Vorgehen zu Lateinamerika vor. Die
Vereinigten Staaten lehnten diesen Vorschlag ab.
Statt dessen legte Präsident James Monroe (1817 1825) seine Doktrin in der traditionellen Jahresansprache des Präsidenten vor dem Kongreß dar, in der er
unter anderem feststellte: "die amerikanischen Kontinente dürfen aufgrund des freien und unabhängigen
Status', den sie errungen haben und bewahren, fortan
nicht mehr als Objekt künftiger Kolonialisierung durch
irgendeine europäische Macht angesehen werden..."
Das war eine kühne Doktrin für eine neue - und noch
immer schwache - Nation. Was zu ihrem Funktionieren beitrug, war die Zustimmung Großbritanniens zu
dieser Politik, und - was noch wichtiger war - die
mächtige britische Marine, die zwischen Europa und
Lateinamerika stand.
Amerika wuchs weiter, gelegentlich zur kurzsichtigen
Belustigung seiner Bürger. 1867 verhandelte Außenminister William Henry Seward mit dem russischen Zar
über den Kauf von 1.524.640 kmz nahezu unbekannten Landes zum Preis von 7,2 Millionen Dollar. Zu
jener Zeit wurde der Kauf als "Sewards Torheit" und
"Sewards Eisfach" verspottet. Es handelte sich um
das Gebiet Alaska.
In dem Maße, in dem Amerikas Wirtschaftsmacht
wuchs, nahm sein internationales Engagement zu.
Der spanisch-amerikanische Krieg von 1898 und der
Erste Weltkrieg waren nur Vorläufer des entscheidensten Engagements - des Zweiten Weltkriegs. Innenpolitische Belange konnten nicht länger getrennt von
der Außenpolitik betrachtet werden. Verteidigungsausgaben, die Kosten der Auslandshilfe, multinationale Unternehmen und Handel, Menschenrechtsfragen all dies bedeutete, daß "Verwicklungen" globalen
Ausmaßes jetzt zur Tagesordnung gehörten.
In seinem 1988 erschienenen Buch Diplomacy and
the American Democracy schreibt der ehemalige
amerikanische Botschafter in Libyen, Indonesien und
auf den Philippinen, David D. Newsom:
"Die Tatsache, daß sich Außenpolitik auf innenpolitische Belange gründet, ist ein Zeichen der Stärke, nicht
der Schwäche. Die Außenpolitik einer Demokratie
kann nicht effektiv sein, wenn sie nicht letztlich Unterstützung im Inland erfährt."

Seite 3

�Obwohl der amerikanische Präsident zweifelsohne die
Führungsrolle übernimmt und den Kurs der heutigen
Au ßenpolitik bestimmt, gibt es enorme Kräfte, die auf
ihn wirken: der Kongreß mit seinen Bewilligungsprivilegien und der Macht seiner Stimmen, die amerikanisehen Wähler, die sowohl die Kongreßabgeordneten
als auch den Präsidenten wählen, und eine freie und
unabhängige Presse.
Letztlich zählen die Resultate. Im Juni 1952, als der
Marshallplan auslief, lag die europäische Industriepro-

duktion 35 Prozent über dem Niveau der Vorkriegszeit
und die Agrarproduktion 10 Prozent darüber. Der
Marshallplan hat funktioniert. Anfangs vornehmlich für
die Beschaffung von Nahrungsmitteln, landwirtschaftlichem Gerät, Düngemitteln und Futter, Maschinen
und Material für den Fertigungsbereich gedacht, wurde der Plan auf Militärhilfe und Bündnisse ausgedeht
(die NATO wurde 1949 gegründet). Heute liegt die
Bedrohung eines Dritten Weltkriegs in weiter Feme
u n d i s t i m Verschwinden begriffen.

* * * * *

Seite 4

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�WELTWIRTSCHAFT
15. Januar 1992

EINE STRATEGIE FÜR WELTWEITES
WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Eine Übersicht des Weißen Hauses
TOKIO - (AD) - Am 8. Januar 1992 haben Präsident Bush und der japanische Premierminister Miyazawa eine
gemeinsame Strategie zur Förderung einer weltweiten wirtschaftlichen Erholung angekündigt. Dazu veröffentlichte das Weiße Haus die folgende Übersicht.
Die Strategie
Die Strategie ist eine wichtige Deklaration der jeweiligen Verpflichtungen, die von den Vereinigten Staaten
und Japan zur Förderung des Wirtschaftswachstums
übernommen werden. Die Strategie trägt der Tatsache Rechnung, daß Wirtschaftswachstum das wichtigste Anliegen der Weltwirtschaft ist, und sie ist deshalb
als kooperative politische Antwort konzipiert, um das
Wachstum der Weltwirtschaft zu stärken. Die Effektivität der Strategie würde durch die Einbeziehung weiterer Länder noch verbessert, und wir haben Gespräche mit den anderen Mitgliedstaaten der G-7 eingeleitet, um deren Ansichten über die Möglichkeit einer
Erweiterung ^mzunolen.
Die wirtschaftlichen Aussichten
Das Wachstum ist in den G-7-Ländern von 2,6% im
Jahr 1990 auf 1,1% im Jahr 1991 zurückgegangen. Im
Jahr 1992 wird eine Erholung auf 2,0% prognostiziert.
Die Inflationsrate in den G-7-Staaten ist im Jahr 1991
von 4,8% im Vorjahr auf 4,4% gefallen. Sie wird im
Jahr 1992 voraussichtlich weiter auf 3,7 Prozent sinken.
Die japanische Regierung prognostiziert für das am 1.
April beginnende Haushaltsjahr 1992 ein Wirtschaftswachstum von 3,5%. Diese Schätzung gründet sich
auf eine erwartete 3,6prozentige Steigerung der Binnennachfrage und einen 0,1prozentigen Rückgang
der Nettoauslandsnachfrage. Die Inflation soll im
gleichen Zeitraum von 2,9% auf 2,3% abnehmen.
Die wichtigsten Elemente der Strategie
Die Strategie trägt den besonderen Verpflichtungen Rechnung, die Japan und die Vereinigten Staaten eingegangen sind, um Maßnahmen
anzustreben, die die Weltwirtschaft und das
Welthandelssystem stärken.
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Die Strategie enthält eine gemeinsame Verpflichtung für Wirtschaftswachstum und die Durchführung kooperativer Maßnahmen im Inland,
um das Wachstum zu fördern.
Die Strategie könnte erweitert werden, um auch
andere Länder einzubeziehen, die zur Unterstützung von Maßnahmen zur Förderung des
Wirtschaftswachstums bereit sind.
Die Strategie beschreibt bestimmte haushaltsund geldpolitische Maßnahmen zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums.
Japan wird dem Parlament einen Haushalt vorlegen, mit dem die Binnennachfrage angekurbelt wird, um im Haushaltsjahr 1992 ein
3,5prozentiges Wachstum und eine Verringerung des Außenhandelsüberschusses zu erzielen. Die japanische Regierung wird den Fortschritt dieser Maßnahmen beobachten um zu
gewährleisten, daß die erwarteten Auswirkungen realisiert werden.
Die US-Zentralbank hat die Zinssätze im Lauf
des Jahres 1991 kontinuierlich gesenkt. Die
jüngste Rücknahme des Diskontsatzes der USZentralbank um einen vollen Prozentpunkt hat
diesen wichtigsten Zinssatz auf 3,5 Prozent und
damit den niedrigsten Stand seit 25 Jahren
gesenkt.
Am 30. Dezember 1991 hat die japanische
Zentralbank ihren Diskontsatz um 0,5% auf
4,5% verringert.
(Anmerkung: Das japanische Haushaltsjahr 1992 läuft
vom 1. April 1992 bis zum 31. März 1993, das amerikanische Haushaltsjahr 1993 vom 1. Oktober 1992 bis
zum 30. September 1993.)

Seite 1

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