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                    <text>14. Oktober 1982

40
INHALT

i

i

INFORMATION
30. Jahrestag der Gründung des deutsch-amerikanischen
Fulbright-Programms
DOKUMENTATION
Reagan fordert Streichung der Meistbegünstigungsklausel für Polen
- Wortlaut der Rundfunkansprache des US-Präsidenten Erklärung Präsident Reagans zum Welternährungstag
- USA um weltweite Nahrungsmittel Sicherung bemüht HINTERGRUND
Die Sowjetunion in der Krise
- Dr. Richard Pipes Mitarbeiter des U.S. National Security Council
Erneute Greuel in Afghanistan
- Kommentar der Stimme Amerikas US-Staatssekretär schliesst Präventivkrieg des Westens aus

DelegeKemplaren
wird 9ebetei

�14. Oktober 1982

40

30. JAHRESTAG DER GRÜNDUNG DES DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FULBRIGHT-PROGRAMMS

BONN - (AD) - In der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in
Bonn fand am 4. Oktober 1982 ein Festakt aus Anlaß des 30. Jahrestages der
Gründung des deutsch-amerikanischen Fulbright-Austausch-Programms statt.
In Anwesenheit von Senator J. William Fulbright sowie deutschen und
amerikanischen Gästen würdigte Staatssekretär Dr. Hans Werner Lautenschlager im Namen des Auswärtigen Amtes die Bedeutung des Austausch-Programms
für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
In seiner Rede, die unter das Motto "Begegnung und Austausch" gestellt
war, unterstrich Staatssekretär Lautenschlager die gemeinsamen Grundwerte
als "Nährboden und Garanten für die deutsch-amerikanische Freundschaft."
Präsident Reagan sagte in einem Schreiben, das vom amerikanischen Botschafter Arthur F. Burns verlesen wurde: "Der dreißigste Jahrestag der Gründung des Fulbright-Programms in Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein in

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Telex: 8-85432

�Meilenstein in den traditionell verankerten geistigen und kulturellen
deutsch-amerikanischen Bindungen." Er bezeichnete das deutsch-amerikanische
Austausch-Programm als "das weltweit größte Programm", das er "ein Beispiel
für die Stärke der deutsch-amerikanischen Beziehungen" nannte. Präsident
Reagan erklärte weiter, "durch die Verbindungen, die wir zwischen unseren
Institutionen hergestellt haben, erweitern und stärken wir dieses Verhältnis und die transatlantischen Bindungen." Er gratulierte 'der Kommission,
ihren Freunden und allen, die ihr auf beiden Seiten des Atlantik verbunden
sind.zu ihrem unermüdlichen Einsatz, der einer so wichtigen Zielsetzung
dient."
Charles Z. Wick, der Direktor des US-Informationsamtes (USIA) und persönlicher Beauftragter Präsident Reagans für den internationalen Studentenaustausch, sagte in einem Schreiben, das von Botschaftsrat Hans N. Tuch verlesen wurde: "An diesem bedeutungsvollen Tag können die Bürger der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten mit Stolz auf 30 Jahre erfolgreicher Arbeit der Fulbright-Kommission in Bonn zurückblicken." Wick
unterstrich "die wesentliche Rolle (der Kommission) bei der Förderung und
Durchführung des privaten akademischen Austausches" und nannte die Kommission
"führend in der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit bei Austauschvorhaben der einzelnen Länder." Er sprach der Kommission seine Glückwünsche
"für 30 Jahre ausgezeichneter Arbeit" aus und wünschte ihr "eine erfolgreiche Zukunft."
Die persönliche Grußbotschaft Präsident Reagans an die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission hat folgenden Wortlaut:
"Der dreißigste Jahrestag der Gründung des Fulbright-Programms in der
Bundesrepublik Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein in den traditionell
verankerten geistigen und kulturellen deutsch-amerikanischen Bindungen. Diese traditionellen Bindungen reichen für fast drei Jahrhunderte. In der Tat
repräsentiert die nach deutschem Modell eingeführte Hochschulbildung in den
Vereinigten Staaten eine Fortsetzung der europäischen Tradition. Diese Tra-

- 2 -

�Diese Tradition stand seit ihrem Beginn im Dienst der höchsten Bestrebungen der Menschheit - dem Erwerb von Wissen, Verstehen, Frieden und Freiheit.
Das Fulbright-Programm mit der Bundesrepublik Deutschland ist weltweit
das größte Programm und ein Beispiel für die Stärke der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Wenn die Fulbright-Kommission heute das dreißigjährige
Jubiläum dieses akademischen Austauschprogramms feiert, dann nehmen wir das
zum Anlaß, die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Beziehungen entsprechend
zu würdigen - einer Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamen politischen kulturellen und wirtschaftlichen Wertvorstellungen beruht.
Durch den Austausch von Personen, durch die Verbindungen, die wir zwischen
unseren Institutionen hergestellt haben, erweitern und stärken wir dieses
Verhältnis und die transatlantischen Bindungen. Ich gratuliere der Kommission,
ihren Freunden und allen, die ihr auf beiden Seiten des Atlantik verbunden
sind, zu ihrem unermüdlichen Einsatz, der einer so wichtigen Zielsetzung
dient."
Die Grußbotschaft von USIA Direktor Charles Z. Wick an die FulbrightKommission in Bonn hat folgenden Wortlaut:
"An diesem bedeutungsvollen Tag können die Bürger der Bundesrepublik
und der Vereinigten Staaten mit Stolz auf 30 Jahre erfolgreicher Arbeit der
Fulbright-Kommission in Bonn zurückblicken.
Im Rahmen ihres Auftrags, das gegenseitige Verständnis zwischen dem
deutschen und dem amerikanischen Volk zu fördern, vermittelt die Kommission
den Austausch von ungefähr 800 Fulbrightern pro Jahr. Sie spielt eine wesentliche Rolle bei der Förderung und Durchführung des privaten akademischen
Austausches. Sie ist führend in der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit
bei Austauschvorhaben der einzelnen Länder. In zunehmendem Maße erfahren die
Programme der Kommission Unterstützung durch private Initiative, so bei Vorhaben auf dem multinationalen und dem fortbildenden Sektor, sowie im Austausch von Studenten, Lehrern und Wissenschaftlern zwischen unseren beiden
Staaten&lt;

Die Kommission

�Die Kommission kann nunmehr der Zukunft im Hinblick auf bisher bereits
bewiesenen Ideenreichtum und großherzige Gesinnung von einer Position der
Stärke aus entgegenblicken. Eingedenk der Tradition des wissenschaftlichen
Austausches hoffen wir, daß die Kommission ihre Programmvorhaben weiterhin
unter Berücksichtigung der Möglichkeiten gestalten wird, die sich aus unserer fortdauernden Partnerschaft ergeben. Die Kommission kann ihrer entscheidenden Rolle bei der Erfüllung dieser wichtigen Aufgaben dadurch gerecht werden, daß sie sich weiterhin um gegenseitiges Verständnis zwischen
der kommenden Generation von Führungspersönlichkeiten in unseren beiden
Staaten bemüht.
Ich bin heute im Geiste bei Ihnen und spreche der Fulbright-Kommission
meine Glückwünsche für 30 Jahre ausgezeichneter Arbeit aus und wünsche ihr
eine erfolgreiche Zukunft."

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Oktober 1982

40

REAGAN FORDERT STREICHUNG DER MEISTBEGÜNSTIGUNGSKLAUSEL
FÜR POLEN
- Wortlaut der Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in
einer Rundfunkansprache an das amerikanische Volk am 9. Oktober 1982 die
Streichung der Meistbegünstigungsklausel im Handel mit Polen als Vergeltung für das Verbot der polnischen Gewerkschaft Solidarität angekündigt.
Reagan warnte das polnische Regime, daß er noch weitere Schritte unternehmen könne, wenn die Militärdiktatur ihre, wie er sagte "Verfolgung" des polnischen Volkes fortsetze. Washington, so teilte der amerikanische Präsident
weiter mit, stehe in "dringenden" Konsultationen mit den Verbündeten über
mögliche Reaktionen auf die Maßnahme in Polen.
Der Stellvertretende Pressesprecher des Weissen Hauses, Larry Speakes,
erklärte vor Korrespondenten, die Maßnahmen des Präsidenten würden es Polen
erschweren, seine Produkte in den Vereinigten Staaten abzusetzen und harte
Währung zu verdienen. Die angekündigte Maßnahme ist die dritte Sanktion seit
Verhängung des Kriegesrechtes in Polen durch das Militärregime im Dezember
vorigen Jahres. Im Dezember 1981 und im Juni 1982 hatte Reagan unter anderem
die Aussetzung von Flugrechten, Fischereiprivilegien sowie eine Aussetzung
amtlicher Kredite und Bürgschaften verkündet.

D.

humanitäre

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�Die humanitäre Hilfe für das polnische Volk bleibt von den Sanktionen
unberührt.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger!
Gestern hat die polnische Regierung, eine Militärdiktatur, einen weiteren tiefgreifenden Schritt in ihrer Verfolgung des eigenen Volkes unternommen. Sie erklärte Solidarität, die Organisation der arbeitenden Männer
und Frauen in Polen, ihre freie Gewerkschaft, als illegal.
Ich weiß, Polen ist ein weit von uns entfernt liegendes Land in Osteuropa. Und doch ist diese Maßnahme eine Sache tiefer Besorgnis für das
ganze amerikanische Volk und die freie Welt.
Seit der brutalen Verhängung des Kriegsrechtes im Dezember vorigen Jahres haben die polnischen Behörden der Welt versichert, daß sie an einer echten Aussöhnung mit dem polnischen Volk interessiert seien. Aber die gestrige
Maßnahme des polnischen Regimes enthüllt die Hohlheit seiner Versprechungen.
Indem

es die Solidarität, eine freie Gewerkschaftsorganisation, der eine

überwältigende Mehrheit der polnischen Arbeiter und Bauern angehört, als
ungesetzlich erklärt, hat das polnische Regime deutlich gemacht, daß es niemals die Absicht hatte, eines der grundlegendsten Menschenrechte wieder einzusetzen - das Recht, einer freien Gewerkschaft anzugehören.
Die sogenannte "neue Gewerkschaftsgesetzgebung", in deren Rahmen dieser Rückschritt ergriffen wurde, soll angeblich ein Ersatz für eine Struktur und einen Rahmen zur Schaffung freier Gewerkschaften in Polen sein.
Aber die freie Welt kann das nur als ein Täuschungsmanöver betrachten. Es
liegt auf der Hand, daß solche Gewerkschaften, sollten sie gegründet werden, nichts weiter als ein verlängerter Arm der kommunistischen Partei in
Polen sein werden.
Die polnischen
- 2 -

�Die polnischen Militärfülrer und ihre sowjetischen Hintermänner haben
gezeigt, daß sie weiterhin die Hoffnungen und Wünsche der Mehrheit des polnischen Volkes zertreten werden. Amerika kann angesichts dieser jüngsten
Drohungen der Repression und Akten der Repression durch die polnische Regierung nicht untätig beiseite stehen.
Ich leite daher heute Schritte ein, um so rasch wie möglich die Aussetzung der Meistbegünstigungsklausel für Polen zu erreichen. Dies wird zu
einer Erhöhung der Zölle für polnische Fertigwaren führen, die nach den
Vereinigten Staaten exportiert werden, und damit die Menge dieser Güter,
die in der Vergangenheit importiert wurden, verringern.
Das polnische Regime sollte wissen, daß wir aufgrund dieser weiteren
Repression in Polen bereit sind, weitere Schritte zu ergreifen. Wir führen
auch dringende Konsultationen mit unseren Verbündeten über Schritte, die
wir als Reaktion auf diese jüngste Gewalttat gemeinsam unternehmen könnten.
Wenn ich diese Schritte unternehme, dann möchte ich gleichzeitig, wie in
der Vergangenheit, klarmachen, daß sie sich nicht gegen das polnische Volk
richten. Wir werden der Bevölkerung Polens weiterhin durch Organisationen
wie den Katholischen Hilfsdienst und CAFE humanitäre Hilfe zukommen lassen,
wie wir das seit Verhängung des Kriegsrechts getan haben.
Und ebenso stehe ich zu meinem früheren Angebot, Wiederaufbauhilfe zu
leisten, um der polnischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, wenn
Warschau dem polnischen Volk seine Menschenrechte wiedergibt.
Es gibt Leute, die sagen, die Maßnahmen der polnischen Regierung bedeuteten das Ende der Solidarität. Ich möchte das niemals glauben. Die Leute, die Polen gut kennen, sind der Meinung, daß,solange die Flamme der
Freiheit in den Herzen der polnischen Männer und Frauen so hell und intensiv
brennt wie heute, der Geist der Solidarität in Polen eine lebendige Macht
seinwird

-

Sicherlich muß

�Sicherlich muß es allen klar sein, daß Polen, solange die Militärbehörden in Warschau nichts tun, um die Solidarität wieder auf ihren rechtmäßigen und hart erkämpften Platz in der polnischen Gesellschaft einzusetzen,
weiterhin von Bitterkeit, Entfremdung, Instabilität und Stagnation heimgesucht werden wird.
Jemand hat gesagt: Wenn einem die Freiheit verwehrt wird, dann wird allen
die Freiheit verwehrt. Der heutige Kampf um die Herzen und Hirne der Menschen
basiert auf einer ganz einfachen Frage: Ist der Mensch geboren, um frei zu
sein oder um Sklave zu sein? In einem Land nach dem anderen haben die Menschen
seit langem die Antwort auf diese Frage gefunden. Wir sind aus göttlichem
Recht frei. Wir sind Herr unseres Schicksals, und wir schaffen Regierungen
nach unserem Belieben. Jene, bei denen es anders ist, begehen ein Verbrechen
und eine Sünde gegen Gott und die Menschen.
Es kann nur einen Weg aus dem heutigen Morast in Polen geben; und das
ist der, daß das Militärregime zu seinen eigenen Grundsatzerklärungen steht
- selbst angesichts des schweren Drucks von außen durch die Sowjetunion das Kriegsrecht aufzuheben, Lech Walesa und seine Kollegen freizulassen,die
heute im Gefängnis schmachten, und erneut mit der Suche nach einem sozialen
Frieden beginnen durch einen mühsamen aber echten Prozeß des Dialogs und der
Aussöhnung mit der Kirche und der Solidarität.
Ich schließe mich meinen Landsleuten, einschließlich der Millionen
von Amerikanern polnischer Abstammung, in dem Gebet an um eine baldige Rückkehr auf den Pfad der Mäßigung und persönlichen Freiheit in Polen.
Ich danke Ihnen fürs Zuhören. Ich werde nächste Woche wieder zu Ihnen
sprechen. Laßt Polen Polen sein. Gott segne Sie.

+ + + + +

�14. Oktober 1982

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM WELTERNÄHRUNGSTAG
• USA um weltweite Nahrungsmittel Sicherung bemüht •

WASHINGTON - (AD) - In einer am 6. Oktober 1982 veröffentlichten Erklärung zum "Welternährungstag", der am 16. Oktober 1982 auf das Problem der begrenzten Nahrungsmittel Vorräte für die Weltbevölkerung aufmerksam machen soll,
unterstrich Präsident Reagan, daß die Vereinigten Staaten durch hohe Produktion, angemessene Vorratshaltung und Versorgung der Weltmärkte mit ihren
landwirtschaftlichen Produkten das ihre zur Versorgung der Weltbevölkerung
beitragen werden.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nahrung ist die Grundlage allen Lebens. Zu den obersten Prioritäten
eines jeden Staates gehört es, eine angemessene und verläßliche Versorgung
mit Nahrungsmitteln zu erreichen und aufrechtzuerhalten.
Die Vereinigten Staaten haben stets das Prinzip verfolgt, daß ein Staat
für seine Stärke auch einer starken landwirtschaftlichen Grundlage bedarf.

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�Grundlage bedarf. Aus unserer Siedlerbewegung im Westen erwuchs ein solides
landwirtschaftliches System, das sich auf die Vorstellung vom privaten Unternehmertum und auf die Vorherrschaft des unabhängigen Familienbetriebes
gründet. Ergebnis war ein System der Nahrungsmittel Produktion, das ohne
Schwierigkeiten in der Lage ist, unsere eigene Bevölkerung zu versorgen und
zugleich den Erfordernissen gerecht zu werden, die von draußen herangetragen wurden.
Nicht alle Staaten sind mit den landwirtschaftlichen Grundlagen gesegnet, wie sie Amerika hat, aber in vielen Ländern gibt es auch nicht die Anreize, die für den Betrieb einer solch erfolgreichen Landwirtschaft nötig
sind. Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen

(FAO) schätzt, daß zwischen 400 und 500 Millionen Menschen - vor

allem in der Dritten Welt - aus Gründen der Armut an Unterernährung leiden.
Das amerikanische Volk weiß sich seit langem dazu verpflichtet, in
Zeiten der Not die Gaben und die Technologie seiner Landwirtschaft mit anderen Ländern zu teilen. Wir haben über 30 Milliarden Dollar an Nahrungsmittelhilfe

zur Verfügung gestellt, dazu weitere 10 Millionen Dollar für
ii

Transport, seit das Programm Nahrungsmittel für den Frieden" ins Leben gerufen wurde. Zudem waren Tausende von Landwirtschaftsexperten tätig, wurde
eine Vielzahl von Ausbildungsprogrammen angeboten und die Ergebnisse unserer umfangreichen Agrarforschung zugänglich gemacht. Die Vereinigten Staaten tragen zudem das ihre bei, die weltweite Nahrungsmittelsicherung zu verbessern, indem bei Produktion und Reserveeinlagerung ein hohes Niveau beibehalten wird und ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Weltmarkt zur
Verfügung gestellt werden, damit andere Länder auf diese Weise ihren Bedarf
an Nahrungsmitteln befriedigen können.
Wir sind nicht die einzigen, die die Aufmerksamkeit auf die Probleme
des Hungers in der Welt lenken, über 100 Staaten haben sich voriges Jahr
daran beteiligt, den ersten Welternährungstag zu begehen. Und wir grüßen
insbesondere die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), die

- 2 -

�(FAO), die am diesjährigen Welternährungstag auf 37 Jahre engagierter Tätigkeit für die Beseitigung von Hunger und Unterernährung zurückblickt.
Wir wollen unsere gemeinsamen Anstrengungen fortsetzen, die Ursachen
für die Ernährungsprobleme der Welt ausfindig zu machen und uns tatkräftig
um ihre Lösung zu bemühen. Zu diesem Zweck hat der Kongreß der Vereinigten
Staaten erneut durch eine gemeinsame Erklärung reagiert, die den 16. Oktober 1982 zum Welternährungstag proklamiert.
Daher proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, den 16. Oktober 1982 zum "Welternährungstag" und rufe die
Bürger der Vereinigten Staaten dazu auf, diesen Tag mit den entsprechenden
Feierlichkeiten und Tätigkeiten zu begehen.

+ + + + +

- 3 -

�14. Oktober 1982

40
DIE SOWJETUNION IN DER KRISE
- Dr. Richard Pipes -

Mitarbeiter des U.S. National Security Council

Nachfolgend sind Auszuege aus
einem Vortrag, den Richard
Pipes am 5. Oktober 1982 im
Amerika Haus Koeln gehalten hat

- (AD) -

.... Die Sowjetunion befindet sich heute in einer echten

Krise. Sie leitet sich von der Tatsache her, dass das vor 50 Jahren
errichtete stalinistische System nicht mehr laenger funktioniert, dass
es ruecksichtslos von elementaren Kraeften unterlaufen wird, die zu
integrieren es sich straeubt, die es aber auch nicht auszuschalten
vermag. Es ist in erster Linie eine Krise der Produktivkraefte der
Wirtschaft, gleichzeitig aber auch eine Krise des politischen Systems
und des imperialen Staatsaufbaus. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass in
der gesamten sowjetischen Gesellschaft ein Unbehagen um sich greift selbst unter der herrschenden Elite, der sogenannten Nomenklatura: das
allgegenwaertige Gefuehl, dass "es so nicht weitergehen koenne". Das
erinnert sehr an die Grundstimmung in der russischen Gesellschaft
Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, am Vorabend grosser
Ereignisse.

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�Ich moechte hier das Wesen der sowjetischen Krise kurz unter den
Gesichtspunkten der Wirtschaft, der Politik und des imperialen Regimes
beschreiben, um dann deren moegliche Loesung und die Rolle zu
skizzieren, die die Politik des Westens in diesem Prozess spielen
kann.

I. Die Wirtschaftliche Krise

Dass die Wirtschaft der Sowjetunion in Schwierigkeiten steckt, ist
selbst jedem noch so fluechtigen Zeitungsleser bekannt. Das sagen
sowjetische Behoerden und das bestaetigen die Sowjetexperten im
Westen. Der Rueckgang des Wachstums der sowjetischen Wirtschaft laesst
sich mit Zahlen belegen: Sie zeigen, dass das Bruttosozialprodukt, das
in den fuenfziger Jahren mit einer durchschnittlichen Jahresrate von
sechs Prozent zugenommen hatte, von da an stetig bis auf nunmehr zwei
Prozent zurueckgegangen ist, das heisst auf ein Drittel des frueheren
Wertes. Vorausberechnungen amerikanischer Fachleute lassen den Schluss
zu, dass das Wachstum des sowjetischen Bruttosozialprodukts noch in
diesem Jahrzehnt auf weniger als zwei Prozent zurueckgehen wird. Die
Wirtschaft der Sowjetunion kann, so wie sie gegenwaertig organisiert
ist, den Anforderungen der Militaers nur auf Kosten des Verbrauchs und
durch eine drastische Senkung der Wachstumsrate der
Kapitalgueterinvestitionen genuegen - Massnahmen, die nicht ohne
groessere langfristige soziale und wirtschaftliche Folgen bleiben
koennen.

Der Hauptschuldige an diesen unheilkuendende Zahlen ist die niedrige
Produktivitaet. Heute, 65 Jahre nach der Revolution und nach
ungeheuren Opfern an Menschenleben, durch die die Sowjetunion hoffte,
mit den Vereinigten Staaten als Industriemacht mindestens gleichziehen
zu koennen, produziert der sowjetische Arbeiter noch immer lediglich
zwei Fuenftel dessen, was sein amerikanischer Kollege produziert -

- 2-

�d.h., im Grunde nicht viel mehr, als um das jähr 1900, als Sergej
Witte die Industrialisierung Russlands einleitete. Doch 1900 war die
niedrigere Arbeitsproduktivitaet in der Industrie fuer Russland kein
ernstes Problem, weil das Land damals in Gestalt der zahllosen,
arbeitsuchenden Bauern ohne eigenen Grund und Boden ueber ein
praktisch unerschoepfliches Reservoir an billigen Arbeitskraeften
verfuegte. Heute ist dies ein sehr ernstes Problem, leidet die
Sowjetunion doch infolge sinkender Geburtenraten unter
Arbeitskraeftemangel. Ich lasse es hier mit dem Hinweis bewenden, dass
die Erwerbsbevoelkerung in den siebziger Jahren um nahezu 20 Millionen
zunahm, waehrend in diesem Jahrzehnt keine zehn Millionen hinzukommen
werden. Eine Steigerung der sowjetischen Produktion kann deshalb nicht
mehr laenger durch Erhoehung der Zahl der Erwerbstaetigen erzielt
werden, sonder erfordert Verbesserungen der Leistungsfaehigkeit;
solche aber sind nirgends zu beobachten. Die Einfuehrung moderner
Maschinen aus dem Westen in der Aera Breschnew hat keine allgemeine
Steigerung der Produktivitaet in der Industrie bewirkt. Das gleiche
gilt fuer die Landwirtschaft: Die Regierung Breschnew hat in den
letzten 17 Jahren mehr Kapital fuer die Modernisierung der
Landwirtschaft aufgewandt als alle vorausgegangen Regierungen seit
1917 zusammengenommen - wiederum ohne das erstrebte Ergebnis.

Es gibt viele Gruende fuer die niedrige Produktivitaet in der
Sowjetunion. Die uebermaessige Konzentration der Entscheidungsprozesse
ist einer von ihnen; die Ueberbewertung der politischen Loyalitaet
gegenueber der professionellen Kompetenz bei der Berufung von
Managementkraeften ist ein anderer, der sich aeusserst schaedlich
auswirkt. Der Hauptgrund aber fuer die niedrige Produktivitaet ist,
alles in allem genommen, in der Haltung der Bevoelkerung der
Sowjetunion zu finden. Verallgemeinernd laesst sich sagen, dass der
Mensch entweder aus Angst oder aus Hoffnung arbeitet: weil er
befuerchtet, eine Degradierung zu erleiden, oder weil er wuenscht,
seinen Status zu verbessern. Die stalinistische Wirtschaft stuetzte
sich in der Hauptsache auf das Prinzip der Angst. Stalin griff damit
- 3 -

�auf die Motivierung zurueck, die in Russland zur Zeit der
Leibeigenschaft bestanden hatte und darin bestand, Faulheit und
Leistungsschwaeche bei den Bauern mit Hunger und bei den
Industriearbeitern mit Einkerkerung zu bestrafen. Stalins Nachfolger
haben den Apparat des wirtschaftlichen Terrors weitgehend abgebaut,
ohne ihn allerdings durch ein System sinnvoller Anreize zu ersetzen mit dem Ergebnis, dass sich die sowjetischen Arbeiter und Bauern von
heute nicht mehr fuerchten, aber auch keinen Anlass haben, groessere
Leistungen zu erbringen....Der in der Sowjetunion zu beobachtende
Rueckgang der Produktivitaet erweist sich letzten Endes als nichts
anderes als die Rache der modernen Leibeigenen an ihrem Herren, dem
Staat.

...Neben der staatlichen Wirtschaft entwickelt sich eine
umfangreiche "zweite Wirtschaft". Sie zeigt sich in mehrfacher
Gestalt. Die produktivste Form besteht aus frei gegruendeten
Partnerschaften von Arbeitern und Bauern unter gewaehlten Vorstehern,
die sich den staatseigenen Unternehmen verpflichten und die erzielten
Gewinne unter ihren Mitgliedern aufteilen. Das ist natuerlich nichts
anderes als das traditionelle russische Artel. In der Industrie
bezeichnet man diese modernen Artel-Arbeiter als Schabaschniki, das
heisst als Freizeit- oder Schwarzarbeiter. Eine besonders wichtige
Rolle spielen sie auf dem Bausektor, wo sie, von vielen beneidet, in
dem Ruf stehen, hochgualifizierte Arbeit zu leisten: Diese "freien
Mitarbeiter", die ihre Arbeitsplaetze in den staatseigenen Betrieben
aufgegeben haben, arbeiten bis zu 15 Stunden am Tag, sieben Tage in
der Woche, und sie verdienen vier- bis fuenfmal so viel, wie normale
Bauarbeiter in staatlichen Betrieben. In manchen Fabriken ist es den
Arbeitern gestattet, Freiwilligenbrigaden zu bilden, die nicht nach
den Einheitsloehnen fuer die Erfuellung der Norm, sondern nach am
Produktionsergebnis orientierten Sondersaetzen bezahlt werden. In
diesen Arbeitsbrigaden soll die Produktivitaet doppelt so hoch sein,
wie unter den normalen Arbeitern. Solche Arbeitsgruppen sind ebenfalls
auf dem Bausektor weit verbreitet, spielen aber auch in der

�Fertigungsindustrie und im Transportwesen eine Rolle. Arbeitsbrigaden
dieser Art und Schabischniki erbringen heute in der Sowjetunion nahezu
zwei Fuenftel aller Bauleistungen. In der Landwirtschaft ist die
Ueberlegenheit privater Betriebsformen besonder augenfaellig. Auf drei
Prozent der Anbauflaeche, die die Landarbeiter frei bewirtschaften
duerfen, produzieren sie nahezu ein Drittel der gesamten Gemueseernte
der Sowjetunion; das gleiche gilt fuer Fleisch und fuer Milchprodukte.
Die Produktivitaet betraegt etwa das Achtfache der Produktivitaet auf
dem staatlichen Sektor - und das trotz der Tatsache, dass diese
Freizeitbauern hinsichtlich der Beschaffung von Futter, Duengemitteln
und Geraetschaften vollkommen von der ihnen nicht gerade
wohlgesonnenen Kolchosbuerokratie abhaengen. In den letzten Jahren
erwies sich in der Landwirtschaft die sogenannte normenfreie Anbindung
- Zusammenschluesse von Kolchosarbeitern, die nicht fuer die
Erfuellung von Normen, sondern fuer die tatsaechlich eingebrachte
Ernte bezahlt werden - als eine weitere erfolgreiche Neuerung. Die
Kombination aus freiem Zusammenschluss und Gewinnstreben fuehrt in
allen Zweigen der sowjetischen Wirtschaft zu ausserordentlichen
Ergebnissen.

Trotz der solchermassen erwiesenen Leistungsfaehigkeit behindern
die Buerokraten den privaten Sektor und suchen ihn abzuschnueren,
haengt doch ihr eigenes Ueberleben von der Aufrechterhaltung des
status guo ab, das heisst vom Fortbestand eines Wirtschaftssystems, in
dem politische Sicherheitserwaegungen die hoechste Rangstufe
einnehmen. Eine der Tragödien des zeitgenoessischen Russland besteht
darin, dass seine herrschende Elite ein tiefverwurzeltes Interesse an
wirtschaftlicher Ineffizienz hat - ein Phaenomen, das ohne Parallele
in der Weltgeschichte sein duerfte.

II.

Die Politische Krise

_Die politische Krise, die die Sowjetunion gegenwaertig durchmacht,
ruehrt von der Unfaehigkeit der herrschenden Schicht, der
- 5 -

�Nomenklatura, her, die Bevoelkerung davon zu ueberzeugen, dass sie ein
verlaesslicher Verwalter und wahrer Hueter der nationalen Interessen
ist. Je mehr der Zweifel hieran um sich greift, umso groesser wird die
Kluft, die die Machthaber von den Beherrschenden trennt, und umso
schwerer faellt es der Regierung, die Bereitschaft zur Mitarbeit zu
wecken - sei es durch Drohungen oder durch Versprechen. Es gibt ein
russisches Bonmot, das die derzeitigen Verhaeltnisse in der
Sowjetunion treffend umreisst, wenn es von einer Lage spricht, in der
"die Regierung nicht kann und das Volk nicht will".

Diese Vertrauenskrise hat wenig mit der Erosion der kommunistischen
Ideologie zu tun. Die kommunistische Ideologie hatte in der
Sowjetunion noch zu keiner Zeit grossen Zulauf. Sie vermochte die
Unterstuetzung einer breiten Oeffentlichkeit nur in dem Masse zu
gewinnen, in dem ihren Verfechtern deren Identifizierung mit dem
Nationalismus gelang: das heisst in dem Masse, in dem sich die
kommunistischen Machthaber ueberzeugend als Vorkaempfer der nationalen
Bedrohung der Russen zu praesentieren verstanden. Das vermochte sie am
ehesten, wenn sie "gegen auslaendische Feinde" kaempften - manchmal
echte Feinde, haeufiger aber noch Feinde, die sie eigens fuer diesen
Zweck kuenstlich konstruiert hatten. Das Problem der derzeitigen
Machthaber besteht deshalb darin, dass heute nicht nur die Intelligenz
sonder auch das Volk insgesamt immer staerker an ihrer Tuechtigkeit
und Glaubwuerdigkeit zu zweifeln beginnt.

Zentrale Ursache dieser Entwicklung ist die Korruption selbst unter
hoechsten Funktionaeren. Allen Berichten nach zu urteilen, breitet
sich das Krebsgeschwuer der Korruption, das frueher nur oertlich eng
umgrenzt auftrat, allmaehlich auf das ganze Sowjetsystem aus. Die
Folge ist, dass ohne Bestechung nichts mehr erworben oder erreicht
werden kann. Die gesetzwidrige und die institutionalisierte Korruption
in Form von Sonderprivilegien fuer die Mitglieder der Nomenklatura
vergiften die gesamte Atmosphaere. Sie veranlassen das Volk, jene, die
Macht ueber es besitzen, als ein Pack von Parasiten anzusehen, die

- 6-

�ausschliesslich auf die Befriedigung ihrer privaten Erfordernisse und
Wuensche aus sind. Der Zorn, den dieses Gefuehl ausloest, ist leicht
zu verstehen. In Polen war es die um sich greifende Korruption, die
vor drei Jahren durch die beharrliche Aufklaerungsarbeit der
Solidaritaet in der Oeffentlichkeit bekannt wurde, die die Flammen der
Rebellion unter den Arbeitern anderer Auffassung im ganzen Volk
verbreiten half. Und tatsaechlich, welche Art von Achtung konnte das
polnische Volk fuer eine Regierung hegen, deren Vertreter in der
Folgezeit in grosser Zahl unter der Beschuldigung der Bestechlichkeit
und des Diebstahls in Haft genommen wurden, darunter der
Ministerpraesident, 18 Minister, sieben stellvertretende
Ministerpraesidenten und 56 Ministerstellvertreter - ganz zu schweigen
von vielen anderen Angehoerigen der Parteihierarchie. Die Korruption
hat sich in der Sowjetunion von einer laestigen Lappalie, die die
Gesellschaft diskret zu uebersehen geneigt war, zum offenen Skandal
ausgeweitet. Selbst die Miliz, angeblich Hueter von Gesetz und
Ordnung, soll bis zum Hals in verbrecherische Machenschaften
verwickelt sein. Dieser Sachverhalt diskreditiert die Regierung in den
Augen selbst noch so unpolitischer Buerger und nimmt ihr jedes
moralische Recht, von diesen buergerliches Pflichtbewusstsein und
persoenliche Opferbereitschaft zu verlangen. Die Folgen sind
verheerend - besonders unter der Jugend, deren Gleichgueltigkeit
gegenueber staatlichen Erfordernissen und deren Zynismus den Behoerden
Anlass zu groesster Sorge bieten.

Die Angehoerigen der russischen Intelligenz sowohl in der
Sowjetunion als auch in der Emigration beurteilen die Regierung auch
nach ihrer Faehigkeit, den nationalen Interessen zu dienen. In dieser
Frage gibt es zwei klar abgegrenzte Denkschulen, die in vieler
Hinsicht den vorrevolutionaeren Tendenzen der Slawophile und der
Westorientierung gleichen. Beide stimmen darin ueberein, dass sich die
Sowjetregierung gegenueber den nationalen Erfordernissen sehr
gleichgeltig verhaelt. Der Streit zwischen beiden Richtungen
konzentriert sich auf die Frage der Beziehung Sowjetrusslands zum
- 7 -

�Westen, wobei die eine Gruppe behauptet, alle Schwierigkeiten des
Landes kaemen vom Einfluss des Westens, waehrend die andere
argumentiert, dass sie im Gegenteil von der unzureichenden
Verwestlichung Russlands herruehren.

Die Westglaeubigen sind im Ausland wohl bekannt, weil sie lange
Jahre hindurch Ziel schwerer staatlicher Verfolgung waren. Es reicht,
wenn ich hier erklaere, dass sie das Sowjetregime als Reincarnation
des moskowitischen Russland ansehen und einen Ausweg aus dessen
selbstverschuldeter Krise ohne ernsthafte Anstrengungen zur
Zivilisierung der Massen durch Wiedererweckung der Achtung vor den
Menschenrechten und vor der Rechtsstaatlichkeit, fuer undenkbar
erachten.

Weniger bekannt ist im Ausland die Gruppe der gemeinhin als
Russophile bezeichneten Anhaenger der gegensaetzlichen Meinung. Die
Haltung der Russophilen beruht auf der Praemisse, der Kommunismus sei
dem Geist der Russen und den historischen Traditionen Russlands fremd,
da es sich um eine Krankheit westlicher Herkunft handele, mit der eine
entwurzelte Intelligenz das Land infiziert habe. Um ihre These zu
stuetzen, idealisieren die Russophilen die vorrevolutionaere Zeit. Die
hauptsaechlichen Organe dieser Bewegung, die junge Garde zum Beispiel,
veroeffentlichen einen breiten Strom von Essays, Romanen und
wissenschaftlichen Monographien, die erfuellt sind mit einer Nostalgie
fuer die russische Vergangenheit und einer kaum verhohlenen Verachtung
fuer Auslaender, insbesondere fuer die Juden. Einige von ihnen scheuen
sich nicht, zu behaupten, das russische Volk sei anderen Voelkern von
seiner Veranlagung her ueberlegen, wie dies vor einem Jahrhundert auch
Fjodor Dostojewski meinte. Die sowjetischen Machthaber nahmen die
russophilen Tendenzen unter ihre eigenen Fittiche - wahrscheinlich
deshalb, weil sie diese fuer gefaehrlicher halten als die
Westorientierung und weil sie es sich nicht leisten koennen, sich
rechts ueberholen zu lassen. Das KGB hat eine besondere Vorliebe fuer
die Russophilen, deren Ideologie die Ausmerzung aller westlichen

- 8-

�Einfluesse aus dem sowjetischen Leben gebietet - eben jener
Einfluesse, die die politische Polizei als verantwortlich fuer den
gefaehrlichsten Trend im ganzen Lande haelt: die
"Verbrauchshoerigkeit", die ihrer Auffassung nach den Anstoss gibt
nicht nur zur Korrumpierung derjenigen, die Macht in Haenden halten,
sondern auch zur Entfremdung der Jugend.
Der Nationalismus gefaehrdet das Sowjetregim auch noch auf andere
Art und Weise. Die Sowjetunion ist ein multinationales Imperium, in
dem die Russen lediglich knapp mehr als die Haelfte der Bevoelkerung
stellen. Sie und die beiden anderen slawischen Voelker - die Ukrainer
und die Weissrussen - haben nach 1917 so schwere Traumata erlebt, dass
sie sich nicht mehr in ausreichendem Masse fortpflanzen. Wie koennten
sie auch angesichts der Tatsache, dass die Durchschnittsrussin im Lauf
ihres Lebens schaetzungsweise zehn Abtreibungen vornehmen Laesst. Das
Problem wird noch verstaerkt durch den Mangel an Maennern slawischer
Herkunft, der offensichtlich auf die hohen Raten an Alkoholikern,
Alkoholvergiftungen und Betriebsunfaellen zurueckzufuehren ist.
3uengste Volkszaehlungen deuten darauf hin, dass die Russen bis Ende
dieses Jahrhunderts unter der Jugend des Landes eine kleine Minderheit
sein werden, waehrend die muselmanischen zentralasiatischen Republiken
allein voraussichtlich 40 Prozent der sowjetischen Jugend stellen
werden. Was eine derartige Verlagerung des demographischen
Gleichgewichts fuer die geographische Verteilung der
Erwerbsbevoelkerung und die voelkische Zusammensetzung der Sowjetarmee
- ganz zu schweigen fuer die moralische Haltung der russischen
Bevoelkerung - bedeuten wird, kann man sich gut vorstellen.

III.

Die Imperiale Krise

_Das sowjetische System hat einen immanenten Hang zu imperialistischer
Expansion - zum grossen Teil deshalb, weil der Nomenklatura eine
legitime politische Basis abgeht, so dass sie sich nur durch
Ausweitung ihrer Machtbasis halten kann. Dieser Sachverhalt wurde von

- 9-

�Professor Michael Voslensky bewundernswert dargelegt, als er schrieb:

"Der expansionistische Drang (der Sowjetunion) ist direkter
Ausdruck der Charakteristika des Systems, vor allem aber des
Klassencharakters des Sowjetstaats. Die Politik der
Sowjetunion ist expansionistisch, weil die politische Macht
die einzige Basis der herrschenden Klasse darstellt. Die
Nomenklatura laesst sich mit der Unternehmerklasse im Westen
vergleichen. Auch diese Klasse ist expansionistisch, wenn auch

nur

auf dem Gebiet der Wirtschaft. Die Klassenbasis der Bourgoisie

ist

das Eigentum und ueber das Eigentum gewinnt sie politischen
Einfluss. Die Klassenbasis der Nomenklatura ist dagegen die
politische Macht; sie erwirbt Eigentum und Privilegien durch
(politische) Macht."

Die sowjetische Regierung legt traditionsgemaess bei
imperialistischen Abenteuern grosse Vorsicht an den Tag - aus Furcht,
dass eine Demuetigung ihrer Streitkraefte durch auslaendische Maechte
Zweifel im Denken der Sowjetbuerger erwecken koennte, ob sie wirklich
so allmaechtig ist, wie sie vorgibt. Vor einem Jahrzehnt oder so liess
Moskau diese Ruecksicht fallen. Die Niederlage Amerikas in Vietnam und
ein emotionsbeladenes Aufbegehren gegen jedwede auslaendische
Verwicklungen der Vereinigten Staaten schienen der Sowjetunion die
einzigartige Chance zu eroeffnen, sich unter geringem Risiko
strategische Brueckenkoepfe weit jenseits der sowjetischen Stammlande
zu verschaffen. Die Entscheidung, eine militaerische Weltpolitik zu
betreiben, die gegen Ende der sechziger Jahre getroffen wurde, fand
ihren Niederschlag im sowjetischen Staatshaushalt. Beginnend mit dem
neunten Fuenfjahresplan, der 1970 in Kraft getreten ist, wurden die
Haushaltmittel fuer Kapitalgueterinvestitionen und fuer den zivilen
Sektor gekuerzt und die auf diese Weise eingesparten Betraege fuer
militaerische Zwecke verfuegbar gemacht. Diese Entscheidung wurde im
zehnten Fuenfjahresplan von 1975 und im elften von 1980 bekraeftigt.
Die Tatsache, dass eine derartige Verlagerung von Haushaltmitteln auf
- 10 -

�die Militaerausgaben genau zu der Zeit erfolgte, zu der die
Vereinigten Staaten ihre Militaerausgaben kuerzten, widerlegt ja wohl
die Behauptung, die militaerischen Vorbereitungen der Sowjetunion
seien lediglich eine Reaktion auf amerikanische Massnahmen: In
Wahrheit scheinen sie von der Verlockung zur Aggression ausgeloest
worden zu sein. Unter Ausnutzung der amerikanischen Wendung nach
innen, begann sie Sowjetunion weltweit eine imperialistische Politik
zu betreiben, die hinsichtlich Intensitaet und Reichweite in der
russischen Geschichte ohne Beispiel ist. Heute unterstuetzen
sowjetische Truppen militaerische Operationen auf vier Kontinenten,
und in Afghanistan sind sie zum ersten Mal seit 1917 unmittelbar in
einen Eroberungsfeldzug verwickelt.

Welche militaerischen oder politischen Vorteile solche
anachronistischen, imperialistischen Abenteuer auch einbringen moegen
- und sie sind zweifelhaft -, fest steht, dass sie die angespannte
sowjetische Wirtschaft schwer belasten. Die sowjetischen Machthaber
begreifen allmaehlich, dass der Imperialismus, entgegen den
amateurhaften Spekulationen Lenins, kein Geschaeft ist. Die
dramatische Zunahme der sowjetischen Unterstuetzungszahlungen an
verbuendete kommunistische Laender muss sie bestuerzen. Diese
Subsidien, die sich vor 10 Jahren in der Groessenordnung von einer
Milliarde Dollar pro Jahr bewegt hatten, stiegen 1979 auf 13,6
Milliarden Dollar und 1980 auf 23,7 Milliarden Dollar an. Es muss
einigen Leuten in der sowjetischen Fuehrung aufgegangen sein, dass
ihre spaerlichen finanziellen Hilfsquellen nicht ausreichen, ein
ehrgeiziges imperialistisches Expansionsprogramm im Stile des
neunzehnten Jahrhunderts durchzustehen....Es liegen Beweise dafuer
vor, dass sich Realisten im sowjetischen politischen und
militaerischen Apparat mit diesen Tatsachen auseinanderzusetzen
beginnen. Die ungewoehnliche Passivitaet der Sowjetunion juengst im
Libanonkonflikt und die praktisch voellige Preisgabe der PLO,
Hilfsempfaenger und arabischer Degen zugleich, koennten durchaus
Manifestitionen wachsender Zweifel an der Weisheit der Entscheidung
- 11 -

�sein, ausgehend von der Basis einer ruecklaeufigen Volkswirtschaft
eine ruecksichtslose Weltpolitik zu betreiben.

IV. Zukunftsaussichten

Welcher Weg fuehrt aus der Krise heraus? Wiewohl ein gewaltsamer
Zusammenbruch des sowjetischen Regimes nicht ausgeschlossen werden
kann, ist die Wahrscheinlichkeit hierfuer doch gering. Wenn ich dies
sage, dann nicht etwa, weil ich glaube, das kommunistische Regime
halte das Land in einem unloesbaren Griff. Die Ereignisse in Ungarn,
in der Tschechoslowakei und allem voran in Polen zeigten,
beziehungsweise zeigen, dass kommunistische Kontrollen unter
Umstaenden rasch und radikal beseitigt werden koennen. Die Zweifel an
einer neuen russischen Revolution leiten sich eher von dem Eindruck
her, dass praktisch keine Gruppe in der Sowjetunion eine solche
wuenscht. Russland hat genug von Revolutionen und die Russen glauben
nicht mehr laenger, dass sie ihr Los durch radikale und gewaltsame
Veraenderungen verbessern koennten. Das ganze Konzept von der
Revolution als einer Art deus ex machina, der auf magische Weise alle
Schwierigkeiten beseitigt, das dem Mittelstand zugehoerigen
Visionaeren in unschuldigeren Laendern so anziehend erscheint, ist in
der Sowjetunion in Misskredit geraten. Die Hoffnungen der
Sowjetbuerger auf Verbesserungen ihres Loses richten sich auf die
Evolution.

Aus der Samisdat-Literatur und aus zahllosen Gespraechen, die ich
in der Sowjetunion fuehrte, kann ich bezeugen, dass ein allmaehlicher
Wandel von Vertretern aller Schattierungen der oeffentlichen Meinung
beguenstigt wird. Aus diesem Grunde sollte man die Argumente der
Befuerworter einer nachgiebigeren Haltung gegenueber der Sowjetunion
nicht allzu ernst nehmen, die besagen, eine staerker
prinzipienverhaftete Politik sei geeignet, Russland auf gefahrvolle
Weise zu "destabilisieren".

- 12 -

�Wenn nicht Revolution, dann also Reform. Reformen brauchen nicht
unbedingt von der Art einer Bewegung in Richtung auf neue und bisher
nicht erprobte Formen zu sein: Erinnern wir uns an jenen
Oxford-Theologen, den Oscar Wilde dahingehend zitiert, sein einziger
Einwand gegen den Fortschritt der Moderne gehe dahin, dass er immer
nach vorne statt nach hinten gerichtet sei. Tatsaechlich gibt es auch
einen Fortschritt nach hinten. Um ein Beispiel zu nennen, eine
"Gegenreform" der Art, wie sie Zar Alexander III Russland in den
achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufzwang.

Eine Option, die der sowjetischen Regierung freisteht, waere die
Rueckkehr zum Stalinismus - natuerlich keine Rueckkehr zum Grand
Guignol der dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts und auch nicht zum
staatlich gefoerderten Personenkult, sondern zu einem Staat, dessen
Motor die Furcht ist. Es laesst sich argumentieren, dass insoweit wie
jede Liberalisierung und alle Zugestaendnisse an die Privatinitiative
zwangslaeufig den Monopolanspruch der herrschenden Elite auf die
politische Macht gefaehrden, Maengel des status quo durch den
Rueckgriff auf so schwere Strafen behoben werden muessen, wie sie
unter Stalin auf Pflichversaeumnisse gestanden hatten. Bauern also,
die nicht fuer den Staat arbeiten, moegen ruhig verhungern, und
Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz aufgeben, haeufig zu spaet zur Arbeit
erscheinen, blau feiern oder sich trunken zur Arbeit einfinden, werden
sich alsbald in einem Arbeitslager wiederfinden.

Korrupte Beamte werden schwer bestraft. Leute mit abweichenden
Meinungen werden physisch liquidiert. In den aussenwirtschaftlichen
Beziehungen kommt es zu einer verminderten Importabhaengigkeit und
verstaerkten Autarkiebestrebungen. Verpflichtungen gegenueber der
Dritten Welt werden staerker abgebaut, waehrend die Spannungen entlang
der Grenze der Sowjetunion und ihrer osteuropaeischen Besitzungen
zunehmen.

Eine solche Option waere sicherlich denkbar: fuer konservative
- 13 -

�Kreise und insbesondere fuer das KGB ist sie sogar von grosser
Anziehungskraft, fuerchten sie doch, der derzeitige Kurs werde das
Land in einen Abgrund fuehren. Ob das realistisch ist oder nicht, ist
eine andere Frage. Eine so vielschichtige Volkswirtschaft wie die der
Sowjetunion von heute kann sich aber kaum in die Autarkie fluechten.
Unwahrscheinlich erscheint ferner, dass sie die Ernten angesichts des
Mangels an kraeftigen Maennern auf dem flachen Lande und des
Erschoepfungsgrades eines guten Teils der Boeden mit Drohungen oder
Strafen verbessern koennen. Es ist auch nicht leicht einzusehen, wie
tuechtige Arbeitskraefte in der Produktion elektronischer
Austestungen durch die rauhen Methoden, die Stalin zum Bau von
Kanaelen und Stahlhuetten befaehigten, dazu gebracht werden koennen,
mehr zu leisten als bisher. Stalins Industrialisierung wurde letzten
Endes mit Menschenleben bezahlt. Vor fuenfzig Jahren wies Russland
einen starken Ueberfluss an dieser Art von Kapital auf, heute aber
herrscht ein verzweifelter Mangel an Arbeitskraeften. Dem Land sind
die Eier ausgegangen, die es aufbrechen muesste, um das beruehmte
Omelette zu backen. Strenge Befehle, Haftstrafen und Hinrichtungen
aendern nichts an biologischen Tatsachen. Deshalb lassen sich
Verbesserungen der Produktivitaet nur durch Anreize erreichen, das
heisst durch gerade jene Methoden, die der Spekulation auf die Angst
diametral entgegenstehen.

Eine vernuenftigere Option besteht deshalb in einer liberalen
Wirtschaftsreform nach ungarischem Modell - eine Chance, die den
Verantwortlichen fuer die sowjetische Wirtschaft besonders attraktiv
erscheint. Die Tatsache, dass zwei der konservativsten sowjetischen
Dependancen, die Tschechoslowakei und Bulgarien, kuerzlich die Absicht
bekundeten, den neuen Wirtschaftsmechanismus Ungarns zu uebernehmen,
deutet darauf hin, dass die Verfechter liberaler Reformen in Moskau
einigen Erfolg haben. Die Anziehungskraft des "Gulaschkommunismus"
besteht darin, dass er die Produktivitaet zu steigern vermag ohne die
politische Autoritaet der Partei zu schwaechen oder diese der Vorteile
zu berauben, die ihr hieraus erwachsen. Eine weniger attraktive Seite

- 14 -

i

�resultiert aus der Tatsache, dass eine leistungsgemaesse Entlohnung,
Grundvoraussetzung jeder wirtschaftlichen Rationalisierung,
unausweichlich soziale Unausgewogenheiten nach sich zieht, die die
sowjetische Bevoelkerung strikt ablehnt.

In einem gewissen Sinn wird den sowjetischen Machthabern die
Beantwortung dieser Frage jedoch abgenommen und vom Leben als solchem
entschieden. Das spektakulaere Wachstum der "zweiten Wirtschaft" in
den letzten Jahren - einem dynamischen privatwirtschaftlichen Sektor
innerhalb der kommunistischen Volkswirtscaft, auf den nahezu ein
Drittel der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln, ausgenommen Brot, und
ueber ein Drittel des Volumens im Wohnungsbau entfallen - ist eine
Realitaet, die man nur schwer ignorieren kann. Sechzig Jahre vor
Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland begann der Anteil der
Leibeigenen an der Gesamtbevoelkerung zu schrumpfen - eine
Entwicklung, die sich ungebrochen bis zum Emanzipationserlass des
Jahres 1861 fortsetzte. In sehnlichem Sinne kann das Gedeihen eines
freien Unternehmertums innerhalb einer im wesentlichen als
Sklavenwirtschaft einzustufenden Wirtschaft als Hinweis auf die
Entstehung eines neuen Systems gewertet werden, eines neuen
Verhaeltnisses, das einige sowjetische Wirtschaftswissenschaftler als
"Partnerschaft" zwischen dem staatlichen und dem privaten Sektor der
Wirtschaft beschreiben: Mit anderen Worten hier zeigt sich etwas, was
stark an eine Mischwirtschaft erinnert.

Welchen Weg die sowjetische Fuehrung einschlagen wird, kann man
heute nicht mit Sicherheit vorhersagen. Es ist ungewiss, ob sie zum
Stalinismus zurueckkehren oder das Risiko liberaler Reformen auf sich
nehmen wird. Die Entscheidung duerfte letzten Endes von den
Persoenlichkeiten abhaengen, die gerade zur Hand sind.

Zwei Dinge aber sind sicher: Es liegt in hohem Masse im Interesse
des Westens, dass die liberalen Reformer triumphieren und dass die
Politik, die der Westen in seinen Beziehungen zur Sowjetunion
- 15 -

�verfolgt, das Ergebnis des inneren Konflikts in Russland nicht negativ
beeinflusst.

Die Annahme eines Programms liberaler Reformen wuerde die Ursachen
der Ost-West-Spannungen auf mannigfaltige Weise verringern. Sie wuerde
zwangsweise Russlands Ressourcen stark in Anspruch nehmen - eine
Verlagerung des Haushaltschwerpunktes vom militaerischen Sektor auf
den Bereich der Investitionen und des Verbrauchs bedingen. Sie wuerde
des weiteren eine betraechtliche -Verringerung der militaerischen und
anderweitiger Verpflichtungen in der Dritten Welt erforderlich machen,
die die Wirtschaft der Sowjetunion zu stark belasten und sich so
schaedlich auf deren Beziehungen zum Westen auswirken. Eine
Dezentralisierung des Managements der Wirtschaft und groessere
Zugestaendnisse an die Privatinitiative wuerden den Einfluss von
Leuten mehren, die weniger Interesse an einer Expansionspolitik haben.
Alle Erfahrungen deuten darauf hin, dass der wirtschaftliche
Pluralismus zwangslaeufig ein gewisses Mass an politischem Pluralismus
nach sich zieht, der wiederum die Politiker zur verstaerkten
Konzentrierung ihrer Energien auf die Sorgen im eigenen Land zwingt.
Ein Russland, das sich nach innen wendet, das Groesse nicht in
Eroberungen sondern im Aufbau einer selbstbewussten und lebensfaehigen
Gesellschaft sucht, wird eine weniger grosse Bedrohung fuer sich
selbst und seine Nachbarn darstellen. Im 19. Jahrhundert nannte man
eine derartige Wendung nach innen, wie sie Russland von Zeit zu Zeit
vornahm, "Recueillement". Diese Sammlungsbewegung wurde besonders von
jenen russischen Patrioten befuerwortet, die, wie sich zeigen sollte,
zur Recht fuerchteten, dass ein ungezuegelter Expansionismus in einer
Katastrophe enden werde. Was heute zu wuenschen waere, und was wir
nach Kraeften zu foerdern bestrebt sein sollten, ist ein abermaliges
russisches Recueillement groesstmoeglichen Ausmasses.

Gewisse Kreise argumentieren, das letztgenannte Ziel liesse sich am
ehesten dadurch erreichen, dass man der sowjetischen Fuehrung das
Leben leichter macht: Indem man ihr und ihren Wirtschaftspartnern

- 16 -

�billige Kredite gewaehrt; indem man ihr, wiederum ueber Kredite, die
Moeglichkeit verschafft, grosse Betraege in harter Waehrung zu
verdienen; indem man die eigenen Reaktionen auf deren weltweite
Unternehmungen auf eine verbale Missbilligung beschraenkt; und indem
man auf die sowjetische militaerische Herausforderung mit einem
Mindestmass an Abschreckung reagiert. Diese Auffassung war auch in den
Vereinigten Staaten zu hoeren; sie findet aber heute dort nur noch
wenige Anhaenger, weil die Erfahrung zeigt, dass derartige Schritte
nicht den gewuenschten Effekt zeigen. Es war vor allem in der Zeit des
Recueillement Amerikas, waehrend der siebziger Jahre also, als die
Sowjetunion besonders grosse und beachtliche Fortschritte in der
Waffentechnik erzielte und sich auf die kuehnsten Auslandsabenteuer
einliess. Heute neigen wir zu dem Schluss, dass die tieferen Wurzeln
der sowjetischen Bedrohung in dem System selbst liegen - und dass sich
daran hoechstwahrscheinlich solange nichts aendern wird, bis dieses
System einen grundlegenden Wandel von innen her erfaehrt.

Kein verantwortungsbewusster Mensch darf sich heute der Illusionen
hingeben, es stuende in der Macht des Westens, das sowjetische System
zu Versendern oder "die Sowjetwirtschaft in die Kniee zu zwingen". Das
waeren unerreichbare Ziele. Was man anstreben kann und sollte, ist,
dBS Sowjetregim dazu zu zwingen, die Konsequenzen seiner eigenen
Prioritaeten selbst zu tragen. Wir sollten es der Nomenklatura nicht
zu einfach machen, ihren Kuchen zu bekommen und ihn in Ruhe zu
verzehren oder, mit anderen Worten, ein leistungsunfaehiges System zu
stuetzen, dessen Fehler die Macht und Stabilitaet des Regimes
gefaehrden, und ihm gleichzeitig zu helfen, eine aggressive
militaerische Streitmacht aufzubauen und sie ueber die ganze Welt zu
verteilen. Jeder Versuch, der Sowjetunion aus ihren wirtschaftlichen
Schwierigkeiten herauszuhelfen, vermindert einerseits den Druck in
Richtung auf innere Reformen und andererseits die Notwendigkeit einer
weltweiten Maessigung. Um eine offenkundige Analogie anzufuehren:
Haette unsere Politik, Suedafrika zum Ablassen von der Apartheit zu
bewegen, irgend eine Erfolgschance wenn wir diesem Land staatlich
- 17 -

�subventionierte und garantierte Kredite fuer den Abbau und Absatz
suedafrikanischer Mineralstoffe gewaehren und ihnen auf Jahrzehnte
hinaus einen Markt fuer deren Absatz bieten wuerden? Sicherlich nicht.
In diesem Fall waere der Zusammenhang zwischen Wirtschaftshilfe und
der Aufrechterhaltung der Rassendiskriminierung offenbar. Warum aber
ist nicht auch im Falle der sibirischen Gasleitung klar, dass ihr Bau
mit westlicher Hilfe der Aufrechterhaltung eines verhassten und auf
gefaehrliche Weise Aggressiven totalitaeren Regimes foerderlich ist?
Die Ertraege, die der erste Strang der sibirischen Rohrleitung
abzuwerfen verspricht, werden die sowjetische Regierung in die Lage
versetzen, auslaendische Technologien in verstaerktem Umfange
einzukaufen und ihre Dependancen und Strohmaenner besser als je zu
unterstuetzen - und das mit Hilfe staatlicher Mittel aus dem Westen
und mit westlichem know how. Diese Ertraege werden es der Sowjetunion
nur leichter machen, den status quo aufrecht zuerhalten, der
andernfalls gefaehrdet ist. Das ist der Grund, warum die Vereinigten
Staaten auf die Ereignisse in Polen vom 13. Dezember 1981 so energisch
reagierten, indem sie eine Liefersperre fuer alle energiebezueglichen
Technologien verfuegten.

Die Argumente, die zugunsten einer Ausdehnung der Meistbeguenstigung auf den Handel mit der Sowjetunion vorgebracht werden,
sind gewoehnlich mit hochtrabenden politischen Begriffen gespickt, die
sich aber bei naeherem Hinsehen als Versuche zur Umdeutung normaler
Handelsinteressen erweisen, die sicherstellen sollen, dass der
Sowjetblock seine Schulden zurueckbezahlen kann und genug Devisen in
harter Waehrung uebrig behaelt, noch mehr Waren aus dem Westen zu
beziehen. Mir ist noch keine ernstzunehmende Analyse zu Gesicht
gekommen, die - nicht auf der Basis vager Hoffnungen, sondern auf der
der sowjetischen Realitaeten - ueberzeugend darlegt, dass die
Wirtschaftshilfe einen maessigenden Einfluss entweder auf das Wesen
des Sowjetregimes oder dessen internationales Verhalten ausgeuebt
habe. Es laesst sich hingegen eindeutig nachweisen, dass sie es der
Nomenklatura erlaubt, harte Entscheidugen zu umgehen. Wirtschaftshilfe

- 18 -

�bestaerkt vielmehr die sowjetischen Konservativen in dem Glauben, sie
koennten das stalinistische System intakt erhalten und gleichzeitig
ihre Macht in aller Ruhe ueber den ganzen Erdball ausbreiten. Wenn sie
unter Druck geraten, argumentieren die Verfechter freiverfuegbarer
Wirtschaftshilfe, dass uns diese mindenstens Zeit einbringe und der
Sowjetunion irgendwie die Moeglichkeit verschaffe, eines Tages ihren
Kurs zu veraendern und vernuenftig zu werden. Wie das aber geschehen
soll, hat noch niemand erklaert - wahrscheinlich deshalb, weil es
nicht zu erklaeren ist. Und was den Zeitgewinn angeht, so darf ich Sie
daran erinnern, dass Zeit, wie die Erfahrung lehrt, etwas ist, was die
Geschichte noch immer und jederzeit feilgeboten hat.

+ + + + +

- 19 -

�40

14

Oktober 1982

ERNEUTE GREUEL IN AFGHANISTAN
Kommentar der Stimme Amerikas

(AD) - Seit 1978 haben die von der Sowjetunion gestützten Machthaber
in Afghanistan immer wieder zum Terror als Mittel gegen die Zivilbevölkerung
gegriffen. Seit jenem Zeitpunkt gibt es mehr als genug glaubwürdige Beweise
für Massengräber und für grausame Angriffe auf Zivilisten, um Moskau zumindest nach einer eindeutigen Erklärung zu fragen.
So gab es in der vergangenen Woche äußerst beunruhigende Nachrichten aus
der Stadt Paghman. Unser Korrespondent in New Delhi berichtete unter Bezug auf
diplomatische Quellen, daß etwa 200 Zivilisten getötet oder verwundet wurden,
als der Marktplatz dieser weniger als 20 Kilometer nördlich von Kabul gelegenen Stadt mit Raketen und Bomben belegt wurde.
Hierbei wurden, den Berichten zufolge, Düsenjäger des sowjetischen Typs
MIG-21 sowie Hubschrauber der afghanischen Luftwaffe eingesetzt. Dieses willkürliche Bombardement von einfachen Zivilisten war eine Vergeltungsmaßnahme
dafür, daß die afghanische Widerstandsbewegung zehn sowjetische Soldaten -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sowjetische Soldaten - darunter vier Offiziere - gefangengenommen hatte. Die
afghanischen Freiheitskämpfer ließen wissen, sie hätten die vier Offiziere
nach Pakistan gebracht und die anderen exekutiert.
Es ist kaum anzunehmen, daß ein Luftangriff dieser Art stattfinden
konnte, ohne daß die sowjetische Invasionsarmee hiervon wußte. Ja, das Motiv läßt auf unmittelbare Komplizenschaft der Sowjetunion schließen. Aber
es gibt kein Motiv, das die Brutalität verringern oder entschuldigen würde,
modernste Waffen der mechanisierten Kriegsfü'hrung gegen ein altes Volk einzusetzen, dessen einziges Vergehen in den Augen des Kreml darin besteht, daß
es seine Freiheit wiedererlangen will. Aber Moskau scheint entschlossen zu
sein, sich voll auf den Einsatz von Gewalt zu verlassen: Erst mit dem Einsatz
von chemischen Waffen, bei denen es Verluste unter der Zivilbevölkerung geradezu geben muß - und nun dadurch, daß Unschuldige zum Ziel eines Vergeltungsschlags gemacht werden.
Dies sind desperate Taktiken. Sie sind ein deutliches Zeichen dafür,daß
es der sowjetischen Armee und der afghanischen Marionettenregierung nicht gelungen ist, den Widerstand der Bevölkerung zu unterdrücken. Dies ist in sich
selbst ein ermutigendes Zeichen. Aber es muß dafür auch ein schrecklicher Preis
gezahlt werden.

+ + + + +

�40

14. Oktober 1982

US-STAATSSEKRETÄR SCHLIESST PRÄVENTIVKRIEG
DES WESTENS AUS

WASHINGTON - (AD) - Nach den Worten des Staatssekretärs im amerikanischen Verteidigungsministerium, Fred C. Ikle, ist ein Präventivkrieg kein
Teil der nuklearen oder konventionellen Militärstrategie der Vereinigten
Staaten. Vor Auslandskorrespondenten verneinte Ikle am 8. Oktober 1982 mit
Nachdruck die Frage, ob Washington und seine NATO-Partner einen präventiven militärischen Schritt in kommunistisches Territorium hinein ergreifen
würden, wenn man der Ansicht sei, daß eine sowjetische Invasion unmittel
bar bevorstehe.
"Die klare Antwort auf diese Frage ist Nein", sagte der amerikanische
Staatssekretär. "Das Bündnis - und damit auch die Vereinigten Staaten - halten nichts von einem Präventivkrieg irgendeiner Art. Wir sind ein Verteidigungsbündnis, und die amerikanische Verteidigungspolitik ist rein defensiv,
was natürlich zusätzliche Lasten mit sich bringt. Aber es sind Lasten, die
unsere Demokratien tragen werden." Eine solche Politik bedeute, daß man beträchtliche Ausgaben für die Einsatzbereitschaft auf sich nehmen müsse,
fügte Ikle hinzu. Dies bedeute ferner, daß der Westen gezwungen sein könnte,
dem Gegner den Vorteil des ersten Schrittes überlassen zu müssen. Dies sei
besonders wichtig im nuklearen Bereich, wo die USA über Zweitschlag-Streit-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I
Zweitschlag-Streitkräfte verfügen müßten, die nur als Antwort auf einen
nuklearen Angriff eingesetzt würden. Die Vereinigten Staaten, so unterstrich
Ikle, hätten niemals an einen Präventivkrieg gedacht, selbst nicht, als sie
ein Monopol an Atomwaffen gehabt hätten.
"Teil unserer Verteidigungspolitik", so führte der Staatssekretär aus,
"ist es, Gegenoffensiven zu planen und ins Auge zu fassen, die an anderen
Punkten als dem gegnerischen Angriffspunkt stattfinden. Aber das ist ganz
I

etwas anderes als ein Präventivangriff." Die Idee eines Gegenangriffs sei
so alt wie die Militärgeschichte überhaupt und habe wohl in jedem Krieg Anwendung gefunden.
Ikle, der vor einigen Jahren Direktor des amerikanischen Amtes für
Rüstungskontrolle und Abrüstung war, nahm auch zur Frage der amerikanischen
Stützpunkte in Spanien Stellung. Diese Stützpunkte, so sagte er, seien für
die Verteidigung Spaniens, die Verteidigung der NATO und die westlichen Interessen wichtig. Ziel und Zweck dieser Basen stünden in absoluter Übereinstimmung mit der Verteidigungspolitik der USA und der NATO, vor einem Angriff abzuschrecken.
•

In Beantwortung von Fragen der Korrespondenten wies Ikle ferner darauf
hin, daß die USA ihre Sanktionen gegen die sowjetische Erdgasleitung aufrechterhalten würden. "Wenn jedoch etwas anderes vorgeschlagen wird, was
in gleicher Weise effektiv wäre, dann würden wir gerne bereit sein, darüber zu sprechen", fügte der Staatssekretär hinzu.

,

•

«

Ikle betonte ferner, daß die amerikanische Regierung sich nach dem Wiederzusammentreten des US-Kongresses am 29. November mit allem Nachdruck
für die vorgeschlagene Truppenstärke von 350 600 amerikanischen Soldaten
in Europa einsetzen werde. Eine Reduzierung auf den Stand von 1980 würde
keine kurzfristigen Einsparungen bringen und außerdem die Interessen der
Vereinigten Staaten wie auch der NATO insgesamt schädigen.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;30. Jahrestag der Gründung des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Streichung der Meistbegünstigungsklausel für Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rundfunkansprache des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zum Welternährungstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA um weltweite Nahrungsmittelsicherung bemüht -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sowjetunion in der Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dr. Richard Pipes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mitarbeiter des U.S. National Security Council&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erneute Greuel in Afghanistan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Staatssekretär schließt Präventivkrieg des Westens aus</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

&amp;

14. Oktober

36

1987

I N H A L T

INFORMATION
Zweiter Mann des Verkehrsministeriums zum Minister ernannt
- Reagan ernennt Burnley -

DOKUMENTATION
OAS trägt Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für
Nicaragua
- Ansprache Päsident Reagans vor der OAS -

Shultz betont Bedeutung des freien Informationsflusses
- Rede von Außenminister Shultz vor dem internationalen Rat

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

14. Oktober 1987

36

ZWEITER MANN DES VERKEHRSMINISTERIUMS ZUM MINISTER ERNANNT
- Reagan ernennt Burnley -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den zweiten Mann des Verkehrsministeriums, James H. Burnley IV, zu dessen neuem Leiter ernannt. Das Ministerium hat 100 000 Mitarbeiter und verfügt über einen Haushalt von 26,5 Milliarden Dollar.

Im Falle seiner Bestätigung durch
den Senat würde Burnley Nachfolger
von Elizabeth Dole, die am 1. Oktober
zurücktrat, um beim Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes, dem Führer
der Republikaner
im Senat, Robert
Dole, mitzuarbeiten.
In einer Feier im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan am 8. Oktober
1987, der 39jährige Stellvertretende
Verkehrsminister sei ein tadelloser
Politiker
und
exzellenter
Verwaltungsfachmann.
"In nur wenigen Jahren ist Jim von einem prominenten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Prozeßanwalt in North Carolina zum
designierten Mitglied des Kabinetts
der Vereinigten Staaten aufgestiegen,
und für diesen Erfolg gibt es sicherlich Gründe. Jim hat ein langjähriges Interesse an und ein solides Verständnis der öffentlichen Politik",
sagte Reagan.
Bei seiner Dankadresse an den
Präsidenten für die Nominierung erklärte Burnley, 20 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts würden
im Bereich Verkehr geschaffen.
Das
Wirtschaftswachstum des Landes hänge

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Telex: 8-85432

�von einem
ab.

dynamischen

Verkehrssektor

"Die einzige Konstante im Verkehrsbereich war in den vergangenen
Jahren das schnelle Tempo des Wandels" , sagte er.
Burnley amtierte seit Doles Rücktritt kommissarisch als Minister und
seit 1983 Stellvertretender Minister.
1983 diente er dem Ministerium als
Berater. Von 1982 bis 1983 war er
Abteilungsleiter
im
Justizministerium.
Nach Washington kam er 1981
als Direktor der Organisation Volunteers in Service to America (VISTA) .
Er erhielt 1970 seinen Bakkalaureus der philosophischen Fakultät der
Universität Yale und schloß 1973 sein
Jurastudium
an
der
Universität
Harvard ab.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
36

14. Oktober 1987
OAS TRSGT VERANTWORTUNG ZUR GEWÄHRLEISTUNG DER FREIHEIT FÜR NICARAGUA
- Ansprache Präsident Reagans vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) trägt
die Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für das Volk Nicaraguas, erklärte Präsident Reagan in seiner Ansprache vor der OAS am 7. Oktober 1987.
Unter Berufung auf die Aktionen der OAS im Jahr 1979, die zur Machtergreifung des sandinistischen Regimes beitrugen, bekräftigte der Präsident der
Gruppe gegenüber, die Mitgliedsstaaten müßten Vorsorge tragen, daß die Verfügungen des Friedensplans von Guatemala von der Regierung in Managua wortgetreu
in die Tat umgesetzt werden. Dem Präsidenten zufolge stelle das Verfahren,
die Einhaltung des Plans sicherzustellen, die gesamte Hemisphäre vor "eine
(ihrer) ernsthaftesten Herausforderungen", nämlich die Bestrebungen, "das Tor
der Freiheit für Nicaragua zu öffnen, seine Bande mit der Sowjetunion zu lösen
sowie die Erfüllung der von der OAS im Jahr 1979 gemachten Versprechen der Demokratie und Menschenrechte".
Nachfolgend geben wir die Ausführungen des Präsidenten wieder,
das gesprochene Wort.
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Ihre Exzellenzen, meine Damen
und Herren.
Es ist eine große Ehre für mich,
bei dieser Sitzung der Organisation
Amerikanischer Staaten zu Ihnen zu
sprechen.
Ich gestehe, daß es mich
mit großem Stolz erfüllt, heute hier
sein zu dürfen. Denn dies ist nicht
eine gewöhnliche diplomatische Veranstaltung, sondern die wohl zahlreichste Versammlung von Botschaftern aus
demokratischen
Ländern
in der Geschichte der Hemisphäre.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Es gilt

Während wir heute hier versammelt
sind, waren die Hoffnungen und Träume, die zur Erbauung dieses Saales
und
Schaffung
dieser
Organisation
führten, ihrer Erfüllung nie so nahe.
Das Werk unserer Vorväter, dessen im
Saal der Helden gedacht wird, stand
nie zuvor so kurz vor seiner Vollendung. Wir haben uns hier versammelt,
nicht als die Vertreter eines Landes,
eines
einzigen Kontinents, sondern
einer Hemisphäre, die sich der Sache
der menschlichen Freiheit und demokratischen Regierung verschrieben haben.

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dieses vergangene Jahrzehnt war
Zeuge des Triumphs der Freiheit in
beiden Teilen Amerikas.
Noch vor
zehn Jahren lebte die große Mehrheit
der Völker Lateinamerikas in Unterdrückung. Bis heute haben 90 Prozent
die Freiheit und Würde einer demokratischen
Regierung
kennengelernt.
Die Geschichte dieses demokratischen
Wandels ist eines der stolzesten Kapitel in der Geschichte der Menschheit.
Viele der heute hier Versammelten haben an dieser Geschichte
mitgeschrieben.
Es
ist
eine Geschichte von Mut, Staatskunst, Ausdauer, Heldentum und - ja, gelegentlich auch des Martyriums.
Es ist die Geschichte von Männern
wie Victor Paz Estenssoro, der Terroristen,
Drogenschmuggel
und
die
nackte Armut bekämpfte, um Boliviens
Freiheit zu erhalten.
Es ist die Geschichte von Raul
Alfonsin, der Argentinien aus Niederlage und Diktatur zu einer neuen Demokratie emporgehoben hat.
Es ist die Geschichte von Jose
Napoleon Duarte - inhaftiert, gefoltert und ins Exil verbannt, nachdem
er die Präsidentschaftswahlen in El
Salvador im Jahr 1972 gewonnen hatte.
Er hatte den Mut, nach Hause zurückzukehren und die Machtprobe zu bestehen.
Es ist die Geschichte all der
tapferen
Staatsmänner
Mittel- und
Südamerikas, die für die Einführung
und Aufechterhaltung der Demokratie
in ihren Ländern kämpfen.
Es ist auch die Geschichte des
einfachen Volkes, wie der Frau in El
Salvador, die bei ihrem Gang zur Wahl
in den Kugelhagel der Guerrilla geriet und verletzt wurde.
Stunde um
Stunde stand sie in der Schlange vor

der Wahlurne und wich nicht, um ihre
Wunden verbinden zu lassen, bevor sie
ihre Stimme abgegeben hatte.
Oder
der Großmutter, die von den Kommunisten gewarnt worden war, wenn sie
es wagen würde zu wählen, würde sie
bei ihrer Rückkehr vom Wahllokal umgebracht.
"Ihr könnt mich töten",
war ihre trotzige Antwort, "Ihr könnt
meine Familie töten, meine Nachbarn
töten, aber ihr könnt nicht uns alle
töten."
Das ist die Stimme des amerikanischen Kontinents, die stolze Stimme
der Nachfahren von Simon Bolivar, die
Freiheit als ihr Geburtsrecht fordern.
"Der Schleier ist zerrissen
worden",
schrieb
Bolivar
einmal.
"Wir haben das Licht bereits gesehen
und wir möchten nicht zurück in die
Finsternis gestoßen werden."
Ja,
der
gesamte
amerikanische
Kontinent ist weit in das Licht der
Freiheit
vorangeschritten, und wir
haben nicht vor, in die Schatten von
Unterdrückung und Tyrannei zurückzufallen. Aber bei allem Heldentum und
Durchhaltevermögen ist unsere Reise
noch nicht beendet.
Heute sind wir
aufgerufen, uns der
ernsthaftesten
Herausforderung zu stellen, mit der
sich unsere Hemisphäre je konfrontiert sah.
Diese Aufgabe wird von
all unseren Nationen dieselbe Staatskunst, denselben Mut und die uneingeschränkte Verpflichtung zur Freiheit
verlangen, die uns so weit gebracht
haben.
Ich spreche von den Bestrebungen
der demokratischen Nationen Mittel-,
Süd- und Nordamerikas, das Tor der
Freiheit
für Nicaragua zu öffnen,
seine Bande mit einer expansionistischen Kolonialmacht zu lösen und für
das nicaraguanische Volk die Erfüllung des vor der OAS im Jahr 1979 gegebenen Versprechens der Demokratie
und Menschenrechte sicherzustellen.

�Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Die Friedensvereinbarung
von Guatemala, ein von den fünf Präsidenten Mittelamerikas am 7. August
1987 unterzeichnetes historisches Abkommen, enthält viele der Bestandteile, die für anhaltenden Frieden und
dauerhafte Demokratie in der Region
erforderlich
sind.
Diese Übereinkunft ruft alle Parteien auf, die
Kampfhandlungen einzustellen und auf
echter Demokratie und Menschenrechten
in Nicaragua zu bestehen, einschließlich der Pressefreiheit, Religionsfreiheit, des Rechts, politische Vereinigungen zu bilden sowie umfassende, freie und gerechte Wahlen.
Die
Vereinbarung stellt eindeutig fest:
Demokratie ist die Grundlinie.
In
diesem Punkt kann es keinen Kompromiß
geben.
Aber während es Grund zur Hoff
nung gibt, besteht auch Anlaß zu
großer Vorsicht. Präsident Arias hat
erklärt, der Frieden
in Nicaragua
wird nur mit echter Demokratie überleben. "Wenn die Demokratie in Nicaragua nicht Fuß faßt", bekräftigte
er, "wird die bewaffnete Auseinandersetzung andauern." Und über die Sandinisten sagte er:
"Es trifft zu,
daß sie Marxisten sind.
Es trifft
zu, daß sie - sollte es ihnen gelingen, sich zu konsolidieren - versuchen werden, die Revolution zu exportieren, Costa Rica zu unterwandern
und den Versuch unternehmen werden,
in diesem Land subversiv tätig zu
werden."
Wir teilen die Hoffnungen und Bestrebungen
Präsident
Arias,
aber
ebenso seine Skepsis gegenüber den
kommunistischen
Sandinisten
- eine
aus einer
langen Liste sandinistischer Täuschungsmanöver und gebrochener Versprechen geborene Skepsis.
Meiner Meinung nach kann man es den
Skeptikern nicht verdenken, wenn sie

die Frage stellen:
Wo wird Daniel
Ortega denn am 7. November sein - dem
Tag, an dem die Vereinbarung in Kraft
trifft?
Wir dürfen nicht vergessen, daß
bereits eine mit den Sandinisten vertraglich
ausgehandelte
Übereinkunft
exisitiert, die noch vor dem Guatemala-Plan entstand - die Übereinkunft
aus dem Jahr 1979, mit der diese Organisation
in beispielloser
Vorgehensweise einer amtierenden Regierung
die Anerkennung entzog, nämlich der
Regierung von Anastasio Somoza, und
damit zur Machtergreifung der Sandinisten beitrug. Als Teil dieser Vereinbarung
stimmten
die
Sandinisten
zu, wahrhafte Demokratie mit freien
Wahlen und allen bürgerlichen Freiheiten einzuführen.
Jede der hier
versammelten Nationen ist als Mitglied der Organisation Amerikanischer
Staaten Vertragspartei dieser Vereinbarung.
Wir wissen, daß die Sandinisten
nie gewillt waren, diese Versprechen
einzulösen.
Und nur einige Monate
später beriefen die Sandinisten eine
Geheimversammlung ein und entwarfen
das unter dem Namen "Das 72-Stunden
Dokument" bekanntgewordene Papier, in
dem sie ihre Pläne zur Schaffung eines zweiten Kuba in Nicaragua darlegten. Und selbst als die Vereinigten
Staaten
der neuen
nicaraguanischen
Regierung
Millionen von Dollar an
Hilfsleistungen zukommen ließen, mehr
Hilfe als je einer anderen Nation gewährt wurde, waren die Sandinisten
eifrig mit dem Schmuggel von Waffen
an die kommunistischen Guerrillas in
El Salvador beschäftigt.
Aber obwohl die Sandinisten ihre
Verpflichtung für diese ausgehandelte
Übereinkunft nicht eingehalten haben,
muß
diese
Organisation
nicht
das
gleiche tun.
Diese Versprechen von

- 3 -

�Demokratie und Frieden waren auch unsere Versprechen - Versprechen an das
Volk von Nicaragua, daß seine Hoffnungen auf Frieden nicht enttäuscht
werden würden.
Wir gaben unser Ehrenwort, und dem können wir uns nicht
entziehen.
Diese Versprechen bilden
weiterhin die absolute Grundlage jeder ausgehandelten Regelung mit den
sandinistischen
Kommunisten.
Vollständige, freie und faire Wahlen und
die offene Gesellschaft, durch die
allein diese ermöglicht werden können, einschließlich aller Menschenrechte und der Ausweisung aller sowjetischen
und kubanischen Streitkräfte - dies müssen die unveräußerlichen Grundlagen
sein, auf denen
jedwedes weitere Abkommen mit den
Sandinisten aufzubauen hat.
Aus diesem Grund müssen wir, während wir weiterhin weiterhin auf Verhandlungen drängen, fest zu unserer
Verpflichtung stehen, Nicaragua eine
wahrhafte Demokratie zu bringen sowie
scharfsichtig und realistisch sein,
was den wahren Charakter der Sandinisten angeht.
Als Reaktion auf die
Übereinkunft von Guatemala haben die
Sandinisten einige wenige anfängliche
Schritte zu deren Einhaltung unternommen
diese
begrüßenswerten
Schritte sind jedoch nur ein Anfang.
La Prensa und Radio Catolica wurde
die Wiederaufnahme
ihrer Tätigkeit
gestattet, aber die anderen unabhängigen Zeitungen bleiben weiter geschlossen. Einem Dutzend anderer Radiostationen bleibt die Sendetätigkeit weiterhin untersagt.
Unlängst feierte die ChristlichSoziale Partei in Managua ihr 30jähriges Bestehen. Bei einer Demonstration innenpolitischer Opposition gegen die Sandinisten nahmen etwa 4 000
Personen an einer Versammlung teil.
Die Sandinisten gestatteten die Versammlung, aber sie nahmen sofort 18

Mitglieder
der
christlich-Sozialen
Partei aufgrund falscher Anschuldigungen fest. Der ehemalige Präsident
Venezuelas, Luis Herrera Campins, der
als Ehrengast daran teilnahm, nannte
die Festnahmen einen "eklatanten Akt
politischer Schikane".
Die
sandinisten
müssen
lernen,
daß Demokratie nicht heißt, eine Versammlung zu gestatten und dann die
Teilnehmer zu verhaften - sie bedeutet Hunderte solcher Versammlungen,
und zwar frei von Schikanierung, sei
es durch die Geheimpolizei oder durch
das, was von den Sandinisten als
"göttlicher
Mob"
bezeichnet
wird.
Demokratie bedeutet nicht, eine Zeitung oder eine Radiostation zu öffnen, sondern sie alle zu öffnen. Demokratie bedeutet nicht die Freilassung einiger politischer Gefangener,
sondern die Freilassung aller 10 000,
von denen einige schon seit acht Jahren im Gefängnis sitzen.
Demokratie
bedeutet nicht die selektive Gewährung einiger befristeter Freiheiten,
um die Weltmeinung zu besänftigen,
sondern dauernd gültige, umfassende
Menschenrechte, die von einer Verfassung garantiert und durch das System
der "checks and balances" einer demokratischen
Regierungsform
geschützt
werden.
Letztlich - und dies ist die
wichtigste Lehre von allen - heißt
Demokratie Rückgabe der Macht an das
Volk. Die Sandinisten müssen verstehen, daß sie nicht die Option besitzen, Diktatoren zu sein. Ihre einzige Option besteht darin, eine politische Partei zu führen und in begrenzten Amtszeiten zu dienen, wenn
das Volk sie in freien und fairen
Wahlen dazu bestimmt hat.
Was im nächsten Monat geschieht,
wird entscheidend sein - und wir alle
in der OAS sind dafür verantwortlich,

- 4 -

�darauf zu bestehen, daß die Sandinisten dem Frieden dadurch eine Chance
geben, daß
sie
ihre
Gesellschaft
wirklich öffnen. Mehr als jeder andere tragen die Mitglieder der OAS
eine besondere Verantwortung, um die
Führungsrolle bei der Verifizierung
der Vereinbarungen von Guatemala zu
übernehmen.
Wir
können nicht mit
Fassaden der Freiheit zufrieden sein,
die zu dem Zweck errichtet wurden,
die internationale Meinung irrezuführen, um dann schnell wieder abgebaut
zu werden, wenn der Druck nachgelassen hat. Wir müssen auf einer echten
Demokratie in Nicaragua bestehen nicht für eine Woche, nicht für einen
Monat oder ein Jahr -,sondern für immer.
Alles, was wir möchten, ist eine
echte Demokratie. Jeder, der weniger
verlangt, dient nicht der Sache des
Friedens in Nicaragua..
Und lassen
Sie mich noch sagen, daß hier keine
neuen
Forderungen
erhoben
werden.
All dies wird ja schon in der Übereinkunft von Guatemala und im WrightReagan-Friedensplan ausgeführt.
Sagen Sie - wie kann es Demokratie geben, wenn Tausende aus politischen
Gründen verhaftet werden?
Wie kann
es Demokratie geben, wenn Menschen,
die das Mißfallen der Sandinisten erregen, dadurch bestraft werden, daß
ihnen die Rationierungskarten vorenthalten werden, auf die sie Nahrungsmittel und andere Bedarfsartikel erwerben können? wie kann es Demokratie geben mit einer von überzeugten
Leninisten geleiteten Geheimpolizei,
die jeden Bürger mit Hilfe der sogenannten
"Blockkomitees"
überwacht?
Wie kann es Demokratie geben, wenn
die
gesamte Gesellschaft militarisiert wird, wobei das Militär von einer politischen Partei und ihren kubanischen und sowjetischen "Beratern"
kontrolliert wird?

Zur Demokratie gehören ganz bestimmte Charakteristika.
Alltägliche
Freiheiten - genauso wie die Tyrannei
aus alltäglicher
Unterdrückung besteht,
ist es aufrichtig, von Demokratie zu sprechen und gleichzeitig
die spezifischen Merkmale zu ignorieren, aufgrund derer wir sagen können,
ob
eine
Demokratie
wirklich
existiert?
Ich glaube nicht. Und deshalb muß der Marsch zur Demokratie in
Mittelamerika eben ein Marsch sein Schritt für Schritt vielleicht, aber
unaufhaltsam - hin zu demokratischer
Freiheit.
Einhergehend
mit
demokratischen
Reformen
fordert das Abkommen von
Guatemala die nationale Aussöhnung in
Nicaragua durch einen ausgehandelten
Waffenstillstand und eine vollständige Amnestie.
Gerade hat in dieser
Woche Präsident Duarte den Geist der
nationalen Aussöhnung in seinem Lande
beschworen
und
alle
Salvadorianer
folgendermaßen
dazu
aufgerufen:
"Vergebt all denen, deren Taten unseren Herzen Schmerz zugefügt haben."
Trotz der ihm und seiner Familie von
den Guerrillas zugefügten Gewalt hat
er Verhandlungen mit ihnen aufgenommen. Ebenso hat Guatemalas Präsident
Cerezo auf den Ruf zur Aussöhnung geantwortet, und seine Regierung wird
schon bald ein Treffen mit den dortigen Guerrillas abhalten.
Sie haben
dies getan, weil sie möchten, daß das
Abkommen von Guatemala funktioniert.
Wenn die Sandinisten wirklich die
Funktionsfähigkeit
dieses
Abkommens
wünschen, wäre es dann nicht an der
Zeit, daß sie mit den nicaraguanischen Freiheitskämpfern verhandelten?
Ich würde mich gern einen Augenblick lang an die Damen und Herren
von der Presse wenden. Während der
Prozeß der nationalen Aussöhnung voranschreitet,
trägt Ihr
Berufsstand
eine besondere Verantwortung dafür,

- 5 -

�daß die Regelungen des Friedensprozesses vollständig durchgeführt werden und die Demokratie eine dauerhafte Heimat in Nicaragua findet.
In
der Vergangenheit sind die Medien einige Male dafür kritisiert worden,
daß sie mit zweierlei Maß gemessen
haben.
Im Hinblick auf die weitere
Entwicklung
in
Nicaragua
kann
es
zweierlei Maß nicht geben, sondern
nur ein einziges und absolutes Maß die Demokratie. Sie müssen den Fortschritt der Demokratie in Nicaragua
aufmerksam beobachten.
Konzentrieren
Sie all Ihre ermittlerischen Fähigkeiten, all Ihre Skepsis auf die Regierung der Sandinisten.
Verlangen
Sie vollständige Aufdeckung.
Sehen
Sie zu, daß sie ihren Versprechungen
gerecht werden.
Dies könnte eine
Sternstunde des Journalismus werden,
wenn Sie mit Hilfe der Wahrheit zur
Befreiung eines Volkes beitrügen.
Wie ich schon sagte, bedeutet das
Abkommen von Guatemala eine positive
Bewegung in dem anhaltenden Bemühen
für Demokratie und Frieden in Nicaragua, das mit der von der OAS ausgehandelten Regelung im Jahr 1979 begann.
Aber obwohl das Abkommen ein
Schritt in die richtige Richtung ist,
behandelt es nicht die Sicherheitsbelange der Vereinigten Staaten in der
Region - die wachsende sowjetisch-kubanische Präsenz, die die Errichtung
eines Brückenkopfes auf dem amerikanischen Festland anstrebt und das
schnelle
und destabilisierende Anwachsen der sandinistischen Streitkräfte, die die demokratischen Nachbarn Nicaraguas bedrohen.
Diese
Sicherheitsbelange
werden
jedoch im Wright-Reagan-Friedensplan
angesprochen.
Die ersten Abschnitte
dieses Planes sehen ganz klar vor,
"daß es keine sowjetischen, kubanischen oder Qstblockstützpunkte in
Nicaragua gibt", und "daß Nicaragua
- 6

weder eine Bedrohung für seine Nachbarstaaten darstellt noch ein Aufmarschgebiet für Subversion in der
Hemisphäre bietet".
Das heißt, die sowjetischen und
kubanischen Streitkräfte müssen abziehen. Wir werden keine kommunistische Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents dulden.
Freiheit
in Nicaragua, Befreiung von allen
einheimischen und ausländischen Tyrannen - dafür setzen sich die Vereinigten Staaten ein, mit einem Konsens beider Parteien über die Bedingungen, die im Sicherheitsinteresse
der Vereinigten Staaten liegen.
Und ich möchte hinzufügen, daß
diese Sicherheitsinteressen von allen
demokratischen Nationen unserer Hemisphäre geteilt werden. Ab dem ersten, von Simon Bolivar einberufenen
Kongreß der amerikanischen
Staaten
und seit dem Vertrag der ewigen Einheit, des Bundes und der Konföderation haben die Völker der amerikanischen Hemisphäre auf der Souveränität und Unabhängigkeit der Mitgliedsstaaten gegenüber ausländischem Imperialismus bestanden.
Heute gibt es
nur zwei kolonialistische Diktaturen
in den beiden Teilen Amerikas. über
eine von ihnen sagte John F. Kennedy
vor mehr als 20 Jahren, "Kräfte ausserhalb der Hemisphäre haben Kuba zum
Opfer des ausländischen Imperialismus
werden lassen, einem Instrument der
Politik anderer, einer Waffe in einem
von ausländischen Mächten diktierten
Bestreben zur Unterwanderung der anderen
amerikanischen
Republiken."
Heute ergreifen eben diese Kräfte Besitz von Nicaragua, aber der Kampf
gegen die Kolonialherrschaft ist angefacht, der das imperalistische Joch
abschütteln kann.
Tatsache
Grund gibt,

ist, daß es nur einen
aus dem die kommunist-

�ische Subversion der mittelamerikanischen
Demokratien
im
Augenblick
aufgehalten worden ist. Es gibt nur
einen Grund, warum für den im Friedensplan von Guatemala propagierten
Demokratisierungsprozeß noch Hoffnung
auf Erfolg besteht, und den liefern
die tapferen nicaraguanischen Freiheitskämpfer, die ihr Leben für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Heimat opfern.
Die meisten sind junge Männer von
kaum
20
Jahren,
die
beim
Sturz
Somozas noch Kinder waren. Sie haben
die Versprechungen des Jahres 1979 von Freiheit und Menschenrechten
vernommen, aber sie kennen nur Tyrannei und erleben ihre Gesellschaft im
sich
verstärkenden
Würgegriff
der
neuen Diktatoren.
Sie mußten erleben, wie ihre Freiheit nach und nach
beschnitten, ihre Bauernhöfe konfisziert und ihre Priester verfolgt wurden. Sie haben miterlebt, daß willkürliche Verhaftungen, Schläge und
Mord im Namen des Regimes an der Tagesordnung sind.
Sie haben erlebt,
wie andere
junge Nicaraguaner
zum
Dienst unter sogenannten sowjetischen
und kubanischen "Beratern" verpflichtet und zu bloßen Schachfiguren in
einem Krieg wurden, der dem amerikanischen Kontinent ausländische Tyrannei aufzwingen sollte.
Diese Nicaraguaner haben wahrhaftig nur Tyrannei erlebt.
Sie haben
einen Diktator stürzen sehen, der von
neun Commandantes abgelöst wurde, die
viel schlimmer sind - und sie haben
sich dagegen aufgelehnt. Ihre Herzen
fordern Freiheit.
Im Geist der amerikanischen Freiheitskämpfer vergangener Jahrhunderte kämpfen sie für
Freiheit und Unabhängigkeit.
Es
gibt
inzwischen
mehr
als
15 000 nicaraguanische Freiheitskämpfer - dreimal soviele wie beim Sturz
Somozas - die flächendeckend in Nica-

ragua operieren.
Ohne die Freundschaft und Unterstützung des nicaraguanischen Volkes hätten sie nicht
überlebt.
Seit sieben Jahren haben
die Freiheitskämpfer die Konsolidierung des totalitären Regimes in Nicaragua verhindert.
Bis jetzt zielen
die
Milliarden
Dollar
sowjetischer
Militärhilfe an Managua hauptsächlich
darauf ab, die Freiheitskämpfer zu
besiegen und dann später die umliegenden Demokratien angreifen zu können.
Alle, die im öffentlichen Leben
stehen, sollten sich vor Augen führen, daß die Freiheitskämpfer - die
meisten von ihnen arme Bauern, die in
den Urwäldern Nicaraguas gegen eine
riesige Übermacht ankämpfen - mit ihrem Leben und ihrem Mut die Flut kommunistischer Expansion in Mittelamerika abgewehrt haben. Ohne die Freiheitskämpfer hätten die Sandinisten
niemals das Abkommen von Guatemala
unterzeichnet, und sähen sich keinem
Druck zur Durchführung von Reformen
ausgesetzt.
Ihr totalitärer Zugriff auf Nicaragua würde nur fester werden und sobald der Widerstand im Inland erstickt wäre, würden die Sandinisten
ihr Augenmerk bald auf ihre Nachbarn
richten.
Die ungeheure von kubanischen
und
sowjetischen
Beratern
ausgerüstete und personell besetzte
Militärmaschinerie würde ihre Schatten über ganz Mittelamerika werfen.
Ihre
nachweisliche,
nur
zeitweise
eingedämmte, Subversion der umliegenden Demokratien würde kontinuierlich
vorangetrieben.
Sogar jetzt, mitten
im Friedensprozeß, wo sich das Augenmerk der ganzen Welt auf die Sandinisten richtet, liefern sie weiterhin
Waffen an die kommunistischen Guerillas in El Salvador.

- 7 -

Wir

werden nicht einfach mit den

�Achseln zucken und zusehen, wie abertausende tapferer Männer und ihre Familien zu Flüchtlingen gemacht werden. Wir wollen die Aussöhnung dieser Nation erleben. Wir wollen, daß
die Freiheitskämpfer nach Hause zurückkehren und in Nicaragua in Frieden und Freiheit leben zu können.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten
hat diesen Menschen gegenüber eine
moralische Verpflichtung, der er sich
nicht entziehen kann. Ich bin diesen
Menschen gegenüber eine persönliche
Verpflichtung eingegangen und werde
mich ihr nicht entziehen. Sie kämpfen in den Urwäldern Nicaraguas nicht
nur für ihre eigene, sondern auch für
Ihre und meine Freiheit.
Ich möchte
feierlich geloben - so lange ich atme, werde ich für die Sache der nicaraguanischen Freiheitskämpfer eintreten, arbeiten und kämpfen.
Aber die anhaltende Unterstützung
des demokratischen Widerstandes ist
nicht nur eine moralische Verpflichtung - sie ist die wesentliche Garantie, daß die Sandinisten sich an die
demokratischen Bedingungen des Abkommens von Guatemala halten und daß die
demokratischen Länder der beiden Teile Amerikas vor sandinistischer Unterwanderung sichr sein werden. Wir
sollten uns fragen: Hätten die Sandinisten das Abkommen unterzeichnet,
wenn wir nicht zu den Freiheitskämpfern hielten? Wenn der amerikanische
Kongreß
im vergangenen Jahr gegen
Hilfsleistungen
für die Freiheitskämpfer gestimmt hätte, würden wir
dann heute über demokratische Reformen in Nicaragua sprechen? Die Antwort darauf lautet eindeutig "Nein".
Aus diesen Gründen werde ich ein
über einen Zeitraum von 18 Monaten
gestaffeltes 270 Millionen Dollar-Paket an neuer militärischer und humanitärer Hilfe für die Freiheitskämpfer fordern und erkämpfen.
Diese

neue Unterstützung wird so lange gewährt werden, wie die mit den Freiheitskämpfern in Verhandlungen stehenden Sandinisten ein Abkommen für
einen Waffenstillstand schließen und
bis in Nicaragua vollständige Demokratie herrscht. Sobald die Waffenruhe in Kraft getreten ist, wird nur
noch die zur Erhaltung der Freiheitskämpfer
als einer
funktionsfähigen
Einheit notwendige Unterstützung geleistet werden.
Dann werden wir und sie - erleben, ob die demokratischen Reformen in Nicaragua echt
sind.
Der beste Indikator hierfür
ist der Tag, an dem es den Freiheitskämpfern gestattet sein wird, straffrei für politische Macht zu kandidieren statt mit Hilfe von Waffen.
Wenn dies geschieht, werden unsere
Hilfsleistungen an die Widerstandsbewegung
entsprechend
abnehmen.
Und
die
finanzielle
Unterstützung
wird
dann zur Stärkung des sich im Gange
befindlichen Demokratisierungsprozesses umgeleitet werden.
In den kommenden entscheidenden
Monaten müssen die freien Länder der
beiden Teile Amerikas höchste Reaktionsbereitschaft zeigen. Wir müssen
unerschütterlich darauf beharren, daß
Demokratie die einzige Garantie für
den Frieden ist.
Aber der amerikanische Kontinent wäre nicht so weit
gekommen ohne den Mut, die Ausdauer
und den Einsatz für Freiheit, von denen ich bereits gesprochen habe. Ich
zweifle nicht daran, daß Freiheit
herrschen wird. Der große kubanische
Fürsprecher der Freiheit, Jose Marti
hat einmal gesagt, "Es gibt auf dieser Welt zwei Seiten: auf der einen
Seite stehen die, die Freiheit hassen, weil sie diese ausschließlich
für sich allein wollen; auf der anderen die, die Freiheit für sich selbst
und alle anderen wünschen".

- 8 -

�Freiheit für alle - das könnte
das Motto dieser Organisation sein.
Bei der Grundsteinlegung für dieses
Gebäude
sprach
der
brasilianische
Staatsmann Joaquim Nabuco vom besonderen
Schicksal der
amerikanischen
Hemisphäre und vom einzigartigen Auftrag der OAS: "Es scheint, daß eine
Fügung des Schicksals das westliche
Ufer des Atlantiks zu einem späten
Zeitpunkt der Geschichte zum gelobten
Land für eine großartige Neubelebung
der Menschheit werden läßt." Das ist
die feierliche Verpflichtung dieser
Organisation - Wache über dieses auserwählte Land zu halten, es von fremden
Mächten
und
kolonialistischem
Despotismus zu bewahren, so daß die
Menschen hier in Freiheit Wiederaufleben können.
Aus diesem Grund haben sich im
Jahr 1979 diese Organisation und viele amerikanische Länder an das nicaraguanische Volk gewandt und ihnen
echte Freiheit und die Wahrung der
Menschenrechte
versprochen.
Jetzt
müssen wir zu diesem Versprechen stehen, wie wir auch zu unserer Freiheitsliebe stehen - nicht nur für
einige wenige, sondern, um mit Jose
Marti zu sprechen: Freiheit für alle.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.

* * * * *
- 9 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
14. Oktober 1987

36

SHULTZ BETONT BEDEUTUNG DES FREIEN INFORMATIONSFLUSSES
Rede von Außenminister Shultz vor dem Internationalen Rat -

WASHINGTON - (AD) Außenminister Shultz zufolge liegen dem raschen technologischen Wandel der modernen Welt "die Auswirkungen der sogenannten 'Informationsrevolution' zugrunde" und diese Revolution wiederum gründet sich auf den
freien Informationsfluß.
Außenminister Shultz machte seine Ausführungen am
ersten Sitzungstag des internationalen Rats des Informationsamts der amerikanischen Regierung (U.S. Information Agency - USIA) am 8. Oktober 1987. Der
Rat setzt sich aus Meinungsbildnern aus der ganzen Welt zusammen, die zu einer
Erörterung der Auswirkungen der amerikanischen Politik und Maßnahmen im Ausland zusammenkamen.
Nachfolgend geben wir die Rede von Außenminister Shultz sowie die anschließende Diskussion mit den Teilnehmern des Rats im Wortlaut wieder.
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit zu einigen Ausführungen meinerseits und anschließender Diskussion mit solch einem erlesenen Publikum wie den heute hier Anwesenden.

lungen?
Warum nehmen sie möglicherweise die Richtung, die sie meiner
Meinung nach einschlagen werden? Was
bedeutet dies für unsere eigene Handlungsweise?

Ich habe mir überlegt nicht mit
einer Abhandlung der derzeitigen Ereignisse zu beginnen, sondern zunächst einige Worte über die Perspektiven zu sagen, die sich dieser Welt
meiner Ansicht nach aufzeigen - für
uns, die Vereinigten Staaten und die
anderen Länder der Welt. Welcher Art
sind die sich abzeichnenden Entwick-

Meinem Gefühl nach und aus meiner
Sicht haben wir heute im Vergleich zu
früher in gewisser Weise mehr Chancen, mehr Dinge befinden sich im Wandel, bieten sich mehr Möglichkeiten
für grundsätzlich positive, aber unterschiedliche Entwicklungen für das
kommende oder die nächsten fünf oder
zehn Jahre.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Lassen Sie mich einige Anzeichen
dafür nennen, wie diese Entwicklungen
sich aus meiner Sicht vollziehen.
Zunächst bestehen keine Zweifel an
der Tatsache, daß das revolutionäre
Wort in diesen Tagen, politisch gesehen, Freiheit heißt. Seine Bedeutung
ist sehr umfassend. In mehr als einem Land findet es seinen Ausdruck in
konstitutionellen
Vereinbarungen,
aber in einem sehr weiten Rahmen findet es seinen Niederschlag in der anerkannten Notwendigkeit für größere
Offenheit und mehr Raum zur freien
Meinungsäußerung der Menschen, wenn
eine Gesellschaft besser oder überhaupt gut funktionieren soll.
Ich denke, hierbei handelt es
sich um eine sehr tiefgreifende Entwicklung, die sich von dem unterscheidet, wie man die Dinge vor ungefähr fünf oder zehn Jahren charakterisiert hat.
Des weiteren kann man meiner Meinung nach dieselbe Beobachtung anstellen, wenn von wirtschaftlichen
Belangen die Rede ist. Die Menschen
beziehen nicht notwendigerweise einen
von ideologischer Einsicht geprägten
Standpunkt, sondern vielleicht eher
einen objektiven, praktischen, der
auch praktikabel ist.
Sie haben beobachtet, daß der
Versuch meist zum Scheitern verurteilt ist, ein Land wirtschaftlich
zentral zu lenken. Wenn man dezentralisiert und den Menschen individuell, in der Familie oder auf Unternehmensebene
Anreize
bietet
und
Marktsignale
setzt,
können
dramatische Ergebnisse erzielt werden.
Die Gegensätze sind überwältigend,
in diesen Tagen beschäftigt
uns Korea, da die Aussicht auf ein
politisches Wunder besteht, das mit
dem wirtschaftlichen Wunder in Süd-

korea einhergehen könnte. Weiterhin
besteht einer der schärfsten kleinen
Gegensätze.
Wenn ein Student der
Wirtschaftspolitik ein Experiment zur
Veranschaulichung der Ereignisse angestellt hätte, so hätte ihm dies
nicht besser gelingen können, als
Nord- und Südkorea vor einigen Jahrzehnten mit im Großen und Ganzen demselben
Bevölkerungshintergrund
und
einer ähnlichen Ausgangssituation nebeneinander zu stellen und dann das
weitere Geschehen abzuwarten.
Die Macht einer zunehmend auf
Marktsignale und Unternehmertum ausgerichteten, freieren Art der Organisation von Wirtschaftsaktivitäten hat
allem ihren Stempel aufgeprägt. Wir
können dies also als weitere Charakterisierung der Gegenwart, um nicht
zu sagen, Welle der Zukunft ansehen.
Wenn wir auf der Welt um uns
blicken, Rückschau halten und im Hinblick auf eine grobe Einschätzung des
Bruttosozialprodukts
der
Welt
und
dessen Verteilung durch die jeweiligen Länder vorausschauen, dann ist
natürlich das erste, dessen wir gewahr werden, daß es sehr viel mehr
Länder sind als vor 40 Jahren.
Wir können also die immer größere
Verbreitung des Bruttosozialproduktes
der Welt beobachten.
Damit möchte
ich nicht andeuten, daß unser Bruttosozialprodukt
in
den
Vereinigten
Staaten
nicht
zunimmt
und
andere
große Länder wie die Sowjetunion oder
Japan oder sonst ein Land kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen haben,
aber andere Länder wachsen schneller,
sicherlich weil sie einen weiteren
Weg zurückzulegen und sehr viel haben, bei dem sie sich einfach dranhängen können.
Wir können
breitung
des

- 2 -

also die WeiterverBruttosozialproduktes

�der Welt beobachten und immer mehr
Länder, die Kapazitäten zur Verfügung
haben, um die wirtschaftlichen Grössenverhältnisse mit dem Pro-Kopf-Einkommen hervorzubringen, das etwas von
Bedeutung
unterstützen
kann.
Die
Verbreitung des Bruttosozialproduktes
der Welt geht also einher mit der
Verbreitung von Kapazitäten, um Maßnahmen in die Wege zu leiten.
Ich glaube, es ist von besonderer
Bedeutung, daß diese Verbreitung anhand der geistigen Kapazitäten gemessen wird.
Eines versuche ich immer
wieder, wenn ich eine Reise unternehme - ich habe es versucht, bevor ich
in der Regierung tätig war, und ich
bin darauf
zurückgekommen, seitdem
ich in der Regierung bin, nämlich wohin ich auch reise, mir etwas Zeit
zu nehmen und etwas von kulturellem,
historischem
oder
architektonischem
Interesse in dem Land zu besichtigen,
das ich gerade besuche.
Eines, was man daraus natürlich
ableiten kann ist, daß die Menschen
vor langer Zeit schon intelligent waren und viele Dinge vollbracht haben,
von denen man sich fragt, ob sie uns
heute gelingen würden und auch, daß
diese intelligenten Menschen überall
auf der Welt zu finden sind.
Was wir heute beobachten können
ist, daß die weit verbreiteten natürlichen intellektuellen Gaben weiter
ausgebildet und beruflich verwertet
werden, und die Menschen sich zunehmend bewußt werden, daß im modernen
Zeitalter die intellektuellen Fähigkeiten - das Wissen - von vorrangiger
Bedeutung sind.
Dieses wissen erlangt man nicht nur durch Intelligenz, sondern indem man sich weiterbildet.

Welt

Wir können also überall auf der
und besonders in der sich im

Entwicklungsstadium befindlichen Welt
eine große Betonung der intellektuellen Kenntnisse beobachten, Diese Art
von Fähigkeiten sind also weit verbreitet.
Zum Thema der Supraleitfähigkeit
habe ich eine interessante schematische Darstellung gesehen. Auf der
Achse dieser Graphik ist die Temperatur angegeben und Ihnen ist sicherlich bekannt, daß man ein desto besseres Ergebnis erzielt, je höher die
Temperatur ist, bei der man die Supraleitfähigkeit erreicht.
Auf dieser Achse hier ist die
Zeit angegeben. Wir können hier also
eine Progression der Punkte beobachten.
Irgendjemand hat etwas entdeckt
und neben jedem Punkt ist ein Land
angegeben. Zu meiner Freude kann ich
feststellen,
daß
die
Vereinigten
Staaten an zahlreichen stellen in
Klammern aufgeführt sind. Das interessante an dieser Graphik ist jedoch,
wie viele Länder auf dieser schematischen Darstellung insgesamt genannt
sind.
Sie können also aus dieser
Graphik die Verbreitung von Fähigkeiten und Kapazitäten auf der Welt ableiten.
Ich lege auf die Wissenskomponente hier besonderen Wert, da ich das
Gefühl habe und dies natürlich durch
das menschliche Wissen unter Beweis
gestellt wird, daß Initiative und
Energie stets den Schlüssel zur Entwicklung eines jeden Landes darstellten. Dies erfährt umso mehr an Gültigkeit, wenn wir um uns blicken und
die Geschehnisse beobachten.
Wenn wir den Bereich der Nahrungsmittelversorgung betrachten, sehen wir natürlich etwas, das die Nahrungsmittelproduktion
unerschöpflich
macht, nämlich die reichlich verschwenderischen Subventionen in den

- 3 -

�Entwicklungsländern, die zu übermäßiger Produktion in den Ländern führen,
in denen die Menschen wissen, wie
produziert wird.
Man kann jedoch einerseits auch
Veränderungen bei der Art und Weise
feststellen, in der die Agrarökonomie
in Afrika, China und vielleicht auch
in anderen Ländern wirtschaftlicher
organisiert wird, wohingegen die bisherige Philosophie darin bestand, den
Preis aufgrund des Nahrungsmittelbedarfs ganz unten zu halten, sogar unter den Produktionskosten.
Es überrascht niemanden, der je
ein
Lehrbuch
der
grundlegendsten
Wirtschaftszusammenhänge gelesen hat,
daß diese Formel nachteilig für die
Produktion ist.
Also wurde die revolutionäre Idee geboren, den Preis
oberhalb der Produktionskosten festzusetzen.
Dies hat
einschneidende
und unmittelbare Auswirkungen auf die
Produktion.

könnte zu einem Problem werden. Sicherlich wird es Regionen der Dürre
und ähnliche Dinge geben, mit denen
wir fertigwerden müssen, aber grundsätzlich ist es möglich, eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln zu
produzieren.
Wenn sie den Bereich der Rohstoffe betrachten, besteht seit Jahrzehnten und vielleicht seit Jahrhunderten
die Auffassung, daß man reich ist,
wenn man über viele Rohstoffe verfügt. Ich bin nicht gegen den Besitz
von Rohstoffen, aber ich denke, wir
haben in den vergangenen zwei Jahren
zunehmend eine Substitution von Rohstoffen durch Intellekt beobachtet.
Das heißt, die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erdenken, mit deren Hilfe
Dinge zusammengefügt werden, die den
Grundstoff für etwas bilden, das man
statt
des traditionellen
Materials
verwendet. Das wird nicht getan, um
den Rohstoff als Grundlage abzuschaffen, aber es hat diese Auswirkung.

Aus diesem Grund können wir also
tiefgreifende Veränderungen beobachten, aber ich wollte auf folgenden
Punkt abzielen:
So, wie ich Forschung im Bereich der Landwirtschaft
verstehe, und es finden eine ganze
Reihe von Veränderungen beim Anbau
und der Widerstandsfähigkeit von Nahrungsmitteln gegen alle möglichen Bedrohungen statt sowie der Fähigkeit,
das Angebaute zu nutzen, wirtschaftlich weiterzuverarbeiten und anzubieten, stellt dies alles einen gigantischen Wandel dar.

Die Kunststoffindustrie ist uns
vertraut, ihre Entwicklung und die
Wunder, die sie vollbracht hat sowie
der Ersatz, den sie jetzt für Metalle
bietet.
Ich denke, wir sind nicht
damit vertraut, daß Kupfer in vielen
Anwendungszweigen durch Glasfaseroptik ersetzt wird.

Man kann also ohne Übertreibung
annehmen, daß Malthus hier auf den
Kopf gestellt wird. Durch die Anwendung unseres Wissens haben wir jetzt,
und auch in Zukunft, denke ich, eine
Welt, in der die Fähigkeit, uns zu
ernähren,
kein
Problem
darstellt.
Die
Verteilung
der
Nahrungsmittel

Aus dem Gesundheitswesen und der
Biotechnik
lassen
sich
zahlreiche
weitere Beispiele anführen.
Meiner
Ansicht nach liegt all dem die sogenannte Revolution des Informationswesens zugrunde, die Fähigkeit, Informationen und Meinungen in einer dagewesenen Art und Weise aufzunehmen, zu

- &lt;

Ich glaube, daß sich unsere Denkweise über Rohstoffe verändert, und
das hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Art des Aufbaus unserer Weltwirtschaft.

�ordnen und zu analysieren. Das wird
überall
auf
vielfältige
Weise
in
zahlreichen Anwendungsbereichen verwirklicht.
Wie Diplomatie durchgeführt wird,
wie Finanzmärkte funktionieren, die
Art und Weise eines Herstellungsprozesses in der verarbeitenden Industrie, die Art der Organisation eines
Unternehmens - all dies ist davon betroffen.
Bei diesem Spiel muß man
entweder mitspielen oder man bleibt
auf der Strecke.

damit nicht nur bestimmte Artikel
ferngehalten, sondern die gesamte Art
und Weise der Verarbeitung von Produkten im eigenen Land ist betroffen,
weil dann keine Teile mehr ins Land
gelangen, die fast zu einem normalen
Bestandteil der Funktionsweise unseres Handelssystems geworden sind.
Diese zusammenhänge werden komplexer mit den zunehmenden Ausdrucksmöglichkeiten von Märkten und Unternehmen, die nach der günstigsten Produktionsweise streben.

Ich denke nicht, daß hierbei um
Punkte gespielt wird, aber grundsätzlich ist es ein Spiel, das Regeln zugunsten des freien Informationsflusses aufstellt und sich von einem System unterscheidet, das Information
einschränken will, den Fluß hemmt und
Geheimnisse bewahrt.

Ich bin der Auffassung, daß diese
Revolution im Informationswesen die
Dinge grundsätzlich verändert und generell Auswirkungen auf mein eingangs
angesprochenes Thema "Freiheit" hat.
Das stimmt jedoch nicht ganz, weil
damit viele schwierige Probleme verbunden sind.

Die Macht dessen zeigt sich in
der Tatsache, daß es nicht angebracht
ist, über einen New Yorker Finanzmarkt, und erst recht nicht über andere Finanzmärkte zu sprechen.
Ich
will damit nicht sagen, daß sie keine
Bedeutung haben; sie sind große, bedeutende und wesentliche Bestandteile
- aber eindeutiger als jemals zuvor
sind sie Bestandteile eines Weltfinanzsystems.

Vom Standpunkt des Westens aus
betrachtet, messen wir dieser Technologie in vielen militärischen Anwendungsgebieten eine grundlegende Bedeutung bei.
Das soll so bleiben,
und wir wollen sie nicht an unsere
Gegner weitergeben.
Auf wirtschaftlicher Ebene findet dies in der Runde
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) seinen Niederschlag,
wo das Thema Rechte an geistigem Eigentum eine zunehmende Bedeutung erlangt.

Wenn sie die Art der Herstellung
von Produkten betrachten, ist es nahezu
unmöglich, herauszufinden, wo
sie hergestellt werden, weil sie aus
Einzelteilen
aus
den
unterschiedlichsten Ländern zusammengefügt sind,
unabhängig davon, was ein modernes
Produkt ausmacht. Bedenken Sie hierzu bitte die Auswirkungen einer sogenannten "protektionistischen Gesetzgebung" .
Wenn der Zugang von Produkten in
irgendein Land behindert wird, werden

Wir beobachten, daß Menschen ihr
geistiges Eigentum nicht in ein Land
einbringen wollen, in dem das Recht
an geistigem Eigentum nicht gewahrt
wird. Hiermit gibt es ein neues Element im Handelssystem, das sich von
allem unterscheidet, worüber in frühen Wirtschaftsverhandlungen gesprochen wurde.
Es soll hier nur die
Probleme des Informationsflusses verdeutlichen.

- 5 -

�Zusammenfassend läßt sich an dieser Stelle sagen, daß die Welt und
die Vereinigten Staaten als ein Teil
dieser Welt ihre Richtung in einer
Weise ändern, die unsere werte und
Ideen und die unserer Freunde in der
westlichen Welt grundsätzlich bejahen.
Es ist an uns, diese Vorschläge
zu prüfen, und wir sollten unser
Bestes tun; sehen, was die Zukunft
für uns bereithält und uns fragen,
welche Haltung wir einnehmen sollten,
um daraus für uns und für die Menschheit insgesamt das Beste zu machen.
Natürlich bilden die Dinge, mit
denen wir uns in jüngster Zeit beschäftigt
haben, einen Bestandteil
dessen.
Diese Dinge betreffen die
langandauernden Bemühungen des Präsidenten um einen Abbau der Nuklearwaffen und um das Aufzeigen einer sicheren und wirkungsvollen
Möglichkeit
der
Abwehr
ballistischer
Raketen.
Generell
streben
wir
nach
einer
friedlicheren Welt, die in der Lage
ist, diese allzu häufig beobachteten
regionalen Spannungen zu lösen, die
die Atmosphäre vergiften und etwas
bedrohen können, das im weiteren Sinne eine Ursache der mangelnden Stabilität sein könnte.
Viele dieser Probleme bekämpfen
wir jeden Tag, aber ich dachte, durch
mein Erscheinen hier und meine Rede
vor dieser hochrangigen Gruppe nehme
ich die Möglichkeit wahr, ihnen wenigstens einige der Dinge darzulegen,
von denen ich glaube, daß sie eine
Zukunft betreffen, die teilweise genau hier beginnt, die uns aber noch
mehr dazu herausfordert, etwas vorauszudenken.
Ich habe mich über diese Gelegenheit gefreut, und werde gern auf Ihre
Fragen eingehen.
* * *

Frage:
Ich hege große Bewunderung für die moralischen Wertvorstellungen und die wohlwollende strategische Perspektive der
Vereinigten
Staaten, und jedes Mal, wenn ich Sie
sehe und höre, verstärkt sich dieses
Gefühl...
Im Jahr 1960 habe ich mir
die Frage gestellt, ob Amerika im
Hinblick
auf seine
internationalen
Belange unregierbar geworden ist, und
damals habe ich die Frage mit "Nein"
beantwortet.
Das stelle ich jetzt in Frage.
Ich bin besorgt darüber, daß Amerikas
Fähigkeit, ein Gleichgewicht zwischen
dem idealen und dem realen zustand
herzustellen, untergraben ist.

(

»

Antwort:
Das ist eine berechtigte Frage. Ich glaube, daß wir in
den meisten Augenblicken einen unglaublich
unorganisierten
Eindruck
bieten,
zumal
viele
Diskussionen
stattfinden und viel Kritik vorgebracht wird.
Wenn sie diese Details mit einem
gewissen Abstand betrachten und uns
über ein, zwei oder fünf Jahre hinweg
betrachten, scheinen wir doch meiner
Ansicht nach wenigstens eine im weitesten Sinne vernünftige Politik zustande gebracht zu haben.
Ich möchte hier ein Beispiel anführen, das gleichzeitig Vergangenes
aufgreift und sich auf die gegenwärtige Interessenlage bezieht.
In den
siebziger Jahren begann die Sowjetunion mit der Stationierung von auf
Europa gerichteten Mittelstreckenraketen und dislozierte daraufhin noch
mehr Raketen, die auf die asiatischen
Länder zielten.
Das rief in Europa und hier Besorgnis hervor und gab Anlaß zu vielen Diskussionen.
Schließlich traf
die NATO ihre Entscheidung, diesen

(

»

�sowjetischen Anstrengungen auf zweifache Art zu begegnen. Einmal sollten die eigenen Raketen entwickelt
und zur Abschreckung der sowjetischen
Bedrohung stationiert werden.
Ebenfalls sollte versucht werden, zu verhandeln, um die sowjetischen Raketen
abzuschaffen.
Natürlich werden wir
sie abschaffen, darin besteht unser
Ziel.
Diese
Entscheidung
und
ihre
Durchführung gaben seitdem Anlaß zu
Kontroversen, sowohl in unserem Land
wie auch bei unseren Verbündeten.
Diese Entscheidung wurde in ihren
wesentlichen Punkten von der CarterAdministration getroffen.
Sie wurde
von der Regierung Reagan aufgegriffen
und durchgeführt, hat Zeitabschnitte
großer Erschütterungen und Diskussionen hier erlebt, der Argumentation
darüber, ob die Einstellung des Präsidenten zur Rüstungskontrolle, die
besagt, wir sollen auf Null gehen,
vernünftig oder nur eine Entschuldigung sei, um überhaupt keine Rüstungskontrollabkommen
hervorzubringen, wie viele in diesem Land und
auch in Europa behaupteten.
Jedenfalls haben wir dazu gestanden, und die Stationierungen fanden
trotz großen Drucks und starker Opposition statt. Schließlich wurden die
Verhandlungen wiederaufgenommen, und
heute stehen wir vor ihrem erfolgreichen Abschluß.
Ich glaube immer daran, daß man
ein Abkommen nicht in der Hand hat
bevor es endgültig steht, und wir haben kein Abkommen. Aber wir sind ihm
sehr nahe. Wenn Sie in einem beliebigen Augenblick der heutigen zeit
eine Momentaufnahme machten, würden
Sie ein gewaltiges Maß an unterschiedlichen Meinungen beobachten.

Schauen Sie sich die heutigen
Meinungsverschiedenheiten an: Jetzt,
da wir bekommen, was wir von Anfang
an zu erreichen suchten, gibt es Leute, die behaupten, daß wir von Anfang
an das Falsche erreichen wollten.
Trotzdem genießen dieses mögliche Abkommen und der Beginn einer Reduzierung des nuklearen Waffenarsenals im
Großen und Ganzen breite Unterstützung.
Auf eine etwas merkwürdige Art
und Weise und mit vielerlei Debatten
während dieser ganzen Zeit haben wir
es doch geschafft, soweit zu kommen.
Wenn Sie unsere Wirtschaft betrachten, so gibt es viele Leute, die
sie andauernd kritisieren, obwohl sie
sicherlich
neue
Arbeitsplätze
schafft. Die Inflation ist weiterhin
niedrig, und unser Bruttosozialprodukt wächst trotz all der Nervosität
weiter.
Sie können dies in fast allen Bereichen feststellen. Natürlich neige
ich gegenwärtig fast dazu, mit Ihnen
einer Meinung zu sein aufgrund der
brutalen Maßnahmen, die gegenwärtig
von Senat und Kongreß gegen den auswärtigen Haushalt des Präsidenten unternommen werden, trotz der neuen Art
und Weise, mit der man uns jede Kleinigkeit vorschreiben will, die wir
unternehmen sollen.
Trotzdem werden
wir alle irgendwie tief durchatmen.
Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen
um uns, wir werden unser Ziel erreichen.
Frage:
Herr Außenminister, ich
komme aus der Türkei... als Entwicklungsland haben wir viele Probleme.
Zwischen beiden Ländern - ist ein
wirtschaftlicher
Durchbruch
notwendig, in unseren Beziehungen, bei der
Begrenzung der Textilquoten und in
anderen Bereichen. Ich will auf diese Frage nicht nochmals eingehen.

�Meine Frage bezieht sich auf die
Nachbarn der Türkei, Iran und Irak?
Seit acht Jahren herrscht Krieg mit
der Technologie des 20. Jahrhunderts,
der Krieg geht weiter mit Hilfe der
Rüstungsindustrie, und die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion liefern Waffen. Der Krieg geht weiter,
wer wird diesen Krieg beenden? Wann
wird dieser Krieg aufhören?
Während
des Mittagessens gab es nette Gespräche über besseres Verständnis, eine
glückliche Welt, lächelnde Menschen,
gute Handelsbeziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten,
aber der Krieg geht weiter.
Antwort:
Ich
bin
fast
versucht, zu sagen, daß dies ihre Nachbarn sind und Sie etwas dazu unternehmen sollten (Gelächter). Ich denke aber an die Tatsache, daß sie in
dieser kleinen Welt, in der wir leben, jedermanns Nachbarn sind.
Was unternehmen wir also?
Nun,
natürlich besitzen wir auf diplomatischem Wege wenig Einfluß im Iran.
Trotzdem sind wir daran interessiert
und versuchen seit langem, eine konstruktive Kraft zu sein.
Grundsätzlich haben wir dem Iran
den Zugriff auf Waffen aus den Vereinigten Staaten verweigert. Es gab
wenige, von höchster publizistischer
Aufmerksamkeit
begleitete
Ausnahmen
von dieser Politik (Gelächter); aber
im Gesamtrahmen waren diese sehr geringfügig.
Ich denke, daß die jüngsten Bemühungen in den Vereinten Nationen die
in der ganzen Welt bestehende Haltung
des "wir haben genug" unterstreichen,
und vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten waren wir froh, für diese Resolution stimmen zu können.

Wir würden diese Resolution gern
durchgeführt sehen. Wir unterstützen
die Bemühungen des Generalsekretärs.
Wenn sie nicht bald von Erfolg gekrönt werden, werden wir Zwangsmaßnahmen unterstützen. Wir hoffen, daß
andere dies ebenfalls tun werden, so
daß sie einstimmig beschlossen werden.
Einstimmig beschlossen werden
sie wirksamer sein.
Wir sind uns der Tatsache vollkommen bewußt, daß Embargos niemals
vollständig wirksam sind.
sie funktionieren nicht vollständig. Ich bin
jedoch ganz zuversichtlich, daß ein
breit unterstütztes Waffenembargo eine große Wirkung haben würde, obwohl
in einer Welt mit einem großen Waffenmarkt Leute mit viel Geld immer
etwas zu kaufen finden.
Es wird den Fluß stören, den Fluß
von Ersatzteilen, es wird zu einer
Verteuerung führen, sie werden nicht
zu dem Zeitpunkt dort eintreffen, an
dem sie benötigt werden usw. Es ist
also nicht inkonsequent, und dies ist
zweifellos der Grund, warum der Iran
darüber besorgt ist.
in der Zwischenzeit
haben die
Vereinigten Staaten die Probleme erkannt, die der Iran für seine Nachbarn darstellt, insbesondere im Golf,
und wir helfen unseren Freunden dort
durch unsere Präsenz der Einschüchterungstaktik des Iran zu widerstehen.
Der Präsident hat diese Entscheidung
getroffen, und unsere Marine hat dort
Stellung bezogen.
Eine Zeit lang wurden wir rhetorisch unterstützt, nicht auf andere
Weise.
Heute ist die Klugheit der
Entscheidung
des
Präsidenten
auf
breitere Anerkennung gestoßen. Großbritannien hat seine Präsenz verstärkt.
Frankreich hat seine Kräfte
verstärkt. Belgien ist dort präsent.
Ebenso Holland und Italien.

�Andere Länder überlegen sich gegenwärtig, wie sie helfen können.
Die diplomatischen Bemühungen dauern
an. Der Krieg ist nicht zu Ende, wir
haben ihn nicht ausgelöst, aber wir
tun unseren Teil.
Frage:
Herr Außenminister, die
ganze Welt applaudiert ihnen und der
Haltung der Vereinigten Staaten, wenn
Sie dem Sicherheitsrat sagen:
Wenn
Sie den Generalsekretär nicht unterstützen, werden die Vereinigten Staaten ein Embargo gegen den Iran und
angeblich auch gegen den Irak fordern.
Könnten Sie uns mitteilen, ob Sie
dazu bereit und in der Lage sind, bei
Ihrem nächsten Besuch in Moskau Ihren
Standpunkt
nachdrücklich
gegenüber
Schewardnadse klarzumachen?
Und schließlich, was das Wichtigste ist, wären die Vereinigten Staaten bereit, nach dessen Annahme ihre
mächtige Flotte zur Erzwingung eines
solchen Embargos einzusetzen? Vielen
Dank, Herr Außenminister.
Antwort:
Nun, über den Krieg
zwischen Iran und Irak haben wir viele Male mit den Sowjets gesprochen.
Fast in jedem Treffen, das ich mit
Herrn Schewardnadse hatte, haben wir
darüber
diskutiert.
Ich
zweifle
nicht daran, daß wir über dieses Thema sprechen werden, wenn ich diesen
Monat Moskau besuchen werde.
ich weiß natürlich nicht, wie genau sich die Situation zu jenem Zeitpunkt darstellen wird; es sollte aber
bis dahin dem Generalsekretär sicherlich möglich gewesen sein, die Instruktionen entgegenzunehmen, die wir
diese Woche hoffentlich
entwickeln
werden, sie eingehend zu untersuchen
und uns einen Bericht vorzulegen.

Dann werden wir sehen müssen,
welche Konsequenzen diesem Bericht zu
entnehmen sind. Wir hoffen, daß er
positiv sein wird, wenn aber nicht,
dann können wir meiner Meinung nach
nicht - das Image, daß der Sicherheitsrat einfach mitgezogen wird, wäre jedenfalls schlecht.
Ich denke,
jeder ist sich der möglichen Bedeutung vereinter Bemühungen bewußt.
Wenn man an die beträchtlichen
Bemühungen denkt, die die Sowjetunion
zur Stärkung der Vereinten Nationen
beschlossen hat, dann würde sie meiner Meinung nach dieses ziel untergraben, wenn sie diese Bemühungen
nicht unterstützt.
Deshalb schließe
ich die Möglichkeit, daß wir Fortschritte erzielen, nicht aus.
Nun, wie ein Waffenembargo durchgesetzt wird, hängt natürlich grundsätzlich von denjenigen ab, die verkaufen, usw.
Es hat keinerlei Diskussion über eine einseitige Blockade
seitens der Vereinigten Staaten oder
irgend etwas ähnliches gegeben.
Natürlich gibt es in den Iran
noch eine Menge anderer Wege außer
durch den Persischen Golf.
Waffen
werden also weiterhin fließen, wie
ich schon sagte, aber der Fluß wird
beträchtlich gestört werden.
Nun, ich glaube, ich muß mich
wieder an meinen Zeitplan halten.
Ich muß jedoch leider feststellen,
daß - wie im Fall der meisten Zuhörergruppen, und dies ist auch bei
noch kleineren Gruppen sehr frustrierend für mich - ich nicht jeden dazu
bringen kann, über die Tagespolitik
ein wenig hinauszuschauen, etwas in
die Zukunft zu blicken in bezug auf
das, was in unserer Welt geschieht,
und wie wir versuchen sollten, an
diese Ereignisse heranzugehen und was
dies für uns bedeuten würde.

�Aber
ich
werde
weitermachen,
trotz der Frustration, daß ich keinen
derartigen Eindruck bei Ihnen erwekken konnte, wie dies durch Ihre Fragen unterstrichen wurde. ich danke
Ihnen.

* * * * *

- 10 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter Mann des Verkehrsministeriums zum Minister ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reagan ernennt Burnley&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;OAS trägt Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für Nicaragua&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Päsident Reagans vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz betont Bedeutung des freien Informationsflusses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Shultz vor dem internationalen Rat&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
41

14. Oktober 1992

'«tu s.-Miti, &gt;f .America
Lib^,7 Services
Defchmanns Aue 29
5300 Bonn. 2

WILLY BRANDT

PRÄSIDENT BUSH WÜRDIGT WILLY BRANDT
Erklärung des Weißen Hauses

FLÜCHTLINGE

FLÜCHTLINGSSTROM ERFORDERT
INNOVATIVE REAKTIONEN
Abram vor UNHCR-Ausschuß

UN-GENERALVERSAMMLUNG

USA ERLÄUTERN ZIELE FÜR ENTWICKLUNGSAKTIVITÄTEN DER VEREINTEN
NATIONEN
Rede von Botschafter Perkins

CHEMISCHE WAFFEN

WELTWEITE UNTERSTÜTZUNG FÜR KONVENTION ÜBER CHEMISCHE WAFFEN ANGESTREBT
Rüstungskontrollexperten bezeichnen
Vertrag als Kompromiß

WAHLEN '92

ERSTE FERNSEHDEBATTE MIT SCHWERPUNKT
AUF ARBEITSPLÄTZEN UND AUSSENPOLITIK
Bush, Clinton und Perot diskutieren
in St. Louis (Missouri)

DIE ERSTE FERNSEHDEBATTE DER
PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Amerikanische Pressestimmen

ARBEITSPLATZE, WACHSTUM UND STEUERN
IM MITTELPUNKT DES WAHLKAMPFS
Wirtschaftsthemen dominieren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WILLY

BRANDT
14. Oktober 1992

PRÄSIDENT BUSH WÜRDIGT WILLY BRANDT
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Erklärung wurde am 9. Oktober 1992 von der Pressestelle des Weißen
Hauses veröffentlicht:
Voller Trauer hat der Präsident vom Tod des großen
deutschen Staatsmanns und Patrioten Willy Brandt
erfahren.
Willy Brandt war eine der überragenden Persönlichkeiten der Nachkriegszeit, ein Mann mit Vision und Mut.
Er wird in die Geschichte als ein unerschütterlicher
Verfechter von Freiheit und Demokratie eingehen, der
als Bürgermeister von Berlin während der dunkelsten
Stunden der Stadt der sowjetischen Bedrohung furchtlos entgegentrat, die das Leben und die Ideale seiner
geliebten Stadt und ihrer Bevölkerung bedrohte. Er
wird in die Geschichte eingehen als einer, der seine
Stimme für die Verständigung zwischen West und Ost
erhob. Erst als Außenminister, dann als Bundeskanzler hat er sich für die Entspannung in Europa stark
gemacht, durch die die Welt für uns alle sicherer
wurde. Der Zusammenbruch des Kommunismus und

der Vormarsch der Demokratie in Osteuropa und der
ehemaligen Sowjetunion bestätigen in eindrucksvoller
Weise die Richtigkeit seiner Vision vor zwanzig Jahren.
Die Amerikaner werden sich an Willy Brandt nicht nur
als einen Verfechter von Freiheit und Demokratie
erinnern, sondern auch als einen treuen Freund der
Vereinigten Staaten. Seine starke Unterstützung der
transatlantischen Gemeinschaft spiegelte den Glauben wider, daß die enge Zusammenarbeit zwischen
Amerikanern und Deutschen von großer Bedeutung
für die Bewahrung von Frieden und die Förderung der
Demokratie war.
Gemeinsam mit unseren deutschen Freunden und all
denen, die für die Ziele gekämpft haben, denen Willy
Brandt sein Leben widmete, betrauert das amerikanische Volk den Verlust Willy Brandts.

* * * * *

AMERIKA DIENST 41

Seite 1

�FLÜCHTLINGE
14. Oktober 1992

FLÜCHTLINGSSTROM ERFORDERT
INNOVATIVE REAKTION
Abram vor UNHCR-Ausschuß
GENF- (AD) - Dem Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen in Genf, Botschafter
Morris Abram, zufolge muß die internationale Staatengemeinschaft nach neuen Wegen suchen, um den ständig
anschwellenden weltweiten Strom von Flüchtlingen und Migranten zu bewältigen.
Die Regierungen und internationalen Behörden müßten "innovative und integrierte" Reaktionen auf "vielfältig
motivierte Wanderu ngsbewegu ngen" finden - Flucht vor wirtschaftlichem Chaos und Bürgerkrieg ebenso wie vor
politischer Verfolgung, erklärte Abram am 9. Oktober 1992 in einer Rede vor dem 46 Mitgliedstaaten
umfassenden Exekutivausschuß der Hohen Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen in Genf.
Traditionell stützt sich die Arbeit der UNHCR, einer Behörde der Vereinten Nationen, die sich mit gegenwärtig
rund 17 Millionen Flüchtlingen weltweit befaßt, auf eine im Jahr 1951 verabschiedete Konvention, die einen
Flüchtling als Einzelperson definiert, die vor politischer Verfolgung flieht.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Abram im Wortlaut.
Fluchtgründe. Der Flüchtling mag ein Land inmitten
politischer Unruhen verlassen haben, wo er zur Unterschicht gehörte und Ziel von Diskriminierung war. Von
der für einzelne Antragsteller auf politisches Asyl
konzipierten Maschinerie wird heute jedoch erwartet,
daß sie den massenhaften Zustrom von Personen
bewältigt, die individuell vielleicht keine gut begründete
Furcht vor Verfolgung aufgrund von Rasse, Religion,
Es ist nicht nur die Zahl der Flüchtlinge, die sich seit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen
Verabschiedung der Konvention im Hinblick auf den oder politischen Gruppe haben, wie es die Definition
Status von Flüchtlingen im Jahr 1951 verändert hat. eines Flüchtlings in der Konvention von 1951 vorsieht.
Der Charakter und die Gründe der Migration sind nicht
so einfach zu definieren. Fliehen sie vor Verfolgung Einige Länder, die traditionell einwandererfreundlich
des einzelnen oder politischer Instabilität, vor Men- waren, haben sich den jüngsten Wanderungsbeweschenrechtsverletzungen oder Bürgerkrieg? Oder sind gungen entgegengestellt. Einige haben sogar ihre
Armut, Überbevölkerung, Zerstörung der Umwelt oder Grenzen geschlossen. Die Länder hüten sich davor,
Naturkatastrophen die Gründe der Abreise? Es ist einem einzelnen Asyl zu gewähren, wenn sein gesamunbestreitbar, daß es im Charakter des Menschen tes Dorf folgen könnte. Selbst wenn Asyl theoretisch
begründet ist, mit seinen Lebensbedingungen nicht zeitlich befristet gewährt wird, werden die Flüchtlinge
völlig zufrieden zu sein. Gewiß, je mehr man über die vielleicht nicht mehr heimkehren wollen, wenn in ihrem
andere Seite des Berges erfährt, desto fetter scheinen Dorf Frieden herrscht. Der Durchschnittseinwohner im
die Weidegründe dort zu sein.
Aufnahmeland erkennt, daß er das leichtere Leben
genießt und wird annehmen, daß sich vorübergehenIn den heutigen Wanderungsbewegungen treffen po- de Flüchtlinge zum Bleiben entschließen werden. Kein
litische Asylsuchende - diejenigen, die im Wirkungsbe- Land möchte sich mit der domigen Frage der Abschiereich der Konvention von 1951 kommen - gemeinsam bung befassen. Die Motive und Begründungen derjemit denjenigen ein, die vor Bürgerkrieg und wirtschaft- nigen, die ihre Türen schließen, sind fast so komplex
licher Unsicherheit fliehen. Häufig vermischen sich die wie die derjenigen, die anklopfen.
Die Welt von heute gestaltet sich dramatisch anders
als die Weht von 1951. Im Jahr 1951 gab es keine
düsengetriebenen Verkehrsflugzeuge, kein Satellitenfernsehen, keine Photokopierer oder Faxgeräte. Die
Weltbevölkerung betrug 2,5 Milliarden, und heute nähert
sie sich 6 Milliarden. Die Zahl der Flüchtlinge hat von
2 Millionen auf 17 Millionen zugenommen.

AMERIKA DIENST 41

Seite 1

�Wanderungsbewegungen aus vielfältigen Motiven
erfordern innovative und integrierte Reaktionen unter
Verwendung einer Vielzahl von Maßnahmen, um sowohl
die Ursachen als auch die Symptome des Problems zu
behandeln.
Mit ihrer Note zum Internationalen Schutz hat Frau
Ogata der Komplexität dieser Fragen Rechnung getragen und die ersten Schritte zu ihrer Lösung unternommen. Sie tritt für größeres Engagement der UNHCR
und der internationalen Staatengemeinschaft im Ursprungsland ein, um die Probleme der Flüchtlinge dort
zu behandeln, wo sie entstehen. Frau Ogata hat diese
Woche bereits über internationale Präsenz als unabdingbares Element der Prävention gesprochen. Die
Präsenz könnte physischer Natur sein, durch die
UNHCR, wie in dem Bericht als eine Möglichkeit vorgeschlagen wird oder durch Überwachung durch eines
der Menschenrechtsgremien der UNO. Welcher Ansatz
auch gewählt wird, die entscheidende Verbindung
muß zwischen Menschenrechtsverletzungen und der
Schaffung von Flüchtlingen hergestellt werden.

Kreative nichttraditionelle Ansätze wie die in Jugoslawien und im Irak gewählten sind auch in Zukunft
erforderlich. Wie Generalsekretär Boutros-Ghali in
seinem Jahresbericht feststellte, "gibt es eine dynamische Verbindung zwischen Friedensherstellung, Friedenssicherung und humanitärer Hilfe".
Die Gründung des Büros für humanitäre Angelegenheiten in New York war ein Schritt zu der Koordinierung, die in einer einheitlichen UNO erforderlich ist.
Die Beschreibung dieses Büros in einem unlängst
veröffentlichten Leitartikel als "Schnittstelle zwischen
humanitärem Einsatz und Sicherheit, Hilfe und Friedenssicherung" bekräftigt jedoch die unmögliche
Bandbreite der zugewiesenen Verantwortung. Koordinierung läßt sich nicht durch eine Person erreichen,
sondern muß eine tiefgreifendere zwischenbehördliche Zusammenarbeit auf dem gesamten Spektrum
von der Prävention biszu Hilfe und Entwicklung umfassen.

Ein behördenübergreifender Plan mit dem Ziel, bei
unterschiedlich motivierten Fluchtumständen zu funkDie lobenswerten Bemühungen der UNHCR in den tionieren, kann die Wurzeln der Flucht untersuchen
späteren Stadien von Flüchtlingsströmen sind ein und die Verfolger zur Rechenschaft ziehen, bei der weiteres Beispiel für die Art der erforderlichen Koordi- dauernden oder vorübergehenden - Ansiedlung derjenation zwischen den Behörden. In der Jugoslawienkri- nigen helfen, die nicht in die Heimat zurückkehren
se hat die UNHCR eng mit dem IKRK und der UNPRO- können und technische Hilfe bereitstellen, um nach
FOR zusammengearbeitet, um eine Herausforderung Beendigung der Krise Institutionen und Wohnungen
unauflöslich miteinander verbundener humanitärer, wiederaufzubauen. Natürlich müssen alle geschaffeFlüchtlings- und Sicherheitserfordemisse in den Griff
nen und entwickelten Mittel und Instrumente letztlich
zu bekommen.
innerhalb der Kompetenzen und politischen Möglichkeiten der Mitgliedstaaten liegen.
Andere Reaktionen, wie etwa der Ruf der UNHCR
nach vorübergehendem Schutz als Mittel zur Bewälti- Eine Herausforderung der Krisen von heute wird darin
gung des massenhaften Zustroms aus dem ehemali- bestehen, einen Präzedenzfall für den Umgang mit
gen Jugoslawien, spiegeln die Flexibilität wider, die für den Krisen von morgen zu schaffen. Frau Ogata hat
die komplexen Bedürfnisse der Gruppen erforderlich zu Recht mit ihrem Vorschlag einer weiterentwickelten
ist. Flüchtlingsgruppen haben häufig wesentlich ande- Rolle der UNHCR und der internationalen Staatengere Bedürfnisse als der Flüchtling nach der Konvention meinschaft als Ganzem reagiert, die den enormen
aus dem Jahr 1951. Vorübergehender Schutz für weltweiten Veränderungen seit Verabschiedung der
einen definierten Zeitraum ist oft eine humane und Konvention von 1951 angepaßt wird. Wir können nicht
angemessene Reaktion.
zulassen, d?!? vn? r*s den gegenwärtigen Krisen innewohnenden Komplexitäten erdrücken. Vielmehr sollten wir sie als Herausforderung betrachten, auf die zu
reagieren eine flexible, kreativere UNO befähigt ist.
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 41

�UN-GENERALVERSAMMLUNG
14. Oktober 1992

USA ERLÄUTERN ZIELE FÜR ENTWICKLUNGSPOLITISCHE AKTIVITÄTEN DER VEREINTEN NATIONEN
Rede von Botschafter Perkins
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Wirtschaftliche Sicherheit, Chancen und Wettbewerbsfähigkeit" sind die
wichtigsten amerikanischen Anliegen bei den Diskussionen über Weltwirtschaft und Entwicklung in der UNGeneralversammlung, erklärte der amerikanische UNO-Botschafter Edward Perkins am 7. Oktober 1992.
Im Rahmen der allgemeinen Aussprache des Zweiten Ausschusses (für Wirtschaft und Sozialwesen) der 47.
Generalversammlung stellte Perkins fest, die Vereinigten Staaten würden mit anderen Delegationen zusammenarbeiten, um "effektive Hilfsmaßnahmen zum Aufbau starker, unabhängiger Volkswirtschaften" zu entwickeln,
die "zu einer wachsenden Weltwirtschaft beitragen können, deren Ziel der Abbau von Armut ist".
Unter Betonung des zunehmenden wirtschaftspolitischen Charakters der wichtigsten UN-Aktivitäten im Zeitalter
nach dem Kalten Krieg verwies der Botschafter darauf, daß "globale Stabilität wenigervon ideologischen Credos
abhängig ist als von wirtschaftlichen und finanziellen Kräften".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Perkins im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich möchte Sie und die Mitglieder
des Büros bei dieser Gelegenheit zu Ihrer Wahl beglückwünschen. Meine Delegation sieht der Arbeit mit
Ihnen und dem Büro im Geist konstruktiver Zusammenarbeit, die zu verwirklichen Sie begonnen haben,
erwartungsvoll entgegen.

Handelssanktionen, die Verwaltungsreform des UNOSystems und den Gesamtkomplex der Finanzierung
der Friedenssicherung gewichen.

Das Subtile an unserer diplomatischen Arbeit ist der
zunehmende wirtschaftspolitische Charakter der UNAktivitäten. Schlagzeilen zu Resolutionen über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen sind solchen über

Präsident Bush hat in seiner Rede vor der Generalversammlung erklärt, daß wirtschaftliche Sicherheit,
Chancen und Wettbewerbsfähigkeit ein vordringliches
Anliegen der Vereinigten Staaten werden. Heute trägt

Gewiß wird in einer Welt, die energisch nach Wegen
zur Privatisierung von Industrien sucht, die Märkte und
Volkswirtschaften miteinander verbindet und historiWirtschafts- und Finanzfragen erhalten auf der Tages- sche Turbulenzen mit Kapitalbewegungen von einer
ordnung der Vereinten Nationen einen immer wichtige- Billion Dollar täglich durchsteht, die weltweite Stabilität
ren Stellenwert. Dies geschieht auf eine Art und weniger von ideologischen Credos abhängig als von
Weise, die sowohl offenkundig als auch subtil ist. wirtschaftlichen und finanziellen Kräften.
Offenkundig ist, um es mit den Worten von Weltbankpräsident Lewis Preston auszudrücken, die Tatsache, Die Arbeit des Zweiten Ausschusses ist traditionell ein
daß " es für die Menschheit heute keine wichtigere Ort, an dem politische Fragen in den wirtschaftlichen
Aufgabe gibt als den Abbau der Armut und umweltver- Kontext gestellt werden. Heute bedeutet politische
trägliche Entwicklung". Ebenso offensichtlich sind Führung eine globale Verantwortung, und eine effektiBewegungen zur wirtschaftlichen Integration, interna- ve globale Verantwortung beruht auf internationaler
tionale Währungsturbulenzen sowie historisch einma- Zusammenarbeit. Meine Delegation geht davon aus,
lige Bemühungen zur Privatisierung von Staatsindu- daß dieser Ausschuß einen neuen Standard der Zusammenarbeit schafft.
strien.

AMERIKA DIENST 41

Seite 1

�meine Delegation diese Botschaft direkt in den Zweiten Ausschuß. Gemeinsam werden wir ein breites
Spektrum von Problemen behandeln, die nie wichtiger
waren als heute - in einem Zeitalter, das weniger von
Krieg und Frieden beherrscht wird und sich mehr auf
Frieden und Wohlstand konzentriert.
Präsident Bush hat femer festgestellt, daß Wohlstand
für den Weltfrieden unabdingbar ist, gemeinsam mit
Friedenssicherung und Nichtverbreitung.
Dieser
Wohlstand hängt von einer wachstumsorientierten Weltwirtschaftsordnung ab, einer Ordnung, die die Umwelt
schützt und in der die Privatwirtschaft die Lokomotive
für die Expansion sich entwickelnder und aufstrebender Volkswirtschaften ist.
Das grenzüberschreitende Engagement des Privatsektors schafft wirtschaftliche Brüderlichkeit und kein
reines Abhängigkeitsverhältnis. Letzteres war häufig
das Ergebnis der traditionellen zwischenstaatlichen
Entwicklungshilfe. Während der 47. Generalversammlung wird meine Delegation mit Ihnen und Ihren Kollegen zusammenarbeiten, um effektive Hilfsmaßnahmen zum Aufbau starker, unabhängiger Volkswirtschaften zu finden, die zu einer wachsenden Weltwirtschaft beitragen können, deren Ziel der Abbau von
Armut ist.

sind seit langem der größte einzelne Geber von Entwicklungshilfe. So werden wir in Kürze die dringlich
erwartete Aufstockung des amerikanischen Anteils
am Internationalen Währungsfonds um 12,3 Milliarden
Dollar verabschieden, die neben unserem normalen
Engagement für bilaterale Hilfe in Höhe von 9 Milliarden Dollar gewährt wird.
Die Vereinigten Staaten unterstützen Entwicklung und
umweltverträgliches Wirtschaftswachstum. Präsident
Bush hat Ihnen sein Interesse an einer Umstrukturierung unserer Auslandshilfeinstitutionen erläutert.
Darüber hinaus bemühen wir uns ständig darum, Hilfe
für umweltpolitische Zwecke als bedeutsamen Teil in
unsere bilateralen und multilateralen Beiträge einzubeziehen.
Die starke Unterstützung meiner Regierung für Bemühungen der Vereinten Nationen, den Schwerpunkt
ihrer Aktivitäten der Ausrottung von Hunger und Unterernährung zu widmen, ist wohlbekannt. Wir sind
entschlossen, auf jede erdenkliche Art u nd Weise dazu
beizutragen, die Leistungen der UNO in diesem entscheidenden Bereich zu verbessern.

Wie friedenssichernde Operationen für die Eindämmung bewaffneter Konflikte erforderlich sind, so dient
die Bereitstellung humanitärer Nothilfe dazu, der HerEine spezielle Initiative, die wir gemeinsam mit ande- ausforderung von Hungersnöten, Krieg und Krankheiren Förderern anbieten werden, betrifft die Privatisie- ten für das Überleben des Menschen zu begegnen.
rung. Durch die Herstellung eines weltweiten Konsen- Die seit langem bestehende Unterstützung der Vereinigten Staaten für humanitäre Hilfsaktionen wird anses zu diesem wichtigen Phänomen kann die internationale Staatengemeinschaft Entwicklungsländern und dauern. Die Initiative Präsident Bushs zur Friedenssiaufstrebenden Staaten dabei helfen, den wirtschaftli- cherung wird die bereits heute umfangreichen Fähigchen Übergang auf der Grundlage solider nationaler keiten der Vereinigten Staaten zur Unterstützung
humanitärer Missionen noch weiter verstärken. Wir
Maßnahmen reibungsloser zu vollziehen. Damit werden die Chancen für Handel und Investitionen gestei- fordern alle Staaten auf, kühne Schritte zu unternehmen, um die Fähigkeit der Vereinten Nationen zur
gert und dringend benötigte ausländische InvestitioLieferung humanitärer Hilfe zu unterstützen. Die Mitnen angelockt. Wir sehen den fruchtbaren Gesprächen über diese Initiative erwartungsvoll entgegen, gliedstaaten sollten Vorräte bezeichnen, die zur Bederen Ziel es ist, Mittel für Wohlstand und gegen Armut wältigung humanitärer Notlagen eingesetzt werden
können, um es den Staaten zu gestatten, rascher auf
einzusetzen.
Hungersnöte, Rutkatastrophen, Unruhen und andere
Die Ursachen der Armut sind komplex, und dasselbe Katastrophen zu reagieren. Verbesserte Planung,
gilt für die zahlreichen Maßnahmen, die zu deren Krisenmanagement und Fähigkeiten zur Sammlung
Abbau erforderlich sind. Wir haben von den Armen von Informationen für humanitäre Operationen sollten
selbst gelernt, daß Unterstützung die umfassenden entwickelt werden. Die Vereinigten Staaten werden
politischen und strukturellen Hindemisse ebenso wie neue Wege sondieren, um angemessene amerikaniBeschränkungen im technischen, menschlichen und sche finanzielle Unterstützung für humanitäre Operamateriellen Bereich behandeln muß.
tionen zu gewährleisten.
Der Abbau von Armut erfordert nicht nur quantitative
Verbesserungen beim Einkommen, sondern ebenso
qualitative Verbesserungen bei Gesundheit, Bildungswesen und Ernährung. Umweltverträgliche und
umweltbewußte Entwicklung, Menschenrechte, demokratische Institutionen - sie alle sprechen für den
vernünftigen Umgang mit produktiven Ressourcen.
Femer erwarten wir in diesem Ausschuß die Rolle der
Entwicklungshilfe zu erörtern. Die Vereinigten Staaten

Seite 2

Wie ich bereits erwähnte, hat Präsident Bush erklärt,
die Förderung weltweiten Wohlstands bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt sei eine der drei miteinander
zusammenhängenden Herausforderungen für unsere
Vereinten Nationen. In diesem Ausschuß werden wir
mit einer konkreten Manifestation dieser Herausforderung ringen. Die amerikanische Regierung ist entschlossen ihren Teil beizutragen, um eine effektive
Nachbereitung der UN-Konferenz über Umwelt und

AMERIKA DIENST 41

�Entwicklung zu gewährleisten. In einer der wichtigsten
Empfehlungen des Gipfels von Rio werden wir aufgefordert, eine Kommission für umweltverträgliche Entwicklung zu gründen.
Meine Delegation sieht der intensiven Arbeit zur Gründung dieser Kommission erwartungsvoll entgegen.
Die Schaffung einer effektiven Koordinierung der
Reaktion der UNO auf Agenda 21 ist entscheidend,
wenn wir uns erfolgreich auf den in Rio vorgezeichneten Weg machen wollen. Unser Ziel wird die Etablierung einer praxisorientierten Kommission des Wirtschafts- und Sozialrats sein, die innerhalb des UNSystems als Schwerpunkt zur Förderung der Verwirklichung von Agenda 21 und der Integration von Wirtschaft und Entwicklung dienen wird. Die Kommission
für umweltverträgliche Entwicklung sollte ein Forum
bereitstellen, in dem die Staaten von den Erfahrungen
und Bemühungen anderer bei der Verwirklichung
umweltverträglichen Wachstums und umweltverträglicher Entwicklung lernen können. Dieses Forum wird
nicht nur die Regierungen ermutigen, sich an Bemühungen zur Bewältigung dieser Herausforderung zu
beteiligen, sondern es sollte darüber hinaus Vertreter
einschlägiger zwischenstaatlicher Organisationen und
von Finanzinstitutionen sowie von in den Bereichen
Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft und Umwelt tätigen nichtstaatlichen Organisationen zur Teilnahme
ermutigen.
Wir begrüßen den erfolgreichen Abschluß der Rahmenkonvention über Klimaveränderungen. Präsident
Bush hat dieses entscheidende Abkommen am 13.
Juni in Rio unterzeichnet, und wir hoffen unseren Ratifizierungsprozeß dieses Jahr abzuschließen. Die
Vereinigten Staaten sind uneingeschränkt davon überzeugt, daß Vorbereitungen zur baldigen und effektiven
Durchführung der Konvention nach deren Inkrafttreten
erforderlich sind, und wir begrüßen die Einberufung
der sechsten Sitzungsperiode des zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses (INC) in Genf für Dezember.
Unserer Meinung nach ist der INC das geeignete
Forum, um Vorbereitungen für das Inkrafttreten der
Konvention zu treffen und mit der Sammlung von
Informationen zu beginnen, die von den Staaten und
regionalen Organisationen zur wirtschaftlichen Integration im Hinblick auf Maßnahmen übermittelt werden, die im Einklang mit den Bestimmungen der Konvention stehen und von der Resolution zur unverzüglichen Arbeitsaufnahme gefordert werden, wie sie der
INC im Mai verabschiedet hat. Die Vereinigten Staaten haben die uneingeschränkte und effektive Beteiligung aller Staaten unterstützt, insbesondere der Entwicklungsländer. In diesem Prozeß werden wir weiterhin freiwillige Beiträge zu dem mit Resolution 45/212
der Generalversammlung eingerichteten Treuhandfonds leisten, und wir fordern alle anderen Regierungen und Organisationen, die in der Lage dazu sind, auf,
ähnliche Beiträge zu erbringen.
AMERIKA DIENST 41

Wir appellieren an den Zweiten Ausschuß, die Resolution zur unverzüglichen Arbeitsaufnahme gutzuheißen
und insbesondere dem INC und seinem Sekretariat
seine weitere Unterstützung zu gewähren, um es
diesen zu ermöglichen, Arrangements für weitere Sitzungen bis zum Inkrafttreten der Konvention zu treffen.
Ein Bestandteil umweltverträglicher Entwicklung sind
effektive und effiziente Vereinte Nationen. Was ist der
Unterschied zwischen "effektiv" und "effizient"? Das
erste bedeutet das Richtige zu tun, das zweite bedeutet es richtig zu machen. Wir begrüßen die andauernde Verwaltungsreform des Generalsekretärs, die das
Richtige ist. Die Mitgliedstaaten müssen jetzt das
Richtige tun, das heißt, sie müssen auf echte Reformen im gesamten System hinarbeiten.
Die Reform der Vereinten Nationen in den Bereichen
Wirtschaft und Sozialwesen fällt in drei breite Kategorien:
Erstens die Reform und Reorganisation des
UN-Sekretariats;
Zweitens die Reform der ECOSOC, vielleicht in
der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Form, sie zum Leitungsgremium für die vier
operativen Gruppen (UNDP, UNICEF, WFP
und UNFPA) zu machen;
Drittensdie Reform der operativen Maßnahmen
der Vereinten Nationen vor Ort, um Geschlossenheit, Koordinierung und Verwaltung der Entwicklungshilfemaßnahmen durch das System
der Vereinten Nationen zu verbessern.
Im Hinblick auf den letzten Punkt wurde im Jahr 1989
mit der alle drei Jahre stattfindenden Überprüfung
(Triennial Policy Review) ein Meilenstein erreicht. Jetzt,
drei Jahre später, ist es erneut an der Zeit für eine
Überprüfung unserer Maßnahmen. Diesen Herbst
wird meine Delegation auf Reformen drängen, die
Kostenrentabilität und größeres Selbstvertrauen zum
Ziel haben, darunter die stärkere Dezentralisierung
des UN-Entwicklungssystems auf Länderebene. Wir
werden eine weitere Stärkung von Koordinierung,
Programmgestaltung und nationaler Durchführung vor
Ort fordern. Insbesondere werden die Vereinigten
Staaten ihren jüngsten ECOSOC-Vorschlag zur Reform der Vor-Ort-Vertretungen des UN-Entwicklungssystems weiterverfolgen.
Ein weiteres notwendiges Reformvorhaben wird den
Zweiten Ausschuß dazu veranlassen, die künftige
Rolle und das Mandat des Welternährungsrats (WFC)
zu überdenken. Wir stimmen voll und ganz mit dervom
WFC selbst gezogenen Schlußfolgerung überein, daß
er nicht weitermachen kann wie bisher und daß seine
Zukunft im Licht der gesamten Umstrukturierung der
Vereinten Nationen geprüft werden muß.

Seite 3

�Wir sind enttäuscht darüber, daß der WFC nicht in der
Lage war, seine Rolle und sein Mandat wie ursprünglich vorgesehen zu erfüllen. Deshalb unterstützen wir
von diesem Ausschuß zu treffende Maßnahmen, um
die politische Koordinierungsfunktion und die behördenübergreifende Koordinierungsfunktion des
WFC auf den Wirtschafts- und Sozialrat beziehungsweise den Administrativen Koordinierungsausschuß
zu übertragen. Wir sind der festen Überzeugung, daß
dies die Entwicklung und Koordinierung der internationalen Ernährungspolitik wesentlich verbessern und
damit die Bemühungen der UNO bei der Hilfeleistung
für die Hungernden der Welt stärken würde.

Herr Vorsitzender, diese zahlreichen Fragen werden
vor dem Hintergrund historischer Veränderungen in
den weltweiten wirtschaftlichen und finanziellen Abläufen erörtert werden. Internationale Zusammenarbeit
ersetzt die alten wirtschaftlichen Nationalismen, wie
sie in Devisenbewirtschaftung, unnachgiebigem Schutz
von Binnenmärkten und lähmenden Beschränkungen
multinationaler Wirtschaftstätigkeit zum Ausdruck
kamen. Diese Kontrollen verschwinden heute, da eine
auf größerer Mobilität von Informationen, Kapital,
Arbeitskräften und Waren basierende Weltwirtschaft
sowohl die Märkte als auch die Produktionsmittel direkt
in die Hände des wertvollsten Produktionsmittels legt,
das es gibt - des Menschen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 41

�CHEMISCHE

WAFFEN
14. Oktober 1992

WELTWEITE UNTERSTÜTZUNG FÜR KONVENTION
ÜBER CHEMISCHE WAFFEN ANGESTREBT
Rüstungskontrollexperten bezeichnen Vertrag als Kompromiß
WASHINGTON - (AD) - "Viel Arbeit" bleibt noch zu tun,
um eine "allgemeine Konvention" zum Verbot chemischer Waffen zu verwirklichen, erklärt ein hochrangiger amerikanischer Rüstungskontrollunterhändler. Ihm
zufolge werden sich die diplomatischen Bemühungen
in den kommenden Jahren darauf konzentrieren, so
viele Staaten wie möglich zu veranlassen, der Konvention über chemische Waffen beizutreten.
In einer Stellungnahme bei einer Konferenz über die
Durchführung der C-Waffenkonvention prognostizierte der amerikanische Botschafter bei der Genfer Abrüstungskonferenz, Stephen Ledogar, am 6. Oktober
1992 darüber hinaus einen "internationalen LemmingEff ekt", wenn sich immer mehr Länder zur Unterzeichnung des Abkommens bereiterklärten. Damit würde
es für andere Staaten immer unangenehmer, ihre
Unterschrift zu verweigern.

Ledogar erklärte, die Resolution werde inzwischen von
124 Staaten mitgetragen und er gehe davon aus, daß
die meisten davon dem Vertrag beitreten würden.
Obwohl eine Reihe von wichtigen Staaten noch unterzeichnen müssen - darunter Rußland, die Volksrepublik China, Pakistan und die arabischen Staaten -, ist
er der Überzeugung, daß China letztlich zustimmen
wird. China werde dies jedoch nur nach Rußland tun.
Rußland hat seine Absicht bekundet, Unterzeichner
des Pakts zu werden.
Der Botschafter stellte ferner fest, daß seiner Meinung
nach Pakistan kurz vor einem Beitritt steht. Pakistan
hat eine gemeinsame Deklaration mit Indien unterzeichnet, derzufokje es der C-Waffenkonvention beitritt.

Er erklärte, der Vertrag zum Verbot chemischer Waffen werde "alle militärisch erheblichen BetrugsversuAm 3. September 1992 hat die Abrüstungskonferenz che" aufdecken. Ledogar verwies ferner darauf, dies
den von 39 Nationen ausgehandelten Text der C- sei die erste multilaterale Konvention, die "wirklich
Waffenkonvention verabschiedet, der inzwischen der peinlich genaue Inspektionen in den kontinentalen
UN-Generalversammlung zur Beschlu ßf assung zuge- Vereinigten Staaten" erfordern wird. Der Botschafter
leitet wurde. Der für multilaterale Angelegenheiten prognostizierte, man werde nur selten auf kurzfristig
zuständige Stellvertretende Direktor des US-Amts für anberaumte Verdachtsinspektionen zurückgreifen.
Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Michael
Moodie, stellte fest, der Text sei "ein Kompromiß von Keiner der Redner bei der CSIS-Konferenz konnte
eine Prognose zu den voraussichtlichen Kosten für die
Interessen, Anliegen, Fähigkeiten (und) Ansätzen".
Durchführung der Konvention abgeben. Ledogar
Er stelle "eine wichtige internationale Norm dar, an der erwartete jedoch, daß die Kosten in den ersten Jahren
das Verhalten jedes Mitglieds der internationalen der Durchführung steigen "und danach abflauen werStaatengemeinschaft gemessen wird", erklärte Moo- den".
die in einem Redebeitrag bei der vom Zentrum für
strategische und internationale Studien (CSIS) veran- Wie hoch die Gesamtkosten der Durchführung auch
sein mögen, sie wird es wert sein, meinte Donald
stalteten Konferenz.
Mahley, Steifvertretender Abteilungsleiter für multilaDie Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit ande- terale Angelegenheiten im ACDA.
ren Staaten eine UN-Resolution zur Unterstützung der
Konvention eingebracht und planen bei Unterzeich- Die erste Vorbereitungskonferenz wird kurz nach der
nung der Konvention in Paris im Januar zu den Erstun- offiziellen Unterzeichnungszeremonie im Januar stattterzeichnern zu gehören. "Wir hoffen, daß sich uns so finden, so Robert Mikulak, Sonderunterhändler des
viele Staaten wie möglich anschließen werden", fügte ACDA für chemische Waffen. Die Vorbereitungskonferenz wird verschiedene Fragen regeln, darunter die
Moodie hinzu.

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�Finanzierung der neuen Organisation, die die Konvention überwachen wird. Etwa 750 Mitarbeiter werden an
dem Projekt beteiligt sein, für das ein Budget von rund
150 Millionen Dollar erwartet wird.

Gründung einer gemeinnützigen nichtstaatlichen
Organisation mit dem Namen Internationales Zentrum
für Abrüstung und Konversion unterzeichnet.

Dieses Zentrum werde die internationale Zusammen"Es ist wichtig", erklärte Moodie, daß die Staaten nicht arbeit mit dem Ziel der uneingeschränkten Einhaltung
nur den Vertrag unterzeichnen, "sondern daß sie rati- der C-Waffenkonvention fördern und Bemühungen
fizieren und die Konvention unter Beteiligung so vieler unterstützen, um Einrichtungen zur Herstellung von
Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft in Rüstungsgütern auf zivile Produktion umzustellen.
Kraft tritt wie möglich". Der Vertrag tritt 180 Tage nach
seiner Ratifizierung durch 65 Staaten in Kraft, stellte er Der Erste Sekretär der Botschaft der Russischen
Föderation, Dr. Igor Chrifunow, erklärte, dem russifest, aber frühestens in zwei Jahren.
schen Parlament werde in wenigen Wochen ein VorWährend der Konferenz gab Kyle Olson vom Institut schlag zugeleitet, der den Bau von drei Einrichtungen
zur Kontrolle chemischer und biologischer Waffen zur Zerstörung chemischer Waffen vorsehe. Dem
(CBACI) bekannt, ein Vertreter des CBACI und Gene- besten Szenarium zufolge würden diese Einrichtunral Anatolij Kunzewitsch, Vorsitzender des Präsidial- gen im Jahr 1997 in Dienst gestellt. Er stellte darüber
hinaus fest, es sei wichtig, den anderen neuen Repuausschusses zu konventionellen Problemen der chebliken
der ehemaligen Sowjetunion dabei zu helfen, im
mischen und biologischen Waffen der Russischen
Hinblick
auf die Frage der Waffenzerstörung auf die
Föderation hätten am 2. Oktober ein Abkommen zur
öffentliche Meinung einzuwirken, insbesondere auf
Gemeindeebene.

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�WAHLEN

'92
14. Oktober 1992

ERSTE FERNSEHDEBATTE MIT SCHWERPUNKT AUF
ARBEITSPLÄTZEN UND AUSSENPOLITIK
Bush, Clinton und Perot diskutieren in St. Louis (Missouri)
ST. LOUIS - (AD) -Alle drei Kandidaten fürdas Präsidentenamt haben es am 11. Oktober 1992 abgelehnt, in dem
"Schlamassel" in Bosnien amerikanische Bodentruppen einzusetzen, aber Herausforderer Bill Clinton forderte
Präsident Bush auf, den Druck der Weltöffentlichkeit auf Serbien zu verschärfen.
Bush und Clinton traten mit dem unabhängigen Kandidaten Ross Perot in einer 90minütigen Femsehdebatte auf,
bei der die beiden Herausforderer die Haltung Bushs zu den amerikanischen Streitkräften in Europa, zu den
Beziehungen mit China sowie zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte in Teilen des notleidenden ehemaligen
Jugoslawiens kritisierten.
Bush lehnte trotz seiner Besorgnis über die "ethnische
Säuberung" serbischer Truppen gegen Moslems in
Bosnien den Einsatz amerikanischer Bodentruppen in
Bosnien ab. "Ich bin darüber sehr besorgt", erklärte er,
"ich bin besorgt über ethnische Säuberungen, ich bin
besorgt über Angriffe auf Moslems dort, aber ich muß
den Einsatz amerikanischer Truppen ausschließen bis
ich weiß, wie (das Militär) dort wieder herauskommt
oder wie es dort hereinkommt."

gegen einen schwer bewaffneten Gegner stehen, der
zur ethnischen Säuberung entschlossen ist. Wir können uns nicht in diesen Schlamassel begeben, aber wir
müssen tun, was wir können."

Unter Hinweis auf die dort bestehenden "traditionellen
ethnischen Rivalitäten" erklärte Bush, "dies läßt sich
nicht durch die Entsendung der 82. Luftlandedivision
lösen. Ich werde dies nicht tun."

Die drei Kandidaten traten in der überfüllten Versammlungshalle der Washington Univershy in St. Louis auf,
und ihre Debatte wurde von etwa 70 Millionen Haushalten am Bildschirm verfolgt.

Perot bezeichnete Bosnien als vordringliche Angelegenheit der Europäischen Gemeinschaft und nannte
es "unangemessen", daß amerikanische Streitkräfte
auf jedes Problem reagieren sollten.

Es war die erste von drei geplanten Fernsehdebatten
der drei Präsidentschaftskandidaten, dieses Mal mit
einer Gruppe von drei Journalisten, die den Kandidaten Fragen stellten. Die weiteren Debatten finden am
15. und 19. Oktober unter unterschiedlichen Bedin"Meiner Ansicht nach ist es wichtig", stellte Clinton fest, gungen statt. Viele Zuschauer teilten Reportern nach
"anzuerkennen, daß es Dinge gibt, die wir außerdem der Debatte mit, sie seien von dem sachlichen Ton der
tun können... Es gibt schließlich zwei Millionen Flücht- Teilnehmer sowie der Tatsache beeindruckt, daß es
linge wegen der Probleme im ehemaligen Jugosla- nicht zu gegenseitigen Verleumdungen gekommen
wien, die größte Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg." sei.
Clinton verwies auf die Gefahr des Verhungems oder
Erfrierens Hunderttausender im herannahenden Win- Keiner der Kandidaten fügte seiner Bewerbung Schaden zu, wie dies bei früheren Debatten bisweilen
ter.
geschehen war, aber den größten Erfolg konnte wohl
"Meines Erachtens sollten wir das Embargo gegen die Perot für sich verbuchen. Zahlreiche Zuschauer stellBelgrader Regierung verschärfen", erklärte Clinton, ten mit Befriediegung fest, der Milliardär aus Texas
"und wir müssen überlegen, ob wir das (bestehende) habe solch realistische Antworten gegeben und - in
Waffenembargo gegen die Bosnier nicht aufheben den Worten eines Zuschauers - "die anderen zwei auf
sollten, da sie keineswegs in einem fairen Kampf die wirtschaftlichen Themen festgenagelt, mit denen
Auch Clinton und Perot pflichteten Bushs Absage an
den Einsatz von Bodentruppen bei, jedoch meinte
Clinton, Washington müsse mehr tun, um den Kämpfen ein Ende zu machen.

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�das Land konfrontiert ist". Viele bedauerten, daß der
Texaner seine Kampagne im vergangenen Sommer
eingestellt habe, bevor er sie vergangenen Monat
wiederaufnahm.

könne man es sich nicht leisten, 150.000 Soldaten in
Europa zu stationieren. Außerdem sei die Rote Armee
reduziert worden und es habe Rüstungskontrollabkommen gegeben.

Perots Ansichten differierten am schärfsten von denen
Bushs und Clintons in der Frage der Stationierung
amerikanischer Truppen in Europa in einer Zeit, in der
die Bedrohung durch einen aggressiven Kommunismus verschwunden ist. Während Bush darauf verwies, ein Ende des Friedenszustands in Europa würde
maßlose Kosten verursachen und es sei deshab "wichtig,
daß die Vereinigten Staaten in Europa bleiben und
weiterhin den Frieden bewahren", verband Perot seine
Aussage zu diesem Problem mit seinem Thema einer
Gesundung der amerikanischen Wirtschaft durch den
Abbau des Haushaltsdefizits und erklärte, es sei für die
Vereinigten Staaten nur sinnvoll, für die Verteidigung
Europas und Asiens zu zahlen, wenn die Verbündeten
dort verarmt seien.

Im Hinblick auf die Beziehungen zu China verteidigte
Bush seine Politik, für in die Vereinigten Staaten
exportierte chinesische Waren den Meistbegünstigungsstatus zu gewähren. Auf diese Politik, so die Kritik
Clintons, habe China mit dem Export von Nukleartechnologie in den Nahen Osten geantwortet. Clinton
behauptete, die von der Bush-Administration ergriffenen Maßnahmen, um Veränderungen in Chinas Haltung zum Handel und in der Behandlung seiner Bürger
zu erreichen, seien nur aufgrund öffentlichen und
politischen Drucks zustandegekommen.

"Wir geben jährlich rund 300 Milliarden Dollar für
Verteidigungszwecke aus", stellte Perot fest. "Die
Japanergeben etwa 30 Milliarden Dollar in Asien aus,
die Deutschen etwa 30 Milliarden Dollar in Europa.
Deutschland wird in den nächsten 10 Jahren 1 Billion
Dollar für den Aufbau der Infrastruktur ausgeben. Das
ist ziemlich leicht, wenn man für die Verteidigung
seines Landes eine Rechnung von nur 30 Milliarden
Dollar zu bezahlen hat."
"Die Europäische Gemeinschaft ist in der Lage, wesentlich mehr zu bezahlen als in der Vergangenheit",
erklärte Perot. "Ich stimme dem Präsident zu. Als sie
es nicht konnten, war dies unsere Aufgabe. Heute, da
sie es können, sollten sie es tun. Wir scheinen einen
Wunsch zu haben, dort zu bleiben und die Kontrolle
auszuüben. Um es ganz offen zu sagen: Sie möchten
nicht, daß wir die Kontrolle haben. Deshalb ist es für
uns meines Erachtens sehr wichtig, daß sie einen
wachsenden Anteil der Lasten übernehmen und daß
wir dieses Geld hierhin zurückbringen und unsere
Infrastruktur wiederaufbauen, denn wir können nur
dann eine Supermacht sein, wenn wir eine wirtschaiiliche Supermacht sind. Wir können nur dann eine
wirtschaftliche Supermacht sein, wenn wir eine wachsende Arbeitsplatzbasis haben."
Clinton stimmte der Notwendigkeit einer Beibehaltung
der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa zu,
möchte jedoch im Gegensatz zu Bush die Zahl nicht
auf 150.000 sondern auf 100.000 verringern. "Sicherlich müssen wir dort ein Engagement aufrechterhalten.
Es gibt dort gewiß Gefahren. Es gibt sicherlich noch
andere Krisengebiete auf der Wert, die näher an Europa als an den Vereinigten Staaten liegen."
"In Zukunft werden wir mehr Geld für militärische
Technologie und größere Mobilität, mehr Lufttransport, mehr Seetransport, die B-22 ausgeben müssen",
stellte Clinton fest. Da dies große Kosten bedeute,

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Clinton erklärte, er werde amerikanischen Einfluß gelten
machen, um "Festigkeit zu demonstrieren". Er werde
Handelsvorteile mit der Wahrung der Menschenrechte
und einer "offenen Gesellschaft" verbinden. Eine feste
Position, so Clinton, würde die Chinesen "langfristig zu
verläßlicheren Partnern" machen.
Auf die Bitte, er möge das in seinen Augen "überragende" nationale Interesse definieren, forderte Clinton
eine "den Herausforderungen des Zeitalters nach dem
Kalten Krieg gewachsene" neue Verteidigungs- und
nationale Sicherheitspolitik mit kleineren und mobileren Streitkräften. Er befürwortete Verhandlungen über
einen weiteren Abbau von Kernwaffen über die bereits
vereinbarten Reduzierungen hinaus sowie die Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Die amerikanische Wirtschaftskraft müsse
wiederhergestellt und Demokratie im Ausland gefördert werden.
Perot bezeichnete die Wiedergewinnung der wirtschaftlichen Überlegenbheit Amerikas insbesondere im
Produktionsbereich als wichtigste Priorität und forderte zusätzliche Hilfen für die Staaten der ehemaligen
Sowjetunion. Er bezeichnete solche Hilfen als "Pfennigbeträge im Vprnjpirh , u ^ n Kosten einer Erneuerung des Kalten Krieges".
Perot forderte Bush auf, sich für die tatsächliche
Beseitigung von nuklear bestückten Interkontinentalraketen einzusetzen, über die bereits Vereinbarungen
erzielt wurden, deren Demontage jedoch noch nicht
begonnen hat.
Bush erklärte, die Vereinigten Staaten würden militärisch und wirtschaftlich "von der ganzen Welt beneidet". Die amerikanischen Streitkräfte "werden auf der
ganzen Welt respektiert". Amerika hat sich so sehr
nach innen gewandt, beklagte er, daß es die wahrhaft
globale Position der Vereinigten Staaten nicht verstehe.
Im Hinblick auf sein Wirtschaftsprogramm stellte Ross
Perot fest, er werde sofort nach seiner Wahl mit allen
Entscheidungsträgem in Washington gemeinsam an
AMERIKA DIENST 41

�die Arbeit gehen. Es gebe "überall in Washington
großartige Pläne, die niemand jemals verwirklicht". Als
ersten Schritt werde er "das Problem kleiner und
mittlerer Unternehmen in Angriff nehmen. Eine Arbeitsgruppe sollte sich damit beschäftigen. Zweitens
gibt es angeschlagene Großunternehmen, zum Beispiel in der Rüstungsindustrie. Dazu sollten wir eine
weitere Arbeitsgruppe einsetzen. Eine dritte Arbeitsgruppe sollte sich mit neuen Industrien der Zukunft
befassen um zu gewährleisten, daß wir sie für unser
Land festhalten und sie nicht in Europa und Asien
enden."

Außenpolitik getan hast. Du wirst Wirtschaftskoordinator für alle innenpolitischen Aspekte, und dazu zählt
die gesamte wirtschaftliche Seite, der ganze Ausbildungsbereich, und stelle dieses Programm zusammen.' Wir werden einen neuen Kongreß haben, und
wir werden ihm sagen: 'Sie haben ebenso wie wir dem
Wähler zugehört. Keiner möchte eine Fortsetzung der
Blockadepolitik. Also sollten wir dieses Programm
durchziehen.'
Die drei Kandidaten faßten ihre Ansichten in äußerst
unterschiedlichen Schlußerklärungen zusammen.

Perot wiederholte seine frühere Kritik, die Regierung
habe "den Kontakt zum Volk verloren. Die Leute in
Washington sind gute Leute, wir haben lediglich ein
schlechtes System. Wir müssen das System verändern. Es ist an der Zeit dies zu tun, denn wir haben so
hohe Schulden aufgehäuft, daß die Zeit nicht länger
auf unserer Seite ist. Wir müssen unser Haus in
Ordnung bringen." Er erklärte, seine Wahl würde es
Zum selben Thema meinte Clinton, "dieses Land braucht der Nation erlauben "den amerikanischen Traum für
dringend ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, und meine unsere Kinder und Enkel zu erneuern".
erste Priorität wäre es, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm zu verabschieden, es am Tag meiner Amtsein- Clinton schloß mit der Bemerkung, er wolle der Nation
führung ins Leben zu rufen. Ich würde mich mit der "eine neue Richtung" geben und äußerte die ÜberzeuFührung des Kongresses treffen, mit allen neugewähl- gung, bei der Wahl im nächsten Monat gehe es um die
ten Mitgliedern des Kongresses und mit vielen ande- Entscheidung zwischen "Hoffnung und Furcht", zwiren, mit denen ich von meiner Wahl bis zur Amtseinfüh- schen "Veränderung und mehr desselben" sowie zwirung zusammentreffen könnte, und wir würden ein schen "dem Mut, in eine neue Zukunft aufzubrechen
oder der Menge zu folgen, die sagt, es könnte noch
Arbeitsbeschaffungsprogramm vorlegen.
schlechter sein". Er werde sich für "Investitionen in
Danach würden wir einen Plan zur Kontrolle der Ko- amerikanische Arbeitsplätze, amerikanische Bildung,
sten im Gesundheitswesen vorstellen und stufenweise die Kontrolle der Kosten im Gesundheitswesen" eineine Krankenversicherung für alle Amerikaner einfüh- setzen. "Ich möchte, daß die Zukunft dieses Landes
ren. Bevor wir nicht die Kosten im Gesundheitswesen so vielversprechend und glänzend ist wie seine Verkontrollieren, werden wir das Haushaltsdefizit nicht in gangenheit, und es kann gelingen, wenn wir den Mut
den Griff bekommen. Es ist der Hauptschuldige. Aber zum Wandel haben."
zunächst benötigen wir ein aggressives ArbeitsbeDer Präsident führte erneut seine außenpolitischen
schaffungsprogramm."
Erfolge an - das Ende des Kalten Krieges, die verrinBush verwies in diesem Zusammenhang auf seinen gerte Furcht vor einem Atomkrieg, die Freiheit in
Plan für kleine und mittlere Unternehmen. Er habe Osteuropa, die Fortschritte zum Frieden im Nahen
"bereits Pläne vorgelegt, die dieses Land schnell an die Osten - und forderte die "Ermächtigung" der BevölkeArbeit bringen werden", darunter "Steuervergünsti- rung in seinerzweiten Amtszeit. "Wir müssen investiegungen für Investitionen, Reduzierung der Kapitaler- ren und sparen, wir müssen mehr im Bildungswesen
tragssteuer, mehr für Forschung und Entwicklung, tun. Wir müssen mehrbei der beruflichen Umschulung
eine Steuergutschrift für Ersterwerber von Wohnei- leisten. Wir müssen unsere Exporte erhöhen - und sie
gentum".
florieren in der Tat - und wir müssen die amerikanische
Familie stärken. Ich hoffe", erklärte der Präsident zum
"Wenn dieser Wahlkampf vorbei ist, werde ich zu Jim Schluß, "daß ich Ihr Vertrauen erworben habe. Ich
Baker sagen: 'Setzen wir uns zusammen. Jetzt bitte um Ihre Unterstützung ... um diese Arbeit zu
machst Du in der Innenpolitik dasselbe, was Du in der beenden."

"Wir müssen vom Kapitalismus des 19. zum Kapitalismus des 21. Jahrhunderts übergehen", erklärte Perot.
In den Vereinigten Staaten bestehe ein Gegensatz
zwischen Staat und Wirtschaft, während es bei den
internationalen Konkurrenten ein "intelligentes Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft, ein unterstützendes Verhältnis" gebe.

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�WAHLEN

'92
14. Oktober 1992

DIE ERSTE FERNSEHDEBATTE DER
PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen und Kolumnisten haben die erste Fernsehdebatte des diesjährigen amerikanischen Wahlkampfs kommentiert. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus
einigen dieser Kommentare.
Washington Post

New York Times

Die erste Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten am Sonntag abend scheint die relative Stellung von George Bush und Bill Clinton im Wahlkampf
nicht verändert zu haben. Perot ging nach oben, aber
Bush konnte den Abstand zwischen sich und Clinton
nicht verringern. Um solche Ereignisse herum baut
sich immer enorme Spannung auf, denn sie können in
jedem Moment einen (häufig vom Kandidaten selbst
verursachten) K.o. herbeiführen. Dieses Mal kam es
nicht zu einer solchen Erschütterung. Nahezu alles,
was die Kandidaten sagten, hatten sie schon früher
gesagt.

Viele einschlägige Themen wurden nicht angesprochen - wie der Iran-Contra-Skandal, der gegenwärtig
zutagetretende Skandal um Kredite an den Irak, das
Recht auf Abtreibung, die Umwelt, Nominierungen für
das Oberste Bundesgericht, die Reform der Wahlkampffinanzierung. Aber solche Auslassungen sind
unabhängig von der Form der Debatte unvermeidlich.
Wirklich enttäuschend ist die Oberflächlichkeit, die von
der Form einer solchen Gruppenbefragung über die
angesprochenen Probleme vorgezeichnet wird.

Die Kandidaten sind reibungslos in der Lage, ausgefeilte Antworten zu nahezu jedem Thema zu geben.
Baltimore Sun
Aber selbst wenn die Fragesteller Experten sind, beispielsweise zum Defizitabbau oder zur GesundheitsIm Vergleich zu anderen Präsidentschaftsdebatten reform, haben sie nahezu keine Chance, bei langweiwar das erste Zusammentreffen von Bush, Clinton und ligen Antworten nachzuhaken.
Perot informativ, umfassend und enthüllend. Eszeigte
alle drei Männer im besten Licht - Clinton in die Nachdem die 90 Minuten vorbei waren, konnten die
Modalitäten des von ihm angestrebten Postens ver- Zuschauer kaum sagen, wo sich die drei Männer bei
tieft, Bush zuversichtlich aufgrund seiner Amtserfah- den verschiedenen Themen unterscheiden. Welche
rung und Perot als praxisorientierter Störenfried. Schade Unterschiede zeigten sie bei beruflicher Bildung, bei
nur, daß die nächsten Debatten keine direkten Kon- AIDS, bei der Gesundheitsreform? Und die wichtigste
frontationen zwischen Bush und Clinton sein können... Frage: Wie würden sie das Land aus seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen Stagnation herausführen?
Bush verdammte ständig den Pessimismus und die
Kritik seiner Herausforderer und berief sich darauf, Christian Science Monitor
daß unter seiner Führung der Karte Krieg beendet
worden sei und die Wirtschaft trotz der gegenwärtigen Während kein Kandidat einen überwältigenden Erfolg
Rezession immer noch von der ganzen Welt beneidet verzeichnen konnte, war Clinton de facto der Sieger.
werde. Clinton, der führte, er könnte bei diesem Er schadete sich nicht durch eigene Fehler und er
Kontrast Punkte verlieren, erklärte in seiner Schlußbe- schien sich mehr als der Präsident an ein Thema zu
merkung, daß er mit der Forderung nach echten Ver- halten: seine wirtschaftliche Vision von "Investitionen
änderungen in Washington Hoffnung gegen Furcht und Wachstum" und seine Entschlossenheit, ein vereintes Land zu führen. Clintons Vorsprung in den
und eine glänzende Zukunft für das Land anbiete.
Meinungsumfragen dürfte sicher sein.
Jetzt warten wir auf Runde zwei.

AMERIKA DIENST 41

Seite 1

�Auch Bush wählte einen vorsichtigen Ansatz, er vermied die schrillen Töne, die sich in seine Propagandareden einschleichen, bewahrte die Haltung eines Präsidenten und betonte seine Erfahrung. Bush erinnerte
die Wähler häufig an den veränderten Zustand der
Welt im Hinblick auf die Freiheit und das nahe Verschwinden des Kommunismus. Häufig verwies er auf
seine Rolle als Oberkommandierender.
Wall Street Journal
Ross Perots Konzentration auf das Defizit ist wohlbekannt, aber er war unerwartet überzeugend beim Thema
Familienwerte (seit Houston ein bevorzugtes Thema
des Spotts für die eingeweihtesten Medienvertreter).
Perot klingt überzeugend und völlig ohne politische
Arglist, wenn er erklärt: "Wir werden kein großes Land
haben, wenn wir nicht in jedem Heim eine starke
Familieneinheit haben." Er spricht vom "chemischen
Krieg" gegen die Kinder in den Innenstädten. Es ist gut
zu hören, wie ein Kandidat der Unzufriedenen sagt:
"Unsere Vielfalt ist unsere Stärke."
Viele Wähler sind wahrscheinlich immer noch damit
beschäftigt auszumachen, wer Bill Clinton ist. Irgendwie schafft er es, persönlich weniger Selbstvertrauen
auszustrahlen als die beiden älteren Männer. Gleichzeitig trifft er aufgrund seiner enormen Informiertheit
bisweilen den Nagel auf den Kopf. Er hat recht, daß
gleichgewichtige Sanktionen gegen bewaffnete Serben und unbewaffnete Bosnier wenig Sinn machen. Er
hat recht, wenn er mehr offene Unterstützung für
Chinas Demokraten fordert. Und er hat recht, daß
"Anreize zum Investieren" eine Bedeutung erster Güte
haben (aber, bitte, erläutern Sie das noch etwas genauer.
Kolumnist Andrew Rosenthal in der New York
Times
Bush, der immer noch versucht, nur drei Wochen vor
der Wahl seiner Kandidatur für die Wiederwahl neues
Leben einzuhauchen, brauchte eine Überraschung,
um den Wählern Grund zu geben, ihre Meinung über
einen Präsidenten zu änderen, der für die meisten
Amerikaner in den vergangenen vier Jahren eine feste
Definition bekommen hat. Er hat sie nicht geliefert.
Gouverneur Bill Clinton mußte einen großen Schnitzer
vermeiden, der seine Kampagne behindern könnte,
und das schaffte er. Er könnte auch noch bei einem
anderen Ziel Erfolg gehabt haben: daß er die Amerikaner mit dem Gedanken versöhnte, daß er ins Oval
Office (Amtszimmer des Präsidenten, Anm. d. Red.)
einzieht.
Und Ross Perot hat gewiß bekommen, was er wollte Zeit auf derselben Bühne mit den Kandidaten der
großen Parteien und eine Chance, seine besondere
Version hausgemachter Rezepte für die Krankheiten
Amerikas anzubieten - während die anderen ihre Zeit
damit verbrachten, einander anzugreifen.
Seite 2

In der Tat war es eines der offenkundigsten Resultate
der ersten Debatte, daß sich Bushs Bestehen auf der
Einbeziehung Ross Perots in die Fernsehdebatten als
Eigentor erwiesen haben könnte.
Statt Clintons Stellung als fühlender Kandidat anzuschlagen, wie die Republikaner erhofft hatten, gesellte
sich Perot zu dem demokratischen Kandidaten in
einem Angriff von zwei gegen einen, den Präsidenten.
Kolumnist David S. Broder
Was soll man nun daraus machen? Bush erscheint mir
als verbrauchte Kraft - in der Kampagne und in der
Regierung. Sein Versprechen, James A. Baker III als
Chef der Wirtschafts- und Innenpolitik im Weißen
Haus zu halten - womit er eine frühere Erklärung
umstieß, Baker werde ins Außenministerium zurückkehren - wäre bedeutsam, wenn es zu einer zweiten
Amtszeit käme. Es ist aber auch ein Eingeständnis,
daß Bushs eigenes Engagement, innenpolitische
Anliegen an erste Stelle zu setzen, an sich nicht
überzeugend ist.
Clinton ist offenkundig die Wahl der Mehrheit derer, die
einen Wechsel in der Führung und in der Politik anstreben. Er wird als kenntnisreicher Innenpolitiker empfunden. Die Bemühungen Bushs, seinen Charakter in
Frage zu stellen, sind gescheitert. In einem Rennen
von zwei Bewerbern hat Clinton nahezu alles getan,
was für seinen Sieg erforderlich wäre.
Aber Perot fügt dieser Gleichung eine Unbekannte
hinzu. Ich bin heute überzeugt, daß er diesen Wahlkampf zu einem echten Rennen zwischen drei Kandidaten hätte machen können, wenn er nicht aus Frustration über die Presse und seine professionellen
Macher seine Kandidatur im vergangenen Juli verworren hätte. Dieser im^ulc!"* Entschluß, sich nach der
ersten Kritik aus dem Rennen zurückzuziehen, wiegt
bei den Wählern - zu Recht - schwer gegen ihn.
Aber wie die meisten Experten Perots potentielle
Auswirkungen auf die erste Debatte unterschätzt hatten, so unterschätzen sie heute auch das Potential von
Perots Anhängern an der Basis, die Lehre von Perots
Ruf nach "fairen, geteilten Opfern" zu verbreiten.
Es ist vielleicht noch nicht zu Ende.
Kolumnist Jack Germond in der Baltimore Sun
Da er kein Patentrezept besitzt, mußte sich Bush auf
irgendeinen großen Fehler Clintons verlassen, vielleicht einen Schnitzer, der ernste Fragen über seine
Eignung für das Oval Office aufwerfen würde. Aber
auch das geschah nicht. Im Gegenteil, der Gouverneur von Arkansas gab sich nach einiger anfänglicher
Nervosität entspannt und selbstbewußt.
Clinton gewann darüber hinaus wahrscheinlich die
Konkurrenz um das Kurzstatetement, das wahrscheinlich am häufigsten von den Fernsehanstalten benutzt
AMERIKA DIENST 41

�werden wird, als er sich an Bush wandte und ihn
geißelte, weil er seinen Patriotismus in Frage gestellt
hatte. Dabei führte er die Art und Weise an, in der der
Vater des Präsidenten, der verstorbene Senator Prescott Bush aus Connecticut, vor einer Generation die
Führungsrolle beim Kampf gegen den McCarthyismus
übernommen hatte.
Das wahre Problem Bushs bestand jedoch darin, daß
er keine Trümpfe in der Hand hielt. Während des
gesamten Wahlkampfs hat er verzweifelt nach
Angriffspunkten gegen Clinton gesucht, ohne einen zu
finden, der funktioniert. Und am gestrigen Abend wiederholte er sie alle, ohne einen Treffer zu landen. Der
Versuch, Clinton lediglich als einen weiteren Liberalen
in der Manier eines Walter F. Mondale und Michael S.
Dukakis zu charakterisieren, der "Steuern erhöht und
Geld ausgibt", hat sich bereits als Fehlschlag erwiesen, wie die Meinungsumfragen in den Südstaaten
überdeutlich zeigen.

*

AMERIKA DIENST 41

*

Kolumnist Paul Greenberg
Die Erfahrung sprach für George Bush, als er mit Bill
Clinton um die wichtige Mitte der amerikanischen
Politik stritt. Selbst als der Gouverneur die solidere
Position in der Außenpolitik einzunehmen schien - er
ist gegen Appeasement gegenüber den Kommunisten
in China und für mehr Engagement, um die am Pulverfaß Balkan auflodernden Flammen einzudämmen -,
war der Präsident in der Lage, ihn in der Debatte
auszupunkten. Wie in dem Fall, als Bush sagte, er
habe aus dem Vietnamkrieg gelernt, daß man seine
Truppen nicht ins Ausland entsendet, ohne eine klare
Vorstellung davon zu haben, wie "Ihre Söhne und
Töchter" wieder nach Hause gebracht werden können.
Als die Heimatfront angesprochen wurde, war das
beste, was der Präsident machen konnte sein Versprechen, sein altes Genie Jim Baker zum Chef der
Innenpolitik zu machen. Dieses Versprechen ist nicht
so attraktiv wie früher, bevor Baker antrat, um Bushs
Wahlkampf zu leiten, der immer noch auf einen durchschlagenden Erfolg wartet.
* *

Seite 3

�WAHLEN

'92
14. Oktober 1992

ARBEITSPLÄTZE, WACHSTUM UND STEUERN IM
MITTELPUNKT DES WAHLKAMPFS
Wirtschaftsthemen dominieren
WASHINGTON - (AD) - Wenn sich amerikanische Präsidentschaftskandidaten heute zu Wort melden, dann geht
es um Arbeitsplätze, Krankenversicherung, Umwelt und Handel, nicht um Raketen und Weltsicherheit.
Diese Themen stehen auch im Mittelpunkt der Fernsehdebatten zwischen den Kandidaten, die am 11. Oktober
begannen und am 19. Oktober abgeschlossen werden. Wahltag ist der 3. November.

Die heiße Phase des Wahlkampfs findet in einem
Klima statt, das von hoher Arbeitslosigkeit, schleppendem Wirtschaftswachstum und großer Unsicherheit
bei Einzelpersonen und Unternehmen bezüglich der
Aussichten auf Besserung in den nächsten Monaten
geprägt ist.
Eine Ursache dieser Unsicherheit ist das wachsende
Defizit im Bundeshaushalt, das in dem am 30. September zu Ende gegangenen Haushaltsjahr die Rekordhöhe von schätzungsweise 333 Milliarden Dollar erreichte u nd nächstes Jahr voraussichtlieh auf 341 Milliarden
Dollar steigen wird. Alle Kandidaten räumen den Ernst
dieser Defizite ein, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.
Präsident Bush schlägt Ausgabenkürzungen ohne
Steuererhöhungen sowie Steuersenkungen zur Förderung von Investitionen vor. Er betont weiterhin, daß
die Wirtschaft ihre Probleme überwinden wird und
verkündete in einer kürzlich gehaltenen Rede das Ziel,
die Wirtschaftsleistung bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts auf 10 Billionen Dollar zu steigern - nominell
nahezu das Doppelte des heutigen Stands.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bill Clinton erklärt, er wolle die wirtschaftliche Basis Amerikas
durch die Verlagerung von Verteidigungsausgaben
auf innenpolitische Bedürfnisse wiederaufbauen. Dazu
gehören die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur und
des Bildungssystems sowie Steuersenkungen für die
Mittelschicht und Steuererhöhungen für wohlhabende
Amerikaner.
"Meine nationale Wirtschaftsstrategie stellt den Menschen in den Mittelpunkt, indem in den nächsten vier
Jahren 50 Milliarden Dollar jährlich investiert werden,
während das Defizit halbiert wird", schrieb der Gouverneur von Arkansas in seiner im Juni veröffentlichten
"Nationalen Wirtschaftsstrategie". "Diese Investitionen werden Millionen gutbezahlter Arbeitsplätze schaffen und Amerika helfen, in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig zu sein."

Der unabhängige Kandidat Ross Perot, Besitzereiner
Computerfirma, dessen persönliches Vermögen auf 2
Milliarden Dollar geschätzt wird, hat sowohl drastische
Ausgabenbeschränkungen im Inland als auch breite
Steuererhöhungen gefordert und hinzugefügt, daß
weder Clinton noch Bush bereit seien, die wirklich
"Mit einer Volkswirtschaft von 10 Billionen Dollar könn- harten Maßnahmen durchzuführen, die für den Abbau
ten wir die privaten und öffentlichen Mittel aufbringen, des Defizits und die Wiederbelebung der Wirtschaft
um unsere ehrgeizigsten sozialen und finanziellen erforderlich sind.
Erfordernisse zu befriedigen", erklärte Bush in einer
am 10. September gehaltenen Rede, in der er seinen "Wählen Sie die Person, die dies tun wird - die nicht nur
Wirtschaftsplan für seine erhoffte zweite Amtszeit darüber redet", erklärte Perot am 6. Oktober in seinem
skizzierte. "Wir könnten Amerika erneuern und gleich- ersten Fernsehauftritt seit er am 1. Oktober seine
zeitig unsere Nationalschuld abtragen... Meine Rich- Kandidatur bekanntgegeben hatte. "Wählen Sie den
tung ist klar - ich möchte weniger ausgeben und Präsidenten, der Ihrer Meinung nach die Fähigkeit
weniger Steuern erheben."
besitzt, die Aufgabe für Sie und Ihre Kinderzu erfüllen."

AMERIKA DIENST 41

Seite 1

�Inzwischen haben Wirtschaftsexperten sowohl Bush
als auch Clinton wegen ihrer übermäßig optimistischen Schätzungen kritisiert, während einige behaupten, Perots Plan könne eine bereits angeschlagene
Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen und die
schon hohe Arbeitslosigkeit weiter verschärfen.
Nachfolgend ein kurzer Abriß der Haltung der Kandidaten zu den wichtigsten Themen:
Ausgaben
Bush: Der Präsident möchte das Wachstum bei
sogenannten gesetzlich vorgeschriebenen Ausgabenprogrammen - solche, die nach einer bestimmten
Formel steigen und nicht jedes Jahr neu bewilligt
werden müssen - begrenzen. Davon ausgenommen
wären die Renten. Er möchte Einsparungen von 132
Milliarden Dollar erreichen, von denen er in der Vergangenheit bereits 60 Milliarden vorgeschlagen hatte,
die vom Kongreß jedoch abgelehnt wurden. Der
Präsident hat nicht erklärt, in welchen Programmen die
neuen Einschnitte vorgenommen werden sollen.
Clinton: Der Gouverneur von Arkansas möchte auf
der Ausgabenseite etwa 140 Milliarden Dollar einsparen, darunter 37,5 Milliarden Dollar an zusätzlichen
Einsparungen im Verteidigungshaushalt die über die
von Bush für 1993-96 vorgeschlagenen hinausgehen,
22 Milliarden an nicht definierten Einsparungen in der
Verwaltung, 15,3 Milliarden durch einen Stellenabbau
im öffentlichen Dienst des Bundes um 100.000 sowie
17,1 Milliarden durch Verwaltungsreformen bei der
Resolution Trust Corporation, deren Aufgabe die
Übernahme und Veräußerung bankrotter Spar- und
Darlehenskassen ist. Weitere 45 Milliarden Dollar
sollen Clinton zufolge durch Maßnahmen gegen ausländische Firmen eingespart werden, die amerikanische Steuergesetze manipulieren. Bei Personen mit
Jahreseinkommen von über 125.000 Dollar würde er
die Kosten für stationäre Krankenhausbehandlung über
den gegenwärtigen Satz im Rahmen von Medicare
anheben, der staatlichen Krankenversicherung für
Rentner und Behinderte.
Perot: Der Unternehmer aus Texas möchte die Bundesbehörden um bis zu 10 Prozent abspecken und
damit in fünf Jahren 108 Milliarden Dollar einsparen.
Das Programm für den Bau einer Weltraumstation
sowie die Rural Electrification Administration würden
abgeschafft, und der Inflationsausgleich der Renten
für Zivilpersonen und Veteranen würde um ein Drittel
reduziert. Perot möchte die Verteidigungsausgaben
um 40 Milliarden Dollar über die von Bush vorgeschlagene Summe hinaus verringern. Dies soll durch
Reduzierungen des Personalumfangs der Streitkräfte
sowie die Abschaffung des Tarnbombers B-2 und des
U-Bootes Seawolf erreicht werden.

Seite 2

Steuern
Bush: Der Präsident erklärt, wenn seine Einsparungen verwirklicht würden, könnten die Einkommensteuern um ein Prozent gesenkt und die Steuern für kleine
und mittlere Unternehmen sowie die Steuern auf
Kapitalgewinne für Investiveinkommen reduziert werden. Er hat femer die dauerhafte Einführung einer
Steuergutschrift für Forschung und Entwicklung, einen
Steuerabzug von 5.000 Dollar für Ersterwerber von
Wohnimmobilien sowie Steuerabzüge für den Erwerb
von Grundbesitz vorgeschlagen.
Clinton: Der Gouverneur fordert wesentliche Steuererhöhungen für die wohlhabendsten Amerikaner - mit
Einkommen ab 200.000 Dollar - und eine Ergänzungsabgabe für Millionäre. Gleichzeitig möchte er die
Steuerlast für Amerikaner mit mittlerem Einkommen
reduzieren, indem diesem Personenkreis eine Wahl
zwischen niedrigeren Einkommensteuern oder auf der
Anzahl der Kinder basierenden zusätzlichen Steuervergünstigungen gelassen wird. Zur Förderung privater Investitionen möchte er denjenigen Steuergutschriften gewähren, die mit langfristigen Investitionen in
neue Unternehmen Risiken eingehen. Darüberhinaus
möchte er Unternehmen, die in neue Fabriken und
Ausrüstung in den Vereinigten Staaten investieren,
dauerhafte Steuervergünstigungen für Forschung und
Entwicklung einräumen.
Perot: Er möchte den Spitzensteuersatz von 31 auf33
Prozent erhöhen, innerhalb von fünf Jahren die Mineralölsteuer um 50 Cents pro Gallone (3,8 Liter) anheben, die Tabaksteuer erhöhen, die Abzugsfähigkeit für
Geschäftsessen und Hypotheken begrenzen sowie
den zu versteuernden Anteil von Rentenzahlungen
anheben. Er möchte jedoch Steuervergünstigungen
für Unternehmen erweitern, die in neue Maschinen
und Ausrüstung investieren, die Kapitalzuwachssteuerfür Gründer von kleinen und mittleren Unternehmen
abschaffen, wachsende Steuervergünstigungen für
Investoren einführen, die ihre Investitionen länger hatten
und Steuervorteile für Investitionen zur Alterssicherung gewähren.
Handel
Bush: Der Präsident hat der Zustimmung des Kongresses zum gerade abgeschlossenen Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) mit Mexiko
und Kanada sowie dem Abschluß der Uruguay-Runde
weltweiter Handelsgespräche hohe Priorität eingeräumt. Er erklärt, er werde ein "strategisches Netz"
von Freihandelsabkommen mit Lateinamerika, Polen,
Ungarn und der Tschechoslowakei sowie möglicherweise zwischen NAFTA und den Staaten des pazifischen Raums entwickeln. Er möchte jedoch weiterhin
die Subventionen für Agrarexporte im Rahmen des

AMERIKA DIENST 41

�Exportförderungsprogramms (EEP) uneingeschränkt Gutscheine über bis zu 3.000 Dollar pro Person bereitaufrechterhalten, um die Agrarsubventionen der Euro- stellen würde, um zu den Kosten für berufliche Fortbildung und Umschulung beizutragen.
päischen Gemeinschaft auszugleichen.
Clinton: Der demokratische Herausforderer hat das
NAFTA mit Einschränkungen unterstützt, möchte jedoch
neue Vereinbarungen in bezug auf Umwelt, Arbeitnehmerrechte und Arbeitsschutz aushandeln. Er befürwortet den Abschluß der Uruguay-Runde. Der Gouverneur hat erklärt, der Schlüssel zur weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen
seien Investitionen in Bildung, berufliche Ausbildung
und Infrastruktur. Er würde jedoch auch energische
Gesetze im Rahmen von "Super 301 "unterstützen, mit
denen automatisch handelspolitische Maßnahmen
gegen solche Länder verhängt würden, die unfaire
Handelsschranken gegen amerikanische Importe
aufrechterhalten. Er würde eine Verordnung unterzeichnen, die es amerikanischen Unterhändlern bei
Handelsgesprächen für einen gewissen Zeitraum nach
dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst untersagen
würde, als Repräsentanten ausländischer Firmen oder
Regierungen zu fungieren.
Perot: Der unabhängige Kandidat würde die Agrarsubventionen und Schutzzölle für Zucker abschaffen.
Wie Clinton wendet er sich energisch dagegen, daß
ehemalige US-Regierungsvertreter für ausländische
Regierungen oder Firmen arbeiten.
Berufsausbildung
Bush: Der Präsident hat ein Programm vorgeschlagen, das alle umgesetzten Arbeitskräfte erfassen und

Clinton: Der Gouverneur hat vorgeschlagen, daß
jeder Arbeitgeber 1,5 Prozent der Lohnsumme für
Fortbildungsmaßnahmen ausgibt, die nicht nur Führungskräften sondern allen Arbeitnehmern offenstehen.
Gesundheitswesen
Bush: Der Präsident möchte den Krankenversicherungsschutz erweitem, indem einkommensschwachen
Familien Steuervorteile - oder Gutscheine für Personen, die keine Steuern bezahlen - gewährt werden, die
für eine Basisversicherung - etwa 3.750 Dollar für eine
Familie - ausreichen. Andere Familien mit niedrigem
oder mittlerem Einkommen würden Steuervergünstigungen erhalten, um die Kosten ihrer Krankenversicherung teilweise auszugleichen.
Clinton: Der Gouverneur möchte das derzeitige
System abschaffen und Arbeitgebern und Arbeitnehmern freistellen, entweder eine private Versicherung
abzuschließen oder einem staatlichen Programm beizutreten. Jeder Amerikaner, der nicht durch ein vom
Arbeitgeber angebotenes Programm versichert ist,
würde eine Grundsicherung erhalten, die ambulante
ärztliche Behandlung, stationäre Heilbehandlung,
verordnete Medikamente und ein Minimum an psychiatrischer Behandlung abdecken würde. Alle Unternehmen müßten unabhängig von ihrer Größe pro
Arbeitnehmer einen festgelegten Betrag abführen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 41

Sehe 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Zum internationalen geophysikalischen Jahr&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonnenbeobachtung mit Raketen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektrische Ströme in der Erdrinde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tiefste gemessene Temperatur - minus 93 Grad&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Technik und Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Roboter mit Lernvermögen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Prinzip für den Bau elektronischer Rechenanlagen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Zauberkraft der Musik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;oder "Das gar nicht so geheimnisvolle musikalische Leben Danny Kayes"&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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1 4 . November 1973

44

Inhalt

DOKUMENTATION:
Nixon gibt Sparmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung bekannt
-Wortlaut der Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten vom
7.November-

WIRTSCHAFT:
Rede des amerikanischen Landwirtschaftsministers Earl L. Butz
zur Eröffnung der Welt-Soja-Protein~Konferenz in München am 11. November 1973
US-Außenhandel verzeichnet wachsende Überschüsse
Von Dr. Sidney L„ Jones
Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Bautechnik » wichtiger Ansatzpunkt zum Energiesparen
-Schul^und Behördenbauten als Modellprojekte~
Von G. Weiss
Schwache elektrische Felder steuern Hirnaktivität
Verfahrensumstellung bei der Tiefkühlindustrie spart Wasser

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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44/1973
NIXON GIBT SPARMASSNAHMEN ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG BEKANNT
- Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten
von 7. November -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am Abend des 7. November (Ortszeit) eine Reihe von Sparmaßnahmen bekanntgegeben, die angesichts der gegenwärtigen Krise die Energieversorgung der Vereinigten Staaten sichern sollen.
Gleichzeitig kündigte er eine Gesetzesvorlage - Emergency Energy Act - an, um
die Regierung in die Lage zu versetzen, Notmaßnahmen anordnen zu können.

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich möchte heute abend mit Ihnen über ein ernstes Energieproblem sprechen,
dem wir in den kommenden Monaten und Jahren ins Auge sehen müssen.

In dem Maße, in dem Amerika in den letzten Jahren gewachsen und gediehen
ist, hat unser Energiebedarf mit der Zeit die verfügbaren Vorräte überstiegen.
Wir haben in den letzten Monaten viele Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung
zu erhöhen und den Verbrauch zu drosseln. Aber selbst mit all unseren besten
Anstrengungen waren wir uns bewußt, daß unausweichlich eine Periode temporärer
Verknappungen auf uns zu kam.

Leider sind unsere Erwartungen für diesen Winter jetzt durch den jüngsten
Konflikt im Nahen Osten stark eingeschränkt worden. Wegen des Krieges haben

- 1 -

�&lt;

haben die meisten der Ölproduzenten im Nahen Osten ihre Gesamtproduktion

«•

verringert und ihre Lieferungen an die Vereinigten Staaten eingestellt. Bis
Ende dieses Monats werden über zwei Millionen Barrel (ein Barrel gleich 159
Liter) pro Tag, mit denen wir als Einfuhr in die Vereinigten Staaten rechneten,
nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wir müssen uns daher der nackten Tatsache stellen, daß wir auf die akutesten
Energieverknappungen seit dem zweiten Weltkrieg zusteuern. Unsere Erdölversorgung in diesem Winter wird mindestens 10 Prozent unter unserem erwartungsgemäßen Bedarf liegen - und könnte bis zu 17 Prozent darunter liegen.

Schon vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten waren diese zu erwartenden
Verknappungen das Thema intensiver Erörterungen unter Mitgliedern meiner Administraticn

und führenden Vertretern des Kongresses, Gouverneuren, Bürger-

meistern sowie Vertretern der Verbraucher und der Industrie. Aus diesen Gesprächen
hat sich eine allgemeine Ü^reinstimmung

herauskristallisiert, daß wir jetzt

einen neuen Kurs für unsere Nation abstecken müssen.
fr

Kurzfristig gesehen bedeutet dieser Kurs, daß wir weniger Energie verbrauchen dürfen - weniger Heizung, weniger Elektrizität und weniger Benzin.
Auf lange Sicht bedeutet das, daß wir neue Energiequellen entwickeln müssen,
die uns in die Lage versetzen, unseren Bedarf zu decken, ohne uns auf andere
Länder verlassen zu müssen.

Die unmittelbare Knappheit wird sich auf das Leben eines jeden van uns
auswirken. In unseren Fabriken, in unseren Autos, in unseren Wohnungen und in
unseren Büros werden wir weniger Brennstoff verbrauchen können, als wir dies
gewohnt waren. In manchen Schulen und Fabriken werden die Unterrichts- und Arbeitszeiten neu festgelegt werden müssen. Manche Düsenflüge werden gestrichen
werden.

Das bedeutet nicht, daß wir kein Benzin mehr haben werden oder daß der
Luftverkehr eingestellt wird oder daß wir in unseren Wohnungen oder Büros
frieren müssen. Die Brennstoffkrise muß nicht unbedingt bedeuten, daß jeder

�jeder Amerikaner echt leidet. Aber sie wird von allen Amerikanern einige
Opfer verlangen.

Wir müssen sicherstellen, daß unser lebenswichtiger Bedarf am ersten gedeckt wird - und daß unsere am wenigsten wichtigen Tätigkeiten als erste gedrosselt werden. Und wir müssen sicherstellen, daß zwar an unserer Wirtschaft
das Fett abtrainiert wird, daß aber die Muskeln nicht ernsthaft beschädigt
werden.

Um uns dabei zu helfen, diese Aufgabe zu erfüllen, gebe ich heute abend
folgende Schritte bekannt:

Erstens: Ich ordne an, daß Industrien und öffentliche Versorgungsbetriebe,
die Kehle verwenden - das natürliche Hilfsmittel, das uns am reichlichsten zur
Verfügung steht - davon abgehalten werden, in unmittelbarer Zukunft auf öl umzustellen. Ferner werden Anstrengungen unternommen, Kraftwerke und öl auf Kohle
umzustellen.

Zweitens: Wir teilen verringerte Mengen an Brennstoff für Flugzeuge aus.
Dies wird zu einer Kürzung über 10 Prozent der Anzahl der Flüge und zu einer
Neufestlegung von Abflugs- und Ankunftszeiten führen.
Drittens: In der Versorgung mit Heizöl führ Wohnungen, Büros und andere
Einrichtungen wird eine Kürzung von schätzungsweise 15 Prozent eintreten. Um
sicherzustellen, daß genug öl für den gesamten Winter vorhanden ist, wird es
für alle von uns unumgänglich sein, bei niedrigeren Temperaturen zu leben und
zu arbeiten. Wir müssen jeden darum bitten, den Thermostat in seiner Wohnung
um mindestens 6 Grad (Fahrenheit) zurückzudrehen, damit wir einen nationalen
Tagesdurchschnitt von 68 Fahrenheit (20 Grad Celsius) erreichen. In Büros,
Fabriken und kaufmännischen Betrieben müssen wir darum bitten, daß sie eine
verhältnismäßige Verringerung um 10 Grad erreichen, indem entweder der Thermostat zurückgedreht oder die Arbeitsstunden gekürzt werden.

Viertens:

�&gt;

Viertens: Ich ordne eine weitere Verringerung des Energieverbrauchs durch

\

die Bundesregierung an. Wir haben bereits Schritte unternommen, um den Verbrauch der Regierung um 7 Prozent zu senken. Die Kürzungen nüssen jetzt noch
weitergehen.und in jedem Amt und Ministerium der Regierung durchgeführt werden.
Ich gebe die Anweisung, daß die Temperaturen in Büroräumen der Bundesregierung
während des Tages sofort auf einen Stand zwischen 65 und 68 Grad verringert
werden. Darüber hinaus ordne ich an, daß alle Fahrzeuge im Besitz der Bundesregierung - und es gibt etwa eine halbe Million davon - nicht schneller als
50 Meilen pro Stunde fahren, außer in Notfällen. Dies ist ein Schritt, den
sofort zu ergreifen ich auch alle Gouverneure, Bürgermeister und Kommunalbeamte bezüglich den ihnen unterstellten Fahrzeugen gebeten habe.

Fünftens: Ich ersuche die Atomenergiekommission, die Lizenzierung und den
Bau von Kernkraftwerken zu beschleunigen. Wir nüssen versuchen, die Zeitspanne,
die erforderlich ist, um Kernkraftwerke in Betrieb zu setzen, von zehn auf
sechs Jahre zu verringern.

Sechstens: Ich ersuche die Gouverneure und Bürgermeister, diese Maßnahmen zu *
unterstützen, indem sie auf einzelstaatlicher und koimiunaler Ebene entsprechende
Schritte unternehmen. Wir haben beispielsweise van Staate Oregon bereits gelernt,
daß beträchtliche Energiemengen eingespart werden können, wenn unnötige Beleuchtung eingespart und das Schuljahr leicht geändert wird. Ich empfehle, daß
andere Gemeinden diesem Beispiel folgen und ebenfalls nach Mitteln und Wegen
suchen, um Arbeitsstunden zu verlegen und zu einer stärkeren Benutzung von
öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrgemeinschaften anzuregen. In Übereinstimmung mit Sicherheits- und Wirtschaftserwägungen ersuche ich femer die Gouverneure, Schritte zu ergreifen, um die Höchstgeschwindigkeit auf Autostraßen auf
50 Meilen pro Stunde herabzusetzen. Diese Maßnahme allein könnte, wenn sie auf
nationaler Basis ergriffen wird, täglich über 200 000 Barrel öl einsparen.

All diese Maßnahmen werden zu einer wesentlichen Einsparung an Energie
führen. Und was noch wichtiger ist, die meisten dieser Maßnahmen können sofort
und ohne weitere Verzögerung eingeführt werden. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg
liegt nicht in Washington, sondern in jedem Heim und in jeder Gemeinde im
- 4 -

�im ganzen Lande. Wenn jeder von uns an dieser Anstrengung mitwirkt - mitwirkt
in dem Geist und der Entschlossenheit, die den amerikanischen Charakter schon
inner ausgezeichnet haben, dann ist die Schlacht bereits halb gewonnen.
Wir müssen jedoch einsehen, daß selbst diese Schritte, so wesentlich sie
sein mögen, wohl nicht ausreichend sind. Wir müssen bereit sein, weitere
Schritte zu unternehmen, und zu diesem Zweck muß der Kongreß zusätzliche Vollmachten gewähren.

Ich habe daher meinen Chefberater für Energiepolitik, Gouverneur John
Love, und andere Regierungsbedienstete angewiesen, eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um ein Energienotgesetz - Emergency Energy Act - auszuarbeiten.

Ich bin heute vormittag mit führenden Kongreßvertretem zusammengetroffen
und habe sie ersucht, diese Vorlage mit Priorität auf dringlicher Basis zu behandeln. Es ist unerläßlich, daß dieses Gesetz zur Unterschrift auf meinen
Schreibtisch kcmmt, bevor der Kongreß im Dezember in die Ferien geht. Aufgrund
der harten Arbeit, die die Senatoren Jackson, Fannin und andere für diese Vorlage bereits geleistet haben, bin ich zuversichtlich, daß wir diesen Termin
einhalten können.

Diese vorgeschlagene Gesetzgebung würde die Exekutive in die Lage versetzen, der Energiekrise auf verschiedene wichtige Weise begegnen zu können:

Erstens: Sie würde die sofortige Rückkehr zur Sommerzeit (Daylight saving
time) auf ganzjähriger Basis erlauben.

Zweitens: Sie würde die notwendige Vollmacht gewähren, die Umweltbestimmungen auf temporärer Basis von Fall zu Fall zu lockern, und es uns erlauben,
unsere Umweltinteressen mit unseren Energieerfordernissen in geeigneter Weise
aufeinander abzustimmen.

Drittens:

�i
Drittens: Sie würde die Vollmacht gewähren, besondere Energiesparmaßnahmen
einzuführen, wie etwa Einschränkungen der Öffnungszeiten für Einkaufszentren
und andere kaufmännische Einrichtungen.

Viertens: Sie würde die Suche, Erschließung und Produktion im Hinblick auf
unsere Erdölreserven im Meeresboden genehmigen und finanzieren. Diese Reserven
enthalten reiche Ölquellen. Allein aus einer dieser Quellen - Elk Hills, Kalifornien - könnten wir innerhalb von zwei Monaten täglich über 160 000 Barrel fördern.

Fünftens: Sie würde der Bundesregierung Vollmacht erteilen, die Höchstgeschwindigkeit auf Autostraßen im ganzen Lande herabzusetzen.

Und letztlich würde sie die Ermächtigung der zuständigen Regierungsbehörden
ausweiten, um die Fahrpläne von Flugzeugen, Schiffen und anderen Verkehrs- und
Transportmitteln den Umständen anzupassen.

'

Wenn die Verknappungen trotz all dieser Maßnahmen und trotz unvermeidlicher-Erhöhungen des Preises für Energieprodukte anhalten sollten, könnte es notwendig
werden, noch nachhaltigere Maßnahmen zu ergreifen. Es ist ein Gebot der Klugheit, daß wir bereit sind, den Verbrauch von ölprodukten wie Benzin durch Rationierung oder durch ein faires System der Besteuerung einschränken, und ich habe
Anweisung erteilt, Notstandspläne zu diesem Zweck vorzubereiten.

Mancher von Ihnen mag sich fragen, ob wir die Uhr auf ein anderes Zeitalter zurückstellen. Benzinrationierung, Ölknappheit und Geschwindigkeitsbeschränkungen, das alles riecht nach einem Leben, das wir mit den Kriegsjähren
in den vierziger Jahren hinter uns gelassen haben. Nun stammt ein Teil unserer
Probleme auch vom Krieg - dem Krieg im Nahen Osten -, aber genauer gesehen ergeben sich unsere Energieprobleme nicht aus dem Krieg, sondern aus dem Frieden
und dem Wohlstand. Unsere Energie wird heute knapp, weil unsere Wirtschaft ungeheuer gewachsen ist, und weil in der Prosperität das, was früher als ein Luxus
angesehen wurde, heute als Notwendigkeit betrachtet wird.

Als
- 6 -

�Als Ergebnis wird der Durchsdinittsamerikaner in den nächsten sieben Tagen
so viel Energie verbrauchen wie die reisten anderen Menschen in der Welt in
einem ganzen Jahr. Wir haben nur sechs Prozent der Weltbevölkerung, aber wir
verbrauchen über 30 Prozent der Weltenergie. Jetzt stößt unser wachsender Bedarf an die Grenzen der verfügbaren Versorgung, wenn wir keine neuen Energiequellen für morgen erschließen, dann müssen wir bereit sein, heute unseren Gürtel
enger zuschnallen.

Darf ich mich jetzt unseren langfristigen Plänen zuwenden.

Wenn wir auch der Lösung der unmittelbaren Krise höchste Dringlichkeit
einräumen, so müssen wir doch schon jetzt handeln, um die Wiederholung einer
solchen Krise in Zukunft zu verhindern. Das ist eine überparteiliche Angelegenheit und verlangt eine überparteiliche Antwort.
Vor zwei Jahren lenkte ich in der ersten Energiebotschaft, die je ein
amerikanischer Präsident dem Kongreß unterbreitete, die Aufmerksamkeit auf
unser kritisches Energieproblem. Im April unterstrich ich dem Kongreß gegenüber
erneut die Größenordnung dieses Problems und ersuchte darum, auf sieben wichtigen,
durch gesetzliche Maßnahmen zu regelnden Gebieten die notwendigen Maßnahmen zu
ergreifen. Im Juni ersuchte ich erneut darum, zu handeln, und das habe ich
seitdem wiederholt getan.

Bisher ist keine der wichtigen Gesetzesvorlagen über Energie verabschiedet
worden. Ich weiß, daß der Kongreß in dieser Zeit mit anderen Dingen beschäftigt
war. Jetzt aber ist für den Kongreß der Zeitpunkt gekorrmen, diese dringende
Angelegenheit zu behandeln und die Gesetze zu schaffen, mit denen nicht nur
der gegenwärtigen Krise, sondern auch den langfristigen Aufgaben begegnet
werden kann.

Wenn wir es jetzt versäumen, unsere langfristigen Energieprobleme anzupacken, würden wir die Fähigkeit unserer Industrie und Landwirtschaft ernsthaft gefährden, unserer Bevölkerung in einem alle Rekorde brechenden Umfang
Arbeit und Brot zu geben - wir haben in diesem Land z.Z. fast 86 Millionen Be- 7 -

�Beschäftigte - und den in unserer ganzen Geschichte höchsten Lebensstandard
zu erhalten.
Es könnte unsere Möglichkeit beeinträchtigen, den Rekordtiefstand der Arbeitslosigkeit - der niedrigste in Friedenszeiten seit 16 Jahren - zu halten.
Es könnte die Produktionskapazität unserer Farmer zur Erzeugung der notwendigen
Nahrungsmittel einengen. Es könnte unser gesamtes Transport- und Verkehrssystem
in Gefahr bringen. Und es könnte ernsthaft die Fähigkeit Amerikas schwächen,
weiterhin die führende Rolle zu spielen, die nur wir übernehmen können, um den
Frieden, den wir jetzt mit so großen Opfern an Tausenden unserer besten jungen
Menschen erreicht haben, zu erhalten.

Deshalb ist es höchste Zeit, die lebenswichtigen Energiegesetze, die
unseren Alltag auf Jahre hinaus beeinflussen werden, zu verabschieden.

Wir brauchen jetzt das Gesetz, das zum Bau der Alaska-Pipeline ermächtigt
- ein Gesetz, das nicht mit irrelevanten und unnötigen Bestimmungen belastet
ist.
Wir brauchen eine gesetzliche Vollmacht, um die Erschließung unserer
riesigen Erdgaslager zu fördern.

Wir brauchen die gesetzliche Handhabe, um vernünftige Richtlinien für
den Kohlen-Tagebau festzusetzen.

Wir brauchen den organisatorischen Rahmen, um unsere Energieprogramme
sachlich und verwaltungsmäßig durchzuführen.

Ich ersuche den Kongreß noch einmal dringend, sich mit den Initiativen
zu befassen, die ich vor sechs Monaten empfahl, um diesen Erfordernissen nachzukommen.

Schließlich habe ich wiederholt die Notwendigkeit unterstrichen, unsere
Anstrengungen in bezug auf Energieforschung und Energieentwicklung zu ver-

�verstärken. Im Juni dieses Jahres kündigte ich ein mit 10 Milliarden Dollar
ausgestattetes Fünfjahres-Programm an mit dem Ziel, bessere Möglichkeiten
für die Nutzung von Energie zu schaffen sowie nach neuen Energiequellen zu
suchen und sie zu erschließen. Im vorigen Monat gab ich Pläne für eine sofortige Beschleunigung dieses Programms bekannt.

Wir können beruhigt sein, daß wir in den Vereinigten Staaten über die
Hälfte der gesamten bekannten Kohlevorkommen verfügen. Wir haben riesige bisher
noch nicht angezapfte Erdgaslager. Wir besitzen die fortschrittlichste nukleare
Technik der Welt. Wir haben Erdöl in unseren Schelfgebieten. Wir haben Ölschiefer in unseren Westregionen. Wir haben viele der besten Ingenieure und
Wissenschaftler der Welt unter uns.

Kurzum, wir verfügen über alle die Hilfsquellen, die wir brauchen, um
die große vor uns liegende Aufgabe bewältigen zu können. Jetzt müssen wir beweisen, daß wir auch willens sind, diese

Herauforderung zu meistern.

Im zweiten Weltkrieg sah sich Amerika der Notwendigkeit gegenüber, in
kürzester Frist eine atomare Kapazität zu entwickeln. Die Lage war ernst. In
der Reaktion auf diese Herausforderung konzentrierte unsere Nation ihre besten
wissenschaftlichen Talente und Organisatoren auf das Manhattan-Projekt. Da
diesem alle notwendigen Hilfsquellen zur Verfügung gestellt wurden und ihm die
höchste Dringlichkeitsstufe zuerkannt worden war, brachte uns das ManhattanProjekt die nukleare Kapazität, die half, den Krieg im Pazifik zu beenden.

Zwei Jahrzehnte später konzentrierten wir in Reaktion auf eine andersgeartete Herausforderung unsere wissenschaftlichen und technischen Talente auf
die Raumfahrt-Front. Wir verpflichteten uns, noch vor 1970 Menschen zum Mond
zu bringen - und am 21. Juli 1969 tat Neil Armstrong den historischen 'großen
Sprung für die Menschheit'.

Die Lektionen aus dem APOLLO-Projekt und dem zuvor durchgeführten ManhattanProjekt sind die gleichen, wie sie uns die gesamte amerikanische Geschichte lehrt:
Wenn sich das amerikanische Volk einem klaren Ziel gegenübersieht und herausge-

�1
herausgefordert ist, es zu erreichen, dann können wir Außergewöhnliches vollbringen.

Heute besteht die Herausforderung darin, die Stärke wiederzuerlangen, die
wir in diesem Jahrhundert schon einmal besaßen: die Stärke der Autarkie. Unsere
Fähigkeit, unseren eigenen Energiebedarf zu decken, ist direkt mit unserer
bleibenden Fähigkeit verknüpft, im Dienst des Friedens im eigenen Lande und
draußen entschlossen und unabhängig zu handeln.

Ich habe angeordnet, Mittel für die Finanzierung der Anstrengungen zur
Erreichung der Autarkie bereitzustellen, wobei die Surrmen weit über die hinausgehen, die für das Manhattan-Projekt aufgewandt wurden. Aber Geld ist nur einer
der Faktoren, die für den Erfolg eines solchen Projekts notwendig sind. Wir
brauchen auch eine gemeinsame Verpflichtung auf dieses Engagement, und wir
brauchen eine einheitliche Lenkung für die Anstrengungen, mit denen es erreicht
werden soll.

Da eine Organisation zur Leitung dieser Anstrengungen dringend gebraucht
wird, ersuche ich den Kongreß, meinen Vorschlag zur Schaffung eines Amtes für
Energie-Forschung und Energieentwicklung gesondert von meinen anderen Vorschlägen
für einen organisatorischen Rahmen zu behandeln und dieses Gesetz noch in der
jetzigen Legislaturperiode zu verabschieden.

Laßt uns einig sein in der Verpflichtung, die Hilfsquellen dieser Nation
für ein neues großes Wagnis einzusetzen - ein Wagnis, das dieser Ära des 200jährigen Bestehens unseres Landes angemessen, als 'Project Independence' (Projekt Unabhängigkeit) bezeichnet werden soll.

Wollen wir uns im Geiste von APOLLO und der Entschlossenheit, wie sie im
Manhattan-Projekt zum Ausdruck kam, das nationale Ziel setzen, bis zum Ende dieses
Jahrzehnts die Möglichkeiten zu schaffen, unseren eigenen Energiebedarf unabhängig von allen ausländischen Energiequellen decken zu können. Wollen wir uns
darauf verpflichten, bis 1980 im Rahmen des 'Projekts Unabhängigkeit1 in der
Lage zu sein, den Energiebedarf Amerikas aus den amerikanischen Energiequellen

- 10 -

�1

Energiequellen zu decken.

Wenn ich so offen zu Ihnen spreche wie heute abend, so deshalb, weil id*
vor Ihnen uneingeschränkt die Tatsache der Energieknappheit im Lande darlegen
wollte. Es ist wichtig, daß jeder von uns die Situation begreift und erkennt,
wie notwendig die Anstrengungen, die wir gemeinsam zu ihrer Lösung unternehmen
können, in unserem gesamten Bemühen sind.

Kein Volk verhält sich nobler als das amerikanische Volk, wenn es aufgerufen wird, im Dienst für das Land zusammenzustehen. Ich vertraue zutiefst
darauf, daß die vor uns liegenden Tage und Wochen, mögen sie auch für viele
von uns Härten bringen, eine Zeit erneuter Orientierung und Hinwendung zu den
nationalen Interessen sein werden.

Wir haben zwar eine Energiekrise, aber keine Krise der amerikanischen
Geisteshaltung. Mit dieser Überzeugung wollen wir jetzt voranschreiten, wollen
wir das Noto/endige tun, stolz auf das in der Vergangenheit gemeinsam Erreichte,
und wollen wir darauf vertrauen, was wir in Zukunft gemeinsam erreichen können.

Laßt uns in dieser Zeit nationaler Anforderungen zu einem erneuerten Bewußtsein unserer Fähigkeiten als Volk, zu einem vertieften Bewußtsein unserer
Verantwortung als Nation und zu einem besseren Verständnis dafür finden, daß
die Größe und die Bedeutung Amerikas stets von der Hingabe bestimmt wurde, die
jeder von uns für unsere Pflichten als Bürger Amerikas aufbringt."

+ + + + +

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REDE DES AMERIKANISCHEN LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS EARL L. BUTZ
ZUR ERÖFFNUNG DER WELT-SOJA-PROTEIN- KONFERENZ

IN MÜNCHEN AM 11. NOVEMBER 1973

SOJA-PROTEINE - GRUNDLAGE EINER BESSEREN ERNÄHRUNG

Vieles, was heute einem Nahrungsmittel in der Welt zugeschrieben
wird, hat mit diesem überhaupt nichts zu tun.Vielmehr handelt es sich
hier um eine Reaktion auf die jüngsten Preisentwicklungen bei tierischem
Eiweiß. Man kann nicht generell - einige wenige isolierte Gebiete ausgenommen - von Hungersnot sprechen. Die Situation ergibt sich eher aus Proteinmangel und Proteinbedarf.
Lassen Sie mich den Unterschied zwischen Mangel und Bedarf klarmachen:
(1) Viele Menschen in den weniger entwickelten Gebieten der Welt haben zu
wenig Eiweiß in ihrer Nahrung, woraus sich ein echtes Gesundheitsproblem
ergeben kann. (2) In anderen Gebieten sind die Menschen vielleicht Fleisch,
Milch und Eier gewöhnt. Sie woll-n den Verbrauch dieser Produkte bei
sinkenden Preisen beibehalten oder noch steigern.
Viele Länder verfügen über die Kapazitäten, die Vieh-und Geflügelproduktion auszuweiten. Und im Verlauf der Prozesse, die zur Preissenkung
bei diesen Produkten führen, trägt dieses Potential viel zu der Möglichkeit einer Ausweitung des Marktes für Sojabohnen und andere Nahrungsprodukte in der ganzen Welt bei. Aber selbst in Gebieten, wo die Produktion
an Schlachtvieh und Geflügel langsamer zunimmt, gibt es Möglichkeiten,
den Eiweißverbrauch auf andere Weise zu steigern.
Sojaeiweiß

�1

i
Sojaeiweiß ist ein Mittel, tierisches Eiweiß sowohl zu strecken, als
auch durch qualitativ hochwertiges Eiweiß, das noch dazu verhältnismäßig
billig zu produzieren ist, zu ersetzen. Das bedeutet, kurz gesagt, eine
enorm günstige Gelegenheit, Sojabohnen weitaus stärker als bisher der
menschlichen Ernährung direkt zuzuführen. Im Orient hat die Sojabohne schon
von altersher große Bedeutung als Nahrungsmittel und Delikatesse gehabt. In
der Welternährungsbilanz spielt sie jedoch als Nahrungsmittel noch kaum eine
Rolle.
Tatsächlich begann die westliche Welt erst Mitte der 60er Jahre,Sojabohnen als Nahrungsmittel ernsthaft in Betracht zu ziehen - von der Herstellung von Babynahrung und Diätspeisen einmal abgesehen. Gegenwärtig schätzt
man, daß Sojabohnen amerikanischer Herkunft als Nahrungsmittel auf den Märkten des In-und Auslandes etwa 1 Million Tonnen pro Jahr ausmachen. Auf die
Sojabohnenernte in den USA bezogen bedeutet das nur einen geringen Anteil.

«

Für Nahrungsmittel werden etwa drei Prozent der in Amerika angebauten Sojabohnen vermählen und exportiert, gegenüber 85 Prozent, die als Tierfutter
verwertet und 12 Prozent, die industriell weiterverarbeitet werden.
Die Zukunft sieht jedoch wesentlich besser aus. Manche Schätzungen gehen
dahin, daß bis 1980 für amerikanische Produkte ein Markt im Umfang von vielleicht 2 Milliarden Dollar gegenüber derzeit schätzungsweise 75 Millionen
Dollar für Nahrungsmittel auf Sojaeiweißbasis zu erwarten sei. Wissenschaftler vom US-Landwirtschaftsministerium sind der Ansicht, daß bis 1980 pflanzliche Proteine in einem Umfang verbraucht werden, der etwa 8 Prozent des
Verbrauchs an Fleisch (ohne Geflügel)ausmacht. Und von privater Seite wurde
prophezeit, daß 1980 bis zu 20 Prozent des "Fleisches" aus Stoffen bestehen,
die auf pflanzlichem Eiweiß basieren.
In

-2-

,

�In amerikanischen Supermärkten ist beispielsweise zu beobachten, daß
sich mit Sojabestandteilen gestrecktes Rinderhackfleisch zunehmender Beliebtheit erfreut und zu Preisen zu haben ist, die niedriger liegen als jene für
Vollfleischprodukte. Auch als Zusatz zu Fleischtiefkühlkost, Fertigmahlzeiten und vielen anderen Schnellgerichten wird Sojaeiweiß benutzt.
Darüber hinaus verwendet auch der normale Handel Sojaeiweiß bereits in
beträchtlichem Umfang - nicht nur in Rindergehacktem, sondern auch in anderen Fleischgerichten. Sojaeiweiß-Produkte werden in wachsendem Maße in Krankenhäusern, Kliniken, in den Kantinen von Behörden, Colleges und Universitäten, in Restaurants und von der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie
benutzt.
Ein wichtiger Durchbruch kam im Jahre 1971, als das US-Landwirtschaftsministerium die Verwendung von T.V.P.(Textured Vegetable Protein), angereichert mit Vitaminen und Mineralien, für Schulspeisungsprogramme sowie
Mittags-und Abendbrottische im Rah men besonderer Versorgungsprogramme für
Kinder zuließ. Als Folge davon darf heute T.V.P. auf Sojabasis bis zu 30
Prozent bei Fleischklößen, Soßen, Eintopfgerichten und ähnlichen Fleisch-,
Geflügel- oder Fischgerichten ausmachen.
Gegenwärtig werden diese T.V.P.-Präparate ausschließlich aus Sojabohnen gewonnen. Aber es ist möglich, daß auch Baumwollsamen,Erdnüsse, Sonnenblumenkerne, Saflorsamen und Getreide in zunehmendem Maße als dafür geeignet betrachtet werden. Im Rahmen mancher Programme des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums werden pflanzliche Proteine anderen Nahrungsmitteln
zugesetzt. Dabei ergeben sich Nahrungsmittel mit einer sehr viel besseren
Aminosäure-Bilanz, als es bei den Nahrungsmitteln allein der Fall wäre.

Schulen

�Schulen können T.V.P.-Präparate für etwa 18 Cent pro Pfund (in genußfertigem Zustand) kaufen und diese im Verhältnis 30 zu 70 mit magerem Rindfleisch vermischen, das mehr als 1 Dollar pro Pfund kostet. Im Schuljahr
1971/72 wurden etwa 23 Millionen Pfund an T.V.P. (genußfertig) bei den
Schulspeisungsprogrammen verwendet; im darauffolgenden Jahr war es nahezu
die doppelte Menge.
Der Dienst für Nahrungsmittel und Ernährung des US-Landwirtschaftsministeriums hat ein System für die Begutachtung, Einführung, Katalogisierung und Überwachung von Pflanzenproteinen aufgestellt, die in den verschiedenen Programmen verwendet werden. Neben T.V.P. benutzt das US-Landwirtschaftsministerium in seinen Nahrungsmittelprogrammen jetzt auch eine
Reihe anderer pflanzlicher Eiweißprodukte und es zieht weitere in Erwägung.
Als teilweise Ausweichnahrung für Fleisch werden stark mit Eiweiß angereicherte Makkaroni benutzt. Analoge, aus Soja, Nährmittelgetreide und
anderen Produkten entwickelte Nahrungsmittel werden vor allem in Religionsschulen als Fleischersatz verwandt. Ernährungsprogramme für amerikanische
Indianer des Navajo-Stammes ziehen mit Lysin angereichertes Weizenmehl
heran. In einem Sonderspeisungsprogramm für Kinder ist ein verarbeitetes,
auf Milch basierendes Erzeugnis genehmigt worden.
Ferner wird eine Vielzahl von Backerzeugnissen in bestimmter Zusammen Setzung für die Verwendung von Soja und vielleicht anderen Pflanzenproteinen
erwogen, um sowohl die Quantität als auch die Qualität von Eiweiß zu steigern. Es ist vorgeschlagen worden, mit Soja angereichertes Maismehl oder
Tortilla-Mehl zu verwenden, um im Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten den Proteingehalt im Maismehl zu steigern - in Gebieten also, in denen
Mais ein wichtiger Bestandteil der Ernährung ist. Ferner werden Richtlinien
für die Verwendung von Pizzas in bestimmter Zusammensetzung in USDA-Lebensmittelprogrammen ausgearbeitet.
Die

�'

Die Verwendung von Soja-Proteinen in gemischten Nahrungsmittelerzeugnissen ist als zusätzliche Ernährung ebenfalls immer wichtiger geworden. Sie
werden bei den amerikanischen Programmen für bedürftige Menschen in anderen
Ländern eingesetzt, um die Unterernährung zu bekämpfen. Seit 1966 sind gemischte Nahrungsmittel - Mais-Soja-Milch und Weizenmehl-Soja - in die Liste
der Waren aufgenommen worden, die im Rahmen von Titel II des Öffentlichen Gesetzes 480 verteilt werden, um bedürftige Menschen zu ernähren und Notstände
zu beheben, die durch Naturkatastrophen oder menschliche Konflikte hervorgerufen werden.
Mais-Soja-Milch-und Weizen-Soja-Mischungen bildeten dringend benötigte
Nahrungsmittel für Schulspeisungsprogramme, Mutter-und Kind-Speisungsprogramme
sowie Programme zur Ernährung der arbeitenden Menschen, die darauf abzielen,
die Not unter Arbeitslosen und Kurzarbeitern zu lindern.
Diese Erzeugnisse sind sehr gut aufgenommen worden. Die Lieferungen in
die Nahost- und die südasiatischen Länder waren größer als in andere geographische Gebiete;

es folgten Lateinamerika, Afrika und Ostasien. Darüber hinaus

sind die kommerziellen Lieferungen von gemischten Nahrungsmittelerzeugnissen
ebenfalls gestiegen. Die Weizen-Soja-Mischung steht jetzt unter Titel I des
Öffentlichen Gesetzes 480 sowie im Rahmen des CCC-Exportkredit - Programms zum
Verkauf gegen ausländische Währungen zur Verfügung.
Der besondere Vorzug der gemischten Nahrungsmittel besteht darin, daß sie
ein großes Maß an Sättigung zu relativ niedrigen Kosten bieten.
Während der letzten Jahre hat die Forschung Mittel und Wege aufgezeigt,
um Nährmittel mit proteinreichen Zusätzen anzureichern. Mit der Perfektionierung der Formeln wurden mit Soja angereichertes Maismehl, Weizenschrot, Haferflocken und Sorghum-Gries als hochwertige Ergänzungsnahrung verfügbar. All
diese Nahrungsmittel sind jetzt in Titel II

der Verteilungsprogramme, die

von amerikanischen Freiwilligen-Organisationen getragen werden, eingeschlossen

-5

�eingeschlossen worden. Die unter Titel II zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel werden auch über das Welternährungsprograram verteilt - ein multilaterales Lebensmittelhilfsprogramm, das in vielen Ländern tätig ist.
Diese verschiedenartigen Verwendungsmöglichkeiten von Sojaproteinen
könnten sicherlich als Omen für eine Vielzahl erweiterter kommerzieller
Chancen angesehen werden. Wie bei jedem neuen Produkt gibt es auch hier
Probleme, und wir laden die anderen auf dieser Konferenz vertretenen Länder
ein, sich uns in dem Versuch anzuschließen, diese Hindernisse für eine Ausweitung des Marktes zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten werden andere Länder einladen, auf den für
Herbst dieses Jahres angesetzten Multilateralen Handelsverhandlungen die
Klassifizierung und Zollbehandlung eßbarer Proteine zu überprüfen. In dieser Hinsicht sind viele von Ihnen hier Experten auf diesem Gebiet und Sie
können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Normen festlegen zu helfen,
die für eine sinnvolle Zollklassifizierung notwendig sind.
I
Die Vereinigten Staaten machen sich besonders Sorgen über die unterschiedliche Zollbehandlung von Soja-Proteinen wie Konzentraten, Extrakten
und Peptonen. In den wichtigeren Märkten wie Großbritannien, Dänemark und
Irland erfahren diese Produkte eine relativ liberale Zollbehandlung und sie
sind in manchen Fällen sogar völlig vom Zoll befreit. Diese Länder aber
werden auf Grund ihres Beitritts zur Europäischen Gemeinschaft gezwungen
sein, ihre Zölle denen der ursprünglichen sechs Mitgliedsstaaten anzugleichen. Bei dieser Angleichung geht das amerikanische Interesse dahin, daß
die Einstufung dieser Proteine in die Niedrigzoll-Kategorie BTN 35.04
(Peptone und andere eiweißhaltige Stoffe und deren Derivate) der fast überall akzeptierten Klassifikation dieser Produkte erhalten bleibt und daß
sie nicht im Zuge der Neuklassifizierung in die höheren Zollkategorien
anderer Produkte eingereiht werden, von denen manche in der Gemeinschaft
nicht nur dem Zoll, sondern auch variablen Abgaben unterliegen.
Die

-6-

�Die Vereinigten Staaten haben Bedenken gegen eine bereits ergangene Entscheidung des Nomenklatur-Ausschusses des Zollkoordinierungs-Rates angemeldet, in der festgelegt wurde, daß die Herstellungsmethode von Protein-Substanzen als Ausgangsbasis für deren Zollklassifizierung zu benutzen sei.
Unserer Auffassung nach war diese Entscheidung, die

eine große Zahl west-

europäischer Länder berührt, mehr das Ergebnis eines Mißverständnisses als
ein bewußter Versuch, die Marktchancen von Soja-Konzentraten einzuengen.
Aber selbst wenn die Entscheidung bezüglich der Neuklassifizierung dieser
Erzeugnisse und ihre Einstufung in höhere Zollkategorien aus einem Mißverständnis resultiert, so ist ihr Ergebnis bedauerlicherweise doch das gleiche
- insofern, als damit zu rechnen ist, daß es abträgliche Auswirkungen auf
den Handel zeitigen wird.
Unserer Auffassung nach besteht die Notwendigkeit einer Überprüfung der
derzeitigen Klassifikationen auf dem weiten Gebiet der Soja-Proteine mit
dem Ziel, ein Höchstmaß an liberaler Zollbehandlung dieser wichtigen Kategorie von proteinhaltigen Nahrungsmitteln sicherzustellen. Angesichts der
weitgehenden gegenseitigen Austauschbarkeit dieser Produkte sollte der Versuch unternommen werden, die größtmögliche Zahl derselben in die Niedrigzoll-Kategorie einzustufen.
In den letzten Monaten fehlte es nicht an Kommentaren zur weltweiten
Verknappung an Proteinen, in denen implizite zum Ausdruck kam, daß Sojabohnen nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen, um den gesamten
direkten Nahrungsbedarf zu decken. Das ist einfach lächerlich, wenn man bedenkt, daß nur ein geringer Prozentsatz der Sojabohnenerzeugnisse in den unmittelbaren Konsum geht und daß der Gesamtabsatz an Sojabohnen für alle Verwendungszwecke erheblich gestiegen ist.

Obwohl

.7.

�\

Obwohl im Sommer dieses Jahres Exportkontrollen notwendig wurden, haben
die Vereinigten Staaten 19 Prozent mehr Sojabohnen und Sojaschrot in dem am
31. August zu Ende gegangenen Erntejähr auf den Markt gebracht als im Vorjahr.
Fast die Hälfte unserer Ausfuhren im Erntejahr 1972/73 ging in Länder der
Europäischen Gemeinschaft - sei es in Form von Sojabohnen oder in der Form
von Sojaschrot. In Sojabohnen-Einheiten ausgedrückt bezifferten sich die
Ausfuhren in die Europäische Gemeinschaft auf 332 Millionen Bushel (9 Millionen t), das entspricht einer Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem vorausgegangenen Jahr.
Nach unseren Schätzungen deckten die amerikanischen Sojabohnen- und
Sojaschrot-Ausfuhren in die Europäische Gemeinschaft nicht nur den erhöhten
Verbrauch in diesem Jahr, sondern halfen auch, einen guten Teil der Lieferausfälle aus anderen traditionellen Anbieterländern auszugleichen. Die amerikanischen Sojabohnen-Farmer haben mehr als nur das übliche getan, um den
steigenden Bedarf der Gemeinschaft zu decken - und sie haben gleichzeitig dazu beigetragen, einen Ausgleich für die ausgebliebenen Fischmehllieferungen
t

aus Peru, die geringeren Erdnuß-Exporte aus Nigeria und die Lieferausfälle
aus anderen Ländern der Erde im abgelaufenen Erntejahr zu schaffen.
Darüber hinaus erzeugten wir 1973 etwa 24 Prozent mehr Sojabohnen als
im vorausgegangenen Rekorderntejähr. Wir waren und - dazu sind wir fest entschlossen - bleiben ein beständiger und verläßlicher Lieferant in Agrarprodukten für unsere Abnehmer überall auf der Welt. Wir verlangen aber umgekehrt,
daß man unseren Erzeugnissen den freien Zugang zu den Märkten unter einem
Welthandelssystem gewährleistet, das liberal und expansiv ist.
Die amerikanische Landwirtschaft entwickelt sich in Richtung auf ein
marktorientiertes System und die Freiheit,im Hinblick auf die tatsächlichen
Markterfordernisse zu produzieren. Dies steht voll im Einklang mit unseren
Zielsetzungen im Bereich des internationalen Handels. Nach unserer Überzeugung profitieren die Farmer - und die Volkswirtschaften - von einer Handels-

-8-

�Handelspolitik, die es den Erzeugern gestattet, auf das Wachstum des Bedarfs
ebenso wie auf veränderte Bßgewohnheiten der Verbraucher zu reagieren.
Eine internationale Nahrungsmittelpolitik, die wirksam und praktikabel
sein soll, muß auf einem expandierenden Handelssystem beruhen. Und für eine
Welt, die besser zu essen wünscht, muß ein solches Handelssystem sicherlich
auch den Handel mit Sojabohnen einschließen.

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44/1973

US-AUSSENHANDEL VERZEICHNET WACHSENDE ÜBERSCHÜSSE
Von Dr.Sidney L.Jones
Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium

WASHINGTON --(AD)-- Mit einem wachsenden Außenhandelsüberschuß in den kommenden Monaten rechnet der Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium, Dr. Sidney L.Jones. In einem Artikel in der neuesten Ausgabe
der Zeitschrift "Commerce Today" betont Dr.Jones, daß der September den
Vereinigten Staaten den höchsten Außenhandelsüberschuß seit acht Jahren gebracht hat und gute Aussicht besteht, daß 1973 für die USA mit einem bescheidenen Handelsüberschuß abschließen wird. Wörtlich führt Dr. Jones in
der Zeitschrift aus:
"Ein starker Aufschwung in der amerikanischen Außenhandelsbilanz im
September erweckt jetzt Hoffnungen, daß die Auftriebstendenzen stärker sind,
als zu Beginn des Jahres angenommen worden war. Die Importe sind im September
zum ersten Mal in diesem Jahr zurückgegangen, während die Exporte weiter anstiegen; der hieraus resultierende Handelsüberschuß von 873 Millionen Dollar
wirkt sich nachhaltig auf die amerikanische Zahlungsbilanz sowie die einheimische Wirtschaft aus.
Auch

�Auch wenn die Ergebnisse eines Monats angesichts der Fluktuationen der
Außenhandelsstatistiken ganz allgemein nur einen begrenzten Aussagewert haben, so war das Ausmaß der erzielten Verbesserung im September doch sehr
eindrucksvoll. Dies war der höchste Überschuß seit acht Jahren und das in den
vorangegangenen acht Monaten dieses Jahres entstandene kumulative Defizit
wurde damit auf einen Schlag beseitigt.
Ein gleitender Durchschnitt, durch den die monatlichen Fluktuationen
praktisch ausgeglichen werden, zeigt, daß die Verbesserung der Handelsbilanz
Ende 1972 einsetzte, obwohl das Gesamtdefizit in dem Jahr noch 6,4 Milliarden
Dollar betrug. Trotz der Verbesserung wies der Warenhandel in den ersten Monaten dieses Jahres immer noch ein Defizit aus und allgemein ging man von der
Annahme aus, daß 1973 ein weiteres Defizitjahr werden würde. Jetzt besteht
gute Aussicht, daß die Handelsbilanz dieses Jahres etwa ausgeglichen oder mit
einem bescheidenen Überschuß abschließen wird.
Die Vereinigten Staaten hatten Viele Jahre lang Handelsüberschüsse aufzuweisen. Das Handelsdefizit von rund 2 Milliarden Dollar im Jahre 1971 war
das erste seit 1888.
Da die Handelsbilanz eine Komponente der Zahlungsbilanz ist, wird ihre
Aufwärtsentwicklung auch unsere internationale Zahlungsbilanzposition positiv
beeinflussen. Darüber hinaus hat diese Aufwärtsentwicklung starke psychologische Auswirkungen auf die übrige Welt, denn sie ist ein Indikator dafür,
inwieweit die amerikanische Wirtschaft in der Lage ist, den Wettbewerb auf
den Weltmärkten wie auch auf den Binnenmärkten zu bestehen.
Die den Veränderungen im Außenhandel zugrundeliegenden Ursachen sind
schwer zu identifizieren, doch sind zahlreiche Analytiker der Auffassung, daß
die Hauptursache in den späten Auswirkungen der Dollarabwertung von Ende
1971 zu suchen ist. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den letzten zwei

-2-

�zwei Quartalen ist ein weiterer Grund, denn eine rasch expandierende Wirtschaft löst gewöhnlich einen starken Importsog aus.
Wenn es also logisch erscheint, daß die Dollarabwertung von 1971 sich
positiv auf den Handel ausgewirkt hat, so ist es durchaus möglich, daß die
Dollarabwertung vom Februar dieses Jahres vorläufig noch eine dämpfende Wirkung hat. Somit könnte von der 1973er Dollarabwertung her im kommenden

Jahr

möglicherweise ein weiterer positiver Anstoß kommen.
Die Verbesserung hat sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen auf breiter Ebene vollzogen. Dies war auch bei den Septemberzahlen
der Fall. Der Rückgang der Erdölimporte war die einzige ins Auge fallende
Abweichung in den Septemberstatistiken, die von Bedeutung war. Der stärkste
monatliche Rückgang war bei den Kraftfahrzeugimporten aus Japan und aus Europa zu verzeichnen, aber auch die Einfuhren von Fernsehern, Bekleidung,
Fleisch und Kaffee waren rückläufig.
Bei den Exporten war auf verschiedenen wichtigen Gebieten eine Zunahme
zu verzeichnen: auf dem Verkehrssektor, bei Maschinen, Chemikalien, Metallen
sowie Papier-und Textilerzeugnissen. Die Agrarexporte, die, was Preis und
Volumen anbetrifft, in den vorangegangenen Monaten bereits eine starke Position eingenommen hatten, zeigten im September praktisch keine Veränderung.
Der Aufwärtstrend dürfte jedoch wieder aufleben, sobald die Agrarprodukte der
diesjährigen großen Ernte verfügbar sind.
Insgesamt nahmen die Exporte im September um 7,5 Prozent zu, während die
Importe um den gleichen Prozentsatz zurückgingen."

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44/1973

BAUTECHNIK - WICHTIGER ANSATZPUNKT ZUM ENERGIESPAREN
- Schul-und Behördenbauten als Modellprojekte Von G. Weiss

»-(AD)-- Das Dilemma, das heute jedermann als Energiekrise bezeichnet und
das nicht allein auf den Nahostkonflikt

zurückgeführt werden kann, haben

viele kommen sehen. Aber nur wenige waren mutig und ehrlich genug, darauf
hinzuweisen, daß der verschwenderische Umgang mit Energie schon seit geraumer Zeit einer der wesentlichen Faktoren für ihre Verknappung ist. Deshalb dürfte es bei rationellerem Verbrauch gar nicht so schwer sein, aus
dem Vorhandenen mehr zu machen. Die Devise heißt also "Sparen", und eine
Reihe von Ländern haben bereits Sparprogramme in die Wege geleitet.
•

• '

"

.

In seiner Fernsehrede vom 7. November 1973 zeichnete der Präsident der
Vereinigten Staaten ein Programm mit Sofortmaßnahmen vor, von denen Bürger,
Industrie und Behörden gleichermaßen betroffen sein werden. Es schränkt
z.B. den Luftverkehr ein, verlangt eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit
von Kraftfahrzeugen, Einschränkungen für die so beliebte Lichtreklame und
einen besser überlegten Gebrauch von Heizungen und Klimaanlagen. Die Verwendung von Kohle und Nuklearenergie wird forciert, eine Änderung der
Arbeitszeiten und selbst des Schuljahres werden in Erwägung gezogen.

-1-

�gezogen. Selbstverständlich laufen parallel dazu die Bemühungen um Langzeitprogramme weiter - Programme, die nach ergänzenden Reserven für die
herkömmlichen Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas suchen, die aber auch
neue Energiequellen wie Erdwärme, Sonne, Wind und Meeresströmungen erschließen und nach Möglichkeit der technischen Nutzung zugänglich machen
sollen.

- Einsparung von 336 000 Tonnen Öl pro Tag -

Präsident Nixon setzte sich dafür ein, daß in Amerika alles getan werde, um die Vereinigten Staaten bis zum Ende dieses Jahrzehnts von ausländischen Energiequellen unabhängig zu machen. Dazu sei allerdings, wie der
Präsident erklärte, eine Mammutanstrengung ähnlich dem Manhattan-Projekt im
zweiten Weltkrieg oder dem APOLLO-Programm-in noch höherer Größenordnungerforderlich. Dieses neue "Project Independence" ist eine Aufforderung an
jedermann, mitzuhelfen, die Abhängigkeit der USA von fremder Energie-Zulieferung zu beenden. Einer Tabelle zufolge, die das Weiße Haus am 7. November
1973 veröffentlichte, könnten allein durch das von Präsident Nixon umrissene Sofortprogramm schon im kommenden Winter 336 000 Tonnen Öl pro Tag
eingespart werden.
Forschungsinstitute und Regierungsstellen befassen sich mit Projekten
verschiedenster Art, die Energie sparen helfen. Aus dem Katalog seien zwei
herausgegriffen, die in erster Linie die Bautechnik angehen. Am 9. November
1973 kündigte die "National Science Foundation" (NSF-Nationale Wissenschaftsstiftung) an, daß im Rahmen des RANN-Programms (RANN-Research Applied to
National Needs, d.h.Forschung mit Bezug auf nationale Dringlichkeitsprogramme) gemeinsam mit Experten des "National Bureau of Standards" (NBS-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) und dem Schulamt der Stadt
New York Möglichkeiten für eine bessere, gleichzeitig energiesparende Bauweise und Nutzung für Schulen untersucht werden.
Das

-2-

�Das dabei ausgearbeitete Modell soll eine Art Prototyp für künftige
Schulbauten in allen größeren Städten werden. In der ersten Phase wird man
sich auf Faktoren wie Lage und Dicke von Isolierungen, Material und Dicke
von Außenverkleidungen, Glasflächen, Jalousien, Ventilation, vorgesehene
Schwankungsbreite der Innentemperatur und die verschiedenen Erfordernisse an
Licht sowie den Energiebedarf im Hinblick auf die verschiedenen Unterrichtsprogramme konzentrieren. So sind die Anforderungen an Beleuchtung, Heizung
und Ventilation in Klassenzimmern ganz anderer Art als beispielsweise in
Bibliotheken oder Turnhallen.
In der zweiten Phase wird das NBS die inzwischen vorgelegten Konstruktionsvorschläge für verbesserte Systeme, die als architektonische Elemente
im Schulbau berücksichtigt werden sollen, analysieren und gleichzeitig Richtwerte für die Beurteilung von Schulbauten geben. In den darauffolgenden Phase
geht es nach dem Bau und der Inbetriebnahme der Modellschule darum,so viele
Erfahrungswerte wie nur möglich zu bekommen, um sie unter den verschiedensten
Gesichtspunkten auszuwerten.
Gebäude für Schule und Unterricht haben übrigens den größten Anteil an
öffentlichen Bauten. Das gilt keineswegs nur für die Stadt New York, deren
Haushaltsdezernat z.B. im Jahre 1973 in ihrem Gesamtetat von 1 Milliarde
Dollar 300 Millionen Dollar dafür vorgesehen hat.
Auf der "Dritten Konferenz über Städtebautechnik", die Ende September
1973 in Boston (Massachusetts) abgehalten wurde, befaßte sich Dr. Richard W.
Roberts, der Direktor des "National Bureau of Standards",mit dem wichtigen
Komplex "Bauen und Energiesparen". Wohl wenige Menschen machen sich darüber
Gedanken, daß Z.B.Heizungen und Klimaanlagen etwa ein Drittel der Aufwendunge
für Energie in Anspruch nehmen - jedenfalls trifft das für die Vereinigten
Staaten zu. Und 40 Prozent dieser Aufwendungen sind einfach verlorene Kosten,
bringen keinen Gegenwert. Das ist, so Dr. Roberts, gleichbedeutend mit einem

�einem jährlichen Verlust von 7,3 Milliarden Tonnen Öl.
Daß dagegen etwas unternommen werden muß, liegt auf der Hand. Der
Architekt hat Hunderte von Möglichkeiten, Einfluß auf die Energiebilanz zu
nehmen. Das beginnt bereits mit der Ausrichtung des Hauses, das er baut.
Fenster stellen einen wichtigen Faktor dar. Große Glasflächen können für
20 bis 30 Prozent des Energiebedarfs verantwortlich sein, da einfaches Tafelglas Wärme fünf-bis zehnmal leichter durchläßt .als eine gut isolierte Wand.
Schon Doppelfenster würden bis zu einem gewissen Grad Abhilfe schaffen.
Auch die Isolierung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle - und
zwar nicht nur die Isolierung der Bauelemente, sondern genauso

der Heiß-

wasser- und aller übrigen Wasserleitungen. Würde man die Wärmeleitfähigkeit
der bestehenden Bauten um 10 Prozent, die der Neubauten um 50 Prozent senken, so bedeutete dies nach Roberts im Verlauf der nächsten zwei Jahrzehnte
Einsparungen an Brennstoffkosten in der Größenordnung von 100 Milliarden
Dollar.
Es ist nicht zu erwarten, daß der Architekt das komplexe Problem der
optimalen Energiebilanz eines zu erstellenden Neubaus beherrscht. Im "National Bureau of Standards" wurde deshalb ein ausgeklügeltes Computerprogramm
ausgearbeitet, mit dessen Hilfe sich der Bedarf eines Bauwerks an Energie
für Heiz-oder Kühlzwecke rund um die Uhr vorhersagen läßt. Die Auswirkungen
dieser oder jener Bauverfahren und Bauelemente auf die Energiebilanz sind
im vorhinein genau zu übersehen - und dies nicht nur in der Theorie. Der
NBS-Computer wurde vom US-Bundesamt für Verwaltungsdienste bei der Erstellung
eines neuen, riesigen Behördenkomplexes in Manchester (New Hampshire) eingeschaltet - mit dem Effekt, daß der Energiebedarf um 20 bis 30 Prozent niedriger liegt als bei Bauten ähnlicher Größe und Nutzung. Auf Grund dieser ermutigenden ersten Ergebnisse hat man im NBS ein nicht minder bedeutsames Projekt in Angriff genommen. Man will Formeln dafür finden, wie den enormen
Verlusten an Energie beizukommen ist,die sich im industriellen Bereich ergeben.
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44/1973

SCHWACHE ELEKTRISCHE FELDER STEUERN HIRNAKTIVTTÄT

- (AD) - Mit sehr schwachen elektrischen Feldern lassen sich wichtige
physiologische Vorgänge und biologische Zyklen beeinflussen. Welche Effekte
im einzelnen ausgelöst werden können, untersuchte Dr. W. Ross Adey mit drei
Mitarbeitern von den Kliniken der Universität Kalifornien in Los Angeles (UCLA)
durch Versuche an Tieren,und im Anschluß daran mit der versuchsweisen Anwendung beim Menschen.
Die Spannungswerte für die künstlich induzierten luftelektrischen Felder,
die dabei benutzt wurden, betrugen bis zu fünf Prozent der Spannungswerte von
Transistorbatterien. Es wurden niedrige sowie sehr hohe Frequenzen, wie sie
im Bereich von Radarwellen auftreten, verwendet. Diese Frequenzbereiche entsprachen den Frequenzen von Wellentypen, wie sie bei Himwellen beobachtet
werden.

Bei den Versuchen zeigte sich, daß solche Felder rhythmische Aktivitäten
des Gehirns beeinflussen können, welche z.B. charakteristisch sind für Schlaf,
Schlaflosigkeit oder rasches Reagieren. Nach Ansicht Dr. Adeys lassen sich auf
der Basis dieser Erkenntnisse neue Methoden zur wirksamen Behandlung von Schlaflosigkeit, chronischen Schmerz zuständen und zum Regulieren biologischer Rhythmen entwickeln - beisoielsweise zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit oder
zur "Einstellung" von Stimmungslagen, die durch starke Schwankungen gekennzeichnet sind.
Die
- l -

�Die UCLA-Wissenschaftler fanden auch heraus, daß die für Kraftstran üblichen Frequenzen bei Anwendung relativ hoher Feldstärken ähnliche Auswirkungen
haben. So könnten beispielsweise die elektromagnetischen Felder von elektrisch
beheizten Decken auch dazu benutzt werden, Hirnströme so zu beeinflussen, daß
die Decke nicht nur warm hält, sondern auch den Schlaf fördert.

Von langjährigen Untersuchungen über die Auswirkungen starker elektromagnetischer Felder von Mikrowellen weiß man, daß diese unter Umständen Schäden
an Augen, inneren Organen und an den peripheren Nerven hervorrufen. Man macht
dafür in erster Linie thermische Effekte verantwortlich. Im Gegensatz dazu
zeigten die in Los Angeles angestellten Versuche, daß extrem schwache Felder
mit bestimmten, sehr hohen Frequenzen (VHF) spezifische Hirnfunktionsrhythmen
unterstützen und auf diese Weise Verhaltensweisen und hormonale Zyklen zu
ändern vermögen, ohne daß es dabei zu thermischen Schäden kommt.

Bei den Forschungsarbeiten ergaben sich auch Hinweise auf die Prozesse,
die der Wirkungsweise der schwachen Felder zugrunde liegen. Offenbar lockern
die schwachen elektrischen Felder Bausteine in den Wänden der Gehirnzellen. Dadurch ändert sich der in der Zelle erzeugte Strom, wodurch wiederum die von
der einzelnen Hirnzelle erzeugten Impulse und die Wellenmuster verändert werden.
Himwellen sind die Summe der Impulse vieler Zellen. Die Art und Weise, wie
Wellen erzeugt und die Weiterleitung von Impulsen reguliert wird, dürfte nach
Meinung Dr. Adeys

ebenso wichtig für die Gehirnfunktion als Ganzes sein wie

die Verarbeitung der Informationen.

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VERFAKRHNSUM3TELLUNG BEI DER TIEFKÜHLINIXBTRIE SPART WASSER

- (AD) - Nasser ist kaum weniger kostbar als Energie. Deshalb könnt
technischen Neuentwicklungen, die der Industrie Wasser sparen helfen, angesichts des generell steigenden Wasserbedarfs große praktische Bedeutung zu.
Ein Beispiel für solche SDarmöglichkeiten wird aus Kalifornien

gemeldet, wo

zwei Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Davis der Tiefkühlindustrie Verfahrensänderungen vorschlugen, die nicht nur den Frischwasserbedarf und die Abwassermengen wesentlich verringern, sondern auch die Qualität
der Produkte steigern helfen.

R. J. Coffelt von der Abteilung Agrartechnik und F. H. Winter von der
Abteilung Lebensmittelforschung und -technik sind die Initiatoren des neuen
Verfahrens. Die beiden Wissenschaftler entwickelten es im Rahmen eines mit
5000 Dollar dotierten Forschungsauftrags, den die Elektrizitätswerke in
Kalifornien und das

:,

American Frozen Food Institute" erteilt hatten, um ver-

schiedenen Problemen bei der Tiefkühlkonservierung von Gemüse und Früchten
auf den Grund zu gehen oder Lösungen für sie zu finden. So ging es beispielsweise um unzureichende Zwischenkühlung vor dem Abpacken und Einfrieren, um
ständig steigende Wasserkosten und die kostspielige Behandlung der großen
Mengen von Abwässern.

Bei der Mehrzahl der rund zwei Dutzend Kalifornischen Konservenfabriken
für Tiefkühlobst und -gamüse (Jahresausstoß: ca. 230 000 Tonnen) entfielen pro

- 1 -

�pro Monat im Durchschnitt mehr als 30 000 Dollar auf Wasserkosten - ca.
10 000 Dollar für Frischwasser, 20 000 Dollar für die Behandlung der Abwässer.
Die großen Wassermengen wurden vor allem dafür gebraucht, um die Produkte
nach dem Überbrühen - eine wichtige Stufe in der Behandlung des Frischprodukts,
um z.B. bestimmte Enzyme zu inaktivieren, einige für das Endprodukt ungünstige
Verbindungen auszulaugen und die Verpackung zu erleichtern - im Wasserstrom
abzukühlen. Das Gemüse oder die Früchte müssen vor dem Verpacken und Einfrieren
von 83 C auf ca. 15 - 20 C fast schlagartig abgekühlt werden. Dieses Abschrecken bewerkstelligten Coffelt und Winter nicht mehr mit Wasser, sandem
mit einem Luftstrom.

Mit dieser äußerst wirksamen Technik wird viel Wasser gespart. Außerdem
ist das Fertigprodukt viel ansehnlicher als nach dem Abschrecken mit Wasser,
behält mehr Mineralstoffe und seinen natürlichen Geschmack. Die Fabrikationskosten werden gesenkt, das kostbare Frischwasser wird für andere Verwendungs-

&lt;

zwecke frei, es fällt weniger Abwasser an. Verschiedene Konservenfabriken in
Kalifornien sind bereits dabei, ihre Produktion auf das mit so geringen Investitionen erarbeitete Verfahren umzustellen.

+ + + + +

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                <text>Amerikadienst 14.11.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon gibt Sparmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 7. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen Landwirtschaftsministers Earl L. Butz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;zur Eröffnung der Welt-Soja-Protein-Konferenz in München am 11. November 1973&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenhandel verzeichnet wachsende Überschüsse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. Sidney L. Jones&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bautechnik - wichtiger Ansatzpunkt zum Energiesparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schul- und Behördenbauten als Modellprojekte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwache elektrische Felder steuern Hirnaktivität&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verfahrensumstellung bei der Tiefkühlindustrie spart Wasser</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

1=1 IM• ^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. November 1979

44
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zum Einfuhrstopp für iranisches Dl
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
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TNF-Modernisierung:
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1

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Eine Herausforderung für die NATO

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- Von Dr. Leslie H. Gelb -

INFORMATION
Sicherheit von Kernkraftwerken muß verbessert werden
- Empfehlungen der von Präsident Carter eingesetzten Untersuchungskommission -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ozonschicht stärker gefährdet als zunächst vermutet
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- Studie der NAS Haaranalysen zeigen Umweltverschmutzung auf
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- Neue Versuche in den USA -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
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�I
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

44

14. November 1979

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUM EINFUHRSTOPP FÜR IRANISCHES ÖL
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter gab am 12. November 1979 über
Rundfunk und Fernsehen eine Erklärung ab, in der er die Einstellung der amerikanischen Erdöl einfuhren aus dem Iran ankündigte.
Die Erklä'rung hat folgenden Wortlaut:
Wir sehen uns im Iran auch weiterhin in einer schwierigen Lage, da unsere Botschaft besetzt und mehr als 60 amerikanische Bürger als Geiseln in
dem Versuch festgehalten werden, unserem Land unannehmbare Forderungen aufzuzwingen. Wir bedienen uns aller verfügbaren Kanäle, um die Sicherheit der
Geiseln zu gewährleisten und um ihre Freilassung sicherzustellen.
Gemeinsam mit den Familien der Geiseln habe ich die Zurückhaltung begrüßt und bewundert, den die Amerikaner im Verlauf dieser Krise zeigen. Wir
müssen auch weiterhin solche Zurückhaltung an den Tag legen - trotz der Macht
unserer Gefühle. Das Leben unserer Mitbürger im Iran steht auf dem Spiel.

Ich

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�•

Ich muß den Ernst der Lage betonen.

Es ist für die Vereinigten Staaten

und jede andere Nation von lebenswichtigem Interesse, daß das Leben des diplomatischen Personals und anderer Bürger im Ausland geschützt wird und daß wir
uns weigern, die Anwendung von Terrorismus und Geiselnahme gutzuheißen, um politische Forderungen durchzusetzen.
Niemand sollte die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung und des
amerikanischen Volkes in dieser Sache unterschätzen.

Es ist notwendig, jeden

Gedanken von uns zu weisen, daß wirtschaftlicher Druck unseren Standpunkt hinsichtlich grundlegender Prinzipien schwächen könnte.
sein.

Unsere Haltung muß klar

Ich ordne daher an, den Kauf von öl aus dem Iran zum Vertrieb in dieses

Land einzustellen.
Diese Ereignisse machen hinreichend die Notwendigkeit deutlich, den Ölverbrauch hier in den Vereinigten Staaten einzuschränken. Ich fordere jeden
amerikanischen Bürger und jedes amerikanische Unternehmen dazu auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um die Verwendung von ölprodukten herabzusetzen.
Diese Tat stellt eine echte Herausforderung für unser Land dar. Sie wird eine
Bewährungsprobe für unsere Stärke und für unsere Entschlossenheit sein.
Ich habe Energieminister Duncan angewiesen, mit dem Kongreß sowie anderen
bundesstaatlichen, einzelstaatlichen und kommunalen Stellen und mit führenden
Industriellen zusammenzuarbeiten, um zusätzliche Maßnahmen zur öleinsparung
auszuarbeiten und mit dieser neuen Lage fertigzuwerden. Wir werden uns darum
bemühen, eine ausgeglichene und faire Verteilung der ölprodukte sicherzustellen
und eine möglichst geringe Störung der Volkswirtschaft unseres Landes zu garantieren.
Diese amerikanischen Maßnahmen müssen Teil einer wirkungsvollen internationalen Anstrengung sein, und wir werden unsere Verbündeten und andere ölverbraucherlander über weitere Schritte zur Verminderung des Ölverbrauchs und
der öleinfuhren konsultieren.
Amerika

�Amerika steht vor einer schwierige Aufgabe und vor einer Bewährungsprobe.
Mut.

Unsere Antwort wird ein Maßstab sein für unseren Charakter und unseren
Ich weiß, daß wir Amerikaner nich

- 3 -

versagen werden.

�14. November 1979

44

TNF-MODERNISIERUNG: EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE NATO
- Von Dr. Leslie H. Gelb -

Dr. Gelb ist leitender Mitarbeiter der bekannten Carnegie-Stiftung für Internationalen
Frieden und war früher Direktor der Abteilung
für politisch-militärische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium. Den nachfolgenden Artikel hat er im Auftrag des Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA) geschrieben.

Nukleare Sicherheit in Europa
In wenigen Wochen werden die NATO-Minister darüber entscheiden, ob sie
die Dislozierung neuer Nuklearraketen in Europa billigen werden oder nicht.
Die Sowjetunion hat einen Hagel von Drohungen und Verlockungen losgelassen, um
die Dislozierung zu verhindern.

Die Vereinigten Staaten bringen ihr ganzes

Prestige zugunsten der Dislozierung ins Spiel.

Einer Reihe von Regierungen und

politischen Parteien in Westeuropa bereitet die anstehende Entscheidung Seelenqualen.

Welcher Kurs auch immer eingeschlagen wird, er wird tiefe Auswirkungen

auf die Zukunft der NATO und der Ost-West-Beziehungen haben.

Es

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�Es scheint mir jedoch, daß die Tatsachen und Zusammenhänge, um die es bei
dem Problem geht, nicht ganz verstanden werden.

Das ist nicht überraschend,

denn gerade weil die Angelegenheit von so großer Bedeutung ist, wird sie durch
Propagandawolken und ideologische Reaktionen vernebelt.
Während des ganzen Prozesses blieben einige grundlegende Fragen unbeantwortet, ja, sie wurden nicht einmal gestellt. Welche Typen von Raketen und wieviel neue Raketen genau möchten die Vereinigten Staaten in Westeuropa stationieren, und welche Vorteile und welche Nachteile würden sich daraus ergeben?
Warum regt sich Moskau über die Möglichkeit der Stationierung dieser Raketen
so sehr auf, und ist die Position der Sowjets überhaupt vernünftig?

Warum unter-

breitet die NATO keinen Rüstungskontrollvorschlag zur Begrenzung der Nuklearraketen in Europa, statt auf eine Dislozierung zu drängen?

Was wären die Folgen,

wenn es der NATO nicht gelänge, die Dislozierung der neuen Raketen zu erreichen?

Worum geht 6S bei der Entscheidung über neue Raketen?
Die Militärexperten und Rüstungskontrollspezialisten der NATO sind zu dem
Schluß gekommen, daß aufgrund der veraltenden Kapazität der Nuklearwaffen der
NATO und der Dislozierung neuer Nuklearwaffen der Sowjetunion eine große Notwendigkeit besteht, daß die Nuklearwaffen der NATO modernisiert werden. Dementsprechend haben sie ihren Regierungen empfohlen, daß etwa 250 Abschußanlagen
für landgestützte Marschflugkörper (Cruise Missiles, d.h. Flupkörper mit einem
ähnlichen Antrieb wie ein Flugzeug ohne Pilot) und weiterreichende ballistische
Raketen vom Typ Pershing (Raketen mit Rückstoßantrieb, deren Flugbahn über die
Erdatmosphäre hinausreicht) so bald wie möglich in Europa stationiert werden
sollten. Wenn man von vier Marschflugkörpern pro Abschußanlage und einem nuklearen Gefechtskopf pro Pershing-Rakete ausgeht, dann würde das etwa 600 zusätzliche Nukleargefechtsköpfe für die NATO bedeuten. Im Rahmen des Modernisierungsprogramms würden die Vereinigten Staaten jedoch mindestens 1000 ihrer älteren
Nukleargefechtsköpfe abziehen, so daß unter dem Strich tatsächlich eine Verringerung der Zahl der Waffen in Westeuropa einträte. Die neuen Raketen werden
nicht vor 1983 einsatzbereit sein.
n.

�Die Marschflugkörper könnten, von westeuropäischen Ländern abgefeuert,
Moskau erreichen.
aber nicht Moskau.
pazität?

Die Pershing-Raketen könnten sowjetisches Gebiet erreichen,
Handelt es sich damit also um eine neue amerikanische Ka-

Ja und nein.

Ja in dem Sinne, daß die Vereinigten Staaten in Europa

keine Raketen stationiert haben, die Ziele in der Sowjetunion erreichen könnten.

Nein in dem Sinne, daß viele der in und um Europa stationierten amerika-

nischen Flugzeuge über diese Kapazität verfügen.

Man kann also fairerweise

sagen, daß die NATO-Regierungen im Grunde aufgefordert werden, ihre Kapazität
zu modernisieren und nicht, ein neues Wettrüsten zu beginnen.

Die Sowjetunion

hat auf jeden Fall bereits über 100 ballistische Raketen vom Typ SS-20 disloziert, die, von sowjetischem Territorium abgefeuert, Ziele in ganz Europa erreichen können, und es werden ständig weitere solche Raketen disloziert.

Warum wird die Modernisierung der TNF-Waffen der NATO als wichtig angesehen?

Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort (flexible response) ist darauf
angelegt, auf jeder Ebene einer von der Sowjetunion durchgeführten Aktion die
entsprechende Gegenmaßnahme zu ergreifen.

Es ist natürlich wichtig, daß in

diesem Gewebe der Abschreckung keine Löcher sind.

Wenn die NATO nur über die

Mittel verfügte, eine Vergeltung anzudrohen, die in keinem Verhältnis zu einer
sowjetischen Initiative stünde, dann könnte das Risiko entstehen, daß der
Kreml daran zweifelt, ob wir unsere Drohung überhaupt wahrmachen würden.
Wenn es der NATO an der echten Fähigkeit mangelt, sowjetisches Territorium
mit einem Risiko unterhalb der Schwelle der zentralen strategischen Systeme
Amerikas in Schach zu halten, dann könnten sich die Sowjets Hoffnungen machen,
daß sie Westeuropa mit Systemen in Schach halten könnten, die im Schutze Rußlands disloziert sind.

Die NATO braucht also eine Kapazität, die ihren Mit-

gliedern einen weiten Bereich glaubwürdiger Optionen bietet und ihre konventionellen Waffen, TNF und strategischen Nuklearwaffen miteinander verbindet.

Die meisten Experten sind zwar der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten
die Kapazität besitzen und weiterhin besitzen werden, um diese Strategie durchzuführen, aber den sowjetischen Führern könnten Zweifel daran kommen.
- 3 -

Im Laufe

�Laufe der letzten zehn Jahre haben die Sowjets auf dem Gebiet der interkontinentalen Nuklearstreitkräfte eine Parität mit den Vereinigten Staaten erreicht.
Und obwohl diese strategische Parität die strategische Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber der NATO nicht schwächt, so erhöht sie doch die Notwendigkeit des Gleichgewichts auf der Ebene der Nuklearstreitkräfte in und für
Europa (TNF), und hier haben die Dislozierungen der Sowjetunion in den letzten
Jahren ein echtes Problem geschaffen.
Moskau hat bereits eine große Zahl von mobilen Raketen des Typs SS-20
disloziert, die Mehrfachgefechtsköpfe mit größerer Reichweite, Treffsicherheit
und Überlebensfähigkeit ins Ziel bringen können als die früheren Generationen
sowjetischer Raketen.

Ferner hat die Sowjetunion eine große Zahl von Backfire-

Bombern disloziert, die sehr viel bessere Kampfeigenschaften besitzen als die
bisher gegen Europa dislozierten sowjetischen Flugzeuge.

Im Gegensatz dazu

sind die weiterreichenden TNF-Systeme der NATO zahlenmäßig schwächer, kleiner,
veraltend und bestehen gänzlich aus Flugzeugen, die dringend für konventionelle
Einsätze gebraucht werden.
Damit besteht die Herausforderung der NATO zur Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Abschreckung darin, sich vor einer sowjetischen Fehlkalkulation
in folgender Richtung zu schützen: Die Vorstellung, daß die strategische Parität die Vereinigten Staaten daran hindern könnte, ihre Interkontinentalraketen gegen die Sowjetunion einzusetzen, könnte Moskau dazu veranlassen, die
SS-20 gegen Europa einzusetzen, wohl wissend, daß die NATO nicht mit ähnlichen
Waffen von Stützpunkten in Europa aus reagieren könnte.
Solche Vorstellungen der Sowjets könnten, verbunden mit der entsprechenden
Kapazität, auch zu politischen Problemen in der NATO führen. Die Möglichkeit
offerierend, daß bestimmte europäische Länder einen nuklearen Angriff vermeiden
könnten, indem sie die Dislozierung der neuen amerikanischen Flugkörper auf
ihrem Boden verbieten, und die amerikanische Glaubwürdigkeit in Frage stellend,
könnte Moskau darauf spekulieren, unterschiedliche Sicherheitsvorstellungen und
-interessen innerhalb des Bündnisses zu schaffen. Im übrigen könnte allein die

�die Tatsache der sowjetischen TNF-Aufrü'stung und einer Tatenlosigkeit des
Westens im Westen selbst Anlaß zu Zweifeln an dem Zusammenhalt und der Lebenskraft der NATO geben.

Die Entscheidung, die neuen Raketen zu dislozieren, wird daher als der
beste Weg betrachtet, die mögliche Schwächung der Abschreckung und die derzeitigen Bedrohungen des Zusammenhalts im Bündnis zu beheben.

Aber hat dieser Weg nicht auch Nachteile?

Es könnten zwei Probleme entstehen.

Einmal könnte der Aufbau einer

amerikanischen Nuklearkapazität in Europa zu dem Eindruck führen, daß die
strategischen Interkontinental Streitkräfte der Vereinigten Staaten nicht zur
Verteidigung Europas eingesetzt würden und daß damit die amerikanischen Sicherheitsinteressen von den europäischen abgekoppelt würden.

Aber das würde nur

stimmen, wenn die NATO an die Errichtung einer eurostrategischen Streitmacht
dächte, d.h. an eine Kapazität, die den weitreichenden TNF der Sowjets voll
entsprechen und an die Stelle der amerikanischen strategischen Streitkräfte
als letztliche Drohung und Abschreckung treten würde.

Die 600 neuen Waffen,

von denen gesprochen wird - im Zusammenhang mit einer neuerlichen Verringerung
der amerikanischen Kernwaffen in Europa - sollen die Kapazität nur auf einen
neueren Stand bringen und dabei das ganze Spektrum der Abschreckung aufrechterhalten.

Sie sind in keiner Weise als Ersatz für die Grundabschreckung der

Vereinigten Staaten gedacht.

Zweitens, würde nicht ein Land, das der Dislozierung dieser Flugkörper
auf seinem Territorium zustimmt, Ziel eines sowjetischen Nuklearangriffs werden?

Es ist nur schwer zu glauben, daß Moskau in der Praxis einen kämpfenden

NATO-Staat von dem Risiko eines Nuklearangriffs ausnehmen würde.

Es mag Leute

geben, die glauben möchten, daß die Ablehnung der Verantwortung sie vor künftigem Leid bewahren würde, aber welche Beweise gibt es dafür?
Warum

- 5-

�Warum sind die Sowjets über die Aussicht auf die Dislozierung so erregt?
Es überrascht nicht, daß Moskau das derzeitige Kräfteverhältnis als fair
empfindet.

Die Sowjets sehen das Kräfteverhältnis aber auf mehr als eine Weise

anders als wir.

Wir in der NATO betrachten die 600 neuen Gefechtsköpfe als

Teil der Aufrechterhaltung der Abschreckung in Europa.

Die Sowjets betrachten

sie als 600 weitere amerikanische Gefechtsköpfe, die ihr Territorium treffen
können und die nicht unter die Begrenzungen von SALT II fallen.
Moskau stellt diese Dislozierungen als den Beginn eines neuen Wettrüstens
in Europa dar.

Es ist jedoch eine Tatsache, daß Moskau damit begonnen hat, seine

TNF zu modernisieren und zahlenmäßig zu verstärken, nicht die NATO. Als
Breschnew kürzlich erklärte, Moskau habe seine nuklearen Mittel Streckenwaffen
"während der letzten zehn Jahre nicht um eine einzige Rakete, ein einziges
Flugzeug" verstärkt, vergaß er zu erwähnen, daß die UdSSR tatsächlich die Zahl
ihrer Nukleargefechtsköpfe für Mittel Streckenwaffen erhöht hat.
Die NATO erwägt, mit einem maßvollen - und kleineren - Modernisierungsprogramm zu antworten, das darauf abzielt, die Stabilität wieder herzustellen
und die Sowjets davon zu überzeugen, daß es töricht und nutzlos wäre, einen
einseitigen Vorteil anzustreben.

Das Modernisierungsprogramm der NATO braucht

im übrigen, wie ich bereits ausgeführt habe, keineswegs zu einem Aufbau führen, denn in Wirklichkeit findet es im Rahmen einer Verringerung des amerikanischen Nukleararsenals in Europa statt.

Warum versucht die NATO nicht trotzdem, zu einem Rüstungskontrollabkommen mit
Moskau zu gelangen, bevor sie ihre Streitkräfte modernisiert - oder anstelle
des Modernisierungsprogramms?
Die NATO ist entschlossen, in einen ernsthaften Rüstungskontroilprozeß
bezüglich der TNF einzutreten. So wie Washington und Moskau über die Begrenzung strategischer Rüstungen verhandeln, wollen und erwarten die europäischen

�europäischen Führer, daß über Begrenzungen der Kernwaffen in Europa verhandelt
werden kann. Die Frage ist, wie dies am besten geschehen kann.
Breschnew hat angeboten, die sowjetischen Mittelstreckenraketen zu verringern, wenn die NATO alle Pläne aufgibt, die neue Pershing-Raketen und Marschflugkörper zu dislozieren.

Er verband dieses Angebot mit plumpen Drohungen

gegen jene NATO-Länder, die neuen Dislozierungen zustimmen könnten.

Mit anderen

Worten, wenn die NATO nichts täte, so sein Angebot, dann würde die UdSSR ihre
neuen Streitkräfte einschränken, aber keineswegs abschaffen.
Es dürfte niemanden überraschen, daß die NATO-Experten in Brüssel diese
Einstellung zur Rüstungskontrolle als recht einseitig bezeichneten. Man kann
sich nur schwer vorstellen, daß Moskau ein gerechtes Rüstungskontroi labkommen
akzeptieren würde, wenn die Sowjets bereits hunderte von weitreichenden Systemen
disloziert haben und die NATO noch nicht einmal eine Entscheidung über solche
Dislozierungen getroffen hat. Dementsprechend empfehlen NATO-Experten, daß
ihre Minister die neuen Dislozierungen von Flugkörpern billigen und gleichzeitig
einen Rüstungskontrollvorschlag unterbreiten. Nach meinen Erfahrungen in Verhandlungen mit Moskau ist das ein ausgewogener und realistischer Vorschlag.
Beide Seiten müssen grundlegend gleiche Rechte haben. Jede Verewigung
oder rechtliche Sanktion der grundlegenden Ungleichheit wäre für die Sicherheit
der NATO und die Entspannung unannehmbar.

Welche Konsequenzen hätte es, wenn die NATO die Dislozierung neuer Flugkörper
nicht billigen würde?
Für mich ist eine positive Entscheidung der NATO, ihre TNF zu modernisieren, von so zentraler Bedeutung für die Sicherheit des Westens wie die Billigung des SALT II-Vertrages für die Zukunft der Entspannung mit der UdSSR. Wir
brauchen beides, obwohl ich nicht dafür bin, das Schicksal des einen mit dem
des anderen zu verknüpfen.
Ich
- 7 -

�Ich möchte die Dinge nicht unnötig dramatisieren, aber wenn die NATO
die Entscheidung über diese Modernisierung nicht treffen kann, ohne zuvor mit
einem RüstungskontrollVorschlag an Moskau heranzutreten, dann wird ein Präzedenzfall geschaffen.

Man würde Moskau einräumen, eine Vorentscheidung auch

über künftige Waffenentscheidungen der NATO zu treffen.

Und wenn sich die

NATO nicht als Bündnis aufraffen kann, eine vernünftige Entscheidung über die
Modernisierung zu treffen, dann kann man sich nur schwer vorstellen, welche
Entscheidungen die NATO überhaupt zu treffen imstande ist.
In unserer Antwort auf die gegenwärtige Situation muß mit dem Idealismus
der Realismus einhergehen. Unsere europäischen Partner müssen bereit sein, die
Modernisierung weitreichender TNF und ihre Stationierung auf ihrem Territorium
zu akzeptieren. Sie müssen ferner bereit sein, die Lasten einer solchen Dislozierung - fair aufgeteilt - zu tragen und ihre politische Einigkeit zu bekräftigen, bevor wir damit rechnen können, in Verhandlungen mit den Sowjets Erfolge zu erzielen. Hier handelt es sich nicht um eine Herausforderung für die
Sowjets, sondern um eine Herausforderung für das Bündnis, die, wenn wir sie
meistern, die NATO in die Lage versetzen wird, mit einer sicheren Abschreckung
und politischem Zusammenhalt in die Zukunft zu blicken - und mit der Aussicht
auf RüstungskontrollVereinbarungen, die den Weg zu Begrenzungen des nuklearen
Wettrüstens in Europa auf lange Sicht ebnen.
,

+ + + + +

�11HÜ
1

L*J

I a

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. November 1979

44

SICHERHEIT VON KERNKRAFTWERKEN MUSS VERBESSERT WERDEN
- Empfehlungen der von Präsident Carter eingesetzten
Untersuchungskommission -

- (AD) - "Es gibt keinen Weg, Atomkraftwerke hundertprozentig risikofrei zu machen - aber sie können wesentlich sicherer gemacht werden, als sie
heute sind."

Zu diesem Schluß kam die von Präsident Carter eingesetzte Kom-

mission, die den Reaktorunfall der Station Three Mi 1e Island bei Harrisburg
(Pennsylvanien) zu untersuchen hatte.

Aufgrund der Aufeinanderfolge der Ereignisse bei dem Unfall am 28. März
1979 und der Ergebnisse der Untersuchungen hinsichtlich der Ausrüstungen der
Reaktorstation sowie der im Anschluß an den Unfall getroffenen Maßnahmen arbeitete die Kommission für ihren am 30. Oktober 1979 veröffentlichten Bericht
44 Empfehlungen aus.

Diese betreffen neben Vorschlägen zu einer generellen

Reorganisation der Nuklearen Aufsichtskommission (Nuclear Regulatory Commission - NRC), die auch die Stärkung des Wissenschaftlichen Sicherheitsrates
umfassen soll, vor allem die Genehmigungs- und Inspektionspraxis der NRC, die
Ausbildung des Personals von Atomkraftwerken mit ständiger Kontrolle des Ausbildungsniveaus durch die NRC, die Handhabung der nuklearen Technik seitens
der Kraftwerksbetreiber und der Industrie, einschließlich deren Einstellung zur

Postfach 20 03 00 Tel: 02221D5300 Bonn 2
Telex:08-£

�zur Anwendung der Kernenergie, sowie Sicherheitsfragen in medizinischer Sicht.
Die Kommission empfiehlt u.a. eine Verbesserung der Kontrolle durch die
NRC unter folgenden Gesichtspunkten:
- Die NRC muß bei der Erzeugung von Atomkraft der Sicherheit höchste
Priorität einräumen;
- die NRC sollte die Forschung auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit ausweiten und intensivieren;
- sobald sich Sicherheitsfragen ergeben, sollten sie innerhalb einer bestimmten Frist gelöst werden;
- die NRC sollte der Inspektion von Anlagen und der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften mehr Aufmerksamkeit widmen, sich aber auch darüber klar sein,
daß Vorschriften allein Sicherheit nicht garantieren können;
- die NRC sollte systematisch die Sicherheit der in Betrieb befindlichen
Atomkraftwerke analysieren und sich regelmäßig mit der Frage befassen, ob neue
Sicherheitserfordernisse gegeben sind.

Die in Betrieb befindlichen Atomkraft-

werke wären verpflichtet, den neuen Sicherheitsbestimmungen, die aufgrund dieser periodischen Bewertungen verfügt werden, nachzukommen;
- alle beim Reaktorbetrieb gemachten Erfahrungen, einschließlich der
Beinahe-Unfälle, technischer. Pannen und anderer Sicherheitsproblemen, sollen
systematisch analysiert werden.

Ausbildung
Die Anforderungen an das Ausbildungsniveau und die Voraussetzungen für
die Zulassung des Betriebspersonals und der leitenden Angestellten sind seitens der NRC zu verschärfen;

es müssen Ausbildungseinrichtungen geschaffen
- 2 -

�geschaffen werden, wo das Personal zunächst eine allgemeine Schulung für Kernkraftanlagen erhält und sich dann auf die individuellen Aufgabengebiete spezialisieren kann.
- Für das Betriebspersonal ist Ausbildung, berufliche Zulassung und periodische Fortbildung erforderlich;
- die bei der Ausbildung benutzten Simulatoren sind so zu verbessern,
daß damit die Funktionen und Anzeigewerte der Kontrollräum-Instrumente, der
Betriebsbedingungen, bei denen die Techniker Entscheidungen zu treffen haben,
und Notfall maßnahmen exakter nachgeahmt werden können.

Das Reaktorpersonal

sollte an diesen Simulatoren so ausgebildet werden, daß es bei den verschiedensten Betriebsbedingungen richtig reagiert - und zwar nicht nur bei schwerwiegenden Unfällen, sondern auch bei einer Kette und verschiedenen Kombinationen
kleinerer technischer Pannen, wie diese z.B. dem Unfall von Three Mile Island
vorausgegangen waren.

Kontroll räume
Die Armaturentafeln der Kontroll räume müssen so verbessert werden, daß
jederzeit die kritischsten Elemente in den Betriebsbedingungen leicht wahrgenommen und entsprechende Maßnahmen getroffen werden können.

Betreiber und Lieferindustrie
Die Versorgungsunternehmen, welche Kernkraft nutzen, und die Industrie,
die die Ausrüstungen 1iefert,"müssen (ihre) Einstellung gegenüber Sicherheit
und Vorschriften einschneidend ändern";
- jedes Atomkraftwerk sollte seinen eigenen Sicherheitsausschuß haben,
der fortlaufend die Betriebspraxis überprüft, Qualitätsprüfung gewährleistet,
neue Sicherheitsmaßnahmen entwickelt und der obersten Betriebsleitung direkt
- 3 -

�direkt unterstellt ist;
- Angehörige des Managements, Betriebspersonals und deren Vorgesetzte
müssen "hochqualifiziert" sein und gut bezahlt werden;
- jede Atomkraftanlage muß über eine Organisation verfügen, die für Notfallaufgaben zuständig ist.

Gesundheit und Sicherheit
Forschungsprojekte zur Frage der Auswirkungen von Strahlung auf die Gesundheit sollten besser koordiniert und finanziell unterstütz werden;
- Der Gesundheitsminister sollte alle von der NRC herausgegebenen Erklärungen und Vorschriften, die das Thema Strahlung und Gesundheit berühren,
überprüfen;
- Einzel staatliche oder lokale Behörden sollten Programme für die Ausund Weiterbildung von medizinischem Personal und Katastropheneinsatz-Truppe
in der Nachbarschaft von Atomkraftwerken einrichten bzw. ausweiten;
- die Betreiberunternehmen selbst sollten alle Vorkehrungen für Notfälle
treffen.

Ausrüstungen
Obgleich die Hauptursache für den Unfall in der Station Three Mile Island
menschliches Fehl verhalten war, versagten auch gewisse Komponenten der technischen Ausrüstung; diese sollten überprüft und erforderlichenfalls abgeändert werden - u.a. die Jodfilter, das System für die Wasserstoffrückführung,
das Abgassystem, das Isoliersystem der Sicherheitsschale, das Anzeigesystem für
Wasserhöhen im abgeschirmten Bereich, Strahlenmeßausrüstungen in der Reaktor-

�Reaktorhalle sowie Geräte zur Entnahme von Wasser- und Luftproben;
- alle kritischen Betriebsdaten sollten durch Instrumente fortlaufend
aufgezeichnet und überwacht werden;
- die Unfallwahrscheinlichkeit bei Atomkraftwerken und ihre Konsequenzen,
einschließlich der Folgen eines Niederschmelzens des Reaktorkerns und einer
Vielzahl "kleiner", mit Kühlmittelverlust einhergehenden Störfälle, des Zusammentreffens mehrerer technischer Pannen, erheblicher Störfälle und menschlicher Irrtümer, sollten gründlich untersucht werden.

Weitere Punkte
Im größtmöglichen Umfang sollten neue Kernkraftwerke an Standorten abseits von dichtbesiedelten Gebieten gebaut werden.
- Die NRC sollte von Fall zu Fall und vor Erteilung neuer Bau- und Betriebsgenehmigungen nach folgendem Schema vorgehen:
- Abwägung der Notwendigkeit zur Einführung neuer, verbesserter Sicherheitsmaßnahmen gemäß den Empfehlungen in diesem (Präsidial-)Bericht und gemäß den
Ergebnissen von Studien der NRC und der Industrie; Überprüfung des in Aussicht
genommenen Lizenznehmers als Betreiber der Anlage und der Qualität des von ihm
vorgesehenen Ausbildungsprogramms für das Betriebspersonal im Lichte der in diesem Bericht gegebenen Empfehlungen; und Abstimmung der Lizenzierung mit den
einzelstaatlichen und lokalen Katastrophenschutzmaßnahmen, die gleichzeitig zu
überprüfen und zu genehmigen sind;
- vor Erteilung einer Lizenz müßte der Bundesstaat, in dem die neue Anlage ihren Standort haben soll, einen Katastrophenschutzplan vorlegen, der von
einer Bundesbehörde zu genehmigen ist;
- Journalisten

�- Journalisten sollen sich gründliche Informationen über Kernkraft und
nukleare Technik aneignen, und die NRC soll ein "systematisches Informationsprogramm für die Öffentlichkeit schaffen ..., damit im Fall notstandsbedingter Maßnahmen zum Schutz vor möglicher radioaktiver Strahlung den Medien und
der Öffentlichkeit rechtzeitig und genaue Informationen in verständlicher Form
gegeben werden können."

Der Kongreß wird aktiv
Inzwischen befaßt sich der amerikanische Kongreß mit dem Bericht der von
Präsident Carter eingesetzten Kommission zur Untersuchung des Reaktorunfalls
von Harrisburg. Deren Vorsitzender, Dr. John G. Kemeny, verwies in einem
Hearing darauf, daß die Zukunft der Kernkraft in den Vereinigten Staaten jetzt
davon abhänge, wie die Industrie und die Atombehörde auf die Erfahrungen reagieren, die durch diesen Unfall gemacht worden sind. Bei den notwendigen Veränderungen könne man es nicht mit "technischen Korrektoren" und "neuen Vorschriften" bewenden lassen. Vielmehr müsse das Grundproblem angegangen werden:
der Unsicherheitsfaktor Mensch. "Kernkraftwerke sind verhältnismäßig sicher;
die Menschen, die sie betreiben und leiten, sind es nicht", sagte Kemeny.
Ob Kernkraft sicher gemacht werden könne, hänge von Veränderungen in der Einstellung zu ihr und bei dem mit ihr verbundenen Organisationssystem ab. So
hätte beispielsweise der Unfall in der Station Three Mile Island verhindert
werden können, wenn es innerhalb der NRC und der Industrie Bestrebungen und
Wege zur Auswertung, Überprüfung und entsprechenden Reaktion auf die in allen
72 amerikanischen Atomkraftwerken gesammelten Erfahrungen gegeben hätte.
Beide Häuser des amerikanischen Kongresses, wo die Anhörungen zu dem großen
Fragenkomplex voll in Gang gekommen sind, erwägen jetzt neue Gesetze und ein
Moratorium von mindestens sechs Monaten Dauer für den Bau neuer Atomkraftwerke,
bis, wie der Abgeordnete Morris K. Udall sagte, "sowohl die Industrie als auch
die führenden Leute in den Behörden ihr Haus in Ordnung gebracht haben". Udall
ist der Vorsitzende des Unterausschusses für Energie und Umwelt im amerikanischen
Repräsentantenhaus.
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Uli//cn/chofl
utui Technik

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International Communication Agency
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14. November 1979

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OZONSCHICHT STÄRKER GEFÄHRDET ALS ZUNÄCHST VERMUTET
- Studie der NAS -

- (AD) - Unter der Einwirkung chemischer Substanzen werde, wie eine neue
Studie der amerikanischen "National Academy of Sciences" (Nationale Wissenschaftsakademie - NAS) besagt, doppelt so viel Ozon in der Erdatmosphäre abgebaut,
wie man noch im Jahr 1976 angenommen und vorhergesagt hatte.

Nach neuesten Mes-

sungen und Berechnungen dürften infolge der fortdauernden Anwendung bestimmter Chemikalien 16,5 Prozent der Ozonschicht zerstört werden.

Davon könnten

acht Prozent bereits in den nächsten 30 Jahren verloren gehen, heißt es in dem
am 8. November 1979 in Washington veröffentlichten Bericht.
Eine solche Entwicklung würde u.a. bedeuten, daß der Schutzschild für
alles Leben auf der Erde gegen den größten Anteil der schädlichen UltraviolettStrahlung von der Sonne eine Schwächung erfährt. Dies hätte beispielsweise zur
Folge, daß die Wahrscheinlichkeit des häufigeren Auftretens von Hautkrebs, aber
auch von genetischen Veränderungen größer wird. Ozon, ein Verband von drei
anstatt der üblichen zwei Sauerstoffatome, ist in der Stratosphäre in Höhe zwischen ca. 12 000 und 60 000 m zu finden. Es hat übrigens auch einen nicht unwesentlichen Einfluß auf das Klima.
Das

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Telex:08-85432

�Das Ozonmolekül wird unter der Einwirkung von Sonnenlicht sowohl aufgebaut als auch zerstört.
wohl ausbalanciert.

In der Natur ist - oder besser war - dieser Prozeß

Denn spätestens seit 1974, als zum ersten Mal amerika-

nische Wissenschaftler auf mögliche negative Auswirkungen bestimmter chemischer
Substanzen auf die atmosphärische Ozonkonzentration aufmerksam machten, weiß
man, daß dieses Gleichgewicht gefährdet ist.
Bei den Chemikalien handelt es sich um reaktionsträge chlorhaltige Verbindungen wie z.B. Fluor-Chlorkohlenwasserstoffe, die unter der Handelsbezeichnung "Freon" bekannt sind.

Weil sie reaktionsträge sind, steigen die Mo-

leküle bis zur Stratosphäre auf, wo sie durch Sonnenlicht aufgebrochen werden.
Chlor und andere Halogene werden freigesetzt.

Und nun kann sich Chlor leicht

mit Ozon verbinden und auf diese Weise das Ozonmolekül zerstören.
Die Vereinigten Staaten haben inzwischen die Verwendung von F-ll und
F-12, die zu den schädlichen Verbindungen gefhören, als Treibgas für Spraydosen verboten. In zahlreichen anderen Ländern werden sie aber nach wie vor
benutzt. Und die Anwendung von Freon für andere Zwecke - z.B. bei Kühlmaschinen, Klimaanlagen, als Aufschäumer für Kunststoffe und als Lösungsmittel - nimmt sogar zu. In dem Bericht heißt es, daß in den letzten zwei
Jahren die Verwendung von Freon-22 für Kühl zwecke um 25 Prozent angestiegen
sei. Die Herstellungsmengen von Methyl Chloroform, ein von der Industrie verwendetes Lösungsmittel, verdoppeln sich alle fünf Jahre.
Seit der Veröffentlichung des NAS-Berichts von 1976 wurden direkte Ozonmessungen in der Stratosphäre fortgesetzt. Gleichzeitig konnten für die Auswertung der Ergebnisse die Berechnungen und Computermodelle für die komplizierten chemischen Umsetzungen in der Atmosphäre ständig weiter verbessert
werden.

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Wi//en/chcift
und Technik
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14. November 1979

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HAARANALYSEN ZEIGEN UMWELTVERSCHMUTZUNG AUF
- Neue Versuche in den USA -

- (AD) - Der Konzentration und Ausbreitung chemischer Schadstoffe, die
der Mensch beispielsweise mit der Nahrung aufnimmt, sind Wissenschaftler des
Lawrence Berkeley Laboratory (LBL) der Universität Kalifornien durch Haaruntersuchungen auf der Spur.

Die Analyse wird mit einem überaus empfindlichen

Spektrometer durchgeführt, SAXAS genannt.

(SAXAS ist die Abkürzung für

'Scanning Automated X-ray Analysis Spectrometer",

ein Instrument zur automa-

tischen Probenuntersuchung auf der Basis der Fluoreszenzerscheinungen, die
Röntgenstrahlen an den Atomen bestimmer Elemente verursachen.) Das von dem Ingenieur Albert Thompson gemeinsam mit einigen Kollegen entwickelte Instrument
macht es möglich, daß ein einziger technischer Assistent in einer Stunde die
Arbeit auszuführen vermag, für die früher ein ganzes Team eine volle Woche
benötigte.
Vor allem für die Erfassung von Umweltbelastungen durch Schadstoffe sei
das neue Verfahren ein großer Gewinn, berichtet Thompson. "Durch unsere Haaranalysen sind wir bereits einer regelrechten Welle von Vergiftungen auf die
Spur gekommen".
In Haarproben aus dem Irak erfaßte SAXAS hohe Konzentrationen
von Quecksilber. Die Ursache für den überhöhten Quecksilberspiegel war Saat-

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�1

Saatgetreide, das zum Schutz vor Pilzbefall mit einem giftigen Fungizid behandelt und unzulässigerweise für Nahrungsmittel verwendet worden war.

Je

mehr aus dem vergifteten Getreide hergestellte Nahrungsmittel verzehrt wurden,
desto höher war der Quecksilberspiegel in den Haarproben der betreffenden Personen.

Nachdem man der Verwendung des Getreides für Nahrungszwecke jedoch

einen Riegel vorgeschoben hatte, sank die Quecksilberkonzentration in den
Haarproben allmählich wieder ab.
Daß chemische Haaruntersuchungen sehr aufschlußreich sein können, ist
seit langem bekannt.

Haar wächst ziemlich gleichmäßig, durchschnittlich 1 cm

im Verlauf eines Monats.

Es baut dabei alle Elemente ein, die in dieser Zeit

in den Stoffwechsel des betreffenden Organismus gelangt sind.

Ähnlich wie

geologische Schichten zeigt es an, wie sich die Konzentration von Substanzen
innerhalb einer bestimmten Frist verändert.

Allerdings verlangen Haarproben

langwierige und mannigfaltige Tests, bis sie ihre Geheimnisse preisgeben
können.
Die im LBL angewandte Methode der Röntgenstrahlen-Fluoreszenz-Spektroskopie erklärt Albert Thompson folgendermaßen: "Wenn Röntgenstrahlen die Haarprobe durchdringen, regen sie die Atome vorhandener Elemente an, ihrerseits
Röntgenstrahlen von charakteristischer Energie und Intensität zu erzeugen.
Wir erfassen diese sekundäre Strahlung mit einem Scanner. Dies ist ein
Silizium-Detektor, der ein sehr hohes Auflösungsvermögen für die verschiedenen Energiestufen besitzt. SAXAS kann 16 verschiedene Elemente noch bei Mengen
erfassen, die nicht mehr als ein fünf Milliardstel Gramm betragen - und dies
von Proben, die nur zwei Millimeter lang sind."
Der im SAXAS-Instrument eingebaute Computer erfüllt eine ganze Reihe von
Funktionen.

Er bestimmt u.a. die Art der vorhandenen Elemente, berechnet die

Dichte der Haarprobe und setzt die Meßdaten zueinander in Beziehung.
Die Arbeitsgruppe Thompson möchte jedoch sehr viel mehr als nur Haarproben analysieren. "Mit SAXAS müßte es auch möglich sein, ein weites Spektrum
von Proben - von Nervengewebe bis hin zu SchadstoffPartikeln in der Luft - zu
- 2 -

�zu untersuchen", meint der Ingenieur.

"Allein aus dem Haar können wir sehr

viel mehr als nur Giftstoffe im Körper erkennen - beispielsweise auch die Art
und den Grad von Mangelernährung.

SAXAS verändert die Analysenproben nicht.

Deshalb könnte es auch für Untersuchungen an besonders kostbaren Objekten eingesetzt werden, z.B. beim Grabtuch von Turin".
Das Instrument war für das US-Bundesamt für Nahrungsmittel und Pharmazeutische Präparate (FDA) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität von
Rochester entwickelt worden.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zum Einfuhrstopp für iranisches Öl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;TNF-Modernisierung: Eine Herausforderung für die NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. Leslie H. Gelb -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheit von Kernkraftwerken muss verbessert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen der von Präsident Carter eingesetzten Untersuchungskommission -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschicht stärker gefährdet als zunächst vermutet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Studie der NAS -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haaranalysen zeigen Umweltverschmutzung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Versuche in den USA -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. November 1984

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INHALT

DOKUMENTATION

Vereinigte Staaten für Friedensregelung in Mittelamerika
- Rede von US-Außenminister Shultz vor der OAS -

Um Über/endung von
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wird gebeten

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DlElriso

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

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14. November 1984

VEREINIGTE STAATEN FÜR FRIEDENSREGELUNG IN MITTELAMERIKA
- Rede von US-Außenminister Shultz vor der OAS -

Brasilia -(AD)- In einer Rede vor der Vollversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) bestätigte der amerikanische Außenminister George Shultz am 12. November 1984 in der brasilianischen Hauptstadt
Brasilia, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen der Contadora-Gruppe
um eine Friedensregelung für Mittelamerika nach wie vor unterstützen. Er
betonte jedoch, daß die Verifikation eines eventuellen Abkommens gewährleistet sein müsse.
Die Rede des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, sehr verehrte Kollegen, Herr Generalsekretär, Freunde
und Nachbarn aus Nord- und Südamerika,

das Wiedererwachen der demokratischen Regierungsform in dieser Hemisphäre bildet eine natürliche Grundlage für gegenseitiges Verstehen und
verbesserte Zusammenarbeit. Ich glaube, daß unsere gemeinsame Stärke umso
größer sein wird, je beständiger wir die Anwendung der Grundsätze der Demokratie sichern, und daß diese Stärke in dem Maße wachsen wird, in dem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�in dem wir im Stande sind, für eine legitime Ausübung staatlicher Macht
und freie Wahlen, für wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten und ein
freies Spiel der konkurrierenden politischen Kräfte zu sorgen.

Die Anfechtungen sind bedrohlich, aber große Ideen können auch in
große Leistungen umgesetzt werden. Die Hauptstadt Brasilia, diese Wirklichkeit gewordene Vision, beweist dies zur Genüge. Die Demokratie kann
uns bei der Umsetzung unserer größten Visionen in praktische Leistungen
behilflich sein.

Ich glaube, wir können der Welt zeigen, daß Freiheit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Entwicklung Faktoren sind, die entgegen den
Behauptungen unserer kommunistischen Widersacher sich nicht nur nicht widersprechen, sondern sich sogar gegenseitig verstärken. Wir können den
Beweis dafür antreten, daß Demokratien besser als Diktaturen oder andere
auf Gewalt gegründe Regime dazu in der Lage sind, gesellschaftsfeindlichen und gewalttätigen Erscheinungen wie dem Terrorismus oder dem Drogenhandel Einhalt zu gebieten. Und wir können demonstrieren, daß der Weg zum
Frieden in den innenpolitischen wie in den auswärtigen Beziehungen unserer Länder aus der Stärke der Demokratie erwächst.

Die Entwicklung eines demokratischen Konsens

Wenn man alle Staaten dieser Hemisphäre berücksichtigt, dann hat in
den letzten vier Jahren fast ein Drittel der eine Milliarde Menschen, die
in ihnen leben, bei rund drei Dutzend landesweiten Wahlen in 27 Ländern
die Möglichkeit zur Stimmabgabe gehabt. Das bedeutet, daß mehr Menschen
in mehr Ländern bei mehr Wahlen ihre Stimme abgeben konnten, als dies jemals in der Geschichte dieser Hemisphäre der Fall war.

Wir können sowohl ein qualitatives als auch ein quantitatives Wiedererwachen der Demokratie verzeichnen. Es gibt drei Kriterien, anhand derer
sich bestimmen läßt, ob eine Wahl wirklich ein echtes Instrument demokratischer Rechtsstaatlichkeit ist: Wahlbeteiligung, Teilnahme von Oppositionsparteien und Freiheit.
- Die Wahlbeteiligung ist seit den sechziger Jahren in praktisch allen

�praktisch allen Ländern drastisch gestiegen. In einigen hat sich der
Anteil der Erwachsenen, die zur Wahl gingen, verdoppelt.
- Auch die Teilnahme von Oppositionsparteien wird in zunehmendem Maße
zur Regel. Von Argentinien bis zu den Vereinigten Staaten, von Grenada bis Ecuador werden den Wählern echte Alternativen geboten.
- Freiheit ist das Moment, das der Wahlbeteiligung ihre Bedeutung verleiht und die Teilnahme von Oppositionsparteien zu einem ernstzunehmenden Kriterium macht. Freiheit, das heißt Freiheit von Einschüchterung und Angst, Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie Freiheit der Wahl.

Die Demokratie schützt die Eigenständigkeit unserer Völker und Nationen, weil dies voll und ganz ihren Interessen und ihrer Eigenart entspricht. Die Demokratie bietet die Mittel zum gewaltfreien Austragen von
Gegensätzen. Sie stärkt die Individualität durch Freiheit. Daher schafft
die Demokratie auch starke Bande zwischen den Nationen. Die Beziehungen
demokratischer Staaten zueinander sind komplexer, aber auch friedlicher
als die anderer Staaten. Demokratische Regierungen schenken der Stimme
ihrer Völker Beachtung, und wenn einmal eine Übereinkunft erzielt worden
ist, dann wohnt ihr eine Stärke inne, wie sie nur aus der Unterstützung
durch die Bürger erwachsen kann.

In der Generation vor uns bestand weithin eine Neigung, das Trennende
zwischen den Völkern und den Nationen Nord- und Südamerikas zu betonen.
Wir alle kennen die Schlagworte, in denen Gegensätze und Zweifel aneinander zum Ausdruck kommen: Nord oder Süd, arm oder reich, angelsächsisch
oder lateinamerikanisch, Schuldner oder Gläubiger, schwarz oder indianisch, Ölexporteur oder Ölimporteur. Natürlich bestehen Gegensätze, aber
diese Litaneien gehen an stärkeren Realitäten vorbei: Die geographischen
Gegebenheiten vereinen uns. Der Lauf der Geschichte vereint uns. Und wir
werden vereint durch den Wahlakt, d.h., durch unseren Respekt vor der
Entscheidung des einzelnen Bürgers, die das Wesentliche der Demokratie
und das Geheimnis ihres Erfolges ausmacht.

Kurzum, die Demokratie ist ein Mittel zur Umsetzung von Vielfalt in
Stärke. Den Vereinigten Staaten fällt die Zusammenarbeit mit anderen

�mit anderen Nationen leichter, wenn diese demokratisch sind, und heute
sind mehr OAS-Mitgliedstaaten funktionierende Demokratien, als dies jemals zuvor der Fall war.

Die Beilegung des Konflikts in Mittelamerika

Die Apostel der gewalttätigen Linken predigen, daß es der bewaffneten
Revolution bedürfe, um die Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Die
Apostel der gewalttätigen Rechten erwidern darauf, daß die Bewahrung der
Zivilisation nur durch Unterdrückung möglich sei. Aber der berühmte peruanische Romancier Mario Vargas Llosa hat recht, wenn er uns daran erinnert, daß man sich einer schändlichen und verlogenen Doppelzüngigkeit befleißigt, wenn man meint, daß Gewalt in den Vereinigten Staaten und in
Europa zwar unannehmbar, in Lateinamerika und in der Karibik aber völlig
gerechtfertigt sei. Niemand sollte an der Fähigkeit und an der Entschlossenheit aller Amerikaner zweifeln, sich selbst und in Frieden zu regieren.

Für Mittelamerika bildet das Wiedererwachen der Demokratie, das wir
gegenwärtig auf dem gesamten amerikanischen Kontinent verzeichnen können,
einen besonderen Quell der Hoffnung. In den Vereinigten Staaten, in Europa und in anderen demokratischen Industriestaaten wird man sich der Tatsache bewußt, daß die Demokratie Mittelamerika helfen kann, sich in Frieden und gemäß seinen eigenen Interessen zu entwickeln. Alle der großen
politischen Gruppierungen des Westens - die Liberalen und die Konservativen, die Christdemokraten und die Sozialdemokraten - sind von El Salvador beeindruckt, von Nicaragua desillusioniert, von Guatemala angenehm
überrascht, fühlen sich durch Honduras ermutigt und werden durch Costa
Rica beständig an die Funktionsfähigkeit der Demokratie auch in Mittelamerika erinnert.

Die Träger des von der Contadora-Gruppe eingeleiteten Prozesses haben
eine nationale Aussöhnung in einem demokratischen Rahmen formell als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Mittelamerika benannt. Die
Ziele von Contadora, über die Übereinstimmung erzielt werden konnte, unterstreichen die Notwendigkeit, die Demokratie zu verteidigen, wo sie bedroht ist, zum Aufbau der Demokratie beizutragen, wo sie noch nicht be- 4 -

�nicht

besteht,

und

der

Anfechtung

der

Demokratie

entgegenzutreten,

gleich, von welcher Seite diese Anfechtung auch ausgehen mag. In den in
der jüngsten Vergangenheit eingebrachten Vertragsentwürfen wird dem Terrorismus, dem Guerillakampf und jeder anderen Form nicht demokratisch legitimierter Machtaneignung eine Absage erteilt.

Es scheint jedoch, als sei es leicht, zwar etwas zu proklamieren, dabei aber etwas anderes zu tun. Im September dieses Jahres erklärte die
Regierung Nicaraguas, daß sie bereit sei, einen Vertragsentwurf der Contadora-Staaten zu unterzeichnen. Genau zur gleichen Zeit weigerte sie
sich aber, dafür zu sorgen, daß die Wahlen in ihrem Lande frei und unter
Teilnahme der Opposition vonstatten gehen konnten. Im Jahre 1979 hatte
die OAS formell die Abhaltung von freien Wahlen in Nicaragua unter Teilnahme der Opposition und zum frühestmöglichen Zeitpunkt gefordert. Darauf
warten wir immer noch.
Wir alle wissen, daß gute Worte allein keine Gewähr für die Einbindung bewaffneter Oppositionsgruppen in ein wirklich demokratisches System
bieten können. Ferner wissen wir alle, daß Versprechen allein nicht gewährleisten können, daß eine Nation keine militärische Bedrohung für eine
andere darstellt. Versprechen allein ändern nichts an einem bereits gefährlichen militärischen Ungleichgewicht, das von Kräften von außerhalb
dieser Hemisphäre beständig weiter verschärft wird. Ganz gleich, worauf
man sich daher verständigt - es wird glaubwürdiger Verifizierungs- und
Kontrollmechanismen bedürfen, um die tatsächliche Ausführung sicherzustellen.

Ein funktionsfähiges Contadora-Abkommen, das wirklich - und zwar in
einer glaubhaften und verifizierbaren Weise - leistet, was proklamiert
worden ist, würde für diese Hemisphäre wie für die übrige Welt eine
Richtmarke darstellen. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, dem
Streben nach einem solchen Abkommen auch weiterhin ihre Unterstützung zu
leihen.

El Salvador bildet heute ein Beispiel für Politik im Geiste von Contadora. Die kühne und mutige La-Palma-Initiative von Präsident Duarte ist

�Duarte ist ein Ausdruck jener Art von umsichtiger, demokratischer Staatskunst, derer es bedarf, um einen bewaffneten Konflikt einer friedlichen
Lösung zuzuführen. Was ihn zu diesem Schritt in die Lage versetzte, war
die Legitimität seiner Regierung, die auf dem Wählerauftrag und einem Regierungskonsens beruht. Duartes Schritt zeigt, wie eine Demokratie selbst
unter schwierigsten Bedingungen auf eine Lösung der drückendsten gesellschaftlichen Probleme hinarbeiten kann. Wir alle können daraus eine Lehre
ziehen.

Der Kampf gegen den Terrorismus

Im 19. Jahrhundert wurde der Kampf um die Freiheit weithin als eine
Auseinandersetzung

zwischen Zivilisation und Barbarei aufgefaßt. Heute

kann man den Kampf zwischen der Demokratie und dem Terrorismus in diesem
Sinne definieren. In unserer Neuzeit ist Demokratie gleichbedeutend mit
Zivilisation. Der Terrorismus verkörpert die neue Barbarei. Die Demokratie baut auf. Der Terrorismus zerstört.

Für welche Sache sie auch einzutreten vorgeben, alle Terroristen verfolgen die gleichen übergreifenden Ziele: ihren Willen durch Gewalt und
Einschüchterung durchzusetzen. Der Terrorismus ist nicht einfach eine
neue Erscheinungsform der traditionellen Konflikte. Er ist der Feind der
demokratischen Regierungsform schlechthin.

Gegen wen richtet sich beispielsweise der Terror der Guerilleros der
Bewegung "Leuchtender Pfad" in Peru ? Gegen die Armut oder die Unterdrückung ? Mitnichten. Er richtet sich gegen die peruanische Regierung.
Heute sind die automatischen Waffen des "Sendero Luminoso" auf Präsident
Belaunde und seine demokratische Regierung gerichtet. Morgen werden sie
auf seinen gewählten Nachfolger gerichtet sein.

Die Demokratien haben das moralische Recht und die Pflicht, den Terrorismus daran zu hindern, ihnen die Freiheit zu rauben. Wir müssen den
Mut haben, den Terroristen entgegenzutreten und sie zu besiegen, ohne uns
ihre Methoden aufzwingen zu lassen.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten werden sich vom Terrorismus weder innen- noch
außenpolitisch vom demokratischen Weg abbringen lassen. Wir verbessern in
erheblichem Umfang die Mittel, derer wir bedürfen, um den Terrorismus zu
schlagen und um mit anderen Mächten in diesem Kampf eng zusammenzuarbeiten. Im vergangenen Monat verabschiedete der amerikanische Kongreß eine
Reihe von Gesetzen gegen Luftpiraterie, Geiselnahme und Angriffe auf diplomatische Vertretungen. Wir haben ein Anti-Terrorismus-Ausbildungs- und
Hilfsprogramm für die zivilen Sicherheitsbehörden befreundeter Regierungen in die Wege geleitet, das parallel zu unseren Programmen für befreunf

dete Militärstreitkräfte läuft.

Größere multilaterale Anstrengungen sind jedoch erforderlich. Die OAS
und ihre Mitgliedstaaten müssen gemäß der zunehmend offenkundigen Einsicht handeln, daß Terroristen- oder Guerillaangriffe auf eine bestimmte
Demokratie gleichbedeutend mit einem Angriff auf alle Demokratien sind.

Der Kampf gegen den Drogenhandel
Die illegale Produktion von bzw. der Handel mit Drogen sowie deren
Mißbrauch haben weitgehend die gleichen Auswirkungen wie der Terrorismus,
und es gibt in der Tat Fälle, in denen Drogenhändler und Terroristen eine
Symbiose zu verbrecherischem Tun eingegangen sind.

Der Drogenmißbrauch wurde einmal als ein Problem

betrachtet, das

hauptsächlich die Vereinigten Staaten betrifft. Inzwischen verbreitet er
sich aber krebsartig über die gesamte Hemisphäre. Familien, Gemeinwesen
und Gesellschaften, die sich früher einmal für immun gehalten haben, sehen sich heute dem Angriff durch Drogen ausgesetzt. Die Kosten des Drogenmißbrauchs lassen sich ganz real messen - in Verlusten an Arbeitskraft, in steigenden Gesundheits- und Sozialausgaben und vor allem in
einer sinnlosen Vergeudung von Menschenleben.

Die illegale Drogenindustrie führt zum Schaden des Rechts und der
staatlichen Institutionen zu Korruption und Cliquenwirtschaft. Die Aussicht auf außergewöhnliche Gewinne im Drogengeschäft verlockt die Hersteller von Rauschmitteln dazu, eine Geschäftswelt im Untergrund aufzu- 7 -

�Untergrund aufzubauen, die die rechtmäßige Wirtschaft unterwandert. Da
der Drogenhandel ein Ansteigen der allgemeinen Kriminalität nach sich
zieht, greift er darüberhinaus die gesamte Struktur der Gesellschaft an.

Das wachsende Bewußtsein dieser enormen Bedrohung hat in Quito, Buenos Aires und auf der Tagung des Interamerikanischen Wirtschafts- und Sozialrats im August dieses Jahres in Santiago zu wichtigen multilateralen
politischen Erklärungen geführt. Der illegale Drogenhandel steht auch auf
der Tagesordnung dieser Vollversammlung. Er ist ein Problem, das ernsthafte Aufmerksamkeit und sofortiges Handeln erfordert. Wir müssen unsere
Öffentlichkeit aufklären, die Zusammenarbeit zwischen unseren nationalen
Drogenfahndungsbehörden

verstärken

und die bestehenden

internationalen

Institutionen besser ausstatten. Die Demokratie gebietet einen gemeinsam
zu erringenden Sieg über die Drogenhändler und ihre Verbündeten.

Die Rechtsprechung

Eine der Methoden im Kampf gegen Terroristen, Drogenhändler und alle,
die sich gegen das Leben und die Menschenwürde vergehen, besteht darin,
unser Rechtssystem besser in die Lage zu versetzen, eine unabhängige, gerechte, schnelle und für jedermann anrufbare Rechtsprechung zu gewährleisten.
Im Sommer vergangenen Jahres erhielt ich einen Brief von besorgten
Bürgern, in dem es hieß, daß man, "wenn man den Prozeß der Konsolidierung
der Demokratie wirklich fördern will, ... die dritte und komplizierteste
der Gewalten im Staate, die Rechtsprechung, ... einfach nicht vernachlässigen darf." Das war mir aus der Seele gesprochen. In einer demokratischen Gesellschaft ist es von grundlegender Bedeutung, daß allen Bürgern
Mittel zur wirksamen Durchsetzung ihrer bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte zur Verfügung stehen.

Alle Mitgliedstaaten des interamerikanischen Systems erkennen die
Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz an. In allen ist eine unabhängige
Rechtsprechung vorgesehen. Das ist ein Teil unseres gemeinsamen Erbes.
Leider entsprechen diese Grundsätze nicht immer den Tatsachen. In vielen

�In vielen Nationen kann das Rechtssystem nicht sicherstellen, daß die gesetzlich verankerten Grundsätze in der Praxis auch beachtet werden. Das
Problem stellt sich von Land zu Land anders, aber jede Nation ist davon
betroffen, meine eigene nicht ausgenommen.

Das Problem einer unvollkommenen Rechtsprechung ist keines, das wir
oder irgendeine andere Nation "lösen" können. Eine wirksame Rechtsprechung muß sich ständig weiterentwickeln, um im Einklang mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu bleiben. Sowohl die unmittelbaren Notwendigkeiten als auch der langfristige Aufbau von Institutionen müssen unter
den Dingen, denen wir unsere Aufmerksamkeit widmen, eine hervorgehobene
Rolle spielen.

Jede Nation muß über die Notwendigkeiten im Bereich ihrer Rechtsprechung selbst entscheiden und dann konsequent handeln. Eine Reihe von Regierungen tut das. Im Rahmen einer regionalen Zusammenarbeit können die
Entscheidungsträger jedes Landes über Ansätze zur Lösung gemeinsamer Probleme beraten. Sie können ihre Mittel zusammenlegen, um Reformen unter
bestimmten Aspekten effektiver durchzuführen.

Auf der OAS-Vollversammlung im vergangenen Jahr wurde ein interamerikanisches Programm zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Rechtswesens verabschiedet. Wenn es tatsächlich in die Tat umgesetzt würde,
könnte dies Programm einen nützlichen Mechanismus der Beratung und technischen Hilfeleistung bilden. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat
begonnen, mit einer Reihe von Regierungen und nichtstaatlichen Organisationen zusammenzuarbeiten, um deren Bemühungen um eine Verbesserung der
Rechtsprechung zu unterstützen. Wir sind bereit, mehr zu tun. Dies ist
ein integraler Bestandteil unserer Bestrebungen, demokratische Institutionen in der gesamten Hemisphäre zu konsolidieren.

Wiederankurbelung des Wirtschaftswachstums

Bis vor wenigen Jahren war das Wirtschaftswachstum in dieser Hemisphäre stetig, stark und umfangreich. Während der gesamten sechziger und
siebziger Jahre belief es sich im Jahresdurchschnitt auf sechs Prozent.
- 9 -

�sechs Prozent. Dies stellte einen greifbaren Fortschritt dar. Viele Handels- und Investitionshemmnisse und Beeinträchtigungen unternehmerischen
Handelns blieben jedoch bestehen, und obwohl die Inlandssparrate hoch
lag, gewarn die Auslandsverschuldung nichtsdestoweniger an Bedeutung.

Der Kapitalfluß nach Lateinamerika in den sechziger Jahren bestand in
erster Linie aus offizieller Regierungsunterstützung oder aus direkten
Auslandsinvestitionen.

In den siebziger Jahren erfolgte die ausländische

Kapitalhilfe vorzugsweise in Form von Krediten.

Mit einem Teil dieser

&gt;

neu aufgenommenen Schulden wurden Investitionsprojekte unterstützt, deren
Gewinnquoten hoch genug waren, um die Kreditaufnahme zu rechtfertigen.
Ein anderer Teil wurde zur Schaffung von Reserven verwendet.

*"

Ein be-

trächtlicher Anteil dieser Kredite wurde jedoch für den Verbrauch ausgegeben.

Als das Wachstum in der westlichen Hemisphäre im Jahr 1981 zum

Stillstand kam, konnte man die alten Schulden schwerer zurückzahlen, während gleichzeitig die neuen Schulden teurer wurden.

1982 wurde die Last

der Auslandsschulden dann ungeheuer schwer, und einige Länder sahen sich
gezwungen, ihre Zahlung auszusetzen und um eine Umschuldung nachzusuchen.

Wir sind immer noch dabei, uns diesen Schocks anzupassen.
ursprüngliche Krise wurde bewältigt.

In den vergangenen zwei Jahren wur-

den mehr als 70 Milliarden Dollar umgeschuldet.
Anstrengungen und mit Unterstützung

Aber die

Mit Hilfe kooperativer

multilateraler Finanzinstitutionen

wurde in vielen Ländern ein ordnungsgemäßer Schuldendienst wiederaufgenommen.

Nachdem private und regierungsamtliche Schuldner und Gläubiger

ihren Beitrag geleistet haben, hat sich das internationale Finanzsystem
flexibler und wirsamer erwiesen, als manche dies für möglich gehalten
hatten.

Die Hauptaufgabe ist nunmehr, ein merkbares und anhaltendes Wachstum
wieder in Gang zu bringen.

Eine effektive Wachstumsstrategie erfordert

natürlich strukturelle Anpassungen, um die Regierungsausgaben mit den
Regierungseinnahmen mehr auf eine Linie zu bringen und um die innerstaatlichen Einsparnisse sowie die Produktivität zu erhöhen.
Die
- 10 -

Zuweisung

1

�Die Zuweisung knapper Ressourcen bei gleichzeitiger erhöhter Nachfrage ist eine politisch schwere Aufgabe.

Jedes Land muß für sich die harte

Entscheidung treffen, wie seine Wirtschaft stabilisiert und umstrukturiert werden kann.

Wir unsererseits ermutigen private Kreditgeber, sich auch weiterhinh
an der Vergabe und der Umschuldung in umsichtiger Weise zu beteiligen.
Wir arbeiten mit anderen Gläubigerregierungen

zusammen, um offizielle

Schulden von Regierung zu Regierung umzuschulden.

Gleichzeitig arbeiten

wir mit multilateralen Vergabeinstitutionen zusammen, um mit unmittelbar
benötigten Ressourcen Unterstützung zu leisten und notwendige wirtschaftliche Reformen zu fördern.

Wir selDst wachsen wirtschaftlich gesehen be-

ständig und halten unsere Märkte offen, damit unsere Handelspartner gemeinsam mit uns wachsen können.
Die lateinamerikanischen Exporte nach den USA stiegen von iy8z bis
1983 um nahezu vier Milliarden

Dollar, während sie sich nach den rest-

lichen Ländern der Welt verminderten.

Im Jahr i93n

entfiel sogar ein

noch größerer Anteil der lateinamerikanischen Exporte auf die Vereinigten
Staaten - fast acht Milliarden Dollar mehr als 1983. Die Exporte der Region nach den USA stiegen in den ersten acht Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 18 Prozent an.

Wir haben

diese Expansion durch die Förderung des allgemeinen Präferenzsystems im
Rahmen der Initiative für das Karibische Becken sowie durch unser tatkräftiges Eintreten für die Politik der offenen Marktwirtschaft unterstützt.

Aber die gute Nachricht hinsichtlich der Umschuldung und die gute
Nachricht in bezug auf den Handel genügen nicht.

Die Wiederherstellung

eines kräftigen und anhaltenden Wachstums in der Hemisphäre erfordert sowohl eine entsprechende Innenpolitik als auch ein Anhalten der Kapitalzuflüsse.

Realistisch gesehen wird das Ausmau regierungsamtlicher Unter-

stützung, ob nun aus bilateralen oder multilateralen Uuellen, in den vor
uns liegenden Jahren nicht sehr ansteigen.

Und es liegt auf der Hand,

daß kommerzielle Kredite auf der Ebene, die in den siebziger Jahren gegeben war, weder im Interesse der Banken, noch im Interesse der Kreditneh- 11 -

�der Kreditnehmer liegen.

Die Schlußfolgerung drängt sich also auf:

Das erforderliche Kapital

zur Aufrechterhaltung eines neuen Wachstums muß von anderer Seite kommen.

Das beinhaltet größere Investitionsflüsse sowie die Umstellung von

Fremdkapital auf Eigenkapital, einschließlich größerer einheimischer Ersparnisse.

Von entscheidender Bedeutung wird in diesem Zusammenhang die

Rückkehr des Fluchtkapitals der letzten zehn Jahre sein. Genauso wichtig
sind die direkten Auslandsinvestitionen.

Hinsichtlich

der

*

Auslandsinvestitionen

ist

die

Schlußfolgerung darüber hinaus auch noch eine nützliche:

unausweichliche
In schlechten

Zeiten sind die Investitionskosten, die durch Gewinne abgedeckt werden,
niedriger als die Kosten des Fremdkapitals.

Schulden müssen sowohl in

schlechten wie in guten Zeiten bezahlt werden;

Zahlungen aus Investitio-

nen erfolgen nur, wenn es auch Gewinne gibt, mit denen man bezahlen kann.

Investitionen, insbesondere direkte Auslandsinvestitionen, bieten jedoch mehr als nur die reine Finanzierung:

Durch Aus- und Fortbildung

werden menschliche Ressourcen entwickelt, man gewinnt Zugang zur Technologie und stellt eine Verbindung her zu internationalen Exportmärkten,
das einheimische Vertriebs-know how wird gefördert und häufig erfolgen
einheimsche Investitionen in verwandte Industrien.

Die einzelnen Regierungen schaffen die Bestimmungen, unter denen Investoren arbeiten.

Die Investoren gründen ihre Entscheidungen auf ihre

Einschätzungen wahrscheinlicher Risiken und Gewinne.

Es geht darum, an-

gesichts harter Konkurrenz hinsichtlich internationaler Wirtschaftsressourcen direkte Auslandsinvestitionen anzuziehen.

Es bedarf politischen Mutes und politischer Entscheidungskraft, um
eine Wettbewerbsposition zu entwickeln.

Notwendig sind hierfür innere

Anpassungen sowie internationale Zusammenarbeit.

Internationale Anstren-

gungen können kein Ersatz sein für eine gesunde politische und wirtschaftliche Führung im eigenen Lande.

Internationale Zusammenarbeit kann

eine wirksame einheimische Politik unterstützen; sie kann nicht an ihre
- 12 -

'

�an ihre Stelle treten.

Wenn überhaupt, dann sind es heute die Privatunternehmen, die potentiellen Investoren, die sich Sorgen machen über die Schwierigkeiten, angesichts restriktiver Bestimmungen zu arbeiten, die von regierungsamtlichen Bürkratien mit wenig Verständnis für Produktion oder Markterfordernisse erlassen worden sind.

Wenn wir verwirklichen wollen, wofür wir im Hinblick auf Wachstum,
Billigkeit und einen besseren Lebensstandard eintreten, dann haben wir
alle eine Verantwortung dafür, unsere stereotypen Vorstellungen zu modifizieren oder aufzugeben, die nicht länger angemessen sind.

Heutzutage

kann die Herstellung attraktiver Bedingungen für einheimische wie auch
für ausländische Investitionen ein Weg zu mehr statt zu weniger Freiheit
und Unabhängigkeit sein.

Dies ist ein entscheidend wichtiger Teil einer

jeden Stategie zur Wiederherstellung des Wachstums.

Schliefilich möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Zukunft dieser
Hemisphäre sowie über diese Organisation darlegen.

Die OAS hat die Möglichkeit, mehr als die Summe ihrer Teilnehmerstaaten zu sein, weil sie in gemeinsamer Aktion verschiedenartige Elemente
vereinigen kann.

Sie kann auf beneidenswerte Erfolge zurückblicken - der

Friedensbewahrung, der Förderung der Menschenrechte und der technischen
und anderweitigen Zusammenarbeit für die Sache der Entwicklung.

Heute,

da mehr als 90 Prozent der Menschen dieser Hemisphäre in Demokratien leben oder in Ländern, die sich ganz deutlich im "Übergang zur Demokratie
befinden, sind wir der Verwirklichung eines gemeinsamen Ideals näher denn
je zuvor: einer Hemisphäre, die zu 100 Prozent demokratisch ist.

Bei der immer größer werdenden Komplexität der Beziehungen und der
Chancen dieser Hemisphäre kann die OAS sich nicht direkt mit allem befassen.

Aber diese Institution bildet die gemeinsame Grundlage für uns al-

le, den Rahmen für viele unserer Erörterungen sowie das Arsenal wichtiger
gemeinsamer Hoffnungen.

Die
- 13 -

einstimmige

�Die einstimmige Wahl von Botschafter Baena Soares zum Generalsekretär
bietet große Aussichten für die Zukunft der CAS. Meine Kollegen und ich
sehen einer kontinuierlichen engen Zusammenarbeit mit ihm sowie mit den
Delegierten aller Mitgliedstaaten entgegen, um die OAS zu einem wirksameren Instrument der Zusammenarbeit in dieser Hemisphäre zu machen.

Kurz nach seiner Amtsübernahme hat sich der Generalsekretär verpflichtet , die Organisation "mit neuem LeDen zu erfüllen", für einen neuen Geist zu sorgen und sie effektiver in die hemisphärischen Angelegenheiten einzubinden.

Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Ziele.

Wir alle sind uns der Tatsache bewubt, daü die DAS sich wie aucn jede andere Institution den sich ändernden Zeiten anpassen muß.

Die Veränderungen in dieser Hemisphäre sowie in der Mitgliedschaft
der Organisation beispielsweise haben deutlich gemacht, daß wir eine neue
Definition der Lastenteilung

hinsichtlich

ihres

Haushaltes benötigen.

Generalsekretär Baena Soares hat den Mut und die Initiative gehabt, öffentlich zu erklären, dal3 das gegenwärtige, im Jahr 19h9 geschaffene
System einer Revision bedarf.

Frühere Vollversammlungen der OAS haben

die Notwendigkeit unterstrichen, ein eigenes Quotensystem zu schaffen.
Die Vereinigten Staaten werden in jeder nur möglichen Weise zu einer Lösung beitragen.

Mit Blick auf dieses Ziel werden wir uns um eine Erhö-

hung der freiwilligen Beiträge für die technischen Unterstützungsprogramme der OAS bemühen.

Diese Organisation hängt wie jede andere von der Qualität der Anstrengung ab, die man in sie hineingibt.

Als souveräne Nationen werden

unsere Anstrengungen die Natur und die Qualität unserer Regierungen widerspiegeln.
nicht einfach.

Eine gute Führung der Geschäfte in schweren Zeiten ist
Sie erfordert politischen Mut und staatsmännischen Weit-

blick. Sie erfordert Umsicht und Beharrlichkeit.

Aber die Menschen reagieren positiv auf eine Führung, die von Prinzipien geleitet wird.

Sie werden Staatsmänner unterstützen, die den Mut

haben, Drogenhändler vor Gericht zu stellen und sich gegen terroristische
Aktionen zu wenden.

Sie werden Regierungen unterstützen, die echte Ar-

- 14 -

�die echte A r b e i t s p l ä t z e schaffen, indem sie die produktive K r a f t der P r i v a t i n i t i a t i v e freisetzen.
Die Demokratie b i e t e t die

f a i r s t e und beste M ö g l i c h k e i t , Führer mit

diesen Qualitäten auszuwählen.

Diese OAS, die demokratischer als jemals

zuvor i s t , hat eine Chance, die besser a l s jemals zuvor i s t , uns dabei zu
h e l f e n , gemeinsam die Verheißungen der neuen Welt zu v e r w i r k l i c h e n .
ken wir es an.

- 15 -

Pak-

�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

•WA«

V

14. November 1990

45

KSE

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER
KONVENTIONELLE STREITKRÄFTE IN EUROPA
Eine Übersicht des ACDA

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen

LANDWIRTSCHAFT

DER US-LANDWIRTSCHAFTSVORSCHLAG
BEI DER URUGUAY-RUNDE
Eine Übersicht

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�KSE
14. November 1990

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KONVENTIONELLE
STREITKRÄFTE IN EUROPA
Eine Übersicht des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Dokumentation mit dem Titel "KSE - Die Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa" wurde am 5. November 1990 in einer aktualisierten Ausgabe vom
amerikanischen Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa
Die massive Überlegenheit des Warschauer Pakts bei
konventionellen Streitkräften und insbesondere der
unverhältnismäßig große Umfang der sowjetischen
Truppen haben seit über vierzig Jahren eine instabile
Sicherheitslage in Europa geschaffen. Die von Michail
Gorbatschow versprochenen einseitigen Streitkräftereduzierungen und die infolge der politischen Revolutionen von 1989 geschlossenen bilateralen Vereinbarungen zum Abzug sowjetischer Truppen und sowjetischen Geräts aus Osteuropa sind begrüßenswerte
Schritte zur Behebung dieses Ungleichgewichts. Aber
auch nach erfolgtem Abzug aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Polen und Deutschland wird die Sowjetunion immer noch das bei weitem größte stehende
Heer in Europa haben.
Es gibt keine Garantie dafür, daß der Umfang der
sowjetischen Streitkräfte in Zukunft weiter abgebaut
wird oder sie davon Abstand nehmen werden, Osteuropa erneut zu besetzen, wenn sich das politische
Klima verändert. Seit Aufnahme der Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) am 9.
März 1989 bemühen sich die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten um ein Abkommen, mit dem gewährleistet werden kann, daß die Streitkräfteniveaus der
Zukunft sowohl niedriger als auch ausgewogener sind.
Der Abschluß eines solchen Abkommens ist eine der
höchsten sicherheitspolitischen Prioritäten der Vereinigten Staaten.
Vertreter der sechzehn Mitgliedstaaten der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) und der sechs

AMERIKA DIENST 45

verbleibenden Mitglieder des Warschauer Pakts verhandeln in Wien unter einem Mandat, das die geographische Region vom Atlantik bis zum Ural abdeckt
(ATTU). Die Ziele der Verhandlungen sind die Schaffung eines stabilen und sicheren Gleichgewichts der
konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem Niveau,
die Beseitigung von Ungleichgewichten bei den Streitkräften sowie die Beseitigung der Fähigkeit zur Auslösung eines Überraschungsangriffs und zur Einleitung
großangelegter Offensiven. Die Mitglieder der NATO
haben eingehende Vorschläge unterbreitet, um diese
Ziele zu erreichen. Sie beinhalten gleiche Obergrenzen bei entscheidenden Waffensystemen, Beschränkungen der Arsenale einzelner Länder und Untergrenzen zur Verhinderung ungerechtfertigter Streitkräftekonzentration in bestimmten Bereichen der ATTURegion.
Der Umfang der KSE hebt sie von bisherigen konventionellen Abrüstungsverhandlungen ab, die nur einige
Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Pakts
einbezogen und sich ausschließlich auf Streitkräfteniveaus in Mitteleuropa konzentriert haben. Ein Vertrag,
an dem 22 Länder beteiligt sind und in dem es um
Tausende von Waffensystemen in einem Gebiet von
mehr als zweieinhalb Millionen Quadratmeilen geht,
sieht sich mit komplexen Problemen konfrontiert.
Schwierige technische Fragen wie Definitionen, Zählregeln, Methoden zur Zerstörung abgezogenen Geräts und die Verifizierung müssen gewissenhaft ausgehandelt werden. Um Präsident Bush aus seiner
Rede im Mai 1990 zu zitieren: "Der... Vertrag über
Konventionelle Streitkräfte in Europa wäre das ehrgeizigste Abkommen über konventionelle Rüstungskontrolle, das je geschlossen wurde."

Seite 1

�Das von der NATO angestrebte KSE-Abkommen wird
eine wichtige Grundlage für die neue politische und
militärische Ordnung in Europa darstellen. Es wird ein
grundlegendes Element von Sicherheit und Vertrauen
in einer Zeit rascher Veränderungen bieten. Ein wesentlicher Vorteil des KSE-Vertrags besteht darin, daß
die militärische Fähigkeit des gemäß der Vertragsgrenzen reduzierten Geräts zerstört wird. Die Verifikationsvorschläge, die umfangreichen Datenaustausch
ebenso beinhalten wie Vor-Ort-Inspektionen, gestatten uns nicht nur, die Vertragsbestimmungen zu überwachen und Verletzungen abzuschrecken, sondern
tragen auch maßgeblich zur Vertrauensbildung bei.
Nicht zuletzt wird nur ein KSE-Vertrag die sowjetischen Streitkräfte auf die westliche Sowjetunion begrenzen und gleichzeitig das Vertrauen der Sowjetunion in die Respektierung ihrer legitimen Sicherheitsinteressen stärken.
Die KSE-Verhandlungen haben in einer außergewöhnlich konstruktiven Atmosphäre stattgefunden und waren
von guten Fortschritten gekennzeichnet. Die NATO
hofft, vor Ende des Jahres 1990 einen Vertrag zu
schließen.
Elemente eines KSE-Vertrags
Panzer und Artillerie
Kernstück eines KSE-Vertrags ist die Reduzierung
und Eingrenzung von zwei Hauptkategorien gepanzerter Fahrzeugen - Panzern und gepanzerten Kampffahrzeugen - sowie Artillerie, die zusammengenommen das zentrale Element einer konventionellen Offensivfähigkeit ausmachen.
Kampf panzer bilden das Hauptelement eines Offensivangriffs und stehen als solche im Brennpunkt der
Verhandlungen. Zur Zeit verfügt der Warschauer Pakt
über etwas mehr als die Hälfte aller Panzer in Europa.
Die 22 Teilnehmerstaaten haben Einigung über eine
Definition von Kampf panzern erzielt und gleiche Obergrenzen von 20 000 Panzern für jede Seite vereinbart.
Dies würde die Verschrottung von Tausenden von
Panzern des Ostens erforderlich machen und damit
die Stabilität in der ATTU-Region maßgeblich festigen.
Gepanzerte Kampffahrzeuge (ACV) gewährleisten
die Mobilität der Infanterie und Unterstützung während
des Kampfes. Sie können bei Offensiven ein entscheidender Faktor sein, und ihr Abbau geht daher Hand in
Hand mit der Notwendigkeit zur Reduzierung von
Panzern. Zu den ACV zählen Mannschaftstransportwagen (APC), die schnell einsatzfähigen Schützenpanzer (AIFV) und Kampffahrzeuge mit schwerer
Bewaffnung (HACV). Die Unterhändler aus Ost und
West haben sich auf Definitionen dieser Fahrzeuge
geeinigt und Obergrenzen von 30 000 ACV für jede
Seite festgelegt. Darüber hinaus wurden Zwischenobergrenzen von 18 000 AIFV und HACV für jede
Seite vereinbart, wobei die Zahl der HACV pro Seite
1 500 nicht überschreiten darf.
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Artillerie liefert die erforderliche Feuerkraft für die
Durchführung von Kampfeinsätzen. Die Verhandlungsteilnehmer haben sich auf eine Definition für diese
Waffenkategorie geeinigt und vereinbart, daß die
Obergrenze jeder Seite bei 20 000 Artilleriegeschützen liegen soll.
Truppenstärken, Flugzeuge und Hubschrauber
Beim NATO-Gipfeltreffen im Mai 1989 schlug Präsident Bush eine Initiative für die Einbeziehung dreier
zusätzlicher Waffenkategorien in die KSE-Verhandlungen vor: Truppenstärken, Kampfflugzeuge und
Kampfhubschrauber. Die Staats- und Regierungschefs der NATO unterstützten diese Initiative, die dann
auch vom Osten angenommen wurde. Diese Elemente sind jetzt ein wesentlicher Aspekt der Verhandlungen. Der Warschauer Pakt verfügt zur Zeit über eine
destabilisierende zahlenmäßige Überlegenheit in all
diesen Bereichen.
Truppenstärken Beim NATO-Gipfel im Juli 1990
schlugen die Staats- und Regierungschefs der NATO
vor, daß nach der Unterzeichnung eines KSE-Vertrags
Folgeverhandlungen aufgenommen werden sollten,
die dem neuen Abkommen zusätzliche Bestimmungen hinzufügen sollten, einschließlich Begrenzung der
Truppenstärken in Europa. Mit diesem Ziel vor Augen
wurde vereinbart, daß eine Verpflichtung im Hinblick
auf die Truppenstärke in einem vereinigten Deutschland eingegangen werden müßte. In einer Rede bei
der Plenarsitzung der KSE erklärten der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und sein Amtskollege aus der Deutschen Demokratischen Republik
am 30. August 1990, bei Unterzeichnung des KSEVertrags alles in ihrer Macht Stehende unternehmen
zu wollen, um innerhalb von drei bis vier Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrags die Streitkräfte des vereinigten Deutschlands auf 370 000 Mann zu reduzieren.
Von dieser Gesamtzahl werden lediglich 345 000 Mann
den Land- und Luftstreitkräften angehören, die voll
und ganz vom Mandat der KSE abgedeckt werden. Im
Einklang mit derdeutschen Verpflichtung zur Truppenstärke unterbreitete die NATO offiziell den Vorschlag,
der KSE-Vertrag solle eine Verpflichtung zu KSEFolgeverhandlungen mit denselben Teilnehmern und
Mandaten enthalten. Darüber hinaus schlug die NATO
vor, daß alle KSE-Teilnehmer sich zu einer politischen
Verpflichtung bereiterklären, ihre Truppenstärken für
die Dauer der Folgeverhandlungen nicht zu erhöhen.
Kampfflugzeuge. Die Begrenzung von Kampfflugzeugen gehört zu den am heftigsten debattierten
Verhandlungspunkten. Angesichts der Flexibilität und
Mobilität dieser Flugzeuge vertritt der Westen die
Auffassung, daß alle ständig stationierten kampffähigen Flugzeuge in der ATTU-Region in die Verhandlungen einbezogen werden sollten, unabhängig von ihrer
derzeitigen Rolle, Mission oder Bestimmung. Die
westlichen Vorschläge zur erheblichen Reduzierung
der Anzahl landgestützter Kampfflugzeuge und BeseiAMERIKA DIENST 45

�tigung des Ungleichgewichts in der Region zugunsten
des Ostens wurden von mehreren unannehmbaren
Vorschlägen der Sowjets erwidert, die eine große Zahl
ihrer landgestützten Marine- und andere Kampfflugzeuge aus den vereinbarten Obergrenzen ausklammern wollten. Im Oktober 1990 erzielten beide Seiten
in New York eine umfassende Grundsatzvereinbarung
zur Definition von Kampfflugzeugen sowie zu den
jedem Land erlaubten Obergrenzen. Die Unterhändler
haben vereinbart, Kampfflugzeuge auf 6 800 für jede
Seite zu begrenzen. Darüber hinaus wurde entschieden, daß die Teilnehmerstaaten eine politische Verpflichtung außerhalb des KSE-Vertrags eingehen
würden, um landgestützte Marineflugzeuge zu reduzieren.
Angriffshubschrauber Sie leisten Feuerunterstützung, bieten Flexibilität und rasche Mobilität und spielen damit eine wichtige Rolle bei militärischen Operationen. Die Unterhändler sind übereingekommen, die
Obergrenzen für diese Hubschrauber auf 2 000 für
jede Seite festzulegen. Die bei den Ministertreffen in
New York im Oktober 1990 erzielten Fortschritte haben den Weg für weitere Abkommen in Wien zur
Definition von Hubschraubern und damit einhergehenden Bestimmungen geebnet.
Andere Vertragselemente
Verifikation und Einhaltung Die Fähigkeit zur wirksamen Verifikation der Reduzierung von Rüstungen
und ihre Beibehaltung auf niedrigeren Niveaus wird
zentraler Bestandteil eines KSE-Vertrags sein. Der
Westen hat Bestimmungen für detaillierten Datenaustausch, Vor-Ort-Inspektionen und Überwachung der
Verschrottung eingebracht. Wichtige Fortschritte bei
Definitionen, Verfahren und Quoten der Inspektionen
wurden beim New Yorker Ministertreffen im Oktober
1990 erzielt. Einzelheiten des Verifizierungsregimes
werden noch in Wien erörtert.
Verschrottung Der Westen vertritt die Auffassung,
daß die Zerstörung der militärischen Fähigkeit von
Gerät, das reduziert werden soll, entscheidend ist,
wenn die schnelle Wiederherstellung der militärischen
Vormachtstellung des Ostens verhindert werden soll.
Sie ist darüber hinaus eine wichtige Methode zur Gewährleistung der Vertragseinhaltung. Die meisten
Schlüsselelemente des Protokolls zur Reduzierung
sind vereinbart, darunter auch Bestimmungen zur Umrüstung von Gerät der Bodentruppen zum Einsatz für
nichtmilitärische Zwecke, nach der Zerstörung von
Feuerkraft und Panzerung.
Stabilisierende Maßnahmen Der westliche Vertragsentwurf enthält eine Reihe anderer Maßnahmen, die
zu Vertrauen und Stabilität im regionalen Bereich
beitragen würden. Die wichtigste dieser Maßnahmen
ist die Bestimmung über die Lagerung von Gerät, die
den Bereitschaftsgrad beider Gruppen betrifft und
gleiche Untergrenzen für Gerät fordert, das bei aktiven
Einheiten stationiert ist.
AMERIKA DIENST 45

Regionale Differenzierung und Hinlängllchkelt
Neben Verhandlungen über die Begrenzung der Zahl
von Waffensystemen, die in jeder Kategorie und auf
jeder Seite in der gesamten ATTU-Region zulässig
sind, verhandeln die Teilnehmer auch über regionale
zahlenmäßige Begrenzungen. Die Untergrenzen würden
dazu beitragen, destabilisierende Truppenkonzentrationen bei Bodengerät zu verhindern. Im Hinblick auf
die regionale Verteilung und Zwischenobergrenzen
bestehen noch gewisse Differenzen. Beide Seiten
stimmen überein, daß darüber hinaus Obergrenzen für
den verhältnismäßigen Anteil jedes Staates an den
Waffensystemen eigeführt werden ("Hinlänglichkeit").
Im Oktober 1990 einigten sich Außenminister Baker
und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse
auf spezifische zahlenmäßige Begrenzungen jeder
Kategorie des vertraglich begrenzten Geräts. Die
Hinlänglichkeitsquoten erstrecken sich auf rund ein
Drittel des gesamten in der Region zulässigen Geräts.
KSE-Chronologie
10. Januar 1989. In Wien paraphieren die 23 Staaten
von NATO und Warschauer Pakt ein Mandat, in dem
Umfang und Form der Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) definiert werden.
9. März 1989. Die KSE-Gespräche zwischen den 23
Staaten von NATO und Warschauer Pakt werden in
Wien formell eröffnet. Der erste NATO-Vorschlag zielt
auf die Reduzierung und Begrenzung von Kampf panzern, gepanzerten Kampffahrzeugen und Artillerie ab.
23. März 1989. Runde I der KSE-Gespäche wird
beendet.
5. Mai 1989. Eröffnung von Runde II.
29.- 30. Mai 1989. Während eines NATO-Gipfeltreffens unterstützen die Staats- und Regierungschefs
der NATO einstimmig den Vorschlag Präsident Bushs,
die KSE-Verhandlungen auf Begrenzungen der Truppenstärken, Kampfflugzeuge und Hubschrauber auszudehnen und die Verhandlungen innerhalb eines
Zeitraums von sechs Monaten bis zu einem Jahr
abzuschließen.
13. Juli 1989. Die NATO unterbreitet in Wien einen
umfassenden Vorschlag, der die beim NATO-Gipfeltreffen vom Mai vereinbarten Initiativen einbezieht.
13. Juli 1989. Runde II der KSE-Verhandlungen wird
beendet.
7. September 1989. Runde III wird eröffnet.
22. September 1989. Der Westen bringt einen Vorschlag über Informationsaustausch, stabilisierende
Maßnahmen, Nichtumgehung und Verifizierung ein.
17. Oktober 1989. Die Unterhändler aller Teilnehmerstaaten einigen sich in Wien auf eine Definition für
Artillerie.
Seite 3

�19. Oktober 1989. Die Staaten des Warschauer Pakts
legen ihre Vorschläge zu Verifizierung, Informationsaustausch und stabilisierenden Maßnahmen vor, von
denen viele die Sprachregelungen der bereits von der
NATO unterbreiteten Vorschläge widerspiegeln.
19. Oktober 1989. Beendigung von Runde III der KSEGespräche.
9. November 1989. Eröffnung von Runde IV.
14. Dezember 1989. Sowohl die NATO als auch der
Warschauer Pakt legen Vertragsentwürfe vor.
21. Dezember 1989. Runde IV der KSE-Verhandlungen wird abgeschlossen.
12. Januar 1990. Runde V wird eröffnet.
13. Februar 1990. In Ottawa einigen sich die Außenminister der 23 KSE-Teilnehmerstaaten darauf, die
außerhalb ihres nationalen Territoriums in der Zone
Europa Mitte stationierten amerikanischen und sowjetischen Land- und Luftstreitkräfte auf je 195 000 Mann
zu begrenzen. Darüber hinaus dürfen die Vereinigten
Staaten 30 000 Mann außerhalb dieser Zone stationieren. Diese Vereinbarung wurde unabhängig von
anderen Truppenbegrenzungen bei KSE getroffen.
22. Februar 1990. Die NATO schlägt ein detailliertes
Inspektionsprotokoll vor. Runde V der KSE-Verhandlugnen wird abgeschlossen.
15. März 1990. Eröffnung von Runde VI. Die NATO
unterbreitet einen Protokollentwurf zur Zerstörung sowie
einen Vertragsartikel über Reduzierungen. Darüber
hinaus bringt die NATO einen Protokollentwurf zu
Notifizierung und Informationsaustausch ein. Der
Westen hat nun Vorschläge für alle wichtigen Elemente eines KSE-Vertrags vorgelegt.
27. April 1990. Runde VI der KSE-Verhandlungen wird
beendet.
14. Mai 1990. Runde VII wird eröffnet.
1. Juni 1990. In einer gemeinsamen Erklärung beim
Washingtoner Gipfel bezeichnen die Präsidenten Bush
und Gorbatschow KSE "als unabdingbar für die zukünftige Stabilität und Sicherheit auf dem Kontinent"
und verpflichten sich zum Abschluß eines KSE-Abkommens bis Ende 1990.
27. Juni 1990. Die Unterhändler der 23 Teilnehmerstaaten verständigen sich auf ein umfassendes Paket
im Hinblick auf Begrenzungen von Panzern, einschließlich der Definitionen für Kampfpanzer, ACV, AIFV,
APC und HACV sowie Obergrenzen für diese Art von
Gerät.

Rüstungskontrollpriorität" der NATO und fordern Folgeverhandlungen mit gleichem Mandat und denselben
Teilnehmern, die nach Abschluß eines KSE-Vertrags
aufgenommen werden sollen. Die Folgegespräche
würden mit zusätzlichen Maßnahmen auf dem heutigen Abkommen aufbauen, einschließlich Maßnahmen
zur Begrenzung der Truppenstärken in Europa. Mit
diesem Ziel vor Augen würde zum Zeitpunkt der Unterzeichnung eine Verpflichtung bezüglich der Truppenstärke in einem vereinigten Deutschland abgegeben.
30. August 1990. In einer Rede vor der KSE-Plenarsitzung erklären Bundesaußenminister Genscher und
sein Amtskollege aus der Deutschen Demokratischen
Republik gemeinsam, daß sie sich zum Zeitpunkt der
Unterzeichung eines KSE-Vertrags zu einer maximalen Truppenstärke von 370 000 Mann in einem vereinigten Deutschland verpflichten würden. Im Rahmen
dieser Gesamtzahl wird die Zahl der Land- und Luftstreitkräfte maximal 345 000 Mann betragen, die voll
und ganz vom KSE-Mandat abgedeckt sind. Im Einklang mit der deutschen Verpflichtungen bezüglich der
Truppenstärke unterbreitet die NATO den offiziellen
Vorschlag, daß der KSE-Vertrag eine Verpflichtung zu
KSE-Folgegesprächen mit denselben Teilnehmern und
gleichem Mandat enthalten soll. Darüber hinaus schlägt
die NATO vor, daß alle KSE-Teilnehmer sich auf eine
politische Verpflichtung einigen, die Truppenstärken
für die Dauer der Folgeverhandlungen nicht zu erhöhen.
12. September 1990. Außenminister Baker und sein
sowjetischer Amtskollege Schewardnadse einigen sich
in Moskau darauf, daßdie Obergrenzen für stationierte
Truppen nicht in die laufenden KSE-Verhandlungen
einbezogen werden.
3. Oktober 1990. Die Bundesrepublik Deutschland
und die Deutsche Demokratische Republik vereinigen
sich. Die Verhandlungen werden mit Teilnahme von
22 Staaten fortgesetzt. Ehemalige DDR-Bestände
werden jetzt im Rahmen der Gesamtzahlen des Westens
gezählt.
5. Oktober 1990. In Konsultationen mit den Außenministern aller Teilnehmerstaaten einigen sich die Außenminister Baker und Schewardnadse im Prinzip auf
alle wesentlichen noch offenen Fragen bei KSE. Zu
den bei den New Yorker Treffen erzielten Entscheidungen zählen Obergrenzen für Artillerie und Hubschrauber sowie die Lösung der Probleme mit landgestützten
Marineflugzeugen. Entscheidende Fortschritte wurden darüber hinaus bei Obergrenzen für Flugzeuge,
Hinlänglichkeit, Zonen und Verifizierung erzielt.

6. Juli 1990. Beim NATO-Gipfeltreffen in London
bezeichnen die Staats- und Regierungschefs der 16
Mitgliedstaaten in einer Erklärung KSE als "höchste

Seite 4

AMERIKA DIENST 45

�Stand der wesentlichen KSE-Vertragselemente

Kampfpanzer
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
20 000 pro Seite

Artillerie
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
20 000 pro Seite

Gepanzerte Kampffahrzeuge
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbarung über 30 000 gepanzerte Kampffahrzeuge (ACV)
pro Seite mit Zwischenobergrenzen von 18 000 Schützenpanzern (AIFV) und Kampffahrzeugen mit schwerer Bewaffnung
(HACV) pro Seite, deren Zahl maximal 1 5000 betragen darf.

Kampfflugzeuge
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
6 800 pro Seite

Angriffshubschrauber
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
2 000 pro Seite

ik * * *

AMERIKA DIENST 45

*

Seite 5

�GOLFKRISE
14. November 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf bis zum 6. November 1990 eingegangene
Informationen und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde
Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATOPartner kommen am 10. September 1990 zusammen,
um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Weitere vier C-130
werden den WEU-Ländem zur Verfügung gestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.

AMERIKA DIENST 45

Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff ins östliche Mittelmeer, um die Seewege
zu schützen und die Verlegung von Schiffen der NATO
für den Einsatz im Golf zu ermöglichen. Genehmigt die
Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland zur Unterstützung der Golf mission und beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen. Am 16.
August 1990 stellt die Bundespost den Brief-und
Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait ein. An Hilfsleistungen für die Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen
Hilfsleistungen, die folgendermaßen aufgeschlüsselt
werden: Militärisches Gerät im Wert von 1,1 Milliarden
Dollar, das den Streitkräften am Golf zur Verfügung
gestellt werden kann, zusätzliche Hilfsleistungen in
Höhe von 835 Millionen Dollar an die Frontstaaten
sowie 275 Millionen für die Verlegung von Streitkräften
und Gerät. Im Rahmen der militärischen Unterstützung hat die Bundesrepublik für die unverzügliche
Abwicklung von Anfragen der Vereinigten Staaten
nach Gerät gesorgt. Auf Kosten der Bundesrepublik
werden 60 ABC-Spürpanzer des Typs Fuchs aus den
Beständen der Bundeswehr abgezogen und zum Einsatz
in der Golfregion modernisiert und umgerüstet. Darüber hinaus stellt sie Ausbildung und logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die Kosten. Die
Kosten für dieses gesamte Paket "Fuchs" belaufen
sich schätzungsweise rund 100 Million Dollar.

Seite 1

�Dänemark

Griechenland

Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
schätzungsweise auf 22,5 Millionen Kronen. Das Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubfinanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt werden soll. Die dänische
Regierung trägt 4 Millionen Dollar zur Unterstützung
von Flüchtlingen aus dem Irak und Kuwait bei. Erlaubt
die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in SaudiArabien. Die Regierung hat sich darüber hinaus bereiterklärt, im Bedarfsfall Seetransportdienste zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material an den
Golf zur Verfügung zu stellen. Dänemark hat femer
seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen
UN-Friedensmission im Golf erklärt. Hat positiv auf die
Bitte reagiert, ABC-Schutzausrüstung an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus
Lücken in der NATO-Verteidigung schließen, die sich
aus der Verlegung von Gerät der Bündnispartner an
den Golf ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte. Unterstützt Sanktionen der EG gegen den
Irak und das UN-Ölembargo.

Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Vollständige Einhaltung der UN- und EG-Sanktionen,
einschließlich des ölembargos. Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Überflugerlaubnisfür Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter
Länder auf dem Weg zum Golf. Uneingeschränkte
Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen. Bereitstellung der Hafenanlagen
für verbündete Seestreitkräfte.

Frankreich
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist als Ersatz für die Fregatte MONTCALM aus Brest zur Straße von Hormuz
ausgelaufen, um das internationale Embargo gegen
den Irak durchzusetzen. Voraussichtliche Ankunft der
LA MOTTE-PIQUET in der Straße von Hormuz ist der
31. Oktober 1990. Zwei Wellen Kampfflugzeuge werden
am 14. Oktober von Toul nach Saudi-Arabien entsandt. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait gibt
Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Aufklärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Eine nachrichtendienstliche Einheit des Heeres soll in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Seite 2

Großbritannien
Die in den Golf entsandten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 1 2 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Verlegung von 120
Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Abfangjäger, einem Geschwader TornadoKampfflugzeuge, einem Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankflugzeugen und Nimrod-Seeaufklärem, 2 Schiffen für den Seetransport. Friert als
zweites Land (nach den USA) die kuwaitischen und
irakischen Vermögenswerte (im Gesamtwert von 7,2
Milliarden Dollar) ein. Uneingeschränkte Unterstützung der UN-Wirtschaftssanktionen zu beträchtlichen
Kosten für die britische Handelsbilanz. Die Königliche
Marine beteiligt sich aktiv am Abfangen von Schiffen,
in denen unter Verletzung der Sanktionen für den Irak
oder Kuwait bestimmte Güter vermutet werden. Unterbrechung sämtlicher Luft- und Seeverkehrsverbindungen mit dem Irak und Kuwait, außer für Evakuierungsflüge. Bewilligt 10,8 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2 Millionen im Rahmen des EGBeitrags zur Verfügung gestellt werden.
Island
Erklärt seine uneingeschränkte Unterstützung der UNWirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe
bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden sollen:

Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes
auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen und
noch zu benennende andere Kanäle.
Italien
Entsendung von acht Tornado-Kampfflugzeugen in
die Vereinigten Arabischen Emirate. Vier Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der irakischen Militärattaches und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten
bekannt. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren
irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot

AMERIKA DIENST 45

�irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste.
Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.
Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Iraks betroffen sind.
Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader, zwei Zerstörerund
ein Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht an den Golf. Verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen Dollar für die Türkei,
Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und
Bangladesch. Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung
von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe
zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt,
ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten in den Golf. Verlegung eines Versorgungsschiffs für November geplant.
Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18
F-16 in die Golfregion. Kostenlose Lieferung von
50 000 ABC-Schutzanzügen im Gesamtwert von 20,4
Millionen Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3
Millionen Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million
wird von privaten Geldgebern gespendet. Die Regierung verkündet die Bereitstellung von etwa 93 Millionen Gulden an bilateraler Hilfe für die Frontstaaten. 40
Prozent dieser Summe werden bereits im Jahr 1990
ausgezahlt. Die Niederlande werden sich ferner an der
EG-Hilfe für von der Golfkrise in Mitleidenschaft gezogene Länder beteiligen.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen aus Bangladesch, Indien, Pakistan und
Sri Lanka, um die für diese Länder durch die Krise

AMERIKA DIENST 45

entstehenden Kosten zu mildern. Militärflugzeuge
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht.
Norwegen stellt im Rotationsverfahren ein Schiff für
den ständigen Einsatzverband Atlantik der NATO zur
Verfügung und bietet die Bereitstellung zweier weiterer
Schiffe an, um zum Golf entsandte Schiffe der Verbündeten zu ersetzen. Ein Schiff der norwegischen Küstenwache befindet sich zur Unterstützung der dänischen Korvette im Golf. Sechzehn Luftabwehrraketen
werden der dänischen Marine zur Verfügung gestellt
und 9 Freund/Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Norwegen berät mit den Vereinigten Staaten über die Bereitstellung eines Tankers
mit Treibstoff für die Marinestreitkräfte im Golf. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte.
Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die Flüchlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung des Stützpunkts
Lajes auf den Azoren und Montijo auf dem Festland für
Truppentransporte gestattet. Ein über die WEU bereitgestelltes Marinetransportschiff transportiert gegenwärtig eine erste Lieferung von Nahrungsmitteln und
Medikamenten zu den britischen Truppen am Golf.
Zwei Handelsschiffe werden an die American Maritime
Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldlazarett,
Medikamente sowie deren Transport an. Eine C-130
der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports
ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt,
öl- und Waffenembargo. Vollständige Durchführung
aller anderen von der UNO beschlossenen Sanktionen.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und das Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch gemeinsame Nutzung
militärischer Einrichtungen in Spanien. Benutzung
spanischer Häfen für logistische Unterstützung und
Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der Repatriierung ägyptischer und
asiatischer Flüchtlinge aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit

Seite 3

�Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin, dessen Ladung
voraussichtlich über den Iran in den Irak transportiert
werden soll. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringend benötigten Nahrungs- und Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Luftverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit
Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung des
türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist
aus Bangladesch und Pakistan), die Irak auf dem
Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu
bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im
Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und zum
Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.

Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionen gegen Irak überwachen. Bereitstellung
von 11,2 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke und
Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt uneingeschränkt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits
verabschiedeten Resolutionen. Beteiligt sich voll und
ganz an den Wirtschafts- und Handelssanktionen der
Europäischen Gemeinschaft.

Vereinigte Staaten

Jugoslawien

Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach SaudiArabien. Zur Zeit befinden sich 9 Kriegsschiffe und
zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos, das kommerzielle Nahrungsmittellieferungen einschließt, gegen den Irakund
das besetzte Kuwait. Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Die Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen
36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus, verfügen die Ausweisung von drei weiteren Diplomaten bis zum 28.
September. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich
zu Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für
die Flüchtlinge in der Region. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.

Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, die Invasionstruppen abzuziehen. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Wird die Wirtschaftssanktionen der UNO gegen
den Irak durchführen.

Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Berichten zufolge bildet das Land eine aus Freiwilligen
bestehende Sanitätseinheit, einschließlich eines Teams
zur Abwehrchemischer Kriegführung, zur Entsendung
an den Golf aus.

Seite 4

Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erteilt amerikanischen militärischen Transportflugzeugen die Überflugerlaubnis für Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen

.

Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an. Am 10.
Oktober berichtete die regierungstreue Tageszeitung
"Rzeczpospolita": "Der stellvertretende Außenminister Jam Majewski gibt die Entscheidung der Außenministeriums bekannt, den Betrieb der Botschaft der

AMERIKA DIENST 45

�Polnischen Republik vorübergehend einzustellen. Dies
erfolgt nur, weil der normale Betrieb der Botschaft
unmöglich ist. Strom und Wasser wurden abgesperrt,
die Telephonverbindungen unterbrochen, und Wachen der irakischen Armee verweigern den Zugang
zum Gebäude. Unser Vorgehen hat keinerkei Einfluß
auf die erklärte Position Polens im Hinblick auf die
irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses Landes, die wir nicht anerkennen, und wir bekräftigen unsere uneingeschränkte Unterstützung der
entsprechenden Sanktionen des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen. Der Charge d'Affaires Janusz
Dworak hat Kuwait am 6. Oktober verlassen."

verstärken. Eine 170 Mann starke Heereseinheit wird
zu Verteidigungs-und humanitären Zwecken nach
Saudi-Arabien verlegt.
Ungarn
ö l - und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golf region vor.
Vatikan
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits. Lobt die
Resolutionen der Vereinten Nationen über Sanktionen
gegen den Irak.

Rumänien
Zypern
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Ab 20. Oktober Sperrung des schwedischen Luftraums für Flugzeuge mit Gütern für oder
aus Irak und Kuwait. Stellt 20 Millionen Dollar an
Flüchtlingshilfe bereit.
Schweiz
öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel,
außer mit medizinischen Gütern für humanitäre Zwekke. Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal in ihrer
Geschichte an UN-Wirtschaftssanktionen. Entsendet
ein Hilfsteam für Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Invasion und Annexion Kuwaits durch
den Irak. Verhängung eines einseitigen Waffenembargos gegen den Irak. Unterstützt UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Verabschiedung gemeinsamer Erklärungen mit den Vereinigten Staaten, Japan und der Europäischen Gemeinschaft, in denen die
irakische Aggression verurteilt und der Abzug der
irakischen Streitkräfte aus Kuwait gefordert werden.
Ermutigt zur Anwendung multilateraler Mechanismen,
wie etwa des UN-Sicherheitsrats und des Generalstabsausschusses des UN-Sicherheitsrats. Betont
weiterhin die Notwendigkeit einer politischen Lösung
für diese Krise.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen, einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe von und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Einheit zur Abwehr chemischer Waffen,
um die multinationale Streitmacht in Saudi-Arabien zu

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Andere Organisationen - regional und International
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien offiziell zu, mit dem die multilateralen Streitkräfte unterstützt werden sollen.
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind, aus Protest gegen die irakische
Besetzung der diplomatischen Missionen Frankreichs,
Belgiens und der Niederlande in Kuwait. Verhängt
allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf
ihrem Hoheitsgebiet sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt uneingeschränkt alle bis jetzt in
Zusammenhang mit der Golfkrise verabschiedeten

Seite 5

�UN-Resolutionen und fordert die Freilassung der als
Geiseln in Irak und Kuwait festgehaltenen Ausländer.
Die EG stellt 78 Millionen Dollar in Form von Transport,
Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge
bereit.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. SaudiArabien bittet die Vereinigten Staaten und andere
Länder um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen
eine mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien
verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait
wettzumachen.' Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht. Die Föderation der Kammern der Mitgliedstaaten im Golf-Kooperationsrat beschließt, die Mitgliedschaft des Irak zu beenden.

"die vollständige und wirksame Durchsetzung" der
UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC

Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten ProdukInternationale Arbeitsorganisation
tionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela hatten ihre ölförDie Internationale Arbeitsorganisation, eine Unteror- derung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
ganisation der UN, fordert den Irak auf, unverzüglich Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festge- Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
haltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch
angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Karlbische Gemeinschaft und Gemeinsamer Markt
Produktion.
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach unverzüglichem und bedingungslo- Organisation Amerikanischer Staaten
sem Abzug der Invasionsstreitmacht. Die CARICOM Verurteilung der irakischen Invasion und der Annexion
besteht aus Antigua und Barbuda, den Bahamas, Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen ResolutioBarbados, Dominica, Grenada, Guyana, Jamaica, nen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
Montserrat, St. Kitts-Nevis, St. Lucia, St. Vincent sowie die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.
Trinidad und Tobago. Die Dominikanische Republik, Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
Haiti und Surinam haben Beobachterstatus.
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, SüdKonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des Irak. Sie
bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck,
Seite 6

und Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz - OIC
Am 1. Oktober veröffentlichen die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.

AMERIKA DIENST 45

�Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golfregion
wird bekräftigt.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionstruppen gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen den
Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion
Kuwaits für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller
Ausländer durch den Irak verlangt und der internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird,
das Wirtschaftsembargo gegen den Irak durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus diesem Land
unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arzneiund Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak. In der am 29. Oktober 1990 verabschiedeten
zehnten Resolution gegen den Irak wird gefordert, daß
sich der Irak menschlicher gegenüber Angehörigen
von Drittstaaten und Diplomaten verhält. Darüber
hinaus wird der Irak für die von der Invasion Kuwaits
verursachten Schäden verantwortlich gemacht und
dazu aufgefordert, Geiselnahmen sowie die Mißhandlung und Unterdrückung von Kuwaitern und Bürgern
aus Drittstaaten unverzüglich einzustellen sowie die
Ausreise aller Angehörigen von Drittstaaten und Diplomaten, die dies wünschen, zu gestatten und zu fördern. Ferner wird erklärt, daß der Sicherheitsrat
weitere Maßnahmen im Rahmen der UNO-Charta
ergreifen wird, wenn sich der Irak nicht and die UNResolutionen hält.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Äthiopien
Präsident Haile Mengistu Haile Mariam kritisiert die
irakische Invasion Kuwaits, fodert die Wiederherstellung der Souveränität Kuwaits und betont "den festen
Standpunkt und die Verurteilung der Einmischung in
die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten" durch
Äthiopien. Unterstützt eine friedliche Beilegung der
Krise.
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe in die Region. Verhandelt gegenwärtig mit Saudi-Arabien über die Entsendung von
zwei Transportmaschinen der Luftwaffe sowie Bodentruppen.

Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische Organisation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik

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Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen, ö l - und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.

Seite 7

�Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den vollständigen und bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen. Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Unterstützung und vollständige Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats. Hat Einheiten seiner Streitkräfte für die multinationale Streitmacht in Saudi-Arabien zur Verfügung gestellt. Hat einer erheblichen
Aufstockung der multinationalen Marine- und Luftstreitkräfte in seinen Einrichtungen zugestimmt. Hat seinen
Botschafter in Kuwait City belassen. Hat Tausende
kuwaitischer Flüchtlinge aufgenommen und ihnen
geholfen.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.

Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo. Einhaltung der Sanktionen zum WirtschaftsSchiffs- und Luftverkehr mit dem Irak dauert an.
Unterstützt die UN-Resolutionen zur Verurteilung der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits und Forderung nach Wirtschaftssanktionen. Lehnt den Einsatz
von Gewalt zur Beilegung der Krise ab. Fordert eine
Lösung der Krise durch die arabischen Staaten.
Costa Rica

'

Zur Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak.
Ecuador

Belize

Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-ResoluForderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
tionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssankttonen. Ecuador unterhielt vor
Benin
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und und es bestehen allen Erkenntnissen zufolge keine
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Inva- irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerte im Land.
sionstruppen.
Bermuda

El Salvador

Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und bekräftigt
seine Anerkennung der rechtmäßigen Regierung
Kuwaits unter Führung des Emirs. Fordert den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug der irakischen
Truppen aus Kuwait. Vollständige Unterstützung der
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

Bolivien
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait. Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Botswana
Wird den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait bis zum Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait einstellen.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittellieferungen.

Seite 8

•

Gabun
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.

AMERIKA DIENST 45

»

�Guayana

gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.

unter Berufung auf die irakische Invasion und Annexion Kuwaits "und andere Maßnahmen" - Berichten
zufolge werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als "menschliche Schutzschilde" festgehalten seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Krönung von Kaiser Akihito teilzunehmen. Stellt
Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit,
davon 2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht. Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von
Streitkräften, Ausrüstung und Gerät.
Entsendet
medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel,
das bis zu 100 Personen umfassen wird. Die restlichen
2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei,
Ägypten und Jordanien bestimmt, um die durch die
irakische Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildem. Stellt weitere 22 Millionen
Dollar an Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung
gemeinsamer Erklärungen mit der Sowjetunion und
Großbritannien, in denen der Irak zur Freilassung aller
ausländischen Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig
ein UN-Friedenskorps auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee in Zusammenhang
mit Operationen zur Friedenssicherung gestatten würde.

Indien

Jemen

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Der
Leiter der Außenhandelsstelle verkündete am 5. Oktober ein vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und
Kuwait, außer für "Lieferungen für medizinische Zwekke und Nahrungsmittel, sofern sie zu humanitären
Zwecken bereitgestellt werden".

Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.

Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak. Unterzeichnet CARICOM-Erklärung
mit der Forderung nach unverzüglichem Rückzug der
irakischen Truppen aus Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras

,

Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Bietet die Entsendung eines Truppenkontingents an, das sich der multilateralen Streitmacht am Golf anschließen soll. Hat
an konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung der Wirtschaftssanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den
Irak mitgearbeitet.
Hongkong
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen

Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
•
•

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölförderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Israel
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.
Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.
Japan
Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
AMERIKA DIENST 45

Jordanien
Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.
Kenia
President Moi erklärt, daß Kenia alle Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf die Invasion Kuwaits unterstützt.
Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Kündigt die volle Unterstützung für die Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak an. Waffenund Ölembargo, Einstellung des Handels, außer mit
Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Ankündigung eines 220-Millionen-Dollar-Pakets zur

Seite 9

�Unterstützung der multilateralen Verteidigungsbemühungen und betroffenen Frontstaaten.

Mauritius

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Befolgt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum
Irak und hat Maßnahmen ergriffen, um alternative
Laos
Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertes
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von öl zu sichern.
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
Marokko
aus Kuwait.
Kuba

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait. Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiStimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UN- Arabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die Arabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi- zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Arabien aus.
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
Lesotho
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak. Bemüht
Der Vorsitzende des Militärrats und des Ministerrats, sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine BeileGeneralmajor J. M. Lekhanya erklärt, die irakische gung der Krise, die den Forderungen der Vereinten
Invasion habe eine neue und völlig unannehmbare Nationen gerecht wird.
Lage am Golf verursacht. Der Generalversammlung
der Vereinten Nationen teilt er mit, daß Lesotho "die- Mexiko
sen Akt nicht nur als illegal und den vorherrschenden
Geist internationaler Entspannung vergiftend, son- Plant die Steigerung der ölförderung um 100 000
dern auch als gefährlichen Präzedenzfall für die wei- Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
tere Existenz und Sicherheit kleiner Staaten" verurMyanmar
teilt.
Libanon

Macao
Befolgt die UN-Sanktionen.
Madagaskar
Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.
Malaysia
Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 100 000
Dollar.
Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Mall
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.

Seite 10

,

Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak befolgen.
Nepal
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.

•

Neuseeland

»

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen für die Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz ein 40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

AMERIKA DIENST 45

�Nicaragua

Paraguay

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak. Untersagt jeglichen Handel, alle finanziellen Transaktionen
und Geschäftsbeziehungen mit dem Irak. Die Abgeordnetenkammer verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der die irakische Invasion verurteilt und die
UN-Sanktionen unterstützt werden.

Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung derölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten). Unterstützt die
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, in denen der
Irak zum Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Begrü ßt
alle friedlichen Bemühungen zur Beilegung der Krise.

Peru
Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.
Philippinen

Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat seine Unterstützung der
Arabischen Liga, des Golf-Kooperationsrats und der
UN-Resolutionen versichert und fordert den Abzug der
Invasionstruppen.

Pakistan
Im politischen Bereich unterstützt Pakistan die Resolutionen und Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Die Regierung hat die Behörden angewisen, die Sanktionen durchzuführen und etwa 2 000
Soldaten zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsandt.
Einstellung des Luft- und Seeverkehrs mit dem Irak
und dem besetzten Kuwait. Schließt sich dem Appell
von sechs nichtarabischen islamischen Staaten Asiens
an Saddam Hussein an, sich in Einklang mit den UNResolutionen aus Kuwait zurückzuziehen. Verpflichtet
sich zur Entsendung weiterer 3 000 Soldaten nach
Saudi-Arabien, so daß die Gesamtstärke einer Infanteriebrigade mit Unterstützungseinheiten erreicht wird.
Das zweite Kontingent steht bereit, ist jedoch noch
nicht verlegt worden, da die Arrangements mit SaudiArabien im Hinblick auf Transport und logistische
Unterstützung noch nicht abgeschlossen sind.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.

Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien den irakischen
Einmarsch in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Bittet eine multinationale Streitmacht, darunter Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die ölförderung, um die Ausfälle in Irak
und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Abzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur

Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden soll.

AMERIKA DIENST 45

Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.

Seite 11

�Sri Lanka

Togo

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und erklärt
seine Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der der Abzug des Irak aus Kuwait gefordert wird. Begrüßt alle Bemühungen zur friedlichen
Beilegung der Krise.

Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den

Trinidad/Tobago

Südafrika

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den unverzüglichen Abzug der irakischen Streikräfte. Tunesien
Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus,
daß Südafrika die irakische Aggression auf das schärf- Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
ste ablehnt.Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Erklärt seine Bereitschaft, alle Resolutionen des UNSicherheitsrats bezüglich des Irak einzuhalten, einSurinam
schließlich der Handelssanktionen. Friert irakische
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Ku- Vermögenswerte ein und beschränkt den zivilen Luftwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen verkehr. Tunesische Diplomaten bleiben in der Botschafterresidenz in Kuwait.
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland

Uganda

Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine
uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.

Fordert den Abzug der irakischen Streitkräfte aus
Kuwait. Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verhängung von Sanktionen gegen den
Irak.
Uruguay

Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak und
fordert den UN-Sicherheitsrat auf, Frieden und Sicherheit in der Region wiederherzustellen. Befolgt die
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNSanktionen der Vereinten Nationen gegen den Irak
Resolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
und wird jedes Angebot kostenlosen Öls aus dem Irak
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudiablehnen. Untersucht die Möglichkeit der Entsendung
Arabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
von Truppen an den Golf für den Fall, daß dies
Landstreitkräfte in Saudi-Arabien und den Vereinigten
angebracht und notwendig ist und realistisch zur raArabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitschen Beilegung der Krise beitragen könnte.
macht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.
Vereinigte Arabische Emirate
Syrien

Taiwan

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-KoopeLehnt die irakische Invasion Kuwaits energisch ab und rationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
gegen den Irak aus. Erklärt, in Taiwan befänden sich den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der
keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Liefe- Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der
rung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak, legitimen Regierung Kuwaits. Gewähren den Vereiunterbindet Erdölimporte aus dem Irak. Erklärt am 24. nigten Staaten und anderen an der Operation WüstenSeptember, daß Taiwan den Frontstaaten im Nahen schild beteiligten Ländern die umfassende Nutzung
Osten - Jordanien, der Türkei und Ägypten - Direkthilfe von militärischen Einrichtung und Unterstützung.
Rigorose Durchführung aller von der UNO beschlossein Höhe von 30 Millionen Dollar gewähren wird.
nen Sanktionen gegen den Irak und Erhöhung der
Ölförderung, um die Ausfälle in Irak und Kuwait wettTansania
zumachen. Stellen femer 1 Milliarde Dollar bereit, um
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in von den Sanktionen betroffene Staaten zu unterstütKuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der zen.
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.

Seite 12

AMERIKA DIENST 45

�Vanuatu

Venezuela

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak,

Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

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AMERIKA DIENST 45

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�LANDWIRTSCHAFT
14. November 1990

DER US-LANDWIRTSCHAFTSVORSCHLAG
BEI DER URUGUAY-RUNDE
Eine Übersicht

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben
am 15. Oktober 1990 bei der Uruguay-Runde von
Verhandlungen im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens ihren Vorschlag für die Liberalisierung des Handels mit Agrarprodukten vorgelegt. Im
Gegensatz zu früheren amerikanischen Vorschlägen
fordert der amerikanische Entwurf nicht mehr den
stufenweisen, vollständigen Abbau aller handelverzerrenden Subventionen, er geht jedoch immer noch weit
über den EG-Vorschlag hinaus.
Das amerikanische Papier folgt einem vom Vorsitzenden der Agrarverhandlungsgruppe, Aart de Zeeuw,
erarbeiteten Textentwurf. Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten verständigten sich beim Wirtschaftsgipfel in Houston im Juli
darauf, den de Zeeuw-Text als Mittel zur Intensivierung der Landwirtschaftsverhandlungen zu benutzen.
Der amerikanische Vorschlag fordert eine 90prozentige Reduzierung der Exportsubventionen sowie einen
75prozentigen Abbau von Importschranken und Beihilfen im Inland, die innerhalb von zehn Jahren verwirklicht werden sollen.
Der EG-Vorschlag befürwortet eine 30prozentige
Kürzung der landwirtschaftlichen Beihilfen ohne eine
konkrete Verpflichtung zur Reduzierung der Exportsubventionen. Dazu gehört eine "Ausgleichsbestimmung", mit der die protektionistischen Maßnahmen
der EG in einigen Bereichen sogar noch verschärft
würden, damit die Beihilfen in anderen Sektoren abgebaut werden können.
Dieser "Ausgleich" ist für die Vereinigten Staaten, die
Caims-Gruppe und zahlreiche Entwicklungsländer,
deren Exporte von Getreidesubstituten durch höhere
Handelsschranken der EG reduziert oder gänzlich
ausgeschlossen würden, nicht akzeptabel.
AMERIKA DIENST 45

Der amerikanische Plan sieht die folgenden vier Hauptelemente vor:
Exportsubventionen Exportsubventionen für primäre landwirtschaftliche Erzeugnisse sollen innerhalb
von zehn Jahren um 90 Prozent verringert werden.
Exportsubventionen für verarbeitete landwirtschaftliche Produkte würden innerhalb von sechs Jahren
abgeschafft. Zu den betroffenen Subventionsprogrammen würden zum Beispiel direkte Finanzbeihilfen
für Exporteure gehören, mit denen ein Ausgleich zwischen dem Binnenmarktpreis im Exportland und dem
Weltmarktpreis geschaffen würde, Leistungen an
Erzeuger, die diesen einen höheren Ertrag einbringen
als der Weltmarktpreis für das betreffende Produkt,
Beihilfen zur Senkung der Transport- oder Vermarktungskosten, staatliche Exportkredite, die unter den
marktüblichen Sätzen liegen sowie die Vorzugsbesteuerung von Exporten.
Marktzugang Sämtliche nichttarifären Handelsschranken würden in gebundene Zölle umgewandelt. Alle
bestehenden Zölle wären gebunden. Ein gebundener
Zoll kann später nicht mehr erhöht werden. Diese
gebundenen Zölle würden innerhalb von zehn Jahren
um durchschnittlich 75 Prozent abgebaut, und der
Zollsatz für einzelne Erzeugnisse darf 50 Prozent nicht
überschreiten. Unter gewissen Bedingungen könnten
für Produkte, die gegenwärtig von nichttarifären Importschranken betroffen sind, Mindestzugangsverpflichtungen aufgestellt werden, die auf der Basis der Durchschnittssätze von 1991-92 in den folgenden zehn
Jahren um 75 Prozent erhöht würden, wobei ein Zollquotenmechanismus angewendet würde. (Das heißt,
daß über einer bestimmten Importmenge eines Produkts zwar zusätzliche Importe zulässig sind, diese
jedoch einem höheren Zollsatz unterliegen.) Diese

Seite 1

�Zollquoten würden mit dem Ende der Zehnjahresfrist
auslaufen.
Nationale Beihilfen Die am stärksten handelsverzerrenden nationalen Stützungsmaßnahmen - mit direktem Einfluß auf Produktion oder Preis eines bestimmten Erzeugnisses - würden innerhalb von 10 Jahren um
75 Prozent reduziert. Weniger handelsverzerrende
Maßnahmen in den Industrieländern würden um 30
Prozent abgebaut. Für Entwicklungsländer würden
gesonderte Kriterien festgelegt
Gesundheits- und Pflanzenschutzbestimmungen
Es würden Regelungen eingeführt, mit denen sichergestellt wird, daß tiermedizinische und pflanzenschutzrechtliche Bestimmungen nur auf gesundheitlichen
Erwägungen basieren und keine Handelsschranken
darstellen.

bestimmte Produkten gestatten, wenn deren hemische Industrie durch Importwellen oder Preisschwankungen beeinträchtigt wird.
Gleichzeitig stünde es den Regierungen weiterhin frei,
ein breites Spektrum von Maßnahmen anzuwenden,
um nationale Zielsetzungen in der Landwirtschaft zu
verwirklichen, darunter etwa Einkommensbeihilfen,
Umweltschutz, Flächenstillegung, Nahrungsmittelhilfe im Inland, Vermarktung, Forschungs- und Berichtstätigkeit, solange diese Programme so geplant und
umgesetzt werden, daß der Handel minimal beeinträchtigt wird.

Außer in Fällen, in denen ein Entwicklungsland als
Nettoexporteur eines bestimmten Produkts auftritt,
würde diesen Ländern eine längere Frist zur Öffnung
ihrer Märkte für Importe eingeräumt als den Industriestaaten. Entwicklungsländer mit einem durchschnittDer amerikanische Vorschlag fordert Japan und ande- lichen Pro-Kopf-Einkommen über 2 500 Dollar im Zeitre Länder, die vollständige Importverbote für bestimm- raum 1986-88 würden ihre Importschranken innerhalb
te Agrarprodukte aufrechterhalten, auf, im ersten Jahr von 10 Jahren um 75 Prozent abbauen. Länder mit
des Abkommens bei diesen Produkten einen minde- einem Pro-Kopf-Einkommen von 501 bis 2 500 Dollar
stens dreiprozentigen Importanteil auf ihren Binnen- würden 12 Jahre Zeit haben, um diese 75prozentige
märkten zu gestatten und diesen Mindestanteil bis Reduzierung durchzuführen, während Länder mit eizum Ende der zehnjährigen Einführungsphase auf nem Pro-Kopf-Einkommen von 500 Dollar oder darunetwa 6 Prozent zu steigern.
ter den Übergang innerhalb von 15 Jahren vollziehen
könnten.
Der amerikanische Vorschlag würde ferner einzelnen
Ländern die vorübergehende Erhöhung ihrer Zölle auf

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AMERIKA DIENST 45

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t

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