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Embassy of the United States of America

1. Dezember 1982

POLEN: DIE VERWEHRTE FREIHEIT

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�1. Dezember 1982

INHALT

SONDERDIENST: DIE VERWEHRTE FREIHEIT
Kampelman: Alle Internierten in Polen müssen freigelassen werden
- Auszüge aus der Rede vor der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid Neue Hilfssendungen des polnisch-amerikanischen Kongresses für Polen
Osteuropa - Erst der Anfang
- Von David Buchan Was kann man für Polen tun?
- Von Walter Laqueur Aufzeichnungen eines internierten polnischen Gewerkschafters

�KAMPELMAN: ALLE INTERNIERTEN IN POLEN MÜSSEN FREIGELASSEN WERDEN
- Auszüge aus der Rede vor der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid -

MADRID - (AD) - Der Chefdelegierte der amerikanischen Delegation auf
der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid, Botschafter Max Kampelman, hat in
einer Rede am 16. November 1982 die Freilassung aller Internierten in Polen
gefordert. Die USA hofften, daß eine solche Maßnahme zu einem erneuten Dialog
zwischen der Regierung, der Solidarität und der Kirche in Polen führen werde.
Bevor sich der amerikanische Delegierte der Situation in Polen zuwandte,
hatte er unterstrichen, daß die Schlußakte von Helsinki auf der Voraussetzung
beruhe, daß wahre Sicherheit und wahrer Friede die Schaffung beiderseitigen
Vertrauens zwischen Ost und West erfordere. Er versicherte, die Vereinigten
Staaten seien geduldig und würden auch weiterhin Geduld üben, weil einfach zu
viel auf dem Spiele stehe, um ungeduldig zu sein.
Zur Lage in Polen führte Kampelman folgendes aus:
Herr Vorsitzender, ich möchte einige Worte sagen zu den unglücklichen
Bemerkungen, die der Leiter der polnischen Delegation, der Stellvertretende
Außenminister seines Landes, in der vergangenen Woche gemacht hat.
Er sprach

�Er sprach von der "Arroganz der Macht" ... Ich möchte meinen, daß keiner
arroganter sein kann als jene, die törichterweise glauben, daß die Macht des
Augenblicks, die von Bajonetten und Polizeischlagstöcken herrührt, dauerhaft
sein könne. Das historische Streben des polnischen Volkes nach der Freiheit
wird schließlich obsiegen. Es wird sich einmal der "Freiheit der Entscheidung"
erfreuen, die ihm jetzt genommen ist.
Herr Vorsitzender, vor ein paar Tagen haben die polnischen Militärbehörden
die Freilassung von Lech Walesa bekanntgegeben, dem Führer der Solidarität.
Wir freuen uns sehr für ihn, seine Frau und seine Kinder. Diese Freilassung
war sowohl aus humanitären Gründen als auch im Hinblick auf Helsinki längst
überfällig. Wir hoffen, daß diesem Schritt die Freilassung der anderen internierten Führer, Mitglieder und Berater der Solidarität folgt und daß dies zu
einem erneuerten Dialog zwischen der Regierung, der Solidarität und der Kirche
führen wird. Lech Walesa war elf Monate lang inhaftiert, davon die letzten
sieben - wie es heißt - praktisch in Einzelhaft. Sein Verbrechen bestand darin,
daß er sich bemüht hat, Rechte für Arbeiter zu erlangen, indem er eine freie
Gewerkschaft ins Leben rief. Ein Staat, der sich selbst einen Arbeiterstaat
nennt, verwirkte sein Recht auf die Führung dieses Namens, indem er ihn
(Walesa) zunächst bestrafte und dann kürzlich die Solidarität für illegal erklärte.
Die Gewerkschaftsbewegung Solidarität ist das Symbol für die Hoffnungen
und Bestrebungen des polnischen Volkes geworden. Zu den ersten Punkten des
Programms der Solidarität gehörte die Forderung, den Text der Schlußakte von
Helsinki in der polnischen Presse abzudrucken. Die Entscheidung der polnischen
Militärbehörden, die Solidarität zu zerstören, ist ein Schlag gegen genau den
Inhalt dieser Schlußakte; sie stellt eine Verletzung der Konventionen 87, 98
und 105 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dar und bedeutet praktisch
eine Kriegserklärung des Militärs an die arbeitende Bevölkerung.

Papst Johannes Paul II

- 2 -

�Papst Johannes Paul II hat sich nachdrücklich gegen diese Maßnahme der
Unterdrückung gewandt, indem er erklärte, daß sie "die Grundrechte des Menschen
und der Gesellschaft verletzt" (10. Oktober 1982). Erzbischof Josef Glemp
stellte betrübt fest, daß die polnischen Militärbehörden "die Nation verbittern",
indem sie "auf den Menschen herumtrampeln" und "eine Mißachtung der Menschenwürde" zeigten. Er bete, daß der Tag kommen möge, da sein Land "frei von solchem
Übel" sei.
Der Geist der Polen kann nicht hinter Gitter gesperrt werden. Ein System,
das auf den Spitzen von Bajonetten beruht, wird nicht von Dauer sein.
Der polnische Delegierte sprach von einer, wie er es nannte,
"nostalgischen Sehnsucht" meines Landes. Sie ist nicht nostalgisch. Es ist
eine praktische Hoffnung auf Frieden und Freiheit und die Menschenwürde für
alle. Das ist die Leitlinie des amerikanischen Volkes und seiner frei gewählten
Regierung. Das ist auch die Leitlinie der Schlußakte von Helsinki.

+ + +

- 3 -

�NEUE HILFSSENDUNGEN DES POLNISCH-AMERIKANISCHEN KONGRESSES FÜR POLEN

WASHINGTON - (AD) - Der Polnisch-Amerikanische Kongreß (PAC) kündigte
am 18. November 1982 die Lieferung von über 20 000 kg an Medikamenten und
anderem Klinikmaterial für Polen an, um dem polnischen Volk in einer Zeit
der akuten Knappheit an fast allen Materialien der Gesundheitsfürsorge zu
helfen.
Die zwölf Container, die Chikago am 15. November mit Bestimmung Baltimore
verließen, wurden dort an Bord der "Pulaski", einem Schiff der staatlich
kontrollierten polnischen Schiffahrtsgesellschaft, verladen. Von Baltimore aus
wird die Sendung zur Verteilung nach Danzig gehen.
Neun der zwölf Container enthalten Medikamente, chirurgische Instrumente
und EKG-Geräte, in den anderen drei befinden sich 75 000 Paar Schuhe. PAC-Vertreter schätzen den Wert der Gesamtladung auf eine Million Dollar.
Die Hilfsorganisation PAC, die von Chikago aus arbeitet, kündigte außerdem
den Transport von zwei weiteren Containern mit Saatgut an. Geschätzt auf
2 Millionen Dollar, sollen sie am 20. November in Polen ankommen.
Der PAC

�Der PAC ist eine Dachorganisation verschiedener, von polnischstä'mmigen
Amerikanern gegründeter Organisationen sowie deren römisch katholischer
Gemeinden und der polnischen Nationalkirche in Amerika. Der PAC vertritt
zehn Millionen polenstämmiger Amerikaner. Präsident ist Aloysius A. Mazewski.
Seit Beginn der Arbeiterunruhen in Polen vor über zwei Jahren hat der
PAC in enger Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeitsorganisation "Projekt
Hoffnung" Mittel zur Hilfe für das polnische Volk bereitgestellt. Vom April
1981 bis Oktober 1982 hat der PAC 3,4 Millionen kg an Nahrungsmittel für über
10 Millionen Dollar, Krankenhausmaterial für über 10 Millionen Dollar und
70 000 kg an Kleidungsstücken für 4,1 Millionen Dollar nach Polen geschickt.
Außerdem plant der PAC am 14. Dezember eine weitere Lieferung für Polen,
einschließlich von mehr als 100 Krankenhausbetten.
Auch andere amerikanische Hilfsorganisationen haben für das polnische Volk
eine ganze Reihe von Hilfssendungen organisiert. Dazu gehören CARE, die
katholischen Hilfswerke und das amerikanische Rote Kreuz.
Die amerikanische Regierung hat ihre Hilfe angesichts der Verhängung des
Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 eingestellt. Allerdings hat die ReaganAdministration klargestellt, daß sie nichts gegen weitere amerikanische
Privathilfe hat, solange diese auch wirklich das polnische Volk erreicht.
+ + +

- 2 -

�OSTEUROPA - ERST DER ANFANG
- Von David Buchan -

Kürzung und Nachdruck mit Genehmigung
von The Washington Quarterly: A Review
of Strategie and International Issues,
Frühjahr 1982. Copyright c 1982
The Center for Strategie and International Studies, Georgetown University,
Washington, D.C.
David Buchan ist Osteuropakorrespondent
der Londoner Financial Times.
Die Verhängung des Kriegsrechts durch General Wojciech Jaruzelski war
nicht das Ende, sondern in mancher Hinsicht der Anfang der polnischen Krise.
Die Solidarität besteht im Untergrund weiter, die katholische Kirche ist noch
immer eine Kraft, die es in Rechnung zu stellen gilt, und die Volkswirtschaft
ist ebenfalls noch in einem chaotischen Zustand.
Auch wenn die Ereignisse in Polen im übrigen osteuropäischen Imperium der
Sowjetunion keine Nachahmer fanden, so hatten sie dennoch auf dieses Gebiet
schwerwiegende Auswirkungen. Eine ganze Anzahl indirekter Indikatoren zeigt,
daß der Konflikt bereits
- die Spannungen zwischen Ost und West verschärft hat, eine Entwicklung,
die von allen osteuropäischen Ländern bedauert wird, insbesondere von

�insbesondere von Ungarn mit seinen wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen zum Westen und von Rumänien mit seiner relativ unabhängigen
Außenpolitik;
- die Beziehungen Moskaus zu den westlichen Eurokommunisten geschwächt,
im Fall der Kommunistischen Partei Italiens sogar zu einer fast völligen
Trennung geführt hat - wobei lediglich die neo-stalinistische Kommunistische Partei Frankreichs loyal zum Kreml steht;
- das Gespenst des Bonapartismus erstehen läßt, wobei hier das kommunistische Dogma auf den Kopf gestellt wird, demzufolge die Partei die
Gewehre kontrolliert;
- die Schwächen verdeutlicht, die allen Ländern des Rates für Gegenseitige
Wirtschaftshilfe (RGW oder COMECON) eigen sind: geringe Produktivität,
Überzentralisierung und Mangel an Anreizen für die industrielle
Produktivität;
- im Westen neue Zweifel darüber nährt, ob es sinnvoll ist, dem Osten
Kredite zu gewähren, und zugleich Zweifel über die Fähigkeit der Sowjetunion, angesichts ihrer eigenen Probleme als Osteuropas Garant bei
diesen Geschäften zu zeichnen.
Natürlich gaben praktisch alle osteuropäischen Regierungen rasch ihrer
offiziellen Unterstützung der Unterdrückung in Polen Ausdruck. Dabei waren
die Tschechen, die Ostdeutschen und die Bulgaren die Lautesten, als es darum
ging, ihren Beifall für den Schritt General Jaruzelskis zu bekunden. Rumänien
tat dies zwar nicht so nachdrücklich, gab aber dennoch seine Zustimmung; am
wenigsten eindeutig legte sich Ungarn fest. Und nur Jugoslawien äußerte sich
schockiert über die Verhängung des Kriegsrechts.
Das Gefühl der Erleichterung, das die meisten osteuropäischen Regierungen
überkam, entstammte natürlich der Furcht, Lech Walesas Solidarität könnte zu
einer politisch gefährlichen Infektion werden, die sich ausbreiten und Gewerkschaftler in anderen Ländern dazu ermutigen könnte, über ihre bisherige Rolle

- 2 -

�bisherige Rolle hinauszuwachsen. Einige Regierungen hatten sogar vielleicht
die Hoffnung, das Kriegsrecht würde den Niedergang der polnischen Volkswirtschaft aufhalten. So hatten sich zum Beispiel die Tschechen lauthals darüber
beklagt, daß Polen nicht mehr seinen vertraglichen Verpflichtungen zur Lieferung
von Kohle, Schwefel und Kupfer für die tschechische Industrie nachkommen würde.
Die gleichen Klagen kamen von den Ostdeutschen, die bei Rohstoffen ebenfalls
von Polen abhängig sind. All dies bedeutete natürlich einen Exportrückgang für
Polen. Und in diesem Sinn war die polnische Wirtschaftskrise nicht nur ein
Symptom, sondern auch eine Ursache für die umfassendere wirtschaftliche Malaise
Osteuropas.
Da aber die polnische Volkswirtschaft noch immer nur wenige Signale einer
Erholung erkennen läßt, dürften den osteuropäischen Regierungen wohl ernste
Zweifel hinsichtlich der Maßnahmen von General Jaruzelski gekommen sein. Denn
all diese Regierungen ziehen ja ihre Vorteile aus einer Verringerung der OstWest-Spannungen, auch wenn es nur wenige so offen sagen wie die Rumänen und die
Jugoslawen. Ihr politischer Spielraum mit dem Westen wird nunmehr stark eingeschränkt, und sie dürften wohl General Jaruzelski und seine Helfer im Kreml dafür
verantwortlich machen.
Als der (ehemalige) amerikanische Außenminister Alexander Haig Mitte
Februar 1982 Rumänien besuchte, zeigte Präsident Nicolae Ceauscescu natürlich
keinerlei Verständnis für die amerikanischen Sanktionen. Aber der Außenminister
sah zugleich die große Besorgnis des rumänischen Staatschefs, dem offenkundig
wegen zweier Zentralthemen der Bukarester Regierung an einer Aufhebung des
Kriegsrechts gelegen war - zum einen sollte dieses Problem nicht die Abrüstungsgespräche unterbrechen, zum andern nicht die Madrider Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa gefährden.
Von den westeuropäischen Kommunisten gebrauchten nur George Marchais
und die anderen Spitzenfunktionäre der französischen KP Ausflüchte angesichts
der polnischen Maßnahmen: Man wolle, so ihr Argument, nichts sagen, was die
Lage nur noch verschlechtern könne. Praktisch alle anderen Eurokommunisten

- 3 -

�anderen Eurokommunisten - in Italien, Griechenland, Spanien, Belgien und
Großbritannien - übten deutliche Kritik.
So brachte die Krise in Polen die Beziehungen zwischen Moskau und der
italienischen KP praktisch vor den Scheidungsrichter. So schlimm ist es
zwischen beiden Seiten geworden, daß die Kommunistische Partei Italiens nicht
nur die sowjetische Rolle bei der Ermutigung der Unterdrückung in Polen brandmarkte, sondern sogar das gesamte Modell des sowjetischen Kommunismus rügte.
Als Antwort griff die Prawda auf eine Sprache zurück, die sie in der Vergangenheit benutzte, um abtrünnige Ideologien wie den Maoismus und den Titoismus zu
verurteilen: Die italienischen Kommunisten, so die Anklage, seien "verleumderisch
bei ihrer Kritik der Sowjetunion und dienten damit nur der Sache des Antikommunismus. Die Prawda nannte es ein "Sakrileg" der Partei Berlinguers, zu
behaupten, es bestünde kein Unterschied mehr zwischen der Außenpolitik der
Sowjetunion und der der Vereinigten Staaten.
Allen Mitgliedern der kommunistischen Staatengemeinschaft - von Jugoslawien
bis hin zur Sowjetunion selbst - bereitet es Sorge, daß die Armee, zumindest
zeitweilig, die Kommunistische Partei in Polen ersetzt hat. Sämtliche RGW-Partner
Polens waren darum bemüht, das Kriegsrecht lediglich als einen ersten Schritt
darzustellen, der vielleicht notwendig war, um die widerspenstigen Polen auf
die richtige Linie zurückzubringen, wobei dem eine Rückkehr zum "realen
Sozialismus" folgen würde und die kommunistische Partei wieder die Führungsposition zu übernehmen hätte.
Sogar Jugoslawien stimmte in den Chor der Stimmen ein, die den Zusammenbruch
der polnischen Partei wegen Korruption, Inkompetenz und Fraktionskämpfen verurteilten, der in einem gewissen Sinn die Machtübernahme durch das Militär beschleunigte. Die kommunistische Partei Jugoslawiens mag liberal in der Hinsicht
sein, daß sie die Arbeiterselbstverwaltung erlaubt, aber sie teilt die gemeinsame
Sorge der Herrschenden um die Bewahrung ihres Machtmonopols.
Der Kreml

�Der Kreml wurde von der Reagan-Administration und vom gesamten Westen dafür
kritisiert, die militärische Machtübernahme in Polen unterstützt und bei ihrer
Organisation geholfen zu haben.
Es ist offenkundig, daß die sowjetische Führung gegen Ende 1981 zu dem
Schluß gekommen war, daß die Anwendung von Gewalt der einzige Weg war, "die
polnischen Zustände in den Griff zu bekommen". Aber es gibt zugleich Gründe
für die Annahme, daß diese Schlußfolgerung nur zögernd getroffen wurde.
Eine der letzten Handlungen des Chefideologen des Kreml, Michail Suslow,
der im Januar 1982 starb, bestand darin, den polnischen Außenminister nach
Moskau zu zitieren und ihm eine Lektion über Militärherrschaft als Abweichung
von der reinen Lehre zu erteilen sowie über die Notwendigkeit, so rasch wie
möglich wieder die Kontrolle der Situation durch die Partei herbeizuführen.
Generell sind die osteuropäischen Regime bestrebt, die Probleme Polens
zum Anlaß zu nehmen, sich selbst angesichts ihrer eigenen relativ besseren
Leistung auf die Schulter zu klopfen. So wurde den Bulgaren und Rumänen in
ihren Medien erklärt, wie gut ihre Gewerkschaften seien, und Tschechen und
Slowaken wurden immer wieder daran erinnert, wie sehr sich ihr Präsident für
ihre Interessen einsetze. Aber haben es denn die Partner Polens besser gemacht?
Nicht viel besser jedenfalls.
Sogar Ungarn mit seiner vergleichsweise erfolgreichsten Wirtschaft hat
Probleme: Für 1982 wird dort eine Wachstumsrate von nur 1 bis 1,5 Prozent erwartet - nach einem einprozentigen Zuwachs im Jahr 1981. Ungarns relativer
Erfolg erklärt sich aus der Tatsache, daß dort im Gegensatz zu seinen RWG-Partnern
die Landwirtschaft nicht unter Mißmanagement leidet, die wirtschaftlichen Entscheidungen bis zu einem gewissen Grad dezentralisiert sind und Wege gefunden
wurden, die Preise flexibel an die ölpreisexplosion und an andere externe
wirtschaftliche Schockwirkungen anzupassen. Die Schwerfälligkeit der zentralen
Planwirtschaft zeigte sich in Polen besonders deutlich, wurden dort doch die
notwendigen Preiserhöhungen erst künstlich hinausgezögert und dann durch brutale

- 5 -

�durch brutale Zuschläge aufgefangen. Am 1. Februar 1982 stiegen die Lebensmittelpreise um durchschnittlich 241 Prozent, die Energiekosten um durchschnittlich 171 Prozent. Auch in der Tschechoslowakei und in Rumänien stiegen
die Preise Anfang 1982 in nur leicht geringerem Umfang.
Zu einem Wachstum kam es in den siebziger Jahren in Osteuropa zu einem
großen Teil aufgrund westlicher Kredite, so daß man sich dort im Jahr 1980
bereits mit mindestens 55 Milliarden Dollar beim Westen verschuldet hatte.
Solange die polnischen Schulden nicht beglichen sind, wird es aber nur wenig
oder gar keine westliche Kredite mehr geben. Daher stellt sich die Frage,
ob Moskau es sich leisten kann, seine Satelliten auch weiterhin finanziell
zu unterstützen. Wahrscheinlich nicht, auch wenn die Sowjetunion Polen gegenüber eine besondere Anstrengung unternimmt, wobei das Land 1981 fast 5 Milliarden
Dollar Devisen erhielt und zwischen 1980 und 1981 Handelssubventionen im Wert
von rund 6,5 Milliarden Dollar in Form von sowjetischem Erdöl zu Sonderpreisen
und von Sowjetkäufen polnischer Kohle zu einem Preis, der über dem Weltmarktpreis liegt. Denn die Sowjetunion selbst befindet sich in einer prekären Devisensituation und hat nicht nur ihre eigenen Gläubiger um einen Zahlungsaufschub
bei ihren Rückzahlungen gebeten, sondern verkauft - trotz der derzeitig niedrigen
Weltmarktpreise - Gold, Erdöl, Holz und Diamanten in großen Mengen.
Es ist klar, daß der Schaden für das sowjetische Imperium umso größer wird,
je länger die polnische Krise anhält.
Die Panzerfahrzeuge mögen von den Straßen verschwinden, die aktiven Proteste
einschlafen, die nächtlichen Ausgangssperren mögen aufgehoben werden und die
Truppen zum größten Teil wieder in den Kasernen verschwinden; auch die abendlichen Fernsehnachrichten werden vielleicht nicht mehr von einem Mann in Uniform
verlesen. Aber von nun an wird die Rückkehr der Armee eine fortwährende Drohung
sein. Die psychologische Barriere wurde niedergerissen: Nachdem die Armee erst
einmal aus der Kulisse heraus auf die Bühne getreten ist, weiß jedermann, daß
sie es erneut tun kann.
General Jaruzelski

�General Jaruzelski erklärt, er wolle Polen zur "Normalität" zurückführen,
sobald dies praktikabel sei. Dies ist ein so vages Versprechen, daß es keinen
Grund gibt, es nicht zu glauben. Das Verbot praktisch aller Streiks bleibt
jedoch in Kraft, Militärkommissare werden wachsam in den Fabriken, den Bergwerken und den Universitäten präsent bleiben, und die Meinung von Andersdenkenden
wird nicht geduldet werden.
"Normalität" scheint nicht die Rückkehr zur Situation vor dem Auftreten der
Gewerkschaftsbewegung Solidarität im August 1980 zu bedeuten. Die Vorstellung
der Armee von einem "normalen" Polen scheint vielmehr folgendes zu beinhalten:
Die Kommunistische Partei wird sowohl von den Liberalen gereinigt als auch von
jenen korrupten und inkompetenten Figuren, die unter dem Ersten Sekretär
Eduard Gierek an die Macht kamen. Mit der katastrophalen Wirtschaftspolitik
unter der Regierung Gierek wird Schluß gemacht. Die Preise für Nahrungsmittel
und Konsumgüter wurden bereits drastisch heraufgesetzt, um den Konsum einzudämmen und die Produktion anzuregen. Versprechen auf weitere wirtschaftliche
Reformen - die in Richtung auf größere Flexibilität und Dezentralisierung im
wirtschaftlichen EntScheidungsprozeß gehen müßten - werden sich wahrscheinlich
als leer erweisen.
Angesichts der Beteiligung der Armee an dem Geschehen werden alle Veränderungen wahrscheinlich in Richtung auf größere Reglementierung gehen. Und ohne neue
Kredite aus dem Westen und mit Polens totalem Devisenmangel wird das Land noch
mehr von seinen sozialistischen Brüdern im RGW abhängen. Mag die gewerkschaftliche
Tätigkeit auch wieder zunehmen, so wird es doch den "Unsinn" freier Wahlen und
des freien Zugangs zu den Medien nicht mehr geben. Die Gewerkschaftsführungen
werden angewiesen, ihre Ansichten auf die Fragen zu begrenzen, die man als
ihren Zuständigkeitsbereich nennt, nämlich Löhne, Preise und Produktivität.
Die wichtigste Frage für General Jaruzelski ist die, wie er von dem einen
Punkt zum andern gelangen kann. Wenn die Führung der Solidarität ihre Untergrundorganisation aufrechterhalten kann, wenn die Demonstrationen andauern und

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�andauern und wenn die Aktionen der Arbeiter im Sinne einer produktionshemmenden
Arbeit nach Vorschrift fortgesetzt werden, würde für ihn eine noch schwierigere
Zeit kommen. Dabei dürfte es kaum noch ein Mehr an Produktionsunterbrechungen
geben, als dies jetzt schon durch den Mangel an Rohstoffen und Ersatzteilen der
Fall ist.
General Jaruzelski, der sich für einen Gemäßigten hält, versucht anscheinend,
Gleichgesinnte in der kommunistischen Partei, in der katholischen Kirche und in
dem zu finden, was von den Gewerkschaften übriggeblieben ist. Innerhalb der
kommunistischen Partei und der Regierung werden die Männer der Mitte, die eine
gewisse Form der nationalen Versöhnung anstreben, von Mieczyslaw Rakowski,
Kazimierz Bracikowski und Hieronim Kubiak angeführt. Ihnen stehen gegenüber
die Vertreter der konservativen harten Linie - wie Stefan Olszowski und Albin
Siwak, die eine Rückkehr zur neostalinistischen Orthodoxie wollen. Solange
dieser Grabenkampf nicht entschieden ist, hat die demoralisierte und diskreditierte
kommunistische Partei in Polen keine Chance, der Armee die Macht wieder abzunehmen.
+ + +

�WAS KANN MAN FÜR POLEN TUN?
- von Walter Laqueur -

Dieser Artikel erschien in der März-Ausgabe
1982 der amerikanischen Zeitschrift
"Commentary". Walter Laqueur ist der Leiter
des Zentrums für Strategische und Internationale Studien der Georgetown-Universität in Washington.
Gekürzte Fassung mit freundlicher Genehmigung von "Commentary".
Alle Rechte vorbehalten.
Was kann man für Polen tun? Vor allem müssen den osteuropäischen Nationen
und den Völkern der Sowjetunion die Fakten zur Kenntnis gebracht werden. Es
ist die kommunistische Strategie in Osteuropa, der Bevölkerung politische
Informationen vorzuenthalten, damit sie durch Unwissenheit und Apathie gefügig
wird. Und genau deswegen können die westlichen Rundfunksender in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielen.
Zweitens gibt es die Frage der wirtschaftlichen Sanktionen. Die Lobby
in Washington, die sich für einen Handel mit der Sowjetunion einsetzt, hat
seit langem argumentiert, daß alle Sanktionen praktisch unwirksam seien. In
Europa befürchtet diese Lobby umgekehrt, daß die Sanktionen so wirksam sein
könnten, daß sie zum Krieg führen werden. Der Westen sollte vielmehr daran

�vielmehr daran interessiert sein, seine Handelsbeziehungen zum Sowjetblock zu
erweitern, weil eine prosperierende Sowjetunion weit eher geneigt sei, im
Inland wie gegenüber dem Ausland eine gemäßigte Politik zu verfolgen.
Dabei übersteigt es die Fähigkeiten der Demokratien weit, den Sowjetblock
in eine funktionierende Wirtschaft zu verwandeln, vor allem zum gegenwärtigen
Zeitpunkt, da sie selbst im eigenen Lande mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Aber selbst wenn es möglich wäre, ist es doch zweifelhaft, ob die politischen
Konsequenzen so vorteilhaft und nützlich wären, wie man uns das glauben machen
möchte. Viel wahrscheinlicher ist, daß ein weiterer Zustrom von westlichem
Kapital und westlichem Know-how den Interessen des Westens genau entgegenlaufen
würde - wie dies ja schon im Zusammenhang mit der sowjetischen Aufrüstung der
Fall war. Ein polnischer Autor, Stefan Kisiliewski, wies vor kurzem darauf hin,
daß denjenigen, die für engere wirtschaftliche Bindungen mit dem Sowjetblock
eintreten, nichts gleichgültiger sei als "Mässigung" in Polen (oder anderswo);
sie seien an Profiten interessiert, nicht an der Freiheit. Die Geschichte dürfte
Kisiliewski kaum der Verleumdung für schuldig befinden.
Sicherlich ist das Argument nicht ohne Gewicht, daß Sanktionen nicht
funktionieren. Sanktionen haben gegenüber kleinen Ländern funktioniert oder
gegenüber solchen, denen es an wichtigen Rohstoffen mangelt. Ein großer Wirtschaftsblock wie die COMECON-Länder ist jedoch weniger verwundbar. Aus diesem
Grunde ist es unwahrscheinlich, daß ein Eingriff in normale Handelsbeziehungen
entscheidende politische Auswirkungen haben würde.
Andererseits haben wirtschaftliche Sanktionen unter bestimmten Bedingungen
aber doch eine gewisse Auswirkung. Das nach Afghanistan verhängte Getreideembargo, '
das Präsident Reagan als "unwirksam" bezeichnete, hat die Sowjetunion schon
getroffen: Die Sowjets erhielten weniger Getreide, als sie es wünschten, und
mußten wenigstens eine Milliarde Dollar mehr für das bezahlen, was sie bekamen.
Ein Getreideembargo, das sich über einen längeren Zeitraum erstrecken würde,
würde sich ganz sicherlich auf die sowjetische Wirtschaft auswirken und die

- 2 -

�und die sowjetische Führung vielleicht sogar zwingen, ihre Militärausgaben zu
kürzen.
Noch bedeutsamer ist die Frage der Kredite. Westliche Bankiers haben
Milliarden in die COMECON-Volkswirtschaften gepumpt. Ihnen wurde von ihren
politischen Beratern gesagt, daß sie praktisch kein Risiko eingingen, da das
westeuropäische System sehr stabil sei, und wenn es zum Schlimmsten käme,
gäbe es immer noch den "sowjetischen Schirm". Ihnen wurde jedoch nicht gesagt,
daß Osteuropa während der vergangenen fünfzehn Jahre zu einer Belastung der
sowjetischen Ressourcen geworden ist und daß die westlichen Bankiers mit ihren
massiven Krediten der Sowjetunion bei der Aufrechterhaltung ihres Imperiums
helfen. Man könnte diese Kredite mit etwas mehr innerem Abstand sehen, wenn
der Schaden auf jene begrenzt bliebe, die verantwortlich sind. Praktisch aber
wird der Steuerzahler im Westen - direkt oder indirekt - die Rechnung zu bezahlen haben, ganz zu schweigen von den politischen Kosten.
Heute sehen sich alle osteuropäischen Länder, einschließlich Ostdeutschlands und Ungarns, größeren finanziellen Schwierigkeiten gegenüber. Polen
allein benötigt für die nächsten Jahre 20 Milliarden Dollar; bis 1985 wird
sich die COMECON-Schuld in harter Währung - nach der Wharton-Schätzung - auf
132 bis 140 Millionen Dollar belaufen. Polen ist schon nicht mehr in der Lage,
seine Schulden zu tilgen und die Zinsen zu bezahlen; andere COMECON-Länder
werden in ein oder zwei Jahren diesen Punkt erreicht haben. Und von einem
sowjetischen Schirm sieht man nirgendwo etwas. Die sowjetischen Wirtschaftsplaner
nehmen offensichtlich an, daß für die westlichen Banken jetzt in Polen und in
anderen COMECON-Ländern so viel auf dem Spiele steht, daß sie einen Zusammenbruch nicht zulassen können.
Lenins berühmter Ausspruch über die Kapitalisten, die für Profit fast alles
zu tun bereit seien, ja sogar noch den Strick zum ejgenen Aufhängen liefern würden,
ist damit noch einen Schritt weiter geführt worden: Nachdem es nun keinerlei
Profit mehr gibt und der C0MEC0N es sich nicht leisten kann, für den Strick

- 3 -

�den Strick zu bezahlen, sind die westlichen Kapitalisten offensichtlich
bereit, selbst das Geld zu geben, mit dem dieser Wirtschaftsblock den Strick
kaufen kann. John Barry, ein Wirtschaftskommentator, hat darauf hingewiesen,
daß Italien aus dem Euromarkt ausgeschlossen wurde - das heißt, daß es keine
weiteren Anleihen erhält -, als sein Schuldendienstverhältnis zehn Prozent
erreichte; im Falle Osteuropas liehen die westlichen Bankiers noch Geld, als
das Verhältnis 25 Prozent oder noch mehr betrug. Es stimmt, daß Polen vom
mittel- und langfristigen Kreditmarkt ausgeschlossen wurde, als die Solidarität
auf der Szene erschien. Aber sollte man General Jaruzelski geben, was man Lech
Walesa verweigerte?
Manche Leute bejahen diese Frage. Sie argumentieren, daß der Westen - wenn
er keine positivere Politik verfolge, mit Zuckerbrot und Peitsche - keinerlei
Einfluß auf die Ereignisse in Polen haben werde. Daher solle er seine Bereitschaft für eine Umschuldung erklären unter der Bedingung, daß General Jaruzelski
und die Kommunisten in Polen einen neuen "Sozialkontrakt" mit dem polnischen
Volk abschließen. Diese Gefühlsregung ist so lobenswert, wie die Idee töricht
ist. Denn wenn ein solcher Kontrakt möglich wäre, hätte es schon gar nicht die
Notwendigkeit für eine militärische Machtübernahme gegeben.
Da die Sowjetunion Osteuropa beherrscht, gibt es keinen vernünftigen
Grund, warum sie nicht gezwungen werden sollte, die volle finanzielle Verantwortung für die unter ihrer Ägide verfolgte Politik zu übernehmen. Wenn sie
nicht dazu bereit ist, sollte man zulassen, daß diese Volkswirtschaften zusammenbrechen. Doch sind einige Banken schon Gefangene ihrer eigenen Fehler
geworden und sind daher bereit, immer mehr gutes Geld nachzuwerfen, nur um den
unvermeidlichen Tag der Abrechnung hinauszuschieben.
Es gibt noch zwei weitere Dinge - den "Export" von Hochtechnologie über
verschiedene "Fronten" in Europa und die sowjetisch-europäische Erdgasleitung.
Der illegale Transfer oder der Diebstahl solcher Technologie ist zu einem
größeren Skandal geworden. Das ist eine Sache, mit der sich das amerikanische

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�das amerikanische Bundeskriminalamt (FBI) befassen sollte und nicht der amerikanische Handelsminister. Was die Erdgasleitung angeht, so ist dies eher ein
europäisches als ein amerikanisches Problem, obwohl es natürlich die Zukunft
des Bündnisses berührt. Denn jene in Europa, die sich heute so verhalten, als
hätten sie keine volle Aktionsfreiheit mehr, werden sicherlich eine noch größere
Vorsicht an den Tag legen müssen, wenn sich ihre Abhängigkeit von den sowjetischen Lieferungen erhöht. Eine Gesamtenergiepolitik des Westens könnte sehr
viel zur Verminderung der Verwundbarkeit Europas beitragen, aber in dieser
Richtung hat es schon seit Jahren keinerlei Fortschritte gegeben. Andererseits
hoffen einige europäische Industrien, die sich gegenwärtig in Schwierigkeiten
befinden, daß das Erdgasgeschäft für eine Reihe von Jahren Arbeit bringen wird.
Das ist jedoch eine kurzsichtige Einstellung, da das Geschäft keinerlei Grundprobleme lösen und harte Entscheidungen lediglich hinauszögern wird.
Wenn ein friedlicher, allmählicher Wandel im Sowjetimperium möglich wäre,
dann wäre es ohne Frage im Interesse des Westens, diesen Prozeß zu unterstützen.
Aber die Hauptlehre, die man aus Polen ziehen muß, scheint zu sein, daß sich
nur durch heftige Konvulsionen ein merklicher Wandel vollziehen kann. Angesichts
dieser Realität stehen Geschenke des Westens an den Sowjetblock in Widerspruch
nicht nur mit den Interessen des Westens, sondern auch mit den Interessen der
Menschen in Osteuropa.
+ + +

�AUFZEICHNUNGEN EINES INTERNIERTEN POLNISCHEN GEWERKSCHAFTERS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der
amerikanischen Gewerkschaftspublikation
"AFL-CIO Free Trade Union News". Die nachfolgenden Aufzeichnungen, die in den Westen
geschmuggelt wurden, beschreiben die Verhältnisse, unter denen Mitglieder der polnischen Gewerkschaft Solidarität nach Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember
1981 interniert wurden.

Am 12. Dezember 1981 habe ich beim Abendessen einen Witz erzählt, der
für die sowjetische Wirklichkeit typisch ist und sich rückblickend als prophetisch erwiesen hat: Eine Gruppe von Leuten aus aller Herren Länder unterhielt
sich über den glücklichsten Tag im Leben eines jeden einzelnen. Ein Amerikaner
sprach von einem tollen Geschäft, ein Franzose von seiner ersten Liebe usw.
Alle warteten, was der Russe nennen würde. "Ich saß glücklich und zufrieden
mit meiner Familie am Tisch", so erzählte er. "Plötzlich klingelt es. An
der Tür der KGB. Ich wurde blaß. Sie fragten: "Wohnt hier Iwan Iwanowitsch?"
"Nein", sagte ich, "der wohnt ein Stockwerk höher". Das war der glücklichste
Tag in meinem Leben.
Ich hatte kein solches Glück.
gelte.

Ich war kaum eingeschlafen, als es klin-

Es klingelte so beharrlich, daß meine ganze Familie aufwachte.

ich hinter der geschlossenen Tür fragte, was los sei, hörte ich nur:
machen, Miliz".
schlagen.

Ich protestierte laut.

Mein Nachbar beschwerte sich.

Als
"Auf-

Aber sie fingen an, gegen die Tür zu
Die Kinder fingen an zu weinen.

�zu weinen.

Ehe die Miliz die Tür ganz einschlug, öffnete ich.

Sie kamen mit vier Mann herein: ein Zivilist und drei Milizsoldaten.
Eine"hatte ein Brecheisen.

Der Zivilist teilte mir mit, daß der Kriegszu-

stand ausgerufen worden sei und ich deshalb unter Arrest stünde.

Ich fragte,

wer Polen angegriffen habe.

Ich fand heraus, daß die Sicherheitskräfte das

eigene Land besetzt hatten.

Meine Frau verlangte von dem Zivilisten einen

Ausweis.

Er schwenkte ein Stück Papier in der Luft herum, ließ es uns aber

nicht lesen.

Vielleicht hatte er Angst, daß er später zur Verantwortung ge-

zogen werden könnte.

Er zeigte mir einen Haftbefehl, aus dem ich entnahm,

daß ich nach Wloclawek transportiert werden sollte.
nenden Kinder zu beruhigen.

Ich versuchte,meine wei-

Dann bat ich meine Frau um ein Glas Wasser.

Ich

zog die ältesten Kleider an, denn ich dachte, wenn ich erschossen werden
sollte, dann sollten wenigstens keine guten Sachen ruiniert werden.

Im Be-

mühen, meine Liebsten zu beruhigen, brachte ich sie erst recht zur Verzweiflung.
Ich verabschiedete mich von meiner Familie und wurde zu einem Milizauto eskortiert, das auf der anderen Straßenseite parkte.
(Nach einigen Stunden in einem Milizgefängnis wurde der Autor dieses
Berichtes zusammen mit anderen Mitgliedern der Solidarität mit einem Lastwagen in ein Internierungslager auf dem Lande gebracht.)
Wir kamen in ein einstöckiges Gebäude. Der Wärter öffnete die dritte
Zelle auf der linken Seite. Gott sei Dank sah ich einige meiner Kollegen.
Selbst im Gefängnis kann man sich über etwas freuen. Die Zelle übertraf jedoch meine schlimmsten Erwartungen. Der Raum hatte drei Meter auf zweieinhalb Meter mit eisernen Bettstellen übereinander. In der Ecke ein offenes
klo. Man schämt sich, es zu benutzen. Es stinkt fürchterlich, wie eine
Jauchegrube.
Natürlich ist das Klo verstopft. Eine Scheibe im Fenster ist zerbrochen; es ist fürchterlich kalt. Auf den Bettgestellen liegen alte drecki- 2 -

�alte dreckige Strohsäcke, deren schmutziger Inhalt herauskommt, wenn man sie
nur anfaßt, gibt es Wolken von Staub.
Ich war so steif gefroren, daß ich mich nicht hinsetzen konnte.

In

der Zelle im Milizgefängnis war ich schon eiskalt geworden,und seither konnte
ich mich nicht mehr aufwärmen.

Meine Kollegen legten sich einfach auf die

schmutzigen Strohsäcke und schliefen ein.

Ich versuchte es auch.

Ich legte

mich mit Mantel und Mütze hin, aber mir war so kalt, daß ich einfach nicht
einschlafen konnte.
Nach zwei oder drei Stunden kam ein Wärter herein und jagte uns heraus.
Er blieb immer schön hinter uns.
Wir kamen in Block 5. Die Zelle war etwas größer, etwa dreieinhalb
mal fünf Meter, darin vier doppelstöckige Betten mit alten Decken, wie sie
in Auschwitz gewesen sein mögen. Der Heizkörper unter dem vergitterten
Fenster schien nicht ganz kalt zu sein. Ich nahm mir ein oberes Bett, um
nicht allen Staub in die Augen zu bekommen. Das Klo war bald voll mit Exkrementen und verstopft, und wir hatten nichts, um den Abfluß freizumachen.
Der Wärter erklärte uns, im Gefängnis sei jeder sein eigener Klempner und das
einzige Werkzeug, das man brauche, sei der Arm.
Während des ganzen 13. Dezember haben wir nichts gegessen. Am Abend
wurden Teller, Schüsseln, Tassen und Löffel aus Metall ausgegeben. Schließlich sollten wir um neun Uhr herum unsere erste Mahlzeit bekommen.
Der Wärter öffnete die Zellentür und befahl uns, in den Gang herauszutreten.

Dort standen zwei große Töpfe,und die Kalfakter gaben uns unter Auf-

sicht der Wärter unsere Rationen.

Aus dem einen Topf gab es mit einem Holz-

schöpfer graue, kalte Kartoffeln, über die aus dem anderen Topf salziges
Wasser geleert wurde.

Wir waren sehr hungrig, aber diesen "Auschwitz-Fraß"

brachten wir nicht hinunter.
Nach dieser

�Nach dieser "Mahlzeit" bekamen wir jeder zwei Laken und eine Decke.
Die Laken müssen früher einmal weiß gewesen sein, jetzt waren sie grau mit
braunen Streifen.
Es
kremente.

Die Decken stanken erbärmlich.

war in der Zelle kaum auszuhalten.

Die Kloschüssel war voller Ex-

Dazu kam noch der typische Gefängnisgestank. Es stank nicht nur,

sondern die Luft war feucht und überall war Dreck.
sich, die Zelle zu lüften.

Meine Kollegen weigerten

Sie meinten, es sei noch niemand erstunken, aber

die Kälte habe die Armee Napoleons besiegt.
Man kann sich an den Gestank gewöhnen.

Vielleicht hatten sie recht.

Wenn der Geruchssinn so massiv an-

gegriffen wird, dann streikt er einfach.
Die Zelle ist mit Riegeln und einem "Schloß" versperrt.

Vor zehn

Uhr morgens befiehlt uns der Wärter, unsere Kleider und unsere Schuhe in
dem vorgeschriebenen "Würfel" vor der Tür aufzuschichten; soviele Würfel,
soviele Zelleninsassen.
Nachts macht

der Wärter alle halbe Stunde das Licht in der Zelle an

und wirft einen Blick durch den Spion in der Tür.

Am Morgen werden wir mit

Geschrei aufgeweckt,und das Licht wird angedreht.

Wir können das Licht weder

an- noch ausmachen, da sich der Schalter draußen im Gang befindet.
Um acht Uhr morgens werden die Zellentüren geöffnet,und wir stellen
uns mit unseren Schüsseln auf.

Das Küchenpersonal verteilt Milchsuppe und

eine Flüssigkeit, die als Kaffee bezeichnet wird; ferner gibt es Brot und
Schweineschmalz.
Zum Mittagessen gibt es zwei "Gerichte" - das eine erinnert an Suppe,
das andere an eine Wiederholung der "Auschwitz-Kartoffeln" vom ersten Abend.
Zum Abendessen gibt es Ersatzkaffee ohne Zucker und etwas Brot und Schweineschmalz von unserer täglichen Ration.
folge vom Vortag.

Jeden Tag wiederholt sich die Speise-

Wir erhalten zwar etwas Kohlehydrate und Fett, aber es be-

steht ein völliger Mangel an Eiweiß und Vitaminen.

Und bald begannen wir

unter Vitaminmangel und Muskelschwund zu leiden.
Der Lautsprecher
- 4 -

�Der Lautsprecher ist nicht aus der Zelle entfernt worden.
zu Zeit kommen Nachrichten.

Von Zeit

Der "Lautsprecher" des Regimes ermöglicht es

uns, Folgerungen zu ziehen, die den Absichten der Sendungen völlig widersprechen.

So bedeutet beispielsweise der Ausdruck "zehnter Versorgungsgrad",

daß die meisten Fabriken streiken.
Am 14. Dezember wurde die Zelle geöffnet»und die Wärter erlaubten uns
unseren ersten Freigang.

Auch die Zellenfenster wurden geöffnet,und die

Insassen von Block 5 gr ßten uns mit einem Lächeln.

Mit der Zeit fanden wir

heraus, wer auf der anderen Seite des Ganges eingesperrt war.
Später stattete uns der Lagerkommandant in Begleitung einiger untergeordneter Chargen einen Besuch ab. Er befahl uns aufzustehen,und auf seinen wiederholten Befehl taten wir dies auch. Er beschuldigte uns eines Mangels an Höflichkeit, denn, so erklärte er, man empfange einen Gast stehend.
Darauf erwiderte einer der Insassen: "Zunächst einmal sind wir nicht zuhause und zweitens sind Sie nicht unser Gast." Das verwirrte ihn etwas,
denn so spricht man hier nicht mit Vorgesetzten.
Der Oberst teilte uns mit, daß in Polen das Kriegsrecht eingeführt
worden sei und keine internationalen Gesetze mehr für uns gelten würden.
Das klang düster. Wir waren Gefangene ohne jede Rechte,und wir waren der
Willkür unserer Schergen ausgeliefert. Sie konnten uns zusammenschlagen
oder uns moralisch oder körperlich foltern. Was uns anging, so war alles
möglich.
Am nächsten Tag hatten wir wieder Frei gang. Dieses Mal mußten wir am
Ende des Blocks in einem Kreis gehen, um nicht mit den Insassen der anderen
Zellen Kontakt aufnehmen zu können. Wir liefen um ein schneebedecktes Blumenbeet,und um uns herum war eine dichte Postenkette mit Hunden.
Ich zählte die Stacheldrahtzäune um das Lager
wir uns hinter einer fünffachen Umzäunung befanden.

und fand heraus, daß
Zwischen dem ersten

und zweiten Zaun Fotozellen; zwischen dem dritten und vierten freilaufende
- 5 -

�vierten freilaufende Schäferhunde.
türmen.

Der letzte Zaun war eine Mauer mit Wach-

Darüber hinaus waren die Zäune mit Querzäunen verbunden, die den Raum

in Sektoren aufteilten.

Auschwitz war nichts dagegen.

Unsere Burschen kön-

nen es noch besser.
Am 16. Dezember beschlossen wir, der vor elf Jahren in
deten zu gedenken.

Danzig Ermor-

Wir standen in zwei Reihen vor dem Block,und einer von uns

sagte, wir sollten der Toten durch eine Schweigeminute gedenken.
sphäre war sehr feierlich.

Die Atmo-

Irgendwie fühlten wir uns in der Tradition der

Helden von vor elf Jahren.
Mit der Zeit nahmen wir Kontakt zu den anderen Zellen auf.
eine Namensliste der in Block 5 Inhaftierten an.
Liste mit 150 Namen.

Wir legten

Heute erhielt ich eine

Der Block hat 42 Zellen mit je acht Betten.

Einige

Zellen sind leer wahrscheinlich mit Absicht, um den Kontakt zu erschweren.
Wir stellen die Listen der Internierten nach den Regionen auf, aus denen sie
kommen.
Ich habe eine Liste von Solidaritätsmitgliedern aus den Regionen Plock,
Wloclawek, Konin und Krakau aufgestellt.

Unsere Statistiken zeigten, daß wir

am 20. Dezember 231 Personen waren, von denen sich 186 in Block 5 und 45 im
Transitblock befanden.
Am 17. Dezember teilte der "Lautsprecher" mit, daß während der Befriedungsaktion auf der Zeche Wujek sieben Menschen getötet wurden.
Die polnische Armee hat noch niemals einer ausländischen Macht zur Eroberung des Landes gedient. Zum ersten Mal in der Geschichte hat sie ihre
Dienste dem Feind zur Verfügung gestellt und die Ehre des polnischen Soldaten
besudelt.
Wir wollten eine weitere Schweigeminute zu Ehren dieser Toten abhalten.
Wir schnitten mit der geschärften Kante eines Löffels Stoffbänder von einem

- 6 -

�von einem Lumpen ab, schwärzten sie mit Schuhwichse und legten sie als Armbinden an. An diesem Tag erhielten wir jedoch keinen Frei gang.

Der wurde

gestrichen.
Deshalb beschlossen wir, daß um 21.15 Uhr der gesamte Block bei offenem
Fenster die Nationalhymne singen werde.

Das ganze Gebäude erzitterte unter

dem Klang unserer Stimmen,und dieses Mal trauten sich die Wärter nicht einzugreifen.
Als Protestzeichen beschlossen wir, unsere gefalteten Kleider am Abend
nicht in den Gang herauszulegen. Gleichzeitig suchten wir nach erfolgreicheren
Formen des Protestes,und einige schlugen einen Hungerstreik vor. Zu dieser
Zeit waren zwei Mann bereits im Hungerstreik. Die Wärter antworteten auf
diese Mitteilung nur mit den Worten: "Wenn einer steif wird, legt ihn heraus".
Medizinische Versorgung gab es überhaupt nicht. Als jedoch nach einer Woche
einer der Hungerstreiker ohnmächtig wurde, wurde er in eine Einzelzelle verlegt. Die älteren Insassen rieten von einem Massenhungerstreik ab, denn dieser, so sagten sie, würde nur unsere Gesundheit ruinieren. Wir sollten durch
passiven Widerstand protestieren. Wenn alles nichts helfe, dann könnten wir
noch immer in einen Hungerstreik treten, aber dann alle gleichzeitig.
Am 19. Dezember durften wir uns in einem Duschraum waschen.

Wir zogen

uns in einem bestialisch kalten Vorraum aus und gingen unter die Duschen.
Das Wasser war einmal kalt und einmal warm.
meine Unterhosen.

Ich wusch schnell mein Hemd und

Es blieb keine Zeit, sich richtig

zu waschen, denn das

Wasser lief nur wenige Minuten.
Mit der Zeit wurden Leute aus dem Gefängnis entlassen, aber wir wußten
nicht, ob sie heim durften oder in eine andere Strafanstalt verbracht wurden.
Jetzt begann die Sicherheitspolizei ihre Arbeit in unserem Block.
Insasse nach dem anderen wurde verhört.

Ein

Sie boten eine Erklärung zur Unter-

zeichnung an, in der die Loyalität zu Volkspolen versprochen werden mußte.
Manche unterzeichneten, manche nicht.
. 7 _

Wir erfuhren,

�Wir erfuhren, daß die Zellen durchsucht werden sollten.
teten unsere Korrespondenz.

Wir vernich-

Dieses "Filzen" der Zellen wird vorgenommen,

wenn die Insassen unter der Dusche oder in eine leere Zelle verlegt worden
sind.
Der erste Besuch unserer engsten Familienangehörigen fand am Weihnachtsabend statt und zwar in dem Block, in dem sich Kriminelle in Untersuchungshaft befinden.

Alles war voller Wärter und Milizsoldaten.

genen und Besucher saß ein Milizaufseher.

Bei jedem Gefan-

Trotz der Anwesenheit der "Staats-

macht" versuchten wir,so viele Informationen wie möglich über die Lebensbedingungen im Gefängnis nach draußen zu vermitteln.
fuhren wir, was draußen los war.

Auf der anderen Seite er-

Wir schrieben diese Mitteilungen auf win-

zige Papierstückchen und tauschten sie auf nur uns bekannte Weise unter den
Zellen aus.
Nach den Informationen, die wir im Gefängnis erhielten, bereiteten die
Partei und die Militärregierung eine umfassende Aktion gegen die Solidarität
vor.
Vertreter der Gewerkschaft wurden jeder Arbeitsmöglichkeit und der Arbeitslosenunterstützung beraubt. Sie sollten zum Verhungern verurteilt werden. Aktivisten wie auch aus den Gefängnissen Entlassene erhielten trotz
der angeblichen Amnestie keine Arbeit,oder es wurden ihnen anderswo schlechtere Arbeitsplätze angeboten. Seit die Vergebung der Sünden von vor dem 13.
Dezember verkündet wurde, litt das Land unter Terror und Unterdrückung. Die
Freigelassenen müssen sich alle paar Tage bei der Polizei melden. Sie werden
einige Stunden festgehalten,und man erklärt ihnen die gegenwärtige Lage, man
spricht über die angebliche Rolle der Solidarität und über die Zukunft des
Landes. Und immer wieder erwähnen die Polizisten die Tätigkeiten des Mannes
vor dem 13. Dezember. Es ist nicht schwer herauszufinden, was sie wirklich
wollen. Diese Verhöre schaffen ein ständiges Gefühl der Bedrohung. Vielleicht will man gerade eine solche Psychose hervorrufen. Vielleicht will
man die Menschen einschüchtern, schwächen, verstören, daß ihnen keine Willens-

- 8 -

�keine Willenskraft mehr bleibt, irgendwelche Aktionen zu unternehmen.
Behörden haben alle Rechte, die Bürger keine.

Die

Das Gesetz, auf das sich die

Militärs berufen, ist nichts weiter als die Gesetzlosigkeit der Nazis oder
des NKWD.

Die Opfer werden außerhalb des Rechts gestellt und können ihre

Rechte nicht geltend machen.

Kann ein solcher Zustand lange andauern?

Wir haben mit Freude erfahren, daß Mitglieder der Solidarität dieser
Verhaftung entkamen, materielle Hilfe für die Familien der Internierten und
der Arbeitslosen organisieren.
Rolle.

Die Kirche spielt dabei eine unschätzbare

Unter den vom Regime geschaffenen schwierigen Verhältnissen werden

die zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer Gesellschaft immer enger.
Die Versuche der Behörden, die Nation zu spalten, haben genau die entgegengesetzte Wirkung.

Das hilft, mit Hoffnung auf die Zukunft der Solidarität

zu blicken.
Unsere Gewerkschaft wird auch im Untergrund weiter arbeiten.

Die

Spreu wird vom Weizen getrennt,und die Besten werden einen Block bilden, der
unbesiegbar sein wird.

+ + + + +

- 9 -

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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
1. Dezember 1993

48

US-REGIERUNG

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten

APEC

APEC-TREFFEN FORDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer

GATT

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

USA-EUROPA

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council
on Foreign Relations

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Ausschuß der
UN-Generalversammlung

US-MILITAR

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

AUCH SIE DIENEN:
FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�US-REGIERUNG
1. Dezember 1993

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 27. November 1993 erklärte Präsident Clinton, seine
Regierung habe während seines ersten Jahres im Amt "mehr wichtige Gesetze verabschiedet... als jede andere
Administration in den vergangenen 40 Jahren".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede des Präsidenten im Wortlaut.

In dieser Woche hat meine Familie wie die meisten
amerikanischen Familien das Erntedankfest gefeiert.
Wir versammelten uns um einen mit den Gaben unseres großartigen Landes gedeckten Tisch und dankten
dem Herrn für alles, das wir haben und alles, auf das
wir hoffen können.
Kein Feiertag hat eine längere amerikanische Tradition als das Erntedankfest. In der Tat hat kein Volk
mehr Grund dankbar zu sein, weil kein Volk gesegneter ist. Dieser Feiertag signalisiert auch, daß sich das
dem Ende zuneigt - die Zeit, in der viele von uns Bilanz
ziehen und Besinnung üben. Für unsere Nation war es
in jeder Hinsicht ein ereignisreiches Jahr.
Während meiner Reisen durch das Land und in Briefen
von meinen amerikanischen Mitbürgern fühlte ich mich
berührt und ermutigt durch die zum Ausdruck gebrachte Unterstützung für die von uns vorgenommenen
Veränderungen und erzielten Fortschritte. Es war ein
guter Anfang - die Inflationsrate ist gesunken, die
Zinssätze sind auf einem Rekordtiefstand, das Defizit
wurde abgebaut, die Investitionen sind im Anstieg
begriffen. Viele der heutigen Zuhörer zählen zu den
Millionen Amerikanern, die ihre Häuser oder Unternehmen im letzten Jahr aufgrund der gesunkenen Zinsen
neu finanziert haben. Und in den vergangenen 10
Monaten hat die Wirtschaft mehr Arbeitsplätze im
Privatsektor geschaffen als in den letzten 4 Jahren zusammengenommen.
Der Kongreß hat dem Nordamerikanische Freihandelsabkommen zugestimmt, und ich bin nach Seattle
gereist, um mit Wirtschaftsvertretern aus dem asiatisch-pazifischen Raum zusammenzutreffen. Ich weiß
jetzt, daß ich mit Exportzuwächsen den Motor zur
Schaffung von Arbeitsplätzen noch weiter beschleunigen kann.

AMERIKA DIENST 48

Wir konnten noch sehr viel mehr tun, um unseren
Arbeitnehmern und Familien zu helfen. Der Kongreß
hat ebenfalls eine Gesetzesvorlage über Urlaub aus
familiären Gründen und Krankenurlaub verabschiedet, dem ich mit meiner Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen habe. Die Arbeitnehmer haben jetzt das
Recht auf Urlaub, damit sie sich ohne ihren Arbeitsplatz zu verlieren um einen kranken Familienangehörigen oder ein neugeborenes Baby kümmern können.
Das Gesetz wird dazu beitragen, die Vereinigten Staaten zu einem Ort zu machen, an dem man gleichzeitig
erfolgreich seiner Tätigkeit nachgehen und seine Rolle
als Elternteil wahrnehmen kann.
Darüber hinaus haben wir durch die Reform des Gesetzes
über Kredite für einen Collegebesuch Schritte zur
Unterstützung unserer Studenten unternommen, die
jetzt leichter einen Kredit erhalten - zu niedrigeren
Zinssätzen und besseren Rückzahlungsbedingungen
sowie strengeren Vorschriften über die Rückzahlungskonditionen.
Wir haben das Gesetz über den Nationalen Sozialdienst unterzeichnet, dank dem binnen drei Jahren
100.000 junge Amerikaner Geld für ihre Collegeausbildung verdienen können, während sie gleichzeitig ihre
Gemeinden von der Basis aus wiederaufbauen.
Wir erhielten in beiden Häusern des Kongresses die
Zustimmung zu unseren Reformen für die Finanzierung von Wahlkampagnen. Und wenn der Kongreß
wieder zusammentritt - wenn das Repräsentantenhaus und der Senat es billigen - können wir noch sehr
viel mehr tun, um die Lobbyisten aus unseren Kongreßwahlen und damit aus unserem Entscheidungsfindungsprozeß herauszuhalten.
Wir haben ein Wirtschaftsprogramm verabschiedet,
das Arbeitnehmerfamilien mit Kindern echte Steuerer-

Seite 1

�leichterungen gewährt um sicherzustellen, daß jederin
diesem Land mit einer 40-Stunden-Woche und Kindern nicht mehr unterhalb der Armutsgrenze leben
muß. Aber es bleibt noch viel zu tun.

Jede dieser Veränderungen, jeder von uns unternommene Schritt muß an einem Arbeitsplatz gemessen
werden, den eine Mutter oder ein Vater findet, einer
Chance, die ein Kind erhält, an besseren Zukunftsaussichten für einen Geschäftsmann, oder an sichereren
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir Straßen und einer sichereren Zukunft. Jeder Schritt
jetzt einen Vorschlag zur Gesundheitsreform unter- nach vorne, der zur Wiederbelebung unserer Wirtbreitet. Ich hege die Hoffnung, daß der Kongreß vor schaft, unserer Gemeinden, unserer Familien beiträgt,
Ende nächsten Jahres einen Plan billigen wird, der ist ein Schritt, der es wert ist, unternommen zu werden.
jedem Amerikaner lebenslang umfassende Gesund- Letztlich werden diese Schritte jedoch nur Bestand
heitsfürsorge gewährleistet.
haben, wenn wir zusammen größere Anstrengungen
unternehmen, um die Vereinigten Staaten von innen
Die Gesetzesvorlage über Verbrechensbekämpfung
heraus zu erneuern. Wir müssen uns um die vielen
ist von beiden Häusern des Kongresses verabschiedet
Familien kümmern, die völlig zusammengebrochen
worden. Im Rahmen dieses Gesetzes werden wir
sind, die jungen Frauen, die illegitime Kinder zur Welt
mehr Polizeistreifen auf den Straßen haben - bis zu
bringen. Diese Probleme erfassen unser Land von
100.000 Polizisten, mehr Gefängnisse bauen, Lager
allen Seiten - und über alle Rassenschranken hinweg.
für erstmals straffällig gewordene Jugendliche einrichWir müssen besorgt sein, daß sich ohne die Struktur,
ten, Handfeuerwaffen verbieten. Wir müssen jedoch
die Disziplin, den Familienzusammenhalt zu viele Kinder
noch einige Meinungsverschiedenheiten ausräumen
mit einer Zukunft bar jeder Hoffnung konfrontiert seund diesen Gesetzentwurf Anfang kommenden Jahhen. Zu viele Kinder leben heute mit zu wenig Hoffres verabschieden.
nung, zu wenig Liebe und zu wenig Disziplin.
Wir machen Fortschritte beim Kampf gegen das Verbrechen. Kurz bevorder Kongreß sich vertagte, hat er Wir müssen besorgt sein, daß sowohl in unseren
einem Gesetz zugestimmt, das eine Wartezeit von 5 Städten als auch den ländlichen Gebieten der Wert
Tagen vor dem Kauf einer Handfeuerwaffe festsetzt, des Lebens herabgewürdigt wird. Zu viele Kindertöten
damit Alter und Geisteszustand des Käufers geprüft andere Kinder mit Vernichtungswaffen, die wirksamer
sowie ein polizeiliches Führungszeugnis eingeholt und moderner sind als die der Polizei, die Menschen
werden können. Diese Maßnahme war ein nationaler schützen soll.
Sieg im Kampf gegen Verbrechen und Gewalt. Und ein Was uns anbetrifft, so arbeiten wir hart, um wirtschaftsehr persönlicher Sieg für Jim und Sarah Brady - eine liche Sicherheit, gesicherte Gesundheitsfürsorge und
von Gewalt heimgesuchte Familie, die ihre Tragödie in Sicherheit in den Gemeinden zu gewährleisten, damit
einen Triumph umgewandelt hat, indem sie sieben auf diese Weise ein Teil der Belastungen gemildert
lange Jahre um die Verabschiedung dieses wichtigen werden kann, die unsere Familien zu tragen haben.
Gesetzes kämpfte, um uns vor Personen zu schützen, Wir arbeiten hart, um den für die amerikanischen
denen der Besitz oder die Benutzung von Handfeuer- Arbeitnehmerfamilien vorteilhaften, die Welt erfassenwaffen nicht gestattet werden sollte. Wir haben mit der den Veränderungen eine Chance zu geben. Es wurde
Verabschiedung der Brady-Gesetzesvorlage lange einmal gesagt, die Familie sei der Test für die Freiheit.
gewartet, aber dies ist nur das jüngste Beispiel dafür, Sie stellt unsere Freiheit und unser Verantwortungsbewie wir den im letzten Wahlkampf versprochenen wußtsein auf die Probe. Und das ist der stichhaltigste
Wandel in Washington bewirkt haben.
Grund, den Familienzusammenhalt zu bewahren und
In den ersten 10 Monaten haben wir die Pattsituation
überwunden. Wir haben einen Großteil dessen erreicht, was ich in meinem ersten Jahr bewirken wollte.
Viele der Veränderungen, von denen ich in meinem
Präsidentschaftswahlkampf gesprochen habe, werden jetzt verwirklicht. Tatsache ist, daß dem äußerst
renommierten Congressional Quarterly zufolge diese Administration in Zusammenarbeit mit beiden Parteien mehr wichtige Gesetze verabschiedet hat als
jede Administration in den vergangenen 40 Jahren.

4t

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die schweren Lasten zu mildem zu versuchen, die seit
nunmehr fast 30 Jahren die Bürde für die Familien
erschwert haben.
Meine amerikanischen Mitbürger, während wir an diesem
hochgeschätzten Feiertag für das danken, was wir
haben, sollten wir uns vor Augen führen, was so viele
Millionen Amerikaner nicht haben. Wir sollten uns
erinnern, was Arbeit und Familie für ein bürgerliches
Leben bedeuten. Wir können die Grundstruktur unserer Gesellschaft nur wiederherstellen und erneuern,
wenn wir beides aufbauen - Arbeit und Familie.
Gemeinsam können wir es schaffen, glaube ich.

*

AMERIKA DIENST 48

�APEC
1. Dezember 1993

APEC-TREFFEN FÖRDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons
Aus Anlaß des Treffens führender Politiker des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asia-Pacific Economic Cooperation Forum -APEC) in Seattle machte Präsident Clinton am 20. November 1993
folgende Ausführungen:

Meine Damen und Herren, wir nähern uns dem Ende
der APEC-Konferenz und haben gerade ein dreistündiges Treffen zwischen 14 Wirtschaftsvertretern des
APEC abgehalten. Es warfür mich eine Freudeund für
die Vereinigten Staaten eine Ehre, Gastgeber des
historischen Treffens auf dieser schönen Insel zu sein.
Die asiatisch-pazifische Region ist für unsere Nation
und die Welt in zunehmendem Maße von entscheidender Bedeutung. In dieser Region leben 40 Prozent der
Weltbevölkerung, sie umfaßt die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, und die hier anwesenden führenden Politiker repräsentieren die Hälfte
des globalen wirtschaftlichen Outputs.
Die Ereignisse dieser Woche waren für alle Völker der
Region ein Erfolg. Wir haben die Grundlage für
regionale Bestrebungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Erhöhung der Einkommen, Erweiterung der
wirtschaftlichen Chancen und Förderung von Harmonie in der Region gelegt. Diese Woche haben wir
mehrere deutliche Schritte zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Am Montag und Dienstag sind 1.500 Wirtschaftsvertreter zusammengetroffen, um über das Potential der
Region zum Ausgleich ihrer Handelsbilanzen zu beraten. Gegen Ende der Woche einigten sich unsere
Minister auf ein Maßnahmenpaket zur Marktöffnung,
das zu einem erfolgreichen Abschluß der UruguayRunde multilateraler Handelsgespräche bis zum 15.
Dezember 1993 beitragen soll. Auf der Ministertagung
einigte man sich auf die Entwicklung eines Aktionsplans in der nahen Zukunft zum Abbau der Hemmnisse, die das Wirtschaftsleben in der gesamten Region
behindern, beispielsweise unterschiedliche Produktnormen.

AMERIKA DIENST 48

Der krönende Abschluß der Aktivitäten dieser Woche
war das erstmalige Treffen der Staats- und Regierungschefs. Die heute morgen von uns geführten
Gespräche, die wir am Nachmittag fortsetzen werden,
geben uns die Möglichkeit, besser miteinander bekannt zu werden und unsere Visionen für unsere
eigene Nation sowie unsere vielfältige und dynamische Region miteinander zu vergleichen. Du rch u nser
Treffen und unsere Gespräche konnten wir eine stärkere regionale Identität und ein erhöhtes Bewußtsein
für ein gemeinsames Ziel zu fördern. Dieses Ziel ist in
der Abschlußerklärung enthalten, die wir gerade bekanntgegeben haben.
Die Erklärung legt unsere gemeinsamen Ansichten
über eine Wirtschaft der Region dar, die von Offenheit,
Zusammenarbeit, dynamischem Wachstum, erweitertem Handel, verbessertem Verkehrs- und Kommunikationswesen sowie hochwertigen und gutbezahlten
Arbeitsplätzen gekennzeichnet ist. Wir begrüßen den
von der Gruppe renommierter Persönlichkeiten gemachten, eine Herausforderung darstellenden Vorschlag zur Einführung von Freihandel in der asiatischpazifischen Region, Förderung der weltweiten Liberalisierung des Handels und zum Beginn konkreter,
spezifischer Programme zur Erreichung dieser langfristigen Ziele.
Bei unseren am gestrigen Abend und heute geführten
Gesprächen war ich erstaunt, wie viele gemeinsame
Prioritäten wir haben - stabiles, umweltverträgliches
Wirtschaftswachstum, offenere Märkte, bessere Arbeitsplätze, verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unser Volk, bessere Ausbildung für unsere
Kinder und Erwachsenen sowie Schutz der einzigartigen Natur in der Region.

Seite 1

�Natürlich sind wir uns nicht immer über die Wege zur
Erlangung dieser Ziele einig. Aber zumindest verfügt
unsere Region heute zum ersten Mal über ein Mittel,
ernsthafte politische Gespräche über Fragen wie beispielsweise den Abbau von Handelshemmnissen oder
die Beibehaltung eines stabilen Wirtschaftswachstums zu führen.
Wenn ich unsere Vereinbarungen kurz zusammenfassen sollte, würde ich folgendes sagen: Wir haben uns
für eine geeinte, nicht gespaltene asiatisch-pazifische
Region ausgesprochen. Wir stimmten darin überein,
daß wir offene, nicht geschlossene Volkswirtschaften
haben sollten. Wir wollen dieser Überzeugung Ausdruck verleihen, indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um bis zum 15. Dezember ein
gutes GATT-Abkommen zu erzielen.

Durch das heutige Treffen helfen wir der asiatischpazifischen Region, eine echte Gemeinschaft zu werden - keine formale, juristische Struktur, sondern eine
Gemeinschaft von Staaten mit gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und einem gemeinsamen
Engagement für Zusammenarbeit zum Nutzen aller.
Die Entwicklung dieser Gemeinsschaft liegt sicherlich
im Interesse des amerikanischen Volkes und aller
Völker in der Region. Wir sollten uns über die erzielten
Fortschritte freuen. Und ich möchte nochmals im
Namen der Vereinigten Staaten betonen, daß es für
uns eine Ehre war, die vielen führenden Politiker hier
begrüßen zu dürfen.
Ich danke Ihnen.

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AMERIKA DIENST 48

�APEC
I.Dezember 1993

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer
SEATTLE - (AD) - Bei dem vom 18. bis 20. November 1993 in Seattle anberaumten Treffen der Minister sowie
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia Pacific
Economic Cooperation - APEC) gaben die Teilnehmer folgende Abschlußerklärung über ihre Wirtschaftsvision
ab.

Wir haben ein beispielloses Treffen der Wirtschaftsvertreter des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit abgehalten. In dieser Zeit nach
dem Kalten Krieg bietet sich uns die Chance einer
neuen Wirtschaftsgrundlage für den asiatisch-pazifischen Raum, die der Dynamik unserer unterschiedlichen Volkswirtschaften Rechnung trägt, die Zusammenarbeit verbessert und Wohlstand fördert.
Unser Treffen berücksichtigt die Mitsprache des aufstrebenden asiatisch-pazifischen Raums in internationalen Angelegenheiten. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert wird unsere dynamische Region, die 40
Prozent der Weltbevölkerung und 50 Prozent ihres
Bruttosozialprodukts ausmacht, unseres Erachtens
eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen und
den Weg zu Wirtschaftswachstum und Erweiterung
des Handels ebnen.
Die Grundlage unseres Wirtschaftswachstums ist das
offene multilaterale Handelssystem. Aus diesem Grund
unternehmen wir größte Anstrengungen zu einem
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde bis zum
15. Dezember. Wir sind entschlossen zu einer Führungsrolle der asiatisch-pazifischen Region bei konkreten Schritten, in Genf das bestmögliche Ergebnis
zu erzielen. Die zunehmende Beteiligung der APECLänder an einem gestärkten GATT-System wird darüber hinaus größere regionale Zusammenarbeit erleichtern.
Unser Erfolg war das Ergebnis der Fähigkeit unserer
Gesellschaften, sich an wandelnde Gegebenheiten
anzupassen. Unsere Volkswirtschaften streben nach
Interdependenz und es besteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns. Wir sind geeint in unserem
Engagement zum Aufbau einer Zukunft mit Stabilität
und Wohlstand für unsere Völker.

AMERIKA DIENST 48

In Anerkennung unserer wirtschaftlichen Interdependenz sowie unserer wirtschaftlichen Vielfalt stellen wir
uns eine Gemeinschaft asiatisch-pazifischer Volkswirtschaften vor, in der
der Geist der Offenheit und Partnerschaft vertieft wird und uns gestattet, kooperative Lösungen für die Herausforderungen unserer sich
rasch verändernden regionalen und globalen
Wirtschaft zu finden.
Wir sind ein riesiger asiatisch-pazifischer Markt
mit 2 Milliarden Menschen, in dem dynamisches
Wirtschaftswachstum andauert und zu einer expandierenden Weltwirtschaft sowie der Unterstützung eines offenen internationalen Handelssystems beiträgt.
Wir werden weiterhin Hemmnisse für Handel
und Investitionen abbauen, damit unser Handel
innerhalb der Region und mit der Welt expandieren kann und ein freier Fluß von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Investitionen zwischen
unseren Volkswirtschaften gewährleistet ist.
Unsere Völker profitieren gemeinsam vom Wirtschaftswachstum durch höhere Einkommen,
hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitsplätze
sowie größere Mobilität.
Verbesserte Aus- und Fortbildung führt zur
Verringerung des Analphabetentums, bietet die
Qualifikationen für die Aufrechterhaltung des
Wirtschaftswachstums und ermutigt einen Kunst
und Wissenschaft fördernden Ideenaustausch.
Fortschritte im Telekommunikations- und Transportwesen verringern den Zeitverlust und die
Entfernungen innerhalb unserer Region und

Seite 1

�verbinden unsere Volkswirtschaften, damit Waren Wir haben die Einberufung eines Treffens der APECund Menschen schnell und effizient transportiert Finanzminister zu Konsultationen über umfassende
werden können.
Wirtschaftsthemen einschließlich makroökonomischer
Entwicklungen und des Kapitalflusses vereinbart.
Unsere Umwelt wird verbessert, indem wir die Unseres Erachtens werden uns solche Diskussionen
Qualität der Luft, des Wassers und der Grünflä- bei der Bewältigung der die Region konfrontierenden
chen schützen und unsere Energiequellen sorg- Herausforderungen behilflich sein, bis hin zur Sicherfältig verwalten, um umweltverträgliches Wachs- stellung von nichtinflationärem regionalem Wachstum sicherzustellen und unseren Menschen eine tum, Finanzierung von Investitionen sowie Entwicksicherere Zukunft zu bieten.
lung von Infrastruktur und Kapitalmärkten.
Wir sind uns bewußt, daß diese Vision nur Realität
wird, wenn wir gemeinsam aktiv an ihrer Verwirklichung arbeiten. Wir sind überzeugt, daß wir Erfolg
haben können. Wir beabsichtigen, unsere gemeinsame Vision als Leitfaden für die künftige Entwicklung
unserer Region zu benutzen.
Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die kontinuierliche Entwicklung des APEC als Forum, das sich
dem Hervorbringen greifbarer wirtschaftlicher Vorteile
fürdie Region verschrieben hat. Wirfordern das APEC
zur Erweiterung seines wirtschaftlichen Dialogs und zu
Fortschritten bei spezifischen Arbeitsprojekten auf.
Der Unternehmergeist und die marktorientierten
Maßnahmen, die unsere wirtschaftliche Dynamik geleitet haben, werden im APEC weiterhin gefördert.

Wir fordern die Unternehmer zur Gründung eines
pazifischen Wirtschaftsforums auf, um vom APEC
anzusprechende Themen zur Erleichterung von regionalem Handel und Investitionen auszumachen und die
weitere Entwicklung von Unternehmensnetzen in der
gesamten Region zu erleichtern. Darüber hinaus
fordern wir das APEC zur Intensivierung seines politischen Dialogs über kleine und mittelständische Unternehmen auf.

Wir stimmen überein, Investitionen in nachfolgende
Generationen durch die Gründung eines APEC-Bildungsprogramms zu tätigen, um regionale Zusammenarbeit bei weiterführender Bildung zu fördern,
entscheidende regionale Wirtschaftsfragen zu studieren, die Qualifikation von Arbeitnehmern zu verbessern, kulturelle und akademische AustauschprogramWir begrüßen die in dem Bericht der renommierten
me zu erleichtern, die Mobilität der Arbeitskräfte zu
Persönlichkeiten des APEC enthaltene Herausfordeverbessern und das Verständnis der Vielfalt unserer
rung, freien Handel in Asien herbeizuführen, die globaRegion zu vertiefen. Wir sind uns über die Gründung
le Handelsliberalisierung voranzubringen und konkreeines APEC-Freiwilligenprogramms für Unternehmer
te Programme zur Verwirklichung dieser langfristigen
einig, um die Kooperation unter uns bei der EntwickZiele in die Wege zu leiten. Wir fordern das APEC auf,
lung von Humankapital und dem Austausch von UnterSchritte zur Vertiefung und Verbesserung der Ergebnehmensführung und -techniken zu fördern.
nisse der Uruguay-Runde zu unternehmen, die Liberalisierung von Handel und Investitionen in der Region zu
Als APEC-Mitglieder verpflichten wir uns zur Vertiebeschleunigen und regionale Zusammenarbeit in solfung unseres Zusammengehörigkeitsgefühls auf der
chen Bereichen wie Normen zu erleichtern.
Grundlage unserer gemeinsamen Vision zur Verwirklichung von Stabilität, Sicherheit und Wohlstand für
unsere Völker.
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AMERIKA DIENST 48

�GATT
1. Dezember 1993

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

SEATTLE - (AD) - Auf die Erfolge beim Handel mit
Asien und Mexiko zurückblickend, ist der amerikanische Handelsbeauftragte Mickey Kantor optimistisch
über den Abschluß der seit langem festgefahrenen
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche bis
zum 15. Dezember 1993.

ment zur Lösung der verbliebenen schwierigen Fragen
bewiesen.

Am Morgen des 20. November äu ßerte sich Kantor vor
einem langen Sftzungstag mit den Wirtschaftsministern gegenüber Reportern, während Präsident Clinton zu einem Treffen mit führenden Politikern aus den
Pazifikanrainerstaaten in der Nähe der Stadt aufbrach.

Kantor ist am 22. und 23. November in Washington mit
EU-Kommissar Sir Leon Brittan zur Erörterung einiger
dieser Optionen zusammengetroffen.

Vor seiner Reise nach Seattle verfolgte Kantor den
entscheidenden Sieg Präsident Clintons bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko
und Kanada.
In Seattle erzielte Kantor beim jährlichen Ministertreffen des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation
- APEC) die Zustimmung zu einer eindeutigen Erklärung, die auf den Abschluß der Uruguay-Runde drängt
und jegliche Schwächung des Blair House-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten u nd der Europäischen Union (EU) zu im Zusammenhang mit der
Uruguay-Runde stehenden Agrarfragen ablehnt.
Darüber hinaus konnte Kantor Angebote mehrerer
APEC-Länder über den Abbau oder die Senkung von
Zöllen in Sektoren sichern, in denen die EU sich
solchen Angeboten widersetzt hatte, einschließlich
den Bereichen Elektronik, Holz und Papier.
"Meines Erachtens bedeutet das, daß wir jetzt eine
enorme Chance zur Beendigung der Uruguay-Runde
haben", erklärte Kantor bei dem Pressegespräch.
Ihm zufolge haben alle Teilnehmer der Uruguay-Runde bei den Verhandlungen in Genf echtes EngageAMERIKA DIENST 48

"Ich glaube, wir alle sehen die uns zur Verfügung
stehenden Optionen bei der Bewältigung dieses Themenkomplexes", fügte Kantor hinzu.

Die Aussicht auf stärkere Handelsbeziehungen der
Vereinigten Staaten zu Lateinamerika, der am zweitschnellsten wachsenden Wirtschaftsregion der Welt,
sowie mit Asien und dem Pazifik, der am schnellsten
wachsenden Region, müßten laut Kantor Einfluß auf
die EU haben.
"Meiner Ansicht nach konnte den Partnern in Genf die
Bedeutung dessen nicht entgehen, was hier stattgefunden hat", so Kantor, "und meines Erachtens bewirkt
es einen Unterschied."
UnterdemFast-Track-Mandat, das die Beteiligung der
Vereinigten Staaten an der Uruguay-Runde regelt,
muß Präsident Clinton den Kongreß bis zum 15.
Dezemberdavon in Kenntnis setzen, ob er ein Abkommen zur Annahme vorlegen will. Der Kongreß muß
gemäß dem Fast-Track-Mandat jedes Abkommen
innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens ohne Abänderungsantrag annehmen oder ablehnen.
"Wir beabsichtigen, dem Kongreß bis zum 15. Dezember nicht die Umrisse des Pakets, sondern seinen
wesentlichen Inhalt vorzulegen", erklärte Kantor. "Es
gibt vielleicht noch technische Schwierigkeiten, die
nicht geregelt wurden."
"Man muß bestimmte Einzelheiten, wenn nicht sogar
genauere Einzelheiten wissen, um dem Kongreß ein
Abkommen vorlegen zu können", fuhr er fort. "Wir
halten das heute durchaus für möglich."

Seite 1

�Auf dem APEC-Treffen äußerte Kantor, er sei zufrieden mit der relativ unbedeutenden Übereinkunft, einen
Ausschuß für Handel und Investitionen ins Leben zu
rufen, wodurch die Funktion der Gruppe von bloßer
Konsultation zur Festsetzung der Handelspolitik aufgewertet werde.
Einige Mitglieder des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nation ASEAN), insbesondere Malaysia, haben starken Einspruch gegen jegliche Institutionalisierung des APEC
erhoben.
"Man braucht ein Gefühl dafür... wie vorsichtig man
sein muß, um nichts Unmögliches zu verlangen", so
Kantor. "Das letzte was wir wollen wäre, ... diese
Organisation zu etwas zu drängen, das ihre Mitglieder
nicht wollen oder in politischer Hinsicht nicht können."
Dennoch werde das APEC in Zukunft mehr Funktionen übernehmen, prognostizierte er.

Handelsdefizit der Vereinigten Staaten mit China in
Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar als wirtschaftlich und politisch untragbar.
Der US-Handelsbeauftragte zeigte sich zuversichtlich
im Hinblick auf eine Beilegung der Konflikte über den
Zugang amerikanischer Waren und Dienstleistungen
zum chinesischen Markt, illegale Lieferungen durch
Drittländer zur Umgehung amerikanischer Importquoten für Textilien sowie den Schutz von Patenten und
Urheberrechten.
"Ohne die Vorgänge in privaten Treffen anzusprechen", so Kantor "möchte ich nur betonen, daß wir in
bezug auf die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, all
diese Fragen mit den Chinesen zu erörtern und substantielle und bedeutende Fortschritte zu erzielen,
nicht pessimistisch sind."

Zu einem anderen Thema verlieh Kantor seiner Erwartung Ausdruck, die Vereinigten Staaten könnten Be"Was jetzt geschehen wird, ist mit einem fahrenden denken der neuen kanadischen Regierung ausräuZug zu vergleichen, der den Bahnhof verläßt und men, die Kanada von dergeplanten Inkraftsetzung des
NAFTAam 1. Januar 1994 abhaltenwürden. Dennoch
immer schneller wird."
machte er entschieden deutlich, es werde keine NeuKantor sprach auch sein Treffen mit dem chinesischen verhandlung energiepolitischer Fragen geben.
Wirtschaftsminister an und bezeichnete das derzeitige
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 48

�USA - E U R O P A
1. Dezember 1993

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council on Foreign Relations
BALTIMORE - (AD) - Stephen A. Oxman, Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im
US-Außenministerium, ist der Ansicht, daß Europa intergraler Bestandteil der Außenpolitik der Vereinigten
Staaten bleiben wird.
In einer am 15. November 1993 vor dem Baltimore Council on Foreign Relations gehaltenen Rede erklärte
Oxman, Europa und die Vereinigten Staaten blickten auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte
zurück.
"Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte: Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir verfolgen
beide diese hehren Ziele - für uns und für die übrige Welt", äußerte er.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Oxmans im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, heute abend
bei Ihnen zu sein und vor einem solch renommierten

Forum sprechen zu dürfen. Mein Dank gilt Dr. Burdfür
die Einladung und Herrn Jacobs für seine freundlichen
Einführungsworte.
Sie werden vielleicht bemerkt haben, daß meine Ausführungen den Titel "Warum es auf Europa ankommt"
tragen. Bevor ich die darin enthaltene Frage "Kommt
es auf Europa an?" beantworte, sollten wir uns zuerst
fragen "Was ist Europa?" Europa ist in vielerlei Hinsicht einer der erstaunlichsten Teile unseres Globus.
Dort finden sich mehr souveräne Staaten auf weniger
Fläche als in jedem anderen Teil der Erde - und sie sind
natürlich von größter kultureller und historischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Ich möchte mit der EG beginnen, den zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft, die jetzt nach
Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht als Europäische Union (EU) bezeichnet wird. Auf diese Länder
entfallen 1,3 Prozent der Erdoberfläche - oder ungefähr ein Viertel des Territoriums der Vereinigten Staaten. Die zwölf EU-Mitgliedstaaten haben eine Bevölkerung von 350 Millionen Menschen, das sind 6 Prozent der Weltbevölkerung und ungefähr 40 Prozent
mehr als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten.
Das bedeutet, daß 350 Millionen Menschen auf einer
Fläche wohnen, die dreimal so groß wie der Bundesstaat Texas ist.

AMERIKA DIENST 48

Noch erstaunlicher ist vielleicht, daß auf diese 12
Staaten, die einen solch kleinen Anteil der Erdoberfläche ausmachen, nahezu 22 Prozent des weltweiten
Bruttosozialprodukts - 5,5 Billionen Dollar - entfallen.
Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten ist
ein wenig höher - 5,7 Billionen Dollar.
Natürlich ist Europa sehr viel mehr als die 12 Länder
der Europäischen Union. Selbst ohne die ehemalige
Sowjetunion umfaßt Europa 24 Staaten. Insgesamt
gesehen machen diese 36 Länder nur 3,3 Prozent der
Erdoberfläche aus, und mit 573 Millionen Einwohnern
stellen sie 10 Prozent der Weltbevölkerung. Dennoch
erzeugen sie ein Bruttoinlandsprodukt von nahezu 7
Billionen Dollar - 27,3 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.
Aus diesem Blickwinkel muß Europa als das gesehen
werden, was es ist: Ein Gigant.
Die Tatsache, daß ich mich heute abend verpflichtet
fühle, Sie an die Bedeutung Europas zu erinnern, trägt
der zunehmenden Verbreitung der Annahme Rechnung, Europa sei für Wohlstand und Sicherheit der
Vereinigten Staaten nicht länger wichtig. Nichts wäre
weniger zutreffend.
Diese Administration ist sich bewußt, daß nach dem
Ende des Kalten Krieges neue au ßenpolitische Ansätze erforderlich sind. Wir müssen uns aber auch vor
Augen führen, daß Europa eindeutig integraler Be-

Seite 1

�standteil unserer Außenpolitik bleibt. Ich möchte die Heute ist die Situation anders, die Herausforderung
Zeit heute dazu nutzen, die Gründe hierfür anzuführen jedoch ähnlich. Statt uns aus Europa zurückzuziehen,
und darzulegen, was die Clinton-Administration zur müssen wir unsere Partnerschaft erneut stärken, inStärkung der europäisch-amerikanischen Partnerschaft dem wir neue Ziele auf der Gru ndlage unserer gemeinunternimmt.
samen Werte festsetzen und zusammen über die zur
hrer Erreichung erforderlichen Mittel entscheiden. Etwas
Die Herausforderung
anderes zu tun - Europa mit "wohlwollender Vernachlässigung'' zu behandeln - würde eine Bedrohung für
Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an den Film
unsere Wirtschaft und Sicherheitsinteressen darstel"Der Kandidat" mit Robert Redford. Gegen alle Widriglen und das große Potential aufs Spiel setzen, das die
keiten geht die von Redford gespielte Figur siegreich
amerikanisch-europäische Partnerschaft für die Zuaus einem schwierigen Wahlkampf für den Senat
kunft birgt.
hervor. Der Film endet mit der Aufnahme eines
entgeisterten Redford, der seinen Wahlkampfmana- Partnerschaft für den Wohlstand
gern anklagend die Frage stellt: "Was soll ich jetzt
tun?"
Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes
hat ein aus vier Worten bestehendes Credo - "Die
Die von Redford dargestellte Person ist eine offen- Wirtschaft, Du Dummkopf" - den Demokraten gut
sichtlich unzulängliche Analogie zum erfolgreichen gedient. Amerikaner jeglicher politischer Couleur
Bündnis demokratischer Nationen der atlantischen verstanden, daß wir unser wirtschaftliches Haus in
Gemeinschaft. Dennoch sind die Vereinigten Staaten Ordnung bringen müssen und eine starke Außenpolitik
und Europa mit einer ähnlich mißlichen Lage konfron- bei einer soliden wirtschaftlichen Grundlage beginnt.
tiert. Nahezu 50 Jahre lang wurde unsere Beziehung Wohlstand im Inland erfordert jedoch die weitere
überwiegend durch die Notwendigkeit der Eindäm- Konzentration auf das Ausland. Und der letzte Ort, den
mung des Kommunismus und Gewährleistung der wir aus den Augen verlieren dürfen, ist Europa.
gemeinsamen Sicherheit definiert. Die europäischen
Verbündeten standen im Kalten Krieg an vorderster Sicherlich hätte es wenig Sinn, sich in politischer
Front, weshalb sich die Frage nach ihrer Bedeutung für Hinsicht von einer Region zu lösen, die für unser
uns oder unserer für sie gar nicht stellte. Nach dem wirtschaftliches Wohlergehen von derart zentraler
Sieg im Kalten Krieg könnten mit einem kurzen histo- Bedeutung ist. Ich möchte Ihnen einige zwingende
rischen Gedächtnis ausgestattete Menschen versucht Gründe ins Gedächtnis rufen:
sein, Hände zu drücken, ihre Sachen zu packen und
Das Volumen unserer Exporte nach Europa
nach Hause zurückzukehren - wie wir es 1918 taten.
entspricht in etwa dem nach Ostasien - 120
Solche Stimmen wurden lauter, als bedingt durch das
Milliarden Dollar - jedoch mit einem Überschuß
Fehlen der einigenden Bedrohung durch den Kommuvon 12 Milliarden Dollar anstelle eines Defizits
nismus Handelskonflikte ausbrachen und unsere Sivon 82 Milliarden Dollar.
cherheitspartnerschaft durch tragische Ereignisse wie
den Krieg im ehemaligen Jugowlawien auf die Probe
Ungefähr 60 Prozent der gesamten von amerigestellt wurde. Was unternehmen die Vereinigten
kanischen
Unternehmen in Übersee erzielten
Staaten denn jetzt?
Gewinne stammen aus Westeuropa, gegenüber 17 Prozent aus Ostasien.
Die jüngste Geschichte liefert eine nützliche Richtschnur. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen sich
Amerikanische Unternehmen haben in Westeuviele Stimmen für eine Loslösung von Europa aus.
ropa Investitionen im Wert von 225 Milliarden
Präsident Truman sowie den Außenministem Marshall
Dollar getätigt (die Hälfte unserer Investitionen
und Acheson gebührt Tribut, daß sie genau das Gein Übersee), im Vergleich zu weniger als 60
genteil taten. Dank dem Marshallplan und einer aktiMilliarden Dollar in Ostasien (und lediglich 23
vistischen Außenpolitik festigten wir mit den EuroMilliarden Dollar in Japan).
päern eine Partnerschaft für Demokratie, Wohlstand
und Sicherheit. General Marshall formulierte es bei
Die Westeuropäer haben in den Vereinigten
der Verkündigung seines Plans für Europa folgenderStaaten 258 Milliarden Dollar investiert (65 Prozent
maßen: "Es ist logisch, daß die Vereinigten Staaten
aller ausländischen Investitionen in unserem
alles in ihner Macht Stehende tun, um die WiederherLand), gegenüber weniger als 100 Milliarden
stellung einer gesunden Weltwirtschaft zu unterstütDollar an Investitionen aus Ostasien.
zen, ohne die es keine politische Stabilität und keinen
Und eine letzte Zahlenangabe: Unsere Exporte
sicheren Frieden geben kann." Die Vereinigten Staanach Europa im letzten Jahr in Höhe von 120
ten hatten enorme Vorteile von ihrem fortgesetzten
Milliarden Dollar entsprechen nahezu 2,5 MillioEngagement in Europa, das ihnen beständige Hannen Arbeitsplätzen.
delspartner und verläßliche Verbündete im Kampf
gegen den Kommunismus bescherte.

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

�Tatsache ist, daß Europa weiterhin unser wichtigster
Handelspartner ist, wenn wir Exportvolumen, Investitionen, Gewinne und Handelsbilanz betrachten. Und
unsere Beziehung ist nicht nur in Zahlen zu messen.
Europa ist ein wohlhabender, hochentwickelter Markt
mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 16.000
Dollar - verglichen mit 6.300 Dollar in den Pazifikrandstaaten. Das bedeutet, daß die Europäer mehr Geld
für hochwertige amerikanische Exportartikel ausgeben - von Personalcomputern bis zu Kinokarten - als
die Konsumenten der weniger begüterten Regionen.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um
diese wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern und zu
erweitern.
Aus diesem Grund hat Außenminister Christopher als
eine seiner ersten Amtshandlungen die Einrichtung
einer "Amerikaabteilung" im State Department vorgenommen. Die handelspolitische Tagesordnung der
Vereinigten Staaten und die Erfordernisse unserer
Unternehmer im Ausland sind oberste Prioritäten dieser Administration. Auf Initiative des Außenministers
beginnen die amerikanischen Botschaften eine aggressivere Rolle bei der Förderung unserer Handelsinteressen auf der ganzen Welt zu spielen. Unsere
Dipbmaten werden ausgebildet, nicht nur unsere Werte,
sondern auch unserer Produkte, nicht nur unsere
Sicherheit, sondern auch unser geistiges Eigentum zu
schützen. Angesichts des Umfangs unserer Beziehungen ist diese Amerikaabteilung nirgends so wichtig
wie in Europa.
Die bloße Bedeutung dieser Beziehungen tendiert
zusammen mit dem Verschwinden der kommunistischen Bedrohung dazu, unsere Meinungsverschiedenheiten beim Handel zu vergrößern. Und in Zeiten
wirtschaftlicher Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit
erscheint Protektionismus sehr verlockend. Um nur
ein Beispiel zu zitieren - unsere langwierigen Verhandlungen mit der EU im Rahmen der Uruguay-Runde des
GATT belegen, wie schnell selbst die besten Freunde
bei Handelsbeziehungen auf die Probe gestellt werden.
Die Vereinigten Staaten können die Uruguay-Runde
nicht allein zu Ende bringen. Ich möchte unseren
europäischen Freunden gegenüber erneut betonen,
daß der Abschluß der Runde bis zum 15. Dezemberwenn das Fast-track-Mandat des Präsidenten ausläuft
- von entscheidender Bedeutung für die Wiederbelebung der Weltwirtschaft ist. Für keine Nation werden
die noch ausstehenden Absprachen bei Waren, Dienstleistungen oder der Landwirtschaft leicht sein- aber sie
müssen getroffen werden. Es darf keinen 16. Dezember für die Uruguay-Runde geben.
Letztlich bin ich davon überzeugt, daß die meisten
Europäer unseren Glauben an freieren Handel teilen.
Sie und wir wissen, daß die Aufrechterhaltung alter
Handelsschranken oder der Aufbau neuer niemandem

AMERIKA DIENST 48

nützt und uns allen schadet. Wir sehen uns mit einer
dreifachen Herausforderung konfrontiert: 1. Gemeinsam den freien Fluß von Waren und Dienstleistungen
durch den Abbau von Handelshemmnissen zu ermutigen, 2. Meinungsverschiedenheiten beim Handel vor
einer Eskalation zu heftigen Auseinandersetzungen
zu bewahren und 3. die unweigerlich auftretenden
Kontroversen besser zu meistern. Eine Loslösung von
Europa würde es unmöglich machen, diese Ergebnisse zu erzielen oder unsere Handelsbeziehungen auf
eine solide Grundlage zu stellen.
Wir müssen uns auch vor Augen führen, daß der
Niedergang des Kommunismus den Vereinigten Staaten und Europa gleichermaßen eine einzigartige Chancebietet. In Mittel-und Osteuropagibt es 135 Millionen
Konsumenten und in der ehemaligen Sowjetunion
weitere 285 Millionen. Die Gesundung und das Wachstum ihrer Volkswirtschaften aktiv zu unterstützen ist
auf lange Sicht der Weg, ihnen zu helfen und unseren
eigenen Wohlstand durch die Öffnung riesiger Märkte
für Waren und Dienstleistungen aus dem Westen
sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu einem
Hilfsprogramm, das Handel und Investitionen für die
Zukunft sichern wird. Seit 1989 haben wir 1,4 Milliarden Dollar an finanzieller und technischer Unterstützung zur Förderung demokratischer Institutionen und
freier Märkte in Mittel- und Osteuropa bereitgestellt,
und weitere 390 Millionen Dollar wurden fürdas laufende Jahr bewilligt. Die Hilfsleistungen für die ehemalige
Sowjetunion belaufen sich seit 1991 auf 4,3 Milliarden
Dollar.
Diese Gelder sind gut angelegt: Eine heute getätigte
relativ geringe Investition wird hohe Dividenden an
Sicherheit und Wohlstand für die Vereinigten Staaten
und Europa bringen. Der Ertrag unserer Marshallplanhilfe beweist diese Tatsache: Inflationsbereinigt haben wir Europa im Rahmen des Marshallplans rund 95
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von 4 Jahren zur
Verfügung gestellt. Heute kaufen die Europäer von
uns Waren und Dienstleistungen im Wert von nahezu
120 Milliarden Dollar jährlich.
Während die Volkswirtschaften Osteuropas die Fähigkeit erlangen, auf eigenen Fü ßen zu stehen, dürfen wir
keine Anstrengung scheuen, sie zu unseren ebenbürtigen Handelspartnern zu machen. Wenn Handel und
Investitionen die Hilfsleistungen ersetzen sollen, müssen
die Handelsschranken gesenkt und beseitigt werden,
insbesondere in Europa.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die meisten
Hemmnisse für Waren aus Mittel- und Osteuropa
abgebaut. Bedauerlicherweise sind die Länder Westeuropas, die in der Tat die natürlichen Märkte für
Exporte aus Mittel- und Osteuropa sind, nicht so offen.
Wenn wir im Westen Vorteile von neuen Märkten im

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�Osten erwarten, ist es erforderlich - und richtig -, daß Aus diesem Grund ist den Vereinigten Staaten mit
Mittel-und Osteuropa im Westen offene Märktefür ihre einer aktiven Politik der Prävention, statt einer Politik
der Unaufmerksamkeit, gut gedient. Mit anderen
Waren finden.
Worten, es ist letztlich leichter und kostengünstiger,
Der Privatsektor muß eine Führungsrolle bei der Ver- Frieden aufzubauen und zu bewahren, als ihn wiederlagerung der Grenzen von Demokratie und Marktwirt- herzustellen.
schaften nach Osten übernehmen. In den wenigen
Jahren seit dem Fall der Berliner Mauer haben Unter- Unsererfolgreiches Vorgehen im Kalten Krieg steht für
nehmen aus dem Westen bereits über 7 Milliarden diese Politik der Prävention. Aber nun, da sich der
Dollar in die vielversprechenden Volkswirtschaften Staub des Falls der Berliner Mauer gelegt hat, befinPolens, Ungarns und der Tschechischen Republik den wir uns nicht - wie einige gehofft hatten - am Ende
investiert. Dieser Weg zu Wohlstand birgt jedoch der Geschichte, sondern vielmehr am Beginn eines
einige Fallstricke. Der vollständige Übergang zu einer neuen Zeitalters, das ein Umdenken bei unseren
Marktwirtschaft benötigt schließlich Zeit. Eigentums- Sicherheitsbeziehungen erfordert. Wir sehen uns mit
gesetze, Rückführung der Gewinne, Entwicklung der keiner wichtigeren Aufgabe konfrontiert als der ErarInfrastruktur, Zugang zu Kapital, angemessene Versi- beitung einer Sicherheitspartnerschaft mit Europa, die
cherungen, eine effiziente Erwerbsbevölkerung - all die Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
dies und noch mehr ist zur Schaffung eines günstigen anspricht. Dies nicht zu tun, würde uns eines Tages
Investitionsklimas erforderlich. Letztlich können Rat- teuer zu stehen kommen.
schläge, Ausbildung und Gedankenaustausch, die der
Westen zu bieten hat, sich für den Osten so wertvoll Das Leben war einfacher in den Tagen der monolithiwie Dollars erweisen und werden dazu beitragen, schen sowjetischen Bedrohung. Der Mechanismus
einen noch stetigeren Investitionsfluß anzuregen. Dieser des Bündnisses für kollektive Sicherheit - die NATO Investitionsfluß wird von entscheidender Bedeutung hatte eine klar definierte Mission. Das heißt nicht, daß
sein. Der Kapitalmangel im Osten schnellt explosions- wirdas Ende des Kalten Krieges bedauern sollten. Um
artig in die Höhe und kann durch staatliche Mittel des Außenminister Christopher mit einer jüngst gemachWestens nie vollständig gedeckt werden. Privatkapital ten Aussage zu zitieren: "Sich nach seinen Härten
spielt eine unerläßlich Rolle.
zurückzusehnen, kann nur auf Gedächtnisverlust
zurückgehen."
Amerikaner haben einen Pioniergeist gemein, der sich
den durch neue Grenzen entstandenen Herausforde- Aber jetzt scheinen viele der während des Kalten
rungen stellt. Die aufstrebenden Demokratien sind Krieges schwelenden Probleme aufzuflammen - Proeinem "Wilden Osten" vergleichbar - und darunter bleme, für die die NATO nicht konzipiert war. Ethniverstehe ich, eines der aufregendsten Kapitel der sche und regionale Konflikte, die Verbreitung von
amerikanischen Geschichte wiederaufzuschlagen - Massenvernichtungswaffen, die Unterbrechung des
der durch Handel, Investitionen und Zusammenarbeit Flusses lebenswichtiger Ressourcen, Terrorismus: Dies
- den Instrumenten des Friedens - entwickelt werden sind die Hauptbedrohungen der westlichen Sicherheit.
soll. Es handelt sich hierbei um einen langwierigen, Wie ich darlegen werde, müssen wir hauptsächlich in
schwierigen Prozeß, der eine neue Partnerschaft Europa und gemeinsam mit den Europäern die Mittel
zwischen Ost und West erfordert. Es wird jedoch auch zu ihrer Bewältigung finden.
ein aufregendes Abenteuer von gegenseitigem Nutzen. Und wenn nur aufgrund dieser Chancen im Trotz ihrer veränderten Aufgabe sollte die NATO weiOsten, ist Europa nach wie vor das Kernstück unserer terhin das Fundament unserer Partnerschaft und die
Grundlage von Sicherheit und Stabilität in Europa
Gegenwart und Zukunft.
bilden. Nurdie NATO verfügt über die Streitkräfte, den
multilateralen Mitarbeiterstab sowie die Tradition poliPartnerschaft für den Frieden
tischer und militärischer Kooperation, die uns in die
Während Handel und Investitionen ein Pfeiler unserer Lage zu versetzen, flexibel und durchgreifend auf
besonderen Beziehungen zu Europa sind, ist Sicher- diese sicherheitspolitischen Herausforderungen zu
heit der andere. Die Vereinigten Staaten haben zwei- reagieren. Die vor uns liegende grundlegende Aufgamal in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ihre be besteht darin, die NATO an die veränderten Zeiten
Söhne und Töchter zum Erhalt der Demokratie über anzupassen.
den Atlantik geschickt. Wir haben einen hohen Preis
bezahlt. Und wir haben eine Lektion gelernt: Früher Dieser Prozeß hat begonnen. Im Verlauf der verganoder später wird Chaos in Europa uns einbeziehen, genen drei Jahre hat die NATO ihre Streitkräfte und
weil für uns viel auf dem Spiel steht. Europa ist unser Führungsebene umstrukturiert, um sich mehr auf Kriführender Handelspartner und engster Verbündeter senmanagement und Friedenssicherung zu konzenbei der Bewahrung internationaler Sicherheit und der trieren und gleichzeitig ihre Kernfunktion der VerteidiAusbreitung von Demokratie. Probleme in Europa gung des NATO-Territoriums gegen einen Angriff zu
werden allzu leicht zu einer Heimsuchung für unsere bewahren. Und wir haben die Sicherheitszusammenarbeit nach Osten ausgedehnt, um unsere ehemaligen
beiden Länder.
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AMERIKA DIENST 48

�Gegner als neue Partner für den Frieden einzubeziehen - ein Thema, dem ich mich gleich zuwenden
möchte.
Von allen uns konfrontierenden neuen Herausforderungen ist die Verhinderung oder Entschärfung ethnischer und regionaler Konflikte die vielleicht greifbarste
- und erschreckendste. Es trifft zu, daß die NATO den
Krieg im ehemaligen Jugoslawien nicht abgeschreckt
oder beendet hat. Aber niemand hätte dies von ihr
erwarten sollen.
Die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien ereignete
sich zu kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, um
der NATO die zur Anpassung erforderliche Zeit einzuräumen. Wie Lee Hamilton, der Vorsitzende des
Auswärtigen Auschusses des Repräsentantenhauses
feststellte: "Die heute im ehemaligen Jugoslawien
entfesselten Dämonen gehen auf die Zeit lange vor
Bestehen der NATO zurück und haben seit Jahren
unmittelbar unter der Oberfläche gelebt. Man kann die
NATO nicht anhand eines Krieges innerhalb der ehemaligen Grenzen eines Nichtmitgliedstaats der NATO
beurteilen."
In den Gebieten, in denen sich die NATO engagiert,
hat sie schnell und effektiv reagiert. Allein durch ihr
Engagement im ehemaligen Jugoslawien ist die NATO
über die Debatte von Einsätzen "out ofarea" hinausgegangen. Sie setzt eine Flugverbotszone in der Luft und
ein Wirtschaftsembargo auf See durch. Auf Initiative
der Vereinigten Staaten drohte die NATO einen Lufteinsatz an, der die Einkesselung Sarajevos und anderer Gebiete Bosniens lockerte. Sollte schließlich eine
in gutem Glauben ausgehandelte Lösung erzielt und
die erforderlichen Bedingungen erfüllt werden, kommt
der NATO eine zentrale Rolle bei deren Umsetzung zu.
Die traurige Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß in
Ermangelung des Willens zu Frieden unter den Kombattanten weder die NATO noch irgendeine andere
Organisation oder Nation - abgesehen von einer
massiven Verlegung von Truppen und Ressourcen viel zur Verhinderung eines größeren Krieges tun
können. Im Falle des ehemaligen Jugoslawien gibt es
weder unter den Verbündeten noch in den Vereinigten
Staaten einen Konsens über eine Intervention dieser
Größenordnung. Die NATO kann und muß ihre Fähigkeit zur Verhinderung von Konflikten stärken, bevor sie
überhaupt ausbrechen.
Vor kurzem bin ich mit Außenminister Christopher
nach Mittel- und Osteuropa gereist, wo wir im Vorfeld
des NATO-Gipfels im Januar Präsident Clintons umfassende neue Initative für eine Partnerschaft zwischen der NATO und dem Ostern erörtert haben.
Unter dem Namen "Partnerschaft für den Frieden"
fordert dieser Vorschlag die Nationen Mittel- und Osteuropas zu praktischer Zusammenarbeit mit den NATOMitgliedstaaten in einem breiten Spektrum von Bereichen wie gemeinsamer Planung, Ausbildung, Übungen und Manövern auf.
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Als Höhepunkt eines Evolutionsprozesses könnten
einige dieser Nationen letztlich der NATO beitreten. In
der Zwischenzeit sollte sich die Partnerschaft für den
Frieden zur Förderung von Stabilität und Sicherheit in
ganz Europa als nützlich erweisen. Infolgedessen
können wir darauf hoffen, künftige Krisen vor ihrem
Ausbruch im Keim zu ersticken, statt erst im nachhinein darauf zu reagieren.
Ungeachtet dessen wie mächtig oder effektiv eine
Streitmacht NATO sein oder werden mag, kann sie
natürlich nie Frieden in Europa oder andernorts garantieren. Letztlich ist die Bereitschaft der Völker in einer
bestimmten Region, auf den Einsatz von Gewalt gegeneinander zu verzichten, der Schlüssel zur Verhinderung von Konflikten.
Auch hier ist die Partnerschaft mit Europa unsere
beste Hoffnung für die Zukunft. Unsere Nationen sind
die Bannerträger der Demokratie. Gemeinsam müssen wir auf die Erweiterung des Kreises gleichgesinnter Länder hinarbeiten, denn damit verbessern wir
unsere eigene Sicherheit. Der Nationale Sicherheitsberater Anthony Lake hat es ausgezeichnet formuliert:
"Die Entstehung neuer Demokratien erhöht unsere
Sicherheit, weil Demokratien normalerweise nicht
miteinander Krieg führen oder dem Terrorismus Vorschub leisten. Sie sind im diplomatischen Bereich
vertrauenswürdiger und haben größere Achtung vor
den Menschenrechten ihrer Völker." Eine Welt demokratischer Marktwirtschaften wird ein Ort mit mehr Sicherheit und Wohlstand sein. Wir müssen sie mit
unseren europäischen Verbündeten und Freunden
aufbauen.
Während wir diese Aufgabe in Angriff nehmen, hängt
die Aufrechterhaltung eines stabilen internationalen
Umfelds in hohem Maße von unserer Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit den Europäern bei der Bewältigung der größten Herausforderungen für unsere kollektive Sicherheit ab. Die Vereinigten Staaten mögen
die einzige Supermacht der Welt sein, aber unsere
außenpolitische Tagesordnung erfordert die Kooperation der führenden Demokratien, um Erfolg zu haben.
Nur in Partnerschaft mit Europa können wir die Verbreitung von Waffen eindämmen, Terrorismus bekämpfen und den freien Fluß von Rohstoffen gewährleisten. Wenn wir diese Kämpfe führen, müssen wir
uns vor Augen halten, daß die uns zur Verfügung
stehenden Instrumente - Wirtschaftssanktionen,
Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und
Friedenssicherungsoperationen - effektiver sind, wenn
wir sie zusammen mit den europäischen Partnern
einsetzen. Die Vereinigten Staaten können und müssen nicht im Alleingang handeln.
Zusammenhalt
"Wir müssen alle zusammenhalten, oder wir werden
gewiß uns selbst überlassen sein", stellte ein bekannter Europhiler namens Benjamin Franklin einmal fest.
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�Die Vereinigten Staaten und Europa brauchen einander weiterhin, um das Anliegen des gemeinsamen
Wohlstands und der Sicherheit voranzubringen.
Mit diesen Worten möchte ich nicht den Eindruck
erwecken, die euro-amerikanische Partnerschaft sei
einfach eine Vernuftehe, um nicht zu sagen, eine

Zweckgemeinschaft. Wir blicken auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte zurück. Europa und die Vereinigten Staaten sind ein gutes Paar.
Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte:
Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir
verfolgen beide diese hehren Ziele - für uns und die
übrige Welt.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 48

�MENSCHENRECHTE
I.Dezember 1993

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Auschuß der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertreter von US-Botschafterin Madeleine Albright bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Victor Marrero, hat in einer Rede vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung
am 23. November 1993 Kuba, Burma und China als Nationen mit ernsthaften Menschenrechtsproblemen
benannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen Marreros im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, die große Verfechterin der Menschenrechte, Eleanor RooseveK, hat einmal erklärt,
wenn Menschenrechte zu Hause, in der Nachbarschaft, in Schulen, Fabriken, Farmen und Büros nicht
von Bedeutung seien, dann seien sie nirgendwo von
Bedeutung. Wenn Frauen, Männer und Kinder nicht
nach Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminierung an Orten streben könnten, die in
ihrem Leben wichtig seien, dann hätten universelle
Menschenrechte und Demokratie keine Bedeutung.
Wir mögen die Wert danach absuchen, würden sie
jedoch niemals finden.
Ich wende mich heute an Sie, um zu unterstreichen,
daß die Verpflichtung meines Landes zu universellen
Menschenrechten an welchem Ort auch immer niemals stärker war. Wir glauben an die Bevollmächtigung des einzelnen und die Gewährleistung individueller Menschenrechte. Wir glauben, daß es eine direkte
Verbindung zwischen menschlicher Würde und der
Fähigkeit von Nationen zu effektiver Regierungsführung gibt, zwischen Menschenrechten und sozialer
Entwicklung sowie zwischen der universellen Anwendung von Menschenrechten und globalem Frieden. Es
gibt keine höhere Pflicht, kein größeres Bedürfnis und
kein stärkeres Gebot als die Sicherstellung dieser
Rechte.
In diesem Jahr, dem 45. Jahrestag der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte, sollten wir den Völkern und Nationen Anerkennung zollen, die darum
gekämpft haben, den in ihr verankerten Idealen Inhalt
zu verleihen und universelle Menschenrechte in das
tägliche Leben aller Bürger der Welt einzubringen.

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Herr Vorsitzender, ebenso wie unser Land seine
Anstrengungen verstärkt hat, den Idealen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gerecht zu
werden, haben wir andere Nationen zu ermutigen
versucht, dasselbe zu tun. Unseres Erachtens sollten
die Bosnier frei von Angst und die Somalis frei von
Hungersnöten sein. Unseres Erachtens sollten die
Haitianer Redefreiheit genießen. Die Tibetaner sollten
ihre Religion frei ausüben können.
Traurigerweise finden auf der Welt gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Der die Staaten des
ehemaligen Jugoslawien bedrohende Schrecken ist
allen hier Anwesenden nur zu gut bekannt. Unbeschreibliche Akte der Vergewaltigung, des Mordens,
ethnischer Säuberungen, Plünderungen und mutwillige Zerstörung sind nach wie vor eine Heimsuchung für
die Menschen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien.
Wir begrü ßen die wichtige Arbeit von Sonderberichterstatter Mazowiecki und anderer. Die internationale
Staatengemeinschaft muß weiterhin effektive Mittel
zur Wiedergutmachung dieser abscheulichen Akte
suchen. Das Mandat des Kriegsverbrechertribunals
für das ehemalige Jugoslawien besteht im Aufspüren,
der Anklage und Verurteilung der für die Anordnung
und Durchführung dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit Verantwortlichen. Die Vereinigten Staaten
möchten in dieser Sache nicht mißverstanden werden:
Die politisch verantwortlichen Serben in Serbien, Bosnien
und Kroatien tragen die Verantwortung fürden größten
Teil der in diesen tragischen Zeiten begangenen Greueltaten. Diejenigen mit Blut an den Händen und einem
belasteten Gewissen werden der Gerechtigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft nicht entgehen.

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�Bosnien ist jedoch nicht das einzige Beispiel flagranter
Menschenrechtsverletzungen. In Somalia blicken
Menschen zahlreicher unterschiedlicher Clans dem
Tag entgegen, an dem in ihrer Nation wieder Frieden
einkehrt. Die Vereinigten Staaten haben ein Interesse
an diesem Prozeß. Zusammen mit anderen Nationen
haben wir Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereitgestellt sowie das Leben unserer Soldaten für diese
Sache aufs Spiel gesetzt. Wir hoffen, daß in diesem
kriesengeschüttelten Land jedem einzelnen das Grundrecht auf Leben garantiert werden kann. Die Somalis
müssen jedoch selbst eine Führungsrolle bei der
Gewährleistung dieses Rechts übernehmen.
In Haiti verletzen die Militärmachthaber weiterhin das
grundlegende Recht aller Haitianer auf freie Wahl ihrer
Regierung. Das Engagement der Vereinigten Staaten
und der gesamten internationalen Staatengemeinschaft
ist nach wie vor ungebrochen, die demokratische
Herrschaft in Haiti wiederherzustellen und beim Aufbau von Institutionen, denen sie vertrauen können,
behilflich zu sein.
Auch Kuba ist noch immer eine tragische und negative
Ausnahme des Trends zu Demokratie in Lateinamerika. Die Regierung verweigert ihren Bürgern weiterhin
das Recht auf Rede- und Koalitionsfreiheit und inhaftiert Menschenrechtsverfechter, die es wagen, die
Wahrheit über die Unterdrückung zu sagen. Die
kubanische Marine hat eine schwimmende Berliner
Mauer errichtet und verhaftet oder ermordet diejenigen, die in erbarmungswürdigen Gummischläuchen
oder selbstgezimmerten Booten von der Insel zu fliehen versuchen. Wir fordern das Regime auf, den
Würgegriff um die Grundfreiheiten der Kubaner zu
lockern und Sonderberichterstatter Groth in Ausübung
seines Mandats einen Besuch zu gestatten.

Seit vielen Jahren übt Saddam Husseins Regime eine
Terrorherrschaft über das irakische Volk aus. Im
vergangenen Jahr haben die irakischen Streitkräfte die
Marschen im Süden entwässert und abgefackelt, Dörfer
niedergebrannt und Städte mit Artilleriefeuer belegt.
Die Regierung hat ein vollständiges Embargo für
Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente gegen
den Nordirak verhängt - all dies in flagranter Verletzung
von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Herr Vorsitzender, wir sind tief besorgt über die Bilanz
von Menschenrechtsverletzungen der sudanesischen
Regierung, bis hin zu Berichten über die Vollstreckung
der Todesstrafe ohne Gerichtsverfahren, Massenexekutionen, Verschleppungen, systematische Folterung
und willkürliche Verhaftungen. Wir fordern alle Konfliktparteien im Sudan zur Achtung der grundlegenden
Menschenrechte auf. Wir sind ersetzt, daß sudanesische Regierungsvertreter Dissidenten verhaftet haben, die mit Sonderberichterstatter Diro zusammengetroffen sind oder eine Begegnung mit ihm gesucht
haben.
Wir sind zutiefst besorgt, Herr Vorsitzender, über
Berichte gravierender Menschenrechtsverletzungen
in Burundi, Äquatorialguinea und Tschad. Wir verurteilen darüber hinaus den fortschreitenden Verfall der
bürgerlichen Gesellschaft in Zaire. Obwohl Mauretanien gewisse Fortschritte zur Demokratie erzielt hat,
bedauern wir die jüngste Generalamnestie der für die
Folterung und Ermordung von über 500 Mauretaniern
afrikanischer Abstammung Verantwortlichen. Zusätzliche glaubwürdige Schritte zur Demokratie sind erforderlich.

Herr Vorsitzender, auch die Menschenrechtspraktiken
der chinesischen Regierung sind weiterhin repressiv
und erfüllen die internationalen Normen in keiner Weise.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin tief besorgt Die Sicherheitskräfte sind verantwortlich für Menschenüber die Menschenrechtssituation in Burma. Obwohl rechtsverletzungen, einschließlich Folterungen, willFortschritte erzielt wurden, verweigert die Regierung kürlichen Festnahmen und Inhaftierungen. Männer
dem burmesischen Volk nach wie vor Grundfreiheiten. und Frauen, deren einziges Verbrechen in der ÄußeNobelpreisträgerin Aung Suu Kyi steht immer noch rung von Meinungen besteht, die im Widerspruch zur
unter Hausarrest, und wir fordern hiermit erneut ihre politischen Führung stehen, befinden nach wie vor in
Freilassung. Es besteht ein eindeutiger Zusammen- Haft. Während ihrer Inhaftierung wurden einige dieser
hang zwischen burmesischen Waffenkäufen und den Gefangenen unmenschlich behandelt. China sollte
andauernden Menschenrechtsverletzungen. Aus sicherstellen, daß erzwungener Schwangerschaftsabdiesem Grund haben die Vereinigten Staaten ein frei- bruch und obligatorische Sterilisierung nicht Bestandwilliges Waffenembargo gegen Burma verhängt, und teil seiner Familienplanungspolitik bleiben. China sollte
wir ermutigen alle Mitgliedstaaten der Vereinten Natio- ferner seinen Bürgern internationale Rundfunk- und
nen, dasselbe zu tun.
Fernsehsendungen zugänglich machen. Die chinesischen Behörden sollten alle erforderlichen Schritte
Die iranische Regierung verletzt weiterhin die Men- zum Schutz des beträchtlichen kulturellen und religischenrechte ihrer Bürger in massivem Umfang. Zu ösen Erbes von Tibet unternehmen.
den bekannten Menschenrechtsverletzungen zählen
Massenexekutionen, häufige Folterungen, Verbot der Herr Vorsitzender, glücklicherweise brechen durch
Rede-, Religions-, Presse-, Versammlungs- und Koa- diese dunklen Wolken Strahlen der Hoffnung in die
litionsfreiheit, gravierende Beschränkungen der Rech- Welt von heute, die uns ermutigen, es besser zu
te von Frauen und Arbeitnehmern sowie die andauern- machen. Wir sind positiv beeindruckt von Entwicklunde Unterdrückung der Bahai.
gen im Bereich der Menschenrechte in einer Reihe von
Ländern, die bisher Anlaß zur Sorge gegeben haben.
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AMERIKA DIENST 48

�Beispielsweise hegen wir große Hoffnungen, daß die
Unterzeichnung und Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung entscheidende
Verbesserungen für die Menschenrechtssituation in
den von Israel besetzten Gebieten bewirken wird.
Unser Lob gebührt denjenigen, die in diesem Jahr am
härtesten gearbeitet haben, um für die Menschen in
Südafrika Frieden, Demokratie und Gleichberechtigung zu erreichen - vor allem Präsident de Klerk und
Nelson Mandela. Frieden und Demokratie müssen
jedoch noch verwirklicht werden, und wir fordern alle
Parteien zur konstruktiven Beteiligung an dem sich
jetzt vollziehenden politischen Umbruch auf.
Im Jahr 1993 erlebte Kambodscha eine demokratische und Menschenrechtsrevolution. Die in diesem
Jahr erzielten Fortschritte bei den Menschenrechten
sollten gewährleisten, daß Kambodscha nie wieder zu
der verzweifelten Unterdrückung des "Schreienden
Landes" zurückkehrt.

Regierung Nicaraguas zur Durchführung der Empfehlungen der Dreierkommission auf, die eine Gesetzesreform und die Lösung anhängiger Menschenrechtsfälle zum Inhalt hat.
Wir sind von den Fortschritten der peruanischen
Regierung bei der Wiedereinführung der demokratischen Herrschaft und der drastischen Reduzierung
von Menschenrechtsverletzungen in diesem Jahr
beeindruckt, obwohl die Vereinigten Staaten weiterhin
besorgt über Todesfälle und Verschleppungen sowie
Straffreiheit für in der Vergangenheit begangene
Menschenrechtsverletzungen sind.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die von den Menschen in Ghana und Ruanda erzielten Fortschritte zur
Demokratie.

Trotz der Krise in Moskau Anfang Oktober gibt die
historische Umgestaltung in Rußland Anlaß zur Hoffnung. Wir sind erfreut, daß die Menschenrechtssituation sich dort weiterhin verbessert. Während die
In den vergangenen Jahren hat Sri Lanka beachtliche Nation Demokratie anstrebt, sehen wir der ZusamFortschritte bei der Menschenrechtsreform gemacht. menarbeit mit Rußland in den Vereinten Nationen und
Wir hoffen, die derzeitige Regierung wird diese Bestre- andernorts entgegen, um größere Achtung der Menbungen fortsetzen und aktiv die Umsetzung früherer schenrechte und demokratischer Institutionen zu fördern.
Verpflichtungen überwachen.
In Mexiko, Kolumbien und Guatemala geben mit der
Prüfung von Berichten über Menschenrechtsverletzungen beauftragte unabhängige Organisationen starke, mutige Empfehlungen an ihre Präsidenten und
gesetzgebenden Organe ab.

Glücklicherweise, Herr Vorsitzender, gibt es heute
mehr Verfechter und Garanten der Menschenrechte
als Böswillige, die sie verweigern wollen. Die Vereinigten Staaten sehen der Verleihung des Menschenrechtspreises der Vereinten Nationen am Menschenrechtstag, dem 10. Dezember, erwartungsvoll entgeDer Prozeß zu Frieden und Aussöhnung in El Salvador gen. Wir hoffen, daß die Geehrten echte Hüter der
hat im Jahr 1993 wirklich beeindruckende Fortschritte Menschenrechte sind - Menschen, die manchmal
erzielt. Die Vereinten Nationen können stolz auf die jahrelang unter gefährlichen Bedingungen mit wenig
unerläßlich Rolle sein, die ONUSAL (Organisation der Anerkennung arbeiten.
Vereinten Nationen in El Salvador) in dieser Erfolgsgeschichte gespielt hat. Die Vereinigten Staaten sind Menschenrechtsverfechter verbreiten nicht nur das
jedoch besorgt über die jüngste Ermordung von FMLN- Licht der Wahrheit in ihren eigenen Nationen, sondern
Mitgliedern in El Salvador und fordern die Regierung unter uns allen. Die Würde ihrer Arbeit verleiht unsezur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen ren Häusern, Schulen, Arbeitsplätzen und religiösen
auf.
Stätten Sicherheit. Alsdie wahren Helden unserer Zeit
sind sie die Streiter für Freiheit und Demokratie. Wir
Wir beglückwünschen Präsidentin Chamorro zu ihren wollen gemeinsam die Freiheiten feiern, die sie für uns
jüngsten Versuchen, die Kontrolle über die nicaragua- zu Hause, in Städten, Schulen, am Arbeitsplatz und in
nischen Sicherheitskräfte zu erlangen. Wir fordern die religiösen Stätten bewirkt haben.

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AMERIKA DIENST 48

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Sehe 3

�US-MILITAR
I.Dezember 1993

AUCH SIE DIENEN: FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick
Der Anteil von Frauen in den amerikanischen Streitkräften nimmt ständig zu - wie ihre Rolle im Golf krieg 1991
und die jüngsten Direktiven der US-Regierung zeigen, erläutert die Verfasserin in dem folgenden Artikel, stellt
jedoch fest, daß ihre Zahl noch vergrößert werden kann.
Michele McCormick ist freiberufliche Schriftstellerin mit Wohnsitz in Kalifornien.

Major Jacqueline Cumbo von der US-Armee fällt es
nicht schwer zu entscheiden, welche ihrer militärischen Erfahrungen ihr am tiefsten im Gedächtnis
verhaftet ist. Es war der Tag, an dem sie die Versetzung nach Panama erhielt, wo die Operation Gerechte
Sache bereits in vollem Gange war.
"Ich war zu Tode erschrocken", erinnert sie sich. "Ich
dachte, ich übernehme nicht nur das Kommando - ich
übernehme es in einer feindlichen Umgebung. Ich
hatte keine Angst um mein Leben, sondern davor,
Entscheidungen zu treffen, die für alle die Sicherheit
gewährleisten sollten."
Die 31jährige Militärpolizistin hätte sich keine Sorgen
zu machen brauchen. Sie übte das Kommando über
die Kompanie erfolgreich aus und übernahm die gleiche Aufgabe während der Operation Wüstensturm am
Persischen Golf. "Ein weiblicher Kompaniekommandeur der MP (Militärpolizei) ist selten in einem Kampfgebiet", erklärt eine Frau, die diese Aufgabe zweimal
übernommen hat. Aber eine Einheit von 111 Männern
und 14 Frauen zu kommandieren, gefiel ihr gut. "Ich
hatte keine Probleme", stellt sie fest. "Die Kameradschaft war ausgezeichnet."
Die US-Armee ist derselben Meinung. Cumbos kürzliche Beförderung zum Major reihte sie in die knapp
fünf Prozent Hauptleute bei der Militärpolizei ein, die
für eine Beförderung vorgeschlagen werden.
Heutzutage sind solche Geschichten keine Seltenheit
mehr. In dem Maße, wie sich die Präsenz der Frauen
im Militär erweitert hat, haben sie ein breites Spektrum
nicht herkömmlicher Aufgaben übernommen. Ihre
Präsenz hat auch Fragen aufgeworfen - von Schwangerschaft und Kinderbetreuung bis zu sexueller Belästigung und Kampfeinsätzen - bei deren Bewältigung
die Teilstreitkräfte harte Arbeit geleistet haben.
AMERIKA DIENST 48

Die amerikanischen Soldatinnen von heute haben ihre
Fähigkeiten überzeugend unter Beweis gestellt. Trotz
kontinuierlicher Fortschritte haben viele von ihnen
jedoch immer noch das Gefühl, daß mehr getan werden muß und sie ihre Präsenz noch erweitern können.
Für diese Frauen bot der Krieg am Persischen Golf die
Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, daß sie ihre
Arbeit auch unter schwierigsten Bedingungen meistern konnten. Der Krieg hatte auch maßgebliche
Auswirkungen auf die Stellung der Frau in den USStreitkräften sowie ihr potentielles Fortkommen. Obwohl
Frauen seit vielen Jahren in einem breiten Spektrum
von Positionen gedient haben, waren sie beim Golfkrieg zum ersten Mal ganz direkt und in solchem
Umfang an Kampfhandlungen beteiligt.
"Der Golfkrieg hat einen unglaublichen Unterschied
bewirkt", stellt Carolyn Becraft fest, Expertin für Frauenfragen im Militär, die zurZeit Kommunikationsdirektorin des internationalen Instituts für Frauenforschung
ist. "Der Krieg hat Mythen zerstört - daß Frauen sich
nicht versetzen lassen, besondere Behandlung verlangen, sie den Zusammenhart zerstören, diese Nation Frauen in Leichensäcken nicht tolerieren würde."
"Statt dessen hat der Golfkrieg bewiesen, daß wir mit
Frauen in den Krieg gehen und gewinnen können.
Viele der Fragen von Politikern wurden beantwortet.
Leider konnten sie nicht auf andere Weise beantwortet
werden."
Allein im Hinblick auf den Umfang war der Anteil von
Frauen während des Golfkrieges beeindruckend. Über
33.000 Soldatinnen hatten in der gesamten Region
Posten inne. Sie dienten als Mechanikerinnen, Pilotinnen, Lastwagenfahrerinnen, Militärpolizistinnen, Besatzungsmitglieder von Raketenbombern und in einer
Vielzahl anderer Positionen. Drei Frauen wurden
Seite 1

�getötet, als eine SCUD-Rakete in eine Kaserne einschlug, eine starb im Gefecht und zwei wurden als
Kriegsgefangene genommen.
Obwohl diese Erfahrungen einen Präzedenzfall schufen, war die Tatsache, daß so viele Frauen ihre Rolle
so erfolgreich in einem Kriegsgebiet ausübten, für
niemanden eine Überraschung.
"Die Ausbildung hat sich bezahlt gemacht", erklärt
Generalmajor Robert Frix, der als Stellvertretender
Kommandierender General der Third Army seinen
Dienst tat. "Ausbildung zur Erfüllung der Aufgabe und
zur Zusammenarbeit. In einer solchen Situation sieht
man Frauen nicht als Frauen, sondern als kompetente
Führungskräfte."
Die Chance für Frauen, eine Führungsrolle in einem so
schwierigen Umfeld zu übernehmen, kann sehr wohl
bei einer bahnbrechenden Entscheidung eine Rolle
gespielt haben, die ihnen weitere Möglichkeiten bei
Kampfeinsätzen einräumte. Am 28. April 1993 erließ
Verteidigungsminister Les Aspin eine Direktive, die
Frauen Zugang zu einem breiteren Spektrum von
Positionen und die Bewerbung für Positionen in Kampfflugzeugen gestattete. Aspin versprach ferner, den
Kongreß zur Aufhebung des bestehenden Gesetzes
über den Ausschluß aus Kampfhandlungen zu drängen und die Versetzung von Frauen auf in Kampfhandlungen verwickelte Schiffe zu genehmigen.
In einer kurz nach Veröffentlichung der Direktive gehaltenen Rede stellte Aspin fest, das heutige Militär
müsse sich die besten verfügbaren Talente zunutze
machen. In der Vergangenheit "waren den Frauen zu
viele Schlüsselpositionen beim Militär verschlossen",
erklärte er. "Während wir jede Positon mit der am
besten geeigneten Person besetzen wollten, haben
wir gleichzeitig einige der Besten ausgeschlossen. Wir
sind jetzt dabei, dies zu ändern."

Der Trend zur Öffnung solcher Positionen für Frauen
war langsam, aber stetig. "Jedes Mal, wenn ich an
einer Stufe meiner Karriereleiter angelangt war, wurden neue Möglichkeiten eröffnet", steift Looney fest.
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
waren Frauen an militärischen Aktionen beteiligt, aber
die Art ihres Engagements hat sich entschieden gewandelt.
Neben so traditionellen Aufgaben wie Tätigkeiten als
Krankenschwestern oder Boten haben einige wenige
auch Waffen auf dem Kriegsschauplatz getragen eine Rolle, die sie für gewöhnlich nur als Männer
verkleidet ausüben konnten.
Bis zum Ersten Weltkrieg trugen Frauen die Uniformen
aller amerikanischen Teilstreitkräfte und leisteten
Unterstützung, die sich vornehmlich auf Tätigkeiten im
administrativen Bereich oder als Krankenschwestern
konzentrierte.
Aber das enorme Ausmaß des Zweiten Weltkriegs
erforderte eine größere Beteiligung. Während dieses
langen Krieges wurde das Frauen-Armeekorps
(Women's Army Corps - WACs) und die Frauengruppe
für freiwillige Notdienste (Women Accepted for Voluntary Emergency Services - WAVEs) gegründet. Frauen traten diesen Gruppen bei und wurden in Bereichen
wie Luftfahrt, Navigation, Ingenieurwesen, Schießausbildung, Flugsicherung, Bordfunk und vielem mehr
tätig.

Trotz dieser langen, bedeutenden Geschichte begann
das interessanteste Zeitalter des Militärdienstes für
Frauen erst vor ungefähr 25 Jahren. "Unser wichtigster Meilenstein war das Jahr 1967", erinnert sich
Evelyn "Pat" Foote, pensionierter Brigadegeneral des
Heeres. "Damals unterzeichente Präsident Johnson
das öffentliche Gesetz 90-130, das die Beschränkung
der Zahl von Frauen, die in der Armee dienen konnten,
"Die Veränderungen sind wirklich bahnbrechend", so und die Restriktionen für die Beförderung von Frauen
Becraft. "Sie ebnen den Weg für Frauen, Vier-Sterne- aufhob."
General zu werden. Zum ersten Mal werden Frauen
auf oberster Ebene mit am Tisch sitzen, um wichtige Laut Foote, einer energischen Verfechterin der Beteiligung von Frauen an allen Bereichen des MilitärdienFragen von Krieg und Frieden zu diskutieren."
stes einschließlich direkter Kampfhandlungen, erfolgKorvettenkapitän Donna Looney, zur Zeit dem Büro ten diese Veränderungen nicht in Anerkennung der
des Sonderberaters der US-Marine für Frauenfragen Fähigkeiten von Frauen, sondern als Reaktion auf
unterstellt, stellt fest, die Veränderungen seien für die einen ernsthaften Bedarf.
weiblichen Unteroffiziere und Mannschaftsgrade von
noch größerer Bedeutung. "Dank dieser Veränderun- Im Januar 1973, als der Vietnamkrieg sich dem Ende
gen können Frauen jetzt die Fähigkeiten, in denen sie zuneigte, wurde auch die allgemeine Wehrpflicht für
ausgebildet wurden, auf modernsten Schiffen einset- amerikanische Männer abgeschafft. Das Konzept
einer reinen Freiwilligenarmee wurde eingeführt. Um
zen. Es ist ein enormer Sprung nach vorne für sie."
den Bedarf an Dienstverpflichteten zu erfüllen, wurden
Es ist zumindest auch ein kleiner Schritt für Looney, die in hohem Maße Frauen angeworben. "Nach dem
bald ihren derzeitigen Posten verlassen und Erster Ende der allgemeinen Wehrpflicht 1973 nahm die Zahl
Offizier eines Schiffes wird, das die Weiterversorgung der Frauen stark zu", stellt Foote fest. Diese Zunahme
von Kampfgruppen gewährleistet. Vor der am 28. April verstärkte sich nochmals 1976, als die Militärakadeerlassenen Richtlinie hätte sie sich nicht um diese Po- mien für Frauen geöffnet wurden und ihnen neue
Chancen für militärische Leistungen boten.
sition bewerben können.
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�Diese Veränderungen spiegeln sich eindeutig in der
wachsenden Präsenz von Frauen beim Militär wider.
Kurz vor 1973 waren weniger als 2 Prozent der Soldaten Frauen. Heute beträgt diese Zahl nahezu 12
Prozent. Insgesamt sind mehr als 200.000 Frauen im
aktiven Dienst und über 100.000 dienen in verschiedenen Reserveeinheiten.

erläutert Mary Jones, Hauptmann der US-Armee. Jones,
die während des Golfkriegs eine Instandsetzungskompanie kommandierte, gebar zwei Kinder im Verlauf
ihrer 11 Dienstjahre.

Noch schwieriger als eine Schwangerschaft sind ihr
zufolge für die Soldatin die durch den Dienst möglicherweise erforderlichen Trennungen. Jedes Mitglied
Die von ihnen übernommenen Verantwortungsberei- der Streitkräfte, sei es männlich oder weiblich, muß
che sind bemerkenswert. Beispielsweise macht Char- einen Versorgungsplan haben, der im Falle einer
lene Wagner, Leutnant des Heeres, Militärgeschichte Stationierung in Kraft treten kann. "Keiner dieser
als erste Frau, die einen Cobra-Angriffshubschrauber Pläne funktioniert je perfekt", so Jones. "Fünfundfliegt. Sie setzte sich dieses Ziel, als ihr bei einem neunzig Prozent funktionieren. Es ist kein ausschließEinführungskurs über die verschiedenen Flugzeugty- liches Frauenproblem - auch alleinstehende Männer
pen im Bestand der Armee gesagt wurde, "welche sie haben Probleme."
(als Frau) fliegen darf und welche nicht". Im Stillen
hoffte sie jedoch darauf, daß sich eines Tages eine Die glühendsten Befürworter von Frauen im Militär wie
Foote sind der Ansicht, daß sich Mutterschaft und das
Chance "eröffnen würde".
militärische Leben nicht gegenseitig ausschließen.
Bei ihrem ersten Einsatz in Korea werden ihrem "Es gibt dort Frauen, die sehr anspruchsvolle BatailKommando 14 Stabsfeldwebel und sieben Hubschrau- lone kommandieren, ihre Kinder aufziehen und zudem
noch die Ehefrau sind, die ihr Mann sich wünscht",
ber unterstehen.
erklärt sie.
Die Leistungen von Patricia Fornes, Oberstleutnant
der Luftwaffe, haben einen emotionalen Aspekt. Sie ist Die Realität kann jedoch hart sein. Obwohl Jones im
die erste Frau, der das Kommando über ein Raketen- Hinblick auf ihre militärischen Fähigkeiten zuversichtgeschwader übertragen wurde - eine weitere Möglich- lich und auf ihre Leistungen stolz war, beschloß sie,
keit, die Frauen erst vor kurzem zugänglich gemacht den Dienst zu quittieren. Sie war von ihrer ältesten,
wurde. Fornes leitet dieselbe Einheit, der einst ihr erst acht Jahre alten Tochter fünfmal für jeweils sechs
Vater vorstand - jetzt Oberstleutnant im Ruhestand. Monate getrennt. "Es war Zeit für eine Pause", erklärt
Ihr werden rund 75 Soldaten unterstehen - die Männer sie, "denn meine Kinder wuchsen ohne mich auf.
und Frauen, die auf den Raketenanlagen der Vereinigten Staaten in Bereitschaft sind und die Einrichtungen Manche Frauen leiden unter anderen Frustrationen.
Obwohl ihre militärischen Optionen sich verbessern,
warten.
befürwortet nicht jeder die Aussicht auf "bahnbrechen"Führungsstärke ist schwer zu definieren", erklärt Glenn de Veränderungen". Einige machen sich Sorgen, daß
Fornes, wenn sie über die neuen Aufgaben ihrer sie nicht für Posten in Frage kommen, denen sie sich
Tochter nachdenkt. "Aber man wei ß, wenn jemand sie durchaus gewachsen fühlen, und warten immer noch
hat, und ich glaube, diese Dame besitzt sie in hohem auf den Tag, an dem jede Tätigkeit im Militär für alle
Maße."
Frauen offen steht. Im Gegensatz dazu halten andere
wiederum das Herkömmliche für besser.
Selbst angesichts des derzeitigen Abbaus der amerikanischen Streitkräfte nimmt der Prozentsatz von Frauen "Es gibt Frauen im Militär", so Cumbo, "die sich den
weiter zu. Obwohl die Truppenstärke zwischen 1987 neuen Kampfregeln widersetzen. Es ist einfach nicht
und 1992 um fast 370.000 Mann reduziert wurde, stieg das, was sie wollen." Zur Zeit stehen Frauen 99
der Prozentsatz der Frauen von 10,2 auf 11,5 Prozent Prozent aller Berufsgruppen in der Luftwaffe und 99
an.
Prozent der Positionen offen. In der Armee sind es 91
Prozent der Berufsgruppen und 62 Prozent der PosiEs steht außer Frage, daß die Präsenz von Frauen tionen. Die Marine hat 86 Prozent der Berufsgruppen
Fragen und Probleme aufgeworfen hat, die nicht leicht und 60 Prozent der Positionen für Frauen geöffnet,
zu lösen sind. Schwangerschaft ist beispielsweise während die Marineinfanteristen 80 Prozent der Beeine Realität im Leben der Frau. Zur Zeit verrichten rufsgruppen und 34 Prozent der Positionen anbieten.
schwangere Frauen ihre Aufgaben so lange wie möglich.
Ist die Tätigkeit gefährlich, oder sie sind aus medizini- Das scheinen enorme Chancen zu sein, aber einigen
schen Gründen nicht in der Lage, sie auszuüben, Frauen reicht das nicht aus. Wenn jedoch Verteidiwerden ihnen administrative Aufgaben übertragen. gungsminister Aspin wie versprochen das Gesetz über
Nach der Geburt des Kindes erhalten die Mütter min- den Ausschluß von Frauen aus Kampfhandlungen
destens sechs Wochen Mutterschaftsurlaub.
Ende1993 aufhebt, wird es noch mehr Chancen geben. Die Marine erstellt bereits Pläne, jedem der drei
"Im großen und ganzen vertreten wir die Auffassung, Flugzeugträger 1994-95 etwa 500 Frauen zuzuteilen,
daß man nicht krank ist, nur weil man schwanger ist", falls das Gesetz geändert wird.

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�"Das Militär muß jetzt begründen, warum Frauen von
einer Position ausgeschlossen werden", erläutert Becraft.
"Es wird hoffentlich eine vernünftige Erklärung dafür
geben, warum die Möglichkeiten von Frauen aufgrund
ihres Geschlechts beschränkt werden. Wahrscheinlich läuft das auf körperliche Stärke hinaus."

vergaßen wir alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern und waren nur noch Soldaten."

fast kein Unterschied zwischen dem Einsatz als
Kombattant oder Nichtkombattant. "Meines Erachtens werden Frauen letztlich in Kampfausrüstung enden",
äußert Jones. "Gehört nicht die Infanterie zur Arbeit
jedes Soldaten dazu? Als der Bodenkrieg begann,

Alle Teilstreitkräfte haben strenge Regeln, die sexuelle
Belästigung verbieten. Die Beseitigung derartiger
Probleme und die Schaffung eines Umfelds, in dem
Frauen sich profilieren können, stellt im Militär eine
Priorität dar. "In der Vergangenheit war es schwierig

In der Armee ist das eine besonders heikle Frage, da
so viele Frauen den Einheiten zugeteilt sind, die Kampfeinheiten direkt unterstützen. "Frauen werden eines
Tages Kampf eingesetzt", erklärt Oberstleutnant
Die vielleicht letzte große Hürde für Frauen im Militär Marcene Etchieson, Personalexpertin. "Unsere Politik
bringt immer noch einige interessante Scenarien her- schließt sie von einer Beteiligung an routinemäßigen
vor. Frauen werden beispielsweise von Elitekampf- direkten Bodenkämpfen aus." Zu den im Golfkrieg
truppen wie den Special Forces der Armee oder den gefangengenommenen Frauen stellt Etchieson fest:
Kampfschwimmern der Marine SEALS ausgeschlos- "Das liegt nicht außerhalb der Politik der Armee. Sie
sen. Bisweilen werden Frauen jedoch diesen Gruppen taten die ihnen zugeteilte Arbeit."
zugeteilt, wenn ihre besonderen Fähigkeiten vonnöten
Wie auch immer diese Arbeit aussehen mag - einige
sind.
führende Vertreter der Streitkräfte sind der Ansicht,
"Wir alle erkennen den herausragenden Beitrag von daß gewisse Beschränkungen bestehen bleiben
Frauen an, die in unseren Streitkräften dienen", erklärt müssen. "Ich persönlich vertrete die Auffassung, daß
der Senator und ehemalige Astronaut John Glenn, der Frauen nicht in der Infanterie dienen sollten", äußert
bei vielen Entscheidungen in bezug auf das Militär eine Frix. "Ich gehörte ihr an und weiß folglich, was das
Schlüsselrolle spielt. "Die Teilnahme von Frauen an bedeutet. Denken Sie über mich, was Sie wollen, aber
Kampftruppen und -Positionen führt zu einigen grund- ich glaube nicht, daß Frauen mit extremen Entbehrunlegenden Fragen über den zukünftigen Umfang und gen fertig werden können."
die Struktur der Streitkräfte."
Major Kathy Wood, Offizier der Armee, ist widerstreDie wichtigste Frage - sollten Frauen im direkten bend zu derselben Schlußfolgerung gelangt. Sie wurde
Kampf eingesetzt werden - ist Fachleuten zufolge schon zu Beginn ihrer Laufbahn für den Einsatz in
durch die moderne Technologie praktisch fiktiv gewor- Panzern ausgebildet und stellt jetzt fest: "Nach zwei
den. "Der Ausschluß der Frau vom Kampf ist eine Jahren Umgang mit Panzern und angesichts der
absolut falsche Formulierung", so Frix. "Frauen wer- Bedingungen und Situationen, denen wir ausgesetzt
den von Positionen ausgeschlossen, bei denen das waren, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß Frauen
Töten von Menschen die Haupttätigkeit ist."
nicht dorthin gehören. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber es stimmt. Es stimmt auch, daß Frauen, die
Frix und andere weisen darauf hin, daß Frauen bei der im Kampf eingesetzt werden möchten, die Gelegenmodernen Kriegführung ebenso in Gefahr sind wie die heit zur Entscheidung für einen Bereich haben, der sie
Männer. "Der Krieg am Golf war großangelegt, und sie mit größter Wahrscheinlichkeit ins dichteste Kampfgewaren von Beginn an beteiligt", stellt er fest. "Es gab tümmel bringt."
dort keine Unterschiede. Absolut keine. Niemand
machte sich darüber Sorgen, daß Frauen der Gefahr Während die Armee den Frauen eine breite Palette
ausgesetzt waren."
von Möglichkeiten anbietet, wird die Marine sogar
noch fortschrittlicher. Seit Beginn der achtziger Jahre
Das schließt die Frauen selbst mit ein. Yolanda Wood, hat das Programm "Frauen zur See" weiblichen MariAbsolventin der Luftwaffenakademie, ist Navigatorin neangehörigen den Dienst auf See ermöglicht. Mariund war früher den KC-135-Tankf lugzeugen zugeteilt. nekapitän Dennis Egan befehligte einen Flottentanker,
"Ich bin ausgebildet worden", erklärt sie. "Ich bin zu dessen Besatzung 62 Frauen zählten. "Es klappte
Luftwaffenoffizier. Niemand will in den Krieg. Aberder gut", erklärt er. "Es war eine Übung in Flexibilität. Ich
Wunsch nach der Verteidigung des Heimatlandes ist bekam hochqualifizierte, sehr intelligente Frauen."
nicht auf ein Geschlecht beschränkt."
Dennoch, so Egan, müssen bestimmte Punkte beDie US-Marine hat sich diese Philosophie bereits voll rücksichtigt werden - von der Umgestaltung der Schifund ganz zu eigen gemacht. Sie hat einer Luftkampf- fe, um den Bedürfnissen der Frauen Rechnung zu
einheit schon die erste Frau zugeteilt. Sollten die tragen, bis zu den Schwierigkeiten, die die enge ZuUmstände in Zukunft eine Angriffsmission unter Füh- sammenarbeit von Männern und Frauen mit sich bringt.
rung der Marine erfordern, könnte es sehr wohl eine "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz war ein Anlaß
Frau sein, die die erste Bombe abwirft.
zur Sorge, mit dem man sich offen befassen mußte",
Für die Frauen, die am Golfkrieg teilnahmen, existiert äußert er.

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�für Frauen, mit Männern zu konkurrieren, weil sie
keinen nennenswerten Dienst zur See ableisteten."
Gegenwärtig werden auch Schiffe von weiblichen
Angehörigen der Marine befehligt. Korvettenkapitän
Darlene Iskara, die 1990 das Kommando erhielt, war
die einzige Frau an Bord des von ihr befehligten
Schiffes. Seitdem ist zwei weiteren Frauen das
Kommando über ein Schiff übergeben worden, und
weibliche Angehörige der Marine haben auch Staffeln
kommandiert.
Bemerkenswerte Leistungen sind für weibliche Marinepiloten nichts Neues. Im Gegensatz zu Pilotinnen
der Luftwaffe, die zuvor vom Führen bestimmter Jagdflugzeuge ausgeschlossen waren, sind die Pilotinnen
der Marine jedes im Arsenal verfügbare Flugzeug geflogen, einschließlich der im Training verwendeten F/
A-18-Jagdbomber und Angriffsflugzeuge.

Dieser Zugang wird nur langsam gewährt. Gegenwärtig gehören allen Teilstreitkräften nur 11 weibliche
Offiziere im Generalsrang an - zwei in der Armee, drei
in der Luftwaffe, fünf in der Marine und eine bei den
Marineinfanteristen. Nur eine von ihnen - Konteradmiral der Marine - hat den Rang eines Zweisternegenerals. Nur zwei weibliche Luftwaffenoffiziere und ein
weiblicher Armeeoffizier wurden jemals mit zwei Sternen ausgezeichnet. Und was die Armee betrifft, ist das
Beispiel schon fast Geschichte. Generalmajor Betty
Clark, letzter Kommandeur des Frauen-Armeekorps,
wurde 1973 nach Auflösung des Korps in den Ruhestand versetzt.

Oberst Jean Oestreich von der Luftwaffe, ehemalige
Direktorin der Operationen für strategisches Luftkommando, ist der Ansicht, daß mehr Frauen in höchste
Ränge aufsteigen werden. "Ich beobachte eine veränderte Einstellung gegenüber den Frauen", stellt sie
fest. "Als ich kam, hatten die Männer und die FühFrauen nehmen an Feindstaffeln teil und fliegen Feindrungsriege begrenztere Ansichten von dem, was wir
darstellung, um ihre männlichen Kollegen in Kurventun
könnten. Heute ist das kein Thema mehr."
kampftechniken auszubilden. In der Marine gibt es zur
Zeit fünf Testpilotinnen, die gewährleisten, daß die Andere Vertreter des Militärs sind der Auffassung, daß
neuen Flugzeuge den Erfordernissen der Marine ent- auch Frauen Generäle werden - bis jetzt sei dazu nur
sprechen.
noch nicht genug Zeit vergangen. "Erst Mitte der
siebziger
Jahre kamen immer mehr Frauen in die
Im Juni und Juli 1993 traten die ersten weiblichen
Armee",
erklärt
Etchieson. "Man braucht einige Jahre,
Angehörigen der Marine einer auf einem Flugzeugträbis
man
General
oder Hauptfeldwebel wird. Erst jetzt
ger stationierten taktischen Staffel bei. Die Marine
kommt
eine
steigende
Zahl von Frauen hierfür in
erwartet, im April 1994 20 bis 25 Pilotinnen und weibFrage."
liche Flugoffiziere in taktischen Staffeln zu haben. Für
die Frauen in der Marine, die zuvor trotz ihrer umfassenden Ausbildung von diesen wichtigen Positionen
ausgeschlossen waren, stellt das eine dramatische
Veränderung dar.
"Vor diesem Wandel waren meine Optionen sehr
begrenzt", stellt Leutnant Sara Joyner, eine 26jährige
Fluglehrerin bei der Marine, fest. Sie erklärte vor
Journalisten, sie hoffe, für die Ausbildung zur Steuerung des angesehenen F-18-Jagdbombers angenommen zu werden.
Angesichts des technologischen Wandels betrifft die
Frage, mit der Frauen im Militär konfrontiert werden,
nicht so sehr den Kampf, sondern den Zugang zu
Führungspositionen. "Frauen wollen keine Infanteristen sein", erklärt Becraft. "Sie wollen Zugang zu
Positionen, die zu höheren Rängen führen."

*

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Zweifelsohne widmen sich alle Teilstreitkräfte dieser
Frage sorgfältig und aufmerksam. Alle haben Frauenbeauftragte zur Entwicklung von Lösungen. Die Frauenberatungskommission für die Teilstreitkräfte (Defense Advisory Commission on Women in the Services
- DACOWITS) steht dem Verteidigungsministerium
beratend zur Seite.
Trotz Komplikationen wie dem fortgesetzten Streitkräfteabbau, der die Chancen für Männer und Frauen
in den Streitkräften beschränkt, besteht kein Zweifel,
daß sich die Dinge dramatisch verändern.
"Die Operation Wüstensturm hat gezeigt, daß jeder
Soldat eingezogen werden muß, wenn Soldaten benötigt werden", erklärt Kampfveteran Cumbo. "Das
Geschlecht ist unerheblich. Frauen mögen an der
Front führend sein, oder die Nachhut bilden, aber sie
werden präsent sein."

* * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückschau und Ausblick auf die Außenhandelspolitik der USA 1956-1957&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Guy Sims Fitch&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Wirtschaftshilfe im Jahre 1956&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jahresbericht der amerikanischen Atomindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Erziehung - Wissenschaft - Kultur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brücken des Wissens und der Verständigung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das Austauschprogramm der USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Internationale der Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;An der Schwelle des Internationalen Geophysikalischen Jahres&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Literatur 1956&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die erfolgreichsten Bücher des Jahres&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Wissenschaft und Forschung im Jahre 1956&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Die Toten des Jahres 1956&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>a

Information
und
Dokumentation

i

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zu den Ereignissen in Iran und Afghanistan
- Wortlaut USA unterbreiten Resolution gegen Iran
- Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat Weltsicherheitsrat nimmt US-Resolution an

N

- Wortlaut der Entschließung Präsident Carter fordert Wirtschaftssanktionen gegen den Iran
- Wortlaut der Erklärung Gewährleistung von Sicherheit bei Kernkraftwerken
Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island
WIRTSCHAFT
Ausblick auf die amerikanische Wirtschaft des Jahres 1980
von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2 A

�1

2. Januar 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZU DEN EREIGNISSEN IN IRAN UND AFGHANISTAN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 28. Dezember 1979 in
einer Erklärung zu den Ereignissen in Iran und in Afghanistan Stellung genommen und die militärische Intervention Moskaus in Afghanistan als eine "eklatante Verletzung akzeptierter internationaler Verhaltensregeln" verurteilt.
Die im Fernsehen übertragene Erklärung des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Außenminister Vance wird morgen zu den Vereinten Nationen reisen, um
dem Fall der Welt gegenüber dem Iran Nachdruck zu verleihen, damit die schnellstmögliche Freilassung der amerikanischen Geiseln gemäß den Forderungen erreicht
wird, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und dem Internationalen Gerichtshof erhoben worden sind.
Die Vereinigten Staaten behalten sich das Recht vor, unsere Staatsangehörigkeit sowie unsere lebenswichtigen Interessen in der uns angemessen erscheinenden Weise zu schützen - in Wahrung der Grundsätze des Völkerrechts
und der Charta der Vereinten Nationen.

Aber wie schon seit Beginn dieser

�dieser Krise ziehen wir es auch jetzt ganz klar vor, eine rasche und friedliche Lösung dieses Problems durch konzertierte internationale Aktionen zu
erreichen.

Wir dürfen in dieser Krise niemals unsere grundsätzlichen Ziele

aus den Augen verlieren:

Die Sicherheit unserer Mitbürger sowie den Schutz

der langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten.
Eine sorgsame und entschlossene Politik, die deutlich macht, daß der
Iran weiterhin einen zunehmend höheren Preis für die illegale Festhaltung
unserer Mitbürger entrichten muß, ist die beste Politik, um diese Ziele zu
erreichen, und diese Politik werde ich fortsetzen.
Eine weitere ernste Entwicklung, die zunehmende Besorgnis über den Frieden und die Stabilität in derselben Region der Welt ausgelöst hat, ist die
jüngste militärische Intervention der Sowjets in Afghanistan, die nunmehr zum
Sturz der etablierten Regierung und zur Exekution des Präsidenten dieses Landes geführt hat.

Eine solche grobe Einmischung in die inneren Angelegenheiten

Afghanistans ist eine eklatante Verletzung akzeptierter internationaler Verhaltensregeln.

Dies ist das dritte Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, daß die

Sowjetunion militärische Maßnahmen ergriffen hat, um die Kontrolle über einen
ihrer Nachbarn zu behaupten.

Und es ist das erste derartige Unternehmen ge-

gen ein moslemisches Land seit der sowjetischen Besetzung von PersischAserbeidschan durch die Sowjetunion in den vierziger Jahren.

Die sowjetische

Aktion gibt der gesamten Weltgemeinschaft zu großer Besorgnis Anlaß.
Das sowjetische Bemühen, diese Maßnahme auf der Grundlage der Charta der
Vereinten Nationen zu rechtfertigen, ist eine Perversion der Weltorganisation,
die unverzüglich von allen ihren Mitgliedern zurückgewiesen werden sollte.
Ich habe die ernste Angelegenheit heute persönlich mit mehreren anderen Regierungschefs erörtert, und alle stimmen darin überein, daß die sowjetische
Aktion eine ernste Bedrohung des Friedens darstellt. Ich werde unseren Stellvertretenden Außenminister an diesem Wochenende nach Europa entsenden, wo er
mit den Vertretern mehrerer anderer Länder zusammentreffen wird, um zu erörtern, wie die Weltgemeinschaft auf dieses ungerechtfertigte Verhalten der

- 2 -

�der Sowjets reagieren könnte.
Sowjetische Militärmaßnahmen über die Grenzen der Sowjetunion hinaus
werfen die fundamentalsten Fragen hinsichtlich der internationalen Stabilität auf, und solche engen und umfassenden Konsultationen zwischen uns und
unseren Verbündeten sind dringend erforderlich.
Ich danke Ihnen.

- 3 -

�Hl

CO

I

1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

USA UNTERBREITEN RESOLUTION GEGEN IRAN
Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance hat am 29. Dezember 1979 vor dem Weltsicherheitsrat der
Vereinten Nationen einen Antrag auf eine Entschließung begründet, durch
die die Regierung des Iran erneut zur Freilassung der in der amerikanischen
Botschaft in Teheran festgesetzten Geiseln unter Androhung von spezifischen
Sanktionen der Mitgliedstaaten aufgefordert wird. Die Ansprache des USAußenministers hat folgenden Wortlaut:
Wir treten heute abend hier in einer Zeit zusammen, in der die Grundsätze, auf der diese große internationale Körperschaft beruht, im Iran
energisch in die Schranken gefordert werden.
über acht Wochen sind vergangen, seit unsere Botschaft in Teheran
besetzt und Amerikaner und Angehörige anderer Nationen dort als Geiseln
festgesetzt wurden. Bei drei getrennten Gelegenheiten hat dieser Rat
einmütig den Willen der Völkergemeinschaft zum Ausdruck gebracht, daß
die Geiseln unverzüglich zu entlassen seien.
Von

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Von Anfang an hat der Generalsekretär mit voller Unterstützung
der Vereinigten Staaten unermüdlich auf eine friedliche Lösung hingearbeitet.
Der Präsident der Vollversammlung hat bei zwei Gelegenheiten die Entlassung
der Geiseln gefordert.
und einmütig.

Der Internationale Gerichtshof hat gesprochen - klar

Regierungen und führende Politiker der Welt von unter-

schiedlichen politischen und religiösen Auffassungen haben zur Freilassung
unserer Landsleute aufgerufen.

Und die Regierung der Vereinigten Staaten

hat mit Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Geduld jeden friedlichen Weg
beschritten, der uns zu Gebote steht.
Die Antwort jener, die diese Krise hinauszögern - der Terroristen,
die unsere Botschaft besetzt halten und der Regierung des Iran, die sie
unterstützt - bestand aus Hohn und Mißachtung.

Sie setzen sich über das

Gesetz der Welt und über die moralischen Gebote hinweg, die den Kulturen
und Religionen der Erde gemeinsam sind.
Im Grunde geht es um 50 Männer und Frauen, die noch immer gefangen
gehalten, noch immer isoliert und noch immer schwersten Belastungen ausgesetzt werden. Das Weltgericht hat in seiner einmütig getroffenen
Entscheidung die Sorge zum Ausdruck gebracht, daß die Fortsetzung der
Gefangenschaft "die betroffenen Menschen der Entbehrung, der Not, der
Angst und selbst der Gefahr für ihr Leben und für ihre Gesundheit und
damit der ernsten Möglichkeit irreparabler Schäden aussetzt." Die
Behauptungen, daß sich die Geiseln wohl befinden, klingt hohl, weil der
Weltgemeinschaft bisher sowohl der anhaltende als auch der umfassende
Zugang zu ihnen verweigert wird.
Wir müssen uns darüber klar sein:

Es sind nicht lediglich 50 Männer

und Frauen aus Amerika, die in Iran als Geiseln festgehalten werden;
ist die Völkergemeinschaft insgesamt.

Es

es

�Es handelt sich um weit mehr als um einen Konflikt zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Iran. Der Iran wendet sich gegen das Gebäude
des Rechts und die Maschinerie des Friedens, die wir alle mit großer
Sorgfalt errichtet haben.
Es ist an der Zeit für die Weltgemeinschaft, zu handeln - fest und
gemeinsam zu handeln, um das Völkerrecht hochzuhalten und den Weltfrieden
zu wahren.
Wir müssen den Grundsätzen und Zielsetzungen unserer Charta praktische
Bedeutung geben.
Solange sich der Iran den Stimmen der Vernunft und des Mitleids
aus allen Teilen der Erde verschließt und solange er sich weigert, die
gemeinsamen Grundregeln internationalen Handelns anzuerkennen, solange muß
er die Folgen seiner vorsätzlichen Handlungen tragen.
Am 25. November ergriff der Generalsekretär gemäß Artikel 99 der Charta
die außerordentliche Maßnahme, eine Dringlichkeitssitzung des Rates zu
beantragen, die sich mit dieser Krise befassen sollte. Er erklärte aus
diesem Anlaß, daß "die derzeitige Krise eine ernste Bedrohung des Weltfriedens und der Weltsicherheit darstellt." Die einstimmig angenommene
Entschließung des Sicherheitsrats vom 4. Dezember brachte die tiefe Sorge
des Rates über das gefährliche Maß an Spannung zum Ausdruck und sprach
von den möglichen ernsten Konsequenzen für den Weltfrieden und die Weltsicherheit.
Diese Erklärungen machen im Verein mit den vielen sorgenvollen
Äußerungen von Mitgliedstaaten das Urteil der Völkergemeinschaft deutlich,
demzufolge der Schritt des Iran, Geiseln zu nehmen und festzuhalten, eine
Verletzung des Völkerrechts darstelle und den Weltfrieden und die Welt-

- 3 -

i

�Weltsicherheit bedrohe. Wenn der Iran die Geiseln weiterhin festhält,
obwohl der Rat und die Weltgemeinschaft einmütig deren Freilassung fordern,
sind Maßnahmen gemäß Kapitel VII der Charta nicht nur gerechtfertigt,
sondern geboten, um eine friedliche Lösung dieser Krise zu erreichen.
Es liegt deshalb bei uns als Mitglieder dieses Rates, die notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen, um die Durchsetzung der vorausgegangenen einmütigen
Entscheidungen sicherzustellen. Meine Regierung ersucht deshalb um eine
Entschließung, die ein Versäumnis des Irans, gemäß den vorausgegangenen
Entscheidungen des Sicherheitsrats zu handeln und der Forderung des Internationalen Gerichtshofs nach der unverzüglichen Freisetzung aller Geiseln
nachzukommen, verurteilen würde. Die Entschließung würde ferner zwei
zusätzliche Schritte beinhalten: Erstens ein Ersuchen an den Generalsekretär, seine Vermittlungsdienste zu intensivieren - unter Kenntnisnahme
seiner Bereitschaft, persönlich nach Teheran zu reisen und dem Rat bis zu
einem spezifizierten Zeitpunkt Bericht zu erstatten; zweitens die Entscheidung,
daß der Rat für den Fall, daß die Geiseln nicht bis zu dem Zeitpunkt freigelassen worden sind, an dem der Rat wie früher spezifiziert wieder zusammentritt, spezifische Sanktionen gemäß Artikel 41 der Charta verhängen wird.
Unseres Erachtens ist die anhaltende Solidarität der Weltgemeinschaft
dazu angetan, darzulegen, daß eine umgehende Lösung des Problems allen
zugute kommen wird. Die Verlängerung der Krise liegt in niemandems Interesse.
Wir sind uns der Beschwerden des iranischen Volkes durchaus bewußt.
Wir respektieren die Souveränität und Unabhängigkeit des Iran und auch das
Recht des iranischen Volkes, über die Form der eigenen Regierung selbst zu
entscheiden. Wie wir wiederholt betont haben, sind wir, sobald die Geiseln
unbeschädigt freigelassen worden sind, in Übereinstimmung mit der Charta
der Vereinten Nationen bereit, eine Lösung der zwischen uns bestehenden
Streitfrage anzustreben.

�Mit der Entlassung der Geiseln wird der Weg frei für den Iran,
seine Beschwerden vor jedem geeigneten Forum vorzubringen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht auf Unrechtsforderungen
eingehen, solange amerikanische Bürger in ungerechter Gefangenschaft
gehalten werden - in Verletzung von Entschließungen und Anordnungen der
wichtigsten Insitution zur Wahrung des Friedens.
Wie ein großer amerikanischer Präsident, Abraham Lincoln - ein Mann
voll von tiefem Mitgefühl und Verständnis -, einmal erklärte: "Es gibt
keine Beschwerde, die ein geeignetes Objekt für deren Behebung durch das
Gesetz des Mobs darstellt." Unsere Geduld und Nachsicht wurden in den
letzten Wochen auf eine schwere Probe gestellt. Sie sind nicht unbegrenzt.
Wir haben von Anfang an klar gemacht, daß wir einer friedlichen Lösung
den Vorzug vor jeder anderen Art der Abhilfe geben, die uns unter dem
Völkerrecht zu Gebote steht. Es liegt im Interesse einer solchen friedlichen
Regelung, daß wir uns heute an diese Körperschaft wenden, um sie zum Handeln
aufzufordern.
Wir müssen jetzt handeln, um das Geflecht gegenseitiger Verpflichtungen
aufrechtzuerhalten, das uns miteinander verbindet und uns gegen Chaos und
Unordnung abschirmt. Einen zentralen Punkt kann man nicht übergehen:
Verabsäumt es die Völkergemeinschaft, dann zu handeln, wenn ihr Gesetz
verhöhnt und ihre Autorität beschmutzt wird, vermindern wir damit nicht
nur die Friedensaussichten in dieser Krise; wir tun dieser Institution
des Friedens als solcher direkt Abbruch.
Ein wirksames Vorgehen des Sicherheitsrates kann die Bestimmungen
der Charta wie die Entscheidungen des Rates mit neuem Leben erfüllen.

Es

kann uns alle heute und in der Zukunft an unsere feierliche Verpflichtung
erinnern, das Urteil dieser Körperschaft zu achten und dieses zentrale
Forum für die Gewährleistung des Weltfriedens und der Weltsicherheit auf-

- 5 -

�aufrechtzuerhalten.
Wir sollten gemeinsam und in einer Art und Weise handeln, die
überzeugend klarlegt, daß die Herrschaft des Rechts echte Bedeutung hat
und daß unsere Friedensmaschinerie von praktischer Relevanz ist.
Laßt uns - wie es uns zukommt - den grundlegenden Prozeß schützen,
der es den Nationen gestattet, zivilisierte Beziehungen untereinander zu
unterhalten.
Durch die Entscheidung, die wir von diesem Rat dringend erbitten,
können wir gemeinsam den Tag herbeibringen helfen, an dem diese schwere
Prüfung zu Ende geht.

Und durch unsere erwiesene Verpflichtung auf die

Zielsetzungen unserer Charta werden wir sowohl die Grundsätze als auch
die Institutionen stärken, die dem Zweck dienen, den Weltfrieden zu erhalten und uns alle zu schützen.

+ + + + +

�1

Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Januar 1980

WELTSICHERHEITSRAT NIMMT US-RESOLUTION AN
- Wortlaut der Entschließung -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Weltsicherheitsrat hat am 31.
Dezember 1979 mit elf Stimmen bei vier Enthaltungen eine von den Vereinigten
Staaten eingebrachte Resolution angenommen, in der dem Iran mögliche Sanktionen angedroht werden, falls die als Geiseln in Teheran festgehaltenen Amerikaner nicht bis zum 7. Januar freigelassen werden.
Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
Der Sicherheitsrat
unter Hinweis auf seine Resolution 457 (1979) vom 4. Dezember 1979,
unter weiterem Hinweis auf den Appell, der vom Präsidenten des Sicherheitsrates am 9. November 1979 (8/13616) ausging und der am 27. November 1979
(8/13652) wiederholt wurde,
tief besorgt über die wachsende Spannung zwischen der islamischen Republik des Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika, die durch die Verhaftung und weitere Festhaltung von Personen amerikanischer Nationalität ver-

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�verursacht wurde, die als Geiseln im Iran unter Verletzung des Völkerrechts
festgehalten werden, was zu schwerwiegenden Konsequenzen für den Weltfrieden
und die internationale Sicherheit führen könnte,
unter Zurkenntnisnahme der Schreiben des Außenministers der islamischen
Republik des Iran, datiert vom 13. November 1979 (8/13626) und vom 1. Dezember
1979 (8/13671), die sich auf die von seiner Regierung zu dieser Situation erhobenen Beschwerden und Erklärungen beziehen,
unter weiterem Hinweis auf das vom 25. November 1979 datierte Schreiben
des UN-Generalsekretärs (8/13646), in dem erklärt wird, daß nach seiner Meinung die derzeitige Krise zwischen der islamischen Republik des Iran und den
Vereinigten Staaten von Amerika eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden und
die Sicherheit der Welt darstellt,
unter Berücksichtigung der Anordnung des Internationalen Gerichtshofes
vom 15. Dezember 1979, in der die Regierung der islamischen Republik des Iran
aufgefordert wird, die sofortige und ausnahmslose Freilassung aller Personen
amerikanischer Staatsangehörigkeit sicherzustellen, die als Geiseln im Iran
festgehalten werden (8/13697) und in der ferner die Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika und die Regierung der islamischen Republik des Iran aufgefordert werden, zu gewährleisten, daß keine von ihnen getroffene Aktion die
Spannung zwischen den beiden Ländern verschärfen wird,
unter weiterer Berücksichtigung des Berichtes des Generalsekretärs vom
22. Dezember 1979 über die Entwicklung hinsichtlich der Situation (8/13704),
eingedenk der Verpflichtung der Staaten, ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel in einer solchen Weise beizulegen, daß der Weltfriede, die internationale Sicherheit und Gerechtigkeit nicht gefährdet werden,
und im Bewußtsein der Verantwortung der Staaten, sich in ihren internationalen Beziehungen der Drohung oder Anwendung von Gewalt gegen die territori-

�territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Staates
oder in jeder anderen Weise, die nicht mit den Zielsetzungen der Vereinten
Nationen in Einklang steht, zu enthalten:

bekräftigt erstens seine Resolution 457 (1979) in all ihren Aspekten;

verurteilt zweitens die weitere Festhaltung der Geiseln entgegen der
Sicherheits-Resolution 457 (1979) und der Anordnung des Internationalen Gerichtshofes vom 15. Dezember 1979 (8/136697);

fordert drittens erneut in aller Dringlichkeit die Regierung der islamischen
Republik des Iran auf, unverzüglich alle Personen amerikanischer Staatsangehörigkeit zu entlassen, die im Iran als Geiseln festgehalten werden, ihnen
Schutz zu gewähren und die Heimkehr in ihr Heimatland zu gestatten;

wiederholt viertens sein Ersuchen an den Generalsekretär, seine guten
Dienste zur Verfügung zu stellen

und seine Bemühungen zu verstärken, um dem

Rat bei der Erreichung der in dieser Resolution genannten Ziele zu helfen,
und nimmt in diesem Zusammenhang Kenntnis von seiner Bereitschaft, persönlich
nach dem Iran zu reisen;

ersucht fünftens den Generalsekretär, dem Rat über die im Rahmen seiner
guten Dienste unternommenen Anstrengungen zu berichten, ehe der Rat erneut
zusammentritt; und

beschließt sechstens, am.7. Januar 1980 zusammenzutreten, um die Situation
zu überprüfen und im Falle einer Nichtbefolgung dieser Resolution wirksame Maßnahmen gemäß Artikel 39 und 41 der UN-Charta zu ergreifen.

+ + + + +

- 3 -

�I
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER FORDERT WIRTSCHAFTSSANKTIONEN GEGEN DEN IRAN
- Wortlaut der Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter teilte am 21. Dezember mit,
daß die Vereinigten Staaten um eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates
ersuchen, der internationale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängen soll, um die Befreiung der in der amerikanischen Botschaft in
Teheran festgehaltenen Geiseln zu erreichen. Die Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
Von dem Tag an, an dem die amerikanische Botschaft besetzt und unsere
diplomatischen Mitarbeiter als Geiseln durch den Iran festgesetzt wurden,
nutzten wir jede uns verfügbare rechtliche Handhabe, um deren sichere
und umgehende Freilassung zu erreichen.

Bei mindestens vier getrennten

Gelegenheiten hat die Weltgemeinschaft durch den Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen und durch den Internationalen Gerichtshof die iranische
Regierung deutlich und nachdrücklich aufgefordert, die amerikanischen
Geiseln freizulassen.

Dennoch widersetzt sich der Iran noch heute auf

arrogante Weise der Weltgemeinschaft.
Er

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
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�Er bezeugt seine Mißachtung nicht nur gegenüber dem Völkerrecht,
sondern gegenüber allen internationalen Einrichtungen zur Gewährleistung
friedlicher Lösungen von Meinungsstreitigkeiten zwischen Nationen.

In

einem verantwortungslosen Epressungsversuch, dem sich die Vereinigten
Staaten niemals beugen werden, fahren die Entführer und Terroristen,
unterstützt durch Vertreter des Iran, damit fort, unsere Landsleute unter
unmenschlichen Bedingungen festzuhalten. Mit jedem Tag, der verstreicht,
wächst unsere Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen der Geiseln.
Wir haben von Anfang an klar gemacht, daß die Vereinigten Staaten einer
friedlichen Lösung den Vorzug vor allen anderen Formen der Abhilfe geben,
die uns nach dem Völkerrecht zu Gebote stehen.

Um eine friedliche

Lösung zustandezubringen, das ist nunmehr klar, muß die Völkergemeinschaft
konkrete Maßnahmen ergreifen.
Demzufolge habe ich mich entschieden, den Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen um die umgehende Anberaumung einer Sitzung zu ersuchen.um gegen
den Iran internationale wirtschaftliche Sanktionen gemäß Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen zu verhängen. Die Regierung des Iran muß
erkennen, daß sie den ausdrücklichen Willen und das Gesetz der Weltgemeinschaft
nicht ungestraft verhöhnen kann. Der Sicherheitsrat muß handeln, um seine
Forderung durchzusetzen, daß der Iran die Geiseln frei läßt. Die Weltgemeinschaft muß den von ihr geschaffenen Justizapparat stärken, damit
die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof auch weiterhin
von Bedeutung für die Beilegung von ernsthaften Meinungsstreitigkeiten
bleiben, die den Frieden unter den Völkern bedrohen. Ich kann mir keine
klarere und zwingendere Aufgabe für die Völkergemeinschaft vorstellen als
die, vor die wir uns gegenwärtig gestellt sehen. Das Leben von über 50
unschuldigen Menschen steht auf dem Spiel; die Grundlagen der zivilisierten
Diplomatie stehen auf dem Spiel; die Integrität des Völkerrechts steht
auf dem Spiel; und die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen steht auf
dem Spiel. Und auf dem Spiel steht letzten Endes die Aufrechterhaltung
des Friedens in jener Region. Wir ersuchen den Sicherheitsrat, im Namen

- 2 -

�Namen des Völkerrechts und des Friedens zu handeln, und wir fordern die
Regierung des Iran erneut auf, die Krise durch die unverzügliche Freilassung
der Geiseln zu beenden.
An dieser Stelle möchte ich wegen der bevorstehenden Feiertage einer Zeit des Nachdenkens über den Frieden - einige besondere Worte an
das amerikanische Volk richten - in der Tat an alle Menschen guten Willens
in allen Ländern einschließlich des Iran, die an der Sorge um 50 unschuldige Menschen teilhaben, welche auf den Frieden und auf die Rettung
ihres Leben; hoffen.
Henry Longfellow hat in einer Zeit der Konfrontation, des Kriegs
zwischen den amerikanischen Unionsstaaten im Jahre 1864, ein Weihnachtsgedicht geschrieben. Zwei Strophen dieses Gedichtes drücken mehr als
alles andere meine Gedanken und Gebete und sicherlich auch die unseres
ganzen Volkes in dieser Zeit der Herausforderung, der Sorge und der Krise
aus, und ich möchte sie deshalb hier zitieren.
"Und in Verzweiflung beugt1 ich mein Haupt.
'Frieden herrscht nicht auf Erden', sagt' ich.
'Denn der Haß ist stark
und verhöhnt das Lied
von Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.'
Da tönten die Glocken lauter und tiefer:
'Gott ist nicht tot, Gott schläft auch nicht.
Das Unrecht wird fallen
und das Recht obsiegen
mit Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen'."
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Januar 1980

GEWÄHRLEISTUNG VON SICHERHEIT BEI KERNKRAFTWERKEN
Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der
Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island

- (AD) - Präsident Carter hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die
die Sicherheit von Kernkraftwerken verbessern sollen.

Er akzeptierte prak-

tisch alle Vorschläge der Sonderkommission, die zur Untersuchung des Unfalls
in der Reaktorstation Three Mile Island im März 1979 eingesetzt worden war.
Die Erklärung vom 7. Dezember 1979 hat folgenden Wortlaut:

Ich habe den Bericht der Kommission geprüft, die ich zur Untersuchung
des Unfalls im Atomkraftwerk Three Mile Island eingesetzt habe.

Die Kommis-

sion unter der Leitung von Dr. John Kemeny stellte sowohl seitens der staatlichen Stellen als auch der Versorgungsunternehmen sehr schwerwiegende Mängel
in bezug auf Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen und die praktische Handhabung im Bereich Kernenergie fest.

Die von mir heute eingeleiteten Schritte werden dazu beitragen, daß die
Betriebssicherheit von Atomkraftwerken gewährleistet ist. Sicherheit war für
mich stets das Wichtigste und wird es auch bleiben.
Wie

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�Wie ich schon mehrfach erklärte, ist in den Vereinigten Staaten Kernkraft eine Energiequelle, auf die als äußerstes Mittel zurückgegriffen wird.
Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, daß wir sie in dem Maße weniger benötigen, als wir unsere Ziele auf den Gebieten der Energieeinsparung, direkter
Kohlenutzung, Entwicklung von Sonnenenergie-Ausrüstungen und synthetischen
Brennstoffen sowie der verstärkten Produktion von einheimischem öl und Erdgas verwirklichen.
Viele unserer Verbündeten müssen sich stärker als wir auf Kernkraft
stützen, weil sie nicht über die riesigen Rohstoffreserven verfügen, die
uns so viele Alternativen an die Hand geben. Wir müssen bei der Durchführung
der Aufgabe, Alternativenergien zu entwickeln, vorankommen, indem wir die von
mir dem Kongreß vorgeschlagenen Gesetze verabschieden und sich unsere Gesellschaft auf jeder Ebene bemüht, Energie zu sparen.
Wir können nicht die Tür zur Kernenergie zuschlagen. Die jüngsten Ereignisse im Iran haben uns die eindeutigen, schwerwiegenden Gefahren vor Augen
geführt, die sich aus einer übermäßigen Abhängigkeit von Importöl für unsere
Nation ergeben. Wir müssen jede Anstrengung unternehmen, um unser Land zur
Energiesicherheit zu führen.
Jede einheimische Energiequelle, Kernkraft eingeschlossen, ist wichtig,
wenn wir unser Land von seiner übergroßen Abhängigkeit von instabilen Quellen
teuren ausländischen Öls befreien sollen. Wir können uns nicht den Luxus
leisten, auf Kernkraft zu verzichten oder über ihre künftige Verwendung ein
langfristiges Moratorium zu verhängen. Ein Kernkraftwerk kann bis zu 35 000
Barrel Öl pro Tag ersetzen. Wir müssen jeden möglichen Schritt tun, um die
Sicherheit der Kernkraftproduktion zu erhöhen. Ich stimme Geist und Inhalt
der Empfehlungen der Kemeny-Kommission voll zu, die zu verwirklichen teilweise in meiner Macht liegt, die aber zum anderen Teil von der Nuklearen
Aufsichtskommission (NRC) oder von der Versorgungswirtschaft in die Praxis
umgesetzt werden müssen.
Ich
- 2 -

�Ich werde verschiedene Schritte unternehmen, um von der Regierungsseite
aus das Haus in Ordnung zu bringen.

Erstens werde ich dem Kongreß einen Re-

organisationsplan zuleiten, um die Rolle des Vorsitzenden der NRC zu stärken
und ihn mit Vollmachten auszustatten, als verantwortlicher oberster Beamter
sofort handeln zu können und befugt zu sein, notwendige Sicherheitserfordernisse und Verfahrensweisen an Ort und Stelle einsetzen zu lassen.

Der Vor-

sitzende muß in der Lage sein, Führungspersonal selbst auszuwählen und im
Fall eines Notstandes im Namen der Kommission zu handeln.
Zweitens werde ich einen neuen Vorsitzenden für die NRC ernennen - eine
i

Persönlichkeit, die entsprechend den Empfehlungen der Kemeny-Kommission nicht
aus der Behörde selbst kommt. Für die Übergangszeit habe ich das NRC-Kommissionsmitglied Ahearne gebeten, die Geschäfte des Vorsitzenden zu führen.
Dr. Ahearne wird auf Sicherheit und die prompte Durchführung der notwendigen
Reformen besonderen Wert legen. Außerdem werde ich einen unabhängigen Beratungsausschuß einsetzen, dessen Aufgabe es u.s. sein wird, mich über die Fortschritte auf Seiten der NRC und der Industrie zu unterrichten, die Kernenergie
sicherer zu machen.
Drittens weise ich die Bundesbehörde für Notstandsmaßnahmen an, alle für
die Bewältigung von Krisensituationen außerhalb des eigentlichen Gefahrenherdes vorgesehenen Maßnahmen voranzubringen und bis Juni 1980 die gründliche
Überprüfung von Notstandsplänen für in Betrieb befindliche Reaktoren in allen
Bundesstaaten abzuschließen.
Viertens habe ich die NRC und andere Behörden angewiesen, unser Programm,
jeder Reaktorstation einen ständigen Bundesinspektor beizugeben, zu beschleunigen.
Fünftens ersuche ich sämtliche jeweils zuständigen Bundesbehörden praktisch alle übrigen Empfehlungen der Kemeny-Kommission in die Tat umzusetzen.
Der Öffentlichkeit wird detailliertes Informationsmaterial an die Hand
gegeben, während die Presse in noch ausführlicherer Form unterrichtet werden wird
Mit
- 3 -

�Mit klar definierten Führungskompetenzen und verbesserter Organisation
werden Exekutive und NRC besser in der Lage sein, zu handeln, die kritischen
Fragen einer besseren Ausbildung und besserer technischer Maßstäbe von Sicherheitsvorschriften und der anderen von der Kemeny-Kommission gemachten Empfehlungen schnell in Angriff zu nehmen.
Aber die Verantwortung, Kernkraft sicherer zu machen, endet nicht bei
der Bundesregierung.

Tatsächlich liegt die primäre tägliche Verantwortung für

Sicherheit bei der Leitung der Versorgungsunternehmen und bei den Lieferfirmen
für nuklear-technische Ausrüstungen.

Für technisch qualifizierte und persön-

lich engagierte Fachleute beim Bau, beim Betrieb und der Inspektion von Atomkraftwerken gibt es keinen Ersatz. Aufgaben und Verantwortungen des Personals
müssen besonders betont werden. Irgendjemand muß stets als der Verantwortliche
sowohl im Unternehmen als auch am Standort selbst bestimmt worden sein.

Die

Industrie ist es dem amerikanischen Volk schuldig, ihr Engagement für Sicherheit
zu verstärken.
Ich fordere die Versorgungsunternehmen auf, folgendes zu ändern:
1) Auf der Grundlage der bisher unternommenen Schritte muß die Industrie
aktiv werden, um verbesserte Normen für sichere Konstruktion, sicheren Bau
und sicheren Betrieb von Anlagen zu entwickeln.
2) Die Firmen der Nuklearindustrie müssen zusammenarbeiten, um umfassend
Ausbildungs-, überprüfungs- und Analysenprogramme für das Betriebspersonal und
das leitende Personal zu entwickeln und in der Praxis ständig im Einsatz zu
haben. Dieses Trainingsprogramm ist von der NRC auf dem Wege über die Genehmigung der jeweiligen Ausbildungsprogramme direkt zu überprüfen.
3) Kontroll räume müssen im weitestgehenden Umfang modernisiert, standardisiert und vereinfacht werden, damit im Notfall Entscheidungen auf der Basis
besserer Informationen getroffen werden können.
Ich richte den dringenden Appell an unsere Versorgungswirtschaft, alle
nur erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um die Sicherheit der Kern-

�Kernkraft zu verbessern.

Schließlich möchte ich erörtern, wie wir die Übergangsperiode bewältigen, in der die Empfehlungen der Kemeny-Kommission in die Tat umgesetzt werden.

Es gibt eine Anzahl neuer Atomkraftwerke, für die jetzt Betriebs- und

Beugenehmigungen erteilt werden müßten.

Die Lizenzerteilung ist Sache der NRC, und diese besitzt, wie die KemenyKommission erwähnte, die Kompetenz, um je nach Sachlage im gegebenen Fall
die Anlage zu genehmigen.

Die NRC gab jedoch zu erkennen, daß sie vorläufig

keine neuen Betriebs- und Baugenehmigungen zu erteilen gedenkt, damit sie sich
ganz der Aufgabe widmen könne, das eigene Haus in Ordnung zu bringen.

Ich

billige den von der NRC jetzt eingeschlagenen Weg, ersuche sie jedoch dringend, ihre Aufgabe so rasch wie möglich zu bewältigen und sie keinesfalls später als in sechs Monaten zu beenden.

Haben wir die notwendigen Reformen zur Gewährleistung der Sicherheit in
die Wege geleitet, müssen wir die Lizenzierung so rasch wie möglich wieder aufnehmen, damit die neuen Kraftwerke, die wir zur Verringerung unserer Abhängigkeit von ausländischem ül so dringend benötigen, gebaut und in Betrieb genommen werden können.

Die von mir heute verkündeten Schritte werden unserem Land helfen, die
Sicherheit von Kernkraftwerken zu gewährleisten.

Kernkraft hat in den Vereinig-

ten Staaten eine Zukunft - sie ist eine Option, die wir uns offen halten müssen.

Ich appelliere an die Versorgungsunternehmen und ihre Lieferfirmen, an

die NRC, die Ministerien und Behörden des Bundes sowie der Bundesstaaten und
an die kommunalen Behörden, die Gewähr dafür zu schaffen, daß die Zukunft
eine sichere Zukunft sein wird.

- 5-

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1

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

AUSBLICK AUF DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT DES JAHRES 1980
von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

Der folgende Artikel des Wirtschaftskorrespondenten des amerikanischen Amtes
für Internationale Kommunikation(USICA),
Jon Schaffer, beschäftigt sich mit den
Entwicklungen, den Aussichten und
Problemen der Wirtschaft der Vereinigten
Staaten im kommenden Jahr, gesehen aus
der Perspektive bekannter amerikanischer
Wirtschaftsfachleute.
WASHINGTON - (AD) - Glaubt man den Prophezeiungen, so wird sich
die amerikanische Wirtschaft zu Beginn des neuen Jahres in einer Rezession
befinden, obgleich Zinssätze und Inflation deswegen nicht in dem Maße
zurückgehen werden, wie dies bei Rezessionen in der Vergangenheit der Fall
gewesen ist.
Dies sind einige der wesentlichen Schlußfolgerungen von Wirtschaftsfachleuten, die damit begonnen haben, ihre vorläufigen Prognosen über die
Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 1980 zu stellen.
Die

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�Die meisten Bankiers, Geschäftsleute und Volkswirtschaftler sehen
einen Rückgang der Gesamtproduktion der Wirtschaft voraus - zumindest in
der ersten Hälfte des neuen Jahres; in der zweiten Hälfte werden einige
Verbesserungen für möglich gehalten.

Nach Ansicht der meisten Experten

wird die Inflation leicht zurückgehen, doch zeigen sie sich besorgt darüber,
daß das Ausmaß der Lohnerhöhungen eine Gefahr für die Bekämpfung der
Inflation in naher Zukunft bedeuten könnte. Ohne Ausnahme wird schließlich
ein Anstieg der Arbeitslosigkeit vorausgesagt.
Für das Jahr 1980 insgesamt prognostiziert ein Querschnitt von über
50 Wirtschaftsgutachtern eine jährliche Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts, die zwischen optimistischen zwei Prozent - so die Econoviews
International Inc. - und pessimistischen minus 2,1 Prozent - errechnet
durch die Wirtschaftsfachleute der Bank of America - schwankt.

Der

gemeinsame Nenner aller Vorhersagungen liegt bei etwa 1 Prozent minus.
Die Voraussagen über die amerikanische Inflationsrate im Jahr 1980
gehen - bei einem Durchschnitt von 10,6 Prozent - von weniger als 9 Prozent
bis über 12 Prozent. Schätzungen bei der Arbeitslosigkeit - im Prozentsatz der Beschäftigtenzahl gesehen - bewegen sich um die 7 bis 7,5 Prozent.
Einig sind sich jedoch die Experten darin, daß die Preise und die
Verfügbarkeit von Energie einen wesentlichen Einfluß auf die amerikanische
Wirtschaft haben werden.
Nachfolgend einige der Prognosen sowie deren Konsequenzen, wie sie
die Experten vorlegen:
Walter Heller, ehemals Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats unter
Präsident Kennedy,stellt fest, daß eine Rezession, sollte sie überhaupt
schon begonnen haben,"höchstens dabei ist, den ersten Biß zu tun". Da
umfangreichere Konjunkturspritzen 1980 nicht zu erwarten seien, dürfte

- 2 -

�dürfte die wirtschaftliche Erholung in der zweiten Hälfte des neuen
Jahres bescheiden ausfallen.

In der Annahme, daß es auch keine Steuer-

erleichterungen geben werde, erwartet Heller einen Rückgang der Verbraucherausgaben, ein Nachlassen der Kapitalgüterinvestitionen um real zwei Prozent
und einen merklichen Rückgang beim Wohnungsbau als Beitrag zu einer
sich verstärkenden Rezession.
Lawrence Klein, der "Vater" des amerikanischen ökonometrisehen
Modells, ehemaliger Präsident der "American Economic Association" und
Präsident der Gesellschaft "Wharton Econometric Forecast" - eine der
größten und bekanntesten amerikanischen Firmen im Bereich der Wirtschaftsgutachten -, ist folgender Ansicht:

Obgleich de"wirtschaftliche Auf-

schwung "zu diesem Zeitpunkt keine übermäßig ernsthafte Rezession" sei, so
könne es doch schlimmer werden.
Klein sagt einen längerwährenden Niedergang des Automobilmarktes
voraus, eine leichte Abnahme der Kapitalgüterinvestitionen und ein Absinken der Unternehmenergewinne, bevor die Wirtschaft gegen Mitte des
Jahres sich wieder, wenn auch nicht sonderlich kräftig, nach oben bewegt.
Klein zufolge bestehen die guten Nachrichten darin, daß die Zahlungsbilanz 1980 eine Zeitlang positiv sein wird, bevor sie 1981 möglicherweise
wieder negativ werden könnte.
Viele Wirtschaftswissenschaftler vertreten das Argument, das anhaltend ausgabenfreudige Verbraucherverhalten - zusätzlich von Sparern
angeregt, die in großem Umfang von ihren Guthaben abheben - habe eine
unvermeidliche Rezession lediglich hinausgezögert.
Aber Thomas Murphy, Präsident und Vorstandsvorsitzender bei General
Motors, weist - wie viele andere Beobachter auch - darauf hin, daß "das
Fehlen so traditioneller Unausgeglichenheiten wie überschüssige Lager-

- 3 -

�I

•

Lagerbestände oder übermäßiger Investitionsaufwand auf die Wahrscheinlichkeit
einer verhältnismäßig milden wirtschaftlichen Korrektur hindeutet."
Gemäß dem Wirtschaftsausblick, den die Jahresübersicht der 3 100
Mitglieder der "National Association of Business Economists" gibt, wird
erwartet, daß der durchschnittliche Rückgang bei Aufwand der gewerblichen
Wirtschaft für Bauleistungen mit 1,2 Prozent recht milde sein wird.

Bei

den Kapitalgüterinvestitionen betrug dieser durchschnittliche Rückgang
in den sechs vorhergegangenen Rezessionen der Nachkriegszeit 9,4 Prozent.
"Die Frage ist nicht, ob sich die Volkswirtschaft im letzten Quartal
1979 oder etwa im ersten Quartal 1980 abschwächen wird", meint Irwin
Kellner, Vizepräsident des "Manufacturers Hanover Trust".

"Die Frage

scheint vielmehr zu sein, ob die Volkswirtschaft gegen Ende des ersten
Quartals 1980 aus dieser Abschwächung herauskommen wird oder noch weiter
absinkt...

Ich habe aber auch weiterhin das Gefühl, daß die Rezession

eher früher als später zu Ende geht."
•

Kellner führt so positive Aspekte der Volkswirtschaft wie den
hohen Beschäftigungsstand an, die anhaltende Investitionsgüterkonjunktur,
den Boom auf dem Exportsektor sowie die Tatsache, daß diese verlangsamte
Konjunkturbewegung allgemein erwartet wurde und die Geschäftswelt daher
genauestens darauf achtete, daß ihre Lagerbestände nicht in allzu großen
Gegensatz zum Umsatz gerieten.
Während also die derzeitigen Lagerbestände und auch die Pläne im
Investitionsgüterbereich nicht unbedingt typisch im Vergleich zu
Rezessionen der Vergangenheit sind, ist dies allerdings auch nicht
der Fall bei den verhältnismäßig alarmierenden Aussichten, was die
Inflation anbelangt.

�Die Inflationsrate ist noch nicht zurückgegangen, wie dies die
meisten Wirtschaftsfachleute mit einer Abschwä'chung der amerikanischen
Volkswirtschaft erwartet hatten.

Henry Kaufman, ChefÖkonom der Investmentbank "Salomon Brothers",
stellt in seinem letzten Jahresgutachten fest, daß die Lohnabschlüsse
trotz einer Rezession - die seiner Meinung nach 1980 anfangen und wahrscheinlich nicht vor Anfang 1981 enden wird - die Inflation anheizen
werden.

Er erwartet Abschlüsse zwischen neun und elf Prozent, da die

Arbeitnehmerseite versuchen wird, für die Verluste bei Realeinkommen des
Jahres 1979 einen Ausgleich zu erhalten.

In diesem Jahr betrugen die

Lohnzuschläge im Durchschnitt acht Prozent, lagen also weit unterhalb
der Inflationsrate.

Seinem Argument nach wird eine andauernde hohe Inflationsrate in
Verbindung mit hohem Investitionsaufwand und anhaltenden Verbraucherausgaben - letzteres zumindes bis zu dem Zeitpunkt, da im Frühjahr und
Sommer 1980 die Arbeitslosigkeit noch zumimmt - eine starke Kreditnachfrage
zur Folge haben.

Dies wiederum zwingt zu fortgesetzter straffer Geld-

marktpolitik auf Seiten der amerikanischen Bundesbank.

Kaufman, der mit großem Weitblick die hohen Zinssätze des Jahres 1979
voraussagte, ist diesmal der Meinung, daß die kurzfristigen Zinssätze wie
etwa der Leitzinssatz - der Bankzinssatz, den die Banken von ersten
Adressen verlangen - auf zwischen 16 und 17 Prozent klettern werden.

Donald Maide, Vizepräsident und Direktor der Forschungsabteilung
bei "Merrill Lynch Government Securities" stimmt mit den Ansichten von
Kaufman hinsichtlich der kurzfristigen Zinssätze überein.

Obwohl die

Wirtschaftsbedingungen eine Senkung der kurzfristigen Zinssätze im
Verlauf des ersten Quartals 1980 mit sich bringen sollten, gibt es doch,
Maude zufolge, für die amerikanische Bundesbank keine Möglichkeit, einer

�einer Senkung der Zinssätze zuzustimmen, "ohne einen ernsthaften Angriff
auf den Dollar" hervorzurufen.

Sein Argument:

Sollten die amerikanischen

Zinssätze fallen, würden die verhältnismäßig hohen Sätze in den europäischen
Ländern Geldanlagen aus den Vereinigten Staaten absaugen.

Sobald die

Volkswirtschaften anderer Industrieländer einen beginnenden Rückgang
verzeichnen sollten, könnten kurzfristige Zinssätze wie der Leitzinssatz
bis auf 8,5 bis 9 Prozent heruntergehen.
Heller widerspricht diesem Argument jedoch und meint, daß kurzfristige
Zinssätze kräftig fallen sollten "unter dem Gewicht zunehmender wirtschaftlicher Flaute". Seiner Meinung nach sollte die Verbindung von verbesserten
Lohn- und Preisrichtlinien, die neu eingerichtete Lohnkommission und
steigende Arbeitslosigkeit jeder Art von Lohnexplosion verhindern.
Walter Hoadley, ChefÖkonom der "Bank of America", der größten
Handelsbank in den Vereinigten Staaten, glaubt jedoch, daß die Preisrichtlinien "höchstens einen Nebeneffekt haben und jede bedeutsame
Linderung der Inflation von langsamerem Wachstum ausgehen muß".
Jay Janis, der Vorsitzende des "Federal Home Loan Bank Board", des
Vorstands der amerikanischen Bundesbausparkasse, unterstreicht "die
Wahrscheinlichkeit, daß wir eher eine bescheidene Rezession oder Schwäche
der Volkswirtschaft haben werden, die eine Reihe von Jahren anhalten
wird, als daß es zu einer ernsthaften Rezession kommt."
Klein jedoch glaubt, daß die klare Betonung der Angebotsseite
der Volkswirtschaft - also Kapitalbildung, verstärkte Forschung und
Entwicklung, Ausbildung des Personals und andere Programme zur Steigerung
der Produktivität - den Vereinigten Staaten jene Wachstumsraten zurückbringen würde, derer sie sich in den fünfziger und sechziger Jahren
erfreuten.

�</text>
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                    <text>nroimciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Januar 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

Krieg i n Afghanistan Hindernis f ü r

amerikanisch-sowjetische

Beziehungen
- Erklärung zum i&gt;. Jahrestag der sowjetischen Invasion Widerstand und Besatzungsherrschaft i n Afghanistan
- Bericht des US-Außenministeriums Weinberger: Strategische Verteidigungsinitiative nützt allen
Verbündeten

»

USA verlassen die UNESIO
- Erklärung von Unterstaatssekretär Newell -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kenneth Dam:

1964 ein erfolgreiches Jahr der US-Auüenpolitik

- Erklärung des Stellvertretenden amerikanischen Außenministers -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

l . Januar 19ü3

REAGAN: KRIEG IN AFGHANISTAN HINDERNIS FÜR AMERIKANISCHSOkJETISUHE BEZIEHUNGEN
- Erklärung zum 5. Jahrestag der sowjetischen Invasion -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 26. Dezember 1984
mit Nachdruck u n t e r s t r i c h e n , daü die Anwesenheit sowjetischer Besatzungstruppen i n Afghanistan e i n ernsthaftes Hindernis f ü r die Verbesserung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen d a r s t e l l t .

I n einer Sonderbotschaft

a n l ä ü l i c h des f ü n f t e n Jahrestages des sowjetischen Einmarsches i n Afghan i s t a n forderte der amerikanische Präsident Moskau g l e i c h z e i t i g a u f , den
brutalen K o n f l i k t s o f o r t auf dem Verhandlungswege zu beenden.
Die Sonderbotscnaft Reagans hat folgenden

tortlaut:

Vor fünf Jahren marschierte die sowjetische Armee i n Afghanistan e i n ,
s t ü r z t e die d o r t i g e Regierung und e r r i c h t e t e e i n Marionettenregime, das
Moskau hörig i s t .

Dieses Regime e r f r e u t s i c h keiner Unterstützung

tens des afghanischen Volkes; es wird aufrechterhalten durch die

sei-

Waffen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Waffen der 115 ÜUO sowjetischen Besatzungssoidaten.

Fünf Jahre lang hat die sowjetische Armee gegen das stolze und zutiefst religiöse Volk Afghanistans Krieg geführt, und immer ist noch kein
Ende abzusehen.

Dennoch hat das afghanische Volk seit fünf Jahren mit

legendärem Mut bis zur Erschöpfung gegen die sowjetischen Besatzungstruppen gekämpft.

Dieser fünfte Jahrestag des afghanischen Widerstandes steht in kras-

*

sem Kontrast zu den frohen Feiertagen, die wir in dieser Jahreszeit begehen.

Und denroch gibt es eine Botschaft des Ansporns in diesem schreck-

liehen Kapitel, das in diesem Winter auf den Gebirgspässen und in den Tälern Afghanistans geschrieben wird.

Die afghanischen Freiheitskämpfer,

die Mujahedin, fünren uns täglich vor Augen, daß der menschliche Geist
beweglich und hartnäckig ist und daß die Freiheit einem Volk nicht so
leicht geraubt werden kann, das zur Verteidigung der Freiheit entschlossen ist. Das afghanische Volk schreibt ein neues Kapitel in der Geschichte der Freiheit.

Wir Amerikaner würdigen seinen großen Mut.

Mit überwältigender Mehrheit hat die l\eltgemeinschaft im Rahmen der
Vereinten Nationen wiederholt ihre Verurteilung der sowjetischen Besetzung Afghanistans zum Ausdruck gebracht.

Die Vereinigten Staaten haben

ihrerseits der sowjetischen Führung klargemacht, daß die Anwesenheit sowjetischer Besatzungstruppen in Afghanistan ein ernsthaftes Hindernis für
die Verbesserung unserer bilateralen Beziehungen darstellt.
und werden im Hinblick auf Afghanistan nicht schweigen.

Wir können

Zusammen mit an-

deren Mitgliedern der Völkergemeinschaft erheben wir unsere Stimmen und
fordern eine baldige, auf dem Verhandlungswege erreichte Beendigung dieses brutalen Konfliktes.

Die Möglichkeit einer Beendigung dieser tragischen Situation ist mit
den Kriterien gegeben, die die Vereinten Nationen immer wieder aufgezeigt
hanen:

Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan, Wiederher-

stellung der Unabhängigkeit Afghanistans und seines blockfreien Status,
Selbstbestimmung für das afghanische Volk und Rückkehr der Millionen von
- 2 -

*

�Millionen von Flüchtlingen in ihre Heimat unter Gewährleistung ihrer Sicherheit und ihrer Ehre.

Solange diese Ziele nicht erreicht sind, wird

die Sowjetunion weiterhin einen nohen Preis für die Unterdrückung der
Freiheit Afghanistans bezahlen müssen.

Die Geschichte dieses unabhängigen Afghanistans reicht mehr als 2UUU
Jahre zurück und ist noch lange nicht beendet. Es ist meine größte Hoffnung, wenn icn sage, daß im nächsten Jahr um diese Zeit die Freiheit Afghanistans wiederhergestellt sein wird.

Jetzt, in dieser Zeit, wo Men-

schen guten Willens überall auf der Welt des größten Gutes gedenken, dessen sich ein Land erfreuen kann - Frieden zuhause und draußen - werden
wir das afghanische Volk nicht vergessen, das darum kämpft, seinen Platz
unter den freien Nationen der Welt wieder einnehmen zu können.

Dieses

tapfere Volk wird in seinem ehrenvollen Kampf auch weiterhin die Unterstützung aller Amerikaner haben.

- 3 -

�2 . Januar 198i&gt;

WIDERSTAND UND BESATZUNGSHERRSCHAFT IN AFGHANISTAN
- Bericht des US-Aubenministeriums -

Washington -(AD)- Im Dezember 1984 v e r ö f f e n t l i c h t e das amerikanische
Aubenministerium eine Bilanz
herrschaft

der

fünfjährigen

sowjetischen

besatzungs-

i n Afghanistan und des Widerstands i n diesem Lande. Der Be-

r i c h t hat folgenden Wortlaut:
Am 24. Dezember 1979 wurden erste Abteilungen sowjetischer L u f t l a n d e truppen

bei

27. Dezember

Kabul,
hatten

der
die

Hauptstadt Afghanistans, abgesetzt.

Bis zum

sowjetischen Truppen i n Kabul eine Stärke von

5 OÜO Mann e r r e i c h t . Unter verschiedenen Vorwänden entwaffneten sie einen
G r o b t e i l der i n der Hauptstadt

s t a t i o n i e r t e n afghanischen

Streitkräfte.

I n der selbigen Nacht wurde der Darulaman-Palast, die Residenz des P r ä s i denten H a f i z u i l a h Amin, von sowjetischen L i n h e i t e n gestürmt. Afgnanische
Soldaten, d i e Amin, der auch die P o s i t i o n des Vorsitzenden der Demokratischen \folkspartei Afghanistans (DVA) i n n e n a t t e , die Treue h i e l t e n , wurden
ü b e r w ä l t i g t . G l e i c h z e i t i g s t r a h l t e e i n Sender, der sich a l s Radio Kabul
meldete, i n W i r k l i c h k e i t aber j e n s e i t s der Grenze auf sowjetischem Gebiet
stationiert

war, eine auf Tonband aufgezeichnete Erklärung

von Babrak

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von Babrak Karmal, einem der Gründer der ÜVA, aus, in der es hieb, Amin
sei von einer Gruppe von Parteimitgliedern gestürzt worden.

Einige Stunden später Degann der echte Sender von Radio Kabul, der
inzwischen von sowjetischen Truppen genommen worden war, im Namen des
neuen "afghanischen" Regimes Nachrichten auszustranlen. nr meldete, dau
Babrak Karmal zum Präsidenten der Demokratischen Republik Afghanistan
(DRA) ernannt worden sei. Kurze Zeit später gab der Senuer beKannt, dau
Präsident Amin von einem Parteitribunal abgeurteilt und hingerichtet worden sei. Am gleichen Abend melaete Radio Kabul ferner, dab die UdSSR einer dringenden Bitte der afghanischen Regierung um militärischen Beistand
entsprochsn habe.

Verbände in Stärke von vielen Tausend Mann strömten über den Arnu üarya (oder Oxus) aus den südlichen Gebieten der UdSSR nach Afganistan hinein oder wurden über Flughäfen eingeflogen, die sich mittlerweile in der
Hand von sowjetischen Truppen befanden, die ursprünglich als Berater ins
Land entsandt worden waren. Der Zustrom an Streitkräften hielt an. Anfang
Januar 1980 befanden sich 40 000 sowjetische Soldaten in Afghanistan, und
bis zum Sommer des gleichen Jahres war ihre Zahl auf ö5 uuU gestiegen.
Sie besetzten alle größeren Städte und zwangen die Herrscnaft des Marionettenregimes des Babrak Karmal einem Land auf, das von Eindringlingen
von auben noch nie lange gehalten werden konnte.

Hintergrund
Die UdSSR marschierte in Afghanistan ein, um den rapide um sich greifenden Untergrundkampf gegen die radikal marxistische Unterdrückungsherrschaft Amins einzudämmen. Die landesweite Widerstandsbewegung drohte, aer
Herrschaft eines marxistischen Regimes, für das sich der Kreml nachdrücklich engagiert hatte, ein Ende zu bereiten und es durch eine Regierung zu
ersetzen, die der Sowjetunion nicht hörig und aller Wahrscheinlichkeit
nach sogar feindselig gesonnen gewesen wäre.
Die marxistische Führung, die die Sowjets im Dezember 1979 austauschten, war im April 1978 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen,
- I -

�Macht gekommen, in dessen Verlauf der damalige Ministerpräsident Monammad
Daoud gestürzt und getötet wurde, üaoud, der zu den ersten Führern der
Bewegung der Blockfreien zählte und es verstand, einen Kurs zwischen Ust
und West zu steuern, hatte im Jahre 197i seinerseits seinen Vetter, den
König Zahir Shah, ins Exil getrieben. Kurz nach der oaur-, d.h., AprilRevolution gerieten die beiden Fraktionen, die die DVA bildeten, in Gegensatz zueinander. Die Khalk-Fraktion unter Führung des damaligen Vizepräsidenten Amin und des Präsidenten Nur Mohammad Taraki unterzogen die
Parcham-Gruppe Babrak Karmais einer Säuberung. Im September 1919 überlebte Amin eine SchiJüerei im Präsidentenpalast - ein von den Sowjets gebilligter Versuch, ihn zu liquidieren - und ernannte sich daraufhin selbst
zum Präsidenten. Im darauf folgenden Monat wurde in Kabul der Tod Tarakis
bekanntgegeben.

Die Kommunisten in Kabul entfremdeten

sicn dem afghanischen Volk

durch ihre ohne jedes Einfühlungsvermögen durchgesetzten sozialen und
wirtschaftliche "Reformen" , zu denen auch ein Programm zur Neuverteilung
des Bodens gehörte, das sofort auf heftigen Widerstand stieb. Jeder Widersetzlichkeit wurde mit brutaler Unterdrückung begegret.
Die Opposition gegen die kommunistische Regierung fand in ganz Afghanistan rr.schen und spontanen Zulauf, der praktisch alle Gruppen der BevölKerung umfaßte: islamische Fundamentalisten, die sich bereits gegen
den König und Daoud zusammengeschlossen hatten, gemäbigte Kräfte des Parlaments, Königstreue, Armeeoffiziere, denen der wachsende Einflub der sowjetischen Militär"üerater" nicht behagte, traditionalistische Elemente
und Teile der Stammesbevölkerung, deren Zorn von den Bemühungen des Regimes erregt worder. war, seine Programme in Gebieten durchzusetzen, in denen das Gesetz der Zentralregierung nie viel gegolten hatte. Diese ethnisch unterschiedlichen Stammesgruppen - i_andbewohner und Nomaden, die
die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen - bilden den Kern des Widerstandes.

Militärische Lage

Gegenüber der mächtigen Roten Armee, einer der gröbten una kampfkräftigsten Streitkräfte der Welt, schienen die Aussichten einer schlecht
- 5 -

�einer schlecht bewaffneten Untergrundbewegung ursprünylich Hoffnungslos
zu sein. Nach fünf Jahren sowjetischer Besatzungsherrschaft ist die militärische Lage in Afghanistan jedoch nach wie vor festgefahren. Das vom
Kreml entsandte "begrenzte Kontingent" hat sich als nicht stark genug erwiesen, um den Widerstand des afghanischen Volkes zu urechen. Es ist zwar
unwahrscheinlich, dab die physische Stärke der Afgnanen jemals ausreichen
wird, um die Eindringlinge zu vertreiben, aber der Druck auf die Sbwjets
stieg langsam, aber stetig soweit an, dab sie sich gezwungen sahen, ihre
StreitKräfte und Feuerkraft zu verstärken und inre Taktik ständig zu
überprüfen, nur um ihre Stellung zu behaupten.

Die Sowjets und ihre Kabuier Verbünueten können nur einen kleinen
Teil Afghanistans wirksam unter Kontrolle halten. Außer im Rahmen von
Säuberung ^Operationen wagen sie es nur selten, ihre Stützpunkte, bestimmte Stadtteile und die großen 'Überlandstraßen zu verlassen. Bei Nacht können sie sich selbst dort nicht sicher fühlen. Der Großteil der ländlichen
Gebiete bleibt der Herrschaft der Scwjets und des Regimes entzbgen. Die
afghanischen Widerstandskämpfer (.Mujahedin) hingegen Können sich im ganzen Land bewegen und haben weite Gebiete praktisch völlig in der Hand, in
manchen Ortschaften haben sie ein funktionierendes Regierungssystem aufgebaut , ziehen sie Steuern ein und betreiben sie Schulen.

Den Bemühungen der Sowjets und des Kabuler Regimes, die gröberen und
kleineren Städte unter Kontrolle zu bekbmmen, war nur begrenzter Erfolg
beschieden. Die Aufrechterhaltung der Sicherneit in Kabul nat für die
Regierung Vorrang, aber die Stadt wird dennoch zunehmena zum Scnauplatz
von Aktionen des Widerstarias. Ende 19ö4 verschlechterte sicn uie Sicherheitslage der Hauptstadt drastisch, als es den Mujahedin gelang, eine
Reihe von überfallartigen Beschiebungen mit Raketen durchzuführen, üroioe
Teile von Herat und Kandahar, der zweit- und drittgrößten Stadt des Landes, befinden sich in aer Hand des Widerstandes, ihre Bevölkerung ist wegen der Bombardements durch die Sowjets und Streitkräfte des Regimes geschrumpft.

Die Streitkräfte des Widerstandes: Während der fünf Jahre, die seit
dem Einmarsch vergangen sind, hat sich die Schlagkraft der Mujahedin
- 4-

�der Mujanedin zunehmend veruessert.
nur

aus

den t r a d i t i o n e l l e n

praktisch

a l l e Arten

i h r e Ausrüstung besteht

selbstgefertigten

sowjetischer

Waffen.

Flinten,

Viele

nicht mehr

sondern

davon wurden

umfalöt
erueutet

oder von Deserteuren der afghanischen Armee a b g e l i e f e r t . Im Verlaufe des
sich hinziehenden Krieges i s t es dem Widerstand gelungen, Abwenrmöylichk e i t e n , heruhend auf Flugabwehrgeschützen und neuerdings auch auf einigen
Boden-Luft-Raketen, gegen Flugzeuge der Sowjets und des Kabuler Regimes
zu entwickeln. Obwohl man immer noch von S t r e i t i g k e i t e n und sogar Kämpfen
zwischen verscniedenen Widerstandsgruppen h ö r t ,

gibt

es auch Anzeichen

f ü r eine zunehmende taktische Zusammenarbeit.
Am wichtigste."i i s t jedoch, dab ungeachtet äußersten i_eids und grober
Not nichts darauf hindeutet, daß der Widerstand die allgemeine U n t e r s t ü t zung durch die

überwältigende Mehrheit

der Afgnanen

verlieren

könnte.

Während der l e t z t e n fünf Jahre hat die Bevölkerung Afghanistans den Mujanedin Nahrung, Unterschlupf und Nachwuchs zur Verfügung g e s t e l l t .

Viele

von denen, die nocn im Dienste der Regierung oder der Armee stehen, naben
sie darüberhinaus auch mit m i l i t ä r i s c h e r Ausrüstung unu Informationen aus
e r s t e r Hand versorgt und ihnen den Durchschlupf durch Sperren ermöglicht.

Die Reyierungsarmee: Lines der größten Probleme, denen sich das Kauul e r Regime und die Sowjets i n Afghanistan gegenübersehen, besteht d a r i n ,
dab sie außerstande s i n d , eine funktionsfähige afghaniscne M i l i t ä r s t r e i t macht aufrechtzuerhalten. Die afghanische Armee, die vor 1979 rund 9U UUU
Mann umfa.Jte, i s t , nauptsachiich durch Fahnenflucht, auf etwa 5b - 4Ü uuu
Mann geschrumpft. Man versucht, i h r e Reihen nicht nur durch die allgemeine Wehrpflicht,

sondern auch durch umherstreifende

Zwangsrekrutierungs-

kommandos wiederaufzufüllen. Das t i n b e r u f u n g s a l t e r i s t

f a s t j ä h r l i c h ge-

senkt worden und l i e g t s e i t kurzem bei l b Jahren. Solche demühunyen hauen
aber

nur wieder die

spielsweise

Zahl der Fahnenflüchtigen

im Jahre 19ö3, a l s

man die

hochgetrieben,

Wenrdienstzeit

so

verlängerte

beiund

schon Entlassene wiedereinberief. Der fortwährende Niedergang der afghanischen Armee nat Moskau vor die Notwendigkeit

gestellt,

zunehmend auf

seine eigenen Truppen zurückzugreifen.

Die

sowjetiscnen

Streitkräfte:

Gegenwärtig

- 5 -

sind

in

Afynanistan

�in Afghanistan sowjetische Truppen in Stärke von etwa 113 Uüü Mann stationiert (eine Zunahme um rund 1U OÜÜ gegenüber dem Stand von 1983). Dazu
kommen Unterstützungsverbände in Stärke von 30 - 3i&gt; UUÜ Mann, die in den
angrenzenden zentralasiatischen Gebieten der UdSSR stehen. Die Kampfkraft
der sowjetischen Besatzungstruppen hat durch Dieostähle und Überfälle,
Alkoholismus

und

Drogenmißbrauch, Schiebergeschäfte, Disziplinverfall,

Krankneiten und Versorgungsengpässe gelitten, wobei letztere teilweise
durch Unterbrechung der Nachschubrouten durch die Mujahedin bedingt sind.
Die Rote Armee profitiert umgekehrt aber auch in gewissem MaUe von der
Tatsache, daß sie erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg echte Kampferfahrungen sammeln und dabei die Truppe schulen und neues uerät erproben kann.

Trotz der oftmals niedrigen Moral und Verlusten in

höhe von zu

-

ID OuU Mann (davon etwa ein Drittel Gefallene) scheint Moskau entschlossen zu sein, in Afghanistan zu bleiben. Gleichzeitig gibt es keine Anzeichen dafür, dab die Sowjetunion zur Zeit zu einer erheblichen Verstärkung
ihres militärischen Engagements bereit ist. Die gegenwärtige Stärke der
Besatzungstruppen reicht jedoch aus, um jeden Versuch der Widerstandsbewegung, sie aus dem Lande zu treiben, zum Scheitern zu bringen.

Da auf die afghanischen Regierungstruppen kein Verlaß ist, sehen sich
die Sowjets gezwungen, selbst immer stärker in Erscheinung zu treten und
eine neue Aggressivität an aen Tag zu legen. Die Großoperationen, die sie
im vergangenen Frühjahr im Panjsher-Tal durchführten, haben dies gezeigt.
Im Rahmen des siebenten Versuchs während der letzten fünf Jahre zur Einnahme dieses strategisch wichtigen Tals ließen sie von Flugzeugen, die
von Stützpunkten

in

der

Sowjetunion

aufstiegen, Flächenbombardements

durchführen und setzten sie eigene Truppen in Stärke von vielen Tausend
Mann ein. Es gelang ihnen zwar, den unteren Bereicn des lals wieder in
die Hand zu bekommen, aber ihr Ziel, die örtlichen Widerstandskräfte und
ihren Führer Ahmaa Shah Massoud auszuschalten, konnten sie nicht verwirklichen. Massoud hatte eine Waffenruhe, die ihm von den Sowjets im Jahre
lb83 angeboten worden war, dazu genutzt, seine Streitkräfte aufzufrischen
und Operationen außerhalb des Tals durchzuführen. Wiederholte Behauptungen des Regimes, daß Massoud getötet worden sei, haben sich als unwahr
erwiesen. Die Sowjets haben im Panjsher-Tal die Taktik der Verbrannten
- 6 -

�der Verbrannten Lrde angewandt und den urouteil aer ernte sowie die Bewä'sserungsnetze in dem Tal zerstört.
Die sowjetische MntiguerillataktiK nat aie ZivilaevölKerung eaenso in
Mitleidenschaft gezogen wie die Mujahedin. Zeitweise warfen sowjetiscne
Flugzeuge Minen ab, die als Spielzeuge, Uhren und andere Gegenstände getarnt waren, die afghanische Kinder und Flüchtlinge dazu verlocken muuten, sie aufzuheuen. Diese Minen waren eher dazu bestimmt, zu verstümmeln, als zu toten. Häufige wütende Vergeltungsaktionen gegen üörfler,
die im Verdacht standen, den Mujahedin zu helfen, trugen weiter dazu bei,
die Bevölkerung gegen die Sowjets und das Regime aufzubringen.

Chemische und toxische Waffen
Es liegen inaizien für den Einsatz tödlicher chemischer und toxischer
Waffen durch die sowjetischen Truppen und ihre afghanischen Handlanger
vor. über Angriffe auf die Mujahedin, bei denen solche Wdffen zum Einsatz
kamen, wurde bereits sechs Monate vor dem eigentlichen sowjetischen Einmarsen berichtet; weitere Meldungen über solcne Einsätze gingen warnend
des gesamten Jahres 19Ö2 ein. Zu den chemischen una toxischen Kampfstoffen, die diesen Berichten zufolge eingesetzt wurden, zänien u.a. Mykotoxine (Giftstoffe, die aus natürlichen biolbgischen Substanzen gewonnen
werden), Nervengas, nichttödliche, kampfunfähig machenue Stoffe, Hautkampf Stoffe, Kohlenmonoxyd und nichttödliche, auf verschiedene Art und
Weise eingesetzte uase. Angriffe mit solchen Kampfstoffen rienten sich
zumeist gegen Mujahedin, die sich in Tunneln oder in unzugänglichen
Schlupfwinkeln in den Bergen versteckt halten. Seit 19öz haben sien zwar
keine sicheren Indizien mehr ergeben, aber es gab auch in der jüngeren
Vergangenheit Hinweise auf den fortaauernden Einsatz chemischer Kampfstoffe.

Politische i_age

Dem Karmal-Regime, das mit dem Makel einer Regierung von sowjetischen
Gnaden behaftet ist, war, ungeachtet erheblicher Bemühungen, bei dem Versuch, die politische Unterstützung des afghanischen Volkes zu yewinnen,
- 7-

�zu gewinnen, kein größerer Erfolg Deschieden als der vorherigen Regierung. Von seiner cinsetzung an hat das Regime im HinDlick auf soziale und
wirtschaftliche Veränderungen eine sehr viel gemäßigtere Haltung eingenommen als sein Vorgänger. Als es schließlich die Landreform wiederaufnahm, sorgte es dafür, daß ihm wohlgesonnene Stammesführer sowie Vertreter der militärischen und geistlichen Hierarchie in den Genuß von Ausnahmeregelungen kamen. Die Regierung nat sich auch um eine Aussöhnung mit
der Geistlichkeit, d.h., mit den Mullahs, Demüht. BaDrak Karmal hat sogar
versucht, sich selDst als gläuDigen Moslem darzustellen. Andererseits erhält die Skepsis der Öffentlichkeit und die Opposition seitens der Geistlichkeit jedoch neue Nahrung durch BestreDungen des Reyimes, die ReliyionsausüDung zu reglementieren. Zu diesen BestreDungen zählt Deispielsweise die Ende 1^04 vollzogene VerDannuny von zu der proiiunentesten Mullans
Kabuls aus ihren Moscheen.

im Dezember l^öu proklamierte das Regime mit lautstarker Propaganda
die Bildung der Nationalen Vaterländischen Front (NVF). Sie umfaßte Stammesführer, Vertreter der Geistlichkeit und Repräsentanten JVA-naher Gewerkschaften und sozialer Organisationen und sollte dazu dienen, den Einfluß der Partei auszuweiten. Versuche, nicht der Partei zugehörige Kreise
zur MitarDeit zu Dewegen, DlieDen erfolglos. ADgesehen von einer eher
symDoliscnen Teilnahme an vom Regime veranstalteten Konferenzen vermeiden
die meisten Stammesführer und Repräsentanten der Geistlichkeit und der
Gemeinden jeden U.ngang mit der marxistischen Regierung. Statt dessen sind
viele von ihnen im Widerstand aktiv.

Die Bildung der NVF war einer von vielen von den Sowjets geförderten
Versuchen, dem verheerenden, mörderischen Konflikt zwischen der Parchamund der KnalK-Fraktion innerhalb der üyi\ entgegenzuwirken. Die Sowjets
bestanden darauf, daß auch Khalk-Mitglieder ins Kabinett aufgenommen wurden. Ferner versuchten sie, die Parcham aaran zu hindern, für die dnterdrückung, unter der sie zu leiden hatte, als die Khalk an der Macht war,
Rache zu nehmen, uiese Versuche haben jedoch wenig Dewirkt. Die fortwährende innerparteiliche Zwietracht hat zur Ermordung von Mitgliedern Deider Fraktionen geführt.
Onterdrückung findet
- 8 -

�Unterdrückung findet jedoch nicht nur innerhalb ues Regimes statt.
Berichten zufolge tragen die von den Sowjets gelenkte ueheimpolizei (die
KHAD), die Polizei und die Armee die Verantwortung für Folterungen, Hinrichtungen und Menschenrechtsverletzungen jeylicher Art. in einer Rede,
die Karmal unlängst vor Sicnerneitskräften hielt, san selüst er sich veranlaßt , diese wegen ihrer Willkür und ihrer repressiven Praktiken zu Kritisieren.

Außerdem hat die Kabuler Regierung internationalen Terroristen Unterschlupf und Hilfe gewährt. Nachdem Mitglieder der Bewegung al-Zulfiqar
einen Jet der Pakistan international Airlines entfünrt hatten und in Kabul willkommen geheifien worden waren, wurden internationale Sanktionen
verhängt, in deren Rahmen der afghaniscnen Luftverkenrsgesellschaft Ariana die Landerechte in vielen Staaten entzogen wuraen.

Wirtschaft
Afghanistan ist ein Binnenstaat mit nur wenig urbarem Boden, begrenzten natürlichen Ressourcen und einer nur in Ansätzen vorhandenen infrastruktur. Seine wirtschaftliche Laye war daner schon immer prekär. Seit
dem Einmarsch hat sie sich noch verschlechtert. Die landwirtschaftliche
Erzeuyuny ist gesunken, was wiederum zu einer i_euensmittelknappheit in
vielen Gebieten und einem erhöhten Import von Nanrungsmittelyetreide aus
der Sowjetunion zur Versoryung der Städte geführt hat. Die Bauern sind
geflohen, um den Kämpfen oder der Einberufung zu entgehen oder um sich
dem Widerstand anzuschließen. Für die ZurückyeDlieDenen ist es oftmals zu
yefährlich, auf die Felder zu gehen. Auch die Industrieproduktion ist wegen unterbrochener Zulieferungen oder wegen Sabotage durch die Mujanedin
(die meisten Betriebe sind in Staatsbesitz) abgesunken.

Die einzigen Wachstumsbranchen der Volkswirtschaft sind diejenigen,
die in einer Beziehung zur Sowjetunion stehen, ihr Florieren ist Teil
eines umfassenden sowjetischen Versuchs zur Stärkung solcher Bindungen.
Erdgas, das den wichtigsten aller Bodenschätze Afghanistans und seinen
bedeutendsten Exportartikel darstellt, wird zu Preisen unter Weltmarktniveau aus dem Boden über Rohrleitungen direkt in die UdSSR gepumpt. Ver- •y -

�gepumpt. Verteilerleitungen zu den Städten Afghanistans gibt es nicnt.
Ein Großprojekt, in dessen Rahmen Kupfer zum Export in die Sowjetunion
abgebaut werden soll, läuft. Vom wuchernden Schwarzmarkt abgesehen, weisen die Statistiken kaum Handel mit der nichtkommunistischen Welt aus.

Flüchtlinge

Teilweise als Folge der zunehmenden Kampftätigkeit strömen auch weiterhin Flüchtlinge aus Afghanistan heraus, obwohl dieser Strom im Vergleich zu früher dünner geworden ist. Pakistan oeherbergt nach wie vor
schätzungsweise 2,3 Millionen Flüchtlinge, die größte Flüchtlingsmasse
der Welt. Schätzungsweise weitere 8UU üüu Afghanen sino in oen Iran geflohen.

Zusätzlich zu denen, die Afghanistan verlassen naben, mutete eine unbestimmte Anzahl von Menschen innerhalb des Landes selbst ihre Heimstätten verlassen; Kämpfe und Zerstörungen trieben die Menschen in die städtischen Gebiete. Seit dem sowjetischen Einmarsch hat sich die Einwohnerzahl Kabuls verdoppelt, obwohl viele der ursprünglichen Bewonner die
Stadt verlassen haben.
Trotz der schweren bürde, die Pakistan durch den Zustrom an Flüchtlingen auferlegt worden ist, sind diese dort willkommen geheißen worden;
das Verhältnis zwischen ihnen und ihren Gastgebern ist im allgemeinen
weiterhin gut. Oie Pakistanis helfen den Flüchtlingen u.a. mit Barzuwendungen und Zahlung von Wohlfahrtsmitteln.
Die pakistanische Regierung hat den Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlingsfragen gebeten, ein internationales Hilfsprogramm
für die Flüchtlinge in die Wege zu leiten, in dessen Rahmen ihnen Grundnahrungsmittel, Unterkünfte, Gesundheitsfürsorge und Schulerziehung zur
Verfügung gestellt werden sollten. Mehrere andere Staaten und internationale freiwillige Hilfsorganisationen haben zu diesem Programm erhebliche
Beiträge geleistet.
Auch die Regierung der Vereinigten Staaten leistet durcn den Hochkom- lü -

�den Hochkommissar der Vereinten Nationen, das Welternährungsprogramm und
eine V i e l z a h l f r e i w i l l i g e r Hilfsorganisationen weiterhin Beiträge zu dem
i n t e r n a t i o n a l e n Hilfsprogramm. Seit

l^öü

hauen die

Vereinigten

Staaten

den afghanischen F l ü c h t l i n g e n H i l f e i n Höhe von mehr a l s 3i&gt;0 M i l l i o n e n
Dollar

zukommen lassen,

im Haushaltsjahr

Staaten rund 70 M i l l i o n e n D o l l a r

l^fcw wandten die

Vereinigten

zur Unterstützung afghaniscner

Flücnt-

linge i n Pakistan auf. Davon flössen 49 M i l l i o n e n D o l l a r ÜDer das Welternährungsprogramm. Der amerikanische Beitrag macht etwa :&gt;i&gt; Prozent vom uesamtetat des Flüchtlingshocnkommissars der Vereinten Nationen und rund ^U
Prozent der i n t e r n a t i o n a l e n L e b e n s m i t t e l h i l f e aus.
Internatjanale Reaktionen
Der sowjetische Einmarsch und der

fortdauernde

die Welt schockiert und mit Schrecken e r f ü l l t .

brutale Krieg

hauen

Die Vereinigten Staaten

prangerten den Linmarsch an und verhängten eine Reihe von Sanktionen gegen die Sowjetunion. Die Organisation der Islamischen Konferenz

forderte

den Abzug der Sowjets, v o t i e r t e f ü r die Aussetzung der M i t g l i e d s c h a f t A f ghanistans und r i e f i h r e M i t g l i e d e r a u f , das Karmal-Regime nicht
kennen. Die Bewegung der Blockfreien forderte den Abzug a l l e r

anzuer-

ausländi-

schen Truppen.

Von Anfang an hat sich die Kabuler Regierung mit sowjetischer Rückendeckung auf den Standpunkt g e s t e l l t , dab die Präsenz sowjetischer Truppen
eine b i l a t e r a l e Angelegenheit

s e i und dau der Abzug dieser

1ruppen nur

dann i n Betracht gezogen werden könne, wenn die Einmischung von auiöen im K l a r t e x t : der Widerstand - aufhöre, im Rahmen i h r e r Vorschläge f o r d e r t
die Kabuler Regierung, öati i n t e r n a t i o n a l e Nichteinmischungsgarantien T e i l
jeder Friedensregelung zu sein hätten.
Verhandlungsbemühungen der Vereinten Nationen
Im Januar 1980 wurde der sowjetische Linmarsch von der
sammlung mit überwältigender Mehrneit v e r u r t e i l t ,

UN-Vollver-

im November des g l e i -

chen Jahres verabschiedete die Vollversammlung eine Entschließung, i n der
e i n Abzug der

ausländischen

Truppen aus Afghanistan

- 11 -

verlangt

und der

�und der Generalsekretär aufgefordert wurde, eine Verhandlunyslösung anzustreben, in jedem der darauf folgenden Jahre wurde eine ähnliche Entschließung verabschiedet. 19ö&lt;+ wurde die von Pakistan und 4o anderen
blockfreien Staaten eingebrachte Entschließung mit einem Rekordergebnis
von 119 gegen 20 Stimmen bei 14 Entnaltungen angenommen. Diese enorme
Diskrepanz im Abstimmungsergebnis spiegelt die fortwährende Verdammung
der sowjetischen Besatzungsherrschaft in Afghanistan durcn die Völkergemeinschaft wider.

Die Hauptelerr.ante der Entschließung der Vollversammlung bilden die
Grundlage für eine Friedensregelung und für die Verhandlungen unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Es sind dies:

- der vollständige Abzug aller ausländischen Truppen;
- die Wiederherstellung der Unabhängigkeit und Blockfreiheit Afghanistans;
- das Selbstbestimmungsrecht des afghanischen Volkes,
- die Heimkehr der Flüchtlinge in Ehren und Sicherheit.

im Jahre 1981 nahm Javier Perez de Uuellar, der "persönliche Vertreter" des damaligen Generalsekretärs, Verhandlungsbemühungen auf. Als Perez de Cuellar selbst zum Generalsekretär aufrückte, berief er den Beigeordneten Generalsekretär Diego Lordovez auf den Posten, den er zuvor
selbst innegehabt hatte.
Nach einer Reihe getrennter Konsultationen entsandten Pakistan und
Kabul im Juni 1982 Delegationen zu indirekten, von Cordovez geleiteten
Gesprächen nach üanf. Der Iran, der die sowjetische Besatzungsherrschaft
vehement verurteilt, nahm nicht direkt teil, weil "die wirklichen Vertreter Afghanistans" nicht eingeladen worden seien, erklärte sich aber
bereit, sich offiziell auf dem laufenden halten zu lassen. Die Sowjetunion wurde inoffiziell auf dem laufenden gehalten. Es wurde zwar von
"Fortschritten" und "Flexibilität" berichtet, aber ein Abkommen konnte
nicht geschlossen werden. Die uenfer Gesprächsrunde trat im April und
Juni 1983 und im August 1984 erneut zusammen. Lordovez bezeichnete die
jüngsten Zusammenkünfte als "technisch" , und obwohl augenscheinlich keine
- 12 -

�augenscheinlich keine Fortschritte zu verzeichnen waren, kamen beide Seiten überein, im Februar 1985 wieder zusammenzutreffen.

Die Bemühungen der Vereinten Nationen, eine Regelung auf der Grundlage der vier in den Entschließungen der Vollversammlung

niedergelegten

Prinzipien herbeizuführen, finden die volle Unterstützung der Vereinigten
Staaten.

Perspektiven
Die unmitteioaren Zukunftsaussichten für Afganistan sind düster, es
steht zu erwarten, daß die Kämpfe auch in der überschaubaren Zukunft andauern werden. Die Sowjets haben sich augenscheinlich zu einer langfristig angelegten Strategie entschlossen, deren Ziele darin bestehen, das
Kabuler Regime zu stützen, den Widerstand in einem Abnutzungskrieg zu
überwinden und die Regierung, die Wirtschaft, die Gesellschaft und das
Volk Afgnanistans zu sowjetisieren. Die Mujanedin scheinen jedoch bereit
zu sein, den hohen Preis für die Fortsetzung des Kampfes zu zahlen, und
sie sagen, daß sie nicht aufgeben werden.

Vieles wird vom Verhalten der Außenwelt abhängen, von der Haltung,
die die Nachbarstaaten Afghanistans und die Welt schlechthin gegenüber
dem Konflikt dort einnehmen. Das Ziel der amerikanischen Politik besteht
in einer politischen Verhandlungslösung für Afghanistan, die die sowjetischen Truppen aus dem Land schaffen und dem Leid des afghanischen Volkes
ein Ende setzen würde.

Anhang
Die kommunistischen Parteiungen i n Afghanistan:
Die

kommunistische

Partei

Afghanistans

VolKspartei Afynanistans (DVA). Sie i s t

nennt

sich

Demokratische

i n zwei Flügel gespalten, deren

R i v a l i t ä t sich oftmals i n Gewaltakten e n t l a d .
Die

Parcham-(Banner-)Fraktion

unter

- 13 -

Führung

von

Präsident

Babrak

�Präsident Babrak Karmal hat gegenwärtig die Oberhand. Die höchsten Ämter
im Regierungs-

und Parteiapparat

sind

zumeist

mit

Parcham-Mitgliedern

besetzt. Diese F r a k t i o n besteht im wesentlicnen aus i n t e l l e k t u e l l e n der
städtischen Ober- und M i t t e l s c h i c h t , i h r e Sprache i s t D a r i .
Die Khalk-(Massen-)Fraktion

wurde ursprünglich

Tar-aki und Amin angeführt. Gegenwärtig steht i h r
vor. Khalk-Mitglieder
Sprache Paschtun i s t .

entstammen o f t

von den Präsidenten
Innenminister

Gulabzoi

der ländlichen Unterschicht,

Die Khalk d ü r f t e

die Mehrheitsfraktion

deren

innerhalb

der P a r t e i b i l d e n , i h r e M i t g l i e d e r beherrschen den P o l i z e i - und M i l i t ä r apparat, eine Tatsache, die das Überleben dieser dogmatischen, aber eher
n a t i o n a l i s t i s c h e n Gruppe gewährleistet.
Die w i c h t i g s t e n Widerstandsgruppen i n Afghanistan:
Die innerhalb Afghanistans aktiven Widerstandskämpfer sinü im a l l g e meinen nach Orts-

oder

Stammeszugehörigkeit

in

Verbänden

organisiert,

deren Operationen sich auf e i n bestimmtes Gebiet oeschränken. Viele d i e ser Gruppen sind mit p o l i t i s c h e n Parteien verbunden, die i h r e

hauptquar-

t i e r e zumeist im pakistanischen Peshawar aufgeschlagen haben.
Die größeren Parteien i n Peshawar haben zwei K o a l i t i o n e n

gebildet,

die o f t a l s die fundamentalistische und die gemäßigte dezeicnnet werden.
Die erstgenannte Gruppe, die unter der Führung von Professor Aodul Rasoul
Sayyaf s t e h t , wird manchmal auch Sieüen-Parteien-Vereinigung genannt. Sie
umfaüt d r e i größere Parteien: die Hezb-e I s l a m i Gulbuddin Hekmatyars, die
Hezb-e I s l a m i - F r a k t i o n des Yunus Khalis und die von Burnanuddin Rabbani
geführte J a m i a t - i - I s l a m i . Die zweite K o a l i t i o n , die auch a l s D r e i - P a r t e i en-Allianz bekannt i s t , besteht aus der Harakat-e-inqelad des Nabi Mohhamedi, der von P i r Sayyid G i l a n i geführten Mahaz-e M i l l i
Nejat-e M i l l i , deren Oberhaupt Sibaghatullah Mojadeddi i s t .

- 14 -

und der Jebh-e

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Januar 198;&gt;

WE1NBERGER: STRATEGISCHE VERfEIDIGUNGSINITIATIVE NUTZT ALLEN
VERBÜNDETEN

- Rede des US-Verteidigungsministers vor der Auslandspresse -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister uaspar
Weinberger betonte amm 19. Dezember 1984 vor der Auslandspresse in Washington, die Strategische Verteidigungsinitiative (SDl) der Reagan-Administration bedeute keineswegs eine Abkopplung der Vereinigten Staaten von
Europa, sondern nütze allen Verbündeten.

"Die Sicherheit der Vereinigten

Staaten ist unlösbar mit der Sicherheit Westeuropas verbunden", so erklärte Weinberger.

Die Vereinigten Staaten arbeiteten eng mit allen Ver-

bündeten zusammen, um die gemeinsame Sicherheit zu stärken.

Die Ausführungen des amerikanischen Verteidigungsministers haben folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen für die Einladung, heute vor Ihnen zu sprechen.

Dies

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�sprechen.

Dies ist eine günstige Zeit für ein solches Zusammentreffen,

denn Präsident Reagan bereitet seine zweite Amtszeit vor.

Vor seiner

Wiederwahl hat Ronald Reagan dem amerikanischen Volk klar und deutlich
gesagt, wo er in der wichtigsten Frage steht:

Wie wir einen Atomkrieg

verhindern und eine sicherere Welt aufbauen können, damit diese Generation - und kommende Generationen - in Frieden in Freiheit leben können.

Präsident Reagan machte klar, daß er die Drohung aller Kernwaffen vor
allem der gefährlichsten - der nuklearbestückten Raketen - verringern
will.

Durch Stärkung der konventionellen Streitkräfte - mit hilfe tradi-

tioneller und neuer Technologien - hat er begonnen, zusammen mit unseren
Verbündeten wieder eine ausgewogene Abschreckung herzustellen und die Abhängigkeit in Europa zu verhindern.

Und jetzt hat er durch die Einlei-

tung eines Forschungs- und Iechnologieprogramms für die Verteidigung gegen ballistische Raketen die Tür zu einer Zukunft geöffnet, in der Nuklearraketen weniger und weniger in der Lage sein werden, inre schreckliche
Aufgabe zu erfüllen - bis wir auf den Tag hoffen dürfen, an dem die Drohung der Kernwaffen gänzlich beseitigt sein wird.

Das amerikaniscne Volk hat sich mit überwältigender Mehrheit hinter
diese Ziele gestellt.

Der Präsident ist entschlossen, in der zweiten

Reagan-Administration seine Verpflichtungen gegenüber dem amerikanischen
Volk und den Verbündeten Amerikas zu erfüllen.

Bei der Darleyung der

Herausforderung der strategischen Verteidigung hat er nämlich von unseren
Verbündeten in der ganzen Welt yesagt:

"ihre Sicherheit und unsere sind

eins, keine Veränderung in der Technologie kann oder wird diese Realität
ändern."

Dieser Weg zu einer sichereren Welt wird weder leicht noch kurz sein.
Das Forschungsprogramm

für die strategische Verteidigung

wird Früchte

tragen müssen, bevor wir in die Lage versetzt sind, irgendwelche Entscheidungen über Dislozierungsoptionen zu treffen,

ich bin allerdings

sicher, daü wir die vor uns liegende technologische Aufgabe meistern können, wie wir ja schon in der Vergangenheit so viele andere technische
Wunder vollbracht haben.
Die
- 2 -

sowjetischen

�Die sowjetischen Nuklearraketen-Streitkräfte, die unser Land und unsere Verbündeten bedrohen, sind jetzt schon seit 20 Jahren ständig angewachsen.

Ich befürchte, dab sie weiterhin anwachsen werden, wenn wir die

sowjetische Führung nicht überzeugen können, dafi wir uns gegenseitig darauf einigen können, die nuklearen Raketenarsenale durch Verhandlungen abzubauen.

Wir haben auch ein Programm in Angriff genommen, das - wie wir

und, wie ich ylauoe, alle Männer und Frauen guten Willens hoffen - diese
Raketen unwirksam und überholt machen wird.

Jie Strategische Verteidi-

gungsinitiative (SDI) des Präsidenten kann dazu beitragen, dem strategischen Rüstungswettlauf Einhalt zu gebieten, indem Nuklearraketen ihren
Wert verlieren und damit den Sowjets unerschwinglich hohe Kosten auferlegen würden, wenn sie ihr Streben nach Überlegenheit auf dem Gebiet der
Raketen fortsetzen.

In den sechziger und Anfang der siebziger Jahre hegten wir andere Erwartungen.

So hat beispie]sweise einer meiner Vorgänger sogar vorausge-

sagt , die Sowjets würden sich mit einigen wenigen hundert Raketen zufrieden geben.

Er sagte, die Sowjets hätten aufgegeben, mit unserer strate-

gischen Streitmacht gleichziehen, ja uns gar überholen zu wollen.

Wir

dachten, unsere Zurückhaltung in offensiven Nuklearwaffen würde, kombiniert mit einem Veruot der Raketenabwehr-Raketen, die Sowjets ebenfalls
zu einer Zurückhaltung in ihrer offensiven Rüstung, dem Verzicht auf Abwehrraketen sowie dazu führen, die Deiderseitige nukleare Abschreckung
auf unbegrenzte Zeit zu akzeptieren.

Die Vereinigten Staaten verhielten

sich entsprechend dieser Erwartung.

Wänrend der sechziger bis Ende der siebziger Jahre haben wir Jahr für
Jahr den Haushalt für unsere Nuklearstreitkräfte gekürzt.

Heute beträgt

die gesamte Megatormage des amerikanischen Arsenals rur noch ein Viertel
des Umfangs unseres Arsenals im Jahr l!?i&gt;9.

Vor 17 Jahren besagen wir um

ein Drittel mehr nukleare Gefechtsküpfe als heute.

Wir dachten, das wür-

de die Sowjets dazu veranlassen, das Wachstum ihrer Nuklearstreitkräfte
zu bremsen.

Wir
- 5 -

glaubten

�Wir glaubten f e r n e r ,

wir

konnten die sowjetische Zurückhaltung be-

stärken und die Begrenzung o f f e n s i v e r Waffen e r l e i c h t e r n , wenn wir unsere
eigene t o t a l e Verwundbarkeit gegenüber einem sowjetischen
garantieren würden.

Haketenangriff

Wir verzichteten e i n s e i t i g nicht nur auf die V e r t e i -

digung unserer S t ä d t e , sondern auch unserer MINUTEMAN-Silos.

Wir

taten

das, obwohl der ABM-Vertrag jeder Seite eine solche ABM-Stellung zugestand.

Die Verfechter

dieser

Politik

argumentierten, daß die

Sowjets

keinen Anreiz zur Dislozierung von mehr Raketen h ä t t e n , wenn sie

leicht

gegen amerikanische Städte zuschlagen könnten.
M i t t e der siebziger Jahre wurde jedoch der Umfang und der Nachdruck
der sowjetischen Aufrüstung a u g e n f ä l l i g ,
bilität

erneut versuchten w i r , die Sta-

wiederherzustellen, indem wir den SALT 11-Vertrag aushandelten.

Trotz der Lehren aus SALT 1 erwarteten die amerikanischen Unterhändler
wiederum, daü die Sowjets i h r e r Aufrüstung E i n h a l t gebieten würden, wenn
wir uns w e i t e r h i n den Schutz vor sowjetischen Raketen versagten.
Und wieder hatten wir nicht recht.

Die Verbesserungen und Erweite-

rungen der sowjetischen Raketenstreitmacht dauern i n einem erschreckendem
Tempo a n , obwohl wjr über die SP.LT I-Abkommen hinaus die cinschränkungen
von SALT I I haben.

Die Sowjetunion b e s i t z t heute mehr Qefechtsköpfe, die

i n der Lage s i n d , unsere Raketensilos zu z e r s t ö r e n , a l s wir ursprünglich
geglaubt h a t t e n , daß sie selbst ohne SALT-Abkommen bauen würden. Wir s t e hen heute genau vor der S i t u a t i o n , deren E i n t r i t t der SALT-Prozeß v e r h i n dern s o l l t e .

Das i s t der Grund, warum der Präsident und i c h das SALT I I -

Abkommen so h e f t i g k r i t i s i e r t haben.

Es wird die Arsenale nicht abbauen.

Und die sogenannte "Rüstungsbegrenzung" e r l a u b t e , j a b i l l i g t e die sowjetische Aufrüstung i n Kernwaffen.

Darüber hinaus haben die Sowjets, wie der Präsident dem Kongreß berichtet

hat,

schließlich

mehrere

des Verbotes

Raketenversuchen soll,

wichtige

verletzt.

eine V e r i f i z i e r u n g

Präsident

Carter

der

Bestimmungen
Verschlüsselung

der

SALT-Abkommen -

telemetrischer

ein-

Daten

bei

Da diese l e t z t e r e Bestimmung dazu dienen

des SALT-Abkommens zu ermöglichen, hat

u n t e r s t r i c h e n , daß "eine

Verletzung

dieses

selbst

Teils

des

�Teils des Abkommens - die wir rasch feststellen könnten - eine ebenso
ernste Sache wäre wie eine Verletzung hinsichtlich der strategischen Waffen selbst."
Üie große Menrheit der Amerikaner macht sich grobe Sorgen über die
Art der sowjetischen Verletzungen.

Einige Leute jedoch, die sich auf

ihre Expertise und ihr Engagement auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle
berufen, haben die Dinge auf den Kopf gestellt. Statt das Problem der sojwetischen Verletzungen zu erkennen, haben sie Präsident Reagan kritisiert , weil er den Kongreß über die sowjetischen Verletzungen informiert
hat.

Dies zeige, so argumentieren sie, daio der Präsident die Rüstungs-

kontrolle "nicht ernst meine", als ob Ernsthaftigkeit bedeute, daß wir
sowjetische Verletzungen ignorieren sollten.

Ich möchte gar

nicht

auf Fehlern der Vergangenheit

herumreiten,

torauf es mir hier ankommt, ist, daß wir aus diesen Erfahrungen lernen.
Manche Leute, die sich weigern, aus der Vergangenheit zu lernen, behaupten, daß Präsident Reagan zwischen seiner Initiative auf dem Gebiet der
Strategischen Verteidigung und dem Versuch wählen müsse, RüstungsVerminderungen zu erreichen.

Natürlich müssen wir eine Wahl treffen. Aoer die-

se Wahl ist zwischen einer besseren Verteidigungspolitik, die Hoffnung
und Sicherheit bietet und die uns echte und wesentliche Verringerungen
bringen könnte, und der Beibehaltung unbewiesener strategischer Dogmen,
die uns in eine weit weniger sichere Lage georacht haben.

Die wirkliche Wahl ist zwischen einer strategischen Verteidigung, die
echte Verminderungen der Offensivwaffen bei größerer Sicnerheit für Ost
und West erleichtern wird, und einer Festschreibung unserer totalen Verwundbarkeit gegenüber angreifenden Raketen - ob sie aus Versehen oder mit
Absicht abgefeuert werden - in der zweimal getrogenen Hoffnung, daß dies
die sowjetische Aufrüstung bremsen würde.

Wir sind uns alle darüber einig, daß ein Atomkrieg verhütet werden
muß.

Das ist das überragende Gebot unserer Heutigen Verteiüigungspolitik

und ist es seit Jahrzehnten gewesen.
- 5-

Wir dürfen jedoch nicht vergessen,

�nicht vergessen, daß die vereinigten Staaten und die Sowjetunion tiefgreifende Veränderungen in ihrer jeweiligen Stärke, in ihren Grundstrategien und in der Art und Zahl der in inrem Besitz befindlichen Waffen
erlebt haben.

Während der ersten vier Jahre des Atomzeitalters gab es keine gegenseitige nukleare Abschreckung - wir besaßen ein Monopol.

Weil wir das

Monopol besaßen, Defürchtete niemand ernsthaft einen Atomkrieg.

Selbst

Stalin - oft als ein Mann des Verteidigungsdenkens bezeichnet - verletzte
das Jalta-Aokommen über Polen, vernichtete die Demokratie in der Tschechoslowakei, blockierte Berlin und ermutigte den Angriff Nordkoreas auf
Südkorea. Er hatte keinerlei - paranoide oder sonstige - Angst, die Vereinigten Staaten könnten ihr Nuklearmonopol dazu benutzen, die Einhaltung
des Jalta-Abkommens zu erzwinyen oder gar einen unprovozierten Angriff zu
führen.

Später, als die Sowjetunion auch Kernwaffen baute, gab es noch immer
keine gegenseitige Abschreckung auf der Basis absoluter Verwundbarkeit.
Denn in den fünfziger Jahren gaüen wir einige 1ÜÜ Milliarden Dollar (in
laufenden Dollar) aus, um uns gegen strategische Bomber der Sowjetunion
zu verteidigen - die einzige Waffe, die damals die Vereinigten Staaten
nuklear bedrohen konnte. Damals traten einige der heute lautesten Kritiker der strategischen Verteidigung für eine starke Ausweitung der Verteidigungssysteme gegen die Bomberbedrohung ein und forderten die Entwicklung und Dislozierung einer Raketenverteidigung für unsere Städte und unsere entscheidend wichtigen Streitkräfte.

Erst unter der Administration von Kennedy und Johnson begannen wir,
unsere Anstrengungen aufzugeben, uns gegen einen Nuklearangriff zu verteidigen und statt dessen unsere Sicherheit ganz und gar auf die ausgefallene Theorie zu stützen, daß man nur sicher sei, wenn man über keinerlei Verteidigung verfüge.

Diese Theorie wurde unter der Bezeichnung

beiderseits garantierter Vernichtung (MAD) bekannt.

Sie hat in den letz-

ten 2D Jahren eine zentrale Rolle in der amerikanischen Einstellung zur
Rüstungskontrolle gespielt; dennoch hat die jeweilige amerikanische Poli-

�amerikanische Politik seit nunmehr vielen Jahren der Tatsache Rechnung
getragen, daß das ursprüngliche MAD-Konzept seine Mängel hatte. Unsere
Strategie ist in ihrem Denken mittlerweile weit vorangekommen und hat den
Punkt erreicht, wo man bestrebt ist, Bevölkerungszentren nicht ins Visier
zu nehmen.

Heute sind es die Vertreter des überlieferten, simplistischen MADKonzeptes, von denen der Großteil der Kritik an der Strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten ausgeht. Bisweilen schließen sie sich
der Meinung an, daß die Welt sicherer wäre, könnten sich beide Seiten
wirklich umfassend verteidigen; aber sie widersetzen sich jeglicher Bemühung - einschließlich derer um umfassende Rüstungsverringerungen -, die
die Welt in dieser Richtung voranbringen würde.

Diejenigen, die wirklich von diesem MAD-Konzept überzeugt sind, das
sich mittlerweile als falsch erwiesen hat, sind der Meinung, es sei
Hauptziel - wenn nicht gar alleiniges Ziel -

der strategischen Nuklear-

streitkräfte sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion, in
der Lage zu sein, die Städte des jeweiligen Gegners zu zerstören. Sie
sind der Meinung, eine jegliche amerikanische Verteidigung gegen diese
Bedrohung sei "destabilisierend". Dies würde nämlich, so ihre Argumentation,

unvermeidlicherweise

eine

gewaltige

Zunahme

der

sowjetischen

Streitkräfte provozieren - und würde die Anreize für die Sowjetunion
verstärken, in einer Krise einen Präventivschlag zu führen. Sie können
dabei nicht den Abschreckungswert
weil

sie

fälschlicherweise

auf

einer

das

Raketenverteidigung

sowjetische

Militär

würdigen,

ihre

eigene

irrationale Vorstellung vom Zweck eines sowjetischen Angriffs projizieren. In Wirklichkeit hat das sowjetische Militär seine Offensivkräfte so
entworfen, daß sie in der Lage sind, die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten zu vernichten - insbesondere unsere in
Silos stationierten Raketen und militärischen Ziele in Europa. Gleichzeitig ist die Sowjetunion nie von ihrem Ziel abgewichen, ihr eigenes
Land gegen einen nuklearen Angriff zu verteidigen.

Der
- 7-

ABM-Vertrag

�Der ABM-Vertrag hat den Sowjets nie die Augen vor der Notwendigkeit
einer wirksamen Verteidigung verschlossen. Sie haben auch weiterhin auf
ihre Luftverteidigung großen Wert gelegt. Sie sind derzeit in der Lage,
ein Verteidigungssystem zu dislozieren, das über Kapazitäten sowohl gegen
Flugzeuge als auch gegen viele ballistische Raketen verfügt. Sie verfügen
über ein umfangreiches Programm

unterirdiscner

Luftschutzanlagen. Sie

haben fünf ABM-Radarsysteme erstellt - wobei ein weiteres sich im Bau
befindet -, die ihnen doppelten Schutz gegenüber alle auf die Sowjetunion
einfliegenden Interkontinentalraketen gewähren. Und sie haben die Bestimmungen des ABM-Vertrags voll ausgeschöpft und - noch weit mehr - ihn mit
ziemlicher Sicherheit verletzt, als sie ihre Kapazitäten für die Dislozierung einer umfassenden Verteidigung gegen ballistische Raketen ausbauten. Seit der Unterzeichnung des ABM-Vertrags hat die Sowjetunion für
ihre

strategische

Verteidigung

mehr

ausgegeben

als

für

strategische

Offensivwaffen. Es ist also offensichtlich, daß die Sowjets nicht die
MAD-Philosophie teilen, wonach Verteidigung schlecht sei.

Das Argument ist also falsch, wonach die Initiative des Präsidenten
zur

strategischen

Verteidigung

"35

Jahre

gegenseitiger

Abschreckung

durcheinanderbringen" und eine erfolgreiche Politik der Rüstungskontrolle
und Stabilität verderben würde. Im Gegenteil: Die Initiative des Präsidenten wird letztlich die herkömmliche Überzeugung, die so oft falsch
ist, berichtigen.

Bei unseren Maßnahmen werden wir natürlich nicht unsere Triade offensiver Abschreckungssysteme aufgeben. Wir werden vielmehr auch weiterhin
die Abschreckung beibehalten, ja, alle drei Elemente unserer Triade stärken und modernisieren, weil wir nicht wissen, wann wir in der Lage sein
werden, unser strategisches Verteidigungssysten zu installieren. Aber uns
ausschließlich auf diese Offensivsysteme zu verlassen, ohne uns um wirksame Verteidigungsmöglichkeiten zu bemühen, würde bedeuten, zu einer Zukunft verurteilt zu sein, in der unsere Sicherheit sich einzig und allein
auf die Drohung gründet, sich für eine Aggression zu rächen. Unsere wie
auch die Sicherheit unserer Verbündeten sollte sich auf mehr stützen als
auf die Aussicht gegenseitigens Terrors.

Ein weiterer Fehler,
- 8 -

�Ein weiterer Fehler, den die Kritiker der strategischen Verteidigung
machen, besteht darin, daß sie behaupten, eine wirksame Verteidigung sei
technisch nicht erreichbar. Die Geschichte ist aber voll von Voraussagungen hinsichtlich der Unmöglichkeit technischer Leistungen, die mittlerweile für uns selbstverständlich geworden sind. Albert Einstein sagte
1932: "Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, daß die (Kern)energie
jemals in den Griff zu bekommen ist. Denn das würde bedeuten, daß man das
Atom je nach Belieben spalten kann."

Aufgrund unserer bisherigen Forschung können wir derzeit noch nicht
sagen, wann wir in der Lage sein werden, eine Entscheidung hinsichtlich
defensiver Optionen zu treffen; wir können heute auch noch nicht im einzelnen die Form einer derartigen Verteidigung beschreiben. Klar ist aber,
daß zumindest die sowjetischen Militärs und ihre Wissenschaftler zuversichtlich

dahingehend

sind, daß

die

strategische

Raketenverteidigung

wirksam sein wird. Ihre umfassenden Bemühungen, sich eine solche Verteidigung zuzulegen, ist deutlicher Beweis für ihre Überzeugung - wie auch
ihre gewaltige Anstrengung, uns davon abzubringen, mit unserer Verteidigungsinitiative voranzugehen.

Wir alle waren uns von Anbeginn dahingehend einig, daß ein komplettes
System

bzw. eine Systemkombination

für die

strategische

Verteidigung

nicht über Nacht disloziert werden kann. Es müßte eine Übergangsperiode
geben, in der manche Aspekte der Verteidigung bereits disloziert und
einsatzbereit sind, bevor andere dies wären. Manche Stimmen argumentieren, gerade diese Übergangszeit sei besonders gefährlich, weil dadurch
das bestehende Abschreckungssystem durcheinandergebracht würde, ohne es
durch ein angemessenes anderes zu ersetzen.

Das Gegenteil ist der Fall. Sorgfältig in seinen einzelnen Schritten
geplant, würden diese Kapazitäten der Übergangszeit unsere derzeitige
Abschreckungskapazität stärken - etwas, das zu Präsident Reagans obersten
Prioritäten zählt. In der Tat könnten sie einen gewaltigen Beitrag zur
Verhinderung eines Atomkrieges leisten, noch oevor ein umfassend wirksames System disloziert ist.

Sollte die sowjetische Führung
- 9-

�Sollte die sowjetische Führung jemals die Absicht haben, einen Nuklearangriff in die Wege zu leiten, so bestünde dessen Zweck darin, die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten oder der NATO, die in der Lage wären, einer Aggression Widerstand zu leisten, zu vernichten. Eine Verteidigung, die es mit sich brächte, daß die sowjetischen Raketen eben nicht
in die militärischen Ziele ihres Angriffes gelangen bzw. daß die Sowjets
ihr Vertrauen in das Erlangen dieser Ziele verlieren, würde sie davon abbringen, solch einen Angriff auch nur in Erwägung zu ziehen - und wäre
damit ein hochwirksames Mittel der Abschreckung.

Und wir werden auch nicht zulassen, daß unsere Bemühungen um ein
Verteidigungssystem des Übergangs unsere Energien aufbrauchen oder daß
dadurch unsere Anstrengungen verringert werden, eine voll verläßliche,
gestaffelte Verteidigung sicherzustellen, die die anfliegenden sowjetischen Raketen in allen Phasen ihres Fluges zerstört. Ein solches System
hätte den Zweck, Waffen zu vernichten - und keine Menschen. Mit einem
solchen System stellt sich überhaupt nicht die Frage, ob wir versuchen,
Raketen oder Städte zu verteidigen. Wir würden versuchen, sowjetische
Raketen mit nichtnuklearen Mitteln zu zerstören. Und ich betone noch
einmal: durch nichtnukleare Mittel

- bevor die sowjetischen Raketen

überhaupt in die Nähe eines Zieles in diesem Lande oder bei unseren
Verbündeten gelangen. Es ergibt sich also nicht die Wahl zwischen Verteidigung von Menschen oder von Waffen. Sogar die ersten Phasen der Dislozierung

einer

Raketenverteidigung

können bereits Menschen schützen.

Unser Ziel ist es, Waffen zu zerstören, die Menschen töten.

Legt man eine realistische Sicht der sowjetischen Militärplanung zugrunde, so ist der Übergang zur strategischen Verteidigung nicht destabilisierend. Ja, die ersten Verteidigungskapazitäten würden eine Kombination von Vorteilen bieten. Sie würden zur Abschreckung beitragen, da sie
die Sowjets ihrer Ziele für einen Angriff oerauben. Und sollte die Abschreckung jemals fehlschlagen, so würden sie dadurch viele Menschenleben
retten, daß sie das Ausmaß an Zerstörung verringern, das Folge eines sowjetischen Angriffs wäre. Dieser Schutz wäre

- 10 -

umso

wirkungsvoller, je

�wirkungsvoller, je wirksamer die Verteidigung wäre. Dieses Ziel wiederum
ist weit idealistischer, moralischer und praktischer als die Position
jener, die noch immer der MAD-Theorie anhängen, wonach man sich nämlich
einer jeglichen Verteidigung begeben müsse.

Ich weiß, daß es in Europa Stimmen gibt, die befürchten, unsere Verteidigungsinitiative könne Amerika von Europa "abkoppeln". Das ist ganz
falsch. Die Sicherheit der Vereinigten Staaten ist von der Sicherheit
Westeuropas nicht zu trennen. Und während

wir tatkräftig

unser For-

schungsprogramm für die strategische Verteidigung verfolgen, arbeiten wir
eng mit allen unseren Verbündeten zusammen, um sicherzustellen, daß das
Programm unser aller Sicherheit dient.
Neben der Stärkung unserer nuklearen Abschreckung würde eine solche
Verteidigung auch die Fähigkeit der NATO erhöhen, vor einer sowjetischen
Aggression gegenüber Westeuropa abzuschrecken - würde doch die Fähigkeit
der ballistischen Raketen der Sowjetunion verringert, jene Einrichtungen
zu gefährden, die für die konventionelle Verteidigung Europas von entscheidender Bedeutung sind: Flugplätze, Häfen, Depots und Fernmeldeanlagen - um nur einige Beispiele zu nennen. Eine wirksame strategische Verteidigung würde den Aggressor sehr verunsichern, die Wahrscheinlichkeit
eines erfolgreichen konventionellen Angriffs auf Westeuropa

verringern

und dadurch zugleich die Möglichkeit, daß die Sowjetunion einen solchen
Angriff überhaupt in Erwägung zieht.

Und doch gründen sich bisweilen die Diskussionen über die Initiative
des Präsidenten auf der Annahme, die Vereinigten Staaten könnten die
Sowjets

für alle

Zeiten

daran hindern, Verteidigungseinrichtungen

zu

dislozieren, indem wir auf unsere Forschungs- und Technologieprogramme
verzichten.

Die Geschichte der Sowjetunion, die von ihrer militärischen Führung
erarbeiteten Doktrinen sowie ihre laufenden Programme zeigen in aller
Deutlichkeit, daß die sowjetische Führung nicht den Eindruck hat, durch
die Verbote des ABM-Vertrags in bezug auf eine umfassende Verteidigung

- 11 -

�umfassende Verteidigung gegen ballistische Raketen eingeschränkt zu sein.
Wenn die Sowjets aus ihrem intensiven Forschungsprogramm heraus ein solches System entwickeln, so werden sie es aller Wahrscheinlichkeit nach
auch dislozieren.

Die politischen Kommentare der jüngsten Zeit über die Beziehungen
zwischen Rüstungskontrolle und strategischer Verteidigung gehen an der
Wirklichkeit

vorbei.

Unsere

strategische

Verteidigungsinitiative

ist

sicher ein ehrgeiziges Programm, um eine ganze Bandbreite fortgeschrittener Technologien dahingehend

zu überprüfen, ob sie den Vereinigten

Staaten und ihren Verbündeten in den kommenden Jahren dadurch größere
Sicherheit

verleihen können, daß wir die ballistischen Raketen über-

flüssig machen. Wir sind dieses Programm von Anfang an nach dem Grundsatz
angegangen, daß SDI und Rüstungskontrolle Hand in Hand gehen sollten, daß
eines die Wirksamkeit des anderen bestärkt. SDI ist ein Forschungs- und
Entwicklungsprogramm, das völlig innerhalb des ABM-Vertrags verfolgt wird.

Kurzfristig gesehen stellt unsere Initiative bei der strategischen
Verteidigung auch ein machtvolles Abschreckungsmittel hinsichtlich einer
sowjetischen Verletzung des ABM-Vertrages dar - zumal die Aussicht auf
eine solche Verletzung uns in letzter Zeit auch deshalb beunruhigt, weil
das neue sowjetische Radar mit größter Wahrscheinlichkeit gegen den ABMVertrag verstößt. Unser Forschungsprogramm für die strategische Verteidigung stellt auch klar, daß wir die sowjetische Aufrüstung bei den Offensivwaffen ernstnehmen. Wir haben die Sowjetunion darauf hingewiesen, daß
beide Seiten von Anfang an dem ABM-Vertrag in der Erkenntnis zugestimmt
haben, daß ihm wirksame Begrenzungen bei den Offensivwaffen folgen würden. Die strategische Verteidigungsinitiative ist nicht nur das deutlichste Signal, das wir aussenden können, um zu erkennen zu geben, daß es uns
um das Abkommen ernst ist, sondern sie ist auch die einzig echte Hoffnung
auf eine Zukunft ohne Kernwaffen. Wir können daher die Weigerung der Sowjetunion, wirklichen Verringerungen bei den Offensivwaffen zuzustimmen,
während wir die strategische Verteidigungsinitiative verfolgen, nicht akzeptieren.

Langfristig
- 12 -

gesehen

�Langfristig

gesehen könnte die strategische Verteidigung

die Mög-

lichkeit bieten, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion umfassenden Verringerungen bei den Kernwaffen zustimmen können ja, eines Tages sogar deren Beseitigung. Viele reden von solchen Verringerungen, aber wir arbeiten daran, daß es wirklich dazu kommt, ohne daß
dadurch gefährliche Instabilitäten hervorgerufen werden. Wir sind darum
bemüht, die Sowjetunion in umfassende Gespräche darüber einzubinden, wie
man die Rüstungsverringerung in nächster Zeit wirkungsvoller gestalten
und wie man der ganzen Menschheit eine sicherere Zukunft bieten könnte.

Diesem Prozeß ist nicht durch einseitige oder uninformierte Rhetorik
gedient, die darauf abzielt, den Vereinigten Staaten einseitige Begrenzungen aufzuzwingen, wie uns die Geschichte des ABM-Vertrages selbst gezeigt hat.

Fortschritt in Richtung auf eine sicherere Zukunft benötigt stattdessen eine entschlossene Forschungs- und Entwicklungsbemühung bei der strategischen Verteidigung, sowie einen anhaltenden und geduldigen Dialog mit
der Sowjetunion in den kommenden Monaten und Jahren.

Natürlich müssen wir mit der Sowjetunion

verhandeln

- nicht zum

Zweck, die gewaltige Anzahl der bestehenden Gefechtsköpfe einzufrieren
oder immer mehr und mehr davon zu ermöglichen, wie dies bei SALT II der
Fall war - mit der gräßlichen Drohung völliger Zerstörung und gegenseitiger Verletzbark=it. Nein, wir sollten mit ihr verhandeln, um einen Weg
zu finden, der uns diesem Horror entkommen läßt. Und deshalb zeigt uns
Präsident Reagan die Vision einer künftigen Welt, die frei ist von der
Bedrohung durch nukleare Zerstörung. Wir müssen versuchen, die Sowjetunion dazu zu bringen, sich uns dabei anzuschließen, diese Bedrohungen
zunichte zu machen, damit wir die Welt eines Tages von den Kernwaffen
befreien können, die solchen Drohungen zugrundeliegen. Dieses Ziel mag
noch weit sein, aber Schwierigkeiten

sollten weder eine begeisternde

Vision verdunkeln, noch uns in unserem ständigen Bemühen bremsen, diese
Vision für die ganze Menschheit zu verwirklichen. Machen wir uns auf zu
diesem hellen, sonnigen Land, wo es Hoffnung gibt auf eine bessere Zukunft für alle und von der wir alle träumen.

f++++
- 13 -

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

z. Januar iboi»

USA VERLASSEN 0L€ UNESLO
Erklärung von Unterstaatssekretär Newell -

WASHINGTON - (AD) - öer Unterstaatssekretär für internationale Organisationen im amerikanischen AuUenministeriurn, George Newell, hat am 1&gt;.
Dezember 1984 bestätigt, daß die Vereinigten Staaten mit Wirkung vom 31.
Dezember 19ö4 die Organisation der Vereinten Nationen für Erzienung, Wissenschaft und Kultur (UNESLO) verlassen werden.

In einer Erklärung be-

tonte der Unterstaatssekretär, die Verhältnisse, die die USA vor einem
Jahr zur Ankündigung ihrer Absicht, aus der UNESCO auszuscheiden, veranlagten, hätten sich nicht genügeno gewandelt, um eine Änderung dieser
Entscheidung zu rechtfertigen.

Gleichzeitig teilte Newell mit, daß die

Vereinigten Staaten in Paris eine Ueobachtergruppe einsetzen werderi, die
mit gleichgesinnten Mitgliedsstaaten

an ReformmaUnahmen

weiterarbeiten

werde.
Die Erklärung Newells nat folgenden Wortlaut.

Vor einem Jahr haben die Vereinigten Staaten die UNESLO davon unter-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�davon unterrichtet, daß sie ihre Mitgliedschaft (in dieser Organisation)
am 31. Dezember 1^84 beenden werden.

Wir haben heute bestätigt, daß die

USA die UNESCO mit Wirkung vom 31. Uezemoer dieses Jahres verlassen werden.

Seit einigen Jahren ist die Politik der JNESCO deutlich von den gesteckten Zielen dieser Organisation abgewichen.

Wir haben die UNESCO

immer wieder auf die Grenzen einer amerikanischen (und westlichen) Tolerierung einer fehlgeleiteten Politik und fehlgeleiteter Programme sowie
wiederholter Managementfenlleistungen hingewiesen.
uns im vergangenen Jahr

Die Verhältnisse, die

zur Ankündigung unseres Planes zwangen, die

UNESCO zu verlassen, haben sich in diesem Jahr nicht genügend yewandelt,
um eine Änderung dieser Entscheidung zu rechtfertigen:

Die unsachliche

Politisierung hält an wie auch bedauerlicherweise die verbreitete Feindseligkeit gegenüber den Institutionen einer freien Gesellschaft - insbesondere gegenüber jenen, die eine freie Presse, die freie Marktwirtschaft
und vor allem die Menschenrechte des einzelnen schützen. Auch das Mildmanagement der UNESCO dauert fort, und rund 8U Prozent oes Zweijahreshaushalts von 374 Millionen Dollar werden immer noch im UNESCO-Hauptquartier
in Paris ausgegeoen, so dafo nur zu Prozent für Ausgaben anderswo verüleiben.

Die UNESCO hat während des vergangenen Jahres zwar Refonnoemühungen
unternommen, und wpnn man das frühere Verhaltensmuster der Organisation
als Bezugspunkt nimmt, dann können wir auch oeipflichten, daß diese Bemühungen echt erscneinen.

Angesichts der ernsthaften Bedenken und Be-

sorgnisse, die wir im Dezember

vorigen Janres zum Ausdruck gebracht

haben, bleibt jedoch ohne jeden Zweifel ein unannehmbarer Fehlbedarf.
Eine unabhängige Untersucnungsgruppe prominenter amerikanischer Experten
ist zu ähnlichen Schlußfolgerungen gekommen, die dem amerikanischen Auf3enminister am 27. NovemDer 1^84 offiziell unterbreitet wurden.

Diese

Gruppe wies darauf hin, daß es zwar rege Diskussionen und auch eine gewisse Bewegung in Richtung auf die grundlegenden Bedenken der Vereinigten
Staaten gegeben habe, daß jedoch keine konkrete Änderung erfolgt sei.
Die Vereinigten
- 2 -

�Die Vereinigten Staaten bleiben auch weiterhin einer echten und wirksamen internationalen Zusammenarbeit verpflichtet, die den legitimen Erfordernissen der Entwicklungsländer dient.

Wir werden auch weiterhin un-

sere Unterstützung für internationale Aktivitäten auf den Gebieten der
Erziehung, der Wissenschaft, der Kultur und der Kommunikation über andere
vorhandene multilaterale, regionale, bilaterale Kanäle sowie über Institutionen des privaten Sektors fortsetzen.

Dennoch stehen wir auch weiterhin fest zu der Überzeugung, daß eine
echte Reform der UNESCO das erwünschte Ziel ist.
chen Erneuerung interessiert.

Wir sind an einer sol-

Wir wissen die Anstrengungen all derer -

Länder wie Einzelpersönlichkeiten - zu würdigen, die daran gearbeitet nahen, daß die UNESLO zu ihren ursprünglichen Zielsetzungen zurückkehrt.
Wir haben die Absicht, während des kommenden Jahres mit diesen Trägern
der UNESCO weiterhin zusammenzuarbeiten.

Der Präsident hat in seiner jüngsten Ansprache vor den v/ereinten Nationen erklärt ,da(3 wir eine echte und effektive internationale Zusammenarbeit unterstützen.

Um dazu beizutragen, daß die UNEbcO zu diesem Ziel

zurückkehrt, denken wir an einen dreifachen Ansatz:

- Um die Reform der UNESLO - von außen - zu fördern, werden die Vereinigten

Staaten

einsetzen.

einen

Beobachtungsausschuß

unabhängiger

Experten

Dieser Ausschuß wird damit beauftragt, cireignisse inner-

halb der UNESCO zu bewerten, über sie zu berichten und unser Interesse an einer Reform zu unterstützen.

- Wir werden mit all denen zusammenarbeiten - und zwar Ländern, Einzelpersonen und privaten Organisationen -, die Verbesserungen xnnernalD
der UNESCO anstreben.

- Wir werden eine Beobachtermission in Paris einsetzen, die die amerikanischen Interessen bei der UNESLO schützen und mit gleichgesinnten
Mitgliedsstaaten

im

hinblick

auf

Reformmaßnahmen

zusammenaroeiten

soll, insbesondere zwischen dem jetzigen Zeitpunkt und dem Ende der

�Ende der 23. Vollkonferenz der UNESCO im Jahr 19ÖJ.
fcenn die UNESCO zu i h r e n ursprünglichen Zielsetzungen und P r i n z i p i e n
zurückkehrt, dann sähen s i c h die Vereinigten Staaten i n der Lage, s i c h
der UNESCO wieder anzuschließen.

* * * *

-

4 -

*

�2. Januar 1985

KENNETH DAM: 1984 EIN ERFOLGREICHES JAHR DER US-AUSSENPOLITIK
- Erklärung des Stellvertretenden amerikanischen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister,
Kenneth Dam, zum Jahresende vor der Auslandspresse in Washington, 1984
sei "ein besonders erfolgreiches Jahr für die amerikanische Außenpolitik"
gewesen.

Die Ausführungen Dams haben folgenden Wortlaut:

Die Leistungen von Präsident Reagan in seiner ersten Amtsperiode haben sich in der Außenpolitik positiv niedergeschlagen. Die Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts hat unsere Verhandlungsposition wie
auch die Wirksamkeit unserer Diplomatie gestärkt. Unsere eigene wirtschaftliche Gesundung hat einen weltweiten Aufschwung bewirkt, der in Europa schon vor einiger Zeit eingesetzt hat und in vielen der weniger entwickelten Staaten an Elan gewinnt.

Dank der Neubelebung unseres Nationalstolzes und unseres Selbstbe-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im vergangenen Jahr bewiesen unsere Bundnisse mit den demokratischen
Industriestaaten ihre Wiederstandsfä'higkeit. Da mittlerweile die Herausforderung hinsichtlich der INF-Problematik im wesentlichen der Vergangenheit angehört, genießt nunmehr bei der NATO die Modernisierung der konventionellen Verteidigung Priorität.

Unsere Beziehungen zu den wichtigsten Mächten Ostasiens und des Pazifik - Japan, China, Korea, den ASEAN-Staaten und den Ländern des ANZUSPaktes - sind solide. Wir haben in diesem Jahr erheb]iche Fortschritte
dabei erzielt, Lösungen für unsere Handelsprobleme mit Japan zu finden.
Ich hoffe, daß dieser positive Trend noch zunimmt, wenn der Präsident im
Januar in Kalifornien mit Premierminister Nakasone zusammentrifft. Während des Besuchs des Präsidenten in China im April 1984 trug seine persönliche Diplomatie dazu bei, unsere Beziehungen zu China erheblich zu
verstärken. Nach einem Jahrzehnt des Auf und Ab sind die amerikanischchinesischen Beziehungen nunmehr auf einem sicheren, pragmatischen Kurs.

Hinsichtlich der Frage der Lösung regionaler KonfJikte bin ich der
Meinung, daß wir 1984 Fortschritte in Richtung auf eine Lösung von Konflikten an mehreren Fronten erzielt haben und glaube, daß auch hier von
einer hellen Zukunft gesprochen werden kann.

Nehmen wir zunächst Mittelamerika, über das so viel geschrieben und
geredet wurde.
Die freien und gerechten Wahlen, die Mitte 1984 in El Salvador abgehalten wurden und die Wahl Präsident Duartes, einer starken und populären
Führungspersönlichkeit, waren ein Quantensprung nach vorn bei der Bemühung, die Demokratie zu fördern und der kommunistischen Subversion in
Mittelamerika zu widerstehen. Präsident Duarte spielt seine politischen
Karten mit Geschick. Dank zunehmender öffentlicher Unterstützung wie auch
besserer Ausbildung und Ausrüstung ist die salvadorianische Armee jetzt
weit wirkungsvoller als bisher.

Da sich auch

�Da sich auch ihre nicaraguanischen Förderer unter erheblichem Druck
befinden, sieht sich die Guerilla in die Denfensive gedrängt und das psychologische Gleichgewicht neigt sich zugunsten der Regierung.

Mittlerweile gibt es auch in Nicaragua Zeichen der Spannung. Die fingierten Wahlen schlössen die rechtmäßige Opposition aus und schafften es
doch nicht, die zunehmende Unruhe und die Aufstandsbewegung im Innern
einzudämmen. Wir haben in Unterstützung des Contadora-Prozesses unsere
diplomatischen Kanäle mit Nicaragua aktiv genützt. Wir sind der Überzeugung, daß eine Verhandlungslösung möglich ist, daß aber ein ContadoraDokument, das sich nicht wirksam mit der zunehmenden Aufrüstung in Nicaragua, seinen militärischen Beziehungen zur Sowjetunion und China sowie
der Tatsache auseinandersetzt, daß dem nicaraguanischen Volk die Demokratie verwehrt wird, das Problem nicht löst.

Im südlichen Afrika hat im vergangenen Jahr unsere geduldige Diplomatie das komplexe Problem des südlichen Afrika einer Lösung nähergebracht, die Namibia Unabhängigkeit bringen, die kubanischen Truppen aus
Angola beseitigen und die Spannungen in der Region erheblich verringern
wird. Die endgültige Lösung ist jetzt in Sicht.

Aber ein dauerhafter Friede im südlichen Afrika wird erst dann möglich sein, wenn Südafrika von der Apartheid abgeht, einem widerwärtigen
System des legalisierten Rassismus, und zu einem System gelangt, das die
Interessen aller seiner Bürger wirksam repräsentiert. Wir werden auch
weiterhin im Stillen, aber energisch darauf hinarbeiten, daß dieser Tag
bald kommt.
In bezug auf den Nahen Osten muß ich in aller Offenheit sagen, daß
dies nicht das beste Jahr der Diplomatie des Nahen Ostens war. Die Aufhebung des israelisch-libanesischen Abkommens war eine Enttäuschung. Aber
trotz dieses Rückschlags wollen noch immer alle Parteien - Libanon, Syrien und Israel -, daß wir ihnen bei der Fortführung der Verhandlungen
behilflich sind. Staatssekretär Murphy spielt auch weiterhin hinter den
Kulissen eine nützliche Rolle.
Die
- 4-

Beteiligten

�Die Beteiligten selbst müssen einige harte Entscheidungen treffen,
aber wir werden überlegen, ob wir unsere Rolle intensivieren sollen - etwas, das sie alle wünschen.
In bezug auf den umfassenderen Friedensprozeß war dies in einem weiten Maß ein Jahr der Neubeurteilung - sowohl auf israelischer wie auch
auf ägyptischer Seite. Wir bleiben auch weiterhin für Möglichkeiten offen, den Prozeß voranzutreiben, wannimmer die Parteien dies wünschen.

Schließlich

die Stärkung

der Weltwirtschaft: Dieses Jahr hat be-

trächtlichen Fortschritt dabei erlebt, die drei Hauptprobleme der Weltwirtschaft

in den Griff

zu bekommen - anhaltendes nichtinflationäres

Wachstum, das Schuldenproblem sowie die Aufrechterhaltung eines offenen
internationalen Handelssystems.

Dank der Wachstumsrate unserer eigenen Wirtschaft hat die weltweite
wirtschaftliche Wiederbelebung Fuß gefaßt. Der Wirtschaftsgipfel in London bestätigte die Entschlossenheit der demokratischen Industriestaaten
in bezug auf eine solide Wachstumspolitik.

Wir scheinen dank des weltweiten Wirtschaftswachstums und der Einführung einer disziplinierten Wirtschaftspolitik in vielen der Hauptschuldnerländer die Schuldenkrise in den Griff bekommen zu haben. Ein wichtiger
Faktor war dabei die gewaltige Ausweitung der amerikanischen Importe aus
den Entwicklungsländern. Dieser Anteil stieg von 40 auf 50 Prozent unserer Gesamteinfuhren. Die Vereinigten Staaten tragen auch ihr Teil zur Bekämpfung des Protektionismus bei, und wir sind davon überzeugt, daß dies
der Punkt ist, wo wir sagen müssen, es sei nunmehr an Europa und an Japan, auch das ihre zu tun.

Die Aufrechterhaltung

eines offenen internationalen

Handelssystems

ist entscheidend dafür, daß der Aufschwung, den wir derzeit erleben, auch
von Dauer ist, und sie ist entscheidend für eine weitere Entspannung bei
der Schuldenkrise.
In
- 5-

großem

Maße

�In großem Maße dank der amerikanischen Bemühungen kam es bei der
jüngsten GATT-Konferenz in Genf zu einem Abkommen, das zu einer neuen
Runde multilateraler Handelsverhandlungen führen könnte, um die auf Zollparitäten beruhenden Handelsschranken abzubauen sowie den Handel und die
Dienstleistungen im internationalen Rahmen anzugehen. Dabei werden wir
jene Skeptiker zu überzeugen haben, die es hauptsächlich in den Entwicklungsländern gibt.

Kurzum: Wir haben also eine solide Grundlage für die Zukunft geschaffen; wir verfolgen unsere Interessen und machen uns dabei ein realistisches Bild von den Herausforderungen, vor denen wir stehen. Stärke und
Verhandlungsbereitschaft haben schon jetzt eine Vielzahl von Erfolgen erbracht, haben aber - was noch wichtiger ist - auch noch großartige Möglichkeiten für weitere Erfolge in den kommenden Jahren eröffnet.

- 6-

t

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
2. Februar 1983

INHALT

DEUTSCHLAND-BESUCH DES US-VIZEPRÄSIDENTEN
DOKUMENTATION
Ankunftserklärung von US-Vizepräsident Bush in Bonn
Presseerklärung des US-Vizepräsidenten nach seinem Treffen mit
Bundeskanzler Kohl in Bonn
Trinkspruch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika
in Bonn
Erklärung des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Bush, bei seiner Ankunft in Berlin
Ansprache von US-Vizepräsident Bush in Berlin
Wortlaut des offenen Briefes Präsident Reagans

Um Uber/endung von
ßelegcKempIcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

ANKUNFTSERKLÄRUNG VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH IN BONN

BONN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident, George Bush, gab bei
seinem Eintreffen auf dem Flughafen Köln-Bonn, der ersten Station seiner
Europareise, am 30. Januar 1983 folgende Erklärung ab:
Ich freue mich, daß meine erste Station auf dieser zweiwöchigen Reise
durch Europa gerade Deutschland ist.

Präsident Reagan hat mich gebeten,

diese Reise zu unternehmen, um Konsultationen mit unseren Freunden und Verbündeten in der NATO zu fuhren.

Er ist, wie wir alle, der Überzeugung, daß

unser Bündnis die beste Chance für die Erhaltung des Friedens bietet, den
wir jetzt so viele Jahre lang erfolgreich gewahrt haben.
Wir sind ein Bündnis freier Völker. Wir haben Differenzen, aber in
freien Gesellschaften begrüßen wir die Debatte. Gerade das Recht, ohne
Furcht unsere Meinungen zum Ausdruck zu bringen, ist das, was unser Bündnis
von dem anderen Bündnis auf dem europäischen Kontinent unterscheidet. Wir
können sicherstellen, daß diese Freiheiten und der Frieden überleben, indem
wir wachsam bleiben.
Die Partnerschaft

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Partnerschaft unter den NATO-Verbündeten ist stark, weil wir uns
bewußt sind, daß persönliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit das Kernstück der menschlichen Würde und des menschlichen Friedens sind.

Sie ist

auch deshalb stark, weil wir wissen, daß unsere Sicherheit ein Bündnis erfordert, das sowohl seinen Prinzipien treu bleibt als auch flexibel ist,
wenn es vor Herausforderungen und Bedrohungen von außen steht.
Es wäre schwer, heute abend in Deutschland anzukommen, ohne sich des
Jahrestages bewußt zu sein, den der heutige Tag darstellt.

Und es wäre

schwer, nicht an die schreckliche Erfahrung des Krieges erinnert zu werden,
die unsere Generation durchmachen mußte.

Wer kennt den entsetzlichen Tribut

an Leiden und Verheerung, die die Kriege dieses Jahrhunderts mit sich gebracht haben, besser als das deutsche Volk?

Und wer weiß besser, welche

Anstrengungen es erforderte, dieses Land wieder aufzubauen, als das deutsche
Volk?
Das amerikanische Volk ist stolz, daß es zu dieser Anstrengung durch
den Marshan-Plan beitrug, dessen 35. Jahrestag wir im vergangenen Jahr
begingen.

Wir teilen Ihren Stolz, und wir verspüren große Befriedigung

über Ihre starken demokratischen Institutionen und über das bemerkenswerte
wirtschaftliche Wachstum und die bemerkenswerte wirtschaftliche Prosperität,
die Sie in der Nachkriegsperiode erreicht haben.
Fast vier Jahrzehnte lang haben wir und unsere NATO-Verbündeten den
Frieden in Europa bewahrt.

Wir haben dies getan, indem wir unsere Stärke

und unseren Willen aufrechterhalten haben, uns selbst zu verteidigen;
indem wir die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas miteinander
verbunden haben; indem wir für den Dialog offen sind, der darauf abzielt,
Spannungen mit dem Osten abzubauen; und indem wir zu echten Rüstungsverminderungen verpflichtet sind.
bleibt unsere Politik heute.

Das war unsere Politik, und das ist und
Und darum bin ich zuversichtlich, daß meine

Gespräche mit unseren Verbündeten unsere Einigkeit in einer Politik bekräftigen werden, die uns die längste Periode ununterbrochenen Friedens

�ununterbrochenen Friedens in Europa seit über einem Jahrhundert beschert
hat.
In diesem Geiste möchte ich unseren deutschen Gastgebern und dem ganzen deutschen Volk sagen: Unsere Mission ist es, den Frieden zu bewahren,
und wir freuen uns, daß uns unere Reise hierher geführt hat.

+ + + + +

- 3 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

PRESSEERKLÄRUNG DES US-VIZEPRÄSIDENTEN NACH SEINEM TREFFEN MIT
BUNDESKANZLER KOHL IN BONN

BONN - (AD) - Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Bush, gab nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Helmut Kohl am 31. Jannuar 1983 vor der Presse in Bonn folgende Erklärung (in deutscher Übersetzung)
ab:
Ich freue mich sehr,in Bonn zu sein,und, wie ich schon vor Antritt meiner
Reise gesagt habe, besteht der Zweck meiner Reise nach Europa darin, mit unseren Verbündeten und Freunden in Europa zusammenzutreffen und mit ihnen bezüglich des Hauptpunktes der politischen Tagesordnung Konsultationen zu pflegen,
vor allem was unsere gemeinsamen Bemühungen angeht, den Stand der Kernwaffen
nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt zu senken.
Unser Gespräch heute morgen war, das darf ich sicherlich sagen, herzlich,
freundlich und offen, so wie es auch sein soll bei Gesprächen unter Freunden.
Und das sage ich ganz persönlich frei heraus, und nicht als diplomatische
Floskel.
Die Beziehungen

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland basieren auf gemeinsamen Werten, unserem Vertrauen in demokratische Institutionen und auf unserem Glauben an die Menschenrechte.

Und die-

ses Jahr bringt die Dreihundertjahrfeier, die deutsch-amerikanische Dreihundertjahrfeier, und wie der Herr Bundeskanzler schon mitgeteilt hat, habe ich seine
Einladung angenommen, am 25. Juni nach Krefeld zu kommen als weiteres Symbol
dieser andauernden Freundschaft.
Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir weiterhin Frieden und
Sicherheit so wie in den letzten vier Jahrzehnten erhalten wollen.
Unsere Besprechungen konzentrierten sich auf die Ost-West-Beziehun^en
und auf die gegenwärtig in Genf stattfindenden Verhandlungen über nukleare
Mittel Streckensysteme.

Und unser Treffen hat wiederum unsere gemeinsame Auf-

fassung bekräftigt, daß wir weiterhin dafür arbeiten und danach streben müssen,
die Beseitigung dieser neuen Generation von Kernwaffen zu erreichen.
Ich habe Herrn Bundeskanzler Kohl die Bereitschaft von Präsident Reagan
mitgeteilt, ernsthafte sowjetische Vorschläge zu prüfen. Der Präsident ist
persönlich verpflichtet, eine Verringerung der Kernwaffen auszuhandeln.
In unserem Gespräch waren wir auch einig, an dem Doppelbeschluß festzuhalten, der von der NATO 1979 gefaßt worden ist. Und wir werden keinen Zweifel daran lassen, daß unsere Stärke in der Einigkeit liegt. Und unsere Stärke, unsere gemeinsame Zielsetzung und die gegenseitige Zusammenarbeit sind
die stärkste Abschreckung vor einen Krieg und haben die längste Zeitspanne
seit einem Jahrhundert den Frieden in Europa erhalten.
Die Null-Option ist eine moralisch unbestreitbare Position.

Was könnte

besser sein, als eine ganze Generation neuer Waffen von dieser Erde zu verbannen.
Heute nachmittag
- 2 -

�r

Heute nachmittag werden wir von Bonn nach Berlin Weiterreisen.
Und jetzt möchte ich die Gelegenheit benutzen, um den führenden Persönlichkeiten dieses großen Landes und der Bevölkerung dieser schönen Stadt für
all ihre Freundlichkeit und Gastfreundschaft meinen Dank auszusprechen.
Und wenn ich jetzt eine ganz persönliche Bemerkung machen darf.

Ich

kann Ihnen gar nicht sagen, wie erregt ich bin, bei dem Gedanken, daß ich
die Gelegenheit habe, heute nachmittag nach Berlin zu reisen - mit dem Bundeskanzler zusammen - und Berlin zum ersten Mal zu sehen.

Ich bin schon mehrmals

in der Bundesrepublik gewesen, aber für alle Amerikaner ist es ein aufregendes
Ereignis in ihrem Leben,die Gelegenheit zu haben, nach Berlin zu kommen,und
ich freue mich darauf.
Ich danke Ihnen sehr!

+ + + + +

- 3 -

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

TRINKSPRUCH DES VIZEPRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
IN BONN

BONN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush brachte auf
dem von Bundeskanzler Helmut Kohl gegebenen Essen am 31. Januar 1983 folgenden
Trinkspruch aus:
Ich möchte meinem Freund, Bundeskanzler Helmut Kohl, sehr herzlich dafür
danken, daß er uns das Gefühl gegeben hat, so willkommen zu sein. Seit unserer
Ankunft sind wir von Gemütlichkeit überwältigt worden.
Da ich heute abend in Berlin eine lange Rede halten werde, möchte ich
Ihnen hier längere Ausführungen ersparen.
Lassen Sie mich einfach sagen, wie angetan ich bin von meinen Gesprächen
mit Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher und noch einmal wie glücklich
ich bin, daß die Bundesrepublik Deutschland die erste Station auf meinem zweiwöchigen Besuch bei unseren europäischen Verbündeten und Freunden ist.
Die Partnerschaft

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Partnerschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ist
stark und von entscheidender Bedeutung für die internationale Sicherheit.
Unsere Freundschaft hat den Frieden fast vier Jahrzehnte lang gestärkt und
dazu beigetragen, ihn zu bewahren.

Wenn wir und unsere Verbündeten die vor

uns liegenden Herausforderungen Gestehen, dann wird auch der Frieden bestehen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft geht natürlich viel weiter zurück als vier Jahrzehnte.

Dieses Jahr bringt den 300. Jahrestag deutscher

Einwanderung in Nordamerika.

Fast 20 Prozent des amerikanischen Volkes kön-

nen heute auf Vorfahren verweisen, die aus Deutschland kamen.

Die erste

kühne Gruppe von Einwanderern bestand aus 13 Familien aus Krefeld im Rheinland.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich sagen, wie glücklich ich bin, die Einladung anzunehmen, am 25. Juni dieses Jahres nach Krefeld zu kommen und die
Vereinigten Staaten bei dieser Dreihundertjahrfeier zu vertreten. Ich werde
ferner an der Eröffnung des neuen Joseph Albers-Museums in Bottrop am gleichen
Tag teilnehmen. Der Höhepunkt der Feiern in den Vereinigten Staaten wird am
6. Oktober kommen, wenn Bundespräsident Carstens unser Gast in Philadelphia
sein wird.
Und so möchte ich Sie in dem Geiste unserer Dreihundertjahrfeier bitten,
mit mir einen Trinkspruch auszubringen auf die enge Freundschaft, die uns verbindet, und auf das Wohl unserer deutschen Freunde zu trinken, die uns und
so vielen Amerikanern eine so wunderbare Gastfreundschaft gewährt haben.

�•»ITT

Dokumentation
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2. Februar 1983

ERKLÄRUNG DES VIZEPRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA,
GEORGE BUSH, BEI SEINER ANKUNFT IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush gab bei
seiner Ankunft in Berlin auf dem Flughafen Tegel, am Montag, den 31. Januar
1983, folgende Erklärung ab.
Herr Regierender Bürgermeister, General Liron, General Mostyn, Botschafter
Burnsi
Meine Frau und ich sind sehr glücklich, heute hier in Berlin sein zu
dürfen, und wir freuen uns sehr, daß Deutschland die erste Station auf unserem zweiwöchigen Besuch bei unseren europäischen Verbündeten ist.

Präsi-

dent Reagan hat mich gebeten, allen Berlinern und allen Deutschen seine besten
Wünsche zu übermitteln.
Uns liegt, wie allen Amerikanern, Berlin ganz besonders am Herzen. Wie
ein Amerikaner, der vor 20 Jahren hier eintraf, sagte, ist dies die Stadt
der Stolzen und Mutigen, die am Tor die Wache halten.

Wem die Freiheit viel

bedeutet, dem bedeutet auch Berlin viel, denn keine andere Stadt hat sich in
den letzten vier Jahrzehnten so tapfer gegen die Kräfte der Unterdrückung
gewehrt.
Mein Aufenthalt

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Telex: 8-85432

�Mein Aufenthalt hier ist leider zu kurz, aber ich möchte so viel in
mich aufnehmen, wie ich nur kann. Es drängt mich , mit Ihren führenden Persönlichkeiten und mit den Menschen hier zusammenzukommen,und es drängt mich
auch, zum ersten Mal das gewaltige,berüchtigte Symbol der kommunistischen
Unterdrückung in der Welt zu sehen - die Berliner Mauer.
Aber Berlin selbst ist ein Symbol - ein Symbol der Einigkeit der Völker
Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten. Denn
hier in Berlin stehen wir fest und Schulter an Schulter in der Verteidigung
von Idealen zusammen, die uns Freiheit, Frieden und Wohlstand gebracht haben.
Darum fühlen wir uns ganz besonders geehrt, Gäste Ihrer Stadt zu sein.
Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 2 -

�I

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2. Februar 1983

ANSPRACHE VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am
31. Januar 1983 in Berlin eine vielbeachtete Ansprache gehalten, in der er
die gemeinsamen Ziele des Atlantischen Bündnisses hervorhob.

Die Ausführun-

gen des Vizepräsidenten auf einem Essen, das der Regierende Bürgermeister,
Richard von Weizsäcker, zu seien Ehren im Intercontinental Hotel gab, haben
folgenden Wortlaut:
Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren,
erlauben Sie mir zuerst, Dank zu sagen für die Einladung, heute abend
zu Ihnen zu sprechen.
Als ich vor einigen Monaten zu einem Begräbnis nach Moskau reiste, bin ich
über Deutschland gekommen, aber dies ist das erste Mal, daß ich in Berlin bin.
Diese Tatsache erstaunt mich eigentlich, denn Berlin ist mir seit langem im
Bewußtsein gewesen, so wie es im Bewußtsein aller Amerikaner ist.

Vor 20 Jahren

hielt auf einem Platz, der heute John F. Kennedy-Platz genannt wird, ein amerikanischer Präsident eine Rede, an die noch viele denken.

In seiner Rede sagte

er - an jene gewandt, die die großen Probleme zwischen der freien Welt und der
kommunistischen Welt nicht verstehen - "Laßt sie nach Berlin kommen".

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Tel.: 0228-339 22 40
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�Ich bin glücklich, daß ich diese Rede am ersten Tag meiner Europareise
halten darf.

Keine andere Stadt in Europa könnte einen überzeugenderen Rahmen

für die Diskussion heute abend bieten.

Denn Berlin ist einzigartig, eine

Insel der Demokratie in einem tobenden Meer.

Es hat schwere Stürme überlebt.

Immer haben der Charakter und der unerschütterliche Mut seiner Bürger die
freiheitsliebenden Menschen in aller Welt begeistert.
Seit jetzt fast vier Jahrzehnten haben die Bundesrepublik Deutschland
und ihre Verbündeten mit Beharrlichkeit und Engagement zusammengearbeitet,
um dafür zu sorgen, daß Berlin als eine freie Stadt überlebt hat.
gerade davon, daß Berlin im Bewußtsein der Amerikaner lebt.

Ich sprach

Jene von uns,

die die Jahre 1948 und 1949 erlebt haben, werden sich noch lebhaft an den Kampf
um Berlin erinnern.

Die Erinnerungen der Berliner, die diese Periode mit-

gemacht haben, erwecken noch immer die tiefsten Gefühle für das, was uns verbindet.
Ich denke an den Berliner Arbeiter, der sagte: "Wenn wir frühmorgens
aufwachten, war das erste, was wir taten, festzustellen, ob der Lärm von
Flugzeugmotoren zu hören war. Das gab uns die Gewißheit, daß wir nicht allein waren, daß die ganze zivilisierte Welt an dem Kampf um die Freiheit
Berlins teilnahm".
Und ich denke auch an einen anderen echten Berliner, der sich, nachdem
alles vorüber war, folgende Gedanken machte: "Weiß Gott, selbst die beste
Blockade taugt nichts, aber wenn es schon eine Blockade sein muß, dann ist es
besser, von den Sowjets blockiert und von den Amerikanern versorgt zu werden.
Stellt euch nur einmal vor, wie es andersherum wäre."
Das deutsche und das amerikanische Volk verbindet eine lange und lebendige
Freundschaft. Fast 20 Prozent des amerikanischen Volkes haben ihren Ursprung
in diesem Lande. In diesem Jahr werden wir den 300. Jahrestag des Eintreffens
der ersten deutschen Einwanderer in Amerika begehen. Ich erwarte icht, daß
Sie davon besonders beeindruckt sind. 300 Jahre sind für die Einwohner einer

- 2 -

�Stadt, die fast 750 Jahre alt ist, kein allzu langer Zeitraum.

Aber für uns

ist es wahrlich eine sehr lange Zeit.
Morgen früh werde ich die Berliner Mauer sehen, ein Monument des großen
Übels.

Ich werde sie nur sehen, aber Sie müssen mit ihr leben und mit all

dem, was sie dem deutschen Volke antut.
Diese schreckliche Mauer hilft uns allen, darüber nachzudenken, was wir
erreicht haben

und wie wir es erreicht haben.

Das Bündnis auf der anderen

Seite der Mauer ist auf Beherrschung gegründet, das unsrige auf Zusammenarbeit.
Und eben in diesem Geiste bin ich nach Europa gekommen.
nach Frieden gekommen.

Ich bin im Streben

Während der nächsten zehn Tage werde

führenden Staatsmännern Europas zusammenkommen.

ich mit vielen

Und wenn mein Besuch in Europa

die öffentliche Debatte anregt, so begrüße ich das.

Die NATO ist stark genug,

selbst die lebhafteste öffentliche Debatte auszuhalten.

Wir schrecken nicht

vor dem Dialog zurück, denn für die westlichen Demokratien ist die Vielfalt
immer die Quelle unserer Stärke gewesen.
Und so bin ich weder mit Belehrungen noch mit Drohungen nach Deutschland
gekommen.

Sie sind in den letzten Wochen beidem seitens jener ausgesetzt wor-

den, die Ihre Gastfreundschaft in Anspruch genommen haben.
sagen pflegen, "genug ist genug."

Und wie Sie zu

Als vor 20 Jahren Präsident Kennedy in Berlin

eintraf, sagte er, "jene, die dem Gegner am nächsten leben, jene, die am Tor
Wache halten, sind immer stolzer, mutiger und lebendiger als jene, die weit
hinten in der Etappe leben".

Wer glaubt, Berliner belehren zu können, nimmt

sich wahrhaft viel vor.
Jene von uns, die in der Etappe leben -, wenn man in diesem Atomzeitalter
wirklich noch ein Gebiet als Etappe bezeichnen kann -, können etwas lernen,
wenn sie im Schatten der Mauer stehen.
auf dem unser Bündnis beruht.

Ebenso überzeugend ist das Prinzip,

Es steht, um es Freund und Feind zu zeigen, in

Artikel 5 des Nordatlantikvertrages, daß ein bewaffneter Angriff gegen einen

- 3 -

�"als ein Angriff gegen alle angesehen wird".
Die Strategie der NATO hat kein wichtigeres Ziel, als diesem Prinzip
Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Wenn unsere Bindung aneinander glaubwürdig

ist, dann können wir die Abschreckung gewährleisten, dann können wir unsere
Freiheit gewährleisten, und dann können wir den Frieden gewährleisten.
Aber die beispiellose Aufrüstung der Sowjetunion während der letzten
15 Jahre droht die Glaubwürdigkeit der NATO-Abschreckung zu untergraben.
Und die Sowjets haben versucht, die Bindung zwischen der Sicherheit Europas
und der Sicherheit der Vereinigten Staaten zu zerreißen, die für Artikel 5 so
wesentlich ist.

Die sowjetische Aufrüstung war unnachgiebig und gründlich auf

konventionellem und auf nuklearem Gebiet.
schiedenheit geben.

Darüber kann es keine Meinungsver-

Und eines der gefährlichsten neuen Elemente ist das sowje-

tische Monopol für nukleare Mittelstreckenraketen, die Europa treffen können.
Ich rede von Waffen, die diesen Raum hier in wenigen Minuten erreichen könnten.
Wenn es der Sowjetunion mit der Zeit gelänge, diese Bindung zu zerreißen
- wenn es ihr gelänge, die Vereinigten Staaten und ihre Streitkräfte von der
Verteidigung unserer Verbündeten in Europa zu trennen -, dann wäre unsere Abschreckung untergraben und damit der Frieden, den wir alle fast vier Jahrzehnte
läng bewahrt haben.
Und das ist genau der Grund, warum im Dezember 1979 die Staaten der NATO
- a l l e Staaten der NATO - einen Doppelbeschluß gefaßt haben: Erstens, in Europa
NATO-Waffen zu stationieren, die fähig sind, vor einem Angriff durch sowjetische
SS-20-Raketen und andere nukleare Mittel Streckensysteme abzuschrecken. Der
zweite Teil des Beschlusses war, in Verhandlungen mit der Sowjetunion einzutreten, um den Stand dieser Waffen auf beiden Seiten zu verringern.
Als Fußnote zur Entscheidung vom Dezember 1979 ist es wert, sich daran zu
erinnern, daß dies auch der Monat war, in dem die Sowjetunion Zehntausende ihrer
Soldaten nach Afghanistan entsandt hat, wo heute noch mehr als 100 000 stationiert sind.
- 4 -

�Der Beschluß der NATO war das Ergebnis erschöpfender Konsultationen.
Daraus folgert, daß es die richtige Entscheidung war.

Es war damals die

richtige Entscheidung, und es ist heute die richtige Entscheidung.
Es wurde auch eine umstrittene Entscheidung.
Sie ist zum Teil deshalb umstritten, weil bestimmte Märchen Geltung
gewonnen haben.

Im Lichte der Vernunft lösen sich diese Märchen in Nichts

auf, denn sie sind körperlose Schatten.
Das erste Märchen ist, daß die Stationierung dieser nuklearen Mittelstreckensysteme die Strategie der NATO verändern würde.
Genau das Gegenteil ist der Fall:

Das ist nicht wahr.

Die INF-Entscheidung ist in Wahrheit we-

sentlich, um die Strategie aufrechtzuerhalten, die immer zu den Grundfesten
der NATO gehörte:

Aufrechterhaltung der Bindung zwischen den Vereinigten

Staaten und ihren Verbündeten, die die Abschreckung gewährleisten.
Das zweite Märchen ist, daß dieser Beschluß einem widerstrebenden Europa von den Vereinigten Staaten irgendwie aufgezwungen worden sei.
der auch nur Zeitungen liest, weiß, daß dies absurd ist.

Jeder,

Der NATO-Beschluß

war eine Antwort auf weitverbreitete Befürchtungen, vor allem in Europa, wegen der alarmierenden Aufrüstung der sowjetischen INF-Streitkräfte.
Drittens, man will uns glauben machen, daß die INF-Stationierungen die
Abstützung des Bündnisses auf Kernwaffen vergrößern würden.

In Wirklich-

keit haben wir jedoch gleichzeitig beschlossen, 1000 nukleare Gefechtsköpfe
aus Europa abzuziehen.

Dieser Abzug ist abgeschlossen.

Das bedeutet, daß

selbst nach der jetzt geplanten INF-Stationierung weniger alliierte nukleare Gefechtsköpfe in Europa stünden als im Jahr 1979.
Das vierte und letzte Märchen ist, daß diese INF-Stationierungen ein
Schritt zur Führung eines Atomkrieges und zur Führung eines Krieges wären,
der auf Europa allein begrenzt bliebe.

Aber die Politik der NATO ist immer

eine Politik des Friedens und der Abschreckung gewesen, die vom Gleichgewicht,
- 5 -

�nicht vom Ungleichgewicht abhängt.

Und was die Vorstellung anbetrifft, die

Vereinigten Staaten wünschten einen Konflikt auf Europa allein zu beschränken, so meine ich, daß dieser Vorschlag eine bittere Ironie enthält.

Ich

kann nichts Besseres tun, als aus einer europäischen Publikation, dem
Londoner "Economist", zu zitieren und zwar aus einem Leitartikel mit der
Überschrift:
ren?

"Können sich so viele junge Menschen bezüglich der Bombe ir-

Ja, sie können."

In dem Artikel heißt es:

"Nichts regt die Amerika-

ner zurecht mehr auf, als die Behauptung, daß sie Marschflugkörper und
PERSHING TI-Raketen in Europa stationieren wollen, um einen rein europäischen
Atomkrieg führen zu können.

Diese Raketen wurden ursprünglich - von Euro-

päern - genau aus dem umgekehrten Grund vorgeschlagen."
hat recht.

Der "Economist"

Nichts regt den Präsidenten und mich mehr auf als die Behaup-

tung, wir würden die Führung eines Atomkriegs vorbereiten, denn wir bereiten keinen Atomkrieg vor.

Wir bereiten die Abschreckung vor einem Krieg vor.

Es ist gerade die Anwesenheit amerikanischer Streitkräfte, die die Garantie dafür bietet, daß die Vereinigten Staaten von jedem Angriff auf Westeuropa mitbetroffen sind. Und das wiederum bedeutet eine wesentliche Garantie dafür, daß die Sowjets nicht ermutigt sein werden, einen solchen Angriff
zu unternehmen. In Europa befinden sich rund 350 000 amerikanische Soldaten,
die als Teil der Sicherheitsstreitkräfte der NATO nach Präsident Reagans
Worten die "lebendige" Garantie für unsere Verpflichtung für den Frieden und
die Sicherheit Europas bieten. Unsere Sicherheit ist unteilbar von der Sicherheit Europas. Ein Angriff auf Sie ist ein Angriff auf uns.
Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, was ich von den Antiatom-Friedensdemonstranten halte. Ich gestehe, daß ich manchmal versucht bin zu sagen,
"Welche meinen Sie? Jene hier oder jene in der Lubjanka?" Meine Antwort
lautet jedenfalls so: Ich habe große Sympathie für jeden, der für den Frieden ist. Wir sind nämlich auch für den Frieden. Ich habe auch die größte
Sympathie für jeden, der gegen den Atomkrieg ist. Wir sind nämlich auch gegen den Atomkrieg.

- 6 -

�Die NATO-Länder haben gekämpft und den Preis für den Frei heitsrahmen
bezahlt, innerhalb dessen diese Gruppen von Atomgegnern marschieren und demonstrieren und ihre Meinung äußern können.

Ist unter uns einer, der nicht

stolz darauf ist, daß diese Stimmen hier in unseren Ländern ihren vollsten
Ausdruck finden können?

Ist unter uns jemand, der nicht den Anblick von Anti-

atom-Demonstrationen auf dem Roten Platz begrüßen würde, ja, begeistert darüber wäre?

Gibt es einen Westdeutschen, der nicht traurig wäre über die so-

fortige und unbarmherzige

Unterdrückung einer ähnlichen Bewegung auf der

anderen Seite der Mauer?

Wenn Franz Kafka noch leben würde, hätte er sich

wahrscheinlich unbändig über die Tatsache amüsiert, daß das Regime im Osten
sogar genau das Symbol seiner Bewegung verboten hat: eine sowjetische Statue eines Mannes, der ein Schwert zu einer Pflugschar schmiedet.
Es hat noch andere Bewegungen in den Ländern des Warschauer Paktes gegeben.

Und wir erinnern uns gut an sie. Wir erinnern uns an Ostdeutschland

im Jahr 1953.

Wir erinnern uns an Ungarn im Jahr 1956.

Wir erinnern uns an

die Tschechoslowakei im Jahr 1968, und heute denken wir an Polen.
Mehr als 100 bewaffnete Konflikte hat die Welt außerhalb Europas seit
der Erschaffung des NATO-Bündnisses erlebt.

Es ist wohl wert, darüber nach-

zudenken, was Josef Luns, der Generalsekretär unseres Bündnisses, gesagt hat:
"Die NATO ist die wahre Friedensbewegung".
Wir suchen immer - und heute ganz besonders - nach neuen Wegen, um das
zu bewahren, was wir während der letzten vier Jahrzehnte erreicht haben.

Das

ist der Grund, warum beide Elemente des NATO-Beschlusses über INF untrennbar
sind und sich gegenseitig bestärken.

Damit meine ich nichts weniger als das:

Wenn wir in unseren Rüstungsverhandlungen glaubwürdig bleiben wollen, dann
muß das Bündnis in seiner Entschlossenheit vereint sein, wenn notwendig die
INF-Systeme zu stationieren.

Warum?

Weil sonst die Sowjetunion überhaupt

keinen Anreiz hätte, ernsthaft zu verhandeln - überhaupt keinen.
Als Präsident Reagan sein Amt antrat, überprüfte er den INF-Beschluß
und stellte sich hinter ihn.

Dann unterbreitete er im November 1981 einen
- 7 -

�Vorschlag.

Die Vereinigten Staaten, so erklärte er, würden die völlige Be-

seitigung dieser höchst destabilisierenden und bedrohlichen Waffen anstreben:

der landgestützten nuklearen Mittelstreckenraketen.
Die Sowjetunion antwortete inzwischen mit einem donnernden "njet", auf das

eine gewaltige öffentliche Offensive folgte - darauf angelegt, einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben.
Im Rahmen dieser Offensive ist der Außenminister der Sowjetunion, Gromyko,
kürzlich nach Deutschland gereist.

Er verwandte einen guten Teil seiner Zeit

auf die Erklärung, daß die Vereinigten Staaten wie üblich versuchten, die Welt
in eine nukleare Katastrophe zu stürzen.

Ich habe die Erklärungen von Herrn

Gromyko sehr genau verfolgt, und ich mußte mich wirklich fragen, ob er die
Deutschen an das deutsche Sprichwort erinnern wollte:

"Wenn der Fuchs pre-

digt, schau auf deine Gänse".
Die Sowjets haben eigene Vorschläge unterbreitet.
Null-Lösung sei unannehmbar.

Sie erklärten die

Dann erklärten sie, daß selbst ein Zwischenab-

kommen über eine Stationierung unannehmbar sei. Man muß zu dem Schluß kommen, daß das, was die Sowjets annehmbar finden, ihr eigenes Monopol der Kernwaffen ist, die auf das Herz Europas gerichtet sind.

Nachdem ich das gesagt

habe, kann ich mit einiger Sicherheit voraussagen, daß die Sowjetunion morgen verkünden wird, daß sie mich unannehmbar findet.
Präsident Reagan hat seinerseits erklärt, daß die Vereinigten Staaten jedwedes vernünftige sowjetische Angebot am Verhandlungstisch in Genf in Erwägung ziehen und prüfen werden. Und das ist genau das, was wir jetzt tun. Botschafter Paul Nitze trifft jetzt mit seinem sowjetischen Verhandlungspartner
zusammen, um einen Vertrag auszuhandeln, der die Sicherheit der NATO aufrechterhalten und den Frieden bewahren wird.
Die Vereinigten Staaten sind Mitglied eines Verteidigungsbündnisses.
Und sie sind stolz darauf, daß sie seit 1945 versucht haben, durch Verhandlungen mit der Sowjetunion eine Rüstungskontrolle herbeizuführen.

Der aller-

erste Vorschlag für eine internationale Kontrolle der Atombomben wurde von
- 8 -

�Präsident Truman bei den Vereinten Nationen unterbreitet.

Der Baruch-Plan,

wie er genannt wurde, forderte die Schaffung einer internationalen Atomenergieentwicklungsbehörde, der alle Aspekte der Entwicklung und Anwendung von Atomenergie übertragen werden sollten.

Der Baruch-Plan, der die Inspektion nukle-

arer Einrichtungen an Ort und Stelle forderte, wurde von der Sowjetunion abgelehnt - zu einer Zeit, als die Vereinigten Staaten die einzige Nation im
Besitz von Atomwaffen waren.
Dann forderte Präsident Eisenhower im Jahr 1955 eine Politik der "offenen
Himmel".

Er schlug vor, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion so-

fort die Pläne ihrer militärischen Einrichtungen austauschen und mit einer
Luftaufklärung beginnen sollten, um einen Überraschungsangriff zu verhüten,
und ein umfassendes und wirksames Inspektions- und Abrüstungssystem einführen
sollten.
Auch das würde von der Sowjetunion abgelehnt.
Andere amerikanische Präsidenten haben einige Fortschritte erzielt, wenn
auch in Grenzen.

Präsident Kennedy hat den Vertrag über das Verbot von Atom-

versuchen in der Atmosphäre vorgelegt, und Präsident Nixon war in der Lage,
den Vertrag über Raketenabwehr-Raketen und SALT I auszuhandeln.

Aber diese

Verträge haben der weiteren Ausbreitung von immer höher entwickelten Kernwaffen keinen Einhalt geboten.
Während der vergangenen 37 Jahre haben wir es mit entschlossenen Gegnern
zu tun gehabt, die ihre Ziele kennen und die methodisch vorangegangen sind,
um sie zu erreichen.

Ihre Ziele - nicht unsere, sondern ihre - sind:

klare

militärische Überlegenheit über die Vereinigten Staaten und unsere europäischen
Verbündeten in der Absicht, die Sicherheitsbindungen zu zerreißen, die das
NATO-Bündnis so effektiv gemacht haben.
Aber trotz alledem haben die Vereinigten Staaten über ein Jahrzehnt lang
eine Politik der einseitigen nuklearen Zurückhaltung verfolgt.

Wie ich be-

reits erwähnt habe, haben die Vereinigten Staaten allein 1981

1000 nukleare

- 9 -

�Gefechtsköpfe aus Westeuropa abgezogen.

Mir ist keine vergleichbare nukleare

Verringerung durch die Sowjetunion ohne Gegenleistung während der ganzen
Nachkriegszeit bekannt.

Es ist sogar so, daß die Vereinigten Staaten seit

Mitte der sechziger Jahre ihr nukleares Arsenal weltweit um rund 8000 Gefechtsköpfe verkleinert haben.
Im letzten Jahrzehnt haben die Vereinigten Staaten keine neuen Interkontinentalraketen aufgestellt - und auch keine neuen Unterseeboote mit ballistischen Raketen oder neue Bomber disloziert.

Die Sowjetunion jedoch hat

im selben Zeitraum eine ganze neue Generation von landgestützten strategischen
Raketen disloziert, einschließlich landgestützter Systeme mit drei Gefechtsköpfen, wie auch drei neue Unterseeboot-Systeme und einen neuen Bomber.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten haben sich ein Jahrzehnt
lang ein de-facto Moratorium auferlegt, während die Sowjetunion im selben
Zeitraum ihr Militärpotential mit Nachdruck ausgebaut hat.
Am 2. November 1977 erklärte Leonid Breschnew: "Wir wollen das gegenwärtig bestehende ungefähre Gleichgewicht zwischen dem Osten und dem Westen
in Mitteleuropa oder zwischen der UdSSR und den USA nicht stören"...
Damals besaß die Sowjetunion etwa ein Dutzend SS-20.
Lenin, der schlaue Fuchs, hat einmal gesagt: "Fakten sind nicht wegzuwischen." Seit jener Breschnew-Erklärung schössen die sowjetischen SS-20Raketen wie Spargel aus der Erde. Schon gibt es insgesamt über 300.
Der'Grund kann nicht gewesen sein, irgendein vom Westen geschaffenes
hypothetisches militärisches Ungleichgewicht wieder auszugleichen.
besitzt keine vergleichbaren Waffen.

Die NATO

Die ersten vergleichbaren NATO-Waffen

werden erst Ende dieses Jahres zur Dislozierung zur Verfügung stehen - mehr
als sechs Jahre nach dem Erscheinen der ersten SS-20-Raketen.

Im Lichte

dieser Umstände ist es schwer zu glauben, daß die Motivierung der Sowjetunion, wie von ihr behauptet, rein defensiver Natur sein soll.

- 10 -

�Die Berliner wissen besser als die meisten anderen Menschen, was es bedeutet, der Sowjetunion ein akzeptables Abkommen abzuringen.

Heute sprechen

die Schlagzeilen von den Stationierungsplänen der NATO, vor zehn Jahren aber
sprachen sie von den Verhandlungen über den Status dieser Stadt - Berlin.
Damals hatten die Sowjets eine öffentliche Kampagne aufgezogen, um die Verbündeten zu spalten - und heute machen sie es genauso.

Dem Westen gelang es

damals aber durch mit gutem Willen geführte Verhandlungen, durch Kreativität
und Flexibilität und durch das Festhalten an jenen Prinzipien, denen wir bis
heute so vieles verdanken, ein Abkommen zu erreichen, durch das die Lebensinteressen Berlins gewahrt wurden.
Die Vereinigten Staaten betrachten ihre Präsenz in Berlin als eine unumstößliche und ernste Verpflichtung.

Unsere Streitkräfte

stehen bereit,

die westlichen Sektoren gegen jede Bedrohung zu verteidigen.

Wir sind dem

Viermächte-Abkommen zur Gänze verpflichtet und erwarten auch in der Zukunft,
daß alle seine Bestimmungen in allen Sektoren Berlins, im Osten und im Westen,
strikt eingehalten und voll durchgeführt werden.

Die Bindungen zwischen

Berlin und der Bundesrepublik Deutschland genießen unsere volle Unterstützung,
weil sie für den wirtschaftlichen Wohlstand und für die Demokratie in den
westlichen Sektoren die lebenswichtige Grundlage darstellen.
Die Frage erhebt sich also: "Sind wir starrsinnig, wenn wir heute in
unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion den selben Weg einschlagen wie
vor zehn Jahren? Oder sind wir klug?"
Wir wissen, daß viele Leute in Europa und in den Vereinigten Staaten
begierig sind auf ein rasches Abkommen - auf einen Durchbruch in unseren
Rüstungsverhandlungen in Genf.
merkung.

Erlauben Sie mir bitte eine persönliche An-

Ich arbeite sehr eng mit Präsident Reagan zusammen.

Und Sie können

mich beim Wort nehmen, wenn ich Ihnen sage, daß niemand begieriger ist auf
ein gerechtes Abkommen als er.

Und niemand ist entschlossener als er, ein

solches zu erreichen.

- 11 -

�Und jetzt erlauben Sie mir, diese Frage zu stellen:

Dürfen wir in un-

serem Eifer, ein rasches Abkommen zu erreichen - zu irgendeinem Abkommen
zu gelangen -, unsere grundlegenden Ziele aus dem Auge verlieren, wobei wir
immer daran denken müssen, daß es sich dabei um nicht weniger handelt als
um Sicherheit und Frieden?
Eine solche Frage beantwortet sich selbst.

Nein, wir dürfen nicht zu-

lassen, daß unser Eifer, zu einem raschen Fortschritt in den Verhandlungen
zu gelangen, uns dazu führt, unser grundlegendes Ziel aus dem Auge zu verlieren oder aufs Spiel zu setzen - Ziele, die lebenswichtig für die Erreichung
eines Abkommens sind, das die Sicherheit Europas gewährleistet.
Erstens, wir müssen die nukleare Bedrohung Europas auf den niedrigst
möglichen Stand bringen.

Wir würden in unserer Verantwortung gegenüber uns

selbst und gegenüber unseren Kindern in schlimmer Weise versagen, wenn wir
lediglich den bereits furchtbaren Stand der nuklearen Feuerkraft rechtlich
festschreiben würden, die die Sowjets gegen Europa richten.

Wir würden auch

versagen, wenn wir ein etwas niedrigeres, aber noch immer unvorstellbar zerstörerisches sowjetisches Monopol akzeptieren würden.

Das ist der Grund,

warum wir die völlige Abschaffung der nuklearen Mittelstreckenraketen vorgeschlagen haben.

Denn das ist der Weg, um die nukleare Bedrohung auf den

niedrigst möglichen Stand zu verringern.
Zweitens, wir müssen ein ausgewogenes Abkommen zustandebringen. Es kann
für den Westen nicht akzeptabel sein, den Sowjets ein permanentes Monopol
an Nuklearraketen zuzugestehen, ohne der NATO zu erlauben, vergleichbare
Systeme zu stationieren, um vor der Drohung abzuschrecken, die die ersteren
darstellen.
Drittens, ein ehrliches Abkommen muß eine kunstvolle Umgehung ausschließen. Es genügt nicht, den Sowjets zu erlauben, mobile Raketen lediglich hinter irgendeine künstlich gezogene Linie zurückzuziehen, nur damit sie diese
Linie kurzfristig wieder überschreiten können. Und es genügt auch nicht, es
den Sowjets hoch anzurechnen, wenn sie die Beseitigung einiger veralteter
- 12 -

�und unzuverlässiger Raketen - wirklich militärische Antiquitäten - anbieten.
Wollen wir uns doch alle darin einig sein, daß wir wirksamere Maßnahmen als
diese brauchen, wenn wir die nukleare Bedrohung Europas verringern wollen.
Viertens und letztens, wir brauchen ein Abkommen, das verifiziert werden kann. Selbst mit hochentwickelten Möglichkeiten der Aufklärung ist es
sehr schwierig, mobile Raketen im Auge zu behalten.

Tatsache ist, daß es

leichter ist, Raketen zu entdecken, wenn eigentlich "überhaupt keine vorhanden sein sollten, als festzustellen, daß 60 Raketen vorhanden sind, wenn es
eigentlich nur 50 sein sollten.

Das ist ein entscheidender Punkt.

Und das

umso mehr, wenn man sich bei seinem Verhandlungspartner nicht darauf verlassen kann, daß er bei unseren Versuchen, den Umfang seines Arsenals zu verifizieren, volles Entgegenkommen zeigt.
Ich habe heute abend in einiger Ausführlichkeit gesprochen. Die Verzweigtheit der uns vorliegenden Fragen ist manchmal überwältigend. Die Zahl
von Raketen, die Zahl von Abschußeinrichtungen, die Zahl von Gefechtsköpfen,
ihr Wurfgewicht, Vorschlag, Gegenvorschlag, Gegengegenvorschlag - all diese
Tatsachen und Zahlen haben, wie ich meine, eine sehr viel zentralere und
sehr viel zwingendere Erkenntnis vernebelt, denn wir sind uns alle darin
einig, daß es um Notwendigkeiten geht, die weit mehr bedeuten als nur Zahlen.
Es ist schwer, um die Details herumzukommen.

Aber wenn Zahlen unserem Be-

wußtsein und unserer Argumentation etwas sagen sollen, sollten wir dann nicht
an allererster Stelle an die Zahl 38 denken?
deutet:

Wir wissen alle, was sie be-

Die Zahl von Jahren, die wir in dem Frieden und der Sicherheit ge-

lebt haben, die wir gemeinsam möglich machten, indem wir uns miteinander
verbunden haben.

38 Jahre: die längste ununterbrochene Friedenszeit, die

dieser Kontinent in diesem Jahrhundert erlebt hat.

Dann wird unsere wirk-

liche mathematische Berechnung und unsere anspruchsvolle Aufgabe die sein:
Wie verringern wir die tödlichen Zahlen und sorgen dafür, daß aus den vier
Jahrzehnten des Friedens viele Jahrzehnte mehr werden.
+ + + + +
- 13 -

�2. Februar 1983

5

WORTLAUT DES OFFENEN BRIEFES PRÄSIDENT REAGANS

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush verlas im
Anschluß an seine Ansprache im Intercontinental Hotel in Berlin am 31. Januar
1983 einen offenen Brief von Präsident Reagan zur Abrüstung.

Das vom 28.

Januar datierte Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Die Verhandlungen zwischen amerikanischen und sowjetischen Regierungsvertretern mit dem Ziel, ein Abkommen zur Kontrolle der Kernwaffen mittlerer
Reichweite abzuschließen, sind gerade wieder aufgenommen worden. Wir haben
den Sowjets vorgeschlagen und werden sie weiterhin dazu auffordern, einem
Gesamtverbot sowohl ihrer landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite wie auch derjenigen, die wir als Entgegnung auf ihren Rüstungsausbau
stationieren wollen, zuzustimmen.

Das Haupthindernis bleibt weiterhin, daß

die Sowjets darauf bestehen, eine nukleare Bedrohung der mit Amerika verbündeten Länder

aufrechtzuerhalten, während sie ihnen gleichzeitig die ent-

sprechenden Mittel versagen, dieser Bedrohung zu begegnen.
Es muß ein Weg gefunden werden, dieses Hindernis zu überwinden. Genauso wie unsere Verbündeten sich darauf verlassen können, daß die Vereinig-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Vereinigten Staaten Europa um jeden Preis verteidigen werden, können
sie sich darauf verlassen, daß wir keine Bemühung scheuen werden, um ein
faires und sinnvolles Abkommen zu erreichen, welches die sowjetische Bedrohung mindert.
Von diesem Gedanken getragen, habe ich Vizepräsident Bush gebeten,
in der Stadt, wo sich Ost und West begegnen, dem sowjetischen Generalsekretär Andropow diesen Vorschlag zu machen: Daß er und ich uns treffen, wo
immer und wann immer es ihm recht ist, um ein Abkommen zu unterzeichnen,
welches gewährleistet, daß alle amerikanischen und sowjetischen landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite von diesem Erdball verschwinden.
Ich mache diesen Vorschlag in der Überzeugung, daß ein solches Abkommen im Interesse beider Seiten liegt und daß die Menschen in Europa - und
dies ist das Wichtigste - nichts sehnlicher erstreben.

Ich fordere Herrn

Andropow auf, diesen Vorschlag anzunehmen.

gez.

+ + + + +

- 2-

Ronald Reagan

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung von US-Vizepräsident Bush in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presserklärung des US-Vizepräsidenten nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Kohl in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trinkspruch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George Bush, bei seiner Ankunft in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von US-Vizepräsident Bush in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des offenen Briefes Präsident Reagans&amp;nbsp;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

2. Februar 1994

CLINTON-JAHRESBILANZ

LEISTUNGEN DER CLINTONADMINISTRATION IM ERSTEN JAHR
Übersicht des Weißen Hauses

RUSSLANDHILFE

TALBOTT: KEINE HILFE DES WESTENS
OHNE REFORMEN IN RUSSLAND
Anhörung vor Senatsausschuß

WIRTSCHAFT

INFORMATION - DIE NEUESTE GRENZE
BEI ARBEIT UND FERTIGUNG
von William Neikirk

UMFRAGE

AMERIKANER HABEN WEITERHIN
INTERNATIONALISTISCHEN BLICKWINKEL
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten

FULBRIGHT

20 JAHRE FULBRIGHT-PROGRAMM
MIT RUSSLAND
Geplante Feierstunde an der
staatlichen Universität Moskau

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�CLINTON-JAHRESBILANZ
2. Februar 1994

LEISTUNGEN DER CLINTON-ADMINISTRATION
IM ERSTEN JAHR
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht wurde am 21. Januar 1994 vom Weißen Haus veröffentlicht.

"Um unsere Demokratie soll uns nicht nur die ganze Welt beneiden, unsere Demokratie muß auch die
Lokomotive unserer Erneuerung werden. Amerika hat keine Schwächen, die nicht durch Amerikas Stärken behoben werden könnten." (Rede des Präsidenten bei seiner Amtseinführung).

Zusammenfassung
"Grundlegende und mächtige Kräfte erschüttern unsere WeK und gestalten sie neu, und die
drängende Frage unseres Zeitalters lautet, ob
wir den Wandel zu unserem Freund und nicht zu
unserem Feind machen können... Wir wissen,
daß wir uns harten Wahrheiten stellen und
energische Schritte unternehmen müssen."
(Rede des Präsidenten bei seiner Amtseinführung).
Vom ersten Tag an haben Präsident Clinton und
Vizepräsident Gore die Pattsituation durchbrochen,
die Washington seit Jahren lähmte. Durch effektive
Zusammenarbeit mit dem Kongreß haben sie eine
solide Grundlage für die Gesundung der Wirtschaft
gelegt und bei der Umsetzung der Prioritäten des
Präsidenten einen guten Anfang gemacht.
Der Präsident und der Kongreß können auf ein bemerkenswertes Jahr zurückblicken. Congressional Quarterly stellte fest, daß 88,6 Prozent der vom Präsidenten befürworteten Gesetze in diesem Zeitraum verabschiedet wurden - die höchste Erfolgsquote eines
Präsidenten im ersten Amtsjahr seit Präsident Eisenhower im Jahr 1953. Einer anderen Erhebung zufolge
gewann der Präsident bei knappen Abstimmungen mit
einem noch höheren Prozentsatz - über 90 Prozent -,
was den Rekord von Präsident Johnson im Jahr 1965
noch überbietet. Die Unterstützung beider Parteien
war entscheidend für die Verabschiedung wichtiger
Gesetzesvorlagen wie beispielsweise zum nationalen
Sozialdienst, NAFTA, dem Gesetz über Urlaub aus
AMERIKA DIENST 5

familiären Gründen und Krankenurlaub sowie Hilfe bei
Überschwemmungskatastrophen. Erst zum zweiten
Mal in 60 Jahren machte der Präsident nicht von
seinem Vetorecht Gebrauch. Nachfolgend einige der
wichtigsten Gesetze:
Das Wirtschaftspaket. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 10. August 1993.
Gesetz über Urlaub aus familiären Gründen und
Krankenurlaub. Per Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen am 5. Februar 1993.
Gesetz über die Reform der Kreditvergabe für
Studenten. Per Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen am 10. August 1993.
Das Brady-Gesetz. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 30. November 1993.
Gesetz zur Verbrechensbekämpfung. Von beiden
Häusern des Kongresses verabschiedet am 19.
November 1993.
Gesundheitsreform. Eingebracht am 20. November 1993.
Nationaler Sozialdienst. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 21. September 1993.
NAFTA. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 8. Dezember 1993.
GATT. Abkommen abgeschlossen am 15.
Dezember 1993.

Seite 1

�Wahlkampffinanzierung. Von beiden Häusern
des Kongresses verabschiedet am 22. November 1993.
Wiederaufbau der Wirtschaft
"Wir müssen jeden einzelnen um einen Beitrag
bitten, damit wir die Arbeit bewältigen können.
Aber wir werden am meisten von denjenigen
verlangen, die in den vergangenen 12 Jahren
am meisten bekommen und am wenigsten
gegeben haben - denjenigen am oberen Ende
der Leiter. Und wir werden alles in unserer
Macht Stehende zum Schutz der Menschen
tun, die am meisten unter sich verringernden
Einkommen und wegrationalisierten Arbeitsplätzen zu leiden haben - der Mittelschicht und der
arbeitenden Armen." (Erste Rundfunkansprache).
Mehr Arbeitsplätze
Arbeitsplätze werden so schnell wie nie zuvor in den
vergangenen vier Jahren geschaffen. Im ersten Jahr
der Clinton-Administration wurden mehr als 1,6 Millionen neuer Arbeitsplätze im Privatsektor eingerichtet über eine halbe Million mehr als während der letzten
vier Jahre.
Die Arbeitslosenquote fiel im Dezember 1993 auf 6,4
Prozent - dem niedrigsten Prozentsatz seit drei Jahren.
Im ersten Jahr der Clinton-Administration hat die Wirtschaft 164.000 neue Arbeitsplätze pro Monat geschaffen - viermal schneller als in den vergangenen vier
Jahren.
Historischer Defizitabbau
Verabschiedung des umfassendsten Plans zum Defizitabbau in der Geschichte - mehr als 500 Milliarden
Dollar in über fünf Jahren.
Das Paket zum Defizitabbau beinhaltete 255 Milliarden Dollar an spezifischen Ausgabenkürzungen und
eine beispiellose "Einfrierung" - einen realen Abbau
von 12 Prozent - bei allen Ausgaben zur freien Verfügung.

Niedrige Zinssätze
Die amerikanischen Verbraucher profitieren von niedrigen Zinssätzen und Hypothekenzinsen, die ihnen
den Kauf eines Eigenheims erleichtern und die Belastungen fürdiejenigen mildern, die bereits Hypotheken
abzahlen.

8,22 Prozent im letzten Jahr - dies ist der niedrigste
Zinssatz seit über 20 Jahren.
Infolge dieser niedrigen Zinssätze haben mehr als 5,4
Millionen Amerikaner 1993 ihre Eigenheime mit Einsparungen von 10 Milliarden Dollar allein in diesem
Jahr neu finanziert. Ein Hauseigentümer mit einer
Hypothek von 100.000 Dollar, der neu finanziert und 2
Prozentpunkte spart, wird pro Jahr Einsparungen in
Höhe von 1.700 Dollar verzeichnen.
Der Bau neuer Wohnungen stieg von 1,17 Millionen im
vergangenen Januar auf 1,43 Millionen im November
- dem höchsten Niveau seit über drei Jahren. Die
Ausgaben im Baugewerbe liegen 10 Prozent höher als
in den vergangenen Jahren und die aktuelle Zahl von
Hausverkäufen ist die höchste seit 14 Jahren.
Infolge der niedrigen Zinssätze schnellen die Unternehmensinvestitionen in die Höhe. Im letzten Jahr
sind die Aufwendungen für langlebiges Herstellungsgerät am raschesten seit 1984 angestiegen.
Erweiterung der Märkte für amerikanische Produkte
Abschluß des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens und Unterzeichnung des Gesetzes zu seiner
Umsetzung mit der Sicherstellung, daß die Amerikaner eine Führungsrolle bei der Expansion der Weltwirtschaft und Öffnung von Märkten übernehmen, wodurch Arbeitsplätze geschaffen werden.
Aushandlung eines erfolgreichen GATT-Abkommens,
das in über 170 Nationen Handelsschranken senken
wird, den amerikanischen Verbrauchern Einsparungen in Milliardenhöhe bringt und Hunderttausende von
Arbeitsplätzen schafft.
Einführung einer durchgreifenden, neuen Handelspolitik zum Schutz der Umwelt und der amerikanischen
Arbeitnehmer.
Unterstützung der handelspolitischen Tagesordnung
der Vereinigten Staaten in Asien durch die Einberufung des ersten Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs des asiatisch-pazifischen Raums (APEC)
in der Geschichte und Einigung mit Japan auf einen
Rahmen für Handelsgespräche. Förderung der Wachstumsmaßnahmen der G-7 auf den Tokioter Gipfel.
Hilfe für Kleinunternehmen

Gewährung von neuen Steuererleichterungen fürüber
90 Prozent der Kleinunternehmen. Erhöhung der
abschreibbaren Investitionen und Einführung einer
neuen gezielten Senkung der Kapitalertragssteuer für
langfristige Investitionen in Kleinunternehmen - AnreiAngekurbelt durch den Plan zum Defizitabbau sind die
ze, die in den nächsten fünf Jahren Hunderttausende
Zinssätze drastisch gesunken. Im vergangenen Jahr
von Arbeitsplätzen schaffen werden.
fielen die Zinssätze für langfristige Hypotheken mit
Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren mehr als einen ganzen Unterzeichnung des Gesetzes über die Aufstockung
Prozentpunkt. Die Hypothekenzinsen für die 30jährige garantierter Kredite für Kleinunternehmen von 1993,
Laufzeit liegen jetzt bei 7,19 Prozent verglichen mit
Seite 2

AMERIKA DIENST 5

�mit dem die Verfügbarkeit dieser Kredite verbessert
wird.
Wachstumsorientierte Hochtechnologiepolitik
Erarbeitung einer nationalen Exportstrategie, mit der
Exportkontrollen für amerikanische High-tech-Produkte im Wert von 37 Milliarden Dollar abgebaut werden,
die hochbezahlte amerikanische Arbeitsplätze unterstützen.
Entwicklung eines Aktionsplans für die nationale Informationsinfrastruktur und Veranlassung des Transfers
von 200 MHz Frequenzspektren an den Privatsektor
für die unverzügliche Einführung neuer Funktechnologien.
Drastische Verlagerung der staatlichen Forschungsund Entwicklungsprioritäten auf zivile Technologie.
Bereitstellung von Anreizen für Forschung und Entwicklung des Privatsektors sowie die Gründung neuer
Unternehmen durch Erhöhung der Steuerfreibeträge
für Forschung und Entwicklung.

100.000 Polizisten auf die Straßen sowie der
Einrichtu ng von Straflagern für erstmals straffällig gewordene, nicht gewalttätige Jugendliche
und mehr Gefängniszellen für Schwerverbrecher. Und ich unterstütze eine Initiative, um
alles in unserer Macht Stehende zu tun, damit
keine Schußwaffen in die Hände von Kriminellen gelangen." (Ansprache bei der Plenarsitzung des Kongresses).
Schußwaffen von den Straßen verbannen
Präsident Clinton unterzeichnete am 30. November
1993 das Brady-Gesetz und brach damit eine siebenjährige Pattsituation. Das Brady-Gesetz fordert eine
fünftägige Wartezeit beim Kauf von Handfeuerwaffen.
Importverbot für ausländische Maschinenpistolen wie
die Uzi und Forderung des Verbots von Sturmgewehren. Das Gesetz zur Verbrechensbekämpfung des
Senats beinhaltet das strengste je erlassene Verbot
von Sturmgewehren.

Verschärfung der staatlichen Lizenzvergabe an Waffenhändler durch Verbesserung der InformationsbeHilfe für die Gemeinden
schaffung über potentielle Waffenhändler mit der
Schaffung von neun wirtschaftlichen Ermächtigungs- Forderung an die Waffenhändler, zuverlässigere
zonen und 95 Unternehmensgemeinden. Der Plan Angaben von den Käufern zu beschaffen und Berichte
bietet den Gemeinden die Anreize und Flexibilität zur über den wiederholten Verkauf von Handfeuerwaffen
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor bei der Erarbei- genau zu prüfen. Vorschlag einer drastischen Erhötung tiefgreifender Strategien zur wirtschaftlichen hung der staatlichen Lizenzgebühren für Waffenhändler, um die Zahl von derzeit 284.000 Waffenhändlern in
Entwicklung.
den Vereinigten Staaten zu verringern.

Übermittlung des Gesetzes über die Entwicklung von
Bank-und Finanzinstitutionen in Gemeinden von 1993
an den Kongreß, mit dem ein staatlicher Fonds in Höhe
von 382 Millionen Dollar zur Subventionierung der
Entwicklung von Banken und Institutionen eingerichtet
wird.
Einführung des Gesetzes über die Erschließung von
Wohnraum und Gemeinden von 1993, mit dem die
Mietpolitik für Sozialwohnungen überarbeitet und der
Erwerb von Hauseigentum für einkommensschwache
Amerikaner erleichtert wird.
Einführung der Initiative über Reinvestitionen und
Konversion der Rüstungsindustrie, mit der 1993 spezifische Rüstungskonversionsprogramme in Höhe von
1,7 Milliarden Dollar durchgeführt wurden. Das Paket
beinhaltet Mittel für die Ausbildung und Umschulung
von Arbeitnehmern, Investitionen in besonders schwer
betroffenen Gemeinden sowie ein technologisches
Reinvestitionsprojekt, das kleinen Rüstungsfirmen den
Schritt auf den kommerziellen Markt erleichtern soll.
Sicherere Straßen
"Wir müssen ein durchgreifendes Gesetz zur
Verbrechensbekämpfung erlassen. Ich unterstütze eine Initiative zur Entsendung weiterer

AMERIKA DIENST 5

Forderung nach Verabschiedung einer Maßnahme im
Rahmen des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung
des Senats, um Jugendlichenden Besitz von Handfeuerwaffen zu verbieten.
100.000 neue Polizeibeamte
Um unsere Straßen sicherer zu machen, wird mit dem
vom Kongreß erlassenen Gesetz zur Verbrechensbekämpfung die Zustimmung zum Plan des Präsidenten
erteilt, zusätzlich 100.000 Polizisten auf die Straßen zu
schicken, die sich besonders auf Patrouillen in den
Gemeinden konzentrieren sollen.
Unterzeichnung des Zusatzartikels über die Einstellung von Polizeibeamten, der 200 Millionen Dollar für
Polizeistreifen in den Gemeinden vorsieht. Im Dezember wurden 74 Städten Bundeszuschüsse gewährt.
Sicherere Schulen
Aufstockung der Mittel für die Initiative SAFE Schools
Der Präsident unterbreitete den vom Senat verabschiedeten Vorschlag zu durchgreifenden neuen
Maßnahmen im Rahmen des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung, um die Schulen unserer Nation
sicherer zu machen.

Seite 3

�Eindämmung des Drogenkonsums

Unterstützung der Familien

Der Direktor des Büros für die nationale Drogenkontrollpolitik wird in den Rang eines Ministers erhoben.

Finanzierung der Initiative zum Erhalt der Familie und
deren Unterstützung, um zur Verhinderung von Kindesmißbrauch beizutragen und den Eltern die zur
Erziehung ihrer Kinder erforderlichen Fähigkeiten zu
vermitteln.

Unterzeichnung eines Präsidialerlasses zur Stärkung
der amtlichen Befugnisse des Büros bei der Drogenkontrollpolitik, einschließlich die nationale Sicherheit
betreffender Themen.

Head Start

Einbeziehung von Therapiemöglichkeiten für Drogen- Aufstockung derMittelfürHead Start um 550 Millionen
mißbrauch im Rahmen des umfassenden medizini- Dollar, wodurch weiteren 100.000 Kindern die Teilnahschen Leistungspakets im Gesetz über Sicherstellung me an diesem Programm ermöglicht wird.
der Gesundheitsfürsorge.
Impfungen
Mehr Gefängnisse und Straflager
Unterzeichnung eines umfassenden Plans zur ImpDas Gesetz zur Verbrechensbekämpfung wird den fung von Kindern, um zusätzlich 6 Millionen amerikaBau neuer Gefängnisse finanzieren um sicherzustel- nischen Kindern kostenlos Impfstoff zur Verfügung zu
len, daß Kriminelle weiterhin hinter Gittern bleiben stellen.
sowie Straflager für jugendliche Täter vergrößern.
Arbeitslosenhilfe
Hilfe für Familien
Unterzeichnung des Gesetzes von 1993 über zusätz"Wir müssen sehr viel mehr tun, um die Sozial- liche Bewilligungen in dringenden Fällen, mit dem die
hilfeempfänger zurück zur Arbeit und Unabhän- Arbeitslosenhilfe auf bis zu 26 Wochen für Opfer der
gigkeit zu bringen, um die Durchsetzung von Rezession verlängert wird und 44 Milliarden Dollar an
Unterhaltszahlungen für Kinder zu verbessern, Arbeitslosengeld in dringenden Fällen für rund 1,9
um diejenigen, die 40 Stunden pro Woche arbei- Millionen arbeitslose Amerikaner bereitgestellt werten und Kinder zu Hause haben mit einer Anhe- den. Rasches Handeln bei der Arbeitslosenhilfe wird
bung des Einkommensteuerfreibetrags zu be- verhindern, daß jede Woche 250.000 bis 300.000
denken, damit wir wirklich sagen können, wir arbeitslose Amerikaner durch das soziale Netz fallen.
belohnen Arbeit statt Abhängigkeit, um alle Kinder
in diesem Land zu impfen, damit weniger Eltern Nahrungsmittelhilfe
vom Urlaub aus familiären Gründen Gebrauch
machen müssen, weil ihre Kinder stark und Uneingeschränkte Finanzierung des speziellen Nahgesund sind." (Unterzeichnung des Gesetzes rungsmittelergänzungsprogramms für Frauen, Babys
und Kinder sowie Erweiterung der durchschnittlichen
über Urlaub aus familiären Gründen und KranBeteiligung um 300.000 Familien und Verabschiedung
kenurlaub).
entscheidender Bestimmungen des Mickey Leland
Gesetzes, mit dem armen Familien mit Kindern mehr
Steuersenkungen für Arbeitnehmerfamilien
Lebensmittelmarken zugebilligt werden.
Anhebung des Einkommensteuerfreibetrags um 21
Milliarden Dollar über fünf Jahre, um Arbeit statt So- Umfassende Gesundheitsreform
zialhilfe zu belohnen. In diesem Jahr werden 14
"Wir müssen dies zu unserer vordringlichsten
Millionen Familien im Rahmen dieser Maßnahme 13
Priorität machen: Jedem Amerikaner eine KranMilliarden Dollar erhalten. Wenn sie vollständig verkenversicherung garantieren - eine Krankenwirklicht ist, werden über 20 Millionen Haushalte mit
versicherung, die ihm niemals wieder entzogen
Einkommen von 27.000 Dollar oder weniger davon
werden kann, eine Krankenversicherung, die
profitieren.
immer da ist... Das, meine amerikanischen
Urlaub aus familiären Gründen und Krankenurlaub
Unterzeichnung des Gesetzes über Urlaub aus familiären Gründen und Krankenurlaub, das bis zu 12
Wochen unbezahlten Urlaub mit Garantie des Arbeitsplatzes für Erwerbstätige vorsieht, damit sie sich um
ihre Familienangehörigen kümmern können. Infolgedessen werden sich Amerikaner nicht mit der schwierigen Entscheidung zwischen Pflege eines Familienangehörigen und Erhalt des Arbeitsplatzes konfrontiert sehen.
Seite 4

Mitbürger, sinddie Prinzipien, auf die wirmeines
Erachtens unsere Bestrebungen gründen sollten: Sicherheit, Unkompliziertheit, Wahlmöglichkeiten, Qualität und Verantwortungsbewußtsein." (Ansprache zum Gesundheitswesen).
Sicherstellung der Gesundheitsfürsorge
Einführung des Gesetzes über die Sicherstellung der
Gesundheitsfürsorge von 1993, einem durchgreifenden Plan zur Reform des nationalen Gesundheitswesens, um allen Amerikanern umfassenden Versiche-

AMERIKA DIENST 5

�rungsschutz zu garantieren, der ihnen nicht wieder
entzogen werden kann. Die Lösung ist ein System mit
garantierter Privatversicherung. Sie gewährleistet jedem
Amerikaner eine gesundheitliche Versorgung, vereinfacht unser System durch die Verringerung der Papierflut und die Aufdeckung von Betrug, bildet Spareinlagen, schützt und erweitert unsere Wahlmöglichkeiten
bei Ärzten und Versicherungsplänen, verbessert die
Qualität der Versorgung und fordert alle zur Übernahme von Verantwortung auf.
Entscheidungsfreiheit

«

Aufhebung der Einschränkungen unter der Reaganund Bush- Administration bei der Beratungspflicht vor
einem Schwangerschaftsabbruch ("Maulkorberlaß"),
Schwangerschaftsabbruch in Militärkrankenhäusern,
der "Mexiko-Stadt-Politik" und des Imports der Abtreibungspille RU-486.
Verbesserte medizinische Forschung
Unterzeichnung des Gesetzes zur Neubelebung der
nationalen Gesundheitsinstitute, welches das staatliche Verbot von fetalen Transplantaten und Forschung
aufhebt, die Büros für die Erforschung der Gesundheit
der Frau, von Minderheiten und für alternative Medizin
errichtet und Ausrichtung sowie Finanzmittel der AIDSForschung konsolidiert.

Nationaler Sozialdienst
Unterzeichnung des Gesetzes über den nationalen
Sozialdienst, das 100.000 Amerikanern die Möglichkeit zum Dienst an ihren Gemeinden und unserem
Land gibt, um somit ihre weiterführende Bildung zu
finanzieren. Die Mitglieder des AmeriCorps werden
sich den vordringlichen Erfordernissen der Nation auf
den Gebieten Bildung, humanitäre Angelegenheiten,
öffentliche Sicherheit und Umwelt direkt widmen.
Bessere Schulen
Unterzeichnung des Gesetzes Goals 2000, eines
umfassenden Reformprogramms für das nationale
Bildungswesen, sowie des Gesetzes zur Verbesserung der amerikanischen Schulen.
Unterzeichnung eines Präsidialerlasses über historische Colleges und Universitäten für Schwarze, durch
den auf Ebene der Bundesregierung die Entwicklung
und der Erfolg dieser Einrichtungen und ihrer Abgänger gefördert werden.

AIDS

Beschäftigung im Sommer

Aufstockung der im Ryan White-Gesetz vorgesehenen Finanzierung ambulanter AIDS-Behandlung um
231 Millionen Dollar auf 579 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1994 sowie Vorschlag einer 20prozentigen
Erhöhung von Ausgaben der nationalen Gesundheitsinstitute für die AIDS-Forschung.

Unterzeichnung des Programms zur Beschäftigung
und Ausbildung Jugendlicher im Sommer 1993, das
700.000 benachteiligten Jugendlichen die Chance bietet,
sinnvolle Gemeindearbeit zu leisten, erste Berufserfahrung zu sammeln und Geld zu verdienen.

Erstmalige Ernennung eines AIDS-Beauftragten zur
Konsolidierung der staatlichen Mittel und Fonds, um
ein Heilmittel zu finden und sich mit dem Thema AIDS
zu befassen.

Einbringung der Initiative Übergang ins Berufsleben, die den Bundesstaaten und Gemeinden Finanzmittel zur Entwicklung und Durchführung von Ausbildungsprogrammen sowie Aufstellung nationaler Standards für solche Programme zur Verfügung stellt.

Bildung und Dienstleistungen
1

der Bundesregierung und einkommensabhängige
Darlehen führt. Durch die Umgehung eines "Mittelsmanns" werden die Kosten der Darlehen in den nächsten fünf Jahren um 3 Milliarden Dollar und in jedem
darauffolgenden Jahr um 2 Milliarden Dollar gesenkt.

Berufsausbildung

"Amerikaner jeder Generation sehen sich der Wiederherstellung des Vertrauens in die Regieenormen Herausforderung gegenüber, die in rung
diesem Land viel zu lange vernachlässigten
"Das Vertrauen der Menschen, die unsere
Erfordernisse zu decken... Denjenigen, die dem
Rechnungen ... in Washington zahlen, ist nicht
Ruf folgen und diese Herausforderungen angroß. Wir müssen es wiederherstellen. Wir
nehmen, mache ich den Vorschlag, daß unser
müssen wieder dafürsorgen, daßdie Regierung
Land ihre Dienste durch neue Chancen im Bilsich für den durchschnittlichen Steuerzahler
dungsbereich belohnt." (Rede des Präsidenten
einsetzt, nicht nur für Interessengruppen."
an der Rutgers University).
(Ansprache bei einer Plenarsitzung des Kongresses).
Finanzierbare Bildung
Unterzeichnung des Gesetzes von 1993 über die
Reform der Kreditvergabe für Studenten, das mehr
Studenten die Möglichkeit zur Finanzierung einer
College-Ausbildung bietet und zu Einsparungen für
den Steuerzahler durch direkte Darlehensgewährung
AMERIKA DIENST 5

Umstrukturierung der Regierung
Durchführung einer eingehenden Untersuchung zur
Leistungsfähigkeit der Regierung, die mehr als 1.200

Seite 5

�Empfehlungen enthält, um die Regierungsarbeit besser und kostengünstiger zu gestalten. Durch die
Umstrukturierung wird der Mitarbeiterstab um 252.000
Beschäftigte gekürzt und die Arbeit der Regierung
effizienter organisiert. Dadurch sollen Bürokratie
abgebaut, veraltete und überflüssige Vorschriften
abgeschafft und Sonderrechte zurückgenommen
werden.
Das Motor-Voter-Gesetz

sentantenhaus und Senat. Beide Gesetzentwürfe
zielen auf eine Begrenzung der Ausgaben für den
Wahlkampf, eine Verminderung des Einflusses der
politischen Aktionskomitees und des Einsatzes "weicher Gelder" ab.
Unterzeichnung eines Präsidialerlasses zur Verhängung des strengsten Verhaltenskodex in der Geschichte, der Inhabern hochrangiger Ämter Lobbying für die
ihrer Regierungstätigkeit folgenden fünf Jahre verbietet.

Unterzeichnung des Motor-Voter-Gesetzes, das den
70 Millionen nicht registrierten Amerikanern den Gang Abschaffung der Abschreibungsmöglichkeit von für
zu den Wahlurnen vereinfacht, indem ihnen die Gele- Lobbyismus getätigte Ausgaben.
genheit gegeben wird, sich bei Erwerb ihrer FahrerUmweltschutz
laubnis registrieren zu lassen.
Atomversuche am Menschen
Einleitung einer eingehenden Untersuchung der staatlich unterstützten Nuklearversuche am Menschen
während des Kalten Krieges.
Reorganisation der Katastrophenhilfe

"Viel zu lange wurde unsgesagt, wir müßten uns
zwischen der Wirtschaft und der Umwelt entscheiden, zwischen unseren Arbeitsplätzen,
zwischen den Verpflichtungen unserem eigenen Volk gegenüber und unserer Verantwortung für die Zukunft und für die übrige Welt,
zwischen staatlichen Maßnahmen und der Privatwirtschaft... Die Vereinigten Staaten können
ihre führende Stellung in der Weltwirtschaft aufrechterhalten, indem sie beim weltweiten
Umweltschutz die Führungsrolle übernehmen."
(Ansprache Präsident Clintons am Tag der Erde).

Umwandlung der Behörde für staatliche Katastrophenhilfe (Föderal Emergency Management Agency - FEMA)
in eine effektive, flexible Organisation, damit sie den
Opfern von nahezu 80 gemeldeten Katastrophen,
einschließlich der großen Überschwemmungen und
Brände in Kalifornien, schnelle Hilfe zukommen lassen Aktionsplan zur Klimaveränderung
kann.
Einbringung eines innovativen und umfassenden Plans
Einsparung von Steuergeldern
zur Klimaveränderung, derzu Einsparungen für RegieAnordnung einer Reduzierung staatlicher Vergünsti- rung und Wirtschaft führt, das Wirtschaftswachstum
gungen, wodurch die Subvention von exklusiven ankurbelt, Arbeitsplätze schafft und eines der bedrohRestaurants in Regierungsgebäuden aus Steuergel- lichsten Umweltprobleme der heutigen Zeit angeht:
dern beendet sowie die Nutzung staatlicher Flugzeuge Die Erwärmung der Erdatmosphäre.
und Fahrzeuge begrenzt wird.

Forstwi rtschaftsp lan

Unterzeichnung des Gesetzes von 1993 über Leistung
und Ergebnisse der Regierungsarbeit, das von den
Behörden die Entwicklung von Strategien und Möglichkeiten zur Einschätzung von Leistung verlangt, um
die Effektivität und Rechenschaftspflicht gegenüber
der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Entwicklung eines Forstwirtschaftsplans, der die festgefahrene Situation im Nordwestpazifik schließlich
wieder in Gang brachte. Die Bundesbehörden arbeiten heute mit denjenigen zusammen, die in der Region
leben und arbeiten, um den Plan umzusetzen sowie
Wirtschaft und Umwelt der Region wiederherzustellen.

Senkung des Mitarbeiterstabs des Weißen Hauses um Feuchtgebiete
25 Prozent.
Vorlage eines Plans für die Feuchtgebiete, um diese
Eine bunt gemischte Administration
fruchtbaren Ökosysteme zu schützen, die Wasser
Ernennung des vielfältigsten Kabinetts und der vielfäl- filtern und reinigen sowie einen Schutz vor Überflutung
tigsten Administration der Geschichte. Das Kabinett darstellen. Das Paket der Administration reflektiert die
besteht zu 29 Prozent aus Afroamerikanern und zu 14 lebensnotwendige Bedeutung wirksamen Schutzes
Prozent aus Hispanoamerikanern. Sechs Frauen haben und der Wiederherstellung der Feuchtgebiete der Natbn
und befürwortet dringend erforderliche Reformen zur
Kabinettsrang.
Erhöhung der Fairness und Flexibilität der DurchfühReform der Wahlkampffinanzierung und des Lob- rungsprogramme der Bundesregierung.
byismus
Märkte für Umweltprodukte
Einbringung umfassender Gesetzesvorlagen zur Reform der Finanzierung von Wahlkampagnen im Reprä- Unterzeichnung von Präsidialerlassen, um ein Beispiel
zu geben und die Kaufkraft der Regierung zur FördeSeite 6

AMERIKA DIENST 5

�rung von Märkten für Umweltprodukte zu nutzen,
wobei gleichzeitig Steuergelder gespart werden. Die
Präsidialerlasse umfassen folgende Bereiche:
Umweltpapier und umweltfreundliche Güter bei
der staatlichen Beschaffung,
mit alternativen Treibstoffen betriebene Fahrzeuge für den Fuhrpark der Regierung,
energiesparende Computer für die Regierungsarbeit,
beschleunigter stufenweiser Abbau ozonschädigender Chemikalien,

Beistand für Südafrika beim Übergang des Landes von
einem Apartheidssystem zur Demokratie, einschließlich der Veranstaltung nichtrassischer Wahlen im April
1994 durch diplomatische Bemühungen, Hilfsleistungen und die Aufhebung von Sanktionen.
Verstärkung der Bemühungen zur Wiederherstellung
von Demokratie und der Rückkehr Präsident Aristides
nach Haiti durch Unterstützung der Governor IslandsVerhandlungen; Verhängung strenger internationaler
Sanktionen, als die Militärs auf Haiti ihren Versprechen
nicht nachkamen.
Vorschlag eines Gipfeltreffens demokratischer Staatsund Regierungschefs aus dieser Hemisphäre für 1994.

Verhinderung von Verschmutzung - staatliche
Einrichtungen senken toxische Emissionen um Nahostfriedensprozeß
50 Prozent und melden sie u nter den sogenann- Neubelebung des Nahostfriedensprozesses, die zu
ten Gesetzen über das "Recht auf Information". dem im Weißen Haus zwischen Israel und der PLO
unterzeichneten historischen Abkommen führte.
Artenvielfalt
Mobilisierung internationaler Unterstützung für den
Unterzeichnung derArtenschutzkonvention durch den Prozeß, einschließlich auf der Washingtoner KonfePräsidenten, die eine Unkehrung der von der vorheri- renz zugesagter 2 Milliarden Dollar.
gen Admistration eingenommenen Haltung bedeutet.
Die Administration setzte die Industrie und die im Starke nationale Verteidigung
Umweltschutz Tätigen zur Lösung ihrer Probleme ein, Abschluß der ersten umfassenden strategischen
und die Vereinigten Staaten unterzeichneten den Vertrag Überprüfung der verteidigungspolitischen Erfordernisim Juni.
se in derZeit nach dem Kalten Krieg. Der Prozeß bietet
einen Leitfaden zur Aufrechterhaltung der nationalen
Bekräftigung der Führungsrolle Amerikas
Sicherheit und identifiziert substantielle Einsparungen
"Ich weiß jedoch, daß sich viele Menschen nach im Verteidigungshaushalt.
dem Ende des Kalten Krieges fragen, ob die
Vereinigten Staaten sich zurückziehen oder in Durchführung der ersten Überprüfung des nuklearen
der Welt engagieren wollen, und falls sie aktiv Einsatzkonzepts seit dem Ende des Karten Krieges,
sind, welchem Zweck das dienen soll. ... Wir einschließlich der politischen Doktrin, Streitkräftestrukkönnen nicht jedes Problem lösen, aber wir tur, Operationen und Sicherheit.
wollen eine Stütze für den Wandel und ein Stärkung der Sicherheitsbeziehungen
Zentrum des Friedens sein." (Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung).
Einberufung des NATO-Gipfels im Januar 1994. Bei
diesem Gipfel wurde die Zustimmung der NATO und
Förderung von Demokratie, Marktreform und Men- osteuropäischer Nationen zu einer "Partnerschaft für
schenrechten
Frieden" gewonnen, um das Bündnis an die neuen
sicherheitspolitischen Erfordernisse Europas anzupasLeitung der internationalen Bestrebungen zur Fördesen, indem den Staaten der ehemaligen Sowjetunion
rung von Demokratie und Marktreform in Rußland und
sowie Mittel- und Osteuropas engere Beziehungen zur
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen SowjetuniNATO angeboten werden.
on durch bilaterale/multilaterale Hilfe und entschiedene Unterstützung der Reformer. Einrichtung derGore- Bekräftigung unseres Engagements in Ostasien sowie
Tschemomyrdin-Kommission zur Zusammenarbeit im Ausarbeitung eines Konzepts der künftigen Sicherheit
Weltraum, bei Energiefragen, der Rüstungskonver- Asiens während des Besuchs in Tokio, Seoul und der
sion und auf anderen Gebieten. Aufhebung vieler Entmilitarisierten Zone.
überholter Gesetze aus der Zeit des Kalten Krieges.
Eindämmung der Weiterverbreitung
Erstmalige Wiederherstellung des Konsenses zur Politik
gegenüber China seit den Vorfällen auf dem Platz des Intensive diplomatische Bemühungen, um Belarus
Himmlischen Friedens als Voraussetzung für einen und Kasachstan vom Beitritt zum NichtverbreitungsDialog, um eine Verbesserung der chinesischen Bilanz vertrag zu überzeugen und zur Entscheidung dieser
bei Menschenrechten, Nichtverbreitung und Handel Länder für einen atomwaffenfreien Status zu bewezu gewährleisten.
gen. Mit der Ukraine und Rußland wurde ein Abkommen über umfassende trilaterale Verhandlungen er-

AMERIKA DIENST 5

Seite 7

�zielt, um die mehr als 1.800 Gefechtsköpfe und 176 auf Situation und Verhinderung der Einkesselung Sarajedie Vereinigten Staaten gerichten ballistischen Inter- vos erforderlich sein sollten.
kontinentalraketen der Ukraine zu beseitigen.
Widerstand gegen einen überstürzten Rückzug aus
Annahme einer umfassenden Nichtverbreitungs- und Somalia, wodurch den Somaliern die Gelegenheit
Exportkontrollpolitik sowie entschiedene Maßnahmen gegeben wurde, eine Rückkehr zu dem Chaos zu
zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Massen- verhindern, das vor unserer Ankunft 350.000 Menvernichtungswaffen durch Nordkorea, Iran, Irak, China schenleben forderte. Rückgang der Angriffe auf Trupund andere Staaten. Ankündigung von Initiativen zur pen der Vereinigten Staaten und der Vereinten NatioEindämmung der Gefahren, die durch die Weiterver- nen sowie Einsetzung einer Untersuchungskommisbreitung von Raketen, atomaren, biologischen und sion zur Ahndung der Urheber von Angriffen auf die
chemischen Waffen entstehen.
UNO-Truppen.
Aussetzung von Atomversuchen und Aufnahme der
Arbeit mit anderen Regierungen mit dem Ziel, bis 1996
einen umfassenden Vertrag über das Verbot von
Atomtests zu erreichen. Zustimmung des Senats zum
Vertrag über Offene Himmel und Vorlage einer Chemiewaffenkonvention im Senat, durch die eine ganze
Kategorie von Massenvernichtungswaffen verboten
wird.
Terrorismusbekämpfung
Angriff auf die irakische Geheimdienstzentrale als
Reaktion auf die irakische Verschwörung zur Ermordung von Präsident Bush, Verhängung neuer Sanktionen der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen gegen Libyen, um die für den Anschlag auf Pan
Am-Flug 103 Verantwortlichen vor Gericht zu bringen,
Verfolgung einer Politik der "doppelten Eindämmung"
des Iran und des Irak.

Rationalisierung und Reform der Auslandshilfe
Vorschlag zur umfassendsten Umstrukturierung der
Auslandshilfe seit der Kennedy-Administration, wodurch Ansichten aus der Zeit des Kalten Krieges
überholt und Wirtschaftswachstum, Demokratie, Frieden, umweltverträgliche Entwicklung und humanitäre
Hilfsleistungen gefördert werden. Einsatz für die Beibehaltung der Hilfe für Israel und Ägypten auf dem
jetzigen Niveau.
Bekämpfung illegaler Einwanderung
Durchsetzung neuer Maßnahmen zur Bekämpfung
illegaler Einwanderung durch Zusammenarbeit mit
ausländischen Regierungen sowie Erleichterung der
legalen Einwanderung.
Kriegsgefangene und Vermißte

Konsequente Untersuchung des Schicksals von Kriegsgefangenen und Vermißten des Vietnamkriegs, einHilfe für Bosnien im Rahmen der längsten humanitären schließlich Überführung der sterblichen Überreste,
Luftbrücke in unserer Geschichte, Förderung der Frie- Freigabe von Dokumenten und Zusammenarbeit im
densgespräche, Durchsetzung der Flugverbotszone, Falle von Diskrepanzen, auch mit Laos. Entsendung
Verhängung von Sanktionen gegen Serbien sowie von zwei Delegationen des Präsidenten nach Vietnam
Zusicherung des entschiedenen Engagements der zur weiteren Erforschung dieser Angelegenheit.
NATO für Luftangriffe, falls diese zur Entspannung der
Humanitäre Hilfsleistungen

*

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 5

�RUSSLANDHILFE
2. Februar 1994

TALBOTT: KEINE HILFE DES WESTENS
OHNE REFORMEN IN RUSSLAND
Anhörung vor Senatsunterausschuß
WASHINGTON - (AD) - Strobe Talbott, Sonderbotschafterund designierter Stellvertretender Außenminister der
Vereinigten Staaten, erklärte am 24. Januar 1994 bei einer Anhörung vordem Unterausschuß des Senats für
Auswärtige Operationen, die russischen Politiker müßten verstehen, daß die Unterstützung des Westens für die
russischen Reformen diesen eher folgen, als ihnen vorgreifen werden. Um die Mittel der internationalen
Finanzinstitutionen und des westlichen Privatsektors locker zu machen, "muß Rußland weiterhin aggressive
Schritte zur Stabilisierung seiner Wirtschaft unternehmen". Im einzelnen erfordere das Talbott zufolge eine
stabile Währung sowie Verantwortungsbewußtsein bei Finanz- und Geldtransaktionen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext für die Anhörung von Botschafter Talbott vor dem
Unterausschuß.

Mr. Atwood und ich freuen uns über die Gelegenheit,
Ihnen und Ihren Kollegen unser Programm zur Unterstützung der Reformen in den Neuen Unabhängigen
Staaten (NUS) der ehemaligen Sowjetunion darzulegen.
Wir alle sind uns bewußt, daß Auslandshilfe kein
Selbstzweck ist - sie ist ein Instrument unserer Au ßenpolitik und daher ein Instrument zur Förderung unserer
nationalen Interessen. Bevor Sie die Einzelheiten
unseres Hilfsprogramms von meinem Kollegen Mr.
Atwood vernehmen, möchte ich deshalb zunächst
kurz auf die Politik eingehen, der sie dienen soll.
Unsere Politik und unser Hilfsprogramm richten sich
auf 12 Staaten. Mit Ihrer Erlaubnis, Herr Vorsitzender,
möchte ich mich heute jedoch nur auf einen konzentrieren: die Russische Föderation, weil die jüngsten
Ereignisse besonders brennende Fragen darüber
aufgeworfen haben, was dort geschieht, was als nächstes geschehen wird, und was wir als Reaktion darauf
unternehmen sollten. Als bei weitem größter und
mächtigster der neuen unabhängigen Staaten verfügt
Rußland darüber hinaus über ein hohes Maß an Einflu ß auf seine Nachbarstaaten - in guten wie in schlechten Zeiten. Bei seiner jüngsten Reise traf Präsident
Clinton mit den Staats- und Regierungschefs der Ukraine
und Belarus zusammen. Sie wiederholten, was wir
viele Male zuvor von ihnen und allen anderen in der
Region gehört haben: Das Schicksal der Reformen in

AMERIKA DIENST 5

Rußland wird das Schicksal der Reformen in den
Nachbarstaaten maßgeblich beeinflussen.
Die vergangenen Monate waren in vielfacher Hinsicht
eine Zeit der Unruhen für Rußland. Der Reformprozeß, zu dessen Unterstützung wir verpflichtet sind, hat
ernsthaften Widerstand provoziert. Im Oktober hetzten die Politiker des alten Parlaments aus der Ära der
Sowjetunion den bewaffneten Mob gegen die Regierung auf, im Dezember gewann eine beträchtliche Zahl
von ultranationalistischen und kommunistischen Deputierten Sitze im neuen Parlament.
Die Stimmung im russischen Volk, die sich in diesen
Wahlergebnissen niederschlug, ist angeheizt von
heftigen Ressentiments gegen die derzeitige Realität,
von Angst vor der Zukunft und entsprechend von
Nostalgie für die Vergangenheit. Eine solche Kombination von Stimmungen ist ungesund für jeden politischen Apparat einer Nation. Aus diesem Grund überrascht es nicht, daß viele Reformer in Rußland beunruhigt und demoralisiert sind. Ebensowenig überrascht es, daß viele im Westen besorgt sind, die
sogenannte Zweite Russische Revolution sei gescheitert und eine Gegenrevolution habe eingesetzt.
Diese Ansicht teilen wir nicht. Präsident Clinton und
Außenminister Christopher ziehen aus den Ereignissen der vergangenen zwei Monate und aus ihren
jüngsten Besuchen in Rußland völlig andere Schluß-

Seite 1

�folgerungen. Aus der Sicht der Administration unterstreichen die russischen Wahlen, ihre Auswirkungen
auf das Parlament und drastische personelle Veränderungen in der Exekutive sowie die Spannungen, die wir
vor zwei Wochen in Moskau beobachten konnten, die
vier zentralen Prämissen unserer Politik, die wir von
Anbeginn dieser Administration dargelegt haben:

Dennoch befinden sich die Reformer und die Unabhängigen, die bei Schlüsselfragen die Partei der Reformer ergreifen könnten, im Unterhaus ungefähr im
Gleichgewicht mit den Reformgegnern. Im Oberhaus
haben sie eine etwas stärkere Position. Diese Kräftekorrelation kombiniert mit der Boris Jelzin durch die
neue Verfassung verliehenen großen Macht als Präsident bedeutet insgesamt gesehen, daß die ReformErstens befindet sich Ru ßland in einem Titanen- kräfte nach dem 12. Dezember am Boden, aber nicht
kampf über die Zukunft des Landes,
geschlagen sind.

zweitens haben wir enormes Interesse am
Ergebnis dieses Kampfes,

Der vielleicht wichtigste Punkt hier, Herr Vorsitzender,
ist nicht so sehr die relative Stärke der unterschiedlidrittens können wir sowohl im Hinblick auf unse- chen Blöcke und Persönlichkeiten im Augenblick,
re Worte als auch unsere Taten etwas bewirken, sondern der Prozeß und die Institutionen, die jetzt in
die Praxis umgesetzt wurden: Es handelt sich um
viertens handelt es sich hierbei um einen lang- einen politischen Prozeß und eine politische Institufristigen Prozeß, der Geduld und Beständigkeit tion.
von uns erfordert.
Seit nahezu einem Jahrhundert gibt es in Rußland zum
Unser Zeitrahmen sollte nicht nur Jahre, sondern ersten Mal Realpolitik - und in vielerlei Hinsicht zum
Jahrzehnte umfassen - vielleicht sogar eine Genera- ersten Mal überhaupt. Das ist meiner Ansicht nach
tion oder mehr. Vornehmlich aus diesem Grund hat eine begrüßenswerte Entwicklung, die ermutigt und
Präsident Clinton vor zwei Wochen vor 700 russischen unterstützt werden sollte. Dieses Organ - der Kongreß
Studenten seiner Hoffnung für die Zukunft Rußlands der Vereinigten Staaten - kann für diese Unterstützung
Ausdruck verliehen, die unsere eigene in so hohem entscheidend sein, weil es jetzt ein echtes Gegenstück
in Rußland hat, auf das es einwirken kann.
Maße beeinflussen wird.
Wie Präsident Clinton in seiner Moskauer Rede beton- Ein Kooperationsprogramm mit dem neuen Parlament
te, wollen die Amerikaner den Erfolg Rußlands bei wurde bereits in die Wege geleitet, das den Austausch
seiner Umgestaltung - nicht nur um seinetwillen oder von Parlamentsmitgliedern und Mitarbeitern sowie
Verbindungen zu verschiedenen Organen des amerium Europas willen, sondern um unsertwillen.
kanischen Kongresses, wie dem Forschungsdienst
Ein stabiles, demokratisches, marktorientiertes Ruß- des Kongresses (Congressional Research Service land, ein in seinen eigenen Grenzen sicheres Rußland, CRS) beinhaltet. Im nächsten Monat wird der Kongreß
das die Grenzen anderer respektiert, ein integriertes eine kleine Gruppe russischer Parlamentsmitarbeiter
statt eingedämmtes Rußland bedeutet weniger ameri- und die erste 20köpfige Delegation der neuen Duma
kanische Steuergelder für Verteidigung, eine verrin- empfangen. Eine zweite Gruppe von 20 russischen
gerte Bedrohung durch die Massenvernichtungswaf- Parlamentariern wird im März ankommen. Diese
fen, neue Märkte für amerikanische Produkte und Gruppen werden mit ihren Kollegen im amerikanieinen mächtigen, verläßlichen Partner für Diplomatie schen Kongreß und mit Regierungsvertretern zusamund Handel im 21. Jahrhundert.
mentreffen. Darüber hinaus wird das Amt für internationale Entwicklung (Agency for International DevelopIch möchte Ihnen kurz darlegen, wie wir den Stand der ment - AID) mit dem CRS zusammenarbeiten, um
russischen Reformen und ihre Aussichten in ihren beim Aufbau eines Netzes für Informationen und polibeiden wesentlichen Dimensionen beurteilen: Politik tische Analysen für das russische Parlament behilflich
und Wirtschaft.
zu sein. Fünf Millionen Dollar an Hilfsleistungen wurden für das neue russische Parlament bereitgestellt.
Entwicklung eines politischen Prozesses
Wir hoffen, daß dieser Kongreß aktiv an der VerwirkDie Medienberichterstattung und Kommentare über lichung dieser Verbindungen arbeiten wird.
die russische Politik haben sich in der letzten Zeit
vornehmlich auf die schlechten Nachrichten konzen- Die nächsten zweieinhalb Jahre - von heute bis zu den
triert. Das ist verständlich. Der Aufstieg von Wladimir für Mitte 1996 anberaumten Wahlen - werden eine
Schirinowskijs ultranationalistischer Partei ist eine entscheidende Periode sein. Werden die Reformer
beunruhigende Entwicklung, sowohl aufgrund der einen Großteil der öffentlichen Unterstützung zurückextremen Ansichten ihrer Funktionäre als auch weil sie gewinnen können, die sie am 12. Dezember verloren
den Kommunisten und ihren Verbündeten eine Chan- haben? Die Antwort auf diese Frage wird in hohem
ce geboten hat, sich als gemäßigte, vernünftige Libe- Maße von der kontinuierlichen Entwicklung demokratischer Mechanismen und bürgerlicher Aktivitäten
rale darzustellen.
abhängen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 5

*

,
,

�Mit Finanzmitteln aus unserem Hilfsprogramm werden
die amerikanischen nichtstaatlichen Organisationen
auf die Entwicklung demokratischer Institutionen in
Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten in einer Vielzahl von Bereichen hinarbeiten:
Kommunalregierungen, Rechtsstaatlichkeit, politische
Prozesse und unabhängige Medien.

freigegeben. Das alte zentralisierte Vertriebssystem
wurde praktisch abgeschafft. Die Engpässe in der
russischen Wirtschaft werden weniger. Die Exporte
sind hoch und im Dezember war die Inflationsrate auf
ihrem niedrigsten Stand seit September 1992 (obwohl
es Anzeichen gibt, daß die Inflation im Januar höher
ist).

Im Zusammenhang mit unserem Programm für Rechtsstaatlichkeit ist der amerikanische Juristenverband der
russischen Regierung bei der Wiedereinführung von
Schwurgerichtsverhandlungen in neun Zielregionen
behilflich. Diese Initiative wird den Schutz der Menschenrechte und die Entwicklung eines effektiven und
fairen Strafrechtssystems fördern.

Natürlich ist noch ein weiter Weg zurückzulegen. Die
Privatisierung von Firmen ist nur ein erster Schritt bei
der Entwicklung gewinnbringender Unternehmen, die
Arbeitsplätze schaffen. Die Produktion fällt immer
noch, und die Inflationsrate ist nur relativ gesehen
günstig. Bei 12 Prozent in diesem Monat verdoppeln
sich die Preise noch immer alle sechs Monate.

Im Vorfeld der Wahlen in Rußland vom 12. Dezember
boten mehrere amerikanische nichtstaatliche Organisationen und Freiwilligenverbände Hilfe und Rat für
russische Organisationen an, um freie und faire Wahlen
zu unterstützen. Das nationale Institut der Demokraten und das internationale Institut der Republikaner
haben ferner eng mit den politischen Parteien zusammengearbeitet, um ihnen bei der Entwicklung von
tragfähigen Parteistrukturen behilflich zu sein. Die
beiden Institute haben auch Wahlbeobachter ausgebildet und die internationale Überwachung der Wahlen
koordiniert, um die die russische Regierung gebeten
hatte. Es wurden bewußt Anstrengungen unternommen um sicherzustellen, daß alle Parteien gleichermaßen Zugang zu diesen Diensten hatten.

Die russische Führung ist sich darüber im klaren, daß
sie bei der Erfüllung der Bedürfnisse und Beschwichtigung der Ängste ihrer Bürger bessere Arbeit leisten
muß. Präsident Clinton erhielt aus erster Hand einen
Eindruck dieser Bedürfnisse und Ängste, als er einen
Gang durch die Stadt machte, in einem Geschäft
einige Laibe Brot kaufte und mit den Menschen auf den
Straßen sprach.

Die Wirtschaft zählt
Der Hauptfaktor, der das Ergebnis im Jahr 1996 beeinflussen wird, ist die russische Wirtschaft. Auch hier
bietet sich ein vielfältiges Bild. Wir haben Grund zur
Sorge und zu einer Intensivierung unseres Engagements.
Wie viele von Ihnen sind wir besorgt über das Ausscheiden der führenden Reformpolitiker aus der Regierung und die Auswirkungen, die die neue Zusammensetzung des Parlaments auf die Zukunft der Wirtschaftsreformen in Rußland haben wird. Wir fordern
die russische Regierung auf höchster Ebene auf, das
Tempo der Reformen nicht zu verringern.
Als Präsident Clinton vor zwei Wochen in Moskau war,
stand als wichtigster Punkt die russische Wirtschaft
auf seiner Tagesordnung mit Präsident Jelzin. In ihren
Gesprächen unterstrich Präsident Jelzin die guten
Nachrichten.
Über ein Viertel der Erwerbsbevölkerung ist jetzt im
Privatsektor beschäftigt. Mehr als drei Viertel der
russischen Kleinunternehmen und Einzelhandelsgeschäfte sind jetzt in Privatbesitz. Über 7.000 mittelständische und Großunternehmen befinden sich in
privater Hand. Rund 55 Millionen Russen besitzen
Anteile an Privatunternehmen. Für über 90 Prozent
der Waren und Dienstleistungen wurden die Preise
AMERIKA DIENST 5

Der Schlüssel zu Rußlands Umgestaltung liegt jedoch
nicht einfach in der Erfüllung der Grundbedürfnisse der
Bevölkerung, sondern in der Reform des Wirtschaftssystems selbst, dasden russischen Bürgern jeden Tag
dient. Entsprechend besteht die Rolle der westlichen
Geberländer nicht in der Bereitstellung der fehlenden
Güter oder Finanzmittel für Ru ßland, sondern vielmehr
in der Vermittlung von westlichem Fachwissen und
Qualifikationen, damit die Russen selbst sich diesen
Erfordernissen in einem neuen, marktorientierten Umfeld
besser annehmen können.
Unser Programm hat zwei Dimensionen - eine bilaterale und eine multilaterale. Bei der ersten sind wir - und
Präsident Jelzin stimmt mit uns überein - der Ansicht,
daß wir 1993 sowohl im Hinblick auf die Strategie als
auch auf die Verwirklichung einen guten Anfang gemacht
haben. Unser Ansatz bestand darin, die Tendenzen
des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Rußland zu stärken, die unseres Erachtens zusammengenommen die Essenz der großen Umgestaltung darstellen, die in diesem Land stattfindet: Demokratisierung und Privatisierung. Sie sind eng miteinander
verbunden und verstärken sich gegenseitig. Je mehr
Menschen in der Privatwirtschaft tätig sind, desto
größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, daß sie am
demokratischen Prozeß teilnehmen - und Kandidaten
wählen, die sich gleichermaßen für wirtschaftliche und
politische Freiheit einsetzen.
Bei unserem bilateralen Hilfsprogramm konzentrieren
wir unsere Aktivitäten so stark wie möglich auf die
Regionen Rußlands, die ihre Reformen zügig durchsetzen. Dank dieses strategischen Ansatzes zur
Unterstützung der russischen Regionen sollten die
Reformer auf lokaler Ebene dabei behilflich sein kön-

Seite 3

�nen, ihre Fähigkeit zur Schaffung von Wohlstand und
Bereitstellung angemessener Sozialleistungen für die
von der wirtschaftlichen Erschütterung am stärksten
Betroffenen unter Beweis zu stellen. So können diese
Regionen unseres Erachtens anderen als Beispiel
dienen und die Wirkung unseres Programms maximieren.

Doppelbesteuerungsabkommens, das einen bedeutenden Schutz für amerikanische Investoren darstellt.
Diese Bestrebungen werden in den Vereinigten Staaten und in Rußland Arbeitsplätze schaffen und das
Wachstum fördern.

Wie Außenminister Christopher, Finanzminister Bentsen und andere Mitglieder der Administration während
Die Unterstützung von Demokratisierung und Privati- des vergangenen Jahres wiederholt geäu ßert haben sierung war in den bei den Treffen von Vancouver und in Anhörungen vor dem Kongreß, öffentlichen ErkläTokio beschlossenen bilateralen Hilfspaketen von rungen und unseren Gesprächen mit den Russen zentraler Bedeutung. Das Vancouver-Paket wurde in werden das große Geld, die langfristige Unterstützung
Rekordgeschwindigkeit beschlossen und wird jetzt der russischen Reformen, nicht aus bilateralen Ausebenso schnell, effizient und effektiv umgesetzt.
landshilfeprogrammen, sondern von der internationalen Geschäftswelt in Form von Handel und InvestitioWir haben hart an der Umsetzung unserer Kernpro- nen kommen sowie von internationalen Finanzinstitugramme für technische Unterstützung gearbeitet und tionen in Form von Krediten, die Rußland den Überbemühen uns, mit den vom Kongreß für das Haus- gang von einer Kommando- zu einer Marktwirtschaft
haltsjahr 1994 bewilligten 2,5 Milliarden Dollar diese erleichtern sollen.
Programme zügig zu erweitern und darauf aufzubauen. In Ru ßland, Zentralasien und den westlichen N US- Die Präsidenten Jelzin und Clinton erzielten in Moskau
Staaten werden Unternehmensfonds gegründet und vor zwei Wochen eine Einigung: Präsident Jelzin
es wurden Programme zur Verbesserung der Zusam- versprach, daß er den Reformprozeß mit größter
menarbeit in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Geschwindigkeit fortsetzen werde, während der ameEnergie (einschließlich einer Erhöhung der Reaktorsi- rikanische Präsident seinerseits das Versprechen gab,
cherheit) eingeleitet. Da viele dieser Programme über die Vereinigten Staaten würden ihre führende Position
mehrere Jahre laufen, werden diese Mittel in den auf dem G-7-Gipfel und bei den internationalen Fikommenden Jahren zugeteilt. Die technische Unter- nanzinstitutionen zur Intensivierung der multilateralen
stützung muß aufgrund ihrer Natur über einen länge- Unterstützung der russischen Reformen einsetzen.
ren Zeitraum gewährt werden, um effektiv zu sein.
Langfristig werden diese Programme die fundamenta- Präsident Jelzin muß darauf vertrauen können, daß
len Bausteine für ein dauerhaftes Engagement der der Westen ihm zügige und substantielle Hilfe leistet,
Vereinigten Staaten auf diesem neuen Markt durch wenn er weiterhin ein rigoroses Stabilisierungsproerweiterten russisch-amerikanischen Handel und In- gramm durchsetzt, das die staatlichen Ausgaben
begrenzt, das Anwachsen der Geldmenge kontrolliert
vestitionen darstellen.
und die Inflation eindämmt. Zu diesem Zweck arbeiten
Im Hinblick auf das Haushaltsjahr 1995 wenden wir wir mit unseren Partnern in der G-7 an der Bekräftiuns der nächsten Stufe unseres Programms zu - der gung und Untermauerung unserer früheren VerspreFörderung von Handel und Investitionen.
chen zusammen. Obwohl die Höhe unserer Unterstützung noch an das Tempo der Reformen angeglichen
Wir hoffen, daß der Kapitalfluß aus dem Privatsektor werden muß, könnten die Intensität unserer Zusambei der Unterstützung der wirtschaftlichen Erneuerung menarbeit und die Rechtzeitigkeit dieser gezielten
in Rußland eine größere Rolle spielen kann, so wie Hilfe verbessert werden.
Präsident Jelzin und die Reformer sie verstehen und
ermutigen.
Im Hinblick auf die Unterstützung im sozialen Bereich
ist die Herausforderung nicht so sehr die Herstellung
Vizepräsident Gore hat eng mit Ministerpräsident eines sozialen Netzes, sondern seine UmstrukturieTschernomyrdin zusammengearbeitet, um die Grund- rung. Das ist ein entscheidender Unterschied. In der
lage für eine Erweiterung von Handel und Investitionen Sowjetunion gab es praktisch eine Beschäftigungsgazu legen. Während der letzten fünf Monate hat die rantie. Im Rahmen dieser Beschäftigung stellte der
Gore-Tschernomyrdin-Kommission einen guten An- Staat alle erforderlichen sozialen Dienstleistungen bereit
fang gemacht, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, und finanzierte sie. Die sowjetische Wirtschaft war
Engpässe und bürokratische Trägheit zu überwinden. bankrott aufgrund der Höhe der Verteidigungs- und
Die Kommission trug dazu bei, ein Erdöl- und Erdgas- Sozialausgaben, die nicht durch Wirtschaftswachstum
finanzierungsprogramm im Wert von 2 Milliarden Dol- auf anderen Gebieten ausgeglichen wurden. Wählar durch die Export Import-Bank zu bringen, und ein rend Rußland zur Förderung von neuem industriellem
neues Abkommen über Projektanreize wird die Finan- Wachstum seine Wirtschaft umstrukturiert, ist auch
zierung auf andere Sektoren ausdehnen. Die Kom- eine Neuorganisation des Systems der sozialen Untermission stellte mehr als 135 Millionen Dollar an von der stützung erforderlich, um einen umfassenden MechaOPIC-Entwicklungsgesellschaft finanzierten Investi- nismus von Dienstleistungen für Arbeitslose (wie vortionen bereit und überwachte die Ratifizierung des übergehende Arbeitslosenunterstützung und berufliSerte4

AMERIKA DIENST 5

�che Weiterbildung) bereitzustellen sowie Bereiche wie
das Gesundheits-, Wohnungs- und Bildungswesen
von einzelnen Unternehmen zu trennen.

nationale Finanzinstitutionen verdient - benötigt eine
stabile Währung, die wiederum eine verantwortungsbewußte Haushalts- und Geldpolitik erfordert.

Der Großteil dieser Bestrebungen kann dadurch finanziert werden, daß die Ausgaben der Regierung von
allgemeinen Subventionen für große Staatsbetriebe
auf Programme verlagert werden, die auf die Bereitstellung dieser Dienstleistungen abzielen. Die G-7 und
die internationalen Finanzinstitutionen spielen jedoch
bei der Umsetzung dieser strukturellen Änderungen
eine Rolle. Die westlichen Länder können beim Entwurf dieser Sozialprogramme zur Ergänzung der
Marktwirtschaft bedeutende technische Unterstützung
leisten. Die Weltbank könnte sowohl bei der Bereitstellung von fachmännischer Beratung als auch bei der
Übergangsfinanzierung Beistand leisten, während die
Russische Föderation die Verantwortung für Sozialprogramme von den Unternehmen auf die Kommunalverwaltungen überträgt.

Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, daß eine
Kontrolle der Geldmenge oftmals die Erreichung eines
anderen Ziels - dauerhafte Beschäftigung - erschwert.
Wir haben in unserem eigenen System damit Erfahrungen gemacht. Besonders ausgeprägt ist das Problem in einer Übergangswirtschaft, insbesondere wenn
diese gleichzeitig den Übergang zur Demokratie vollzieht. Das ist im Grunde genommen die Belastung,
deren Zeuge wir während der vergangenen Monate in
Rußland waren.

Unsere Adminitration hat den Wert dieser Art von Hilfe
vor nahezu einem Jahr erkannt - lange vor dem berühmten "Weckruf" vom 12. Dezember - als wir das
Sonderprogramm zur Privatisierung und Umstrukturierung vorschlugen. Dieses beim G-7-Gipfel in Tokio
im Juli letzten Jahres beschlossene Projekt umfaßte
500 Millionen Dollar an Finanzmitteln der Weltbank für
die Umstrukturierung von Sozialprogrammen in Gemeinden, in denen die Behörden riesige Staatsbetriebe auflösen und privatisieren. Wir planen eine Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der G-7, um die
Bestrebungen zur Erzielung von Fortschritten auf diesem
Gebiet auszuweiten und zu intensivieren.
Kurzum, eine der von uns seit dem 12. Dezember
durchgeführten Anpassungen besteht darin, mehr Wert
auf internationale Programme zu legen, die der Regierung in Moskau und vielen Regionen der Russischen
Föderation dabei behilflich sein sollen, ein starkes
Netz erforderlicher sozialer Dienste aufzubauen. Wenn
die Wähler dann 1996 wieder zu den Wahlurnen
gehen, werden sie die kritische Masse der öffentlichen
Unterstützung für die Reformen darstellen und folglich
eher in der Lage sein, den Reformen die Art von
Mandat zu geben, das sie am 12. Dezember nicht
erhielten.
Die russische Führung - die Exekutive und die Legislative - muß die Kausalbeziehung zwischen Reformen
im Inland und Hilfe von außen begreifen: Unsere
Unterstützung wird ihren Reformen folgen; umgekehrt
kann es nicht sein.
Um den Fluß von Geldern aus den internationalen
Finanzinstitutionen und dem Privatsektor im Westen
einzuleiten, mu ß Ru ßland weiterhin aggressive Schritte zur Stabilisierung seiner Wirtschaft unternehmen.
Ich möchte mich deutlicher ausdrücken: Eine gesunde
Marktwirtschaft - die Investitionen großen Umfangs
von außen anzieht und die Unterstützung durch inter-

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Die Privatisierung umfaßt die Schließung ineffizienter
staatlicher Unternehmen, während der Übergang zur
Marktwirtschaft, zumindest anfänglich, zu höheren
Preisen führt. Das Ergebnis sind soziale Not, Spaltung
und Zukunftsängste. Wenn sie eine kritische Masse
erreichen, können diese Elemente explodieren und zu
einer heftigen politischen Gegenreaktion auf die Reformen führen.
Wirsind unsdessen bewußt, und wir wissen auch, daß
die führenden Politiker Ru ßlands sich als Ergebnis des
12. Dezember genau auf diese Gefahr konzentrieren.
Eine verantwortliche Haushalts- und Geldpolitik sind
jedoch nicht nur abstrakte ökonomische Tugenden,
sondern stellen auch ein politisches Gebot dar. Sie
sind zur Bekämpfung der Inflation erforderlich, die an
sich eine enorme politische Gefahr darstellt. Die
Inflation zerstört - insbesondere wenn ihr das Präfix
"Hyper" vorangestellt ist - Ersparnisse, Investitionen,
die Renten und die Währung. In Rußland hat die
Inflation bereits die Ersparnisse der Menschen vernichtet, Bezieher fester Einkommen verarmen lassen
und die Löhne, die Moral und Effektivität von Lehrern,
Ärzten, Polizisten und Wissenschaftlern untergraben.
Obwohl die Privatisierung Wohlstand geschaffen hat,
wurde durch die Inflation ein Großteil dieses Wohlstands aus dem Land, in die Sicherheit westlicher
Banken abgezogen. Mit anderen Worten, die Inflation
gerät außer Kontrolle und droht die wirtschaftliche
Existenz des einzelnen und ganzer Staaten zu zerstören. Aus diesem Grund kann sie zum Sturz von
Regierungen führen, was bisweilen unangenehme und
äußerst gefährliche Auswirkungen haben kann.
Während Rußland seinen wirtschaftlichen Kurs für das
kommende Jahr plant, müssen seine politisch Verantwortlichen erkennen, daß eine Verlangsamung des
Reformtempos nicht die sozialen Härten des Übergangs zu einem anderen Wirtschaftssystem mildern
wird. Ganz im Gegenteil: Eine Verlangsamung wird
wahrscheinlich die Härten verlängern und verschlimmern, wodurch die Gefahr noch beängstigender politischer Entwicklungen steigt. Schleppende Reformen
sind das Rezept für Hyperinflation und einen Zusammenbruch der Wirtschaft.

Seite 5

�Wenn es in den derzeitigen Statistiken zur russischen
Wirtschaft also eine Grundfrage gibt, dann ist es die
Inflationsrate. Seit der Volksbefragung vom April
vergangenen Jahres befand sich Rußland am Rande
einer Hyperinflation, hat jedoch dank seiner führenden
Politiker diesem Abgrund den Rücken gekehrt. Um
seiner selbst und um der Welt willen muß das Land
diesen Kurs fortsetzen. Das Volk und die Regierung
Rußlands müssen erkennen, daß eine Kontrolle der
Inflation das Hauptziel bei der Gewährleistung fundamentalen Wohlstands für die Bürger darstellt und die
Grundlage für eine prosperierende Zukunft legt.

gegenüber Präsident Krawtschuk, unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Ukraine auszuweiten.
Unseres Erachtens ist es von Bedeutung fürdie Ukraine, die für ihre Wirtschaft verheerende Hyperinf lation
zu bekämpfen und die anderen erforderlichen Marktreformen durchzuführen, die dem ukrainischen Volk
Wohlstand bringen können. Diese Woche hält sich
eine hochrangige Delegation von Wirtschaftsvertretern aus der Ukraine in Washington auf. Wir werden
mit den Delegierten darüber beraten, wie wir unsere
Hilfe bestmöglich zur Unterstützung der Wirtschaftsreformen in der Ukraine einsetzen können. Wie im Falle
Rußlands muß die Hilfe den Reformen folgen, wenn
Die jetzt vor der Jelzin-Regierung und ihren Verbünde- sie effektiv genutzt werden soll.
ten im neuen Parlament liegende Herausforderung
besteht darin, die Wirtschaftsreformen fortzusetzen - Meines Wissens wird die ukrainische Delegation auch
was in erster Linie eine Kontrolle des Haushaltsdefizits mit Senatoren und Mitgliedern des Repräsentantenund der Inflation bedeutet - und gleichzeitig mehr zur hauses zusammenkommen. Ich hoffe, daß Sie mit
Abfederung der gegenläufigen Auswirkungen der Reform ihnen unser Interesse am Aufbau starker amerikaauf gefährdete Gruppen zu unternehmen. Meines nisch-ukrainischer Beziehungen und der UnterstütErachtens sind sich Präsident Jelzin und Ministerprä- zung der erforderlichen wirtschaftlichen Veränderunsident Tschernomyrdin sehr wohl bewußt, welche gen teilen. Wenn Präsident Krawtschuk sich in der
Bedeutung eine Kontrolle der Inflation hat, und daß zweiten Märzwoche zu einem Besuch in Washington
selbst nach der vergangene Woche erfolgten Regie- aufhält, werden wir erneut die Gelegenheit haben,
rungsumbildung die Bewältigung dieser Herausforde- Möglichkeiten zur besten Unterstützung der ukrainirung höchste Priorität bleiben wird. Die uns jetzt schen Reformen zu sondieren.
konfrontierende Herausforderung lautet, alles in unserer Macht Stehende zur Unterstützung Rußlands zu Abschließend möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf
den äußerst wichtigen Schritt lenken, den Kasachstan
leisten.
mit der Aushandlung eines Beistandsabkommens mit
Herr Vorsitzender, ich möchte auch kurz einige An- dem Internationalen Währungsfond unternimmt. Wir
merkungen zu zwei weiteren bedeutenden NUS-Staa- sind zuversichtlich, daß der Vorstand des IWF diesen
ten und ihren Fortschritten beim Reformprozeß ma- Beistand befürworten wird. Präsident Nasarbajew
wird im Februar nach Washington kommen. Sein
chen.
fortgesetztes Engagement für die WirtschaftsreforNach dem Abschlu ß des t rilat eralen Abkommens beim men verdient höchste Anerkennung.
Moskauer Gipfel verpflichtete sich Präsident Clinton

* *

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*

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�WIRTSCHAFT
2. Februar 1994

INFORMATION - DIE NEUESTE GRENZE
BEI ARBEIT UND FERTIGUNG
von William Neikirk
Information in Form neuer Technologien und neuer Wege zur Produktherstellung ist dem Verfasser des
vorliegenden Artikels zufolge die neue Grenze der Vereinigten Staaten. Er beschreibt, wie diese "neue
industrielle Revolution" zu einer grundlegenden Umstrukturierung im Arbeitsplatz- und Fertigungsbereich führt.
William Neikirk ist Journalist bei der Chicago Tribüne
Copyright (c) 1993 Chicago Tribüne Company. Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung der Chicago Tribüne Company.

Roger Salquist verkauft Tomaten und Henry Duignan
Ventile - in Wirklichkeit vermarkten sie dasselbe Produkt: Informationen. Salquists genmanipulierte Tomate
ist nur ein Beispiel für eine neue Generation von Produkten, die durch die Revolution der amerikanischen
Biotechnologie hervorgebracht wurden. Duignans auf
Bestellung angefertigtes, vom Computer entworfenes
Ventil stellt eine Abkehr von der starren Massenproduktion im amerikanischen Fertigungswesen dar.
Diese einfachen kleinen Produkte wurden unter Zuhilfenahme der in jahrelanger Arbeit akkumulierten wissenschaftlichen Informationen und Kenntnisse von
Menschen umgewandelt, die sich selbst für Vorkämpfer einer neuen industriellen Revolution halten.
Information in Form neuer Technologien und neuer
Wege zur Produktherstellung ist die neue Grenze einer
Nation, die sich oftmals fragt, ob sie überhaupt noch
eine Grenze hat.
Information ist der Rohstoff junger Unternehmen,
Industriezweige und besser bezahlter Arbeitsplätze,
die Präsident Clinton unbedingt schaffen will, damit die
Arbeit seiner Administration von Erfolg gekrönt ist.
Information stellt die Grundlage für einen nationalen
wirtschaftlichen Vorteil dar.
Dieser Vorteil könnte jedoch im 21. Jahrhundert ernsthaft in Gefahr geraten. Dem Verfahren, mit dem
Amerika dieses Wissen und diese Informationen in

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neue Produkte und verbesserte Fähigkeiten der arbeitenden Bevölkerung umwandelt, fehlen Schwung und
Richtung. Wenn jedoch nicht bessere Arbeit geleistet
wird, könnten die Wirtschaft, das soziale und politische
System Schaden nehmen.
Mit einem repräsentativen Querschnitt von Amerikanern aus zehn Städten während eines Zeitraums von
acht Monaten geführte Interviews offenbaren, daß
sich die amerikanische Wirtschaft inmitten einer tiefgreifenden Umstrukturierung befindet, die durch die
moderne Technologie, neue Erfordernisse des Weltmarktes und das Ende des Kalten Krieges hervorgerufen wurden.
Diese drei Kräfte lassen amerikanischen Unternehmen, Arbeitnehmern und verschiedenen Institutionen
keine andere Wahl, als die Geschwindigkeit zu beschleunigen, mit der Wissen und Information zum
vollen wirtschaftlichen Nutzen eingesetzt werden - so
wie das mit Salquists Tomate und Duignans Ventilen
angestrebt wird.
Es scheint jedoch, daß die Vereinigten Staaten sich
nur mühevoll und langsam den Herausforderungen
eines neuen wirtschaftlichen Zeitalters stellen. Die
Nation neigt dazu, die durch Entlassungen in Unternehmen hervorgerufenen Umwälzungen lediglich für
ein gigantisches kommerzielles Phänomen zu halten,
das ebenso wie alle anderen Konjunkturzyklen vorübergehen wird.

Seite 1

�Es wird nicht vorübergehen. Der Umbruch, dessen
Zeuge die Amerikaner in Form des Stellenabbaus in
Unternehmen wurden, ist nur ein Symptom für die
ständige Forderung nach Effizienz auf dem Weltmarkt,
die an die Vereinigten Staaten gestellt wird. Um zu
überleben, wurden amerikanische Unternehmen gezwungen, Hunderttausende von Arbeitnehmern zu
entlassen, selbst während sie das schnelle neue Spiel
der Informationsverteilung erlernen.

Arbeitsplätze in den innovativsten Unternehmen innehaben wird, weil sie über die beste Ausbildung verfügt.
Safi Qureshy, Generaldirektor von AST Research Inc.
in Irvine (Kalifornien), einer schnell wachsenden
Computerfirma, ist einer von vielen, die befürchten,
daß sich in den Vereinigten Staaten eine gespaltene
Gehaltsstruktur entwickelt.

Während der achtziger Jahre stieg das EinkommensDies ist kein leichtes Spiel, denn die Regeln haben sich gefälle zwischen Collegeabsolventen und Nichtakadegeändert. Während des Kalten Krieges waren Unter- mikern von 30 auf 60 Prozent - ein Hinweis auf eine
nehmen, Regierung, Arbeitnehmer und das Bildungs- geringere Nachfrage nach angelernten Arbeitern.
wesen an ein langsameres Innovationstempo gewöhnt.
Das war der Fall, bevor Ende der achtziger Jahre die
Das einfachere Wirtschaftsmodell der MassenprodukUmstrukturierung begann, die sich bis heute fortsetzt.
tion großer Firmen ließ keine Flexibilität bei der HerDie jüngste Umstrukturierungswelle in den Unternehstellung und keine Produktdifferenzierung zu. Die
men zwang viele Collegeabgänger, ihre Bürotätigkeit
Rüstungsindustrie trieb gemeinsam mit riesigen,
gegen eine schlechter bezahlte Arbeit einzutauschen.
monopolistischen Industrielabors die technologische
Entwicklung an. Die Masse angelernter Arbeitnehmer Die wenigen hochbezahlten Karrieremöglichkeiten
fand im Fertigungsbereich eine Arbeit.
erfordern eine hervorragende technische Ausbildung
in Wachstumsbranchen wie Hochtechnologie und
Das alles ist nicht länger zutreffend. Amerika ist jedoch Wissenschaft, beispielsweise Kommunikationswesen,
immer noch gefangen in dem Übergang zwischen Computersoftware und Biotechnologie. Der gutbeeinem veralteten, aus der Zeit des Kalten Krieges zahlte Arbeitsplatz von morgen wird den Labors von
stammenden Wirtschaftssystem und einer schnellebi- Calgene Inc. in Davis (Kalifornien) ähneln, wo Salquist
gen, flexiblen, internationalen, kostengünstigen, eng Generaldirektor ist.
verbundenen Welt, in der Produkte oft eine Lebensdauer von weniger als einem Jahr haben und Informa- Eines der Hauptprobleme liegt darin, daß diese hochtion und Wissen die Hauptbestandteile des Erfolgs bezahlten Arbeitsplätze sich nicht schnell genug entdarstellen.
wickeln, um die gutbezahlten Jobs von gestern zu
ersetzen, meint Anthony Carnevale, Direktor der
"Der Fertigungsbereich wird zu einer Dienstleistungs- amerikanischen Gesellschaft für Ausbildung und Forindustrie", erklärt Duignan, Leiter von Ross Operating schung.
Valve ausTroy (Michigan). "Nehmen Sie beispielsweise ein Stück Stahl, das aus einer der heutigen Mini- "Es ist ein großes Dilemma", erklärt er. Die amerikaFabriken kommt. Es enthält so viel mehr an Informa- nische Industrie ist in dem Übergang zwischen Alt und
tion."
Neu gefangen, und die Entwicklung neuer Industriezweige mit hohem Profil ist ein langsamer Prozeß.
Nichts wird die amerikanische Demokratie stärker auf "Aus diesem Grund vertritt die Clinton-Administration
die Probe stellen als diese sich abzeichnende wirt- mit Vizepräsident Gore an der Spitze die Ansicht, daß
schaftliche Herausforderung. Die Vereinigten Staaten diese neuen Technologien schneller gefördert werden
haben unter Beweis gestellt, daß sie schnelle Anpas- müssen."
sungen vornehmen können, wenn es um innerbetriebliche Änderungen geht, wie die Schnelligkeit des Stel- Präsident Clintons Technologiepolitik, für die 16 Millenabbaus in Unternehmen zeigt. Aber ein schlanke- liarden Dollar aufgewendet werden, ist eine vielschichres und sparsameres Management allein geht nicht die tige Bestrebung, den technologischen Wandel voranumfassenderen Probleme dieser grundlegenden zutreiben und neue Industriezweige schneller zu förUmstrukturierung an.
dern. Man gelangt jedoch auch allgemein zu der
Erkenntnis, daß diese Veränderungen zu höherer
Viele Analysten fürchten, daß die Vereinigten Staaten Produktivität und einem weiteren Abbau angelernter
durch den kostspieligen, beschwerlichen Prozeß der Arbeitskräfte führen.
wirtschaftlichen Innovation behindert werden, der zu
viele gute Ideen in Labors und Unternehmen ver- "Dieses Land ist nicht zufrieden mit einer polarisierten
schlossen hält.
Zweiklassengesellschaft", stellt Roger Brinner, Ökonom bei DRI/McGraw Hill in Lexington (MassachuNoch beunruhigender ist jedoch die Tatsache, daß die setts) fest.
Erfordernisse der modernen Wirtschaft die Fähigkeiten von Millionen amerikanischer Arbeitnehmer veral- Präsident Clinton muß noch die Einzelheiten seiner
tet erscheinen lassen. Einige Analysten sprechen von Strategie für das Bildungs- und Ausbildungswesen
einer entstehenden technischen Elite, die die besten vorlegen, aber sein Plan für den nationalen Sozial-

Seite 2

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|

,
L

�dienst und ein neues Programm für eine praktische
Ausbildung in weiterführenden Schulen sind zwei Initiativen, die dem sich abzeichnenden Problem Rechnung tragen. Viele Experten sind jedoch der Ansicht,
daß er beherzter eine grundlegende Bildungsreform
fordern sollte.
David Birch, dem Leiter der Unternehmensberatung
Cognetics Inc. in Cambridge (Massachusetts) zufolge
scheint das amerikanische Bildungswesen mit dem
Tempo des Wandels überhaupt nicht Schritt zu halten.
Birch verweist auf in Philadelphia durchgeführte Untersuchungen über das Bildungswesen, die belegen, daß
im Durchschnitt 26 Jahre vergehen, bis eine eindeutig
überlegene Unterrichtsmethode die Kinder in den Grundund weiterführenden Schulen erreicht.
"Das ist praktisch eine Lehrergeneration", erklärt er.
"Aber was geschieht, wenn sich das Wissen innerhalb
von fünfeinhalb Jahren ändert, wie das zur Zeit der Fall
ist? In einer auf Wissen aufbauenden Gesellschaft ist
das Wissen der Erwerbsbevölkerung die einzige
Ressource."
Präsident Clinton betont, daß sich die Amerikaner jetzt
auf lebenslange Bildung und Ausbildung einstellen und
die Bereitschaft zeigen müssen, während ihrer beruflichen Laufbahn aufgrund wirtschaftlicher Umstrukturierung mehrere Male den Arbeitsplatz zu wechseln.
Die bestehenden Ausbildungs- und Umschulungsmechanismen, die funktionieren könnten, sind entweder
zu kostspielig oder von der Mehrzahl amerikanischer
Unternehmen nicht offiziell institutionalisiert worden.
Die Unternehmen in den Vereinigten Staaten sind sich
im allgemeinen des großen Einflusses von Wissen und
Information auf ihre Gewinne bewußt.
Diese Theorie in die Praxis umzusetzen, ist jedoch
äußerst schwierig.
Es ist nicht so sehr das Risiko. Es istdie Tatsache, daß
Risikobereitschaft auf dem amerikanischen Markt oft
bestraft wird. Großunternehmen investieren nicht
genug in neue Technologien, weil große und mächtige
Institutionen wie Pensionskassen und Versicherungsunternehmen sie dazu zwingen, auf "Nummer Sicher"
zu gehen.
Ein Expertengremium des Nationalen Wissenschaftsrats stellte in einem Bericht vom August 1992 fest, daß
die Aufwendungen der Bundesregierung und der Unternehmen für industrielle Forschung und Entwicklung
von 1985 bis 1991 nur um 0,4 Prozent anstiegen,
nachdem sie in den vorherigen fünf Jahren um 7,5
Prozent in die Höhe geschnellt waren.
Noch alarmierender war die Erkenntnis, daß die Vereinigten Staaten mit einem "steigenden Risiko konfrontiert sind, ihre traditionelle Stärke bei der Einführung
von Entdeckungen und Erfindungen" der Industrielabors und Universitäten zu verlieren.

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Das Gremium des Wissenschaftsrats verwies auf die
Kurzzeitplanung der amerikanischen Industrie, die zum
Versuch des Managements führte, es der Wall Street
recht zu machen. Auch führte das Gremium das
Problem auf die mit ungeprüften neuen Technologien
in Verbindung stehenden Risiken und Kosten zurück
sowie auf die Aufsplitterung großer Industrielabors in
kleinere Einheiten, die Bestandteil der derzeitigen
Dezentralisierungsbestrebungen in amerikanischen
Firmen ist.
Neue Unternehmen mit vielversprechenden Ideen haben
es im heutigen rauhen Klima oft schwer. Die Schuldenexplosion in den achtziger Jahren aufgrund von Unternehmensübernahmen und fragwürdigen Immobilienprojekten hat amerikanische Bankiers äußerst
skeptisch gegenüber jeder Idee gemacht, die auch nur
das geringste Risiko birgt.
Salquists Calgene begann wie zahlreiche andere Biotechnologieunternehmen mit Risikokapital. Salquist
trat der Firma 1983 bei, um bei der Beschaffung von
Geldern für eine Gruppe von Forschern behilflich zu
sein, die biologische Experimente mit Pflanzen durchführt. Das Unternehmen hatte keine solide finanzielle
Grundlage. 1985 stand es kurz vor dem Konkurs. "Wir
hatten 1,5 Millionen Dollar Schulden bei der Bank und
50 Angestellte. An einem Donnerstagnachmittag kam
jemand zu uns und bat um einem Scheck in Höhe von
50 Dollar, um eine Frankiermaschine zu bezahlen. Ich
sagte: 'Wir können das nicht bezahlen' - und am
nächsten Tag war Zahltag."
An diesem Abend wurde das Unternehmensdarlehen
bewilligt. Salquist ging zurück in die Firma, um seine
Präsentation über genmanipulierte Pflanzen zu verbessern, insbesondere die Tomate, und innerhalb
weniger Monate verfügte er über alle erforderlichen
Finanzmittel. Die Tomate soll in Kalifornien, Florida
und Mexiko angebaut werden.
Die Tomate und andere gentechnisch veränderte Pflanzen, die in den Labors von Davis gezüchtet wurden,
stellen eine enorme finanzielle Investition dar. Bisher
hat das Unternehmen Salquist zufolge allein 90 Millionen Dollar für die Forschung aufgewendet.
Das ist Information und Wissen in Bestform. Aber die
andere Seite der die Vereinigten Staaten erfassenden
industriellen Revolution verspricht keine hohen Löhne,
sondern genau das Gegenteil.
In Mansfield (Ohio) kann man die Kontraste sehen.
Nahe dem Stadtkern arbeitet ein altes WestinghouseUnternehmen im ruhigeren Rhythmus des postindustriellen Amerika. Die ehemals gewerkschaftlich organisierte Toaster-Fabrik umfaßt jetzt drei Dutzend
kleine, junge Unternehmen, dessen Angestellte leise
vor ihren Computern sitzen. Ironischerweise ist eines
der Unternehmen eine Zeitarbeitsfirma.

Seite 3

�Eine Investmentgesellschaft kaufte den Betrieb auf
und verwandelte ihn in ein Bürogebäude. Für monatlich 100 Dollar kann ein Unternehmer hier einen Geschäftsbetrieb aufbauen, erklärt Herman Stine, der
Direktor des jetzt als Mansfield Commerce Center
bezeichneten Komplexes, in dem 700 Menschen arbeiten.
Stine möchte das Center gerne für Firmen attraktiv
machen, die zu niedrigen Löhnen im Informationsbereich arbeitende Angestellte beschäftigen. "Sie werden wegen der relativ billigen Arbeitskräfte und des
reichlich vorhandenen und relativ billigen Büroraums
hierherkommen", erklärte er. "Wir suchen eine stark
vom Telefon abhängige Firma, die beispielsweise
Büroarbeit, Katalogbestellungen oder Telemarketing
durchführt. Das Gebäude ist zwar immer noch häßlich
wie die Nacht, aber wir haben die gesamte Infrastruk-

tur zur Verfügung, um uns diese Art von Betrieb
zunutze zu machen."
Sind dies die Arbeitsplätze der Zukunft oder zumindest
die Arbeitsplätze der Zukunft von Mansfield?
"Wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen auf der
Suche nach Chancen", so Stine. "Dies ist die Art von
Betrieb, den wir anziehen können. Durch eine Serie
unglücklicher Umstände gibt es viele ungelernte Arbeitskräfte in der Erwerbsbevölkerung."
Mansfield hat tatsächlich eine industrielle Revolution
durchlaufen und steht kurz vor einer weiteren. Als
Anfang der achtziger Jahre zahlreiche alte Fabriken
geschlossen wurden, erreichte die Arbeitslosenquote
16 Prozerrt. Jetzt ist sie halb so hoch, aber viele der
neuen Arbeitsplätze liegen im Einzelhandel oder im
Dienstleistungsbereich.

* * * * *

Seite 4

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�UMFRAGE
2. Februar 1994

AMERIKANER HABEN WEITERHIN
INTERNATIONALISTISCHEN BLICKWINKEL
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Kürzlich lautete eine Überschrift in der International Herald Tribüne: "Neue
isolationistische Tendenzen in Amerika", und ein Bericht des Times Mirror darunter behauptete, die amerikanische Öffentlichkeit wünsche eine "entschieden verringerte" Rolle der Vereinigten Staaten im Ausland.
Jüngste Meinungsumfragen, einschließlich dervon Times Mirror durchgeführten, widerlegen diese Behauptungen jedoch.
Im Jahr 1993 stellten drei Meinungsforschungsinstitute den Amerikanern acht 'Trendfragen" über das internationale Verhalten der Vereinigten Staaten - Fragen, die früher bei ähnlichen Erhebungen gestellt worden waren
und deren Beantwortung Trends der öffentlichen Meinung belegten.
Die Antworten auf die meisten Fragen deckten sich im großen und ganzen mit den in den achtziger Jahren
gemachten Angaben - einem Jahrzehnt, in dem die Sowjetunion die internationale Szene dominierte und der
sowjetische Expansionismus großen Anlaß zur Besorgnis gab. Die Umfragen zeigen, daß die meisten
Amerikaner immer noch davon überzeugt sind, ihr Land solle weiterhin eine aktive Rolle in den internationalen
Beziehungen spielen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Fragen und Antworten

Alle Angaben in Prozent.

Mai 1993

1.

Die Vereinigten Staaten sollten "uneingeschränkte Zusammenarbeit" mit den Vereinten Nationen haben:

Entsenden 57

Oktober 1993 (Times Mirror)

Entsenden 54

Zustimmung 64

(Research/Strategy/Management)

Ablehnung 28

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)
Zustimmung 58

2.

Ablehnung 32

Nicht entsenden 39

1986 (bei drei Umfragen ermittelter Durchschnitt)
Nicht entsenden 44

Die Vereinigten Staaten sollten "bei internationalen Angelegenheiten ihren eigenen Weg gehen
und sich keine Gedanken darüber machen, ob
andere Länder zustimmen..."

(Times Mirror, Potomac Association)

April 1993 (Times Mirror)

Sollten amerikanische Truppen zu einem Konflikt ins Ausland entsandt werden, wenn der
Präsident es als im Interesse der Vereinigten
Staaten erachtet, oder sollte man der öffentlichen Meinung folgen, und die Truppen nicht
entsenden?

Ablehnung 63

Zustimmung 34

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)
Ablehnung 68

Zustimmung 27

(Times Mirror, Potomac)

AMERIKA DIENST 5

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten sollten "nicht so sehr in
internationalen Kategorien denken, sondern sich
mehr auf ihre eigenen nationalen Probleme konzentrieren..."

1986 (bei vier Umfragen ermittelter Durchschnitt)

April 1993 (Times Mirror)

"Die Vereinigten Staaten sollten sich international um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern,
und anderen Ländern so gut sie können die
Lösung ihrer eigenen Probleme überlassen."

Ablehnung 18

Internationalistisch 69 Isolationistisch 30
(Research/St rat egy/Management)

Zustimmung 79

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)
Ablehnung 30

April 1993 (Times Mirror)

Zustimmung 63

Ablehnung 58

(Times Mirror, Potomac)

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)

"Wäre es Ihrer Ansicht nach für die Zukunft des
Landes besser, wenn wir uns aktiv am Weltgeschehen beteiligen, oder wenn wir uns aus
internationalen Angelegenheiten heraushalten?"
März 1993

Zustimmung 37

Ablehnung 59

Zustimmung 34

(Times Mirror, Potomac)
"Es ist am besten für unser Land, sich aktiv am
Weltgeschehen zu beteiligen."

8.

Aktiv beteiligen 67 Heraushalten 28

Mai 1993

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)

Zustimmung 87

Aktiv beteiligen 66 Heraushalten 30

April-Mai 1987

(National Opinion Research Center)

Zustimmung 87

Wie sollten die Vereinigten Staaten ihre nationalen Sicherheitsinteressen verfolgen:

(Times Mirror, Potomac)

Ablehnung 10

Ablehnung 8

Mai 1993
Internationalistisch 70 Isolationistisch 27

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 5

�FULBRIGHT
2. Februar 1994

20 JAHRE FULBRIGHT-PROGRAMM MIT RUSSLAND
Geplante Feierstunde an der staatlichen Universität Moskau
WASHINGTON - (AD) - Angaben des US-Informationsamts (United States Information Agency - USIA)
und der Virginia Commonwealth University zufolge
wird an der Fakultät für Geschichte der staatlichen
Universität Moskau in Kürze ein Treffen von Historikern stattfinden, die den 20. Jahrestag des Austauschs
mit Rußland im Rahmen des Fulbright-Programms
begehen.
Die internationale Historikerkonferenz ist eine gemeinsame Konferenz amerikanischer und russischer Akademiker, die sich mit den Auswirkungen des 1974 in
Moskau ins Leben gerufenen Fulbright-Programms
auf die staatliche Universität Moskau befassen wird.
Seit diesem Zeitpunkt fand alljährlich an der Fakultät
für Geschichte der Universität eine Vorlesungsreihe
statt.
Die Vorlesungen wurden von einer Reihe renommierter amerikanischer Historiker gehalten und behandelten Schlüsselereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Parallel dazu fanden Konsultationen,
Seminare, Prüfungen und inoffiziellen Zusammenkünfte mit Studenten und Fakultätsmitgliedern statt.
"Dieses Programm hat sich als das dauerhafteste und
etablierteste unter allen Programmen dieser Art erwiesen", erklärte Dr. Eugene Trani, Rektor der Virginia
Commonwealth University am 28. Januar 1994 in
einem Interview. Trani, ein ehemaliger FulbrightStipendiat, der an der staatlichen Universität Moskau
Geschichte lehrte, fügte hinzu: "Das Programm überlebte während dieser 20 Jahre alle politischen Schwierigkeiten und Veränderungen. Sein Erfolg ist auch auf
die effektive Zusammenarbeit mit dem Anfang der
siebziger Jahre an der staatlichen Universität Moskau

eingerichteten dynamischen Amerikanistikprogramm
zurückzuführen."
Trani, der auf der internationalen Konferenz über die
Zukunft des Amerikastudienprogramms an der Moskauer Universität sprechen wird, äußerte auch, während dieser Jahre hätten mehr als 300 Studenten das
Programm durchlaufen. "Sie gewöhnten sich an die
international festgesetzten Normen akademischer
Freiheit und wissenschaftlicher Diskussionen, an die
größere Meinungsfreiheit", stellte er fest.
William James, hochrangiger Experte für Austauschprogramme bei USIA, ließ verlauten: "Von allen während
der vergangenen zwei Jahrzehnte im Rahmen des
Austauschprogramms erzielten Leistungen ist keine
bemerkenswerter als die Förderung des Unterrichts in
amerikanischer Geschichte an der staatlichen Universität Moskau durch das Fulbright-Programm." Ihm
zufolge erstellte das Fulbright-Programm eine der
besten Sammlungen amerikanischen Lehrmaterials in
Moskau, wenn nicht sogar im gesamten NUS-Gebiet.
Das nach Senator William Fulbright benannte Fulbright-Programm wurde zur Finanzierung von Vorlesungen und Forschungstätigkeit der Vereinigten Staaten in Übersee ins Leben gerufen. Das Programm mit
der Sowjetunion begann im Studienjahr 1973/74 mit
dem ersten Austausch amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler.
Die internationale Historikerkonferenz wird am 31.
Januar 1994 eröffnet und beinhaltet Vorträge und
Diskussionen über Schlüsselereignisse und -bewegungen der amerikanischen Geschichte, beispielsweise den Bürgerkrieg und das Entstehen der Arbeiterbewegung.

* * * * *

AMERIKA DIENST 5

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Clinton-Jahresbilanz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungen der Clinton-Administration im ersten Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Russlandhilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Talbott: keine Hilfe des Westens ohne Reformen in Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Information - die neueste Grenze bei Arbeit und Fertigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William Neikirk&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner haben weiterhin internationalistischen Blickwinkel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fulbright&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;20 Jahre Fulbright-Programm mit Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Geplante Feierstunde an der staatlichen Universität Moskau&lt;/em&gt;</text>
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