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25

21. Juni 1972

Inhalt
INFORMATION:
Stockholmer Umweltkonferenz-ein ermutigender Anfang
Deklaration, Aktionsprogramm und Umweltfonds gebilligt

DOKUMENTATION:
Präsident Nixon erläutert Rüstungsbegrenzungsabkommen vor Kongreßmitgliedern
-AuszügeDie vereinbarten Interpretationen zu den amerikanisch-, sowjetischen
Raketenabkommen
-Wortlaut-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Computer kontrolliert Medikamenten-Verordnung
Stärkehaltige Nahrung fördert Karies

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1972

STOCKHOLMER UMWELTKONFERENZ - EIN ERMUTIGENDER ANFANG

Deklaration, Aktionsprogramm und Umweltfonds gebilligt

--(AD)— Nach zum Teil heftigen Debatten bis zuletzt verabschiedeten - mit
Enthaltung Chinas - die Delegierten der 114 Staaten, die der Einladung der
Vereinten Nationen zur Stockholmer Umweltkonferenz (5.-16.Juni 1972) gefolgt waren, die "Deklaration über die menschliche Umwelt". In 26 Punkten
sind darin die Gebote, Aufgaben und Verantwortungen angesprochen und eine
Anzahl von Empfehlungen fixiert, die allen Regierungen dieser Erde helfen
sollen, die Umwelt im Interesse der Menschen zu schützen, zu verbessern und
angerichtete Schäden nach Möglichkeit zu beheben. In der Präambel zur Deklaration wird speziell auf die Umweltprobleme der Entwicklungsländer eingegangen und gefordert, allseits Anstrengungen zu unternehmen, um durch wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt die Kluft zwischen den reichen und armen
Ländern zu verkleinern.
Neben

-l-

�Neben dem zuvor schon gebilligten Aktionsplan für die menschliche Umwelt, der Schaffung eines mit zunächst 100 Millionen Dollar auszustattenden
Umweltfonds und eines UN-Umweltrates (mit ständigem Sekretariat in Genf)
sind damit wichtige Ziele erreicht. Ungeachtet der Versuche einzelner, die
Konferenz als politisches Forum zu benutzen, wurde in den Ausschüssen hart
gearbeitet. Das Ergebnis waren mehr als 100 Vorschläge für künftige Maßnahmen,die der UNO-Vollversammlung im September 1972 vorgelegt und von dieser
gebilligt werden müssen.
Russell E. Train, der Leiter der US-.Delegation, begrüßte vor allem
die Empfehlungen, die das Zustandekommen einer Weltkonvention über die Beschränkung der Abfallbeseitigung inu Meer noch in diesem Jahr erleichtern,
das Freisetzen toxischer Stoffe kontrollieren und einschränken sollen und
weltweite Systeme zur Beobachtung von Atmosphäre, Meer, Land und menschlicher Umwelt unter gesundheitspolitischen Gesichtspunkten vorsehen. "Erdwacht"
ist das Stichwort für das letztgenannte Programm.
Eine Reihe weiterer Vorschläge berechtigt, wie Train erklärte, zu der
Hoffnung, daß in Kürze wirksame Teilprogramme für den Umweltschutz auf weltweiter Basis in Gang kommen werden. Er nannte in diesem Zusammenhang u.a.
Projekte zur Einrichtung einer internationalen Kartei, die allen Ländern
Informationen und Erfahrungen auf den Gebieten Umwelt schaden und Umweltschutz
vermitteln kann; Verbesserung von Wasserversorgung und Kanalisation in den
rasch wachsenden Städten der Entwicklungsländer; Einrichtung von Genbanken
zur Erhaltung der so überaus vielfältigen Arten, die die Natur hervorgebracht
hat, insbesondere bestimmter Nutzpflanzen; stärkere Beachtung von Umweltfaktoren wie Bodennutzung, Erhaltung von Rohstoffen und Landschaft sowie der
Lebensumstände in Stadt und Land bei Entwicklungshilfe-Vorhaben; Verhinderung
der Schaffung von Handelsschranken gegen Exporte aus Entwicklungsländern durch

-2-

�durch nationale Umweltschutzprogramme; stärkere Betonung von Bevölkerungspolitik und Familienplanung; Ausbau der internationalen Walfang-Konvention und Inkraftsetzen eines zehnjährigen Moratoriums für den kommerziellen Walfang.
Die Einrichtung eines Rates für Umweltschutz mit einem ständigen Sekretariat in Genf betrachtet Train in Verbindung mit dem aus freiwilligen Beiträgen finanzierten Umweltfonds als "Schlüssel" dafür, daß alles, was jetzt geplant
wurde und sich an künftigen Programmen als notwendig erweist, in Gang gesetzt
und koordiniert werden kann. Die Institution hätte "die globale Umweltsituation
ständig zu beobachten, um sicherzustellen, daß sich entwickelnde Umweltprobleme
von internationaler Bedeutung von den Regierungen entsprechend beachtet und
behandelt werden". Sie würde den Austausch wissenschaftlicher und technischer
Informationen fördern und die Auswirkungen nationaler und internationaler umweltschutzmaßnahmen und Umweltprogramme in Entwicklungsländern besonders aufmerksam verfolgen. Diese sollen, und das wurde in Stockholm hervorgehoben,
"mit den Entwicklungsplänen und Prioritäten in den betreffenden Ländern vereinbar sein".

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25/1972

PRÄSIDENT NIXON ERLÄUTERT RÜSTUNGSBEGRENZUNGSABKOMMEN
VOR KONGRESSMITGLIEDERN
-Auszüge-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat am 15. Juni vor Mitgliedern der
Verteidigungsausschüsse und der Außenpolitischen Ausschüsse beider Häuser des amerikanischen Kongresses sowie des Gemeinsamen Atomenergieausschusses die in Moskau unterzeichneten Verträgt über eine. Begrenzung
der Rüstungen erläutert. Die wichtigsten Teile uer Ausführungen des
Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
".... Als ich aus der Sowjetunion zurückkehrte, habe ich, wie Sie
sich erinnern werden, auf der gemeinsamen Sitzung (beider Häuser des
Kongresses am 1. Juni) erklärt, daß ich eine sehr eingehende Untersuchung
dieser Abkommen wünschte. Ich möchte keinen Zweifel über diese meine
persönliche Einstellung aufkommen lassen.
Ich

-1-

�Ich habe den Stand der Rüstungskontrolle in den letzten dreieinhalb
Jahren eingehend untersucht. Ich bin voll und ganz überzeugt, daß diese beiden
Abkommen im Interesse der Sicherheit der Vereinigten Staaten sowie im Interesse der Rüstungskontrolle und des Weltfriedens liegen.
Ich bin aufgrund meiner Studien davon überzeugt. Ich möchte jedoch, daß
die Mitglieder des Repräsentantenhauses und die Mitglieder des Senats ebenso davon überzeugt sind. Ich möchte, daß die Nation davon überzeugt ist.
Ich denke, daß die Anhörungen, die Sie durchführen werden, umfassend
sein müssen, denn nur so können Sie sich selbst davon überzeugen, und nur so
wird die Nation ebenfalls überzeugt werden.

Mit anderen Worten,das ist keiner

der Fälle, in denen der Präsident der Vereinigten Staaten den Kongreß und die
Nation ersucht, blindlings eine Entscheidung hinzunehmen,die er getroffen hat
und an die er zutiefst glaubt.
Ich glaube an die Entscheidung, aber Ihre Fragen sollten an Dr. Kissinger
und andere in der Regierung gerichtet werden, damit Sie jede Schwäche herausfinden, die Sie in den Verhandlungen oder in den von uns getroffenen endgültigen Abkommen zu sehen glauben.
Was die angewandten Verfahren betrifft, so werden Sie, wie Sie wissen,
den Außenminister, den Verteidigungsminister, den Leiter des CIA und natürlich
Botschafter Smith auf den Sitzungen Ihrer verschiedenen Ausschüsse hören.
Ich weiß, daß eine Reihe von Ihnen angeregt hat, Dr. Kissinger sollte vor den
Ausschüssen als Zeuge erscheinen. Ich habe diese besondere Einladung an ihn
aufgrund der Tatsache ablehnen müssen, daß dies ein Privileg der Exekutive
bleiben muß.
Auf der anderen Seite ist dies wirklich eine einmalige Situation, und
daher erscheint es mir wichtig, daß er vor den Mitgliedern der Ausschüsse in
diesem Rahmen erscheint. Das ist nicht vertraulich.
Alle
-2-

�Alle von Ihnen werden vollständige Stenogramme dessen erhalten, was er
sagt. Alle von Ihnen werden Gelegenheit haben, alle diese Fragen zu stellen,
und falls nicht alle Fragen bei diesem Anlaß gestellt werden, so wird er natürlich auch weiterhin im Verlaufe der Anhörungen bereit sein, in seinem Büro
Fragen von Mitgliedern der Ausschüsse zu beantworten.
Worum wir hier ersuchen ist, mit anderen Worten, Mitarbeit und nicht
blinde Zustimmung seitens des Repräsentantenhauses und des Senats. Das ist notwendig, denn diese Sache muß durchgezogen werden und die Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats,so glaube ich, müssen davon überzeugt sein, daß
Sie eine Rolle dabei gespielt haben, so wie das bisher der Fall gewesen ist,
und daß sie auch künftig eine Rolle auf diesem sehr,sehr wichtigen Gebiet der
Rüstungskontrolle spielen werden.
Lassen Sie mich jetzt zu den Abkommen selbst kommen und kurz einige meiner
eigenen Ansichten darlegen,die, so glaube ich, Ihnen wahrscheinlich recht vertraut sind, aber von denen ich meine, daß sie unterstrichen werden müssen.
Ich habe festgestellt, daß viel darüber spekuliert worden ist, wer bei diesen Verhandlungen gewonnen und wer verloren habe. Ich habe erklärt, daß keine
Seite gewonnen und keine Seite verloren hat. Tatsache ist vielmehr, wenn wir
wirklich sehr,sehr fair das ganze betrachten, dann haben beide Seiten und die
ganze Welt gewonnen.
Lassen Sie mich Ihnen erklären, warum ich dies für wichtig erachte. Weiun
immer in Verhandlungen zwischen großen Mächten

eine Seite gewinnt und die

andere ganz eindeutig verliert, dann ergibt sich daraus eine Tendenz oder ein
Anreiz für die Seite, die verliert, das Abkommen zu brechen und alles in ihren
Kräften stehende zu tun, um den Vorteil zurückzugewinnen.
Hier

-3-

�Hier handelt es sich um oin Abkommen, über das von beiden Seiten hart
verhandelt worden ist. Es gibt Vorteile für beide Seiten. Aus diesem Grunde hat,
so glauben wir, jede Seite ein berechtigtes Interesse, das Abkommen zu halten
und es nicht zu brechen.
Ich möchte, daß Sie Dr. Kissinger befragen und die übrigen Zeugen vor
diesem Ausschuß zu diesem Punkt hören. Meines Erachtens werden sie ebenso über
zeugt sein, daß dies einer der Fälle war, wo es jeder der beiden Seiten zum Vor
teil gereicht, wenn sie ihre nationale Sicherheit im Auge behält.
Ein weiterer Punkt, den ich gerne herausstellen möchte, ist die Intervention des Präsidenten in diesem besonderen Falle - die Koordinierung durch
den Präsic.iten aufgrund der Tatsache, daß es hier nicht um einen jener Fälle
geht, bei denen ein Ministerium federführend sein kann.
Dieser Fall betrifft Aufgaben des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums, ferner der. Atomenergiekommission und natürlich des Amtes für
Rüstungskontrolle.
Unter diesen Umständen gibt es nur einen Ort, an dem sie zusammengefaßt
werden konnten und zwar im Weißen Haus, im Nationalen Sicherheitsrat, in dem
alle diese verschiedenen Gruppen vertreten sind.
Es gibt noch einen weiteren Grund, der mit dem Regierungssystem in der
Sowjetunion zu tun hat. Wir haben in unseren Verhandlungen mit dem Regierungssy::cem der Sowjetunion festgestellt, daß, wo immer Entscheidungen getroffen
werden, die die lebenswichtige Sicherheit und praktisch gerade das Überleben
eines Landes betreffen, die Entscheidungen und Gespräche in solchen Fällen
nur auf höchster Ebene erfolgen« Daher ist es für uns notwendig, zu Gesprächen
und Entscheidungen auf höchster Ebene zu kommen, wenn wir die Durchbrüche
erzielen wollen, die wir brauchen,um bis zu diesem Punkt erfolgreicher Verhandlungen zu gelangen.
Der

-4-

�Der andere Punkt, den ich herausstellen möchte, betrifft den weiteren Ablauf. Das vor uns liegende Abkommen unterteilt sich, wie Sie wissen, in zwei
Phasen. Da ist erstens der Vertrag über ABM-Verteidigungswaffen und zweitens
die Begrenzung der Offensivwaffen, das Regierungsabkommen, das, wie Sie wissen,
nicht als ein Abkommen von Dauer gedacht ist - es gilt fünf Jahre - und nicht
allumfassend ist. Es erfaßt nur bestimmte Kategorien von Waffen.
Wir hoffen, mit der zweiten Verhandlungsrunde weiter voran zu kommen.
Diese zweite Runde,so rechnen wir, wird im Oktober beginnen. Das bedeutet,
wir können im Oktober beginnen, vorausgesetzt, daß irgendwann in den Sommermonaten der Vertrag und das Offensivabkommen, die uns jetzt vorliegen, verabschiedet werden. Wir möchten annehmen, daß dies vor dem 1. September der Fall
ist. Ich meine nicht, daß es so lange dauern sollte, sondern hoffe, daß Sie
bis zum 1. September fertig sind, so daß wir mit den Verhandlungen im Oktober
fortfahren können.
Der andere Punkt, der bezüglich der späteren Abkommen erwähnt werden sollte, steht nicht in Zusammenhang mit der Verabschiedung dieser Abkommen. Er
betrifft die Maßnahmen des Kongresses auf dem Gebiet der Verteidigung. Ich weiß,
daß zwischen verschiedenen Mitgliedern des Kongresses Meinungsverschiedenheiten
darüber bestehen, wo die obere Grenze unserer Verteidigung liegen sollte. Ich
glaube jedoch, ich bin es Ihnen und der Nation schuldig, deutlich zu sagen,
daß Herr Breschnew und seine Kollegen absolut klar gestellt haben, daß sie mit
ihren Verteidigungsprogrammen im Offensivbereich, die durch diese Abkommen
nicht eingeschränkt werden, fortfahren.
Wenn die Vereinigten Staaten unter diesen umständen, - da die anderen
mit ihren Programmen fortfahren - mit den eigenen Programmen nicht fortfahren
würden - und ich will hier an diesem Punkte gar nichts dazu sagen, mit welchen
Programmen, darauf können Sie später eingehen - wenn also die Vereinigten

-5-

�Vereinigten Staaten mit ihren Offensivprogrammen nicht voranschreiten, oder
was schlimmer wäre, wenn die Vereinigten Staaten einseitig ihre Offensivprogramme reduzieren würden, dann würde damit für die Sowjets jeder Anreiz für
Verhandlungen über das Anschlußabkommen entfallen.
Aus diesem Grunde möchte ich, ohne auf Einzelheiten der Höhe der Verteidigungsausgaben und der Offensivprogramme einzugehen, ganz einfach sagen:
Wenn wir ein Anschlußabkommen haben wollen, müssen wir zwei Schritte unternehmen, nämlich einmal diese jetzigen Abkommen verabschieden und zum anderen
brauchen wir eine glaubwürdige Verteidigungsposition, so daß die Sowjetunion
einen Anreiz zu Verhandlungen über ein ständiges Einfrieren der Offensivwaffen hat. Das ist es, was wir wollen.
Da sind noch einige Gedanken am Rande, die ich zu dieser Frage habe. Ich
möchte ganz einfach mit den Worten schließen: Wenn man in diesem Raum hier
- in diesem Hause steht, so ist man stets geneigt, an einige der Tragödien
der jüngeren Geschichte zu denken. Wie viele von Ihnen wissen, war ich stets
ein großer Bewunderer von Woodrow Wilson und bin es noch. Wie alle von Ihnen
wissen, erlebte er die große Tragödie seines Lebens, als er mit dem Vertrag
von Versailles und dem Völkerbund zurückgekommen war und der Senat aufgrund
unzureichender Konsultationen den Vertrag und den Völkerbund verwarf.
Wir wollen natürlich nicht, daß dies jetzt wieder geschieht. Wir glauben
nicht, daß dies geschehen wird, Wir sind für die Konsultationen dankbar, die
wir bisher geführt haben, und wir setzen sie jetzt mit dieser Zusammenkunft
zu diesem Zeitpunkt fort.
Wenn ich an die Worte denke, die Wilson während jener Auseinandersetzung
sagte, dann kann ich nur sagen, daß er, als er durch das Land reiste, sehr bewegende und beredte Worte fand. Er sagte: 'Meine Schutzbefohlenen sind die
Kinder. Mein Schutzbefohlener ist die künftige Generation'.
Wir

-6-

�Wir haben jetzt ein Wahljahr, und ich weiß, daß es in einem Wahljahr schwer
ist, so objektiv wie sonst an irgendeine Frage heranzugehen.

Aber ich möchte

die Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats, Republikaner wie Demokraten, ergebenst ersuchen, an diese Frage in dem Geist heranzugehen, den Wilson
damals umriß, als man darüber debattierte, ob wir mit dem Völkerbund fortfahren
sollten, und dabei zu bedenken, daß auch unsere Schutzbefohlenen die Menschen
der kommenden Generation sind, daß die Verabschiedung dieser Abkommen, der
Vertrag über die Begrenzung der Defensivwaffen und das Abkommen über eine Begrenzung von Offensivwaffen bestimmter Kategorien und ebenso die Beibehaltung
einer glaubwürdigen Verteidigungsposition bedeuten, daß wir unseren Schutzbefohlenen, nämlich der kommenden Generation gegenüber, unsere Pflicht getan
haben."

-H-H-H-t-4

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25/1972

DIE VEREINBARTEN INTERPRETATIONEN ZU DEN AMERIKANISCH SOWJETISCHEN RAKETEN-ABKOMMEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Die amerikanische Regierung hat jetzt anläßlich der
Weiterleitung des Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme und des
Interimsabkommens über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von
strategischen Offensivwaffen an den Kongreß der Vereinigten Staaten zur Beratung und Rafizierung die Interpretationen veröffentlicht, die von den Lei
tern der amerikanischen und der sowjetischen Verhandlungsdelegation am 26.
Mai 1972 in Helsinki paraphiert worden waren. Die Interpretationen, auf die
sich beide Seiten geeinigt haben, lauten wie folgt:

I
A. ABM-Vertrag
(a)

Die Vertragspartner

gehen davon aus, daß außer den ABM-Radarein-

richtungen, die gemäß Absatz (A) des Artikels III des Vertrages disloziert
werden dürfen, solche ABM-Radareinrichtungen ohne phasengesteuerte Richt-

-1-

�Richtwirkung, die am Tage der Unterzeichnung des Vertrages in einem ABMSystem-Dislozierungsgebiet zur Verteidigung der Landeshauptstadt einsatzbereit
sind, beibehalten werden dürfen.
('••)

Die Vertragspartner

gehen davon aus, daß die Antennenleistung (Pro-

dukt aus mittlerer abgestrahlter Energie in Watt und Antennenfläche in Quadratmeter) der kleineren der beiden in Absatz (B) des Artikels III des Vertrages
genannten beiden großen ABM-Radareinrichtungen mit phasengesteuerter Richtwirkung im Sinne des Vertrages drei Millionen betragen soll.
(c)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß das Zentrum des ABM-System-

Dislozierungsgebietes um die nationale Hauptstadt und das Zentrum des ABMSystem-Dislozierungsgebietes, in dem ICBM-Abschuß-Silos liegen, bei jeder der
Vertragsparteien nicht weniger als 1300 Kilometer auseinanderliegen soll.
(d)

Die Vertragspartner

sind übereingekommen,

daß sie keine Radarein-

richtungen mit phasengesteuerter Richtwirkung und einer Antennenleistung
(Produkt aus mittlerer abgestrahlter Energie in Watt und Antennenfläche in
Quadratmeter) von mehr als drei Millionen dislozieren, ausgenommen nach
Artikel III,IV und VI des Vertrages oder ausgenommen zur Ortung von Objekten
im Weltraum oder als nationales technisches Verifizierungsmittel.

(«.')

Um die Erfüllung der Verpflichtung sicherzustellen, keine ABM-Systeme

und deren Komponenten zu dislozieren, ausgenommen nach Artikel III des Vertrages, sind die Vertragspartner

übereingekommen, daß für den Fall, daß in der

Zukunft ABM-Systeme entwickelt würden, die auf anderen Prinzipien beruhen und
Komponenten enthalten, durch die ABM-Abfangraketen, ABM-Abschußvorrichtungen
oder ABM-Radareinrichtungen ersetzt werden könnten, spezifische Beschränkungen
solcher Systeme und ihrer Komponenten Gegenstand von Gesprächen gemäß Artikel
XIII und eines Abkommens gemäß Artikel XIV des Vertrages sein sollen.
(f)

-2-

�(f)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß Artikel V des Vertrages auch

die Verpflichtung einschließt, keine ABM-Abfangraketen zu entwickeln, zu erproben oder zu dislozieren, von denen jede einzelne ABM-Abfangrakete mehr als
einen unabhängig gelenkten Gefechtskopf tragen könnte.
(g)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß Artikel IX des Vertrages die

Verpflichtung seitens der USA und der UdSSR einschließt, anderen Staaten keine
technischen Beschreibungen oder Pläne zur Verfügung zu stellen, die speziell
für die Konstruktion von ABM-Systemen und ihrer Komponenten, wie sie unter die
Beschränkungen des Vertrages fallen, ausgearbeitet worden sind.
Interimsabkommen
(h)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß unter landgestützten ICßM-

Abschußvorrichtungen, wie sie in dem Interinsabkommen erwähnt werden, Abschußvorrichtungen für strategische ballistische Raketen mit einer Reichweite zu
verstehen sind, die größer ist als die kürzeste Entfernung zwischen der nordöstlichen Kontinentalgrenze der USA und der nordwestlichen Kontinentalgrenze
der UdSSR.
(i)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß feste landgestützte ICBM-

Abschußvorrichtungen, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Interimsabkommens tatsächlich im Bau sind, fertiggestellt werden dürfen.
(j)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß bei Modernisierung und Ersatz

die Ausmaße der landgestützten ICBM-Silo-Abschußvoririchtungen nicht wesentlich
vergrößert werden.
(k)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß die Demontage oder die Zer-

störung von ICBM-Abschußvorrichtungen älteren Typs, die vor 1964 disloziert
worden waren, und von ballistischen Raketenabschußvorrichtungen auf älteren

�älteren Unterseebooten, die durch neue SLBM-AbschuVorrichtungen auf modernen Unterseebooten ersetzt werden, zu dem Zeitpunkt aufgenommen wird,
da die See-Erprobung des als Ersatz in Dienst gestellten Unterseebootes
beginnt, und in der kürzest möglichen vereinbarten Zeitspanne abgeschlossen
wird. Eine solche Demontage oder Zerstörung und die rechtzeitige Benachrichtigung hierüber soll nach Verfahren erfolgen, die in der Ständigen Beratenden Kommission vereinbart werden.
(1)

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß es während der Laufzeit

des Interimsabkommens keine wesentliche Erhöhung der Zahl der ICBM-oder
SLBM-Versuchs~und Ausbildungs-Abschußvorrichtungen oder in der Zahl solcher Abschußvorrichtungen für moderne, landgestützte schwere ICBM-Raketen
geben wird. Die Vertragspartner gehen ferner davon aus, daß der Bau oder
die Umwandlung von ICBM-Abschußvorrichtungen auf Versuchsgeländen nur zu
Erprobungs-und Ausbildungszwecken erfolgen soll.

B. Gemeinsame Einvernehm en
Zwischen den Vertragspartnern wurde im Verlaufe der Verhandlungen in
den folgenden Fragen ein gemeinsames Einvernehmen erreicht:
(a)

Erhöhung der Ausmaße für ICBM-Silos
Botschafter Smith hat am 26. Mai 1972 folgende Erklärung abgegeben:
Die Vertragspartner stimmen darin überein, daß der Terminus

wesent^

lieh erhöht' besagt, daß eine Erhöhung nicht mehr als 10 b is 15 Prozent
der derzeitigen Ausmaße von landgestützten ICBM-Silo-Abschußvorrichtungen
betragen wird."
Minister

�Minister Semjonow erwiderte, daß diese Erklärung mit der sowjetischen Auffassung übereinstimme.
(b)

Örtliche Festlegung der Verteidigung der ICBM
Die amerikanische Delegation hat am 26. Mai 1972 folgende Erklärung ab-

gegeben:
"Artikel III des ABM-Vertrages gesteht jeder Seite ein ABM-Dislozierungsgebiet um ihre nationale Hauptstadt herum und ein ABM-Dislozierungsgebiet zu,
in dem ICBM-Abschuß-Silos liegen. Beide Seiten haben Übereinstimmung über die
folgende Feststellung erzielt: 'Die Vertragspartner gehen davon aus, daß der
Mittelpunkt des ABM-SystennDislozierungsgebietes um die nationale Hauptstadt
herum und der Mittelpunkt des ABM-System Dislozierungsgebietes, in dem ICBMAbschuß-Silos liegen, bei jeder der Vertragsparteien mindestens 1300 Kilometer auseinanderliegen sollen.1 In diesem Zusammenhang stellt die amerikanische
Seite fest, daß das ABM-System-Dislozierungsgebiet zur Verteidigung von ICBMAbschuß-Silos, das westlich des Mississippi liegt, als Mittelpunkt das Grand
Forks ICBM-Abschuß-Silo-Dislozierungsgebiet hat,' (Siehe paraphierte Erklärung (c)).
(c)

ABM-Versuchsgelände
Die amerikanische Delegation hat am 26. April 1972 folgende Erklärung

abgegeben:
"Artikel IV des ABM-Vertrages sieht vor, daß 'die in Artikel III vorgesehenen Begrenzungen nicht für ABM-Systeme oder ihre Komponenten gelten sollen,
die für die Entwicklung oder für Versuchszwecke verwandt werden und innerhalb
gegenwärtiger oder zusätzlich vereinbarter Versuchsgebiete liegen.1

Unseres

Erachtens wäre es nützlich, sicherzustellen, daß es keine Mißverständnisse
hinsichtlich der gegenwärtigen ABM-Versuchsgelände gibt. Wir gehen davon aus,
daß ABM-Versuchsgelände das Gebiet umfassen, in dem ABM-Komponenten für Ver-

-5-

�Versuchszwecke installiert sind. Die derzeitigen amerikanischen ABM-Versuchsge.ände befinden sich in White Sands, New Mexico, und auf dem Kwajalein-Atoll,
und das derzeitige sowjetische Versuchsgelände liegt in der Nähe von SaryDshagan in Kasachstan. Wir sind der Ansicht, daß Radareinrichtungen ohne phasengesteuerte Richtwirkung von der Art, wie sie für die Sicherheit auf dem Gelände
oder für Instrumentierungszwecke benutzt werden, auch außerhalb der ABM-Versuchsgelände installiert sein dürfen. Wir legen den Hinweis in Artikel IV
auf ^zusätzlich vereinbarte Versuchsgebiete' so aus, daß er bedeutet, daß
ABM-Komponenten nicht auf irgend einem anderen Versuchsgelände installiert werden dürfen, ohne daß zwischen unseren Regierungen vorherige Übereinstimmung erzielt worden ist, daß es solche zusätzlichen ABM-Versuchsgelände geben wird."

Am 5. Mai 1972 erklärte die sowjetische Delegation, daß ein gemeinsames
Einvernehmen darüber herrsche, was ABM-Versuchsgelände seien, daß die Verwendung von Nicht-ABM-Radareinrichtungen für die Sicherheit auf dem Gelände oder
für Instrumentierungszwecke nicht unter die Begrenzungen durch den Vertrag
fallen, daß der Hinweis in Artikel IV auf "zusätzliche Versuchsgebiete" ausreichend klar sei und da;j die nationalen Mittel eine Identifizierung der derzeitigen Versuchsgebiete erlaubten.

(d)

Mobile ABM-Systeme
Am 28. Januar 1972 gab die amerikanische Delegation folgende Erklärung

ab:
"Artikel V, Absatz 1 des gemeinsamen Entwurfs des Textes des Vertrages
über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme (ABM) enthält die Verpflichtung,
keine mobilen landgestützten ABM-Systeme oder deren Komponenten zu entwickeln,
zu testen oder zu dislozieren. Am 5. Mai 1971 hat die amerikanische Seite zu
verstehen gegeben, daß nach ihrer Ansicht ein Verbot der Dislozierung mobiler
ABM-Systeme und Komponenten auch die Dislozierung von ABM-Abschußvorrichtungen

-6-

�ABM-Abschußvorrichtungen und Radaranlagen ausschließen würde, die nicht zu den
ständig ortsfesten Typen gehören. Wir ersuchten damals die Sowjetunion, ihre
Ansicht zu dieser Interpretation zu äußern. Stimmt die Sowjetunion der am
5. Mai 1971 von amerikanischer Seite gegebenen Interpretation zu?"
Am 13. April 1972 erklärte die sowjetische Delegation, daß es ein allgemeines gemeinsames Einvernehmen in dieser Angelegenheit gebe.

(e)

Die Ständige Beratende Kommission
Botschafter Smith gab am 23. Mai 1972 folgende Erklärung ab:
"Die Vereinigten Staaten schlagen vor, beide Seiten mögen übereinkommen,

daß hinsichtlich einer ersten Durchführung des Artikels XIII des ABM-Vertrages
über die Ständige Beratende Kommission (SCC) und der Konsultationsartikel zu
dem Interimsabkommer

über Offensivwaffen und dem Abkommen zur Vermeidung von

Zwischenfällen auf hoher See ein Übereinkommen über die Einsetzung der SCC
baldmöglich bei den nachfolgenden SALT-Verhandlungen ausgearbeitet werden soll
bis zum Abschluß dieses Übereinkommens werden die folgenden Abmachungen maßgeblich sein: Wenn die SALT-Konferenz tagt, kann jede von einer der beiden
Seiten gemäß diesen Artikeln gewünschte Konsultation durch die beiden SALT-Delegationen durchgeführt werden; wenn die SALT-Konferenz nicht tagt, können
ad hoc-Vereinbarungen für jede gemäß diesen Artikeln gewünschte Konsultation
über diplomatische Kanäle getroffen werden."
Minister Semjonow erwiderte darauf, daß er auf einer ad referendum-Basis
zustimmen könne, daß die amerikanische Erklärung dem sowjetischen Einvernehmen
entspreche.
(f)

-7-

�(f)

Stillhalteverpflichtung
Am 6. Mai 1972 gab Minister Semjonow folgende Erklärung ab:
"In dem Bemühen, den Wünschen der amerikanischen Seite entgegenzukommen,

ist die sowjetische Delegation bereit, auf der Basis vorzugehen, daß beide
Seiten, beginnend mit dem Datum der Unterzeichnung dieser beiden Dokumente,
de facto den Verpflichtungen sowohl des Interimsabkommens als auch des ABMVertrages nachkommen werden. "
Als Antwort gab die amerikanische Delegation am 20. Mai 1972 folgende
Erklärung ab:
"Die Vereinigten Staaten stimmen im Prinzip mit der am 6. Mai abgegebenen
sowjetischen Erklärung bezüglich der Einhaltung der Verpflichtung beginnend
mit dem Datum der Unterzeichnung übereinj wir möchten jedoch unser Einvernehmen klarstellen, daß dies bedeutet, daß bis zur Ratifikation und Vertragsannahme
keine Seite irgendeine Maßnahme treffen würde, die durch die Abkommen nach ihrem
Inkrafttreten verboten wäre. Dieses Einvernehmen würde weitergelten, solange
keine Benachrichtigung durch eine der beiden Signatarmächte über ihre Absicht
vorliegt, nicht mit der Ratifizierung oder Billigung voranzuschreiten."
Die sowjetische Delegation gab ihr Einvernehmen mit der amerikanischen
Erklärung zu verstehen.
(Siehe Artikel 7 des Abkommens zur Verminderung des Risikos des Ausbruchs eines
Nuklearkrieges zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken, das am 30. September 1971 unterzeichnet
wurde.)

II

-8-

�II
Einseitige Erklärungen

(A)

Die folgenden beachtenswerten einseitigen Erklärungen wurden während

der Verhandlungen von der Delegation der Vereinigten Staaten abgegeben:

(a)

Ein Zurücktreten vom ABM-Vertrag
Am 9. Mai 1972 gab Botschafter Smith folgende Erklärung ab:
"Die Delegation der Vereinigten Staaten hat die Bedeutung unterstrichen,

die die amerikanische Regierung der Erzielung eines Abkommens über eine umfassende Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beimißt, nachdem eine
Übereinkunft über einen ABM-Vertrag und ein Interimsabkommen über bestimmte
Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen erreicht worden ist. Die amerikanische Delegation glaubt, daß ein Ziel der anschließenden Verhandlungen darin bestehen sollte, die Bedrohungen der Überlebensfähigkeit unserer jeweiligen strategischen Vergeltungsstreitkräfte auf
langfristiger Basis einzuengen und zu vermindern. Auch die Delegation der
UdSSR hat zu verstehen gegeben, daß die Zielsetzungen der SALT-Gespräche ohne
das Zustandekommen eines Abkommens, das eine umfassendere Begrenzung hinsichtlich der strategischen Offensivwaffen vorsieht, unerfüllt bleiben würden.
Beide Seiten sind sich bewußt, daß die Anfangsabkommen Schritte in Richtung
auf die Erreichung umfassenderer Begrenzungen der strategischen Waffen darstellen würden. Sollte innerhalb von fünf Jahren kein Abkommen Zustandekommen,
das umfassendere Begrenzungen der strategischen Offensivwaffen vorsieht, dann
könnten höchste Interessen der Vereinigten Staaten gefährdet sein. Sollte dieser Fall eintreten, dann würde dies eine Basis für das Zurücktreten von dem

-9-

�dem ABM-Vertrag darstellen. Die Vereinigten Staaten wünschen nicht, daß eine
solche Situation eintritt, und glauben auch nicht, daß die Sowjetunion dies
wünscht. Gerade weil wir eine solche Situation verhindern möchten, unterstreichen wir nachdrücklich die Bedeutung, die die amerikanische Regierung
dem Zustandekommen einer umfassenderen Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beimißt. Die Regierung (Exekutive) der Vereinigten Staaten wird den
Kongreß im Zusammenhang mit der Behandlung des ABM-Vertrages und des Interimabkommens im Kongreß über diese Darlegung des amerikanischen Standpunktes
unterrichten."

(b)

Mobile landgestützte ICBM-Abschußvorrichtungen
Die amerikanische Delegation hat am 20. Mai 1972 folgende Erklärung ab-

gegeben:
"Im Zusammenhang mit dem wichtigen Punkt der mobilen landgestützten
ICBM-Abschußvorrichtungen zieht die amerikanische Delegation im Interesse des
jetzigen Abschlusses des Interimsabkommens ihren Vorschlag zurück, daß Artikel
I oder eine vereinbarte Erklärung ausdrücklich die Dislozierung mobiler landgestützter ICBM-Abschußvorrichtungen verbietet. Ich bin angewiesen worden,
Sie davon zu unterrichten, daß die Vereinigten Staaten von Amerika zwar bereit
sind, die Frage der Begrenzung einsatzbereiter mobiler landgestützter

ICBM-

Abschußvorrichtungen auf die späteren Verhandlungen über umfassendere Begrenzungen der strategischen Offensivwaffen zu verschieben, aber die Dislozierung
einsatzbereiter, mobiler landgestützter ICBM-Abschußvorrichtungen während der
Geltungsdauer des Interimsabkommens als unvereinbar mit den Zielen dieses Abkommens betrachten würden."
(c)

-10-

�(c)

Erfaßte Einrichtungen
Die amerikanische Delegation hat am 20. Mai 1972 folgende Erklärung abge-

geben:
"Ich möchte die Bedeutung unterstreichen,die die Vereinigten Staaten den
Bestimmungen des Artikels V beimessen, dabei im besonderen deren Anwendung
auf die Ausrüstung oder das Eindocken von Unterseebooten."

(d)

"Schwere" ICBM
Die amerikanische Delegation hat am 26. Mai 1972 folgende Erklärung abge-

geben:
"Die amerikanische Delegation bedauert, daß die sowjetische Delegation
nicht gewillt war, einer gemeinsamen Definition des Begriffes einer schweren Rakete zuzustimmen. Unter diesen Umständen hält es die amerikanische Delegation
für notwendig, folgendes zu erklären: Die Vereinigten Staaten würden jede
ICBM-Rakete, die ein wesentlich größeres Volumen als die größte der gegenwärtig
auf jeder Seite einsatzbereiten leichten ICBM-Raketen hat, als eine schwere
ICBM-Rakete betrachten. Die USA gehen dabei von der Prämisse aus, daß die sowjetische Seite dieser Auffassung gebührend Rechnung trägt."

(e)

Auf ABM-Eigenschaften getestet
Am 7. April 1972 hat die amerikanische Delegation folgende Erklärung ab-

gegeben:
"Artikel II des gemeinsamen Vertragsentwurfes benutzt bei der Definition
von ABM-Komponenten die Formulierung »auf ABM-Eigenschaften getestetr und
Artikel VI enthält bestimmte Verpflichtungen hinsichtlich solcher Tests. Wir
sind der Ansicht, daß beide Seiten ein gemeinsames Einvernehmen über diesen
Begriff erzielen sollten. Erstens möchten wir feststellen, daß die Tests

-11-

�Tests betreffenden Bestimmungen des ABM-Vertrages für die Anwendung auf solche Tests gedacht sind, die nach dem Tage der Unterzeichnung des Vertrages
stattfinden, und nicht auf irgendwelche Tests, die in der Vergangenheit statt
gefunden haben. Ferner möchten wir die Ausführungen, die wir zu diesem Thema
während der vorangegangenen Verhandlungsphase in Helsinki gemacht haben, ergänzen und die Zielsetzungen darlegen, die die Auffassung der Vereinigten
Staaten zu diesem Thema bestimmen, nämlich die Erprobung von Nicht-ABM-Komponenten für ABM-Zwecke zu verbieten, nicht aber die Erprobung von ABM-Komponenten zu verbieten und auch nicht die Erprobung von Nicht-ABM-Komponenten
für Nicht-ABM-Zwecke zu verbieten. Um unsere Interpretation der Formulierung
'auf ABM-Eigenschaften getestet' zu klären, stellen wir fest, daß wir eine
Abschußvorrichtung, eine Rakete oder ein Radar als 'auf ABM-Eigenschaften getestet' betrachten, wenn zum Beispiel einer der folgenden Fälle eintritt:
1.) Eine Abschußvorrichtung wird aum Abfeuern einer ABM-Abfangrakete benutzt;
2.) eine Abfangrakete wird einem Flugversuch gegen ein bewegliches Ziel unterzogen, dessen Flugbahn die Charakteristika der Flugbahn einer strategischen
ballistischen Rakete aufweist, oder sie wird einem Flugversuch unterzogen,
der in Verbindung mit der Erprobung einer ABM-Abfangrakete oder eines ABM~
Radar auf dem gleichen Versuchsgelände erfolgt,oder wird im Flug bis zu
einer Höhe getestet, die für das Abfangen von Zielen, gegen die die Luftverteidigung eingesetzt wird, nicht üblich ist; 3.) ein Radar macht Aufzeichnungen von einem in Verbindung eingesetzten beweglichen Ziel, wie es unter
2.) erwähnt worden ist, während der Wiedereintrittsphase von dessen Flugbahn, oder es macht Aufzeichnungen in Verbindung mit der Erprobung einer
ABM-Abfangrakete oder eines ABM-Radar auf dem gleichen Gelände. Radar, die
für solche Zwecke wie Sicherheit auf dem Gelände oder Instrumentierungszwecke
benutzt werden, würden von der Anwendung dieser Kriterien ausgenommen sein."

(f)

-12-

�(f)

Nichtweitergabe-Artikel des ABM-Vertrages
Am 18. April 1972 hat die amerikanische Delegation folgende Erklärung ab-

gegeben:
"Zu diesem Artikel (IX) habe ich eine kurze und, wie ich glaube, keiner
Erläuterung bedürftige Erklärung abzugeben. Die amerikanische Seite wünscht
klarzustellen, daß die Bestimmungen dieses Artikels keinen Präzedenzfall für
irgendwelche Bestimmungen bilden, die bei einem Vertrag über eine Begrenzung
der strategischen Offensivwaffen erörtert werden könnten. Die Frage der Weitergabe strategischer Offensivwaffen ist weitaus komplexer und könnte eine andere
Lösung erfordern."
(g)

Keine Verstärkung der Verteidigung von Frühwarnradaranlagen
Am 28. Juli 1970 hat die amerikanische Delegation folgende Erklärung ab-

gegeben:
Da Hen House Radars (sowjetische Frühwarnradareinrichtungen gegen ballistische Raketen) ballistische Raketensprengköpfe auf große Entfernungen orten
und verfolgen können, besitzen sie ein beträchtliches ABM-Potential. Daher
würden die USA jede Verstärkung der Verteidigung für solche Radar-Geräte durch
Boden-Luft-Raketen als im Widerspruch zu einem Abkommen stehend betrachten."

(B)

Die folgende, beachtenswerte einseitige Erklärung wurde von der Dele-

gation der UdSSR abgegeben und wirdhier zusammen mit der amerikanischen Antwort aufgeführt:
Am 17. Mai 1972 hat Minister Semjonow die folgende einseitige "Erklärung
der sowjetischen Seite" abgegeben: "Im Hinblick darauf, daß gegenwärtig nicht
nur die USA sondern auch deren NATO-Verbündete moderne, mit ballistischen

-13-

�ballistischen Raketen bestückte Unterseeboote besitzen, stimmt die Sowjetunion
zu, daß die Vereinigten Staaten und deren NATO-Verbündete während der Geltungsdauer des Interimsabkommens über die 'Einfrierung* bis zu 50 solcher Unterseeboote mit insgesamt bis zu 800 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen
(einschließlich der 41 amerikanischen Unterseeboote mit 656 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen) besitzen. Wenn jedoch die amerikanischen NATOVerbündeten während der Geltungsdauer des Abkommens die Zahl ihrer modernen
Unterseeboote über die Zahl von Unterseebooten hinaus vergrößern sollten, die
sie am Tage der Unterzeichnung des Abkommens einsatzbereit oder im Bau haben,
dann wird die Sowjetunion das Recht haben, die Zahl ihrer Unterseeboote entsprechend zu erhöhen. Nach Ansicht der sowjetischen Seite kompensiert die Lösung der
Frage der modernen mit ballistischen Raketen bestückten Unterseeboote, wie sie
das Interimsabkommen vorsieht, nur zum Teil das strategische Ungleichgewicht
bei der Dislozierung nuklear getriebener Raketenunterseeboote der UdSSR und der
USA. Daher ist die sowjetische Seite ihrerseits überzeugt, daß diese ganze
Frage, und vor allem die Frage der amerikanischen Stützpunkte für Raketenunterseeboote außerhalb der USA, im Verlaufe der anschließenden Verhandlungen entsprechend gelöst werden wird."
Botschafter Smith hat am 24. Mai Minister Semjonow folgende Antwort
erteilt: "Die amerikanische Seite hat die'Erklärung der sowjetischen Seite*
vom 17. Mai bezüglich eines Ausgleichs für Unterseebootstützpunkte und SLBMUnterseeboote, die Drittländern gehören, geprüft. Die Vereinigten Staaten akzeptieren die Gültigkeit der Überlegungen in dieser Erklärung nicht."
Am 26. Mai hat Minister Semjonow die am 17. Mai abgegebene einseitige Erklärung wiederholt und Botschafter Smith hat die amerikanische Ablehnung am
26. Mai ebenfalls wiederholt.

-14-

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25/1972

COMPUTER KONTROLLIERT MEDIKAMENTEN-VERORDNUNG

-»(AD)-- "Die Gefahren unerwünschter Wirkungen von Medikamenten sind bei
weitem größer als andere Risiken bei einer Krankenhausbehandlung - etwa
Reaktionen auf Bluttransfusionen oder bei speziellen diagnostischen Verfahren". Dies berichtet Dr. Stanley N. Cohen, Leiter der Abteilung klinische Pharmakologie an der Stanford-Universität(Kalifornien). Zusammen mit
dem Chef der Zentralapotheke des Klinikkomplexes, Mr. Hiram Sera, entwickel»
te er deshalb ein computer-gestütztes System, um vor allem den spezifischen
Wirkungen von Kombinationspräparaten und dem Zusammenspiel dieser Medikamente mit anderen, zusätzlich verabreichten Arzneimitteln auf die Spur zu kommen.
Als Grundlage für diese Arbeit diente Dr. Cohen der Bericht einer Expertengruppe, die sich im Auftrag des Bundesministeriums für das Gesundheits-,
Bildungs-und Sozialwesen mit Beobachtungen im Zusammenhang mit rezeptpflichtigen Medikamenten befaßt hatte. Sie fand heraus, daß im Krankenhaus ein
Siebentel der Zeit darauf verwendet werden muß, um Patienten besonders zu
betreuen, die Allergien gegen Medikamente entwickelt haben oder bei denen sich
toxische Wirkungen von Präparaten zeigen. Allein in den USA kostet die Durchführung entsprechender Gegenmaßnahmen ca. drei Milliarden Dollar pro Jahr.
Die
-l-

�Die Erfahrung, daß ein Medikament zur Bekämpfung eines bestimmten Leidens
bei den einzelnen Patienten ganz unterschiedliche Wirkungen haben kann, ist
nicht neu. Immer mehr Ärzte gehen deshalb ab von einem schematischen Verordnen und versuchen, Dosis und Dauer einer Medikation ganz von den individuellen
Reaktionen beim Patienten abhängig zu machen. Im allgemeinen ist es jedoch
außerordentlich schwierig, die Faktoren herauszufinden, von denen die Effektivität und die Verträglichkeit eines Medikaments abhängen. "Neuere Studien
haben gezeigt", so Dr. Cohen, "daß mehr als 60 Prozent aller Komplikationen
bei stationären Patienten auf verordnete Medikamente zurückzuführen sind.
Außerdem ließen sie erkennen, daß ein Viertel dieser Komplikationen durch vermeidbares Zusammenwirken von Arzneimitteln verursacht wird."
Diese wichtige Komponente unerwünschter Nebenwirkungen möchte Dr. Cohen
mit Hilfe des in Stanford ausgearbeiteten Systems der Computerkontrolle für
Arzneimittelverordnungen nach und nach völlig ausschalten. Dazu werden alle
erreichbaren und exakt nachprüfbaren Daten über Arzneimittelreaktionen bei
Patienten zusammen mit vielen Details aus der Krankengeschichte, zur Konstitution und zur Anfälligkeit einzelner Personen gegen bestimmte Krankheiten gesammelt und in den Speicher des ACME-Computers (ACME-Advanced Computer for
Medical Research) der Universität eingegeben. Durch laufende Vervollständigung
und Verbesserung der Computerprogramme kann es auf diese Weise möglich werden,
vor einer Medikamentenverordnung den Computer zu Rate zu ziehen. Aus der Beantwortung von "Fragen", die dieser nach der Eingabe von Daten zum Patienten
und zum Krankheitsfall stellt, und der Angabe der geplanten Medikation soll
der Computer schließlich an Hand des riesigen Reservoirs medizinischer und
pharmakologischer Einzeldaten in die Lage versetzt werden, Alarm zu schlagen,
wenn bei einem Patienten eine Unverträglichkeit des neu zu verordnenden Medikaments oder unerwünschtes Zusammenwirken von einem neuen Kombinationspräparat
mit bereits angewendeten Arzneimitteln zu erwarten ist. Dr. Cohen will das

-2-

�I

das Verfahren soweit entwickeln, daß dem behandelnden Arzt ein vom Computer
ausgedruckter "Nebenwirkungsbericht" mit Angabe der bei dem Patienten zu erwartenden Wirkungen eines neu verordneten Präparates und der Möglichkeit von
Nebenwirkungsreaktionen mit bereits verabreichten Arzneimitteln an die Hand
gegeben werden kann.

-HH + I t I

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25/1972

STÄRKEHALTIGE NAHRUNG FÖRDERT KARIES

--(AD)-- Mit großer Intensität arbeiten Zahnmediziner und Mikrobiologen
an der Erforschung der Ursachen und Bekämpfung der Karies. Wie kürzlich
Dr. Richard B. Parker und Dr. Howard R. Creamer (Institut für Mikrobiologie des Fachbereichs Zahnmedizin der Staatsuniversität Oregon)in den
"Archives of Oral Biology"

berichteten, scheint angesichts der Ergebnisse

neuester Untersuchungen Stärke als Bestandteil der Nahrung zumindest eine
ebenso wichtige, wenn nicht gar eine noch größere Rolle bei der Entwicklung von Zahnfäule zu spielen als Zucker.
Die Wissenschaftler entdeckten, daß Neisseria-Organismen, die zweithäufigsten Mikroben im Mund, sehr gut auf Stärke gedeihen und gar keinen
Zucker brauchen. Sie können allein zwar keine Karies verursachen. Aber die
von ihnen abgesonderte Verbindung Amylopektin dient als Nährstoff für Bakterien, die damit wiederum Säuren produzieren, welche den Zahnschmelz angreifen. Manche Karies verursachenden Streptokokken halten sich lieber an
Amylopektin statt an Zucker. Die Herde einer bestimmten Streptokokkenart
wachsen mit dem Neisseria-Amylopektin sogar 5o Mal schneller als mit Zucker.
Solche Studien zu den "ökologischen Zusammenhängen und Wechselwirkungen" der
Mundflora zeigen, wie kompliziert der Karies-Prozeß als Ganzes gesehen ist.

�</text>
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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stockholmer Umweltkonferenz-ein ermutigender Anfang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Deklaration, Aktionsprogramm und Umweltfonds gebilligt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon erläutert Rüstungsbegrenzungsabkommen vor Kongressmitgliedern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die vereinbarten Interpretationen zu den amerikanisch-sowjetischen Raketenabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Computer kontrolliert Medikamenten-Verordnung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stärkehaltige Nahrung fördert Karies</text>
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2 8 . J u n i 1972

26

Inhalt

DOKUMENTATION:
Der wahre Weg zum Frieden
Von Präsident Richard M. Nixon

Rush vor dem American Council on Germany
-Auszüge aus der Ansprache vom 19. Juni-

1NF0RMATI0N:

Walter J. Stoessel zum neuen Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten nominiert

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1972

DER WAHRE WEG ZUM FRIEDEN
Von Präsident Richard M. Nixon

(Nachdruck in deutscher Übersetzung aus
U.S. News &amp; World Report", Ausgabe vom
26. Juni 1972, Washington, D.C.)
Copyright (c) 1972, U.S. News &amp; World
Report, Inc.
Hinweis des Herausgebers:
Präsident Nixon begann mit der Analyse
der amerikanischen Außenpolitik - die
ausdrücklich für "U.S. News &amp; World Report"
geschrieben wurde - vor seiner historischen Reise nach Peking. Der Regierungschef überarbeitete und revidierte den
Artikel nach seiner Rückkehr aus China und
überarbeitete ihn erneut, als er von seinem
Gipfeltreffen in Moskau nach den Vereinigten
Staaten zurückflog. Er schloß die hier vorliegende endgültige Fassung am Sonntag, den
11. Juni, ab. Es ist der erste mit seinem
Namen gezeichnete Artikel, den Richard Nixon
seit seiner Amtsübernahme als Präsident
exklusiv und ausdrücklich für irgendeine
Publikation verfaßt hat.

1 -

�EINE NEUE AUSSENPOLITIK FÜR EINE NEUE WELT

Jede Generation kann zu Recht behaupten, daß sie in einer neuen Welt lebe.
Aber in unseren Zeiten hat sich die Welt rascher und tiefgreifender verändert
als je in einem Zeitalter zuvor. Eine intelligente Außenpolitik muß nicht nur
mit diesem Wandel Schritt halten, sondern sie muß ihm zuvorkommen; sie darf
sich nicht lediglich von der Woge der Geschichte tragen lassen, sondern sie
muß diese auf die großen Ziele hinzuwenden versuchen, an die wir als Nation
glauben.

In den letzten dreieinhalb Jahren hat die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten umfassende und weitreichende Veränderungen durchgemacht - aber sie
hat auch eine grundsätzliche Folgerichtigkeit beibehalten. Wir haben unsere
Grundvorstellung der Zielsetzung Amerikas nicht aufgegeben, aber wir haben
den Weg eingeschlagen, auf dem diese Zielsetzung entsprechend den sich verändernden Umständen einer sich verändernden Welt verfolgt werden kann.
In den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg waren die Vereinigten Staaten unausweichlich vor die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung
des Friedens in der Welt und für die Unterstützung des Wiederaufbaus jener
Nationen gestellt, die vom Kriege verwüstet worden waren. Aber die Welt hat sich
seit jenen Tagen tiefgreifend verändert. Die Bedingungen, die die amerikanische
Politik damals bestimmten, haben sich fundamental gewandelt:
- Die Nationen Westeuropas und Japan, nach dem zweiten Weltkrieg niedergestreckt und erschöpft, erlebten mit unserer Hilfe einen ans Wunderbare gren zenden Wiederaufschwung. Unsere Verbündeten in aller Welt sind unabhängiger
und selbstsicherer geworden.
-Entwicklungsländer

�-Entwicklungsländer haben ebenfalls eine neue Kapazität gewonnen, um für
ihre eigene Sicherheit und ihr eigenes Wohlergehen zu sorgen. Heute werden die
meisten ihrer Entscheidungen von einem

neuen Gefühl der nationalen Autonomie

bestimmt.
- Die überwältigende Überlegenheit unserer früheren militärischen Macht
gegenüber der Sowjetunion hat einer ausgeglicheneren militärischen Gleichung
Platz gemacht. Unser militärisches Potential steht auch heute noch hinter niemandem zurück, aber wir können nicht länger erwarten, daß die bloße Tatsache
einer massiven amerikanischen Überlegenheit den Frieden überall auf Erden bewahren wird.
- Der solide Block kommunistischer Nationen, der uns nach dem zweiten
Weltkrieg gegenüberstand, ist heute kein solider Block mehr. Ja, so wie die
kommunistischen Nationen von der Solidarität zur Verschiedenheit gelangt sind,
sogar zur intensiven Rivalität in ihren Beziehungen untereinander, so haben
sie sich in der Periode nach Stalin von einer permanenten kriegerischen Haltung
zu einer Haltung der zumindest teilweisen Anpassung an die übrige Welt gewandelt.
Das Ergebnis all dieser Veränderungen war eine Bewegung weg von der
starren Bipolarität der vierziger und fünfziger Jahre und hin zu einer fliessenderen und heterogeneren, multipolaren internationalen Ordnung - einer Ordnung, die ausgewogener und stabiler ist, da sie auf breiteren und vielfältigeren Fundamenten ruht.
Als ich das Amt des Präsidenten übernahm, war ich unbedingt der Auffassung, daß die amerikanische Außenpolitik den amerikanischen Interessen nicht
förderlich sein konnte, wenn sie sich nicht sofort an diese neue diplomatische Landschaft anpaßte. Diese Anpassung - in ihrer einfachsten Form - erforderte von uns, daß wir größeren Nachdruck auf Verhandlungen mit unseren Gegnern und auf Partnerschaft mit unseren Verbündeten legten.
Diese
-3-

�Diese neuen Erfordernisse wiederum stellten uns sowohl vor harte Aufgaben
als auch vor erregende Möglichkeiten. Die Tatsache, daß wir bestimmte Aufgaben
nicht mehr allein erfüllen konnten, mag unsere Autonomie eingeschränkt haben,
aber sie hat auch einige unserer Bürden erleichtert. Die Tatsache, daß einfache
militärische Überlegenheit keine ausreichende Antwort mehr auf eine stärkere
und vielfältigere kommunistische Herausforderung war, komplizierte zwar unsere
Diplomatie, aber sie hat auch neue Wege zu Fortschritt und Frieden erschlossen.
Trotz all dieser Veränderungen hat sich eine Grundrealität nicht geändert:
Die Beteiligung Amerikas ist auch heute noch die conditio sine qua non jeder
stabilen und harmonischen internationalen Ordnung. Die reife Einsicht, daß wir
ganz allein den Frieden nicht machen können, darf nicht mit der gefährlichen
Illusion verwechselt werden, der Friede könne etwa ohne uns erreicht werden.
Wenn die Vereinigten Staaten den von den neuen Isolationisten befürworteten
Kurs verfolgen würden, dann wären Frieden und Freiheit in der Welt in tödlicher
Gefahr. Die neuen Verhältnisse der siebziger Jahre verlangen eine schöpferische
Neudefinition der amerikanischen Führungsrolle, nicht ihre verdrossene Aufgabe.
Wenn wir uns nach innen kehren würden, wenn wir unsere Verpflichtungen in
der Welt aufgeben würden, wenn wir uns in eine Orgie der Beschäftigung mit uns
selbst und der Selbstzufriedenheit stürzen würden, dann, so könnten wir sicher
sein, würde das Vakuum, das wir in der Weltpolitik hinterlassen würden, rasch
von anderen ausgefüllt. Wir könnten auch gewiß sein, daß eine solche Welt für
Amerika, für die Demokratie und für die Menschheit weniger sicher wäre.
Ein Verstecken vor den Realitäten würde weder Sicherheit noch Frieden
bringen. Zu viele Generationen haben bei zu vielen Gelegenheiten den schreckliehen Preis dafür bezahlt, daß sie, eigene Anstrengungen scheuend, den Weg
der Flucht vor der Welt gegangen sind.
Wir

-4-

�Wir haben nicht das Ziel, dieses Jahrhundert zu einem amerikanischen Jahrhundert zu machen - aber ebenso wenig können wir uns damit zufrieden geben, daß
es zu dem Jahrhundert wird, in dem Amerika in den Schatten gestellt wurde. Wir
können durch unsere eigenen Anstrengungen allein keine gerechte und stabile Weltordnung erreichen. Aber eine solche Ordnung kann ebenso wenig ohne die aktive
Beteiligung der Vereinigten Staaten aufgebaut werden.
Wir haben daher beschlossen,

unsere aktive Führungsrolle in der Welt wei-

terzuführen - ebenso wie wir beschlossen haben, diese Rolle auf neue Weise auszufüllen. Das fundamentale Ziel dieser Führung ist der Aufbau eines tragfähigen
und dauerhaften Gebäudes des Friedens.
Beim Aufbau eines Gebäudes des Friedens ist die wichtigste Überlegung,daß
eine Reihe von Abkommen, Vereinbarungen und Praktiken erreicht wird, durch die
diejenigen, die den Wandel anstreben, sich verpflichten, dies nur mit friedlichen Mitteln zu tun.
Das ist der Weg zu einer Generation des Friedens. Das ist das Kernstück
unserer Außenpolitik.
Diese Politik trägt bereits Früchte;
- Nach einer Generation der Feindseligkeit ist in unseren Beziehungen zur
Volksrepublik China eine neue und vielversprechendere Seite aufgeschlagen worden.
- Nach einer Ära der Konfrontation ist jetzt eine Ära der Verhandlungen
angebrochen, wie sich das am augenfälligsten aus dem ganzen Bereich unserer Gespräche und Abkommen mit der Sowjetunion ergibt.

-Nach

-5-

�- Nach einer Periode der Unsicherheit und Anpassung werden unsere Bündnisse erneuert und verstärkt.
Nach zehn Jahren des Krieges geht unser Engagement in Vietnam dem Ende
entgegen - auf eine Weise, die unsere Zielsetzungen intakt läßt und die zu
einem dauerhaften Frieden im Pazifik beitragen wird,
- Nach einem Jahrzehnt immer wiederkehrender Krisen ist der Anfang für
den Aufbau eines internationalen Währungssystems gemacht worden, das gegenüber
den Vereinigten Staaten und gegenüber der Welt fair ist.

DIE GIPFELTREFFEN

Das Fehlen einer gesunden Wechselwirkung, das zeitweilig an eine politische Lähmung der Beziehungen unseres Landes zu den beiden wichtigsten kommunistischen Mächten grenzte, war eines der gefährlichsten Elemente der Weltlage,
als diese Administration im Jahre 1969 ihr Amt übernahm. George Washingtons
einsichtige Warnung aus der Napoleonischen Zeit - daß ein Frönen in "ewigen,
eingefleischten Antipathien gegen bestimmte Nationen" eine Nation "zum Sklaven
ihrer (eigenen) Animosität" machen würde - hatte in der Ära des Kalten Krieges
neue Bedeutung bekommen - und zwar in noch viel schlimmerem Maße, da jetzt die
Arsenale aller drei an diesem tödlichen Patt beteiligten Mächte von Raketen und nicht, wie in Washingtons Zeiten, von Musketen - starrten. Wir kamen 1969
zu der Erkenntnis, daß wir, wenn die Welt von der Konfrontation als Lebensform
befreit werden sollte, neue Beziehungen sowohl zur Sowjetunion als auch zur

-6-

�zur Volksrepublik China entwickeln mußten.
Als wir dieses Ziel verfolgten, erkannten wir, daß in den Erwartungen der
kommunistischen Führer gewisse Änderungen eingetreten waren. Welche Hoffnungen
sie auch immer gehegt haben mochten, daß die kapitalistischen Nationen in einer
Wolke des marxistischen Dogmas zusammenbrechen würden - diese Hoffnungen hatten
sich zerschlagen. Dementsprechend waren sie soweit, daß sie nach Wegen suchten,
um mit den Vereinigten Staaten, einem Westeuropa

und einem freien Asien zu-

sammenzuleben, die stärker und nicht schwächer wurden, die genug Erfahrung hatten, was es heißt, nicht vorbereitet zu sein, und die daher ihren Schild festhielten und ihn nicht etwa senkten.
Dies war eine Änderung in der Politik von profunder Bedeutung. Es ist jedoch wichtig, zu erkennen, daß es sich um einen verstandesmäßigen Wandel und
nicht um eine Änderung der Gesinnung handelte. Es war eine rationale, berechnete Erkenntnis, daß die alte Taktik nicht funktionieren würde.

Weder die Sowjetunion noch China haben ihre besondere Weltanschauung
aufgegeben. Beide haben jedoch den Gedanken akzeptiert, daß ihren eigenen besten
Interessen durch Verhandlungen besser gedient ist als durch Konfrontation. Wir
waren der gleichen Auffassung bezüglich des besten Weges, den amerikanischen Interessen zu dienen. Damit begann eine Reihe von Initiativen, die in diesemJahr
in dem ersten Besuch eines amerikanischen Präsidenten in Peking und Moskau
gipfelten.
Mit China war die Einleitung vielleicht dramatischer, da die Feindseligkeit
und Isolation zwischen uns stärker gewesen waren. Bevor ich Präsident wurde,
hatte ich bereits 1967 in der Viertel Jahresschrift "Foreign Affairs" geschrieben:
Auf

-7-

�Auf lange Sicht gesehen können wir es uns einfach nicht leisten, China
auf ewig außerhalb der Völkerfamilie zu lassen - um dort seinen Phantasien nachzugehen, seinen Haß zu pflegen

und seine Nachbarn zu bedrohen.

Auf diesem Planeten ist kein Platz dafür, daß eine Milliarde seiner potentiell fähigsten Bewohner in zorniger Isolation leben könnte.

Von den ersten Tagen dieser Administration an geduldig verfolgt, begann
diese treibende Kraft die Dinge vorwärts zu bewegen - zunächst kaum bemerkbar,
dann vor einem Jahr mit dem ersten diplomatischen Kontakt auf hoher Ebene seit
dem Korea-Krieg und dann schließlich im Februar dieses Jahres mit meiner
"Friedensreise" nach Peking.
Mit dieser Reise begannen wir eine Kluft zu überbrücken, die durch 22 Jahre bitteren Schweigens zwischen der mächstigsten Nation dieser Erde und der
volkreichsten Nation dieser Erde vertieft worden war. Wir haben demonstriert,
daß Nationen mit sehr tiefen und fundamentalen Differenzen diese Differenzen
ruhig, vernünftig und offen erörtern können, ohne ihre Grundsätze preiszugeben oder ihre Lebensinteressen zu opfern.

Unsere Zusammenkünfte mit den chi-

nesischen Führern erbrachten keinerlei Zauberformeln, durch die unsere Differenzen beseitigt würden. Wir haben jedoch einen wichtigen Anfang in Richtung
auf eine Ausweitung der Kontakte auf kulturellem und journalistischem Gebiet
sowie auf dem Bildungssektor, in Richtung auf eine Ausweitung des Handels und
in Richtung auf eine Stärkung und Erweiterung der von uns geschaffenen Kommunikationen gemacht.
Am wichtigsten war jedoch, daß wir Übereinstimmung über einige grundlegende Prinzipien des internationalen Verhaltens erzielten, die das Risiko einer
Konfrontation und eines Krieges in Asien und im Pazifik verringern werden. Wir
stimmten darin überein, daß wir gegen die Beherrschung des pazifischen Raumes
durch irgendeine Macht sind. Wir stimmten darin überein, daß internationale
Streitigkeiten ohne Anwendung oder Androhung von Gewalt beigelegt werden sollten, und wir stimmten darin überein, dieses Prinzip auf unsere Beziehungen zueinander anzuwenden. Und wir erreichten diese Übereinstimmung, ohne irgendwelche unserer früheren Verpflichtungen gegenüber der Republik China (Anmerkung

�(Anmerkung der Redaktion: die nationalchinesische Regierung auf Formosa)
oder gegenüber unseren anderen Freunden aufzugeben.
Alles in allem war der Besuch ein großer erster Schritt in Richtung
auf die Anbahnung eines ständigen fruchtbaren Dialogs mit der Volksrepublik China und zwar in einer Weise, die zum Frieden nicht nur im Pazifik,
sondern in der gesamten Welt beitragen wird. Der zweite Schritt und weitere
Schritte erfolgen bereits mit den Besuchen führender Mitglieder unserer
Legislative in Peking, mit periodischen Botschaftertreffen in Paris und
durch andere Kontakte, die noch vor einem Jahr unmöglich erschienen wären.
Bei der Absteckung des Kurses für bessere Beziehungen zur Sowjetunion
sahen wir uns einer völlig anderen und in vieler Hinsicht komplexeren
Situation gegenüber, als dies im Hinblick auf Peking der Fall war. Die
UdSSR verfolgte Ende der sechziger Jahre, wie dies die Vereinigten Staaten
seit langem getan hatten, eine globale Außenpolitik; jeder von uns verfolgte Interessen und Aktivitäten, die mit denen des anderen an zahlreichen
Punkten auf der Welt zusammenprallten. Jeder von uns verfügte über ein
nukleares Potential, das, falls ein totaler

Krieg ausbrechen sollte, die

gesamte Zivilisation vernichten konnte.
Schon diese letztere Tatsache allein sprach nachdrücklich für ein
amerikanisch-sowjetisches Treffen auf höchster Ebene, um zur Verringerung
der Kriegsgefahr beizutragen. Aber die konkrete Realität unserer Differenzen
- und der Rüstungen, die auf diese Differenzen zurückgehen - bedingte ebenfalls, daß jede lohnende Gipfelkonferenz dem entsprechend konkrete Aussichten für Regelungen bei einigen der wirklich schwierigen Streitfragen
bieten muß. Die bloße Atmosphäre eines Gipfeltreffens wäre, so glaubten
wir, schlimmer als nichts; zu oft in der Vergangenheit hatte die Welt
eine falsche Euphorie erlebt, der "Geist" dieses oder jenes Tagungsortes
führte nur zu Selbstgefälligkeit, Fehleinschätzung und Enttäuschung..
Wir
- 9-

�Wir schlugen daher einen Weg ein, der die amerikanischen und die sowjetischen Führer nicht wie bisher "per Luftbrücke" auf den Gipfel brachte - mit der
sich daraus ergebenden Notwendigkeit, in Hast und mit wenig Gepäck zu reisen
und rasch wieder in die Niederungen der alten Beziehungen zurückzukehren sondern auf einer festen, bis zum Gipfel ausgebauten Straße, so daß das schwere
Verhandlungsgepaeck mitgeführt werden konnte und echte Erfolge erzielt werden
konnten. Wir traten daher auf einem weiten Fragenbereich mit den Sowjets in
Verhandlungen ein - in der Hoffnung, ein Erfolgsklima zu schaffen, so daß Fortschritte auf einem Gebiet zu Fortschritten auf anderen führen würden.
Dieser Auftrieb wurde erreicht. Auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle erlebten wir nicht nur, daß der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen zustandekam,

sondern die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielten

auch eine Einigung über Verträge, die eine Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Meeresbett untersagen und den Besitz und die Herstellung biologischer
und toxischer Waffen verbieten. Unsere Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen erbrachten Übereinstimmung über einen zuverlä^sigeren"heißen
Draht" als Kommunikationsmittel zwischen Washington und Moskau sowie über Maßnahmen zur Notifizierung und Konsultation mit dem Ziel, das Risiko eines ungewollten Nuklearkrieges zu verringern. Ebenso erzielten wir einen bedeutsamen
Fortschritt in Richtung auf eine Einschränkung der nuklearen Rüstungen, wobei
meine persönliche Intervention wie auch die der sowjetischen Führer dazu beitrugen, an mehreren Stellen einen toten Punkt in den Verhandlungen zu überwinden.
Gerade dieser Fortschritt bei den Gesprächen in Wien und Helsinki ebnete
schließlich zusammen mit dem historischen Viermächte-Abkommen über Berlin im
vorigen Herbst den Weg zum Moskauer Gipfel.
Die Pläne für dieses Treffen wurden durch die Ereignisse,die in den sieben
Monaten zwischen ihrer Bekanntgabe im Oktober und meiner Reise im Mai eintraten, nicht verändert - eine Tatsache, die in krassem Gegensatz zu der Zerstörung

-lo-

�Zerstörung der Gipfelhoffnungen im Jahre i960 durch den U»2-Zwischenfall und
im Jahre 1968 durch die Invasion der Tschechoslowakei stand. Das allein schon
war ein Beweis für eine neue Reife und Stabilität in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Die Ereignisse in Moskau im Mai erhärteten dies voll und ganz. Wenn wir
auch keinen sofortigen Frieden aushandelten oder eine unvollkommene Welt über
Nacht vollkommen

machten oder ein Viertel Jahrhundert grundlegender Differen-

zen zwischen uns ausräumten, so haben wir doch die Grundlagen fuer neue Beziehungen zwischen den beiden mächtigsten Nationen der Erde geschaffen. Kennzeichen für diese neuen Beziehungen sollen sein gegenseitige Achtung und
Gleichberechtigung, Beilegung von Meinungsverschiedenheiten ohne Anwendung
oder Androhung von Gewalt sowie die Heraushebung von Gebieten der Zusammenarbeit und nicht von Streitpunkten.
Unsere Abkommen über gemeinsame amerikanisch-sowjetische Bemühungen zur
Bekämpfung der Umweltverschmutzung und zur Förderung der medizinischen Forschung
und des öffentlichen Gesundheitswesens sowie über eine Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie dürften im Laufe der Zeit immer mehr an Umfang zunehmen und so ein ständig wachsendes, festbegründetes Interesse am Frieden zwischen
unseren beiden Ländern schaffen. Das dramatische Abkommen über eine Zusammenarbeit im Weltraum, einschließlich eines Apollo-Sojus-Rendezvous und eines Andockens im Jahre 1975 weist in dieselbe Richtung. Das gleiche gilt für das umfassende Handelsabkommen, das von der amerikanisch-sowjetischen Handelskommission, die wir auf dem Gipfeltreffen eingesetzt haben, in einigen Monaten ausgearbeitet werden dürfte.
Aber wir haben in Moskau mehr getan, als nur wertvolle Brücken auf diesen
relativ wenig kontroversen Gebieten zu schlagen; wir haben uns direkt mit den
großen militärischen Fragen befaßt, die zwischen uns stehen.
Was Europa anbetrifft, so bestand beiderseitiges Einvernehmen, den Abbau
der Spannungen fortzusetzen, der mit dem kürzlichen Berlin-Abkommen und den
-11-

�westdeutschen Verträgen begann. Sondierende Konsultationen werden in Kürze beginnen und sollen zu einer Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie zu gesonderten Gesprächen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa führen.
Angesichts der Gefahren, die sich aus Berührungen auf hoher See zwischen
den beiden größten Flotten der Welt ergeben könnten, haben wir das erste von
Mj iitär zu Militär auf hoher Ebene erzielte amerikanisch-sowjetische Abkommen
seit dem Ende unserer Allianz während des zweiten Weltkrieges abgeschlossen,
das Flottenzwischenfälle verhindern soll.
Und schließlich, was für die Friedensaussichten am wichtigsten isl, haben
wir ein beispielloses Abkommen über die Begrenzung der strategischen nuklearen
Raketenstreitkräfte der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterzeichnet .
Der Vertrag, der jedem der beiden Länder nur zwei ABM-Abschußgebiete zugesteht und das Interimsabkommen, das bestimmte Arten von Offensivraketen auf fünf
Jahre einfriert, kennzeichnen den Anfang vom Ende des unkontrollierten nuklearen
Wettrüstens, das 1945 einsetzte. Sie stärken die Sicherheit beider Vertragspartner, während sie gleichzeitig die Gefahr eines weltweiten Krieges wesentlich
verringern. Die Verträge wahren das bestehende strategische Gleichgewicht, indem
Waffenkategorien eingefroren werden, bei denen wir ohnehin vor 1977 keine neuen
Systeme hätten dislozieren können und bei denen die UdSSR dies in großer Zahl
hätte tun können und getan hätte. Auf diese Weise wird eine Situation aufrechterhalten, in der die Verteidigung der Vereinigten Staaten voll ausreichend ist
und hinter niemandem auf der Welt zurücksteht.
Beide Seiten standen praktisch vor der Wahl, die Rüstungen zu beschränken
oder dem Wettrüsten freien Lauf zu lassen - und bei einem solchen Wettrüsten
würde es keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben. Weder die Vereinigten Staaten noch die Sowjetunion würden auf lange Sicht eine Situation zulassen, in
der der eine den anderem mit einem so überwältigenden nuklearen Vorteil konfron-

-12-

�konfrontieren würde, wie ihn die Vereinigten Staaten zum Zeitpunkt der kubanischen Raketenkrise im Jahre 1962 besaßen. Bliebe die nukleare Rüstungsschraube weiterhin unkontrolliert, so würde dies ein Wettrüsten auslösen,
bei dem keine Seite etwas zu gewinnen hätte, denn jede Seite würde glauben,
daß sie es sich nicht leisten könnte, die andere gewinnen zu lassen.

Das in Moskau Erreichte war natürlich nur ein Anfang; in jedem Bereich,
in dem Fortschritte erzielt wurden, liegt noch ein langer Weg vor uns. In
Indochina und im Nahen Osten müssen gerechte und dauerhafte Friedensregelungen erreicht werden; die Entspannung in Europa muß von einer Chance zu
einer Realität werden; die Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung müssen
in Richtung auf eine ständige Beschränkung der Offensivwaffen vorangetrieben
werden.

Ich glaube jedoch, daß eine gute Grundlage für den Fortschritt geschaffen
worden ist

- sowohl durch die auf dem Gipfeltreffen unterzeichneten spezi-

fischen Abkommen wie auch durch die Erklärung, die "die Grundsätze für die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken" aufzeigt, und über die am letzten Tage
meines Aufenthalts in Moskau Einigung erzielt wurde. Die in diesen Grundsätzen niedergelegten beiderseitigen Verpflichtungen - direkte Konfrontationen zu vermeiden; Zurückhaltung zu üben und bei kleineren Konflikten,
die einen größeren Krieg auslösen könnten,konstruktiv einzuwirken, keine besonderen Privilegien oder Einflußsphären für sich zu beanspruchen; das Schwergewicht in unseren Beziehungen auf Konsultation, Verhandlung und Zusammenarbeit zu legen - alle diese Versprechen bedeuten eine Abwendung von den Formen
einer feindseligen Vergangenheit und eine Hinwendung zu einer gesicherten
und offeneren Welt.

So wie die Verhaltensnormen, auf die wir uns mit den chinesischen Führern
in Peking einigten, so müssen sich diese Grundsätze jetzt in der Praxis bewahren. Wenn sie sich jedoch bewährt haben, dann befindet sich die Welt wirklich auf dem Wege von einer Zeit der Gipfeltreffen zu einer Generation oder noch mehr - eines dauerhaften Friedens
Es
- 13 -

�Es wäre ein Fehler, jedes dieser Gipfeltreffen als ein Allheilmittel
für die Krankheiten der Welt zu betrachten. In der Weltpolitik sind Präparate, die als "Universalmittel" angepriesen werden, nur zu oft giftig.
Ein Grund, warum die Gipfeltreffen so erfolgreich verliefen, war, daß ihre
Zielsetzungen so realistisch waren. So sagte ich in meiner Tischrede zu
dem chinesischen Volk, "aber wenn wir auch die Kluft zwischen uns nicht
schließen können, so können wir doch versuchen, sie zu überbrücken, so
daß wir über sie hinweg miteinander sprechen können"; und an das sowjetische
Volk gewandt sagte ich, "wir werden manchmal Konkurrenten sein, aber wir
brauchen niemals Gegner zu sein". Ähnlich im Motiv,aber voneinander unabhängig in der Konzeption,haben diese beiden Treffen uns unserem großen
Ziel näher gebracht: Das Ende der ständigen Konfrontation zwischen der
freien Welt und den kommunistischen Mächten und die Schaffung besserer Beziehungen der Vereinigten Staaten zu allen Völkern der Welt.

UNSERE BUNDNISSE BLEIBEN LEBENSWICHTIG

Der Energie, mit der wir neue Beziehungen zu denen suchten, die unsere
Gegner waren, kamen auch in jeder Beziehung unsere Bemühungen gleich, einen
neuen Geist der Partnerschaft in unseren Beziehungen zu unseren Freunden zu
schaffen.

So erklärte ich vor dem Kongreß nach meiner Rückkehr aus Moskau:

"Die Erhaltung der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer
Bündnisse in der freien Welt ist die Grundlage, auf der alle unsere
anderen Initiativen für Frieden und Sicherheit in der Welt basieren
müssen. Während wir bessere Beziehungen zu jenen suchen, die unsere
Gegner waren, werden wir unsere Freunde und Verbündeten in der Welt
nicht aufgeben."

Die
- 14 -

�Die Tatsache, daß unsere Freunde und Verbündeten heute stärker sind,
bedeutet, daß wir alle Überreste eines Paternalismus ablegen wie auch alle
Erwartungen aufgeben können und sollten, daß unsere Vorschriften stets und
automatisch befolgt würden. Das bedeutet, daß wir von unseren Verbündeten
erwarten können und werden, daß sie in verstärktem Maße zu den menschlichen
und physischen Hilfsquellen beitragen, die für Verteidigung und Entwicklung
überall auf der Welt erforderlich sind. An uns liegt es jedoch, sie dabei
nicht im Stich zu lassen, sondern uns ihnen bei diesen Bemühungen anzuschließen.

Eine ausgewogene Neuordnung der Pflichten wird sich auf das neue Selbstvertrauen stützen können, das viele unserer Freunde jetzt zeigen - ja sie
wird sogar helfen, es zu fördern. Eine achtlose Vernachlässigung unserer
Pflichten würde jedoch dieses Selbstvertrauen untergraben und den Frieden
gefährden.
Die Sicherheit des atlantischen Bündnisses und die Stärke und das
Wohlergehen der atlantischen Welt haben immer Ecksteine der amerikanischen
Politik seit dem zweiten Weltkrieg gebildet. Das ist auch heute noch der Fall.

Einer meiner ersten Schritte als Präsident war es, mitzuhelfen, das NATOBündnis zu stärken, das damals 20 Jahre alt war und von dem viele meinten,
daß es eine stolze Vergangenheit, aber keine Zukunft habe. Bei der Wiederbelebung dieses Bündnisses haben wir klargestellt, daß nach unserer Ansicht
die Tage des amerikanischen Übergewichts in der NATO vorbei seien; haben wir
den Konsultationsprozeß innerhalb des Bündnisses erweitert; und haben wir
die Initiative dabei ergriffen, seinen Aufgabenkreis - durch den Ausschuß
für die Aufgaben der Modernen Gesellschaft - zu erweitern, so daß nun ein
weiter Bereich von sozialen, umweltlichen und technischen Problemen erfaßt
wird, denen sich die Industriestaaten heute gegenübersehen.

Die Ergebnisse waren ermutigend. Die Nachrufe, die Ende der sechziger
Jahre der NATO so gerne gezollt wurden, erwiesen sich entschieden als verfrüht; und in den ersten Jahren dieses siebten Jahrzehnts waren nur noch

- 15 -

�noch wenige zu hören. Die NATO hat nicht nur die Sicherheit Westeuropas bewahrt, sondern ihre europäischen Mitglieder einigten sich 1970 darauf, zusätzlich eine Milliarde Dollar an Sicherheitskosten zu übernehmen, und 1971
übernahmen sie eine weitere Milliarde Dollar der Verteidigungslasten, Inzwischen ist die Bewegung in Richtung auf eine wirtschaftliche und politische
Zusammenarbeit in Europa - dazu gehört auch das Abkommen über den Beitritt
Großbritanniens, Irlands, Dänemarks und Norwegens in den Gemeinsamen Markt in einer Weise vorangeschritten, die große Verheißungen für die Zukunft in
sich birgt.

Auf der anderen Seite der Welt, im Pazifik, haben wir der Erhaltung der
Starke unserer Bindungen an Japan besondere Aufmerksamkeit geschenkt - und
wir haben diese Bindungen durch unser freiwilliges Abkommen über die Wiedervereinigung von Okinawa mit den japanischen Heimatinseln noch verstärkt. Aufgabe für die siebziger Jahre ist es, unsere Bindungen an Japan neu zu gestalten und zu stärken, von dem Paternalismus, der für unsere Beziehungen
nach dem zweiten Weltkrieg charakteristisch war, ab - und zu ein.?r reiferen
Partnerschaft überzugehen, die den Realitäten der neuen wirtschaftlichen
Dynamik Japans mehr angemessen ist.

In manchen Kreisen ist man geneigt, auf die Enttäuschungen des südostasiatischen Konflikts und auf die Lasten, die sich in dem Viertel Jahrhundert
der Führungsrolle Amerikas nach dem zweiten Weltkrieg angehäuft haben, zu
negativ zu reagieren. Es gibt Amerikaner, die das Gute wollen, aber weltmüde
sind und die das Pendel von der Vorherrschaft - als dem einen Extrem - in
mangelndes Selbstvertrauen - als dem anderen Extrem - umschlagen lassen
möchten; von der Gefahr einer zu starken Ausweitung zur Gefahr einer zu
starken Hinwendung nach innen

Diese Menschen hoffen - und manche andere be-

fürchten - daß die neue Doktrin dieser Administration einen einseitigen Rückzug aus der Welt verschreibe.

Solche Beobachter irren in bezug auf das, was unser Land tun sollte, und
in bezug auf das, was diese Administration tut. Der Vogel Strauß ist nicht
dabei, den Adler abzulösen.
Natürlich
- 16 -

�Natürlich ist es uns gelungen, die militärische Präsenz Amerikas im
Ausland, nicht nur in Vietnam, sondern auch anderswo, wesentlich zu verringern. Das ist jedoch eine Folge der wachsenden Stärke unserer Verbündeten
und kein Überbordwerfen unserer Verpflichtungen. Eine wirksame amerikanische
Präsenz im Ausland und ein starkes militärisches Hilfsprogramm in zahlreichen
freien Ländern werden auch weiterhin auf absehbare Zeit hinaus erforderlich
sein.

Wir können von anderen erwarten, daß sie sich stärker an den Wirtschaftshilfeanstrengungen beteiligen. Aber auch hier müssen wir eine starke führende
Stellung beibehalten - das ist der Grund, warum Kongreß und Exekutive zusammenarbeiten müssen, um eine neue Einstellung zur Auslandshilfe zu entwickeln.

Wir legen großes Gewicht auf Verhandlungen mit potentiellen Gegnern.
Aber wir haben nicht die Absicht, altbewährte Freundschaften wegzugeben.
Unsere Verhandlungen können und sollten die Schranken gegenüber unseren
Gegnern abbauen; aber wir werden weiterhin jede Vorsichtsmaßnahme treffen,
daß sie keine Schranken gegenüber unseren Freunden aufrichten.

DIE NIXON-DOKTRIN
Was als Nixon-Doktrin bekannt geworden ist, ist im wesentlichen ein
Plan zur Stärkung unserer Bündnisse, für eine gerechtere Verteilung der Lasten
der Friedenswahrung, für die umfassendere Beteiligung von mehr Nationen an
der Aufgabe der Sicherung ihrer eigenen Verteidigung und für die Mitwirkung
an der Garantie, daß künftige Konflikte, die die zentralen Interessen der
Großmächte nur am Rande berühren, diese nicht direkt in diese Auseinandersetzungen mit hineinziehen.
Kleine

�Kleine Länder können kleine Kriege beginnen, aber nur die Großmächte
können große Kriege auslösen. Die gesarate Welt hat ein ungeheures Interesse
daran, daß die nuklearen Arsenale derjenigen Nationen, die sie besitzen,
niemals benutzt werden.

Natürlich erhoffen wir alle eine Welt, in der es niemals Kriege irgendeiner Art geben wird. Aber dennoch müssen wir auf die Möglichkeit vorbereitet
sein, daß zwischen kleineren Nationen Streitfälle ausbrechen und diese den
Einsatz von Waffen mit sich bringen werden.
Seit Ende des zweiten Weltkrieges hat es über hundert bewaffnete Konflikte der einen oder anderen Art zwischen Nationen gegeben. Wenn auch unser
letzliches Ziel die Ausschaltung solcher Konflikte überhaupt ist, so muß
unser unmittelbares Ziel doch die Verhinderung der Auslösung eines katastrophalen Krieges globalen Ausmaßes sein.
In meiner Botschaft über die Lage der Nation vom Januar dieses Jahres
habe ich die Nixon-Doktrin wie folgt umrissen:

- Wir werden eine ausreichende nukleare Abschreckung aufrechterhalten,
um jeder Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten oder unserer Verbündeten zu begegnen.

- Wir werden anderen Nationen helfen, das Potential für ihre eigene Verteidigung aufzubauen.

- Wir werden getreulich alle unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen.
- Wir werden handeln, um unsere Interessen zu verteidigen, wann immer
und wo immer diese irgendwo auf der Welt bedroht sind.
- Wo jedoch

unsere Interessen oder unsere vertraglichen Verpflichtungen

nicht berührt werden, wird unsere Rolle begrenzter Natur sein.
- Wir
- 18 -

�- Wir werden militärisch nicht intervenieren.
- Wir werden jedoch unseren Einfluß zur Verhinderung von Kriegen
geltend machen.
- Falls es zu einem Kriege kommt, werden wir unseren Einfluß zum
Tragen bringen, um ihm Einhalt zu gebieten.
- Sobald ein Krieg vorüber ist, werden wir unseren Teil dazu beitragen, um die Wunden jener heilen zu helfen, die daran beteiligt
waren.

VIETNAM
Ein Gebiet, in dem sich unsere neuen Methoden der Außenpolitik vor eine
ganz besondere Aufgabe gestellt sahen, war Vietnam. Wir sind dieser großen
Herausforderung während der letzten dreieinhalb Jahre erfolgreich begegnet.
Wir ziehen aus Vietnam ab, aber wir tun dies mit intakten Zielsetzungen.

Als diese Administration ihr Amt übernahm, beherrschte der Vietnamkrieg
die Aufmerksamkeit Amerikas. Er beschäftigte unsere Gemüter, er zehrte an
unseren Hilfsquellen und stellte unsere Geduld auf eine harte Probe.

Bei meiner Amtsübernahme waren nahezu 550 000 amerikanische Soldaten
in Vietnam stationiert, und es gab keinen Plan für ihre Rückführung. Die
Zahl der im Kampf gefallenen Amerikaner belief sich auf durchschnittlich
über 1000 im Monat. Die zunehmende Amerikanisierung des Krieges zusammen
mit einer paternalistischen Einstellung gegenüber den Vietnamesen hatte
unsere Verbündeten demoralisiert, während gleichzeitig unser eigenes Engagement eskalierte.

Angesichts dieses doppelten Problems gingen wir sofort auf zwei Gleisen vor: Einerseits machten wir ernsthafte und anhaltende Anstrengungen,
um den Krieg so rasch wie möglich durch eine Regelung auf dem Verhandlungswege zu beenden. Andererseits gingen wir daran, die Südvietnamesen sowohl

- 19 -

�sowohl militärisch als auch psychologisch darauf vorzubereiten, die Hauptlast ihrer eigenen Verteidigung für den Fall zu übernehmen, daß die Verhandlungen keinen Erfolg haben sollten.
Heute kennt jeder die Intensität, mit der wir die offene wie auch die geheime Diplomatie einsetzten,um zu einer Lösung auf dem Verhandlungswege zu gelangen. Die südvietnamesische Regierung hat bei diesem Bemühen in vollem Umfang mit uns zusammengearbeitet. Gleichzeitig haben die Regierung und die Bevölkerung Südvietnams energisch daran gearbeitet, neue und repräsentative konstitutionelle Prozesse in Gang zu setzen, während ein Krieg um das nationale
Überleben geführt wurde. Nur wenige Länder haben in der Geschichte mitten im
Kriege den Aufbau repräsentativer Institutionen versucht, und noch weniger
haben dabei die Erfolge erzielt, die Südvietnam erreicht hat. Und im Zuge der
ständigen Rückführung der amerikanischen Truppen haben die Südvietnamesen kontinuierlich - und in den meisten Fällen erfolgreich - die Kampftatigkeit auf
sich genommen.
Als Nordvietnam am Ostarwochenende dieses Jahres seine massive Invasion
des Südens begann, wurde der Krieg in diesem belagerten Land plötzlich und in
augenfälliger Weise wieder eskaliert, und der Charakter der Kämpfe änderte
sich.
Nachdem Hanoi fast seine gesamte Armee außerhalb seiner Grenzen aufmarschieren ließ, konnte man nicht mehr behaupten, daß es sich hier um einen Bürgerkrieg
handele. Panzer, schwere Artillerie, Schützenpanzer, modernste Boden-Luft-Raketen sowie 12 Divisionen der regulären nordvietnamesischen Armee, die in Südvietnam einfielen, änderten den Charakter der Kämpfe völlig. Es hat nicht nur
keinen Aufstand in Südvietnam gegeben, sondern der Flüchtlingsstrom führte in
allen Fällen von den "Befreiern" weg und hin zur Sicherheit hinter den südvietnamesischen Linien. Nordvietnam hat damit auch die letzte fadenscheinige Rechtfertigung verloren, den Konflikt als etwas anderes als eine brutale bewaffnete
Aggression seitens des kommunistischen Nordens gegen ein Südvietnam hinzustellen, das um die Wahrung seiner Unabhängigkeit kämpft.
Diese
-20-

�Diese massive nordvietnamesische Invasion stellte uns vor eine neue
Situation. Sie erforderte eine massive Reaktion - durch die südvietnamesischen
Streitkräfte zu Lande, durch kombinierte südvietnamesische und amerikanische
Luftangriffe

und durch amerikanische Seestreitkräfte.

Diese Reaktion wurde eingeleitet. Gleichzeitig unternahmen wir eine
weitere wichtige Anstrengung, um den Krieg durch Verhandlungen zu beenden
- durch die Mission Dr. Kissingers in Moskau und durch unsere Rückkehr an
den Verhandlungstisch in Paris. Die Antwort der Nordvietnamesen machte jedoch
klar, daß sie auch weiterhin nicht bereit waren, zu einer Regelung zu gelangen, außer zu Bedingungen, die Südvietnam eine kommunistische Regierung aufzwingen würden.
Angesichts der andauernden Invasion Hanois und seiner Unnachgiebigkeit
am Konferenztisch beschloß ich am 8 Mai,

entscheidende militärische

Maßnahmen zu ergreifen, um damit zu einer baldigen Beendigung des Krieges
beizutragen. Nachdem ich sorgfältig alle damit zusammenhängenden Überlegungen
abgewogen hatte, gab ich meine Entscheidung bekannt, alle Einfahrten nordvietnamesischer Häfen zu verminen,und wies unsere Streitkräfte an, die Anlieferung
aller Nachschubgüter zu unterbinden und alle Schienen - wie andere Verbindungswege im größtmöglichen Ausmaß abzuschneiden. Diese Maßnahmen waren gegen
keine andere Nation gerichtet, Sie waren lediglich dazu bestimmt, Hanoi die
Waffen und Nachschubgüter zu verwehren, die es zur Fortsetzung seiner Aggression benötigt.
Diese rasche und wirksame Antwort war aus verschiedenen Gründen notwendig.
Erstens war sie notwendig,
zu schützen

um unsere in Vietnam verbliebenen Truppen

und um den Hebel in der Hand zu behalten, der erforderlich ist, um

die Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu bewerkstelligen. Zweitens war sie
im Interesse der 18 Millionen Menschen in Südvietnam notwendig, die durch mehr
als 20 Jahre Krieg erschöpft und gequält worden sind

-21-

und die - legt man auch

�auch nur die mindeste Norm der internationalen Moral, des Völkerrechtes
oder des menschlichen Anstandes zugrunde - ein Recht darauf haben, ihr eigenes
Schicksal zu bestimmen und es nicht durch eine Invasionsarmee aufgezwungen zu
bekommen.
Drittens war sie im Interesse der künftigen Stabilität in Südostasien
erforderlich. Nachdem sich nordvietnamesische Armeen bereits in Laos und Kam
bodscha befinden, nachdem Hanoi bereits einen immer stärker werdenden Aufruhr
in Thailand unterstützt, wäre die Gefahr für alle Nachbarn Vietnams gestiegen - wie die Führer dieser Länder dies auch betont haben - hätte man es zugelassen, daß dieser versuchte Todesstoß gegen Südvietnam erfolgreich gewesen
wäre.
Viertens war sie notwendig, um den Führern anderer Nationen deutlich zu
machen, daß Amerika seine Verpflichtungen einhält und daß eine solche direkte
Herausforderung nicht ungestraft erfolgen kann. Während der vorhergehenden
drei Jahre hatte ich wiederholt erklärt, daß wir eine entsprechende Antwort
erteilen würden, sollte Nordvietnam versuchen, aus unserem Truppenabzug Nutzen
für eine Eskalation des Krieges zu ziehen.
Fünftens war sie notwendig, um ein Prinzip zu stärken, das für die Hoffnungen der Welt auf einen dauerhaften Frieden von zentraler Bedeutung ist,
nämlich das Prinzip, daß kein Land das Recht hat, das Territorium seines Nachbarn anzugreifen. Sieben Jahre lang haben Amerikaner Seite an Seite mit Südvietnamesen gekämpft, und über 45 000 Amerikaner sind im Kampf gefallen. Wir
und die Südvietnamesen hatten uns gemeinsam bemüht, eine Regelung auf dem
Verhandlungswege zu erlangen; wir haben den Südvietnamesen geholfen, sich auf
eine Selbstverteidigung vorzubereiten, falls sich eine Regelung als unmöglich
erweisen sollte. Zur Zeit der Invasion befanden sich noch etwa 85 000 amerikanische Soldaten in Vietnam. Angesichts dieser Fakten wäre es eine gemeine Abkehr von der Verantwortung gewesen, die die Geschichte uns nicht vergeben
hätte, wären wir einfach beiseite geblieben, als der Angriff erfolgteSeit
-22-

�Seit dieser nordvietnamesischen Invasion sind jetzt elf Wochen vergangen
Die Kämpfe dauern an, aber die Südvietnamesen haben standgehalten. Sie haben
nicht nur militärisch standgehalten, sondern die Art und Weise, in der die Bevölkerung Südvietnams sich zur Verteidigung ihres Landes zusammengefunden hat,
sollte auch die verbissensten Anhänger des Gegners überzeugen, daß Saigon
und nicht Hanoi für das südvietnamesische Volk spricht.
Militärisch und politisch verliert Hanoi sein verzweifeltes Spiel

Wir

sind dennoch bereit, den Konflikt zu ehrenhaften Bedingungen auf dem Verhandlungswege beizulegen.. Bedingungen, die von niemandem eine Kapitulation und
eine Demütigung fordern. Wir sind bereit, die gegenwärtigen Gewaltmaßnahmen
gegen Nordvietnam einzustellen, wenn unsere Kriegsgefangenen freigelassen
worden sind, über unsere Vermißten Auskunft erteilt worden ist und eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina begonnen hat. Wir werden
dann mit einem völligen Abzug aller amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam
innerhalb von vier Monaten fortfahren.
Das sind großzügige Bedingungen. Sie würden den Krieg beenden und unsere
Kriegsgefangenen nach Hause bringen
gestatten, ehrenhaft abzuziehen

Sie würden es den Vereinigten Staaten

Sie würden Verhandlungen über eine politi-

sche Lösung zwischen den Vietnamesen selbst ermöglichen. Es ist nun an Hanoi,
sich zu entscheiden: für den Weg des Krieges oder für den Weg des Friedens.

Internationale

-23-

�INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK

Die Außenpolitik eines Landes umfaßt mehr als nur seine diplomatischen
Beziehungen - und im Falle der Vereinigten Staaten bildet unsere Außenwirtschaftspolitik einen entscheidend wichtigen Bestandteil des Ganzen. Dies ist
zum Teil auf den gewaltigen Umfang unserer außenwirtschaftlichen Tätigkeiten
zurückzuführen:

Die privaten amerikanischen Auslandsinvestitionen belaufen

sich gegenwärtig auf insgesamt 86 Milliarden Dollar; der Wert unserer Warenexporte und Importe betrug im vorigen Jahr zusammen 89 Milliarden Dollar. Und
dies ist ebenso darauf zurückzuführen, daß der amerikanische Handel

eine

entscheidend wichtige Rolle für die Volkswirtschaften der meisten Länder der
Welt spielt und daß der amerikanische Dollar viele Jahre der Eckpfeiler des
internationalen Währungssystems war.
Außenhandel und Auslandsinvestitionen tragen zur Dynamik unserer eigenen
Wirtschaft sowie zu der Vielfalt unseres Verbrauchsgüterangebots bei; zahlreiche Länder sind von der Verfügbarkeit amerikanisches Kapitals abhängig;
unsere Handelspartner sind von dem amerikanischen Markt abhängig; die Weltwirtschaft ist von der Stabilität des Dollar abhängig.
Während des letzten Jahrzehnts hat sich die Position Amerikas innerhalb
der Weltwirtschaft dramatisch verändert. Wesentliche Veränderungen vollzogen
sich auch in der Struktur der Weltwirtschaft. Wir sahen uns einem starken und
wachsenden Wettbewerb seitens anderer großer Industriestaaten gegenüber. Zum
Beispiel stiegen die Exporte Japans von 1960 bis 1971 um 493 Prozent, die
Westdeutschlands nahmen um 242 Prozent zu, während die der Vereinigten Staaten
sich nur um 115 Prozent erhöhten.
Wir

-24-

�Wir haben keine Angst vor dem verstärkten Wettbewerb seitens unserer Han
delspartner: im Gegenteil, wir begrüßen ihn. Er beweist den Erfolg unserer
noch immer beispiellosen Anstrengungen nach dem zweiten Weltkrieg, zum Wiederaufbau der zerstörten Volkswirtschaften der Sieger wie auch der Besiegten in
gleicher Weise beizutragen.-.nd den zahlreichen jungen

Nationen, die mit der

Auflösung der alten Kolonialreiche entstanden, eine helfende Hand zu reichen
Da das höhere Produktivität, größeren Wciilstand und schnelleres Wachstum be
deutet, bringt dies für die Völker überall auf der Welt auch große Verheißun
gen auf ein besseres Leben mit sich. Aber es stellt ebenso die Vereinigten
Staaten vor eine neue Aufgabe

Das bedeutet, daß die alten Zeiten, da wir

Vereinbarungen zu akzeptieren

bereit, waren, die uns gegenüber unseren Han-

delspartnern einen Wettbewerbsnachteil brachten, vorbei sind -

und die alte

Politik muß ebenfalls vorbei sein.
Im Jahre 1971 nahmen wir eine neue Politik mit dem Ziele auf. eine neue
internationale Wirtschaftsordnung zu schaffen

Unter dem vor über einem Vier-

tel Jahrhundert in Bretton Woods unterzeichneten internationalen Währungsabkommen war die Welt von einer Währungskrise in die andere getaumelt,und sie
hatte auf diese Krisen lediglich dadurch reagiert, daü hier ein Flicken und
dort ein Flicken aufgesetzt wurde

Die Vereinigten Staaten ihrerseits hatten

seit 1948 eine fast ununterbrochene Reihe von grundlegenden Zahlungsbilanzdefiziten aufzuweisen. Im Jahre 1971 hatten wir außerdem, zum ersten Mal seit
1888, ein Handelsdefizit

Unsere gesamten Währungsreserven gingen von 21

Milliarden Dollar im Jahre 1946 auf rund 12 Milliarden Dollar Ende 1971 zu
rück

Und während dies alles vor sich ging, behielten viele unserer Handels-

partner verzerrte Wechselkurse bei - die ihren Export begünstigten und den
unsrigen beeinträchtigten - sowie Handelsschranken, die sich in einer Einschränkung des Zugangs für amerikanische Erzeugnisse zu ihren Märkten aus
wirkten.

Als

-25-

�Als wir im letzten Jahr diese Probleme untersuchten; wurde klar, daß weitgehende Reformen notwendig waren. Daher habe ich, als ich am 15. August vorigen Jahres unsere neue Wirtschaftspolitik in bezug auf Arbeitsplätze und Bekämpfung der Inflation bekanntgab, Maßnahmen mit dem Ziel mit einbezogen, eine
dringend notwendige Neufestsetzung der Wechselkurse herbeizuführen, den Abbau
der Schranken für den amerikanischen Export sicherzustellen und die anderen
großen Nationen zu der überfälligen Schaffung neuer internationaler Währungsvereinbarungen zu zwingen, die den Erfordernissen der kommenden Jahrzehnte entsprechen würden.
Ziel dieser Maßnahmen war nichts Geringeres als eine grundlegende, langfristige Reform des internationalen Wirtschaftssystems. Unser Ziel war es, für
unsere Erzeugnisse einen gleichen Zugang zu den Weltmärkten sicherzustellen und
zu gewährleisten, daß die Erzeugnisse unserer Arbeiter, Farmer und Geschäftsleute auf gleicher Basis den Wettbewerb mit denen anderer Länder aufnehmen
können.
Aber gleicher Zugang und gleiche Wettbewerbschancen werden uns wenig
nützen, wenn sich das amerikanische Volk nicht der Herausforderung eines verstärkten ausländischen Wettbewerbs stellt. Mit einem verstärkten Wettbewerb ausländischer Volkswirtschaften konfrontiert, ist die erste Reaktion vieler einfach
der Versuch, einen Wall um Amerika zu errichten und sich dahinter zu verstecken.
Das nützt nichts. In der heutigen Welt kann es keine Prosperität hinter einem
Schutzwall geben, genausowenig wie es Sicherheit hinter einer Mauer geben kann.
Nur wenn wir nach draußen blicken, können wir vorankommen. Und nur, wenn wir
den nationalen Geist aufbringen, der den Wettbewerb dadurch besteht, dau er
noch dynamischer als der Konkurrent ist; statt vor dem Wettbewerb davonzulaufen,
können wir unsere Größe als Nation und unsere Lebensfähigkeit als eine Kraft
des Guten in der Welt behalten.
Die

-26-

�DIE ENTWICKLUNGSLANDES.

Die Notwendigkeit, in neuen Dimensionen zu denken und zu handeln, wurde
auch offensichtlich, als wir unsere Haltung gegenüber den Entwicklungsländern
Lateinamerikas, Afrikas und Asiens - die wir jetzt "die dritte Welt" nennen neu formulierten.
Eine unserer zentralen Feststellungen war die Tatsache, daß der Terminus
"die dritte Welt" eine Ähnlichkeit oder einen Zusammenhalt unter den Entwicklungsländern beinhalten mag, die nicht so stark waren, wie zunächst gedacht.
Denn in dem Maße, wie diese Länder immer dynamischer wurden, so wurden sie auch
immer ungleicher. Natürlich suchen wir ein Gefühl regionaler Identität unter
den Entwicklungsländern zu fördern, die einen lebenswichtigen Anstoß für den
Fortschritt und für die Zusammenarbeit, die erst den Fortschritt ermöglicht,
geben kann. Aber wir lernen auch, die besonderen Umstände zu berücksichtigen,
die Land von Land und Region von Region unterscheiden.
Vor allem haben wir gelernt, daß es nicht allein in unserer Macht steht,
über die Zukunft dieser Länder - in wirtschaftlicher, sozialer und politischer
Hinsicht - zu entscheiden. Das besagt nicht, daß wir unser Interesse an diesen
Fragen verloren haben, sondern es besagt, daß wir unsere Rolle nicht in der
Anleitung, sondern in der Hilfe sehen. Das Potential für den wirtschaftlichen
Fortschritt der Entwicklungswelt ist riesig, aber es wird nur voll genutzt werden, wenn die Entwicklungsländer selbst ihre eigene Zukunft auf ihre eigene Weise gestalten.
Wir glauben an unser eigenes System. Es hat uns gute Dienste geleistet, indem es mehr Freiheit für alle und mehr Wohlstand für einen größeren Teil unseres
Volkes brachte, als

irgendein anderes System in

irgendeinem anderen Lande.

Aber wir sind uns auch klar darüber, daß das, was für uns am besten ist, nicht

-27-

�nicht unbedingt auch für andere Länder mit völlig anderer Geschichte, völlig
anderen Traditionen und Problemen

am besten ist; und was noch wichtiger ist,

wir glauben an das Recht jeder einzelnen Nation, sich ihr eigenes System zu
wählen. So sehr wir unser eigenes System für uns schätzen, so werden wir doch
nicht versuchen, es

irgendeinem anderen Lande aufzuzwingen.

Eine wichtige Manifestation unserer Lebensanschauung war eine neue Einstellung zur Auslandshilfe überall auf der Welt, von der Teile bereits verwirklicht worden sind, während andere noch dem Kongreß vorliegen.
Ganz generell berücksichtigt diese neue Einstellung das wachsende Potential der Industriestaaten, Auslandshilfe zu gewähren, die wachsende Wirksamkeit multilateraler Institutionen bei der Verteilung solcher Hilfe sowie die
wachsende Fähigkeit der Empfängerländer, ihre eigenen Entscheidungen bezüglich
der Verwendung der Hilfe zu treffen.
Unsere neue Einstellung legt ferner größeres Gewicht auf die private Hilfe, auf Investitionen und auf internationalen Handel als positive Einflüsse
für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie sieht harte Sanktionen vor, die vor
einer Enteignung amerikanischen Eigentums im Ausland abschrecken sollen.
Wir müssen der Versuchung widerstehen, unsere Hilfe drastisch zu kürzen
gerade in einer Zeit, in der wir andere Länder auffordern, sich aktiver an
den Lasten ihrer eigenen Verteidigung und der wirtschaftlichen Entwicklung
zu beteiligen. Sie von der Hilfe auszuschließen, bevor sie in der Lage sind,
auf eigenen Füßen zu stehen, würde sie in einem Status der Abhängigkeit erstarren lassen. Die Folgen eines solchen Versuches, für Amerika kurzfristig kleine
Einsparungen zu erzielen, wären auf lange Sicht mit Sicherheit weit größere
Lasten für Amerika.
Durch Fortsetzung und Reform unserer Auslandshilfeanstrengungen können wir
den Tag näher bringen, an dem alle Länder voll an einem wachsenden Wohlstand
der Welt teilhaben - und voll zu ihm beitragen - werden. Und wenn wir das tun,
-28-

�tun, werden wir auch den Tag näher bringen, an dem alle Nationen eines dauerhaften Friedensteilhaftig sein werden.

EIN STARKES AMERIKA

Wenn wir in die Zukunft blick en, so ist es von entscheidender Bedeutung,
daß unsere potentiellen Gegner nicht den Respekt vor der amerikanischen Stärke
verlieren, Es ist entscheidend wichtig, daß andere sich - wie ich es in der
Ansprache anläßlich meiner Amtseinführung ausgedrückt habe - darüber im klaren sind, daß "...wir solange so stark sein werden, wie dies für uns notwendig
ist". Es ist entscheidend wichtig, daß sie voll und ganz unseren Wunsch verstehen, in einer Welt des Friedens zu leben, sowie unsere Entschlossenheit,
das zu tun, was notwendig ist, um dieser Welt den Frieden zu bewahren.
Keine Nation braucht jemals die Macht der Vereinigten Staaten zu fürchten,
solange sie die Rechte ihrer Nachbarn respektiert. Wir erhalten unsere militärische Macht nicht aufrecht, um die amerikanischen Interessen voranzutreiben,
sondern um die amerikanischen Interessen zu verteidigen - und vor allem unser
Interesse an der Sicherung eines Gebäudes des Friedens, der Stabilität und des
Fortschritts in der Welt.
Es gibt Leute, die die Idee, daß Frieden Stärke erfordert, zu diskreditieren suchen. Sie verurteilen sie als ein Relikt einer "Mentalität des Kalten
Krieges" und tun die militärischen Ausgaben als verschwenderisch und unmoralisch
ab.
Wie populär diese Haltung auch immer sein mag und wie sie auch in dem
großen Wort "Idealismus" ihren Ausdruck finden mag, angesichts aller menschlichen Erfahrung kann sie dennoch nicht bestehen. Wie wir immer und immer wieder

-29-

�wieder erfahren mußten - vor allem in diesem Jahrhundert - gibt es einfach
keinen Ersatz für die rilitärische Stärke, der ausreichen würde, um vor einer
Aggression abzuschrecken. Ein Amerika, das ungenügend verteidigt wäre, würde
ein so verlockendes Ziel darstellen, daß ein Krieg unvermeidlich werden würde.
Ebenso würde eine Schwächung unserer Bündnisse die Versuchung bis zum Gefahrenpunkt steigern. Denn potentielle aggressive Absichten in einigen Ländern werden nicht durch Idealismus in Schach gehalten, sondern durch die klare Erkenntnis, daß sie nur zu einem nicht akzeptablen Preis verwirklicht werden könnten.
Wenn wir den Frieden erhalten wollen, dann müssen wir sicherstellen, daß der
Preis weiterhin unakzeptabel bleibt.
Diejenigen, die sich über eine "Diplomatie des Gleichgewichts der Macht"
auf weltpolitischer Bühne lustig machen, sollten sich darüber im klaren sein,
daß die einzige Alternative zu einem Gleichgewicht der Macht ein Ungleichgewicht
der Macht ist, und die Geschichte lehrt uns, daß nichts die Gefahr des Krieges
so drastisch eskaliert wie solch ein Ungleichgewicht. Gerade die Tatsache, daß
die Elemente des Gleichgewichts gegenwärtig vorhanden sind, gewährt uns die
seltene Möglichkeit, ein System der Stabilität zu schaffen, das den Frieden
nicht nur für ein Jahrzehnt, sondern feine Generation bewahren kann - und hoffentlich noch darüber hinaus..
Die vor uns liegenden Jahre werden nicht leicht sein. Sie werden uns Opfer
abverlangen. Sie werden unsere Klugheit erfordern. Sie werden eine Herausforderung ernsthaftester Art darstellen und den Prüfstein dafür bilden, ob eine
demokratisch regierte Nation das tun kann, was notwendig ist, um den Frieden zu
bewahren.
Meiner Auffassung nach können und werden wir diese Herausforderung bestehen, wie wir andere Herausforderungen bestanden haben, denen wir uns während
der letzten zwei Jahrhunderte gegenübersahen. Aber wir sollten uns sehr klar
darüber sein, daß dies eine besondere Art der Disziplin von uns verlangen

-30-

�verlangen wird. Es wird notwendig sein, daß wir ein besonderes Maß an Sorgfalt aufwenden, um zwischen Rhetorik und Wirklichkeit, zwischen leichtfertiger
Versuchung und harter Notwendigkeit zu unterscheiden. Man wird uns sagen, daß
es kürzere Wege gibt. Man wird uns sagen, daß alle Dinge, die wir hier in den
USA erreichen möchten, ganz einfach finanziert werden könnten, wenn wir nur
unsere militärischen Ausgaben reduzieren würden. Man wird uns sagen, daii wir
Frieden haben können, wenn wir nur darum bitten, daß unsere Gegner - wenn
wir nur "guten Willen" und "guten Glauben" demonstrieren - genauso reagieren
werden und daß wir nichts weiteres zu tun brauchen. Das ist ein bestechender
Unsinn.
Eine schwere Verantwortung lastet auf den Schultern derjenigen, die in
der Welt von heute Macht haben oder sie anstreben - nämlich die Verantwortung,
nicht um die Gunst der Öffentlichkeit zu buhlen, indem die Illusion genährt
wird, daß der Frieden erreicht oder gewahrt werden könne, ohne daß dafür
ein Preis zu bezahlen wäre.

AUF DEM WEGE ZU EINEM GEBÄUDE DES FRIEDENS

Der eigentliche Prüfstein für eine Außenpolitik ist, ob sie sich bewährt.
Wenn wir heute die Welt betrachten, so stellen wir fest, daß wir das amerikanische Engagement im Vietnamkrieg nahezu abgebaut haben - und daß wir dies in
einer Weise getan haben, die es dem südvietnamesischen Volk ermöglicht, sein
eigenes Land zu verteidigen, während gleichzeitig die Stabilität ganz Südostasiens gestärkt wird - ein Gebiet mit 300 Millionen Menschen, das für die
künftigen Hoffnungen der gesamten Welt auf Frieden von großer Wichtigkeit
ist.
Wir

-31-

�Wir stellen fest, daß der Streit im Nahen Osten immer noch nicht beigelegt
ist, daß aber zumindest dort seit fast zwei Jahren eine Waffenruhe herrscht.
Wir stellen fest, daß Amerikas Bündnisse stärker sind und daß Ressentiments
ob der einstigen Unbeholfenheit Amerikas einem neuen Verständnis für gemeinsame Zielsetzungen gewichen sind.
Wir stellen fest, daß die gefährliche Isolierung der Volksrepublik China
gebrochen und eine neue Form der Kommunikation zwischen dem bevölkerungsreichsten und dem mächtigsten Land der Welt geschaffen worden ist.
In unseren Beziehungen zur Sowjetunion stellen wir fest, daß gerade in
den letzten dreieinhalb Jahren bedeutsamere und weiterreichende Abkommen ausgehandelt worden sind, als in all den vorangegangenen Jahren nach dem zweiten
Weltkrieg.
Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um ein stabiles und dauerhaftes
Gebäude des Friedens zu schaffen. Aber wir wissen auch, daß der Rahmen gesetzt
worden ist. Wir schreiten in Richtung auf ein Ziel voran, das den Staatsmännern
der Welt in allen bisherigen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts entglitten ist,
und wir schreiten voran in Richtung auf dieses Ziel in einer sachlicheren Form
als jemals zuvor seit dem zweiten Weltkrieg. Dies wäre nicht möglich gewesen,
wenn wir nicht unsere gesamte Politik

sorgfältig auf dieses zentrale Ziel aus-

gerichtet hätten. Es wäre nicht möglich gewesen, wenn es uns nicht gelungen wäre,
unsere Stärke zu wahren, unsere Entschlossenheit zu zeigen, unsere Beharrlichkeit unter Beweis zu stellen,in unseren Gesprächen mit potentiellen Gegnern
wie auch mit Freunden höflich, aber fest zu bleiben, Maßnahmen zu ergreifen,die
im Augenblick unpopulär waren - ja, bestimmte Risiken für den Frieden auf uns
zu nehmen.
Ich

-32-

�Ich habe oft den Begriff "ein Gebäude des Friedens" benutzt. Ich habe ihn
in diesen Darlegungen wieder benutzt. Es ist wichtig, daß wir verstehen, was
dieser Begriff besagt - wichtig, weil es an den Kern der Art und Weise rührt,
wie wir in den kommenden Jahren den Frieden zu erreichen suchen.
Viele Menschen sprechen sehr gefühlsbetont vom Frieden - aber so kann er
nicht erreicht werden. Er läßt sich nicht herbeiwünschen. Er muß sorgfältig
aufgebaut werden. Ein gesundes Gebäude des Friedens muß ein weltweites Netz
von Bündnissen einschließen; es muß ausreichende Streitkräfte zur Abschreckung
vor einer Aggression einschließen; es muß auf mustergültigenAbsprachen zwischen einer Vielzahl von Regierungen beruhen,. Diese mustergültigen Absprachen
bedingen mehr als nur ein Wissen, wie andere Länder und andere Völker beschaffen sind oder was sie denken. Vielmehr muß es sehr konkrete beiderseitige Absprachen darüber geben, welche internationalen Verhaltensnormen akzeptabel
sind und welche nicht

und an welche sich die Länder in bestimmten Fällen un-

ter bestimmten Bedingungen halten sollen. Einige dieser Absprachen sind in
Verträgen oder Regierungsabkommen niedergelegt. Zahlreiche andere sind es
nicht, aber sie bilden trotzdem einen wichtigen Bestandteil des geschriebenen
und ungeschriebenen Kodex, nach dem sich die Beziehungen zwischen den Ländern
richten.
Nichts könnte für unsere Hoffnungen auf Frieden destruktiver sein

als

die mangelnde Erkenntnis der Notwendigkeit einer solchen Ordnung.
Wenn es überhaupt eine Lehre gibt, die die Geschichte uns bietet, so ist
es die, daß bei der Suche nach Frieden gute Absichten kein Ersatz für geduldiges Aufbauen, harte Arbeit und die Erhaltung einer ausreichenden Stärke zur
Wahrung des Friedens sind. Der Welt ist es bisher noch niemals gelungen, sich
auf eine Reihe internationaler Institutionen zu einigen, die als solche den
Frieden erhalten könnten. Der Friede wurde durch Klugheit oder Torheit der
betreffenden Länder erhalten oder verloren. Ein Gleichgewicht der Stärke ist

-33-

�ist immer noch ein unerläßliches Element zur Wahrung des Friedens. Das neue
Abkommen, das wir mit der Sowjetunion über die Begrenzung der strategischen
Rüstungen erreicht haben, wird einen wichtigen Faktor für die Aufrechterhaltung
eines solchen Gleichgewichts bilden. Das gleiche gilt für die Entwicklung von
Formen gegenseitiger Beziehungen zwischen den wichtigsten Mächten und den
verschiedenen Gruppen von Ländern. Es ist entscheidend wichtig, daß kein Land,
das aggressive Absichten hegt oder entwickelt, jemals zu der Auffassung kommt,
es könnte solche Absichten ungestraft verfolgen.

DIE GEISTIGE STÄRKE

Schließlich müssen wir, wenn wir unsere Außenpolitik gestalten, auch
auf unsere geistige, intellektuelle, wirtschaftliche und politische Stärke
hier im eigenen Lande bauen.
Unsere Fähigkeit, im. Ausland Frieden zu schaffen, hängt von dieser Stärke
ab.
Unser Einfluß im Ausland ist nicht nur von der militärischen Stärke unserer Waffen abhängig, sondern auch von der moralischen Kraft unseres Beispiels
- und seit jetzt fast zwei Jahrhunderten hat das Beispiel, das Amerika der
Welt gab, die Hoffnungen von Millionen auf allen Kontinenten beflügelt.
Das letzte Jahrzehnt war ein Jahrzehnt der Spaltung und oftmals heftiger
Meinungsverschiedenheiten. Es wurde Mode, an Amerika nur das Schlechte zu
sehen, jede Unzulänglichkeit - gleichgültig, wie lange sie zurückliegt - als
eine akute Krise hinzustellen, nicht nur die Politik,sondern auch die Motive
der Männer in führenden Positionen herabzusetzen, Debatten durch Kritik zu

-34-

�zu ersetzen und im Laufe der Zeit mit Verzweiflung und Entfremdung Glauben und
Hoffnung zu vertreiben. Es ist Mode geworden, zu erklären, daß Amerika seine
Zielstrebigkeit verloren habe und sie wiederfinden müsse. Aber das ist falsch.
Wir haben Zielstrebigkeit. Was wir brauchen, ist eine Wiederbelebung unseres
Stolzes auf unsere Zielstrebigkeit - den Stolz, der von den Legionen armseliger
Schmäher so heruntergezogen worden ist. Wir müssen unser Vertrauen wiedergewinnen, daß wir unser Ziel erreichen werden.
Wenn wir darauf zurückblicken, was unsere Nation auf dem Gebiete der
Außenpolitik geleistet hat, dann haben die Amerikaner ein Recht dazu, sich
stolz zu fühlen - und wir alle sollten aufgrund dieser Leistungen erhobenen
Hauptes einhergehen. Wir sind die erste Nation, die zu einer großen Weltmacht
geworden ist, ohne daß sie nach Macht strebte. Wir haben erkannt, daß zu großer
Macht auch große Verantwortung gehört, und wir waren bestrebt, unseren Einfluß
nicht lediglich in engem nationalen Interesse, sondern im Interesse der Welt zur
Geltung zu bringen. Junge Amerikaner haben in diesem Jahrhundert in vier Kriegen
gekämpft - nicht um zu erobern, nicht um Territorium zu erlangen, sondern um dazu beizutragen, daß das Recht anderer Völker auf Freiheit von Aggression gewahrt
wird. Unser Ziel war eine friedlichere Welt - eine Welt, in der die Schwachen
zumindest genau so sicher sind wie die Starken und in der alle Nationen, die
großen wie die kleinen, in ihrer Unabhängigkeit sicher sein können.
Unser Ziel in der Welt ist Frieden - nicht der trotzige Frieden der Niederlage, nicht der stumme Frieden der Verzweiflung, sondern der gefestigte Frieden,
der den Fortschritt ermöglicht und der den Geist des Menschen für die Aufgaben
der Freiheit frei macht. Kein edleres Ziel hat in der gesamten Geschichte der
Menschheit jemals irgendeine Nation bewegt.
Wir streben den Frieden als ein Ziel an sich an. Aber unsere Zielsetzungen
gehen noch weiter. Denn der Friede, den wir anstreben, ist eine entscheidende
Voraussetzung, wenn der Mensch jene großen humanen Ideale verfolgen soll, die

-35-

�die in unserem religiösen Erbe verwurzelt sind und die unsere höchsten Kulturen
inspiriert haben. Wenn wir bestrebt sind, Krieg zu verhindern, dann suchen wir
gleichzeitig jene Fortschritte auf dem Gebiete des menschlichen Wohlergehens,
der Kunst, der Wissenschaft und der Philosophie sowie der Bereicherung der
menschlichen Erfahrungen zu verwirklichen, die die höchste Bestimmung des
Menschen hier auf Erden bedeuten. Wenn es uns gelingt, ein dauerhaftes Gebäude
des Friedens zu errichten, dann wird nicht dieser Friede allein, sondern eine
Chance für die Menschheit, diese höchste Bestimmung zu erfüllen, das Monument
unseres Erfolges sein.

MIM)

Copyright (c) 1972, U.S. News &amp; World Report, Inc.

-36-

�' amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

08-85432

26/1972

RUSH VOR DEM AMERICAN COUNCIL ON GERMANY
-Auszüge aus der Ansprache vom

19. Juni-

WASHINGTON --(AD)-- Der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister
und ehemalige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik,
Kenneth Rush, hat am 19. Juni vor dem American Council on Germany eine Ansprache gehalten, in der er sich mit Deutschland betreffenden Fragen befaßte.
Rush führte unter anderem aus:
Wir können heute auf das erste Viermächte-Abkommen über Berlin seit der
Zeit nach Beendigung des zweiten Weltkrieges zurückblicken. Bevor ich näher
darauf eingehe, möchte ich all meinen Kollegen danken, die mithalfen, ein
Abkommen auszuhandeln, das nach unserer Ansicht das Leben aller Berliner
-im Osten wie im Westen- sowie weiterer Millionen Deutscher bereichert, die
von den praktischen Verbesserungen berührt werden und auf Grund dieses Abkommens neue Hoffnung gewonnen haben. Ich möchte auch nicht versäumen, die
enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten vier westlichen Mächten zu erwähnen, wozu selbstverständlich der sehr wesentliche Beitrag zur westlichen
Verhandlungsposition gehört, den die Deutschen selbst geleistet haben. Unsere

-l-

�Unsere Koordination hätte kaum enger sein können, und unsere Einigkeit erhöhte den Wert des Abkommens, das wir erreichen konnten.
Als Hauptunterhändler der Vereinigten Staaten konnte ich mich in überaus starkem Maße auf das persönliche Vertrauen und die Richtlinien Präsident
Nixons stützen, der entschlossen war und ist, daß Berlin ein Meilenstein auf
dem Wege zu einem konstruktiveren Verhältnis zwischen den Weltmächten sein
sollte. ...
Jetzt, da wir weiter in die Ära der Verhandlungen eintreten, geht es uns
um den vor uns liegenden Zeitraum. Dank des

Berlinabkommens, dank der Ini-

tiativen der deutschen Bundesregierung gegenüber ihren östlichen Nachbarn
und vor allem dank des kürzlichen Besuches Präsident Nixons in Moskau ist eine
Atmosphäre geschaffen worden, in der es vielleicht leichter ist, Fortschritte
zu erzielen, als in der Vergangenheit....
Selbstverständlich möchte ich nicht die gewaltigen Hindernisse bagatellisieren, die sich gegenüber dem auftun, was wir weiterhin als langfristige Ziele ansehen müssen. Leider sind die Differenzen zwischen Ost und West nicht lediglich Mißverständnisse, die durch Geduld, guten Willen oder durch vernünftige Argumente ausgeräumt werden könnten. Sie haben ihre Wurzel vielmehr in
grundlegend verschiedenen Vorstellungen von der Natur des Menschen und der Gesellschaft und sind durch die Verflechtung mit Machtfaktoren und Faktoren des
nationalen Interesses noch schwerer lösbar geworden. Aus der Erkenntnis heraus,
daß es schwierig sein würde, diese Hindernisse zu überwinden, haben wir uns
bei Beginn der Berlin-Verhandlungen dafür entschieden, nach konkreten Verbesserungen zu suchen, die mit einem Minimum an Auseinandersetzungen über Prinzipien
erreicht werden könnten. Das soll nun nicht heißen, daß wir Prinzipien etwa
als irrelevant angesehen hätten. Vielmehr ist gerade die Tatsache, daß die
Sowjetunion uneingeschränkt erklärt hat, der Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und den Westsektoren Berlins solle ohne Behinderung sein, in der

-2-

�der einfachsten und schnellsten Weise vor sich gehen und Begünstigungen erfahren,eine überaus deutliche Bestätigung der seit langem von den drei Westmächten
vertretenen Rechtsauffassung hinsichtlich der sowjetischen Verantwortlichkeit
für den Zugang nach Berlin. Das Ziel unserer Verhandlungen war es jedoch, ein
Maximum an Verbesserungen im täglichen Leben der Berliner zu erreichen. Dadurch
haben wir dazu

beigetragen, daß es für sie möglich wurde, ihren Kontakt mit

anderen Deutschen in Ost und West wesentlich zu erweitern und auf diese Weise
in der Praxis den Trend zu einer ständig wachsenden politischen und sozialen
Isolierung des einen Teiles Deutschlands vom anderen in sein Gegenteil zu verkehren. .. .
Meiner Auffassung nach müssen wir realistischerweise damit rechnen, daß
sich die Führung der Deutschen Demokratischen Republik - mit Unterstützung
der sowjetischen Regierung - weiterhin bemühen wird, das zu unterstreichen, was
Deutschland teilt, nicht was es einigt. Der in den Verhandlungen bisher erzielte Fortschritt hat sich auf diese Betrachtungsweise nicht ausgewirkt, die
sich so grundlegend von dem westlichen Standpunkt unterscheidet. Ohne Frage
wird die Deutsche Demokratische Republik, wenn sie im Zuge des Entspannungsprozesses eine sichtbarere internationale Rolle erlangt, darum bemüht sein,
dies auszunutzen, um ihre Doktrin einer klaren "Abgrenzung" von dem übrigen
Deutschland zu unterstreichen. Nur die Zeit wird ergeben, ob diese Taktik in
Zukunft erfolgreicher sein wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
Wenn im Prozeß des Wandels die in Ostberlin und in der Deutschen Demokratischen
Republik lebenden Menschen ein größeres Maß an persönlicher Freiheit und ein
höheres Maß an Wohlstand erlangen, wenn es in zunehmendem Maße für die Ostdeutschen möglich sein wird, mit ihren deutschen Mitbürgern sowie anderen Menschen aus dem Westen zusammenzutreffen, mit denen sie immer noch die großen
Werte einer gemeinsamen Tradition verbinden, dann wird die Zeit sicherlich
die Beseitigung der potentiellen Ursachen der Spannungen in Mitteleuropa mit
sich bringen. Für uns besteht keine Notwendigkeit, diesen Prozeß zu fürchten;
wir haben vielmehr allen Grund zur Hoffnung....
Wir

�Wir stehen also vor einer neuen Runde des diplomatischen Meinungsaustausches zwischen Ost und West. Lassen Sie uns nun für einen Augenblick diese verschiedenen Entwicklungen vom Gesichtspunkt ihrer wahrscheinlichsten Auswirkung
auf die Situation in Deutschland sowie auf die amerikanisch-deutschen Beziehungen
untersuchen.
Die Regierung von Bundeskanzler Brandt wird sich darum bemühen, eine Form
amtlicher Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik zu schaffen, die
dem besonderen Charakter der deutschen Situation Ausdruck verleiht. Der erste
Meinungsaustausch über das Thema eines Grundvertrages hat bereits stattgefunden,
und nach der Sommerpause werden diese Gespräche wieder aufgenommen werden. Angesichts der Haltung der ostdeutschen Führer kann dies -wie wir wissen- eine
schwierige Aufgabe werden. Andererseits können sie hoffen, bei einem Erfolg dieser Verhandlungen wesentliche Vorteile in Form eines verstärkten internationalen
Status zu erlangen. Ein akzeptabler Modus vivendi zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik einschließlich der Bestätigung, daß die Rechte der Vier Mächte im Zuge dieses Prozesses, nicht berührt
werden, könnte den Weg für eine deutsche Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen
frei machen. Wie Sie wissen, hat die Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig
einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen und gehört allen Sonderorganisationen der UN an. Durch eine volle Mitgliedschaft in der Weltorganisation könnte der bereits überaus wichtige Beitrag der Bundesrepublik zur Arbeit der
Vereinten Nationen noch mehr gestärkt werden.
Was nun die Deutsche Demokratische Republik anbetrifft, so würde diese, da
sie in den Vereinten Nationen gegenwärtig überhaupt keinen Status hat, aus jedem
Abkommen, das den Weg für ihre Aufnahme in die Vereinten Nationen und deren
Sonderorganisationen ebnet, einen sehr beträchtlichen Nutzen ziehen. Somit besteht für sie ein Anreiz, in ihrem eigenen Interesse eine Übereinkunft mit der
Bundesrepublik Deutschland zu erzielen.
Ich

�I

Ich habe bereits die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
erwähnt, für die die Vorbereitungen im Spätherbst dieses Jahres beginnen könnten. Auch hier bieten sich für beide Seiten Chancen, und es wird an uns liegen, daß wir uns darum bemühen, das beste aus ihnen zu machen. Beide, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik würden an einer
solchen Konferenz teilnehmen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden die erforderlichen Schritte ergreifen, jeder stillschweigenden Folgerung
entgegenzuwirken, daß die Teilnahme der Deutschen Demokratischen Republik oder
irgendein von der Konferenz selbst vorgenommener Akt die Rechte und Pflichten
der Vier Mächte in Deutschland als ganzes und in Berlin beeinträchtigen könnten. Von einer etwas positiveren Einstellung ausgehend hoffen wir jedoch, daß
die Ergebnisse einer solchen Konferenz zu der gleichen Art praktischer Verbesserungen auf einer umfassenderen europäischen Ebene führen könnten, wie wir sie
in dem Berlin-Abkommen sichergestellt haben und wie sie die Bundesrepublik
Deutschland in ihren derzeitigen bilateralen Beziehungen zur Deutschen Demokratischen Republik anstrebt.
Nehmen wir beispielsweise das Ziel des Westens, sich um die Förderung
einer größeren Freizügigkeit von Menschen, Ideen und Informationen über die
traditionelle Form des kulturellen Austausches hinaus zu bemühen. Unsere Regierung mißt den Ergebnissen auf diesem Bereich große Bedeutung zu, weil diese den progressiven Abbau der grundlegenden Meinungsversoh iedenheiten, die Ost
von West trennen, fördern und so auf die Linderung von Problemen hinwirken
könnten, statt einfach deren Existenz zu bestätigen. Die Bedeutung dieses Zieles für die deutsche Situation ist offensichtlich, da die vermehrte Freizügigkeit sich zu einem großen Teil auf deutschem Boden abspielen würde. In der
Tat war Bundeskanzler Brandts 14. Punkt in Kassel, daß"der Vertrag Maßnahmen
vorsehen soll, die den gegenwärtigen Reiseverkehr erweitern, und das Ziel der
Freizügigkeit anstreben". Wir wissen natürlich, daß es einigen Regierungen
nicht leicht fallen wird, einer größeren Freizügigkeit von Menschen, Ideen

-5-

�Ideen und Informationen zuzustimmen, aber dies ist die einzige Richtung, in
der ein echtes gegenseitiges - und ich unterstreiche das Wort gegenseitig Verständnis gefunden werden kann. Wir werden ferner auf einer Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit versuchen, Fragen der Zusammenarbeit herauszustellen, bei denen ein Ost-West-Fortschritt - wie zum Beispiel vermehrter Handel, verstärkter wissenschaftlicher und technologischer Austausch und eine
verbesserte menschliche Umwelt - erreichbar ist. Sollten wir Erfolg haben,
wie wir hoffen, so werden diese Erfolge auf europäischer Ebene diejenigen
ergänzen, die zu erreichen sich die deutschen Unterhändler bilateral bemühen
und die Deutschland alleine betreffen.
Ich möchte kurz auf die Auswirkungen eingehen, die Verhandlungen über
eine beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen (MBFR) in
Mitteleuropa auf Deutschland haben könnten. Das Vorhandensein starker Streitkräfte in Mitteleuropa bietet gerade eine weitere Möglichkeit, die Stabilität
durch ausgehandelte Reduzierungen zu erhöhen. Als Teil des Gebietes, auf das
sich der Fortschritt auswirkt, würde notwendigerweise ganz Deutschland berührt
werden. In diesem Zusammenhang möchte ich hinzufügen, daß die Bundesrepublik
stets ein aktiver Verfechter von MBFR-Verhandlungen war - in der Hoffnung, daß
schon ausgehandelte Fortschrittewie auch die möglichen Resultate zu der Gesamtentwicklung verbesserter Ost-West-Beziehungen beitragen würden. Ich kann Ihnen
versichern, daß die Bundesrepublik ebenfalls die Ansicht voll und ganz teilt,
die Präsident Nixon in seinem Bericht an den Kongreß für die amerikanische
Außenpolitik für die siebziger Jahre gemacht hat, als er sagte: "unverminderte
militärische Sicherheit für die NATO ist das einzige vernünftige Kriterium für
die Durchführung von Truppenreduzierungen."
Wenn es uns gelingt, einen Weg für die Reduzierung der Streitkräfte in
Mitteleuropa zu finden, ohne daß dadurch die Sicherheit des Westens beeinträchtigt wird, dann werden wir auch ermöglicht haben, daß eine Entspannung in ganz
Deutschland

eher zum Tragen kommt. In einer Atmosphäre, in der Truppenredu-

-6-

�Truppenreduzierungen erörtert oder durchgeführt werden, ist es für Regierungen
umso schwerer, zu argumentieren, daß normale menschliche Kontakte eine Gefahr
für ihre Sicherheit darstellten. Und gerade diese menschlichen Kontakte
schließen in sich die nicht untergegangene Konzeption von den besonderen Beziehungen innerhalb Deutschlands unter Menschen ein, die füreinander keine
Ausländer sind.
In der vor uns liegenden Zeit wird es sowohl Risiken wie auch Chancen
geben. Wir gehen einer neuen Runde von Verhandlungen mit dem Osten, bilateralen wie auch multilateralen, entgegen mit dem Wissen, daß die Ziele der beiden
Seiten nicht identisch sind und daß die Beseitigung der Hindernisse für ein
wirklich normales internationales Klima eher die Arbeit von Jahrzehnten als
von Wochen, Monaten oder selbst Jahren sein wird.
Ich glaube, daß in diesem Zusammenhang bestimmte gemeinsame Prinzipien
sowohl in den Berlin-Verhandlungen als auch in den Verhandlungen der Bundesregierung mit Moskau und Warschau verfolgt wurden, die sich als nützliche Richtlinien erweisen können, wenn wir uns in den kommenden Jahren um weiteren Fortschritt beim Aufbau von Frieden und Verständigung in Europa bemühen.
Wenn ich für einen Augenblick zu den Berlin-Verhandlungen zurückkehren
darf, so möchte ich betonen, daß unsere Bemühungen darin bestanden, pragmatische Verbesserungen der Situation in und um Berlin anzustreben, ohne in irgendeiner Weise den rechtlichen Status der Stadt und die Rechte und Pflichten der
Vier Mächte zu ändern oder zu beeinträchtigen.

Ich glaube, das ist uns ge-

lungen. Beide Seiten waren bereit, bestimmte Realitäten

anzuerkennen, die

heute bestehen und die zur Zeit der ursprünglichen Kriegs-und Nachkriegsvereinbarungen, die von uns in Bezug auf Berlin getroffen worden waren, nicht bestanden haben. Die Sowjetunion akzeptierte die Bindungen zwischen den westlichen Sektoren und der Bundesrepublik, die von so entscheidender Wichtigkeit
sind. Die westliche Seite nahm von dem Bestehen der Deutschen Demokratischen

-7-

�Demokratischen Republik Kenntnis sowie davon, daß diese nicht bereit oder in
der Lage ist, die tragische Realität der Mauer zu beseitigen. Doch, während
wir dies noch zur Kenntnis nahmen, suchten wir eine Option für die Zukunft zu
erhalten, die über die für die Gegenwart erzielten Verbesserungen hinausgehen
würde. Wir haben das Berlin-Abkommen keine "Regelung" genannt, weil es das
Berlin-Problem nicht für immer regelt. Es bietet nur eine Basis und zwar eine
weit bessere, als wir bis jetzt hatten, um von da aus auf eine solche Lösung
hinzuarbeiten, die den Interessen aller Berliner, aller Deutschen, ja aller
Europäer gerecht werden wird.
Ähnlich suchte die Bundesregierung auch in ihren Verhandlungen mit dem
Osten verbesserte Beziehungen zu erreichen, ohne das VerteidigungsverhäLtnis
zu ändern oder zu präjudizieren, das das atlantische Bündnis mit seinen unerläßlichen Sicherheits-und Wirtschaftsbeziehungen darstellt, aus denen sich
gegenwärtig eine integrierte europäische Gemeinschaft entwickelt. Gleich den
Drei Mächten in

Berlin ist die Bundesrepublik Deutschland auch bei diesem Be-

streben erfolgreich gewesen. In gleicher Weise hat die Bundesregierung sich
ebenfalls, während sie die gegenwärtige Realität der bestehenden Grenzen anerkannte, auch eine Option für die Zukunft offen gelassen, die über solche gegenwärtigen Realitäten hinausführen würde.
Diese Prinzipien, die einen gemeinsamen Faden in den Berlin-Verhandlungen
wie auch in den Verhandlungen der Bundesregierung mit ihren östlichen Nachbarn
bilden, können kurz wie folgt definiert werden: Erstens, die bestehende Basis für
die Sicherheit darf nicht beeinträchtigt werden; zweitens, im Interesse einer
Erzielung echter Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Völkern und Regierungen muß den bestehenden Realitäten Rechnung getragen werden; und drittens, diese
Realitäten dürfen jedoch keine Grenze für die Zukunft setzen.
Ich

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Ich möchte annehmen, daß diese Prinzipien in den Positionen Ausdruck finden werden, die wir auf der westlichen Seite in den Verhandlungen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen einnehmen werden

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26/1972

WALTER J. STOESSEL ZUM NEUEN UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR
EUROPÄISCHE ANGELEGENHEITEN NOMINIERT

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat den Berufsdiplomaten und bisherigen
amerikanischen Botschafter in Polen, Walter J. Stoessel jr., zum neuen
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium
nominiert. Stoessel wird, sobald er durch den US-Senat in seinem Amt bestätigt worden ist, im State Department die Nachfolge von Martin J. Hillenbrand
antreten, der jetzt die Vereinigten Staaten als Botschafter in Bonn vertritt.
Stoessel hat an der Stanford-Universität studiert und dort 1941 promoviert. Im darauffolgenden Jahr trat er in den auswärtigen Dienst der USA
ein. Sein erster Auslandsposten war Caracas, wo er sowohl in der Konsularwie auch in der Wirtschafts-und der politischen Abteilung arbeitete. Gegen
Ende des zweiten Weltkrieges wurde er zur amerikanischen Marine eingezogen.
Nach dem Kriege kehrte er in den auswärtigen Dienst zurück und wurde der
Osteuropaabteilung des State Department als Berater zugeteilt, in der er
bis 1947 tätig war. Die beiden folgenden Jahre war Stoessel Leiter der
Konsularabteilung an der amerikanischen Botschaft in Moskau.

In

-1-

�I

f

In den fünfziger Jahren war Stoessel zunächst als Leiter der Special
Research Division in Bad Nauheim, später als Berater für sowjetische Angelegenheiten im State Department sowie im Weißen Haus als Assistent des außenpolitischen Beraters des Präsidenten tätig. Weitere Stationen seiner Tätigkeit im
auswärtigen Dienst waren 1956 die amerikanische Botschaft in Paris, 1959 das
Harvard Center für Internationale Fragen, 1960 das Exekutivsekretariat des
State Department und 1961 erneut die US-Botschaft in Paris. Von 1963 bis 1965
war er als Gesandter und Botschaftsrat an der US-Botschaft in Moskau und von
1965 bis zu seiner Ernennung zum amerikanischen Botschafter in Warschau als
stellvertretender Unterstaatssekretär in der Europaabteilung des State
Department tätig.

i-Miiiniii

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der wahre Weg zum Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Präsident Richard M. Nixon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rush vor dem American Council on Germany&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache vom 19. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter J. Stoessel zum neuen Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nominiert</text>
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Dokumentation

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97

5. Juli 1972

Inhalt
DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 29. Juni 1972
-Auszüge Erklärung von Außenminister Rogers auf der SEATO-Tagung
-Wo.- Uut-

INFORMATION:
Laird: Weiterer Truppenabzug ist Beweis für den Erfolg der
Vietnamisierung

WIRTSCHAFT:
Dr. Whitman: Wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eindeutig gebessert
-AuszügeNeuer Präsident der US-Export-Importbank in Europa

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler erörtern gemeinsame
Forschungsprogramme in Medizin und Technologie
Langzeitstudie über Alterungsprozeß

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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27/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 29. Juni 1972
- Auszüge -

Washington - (AD) - Präsident Nixon hat am 29. Juni auf einer
Pressekonferenz - der ersten seit einem Jahr, die vom amerikanischen
Fernsehen direkt übertragen wurde - zur innen- und außenpolitischen
Lage der USA Stellung genommen. Die wichtigsten, die Außenpolitik
betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Nachdem im Jahre 1968 die Beendigung des Krieges eines
Ihrer Hauptwahlkampfthemen war, nachdem unsere Bombenangriffe in Indochina nach Angaben des Pentagon jetzt ihren Höchststand seit fünf
Jahren erreicht haben, nachdem die Truppen weiter abgezogen werden,
aber um so mehr Soldaten dafür nach Thailand und zur 7. Flotte abkommandiert werden, frage ich mich, wie Sie überhaupt noch mit Überzeugung erklären können, daß sie den Krieg bis zum 20. Januar
kommenden Jahres beenden werden?
ANTWORT: Wir haben bei der Beendigung des Krieges und besonders
bei der Beendigung des amerikanischen Engagements in dem Krieg große
Fortschritte erzielt.
Nachdem Sie die Tatsachen soweit noch einmal aufgezählt haben,
möchte ich sie ebenfalls, aber positiv gesehen, nochmals anführen.
Als ich mein Amt antrat, standen 540 000 Amerikaner in Vietnam.
Unsere Verluste betrugen 300 Mann in der Woche und die Kosten beliefen

- 1 -

�beliefen sich auf 22 Milliarden Dollar im Jahr. Wir haben seitdem
500 000 Soldaten abgezogen. Unsere Verluste sind um 95 Prozent bis auf
2 Mann (pro Woche) zurückgegangen ~ das ist noch zu viel, aber immerhin ein Rückgang von 300 auf zwei. Was die Kosten anbetrifft, so sind
sie jetzt auf 7 Milliarden Dollar im Jahr gesenkt worden gegenüber
damals 22 Milliarden Dollar im Jahr.
Was nun die Lage an der Verhandlungsfront anbetrifft, so befinden
wir uns keineswegs in einer Position, in der wir kein positives Angebot
zu machen hätten; wir haben vielmehr ein, wie Mr. Brinkley im NBC
(National Broadcasting Corporation) es gestern Abend nannte, sehr
konstruktives Angebot gemacht - ein Angebot, daß wir bei einer ganz
Indochina umfassenden Waffenruhe bei Rückkehr aller Kriegsgefangenen
und bei Unterrichtung über alle im Krieg Vermißten alle militärischen
Tätigkeiten in Indochina einstellen und alle noch dort stationierten
Amerikaner innerhalb von vier Monaten abziehen würden.
Wir sind auf diesem Standpunkt angekommen und halten das für
eine ausgezeichnete Position. Das Einzige, was wir nicht getan haben,
ist das, was die Kommunisten gefordert haben, nämlich dem südvietnamesischen Volke gegen seinen Willen eine kommunistische Regierung
aufzuzwingen. Das werden wir nicht tun, weil wir damit die Aggression
belohnen, zu einer solchen Aggression ermutigen und die Aussichten für
den Frieden überall auf der Welt verringern würden, und weil dies eine
Schmach für die Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten würde.
An der Verhandlungsfront haben wir die Nordvietnamesen - nach
Konsultationen mit der südvietnamesischen Regierung - davon unterrichtet, daß wir am Donnerstag, den 13. Juli, an den Verhandlungstisch
in Paris zurückkehren werden; wir sind von den Nordvietnamesen und vom
Vietcong dahingehend unterrichtet worden, daß sie ebenfalls an diesem
Tage an den Verhandlungstisch zurückkehren werden. Wir sind an den
Verhandlungstisch zurückgekehrt oder werden an ihn zurückkehren, weil
wir annehmen, daß die Nordvietnamesen bereit sind, konstruktiv und
ernsthaft zu verhandeln. Wir werden bereit sein, so zu verhandeln. Wenn
- 2-

�Wenn diese Verhandlungen konstruktiv und ernsthaft geführt werden, dann
kann der Krieg beendet werden und er kann dann noch erheblich vor dem
20. Januar beendet werden. Wenn die Anderen nicht auf dieser Basis vorgehen, dann werden die Vereinigten Staaten weiterhin ihre Verpflichtungen
erfüllen. Was unsere Bombardierungen und unsere Verminungen anbetrifft,
so erfolgen diese ausschließlich aus dem Grunde, um zu verhindern, daß
die kommunistische Aggression Erfolg hat, um die noch verbleibenden rund
40 000 Amerikaner, die immer noch in Vietnam stationiert sind, zu schützen,
und um eine Verhandlungsposition für die Freigabe unserer Kriegsgefangenen
zu haben.
Noch einen letzten Punkt zur Kriegsgefangenenfrage: Ich weiß, daß
jeder Amerikaner sich um diese Soldaten sorgt. Ich habe mir Sorgen um sie
gemacht. Ich möchte dazu nur sagen, daß ich im letzten Jahr wirklich eine
Menge Erfahrungen im Verkehr mit den kommunistischen Führern gesammelt
habe. Ich weiß, es ist nicht einfach, mit ihnen ins Geschäft zu kommen,
und man erhält von ihnen nur dann etwas, wenn man selbst etwas besitzt,
was sie von einem haben wollen. Der einzige Weg, unsere Kriegsgefangenen
zurückzubekommen, ist, daß wir etwas dafür tun, und das bedeutet, daß
wir militäarische Ziele in Nordvietnam angreifen, daß wir eine ständige
Einsatztruppe in Südvietnam belassen und daß wir weiterhin die Häfen
Nordvietnams verminen.
Nur wenn wir mit solchen Tätigkeiten fortfahren, werden sie sich
veranlaßt sehen, unsere Kriegsgefangenen zurückzugeben, statt - wie dies
beim Abzug der Franzosen aus Vietnam im Jahre 1954 der Fall war, als nach
diesem Zeitpunkt über 15 000 Franzosen nie wieder etwas zu erfahren war nichts mehr über deren Schicksal mitzuteilen.
Ich werde niemals zulassen, daß das Gleiche mit unseren tapferen
Soldaten geschieht, die sich jetzt in Kriegsgefangenschaft befinden.
FRAGE:
- 3-

�FRAGE: Herr Präsident, bevor Sie die Wiederaufnahme der Bombardierungen Nordvietnams anordneten, genehmigte General Lavelle oder
leitete er einige nichtautorisierte Angriffe ein. Wirkte sich diese
Maßnahme Ihrer Meinung nach irgendwie auf die diplomatischen Verhandlungen aus, die in jener Zeit stattfanden, und sind Sie besorgt
darüber, daß Sie doch offenbar hiervon nichts wußten?
ANTWORT: Die diplomatischen Verhandlungen wurden dadurch nicht
berührt. In der Tat fand am 2. Mai in Paris ein Treffen, ein geheimes
Treffen, zwischen Dr. Kissinger und den (nordvietnamesischen) Unterhändlern statt - also während des Zeitraums, als die Maßnahmen General
Lavells ausgeführt wurden. Sie können sicher sein, daß die Nordvietnamesen sich über diese besondere Angelegenheit beschwert hätten, hätten
sie irgendeinen Vorwand für eine Beschwerde haben wollen.
Was nun die Sache selbst angeht, so war sie, wie auch Admiral
Moorer heute ausgesagt hat, nicht autorisiert. Sie war allerdings
nur gegen jene militärischen Ziele gerichtet, von denen aus auf
amerikanische Flugzeuge geschossen wurde. Aber da

die Vollmacht

überschritten wurde, war es nur richtig, daß der General abgelöst und
in den Ruhestand versetzt wurde. Meiner Meinung nach war dies die
richtige Maßnahme, und ich glaube, das wird sicherstellen, daß so
etwas in Zukunft nicht mehr passiert.
FRAGE: Herr Präsident, am 8. Mai - also zu der Zeit der Verminung der
nordvietnamesischen Häfen - sagte Ihr Berater, Dr. Kissinger, voraus, daß
diese Verminung zum Austrocknen des Nachschubs führen und daß die Hauptoffensive um den 1. Juni herum vorbei wäre. Ist diese Voraussage noch gültig, und wenn ja, können Sie dann einen Zeitplan für den Abzug unserer
Unterstützungsverbände nennen, die nach den See-und Luftstützpunkten um
Vietnam herum entsandt wurden, um die Südvietnamesen während der Offensive
zu unterstützen?
Antwort:

-4-

�ANTWORT: Was den Zeitpunkt der wirksamen Verminung und auch die Bombardierung der militärischen

Ziele in Nordvietnam, vor allem der Eisenbahnen

und Ölleitungen, angeht, so ist die Situation in Vietnam dadurch völlig gewandelt worden. Ich habe einige Nachrichtenmagazine durchgesehen, die in der
Woche, bevor die Verminung angeordnet wurde, erschienen, und ich habe festgestellt, daß in jedem von ihnen die Überschrift zu lesen war: "Das Gespenst
der Niederlage in Vietnam". Das war die Situation, als unsere Maßnahmen anliefen. Sie hat sich nun völlig gewandelt. Die Südvietnamesen sind in der Offensive. Die Sache ist noch nicht zu Ende. Wir rechnen unter umständen noch mit
weiteren nordvietnamesischen Offensiven, aber ich bin doch der Ansicht, daß
nunmehr die Fähigkeit der Südvietnamesen, sich mit unserer Luftunterstützung
zu Lande selbst zu verteidigen, demonstriert worden ist. Die Fähigkeit, sich
in An Loc und Kontum

und jetzt auch im Gebiet von Hue selbst zu verteidigen,

ist ein Zeichen dafür, daß die Vietnamisierung, was die Aktivität zu Lande
anbetrifft, sich als eine erfolgreiche Maßnahme erwiesen hat,. Was nun die
Zukunft angeht, so habe ich bereits zu verstehen gegeben, daß wir im Juli zu
den Verhandlungen zurückkehren werden. Das ist der Bereich, dem wir - genau
wie dem Schlachtfeld - unsere Aufmerksamkeit widmen müssen. Und soweit es um
irgendwelche zukünftigen Ankündigungen geht - diese werden von dem Fortschritt
am Verhandlungstisch und an der Front abhängen.
FRAGE: Meiner Frage liegen Ihre eigenen Erklärungen zugrunde, die Sie in
Texas und anderswo abgegeben haben und worin Sie sagten, daß Sie die Bombardierung der Deiche und Dämme in Nordvietnam nicht sanktioniert hätten und auch
nicht sanktionieren würden, weil dies Ihrer Meinung nach ein inhumaner Akt
sei wegen der Folgen für die Zivilbevölkerung. Während der letzten Wochen hat
es nun Augenzeugenberichte gegeben. Einer dieser Berichte kam von der französischen Presseagentur, ein weiterer vom schwedischen Botschafter in Hanoi,
und in diesen Augenzeugenberichten wird behauptet, daß amerikanische Flugzeuge
Deiche und Dämme getroffen hätten. Meine Frage ist nun, hat eine solche
Bombardierung stattgefunden und wenn ja, welche Schritte unternehmen Sie, damit dies sich nicht noch einmal ereignet?
Antwort:

�ANTWORT: Wir haben diese Berichte überprüft und sie haben sich als unrichtig herausgestellt. Die Bombardierung von Deichen ... wurde von manchen
Leuten befürwortet. Die Vereinigten Staaten haben sich in Ihrer Bombardierungspolitik eine große Zurückhaltung auferlegt, und meiner Meinung nach ist das
richtig. Wir waren bestrebt, nur militärische Ziele zu treffen, und wir haben
militärische Ziele getroffen. Unser Befehl lautete, keine Deiche zu treffen,
weil die Folgen im Hinblick auf die Zivilbevölkerung überaus groß sein würden.
Was nun irgendeine weitere Aktivität in dieser Hinsicht anbelangt, so
ist dieser Befehl immer noch in Kraft. Ich habe nicht die Absicht, zuzulassen,
daß irgendwelche Befehle ergehen, die zu Verlusten unter der Zivilbevölkerung
führen, wenn dies verhindert werden kann. Nur militärische Ziele sind genehmigt.
FRAGE: Herr Präsident, im letzten Jahr oder Anfang dieses Jahres hat General Abrams Ihnen gegenüber die Überzeugung geäußert, daß die Südvietnamesen es
auf dem Schlachtfeld alleine nicht schaffen könnten. Dann erfolgte die Invasion
aus dem Norden, und wir reagierten mit Bombardierungen. Wann können Ihrer Meinung nach die Südvietnamesen realistischerweise ohne massive Feuerunterstützung
durch uns mit der Situation fertig werden?
ANTWORT: Das wird gegenwärtig festgestellt, und das zeigt sich jetzt.
Erstens ,was die Aktivität zu Lande angeht, so wird sie voll und ganz
von den Südvietnamesen ausgeführt. Einsätze amerikanischer Kampftruppen
sind in Vietnam völlig eingestellt worden. Was die Amerikaner in Vietnam
anbetrifft, so ist dieser Krieg für viele künftige Wehrdienstpflichtige
vorüber. Es werden keine Wehrpflichtigen mehr nach Vietnam entsandt werden.
Was nun den Lufteinsatz anbelangt, so wird General Abrams oder jeder
Militärexperte Ihnen wie auch mir sagen, daß derartige Aktionen allein ohne entsprechenden Kampfhandlungen zu Lande - einen entschlossenen
Gegner nicht aufhalten können.
In diesem Falle nun hat Nordvietnam eine massive Offensive mit
gewaltigen Panzern vorgetragen, die größer waren als die ihnen gegenüberstehenden, sowie mit neuen und modernen Waffen. Um nun hier eine Art Aus- 6 -

�Ausgleich herzustellen, der nötig war, haben wir Luftunterstützung
zur Verfügung gestellt. Aber ich möchte hier auf etwas hinweisen, was
nur geringe Beachtung gefunden hat: 40 Prozent aller taktischen Lufteinsätze über den Kampfgebieten in Südvietnam werden jetzt von den
Südvietnamesen, nicht von Amerikanern,geflogen. Wir können also feststellen, daß die Südvietnamesen nicht nur die gesamten Kampfhandlungen
zu Lande tragen, sondern auch ständig ihre Fähigkeit verstärken, den
Kampf in der Luft zu übernehmen. Durch den Erfolg unserer Luftangriffe
auf den Norden und auf das Kampfgebiet, durch die erfolgreiche Wendung
dieses ganzen Kampfes wird schließlich der Tag herbeigeführt werden,
da die Südvietnamesen in der Lage sind, die gesamte Kampftätigkeit
selbst zu übernehmen. Ich möchte dafür kein Datum nennen. Ich kann nur
sagen, daß das Ergebnis des gegenwärtigen Kampfes, die Schwere der
nordvietnamesischen Verluste,diesen Tag bestimmen werden, Aber ich
bin in dieser Hinsicht sehr optimistisch ...
FRAGE: Herr Präsident, können Sie uns sagen, was Sie veranlaßte,
an den Verhandlungstisch in Paris zurückzukehren, und würden Sie eine
Koalitionsregierung unterstützen - die Bildung einer Koalitionsregierung oder würden Sie dies in Paris erörtern.
ANTWORT: Es wäre nicht nützlich, etwas über die Gespräche zu sagen,
die an verschiedenen Stellen im Hinblick auf eine Rückkehr an den Pariser
Konferenztisch stattgefunden haben.
Lassen Sie es damit bewenden, daß ich sage, beide Seiten erachteten
es als in ihrem Interesse liegend, an den Konferenztisch in Paris zurückzukehren. Wir wären nicht zurückgekehrt, würden wir nicht glauben, daß
es eine Chance für ernsthaftere Erörterungen und konstruktivere Gespräche
gäbe, als dies in der Vergangenheit der Fall war, obwohl ich ganz offen
sagen muß, daß wir in der Vergangenheit im Hinblick auf diese Gespräche
enttäuscht worden sind.
Es hat bisher 149 Vollsitzungen gegeben, aber keine bedeutsamen
Ergebnisse. Ich glaube, es wäre nicht besonders nützlich, würde ich mich
- 7-

�mich auf einer Pressekonferenz darüber auslassen, worüber wir in Paris
sprechen werden. Das ist eine Angelegenheit, die wir mit deir Gegner aushandeln werden.
Was nun eine Koalitionsregierung anbetrifft, so ist die Antwort: Nein.
Wir werden nicht mit dem Gegner etwas aushandeln, was er selbst nicht erreichen kann, nämlich gegen den Willen der Bevölkerung Südvietnams ihr
eine Koalitionsregierung mit den Kommunisten aufzuzwingen.
Wir werden jedoch konstruktiv und entgegenkommend sein. Eine international überwachte Waffenruhe, der völlige Abzug aller Amerikaner innerhalb von vier Monaten, die völlige Einstellung aller Bombenangriffe das sind unserer Ansicht nach sehr vernünftige Angebote, und wir meinen,
der Gegner sollte sie ernsthaft prüfen.
FRAGE: Kaum hatten Sie die Rüstungskontrollabkommen in Moskau unterzeichnet,
forderte Ihre Administration neue Gelder für neue strategische Waffen an.
Manche Ihrer Kritiker sagen, daß es fast an Betrug grenze, wenn man dem
Pentagon gebe was es will, nämlich eine Konzentration auf die Entwicklung
neuer hochmoderner Waffen. Würden Sie versuchen, diese schlimmen Voraussagen zu entkräften?
ANTWORT: Das Problem bei der Kontrolle der Rüstungen ist, daß wir
das nicht in einem Vakuum behandeln. Wir müßen uns mit dem Problem so
befassen, wie es die Sicherheit der Vereinigten Staaten berührt. Zunächst
möchte ich einmal betonen: Hätten wir kein Abkommen über eine Kontrolle der
Rüstungen, eine Begrenzung der Luftabwehrraketen und eine vorläufige,
auf fünf Jahre befristete Begrenzung bestimmter Kategorien von Offensivwaffen, dann würde ich - und das ist ganz vorsichtig geschätzt - den
amerikanischen Kongreß ersuchen müssen, in einem Sofortprogramm eine
Erhöhung des Verteidigungshaushalts für strategische Nuklearwaffen um
wenigstens 15 Milliarden Dollar pro Jahr zu bewilligen. Grund: Ohne ein
Abkommen über Rüstungskontrolle hätten die sowjetischen Pläne eine Erhöhung
der Zahl ihrer Luftabwehrraketen in den nächsten fünf Jahren auf 1000 vor- 8-

�vorgesehen

Das Abkommen über eine Rüstungskontrolle begrenzt diese Zahl

für sie wie für uns auf 2uü. Hätte es kein Rüstungskontrollabkommen gegeben,
dann würde die Sowjetunion jetzt ein Unterseebootprogramm durchführen, durch
das die Zahl ihrer Unterseeboote auf über 90 erhöht würde

Das Abkommen

begrenzt ihre Zahl auf 62. Und hätte es kein Rüstungskontrollabkommen
für strategische Offensivwaffen gegeben - und das ist der wohl wichtigste
Punkt -, dann hätte uns die Sowjetunion bei den strategischen Offensivwaffen jetzt überrundet, Sie haben rund 1 600, wir etwa 1000 solche Waffen.
Sie würden in den nächsten fünf Jahren weitere 1000 solche Waffen gebaut
haben. Unter solchen Umständen würde jeder amerikanische Präsident feststellen, daß die Vereinigten Staaten in fünf Jahren hoffnungslos zurückgefallen sein würden; unsere Sicherheit wäre bedroht gewesen, unsere Verbündeten wären, vor allem in diesen Bereichen, in Angst versetzt worden, und
unsere Freunde ebenso, zum Beispiel im Nahen Osten, wo die Möglichkeit
sowjetischer Abenteuer für recht groß gehalten wird,
Daher wirkt ein Rüstungskontrollabkommen, zumindest bei neuen Waffen,
als Bremse. Was jetzt die von Ihnen erwähnten neuen Waffen anbetrifft, so
möchte ich betonen,daß dies nicht den Zeitraum der nächsten fünf Jahre
betrifft. Wir sprechen vielmehr von der Zeit danach, Und sie sind für
die Sicherheit der Vereinigten Staaten auch aus einem anderen Grund absolut
notwendig - denn wir dürfen das ganze nicht in einem Vakuum sehen, sondern
müssen es nach dem beurteilen, was die andere Seit tut, und Herr Breschnew
hat es sehr deutlich gemacht

daß er bei diesen Kategorien von Waffen,

bei denen keine Begrenzungen bestehen, weitermachen werde
Um ihm gegenüber fair zu sein, er sagte weiter und machte das sehr
klar - er machte es ganz eindeutig klar, so möchte ich sagen-,daß er damit
rechne, daß auch wir weitermachen

Wenn also unter diesen Umständen die

Vereinigten Staaten auf diesen Gebieten,wo keine Kontrolle besteht, nicht
weitermachen würden, dann würde dies bedeuten, daß wir Ende der siebziger
Jahre d ie Unterlegenen wären, und kein Präsident der Vereinigten Staaten

�Staaten kann die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Vereinigten
Staaten an die Stelle des zweitmächtigsten Staaten der Welt rücken nicht aus chauvinistischen Überlegungen heraus, sondern weil dann unsere
Außenpolitik, unsere Verpflichtungen überall auf der Welt sehr, sehr
ernsthaft gefährdet wären,
Den wichtigsten Punkt aber habe ich bis zum Schluß aufgespart
und zwar: Diese Abkommen liegen meiner Ansicht nach im Interesse der
Vereinigten Staaten. Sie liegen nach meiner Auffassung unbedingt im
Interesse der Rüstungskontrolle und damit des Weltfriedens. Aber sie sind
erst ein Anfang; sie sind nur die Grundlage

Was wir jetzt tun müssen,

ist, realistisch den zweiten Schritt weiterzugehen. Und das ist der Grund,
warum die Phase zwei der Rüstungskontrolle, von der wir hoffen, daß sie,
sofern der Kongreß die ihm gegenwärtig vorliegenden Abkommen billigt,
im Oktober beginnen wird - daß die Phase zwei ein ständiges Rüstungskontroi labkommen für alle nuklearen Offensivwaffen bringen wird - das
wird unserer Ansicht nach noch weit größere Bedeutung haben, als die
Phase eins.
Phase eins ist der Durchbruch und Phase zwei ist die Krönung
Phase zwei wird, wenn wir ein Abkommen mit den Sowjets erreichen können
- und es wird langer und harter Verhandlungen bedürfen - aber wenn wir
es erreichen können, bedeuten, daß wir unsere Rüstungsbudgets dann
auf dem gegenwärtigen Stand halten können, und daß wir diese neuen
Programme, statt mit ihnen auf der gegenwärtig

vorgesehenen Basis

weiterzumachen, dann kürzen können.
Das ist unser Ziel, und ich meine, wir können es erreichen, vorausgesetzt, daß wir Phase eins billigen und vorausgesetzt, daß wir weiterhin
ein glaubwürdiges Rüstungsprogramm fortführen, denn glauben Sie mir,
die Sowjets werden einer Begrenzung ihrer künftigen Programme nicht
zustimmen, wenn sie von uns nichts dafür bekommen können.
FRAGE:
- 10 -

�FRAGE: Herr Präsident, zu ihren Ausführungen über die Notwendigkeit
von Offensivwaffen: Warum bestehen Sie denn dann auf der Entwicklung des
kostspieligen B-1-Bombers, wenn die Sowjetunion in den letzten Jahren
tatsächlich so wenig Interesse an der Bomberentwicklung gezeigt hat und
wenn sie, soweit wir wissen, im Augenblick keinen neuen Bomber in der
Entwicklung hat?
ANTWORT: Jede Macht, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten,
muß die Streitkräfte haben, die für ihre eigene Sicherheit notwendig sind
Wir sind im Grunde genommen nicht ausschließlich eine Landmacht sondern
vielmehr eine Land- und Seemacht

Die Sowjetunion ist in erster Linie

eine Landmacht und hat daher ganz bestimmte Erfordernisse. Wir glauben,
daß der B-1-Bomber für unsere Sicherheit notwendig ist.
Was nun die Sowjetunion anbetrifft, so bedeutet die Tatsache, daß
sie keine Bomber entwickelt, nicht, daß sie nicht die unsrigen respektiert
Und ich möchte ferner sagen, hätten wir nicht zur Zeit diesen Vorteil
bei Bombern, dann könnten wir nicht ruhig zusehen und es zulassen, daß
die Sowjets uns gegenüber bei landgestützten Raketen mit 1 600 zu 1000
im Vorteil sind. Unsere Bomber sind somit ein Ausgleich dafür ...
FRAGE: Herr Präsident, ich hätte gerne noch eine klärende Frage
zu den Bombardierungen gestellt. In Ihrer Rede vom 8. Mai haben Sie
erklärt, das einzige Ziel Ihrer Bombardierungen und Ihrer Verminung
sei der Schutz der 60 000 dort noch verbliebenen amerikanischen Soldaten.
Habe ich Sie recht verstanden, daß Sie in Beantwortung einer früheren
Frage sagten, es bestehe jetzt ein Zusammenhang zwischen den Bombardierungen und der Freilassung der Gefangenen

Und ich möchte noch eine

zusätzliche Frage stellen, die in einiger Beziehung dazu steht: waren
mit der Rückkehr zu den Pariser Friedensgesprächen irgendwelche Bedingungen der beiden Seiten verknüpft?
ANTWORT: Nein. Keine der beiden Seiten hat damit irgendwelche
Bedingungen verknüpft. Wir kehren zu den Gesprächen zurück und sind
bereit, ohne Vorbedingungen zu verhandeln. Wir halten das für den
- 11 -

�den konstruktivsten Weg, um Ergebnisse zu erreichen. Es gab beispielsweise keine Bedingung - und darauf dürfte Ihre Frage ja wohl abzielen daß wir die Bombardierungen einstellen, wenn wir zu den Gesprächen
zurückkehren. Wir haben nicht die Absicht, sie einzustellen. Wir werden
die Bombardierungen einstellen, wenn die Bedingungen erfüllt sind, die
ich in meiner Rede vom 8. Mai dargelegt habe.
Wie Sie sich erinnern, habe ich in dieser Rede vom 8. Mai drei
Bedingungen dargelegt. Ich erklärte, daß wir militärische Ziele im
Norden bombardieren und die Häfen verminen würden und zwar aus drei
Gründen: um zu verhindern, daß Südvietnam eine kommunistische Regierung
aufgezwungen werde; um unsere in Südvietnam verbleibenden Truppen zu
schützen, die sich damals auf 60 000 Mann beliefen; und um die Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Das sind die drei Bedingungen, die es im Hinblick auf die Bombardierungen gibt. Wir sind
jedoch bereit, über diese Punkte mit dem Gegner zu verhandeln. Wir
haben nicht den Wunsch, die Bombardierungen auch nur einen Augenblick
langer fortzusetzen, als notwendig ist, um diese nach unserer Ansicht
sehr minimalen Ziele zu erreichen
FRAGE: Herr Präsident, die Geschichte der amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam zeigt, daß diese eher dazu gedient haben,
Verhandlungen zu behindern, statt sie zu fördern. Warum glauben Sie
- angesichts dieses Hindergrundes - daß es jetzt Erfolg verspricht?
ANTWORT: Ich bin nicht sicher, ob sich meine Beurteilung dieser
Angelegenheit mit der Ihren deckt. Ich bin der Meinung, daß wir im
Verlaufe der letzten drei Jahre alles nur mögliche getan haben, um
Verhandlungen in Gang zu bringen. Wir haben Truppen abgezogen, wir
haben sehr entgegenkommende Angebote gemacht,wir haben auf unserer
Seite die Kampftätigkeit herabgeschraubt, und das Ergebnis war einfach
eine ständig wachsende Unnachgiebigkeit auf Seiten des Gegners,

- 12 -

�Glauben Sie mir, es war nur eine letzte Zuflucht, als ich die überaus schwierige Entscheidung vom 8. Mai traf, wohl wissend, wieviel diese
Entscheidung mit sich brachte. Aber nachdem ich diese Entscheidung getroffen habe, glaube ich, daß es die richtige Entscheidung war; und ich
glaube, die Tatsache, daß unsere Gipfeltreffen trotz dieser Entscheidung
stattfanden, die Tatsache, daß wir trotz dieser Entscheidung an den
Verhandlungstisch zurückkehren, zeigt, daß vielleicht diejenigen Unrecht
haben, die der Meinung sind, daß eine starke Position am Verhandlungstisch zu keinen Verhandlungen führt.
Ich bin immer der Ansicht gewesen, daß bei der Auseinandersetzung
mit diesen sehr pragmatischen Männern, die die kommunistischen Nationen
führen - und wir müssen sie ihrer Stärke und ihres Pragmatismus wegen
respektieren -, daß diese Männer also Stärke respektieren - keine
kriegerische Haltung, aber doch Stärke. Das ist zumindest die Art und
Weise, mit der ich immer an diese Dinge herangehe und ich glaube, sie
wird erfolgreich sein.

+ + + + +

- 13 -

�B E R I C H T I G U N G

Bitte le§en Sie auf Seite 8, letzte Zeile, richtig:
der Zahl ihrer Raketenabwehrraketen - vergl. Raketenabwehrraketen

+++-

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27/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS AUF DER SEATO-TAGUNG
-Wortlaut-

CANBERRA --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 27. Juni auf der Eröffnungssitzung der 17. SEATO-Ministerratstagung
folgende Erklärung abgegeben:
In den letzten vier Monaten waren die Vereinigten Staaten zusammen
mit anderen Ländern an entscheidenden Entwicklungen beteiligt, die der
Geschichte dieses Jahrhunderts ihren Stempel aufdrücken werden. Die erfolgreichen Besuche des amerikanischen Präsidenten in Peking und Moskau, die
Unterzeichnung der amerikanisch-sowjetischen Abkommen zur Begrenzung der
strategischen Rüstungen, das Inkrafttreten eines Abkommens über Berlin,
durch das diese Quelle internationaler Spannungen ausgeschaltet wird
- alle diese Ereignisse sollten, einzeln für sich und in ihrer Gesamtheit,
wesentlich zu der friedlichen Welt beitragen, die alle von uns in der
SEATO herbeiwünschen.
Bei den von uns in bezug auf unsere Hauptgegner ergriffenen Schritten
traten die amerikanischen Ziele ganz offen und eindeutig zu Tage - eine
Welt frei von den Risiken eines nuklearen Krieges und den Gefahren einer

-l-

�einer Konfrontation der Großmächte; ein Europa, in dem schrittweise Aussöhnung an die Stelle von Spaltung tritt; ein Asien, in dem die Völker, große
wie kleine, über ihr eigenes Schicksal in Frieden ohne ausländische Einmischung selbst bestimmen können.
Diese Ziele werden schneller erreicht werden, wenn die Prinzipien der
internationalen Beziehungen, die sich aus den Besuchen in Peking und Moskau
ergeben haben, peinlich genau beachtet werden. Nur die Zeit kann zeigen, in
welchem Maße diese Prinzipien in der Praxis verwirklicht werden. Für jedes
dieser Länder werden wir, in unterschiedlichem Maße und auf geraume Zeit,
Konkurrenten und starke ideologische Rivalen bleiben - mit einer diametral
entgegengesetzten Auffassung von den Beziehungen zwischen den Menschen und
den Staaten. Wir glauben jedoch, daß ein Prozeß begonnen hat, der diesen
Wettstreit in friedlichen Bahnen und diese Rivalitäten in Schranken und
realistisch halten kann.
Die Wege, die zu den Gipfeltreffen führten, waren nicht einfach. Für
beide, China und die Sowjetunion, waren die ideologischen und die tatsächlichen Schranken gewaltig. Wir nehmen daher an, daß sie die Verbesserung der
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten mit einer ernsten Absicht aufgenommen
haben. Die Änderung ihrer Haltung war zweifellos "verstandesmäßig und nicht
gesinnungsmäßig", wie Präsident Nixon dies kürzlich nannte. Aber diese Änderung bietet die Möglichkeit einer friedlicheren Welt für uns alle, und die
Vereinigten Staaten werden das Ihre in diesem Geiste dazu beitragen, damit
diese Möglichkeit verwirklicht wird.
Es ist unsere Hoffnung und unsere Absicht, daß der auf den Gipfeltreffen
erzielte bilaterale Fortschritt auch den Übergang zu normaleren Beziehungen
zwischen anderen Ländern fördern kann, die durch den kalten Krieg gespalten
oder entfremdet worden sind. Solch ein Fortschritt ist sowohl in Europa wie
in Asien bereits im Gange.
--In

-2-

�--In Europa haben Sir Alec Douglas Home und ich vor drei Wochen ein Abkommen mitunterzeichnet, das die Reisebeschränkungen und andere Lebensbedingungen für die Bevölkerung Westberlins lockern und erleichtern wird, die ein
unschuldiges Opfer der Teilung ihrer Stadt und ihres Landes ist. Dieses Abkommen hat weitere Aussichten auf Verbesserungen in Europa durch verstärkte
bilaterale Kontakte und die bevorstehende Europäische Konferenz eröffnet.
--In Asien sind seit fast einem Jahr Gespräche zwischen Vertretern des
Roten Kreuzes der Republik Korea und der demokratischen Volksrepublik Korea
im Gange, die ursprünglich auf die Wiederzusammenführung

von seit Jahrzehn-

ten getrennten Familien abzielten. Wir teilen die Hoffnung, die Präsident
Park auf einer kürzlichen Sitzung des Asiatischen und Pazifischen Rates
äußerte, daß solche Gespräche und Kommunikationen andauern und weiter entwickelt werden.
Das Berlin-Abkommen und die neuen Anfänge in Korea zeigen den Fortschritt, den Verhandlungen für komplizierte Probleme bringen können. Leider
wird in Vietnam und in Gebieten, die für die SEATO von direkter Bedeutung
sind, ein solcher Fortschritt durch die Weigerung Nordvietnams, ernsthaft
zu verhandeln, immer noch blockiert. Die kommunistische Seite hat sich sogar
geweigert, in Gespräche mit der Regierung der Republik Vietnam über eine politische Regelung einzutreten. Die Vorschläge des amerikanischen Präsidenten
vom 8. Mai konnten Hanoi bisher nicht von dem Beharren auf Bedingungen abbringen, die es dem südvietnamesischen Volk verwehren würden, selbst über
seine eigene Zukunft zu bestimmen. Dem können und werden wir nicht zustimmen.
Aber eine fruchtbare Basis für eine gerechte Regelung sind Verhandlungen,
sobald Hanoi bereit ist, sie aufzunehmen. Wir haben gewissen Grund zu der
Hoffnung, daß der verstärkte diplomatische Druck, der aus allen Teilen der
Welt auf Hanoi ausgeübt wird, Nordvietnam veranlassen wird, ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen.
Die

-3-

�Die amerikanische Außenpolitik in Asien und in der Welt beruht auf Treue
zu unseren Verpflichtungen und Festigkeit in unseren Prinzipien. Sie beruht
ferner auf der Überzeugung, daß eine Bereitschaft zur Änderung traditioneller
Formen, zur Suche nach Lösungen durch Verhandlungen und durch Gespräche sowie
zur Erzielung von für beide Seiten vorteilhaften Kompromissen im Interesse
des Friedens ist. Genauso wie wir unsere Beziehungen zu traditionellen Gegnern
verbessern, so verstehen und begrüßen wir auch ähnliche Initiativen unserer
Verbündeten und Freunde. Eine Bereitschaft auf allen Seiten, von der Erstarrung
der beiden letzten Jahrzehnte abzugehen, kann nur positive Ergebnisse zeitigen
Solche Veränderungen können sich nur auf dem Nährboden der Stabilität
vollziehen. Was uns anbetrifft, so werden die Vereinigten Staaten in Ostasien und
im Pazifik weiterhin von folgenden Überzeugungen ausgehen:
Erstens, unsere neuen Beziehungen werden nicht durch Preisgabe der
Interessen unserer Freunde erkauft. Diese Tatsache ist in den Prinzipien, zu de^
nen wir uns gegenüber China und der Sowjetunion bekannten, ausdrücklich anerkannt
worden,
• Zweitens, wir sind uns voll darüber im klaren, daß diese neuen Beziehungen unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nur dann stärken werden, wenn
wir weiterhin eine überzeugende Stärke aufweisen. Dies ist der Grund, warum Präsident Nixon, selbst in einem Wahljahr, auf einem ausreichenden nationalen Verteidigungshaushalt besteht. Diese Erkenntnis bildet den Kern unserer Politik
im Pazifik wie in Europa. Und wir sind uns genauso darüber im klaren, daß
weitere militärische und wirtschaftliche Hilfe erforderlich sein wird, wenn andere jetzt die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen. Wir sind
entschlossen, diese Hilfe zu gewähren.
--Drittens,

�--Drittens, ein friedliches Asien wird nicht durch ein Aufgeben unserer
Verpflichtungen oder unserer Interessen in diesem Raum angestrebt und könnte
so auch nicht erreicht werden. Unsere Interessen in Asien und im Pazifik sind
von grundlegender Bedeutung. In unserem eigenen Selbstinteresse sowie im Interesse unserer Freunde und Verbündeten wird unser Engagement nicht mit dem Auslaufen unseres militärischen Engagements in Vietnam enden.
Gerade die Notwendigkeit stabiler Verhältnisse in einer Zeit des Wandels
verleiht einer Organisation wie der SEATO weiterhin große Bedeutung. Aus diesem
Grunde werden die Vereinigten Staaten diese Organisation und deren Zielsetzungen auch künftig unterstützen. In der Tat sind unsere Initiativen in Ostasien
auf das Hauptziel ausgerichtet, das von den Unterzeichnern des SEATO-Paktes
vor 18 Jahren gesetzt worden war -- "das Gebäude des Friedens und der Freiheit
zu stärken". Im Namen Präsident Nixons kann ich Ihnen die feierliche Zusicherung geben, daß die Vereinigten Staaten weiterhin in Asien in diesem Bemühen
engagiert sein werden.
Ich werde jetzt Admiral McCain Platz machen, damit er Ihnen seine Beurteilung der militärischen Bedrohung des Vertragsgebietes geben kann. Wie Sie wissen, ist dies die letzte Ministerratstagung für Jack McCain. Ich möchte ihm
vor diesem Forum meinen persönlichen Dank für seine Arbeit aussprechen, die er
so hervorragend geleistet hat. Während der Jahre, die er als Oberbefehlshaber
im Pazifik wirkte, war er für mich als Außenminister eine unfehlbare Quelle
des Rates und der Stärke. Die SEATO hat bestimmt keinen loyaleren Freund als
Jack McCain.
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27/1972

LAIRD: WEITERER TRUPPENABZUG IST BEWEIS FÜR DEN ERFOLG DER
VIETNAMISIERUNG

WASHINGTON .«.(AD)— Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin R.
Laird hat den Abzug von weiteren 10 000 amerikanischen Soldaten aus Südvietnam als einen konkreten Beweis für den Erfolg des Vietnamisierungsprogramms bezeichnet. In einer in Colorado Springs veröffentlichten Erklärung betonte der amerikanische Verteidigungsminister ferner, die USA hofften weiterhin, daß der Gegner das großzügige Friedensangebot Präsident
Nixons annehmen werde, damit die Kämpfe in Südvietnam beendet werden
könnten.
Die Erklärung Lairds hat folgenden Wortlaut:
"Die heutige Mitteilung Präsident Nixons, daß weitere Amerikaner aus
Südvietnam abgezogen werden sollen, ist ein erneuter konkreter Beweis für
den Erfolg des Vietnamisierungsprogrammes. Seit Anlaufen dieses Programms
vor mehr als drei Jahren sind über eine halbe Million Amerikaner aus Vietnam
zurückgebracht worden, und bis am 1. September werden 93 Prozent der amerikanischen Soldaten zurückgeführt worden sein, die sich bei Amtsantritt Präsident Nixons in Vietnam befanden.
Ich

-1-

�Ich bin insbesondere erfreut darüber, daß wir unter der Führung Präsident Nixons während der letzten drei Jahre die Höhe der Einberufungen in so
augenfälliger Weise reduzieren konnten. Der Präsident konnte nunmehr bekanntgeben, daß aufgrund unseres Vietnamisierungsprograrames die Notwendigkeit für
die Stationierung amerikanischer Soldaten in Vietnam so weitgehend vermindert
worden ist, daß keine Einberufenen mehr nach Vietnam entsandt werden, es sei
denn, sie melden sich freiwillig dorthin.
Wir hoffen weiterhin, daß der Gegner das großzügige Friedensangebot Präsident Nixons annehmen wird, so daß die Kampfhandlungen in Vietnam eingestellt
werden und alle Gefangenen nach Hause zurückkehren können; in der Zwischenzeit werden jedoch weiterhin amerikanische Soldaten nach den USA zurückkehren. "
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hatte am 28. Juni
den Abzug von weiteren 10 000 amerikanischen Soldaten bekanntgegeben. Damit
wird sich die Zahl der noch in Südvietnam verbleibenden US-Truppen bis zum
1. September auf 39 000 Mann verringern. Ziegler erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß Präsident Nixon zugesagt habe, alle amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten abzuziehen, nachdem die amerikanischen
Kriegsgefangenen freigelassen worden seien, über die Vermißten Angaben vorlägen und eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina begonnen
habe. Bis zum 1. September werden insgesamt 510 500 amerikanische Soldaten
aus Vietnam abgezogen worden sein, seit Präsident Nixon sein Amt übernommen
hat. Die jüngste Entscheidung des Präsidenten, so unterstrich Ziegler, basiere
auf der Beurteilung, daß diese Reduzierung ohne Gefährdung des Vietnamisierungsprogramms oder der Sicherheit der verbleibenden amerikanischen Truppen
vorgenommen werden könne. Unter den gegenwärtig in Vietnam stationierten
49 000 amerikanischen Soldaten befinden sich nach Angaben Zieglers rund 4 000
Einberufene.
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27/1972

DR. WHITMAN: WIRTSCHAFTLICHE LAGE IN DEN USA HAT SICH EINDEUTIG
GEBESSERT
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten hat
sich nach Ansicht des Mitgliedes des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons,
Dr. Marina Whitman, auf zahlreichen Gebieten eindeutig gebessert.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen von Dr. Whitman vor amerikanischen Wirtschaftlern in Minneapolis am 28. Juni haben folgenden Wortlaut:
Heute, zehn Monate nach der Aufnahme der neuen Wirtschaftspolitik können wir solide Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs in zahlreichen Bereichen der Wirtschaft feststellen. Nachdem die reale Wirtschaftstätigkeit
immer schneller expandiert, kann die Wiedererholung nicht länger mehr in
Zweifel gestellt werden. Wohnungsbau, Einzelhandelsumsätze und Investitionsausgaben der Wirtschaft - sie alle partizipieren an der sich auf einer breiten Basis vollziehenden Expansion.
Gleichzeitig

-1-

�Gleichzeitig lassen die Statistiken echten Fortschritt bei der Reduzierung
der Inflation sowohl auf der Lohn-wie auch auf der Preisseite erkennen. Seit
Aufnahme des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms hat der Index der Verbraucherpreise im Durchschnitt eine Zunahme - auf Jahresbasis - von 2,9 Prozent aufzuweisen gehabt gegenüber 3,8 Prozent in den acht Monaten, die dem
Preis-und Lohnstopp vorangingen, und gegenüber einer Spitzenrate von 6,1 Prozent im Jahre 1969.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne haben seit Einsetzen der Kontrollen
- auf Jahresbasis - um 5,8 Prozent zugenommen gegenüber 7,2 Prozent in den
vorangegangenen acht Monaten.
Diese Entwicklungen sind nicht auf einseitige Opfer irgendeines Teiles
unserer Wirtschaft zurückzuführen. Im Gegenteil können beide,Arbeitnehmer
wie Unternehmer, eine Verbesserung ihrer Situation feststellen.
Der freie Wochenlohn der Arbeiter (nach Berücksichtigung preislicher
und steuerlicher Veränderungen) ist real in der Zeit der Kontrollen im Durchschnitt doppelt so schnell gestiegen wie in, der ersten Hälfte des Jahres
1971 und viermal so schnell wie im Durchschnitt der Jahre 1960-70.
Die Gewinne pro Produktionseinheit haben seit Beginn des Lohn-und Preisstopps - auf Jahresbasis - um 5,8 Prozent zugenommen, während die Gütererzeugung selbst beträchtlich angestiegen ist.
Die Tatsache, daß wir Fortschritte erzielen, bedeutet natürlich nicht,
daß wir machen können, was wir wollen. Trotz der Tatsache, daß heute in der
Wirtschaft fast zwei Millionen Menschen mehr in Arbeit stehen als im vergangenen. August, hat sich die Arbeitslosenrate als überraschend hartnäckig erwiesen.
Die

-2-

�Die Zahl der Arbeitsplätze hat schnell zugenommen, aber das gleiche gilt
auch für das Arbeitskräftepotential, und die Arbeitslosenrate ist immer noch
zu hoch. Es gibt allen Anlaß anzunehmen, daß sie im Verlaufe dieses Jahres
aufgrund einer noch schnelleren wirtschaftlichen Wachstumsrate und einer Verlangsamung des ungewöhnlich raschen Anstiegs des Arbeitskräftepotentials
zurückgehen wird.
Gleichzeitig wird aber auch die von der Regierung verfolgte Steuerpolitik
darauf ausgerichtet sein, durch entsprechende Anreize den Druck auf die Arbeitslosenrate, der sich aus der expandierenden Wirtschaftstätigkeit im privaten Bereich ergibt, zu unterstützen und zu ergänzen.
An der Inflationsfront ist es unsere Aufgabe, die bisher gemachten Fortschritte zu konsolidieren und zu festigen. Der Anstieg des Index der Großhandelspreise, der immer noch schneller ist, als wir dies möchten, zeigt, daß die
Schwierigkeiten vor allem bei den Lebensmittelpreisen, und hier besonders bei
den Fleischpreisen, sowie bei den Preisen für bestimmte industrielle Rohstoffe
liegen, die gegenwärtig weltweit einen starken Preisauftrieb verzeichnen.
Die diese Woche bekanntgegebenen Maßnahmen unterstreichen die Entschlossenheit der Regierung, wirksame Maßnahmen mit dem Ziele zu unternehmen, die
steigenden Lebensmittelpreise zu bremsen und so die Inflationsrate insgesamt
unter Kontrolle zu halten. Gleichzeitig sind wir entschlossen, die eigenen
Ausgaben der Regierung unter Kontrolle zu halten, um jedes Wiederauftreten
eines zu starken Nachfragedrucks zu verhindern.
Auf dem internationalen Sektor hat die dringend notwendige Neufestsetzung
der Wechselkurse, die das Abkommen im Smithsonian Institut im Dezember brachte, den Grundstein für eine Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsposition gelegt.
Wenn

-3-

�1

Wenn unsere Außenhandelsposition bei weitem noch nicht befriedigt, so
ist das zum Teil darauf zurückzuführen, daß die Auswirkungen dieser Neufestsetzung der Währungen sich bisher noch nicht stärker bemerkbar gemacht haben,
auch wenn die jüngsten Handelsstatistiken sich jetzt vielleicht als die
ersten Zeichen einer Wende erweisen werden.
Inzwischen gehen wir internationalen Verhandlungen entgegen mit dem
Ziel, ein internationales Währungssystem zu schaffen, das den heutigen und
den künftigen internationalen Beziehungen eher entspricht als in der Vergangenheit.
Blickt man in die Zukunft, so deuten die Zeichen darauf hin, daß das
reale Wachstum der Wirtschaft im weiteren Verlauf des Jahres schneller sein
wird als in den ersten Monaten, für die bereits Zahlen vorliegen.
Wenn auch die Aufgaben, die der neuen Wirtschaftspolitik des Präsidenten
gestellt sind, noch keineswegs gelöst wurden, so können wir doch mit einem
Klima einer kontrollierten Expansion rechnen, in dem dies nun geschehen
kann.

-4-

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27/1972

I

NEUER REPRÄSENTANT DER US-EXPORT-IMPORTBANK IN EUROPA

WASHINGTON --(AD)— Zum neuen Repräsentanten der amerikanischen ExportImportbank in Europa ist der bisherige Abteilungsleiter der Bank für Exportausweitung, George J. Dietz, ernannt worden. Wie der Präsident der Bank,
Henry Kearns, jetzt bekanntgegeben hat, wird Dietz als Nachfolger von Joseph
Rand die Leitung des Eximbank-Büros in der US-Botschaft in Wien übernehmen
und auf ausgedehnten Reisen das Export-Finanzierungsinstitut der amerikanischen Regierung in ganz Europa vertreten.
Sein Vorgänger Rand hatte während der letzten Jahre von dem Büro in
der Boltzmanngasse 16 in Wien aus der europäischen Geschäftswelt die Leistungen der Eximbank im Dienste der Förderung amerikanischer Exporte nahegebracht.
In diese Zeit fiel die Einführung verschiedener neuer, wichtiger Programme
der Eximbank wie zum Beispiel das kooperative Finanzierungsprogramm (CFF).
Mit diesem Programm hilft die Eximbank mittleren Unternehmen, sich die für
den Import aus den USA notwendigen Kredite über Banken des eigenen Landes
zu beschaffen. Im Rahmen dieses Programms war von der Eximbank am 23. Juni
rund 160 Banken in fast allen westlichen Ländern ein Kreditbetrag von insgesamt 1,1 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt worden, die zur Vergabe
günstiger Kredite an Importeure von Gütern und Dienstleistungen aus den USA
verwandt werden können.
Dietz

-1-

�Dietz war seit seinem Eintritt in die Eximbank im Oktober 1969 Vizepräsident für Projektplanung und seit Juli 1970 Vizepräsident für Exportausweitung.
Er besitzt reiche Erfahrungen auf dem Gebiet des internationalen Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse und gehörte lange Zeit als stellvertretender
Landwirtschaftsattache den amerikanischen Botschaften in Oslo und Den Haag an.
Später war er Direktor für internationale Angelegenheiten bei der American
Farm Bureau Federation in Washington D.C. sowie Direktor des Farm Bureau Trade
Development Office in Rotterdam. Vor seinem Eintritt war er als Direktor für
Marktentwicklung für die Continental Grain Company of New York tätig. Von 1966
bis 1969 war Dietz ferner Präsident der Spanisch-Amerikanischen Handelskammer
in New York.

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27/1972

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE WISSENSCHAFTLER ERÖRTERN GEMEINSAME
FORSCHUNGSPROGRAMME IN MEDIZIN UND TECHNOLOGIE

--(AD)-- Zu Besprechungen mit sowjetischen Regierungsbeauftragten und Wissenschaftlern halten sich derzeit zwei amerikanische Delegationen in Moskau
auf. Die unter der Leitung von Dr. Edward E. David, Wissenschaftsberater
des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschaft und Technik, stehende erste Gruppe verhandelt auf Grund der beim Besuch Präsident Nixons im
Mai 1972 unterzeichneten Verträge über die Modalitäten der Aufstellung und
der Tätigkeit der Amerikanisch-Sowjetischen Kommission für Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik. Diese Kommission, die im Herbst 1972 zum ersten
Mal zusammentreten soll, hat die verschiedenen Programme zu koordinieren.
Dr. David, der vor seinem Eintreffen in Moskau am 2, Juli u.a. in Bonn Station
gemacht hatte, erwartet jedoch, daß Wissenschaftler einzelner Fachgebiete
bereits vor diesem Zeitpunkt Kontakte mit entsprechenden Forschungsstellen
in der UdSSR aufnehmen werden.
Auf technischem Gebiet rangiert die Erzeugung von Strom aus unkonventionellen Energiequellen mit an erster Stelle. Gemeinsam will man nach praktischen Wegen suchen, um mit relativ geringen Kosten und unter Anwendung
"sauberer" Verfahren im Sinne des Umweltschutzes bei weitgehendem Verzicht auf

-l-

�auf herkömmliche Quellen wie Kohle, Öl und Gas große Energiemengen zu produzieren. In beiden Ländern laufen bereits seit längerer Zeit umfangreiche Forschungsprojekte, bei denen jedoch verschiedene Wege begangen werden. Sc

wurde

in der Sowjetunion eine Demonstrationsanlage errichtet, die auf der Grundlage
der Magnetohydrodynamik (MHD) Strom aus erhitzten und teilweise ionisierten
Gasen gewinnt. In den Vereinigten Staaten existieren verschiedene MHD-Experimentieranlagen, mit deren Hilfe man die rentabelsten Verfahren für die Methode
der Stromerzeugung zu entwickeln sucht. Auch die Fortsetzung gemeinsamer
Forschung auf dem Gebiet der gesteuerten atomaren Fusionsreaktion zur Energieerzeugung stehp s»uf dem Programm. Die Sowjetunion erprobt seit einiger Zeit mit
dem Gerät "Tokomak" neue Verfahren, während in den USA an einer Reihe von
Forschungsinstituten theoretische und experimentelle Forschung unter Anwendung
verschiedener Prinzipien zur Aufhellung und Stabilisierung des für die Kernverschmelzung erforderlichen "Plasmas" betrieben wird.
Als weitere Gebiete der Zusammenarbeit kommen nach Dr. C)avid zunächst
Betriebs-und Wirtschaftswissenschaften, Meeres-und Atmosphärenforschung sowie
Metallurgie in Frage. Die Vereinigten Staaten seien vor allem an sowjetischen
seismologischen

Untersuchungen, insbesondere an Forschungen zur genaueren

Vorhersage von Ort, Zeitpunkt und Stärke von Erdbeben interessiert.

- Krebs und Herzkrankheiten ~
Vom 24. Juni bis Anfang Juli führte eine fünfköpfige Delegation amerikanischer Krebsspezialisten unter der Leitung von Dr. Charles Zubrod, wissenschaftlicher Direktor für Chemotherapie am Krebsforschungsinstitut der
"National Institutes of Health" (NIH) der Vereinigten Staaten, Besprechungen mit sowjetischen Kollegen. Dabei einigte man sich über erste gemeinsame

-2-

�gemeinsame Programme wie den Austausch von Medizinern, die an Instituten des
Gastlandes arbeiten sollen, den Austausch von Informationen über medizinische
Entdeckungen sowie die Erprobung bestimmter Medikamente.
Das Gemeinschaftsprogramm auf dem Gebiet der Herzforschung und der Herzerkrankungen umfaßt folgende vier Hauptpunkte:
1) Pathogenese der Arteriosklerose, Diese Erkrankung ist für die meisten Todesfälle infolge Herz-und Gefäßkrankheiten verantwortlich. Es hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt,daß für ihre Entstehung mehrere Faktoren zusammenwirken, wobei die Erhöhung des Blutfettspiegels als wichtigster Risikofaktor betrachtet wird. Koordinatoren für dieses Projekt sind auf amerikanischer Seite
Dr. Donald S

Fredrickson (Nationales Institut für Herz-und Lungenkrankheiten,

NIH), auf sowjetischer Seite Prof. L.A. Myasnikow, Akademie für medizinische
Wissenschaften der UdSSR.
2) Beherrschung ischämischer Herzkrankheiten, die durch mangelnde Blutversorgung des Herzmuskels - vor allem Blockierung der Koronararterien - entstehen.
Im Rahmen dieses Projektes sollen die verschiedenen Aspekte der medikamentösen
und chirurgischen Therapie erörtert und mögliche Verbesserungen der Behandlung
erarbeitet werden. (Koordinatoren: Dr. Peter Frommer, US-Herz-und Lungenforschungsinstitut, Prof. I.K.Schkwatsabaya, Akademie für medizinische Wissenschaften der UdSSR.)
3) Stoffwechsel des Myokard. Man weiß inzwischen, daß die Reaktion des Herzens
auf Erkrankungen zum Teil durch die Stoffwechsellage des Herzmuskels bestimmt
wird. Bei gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Forschungsprojekten sollen die
Einflüsse des Eiweiß-, Kohlehydrat-und Fettstoffwechsels auf die Herzfunktion,
einschließlich der Rhythmusstörungen bei gesunden und kranken Personen geklärt
werden. (Koordinatoren: Dr

Eugene Braunwald, Harvard-Universität, Boston,

E I. Chazow, Mitglied der sowjetischen Akademie fijr medizinische Wissenschaften. )

hl
-3-

�4) Angeborene Herzfehler. Durch frühzeitige Diagnose undBehandlung angeborener
Herzfehler konnte bereits Tausenden von Kindern ein normales Leben ermöglicht
werden. Durch die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet
will man jedoch die äußerst, schwierig zu beherrschenden Anomalien bei Neugeborenen und Kleinkindern besser in den Griff bekommen. (Koordinatoren: Dr. Frank
Gerbode, Pacific Medical Center, San Francisco, und Prof. V.I.Burakowski,
Bakulew-lnstitut für kardiovaskuläre Chirurgie, Akademie für medizinische
Wissenschaften der UdSSR.).

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27/1972

LANGZEITSTUDIE ÜBER ALTERUNGSPR0ZES.S

--(AD)-- Eine im Jahre 1940 begonnene Studie an amerikanischen Piloten, mit
deren Hilfe ursprünglich Eignungstests für Marineflieger-Bewerber ausgearbeitet werden sollten, erweist sich heute als einzigartiges Beobachtungsprogranun im Rahmen der Gerontologie. Der Personenkreis von anfänglich
1056 Flugzeugführern ("The Thousand Aviator Study" ist die Bezeichnung des
Projekts) schmolz in 32 Jahren auf 776 zusammen. Abgesehen von jenen, die
im zweiten Weltkrieg fielen, kamen mehr als 100 Piloten in dieser Zeit bei
Unfällen - meist Flugzeugabstürzen - ums Leben, einer starb bei einem Autounfall; 11 von 29 erlagen Herz-und Gefäßerkrankungen, zwei von drei einem
Schlaganfall, zwei starben an Krebs, zwei an Leukämie. Insgesamt zeigt sich
heute, daß hoher Blutdruck keineswegs eine zwangsläufige Konsequenz der
Alterungsprozesse ist und außerdem in einer Reihe von Fällen ein auffälliger Kurvenverlauf im Elektrokardiogramm, der früher als Anzeichen ernster
Störungen betrachtet wurde, wahrscheinlich nur geringe Bedeutung hat.

Dr. Ashton Graybiel, der als einer der leitenden Ärzte dieser Langzeitstudie der US-Marine die regelmäßig durchgeführten Untersuchungen überwacht
und auswertet, berichtete kürzlich, daß jetzt zum ersten Mal eine kleine,
aber signifikante Gruppe den Aufforderungen zur Kontrolluntersuchung nur
ungern Folge leiste.

Er führt dies darauf zurück, daß sich bei diesen

Personen vermutlich Altersbeschwerden wie Herz-und Kreislaufstörungen oder

-l-

�i
t

o d e r S t ö r u n g e n der L u n g e n f u n k t i o n bemerkbar m a c h e n und sie nun f ü r c h t e n , der
A r z t könne eine ernste Erkrankung feststellen. Auch jene mit starker G e w i c h t s zunahme bleiben den U n t e r s u c h u n g e n lieber fern.
Das D u r c h s c h n i t t s a l t e r der unter Beobachtung stehenden P e r s o n e n beträgt
5 4 J a h r e , das Durchschnittsgewicht liegt etwa 2 kg über dem Normalgewicht

für

M ä n n e r dieses A l t e r s . Die m e i s t e n P r o b a n d e n sind auch heute noch körperlich gut
durchtrainiert und haben ihre schlanke F i g u r b e h a l t e n . Die Mehrzahl steht in
Z i v i l b e r u f e n ; 11 Ä r z t e , zwei A d m i r a l e , ein ehemaliger G o u v e r n e u r eines a m e r i k a n i s c h e n B u n d e s s t a a t e s , 15 C h e f p i l o t e n v o n F l u g l i n i e n und - als einziger N i c h t A m e r i k a n e r - der v e n e z o l a n i s c h e Botschafter in R o m zählen zu der P r o b a n d e n g r u p p e . D a s ursprünglich angestrebte Z i e l , die U n t e r s u c h u n g e n als G r u n d l a g e
für die A u f s t e l l u n g v o n E i g n u n g s k r i t e r i e n für M a r i n e f l i e g e r zu b e n u t z e n ,
w u r d e übrigens nicht e r r e i c h t ; dafür erwies sich die S t u d i e als nicht g e e i g n e t .

W a r n u n g vor krassem K l i m a w e c h s e l

Im Leitartikel einer der jüngsten A u s g a b e n des "American Heart Journal",
der die E r g e b n i s s e m e h r e r e r S t u d i e n über H e r z k r a n k h e i t e n in k a l t e n K l i m a z o n e n
b e h a n d e l t , w e r d e n außerdem ä l t e r e M e n s c h e n und solche mit H e r z k r a n k h e i t e n v o r
k r a s s e m K l i m a w e c h s e l g e w a r n t . D e r p l ö t z l i c h e Übergang v o n einer k a l t e n in eine
w a r m e Gegend und umgekehrt sei für diesen P e r s o n e n k r e i s w e g e n der p h y s i o l o g i schen S c h w i e r i g k e i t e n der A k k l i m a t i s i e r u n g äußerst

gefährlich. Die Untersuchun-

gen h ä t t e n außerdem g e z e i g t , daß in k a l t e n G e g e n d e n im W i n t e r , in w a r m e n G e g e n den im Sommer die Häufigkeit v o n H e r z i n f a r k t e n am g r ö ß t e n s e i . Die G r ü n d e für
d i e s e s P h ä n o m e n seien jedoch w i s s e n s c h a f t l i c h noch nicht eindeutig zu erklären.
I i I I I I III

-2-

�</text>
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                <text>1. &lt;strong&gt;Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 29. Juni 1972 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Auszüge-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Rogers auf der SEATO-Tagung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird: Weiterer Truppenabzug ist Beweis für den Erfolg der Vietnamisierung &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Dr. Whitman: Wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eindeutig verbessert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Auszüge-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Präsident der US-Export-Importbank in Europa &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler erörtern gemeinsame Forschungsprogramme in Medizin und Technologie &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langzeitstudie über Alterungsprozeß</text>
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12. Juli 1972

Inhalt
DOKUMENTATION:

Erklärungen von Außenminister Rogers in Athen, Bukarest, Budapest
und Belgrad
Neuner-Ausschuß erörtert Beziehungen USA-EWG
-Wortlaut der Abschlußerklärung der Londoner Tagung-

INFORMATION:
Nationale Verifizierung im Rahmen der SALT-Vereinbarungen
Von W.A.Swartworth
Die amerikanischen Hochschulen sind gesund
-Eine Untersuchung der Carnegie-KommissionVon Howard Young

WIRTSCHAFT:
Die amerikanisch-sowjetischen Handelsgespräche
Von Eugene Brake

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Abfallschäden in Küstengewässern
Von G.Weiss
Herzfunktionen im Computermodell
Lezithin gegen Gallensteine

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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28/1972

ANKUNFTSERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS IN ATHEN
-Wortlaut-

ATHEN - - (AD)— Bei seiner Ankunft in der griechischen Hauptstadt hat der
amerikanische Außenminister William P. Rogers am 4.

Juli eine Erklärung

abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Ich bin sehr erfreut, daß ich Ihre großartige Hauptstadt zum ersten
Male besuchen kann, und insbesondere darüber, daß ich an einem Tag hier eintreffe, da die Amerikaner ihre Unabhängigkeit feiern. Ich erinnere, mich, daß
in klassischen Zeiten der freie Stadtstaat Athen als die Schule Griechenlands bekannt war. In der Geschichte der westlichen Kultur war Athen die
Schule der persönlichen Freiheit und der Demokratie, und sein Beispiel
hat die Männer zutiefst beeinflußt, die heute vor 196 Jahren unsere Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet haben.
Es kann also gesagt werden, daß die Bindungen zwischen Griechen und
Amerikanern 2 000 Jahre alt sind. Diese Verbundenheit ist durch die engen
Bindungen zwischen unseren Völkern verstärkt worden, die bis zu Ihrem eigenen

-1-

�eigenen Unabhängigkeitskampf vor 150 Jahren zurückreichen. Sie wurden ferner
verstärkt durch unsere gemeinsamen Bemühungen während des zweiten Weltkrieges
und im Zuge der Truman-Doktrin, Griechenland von fremder Herrschaft frei zu
halten, und sie ist in unseren Bindungen in der NATO vorhanden, der Griechenland
seit 21 Jahren als Mitglied angehört.
Heute spielt Griechenland eine wichtige Sicherheitsrolle an der südlichen
Flanke der NATO. Wir fördern und unterstützen diese Rolle, und wir messen der
kooperativen Sicherheitsbeziehung Griechenlands mit den Vereinigten Staaten
und der NATO große Bedeutung bei. Wir begrüßen ferner die Bemühungen Griechenlands um die Stärkung friedlicher Beziehungen mit der Türkei und mit seinen
Nachbarn auf dem Balkan.
Es gibt natürlich einige unterschiedliche Ansichten zwischen uns und der
griechischen Regierung. Hierzu ist die Haltung der Vereinigten Staaten wohl
bekannt. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Gebiete, auf denen wir übereinstimmen.
Ich sehe erwartungsvoll den Gesprächen mit den griechischen Führern entgegen, die, dessen bin ich sicher, nützlich und offen sein werden. Wie es langjährigen Verbündeten zukommt, müssen wir alles in unseren Kräften stehende tun,
um die Bande zwischen unseren Ländern zu stärken, Das ist der Zweck meines Besuches.

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28/1972

TRINKSPRUCH VON AUSSENMINISTER ROGERS IN ATHEN
-Wortlaut-

ATHEN--(^D)-- Der Trinkspruch von Außenminister William P. Rogers auf
einem Essen, das der griechische Ministerpräsident Georgios Papadopoulos
zu Ehren des amerikanischen Gastes am 5. Juli gab, hat folgenden Wortlaut:
Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herrn,
ich möchte Ihnen, Herr Ministerpräsident, danken für die herzlichen Worte, mit denen Sie die Freundschaft zwischen dem griechischen und dem amerikanischen Volk beschrieben haben.
Ihre Vorfahren im alten Griechenland sind in geistiger Hinsicht auch
unsere Vorfahren, weil sich unsere politischen Traditionen in einer direkten
Linie von dem Athen des Perikles ableiten. Als junge Republik unterstützten
wir den griechischen Unabhängigkeitskampf, und im zweiten Weltkrieg kämpften
wir Seite an Seite mit Griechenland gegen die ausländische Aggression.
Die Truman-Doktrin und der Marshallplan, die unserer Außenpolitik eine
Generation lang ihren Stempel aufdrückten, haben zu einem großen Teil ihren
Ursprung in den heldenhaften Anstrengungen Griechenlands zur Wahrung seiner
Unabhängigkeit. Auch Blutsbande verbinden uns. Über zwei Millionen Amerikaner
Sind griechischer Abstammung. Im Jahre 1947, als Präsident Truman seinen

�seinen P l a n zur Unterstützung G r i e c h e n l a n d s und der T ü r k e i b e k a n n t g a b , e r k a n n t e n die USA die g e m e i n s a m e n S i c h e r h e i t s i n t e r e s s e n mit Griechenland a n . Das
ist auch heute noch der Fall. Unsere Bindungen auf dem G e b i e t e der S i c h e r heit w e r d e n durch unsere Z u s a m m e n a r b e i t m i t der NATO b e s t ä t i g t , die seit ihrer
G r ü n d u n g v o n a l l e n g r i e c h i s c h e n R e g i e r u n g e n unterstützt w o r d e n ist.
W ä h r e n d dieser Reise habe ich sechs Länder in O s t a s i e n , auf dem südasiat i s c h e n Subkontinent und der a r a b i s c h e n Halbinsel b e s u c h t . Ich h a b e e r k l ä r t ,
d a ß diese Besuche Teil des Bemühens sind, zur F ö r d e r u n g einer W e l t

beizutragen,

in der alle L ä n d e r , die g r o ß e n w i e die k l e i n e n , in F r i e d e n leben k ö n n e n .
Ihre R e g i e r u n g , Herr M i n i s t e r p r ä s i d e n t , hat sich um bessere

Beziehungen

m i t Ihren k o m m u n i s t i s c h e n Nachbarn J u g o s l a w i e n , B u l g a r i e n und A l b a n i e n bemüht
und sie auch e r r e i c h t . Dies alles sind p o s i t i v e Schritte in R i c h t u n g auf d e n
F r i e d e n . W i r b e g r ü ß e n die h e r z l i c h e n B e z i e h u n g e n , die g e g e n w ä r t i g

zwischen

u n s e r e n b e i d e n N A T O - V e r b ü n d e t e n in diesem Teil der Welt b e s t e h e n . Wir b e *
g r ü ß e n ferner den Beginn substantieller G e s p r ä c h e über Z y p e r n . W i r sind der
Ü b e r z e u g u n g , daß F o r t s c h r i t t e erreicht w e r d e n k ö n n e n , w e n n sich G e s p r ä c h s p a r t ner z u s a m m e n s e t z e n und v e r n ü n f t i g und gründlich m i t e i n a n d e r r e d e n . E i n solcher
D i a l o g bewährt sich in D e u t s c h l a n d , er bewährt sich in K o r e a und er hat sich
in Indien im H i n b l i c k auf die S i t u a t i o n z w i s c h e n Indien und P a k i s t a n b e w ä h r t .
W i r h o f f e n , daß er sich auch in V i e t n a m bewähren w i r d . Wir h o f f e n f e r n e r , daß
er im Nahen Osten versucht w i r d , w e i l w i r g l a u b e n , daß dies die e i n z i g e M ö g lichkeit i s t , jenen K o n f l i k t zu einem E n d e zu b r i n g e n .
G r i e c h e n l a n d und die V e r e i n i g t e n S t a a t e n h a b e n ein g e m e i n s a m e s
a n dem F o r t s c h r i t t zum F r i e d e n , den alle diese D i a l o g e auf der W e l t

Interesse
bringen

k ö n n e n . Wir b e m ü h e n u n s innerhalb der NATO und in u n s e r e n b i l a t e r a l e n Bezieh u n g e n , einen solchen Fortschritt zu f ö r d e r n . In diesem G e i s t e , Herr M i n i s t e r p r ä s i d e n t , m ö c h t e ich auf Ihre G e s u n d h e i t und im Interesse des Friedens auf
eine anhaltende Z u s a m m e n a r b e i t z w i s c h e n Griechenland und den V e r e i n i g t e n
Staaten trinken.
•H H t i I I'

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ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI SEINER ANKUNFT IN
BUKAREST
-WortlautBUKAREST --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat am
5. Juli bei seiner Ankunft in Bukarest folgende Erklärung abgegeben:
Es ist mir eine große Ehre, zum ersten Male hier in Rumänien sein zu
dürfen. Obwohl ich der erste amerikanische Außenminister bin, der dieses
Land besucht, ist die Feststellung, daß mir im vergangenen Jahr bereits drei
amerikanische Kabinettsmitglieder vorausgegangen sind, Zeugnis unserer wachsenden bilateralen Beziehungen.
Kurz nach seinem historischen Besuch in Rumänien im August 1969 hat Präsident Nixon seinem Wunsch Ausdruck gegeben, daß dieser Besuch greifbare Ergebnisse in Form einer Reihe kooperativer Programme zeitigen möge. Seit diesem Zeitpunkt haben sich unsere bilateralen Beziehungen in einem noch nie dagewesenen Maße entwickelt.
Wir haben unseren kulturellen und wissenschaftlichen Austausch wesentlich
erweitert. Unser Besucheraustauschprogramm mit Rumänien wächst am schnellsten
von allen derartigen amerikanischen Programmen mit Osteuropa.
Unser bilateraler Handel hat ebenfalls zugenommen. Präsident Nixon hat
im letzten Jahr die Kreditmöglichkeiten erweitert, um amerikanische Firmen £ii

-1-

�zu ermutigen, mit Rumänien Handel zu treiben. In jüngerer Zeit hat er ein Gesetz angestrebt, das uns Verhandlungen über ein Handelsabkommen,das auch den
Meistbegünstigtenstatus für rumänische Exporte nach den Vereinigten Staaten
einschließt, ermöglichen würde, Wir werden im Kongreß weiterhin auf Verabschiedung unseres Gesetzes drängen.
Unsere beiden Regierungen haben soeben ein Abkommen über eine KonsularKonvention erzielt, das Außenminister Manescu und ich heute noch unterzeichnen
werden,Wir hoffen, daß diese Konvention zur Ausweitung der normalen Reise-und
Handelskontakte zwischen unseren Ländern beitragen wird.
Die Vereinigten Staaten möchten solche spezifischen Gebiete der Zusammenarbeit mit Rumänien entwickeln und ausweiten. Wir begrüßen ferner eine ständige Ausweitung unserer bilateralen politischen Beziehungen. Wir hatten dieses
Jahr wichtige Treffen sowohl mit der Volksrepublik China wie auch mit der Sowje
union. Wir sind uns jedoch durchaus bewußt, daß der Weltfriede und die internationale Zusammenarbeit von der Beteiligung aller Länder, ungeachtet ihrer
Größe, abhängen.
Die Sozialistische Republik Rumänien - mit ihrer Verpflichtung zu einer unabhängigen Politik und ihren engen Bindungen zu zahlreichen Ländern - spielt
bei der Suche nach einem dauerhaften Frieden auf der Welt eine wichtige Rolle.
Aus diesem Grunde mißt Präsident Nixon seinen Konsultationen mit Präsident
Ceausescu große Bedeutung bei, und ich sehe meinen Gesprächen hier mit dem
Präsidenten erwartungsvoll entgegen.
Die Vereinigten Staaten und Rumänien werden zweifellos weiterhin in einer
Reihe von Fragen verschiedener Meinung sein, aber in einer der grundlegendsten
Fragen stimmen wir überein,, Wir glauben beide, daß Nationen - im Geiste der
UN-Charta - ihre Handlungen nach den Prinzipien der Achtung der nationalen
Souveränität, der gleichen Rechte aller Staaten und der Nichteinmischung in

�in die Angelegenheiten der anderen ausrichten müssen. Und wir glauben beide,
daß diese Prinzipien auf alle Länder, ungeachtet ihrer Größe, ihrer Stärke,
der Gleichartigkeit oder der Unterschiedlichkeit ihrer Gesellschaftssysteme,
angewandt werden müssen.
Im Rahmen dieser gemeinsamen Überzeugungen werde ich meine Gespräche
hier in Rumänien führen.

-H I H l-l H-H-

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28/1972

PRESSEERKLÄRUNG ZUR UNTERZEICHNUNG DER AMERIKANISCH-RUMÄNISCHEN
KONS ULAR-KONVENTION
-Wortlaut-

BUKAREST --(AD)-- Anläßlich der Unterzeichnung der amerikanisch-rumänischen
Konsular-Konvention am 5. Juli 1972 ist in Bukarest folgende gemeinsame
Presseerklärung herausgegeben worden:
Die Regierung der Vereinigten Staaten und die Sozialistische Republik
Rumänien haben am 5. Juli in Bukarest eine Konsular-Konvention abgeschlossen.
Außenminister William P. Rogers, der Rumänien einen offiziellen Besuch abstattet, hat die Konvention für die Vereinigten Staaten unterzeichnet. Außenminister Corneliu Manescu unterschrieb für Rumänien.
Der Vertrag, der dem amerikanischen Senat zur Bestätigung vorgelegt werden muß, ist ein wichtiger Schritt bei der ständigen Verbesserung und Ausweitung der amerikanisch-rumänischen Beziehungen.
Die Konsular-Konvention wird in beiden Ländern einen verbesserten konsularischen Dienst ermöglichen. Sie wird ungehinderte Kommunikationen zwischen
einem Bürger und seinem Konsul sowie sofortige Besuche bei Bürgern, die sich
in Haft befinden, durch den Konsul gewährleisten. Die Konvention erstreckt

�erstreckt sich auf die konsularischen Aufgaben und Funktionen wie die Ausgabe
von Visen und Pässen, die Durchführung notarieller Dienstleistungen und die
Unverletzbarkeit der konsularischen Kommunikationen, Dokumente und Archive.
Aufgrund dieser Konvention werden amerikanische Staatsbürger in einem
größeren umfang als jemals zuvor konsularische Hilfe und konsularischen
Schutz erhalten. Amerikanische Geschäftsleute und Schiffahrtslinien können
sich an amerikanische Konsularbeamte mit der Bitte um Hilfe bei der Wahrnehmung ihrer Interessen wenden, und die Mittel für die Behandlung eines weiten
Bereichs rechtlicher Fragen werden beträchtlich vergrößert.

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28/1972

TRINKSPRUCH VON AUSSENMINISTER ROGERS IN BUKAREST
-Wortlaut-

BUKAREST --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P.Rogers hat am
6. Juli auf einem von dem rumänischen Präsidenten Ceausescu ihm zu Ehren
gegebenen Essen folgenden Trinkspruch auf seine rumänischen Gastgeber ausgebracht :
Herr Präsident, Madame Ceausescu, meine Damen und Herren,
wir haben soeben einen Vormittag sehr erfolgreicher Gespräche beendet.
Sie bestätigten,daß die Beziehungen zwischen unseren beiden Regierungen gut
sind und daß sie sich noch mehr ausweiten werden.
Vor drei Jahren waren diese Beziehungen noch begrenzt. Aber der Besuch
von Präsident Nixon in Rumänien im August 1969 und Ihr Besuch in den Vereinigten Staaten im Oktober 19 70 haben eine neue und bedeutsame Ära eröffnet.
Mit unseren Gesprächen gestern und heute haben wir bewiesen, daß diese
neue Ära der Zusammenarbeit unseren Völkern Vorteile sowie engere Beziehungen
zwischen unseren Regierungen bringen wird:
--Wir

�--Wir haben die erste Konsular-Konvention zwischen Rumänien und den Vereinigten Staaten seit 1881 unterzeichnet. Diese Konvention wird zur Ausweitung des normalen Reiseverkehrs und normaler kommerzieller Kontakte zwischen
unseren beiden Regierungen beitragen.
—Die Vereinigten Staaten haben Schritte ergriffen, um den Zeitbedarf
für das Anlaufen amerikanischer Häfen durch rumänische Schiffe und Besatzungen um über die Hälfte zu senken - die erste derartige Maßnahme, die wir in
Bezug auf Länder in diesem Teile Europas ergriffen haben. Wir hoffen, daß
dieser Fortschritt zu vermehrtem Handel führen wird und daß amerikanische
Schiffe jetzt ebenfalls bald rumänische Häfen besuchen werden.
--Wir haben beschlossen,Rumänien die Einrichtungen der amerikanischen
Export-Importbank für den Erwerb amerikanischer Ausrüstungen, Materialien
und technologischen Wissens verfügbar zu machen.
--Wir haben die Reisebeschränkungen für rumänische Diplomaten in den
Vereinigten Staaten aufgehoben, die Überbleibsel einer vergangenen Zeit beiderseitiger Beschränkungen waren.
Diese Fortschritte bauten sich auf anderen bisher in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern erzielten Fortschritten auf.
--Unser Kulturaustausch und unsere kulturellen Beziehungen sind intensiv
und weiten sich schnell aus. Die Eröffnung einer rumänischen Bücherei in
New York im vergangenen Dezember und einer amerikanischen Bücherei in Bukarest im Januar wird dazu beitragen, die Verständigung zwischen unseren Völkern zu verbessern.
--Unsere Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet
hat in gleicher Weise zugenommen. In den letzten drei Jahren haben mehr als
4o rumänische Wissenschaftler die Vereinigten Staaten besucht. Und erst in
der letzten Woche wurden sieben neue Gebiete der Zusammenarbeit genehmigt,
darunter auch Arbeiten zur Kontrolle der Abgasverschmutzung durch Kraftfahrzeugmotoren - ein wichtiges Anliegen in den Vereinigten Staaten.
Herr
-2-

�Herr Präsident, diese spezifischen Fortschritte in unseren bilateralen
Beziehungen sind eindrucksvoll. Aber dies ist noch nicht alles. Unser bilateraler Handel hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdreifacht. Damit er weiter zunimmt, haben wir unseren Kongreß gedrängt, und wir werden
dies weiter tun, daß die Gesetze verabschiedet werden, die den rumänischen
Exporten Zugang nach den Vereinigten Staaten auf einer Meistbegünstigungsbasis
ermöglichen werden.
Unsere politischen Beziehungen sind ebenfalls aufgeblüht. Äußerst wichtig ist, daß Rumänien und die Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen in
Europa und der Welt im großen haben.
Gestern abend sprach Außenminister Manescu davon, Europa zu "einer Zone
des Friedens, der Zusammenarbeit und der guten Nachbarschaft zwischen souveränen Ländern zu machen, die gleiche Rechte haben". Wir unterstützen dieses Ziel
ebenfalls. In der Tat, wir möchten den Tag gerne anbrechen sehen, an dem Europa
nicht länger mehr geteilt ist. Es wird nicht einfach sein, dies zu erreichen,
aber das Berlin-Abkommen zeigt, daß deutliche Fortschritte möglich sind. Die
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im nächsten Jahr kann,
sofern sie konkrete Schritte zur Vermehrung der Kontakte zwischen den Europäern
ergreift, ebenfalls den Prozeß in Richtung auf eine Aussöhnung in Europa fördern.
Die Vereinigten Staaten und die Sozialistische Republik Rumänien verfolgen eine Außenpolitik, die auf die gleichen Ziele ausgerichtet ist - die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, die Unterstützung der Vereinten Nationen,
die Förderung guter Beziehungen zwischen allen Ländern. Wir haben ferner eine
grundlegende Überzeugung gemein, daß alle Länder - ungeachtet ihrer Größe,
ihrer geographischen Lage und der Art ihrer Gesellschaftssysteme - gleich
souverän und in gleicher Weise unabhängig sind und ein gleiches Recht haben,
ihre eigenen Angelegenheiten ohne ausländische Einmischung zu regeln. Mein Besuch hier unterstreicht, mit welcher Hingabe die Vereinigten Staaten zu diesem

-3-

�diesem grundlegenden Prinzip der Beziehungen zwischen Ländern stehen.
Herr Präsident, Präsident Nixon hat mich gebeten, Ihnen und dem rumänischen Volk folgende Botschaft zu überbringen: daß die Vereinigten Staaten auf
ihre Beziehungen zu Ihrem Lande großen Wert legen und daß sie alles in ihren
Kräften stehende tun werden, damit diese Beziehungen in den kommenden Jahren
aufblühen mögen.
Ich bitte Sie, zusammen mit mir anzustoßen:
--auf Präsident CeausescuJ
--auf die Verstärkung der Bande zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sozialistischen Republik Rumänien;
--auf die Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem rumänischen
Volk.

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28/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI SEINER ANKUNFT IN
BUDAPEST
-Wortlaut-

BUDAPEST — ( A D ) — Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 6. Juli bei seiner Ankunft in Budapest folgende Erklärung abgegeben:
Es ist mir eine große Ehre, hier in der schönen Hauptstadt dieses
Landes zu sein, das so viel zu der Geschichte und Kultur Europas beigetragen
hat. Mein Besuch in Ungarn ist der erste, der auf dieser Ebene zwischen unseren beiden Regierungen stattfindet. Wir hoffen, daß es bald weitere ähnliche
Besuche zwischen Ungarn und den Vereinigten Staaten geben wird.
Die starken Bande, die zwischen Ungarn und Amerikanern bestehen, werden
noch durch die Tatsache bekräftigt, daß zahlreiche amerikanische Staatsbürger
ungarischer Abstammung sind und daß rund 60 000 amerikanische Touristen jährlich Ungarn besuchen. Wir wollen diese Bande zwischen unsern Völkern in umfassendere Beziehungen zwischen unseren beiden Regierungen übertragen.
Die Außenpolitik Präsident Nixons zielt auf die Schaffung einer Ära der
Verhandlungen und der Zusammenarbeit zwischen allen Ländern ab. Wir sind erfreut darüber, daß Ungarn zu den Ländern gehört, mit denen wir Fortschritte
erzielt haben. Wir sind bereit, in unseren Beziehungen zu Ungarn im Rahmen

-1-

�Rahmen unserer beiderseitigen Interessen weiter voranzugehen. Und in diesem
Geiste bin ich nach Budapest gekommen.
Mein Besuch unterstreicht die Bedeutung, die wir allen europäischen Ländern, kleinen wie großen, beimessen. Das Berlin-Abkommen, die Fortschritte in
den Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu seinen

Nachbarn im Osten

und die Verbesserungen in unseren eigenen Beziehungen zur Sowjetunion haben
die Aussichten vergrößert, daß Spaltungen und Spannungen nicht mehr so große
Narben in Europa hinterlassen. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im kommenden Jahr kann - sofern sie konkret zu einem freieren
Reiseverkehr und Ideenfluß beiträgt - helfen, den Prozeß in Richtung auf einen
Ausgleich zu beschleunigen.
Wir haben ferner die Absicht, auf der Basis der Anerkennung der souveränen Gleichberechtigung aller Länder weitere Fortschritte bei der Förderung
solcher Bedingungen zu erzielen, unter denen alle Länder in Frieden und Sicherheit leben können und unter denen sie nicht einer ausländischen Einmischung in
ihre inneren Angelegenheiten ausgesetzt sind.
In dem neuen Europa, das jetzt entsteht, haben kleinere Länder wie Ungarn
eine wichtige Rolle zu spielen. Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Rolle.
Daher sehe ich besonders erwartungsvoll meinen Gesprächen mit den ungarischen
Führern entgegen. Mein Besuch in Ungarn unterstreicht unseren Wunsch nach einer
deutlichen Verbesserung der ungarisch-amerikanischen

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Beziehungen.

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28/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI DER UNTERZEICHNUNG
DES KONSULARABKOMMENS MIT UNGARN

-Wortlaut-

BUDAPEST --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat am
7. Juli 1972 anläßlich der Unterzeichnung der Konsular-Konvention mit Ungarn
folgende Erklärung abgegeben:
Bei der Suche nach Frieden messen die Vereinigten Staaten der Verständigung zwischen den Völkern grundlegende Bedeutung bei. Daher treten wir auch
für eine offenere Welt ein - offen für Handel, für vermehrte Kontakte zwischen den Völkern und für einen stärkeren Fluß von Ideen. Die heute unterzeichneten Abkommen sind beide wenn auch nur bescheidene, so doch wichtige
Schritte.
Die Konsular-Konvention, die Außenminister Peter und ich unterzeichnet
haben,ist eine Folge der vermehrten Kontakte zwischen Ungarn und den Vereinigten Staaten und soll diese fördern. In dem Maße wie der amerikanische Reiseverkehr mit Ungarn steigt und wie immer mehr Ungarn die Vereinigten Staaten
besuchen, nimmt auch die Inanspruchnahme konsularischer Dienste zu. Wir haben
daher ein beiderseitiges Interesse, bessere Voraussetzungen hierfür zu
schaffen.
Ich
-l-

�Ich freue mich, bei der Unterzeichnung des Abkommens über wissenschaftlichen und technischen Austausch zwischen dem Institut für kulturelle

Beziehungen

und der Nationalen Stiftung der Wissenschaften zugegen sein zu dürfen. Dieses
Rahmenabkommen wird es den Wissenschaftlern beider Länder ermöglichen, ihr
Wissen und ihre Erfahrungen miteinander auszutauschen und persönliche Kontakte
anzubahnen, die so wichtig für den wissenschaftlichen Fortschritt

sind.

Namens der amerikanischen Regierung begrübe ich diese beiden Abkommen
nicht nur ob ihrer Vorteile sondern auch, weil sie den beiderseitigen Wunsch
sowie die Fähigkeit unserer beiden Länder zeigen, eine Verbesserung unserer
bilateralen Beziehungen in einer aufrichtigen und realistischen Weise anzustreben.

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2o/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI SEINER ANKUNFT
IN BELGRAD
-Wortlaut-

BELGRAD --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat bei
seiner Ankunft in Belgrad am 7. Juli folgende Erklärung abgegeben:
Es ist mir eine Ehre, erneut in Belgrad weilen und die außerordentlich
herzlichen Bande bekräftigen zu dürfen, die zwischen Jugoslawien und den
Vereinigten Staaten bestehen. Wenn diese Bande so eng sind, so beweist dies,
daß unterschiedliche Gesellschaftssysteme keineswegs ein Hindernis für kooperative und produktive bilaterale Beziehungen sein müssen. Mit unseren
Initiativen gegenüber der Sowjetunion und der Volksrepublik China suchten
wir dieses Prinzip in der Praxis zu verwirklichen. Was Jugoslawien betrifft,
so bildete dieses Prinzip bereits seit über zwei Jahrzehnten den Kern unserer
bilateralen Beziehungen.
Im Laufe der Jahre haben unsere beiden Länder bei zahlreichen Problemen,
denen sich die Welt bei der Leitung ihrer Geschicke gegenübersieht, gemeinsame
Perspektiven entwickelt. Meines Erachtens kommt dreien dieser Perspektiven
heute eine besondere Bedeutung zu:
Erstens

�Erstens haben wir mit Ihnen auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen
eine Hingabe gemein zu den Prinzipien der Unabhängigkeit, der gegenseitigen
Achtung, der vollen Gleichberechtigung sowie der Nichteinmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten, ob nun ihre Gesellschaftssysteme gleich oder
unterschiedlich sind.
Zweitens sind wir, was Europa anbetrifft, genauso wie Sie der Ansicht, daß
echte Sicherheit nur erreicht werden kann, wenn sie den gesamten Kontinent und
nicht lediglich einen Teil umfaßt, und daß ein Ausgleich zwischen allen Völkern
Europas angestrebt werden sollte. Diese Einstellung bildet die Grundlage für
die amerikanische Politik in Bezug auf eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Unseres Erachtens muß eine solche Konferenz die Einheit
Europas fördern; sie darf seine Spaltung

nicht bestätigen und muß zu einem

freieren Fluß von Menschen und Ideen auf dem gesamten europäischen Kontinent
ermutigen.
Drittens legt jeder von uns in seiner Innenpolitik großen Wert auf eine
Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Völker. Um Ihnen bei Ihren Bemühungen
zu helfen, werden wir weiterhin Jugoslawiens Wirtschaftsreform unterstützen*
Wir freuen uns, daß wir während des letzten Jahres verschiedene konkrete Schritte
tun konnten. Hierzu gehörten neue Regelungen, wonach die amerikanische Regierung
Garantien für amerikanische Privatinvestitionen in Jugoslawien übernehmen
wird,eine Umschuldung sowie die Einräumung vermehrter Kredite der US-ExportImport-Bank und beträchtliche Kredite für Agrarerzeugnisse.
Die Wege,die jeder von uns mit seinem Gesellschaftssystem beschreitet, sind
Wege, die jeder von uns selbständig gewählt hat; es handelt sich jedoch um Wege
mit dem gleichen Ziel, die ein besseres Leben für Jugoslawen wie auch für Amerikaner erreichen wollen.
Im

-2-

�Im Geiste dieser gemeinsamen Ziele sehe ich meinen Gesprächen in Jugoslawien entgegen. Außenminister Tepavac und ich haben bei zahlreichen Anlässen
zusammen Besprechungen geführt, und ich habe unsere Gespräche stets als sehr
nützlich empfunden. Ich bringe ein Schreiben Präsident Nixons an Präsident Tito
mit, das die Bedeutung bekräftigt, die wir engen Konsultationen beimessen. Wir
schätzen die Ansichten Jugoslawiens, als Führer der Blockfreien, zu den großen,
den Frieden in Europa und auf der Welt betreffenden Fragen besonders hoch.
Ich bin zuversichtlich, daß mein Besuch hier unsere bilateralen Beziehungen vertiefen wird. Präsident Tito und Präsident Nixon stimmten im vergangenen
Oktober darin

überein, daß diese Beziehungen "einen wichtigen Faktor für Frie-

den und Stabilität in Europa und auf der Welt im allgemeinen darstellen und
den Zielen einer umfassenden internationalen Verständigung dienen."

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PRESSEERKLÄRUNG ZUM JUGOSLAWIEN-BESUCH VON AUSSENMINISTER ROGERS
-Wortlaut-

BELGRAD --(AD)-- Zum Abschluß des offiziellen Besuches, den der amerikanische
Außenminister William P. Rogers Jugoslawien vom 7. bis 9. Juli abgestattet hat,
ist am 9. Juli in Belgrad folgende gemeinsame Presseerklärung herausgegeben
worden:
Auf Einladung des Außenministers der Föderativen Sozialistischen Republik
Jugoslawien, Mirko Tepavac,hat der amerikanische Außenminister William P.Rogers,
der von Mrs. Rogers begleitet wurde, Jugoslawien vom 7. bis 9. Juli einen offiziellen Besuch abgestattet.
Der Präsident der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien, Josip
Broz Tito, hat den Außenminister am 9. Juli 1972 auf Brioni empfangen. Außenminister Rogers wurde ferner von dem Präsidenten des Föderativen Exekutivrates,
Bijedic, empfangen.
Im Verlaufe des Besuches wurden Gespräche über die internationale Lage und
über die bilaterale Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern geführt. Die
beiden Außenminister stellten mit Genugtuung fest, daß die Beziehungen zwischen
Jugoslawien udd den Vereinigten Staaten traditionell gut und für beide Seiten

-1-

�Seiten nützlich waren und sich im Augenblick außerordentlich gut entwickeln. Sie
unterstrichen die Bedeutung des Treffens zwischen Präsident Tito und Präsident
Nixon und deren gemeinsamer Erklärung vom 30. Oktober 1971, die auf lange Zeit
hinaus eine Basis für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern abgibt. Sie
gaben ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, daß auf der Basis dieses Dokuments
eine weitere Entwicklung der engen beiderseitigen Beziehungen zwischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten auf allen Gebieten festzustellen war.
In den Gesprächen wurden internationale Fragen und Entwicklungen erörtert,
darunter die kürzlichen, von den führenden Staatsmännern beider Länder gemachten Besuche, die europäische Zusammenarbeit und Sicherheit sowie die Lage im
Nahen Osten und in Südostasien. Die Tätigkeit der Blockfreien - und der Entwicklungsländer kam ebenfalls zur Sprache.
Im Verlaufe des Gedankenaustausches über internationale Fragen legten beide
Seiten ihre jeweiligen Standpunkte in offener und freundschaftlicher Form dar.
Sie stimmten darin überein, daß Lösungen für die Probleme gefunden werden können,
die gegenwärtig die Welt belasten, und zwar auf der Basis der Respektierung von
Unabhängigkeit, Souveränität, Gleichberechtigung und Nichteinmischung aller
Staaten, gleichgültig ob sie die gleichen oder unterschiedliche soziale, wirtschaftliche und politische Systeme haben.
Die Außenminister betonten, daß sich die bilateralen Beziehungen auf allen
Gebieten günstig entwickelt haben.und vereinbarten, die beiden zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit zwischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten weiter
zu entwickeln und zu fördern. Besondere Aufmerksamkeit soll den wirtschaftlichen Beziehungen gewidmet werden, die in jüngster Zeit neuen Auftrieb erhalten
haben. Beide Länder bekundeten ferner ihre Absicht, weiterhin wissenschaftliche,
technische und kulturelle Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und diese zu
erweitern. Sie vertraten die Ansicht, daß von den amerikanischen Staatsbürgern
jugoslawischer Abstammung ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der bilateralen
Beziehungen geleistet werde.
Die
-2-

�Die beiden Außenminister bekräftigten die Wichtigkeit regelmäßiger Kontakte und Gedankenaustausche auf den verschiedenen Gebieten zwischen Vertretern
der beiden Länder und wiesen darauf hin, daß diese beiden Ländern in der Vergangenheit zum Vorteil gereichten und auch künftig im Interesse einer Weiterentwicklung der Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen der Föderativen
Sozialistischen Republik Jugoslawien und den Vereinigten Staaten sowie im
Interesse des Weltfriedens fortgesetzt werden sollten.

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NEUNER-AUSSCHUSS ERÖRTERT BEZIEHUNGEN USA-EWG
-Wortlaut der Abschlußerklärung der Londoner Tagung-

LONDON --(AD)-- Der von der Nordatlantischen Versammlung zur Überprüfung
der politischen, militärischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme sowie
der Zukunft des Nordatlantischen Bündnisses eingesetzte Neuner-^Ausschuß hat
zum Abschluß seiner Londoner Tagung folgende Erklärung veröffentlicht:
Der Neuner-Ausschuß der Nordatlantischen Versammlung hat am 1. und
2. Juli in London seine zweite Sitzung abgehalten. Zugegen waren der Vorsitzende des Ausschusses, Senator Jacob Javits (USA), Senator Manlio Brosio
(Italien), Professor Walter Hallstein (Deutschland), Lord Harlech (Großbritannien), der Abgeordnete Wayne L. Hays (USA), Halfdan Hegtun (Norwegen), Lester
Pearson (Kanada) und Max van der Stoel (Holland). Ferner nahmen an der Sitzung
als Berater des Ausschusses Senator Ihsan Sabri Caglayangil (Türkei), Dr. Karl
Mommer (Deutschland) und Botschafter Alberto Franco Nogueira (Portugal) sowie
der Präsident der Nordatlantischen Versammlung Terrence Murphy (Kanada) und
deren Generalsekretär Philippe Deshormes (Belgien) teil.
Auf

-1-

�Auf dieser Sitzung erörterte der Ausschuß alternative Richtungen der
politischen, der sicherheitsbezogenen, der sozialen und der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Westeuropa und Nordamerika in den kommenden zehn Jahren. Es
bestand Übereinstimmung darüber, daß die Konzeption einer atlantischen Partnerschaft für die siebziger Jahre wichtig ist, und der Ausschuß diskutierte darüber,
wie diese Konzeption gefördert werden kann, sei es durch Ausnutzung der bestehenden internationalen Organisationen zur Entwicklung besserer Beziehungen zwischen
der Europäischen Gemeinschaft und den Vereinigten Staaten und Kanada oder durch
Schaffung anderer Institutionen. Die Möglichkeit einer Reform des Atlantischen
Bündnisses wurde erörtert und auch die Möglichkeit einer Ausweitung der Bereiche
der atlantischen Zusammenarbeit.
Der Ausschuß ist der Ansicht, daß die Entwicklung einer größeren Übereinstimmung in Europa ein positiver Schritt für die Schaffung enger transatlantischer Bindungen sein sollte.
Der Ausschuß vertritt die Auffassung, daß Solidarität auf seiten der NATORegierungen von entscheidender Bedeutung für eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ist und daß hierzu besondere Treffen auf hoher Ebene abgehalten werden sollten.
Der Ausschuß wird der 18. Vollsitzung der Nordatlantischen Versammlung, die
vom 20. bis 25. November 1972 in Bonn, Deutschland, stattfindet, einen Zwischenbericht vorlegen. Auf der Sitzung nahm der Ausschuß Berichte von Philip Trezise
(USA), Brookings Institution, und von Peter Dobell (Kanada) über Fortschritte
bei den Forschungsarbeiten entgegen, die sie im Auftrage des Ausschusses durchführen. Darnell Whitt (Vereinigte Staaten) und Anthony Hartley (Großbritannien)
sind Exekutivdirektoren für die Arbeiten des Ausschusses.
Weiter

�Weiter waren auf der zweiten Sitzung des Ausschusses anwesend: John
Peel, der erste Vizepräsident der Nordatlantischen Versammlung (London),
Dr. Curt Gasteyger, stellvertretender Generaldirektor des Atlantischen Instituts
(Paris), Brigadegeneral Kenneth Hunt, stellvertretender Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien (London), und Michael Plamer,
Direktor für Ausschüsse und Studien des Internationalen Sekretariats der Nordatlantischen Versammlung (Brüssel).
Die dritte Sitzung des Neuner-Ausschusses wird in Rand House, dem NiagaraInstitut für internationale Studien, Niagara-On-The-Lake, Ontario (Kanada) am
Samstag und Sonntag den 9. und 10. September 1972 stattfinden.

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NATIONALE VERIFIZIERUNG IM RAHMEN DER SALT-VEREINBARUNGEN
Von W. A. Swartworth

WASHINGTON --(AD)«- Ein Schlüsselelement der amerikanisch-sowjetischen Vereinbarungen über Nuklearwaffen - noch dazu eines, das leicht übersehen wird ist die beiderseitige Verpflichtung, nicht in die "nationalen technischen Mittel der Verifizierung" des Vertragspartners einzugreifen. Im wesentlichen bedeutet dies, daß sich beide Seiten verpflichtet haben, nichts gegen die Überwachungssatelliten des anderen zu unternehmen.
Selbstverständlich ist es die Satellitentechnik, durch die im Hinblick
auf das Problem der Verifizierung endlich Abstand zu der Sackgasse der
"Inspektion" gewonnen werden konnte. Die Vereinigten Staaten hatten darauf
bestanden, daß direkter Zugang zu sowjetischem Territorium Kernpunkt jeder
Vereinbarung über Rüstungskontrolle sei. Die Sowjetunion widersetzte sich
dem beharrlich.
Die Verifizierungsbestimmungen in den Moskauer Verträgen zeigen also,
wie technologische Veränderungen durch Wechselwirkung mit der politischen Willensbildung politische Abmachungen beeinflussen können.
Gerard

�Gerard C. Smith, Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung und Chefunterhändler der Vereinigten Staaten bei. den bilateralen Gesprächen über die Begrenzung der Strategischen Rüstung, bezeichnet das Versprechen der Nichteinmischung als eine "markante Verpflichtung ". Er verweist
ferner auf die "Verpflichtung, keine Verschleierungsmaßnahmen zu ergreifen",
um eine Verifizierung der Einhaltung der vertraglichen Abmachungen zu verhindern, und fügt hinzu: "Die Welt dürfte als Folge dieser eingegangenen Verpflichtungen offener geworden sein."
Die Beseitigung der Abgeschlossenheit ist in der Tat von wesentlicher
Bedeutung für die Durchsetzung der Abkommen über die Begrenzung strategischer
Waffen, die darauf abgestellt sind, defensive und offensive Nuklearraketen
zahlenmäßig zu beschränken. Offenbar ist keines der beiden Länder bereit
(bezw. könnte man von keinem der beiden Länder erwarten), sich in einer für das
Überleben der Nation so wichtigen Angelegenheit ausschließlich auf den vom andern zum Ausdruck gebrachten guten Willen zu verlassen.
In seiner Stellungnahme vor dem Militärausschuß des Senats Ende Juni hob
Gerard Smith besonders die Bedeutung hervor, die dem Problem der Verifizierung
zukomme. "Wir haben nicht zuvor Begrenzungen ausgearbeitet und dann geprüft,
ob die nationalen technischen Mittel für die Verifizierung ausreichen", erklärte er. "Wir orientierten die Begrenzungen an den Möglichkeiten der nationalen
technischen Mittel zur Verifizierung."
Dem technischen Fortschritt, der zunächst das Gespenst der nuklearen Vernichtung heraufbeschworen hatte, erkennt man heute eine zentrale Rolle in der
Förderung der Sache des Weltfriedens zu. Die Abkommen zur Rüstungskontrolle
bedeuten

eine zeitgemäße, vorteilhafte Verbindung von technischem Sachver-

stand und politischem Willen.
US-

-2-

�US-Verteidigungsminister Laird, der im vergangenen Monat vor dem Militärausschuß des Senats aussagte, bemerkte, daß "angemessene und wirksame Möglichkeiten der Verifizierung eine zwingende Notwendigkeit sind", und fuhr fort:
"Wir verfügen jetzt über derartige Möglichkeiten und schlagen eine mäßige Erhöhung der finanziellen Aufwendungen vor, um sicherzustellen, daß die Verifizierung mit nationalen Mitteln auch in Zukunft angemessen bleibt....".
Smith erklärte in seiner Stellungnahme vor dem Ausschuß, daß die Vereinbarungen die Schaffung einer gemeinsamen Beratungskommission vorsehen,die sich
mit der praktischen Ausführung der Übereinkünfte befaßt und auch Fragen der
Vertragserfüllung behandelt. "In den sowjetisch-amerikanischen Maßnahmen zur
Rüstungskontrolle stellt dies eine bemerkenswerte neue Entwicklung dar", erklärte er.
Charles Bray gab als Sprecher des Außenministeriums auf einer Pressekonferenz bekannt, daß eine Nachrichten-Sonderabteilung geschaffen worden sei, die
die Einhaltung der Vereinbarungen auf sowjetischer Seite zu überwachen habe.
Auf die Frage eines Journalisten antwortete er: "...Angesichts der Bedeutung
dieser Angelegenheit wäre die Regierung sehr darauf bedacht, sicherzustellen,
daß die Ergebnisse der Verifizierung mit technischen Mitteln in angemessener
Weise koordiniert und berücksichtigt werden."
Die Vereinbarungen bedeuten in Wahrheit die Anerkennung einer Konzeption,
die als "beiderseitige Verwundbarkeit" bezeichnet werden könnte. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion akzeptieren den Gedanken, daß garantierte
Selbstzerstörung im Falle eines Angriffes der anderen Seite die beste Abschreckung
gegen einen solchen Angriff darstellt. Somit ist garantiertes Spionieren eine
logische Folge und Begleiterscheinung.
Dies

-3-

�Dies alles liege im Interesse beider S u p e r m ä c h t e , sagt D r . Henry A.
K i s s i n g e r , der Berater Präsident Nixons in nationalen S i c h e r h e i t s f r a g e n . " E i n
einseitiger Versuch, sich auf strategischem Gebiet einen Vorteil zu v e r s c h a f f e n ,
w ä r e gleichbedeutend mit Selbstvernichtung", erklärte er vor
auf einer Sondersitzung.Die Regierung N i x o n befürworte "diese

Kongreßmitgliedern
Vereinbarungen

nicht auf einer Basis des V e r t r a u e n s , sondern auf der Basis eines w o h l v e r s t a n d e n e n Eigeninteresses beider S e i t e n . Dieses E i g e n i n t e r e s s e " , so fügte Kissinger
h i n z u , "wird durch die sorgfältig ausgearbeiteten Verifizierungsbestimmungen
A b k o m m e n noch bestärkt. Über die rechtlichen Verpflichtungen hinaus steht

im

für

beide S e i t e n bei allen (in M o s k a u ) unterzeichneten A b k o m m e n eine M e n g e auf dem
S p i e l , und beide haben großes Interesse an dem in Gang gesetzten breit

angeleg-

ten Prozeß einer Verbesserung der B e z i e h u n g e n . "
Präsident Nixon betonte in einem kürzlich in einer Zeitschrift v e r ö f f e n t lichten Artikel das in den Rüstungsvereinbarungen m a n i f e s t i e r t e

Eigeninteresse

mit folgenden W o r t e n : "In Wirklichkeit standen beide Seiten vor der W a h l , entw e d e r die R ü s t u n g zu begrenzen oder dem nuklearen W e t t r ü s t e n freien Lauf zu
lassen - und in einem solchen W e t t r e n n e n gäbe es k e i n e S i e g e r , sondern nur
Verlierer."

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DIE AMERIKANISCHEN HOCHSCHULEN SIND GESUND
-Eine Untersuchung der Carnegie-Kommission-

Von Howard Young

WASHINGTON --(AD)-- Die Universitäten und Colleges in den Vereinigten Staaten sind gesund und voller Leben. Nach Ansicht ihrer Studenten und Lehrkörper sind sie keinesfalls Hochburgen irrelevanter Wissensfächer, die unter
Belagerungsdruck stehen, sondern werden den Bedürfnissen der an ihnen Lernenden wie der an ihnen Lehrenden voll und ganz gerecht.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine umfassende Studie, die von der Carnegie-Kommission für Hochschulfragen durchgeführt und Ende Juni veröffentlicht wurde.
Die Kommission hat für ihre Untersuchungen die Interviews mit rund
170 000 Studenten niederer und höherer Semester sowie mit Mitgliedern der
Lehrkörper an über 300 akademischen Institutionen in den Vereinigten Staaten
herangezogen. Der Vorsitzende der Kommission, Clark Kerr, bezeichnete die
Studie als "den umfassendsten Überblick über die Meinung der Akademiker,
der bisher erarbeitet wurde."
Die

-1-

�Die Studie wurde in den Jahren 1969 und 1970 durchgeführt, zu einer Zeit
also, in der an den amerikanischen Hochschulen Symptome von Unruhe und Span,nungen zu beobachten waren. An der Untersuchung wirkten die Abteilung Erziehungswesen im HEW (Bundesministerium für Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialwesen) und der Amerikanische Rat für Erziehungsfragen mit.
Die Untersuchung, so erklärte die Kommission, "erbrachte einige überraschende Resultate - überraschend zumindest für diejenigen, die in den amerikanischen Hochschulen etwas wie Hexenkessel der Unzufriedenheit sehen."
Wie die Analysen der Kommission zeigten, waren die Unruhen an den Universitäten vielmehr eine Reaktion auf bestimmte inneramerikanische und internationale Ereignisse, nicht aber Ausdruck der Unzufriedenheit mit den
Hochschulinstitutionen als solchen. "Wir bestreiten das weitverbreitete Märchen, wonach das akademische Leben in den USA heute voll allgemeiner Unzufriedenheit ist und immer mehr Studenten und akademische Lehrer dies nicht länger
zu akzeptieren vermögen", so heißt es in dem Bericht.
"Wir würden mit ganz ähnlichen Resultaten rechnen können", so fährt der
Bericht fort, "wenn die Untersuchung heute durchgeführt würde... Das akademische Leben ist im wesentlichen gesund."
Der Bericht, der 175 Seiten umfaßt, ist der vierzehnte, den die Kommissio
seit ihrer Gründung im Jahre 1967 erstellt hat. Sein Titel lautet: "Reformen
an den Hochschulen: Andere Studenten, andere akademische Programme."
Um die allgemeine Einstellung der Studenten in den ersten Semestern herauszufinden, wurden 70 772 von ihnen gefragt: "Wie ist die Gesamtbewertung
Ihres Colleges?". Zwei von drei Befragten erklärten, sie wären "sehr zufrieden' oder"zufrieden". Rund 22 Prozent äußerten sich unentschieden, und nur
12 Prozent bekundeten Unzufriedenheit.
Eine

�Eine fast gleiche Mehrheit gab ihren Colleges diese ausgezeichneten Noten, als sie von dem unabhängigen, bekannten Gallup-Institut für Öffentliche
Meinungsforschung entsprechend befragt wurden. Bei einer Meinungsumfrage bei
1 092 Studenten an 57 amerikanischen Hochschulen, die das Gallup-Institut
1969 für die amerikanische Zeitschrift "Newsweek" durchgeführt hatte, gaben
68 Prozent der befragten Studenten den amerikanischen Universitäten die
Noten "gut" bis "ausgezeichnet".
Die Carnegie-Kommission stellte 39 963 Studenten in höheren Semestern
die Frage, ob sie der folgenden Erklärung zustimmen würden: "Ich bin im Grund
mit der Ausbildung,die ich erhalte, zufrieden". Darauf antworteten 77 Prozent
der Befragten mit voller Zustimmung, während 23 Prozent erklärten, sie könnten keinesfalls oder nur mit Vorbehalten zustimmen.
Um herauszufinden, welche Befriedigung die akademischen Lehrer in ihrem
Beruf finden, stellte die Kommission 60 028 Mitgliedern der Lehrkörper die
folgenden beiden Fragen: "Wenn Sie noch einmal ihre Berufswahl treffen könnten, würden Sie sich dann wieder für den Weg eines Universitätslehrers entscheiden?" und "Wie denken Sie ganz allgemein über diese Hochschule?". Auf
die erste Frage erklärten nur neun Prozent, daß sie sich "wahrscheinlich
nicht" oder "in keinem Falle" wieder für ihren Beruf entscheiden würden. Auch
auf die zweite Frage lautete die Antwort nur bei neun Prozent negativ, indem
sie erklärten, daß"die Hochschule kein Platz für mich ist".
Der Bericht der Carnegie-Kommission legte 20 Empfehlungen für Änderungen
in der Hochschulbildung vor, darunter Vorschläge zur Förderung einer größeren
Mannigfaltigkeit der Institutionen, stärkere Beteiligung der Studenten am
Hochschulbetrieb, bessere Möglichkeiten für Mitarbeit in der Gemeinschaft und
für die Arbeitspraxis der Studenten sowie eine erneut stärkere Betonung der
Lehre gegenüber der Forschung.
"Vor

�"Vor einem Jahrhundert", so heißt es in dem Bericht, "wurde die Hochschulausbildung 'modernisiert', um der neuen Rolle der Naturwissenschaften,dem
raschen industriellen Fortschritt der Nation und der rasch an Boden gewinnenden
Idee des Populismus Ausdruck zu geben. Nunmehr muß sie weitgehender und vollständiger 'humanisiert' werden im Sinne einer stärkeren Öffnung für immer
mehr junge Menschen und einer weitergehenden Anpassung an die individuellen
Besonderheiten und Talente ihrer Studenten."
Die Kommission hebt ferner in ihrem Bericht hervor, daß 95 Prozent der
Studenten in den ersten Semestern und 89 Prozent der Studenten höherer Semester
sowie 78 Prozent der Professoren dahingehend übereinstimmen, daß die Lehrbefähigung und nicht die Forschungstätigkeit das Hauptkriterium für den Aufstieg
der Hochschullehrer sein müsse. Die Mehrzahl der Studenten vertrat darüberhinaus die Auffassung, daß die Studenten bei der Beurteilung des Lehrkörpers
mitbeteiligt sein müßten , was - und das überrascht nicht - von der Mehrzahl
der Hochschullehrer abgelehnt wurde.
Ein großer Teil der Studenten und des Lehrkörpers war übereinstimmend der
Ansicht, daß die Vorlesungen und Übungen "relevanter, dem heutigen Leben und
seinen Problemen näher sein müßten". Sie stimmten auch darin überein, daß der
"emotionellen Entwicklung der Studenten" größere Beachtung geschenkt werden
müsse.
In zwei Fragen jedoch gingen die Ansichten der Studenten und der Mitglieder des Lehrkörpers weit auseinander. Von den Studenten in den ersten Semestern
erklärten 59 Prozent, daß das Stufensystem abgeschafft werden müßte, und
51 Prozent vertraten die Ansicht, daß sie das Recht haben müßten, alle ihre
Vorlesungen und Kurse selbst auszuwählen. Nur 33 Prozent der Professoren und
Dozenten sprachen sich für eine Abschaffung des Stufensystems und 19 Prozent
für Wahlfreiheit der Vorlesungen und Übungen aus.
"Wir fordern eine neue Periode beschleunigter Reformen", so heißt es in
dem Carnegie-Bericht abschließend, "selbst wenn die Mehrzahl der Studenten
erklärt, daß sie mit ihrer Ausbildung am College zufrieden sind oder sie doch
zumindest akzeptieren."
Es
-4-

�Es bestehe keine Notwendigkeit "zu revolutionären Umgestaltungen im akademischen Leben in den Vereinigten Staaten", so wird in dem Bericht weiter
betont, vielmehr "sehen wir dieses Jahrzehnt als eine Periode der Erneuerungen
an - als einen Zeitabschnitt, der ungewöhnliche Chancen bietet, um die Qualität
des akademischen Lebens zu verbessern, als eine Periode, in der die für Reformen freigewordene Energie mit dem ganzen Spektrum zur Verfügung stehender
Neuerungen kombiniert werden kann, um so lebendigere geistige Gemeinschaften
zu schaffen."

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28/1972

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSGESPRÄCHE
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)— Von den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
- die erste Sitzung der auf dem Moskauer Gipfeltreffen zwischen Präsident
Nixon und den sowjetischen Führern eingesetzten amerikanisch-sowjetischen
Handelskommission beginnt am 20. Juli in Moskau - erhofft sich die amerikanische Seite, daß noch vor Jahresende solider Fortschritt bei einer Reihe von
Fragen erzielt werden kann.
Allerdings ist es unwahrscheinlich, wie auch der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson am 10. Juli anläßlich der Bekanntgabe der Namen
der amerikanischen Mitglieder der Kommission betont hat, daß alle Fragen bereits auf einer Sitzung gelöst werden können. Vielmehr rechnet der amerikanische Handelsminister mit einer Reihe von Sitzungen, deren erste vom 20. Juli
bis etwa um den 1. August in der sowjetischen Hauptstadt stattfinden wird.
Peterson, der persönlich die amerikanische Delegation auf dieser Sitzung
führen wird, betrachtet die Arbeit der Kommission als einen fortdauernden Prozeß oder Mechanismus und nicht als einmalige Verhandlungen. Verläuft dieser
Prozeß erfolgreich, dann werden die Ergebnisse nicht auf einmal, sondern vielmehr in einer Reihe von Bekanntgaben veröffentlicht werden. Trotzdem ist
Peterson hoffnungsvoll, daß bis zum Jahresende ein Abkommen mit der Sowjetunion

-1-

�Sowjetunion über eine Begleichung der Pacht-und Leihschulden aus dem zweiten
Weltkrieg und ein allgemeines Handelsabkommen erreicht und daß von jedem der
beiden Länder Kredite zur Finanzierung der Exporte des anderen bereit gestellt
werden können. Auch Abkommen über beiderseitige Geschäftseinrichtungen, Schlichtung kommerzieller Streitigkeiten und Lizenzvereinbarungen sind nach Ansicht
von Peterson in diesem Jahre möglich, allerdings nicht sehr wahrscheinlich.
Weiter in der Zukunft liegen dagegen die so häufig erwähnten gemeinsamen Projekte zur Erschließung von Rohstoffen und anderen sowjetischen Produkten, die
für eine Weiterverarbeitung in den Vereinigten Staaten in Frage kommen. Dabei
wird auf die enorme Komplexität derartiger gemeinsamer Vorhaben amerikanischer
Privatunternehmen und der sowjetischen Regierung verwiesen.
Entscheidend für den Abschluß eines umfassenderen Handelsabkommens noch
in diesem Jahr ist allerdings eine Regelung der Pacht-und Leihschulden. Bisher
lagen die Auffassungen beider Seiten über die Höhe der anzusetzenden Schuldsumme
weit auseinander. Auch in seinem Gespräch mit der Presse am 10. Juli hat es
Peterson abgelehnt, irgendwelche Zahlen hinsichtlich der amerikanischen Vor Stellungen zu nennen.
Bisher haben die Vereinigten Staaten stets den Standpunkt vertreten, daß
diese alte Schuld geregelt sein muß, bevor neue Kreditvereinbarungen ausgehandelt werden können. Die Sowjetunion ihrerseits hat zu verstehen gegeben, daß
die Frage der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel geregelt sein muß, ehe
an eine Bereinigung der Pacht-und Leihschulden gegangen werden kann. Zur Zeit
unterliegen amerikanische Importe aus der Sowjetunion noch den Zöllen,die der
amerikanische Kongreß im Jahre 1930 beschlossen hatte, und die später von den
Vereinigten Staaten in Verhandlungen mit anderen Ländern vereinbarten Zollsenkungen finden auf diese Einfuhren keine Anwendung.
Für die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel an die Sowjetunion bedarf
es jedoch der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes durch den US-Kongreß. Und Präsident Nixon hat erklärt, daß er dem Kongreß erst ein zufrieden-

-2-

�zufriedenstellendes Paket kommerzieller Abkommen mit der Sowjetunion vorweisen
müsse,bevor ein solches Gesetz eingebracht werden könne.
Bereits zwei Tage vor dem Pressegespräch des amerikanischen Handelsministeriums war in Washington bekanntgegeben worden, daß die Sowjetunion in den
nächsten drei Jahren in den USA Getreide im Wert von wenigstens 750 Millionen
Dollar ankaufen wird. Kredite zur Finanzierung dieses Geschäfts sollen von einer
amerikanischen Regierungsstelle eingeräumt werden, wobei die Verzinsung mit
6,5 Prozent die gleiche wie bei entsprechenden Geschäften mit anderen Ländern
sein wird und die Rückzahlung innerhalb von drei Jahren erfolgen soll.
Ein Thema, das bei den abwechselnd in Moskau und in Washington geführten
amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen nicht erörtert werden wird, sind die
amerikanischen Exportkontrollen bei strategisch wichtigen Materialien. Die Liste
dieser Güter, die nicht nach der Sowjetunion ausgeführt werden dürfen, ist in den
letzten Jahren ohnehin schon ständig kleiner geworden, und diese Entwicklung
dürfte auch weiter anhalten. Handelsminister Peterson hat jedoch klar zu verstehen gegeben, daß es sich hier um einseitige Entscheidungen der USA - umgekehrt
auch der Sowjetunion - handele und solche Entscheidungen nicht Gegenstand eines
Handelsgeschäftes sein könnten.

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28/1972

ABFALLSCHÄDEN IN KÜSTENGEWÄSSERN
Bewohner des Meeresbodens besonders gefährdet

Von G.Weiss

--(AD)-- Eine erhebliche Dezimierung pflanzlicher und tierischer Organismen,die den Meeresboden bewohnen, stellte eine amerikanische Wissenschaftlergruppe in den Küstengewässern und im Schelfmeer zwischen New York und
Atlantic City fest. Im Auftrag des "Nationalen Dienstes für die Hochseefischerei" (Sandy Hook, New Jersey) führte sie zwei Jahre lang Untersuchungen
in diesem Gebiet des Westatlantik durch. In einem jetzt veröffentlichten
Bericht weisen die Forscher darauf hin, daß die Bodenflora und -fauna nicht
nur in bezug auf Populationsdichte, sondern auch auf die Vielfalt der Arten
reduziert sei. Der Grund: Die Bodenorganismen sind in weiten Gebieten unter
Halden von ausgebaggertem Material und Abwasserschlamm begraben, erhalten
zu wenig Sauerstoff und werden durch Schwermetalle aus Abwässern und Abfällen vergiftet.
Noch ist nicht ganz geklärt, welche Bedeutung die in dem genannten Gebiet lebenden Bodenbewohner für die Fischerei haben. Aber man weiß, daß

-l-

�daß z.B. wirbellose Tiere wie Muscheln, Krebse und Würmer wichtigen Nutzfischen,
vor allem Flundern, Schellfisch und Seebarsch, zur Nahrung dienen.
Gründliche Untersuchungen auf See wurden mit zahlreichen Experimenten im
Laboratorium kombiniert, um die Auswirkung der Meeresverschmutzung, speziell
der Abfallbeseitigung im Meer, auf Mikroorganismen und höher entwickelte Lebewesen bis zu den Nutzfischen zu erforschen. Außerdem versuchte man Schätzwerte
für die Konzentrationen von Kolibakterien, die gewöhnlich mit Fäkalien ins Meer
gelangen,und für die Verteilung von Schwermetallen wie Chrom, Kupfer, Blei,
Nickel und Zink im Schelfgebiet vor einem Teil der amerikanischen Atlantikküste
zu bekommen,und schließlich sollte die Frage der Bewegungsrichtungen von
Wassermassen näher untersucht werden.
Bei frei im Wasser treibenden Organismen (Zooplankton) und bei Fischen
fanden die Wissenschaftler Schäden nur in geringem Ausmaß und von kurzfristiger
Dauer. Die Bodenbewohner dagegen - auch große Krustentiere wie Langusten, Hummer
und Krabben, von denen man zahlreiche kranke Exemplare fand - sind eindeutig
gefährdet. An Stellen, wo Abwässer eingeleitet und Abfälle beseitigt werden,
wurden auffallend hohe Konzentrationen von Kolibakterien gefunden. Aus dem
Verteilungsschema solcher Mikroorganismen wie auch von Schwermetallen im oberen
Teil des unter Wasser weit in den Atlantik hinaus verlaufenden Hudson-Tales
kann geschlossen werden, daß die Abfallstoffe entlang der Achse dieser Unterwasserschlucht in immer größere Tiefe transportiert werden.
Dagegen zeigten Untersuchungen an Wasserproben von der Oberfläche und aus
oberflächennahen Schichten, daß sich unter bestimmten Wetterbedingungen große
Wassermengen auf Long Island und die Bucht von New York vom Meer her zubewegen.
Dies ist für die Wahl neuer Abfallplätze im Meer von Bedeutung. Allerdings liegen noch zu wenig Untersuchungsergebnisse vor, um endgültig sagen zu können,
daß es ratsamer sei, Abfälle außerhalb des Schelfmeeres in der Tiefsee zu

-2-

�zu versenken. Denn man weiß über die Ökologie und über langfristige Austauschund Mischungsvorgänge in diesen tiefen Gewässern einfach noch zu wenig.
Deshalb werden in dem Bericht - auch im Hinblick darauf, innerhalb der
Schelfzone besser geeignete "Abraumhalden"ausfindig au machen - weitere
Studien über lange Zeiträume und unter Einbeziehung größerer Gebiete empfohlen. Diese Projekte umfassen neue Untersuchungen mit bemannten Tauchbooten
wie ALVIN und DEEP STAR, die in Tiefen von 300 m bis 2 000 m abtauchen sollen.
Dr. Georg Keller von den "Atlantic Oceanographic and Meteorological
Laboratories" (AOML in Miami, Florida) will mit Hilfe des Forschungs-U-Boots
ALVIN klären, ob Unterwasserschluchten (z.B. der Hudson-Canyon) wie eine
Art Saugleitung für den Transport von Sedimenten und sinkfähigen Schmutzstoffen vom Kontinentalschelf zur Tief see wirken, und wie groß in einem solchen
Fall ihre Transportkapazität ist.
Im Rahmen dieser neuen Projekte wird auch Dr. Donald Swift (ebenfalls
AOML), der bei verschiedenen Tauchversuchen im Herbst 1971 zwischen zwei
großen Unterwasserschluchten im Westatlantik einschneidende Veränderungen der
Bodentopographie durch Sedimentverlagerungen unter der Einwirkung von Wind
und Stürmen an der Oberfläche festgestellt hatte, seine Untersuchungen fortsetzen. Durch weitere Expeditionen im Herbst 1972 und im nächsten Jahr sollen
die Transportgeschwindigkeit von Sedimenten am Meeresboden im Schelfgebiet
und die Ausbildung typischer, sanddünenähnlicher Rippelstrukturen ermittelt
werden. Für die geologische Forschung dürften Stellen von besonderem Interesse
seinwo am Meeresboden durch Wassererosion der nackte Fels zum Vorschein gekommen ist.
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HERZFUNKTIONEN IM COMPUTERMODELL

—(AD)-- Die Funktionen des menschlichen Herzens in mathematischer Sicht
demonstrierte kürzlich Dr. Reinhardt M. Rosenberg, Professor für angewandte
Mechanik an der Universität Kalifornien, vor Herzspezialisten auf dem
Interamerikanischen Kongreß für Kardiologie in Berkeley. Mit einer Gruppe
von Mitarbeitern hatte er ein Computermodell entwickelt, in dem alle nur
erdenklichen Vorgänge und Funktionen im Zusammenhang mit der Herztätigkeit
erfaßt sind. Mit Hilfe dieser Technik soll versucht werden, dem Arzt die
Diagnose von Herzerkrankungen und die Kontrolle bezw. die Beurteilung der
Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen zu erleichtern.
Sowohl die Herzströme als auch die Funktionen eines Elektrokardiographen,
mit dem Herzströme erfaßt und in der Form von

Meßkurven niedergeschrieben

werden, lassen sich mit dem Modell simulieren. Gegenwärtig ist die Anlage
so programmiert, daß bereits zahlreiche bekannte Fehl funktionen des Herzens
mit dem jeweils entsprechenden EKG "mit erstaunlicher Genauigkeit und im
Detail" dargestellt werden können. Aber das Experiment ist ausbaufähig und
soll sukzessive ausgeweitet werden. Prof. Rosenberg schätzt, daß in zwei
bis drei Jahren ein ausführlicher Katalog anomaler Elektrokardiogramme als

-l-

�1

als Handbuch veröffentlicht werden kann, das mit Hilfe des Computermodells
auch unter Einbeziehung überaus komplexer Herz-Fehlfunktionen ausgearbeitet
wird. Der Katalog soll den Ärzten bei der Auswertung von Elektrokardiogrammen,
die von Herzkranken aufgenommen werden, als Orientierungshilfe dienen. Später
könnten, so hofft Rosenberg, sämtliche Modell-Daten in eine nationale Datenbank einspeist werden, an die die Ärzte in diagnostisch schwierigen Fällen
EKG-Daten zur Auswertung weitergeben.
Das Modell Rosenbergs zeigt viele Aspekte der Herzstromtätigkeit auf,
die bisher noch nicht analysiert worden sind. Somit sei auch zu hoffen, daß
in einer Reihe von Fällen ein Kurvenverlauf beim EKG, der dem Arzt nicht bis
ins einzelne verständlich ist, doch interpretiert und mit bestimmten Funktionsstörungen in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden könne.

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LEZITHIN GEGEN GALLENSTEINE

--(AD)-- Eine an Cholesterol und Fett arme, jedoch an phosphorhaltigen
Lipoiden reiche Diät scheint zur erfolgreichen Behandlung von Gallensteinleiden geeignet zu sein. Dies berichtete Dr. Ronald K. Torapkins, Professor
der Chirurgie an der "School of Medicine" der Universität Kalifornien in
Los Angeles, der ein von der John A. Hartford-Stiftung (New York) mit
fast 100 000 Dollar dotiertes Projekt zur Erforschung neuer therapeutischer Möglichkeiten für Gallensteinleiden leitet.
In den Vereinigten Staaten sind schätzungsweise 15 bis 20 Millionen
Menschen von Gallensteinen geplagt. Durch Tierversuche konnte Dr. Tompkins
nachweisen, daß beispielsweise in der Gallenblase von Hunden,wo es nicht
zur Steinbildung kommt, ein hoher Anteil von Phosphatiden gegenüber
Cholesterol zu finden ist. Da beim Menschen die meisten Gallensteine aus
Cholesterol als Folge von biochemischen Veränderungen in der Galle gebildet werden, unternahm er den Versuch, das Verhältnis von Cholesterol zu
Phosphatiden durch entsprechende Nahrungszusätze zu verändern. Wichtigster
Faktor dieser Diät ist das Phosphatid Lezithin.
Auch

-1-

�Auch die Wirkung bestimmter Bakterien und Sexualhormone sowie die Auswirkung einer Unterbrechung einzelner Leitungsbahnen des Vagus-Nervs

auf

den Gallestoffwechsel werden untersucht. Damit hofft man wissenschaftlich
exaktes Beweismaterial zu Berichten zu erhalten, denen zufolge alle diese
Faktoren zu erhöhter Gallensteinbildung führen sollen.
Erkrankungen der Gallenblase rangieren in den USA an fünfter Stelle
bei stationärer Behandlung, die operative Entfernung von Gallensteinen an
dritter Stelle bei chirurgischen Eingriffen. Obgleich diese gewöhnlich erfolgreich verlaufen, wäre es bei Patienten bestimmter Altersgruppen oder
bei Komplikationen infolge zusätzlicher Erkrankungen und Stoffwechselstörungen oft wünschenswert, eine diätetische Therapie zur Verfügung zu haben
und auf die Operation verzichten zu können.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärungen von Außenminister Rogers in Athen, Bukarest, Budapest und Belgrad &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuner-Ausschuß erörtert Beziehungen USA-EWG &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Abschlußerklärung der Londoner-Tagung&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Verifizierung im Rahmen der SALT-Vereinbarungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von W.A. Swartworth&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Hochschulen sind gesund &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Untersuchung der Carnegie-Kommission - Von Howard Young&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanisch-sowjetischen Handelsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Abfallschäden in Küstengewässern &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herzfunktionen im Computermodell &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lezithin gegen Gallensteine</text>
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19. Juli 1972

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Inhalt
INFORMATION:
George S. McGovern-der Präsidentschaftskandidat der Demokraten
Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der DemokratenDie nordvietnamesischen Deich-und Schleusensysteme sind kein Ziel
amerikanischer Bombenangriffe
Von Marion D. Joyce

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:

US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt in den siebziger Jahren
Astronomie-Satellit "Copernicus"
Flugzeug mit ungleichen Tragflächen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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GEORGE S.MCGOVERN - DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT
DER DEMOKRATEN

MIAMI BEACH --(AD)-- Senator Dr. George Stanley McGovern, der Außenseiter
aus dem Staate Süddakota, hat mit seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei für die am 7. November 1972 in den
USA stattfindenden Präsidentschaftswahlen alle Voraussagen derer Lügen gestraft, die ihm jede Chance absprachen. Bereits im ersten Wahlgang konnte
der Senator auf dem Parteikonvent in der Nacht zum 13. Juli 1 864 Delegiertenstimmen auf sich vereinigen - mindestens 1 509 Stimmen waren für die
Nominierung erforderlich.
McGovern gilt als einer der führenden Köpfe des liberalen Flügels der
Demokratischen Partei, der sich nicht scheut, auch unorthodoxe Ideen zu vertreten. Er möchte Amerika - und hier schlägt er geradezu konservative Töne
an - zu den Idealen der Gründungsdokumente des amerikanischen Staates zurückführen: die Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung und die Bill of
Rights. Er tritt ferner für eine umgehende Beendigung des Krieges in Vietnam
und einen amerikanischen Truppenabzug ein und will lediglich solange einige
Truppen in Südostasien belassen, bis alle amerikanischen Kriegsgefangenen
freigelassen worden sind.
George

-1-

�George S. McGovern wurde am 19. Juli 1922 in Avon, einem Dort in Süddakota,
als Sohn eines M

'

pi :rrers geboren. Schon in frühester Jugend lernte er

die Probleme aet verarmten Farmer seiner Heimat kennen, denn der Lebensunterhalt der Familie wurde zum größten Teil mit von Gemeindemitgliedern gespendeten
Naturalien b&lt; ti tten.
Sein « M schiedenes Eintreten für den Frieden rührt.

inen Erfahrungen

während des Krieges her. Als Boraberpilot flog er 35 Einsätze über Nordatrika
und Europa. Als seine Maschine bei seinem 30. Einsatz über Wien getroffen
und er verwundet wurde, gelang ihm eine Notlandung aul der Adriainsel Viz,für
die ihm später das Distinguished Flying Gross verliehen wurde.
Im Jahre 1945 erwarb George McGovern den Grad eines Bachelor of Arts an
der Dakota Wesleyan-Universität. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit siedelte der
heutige Senator nach Evanston, Illinois, über, wo er 1949 an der dortigen
Northwestern-Universität das Magister-Examen ablegte und 1953 zum Dr. phil.
promovierte.
Nachdem der Professor für Geschichte, und Politologie drei Jahre die Geschäfte der Demokratischen Partei Süddakotas geführt hatte, wurde McGovern als
Abgeordneter - der erste demokratische Abgeordnete, den dieser Bundesstaat nach
20 Jahren wieder nach Washington entsandte - in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Sein erster Versuch im Jahre 1960, sich für einen Sitz im Senat zu qualifizieren, scheiterte, aber der zweite Anlauf zwei Jahre später gelang, nachdem er sich bereits als Leiter des "Lebensmittel-für-den-Frieden;,-Programms
der Regierung zur Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsgebieten der Welt
einen Namen gemacht hatte. Damals bezeichnete ihn Präsident Kennedy als "einen
tatkräftigen und klugen" Politiker, der sich "durch seine hervorragende Kenntnis landwirtschaftlicher Probleme und sein Verständnis für die Belange der
sozial Benachteiligten der Welt" ausgezeichnet habe.
Im

-2-

�Im Senat ist McGovern bekannt für seine unabhängigen Ansichten und seine
feste Haltung ohne Rücksicht auf Mehrheitsauffassungen oder politische Konsequenzen. So sagt er von sich: "Ich kann harten Fragen fest ins Auge sehen.
Meines Erachtens muß ein Kandidat beweisen können, daß er zu seinen Auffassungen steht." Und er selbst hat nicht gezögert, zu unpopulären Maßnahmen zu
stehen, wenn er sie für richtig hielt.
Schon 1968 bewarb sich McGovern - allerdings erfolglos - um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei, gewann dann

allerdings die

Wiederwahl in den Senat. Und als er im Januar 1971 als erster Politiker der
Demokraten bereits Öffentlich bekanntgab, daß er sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bei den nächsten Wahlen bewerben werde, wurde sein
Entschluß vielerorts nur belächelt. Doch McGovern verfolgte sein Ziel ganz
konsequent, und es gelang ihm, in zehn von 2.3 Vorwahlen als Sieger hervorzugehen und schon vor dem Parteikonvent, mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen auf sich zu vereinigen.
McGovern setzte sich bereits 1963 für die Anti-Kriegsbewegung ein,als
diese noch in ihren Anfängen war, und seitdem hat er immer wieder die Beendigung des Vietnam-Krieges und den Abzug der amerikanischen Truppen gefordert.
Auch sein Eintreten für bessere Beziehungen zu Peking, heute ein wichtiges Anliegen

der amerikanischen Politik, ist alt. Schon vor 20 Jahren hat sich

McGovern zum Fürsprecher einer Anerkennung der Volksrepublik China als einzige
legitime Vertreterin des chinesischen Volkes und ihrer Aufnahme in die Vereinten Nationen gemacht. Und in seinem Wahlfeldzug hat er immer wieder die alte
Forderung wiederholt, daß der Handel mit dem chinesischen Festland auf die
gleiche Basis wie der Handel mit der Sowjetunion gestellt werden sollte. Was
die Umstellung der amerikanischen Wirtschaft von einer Kriegs-auf eine Friedensbasis anbetrifft, so kann der Senator aus Süddakota auf die von ihm 1963

-3

�1963 eingebrachte Gesetzesvorlage verweisen, in der erstmalig die Unterstützung
des Übergangs zu einer Friedenswirtschaft der Vollbeschäftigung gefordert worden war. Ein ähnlicher Entwurf war dann 1970 erneut eingebracht worden. Und
als erster Senator hat McGovern einen von der Bundesregierung garantierten Arbeitsplatz für jeden Amerikaner gefordert, der arbeiten will. McGovern setzt
sich auch energisch für die Gleichberechtigung der Frauen ein, denen vermehrte
Aufstiegsmöglichkeiten bis in höchste Regierungsämter, ja sogar eine Vertretung
im Kabinett eingeräumt werden sollten.

Und er fordert einen verstärkten Schutz

der Umwelt und nachdrücklicheres Vorgehen gegen jegliche Verschmutzung. Zu den
derzeitigen Kontrollen von Preisen und Löhnen sagt McGovern, daß er solche bereits als erster Senator gefordert habe, um die inflationistische Spirale zu
brechen.
George S.McGovern ist seit 1943 mit Eleanor Stegeberg verheiratet; aus
dieser Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen.

-4-

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29/1972

THOMAS EAGLETON: JUNG, LIBERAL UND DYNAMISCH
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten-

MIAMI BEACH --(AD)-- Thomas Francis Eagleton, der diesjährige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten, ist ein relativ neuer Mann auf der politischen Bühne der Vereinigten Staaten. Jung, liberal und ehrgeizig, gilt er
als eine Art Wunderknabe im politischen Leben seines Heimatstaates Missouri.
Wahlniederlagen sind ihm fremd, und seine Laufbahn im öffentlichen Leben wird
durch eine Reihe bemerkenswerter Erfolge gekennzeichnet: mit 26 Jahren der
jüngste Kreisstaatsanwalt von St.Louis, mit 30 Jahren der jüngste Justizminister des Staates Missouri und mit 34 Jahren der jüngste stellvertretende
Gouverneur seines Heimatstaates. Mit 39 Jahren wurde er in den amerikanischen
Senat gewählt.
Heute, im Alter von 42 Jahren, weist sein Haar zwar die ersten grauen
Strähnen auf, doch ist er in den Augen seiner Anhänger noch immer der junge
dynamische. Mann von einst. Er ist liberaler als der Durchschnitt seiner Wähler,
weiß seine Wahlkampagnen energisch zu führen und gilt als geschickter Politiker.
Als

-1-

�Als Eagleton von seiner Wahl zum Vizepräsidentschaftskandidaten seiner Partei hörte, nannte er selbst die Gründe für seine Nominierung: Er ist relativ
jung, katholisch, kommt aus einem vorwiegend durch Städte geprägten Bundesstaat
und verfügt über gute Beziehungen zu den Gewerkschaften. Damit ergänzt er nach
Ansicht vieler politischer Beobachter den Präsidentschaftskandidaten seiner
Partei, Senator McGovern, der Protestant ist, aus einem vorwiegend ländlichen
Staat (Süddakota) stammt und gewisse Schwierigkeiten mit den Gewerkschaften hat.
Tom Eagleton wurde am 4. September 1929 in St. Louis als Sohn eines bekannten republikanischen Anwalts geboren, der später der Demokratischen Partei beitrat. Er besuchte das Amherst College und absolvierte dann ein juristisches Studium an der Harvard-Universität; beide Male legte er seine Abschlußprüfungen
"cum laude" ab. Zwischenzeitlich diente er bei der amerikanischen Marine. Seit
1955 im öffentlichen Dienst seines Staates, bewarb er sich 1968 um den Posten
eines Senators von Missouri, schlug zwei demokratische Gegner bei den Vorwahlen
und besiegte dann bei der eigentlichen Wahl seinen republikanischen Opponenten.
In Washington konzentrierte er sich auf die Kürzung der Militärausgaben,
auf die Wahlreform und auf Fragen der Städtesanierung. Er sprach sich gegen die
Vietnampolitik der Nixon-Administration aus, gilt als Gegner des Raketenabwehrsystems und tritt für eine stärkere Aufteilung der Regierungseinnahmen auf die
Bundesstaaten ein. Eagleton ist ein Verfechter von Gewerkschafts-und Verbraucherfragen, hatte wesentlichen Anteil an der Verabschiedung des Gesetzes zur Luftreinhaltung aus dem Jahre 1970 und befürwortete schon sehr früh Lohn-und Preiskontrollen

zur Eindämmung der Inflation. Er unterstützt ferner die von Sena-

tor John Stennis aus dem Staate Mississippi eingebrachte und vom Senat bereits
verabschiedete Vorlage,die eine Einschränkung der Vollmachten des Präsidenten bei
einer Entsendung amerikanischer Truppen ins Ausland vorsieht.
Eagleton

�Eagleton ist mit Barbara Ann Smith verheiratet; sie haben zwei Kinder:
Terrence (13) und Christin (10)-.

++++

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne einePortraitaufnähme von Thomas
Eagleton zur Verfügung.

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29/1972

DIE NORDVIETNAMESISCHEN DEICH-UND SCHLEUSENSYSTEME SIND
KEIN ZIEL AMERIKANISCHER BOMBENANGRIFFE
Von Marion D. Joyce
WASHINGTON --(AD)-- Ein planmäßiger Angriff auf das umfassende System von
Dämmen, Schleusen und Deichen in Nordvietnam, die das Land während der Regenzeit vor Überschwemmung schützen und in der Trockenzeit die Bewässerung der
Felder sichern, ist von maßgeblichen amerikanischen Kommandostellen - in
Vietnam oder in Washington - niemals in Erwägung gezogen worden.
Von offizieller amerikanischer Seite ist der Gedanke an einen solchen
Angriff sowohl aus humanitären als auch aus praktischen Gründen stets verworfen
worden. Seit Beginn des Vietnamkrieges hat sich die Regierung in Washington
ständig darum bemüht, die Verluste unter der Zivilbevölkerung so niedrig wie
nur möglich zu halten.
Wie von amtlicher amerikanischer Seite hierzu erklärt wird, wäre der
entschlossene Versuch, das ausgedehnte Damm-und Schleusensystem in Nordvietnam
durch Luftangriffe zu zerstören, eine Aufgabe, die einen ungeheuren Materialund Kräfteaufwand erforderte. Jeder derartige Versuch wäre aber außerdem ein
direkter Verstoß gegen die vom Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte
erlassenen Befehle.

-l-

�So erklärte Präsident Nixon noch am 29. Juni auf seiner Pressekonferenz
mit allem Nachdruck, daß die "Vereinigten Staaten sich bei ihren Bombardierungen größte Zurückhaltung auferlegt haben - und, wie ich glaube, war das auch
durchaus richtig."
"Wir haben versucht", so fuhr der Präsident fort, "ausschließlich militärische Ziele anzugreifen, und wir haben die militärischen Ziele auch getroffen.
Unsere Piloten haben den Befehl, keine Deiche zu bombardieren, weil die Folgen
solcher Angriffe für die Zivilbevölkerung ungeheuerlich sein würden. Was unsere militärischen Aktionen für die Zukunft anbetrifft, so gelten diese Befehle
auch weiterhin. Ich werde es nicht zulassen, daß militärische Befehle ergehen,
die der Zivilbevölkerung große Verluste zufügen könnten - soweit das irgendwie
zu vermeiden ist.Ausschließlich militärische Ziele werden angegriffen werden."
Wie von militärischer Seite hierzu erklärt wurde, sind im Verlaufe der
Kämpfe zur Unterbindung der Verbindungswege in Nordvietnam sowie der Eisenbahn-und Straßenlinien nach dem kommunistischen China zweifellos einzelne
Damm-und Schleusenanlagen durch Bomben und Raketenbeschuß aus der Luft getroffen
worden.
Einige der Deiche dienen gleichzeitig als Straße oder Eisenbahndämme,
und sofern militärische Konvois auf ihnen Agriffsziel der amerikanischen Luftwaffe sind, ist es oft unvermeidlich, daß diese Anlagen beschädigt werden.
Wie ein Sprecher des Pentagon hierzu bemerkt, werden gerade die Deiche in
Nordvietnam von den Kommunisten oft benutzt, um ihre Flugzeugabwehrgeschütze
und Raketenanlagen in günstige Feuerstellungen zu bringen. Die amerikanischen
Piloten sind verständlicherweise berechtigt, solche Stellungen anzugreifen
- sofern sie sich nicht in dicht bevölkerten Gebieten befinden -, und bei derartigen Angriffen kann es geschehen, daß die Deiche und Dämme selbst Schaden
leiden.
Solche

�•

Solche Fälle seien jedoch die Ausnahme und nicht die Regel, so betont der
Sprecher des Pentagon. In diesem Zusammenhang wird auf das vom amerikanischen
Verteidigungsministerium am 15. Juni veröffentlichte Bildmaterial verwiesen,
das die Zerstörungen an einem nordvietnamesischen Wasserkraftwerk nach einem
amerikanischen Luftangriff zeigt.
Das Kraftwerk liegt rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Hanoi. Bei
dem ersten Angriff wurde das Schutzdach des Kraftwerkes zerstört. Die zweite
Bomberwelle brachte ihre Bomben mit höchster Genauigkeit in die entscheidenden
Ziele - den Turbinenraum, die Schaltanlagen und andere Schwerpunkte - wobei
diese gänzlich zerstört wurden.
Wie genau die durch Laserstrahl geführten Bomben

in ihr Ziel kommen, wird

aus der Tatsache deutlich, daß das Elektrizitätswerk völlig zerstört wurde,
während ein in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks gelegener Damm unversehrt
blieb.
Nach Ansicht des Pentagon gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Behauptung Hanois, daß die amerikanische Luftwaffe bewußt die Dämme und Deiche
in Nordvietnam angreife. "Hanoi11, so erklärt ein General der US-Air Force,
"versucht uns - ähnlich wie im Jahre 1968 - unter Druck zu setzen und auf diese
Weise einen neuen Bombardierungsstopp zu erreichen."
Verteidigungsminister Laird stellte hierzu fest, daß Hanoi noch schlimmere
Überschwemmungen als 1971 befürchtet und sein eigenes Versagen, die Deiche in
Stand zu halten und Schäden noch vor dem Höhepunkt der Regenzeit im August und
September zu beseitigen, verdecken will. Dabei wird von amerikanischer Seite
darauf hingewiesen, daß Hanoi die hierfür benötigten Arbeitskräfte für andere
Aufgaben eingesetzt hat. Große Gebiete mit Ackerland müssen neu kultiviert
werden, Straßen-und Eisenbahnnetze müssen repariert werden, und diesen Aufgaben wird nach amerikanischen Informationen größere Priorität eingeräumt als
dem Deichbau. Und hierzu kommt noch der Bedarf der Streitkräfte an jungen

-3-

�jungen Soldaten für die Invasion Südvietnams. Im Oktober 1971s als Nordvietnam
von der schwersten Überschwemmung seit fast einem Jahrhundert heimgesucht
worden war, wurden trotzdem beträchtliche Zahlen von Arbeitskräften für den
Straßenbau im westlichen Teil der entmilitarisierten Zone und für die Instandhaltung des Ho-tschi-Minh-Pfades abgezweigt. Besser für Nordvietnam wäre es gewesen, so meint US-Botschafter Porter bei den Gesprächen in Paris, wenn diese
Arbeitskräfte und Materialien für die Wiederinstandsetzung der von den Fluten
beschädigten Deichsysteme eingesetzt worden wären. Die jetzt bevorstehende Regenzeit, die meistens von drei bis fünf Wirbelstürmen begleitet wird, bereitet
den nordvietnamesischen Führern mit Recht ernste Sorge. So warnt die offizielle Zeitung "Hanoi Moi" in ihrer Ausgabe vom 20. Juni, daß die nach der Überschwemmung von 1971 wiederhergestellten Dämme vielfach noch nicht den technischen Voraussetzungen entsprechen. Sie seien zu schwach, nicht hoch genug und
teilweise voll Termitenkolonien. Das Blatt wendet sich an jeden einzelnen Bürger, sich aktiv für die Reparaturarbeiten zur Verfügung zu stellen,,
Offizielle Statistiken gibt es für das nordvietnamesische Deichsystem
nicht, das 1954 eine Länge von über 2 500 Kilometern hatte und seitdem noch erheblich ausgebaut worden ist. Einige der Deiche sind 25 bis 30 Meter breit,
so daß zweispurige Straßen auf ihnen angelegt werden können,die dann vielfach
von Flugabwehrbatterien geschützt werden. Häufig sind auch Erdölleitungen auf
den Deichen verlegt, die ebenfalls ein militärisches Ziel darstellen. "Wenn die
Nordvietnamesen die Sicherheit ihrer Deiche gewährleistet sehen wollen, dann
sollten sie alle militärischen Ziele von ihnen entfernen", so wird von seiten
des Pentagon betont. Und der Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium,
Daniel Z.Henkin,stellt fest, daß Nordvietnam selbst die Voraussetzungen geschaffen habe, um den amerikanischen Bombenangriffen die Schuld für etwaige Überschwemmungen

zuschieben zu können.
Schon

�Schon am 28. Mai hatte "Hanoi Moi" betont, daß die Deiche trotz umfassender Wiederinstandsetzungsarbeiten in diesem Jahr, um die Schäden der Überschwemmung von 1971 zu beseitigen, immer noch in schlechter Verfassung seien,."Wir
dürfen daher bis zur Regenzeit in unserer Wachsamkeit nicht im geringsten nachlassen und müssen die laufenden Arbeiten vordringlich zum Abschluß bringen", so
schreibt das Blatt weiter. "Zahlreiche Teilstücke,die erst kürzlich instand
gesetzt worden waren, haben die Abnahmeprüfungen nicht bestanden, die Erde hat
sich nicht genügend gesetzt, und wenn der Fluß aufgrund starker Niederschläge
anschwillt, dürften sie wieder beschädigt werden. Andere Stücke könnten brechen,
weil das Erdreich nicht ausreichend verdichtet worden ist."

I II II

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29/1972

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PORTER AUF DER PARISER VIETNAMKONFERENZ

-Wortlaut-

PARIS --(AD)-- Nach rund zehnwöchiger Unterbrechung sind am 13. Juli in
Paris die Vietnamgespräche wieder aufgenommen worden. Es war die 150. Vollsitzung der Konferenz. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter William
J. Porter,gab eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Meine Damen und Herren,
wir sind heute zu einem ganz bestimmten Zweck hierher gekommen: um
mit Ihnen die Möglichkeiten für den Beginn ernsthafter und konstruktiver
Verhandlungen über eine Beilegung des Vietnamkonfliktes zu sondieren. Wir
hoffen, daß auch Ihre Seite von den gleichen Überlegungen geleitet wird und
daß wir gemeinsam zu einer intensiven Prüfung der konkreten Fragen gelangen
können.
Seit der letzten Vollsitzung sind durch Verhandlungen in verschiedenen
Teilen der Welt bemerkenswerte Beiträge zum Frieden geleistet worden. Am
4. Juli verpflichteten sich die Republik Korea und die Demokratische Volksrepublik Korea, ihre künftigen Beziehungen auf "friedlichem Wege und nicht
durch die Anwendung von Gewalt gegeneinander" zu regeln.

Inzwischen sind

weitere Fortschritte bei der Schaffung freundlicherer Beziehungen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik

�Republik erzielt worden. Diese Entwicklungen waren das Ergebnis von Verhandlungen, die der Bundeskanzler als einen Beweis dafür bezeichnet hat, daß es trotz
der bestehenden Gegensätze möglich sei, zu praktischen Vereinbarungen zu gelangen, die die besondere Situation in Deutschland berücksichtigen und geeignet
seien, die Spannungen und Reibungsflächen zu vermindern. Am 29. Mai bekundeten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihren "Wunsch,die friedlichen Beziehungen zueinander zu stärken", in voller Erkenntnis der "Notwendigkeit, Beziehungen zu schaffen, die eine Verminderung der Spannungen in der Welt fördern".
Die beiden Länder erklärten ihre Bereitschaft, "zu verhandeln und ihre Differenzen durch friedliche Mittel beizulegen".
Dies sind überaus ermutigende Entwicklungen. Ohne in irgendeiner Weise
die außerordentliche Komplexität des Vietnamproblems zu unterschätzen, halten
wir es für möglich, daß hier bei diesen Gesprächen eine Parallele gefunden werden kann. Auf jeden Fall lenken wir Ihre Aufmerksamkeit auf eine weitere Entwicklung bei der Suche nach Frieden, die sich seit der letzten Vollsitzung
vollzogen hat.
Am 8. Mai schlug Präsident Nixon in Übereinstimmung mit der Regierung der
Republik Vietnam gerechte und großzügige Bedingungen vor, die die Grundlage für
eine für beide Seiten vorteilhafte Regelung auf dem Verhandlungswege bieten
könnten. Die Regierung/der Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam haben
in der Tat eine lange Reihe konstruktiver Vorschläge unterbreitet. Die Vorschläge vom 8. Mai sind unserer Ansicht nach jedoch ihres klaren und großzügigen Inhalts wegen besonders bemerkenswert.
Wie Sie wissen, sehen diese Vorschläge folgendes vor: erstens, die Rückkehr aller amerikanischen Kriegsgefangenen sowie Angaben über die Vermißten;
zweitens, eine Waffenruhe unter internationaler Überwachung für ganz Indochina; .drittens werden die Vereinigten Staaten, sobald Punkt eins und zwei erfüllt
worden sind, jegliche Gewaltanwendung in ganz Indochina einstellen; schließlich erklärte der Präsident, daß wir dann den völligen Abzug aller amerikani-

�amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten einleiten
werden.
Diese Vorschläge würden das Töten beenden. Sie würden Verhandlungen über
eine politische Lösung zwischen den Vietnamesen selbst gestatten und zwar in Übereinstimmung mit dem Grundsatz, daß über die politische Zukunft Südvietnams vom
südvietnamesischen Volk selbst ohne Einmischung von außen bestimmt wird. Sie
würden es ermöglichen, daß alle Länder, die in diesem langen Krieg gelitten haben - Kambodscha, Laos, Nordvietnam,Südvietnam - mit der dringenden Aufgabe des
friedlichen Wiederaufbaus und der Aussöhnung beginnen könnten. Wenn diese Vorschläge nicht zufriedenstellend sind, was ist dann falsch an ihnen?
Ist es denn denkbar, daß irgendjemand die Fortsetzung des gegenwärtigen
Krieges in Nord-und Südvietnam der Möglichkeit für eine ehrenhafte Lösung des
Konfliktes vorziehen würde, die diese Vorschläge bieten?
Kurzum, diese Vorschläge verdienen Ihre umfassende und abgewogene Prüfung.
Wir unsererseits werden den von Ihnen vorgebrachten Ansichten sowie irgendwelchen einleitenden Fragen, die Sie vielleicht zu unseren Vorschlägen stellen wollen, bevor Sie Ihre Ansichten darlegen, die größte Aufmerksamkeit schenken. Wir
sind ebenfalls voll und ganz bereit, auch jede andere Frage zu behandeln, die
Sie vielleicht für eine eingehende Erörterung hier aufwerfen.
Meine Damen und Herren, unserer Meinung nach ist eine beiderseitige Prüfung
unserer jeweiligen Standpunkte, ein ernsthafter und systematischer Dialog über
die substantiellen Fragen der Weg, um hier Fortschritte zu erzielen.

1111 i n i

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29/1972

US-ZOLLKOMMISSION: OSTEUROPAISCHE LANDER SOLLEN EBENFALLS ZOLLKONZESSIONEN GEWÄHREN

WASHINGTON — ( A D ) - - Osteuropäische Länder, die von den Vereinigten Staaten
Gewährung der Meistbegünstigungsklausel verlangten, sollten aufgefordert werden, ihrerseits hierfür ebenfalls gewisse Zollkonzessionen einzuräumen.

Dies geht aus einer von Experten der amerikanischen Zollkommission erstellten Studie hervor, in der auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, daß
diese Länder möglicherweise an Stelle oder zusätzlich zur .Gewährung der
Meistbegünstigungsklausel an die USA noch zu weniger orthodoxen Konzessionen
greifen müssen. In der unter der Leitung von Anton Malish erstellten Studie
"Der amerikanische Osteuropahandel" wird darauf hingewiesen, daß die darin
enthaltenen Empfehlungen nicht zwangsläufig auch die Ansichten der Zollkommission wiedergeben.
Die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel an ein osteuropäisches Land
bedeutet, daß Importgüter aus diesem Land zu dem niedrigsten Zollsatz in die
USA eingeführt werden dürfen, der von den Vereinigten Staaten irgendeinem Lande
eingeräumt wird. Zur Zeit müssen Waren aus den osteuropäischen Ländern,Polen
ausgenommen, zu den hohen Sätzen des vom US-Kongreß 1930 beschlossenen Zolltarifs verzollt werden.
Räumt

�Räumt ein Land einem anderen die Meistbegünstigungsklausel ein, so erwartet
es von diesem eine gleiche Vergünstigung. Die Studie hat jedoch festgestellt, daß
die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für amerikanische Waren durch die
osteuropäischen Länder den Zugang amerikanischer Exporte auf den betreffenden
Markt nur wenig erleichtern würde. Da die Handelsbeziehungen in diesen Ländern
fast ausschließlich eine Angelegenheit des Staates sind, könnten Vergünstigungen
aufgrund der Meistbegünstigungsklausel durch andere staatliche Kontrollen zunichtegemacht werden.
Die Studie zählt unter anderem folgende Konzessionen auf,die die osteuropäischen Regierungen einräumten könnten:
-- Kaufverpflichtungen seitens der osteuropäischen Länder, die sich damit
bereiterklären, während der Laufzeit der Verträge amerikanische Exportgüter mindestens bis zu einem bestimmten Betrag abzunehmen;
-- Preisklauseln, wonach die amerikanischen Exportgüter in diesem osteuropäischen Land zu einem bestimmten Preis und in Mengen verkauft werden,
die die Nachfrage zu diesem Preis deckt;
-= Schutz der industriellen Rechte und Fertigungsverfahren, so daß amerikanische Patente und Warenzeichen geschützt bleiben;
-- Beilegung von Handelsstreitigkeiten auf dem Schlichtungswege in einem
dritten Land oder durch ein internationales Tribunal und nicht durch
eine osteuropäische Handelskammer, die letztlich doch Teil des Handelsministeriums dieses Landes ist;
-- Förderung des Reiseverkehrs und des Kulturaustausches in beiden Richtungen.
Die

�i
&lt;

Die Vereinigten Staaten haben in der Vergangenheit bereits verschiedene
Schritte zur Liberalisierung des Handels mit den kommunistischen Ländern gemacht.
1971 wurde zum Beispiel die Forderung fallen gelassen, daß 5o Prozent der Getreidelieferungen auf amerikanischen Schiffen befördert werden müssen. Dann wurde
das Handelsembargo gegenüber der Volksrepublik China aufgehoben. Weiter erhielt
Polen die Meistbegünstigungsklausel von den USA eingeräumt. Ein entsprechendes
Gesetz, diese Vergünstigung auch anderen kommunistischen Ländern einzuräumen
oder dem amerikanischen Präsidenten entsprechende Vollmachten zu geben, muß noch
den Kongreß passieren .
Im Jahre 1970 entfielen 45 Prozent der USA-Exporte osteuropäischer Länder
mit einem Wert von 97 Millionen Dollar auf Polen., während die Ausfuhren der
Sowjetunion nach den USA 65 Millionen Dollar und die der Tschechoslowakei 23
Millionen Dollar ausmachten. Es liegen auch Hinweise dafür vor, daß die Sowjet'

union und andere osteuropäische Länder an einer Ausweitung des USA-Handels interessiert sind, wobei nicht nur wirtschaftliche, sondern in stärkerem Maße

,

noch politische Erwägungen mitspielen.
Präsident Nixon und andere führende Politiker der USA haben mit den Führern
der Volksrepublik China, der Sowjetunion und der osteuropäischen Länder 1972
Handelsfragen erörtert. Der frühere Handelsminister Stans war 1971 in der
Sowjetunion, und der jetzige US-Handelsminister Peter Peterson wird in der
nächsten Woche nach der Sowjetunion fliegen.
Nach Ansicht der Studie würde der Abschluß eines Abkommens über die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel mit einem oder mehreren kommunistischen
Ländern wichtige Auswirkungen haben. In der Sowjetunion könnte dies zu vermehrten Importen führen, und für andere osteuropäische Länder würde der Zugang zum
amerikanischen Markt erleichtert und als unmittelbare Folge davon der Handel
ausgeweitet werden. Aber auch die stabilisierende politische Wirkung einer Handelsausweitung sollte nicht unterschätzt werden. So hat die Sowjetunion erst in
diesen Tagen ein Abkommen über umfangreiche amerikanische Getreidelieferungen abgeschlossen und die Volksrepublik China verhandelt mit der US-Flugzeugindustrie
über etwaige Lieferungen in Höhe von vielen Millionen Dollar.
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US-RAUMFAHRT IN DEN SIEBZIGER JAHREN

--(AD)— Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit werden das bestimmende Element
im Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren sein,,
Dies betonte Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und
Raumfahrt (NASA). Er verweist gleichzeitig darauf, daß das Programm zwar im
Gegensatz zu den sechziger Jahren der Dramatik entbehre, aber nicht minder
interessante Entwicklungen und Ergebnisse verspreche.
Die finanziellen Aufwendungen seitens der amerikanischen Bundesregierung dürften im Durchschnitt bei etwas über drei Milliarden Dollar pro Jahr
liegen - das entspricht etwa der Hälfte dessen, was Mitte der sechziger Jahre
für die Raumfahrt ausgegeben wurde. Dies zeigt eine pragmatische Einstellung
zur Raumfahrt, bei der man sich auf Vorhaben konzentrieren wird, von denen
größtmöglicher Nutzen für die Allgemeinheit zu erwarten ist. Dennoch sind
weitgespannte Projekte, etwa ein Flug von Menschen zum Mars gegen Ende der
achtziger Jahre, nicht ad acta gelegt.
In den siebziger Jahren stehen im Zusammenhang mit der bemannten Raumfahrt
vier Hauptprojekte auf dem amerikanischen Programm:

1)

�1)

Auswertung der APOLLO-Flüge zum Mond unter allen nur erdenklichen

wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkten, was nach Meinung der Experten mindestens noch die Jahre bis 1980 in Anspruch nehmen wird.

2)

SKYLAB, die experimentelle Raumstation, die nach ihrem Start (vorgesehener

Termin: 30. April 1973) acht Monate lang in Betrieb gehalten wird und davon fünf
Monate drei Astronautengruppen als Aufenthalt dienen soll. Die Aufgaben der Besatzung umfassen u.a. die Durchführung von Experimenten, welche für Raumflugmedizin, Physiologie und Biologie von Bedeutung sind; die Astronauten beobachten
Sonne,Erde -jnd den erdnahen Raum und befassen sich mit einer Vielzahl technischer Versuche unter den speziellen Bedingungen der Schwerelosigkeit»
3)

Gemeinsamer Raumflug eines bemannten amerikanischen APOLLO-Raumschiffs

und eines sowjetischen SOJUS-Raumschiffs im Jahre 1975. In einem internationalen
Unternehmen,für das es noch keine Parallele gibt, sollen die beiden Fluggeräte
mit je zwei oder drei Mann Besatzung ein Rendezvous-und Koppelmanöver durchführen. Abgesehen von dem technischen Fortschritt, der mit der Verwirklichung des
Projekts beispielsweise in bezug auf künftige Möglichkeiten einer Rettung "gestrandeter" Astronauten aus dem Weltraum verbunden wäre, könnte es auch den Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung darstellen, von der alle Länder profitieren.

4) Wiederverwendbarer Raumtransporter - neuartiges Transportsystem zur Beförderung von Nutzlasten und von Personen, die keine Astronauten zu sein brauchen,
von der Erde zu einer Raumstation und zurück. Außerdem soll der Raumtransporter
als fliegende Abschußrampe für den Start von unbemannten Satelliten für Nachrichtenzwecke, Wetterbeobachtung etc. sowie als "orbitale Reparaturwerkstatt"
dienen. Dadurch würden die Startkosten für solche Geräte gegenüber den heute erforderlichen Aufwendungen drastisch verringert, und Satelliten auf Erdumlauf-

�i

Erdumlaufbahnen könnten inspiziert und notfalls repariert werden.

-PlanetenforschungIn der planetaren Forschung stehen die Nahbeobachtung der Planeten Jupiter, Venus und Merkur mit PIONIER-Sonden für 1973 und 1974 auf dem Programm.
Im Jahre 1976 soll eine unbemannte VIKING-Sonde ein Landegerät auf dem Mars absetzen, das als automatisches Laboratorium ausgerüstet ist und durch chemische
Analysen unmittelbar an der

Marsoberfläche auch die Existenz von Leben auf dem

Nachbarplaneten, falls es sich dort in irgendeiner Form entwickelt hat, nachweisen könnte.
Die Beobachtungen, die mit Hilfe der Erdforschungssatelliten ERTS möglich
werden, könnten im besonderen für Land-und Forstwirtschaft, Bodennutzung und
Raumordnung, Bergbau und Wasserwirtschaft von Nutzen sein. Mit Hilfe dieser
Satelliten wollen Wissenschaftler und Wirtschaftler zu einer umfassenden Bestandsaufnahme der natürlichen Reichtümer dieser Erde gelangen. Allgemein gesehen soll die Raumfahrt dazu dienen, die Erde besser und rationeller zu nutzen
als dies mit den heutigen Kenntnissen und Mitteln möglich ist.

H I H

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29/1972

ASTRONOMIE-SATELLIT "COPERNICUS"

--(AD)-- Zu Ehren des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus wird das US-Amt
für Luft-und Raumfahrt (NASA) dem nächsten Astronomie-Forschungssatelliten
vom Typ 0A0 den Namen COPERNICUS geben. Dies erklärte Dr. Edward E. David,
der Wissenschaftsberater Präsident Nixons und Direktor des Präsidialamtes
für Wissenschaft und Technik, anläßlich seines fünftägigen Besuches in
Warschau. Der Start des 2,2 Tonnen schweren Geräts mit einer ATLAS-CENTAURRakete ist für Anfang August 1972 vorgesehen.
Der Satellit ist u.a. mit einem 81-cm-Fernohr (Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Princeton) und einer Anzahl kleinerer Teleskope
(Experiment der Universität London, England) ausgerüstet. Er soll die Erde in
660 km Höhe umkreisen und vor allem ultraviolette Strahlung erfassen bezw.
Quellen dieser Strahlung im Universum ausfindig machen und beobachten. Die
Optik..wird vom Goddard-Raumflugzentrum der NASA in Greenbelt (Maryland) durch
Fernsteuerung bedient.
Der Start des neuen OAO-Satelliten bildet den wissenschaftlichen Auftakt
zum Kopernikus-Jahr. Dieses beginnt offiziell allerdings erst am 19. Februar

-l-

�»

Februar 1973. An diesem Tage jährt sich zum 500. Male der Geburtstag des
Begründers des heliozentrischen Weltbildes, der aus Thorn stammte, an den
Hohen Schulen von Krakau, Bologna, Padua und Ferrara Astronomie, Mathematik,
weltliches und geistliches Recht sowie Medizin studierte und als 70jähriger
in Frauenburg (Ostpreußen) starb.

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29/1971

FLUGZEUG MIT UNGLEICHEN TRAGFLÄCHEN
Neue Theorie zum Überschallflugzeug

--(AD)— Die Verwendung "anti-symmetrischer Tragflächen" hält Dr.R.T.Jones,
langjähriger Mitarbeiter des Arnes-Forschungszentrums der NASA (US-Amt für
Luft-und Raumfahrt) in Moffett Field (Kalifornien), für den Schlüssel zur
Lösung vieler Probleme des Überschallfluges. Bisherige Ergebnisse von Experimenten und Computerberechnungen bestärkten ihn in ssiner Überzeugung, daß
eine radikale Abkehr von der Tragflächen-Grundgeometrie die Lärmentwicklung
bei künftigen Überschall-Transportflugzeugen reduziere und ihren wirtschaftlicheren Betrieb ermögliche. Als "anti-symmetrisch" bezeichnet Dr. Jones
eine durchgehende Doppeltragfläche, die um ihren Mittelpunkt über dem Flugzeugrumpf drehbar ist.
Beim Start von einer Rollbahn mittlerer Länge sollen die Tragflächen wie
bei einem langsamen Propellerflugzeug rechtwinklig zum Rumpf angestellt sein.
Ein Flugzeug dieser Konfiguration benötigt nur den vierten Teil der Energie,
die eine vergleichbare, mit gepfeilten, d.h. schräg nach hinten abgewickelten
Tragflächen ausgerüstete Düsenmaschine bei ähnlich großer Nutzlast zum Abheben
und Steigen braucht. Sobald die Geschwindigkeit und die Höhe erreicht sind,

-l-

�sind, wo Delta-Flügel den größten Nutzeffekt haben, würde der komplette Doppelflügel um etwa 45 Grad gedreht, so daß auf der einen Seite seine eine Hälfte
schräg nach v o r n , die andere Hälfte auf der anderen Seite schräg nach hinten
weist.
Auf Grund der bisher vorgenommenen Studien ist anzunehmen, daß das Flugzeug bei dieser Tragflächenstellung im Bereich von Überschallgeschwindigkeit
bis 1,2 Mach keinen Überschallknall am Boden erzeugt und dabei kaum mehr Treibstoff verbraucht als die heutigen Düsenpassagierflugzeuge bei Unterschallgeschwindigkeit.. Über dem offenen M e e r , wo niemand durch den Überschall-Lärm belästigt w i r d , ließe sich die Reisegeschwindigkeit auf 1,5 Mach (ca„ 1 8 0 0 km/st)
steigern. Diese Angaben basieren auf Windkanaluntersuchungen a n Modellen, bei
denen Fluggeschwindigkeiten bis 1,4 Mach simuliert worden sind.
Dr.R.T,Jones, der 1945 die theoretischen Grundlagen für die Entwicklung
moderner Fluggeräte mit gepfeilten Tragflächen schuf, kommentiert seine neuen
Überlegungen so: "Der Mensch hat ein instinktives Empfinden für Symmetrie,
das sich zweifellos davon herleitet, daß die Vögel oder andere Tiere symmetrisch
gebaut sind, So ist es auch nur natürlich, daß wir einem Überschallflugzeug

eine

Form geben, die diesem instinktiven Empfinden gerecht wird. A b e r in Wirklichkeit
gibt uns die Natur ja gar keine Anleitung für den Überschallflug. V ö g e l , die
schneller fliegen als der Schall, gibt es nicht. Deshalb ist es besonders interessant und wichtig, daß m a n auf mathematischem Wege zu einer ganz anderen Art
v o n Symmetrie für das Überschallflugzeug gelangt".
Die theoretischen Computerstudien v o n Wissenschaftlern des Arnes Research
Center zur Weiterentwicklung der Theorie von Dr. Jones werden fortgesetzt. Inzwischen wurde auch ein Unternehmen der Flugzeugindustrie in die Untersuchungen
eingeschaltet.
H-J I I I-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Georg S. McGovern- der Präsidentsschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-der Vizepräsidentsschaftskandidat der Demokraten-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Die nordvietnamesischen Deich- und Schleusensysteme sind kein Ziel amerikanischer Bombenangriffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marion D. Joyce&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt in den siebziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Astronomie-Satellit "Copernicus"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flugzeug mit ungleichen Tragflächen&lt;br /&gt;</text>
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2 6 . J u l i 1972

Inhalt
INFORMATION:
Rogers brandmarkt nordvietnamesische Propagandakampagne
-Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24.JuliUSA: Beschuldigungen Hanois sind Propagandamaßnahme
USA: Hanoi setzt militärischen Aufbau in Südvietnam fort
-Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25.JuliDOKUMENTATION:
Rede von Außenminister Rogers vor dem Commonwealth Club von
San Francisco

WIRTSCHAFT:
US-Maßnahmen gegen die Währungsspekulation
Von Eugene Brake
Positive Zeichen aus der US-Wirtschaft mehren sich
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster ERTS-Satellit gestartet
Krebs - geographisch gesehen
Atemnot - schon vor der Geburt diagnostiziert
Biologische Schädlingsbekämpfung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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ROGERS BRANDMARKT NORDVIETNAMESISCHE PROPAGANDAKAMPAGNE
Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24.Juli-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P.Rogers hat
Hanoi vorgeworfen, es führe eine sorgfältig geplante Propagandakampagne, um
die falschen Anschuldigungen glaubwürdig zu machen, daß die Vereinigten Staaten vorsätzlich Dämme und Deiche des nordvietnamesischen Bewässerungs-und
WasserkontrollSystems bombardierten.
In scharfen Worten nahm Rogers am 24. Juli zu den Ausführungen des UNGeneralsekretärs Kurt Waldheim Stellung, der kurz zuvor auf einer Pressekonferenz, erklärt hatte, er habe über "private Kanäle" Informationen erhalten, daß
nordvietnamesische Deiche durch amerikanische Bomben zerstört worden seien.
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe Botschafter Bush (den ständigen Vertreter der USA bei den Vereinten Nationen) angewiesen, um eine baldige Unterredung mit dem Generalsekretär nachzusuchen und darauf hinzuweisen, daß die ihm zugegangenen Informationen
bezüglich angeblicher vorsätzlicher Bombardierungen zur Zerstörung der nord-

-1-

�nordvietnamesischen Deiche falsch sind - wie dies auch der Präsident in seiner
Pressekonferenz am 29. Juni erklärt hat.
Weiter habe ich Botschafter Bush angewiesen, den Generalsekretär dahingehend zu unterrichten, daß diese Anschuldigungen Teil einer sorgfältig geplanten Kampagne der Nordvietnamesen und ihrer Sympatisanten sind, um diese Unwahrheiten weltweit in Umlauf zu bringen.
Der Generalsekretär hat heute auf seiner Pressekonferenz erklärt, 'es
liegt stets in meinem Interesse, Diplomatie im Stillen so einzusetzen, daß sie
nützlich ist*- Wir können öffentliche Erklärungen, die solchen Berichten noch
mehr Verbreitung geben, nicht als nützlich bezeichnen."
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Charles Bray, der die Erklärung des
Außenministers vor der Presse verlas, betonte in diesem Zusammenhang, daß Botschafter Bush mit dem UN-Generalsekretär vor dessen Moskau-tReise gesprochen
und ihm versichert habe,"daß die an die amerikanischen Streitkräfte ergangenen
Befehle Angriffe auf Deiche als zivile Ziele ausschließen". Auf seiner Pressekonferenz am 29. Juni hatte Präsident Nixon erklärt: »Unser Befehl lautete,
keine Deiche zu treffen, weil die Folgen im Hinblick auf die Zivilbevölkerung
überaus groß sein würden. Was nun irgendeine weitere Aktivität in dieser Hinsicht anbelangt, so ist dieser Befehl immer noch in Kraft*.
Bray verlas vor den Korrespondenten ferner Auszüge aus zwei Leitartikeln
der amtlichen Zeitung "Hanoi Moi", die zeigen, daß das Hauptanliegen Hanois
hinsichtlich der Deiche - wie dies der eigenen Bevölkerung gegenüber dargestellt
wurde - darin bestand, die Schäden der Überschwemmungen des vergangenen Jahres
zu beseitigen. In einem Leitartikel vom 28. Mai heißt es unter anderem: "Hanoi
hat alles getan, um undichte Stellen abzudichten, Termitenhügel einzuebnen und
zu beseitigen, Dränagerohre und Leitungen zu reparieren und das gesamte System
von Deichen und Dämmen, das durch die Überschwemmungen des letzten Jahres in
Mitleidenschaft gezogen worden war, weiter zu konsolidieren." Am 20. Juni er-

�erklärte das gleiche Blatt in einem Leitartikel: "An einigen Stellen hat die
Wiederinstandsetzung von Deichstücken, die durch Wolkenbrüche im Jahre 1971 beschädigt worden waren, noch nicht den technisch erforderlichen Stand erreicht."
Andere amerikanische Stellen wiesen am 2 4 . Juli darauf hin, daß wenigstens
mehrere 2 000-»Pfund Bomben die gleiche Stelle treffen müßten, wenn wesentliche
Schäden an einem Deich bewirkt werden sollten. Die von den Flugzeugen gewöhnlich mitgeführten 500 Pfund-Bomben würden kaum eine größere Beschädigung verursachen. Im übrigen habe

die amerikanische Regierung immer wieder darauf hin-

gewiesen, daß Deiche höchstens dann getroffen werden könnten, wenn sich auf
ihnen oder in ihrer unmittelbaren Nähe militärische Ziele befänden. Hanoi habe
das Diplomatische Korps Anfang Juli eingeladen, einen beschädigten Damm zu besichtigen. Ein von einem Diplomaten eingegangener Bericht zeige jedoch eindeutig, daß sich in der Nähe dieser Stelle eine Flugabwehrstellung
habe.

l-l-t-li

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USA: BESCHULDIGUNGEN HANOIS SIND PROPAGANDAMASSNÄHME

WASHINGTON --(AD)-- Nach Ansicht des Weißen Hauses ist Hanoi angesichts der
bevorstehenden Regenzeit und etwaiger Überschwemmungen offensichtlich bemüht,
die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, daß die Vereinigten Staaten die
Dämme und Deiche in Nordvietnam durch Bombenangriffe bewußt schädigen.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, erklärte am 20.Juli
auf eine entsprechende Frage, es sei ganz offensichtlich, daß Nordvietnam in
diesem Zusammenhang ein Propagandamanöver gegenüber der Weltöffentlichkeit
unternehme. "Die Dämme und Deiche in Nordvietnam waren kein Ziel (für unsere
Angriffe) und werden es auch in Zukunft nicht sein", erklärte der Sprecher
wörtlich. Dies sei von Präsident Nixon, Verteidigungsminister Laird und Außenminister Rogers immer wieder unterstrichen worden.
Die Feststellungen Zieglers erfolgten in Beantwortung von Fragen zu einem
Artikel des amerikanischen Journalisten Joseph Kraft, in dem behauptet worden
war, daß Dämme, Schulen und Wohnhäuser in Nordvietnam durch amerikanische Luftangriffe beschädigt worden seien.
Es

�Es sei die Politik der USA, so sagte Ziegler, den Nachschub Nordvietnams
für die offensiven Operationen in Südvietnam zu unterbinden und nicht Schulen
oder Wohnhäuser anzugreifen. Er selbst habe auch keine Beweise dafür gesehen,
daß Schulen oder Wohnhäuser bombardiert worden seien.
Der Sprecher des Weißen Hauses wies darauf hin, daß Verteidigungsminister
Laird auf seiner Pressekonferenz vom 17. Juli erklärt hatte, wenn die Nordvietnamesen Flugabwehrgeschütze auf Deichen oder Dämmen in Stellung brächten und
auf amerikanische Maschinen schössen, dann könnte ein Angriff gegen diese
Stellung geflogen worden sein. "Ich habe jedoch keine Beweise gesehen, die auf
eine größere oder weitreichende Beschädigung der Dämme schließen lassen",
fügte Ziegler hinzu.

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USA: HANOI SETZT MILITÄRISCHEN AUFBAU IN SÜDVIETNAM FORT
-Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25.Juli-

PARIS —(AD)-- Die amerikanische Delegation bei den Pariser Vietnam-Gesprächen hat Hanoi vorgeworfen, daß es die Vorschläge Präsident Nixons für eine
Waffenruhe ignoriere und stattdessen einen "wesentlichen" militärischen Aufbau südlich der entmilitarisierten Zone durchführe.
Die zwei Tage vor der für den 27. Juli anberaumten Sitzung der Konferenz
veröffentlichten Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"In einer Zeit, in der die Vorschläge Präsident Nixons vom 8. Mai für
eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina immer noch auf dem
Verhandlungstisch liegen und von der anderen Seite noch nicht ernsthaft beantwortet sind, gibt es weitere Hinweise auf einen wesentlichen militärischen Aufbau der nordvietnamesischen Streitkräfte in den nördlichsten Provinzen Südvietnams .
Um die Presseverlautbarung der Delegation vom 21. April 1972 über die
Dislozierung regulärer nordvietnamesischer Divisionen außerhalb Nordvietnams
auf den neuesten Stand zu bringen: Die uns verfügbaren Hinweise deuten darauf
hin, daß sich jetzt sogar 12 reguläre/vietnamesische Divisionen in Südvietnam

-l-

�Südvietnam befinden dürften gegenüber 10 Divisionen, die dort im April standen.
Die andere Seite bezieht sich häufig auf - wie sie es nennt - die 'Verantwortung' der Vereinigten Staaten. Es wäre gut, wenn sie sich ihre eigene Verantwortung für die Fortsetzung und Intensivierung der militärischen Operationen in
Südvietnam vor Augen halten würde. Diese Operationen haben bereits zu enormen
Verlusten und einer großen Zahl verwüsteter Städte im Süden geführt, und die
Aussicht, daß diese Entwicklung anhält, muß die Weltmeinung in Bestürzung versetzen."

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REDE VON AUSSENMINISTER ROGERS VOR DEM COMMONWEALTH CLUB
VON SAN FRANCISCO

SAN FRANCISCO --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 18. Juli 1972 in einer Rede vor dem Commonwealth Club von San Francisco
zu der gegenwärtigen internationalen Lage Stellung genommen. Die Rede des
Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Es ist mir eine große Freude, daß ich eingeladen wurde, vor diesem namhaften Club zu sprechen. Ich habe vor vielen Jahren bereits einmal vor dem
Commonwealth Club gesprochen, als ich noch Justizminister in der Regierung
Präsident Eisenhowers war.
Ich weiß, welche Bedeutung diesem Forum für die Gestaltung der öffentlichen Einstellung zu wichtigen außen-und innenpolitischen Fragen zukommt. Aus
diesem Grunde schätze ich mich sehr glücklich, heute hier mit Ihnen die Außenpolitik der Vereinigten Staaten erörtern zu können. Ich glaube, sie verdient
die Unterstützung aller verantwortungsbewußten Amerikaner.

Lassen

�Lassen Sie mich heute mit einer abschließenden Feststellung beginnen.
Aufgrund der von Präsident Nixon in internationalen Fragen ergriffenen Initiativen
haben die Vereinigten Staaten heute in der ganzen Welt ein Prestige wie nie zuvor.
Ausgehend von dem Grundsatz, daß 'eine Generation den nachfolgenden Generationen
kein größeres Geschenk hinterlassen kann, als den Schlüssel zu einem dauerhaften
Frieden zu schmieden', hat der Präsident beharrlich jeden Schritt in Richtung auf
dieses Ziel ausgerichtet. Die Folge ist, daß die Welt heute ein weitaus weniger
feindseliger Platz ist als noch vor dreieinhalb Jahren, und daß die Grundlagen
für einen wirklich stabilen und dauerhaften Frieden gelegt sind.
Der Präsident hat der Versuchung widerstanden, eine nationale Hypothek auf
sich zu nehmen - einen temporären Frieden um den Preis einer künftigen Instabilität zu erkaufen. Ein wahrer Friede kann nicht mit der Zukunft erkauft werden;
er muß für die Zukunft errichtet werden. Das verlangt Geduld und sorgfältiges
Planen. Es verlangt eine Bereitschaft, neuen Boden durch Verbesserung der Beziehungen zu früheren Gegnern zu gewinnen. Und es erfordert Stärke und ein ständiges Festhalten an feierlich eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Freunden und
Verbündeten. Das ist der Weg, für den sich Präsident Nixon entschieden hat. Dies
ist der Grund, warum unser Ansehen - sowohl bei unseren Freunden wie auch bei
unseren Gegnern - so hoch ist wie noch nie zuvor. Dies ist auch der Grund, warum
'die Welt nicht mehr so starr und versteift ist* - um einen gängigen Ausdruck
zu gebrauchen, wie dies noch vor dreieinhalb Jahren der Fall war.
Nach den Besuchen in China, Rußland und Polen bin ich vor kurzem von einer
Reise durch elf weitere Länder in vier Kontinenten zurückgekehrt. Diese jüngste
Besuchsreise begann mit einem Treffen mit unseren südostasiatischen Verbündeten
in Canberra, Australien, wo ich die Bedeutung unterstrich, die wir unseren engen
Beziehungen zu Australien und allen unseren Sicherheitsbündnissen in Asien beimessen.
Wir

�Wir haben auf unserer Reise einige der ältesten Länder der Welt besucht
- Griechenland, das die Wiege unserer eigenen Demokratie ist, und Ceylon, das
ebenfalls drei Jahrhunderte vor Christi Geburt bereits eine blühende Kultur
aufwies. Wir waren in Indonesien, einem wichtigen Land in Südostasien, mit
einer Bevölkerung, die so groß wie die aller übrigen Länder in diesem Raum zusammen ist. Und wir waren in zwei Ländern am Persischen Golf - Kuwait und
Bahrein - mit einer Gesamtbevölkerung, die etwa der von San Francisco entspricht, denen aber eine bedeutende Rolle in der Welt zukommt.
Drei der von uns besuchten Länder - Italien, Griechenland und Australien sind unsere Verbündeten. Zwei Länder - Ungarn und Rumänien - sind Mitglieder
des Warschauer Paktes. Und ein drittes kommunistisches Land - Jugoslawien hat eine führende Rolle unter den Blockfreien.
Zu den meisten der von uns besuchten Länder sind unsere Beziehungen
freundschaftlich und eng. Zu Ungarn sind unsere Beziehungen jedoch eingeschränkt
und ich war das erste amerikanische Regierungsmitglied, das den Führer Ungarns,
den Ersten Sekretär Kadar,besucht hat. Und zum Jemen, einer eindrucksvollen Republik auf der arabischen Halbinsel, hatten wir seit 1967 überhaupt keine diplomatischen Beziehungen; mein Besuch in der Gebirgshauptstadt des Jemen, Sanaa,
bildete den Anlaß zur Wiederherstellung und zur Hervorhebung der Bedeutung,die
wir der Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu allen arabischen Ländern beimessen.
Dieser Besuch im Jemen war zugleich ein guter Hinweis auf die Bedeutung,
die allen Ländern dieser Welt zukommt. Wir flogen bei einbrechender Dunkelheit
in die Hauptstadt dieses entlegenen und armen Landes - und mußten auf einer
Landebahn ohne Lichter oder irgendwelche navigatorischen Hilfsmittel landen.
In einem solchen Augenblick fällt es vielleicht schwer - und besonders für

-3

�für unseren Piloten - sich den Jemen als einen bedeutsamen Faktor in der Weltpolitik vorzustellen. Und doch ist er das - mit seiner geographischen Lage auf
der ölreichen arabischen Halbinsel und der größten Bevölkerungszahl auf dieser
Halbinsel. Wir wissen den positiven Schritt zu schätzen, den der Jemen ergriffen hat,als er eine amerikanische Botschaft in Sanaa wieder zuließ. Und wir
hoffen, daß andere arabische Länder,die sich uns seit dem Ausbruch des arabischisraelischen Konflikts entfremdet haben, ähnliche Schritte erwägen werden.
Auf meiner Weltreise habe ich mit einer Reihe namhafter Persönlichkeiten
gesprochen. Unter ihnen befanden sich der 39jährige Emir von Bahrain und der
80jährige jugoslawische Präsident Tito, der noch an der russischen Revolution
vor 55 Jahren teilgenommen hatte. Während meines Aufenthaltes in Rom hatte ich
ein nützliches Gespräch mit dem burmesischen Präsidenten Ne Win, der dort ebenfalls zu Besuch weilte. Und ich hatte eine Audienz bei einem der unermüdlichsten Fürsprecher der Welt für den Frieden, bei Papst Paul VI.

Allen diesen Persönlichkeiten legte ich unsere Hoffnungen auf und unsere
Bemühungen um eine friedlichere Welt dar, und ich versuchte in Erfahrung zu bringen, wie eine solche Welt ihrer Ansicht nach am besten verwirklicht werden könnte. Heute würde ich gerne mit Ihnen über einige der Fragen sprechen, die wir
erörtert haben. Was für eine Welt streben wir an? Vor allem sollte es eine Welt
sein, in der alle Länder - gleichgültig ob Freunde oder Feinde, ob Partner oder
Konkurrenten - im Gespräch stehen.
Während der Zeit des kalten Krieges herrschte die Auffassung vor, daß wir
nicht miteinander reden könnten, weil wir mit unseren Gegnern wesentliche Meinungsverschiedenheiten hätten.

Präsident Nixon ist von der entgegengesetzten

Auffassung ausgegangen, nämlich weil wir wesentliche Meinungsverschiedenheiten
haben, müssen wir miteinander reden. Natürlich wußte der Präsident, daß ein Gespräch allein nicht die Differenzen überbrücken würde; aber er wußte auch, daß
sie ohne ein Gespräch überhaupt nicht überbrückt werden würden.
Unsere

�Unsere Außenpolitik basiert daher auf der Überzeugung, daß Kommunikationen
zwischen solchen, die einander fremd sind, und Verhandlungen zwischen Gegnern
der Sache einer ruhigeren Welt dienen. Aus diesem Grunde hat auch der Besuch
des Präsidenten in China eine so große Bedeutung; er hat einen notwendigen
Dialog zwischen uns angebahnt. Bei der Sowjetunion dagegen bestand die Aufgabe
darin, zu konkreten Verhandlungen zu gelangen. Wir haben jetzt Abkommen zur
Begrenzung der offensiven und der defensiven strategischen Waffen. Wir haben
fünf weitere bilaterale Abkommen, die alle während des Gipfeltreffens in Moskau
unterzeichnet wurden und die unsere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auf ein
Maß erweitern, wie es seit der Zeit unseres Bündnisses im Kriege unbekannt war.
Unsere neuen Beziehungen zu China und unsere wachsende Zusammenarbeit mit der
Sowjetunion sind meines Erachtens von großer Bedeutung für die Schaffung einer
stabileren internationalen Ordnung.
Auf meiner Weltreise stellte ich fest, daß dies allgemein anerkannt wurde.
Und ich legte unsere Auffassung dar, daß das, was für uns gut ist, auch für ande gut ist. Es gibt nichts Produktiveres als eine Bereitschaft in allen Gebieten der Welt, sich von der Erstarrung der letzten beiden Jahrzehnte frei zu
machen.
Es ist in der Tat bemerkenswert, wie groß der Fortschritt ist, der gerade
in diesem Augenblick gemacht wird, da langjährige Gegner nunmehr miteinander
sprechen. Ganz beiläufig möchte ich hervorheben, daß die Vereinigten Staaten
in zahlreichen Fällen diesen Bemühungen in aller Stille dennoch wirksame diplomatische Unterstützung gegeben haben. Dies trifft unter anderem auf folgende
Fälle zu:
-- Die Gespräche, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
Deutschen Demokratischen Republik auf einem weiten Gebiet von Fragen im Gange
sind.
--Die

-5-

�-- Die Übereinkunft über eine Reihe von Prinzipien für eine Verminderung
der Spannungen und eine Verbesserung der Kommunikationen, die vor gerade zwei
Wochen gleichzeitig in Seoul und in Pjoengjang bekanntgegeben wurde.
-- Das Abkommen, das während der gleichen Woche zwischen Pakistan und Indien, die innerhalb von 25 Jahren in drei Kriegen gegeneinander gekämpft haben,
unterzeichnet wurde und das ein Beginn zur Heilung der Wunden dieser Kriege sein
kann.
-- Die Gespräche, die zwischen dem griechischen und dem türkischen Bevölkerungsteil auf der Insel Zypern - einer weiteren Brutstätte der Spannungen über eine friedliche Beilegung der tiefgreifenden Differenzen aufgenommen wurden.
-- Die Vietnam-Gespräche, die in der letzten Woche in Paris wieder aufgenommen wurden. Wir sind zu diesen Gesprächen in der aufrichtigen Hoffnung zurückgekehrt, daß sie zu einer Lösung auf dem Verhandlungswege führen können.
Es gibt nur eine bedeutsame Ausnahme in diesem Trend hin zu Gesprächen
- das ist der Nahe Osten. Während meines Besuches im Nahen Osten habe ich den
Fortschritt unterstrichen, der in Verhandlungen bei schwierigen Problemen in anderen Teilen der Welt erzielt worden ist. Ich habe ein gleiches Vorgehen bei dem
arabisch-israelischen Problem gefordert. Aufgrund einer amerikanischen Initiative
herrscht seit zwei Jahren Waffenruhe im Nahen Osten. Es wird jedoch solange keinen
dauerhaften Frieden geben, wie nicht alle Beteiligten beschließen, miteinander in
Frieden zu leben, und nach Lösungen der komplexen und emotionellen Probleme zu
suchen beginnen, um die es hier geht. Ich glaube, daß dies schließlich geschehen
wird und daß dann ernsthafte Verhandlungen stattfinden werden.
An diesen Beispielen läßt sich ersehen, daß unsere Politik, zu Verhandlungen
zu ermutigen und Wege für Kommunikationen in allen Gebieten der Welt zu öffnen,
sich auszahlt - daß die Spannungen nachgelassen haben und daß zahlreiche örtliche Konflikte einer Beilegung entgegenzugehen scheinen.
Das

�Das zweite Merkmal einer friedlichen Welt, wie wir sie anstreben, steht in
einem engen Zusammenhang zu dem ersten. Da für eine solche Welt Gespräche und
Verhandlungen charakteristisch sind, muß sie ebenfalls für den freien Verkehr
von Menschen, Ideen und Gütern offen sein. Wir sind überzeugt, daß die Sache
des Friedens durch Kontakte zwischen den Menschen und einen freien Austausch
von Gedanken auf allen Ebenen gefördert wird. Daher suchen wir in Gebieten, in
denen solche Kontakte begrenzt

sind, diese zu erweitern.

Zwei wichtige Aspekte unserer sich ausweitenden Beziehungen zu China sind
der Austausch von Personen und die Zunahme der Handelskontakte, über die wir
gegenwärtig mit den Chinesen in Paris sprechen. Nach dem sehr erfolgreichen Besuch der chinesischen Tischtennismannschaft hoffen wir auf eine Fortsetzung des
Austausches auf dem Gebiet des Sports. Wir rechnen ferner mit einem Austausch auf
Gebieten wie Medizin und Musik. Das Handelsministerium hat kürzlich Exportlizenzen für den Verkauf kommerzieller Düsenflugzeuge an China im Werte von 150 Millionen Dollar ausgestellt. Wenn diese Lizenzen ausgenutzt werden, so wird dies der
erste bedeutende Schritt in Richtung auf bilaterale Handelsbeziehungen sein,
die, wie wir hoffen, sich produktiv erweisen werden.

Wir sind ferner der Mei-

nung, daß die neue Generation der chinesischen Führung nicht jeder Möglichkeit
beraubt sein sollte, sich aus erster Hand Informationen über Amerika und die
Amerikaner zu beschaffen, die der gegenwärtigen Generation fehlten - und umgekehrt .
Es ist ebenso bemerkenswert, in welchem Maße den Führern Osteuropas Kontakte mit den Vereinigten Staaten fehlten. Von den 22 Mitgliedern des höchsten, die
politischen Entscheidungen treffenden Gremiums der Sowjetunion, dem Politbüro
der kommunistischen Partei, haben, soweit ich weiß, nur vier jemals Amerika besucht. Von den Verbündeten der Sowjetunion hat lediglich der rumänische Präsident
Ceausescu die Vereinigten Staaten über die Vereinten Nationen hinaus besucht.
Bis zu meinem Besuch in Budapest hat kein amerikanisches Kabinettsmitglied jemals Ungarn besucht. In der heutigen Welt muß der Ausweitung der aus erster Hand

-7-

�Hand gewonnenen Kenntnisse, die die führenden Staatsmänner der einzelnen Länder
von anderen Staaten haben, oberste Priorität gegeben werden.
Wir rechnen ferner mit einer beträchtlichen Ausweitung unseres Handels und
anderer Kontakte zu Osteuropa. Die Sowjetunion hat kürzlich mit uns ein Abkommen
über den Ankauf von mehr Getreide unterzeichnet,als bisher bei einem einzigen
Geschäftsabschluß je von uns verkauft worden ist. Und in Rumänien habe ich unseren Gastgebern versichert, daß ich mich im Kongreß weiterhin für die Verabschiedung eines Gesetzes einsetzen werde, damit die rumänischen Exporte auf der Basis
der Meistbegünstigungsklausel, das heißt ohne diskriminierende Zölle, nach den
Vereinigten Staaten hereingenommen werden können. In dem ganzen Gebiet wird es,
wie wir hoffen, bald möglich sein, zu normaleren Handelsbeziehungen überzugehen. Dies ist der Grund, warum an der Spitze unserer Handelsmission, die sich
gegenwärtig auf dem Wege nach Moskau befindet, unser Handelsminister steht.
Wir sind ferner der Ansicht, daß ein freierer Austausch von Personen und
Ideen ein aktives Prinzip in Beziehungen zwischen den getrennten Teilen Europas
sein sollten. Im nächsten Jahr dürfte eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, an der nahezu alle europäischen Länder sowie die Vereinigten Staaten und Kanada teilnehmen, stattfinden. Wenn diese Konferenz wirklich
nützlich sein soll, so sollte sie unserer Ansicht nach, statt sich mit Ermahnungen oder Deklarationen zufriedenzugeben, konkrete Schritte zur Erleichterung des
normalen Reiseverkehrs und des Flusses von Ideen über den Kontinent hinweg ergreifen. Unserer Ansicht nach sind praktische Verbesserungen, die zu einem größeren Kontakt zwischen allen Völkern Europas führen, der beste Weg, um schneller
zu dem Tag zu kommen, da Europa nicht mehr geteilt ist.
Gerade deshalb messen wir dem Abkommen, das ich zusammen mit den Außenministern Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion im vergangenen Monat in
Berlin unterzeichnete, solche Bedeutung bei. Dieses richtungweisende Abkommen
wird das tägliche Leben von zwei Millionen Westberlinern erleichtern, indem es

-8-

�es ihnen normalere Reisen nach Ostberlin und in die Deutsche Demokratische Republik ermöglicht. Wir hoffen, daß die wachsenden Kontakte, die durch das Abkommen sichergestellt werden, Europa als Ganzem Auftrieb geben werden.
Das dritte Merkmal der friedlichen Welt, die wir anstreben, besteht darin,
daß das Recht eines jeden Landes auf Unabhängigkeit, auf Souveränität und auf
seine eigene innere Entwicklung ohne Einmischung von außen weltweit respektiert
werden muß.
Wenn wir auf die Beseitigung der einem freieren Kontakt entgegenstehenden
Hindernisse drängen, so haben wir dabei keinerlei Interesse, uns in die inneren
Angelegenheiten irgendeines Landes einzumischen. Im Gegenteil, unsere Politik
entspringt einer ganz anderen und positiven Überzeugung, daß nämlich offenere
Grenzen die Spannungen vermindern und die normale menschlische Kommunikation
fördern werden, die die Menschen und Staaten dazu ermutigt, in Frieden und
Freundschaft zu leben und andere leben zu lassen.
Wir in Amerika treten nachdrücklich für die Rechte von Ländern ein, sich
nach ihren eigenen Wünschen zu entwickeln, weil wir selber einen Kampf geführt
haben, um diese Rechte für uns zu erlangen. Wir respektieren dies bei anderen.
Ja, wir sehen diese Rechte als fundamental für friedliche Beziehungen zwischen
den Staaten an. Sie müssen immer - und nicht nur manchmal - angewandt werden,
und sie müssen nicht nur in bestimmten Fällen, sondern in jedem einzelnen Fall
angewandt werden. Einem Lande darf nicht die volle Souveränität verwehrt werden,
nur weil es klein ist oder weil der geographische Zufall es in die Nähe einer
Großmacht gerückt hat oder weil es das gleiche politische, wirtschaftliche oder
soziale System wie andere Länder in seinem Gebiet hat.
In Osteuropa habe ich unterstrichen, daß dieses Prinzip zum Fundament unserer
Außenpolitik gehört. Wir haben die Absicht, mit allen Ländern in diesem Gebiet
und auch anderswo als mit souveränen Mächten zu verkehren. Wir sind zu einer

-9-

�einer Verbesserung oder Ausweitung unserer Beziehungen bereit, und zwar in einem
Tempo und in einer Weise, die diese Länder selbst einschlagen wollen. Während
des Besuches des Präsidenten in Moskau haben die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten durch eine schriftliche Verpflichtung vereinbart, 'die souveräne
Gleichberechtigung aller Staaten anzuerkennen und weder für sich selbst den
Anspruch in der Weltpolitik auf irgendwelche besonderen Rechte oder Vorteile
zu erheben noch einen solchen Anspruch von einer anderen Seite anzuerkennen'.
Diese Verpflichtung, die von beiden Ländern feierlich eingegangen wurde, ist
in den vor uns liegenden Jahren von großer Bedeutung für Frieden und Sicherheit.
Unser

langfristiges Ziel ist es, über das passive Verhältnis, das durch

das Wort 'Koexistenz1 impliziert ist, hinweg zu einem aktiveren und kooperativeren Verhältnis zu gelangen. Von der Anerkennung des Rechtes eines jeden Landes, seine eigenen Angelegenheiten zu regeln, ausgehend, setzen wir uns für eine
Welt ein, in der ehemalige Gegner nicht nur in Frieden koexistieren, sondern
auch kooperieren können.
Das vierte wesentliche Merkmal der friedlichen Welt, die wir anstreben, ist
die Bereitschaft der Staaten, sich nicht länger mehr auf die Gewalt als eines
unerläßlichen Instruments der nationalen Politik zu verlassen. Selbst heute ist
eine wachsende Bereitschaft erkennbar, die Anwendung von Gewalt zu begrenzen.
Ich habe bereits auf die Mannigfaltigkeit der Verhandlungen verwiesen, die
gegenwärtig über einige der schwierigsten Probleme der gesamten Nachkriegszeit
geführt werden. Wenn es auch wichtig ist, die Dinge in der richtigen Perspektive zu sehen, so glaube ich doch, daß die ersten SALT-Abkommen einen neuen Abschnitt in den weltpolitischen Beziehungen eingeleitet haben. Zum erstenmal haben die stärksten nuklearen Mächte der Welt unumgehbare und verifizierbare Abkommen über einen Komplex abgeschlossen, der für sie selbst sowie für die Welt
als Gesamtheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Wir

-10-

�Wir hoffen und erwarten daher, daß die Prinzipien der friedlichen Beziehungen, auf die sich die Sowjetunion und wir in Moskau verpflichtet haben, mehr als
nur Worte auf einem Stück Papier darstellen. Wir unsererseits werden ohne Frage
unser bestes tun, um sie in die praktische Wirklichkeit umzusetzen.
Wir blicken erwartungsvoll auf die nächste Phase der SALT-Verhandlungen.
Wir hoffen ferner, daß bald Verhandlungen über eine Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa beginnen können. Außer der sowjetisch-chinesischen Grenze
ist dieses Gebiet der Schauplatz der größten Konzentration bewaffneter Gewalt
in der Welt. Wir haben die Absicht, parallel mit der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa auf Verhandlungen über dieses Problem zu drängen.
Wir werden

bereit sein, über spezifische Reduzierungen zu verhandeln, solange

diese beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen darstellen und die Sicherheit
der einen oder der anderen Seite nicht gefährden.
Wenn wir nun zu neuen und konstruktiveren Beziehungen mit früheren Gegnern
gelangen, so ist es umso wichtiger, daß wir ein Gefüge an Stabilität bewahren.
Wie kann dies geschehen? Erstens, indem wir sicherstellen, daß das Bemühen um
neue Beziehungen nicht auf Kosten unserer Verbündeten und Freunde geht. Zweitens, indem wir uns darüber im klaren sind, daß diese Beziehungen unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nur verbessern werden, wenn wir dabei überzeugend stark bleiben werden. Drittens, indem wir durch Wort und Tat bekräftigen, daß eine friedliche Welt nicht angestrebt wird - wie sie ja auch nicht erreicht werden könnte - durch die Aufgabe unserer Verpflichtungen oder unserer
Interessen.
Es ist gerade die Gültigkeit dieser drei Grundsätze, die die Art und Weise
unseres Abzuges aus Vietnam genau so wichtig macht wie den Abzug selbst. Mit
dem Ende unseres Engagements in diesem Krieg in Sicht dürfen wir niemals vergessen, daß die Bevölkerung Südvietnams mit uns als Verbündete und Freunde gekämpft hat und gestorben ist. Eine vernünftige und ehrenhafte Beendigung dieses tragischen Krieges muß unter Berücksichtigung ihrer als auch unserer In-

-11-

�Interessen erreicht werden.
Es ist auch die Gültigkeit dieser drei Grundsätze,die von uns in unserem
eigenen Interesse verlangt, daß wir unsere Verpflichtungen gegenüber der NATO,
im Pazifik und in unserer eigenen Hemisphäre aufrechterhalten. Die Stabilität,
die unsere Bündnisse mit 42 Ländern mit sich gebracht haben, ist eine wesentliche Voraussetzung für den Frieden, den wir anstreben. Und schließlich ist
es die Gültigkeit dieser Grundsätze, die Präsident Nixon veranlaßt haben, auf
einem angemessenen nationalen Verteidigungsbudget zu bestehen. Eine Kürzung
von 30 Milliarden Dollar oder jede Kürzung in dieser Größenordnung würde unsere
Bündnisse über Nacht unterminieren und uns sehr bald in eine zweitrangige militärische Position versetzen.
Eine anhaltende Verbesserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion und zu
China hängt nicht von der Aufgabe unserer Bündnisse ab und erfordert auch keine
gefährlich geschwächte Verteidigungskapazität. Ja, wir hätten niemals ein verbessertes Verhältnis erlangen können, wenn wir diese Bündnisse aufgegeben oder
diese Kapazität geschwächt hätten. Gerade die Stärke der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten hat es uns ermöglicht, mit Vertrauen zu verhandeln. Es
wäre ein tragischer Schritt und ein Schritt nach rückwärts, der der Sache des
Friedens nicht förderlich sondern abträglich sein würde, würden wir diese Lehre
vergessen.
Dies also ist die Art friedlicher Welt, die wir gerne schaffen würden und
auf die die Politik Präsident Nixons gerichtet ist:
-- eine Welt, in der Dialog und Verhandlung an die Stelle von Konfrontation und Konflikt getreten sind;
-- eine Welt, in der die Menschen frei und leicht über die nationalen Grenzen reisen können;
--eine

-12-

�-- eine Welt, in der die Anerkennung der Souveränität und der Unabhängigkeit
aller Länder der erste Grundsatz der internationalen Beziehungen ist;
-- eine Welt, in der man sich weniger und weniger auf die Gewalt als ein
Instrument der nationalen Politik verläßt.
Hätte noch vor einem Jahrzehnt irgendjemand gedacht, daß eine solche Welt
noch zu unseren Lebzeiten möglich sei? Auch heute noch kann niemand sagen, daß
sie bald verwirklicht wird oder daß die Probleme und Schwierigkeiten nicht unerhört schwierig sind. Aber zum erstenmal seit dem Kriege ist eine solche Welt
zu einer praktischen Möglichkeit geworden.
Wir können aber zur Verwirklichung dieser Möglichkeit nicht beitragen, wenn
wir uns auf unsere eigen Küsten zurückziehen. Um am»Aufbau eines dauerhaften
Friedens mitzuwirken, müssen wir in weltpolitischen Angelegenheiten in verantwortlicher Weise engagiert bleiben. Die Vereinigten Staaten müssen und werden
so engagiert bleiben."

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30/1972

US-MASSNAHMEN GEGEN DIE WÄHRUNGSSPEKULATION
Von Eugene Brake
WASHINGTON — ( A D ) - - Die überraschenden Interventionen der Federal Reserve
Bank auf den Devisenmärkten unterstreichen die feste Absicht der Vereinigten
Staaten, zur Abwehr von Währungsspekulationen beizutragen, wenn immer solche

Maßnahmen angebracht erscheinen.
Mit dem Ankauf von US-Dollar durch DM am 19. Juli hat die Federal Reserve
Bank erstmals wieder amerikanische Devisenreserven zum Rückkauf von US-Dollar
eingesetzt, seit Präsident Nixon am 15. August 1971 die Konvertierbarkeit des
Dollar ausgesetzt hatte. Dieser Schritt wurde nicht im voraus angekündigt,
vielmehr erläuterte ihn der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Arthur F.
Burns, später mit folgenden Worten: "Wir werden unsere Rolle bei der Wiederher.
Stellung der Ordnung auf den Devisenmärkten spielen und das unsrige tun, um
das Smithsonian-Abkommen aufrechtzuerhalten, so wie dies die übrigen Länder
tun. Es handelt sich hierbei ausschließlich um unsere eigene Initiative".
Einen Tag später gab das amerikanische Finanzministerium hierzu folgende
Erklärung ab:
"Die

-1-

�"Die Federal Reserve Bank hat gestern einen begrenzten Dollar-Betrag mit
DM-Guthaben des Schatzamtes aus dem Markt genommen. Dieser Schritt zeigt die
Bereitschaft der Vereinigten Staaten zu Interventionen auf den Devisenmärkten
in Fällen, in denen sie es für wünschenswert erachten, zur Abwehr der spekulativen Kräfte beizutragen.
Dieser Schritt deutet absolut keine Änderung unserer grundlegenden Politik
bezüglich einer Währungsreform und der notwendigen Anstrengungen auf allen Fronten an, ein tragbares Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen.
Dieser Schritt steht selbstverständlich im Einklang mit unserer offen bekundeten Auffassung, daß der spekulative Druck aufgrund der Entscheidung, den
Wechselkurs des britischen Pfundes freizugeben, nicht das grundlegende Wechselkurssystem beeinträchtigen darf, das durch das Smithsonian-Abkommen geschaffen
und erst jetzt wieder von den anderen Ländern bekräftigt worden ist'.'.
Weder das Finanzministerium noch der Federal Reserve Board haben angedeutet, ob die Interventionen auf den Devisenmärkten fortgesetzt werden. Amerikanische Regierungskreise gaben jedoch zu verstehen, daß die Swap-Abkommen mit
anderen Notenbanken wieder reaktiviert werden könnten. Unter diesen Swap-Abkommen können die Notenbanken sich untereinander Devisen ausleihen , wenn diese
zur Stützung des Wechselkurses benötigt werden. Die US-Federal Reserve Bank
hatte ein umfassendes Netz von Swap-Abkommen mit anderen Notenbanken, bis diese
am 15. August letzten Jahres aufgrund der von Präsident Nixon verkündeten Maßnahmen ausgesetzt worden waren.
Die Reaktivierung dieser Swap-Abkommen gibt den amerikanischen Währungsbehörden eine Möglichkeit zur Beschaffung anderer Devisen, die für den Rückkauf
von Dollar verwandt werden können, und somit zur Stützung des Dollar-Kurses.
Die

�Die Erklärung des US-Finanzministeriums deutet darauf hin, daß derartige
Interventionen seitens der Vereinigten Staaten nur gelegentlich erfolgen, wenn
die USA dies für wünschenswert erachten,

und auch dann nur, um gegen die Spe-

kulation vorzugehen.
Die Spekulationen gegen den US-Dollar hatten nach der kürzlichen Entscheidung der britischen Regierung, den Wechselkurs des Pfundes freizugeben, zugenommen. Der Dollar-Kurs ging dabei bis auf den unteren Interventionspunkt zurück.
Doch war bereits vor der Intervention der Federal Reserve Bank am 19. Juli eine
Festigung des Dollar-Kurses festzustellen.
Alle derartigen Interventionen erfolgen gewöhnlich über die Federal Reserve
Bank von New York.

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30/1972

POSITIVE ZEICHEN AUS DER US-WIRTSCHAFT MEHREN SICH

-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- Die immer positiver klingenden Berichte über den Wirtschaftsaufschwung in den USA tragen zu einem wachsenden Optimismus bei, daß
die von der Nixon-Administration gesetzten wirtschaftspolitischen Ziele
bis Ende des Jahres erreicht werden können.
Ende letzten Jahres hatte der Lebenshaltungskostenrat gefordert, daß die
Inflationsrate bis Ende 1972 auf einen Stand zwischen zwei und drei Prozent
gesenkt werden müsse. Die soeben vom US-Handelsministerium veröffentlichten
Zahlen zeigen, daß der Index der Verbraucherpreise - auf Jahresbasis und
nach Ausschaltung saisonbedingter Faktoren - in den letzten sechs Monaten
lediglich um 2,9 Prozent und in den letzten drei Monaten sogar nur um 2,2 Prozent gestiegen ist. Beide Zahlen liegen im Rahmen des vom Lebenshaltungskostenrat gesetzten Zieles. Und der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, betonte, daß die zuletzt verzeichnete Zuwachsrate
aller registrierten Preise von 2,1 Prozent die niedrigste gewesen ist, die in
irgendeinem Quartal seit 1965 erreicht wurde, abgesehen von der Zeit des
Lohn-und Preisstopps.
Aber

�Aber auch für das Bruttosozialprodukt mußten die Zahlen nach oben revidiert werden. So konnte für das zweite Quartal 1972 die ungewöhnlich hohe
Zuwachsrate - auf Jahresbasis und saisonbereinigt - von real 8,9 Prozent erzielt werden, während gleichzeitig die Arbeitslosenrate, die lange Zeit bei
sechs Prozent gelegen hatte, auf 5,5 Prozent zurückging.
Dr. Stein konnte also auf seiner Pressekonferenz mit Recht sagen, daß
"äußerst eindrucksvolle Zeichen eines starken Fortschritts in Richtung auf eine
gesündere Wirtschaft vorliegen, wie sie das Land lange Zeit nicht mehr gesehen
hat". Aber auch aus der Außenwirtschaft hatte Dr. Stein Gutes zu berichten,
und er erläuterte

das in dieser Woche erneut vor dem Gemeinsamen Wirtschafts-

ausschuß des Kongresses. So hat sich die Nettoexportposition der USA im zweiten Quartal erstmalig wieder gebessert, nachdem sich die Handelsposition mehrere Monate lang ständig verschlechtert hatte. Wie Stein am 24. Juli ausführte,
wies das Defizit in der US-Handelsbilanz - in Dollar von 1958 - nach einer
Jahresrate von 1,8 Milliarden Dollar im 4. Quartal 1971 und einer Jahresrate
von 3,3 Milliarden Dollar im 1. Quartal 1972 im 2. Quartal 1972 wieder eine
Jahresrate von 2,4 Milliarden Dollar auf. Und die rückläufige Entwicklung der
Inflationsrate, wie sie die Junizahlen jetzt erneut bestätigten, ließen auf
eine weitere Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz in den kommenden Monaten schließen.
Dr. Stein wies vor der Presse wie auch vor dem Kongreßausschuß darauf hin,
daß die günstige Entwicklung in der amerikanischen Wirtschaft während der nächsten Monate andauern dürfte. Allerdings, so sagte er, werde es, was Ausmaß und
Tempo des Aufschwungs angehe, "Fluktuationen" geben. Zum Beispiel sei kaum damit
zu rechnen, daß die im zweiten Quartal erzielte hohe Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes sich so bald wiederholen werde. Doch seien gerade die jüngsten
Statistiken, was Produktion und Preise anbetreffe, "äußerst ermutigend".
Auf

-2-

�Auf die kürzliche Intervention der amerikanischen Federal Reserse Bank
auf den internationalen Devisenmärkten angesprochen, meinte Stein auf seiner
Pressekonferenz, daß dieser Schritt im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen
der Regierung erfolgt sei.

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ERSTER ERTS-SATELLIT GESTARTET
Roboter sucht Bodenschätze und ermittelt Umweltschäden
--(AD)-- Der erste Versuchssatellit der ERTS-Serie wurde am 23. Juli 1972
von der Abschußbasis Lompoc (Kalifornien) in eine polare Umlaufbahn in 920 km
Höhe eingeschossen. Das schmetterlingsförmige, 891 kg schwere Gerät umkreist
die Erde in 103 Minuten einmal und tastet mit drei Fernsehkameras und einer
ganzen Batterie elektronischer Sensoren die Oberfläche unseres Planeten ab.
Ziel des Experiments ist eine Bestandsaufnahme, die sowohl über Hilfsquellen
als auch über mögliche Gefahren für das Leben auf der Erde Auskunft gibt.
So könnten beispielsweise die Bilder der drei Fernsehkameras und der
Scanning-Systeme anzeigen, wo Trockengebiete, Sümpfe, Seen und Flußsysteme
mit oder ohne ausreichende Zuflüsse liegen, ob der Boden landwirtschaftlicher
Nutzgebiete durch Bewässerung versalzen wird oder nicht, ob Anbauflächen von
Schädlingen befallen sind, noch ehe dies bei Kontrollen an Ort und Stelle bemerkt wurde. Die Instrumente helfen Meeresströmungen und große Fischschwärme
orten, ermöglichen die Ermittlung der

in Gelände

zunächst kaum erkenn-

baren Landschaftsschäden durch Straßen-und Autobahnbau oder zeigen den Fortschritt bei der Rekultivierung weiter Tagebaugebiete.
Untersuchungen

-1-

�Untersuchungen zu Raumordnungsfragen auf kommunaler und regionaler Ebene
und zu den Auswirkungen industrieller Ballungszentren auf die nähere und weitere
Umgebung, die Luft-und Wasserverschmutzung und das regionale Klima werden durch
das Erdbeobachtungsprogramm mit den "Earth Resources Technology Satellites"
unterstützt, ja in mancher Hinsicht überhaupt erst möglich. Mit der durch das
ERTS-Programm erhofften Verbesserung der zunächst einmal versuchsweise angewandten
Technik hofft man z.B. auch, Veränderungen im Gelände sowie der Temperaturen und
des Feuchtigkeitsgehaltes des Bodens als Vorboten von Erdbeben, Vulkanausbrüchen
und Erdrutschen erfassen zu können.
Die mit ERTS gewonnenen Meßdaten sollen aller Welt zur Verfügung stehen.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten zu einem an der Universität von Michigan abgehaltenen Seminar eingeladens wo unter Beteiligung von
Wissenschaftlern aus 40 Ländern und von 16 internationalen Organisationen die
Aufgaben und die Möglichkeiten dieser neuen Erd-und Bodenforschungstechnik erläutert wurden. Inzwischen hat die NASA, die für das ERTS-Projekt verantwortlich ist, 300 Wissenschaftlerteams (davon 100 in 34 Ländern außerhalb der USA)
als Arbeitsgruppen für die Auswertung der Daten ausgewählt. Sie werden kontinuierlich mit Informationen versorgt, die der ERTS-Satellit von dem Gebiet liefert,
zu dem ihr Land gehört, oder die für ihr spezielles Arbeitsgebiet von Interesse
sind. In den Vereinigten Staaten selbst werden das US-Innenministerium, das USHandelsministerium und das US-Landwirtschaftsministerium zu den Hauptkunden der
ERTS-Datenzentrale in Sioux Falls (Süddakota) zählen.

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KREBS - GEOGRAPHISCH GESEHEN

--(AD)-- Zu den Rätseln, die der Krebs als Krankheit aufgibt, kommt ein
weiterer Faktor hinzu - das gehäufte Auftreten bestimmter Krebsformen in
einzelnen geographischen Regionen. So sind beispielsweise aus bisher nicht erklärbaren Gründen Krebserkrankungen im Nasen-und Rachenraum in China relativ
häufig. Die Erkrankungsziffer geht jedoch unter Auslandschinesen sehr rasch
zurück. I n einem Gebiet in Äquatorial-Ostafrika wird ein Karzinom des Lymphsystems, das in der übrigen Welt nur selten zu registrieren ist, extrem häufig
beobachtet. Finnen und Japaner sind von Magenkrebs viel stärker betroffen als
die Bevölkerung in anderen Ländern. Warum ist das so? Viele Wissenschaftler
sind überzeugt, daß es tatsächlich eine "geographische Häufigkeit" bei versohiedenen Krebsformen gibt und dies auf Umweltfaktoren zurückzuführen ist.
Somit müßten sich auch in bestimmten Fällen exogene Ursachen ermitteln und ausschalten lassen.
Das neue Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation in
Lyon (Frankreich), das im Juni seiner Bestimmung übergeben wurde, soll einen
wichtigen Beitrag zur Klärung dieser Fragen leisten. Es wird dabei in jeder
nur erdenklichen Form von der neuen amerikanischen Zentralbehörde zur Erforschung und Bekämpfung von Krebs unterstützt.
Untersuchungen
.i-

�Untersuchungen über ein merkwürdiges regionales Phänomen, nämlich das
Auftreten von Speiseröhrenkrebs in zwei Distrikten des Iran, wurden bereits in
Angriff genommen: im östlichen Gonbad-Distrikt werden auffallend viele Frauen
von der Erkrankung befallen, dagegen ist die Gefahr für Frauen im RudbarDistrikt, nur ca. 400 km von Gonbad. entfernt, praktisch Null. Außerhalb des
Iran wird in einem breiten Band von Vorderasien bis ins nordöstliche China
eine besonders große Erkrankungshäufigkeit beobachtet, ähnlich in Frankreich
in der Normandie und in der Bretagne. Man vermutet, daß die Ursachen chemischer Natur sind. Die Wissenschaftler machen Nitrite (zur Fleischkonservierung
benutzt) und Amine(die z.B. in Fisch gefunden werden) dafür verantwortlich.
Wenn diese beiden Verbindungen miteinander reagieren, bilden sie sogenannte
Nitrosamine, die, wie durch Experimente mit sehr kleinen Dosen an verschiedenen
Tierarten bereits nachgewiesen, bei den Versuchstieren Ösophaguskarzinom auslösen. Ob die Reaktionskette allerdings auch für den Menschen gilt, war bisher
nicht zu beweisen. Deshalb wird Ursachenforschung in Bezug auf kanzerogene
Stoffe im internationalen

Rahmen intensiviert; das neue amerikanisch-sowje-

tische Abkommen zur Zusammenarbeit in der Medizin dürfte dabei eine wichtige
Rolle spielen.

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ATEMNOT - SCHON VOR DER GEBURT DIAGNOSTIZIERT

--(AD)-- Für die pränatale Diagnostik, in diesem Fall zur Erkennung der Gefahr von Sauerstoffmangel und schwerer Atemnot beim Neugeborenen, entwickelten Mediziner der Universität Kalifornien in den Kliniken von Los Angeles
und San Francisco einen zuverlässigen und relativ einfachen Test. Er sollte
nach Meinung von

Dr. John A. Clements, der mit finanzieller Unterstützung

der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) die Arbeiten leitete, in allen solchen Fällen angewandt werden, bei denen entweder die Geburt
vor Ablauf der normalen Reifezeit zu erwarten ist, ein primärer Kaiserschnitt vorgenommen werden muß oder andere Risikofaktoren eine Rolle spielen,
die die vorzeitige Geburtseinleitung ratsam erscheinen lassen oder bei denen
auch nach normaler Tragezeit die Organreife des Kindes nicht gegeben ist.
Zu den Risiken zählen z.B. Diabetes und Bluthochdruck bei der Mutter, Präeklampsie oder RhiUnverträglichkeit.
Der neue Test gibt Auskunft darüber, ob die Broncheolen und Lungenalveolen
bereits genügend ausgebildet sind, um den regulären Gasaustausch in der Lunge
und damit die ausreichende Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe zu
gewährleisten. In diesem Fall bildet sich vor der Geburt ein oberflächenakti-

-1-

�oberflächenaktiver Film, der z.B. einen Stau hyaliner Massen (geronnenes
Eiweiß, Kohlenhydrat-Komplexe) zwischen Kapillarwand und Epithel der Lungenbläschen oder andere Störungen, die Atmungsbeschwerden, ja den Zusammenbruch
der Lungenfunktion auslösen, verhindert.
Der Test verlangt eine Amniozentese, d.h. eine Punktion der Eihäute zur
Gewinnung von Fruchtwasser. In den meisten Fällen wird die Punktion durch
die Bauchdecke ausgeführt. Er läßt sich in weniger als einer halben Stunde
in der Klinik, im Labor oder in der ärztlichen Praxis durchführen. Durch
Schaumbildung beim Schütteln der mit einer entsprechenden Menge Alkohol versetzten Fruchtwasserprobe wird angezeigt, daß bereits genügend oberflächenaktive Substanz, von der dann auch Partikel in das Fruchtwasser übergehen, gebildet worden ist. Ist dies nicht der Fall.unterbleibt die Schaumbildung oder
ist nur schwach

Unter diesen Umständen sind Atmungsschwierigkeiten bei dem

Kind nach der Entbindung zu erwarten. Der Arzt kann dann Maßnahmen treffen, um
den Geburtstermin bis zu einem Zeitpunkt hinauszuziehen, an dem mit einer besse
ren Organreife beim Kind gerechnet werden kann,oder aber die Atmung des Neugeborenen sofort mit allen erdenklichen Mitteln zu unterstützen. Denn wenn erst
einmal Atemnot eingesetzt hat, ist es oft sehr schwierig, den damit ausgelösten
Circulus vitiosus zu durchbrechen. In den USA sterben jährlich 25 000 Neugeborene an dem gefürchteten "Respiratory Distress Syndrom" (RDS .

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30/1972

BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

--(AD)— Mit 250 Wissenschaftlern und technischen Hilfskräften werden sich
fast alle großen amerikanischen Universitäten an einem Forschungsprojekt
beteiligen, das den Ausbau der biologischen Bekämpfung von Schädlingen zum
Ziele hat. Wie Dr. H. Guyford Stever, der Direktor der Nationalstiftung für
die Wissenschaft (National Science Foundation - NSF), kürzlich bekanntgab,
geht es dabei vor allem um den Schutz von Zitruspflanzen, Baumwolle, AlfalfaGras, Plantagen mit Kern-und Steinfrüchten (z.B. Äpfeln und Pfirsichen) und
Anbauflächen für Sojabohnen. Mit zunächst 300 000 Dollar wird die National
Science Foundation, mit 700 000 Dollar die Bundesbehörde für Umweltschutz
(EPA) und mit 911 500 Dollar das US-Landwirtschaftsministerium das Projekt
finanzieren. Es ist Teil des Internationalen Biologischen Programms (IBP),
in dem 57 Nationen zusammengeschlossen sind.
Im Rahmen der von Dr. Carl B. Huffaker (Universität Kalifornien in Berkeley) geleiteten Studie soll die Arbeit aller beteiligten Wissenschaftler,
die die verschiedensten Fachgebiete wie Entomologie, Biochemie, Pflanzen-und
Tierphysiologie, Ökologie und Mathematik vertreten, koordiniert werden. Die
biologische Schädlingsbekämpfung umfaßt eine Vielzahl von Methoden, angefangen von der Unterbindung der Entwicklung und Vermehrung von Schädlingen durch
biochemische Mittel, der Einführung natürlicher Feinde in Schädlingspopulationen bis zur Entwicklung schädlingsresistenter Pflanzen.
Durch

-l-

�Durch Anwendung solcher Methoden wird angestrebt, die weitere Anreicherung
und damit Verseuchung der Umwelt mit Chemikalien, die bisher in großen Mengen
zur Schädlingsbekämpfung benutzt wurden, zu verhindern und zusätzliche Schädigungen ökologischer Systeme unmöglich zu machen. Allerdings erfordert es größte
Sorgfalt und fortlaufende Informationen über alle nur erdenklichen Faktoren im
regionalen Bereich, um biologische Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung wirksam
und unter Vermeidung neuer Schäden anwenden zu können. Die Studie, die den
Titel trägt "Prinzipien, Strategie und Taktik bei der Bekämpfung und Regulierung von Schädlingspopulationen im Ökosystem wichtiger Nutzpflanzen",soll der
Wissenschaft unter anderem ein möglichst komplettes Bild aller Umweltfaktoren
vermitteln,die auf die Existenz der Schädlinge in der lebenden Natur Einfluß
haben und von Ort zu Ort verschieden sind. Für die größten Anbaugebiete werden bereits entsprechende Computermodelle entwickelt, an denen sich die Bedeutung einzelner Faktoren und die Auswirkung ihrer Veränderung studieren
lassen.

4-H-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers brandmarkt nordvietnamesische Propagandakampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Beschuldigungen Hanois sind Propagandamaßnahme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Hanoi setzt militärischen Aufbau in Südvietnam fort&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Rogers vor dem Commonwealth Club von San Francisco&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Maßnahmen gegen die Währungsspekulation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Zeichen aus der US-Wirtschaft mehren sich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster ERTS-Satellit gestartet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krebs - geographisch gesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atemnot - schon vor der Geburt diagnostiziert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Schädlingsbekämpfung</text>
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Dokumentation

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Nummer

2 . August 1972

31

Inhalt
INFORMATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 27. Juli 1972
-AuszügeNordvietnam: Die Frage der Bombardierung der Deiche
-Bericht des US-Außenministeriums-

HINTERGRUND:

o
Wenn die Kommunisten kommen
Von Douglas Pike

WIRTSCHAFT:
Burns unterstreicht Notwendigkeit eines Ausgleichs der US-Zahlungsbilanz

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Für die Raumfahrt entwickelt - im Alltag angewandt
NASA gibt immer mehr Patentrechte zugunsten der Wirtschaft frei
Raumtransporter - Der Milliardenauftrag
Elektrische Aktivierung gelähmter Muskeln

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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31/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 27. JULI 1972
-AuszügeWASHH.'iTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 27. Juli auf einer kurzfristig
eL.berjfenen Pressekonferenz erneut zur Frage der Bombenangriffe auf Nordv:..»tna.i Stellung genommen. Weitere Themen der Pressekonferenz waren der Nahe
0..( er. md die Frage der Vizepräsidentschaftskandidatur bei den Präsidentsi l.aft wählen im kommenden November.
D e Vietnam betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
F age:: Herr Präsident, Sie haben erklärt, eine Bombardierung von Deichen
utc Därmen in Nordvietnam verstoße gegen die amerikanische Politik. Gestern
htt da Außenministerium zugegeben, daß gelegentlich und unbeabsichtigt Schade t du . ,i in der Nähe eingeschlagene Bomben entstanden seien. Meine Frage lautet: L t es das Risiko wert, daß aufgrund einer Bombardierung von Dämmen mögUchen.eise Überschwemmungen ausgelöst werden oder die Weltmeinung gegen uns
ati geb acht wird?
Ai.twort: Ich glaube, Ihre Frage läßt sich besser beantworten, wenn ich
gar,* g, nerell die Politik bezüglich der Bombardierung ziviler Einrichtungen
erläutere, dann speziell auf Ihre Frage eingehe und so eine allgemeine Antwort
ge;.-.
Einige
-l-

�Einige von Ihnen, die mit mir zusammen in Texas waren, werden sich erinnern, daß diese Frage auf der Connally-Ranch gestellt wurde, daß sie praktisch von einem Befürworter der Bombardierung der Deiche gestellt wurde und
daß sie darauf hinauslief, warum wir die Deiche nicht bombardierten. Ich sagte damals, daß es vor der Einstellung der Bombenangriffe im Jahre 1968 nicht
die Politik der USA gewesen ist, Deiche zu bombardieren, daß dies jetzt nicht
unsere Politik ist und daß es auch nicht in der Zukunft unsere Politik sein
würde, weil die Vereinigten Staaten in allen ihren Maßnahmen in Nordvietnam die
Politik verfolgen, die Angriffe nur gegen militärische Ziele zu richten.
Dies war die Politik der sechziger Jahre und ist auch jetzt unsere Politik,
seit wir die Bombenangriffe wieder aufnehmen mußten, aus Gründen, die ich in
meiner Rede vom 8. Mai erwähnt habe.
Was die Situation in bezug auf die Deiche anbetrifft, so sollten wir verstehen, womit wir hier konfrontiert werden. Es handelt sich hier um eine etwa
2 700 Meilen lange Kette von Einrichtungen, darunter vielleicht ein halbes
Dutzend wichtige Dämme, die den Kern des Systems bilden, und dann um peripherische Gebiete bis zu den kleineren Dämmen, die natürlich den Zweck haben, das
Flutwasser in diesem bestimmten Gebiet unter Kontrolle zu halten.
Wäre es die Politik der Vereinigten Staaten, die Deiche zu bombardieren,
so könnten wir sie innerhalb einer Woche ausschalten, zumindest den wichtigen
Teil von ihnen. Wir tun dies nicht aus den von mir erwähnten Gründen, denn wir
suchen Verluste unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden und nicht solche zu
verursachen.
Was nun die aus Hanoi eingegangenen Berichte betrifft, daß es an einigen
Stellen des Deichsystems Schäden gegeben haben soll, so halte ich es für wichtig, zwei Dinge zu betonen: einmal hat es keinen Bericht über irgendwelche
Überschwemmungen gegeben und zum anderen hat es keinen Bericht über einen Angriff auf irgendeines der wichtigen Deichgebiete gegeben.
Worauf

�Worauf ich mich hier beziehe, sind die großen Dämme, die den Kern des Systems
bilden. Es hat Berichte über zufällige Schäden an einigen der peripherischen
Einrichtungen des 2 700 Meilen langen Systems gegeben, das sich über die Landfläche Nordvietnams hinzieht.
Unter diesen Umständen halte ich es für richtig, stets im Auge zu behalten,
was erstens unsere Politik ist und zweitens welche Auswirkungen sie gehabt hat.
Unsere Politik ist nicht darauf gerichtet, zivile Einrichtungen zu bombardieren,
und zum anderen, so scheint mir, sollte unsere Zurückhaltung nicht Gegenstand
der Kritik, sondern Gegenstand einer objektiven Analyse und,so meine ich, eines
beträchtlichen Maßes an Unterstützung sein.
Was diese anbetrifft, ist es meines Erachtens an der Zeit, endlich damit
aufzuhören,zweierlei Maßstäbe anzulegen. Ich habe mit Interesse davon Kenntnis
genommen, daß der UN-Generalsekretär, genauso wie sein Vorgänger, diese vom
Gegner ausgehende Propaganda aufgegriffen hat,die zahlreiche das Gute wollende
und naive Menschen veranlaßt hat, die Amerikaner wegen Bombenangriffen auf zivile Einrichtungen und Gefährdung des Lebens der Zivilbevölkerung anzugreifen,die
aber nicht einmal ihre Stimme gegen den vorsätzlichen Beschuß ziviler Einrichtungen in Südvietnam erhoben haben.
Dies nur, um die Tatsachen richtig zu stellen - und das sollte an dieser
Stelle gesagt sein -- Sie alle, meine Damen und Herren, wissen das natürlich;
Sie haben das geschrieben, und Sie werden vielleicht in der Lage sein, das in
diesem Zusammenhang erneut zu tun.
Ich habe soeben ein Telegramm von Botschafter Bunker erhalten. Ich hatte
ihn gefragt, was den Zivilisten während der neuen Offensive angetan worden ist.
Sie werden sich an meine

Rede vom 8. Mai erinnern, als ich sagte, daß sich die

Verluste unter der Zivilbevölkerung auf 20 000 beliefen, darunter Frauen und
Kinder, weil die Nordvietnamesen die Städte absichtlich beschossen und die

-3-

�die Flüchtlinge blindlings niedergemetzelt haben.
Die Zahl der Opfer beträgt nunmehr 45 OOO einschließlich Frauen und Kinder,
darunter 15 000 Tote.
Ich fragte ihn nach der Zahl der Flüchtlinge. Diese ist höher als ich angenommen hatte

Durch die nordvietnamesische Invasion Südvietnams, diese jüngste

Invasion, sind bisher 860 000 Menschen heimatlos geworden, von denen sich noch
600 000 in Flüchtlingslagern, fern ihrer Heimat, befinden.
Wenn wir auf die Zeit dieses sehr schweren Krieges zurückblicken, so werden wir feststellen, daß sich die Verluste unter der Zivilbevölkerung Südvietnams aufgrund der vorsätzlichen Politik der nordvietnamesischen Kommunisten
-nicht zufällig, sondern vorsätzlich- seit 1965 auf rund 600 000 belaufen.
In Nordvietnam wurden in der Zeit von 1954 bis 1956, während des sogenannten Landreformprogramms- wenigstens 50 000 Menschen ermordet und erschlagen,
und nach den Angaben des katholischen Bischofs von Danang, mit dem ich 1956 während meines Besuchs in Südvietnam sprach, sind - abgesehen von den nach dem Süden entkommenen 800 000 Flüchtlingen - noch wenigstens eine halbe Million Menschen in den Zwangsarbeitslagern Nordvietnams gestorben.
Ich habe alle diese. Tatsachen nicht angeführt, um damit sagen zu wollen:
Weil sie etwas Böses getan haben, können wir auch etwas Böses tun. Ich möchte
lediglich sagen, daß wir keinen heuchlerischen doppelten Maßstab anlegen sollten.
Die Vereinigten Staaten haben sich zurückgehalten, sie haben mehr Zurückhaltung
geübt als irgendeine andere Großmacht zuvor in diesem Krieg. Wir werden weiterhin
Zurückhaltung üben. Wir müssen militärische Ziele bombardieren, um die von mir
in meiner Rede vom 8, Mai umrissenen Ziele zu erreichen.
Auf der anderen Seite kann ich, was diesen besonderen Punkt anbetrifft,
lediglich sagen: Wenn Schäden entstanden sind, so tun wir alles in unseren Kräften stehende, damit dies nicht wieder vorkommt, und damit beantworte ich Ihre

-4-

�Ihre Frage. Die Truppenkcmaandeure, die Luftwaffenkommandeure usw. sind im
Hinblick auf die militärischen Ziele angewiesen, wo immer sie können, Schäden an
zivilen Einrichtungen zu vermeiden.
Dies ist der Grund, warum einige Ziele im Herzen Hanois, zum Beispiel
große Kraftwerke und Brennstofflager mitten in Hanoi, nicht angegriffen worden
sind, weil ich keine Verluste unter der Zivilbevölkerung wünschte, wenn dies
irgendwie vermieden werden konnte.
Ich möchte zum Schluß nur sagen, daß es sich hier um eine großangelegte
Propagandakampagne handelt, die uns betrifft. Aber lassen Sie mich die Tatsachen
klarstellen. Falls die Vereinigten Staaten dem von einigen empfohlenen Kurs
folgen würden, die im amerikanischen Senat für die sogenannte "Beendet den
Krieg-Resolution" gestimmt haben, so würde dies bedeuten, daß Südvietnam unter
den gleichen Grausamkeiten zu leiden haben würde wie seinerzeit Nordvietnam
und daß in Südvietnam wahrscheinlich wenigstens eine Million Menschen mit ihrer
Ermordung rechnen müßten, nur weil sie gegen die Versuche der Nordvietnamesen
gekämpft haben, Südvietnam zu erobern.
Ich möchte noch einen weiteren Punkt anführen, und zwar im Hinblick auf
die Verhandlungen. Wir verhandeln gegenwärtig. Wir haben öffentliche Verhandlungen geführt. Wir hatten in der vergangenen Woche ein vertrauliche Zusammenkunft, die etwa sechs Stunden dauerte. Wir hoffen, daß weiter verhandelt
wird.
Wir haben faire Angebote über einen Truppenabzug, über eine Waffenruhe
und über eine politische Regelung vorgelegt. Wir haben sie nicht auf einer
Alles-Oder-Nichts-Basis gemacht.
Wir haben faire Angebote über einen Austausch der Kriegsgefangenen und
Auskunft über das Schicksal der Vermißten gemacht.
Wir

�en alles dies getan, aber wir haben eines nicht angeboten, und das
ist eines der Probleme in bezug auf eine Regelung. Es geht um die Forderung des
Gegners, direkt oder indirekt das zu tun, was er selbst nicht erreichen kann,
nämlich in Südvietnam eine kommunistische Regierung einzusetzen. Es wäre der
Gipfel der Unmoral, den 17 Millionen Menschen in Südvietnam eine kommunistische
Regierung mit dem dann folgenden Blutbad aufzuzwingen .
Frage: Herr Präsident, Sie erwähnten die politische Regelung. Sehen Sie
eine Möglichkeit, ohne daß es unbedingt zu Wahlen kommt - glauben Sie, daß als
eine mögliche Lösung bei den Pariser Gesprächen die beiden Parteien in Südvietnam ohne Wahlen zu irgendeiner Art von Übereinkunft zusammenfinden werden?
Antwort: Das ist eine scharfsinnige Frage. Aber es ist auch eine Frage, zu
der ... ich nicht Stellung nehmen sollte aus dem einfachen Grunde, weil die Verhandlungen noch im Gange sind. Ich habe die langen Verhandlungssitzungen genau
verfolgt, die öffentlichen, und was noch wichtiger ist, die vertraulichen, und
zwar in allen Einzelheiten. Solange Fragen noch erörtert werden, ist es nicht
gut, wenn ich irgendetwas zu dem sage, was gegenwärtig in den Verhandlungen geschieht.
Ich möchte nur sagen, daß wir aus dem Wunsche heraus verhandeln, diesen Krieg
so schnell wie möglich zu beenden. Der schnellste Weg zur Beendigung des Krieges
und der beste Weg sind Verhandlungen.Wir möchten hoffen, daß die Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens in ihren Stellungnahmen nicht irgendetwas sagen, was die
Verhandlungen stört, daß der Kongreß durch seine Maßnahmen dem Gegner nicht
praktisch eine Botschaft übermittelt: "Verhandelt nicht mit der gegenwärtigen
Administration, wartet auf uns. Wir geben Euch in Südvietnam, was ihr wollt."

Frage:

-6-

�Frage: Herr Präsident, darf ich an die erste Frage anknüpfen? Es hat Berichte gegeben, wonach SAM-Stellungen direkt auf einigen dieser Deiche oder
Dämme angelegt worden sind. Schließt Ihre Politik die Bombardierung solcher besonderen Gebiete, in denen sich SAM-Stellungen befinden, aus?
Antwort: Ich habe diese Berichte gesehen. Wie Sie wissen, hat der Verteidigungsminister hierzu einige indirekte Stellungnahmen abgegeben. Die Situation
hitn- ist so, daß wir dazu neigen, SAM-Stellungen als Ziele auszunehmen, wenn
dies zu wesentlichen Verlusten unter der Zivilbevölkerung führen würde.
Ich habe jedoch in den letzten Tagen keine Berichte gesehen, die darauf
hindeuten, daß irgendwelche derartigen SAM-Stellungen angegriffen werden, und
angesichts der gegenwärtigen Debatte werden wir in bezug auf diese Ziele sehr
vorsichtig sein. Wir werden sie nur angreifen,wenn wir das müssen, um amerikanische Flieger zu schützen, die sonst von diesen SAMs abgeschossen würden....
Frage: Herr Präsident, ist das so zu verstehen, daß die Rufe "Stellt die
Bombardierung der Deiche ein" in diesem Jahr zu einem politischen Schlagwort
geworden sind und daß diejenigen, die dahinter stehen, nicht gründlich geprüft
haben, worauf sie ihre Anschuldigungen begründen?
Antwort: Ich habe

nicht ohne Absicht das Wort "naiv" benutzt. Die Nordviet-

namesen sind in ihrer Propaganda sehr geschickt. Sie haben diejenigen, die sie
in ihr Land eingeladen haben, in solche Gebiete geführt, in

denen die Besucher

Bombenschäden fanden. Sie haben sich keine große Mühe gegeben, solche Bombentrichter zu füllen, was sie natürlich tun möchten, bevor die Möglichkeit von
Wolkenbrüchen und Überschwemmungen im Norden wieder besteht.
Meines

�Meines Erachtens handelt es sich hier um den ganz bewußten Versuch seitens
der Nordvietnamesen, ein Randproblem in den Mittelpunkt zu rücken und die Aufmerksamkeit von einer der barbarischsten Invasionen der Geschichte abzulenken,
zu der noch eine Verletzung aller Begriffe des Völkerrechts bei Behandlung der
Kriegsgefangenen hinzukommt. Wenn sie, die sie eine Politik des vorsätzlichen
Tötens und Mordens und der Angriffe auf die Zivilbevölkerung mit der Absicht
des Tötens verfolgen, wenn sie versuchen, aus dem einen Kapital zu schlagen
und die Aufmerksamkeit von dem anderen abzulenken, dann ist dies ein offenkundiges Propagandamanöver- und zwar eines, dem meiner Auffassung nach begegnet werden
muß
Selbstverständlich müssen wir die Verantwortung für das tragen, was wir
tun. Es ist jedoch an der Zeit, daß in diesem furchtbar schweren Krieg manche
Amerikaner -oder besser gesagt die meisten von uns - allmählich erkennen, daß
es niemals eine leichte Sache ist, wenn wir von Moral reden.
Wenn ich für einen Augenblick abschweifen darf - ich werde dann auf Ihre
Zusatzfrage zu dem anderen Punkt zurückkommen - ich erinnere mich noch an eines
der ersten Gespräche über Krieg, das ich mit Präsident Eisenhower führte. Wir
fuhren von Quantico zurück. Sie werden sich vielleicht noch daran erinnern,daß
Charlie Wilson

(der damalige Verteidigungsminister) in Quantico solche Treffen

von Verteidigungsexperten abzuhalten pflegte. Er (Präsident Eisenhower) forderte mich auf, mit ihm zurückzufahren. Es war noch ganz im Anfang, im ersten Jahr
seiner Administration.
Er sprach über die Entscheidungen, die er im zweiten Weltkrieg hatte fällen
müsser. Eine der Fragen, die ich mit ihm anschnitt,war die absichtliche Bombardierung deutscher Städte, die Tragödie von Dresden, von Essen, von Hamburg,
nicht zu vergessen von Berlin. Wie General Eisenhower betonte, war es eine
furchtbar schwere Entscheidung für uns, diese strategische Bombardierung der
Zivilbevölkerung in Deutschland. Er sagte jedoch, "was die Frage der Moral angeht, so mußten wir auch auf dieses grundlegende Problem eine Antwort finden".
Er
-8-

�Er sagte, "der Gipfel der Unmoral wäre es gewesen, zuzulassen, daß Hitler Europa beherrscht."
Nun, in unserem Fall sind wir nicht so weit gegangen. Wir werden keine
zivilen Ziele im Norden bombardieren. Wir machen von der großen Macht keinen Gebrauch, die Nordvietnam an einem Nachmittag auslöschen könnte, und wir werden
dies auch in Zukunft nicht tun. Es wäre jedoch der Gipfel der Unmoral, wenn
die Vereinigten Staaten Vietnam an diesem Punkt im Stich lassen würder

und

wenn wir bei unserem Abzug das Schicksal von 17 Millionen Südvietnamesen, die
keine kommunistische Regierung wünschen, den Nordvietnamesen überantworten
würden.
Darum geht es hier. Das ist die einzige Frage, die hier ansteht. Diejenigen, die rufen: "Beendet den Krieg", sollten ihre Resolution eigentlich richtiger nennen: "Verlängert den Krieg". Sie sollten sie "Verlängert den Krieg" nennen, nicht weil sie dies wirklich wollen. Sie wollen genauso wie ich den Krieg
beenden, aber wir sollten bedenken: Wir haben, wie ich schon 1968 sagte, immer
nur einen Präsidenten. Und damals wurde ich, wie Sie sich vielleicht erinnern
werden, von Ihnen, meine Damen und Herren, oft mit der Frage bedrängt: "Was
müssen wir Ihrer Ansicht nach in bezug auf Verhandlungen tun?"

Ich glaubte

nicht, daß damals große Aussichten für erfolgreiche Verhandlungen bestanden.
Aber ich sagte ganz richtig, wir haben nur einen Präsidenten, und ich möchte nicht jede Chance zerstören, die er für eine Beendigung dieses Krieges haben
könnte. Im Augenblick ist die Aussicht auf eine Regelung auf dem Verhandlungswege besser als jemals zuvor. Dies ist nicht sicher, und ich möchte keine falschen
Hoffnungen erwecken, aber die militärische Offensive des Gegners schlägt fehl,
auch wenn noch in dem Raum Quang Tri-Hue harte Kämpfe stattfinden werden. Aber
der Gegner verspürt natürlich auch die Folgen der Verminung und der Unterbrechung
der Straßen und anderer Systeme, auf denen Nachschubgüter nach Nordvietnam gebracht werden könnten.
Unter

-9-

�«

Unter diesen Umständen hat der Gegner - weil wir überdies ein sehr faires
Angebot vorgelegt haben - jeden Anreiz zu verhandeln. Wenn Sie sich jedoch in
die Position des Gegners versetzen und dann hören, daß der amerikanische Kongreß
praktisch sagt: "Wir werden Euch geben, was Ihr wollt, gleichgültig, was immer
der Präsident angeboten hat. Warum dann nicht warten? Das ist das Problem, und
ich möchte hoffen, daß die Senatoren und Kongreßabgeordneten, wenn sie ihr Gewissen befragen, sich bewußt werden, daß wir nur noch drei Monate bis zu den
Wahlen haben. In diesen drei Monaten hoffen wir, alles in unseren Kräften stehende tun zu können, um diesen Krieg zu beenden, und sie sollten nichts unternehmen,
was diese Verhandlungen gefährden könnte. Ich kann nur sagen, daß die Resolutionen nichts hierzu beitragen können. Sie können bestenfalls den Gegner nur verwirren; und schlimmstenfalls werden sie den Krieg verlängern.

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i .

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31/1972

NORDVIETNAM: DIE FRAGE DER BOMBARDIERUNG DER DEICHE
-Bericht des US-Außenministeriums-

WASHINGTON --(AD)— Das amerikanische Außenministerium hat unter dem Titel
"Nordvietnam: Die Frage der Bombardierung der Deiche" am 28. Juli einen auf
Aufklärungsergebnissen basierenden Bericht veröffentlicht, der folgenden Wortlaut hat:
In den letzten Wochen hat Hanoi versucht, die Welt davon zu überzeugen,
daß das ausgeklügelte nordvietnamesische Deichsystem ein direktes und absichtliches Ziel amerikanischer Angriffe sei. Das stimmt nicht. Fotografische Aufnahmen zeigen eindeutig, daß Deiche nicht absichtlich bombardiert worden sind.
Einige wenige Deiche sind von fehlgegangenen Bomben getroffen worden, die in
der Nähe gelegene militärische Ziele treffen sollten. Der Schaden ist geringfügig,und es ist kein großer Damm gebrochen. Der Schaden ließe sich leicht innerhalb von wenigen Tagen reparieren und ist nicht so groß, daß er Überschwemmungen hervorrufen könnte. Es sind keine Schäden im Gebiet von Hanoi oder an
dem Hauptdeichgebiet zum Schutze dieser Stadt festgestellt worden. Hanoi ist
ohne Frage um das Deichsystem wirklich besorgt. Die Regenzeit in Nordvietnam
wird bald ihren Höhepunkt erreichen,und die im letzten Jahr durch die sehr
schweren Überschwemmungen entstandenen Schäden sind noch nicht völlig wieder
beseitigt worden.
-Das

�-Das nordvietnamesische Wa sserwirtschaftssystem1.

Nordvietnam verfügt über ein sorgfältig ausgeklügeltes Netz von Deichen,

Dämmen und Schleusen zur Kontrolle des Wassers in dem dicht bevölkerten DeltaGebiet des Roten Flusses. Das im Delta landwirtschaftlich genutzte Land ist
in der Trockenzeit von der Bewässerung abhängig und wird in den Regenmonaten
durch Überschwemmungen gefährdet. Die Hauptwassertransportwege des Landes, der
Rote Fluß, der Thai Binh-Fluß und der Canal des Rapides sowie der Canal des
Bambous, verbinden die wichtigsten Stadtgebiete miteinander. Düngemittel, Lebensmittel, Erdöl und andere Rohstoffe werden zum Teil auf diesen Wasserwegen
befördert sowie Kohle,die aus den Bergbaugebieten von Hon Gai und Cam Pha kommt.
Auch im südlichen Teil ist ebenfalls an einigen Flüssen ein Deich-und Schleusensystem zur Kontrolle des Wassers und der Schiffahrt notwendig, aber dieses System
hat nicht so große Bedeutung wie das im Delta.

2.

Entlang des Roten Flusses sind die Deiche zur Verhinderung von Über-

schwemmungen sowie zur Kontrolle des Wasserlaufes sehr weit entwickelt. Das
Deichsystem am Roten Fluß beginnt in der Nähe von Viet Tri, das zwar rund 100
Meilen von der Küste entfernt, aber nur etwa 13 Meter über dem Meeresspiegel
liegt. Die von den Bergen her mitgeführten großen Schlamm-und Schlickmengen
haben sich im Deltagebiet im Flußbett abgelagert, so daß der Wasserspiegel des
Flusses vielfach höher als das umliegende Land ist und die ihn einfassenden
Deiche ständig angehoben werden müssen. In einigen Gebieten, vor allem um Hanoi,
sind die Deiche bis zu 12 Meter hoch. Einige sind an der Krone rund 24 Meter
und unten bis zu 60 Meter breit. Ein zweites System von 1,20 Meter bis 6,60
Meter hohen Deichen verläuft parallel zu den Hauptdeichen und soll, falls der
Hauptdeich bricht, den Schaden lokalisieren und auf ein Minimum begrenzen. Ein
drittes System kleinerer Deiche teilt die Reisanbaugebiete in kleine Areale
auf, ermöglicht die Bewässerung und kontrolliert Wasserführung der kleineren
Flüsse und der örtlichen Wasserwege. Darüberhinaus gibt es an der Küste kleine

-2-

�kleine natürliche oder von Menschen errichtete Deiche, um das Brackwasser fernzuhalten.

3.

Dämme und Schleusen spielen eine untergeordnete Rolle. Nur wenige große

Dämme sind aus Beton errichtet und haben Schleusen,um Schiffe durchzulassen. Und
nur die wichtigen Wasserwege im Delta des Roten Flusses haben Flutschleusen,zur
Kontrolle des Wasserstandes und zur Erleichterung des Schiffsverkehrs.

-Ständige Überschwemmungen4.

Die Wasserführung der Flüsse erreicht saisonbedingt im Juli und August

ihren Höchststand. Ausgedehnte Überschwemmungen und die Zerstörung von Eigentum
sind die Folge. Obwohl es seit Mitte der vierziger Jahre nur wenige größere
Deichbrüche gegeben hat, so kommt es doch fast jedes Jahr vor, daß kleinere
Deiche brechen.
5.

Die Überschwemmungen vom August letzten Jahres gehören zu den schwersten,

die jemals bekannt geworden sind. Allein vier Deichbrüche waren an dem Hauptdeich entlang des Roten Flusses zu verzeichnen. Schätzungsweise 440 000 Hektar
- ein Viertel des gesamten in Nordvietnam mit Reis bestellten Landes - wurden
völlig überschwemmt, und die gesamte Ernte in diesem Gebiet wurde völlig vernichtet.
Hanois

Stürme rissen einen Kai in einer Länge von einer halben Meile außerhalb
ein,und eine Eisenbahnlinie nach dem Norden - nach Dong Dang - wurde

unterbrochen. Die überschwemmte Landfläche nahm bis Ende Dezember immer weiter
zu, wahrscheinlich, weil das zweite Deichsystem auf die Dauer aufgeweicht und
infolge des starken Wasserdruckes ausgewaschen worden war.

6.

Abgesehen von den unmittelbaren Ausfällen bei der Reisernte haben die

Überschwemmungen auch umfassende langfristigere Schäden verursacht. Die Gewalt
des durch die Bruchstellen der Hauptdämme strömenden Wassers hat vielfach £u

-3-

�zu Bodenerosionen geführt, die weit über die offensichtlichen Anschwemmungen
in der Nähe der Durchbruchsstellen gehen. Lange Stücke von Bewässerungskanälen
wurden unterbrochen, und die Presse berichtete von zahlreichen unterspülten
Pumpstationen. Das Flutwasser hinterließ überall in den Drainagegräben Rückstände. Die lange Überschwemmung infolge der Hochwasserkatastrophe hat möglicherweise zu verborgenen Aushöhlungen des Hauptdeichsystems geführt, die sich erst
Ende dieses Jahres zeigen werden. Da das Deichsystem möglicherweise so geschwächt
ist, erhöht sich noch die Gefahr einer Überschwemmung in diesem Jahr.

-Anfälligkeitsgrad des Systems gegenüber Bombenangriffen-

7.

Das nordvietnamesische Wasserwirtschaftssystem umfaßt eine Vielzahl unnur

terschiedlicher Einzelkomponenten, die/ durch eine umfassende, koordinierte Luftoffensive erheblich beeinträchtigt werden könnten. Solche Angriffe würden sich
zwangsläufig gegen bestimmte Schleusen, Dämme und Deichgebiete richten,und der
Bombenschaden würde sich nur während der verhältnismäßig kurzen Hochwasserperioden auswirken. Aber selbst dann müßte damit gerechnet werden, daß die Nordvietnamesen, die den Kampf gegen das Hochwasser seit langem gewohnt sind, umgehend
handeln und Bruchstellen innerhalb des Systems ausbessern.
8.

Schäden an den Schleusen würden sich nur wenig auf das Transport-wie auch

das Wasserwirtschaftssystem Nordvietnams auswirken. Die Binnenschiffahrt könnte
auf Wasserwege umgeleitet werden, die unabhängig von Schleusen sind, und ein
Teil der Frachten könnte auf den zahlreichen, sich anbietenden alternativen
Landwegen befördert werden. Gelegentliche Bombenschäden in den Jahren 1965 bis
1968 setzten einige Schleusen außer Betrieb, wirkten sich jedoch nur wenig auf
Wassertransporte oder Überschwemmungen in diesem Gebiet aus. Ähnlich würden
Dammbrüche, selbst in Hochwasserzeiten, nur unwesentliche Störungen bewirken,
da sie meistens klein und leicht reparierbar sind.
9. Deiche

-4-

�9.

Deiche sind gegen Bombenschäden besonders unanfällig. Bei Deichen des

Hauptsystems würde es höchstens zu Danmbrüchen kommen, wenn sich über die ganze
Krone eines Deiches eine Reihe aneinandergrenzender Bombentrichter hinziehen
würde und wenn der Kraterrand wesentlich unter der Wasseroberfläche läge, so
daß das Wasser hineinströmen und die sich dann ergebenden Aushöhlungen zu einem
Dammbruch führen würden. Die Deiche am Roten Fluß in der Nähe Hanois sind in
Höhe des Wasserspiegels etwa 24 Meter breit.

10.

Die amtlichen nordvietnamesischen Presseagenturen und Rundfunkstationen

haben wiederholt über angebliche amerikanische Bombenangriffe auf Deichsysteme
berichtet. Im April und im Mai erhoben die Nordvietnamesen 40 spezifische Beschuldigungen, und am 30. Juni zitierte die amtliche Presse den Stellvertretenden Minister für Wasserwirtschaft, daß in jenem Monat 30 Bombenangriffe auf
Deiche stattgefunden hätten. Ausländische Diplomaten, Korrespondenten und erst
in jüngster Zeit die Schauspielerin Jane Fonda wurden an Deiche geführt, um
Schäden zu besichtigen - die meisten um Hai Duong südöstlich von Hanoi.

11.

Es wurde eine genaue Prüfung von Fotoaufnahmen von Mitte Juli aus dem

Delta des Roten Flusses vorgenommen, und an 12 Stellen wurden Bombenkrater festgestellt. Keine der Schäden waren im Gebiet von Hanoi, wo die Zerstörung von
Deichen den größten Schaden für die Wirtschaft und den Nachschub Nordvietnams
hervorrufen würde. Fast alle Schäden befanden sich flußabwärts von Hanoi sowie
flußabwärts von den Gebieten der großen Deichbrüche aus dem Hochwasser von
1971.

12.

Es gibt keine Anzeichen für eine Zerstörung lebenswichtiger Teile von

Deichen über eine Länge von mehreren Kilometern - wie dies von Korrespondenten
aus Hanoi berichtet wurde. Die Trichter sind im Verhältnis zu den Deichen klein,

-5-

�klein, und der Schaden hat nicht zu Überschwemmungen geführt. Obwohl das Wasser
noch nicht seinen höchsten Stand erreicht hat, deutet die Tatsache, daß kein
Wasser durchgebrochen ist, darauf hin, daß der Schaden begrenzt war.

13.

Alle Punkte, an denen Schäden an den

Deichen festgestellt wurden,

liegen in nächster Nähe spezifischer Ziele von militärischer Bedeutung. Von den 12
Stellen,

m

denen Schäden aufgetreten sind, liegen 10 ganz in der Nähe von iden-

tifizierten Einzelzielen, wie Erdöllager, und die beiden anderen in der Nähe von
Straßen-und Flußtransportwegen. Da eine große Zahl der nordvietnamesischen Deiche gleichzeitig den Unterbau für Verbindungswege bildet, macht es das Gewirr,
mit dem sie das Delta durchziehen, fast unmöglich, daß Luftangriffe gegen
Transportziele nicht hier und da auch Schäden an den Deichen verursachen.

14.

Die durch die Aufnahmen festgestellten Bombenkrater ließen sich mit einem

Minimum an Arbeits-und Geräteaufwand leicht reparieren - eine Gruppe von weniger
als 50-Mann mit Schubkarren und einfachem Handwerkszeug

könnte den größten

festgestellten Trichter in einem Tag zuschütten. Da im ganzen Deltagebiet die
notwendigen Geräte zur Verfügung stehen, könnten alle Deiche innerhalb einer
Woche ausgebessert sein. In der ganzen Geschichte habens ich die örtlichen Arbeitskräfte zusammengetan und Deiche ausgebessert, um ernsthafte Überschwemmungen
zu verhindern. Eine gelegentlich auf einen Deich fallende Bombe verursacht keine
wesentliche Mehrarbeit über die normalerweise jedes Jahr erforderliche Reparaturarbeit hinaus. Nordvietnam muß jedoch die Ausbesserung der Schäden aus der Überschwemmung des Jahres 1971 vor dem nächsten Monat abschließen, da dann die diesjährige Regenzeit ihren Höhepunkt erreicht.

-6-

�amerika dienst
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31/1972

WENN DIE KOMMUNISTEN KOMMEN
Von Douglas Pike

Als international anerkannter Fachmann für

Vietnam hat Douglas Pike eingehende Untersuchungen über die Methoden Nordvietnams
und des Vietcong angestellt, Südvietnam in
kommunistische Gewalt zu bringen. Nach seinen umfassenden Analysen ist es den Kommunisten trotz massiver Anstrengungen nicht
gelungen, die Masse der südvietnamesischen
Bevölkerung für sich zu gewinnen, die für
den Fall eines kommunistischen Sieges ein
Blutbad fürchtet.

Das Leben hinter den Linien der von Nordvietnamesen besetzten Teile Südvietnams ist zu einer Mischung aus Terror, Qual und Hoffnung geworden.
Das ist das Bild, das sich aus den Berichten von Flüchtlingen und anderen ergibt, denen es gelungen ist, aus den 14 Distrikten (von insgesamt 272
Distrikten der Republik Vietnam) zu entkommen, die von der Volksarmee von
Vietnam - also der nordvietnamesischen Armee - besetzt gehalten werden (nach

-1-

�(nach dem Stande von Anfang Juli dieses Jahres). Sieben dieser Distrikte liegen in der nördlichsten Provinz Südvietnams, Quang Tri; die anderen sieben
weiter südlich in der Provinz Binh Dinh und Teilen der benachbarten Provinz
Kontum und sogar noch weiter südlich direkt oberhalb von Saigon in der nördlichen Hälfte der Provinz Binh Long.
Insgesamt kann man sagen, daß die nordvietnamesischen Führer überaus enttäuscht waren, daß ihre sogenannte Osteroffensive nicht zu Massendemonstrationen, Unruhen und Aufständen sowie zu anderen Formen des gesellschaftlichen
Chaos in ganz Südvietnam und vor allem in den größeren Städten geführt hat .
Das Chaos hatten sie einkalkuliert. Allerdings konnten eigentlich nur ihre
Hoffnungen enttäuscht worden sein und weniger ihre Erwartungen. Sie hatten
wohl kaum einen großen allgemeinen Aufstand erwartet, denn die Tet-Offensive
von 1968 hatte gezeigt, daß damit nicht zu rechnen war. Sie hatten allerdings
mit weitgehender Unterstützung, Gesten der Solidarität und einer allgemeinen
Aufnahmebereitschaft gerechnet, die sich aus Ressentiments gegen die Regierung
Thieu und aus antiamerikanischen Gefühlen in Südvietnam ergeben sollten.
Aber all dies geschah nicht. Das Schreckgespenst der Volksarmee - Divisionen auf Panzern aufsitzender und um sich feuernder Soldaten, die nach Süden
vordrangen - terrorisierte die südvietnamesischen Dorfbewohner. Diese anrollenden Panzer mußten bei der Bevölkerung ein gewaltiges Trauma hervorrufen, und
aus dem Trauma entstanden Angst und Furcht. Aus der Angst entstand die Polarisierung: Man mußte wählen, entweder die nordvietnamesischen Eindringlinge
oder die südvietnamesischen Verteidiger - es gab keine Alternative.
Welche Differenzen Südvietnamesen auch mit der Regierung Thieu haben mögen, sie verblassten vor der drohenden Gefahr. Die nordvietnamesische Armee
schlug an drei Fronten zu. Der erste Stoßkeil richtete sich gegen Hui, die
heilige Stadt Vietnams, der zweite richtete sich gegen Saigon und der dritte
gegen Kontum, wo die Kommunisten versuchten, Südvietnam in zwei Hälften zu
spalten. Das war das Bild, das sich den Menschen zeigte.
Rund
-2-

�Rund 750 000 Dorfbewohner flohen vor diesem Frontalangriff und gelten
heute als Flüchtlinge. Sie bleiben Flüchtlinge, trotz der nordvietnamesischen
Zusicherung, daß die Kommunisten nicht ihre Feinde seien, und sie weigern sich
trotz intensiver Propaganda, in die von den Nordvietnamesen besetzten Dörfer
zurückzukehren. Das Leben im Flüchtlingslager, das kaum als ideal bezeichnet
werden kann, scheint ihnen lieber zu sein als ein Leben daheim unter dem Kommunismus.
Rund 600 000 Menschen kamen nicht heraus - oder konnten nicht herauskommen. Sie leben jetzt unter kommunistischer Kontrolle. Mit diesen Menschen
- sie stellen rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung Südvietnams dar - wollen
wir uns hier befassen. Diese Studie will zeigen, was geschah, als die Kommunisten kamen.
Das Verhalten der Nordvietnamesen gegenüber südvietnamesischen Zivilisten
in den während der Offensive besetzten Dörfern spiegelt im allgemeinen die aus
der Vergangenheit bekannte gemischte Einstellung wider. Die amtliche öffentliche Politik nach außen ist Befreiung der Ausgebeuteten und Nachsicht gegenüber dem gefangenen Ausbeuter. Das ist die Politik des Zuckerbrots-. Die amtliche Politik nach innen ist die Peitsche - und meist mehr Peitsche als Zuckerbrot. Offiziell wird das Ganze als soziale Gleichrichtung bezeichnet und
euphemistisch als "Ausrottung der Erzschurken und Beseitigung der grausamen
Einheiten" beschrieben. Die Opfer würden es eher als Terror und Tod bezeichnen.
Wir wollen einmal das Verhalten der kommunistischen Besatzer nach außen
und nach innen untersuchen. Zu dieser Untersuchung gehört eine etwas technische
Beschreibung der Tätigkeit im Dorf, wenn es besetzt worden ist. Sie besteht
hauptsächlich aus organisatorischer Arbeit - ein etwas trockenes Thema, das jedoch
für das Gesamtverständnis sehr wichtig ist, denn diese organisatorische Arbeit
ist das Kernstück eines jeden etwaigen Erfolges der Kommunisten. Es gibt auch

-3-

�auch noch eine dunklere Seite - die mystische.
Kommunistische Kader, die praktisch als Militärregierung in einem besetzten
Dorf fungieren, tragen in ihrem Geist eine Art Mystik mit sich; alles, was sie
tun, wie sie es tun, und warum sie es tun, hat einen "tieferen Sinn". Man muß
diese Vorstellungen kennen, um zu begreifen, was und warum es vor sich geht.
Im April dieses Jahres wurde in der Provinz Quang Tin ein Dokument erbeutet,
das unter der Bezeichnung "Zehn Tage zum Sieg" die Anweisung eines Provinzzentralkomitees enthält, wie man ein feindliches Dorf erobert und regiert.
Nicht als Verwaltungsanleitung, sondern als Ausbildungsdokument geschrieben
zeigt es eine idealisierte Mischung von Indoktrinierung, Wunschdenken und praktischer Instruktion. Es zeigt vielleicht am deutlichsten, wes Geistes Kind die
Kader sind, die zur Besatzungsmacht werden.
Die zehn Tage zum Sieg:
Erster Tag: Reguläre Einheiten (der Streitkräfte) greifen das Dorf, den
Hamlet oder die befestigte Stellung an und besetzen sie. Örtliche Guerillakräfte beseitigen südvietnamesische Regierungskader und deren

Infrastruktur

und vernichten örtliche Selbstverteidigungskräfte. Die Bevölkerung wird zu aufrührerischen Tätigkeiten aufgestachelt.
Zweiter Tag: Organisiere Versammlungen und Demonstrationen, richte Revolutionsgerichtshöfe ein, halte Prozesse ab. Errichte örtliche Verwaltungseinheiten. Setze den militärischen Stoß gegen naheliegende Stellungen der südvietnamesischen Armee fort.
Dritter Tag: Organisiere die Bevölkerung in Befreiungsorganisationen und
anderen sozialen Bewegungen. Benutze Binh Van (Überredungstechniken), um Posten
der ARVN (.der südvietnamesischen Armee) auszuschalten und ein Verteidigungssystem zu errichten.
Vierter

-4-

�Vierter Tag: Beginne mit der Indoktrinierung und halte Lehrgänge für Gesinnungskontrolle ab; treibe finanzielle Beiträge und Reis von der Bevölkerung
ein.
Fünfter Tag: Beginne mit der Ausbildung der neu rekrutierten Guerillas.
Sechster Tag: Setze die Eintreibungen von Geld und Reis aus der Bevölkerung fort. Beginne mit dem Ausbau von Wehrdörfern und setze den militärischen
Druck gegen ARVN-Posten fort.
Siebter Tag: Teile die Bevölkerung ein und rekrutiere (künftige) einheimische Kader und Funktionäre. Veranstalte Siegesfeiern.
Achter bis zehnter Tag: Intensiviere die Agitprop-Tätigkeit; verteile Auszeichnungen und Belobigungen. Beginne mit der Planung des nächsten Stadiums,
des KampfStadiums.
So sieht das geistige Rezept aus, und wenn es sich auch nicht unbedingt
verwirklichen läßt, so kennzeichnet es doch die geistige Vorstellung und Einstellung der Kader, die sich in den Dörfern an die Arbeit machen.
Im wesentlichen ist der Ablauf der Dinge richtig geschildert: die nordvietnamesischen Truppen greifen an und besetzen. Sie bestellen die neuen Funktionäre - entweder Agenten, die jetzt aus dem Untergrund auftauchen oder örtliche,
nicht aus Nordvietnam stammende Kader, die aus anliegenden kommunistisch besetzten
Gebieten kommen, oder sogar als zuverlässig betrachtete Dorfbewohner selbst.
Manchmal werden sogar wochenlang noch die Beamten der Saigoner Regierung in ihrem
Amt belassen, bis die nordvietnamesische Armee die nötigen Vorkehrungen getroffen
hat ,um ein nach außen möglichst wenig in Erscheinung tretendes kommunistisches
Regime einzusetzen. Wenn diese eigenen lokalen Behörden eingesetzt sind, werden
Massenversammlungen abgehalten, es wird Geld und Reis eingetrieben, Revolutionsgerichtshöfe werden eingesetzt, eine Dorfmiliz wird rekrutiert und ausgebildet
(aber nicht bewaffnet), und mit der eigentlichen Indoktrinierung wird begonnen.
Drei
-5-

�Drei Aufgabenbereiche

Wenn die Kommunisten kommen, dann konzentriert sich ihre Tätigkeit auf
drei Aufgabenbereiche,die man als innere Sicherheit, Finanzierung und den
Apparat bezeichnen könnte:
1.

Innere Sicherheit:
Zunächst einmal geht es um die innere Sicherheits d. h. um die Ausschal-

tung gegnerischer und potentiell feindlich gesinnter Elemente. Der Krieg dauert
schon lange an, und die Dorfbewohner haben ein gutes Gedächtnis für kommunistische Greueltaten, so daß die Kader wissen, daß ihnen die Bevölkerung mit Haß
begegnet. Die meisten, die die Kommunisten hassen, mögen zwar geflohen sein,
aber das ist nicht immer der Fall. Manch einer ist so entschlossen und hart,
daß er bleibt9 um die kommunistische Sache zu sabotieren, und zwar im Dorf
selbst,, was für die Kommunisten am gefährlichsten ist.
Daß die Kommunisten ihre Gegner ausschalten müssen» liegt nahes aber ihre
Tätigkeit auf diesem Gebiet geht weit über das hinaus, was man normalerweise
als innere Sicherheit bezeichnen würde.
Die Kampagne der Kommunisten zielt darauf ab, nicht, nur jeden physischen
Widerstand zu brechen, sondern auch jede geistige Ablehnung. Die Theorie der
vietnamesischen Kommunisten läßt keinen Raum für Opposition - und die Praxis
im besetzten Dorf erst recht nicht. Mit allen Mitteln der Agitation und der
Propaganda wird versucht, die Dorfbewohner zu gläubigen und blinden Anhängern
des neuen Regimes zu machen. Konstruktive Kritik ist etwas, was sich Parteimitglieder in vorsichtiger Form und im kleinen Kreis leisten können - die
Dorfbewohner sicherlich nicht.
Diese "Gewinnung" der Bevölkerung kann auf positive und auf negative
Weise geschehen. Wo Agitation und Propaganda nichts nützen, wird die andere

-6-

�andere Seite aufgezogen: der Terror. Dieser wird keineswegs blindlings ausgeübt, sondern gezielt. Nur selten brennen die Kommunisten ein ganzes Dorf mit
Flammenwerfern nieder - wie dies in Dak Son geschah -, denn Tote können ja
nicht mehr überzeugt werden.
Die amtliche Sicherheitspolitik nach innen ist so grausam und lautlos wie
der Tod. Es ist schwierig, an genaue Berichte über die sogenannte revolutionäre
Gerechtigkeit zu kommen, denn die Kader setzen alles daran, die blutige Hand
nicht nach außen zu zeigen. Aber es sickern doch immer wieder Berichte durch,
die überprüft und bestätigt werden können, und diese Berichte geben ein dunkles
Bild von der kommunistischen Brutalität - begangen im Namen einer abstrakten
Idee.
Physischer Terror: An kommunistischen Terrorakten zählte man bis Ende Juni in
jeder Woche im Durchschnitt: 150 Meuchelmorde, 290 bei Terrorüberfällen verwundete Zivilisten und rund 500 verschleppte oder zur Zwangsarbeit gepresste Personen.
So wurde am 18. Mai in der Schule des Dorfes Hoai Xuan in der Provinz Binh
Dinh ein Revolutionstribunal aufgestellt, dem 20 Personen - meist Mitglieder der
Gemeinderäte oder Dorfpolizisten - vorgeführt wurden. Der Dorfälteste von Hoai
Xuan wurde von dem Tribunal für schuldig erklärt, zum Tode verurteilt und sofort auf dem Schulhof erschossen. Auch die Übrigen wurden für schuldig befunden,
zum Tode verurteilt, dann nach dem Dorf Bong Son gebracht, wo sie mit 80 anderen Personen, die offensichtlich von ähnlichen Tribunalen abgeurteilt worden
waren, erschossen wurden.
Der Gemeindevorsteher von Tan Thanh, einer Siedlung im Bezirk Tarn Quan
in der Provinz Binh Dinh und 47 Bewohner des Dorfes Hoi Thanh wurden am 21. Mai
von den Kommunisten lebendig begraben.
In der Stadt Loc Ninh führen kommunistische Kader ihre Terrorkampagne auf
eine besondere Art. Menschen, die zum Tode verurteilt wurden, verspricht man
Begnadigung, wenn sie Mitarbeiter der Regierung oder Soldaten, die sich in der
-7-

�der Nähe versteckt halten, ausfindig machen helfen.
Am 27. Ma:_ wurden 42 Mitglieder des Gemeinderates und Polizisten aus der
Ortschaft Vinh Phung und dem Dorf Hoai Xuan in der Provinz Binh Dinh hingerichtete und ihre Leichen in der Truong Goa-Düne zwischen den Dörfern Hoai Xuan und
Hoai Huong im Sande verscharrt.
Am 29. Mai mußten sich die rund 1 000 Bewohner des Dorfes An Thanh im Bezirk Hoai der Provinz Binh Dinh versammeln, um an dem Tribunal gegen drei Dorfbewohner teilzunehmen. Angeklagt waren ein Mitglied der Pazifizierungsgruppe
mit Namen Nguyen Mwnh Van, der Fahrer eines Polizeiautos, Nguyen Can,und ein
dritter Mann, dessen Name nicht bekannt ist. Alle drei wurden für schuldig erklärt, verurteilt und hingerichtet.
Am 6. Juni berichtete der 21jährige Unteroffizier der südvietnamesischen
Streitkräfte, Van Chuyen, in Pleiku vor Pressevertretern über einen Angriff der
Kommunisten auf sein Dorf Tan Chan. "Die Kommunisten", so erzählte der Unteroffizier, "ließen die Zivilisten aus dem Kampfgebiet nicht heraus. Sie feuerten
Raketen in die aus dem Dorf flüchtenden Menschen. Einige wurden getötet. Wir
anderen sahen uns gezwungen, in das Dorf zurückzukehren."

Ähnliche Vorfälle,

bei denen die kommunistischen Verbände auf die flüchtenden Zivilpersonen das
Feuer mit Granaten und Raketen eröffneten, wurden aus der Stadt Quang Tri sowie
aus der Provinz Binh Long gemeldet.
Der Dorfvorsteher und Bauer Nguyen Van Khanh aus einem Dorf nördlich von
Quang Tri, der drei seiner sechs Kinder während der letzten nordvietnamesischen
Offensive verlor, sagte zu einem Pressevertreter in Hu§: "Ja, sie wollen uns befreien, selbst wenn sie uns dabei alle umbringen müssen."

2.Finanzierung

-8-

�2.

Finanzierung:
Die Eintreibung von Geldmitteln ist ein anderes Hauptziel der einrückenden

kommunistischen Verbände. Die kommunistischen Kader sehen in jedem besetzten Dorf
eine Art Schatzkammer, wohlgefüllt oder weniger üppig, die es im Namen der Revolution auszuheben gilt. Die Dorfbewohner haben nach Ansicht der Kommunisten für
die "Sache" freiwillig Geld aufzubringen - tun sie es nicht freiwillig, müssen
sie es unter Zwang tun. Allerdings vermeidet man es , die Leute direkt Hunger
leiden zu lassen, denn die durch Hungersnot entstehenden. Probleme wären schwerwiegender als die aus der Beschlagnahmung der Lebensmittel gewonnenen Vorteile
und außerdem wäre eine verhungerte Bevölkerung ja auch ein schlechter Produzent
künftiger Ernten.
In der Stadt Loc Ninh und in den Dörfern der Provinz Binh Long wurde erst

einmal der gesamte Reisvorrat, den man auffinden konnte, beschlagnahmt. Dann erhielt jeder Einwohner nach seiner Registrierung eine Zuteilung, die als Ration
für einen Monat ausreichen mußte. Der übrige Reis wurde nach dem Norden in das
Bergland zur Verpflegung der dortigen kommunistischen Verbände abtransportiert.
Im Bezirk Hoai An der Provinz Binh Dinh wurde im April eine Ration von 250
Gramm Reis pro Kopf und pro Tag festgesetzt und diese Ration täglich zugeteilt.
Keine Familie durfte einen Reisvorrat in ihrem Hause besitzen. In der Provinz
Quang Tri brachten die Nordvietnamesen, nachdem die einheimischen Reisvorräte
aufgebraucht waren, offensichtlich chinesischen Reis ins Land und gaben davon
soviel an die Bevölkerung aus, daß gerade eine 1 600 Kalorien-Ernährung pro Tag
gesichert werden konnte. Eine Ernährung von 1 600 Kalorien pro Tag gilt nach den
Bestimmungen der Vereinten Nationen als eben noch über der Grenze des Hungers
liegend.

Die Kommunisten pressen alles, was über das bloße Existenzminimum

hinausgeht, aus der Bevölkerung heraus. Dabei entwickeln sich natürlich sowohl
auf Seiten derer, die der Bevölkerung ihren Besitz zu nehmen versuchen ,als auch
der Bauern, die sich diesem Zugriff zu entziehen versuchen, die raffiniertesten
Taktiken und Methoden.
Die

-9-

�Die Kommunisten haben noch andere Programme, mit denen sie ihren Kampf zu
finanzieren versuchen und die im Grunde alle mehr oder weniger auf Erpressung
oder gewaltsame Enteignung hinauslaufen. Dazu gehört beispielsweise die Steuererhebung. Alle Familien werden "erfaßt" und in zwei Gruppen - meist nach der
Größe ihrer Häuser - eingeteilt. Die erste Gruppe- zu der in der Regel zwei
Drittel aller Familien eines Dorfes gehören - werden als steuerpflichtig eingestuft und müssen eine einmalige Summe zwischen 50 und 500 Dollar in bar entrichten. Derartige Summen sind für einen vietnamesischen Dorfbewohner sehr viel
Geld. Das übrige Drittel der Dörfler wird als zu arm für die Zahlung einer Barsumme eingestuft und darf daher seinen Steuerbetrag in Form von Dienstleistungen im Arbeitseinsatz aufbringen.

Konfiszierung und Enteignung: Sämtliche Arzneimittel und medizinischen Artikel
in den Apotheken und Lagerräumen der pharmazeutischen Industrie in der Stadt
Quang Tri wurden von Sondereinheiten der kommunistischen Truppen beschlagnahmt
und nach dem Norden abtransportiert. Ärzte und Krankenhäuser durften lediglich
den Vorrat an Medikamenten und medizinischen Artikeln behalten, über den sie
gerade verfügten. Das Eigentum aller Familien, die im Dienst der südvietnamesischen Regierung stehen oder zur Armee gehören - in der Regel allerdings nur
Offiziersfamilien - wird konfisziert; das gleiche Los trifft auch solche Familien, die als regierungstreu gelten - handelt es sich um Bauern, so wird ihr
Grundbesitz beschlagnahmt und in Gemeindeeigentum umgewandelt, das durch ein
Parteikomitee verwaltet wird.

Verkauf von Kriegsanleihen: Sie werden nach einem Quotensystem verteilt,und
man erwartet, daß jeder Dorfbewohner wöchentlich mehrere zum Wert von 1 Dollar
pro Stück kauft.
Einführung

-10-

�Einführung von Kriegsgeld durch die Kommunisten, das gegen südvietnamesische
Währung einzutauschen ist und für die Bezahlung von Gütern und Lebensmitteln
dient: Im Bezirk Hoai An wurden beispielsweise etwa 1 OOO Motorräder mit solchem
Kriegsgeld bezahlt, wobei man ihren ehemaligen Besitzern erklärte, daß dieses
Geld nach dem Krieg in reguläre Währung umgetauscht werden würde - natürlich
unter der Voraussetzung, daß die Kommunisten den Krieg gewinnen .
Die Finanzierung der "Sache der Kommunisten" bedeutet natürlich nicht in
erster Linie, daß man lediglich bestrebt ist, den Dörflern das wenige, was sie an
Gütern besitzen, abzunehmen - denn in den meisten dieser Gebiete gibt es kaum
etwas, was man irgendwie als wertvollen Besitz bezeichnen könnte. So ist die Provinz Binh Dinh beispielsweise das wahrscheinlich ärmste Gebiet in Südvietnam und
in keiner Weise mit der üppigen Region des Mekong-Deltas

zu vergleichen. Viel-

mehr liegt das eigentliche Ziel der kommunistischen Programme in der Nutzung der
wirtschaftlichen Produktionskapazität - vor allem der landwirtschaftlichen Erwillen
zeugung. Das hierbei mehr um der KontrolleVals aus Gründen der Produktivität
angewandte Mittel ist die Kommune in ihrer einfachsten Form oder die sogenannte
landwirtschaftliche Arbeitsbrigade. Die Dorfbewohner werden zu Einheiten zusammengefaßt und aufs Feld geschickt, um ein Maximum an Erträgen herauszuholen. Das dafür notwendige Werkzeug und Gerät wird bereitgestellt - ja notfalls sogar importiert. Von dem Ernteertrag werden 90 Prozent für die "Sache der Kommunisten" abgezweigt, die restlichen 10 Prozent verbleiben dem Dorf.
Ein drittes Hauptgebiet systematischer Aktivität der Kommunisten ist jene
Umgestaltung des Bewußtseins der Masse durch Organisation, was im kommunistischen
Jargon als Aufbau eines uniformen revolutionären Denkens und Fühlens bezeichnet
wird. Das Ziel besteht darin, die Masse für die kommunistischen Ideen zu gewinnen. Als Mittel dazu bedient man sich der organisatorischen Erfassung jedes Einzelnen. Die Ideologie selbst spielt dabei nur eine unbedeutende Rolle. So erläuterte Radio Hanoi am 7. Juni in einer nach Südvietnam ausgestrahlten Sendung die
ideologische Basis für das von den Kommunisten "befreite" Gebiet in folgender
Weise: "Eliminierung solcher philosophischer Ideen wie Spiritualismus, Existentialismus, Idealismus, eines importierten Mystizismus (sprich: Christentum) und
-11-

�und die Restauration der Doktrin des Konfuzianismus."

3. Der Apparat:

Die organisatorische Struktur ist im Grunde immer die Gleiche und besteht
aus drei sich überschneidenden Elementen:
1.

Eine Volksfront auf sozialer Grundlage. Es ist dies eine Vereinigung funk-

tionaler sozialer Bewegungen, vor allem der verschiedenen Befreiungsverbändev
Stets wird ein Bauernverband, eine Frauenorganisation und eine studentische Jugendgruppe gebildet. Manchmal werden auch andere Massenbewegungen ins Leben gerufen,
wie beispielsweise der Arbeiter-Befreiungsverband in den Gummiplantagengebieten
der Provinz Binh Long; ein Verband älterer Bürger (Personen über 50 Jahre) in
der Provinz Binh Dinh; Jugendorganisationen, die in zwei Gruppen geteilt sind;
eine, der die 12-bis 17jährigen angehören?und eine andere, die die Altersgruppen
von 18-bis 30 Jahren umfaßt. Die Hauptaufmerksamkeit ist dabei fast immer auf
die Jüngeren gerichtet.
Diese Organisationen sind für die kommunistischen Kader außerordentlich
nützlich, sobald ihre Existenz einmal gesichert ist. Diese Organisationen geben
den Kommunisten einen Apparat an die Hand, mit dem sie beispielsweise die Energien
der Landbevölkerung mobilisieren und kontrollieren können.
Insgesamt bilden diese Massenbewegungen der Nationalen Befreiungsfront etwas
wie ein Fischnetz, das man über das Land breitet und in dem man die gesamte Bevölkerung zusammengefaßt hält. Man schafft sich damit ein System, das es ermöglicht,
alle Aktivität der Landbevölkerung zu überblicken, eine Steigerung der Ernteerträge zu erzwingen, feindliche Strömungen unter der Bevölkerung im Keim zu ersticken, eine Dorfmiliz aufzustellen und gleichzeitig der Bevölkerung etwas wie
eine innere Befriedigung zu verschaffen, indem man in ihr ein Gefühl erweckt, als
sei sie direkt an den für die Dorfgemeinschaft getroffenen Entscheidungen beteiligt.
Vor
-12-

�Vor allem bei der derzeitigen kommunistischen Offensive wird dieses System
dazu benutzt, um auf gefährliche Weise Anhänger unter dem Teil der südvietnamesischen Bevölkerung zu werben, die im Regierungsdienst oder Militärdienst stehen.
In den Provinzen Dinh Binh und Binh Long benutzte man dieses Programm, um durch
Mithilfe der Dorfbewohner jene Bauern, die vor den Kommunisten geflohen waren,
wieder in ihr Heimatgebiet zurückzulocken. Man stellte besondere Pässe für eine
Reihe von Dorfbewohnern aus, die es ihnen gestatteten, die kommunistisch besetzten Gebiete zu verlassen, um Kontakt mit Freunden und Verwandten aufzunehmen
und sie zur Rückkehr zu überreden. Allerdings mußten die auf solche Mission entsandten Bauern ihrerseits den Kommunisten Geiseln stellen, um ihre Rückkehr
sicherzustellen. Weiterhin versucht man durch systematische Kampagnen die Bevölkerung des besetzten Gebietes zu überreden, Briefe an ihre Verwandten in der
südvietnamesischen Armee zu schreiben und sie zur Desertion aufzufordern.
2.

Die elitäre kommunistische Parteistruktur mit ihrer begrenzten Mitglie-

derzahl steht - so getarnt und unauffällig die Einzelnen erscheinen mögen im Zentrum all dieser Tätigkeiten. In Südvietnam heißt sie die "Revolutionäre
Volkspartei". Sie hat die eigentliche Macht in Händen. Sie ist organisatorisch
in der üblichen Parteistruktur gegliedert, mit einem Zentralkomitee und dem
System der Parteiuntergruppen für die entsprechenden Regierungsebenen - nationaler Bereich, Provinz, Kreis und Ortsgruppe - und einem System sogenannter Zellen,
die die Basis für den gesamten Apparat bilden. Mit diesem System kontrollieren
die Kommunisten von innen heraus die gesamte Bevölkerung in einer außerordentlich wirksamen Weise.

3.

Ein quasi Regierungsapparat, die Verwaltungsbüros der sogenannten Revo-

lutionskomitees, die als Gesamtheit die "Revolutionäre Verwaltung" bilden. Sie
ist der eigentliche Verwaltungsapparat, den die Partei zur Durchsetzung ihrer
Pläne benutzt. Ihre Autorität erstreckt sich über die kleineren Siedlungen, die
Dörfer und Städte bis zu den Bezirken und den Provinzbereich (wie im Falle der
Provinz Quang Tri), um dann über das Parteikomitee weiter aufwärts bis schließlich zur Zentrale in Hanoi zu führen.
Die
-13-

�Die Verwaltung auf Dorfebene besteht normalerweise aus einem Vorsteher,
einem Stellvertreter für Fragen der inneren Sicherheit, dem die örtlichen Milizkräfte und Informanten unterstehen, und einem Stellvertreter für Agitprop, der
für die Indoktrinierung und Ausbildung der Bevölkerung zuständig ist.
In manchen Distrikten ist ein ziemlich kompliziertes und ausgeklügeltes
Verwaltungssystem eingeführt worden, das oft als Revolutionäre Provinzregierung
bezeichnet wird. Es besteht aus einem Vorsitzenden, einem Sekretariat und verschiedenen Büros - für innere Sicherheit, Agitprop, Finanz-.und Wirtschaftsfragen, Leitung der Frontorganisationen, Verbindung zum Militär, Gesundheitswesen,
Rechtsangelegenheiten, Erziehung, Einberufung und Ausbildung und Fernmeldeeinrichtungen.
Das Distriktkomitee ist wohl das Schlüsselelement der Machtstruktur der Revolutionsregierung, und von der Qualität seiner Kader hängen weitgehend Erfolg
oder Mißerfolg der Kommunisten ab. Das Distriktkomitee setzt die politischen
Richtlinien für das Dorf fest und herrscht über Leben und Tod seiner Bewohner,
wählt die Kader aus und bestimmt praktisch über das Schicksal der Menschen.
In der Provinz Quang Tri werden alle örtlichen Verwaltungsfunktionäre und
Vertreter der Nationalen Befreiungsfront vom Distriktkomitee ernannt. In der Provinz Binh Dinh trat Mitte Mai das Komitee des Distriktes Hoai An zusammen und
überprüfte die Unterlagen von einigen hundert Personen »• meist Bedienstete der
südvietnamesischen Regierung, die gefangengenommen worden waren - und verurteilte 30 von ihnen zum Tode. Umgekehrt amnestierten laut Radio Hanoi Ende Mai
Distriktkomitees etwa 600 gefangene südvietnamesische Soldaten und Regierungsbedienstete nach erfolgreichem Abschluß eines Umschulungslehrgangs.
Die Formel: Zuerst Organisation, dann Mobilisierung und dann Motivierung,
das ist die kommunistische Dreieinigkeit - und wenn es eine kommunistische Geheimwaffe gibt: hier ist sie.
Der

-14-

�Der Sonderfall Quang Tri
In der Provinz Quang Tri liegen die Dinge offensichtlich etwas anders als
in den beiden anderen Gebieten - Binh Long und Binh Dinh - Kontum.
Das kommunistisch kontrollierte Gebiet von Quang Tri liegt zwischen dem
Fluß My Chanh, der es von der Provinz Thua Thien trennt, und der Provinz Quang
Binh, der südlichsten Provinz Nordvietnams.Hier hat sich -zumindest zum Zeitpunkt, als dieser Artikel geschrieben wurde- eine Art militärischer Front mit
einem zwei bis drei Meilen breiten Niemandsland herausgebildet, und zwar zum
ersten Mal in der ganzen Geschichte dieses Krieges.
Das Revolutionskomitee der Provinz Quang Tri wurde am 24. April ins Leben
gerufen, um über die verbliebenen 70 000 Menschen (von insgesamt rund 300 000
Einwohnern) zu regieren. Der Vorsitzende ist ein gewisser Nguyen Viet Trac, ein
ehemaliger Lehrer aus der Stadt Quang Tri. Sein Stellvertreter ist ein ehemaliger Polizist, Le Chi Dai. In Bekanntmachungen vom 4. und 11. Mai verkündete das
Komitee die Auflösung aller bisherigen Regierungsämter und -funktionen und deren
Ersatz durch das Revolutionäre Verwaltungssystem. Ferner wurden alle gesellschaftlichen Organisationen und Vereinigungen politischer und religiöser Natur (offensichtlich nur christliche und nicht buddhistische) sowie alle militärischen und
polizeilichen Verbände aufgelöst. Reisen wurden genehmigungspflichtig gemacht,
die Zensur wurde eingeführt, und es wurden strikte innere Sicherheitsmaßnahmen
gegen Spionage, Sabotage und Plünderung ergriffen.
Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Provinzregierung und nicht um die
oft angekündigte Schaffung einer Hauptstadt für eine gesamtsüdvietnamesische
kommunistische Regierung.
Wie

-15-

�Wie berichtet wird,ist die nordvietnamesische Armee praktisch allgegenwärtig. Im Raum Quang Tri stehen mindestens vier Infanteriedivisionen, die 304.,
308., 324. und 325. Ganze Dörfer im südlichen Teil der Provinz - wife. Kim Sanh,
Trung Dong, Kim Long, Hai Nhi und viele andere im Distrikt Hai La - wurden gewaltsam evakuiert. Die Bevölkerung wurde nach Norden in Lager im Distrikt Trieu Phong
gebracht, offensichtlich um einen Cordon sanitaire zwischen beiden Seiten zu
schaffen.
Auch die Sicherheitsvorkehrungen werden in der Provinz Quang Tri viel schärfer durchgeführt. Wie es heißt, werden Kennkarten an die Bevölkerung verteilt,
die nach ihrer Farbe die politische Zuverlässigkeit des Inhabers ausweisen: rot
für ehemalige südvietnamesische Bedienstete oder Soldaten oder Personen mit Verwandten in südvietnamesischen Gebieten; grün für politische neutrale und gelb für
politisch zuverlässige.
Nach durchgesickerten Berichten müssen sich die Inhaber roter Kennkarten
sofort einer politischen Indoktrinierung unterziehen und sollen nach Nordvietnam
deportiert werden, um dort in landwirtschaftlichen Kommunen zu arbeiten. Aus dem
Distrikt Trieu Phong sollen bereits Ende Mai Bauern nach Nordvietnam geschickt
worden sein. Als Alternative können sich die Inhaber roter Karten zur nordvietnamesischen Armee melden.
Der Bevölkerung wird Berichten zufolge klargemacht, daß sie nicht länger
Staatsangehörige der Republik Vietnam seien, sondern nordvietnamesische Bürger
und deren Pflichten zu übernehmen hätten. Wenn sich diese Berichte alte Zutreffend
erweisen sollten, dann würden sie auf eine ernste Absicht Nordvietnams hindeuten,
die Provinz Quang Tri zu annektieren.

Zusammenfassung

»16-

�Zusammenfassung

Noch ist es zu früh, sich ein endgültiges Bild über die langfristigen Absichten der nordvietnamesischen Besatzer zu machen. Für den Augenblick scheinen
die Kommunisten einen gewissen Erfolg zu haben - es gelang ihnen, südvietnamesisches Territorium zu besetzen. Das Leben der Bevölkerung im besetzten Gebiet wurde
reorganisiert und ein gewisses Maß an innerer Sicherheit und Versorgung und Verwaltung erreicht. Das letzte Wort werden jedoch die südvietnamesischen Soldaten
mit ihren Gegenangriffen haben.
Nordvietnam hat auf dem nichtmilitärischen Sektor der Besatzung viel an
Menschen, Zeit und Geld investiert, und es ist fraglich, ob sich diese großen Aufwendungen gelohnt haben.
Die Kommunisten setzen Spezialteams ein, die aus zivilen Fachleuten für Verwaltung, Agitprop, Organisation usw. bestehen, um die Bevölkerung zu gewinnen.
Derartige Fachleute sind rar.
Die an die Angehörigen der sogenannten Volksbefreiungsstreitmacht (Vietcong)
herausgegebenen Befehle sind eindeutig. So wurde am 12. April den Kadern und Agenten im Untergrund befohlen, Revolten und Aufstände in den Städten und Dörfern
Südvietnams herbeizuführen. Die Einheiten der südvietnamesischen Regionalstreitkräfte (Miliz) sollten infiltriert und zur Meuterei bewegt werden. Ferner sollte die Sabotagetätigkeit koordiniert mit den nordvietnamesischen Angriffen intensiviert werden.
Die große Strategie der Kommunisten läuft offensichtlich darauf hinaus, daß
die nordvietnamesische Armee die Masse der südvietnamesischen Streitkräfte binden soll, um den Angehörigen der sogenannten Volksbefreiungsarmee freiere Hand
zu verschaffen. Bei einem Gelingen dieser Strategie hätten die Kommunisten die
Möglichkeit, ihren Apparat in den ländlichen Gebieten wieder aufzubauen und zu

-17-

�zu reorganisieren und das Befriedungsprogramm zurückzudrängen. Damit könnte ein
wachsender Druck auf Saigon ausgeübt und unter Umständen der Sturz der dortigen
Regierung bewerkstelligt werden. Selbst wenn nicht direkt ein Sturz herbeigeführt
werden könnte, ergäbe sich die Möglichkeit einer wesentlichen Veränderung im
Sinne einer kommunistisch kontrollierten Koalitionsregierung.
Wenn das die kommunistische Rechnung war, dann ist sie bisher nicht aufgegangen, und es besteht alle Aussicht, daß sie auch in Zukunft nicht aufgehen
wird. Niemand kennt die kommunistischen Absichten genau, und so ist das Ausmaß
des kommunistischen Fehlschlags auch nicht genau zu ermessen.
Eines ist jedoch klar geworden: Wenn dieser Krieg je um die Herzen der
Menschen geführt wurde, dann hat Nordvietnam ihn verloren. Hanoi mag mit seiner
Osteroffensive etwas Territorium gewonnen haben, aber es bezahlte dafür mit dem
Rest von Sympathie, den es bei der Bevölkerung Südvietnams noch gehabt haben
mag. Wenn erst, was zu hoffen ist, die jetzt unter nordvietnamesischer Besatzung
lebenden Menschen wieder befreit sein werden, dann wird die Welt in allen Einzelheiten erfahren, was es heißt: "Wenn die Kommunisten kommen".

HIIMI

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31/1972

BURNS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT EINES AUSGLEICHS DER USZAHLUNGSBILANZ
WASHINGTON -.-CAD)-- Der Vorsitzende des US-Federal Reserve Board, Dr. Arthur
Burns, hat sich nachdrücklich für einen Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz und eine schärfere Kontrolle des Preisauftriebs ausgesprochen.
Vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses wies Burns
auf die Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz und die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Zahlungsbilanz hin, betonte jedoch, daß gerade bei
der Zahlungsbilanz in der Zeit von Mitte März bis zur Freigabe des Wechselkurses des britischen Pfundes eine gewisse Besserung festzustellen gewesen sei.
Dies sei in erster Linie auf einen Zufluß kurzfristigen Kapitals zurückzuführen
gewesen. Als Gründe hierfür nannte Burns einmal die Beseitigung des Zinsgefälles zwischen Europa und den Vereinigten Staaten und zum anderen die Besserung
der Wirtschaftslage in den USA, so daß sich auf dem amerikanischen Markt wieder
mehr Anlagemöglichkeiten böten. Aber auch Ausländer hätten vermehrt amerikanische Wertpapiere gekauft. Wörtlich fuhr Burns fort: "Wenn sich erst einmal die
derzeitige Unruhe gelegt hat, werden sich auch, wie es den Anschein hat, die
Devisenmärkte stabilisieren, und dann wird sich meines Erachtens dieser Rückfluß fortsetzen." Ein großes Problem, so fügte Burns hinzu, sei die Wiederbelebung des amerikanischen Außenhandels, "und wir sind noch ein gutes Stück hiervon entfernt.'.'
Weiter

�Weiter sagte Burns vor dem Ausschuß: "Eine stärkere Kontrolle des Preisauftriebs ist notwendig, nicht nur um Einkommen und Ersparnisse unserer Bevölkerung zu schützen, sondern dies ist auch für die Wiederherstellung des Ausgleichs unserer internationalen Konten erforderlich. Allerdings bezweifle ich
ernsthaft, ob dieses außenwirtschaftliche Ziel ohne ein stabiles Preisniveau
erreicht werden kann. Das Smithsonian-Abkommen zur Neufestsetzung der Wechselkurse vom vergangenen Dezember hat die Basis für eine wesentliche Verbesserung
unserer Wettbewerbsposition geschaffen. Diese Möglichkeit wird jedoch vertan,
wenn sich Kosten und Preise in den USA weiterhin wesentlich erhöhen

sollten.

Unsere internationalen Konten sind immer noch stark unausgeglichen. Die
Importe haben dieses Jahr wesentlich stärker zugenommen, und obwohl unsere Exporte ebenfalls gestiegen sind, hat sich unser Handelsdefizit vergrößert. Eine
solche Entwicklung ist in den Monaten unmittelbar nach einer Abwertung nichts
Ungewöhnliches, und die weiter fortgeschrittene wirtschaftliche Wiedererholung,
verglichen mit der unserer großen Handelspartner, bildet zweifellos einen erschwerenden

Faktor. Wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen in anderen Län-

dern jetzt wieder bessern, dürfte die Nachfrage nach unseren Exportgütern in
naher Zukunft stärker ansteigen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen jedoch, daß wenigstens zwei oder drei Jahre vergehen werden, bevor die Neufestsetzung der Wechselkurse vom vergangenen Dezember voll durchschlägt.
Die Gesamtzahlungsbilanz wies im ersten Quartal ein beträchtliches Defizit
auf, Aber von Mitte März an entwickelte sie sich günstiger, vor allem aufgrund
des Zuflusses kurzfristigen Kapitals. Wir haben sogar zwischen Mitte März und
dem 23, Juni, als der Wechselkurs des britischen Pfundes freigegeben wurde, einen
Zahlungsbilanzüberschuß zu verzeichnen gehabt.
In den Wochen unmittelbar nach diesem britischen Schritt herrschte auf den
Devisenmärkten überall auf der Welt Unruhe, und eine beträchtliche Menge an
Dollar floß den europäischen Zentralbanken zu. In jüngster Zeit jedoch wurde die
Ordnung an den Devisenbörsen wiederhergestellt. Die Wiederherstellung des Ver-

-2-

�Vertrauens ist in nicht geringem Maße auf die Intervention, die die Federal Reserve Bank in Verbindung mit dem Finanzministerium auf den Devisenmärkten vorgenommen hat, zurückzuführen.
Die kürzlichen Störungen an den Devisenmärkten sind eine deutliche Warnung.
Wenn immer wiederkehrende Währungskrisen vermieden werden sollen und eine Atmosphäre erhalten werden soll, die eine gesunde Ausweitung des Außenhandels und
der Auslandsinvestitionen fördert, so müssen umgehend internationale Verhandlungen über eine Währungsreform aufgenommen werden . Die kürzlichen Störungen sind
ferner eine Warnung, daß auf den internationalen Finanzplätzen solange Unruhe
herrschen wird, bis die Vereinigten Staaten und ihre wichtigsten Handelspartner
Wege finden, um ihre Volkswirtschaften von der Inflation zu befreien, unter der
wir alle leiden."
Von Senator Javits auf die Möglichkeit einer Rückkehr zu einer Politik der
begrenzten Konvertierbarkeit des US-Dollar angesprochen sagte Burns: "Wenn europäische Finanzleute von Konvertierbarkeit reden,so denken sie dabei an eine Konvertierbarkeit des Dollar in Gold oder in Sonderziehungsrechte. Was der Federal
Reserve Board in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium tut - und lassen Sie
mich betonen, daß der Federal Reserve Board und der neue Finanzminister in dieser Frage sehr eng zusammenarbeiten und völlig übereinstimmen - was unsere neue
Aktivität anbetrifft, daß wir auf dem Devisenmarkt intervenieren, so hat dies
nichts mit der Art von Konvertierbarkeit zu tun, von der Finanzleute im allgemeinen

reden. Das Ziel ist ganz einfach, die Ordnung auf den Devisenmärkten

wiederherzustellen, so daß eine für eine dauerhafte Währungsreform günstige
Atmosphäre entsteht. Diese neue Aktivität darf jedoch nicht dahingehend ausgelegt werden, daß sie irgendwelche Auswirkungen auf das ergibt, was in späteren
Verhandlungen in bezug auf eine Konvertierbarkeit entschieden wird."

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31/1972

FÜR DIE RAUMFAHRT ENTWICKELT - IM ALLTAG ANGEWANDT

NASA gibt immer mehr Patentrechte zugunsten der Wirtschaft
frei
--(AD)-- Für die kommerzielle Herstellung von Geräten und Instrumenten,die
im Zuge des amerikanischen Raumfahrtprogramms entwickelt worden sind, gibt das
US-Amt für Luft-und Raumfahrt (NASA) in zunehmendem Maße Patentrechte frei.
Der nicht immer einfache Prozeß des "Umsetzens" solcher speziellen Entwicklungen in Produkte des täglichen

Gebrauchs wird besonders wirksam durch die re-

gionalen Zentren der NASA unterstützt. Sie arbeiten mit Universitäten, Forschungsinstituten und der Industrie eng zusammen, um für"Weltraumspezialitäten" Anwendungsmöglichkeiten auf der Erde zu finden.
Eines der jetzt freigegebenen Verfahren ist FLASH ("Fast Luciferace
Automated Assay of Specimens for Hospitals" - Automatische Luziferase-Schnellanalyse für klinische Proben), eine neuartige quantitative Analysenmethode
zur Bestimmung von Bakterien im Urin. Sie wurde von Emmett W. Chapelle und
Dr. Grace L. Picciolo vom Goddard-Raumflugzentrum entwickelt und war ursprüng-

-1-

�ursprünglich dafür bestimmt, außerirdische Mikroorganismen durch einen einfachen, schnellen und zuverlässigen Test zu ermitteln. Die erste Anwendung
solcher Verfahren außerhalb der Erde ist im Rahmen des VIKING-Programms, das
die Landung von zwei Analysen-und Meßrobotern auf dem Mars vorsieht, zu erwarten. Nach Dr. Richard H. Green, dem Leiter der Abteilung "Planetare Quarantäne" des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, würden beispielsweise die
Messungen einer VIKING-Sonde schon verfälscht, wenn nur eine winzige Hautschuppe, der Bruchteil eines Millionstel Gramms organischer Substanz, bei der
Montage der Sonde in das Analysengerät geriete und mit zum Mars geschleppt
würde,
Beim FLASH-Prozeß wird der Biolumineszens-Effekt genutzt. Die Urin-Probe
leuchtet auf, wenn sie Bakterien enthält. Durch Messung der Leuchtstärke können exakte Rückschlüsse auf die Bakterienzahl in einer gegebenen Urinmenge ge zogen werden. Das Ergebnis wird automatisch aufgezeichnet.
Die Technik der Anwendung von LASER-Strahlen zur Ortung von Raumfluggeräten und zur Nachrichtenübermittlung wird im Verfahren SMOKEY verwertet. Die
offizielle Bezeichnung lautet "Long Range Laser Traversing System" - Weitstrecken-Vermessung mit LASER. Es handelt sich dabei um ein revolutionäres neues System zur Landvermessung, das erstmals vom amerikanischen Forstdienst für
diesen Zweck eingesetzt wurde und in Anspielung darauf in den USA scherzhaft
SMOKEY genannt wird.
Die Apparatur benötigt wenig Platz, ist in leichten Tornistern unterzubringen und kann von zwei Mann auch in den abgelegensten Gebieten eingesetzt
von
werden. Das System arbeitet mit den/einem Rubin-LASER vertikal ausgesandten
Lichtpulsen, die von einem zuvor postierten Empfänger aufgefangen werden. Da
der Empfänger den Lichtstrahl über alle Hindernisse hinweg erfaßt, sind die
Geodäten in der Lage, die Landgrenzen exakt zu vermessen. Der U.S.-Forstdienst
hat gegenwärtig ca. 435 000 km Arealgrenzen

-2-

mit mehr als 1,5

Millionen

�Millonen Grundstücken zu vermessen. Das LASER-Verfahren reduziert die Kosten erheblich und erspart Arbeitszeit, die mit Jahren anzusetzen ist.

Hochleistungsbatterien sind ein weiteres Nebenprodukt der Raumfahrttechnik,
die jetzt als zuverlässige Stromquellen für tragbare oder transportable Arbeitsgeräte und Maschinen, zum Anlassen von Außenbordmotoren und Kettensägen oder
für Gepäckkarren und andere Kleinstfahrzeuge geeignet sind. Weitere Anwendungsmöglichkeiten bestehen bei medizinischen Geräten wie tragbaren Ausrüstungen zum
Anfertigen von Elektrokardiogrammen, bei stroboskopischen Ausrüstungen oder
auch bei Spielzeug.

Die McCulloch Electronics Corporation (Los Angeles.1 befaßt sich in enger
Zusammenarbeit mit dem Regionalzentrum Western Research Application Center,
einer Unterabteilung des Amtes für "Technology Utilization" der NASA, mit den
technischen Aufgaben, die mit der Anpassung von Raumfahrtbatterien an kommerzielle Zwecke verbunden sind. In erster Linie geht es um Nickel-Kadmium-Batterien und Blei-Säure-Batterien. Ein besonderer Vorteil bei den für die Raumfahrt
entwickelten Typen ist die kurze Zeit, die für das Wiederaufladen benötigt wird.
Sie beträgt bei Blei-Säure-Batterien 15 bis 20 Minuten (übliche Zeit bei den
meisten kommerziellen Batterien: 14 bis 16 Stunden), bei einigen Nickel-KadmiumBatterien nur sechs Minuten, ohne daß sich dies schädlich auf die Zellen auswirkt.
Der für die Astronautenliegen entwickelte Stoßdämpfer, der bei der Startbeschleunigung und bei der Rückkehr zur Erde gefährliche Stöße abfängt, wurde
ebenfalls als Patent zur Verwertung für die Industrie freigegeben.

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RAUMTRANSPORTER: DER MILLIARDENAUFTRAG
--(AD)-- Von vier in der engeren Wahl stehenden Firmen der amerikanischen
Luft-und Raumfahrtindustrie wurde jetzt von der NASA (U.S.Amt für Luft-und
Raumfahrt) das Unternehmen North American Rockwell, Inc. als Hauptvertragspartner für den Bau des Raumtransporters ausgewählt. Seit Inangriffnahme des
APOLLO-Projekts vor 10 Jahren ist dies der umfassendste Einzelauftrag, der
von der NASA bisher vergeben wurde. Er bedeutet die Sicherung von 160 000
Arbeitsplätzen für mindestens sechs Jahre. Die finanziellen Aufwendungen werden derzeit auf 2,6 Milliarden beziffert. Mehr als die Hälfte der Arbeiten vergibt North American Rockwell seinerseits an etwa 10 000 eigene Auftragnehmer.
Mit dem ersten Testflug eines Raumtransporters ist im Jahre 1978 zu rechnen. Dieses Fluggerät, das mit Raketenkraft von der Erde startet, bis zu
30 Tagen um die Erde kreisen kann und dann wie ein Flugzeug auf einer Rollbahn
landet, ist für zahlreiche weitere Einsätze wieder verwendungsfähig. Auch die
beim Aufsteigen benutzten zusätzlichen Feststoffraketen sowie der riesige
Treibstofftank, von dem sich der Raumtransporter - auch Raumgleiter oder
Orbiter genannt - nach Erreichen einer bestimmten Höhe löst, werden für die
Wiederverwendung geborgen. Zwei Mann Besatzung steuern das Orbiter-Gerät;
es hat die Größe eines modernen Passagierflugzeuges vom Typ DC-9 und kann
bis zu 12 Passagiere aufnehmen.
Die
l-

�t

1
Die NASA gab kürzlich bekannt, daß sowohl das Kennedy-Raumflugzentrum in
Florida als auch der Luftstützpunkt Vandenberg in Kalifornien als Bodenstationen für den Raumtransporter vorgesehen sind. Die ersten Starts - die nur in
östlicher Richtung erfolgen - samt Landung werden ausschließlich am KennedyRaumflugzentrum durchgeführt. Hier befinden sich auch die Forschungszentren,
wo der sichere Ablauf dieser heiklen Flugphasen vorbereitet wird.

Vandenberg

wird erst gegen Ende der siebziger Jahre für den Raumtransporter betriebsbereit sein und soll für Flüge benutzt werden, bei denen eine zur Äquatorebene
stark geneigte Umlaufbahn erreicht werden muß. An Investitionen sind für den
Ausbau der Bodenstation in Florida 150 Millionen Dollar, für den Ausbau der
Station Vandenberg 500 Millionen Dollar erforderlich.

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31/1972

ELEKTRISCHE AKTIVIERUNG GELÄHMTER MUSKELN

--(AD)-- Die Funktion gelähmter Glieder kann bis zu einem gewissen Grad
durch direkte elektrische Muskelerregung wiedergewonnen werden. Auch bei der
Wiederherstellung außerordentlich komplexer neuromuskulärer Funktionen erscheint die Anwendung des elektrischen Erregungsprinzips vielversprechend.
Erfahrungen mit dieser neuen Therapie wurden auf einer Konferenz der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes of Health-NIH)
über "Funktionelle neuromuskuläre Stimulation" eingehend erörtert.

Aufgrund der bisherigen Versuchsergebnisse ist die elektrische Stimulation am erfolgreichsten bei Hemiplegie, d.h. halbseitigen Lähmungen, wie sie
z.B.nach einem Schlaganfall auftreten können. Als sehr viel schwieriger erwies sich dagegen der Versuch, neuromuskuläre Störungen - etwa infolge Querschnittlähmung - zu überwinden.
Mediziner der Case Western Reserve University (Cleveland, Ohio) berichteten über Versuche mit elektrischer Erregung des Wadenbeinmuskels (musculus
fibularis). Eine Lähmung dieser Muskelpartie hat zur Folge, daß der Fuß beim

-l-

�beim Gehen schleift, der Patient ihn also nicht heben kann. Diese Störung versucht man folgendermaßen zu korrigieren: In die Einlegesohle des Schuhes wird
unter der Ferse ein Schaltelement eingebaut, das beim Auftreten mit dem von
der Lähmung betroffenen Bein einen elektrischen Stimulator aktiviert. Dieser
ist an einer bestimmten "Schaltstelle" am Muskel implantiert, um die Funktion
des geschädigten Nervs zu übernehmen, der normalerweise die Muskelkontraktion
steuert. Der Patient wird dadurch in die Lage versetzt, den Fuß trotz der Lähmung anzuheben.

Auch zur Stabilisierung von Gelenken - beispielsweise Knie-oder Hüftgelenk dürfte eine solche Unterstützung der Muskelaktivität vorteilhaft sein. Das könnte für Patienten mit einer Lähmung von Muskelpartien gelten, die für die Standfestigkeit des Körpers gebraucht werden. Möglicherweise ließe sich mit elektrischer Muskelstimulation verhindern, daß der Körper beim Stehen zusammensackt.

Im Verlauf der Untersuchungen an der Case Western Reserve University zeigte sich, daß bereits atrophierte Muskeln durch diese Form der elektrischen Erregung allmählich gekräftigt werden können. Allerdings ist eine Ermüdung der
Muskelpartien durch Überbeanspruchung zu vermeiden. Dies ist besonders bei
Korrekturversuchen zu beachten, bei denen es um eine Gelenkstabilisierung geht.

Als weitere Anwendungsmöglichkeit wird die Behebung von Skoliosen genannt.
Im Tierversuch hatte ein kanadischer Wissenschaftler durch die elektrische Stimulierung bestimmter Rückenmuskeln bei Rückgratverkrümmung erstaunliche Ergebnisse erzielt. Versuche am Menschen sind in Vorbereitung.

Mediziner der Duke-Universität (Durham, Nordkarolina) berichtete über das
Ergebnis von Versuchen, bei Querschnittgelähmten mit Hilfe einer sogenannten
spinalen Neuroprothese die Blasentätigkeit wieder unter Kontrolle zu bekommen.

-3-

�bekommen. Die Wiederherstellung dieser Funktion ist wegen der bei den Patienten
häufig auftretenden Infektion der Harnwege infolge unzureichender Harnentleerung
überaus wichtig. In vier Fällen wurden Elektroden in das Rückenmark implantiert,
die Strom aus einer kleinen Batterie in bestimmtem Rhytmus in die Nervenbahnen
schicken, über die eine Kontraktion der Blase erzielt wird. Trotz bisheriger guter Ergebnisse bei den vier jungen Patienten könne jedoch, wie die Wissenschaftler betonen, noch nichts darüber ausgesagt werden, wie sich die Stimulierung
über einen längeren Zeitraum oder bei älteren Patienten auswirke.

+++-H-I-H'

-3-

�</text>
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                <text>Amerikadienst 02.08.1972</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 27. Juli 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nordvietnam: Die Frage der Bombardierung der Deiche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Kommunisten kommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Douglas Pike&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burns unterstreicht Notwendigkeit eines Ausgleichs der US-Zahlungsbilanz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Für die Raumfahrt entwickelt - im Alltag angewandt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA gibt immer mehr Patentrechte zugunsten der Wirtschaft frei&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumtransporter - der Milliardenauftrag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektrische Aktivierung gelähmter Muskeln</text>
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Godesbergl,

89-3240

Nummer

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Telex:

Information
und
Dokumentation

08-85432

9. August 1972

32

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Nixon ernennt persönliche Vertreter für die Olympischen
Spiele in München
Robert Sargent Shriver, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten
Weißes Haus: US-Lufttätigkeit soll Nachschub Hanois ausschalten
-Nordvietnamesische Deiche kein AngriffszielUS-AußenministerLum bestätigt nordvietnamesische Greueltaten
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

fe
WIRTSCHAFT:

USA erhoffen sich von dem Treffen Nixon-Tanaka Fortschritte bei den
Handelsgesprächen
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Die Kontroverse um Methadon
Großaktion gegen Blasenkrebs
Retinopathie bei Diabetikern
Ersatzteile aus Titan

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1972

PRÄSIDENT NIXON ERNENNT PERSÖNLICHE VERTRETER FÜR DIE
OLYMPISCHEN SPIELE IN MÜNCHEN
WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat fünf amerikanische Goldmedaillengewinner zu seinen persönlichen Vertretern bei den Olympischen Sommerspielen in München vom 26. August bis 10. September ernannt.
Zum Leiter der Delegation wurde der Ohrenarzt Dr. Sammy Lee aus Santa
Ana in Kalifornien bestimmt, der bei den Olympischen Spielen im Jahre 1948
und 1952 Goldmedaillen im Turmspringen gewann.
Die anderen Mitglieder der amerikanischen Abordnung sind:
Malvin G. Whitfield, Stellvertretender Kulturattache an der Botschaft
der Vereinigten Staaten in der Somalischen Republik, Goldmedaillengewinner
im 800 Meter-Lauf 1948 und 1952;
William A. Toomey, Fernsehkommentator in Santa Barbara in Kalifornien
und Goldmedaillengewinner im Zehnkampf im Jahre 1968;
Reverend Robert E. Richards, Autor und Rundfunkkommentator in Gordon,
Texas, Goldmedaillengewinner im Stabhochsprung 1952 und 1956; und
Patricia (Mrs.Glenn) McCormick, Schwimmtrainerin in Los Alamitos in
Kalifornien, Goldmedaillengewinnerin im Kunstspringen 1952 und 1956.

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32/1972

ROBERT SARGENT SHRIVER, DER VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER
DEMOKRATEN

--(AD)-- Mit Robert Sargent Shriver hat Senator George McGovern, der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei Amerikas, einen profilierten, politisch liberalen und im Regierungsgeschäft erfahrenen Partner ausgesucht. Der
neue 50jährige Vizepräsidentschaftskandidat stammt aus einer bekannten Familie
und hat sich in leitenden

Regierungsposten, als Botschafter sowie als Ge-

schäftsmann und Rechtsanwalt einen Namen gemacht; er hat allerdings noch kein
gewähltes Amt bekleidet.
Shriver, der mit R. Sargent Shriver unterzeichnet und von Freunden "Sarge"
genannt wird, hat im Jahre 1953 Eunice Mary Kennedy, eine der fünf Schwestern
von Joseph, John F., Robert und Edward Kennedy, geheiratet. Von vielen Demokraten wird die Verbindung des Namens Kennedy mit der Sache McGoverns begrüßt, und
politische Beobachter verweisen auf die politischen Fähigkeiten und Erfahrungen
Shrivers, von denen sie sich einen Stimmengewinn erhoffen.
McGovern hatte nach dem Verzicht des ersten Kandidaten, Senator Thomas
Eagleton, mehreren

anderen Persönlichkeiten angeboten, mit ihm zusammen in den

Wahlkampf zu ziehen; jedoch hatten sowohl Senator Kennedy als auch die Senatoren

-1-

�Senatoren Hubert H.Humphrey aus Minnesota, Abraham Ribicoff aus Connecticut unu
Gaylord Nelson aus Wisconsin sowie Gouverneur Reubin Askew aus Florida abgelehnt
Und schließlich wollte sich auch Senator Edmund S. Muskie aus Maine, der Vizeprä; identschaftskandidat der Demokraten im Jahre 1968 und zunächst aussichtsreiche Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, nicht zur Verfügung stellen.
Nun hatten viele Berater und Mitarbeiter von Senator McGovern bereits früher den Namen Shriver in die Debatte geworfen. Auch das war kein Novum, denn
Präsident Lyndon B. Johnson hatte 1964 und Präsidentschaftskandidat Hubert
Humphrey 1968 Shriver als möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten ins Spiel gebracht. Jetzt kam ein festes Angebot und eine rasche Zusage.
Während die Wahl Shrivers in demokratischen Kreisen Beifall findet, gibt es
auch Stimmen wie die von Gouverneur Dale Bumpers aus Arkansas, die darauf hinweisen, daß sich der neue Kandidat bisher noch keiner Wahl habe stellen müssen
und sich im Wshlkampf erst zu bewähren habe.
Sargent Shriver ist den Amerikanern kein Unbekannter. Er konnte sich unter
seinem Schwager, Präsident John F. Kennedy, als Leiter des amerikanischen Friedenskorps - des ersten großen Entwicklungshilfedienstes der Welt - und dann als
Direktor des Programms zur Bekämpfung der Armut in den USA selbst profilieren,
das Präsident Lyndon B. Johnson als Nachfolger Kennedys in Angriff nahm.
Gut aussehend, sportlich, freundlich lächelnd, mit graumeliertem dunklen
Haar ist Shriver eine gewinnende Persönlichkeit. Beide Kandidaten, McGovern und
Shriver, geben ein gutes Team ab; Shriver kommt aus dem Osten der USA, McGovern
aus dem Mittelwesten; Shriver ist katholisch, McGovern protestantisch; Shriver
kommt aus der Stadt, McGovern vom Lande - obwohl beide heute im Vorort leben.
Shriver ist zwar sechs Jahre älter als MvGovern, aber er hat einen jugendlichen
Stil und ist photogen.
Shriver

�Shriver ist bekannt dafür, daß er Geld auftreiben kann, und das braucht der
Stab McGoverns dringend für den Wahlkampf. Er hat gute Beziehungen zu den ärmeren Schichten und Minderheitengruppen im Lande, nicht zuletzt zu der starken
jüdischen Gruppe im Osten der USA.
Politisch nachteilig könnte sich auswirken, daß sich seine Frau öffentlich
gegen die legalisierte Schwangerschaftsunterbrechung ausgesprochen hat, während
McGoverns Stab dieses Thema gerne ausgeklammert hätte, und daß er Amter in der
Kennedy-und Johnson-Administration innehatte, als diese Truppen nach Vietnam
entsandten. McGovern hat versichert, daß er, wenn er gewählt würde, innerhalb
von 90 Tagen alle Truppen aus Vietnam abziehen würde.
Shriver studierte unter anderem in Yale Jura und legte 1941 seine juristische Staatsprüfung ab. Im Kriege ging er zur Marine und fuhr auf Schlachtschiffen und Unterseebooten. Nach dem Kriege war er zunächst bei einer Anwaltsfirma
in New York und kurz als Redakteur bei dem Nachrichtenmagazin Newsweek tätig.
Ein Interview mit dem Multimillionär Joseph P. Kennedy, dem Vater des späteren
Präsidenten John F. Kennedy,brachte ihn dazu,in den Dienst der Kennedyschen
Unternehmen einzutreten, wo er 1948 Direktor der riesigen Chicagoer Warenhauskette wurde. Stark am öffentlichen Leben interessiert, war er in zahlreichen
sozialen, karitativen und kulturellen Ausschüssen und Gremien aktiv.
Als Präsident Kennedy ihm nach seinem Amtsantritt im Jahre 1961 den Aufbau und die Leitung des amerikanischen Friedenskorps - des Peace Corps - übertrug, war es Shriver, der durch sein Engagement und seinen Einsatz im Kongreß
und in der Öffentlichkeit diese Einrichtung zu einem bleibenden Erfolg der Administration machte. Nach dem Tode Kennedys blieb Shriver im Regierungsdienst
und führte erfolgreich Präsident Johnsons "Krieg gegen die Armut".
Präsident Johnson

entsandte Shriver dann im Jahre 1968 als Botschafter

der Vereinigten Staaten nach Paris. Einige Monate, nachdem die Republikaner ins

-3-

�ins Weiße Haus eingezogen waren, kehrte Shriver nach Maryland zurück, wo sich
seine Hoffnungen auf eine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs nicht verwirklichten. Bei den Zwischenwahlen 1970 engagierte sich Shriver im Wahlkampf nachdrücklich für die demokratische Kongreß-Liste und trat dann in eine Anwaltsfirma
ein, deren Seniorpartner, Max Kampelmann, politisch mit Senator Humphrey eng
verbunden war.

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Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Portraitaufnahme von Robert
Sargent Shriver zur Verfügung

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32/1972

WEISSES HAUS: US-LUFTTÄTIGKEIT SOLL NACHSCHUB HANOIS AUSSCHALTEN
-Nordvietnamesische Deiche kein Angriffsziel-

WASHINGTON -_(AD)-- Das Weiße Haus hat erneut nachdrücklich alle Behauptungen
zurückgewiesen, daß die Vereinigten Staaten absichtlich das nordvietnamesische Wasserkontrollsystem bombardierten. Alle derartigen Beschuldigungen,
so sagte der Pressesekretär des Weißen Hauses»Ronald Ziegler,seien "unverantwortlich" und dienten nur den Propagandazielen Hanois.
Auch ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums bezeichnete es
als "verantwortungslos, solchen Propagandabehauptungen Glauben zu schenken",
zumal hinter ihnen die gleichen Kommunisten ständen, die sich weigerten, zuzugeben, daß ihre Streitkräfte in Vietnam, Laos und Kambodscha stehen. Beide,
das Weiße Haus wie auch das Außenministerium, unterstrichen erneut, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sei, alle Luftangriffe auf das Wasserkontrollsystem zu vermeiden.
Die Frage der amerikanischen Lufttätigkeit über Nordvietnam war im Zusammenhang mit den Ausführungen von Senator Edward M. Kennedy erneut aufgeworfen
worden, der eine Resolution eingebracht hatte, die die Politik Präsident
Nixons grundsätzlich unterstützt, jeden Bombenschaden an dem nordvietnamesi-

-1-

�&gt;

nordvietnamesischen Damm-und Deichsystem zu vermeiden. Der Senator hatte
gleichzeitig auf einen Bericht des Außenministeriums verwiesen, in dem festgestellt worden war, daß lediglich 12 Stellen des über 4 300 Kilometer langen Wasserkontrollsystems getroffen worden seien und daß jede dieser Stellen in der unmittelbaren Nähe eines legitimen militärischen

Zieles liege. Dabei hatte Kennedy

unter anderem erklärt, wenn die Bombardierung eines Zieles in der Nähe eines
Deiches dazu führe, daß der Deich selbst auch getroffen werden könne, dann werde der Deich genauso vorsätzlich bombardiert, als wenn er das eigentliche Ziel
gewesen wäre.
Dem hielt Ziegler auf seiner Pressekonferenz am 4. August entgegen, daß
die amerikanische Lufttätigkeit über Nordvietnam die Offensive Hanois in Südvietnam zerschlagen solle und daß der Präsident wie auch zahlreiche Mitglieder der
Regierung immer wieder unterstrichen hätten, daß es ganz eindeutig die Politik
der USA sei, keine Dämme oder Deiche anzugreifen. Wörtlich sagte Ziegler zu den
Ausführungen von Senator Kennedy unter anderem:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten hat unsere Politik hinsichtlich der
Lufttätigkeit über Nordvietnam ganz eindeutig umrissen. Wir haben bei zahlreichen
Anlässen den Grund für diese Lufttätigkeit dargelegt. Der Grund für diese Lufttätigkeit ist ganz klar aufgezeigt worden, nämlich die Anstrengungen der Nordvietnamesen zunichtezumachen, die Offensive nach Südvietnam hineinzutragen.
Wir haben immer wieder unterstrichen, daß diese Administration nicht die
Politik verfolgt, die Dämme und Deiche zu bombardieren, und wir tun das auch
nicht. Wir halten uns an diese von uns festgelegte Politik. Das Außenministerium
hat vor kurzem Informationen bezüglich einiger versehentlicher Angriffe gegen
das Deichsystem veröffentlicht. Es hat in diesem Bericht meines Erachtens aber
auch sehr detailliert aufgezeigt, welchen umfang dieses System von Dämmen und
Deichen in Nordvietnam hat. Es hat dabei betont, daß sich diese Dämme und Deiche

-2-

�Deiche über 4 300 Kilometer hinziehen, und ebenfalls dargelegt, welche Maßnahmen
oder welche Schäden an dem System zu Überschwemmungen führen könnten.
Jeder weiß

, daß in Nordvietnam, wie auch dieser Bericht des Außen-

ministeriums besagt, jedes Jahr um diese Zeit Überschwemmungen auftreten.
Ich möchte sagen, daß der Gegner mit seiner massiven Propagandakampagne
ganz zweifellos die Vereinigten Staaten zu beschuldigen versucht, eine Politik
der vorsätzlichen Bombardierung dieser Dämme und Deiche zu verfolgen. Dabei
steht im Hintergrund die Absicht, diese Anschuldigungen dann erneut vorzubringen, falls und wenn es zu Überschwemmungen kommt, und zu erklären, daß dies eine
Folge der Bombenangriffe sei. In Wirklichkeit kann dies nicht geschehen. Ich
möchte daher nur feststellen, daß unsere Politik hierzu klar ist - daß wir uns
an diese Politik halten. Ich habe die hierzu heute morgen im Senat abgegebenen
Erklärungen nicht in allen Einzelheiten gelesen,.doch wird in ihnen völlig ignoriert, was die Regierung und der Präsident als ihre Politik bezeichnet haben.
Ich möchte lediglich sagen, daß solche Kommentare, gleichgültig von welcher
Seite sie kommen, unverantwortlich sind und völlig übersehen, was diese Administration als die von uns verfolgte Politik der USA bezeichnet hat. Erklärungen
wie diese können lediglich dazu dienen, die diesbezüglichen Propagandaanstrengungen des Gegners zu fördern".
Ziegler teilte weiter mit, daß Präsident Nixom beim Verteidigungsministerium
eine Überprüfung angeordnet habe, als Berichte über Schäden an den Dämmen aufkamen, um sicherzustellen, daß seine Politik auch eingehalten wird. Als dann die
Propagandakampagne Hanois immer intensiver wurde, so fuhr Ziegler fort, "hat
der Präsident seine Politik vor der Öffentlichkeit wie auch in vertraulichen Gesprächen immer wieder dargelegt, und er ist überzeugt, daß die für die Durchführung der Luftoperationen im Norden Verantwortlichen diese Politik auch befolgen."
Der

-3-

�Der Pressesekretär unterstrich auf die Fragen der Korrespondenten hin immer
wieder, daß die gegenwärtigen Bombenangriffe auf militärische Ziele der Nordvietnamesen den gleichen Zweck wie anfangs hätten, nämlich die nordvietnamesische Invasion des Südens zu stoppen. Nordvietnam habe keinerlei Hinweise dafür
gegeben, daß es seine Anstrengungen in Südvietnam aufgeben wolle. Die Luftangriffe verfolgten daher den Zweck, die Versorgung der nordvietnamesischen Truppen mit Nachschub zu unterbinden.
In der Senatsdebatte hatte der republikanische Fraktionsführer, Hugh Scott,
Senator Kennedy sowie weiteren demokratischen Senatoren vorgeworfen, sie seien
Opfer der kommunistischen Propaganda geworden. Wenn die Vereinigten Staaten wollten, so erklärte Scott, könnten sie Nordvietnam in weniger als einer Woche in
einen See verwandeln; ein so schreckliches Unterfangen käme ihnen jedoch überhaupt nicht in den Sinn. "Die Deiche werden nicht bombardiert", so sagte der
Senator wörtlich, "und es ist an der Zeit, daß wir die wirklichen Fragen erörtern und aufhören, über solchen Unsinn zu reden".

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US-AUSSENMINISTERIUM BESTÄTIGT NORDVIETNAMESISCHE GREUELTATEN
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

WASHINGTON --(AD)— Presseberichte, wonach die nordvietnamesischen Invasionstruppen südvietnamesische Beamte öffentlich hingerichtet und tausende von Flüchtlinge niedergemetzelt haben, sind jetzt vom amerikanischen Außenministerium bestätigt worden.
Der Sprecher des State Department, John King, erklärte am 7. August vor
Korrespondenten unter Bezugnahme auf einen Bericht der New York Times, daß die
Nordvietnamesen bei der Invasion der Provinz Binh Dinh zwischen 250 und 500 Regierungsbeamte und Privatleute öffentlich hingerichtet hätten. Geradezu verheerende Folgen, so sagte King, hätten die kommunistischen Angriffe auf die langen Kolonnen von Flüchtlingen gehabt, die aus der Stadt Quang Tri zu entkommen suchten.
Am 24. April sei zum Beispiel eine Fahrzeugkolonne, mit der mehrere Tausend
Frauen, Kinder und alte Leute evakuiert werden sollten, wenige Kilometer südlich von Quang Tri in einen Hinterhalt der Nordvietnamesen geraten und völlig
vernichtet worden. Augenzeugen hätten berichtet, daß die Straße und die anliegenden Felder über weite Strecken hinweg mit Fahrzeugteilen und Leichen übersät gewesen seien.
Wie

-1-

�Wie King weiter berichtete, sind am 29. und 30. April Tausende von aus Quang
Tri fliehende Zivilisten auf der Nationalstraße eins niedergemetzelt worden.
Zur Verteidigung der Mychanh-Brücke eingesetzte Truppen hätten machtlos zusehen
müssen, wie die Kommunisten immer wieder die langen Flüchtlingskolonnen mit
13o mm Granaten beschossen. Nach Zeugenaussagen seien allein in diesen zwei Tagen 1 000 bis 2 000 Zivilisten getötet worden. Diese Zeugenaussagen, so betonte
King, bestärkten nur die Befürchtungen des Außenministeriums, daß die Kommunisten
auch an anderen Orten nicht weniger grausam vorgegangen seien.
Der am 3. August in der New York Times erschienene Bericht über die Ermordung von Regierungsamten und die Inhaftierung von 6 000 Menschen in der Provinz
Binh Dinh basiert nicht nur auf Geheimdienstberichten der Verbündeten, sondern
auch auf eingehenden Interviews von Personen, die die dreimonatige kommunistische Besetzung überlebten. Die Informationen des Außenministeriums, so sagte
King, "bestätigen nur, was wir alle in der New York Times gelesen haben". Aber
auch in anderen Teilen Vietnams, so fügte der Sprecher hinzu, seien die Nordvietnamesen ähnlich vorgegangen und hätten südvietnamesische Regierungsbeamte
und Privatleute hingerichtet oder entführt.
Der Korrespondent der New York Times, Joseph B. Treaster, berichtete, die
Hinrichtungen von Angehörigen der Saigoner Regierung in der Provinz Binh Dinh
seien die umfassendsten seit dem Massaker von Hue während der Tet-Offensive des
Jahres 1968 gewesen, bei dem nach Angaben der verbündeten Truppen wie auch unabhängiger Journalisten mehr als 2 600 Personen getötet wurden. Wie Treaster in
seinem Artikel schrieb, hätten die Kommunisten nach dem Fall des nördlichen Teiles der Provinz Binh Dinh ihr Programm unter den 200 000 Einwohnern dieses Gebietes in allen Einzelheiten durchführen können. Kommunistische Sicherheitsoffiziere hätten in kürzester Zeit Dossiers über jeden einzelnen Einwohner angelegt und die Bevölkerung in verschiedene Kategorien eingestuft. Maßgebend hierfür
seien physische Leistungsfähigkeit, finanzielle Lage, Beruf, Alter sowie Beziehungen zu den Kommunisten oder der Saigoner Regierung gewesen. Diejenigen, die

-2-

�die mit der Saigoner Regierung direkt zusammengearbeitet hatten, seien vor
"Volksgerichte" gestellt, als "Tyrannen" gebrandmarkt und zum Tode oder zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Dabei habe es sich vor allem um Dorfälteste und
Gemeindevorsteher, ihre Stellvertreter sowie Angehörige der Polizei und

der

Miliz gehandelt. Aber auch Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern und untergeordnete
Verwaltungsangestellte seien verhaftet worden.
Ein Sprecher der Vereinten Nationen hatte am 5. August vor der Presse zu dem
Artikel der New York Times erklärt, sollte dieser Bericht wirklich wahr sein,
so bedauere Generalsekretär Kurt Waldheim diese Vorgänge und Verluste an Menschenleben zutiefst.

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32/1972

USA ERHOFFEN SICH VON DEM TREFFEN NIXON-TANAKA FORTSCHRITTE
BEI DEN HANDELSGESPRÄCHEN
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums erhofft
man sich von dem Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Kakuei Tanaka,das Ende August in Honolulu stattfinden
soll, nicht nur Fortschritte für die amerikanisch-japanischen Handelsgespräche, sondern vor allem eine baldige Entlastung für das große und ständig zunehmende US-Handelsdefizit gegenüber Japan.
In diesen Kreisen zeigt man sich "enttäuscht" über die Konzessionen,
die Japan bei den kürzlichen Handelsgesprächen in Hakone angeboten hat. Allerdings, so wird betont, habe die japanische Seite erstmalig zu verstehen gegeben, daß sie sich der Dringlichkeit des Problems bewußt ist.
Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan belief sich im letzten
Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar und dürfte dieses Jahr fast 4 Milliarden Dollar erreichen, sofern nicht bald etwas unternommen wird. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle,
berichtete nach seiner Rückkehr von Hakone, die Japaner hätten zugesagt, die-1-

�dieses Defizit bis zum März 1973 auf weniger als 3 Milliarden Dollar und bis
1974 auf weniger als 2 Milliarden Dollar herabzudrücken. Demgegenüber soll jedoch der japanische Minister für Außenhandel und Industrie am 2. August in Tokio
erklärt haben, Japan habe lediglich zugesagt, es werde versuchen, dieses Defizit
abzubauen. Gleichzeitig soll der Minister jedoch Zweifel geäußert haben, daß dieses Ziel realisiert werden könne.
Botschafter Eberle hatte Japan aufgefordert, selbst seine Grenzen für höhere Importe amerikanischer Erzeugnisse zu öffnen, nachdem die Vereinigten Staaten bereits immer mehr japanische Güter kaufen. Sollte dies nicht geschehen,so
warnte der Botschafter, müsse Japan mit ernsten Konsequenzen rechnen - zum Beispiel mit einem Wiederaufleben des protektionistischen Drucks gegen japanische
Erzeugnisse oder mit vermehrtem Druck nach einer weiteren Yen-Aufwertung.
Ministerpräsident Tanaka pflichtete dem durchaus bei,daß die Konsequenzen
schwerwiegend sein könnten, aber er hat sich bisher geweigert, größere Zolloder Quotenkonzessionen zu gewähren. Der Ministerpräsident vertritt vielmehr
die Auffassung, daß die Wiedererholung der japanischen Wirtschaft von ihrer
gegenwärtigen Rezession auch zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für amerikanische Erzeugnisse führen wird.
In den viertägigen Verhandlungen in Hakone hat Japan lediglich die folgenden Konzessionen eingeräumt: Es hat sich bereit erklärt,in diesem Jahr für
50 Millionen Dollar mehr amerikanische Agrarerzeugnisse zu kaufen, als ursprünglich vorgesehen war. Es hat auf dem Komputermarkt das Kontingent für ausländische Erzeugnisse von 46 auf 50 Prozent erhöht. Es hat die Einfuhr amerikanischer Röntgen-und Schwarzweiß-Filme liberalisiert. Es hat sich bereit erklärt,
in ausländischem Besitz befindliche Läden in Japan zuzulassen, gleichzeitig
jedoch die Zahl der zugelassenen Verkaufsstellen pro Unternehmen auf 11 begrenzt. Und es hat erstmalig zugelassen, daß sich auch amerikanische Firmen an
Ausschreibungen der japanischen Regierung beteiligen dürfen. Allerdings bedürfen
verschiedene dieser Vorschläge noch der Zustimmung des japanischen Diet.
Der

-2-

�Der Leiter der japanischen Delegation in Hakone, Kiyoh-Iko Tsurumi, gibt
durchaus zu, daß er bei den Verhandlungen nicht alle amerikanischen Wünsche
habe befriedigen können. Er betrachtet die anstehenden Probleme als "schwierig
und komplex" und betont, daß Japan volles Verständnis für ihre Dringlichkeit
hat.
In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums ist man zwar enttäuscht
darüber, daß kein Abkommen über umfassendere und schnellere Maßnahmen erreicht
werden konnte, weist jedoch darauf hin, daß in diesen ersten Verhandlungen m it
der Regierung Tanaka trotzdem guter Fortschritt erzielt worden sei. Man habe
eine beachtliche Liberalisierung erreicht, obwohl der Zeitpunkt, politisch gesehen, gegenwärtig für Japan ungünstig sei, um schneller vorangehen zu können.
Ministerpräsident Tanaka, so wird betont, habe eine wenig stabile Koalition
hinter sich und werde wahrscheinlich in naher Zukunft Neuwahlen ausschreiben.
Hinzu komme, daß wichtige Kreise der japanischen Landwirtschaft und Industrie
gegen jeden verstärkten Wettbewerb aufgrund höherer amerikanischer Importe sin
So ist auch von japanischer Regierungsseite zu verstehen gegeben worden, daß
eine Ausweitung der japanischen Agrarimporte zum gegenwärtigen Zeitpunkt die
japanische Landwirtschaft "erschüttern" würde. Von amerikanischer Seite wird
dem entgegengehalten, daß Präsident Nixon angesichts der in drei Monaten in
den USA stattfindenden Wahlen ebenfalls unter einem politischen Druck steht,
das Handelsdefizit abzubauen.
Eines der wichtigsten Gebiete, bei denen in Hakone Übereinstimmung bestand, waren die multilateralen Handelsprobleme. Beide Länder kritisierten
die von dritten Ländern gegen Japan angewandten diskriminierenden Handelspraktiken. Und sie vereinbarten, bei den für das kommende Jahr anstehenden Zollverhandlungen eng zusammenzuarbeiten.
Amerikanische

�Amerikanische Kreise betonen, daß Japan angesichts seiner politischen
Probleme in Hakone relativ entgegenkommend gewesen sei. "Sie haben zwar nicht
alles getan, was wir wünschten, aber sie haben mehr getan als im letzten Jahr;
trotzdem müssen sie noch mehr tun und zwar schneller", so faßt es ein hoher
amerikanischer Beamter zusammen, der nicht genannt sein will.
Die Gespräche auf niedrigerer Ebene zwischen beiden Ländern dauern weiter
an, und auf amerikanischer Seite hofft man, nach dem Gipfeltreffen zwischen
Präsident Nixon und Ministerpräsident Tanaka möglicherweise weitere Fortschritte bekanntgeben zu können.

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DIE KONTROVERSE UM METHADON

•»-(AD)— Nach wie vor gehen in den Vereinigten Staaten die Meinungen in
bezug auf die Anwendung von Methadon bei der Behandlung und Rehabilitation
Heroinsüchtiger auseinander. Das Präparat sei, so erklären die einen, ein
legales und akzeptables Mittel, das gegenwärtig im Rahmen von 450 Behandlungsund Rehabilitationsprogrammen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und
kommunaler Ebene angewandt werde und etwa 60 000 Süchtigen geholfen habe.
30 000 Heroinsüchtige stünden noch auf den Wartelisten. Methadon bedeute nur
den Austausch eines Suchtmittels gegen ein anderes, behaupten dagegen die
Kritiker. Intravenös injiziert, führe es genau wie Heroin zum Rauschzustand,
was dazu geführt habe, daß es bereits auf dem schwarzen Markt gehandelt
werde.
In einer Reihe von Untersuchungen bemühen sich gegenwärtig Ärzte und
Psychologen, zu einer objektiven Beurteilung zu gelangen. So beendete im Juni
eine Gruppe kalifornischer Wissenschaftler eine im Auftrag der US-Zentralstelle für Narkotika und gefährliche Arzneimittel (BNDD) durchgeführte Studie über
sieben verschiedene Verfahren, die bei der Behandlung Heroinsüchtiger angewandt
werden. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, daß die Methadon-Programme ausgebaut
und Süchtige notfalls zwangsweise dieser Behandlung zugeführt werden sollten.
Nach Überzeugung der Experten sei dann zu erwarten, daß die unter Heroinzwang
begangenen Verbrechen um 85 Prozent zurückgingen, der Verlust an Volksvermögen,

-l-

�I

Volksvermögen, der gegenwärtig mit etwa 4,7 Milliarden Dollar anzusetzen sei, um
2,4 Milliarden Dollar reduziert werde.
Die kalifornische Wissenschaftlergruppe empfiehlt ein Programm, in dessen
Rahmen süchtige Gesetzesbrecher anfänglich in geschlossenen Behandlungszentren
unterzubringen seien, später jedoch die Wahl hätten, von sich aus auf das Rauschgift zu verzichten oder der Methadon-Behandlung zuzustimmen. Die Rückkehr zum
Heroin würde automatisch zur Wiedereinweisung in die geschlossene Anstalt führen.
Die Kosten des Programms werden pro Einzelfall auf 4 000 Dollar jährlich für
die stationäre und 1 500 Dollar für die ambulante Behandlung geschätzt.
Die Initiatoren des Methadon-Programms, Dr. Vincent P. Dole und Dr. Marie
Nyswander-Dole

/om Rockefeiler Hospital in New York, machten seit der Einfüh-

rung ihrer Therapie im Jahre 1964 immer wieder die Beobachtung, daß es nach der
Entziehungskur im Krankenhaus möglich ist, zur ambulanten Betreuung ehemaliger
Süchtiger überzugehen. Patienten, die den Willen aufbringen, in die Gesellschaft
zurückzukehren, sind dazu mit Methadon als einer Art "Krücke" in der Lage.
Allein die Tatsache, daß sich in den letzten paar Jahren in den Vereinigten
Staaten die Zahl der Heroinsüchtigen mehr als verdoppelte und auf schätzungsweise 560 000 erhöhte, führte zwangsläufig zu einer Intensivierung der von offizieller Seite geförderten Umstellungsprogramme auf Methadon. Niemand verkennt, daß
auch Methadon eine suchterzeugende Droge ist - und insofern dem Heroin in gewisser
Weise vergleichbar, das ursprünglich als Ersatz für Morphin in Amerika eingeführt
wurde. Dr. Jerome H. Jaffe, der Sonderberater Präsident Nixons für Narkotika und
gefährliche Arzneimittel, erklärte vor einem Senatsunterausschuß: "Die Anwendung
von Methadon als Mittel der Behandlung der Heroinsucht hat zu Kontroversen geführt - gleichzeitig aber vielen Menschen die Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht."
Es

-2-

�i

Es ist für den Arzt,ldie Droge der Wahl" bei der Entziehungsbehandlung. Während Heroin physisch zerstört, zeigen sich bei Methadon-Patienten verhältnismäßig wenig Nebenwirkungen. Die auf die richtige Dosis eingestellten Patienten
können gewöhnlich, wie gesunde Menschen auch, normal essen, schlafen, arbeiten
und sich vergnügen. "Methadon", so ein Vertreter der Washingtoner Suchtstoffzentrale BNDD, "stabilisiert den Grad der Abhängigkeit und beseitigt die extremen
Formen psychischer Fehlreaktionen, wie sie bei Heroin auftreten". Es sei keineswegs ideal, jedoch wesentlich vorteilhafter als die von einer Anzahl von Kritikern
der Methadon-Behandlung geforderte legale Anwendung von Heroin. Ärzte wie Behörden sind einig darin, daß bei den Kranken Wille und Motivation eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozeß spielen.
Die Kritik gegen die Anwendung von Methadon konzentriert sich vor allem auf
folgende Punkte: Methadon ist der Ersatz einer Droge durch eine andere und überläßt die Last der Wahl dem Süchtigen. Unzureichende finanzielle Unterstützung
der Programme durch die Bundesbehörden gebe außerdem vielen Heroinsüchtigen gar
keine Chance, von ihrer Sucht loszukommen. Die Kontrolle über Methadon werde
viel zu lasch gehandhabt, so daß durch seine illegale Benutzung, bei der es schon
zu Todesfällen gekommen sei, ähnlich wie durch Heroin Unglück gestiftet werde.
Die Suchtstoffzentrale (BNDD) in Washington ist sich dieser Schwierigkeiten
durchaus bewußt und versucht deshalb, den Mißbrauch von Methadon und seine Anwendung außerhalb der offiziellen Institutionen unter Einschaltung aller verfügbaren Rechtsmittel zu unterbinden und für die Erreichung dieses Zieles notfalls
auch neue Gesetze im Kongreß durchzusetzen.

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32/1972

GROSSAKTION GEGEN BLASENKREBS
Neues Schwerpunktprogramm in den USA

--(AD)-- Diagnose und Behandlung von Blasenkrebs sowie Maßnahmen zu seiner
Verhütung sollen einer Verlautbarung des Nationalen Krebsforschungsinstituts
(NCI) der Vereinigten Staaten zufolge durch ein zunächst auf drei Jahre befristetetes Forschungsprogramm, für das mindestens 2,5 Millionen Dollar pro Jahr verfügbar sind, wesentlich verbessert werden. Ähnliche Aktionen sind geplant,um
Darmkrebs und Prostatakarzinom wirksamer als bisher zu bekämpfen.

Die Leitung des "National Bladder Cancer Project" wurde Dr. Gilbert
Friedell, Chefpathologe am St. Vincent-Hospital in Worchester (Massachusetts),
übertragen. Gemeinsam mit 50 Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die
an führenden amerikanischen Forschungsinstituten tätig sind, wurden bereits die
organisatorischen Vorbereitungen getroffen, die "ein integriertes und interdisziplinäres Vorgehen gewährleisten sollen".
Die Forschungsaufgaben, mit deren Durchführung ausgewählte in-und ausländische Institutionen betraut werden, erstrecken sich auf Epidemiologie (Häufigkeit, Verteilung und Umwelteinflüsse beim Auftreten von Blasenkrebs), Vorbeugung, Erkennung, Diagnose und Prognose, Planung und Durchführung von Tierexperimenten als Modellversuche und schließlich Behandlung.
Nach

-l-

�Nach Schätzungen des Nationalen Krebsforschungsinstituts entfallen gegenwärtig etwa vier Prozent aller Neuerkrankungen an Krebs auf Blasenkarzinom. Die
Aussichten auf Heilung sind jedoch nur in Fällen oberflächlicher oder sehr eng
begrenzter Erkrankung günstig. Deshalb kommt der Frühdiagnose und der Erfassung
von Bevölkerungsgruppen, bei denen das Risiko einer Erkrankung größer ist als
bei anderen, so große Bedeutung zu.
Die Ursachenforschung soll erheblich intensiviert werden. Schon seit einiger Zeit ist z.B. bekannt, daß Zusammenhänge zwischen Blasenkrebs und bestimmten Tätigkeiten in der Farben-und GummiIndustrie sowie Blasenkrebs und Rauchen
bestehen. Auch wird nicht ausgeschlossen, daß der Zusammensetzung des Urins in
Bezug auf die Ausscheidung bestimmter Stoffe eine gewisse Bedeutung zukommt.

Krebspräparate werden mit der UdSSR ausgetauscht
Wie Dr. C. Gordon Zubrod, wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Chemotherapie des Nationalen Krebsforschungsinstitutes, nach der Rückkehr aus der
Sowjetunion erklärte, wird in den USA im Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Programms zur Zusammenarbeit in der Medizin auch ein Medikament erprobt werden,
das sowjetische Ärzte bei Schilddrüsen-und Blasenkrebs anwenden (Bezeichnung:
Dijodobenzotepa). Allerdings sei in Amerika erst im nächsten Jahr mit einer Anwendung zu rechnen, da das Präparat (ebenso Fluorodopan

und das Versuchspräpa-

rat Asaley gegen Lymphom, Brust-und Ovarialkrebs) erst getestet und von der
"Food und Drug Administration" freigegeben werden müsse. Zu allererst soll die
einschlägige russische Literatur, zu der auch bisher unveröffentlichte Arbeiten
gehören, übersetzt werden. Die Vereinigten Staaten stellen ihrerseits amerikanisehe Fachliteratur,einschließlich Dauerabonnements mehrerer medizinischer Fachzeitschriften,und die Krebspräparate Hexamethylmelamin, CCNU und DTIE zur
Verfügung.

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RETINOPATHIE BEI DIABETIKERN

— ( A D ) — Verbesserte Methoden der Behandlung von Retinopathie bei Diabetes
mellitus werden in den Vereinigten Staaten in einer bundesweiten Studie erprobt. In erster Linie geht es darum, systematisch festzustellen, in welchen
Fällen und in welchem Umfang die verschiedenen Methoden der Lichtkoagulation
als optimale therapeutische Verfahren betrachtet werden können, um den Patienten das Augenlicht zu erhalten. Die Methode als solche wurde in den
letzten Jahren bereits sehr häufig angewandt; ihr tatsächlicher Wert war
jedoch bisher nicht eindeutig zu dokumentieren. Denn der klinische Verlauf
von Retinopathia diabecica ist recht unterschiedlich, und außerdem ist es
schwierig, das Ergebnis einer Lichtkoagulationsbehandlung exakt zu ermitteln.

Die eigentliche Ursache der Retinopathie im Zusammenhang mit Diabetes
ist nicht bekannt. Jedoch sind gewöhnlich Auftreten und Schwere der Störungen,
bei denen es zu Netzhautblutungen kommt, der Dauer der Erkrankung an Diabetes mellitus proportional. Von Patienten, die seit zehn Jahren zuckerkrank
sind, leiden etwa 50 Prozent bis zu einem gewissen Grad an Retinopathie; bei
15jähriger Krankheitsdauer sind es ca. 75 Prozent, bei 25jähriger Krankheitsdauer 95 Prozent.
Hauptursachen

-l-

�I

Hauptursachen von Erblindung infolge Retinopathia diabetica sind massive
Netzhautblutungen mit Einsickern in den Glaskörper, Bildung von Narbengewebe
und Netzhautablösung. Dem Prozeß geht gewöhnlich die Neubildung von Blutgefäßen
entlang der inneren Netzhautoberfläche voraus. Diese Blutgefäße erweisen sich
auch als Quelle der Blutungen in den Glaskörper und für die Bildung von Narbengewebe, das durch Schrumpfung zu Netzhautablösung führen kann.
In 16 amerikanischen Augenkliniken soll bei etwa 1 800 Diabetikern mit
Retinopathie - zunächst an einem Auge des Patienten - eine Lichtkoagulation nach
drei verschiedenen Methoden durchgeführt werden. Bei der ersten Gruppe geschieht
dies mit weißem Licht aus einer Xenon-rLampe, bei der zweiten Gruppe mit dem intensiven blaugrünen Licht aus einem Argon-Laser und bei der dritten Gruppe mit
einem Verfahren, das eine Kombination dieser beiden Methoden darstellt. Das
zweite Auge des Patienten dient vorläufig als Kontrollorgan und wird nur dann
in gleicher Weise behandelt, wenn der Erfolg beim ersten Auge gesichert ist.
(Die durch die Wärmewirkung des Lichts ausgelöste Koagulation wäre dann

von

größtem Nutzen, wenn sie an den neuen Blutgefäßen unmittelbar vor einer Blutung
erfolgte). Bisher hatte man Photokoagulation entweder auf Netzhautpartien, in denen neue Blutgefäße festgestellt wurden, oder in einer Art Schachbrettmuster auf
größeren Netzhautflächen angewandt in der Hoffnung, daß die Blutgefäße abgeschnürt werden oder ein indirekter günstiger Effekt auf die nichtbehandelten
Partien der Netzhaut erzielt wird.
Besondere Bedeutung wird im Rahmen der Studie der ständigen Beobachtung und
regelmäßigen Untersuchung der Patienten mit Aufnahmen von der Netzhaut zugemessen.
Um die Ergebnisse wirklich exakt verifizieren zu können, wird auch eine sogenannte
Blindauswertung vorgenommen, d.h., der untersuchende Augenarzt weiß nicht, welche
Behandlung der betreffende Patient erfahren hat. An den Universitäten Maryland
(in Baltimore) und Wisconsin (in Madison) wurden Zentren für die Beurteilung der

-2-

�f

der vor und während der Behandlung angefertigten Netzhautaufnahmen, die zur
Sicherung der Diagnose und Ermittlung des Erkrankungsstadiums dienen, eingerichtet. Die Ergebnisse von Alternativmethoden der Behandlung von Retinopathia
diabetica werden in die allgemeine Auswertung der Studie einbezogen.

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ERSATZTEILE AUS TITAN
--(AD)— In der Wiederherstellungschirurgie spielen Metalle als Prothesenmaterial eine wichtige Rolle. Jedoch können sie auch Komplikationen auslösen, die sich nach einer gewissen Zeit einstellen. In den Vereinigten
Staaten geht man jetzt immer mehr dazu über, auch das von der Raumfahrttechnik her bekannt gewordene Metall Titan für medizinische Zwecke einzusetzen, vor allem deshalb, weil es gegenüber physiologischen Salzen in
Lösung außerordentlich beständig ist.
Um aber mögliche Korrosions-und Oberflächenreaktionen von Titan im
Körper im Detail erfassen und die Ursache ihrer Entwicklung besser verstehen
und ausschalten zu können, wurde von Metallurgen am National Bureau of
Standards (U.S.Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) eine
Studie zur Untersuchung bestimmter, verschieden vorbehandelter Legierungen
unter der Einwirkung zahlreicher physiologischer Flüssigkeiten und Gewebe
durchgeführt. Als Probenmaterialien wurden reines Titan, Titan mit sechs
Prozent Aluminium und vier Prozent Vanadium sowie Titan mit 0,2 Prozent
Palladium benutzt, die man verschiedenen physiologischen Kochsalzlösungen
in Kombination mit Harnsäure in verschiedenen Konzentrationen und mit
Aminosäuren wie Glykokoll, Cystein, Cystin und Tryptophan aussetzte. Die

-l-

�Die Oberflächender meisten Metallproben waren auf elektrischem, in einigen lallen auf mechanischem Wege poliert worden. Manche Proben mit FI?ktropolitur hatte man anschließend sterilisiert, um die Effekte unterschiedlicher Oberflächenbehandlungen auf die als Schutzfilm vorhandene korrosionsabweisende Schicht
Titandioxid (TiO?) studieren zu können.
Durch Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop war bereits bekannt, daß
die Legierungszusammensetzung und die jeweiligen physiologischen Gegebenheiten
die Rauhigkeit und das kristalline Gefüge des Schutzfilms beeinflussen. Seine
Veränderungen wurden in jeder Phase verfolgt. Dabei zeigte sich, daß durch
Sterilisieren von 15 min Dauer im Autoklaven bei 120 C die Einheitlichkeit des
Films zerstört und er an einigen Stellen als TiO , an anderen als einfaches
Titanoxid (TiO) vorhanden ist.
Das letztgenannte, weniger beständige Oxid ergibt eine glattere Oberfläche als TiO . Alles in allem sollte wegen der Gefahr der Bildung einer
uneinheitlichen Oxidfilmoberfläche die Dampfsterilisierung von Titanmaterialien äußerst sorgfältig kontrolliert werden. Es zeigte sich ferner, daß reines
Titan auf bestimmte Oberflächen-und Sterilisierungsbehandlungen weniger reagiert als seine Legierungen. Und von diesen scheint die Ti-Palladium-Verbindung von der Oberflächenbehandlung und der Art der einwirkenden physiologischen
Salzlösungen stärker betroffen zu werden als die Legierung Titan-AluminiumVanadium.
Künftige Untersuchungen wird man auf die Entstehung von Risskorrosion in
diesen Titanlegierungen konzentrieren. Sie entsteht an Stellen des Implantats,
wo - wie am Gewinde einer Schraube oder an den Lochrändern einer Platte Körperflüssigkeiten nur ungleichmäßig oder geringfügig mit dem Metall in Berührung kommen. Den geringen

Flüssigkeitsmengen wird der Sauerstoff entzogen,

was den TiO-Schutzfilm beeinträchtigt. Stellenweise kann es auch zu einer

-2-

�einer Verringerung des pH-Wertes, also zu einer Erhöhung des Säuregrades kommen, so daß die Aggressivität der Lösung gegenüber dem Metall größer wird,
als sie normalerweise ist. Unter diesen Gesichtspunkten soll nun auch die
Formgebung für Implantate aus Titan-Metall überprüft werden.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon ernennt persönliche Vertreter für die Olympischen Spiele in München&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robeert Sargent Shriver, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weißes Haus: US-Lufttätigkeit soll Nachschub Hanois ausschalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nordvietnamesische Deiche kein Angriffsziel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium bestätigt nordvietnamesische Greueltaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem diplomatischen Korrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erhoffen sich von dem Treffen Nixon-Tanaka Fortschritte bei den Handelgesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Kontroverse um Methadon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Großaktion gegen Blasenkrebs&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Retinopathie bei Diabetikern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ersatzteile aus Titan</text>
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Dokumentation

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16. August 1972

33

Inhalt

DOKUMENTATION:
Nixon ersucht Senat um Ratifizierung der Konvention über ein Verbot
bakteriologischer Kampfmittel
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-SenatINFORMATION:
U.Alexis Johnson für Verbesserung der Beziehungen zu Moskau und Peking
-Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs-

•

Freie Information unerwünscht?
Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen mit Heimempfang
WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon weist auf wirtschaftliche Erfolge hin
-Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Das internationale Währungssystem
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Die amerikanische Zahlungsbilanz 1972
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Initiativen für Handelsverhandlungen
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Volcker würdigt neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons
-WortlautUS-Handelsminister: Wirtschaftsaufschwung und freier Handel
Von unserem Sonderkorrespondenten
Neues Wirtschaftsprogramm Präsident Nixons ein Jahr alt
Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Eine Krankheit wurde entschärft
Immunreaktionen mit fremder Thymusdrüse

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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33/1972

NIXON ERSUCHT SENAT UM RATIFIZIERUNG DER KONVENTION ÜBER
EIN VERBOT BAKTERIOLOGISCHER KAMPFMITTEL

-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Senat-

WASHINGTON --(AD)'»- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Senat am 10 August
die "Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung
bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen und über deren Vernichtung" zur Bestätigung zugeleitet und damit das Ratifizierungsverfahren
in Gang gesetzt.
Die 15 Artikel umfassende Konvention, die 1971 auf der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und von der UN-Vollversammlung mit überwältigender
Mehrheit den Mitgliedsstaaten zur Unterschrift empfohlen worden war, ist von
den Vereinigten Staaten gleichzeitig mit 73 anderen Ländern am lO.April dieses Jahres unterzeichnet worden. Sie tritt in Kraft, sobald sie von 22 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, ratifiziert worden ist.
In seiner Botschaft an den Senat betonte der Präsident, daß diese Konvention das erste internationale Abkommen seit dem zweiten Weltkrieg ist, durch
das eine ganze Gruppe von Kampfmitteln geächtet wird und die vorhandenen Be-

�Bestände an bakteriologischen und toxischen Waffen bekanntgegeben. Alle für
den Menschen gefährlichen Kampfmittel sind auf amerikanischer Seite bereits
vernichtet worden, während die Vernichtung der Entlaubungsmittel bis zum Ende
dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Die Einrichtungen in Pine Bluff sind
in ein nationales Forschungszentrum zur Untersuchung der nachteiligen Auswirkungen chemischer Substanzen auf die menschliche Umwelt umgewandelt worden. Die
ehemalige biologische Forschungsanstalt in Fort Detrick soll nunmehr ein Krebsforschungszentrum werden.
Die Botschaft Präsident Nixons an den US-Senat hat folgenden Wortlaut:
An den Senat der Vereinigten Staaten:
Hiermit lege ich dem Senat die Konvention über das Verbot der Entwicklung,
Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Kampfmittel und über deren Vernichtung zwecks Zustimmung und Bestätigung für die
Ratifizierung vor, das am 10. April 1972 in Washington, London und Moskau zur
Unterzeichnung ausgelegt worden war.
Der Wortlaut dieser Konvention ist das Ergebnis dreijähriger intensiver
Debatten und Verhandlungen auf der Konferenz des Abrüstungsausschusses in
Genf und in den Vereinten Nationen. Sie sieht vor, daß die Vertragspartner die
Entwicklung, die Herstellung, die Lagerung, den Erwerb oder die Bevorratung
biologischer Kampfmittel oder Toxine in Formen und Mengen, die für friedliche
Zwecke in keiner Weise gerechtfertigt sind, wie auch von Waffen, Ausrüstungen
und Trägern, die für den Einsatz solcher Kampfmittel oder Toxine für feindselige Zwecke oder in einem bewaffneten Konflikt bestimmt sind, unterlassen. Die Bestimmungen der Konvention sind im einzelnen in dem begleitenden Bericht des
Außenministers erläutert.
Vor etwa zwei Jahren hat die amerikanische Regierung einseitig und bedingungslos auf die Anwendung aller biologischen und toxischen Waffen verzichtet

-2-

�'

verzichtet und bekräftigt, daß wir unsere vorhandenen Bestände vernichten und
unsere Programme auf genau umrissene, defensive Zwecke beschränken werden. Diese
Initiativen waren Ausdruck einer tiefen nationalen Überzeugung, und haben sehr beträchtlich zu dem schließlichen Erfolg der Verhandlungen beigetragen,die zu dieser Konvention geführt haben.
Damals sahen wir dem Tag entgegen, da die Gemeinschaft der Völker gemeinsam
handeln würde, um biologische Kriegführung und biologische Kampfmittel zu ächten.
Gleichzeitig mit unserem Verzicht auf diese Kampfmittel unterstützen wir die
Prinzipien und Zielsetzungen des diesbezüglichen britischen Konventionsentwurfes
von 1968. Am 16. Dezember 1971 wurde die hiermit vorgelegte Konvention, die ein
bindendes internationales Verbot der Waffen ausspricht,auf die wir verzichtet
haben,von der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit überwältigender Mehrheit
zur Annahme empfohlen.
Diese Konvention stellt das erste internationale Abkommen seit dem zweiten
Weltkrieg dar, das die tatsächliche Vernichtung einer ganzen Gruppe von Kampfmitteln in den Waffenarsenalen der Länder vorsieht. Die sichere Vernichtung der
biologischen und toxischen Bestände (an Kampfmitteln) dürfte in den USA bis zum
Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Alle Bestände in dem Waffenarsenal von
Pine Bluff in Arkansas sind bereits vernichtet worden, und die ehemaligen Einrichtungen für biologische Kriegführung sind in ein neues nationales Forschungszentrum
zur Untersuchung der nachteiligen Auswirkungen chemischer Substanzen auf die
menschliche Umwelt umgewandelt worden.
Die ehemalige militärische Biologische Forschungsanstalt in Fort Detrick,
Maryland, soll nunmehr ein Krebsforschungszentrum werden. Andere Länder sind
eingeladen worden, sich an der humanitären Arbeit dieser Anstalten zu beteiligen.
Meines Erachtens wird diese Konvention die Sicherheit der Vereinigten Staaten und der Völkergemeinschaft der Welt stärken. Sie wird dazu beitragen, sicher-

-3-

�sicherzustellen, daß die wissenschaftlichen Leistungen auf biologischem Gebiet
nicht für die Vernichtung der Menschheit, sondern für den Dienst an der Menschheit bestimmt, sind. Sie stellt einen bedeutsamen Fortschritt auf den Gebieten der
Rüstungskontrolle und der Abrüstung dar, und ich empfehle dem Senat,sie umgehend
und positiv zu verabschieden.

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33/1972

U.ALEXIS

JOHNSON FÜR VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZU MOSKAU
UND PEKING

-Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs-

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten sollten nachdrücklich die Aufnahme
neuer Beziehungen zu Moskau und Peking weiterverfplgen. Dabei dürften jedoch
Verteidigung und Bündnisse der USA in keiner Weise beeinträchtigt werden.
Dies unterstrich der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, U.Alexis Johnson, am 8. August vor einem außenpolitischen Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses im Rahmen der von dem Ausschuß durchgeführten öffentlichen Anhörungen über "die amerikanische Sicherheitspolitik und
die wissenschaftlichen Entwicklungen.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben folgenden
Wortlaut:
Es ist jetzt Mode geworden, unsere Motive und Leistungen in der Zeit nach
dem zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen. Ich finde, daß solche Zweifel völlig
unverständlich sind.
Was

�Was unsere Motive anbetrifft, so möchte ich nur darauf verweisen, daß
Winston Churchill, ein Beobachter mit einiger Erfahrung in solchen Fragen, unsere Bemühungen in den ersten Nachkriegsjähren als das "wohl uneigennützigste
Handeln in der Geschichte" bezeichnet hat.
Meines Erachtens spreche unsere Leistungen für sich selbst:
-- Diejenigen, die vor drei Jahrzehnten unsere bittersten Feinde waren,
zählen heute zu unseren engsten Freunden. Und zweifellos ist es besser,
starke Freunde als starke Feinde zu haben.
— Die entsetzliche Aussicht eines weiteren Weltkrieges, dieses Mal zwischen den kommunistischen und den nicht-kommunistischen Mächten, scheint
heute weiter entfernt zu sein als jemals zu irgendeiner Zeit seit Mitte
der vierziger Jahre.
-- Das amerikanische Volk hatte in dieser Zeit eine Prosperität von noch
nie dagewesenem Ausmaß zu verzeichnen.
--•Im Zuge der bemerkenswerten und größtenteils friedlich sich vollziehenden Liquidierung einer vierhundertjährigen Kolonialgeschichte entstanden
über 60 freie Länder. (Nicht ein einziges dieser Länder hat sich für
das kommunistische System entschieden).
-- Ein neues Gefühl der Interdependenz der Länder ist innerhalb nur weniger
Jahrzehnte erwachsen, das erst eine sehr umstrittene Prämisse war und
jetzt ganz offensichtlich etwas Alltägliches ist.
-- Wir haben das atomare Gespenst unter Verschluß gehalten und bemerkenswerte Fortschritte bei der Festlegung internationaler Begrenzungen gemacht, die die atomare Bedrohung für die Menschheit verringern und die
Möglichkeiten für eine nützliche Verwendung der Atomkraft vergrößern.

-2-

�vergrößern.
-- Wir haben einen einmaligen Beitrag zur wirtschaftlichen Wiedererholung
nach dem zweiten Weltkrieg geleistet und ein Höchstmaß an Prosperität in
weiten Teilen der Welt erlebt.
-- Wir haben zur Schaffung eines internationalen Wirtschaftssystems beigetragen, das zu einer explosionsartigen Entwicklung des zwischenstaatlichen Handels in einem in der Geschichte noch nie dagewesenen Ausmaß
mit riesigen Vorteilen für die Völker der Welt, und im besonderen auch
für unser eigenes, geführt hat.

Ich habe kein Verständnis für das Argument, daß wir als Beitrag zum nationalen Streben nach Frieden unsere militärische Stärke verringern sollten. Nach
meinen Erfahrungen ist militärische Stärke keine Alternative zu einem nationalen Streben nach Frieden. Sie ist vielmehr ein unerläßliches Element dieses
Strebens.
In der Welt, so wie sie heute ist-und sie dürfte so auf unbegrenzte Zeit
hinaus bleiben- sind militärische Stärke und Diplomatie Teile eines Ganzen.Eine
nationale Verpflichtung, nach Frieden zu streben, hinter der keine militärische
Stärke steht, wäre überhaupt keine Politik. Sie wäre eine fromme Hoffnung, ohne
jede Glaubwürdigkeit oder Wirksamkeit.

Herr Vorsitzender, so wie sich die Lage in den USA geändert hat, so hat
sich auch die internationale Situation geändert. Es gibt wohl nur wenige, die
heute die Tatsache bestreiten würden, daß eine monolithische kommunistische
Welt nicht mehr besteht. Wir sollten uns daran erinnern, daß sich der einzige

�einzige militärische Einsatz sowjetischer Truppen nach dem zweiten Weltkrieg gegen die eigenen Verbündeten richtete - Ostdeutschland, Ungarn, die Tschechoslowakei und die Volksrepublik China.
Aber die Tatsache, daß es innerhalb der kommunistischen Welt interne Konflikte gibt, bedeutet nicht, daß sie uns wohlgesonnen ist oder daß "eine Ära
der Verhandlungen" automatisch Erfolg haben muß. Wir haben immer noch echte und
schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion, China und anderen
kommunistischen Ländern, und einige von ihnen könnten durchaus zu einem Konflikt
führen. Natürlich müssen jetzt die früheren Konzeptionen von einer Konfrontation
der Blöcke und von einem monolithischen Kommunismus der Erkenntnis weichen, daß
eine komplexe Vielzahl neuer und sich wandelnder Beziehungen besteht. Der springende Punkt jedoch ist, daß fast nichts in bezug auf diese neuen Beziehungen
sicher ist.
Es mag sein, daß sich jetzt Aussichten für uns eröffnen, wie wir sie sehr
lange nicht gehabt haben. Es gibt konkrete Gründe für die Annahme, daß die
Spannungen zwischen den Großmächten im Laufe der nächsten Jahre vielleicht auf
ein Maß abgebaut werden könnten, wie wir es seit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg
nicht mehr erlebt haben. Es beginnen sich Formen der Anpassung zu entwickeln, so
daß die Großmächte, selbst wenn Konflikte zwischen ihnen bestehen, Zurückhaltung
bei der Behauptung und Verfolgung ihrer eigenen Interessen üben und die jeweiligen legitimen Interessen des anderen respektieren. Eine solche Zurückhaltung
öffnet Aussicht auf eine breite Zusammenarbeit in Bereichen, bei denen die Interessen sich ergänzen.
Dies ist jedoch eine unsichere Aussicht - zerbrechlich und vorläufig. Es
wäre töricht, aus dieser Möglichkeit die Attribute einer Gewißheit - oder auch
nur einer Wahrscheinlichkeit - herauszulesen. Denn hier handelt es sich um einen
delikaten Prozeß, den wir eingeleitet haben, ungeschützt gegen zahllose Schwierigkeiten, von denen jede sich als unheilvoll für die sich entwickelnde Struktur
der Zusammenarbeit erweisen könnte. Ja, nur das Bewußtsein der riesigen Vorteile,

-4-

�Vorteile, die allen aus der Zusammenarbeit erwachsen würden, gibt mir die
echte Hoffnung, daß die Schwierigkeiten ausgeräumt werden können.

Was ich herausstellen möchte, ist folgendes: Wir sollten - und wir werden dies natürlich tun - nachdrücklich auf die Eröffnung neuer Beziehungen zur
Sowjetunion und zu China hinarbeiten. Aber es wäre wirklich unklug, wenn wir,
während wir dieses Ziel verfolgen, unsere eigene Verteidigung abbauen oder es
zulassen, daß unsere Bündnisse brüchig werden oder in Verruf geraten.
Wenn wir versuchen, uns auf Kosten unserer Stärke und auf Kosten unserer
Freunde bessere Beziehungen zu den Kommunisten zu erkaufen, dann werden wir
ohne Zweifel letztlich alle drei verlieren.

Herr Vorsitzender, wenn

wir die sich auf internationaler Ebene vollzie-

henden Änderungen untersuchen, müssen wir uns voll und ganz darüber im klaren
sein, daß es bestimmte Dinge gibt, die sich nicht geändert haben. Die Sicherheitsgleichung ist weiterhin bipolar. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind vielleicht nicht die einzigen, die zählen, aber sie sind ganz eindeutig diejenigen, die am meisten z&amp;hlen.
Der

heute bestehende Zustand einer gegenseitigen nuklearen Abschreckung

hat wenig mit der Tatsache zu tun, daß es fünf Atommächte gibt, jedoch viel mit
der Tatsache, daß es zwei sehr große Atommächte gibt. Das ist der Grund, warum
SALT ein bilaterales Vorhaben ist und warum frühere Rüstungskontrollinitiativen
wie das begrenzte Atomversuchsverbot Anfang der sechziger Jahre tatsächlich
bilateral waren.

Ich

�Ich rechne nicht damit, daß die verschiedenen diplomatischen Initiativen,
die zwischen uns - sowie unseren Verbündeten - und den kommunistischen Ländern
im Gange sind, zu einer sofortigen Entspannung oder einem garantierten Frieden
führen werden. Dies ist zwar ein vielverheißender Beginn. Aber nur, wenn wir
ein stabiles Sicherheitsklima bewahren, können wir potentiellen Gegnern das
Ausnutzen von Gelegenheiten verwehren. Und nur unter solchen Gegebenheiten sehe
ich eine realistische Möglichkeit, im Laufe der Zeit zu der Anpassung zwischen
den nationalen Interessen der kommunistischen und der nicht-kommunistischen Welt
zu kommen.

-6-

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33/1972

FREIE INFORMATION UNERWÜNSCHT?
Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen
mit Heimempfang

--(AD)-- Der sowjetische Vorschlag an die Vereinten Nationen, Fernsehsendungen über Satelliten gewissen Beschränkungen zu unterwerfen, kommt zu einem
Zeitpunkt, an dem die Vereinigten Staaten die Satelliten-Fernmeldetechnik
zum Mittel des freien Meinungsaustausches zwischen den Völkern der Erde entwickeln. Der von der Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte Vorschlag wurde
von Außenminister Andrei A. Gromyko dem UN-Generalsekretär,Kurt Waldheim,unterbreitet. In dem Schreiben fordert die UdSSR, daß sich die 27. UN-Vollversammlung mit den sowjetischen Vorstellungen befaßt.
Die Sowjetunion wünscht eine internationale Konvention, die es den Nationen verbietet, Fernsehsendungen über Satelliten für den Direktempfang durch
Bewohner anderer Länder zuzulassen, wenn die Regierung des Empfängerlandes
die Genehmigung hierzu nicht erteilt hat. Die vorgeschlagene Konvention würde
unautorisierte Fernsehsendungen als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates" betrachten. Im Entwurf zu dieser Konvention wird festgestellt, daß das Verbot "zum Schutz der Souveränität der Staaten gegen jegliche

-1-

�I

jegliche Einmischung von außen und zur Verhinderung der Verwendung direkter Fernsehsendungen als Quelle internationaler Konflikte und Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Staaten notwendig ist".
Der direkte Heimempfang von Satelliten-Fernsehsendungen war bisher nicht
möglich,weil die heute gebräuchlichen Fernsehsatelliten nicht leistungsstark
genug sind. Die relativ schwachen Signale müssen von sehr großen und kostspieligen Antennen aufgenommen und um ein Vielfaches verstärkt werden. Ahnlich ist
es mit Telefongesprächen oder anderen Nachrichtensendungen via Satellit. Da
jedoch jede neue Satellitengeneration erheblich leistungsfähiger als die vorangegangene ist, kann es nur eine Frage der Zeit sein, wann Satelliten zur Verfügung stehen, die sich auch für den Heimempfang mit kleinen Antennen eignen.
In den Vereinigten Staaten wird gegenwärtig ein solcher Satellit entwickelt.
Er ist für Indien bestimmt, das damit sein Erziehungswesen ausbauen will. Das
Gerät soll von den USA über Indien oder dem Indischen Ozean stationiert werden,
damit die indische Regierung auch die entlegensten Dörfer mit Fernsehprogrammen,
die über diesen Satelliten gesendet werden, erreichen kann. Vor allen Dingen
sollen Informationen über landwirtschaftliche Programme und verbesserte Anbaumethoden, über Säuglingspflege, Familienplanung und Hygiene, über Ernährungsfragen - einschließlich der Konservierung und Zubereitung von Nahrungsmitteln ausgestrahlt werden. Auch sind Vorbereitungen im Gange, um derartige Satelliten
als Ubermittler von Fernlehrgängen zu benutzen, mit denen den Einwohnern abgelegener Landstriche Lesen und Schreiben beigebracht wird.
Um den "Indien-Satelliten" betreiben zu können, sind Veränderungen an Fernsehempfängern und deren Empfangsantennen erforderlich - aber diese kosten relativ wenig. Weitere Verbesserungen in der Satelliten-Ausrüstung und in den Übertragungstechniken werden eines Tages allgemein Direktsendungen ins Heim möglieh
machen, Nationen, die den Empfang nicht gewünschter Programme durch ihre Bürger

-2-

�Bürger verhindern wollen, hätten dann die Möglichkeit, das Satelliten-Programm
zu stören. Die Sowjetunion hat dies bei Rundfunksendungen viele Jahre hindurch
getan. Dennoch erreichten viele Programme ihr Publikum auch in diesem Land, da
mit technischen Veränderungen am Empfangsgerät die Störversuche neutralisiert
werden konnten.
Vor allem aus den Vereinigten Staaten kommen schon seit geraumer Zeit Vorschläge, Fernmeldesatelliten für einen weitgespannten Kulturaustausch einzusetzen. Das Verfahren sei, so heißt es, auch geeignet, die internationale Verständigung zu fördern und ethnische Schranken zu überbrücken. Außerdem könnten
Satelliten als Übermittler von Material für die großen Bibliothekn in der ganzen
Welt dienen, das bei Bedarf in kürzester Zeit praktisch an jedem Punkt der Erde
verfügbar ist. Schon heute erfassen

die meisten großen Bibliothekn das bei ihnen

sich ansammelnde Material in Computern. Durch Anwählen bestimmter Nummern über
Telefon könnte sich künftig ein Interessent von einem beliebigen Standort aus
mit Spezialbibliotheken in aller Welt via Satellit in Verbindung setzen.

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33/1972

PRÄSIDENT NIXON WEIST AUF WIRTSCHAFTLICHE ERFOLGE HIN
Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 197 2"

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat darauf hingewiesen,

daß die neue Wirt-

schaftspolitik der USA, die am 15. August 1971 eingeleitet wurde, zu einer
Reihe bemerkenswerter wirtschaftlicher Erfolge geführt hat. Nixon stellt dies
in dem Vorwort zu einer Broschüre fest, die der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten herausgegeben hat und die den Titel "Die Wirtschaft Mitte 1972" trägt.
Das Vorwort Präsident Nixons hat folgenden Wortlaut:
I
"Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, seit die neue Wirtschaftspolitik am
15. August 1971 eingeleitet wurde. Seit diesem Zeitpunkt sind Isolide wirtschaftliche Erfolge erzielt worden, die dem Geist der Bevölkerung zu danken sind und
greifbare Fortschritte hinsichtlich des Realeinkommens der Bevölkerung darstellen.

;
'
I

Die Maßnahmen, die am 15.August des vorigen Jahres ergriffen wurden, sollten
frühere Schritte intensivieren, die die Inflationsrate verringert und den wirtschaftlichen Wiederaufschwung eingeleitet hatten. Sie umfaßten einen Lohn-und
Preisstopp, um die Inflation weiter einzudämmen, Steuervergünstigungen, um die
Expansion zu beschleunigen und die Arbeitslosenquote zu senken, sowie Maßnahmen

-1-

�Maßnahmen im internationalen Finanzwesen und im Handel, um die Grundlage für eine
größere Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft zu
legen.
Die seit dem 15. August verfolgte Politik bestand aus Schritten, die die Regierung zu treffen hatte. Aber, wie ich schon damals in meiner Rede sagte, würde
der Schlüssel zum Erfolg in den Händen des amerikanischen Volkes liegen.
Ich ersuchte um die Mitarbeit der Öffentlichkeit aus patriotischen Gründen
-nämlich um der wirtschaftlichen Gesundheit Amerikas willen. Aber ich ersuchte
auch um die Mittarbeit aus Gründen des vernünftigen Selbstinteresses. Nur durch
gemeinsame Aktionen konnten wir aus der inflationistischen Tretmühle herauskommen,
durch die uns allen jahrelang der Genuß der wachsenden Prosperität vorenthalten
wurde,die die amerikanische Wirtschaft zu schaffen in der Lage war.
Der Bericht des Wirtschaftsbeirates zeigt, was seit Aufnahme der neuen
Wirtschaftspolitik geschehen ist. Die Leistungen waren eindrucksvoll:
-- Die Zuwachsrate bei den Lebenshaltungskosten, die vor dem Stopp um ein
Drittel gesenkt worden war, ist nunmehr um die Hälfte gesenkt worden.
-- Heute gibt es 2,5 Millionen ziviler Arbeitsplätze mehr als vor einem
Jahr.
-- Die Arbeitslosenquote hat sich von rund 6 Prozent auf 5,5 Prozent verringert.
-- Unser Wirtschaftswachstum beträgt fast 9 Prozent, die höchste Rate
seit 1965.
-- Der Realnettolohn der Arbeiter pro Woche ist im letzten Jahr um 4 Prozent gestiegen, ein Dreifaches der Durchschnittsrate der Jahre 1960 bis 1968.
-- Wir haben die Welt auf den Weg zu einer internationalen Finanz-und Handelsreform geführt, die wesentlich zu einer Verbesserung unserer internationalen

-2-

�internationalen Wettbewerbsposition und auch zur Stärkung der Volkswirtschaften
anderer Länder beitragen wird.
Ich möchte hier unterstreichen, daß der Erfolg der neuen Wirtschaftspolitik
der Mitarbeit des amerikanischen Volkes zu danken ist.
Diese Mitarbeit ist in vielfacher Form erfolgt:
-- Es war bemerkenswert, wie die Arbeitnehmerschaft, die Wirtschaft,die
Vermieter, die Verbraucher und die Mieter sich freiwillig an den Preis-Lohn-Stopp
sowie dann an die zweite Phase (des neuen Programms) gehalten haben.
— Während des Zeitraums, in dem die zweite Phase des Programms entwickelt
wurde, haben sich die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Landwirtschaft sowie der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden
in überaus nützlicher Weise mit den zuständigen Bundesstellen konsultiert. In
den folgenden Monaten beteiligten sich zahlreiche prominente Bürger an der Durchführung des Programms.
--

Die Produktivität - Leistung pro Arbeitsstunde - ist im vergangenen Jahr

um 4,3 Prozent gestiegen. Dies ist der größte Anstieg pro Jahr seit Anfang 1966.
Ein solcher Produktivitätsanstieg ist ohne positive und beiderseitige Beiträge
der Sozialpartner unmöglich-.
— Der Bruchteil der aufgrund von Streiks verlorengegangenen Arbeitszeit
war außerordentlich gering.
Die amerikanische Bevölkerung kann sich zu ihren Leistungen im letzten Jahr
beglückwünschen; sie erfreut sich in zunehmendem Maße der greifbaren Vorteile
dessen, was sie und ihre Regierung gemeinsam erreicht haben.
Wir haben jedoch weiterhin wirtschaftliche Probleme zu lösen, und wiederum
liegt der Schlüssel zum Erfolg in den Händen der Bevölkerung. Wir müssen mit
allem Nachdruck für eine niedrigere Inflationsrate sorgen - sowohl in der Praxis
als auch hinsichtlich der Erwartungen der Öffentlichkeit, die ja an der Gestaltung der wirtschaftlichen Zukunft mitwirkt. Wenn wir auch die Inflationsrate um

-3-

�um die Hälfte gesenkt haben, so bleiben doch die Lebensmittelpreise weiterhin
ein Hauptanliegen. Wir müssen die Arbeitslosenquote noch weiter senken. Wir müssen
weiterhin auf eine Verbesserung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit bedacht
sein, um unsere internationale Wirtschaftsposition zu stärken.
Die Verwirklichung all dieser Dinge erfordert kontinuierliche Anstrengungen
eines jeden, einschließlich der Regierung, damit dem Buchstaben und dem Geist
des Preis-Lohn-Kontrollsystems entsprochen und die Produktivität noch mehr gesteigert wird.
Der entscheidende Punkt, bei dem die Hilfe und das Verständnis des amerikanischen Volkes jetzt erforderlich sind, ist der Bundeshaushalt. Wenn wir es zulassen, daß die Bundesausgaben wieder rapide ansteigen - und zwar über einen Punkt
hinaus, wo die Einnahmen selbst unter Bedingungen der Vollbeschäftigung weit überstiegen werden, wie dies zwischen 1965 und 1968 der Fall war - dann riskieren wir,
daß die bisherigen hart errungenen Erfolge zunichtegemacht werden. Die Folge wäre
ein starkes Ansteigen der Lebenshaltungskosten oder neue hohe Steuern oder beides nacheinander.
Diese Administration ist entschlossen, ihr bestes zu tun, um einem solchen
Kurs entgegenzuwirken, indem der Haushalt unter Kontrolle gehalten wird, und ich
habe mit allem Nachdruck an den Kongreß um Unterstützung appelliert.
Aber das Ergebnis wird vor allem von den Wünschen des amerikanischen Volkes
abhängen: Wenn das Volk auf Ausgaben über die von mir geforderte 250-MilliardenGrenze hinaus besteht, dann werden diese Ausgaben erfolgen. Wenn das Volk jedoch
gemeinsam mit mir darauf besteht, daß die Bundesausgaben niedrig gehalten werden, um ein Wiederaufleben der Inflation jetzt und höhere Steuern bald darauf zu
verhindern, dann wird die Regierung in verantwortungsvoller Weise handeln.

Diese

-4-

�Diese kritische Situation stellt unsere Reife und Entschlossenheit, unsere
wirtschaftlichen Angelegenheiten auf gesunde Weise zu besorgen, auf eine entscheidende Probe. Ich bin überzeugt, daß wir diese Probe bestehen werden und
daß sich unsere Volkswirtschaft,die ja uns alle einschließt, weiterhin zu neuen
Höhen der Prosperität steigern wird."

-5-

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33/1972

DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit dem internationalen WährungsSystem
befaßt.
"Im Juni dieses Jahres haben die britischen Behörden aufgrund des immer
stärker werdenden Marktdruckes die Freigabe des Wechselkurses des Pfundes
Sterling zugelassen, und sein Wert fiel rasch unter den Interventionspunkt der
Europäischen Gemeinschaft und des Smithsonian-Abkommens. Dieser Bruch in dem
Gefüge der Wechselkurse, das im Smithsonian-Institut geschaffen worden war,
wirkte sich in einem Druck auf den Dollar wie auch auf eine Reihe anderer europäischer Währungen aus und führte bei verschiedenen Währungen zu einem vorübergehenden Bruch sowohl der Bandbreiten der Europäischen Gemeinschaft wie auch der
des Smithsonian-Abkommens.
Eine weitere Entwicklung ist die weitverbreitete Anwendung von Devisenkontrollen in einer Reihe der großen Überschußländer in dem Bemühen, den Zustrom kurzfristiger Gelder einzudämmen. Die Ausbreitung der Devisenkontroll-

-1-

�Devisenkontrollmaßnahmen bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Einmal könnte
sie möglicherweise den langfristigen Trend der Nachkriegszeit in Richtung auf
eine Liberalisierung des internationalen Handels und des Zahlungsverkehrs untergraben. Zweitens tendiert sie, durch künstliche Verzerrung der Bewegungen auf den
Kapitalkonten

das Ausmaß der Anpassung der laufenden Konten zu verschleiern,das

für eine Wiederherstellung des zugrundeliegenden Ausgleichs der amerikanischen
Zahlungsbilanz erforderlich ist.
Man muß sich gleichzeitig im klaren

darüber sein, daß große Transaktionen

von kurzfristigen flüssigen Mitteln von einem Land ins andere - vor allem in
Zeiten der Unruhe auf den Devisenmärkten - in einigen Ländern schwierige Probleme
für die Beherrschung der eigenen Währungspolitik mit sich bringen. Es steht zu
hoffen, daß mit der Schaffung eines neuen internationalen Währungssystems Mittel
und Wege gefunden werden, um

mit dem Problem der starken Fluktuationen in kurz-

fristigen Kapitalbewegungen ohne die Anwendung von Kapitalkontrollen fertig zu
werden.
Der durch diese Ereignisse ausgelöste Druck unterstreicht die Notwendigkeit,
mit der langfristigen Reform des internationalen Währungssystems voranzukommen.
Die Vereinigten Staaten haben eine führende Rolle bei der Planung eines Verhandlungsrahmens für solche Reformen gespielt.
Die kommenden Währungsverhandlungen sollten eine Grundlage für einen erneuten Aufschwung im Sinne einer liberalen Weltordnung bieten, in deren Rahmen jede
Nation eine faire Chance erhält, ohne Behinderung durch ein wachsendes Netz künstlicher Schranken am internationalen Handel und der internationalen Investition
teilzunehmen. Dieses Ziel setzt ein internationales Währungssystem voraus , das
den prompten Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten erleichtert, ohne daß
dadurch die jeweilige nationale Wirtschaftspolitik oder der auf den offenen Markt
gerichtete Fluß von Gütern und Kapital unter allen Nationen auf nicht-diskriminierender Basis gestört wird. Der Anpassungsprozeß sollte die wirksame Verteilung
von Mitteln fördern und darauf abzielen, den Umfang des marktgerichteten Handels

-2-

�Handels und der marktgerichteten Investition auf ein Maximum zu bringen. Wie der
neue Wechselkursmechanismus auch im einzelnen aussehen mag, er wird in seiner
Praxis auf jeden Fall flexibler sein müssen als der bisherige und sowohl Uberschuß-wie Defizitländern nicht nur die Möglichkeit, sondern auch einen Anreiz
bieten müssen, sich rasch und glatt an Veränderungen der Wirtschaftslage anzupassen.
Das bedeutet, daß wir von dem Gedanken loskommen müssen, daß die 'Zahlungsbilanzdisziplin* ausschließlich für Defizitländer gelte. Es bedeutetauch, daß
die Vereinigten Staaten einen größeren Spielraum haben sollten, ihre Zahlungsposition nach außen ins Gleichgewicht zu bringen, ohne unerwünschte Restriktionen
für internationale Transaktionen einführen zu müssen. Eine solche größere
Symmetrie in der Fähigkeit, Korrektivmaßnahmen einleiten und durchführen zu können, würde den Vereinigten Staaten wirksame Mittel in die Hand geben, um eine Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanzposition zu verhindern, die eintreten könnte,
wenn bei anderen Ländern eine Tendenz bestünde, angesichts von fundamentalen
Zahlungsbilanzungleichgewichten eher abzuwerten als aufzuwerten.
Das neue internationale WährungsSystem muß auch über wirksame Mittel verfügen, die Ziele der verschiedenen Länder bezüglich der Zahlungsbilanz und der Reserven miteinander zu vereinbaren. Vor allem sollte festgestellt werden, daß der
Nettoüberschuß an Gütern und Dienstleistungen der Industrienationen nicht größer
sein darf als der Nettobetrag an Wirtschaftshilfe und privatem Kapital, die an die
Entwicklungsländer transferiert werden. Ferner würde, wenn eine multilaterale
Kontrolle des Gesamtvolumens der Weltreserveschöpfung wünschenswert werden sollte,
dies Auswirkungen auf das Ausmaß haben, in dem einzelne Länder frei wären, ihre
eigenen Reserveziele zu setzen".

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33/1972

DIE AMERIKANISCHE ZAHLUNGSBILANZ 1972
-Auszug aus der Brotschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit der Entwicklung der amerikanischen
Zahlungsbilanz im Jahre 1972

befaßt.

"Unterschiedliche zyklische Trends in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern im ersten Halbjahr 1972 trugen zu einer Verschlechterung unserer
Handelsbilanz bei. Das Einkommen in den Vereinigten Staaten nahm weiter zu,
da die Regierung eine Politik verfolgte, die auf eine Anregung des realen
Wachstums und der Beschäftigung ausgerichtet war. Die Steigerung der Ausgaben
für den persönlichen Verbrauch mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent vom dritten
Quartal 1971 zum zweiten Quartal 1972 schuf eine verstärkte Nachfrage für importierte Verbrauchsgüter, während gleichzeitig der beschleunigte Wiederaufschwung (der Wirtschaft) die Nachfrage nach importierten Rohstoffen und Maschinen für die einheimische Produktion anregte. Auf der anderen Seite ging
die Nachfrage nach amerikanischen Exporten im Ausland zurück, da die Bemühungen

-1-

�Bemühungen zur Eindämmung des inflationistischen Drucks in einer Reihe anderer
Industrieländer zu einer wirtschaftlichen Flaute geführt haben. Diese zyklischen
Einflüsse auf die amerikanische Zahlungsbilanz sind einem - wie es scheint einmaligen - Anwachsen des Wunsches der Amerikaner aufgesetzt worden, importierte
Waren zu verbrauchen.
Aufgrund des verschiedenartigen Drucks verschlechterte sich die Warenhandels~
bilanz weiterhin von einem vierteljährlichen Defizit von 1,5 Milliarden Dollar
im letzten Quartal 1971 auf ein Defizit von 1,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal 1972 - alles saisonbereinigt. Im zweiten Quartal (1972) erhöhte sich das Defizit im Warenhandel noch weiter auf 2 Milliarden Dollar. Während sich die nominelle Handelsbilanz derart weiter verschlechterte, hat es jedoch eine Reihe von
Hinweisen gegeben, daß diese Verschlechterung zum Teil darauf zurückzuführen sein
mag, daß sich die Änderung des Dollar-Kurses nachteilig auf die Handelsbedingungen
auswirkte. Dieser Effekt läßt sich an dem beschleunigten Anwachsen der Dollarkosten für importierte Güter erkennen.
Von Dezember 1971 bis Mai 1972 stiegen die Importpreise um 5,7 Prozent, die
Exportpreise um 0,9 Prozent. Diese Zahlen deuten auf die Möglichkeit hin, daß
sich die Handelsbilanz real - im Gegensatz zum Geldwert - nicht länger verschlechtert
Es gibt eine Reihe von Gründen für die Annahme, daß sich die Handelsbilanz
nicht nur real, sondern auch nominal bessern wird. Die Veränderungen in der
Preisrelation zwischen ausländischen und einheimischen Gütern, die durch die Neufestsetzung (der Wechselkurse) im Smithsonian-Abkommen herbeigeführt wurden, werden durch divergierende Preistendenzen verstärkt. Großhandels-und/oder Verbraucher
preise tendierten in Europa und Japan zu einem rascheren Anstieg als in den
Vereinigten Staaten. Da Erzeuger und Verbraucher voll auf diese Preissteigerungen
für ausländische Waren - im Verhältnis zu amerikanischen Waren - reagieren, dürfte
sich das rasche Anwachsen der Importe verlangsamen, während sich das Wachstum der

-2-

�der Exporte beschleunigen wird. Schließlich gibt es Hinweise für ein Wiederaufleben der Nachfrage in einer Reihe unserer Partnerländer, vor allem in Deutschland und in Japan, das zu einer weiteren Steigerung der amerikanischen Exporte
führen dürfte
Die Nettoabflüsse kurzfristigen Kapitals gingen im ersten Quartal 1972 wesentlich zurück. Irrtümer vorbehalten, betrugen die Nettoabflüsse kurzfristigen
Kapitals lediglich 2 Milliarden Dollar gegenüber Abflüssen von 4,3 Milliarden
Dollar im vorangegangenen Quartal und einem durchschnittlichen Abfluß pro Quartal von 5,3 Milliarden Dollar im Jahre 1971 als Ganzera- Obwohl der geringe Nettoabfluß kurzfristiger Gelder eine beträchtliche Verbesserung gegenüber den
großen Abflüssen in den vorangegangenen Quartalen darstellt, war er für diejenigen eine Enttäuschung, die einen wesentlichen Rückfluß spekulativer Gelder un-.
mittelbar nach dem Smithsonian-Realignment der Wechselkurse erwartet hatten
Das Floating des britischen Pfundes (seit Juni 1972) hat Unsicherheit hinsichtlich der gesamten Struktur der im Smithsonian Institut vereinbarten Wechselkurse geschaffen, vor allem bezüglich der Wechselkurse zwischen dem Dollar und
einer Reihe anderer Währungen. Diese Unsicherheiten führten zu einer starken
Verlagerung kurzfristiger Gelder aus den Vereinigten Staaten nach Europa und
Japan, und während der folgendenrfochenkauften europäische Zentralbanken große
Dollarbeträge an, um eine weitere Wertsteigerung ihrer Währungen zu verhindern.
Als die Entschlossenheit der Regierungen zur Verteidigung der im Smithsonian Institut vereinbarten Wechselkurse offensichtlich wurde, hörte die Spekulation allmählich auf. Das Vertrauen in das Smithsonian-Ahkommen wurde weiter gestärkt, als
die Vereinigten Staaten kürzlich auch auf den Devisenmärkten intervenierten und
begrenzte Dollar-Beträge gegen ausländische Währungen ankauften. Diese Aktion
spiegelt den Willen der Vereinigten Staaten wider, auf den Devisenmärkten zu intervenieren, wenn solche Aktionen wünschenswert erscheinen, um dem spekulativen
Druck zu begegnen."

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INITIATIVEN FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN
-Auszüge aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit den Initiativen für Handelsverhandlungen befaßt.
"Die Länder der freien Welt haben in der Nachkriegszeit als Folge des
schrittweisen Abbaus der Schranken für den vom Markt gelenkten Güteraustausch
einen Aufschwung erlebt. In letzter Zeit jedoch gab es zunehmende Anzeichen dafür, daß der Abbau der Handelsbeschränkungen einen Stillstand erreicht hat.
Die Regierungen zahlreicher Länder greifen in wachsendem Maße durch Maßnahmen
in die Märkte ein, die den Handelsfluß beeinträchtigen oder verzerren. Ohne
starke neue Verpflichtungen auf multilateraler Basis besteht letztlich die Gefahr, daß durch eine Häufung individueller Maßnahmen die Erfolge allmählich
zunichtegemacht werden, die seit dem zweiten Weltkrieg erzielt worden waren.
Die Aufgabe, vor die die umfassenden Handelsverhandlungen gestellt werden,
ist beträchtlich. In den meisten Fällen sind die Handelsbeschränkungen, die
nach den früheren Runden von Handelsliberalisierungen verblieben sind, derge-

-1-

�dergestalt, daß sie aus innenpolitischen, sozialen oder nationalen Sicherheitsgründen sehr sensitiv sind. Weiter wird sich jede neue Runde im Gegensatz zu
früheren Runden von Handelsliberalisierungen nicht mehr ausschließlich auf den
Abbau der Zölle konzentrieren können, sondern auch ein weites Feld nicht-tarifärer Handelsschranken einschließen. Nicht-tarifäre Handelsschranken sind Maßnahmen, die den Handel verzerren wie zum Beispiel: a) Quoten zum Schutze bestimmter
Sektoren der Wirtschaft, die aus binnenwirtschaftlichen Gründen als besonders anfällig gelten; b)Muster oder Verhaltensnormen, die sich oftmals diskriminierend
gegen ausländische Güter auswirken; c) Restriktive Bestimmungen für Beschaffungskäufe der Regierungen; und d) Exportsubventionen. Verhandlungen, die ein so weites Gebiet von Fragen umfassen, werden aus verschiedenen Gründen schwierig sein:
Die Grenze zwischen einer protektionistischen Handelsschranke und einer legitimen
eigenen

Sozialpolitik ist nicht immer klar; es gibt keine einfache Basis, um

die Reziprozität von Handelsausfällen zwischen einer Form nicht-tarifärer Handelsschranken und einer anderen abzuwägen.
In den Vereinigten Staaten haben zahlreiche Industrieorganisationen, Gewerkschaften und Kongreßausschüsse eine umfassende Prüfung künftiger Möglichkeiten
für eine Handelspolitik und für Handelsverhandlungen aufgenommen. Der Präsident hat
ferner den Bericht seiner Kommission für internationale Handels-und Investitionspolitik erhalten, der weitgehende Empfehlungen für Handelsverhandlungen in den
siebziger Jahren niederlegt. Diesen Empfehlungen ist von der Regierung eingehende
Beachtung geschenkt worden. Frühere Erfahrungen haben den Wert bestimmter allgemeiner, miteinander in Zusammenhang stehender Prinzipien gezeigt.
Erstens sollte ein Handelsabkommen umfassend in dem Sinne sein, daß es alle
Wirtschaftssektoren und alle Formen von Handelsschranken einschließt. Nur ein
umfassendes Abkommen kann eine ausreichende politische Basis, innen-und außenpolitisch, für eine wesentliche Handelsliberalisierung schaffen. Vom Standpunkt der
Vereinigten Staaten ist es besonders wichtig, daß solche Verhandlungen den Agrarwie auch den Industriehandel einschließen. Reiche natürliche Hilfsquellen und

-2-

�und hochentwickelte Technik und Management in der Landwirtschaft geben den Vereinigten Staaten einen erheblichen Vorteil, der unsere Agrarerzeugnisse auf den
Weltmärkten sehr wettbewerbsfähig macht. Trotz der Unterbrechungen aufgrund der
Hafenarbeiterstreiks haben unsere Agrarexporte schätzungsweise im letzten Finanzjahr einen bisherigen Höchststand von wertmäßig 8 Milliarden Dollar erreicht.
Rationalisierung und die Liberalisierung der Agrarpolitik und der damit zusammenhängenden restriktiven Importpolitik., die von den meisten Industriestaaten verfolgt
wird, würden es uns ermöglichen, unser Potential für den Handel auf diesem wichtigen Sektor voll zur Geltung zu bringen.
Die Handelsverhandlungen sollten ferner zu einem System führen, das sich
maximal auf einen vom Markt gelenkten Handel verläßt. Immer wieder hat es sich
gezeigt, daß auf der Marktlage basierende Vereinbarungen am erfolgreichsten waren,
weil sie allgemein zu maximalen Erfolgen für den Handel führten und weil sie am
meisten den Formen der Wirtschaftstätigkeit in den marktorientierten Volkswirtschaften entsprechen. In dieser Beziehung verstößt eine Handelspolitik, die wichtige Wirtschaftssektoren ständig von den Marktkräften und dem internationalen Anpassungsprozeß abschirmt, nicht nur gegen die Prinzipien der internationalen
Leistungsfähigkeit, sondern untergräbt auch den Prozeß einer ordentlichen und
zeitgemäßten Anpassung an das internationale Wirtschaftssystem als Ganzes.
Das Handelsabkommen sollte die realen Kosten der inneren Sozialprogramme
dem Lande auferlegen, das sie durchzuführen beschließt. Nur ein solches Prinzip
kann eine Basis schaffen, um die legitimen Aspekte der eigenen Sozialpolitik von
den Praktiken zu trennen, die sich auf Gebieten wie Umwelt, Sicherheit und Gesundheitsstandard nachteilig für den Handel auswirken» Es muß jedoch anerkannt werden, daß in einigen Gebieten eine stärkere Harmonisierung der Sozialpolitik wünschenswert sein könnte, um den Handel verzerrende Auswirkungen zu vermeiden.
Das erreichte Handelsabkommen sollte ferner ein Sicherheitssystem einschliessen, das in wirtschaftlicher Hinsicht anfälligen Industrien der beteiligten Länder ausreichend Zeit

gibt, sich den schnellen Veränderungen der Produktions-oder

-3-

�oder Verbrauchsformen, den Handel eingeschlossen, anzupassen. Sicherheiten sind
erforderlich in Situationen, in denen die notwendige Anpassung zu umfassend ist,
als daß sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne ohne zu hohe soziale, persönliche
oder politische Lasten durchgeführt werden kann. Ein solches multilateral ausgehandeltes Sicherheitssystem sollte vereinbarte Normen enthalten, um einen vorübergehenden Schutz, ein Verfahren für eine internationale Überprüfung und Bestimmungen zur Verhinderung eines Mißbrauchs des Systems durchzusetzen.
Schließlich sollte das Handelsabkommen eine Vereinbarung enthalten, daß
binnenwirtschaftliche Anpassungsprogramme das Sicherheitssystem ergänzen müssen.
In dieser Beziehung prüfen wir jetzt neue Methoden für eine Anpassungshilfe auf
solchen Gebieten und besonders für solche Gruppenvon Arbeitern, die aufgrund des
Importwettbewerbs außergewöhnlich raschen Anpassungsproblemen ausgesetzt sind.
Wir sind uns ferner bewußt, daß es ein enges und wachsendes gegenseitiges
Interesse zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern gibt. Die
Abhängigkeit der letzteren vom Handel ist groß, und ihre Exporte in die Industriestaaten erbringen vier Fünftel ihrer Exporterlöse. Wir sind von ihnen in bezug
auf Rohstoffe abhängig, und wir verkaufen ihnen in immer stärkerem Maße Waren
auf kommerzieller Basis. Somit gibt es gesunde wirtschaftliche Gründe, die sowohl
für die Industriestaaten wie auch für die Entwicklungsländer zwingend sind, daß
sie in Richtung auf ein Welthandelssystem zusammenarbeiten, das allen Ländern angemessene Möglichkeiten bietet. Im Hinblick auf dieses Ziel wollen wir eine Handelspolitik fördern, die den Entwicklungsländern vermehrte Möglichkeiten gibt,
den Wettbewerb auf den Weltmärkten aufzunehmen,
gen Verhandlungen versuchen, dieses

und wir werden bei den künfti-

ihre Exportaussichten am stärksten beein-

flussende Problem wirksam anzupacken.
Die Vereinigten Staaten haben ferner kürzlich eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die bestehenden Schranken für den Handel mit den Ländern des kommunistischen Blocks abzubauen.
Während

-4-

�Während des Moskauer Gipfeltreffens im Mai haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew vereinbart, eine amerikanisch-sowjetische Handelskommission
einzusetzen, die den Apparat für das Zustandekommen einer Übereinkunft über verschiedene grundlegende Fragen der Handelspolitik bilden soll.
Der Handelsminister hat die Vereinigten Staaten auf der ersten Sitzung der
Kommission am 20.Juli vertreten. Die Fragen, die die Kommission lösen muß, damit
der amerikanisch-sowjetische Handel wesentlich expandieren kann, sind unter anderem: Regelung der sowjetischen Pacht-und Leihschulden; die Meistbegünstigungsklausel für sowjetische Erzeugnisse; Kreditvereinbarungen; Einrichtungen für Geschäftsleute in jedem der beiden Länder sowie weitere technische Handelsfragen
wie Schlichtung von Handelsstreitigkeiten, Steuer-, Patent- und Lizenzfragen. Es
wird damit gerechnet, daß endgültige Abkommen bei verschiedenen Fragen noch dieses Jahr bekanntgegeben werden.
Vor seiner kürzlichen Reise nach Peking hat der Präsident die Kontrollen für
amerikanische Exporte nach der Volksrepublik China liberalisiert. Mit diesem
Schritt wurde eine Politik fortgesetzt, die bereits früher aufgenommen worden war,
um die Tür für Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China aufzustoßen. Diese neuen Handelsinitiativen gegenüber der UdSSR und China sowie weiteren kommunistischen Ländern in Osteuropa waren durch die Entwicklungen in den größeren politischen Beziehungen möglich geworden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, eine führende Rolle beim Aufbau eines
internationalen Wirtschaftssystems zu spielen, das den Aufgaben der siebziger Jahre
gerecht werden kann. Das Ziel ist eine Welt, in der alle Länder aus dem internationalen Handel und den internationalen Investitionen ein größtmögliches Maß an
Gewinn ziehen können."

-H-rt-

-5-

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33/1972

VOLCKER WÜRDIGT NEUE WIRTSCHAFTSPOLITIK PRÄSIDENT NIXONS

-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Paul A. Volcker hat anläßlich des ersten Jahrestages des
neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons die Erfolge dieser Politik gewürdigt
und betont, daß die USA heute im Hinblick auf eine Verbesserung des Handels und
der Zahlungsbilanz zuversichtlich sein könnten.
Die Erklärung, die Volcker am 13. August auf einem Wirtschaftsseminar in
Washington abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Wenn wir unsere internationale Politik behandeln, möchte ich gleich zu Anfang einen grundsätzlichen Punkt unterstreichen. Das Paket der Maßnahmen, die Präsident Nixon am 15. August (vorigen Jahres) bekanntgab, stellte eine geschlossene Reihe von innenpolitischen und internationalen Maßnahmen dar. Er war sich
über die fundamentale Tatsache im klaren, daß ein Erfolg bezüglich unserer internationalen Ziele eng mit einem Erfolg auf innenpolitischem Gebiet zusammenhängt. Ohne ein starkes Wachstum und eine größere Preisstabilität in den Vereinigten Staaten selbst können wir nicht mit einem starken Dollar im Ausland oder
einer dauerhaften internationalen Währungsstabilität rechnen.
Die

-1-

�Die Maßnahmen,die wir auf internationalem Gebiet ergriffen, spiegelten bestimmte ganz akute Probleme wieder. Aber sie reflektieren gleichzeitig einige
grundlegende langfristige Probleme,die man anpacken muß, wenn die kurzfristigen
Probleme nicht erneut auftreten sollen.
Wenn wir auf die Situation vor einem Jahr zurückblicken, dann muß festgestellt werden, daß wir damals vor der Tatsache eines ständig wachsenden Zahlungsbilanzdefizits standen. Wir mußten damit rechnen, daß dieses Defizit ohne entsprechende Maßnahmen noch größer werden würde.
Unser einstmals großer Handelsüberschuß - rund sieben Milliarden Dollar auf
dem Höhepunkt im Jahre 1964 - hatte sich im Sommer 1971 in ein Defizit mit einer
Jahresrate von vier bis fünf Milliarden Dollar verwandelt. Nicht nur wurde unsere
Zahlungsbilanz immer schwächer, sondern der wirtschaftliche Druck verstärkte auch
protektionistische Gefühle. Die Spekulation auf den internationalen Finanzmärkten
grassierte.
Diesen an der Oberfläche sichtbar werdenden Symptomen lagen wesentliche Veränderungen in den wirtschaftlichen Beziehungen zugrunde - Veränderungen, die nicht
durch gleichwertige Veränderungen im Währungs-und Handelssystem der Nachkriegszeit
ausgeglichen wurden.
Die amerikanische Wirtschaft war die einzige größere Volkswirtschaft, die
aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges intakt hervorgegangen war. Es war daher
nur richtig, daß wir die Verantwortung für den Wiederaufbau einer vom Krieg verwüsteten Welt übernahmen.
Milliarden von Dollar flössen ins Ausland, um den Wiederaufbau einer Volkswirtschaft nach der anderen zu finanzieren. Wir übernahmen eine unverhältnismäßig
große Verantwortung für die gemeinsame Verteidigung. Gleichzeitig strömten amerikanische Güter - zunächst bei nur geringer Konkurrenz - ins Ausland, wo andere
Länder bestrebt waren, das zu kaufen, was sie selbst nicht produzieren konnten.
Im

-2-

�Im Laufe der Jahre entstand jedoch ein grundlegend neues wirtschaftliches
Kräfteverhältnis in der Welt. In nur einer Generation entwickelte sich beispielsweise Japan aus der Zerstörung heraus zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht in der
freien Welt. Ein ähnlicher und früherer Übergang vollzog sich auch in Europa.
Die Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beschleunigte diesen Prozeß,
und es entstand eine mächtige neue Wirtschaftseinheit.
Im Zuge dieser Entwicklung wurden einstmals schwache Währungen stark. Die
amerikanischen Exporte sahen sich auf den Weltmärkten einer starken ausländischen
Konkurrenz gegenüber. Zahlreiche Länder bemühten sich mit Nachdruck um eine starke
Handels-und Zahlungsbilanzposition und erhielten sie aufrecht. Aufgrund dieser
Entwicklung wurden die Defizite in der amerikanischen Zahlungsbilanz chronisch,
woraus sich unhaltbare Belastungen und Spannungen ergaben.
Der 15. August machte allen klar, daß es so nicht weitergehen konnte. Die
Vereinigten Staaten waren finanziell wie wirtschaftlich überstrapaziert. Ein neues
wirtschaftliches Kräfteverhältnis mußte hergestellt werden - ein Verhältnis, das
die neuen wirtschaftlichen Realitäten der Welt reflektierte und das mit einem liberalen, nach außen orientierten Klima für Handel und Investitionen in Übereinstimmung stand.
Zwei wichtige internationale Maßnahmen wurden im Programm des Präsidenten
vom 15. August angekündigt: die Einführung einer befristeten zehnprozentigen Importabgabe sowie das sogenannte

Schließen des Goldfensters * oder die Aussetzung

der Konvertierbarkeit'.
Das waren harte Maßnahmen, und es waren -aus der Natur der Sache heraus einseitige Maßnahmen. Es waren Maßnahmen einer starken Führung. Sie kündigten die
Notwendigkeit von Änderungen und Reform an. Sie trugen dazu bei, die notwendigen
Sofortmaßnahmen zu fördern.
Auf

�Auf der anderen Seite stellen sie nur einen Anfang dar. Sie bereiteten zwar
den Boden für Änderung und Reform, aber es mußten ihnen weitere Maßnahmen und
Verhandlungen folgen, um den Wandel auf konstruktiven Wegen zu halten.
Dieser Prozeß ist längst vorüber, aber er hat zu wichtigen Verbesserungen
geführt:
- Die Verbesserung unserer Binnenwirtschaftstätigkeit leistet einen wichtigen
Beitrag zur internationalen Währungsstabilität. Kein anderes wichtiges Industrieland kann sich im letzten Jahr mit uns messen, was die Kombination von Wachstum
und Preisstabilität angeht. Was beispielsweise die Verbraucherpreise anbelangt,
so können sich die Vereinigten Staaten mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent
neben Kanada, Italien, Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und
Großbritannien sehen lassen, wo die Raten von 4,3 Prozent bis 6,3 Prozent reichen. Im Vergleich dazu ist unsere Wirtschaftstätigkeit das Grundrezept für einen
starken Dollar und eine starke Zahlungsbilanz.
- Wir haben mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember vorigen Jahres eine
große Neuordnung der Weltwechselkurse erreicht. Durch eine Kombination von Dollarabwertung und Aufwertung ausländischer Währungen haben sich die Währungsverhältnisse mit unseren wichtigen Handelspartnern in Europa und mit Japan im Durchschnitt um etwa 11 bis 12 Prozent versdioben. Dies wird mit der Zeit unseren Exporteuren und unserer Zahlungsbilanz einen starken Auftrieb geben. Im Rahmen des
Prozesses waren wir in der Lage, auf die befristete Importabgabe zu verzichten.
- In bestimmten Fällen ist es gelungen, einen Fortschritt beim Abbau der
Handelsschranken für unsere Exporte zu erzielen.
- Und was für die Zukunft noch wichtiger ist, es sind Einvernehmen darüber
erzielt worden, allgemeine Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform
mit dem Ziel zu führen, eine offene und liberal-orientierte Weltwirtschaft zu
stützen.
Am

-4-

�Am 15. August (1971) herrschte kein allgemeines Einverständnis über die
Notwendigkeit einer Reform - geschweige denn der Wille, damit anzufangen. Es gab
kein internationales Forum,in dem die schwierigen Verhandlungen hätten geführt
werden können. Die wichtigen Länder gaben keineswegs zu, daß ein enger innerer
Zusammenhang zwischen Währungsregeln und Handelsregeln, Investitionspolitik im
Ausland, Steuerpolitik und ähnlichen Dingen besteht.
Heute, so meine ich, sind Einvernehmen, Willen und Forum in weit größerem
Maße vorhanden.
Es wäre töricht,die vor uns liegenden Probleme zu unterschätzen. Wir befinden uns immer noch in einer schwierigen Periode des Übergangs. Die Ereignisse
haben gezeigt, daß die Wiederherstellung unserer Zahlungsbilanz und unserer internationalen Finanzposition einige Zeit braucht. Die Reform des Währungssystems
wird sorgfältiger Verhandlungen über einen längeren Zeitraum hinweg bedürfen.
Hier und im Ausland zeigt sich bereits Ungeduld.
Von Zeit zu Zeit haben die Devisenmärkte jene Unsicherheit gezeigt,die mit
dem Wandel unausweichlich einhergeht.
Wir haben uns daran gemacht,mit diesen zwischenzeitlichen Problemen fertig
zu werden,indem wir sowohl Sofortmaßnahmen getroffen haben als auch auf umfassende Verhandlungen drängen.
Anders als vor einem Jahr sind wir heute der Überzeugung, daß wir vertrauensvoll auf die Verbesserung unseres Handels und unserer Zahlungsbilanz hoffen können. Nach meiner Ansicht haben wir überzeugende Antworten auf die Argumente jener
gefunden, die unsere externen Probleme dadurch lösen wollen, daß sie sich in eine
schützende Muschel verkriechen. Ich glaube, daß jetzt konstruktive Verhandlungen
für eine Reform auf lange Sicht begonnen haben.

Genau

-5-

�Genau gesehen ist die Aufgabe, die uns der Präsident am 15. August vorigen Jahres gestellt hat, erst halb erfüllt. Aber wir können mit dieser ersten
Hälfte zufrieden sein, ohne daß wir die kommende Aufgabe verkleinern wollen.
Niemand sollte sich Illusionen machen, daß es einen leichten Abkürzungsweg
zu Stabilität, Wachstum und Stärke nach außen gäbe. Aber ich kann Ihnen versichern, daß wir es mit der Bewältigung der Aufgabe ernst meinen."

-6-

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33/1972

US-HANDELSMINISTER:WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG UND FREIER HANDEL
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)— Eine deutliche Wende in der Wirtschaft der Vereinigten
Staaten ist nach Feststellung des amerikanischen Handelsministers Peter
Peterson eingetreten. Wie Peterson nach einem Jahr des neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons erklärte, steigt die Produktion in Industrie und Landwirtschaft stetig an, während gleichzeitig die Preise unter Kontrolle gehalten
werden. Bei einem fairen Wechselkurssystem müßte damit nach Auffassung
Petersons die amerikanische Handelsbilanz wieder günstiger werden.
Der Handelsminister verwies auf die völlig unterschiedliche Situation der
amerikanischen Wirtschaft Ende der sechziger Jahre und heute. In den Jahren von
1965 bis 1970 lagen die Vereinigten Staaten im Wirtschaftswachstum praktisch
hinter allen ihren großen Handelspartnern zurück, während sie im Preisauftrieb
die Spitze hielten. Heute, so betonte Peterson, weist das reale Wirtschaftswachstum der USA eine Jahresrate von 7,4 Prozent auf - und liegt damit höher
als das Japans - während die Preise nur mit einer Jahresrate von 2,7 Prozent
steigen - was etwa nur die Hälfte des Anstiegs in anderen großen Industrieländern bedeutet.
Folgende

-1-

�Folgende Tabelle gibt einen Vergleich des wirtschaftlichen Wachsturas gemessen an der Veränderung des realen Bruttosozialprodukts (Jahresrate in Prozent):
Land:

1965/70

1960/65

Derzeit

5,3

3,4

7,4

10,0

12,1

6,0

Bundesrepublik Deutschland

5,0

4,6

3,3

Frankreich

5,8

5,8

5,0

Italien

5,3

6,1

3,3

Großbritannien

3,4

2,3

0,3

Kanada

5,5

4,5

5,3

USA
Japan

+)

+) Derzeit heißt für die USA die drei letzten Quartale vor dem 30.Juni 1972,für
die übrigen Länder erstes Halbjahr 1972 gegenüber dem ersten Halbjahr 1971
(•Schätzungen).

Die nächste Tabelle gibt einen Vergleich der Inflationsraten gemessen an dem
Anstieg der Verbraucherpreise (Jahresrate in Prozent):
Land:

1960/65

1965/70

Derzeit

USA

1,3

4,6

2,7

Japan

6,0

5,6

4.8

Bundesrepublik Deutschland

2,8

2,8

5,7

Frankreich

3,8

4,3

5,8

Italien

4,8

2,6

4,8

Großbritannien

3,4

4,6

8,5

Kanada

1,6

3,8

4,4

+)

+) Derzeit heißt für die USA die letzten zehn Monate bis Mai 1972, für die übrigen
Länder die letzten zwei Quartale bis Ende März 1972 gegenüber den letzten zwei
Quartalen bis Ende März 1971.

Die

-2-

�Die Vereinigten Staaten sind, wie Petersen feststellte, noch weit von einer
vollen Kapazitätsauslastung in der Industrie entfernt, so daß genügend Raum für
eine weitere Produkt Jonsausweitung ohne Inflationsgetahr gegeben ist. Leider haben
Rezessionen in anderen Ländern, die traditioneil zu den besten Abnehmern amerikanischer Erzeugnisse gehören, zu einer Verringerung der Exporte der USA geführt.
Während die amerikanischen Exporte langsam wieder ansteigen, gehen die Importe
weiter zurück. Peterson führte hier als Beispiel vor allem die Automobilindustrie
an. Während die Importe ausländischer Kraftwagen nach den USA noch vor einem Jahr
ständig stiegen und schließlich einen Marktanteil von über 20 Prozent erreichten,
ohne daß zunächst ein Ende dieser Entwicklung in Sicht war, sind die KFZ-Importe
jetzt um rund 15 Prozent zurückgegangen. Peterson führte hierfür vier Gründe an:
Die Verkaufssteuer für Autos wurde aufgehoben, die Wirtschaftslage in den USA
besserte sich ganz allgemein, die Arbeitskosten wurden niedrig gehalten und - als
Wichtigstes - der Dollar wurde abgewertet.
Dadurch zogen die Preise ausländischer Wagen der unteren Preisklasse an
- der Datsun um 14 Prozent, der Volkswagen um 8 Prozent. Der amerikanische Pinto
kostete noch vor einem Jahr 185 Dollar mehr als der Datsun, und heute kostet er
15 Dollar weniger. Gerade bei technologisch hochentwickelten Gütern - Autos,Computer n,chemischen Erzeugnissen, Pharmazeutika usw. - hatten die Vereinigten Staaten
immer einen hohen Handelsüberschuß aufzuweisen - manchmal 9 bis 10 Milliarden Dollar im Jahr. Dieser Überschuß wird jedoch gegenwärtig durch das Handelsdefizit
bei Erzeugnissen wie Schuhen, Textilien oder Stahl praktisch aufgezehrt.
Die Situation wurde noch durch die bestehenden unfairen Wechselkurse erschwert, bis der Präsident dann sein dynamisches Programm entwickelte.
Bei Stahl verzeichnete Japan einen außergewöhnlichen Produktivitätsanstieg
gegenüber amerikanischen Stahlwerken. Amerika hat jedoch große Mittel in den Bau
neuer Stahlwerke investiert, und wenn die Produktion in diesen Werken erst richtig
anläuft, dann wird sich die amerikanische Stahlindustrie bei einem fairen Wechselkurs auch wieder behaupten können.
Praktisch

-3-

�Praktisch hat die Neufestsetzung der Wechselkurse nach den Worten Petersons dazu geführt, daß auf dem nicht ausgesprochen technologischen Bereich zahlreiche Erzeugnisse, die bisher nicht wettbewerbsfähig waren, nunmehr den Wettbewerb wieder bestehen können.
Eine dritte Gruppe umfaßt den Rohstoff-und den Energiesektor. Die Vereinigten Staaten benötigen große Mengen an Öl, Kohle usw. und importieren bereits
15 Prozent ihres Bedarfs. Diese Zähl könnte innerhalb von 3o Jahren auf 50 Prozent ansteigen, und das Handelsdefizit könnte damit schnell wieder zunehmen.
Die letzte Gruppe betrifft die Landwirtschaft,wo die Vereinigten Staaten
nach Ansicht des Ministers eine überragende Stellung in der Welterzeugung einnehmen.

Die Produktivität in der amerikanischen Landwirtschaft weist einen so

hohen Stand auf, und die Kosten liegen so niedrig, daß die amerikanischen Agrarerzeugnisse auch bei ungünstigen Wechselkursen oder Handelsschranken - wie bei
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - immer noch voll wettbewerbsfähig
sind.
Peterson warnte vor einer Tendenz, die Einfuhren praktisch auf Null herunterzudrücken. In was für einer Welt würde der Verbraucher leben, gäbe es keine
Importe,so fragte der Minister. Und er fuhr fort: "Ich habe den Eindruck, daß
die meisten von uns froh sind über die Importe. Sie bringen uns ein vielfältigeres Angebot

zu niedrigeren Preisen und besseren Qualitäten oder aber Spezia-

litäten,die wir in den Vereinigten Staaten nicht haben. Da es das Ziel der Wirtschaftstätigkeit ist, den Lebensstandard zu heben, sollten wir uns nicht in eine
Situation drängen lassen, in der wir zu der Auffassung kommen, es wäre herrlich,
wenn die amerikanische Industrie 100 Prozent aller Erzeugnisse herstellt."
Dagegen, so betonte Peterson, müßten die Vereinigten Staaten nach einem
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz streben, damit sie für ihre Importe mit ihren Exporten bezahlen können. Wenn die Wechselkurse flexibel genug sind, so sagte er,
"dann glaube ich,sollten wir uns auf das Wettbewerbssystem verlassen, und der
Verbraucher sollte selbst darüber entscheiden, ob seinem Interesse am besten

-4-

�besten durch den Kauf amerikanischer oder ausländischer Kraftwagen gedient ist
Einer der großen Vorteile eines freien und offenen Handelssystems ist, daß es
durch den Wettbewerb einen starken Anreiz für die Binnenwirtschaft bringt."

-5-

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NEUES WIRTSCHAFTSPROGRAMM PRÄSIDENT NIXONS EIN JAHR ALT
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)— Das von Präsident Nixon zur Eindämmung der Inflation
und zur Wiederherstellung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes verkündete
neue Wirtschaftsprogramm kann in diesen Tagen auf sein einjähriges Bestehen
zurückblicken - Grund genug, um Rückschau zu halten auf das, was sich in den
zwölf Monaten geändert hat.
Als Präsident Nixon am 15. August 1971 im Weißen Haus dem amerikanischen
Volk und der übrigen Welt die Einzelheiten seines neuen Wirtschaftsprogrammes
bekanntgab, herrschte zunächst allgemeine Bestürzung vor. Neben Überraschung
und Verwirrung bestand in den ersten Tagen weitverbreitet die Furcht, daß die
Vereinigten Staaten für immer einen protektionistischen Kurs einschlagen könnten, um ihre internationalen Handels-und Zahlungsbilanzprobleme zu Lösen.
Aber dies geschah nicht. Das verflossene Jahr hat vielmehr das Gegenteil
bewiesen, daß nämlich das neue Wirtschaftsprogramm in erster Linie auf eine
Wiederbelebung des freien Warenflusses zwischen den Ländern abzielt.
Die im August vorübergehend eingeführte Importabgabe wurde bereits im Dezember wieder aufgehoben und dürfte wohl kaum nachhaltige Auswirkungen auf den
Warenfluß gehabt haben. Die amerikanischen Bemühungen zielten mehr auf einen

-1-

�einen Abbau der Handelsschranken für amerikanische Exportgüter als auf eine Einschränkung des Imports ab. Den wenigen Fällen, zum Beispiel bei Textilien, in
denen die Vereinigten Staaten andere Länder aufgefordert hatten, ihren USA-Export einzuschränken, lag die Absicht zugrunde, dem innenpolitischen Druck entgegenzuwirken,

der in den letzten Jahren verschiedentlich beinahe zur Verab-

schiedung stark protektionistischer Gesetze durch den Kongreß geführt hätte.
Der Beschluß Präsident Nixons, die Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold
auszusetzen, war als Zeichen für die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung zu werten, den seit über 20 Jahren ständig anfallenden Defiziten in der
US-Zahlungsbilanz ein Ende zu machen und eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems sicherzustellen, und stand in direktem Zusammenhang mit
dem Wunsch, weiterhin die Prinzipien eines liberalen Handels zu unterstützen.
Wirtschaftliche Prinzipien und Anpassungsprozesse, die sicherstellen sollen,
daß der zwischenstaatliche Handel beiden Seiten Gewinn bringt, können nicht wirken, wenn die Wechselkurse unrealistisch sind und das internationale Zahlungssystem nicht richtig arbeitet. Als Folge der Unzulänglichkeiten des alten internationalen Währungssystems vor dem 15. August vergangenen Jahres waren weite
Kreise der amerikanischen Arbeiterschaft wie auch der amerikanischen Industrie
zu der Auffassung gelangt, daß sie durch den schnell wachsenden Import geschädigt
oder in ihrer Existenz bedroht würden, während ausgleichende Gewinne beim Export
oder sonstwo in der Wirtschaft nicht zu erkennen seien.
Die Neufestsetzung der Wechselkurse durch das Smithsonian-Abkommen vom vergangenen Dezember dürfte wesentlich dazu beitragen, diese Auffassung zu entkräften, wenn erst die neuen Wechselkurse im Handel voll durchschlagen, was nach
Ansicht der Experten zwei Jahre und länger dauern kann.
Eine einmalige Neufestsetzung der Wechselkurse wird jedoch nur vorübergehend
Erleichterung verschaffen, es sei denn, daß die Länder sich bei ihrer künftigen

-2-

�künftigen Währungs-und Handelspolitik an akzeptierbare Verhaltensnormen halten.
Aus diesem Grunde haben die Vereinigten Staaten auch während des vergangenen
Jahres auf umfassende und sorgfältige Studien gedrängt, die zu einem völlig
neuen internationalen Währungssystem, einer neuen Fairneß in Handelsfragen und
einer neuen Runde globaler Handelsverhandlungen führen sollen, in denen der Weg
zu einer gegenseitigen Senkung aller Formen von Handelsschranken geebnet werden
könnte.
Einer der möglicherweise bedeutsamsten Erfolge des neuen Wirtschaftsprogramms
Präsident Nixons ist die Vereinbarung, innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Gruppe von 20 Ländern einzusetzen, die ein neues internationales
Währungssystem konzipieren soll. Da die meisten dieser 20 Staaten Ländergruppen
repräsentieren, werden die Interessen aller IWF-Mitglieder - der Entwicklungsländer wie auch der Industriestaaten, der kleinen Nationen wie auch der wirtschaftlichen Giganten - vertreten sein. Die erste Konferenz soll in der letzten
Septemberwoche stattfinden, wenn der IWF seine reguläre Jahrestagung abhält.
Von ebenfalls potentiell großer Bedeutung ist die Tatsache, daß mehrere andere Nationen sich den Vereinigten Staaten angeschlossen haben,um mit ihnen die vorbereitenden Arbeiten für die vorgeschlagene neue Runde umfassender Handelsverhandlungen zu leisten.
Aber auch die binnenwirtschaftlichen Erfolge des neuen Wirtschaftsprogramms
Präsident Nixons wirken sich auf die außenwirtschaftliche Seite aus. Den Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Monaten eine Reduzierung der Inflationsrate
gelungen, und sie stehen auch hier besser als die meisten anderen Industriestaaten da, die ihre natürlichen Konkurrenten auf den Weltmärkten sind.Setzt sich
diese Entwicklung weiter fort, so wird sie zu einer Stärkung der amerikanischen
Handelsposition wie auch der amerikanischen Zahlungsbilanz führen.
Die

-3-

�Die derzeitige starke Wirtschaftsexpansion in den USA, die sich zu einer
Zeit vollzieht,in der sich das wirtschaftliche Wachstum in einigen Ländern verlangsamt hat, die wichtige Absatzmärkte für den US-Export bilden , könnte zu
einem gewissen Hinauszögern der erwarteten Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz führen. Er könnte ferner die Wirkung, die von der Neufestsetzung der
Wechselkurse ausgeht, bei einigen Ländern dämpfen, die anderenfalls nachteilig
betroffen werden gönnten. Auf lange Sicht wird eine starke, nicht-inflationistische Expansion der amerikanischen Wirtschaft mit zur Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz beitragen und zwar dadurch, daß im Rahmen einer stetigen
Ausweitung des Welthandels die Exporte zunehmen, und nicht dadurch, daß die Importe aus anderen Ländern eingeschränkt werden.
Auf all diesen Gebieten - der Schaffung eines neuen internationalen Währungssystems, den Verhandlungen über neue Handelsnormen, der Wiederherstellung eines
gesunden Ausgleichs der amerikanischen Zahlungsbilanz, der Abwehr des protektionistischen Drucks, der Öffnung des Weges für ein gesundes Wirtschaftswachstum

-

sind die Fortschritte bisher recht beachtlich gewesen. Allerdings bleibt noch
viel zu tun übrig. Eine endgültige Bewertung der Ergebnisse des neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons muß daher einem späteren Jubiläum vorbehalten
bleiben.

i

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I ! II II

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EINE KRANKHEIT WURDE ENTSCHÄRFT
Intensivtherapie verbessert Prognose bei Lupus erythematodes

--(AD)-- Die Ursache ist noch nicht genau bekannt. Lupus erythematodes, in der
Medizin meist nur mit der Abkürzung SLE bezeichnet, im Volksmund "Zehrrose"
genannt, könnte genetisch bedingt sein. Aber vielleicht spielen bei der Erkrankung auch Viren eine Rolle. Der Organismus des Kranken bildet Antikörper ge
gen Desoxyribonukleinsäuren (Zellkernmoleküle) sowie große Mengen von Gamma
globulin, was auf Abwehrreaktionen schließen läßt. Jedoch scheinen diese Reaktionen auiier Kontrolle zu geraten, weshalb SLE auch zu den Autoaggressionskrankheiten gerechnet wird. Bestimmte Medikamente können ebenfalls zu einem typischen
SLE-Krankheitsbild mit zunächst polyarthritischen Beschwerden, schmetterlings»
förmigen Hautausschlägen - vor allem im Gesicht und an anderen, nicht von Kleidung bedeckten Partien - und, im weiteren Verlauf, zu Organschädigungen führen
Wird diese Allergie im Frühstadium erkannt, ist nach Absetzen der Medikamente
die Ausheilung möglich. Bei der echten SLE-Erkrankung dagegen ist die Prognose
normalerweise ungünstig.
Daß

-l-

�Daß sich der Verlauf dennoch beeinflussen läßt, zeigte ein über mehrere
Jahre durchgeführtes Gruppenexperiment von Dr. Wallace V.Epstein von der Universität Kalifornien in San Francisco. Über das Ergebnis berichtete er auf einer
Tagung der amerikanischen "Arthritis Foundation". In der von Epstein und Mitarbeitern betreuten Gruppe stieg die Uberlebensrate im Fünf-Jahres-Zeitraura von
20-30 Prozent auf 80 Prozent. Die allgemeine Situation der Patienten - in der
überwiegenden

Mehrzahl werden Frauen von der Erkrankung betroffen - verbesser-

te sich in auffallender Weise.
Die 67 Kranken, von denen es bei 31 bereits zu schweren Nierenschädigungen
gekommen war, wurden zu einer sogenannten "Lupus-Gruppe" zusammengefaßt. Mit
häufigen Blut-und Urinuntersuchungen stand jeder einzelne unter äußerst sorgfältiger ärztlicher Kontrolle. Es zeigte sich, daß dann ein neuer Krankheitsschub
bereits in einem Stadium erfaßt und durch entsprechende medikamentöse

Behandlung

zumindest abgeschwächt werden konnte, wenn ihn der Patient noch gar nicht gewahr
geworden war. Vor allem versuchte man bei den Patienten, deren Nieren noch nicht
betroffen waren, die Schädigung dieses Organs zu verhindern - mit beachtlichem
Erfolg. Die wichtigsten Medikamente waren dabei Prednison und Chlorambucil, das
zu den Präparaten zur Unterdrückung von Immunreaktionen gehört.
Die höheren Überlebensraten schreibt Dr. Epstein aber weniger den Medikamenten oder der Dosierung der verordneten Präparate zu, sondern in erster Linie der
fortlaufenden Überwachung der Kranken. Dadurch werden ungünstige Nebenwirkungen
der Medikamente auf ein Mindestmaß reduziert und irreversible Gewebeschädigungen
im größtmöglichen Umfang verhindert. Die "Lupus-Gruppe" kam außerdem zweimal im
Monat zusammen, damit die Patienten untereinander Erfahrungen austauschen konnten und besser lernten, mit der Krankheit zu leben. Anscheinend trug diese Ai*
der Gruppentherapie viel dazu bei, dem einzelnen die Angst vor der Zukunft zu
nehmen. Es gab z.B.keine Selbstmordversuche mehr, die bis dahin relativ häufig
waren. Der Patient wird durch das Gespräch mit Leidensgenossen mit dem klinischen
Verlauf der Krankheit in einer Form vertraut gemacht, die ihn weitaus weniger

-2-

�weniger erschreckt,als wenn er plötzlich Nebenwirkungen oder Reaktionen wie
Haarausfall nur an sich selbst beobachtet. Für ihn ergibt sich dann auch eine
viel bessere Grundlage, um mit den Ärzten im Verlauf der eigenen Behandlung
vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

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33/1972

IMMUNREAKTIONEN MIT FREMDER THYMUSDRÜSE

--(AD)-- Einem 10 Wochen alten Kind wurde in einer Klinik der GeorgetownUniversität (Washington) eine fremde Thymusdrüse in die Bauchwand implantiert .
Bereits sechs Stunden nach der Operation konnten bei dem Baby Immunreaktionen
festgestellt werden, die vor der Operation völlig fehlten. In den meisten
Fällen sind genetische Ursachen anzunehmen, wenn sich bei Kindern herausstellt, daß die Thymusdrüse nur ungenügend ausgebildet oder funktionsunfähig
ist. Diese spielt jedoch für den Aufbau und die Entwicklung des lymphatischen
Systems und bei der Abwehr von Infektionen eine wichtige Rolle. Sie zählt,
wie Blinddarm und Mandeln,zu den primären Immunitätsorganen»
Das Implantat war in eine Diffusionskammer eingeschlossen, so daß Zellen,
die dem Empfängerorganismus möglicherweise hätten schaden können, nicht ausdringen konnten. Dagegen konnten Nährstoffe aufgenommen werden, die für den
Stoffwechsel der Thymuszellen notwendig sind. Diese vermochten jene Wirkstoffe
zu produzieren, die nach dem Ausdiffundieren aus der Kammer über den Kreislauf
das Immunsystem des Körpers "einschalten" konnten. Die Kammerwandung hatte
die Funktion einer porösen Membran, die nur bestimmte Stoffe nach jeder Richtung
durchläßt.
Dr.

�Dr. Russell W. Steele, der mit finanzieller Unterstützung des "Nationalinstituts für Pädiatrie und menschliche Entwicklung" (ein Institut der medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA-N1H) an der pädiatrischen Abteilung
der Georgetown-Universität als Forscher tätig ist und die Implantation durchführte, wies nach, daß in dem speziellen Fall das Fehlen der Thymusdrüse beim Neugeborenen familiär bedingt ist. Ein als Säugling verstorbener Halbbruder des
Babies war ohne Thymus und Nebenschilddrüsen geboren worden, bei der Mutter ist
das Immunsystem erheblich beeinträchtigt. Daraus ergebe sich die große Bedeutung
der Untersuchung aller Familienmitglieder, wenn bei einem Neugeborenen ThymusAplasie festgestellt wird.
Acht Tage nach der Operation starb das operierte Kind infolge von Atemnot,
die mechanische Ursachenhatte. Bei der Autopsie konnte an Hand der Gewebekulturen
keine Infektion festgestellt werden. Nach Ansicht Dr. Steeles gab es keinen Zusammenhang zwischen der Operation und dem Tod des Kindes. Er vertritt die Meinung, daß eine Wiederherstellung der Immunreaktionen nicht nur bei Infektionen,
sondern auch bei malignen Prozessen Bedeutung haben könnte.

+++

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon ersucht Senat um Ratifizierung der Konvention über ein Verbot bakteriologischer Kampfmittel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;U.Alexis Johnson für Verbesserung der Beziehungen zu Moskau und Peking&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freie Information unerwünscht?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen mit Heimempfang&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon weist auf wirtschaftliche Erfolge hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das internationale Währungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Zahlungsbilanz 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Initiativen für Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker würdigt neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister: Wirtschaftsaufschwung und freier Handel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Krankheit wurde entschärft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immunreaktionen mit fremder Thymusdrüse&lt;/p&gt;</text>
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2 3 . August

1972

Inhalt

INFORMATION:
US-Kongreßausschuß für Gemeinsamen NATO«»Fonds
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-RepräsentantenhausesKulturbrief USA

WIRTSCHAFT:

Einkommenskluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner
Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet
•Erklärung des US-Handelsministeriums-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Weltgefahr Rauschgift
-Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972Boden wandert 2 cm pro Jahr
Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1972

US-KONGRESSAUSSCHUSS FÜR GEMEINSAMEN NATO-FONDS
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses-

WASHINGTON--(AD)-- Der Sonderausschuß für NATO-Verpflichtungen des Militärausschusses des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat sich nachdrücklich gegen eine Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa und
stattdessen für die Schaffung eines "Gemeinsamen NATO-Fonds" ausgesprochen,
mit dessen Hilfe die Devisenlasten der USA erleichtert und deren Zahlungsbilanzdefizit verringert werden soll.
Die am 17. August von dem Sonderausschuss dazu herausgegebene Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:
"Der Sonderausschuß für Verpflichtungen gegenüber der Organisation des
Nordatlantikvertrages des Militärausschusses des Repräsentantenhauses hat die
Einrichtung eines Gemeinsamen NATO-Fonds empfohlen, der die Vereinigten Staaten
von Zahlungsbilanzdefiziten entlasten würde, die aufgrund der Stationierung
ihrer Truppen in Europa auftreten.
Der Gemeinsame Fonds würde den Lastenausgleich in der NATO auf eine Weise
egalisieren, die für die Vereinigten Staaten am günstigsten wäre, ohne die
militärische Kapazität des Bündnisses zu schwächen, so erklärte der Sonderausschuß.
Der

-l-

�Der Sonderausschuß unter dem Vorsitz des Abgeordneten William J. Randall
(Demokrat, Missouri) sprach sich gegen eine Verringerung der Zahl der amerikanischen Truppen aus, die der NATO assigniert sind, und bezeichnete die in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte als das 'natürliche Bindeglied* der
NATO - als den Leim, der das Bündnis zusammenhalte.
Der Sonderausschuß erklärte, die Debatte über die amerikanische NATO-Verpflichtung habe sich fälschlicherweise auf den zahlenmäßigen Stand der amerikanischen Truppen in Europa konzentriert. Die Verpflichtung müsse auch im Hinblick
auf die Luft-und Seestreitkräfte und die Dollar-Verpflichtung gesehen werden, so
betonte der Ausschuß.
Der Sonderausschuß hat den Tenor seines Berichtes durch die Feststellung
bestimmt, daß 'er bei der Ausarbeitung seiner Empfehlungen die Versuchung meidet, sich für kosmetische Operationen auszusprechen, die möglicherweise die politischen Gefühle in den Vereinigten Staaten beruhigen könnten. Die Möglichkeit
eines Abzuges von Truppen in der Größenordnung von 10 000 oder 20 000 Mann aus
Europa ist eine jener Ideen, die, oberflächlich gesehen, attraktiv sind und deren Reiz in hochpolitischen Zeiten besonders groß wird. Bei einer genauen Untersuchung stellt sich jedoch heraus, daß ein derartiger Schritt Ergebnisse zeitigen könnte, die das Bündnis in einem Ausmaß schwächen könnten, das in keinem
Verhältnis zu der Zahl der abgezogenen Soldaten stehen würde und daß die Einsparungen, wenn überhaupt, außerordentlich bescheiden wären.'
Der Sonderausschuß traf im wesentlichen folgende Feststellungen:
Die Rückführung von Truppen nach den Vereinigten Staaten schwächt das Bündnis. Truppen in den Vereinigten Staaten würden niemals den Abschreckungswert
besitzen wie in Europa stationierte Truppen, und die Kapazität einer raschen
Redislozierung großer Verbände nach Europa wird von jenen stark übertrieben,
die Truppenverringerungen empfehlen, und gelegentlich auch von Verteidigungsplanern.
Eine

-2-

�Eine Rückführung der Truppen nach den Vereinigten Staaten würde zu keinen
Einsparungen im eigentlichen haushaltsmäßigen Sinne führen, wenn diese nicht demobilisiert werden. Wenn die Verbände aufgelöst würden, wäre es unmöglich, der
amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO weiterhin gerecht zu werden.
Wenn die Truppen in den Vereinigten Staaten aufrechterhalten würden und ein Versuch gemacht würde, die Kampfstärke in Europa aufrechtzuerhalten, dann würde
dies zusätzliche Ausrüstung erfordern, die in Europa bereitgestellt werden müßte,
sowie zusätzliche Luftbrücken-und Seetransportkapazitäten. Abgesehen davon, daß
eine solche Regelung militärisch fragwürdig wäre, würde sie rein haushaltsmäßig
gesehen mehr kosten als die gegenwärtige Regelung der Stationierung der Truppen
in Europa.
Aus diesem Grunde erklärte der Sonderausschuß, daß der beste Weg zu einer
besseren Verteilung der Lasten in der NATO, sowohl vom militärischen als auch
vom Dollar-Standpunkt aus gesehen, die Einrichtung des Gemeinsamen NATO-Fonds
ist. Länder, die aufgrund der Dislozierung von Truppen für die NATO Zahlungsbilanzdefizite haben, könnten aus dem Fonds ziehen, um das Defizit auszugleichen,
und Länder, die aufgrund der Stationierung anderer Truppen in ihrem Lande aus
der Gunst der Umstände einen Zahlungsbilanzvorteil haben, würden in den Fonds
einzahlen.
Der Sonderausschuß, der empfahl, daß der Vorschlag für den Fonds auf die
Tagesordnung der nächsten Konferenz der NATO-Minister gesetzt werden möge, forderte, daß die Vereinbarung flexibel genug sein müsse, daß auch jene Länder, die
keine Truppen auf ihrem Boden stationiert haben, die jedoch von der Stationierung
amerikanischer Truppen in benachbarten Ländern profitieren, ebenfalls Zahlungen
leisten.
Der Vorsitzende des Sonderausschusses, Randall, wies darauf hin, daß der
Sonderausschuß die Bemühungen unterstützt, zu Verhandlungen über beiderseitige
und ausgewogene Truppenverringerungen in Europa zu gelangen, und erklärte:
•Man

-3-

�•Man muß erkennen,daß mit den Berlin-Abkommen, der Erweiterung des Gemeinsamen
Marktes, der Aufwertung verschiedener Währungen und dem Anstoß, den die MBFR-Verhandlungen aus dem Gipfeltreffen in Moskau erhalten haben, gegenwärtig in Westeuropa tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Man muß erkennen, daß die Fortschritte in der europäischen Wirtschaft und die Hoffnung auf eine größere politische Einheit in Westeuropa ohne die militärische Basis der NATO unmöglich wären. Wir sollten besonders vorsichtig sein und keine Veränderungen vornehmen,
die den Fortschritt vereiteln würden, der gemacht wird, oder die die Position
der NATO zu einer Zeit schwächen würden, da Verhandlungen gerade beginnen.'
Dem Sonderausschuß unter dem Vorsitzenden Randall gehören die Demokraten
Samuel S. Stratton aus New York und Les Aspin aus Wisconsin sowie die Republikaner
Alexander Pirnie aus New York und Charles S. Gubser aus Kalifornien an.
Bei der Veröffentlichung des Berichtes des Sonderausschusses fand der Vorsitzende des Militärausschusses, F. Edward Hebert, Worte hoher Anerkennung für
die Mitglieder, die an der umfassenden Studie des Sonderausschusses beteiligt
waren:
•Dies ist die erschöpfendste Studie der militärischen Verpflichtungen der
NATO, die in den 23 Jahren der Geschichte des Bündnisses im Kongreß durchgeführt
worden ist1, so sagte Hebert. 'Der Sonderausschuß hielt 17 Anhörungen in den Vereinigten Staaten und 17 in Übersee ab. Im Verlaufe von zwei Reisen nach Europa besuchte er neun NATO-Länder, sprach mit jedem wichtigen amerikanischen Befehlshaber in Europa und besuchte auch Truppeneinheiten.
Die Mitglieder widmeten diesem Unternehmen außerordentlich viel Zeit und
haben ihre Aufgabe in staatsmännischer Weise angepackt. Sie haben dem Kongreß
einen großen Dienst geleistet.'
Der Bericht des Sonderausschusses widmete den Problemen, die sich an der
Peripherie der NATO entwickeln, besondere Aufmerksamkeit: dem Aufbau der sowjeti-

-4-

�sowjetischen Seestreitkräfte im Mittelmeer, der beachtlichen sowjetischen Flottendrohung an der Nordflanke der NATO, der Möglichkeit beunruhigender künftiger
Entwicklungen in Jugoslawien und der Auswirkung, die der Abzug von NATO-Truppen
auf die Stabilität im Nahen Osten haben könnte.
Der Sonderausschuß sprach sich kritisch gegenüber der Exekutive aus, daß
sie der NATO nicht immer die Priorität eingeräumt habe, die sie in der internationalen Politik verdient, und empfahl, daß eine Konferenz der NATO-Führer und die
Möglichkeit eines Besuchs des Präsidenten bei der NATO ins Auge gefaßt würde.
Der Sonderausschuß erklärte, daß er zu seiner Überraschung einen ernsten
Mangel an langfristiger Planung für künftige Veränderungen in der NATO und ein
mangelndes Interesse seitens einiger amerikanischer Regierungsvertreter für die
ernsten wirtschaftlichen Probleme in den Vereinigten Staaten festgestellt habe.
Der Bericht unterstreicht, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, daß langfristige
Veränderungen in der amerikanischen Verpflichtung nur nach voller Konsultation
und in gemeinsamer Planung mit unseren Verbündeten vorgenommen werden.
Der Sonderausschuß ließ erkennen, daß seine Unterstützung der weiteren Dislozierung von Truppen in Europa sich auf die 260 000 amerikanischen Soldaten erstreckt, die ausdrücklich für die KampfStreitkräfte der NATO assigniert sind.
Er wies darauf hin, daß die oft zitierte Zahl von 310 000 (amerikanischen) Soldaten in Europa rund 50 000 Mann einschließen, die nicht ausdrücklich NATO-Befehlsstellen assigniert sind."

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KULTURBRIEF USA

WASHINGTON --(AD)-- August 1972 —

Das John F.Kennedy Center, das am S.Sep-

tember vergangenen Jahres eröffnet wurde, begeht in diesen Tagen den ersten
Jahrestag seines Bestehens. Mit einer Konzertreihe, die vom 30. August bis
10. September unter dem Motto "The Old and the New" stattfindet und 30 Konzerte mit rund 100 Werken von 75 Meistern - von Vivaldi bis Strawinsky, Bartok
und Ives - umfaßt, eröffnet das Center, das erheblich zur Bereicherung des
kulturellen Lebens der amerikanischen Bundeshauptstadt beigetragen hat, die
zweite Spielzeit.
+-HDie Fromm Music Foundation, so genannt nach dem aus Kitzingen (Main) stammenden
Weinimporteur und Philanthropen Paul Fromm, der sie vor zwanzig Jahren gründete,
um dazu beizutragen, "die Kluft zwischen dem zeitgenössischen Komponisten und
der Gesellschaft zu überbrücken", hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten
in ganz besonderer Weise der Popularisierung der musikalischen Avantgarde angenommen. Dies geschah durch die Vergabe von Stipendien und Kompositionsaufträgen
an begabte junge Musiker

sowie durch Beteiligung der Stiftung an der Ausrich-

tung der Tanglewood Festspiele für Neue Musik. Um die Kontinuität ihres Wirkens

�Wirkens zu sichern, hat sich die Organisation jetzt mit Harvard zusammengetan und
wird in Zukunft die Bezeichnung Fromm Music Foundation at Harvard University
führen.

+++
Das Beste, was dem bekannten Newport Jazz Festival passieren konnte, war seine
Verlegung von Newport (Rhode Island) nach New York City. Die Befürchtung, daß
das Festival, dessen Publikumszulauf das kleine Newport nicht mehr bewältigen
konnte, in der Fülle des kulturellen Angebots der Millionenmetropole versickern
würde, war unbegründet. Die Jazztage waren ein großer Erfolg. Die Großen des
Jazz wie Stan Kenton, Count Basie,Woody Herman, Lionel Hampton, Duke Ellington,
Roy Eldridge, Buddy Täte und Charles Mingus spielten oft in überfüllten Sälen,
in denen vielfach nicht einmal mehr ein Stehplatz zu haben war. Es besteht kein
Zweifel daran, daß New York City auch in kommenden Jahren Schauplatz dieses inzwischen weltberühmten und weltweit interessierenden Festivals sein wird freilich, wie man hofft, unter Beibehaltung der alten Bezeichnung.

1,11
TTT

New York City mußte in diesen Wochen einige scharfe Angriffe der Theaterkritiker
über die in den letzten Jahren ziemlich unbefriedigenden Leistungen des Broadway
(den Off-Broadway ausgenommen) hinnehmen. Zweifellos liegt darin ein gutes Teil
Wahrheit. Trotz der Konkurrenz, die ihm von aktiven Theaterleitern in anderen
Teilen der USA gemacht wird, gilt New York noch immer als Amerikas Theaterstadt.
Nummer eins. Dichtauf aber liegen die Bundeshauptstadt Washington und Los Angeles
In Los Angeles wurden vor kurzem zwei neue Theater eröffnet: das Universal

�Universal Studios Amphitheater, eine Freiluftarena mit 3 800 Sitzplätzen und
das Shubert-Theater mit 1 800 Sitzplätzen - ein Faktum, das erstaunliche RückSchlüsse auf die Theaterfreudigkeit in einem Raum zuläßt, der ohnehin schon
über eine Reihe großer und moderner Theaterstätten verfügt, wie etwa das Music
Center, das Hungton Hartford Theatre, das Greec Theatre und die berühmte Hollywood Bowl. Die beiden neuen Theater bieten darüber hinaus mit dem Broadway-Hit
"Follies" (Shubert) und dem Rockmusical "Jesus Christ Superstar" ein echtes
Kontrastprogramm.

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EINKOMMENSKLUFT ZWISCHEN SCHWARZEN UND WEISSEN AMERIKANERN
WIRD KLEINER

NEW YORK --(AD)-- Die Kluft zwischen dem durchschnittlichen Familieneinkommen
der schwarzen und der weißen Amerikaner ist in den letzten sechs Jahren wesentlich geringer geworden. Dies stellt der "Conference Board", eines der
größten Wirtschaftsforschungsinstitute der Welt, in einem in der Augustausgabe seiner Zeitschrift "Record" veröffentlichten Bericht fest.
Dem Bericht zufolge lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der schwarzen Familien in den USA 1970 mit 6 279 Dollar um 60 Prozent höher als 1965.
Demgegenüber ist das durchschnittliche Jahreseinkommen der weißen Familien
von 1965 bis 1970 nur um 40 Prozent auf 10 236 Dollar gestiegen. Während das
Durchschnittseinkommen der schwarzen Familien 1965 lediglich 54 Prozent des
Durchschnittseinkommens der weißen Familie ausmachte, waren es 1970 bereits
61 Prozent.
Auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Jahreseinkommen über 10 000
Dollar lag, hat, wie der Bericht zeigt, in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich schneller zugenommen, als dies bei den weißen Familien der Fall war.
Allein in der Zeit von 1965 bis 1970 verdoppelte sich die Zahl der schwarzen

-1-

�*

schwarzen Familien dieser Einkommensgruppe, während sie sich bei den weißen Familien lediglich um ein Drittel erhöhte. Im Jahre 1970 hatten rund 28 Prozent
aller schwarzen Familien und 52 Prozent der weißen Familien Jahreseinkommen
von 10 000 Dollar und mehr.
Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß gerade Zeiten einer raschen wirtschaftlichen Expansion, wie Ende der sechziger Jahre, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen aufgrund des hohen Arbeitskräftebedarfs begünstigen. Am stärksten
hat sich jedoch das Verhältnis der Einkommen von Schwarzen und Weißen 1966 geändert - dem Jahr, in dem die Kommission für gleiche Arbeitschancen erstmalig ihre
Arbeit voll aufnahm.
Der Bericht zeigt aber auch, daß die Schwarzen in immer stärkerem Maße in
gehobenere Berufe Eingang fanden. So hat sich die Zahl der schwarzen Geistesarbei
ter und Techniker in der Zeit von 1960 bis 1971 um 128 Prozent erhöht, die der
weissen in diesen Berufsgruppen um 45 Prozent. Die Zahl der schwarzen Manager,
Unternehmer und Beamten stieg in der gleichen Zeit um 92 Prozent, bei den Weißen
betrug die Zunahme in diesen Berufsgruppen 21 Prozent. Dagegen ging die Zahl der
Schwarzen, die in niedrig bezahlten Berufen wie im Haushalt, als Arbeiter oder
landwirtschaftliche

Arbeitskräfte tätig waren schneller zurück als die der

Weißen. Bei den sogenannten Prestigeberufen sitzen die Weißen allerdings immer
noch in den Spitzenpositionen, während in den untergeordneteren Positionen relativ mehr Schwarze tätig sind. Im Jahre 1971 hatten hier 13 Prozent aller berufstätigen Schwarzen führende Stellungen inne, während es bei den Weißen 26 Prozent
waren. In den untergeordneteren Positionen waren 21 Prozent der berufstätigen
Schwarzen und nur 10 Prozent der berufstätigen Weißen tätig.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Schulbildung einen wichtigen Faktor
für den wirtschaftlichen Fortschritt der Schwarzen darstellt. Im Jahre 1959 hatten die im Berufsleben stehenden Schwarzen im Durchschnitt 8,7 Jahre eine Schule
besucht; für die Weißen betrug die Zahl 12,1 Jahre. Im Jahre 1971 hatten die

-2-

�die Schwarzen im Durchschnitt einen Schulbesuch von 11,9 Jahren und die Weißen
von 12,5 Jahren aufzuweisen.
Aber auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Einkommen unter dem
Existenzminimum - gegenwärtig 3 968 Dollar für eine vierköpfige Familie in der
Stadt - liegt, ist merklich zurückgegangen.

Bei den schwarzen Familien beträgt

sie zur Zeit noch 29 Prozent, bei den weißen Familien acht Prozent.

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WIRTSCHAFTLICHE WACHSTUMSRATE IN DEN USA HOHER ALS ERWARTET
-Erklärung des US-Handelsministeriums-

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Harold C. Passer, hat zu den nunmehr vorliegenden revidierten Zahlen über die Entwicklung des amerikanischen Bruttosozialproduktes
im zweiten Quartal 1972 eine Erklärung des Handelsministeriums abgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:
Die berichtigten Zahlen zeigen, daß die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal noch größer war,als ursprünglich berichtet wurde.- 9,4 Prozent gegenüber 8,9 Prozent. Dies war zum Teil auf die höheren Zahlen
des Bruttosozialproduktes in US-Dollar und zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die Inflationsrate niedriger war als erwartet - 1,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent. Die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal
von 9,4 Prozent ist seit 13 Jahren nicht mehr übertroffen worden - sie wurde
allerdings im vierten Quartal 1965 ebenfalls erreicht. Die Wachstumsrate von
7,4 Prozent in den letzten drei Quartalen ist die höchste für einen Neunmonatszeitraum seit sechs Jahren.
Der

-1-

�Der Anstieg des Deflators des Bruttosozialproduktes - der umfassendste
Preisindikator - um nur 1,8 Prozent steht neben einem Deflator von 1,5 Prozent
im vierten Quartal 1971, als die Preise durch den Preisstopp niedrig gehalten wurden. Abgesehen von diesem Quartal war der Deflator von 1,8 Prozent der niedrigste
seit dem vierten Quartal 1965.
Wie in einer rasch expandierenden Wirtschaft zu erwarten ist, nahmen die
Gesellschaftsgewinne im zweiten Quartal weiter zu. Nach Abzug der Steuern erhöhten sich die Gewinne um 2,9 Milliarden Dollar und sind damit seit dem von 1966
bis 1970 dauernden Rückgang sechs Quartale lang ständig gestiegen.
Obwohl die Gesamtgewinne im Rahmen des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogrammes steigen dürfen, gibt es Kontrollen für die Gewinnmarge pro umgesetztem
Dollar. Die Gesamtgewinne dürfen also steigen, wenn die Umsätze zunehmen. Man
kann dies in etwa mit den Grenzen vergleichen, in denen die Stundenlöhne ansteigen dürfen, was aber nicht verhindert, daß das Gesamteinkommen eines Arbeiters
sich über diese Grenzen hinaus erhöht, sofern er mehr Stunden arbeitet.
Es gibt jedoch ein freiwilliges Programm zur Beschränkung der Dividenden,
und die Höhe der Gewinne, die bisher in diesem Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet
worden sind, hat gegenüber vor einem Jahr um weniger als 3 Prozent zugenommen.
Die Aufwärtsentwicklung der Gewinne ist für die Wirtschaft als Ganzes ermutigend, weil sie sowohl Anreiz zur Ausweitung der Produktion und Hinzunahme
neuer Anlagen bietet, die Arbeitsplätze und Einkommen vermehren, als auch einen
Teil der Mittel hierfür bereitstellt.
Die Fluktuation der Gewinne während eines Wirtschaftszyklus ist groß. In
den ersten Phasen einer Wirtschaftsexpansion steigen sie gewöhnlich stark an
und stabilisieren sich dann oder gehen zurück, während Löhne und andere Einkommensarten weiter steigen. Dabei waren die Gewinne zu Beginn der gegenwärtigen
Wiedererholung ohnehin niedrig, da sie Ende der sechziger Jahre zurückgegangen
waren, obwohl die Wirtschaft weiter expandierte.
Von

-2-

�Von dieser zyklischen Wirkung ganz abgesehen hatten die Gewinne eine langfristige Abwärtsentwicklung zu verzeichnen. Im Jahre 1970 waren die Gewinne nach
allen Maßstäben gemessen - in Prozenten des Volkseinkommens, nach der Ertragsrate des investierten Kapitals, in Prozenten der Einkünfte aus dem Gesellschaftssektor und für die Hersteller in Prozenten des Umsatzes - auf dem niedrigsten
Stand seit dem zweiten Weltkrieg angelangt.
Obwohl die Gewinne auf einer relativ niedrigen Basis begannen, sind sie
nicht so rasch gestiegen wie in anderen Wiedererholungsphasen. In den ersten
sechs Quartalen der derzeitigen Wiedererholung betrug die Zunahme der Gewinne
in Dollar noch nicht 15 Prozent der Zunahme des Bruttosozialproduktes in Dollar
verglichen mit etwa 20 Prozent im gleichen Zeitraum einer typischen Wiedererholungsperiode,
Nach Abzug der Steuern lagen die Gewinne im zweiten Quartal nur 5 Prozent
über dem Stand von 1966, während die Stundenlöhne in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - um 41 Prozent angestiegen sind.
Beide, Gesellschaftsgewinne und Wochenlöhne der Angesteilten,lassen sich
durch Abzug der Einkommensteuerzahlungen und Berücksichtigung der Auswirkungen
des Preisauftriebs bereinigen. Die Gesellschaftsgewinne nach Abzug der Steuern
sind von 1966 bis 1970 real um über 30 Prozent zurückgegangen und liegen immer
noch um 17 Prozent unter dem Stand von 1966. Auf der anderen Seite war das verfügbare wöchentliche Einkommen 1970 real nur um 1 Prozent niedriger als 1966.
Diese Einkommen sind während des letzten Jahres um 4 Prozent gestiegen und jetzt
um 5 Prozent höher als 1966.

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34/1972

WELTGEFAHR RAUSCHGIFT

Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972

--(AD)-- Der Drogen-Sonderausschuß der US-Regierung, dem Kabinettsmitglieder
sowie der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen und der Direktor des
CIA angehören, gab am 16. August seinen "Welt-Opiumbericht 1972" zur Veröffentlichung frei. Der Bericht orientiert sich im wesentlichen am Welt-Opiumbericht
von 1970, behandelt jedoch sehr viel ausführlicher das internationale HeroinProblem, die Netze des illegalen Rauschgifthandels, die Rauschgiftsituation
in den einzelnen Ländern sowie internationale Probleme, die sich aus dem
Schmuggel mit Heroin und anderen Opiumderivaten ergeben.
Das unter der Leitung von Außenminister Rogers stehende Gremium hat nicht
nur die Aufgabe, alle Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung gegen die
illegale Einfuhr und den illegalen Handel mit Rauschgiften zu koordinieren,
sondern dabei auch alle Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit auszuschöpfen. Seine Arbeit, für die ein Jahresetat von 50 Millionen Dollar zur
Verfügung steht, konzentriert sich auf die rechtlichen Mittel, die unter

-l-

�unter Nutzung der diplomatischen Kanäle und aller erreichbaren Informationsquellen in Zusammenarbeit mit den UN-Mitgliedsstaaten anwendbar sind.
Dem jüngsten Bericht zufolge ist Südostasien eine bedeutsame,aber doch
sekundäre Quelle für Heroin und andere Opiate, die in die Vereinigten Staaten

ge-

langen. Das Gros - ca.80 Prozent - des Heroins stammt derzeit aus türkischen
Quellen, 10-15 Prozent aus Mexiko und 5 bis 10 Prozent aus Südostasien. Zwar
sei das "Goldene Dreieck" (Nord-Thailand, Westlaos und Ostburma) mit ca. 700
Tonnen pro Jahr noch immer der Haupterzeuger von Schwarzmarkt-Opium, jedoch
werde dieses zum allergrößten Teil in dem Raum selbst und in angrenzenden Gebiete^ einschließlich Hongkong) konsumiert. Nur ein kleiner Bruchteil davon werde zu Heroin weiterverarbeitet.
In der illegalen Opium-Produktion folgen mit insgesamt 220 Tonnen Indien,
Pakistan und Afghanistan; die illegale Produktion in der Türkei wird für das Jahr
1971 auf 35 Tonnen geschätzt. Kleinere Mengen stammten aus Mexiko, Bulgarien
und Jugoslawien. Inwieweit Nordafrika und vor allem südamerikanische Länder zur
illegalen Opiumerzeugung beitragen,ist nicht genau bekannt. Fest steht nur, daß
im Hochland Südamerikas immer mehr Mohn angebaut wird, daß in südamerikanischen
Ländern der Drogenmißbrauch steigt und der internationale Rauschgifthandel in
wachsendem Maße über Südamerika Drogen nach den USA, zum größten Rauschgiftmarkt,
einschleust. Ein Drittel der dort beschlagnahmten

Drogen war jedenfalls über die-

se Kanäle gekommen.
Aber auch Kanada ist ein Land, über das große Mengen Narkotika aus Europa
die Vereinigten Staaten erreichen. Organisierte kriminelle Elemente - einschließlich Mafia und französisch-korsische Banden - kontrollieren einen großen Teil
des Rauschgifthandels. Die kanadische Polizei konnte jedoch, wie der Bericht betont, bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen die Rauschgifthändler erzielen. Sie
arbeitet eng mit den amerikanischen Behörden zusammen; Beschlagnahmeaktionen und
Verhaftungen nehmen zu.
Eine

-2-

�Eine ähnliche Entwicklung ist in Frankreich zu beobachten, wo die Polizei
in guter Zusammenarbeit mit amerikanischen Fahndungsbeamten hart gegen Händler,
Schmuggler und vor allem die Geheimlaboratorien vorgeht, wo Opium zu Heroin aufbereitet wird. Die wichtigste Nachschubroute für Opium und harte Drogen führt noch
immer von der Türkei über Westeuropa in die USA. Anscheinend sehen sich aber die
Banden aufgrund des Vorgehens der Polizei in Frankreich gezwungen, z.T.auf andere
westeuropäische Länder auszuweichen. Der Preisanstieg für Heroin, der heute zu
verzeichnen ist, "dürfte nicht nur die weit verbreitete Inflation in den Industrieländern, sondern auch die erhöhten Risiken für den Heroinschmuggel

widerspiegeln."

Die legale Produktion und die Verteilung von Opium für medizinische und wissenschaftliche Zwecke (1971: ca. 1 500 Tonnen) steht dem Bericht zufolge im grossen und ganzen unter Kontrolle. In einigen Ländern werde allerdings unter dem
Deckmantel des legalen Mohnanbaues auch Opium für illegale Zwecke abgezweigt.
In der Türkei wird dem in Kürze ein Riegel vorgeschoben, da diese Quelle versiegt,
wenn 1973 das generelle Verbot für den Mohnanbau in Kraft tritt. In einigen asiatischen Ländern jedoch, vor allem dort, wo die geographischen und politischen
Verhältnisse die Regierungskontrolle erschweren oder überhaupt unmöglich machen,
sei diesem Problem vorläufig kaum beizukommen.

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34/1972

BODEN WANDERT

2 CM

PRO JAHR

-»(AD)-- Nach eingehenden Beobachtungen über einen Zeitraum von vier Jahren
bestätigte jetzt eine amerikanische Wissenschaftlergruppe kontinuierliche Bodenverschiebungen entlang einer geologischen Verwerfung in der Türkei. Ein ähnliches Phänomen war bisher nur von Kalifornien bekannt. Die Bauingenieure
Edwin Zacher und Karl Steinbrugge hatten dort im Jahre 1956 Versetzungen an
Bauwerken entdeckt. Sie rührten von Bodenverschiebungen her - einer Gleitbewegung entlang der San Andreas-Verwerfung.
Wie Dr. Robert D. Nason, Geophysiker am Institut für Erdbebenforschung in
San Francisco, erklärte, gehört die ca. 110 km nördlich von Ankara entdeckte
Gleitzone zu der sogenannten anatolischen Verwerfung, die Teil eines riesigen
Erdbebengürtels ist. Dieser zieht sich vom Mittelmeerraum durch die Türkei,
den Iran, Südrußland, Afghanistan, Pakistan und Nordindien bis nach Indonesienr
Auf dem Hochplateau Anatoliens hatte man vor ein paar Jahren in der Nähe
der Ortschaft Ismetpasha eine sehr gut gebaute alte Mauer entdeckt, die seltsame Versetzungen aufwies. Sie kreuzt offenbar eine Rißstelle in der Erdrinde,
an der Schollen ins Gleiten geraten sind. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist gering, aber doch groß genug, um meßbar zu sein. Dr. Nason errechnete sie für den

�1

den untersuchten Abschnitt mit zwei Zentimeter pro Jahr. Bisher wurde durch Messungen an Ort und Stelle und durch Vergleiche älterer mit neuen Fotos von der Mauer
eine Versetzungsstrecke von insgesamt 16 cm innerhalb der letzten paar Jahre ermittelt. Die Gleitgeschwindigkeit entspricht ungefähr den in Kalifornien gemessenen Werten.
Unter den Wissenschaftlern ist es noch eine Streitfrage, inwieweit solche
Gleitbewegungen in der Erdrinde mit Erdbeben in Zusammenhang stehen. Wenn durch
"Kriechen", wie viele behaupten, Spannungen in der Erdrinde vermindert werden,
so erhebt sich die Frage, in welchem Umfang dies geschieht und wie sich die Verformung möglicherweise auf eine "Entschärfung"großer Erdbeben auswirkt. Manche
Wissenschaftler sind der Ansicht, daß in einer solchen Gleitzone tatsächlich die
Gefahr starker Beben geringer sei. Andere wieder glauben, die Bodenverschiebung
entlang einer Bruchzone sei nur ein Symptom für das Vorhandensein starker Spannungen, die sich in Erdbeben entladen. Dann ist es aber nicht ganz verständlich,
weshalb in anderen, seismisch äußerst aktiven Gebieten wie Japan, Neuseeland,
Alaska oder Iran keine Gleitbewegungen zu beobachten sind.
Die Entdeckung einer zweiten Gleitzone auf der Erdoberfläche ist wegen der
nunmehr möglichen Vergleiche seismischer Aktivität zwischen dem "Testgebiet"
Kalifornien und Anatolien von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Vielleicht ist
auch eher die Frage zu beantworten, welche Zusammenhänge zwischen Gleitbewegungen
im Bereich geologischer Verwerfungen und Erdbeben in Bruchzonen bestehen.
Dr. Nason ist z.B. der Meinung, daß das Gleiten in Bruchzonen durch einen "Schmiereffekt" bestimmter Schiefertone, die unter Spannung ihren Zusammenhalt verlieren,
verursacht werde. Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, ob in den Gleitabschnitten der Bruchzonen in Kalifornien und Anatolien solche Tonarten vorhanden
sind. Erdbeben in Anatolien kosteten seit 1938, dem Beginn einer Periode verstärkter Aktivität mit 13 großen Erdbeben, schon Tausenden von Menschen das Leben.

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34/1972
(

BIOLOGISCHE PRÄPARATE UNTER DEM ELEKTRONENMIKROSKOP

—(AD)-- Bei ihren Arbeiten als Gastforscher im "Centre National des Recherches Scientifique" in Toulouse (Frankreich) machten zwei Wissenschaftler des
"Lawrence Berkeley Laboratory" (Universität Kalifornien) die überraschende
Erfahrung, daß biologische Präparate durch die Untersuchung am Elektronenmikroskop selbst bei sehr hoher Beschleunigungsspannung nicht zerstört werden. Bisher galt es als sicher, daß das Elektronenmikroskop für die Biologie
nur begrenzt einsatzbar sei, weil sich die Präparate infolge Hitzeentwicklung
oder Ionisation im Elektronenstrahl zu stark verändern. Die elektronenmikroskopische Untersuchung sei deshalb, so glaubte man, oberhalb einer bestimmten
Vergrößerungsgrenze sinnlos.
Dies gilt, wie Dr. Gareth Thomas, Professor der Metallurgie, und der Biophysiker Dr. Robert Glaeser von der Universität in Berkeley feststellten, bis
zu einem gewissen Grade nach wie vor bei zunehmender Beschleunigungsspannung
bis ca. 1 Millionen Elektronenvolt. Sobald jedoch mit noch höheren Spannungen
gearbeitet wird, nimmt der Zerstörungseffekt mit zunehmender Beschleunigung
der Elektronen rapide ab. Die beiden Wissenschaftler beobachteten dieses
überraschende Phänomen bis zu Spannungen von 2,5 Millionen Elektronenvolt.
Sie sind jedoch der Meinung, daß Untersuchungen auch noch bei Spannungen von
5 Millionen Volt, vielleicht sogar bis 10 Millionen Volt möglich seien.
Die

�4.

Die Präparate - es handelte sich um die beiden Aminosäuren Valin und
Glycin - waren weder gefärbt noch durch Aufdampfen von Metall vorbereitet worden.
Mit ihnen beabsichtigten Dr. Thomas und Dr. Glaeser Elektronen-Beugungsaufnahmen an dem neuen Gerät von Prof. Dupouy und Prof. Perrier in Toulouse vorzunehmen.Es zählt neben einem zweiten 3-Millionen-eV-Gerät in Japan zu den stärksten
der Welt. Das in Berkeley verfügbare Gerät erreicht dagegen nur eine Leistung
von 650 000 eV.
Wie jetzt Dr. Thomas auf der 13. Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft
für Elektronenmikroskopie in Los Angeles erklärte, sei das Phänomen, das nur bei
organischen und biologischen Proben, jedoch nicht bei Proben anorganischer Materie zu beobachten sei, mit den heute gültigen Theorien nicht zu erklären und
erfordere deshalb eine gründliche Erforschung. Es eröffne jedenfalls der Biologie und Biomedizin ganz neue Möglichkeiten für Präparate-Untersuchungen. Denn
je höher die Beschleunigungsspannung, desto kürzer die Wellenlänge des Elektronenstrahls - das bedeutet besseres Auflösungsvermögen, bei der Probe also das
Sichtbarmachen immer kleinerer Einheiten im Molekülverband. Es sei denkbar, daß
bei 2,5 MeV Beschleunigungsspannung Strukturen sichtbar werden, die nur 2 Sngström-Einheiten(ca. ein fünfmillionstel Millimeter) groß sind, verglichen mit
einer Auflösungsgrenze von 25 ÄE unter einem Elektronenmikroskop mit 100 000 eV
Spannung.
Dr. Thomas zufolge dürfte es künftig möglich werden, so empfindliche Präparate wie Nukleinsäuren, Enzyme, Viren, Zellmembranen und andere biologische
"Bausteine" in der tatsächlich vorhandenen molekularen Struktur und ohne die
Komplikationen und Einschränkungen, die sich durch Färben ergeben, abzubilden.
Der Wissenschaftler konzentrierte sich zunächst auf die Untersuchung von Valin
und Glycin, weil die Ergebnisse als repräsentativ auch für Nukleinsäuren und
Proteine gelten können. Was die reine Untersuchungstechnik angehe, so habe
sich in Toulouse gezeigt, daß z.B. der Schaden, der bei einer Spannung von
1 MeV an der Probe angerichtet werde, bei der Beobachtung unter 2,5 MeV Spannung
erst nach zehnmal längerer Beobachtungszeit auftrete.

++++
-2-

�</text>
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