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                    <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

6. J a n u a r 1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse In Afghanistan
- Juni bis Dezember 1987 Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besatzung
- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums
Die Aufrüstung der Sandinisten
- Ein Hintersrundbericht Beginn des Wahlprozesses mit Vorwahlen und Parteiversammlungen
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Impfstoff gegen Typhus
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

Themenindex AMERIKA DIENST 1987

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^°5*&lt;

VION

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

6. Januar 1988

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Juni bis Dezember 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum von Juni bis Dezember 1987.

1. Juni
Berichten der Mujahedin an Agence
France Press (AFP) zufolge haben diese einer sechs Tage währenden, intensiven Land- und Luftoffensive sowjetisch-afghanischer Truppen gegen ihre
Stützpunkte in der Ostprovinz Paktia
Einhalt geboten. In der Region Jaji
fand ein Angriff von drei Seiten
statt, und 15 Sowjets wurden getötet,
als bei einem Zusammenstoß sowjetische Luftstreitkräfte die Mujahedin
einzukreisen und ein Lager in Jaji zu
stürmen versuchten. Angaben der Mu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jahedin zufolge verloren sie 25 Mann
und einen Kommandanten, Abdul wahab;
es gab 80 Verwundete. Zwei Flugzeuge
und ein Kampfhubschrauber wurden abgeschossen und 150 regierungstreue
afghanische Soldaten gefangengenommen.

2. Juni
Bei einer Bombenexplosion in einem Bazar in Rawalpindi (Pakistan)
wurden 27 Personen - davon sieben
schwer - verletzt. Die Bombe wurde
möglicherweise von Saboteuren des af-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ghanischen Regimes gelegt.

11. Juni

3. Juni
In einem Kino in Peshawar (Pakistan) explodierte eine möglicherweise
von Saboteuren des afghanischen Regimes gelegte hochexplosive Bombe. Dabei wurden zwei Menschen getötet und
24 verwundet, fünf davon schwer.
Ein hoher Befehlshaber der Mujahedin in Kandahar, Mohammad Ishaq
alias Lala Malang, Angehöriger der
Hisb-e-Islami Gruppierung des Maulvi
Yunus Khalis, wurde getötet, als eine
Granate
seinen
Kommandostützpunkt
traf.

9. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge wurden im Monat Mai mindestens 29 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge
abgeschossen,
einschließlich
eines
militärischen
Transportflugzeuges am 29. Mai, in
dem sich möglicherweise 12 afghanische Piloten auf dem Weg von Kabul
zum Luftstützpunkt Bagram befanden.

10. Juni
Mujahedin nehmen eine wichtige
Gebirgsregion im Norden Herats ein,
von der aus die lebenswichtige Straße
von Towraghondi nach Herat zu übersehen ist, die als eine der wichtigsten
Nachschubrouten der im Westen Afghanistans
operierenden
sowjetischen
Streitkräfte gilt. Berichten der Mujahedin an die iranische Nachrichtenagentur IRNA zufolge waren nach 10
Tagen schwerer Kämpfe 15 Dörfer in
der Region befreit.

Radio Kabul berichtet vom Begräbnis des Brigadegenerals Abdul Qayyum
Siddiq, Leiter der politischen Abteilung bei den Streitkräften in der
Provinz Kandahar, mit allen militärischen Ehren. Er wurde erschossen,
als er gerade im Bezirk Arghandab
(Provinz Kandahar) Erklärungen zur
Politik der nationalen Aussöhnung abgab.
An seiner Beerdigung nahmen
hochrangige RegierungsVertreter, unter ihnen der Verteidigungs- und der
Innenminister, teil.
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge könnte eine Rakete der Mujahedin ein militärisches Transportflugzeug des Typs Antonov-26 beschädigt haben, bevor das Flugzeug eine
Notlandung unternahm.
Das Flugzeug
stürzte im Gebiet Shajui (Provinz
Zabul) ab. Alle Insassen wurden getötet, bevor es nach Kandahar zurückkehren konnte.
Normalerweise kann
eine AN-26 40 Passagiere aufnehmen.

14. Juni
Westliche Diplomaten zitieren Berichte, denen zufolge die Mujahedin
in der Nähe von Mazar-i-Sharif einen
weiteren mit einer AN-26 durchgeführten Militärtransport mit 43 Passagieren abgeschossen haben könnten.
15. Juni
Westliche
diplomatische
Kreise
berichten, der Verteidigungsminister
des Regimes, Generalmajor Mahammad
Rafi, habe Kandahar besucht, wo die
monatelange
sowjetisch-afghanische
Kampagne zur Säuberung der Region von
Mujahedin scheinbar nur wenig Fortschritte zeigte, nachdem sie im Juni
nahezu zum Stillstand kam, als eine

- 2 -

�große Zahl von Soldaten des Regimes
desertierte.
Diplomaten berichten,
daß die Armee des afghanischen Regimes seit Beginn der Kampagne vor drei
Wochen möglicherweise 1 000 Mann an
Verlusten zu verzeichnen habe, viele
von Ihnen jugendliche Studenten, die
aus den Schulen und Universitäten Kabuls heraus zwangsverpflichtet wurden.

30. Juni

Der entmachtete afghanische König, Zahir Shah, erklärt in einem in
Paris veröffentlichen Interview, er
sei bereit, ohne persönliche Ansprüche an der "Wiederherstellung der Unabhängigkeit" und "der Freiheiten"
des afghanischen Volkes mitzuarbeiten.
Der französischen Zeitschrift
"Defense Active" berichtet er, "eine
für das afghanische Volk akzeptable
Lösung" sei mit dem sowjetischen
Staatsmann Michail Gorbatschow möglich.

Westliche Diplomaten berichten,
sowjetische Streitkräfte hätten von
Sympatisanten der Mujahedin bewohnte
Gebiete in Kandahar dem Erdboden
gleichgemacht. Sie erklären, entlang
der 26 Kilometer langen Straße zum
Flughafen seien Häuser und Vegetation
eingeebnet worden, um ein Gefechtsfeld zu schaffen. Die Stadtbevölke
rung, vor dem Krieg fast 200 000 Menschen, ist inzwischen auf weniger als
40 000 gesunken.

1. Juli
Radio Kabul berichtet, eine von
Mujahedin gelegte Bombe sei in einem
Bus mit Regierungsangestellten explodiert. Dabei wird eine Person getötet und neun verwundet, zwei davon
schwer.

22. Juni
4. Juli
Westliche Diplomaten berichten,
Studenten und, wie es heißt, Sympathisanten
der
rivalisierenden
Splittergruppen Parcham und Khalq
hätten sich in der Universität von
Kabul ein Gefecht geliefert, bei dem
vier Studenten umkamen, einschließlich des Schwagers von Innenminister
Syed Mohammas Gulabzoi.

26. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge nehmen sowjetische Streitkräfte die Kampfhandlungen wieder
auf, nachdem es den Streitkräften des
afghanischen Regimes nicht gelungen
war, Mujahedin aus ihren Stützpunkten
in den Paghman-Bergen nur 15 Kilometer westlich von Kabul zu vertreiben.

Zwei möglicherweise von Saboteuren des Kabuler Regimes gelegte hochexplosive Autobomben gehen in einer
belebten Einkaufsgegend in Karachi
(Pakistan) hoch. Dabei werden mindestens 72 Menschen getötet und mehr
als 250 verletzt, unter ihnen Frauen
und
Kinder.
Pakistanische Regierungsbeamte beschreiben den Bombenanschlag als den blutigsten terroristischen Anschlag in der Geschichte Pakistans. Zahlreiche junge Pakistanis
gehen auf die Straße und rufen Parolen gegen die drei Millionen in Pakistan lebenden afghanischen Flücht1inge.

7. Juli
Ein Beamter des amerikanischen
Außenministeriums
erklärt,
afgha-

- 3 -

�nls;
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xuf&lt; Ige pi •' 'n die K; npfhubschrssfber
von L'yp L •;-. 25 jatzt eindeutig eine
geringere Holle boi den Kampfhandlungen.
Sowjet, Lech- afghanische
Flugzeuge
bombardieren das Dorf Gadai im Bezirk
Dajaur (Pakistan). Dabei werden fünf
Menschen, darunter eine Frau und drei
Kinder, getötet und zwei verletzt.

11. Juli
Der Führer des afghanischen Widerstandes, Maulvi Mohammad
Yunus
Khalis von der Hisb-e Island entkommt
nur knapp einem terroristischen Bombenanschlag, der möglicherweise von
der Geheimpolizei des Regimes in Kabul (KHAD) geplant war. Zwei seiner
Mitarbeiter werden von Glassplittern
verletzt und mehrere geparkte Autos
beschädigt, als die in der Nähe eines
Stützpfeilers für das Hauptgebäude
gelegte Bombe explodiert, ohne jedoch, wie beabsichtigt, das Gebäude
zum Einsturz zu bringen.

i. Juli
"' j&lt; st.I ich»
Di, loraate i l&gt; r i c h t e n ,
il3 »ich naci mehreren Joe tu n BchWe
•er Kämpfe uowj e t Ische Truppen aaj
. westlich von Kabul ,e!: ; n u a G:.
» Let i';.;-i ia- Haidan Bh* r garückzi
m, i/o sie /ersucht ha,ton
Streit
.'ät Li
der Mujahcdin
aus umorzeu.
ner der Gri nde für cc t Rü&lt; kz g bc
. e h l d a r ; \, daß •'.': • Lul Lv
•r Uujahedi l &lt; ' c. Au: i l

Lischer i ... Ii

in

Lufl 1

o' ligung
:;owj

hrankt.

IS. Juli
Bei
einer
Presse! onfe •e:i ; in
Washington fordert ein Fiihroi der Mi;
. ahedin t3ie Sowjetunion auf, i&gt; r En
gagement für den Frieden •/x demonstrieren, indem sie ihre Streitkräfte
aus
Afghanistan bedingungslos ab
i:ieht. Dr. Najibullah hafrai , Leiter
des politischen Komitees der Jaralat- *
e Islami, erklärt, die Sowjets be
nutzten Afghanistan als Testgelände
für neue Waffen und als Ausbildungsplatz für ihre Truppen. Zudem hofften sie, Afghanistan als Sprungbrett
für eine zukünftige Politik der Expansion zu benutzen.
Lafraie zufolge liegt mehr als 70
Prozent von Afghanistan In Trümmern
und fünf Millionen Flüchtlinge - die
größte Zahl in der Welt - seien nach
Pakistan und in den Iran geflüchtet.

16. Juli
Der
afghanische
Staatsmann
Najibullah empfängt den Sekretär des
Nationalrates der Indischen Komunistischen Partei.
Der kommunistische
indische Staatsmann leitet eine Delegation bei einem Freundschaftsbesuch
in Kabu1.

�1/. Juli
Radio Kabul behauptet, Mujahedin
hätten Gardez, die Hauptstad.. der
Provinz Paktia, beschossen.
Dabei
seien 6 Personen getötet und 11 vor
letzt worden.

18. Juli
Radio Kabul, zufolge werden drei
Menschen getötet und 10 weitere, unter ihnen zwei Kinder, verletzt, als
eine Bombe im Kabuler Wohngebiet Mic
rorayon explodiert. Für den Bombenanschlag werden Mujahedin verantwort
1 ich gemacht.
Radio Kabul berichtet, Mujahedin
hätten Raketen auf ein Kino in Bamian
abgefeuert, in dem sich Bürger zur
Diskussion des neuen Kntwurfs für ei
iip afghanische Verfassung zu sammenge
funden hatten.
Dabei werden sechs
Menschen, unter ihnen zwei Frauen,
getötet und 20 verletzt.
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, die Sowjetunion
habe seit der Revolution von April
19/8 Afghanistan mit 1,1 Milliarden
Dollar in Form von Projekthilfe, Verbrauchsgütern und Krediten Unterstützung geleistet. Der Gesamtumfang so
wjetischer Hilfe für Afghanistan be
lief sich vor und nach der Revolution
der Kommunisten im Jahr 1978 auf 3
Milliarden Dollar.
Von
Radio
Pakistan
zitierten
Quellen der Mujahedin zufolge werfen
sowjetische Streitkräfte in den Gebieten Dand und Panjwai (Provinz
Kandahar) Napalmbomben.

19. Juli
Radio Pakistan berichtet, die Mu-

jahedin hätten in einer drei Tage
währenden größeren Offensive gegen
sowjetisch-afghanische
Stützpunkte
auf
einem
40
Kilometer
langen
Straßenabschnitt zwischen Kabul und
Jalalabad mehr als 1 000 sowjetisch
afghanische Soldaten getötet.
Zwei
militärische Lager und 20 Militärstützpunkte nahe der Straße werden
dem Erdboden gleichgemacht und eine
große Zahl von Panzerfahrzeugen sowie
viel Munition zerstört.
Die Operation mit dem Decknamen
"Operation Avalanche" wird von der
Fernsehgesellschaft CBS übertragen.
Sie gilt bis heute als größter Kampf
gegen sowjetisch afghanische Truppen.

22. Juli
Bakhtar berichtet aus Kabul, daß
eine von Mujahedin gelegte Mine in
der Provinz Takhar nahe Taoqan in einem Bus explodierte und alle 22 Insassen umkamen.
Bei einer zehntägigen Zusammen
kunft von 1 200 Befehlshabern der Mu
jahedin in der afghanischen Westprovinz Ghowr wird eine Resolution ver
abschiedet, mit der die Wahl eines
Jihad Revolutionsrat gefordert wird,
der über die Zukunft Afghanistans
entscheiden soll. Der Rat sollte in
den nächsten sechs Monaten von Beamten der Provinzen und beauftragten
Vertretern aus verschiedenen Kriegs
gebieten gewählt werden. Ferner würden Mujahedin aller islamischer Gruppen eingeladen, ihre Meinung zu äussern. Die Resolution fordert dringend eine Einigung von Gruppen in und
außerhalb
Afghanistans.
Bei
dem
Treffen in Gowr nehmen hauptsächlich
Befehlshaber
der
Jamiat-e-Islami
Gruppierung
teil; nicht vertreten
sind verschiedene wichtige Befehlsha
ber aus dem Osten Afghanistans, die

�andere» Gruppen angehären.

tegisch wichtigen Tals blockiert hat
ten.

26. Juli
2. August
Radio Kabul berichtet, daß der
Vorsitzende der Komaission zur nationalen Aussöhnung i*m Bezirk Andarab
(Provinz Baghlan) von Mujahedin wäh
rend eines Gebets La einer Moschee
getötet wurde.

28. Juli
Dio Regierung Pakistans Lagt bei
der afghanischen Regierung ihre Be
schwerde über ,:woi Worfalle ein, bei
denen Artliieriegranaten im Stammes
gebiet
Bajaur einschlugen.
Dabei
wurden sechs Kensehen getötet und
fünf weitere vertatst.

29. Juli
Zwei hochexplosive Zeitbomben mit
einem Gewicht von Jeweils 15 Kilo,
die in zwei LkW- -Batterien angebracht
waren, werden einem Lastwagen mit Ka
buler Kennzeichen entnommen, der bei
einer Gaststatte in Peshawar (Pakt
stan) parkt. b'ünt Insassen des Last
wagens werden vorhattet.

30. Juli
Eine Shia Widerstandsgruppe, die
Harakat e Island,
berichtet,
ihre
Kämpfer hätten in nahezu drei Wochen
dauernden schweren Kämpfen im Sang
lagh Tal, 100 Kilometer westlich von
Kabul, 13 Plugzeuge und vier Hubschrauber abgeschossen und 100 Solda
ten des Regimes getötet. AFP berich
tet, die Kämpfe hätten begonnen, als
motorisierte Kinheiten der sowje
tisch afghanischen Armee die Ausgänge
des z'ir Verbindung des Nordens stra

Anläßlich
einer
Besuchsreise
sucht der Abteilungsleiter für poli
tische Angelegenheiten im amerikanischen
Außen:;,i ni sI erium,
Michae 1
Armacost, den pakistanischen Premier
minister Mohammad Khan Junejo in
Rawalpindi auf.
Dabei kommt es zu
einem Meinung h über &lt;'io bi
lateralm Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Pakistan so
wie über Afgh
n.

4. August
Der
Afg1
Ken
Islamischen
Presseagentur (AIP) zufolge werden 35
Mujahedin, unter ihnen der Befehlsha
ber einer Provinz, getötet und 20
weitere verwu
, als sie versuchen,
Soldaten des Kabuler Regimes in einen
Hinterhalt AU Locken. Diese schlagen
jedoch zurück. Ferner werden 2.'5 Re
giorungssoIdaton bei. Kampfhandlungen
in der Provinz Paktia getötet.

7. August
Durch eine vom Kabuler Regime ge
legte terroristische Bombe werden
zwei Personen getötet und 24 ver
letzt, als diese in einem Laden auf
der G.T. Straße in Peshawar (Paki
stan) explodiert.

8. August
Radio Kabul zufolge hat der Sonderberichterstatter bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, Professor Felix Ermacora, seinen
neuntägigen Besuch in Afghanistan be

- 6 -

�endet.
Er besuchte Gefängnisse und
Krankenhäuser in Kabul, wo er auch
mit verscbiedenen Regierungsvertretern zusammentraf. Ferner unternahm
er Besuche in die Provinzen Herat und
Balkh. In Kabul besuchte er das Zentralgefängnis Pul- e Charkhi und das
Ermittlungszentrum des Ministeriums
für Staatssicherheit. Er sprach mit
einer Reihe von Personen, die im Rahmen der Amnestie vom April 1987 freigelassen wurden.
Ermacora besuchte
auch die Gefängnisse in Herat und
Mazar-i-Sharif.
Westlichen diploma
tischen Quellen zufolge wurde ihm jedoch lediglich gestattet, zwei poli
tische Gefangene zu Einzelgesprächen
zu treffen.

9. August
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge fliehen über tausend Flüchtlinge als Folge von schweren Bombardierungen und einer sowjetisch-afgha
nischen Offensive gegen Mujahedin im
Norden der afghanischen Hauptstadt
nach Kabul. Die Flüchtlinge erklären, es seien bei den Bombardements
der sowjetisch afghanischen Truppen
viele Menschen getötet und zahlreiche
Häuser zerstört worden.
Westliche
DipLomaten
erklären
ferner, Mujahedin hätten in ganz Afghanistan im Monat Juli 42 Flugzeuge
und Hubschrauber abgeschossen.

11. August
In Mardan (Pakistan) explodieren
drei Bomben. Dabei werden 18 Menschen getötet und 45 verletzt. Zwei
Explosionen treffen eine Bushaltestelle und die dritte ein Sportstadion in der Stadt, die 65 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt.

13. August
Radio Kabul berichtet, durch eine
Rakete der Mujahedin sei ein Transportflugzeug des Typs Antonov- 26 abgeschossen worden.
Darin befanden
sich sieben Insassen und von den Menschen in der Region Khost in der Provinz Paktia benötigte Gebrauchsgüter.
Das Flugzeug befand sich auf dem Weg
nach Kabul. Außer den sieben Passa
gieren, unter denen sich zwei Kinder
befanden, werden fünf Besatzungsmitglieder getötet.
Najibullah nimmt an einer Zusammenkunft im Storay Palast teil, wo
der 40. Jahrestag der Unabhängigkeit
Indiens begangen wird. Das Treffen
wurde vom Zentralkomitee der PDPA und
der Gesellschaft für afghanisch indische Freundschaft organisiert.

14. August
Durch eine von Terroristen gelegte Bombe werden in Peshawar (Pakistan) zwei Menschen getötet und 13
verwundet, zwei von ihnen schwer.
Die Bombe wurde in der Kanalisation
vor einer Häuserzeile mit belebten
Geschäften im Stadtzentrum gelegt.
Schon vorher war eine andere Bombe
auf dem Gelände der Universität explodiert und hatte einen Stromtransformator zerstört.
Berichten von AIP zufolge ist eine von Agenten des Kabuler Regimes
gelegte Bombe in der von Mujahedin
gehaltenen Marktstadt Kaga Bazaar, 40
Kilometer von Jalalabad entfernt, explodiert, wobei 17 Menschen getötet
und 20 verwundet wurden. Bei den Opfern handelt es sich hauptsächlich um
Bauern aus den umliegenden Dörfern,
die hier ihre Waren verkaufen wollten.

7 -

�16. August
Teherans Nachrichtenagentur IRNA
Derichtet, Ende Juli hätten Mujahedin
etwa einen Kilometer einer Pipeline
zerstört, mit der Kraftstoff von der
Sowjetunion nach Afghanistan transportiert wird. Die Mujahedin behaupten, diese Rohrleitung nach siebenstündigen Kämpfen gesprengt zu haben.
Dabei wurden zwei sowjetische Panzer
zerstört und drei sowjetische Militärberater sowie 16 Offiziere und
acht Soldaten des Kabuler Regimes getötet. Durch den Schaden an der Pipeline wird der Transport von Kraftstoff aus der Sowjetunion zum größten
Luftstützpunkt in Shindand (Provinz
Farah) unterbrochen.

17. August
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat die afghanische Regierung der Regierung des Iran eine scharf formulierte Protestnote übermittelt, mit
der Einspruch gegen den Beschuß durch
Granatwerfer, 23 mm Artillerie, Luftabwehr, Maschinengewehre und BodenBoden-Raketen am Grenzposten Islam
Qillah erhoben wird. Durch den vor
drei Tagen aufgenommenen Beschuß werden ein Offizier und ein Soldat
schwer verwundet und schwere Material Verluste und Schäden an militärischen Anlagen verursacht.

21. August
Bakhtar berichtet aus Kabul von
einem Besuch Najibullahs in Kandahar,
wo er mit Angehörigen der Streitkräfte, Geistlichen und Parteivertretern
zusammentrifft.
Der
afghanische
Staatschef hält Reden zur nationalen
Aussöhnung und verleiht einer ausgewählten Gruppe von Offizieren und
Soldaten Auszeichnungen für ihre Tap-

ferkeit im Kampf gegen die Mujahedin.

25. August

Westlichen Diplomaten zufolge ha
ben
sowjetisch-afghanische
Streitkräfte die Stadt Sheikhabad in der
Region
Shomali
in
fortgesetzten
schweren Kämpfen in dem Gebiet nahezu
zerstört. Fast 200 sowjetische und
afghanische
Soldaten
werden
bei
Sheikhabad und Qara Bagh getötet.
Anfang des Monats nahmen Mujahedin 17
sowjetische Soldaten gefangen, unter
ihnen ein hochrangiger Offizier, wodurch die Sowjets gezwungen wurden,
einen Gefangenenaustausch anzubieten.
Die Medien des Kabuler Regimes be
haupten, der Befehlshaber der Mujahedin, Aga Muhammad, sei in Paghman ge
fangengenommen und Munition und Rake
ten seien in großem Umfang erbeutet
worden..
Laut Radio Kabul hat der afgha
nische Staatsmann Najibullah an einer
Zeremonie zum Jahrestag der Gründung
der Luftwaffe und der Luftstreitkräfte der Demokratischen Republik Afghanistan (DRA) teilgenommen. In seiner
Rede verweist er darauf, in den neun
Jahren seit der Revolution von April
1978 hätten mehr als 100 afghanische
Piloten ihre Ausbildung an sowje
tischen
Luftfahrtakademien
abge
schlössen und mehr als 400 Angehörigen der Luftwaffe hätten Weiterbildungskurse besucht. Er bittet um eine stille Gedenkminute zu Ehren der
im Krieg getöteten Soldaten.
Er
nennt die Namen von 15 Off zieren in
den Rängen vom Leutnant bis zum
Oberst, die - neben anderen - im
Kampf gefallen sind.

26. August
AFP
8 -

berichtet, Mujahedin

hätten

�in der Nähe von Kandahar einen Militärstützpunkt
der
Regierung
fünf
Stunden lang mit Granaten beschossen.
Dabei seien Dutzende von Soldaten ge
tötet sowie Kraftstoff und Versorgungsgüter in die Luft gesprengt worden.

Drittens sollte eine für die Mujahedin akzeptable unparteiische Regierung mit der Aufgabe betraut werden, den sowjetischen Abzug zu überwachen. Die Sicherheitsangelegenheiten dieser vorläufigen und unparteiischen Regierung sollten während des
sowjetischen Truppenabzugs der afghanischen Armee obliegen, nachdem be
schlössen worden ist, daß die Be
fehlshaber aller Einheiten für die
Mujahedin akzeptabel sind und daß all
jene Offiziere, die nach dem Staats
streich von 19 78 zu den Mujahedin de
sertiert waren, ihre früheren Ränge
und Stellungen zurückerhalten.

Eine terroristische Bombe des Ka
buler Regimes explodiert in der Nähe
einer Bushaltestelle in Dera Ismail
Khan in Pakistan. Dabei wird eine
Person getötet und fünf weitere verletzt .

28. August
Radio Pakistan berichtet, mehr
als 150 Beamte des Kabuler Regimes,
unter ihnen Agenten des KHAD, seien
vergangene Woche bei einer Bombenexplosion in Jalalabad getötet worden.

31. August
In einer Diskussion mit Reportern
beim 63. Pressebegegnungsprogramm des
Journalistenverbandes von RawalpindiIslamabad (Nawaz Raza Gruppe) schlägt
der Ingenieur Gulbuddin Hekmatyar von
der Amir Hisb-e Islami in Afghanistan
ein vier Punkte umfassendes Friedensprogramm zur Beendigung des Krieges
in Afghanistan vor.
Ihm zufolge
sollten sowjetische Truppen aus den
Kriegsgebieten auf die Luftstützpunkte Bagram (Provinz Kabul), Shindand
(Provinz Farah), Dehdadi
(Provinz
Balkh), Dasht-e Abdan (Provinz Kunduz) und Kelagai (Provinz Baghlan)
zurückverlegt werden, von wo aus ihr
Abzug
beginnen
sollte.
Zweitens
sollten alle für den Krieg geschaffenen afghanischen Militär- und Milizposten abgeschafft und die Soldaten
auf die Stellungen zurückverlegt werden, die sie vor dem Krieg eingenommen hatten.

Viertens würde die "unparteiische
und vorläufige Regierung" unmittelbar
durch eine vorläufige Mujahedin Re
gierung abgelöst, die von in Iran und
Pakistan lebenden Flüchtlingen und in
den befreiten Gebieten Afghanistans
ansässigen Bürgern auf der Basis der
Verhältniswahl gewähl '&lt;, und von einer
repräsentativen "Shoor.a" (einem Beratergremium) gebildet wird.
Gulbuddin zufolge sei die Rolle
Zahir Shahs bei der Beendigung des
Krieges in Afghanistan eine sowje
tische Maßnahme mit dem Ziel, dem andauernden Jihad zu schaden und Zwie
tracht unter den Mujahedin zu sähen.
Er erklärt, der Shah sei vom afgha
nischen Volk vollständig abgelehnt
worden und könne daher für die Zukunft Afghanistans keine positive
Rolle spielen.

2. September
Berichten von Radio Kabul zufolge
trifft der pakistanische Oppositionsführer, Marshall der Luftwaffe a.D.
Asghar
Khan
von
der
Tehrik- iEstiqlal-Partei, mit Najibullah zusammen, der ihm die Regierungspolitik
der nationalen Aussöhnung erklärt.

- 9 -

�Asghar Khan ist auf Einladung der Nationalen Front der DRA in Kabul zu
einem Freundschaftsbesuch eingetroffen.
Das Mitglied des Zentralkomitees
der KPdSU und erste Stellvertretende
Außenminister der Sowjetunion, Julij
Woronzow, trifft mit dem Außenminister der URA, Abdul Wakil, zusammen.
Bei diesem Anlaß findet ein
Meinungsaustausch über bilaterale Angelegenheiten zwischen den beiden
Ländern sowie über internationale
Fragen statt. Der sich zu einem Arbeitsbesuch in Kabul aufhaltende sowjetische Minister diskutiert ferner
die Kabuler Politik der Nationalen
Aussöhnung.

7. September
Pakistan und das Regime in Kabul
nehmen in Genf ihre indirekten Ge
spräche über Afghanistan wieder auf.
Dies ist die vierte Phase der siebten
Gesprächsrunde.
Westliche Diplomaten berichten,
sechs Personen seien getötet und 30
verletzt worden, als auf dem Obstmarkt Share Nau in Kabul zwei Bomben
explodieren.

9. September
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge explodiert eine Bombe im Ministerium für Staatssicherheit, in
dem sich das Hauptquartier des afghanischen Geheimdienstes KHAD befindet.
Dabei kommt es zu erheblichem Sachschaden und zu einer nicht bekannten
Zahl von Toten.

10. September
Durch eine von Terroristen des
Kabuler Regimes gelegte Bombe werden
in Peshawar zehn Personen verletzt,
von denen sechs in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen.
Bei einem terroristischen Bombenanschlag im Vorort Badamibagh von La
höre werden zwei Personen getötet und
25 verletzt, fünf von ihnen schwer.
Die Genfer Annäherungsgespräche
über Afghanistan werden vertagt, ohne
daß eine Übereinkunft erzielt worden
wäre. Der Vormittler der Vereinten
Nationen, Diego Cordovez, zeigt sich
enttäuscht darüber, daß keine Übereinkunft über den Zeitplan für einen
Truppenabzug erzielt worden ist, fügt
jedoch hinzu, die Unterschiede zwischen den KInste1lungen beider Seiten
hätten sich weiterhin verringert.
Der zu einem Besuch in Pakistan
weilende
belgische
Minister
Leo
Tindemans bestätigt den Standpunkt
seiner Regierung, die Wurzel der Probleme Afghanistans läge in der sowje
tischen Intervention in diesem Land.

12. September
Radio Pakistan berichtet, bei der
Explosion einer Mine auf der Straße
bei Parachinar im Bezirk Kurrum seien
ein Lieferwagen zerstört sowie fünf
Personen getötet und sieben verletzt
worden.

13. September
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, Mujahedin hätten
mit einer Reihe von Boden-Boden-Rake
ten nachts Wohngebiete in Jaialabad
beschossen. Dabei werden fünf Perso-

- 10 -

�nen getötet und elf verletzt.

16. September

Berichten von Bakhtar zufolge
wird auf dem Flug von Kabul nach Kunduz eine Maschine des Typs AN-26 in
der Nähe der Stadt Kunduz von einer
Rakete der Mujahedin getroffen. Dabei werden alle 13 Insassen getötet.

Bei der Explosion einer von Terroristen
gelegten
Bombe auf der
Straße bei Warsak in Peshawar werden
sieben Personen getötet und 3 7 verletzt, sechs von ihnen schwer. Die
Bombe ist in einem Lieferwagen untergebracht und beschädigt in der Nähe
befindliche Autos und Geschäfte.

14. September
AFP berichtet von einer großen
Operation mehrerer hundert Mujahedin
in der Südprovinz Kandahar, bei der
Dutzende von Milizposten zerstört
werden, die von dem im Jahre 1985 von
den Mujahedin desertierten und übergelaufenen
Befehlshaber
Esmatullah
Muslim errichtet worden waren. Im
Laufe der Woche unternehmen etwa 35
Mujahedin-Gruppierungen
(Angehörige
von sechs Widerstandsparteien) im
Verbund einen Angriff auf einem 70
Kilometer
langen
Straßenabschnitt
zwischen Kandahar und Spin Baldak in
der pakistanischen Provinz Baluchistan. Dabei werden 30 Angehörige der
Miliz getötet und 55 verwundet.
Die Mujahedin zerstören sechs Posten und nehmen einen Stützpunkt des
Regiments in Spin Baldak unter schweren Beschuß. Etwa ein Dutzend Milizposten geraten in Bedrängnis und Muslim fordert aus Kabul Verstärkung an.

15. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Truppen hätten das Gebiet
entlang der Hauptstraße, die die Provinzen Kunduz, Badakhshan und Takhar
verbindet, verwüstet und auf einem
500 Meter breiten Streifen entlang
der Straße Häuser und Vegetation dem
Erdboden gleichgemacht.

Ein von seiner sechswöchigen Reise nach Afghanistan zurückkehrender
französischer
Journalist
berichtet
AFP in Paris, neun der Nord- und
Westprovinzen
Afghanistans
könnten
jetzt als von der Kontrolle des Kabuler Regimes "halbswegs befreit" ange
sehen werden.
Bertrand Gallet erklärt, der Befehlshaber der Mujahe
din, Ahmad Shah Mahsud, habe seine
Stellung im Norden Afghanistans in
den vergangenen Monaten gefestigt.
Er berichtet, die Situation im Norden
habe sich seit seinem letzten Besuch
im Jahr 1984 erheblich weiter entwikkelt. In den neun hauptsächlich von
Masuds Rat im Norden kontrollierten
Provinzen gebe es Gallet zufolge einen auf vier Ebenen operierenden Widerstand, bei dem Bauern ihre eigenen
Dörfer, eine Garnison mehrere Dörfer
und eine mobile Einsatztruppe ganze
Täler verteidigten. Die vierte Ebene
werde von einer Eliteeinheit gebildet, die "zentrale Gruppe" genannt
und in größeren Kämpfen gegen sowje
tische und afghanische Truppen einge
setzt wird.
Gallet erklärte, das
wichtigste Ziel des Rates im Norden
sei die Unterbrechung von Straßen,
die von Kabul in die Sowjetunion und
nach Pakistan führen.

17. September
Berichten von Bakhtar zufolge
treffen Raketen der Mujahedin Gardez,
wobei zwei Kinder getötet und vier

- 11 -

�verletzt werden. Die Raketen richten
in Wohngebieten und Moscheen der
Stadt und ihrer Umgebung erheblichen
Schaden an.

Schuld eingestanden und zugegeben,
sie seien vom KHAD, der Geheimpolizei
des Kabuler Regimes, entsandt worden.
Die pakistanische Polizei nimmt ihnen
Sprengstoff und Zeitzünder ab.

19. September
21. September
Kine von Terroristen gelegte Bom
be explodiert in einer Bushaltestelle
in Rawalpindi in Pakistan.
Dabei
werden vier Menschen getötet und 17
verletzt, davon zwölf schwer.

20. September
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe zu der Eröffnungssitzung der ersten landesweiten Versammlung des Ha
zara Volkes gesprochen. Dazu zählen
eine Million Menschen, die sich zum
Schiitentum bekennen. Er erklärt, in
der Fakultät für Religiöse Studien
würden eine schiitische Abteilung
eingerichtet sowie eine eigene Schule
für diese Religion eröffnet, Zeitungen in ihrer Sprache herausgegeben,
besondere Radioprogramme würden in
ihre Region Hazarajat übertragen und
mehr Hazaras zur Ausbildung in die
Sowjetunion geschickt.
Najib empfängt das Mitglied des
Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei
Bangladeshs, Matiul Rahman.
Dabei
wird die Erweiterung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans
(PDPA) und der Kommunistischen Partei
Bangladeshs diskutiert.
Radio Pakistan berichtet, 50 Afghanen seien von der Polizei der
Nordwestlichen
Grenzprovinz
(NWFP)
wegen subversiver Aktivitäten festge
nommen worden. Der Innenminister informiert die Nationalversammlung Pakistans, die Afghanen hätten ihre

Der pakistanische Premierminister
Mohammad Khan Junejo trifft Präsident
Reagan, als beide Staatsmänner in New
York Reden vor der Generalversammlung
der Vereinten Nationen halten. Während der Zusammenkunft bestätigt Prä
sident Reagan, die Vereinigten Staa
ten würden Pakistan bei seinen Pro
blemen mit Afghanistan unterstützen.
Beide kommen überein, daß der unmittelbare Abzug sowjetischer Truppen
aus Afghanistan absolut unerläßlich
sei.
Sie vereinbaren ferner, es
sollte in Zukunft in Kabul ein Regime
geben, das die Hoffnungen des afgha
nischen Volkes widerspiegelt.
Westlichen Diplomaten zufolge explodiert eine Bombe in einem Gebäude,
in dem sich das Büro der Luftfahrtge
Seilschaft Bakhtar und das Verkehrsministerium befinden. Die Zahl der
Toten wird auf drei bis acht ge
schätzt. Das Gebäude wird, wie auch
das Nachbarhaus, in dem Radio Afgha
nistan ansässig ist, evakuiert.

24. September
Der pakistanische Premierminister
Junejo erklärt der Vollversammlung
der Vereinten Nationen, das Afghanistan-Problem sei durch die Präsenz
ausländischer Truppen in diesem Land
hervorgerufen.
Wenn diese Afghanistan verließen, könne eine Übereinkunft über die zukünftige Regierung
des Landes rasch erzielt werden. Er
erklärt weiterhin, Pakistan würde eine Rückkehr zum Normalzustand in Af-

- 12 -

�ghanistan begrüßen, wenn
ment getroffen wird, das
ghanische Volk und auch
Drittel der Bevölkerung
bildenden fünf Millionen
Flüchtlinge im Iran und
akzeptabel ist.

ein Arrangefür das affür die ein
Afghanistans
afghanischer
in Pakistan

Bakhtar berichtet, 19 Personen,
unter ihnen Kinder, seien getötet
worden, als Mujahedin in Bezirk Shindand in der Provinz Herat Raketen abfeuern.
Berichten von Radio Kabul zufolge
weiht Najibullah die Militärpolitische Universität ein.
Ihm zufolge
ergibt sich ein Bedarf für eine solche Universität aus der Tatsache, daß
Streitkräfte der entscheidende Faktor
bei der Festigung der Macht des Volkes seien. Er erklärte ferner, die
Bedeutung dieser Rolle habe unter den
Bedingungen der nationalen Aussöhnung
noch zugenommen. Die militärpolitische Universität von Minsk unterstützt den Aufbau der Universität.

28. September
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge ergeben sich 100 Soldaten des
afghanischen Regimes, als ihr Konvoy
in der Nähe von Ghazni von Mujahedin
angegriffen wird.

29. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Soldaten hätten sich von
einigen exponierten Stützpunkten in
Afghanistan zurückgezogen, da die
verbesserte Luftverteidigung der Mujahedin die Nachschubbeschaffung erschwert. Zahlreiche sowjetische Soldaten seien nun in Darul Aman konzentriert, einem großen sowjetischen
Stützpunkt in unmittelbarer Nähe zu

Kabul.
Westlichen Diplomaten zufolge
gen Mujahedin einen Hinterhalt
einen großen sowjetischen Konvoy
der Straße von Logar nördlich
Pul-i-Alam und zerstören dabei 20
25 Panzer und andere Fahrzeuge.

lefür
auf
von
bis

30. September
Berichten der Kabuler Nachrichtenagentur Bakhtar zufolge wird bei
einer Routinesitzung des Revolutionsrates der DRA der Generalsekretär des
Zentralkomitees der PDPA, Najibullah,
einstimmig zum Präsidenten des Revolutionsrates der DRA und Vorsitzenden
des Präsidiums des Revolutionsrates
der DRA gewählt. Der amtierende Präsident Haji Mohammad Chamkani wird
zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des DRA-Revolutionsrates ge
wählt.
Bakhtar berichtet, der afghanische Außenminister Abdul Wakil habe
in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärt, der nicht erklärte Krieg gegen
sein Land habe die nationale Wirtschaft ruiniert. Er erklärt, 2 000
Schulen, 350 Brücken, 50 Kulturzentren, 131 Krankenhäuser, 224 Moscheen
und Gebetshäuser, 258 Produktionsstätten, Tausende von Lastwagen und
Tausende von Kilometern der Hauptstraßen und Kommunikationswege seien
zerstört. Ihm zufolge beläuft sich
der Gesamtschaden an der Wirtschaft
des Landes (in Milliarden Afghanis)
auf drei Viertel der Gesamtinvestitionen, die zur Entwicklung Afghanistans in den vergangenen 50 Jahren
ausgegeben wurden. Er erklärte, im
ganzen Land seien mehr als 3 200 Ausschüsse zur nationalen Aussöhnung gebildet worden. Etwa 83 000 Flüchtlinge seien zurückgekehrt, mehr als

- 13 -

�30 000 Mujahedin hätten ihre Waffen
niedergelegt, und nahezu 600 bewaffnete
Oppositionsgruppen
mit
etwa
53 000 Leuten stünden in Verhandlungen mit der Regierung.

5. Oktober

2. Oktober

6. Oktober

Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, daß eine 5 000 Mann
starke Gruppe unter Führung von Abdur
Kasul Pahlawan in der Provinz Faryab
die Politik der nationalen Aussöhnung
akzeptiert und RegierungsVertretern
eine große Menge Waffen übergeben ha
ben.

Der pakistanische Außenminister
Sahibzada Yaqub Khan erklärt der Na
tionalversammlung, die Waffenliefe
rungen des Regimes in Kabul sowie die
Bombenanschläge seien vom Kabuler Re
gime angewandte Taktiken, um von der
pakistanischen Regierung die Aufgabe
ihrer Grundsatzpolitik im Hinblick
auf Afhanistan zu erzwingen.

3. Oktober

Radio Pakistan berichtet, afgha
nische Regicrungstruppen hätten 21
Panzergranaten auf Landi Khana in der
Nähe der Garnisonsstadt Landi Kotal
am Khyber Paß abgefeuert, wobei ein
Pakistani getötet und sieben weitere
Personen, unter ihnen zwei afgha
nische Flüchtlinge, verletzt werden.

Radio Pakistan meldet die Landung
von zwei Kamp fhubs ehr aubern der afghanischen Luftwaffe in Chitral, die
von den örtlichen Behörden aufge
bracht wurden. Ein Sprecher des pa
kistanischen Außenministeriums stellt
später klar, daß die beiden sowje
tischen Kampfhubsehrauber im Verwaltungsbezirk Mastuj in Chitral gelandet sind.
Auf Bitten der sowje
tischen Regierung, die erklärt, die
Verletzung des Luftraums sei versehentlich erfolgt, liefert die pakistanische Regierung die Besatzung an
die sowjetische Botschaft in Islamabad aus. Der Sprecher berichtet, die
Sowjets hätten die Kampfhubschrauber
beschädigt, um sie außer Gefecht zu
setzen.
Die Besatzung sagt aus, sie seien
Angehörige der Schutzbrigade des KGB
und von Alma A.ta in Kasachstan über
Wakhan nach Mastuj (Chitral) geflogen. Zu den sechs Besatzungsmitgliedern gehören ein Major und ein Hauptmann.

Bei einem Terroranschlag in einem
Gemüsemarkt in Islamabad werden vier
Personen verletzt.

7. Oktober
Eine amerikanische Journalistin
und Autorin eines Buches über ihre
Reisen im Inneren Afghanistans, erklärt bei einer Kongreßanhörung, afghanische Kinder würden ohne Zustimmung oder vorheriges Wissen ihrer Eltern zwangsweise zur Ausbildung in
die
Sowjetunion
geschickt.
Jan
Goodwin, die verantwortliche Redakteurin von Ladies' Home Journal in
New York und Autorin von "Caught in
the Crossfire" hatte bei einem Besuch
in Kabul Regierungsvertreter interviewt, die für das Programm im Herbst
1985 verantwortlich zeichneten. Ihren Aussagen zufolge werden alle zwei
Monate Kinder aus Kabuler- und Vorortschulen ohne vorherige Benachrichtigung ihrer Eltern in die Sowjet-

- 14 -

�union "verschifft".
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul veröffentlicht das TASS- Interview mit Najib, in dem er erklärt,
2 000 Dörfer seien zum Regierungsla
ger übergewechselt und 83 000 Flüchtlinge zurückgekehrt. Ferner arbeiteten jetzt mehr als 6 000 bewaffnete
Oppositionelle für die Regierung.

8. Oktober
Bakhtar berichtet, sechs Anführer
der insgesamt 1 500 Mitglieder starken Oppositionsgruppen in der Provinz
Herat hättenh in den vergangenen
sechs Monaten Protokolle für einen
Waffenstillstand unterzeichnet. Ferner seien acht bewaffnete, 3 262 Mann
zählende Oppositionsgruppen dem Ruf
zur nationalen Aussöhnung gefolgt und
mit ihren Waffen zur Regierungsseite
übergelaufen.
Im selben Zeitraum
kehrten 800, insgesamt A 000 Personen
zählende Familien nach Hause zurück
und nahmen ihr Leben in unterschiedlichen Gebieten der Provinz Herat
wieder auf. Weiterhin wurden 25 Angehörige des Stammes der Jirgas aufgefordert, die nationale Aussöhnung
in ihrer Provinz voranzutreiben.
Westlichen
Diplomaten
zufolge
werden bei der Detonation der bisher
größten
Autobombe
im
Shahr-e-Nau
Wohngebiet in Kabul mindestens 27
Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Nach inoffiziellen Berichten
von Augenzeugen könnte sich die Zahl
sogar auf 72 Tote und mehr als 100
Verletzte belaufen.

10. Oktober
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe ein Dekret erlassen, das die
Streitkräfte, die Ministerien für na-

tionale Verteidigung, innere Angelegenheiten und Staatssicherheit ermächtigt, Waffen zu festgesetzten
Preisen von abtrünnigen Mujahedin zu
kaufen.

12. Oktober
Berichten von Radio Pakistan zufolge werden bei einer Bombenexplo
sion in einem Busbahnhof in Peshawar
11 Personen verletzt.
Ungefähr 15
Busse im Busbahnhof werden beschädigt.
Der sowjetische Botschafter in
Pakistan, Abdul-Rakham Ogly Wezirow,
bekräftigt in einer Ansprache vor dem
pakistanischen Institut für interna
tionale Angelegenheiten (PI1F) die
ernste Absicht seiner Regierung, ihr
"begrenztes Kontigent" aus Afgha
nistan abzuziehen, der Rückzug sei
jedoch abhängig von der vollständigen
Beendigung ausländischer Einmischung
in die inneren Angelegenheiten Afgha
nistans. Er erklärt, die Sowjetunion
habe den Wunsch, Afghanistan "als unabhängigen und neutralen Staat zu sc
hen, der freundschaftliche Beziehungen zu allen seinen Nachbarländern
unterhält".

13. Oktober
Armand Hammer kommt mit einer
Sondermaschine zu einem Besuch der
Demokratischen Republik Afghanistan
und Gesprächen mit Najibullah in Ka
bul an. Sie sprechen über die nationale Aussöhnung und erörtern jüngste
politische Entwicklungen.
Maulvi Yunus Khalis, Anführer der
Hezb-e-Islami, widerspricht in einem
Interview mit der kuweitischen Nachrichtenagentur (KUNA) in Islamabad
Beschuldigungen, zwei seiner Kommandeure hätten für 1 Million Dollar 16

- 15 -

�Stinger- Raketen an die iranische Re
gierung verkauft.

18. Oktober
Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar in Kabul zufolge wird die
zweite Konferenz der PDPA über die
Politik der nationalen Aussöhnung un
ter Teilnahme von 67 7 gewählten Dele
gierten eröffnet.
Maulvi Yunus Khalis, 66, Angehöriger der Hezb e Island, wird ein
stimmig zum gewählten Leiter der sie
ben Parteien umfassenden afghanischen
Widerstandsbewegung gewählt. Der Posten des Sprechers, der alle drei Monate unter den sieben Widerstandsfüh
rern zu rotieren pflegte, wird abge
schafft und alle sieben Führer stimmen für Khalis als Anführer der Bewe
gung für einen Zeitraum von 18 Mona
ten.

21. Oktober
Westlichen
Diplomaten
zufolge
gibt es im Anschluß an die zweite na
tionale Konferenz der PDPA Berichte
von großangelegten Verhaftungswellen
und Kntlassungen von Parteiangehöri
gen, die dem ehemaligen afghanischen
Anführer Babrak Karmal treu ergeben
sind. Es gelangen wiederholt Berichte in die Hauptstadt, daß mehr als
2 000 PDPA Angehörige möglicherweise
aus der Partei ausgeschlossen werden
und zahlreiche bereits verhaftet worden sind.

22. Oktober

Pakistan verantwortlich. Seiner Aussage zufolge haben inhaftierte Terroristen zugegeben, von der Kabuler
Regierung finanziert und ausgebildet
worden zu sein. Er fügt hinzu, die
Überwachung sei verstärkt und neue
Gesetze erlassen worden, um die in
terroristische Aktivitäten verwickelten Personen strengstens zu bestrafen.

23. Oktober
Auf dem Badaber Scheme Platz in
der Nähe von Peshawar explodiert eine
von Terroristen gelegte Bombe, wobei
vier Menschen getötet und 17 verletzt
werden, sechs davon schwer. Die Bombe war unter einem Berg von Obst plaziert worden. Durch die Detonation
werden ein nahegelegenes Hotel und
ein Gemüseladen beschädigt.
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge hat das Regime das Anwerben
von zum Teil noch nicht einmal 16jäh
rigen Jugendlichen wieder aufgenommen. Vertreter der Regierung und des
KHAD besuchen zahlreiche Schulen und
rekrutieren Jugendliche direkt aus
dem Klassenzimmer heraus.

24. Oktober
Bei einem zur Anhörung von Fällen
im Zusammenhang mit subversiver Tä
tigkeit einberufenen Sondertribunal
in Peshawar wird über einen afgha
nischen Staatsbürger und einen KHADAgenten die Todesstrafe für zwei Bombenanschläge verhängt.
Eine Explosion erfolgte in einem afghanischen
Flüchtlingslager und eine weitere in
der Nähe der Schulaufsichtsbehörde,
wobei 14 Personen verletzt wurden.

Tn einem Interview mit der BBC
macht der pakistanische Innenminister
Nasim Ahmed Ahir die Regierung in Kabul für terroristische Aktivitäten in
- 16 -

�27. Oktober
In Kabul stationierte westliche
Diplomaten berichten, ihren osteuropäischen Kollegen zufolge, die an dem
kürzlich beendeten zweiten PDPA-Kongreß teilgenommen hatten, würden in
Kürze 2 000 Karmal-Anhänger ausgewie
sen. Andere können zum Rücktritt gezwungen werden, wenn sie nicht einen
Kid über künftige Loyalität sowie die
Aufgabe der Parteibindungen ablegten.
Zu Beginn des Monats waren 15 enge
Vertraute von Karmal, einschließlich
seines Vetters Mahmud Baryalai, entlassen worden.
Die französische Botschaft in Is
lamabad erklärt AFP gegenüber, der
französische Journalist Alain Guillo
sei von der afghanischen Armee in der
nördliche Provinz Faryab gefangenge
nommen worden. Er wurde zusammen mit
Kommandeur Mohammad Amin von der
Harkat- e Inquilab- e Islami-Partei Ende letzten Monats gefaßt, als er mit
der Gruppe unterwegs war. Ein übergelaufener
Widerstandsführer
hatte
der afghanischen Armee einen Tip ge
geben.
Guillo
wurde
dann
nach
Shiberghan verschleppt.

den sind. Den schweizer und pakistanischen Experten zufolge sind die
Zahlen der afghanischen Opfer mit die
höchsten in der jüngsten Geschichte
und höher als die Zahl der Opfer, die
in einem konventionellen Krieg zu beklagen wären.

28. Oktober
Radio Pakistan berichtet, daß
zwei amerikanischen Fotojournalisten,
Lee Shapiro und James Lindelof, die
eine Dokumentation über den Krieg in
Afghanistan erstellten, in einem wie sich später herausstellt - sowje
tischen
Kampfhubschrauber-Hinterhalt
nördlich von Kabul ums Leben kamen.
Ihre Film- und Fotoausrüstung wurde
Berichten zufolge von sowjetischen
Soldaten
beschlagnahmt,
die
den
Kampfhubschrauber
zur
Durchsuchung
der
Leichen
verlassen
hatten.
Shapiro und Lindelot befanden sich
mit einer Gruppe von Mujahedin von
Gulbuddin
Hekmatyars
Hezbe-Islami
auf dem Rückweg von Nordafghanistan
nach Pakistan.

29. Oktober
Nach vorläufigen Schätzungen eines von afghanischen Flüchtlingen in
Pakistan erstellten Untersuchungsberichts sind seit Beginn des Widerstandes gegen das Regime in Kabul und
die Sowjets im Jahr 19 78 ca. 1,5 Millionen Afghanen getötet, ernsthaft
verwundet oder verletzt worden. Dr.
Marek Sliwinski von der Universität
Genf und Dr. Ijaz Gilani von Gallup
Pakistan leiteten die Untersuchung
und gelangten zu der Schlußfolgerung,
daß 9 Prozent der Ziffer, auf die
sich die afghanischen Bevölkerung vor
Ausbruch des Krieges belief oder jeder
elfte
Familienangehörige
der
Flüchtlinge in diesem Krieg getötet
und weitere 3,1 Prozent verletzt wor-

Streitkräfte der Mujahedin unter
dem Kommando von Ahmad Shah Mahsud
von Jamiat-e-Islami erobern die afghanische Garnison der Militärpolizei
von Keran (Provinz Badakhshan), wobei
29 Soldaten den Tod finden und 266
gefangengenommen werden. Die Mujahedin verlieren 14 Männer, 11 weitere
werden verwundet. Durch die nachfolgende Kapitulation der Miliz des Kabuler Regimes im Nachbartal Monjan
wird
ein wichtiger Versorgungsweg
nach Pakistan wieder geöffnet.

- 17 -

�30. Oktober
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, der Revolutionsrat
habe ein Dekret erlassen, durch das
afghanischen
Flüchtlingen
Amnestie
gewährt und die Rückkehr ohne Strafverfolgung gestattet würde. Heimkeh
rern, die unter die Wehrpflicht fallen, würde eine sechsmonatige Schonfrist eingeräumt, während der sie das
Land verlassen könnten, sofern sie
dies wünschten.

31. Oktober
Dakht :ir
berichtet
ferner,
Najibullah sei in Begleitung einer
Delegation in die Sowjetunion abge
reist, um an den Feierlichkeiten anläßlich des /0. Jahrestages der Okto
berrevolution teilzunehmen.

2. November
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, mit dem das neue Gesetz über
Zusammenkünfte und
Handlungen der
Großen
Versammlung
verabschiedet
wird. Die Loya Jirga wird dem Dekret
gemäß zum alleinigen Zweck der Verabschiedung der Verfassung und Wahl des
Präsidenten des Landes abgehalten.

3. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten drei Flugzeuge und zwei
Hubschrauber am internationalen Flughafen von Kabul abgeschossen.

5. November

Khalis, Anführer der Islamic Alliance
of Afghan Mujahidin und Leiter der
Hezb-e-Islaroi Afghanistans Versuche
einer nationalen Aussöhnung durch das
Regime in Kabul sowie Friedensbemühungen durch die Annäherungsgespräche
der Vereinten Nationen kategorisch
ab.
Seinen Worten zufolge wünsche
der Widerstand statt dessen direkte
Verhandlungen mit der Sowjetunion.

6. November
Laut Berichten von Radio Pakistan
haben
die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte im Gebiet Moqur (Provinz
Ghanzi) chemisches Gas zum Einsatz
gebracht, was den Tod von vier Muja
hedin zur Folge hatte. Eine gepanzerte Einheit greift Positionen der
Meujahin an, wird jedoch zurückge
schlagen, wobei neun sowjetische und
afghanische Soldaten den Tod finden
und zahlreiche verletzt werden. Die
Mujahedin ziehen sich zurück und be
haupten, die sowjetish afghanischen
Truppen hätten chemische Gasgranaten
auf sie abgefeuert.

8. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten zwei Transportflugzeuge
und einen Hubschrauber auf dem Gelände
des
Militärstützpunktes
Khost
(Provinz Paktia) zerstört. Die Flugzeuge waren zur Anlieferung von Versorgungsgütern für die Garnison ge
landet.
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, das die Formierung und Eintragung von politischen Parteien als
Teil des nationalen AussöhnungsProzesses regelt.

In einer Pressekonferenz bei den
Vereinten Nationen lehnt Maulvi Yunus
- 18 -

�9. November

12. November

Der pakistanische Staatsminister
für auswärtige Angelegenheiten, Zain
Noorani, erklärt in einer Ansprache
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen, die anhaltende Präsenz ausländischer Truppen sei "die Wurzel
des Konflikts" in Afghanistan.
Er
eröffnete die neunte Jahresdebatte
der Vollversammlung über Afghanistan.
Seinen Ausführungen zufolge hat das
Regime in Kabul versucht, mit "in ununterbrochener Folge von den Propagandabehörden produzierten geschönten
Statistiken" das "mystische Bild" eines glaubhaften Regimes zu schaffen.

Im Anschluß an ein Treffen mit
Maulvi Yunus Khalis, dem neu gewählten Führer der sieben Parteien umfassenden Allianz, erklärt Präsident
Reagan,
der
Rückzug
sowjetischer
Truppen sei der "Schlüssel zur Lösung
der Afghanistan-Krise" und bis dies
geschehe werde "die Unterstützung,
die der Widerstand durch die Vereinigten Staaten erfahren habe, eher
verstärkt denn verringert". Er fährt
fort:
"Im Namen des amerikanischen
Volkes grüße ich den Vorsitzenden
Khalis, seine Delegation und das Volk
von Afghanistan selbst. Sie sind eine Nation von Helden. Gott schütze
Sie."

10. November
Tn einer Ansprache vor der Vollversammlung, der Vereinten Nationen
drängt der amerikanische Botschafter
Herbort Okun die Sowjetunion, "ihren
Worten Taten folgen zu lassen" und
ihre Truppen aus Afghanistan abzuzie
hen.
Er erklärt, wenn die Sowjetunion wirklich den Wunsch zur Lösung
des afghanischen Problems hege, könnte ;ie einem kurzfristig angelegten
Zeil plan
für
den
Rückzug
ihrer
"120 000 Truppen aus diesem Land zu
stimmen.
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet zum neunten
Mal und mit der bisher größten Mehrheit eine Resolution, in der die Sowjetunion zum Abzug ihrer Truppen aus
Afghanistan aufgefordert wird.
Die
Abstimmung mit 123 zu 19 Stimmen bei
11 Enthaltungen dokumentiert gleichzeitig die Ablehnung der intensiven
Unterstützung seitens der Sowjetunion
und des Kabuler Regimes. Im letzten
Jahr ergab die Abstimmung 122 zu 20
Stimmen, bei 11 Enthaltungen.

Bai einer Bombenexplosion in einem Wohngebiet in Rawalpindi (Pakistan) werden neun Personen verletzt.

13. November
Ein Vertreter des amerikanischen
Außenministeriums erklärt in einer
Veranstaltung
für die Presse in
Washington, die Moral der Mujahedin
sei von einem "beständigen Hoch" gekennzeichnet, da die Sowjets in Afghanistan offensichtlich Rückschläge
erlitten haben. Seinen Worten zufolge habe der afghanische Widerstand im
Jahr 1987 "außerordentlich gut" funktioniert und würde seine "hervorragenden Leistungen" erwartungsgemäß im
Jahr 1988 fortführen. Er bekräftigt
ferner, die Bedeutung des Besuchs einer Delegation afghanischer Mujahedin
in den Vereinigten Staaten werde noch
durch die Tatsache unterstrichen, daß
sie zum ersten Mal von einem gewählten ständigen Leiter angeführt werde,
von Maulvi Yunus Khalis.

- 19 -

�14. November
Radio Pakistan berichtet, daß Mu
jahedin den Leiter des Geheimdienstes
KHAD, Brigadegeneral Abdul. Mannan,
bei ßinem Einsatz in der Nähe der
Stadt Ghazni ernsthaft verwundet ha
ben.

15. November
Berichten der afghanischen Pres
seagentur in Peshawar zufolge haben
130 Truppen des Regimes in Kabul die
Streitkräfte der Mujahedin unter dem
Kommando
von
Maulvi
Nizamuddin
Haqqani von Hezb e Islami (Khalis)
bei heftigen Kämpfen in der Provinz
Paktia unterstützt.
17. November
Hin Sowjetunionexperte der Rand
Corporation erklärt in Washington,
die Sowjetunion versuche mit Gorbatschows "Glasnost" (Offenheit) auf po
litischem Wege zu erreichen, was ihr
militärisch in Afghanistan versagt
bleibe.
Im Verlauf des vergangenen
Jahres hätten die Sowjets aufgrund
der von den Mujahedin in jüngster
Zeit benutzten hochmodernen Fiugab
wehrwaffen 300 Militärflugzeuge im
Wert von 2,5 Milliarden Dollar verloren. Wenn man die Kosten für die
Ausbildung der mit diesen Flugzeugen
verlorenen Besatzungen noch hinzurechne, bedeute dies für die Sowjets
eine erhebliche finanzielle Bela
stung. Der von den Sowjets hervorgerufene Eindruck von Kompromißbereitschaft zu Afghanistan bedeute lediglich, daß diese von ihren eigenen Bedingungen diktiert sei.
Radio Pakistan zufolge hält Präsident Zia ul-Haq in Wana (Bezirk
Süd Waziristan) eine Rede vor einer
großen Jirga (StammesVersammlung).

Vor den Stammesvertretern erklärte
er, man habe den Eindruck, die Sowjetunion sei am baldigen Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan interessiert, wolle aber gleichzeitig ihr
gewonnenes Terrain halten.
Der
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge erklärt der afgha
nische Außenminister Abdul Wakil in
einer Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, es seien
bis zu diesem Zeitpunkt 90 000 afgha
nische Flüchtlinge aus Lagern in Pa
kistan und Iran heimgekehrt, 30 000
Männer von 174 bewaffneten Gruppen
hätten sich der Regierung unterstellt.

18. November
Eine unabhängige internationale
Juristengruppe, die angebliche Menschenrechtsverletzungen in Afghani
stan untersucht hatte, kommt zu dem
Schluß, daß die Sowjetunion und ihr
Stellvertreterregime in Kabul Akte
des Völkermords gegen das Volk von
Afghanistan begangen haben. In ihrem
der Presse in Washington übergebenen
Schlußbericht wird betont, daß die
Durchführung der sogenanten nationa
len Aussöhnungspolitik
vom Januar
keinen Beitrag zur Wiedereinführung
der grundlegendsten Menschenrechte in
Afghanistan
geleistet
habe.
Die
Gruppe erklärt, daß sich weiterhin
mindestens 10 000 afghanische Flüchtlinge pro Monat nach Pakistan absetzten.
Die Saudi Gazette berichtet, daß
Mujahedin unter der Führung von Ahmad
Shah Mahsud
den sowjetisch-afghanischen Posten Tappeh- e-Khana (Provinz Badakhshan) erobert und dabei
mehrere hundert Soldaten, darunter
auch Sowjets, gefangengenommen haben.
Vor dem Fall dieses strategischen Postens hätten die Mujahedin einen
20 -

�zweiwöchigen Umweg über die Berge in
Kauf nehmen müssen, anstatt die normale zweitägige Route durch offenes
Gelände zu nehmen.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert
in einem Bus bei
Peshawar. Eine Person wird getötet,
19 verletzt, von denen 17 in ein
Krankenhaus eingeliefert werden.

rung müsse seinen Erklärungen zufolge
von einer Person geleitet werden, die
das Vertrauen der Mujabedin, der afghanischen Flüchtlinge und der gegenwärtigen Kabuler Regierung genieße.
Radio Kabul zufolge legen 100 Mujahedin im Bezirk Qarabagh (Provinz
Kabul) die Waffen nieder und nehmen
das Angebot der nationalen Aussöhnung
an.

19. November
24. November
AFP zufolge werden bei zwei Bombenangriffen von sechs MiG Kampfflugzeugen des Kabuler Regimes im Stammesbezirk von Bajaur nördlich von
Peshawar sechs Personen getötet und
20 verletzt.
Zu den Toten zählen
vier Pakistani und zwei afghanische
Flüchtlinge.

22. November
Laut Radio Pakistan erobern die
Mujahedin einen Sicherheitsposten bei
Charika (Provinz Parwan). Die sowje
tisch- afghanischen Truppen geben die
sem Bericht zufolge den Posten ohne
Widerstand auf. Vier Soldaten werden
gefangengenommen und Waffen erbeutet.
Radio Pakistan berichtet, der pakistanische Präsident Zia ul-Haq habe
in einer Pressekonferenz seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß das
sowjetische Angebot eines Truppenabzugs aus Afghanistan ernstgemeint
sei. Pakistan sei bereit, in diesem
Zusammenhang seine volle Zusammenarbeit anzubieten. Er schlägt vor, daß
die sowjetischen Truppen so bald wie
möglich aus Afghanistan abgezogen
werden sollen und diese Maßnahme mit
der Einsetzung einer geschäftsführenden Regierung unter der Kontrolle einer UN-Friedenstruppe gekoppelt sein
solle. Die geschäftsführende Regie-

Laut AFP beging Generalleutnant
Muhammad Nabi Azimi, auch erster
Stellvertretender
Verteidigungsminister, angeblich Selbstmord nachdem
eine Woche zuvor eine von ihm kommandierte Offensive zum Entsatz der be
lagerten Garnison Khost gescheitert
war. Ca. 300 seiner Männer seien angeblich zu den Mujahedin übergelaufen, weitere 300 seiea gefangengenommen und die verbleibenden in einer
Schlacht getötet worden, in der die
Mujahedin seinen Truppen zahlenmäßig
überlegen gewesen seien.
Es gibt
keine offiziele Bestätigung für diese
Meldung.
Najibullahs jüngerer Bruder Mohammad
Siddique
alias Siddiqullah
lief Ende des vergangenen Monats zu
den Truppen von Ahmad Shah Mahsud im
Pandschir-Tal über.
Er wurde von
seiner Frau und seinen Kindern begleitet.
Der Afghan Agency Press zufolge
erklärt der Führer der Hesb-e Islami,
Gulbuddin Hekmatyar, in einer Pressekonferenz, daß das afghanische Volk
nach Opferung von 1,2 Millionen Menschen die Sowjetunion dazu gezwungen
habe, sich zum Abzug ihrer Truppen
innerhalb einer kurzen Frist bereitzuerklären.

- 21 -

�25. November

29. November

Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar meldet, 300 Mujahedin unter
der Führung von Sher Ahmad Abbas Quli
hätten in der Provinz Herat ihre Waffen niedergelegt, um sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhung anzuschliessen.

Bakhtar berichtet, daß die Loya
Jirga (Große Versammlung) heute morgen in der Halle des Polytechnischen
Instituts von Kabul unter Teilnahme
von 1 500 gewählten Volksvertretern
sowie ausländischen und afghanischen
Gästen eröffnet wird.

26. November
AFP berichtet, Pakistan habe eine
vom Kabuler Regime für den 29. November
einberufene
Stammesversammlung
zur Verabschiedung der neuen Verfassung und Wahl eines Staatspräsidenten
als Farce abgelehnt.

28. November
Bei einem terroranschlag in einem
Bazar von Peshawar werden 20 Menschen
verletzt, darunter zwei Frauen Und
zwei Kinder. Die Bombe explodiert in
einem
Btekleidungsladen
des MenaBazars und vernichtet mehrere Läden
in der Umgebung.
Bakhtar berichtet, daß 650 bewaffnete und Unbewaffnete Mujahedin
unter Führung Von Samruddih ihren
Kampf aufgegeben und sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in der Provinz Jowzjan angeschlossen haben.
Laut Radio Pakistan erobern Hu ja
hedin nach einwöchigem Kampf die Garnison Sangcharak (Provinz Jowzjart),
125 Kilometer Von der sowjetischen
Grenze entfernt.
Etwa 200 Kabuler
Regierungssoldaten sind Berichten zufolge getötet, 21 Soldaten und Offi
ziere gefangengenommen worden.
Ein
Bomber wird abgeschossen, sieben Pan
zer Uhd gepanzerte Fahrzeuge zerstÖft.

AFP meldet, daß das Polytechnische Institut von vier gewaltigen
Explosionen erschüttert wird, nachdem
Hujahedin Raketen von den Hügeln im
Westen Kabuls abfeuern. Die Raketen
explodieren während Najibullahs An
spräche vor der Versammlung. Im weiteren Verlauf der stundelangen Rede
Najibullahs kreisen Flugzeuge über
Kabul.
Westliche Journalisten, die nach
Kabul zur Beobachtung der großen Versammlung
eingeladen worden waren,
fahren nach dem Raketenangriff durch
Kabul und beobachten, daß afghanische
und sowjetische Soldaten eine Zone
von zwei Quadratkilometern um das Polyttechnikum abgeriegelt haben.
In seiner Eröffnungsrede gibt Na
jibullah Zu, daß das 160 Kilometer
südöstlich von Kabul gelegene Khost
von den Mujahedin belagert wird und
Nacht für Nacht 50 tonnen Nahrungs
mittel eingeflogen Werden, um die
40 0000 Einwohner der belagerten Gar
nisonsStadt zu ernähren.
In einem interview mit dem Londoner Sunday Telegraph erklärt der pakistanische Präsident Zia ul-Haq, internationale Präsenz sei absolut unerläßlich» um sicherzustellen, daß
dfer Rückzug vollständig und ernstge
meint sei und um eine Rückkehr der
sowjetischen Truppen zu verhindern.
Zur Zusammensetzung der geschäftsfüh
renden Regierung schlägt der Präsident vor, je ein Drittel solle aus

- 22 -

�Hujahedin, afghanischen Flüchtlingen
und Vertretern des Kabuler Regimes
bestehen.

30. November
Bakhtar zufolge verabschiedet die
Loya Jirga den neuen Entwurf für die
Verfassung der Republik Afghanistan
(zuvor Demokratische Republik Afghanistan) , in dem die Bedeutung der nationalen Aussöhnung bekräftigt wird.
Die Loya Jirga wählt außerdem Dr. Najibullah einstimmig zum Präsidenten
der Republik Afghanistan.
Die New York Times meldet, der
afghanische Staatschef Najibullah habe einen zwölfmonatigen Zeitplan für
den Abzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan vorgeschlagen.
Ihm
zufolge sei dieser Vorschlag bereits
mit der sowjetischen Seite "ausgehandelt" worden.

1. Dezember
In einer Rede vor Oberschülern in
Florida erklärt Präsident Reagan, er
werde
Generalsekretär
Gorbatschow
beim
bevorstehenden
Gipfeltreffen
mitteilen, daß es für die Sowjets an
der Zeit sei, ein Datum für den Abzug
ihrer Truppen aus Afghanistan festzusetzen.
Der Londoner Times zufolge werden
12 Menschen in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Regierungssoldaten und privaten Bewachern eines
früheren Mujahedin-Kommandeurs getötet, der vor zwei Jahren zum Regime
übergelaufen und in den Rang eines
Generals befördert worden war. Die
Konfrontation
begann
als
General
Esmat Muslim, ein Delegierter der
Loya Jirga und Mitglied des Revolutionsrats der Regierung, versuchte,

gewaltsam eine Straßensperre zu passieren.
Bakhtar berichtet, der Charge
d'Affaires der pakistanischen Botschaft in Kabul sei ins Außenministerium zitiert worden, um eine Protestnote in Empfang zu nehmen. Der Note
zufolge waren am 28. November zwei
Menschen getötet und acht weitere
verletzt worden, nachdem
Boden-Boden-Raketen auf Grenztruppen in Dakka
und Grenzposten nahe Torkham abgefeuert worden waren.
Bakhtar zufolge greifen Mujahedin
Gebiete im Bezirk Khost (Provinz
Paktia) sowie in den Bezirken Sarkani
und Asmar (Provinz Kunar) mit Raketen
an und zerstören dabei Wohnhäuser und
töten mehrere Menschen.
Bakhtar berichtet über eine Pressekonferenz Dr. Najibullahs, des Präsidenten der Republik Afghanistan
(RA), in der dieser in- und ausländischen Journalisten, darunter auch
solchen aus dem Westen, die folgenden
Mitteilungen macht:
Die gesamte Auslandshilfe an Afghanistan belaufe sich auf 220 Millionen Dollar oder 11 Milliarden Afghanis für die sozio-ökonomische Entwicklung, 80 Prozent davon stammten
aus der Sowjetunion.
Die Sowjetunion stelle außerdem
"Gratishilfe" in Form von Primärgütern im Wert von Milliarden Afghanis
bereit.
In sieben Jahren seien 37 000
Flüchtlinge (im Durchschnitt 5 000
pro Jahr) heimgekehrt, während sich
diese Zahl in den neun Monaten seit
Verkündung der Politik der nationalen
Aussöhnung auf 100 000 Rückkehrer belaufen habe.

- 23 -

�In acht Jahren hätten sich 12 000
Angehörige oppositioneller bewaffne
ter Gruppen ergeben, während sich in
zehn Monaten nach Verkündung der Politik der nationalen Aussöhung 30 000
Personen "der Volkssouveränität** angeschlossen hätten. Die Zahl hätte
wesentlich höher liegen können, wenn
die pakistanischen und iranischen Behörden die Rückkehr von Flüchtlingen
nicht behindert hätten.
Der einseitige Waffenstillstand
sei bis 20. Juli 1988 verlängert worden. Der Gesamtzeitraum des Waffenstillstands belaufe sich damit auf
eineinhalb Jahre.
Der
einmalige
Mujahedin- Führer
Esmat Muslim sei krank und drogenund alkoholabhängig.
Dies sei auch
der Grund, warum er sich bei der Konfrontation mit Regierungstruppen an
einer Straßensperre vor der Loya
Jirga auf eine solche Art und Weise
benommen habe. Er sei früher bereits
in ärztlicher Behandlung gewesen und
befinde sich gegenwärtig im Kranken
haus.
In seiner Schlußrede vor der Loya
Jirga hatte Najibullah zuvor erklärt,
während des Krieges seien 10 000 junge Leute zur naturwissenschaftlichen
Ausbildung in die Sowjetunion ge
schickt worden.

2. Dezember
Eine gewaltige Autobombe explodiert vor dem alten Bezirksgericht in
Peshawar. Eine Person wird getötet,
11 weitere werden verletzt. Die Polizei nimmt einen Verdächtigen beim
Versuch fest, in das Stammesgebiet zu
fliehen.

3. Dezember
Radio Kabul zufolge empfängt Najibullah die Häuptlinge, Ältesten und
Vertreter
des
Zadran- Stammes
und
spricht mit ihnen über die Probleme
und Schwierigkeiten im Bezirk Khost.
An dem Treffen nimmt auch der Minister für Nationalitäten und Stammesangelegenheiten, Sulayman La'eq, teil.
Najibullah empfängt außerdem mehrere Älteste aus Kandahar, die als
Volksvertreter an der Loya Jirga
teilgenommen hatten.
Er weist die
zuständigen Gremien an, die Schwie
rigkeiten und Probleme der Menschen
von Kandahar zu lösen.

4. Dezember
In der Sendung ABC World News
Tonight erklärt der Direktor des Sowjetischen Instituts für weltwirtschaftliche und internationale Bezie
hungen, der gleichzeitig einer der
wichtigsten Berater Gorbatschows ist,
vor Journalisten, daß er den Abzug
der sowjetischen Truppen aus Afgha
nistan im Jahr 1988 erwarte.

5. Dezember
Radio Pakistan meldet den Abschuß
von sieben Artilleriesalven auf das
Gebiet nahe Ashakhel, nördlich von
Landi Kotal im Khyber-Bezirk. Dabei
seien vier pakistanische Frauen und
drei Kinder getötet worden.

6. Dezember
Radio Kabul zufolge werden im
Einklang mit Präsident Najibullahs
Amnestiedekret zur Freilassung von
5 000 Gefangenen 2 300 Häftlinge aus
dem Zentralgefängnis Pul-e Charkhi

- 24 -

�und weitere 94 aus dem Gefängnis von
Jalalabad entlassen.
Der Vorsitzende der Islamic Alliance of Afghan Mujahidin, Maulavi
Yunus Khalis, erklärt, daß die vom
pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq
vorgeschlagene Annahme einer Koalition mit den Kommunisten in Afghanistan der Annahme des Kommunismus
und dem Verrat an den afghanischen
Märtyrern und ihrem Kampf gleichkommen würde.

7. Dezember
Bakhtar berichtet, eine Gruppe
von 600 Männern unter Führung von Abdul Rahman habe die Beendigung des
Kampfes in der Provinz Herat versprochen.
AFP meldet, daß in dem ersten je
durchgeführten Raketenangriff auf eine pakistanische Garnisonsstadt ein
pakistanischer Soldat getötet und etwa zwei Dutzend verwundet worden seien, einige davon schwer. Afghanische
Truppen schießen Boden-Boden-Raketen
auf die Garnison Landi Kotal am Khyber-Pass ab, die etwa 50 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt. Landi
Kotal ist das Hauptquartier der Miliz
und Armeeverbände an der Grenze.
Bald nach der Loya Jirga hatten
die Mujahedin ihre Aktivitäten an der
Hauptstraße zwischen Kabul und Torkham verstärkt. Nachdem die Mujahedin
die Straße an mehreren Stellen blokkiert haben, wird der Verkehr eingestellt.
Schwere Kämpfe werden aus
Dakka, Kama Daka, Monau und Nazian in
Afghanistan gemeldet, und die Leichen
von sechs während der Kämpfe getöteten Mujahedin werden nach Peshawar
zurückgebracht.
Am vierten Tag des
Beschüsses mit Mörsern und weitreichenden
Kanonen
aus
Afghanistan

schicken sich die Einwohner von Dörfern in der Umgebung von Landi Kotal
an, ihre Häuser zu verlacsen. Bewohner der Region veranstalten eine Demonstration gegen den Artilleriebeschuß aus Afghanistan.

8. Dezember
Bakhtar zufolge wird ein Protokoll für gegenseitige Zusammenarbeit
zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) und der Sozialistischen Partei des Jemen unterzeichnet .

9. Dezember
n

ie
westdeutsche
Tageszeitung
"Die Welt" berichtet, daß in den
nördlichen
Provinzen
Afghanistans
entlang der sowjetischen Grenze trotz
der Kabuler Schlagworte "Waffenstillstand" und
"nationale Aussöhnung"
neue Waffen gegen die Mujahedin eingesetzt werden. Einem Interview mit
einem Vertreter des Widerstandes zufolge, der nach einem dreimonatigen
Aufenthalt in der Provinz Balkh das
europäische Büro der Hezb-e-Islami in
Bonn besuchte, waren die Kämpfe angeblich so intensiv, daß viele sowjetische Dörfer am anderen Ufer des Amu
Darya evakuiert werden mußten.
Der Mujahid erklärt, die von den
Sowjets abgefeuerten Projektile führten zu beschleunigter Verwesung des
Körpers der getroffenen Personen.
Dies bedeute somit einen Angriff auf
den islamischen Glauben, demzufolge
der Körper eines im Heiligen Krieg
gefallenen Moslems nicht verfällt.
Die Sowjets verwendeten außerdem Bomben, die nur durch bestimmte Geräusche ausgelöst werden sowie Bomben,
die in der Luft explodierten und einen Regen scharfer Nägel auslösten.

- 25 -

�Die Sowjets verlegten sich zunehmend
auf Nachtoperationen unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln, durch die die
Mujahedin geblendet würden, da sie
nicht wie die sowjetischen Soldaten
mit Schutzbrillen ausgerüstet seien.

durchgeführt worden seien.
Regierungshubschrauber habe er selten be
obachtet.

Bakhtar zufolge übermittelt die
Loya Jirga eine Botschaft an UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar,
derzufolge trotz der Einschüchterungspolitik und sogar blutiger Akte
der Behörden Pakistans und Irans über
120 000 Flüchtlinge heimgekehrt seien.

Die Teheraner Nachrichtenagentur
IRNA berichtet, daß die Mujahedin einen massiven Angriff afghanischer und
sowjetischer Truppen zur Beendigung
der
dreimonatigen
Belagerung
von
Khost vereitelt hätten. In ihrem Ge
genangriff töteten oder verwundeten
die Mujahedin 300 afghanische Solda
ten. Die vereinten afghanisch- sowje
tischen Streitkräfte landen daraufhin
500 Soldaten einer Kommandoeinheit,
die von den Mujahedin unter hohen
Verlusten
zurückgeschlagen
werden.
Außerdem schießen sie drei Flugzeuge
ab, deren Piloten ums Leben kommen,
und zerstören fünf Panzer und mehrere
gepanzerte Fahrzeuge. Etwa 150 afghanische Soldaten und Offiziere,
darunter ein Oberst, ergeben sich den
Mujahedin. Insgesamt werden von den
Mujahedin nach ihren eigenen Angaben
seit Beginn der Schlacht um Khost 800
kommunistische Soldaten getötet, verwundet oder gefangengenommen.

Radio Kabul berichtet, daß unter
dem Präsidialdekret vom 30. November
515 Gefangene freigelassen werden;
260 aus dem Kabuler Zentralgefängnis
Pul-e Charkhi, 196 aus Gefängnissen
in der Provinz Balkh und 59 aus Ge
fängnissen in der Provinz Farah.
Radio Pakistan berichtet, Mujahedin hätten in einem Raketenangriff 90
sowjetische und afghanische Soldaten
in Kandahar getötet oder verwundet.

12. Dezember
Radio Kabul zufolge feuern Muja
hedin Raketen und Mörsergranaten auf
die Stadt Maimanah (Provinz Faryab)
ab, wodurch 10 Menschen getötet und
34 verwundet wurden.
In einem Interview mit AFP erklärt ein französischer Arzt, der
sich zu humanitärer medizinischer
Versorgung in Afghanistan aufhält,
die Schlacht um Khost halte an. Dies
sei nicht länger ein Guerrilla-Krieg,
da die Schlachten zwischen den Muja
hedin und den von den Sowjets unterstützten afghanischen Truppen über
drei Wochen hinweg getobt hätten. Er
selbst habe Tag und Nacht unter massiven Luftangriffen gearbeitet, die
unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln

13. Dezember

14. Dezember
In einem Interview erklärt der
Abteilungsleiter für Angelegenheiten
des Nahen Ostens und Südasiens im
amerikanischen
Außenministerium,
Robert Peck, die Vereinigten Staaten
hofften, daß 1988 das Jahr des Rückzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan sein werde.
Das Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow vom 8. bis
10. Dezember in Washington habe die
Grundlagen für weitere diplomatische
Bemühungen zur Beilegung des Afgha
nistan-Problems geschaffen, die bei
der nächsten Runde der Genfer Annähe
rungsgespräche im Februar verfolgt

- 26 -

�werden sollten.

15. Dezember
Ein Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums erklärt, die Vereinigten Staaten warteten weiterhin
auf die Verkündung des Zeitplans für
den Rückzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan.
21. Dezember
Dem Staatssekretär für politische
Angelegenheiten
im
amerikanischen
Außenministerium, Michael Armacost,
zufolge hoffen die Vereinigten Staaten, daß die für Februar angesetzten
Genfer Annäherungsgespräche über Afghanistan die letzten sein werden.
Er äußert dies bei der Vorstellung
des jährlichen Lageberichts des Aussenministeriums zu Afghanistan, in
dem das Jahr 1987 aufgrund der Erfolge des Widerstands im Kampf gegen die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte
als "das Jahr der Mujahedin" eingestuft wird.

* * * * *

- 27

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1987

AFGHANISTAN:

ACHT JAHRE SOWJETISCHER BESATZUNG

- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums

WASHINGTON - (AD) - Dem am 21. Dezember 1987 vom amerikanischen Außenminister ium veröffentlichten Bericht "Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besetzung" zufolge ist der sowjetische Versuch, die Kontrolle über Afghanistan
zu erringen, gescheitert.
Der Konflikt hält an, aber "militärische, diplomatische und politische Ereignisse wenden sich zuungunsten der Sowjets".
Die Mujahedin haben als Freiheitskämpfer in vielen Bereichen die Initiative ergriffen, während die immer noch aktiven sowjetischen Streitkräfte nunmehr
eine eher reaktive Verteidigungshaltung eingenommen haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des Berichts:

Mach acht Jahren brutalen Krieges
gegen das afghanische Volk sind sowjetische
Versuche,
die
Kontrolle
über Afghanistan
zu erringen, gescheitert. Der Konflikt zwischen den
sowjetischen
Besatzungstruppen
und
dem afghanischen Widerstand hält an,
hat sich jedoch verändert. Tod, Zerstörung und Leiden eines unschuldigen
Volkes bestehen fort, aber militärische, diplomatische und politische
Ereignisse
wenden
sich
zuungunsten
der Sowjets. Der Druck könnte Moskau
letztlich
dazu
veranlassen,
sein
schreckliches
und
letztlich
aus-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sichtsloses Unternehmen in Afghanistan zu beenden.
Im achten Jahr der sowjetischen
Besetzung ist die militärische Initiative in vielen Bereichen in die
Hände der Mujahedin übergegangen. Es
haben auf ihrer Seite in diesem Jahr
stärkere Kampfhandlungen mit saisonbedingten
Fluktuationen
stattgefunden. Das Regime verkündete im Januar
einen Waffenstillstand, der im Juli
und dann wieder im November verlängert wurde, seine Streitkräfte hielten ihre Verpflichtung zu dieser Waf-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�fenruhe jedoch nicht ein.
Die sowjetischen Truppen waren
ebenfalls aktiver, nahmen letztlich
aber eher eine Verteidigungshaltung
ein, die sich auf Reaktion beschränkte.
In der zweiten Jahreshälfte zogen sie sich von mehreren isolierten
Stützpunkten zurück. Den Sowjets und
ihren afghanischen Vasallen ist ihre
uneingeschränkte
Vorherrschaft
am
Himmel entglitten. Sie haben in der
Luft und am Boden zunehmend Verluste
erlitten. Kabuls Soldaten sind wiederholt zu Hunderten desertiert und
der
Umfang
der
Streitkräfte
wird
hauptsächlich durch massive Zwangsverpflichtungen aufrechterhalten.
Trotz in diesem Jahr erfolgter
Bemühungen
sind
die
sowjetischen
Stellvertreter
in Kabul dabei gescheitert, Anreize für ihre Gegner
oder prominente neutrale Personen zu
schaffen, um gemeinsam eine von Najibullah (Najib) und seiner Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) beherrschte Regierung zu bilden.
Im Januar hat Najib eine Kampagne
zur
"nationalen
Aussöhnung"
verkündet.
Angebote zur Beteiligung
daran sind dem früheren afghanischen
Herrscher Sahir Schah, einer Reihe
prominenter parteiloser organisierter
Afghanen und Führern der Widerstand bewegung übermittelt worden, die dieses Angebot aber zurückgewiesen und
eine
"Aussöhnung"
mit
der
sowjetischen Vorherrschaft (auch wenn sie
in afghanischem Gewand
daherkomm'.)
verweigert haben. Das Regime hat in
diesem Jahr vermehrt Konzessionen gemacht, die jedoch für das afghanische
Volk auch nicht akzeptabel waren.
Das von Moskau gewählte Herrschaftsinstrument, die PDPA, ist geschwächt worden.
Die Zersplitterung
der Partei ist durch den Ausschluß
des
früheren
Parteiführers
Babrak

Karmal und
seiner Anhänger
weiter
fortgeschritten.
Obwohl Najib, auch
innerhalb
der Partei, nur geringe
persönliche
Unterstützung
erfährt,
ernannte er sich im September zum
Staatsoberhaupt.
Als
im
Dezember
durch eine unrechtmäßige, von Parteimitgliedern
durchsetzte
Versammlung
eine neue Verfassung geschaffen wurde, ließ sich Najib zum Präsidenten
wählen
Bei dieser Sitzung änderte
das Regime seinen Namen von "Demokratische Republik Afganistan" (DRA) in
"Republik Afghanistan" (RA).
Der afghanische Widerstand stellt
weiterhin in allen Teilen des Landes
eine Herausforderung für die Sowjets
und die Kontrolle des Regimes dar.
Im vergangenen Jahr ist er jedoch zu
einer noch größeren Bedrohung geworden.
Die militärischen Fähigkeiten
der Mujahedin haben in vieler Hinsicht zugenommen - eine verbesserte
Kooperation und Luftverteidigung bedeuteten, daß viele Landesteile effektiv von der Kontrolle der Sowjets/des
Regimes
befreit
wurden.
Die Moral der Mujahedin ist besser
denn je. Die politische Zusammenarbeit innerhalb der Allianz der sieben
Parteien umfassenden Widerstandsbewegung in Peshawar hat sich verbessert.
Im Oktober wählten die Mitglieder der
Allianz Maulavi Mohammed Yunis Khalis
von der Hesb-e-Islami-Partei für eine
Amtszeit von 18 Monaten zu ihrem
"Rais" oder Führer.
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan wurden im Jahr 1987 fortgeführt.
Die
Annäherungsgespräche
zwischen Pakistan und dem Kabuler Regime - haben Meinungsverschiedenheiten über einen Zeitplan für den sowjetischen Rückzug - das einzige noch
ungelöste Problem - verringert.
Im
März und im September
verringerte
sich der Zeitraum zu den von Kabul

- 2 -

�vorgeschlagenen 16 Monaten und den
von Pakistan vorgeschlagenen acht Monaten. Gegen Jahresende schlug Najib
vor, Kabul könne möglicherweise 12
oder weniger Monate akzeptieren.
In der Diplomatie haben die Sowjets versucht, auf internationaler
Ebene die Legitimation der Regierung
zu verbessern, indem sie aus Kabul
Emissäre
zu
einem
sechsmonatigen
weltweiten diplomatischen Werbefeldzug entsandten.
Kabul verzeichnete
im Hinblick auf seine diplomatische
Anerkennung einige Gewinne, dennoch
scheiterten die Bemühungen als Ganzes.
Andere Länder verurteilen weiterhin die Besetzung und weisen sowjetische Behauptungen zurück, es gäbe eine andere Lösung der Probleme in
Afghanistan
als
den
sowjetischen
Rückzug.
Bei der Generalversammlung
im November sprachen sich 123 Nationen, die größte bis jetzt erzielte
Zah', für eine Resolution aus, mit
der der ;;nm\ttelbare und vollständige
Rückzug ausländischer Streikräfte aus
Afghani itan gefordert wurde. Die Resolution ist mit generell zunehmenden
Mehrheiten in jedem Jahr seit der sowjetischen Besetzung Afghanistans am
27. Dezember 1979 verabschiedet worden.

Washington haben Erwartungen geweckt,
daß die UdSSR einen annehmbaren Vorschlag zum Rückzug vorlegen würde.
Tatsächlich haben sich die Sowjets
geweigert, sich auf einen "eindeutigen Termin" für einen Truppenabzug
festzulegen.
Die Welt wird den sowjetischen Absichten weiterhin skeptisch gegenüberstehen, wenn die Sowjets nicht einer Regelung zustimmen
- die sie dann auch durchführen -,
die den bedingungslosen, schnellen
und vollständigen Abzug ihrer Truppen
vorsieht.

Perspektiven:
Die Aussicht auf
den Frieden hat erhebliche Anziehungskraft bei einem Volk, das neun
Jahre der Tyrannei und acht Jahre
ausländischer Besetzung erlitten hat.
Aber die Afghanen haben eindeutig erklärt, daß sie keinen Frieden zum
Preis einer fortgesetzten Fremdherrschaft akzeptieren werden.
Moskau
hat wiederholt erklärt,
le | itische Entscheidung zum Abzug is;: getroffen worden",
Öffentliche Erklärungen der Sowjets im Vorf&lt; Ld
Gipfeltreffens
zwischen
R igan
tu.tschow im Dezember in
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V IO N **

6. Januar 1988

DIE AUFRÜSTUNG DER SANDINISTEN
- Ein Hintergrundbericht -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1987 gehaltenen Rede deutete
der nicaraguanische Verteidigungsminister Humberto Ortega an, daß die militärische Aufrüstung der Sandinisten wesentlich umfangreicher ist als in der Vergangenheit vom amerikanischen Außenministerium angenommen wurde.

"Wir
haben gegenwärtig
250 000
Menschen zu unserer Verteidigung organisiert und bewaffnet. Wir werden
diese Bemühungen
nicht aufgeben."
Darüber
hinaus prahlte er:
"Bald
werden wir ca. 300 000 Menschen haben
und
wir
werden
versuchen,
etwa
600 000 angemessen ausgebildete und
organisierte Leute in den Reihen der
allgemeinen Verteidigung des Landes
zu haben." Die erstgenannte Zahl von
250 000 liegt um mehr als das Doppelte über der letzten Schätzung des
amerikanischen Außenministeriums vom
Oktober
1987.
Ortegas
Anspruch,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

letztlich eine Zahl von 600 000 militärisch ausgebildeten Personen zu erlangen, weckt erhebliche Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der sandinisten
im Hinblick auf das Friedensabkommen
in Mittelamerika.
Ortegas Rede wurde augenscheinlich durch Fragen veranlaßt, die ihm
von
der
Tageszeitung
"Washington
Post" im Nachgang zu einem Interview
mit Roger Miranda Begoechea, einem im
Oktober 1987 in die Vereinigten Staaten übergelaufenen Major der Sandinistischen Volksarmee, gestellt wurden.

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zum Zeitpunkt seines Übertritts war
Miranda seit 1982 Chef im Sekretariat
des nicaraguanischen Verteidigungsministeriums und Mitglied des Zentralkomitees der Sandinisten. Das Sekretariat ist die einzige Organisation,
die Verteidigungsminister Ortega direkt unterstellt ist. Dadurch wurde
dem damaligen Major Miranda mehr exekutive Macht eingeräumt als dem Chef
des Generalstabs, einem Generalmajor.
Zweimal
hat
Verteidigungsminister
Ortega - vielleicht unbeabsichtigt Mirandas
Aussagen
erhärtet.
Zum
Zeitpunkt von Mirandas übertritt erklärte Ortega, Miranda sei der wichtigste und potentiell gefährlichste
Überläufer der Sandinistisschen Front
gewesen, den es jemals gegeben habe.
Ortegas Rede vom 12. Dezember verlieh
den Angaben Mirandas zusätzliche Beweiskraft, da sie stattfand, bevor
Ortega
exakt
wissen
konnte,
was
Miranda
in
einem
mit
Sperrfrist
versehenen Interview am 10. Dezember
gesagt hatte.
Bei seiner Flucht nahm Miranda
Dokumente mit, die seinen Angaben zufolge geheime Protokolle über militärische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion enthalten. Die "Washington
Post" verwies darauf, daß diese "Verstärkungen bei Personal und von den
Sowjets gelieferter Ausrüstung vorsehen, die im Falle ihrer Verwirklichung in den nächsten sieben Jahren
etwa ein Fünftel der heutigen Bevölkerung unter Waffen stellen würden".

Miranda machte zusätzliche Angaben zu
folgenden Themen:

1. Militärische Themen
- Die Strategie der Sandinisten für
die anhaltende militärische Aufrüstung.
- 2

- Kubanische und sowjetische
ter in Nicaragua.
- Das Direktorat
Aufklärung.

für

Bera-

Militärische

- Ausrüstung, Struktur, Kommunikationswesen und Taktik der sandinistischen Armee.
- Abkommen mit der Sowjetunion über
Bestand
und
Instandsetzung
für
die sandinistische Luftwaffe.
- Neue Ausrüstung
ischen Marine.

der

sandinist-

- Verkauf
nordkoreanischer
an Nicaragua.

Waffen

- Kommunikations- und Informationssysteme des Verteidigungsministeriums.
- Abhörfähigkeiten in Nicaragua.
- Unterstützung der Guerilla in El
Salvador durch die Sandinisten.

2. Politische Themen
- Angaben zu Lebenslauf und Lebensführung hoher und mittlerer Vertreter der Sandinisten.
- Geschäftliche
Aktivitäten
Sandinisten-Commandantes.

der

Zu den wichtigsten Enthüllungen
gehört die Tatsache, daß die Sowjets
den Sandinisten die Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-21 versprochen haben, die nach 1991 erfolgen soll. Die Sandinisten haben ausserdem um Lieferung von zusätzlichen
Hubschraubern der Typen Mi-25 HIND-D
und Mi-17 HIP sowie eines Transportflugzeuges vom Typ AN-26 gebeten.

�Die
Sandinisten
beabsichtigen,
Armee und Miliz auf eine Gesamtstärke
von 500 000 Mann auszubauen.
Die
Lieferung einer großen Zahl zusätzlicher Schützenpanzer, Geschütze auf
Selbstfahrlafetten,
PanzerabwehrWaffen, Boden-Luft-Raketen sowie Flugabwehrgeschütze wird erwartet oder wurde schon ausgeführt. Für die Marine
werden drei neue 400-Tonnen Schiffe
aus der Sowjetunion erwartet.
Miranda zufolge sind die Commandantes der Sandinisten davon überzeugt, daß der einzige Weg zur Sicherung der Entwicklung ihres marxistischen Programms in Nicaragua darin
besteht, eine mächtige Armee aufzubauen.
"Man kann Vereinbarungen unterzeichnen, man kann den Anschein
von mehr Flexibilität im politischen
System erwecken, aber worüber sie
niemals
verhandeln werden
ist die
Entwicklung der sandinistischen Armee. Sie wissen, daß sich ihre Macht
langfristig auf den umfang dieser Armee
gründet,"
erklärte
er
der
"Washington Post".
Die Sandinisten
"verspüren keinerlei Wunsch, über die
Größe der Armee zu verhandeln, die
sie in Nicaragua zu unterhalten planen.
Ja, sie werden an Gesprächen
teilnehmen.
Aber nach Monaten der
Diskussion werden sie erklären, daß
sie keine Vereinbarung erzielt haben.
Meiner Meinung nach ist dies der verwundbarste Punkt - an dem sie die geringste Neigung zeigen, Frieden in
Mittelamerika herbeizuführen."
Laut Miranda fuhren die Sandinisten trotz des Friedensplans für
Mittelamerika
fort, die salvadoranischen Untergrundkämpfer zu unterstützen.
Auf Bitten des GuerrillaFührers Joaquin villalobos erklärte
sich Humberto Ortega im September
1987 bereit, salvadoranische Guerrillas in der Bedienung von Boden-LuftRaketen auszubilden. Gegen Ende Ok-

tober 1987 schlössen 15 salvadoranische
Guerrillas
einen
35tägigen
Lehrgang für die Bedienung verschiedener Boden-Luft-Raketen ab.
Die in
Managua durchgeführte Ausbildung war
von den sandinistischen Commandantes
gebilligt worden.
Die Operation für den Waffennachschub wird von einer unter dem Namen
"Das Büro" bekannten Geheimorganisation durchgeführt, die von Commandante Bayardo Arce geleitet wird. Waffen für Guerrilla-Gruppen in El Salvador, Costa Rica, Kolumbien und andere lateinamerikanische Länder kommen mit Linienflügen oder -schiffen
in Managua an, wo sie gelagert werden.

Der mittelamerikanische Friedensplan
als Waffe zur Entwaffnung der Widerstandskämpfer
Die
Sandinisten
beabsichtigen
nicht, die Friedensvereinbarungen von
Guatemala einzuhalten.
Den Sandinisten wurde von kubanischen und sowjetischen Beratern angeraten, von "Demokratie", "Pluralismus" und "Freiheit" zu reden. Das Ziel, einen marxistischen
Staat aufzubauen, solle
heruntergespielt
werden.
Dazu
Miranda:
"Sie (die Sandinisten) haben nicht den Willen, diesen Frieden
zu erlangen...
sie hatten mit den
Sowjets und Kubanern schon eine Vereinbarung
für die
(sandinistische)
Armee für die nächsten acht Jahre getroffen... Mit welchem Wunsch werden
sie denn dann von Frieden reden, wenn
sie gleichzeitig im Hinterkopf an die
Schaffung einer der mächtigsten Armeen Lateinamerikas denken - mit einer Bewaffnung, wie nur wenige andere
Armeen in Lateinamerika sie besitzen?... Die Sandinisten sind langsam
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
Widerstand auf dem Lande eine Basis
der Unterstützung besitzt - eine be-

- 3 -

�deutende gesellschaftliche Basis. In
der Tat ist dies eine grundlegende
Tatsache, um zu erklären, warum sie
nach so vielen Offensiven der sandinistischen
Armee
immer
noch
dort
sind.
Der Widerstand auf dem Lande
bewegt sich wie ein Fisch im Wasser."
Als Reaktion auf ein etwaiges direktes
Singreifen
der
Vereinigten
Staaten in Nicaragua planen die Sandinisten Invasionen in Costa Rica und
Honduras sowie die Gefangennahme von
US-Amerikanern und Erbeutung amerikanischen Eigentums.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1983

BEGINN DES WAHLPROZESSES MIT VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Der lange Auswahlprozeß der republikanischen und demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten
Staaten 1988 umfaßt eine komplizierte Vielzahl von Vorwahlen in den Bundesstaaten, Parteiversammlungen und Parteikonventen.

Das Ziel dieser Veranstaltungen
ist die Benennung von Delegierten der
einzelnen Bundesstaaten für die nationalen Parteikonvente beider Parteien, die im Jahr 1988 für die Demokraten vom 18. bis 21. Juli in Atlanta und für die Republikaner vom
15. bis 18. August in New Orleans
stattfinden werden.
Jeder Bundesstaat bestimmt sein
eigenes System, die meisten wenden
jedoch eine der folgenden vier Arten
von Vorwahlen an:

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vorwahl zur Auswahl von Delegierten, bei der die Namen der Präsidentschaftskandidaten
nicht
im
einzelnen
auf den
Stimmzetteln
erscheinen; es werden lediglich
Kandidaten
für den
Delegierten
beim
Parteikonvent
aufgeführt,
wobei diese ihre Präferenz für
einen
Präsidentschaftskandidaten
angeben können, aber nicht müssen.
Vorwahl mit Empfehlungen für einen
Präsidentschaftskandidaten,
bei der die Wähler auf
ihren
Stimmzetteln
sowohl
Präsident-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Schaftskandidaten als auch Delegierte für den Parteikonvent anKreuzen können, die entweder einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten bevorzugen oder keine
Präferenz angeben.
- Rechtsverbindlicher Wettkampf mit
nur einem Gewinner, bei dem die
Ergebnisse der Wahl für den Präsidentschaftskandidaten
die Bezirksdelegierten
des
Präsidentschaftswahlkampfes in jedem Kongreßwahlbezirk
bestimmen
sowie
die Delegierten der Bundesstaaten
für den Gewinner im gesamten Bundesstaat.
- Vorzugsvorwahlsystem mit verhältnismäßiger
Vertretung, bei der
die Ergebnisse der Wahl des Präsidentschaftskandidaten
diesem
Kandidaten Delegierte im Verhältnis zum Wahlergebnis jedes einzelnen Kandidaten zuordnen.
Diese Prozesse der Vorwahlen werden in zahlreichen Staaten durchgeführt.
Dabei bilden Bürger Gruppen
zur öffentlichen Unterstützung eines
Kandidaten und wählen dann auf einer
Grundlage, die im Verhältnis zur Beliebtheit des Kandidaten steht, Gruppenmitglieder aus, die an den später
stattfindenden
Parteikonventen
der
Einzelstaaten teilnehmen, bei denen
dann die Delegierten für die nationalen Parteikonvente ausgewählt werden.
Nachfolgend
veröffentlichen
wir
die Termine der demokratischen (D)
und
republikanischen
(R) Vorwahlen
(primaries - p ) , Parteiversammlungen
caucus - C) und Parteikonvente für
die
amerikanischen
Bundessstaaten.
Wenn keine Parteizugehörigkeit angegeben ist, finden die Veranstaltungen
für beide Parteien zum selben Termin
statt.

- 2

�14. Januar
Michigan
27. Januar
Hawaii
29. Januar
Michigan
8. Februar
Iowa
16. Februar
New Hampshire
23. Februar
Süd-Dakota

(R) (Bezirkskonvent)
(R) (C)
(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)

Minnesota
27. Februar
Kansas
28. Februar
Maine
1. März
Vermont
5. März
Süd-Carolina

(C)

(C)

Kansas

(R) (Parteikonvent im Staat)

Wyoming
8. März
Alabama

(C)
(P)

Arkansas

(P)

Florida

(P)

Georgia

(P)

Hawaii

(D) (C)

Idaho

(D) (C)

Kentucky

(P)

Louisiana

(P)

Maryland

(P)

Massachusetts

(P)

Mississippi

(P)

(R) (Bezirkskonvent)

(P) (unverbindlich)
(R) (P)

- 3

�Missouri
Nevada

Nord-Carolina
Oklahoma
Rhode Island
Tennessee
Texas
Virginia
Washington
10. März
Alaska
12. März
Süd-Carolina
14. März
Nord-Dakota
15. März
111 i no i s
19. März
Kansas
Wyoming
26. März
Michigan
29. März
Connecticut
4. April
Colorado
5. April
Wisconsin
16. April
Arizona
10. April
Utah
19. April
New York
Vermont
21. April
Nevada
25. April
Utah

�26. Apri 1
Pennsylvania

(P)

Vermont
3. Mai
District of Columbia

(R) (C)

Indiana

(P)

Ohio
10. Mai
Nebraska

(P)

West Virginia
14. Mai
Arizona
16. Mai
Delaware
17. Mai
Oregon
24. Mai
Idaho
7. Juni
Kalifornien

(P)

(P)

(P)

(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)
(P)

Montana

(P)

New Jersey

(P)

Neu-Mexico
14. Juni
Nord-Dakota
16. Juni
Alaska

(P)
(P)
(R) (Parteikonvent im Staat)

******

- 5 -

�AMERIKA DIENST
^7

a

Wissenschaft und Technik
b. Januar 1938

NEUER IMPFSTOFF GEGEN TYPHUS
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

WASHINGTON - (AD) - Massenimpfungen in Ländern der Dritten Welt sind wegen
der damit verbundenen technischen und organisatorischen Schwierigkeiten noch
immer ein Problem. Eine Ausnahme bildete bisher nur die Immunisierung gegen
Pocken. Diese gefürchtete Infektionskrankheit, die für Millionen von Menschen
Erblindung, Entstellung oder den Tod bedeutet hatte, konnte dank der Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerottet werden.
Es sind
jetzt zehn Jahre her, daß der WHO der wohl letzte durch natürliche Ursachen
ausgelöste Fall aus Afrika (Merka in Somalia) gemeldet wurde.

Ein in gewisser Weise vergleichbares Ergebnis erhoffen sich Wissenschaftler der amerikanischen Medizinischen
Bundesforschungsanstalten
(National Institutes of Health - NIH)
von einem neuartigen Impfstoff gegen
Typhus.
Wie Dr. Charles Lowe vom
NIH-Institut für Kindergesundheit und
menschliche Entwicklung (National Institute of Child Health and Human
Development - NICHD) kürzlich berichtete, erwiesen sich die klinischen
Versuche mit dem in seinem Institut
entwickelten Impfstoff in Nepal als
überaus vielversprechend.
Innerhalb

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von 17 Monaten gingen in den für die
Erprobung
ausgewählten
Dörfern
die
Erkrankungsziffern
im Vergleich
zu
den Kontrollgruppen, die ein Placebo-Präparat erhielten, um 75 Prozent
zurück.
Die Vakzine wird aus einer zukkerähnlichen Substanz in der Außenhülle des Typhusbakteriums gewonnen.
Schon eine einzige Dosis bewirkt Immunität - und der dafür benötigte
Impfstoff kostet nur einen Cent, d.h.
nicht einmal zwei Pfennige.
Demgegenüber haben die beiden anderen ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtig verfügbaren Impfstoffe erhebliche Nachteile:
Der eine, der
aus kompletten Bakterienzellen gewonnen wird, erfordert zwei bis drei Injektionen, hat schwere Nebenwirkungen
(verursacht u.a. Schwellungen, Fieber, Kopfschmerzen) und erfordert alle zwei bis drei Jahre Auffrischungsimpfungen zur Erhaltung der Immunität. Pro Dosis kostet er 1,25 Dollar.
Der zweite Impfstoff wird in Pillenform verabreicht.
Aber es müssen
drei oder vier Dosen gegeben werden,
um einen Schutz zu erreichen, der etwa dem entspricht, der durch die neue
Vakzine mit nur einer einzigen Dosis
erzielt wird. In Entwicklungsländern
sind jedoch Impfungen mit Mehrfachdosen schwer durchführbar.
Ebenso machen die erwähnten Nebenwirkungen der
erstgenannten Vakzine ihre Anwendung
schon allein aus diesem Grund in Ländern der Dritten Welt praktisch unmöglich. Ein weiterer ganz wichtiger
Vorteil des neuen Impfstoffes:
Er
braucht nicht gekühlt zu werden, was
bei den meisten anderen Vakzinen ein
schwerwiegender Hinderungsgrund ist,
um -ue z.B. in tropischen Ländern mit
eineiT nur unzulänglich funktionierenden Gesundheitswesen und lückenhafter
Infrastruktur einzusetzen.
In Entwicklungsländern erkranken
jährlich ungefähr 50 Millionen Menschen am Typhusfieber, viele sterben
darein. Das Risiko ist dort am größten,
wo
Nahrung
und
Wasser
mit
menschlichen Ausscheidungen verunreinigt: sind, oder in Entwicklungsländern, wo Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser Kanalisation und
Kläranlagen beschädigen oder zerstören.
Der neue Impfstoff wurde von einer
internationalen
Forschergruppe
aus den USA, Schweden, Frankreich und
Nep. •' an 7000 freiwilligen Versuchs- 2

personen im Alter zwischen fünf und
44 Jahren erprobt. Die Wissenschaftler kontrollieren auch künftig den
Antikörper-Spiegel bei den Probanden,
um Erfahrungen darüber zu sammeln,
wie lange der Schutz anhält.
In
Frankreich und Mexiko wurden die Vakzine bereits zugelassen.
Dr. Lowe
erwartet die Genehmigung für die Vereinigten Staaten nach Abschluß der
Nepal-Studie im März 1988. Ein ebenfalls am NICHD entwickelter, aber
noch wirksamerer Impfstoff gleichen
Typs, der
das Immunsystem
stärker
stimuliert, soll helfen, Kinder unter
zwei Jahren und ältere Menschen besser gegen eine Typhuserkrankung zu
schützen.

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1987
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst 1987
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen
kreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 25

Mittelamerika

7, 17, 28, 30, 31, 36, 37,

Südafrika

8, 35

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Strategie zur Nat. Sicherheit
Tran/Geiseln - Waffenaustausch
icht der Tower-Kommission
'. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-?lan
Nominierungen
Amb. Burns Nachruf
Handelsminister Baldrige Nachruf
Unabhängigkeitstag
Amerikanische Verfassung
Privatisierungskommission
Reagan-Besuch in Bonn
Berliner Mauer
Prokl. "Tag der Deutsch-Amerikaner"
weltfrieden
Shultz/Informationsfluß

1 -

2
4
5
5, 6, 7, 8
9, 11
9
9
21, 22
10, 21, 28, 36, 40
24
27
24
29, 33
31
23
28
35
30
36

�Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

Reagan/Gorbatchow Gipfeltreffen
Ost-West-Beziehungen
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
Kern- u. Weltraumwaffen

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22, 24, 26, 27, 29,
37, 38, 42, 43
39, 42, 43, 44
30, 33
14
16
11, 37, 42
11, 23, 29, 31
9, 12, 15, 18, 27, 29, 32,
33, 34, 35, 38, 39, 40, 43, 44
10, 13, 19, 32
35

Internationale Probleme
Wirtschaft, Handel u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben zum Wirtschaftsg.
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf
Ozonloch

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22,
25, 26, 34, 37, 38, 41
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4, 22, 24
2
8, 9, 20, 21, 39
10
17
21, 22, 26, 34, 37, 38
42

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

1
2, 4, 15, 22, 34, 40, 44
5, 21
3, 7, 23, 43
12, 13, 16, 21, 40, 41
11, 14, 24

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 193 7
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(industrie-Club, Düsseldorf)

1.

April 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)
AD Nr. 12

8.

April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5.

Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�4.

November 1987
Die Weltwirtschaft: Perspektiven für eine geteilte Verantwortung
- Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in der Bundesrepublik
(Atlantik-Brücke, Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar,
Stuttgart)

16. November 1987
Ist die NATO noch zeitgemäß
- Rede vor der Hanns-Seidel-Stiftung in München AD Nr. 41, 19. November 1987

25. November 1987
Die Revolution im Informationswesen und die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
- Rede auf dem Bertelsmann-Forum, Gütersloh Sonderdienst 25. November 1987

- 4 -

�Sonderdienste

26. März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

15. Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

14. August 1987
Reagan optimistisch über Abschluß eines Abrüstungsabkommens
- Fernsehansprache des Präsidenten -

27. August 1987
Reagan: Offenheit bei sowjetischen Militärangelegenheiten
- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

3.

Dezember 1987
Chronologie der Entwicklung im Bereich der Mittelstreckenwaffen (IMF)
- 1977 bis 1987 -

7.

Dezember 1987
Hintergrundmaterial zum Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow in Washington
- 7. bis 10. Dezember 1987 -

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

^

13. Januar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Technologie schafft weltweite "Wirtschaft der Zukunft'

- Rede des Präsidenten vor dem City Club in Cleveland -

INFORMATION
Hoher Offizier und Abrüstungsexperte als Leiter der ACDA nominiert
- Kurzbiographie von William Burns -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Eldorado der biomedizinischen Forschung
- "National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler
aus aller Welt -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

2

13. Januar 1988
REAGAN:

TECHNOLOGIE SCHAFFT WELTWEITE "WIRTSCHAFT DER ZUKUNFT"

- Rede des Präsidenten vor dem City Club in Cleveland WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan ist der festen Überzeugung, daß eine
neue weltweite "Wirtschaft der Zukunft" im Entstehen begriffen ist, in der
"der Intellekt die Materie ersetzt" und "Erfindungen des Menschen Rohstoffe
überflüssig machen".
In einer Ansprache vor dem City Club in Cleveland erklärte Reagan am 11.
Januar 1988, diese neue Wirtschaft werde durch das explosionsartige Anwachsen
technologischer Erfindungen angetrieben, die durch ein weltweites Netz von Investitionen und Kommunikationsmitteln verbunden werden. Im neuen Zeitalter
des Informationswesens seien die weltweiten Investitionsströme dorthin gerichtet, wo die größte Stabilität und die meisten Chancen bestehen, und "in überwältigendem Maß fließen diese in die Vereinigten Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in leicht gekürz
ter Fassung:

Ich möchte zu Ihnen über einen
Bereich sprechen, für den Freiheit
ebenso unabdingbar ist wie für die
Rede, einen Bereich, in dem sie mit
den Jahren ständig an Bedeutung gewinnen wird. Hiermit meine ich die
sich entwickelnde Wirtschaft der Zukunft, eine Wirtschaft voll großer
Herausforderungen und noch größerer
Chancen, wenn wir nur den Mut haben,
sie anzunehmen, die Vorurteile und
Engstirnigkeit der Vergangenheit über
Bord zu werfen und uns der wirtschaftlichen Freiheit in der ganzen
weit zu öffnen.

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Embassy of the United States of America

Ich sprach soeben von der Wirtschaft der Zukunft, dabei nimmt diese
schon heute in Geist und Vorstellungen von Unternehmern rund um den Globus Gestalt an.
Sie entsteht in
kleinen und großen Unternehmen, in
Fabriken und Universitäten, in Forschungs- und
Entwicklungszentren.
Angetrieben vom explosionsartigen An
wachsen technologischer Erfindungen
und verbunden durch ein weltweites
Netz von Investitionen und Kommunika
tionsmitteln, verwandelt sie unser
Leben mit solch atemberaubender Ge
schwindigkeit, daß der sogenannte

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�"gesunde
Menschenverstand"
kaum
Schritt halten kann.
Die dramatischen Veränderungen, deren Zeugen
wir bisher geworden sind, stellen jedoch lediglich eine schwache Andeutung dessen dar, was noch folgen wird.
Ich werde sogleich auf die praktischen und unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Wirtschaft zu sprechen
kommen, zunächst muß man jedoch verstehen, daß diese technologische Revolution in grundlegender Weise auch
eine moralische Revolution bedeutet.
Im Kern bedeutet sie eine Absage an
die Ratschläge der Verzweiflung, wie
wir sie in den siebziger Jahren so
häufig gehört haben.
Erinnern Sie sich noch an die
siebziger Jahre? Eine Zeit grassierender Inflation, exzessiver Besteuerung und wahnwitziger Zinsen, eines
Einbruchs beim Produktivitätswachstum
und stetiger Erosion der Investitionsanreize.
Aber noch übler als die Statistiken war eine Art Zusammenbruch des
Vertrauens.
In jenen Jahren machte
der Westen eine Erfahrung, die sich
nur als Vertrauenskrise im Hinblick
auf seine grundlegendsten Werte beschreiben läßt.
Zunehmend war von
einer sogenannten "Konvergenz" zwischen freier Welt und kommunistischem
Block die Rede. Manche behaupteten,
unsere Freiheiten seien ein Luxus,
den wir uns nicht mehr leisten könnten. Experten sprachen von begrenzten Ressourcen in einer schrumpfenden
Welt. In dieser Zukunft der Knappheit, so wurde uns gesagt, müßten die
freien Nationen einen zunehmenden
Teil ihrer wirtschaftlichen und politischen Freiheiten opfern und ein Anwachsen staatlicher Kontrolle hinnehmen.

Das amerikanische Volk erteilte
diesem Rat der Verzweiflung eine Abfuhr.
Es erkannte, daß die Krise
nicht die Werte betraf, sondern die
Führung, die nicht mehr an sie glaubte. Und es verlangte die Rückkehr zu
unseren Grundprinzipien - jenen Prinzipien der Freiheit und des Unternehmertums -, die dieses Land immer so
groß gemacht hatten.
Nun, der Weg zurück ist heute gut
dokumentiert: Wir senkten die Steuern, bezwangen die Inflation und befreiten unsere Wirtschaft von einschränkenden Vorschriften - und setzten dadurch die schöpferischen Energien des amerikanischen Volkes frei.
Das Ergebnis hätten sich die "Experten" vor acht Jahren niemals träumen
lassen:
etwa 14,5 Millionen neuer
Arbeitsplätze - mehr Arbeitsplätze
als in Europa und Japan zusammengenommen. Allein im vergangenen Jahr
wurden drei Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.
Das Beschäftigungsniveau, der Prozentsatz aller
beschäftigten Amerikaner über 16 Jahre, befindet sich auf Rekordhöhe.
Gerade hier in Cleveland fiel unter
Bürgermeister Voinovich die Arbeitslosenrate von 15 Prozent im Jahr 1979
auf unter zehn Prozent. Landesweit
stieg
die
Beschäftigungsrate
der
Schwarzen seit November 1982 um 26
Prozent, mehr als das Doppelte der
Zunahme unter den Weißen. Der Wirtschaftskolumnist Warren Brookes betrachtete diese Bilanz und kam zu
folgendem Schluß: "An jeder Front Arbeitsplätze,
Einkommen,
selbst
Wohlstand der Haushalte - waren diese
Jahre 1981 bis 1986 wirtschaftlich
die besten fünf Jahre in der Geschichte der Schwarzen."
Die Gründung neuer Unternehmen
erlebt weiterhin einen starken Aufschwung.
Die Arbeitsproduktivität,
ein Maßstab für die Solidität der

- 2 -

�Wirtschaft, hat den Rückgang der
siebziger Jahre überwunden und erreicht jetzt historische Zuwächse:
durchschnittlich fünf Prozent jährlich seit 1982 - mehr als das Anderthalbfache des Durchschnitts der Nachkriegszeit.
So eindrucksvoll diese
Zahlen auch sein mögen, so tragen sie
doch mehr zur Vernebelung als zur Erhellung dessen bei, was den wahren
Charakter unserer Fortschritte ausmacht. Der Wandel, ist qualitativer,
nicht quantitativer Natur. Wir beschleunigen nicht lediglich die Prozesse der Industriellen Revolution wir gestalten sie grundlegend um.
Lassen Sie mich Ihnen nur ein
Beispiel nennen, den Halbleiter oder
Computer-Chip.
Ein Wissenschaftler
stellt den folgenden Vergleich an:
Wäre die Technologie im Automobilbau
in den vergangenen 20 Jahren so rasch
vorangeschritten wie die Halbleitertechnologie, so würde ein Rolls Royce
heute weniger als drei Dollar kosten,
mit einer Gallone Treibstoff drei
Millionen Meilen weit fahren, genügend Kraft entfalten, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs davon
fänden auf dem Kopf einer Stecknadel
Platz.
Dies ist mehr als ein explosionsartiges Anwachsen der Produktivität mit Operationen in der geheimnisvollen Welt der Quantenphysik signalisieren die Computer von heute einen
Quantensprung in der Weltwirtschaft.
Mit hoher Geschwindigkeit bewegen wir
uns von der Wirtschaft der Industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die aus den Rohstoffen der
Erde gespeist wird und an diese gebunden ist - zur, wie es ein Wirtschaftswachswissenschaftler im Titel
seines Buches ausdrückte, Wirtschaft
des Geistes, in der menschliches Vorstellungsvermögen und schöpferische
Freiheit die kostbarsten Rohstoffe

sind.
Denken Sie noch einmal an diesen
kleinen Computer-Chip.
Jene Chips,
die treibende Kraft der modernen
Wirtschaft, werden aus dem in Sand
enthaltenen Silikon hergestellt, einer der weitverbreitetsten Substanzen
der Erde. Ihr Wert rührt nicht vom
Material her, aus dem sie bestehen,
sondern von der mikroskopisch kleinen
Architektur, zu der sie durch genialen menschlichen Intellekt geformt
wurde.
Zunehmend ersetzt in dieser neuen
Wirtschaft der Intellekt die Materie,
machen Erfindungen des Menschen Rohstoffe überflüssig.
Denken Sie zum
Beispiel an eine typische per Satellit übertragene Fernsehsendung, wie
etwa das Spiel der Browns vom Samstag. Dieser Satellit - ein Produkt
menschlichen Erfindergeistes - ersetzt Tausende von Tonnen Kupfer, die
aus der Erde geschürft und zu Draht
verarbeitet werden müssen.
Anstatt in einer Welt schrumpfender Rohstoffe eingesperrt zu sein,
sind wir im Begriff, über diese hinauszuwachsen, in ein neues Zeitalter
scheinbar grenzenloser Horizonte einzutreten.
Dies ist eine gute Nachricht für
die Menschheit - jedoch eine schlechte Nachricht für die Planwirtschaft.
Der zentral gelenkte Staat kann Me
talle abbauen oder Öl aus der Erde
pumpen.
Zwar weniger effizient als
eine freie Wirtschaft, kann er doch
große Fabriken und Fertigungsbänder
betreiben. Er kann jedoch nicht den
Unternehmergeist freisetzen. Er kann
nicht die Produkterprobung
freier
Märkte nachahmen, die Fülle von Experimenten, die Wissen und Fortschritt
erbringt. Keine Regierung kann den
Unternehmer hervorbringen oder diesen

- 3 -

�Funken des Erfindergeistes entzünden.
Alles, was Regierungen tun können,
ist, ihren Bürgern den Weg zu ebnen ihnen die Freiheit des Intellekts zu
geben.
Eine kürzlich erschienene Ausgabe
des Magazins "Fortune" faßte dies in
einem Beitrag mit dem Titel "Der Tod
des Sozialismus" zusammen.
Selbst
sozialistische Regierungen in Westeuropa senken heute die Steuern, während die Sowjetunion in dem Versuch,
nicht noch weiter zurückzufallen,
nach Wirtschaftsreformen strebt.
Vor über einem Jahrhundert prophezeite der englische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph John
Stuart Mill, der Wettbewerb zwischen
sozialistischen und freien Marktwirtschaften würde letztlich dadurch entschieden, welches System "im Einklang
mit dem größten Maß an menschlicher
Freiheit und
Spontaneität" stehe.
100 Jahre danach kennen wir das Ergebnis.
Sozialistische und kommunistische Systeme haben ihre Freiheiten aufgegeben, und alles was sie mit
ihrem Opfer erkauft haben, sind Stagnation und Leid.
Anstatt Konvergenz stellen wir
also eine zunehmende Divergenz zwischen Freien und Unfreien fest. Dirigistische Wirtschaftssysteme stagnieren, während die Länder des freien
Marktes und der niedrigen Steuern mit
Riesenschritten in ein neues Zeitalter des Wachstums eintreten - in eine
neue Weltwirtschaft.
Noch stärker als in der Vergangenheit ist diese neue Weltwirtschaft
die Wirtschaft einer Welt.
Unter
Führung der Amerikaner haben Unternehmer ein weltweites elektronisches
Netz geschaffen, das 24 Stunden täglich einsatzbereit ist und annähernd
mit
Lichtgeschwindigkeit
Kapital,

Ideen, Waren und Dienstleistungen
rund um die Welt in Bewegung hält.
Forschung, Entwicklung, Produktion,
Marketing und Investitionstätigkeit
finden heute auf weltweitem Niveau
statt.
Nehmen Sie zum Beispiel die Firma
Boeing.
Mit Hauptsitz in Seattle
baut sie den Rumpf ihrer neuen 76 7
mit Komponenten aus Japan und Ita
lien, die Triebwerke werden von ame
rikanischen Arbeitnehmern in Ohio mit
Teilen aus Schweden, Frankreich, der
Bundesrepublik Deutschland und Italien zusammengebaut. Oder nehmen Sie
zum Beispiel Honda. Das Unternehmen
baut heute Automobile in Marysville,
Ohio, die in Taiwan verkauft werden,
und prüft gegenwärtig die Möglichkeit, seine in den Vereinigten Staaten hergestellten Automobile in Japan
zu verkaufen.
In dieser neuen Weltwirtschaftsordnung werden nationale Grenzen zunehmend überflüssig. In diesem neuen
internationalen Zeitalter des Informationswesens folgen Unternehmer dem
Fluß ihrer Investitionen und diese
fließen dorthin, wo die größte Stabilität herrscht, sich die besten Möglichkeiten abzeichnen - in überwältigendem Maße fließen sie in die Vereinigten Staaten.
Wir sind uns der Diskussion über
das Handelsdefizit bewußt, sollten
uns jedoch vor einfacher Buchführung
hüten.
Die Habenseite belegt, daß
dank
der
wachsenden,
dynamischen
Wirtschaft der Vereinigten Staaten
159 Milliarden Dollar an ausländischem Kapital ins Land geflossen
sind. Handelsdefizite und der Zufluß
ausländischen Kapitals
sind nicht
notwendigerweise ein Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche.
Während der
ersten 100 Jahre der Geschichte unse
rer Nation, als wir uns von einer Ag-

- 4 -

�rarkolonie zur industriellen Führungsmacht der Welt entwickelten,
hatten die Vereinigten Staaten ein
Handelsdefizit zu verzeichnen. Heute, da wir die führende Stellung in
dem weltweiten Wandel vom Industriezum Informationszeitalter einnehmen,
ziehen wir immer noch Investitionen
aus der ganzen Welt an.

Mexiko hat einen Handelsüberschuß bei
Waren zu verzeichnen. Der Handel der
Vereinigten Staaten, die stets eine
Lokomotivfunktion bei der Ankurbelung
der Wirtschaft erfüllt haben, befindet sich in den roten Zahlen, da wir
dank unserer wachsenden Wirtschaft in
der Lage sind, die Waren der anderen
zu kaufen.

Einige bezeichnen dies als Verschuldung. Dieser Denkweise zufolge
wäre jedoch jede Gelegenheit, bei der
ein Unternehmen Aktien verkauft, ein
Anzeichen von Schwäche und es wäre
sehr viel besser, ein Unternehmen zu
leiten, in das niemand investieren
möchte als eines, in das jeder investieren will. Nehmen wir zum Beispei 1 die Hochtechnologie und das
schnelle Wachstum
in Kalifornien.
Milton Friedman zufolge stellt die
Verschuldung Kaliforniens gegenüber
anderen Bundesstaaten und dem Ausland
die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit weit in
den Schatten. Ist dies ein schlechtes Omen für Kalifornien? Im Gegenteil, man könnte sagen, es ist ein
Anzeichen von Stärke.

Diese
Ungleichgewichte
sollten
jedoch im Verlauf der Zeit reduziert
werden, und hier bieten sich zwei
Möglichkeiten an: Wir können uns wie
die anderen verhalten oder sie wie
wir. Wir können die Steuern erhöhen,
erneut Wirtschaftsbeschränkungen einführen und eine protektionistische
Gesetzgebung der Art verabschieden,
wie sie jetzt im Kongreß erörtert
wird.
Solche Maßnahmen werden das
Wachstum dieser Nation wirksam verlangsamen und
den internationalen
Handel lähmen. Wir werden die Produkte der anderen nicht kaufen können
und zweifelsohne wird niemand den
Wunsch hegen, Investitionen in unserem Land zu tätigen. Die Weltwirtschaft kann dann gemeinsam schrumpfen
und wir können uns schon jetzt auf
die Rufe der Experten gefaßt machen,
die dann zum wiederholten Male "Konvergenz" und die "Grenzen des Wachstums" predigen.

Historisch gesehen haben schnell
wachsende Wirtschaften häufig ein Defizit der Leistungsbilanz bei gleichzeitigen
Nettokapitalinvestitionen
aus dem Ausland zu verzeichnen. Dieser vorhersehbare und bis zu einem
gewissen Grad wünschenswerte Prozeß
ist durch das langsame Wachstum in
einigen Teilen Europas und die Notwendigkeit der hochverschuldeten Länder der Dritten Welt, für ihren
Schuldendienst Handelsüberschüsse zu
erwirtschaften, noch verschärft worden. Die Bundesrepublik Deutschland
hat in den vergangenen zehn Jahren
eine halbe Million Arbeitsplätze verloren und dennoch im Warenhandel einen Überschuß zu verzeichnen. Auch

Die andere Lösung wäre, daß sie
sich wie wir verhalten und eine Politik der niedrigen Steuern und der
Wachstumsförderung
verfolgen.
Den
Handel ermutigen, statt zu entmutigen
- ihn freier, fairer und vielfältiger
gestalten. Gemeinsam mit den anderen
Nationen an einem kooperativen Aufwärtstrend des Wachstums mitzuarbeiten, an dem alle teilhaben. Die Möglichkeiten der neuen Weltwirtschaft
ausschöpfen.
In der Tat können wir dies bereits beobachten. Einige der führen-

- 5 -

�den Industrienationen sind dem Beispiel der Vereinigten Staaten gefolgt
und haben zur Ankurbelung des Wachstums die Grenzsteuersätze gesenkt.
Diese Änderungen und andere Marktkräfte haben schon jetzt eine starke
Nachfrage nach amerikanischen Exporten ausgelöst - bei erwartetem anhaltendem Wachstum.
Ich möchte damit nicht behaupten,
daß es keine Probleme gibt - das Problem, das selbst ein Blinder ausmachen kann, ist das amerikanische
Haushaltsdefizit. Dieses Defizit ist
peinlich und bedauerlich und vielleicht am gefährlichsten, weil es den
vollständigen Zusammenbruch einer der
grundlegendsten Funktionen der Regierung der Vereinigten Staaten signalisiert.
Wir haben jedoch bereits einige
Fortschritte erzielt. Zum ersten Mal
in 14 Jahren hat die amerikanische
Regierung im letzten Jahr verglichen
mit dem Vorjahr in realen Zahlen weniger ausgegeben. Wir haben das Defizit des vergangenen Jahres um 75
Milliarden Dollar verringert und beide Häuser des Kongresses haben mit
mir einen Zweijahresplan zur Reduzierung
des
Defizits
unterzeichnet.
Dies sind Schritte in die richtige
Richtung, die einen ausgeglichenen
Haushalt zur Folge haben werden und
zwar ohne die Härten der linearen
Kürzungen des Gramm-Rudman-Ho11ingsGesetzes.
Aber es bleibt noch viel zu tun.
Wenn wir uns nicht vorsehen, werden
wir erneut in die Fehler der Vergangenheit verfallen - gebrochene Versprechen und ungebremste Ausgaben.
Es ist Zeit, die Wurzel des Problems
anzugehen - es ist an der Zeit, den
funktionsunfähigen
Haushaltsprozeß
wieder in Ordnung zu bringen.

Kurz vor Weihnachten hat der Kongreß ein großes Paket an meiner Tür
abgeliefert. Es war die 1 000 Seiten
umfassende
Haushaltsfortschreibung,
die alle Ausgaben der amerikanischen
Regierung bewilligt. Zum zweiten Mal
nacheinander hat der Kongreß keinen
einzigen der 13 Einzeletats rechtzeitig verabschiedet. Er hat sie nur zu
einer Billionen-Dollar Goldgrube aufgeschüttet .
Wie wäre es mit einem Vorsatz für
das neue Jahr:
ein Haushalt, der
glaubwürdig und zuverlässig ist. Ein
Ausgabenplan, der rechtzeitig vorliegt und durchführbar ist und die
Regierung nicht an den Rand des
Scheiterns bringt. 13 handliche Einzelhaushalte und nicht ein gigantisches Sammelsurium. Ich werde die
sen Vorsatz fassen und hoffe, die 535
Abgeordneten, die Ihre Vertreter im
Kongreß der Vereinigten Staaten sind,
werden sich dies ebenfalls zum Vorsatz machen.
Es gibt noch weitere Änderungen,
mit denen dieser Prozeß erneuert werden kann.
Die Verfassung verleiht
dem Präsidenten das Recht, ein Veto
einzulegen, und dem Kongreß die Be
fugnis, dieses Veto aufzuheben. Als
unsere Vorväter dieses historische
Dokument entwarfen, waren sie sich
des Dilemmas sicherlich nicht gewahr,
in dem sich der Präsident heute be
findet - entweder sein Veto gegen ein
für die Wahrnehmung der Regierungsge
Schäfte notwendiges Haushaltsgesetz
einzulegen oder ein Gesetz zu unterzeichnen, das wenig zur Förderung des
nationalen Wohlstands beiträgt.
Lassen Sie mich einige der bevorzugten Themen des Kongresses aufzählen:
Selbst in dieser Zeit von
Gramm-Rudman, in der unser Verteidigungshaushalt bis aufs äußerste ge
kürzt wird, hat der Kongreß entschie
6 -

�den, daß die Spargelforschung von
vordringlicher nationaler Notwendigkeit ist. Auch für Kernobst wurden
großzügig Mittel bereitgestellt, aber
das große Geld floß in die politisch
kalkulierten Projekte wie Straßen,
Autobahnen, Staudämme.

•

Kein Präsident sollte mit dem Angebot "Alles oder Nichts" konfrontiert werden. Es ist an der Zeit,
dem Präsidenten dasselbe Recht zu gewähren wie den 43 Gouverneuren - ein
selektives Veto. Bis dies geschieht,
wird der Kongreß die Verantwortung
dafür übernehmen müssen, daß ungerechtfertigte Zusatzartikel nicht zum
Bestandteil der notwendigen Gesetze
werden, die mir vorgelegt werden.
Im Verlauf dieser Jahre hat sich
unser Land zur Feier des Jahrestages
der Unterzeichnung und Ratifizierung
unserer Verfassung versammelt.
Je
mehr ich über dieses erhabene Dokument nachdenke, desto eher gelange
ich zu derselben Schlußfolgerung wie
George Washington, daß es sich hierbei um mehr als ein Produkt menschlichen Erfindungsgeistes handelt
daß auch, wie Washington glaubte, die
göttliche Vorsehung ihre Hand dabei
im Spiel hatte.

,

»

Zweihundert Jahre später dient
dieses Dokument nicht nur unserer Nation, sondern der ganzen Welt als
Leitfaden, da wir ins 21. Jahrhundert
eintreten.
Gelegentlich
vergessen
wir, daß der ursprüngliche Zweck der
verfassunggebenden Versammlung darin
lag, eine Lösung für die Handelskonflikte zu finden, die zu jener Zeit
die Vereinigten Staaten entzweiten.
Im Jahr 1787 warnte die Connecticut
Gazette, die Handelskonflikte zwischen Georgia und Virginia könnten zu
einer "Verarmung oder dem verhängnisvollen Zusammenbruch" des Handels in
Virginia führen.
Zwischen einigen

Staaten waren tatsächlich Kämpfe ausgebrochen. Blut war vergossen worden.
Die neue politische Einheit,
die in Philadelphia erzielt wurde,
war vielleicht ebenso bedeutend wie
der wirtschaftliche Durchbruch - die
Grundsätze, die Amerika zur größten
Freihandelszone der Welt machen sollten, zu einer kontinentalen Wirtschaft.
Als die Verfassung niedergelegt
wurde, dauerte es länger von Washington nach Richmond in Virginia zu reisen als heute von Washington nach
Tokio.
Die Anforderungen der neuen
Weltwirtschaft
überschreiten
politische Grenzen. Wie vielen von Ihnen
bekannt sein dürfte, haben Premierminister Mulroney und ich am Wochenende
nach Neujahr ein historisches Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada unterzeichnet - ein Abkommen, das meinen im Innersten gehegten Hoffnungen zufolge
den Weg zu dieser neuen Weltwirtschaft ebnen wird, in der nationale
Grenzen wie die Grenze zwischen den
Vereinigten Staaten und Kanada werden: eher ein Treffpunkt denn eine
Trennungslinie.
Die sich wandelnden wirtschaftlichen Realitäten - deren Produkte
zunehmend in Informationen bestehen,
die mit Lichtgeschwindigkeit um die
Welt übermittelt werden können - diese neuen wirtschaftlichen Realitäten
diktieren die Weltwirtschaft.
Aufgrund unserer Erfahrungen mit der
kontinentalen Wirtschaft sind wir in
einzigartiger Weise dafür geschaffen,
die Welt in ein neues Zeitalter der
wirtschafliehen
Zusammenarbeit
zu
führen und diese "Stadt auf dem Hügel", die Amerika ist, zu einer universellen Stadt zu machen.
Die Losung dieses neuen Zeitalters heißt Freiheit - freies Unter-

- 7-

�nehmertum, freier Handel, Freizügigkeit, die Freiheit zur Emigration.
Freiheit - die Freisetzung der kreativen Energien aller Menschen auf der
Welt. Das ist die Herausforderung,
die sich uns in den achtziger Jahren
stellt. Wir brauchen nur den Mut,
ihr zu begnen.

* * * * *

- 8 -

�AMERIKA DIENST
Information
13. Januar L988

HOHER OFFIZIER UND ABRÜSTUNGSEXPERTE ALS LEITER DER ACDA NOMINIERT
- Kurzbiographie von William Burns -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Reagan als neunter Direktor des USAmts für Rüstungskontrolle (ACDA) nominierte Generalmajor Willi.im Btrns jilt
vreithin als Verfechter eines pragmatischen Kurses In der Rüsttngskontrolle.
Gegenwärtig ist Burns zweiter Mann im Büro für militärisch-politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium und hat das Amt a'.s Leiter der
Unterabteilung für Rüstungskontrolle inne.

Im Falle seiner Bestätigung durch
den Senat würde Burns der Nachfolger
von Kenneth Adelman als Direktor der
ACDA.
Adelman hatte seinen Posten
nach dem Washingtoner Gipfel vom Dezember abgegeben.
Allgemein gilt Burns im Vergleich
zti seinem Vorgänger als gemäßigter
und weniger umstritten als einige der
wichtigsten Beteiligten am Prozeß der
Rüstungskontrolle.
Burns war an den Verhandlungen
über den von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow während des
Washingtoner Gipfels im vergangenen

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Jahr unterzeichneten IN?-Vertrag beteiligt.
Aus diesem G-und erwartet
man, daß er die Bemühungen der Administration um die Ratif izieiung dieses Vertrags durch den Senat wesentlich unterstützen wird. Die Anhörungen zur Ratifizierung beginnen am 25.
Januar.
Auf dem Capitol Hil L sind Spekulationen laut geworden, denen zufolge
die Nominierung von Burns auf Widerstand
konservativer Mitglieder des
Kongresses
wie
etwa
des
Senators
Jesse Helms treffen könnte.
Demgegenüber erklärte jedoch der Sprecher
des Weißen Hauses Marlin Fitzwater:

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�"Wir sind zuversichtlich, daß er bestätigt wird." Er beschrieb den Nominierten überdies als "hervorragenden Kandidaten".
Senator Clairborne Pell, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
des Senats, der über die Nominierung
von Burns abstimmen wird, äußerte die
Meinung, die zivile Rüstungskontrollbehörde solle nicht von einem Militär
geleitet werden. Burns wird jedoch
vor seinem Amtsantritt als Leiter der
ACDA seinen Abschied von der Armee
nehmen und auf seinen militärischen
Rang verzichten.
Dies wird jedoch
nicht vor seiner Bestätigung durch
den Senat geschehen.
Burns wird ebenfalls einen Beitrag zu den weiteren Verhandlungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zur Reduzierung der
strategischen Waffen (START) leisten,
wodurch die Zahl der Langstreckenraketen in den Arsenalen der beiden Supermächte verringert werden soll.
Diese Verhandlungen werden am 14. Januar in Genf wiederaufgenommen, wobei
die Unterhändler hoffen, einen zweiten Rüstungskontrollvertrag im Rahmen
des
für
das
Frühjahr
geplanten
Reagan-Besuchs zur Unterzeichnung in
der Sowjetunion vorbereiten zu können.
Im Rahmen seiner bisherigen Verwendungen hat Burns die von Präsident
Reagan 1983 Ins Leben gerufene Strategische Verteidigungsinitiative unterstützt. Mit dem SDI-Programm, das
sich gegenwärtig noch im Forschungsstadium befindet, soll die Bedrohung
durch
ballistische
Raketen abgeschafft werden.
Von November 1981 bis Juni 1984
war der designierte Leiter des US-Rüstungskontrollamtes Delegierter der
Vereinigten Stabchefs bei den INFVerhandlungen in Genf.

Davor hatte er von 1984 bis 1985
erneut eine Verwendung als stellvertretender Kommandant der Carlisle Kaserne in Pennsylvania beim US-Army
War College inne.
Im Februar 1985 kehrte er als Delegierter der Vereinigten Stabschefs
bei der INF-Verhandlungsgruppe
in
Genf ins Pentagon zurück und blieb
bis Dezember 1986 in dieser Position.
General Burns hatte von 1954 bis
heute verschiedene Funktionen im amerikanischen Heer inne; von 1981 bis
1982 war er Direktor der Sondergruppe
für Waffensysteme zur Truppenunterstützung in Fort Sill, Oklahoma; von
1980 bis 1981 diente er als stellvertretender Kommandant der Feldartillerie^chule
der
amerikanischen
Streitkräfte in Fort Sill, von 1978
bis
1980
in
der
Bundesrepublik
Deutschland als Verbindungsoffizier
beim U.S. Army Training and Doctrine
Command in Bonn; von 1976 bis 1978
war er Kommandeur der 42. Field Artillerie Group bei der U.S. Army
Europe und von 1972 bis 1976 Direktor
der wirtschaftspolitischen Abteilung
beim Institut für Studien zur nationalen und internationalen Sicherheit
am Army War College der Carlisle Käse rne.
General Burns schloß sein Studium
am LaSalle College im Jahr 1954 mit
dem B.A. ab; 1969 erwarb er den Magister für internationale Studien von
der Woodrow Wilson School of Public
and International Affairs an der Universität Princeton.
Burns wurde am 23. Juni 1932 in
Scranton, Pennsylvania, geboren. Er
ist verheiratet und hat vier Kinder.
Sein Wohnort ist Fort Myer, Virginia.

- 2 -

* * * * *

�ceoST&gt;

V,DN #

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
13. Januar 1988

ELDORADO DER BIOMEDIZINISCHEN FORSCHUNG
'National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler
aus aller Welt -

WASHINGTON - (AD) - Die Freiheit, zu forschen, und ein Arbeitsklima, das
den einzelnen fordert und fördert zugleich, sind offenbar ganz wichtige Voraussetzungen für überragende wissenschaftliche Leistungen. Die Entwicklung
der "National Institutes of Health" (NIH), der Biomedizinischen Forschungsan
stalten der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland), und die Erfolge ihrer
Mitarbeiter haben dies in den letzten Jahrzehnten überzeugend demonstriert.

An
der. "Gesundheitsinstituten"
sind heute etwa 14 000 Personen beschäftigt. Mehr als 3000 sind Wissenschaftler - aber fast zwei Drittel
von ihnen gehören nicht den medizinischen Fachrichtungen an, sondern
sind Biologen, Biochemiker und Mikrobiologen verschiedenster Spezialisierung. Neuerdings zählen auch Ökologen und Sozialwissenschaftler zur
Kollegenschaft.
Sie alle wissen um
die Besonderheit und um die Vorzüge
ihrer Arbeitsstätte. Zwar locken erheblich besser dotierte Positionen in
der Industrie und an Universitäten.

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Aber die meisten ziehen die Atmosphä
re dieser "vollkommensten Form einer
Alma Mater" vor.
So
jedenfalls
charakterisierte
Dr. Roy Vagelos, ehemaliger NIH-Stipendiat, jetzt Vorstandsvorsitzender
der Fa. Merck &amp; Co., die "National
Institutes of Health" auf der Eröffnungsveranstaltung zu den Hundertjahrfeiern im vergangenen Jahr. Die
se zogen sich bis Ende 1987 hin meist waren es Begegnungen mit ehema
ligen
Kollegen,
insbesondere
mit
Gastforschern aus aller Welt.
Die

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�Veranutaltungen hatten aber auch »um
Ziel, der Öffentlichkeit die Schwerpunkte der hier betriebenen Forschungsarbeit und ihre Bedeutung für
die Erhaltung und Wiederherstellung
der Gesundheit zu erläutern. Junge
Menschen bekamen Gelegenheit, sich
über Karrieren in den vielfältigen
Fachgebieten zu informieren, sich
vielleicht auch von der Begeisterung
der "Aktiven" anstecken zu lassen.
Dieses in seiner Art wohl einzigartige Zentrum nahe der Bundeshauptstadt Washington bildet heute einen
der Hauptpfeiler für die Führungsposition Amerikas in der biomedizinischen Forschung.
Es wird ausschließlich mit Bundesmitteln finanziert, ist in der Verwendung der Gelder aber autonom. Und NIH-Direktor
Dr. James B. Wyngaarden wacht mit dem
Verwaltungsgremium darüber, Versuche
zu bürokratischem "Mikromanagement"
von draußen schon im Ansatz abzuwehren.
Die
wissenschaftliche
Aus- und
Weiterbildung von gut einem Drittel
aller Jungakademiker, die sich in den
USA für die immer stärker aufgefächerten Sektoren der Biomedizin spezialisieren, wird von hier aus gefördert.
Wer zumindest zeitweise in
Bethesda arbeiten will, muß durch besondere Leistungen während des Studiums und durch Publikationen bereits
aufgefallen sein. Aus den Instituten
selbst kommen Jahr für Jahr etwa
2 000 neue wissenschaftliche Berichte.
Fast 70 Amerikaner, die seit
1939 mit dem Nobelpreis für Medizin
und Physiologie ausgezeichnet wurden,
erhielten für ihre Arbeiten Unterstützung durch die "National Institutes of Health". Aus den Instituten
in Bethesda selbst sind vier dieser
Laureaten hervorgegangen.

Kur etwa ein Fünftel des Jahresetats, der derzeit 6,2 Milliarden
Dollar beträgt (und den der Kongreß
in der Regel großzügiger bemißt als
die Regierung in ihren Haushaltsansätzen), verbleibt in der Zentrale.
Mit den übrigen Mitteln werden Forschungsvorhaben
einzelner
Wissenschaftler und Laboratorien in anderen
Instituten im Lande, aber auch im
Ausland gefördert. So gehen von den
70 Millionen Dollar, die NIH jährlich
für internationale Aktivitäten bereitstellt, mehr als 30 Prozent an
ausländische Forscher. Das "Fogarty
International Center" fördert die Zusammenarbeit amerikanischer Wissenschaftler mit Kollegen in der ganzen
Welt. Derzeit sind die "National Institutes of Health" an 57 bilateralen
Abkommen mit 32 Ländern beteiligt.
Gastforscher aus dem Ausland und vorübergehend in den USA tätige Wissenschaftler aus mehr als 70 Ländern
leisten gegenwärtig Beiträge zu Untersuchungen auf nahezu jedem Gebiet
der Biomedizin.
Wanda Pifer, die Leiterin der
Auslandsabteilung, berichtet, daß zur
Zeit etwa 1600 ausländische Forscher
in den Laboratorien von Bethesda tätig seien und zwischen einem Jahr und
drei Jahren in den Vereinigten Staaten blieben. Seit 1969 nahmen mehr
als 130 ausländische Gelehrte von internationalem Ruf an dem Programm
"Scholars-in-Residence"
teil,
das
sich als besonders produktiv erwiesen
habe.
So veröffentlichte ein indischer Gelehrter in den letzten zwei
Jahren in Zusammenarbeit mit Forschern in den USA und Indien eine Anzahl wissenschaftlicher Berichte über
die Entwicklung von Lepra-Impfstoffen.
Ein britischer Forscher koordinierte die Arbeit einer internationalen Gruppe zur Entwicklung einer experimentellen Vakzine gegen die erworbene Immunschwächekrankheit AIDS.

- 2 -

�*

*

,
»

Dr. Robert
Gallo vom Nationalen
Krebsinstitut, in dessen Laboratorium
zum ersten Mal HIV-Kulturen gezüchtet
und damit Möglichkeiten zum Studium
der AIDS-Erreger und zur Entwicklung
von Antikörper-Tests geschaffen wurden, firmiert mt seinen Mitarbeitern
als die ":Regenbogen-Koalition" - so
bezeichnet wegen der zahlreichen Nationalitäten, die in der Gruppe vertreten sind.
Zwölf Fachinstitute, mit modernsten Laboratorien und technischen
Hilfsmitteln ausgestattet, dazu eine
Klinik mit 540 Betten, sind Kernelemente der "National Institutes of
Health".
Ihre Bibliothek verfügt
über die umfassendste Literatur der
Welt, was die biomedizinischen Wissenschaften angeht.
Schon in den
sechziger Jahren wurden Datenbanken
für die fortlaufende Aktualisierung
des "Index medicus"-Katalogs benutzt.
Und modernste Mittel der Nachrichtentechnik, einschließlich Satelliten,
werden eingesetzt, um Forschern in
aller Welt jederzeit Zugang zu den in
Bethesda gespeicherten Informationen
zu ermöglichen.
NEH arbeitet mit
1300 ausländischen Forschungszentren
eng zusammen. Für die Auswahl, technische Vorbereitung und Koordinierung
eigener
Studienprojekte
sind
in
Bethesda vier Sonderabteilungen eingerichtet.
In den "klassischen" NIH-Instituten befaßt man sich mit dem Studium
von Krebs unter allen nur erdenklichen Gesichtspunkten, von Herz-,
Lungen- und Blutkrankheiten, von Skelett- , Gelenk- und
Stoffwechselerkrankungen, von Allergien und Infektionen, neurologischen und muskulären
Erkrankungen, von Nieren-, Harnwegsund Hautkrankheiten, von endokrinen
Störungen und solchen der Nahrungsverwertung, mit der Erforschung von
Störungen des Hör-, Sprech- und Seh-

vermögens , mit der menschlichen Entwicklung und der Reproduktionsmedizin. Die Institute für Gerontologie,
die Untersuchung der Gesundheitsbeeinträchtigung durch Umweltbelastungen (dieses Institut ist in Research
Triangle Park, North Carolina, ansässig) und das Nationale Zentrum für
Pflegeforschung kamen erst in jüngerer Zeit hinzu.
Über die meisten
Ausbildungsplätze (fast dreimal mehr
als z.B. im Herz- oder Krebsinstitut)
verfügt das Institut für allgemeine
medizinische Forschung, wo man sich
mit Grundlagenproblernen befaßt - von
der Zellbiologie über Genetik und
Pharmakologie bis zu systemischen Re
aktionen des menschlichen Organismus
auf traumatische Einwirkungen und auf
Anästhesie.
In das Krankenhaus werden Patienten ausschließlich unter Gesichtspunkten der Forschung aufgenommen.
In den Instituten erarbeitet« Therapien für schwer behandelbare oder
seltene
Erkrankungen
werden
hier
erstmals erprobt. Nur durch die Vermittlung ihres Arztes können Patienten aus den USA oder anderen Ländern
nach Bethesda kommen, sofern ihre Erkrankung in den Rahmen der jeweils
laufenden
Forschungsprojekte
paßt.
Ist dies der Fall, können sie mit
kontinuierlicher Betreuung durch ihre
NIH-Ärzte rechnen.
NIH-Forschungsergebnisse
führten
z.B. zur Verringerung von Todesfällen
infolge Herzerkrankungen, Krebs und
Schlaganfall. Die hier entwickelten
Programme zur Gesundheitserziehung,
in denen Rauchen, hoher Cholesterinspiegel und Bluthochdruck als Risikofaktoren erklärt und herausgestellt
sind, führten im Verein mit besserer
medizinischer Versorgung und Vorbeugung bereits zu einem Rückgang der
Todesfälle durch Herzkrankheiten in
Nordamerika um 30 Prozent, in Belgien

- 3 -

�und Japan um 25 Prozent.
Laut Dr. Peter Frommer vom Nationalen Herzinstitut steigt jedoch in
vielen anderen Teilen der Welt die
Sterblichkeitsrate durch Herzkrankheiten eher an. Dies gelte vor allem
für Entwicklungsländer und Länder des
pazifischen Raumes, die mehr und mehr
den westlichen Lebensstil übernähmen.
Japan bilde hier allerdings eine Ausnahme. Auf dem Gebiet der Therapie
haben amerikanische Forscher, wie
Frommer weiter berichtete, den Weg
zur Ausrottung rheumatischer Herzerkrankungen gewiesen. In den USA gebe
es sie so gut wie nicht mehr. Jedoch
zählten sie z.B. in Indien, Ägypten
und vielen Ländern der Dritten Welt
noch immer zu der häufigsten Form von
Herzkrankheiten.
Die Pionierarbeit,
die in Amerika auf dem weiten Feld
der Herzchirurgie geleistet wurde,
bedarf eigentlich gar keiner Erwähnung.
Das 1981 in Angriff genommene
Programm zur beschleunigten Entwicklung neuer Vakzine am Institut für
Allergie
und
Infektionskrankheiten
ist derzeit auf zehn Impfstoffe konzentriert. Sie gelten in erster Linie der Bekämpfung der Malaria, von
Typhus, Streptokokken-Pneumonie und
Infektionen mit Rotaviren. Streptokokken-Pneumonie hat in den letzten
Jahren in den Entwicklungsländern
zahlreiche Todesfälle bei Kindern
verursacht.
Ein Impfstoff für Erwachsene wurde in den USA bereits zugelassen. Aber er ist bei kleinen
Kindern wenig wirksam. Auf dem Gebiet der Rotaviren arbeiten amerikanische und japanische Forscher besonders intensiv. Die Erreger sind für
etwa 50 Prozent viraler Durchfallerkrankungen verantwortlich, die in der
Dritten Welt vielen Kleinkindern den
Tod bringen.

Wissenschaftler der "National Institutes of Health" und japanische
Forscher erzielten außerdem wichtige
Fortschritte
zur
Entwicklung
von
Schluckimpfstoffen
gegen
Cholera.
Bei Versuchen an Freiwilligen zeigte
sich, daß sie immun machen, jedoch
eine leichte Durchfallerkrankung auslösen. Jetzt sucht man nach Möglichkeiten, unerwünschte Nebenwirkungen
auszuschalten.
Cholera, Typhus und
andere, durch die Passagiere von Einwandererschiffen
eingeschleppte
Krankheiten waren übrigens im Jahr
1887 der Anlaß für die Einrichtung
eines kleinen Hygienelabors in einer
Mansarde
des
Marinehospitals
auf
Staten Island (New York), der "Urzelle" der Gesundheitsinstitute.
300
Dollar standen damals Joseph Kinyoun
zur Verfügung, der gerade von einem
Studienaufenthalt in Europa zurückge
kehrt war. Dort hatte er u.a. bei
Robert Koch, dem Begründer der expe
rimentellen Bakteriologie und Entdek
ker der Tuberkulose- und Cholera-Erreger, gearbeitet. Im Jahr 1891 wurde das Labor nach Washington verlegt,
1938
konnten
die
Institute
in
Bethesda bezogen werden.
AIDS ist gegenwärtig ein besonde
rer Schwerpunkt, und Forschungen ame
rikanischer Wissenschaftler, insbe
sondere von der "National Institutes
of Health", zu dieser Krankheit sind
in der ganzen Welt im Gang. Beispielsweise wurde auch der Einsatz
von AZT (Azidothymidin), des ersten
und bisher einzigen Medikaments, das
zur Behandlung AIDS-Kranker entwikkelt und zugelassen ist, an den NIH
erprobt. Aber das heißt nicht, daß
nun andere, als wichtig erkannte Aufgaben in den Hintergrund träten.

* * * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 13.01.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Technologie schafft weltweite "Wirtschaft der Zukunft"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;City Club in Cleveland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoher Offizier und Abrüstungsexperte als Leiter der ACDA nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie von William Burns&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eldorado der biomedizinischen Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler aus aller Welt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

20. Januar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Kampelman;

Vereinigte Staaten zu Halbierung strategischer Waffen

bereit
Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag:

Die richtigen Lehren ziehen

- Von Richard R. Burt -

Empfehlungen zur langfristigen Sicherheitsstrategie
- Bericht über "selektive Abschreckung " -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NASA geht auf Sicherheit
- Shuttle-Start eventuell im August -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

**

20. Januar 1988

KAMPELMAN:

VEREINIGTE STAATEN ZU HALBIERUNG STRATEGISCHER WAFFEN BEREIT
- Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche -

GENF - (AD) - In der am 14. Januar 1988 begonnenen neunten Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen (NST) haben die Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft erklärt, das Ziel des START-Vertrages - die Reduzierung
strategischer Waffen um 50 Prozent - weiterzuverfolgen. Dies erklärte Botschafter Max Kampelman kurz nach seiner Ankunft in Genf am 13. Januar. Die
Vereinigten Staaten arbeiteten auf die Fertigstellung eines START-Vertrages
"zum frühestmöglichen Zeitpunkt, möglichst rechtzeitig für eine Unterzeichnung
beim nächsten Gipfeltreffen in Moskau in der ersten Jahreshälfte" hin.
Die Erklärung Botschafter Kampelmans hat folgenden Wortlaut:

Die
amerikanische
Delegation
sieht erwartungsvoll dem Beginn der
neunten Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen mit der Sowjetunion entgegen, die morgen, am
14. Januar, beginnt.
Unsere Verhandlungen, die vor 34
Monaten an diesem Ort begannen, waren
schwierig aber produktiv. Als Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow am 8. Dezember 1987 den 129
Seiten umfassenden INF-Vertrag unterzeichneten, wurde
ein bedeutender
Fortschritt erzielt. Die Beseitigung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einer ganzen Kategorie sowjetischer
und amerikanischer Atomraketen mit
Reichweiten zwischen 500 und 5 500
Kilometern geht weit über jedes in
der Vergangenheit geschlossene Rüstungskontrollabkommen hinaus.
Der
Vertrag stellt eine dramatische Demonstration dafür dar, daß geduldiges, realistisches und ernsthaftes
Verhandeln zu einer Übereinkunft führen kann, die im Interesse beider
Seiten liegt und einen entscheidenden
Beitrag zur weltweiten Stabilität und
zum Weltfrieden leistet.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die amerikanische Delegation ist
jedoch heute nicht deshalb nach Genf
zurückgekehrt, um über die Errungenschaften von gestern zu sprechen.
Dasselbe geduldige, realistische und
ernsthafte Verhandeln, das einen guten INF-Vertrag hervorgebracht hat,
hat ebenso zu bedeutenden Fortschritten in den anderen Bereichen dieser
Verhandlungen über Nuklear- und Weltraumwaffen geführt. Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow haben
die beträchtlichen Fortschritte zur
Kenntnis genommen und auf ihnen aufgebaut, die hier in Genf in Richtung
auf den Abschluß eines START-Vertrages erzielt wurden, durch den die
strategischen Offensivwaffen um 50
Prozent reduziert würden. Die beiden
Politiker haben uns beauftragt, auf
den Abschluß eines START-Verträges
zum frühestmöglichen Zeitpunkt hinzuarbeiten, möglichst rechtzeitig für
eine Unterzeichnung während des nächsten Gipfeltreffens in Moskau in der
ersten Jahreshälfte.
Die amerikanische Delegation ist bereit, dieses
Ziel weiterzuverfolgen und ihren Teil
der Verantwortung zu übernehmen.
Dies wird keine leichte Aufgabe
sein. Trotzdem arbeiten beide Seiten
bereits auf der Grundlage eines gemeinsamen Vertragsentwurfs. Wir haben auf unserer Übereinkunft aufgebaut, unsere strategischen Waffen um
50 Prozent zu reduzieren, indem wir
dieser Übereinkunft wichtige Zahlen
hinzugefügt haben. Wir haben uns auf
gleiche Obergrenzen von 1 600 Trägersystemen mit nicht mehr als 6 000 Gefechtsköpfen, und innerhalb dieser
Obergrenze von 6 000 auf eine Begrenzung von 4 900 Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen und eine Begrenzung auf 1 540 Gefechtsköpfe auf
den sogenannten schweren Raketen geeinigt.
Es wird eine 50prozentige
Reduzierung des Wurfgewichts geben.
Durch diese Zahlen werden unsere vi-

talen
Sicherheitsinteresses
geschützt, während wir zu bedeutenden
Reduzierungen übergehen.
Weiterhin
bestehen
erhebliche
Meinungsverschiedenheiten, die gelöst
werden müssen. Und wir sind uns auch
der enormen Herausforderung gewahr,
eine Übereinkunft über einschneidende
und wirksame Verifizierungsmaßnahmen
zu erzielen, die über die im INF-Vertrag vereinbarten hinausgehen müssen.
Ein zweites Ziel dieser Verhandlungen besteht darin, auf einen Vertrag im Bereich der strategischen
Verteidigung hinzuarbeiten.
Sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion - wie von Generalsekretär
Gorbatschow unlängst bestätigt wurde
führen umfangreiche Forschungsarbeiten durch, um zu klären, ob mit
Hilfe moderner Technologien Verteidigungssysteme gegen ballistische Atomraketen entwickelt werden können.
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow haben sich darauf verständigt, daß keines unserer beiden
Länder sich innerhalb eines bestimmten, noch nicht definierten Zeitraums
vom ABM-Vertrag zurückziehen wird.
Unserer Meinung
nach bedeutet
dies, daß unsere grundlegenden Forschungs-, Entwicklungs- und
Erprobungsprogramme innerhalb dieses bestimmten Zeitraums andauern werden.
Vor Zustandekommen einer Gelegenheit
zu umfassenden Konsultationen zwischen uns wird keine Seite möglicherweise entwickelte moderne Verteidigungssysteme stationieren. Wir würden mit diesen Konsultationen gerne
schon heute beginnen. In jedem Fall
sind wir mit den Sowjets übereingekommen, damit spätestens drei Jahre
vor Ende des festgelegten Zeitraums
zu beginnen, nach dessen Ablauf es
jeder Seite freistehen wird, ihre
Handlungsweise selbst zu bestimmen,

- 2 -

�falls sich die Seiten bis dahin nicht
anderweitig verständigt haben.
Die Vereinigten Staaten sind voll
und ganz davon überzeugt, daß im Bereich der strategischen Verteidigung
die Stabilität zwischen unseren Ländern und in der Welt gestärkt würde,
wenn wir uns auf Maßnahmen verständigen könnten, um die Berechenbarkeit
im Bereich der strategischen Verteidigung zu verbessern. Wir werden die
sowjetische Delegation in eine Diskussion über die Frage einbinden, wie
diese Berechenbarkeit auf eine Art
und
Weise
gesichert
werden
kann,
durch die Abschreckung gestärkt, Vertrauen gebildet und damit das Atomkriegsrisiko verringert werden kann.

Konteradmiral Dean Sackett zur Seite
stehen wird, der als Delegierter der
Vereinigten Stabschefs das Amt des
Stellvertreters inne hat; und Henry
F. Cooper, der die Verhandlungsgruppe
über Nuklear- und Weltraumwaffen leiten wird und dessen Assistent William
Courtney bis vor kurzem Mitglied des
Arbeitsstabs des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus war.
Ich
werde weiterhin die Aufgabe als Leiter der amerikanischen Delegation bei
diesen Gesprächen wahrnehmen.

Die zu Beginn dieser entscheidenden Verhandlungsrunde vor uns liegenden Aufgaben sind eindeutig.
Wir
müssen
auf
den
bereits
erzielten
Fortschritten aufbauen und die noch
bestehenden
wichtigen
Meinungsverschiedenheiten ausräumen.
Die Vereinigten Staaten werden ernsthaft,
konstruktiv und in gutem Glauben verhandeln. Es gibt jedoch keine Garantien für einen Erfolg.
Wir streben
Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion an, die unsere beiderseitige Sicherheit sowie auch die Sicherheit der gesamten Welt verbessern.
Wir würden es begrüßen, wenn die Sowjetunion sich uns beim Streben nach
derartigen
Abkommen
anschlösse.
Solch
eine
gemeinsame
Anstrengung
birgt eine echte Erfolgschance.
Meine Damen und Herren, ich möchte meine Ausführungen beenden, indem
ich Ihnen hiermit formell die amerikanischen Botschafter vorstelle, die
für ihre jeweiligen Verhandlungsgegenstände in dieser Runde die primäre
Verantwortung tragen werden. Es sind
dies Read Hanmer, der die START-Verhandlungsgruppe leiten wird und dem

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

^

20. Januar 1988

DER INF VERTRAG:

DIE RICHTIGEN LEHREN ZIEHEN

- Von Richard R. Burt -

(Der folgende Artikel des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland erschien am 7. Januar 1988 im Wall Street Journal)

Derzeit wird die Debatte über den
neuen amerikanisch-sowjetischen Vertrag zur Beseitigung der nuklearen
Mittelstreckenraketen auf allen Ebenen geführt. In den kommenden Monaten werden amerikanische Senatoren,
Regierungsvertreter, europäische Politiker und Experten auf beiden Seiten des Atlantiks eine Reihe von Themen erörtern, die das gesamte Spektrum der Auswirkungen des Abkommens
auf das militärische
Gleichgewicht
zwischen NATO und Warschauer Pakt bis
zu der Frage umspannen, ob der Vertrag ausreichend verifiziert werden

tion Service

üTfraiwn

kann.
Dies sind wichtige Aspekte und
sie verdienen die Aufmerksamkeit, die
ihnen zweifelsohne zuteil wird.
Es
ist jedoch von entscheidender Bedeutung, daß die Ratifizierungsdebatte
über die Frage hinausgeht, wie sich
der
INF-Vertrag
auf
die
amerikanischen
und
sowjetischen
nuklearen
Streitkräfte
auswirkt
und
darüber
hinaus auf einen weiteren wichtigen
Themenkomplex
eingeht:
die Frage,
welche Lehren Politiker und Öffentlichkeit im Westen aus dem Vertrag

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und dem Prozeß seiner Verwirklichung
ziehen.
Die Erfahrung hat uns gelehrt,
daß sowohl in den Vereinigten Staaten
wie in Westeuropa eine beunruhigende
Tendenz besteht, aus Rüstungskontrollvereinbarungen
die
falschen
Schlüsse zu ziehen. Dies war vor 15
Jahren der Fall, als die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion Abkommen
zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen (das sogenannte SALT I
oder "Zwischenabkommen") sowie zur
drastischen Einschränkung der Stationierung antiballistischer Raketensysteme (ABM-Vertrag) abschlössen. Zu
jener Zeit haben zahlreiche Beobachter, unter Ihnen auch Vertreter der
Nixon-Administration, diese Verträge
als positiven Beweis dafür gepriesen,
daß die Sowjetunion sowohl das amerikanische Konzept von der ausreichenden Streitkräftezahl wie auch die nukleare Doktrin der Gesicherten Zerstörungsfähigkeit übernommen hätten.
Aber dem war nicht so. Als in
den siebziger Jahren amerikanische
Militärprogramme wie MX oder B-l vernachlässigt wurden, fuhr die Sowjetunion mit einer beispiellosen strategischen Aufrüstung fort, die den Sowjets die Fähigkeit verschaffen sollte, einen nuklearen Konflikt mit dem
Westen auszutragen und möglicherweise
zu gewinnen.
Sowohl linksgerichtete wie auch
konservative europäische Politiker,
zu denen gleichermaßen Befürworter
wie Kritiker des Vertrages zählen,
haben bereits damit begonnen, die
falschen Lehren aus dem neuen INFVertrag zu ziehen. Heißt das, es wäre es ein strategischer Fehler, fortzufahren und den INF-Vertrag zu ratifizieren? Keineswegs. Die doppelte
Null-Lösung, mit ihrem günstigen Verhältnis von 4:1 beim Abbau von Mit-

telstreckenraketen längerer und kürzerer Reichweite und ihren Bestimmungen für Vor-Ort-Inspektionen liegt im
westlichen Interesse. Es ist jedoch
wichtig, daß die Ratifizierungsdebatte der Öffentlichkeit auf beiden Seiten des Atlantiks dazu verhilft, falsche Lehren zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Auf der linken Seite des politischen Spektrums behaupten Vertreter
der Sozialisten in Nordeuropa jetzt,
der Vertrag sei das Produkt einer gemäßigten Linie der Sowjetunion und
des unnachgiebigen Drängens der Friedensbewegung auf einseitige nukleare
Abrüstung. Aber nichts wäre skandalöser und käme Orwellschen Visionen
politisch näher als die Bemühungen
der Friedensbewegungen, in letzter
Minute zumindest einen Teil des Verdienstes für den Vertrag zu beanspruchen. Mit ihrem erbitterten Widerstand gegen die beiden ursprünglichen
INF-Entscheidungen der NATO im Jahr
1979 und die tatsächliche Stationierung der Raketen im Jahr 1983 hat die
Friedensbewegung
gerade
jene Entscheidungen abgelehnt, durch die das
INF-Abkommen
erst
möglich
wurde.
Hätten die westlichen Regierungen in
den frühen achtziger Jahren auf die
Demonstranten in Europa oder deren
Freunde in Amerika gehört, wären die
Genfer Verhandlungen ins Stocken geraten, und die Sowjetunion besäße
heute noch ein totales Monopol bei
den INF-Raketen.
Es ist ebenfalls schwer zu verstehen, warum Moskau große Anerkennung für das Zustandekommen des Vertrages zuteil werden soll.
Herr
Gorbatschow hat Ronald Reagans Vorschlag von 1981 zur Vernichtung aller
Mittelstreckenraketen
schließlich
erst akzeptiert, nachdem die Sowjetunion
sämtliche
Alternativen
zu
ernsthaften Verhandlungen erschöpft

- 2 -

�hatte.
Vor der amerikanischen Stationierung im Jahr 1983 wollten die
Sowjets Westeuropa mit der Androhung
einer neuen "Eiszeit" in den OstWest-Beziehungen einschüchtern, während sie insgeheim die europäischen
Befürworter einer einseitigen nuklearen Abrüstung zu weiteren Anstrengungen ermutigten.
Nach der Stationierung verließen sie demonstrativ die
Genfer Verhandlungen.
In einem letzten verzweifelten Versuch, die NATO
einzuschüchtern und vom Kurs abzubringen, trafen sie "Gegenmaßnahmen",
beispielsweise durch die Stationierung von SS-22-Raketen in der DDR und
der Tschechoslowakei.
Erst nachdem
die Sowjets erkannt hatten, daß ihre
Drohungen ihr Ziel völlig verfehlt
hatten, sind die sowjetischen Unterhändler in Genf endlich zur Sache gekommen.
Das eigentliche Verdienst für das
INF-Abkommen kommt somit weder der
Friedensbewegung noch Herrn Gorbatschow zu;
es gebührt
stattdessen
Ronald Reagan und seinen Verbündeten
Margaret Thatcher, Helmut Kohl,
Bettino Craxi, Wilfried Martens und
Ruud Lubbers - jenen politisch Verantwortlichen, die sich den Sowjets
und den Befürwortern der einseitigen
Abrüstung
während
des
schwierigen
"Jahres der Rakete" 1983 gemeinsam
entgegenstellten.
Teile
der
europäischen
Linken
ziehen ebenfalls eine andere gefährliche militärische Lehre aus dem INFAbkommen:
Der Vertrag ebne den Weg
zur endgültigen "Entnuklearisierung"
Europas. Kaum daß die Tinte auf dem
Papier des Abkommens zur doppelten
Null-Lösung trocken ist, argumentieren
linksorientierte
sicherheitspolitische Sprecher in der Bundesrepublik und andernorts schon, Verhandlungen über nukleare Kurzstreckenraketen sollten bei den nächsten Abrü-

stungsschritten Vorrang haben, wobei
sie das Ziel einer dreifachen NullLösung verfolgen, also den Abbau amerikanischer und sowjetischer Raketen
mit Reichweiten unter 500 Kilometern.
Einige Mitglieder der oppositionellen
Sozialdemokraten in der Bundesrepublik
haben
den
INF-Vertrag
sogar
schon
dahingehend
interpretiert,
Westeuropa könne völlig ohne die hier
stationierten amerikanischen Atomwaffen auskommen.
Ein entnuklearisiertes Europa wäre für den Westen der Gipfel strategischer Torheit. Durch die Preisgabe
der nuklearen Abschreckung der NATO
wäre Westeuropa der vollen Wucht der
sowjetischen
konventionellen
Invasionsfähigkeit
ausgeliefert.
Durch
das INF-Abkommen mit dem daraus folgenden Abbau von ca. 400 amerikanischen nuklearen Gefechtsköpfen in
Europa wird die Strategie der flexiblen Reaktion des Bündnisses nicht
verändert. Dies war auch nicht beabsichtigt.
Die Vereinigten Staaten
werden auch nach der vollständigen
Durchführung
des INF-Vertrages die
Stationierung von 4 000 Nuklearwaffen
in ganz Europa aufrechterhalten.
So wie die Linke einige falsche
Vorstellungen über die Bedeutung des
Vertrages hat, trifft dies auch für
viele auf der konservativen Seite des
politischen Spektrums in Europa zu.
Einige bundesrepublikanische Konservative behaupten zum Beispiel gerne,
der
Vertrag
"singularisiere"
ihr
Land, weil nach dem Abbau der Mittelstreckenwaffen die sowjetischen Kurzstreckenraketen in der DDR immer noch
in der Lage wären, Ziele in der Bundesrepublik Deutschland zu treffen.
Es wird ebenfalls hervorgehoben, daß
dem Vertrag zufolge viele der verbleibenden amerikanischen Nuklearwaffen in der Bundesrepublik atomare Artilleriegranaten sein würden, die im

- 3 -

�Konfllktfall auf deutschem Boden eingesetzt werden könnten.
"Je kürzer
die Reichweite, umso toter die Deutschen,"
lautet
ein Ausspruch
von
Volker Rü'he, einem führenden deutschen Christdemokraten, um diese anscheinend ungerechte Situation zu beschreiben.
Aber die westdeutsche "Singularisierung" ist ein Hirngespinst.
Das
INF-Abkommen hat im wesentlichen den
Status quo in Europa wiederhergestellt, wie er Mitte der siebziger
Jahre vor der Stationierung der SS20-Raketen
bestand.
Gegenüber den
sowjetischen Kurzstreckenraketen, deren Anzahl sich in der Zwischenzeit
nicht wesentlich verändert hat, war
die Bundesrepublik damals genau so
verwundbar wie heute.
Und dennoch
hat früher niemand behauptet, die
Bundesrepublik sei als nukleares Ziel
ausgewählt worden.
In Wirklichkeit
werden durch das Argument der Singularisierung die Auswirkungen des INFVertrages höchstens dramatisiert. So
wie die Bundesrepublik nach der Vernichtung
von
Mittelstreckenraketen
auch weiterhin einem sowjetischen Nuklearangriff
gegenüber
verwundbar
ist, so trifft dies ebenso auf das
übrige Westeuropa und ganz bestimmt
auch auf die Vereinigten Staaten zu.
Die Vorstellung, daß die verbleibenden amerikanischen Nuklearwaffen in
Europa nur auf deutschem Boden eingesetzt werden könnten, ist ebenfalls
falsch.
Nach dem Abzug der Mittelstreckenraketen werden die Vereinigten Staaten weiterhin eine beträchtliche Anzahl nuklearer Kampfmittel in
Europa auf See und in den Vereinigten
Staaten selbst besitzen, mit denen
Ziele in ganz Osteuropa und in der
Sowjetunion bedroht werden können.
Es trifft zu, daß sich die Bundesrepublik
wegen ihrer geographischen
"Frontstellung"
und
ihres
- 4

nicht-nuklearen Status' in einer ausserordentlich exponierten Position in
Mitteleuropa befindet.
Die Präsenz
amerikanischer
Nuklearstreitkräfte
war ein wichtiges Mittel zur Verringerung dieser Gefährdung.
Wenn die
NATO nun in absehbarer Zukunft mit
dem Abbau dieser Präsenz beginnen
sollte, könnte sich die Bundesrepublik
tatsächlich
"singularisiert"
vorkommen.
Einige Europäer - vorwiegend die
Franzosen - haben eine andere, genauso irreführende Schlußfolgerung aus
dem Ergebnis des INF-Vertrages gezogen. Ihrer Auffassung nach würde damit der erste Schritt zu einem vielleicht unvermeidbaren Abbau amerikanischer Macht in Europa getan.
Mit
dem Hinweis auf Engpässe im Haushalt
in Washington und einem angeblich
neuen Unilateralismus in der amerikanischen
Politik
prophezeien sie,
dem Abbau
von Mittelstreckenwaffen
werde schon bald ein beträchtlicher
Rückzug amerikanischer Truppen folgen.
Nur ein Bruchteil der Erfahrungen
mit dem INF-Vertrag rechtfertigt die
Ängste der Rechten oder die Hoffnungen der Linken, die Argumente bezüglich des amerikanischen Rückzugs aus
Europa oder der Beseitigung des amerikanischen
nuklearen
Schutzschilds
nähren. Die Besorgnis über die europäische
Sicherheit
veranlaßte
die
Carter-Administration, die Stationierung von INF-Systemen zu billigen;
die Sorge um den Zusammenhalt der Allianz bewog die Reagan-Administration
dazu, diese bis zum Ende durchzustehen. Während dieser Phase haben beide Administrationen der Stärkung amerikanischer konventioneller wie auch
nuklearer Streitkräfte in Europa den
Vorrang gegeben.
Selbst heute, wo
sich Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben abzeichnen, behalten ameri-

�kanische Streitkräfte in Europa auch
weiterhin
die höchste
militärische
Priorität. Das INF-Abkommen signalisiert also kein nachlassendes amerikanisches Interesse an Europa. Genau
das Gegenteil ist der Fall. Der Vertrag ist nicht, das Ergebnis amerikanischer Schwäche, sondern amerikanischer Stärke; nicht des Unilateralisraus, sondern der Führungskraft.
Insgesamt gesehen wird der Mittelstreckenvertrag
weder
zu
einer
Entnuklearisierung Europas oder Abkoppelung
der
Vereinigten
Staaten
führen, noch zu einer größeren Gefährdung der Bundesrepublik durch die
sowjetische Militärmacht.
100 Prozent der amerikanischen Truppen und
90 Prozent der derzeit in Europa stationierten Nuklearwaffen werden auch
nach Verwirklichung dieses Vertrages
hier verbleiben.
Die Bündnisstrategie der flexiblen Reaktion wird auch
weiterhin
gültig
und
glaubwürdig
sein.
Die Bundesrepublik wird von
einem nuklearen Angriff weniger stark
bedroht sein, als sie es heute ist.
Das westliche Bündnis wird unter Beweis gestellt haben, daß sich Einigkeit
und Entschlußkraft auszahlen.
Dies sind die richtigen Lehren aus
den Erfahrungen mit dem INF-Vertrag.
Dies sind die Lehren, die in der Debatte über die Ratifizierung des INFVertrages den Ausschlag geben sollten. Und dies sind die Lehren, die
den zukünftigen Ansatz zu Rüstungskontrolle und Verteidigung des Westens bestimmen sollten.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3

20. Januar 1988
EMPFEHLUNGEN ZUR LANGFRISTIGEN SICHERHEITSSTRATEGIE
- Bericht über "selektive Abschreckung" -

WASHINGTON - (AD) - Ein unabhängiges Forum namhafter amerikanischer Experten zu Verteidigung und Außenpolitik hat der Reagan-Administration einen Bericht zur sogenannten langfristigen "integrierten Strategie" vorgelegt, die
den Sicherheitsbelangen der nächsten 20 Jahre Rechnung tragen soll.
Die kommenden Jahrzehnte werden voraussichtlich drastische Veränderungen
mit sich bringen, stellte die Kommission in ihrem Bericht vom 12. Januar 1988
fest, mit dem sie ihre Empfehlungen der Öffentlichkeit bekanntgibt.
Diesem
Bericht zufolge muß die von ihr entwickelte Strategie Truppenstruktur, neue
Technologien, Mobilität, Stützpunkte, konventionelle und Nuklearwaffen, extreme Bedrohungen sowie die Konfliktherde der Dritten Welt umfassen. Die aus 13
Mitgliedern bestehende Kommission zur Integrierten Langzeitstrategie wurde gegründet, um dem Verteidigungsminister und dem Nationalen Sicherheitsberater
des Präsidenten eine Strategie zur Gewährleistung einer glaubwürdigen Verteidigung bis ins 21. Jahrhundert an die Hand zu geben.
Nachfolgend bringen wir den Bericht in Auszügen.

HAUPTTHESEN DER KOMMISSION
Um Streitkräfteentwicklung, Waffenbeschaffung und Rüstungskontrollverhandlungen Rechnung tragen zu können, muß unsere Strategie langfristig
ausgelegt
sein.
Die vom Pentagon
heute ausgewählten Waffensysteme werden unseren Streitkräften bis weit
ins nächste Jahrhundert dienen. Rüstungsabkommen müssen über Jahre hinweg ausgehandelt werden und bleiben
jahrzehntelang in Kraft.

griert sein. Wir sollten keine isolierten Entscheidungen zu Fragen über
neue
Technologien,
militärische
Struktur, Mobilität und Stützpunkte,
konventionelle und Nuklearwaffen, extreme Bedrohungen und Konfliktherde
der Dritten Welt treffen. Wir müssen
unsere Pläne und Streitkräfte zu einer Vielzahl von Konflikten in Einklang bringen, von der niedrigsten
Intensität
bis zur höchsten Wahrscheinlichkeit und hin zur apokalyptischen und unwahrscheinlichsten Vision.

Ferner muß unsere Strategie inte-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die nächsten zwei Jahrzehnte
Die vor uns liegenden Jahrzehnte
werden
voraussichtlich
drastische
Veränderungen
mit
sich
bringen:
China, vielleicht Japan und andere
Länder werden zu führenden Militärmächten. Militärisch schwächere Länder werden moderne Waffensysteme beschaffen und damit den relativen Vorteil der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte verringern. Rüstungskontrollabkommen könnten spürbare Auswirkungen auf nukleare und
konventionelle Streitkräfte zeitigen.
Die
vorrangigen
amerikanischen
Interessen sehen sich weiterhin einer
Bedrohung an Fronten ausgesetzt, die
in sehr viel geringerer Entfernung zu
unseren Gegnern liegen als zu den
Vereinigten Staaten.
Unsere Fähigkeit zur Abschreckung von Aggressionen auf diesen entfernten Schauplätzen wird noch durch die Unsicherheit
über Verbündete und Freunde beeinträchtigt, die uns Zugang zu Stützpunkten und Uberflugrechte gewähren
oder an unseren Verteidigungsvorbereitungen teilhaben, um auf doppeldeutige
Warnsignale
zu
reagieren.
Unsere Probleme des Zugangs können
sich als Resultat von Konflikten in
der Dritten Welt noch verschlechtern,
die zu einer Bedrohung amerikanischer
Stützpunkte oder einer sowjetischen
Expansion in Bereichen führen, die
zuvor frei von sowjetischen Truppen
waren.
Im Verlauf der nächsten zwanzig
Jahre wird die Militärtechnologie eine entscheidende Veränderung erfahren. Wir haben uns bei der Abschrekkung von Angriffen auf unsere Verbündeten auf nukleare und andere moderne
Waffen gestützt, selbst als die Sowjets
unseren
nuklearen
Vorsprung
aufhalten. Wenn die Sowjetunion weiterhin mehr in die militärische For-

schung im investiert als wir, wird
der qualitative Vorteil untergraben,
auf den wir uns so lange verlassen
haben.

Eine integrierte Langzeitstrategie
Die Strategie gründet sich auf
eine Vielzahl von Grundsätzen, von
denen
einige
radikale
Anpassungen
fordern, andere eine Bestätigung der
Kernelemente der derzeitigen Verteidigungsanstrengungen.
Wir sollten ein breiteres Spektrum von Eventualitäten in Betracht
ziehen als die beiden extremen Bedrohungen, die die Politik des Bündnisses und die Streitkräfteplanung seit
langem beherrschen:
Der massive Angriff des Warschauer Pakts auf Mitteleuropa und ein nuklearer Großangriff der Sowjetunion. Durch Konzentration auf diese beiden Extremfälle
tendieren unsere Planer zu einer Vernachlässigung der Angriffe, die selektive militärische Reaktionen erfordern und des Risikos, daß einige
Bündnispartner in einer solchen Situation abspringen.
Bei der Unterstützung der Verteidigung unserer Verbündeten und der
Verteidigung
unserer Interessen im
Ausland können wir uns nicht auf Bedrohungen stützen, die darauf ausgerichtet sind, unsere eigene Vernichtung zu provozieren, wenn sie verwirklicht werden.
In Friedenszeiten
würde eine auf solche Bedrohungen gegründete Strategie die Unterstützung
der nationalen Verteidigung unterminieren.
In Krisenzeiten könnte der
Rückgriff auf solche Bedrohungen aufgrund
mangelnder Unterstützung
der
Öffentlichkeit
katastrophal
scheitern. Wir müssen militärisch wirksame Antworten zur Verfügung haben, mit
denen die Vernichtung begrenzt werden

- 2 -

�kann, wenn wir nicht der Vernichtung
dessen die Tür öffnen wollen, was wir
verteidigen.
Wir müssen zu einer Diversifizierung und Stärkung unserer Fähigkeit
kommen,
selektive
nichtnukleare
Streitkräfte
dort
rechtzeitig
zum
Einsatz zu bringen, wo sie zur Abwendung von Aggressionen benötigt werden. Um dies zu erreichen müssen wir
und
unsere Verbündeten
entstehende
Technologien in bezug auf Präzision,
Kontrolle und Aufklä'rung ausschöpfen,
die unsere konventionellen Streitkräfte mit selektiveren und wirksameren Fähigkeiten zur Zerstörung militärischer Ziele versehen können.

kanische Truppen benötigen und um gegebenenfalls
eine massive
Invasion
aufzuhalten. Verbesserungen der britischen und französischen Nukklearstreitkräfte können zur gemeinsamen
Verteidigung beitragen.
Zur Wahrung der Interessen der
Vereinigten Staaten und der Bündnispartner in der Dritten Welt ist ein
größerer nationaler Konsens über Mittel und Ziele erforderlich.
Unsere
Maßnahmen sollten folgende Punkte beinhalten:
- Militärhilfe
auf höheren Ebene
und mit weniger Gesetzesvorbehalten, die seine Wirksamheit beeinträchtigen.

Sowohl unsere konventionelle als
auch unsere nukleare Kräfteverteilung
sollte sich auf ein Mischung offensiver und defensiver Systeme stützen.
Zur
Abschreckung
eines
Nuklearangriffs und um die Reduzierung von Offensivwaffen sicherer zu machen, ist
strategische
Verteidigung
erforderlich. Zur Abschreckung oder Reaktion
auf einen konventionellen Angriff benötigen wir die Fähigkeit zu einer
konventionellen Gegenoffensive in der
Tiefe des gegnerischen Territoriums.
Die Kontrolle des Weltraums in
Kriegszeiten gewinnt zunehmend an Bedeutung.
In einem
konventionellen
Krieg müssen unsere Fähigkeiten im
Weltraum
- die für Kommunikation,
Aufklärung und die Kontrolle unserer
Streitkräfte
entscheidend
sind
überlebensfähig
oder ersetzbar gemacht werden.
Der Gegner muß davon
abgehalten werden, den Weltraum ungehindert
zur
Zielerfassung
unserer
Streitkräfte zu nutzen.
Wir werden Fähigkeiten für einen
selektiven
Nuklearschlag
zur
Abschreckung eines begrenzten Nuklearangriffs auf verbündete oder ameri-

- Vielseitige, mobile Streitkräfte,
die minimal von Stützpunkten in
Übersee abhängig sind und einen
gezielten, kontrollierten Schlag
gegen entfernte militärische Ziele ausführen können.
- Verbündete, die uns bei der Verteidigung gemeinsamer Interessen
über die Grenzen der NATO hinaus
unterstützen.
- In
besonderen
Fällen
amerikanische
Unterstützung
antikommunistischer Rebellen, die sich
gegen ein von außen aufgezwungenes gegnerisches Regime oder ein
Regime auflehnen, das seine Nachbarn bedroht.
Die freie Welt
wird nicht frei bleiben, wenn ihre einzigen Optionen in Stillhalten oder Rückzug bestehen.
Unsere
Rüstungskontrollpolitik
sollte zunehmend Betonung auf Reduzierungen im konventionellen Bereich
legen.
Sorgfältig erarbeitete Reduzierungen der Nuklearwaffen könnten
zu einem sichereren Gleichgewicht bei
offensiven und defensiven Streitkräf-

- 3 -

�Umständen auf einen massiven Nuklearangriff
reagieren und
ihn
somit
abschrecken,
der
darauf
ausgerichtet ist, unsere Nuklearstreitkräfte und andere Ziele zu
vernichten.

ten führen. Abbau der großen Vorteile der sowjetischen Seite bei Panzern, Artillerie und anderem schwerem
Gerät würde sowohl zur Sicherheit der
NATO als auch zu einer Belebung der
sowjetischen Wirtschaft beitragen und
daher im Interesse beider Seiten liegen.
Zur Abschreckung von Vertragsverletzungen muß die Einhaltung von
Rüstungskontrollabkommen verfizierbar
und von der Mobilisierungskapazität
der Industrie sowie dem politischen
Willen getragen sein, im Falle eines
Scheiterns des Vertrages wirksam zu
reagieren.

Mehr noch als in den vergangenen
40 Jahren werden die Vereinigten
Staaten in Zukunft ihre Bündnispartner zur Verteilung der Risiken und Lasten der gemeinsamen
Verteidigung benötigen.
Wir streben die Begrenzung der
sowjetischen Expansion in jeder
Region der Welt an.

Angesichts der Risiken und Unwägbarkeiten, denen sich unsere Nation
und unsere Verbündeten in der Zukunft
gegenübersehen, sollten die Etats für
Verteidigung
und Militärhilfe
entsprechend unserem Wirtschaftswachstum
kontinuierlich angehoben werden. Der
Verteidigungshaushalt der Vereinigten
Staaten sollte in den kommenden Jahren von den hier umrissenen strategischen Prioritäten geleitet sein und
Einsparungen in einigen Bereichen sowie erforderliche Aufstockungen
in
anderen gestatten. In Zeiten, in denen das amerikanische Verteidigungsbudget keinen Zuwachs erfährt, müssen
wir die kontinuierliche Verbesserung
des Geräts unterstützen, das unsere
Schiffe, Flugzeuge und andere "Plattformen" wirksamer macht - wie zum
Beispiel moderne nichtnukleare Munition, konventionell
bestückte taktische Raketen, Sensoren und Kommunikationssysteme .
Die oben genannten Prinzipien implizieren Wandel. Aber unsere Strategie enthält auch viele Aspekte, die
sich nicht ändern werden:
- Wir müssen eine Mischung überlebensfähiger strategischer Offensivwaffen und Führungsfähigkeiten
aufrechterhalten, die unter allen

In einigen kritischen, bedrohten
Regionen müssen wir Truppen in
vorgeschobenen Stellungen stationieren.
Als Verstärkungsfähigkeit werden
wir mobile aktive und Reserveeinheiten in den Vereinigten Staaten
aufrechterhalten.
Mit zahlenmäßig den Sowjets unterlegenen
Streitkräften
müssen
wir nicht nur weiterhin besseres
Gerät einführen, sondern auch den
hohen Qualitätsstandard, hervorragende Ausbildung und die ausgezeichneten
Führungsqualifikationen der Männer und Frauen beibehalten, die in unseren Streitkräften dienen ...

KONFLIKTHERDE DER DRITTEN WELT UND
AMERIKANISCHE INTERESSEN
... Die amerikanischen Streitkräfte sind generell keine Kombattanten.
Die Rolle der amerikanischen
Streitkräfte als Kombattanten in Konflikten der Dritten Welt muß als Ausnahme betrachtet werden. Solche Aus-

- 4 -

�nahmen werden zweifelsohne vorkommen,
wie zum Beispiel im Jahr 1983 in Grenada und 1986 in Libyen, und es würde
genau das Gegenteil bewirken, wenn
die Vereinigten Staaten eine Doktrin
des
"Nichteinsatzes" ihrer Streitkräfte in der Dritten Welt verfolgen
würden.
Die
Hauptrolle
unserer
Streitkräfte dort liegt in der Ausweitung amerikanischer Programme der
Militärhilfe.
Vorrangig
bedeutet
dies,
militärische
und
technische
Ausbildung, Aufklärung und logistische Unterstützung zur Verfügung zu
stellen.
Die Vereinigten Staaten sollten
antikommunistische
Revolten
unterstützen.
In sorgfältig ausgewählten
Situationen,
in
denen
vorrangigen
amerikanischen
Zielen gedient
sein
und amerikanische Unterstützung das
Ergebnis begünstigen könnte, sollten
die
Vereinigten
Staaten
antikommunistischen
Rebellionen
Hilfestellung leisten, besonders denjenigen,
die gegen Nachbarländer
bedrohende
Regimes gerichtet sind ...
Militärhilfe erfordert eine neue
Gesetzgebung und zusätzliche Mittel.
Die Wirtschafts- und Militärhilfe der
Vereinigten Staaten - die Hilfsprograrame für das Ausland, mit denen
amerikanischen Freunden und Verbündeten geholfen werden soll, die Ursachen der Instabilität zu beheben haben sich als unzureichend und unflexibel erwiesen.
Für Forderungen
der Regierung hat der Kongreß wiederholt nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt und hat bis zu 86 Prozent der Militärhilfe für fünf Länder
vorgesehen.
Im Haushalt des Jahres
1987 hat der Kongreß zum Beispiel aus
einer Gesamtsumme von 5 Milliarden
Dollar für weltweite Militärhilfe 62
Prozent für Ägypten und Israel veranschlagt, 17 Prozent für Griechenland
und die Türkei und 6 Prozent für Pa-

kistan.
Angesichts der offensichtlichen Notwendigkeit, Mittel für El
Salavador, Honduras und die Philippinen
bereitzustellen, bleiben der
Regierung weniger als 10 Prozent für
die übrige Welt. Und selbst hier beschnitt der Kongreß den Spielraum des
Präsidenten bei der Behandlung von
Konflikten, durch die sich amerikanische Interessen bedroht sehen . . .
Die Vereinigten Staaten müssen
gemeinsam mit Ihren Verbündeten in
der Dritten Welt "Kooperativstreitkräfte" gründen.
Bedauerlicherweise
haben wir in dieser Hinsicht von der
Sowjetunion einiges zu lernen.
Die
sowjetischen Bestrebungen zur Förderung und Verteidigung ihrer Interessen in weniger entwickelten Ländern
werden typischerweise
von der uns
vertrauten Truppe von Gesinnungsgenossen aus dem Ostblock unterstützt Kubanern, Nicaraguanern, Vietnamesen,
Nordkoreanern,
Osteuropäern.
Diese
Kooperativstreitkräfte
werden
von
Moskau gelenkt und finanziert, auch
wenn sie von dort nicht streng kontrolliert
werden.
Unterstützung
könnte auch von quasi Verbündeten wie
Libyen oder der PLO gewährt werden,
deren
Interessen
gelegentlich
von
denen der Sowjetunion abweichen, die
jedoch bei anderen Anlässen für harten Dienst bereitstehen. Die gesamte
Operation birgt enorme Vorteile für
die Sowjetunion, sowohl bei der Minimierung
ihrer eigenen Risiken der
Konfrontation mit dem Westen als auch
bei der Bereitstellung von Truppen,
die sich hervorragend in diese Umgebung einfügen ...
Ebenso wie in den Industrienationen sollte die amerikanische Strategie auch in der Dritten Welt danach
trachten,
unseren
technologischen
Vorteil zu maximieren.
In einigen
Fällen werden sich die für den Kampf
mit den Sowjets entwickelten Techno-

- 5 -

�logien als enorm nützlich erweisen.
Auch hier werden wir dem Einsatz von
intelligenten Raketen den Vorzug geben, die selektiv wirken und den
zwangsläufig enstehenden Schaden für
die Zivilbevölkerung verhindern. Moderne Technologien im Ausbildungsbereich werden uns auch wirksamere Mittel an die Hand geben, unseren Freunden bei der Bekämpfung von Terrorismus und Rebellion zur Seite zu stehen. ..
Die Vereinigten Staaten müssen
Alternativen zu den Stützpunkten in
Übersee
entwickeln.
Zweifelsohne
werden
in einigen Bereichen die
Stützpunkte weiterhin von entscheidender Bedeutung sein - besonders,
wenn unser Problem darin besteht, uns
gegen eine mögliche sowjetische Aggression zu verteidigen. Wir sollten
jedoch normalerweise bei der Verteidigung unserer Interessen in der
Dritten Welt nicht von Stützpunkten
abhängig sein. Es hat sich als zunehmend schwierig und politisch kostspielig erwiesen, Stützpunkte dort
aufrechtzuerhalten.
Auch hier kann unsere Technologie
von Nutzen sein. Kostengünstige Satelliten im Weltraum können bis zu
einem gewissen Grad die Aufgaben der
Stützpunkte in Übersee im Kommunikationsbereich und bei der Nachrichtenerfassung ersetzen. Wir können für
die Aufklärung bemannte oder unbemannte Flugzeuge mit extrem großer
Reichweite bauen. Auch bei den Marinestreitkräften bieten sich einige
beeindruckende Optionen. In internationalen Gewässern oder in der Hoheitsgewässern unserer Verbündeten aber dennoch außer Sichtweite - können unsere Operationen sehr viel sicherer durchgeführt werden als von
Stützpunkten an Land aus. Einer der
interessantesten von uns untersuchten
Ansätze ist der Einsatz von gängigen

Container-Handelsschiffen zur Unterstützung besonders zusammengestellter
Einheiten, wobei in den Containern
das gesamte benötige militärische Gerät transportiert wird...

BEHERRSCHUNG DER TECHNOLOGIE
... Wir können jedoch bereits
jetzt die Entscheidung treffen, welchen Programmen die höchste Priorität
in der neuen Langzeitstrategie beigemessen werden sollte. Im allgemeinen
sind darin Programme enthalten, die
unsere Fähigkeit stärken, auf Aggression mit kontrolliertem, selektivem
Einsatz der Kräfte zu reagieren.
Weiterhin umfassen sie Programme, die
in unterschiedlicher Weise die Flexibilität steigern und die zukünftigen
Präsidenten zur Verfügung stehenden
Optionen erweitern.
Ferner sollten
wir - mehr als dies in den vergangenen Jahren der Fall war - der Aufstockung der Mittel für Grundlagenforschung und moderne Entwicklungen
höchste Priorität einräumen.
Von den diese Kriterien erfüllenden Programmen erscheinen vier von
besonderer Vordringlichkeit:

- 6 -

- Integration "getarnter" (Stealth)
Systeme in unsere Kräfteverteilung.
- "Intelligente" Waffen - präzisionsgelenkte Munition, die große
Reichweiten und hohe Genauigkeit
kombinieren.
- Ballistische Raketenabwehr und
- für Kriegsoperationen erforderliche Weltraumfähigkeiten...

�KOMBINATION DER EINZELELEMENTE DER
STRATEGIE
Die weiterhin gültigen Zielsetzungen der amerikanischen Politik.
Wir leben in einer Welt, deren Nationen zunehmend wirtschaftlich, kulturell und politisch miteinander verflochten sind - gelegentlich explosionsartig verflochten, wie in den
wiederholten
umfangreichen
Migrationsbewegungen von Flüchtlingen seit
dem Zweiten Weltkrieg, die politischer, religiöser und rassischer
Verfolgung entkommen wollten. Es ist
eine Welt, in der militärische wie
auch wirtschaftliche Macht sich immer
weiter ausdehnt und in der die Vereinigten Staaten auch in Zukunft mit
Nationen rechnen müssen, die ihren
Zielen gegenüber zutiefst feindlich
gesinnt sind.
Die Vereinigten Staaten streben
keine Expansion ihres Territoriums
auf Kosten der Sowjetunion oder irgendeines anderen Landes an.
Noch
birgt einer unserer Verbündeten die
Gefahr einer Invasion der Sowjetunion
oder der von ihr beherrschten Territorien. Dennoch bestehen die Sowjets
darauf, daß wir, unsere Verbündeten
und andere Länder - die schwachen
ebenso wie die starken - mit einem
Angriff drohen. Solche Verdächtigungen oder Vermutungen sind integraler
Bestandteil des sowjetischen Machtsystems:
Sie müssen eine feindliche
Welt postulieren, um die Legitimität
ihres Regimes zu rechtfertigen. Es
erübrigt sich zu sagen, daß wir einen
grundlegenden Wandel ihrer antagonistischen Haltung begrüßen würden.
Selbst
wenn
Perestroika
und
Glasnost die Absicht signalisieren
sollten, diesen Wandel herbeizuführen, wird er nicht leicht zu bewerkstelligen sein. Der Argwohn und die
feindselige Einstellung der Sowjet-

union haben ihre Wurzeln in 70 Jahren
sowjetischer und 400 Jahren zaristischer Geschichte.
Eine Lockerung
der Kontrolle über die von ihnen beherrschten Staaten an ihren Grenzen
kann die Kontrolle andersdenkender
Nationalitäten innerhalb ihrer Grenzen gefährden.
Wir sollten uns
nichts vormachen. Die westlichen Demokratien können den Fortschritt kaum
fördern, indem sie einfach die Sowjets davon überzeugen, daß wir sie
nicht angreifen wollen oder indem sie
versuchen, jegliche Fähigkeiten zur
Offensive - und damit zum Gegenangriff - abzubauen. Solche Bemühungen
würden lediglich ein Mißverständnis
bezüglich der innenpolitischen Rolle
widerspiegeln, die äußeren Bedrohungen unter sowjetischer Herrschaft zukommt, und könnten eine Aggression
ermutigen. Die Sowjets fühlen sich
durch die Selbständigkeit der freien
Länder an ihren Grenzen bedroht.
Die Vereinigten Staaten haben an
der fortdauernden Selbständigkeit einiger von uns sehr weit entfernt gelegener Verbündeter ein entscheidendes Interesse - In Europa und dem
Mittelmeerraum, im Mittleren Osten
und Südwestasien, in Ostasien und dem
Pazifik sowie in der westlichen Hemisphäre.
Stützpunkte, Häfen und
Luftraum werden von uns genutzt, um
diesen Verbündeten dabei zu helfen,
sich selbst und einander zu verteidigen. In einigen Fällen, in denen ihre Gefährdung durch einen benachbarten Gegner besonders groß ist, ist es
ein seit langem bewährtes Element der
amerikanischen
Strategie,
unsere
Truppen in vorgeschobenen Stellungen
zu stationieren. Wir tun dies jedoch
auf Einladung von Verbündeten, die
souverän und von uns unabhängig sind
sowie zu den von diesen genannten Bedingungen. Sie können uns jederzeit
zum Abzug auffordern.
In einigen
Fällen haben sie dies getan und, im

- 7 -

�Gegensatz zu aen Sowjets, haben wir
uns diesem Wunsch immer gefügt.
Die Tatsache, daß wir souveräne
Verbündete anführen, deren Interessen
unter gegebenen Umständen und am jeweiligen Ort von unseren abweichen
können, wirkt sich unmittelbar auf
die Verteidigung aus; sie bedeutet,
daß es selbst dort, wo sich verdichtende aber noch verschwommene Anzeichen für eine Gefährdung unserer gemeinsamen
Interessen
existieren,
schwierig sein könnte, eine einheitliche Antwort der Verbündeten zu erhalten und diese rechtzeitig zur Abwendung der Gefahr umzusetzen.
Für
einen Diktator oder eine von einer
Diktatur
beherrschte
unfreiwillige
Koalition ist es weniger schwierig,
sich auf die Durchführung militärischer
Operationen
vorzubereiten.
Dabei stellen die Sowjets jetzt und
auch in der Zukunft nicht die alleinige Gefahr für unsere Interessen dar.
Im sich wandelnden Umfeld der
kommenden 20 Jahre werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
auf formeller und informeller Ebene
gezwungen sein, ihre Fähigkeit zur
wirksamen, selektiven und rechtzeitigen Entfaltung militärischer Stärke
zu verbessern, um jede einzelne eines
breiten Spektrums möglicher Aggressionen gegen ihre wichtigsten gemeinsamen Interessen zu vereiteln - und
dadurch
solche
Aggressionen
abzuschrecken.
Wir müssen den notwendigen tagespolitischen Entscheidungen bezüglich
der nationalen Sicherheit eine langfristige Perspektive hinzufügen.
In
den kommenden beiden Jahrzehnten werden voraussichtlich scharfe Zäsuren
wie auch schrittweise Veränderungen
eintreten, die in ihrer Gesamtwirkung
revolutionär
sind:
Neue
führende
Militärmächte,
neue
Technologien,

neue Konfliktherde und neue Chancen
zur Zusammenarbeit. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, werden
wir vielseitiger und anpassungsfähiger Streitkräfte bedürfen.
Eine integrierte Strategie.
Da
unsere Probleme in der realen Welt
nicht isoliert und die Haushalte immer mit Kompromissen verbunden sind,
müssen wir Strategien für ein breites
Spektrum
von Konflikten erstellen:
von extrem begrenzten, am wenigsten
intensiven und am ehesten wahrscheinlichen bis hin zu den umfassendsten,
apokalyptischen
and
am
wenigsten
wahrscheinlichen.
Wir streben an,
die
schlimmsten
Konflikte
weniger
wahrscheinlich zu machen, aber dies
kann nur dann geschehen, wenn nicht
unsere Schwäche auf einer höheren
Ebene - oder eine fehlende Reaktion
auf höherer Ebene, die die politisch
Verantwortlichen der Demokratien anzuwenden bereit wären - dazu einlädt,
den Einsatz zu erhöhen.
Um echte
Stabilität zu gewährleisten, müssen
wir unsere Gegner versichern, daß wir
militärischen Aggressionen auf jeder
Ebene der Gewaltanwendung gegen unsere vorrangigen Interessen mit militärischer Macht entgegentreten.
Größere
Kriege
entstehen
aus
kleineren, und eine lokal begrenzte
Aggression (z. B. eine sowjetische
Invasion am Persischen Golf) könnte
das Kräftegefüge drastisch verändern.
"Innere" und "äußere" Konflikte lassen sich nicht gänzlich voneinander
trennen.
Der Schatten einer sowjetischen Intervention könnte zum Beispiel das Ergebnis einer inneren Auseinandersetzung über die Machtnachfolge im Iran beeinflussen.
(In der
Vergangenheit benutzten die Sowjets
ein "freies Aserbeidschan" als Marionette, um ihre Vorbereitungen einer
Intervention im Iran und in der OstTürkei zu tarnen, die sie als strate-

- 8 -

�gische Einheit zu betrachten scheinen.) Selbst Terrorismus kann große
Auswirkungen auf unsere Fähigkeiten
zur Bewältigung größerer Gefahren haben, indem er verwundbare Verbündete
destabilisiert, Verbündete
entzweit
und im Innern die öffentliche Meinung
spaltet.
Politische
Erklärungen
zur Abschreckung und Bekämpfung von Aggressionen sollten aufeinander abgestimmt
sein.
Wir können einen Angreifer
nicht von seinem Plan abbringen, wenn
er der Überzeugung ist, daß wir weder
willens noch fähig sinu, zurückzuschlagen. Unser Wille wird durch häufig abgegebene Erklärungen über "gegenseitige Abschreckung" in Frage gestellt, die unseren Wunsch implizieren, daß die Sowjets zur Abschreckung
gegenüber den Vereinigten Staaten in
der Lage sein sollen, es sei denn,
die Vereinigten Staaten würden angegriffen.
Solche Erklärungen untergraben
die grundlegende
Verpflichtung, derzufolge wir in Beantwortung
einer ausschließlich gegen einen Verbündeten gerichteten sowjetischen Aggression konventionelle und, im Falle
ihres Versagens, atomare Waffen einsetzen werden. Ebenso könnte die sowjetische Führung durch in Europa zu
hörende Erklärungen fehlgeleitet werden, wonach selbst das Gewinnen eines
konventionellen Krieges "unannehmbar"
wäre. Wenn solche Erklärungen darauf
hinauslaufen, daß eine Auseinandersetzung mit Atomwaffen der Zivilbevölkerung weniger Schaden zufüge als
präzise gezielte konventionelle Waffen oder daß solche konventionellen
Waffen
"der
Zivilbevölkerung
mehr
Schaden als der Zweite Weltkrieg" zufügen würden, dann sind sie eindeutig
falsch.
Sollten sie bedeuten, daß
der Westen weder zur Anwendung nichtatomarer noch atomarer Waffen bereit
ist, dann legen sie nahe, daß wir
überhaupt nicht reagieren würden und

höhlen somit unsere Fähigkeit der Abschreckung aus. Das Problem besteht
darin, wie ein nichtatomarer oder
atomarer Angriff wirksam abgeschreckt
werden kann. Wir und unsere Verbündeten würden eine Aggression lieber
abschrecken als bekämpfen, ein Bluff
ist jedoch in einer Krise weniger
wirkungsvoll und gefährlicher als die
Fähigkeit und der Wille, konventionelle und - falls nötig - atomare
Waffen mit zumindest einer groben Abstufung einzusetzen, durch die die
von uns verteidigten Werte erhalten
werden.
Offensive
und
Defensive
(aktiv
wie auch passiv) ergänzen einander
auf jeder Konfliktebene. Wie unsere
offensiven Fähigkeiten einen Gegner
davon abhalten können, Streitkräfte
für den Durchbruch von Verteidigungsstellungen zu konzentrieren, so ergänzen aktive und passive Verteidigung (etwa Beweglichkeit und Tarnung)
einander.
Entscheidungen über militärische
Systeme bilden ein Ganzes und sollten
nicht
isoliert
behandelt
werden.
Dieses Gefüge muß in Rüstungskontrollverhandlungen,
in der Streitkräfteplanung und in der Definition
der
militärischen
"Erfordernisse"
während
des
Beschaffungsverfahrens
berücksichtigt werden.
Die
Notwendigkeit
der
Berücksichtigung eines breiteren Spektrums
wahrscheinlicherer
und
wichtigerer
Eventualfälle.
Die
Politik
des
Bündnisses und dessen Waffenmodernisierung hat sich, wie bereits erwähnt, im großen und ganzen auf die
zwei
extremen
Möglichkeiten
eines
massiven
Angriffs
des
Warschauer
Pakts mit konventionellen Waffen und
eines
uneingeschränkten
tödlichen
Atomwaffenangriffs
der
Sowjetunion
gegen verstreut liegende militärische

- 9 -

�Ziele konzentriert.
Die erste Möglichkeit lenkt das Augenmerk der Verbündeten von den Verpflichtungen ab,
die grundsätzliche Voraussetzung des
Bündnisses sind - daß ein Angriff auf
einen
möglicherweise
verwundbaren
Verbündeten ein Angriff auf alle ist
-, und läßt das sowjetische Interesse
außer acht, andere Verbündete zum
Ausstieg aus diesem Konzept zu veranlassen.
Die zweite Möglichkeit geht
davon aus, die Sowjets machten sich
kaum Sorgen über die Heraufbeschwörung ihrer eigenen Vernichtung, da
uns dies keinen Anreiz geben würde,
selektives Verhalten und Zurückhaltung zu üben.
Die
sowjetischen
Militärplaner
haben jedoch ein Bewußtsein dafür
entfaltet, daß das Politbüro im Falle
der Anwendung militärischer Gewalt
einen starken Anreiz besitzt, dies
selektiv zu tun und die Streitkräfte
unter politischer Kontrolle zu halten.
Es soll vermieden werden, daß
durch ihren Atomangriff ihren einmarschierenden Truppen der Weg verstellt
oder das in Besitz zu nehmende zerstört wird.
Insbesondere wollen sie
nicht die Zerstörung der Sowjetunion
riskieren. Als revolutionär für den
Charakter des Krieges schätzen sie
die gegenwärtig stattfindende Revolution in der Mikroelektronik ein, die
den strategischen Einsatz nichtatomarer Waffen zuläßt. Ihre in 40 Jahren
vorgenommenen
Investitionen
in den
Schutz ihres nationalen Führungssystems sowie ihre besondere Aufmerksamkeit in bezug auf die kriegsmäßige
Nutzung des Weltraums und anderer
Führungsraittel
zeigen, daß sie es
ernst damit meinen, Gewalt für politische Zwecke zuenken und unter Kontrolle zu halten. Wenn wir die extremen
Möglichkeiten
zur
primären
Grundlage
unserer
Planung
machen,
werden wir weniger rasen zu einer
vielseitigeren, selektiveren und kon-

trollierteren Fähigkeit gelangen.
Es wird immer möglich sein, blind
in solch eine Apokalypse hineinzuschlittern, und deshalb werden wir
stets auch Abschreckung für die extremen
Möglichkeiten
gewährleisten
müssen.
Es
bedarf
jedoch
keiner
großen
Atomstreitmacht,
um
die
menschliche Gesellschaft zu vernichten.
Wir müssen unsere Bemühungen
hauptsächlich einem breiten Spektrum
plausiblerer und wichtigerer Möglichkeiten widmen.
Veränderungen
in
sicherheitspolitischen
Umfeld.
Unsere
zentrale
Herausforderung
seit
dem
Zweiten
Weltkrieg
hat darin bestanden, in
formellen und informellen Bündnissen
mit anderen souveränen Staaten eine
Aggression gegen unsere vorrangigen
Interessen an Orten abzuwehren und
damit abzuschrecken, die unseren Gegnern geographisch näher liegen als
uns.
Das
"militärische
Gleichgewicht", d. h. vergleichbare Zahlen
von
Panzern, Geschützen, Panzerabwehrwaffen etc. auf Seiten des Warschauer Pakts und der NATO (selbst
nach Bereinigung aufgrund qualitativer
technologischer
Unterschiede)
kann das Problem nicht ausreichend
beschreiben.
Das
Problem
besteht
nicht einfach in der Entfernung, sondern in rechtzeitigem politischem Zugang auf dem Weg zu und innerhalb einer bedrohten Region sowie darin,
einheitliche vorbereitende Reaktionen
souveräner Verbündeter zu erhalten,
um mehrdeutige Anzeichen einer heraufziehenden Gefahr zu beantworten.
Für
das
Atlantische
Bündnis
stellt der Zusammenhalt ein Problem
dar. Bei der Behandlung von Ländern
wie Nicaragua und Libyen ist es vielleicht nicht überraschend, daß die
Verbündeten bei der Einschätzung Ihrer Interessen unterschiedlicher Mel-

- 10 -

�nung sind. Aber selbst an den Flanken der NATO und im Persischen Golf,
wo die lebenswichtigen Interessen unserer europäischen Verbündeten zur
Verhinderung
einer
sowjetischen
Machtübernahme unmittelbarer und massiver präsent sind als die unsrigen,
hat sich das Problem ständig verschärft. In den jüngsten Stützpunktverhandlungen haben Spanien und Portugal wenig Rücksichtnahme auf ihre
Rolle bei der Verstärkung der Türkei
oder verbündeter Streitkräfte im Golf
gezeigt. Und einige NATO-Länder an
der Nordflanke mit geringen eigenen
Streitkräften haben Maßnahmen abgelehnt, die ihrer eigenen rechtzeitigen Verstärkung dienen würden; sie
rechtfertigen diese Ablehnung mit der
weit hergeholten Begründung, die Sowjets benötigten die Versicherung,
daß sie nicht das Opfer eines unprovozierten Angriffs würden. Die wachsende Zahl europäischer Befürworter
der
"nichtoffensiven
Verteidigung"
würde diese Versicherung noch dadurch
verstärken, daß jegliche "offensiven"
Waffen abgebaut würden. Dies würde
nicht den feindlichen Angriff verhindern, sondern den Gegenangriff.
Während unsere Möglichkeiten des
rechtzeitigen Zugangs seit den fünfziger Jahren abgenommen haben, haben
die Sowjets ihre inneren Verbindungswege dazu benutzt, ihre Fähigkeit,
konventionelle Streitkräfte schnell
an Orten an ihrer Peripherie zum Einsatz zu bringen, auszubauen und ihren
Zugang zu Luftraum und Stützpunkten
an ihrer Peripherie systematisch verbessert.
Daraus ergibt sich eine
drastische Verbesserung ihrer Fähigkeit, Machtmittel an entscheidenden
Schauplätzen, wie etwa dem Persischen
Golf, zum Einsatz zu bringen, während
unsere sich absolut gesehen verringerte.
In den kommenden 20 Jahren
und an anderen Konfliktschauplätzen
werden
zunehmend
gut ausgerüstete

kleinere Mächte sowie auch neue führende Militärmächte uns wahrscheinlich einen noch stärkeren Anreiz bieten, eine vielseitigere und selektivere Streitmacht zu entwickeln.
Wir haben eine Vielfalt präziser
Waffen mit langen und kurzen Reichweiten
entwickelt
und
wichtige
Schritte unternommen, um die Robustheit und Wirksamkeit unserer Führungs-, Kommunikations- und Aufklärungsmittel sowie die Ausbildung unserer Streitkräfte
zu verbessern.
Erhebliche Fortschritte in der Mikroelektronik haben bereits revolutionäre Auswirkungen auf die Möglichkeit
gehabt, die Wirksamkeit von Angriffen
auf militärische Ziele zu erhöhen und
die Wirkung dabei weitgehend auf diese Ziele zu begrenzen. Diese Fortschritte haben die Möglichkeit der
breitangelegten Kampfführung und die
Aufrechterhaltung
der
politischen
Kontrolle enorm verbessert. In den
kommenden ein oder zwei Jahrzehnten
wird sich diese Entwicklung noch verstärken.
Am wichtigsten aber ist,
daß diese großen Veränderungen den
wirksamen Einsatz von einer oder einigen wenigen nichtatomaren Waffen
für viele Arten von Aufträgen ermöglichen, für die in der Vergangenheit
Tausende nichtatomarer Waffen oder
Atomwaffen benötigt wurden.
Wie schon an anderer Stelle des
vorliegenden Berichts erwähnt, wären
wir bei der Führung unserer für die
Niederschlagung
einer
sowjetischen
Invasion benötigten konventionellen
Streitkräfte in erheblichem Umfang
auf weltraumgestützte Systeme angewiesen, wie auch die Sowjets eigene
Satelliten als grundlegende Stütze
ihrer Invasion verwenden würden. Jede Seite hätte gute Gründe, ihr eigenes Weltraumsystem zu schützen und
das der anderen Seite zu schwächen.

- 11 -

�Die Dynamik unseres privaten Sektors verschafft uns einen speziellen
Vorteil bei der Verwertung der von
den neuen Technologien
angebotenen
Vorzüge.
Trotzdem haben wir und unsere Verbündeten häufig viel Zeit bei
der praktischen Einführung der Fähigkeiten vergeudet, die zur Bekämpfung
der
zunehmenden Gefahren notwendig
sind, die in der wachsenden Stärke
der Sowjets und anderer potentieller
Gegner zum Ausdruck kommen.
Kriege an der sowjetischen Peripherie und in der Dritten Welt.
Uns und den Sowjets werden starke Anreize geboten, die durch die neuen
Informationstechnologien
geschaffene
größere Wirksamkeit und die selektive
Fähigkeit konventioneller Waffen auszunutzen sowie die Zerstörungskraft
zu begrenzen, um damit bei der anderen Seite ein Interesse daran zu wekken, die Vernichtung ebenfalls in
Grenzen zu halten. Bei der Anwendung
von Kernwaffen besaßen beide Seiten
sogar einen noch stärkeren Anreiz,
sich auf Technologien zur Kontrolle
zu stützen, da der Verlust der Kontrolle in diesem Fall die katastrophalsten Auswirkungen hätte.
Beide
Seiten haben zunehmend Anstrengungen
investiert, um die Uberlebensfähigkeit
ihrer
Führungsmittel
unter
kriegsmäßigen Bedingungen zu sichern.
Ausrüstung,
Ausbildung,
Anwendungsweisen von Aufklärung und Operationsmethoden wurden von uns hauptsächlich für den Eventualfall eines
weltweiten massiven Angriffs der Sowjetunion entwickelt und stellen für
uns keine gute Vorbereitung auf Konflikte in der Dritten Welt dar. Bestandteile
solcher
Konflikte
sind
wahrscheinlich Terrorismus, Sabotage
und andere Arten "unterschwelliger"
Gewalt.
Die Unterstützung verbündeter Staaten bei der Reaktion auf solche Arten der Gewalt wird verstärkt

die Anwendung von Informationstechnologien erfordern, die auch für selektive Operationen in Konflikten höherer Intensität an Bedeutung gewinnen.
Die Notwendigkeit der Anwendung voti
Gewalt für politische Zwecke und der
Unterscheidung zwischen zivilen und
und legitimen Zielen wird hier noch
offensichtlicher.
Insbesondere werden wir optische und elektronische
Aufklärungsraittel
sowie
Kommütlikations- und Führungsmittel und präzise
Zielsteuerung der Waffen benötigen,
um die Schädigung von Nichtkombattanten so gering wie möglich zu halten.
Wir werden moderne Technologien für
die Ausbildung lokaler Streitkräfte
benötigen.
Diese werden sowohl für
die Erlangung politischer Unterstützung vor Ort wie auch für die Unterstützung in den Vereinigten Staaten
und in anderen Ländern des Westens
wichtig sein.
Die Nord- und Südflanke der NATO
besitzen eine schwächere Verteidigung
als die Mitte.
Von entscheidender
Bedeutung für die Verteidigung der
Mitte sind beide jedoch politischen
Problemen unterworfen, die die rechtzeitige Heranführung von Verstärkungen behindern.
Die Verteidigung der
Nordflanke hängt entscheidend von der
schnellen Verstärkung aus den Vereinigten
Staaten
und
den
anderen1
NATO-Ländern ab; zunehmende Beschränkungen von Aktivitäten der Vereinigten Staaten und der NATO insgesamt iri
Norwegen begrenzen unsere Fähigkeit
zur raschen Entfaltung militärischer
Macht zur Verteidigung der Region.
Im Süden besitzt die Türkei sowohl
für die Verteidigung amerikanischer
und
anderer
Marinestreitkräfte
im1
östlichen Mittelmeer wie auch für die
Verteidigung
unserer Interessen am
Persischen Golf eine Schlüsselfunktion.
Der entscheidenden Bedeutung
der Türkei sollte durch verstärkte
Militärhilfe seitens der Vereinigten

- 12 -

�Staaten und anderer NATO-Länder sowie
auch seitens Ländern wie Japan Rechnung getragen werden, die lebenswichtige Interessen in den Gebieten haben, zu deren Verteidigung die Türkei
beitragen würde.
Im Persischen Golf selbst müssen
die bei der Erlangung rechtzeitigen
Zugangs bestehenden großen Entfernungen und politischen Schwierigkeiten
überwunden werden, um eine glaubwürdige Verteidigung der Region aufzubauen.
Technologische Verbesserungen
sowie eine größere Bereitschaft der
Verbündeten, die politischen Risiken
bei der Erlangung dieses Zugangs zu
teilen, würden unsere Fähigkeiten zur
Abschreckung von Angriffen erheblich
stärken.
Südkorea und Japan werden zunehmend in der Lage sein, sich selbst
gegen eine konventionelle Invasion zu
verteidigen.
Die amerikanische Präsenz In beiden Staaten trägt nicht
zuletzt deshalb zur Abwendung möglicher Gefahren, wie etwa einer sowjetischen (oder chinesischen) Invasion
oder der Anwendung von Atomwaffen
bei, weil sie ebenfalls von großer
Bedeutung für die Stärkung unserer
Fähigkeit ist, rechtzeitig Bedrohungen in anderen Gegenden des Pazifiks
entgegenzutreten.
Seit langem entspricht es der Politik
des Atlantischen Bündnisses,
daß wir im Falle des Versagens nichtatomarer
Streitkräfte
bereit
sein
müssen, atomare Machtmittel einzusetzen, um eine konventionelle Invasion
aufzuhalten. Diese Machtmittel sollten jedoch wirksam und selektiv sein
- unter Kontrolle gehalten werden und
keinen selbstmörderischen Bluff darstellen. In jedem Fall benötigen wir
die Fähigkeit, mögliche Atomangriffe
auf die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten und der Verbündeten abzu-

schrecken. Dies sollte eine stärkere
Rolle bei der Verteidigung gemeinsamer Interessen außerhalb nationaler
und
Bündnisgrenzen
einschließen,
wenn, wie im Persischen Golf, entscheidende Interessen der Verbünden
eindeutig mit den unsrigen übereinstimmen. Eine größere nukleare Rolle
bei der Verteidigung anderer europäischer Verbündeter, wie sie für
Briten
und
Franzosen
vorgeschlagen
wurde, wird wie In unserem Fall eine
wirksame
und
selektive
atomare
Streitmacht erfordern, die zur Niederwerfung einer sowjetischen Invasion in Bündnisterritorium einsetzbar
ist.
Franzosen und Briten besitzen
Optionen in dieser Richtung.
Die
einheitliche
Nutzung
von
Ressourcen für die Sicherheit.
Bei
der Einführung
von Waffensystemen,
die zur Bewältigung der zunehmend fähigen Streitkräfte
der Sowjetunion
und weniger starker Gegner in der
Dritten Welt benötigt werden, ergaben
sich in der Vergangenheit Verzögerungen.
Wie
die
Packard-Kommission
feststellte, hingen diese Verzögerungen mit der bürokratischen und sporadischen Bewilligung von Mitteln für
Beschaffung, Forschung und Entwicklung sowie unzulänglicher angemessener und frühzeitiger Erprobung zusammen. Um diese Verzögerungen zu überwinden, sollten wir die Prototypenentwicklung und die Erprobung von Systemen beschleunigen, durch die unsere Streitkräfte vielseitiger und selektiver gestaltet würden.
Ebenso wichtig werden jedoch klar
umrissene "Anforderungen" sein, die
mit
einer einheitlichen
nationalen
Strategie zusammenhängen.
Auf einer
Langzeitstrategie beruhende "Anforderungen" sind entscheidend, um einen
vorgegebenen Haushalt optimal zu nutzen.

- 13 -

�Die um sich greifenden latenten
Gefahren, die von uns und unseren
Verbündeten zu bewältigen sind, geben
keinen Anlaß zu der Annahme, daß wir
unser heutiges Niveau des Verteidigungsetats sicher halten, geschweige
denn reduzieren können. Wenn jedoch
knappere Budgets ein zunehmendes R i siko mit sich bringen, so sollten wir
kurzfristig bei den unwahrscheinlichen extremen Angriffen ein größeres
Risiko in Kauf nehmen, um das Risiko
von wahrscheinlicheren Konflikten in
Gegenwart und Zukunft zu verringern.
Statt der Beschaffung verschiedenartiger großer "Plattformen" Priorität
einzuräumen, sollten wir die stetige
Verbesserung von Sensoren sowie Führungs- und Aufklärungsmitteln anstreben, durch die die Effektivität unserer Schiffe und Flugzeuge vervielfacht werden kann.
Daneben müssen
wir die Ressourcen bereitstellen, die
zur
Aufrechterhaltung
von
Ausbildungsstand, Moral und den hervorragenden Führungsqualitäten der Männer
und Frauen in den Streitkräften benötigt werden.
Rüstungskontrollabkommen und das
weiterbestehende
Problem,
militärische Macht rechtzeitig und selektiv
gegen Aggressionen
zum Einsatz zu
bringen.
Sorgfältig
ausgearbeitete
und durchsetzbare Rüstungskontrollabkommen können zur Verminderung des
Kriegsrisikos
beitragen, indem sie
militärische
Bedrohungen
für
eine
Reihe von Eventualfällen verringern
und gleichzeitig unsere Fähigkeit zur
selektiven
und wirksamen Anwendung
von Gewalt erhalten oder verbessern.
Jüngste Vorschläge der Sowjets und
mancher im Westen, die Erprobung von
Raketen, atomaren Gefechtsköpfen, Satellitenabwehrsystemen
und
aktiven
Verteidigungssystemen
einzustellen,
gingen von der Voraussetzung aus,
dies würde den qualitativen Rüstungswettlauf bremsen, der angeblich wi-

derum den quantitativen Rüstungswettlauf antreibt. Solche Beschränkungen
würden jedoch gerade die gegenteilige
Wirkung der beabsichtigten haben; sie
würden die Schaffung eines glaubwürdigen
Abschreckungspotentials
erschweren. Wie schon an anderer Stelle des vorliegenden Berichts ausgeführt wurde, könnte ein sorgfältig
ausgearbeitetes Abkommen über Selbstverteidigungszonen
im Weltraum den
Schutz
weltraumgestützter
Sensoren
sowie Führungs- und Kommunikationssysteme
erleichtern.
Ein
Abkommen,
durch das der sowjetische Vorsprung
bei den nichtatomaren Streitkräften
drastisch reduziert würde, ist von
führenden
Persönlichkeiten
beider
amerikanischen Parteien und von vielen namhaften Europäern vorgeschlagen
worden.
Sein Zweck würde darin bestehen, die Fähigkeiten von NATO und
Warschauer Pakt zum rechtzeitigen und
wirksamen Einsatz von Streitkräften
an kritischen Gefahrenpunkten einander anzugleichen.
Damit würden die
auf geographischen Gegebenheiten und
den größeren Anstrengungen der Sowjets im konventionellen Bereich beruhenden
grundlegenden
Asymmetrien
zwischen Ost und West behandelt.
Die im vorliegenden Bericht empfohlene Strategie sollte als Leitlinie für Rüstungskontrollverhandlungen
sowie für nationale und Bündnisentscheidungen über Verteidigung dienen.
Eine solche Strategie der selektiven
Verteidigung scheint jedenfalls langfristig eher in der Lage zu sein, eine Gemeinsamkeit der Interessen mit
Gegnern aufzubauen als rücksichtslose
Drohungen mit der Auslöschung ihrer
Bevölkerung.
Unsere
Rüstungskontrollpolitik muß einheitlich mit einer lebensfähigen langfristigen Strategie des Bündnisses verbunden sein.

- 14 -

* * * * *

'

&lt;

*

�^e°s7&gt;

VON

AMERIKA DIENST
4

Wissenschaft und Technik
20. Januar 1988

NASA GEHT AUF SICHERHEIT
- Shuttle-Start eventuell Im August -

WASHINGTON - (AD) - Nach dem gegenwärtigen Stand der Unter.TUchungc i z.-.-a
Bruch eines Halterings am Schwenkmechanismus der Feststoff raketend.'ise kann
frühestens in etwa drei Wochen näheres zu den Startplänen für dt»n Riumtransporter DISCOVERY gesagt werden. Auf einer Pressekonferenz am 11. Januar 1988
erklärte Richard Truly, NASA-Direktor für den bemannten Raumflug, daß jetzt
günstigstenfalls ein Termin im August 1988 in Frage käme.

Wie die Auswertung des Brenntests
vom 23. Dezember 1987 inzwischen ergab, ist der Ring eine oder zwei Sekunden nach Beendigung des Tests gebrochen.
Er hält einen Hitzeschild
zum Schutz des Schwenkmechanismus für
die Düse, der zum Steuern der Trägerrakete während der ersten beiden Minuten nach dem Start dient. Wie Vertreter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) erklärten, würde ein
Vorfall dieser Art bei einem Start
den
Ablauf
nicht
beeinträchtigen.
Aber die Beschädigung des Ringes insbesondere
das Aufbrechen
seiner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schichtenstruktur infolge der extremen Hitze - erfordere technische Änderungen.
Truly zufolge konnte die NASA das
Haltering-Problem
verhältnismäßig
schnell klären, weil eine im August
letzten Jahres erfolgreich erprobte
Alternativ-Ausführung
zur
Verfügung
stand. Bei dem gebrochenen Ring habe
es sich um eine neuere Version gehandelt, von der man sich weitere Verbesserungen
versprochen hatte.
In
den kommenden Wochen müsse geklärt
werden, welche Ausführung zufrieden-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�stellender funktioniere. Die im März
beginnenden weiteren Tests, so ein
NASA-Sprecher, dürften den Ingenieuren die Möglichkeit geben, alle noch
offenen Probleme zu lösen - ob sie
den Haltering oder andere Teile beträfen.
Mit der Ursache für die Explosion
der Raumfähre CHALLENGER im Januar
1986 hat die jetzt beobachtete Fehlfunktion des Halterings nichts zu
tun. Damals wurde durch einen undichten 0-Ring am Verbindungsteil
zwischen zwei Segmenten der Feststoffrakete die Katastrophe ausgelöst. Die NASA und ihre Vertragsfirmen haben seitdem daran gearbeitet,
dieses Problem auszuschalten und die
Konstruktionen insgesamt zu verbessern. Die bisherigen Testergebnisse,
das
Haltering-Problem
ausgenommen,
seien "ausgezeichnet", sagte Truly;
auch hätten alle Haupttriebwerke die
Zulassungstests
für
den
nächsten
Raumtransporter-Flug bereits bestanden. NASA-Administrator Dr. James C.
Fletcher wies auf der Pressekonferenz
Behauptungen zurück, der Starttermin
könne unter Umständen von politischen
Erwägungen im Zusammenhang mit den
Präsidentschaftswahlen
beeinflußt
werden.
Denn "Flugbereitschaft bedeutet, daß der Raumtransporter nur
dannfliegen wird, wenn er so sicher
ist, wie wir ihn machen können".
Sicherheit sei, wie die NASA auch
als Reaktion auf den von ihrer internen Ad-hoc-Kommission verfaßten Bericht feststellte, seit der Katastrophe vom 28. Januar 1986 oberstes
Gebot. Diese Kommission hatte sich
z.T. kritisch zu den Sicherheitsmaßnahmen der NASA geäußert und 72 Empfehlungen vorgelegt.
Ihr Bericht
gründete sich auf Informationen aus
der Zeit zwischen November 1986 und
Februar 1987.
Er wurde im August
1987 dem NASA-Management

Die Veröffentlichung am 5. Januar
1988 erfolgte, nachdem Auszüge aus
dem Bericht durch einen Artikel in
einer in Atlanta (Georgia) erscheinenden Zeitung publik geworden waren.
Auf alle in dem Bericht angesprochenen Fragen sei die NASA direkt
eingegangen, verlautete jetzt. Fast
alle empfohlenen Änderungen, auf die
übrigens auch die Rogers-Kommission
und Kongreß-Ausschüsse aufmerksam gemacht hatten, seien zur Zeit der Ausarbeitung des Berichts bereits im
Gang gewesen oder seien inzwischen
durchgeführt worden.
Mit einem speziellen Problem, das
mit der Montage zusammenhänge, werde
man sich jetzt noch eingehender befassen:
Eine geringe Menge heißen
Gases sickerte beim Brenntest im Dezember durch eine geklebte Sperre
zwischen zwei Isolierelementen und
drang bis zu einem Cummi-0-Ring im
Düsenteil vor. Der Ring hatte das
Gas abgeblockt und wies selbst keinerlei Beschädigungen auf.
Jedoch
sei es sehr wünschenswert, wurde bei
der NASA erklärt, daß die Konstruktion der Verbindung zwischen
Düse
und Mantel ein Durchsickern heißen
Gases zum O-Ring verhindere, selbst
wenn dieser O-Ring nicht die Funktion
einer Dichtung habe. Winzige Gas-Kanäle durch die Klebesperre bildeten
sich dann, wenn kleine Mengen Luft,
die während der Montageprozesse im
System eingeschlossen werden, freigesetzt würden. Um die Möglichkeit des
Lufteinschlusses zu verringern, werde
man nun die Arbeitsgänge bei der Montage weiter verbessern.

zugeleitet.

- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                    <text>reo s ^

VON

AMERIKA DIENST
4

27. Januar 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Bericht zur Lage der Nation
- 2 5. Januar 1988 -

Reagan;

Contras sind "Versicherungspolice für Demokratie"

- President Reagans Rede vor Kommunalpolitiker im Weißen Haus

HINTERGRUNDMATERIAL
Bericht zur nationalen Sicherheitsstrategie veröffentlicht
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"'V

Dokumentation

""*"" &lt;Ä&lt;

27. Januar 1988

PRÄSIDENT REAGANS BERICHT ZUR LAGE DER NATION
- 25. Januar 1988 -

WASHINGTON - (AD) - In seinem am 25. Januar 1988 vor dem Kongreß verlesenen Bericht zur Lage der Nation hat Präsident Reagan erklärt, daß das Weiße
Haus zusammen mit dem Kongreß im Bereich der internationalen Beziehungen "eine
durchgreifende Umkehr, eine Revolution" erreicht haben.
"Vor sieben Jahren
war Amerika schwach, und die Freiheit war überall bedroht; heute ist Amerika
stark und die Demokratie ist überall auf dem Vormarsch..."
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herr
Vorsitzender, Herr Präsident, ehrenwerte Mitglieder von Haus
und Senat: Als wir hier vor sieben
Jahren zum ersten Mal zusammengekommen sind - viele von uns waren damals
zum ersten Mal hier anwesend - taten
wir dies in der Hoffnung auf einen
Neubeginn in Amerika.
Heute abend
treffen wir uns hier in dieser historischen Kammer, um mit dieser Arbeit
fortzufahren. Sollte jemand nur eine
stolze Aufzählung der Errungenschaften meiner Administration erwarten,
so sage ich: überlassen wir das doch
der Geschichte; wir haben unsere Ar-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

beit noch nicht beendet. Meine Botschaft an Sie heute abend ist: Ziehen Sie Ihre Arbeitsstiefel an - wir
befinden uns immer noch mitten in der
Arbeit.
Die
Geschichte
verzeichnet
die
Macht der Ideen, mit deren Hilfe wir
in diesen sieben Jahren soviel erreicht haben.
Ideen wie: Das Recht
des Einzelnen, sich so zu entfalten,
wie seine Talente dies erlauben; der
freie
Markt
als
Triebfeder
wirtschaftlichen Fortschritts; und, wie
der alte chinesische Philosoph Laotse

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�es ausdrückte:
Regiere eine große
Nation wie Du einen kleinen Fisch kochen würdest; tue nicht des Guten zuviel.
Diese Ideen waren Teil einer umfassenderen Vorstellung - einer Vision, wenn Sie so wollen, von Amerika
selbst.
Eines Amerikas, das nicht
nur reich an Chancen für den Einzelnen, sondern ebenso reich an starken
Familien und pulsierenden Stadtvierteln ist; eines Amerikas, dessen unterschiedliche aber in Harmonie zusammenlebenden Gemeinden das Spiegelbild einer tieferen Wertegemeinschaft
darstellen - der Werte Arbeit, Familie und Religion - und der Freiheitsliebe, die Gott jedem von uns eingegeben hat und deren Verteidigung Er
dieser Nation auf besondere Weise anvertraute.
All dies wurde durch eine Idee
ermöglicht, von der ich während Herrn
Gorbatschows Besuch gesprochen habe:
die Überzeugung, daß die aufregendste
Revolution in der Geschichte der
Menschheit mit drei einfachen Worten
begann: "Wir, das Volk" - die revolutionäre Vorstellung, daß das Volk
der Regierung Rechte gewährt und
nicht umgekehrt.
Und eine Lehre ist mir in ihrer
ganzen Tragweite klargeworden, die
ich Ihnen jetzt mitteilen möchte:
So, wie diejenigen, die diese Republik geschaffen haben, einander ihr
Leben, ihr Hab und Gut und ihre heilige Ehre verpfändeten, so müssen
auch heute die politisch Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten
einander versprechen, daß an erster
Stelle in unseren Herzen und Gedanken
nicht das steht, was für uns selbst
oder für unsere Partei das Beste ist,
sondern das, was für Amerika das Beste ist. Lassen Sie uns im Geist von
Jefferson bekräftigen, daß es in die-

ser Kammer heute abenH keine Republikaner, keine Demokraten, sondern nur
Amerikaner gibt.
Ja, wir werden Meinungsverschiedenheiten haben. Lassen Sie uns jedoch immer daran denken:
Was uns
vereint wiegt bei weitem das uns
Trennende auf. Diejenigen, die uns
hierhin entsandt haben, um ihnen zu
dienen - die Millionen Amerikaner,
die uns heute abend hier zusehen und
zuhören - erwarten das von uns. Lassen Sie uns Ihnen und uns selbst beweisen, daß die Demokratie selbst in
einem Wahljahr funktioniert.
Wir haben dies früher geschafft.
Und weil wir zusammengearbeitet haben, um Ausgaben, Steuersätze und Inflation zu reduzieren, stieg die Beschäftigungsrate
auf
Rekordhöhen,
wurden in Amerika mehr, bessere und
besser bezahlte Arbeitsplätze geschaffen, wuchsen die Familieneinkommen vier Jahre hintereinander an und
die Armen Amerikas stiegen so schnell
wie nie zuvor in den vergangenen zehn
Jahren aus ihrer Armut empor. Unsere
Bilanz drückt sich nicht nur im längsten Aufschwung unserer Geschichte in
Friedenszeiten aus, sondern in einer
wirtschaftlichen und sozialen Revolution der Hoffnung, die auf Arbeit,
Anreizen, Wachstum und Chancen basiert; in einer Revolution des Mitleids, die zu Initiativen des Privatsektors und einem 77prozentigen Anstieg bei Spenden für wohltätige
Zwecke führte; in einer Revolution,
die - zu einem entscheidenden Zeitpunkt der Weltgeschichte - den amerikanischen Traum zurückgewann und wiederherstellte.
Auch im Bereich der internationalen Beziehungen gibt es nur eine Beschreibung für das, was wir zusammen
erreicht haben: Eine durchgreifende
Umkehr, eine Revolution. Vor sieben

- 2 -

�Jahren war Amerika schwach und die
Freiheit war überall bedroht; heute
ist Amerika stark und die Demokratie
ist überall auf dem Vormarsch.
Von
Mittelamerika
bis
Ostasien
fassen
Ideen wie freie Märkte, demokratische
Reformen und Menschenrechte Fuß. Wir
haben
"Amerika
ist
schuld"
durch
"Blick auf zu Amerika" ersetzt. Wir
haben unsere Verteidigung wiederaufgebaut; von all unseren Leistungen
ist das Bewußtsein am befriedigendsten, daß unsere jungen Leute wieder
stolz darauf sind, die Uniform unseres Landes zu tragen.
Und gleich werde ich über drei
Entwicklungen sprechen - Abrüstung,
die Strategische Verteidigungsinitiative und die weltweite demokratische
Revolution
-, die
zusammengenommen
eine Gelegenheit bieten, wie wir sie
uns noch vor sieben Jahren nicht vorzustellen gewagt hätten, eine Gelegenheit, die Welt von den zwei großen
Alpträumen der Nachkriegszeit zu befreien.
Ich meine die erstaunliche
Hoffnung, unseren Kindern eine Zukunft zu geben, die sowohl vom Totalitarismus als auch vom nuklearen
Terror frei ist.
Heute abend sind wir also stark.
Wir sind wohlhabend.
Wir leben in
Frieden.
Und wir sind frei.
Dies
ist die Lage der Nation.
Und wenn
wir dieses Jahr weiterhin zusammenarbeiten, bin ich überzeugt, daß wir
einem künftigen Präsidenten und einem
künftigen Kongreß die Chance eröffnen
können,
diesen
Wohlstand,
diesen
Frieden, diese Freiheit nicht nur zur
Lage unserer Nation, sondern zur Lage
unserer Welt zu machen.
Um dieses Ergebnis zu erreichen,
stellen sich uns hier heute abend
vier grundsätzliche Ziele.
Erstens
Schritte, die wir dieses Jahr unternehmen können, um Stärke und Wachstum

unserer Wirtschaft zu erhalten, um
unseren
Kindern
ein 1
Zukunft
mit
niedriger Inflation und Vollbeschäftigung zu gewähren.
Lassen Sie uns
zweitens die Fortschritte überprüfen,
die wir bei der Bekämpfung sozialer
Probleme erzielt haben, die aber weiterhin uneingeschränkter Aufmerksamkeit bedürfen. Ich meine damit funktionierende Schulen; wirtschaftliche
Unabhängigkeit
für die Armen; die
Wiederherstellung
des Respekts
für
Familienleben und die Werte der Familie. Unser drittes Ziel heute abend
ist ein weltweites:
Die Wetterführung der aufregenden wirtschaftlichen
und
demokratischen
Revolutionen
in
der ganzen Welt. Viertens und letztens:
Unsere Nation lebt seit fast
eineinhalb
Jahrzehnten
im Frieden,
und während wir nun auf unsere Ziele
weltweiten Wohlstands und einer Welt
der Freiheit hinarbeiten, müssen wir
diesen Frieden bewahren und den Krieg
abschrecken, indem wir sicherstellen,
daß der nächste Präsident das erbt,
das diesem Präsident zu vermachen Sie
und ich eine moralische Pflicht haben:
Eine nationale Sicherheit, die
unangreifbar ist, und eine nationale
Sicherheit, die sich umfassend neuer
Technologien bedient und mit allen
Finanzmitteln ausgestattet ist.
Dies ist eine umfangreiche Tagesordnung. Das muß auch so sein. Sehen Sie, meine Gedanken in bezug auf
das kommenden Jahr sind ganz einfach:
Lassen Sie uns dies zum besten der
ganzen acht machen.
Und das heißt:
Mit ganzer Kraft bis zur Ziellinie.
Ich glaube nicht an die Vorstellung,
daß dies das letzte Jahr von irgendetwas ist; wir reden heute abend ja
nicht über die Verzeichnung vorläufiger Erfolge, sondern über Wege, um
unseren Erfolgen Dauerhaftigkeit zu
verleihen. Deshalb gilt unser Hauptaugenmerk den Werten, Prinzipien und
Ideen, die Amerika groß gemacht ha-

- 3 -

�ben.
Lassen Sie uns diesen Punkt
deutlich machen: Wir sind für befristete Regierungen, weil wir erkannt
haben - wie dies die Gründerväter taten -, daß dies der beste Weg zur Sicherung persönlicher Freiheit und Befähigung des Einzelnen ist, damit jeder Amerikaner jeglicher Rasse und
Religion vollständig am Gedeihen amerikanischen Wohlstands und amerikanischer Freiheit teil hat.
Und da ist noch etwas. Wir Amerikaner lieben die Zukunft; wir lieben ihren Klang, ihre Idee und ihre
Hoffnung. Wo andere Furcht vor Handel und Wirtschaftswachstum haben sehen wir Möglichkeiten zur Schaffung
neuen Wohlstands und nie erträumte
Chancen für Millionen in unserem Land
und
darüber
hinaus.
Wo
andere
Schranken errichten wollen, streben
wir danach, sie niederzureißen; wo
andere sich ihren Ängsten hingeben,
folgen wir unseren Hoffnungen.
Ja,
wir Amerikaner lieben die Zukunft und
wir lieben es, das Maximum aus ihr zu
machen.
Lassen Sie uns dies jetzt
tun.
Und lassen Sie uns beginnen, indem wir darüber sprechen, wie das
Wirtschaftswachstum
durch
Kontrolle
und letztlich Beseitigung des Problems der Defizite im Bundeshaushalt
aufrechterhalten werden kann. In den
vergangenen 57 Jahren hatten wir nur
acht Mal einen ausgewogenen Haushalt.
Zum ersten Mal in 14 Jahren hat die
Bundesregierung im vergangenen Jahr
real weniger ausgegebenen als im Jahr
zuvor.
Wir haben im Vergleich zum
Vorjahr vergangenes Jahr das Defizit
um 73 Milliarden Dollar verringert.
Das Defizit selbst ging von 6,3 Prozent des Bruttosozialprodukts auf nur
3,4 Prozent zurück.
Und das vielleicht wichtigste Zeichen des Fortschritts war der Wandel in unserer
Einstellung zu Defiziten. Einige un- 4

ter uns können sich noch daran erinnern, wie vor nicht allzu vielen Jahren diejenigen, die die Defizite verursacht haben, erklärten, daß sie uns
zu Wohlstand verhelfen würden und wir
uns keine Sorgen über die Defizite
machen sollten - "wir schulden sie
uns ja selbst". Nun, endlich besteht
Übereinstimmung, daß wir uns nicht
durch Ausgaben bereichern können.
Unsere jüngste Hausbaltsvereinbarung zur Reduzierung des Defizits im
Bundeshaushalt um 76 Milliarden Dollar in den kommenden zwei Jahren
gründet
sich
auf
diesen
Konsens.
Diese Vereinbarung muß jedoch eingehalten werden ohne daß sich wieder
die Irrtümer der Vergangenheit einschleichen
- noch mehr gebrochene
Versprechen und mehr unkontrollierte
Ausgaben.
Wie ich in meinem ersten
Bericht zur Lage der Nation erklärt
habe, läßt sich das Grundübel leicht
definieren:
die Bundesregierung ist
zu groß, und sie gibt zu viel Geld
aus.
Ich kann Sie, die überparteiliche Führung des Kongresses, meiner
Hilfe bei der Abwehr jeden Versuchs
versichern,
unser
Haushaltsabkommen
zum Scheitern zu bringen.
Und dazu
gehört auch die rasche und sichere
Anwendung des Vetorechts.
Es ist auch an der Zeit, offen
über das unmittelbarste Hindernis für
die Kontrolle des Haushaltsdefizits
zu sprechen. Das einfache aber frustrierende Problem, die Ausgaben mit
den Steuereinnahmen in Einklang zu
bringen - etwas, was amerikanische
Familien tun und zu dem die Bundesregierung außerstande ist - hat in dieser Stadt Krise auf Krise verursacht.
Herr Vorsitzender, Herr Präsident,
ich wiederhole heute abend, was ich
schon früher erklärt habe - und was
ich auch weiterhin erklären werde:
Das
Haushaltsverfahren
hat
versagt
und muß grundlegend überholt werden.

�Jedes Jahr ist das vor den Augen der
amerikanischen Öffentlichkeit stattfindende Spektakel dasselbe wie vergangene Weihnachten:
Haushaltsstichtage werden verzögert oder gänzlich
überschritten,
monströse
Haushaltsfortschreibungen, bei denen Ausgaben
von Hunderten von Milliarden Dollar
in ein Gesetz gepackt werden - und
eine Regierung am Rande der Zahlungsunfähigkeit.
Ich weiß, daß ich hier nur wiederhole, was Sie hier im Kongreß erklärt haben, weil Sie so unmittelbar
davon betroffen waren - aber wir
sollten uns daran erinnern, daß in
sieben Jahren von 91 Bewilligungsgesetzen, die zu einem bestimmten Termin auf meinen Schreibtisch hätten
kommen sollen, nur zehn rechtzeitig
zur Vorlage kamen. Vergangenes Jahr
war dies bei keinem der 13 Bewilligungsgesetze, die am 1. Oktober fällig waren, der Fall. Stattdessen gab
es vier Haushaltsfortschreibungen für
jeweils 41 Tage, 36 Tage, zwei Tage
und schließlich drei Tage.
Und danach kamen diese zwei Monster - ein
Ausgleichsgesetz von 1 186 Seiten und
15 Pfund Gewicht, das sechs Monate zu
spät eingebracht wurde sowie die mit
zweimonatiger
Verspätung
vorgelegte
langfristige
HaushaltsfortSchreibung
mit 1 047 Seiten und einem Gewicht
von 14 Pfund.
Von dem 1 053 Seiten
starken und 14 Pfund schweren Konferenzbericht ganz zu schweigen.
Das
ergab insgesamt 43 Pfund Unterlagen.
Ihnen verblieben ganze drei Stunden
zur Durchsicht eines jeden Berichts,
und in meinem Haushaltsbüro waren 300
Mitarbeiter notwendig, nur um den Gesetzentwurf zu lesen, nur damit der
Regierungsbetrieb weitergeführt werden konnte.
Der Kongreß sollte keinen Gesetzentwurf
dieser Art mehr vorlegen.
Und wenn Sie es doch tun, werde ich

ihn nicht unterzeichnen.
Lassen Sie uns all dies ändern;
warum gibt es nicht statt eines später verworfenen Haushaltsentwurfs des
Präsidenten und einer nicht verwirklichten Haushaltsresolution des Kongresses eine einfache Partnerschaft,
eine gemeinsame Übereinkunft, die im
Rahmen der verfügbaren Einkünfte bei
den Ausgaben Prioritäten setzt.
Und
wir sollten uns vergegenwärtigen, daß
unser Termin der 1. Oktober ist und
nicht Weihnachten; lassen Sie uns die
Arbeit
rechtzeitig
abschließen, um
ein Wettrennen mit Santa Claus zu
vermeiden. Dieses Jahr soll - um eine Redewendung zu prägen - einen neuen Anfang markieren.
13 einzelne
Vorlagen, termingerecht und vom Kongreß vollständig überprüft.
Ich bin mir ebenfalls sicher, daß
Sie mir zustimmen, wenn ich sage:
helfen wir bei der Sicherung unserer
Zukunft in Wohlstand, indem wir dem
Präsidenten ein Werkzeug an die Hand
geben, von dem ich - obwohl ich es
nicht mehr werde benutzen können sicher bin, daß es zukünftige Präsidenten aller Parteien brauchen. Geben Sie dem Präsidenten dieselbe Autorität, die 43 Gouverneure in ihren
Bundesstaaten ausüben - einen angemessenen Einfluß auf Bewilligungsgesetze,
auf
Beschneidung
der
Verschwendung
und
Verwirklichung
von
Disziplin Im Haushalt. Bitte stimmen
Sie dem selektiven Veto zu.
Und lassen Sie uns einen kleinen
Schritt in diese Richtung unternehmen.
Die meisten von Ihnen hier in
dieser Versammlung wußten nichts vom
Inhalt dieser umfassenden Vorlage und
dieses Berichts.
In den vergangenen
Wochen haben wir alle erfahren, was
sich hinter einem unscheinbaren Komma
hier und da verbarg.
Zum Beispiel
werden Millionen für Posten wie etwa

- 5 -

�die
Untersuchung
von
Preisel- und
Blaubeeren und von Krebsen sowie die
kommerzielle
Verwendung
von
Wildpflanzen
aufgewendet.
Ganz
zu
schweigen von der halben Million Dollar, mit der Vertreter der Entwicklungsländer hierher geholt werden, um
den Kongreß arbeiten zu sehen. Daran
werde ich nicht einmal rühren. Heute
abend stelle ich Sie vor diese Herausforderung.
In 30 Tagen werde ich
Ihnen die Posten zurücksenden - gewissermaßen als Annullierungen -, die
ich herausfiltern würde, wenn mir
dies zustände.
Überprüfen Sie dieses viele Milliarden Dollar starke Paket; damit
wird
nicht
unsere
überparteiliche
HaushaltsVereinbarung
aufgehoben.
Wenn diese angenommen wird, wird damit unser Ziel eines Defizitabbaus
eher verwirklicht.
Und wir können
damit ein Exempel statuieren:
daß
wir es ernst meinen, wenn es darum
geht, unsere finanzielle Bilanz auszugleichen. Mit der Durchführung und
Bewilligung dieses Plans haben Sie
die Möglichkeit, einen außer Kontrolle geratenen Prozeß im Kongreß zu beenden.
Es gibt noch eine weitere unerläßliche Reform.
Das Gramm-RudmanHollings-Gesetz war im Grunde hilfreich, aber wir sollten seine Zielsetzung
eines ausgeglichenen
Haushalts wieder aufnehmen und es damit
Beständigkeit erlangen lassen.
Wir
sollten das tun, was viele andere
Länder auch tun, um ihre Ausgaben
einzuschränken und worum wir von den
gesetzgebenen Körperschaften von 32
Bundesstaaten gebeten worden sind;
wir sollten uns dem Wunsch einer
überwältigenden Mehrheit von Amerikanern unterwerfen und einen Verfassungszusatz verabschieden, der einen
ausgeglichenen
Haushalt
vorschreibt
und die Bundesregierung zwingt, im
- 6

Rahmen ihrer Mittel zu leben.
Eine Reform des Haushaltsprozesses wird es - mit dem selektiven Veto
und dem Verfassungszusatz für einen
ausgeglichenen Haushalt - sowie mit
einer echten Beschränkung der Regierungsausgaben
verhindern,
daß
der
Bundeshaushalt jemals wieder die Familieneinkommen beeinträchtigt.
Wir
sollten
sicherstellen, daß
die
Bundesregierung
niemals
wieder
etwas gegen die einzelnen Haushalte
entscheidet.
Im vergangenen September habe ich einen Präsidialerlaß zur
Familie unterzeichnet, der vorsieht,
daß jedes Ministerium und jede Behörde ihre Aktivitäten nach sieben Maßstäben überprüft, die darauf abzielen, die Familien zu fördern anstatt
ihnen zu schaden. Lassen Sie uns sicherstellen, daß die Familie immer im
Zentrum
des
politischen
Prozesses
steht, nicht nur bei dieser, sondern
auch bei allen zukünftigen Regierungen. Es wird Zeit, daß der Kongreß zu Beginn - eine Erklärung über die
Auswirkungen in Erwägung zieht, die
die Gesetzgebung auf die Keimzelle
der amerikanischen Gesellschaft, die
Familie, hat.
Und wenn wir von der Familie
sprechen, sollten wir uns einem Thema
zuwenden, das alle amerikanischen Eltern beschäftigt - Erziehung.
Wir
kennen alle die leidige Geschichte
der sechziger und siebziger Jahre immense
Ausgaben,
niedrigere
Prüfungsergebnisse - und dieser hoffnungsvolle Trend der achtziger Jahre,
als
die
Besessenheit
mit
Dollars
durch eine Verpflichtung für Qualität
abgelöst wurde und die Prüfungsergebnisse wieder besser wurden.
Es gibt
eine Lektion, die wir alle hundertmal
an die Tafel schreiben sollten - bei
der Erziehung eines Kindes kann Geld
niemals
den
Stellenwert
solcher

�Grundlagen wie etwa Disziplin, harter
Arbeit und - Hausaufgaben - einnehmen.
Als Nation geben wir natürlich
viel für Erziehung - mehr als für die
Verteidigung - aus, und dennoch unterrichten im ganzen Land Gouverneure
wie Tom Kean aus New Jersey in den
Schulklassen, daß die Art und Weise
unserer Ausgaben so wichtig ist wie
der Umfang. Der Lehrerberuf soll allen qualifizierten Bewerbern offenstehen; ebenso eine leistungsgerechte
Vergütung, so daß gute Lehrer auch
gute Noten erzielen können; und ein
festeres Curriculum, wie es Minister
Bennett
für weiterführende
Schulen
vorgeschlagen hat - diese phantasievollen Reformen lassen den gesunden
Menschenverstand in Amerikas Schulen
zum beliebtesten neuen Kriterium werden.
Wie können wir helfen? Wir können über diese Reformen reden und sie
vorantreiben.
Aber das wichtigste,
was wir tun können, ist die Bestätigung,
daß
eine
Kontrolle
unserer
Schulen den Bundesstaaten und Kommunen, und vor allem aber den Eltern
und Lehrern zufällt.

brauchen, um sich aus der Armut herauszumanövrieren - der Familie. Abhängigkeit ist zu ei em dauerhaften
Erbe geworden, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird
- an Generationen von zerrütteten Familien.
Es ist an der Zeit - und das ist
eine der radikalsten Äußerungen, die
ich in den sieben Jahren meiner Amtszeit gemacht habe - es ist an der
Zeit, daß Washington etwas Demut bezeugt.
Es gibt Tausende Funken der
Genialität in 50 Bundesstaaten und
Tausende von Gemeinschaften im ganzen
Land.
Es ist an der Zeit, sie zu
nähren und zu sehen, welche von ihnen
Feuer fangen und zu Leuchtfeuern werden.
Die Bundessstaaten haben begonnen, uns den Weg zu weisen. Sie haben demonstriert, wie
erfolgreiche
Sozialhilfeprogramme auf wirkungsvolleren Methoden zur Hilfe für Kinder
und auf innovativen Programmen aufbauen können, die eine Mitarbeit von
Sozialhilfeempfängern erfordern.

Meine Freunde, vor einigen Jahren
hat die Bundesregierung der Armut den
Krieg angesagt, und die Armut hat gewonnen.
Heute unterhält die Bundesregierung 59 wichtige soziale Programme und gibt dafür im Jahr mehr
als 100 Milliarden Dollar aus. Was
ist mit all diesem Geld geschehen?

Wir
sollten
den
Einzelstaaten
mehr Flexibilität einräumen und weitere
Reformen
unterstützen.
Wir
sollten damit beginnen, unser Sozialhilfesystem zur ersten Stufe auf Amerikas Leiter der Möglichkeiten zu machen - ein Schritt weg von der Abhängigkeit; nicht etwa ein Begräbnis-,
sondern eine Geburtsstätte der Hoffnung.

Nur allzuoft hat es nur bewirkt,
daß es jetzt schwieriger ist, der Armut
zu entkommen.
Sozialhilfeprogramme der Bundesregierung haben ein
massives soziales Problem geschaffen.
Mit den besten Absichten hat die Regierung eine Falle der Armut geschaffen, die über dem System der Hilfe
zuschnappt, das die Armen am meisten

Ich möchte mich jetzt einem der
drei anderen Themen zuwenden, die für
die Werte der Familie und die Qualität des Familienlebens existentielle
Bedeutung haben.
Das erste ist die
noch nicht erzählte Geschichte eines
amerikanischen Erfolgs.
Vor kurzem
haben wir unseren Jahresbericht darüber veröffentlicht, was Schüler kurz

- 7 -

�/or ihrem Schulabschluß über Drogen
zu sagen haben.
Der Konsum von Kokain ist rückläufig und der Marihuanakonsum verzeichnet seinen niedrigsten Stand seit Beginn der Untersuchung.
Wir können stolz darauf
sein, daß unsere Schüler zu Drogen
ganz einfach "Nein" sagen. Aber wir
sollten uns daran erinnern, daß eine
Beendigung dieses Wahnsinns das Engagement in jedem Teil Amerikas und von
jedem einzelnen Amerikaner erfordert
- den Einsatz für ein drogenfreies
Amerika. Der Kampf gegen Drogen ist
ein Kampf der einzelnen Schlachten,
ein Kreuzzug mit vielen Helden - dazu
zählen die jungen Leute in Amerika
und jemand, der mir sehr lieb ist.
Sie hat vielen jungen Menschen dabei
geholfen, "Nein" zu Drogen zu sagen.
Nancy, Dir gebührt große Anerkennung,
und ich möchte Dir den Stolz Deines
Mannes und den Dank Deines Landes zum
Ausruck bringen.
Jetzt kommen wir zu einem Problem
der Familie, mit dem wir uns mutig
konfrontieren müssen.
Heute fordere
ich Amerika - ein gutes Land und ein
moralisches Volk - auf, sich nachsichtig, aber dennoch realistisch den
schrecklichen
Preis der Abtreibung
auf Verlangen vor Augen zu führen.
Denen, die erklären, dies verletze
das Recht der Frau auf Kontrolle über
ihren eigenen Körper - können sie medizinische Beweise leugnen, denen zufolge das ungeborene Kind ein lebendiger Mensch ist und damit das Recht
auf Leben, Freiheit und das Recht auf
Glück hat?
Wir sollten uns als Nation zusammenschließen und das ungeborene Leben durch Gesetze schützen,
durch die jegliche Bundesfinanzierung
zur Abtreibung ausgesetzt wird - mit
einem Zusatz für Menschliches Leben,
der
natürlich
dort
eine
Ausnahme
macht, wo ein ungeborenes Kind das
Leben der Mutter bedroht.
Unsere
christlich-jüdische Tradition erkennt

dieses
Recht
an,
ein
Selbstschutz zu nehmen.

Leben

zum

Aber lassen Sie uns mit dieser
einen Ausnahme diejenigen in unserem
Land betrachten, die sich danach sehnen, ein Kind zu adoptieren. ich erkläre Ihnen heute abend, daß ich daran arbeiten werde, Hindernisse bei
der Adoption auszuräumen und den vollen Anteil am Familienleben auf Millionen von Amerikaner auszudehnen, so
daß Kinder, die ein Heim brauchen, in
den Familien will kommen geheißen werden können, die sie wollen und lieben.
Und ich möchte hier hinzufügen:
so viele unserer großen Staatsmänner
haben uns daran erinnert, daß geistige Werte allein für die Gesundheit
und Kraft unserer Nation von Bedeutung sind.
Dieser Kongreß eröffnet,
wie auch der Oberste Gerichtshof,
seine Sitzungen jeden Tag mit einer
Würdigung
des Allerhöchsten
- und
dennoch wird uns das Recht verweigert, jeden Tag in den Schulen denjenigen, die beten möchten, einen Moment zu gewähren.
Ich glaube, der
Kongreß sollte unseren Zusatz für das
Schulgebet bewilligen.
Um sicherzustellen, daß es einen
neun ordentliche Mitglieder umfassenden Obersten Gerichtshof gibt, der
die Gesetze auslegt und die Rechte
aller Amerikaner schützt, fordere ich
den Senat auf, schnell und entschlossen Richter Anthony Kennedy für das
oberste Gericht des Landes und ferner
27 Kandidaten zu bestätigen, die im
Augenblick darauf warten, freigewordene Stellen in der Bundesjustiz zu
besetzen.
Hier liegen also unsere innenpolitischen Prioritäten.
Wenn jedoch
Kongreß und Administration zusammenarbeiten,
eröffnen
sich
uns
noch
größere Möglichkeiten für die Expan-

�sion der wachsenden Weltwirtschaft,
die weitere Reduzierung der Bedrohung
durch Nuklearwaffen sowie die Erweiterung der Grenzen der Freiheit und
den Aufbau demokratischer Institutionen.
Einer der entscheidendsten Beiträge, den die Vereinigten Staaten
der Welt gegenüber leisten können,
ist die Förderung der Freiheit als
Schlüssel
zum
Wirtschaftswachstum.
Ein
kreatives,
wettbewerbsfähiges
Amerika ist die Antwort auf eine sich
wandelnde Welt und nicht Handelskriege, die Türen verschließen, weitere
Hemmnisse aufbauen und Millionen von
Arbeitsplätzen zunichte machen. Wir
sollten uns stets vor Augen halten:
Protektionismus ist destruktiv. Amerikas Arbeitsplätze, Amerikas Wachstum, Amerikas Zukunft hängen vom
Handel ab - freiem, offenem und fairem Handel.
In diesem Jahr liegt es in unserer
Macht,
einen
entscheidenden
Schritt in Richtung auf eine wachsende Weltwirtschaft und ein künftiges
Zeitalter des Wohlstands zu vollziehen, der alle freien Nationen dieser
Welt erfaßt. Ich spreche von dem historischen
Freien
Handelsabkommen,
das zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada geschlossen worden ist.
Seien Sie versichert, daß wir entschlossen sind, dieses Konzept sowohl
auf den Süden als auch auf den Norden
auszudehnen. Im nächsten Monat werde
ich nach Mexiko reisen, wo wir uns
speziell mit der Problematik des Handels befassen werden. Im Verlauf der
kommenden Monate werden der Kongreß
und das kanadische Parlament ferner
damit beginnen, diese nordamerikanische Übereinkunft in die Praxis umzusetzen.
Unser Ziel muß der Tag
sein, an dem der freie Fluß des Handels - von der Spitze der Tierra del
Fuego bis zum nördlichen Polarkreis -

die Völker der westlichen Hemisphäre
durch einen Austausch miteinander
verbindet, der von geg nseitigem Nutzen ist und an dem alle Grenzen zu
dem werden, was die amerikanisch-kanadische Grenze schon seit langem
ist - eher ein Treffpunkt denn eine
Trennungslinie.
Diese von uns vielerorts in Richtung auf wirtschaftliche Freiheit beobachtete Bewegung ist untrennbar von
der weltweiten Entwicklung zu politischer Freiheit - und gegen totalitäre Herrschaft. Diese weltweite demokratische Revolution hat das Gespenst einer zu permanentem Minderheitendasein in der Welt verdammten
Demokratie vertrieben, das uns noch
vor einem Jahrzehnt in Schrecken versetzte.
In Süd- und Mittelamerika
kam im Jahr 1976 nur ein Drittel der
Bevölkerung in den Genuß einer demokratischen Regierung.
Heute leben
mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner in Nationen, die sich demokratischen Grundsätzen verschrieben haben.
Und das Wiederaufleben der Demokratie ist jenen mutigen Menschen in
nahezu jedem Kontinent der Welt zu
verdanken, die darum gekämpft haben,
ihr Schicksal in die eigenen Hände
nehmen zu können. In Nicaragua kommt
diesem Kampf eine besondere Bedeutung
bei, da dieses Land so nahe unseren
eigenen Grenzen liegt. Die jüngsten
Enthüllungen eines ehemaligen hochrangigen
Sandinisten, Major Roger
Miranda, liefern den Beweis, daß die
kommunistische Regierung der Sandinisten in Nicaragua Pläne für eine
große, 600 000 Mann starke Armee aufgestellt hat und dies zu Zeiten, in
denen sie vom Frieden spricht. Bereits zum Zeitpunkt des Entwurfs dieser Pläne ist sich das sandinistische
Regime jedoch bewußt, daß sich das
Blatt wendet und die Sache der nica-

- 9 -

�raguanischen Freiheit ihren Höhepunkt
erreicht hat.
Wegen der Freiheitskämpfer, die eich der kommunistischen
Herrschaft
widersetzen, sahen sich
die
Sandinisten
gezwungen, gewisse
demokratische Rechte zu gewähren, mit
den Kirchen zu verhandeln und einige
wenige politische Gefangene freizulassen.
Im Brennpunkt stehen die Sandinisten, ihre Versprechungen und ihre
Aktionen.
Die vier
demokratischen
Präsidenten Mittelamerikas sind sich
einig, daß die Sandinisten ihren Plan
nicht eingehalten haben, Frieden und
Demokratie in ganz Mittelamerika zu
schaffen.
Die
Sandinisten
haben
vielmehr Reformen versprochen.
Ihre
Herausforderung liegt in unwiderruflichen Schritten hin zur Demokratie.
Am Mittwoch wird meine Vorlage
zur weiteren Unterstützung der Freiheitskämpfer unterbreitet werden, in
der unser gegenseitiger Wunsch nach
Frieden, Freiheit und Demokratie in
Nicaragua seinen Niederschlag gefunden hat.
Ich rufe den Kongreß auf,
diesen Vorschlag zu genehmigen. Laßt
uns für das Volk Nicaraguas sein, was
Lafayette, Pulaski und von Steuben
für unsere Vorfahren und die Sache
der amerikanischen Unabhängigkeit waren.
Daher sind auch in Afghanistan
die
Freiheitskämpfer
der Schlüssel
zum Frieden.
Wir unterstützen die
Mujahedin.
Es wird keine Beilegung
des Konflikts geben, solange nicht
alle sowjetischen Truppen abgezogen
sind und dem afghanischen Volk echte
Selbstbestimmung gewährt wird.
Ich
habe Herrn Gorbatschow meine Haltung
in dieser Angelegenheit wissen lassen. Aber es geht hier nicht nur um
Nicaragua und Afghanistan.
überall
können wir die anschwellende Woge der
Freiheit in der Welt beobachten -

Freiheitskämpfer, die sich in Kambodscha und Angola zusammenschließen und
für dieselben demokratischen Freiheiten kämpfen und ihr Leben lassen, die
uns heilig sind. Ihre Sache ist unsere Sache. Freiheit.
Doch selbst während wir an der
Weiterverbreitung der Freiheit arbeiten, müssen wir den Frieden sicherer
machen und die Gefahr eines Nuklearkrieges verringern.
Wir dürfen uns
jedoch keinen
Illusionen
hingeben.
Drei Jahre stetigen Verfalls unserer
jährlichen Verteidigungsinvestitionen
haben die Risiken für unsere grundlegendsten Sicherheitsinteressen erhöht
und frühere, hart erarbeitete Ziele
aufs Spiel gesetzt.
Wir müssen uns
den
Auswirkungen
dieser
negativen
Tendenz stellen und angemessene, stabile
Verteidigungsausgaben
sowohl
jetzt als auch in der Zukunft zu unserem vorrangigem Ziel machen.
Bei
den Förderprogrammen für Wirtschaft
und Sicherheit sollten wir uns von
denselben
Bedenken
leiten
lassen.
Aber die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten und ihrer NATO-Partner hat den Weg für nie dagewesene
Errungenschaften In der Rüstungskontrolle geebnet.
Unser kürzlich unterzeichneter INF-Vertrag ist ein historisches Dokument, da er die Nuklearwaffen
verringert
und
die
einschneidendsten Verfizierungsmaßnahmen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle vorsieht bis hin zu Verschiedenen, kurzfristig
anberaumten
Inspektionen vor Ort.
Ich habe den
Vertrag heute vorgelegt und fordere
den Senat dringend auf, seine Empfehlungen und seine Zustimmung zur Ratifizierung dieses Abkommens zu geben,
das einen Meilenstein in der Geschichte darstellt.
Zusätzlich
zum INF-Vertrag
ist
ein noch bedeutenderes START'-Abkoffimen
In greifbare Nähe gerückt, mit dem

- 10 -

�amerikanische und sowjetische Langstreckenraketen oder die strategischen Arsenale um die Hä'lfte reduziert werden sollen. Lassen sie mich
jedoch eindeutig klarstellen:
Wir
wollen kein Abkommen um des Abkommens
willen, sondern geben uns nur mit einem Abkommen zufrieden, mit dem unsere nationale Sicherheit und die unserer Verbündeten wirklich verbessert
wird. Wir werden niemals unsere Sicherheit - oder die unserer Verbündeten - aufs Spiel setzen, nur, um ein
Abkommen mit den Sowjets zu erzielen,
überhaupt kein Abkommmen ist besser
als ein schlechtes Abkommen.
Wie ich bereits erwähnt habe, gehen unsere Bestrebungen dahin, zukünftigen Generationen das zu geben,
was sie nie zuvor hatten: Eine von
nuklearem Terror freie Zukunft. Reduzierung der strategischen Offensivwaffen ist ein Schritt. SDI ein weiterer. Unsere Forderung zur Finanzierung der Strategischen Verteidigungsinitiative beläuft sich auf weniger als zwei Prozent unseres gesamten Verteidigungshaushalts. Die Finanzierung von SDI ist sinnvoll angelegtes und gut ausgegebenes Geld.
SDI verfolgt denselben Zweck und unterstützt eben dieses Ziel der Rüstungskontrolle.
Die
Inititative
verringert das Risiko eines Krieges
und die Bedrohung durch Nuklearwaffen
für die gesamte Menschheit. Die niemanden bedrohende Strategische Verteidigung könnte der Welt eine sicherere, stabilere Grundlage für die Abschreckung bieten. Wir sollten nicht
vergessen, daß SDI auch unsere Versicherung gegen einen Nuklearunfall ist
- ein Tschernobyl im Weltraum - oder
den versehentlichen Abschuß durch irgendeinen
plötzlich
auftauchenden
Verrückten.

gen in der Welt beobachten: während
der Totalitarismus
lagegen kämpft,
durch die Kräfte des wirtschaftlichen
Fortschritts und das Streben nach
menschlicher Freiheit überwältigt zu
werden, sind die freien Nationen flexibel und leben wieder auf. Ebenso
wie die weltweite demokratische Revolution den Totalitarismus in die Defensive drängte, haben wir die Tage
des Rückzugs hinter uns gelassen Amerika ist erneut der energische Anführer einer freien Welt, ein Land,
das die Förderung ihrer Grundsätze
und vitalen Interessen entschieden
und entschlossen vorantreibt.
Kein
Vermächtnis könnte mich mit größerem
Stolz erfüllen als der Konsens beider
Häuser des Kongresses für die Sache
des Weltfriedens, ein Konsens, der
die Lähmung amerikanischer Macht für
immer verhindert.
Meine am heutigen abend vorgebrachten Gedanken gehen jedoch noch
über dies hinaus. Und ich hoffe, Sie
gestatten mir, diesen Abend mit einer
persönlichen Überlegung zu beschliessen. Wie Sie wissen, hat die Welt
eine entscheidende Veränderung erfahren, nachdem Jacob Shallus, ein vertrauenswürdiges
und
zuverlässiges
Mitglied der Generalversammlung von
Pennsylvania, seinen Stift ergriffen
und jene Worte über eine repräsentative Regierung In der Präambel unserer Verfassung festgeschrieben hat.
Und in unauffälliger, jedoch endgültiger Weise wandelte sich der Verlauf
der menschlichen Geschichte für immer, als Lincoln auf einem den
Emmitsburg Pike überragenden Bergkamm
in
einer
unbekannten
Stadt
in
Pennsylvania namens Gettysburg von
unserer Pflicht der Regierung des
Volkes und für das Volk sprach, die
niemals von der Erde verbannt werden
dürfe.

Im Verlauf der vergangenen sieben
Jahre konnten wir solche Veränderun- 11 -

Zu Beginn diese Jahrzehnts deute-

�te ich an, daß wir in einer ähnlich
bewegten Zeit leben - daß die Entscheidung nun an uns sei, ob unsere
Form der Regierung fortbestehen könne
und ob die Geschichte noch einen
Platz von Bedeutung für ein ruhiges,
wohltuend
grünendes Land, genannt
Amerika, zur Verfügung habe. Nicht
alles ist in diesen sieben Jahren zur
Vollkommenheit geraten - noch wird es
in siebenmal 70 Jahren vollkommen
werden - aber in diesem und in den
kommenden Jahren liegt die große Aussicht auf die Sache des Friedens und
der Freiheit in der Welt vor uns.
Dies bedeutet auch, daß die jungen Amerikaner, von denen ich vor
sieben Jahren sprach - ebenso wie
diejenigen, die am heutigen abend die
Küsten von Virginia oder Maryland
entlangwandern und zum ersten Mal die
Lichter dieser Hauptstadt sehen, die
Lichter, die ihren Glanz auf unsere
bedeutenden Regierungsgebäude und Monumente zum Gedenken unserer großen
Männer werfen - es bedeutet, daß diese jungen Amerikaner eine Stadt der
Hoffnung in einem Land finden werden,
das frei ist.
Wir können mit Stolz darüber erfüllt sein, daß heute nacht für sie
wie für uns diese Lichter entlang dem
Potomac noch immer leuchten - und damit, wie seit nahezu zwei Jahrhunderten - und, so Gott will, für immer das Zeichen setzen, daß eine weitere
Generation
von Amerikanern diesen
Amerika genannten Ort bewahrt und in
Liebe weitergegeben hat, diese leuchtende Stadt auf einem Hügel, diese
Regierung vom, durch und für das Volk.
Ich

danke

Ihnen.

Gott

schütze

Sie.

* * * * * *

- 12

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

27. Januar 1983

REAGAN:

CONTRAS SIND "VERSICHERUNGSPOLICE FÜR DEMOKRATIE"

- Präsident Reagans Rede vor Kommunalpolitikern im Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor Kommunalpolitikern im Weißen
Haus forderte Präsident Reagan am 20. Januar 1988 die Zustimmung des Kongresses zur Hilfe an den nicaraguanischen Widerstand und bezeichnete die Contras
als "unsere Versicherungspolice" für Demokratie in Mittelamerika. "Allein die
Freiheitskämpfer haben die Sandinisten an den Verhandlungstisch gebracht und
ihnen die beschränkten Reformen, die diese durchgeführt haben, abgerungen".
Reagan erklärte, ohne die Kämpfer der Widerstandsbewegung bestehe "keine Hoffnung auf Demokratie in Nicaragua".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Wie Sie wissen, wird der Kongreß
in Kürze über weitere Hilfe für die
demokratischen Widerstandskämpfer in
Nicaragua
abstimmen
für
die
Contras, wie sie genannt werden, oder
die Freiheitskämpfer, wie ich sie
nenne.
Wenn
diese
Hilfsleistungen
keine Zustimmung finden, das haben
die Gegner dieser Hilfe im Kongreß
sehr klar herausgestellt, dann wird
darüber nicht noch einmal abgestimmt
werden.
Wir befinden uns an einem
wichtigen Scheideweg - wenn sich der
Kongreß gegen die Hilfe entscheidet,
könnte diese Entscheidung unwiderruf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lich sein.
Wenn das geschieht, befürchte ich, werden wir alle Hoffnung
auf Demokratie in Nicaragua und Frieden in Mittelamerika aufgeben.
Vergangenes Wochenende sind die
Staats- und Regierungschefs der fünf
Staaten Mittelamerikas zusammengekommen, um die Einhaltung des Abkommens
von Guatemala zu prüfen.
Über das
Ergebnis
ihrer
Beratungen
besteht
kein Zweifel: Die Sandinisten bilden
das größte Hindernis für die Erfüllung des Plans und für Frieden und
Demokratie in dieser Region. Während

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die vier Demokratien Mittelamerikas
das Abkommen weitgehend
einhalten,
sind die Sandinisten davon weit entfernt.
Das mußten sogar die Sandinisten selbst zugeben, und sie veröffentlichten eine eigene Erklärung, in
der zusätzliche Maßnahmen dargelegt
wurden, zu deren Bekanntgabe sie sich
gezwungen sahen, um ihr Verhalten in
ein besseres Licht zu rücken.
Heute möchte ich zu Ihnen darüber
sprechen, warum wir weiterhin Druck
auf die Sandinisten ausüben müssen,
damit sie die Entwicklung nicht umkehren können und weiterhin den Weg
zur Demokratie verfolgen. Weil jeder
von ihnen unternommene Schritt, jede
widerstrebend
durchgeführte
Reform,
leicht
rückgängig
gemacht
werden
kann.
Daniel
Ortega hat erklärt,
seine Revolution sei unwiderruflich unser Ziel in Nicaragua muß darin bestehen, die Demokratie unumstößlich
einzurichten.
Wir begrüßen die neuen Versprechen der Sandinisten, den Friedensplan einzuhalten, und wir sollten sie
beim Wort nehmen. Wir müssen sicherstellen, daß wir jedesmal, wenn die
Sandinisten der Demokratie eine neue
Tür öffnen, diese Tür hinter ihnen
schließen - und sie geschlossen halten. Nur die Freiheitskämpfer können
das tun - sie allein können unsere
Versicherungspolice für die Demokratie in Mittelamerika sein.
Es heißt, die
Freiheitskämpfer
seien nicht notwendig, um den Druck
aufrechtzuerhalten - die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit und die
von den Sandinisten beschworene Verpflichtung auf das Abkommen von Guatemala
reichten
aus.
Vielleicht
lohnt sich eine Betrachtung des historischen Hintergrunds, um zu erkennen, wieviel Glauben wir den Versprechungen der Sandinisten schenken kön-

nen.
Wie ich in meiner jüngst bei der
Organisation
Amerikanischer
Staaten
(OAS) gehaltenen Rede ausgeführt habe, besteht bereits eine auf dem Verhandlungswege
erzielte
Vereinbarung
mit den Sandinisten - die Übereinkunft von 1979, in der die Vereinigten Staaten gemeinsam mit den anderen
Mitgliedern der OAS in beispielloser
Weise einer amtierenden Regierung dem Somoza-Regime - die Anerkennung
entzogen
und
den
Sandinisten
zur
Macht verhalfen.
Als Teil dieser Vereinbarung versprachen die Sandinisten - und ich
zitiere hier von den Sandinisten unterzeichnete Dokumente - "freie Wahlen, eine demokratische Regierung mit
breiter Basis, volle Garantie der
Menschenrechte, Grundfreibeiten, Religionsfreiheit, Freiheit für Gewerkschaften, eine gemischte Wirtschaft
und eine unabhängige Außenpolitik der
Blockfreiheit
sowie
ein
minimales
stehendes Heer".
Man beschreibt nur etwas Offensichtliches, wenn man darauf hinweist, daß die Sandinisten nicht ein
einziges
Versprechen gegenüber den
anderen Staaten der OAS eingelöst haben. Nicht allgemein bekannt ist jedoch die Tatsache, daß uns eindeutige
Beweise dafür vorliegen, daß sie dazu
auch niemals die Absicht hatten. Nur
zwei Monate nach ihrer Machtübernahme
hielten die Führer der Sandinisten
ein geheimes Treffen ab, um einen Bericht zu entwerfen, der als "72-Stunden-Dokument" bekannt wurde und in
dem ihre Pläne zur Errichtung einer
kommunistischen Diktatur in Nicaragua
und Verbreitung der Subversion in
Mittelamerika dargelegt werden.
Die Sandinisten
thisanten erklären,

und ihre Sympaes sei die Ag-

�gressivität der Vereinigten Staaten
gewesen, die sie gezwungen habe, von
ihren Versprechen abzuweichen, ebenso
wie sie jetzt die Schuld für ihre
Verfehlungen
den
Freiheitskämpfern
zuweisen.
Dennoch wollen wir uns
wieder den historischen Begebenheiten
zuwenden.
Nur einen Tag nach Beendigung des
geheimen Treffens zur Erstellung des
72-Stunden-üokuraents
wurde
Daniel
Ortega von Präsident Carter ira Weißen
Haus empfangen, wo dieser der neuen
Regierung
unsere
Freundschaft
und
Hilfe anbot.
Aber während wir den
Sandinisten über eine Milliarde Dollar an Hilfsleistungen zukommen H e s sen, mehr als irgendeinem anderen
Land, und ihnen Milliarden Dollar an
Krediten verschafften, haben die Sandinisten ihre Pläne zur Abschaffung
der Menschenrechte und Errichtung eines totalitären marxistischen Regimes
in Nicaragua durchgeführt.
Sechs Monate nach der Zusammenkunft im Weißen Haus, während die
Hilfe der Vereinigten Staaten weiterhin floß, unternahmen einige Führer
der Sandinisten ihre erste - und die
erste in einer Reihe von vielen - offizielle Reise nach Moskau, und unterzeichneten ein Kommunique" mit der
Kommunistischen
Partei
der Sowjetunion, in dem sie ihre Unterstützung
für die außenpolitischen Ziele der
Sowjetunion
erklärten.
Aber
das
könnte man als reine Schreibarbeit
bezeichnen.
Es gab bereits sowjetische Militärberater in Nicaragua.
Bei meinem Amtsantritt im Jahr 1981
waren Über 30 Militärstützpunkte entweder bereits errichtet oder im Bau.
Die sandinistische Armee wurde zur
größten und am besten ausgerüsteten
in ganz Mittelamerika, und die Sandinisten
unterstützten
bereits die
kommunistischen Guerrillas in El Salvador - ail dies, während amerika-

nische Hilfe nach Nicaragua floß,
während unsere Hand in Freundschaft
ausgestreckt war.
Ich könnte im einzelnen auf die
systematische Ausmerzung aller Menschenrechte eingehen, die Folterung
von Andersdenkenden und die steigende
Zahl politischer Gefangener, die Tragödie von Hunderttausenden von nicaraguanischen Flüchtlingen, die nach
Costa Rica und Honduras strömten
nahezu jeder zehnte Nicar^guaner ist
jetzt ein Flüchtling.
Aber die Bilanz der sandinistischen Tyrannei ist
inzwischen wohlbekannt.
Die Zerstörung der Menschen durch den Kommunismus auf dem amerikanischen Festland
ist gut belegt und wird von allen
Seiten anerkannt.
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle
eine einfache
Frage stellen:
Wie
können wir erwarten, daß ein Regime,
das eine solche Bilanz gebrochener
Versprechen und offensichtlicher Täuschungen angehäuft hat, sich an die
Bedingungen des Abkommens von Guatemala hält, wenn wir nicht weiterhin
Druck ausüben, indem wir den Freiheitskämpfern Hilfe gewähren?
Vor
kurzem
hielt
sich
Daniel
Ortega hier in Washington zu Gesprächen mit Mitgliedern des Kongresses
auf und versicherte Ihnen sein Engagement für das Abkommen von Guatemala. Aber wir wissen jetzt durch die
Aussage eines hochrangigen Überläufers der Sandinisten, Major Roger
Miranda, daß sogar zum Zeitpunkt dieser Versprechungen von Daniel Ortega,
die Sandinisten gemeinsam mit den Kubanern und den Sowjets die Aufstokkung ihrer Streitkräfte auf 600 000
planten - das ist jeder fünfte Bewohner des Landes.
Kurz nachdem Major
Miranda seine Enthüllungen der Öffentlichkeit bekanntgab, wurden diese
durch
den
Verteidigungsminister

- 3 -

�Humberto Ortega bestätigt, wie auch
die Pläne der Sandinisten, moderne
Kampfflugeuge des Typs MiG, Raketen
und Artillerie zu erwerben.
"Einige
tausend" Nicaraguaner nehmen ihm zufolge an Kursen in der Sowjetunion
und anderen sozialistischen Ländern
teil, um die Bedienung der neuen Waffensysteme zu erlernen.
Und
die Sandinisten
entwickeln
jetzt militärische Einrichtungen, die
als Basis des sowjetischen TU-95 Bomber (BEAR) dienen könnten - eines
Bombers, der sehr wohl in die kontinentalen Vereinigten Staaten vordringen könnte.
Und wie sich nun herausstellt,
geschah
all
das,
während
Daniel
Ortega In unserem Kongreß über den
Frieden sprach.
Ich erinnere mich an einen Spruch
aus meiner Kindheit, den Sie sicherlich kennen.
Er lautet: "Wenn Du
mich einmal hereinlegst, ist es Deine
Schuld. Wenn Du mich zweimal hereinlegst, ist es meine Schuld".
Aber
wie ist es mit dem dritten, vierten
und fünften Mal? Wie kann man solch
eine immer wiederkehrende Leichtgläubigkeit erklären?
Jetzt haben die Sandinisten neue
Versprechungen gemacht. Wir begrüßen
ihr Versprechen, den Ausnahmenzustand
aufzuheben, Treffen mit den Freiheitskämpfern
abzuhalten, Kommunalwahlen durchzuführen und einige politische Gefangene freizulassen - und
wir müssen sie im Hinblick auf diese
Versprechungen
beim
Wort
nehmen.
Aber diese beschränkten Maßnahmen durch die sie immer noch nicht die
Übereinkunft von Guatemala einhalten
- geschahen mit größter Zurückhaltung
und nur nachdem verschiedene amerikanische Kongreßabgeordnete den Sandinisten erklärt haben, daß ein dies-

bezügliches Versäumnis sich in weiterer Hilfe für die Freiheitskämpfer
niederschlagen würde.
Gab es etwa
ein besseres Argument für die Hilfsleistungen? Es sind allein die Freiheitskämpfer und der von Ihnen auf
die Sandinisten ausgeübte Druck, die
uns soweit gebracht haben.
Es sind
allein die Freiheitskämpfer, die die
Sandinisten soweit auf dem Weg zur
Demokratie vorantreiben können, daß
sie nicht mehr zurückweichen können.
Als Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß die Sandinisten, auch wann
sie die von ihnen angekündigten Maßnahmen durchführen, von einer Einhaltung der Übereinkunft von Guatemala
immer noch weit entfernt find«
Nahezu sechs Monate nach der Unterzeichnung
und
fast drei Monate
nach der vereinbarten Frist für die
Einhaltung befinden sich Tausende politischer Gefangener in den Gefängnissen der Sandinisten und werden
selbst unter der soeben verkündeten
Amnestie auch dort bleiben. Oppositionsgruppen und Verfechter der Menschenrechte werden von Reglerungskommandos schikaniert und geschlagen vielleicht das beste Anzeichen für
die wahren Absichten der Sandinisten
war die vergangene Woche erfolgte
Verhaftung
und Einschüchterung
von
sieben Führern der demokratischen Opposition, die nur nach einem Sturm
internationalen Protests wieder freigelassen wurden.
In diesem Land wird vielfach die
Meinung
vertreten, die Sandinisten
würden Reformen durchführen, wenn wir
sie nur in Ruhe ließen. Aber das widerspricht dem, was die Sandinisten
selbst sagen.
Erst vor fünf Wochen
hat Daniel Ortega seine Absichten
klar bekundet. Selbst wenn in Nicaragua Wahlen stattfänden und die Sandinisten verlören, würden sie Ortega

- 4 -

�zufolge
geben.

doch

niemals

die Macht

auf-

Diejenigen, die Mittel für die
Freiheitskämpfer beschneiden wollen,
werden erklären müssen, warum Daniel
Ortega nicht das meint, was er sagt.
Sie werden erklären müssen, daß die
Sandinisten nicht meinen, was sie sagen, wenn sie davon sprechen, Mittelamerika in ein "Flammenmeer der Revolution" zu verwandeln und ihren Kampf
auf Lateinamerika und Mexiko auszudehnen.

dies der Moment der Wahrheit, der
Entscheidung für oder gegen die Freiheitskämpfer. Wenn wir sie jetzt im
Stich lassen und sich der Kongreß gegen die Hilfe entscheidet, werden wir
die einzig wahre Kraft für Frieden
und Freiheit in Nicaragua aufgeben.
Wir werden dem Friedensprozeß den
Platz einer unbedeutenden Fußnote in
der Geschichte einräumen und den Sowjets einen ihrer größten strategischen Siege seit dem Zweiten Weltkrieg verschaffen.

Im nächsten Monat werden auch der
amerikanische Kongreß und das amerikanische Volk ihre Wahl treffen müssen.

Im Laufe der Geschichte war es
unser größtes Glück und einer der
größten Vorteile unseres Landes, daß
wir auf allen Seiten von riesigen
Ozeanen
umgeben
sind.
Fast
zwei
Jahrhunderte lang haben wir nicht die
Tragödie einer ausländischen Aggression auf unserem Festland erlebt.
Und heute können wir uns dessen rühmen, daß die Tausende von Meilen der
Grenzen, die uns und unsere Nachbarn
trennen, unverteidigt und unbefestigt
sind.
Wir sind von der Geschichte
begünstigt
worden.
Aber
darüber
sollten wir nicht gleichgültig dafür
werden, daß sich eine reale - und
wenn wir sie nicht aufhalten - unwiderrufliche Gefahr in unserem Süden
entwickelt. Bedenken Sie die Auswirkungen auf die nationale Sicherheit
der Vereinigten Staaten, wenn die
sandinistische
Vision
eines kommunistischen Mittelamerika verwirklicht
und Mexiko bedroht wird. Stellen Sie
sich vor, wir müßten uns zum ersten
Mal in diesem Jahrhundert mit einer
Bedrohung unserer Sicherheit an der
südlichen
Grenze
auseinandersetzen.
Stellen Sie sich vor, unsere lebenswichtigen Schiffahrtswege durch den
Golf wären gefährdet. Einen Aufruhr,
wie er im Persischen Golf stattfindet, darf es im Golf von Mexiko nicht
geben.

Wie ich bereits gesagt habe, ist

Es ist vorsätzlich naiv, zu den-

Denn gerade jetzt sind die, die
zwischen den Sandinisten und ihren
erklärten Absichten stehen - die ein
Hindernis
für
einen
sowjetischen
Stützpunkt in Mittelamerika bilden die
nicaraguanischen
Freiheitskämpfer.
Es ist klar, daß es die Freiheitskämpfer sind - und nur sie -,
die die Sandinisten an den Verhandlungstisch gebracht und ihnen die beschränkten Reformen, die sie durchgeführt haben, abgerungen haben.
Ohne
die Freiheitskämpfer bestünde keine
Hoffnung mehr auf Demokratie in Nicaragua.
Die Konsolidierung totalitärer Macht wäre erreicht, und die Sowjets hätten mit Erfolg ein neues Kuba errichtet - dieses Mal auf dem
amerikanischen Festland.
Die Sowjets haben ihre Wahl getroffen. Sie haben gemeinsam mit ihren Verbündeten Milliarden Dollar an
Militärhilfe nach Nicaragua fließen
lassen - wenigstens 20 mal mehr als
der amerikanische Kongreß den Streitkräften
des
demokratischen
Widerstands hat zukommen lassen.

- 5

�ken, daß die Sowjetunion angesichts
einer Krise ihrer eigenen Wirtschaft
Milliarden Dollar in ein Land auf der
anderen Seite der Erde pumpen würden,
wenn sie dabei nicht auch günstige
Gelegenheiten für sich selbst sähen.
Es ist an der Zeit, einzusehen, daß
es sich bei den sandinistischen Kommunisten und ihren sowjetischen Mentoren
um
ernsthafte
Menschen
mit
ernsthaften
Absichten
handelt.
Es
ist an der Zeit, daß wir auch ernst
machen.
Diese Abstimmung wird dem amerikanischen Volk in Erinnerung bleiben
- entweder als die Zeit, in der wir
handelten, um die Freiheit zu unterstützen und unser Festland sicher zu
erhalten, oder als Beginn eines der
tragischsten Fehler Amerikas. Natürlich wären die Auswirkungen auf Lateinamerika noch schlimmer. Eine erstarkte kommunistische Linke würde
die Offensive in El Salvador, Costa
Rica, Guatemala und Honduras anfachen.
Die
demokratische
Strömung
würde umgekehrt, und die Region würde
in einen Kreislauf von linker Gewalt
und militärischer Repression abgleiten. Die im Kreuzfeuer gefangene Demokratie würde nicht lange überleben.
All dies ist unnötig.
Wenn wir
diejenigen
unterstützen,
die
für
Freiheit und Demokratie in Nicaragua
kämpfen, können wir den Friedensprozeß in seinen Bahnen halten und Druck
auf die Sandinisten ausüben, damit
sie dem Friedensplan Rechnung tragen.
Wir können den Aufstieg der Demokratie in Lateinamerika sichern und verhindern, daß die von mir beschriebene
Krise für die nationale Sicherheit
der Vereinigten Staaten stattfindet.
Wie Sie wissen, haben wir eine
Menge darüber gehört, daß die Freiheitskämpfer niemals eine wirkungsvoll kämpfende Truppe sein würden.
- 6

Nun, die vor kurzem
durchgeführte
Operation gegen Las Minas hat ein für
alle Mal das Gegenteil bewiesen, über
7 000
Freiheitskämpfer
beteiligten
sich an einem
Überraschungsangriff
auf wichtige militärische Ziele sowie
Gold- und Silberminen der Sandinisten
- eine Quelle harter Währungen für
die bankrotte Wirtschaft der Sandinisten.
Dabei zerstörten sie Unterkünfte des Feindes und überrannten
sein Hauptquartier.
Sie
sprengten
Munitionslager und Treibstofitanks in
die Luft, zerstörten Wasserkraftwerka
und machten
eine Radarstation auf
Dauer funktionsunfähig, die von den
Sandinisten
zur
Koordinierung
von
Luftangriffen
gegen die Freiheitskämpfer benutzt worden war. Sie können sich die Schlagzeilen ausmalen,
all die Leute, die uns auffordern
würden, unsere Verluste in Grenzen zu
halten, das Land zu verlassen und den
"Willen des Volkes" zu akzeptieren,
wenn die kommunistische Guerrilla in
El Salvador solch einen erfolgreichen
Angriff durchgeführt hätte.
Daß die
Freiheitskämpfer zu einer solch umfangreichen Operation - zur geheimen
Verlegung Tausender von Kämpfern über
das ganze Land - in der Lage sind,
beweist, daß sie vom nicaraguanischen
Volk unterstützt werden. Mit unserer
Hilfe kann die Sache der Freiheit und
Demokratie die Oberhand gewinnen.
Die
wahrscheinlich
wichtigste
Enthüllung von Major Miranda war das
Ausmaß der Korruption innerhalb des
Sandinistenregimes. Während Menschen
in Lumpen gehen und hungern, ihnen
selbst die Grundnahrungsmittel vorenthalten werden, melken die Sandinisten ihr Land gnadenlos um Riesensummen.
Humberto Ortega allein hat
1,5 Millionen Dollar auf die Seite
geschafft und sie auf ein geheimes
Konto
in
der
Schweiz
eingezahlt.
Nein, es sind die korrupten Diktatoren des Sandinistenregimes, die keine

�Unterstützung durch d.is Volk besitzen. Deshalb müssen Sie mit Milliarden Dollar an Ostblockhilfe unterhalten werden.
Die wahren Gefühle des nicaraguanischen Volkes kamen kürzlich wieder
zum Vorschein, als Zehntausende durch
die Straßen Managuas marschierten, um
gegen die Sandinisten zu demonstrieren. Und glauben Sie mir, es bedurfte echten Mutes seitens dieser aufrechten Menschen, um s !.ch offen gegen
ein solch brutales Regime zu stellen.
Die Joge der Freiheit, die Lateinamerika ecfaßt hat, brandet jetzt
gegen die Grenzen Nicaraguas.
Die
Entwicklung kann zu unterschiedlichen
Ergebnissen führen - und diese in
zwei Wochen stattfindende Abstimmung
wird entscheidend sein. Am Beispiel
des vor kurzem unterzeichneten Vertrages zur Beseitigung der Mittelstreckenraketen können wir sehen, was
wir erreichen können, wenn wir aus
einer Position der Stärke verhandeln.
Wir haben in Afghanistan gesehen, wie
der mutige Widerstand der Mujahedin
die Sowjetunion dazu zwingt, nach einer politischen Lösung zu suchen.

und seine Nachbarn sowie Frieden in
der gesamten Region oder eine Zukunft
des Aufruhrs, der Revolution, der Unruhe und des ständigen Vormarschs der
sowjetischen Militärmacht auf unsere
südliche Grenze.
Das ist die Wahl. Es gibt keinen
Mittelweg.
Lassen Sie uns sicherstellen, daß diejenigen, die nach uns
kommen werden, sagen können, daß wir
die richtige Wahl getroffen haben daß wir, als die Zeit der Entscheidung gekommen war, für Freiheit und
Frieden eintraten - wir handelten,
bevor es zu spät war, als der Preis
noch niedrig war, um zu tun, was zur
Unterstützung der Demokratie und zum
Schutz der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten notwendig war.

Wir müssen in Nicaragua den Druck
aufrecht erhalten - wir dürfen nicht
nachlassen, bis die Demokratie solch
feste Wurzeln geschlagen hat, daß
niemand sie jemals wieder ausreißen
kann.
Der Großteil der Hilfe, die ich
vom Kongreß erbitten werde, gilt der
nichtmilitärischen Unterstützung, um
die Sandinisten solange als lebensfähige Kraft zu erhalten, bis die Demokratie in Nicaragua unumkehrbar ist.
Wie ich schon sagte, haben die kommunistischen
Sandinisten ihre Wahl
getroffen. Nun müssen wir die unsrige treffen.
Eine Zukunft der Freiheit und der Demokratie für Nicaragua
- 7 -

Vielen Dank und Gott schütze Sie.

�AMERIKA DIENST
im-mim
'VON

Hintergrundmaterial

4

27. Januar 1988

BERICHT ZUR NATIONALEN SICHERHEITSSTRATEGIE VERÖFFENTLICHT
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

(Die folgende Übersicht zum Bericht des Präsidenten zur Nationalen Sicherheitsstrategie wurde am 20. Januar 1988 vom Weißen Haus herausgegeben.)
Der Präsident bat heute seinen zweiten Jahresbericht zur Nationalen Sicherheitsstrategie dem Kongreß übergeben, wie dies nach dem Zusatz von 1986
zum Gesetz über die Nationale Sicherheit aus dem Jahr 1947 erforderlich ist.
Der nichtgeheime Bericht umreißt auf 41 Seiten die gegenwärtige nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten. Dazu gehören:

- Die Kernpunkte wichtiger Entwicklungen im Bereich der nationalen
Sicherheit im vergangenen Jahr.
- Die historischen Dimensionen der
amerikanischen nationalen Sicherheitsstrategie seit dem Zweiten
Weltkrieg.
- D e r Rahmen für die Formulierung
der Strategie, einschließlich nationaler Werte, Interessen und
nationaler Sicherheitsziele.
- Die

gegenwärtigen

Bedrohungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

amerikanischer
essen.

Sicherheitsinter-

Die Elemente der nationalen Macht
der Vereinigten Staaten - Diplomatie,
Informationswesen, Wirtschaft und Militär - und die gegenwärtig gültigen Maßnahmen zur
integrierten
Anwendung
dieser
Machtelemente für die Förderung
amerikanischer
Sicherheitsinteressen in der Welt.
Zusammenfassungen
wichtiger
unterstützender Maßnahmen - natio-

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Tel.: 0228-339 2035
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�nale Weltraumpolitik und nachrichtendienstliche Maßnahmen der
Vereinigten Staaten.
- Besondere
Sicherheitsstrategien,
die heute von den Vereinigten
Staaten in den wichtigsten Regionen der Welt verfolgt werden:
für die westliche Hemisphäre; für
Westeuropa und die NATO; für die
Sowjetunion und Osteuropa; für
den Mittleren Osten und Südasien;
für Ostasien und den Pazifik sowie für Afrika. In den Strategieteilen des Berichts werden
folgende Bereiche angesprochen:
- Der unlängst geschlossene INFVertrag
sowie
Leitlinien
für
künftige Rüstungskontrollverhandlungen.
- Unsere andauernde, unerschütterliche. Unterstützung der NATOStrategie der flexiblen Reaktion.
- Die

Rolle

des

Widerstandes
in
nischen Strategie
rika.

nicaraguanischen

der amerikafür Lateiname-

- Ausbau des Handels und Schuldenabbau als Elemente koordinierter
Regionalstrategien.
- Die temporäre Ausweitung unserer
normalen Marinepräsenz im Persischen Golf als Element der amerikanischen Strategie im Mittleren Osten.
- Die potentiellen Gefahren der
Verbreitung von Atomwaffen in
Südasien.
-

Die wirtschaftlichen Dimensionen
der amerikanischen Sicherheitsstrategie in der ausgedehnten Past L fikregion.
- 2

- Die Notwendigkeit wirksamer Wirtschafts- und
Militärhilfe
als
Komponenten unserer Regionalstrategien, insbesondere in Afrika.
Das Schlußkapitel befaßt sich mit
der Notwendigkeit einer energischen
Unterstützung dieser besonnenen nationalen
Sicherheitsstrategie
und
kommt zu besorgniserregenden Schlüssen:
- Die für Wirtschafts- und Auslandshilfe bereitstehenden Mittel
liegen unter dem Minimum dessen,
was zur wirksamen Förderung unserer Sicherheitsinteressen in einigen Regionen der Welt benötigt
wird.
Vom Kongreß vorgenommene
Einschränkungen bei solchen Programmen verschärfen die Probleme
und behindern die zur wirksamen
Durchführung der Strategie erforderliche Flexibilität.
- Der seit drei Jahren anhaltende
reale Rückgang der Mittel zur
Verteidigung gefährdet die in den
frühen achtziger Jahren erzielte
Verbesserung
im
militärischen
Kräftegleichgewicht zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und erhöht die Risiken.
Falls dieser Trend anhält, wird
das amerikanische Volk irgendwann
in der Zukunft wieder um die Unterstützung
einer
verstärkten
Verteidigungsfähigkeit
gebeten
werden, obwohl es annimmt, diese
Leistungen schon in der Vergangenheit bezahlt zu haben.
Die strategischen Folgerungen aus
diesen Schlüssen werden benannt, und
es werden Empfehlungen zur verbesserten Zusammenarbeit zwischen Regierung
und Kongreß bei der Formulierung und
Durchführung der Strategie angegeben.
Der Präsident schließt seinen Bericht
mit einem Appell an den Kongreß zur

�engen Zusammenarbeit bei der Schaffung eines überparteilichen Konsenses
zur
nationalen
Sicherheitsstrategie
und den fü'r ihre Durchführung benötigten Mitteln.

für lebenswichtige amerikanische
Interessen in vielen Teilen der
Welt.

- Ein historischer Überblick, in
dem die eindrucksvolle Kontinuität der nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten
seit dem Zweiten Weltkrieg zum
Ausdruck gebracht und die Tatsache betont wird, daß die Strategie auf unveränderten geographischen Voraussetzungen beruht und
darauf angelegt ist, die kaum dem
zeitlichen Wandel unterliegenden
Grundwerte unserer Demokratie zu
bewahren.

Die Vereinigten Staaten begrüßen
jeden echten Wandel in der Sowjetunion, warten jedoch weiterhin auf einen Rückgang beim Wachstum
der sowjetischen Militärmacht oder auf die Preisgabe expansionistischer
Bestrebungen.
Während wir weiterhin an der Erschließung zusätzlicher Bereiche
der Kooperation dort arbeiten, wo
dies in unserem
beiderseitigen
Interesse liegt, werden die Vereinigten Staaten auch in Zukunft
die Sowjets an ihren Taten, statt
an Worten messen und unsere nationale Sicherheitsstrategie auf
eine
realistische
Einschätzung
sowjetischer Ziele und Fähigkeiten gründen.

- Eine Darstellung der grundsätzlichen amerikanischen Interessen
an:
dem Überleben der Vereinigten Staaten, ihrer Institutionen
und Bevölkerung; einer gesunden
und
wachsenden
amerikanischen
Wirtschaft; einer stabilen und
sicheren V/elt; stabilen Bündnisheziehungen sowie an der Weiterentwicklung der Freiheit des Menschen, demokratischer Institutionen und marktwirtschaftlichen Systemen in der ganzen Welt, die
durch ein faires und offenes Handelssystem verbunden sind.

Die
Vereinigten
Staaten
sehen
sich außerdem mit einer Vielzahl
anderer Herausforderungen für die
Sicherheit konfrontiert: mit regionalen
und
unterschwelligen
Konflikten, der potentiellen Weiterverbreitung
von
Atomwaffen,
internationalem Terrorismus, Drogenhandel,
radikalen
politischreligiösen Bewegungen sowie Problemen von Instabilität, Reglerungsnachfolge
und
wirtschaftlichen Entwicklungen in wichtigen
befreundeten
und
verbündeten
Staaten.

Die
weltweite
Herausforderung
durch die Sowjetunion bleibt die
Hauptbedrohung amerikanischer Sicherheitsinteressen.
Trotz
der
Reformen - deren Bedeutung und
Dauerhaftigkeit weiterhin unklar
sind -, bilden sowjetische Militärmacht, Interventionen in Übersee sowie eine aktive Diplomatie
weiterhin
eine
Herausforderung

Gegenwärtig
befindet
sich
die
Welt in bezug auf internationale
Sicherheitsangelegenheiten in einer Übergangsperiode.
Diese Periode, die in den späten siebziger Jahren begann, wird durch den
relativen
Rückgang
der
wirtschaftlichen Macht der Vereinigten Staaten, eine massive militärische Aufrüstung der Sowjet-

Weitere
sind:

Kernpunkte

des

Berichts

- 3 -

�union, eine Revolution in der Militärtechnik sowie eine Ausbreitung wirtschaftlicher Macht und
militärischer
Technologie
auf
viele Länder der Dritten Welt
charakterisiert.
Diese Tendenzen
komplizieren die Formulierung der
Strategie, bieten jedoch gleichzeitig Chancen, die Stärken der
Vereinigten Staaten zu unterstützen und die Schwächen unserer
Gegner auszunutzen.

* * * * *

- 4

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Bericht zur Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;25. Januar 1988&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Contras sind "Versicherungspolice für Demokratie"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Rede vor Kommunalpolitiker im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht zur nationalen Sicherheitsstrategie veröffentlicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

3 . Februar 1988

INHALT
DOKUMENTATION
INF-Vertrag wird atomaren Druck verringern
- Verteidigungsminister Carlucci vor dem auswärtigen Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Amt des Vizepräsidenten hat für Bush Vor- und Nachteile
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
George Bush Poles Image bei den Wählern; Praktisch, zäh, mitfühlend
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Robert Dole Haig hat schon viele Erfahrungen im Weißen Haus gesammelt
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Alexander Haig Gephardts Wahlkampf; Persönlicher Elan und weltpolitische Themen
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Richard Gephardt
Du Pont erläutert seine Vision von der Zukunft Amerikas
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pierre S. du Pont IV -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Geringerer Kokainkonsum unter amerikanischen Jugendlichen
- Aber Rauschgiftschmuggel nimmt zu - Härtere Gangart gegenüber
Verbrauchern -

* * * * * *

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�:eOS7&gt;

'VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

^

3. Februar 1988

INF-VERTRAG WIRD ATOMAREN DRUCK VERRINGERN
Verteidigungsminister Carlucci vor dem auswärtigen Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Äußerungen Verteidigungsminister Carluccis vor dem Senatsausschuß fUr auswärtige Angelegenheiten zufolge wird der INF-Vertrag den
Druck auf die amerikanischen Nuklearstreitkräfte sowie auf Komponenten der
Führungsinfrastruktur der NATO verringern.
In seiner Aussage vor dem Ausschuß erklärte Carlucci am 1. Februar 1988,
"dies sollte die Überlebensfähigkeit von Luftwaffenstützpunkten, Häfen, Depots
und anderen Einrichtungen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO
entscheidend sind, verbessern".
Die Ausführungen des Ministers haben folgenden Wortlaut:

Ich begrüße die Gelegenheit, vor
diesem Ausschuß zum INF-Vertrag Stellung nehmen zu können.
Dieser Vertrag ist eine bedeutende Errungenschaft in der Rüstungskontrolle; noch
wichtiger: er unterstützt unsere Sicherheitspolitik
insgesamt, In der
die Rüstungskontrolle nur eine Komponente darstellt.

Ein Erfolg in der Rüstungskontrolle
Der INF-Vertrag ist das unmittelbare Ergebnis der Stärke und Solida-

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rität der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.
In seiner Aussage
der vergangenen Woche hat Außenminister Shultz beschrieben, wie diese
Eigenschaften, die in den bisweilen
turbulenten Jahren der INF-Stationierungen und Verhandlungen zum Tragen
kamen, ein Abkommen hervorbrachten,
das unsere strengsten Normen erfüllt.
Der INF-Vertrag spiegelt die Philosophie
der
Reagan-Administration
wider, derzufolge Rüstungskontrollabkommen die Anzahl der Waffen verringern sollten, anstatt lediglich ihre

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�Zunahme zu begrenzen. Indem er dieses Prinzip erfüllt, schreibt der
Vertrag wichtige amerikanische Verhandlungsgrundsätze fest.
Er sieht
Reduzierungen der destablisierendsten
sowjetischen Systeme vor. Er enthält
asymmetrische Reduzierungen auf gleichen Niveaus. Die Systeme von Drittstaaten sind nicht einbezogen. Inspektionen vor Ort sind ein Schlüsselinstrument seiner Verifizierung.
All diese Prinzipien stellen wichtige
Präzedenzfälle dar, auf denen in weiteren
RUstungskontrollVerhandlungen
aufgebaut werden kann.
Besonders wichtig ist die durch
diesen Vertrag geschaffene Verifizierungsregelung. Ihre Ziele sind dreifacher Natur:
Erstens die Sicherstellung von Vertrauen in unsere Fähigkeit, die Einhaltung des Vertrags
durch die Sowjets zu überwachen;
zweitens einen Beitrag zur Abschrekkung von sowjetischen Vertragsverletzungen zu liefern, indem die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung erhöht
und es den Sowjets erschwert wird,
eine unentdeckte Vertragsverletzung
zu begehen; drittens die rechtzeitige
Aufdeckung
jeglicher
sowjetischer
Vertragsverletzungen
zu gewährleisten, damit wir - Exekutive und Legislative gemeinsam
- angemessene
Schritte ergreifen können, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
der Verbündeten zu schützen.
Unser
wichtigstes
Mittel
zur
Überwachung der Einhaltung des INFVertrags durch die Sowjets sind nationale technische Mittel.
Diese
Mittel werden jedoch durch eine Reihe
einzigartiger kooperativer Verifizierungsmaßnahmen ergänzt.
Zu diesen
Maßnahmen gehören umfassender Datenaustausch, Beschränkungen der Stationierungsorte der betroffenen Systeme
innerhalb des Dreijahreszeitraums für
deren Beseitigung, Anzeigeeinrichtun-

gen auf bestimmten Stützpunkten für
Interkontinentalraketen
des
Typs
SS-25, um die Nationalen Technischen
Mittel besser zur Geltung zu bringen
sowie eine Vielzahl von Inspektionen
vor Ort, die weit über den Beseitigungszeitraum hinaus reichen.
Die
Verifizierungsregeln
des
Vertrages
dienen dem Ziel, ein angemessenes
Gleichgewicht zwischen dem Schutz
amerikanischer
Sicherheitsinteressen
und der effektiven Fähigkeit aufrechtzuerhalten, sowjetische Betrugsmanöver aufzudecken.
Die Verifizierungsregelungen werden durch andere Vorschriften des
Vertrags ergänzt und verstärkt. Das
Verbot der Flugerprobung, das Herstellungsverbot und geographische Beschränkungen werden es der Sowjetunion erschweren, heimlich eine militärisch bedeutsame Streitmacht von
INF-Raketen zu stationieren. Sollten
die Sowjets es dennoch vorziehen, den
Vertrag zu verletzen, wird sich dies
als kostspielig, kompliziert und
davon sind wir überzeugt - feststellbar erweisen, bevor eine erhebliche
militärische Bedrohung amerikanischer
Interessen hervorgerufen würde.
Die
Verifizierungsbestimmungen
künftiger
Rüstungskontrollabkommen
müssen den besonderen Erfordernissen
eines jeden Abkommens angepaßt sein.
START zum Beispiel betrifft Reduzierungen auf vereinbarte Niveaus quer
durch mehrere Waffenkategorien, anstatt eine gesamte Kategorie zu beseitigen. Deshalb wird eine noch umfassendere
Verifizierungsregelung
notwendig sein. Trotzdem bilden die
im
INF-Vertrag
festgeschriebenen
Grundsätze wie etwa Inspektionen vor
Ort einen wichtigen Präzedenzfall.

�Vorteile des INF-Vertrags für die
Sicherheit
Obwohl die Erfolge bei der Erfüllung unserer Rüstungskontrollnormen
und bei der Schaffung von Präzedenzfällen für künftige Abkommen bedeutend sind, ist aus meiner Sichtweise
als Verteidigungsminister am wichtigsten, ob der INF-Vertrag zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beiträgt. Dies tut
der Vertrag eindeutig in zweifacher
Hinsicht.
Erstens wird die Beseitigung gegenwärtig existierender und künftiger
sowjetischer INF-Raketen die militärische Bedrohung der NATO verringern. Den Vorschriften des INF-Vertrags zufolge wird die Sowjetunion
eine Streitmacht an stationierten Raketen beseitigen, die zum Abschuß von
über 1 600 atomaren Gefechtsköpfen in
der Lage ist. Dazu gehören sowjetische Systeme kürzerer Reichweite,
die außerdem zur konventionellen oder
chemischen
Kriegführung
eingesetzt
werden können. Damit wird die Fähigkeit der Sowjets reduziert, rasche
Schläge in ganz Westeuropa durchzuführen, ohne ihre strategischen Waffen einsetzen zu müssen. Zusätzlich
zur Verringerung des Drucks auf unsere eigenen atomaren Streitkräfte und
Komponenten zu deren Führung sollte
dadurch auch die Überlebensfähigkeit
von
Luftwaffenstützpunkten,
Häfen,
Depots und anderen für die konventionelle Verteidigung der NATO entscheidende Einrichtungen verbessert werden.
Da viele der sowjetischen INF-Raketen weite Teile Asiens erreichen
können, wird der INF-Vertrag auch die
Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten in diesem Teil der Welt erhöhen.
Im Austausch für die Beseitigung

sowjetischer INF-Raketen werden die
Vereinigten Staaten auf ihre bisher
stationierten Pershing Il-Raketen und
landgestützten Marschflugkörper mit
ungefähr 400 atomaren Gefechtsköpfen
verzichten. Damit wird ein Teil unserer Fähigkeit beseitigt, Ziele in
Osteuropa und der westlichen Sowjetunion mit in Europa stationierten Systemen zu bedrohen. Trotzdem bleibt
die von der NATO vereinbarte Strategie der flexiblen Reaktion gültig und
glaubwürdig. Eine Vielzahl nuklearer
Systeme wird bei der NATO verbleiben,
einschließlich der Mehrzweckflugzeuge, der Kurzstreckenraketen vom Typ
Lance, und nuklearer Artillerie sowie
amerikanischer und britischer strategischer Streitkräfte.
Mit diesen
Streitkräften, die gegebenenfalls modernisiert werden, behält die NATO
ein breites Spektrum von Vergeltungsmöglichkeiten zur Aufrechterhaltung
der Abschreckung bei. Die amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung
Europas wird nicht geschmählert.
Die
Stärkung
der
politischen
Glaubwürdigkeit der NATO als Ganzes
ist ein zweiter wichtiger Aspekt, in
dem der INF-Vertrag die Sicherheit
der NATO zu unterstützen verspricht.
Abschreckung basiert nicht nur auf
der militärischen Fähigkeit der NATO,
sondern auch auf deren gemeinsamen
politischen Willen.
Die Erfahrung
mit dem INF-Vertrag hat den Sowjets
gegenüber veranschaulicht, daß unsere
Nationen die politische Entschlossenheit besitzen, die schweren Entscheidungen zur Gewährleistung unserer Sicherheit zu fällen und zu ihnen zu
stehen.
Mit anderen Worten, trotz
Moskaus unnachgiebiger Kompromißlosigkeit hat die NATO bei der Durchführung beider Teile des Doppelbeschlusses von 1979 zusammengehalten,
indem sie unsere INF-Raketen stationierte und den Vorschlag einer doppelten Null-Lösung nachhaltig unter-

- 3 -

�stützte.
Nachdem die Sowjets die
Stärke und Solidarität des Bündnisses
in Friedenszeiten beobachtet haben,
ist es nun weniger wahrscheinlich,
daß Moskau zu dem falschen Schluß
kommt, es könne das Bündnis in Krisenzeiten oder einem Krieg entzweien.

Die Zukunft der Abschreckungsfunktion der NATO
Der INF-Vertrag sollte sich nicht
zu einem Schritt hin zu einer Entnuklearisierung Europas entwickeln oder
als solcher verstanden werden. Die
Verteidigungsminister der NATO waren
sich einig, daß das Bündnis eine ausgewogene Mischung von atomaren und
konventionellen Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung der Abschreckung beibehalten muß. Atomare Waffen müssen
auch weiterhin ein Gegengewicht zur
zahlenmäßigen Überlegenheit der konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes bilden, die verbleibenden
kriegsschauplatzgebundenen
atomaren Streitkräfte der Sowjetunion
ausgleichen und das Territorium der
Sowjetunion und des Warschauer Paktes
bedrohen können, um so vor einem
Krieg abzuschrecken. Die Vereinigten
Staaten und andere NATO-Regierungen
haben sich darüber verständigt, daß
vor den Verhandlungen über den Abbau
der verbleibenden atomaren Streitkräfte der NATO in Europa dort ein
sicheres und stabiles Gleichgewicht
der konventionellen Streitkräfte hergestellt werden sollte.
Die NATO hat bereits vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens umfangreiche einseitige Kürzungen im
Bereich nuklearer Waffen vorgenommen.
1980 wurden 1 000 Sprengköpfe ersatzlos abgezogen.
Als Ergebnis des
NATO-Beschlusses von Montebello aus
dem Jahr 1983 wurden weitere 1 400
Gefechtsköpfe abgezogen und und für

jeden stationierten Gefechtskopf der
Pershing II und Marschflugkörper wurde ein zusätzlicher Gefechtskopf entfernt. Im Ergebnis hat sich die Anzahl von atomaren Gefechtsköpfen der
NATO in Europa seit 1979 um 2 400
vermindert. Der INF-Vertrag wird sogar noch zu weiteren Reduzierungen
führen.
Im Montebello-Beschluß einigten
sich die Verteidigungsminister der
NATO darauf, Schritte zur Sicherstellung
des
Reaktionsvermögens, der
Uberlebensfähigkeit und der Wirksamkeit der nach den einseitigen Kürzungen der NATO verbleibenden Streitkräfte zu unternehmen. Der Oberbefehlshaber der NATO in Europa wurde
um
Empfehlungen zur bestmöglichen
Struktur dieser Streitkräfte gebeten,
um die Abschreckung mit einer minimalen Anzahl nuklearer Waffen aufrechtzuerhalten.
Seine Empfehlungen umfaßten die Modernisierung . bereits
vorhandener Systeme, verbesserte Stationierung nuklearer Streitkräfte innerhalb Europas und eine verstärkte
Uberlebensfähigkeit
dieser
Streitkräfte und ihrer Leitung, Kontrolle
und Kommunikation.
Die auf den Beschluß von Montebello zurückgehenden Verbesserungsmaßnahmen, die den INF-Vertrag zur
Folge hatten, sind unabhängig von
diesem Abkommen erforderlich, und die

Verteidigungsminister der NATO haben
ihre weitere Gültigkeit bekräftigt.
Einige unserer Waffen, wie beispielsweise die Lance-Raketen und die atomaren Artilleriegranaten, sind 15 bis
30 Jahre alt. Eine Vielzahl der Verbesserungsmaßnahmen sind von den Vereinigten Staaten oder anderen betroffenen Nationen schon durchgeführt
worden oder werden derzeit angewandt.
Zu den noch durchzuführenden Verbesserungsmaßnahmen gehören die Entwicklung
eines
Nachfolgemodells
der

- 4 -

�Lance-Rakete, die einen Teil unserer
nuklearen Abwurfbomben
durch taktische
Luft-Boden-Raketen
ersetzen
sowie die Produktion von genügend modernen Artilleriegranaten, so daß ältere Granaten ausgemustert werden
können. Keines dieser Programme wird
durch den INF-Vertrag eingeschränkt,
weil das Abkommen die Mehrzweckflugzeuge oder die atomaren Streitkräfte
mit einer Reichweite von unter 500
Kilometern nicht begrenzt.
In bezug auf die konventionellen
Streikräfte war die Notwendigkeit der
Beseitigung
schwerwiegender
Mängel
bereits bekannt, bevor die Sowjets
begannen, den INF-Vertrag ernsthaft
zu verhandeln. Die laufenden Bemühungen um eine Verbesserung der konventionellen Verteidigung sollen die
Abhängigkeit der NATO von der Androhung eines frühen Gebrauchs nuklearer
Waffen zur Abschreckung einer konventionellen Aggression durch den Warschauer Pakt vermindern. Sie dienen
zur Unterstützung der Fähigkeiten der
NATO auf Gebieten wie Verstärkung,
Angriff auf die nachfolgenden Streitkräfte, Durchhaltevermögen und Luftverteidigung. Diese Bemühungen müssen auch in der Zeit nach dem INFVertrag fortdauern.
Obwohl der INF-Vertrag wichtige
Vorteile für die Sicherheit der NATO
liefern wird, könnten einige Anpassungen zur Sicherstellung erforderlich sein, daß die verbleibenden
Streitkräfte der NATO den vollen Umfang der von der Strategie des Bündnisses geforderten Abschreckungsfähigkeit gewährleisten. Solche Anpassungen werden derzeit von der Nuklearen Planungsgruppe der NATO erwogen,
der ich ebenfalls angehöre. Sie beinhalten die mögliche Neuverteilung
vorhandener Bestände und Veränderungen bei Planung und Verfahrensweisen.
Wie die vom Bündnis unabhängig vom

INF-Vertrag
verfolgten
Programme
stünden sämtliche Abänderungen voll
und ganz im Einklang mit dem Abkommen
und würden die tatsächlich daraus
folgenden Kürzungen nuklearer Streitkräfte nicht aushöhlen.
Der INF-Vertrag erhöht den Verteidigungsbedarf
nicht
der
NATO.
Vielmehr steigert er das Bewußtsein
über die Risiken bestehender Lücken.
Das Bündnis wird sich bei der Verwirklichung dieses Programms zwei
wichtigen Herausforderungen stellen
müssen, die zur Sicherung der Abschreckungsfähigkeit seiner verbleibenden Streitkräfte notwendig sind.
Die erste Herausforderung besteht in
der bestmöglichen Verwendung begrenzter Mittel und einer ausgewogenen
Lastenteilung. Obwohl der Verteidigungshaushalt
wahrscheinlich
beschränkt sein wird, möchte ich doch
sicherstellen - und auch meine Kollegen, die Verteidigungsminister des
Bündnisses dazu ermutigen -, daß den

von mir angesprochenen Programmen
über nukleare und konventionelle Verteidigung ein besonderer Stellenwert
eingeräumt wird, wenn sie mit anderen
Prioritäten konkurrieren.
Die zweite Herausforderung liegt
darin, sich durch den INF-Vertrag
nicht in einem falschen Gefühl der
Sicherheit zu wiegen. Wir sind bereits Zeuge von Bemühungen der Sowjets geworden, den Vertrag dazu zu
benutzen, die Unterstützung für notwendige Modernisierungsmaßnahmen ausserhalb ihrer Reichweite zu beschneiden, obwohl wir eindeutig erwarten
können, daß die Sowjetunion ihre eigenen verbleibenden Streitkräfte verstärkt. Das ist eine Standardtaktik
der Sowjets, die eines der strategischen Primärziele Moskaus widerspiegelt: Die Länder Westeuropas davon zu überzeugen, sich von den Vereinigten Staaten zu distanzieren und

- 5 -

�ihre Vorbereitungen im militärischen
Bereich zu vernachlässigen. Die Aufgabe der Staats- und Regierungschefs
der NATO besteht darin, ihre jeweilige Öffentlichkeit davon zu überzeugen, daß sie ihre Sicherheit nicht
auf sowjetische Versprechungen stützen dürfen. Die Sowjetunion respektiert Stärke; sie verachtet Schwäche
und nutzt diese aus. Wenn die Mitglieder der NATO sich entscheidenden
Bestrebungen zur Modernisierung ihrer
Verteidigung aus Angst vor Verstimmungen mit Moskau widersetzen, fordern sie letztlich eine sowjetische
Vorherrschaft heraus.

Die Rolle anderer ROstungskontrollabkommen
Obwohl der INF-Vertrag ein eigenständiges und wertvolles Werk ist,
können andere Rüstungskontrollabkommen den Vertrag und die dadurch geschaffenen Vorteile dennoch vervollständigen und stützen. Unsere vorrangige Priorität ist ein START-Abkommen für den 50prozentigen Abbau
strategischer Nuklearwaffen.
Solche
einschneidenden und umfassenden Begrenzungen könnten Moskaus Fähigkeit
beschränken, die mit dem INF-Vertrag
vorgesehene Abschaffung der SS-20 mit
einer Aufstockung ihrer Interkontinentalraketen (ICBM) und seegestützten
ballistischen
Raketen
(SLBM)
wettzumachen.
Gleichzeitig
würde
durch anhaltende Modernisierung der
verbleibenden
strategischen
Waffen
der Vereinigten Staaten ihre andauernde Glaubwürdigkeit als wichtigster
Garant der Sicherheit des Bündnisses
gewährleistet.
Eine weitere wichtige Priorität
der Vereinigten Staaten ist die Aushandlung eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte in Europa. Obwohl die MBFR-Gespräche durch sowje-

tische Unnachgiebigkeit in eine Sackgasse geraten sind, hat die NATO neue
Verhandlungen für ein Abkommen gefordert, das Streitkräfte "vom Atlantik
bis zum Ural" einbezieht, um der
durch die Vorteile des Warschauer Paketes in Europa bestehenden Bedrohung
zu begegnen.
Solch ein Abkommen
sollte ein stabileres Gleichgewicht
konventioneller Streitkräfte auf einem niedrigeren Niveau hervorbringen,
bei gleichzeitiger Ausschaltung der
Fähigkeit des Warschauer Paktes zu
Überraschungsangriffen und offensive
Operationen in großem Stil.
Dazu
sind
einschneidende,
asymmetrische
Reduzierungen notwendig, für die der
INF-Vertrag einen wichtigen Präzedenzfall darstellt.
Bei der Weiterführung dieser anderen Verhandlungen müssen wir eine
wichtige Lektion der INF-Verhandlungen berücksichtigen: Ohne anhaltende
Bestrebungen zur Verbesserung der Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der NATO werden die Sowjets nur einen
geringen Anreiz haben, ihre Vorteile
auf dem Verhandlungswege aufzugeben.
Das Ergebnis der INF-Verhandlungen
gibt den Verfechtern der einseitigen
Abrüstung unrecht. Wenn die Gegner
von INF mit der Verhinderung unserer
Stationierungen Erfolg gehabt hätten,
sähen wir uns jetzt einem sowjetischen Monopol von INF-Raketen gegenüber anstelle eines Vertrages, der
diese auf beiden Seiten beseitigt.
Rüstungskontrolle kann Bestrebungen
zur Aufrechterhaltung einer wirkungsvollen militärischen Haltung vervollständigen, jedoch keinen Ersatz dafür
bieten.
Wir sollten uns ebenfalls vor
falschen
Hoffnungen
hüten,
eine
grundlegende
Wandlung
sowjetischer
Ziele habe den INF-Vertrag hervorgebracht und werde nun den Weg zu weiteren Abkommen ebnen. Der Lohn für

- 6 -

�den INF-Vertrag sollte dem zugesprochen werden, dem er zusteht: der
Entschlossenheit und Solidarität des
westlichen Bündnisses.

Die Rolle des Kongresses
Dem Senat obliegt nun die wichtige Aufgabe, seinen Rat und seine Zustimmung zur Ratifizierung des INFVerträges zu geben.

hungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten würden geschwächt. Damit könnte die Fähigkeit
des Bündnisses untergraben werden,
seine Zielstrebigkeit und Entschlossenheit zu erhalten, wenn es darum
geht, der sowjetischen INF-Fähigkeit
entgegenzutreten und in anderen existentiellen Bereichen der NATO-Verteidigung Fortschritte zu erzielen.

Wie ich bereits andeutete, würde
die Ratifizierung der NATO beträchtliche Vorteile im Bereich der Sicherheit verschaffen. Eine gesamte Kategorie von Nuklearraketen würde endgültig verschrottet und damit die sowjetische Bedrohung für unsere Freunde und Verbündeten in Europa und
Asien abgebaut.
Die Abschreckungsstrategie der NATO bliebe unangetastet, und die Solidarität des Bündnisses würde gestärkt. Die Beseitigung aller INF-Raketen zusammen mit
anhaltenden Bemühungen zur Aufrechterhaltung einer wirkungsvollen Kräfteverteilung bei den nuklearen und
konventionellen Streitkräften würde
zur Sicherheit des Bündnises beitragen und gleichzeitig eine glaubwürdige Abschreckung auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau erlauben.
Wenn der Vertrag nicht ratifiziert oder auf andere Weise behindert
wird, bliebe die Bedrohung durch sowjetische INF-Raketen bestehen. Tatsächlich würden die Sowjets wahrscheinlich diese Streitkräfte aufrüsten, die bereits erprobten Nachfolgemodelle der SS-20 und die landgestützten Marschflugkörper des Typs
SSC-X-4 stationieren sowie mit der
ununterbrochenen Dislozierung ihrer
kürzlich eingeführten SS-23 fortfahren. Die Solidarität des NATO-Bündnisses und die in der Sicherheitspolitik bestehenden bilateralen Bezie- 7 -

* * * * * *

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'S

AMERIKA DIENST
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SrioN ^

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IM AMERIKA 1988
AMT DES VIZEPRÄSIDENTEN HAT FÜR BUSH VOR- UND NACHTEILE
Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush

WASHINGTON - (AD) - George Bush ist ein Seifmade-Millionär, der im Leben
das Beste aus einem gelungenen Start gemacht hat.

Er hat im Verlaufe seiner

Karriere vielfach Einfallsreichtum gezeigt und ist unter den Präsidentschaftsbewerbern der jüngsten Zeit einer der wenigen echten Kriegshelden.

Er ist darüber hinaus Vizepräsident der Vereinigten Staaten und, den
meisten Meinungsumfragen zufolge, der
führende Bewerber um die Nachfolge
von Präsident Ronald Reagan.
Aber auf diese führende Rolle
kann er sich nicht verlassen. Neben
dem Hinweis auf seinen Vorsprung deuten die Meinungsumfragen ebenfalls
darauf hin, daß er Teile der amerikanischen Öffentlichkeit immer noch
davon überzeugen muß, daß er ein
starker und wirkungsvoller Inhaber
des höchsten Amtes im Staate sein
würde.

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Zu Bushs Vorzügen gehören, neben
seiner Vizepräsidentschaft, ein geachteter Character, eine im allgemeinen beliebte Persönlichkeit und eine
beeindruckende Reihe hoher Ämter, die
er zuvor innehatte.
Seine möglichen Schwächen sind
das Fehlen eines umfassend bekanntgemachten neuen Programms, mittelmäßige
rhetorische Fähigkeiten, die Tatsache, daß er die meisten seiner früheren Positionen durch Ernennung und
nicht durch Wahl erlangt hat und paradoxerweise
seine
Vizepräsidentschaft.

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�Die amerikanische Vizepräsidentschaft ist ein ungewöhnliches Amt.
Obwohl sein Inhaber durch den Tod eines Präsidenten zur Führungsposition
aufsteigen kann, ist das Amt selbst
von jeher mit wenigen durch die Verfassung vorgeschriebenen Verantwortlichkeiten ausgestattet.
Außerdem hat ein amtierender Vizepräsident
die meisten Maßnahmen
seines Präsidenten zu unterstützen,
gleichgültig ob er mit diesen übereinstimmt oder nicht und ob diese
Maßnahmen beliebt sind oder nicht.
Sie sind zwangsläufig ein Teil seines
Programms.
Vielleicht ist teilweise auch aus
diesen Gründen seit der Wahl von
Martin Van Buren im Jahr 1836 kein
amtierender Vizepräsident mehr zum
Präsidenten gewählt worden.
Positiv ist zu vermerken, daß das
Amt des Vizepräsidenten wegen der gedanklichen Verbindung zu einem äusserst populären Präsidenten in den
achtziger Jahren Bush politischen
Nutzen bringt.
Bushs dargelegte Auffassungen zu
innen- wie
außenpolitischen
Themen
sind, wie die Reagans, konservativ.
Wirtschaftspolitisch unterstützt Bush
den Reaganschen Ansatz der freien
Marktwirtschaft. Er steht hinter den
Contras in Nicaragua und ist für das
mit der Sowjetunion geschlossene Abkommen zur Beseitigung der Mittelstreckenwaffen in Europa (INF) sowie
für weitere Abrüstungsschritte.
In der Innenpolitik hat Bush die
Republikaner dazu aufgerufen, ihre
Anziehungskraft auf Schwarze und andere Minderheiten zu verstärken, die
für gewöhnlich mit den Demokraten
sympathisieren. Bush hat die ReaganAdministration indirekt wegen deren
- 2

Umweltpolitik und wegen der Moral in
der Regierung kritisiert - Themen von
großer Bedeutung bei den Wählern des
Mittelstandes.
Bush wurde im Jahr 1924 als Sohn
des erfolgreichen New Yorker Geschäftsmannes
und
Finanzfachmanns
Prescott Bush geboren, der erst spät
in seinem Leben in die Politik einstieg und vor seiner Pensionierung
zehn Jahre Mitglied des amerikanischen Senats war.
Bush trat im Alter von 18 Jahren
freiwillig in die Marine ein und wurde der jüngste amerikanische Marineflieger im Zweiten Weltkrieg.
Er
flog 58 Kampfeinsätze gegen die Japaner im Pazifik und wurde mit dem
Flieg^rverdienstkreuz sowie anderen
Orden ausgezeichnet.
Im Jahr 1944 geriet Bushs Flugzeug während eines Kampfeinsatzes unter feindlichen Beschuß. Bush setzte
seine Bomben über dem Ziel ab und
rettete sich mit dem Fallschirm über
dem Ozean. Krank und verletzt trieb
er auf eine von den Japanern besetzte
Insel zu, bis er von einem amerikanischen Unterseeboot gerettet wurde.
Sein
Studium
der
Volkswirtschaftslehre nahm Bush 1945 an der
Yale Universität auf und erreichte
seinen Abschluß nach zweieinhalb Jahren mit Auszeichnung.
Nach seiner Zeit bei Yale ging
Bush mit der Hilfe und Unterstützung
eines Freundes
der Familie nach
Texas, um sich dort mit den Besonderheiten der Ölindustrie im Arbeitsprozeß vertraut zu machen. Bush wurde
schließlich der Mitbegründer einer
unabhängigen Ö'lfirma, der Zapata Petroleum.
Bush trat als sehr konservativer

�Republikaner
in
die
Politik
ein.
1964 führte er einen harten Wahlkampf
um einen Sitz im amerikanischen Senat
gegen einen beliebten demokratischen
Amtsinhaber und verlor.
Aber dann
wurde er aus einem wohlhabenden Bezirk in Houston in den Jahren 1966
und abermals 1968 in den Kongreß gewählt.
1970 bewarb er sich erneut
für den Senat in Texas und verlor
wiederum, diesmal gegen einen konservativen Demokraten.
Präsident
Nixon
ernannte
Bush
1971 zum amerikanischen Botschafter
bei den Vereinten Nationen. 1973 berief Nixon ihn zum Chef des Republikanischen Nationalen Komitees - eine
Position, die er während der die Partei entzweienden Watergate-Affäre behielt.
Unter Nixons Nachfolger Gerald
Ford war Bush in einer Phase der Normalisierung amerikanisch-chinesischer
Beziehungen Chef des amerikanischen
Verbindungsbüros in Peking. Ford hat
ihn dann zum Direktor des amerikanischen Geheimdienstes CIA ernannt,
wo er nach einer Serie von Skandalen
und Untersuchungen durch den Kongreß
zur Wiederherstellung der Moral beitrug.
Bush trat 1980 zum ersten Mal in
den Wahlkampf um das Amt des Präsidenten ein.
Während der Vorwahlen
der Republikaner
in New Hampshire
wurde er in einer entscheidenden Debatte von Ronald Reagan ausmanövriert, womit sich seine Hoffnungen
auf die Nominierung durch die Republikaner zerschlagen hatten.
Reagan hat Bush später als Vizepräsident Schaftskandidaten
ausgewählt. Er nannte Bush den besten Vizepräsidenten in der Geschichte der
Nation.

Als Vizepräsident folgte Bush dem
Beispiel seines Amtsvorgängers Walter
Mondale in dem Versuch, den Umfang
seines Amtes auszuweiten.
Er hatte
Zugang zu allen wichtigen Informationen, die den Präsidenten erreichen,
sowie ungehinderten Zugang zu Reagan
selbst.
Neben weiteren Aufgaben
führte
Bush den Vorsitz der Arbeitsgruppe
für Deregulierung im Weißen Haus, wo
er dazu beitrug, die Regulierungsgewalt der Bundesregierung wieder in
Ordnung zu bringen - ein Ziel von
höchster Priorität im Regierungsprogramm.
Als Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Süd-Florida leitete Bush ein
Programm beim Kampf gegen Drogenschmuggel nach Florida.
Bushs Rolle als Vizepräsident ist
derzeit beim Eintritt in die republikanischen Vorwahlen die Quelle seiner
politischen
Hauptverantwortung
ebenso wie sein Vorteil.
Von republikanischen Herausforderern wird er
gedrängt zu erörtern, welchen Rat er
Präsident Reagan zum geplanten Verkauf von Waffen an den Iran gegeben
hat, was zur Iran-Contra-Affäre führte.
Wenn Bush behauptet, tief in die
Iran-Initiative verstrickt gewesen zu
sein, wird er mit einer mißlungenen
Politik in Verbindung gebracht. Wenn
er dagegen sagt, er habe wenig darüber gewußt, erweckt er den Eindruck,
er gehöre nicht zum engsten Kreis des
Präsidenten.
Ob Bushs Vorzüge ihm zur Präsidentschaft verhelfen, hängt vom Wesen
und der Stärke der Opposition gegen
ihn ebenso ab wie von seiner eigenen
Geschicklichkeit, während des anstehenden
Präsidentschaftswahlkampfes

- 3 -

�die Antworten auf die Fragen zu seiner Rolle bei der Iran-Contra-Affäre
und zu seinem Programm für die Nation
zu formulieren.

* * * * * *

- 4-

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V,oN &amp;

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DOLES IMAGE BEI DEN WÄHLERN: PRAKTISCH, ZÄH, MITFÜHLEND
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert Dole -

WASHINGTON - (AD) - Es ist ein vielschichtiges Bild, das Senator Robert
Dole angesichts seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner von sich zu entwerfen sucht.

Einen Teil davon macht seine
Stellung als Führer seiner Partei Im
amerikanischen Senat aus - als nüchterne, konservativ eingestellte und
praktisch veranlagte Führungspersönlichkeit, die weiß, wie man Ergebnisse erzielt und Wahlen gewinnt.

Ein weiterer Teil ist der körperbehinderte Außenseiter, der verwundete Kriegsveteran - der Mann, der die
harten Seiten des Lebens kennengelernt hat, aber dennoch niemals aufgibt und immer wieder einen neuen
Versuch wagt.

Ein anderer Teil ist der Amerikaner Bob Dole - ein typischer Bürger,
der in einem typischen Umfeld des
Mittleren Westens aufwuchs; hart für
das von ihm Erreichte arbeiten mußte,
der den Mann auf der Straße versteht
und seine Sprache spricht.

Es hat sich gezeigt, daß all diese Images den wahren Bob Dole zeigen,
aber zusammengenommen vermitteln sie
ein Bild der Kampagne, mit der Dole
hofft, die Führungsposition seines
größten Rivalen bei der Nominierung von Vizepräsident George Bush, der

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�aus einer begüterten Oberschichtfamilie stammt und öfter in Ämter berufen
als gewählt worden ist - zu erschüttern.
Beim Kampf um Stimmen in New
Hampshire und anderen Staaten, in denen Parteiversammlungen und Vorwahlen
stattfinden werden, stellt Dole sich
als Alternative zu dem favorisierten
Vizepräsidenten und betont dabei seine langjährige politische Erfahrung
und seiner führende Rolle im Kongreß.
"Vor einem Jahr wurde behauptet,
es gäbe keine Alternative", erklärte
er kürzlich bei einer Kundgebung in
New Hampshire. "Jetzt erkennen die
Leute, daß es doch eine gibt, und daß
sie Bob Dole heißt. Er kennt die
Probleme. Bei den Verhältnissen, aus
denen er stammt, können die Leute sagen: er ist einer von uns. Er besuchte öffentliche Schulen. Er hat
im Leben harte Zeiten durchgemacht.
Ihm wurde nichts geschenkt. Er ist
einer von uns, und darin besteht der
Unterschied".
In Wahlkampfbroschüren wird Dole
als "zäher Konservativer mit gesundem
Menschenverstand" bezeichnet, der im
Kongreß die Befürworter so wichtiger
Initiativen der Reagan-Administration
anführte wie etwa des Verfassungszusatzes für einen ausgeglichenen Haushalt, des Steuerindexes, der Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI), der Hilfe für Freiheitskämpfer
in Nicaragua und Afghanistan und des
Feldzuges zur Eindämmung der Regierungsausgaben.
Darin wird ferner
"Doles anhaltende Unterstützung für
eine gesunde Wirtschaftspolitik und
eine starke nationale Verteidigung"
gelobt.
über eine gesunde Wirtschaftspolitik hat Dole seine eigene Meinung.
Vor kurzem erklärte er gegenüber ei-

nem Zeitungsreporter, als Präsident
würde er seine Prioritäten beim Abbau
des Haushaltsdefizits setzen. "Meiner Ansicht nach ist das Defizit der
Staatsfeind Nummer Eins" ... "Wenn
ich gewählt werde, wird das meine erste Anordnung im Amt sein", erklärte
Dole.
Der 64jährige Bob Dole wurde in
Russell (Kansas) geboren, in einer
Stadt mit etwa 5 000 Einwohnern im
Nordwesten
dieses
Präriestaates.
Sein Vater besaß eine kleine Molkerei, in der er von Farmern abhängig
war, die in den Jahren der Depression, als der junge Senator aufwuchs,
oft nicht bar zahlen konnten und
manchmal Hühner gegen Molkereiprodukte eintauschten.
"Entweder hat man gearbeitet,
oder man hat nicht überlebt", erinnerte sich kürzlich Doles Bruder
Kenny, der immer noch in Russell
lebt. Kenny zufolge standen ihr Vater Doran Dole und auch seine Söhne
jeden Tag um fünf Uhr auf. "Er verteilte die Arbeit... alles, was wir
kannten, war Arbeit", erklärte der
Bruder des Senators einem Reporter.
Senator Dole, der am 9. November
letzten Jahres nach Russell zurückkehrte, um seine Kandidatur für die
Präsidentschaft bekanntzugeben, erklärte in einer Rede "die von den
Menschen in Russell über die Jahre
hinweg bezeugte Güte war die Quelle
meiner Inspiration und Stärke".
Die Menschen, die diese Stadt erbaut haben, waren Dole zufolge "Optimisten und Pioniere, sie haben mit
Hilfe ihres Erfindergeistes und harter Arbeit ein Leben in der Wildnis
möglich gemacht.
Der Geist dieses
Ortes hat mich mein Leben lang begleitet".

- 2 -

�Nach Beendigung seiner Schulzeit
in Russell studierte Senator Dole zunächst Medizin an der Universität
Kansas. Er unterbrach sein Studium,
um im Zweiten Weltkrieg in die Armee
einzutreten.
In Italien wurde er
1945 als Zugführer schwer verwundet.
Es waren drei Jahre Krankenhausaufenthalt nötig, um die Wunden des
Krieges zu heilen, und Dole war seit
der Zeit rechts halbseitig behindert.
Er habe "immer noch nicht viel Gefühl
in den Fingern", wie er Patienten eines Rehabilitationszentrums in NeuEngland anläßlich seiner diesjährigen
Kampagne in New Hampshire erklärte.
"Ich brauche ein Hilfsgerät, um ein
Hemd anzuziehen".
Aber seine Botschaft war nicht von Selbstmitleid
gekennzeichnet:
"Man muß viele Dinge kompensieren", erklärte er. "Man kompensiert,
indem man seinen Verstand anstelle
dessen benutzt, was man nicht hat.
Sie dürfen nicht aufgeben. Manchmal
dauert es eine gewisse Zeit, aber geben Sie nicht auf... Sie müssen in
die Zukunft schauen und dürfen die
Hoffnung nicht verlieren".

blikanischen Partei, und 1976 war er
Kandidat seiner Partei für das Amt
des Vizepräsidenten
bei Präsident
Gerald Ford. Er wurde im November
1984 zum Führer der Mehrheitspartei
im Senat gewählt.
Doles
zweite
Frau,
Elizabeth
Hanford Dole, mit der er seit 1975
verheiratet ist, war Verkehrsministerin bis zu ihrem Rücktritt im letzten
Jahr, um ihren Mann bei seiner Wahlkampagne
zu
unterstützen.
Doles
Wahlhelfer haben ihre Arbeit für ihren Mann gewürdigt, die es ihm erlaubt, seine Aufgaben in Washington
zu erfüllen und sich gleichzeitig um
die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikner zu bewerben.
"Sie ist ein sehr wichtiger Faktor", erklärte ein Wahlhelfer. "Wenn
es Elizabeth Dole nicht gäbe, könnte
Bob Dole seinen Verpflichtungen im
Senat nicht weiter nachkommen".

Nach dem Krieg und seiner Genesung nahm Dole sein Studium an der
Universität
von Arizona auf und
schloß es 1952 an der Washburn Municipal University in Topeka (Kansas)
in Rechtswissenschaften ab.
Mit 26 Jahren wurde Dole ins Repräsentantenhaus von Kansas gewählt;
zwei Jahre später wurde er Staatsanwalt in Russell County.
In diesem
Amt blieb er bis zu seiner Wahl in
den Kongreß im Jahr 1960. Er hatte
acht Jahre sein Amt im Repräsentantenhaus inne, bis er 1968 in den Senat gewählt wurde.
Zu Beginn der
siebziger Jahre wurde er Vorsitzender
des nationalen Ausschusses der Repu- 3 -

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4

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
HAIG HAT SCHON VIELE ERFAHRUNGEN IM WEISSEN HAUS GESAMMELT
Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Alexander Haig -

WASHINGTON - (AD) - Wenn Alexander Haig 1988 bei seiner Präsidentschaftskandidatur Erfolg hat, wird er nicht als Fremder ins Weiße Haus kommen. Zweimal hatte er dort bereits Schlüsselpositionen in republikanischen Regierungen
inne.

Während
der
Reglerungszeit
Richard Nixons stand er als Nixons
Stabschef während
der sogenannten
"Watergate-Affäre" im Mittelpunkt der
Unruhen. In dieser Position war er
dafür verantwortlich, das Alltagsgeschäft im Weißen Haus zu bewältigen,
während Nixon dazu gezwungen war, den
überwiegenden Teil seiner Zeit damit
zu verbringen, seine vom Verfall bedrohte Regierung zu verteidigen.
Gleich zu Beginn der Reagan-Administration war Haig der Außenminister
des neuen Präsidenten. Aufgrund sei-

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ner vorherigen Tätigkeit im Weißen
Haus war ihm die Rivalität zwischen
Außenminister und Nationalem Sicherheitsberater um die führende Rolle in
der Außenpolitik sehr genau bewußt.
Obwohl er von Reagan die Zusicherung
erreichen wollte, daß die Außenpolitik vom Außenministerium geleitet
würde, leisteten ihm ranghohe Beamte
des Weißen Hauses Widerstand.
Regelmäßig geriet er mit Mitarbeitern im Weißen Haus aneinander,
und zwar in erster Linie wegen seiner
Bemühungen, seine Ansichten über den

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�Präsidenten durchzusetzen und weniger
aufgrund
von substantiellen politischen Angelegenheiten.
1982 trat
er überwiegend wegen dieser Meinungsverschiedenheiten zurück.
Haigs bestimmtes Vorgehen fiel
besonders ins Auge, als der Präsident
am 30. März 1981 angeschossen wurde.
Während sich Reagan im Krankenhaus
befand und Vizepräsident Bush nach
Washington zurückeilte, um die Regierungsgeschäfte vorübergehend zu übernehmen, erklärte Haig gegenüber den
beim Weißen Haus akkreditierten Journalisten: "Ich habe mit sofortiger
Wirkung bis zur Rückkehr des Vizepräsidenten und im engen Kontakt mit ihm
die Kontrolle hier übernommen. Wenn
etwas geschähe, würde ich mich natürlich mit ihm in Verbindung setzen."
Diese Mitteilung sollte klarstellen, daß Haig als hochrangiges Kabinettsmitglied zeitweise die Machtbefugnisse im Weißen Haus übernommen
hatte. Er wurde aber ernsthaft kritisiert, weil er angeblich versucht
hatte, die verfassungsmäßig verankerte Abfolge der Machtbefugnisse zu
verletzen und Macht zu übernehmen,
die ihm nicht zustand.
Haig behauptet, für das Amt des
Präsidenten sei sein Selbstbewußtsein
kein Nach- , sondern ein Vorteil, hat
sich aber nachdrücklich bemüht, dieses Image herunterzuspielen, indem er
nicht mehr so sehr wie ein ehemaliger
Soldat auftrat. Er ist ebenfalls der
Meinung, daß er aufgrund seiner beruflichen Erfahrung nicht unbedacht
in einen Krieg hineinrutschen würde
und außerdem eher zur Regierungsübernahme befähigt wäre.
"Ich glaube,
eine höhere Qualifikation als alle
anderen Kandidaten beider Parteien in
dem Wahlkampf zu besitzen," stellt er
fest.

Seine Auffassungen zu zentralen
Themen der Außenpolitik sind klar umrissen. Er ist gegen das von Präsident Reagan und dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow im vergangenen Jahr unterzeichnete Abkommen
über die Beseitigung von Mittestrekkenraketen aus Europa (INF). Er ist
der Auffassung, dieses Abkommen würde
die Gefahr der seit langem bestehenden Überlegenheit des Warschauer Paktes gegenüber der NATO bei den konventionellen Streitkräften noch erhöhen, und warnt davor, daß es die politische und psychologische Auswirkung einer Abkoppelung der europäischen Verbündeten von den Vereinigten Staaten hätte.
Er drängt auf besondere Vorsicht
bei Jen Verhandlungen über einen Vertrag zum Abbau der strategischen Waffen (START).
Er befürwortet die
großzügige Gewährung von Militärhilfe
für die anti-sandinisticchen Rebellen
in Nicaragua. Er ist einer der entschiedensten Befürworter enger Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel. Er lehnt die derzeit
im Kongreß debatierten Handelsbeschränkungen ab und hat wiederholt
dazu aufgerufen, den Haushalt durch
Kürzungen bei den Inlandsausgaben
auszugleichen.
Alexander Haig wurde 1924 in
Philadelphia geboren. Man sagt, sein
starker Wille gehe darauf zurück, daß
er viele Aufgaben eines Erwachsenen
bewältigen mußte, nachdem sein Vater
verstarb, als AI erst zehn Jahre alt
war. Seine Frau Patricia, mit der er
seit 1950 verheiratet ist, erklärt:
"Er mußte erkennen, daß es für ihn
kein Sicherheitsnetz gab." Um einen
Teil seiner Studiengebühren an der
Universität von Notre Dame aufbringen
zu können, ging er bis zur Zulassung
an der amerikanischen Militärakademie
einer Arbeit nach.

- 2 -

�Haig war bei der Besetzung Japans
nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt
und trat während des Koreakonfliktes
in die Kampfhandlungen ein.
Dort
wurde er mit drei Orden ausgezeichnet. Er durchlief einen beständigen
dienstgradmäßigen Aufstieg und nahm
während des Vietnamkrieges erneut an
den Kämpfen teil, wo ihm das Militärverdienstkreuz verliehen wurde - Amerikas zweithöchste militärische Auszeichnung.
Zwischen diesen beiden Kriegen
bekleidete er eine Vielzahl von Regierungsämtern, einschließlich einer
Position unter dem früheren Außenminister Cyrus Vance, als dieser Stellvertretender
Verteidigungsminister
war.
Während der Nixon-Administration stieß er zum Stab des Nationalen
Sicherheitsberaters Henry Kissinger
und
genoß den Ruf, verschiedene
Standpunkte miteinander in Einklang
zu bringen, ohne andere zu beleidigen. Er hatte ein Gespür für das Anzapfen undichter Stellen im Weißen
Haus und bei der Vorbereitung der
Bombardierung Kambodschas sowie bei
den vietnamesischen Friedensgesprächen.

Haig verließ die NATO während der
Carter-Administration und wurde Präsident der United Technologies Corporation.
Für kurze Zeit bewarb er
sich im Jahr 1980 für das Amt des
Präsidenten.
Haig hat seit seinem
Rücktritt vom Amt des Außenministers
kein öffentliches Amt mehr bekleidet.
Aber er besteht darauf, daß die Themen, die zu seinem Ausscheiden aus
der Regierung führten, ihm nun zur
Rückkehr
als
Präsident
verhelfen
sollten.
"Einen Außenminister, der
für seine Überzeugungen auch geradestand, wollte niemand haben," erklärte Haig.
"Mit einem Außenminister,
der sich während Irangate so verhalten hätte, wären wir von dieser Krise
verschont geblieben."

Haig wurde im Jahr 1970 Stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater. Kissinger lobte ihn in dieser
Position als "stark in Krisenzeiten,
entschieden im Urteil, geschickt bei
bürokratischen Streitigkeiten und unermüdlich bei seiner Arbeit".
Für kurze Zeit ging Haig als
Stellvertretender Stabschef des Heeres zurück ins Pentagon, wurde aber
erneut als Stabschef ins Weiße Haus
berufen, als die Watergate-Krise ihren Höhepunkt ereichte. Als Präsident Ford das Amt übernahm, ernannte
er Haig zum Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Europa und
später zum Oberbefehlshaber der NATO.

- 3-

* * * * * *

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'VON**

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

GEPHARDTS WAHLKAMPF:

PERSÖNLICHER ELAN UND WELTPOLITISCHE THEMEN

- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Richard Gephardt WASHINGTON - (AD) - Als er am 23. Februar 1987 seine Bewerbung um die Norainierung als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei ankündigte,
tat der Kongreßabgeordnete Richard Gephardt dies mit dem Elan, der Entschlossenheit und dem Optimismus, die für ihn typisch sind.

"Mit Ihrer Hilfe," verkündete er
den bei
diesem Anlaß anwesenden
Freunden und Förderern, "beabsichtige
ich als Erster durchs Ziel zu gehen...
Wir werden dies erreichen,
indem wir morgens als Erste mit der
Arbeit beginnen und abends als Letzte
aufhören."
Ein politischer Kolumnist schrieb
einmal über Gephardt, als dieser in
einem NichtWahljahr in 30 Staaten für
sich warb: "Er kann nicht rasten und
er kann keiner Herausforderung widerstehen."
Jenem Kolumnisten zufolge

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hat der Kongreßabgeordnete "rote Haare, ein jungenhaftes Gesicht und einen Motor, der nie stillsteht".
Gephardt verkündete seine Kandidatur an demselben, unweit seines Zuhauses in St. Louis gelegenen Ort, an
dem der frühere Präsident Harry S.
Truman - ein weiterer Politiker aus
dem Staate Missouri, dessen Name Elan
und Optimismus verkörpert - im Jahr
1948 den von ihm trotz äußerst
schlechter Chancen errungenen Wahlsieg über den Republikaner Thomas E.
Dewey annahm.

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�Seit Beginn
seines Präsidentschaftswahlkampfes hat der 46jährige
Rechtsanwalt, dessen politische Karriere im Jahr 1971 mit seiner Wahl
zum Stadtrat von St. Louis begann,
unermüdlich daran gearbeitet, sich
einen landesweiten Ruf zu verschaffen
und die Unterstützung der Wähler zu
gewinnen.
Er hat sich zu vielen vorrangigen
Themen zu Wort gemeldet und Positionspapiere zu Themen wie Gesundheitswesen, Bürgerrechte, Steuerreform, Reduzierung des Haushaltsdefizits und Bildungswesen verfaßt. Am
bekanntesten wurde er jedoch aufgrund
seiner aggressiven Haltung zum Abbau
des Ungleichgewichts im Welthandel
und zur Beseitigung der amerikanischen Handelsdefizite.
"Etwas stimmt nicht", erklärt er,
"wenn es Japan und Korea gestattet
wird, einen Handelsüberschuß von 65
Milliarden Dollar mit den Vereinigten
Staaten zu erzielen, während es den
Rindfleischproduzenten in Iowa und
den Reisbauern in Louisiana verwehrt
ist, ihre Produkte in diesen Ländern
zu verkaufen."
Gephardt findet besonderen Anklang bei der arbeitenden Bevölkerung
- Bauern und Automobilarbeitern zum
Beispiel -, deren Lebensunterhalt vom
Verkauf in den Vereinigten Staaten
hergestellter Produkte abhängt. Seiner Meinung nach können die Vereinigten Staaten nicht auf die Wiedergewinnung
ihrer industriellen Macht
hoffen, solange sie nicht "mit den
gleichen Chancen" wie Japan, Südkorea
und
anderen
Ländern
ausgestattet
sind, die weit mehr Waren in die Vereinigten Staaten verkaufen als sie
von diesen beziehen.

den

Er brachte einen Gesetzentwurf vom Repräsentantenhaus verab-

schiedeten sogenannten Gephardt-Zusatz - mit der Zielsetzung ein, die
erheblichen Handelsüberschüsse dieser
Staaten zu reduzieren.
Von Kritikern wie etwa Zeitungskommentatoren und anderen Befürwortern des freien Handels wurde dieses
Gesetz als protektionistische Maßnahme bezeichnet, die einen Handelskrieg
auslösen könnte.
In einer unlängst in Iowa gehaltenen
Wahlkampfrede
reagierte
Gephardt auf diese Vorwürfe in der
für ihn charakteristischen Weise:
"Meine Damen und Herren, lassen Sie
mich Ihnen sagen, daß wir uns in einem Handelskrieg befinden. Wir müssen die Zeitungskommentatoren in ihren Plüschbüros vergessen und an die
Automobil- und Landarbeiter sowie an
die arbeitende
Bevölkerung dieses
Landes
insgesamt
denken, die in
Schwierigkeiten stecken."
Dieser populistische Ansatz unterscheidet sich von der in seinen
früheren Reden vertretenen Haltung,
in denen er statistischen Erläuterungen breiten Raum gewährt und die Notwendigkeit von Produktionskontrollen
zur Verbesserung der Agrarpreise betont hatte.
Der Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses Thomas Foley, einer
von ca. 70 Kollegen Gephardts im Repräsentantenhaus, die seine Kandidatur unterstützen, hat dafür die folgende Erklärung:
"Früher hatten Sie einen Kongreßabgeordneten oder Stadtrat vor sich,
dessen Hauptaugenmerk der Gesetzgebung und deren Zustandekommen galt.
Während des Großteils seiner politischen Karriere handelte er in einem
geschlossenen Universum - im Kongreß
oder im Stadtrat. Als er Präsident-

- 2 -

�Schaftskandidat wurde, betrat er eine
völlig andere Welt."
Gephardts Stärke wird entscheidend durch die Unterstützung einer
Reihe demokratischer Kollegen aus dem
Repräsentantenhaus geprägt, von denen
ein Dutzend während der Kongreßferien
zum Jahresende in Iowa um Stimmen für
ihn warben.
Als Mitglied des Repräsentantenhauses bläst ihm jedoch im Kampf um
die
Präsidentschaftskandidatur
der
Demokraten der Wind ins Gesicht; der
letzte zum Präsidenten gewählte Abgeordnete war James Garfield, der als
Kompromißkandidat der Republikaner im
Jahr 1880 nominiert wurde.

cherungswesen ist er außerdem Vorsitzender der Gruppe demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, der
vierthöchsten Führungsposition dieser
gesetzgebenden Körperschaft.
Eine
Führungsrolle
strebt
Gephardt nicht nur für sich selbst,
sondern auch für sein Land an. "An
der Schwelle zur neuen Welt des 21.
Jahrhunderts sind wir entschlossen,
Amerika wieder an die Spitze zu setzen - in der Wirtschaft, in nationaler Stärke, im Engagement für die
Durchsetzung der Menschenrechte und
für das überleben der Menschheit",
erklärte er bei der Ankündigung seiner Kandidatur.

In seiner Jugend, die er in St.
Louis verbrachte, war Dick Gephardt,
der Sohn eines Milchwagenfahrers

und

einer
Rechtsanwaltssekretärin
begeisterter Camper und Baseball-Spieler und tat sich besonders bei den
Pfadfindern hervor.
Nach Abschluß seines Studiums an
der Northwestern University und der
juristischen Fakultät der University
of Michigan diente er sechs Jahre in
der Missouri Air National Guard als
Hauptmann und Offizier für juristische Angelegenheiten. Seit 20 Jahren ist er mit seiner Frau Jane verheiratet, mit der er drei Kinder,
Matthew (16), Christine (14) und
Katherine (9), hat.
Nach zwei Amtsperioden als Stadtrat, in denen er einen vornehmlich
von Arbeitern und verschiedenen Rassen geprägten Bezirk vertrat, wurde
Gephardt im Jahr 1976 ins Repräsentantenhaus
gewählt
und
gewann
seitdem jede Wahl mit über 66 Prozent
der Stimmen. Als Mitglied des Finanzausschusses sowie der Unterausschüsse für Handel und Sozialversi- 3 -

* * * * *

�reo s&gt;.

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
3. Februar 1888

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DU PONT ERLÄUTERT SEINE VISION VON DER ZUKUNFT AMERIKAS
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pierre S. du Pont IV WASHINGTON - (AD) - Dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner,
Pierre du Pont, zufolge leisten Wahlkampagnen mehr als nur die Auswahl des
Präsidenten. Er ist der Ansicht, sie liefern "eine Entscheidung des Volkes
zum Kurs, den das Land in Zukunft einschlagen soll".

Mit seiner Kampagne gibt Du Pont
den Bürgern einen sehr detaillierten
Abriß der Richtung, In die er als
Präsident das Land führen würde.
Bei seiner Vision der Zukunft
Amerikas würden die staatlichen Subventionen in der Landwirtschaft abgeschafft, die Strategische Verteidigungsinitiative
(SDI) stationiert,
Schüler
weiterführender
Schulen
stichprobenartig auf Drogenkonsum untersucht, und Verkehrssündern würde
für zwei Jahre der Führerschein entzogen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

In einem von Du Pont geführten
Amerika würden all denen staatliche
Darlehen gewährt, die einen CollegeAbschluß erwerben oder sich einer
Weiterbildungsmaßnahme
anschließen
wollen.
Er würde Stipendien vergeben, mit deren Hilfe Kinder aus armen
Familien Privatschulen besuchen könnten. Seiner Ansicht nach sollte die
Legalisierung der Abtreibung den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten überantwortet werden.
Wenn der frühere Gouverneur des
Staates Delaware 1988 zum Präsidenten

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�gewählt würde, würde
ben zufolge jeder
nische Versorgung
Einkommen unterhalb
liegt.

er seinen AngaFamilie medizigewähren, deren
der Armutsgrenze

Du Pont möchte Sozial- durch Arbeitsprogramme für die "Arbeitsfähigen" ersetzen. In diesen Programmen
würden 90 Prozent des Mindestlohns
gezahlt. Sein Motto lautet: "Keine
Arbeit, kein Lohn". Er will ferner
das
Sozialversicherungssystem
für
pensionierte Arbeiter überholen.
Bei der Außenpolitik befürwortet
Du Pont die Hilfe für die Contras in
Nicaragua, und er hat die Vereinigten
Staaten aufgefordert, ihre diplomatischen Beziehungen zum sandinistischen
Regime
abzubrechen.
Er
spricht sich für eine starke amerikanische Unterstützung Israels aus.
In den Beziehungen zur Sowjetunion würde er eine harte Linie verfolgen. Als "schlechten Vertrag" bezeichnet er das INF-Abkommen.
Ihm
zufolge "gefährdet es unsere Freiheit" und leistet nichts zur Abschaffung nuklearer Gefechtsköpfe.
Der Kandidat würde ebenfalls bei
den Verteidigungsausgaben eine harte
Linie verfolgen.
Er erwartet die
Schließung von 100 als überflüssig
angesehenen Stützpunkten in den Vereinigten Staaten. Ferner unterstützt
er die gegenwärtige Politik der Vereinigten Staaten, Geleitschutz für
Öltanker im Persischen Golf bereitzustellen.
Die New York Times bezeichnet du
Ponts politische Linie als "gemäßigt
liberal". Er verspricht die Weiterführung der "Reagan-Revolution". Obgleich seit jeher Republikaner, hat
er doch in seinem Heimatstaat Delaware die beträchtliche Unterstützung

derer erfahren, die traditionell Anhänger der Demokraten waren.
Um bei der Präsidentschaftswahl
im Rennen zu bleiben, muß sich du
Pont bei den Parteiversammlungen in
Iowa und New Hampshire gegen die drei
Spitzenkandidaten der Republikaner George Bush, Robert Dole und Jack
Kemp - behaupten. Bis jetzt lag er
bei Meinungsumfragen hinter diesen
Kandidaten.
Pierre du Pont wurde 1935 geboren; er wird gern "Pete" genannt und
bezeichnet sich selbst als "Durchschnittsbürger" .
Du Pont stammt jedoch aus einer
wohlhabenden
Familie der amerikanischen Oberschicht. Seine Vorfahren
kamen vor 200 Jahren aus Frankreich
nach Amerika, wo sie das größte Chemieunternehmen der Welt, die E.I. du
Pont de Nemours, gründeten.
Du Pont erklärt, er sei stolz auf
seinen Namen und das Erbe der Familie. Obwohl er Millionär ist, spielt
er seinen Wohlstand und seine Herkunft bei der Wahlkampagne herunter.
"Ich glaube nicht, das dies zählt",
erklärt er. "Ich glaube, was in Amerika zählt, ist nicht, wer man ist,
sondern was man ist - nicht der Name
zählt, sondern die Fähigkeiten".
Du Pont diente dreieinhalb Jahre
als Offizier bei der amerikanischen
Marine. Sechs Jahre lang war er im
Familienunternehmen
Ingenieur
für
Qualitätskontrolle.
Im Jahr 1969 wurde er für ein
Jahr ins Repräsentantenhaus des Staates Delaware gewählt. Von 1971 bis
1977 war er Mitglied im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. Danach war er acht Jahre lang Gouverneur von Delaware. In dieser Eigen-

- 2 -

�schaft erntete er großes Lob für die
Schaffung neuer Stellen und den Ausgleich des Haushalts in diesem Bundesstaat.
Du Pont absolvierte die Phillip's
Exeter Academy, 1956 erwarb er an der
Universität Princeton ein B.A. in Ingenieurwesen, und 1963 beendete er
sein Studium an der Harvard Law
School.
Als Anhänger der Episkopalkirche
vermeidet du Pont Wahlkampfaktivitäten am Sonntag. Er mißt der Familie
eine große Bedeutung bei. Du Pont
hat es sich zur - bis jetzt nicht gebrochenen - Regel gemacht, keine
Presse im "Patterns" genannten Familienwohnsitz in Wilmington (Delaware)
zuzulassen.
Seine Frau Elise ist Rechtsanwältin. Erst nachdem ihre vier Kinder
die höhere Schule abgeschlossen hatten, nahm sie mit 40 Jahren ihr Studium der Rechtswissenschaften wieder
auf. 1979 schloß sie es an der University of Pennsylvania ab.
Elise du Pont kommt aus wohlhabendem Haus und stammt von Benjamin
Franklin ab.
Sie bezeichnet sich
selbst als Feministin. In Präsident
Reagans erster Amtsperiode war sie
Stellvertretende Beauftragte bei der
Behörde für internationale Entwicklung. Sie stellte sich - jedoch ohne
Erfolg - 1984 für den Kongreß zur
Wahl.
Der 52jährige du Pont nennt als
seine Hobbies Segeln und Tennisspielen. Ferner liest er gern, vorzugsweise Thriller von Autoren wie etwa
John le CarrS und Ian Fleming, und er
malt Landschaften.

* * * * *

- 3

�'J&gt;^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
3. Februar 1988

GERINGERER KOKAINKONSUM UNTER AMERIKANISCHEN JUGENDLICHEN
- Aber Rauschgiftschmuggel nimmt zu - Härtere Gangart gegenüber
Verbrauchern WASHINGTON - (AD) - Der neueste Jahresbericht des amerikanischen Bundesministeriums für Gesundheitswesen und soziale Dienste (Department of Health
and Human Services - HHS) über den Konsum illegaler Drogen unter Oberstufenschülern läßt bemerkenswerten Rückgang in bezug auf Kokain erkennen. Wie Minister Otis R. Bowen auf einer Pressekonferenz bekanntgab, bekannter sich 42
Prozent der befragten Schüler dazu, im vergangenen Jahr dann und wann Drogen
in irgendeiner Form genommen zu haben. Seit Beginn der Umfragen vor L3 Jahren
sei dies, so Bowen, der niedrigste Stand. Dabei komme dem Rückgang des Kokainkonsums um 20 Prozent bei Oberstufenschülern, College-Studenten uid jungen
Erwachsenen die größte Bedeutung zu. Dieser Wandel sei vor allen auf das besser ausgeprägte Risikobewußtsein der jungen Menschen zurückzuführen, zu dem
die Regierung, die Medien und die Elternorganisationen durch Aufklärung und
Information viel beigetragen hätten.

Dr. Donald Ian Macdonald, Präsidialberater für Fragen des Drogenmißbrauchs und Administrator des Amtes
"Alkohol, Drogenmißbrauch und geistige Gesundheit" im HHS, berichtete,
daß im Jahr 1986 ca. 34 Prozent der
Oberstufenschüler den gelegentlichen
Konsum
von
Kokain
für
gefährlich
hielten.
Im Jahr 1987 waren es 48
Prozent. Der verblüffende Anstieg um
14 Prozent zeige einen wichtigen Bewußtseinswandel bei dieser Schülergruppe an.
Mehr als früher hätten
erkannt, wie gefährlich es ist, mit
Kokain zu experimentieren. Eine ähn-

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Embassy of the United States of America

liche, allerdings weniger stark ausgeprägte Tendenz sei auch in bezug
auf alle übrigen Droger zu beobachten.
Diese Entwicklung bedeute aber
nicht
"Entwarnung".
Bowen
verwies
darauf, daß z.B. Crack - eine reinere
Form des Kokains, die auch durch
Rauch inhaliert werden kann - dem Kokaintrend nicht folge.
Nach
Dr.
Lloyd D. Johnston vom Institut für
Sozialforschung
der
Universität
Michigan scheine jedoch der Anstieg
des Crackkonsums unter jungen Amerikanern gebremst worden zu sein.

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�Gelegentlichen
Marihuana-Konsum
in den vergangenen 12 Monaten gaben
etwa 36 Prozent der befragten Schüler
der Oberstufen zu; 1986 waren es noch
39 Prozent. Täglich wurde die Droge
von 3,3 Prozent genommen (gegenüber
10,7 Prozent 1987, dem Jahr mit dem
höchsten Verbrauch).
Dies sei seit
Beginn der Umfrage der bisher niedrigste Stand, sagte Bowen. Aber die
Studie beziehe nicht die Gewohnheiten
jener 20 Prozent ein, die vorzeitig
von den Oberschulen abgehen.
Bei
dieser Gruppe vermute man den stärksten Konsum an Drogenmißbrauch.
An den Trink- und Rauchgewohnheiten der besagten Gruppe hat sich dem
Bericht zufolge in den letzten drei
Jahren nichts geändert. Fünf Prozent
der befragten Oberstufenschüler (insgesamt 16 000 in 130 öffentlichen und
privaten Oberschulen, verteilt über
alle Bundesstaaten) trinken täglich
Alkohol, mehr als 37 Prozent hätten
zumindest einmal in den vorangegangenen 14 Tagen fünf oder mehr harte
Drinks hintereinander zu sich genommen. Und zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Oberschule sei für 19
Prozent tägliches Rauchen bereits Gewohnheit.
In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache vom 16. Januar 1988 ging
Präsident Ronald Reagan auf die Ergebnisse dieser Umfrage und die AntiDrogen-Kampagnen der letzten Jahre
besonders ein - Kampagnen, die unter
der Schirmherrschaft von Nancy Reagan
standen und die beachtliche Erfolge
einbrachten.
Alles in allem werde
jedoch künftig, wie Dr. Macdonald in
einem Interview Anfang Januar erklärte, die "Verantwortung des Konsumenten" mehr als bisher im Vordergrund
stehen. Dies bedeute, daß der Drogenkonsument
daraus
Konsequenzen
nicht nur für sich selbst, sondern
auch für andere zu tragen habe. Denn

er unterstütze damit den Drogenhändler, den Produzenten und die Drogenkriminalität. Dem müsse ein Ende gemacht werden.
Macdonald sprach sich für gesetzliche Maßnahmen verschiedener amerikanischer Bundesstaaten aus, Personen
unter 21 Jahren, bei denen Alkohol
oder Rauschgift gefunden werden, die
Fahrerlaubnis vorläufig zu entziehen.
In New York würden die Wagen von Personen, die man beim Drogenkauf erwische, beschlagnahmt - ein Verfahren,
das inzwischen einige andere Städte
übernommen haben.
In der Wirtschaft werden bei Neueinstellungen immer häufiger Drogentests verlangt. Und fast die Hälfte
der vom Verband "Business Roundtable"
befragten Firmen läßt unter bestimmten Umständen auch Personen testen,
die bereits bei ihnen beschäftigt
sind. Auch immer mehr Schulen ergriffen strengere Maßnahmen gegen
drogenanfällige Schüler, sagte Macdonald. Beispielsweise würden in einer Oberschule in Atlanta (Georgia)
Schüler, die mit Drogen erwischt werden, eingesperrt, ihren Eltern übergeben und vorübergehend von der Schule verwiesen.
Außerdem werde verlangt, daß sie über die Herkunft des
Rauschgifts Angaben machen und sich
einer
Beratung
unterziehen.
Wie
kürzlich die New York Times berichtete, mischten sich in einigen Schulen
von New Jersey junge Polizeibeamte
unter die Schüler und traten als Drogenkäufer auf. Die Aktion führte im
Monat Dezember 1987 zu 36 Festnahmen.
26 waren Jugendliche, die man ihren
Eltern übergab.
Die Polizeiverwaltung müsse Verständnis dafür haben,
meinte Macdonald, "daß wir nicht Jugendliche mit Kriminellen zusammen
einsperren wollen. Aber wir wollen
andererseits der Gesellschaft eindeutig klarmachen, daß der Drogenkonsum

�aufhören muß".
Die Bestrafung von Konsumenten
ist verhältnismäßig neu im Maßnahmenkatalog der Vereinigten Staaten zur
Drogenbekämpfung, für den nach wie
vor Milliarden Dollar aufgewendet
werden und der von Beschlagnahme und
Verbot, Strafvollzug bei Händlern,
Zerstörung der Anbauflächen, bis zu
Therapiemaßnahmen zur Vorbeugung und
Erziehung reicht. Durch das im Oktober 1986 von Präsident Reagan unterzeichnete Gesetz wurden die Bundesmittel für den Kampf gegen Drogen im
Jahr 1987 um weitere 1,7 Milliarden
auf 3,9 Milliarden Dollar aufgestockt.
Für
Anti-Drogen-Programme
an
Schulen wurden allein 203 Millionen
Dollar zur Verfügung gestellt. Ende
1987 hatten sich 1 206 Schulen und
239 Schulbezirke offiziell der Kampagne des
Bildungsministeriums in
Washington angeschlossen, die unter
dem Motto steht: "Drogenfreie Schulen: Die große Herausforderung".
Ein Drittel des Etats für 1987,
d.h. 1,37 Milliarden Dollar, wurden
für
Maßnahmen
zum
Abfangen
von
Rauschgift möglichst schon an den
Grenzen, insbesondere an der Grenze
zu Mexiko verwendet. Es gelang, im
ersten Halbjahr 1987 fast dreieinhalb
Tonnen Kokain zu konfiszieren - mehr
als das Vierfache der Menge, die im
gleichen Zeitraum des Vorjahres beschlagnahmt wurde. Bei Marihuana und
Heroin stiegen die beschlagnahmten
Mengen um 150 Prozent.
Vorläufige
Daten der Zollbehörden und der Drogenfahnder der Bundesbehörde (Drug
Enforcement Administration - DEA) belaufen sich auf 74 Tonnen beschlagnahmen Kokains im Fiskaljahr 1987,
gegenüber 32,5 Tonnen im Jahr zuvor.
Für Marihuana melden die beiden
Behörden einen Rückgang der beschlag-

nahmten Menge auf 1 362 Tonnen gegenüber ca. 1 830 Tonnen im Jahr zuvor.
Die Zollbehörde schreibt dies dem
verstärkten Anbau im Inland und dem
lukrativeren und einfacheren Kokainschmuggel zu. An Heroin wurden 507
kg beschlagnahmt, nahezu dieselbe
Menge wie 1986.
Im Jahr 1987 nahm die DEA 21 000
Verhaftungen vor, 2 500 mehr als im
Jahr zuvor.
In Zusammenarbeit mit
den Vollzugsbehörden der Einzelstaaten wurden mehr als sechs Millionen
für die Marihuana-Gewinnung angebaute
Pflanzen zerstört (1986 waren es ca.
4,7 Millionen), dazu 95,5 Millionen
Cannabis-Pflanzen geringer Ergiebigkeit (gegenüber 125 Millionen im Jahr
zuvor). An Geld und Sachwerten wurden von Drogenhändlern 730 Millionen
Dollar beschlagnahmt, 180 Millionen
mehr als 1986.
Dennoch nimmt die
Menge der in die USA eingeschleusten
Drogen zu, wird vermutet. Die Öffentlichkeit toleriere heute Drogenkonsum entschieden weniger als Ende
der siebziger Jahre, sagte Macdonald.
Man erkenne eine neue Entschlossenheit, das Land drogenfrei zu machen.
Einer Roper-Umfrage zufolge bewerten die Amerikaner Drogenmißbrauch
an zweiter Stelle unmittelbar nach
AIDS als vordringliches gesellschaftliches Problem, das Handeln erfordere.
Inzwischen gibt es mehr als
9 000 Eltern- und Bürgergruppen, die
sich der Drogenbekämpfung verschrieben haben und im ganzen Land sehr aktiv sind. Auch die Medien und bekannte Filmstars beteiligen sich immer stärker.
Dr. Donald Jan Macdonald unterstrich, daß die Vereinigten Staaten schwerlich andere Staaten zu strikteren Maßnahmen anhalten
könnten, solange nicht im eigenen
Land hart durchgegriffen und der Konsument genauso verantwortlich gemacht
werde wie die Händler.

- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;INF-Vertrag wird atomaren Druck verringern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verteidigungsminister Carlucci vor dem auswärtigen Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Amt des Vizepräsidenten hat für Bush Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doles Image bei den Wählern: Praktisch, zäh, mitfühlend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert Dole &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Haig hat schon viele Erfahrungen im Weißen Haus gesammelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Alexander Haig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gephardts Wahlkampf: persönlicher Elan und weltpolitische Themen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Richard Gephardt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du Pont erläutert seine Vision von der Zukunft Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Pierre S. du Pont IV&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Geringerer Kokainkonsum unter amerikanischen Jugendlichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aber Rauschgiftschmuggel nimmt zu - Härtere Gangart gegenüber Verbrauchern&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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VON

AMERIKA DIENST
4

10. Februar 1988
INHALT
DOKUMENTATION
Carluccl; Nukleargarantie In Europa wird aufrechterhalten
- Rede des amerikanischen Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz umreißt vorrangige Ziele der US-Außenpolitik im Jahr 1988
- Ausführungen des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Repräsentantenhauses -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Babbitts Vision in seiner Heimatstadt und ihren Werten verwurzelt
- Biographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
B. Babbitt Dukakis favorisiert Liberalismus und vorsichtige Steuerpolitik
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Michael Dukakis Hart; Mann der Ideen strebt energisch nach demokratischer Nominierung
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Gary Hart Jesse Jackson: Wahlkampf mit Charisma und populistischem Image
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robertson betont moralische und religiöse Werte
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pat Robertson Simon folgt althergebrachter liberal-demokratischer Tradition
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Paul Simon -

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VON

#

Dokumentation

6

10. Februar 1988
CARLUCCI: NUKLEARGARANTIE IN EUROPA WIRD AUFRECHTERHALTEN
- Rede des amerikanischen Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung in München-

MÜNCHEN - (AD) - In seiner Ansprache bei der Eröffnungsveranstaltung der
25. Wehrkundetagung in München erklärte der amerikanische Außenminister Frank
Carlucci, "nukleare Ankopplung hängt nicht PO sehr vom Standort der Abschrekkungsstreitkräfte ab, sondern vielmehr davon, wie sowjetische Militärplaner
die Glaubwürdigkeit beurteilen, daß diese Streitkräfte im Falle einer sowjetischen Aggression auch eingesetzt werden. Die gesicherte Annahme, daß die
nukleare Reaktion der NATO eine glaubwürdige Option darstellt, bildet den Kern
der Abschreckungstheorie".
Carlucci dementierte, daß der im INF-Vertrag vorgesehene Abzug amerikanischer Mittelstreckenwaffen aus Europa die amerikanische Nukleargarantie verringert oder die Bindung an die dort stationierten strategischen Streitkräfte
der Vereinigten Staaten schwächt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Vielen Dank, Herr Vorsitzender.
Ich freue mich, an diesem Treffen anläßlich des 25. Jahrestages der Wehrkundetagung In München heute, am 7.
Februar 1988, teilnehmen zu dürfen.
In der Geschichte der NATO haben wir
sowohl Kontinuität als auch Wechselfälle erlebt. An der Schwelle zum
fünften Jahrzehnt
ihres Bestehens
kann die NATO im Hinblick auf ihre
Zielsetzung
eine
außergewöhnliche
Kontinuität für sich beanspruchen:
wir haben den bewaffneten Angriff gegen das Territorium unserer Verbündeten erfolgreich abgewehrt.

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Embassy of the United States of America

Aber kein Bündnis kann so lange
bestehen, ohne sich mit veränderten
Umständen auseinandersetzen zu müssen. Revolutionäre Veränderungen im
Bereich der Technologie zeigen zum
Beispiel jetzt tiefgreifende Auswirkungen. Mit der Technologie verändern sich die direkten Bedrohungen,
gerade weil sie uns neue Möglichkeiten für eine gemeinsame Verteidigung
eröffnet. Wir sollten sicherstellen,
daß wir die Technologie zu unserem
Vorteil anwenden, weil sie ein zentraler Faktor für den Erfolg der NATO
in den neunziger Jahren sein wird.

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Telex: 8-85432

�Ebenso große Veränderungen haben
im politischen und wirtschaftlichen
Umfeld der NATO stattgefunden. Als
der Nordatlantikvertrag unterzeichnet
wurde, hing keine unserer Volkswirtschaften entscheidend vom Persischen
Golf ab, vielmehr waren die Vereinigten
Staaten
ein
ölexportierendes
Land. Heute haben sich die Umstände
grundlegend geändert. In den neunziger Jahren wird die NATO mindestens
so verwundbar für Unterbrechungen der
öllieferungen aus dem Persischen Golf
sein wie zu Beginn der siebziger Jahre - und in katastrophalem Maße verwundbar, wenn diese Schlüsselregion
urmittelbar an den Grenzen der NATO
unter sowjetische Kontrolle geraten
sollte.
Um das Ausmaß solcher Veränderungen zu begreifen, brauchen wir uns
nicht einmal die Anfänge der NATO vor
Augen zu führen: wir brauchen lediglich 25 Jahre zurückzugehen in die
Zeit, als Sie, Herr Vorsitzender, die
erste Wehrkundetagung leiteten.
Vor 25 Jahren unterhielten die
Vereinigten
Staaten ein wirksames
Bündnis mit dem Iran sowie Stützpunkte in Libyen und Marokko; unsere britischen Verbündeten besaßen Stützpunkte in Aden, Bahrain und auf Malta; in Afghanistan gab es keine sowjetischen Truppen, und Moskau hatte
keine Freundschaftsverträge mit den
Golfstaaten.
Aber mit zunehmender
Abhängigkeit der NATO vom Öl des
Golfs verschlechterte sich unser Zugang zu Stützpunkten und Luftverkehrswegen, während der Zugriff der
Sowjets stetig zunahm. Die Interessen der NATO dürfen nicht mehr von
Unruhen und Veränderungen in Regionen
außerhalb ihres Einflußbereiches isoliert betrachtet werden. Obwohl die
NATO selbst nicht außerhalb ihres
Territoriums militärisch tätig wird,
haben ihre einzelnen Mitglieder doch

erhebliche Beiträge zum Schutz unserer gemeinsamen Interessen geleistet.
Vor einigen Wochen habe ich die amerikanische Marine im Persischen Golf
besucht. Ich habe mit Genugtuung beobachten können, wie amerikanische
Schiffe und amerikanische Matrosen
gemeinsam mit der Flottenstärke einiger europäischer Verbündeter die Interessen des Bündnisses auf diesem
wichtigen Seeweg schützen.
Diese gemeinsamen Anstrengungen
im Golf durch Streitkräfte mehrerer
Mitglieder des Bündnisses bedeuten
für uns einen wichtigen historischen
Gewinn. Er wird sicherlich die Abschreckung gegen eine der gefährlichsten Bedrohungen für die Uberlebensfähigkeit des Bündnisses stärken den militärischen Vormarsch der Sowjets in den Persischen Golf.
Vor sechs Jahren haben wir im
NATO-Rat und im Planungsausschuß das
Problem von Operationen "außerhalb
des Bündnisgebietes" erörtert.
Der
dabei erzielte Konsens war nützlich
und könnte in gewisser Weise die gegenwärtigen gemeinsamen Anstrengungen
in der Golf-Region hervorgebracht haben. Ich möchte vorschlagen, daß wir
Maßnahmen ergreifen, um unseren Konsens durch weitere Gespräche zu stärken und eventuell über die Übereinkunft von 1982 hinauszugelangen.
Weiter entfernte Regionen gewinnen ebenfalls zunehmend an strategischer Bedeutung.
Die Vereinigten
Staaten sind im Fernen Osten mit
starken Nationen eng verbunden. Europa sollte aber nicht behaupten, daß
dadurch
amerikanische
Streitkräfte
einen weniger großen Beitrag zur NATO
leisten.
Dies sollte vielmehr als
weitere Quelle der Stärke angesehen
werden, mit deren Hilfe ein weltweites Bündnissystem für Frieden und Demokratie hervorgebracht wird.

�Die Anerkennung dieser weltweiten
Sicherheitsinteressen ist eines der
vielen wertvollen Charakteristika unseres gerade abgeschlossenen INF-Vertrages. Dank der Festigkeit Präsident Reagans und mit Unterstützung
der unerschütterlichen Entschlossenheit des Bündnisses werden die sowjetischen SS-20 nicht nur in Europa,
sondern auch in Asien beseitigt werden. Dieses Ergebnis fördert in Europa, Amerika und Asien Unterstützung
für eine Strategie, bei der Rüstungskontrolle ud Verteidigung gemeinsamen
Sicherheitsinteressen dienen.

setzt würden. Die gesicherte Annahme, daß die nukleare Reaktion der
NATO eine glaubwürdige Option darstellt, bildet den Kern der Abschrekkungstheorie.

Ich möchte in diesem Zusammenhang
auf einen besonderen Kritikpunkt eingehen, der in Europa gegen den INFVertrag erhoben worden ist - die Besorgnis darüber, daß die Beseitigung
dieser Raketen die amerikanische Nukleargarantie verringern würde.
Es
heißt, die Beseitigung dieser Raketen
würde das "Junktim" mit amerikanischen strategischen Streitkräften
schwächen. Aber Ich möchte hier eine
andere Version dieses Arguments darlegen, die vorgebracht wurde, als wir
die INF-Systeme dislozieren wollten.
Zu jener Zeit hieß es, daß die Stationierung der INF-Raketen die nukleare Ankopplung zunichte machen würde,
weil diese Mittelstreckensysteme eine
neue "Brandmauer" zwischen den taktischen
und
interkontinentalen
Streitkräften errichten.

Wir benötigen für die nukleare
Abschreckung überlebensfähige, militärisch wirkungsvolle Systeme, mit
denen bestimmte Ziele zerstört werden
können, einschließlich der tief im
Gebiet der Sowjetunion befindlichen
Ziele. Das "Junktim" wird durch die
sowjetische Erwartung geschaffen, daß
sich das Bündnis in seinem eigenen
Interesse zum Einsatz dieser Nuklearwaffen im eventuellen Ernstfall entscheiden würde. Wenn wir über "strategische" Nuklearwaffen der Vereinigten Staaten reden, als ob diese eine
eigene Kategorie bildeten, könnten
wir unter sowjetischen Planern Zweifel über das Ausmaß aufwerfen, in dem
die interkontinentalen Systeme zur
Unterstützung der Kurzstreckensysteme
dienen. Wenn wir die Kurzstreckensysteme abschaffen, rufen wir dieselben
Zweifel hervor.
Aus genau diesem
Grunde haben wir seit einiger Zeit
die enge Interdependenz zwischen den
amerikanischen
Nuklearstreitkräf ten
interkontinentaler Reichweite und den
Mittel- und Kurzstreckensystemen betont. Ich kann diese generelle Einheit der amerikanischen nuklearen Abschreckung nur wiederholen und erneut
bestätigen.

Diese beiden Befürchtungen treffen nicht den Kern des Problems. Der
INF-Vertrag
beseitigt
weder
ein
"Junktim" noch eine "Brandmauer" in
unserer Strategie der nuklearen Abschreckung. Die nukleare Ankopplung
hängt nicht so sehr vom Standort der
Abschreckungsstreitkräfte ab, sondern
vielmehr davon, wie sowjetische Militärplaner die Glaubwürdigkeit beurteilen, daß diese Streitkräfte bei
einer sowjetischen Aggression einge-

Die NATO-Strategie der flexiblen
Reaktion hat mit ihrer Betonung ihres
Spektrums differenzierender Reaktionen den großen Vorteil, daß sie die
Glaubwürdigkeit der nuklearen Komponente unserer Abschreckung verbessert. Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß die nuklearen Streitkräfte, mit denen Ziele in der Sowjetunion erreicht werden können bis hin zu und einschließlich der Interkontinentalraketen - ein integra-

- 3 -

�ler Bestandteil unserer Strategie der
flexiblen Reaktion bleiben. Wir dürfen nicht der Fehlannahme Vorschub
leisten, daß das Territorium des Aggressors ein Sanktuarium bleiben würde.
Um Wirkung zu zeigen, hat die
Strategie
der
flexiblen
Reaktion
stets erfordert, daß wir sowohl nukleare als auch konventionelle Stärke
aufrechterhalten.
Der
INF-Vertrag
verändert weder diese Voraussetzung
noch hindert er die NATO daran, ihr
gerecht zu werden.
Im Zeitalter nach INF können wir
die in Europa stationierten nuklearen
Systeme nicht vernachlässigen. Unsere Aufgabe besteht darin, das vereinbarte Programm
zur Modernisierung
dieser Systeme und Verbesserung ihrer
überlebensfähigkeit zu verwirklichen.
Diese
Anforderungen
gründen
sich
hauptsächlich auf die von der NATO Im
Jahr 1983 getroffene Vereinbarung von
Montebello, in Europa gelagerte Atomwaffen um 1 400 Gefechtsköpfe zu verringern und gleichzeitig Maßnahmen zu
ergreifen, um sicherzustellen, daß
die verbleibenden Atomwaffen überlebensf ähig und wirksam sind. Zu den
Modernisierungsprogrammen, die weiterhin für die NATO von vordringlicher Bedeutung sind, gehören:
Ein
Nachfolgesystem für die Boden-BodenRakete vom Typ LANCE sowie die Modernisierung der nuklearen Artillerie,
der Mehrzweckflugzeuge und Atombomben
der NATO. Dies sind Erfordernisse,
die von der NATO schon vor Abschluß
des INF-Vertrags und unabhängig von
diesem erkannt wurden und die keinerlei Beschränkungen durch den INF-Vertrag unterliegen. Sie sollten auch
nicht von der durch den Vertrag geschaffenen politischen Atmosphäre beeinträchtigt werden; geschähe dies,
so würde es eine Gefährdung des Rüstungskontrollprozesses selbst bedeu-

ten. Ich sehe dem im Frühjahr in Dänemark stattfindenden Treffen der Nuklearen Planungsgruppe erwartungsvoll
entgegen, um mit meinen Kollegen INF
und die Anpassungen nach INF zu diskutieren, darunter auch die amerikanischen Langstreckensysteme und die
auf der Vereinbarung von Montebello
beruhenden Programme.
Parallel zu diesen Programmen für
atomare Systeme muß das Bündnis energisch voranschreiten, um seine konventionellen Streitkräfte zu verbessern. Im Pentagon haben wir einen
Prozeß eingeleitet, durch den unsere
Prioritäten bei Forschung und Entwicklung sow«e bei Beschaffungsvorhaben auf Bereiche konzentriert werden,
in denen die NATO einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Sowjetunion besitzt. Mit dieser "Wettbewerbsstrategie" versuchen wir, unsere Stärken
in Bereichen wie etwa den StandoffWaffen auszuschöpfen und aus sowjetischen Schwächen Nutzen zu ziehen.
Außerdem können wir durch verbesserte Zusammenarbeit
zwischen den
NATO-Staaten mehr aus unseren Verteidigungsauf Wendungen machen. In allen
Bereichen unserer Verteidigungsprogramme - Forschung, Entwicklung, Produktion - reduziert die Rüstungszusammenarbeit unwirtschaftliche Doppelaufwendungen für Forschung und
Entwicklung, sie erhöht die Effizienz
der Produktion durch Kostenersparnis
und führt zu standardisierter und interoperabler Ausrüstung.
Um die begrenzten Mittel für die
Verteidigung so weit wie möglich auszuschöpfen, nüssen wir zudem Maßnahmen einleiten, die unsere Verteidigungsfähigkeit relativ kostengünstig
verbessern können. Eine Möglichkeit
besteht darin, sicherzustellen, daß
die NATO-Streitkräfte mit dem größtmöglichen Nutzen stationiert sind und

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�sie, falls nötig, zu diesem Zweck umzugruppieren.
Eine weitere äußerst
erfolgversprechende
und
preiswerte
Maßnahme ist die sogenannte "TerrainVerbesserung" zur Stärkung unserer
Vorneverteidigung.
Ich bin mir der
Tatsache bewußt, daß es politische
Hindernisse geben mag, die den Weg zu
diesen innovativen Veränderungen verstellen.
Wir können jedoch nicht
länger - zugunsten eines kurzfristigen Opportunismus - kostengünstige
Verteidigungsmaßnahmen mit hoher Rentabilität ausschließen.
Ich sehe,
daß auch eine Reihe von Mitgliedern
des amerikanischen Kongresses hier
anwesend sind und bin davon überzeugt, daß sie mir in diesem Punkt
beipflichten werden.

trags benötiger. Dies nicht zu tun,
bedeutete für mich als Verteidigungsminister, unverantwortliche zu handeln.
Die Risikoteilung muß außerdem
die Bereitschaft einschließen, In einer Krise durch rechtzeitige Maßnahmen für
Verstärkung und erhöhte
Kampfbereitschaft zusammenzuarbeiten.
Ich würde es begrüßen, wenn Sie Vorschläge dazu unterbreiten könnten,
wie diese Zusammenarbeit zu verbessern wäre. Rechtzeitige Verstärkung
ist unerläßlich, um Kampfbereitschaft
dort zu demonstrieren, wo sie zählt am vorgesehenen Ziel des Angriffs.

Letzlich wird für alle Mitglieder
unseres Bündnisses die größte Herausforderung darin bestehen, den politischen Willen zur gemeinsamen Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Dazu
gehört nicht nur das Teilen der Lasten, sondern auch das Teilen der Risiken.

Wir müssen miteinander auch darüber sprechen, wie unsere Strategie
und Streitkräfteplanung in Zukunft
auszusehen hat. Denn wenn wir heute
bei Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten, arbeiten wir tatsächlich
bei der Schaffung von Waffensystemen
zusammen, die unseren Streitkräften
bis weit ins nächste Jahrhundert hinein dienen sollen.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, umfangreiche Streitkräfte hier in der Bundesrepublik
Deutschland und an anderen entscheidenden Frontlinien zu stationieren
und die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, ihr Engagement durch atomare Streitkräfte zu unterstreichen.
Umgekehrt müssen die anderen Verbündeten ihren Teil der Lasten und Risiken akzeptieren.
Dazu gehört die
weitere Unterstützung des Systems von
Stützpunkten, von denen aus die amerikanischen Streitkräfte operieren und nicht eine Politik, die auf den
Abbau
von
Stützpunktvereinbarungen
hinausläuft. Dazu gehört auch, uns
zu gestatten, unsere Truppen mit den
Waffen - einschließlich modernisierter Gefechtsfeldwaffen - auszustatten, die sie zur Erfüllung ihres Auf-

Natürlich gibt es auf beiden Seiten des Atlantiks Stimmen, die uns
raten, uns von diesen Herausforderungen abzuwenden und dem Bündnis den
Rücken
zuzukehren.
Isolationismus
kann sich überall entwickeln - In
Kalifornien oder in der Türkei, von
der Iberischen Halbinsel bis nach
Skandinavien. Wir müssen uns bemühen, unsere Völker davon zu überzeugen, daß Isolationismus keine Antwort
darstellt.
Letztlich kann nur die
anhaltende Unterstützung der Menschen
in unseren Demokratien das Bündnis
zusammenhalten - bei Abrüstungsverhandlungen, bei unserer gemeinsamen
Antwort auf Krisen und bei der Abwendung eines Krieges. Ich stimme mit
dem Bundeskanzler überein, wenn er
sagt, daß die Freiheit unsere größte
Stärke ist.

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�Wenn wir an der Verbesserung unserer Verteidigung und der Aufrechterhaltung einer durchdachten Strategie festhalten, dürfen wir uns nicht
von denjenigen ablenken lassen, die
behaupten, daß diese Anstrengungen
dem Streben nach Frieden "zuwider"
laufen. Wir, die im Nordatlantischen
Bündnis vereinten Nationen, sind die
größte Friedensbewegung in der Geschichte. Wir haben den Frieden in
Europa über 40 Jahre bewahrt und werden dies auch weiterhin tun, solange
jeder von uns den politischen Willen
aufbringen kann, stark und wachsam zu
bleiben.

* * * * *

-6

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
10. Februar 1988

SHULTZ UMREISST VORRANGIGE ZIELE DER US-AUSSENPOLITIK IM JAHR 1988
- Ausführungen des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Repräsentantenhauses WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge sind weitere Fortschritte
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Verringerung strategischer Waffen sowie andere Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
für die amerikanische Außenpolitik des Jahres 1988 von vorrangiger Bedeutung.
In Ausführungen vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses nannte
Shultz außerdem den Friedensprozeß in Mittelamerika und die Wiederbelebung der
Friedensbemühungen im Mittleren Osten, die "aktive Unterstützung unserer Verbündeten" in Ostasien, die Bemühungen um friedliche Lösungen der Konflikte im
südlichen Afrika sowie die Aufrechterhaltung und Stärkung der Bündnisbeziehungen als vordringliche Ziele.
Nachfolgend bringen wir die Erklärungen von Außenminister Shultz im Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit,
Ihnen meine Gedanken zur Tagesordnung
der Vereinigten Staaten im Bereich
der Außenpolitik für das neue Kalender- und
Haushaltsjahr
mitzuteilen.
Wir treffen uns das sechste Mal zu
diesem Zweck, und das Ihnen demnächst
zur Entscheidung vorliegende Budget
wird die Mittel und Grundlagen bereitstellen, wenn die nächste Administration ihre außenpolitischen Initiativen festlegt.

Fortschritte in der Außenpolitik

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Embassy of the United States of America

Amerikas
breitgefächerte
außenpolitische Interessen und Ziele sind
so alt wie unsere Nation selbst:
Förderung des Wohlstandes im Inland;
Schutz unserer Nation gegen Aggression oder Subversion; Bekämpfung von
Handlungen, durch die der Rechtsstaat
und die innere Stabilität ausgehöhlt
würden; Förderung unserer demokratischen Werte und der Menschenrechte.
Wenn wir diese außenpolitischen
Interessen und Ziele überprüfen und
den Fortschritt messen, den der Präsidenten bei ihrer Verwirklichung er-

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�zielt hat, dann können wir feststellen, daß diese Administration ein
eindrucksvolles Vermächtnis geschaffen hat. Diese Errungenschaften wären nicht möglich gewesen, wenn sich
der Präsident nicht von Anbeginn bewußt gewesen wäre, daß die demokratischen Werte, die wirtschaftliche
Vitalität und militärische Stärke der
Vereinigten Staaten den Schlüssel zum
Erfolg darstellen.
Im Jahr 1987 haben wir erhebliche
Fortschritte bei der außenpolitischen
Tagesordnung des Präsidenten erzielt.
Als Präsident Reagan im Dezember das
INF-Abkommen
mit
Generalsekretär
Gorbatschow unterzeichnete, erfüllte
er ein wichtiges rüstungskontrollpolitisches Ziel der NATO und verwirklichte die von ihm im Jahr 1981 erklärte Absicht, als er zum ersten Mal
die Null-Lösung präsentierte.
Außerdem vefolgten wir weiterhin
unseren Dialog mit den Sowjets auf
höchster Ebene zu unseren Hauptanliegen Menschenrechte und regionale sowie bilaterale Angelegenheiten.
Der Präsident hat die Grundlage
für ein stabileres und konstruktiveres
amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis gelegt, das auf Stärke, Realismus und Dialogbereitschaft aufbaut.
Weltweit wurde der Demokratie in
eindrucksvoller Weise weiter Auftrieb
verliehen, und die Vereinigten Staaten haben den lebenswichtigen Prozeß
des Aufbaus demokratischer Institutionen ermutigt. Auf den Philippinen
haben wir die Regierung Aquino bei
ihren Bemühungen unterstützt, die von
ihr errungene Demokratie zu konsolidieren, indem wir den wirtschaftlichen Wiederaufbau gefördert und
Beistand bei der Bekämpfung der kommunistischen Untergrundbewegung geleistet haben.

In Korea haben die Wahlen eindeutig die Intensität der demokratischen
Einstellung
innerhalb
der
koreanischen Gesellschaft und die Entschlossenheit der neuen Führung gezeigt, eine solide Grundlage für demokratische Verfahrensweisen in der
Regierung zu schaffen. Auf den FijiInseln wurde eine zivile Interimsregierung wiedereingesetzt, die sich
dem Entwurf einer neuen Verfassung
und der Rückkehr dieser Nation zur
parlamentarischen
Demokratie
verschrieben hat. In Argentinien, Brasilien und ganz Lateinamerika haben
wir Hand in Hand mit neuen demokratischen Kräften gearbeitet. In Mittelamerika wären die Vereinbarungen
von Guatemala nicht möglich gewesen,
wenn die Vereinigten Staaten nicht
diplomatische Hartnäckigkeit mit militärischer Stärke für die Sache der
Hemokratie in die Waagschale geworfen
hätten.
In Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua hat unsere entschlossene Unterstützung derjenigen,
die für ihre Freiheit kämpfen, unsere
Gegner zur Einsicht gezwungen, daß
Expansionismus und Aggression kostspielig sind und daß fremden und unterdrückerischen Regimen der Kampf
angesagt wird.
Dank der durch Macht und Diplomatie verliehenen Stärke haben wir
schwierige Krisensituationen im Mittleren Osten und andernorts durchgestanden.
Im strategischen Bereich
des Persischen Golfs schützt unsere
Politik des Umflaggens grundsätzliche
amerikanische Interessen während wir
außerdem im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Weg für die Beilegung des iranisch-irakischen Konflikts weisen.
Dieser Ansatz hat
sich als erfolgreich bei der Erhaltung der Sicherheit und Stabilität
befreundeter Staaten und bei der Ab-

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�wehr
der
Erweiterung
sowjetischen
Einflusses im Golf erwiesen. Gleichzeitig hat er den freien Fluß von Öl
durch die Straße von Hormuz sichergestellt. Verbündete Staaten sind unserem Beispiel gefolgt (Frankreich,
Großbritannien, Italien, die Niederlande und Belgien).
Wir sind entschlossener denn je,
weiterhin durch unser Anti-Drogenprogramm Staaten bei der Vernichtung von
zur Drogengewinnung angebauten Pflanzen und dem Abfangen von Drogenlieferungen zu helfen und klären unsere
eigene Öffentlichkeit und andere über
die
Gefahren
des
Drogenmißbrauchs
auf. In mindestens 20 Staaten wurden
im Jahr 1987 die zur Drogengewinnung
angebauten Pflanzen zerstört. Weltweites Interesse und breitere Unterstützung
durch
unsere
Verbündeten
wurden durch die äußerst erfolgreiche
UN-Konferenz über Drogenmißbrauch und
Drogenhandel im vergangenen Juni hervorgerufen.
Der nationale Ausschuß
zum Drogenproblem schließt gegenwärtig seine Arbeiten an einer neuen nationalen Strategie ab, die ein verstärktes
internationales
Programm
einschließt, das die chemische Vernichtung von Coca-Pflanzen vorsieht.
Die Geißel des
internationalen
Drogenhandels
stellt uns vor eine
schwere Herausforderung - nicht nur
aufgrund der reinen Menge produzierter Drogen, sondern durch den vereinten Angriff von Drogenhändlern und
Rebellen auf Regierungen, deren Zusammenarbeit
lebenswichtig für unseren Erfolg im Kampf gegen diese Bedrohung ist.
Erst vergangene Woche
mußte die Regierung Kolumbiens wieder
den Preis für die Bekämpfung des Drogenhandels bezahlen, als Rauschgifthändler ihren Generalstaatsanwalt ermordeten. Lassen Sie sich nicht täuschen, dies ist ein langfristiges Bemühen.

Ebenso müssen wir entschlossen
und wachsam im Hinblick auf die moderne Barbarei des Terrorismus sein.
Ich kann heute jedoch mitteilen, daß
unsere Politik zur Terrorismusbekämpfung Früchte trägt.
Wir haben ein
besseres Verständnis terroristischer
Methoden gewonnen. Wir haben unsere
nachrichtendienstliche Aufklärung und
die Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Ländern verbessert.
Wir
haben
die Sicherheitsmaßnahmen
zum
Schutz unserer Bürger im In- und Ausland verstärkt. Und wir sind zur Offensive übergegangen, um Terroristen
der Justiz zu überantworten, ihre
Operationen zunichte zu machen und
ihre Netze zu zerstören.
Die Statistiken sind positiv. Die Zahl amerikanischer Opfer und Anschläge auf
amerikanische
Interessen sind drastisch gesunken. Unsere Fortschritte
pind umfassend
- von verbesserten
operativen Strukturen im Inland bis
hin zu engerer Koordinierung mit den
Verbündeten in Übersee.

Die Tagesordnung für das Jahr 1988
1987 war also ein Jahr bedeutender
Fortschritte.
1988 verspricht
sogar noch ereignisreicher zu werden
und eine außergewöhnlich umfangreiche
außenpolitische Tagesordnung zu haben.
Ein Großteil unserer Tagesordnung
wird dabei auf den Initiativen für
Frieden, Sicherheit, Wohlstand
und
Demokratie aufbauen, die der Präsident in den vergangenen sieben Jahren
eingeleitet hat.

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und die Rüstungskontrolle
Eine vordringliche Aufgabe wird
darin bestehen, im Vorfeld des Moskauer Gipfeltreffens bei den START-

- 3 -

�Verhandlungen und anderen Komponenten
der vierteiligen Tagesordnung des
Präsidenten für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen energisch auf
Fortschritte zu drängen.
Wenn die
Sowjets bereit sind, sich den von uns
gemachten Bemühungen anzuschließen,
könten wir in der Lage sein, bei der
Abrüstung in diesem Jahr einen Riesenschritt nach vorn zu tun und ein
verifizierbares Abkommen zu erreichen, das die Stabilität durch die
Halbierung der strategischen Atomwaffen verbessert. Die Sowjets wissen,
daß wir bei SDI fest bleiben werden.
Wir hoffen, den wichtigen Erfolg
des Jahres 1987 zu konsolidieren, indem wir den Rat des Senats und dessen
Zustimmung zur Ratifizierung des INFVertrages einholen. Zusammen mit unseren Verbündeten und auf der Grundlage von lange vor dem INF-Vertrag
erstellten Programmen werden wir die
Modernisierung unserer konventionellen und nuklearen Streitkräfte vorantreiben. Gemäß den in der NATO vereinbarten Prioritäten werden wir weitere Fortschritte in der Rüstungskontrolle anstreben - insbesondere zur
Beseitigung der konventionellen Ungleichgewichte in Europa und der Erlangung eines wirklich verifizierbaren weltweiten Verbots chemischer
Waffen.
Aber so wichtig sie auch sein
mag, wird die Rüstungskontrolle doch
nicht unsere einzige Priorität mit
der Sowjetunion sein; wir werden weiterhin energisch Fragen der Menschenrechte verfolgen, und zwar sowohl
Einzelfälle als auch umfassendere
Prinzipienfragen, die in der Schlußakte von Helsinki sowie anderen internationalen
Vereinbarungen
über
Menschenrechte festgelegt sind.
Und von jetzt bis zum nächsten
Gipfeltreffen in Moskau werden Außen-

minister Schewardnadse und ich uns
regelmäßig zu Gesprächen über die
ganze
Bandbreite
unserer
Belange
treffen.

Der Friedensprozeß in Mittelamerika
Eins der ernstesten von diesem
100. Kongreß zu entscheidenden Fragen
lautet, wie wir unsere Unterstützung
für die in Nicaragua kämpfenden demokratischen Widerstandskräfte fortsetzen können.
Wenn die Demokratien
Mittelamerikas die Sandinisten erfolgreich zur Einhaltung des Abkommens von Guatemala veranlassen wollen, muß unsere Unterstützung für die
Demokratie ein sicheres Faktum und
keine unbekannte Variabel beim Ausgleich in der Region sein.
Heute kommt der Notwendigkeit von
Menschenrechten, freien Wahlen und
wirtschaftlicher Entwicklung in Mittelamerika genau die Aufmerksamkeit
zu,
die
amerikanische
Politiker
einstmals traditionelleren Problemen
der Diplomatie und nationalen Sicherheit zuteil werden ließen. Die amerikanische Politik ist Ausdruck unserer nationalen Überzeugung, wonach
Demokratie der einzig dauerhafte
Grundstein für Frieden und Wohlstand
ist - für unsere Nachbarn ebenso wie
für uns selbst. Hilfe für den nicaraguanischen Widerstand ist ein Grund
für den erfolgreichen Ablauf dieser
umfassenden Strategie in der Region.
Vor zehn Jahren war Costa Rica
die einzige, zivil regierte Demokratie der Region. Heute sind alle Militärdiktatoren der anderen vier Länder abgetreten. Drei dieser Länder
folgen dem Beispiel Costa Ricas mit
zunehmend offenen Gesellschaften und
zivilen Präsidenten, die durch ermittelt werden, zu denen sich mehrere
Kandidaten stellen. Seit zwei Wochen

�berichten die Machthaber des
Landes, die nicaraguanischen
nisten, nun überall, auch sie
sich öffnen und demokratische
sätze anerkennen.

fünften
Sandiwürden
Grund-

Ein demokratisches Nicaragua wäre
wirklich eine gute Nachricht für die
Vereinigten Staaten. Aber eine neue
Studie der RAND-Corporation kommt zu
dem Schluß, Nicaragua sei - insbesondere in militärischer Hinsicht - auf
dem Weg zu einem sowjetischen Satellitenstaat.
Der RAND-Studie zufolge
kann mit direkter und indirekter Nutzung von nicaraguanischem Territorium
durch die Sowjets gerechnet werden.
Ein demokratisches Nicaragua würde
der Sowjetunion nicht die Möglichkeit
zur
Errichtung
eines
Stützpunktes
bieten.
Ein demokratisches Nicaragua wäre
ebenfalls eine gute Nachricht für die
Nicaraguaner.
Eine weitere
Studie
meiner eigenen Behörde zeigt auf, wie
eng der Widerstand des Volkes gegen
die Sandinisten mit der Verweigerung
grundlegender
Menschenrechte
verknüpft ist.
Letzte Woche traf ich
mit ausgewiesenen Führern des nicaraguanischen
Widerstandes
zusammen.
Vor zehn Jahren wurden drei von ihnen
von Somoza inhaftiert. Vor acht Jahren war einer von ihnen Mitglied der
nach Somoza regierenden Junta, ein
weiterer war unter der Junta Minister, ein anderer Reporter von "La
Prensa", und drei weitere waren Politiker, die ihre Parteien auf Wahlen
vorbereiteten.
Dann unterzeichneten
die Sandinisten mit der Kommunistischen Partei der Sowjetunion ein
Zweiparteienabkommen,
besetzten
den
Staatsrat mit ihren eigenen Leuten
und verschoben die Wahlen um fünf
Jahre.
Ein demokratisches Nicaragua
würde keine führenden Persönlichkeiten ins Exil treiben oder etwa eine
Bilanz von 10 000 politischen Gefan-

genen aufweisen.
Das Problem besteht darin, daß
die starrköpfigen Politiker, die acht
Jahre lang mit Hilfe geschickt verknüpfter Macht und Propaganda eine
Monopolstellung
in
der
nicaraguanischen Regierung halten, sich nicht
plötzlich öffnen werden, um demokratischen Wettbewerb zuzulassen, wenn
es aufgrund unserer eigenen Politik
schon unmöglich ist, Freiheit in Nicaragua zu unterstützen. Die Weiterführung des jetzt sporadisch, aber
auf breiter Ebene auftretenden demokratischen Prozesses in Mittelamerika
erfordert die Mitarbeit aller.
Für
die Vereinigten Staaten ist es unbedingt erforderlich, daß wir den demokratischen Kräften in Nicaragua ausreichende Unterstützung gewähren, um
die militärische Unterstützung auszugleichen, die der Ostblock den Sandinisten leistet.
Es gibt in diesem Zusammenhang
eine Ironie des Schicksals.
Unsere
Debatte findet genau zu dem Zeitpunkt
statt, an dem der nicaraguanische Widerstand Unterstützung bei den Landsleuten erfährt, Einsatzfähigkeit demonstriert und die Sandinisten Unterstützung verlieren. Aus diesem Grunde arbeiten die Sandinisten so hart
daran, den Kongreß von einer Entscheidung
zugunsten
fortgesetzter
Hilfe abzubringen.
Wenn die Sandinisten bekommen,
was sie wollen - wenn der Kongreß unserer Bitte um zusätzliche, auf Fortschritte
im
Friedensprozeß
zugeschnittene Mittel nicht zustimmt
dann können wir sicher sein, daß es
keinen wahren Fortschritt in Richtung
auf eine gemäßigte Linie und Demokratie in Nicaragua geben wird.
Es gibt eine eindeutige Parallele
zwischen unseren Bemühungen in Mit-

- 5 -

�telamerika und unseren langfristigen
Bestrebungen, die Sowjets zum Thema
wahrer Rüstungsreduzierungen wieder
an den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Wir wußten, daß wir durch Taten
und nicht nur durch Worte den Sowjets
klarmachen mußten, daß es in ihrem
eigenen Interesse lag, sich wieder an
den Verhandlungstisch
zu begeben.
Was in den siebziger Jahren nicht
möglich war, wurde 1987 möglich, weil
wir Stärke und Festigkeit im Bündnis
gezeigt haben.
Vor acht Jahren einigte sich die
NATO - als Reaktion auf die in den
späten siebziger Jahren erfolgte sowjetische Stationierung der Mittelstreckenrakten vom Typ SS-20 in Europa - auf eine zweigleisige Strategie: die Stationierung von Pershing
II und landgestützten Marschflugkörpern sowie amerikanisch-sowjetische
Verhandlungen, um ein Gleichgewicht
auf dem niedrigstmöglichen Stand herbeizuführen.
Im Jahr 1981 schlug
Präsident Reagan zur Abschaffung aller
Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
die
"Null-Lösung" vor.
Wir und unsere Verbündeten standen zu
dieser Entscheidung. Wir nahmen die
Stationierungen - trotz sowjetischer
Einschüchterungsversuche
und
ihrem
einjährigen Ausstieg aus den Verhandlungen - Ende des Jahres 1983 auf.
Unsere Entschlossenheit hat die Sowjets zu Beginn des Jahres 1985 wieder an den Verhandlungstisch zurückgebracht. Wenn wir nach dieser erfolgreichen Methode dieselbe Entschlossenheit und Stärke bei unseren
strategischen Programmen und am Verhandlungstisch walten lassen, bestehen ernsthafte Aussichten für Erfolge
bei START.
Bei diesen anhaltenden Bestrebungen wurden Meinungen laut, der Aufbau

unserer militärischen Stärke und die
Stationierung unserer Raketen seien
Ursache, nicht Lösung des Problems.
Denken Sie nur an die "Anti-Atom-Bewegung". Und denken Sie auch daran,
wie sehr sie sich als falsch erwiesen
hat. Ich freue mich darüber, daß das
amerikanische Volk und seine gewählten Vertreter nicht darauf gehört und
uns Mittel zur Durchführung unserer
Strategie an die Hand gegeben haben.
Das hat funktioniert. Wir haben einen ersten Schritt erzielt - das INFAbkommen - und wir befinden uns im
Vorfeld noch größerer Errungenschaften in den Bereichen Rüstungskontrolle und Abrüstung.
In Mittelamerika haben wir, ebenso wie in Europa und Asien, unseren
Einfluß zugunsten politischer und
diplomatischer Zielsetzungen benutzt.
Wir haben denjenigen in Mittelamerika, die bereit sind, am Frieden zu
arbeiten, Mittel bereitgestellt, damit sie dies tun können. Und wie
auch bei INF und Afghanistan läuft
unsere Strategie erfolgreich ab. Die
Unterstützung
des
nicaraguanischen
Widerstandes ist heute der Bestandteil der Macht, der notwendig ist, um
die Sandinsiten zur Einhaltung der
Bedingungen des Abkommens von Guatemala für Frieden und Demokratie zu
veranlassen.
Neunzig Prozent der von der Regierung geforderten Mittel betreffen
nicht-militärische Unterstützung, wie
etwa Nahrungsmittel, Kleidung, Arzneimittel und deren Transport. Zehn
Prozent sind für Munition vorgesehen.
Und dieser Teil der Forderung wird
bis zum 31. März ausgesetzt, um herauszufinden, ob die Sandinisten sich
wirklich an die im August in Guatemala und im letzten Monat in San Jose
abgegebenen
Versprechungen
halten,
unwiderrufliche Schritte in Richtung
auf Demokratie in Nicaragua zu unter-

�nehmen.
Um diesbezüglich zu einem
Urteil zu gelangen, hat der Präsident
sich dazu verpflichtet, die Präsidenten der vier mittelamerikanischen Demokratien persönlich zu konsultieren.
Im vergangenen November und auch
letzte Woche hat der Präsident darauf
hingewiesen, daß er im Rahmen der
Aufnahme
ernsthafter
Verhandlungen
zwischen dem nicaraguanischen Widerstand und der sandinistischen Regierung meinen Eintritt in regionale Gespräche mit Vertretern aller fünf
Länder, einschließlich Nicaraguas, in
Erwägung ziehen würde. Ich bin dazu
bereit, wenn die Bedingungen stimmen.
Als Außenminister engagiere ich
mich für Diplomatie und die Durchführung von Verhandlungen selbst unter
den widrigsten Umständen. Als Praktiker weiß ich auch, daß Verhandlungen nur dann ehrlich geführt werden,
wenn beide Seiten glauben, etwas gewinnen zu können. Die Preisgabe der
Strategie und der Menschen, die die
Kommmunisten in die Defensive getrieben haben - in Nicaragua und in Mittelamerika überhaupt zum ersten Mal
in zehn Jahren - wird keine weiteren
Fortschritte
hervorbringen.
Anhaltender Fortschritt in Richtung auf
Demokratie in Nicaragua und Frieden
in Mittelamerika hängt entscheidend
von fortgesetzter amerikanischer Unterstützung für den nicaraguanischen
Widerstand ab.

Andere regionale Konflikte
Ebenso wie das Zusammenspiel von
diplomatischer Beharrlichkeit und politischer Festigkeit der Rüstungskontrolle und den Friedensprozessen in
Mittelamerika Auftrieb verliehen hat,
haben sie unseren Gegner in anderen
Teilen der Welt vor Augen geführt,
daß Expansionismus und Aggression ih-

ren Preis haben.
Beharrlichkeit
und
Festigkeit
sind auch der Weg zum Frieden in Afghanistan. Wir werden weicerhin Pakistan Unterstützung leisten und Moskau drängen, seine Truppen unverzüglich abzuziehen. Wir müssen sicherstellen, daß die Bestimmungen des
Genfer Abkommens über den Rückzug
glaubwürdig
und verifizierbar
sind
und keine Gefahr für den Widerstand
bedeuten.
Wenn wir zu unserer Zufriedenheit feststellen können, daß
die Sowjets diese Bedingungen erfüllt
haben, sind die Vereinigten Staaten
bereit, als Garant für die Genfer Abkommen ebenfalls zu unterzeichnen.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
weiterhin uneingeschränkt und unerschütterlich zu den Zielen, die das
afghanische Volk und seine Anführer
auf dem Schlachtfeld, im Exil in Pakistan und anderen Ländern eindeutig
und wiederholt umrissen haben:
Rascher Abzug der sowjetischen Truppen,
wirkliche Selbstbestimmung, Neutralität und Rückkehr der Flüchtlinge.
Der jüngste Aufruhr in der West
Bank und im Gazastreifen belegt, daß
der Status quo im Friedensprozeß des
Mittleren Ostens keine Option ist.
Es ist an der Zeit, diesen Prozeß neu
zu beleben, indem Arabern und Israelis gezeigt wird, daß Verhandlungen
ein besseres Leben für die Menschen
in den besetzten Gebieten hervorbringen können, Sicherheit und Wohlergehen der Israelis garantieren und den
Weg zu einer ausgehandelten Beilegung
des Konfliktes aufzeigen. Wir müssen
unsere
Aufmerksamkeit
weniger
auf
Verfahrensweisen als auf die Substanz
lenken, um den Menschen zu beweisen,
daß ihren realen Sorgen mit einer
Verhandlungslösung Rechnung getragen
wird. Wir werden in unseren Konsultationen mit den politisch Verant-

- 7 -

�wortlichen Israels und der arabischen
Gemeinde
energisch
vorgehen
und
gleichzeitig versuchen, dem Friedens-prozeß Auftrieb zu verleihen.
Internationale Bestrebungen zur
Beendigung des Krieges zwischen Iran
und Irak sowie die Stabilität im Persischen Golf bleiben Themenkomplexe,
die weiterhin für uns an erster Stelle stehen. Wir streben eine umfassende Lösung für die Feindseligkeiten
zu Land, zu Wasser und in der Luft
an. Die Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
stellt einen verläßlichen Rahmen zur
Beendigung des Krieges ohne Sieger
oder Besiegte dar. Es handelt sich
hierbei um ein ausgewogenes Dokument,
das Taten von beiden Kombattanten
fordert. Der Irak hat seine Zustimmung zur uneingeschränkten Einhaltung
seiner Bedingungen gegeben, wohingegen sich der Iran der Einhaltung vehement widersetzt. Der Sicherheitsrat muß rasch vorgehen und gegen die
Regierung in Teheran Sanktionen verhängen, da sie sich nicht an die Resolution hält. Wir und einige andere
Mitglieder des Rates führen nahezu
täglich Konsultationen in dem Versuch, im Rat Einstimmigkeit für ein
Waffenembargo gegen den Iran zu erzielen. Während wir die Kooperation
der Sowjetunion für ein Embargo anstreben, werden wir weiterhin zu unseren Sicherheitsverpflichtungen stehen, die wir unseren Freunden in der
Region gegenüber geleistet haben und
wir werden in jedem einzelnen Fall
Unterstützung suchen, um der Lieferung von Waffen in den Iran Einhalt
zu gebieten.
Wir werden ferner alle unsere
Verbündeten in Ostasien aktiv unterstützen. Dies beinhaltet auch Unterstützung für Präsidentin Aquino bei
der Führung ihrer Nation auf dem Weg
zur Demokratie und Ankurbelung des

Wirtschaftswachstums,
während
die
Philippinen sich im Kampf mit den
aufrührerischen kommunistischen Rebellen befinden.
Wir unterstützen
die ASEAN-Länder und die kambodschanische
nichtkommunistische
Widerstandsbewegung bei ihren Bemühungen,
eine politische Lösung des kambodschanischen Konflikts herbeizuführen.
Diese Lösung muß den Abzug der vietnamesischen Truppen aus Kambodscha
und Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes beinhalten. Die Republik Korea kann mit unserer uneingeschränkten Unterstützung für die
internationale
Verurteilung
Nordkoreas für seinen grausamen Terroranschlag auf Flug 858 der koreanischen
Fluggesellschaft im vergangenen November rechnen. Die Republik Korea
kann sich auf unsere Zusammenarbeit
bei der Ausrichtung der Olympischen
Spiele im Jahr 1988 in einer sicheren
Atmosphäre verlassen.
Im südlichen Afrika werden wir
unsere Bemühungen zur Erlangung einer
Verhandlungslösung
fortsetzen,
die
den Abzug aller ausländischen Streitkräfte aus Angola und Namibia sowie
die Unabhängigkeit Namibias im Einklang mit Resolution 435 der Vereinten Nationen umfaßt. In den vergangenen Monaten haben mehrere Treffen
mit der angolanischen Führung stattgefunden. Erst vor einer Woche haben
die Angolaner beim letzten dieser
Treffen erkannt, daß dies den vollständigen und nicht den teilweisen
Abzug kubanischer Truppen aus ihrem
Land bedeuten müsse, den sie zunächst
vorgeschlagen hatten. Um dies zu bestätigen, nahmen Vertreter der kubanischen Regierung kurz an den Gesprächen als Mitglieder der angolanischen
Delegation teil. Dies ist eine bedeutende Entwicklung, die auf eine
Beilegung des Konfliktes zwischen Angola und Namibia hoffen läßt. Wir
erwarten jetzt von den Angolanern die

- 8 -

�Unterbreitung konkreter und realistischer Zeitpläne für den Abzug der
kubanischen Truppen, damit wir den
Südafrikanern diesen Vorschlag vorlegen können.
Die Apartheid ist der Kern vieler
der gravierenden Probleme im südlichen Afrika. Wir streben die friedliche
und
rasche
Beendigung
der
Apartheid an und fördern Verhandlungen zwischen allen Parteien, die zur
Schaffung einer demokratischen Gesellschaft mit gleichen Rechten für
alle Südafrikaner führen werden. Wir
sind nach wie vor der Überzeugung,
daß dies am besten durch eine Mischung von diplomatischem und politischem Druck einerseits und eine
Reihe konstruktiver Initiativen andererseits erreicht werden kann, einschließlich
starker
Unterstützung
amerikanischer Programme, die darauf
ausgerichtet
sind, den Opfern der
Apartheid zu helfen und die schwarzen
Afrikaner zu befähigen, ihre eigene
friedliche
Befreiung
zu
erlangen.
Die Vereinigten Staaten werden jede
Gelegenheit wahrnehmen, um zur nationalen Aussöhnung unter den Südafrikanern beizutragen.
Die Vereinigten Staaten werden
die mit diesen und anderen Konfliktherden der Welt verbundenen Menschenrechtsfragen in den zuständigen Foren
der Vereinten Nationen aktiv verfechten.
Wir wollen sicherstellen, daß
in den Gremien der Vereinten Nationen
den Rechten des Einzelnen, dem Recht
der freien Meinungsäußerung, der Versammlungsfreiheit,
dem
Recht
der
freien Religionsausübung
sowie den
anderen Grundrechten größere Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Zusammenarbeit der Verbündeten und
Verbesserung der bilateralen Beziehungen
Während wir auf eine Lösung der
vordringlichsten
Probleme der Welt
hinarbeiten, müssen wir die Beziehungen mit den Verbündeten aufrechterhalten und vertiefen, die für unsere
nationale Sicherheit und die Grundlage unserer Außenpolitik unerläßlich
sind.
Im Verlauf der vergangenen
sieben Jahre hat die Solidarität der
Verbündeten unsere Verteidigungshaltung gestärkt und den Rüstungskontrollprozeß vorangetrieben. Vom 2. 3. März wird sich Präsident Reagan in
Brüssel zu einen Treffen der NATO
Außen- und Verteidigungsminister zur
Erörterung von Sicherheitsfragen nach
INF aufhalten und auf höchster Ebene
das Gefüge von Konsultationen zwischen den Verbündeten fortführen, das
uns bisher so gut gedient hat.
Die Zusammenarbeit zwischen den
Verbündeten bei der Kontrolle von Exporten strategischer Güter in die
Länder des Warschauer Paktes hat sich
in den vergangenen Monaten erheblich
verbessert. Auf einem höchst erfolgreichen Treffen in Versailles letzte
Woche haben wir und unsere C0C0MPartner die uneingeschränkte Unterstützung bei der tatkräftigen Durchsetzung strategischer Exportkontrollen bekräftigt und unter Beweis gestellt, daß multinationale Zusammenarbeit der wirksamste Weg zur Vermeidung von Verletzungen unserer gegenseitigen Sicherheit sind, wie sie im
Falle
Toshiba/Kongsberg
geschehen
sind.
Der jüngste Besuch von Premierminister Takeshita hat die fundamentale
politische und wirtschaftliche Stärke
unserer Beziehung mit Japan noch unterstrichen. Der Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit

- 9 -

�zwischen den Vereinigten Staaten und
Japan bildet die Grundlage, auf die
sich unsere Beziehung gründet und ist
ein Faktor, der entscheidend zur Sicherheit der asiatischen Pazifikregion beiträgt. Wir werden mit der
Regierung Takeshita an der Aufrechterhaltung des internationalen Wirtschaftswachstums
zusammenarbeiten,
indem wir die Handelshemmnisse abbauen, den Zugang zu den Märkten verbessern und uns protektionistischen Bestrebungen widersetzen.
Zusätzlich zu ihren Beziehungen
mit den NATO-Partnern und Japan unterhalten die Vereinigten Staaten
ebensogute Beziehungen mit anderen
asiatischen und pazifischen Nationen,
•vor allem
Thailand,
Korea, den
Philippinen und Australien. Symbolisch für die unverminderte Stärke
des Bündnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Thailand ist die
Schaffung
des
Kriegsreservelagers,
mit dessen Hilfe amerikanische Militärgüter für den Einsatz bei einem
die Nation bedrohenden Notfall in
Thailand gelagert werden können. Unsere Sicherheitsbeziehungen mit der
Republik Korea, die sich auf den Vertrag zur gegenseitigen Sicherheit von
1954 gründen und durch die beständige
Notwendigkeit zur Abschreckung von
Aggression auf der koreanischen Halbinsel weiterhin Gültigkeit behalten,
sind nach wie vor stark und effektiv.
Auf den Philippinen stehen für
uns wirtschafts- und sicherheitspolitische Interessen ohnegleichen auf
dem Spiel.
Unsere beiden Länder
blicken auf seit langem bestehende
enge Beziehungen zurück und teilen
eine gemeinsame Tradition, die beständiger amerikanischer Unterstützung bedarf.
Ferner schützen die
amerikanischen Einrichtungen in Subic
Naval Base und Clark Air Base bilaterale und multilaterale Sicherheitsin-

teressen.
Im Südpazifik trägt der
ANZUS-Pakt weiterhin zur kollektiven
Stärke und Geltung des westlichen Systems
von
Verteidigungsbündnissen
bei. In Australien haben wir einen
entscheidenden Verbündeten, zu dem
das Verhältnis trotz unserer Aufhebung der Sicherheitsgarantien gegenüber Neuseeland ungestört und tragfähig ist.
Über
unsere
Bündnisbeziehungen
mit den asiatischen Staaten hinaus
haben die Verbindungen mit China einen neuen Grad der Reife erreicht und
wir werden weiterhin an noch ungelösten Themenkomplexen zwischen unseren beiden Ländern arbeiten. Im März
werden ich mit Außenminister Wu zusammentreffen, um Möglichkeiten für
eine erweiterte Zusammenarbeit in bilateralen Angelegenheiten und die
amerikanisch-chinesische
Zusammenarbeit bei der Lösung vordringlicher
Probleme mit internationalen Konsequenzen zu erörtern.

Weltweite Probleme
Im Jahr 1988 müssen wir die gemeinsamen internationalen Bestrebungen zur Bewältigung anderer Probleme
mit weltweiten Auswirkungen verstärken.
Im wirtschaftlichen Bereich sehen
wir uns im In- und Ausland mit großen
Herausforderungen konfrontiert, denen
wir mit der entschiedenen Verpflichtung zu marktorientierten Maßnahmen
begegenen müssen. Wir müssen unseren
Widerstand gegen Protektionismus aufrechterhalten.
Ebenso wie mit dem
Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada und unseren weitreichenden GATT-Vorschlägen
müssen wir einen Weg wählen, der
Märkte öffnet und das materielle
Wohlergehen
aller
Handelsnationen

- 10 -

�steigert.
Wir erwarten die rasche
Unterzeichnung des Freihandelsabkommens durch den Senat.
Die Weltwirtschaft befindet sich
in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Neue Technologien und die
Revolution im Informationswesen versprechen, entwickelten und unterentwickelten Ländern gleichermaßen eine
Gelegenheit
zu beispiellosem wirtschaftlichem Fortschritt zu bieten.
Amerika und andere offene Gesellschaften sind in einer guten Verfassung, um aus den derzeit stattfindenden Veränderungen das Beste zu machen.
Aber zunächst müssen wir auf
das gegenwärtige Ungleichgewicht in
der Weltwirtschaft eingehen, das unsere glänzende Zukunft bedrohen könnte. Wir werden Maßnahmen erarbeiten,
die den Märkten beim Ausgleich der
internationalen Handelsstrukturen Unterstützung
gewähren,
Finanzströme
stabilisieren und schwere Rückschläge
beim stabilen Wirtschaftswachstum und
freierem Handel vermeiden.
Wir müssen ebenfalls weiterhin
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Freunden und Verbündeten
in Latein-Amerika, Afrika, Asien und
dem
Mittleren
Osten
unterstützen.
Die uns dabei zur Verfügung stehenden
Hilfsmittel umfassen bilaterale finanzielle und technische Unterstützung, Ausbildungsprogramme und tatkräftige Hilfestellung bei der wichtigen Arbeit multilateraler Instituttonen, wie der Weltbank, den regionalen Entwicklungsbanken, dem Internationalen Währungsfonds, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNICEF, und den einzelnen
spezialisierten Unterorganen der UNO.
Entscheidend
für das Erreichen
unserer Ziele auf den Gebieten Sicherheit, Wirtschaft und humanitäre
Fragen ist ein gerechtes und andau-

erndes Wachstum in den Entwicklungsländern. Dazu sind interne strukturelle Veränderungen in den Volkswirtschaften der Entwicklungsländer ebenso erforderlich wie Hilfe von außen,
die Handel, Kapitalfluß und Austausch
von
Technologie
begünstigt.
Wenn
dies geschieht, bestehen gute Aussichten auf eine Fortsetzung des in
den vergangenen Jahren zu beobachtenden gesunden Trends einer Stärkung
der
demokratischen
und
marktwirtschaftlich orientierten Institutionen
in der ganzen Welt.
Wir werden unsere aufrichtige und
entschlossene Hilfe für die neuen Demokratien
in
Latein-Amerika,
SüdKorea, den Philippinen und anderswo
bei deren Streben nach größerer innenpolitischer Stabilität fortsetzen.
Wir müssen anerkennen, daß die Errichtung demokratischer Institutionen
ein langsamer und oftmals anfälliger
Vorgang ist. Und dennoch ist in der
ganzen Welt ein steigender Trend zur
Demokratie in beeindruckendem Umfang
zu beobachten, womit
amerikanische
Werte und die Wirksamkeit unserer Politik erneut bestätigt wird.
Wir werden unsere entschiedenen
Anstrengungen
gegen
internationalen
Drogenschmuggel und Terrorismus energisch vorantreiben, und ich kann Ihnen versichern, daß wir diesen Themen
auch weiterhin eine hohe Priorität in
der Außenpolitik einräumen.
Diese Probleme von globaler Tragweite eignen sich nicht für einfache
einseitige Lösungen, sondern erfordern im Gegenteil eine beständige
multilaterale
Zusammenarbeit.
Die
Vereinten Nationen und ihre spezialisierten Unterorgane tragen zur Lösung
zahlreicher gemeinsamer Probleme in
der Welt bei, wie beispielsweise Drogenmißbrauch,
Luftpiraterie,
AIDSForschung, um nur einige zu nennen.

- 11 -

�Wir müssen unsere tatkräftige Unterstützung für diese Institutionen aufrechterhalten, und gleichzeitig unser
Streben nach bedeutenden Reformen des
UN-Systems zur Bereitstellung von
Mitteln fortsetzen.

einkunft gewährt unserem Etat für die
Außenpolitik im Haushaltsjahr 1988
nur wenig mehr Mittel als das sonst
der Fall gewesen wäre. Aber unser
Haushalt ist immer noch eine dürftige
und unbewegliche Angelegenheit.

Um es zusammenzufassen:
dies
wird ein außerordentlich arbeitsintensives Jahr:
damit im gesamten
Spektrum außenpolitischer Themen so
viele Fortschritte wie möglich erzielt werden; um das Erreichte, wo
wir nur können, zu verfestigen; um
sich intensiv mit anhaltenden Problemen zu befassen, wie wir dies müssen;
und um neue Initiativen zu ergreifen,
wo diese nützlich und vielversprechend scheinen. Ich werde mich jetzt
der praktischen Frage nach den erforderlichen Mitteln zur Erreichung unserer Ziele zuwenden.

In den kommenden Wochen werden
wir dem Kongreß einen Vorschlag über
die von uns beantragten Mittel für
die Außenpolitik
im Haushaltsjahr
1989 vorlegen.
Unsere Veranlagung
wird Sie nicht überraschen. Obwohl
ich die einzelnen Zahlen jetzt mit
Ihnen nicht besprechen kann, da der
Haushalt erst in zwei Wochen vom
Weißen Haus formell veröffentlicht
wird, genügt es wohl, wenn ich sage,
daß er sehr sparsam ausfallen und
sich an das Abkommen vom Haushaltsgipfel halten wird.

Der Haushalt für das Außenministerium 1988
Als wir im vergangenen Jahr um
diese Zeit zusammenkamen, habe ich in
aller Ausführlichkeit über die uns
durch den Haushalt für das Außenministerium auferlegten Probleme der Mittelvergabe gesprochen.
Etatprobleme
spielen tatsächlich immer noch eine
so große Rolle, daß ich nicht den
Gipfel mit Gorbatschow, sondern den
Haushaltsgipfel meine, wenn ich in
Gesprächen mit meinen Kollegen den
"Gipfel 1987" anspreche.
In den vergangenen Monaten beteiligten sich Außenministerium und Kongreß an einer intensieven und engen
Zusammenarbeit mit Exekutive und Legislative, um das Defizit beim Bundeshaushalt auf eine Weise abzubauen,
die unseren außenpolitischen Interessen keinen Schaden zufügt. Wir haben
Fortschritte erzielt.
Die während
des Haushaltsgipfels erzielte Über-

Wenn Sie Gelegenheit hatten, unseren Haushaltsentwurf und die Regierungsanhörungen zu unseren Vorschlägen zu prüfen, werden Sie nach meiner
Überzeugung mit mir übereinstimmen,
daß wir uns die Programme, die wir
unterstützen und die Mittel, die wir
zu ihrer Durchführung brauchen, sehr
genau angesehen haben. Unter Einbeziehung der erwarteten Inflation wird
die Kaufkraft unseres vorgeschlagenen
Haushalts sogar etwas geringer ausfallen als im laufenden Jahr, in dem
bereits eine erhebliche Kürzung gegenüber dem Niveau vergangener Jahre
verzeichnet wurde. Mit weniger Mitteln können wir es nicht schaffen.
Wir hätten gerne mehr gehabt.
Ich möchte klarstellen, daß der
zurückhaltende Haushaltsentwurf, den
wir vorgeschlagen haben, um den Forderungen des Haushaltsgipfels gerecht
zu werden, keine Einengung des Umfangs unserer außenpolitischen Interessen, der Stärke unserer Verpflichtung gegenüber Freunden, Verbündeten
und dem internationalen System, oder

�der Summe von Mitteln, die wir für
die
Durchführung
dieser
Interessen
und zur Erreichung dieser Verpflichtung notwendig erachten, widerspiegelt.
Unsere knappe Anforderung ist
das
Ergebnis
eines
beunruhigenden
Kompromisses zwischen unseren minimalen außenpolitischen Notwendigkeiten
und unserer Einsicht, daß wir unseren
Teil zum Abbau des Haushaltsdefizits
beitragen müssen. Wir können jedoch
unsere Interessen nicht verteidigen
und unsere wesentlichsten Verpflichtungen nicht erfüllen, ohne die angemessenen Mittel und die Beweglichkeit
zu besitzen, um sie zur Erlangung unserer höchsten Bedürfnisse von Priorität anzuwenden.
Im Gegenzug brauchen wir auf Ihrer Seite die Bereitschaft im Kongreß, der Exekutive den von uns benötigten Spielraum einzuräumen, um die
sehr
beschränkten
Mittel
effektiv
einzusetzen.
Ich will hier nicht in
Frage stellen, daß der Kongreß den
Geldhahn
kontrolliert.
Und
doch
sind, wie Sie wissen, die laut Kongreßunterlagen bereitgestellten Mittel vom Kongreß fast ausschließlich
für bestimmte Länder oder Programme
vorgesehen - 97 Prozent im Falle des
Wirtschaftsunterstützungsfonds und 99
Prozent für die auswärtigen Militärverkauf sprogramme.
Damit bleibt uns
kein Spielraum für die Vergabe angemessener Mittel an Länder, die uns
wichtige Stützpunkte und andere Verteidigungsanlagen zur Verfügung stellen, wie beispielsweise Kenia, Somalia, Portugal und die Türkei.
Und
damit bleiben so gut wie keine Mittel
für die Unterstützung der Sicherheit
so wichtiger Länder wie Bolivien,
Equador, der Dominikanischen Republik, Jamaika und Indonesien.

politischen
Interessen
vorantreiben
wollen, benötigen wir zur Gewährung
der von Ihnen bewilligten Gelder eine
größere Beweglichkeit innerhalb der
Struktur des Haushalts.
Die übertriebene Zweckbestimmung, die diese
Haushaltsfortschreibung
charakterisiert, und die Vielzahl der sie begleitenden Änderungen im Hinblick auf
Abläufe der Außenpolitik und Arbeitsvorgänge Außenministeriums sind keineswegs
unbedeutendere
Hindernisse.
Wenn diese beibehalten werden, bedrohen sie die Fähigkeit der Exekutive
zur Durchführung der Außenpolitik des
Landes.
Wir wissen, daß die Exekutive ihren Teil zur Erlangung der benötigten
Beweglichkeit
beitragen
muß.
Wir
müssen das Vertrauen des Kongresses
erhöhen, daß wir unsere finanziellen
Mittel gründlich und wirkungsvoll zur
Verwirklichung gemeinsamer Ziele verwalten.
Und
das
Außenministerium
würde Konsultionen mit dem Kongreß zu
diesem Zweck begrüßen.

Überparteiliche Zusammenarbeit
Während meines Amtes als Außenminister war ich ein energischer und
vernehmbarer Befürworter dreier Dinge
in der Außenpolitik.
Ich hoffe, aus
den Unterlagen wird hervorgehen, daß
ich meine heutigen Worte in die Tat
umgesetzt habe. Meiner Meinung nach
lauten die drei Wesensmerkmale jeder
erfolgreichen
außenpolitischen
Initiative:
- Klarheit der Absicht,
- Machterhaltung, und
- Unterstützung von allen Seiten.

Wenn wir das Haushaltsdefizit abbauen wollen - was wir tun müssen und unsere - lebenswichtigen - außen-

Darum war und bin ich ein ein
energischer und klarer
Befürworter

- 13 -

�von bedeutungsvollen Konsultationen
zwischen dem Kongreß und der Regierung.
Gegen Ende des vergangenen
Jahres haben einige Mitglieder des
Kongresses die Notwendigkeit einer
verstärkten überparteilichen Zusammenarbeit in der Außenpolitik betont.
Ich habe ihren Ansatz unterstützt.
Und ich bin nach wie vor bereit, in
diesem Jahr alles in meiner Macht
stehende zu tun, um die Grundlage für
echte überparteiliche Zusammenarbeit
zu schaffen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BABBITTS VISION IN SEINER HEIMATSTADT UND IHREN WERTEN VERWURZELTt
Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten B. Babbitt

WASHINGTON - (AD) - Bruce Babbit ist ein Präsidentschaftskandidat, über
den viele Amerikaner nur wenig wissen; dennoch weiß er, was er für die Amerikaner vollbringen will.

Babbitts Vision für Amerika geht
auf seine Wurzeln zurück: "die Stadt,
in der ich aufgewachsen bin, die Werte, die ich gelernt habe und die Menschen und Orte, die ich im Laufe der
Jahre kennengelernt habe.
Er glaubt
an die "einfachen
Grundsätze", nach denen seine Familie
als Siedler im Norden Arizonas gelebt
hat: "Arbeite hart, tue das Richtige
und setze Dich für die Dinge ein, an
die Du glaubst".
Der

49jährige

Rechtsanwalt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Babbitt, der sich selbst als "Kandidaten
ohne
spezifische
Wählerschaft" bezeichnet, führt seine Wahlkampagne für die Nominierung als Kandidat der Demokraten in einem Stil
durch, den sein Pressesprecher als
"Einsatz für Offenheit" charakterisiert.
Babbitt prognostiziert ein Amerika, das von einem Präsidenten angeführt wird, der bereit ist, "mit althergebrachten Ansätzen auszuräumen,
die unsere Politiker lähmen", ein
Präsident, dessen Führungsrolle das

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�"bedeutet, was das Wort ausdrückt,
der auch danach handelt und die Konsequenzen trägt".
Seine Botschaft ist wirtschaftspolitisch ausgerichtet. Der nächste
amerikanische
Präsident
muß
uns
Babbitt zufolge "die verschiedenen
Wege aufzeigen, mit denen die amerikanische Produktivität Auftrieb erfahren kann. Er muß das sogar tun,
wenn nicht jede Interessengruppe einen solchen Wandel befürwortet. Dies
ist der einzige Weg, damit Amerika
seine Wirtschaft - und seine Zukunft
- in den Griff bekommt".
Babbitt erklärt, er wolle die
amerikanische Wirtschaft von Grund
auf umstrukturieren, so daß sie eine
Wirtschaft wird, "die ihre Gewinne
und Verluste unter all denen aufteilt, die sie verursacht haben", und
ebenso eine Wirtschaft, die echte
Produktivität "belohnt".
Zur Verbesserung der amerikanischen
Wirtschaft
spricht
sich
Babbitt für Steuererhöhungen und für
Beschränkungen bei Leistungsansprücben und umfangreichen Sozialprogrammen aus, die feste oder fortwährenbd
steigende Beträge auszahlen. Er würde die Bundesregierung durch Überprüfung der Sozialausgaben nach Bedürftigkeit schrumpfen lassen, so daß den
Armen mehr zufällt als der Mittelklasse. Er würde die Steuern auf Sozialleistungen für Ehepaare mit einem
Einkommen von mehr als 32 000 Dollar
im Jahr erhöhen. Er würde eine Konsumsteuer von fünf Prozent erheben,
die praktisch einer nationalen Verkauf ssteuer
gleichkommt,
von
der
Grundbedürfnisse wie etwa Nahrungsmittel ausgenommen wären.
Um einen ausgeglichenen Handel
herbeizuführen, glaubt Babbitt daran,
daß "der Gesamtwert dessen, was man
- 2

in der Welt verkauft, dem Gesamtwert
dessen, was man einkauft, gleichkommen muß". Und er würde dieses Konzept des "Ausgleichs" auf den amerikanischen Haushalt anwenden. Babbitt
zufolge kann "der Staat nicht alles
für jeden leisten".
Auf internationaler Ebene würde
ein Weißes Haus unter Babbitt "vertrauensvoll nach draußen schauen,
weil die Welt auch auf uns schaut".
Ein Amerika unter Babbitt würde
Terroristen bestrafen.
"Wenn ein
Land Amerikaner umbringt und Amerikaner gegen ihren Willen gefangenhält, dann muß dieses Land dafür zahIen .
it

Was die Sowjets betrifft, so betrachtet Babbitt diese als mächtige
und gefährliche Gegner. "Die Werte
ihrer Politiker haben wenig mit den
unsrigen gemein", so hat er einmal
erklärt, "aber wir sollten uns auch
darüber klar werden, daß die Bedingungen unseres Wettbewerbs - ein
Kampf um Loyalitäten vieler Menschen
auf dieser Welt - ganz klar zu unserem Vorteil ausfallen".
Insgesamt
gesehen
gibt
sich
Babbitt sachkundig.
"Amerika darf
nicht Waffenhändlern unsere Diplomatie, Terroristen unsere Sicherheit,
Glücksspielern unsere Abteilung Mittelamerika, japanischen Händlern unsere Märkte und Amateuren das Weiße
Haus überlassen.
Ich möchte, daß
Amerika sich wieder um all dies kümmert".
Babbitt wurde 1938 geboren und
besuchte die Notre Dame University,
die er 1960 mit dem B.A. in Geologie
abschloß. Nach dem Erwerb eines M.A.
in Geophysik
an der Universität
Newcastle in England schrieb er sich
an der Harvard Law School ein.

�Babbitt kombinierte sein Studium
der Rechtswissenschaften mit Sommeraufenthalten in Südamerika, zunächst
mit einer auf kommunaler Ebene arbeitenden Gruppe im Caracas, Venezuela,
später als Leiter eines studentischen
Work Camps in den peruanische Anden.
Er kehrte 1965 zurück und machte sein
Examen in Rechtswissenschaften.
In
den Tagen von Martin Luther Kings
Kampagne für Bürgerrechte in Selma,
Alabama, nahm er gemeinsam mit Dr.
King an Kundgebungen teil.
Nach Abschluß seines Studiums arbeitete Babbitt als Rechtsanwalt im
Amerikanischen Büro für Wirtschaftsförderung.
1969 eröffnete er eine
Kanzlei in Arizona, wo er sich im
Kampf gegen Betrügereien mit Land,
öffentliche Korruption und das organisierte Verbrechen einen Namen machte. Er arbeitete ferner daran, das
Wahlrecht für die Navajo-Indianer
durchzusetzen.
Babbitt
heiratete
seine Frau Harriet, eine Prozeßanwältin, im Jahre 1969. Die Babbitts haben zwei Jungen.
Babbitt wurde im Jahr 1975 zum
Staatsanwalt
von Arizona gewählt.
1978 wurde er Gouverneur, als der amtierende Gouverneur zurücktrat und
dessen Nachfolger starb. Später wurde Babbitt selbst in dieses Amt gewählt. Als Gouverneur gelang Babbit
der Ausgleich des Haushalts in seinem
Staat, er weigerte sich, Probleme nur
mit Geld zu lösen und drängte die republikanisch beherrschte Legislative,
die Gesundheitsversorgung für die Armen zu verbessern, gleichzeitig die
Steuern auf einem niedrigen Stand zu
halten und die Wirtschaft zu deregulieren. Es heißt, daß Babbitt große
Leistungen bei der Bewältigung von
Detailfragen vollbracht hat, indem er
sich auf diese konzentrierte und sich
darüber informierte.
*****
- 3 -

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AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS FAVORISIERT LIBERALISMUS UND VORSICHTIGE STEUERPOLITIK
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Michael Dukakis -

WASHINGTON - (AD) - Michael Dukakis ist Gouverneur von Massachusetts, der
vielfach als liberalster Staat der Nation bezeichnet wird. Es überrascht
nicht, daß er In vielen Bereichen, insbesondere der Außenpolitik, eine klassisch liberale Denkweise verfolgt.

Sein Liberalismus macht ihn zu
einer Kraft, auf die man in seinem
Heimatstaat wie auch im Rahmen demokratischer Parteipolitik im ganzen
Land zählen kann. Auf beiden Ebenen
haben in den vergangenen Jahrzehnten
liberale Aktivisten starken Einfluß
ausgeübt.
In der nationalen Politik muß
sich der Einfluß des Liberalismus auf
die gesamte amerikanische Wählerschaft von 1988 erst noch zeigen.
Die meisten Meinungsumfragen weisen
darauf hin, daß die Wählerschaft als

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ganzes erheblich konservativer ist
als der linke Flügel der Demokratischen Partei.
Darüber hinaus vertreten die meisten Gegner von Dukakis bei den Vorwahlen der Demokraten im Großen und
Ganzen eine ähnliche Position wie er.
Eine Frage, die er noch beantworten
muß, lautet: Was hat er, was die anderen nicht haben? Eine weitere Frage ist, ob der Anflug von Vorsicht,
den er als Gouverneur bei der Steuerpolitik hat walten lassen, ihn mit
einigen liberalen Gruppen in Konflikt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�geraten läßt, die mehr Investitionen
für heimische Sozialprogramme befürworten.
Dukakis innenpolitisches Programm
umfaßt im Falle seiner Wahl zum Präsidenten innovative Lösungen für nationale
Wirtschaftsprobleme,
einschließlich der Kooperation zwischen
Regierung und Industrie.
Er fordert die verbesserte Durchsetzung des Einkommenssteuergesetzes,
mit dem, wie einige sagen, im Jahr 40
Milliarden Dollar an zusätzlichen
Steuereinnahmen gewonnen würden.
Er hat ebenfalls starkes Interesse an der Verbesserung des Krankenversicherungssystems für alle amerikanischen Bürger - einem vielbeachteten sozialen Problem - bekundet.
Bei der Außenpolitik hält Dukakis
die Beschneidung von Forschungsmitteln für Präsident Reagans Strategische Verteidigungsinitiative, die
Abschaffung oder Einschränkung von
Programmen für Interkontinentalraketen und eine verringerte Aufrüstung
bei den amerikanischen Seestreitkräften für erforderlich.
Er ist gegen die Finanzierung des
anti-sandinistischen Widerstandes in
Nicaragua und betrachtet ein starkes
amerikanisches
Wirtschaftshilfeprogramm in der Region als Mittel zur
Bekämpfung des Kommunismus in Mittelamerika.
Im Mittleren Osten spricht er
sich gegen die fortgesetzte Umflaggung kuwaitischer Handelsschiffe von
Seiten der Amerikaner aus, befürwortet ein Handelsembargo gegen Iran und
Irak
und
unterstützt
erhebliche
Hilfsleistungen an Israel und Ägypten.
Dukakis hat erklärt, er befürwor-

te den Abzug amerikanischer Truppen
aus Korea, bis sich die Menschenrechtslage verbessert hätte, sieht
jedoch in jüngster Zeit dort Fortschritte.
Als Sohn fleißiger und erfolgreicher griechischer Emigranten scheint
Dukakis von Jugend an seiner Bestimmung für ein Regierungsamt sicher gewesen zu sein.
Dukakis zeichnete sich bereit in
der High School als Führungspersönlichkeit aus und besuchte Anfang der
fünfziger Jahre Swarthmore, ein kleines, aber angesehenes College mit
philologischer Ausrichtung in der Nähe von Philadelphia.
Genau zu dieser Zeit wirkte Senator Joseph McCarthys Jagd auf Kommunisten in der amerikanischen Regierung auf eine Generation von Intellektuellen abschreckend und provozierte heftige liberale Gegenreaktionen an vielen Colleges.
In Swarthmore war Dukakis als Liberaler aktiv. Bei einer Gelegenheit
schnitt er schwa rzen Studenten die
Haare, als ortsansässige Friseure
dies verweigerten.
Nach dem College und einem kurzen
Aufenthalt in der amerikanischen Armee besuchte er die Harvard Law
School und wandte sich bald In den
Außenbezirken von Boston der Politik
zu.
1962 wurde er für einen Sitz im
Repräsentantenhaus von Massachusetts
mit einem Programm der "guten Regierung" gewählt.
1970 bewarb sich Dukakis im Staat
Massachusetts für das Amt des Vizegouverneurs und verlor. Vier Jahre
später kandidierte er für das Amt des

- 2 -

�Gouverneurs und gewann diese Wahl.
Als Gouverneur kosteten ihn seine
Redlichkeit und seine intellektuellen
Denkansätze im Regierungsamt paradoxerweise
einige Unterstützung.
Er
brach mit der Tradition, indem er
sich weigerte, zahlreiche Regierungsämter mit Wahlkampfheifern zu besetzen und stellte statt dessen Fachleute ein, woraufhin sich einige seiner
Verbündeten gegen ihn stellten.
Darüber hinaus sah er sich gezwungen, die Ausgaben zu kürzen und
Steuern zu erhöhen, um dem Staat
steuerpolitisch eine stabile Grundlage zu verschaffen.
Im Jahr 1978 hatte er die Liberalen durch seine Ausgabenpolitik und
die Konservativen durch sein liberales Programm verschreckt.
In diesem
Jahr verlor er die Wahl an einen Gegner der Republikaner.
Entmutigt
besuchte Dukakis die
Kennedy
School
of
Government
in
Harvard, aus der er als pragmatischerer und ruhigerer Politiker hervorging, mit einer positiveren Haltung
zum privaten Unternehmertum.
Er erklärte, in seiner ersten
Amtszeit "jung und ungestüm" gewesen
zu sein und wurde 1982 erneut zum
Gouverneur gewählt.
Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit
übernahm Dukakis die Macht in einem
Staat, dem ein wirtschaftlicher Aufschwung bevorstand.
Viele Beobachter führen den Boom
auf verschiedene Gründe zurück:
die
Wirtschaftspolitik
der
Reagan-Ära;
die Tatsache, daß Massachusetts bereits eine ausgezeichnete, aber nicht
ausreichend genutzte wirtschaftliche
Grundlage hatte, die für Wachstum

prädestiniert
war;
eine
geringe
Grundsteuer, gegen die sich Dukakis
zwar aussprach, die ihm jedoch von
seinen Wählern aufgezwungen wurde sowie Dukakis eigene Politik als Gouverneur.
Auf jeden Fall hat Dukakis wie
jeder Gouverneur von dem aufkeimenden
Wachstum des Staates und seiner niedrigen Arbeitslosenquote (ca. 3,2 Prozent) profitiert und erarbeitet gegenwärtig
ein nationales
Programm,
dem der wirtschaftliche Erfolg von
Massachusetts zugrundeliegt.
Dukakis geht in seiner Kampagne
der Ruf der Integrität voraus, er
gilt
als
steuerpolitisch
redlich,
verfolgt bei Problemen einen rationalen geschäftsmäßigen Ansatz, und seine Auffassung ist im allgemeinen liberal.
Damit wird er sicherlich erhebliche Unterstützung bei den Vorwahlen
der Demokratischen Partei gewinnen.
Die Frage ist, ob er diese bei den
Vorwahlen auch auf konservative demokratische Wähler und bei der allgemeinen Wahl auch auf alle Amerikaner
ausdehnen kann.
Darüber hinaus gilt Dukakis bei
vielen als reserviert, ein Nachteil
zu einer Zeit, in der der Erfolg einer politischen Kampagne vom Fernsehimage eines Politikers abhängen kann.
Um landesweite Unterstützung zu
gewinnen, wird er "den Durchschnittsamerikaner" davon überzeugen müssen,
daß er kein engstirniger Theoretiker
und genügend pragmatisch, realistisch
und zäh ist, um die Interessen des
Landes im Ausland zu vertreten.

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

10. Februar 1888

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
HART:

MANN DER IDEEN STREBT ENERGISCH NACH DEMOKRATISCHER NOMINIERUNG

- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Gary HartWASHINGTON - (AD) - Trotz seiner persönlichen Probleme, Über die in allen
Medien ausführlich berichtet wurde, ist Gary Warren Hart der New York Times
zufolge dennoch "eine der intelligentesten Persönlichkeiten in der amerikanischen Politik".

Seine Kandidatur für die Präsidentschaft kündigte er mit den Worten
an: "Ideen besitzen Macht. Im Grunde sind Ideen die Quintessenz des Regierens." Sein Programm faßt er in
drei Worten zusammen:
investiere,
reformiere und engagiere Dich.

aufzubauen.

Hart fordert das Streben nach einer "strategischen Investitionswirtschaft", um die Wirtschaft "wiederzubeleben" und Schulen, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe, Forschungszentren, Energieproduktion und öffentliche
Dienstleistungen
wieder

In der Außenpolitik fordert der
Kandidat eine Politik des "aufgeklärten Engagements". Demnach müssen die
Vereinigten Staaten die Führung in
einer Welt übernehmen, in der, wie er
erklärt, "wir unseren Willen selten
anderen aufzwingen können".
Isola-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Er propagiert die Idee einer militärischen Reform und ruft zu einer
starken und gleichzeitig kostengünstigen Verteidigung mit preiswerteren
und wirkungsvolleren Waffen.

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�tionismus lehnt er ab. Er glaubt an
die dringende Notwendigkeit, dem sowjetischen Expansionismus Einhalt zu
gebieten und fügt hinzu, daß "wir ein
Ende von Moskaus Streben nach Hegemonie wahrscheinlich nicht erleben."
Zu Fragen der Dritten Welt erklärt Hart: "Wenn wir die Entwicklungsländer für ihren Aufbruch zur
Selbstbestimmung gewinnen, wird sich
Amerikas Sicherheit erhöhen."
Nach Harts Auffassung sollte die
Wirtschaftspolitik genutzt werden, um
Amerikas Bündnisse zu stärken.
Er
drängt ebenfalls auf die Übernahme
einer "Führungsrolle" durch die Vereinigten Staaten bei der Überwindung
von Handelsungleichgewichten.
Wenn
ein Land unfaire Handelspraktiken anwendet, so Hart, sollten automatisch
Sanktionen verhängt werden.
Hart war gegen die Entwicklung
der MX-Rakete und die Strategische
Verteidigungsinitiative.
Er unterstützte die Verhandlungen über den
SALT II-Vertrag und hat sich für den
INF-Vertrag ausgesprochen.
Hart zufolge muß der nächste Präsident dem Abbau der amerikanischen
Staatsverschuldung eine hohe Priorität einräumen. Er muß ebenfalls danach streben, die Bedrohung zu beseitigen, die durch den möglichen Einsatz nuklearer Waffen gegeben ist,
und muß das beste Bildungssystem in
der Welt aufbauen.
In der Bildungspolitik fordert
Hart eine Leistungsprüfung für Lehrer. Er befürwortet Anreize des Bundes für Lehrer, damit diese mit wirtschaftlich benachteiligten Schülern
arbeiten, sowie die Schaffung eines
Dienstes zur Unterrichtung der Analphabeten. Der Kandidat würde ebenfalls gerne das Studium von Fremd-

sprachen und Ingenieurwesen ankurbeln.
Harts Bewerbung um das Amt des
Präsidenten wurde zu einem langwierigen Prozeß. Dies ist sein zweiter
Versuch, ins Weiße Haus zu kommen.
Als er sich 1984 mit einem Programm
der "neuen Ideen" bewarb, lag er als
zweiter dicht hinter dem von den Demokraten nominierten Walter Mondale.
Im April des Jahres 1987 verkündete Hart abermals seine Kandidatur.
Eine
nationale
Unterstützung
auf
breiter Basis und, wie die Washington
Post es beschrieb, eine "klare Aussage" verliehen seiner neuen Kandidatur
zusätzlichen Auftrieb.
Die Kandidatur des ehemaligen
Spitzenreiters unter den Demokraten
wurde wesentlich von seinem Privatleben bainträchtigt. Nach zweimaliger
Trennung von seiner Frau, mit der er
seit 30 Jahren verheiratet ist, wurde
Hart von Gerüchten und Gerede über
außereheliche Affären und Frauengeschichten
während
der
15jährigen
Amtszeit in öffentlichen Ämtern bedrängt.
Er wurde wiederholt hierzu befragt und forderte Journalisten im
Frühjahr 1987 schließlich auf, ihm
nachzustellen.
"Wenn mich irgendjemand beschatten möchte, soll er nur
weitermachen;
er wird sich sehr
langweilen." Journalisten, die daraufhin Harts Washingtoner Stadtwohnung beobachteten, fanden Zug um Zug
heraus, daß Hart eine Beziehung zu
Donna Rice unterhielt, einem Fotomodell aus Miami. Es gab ebenfalls Berichte über eine lange Beziehung mit
einer anderen Frau in Washington.
Unter den intensiven und forschenden Blicken der Presse verlor
Hart viele seiner Sympathisanten. Er
stieg aus dem Wahlkampf aus und kehr-

- 2 -

�te nach Colorado zurück.
Nach
sechsmonatiger
politischer
Abstinenz erklärte Hart im Dezember
1987, daß er für die Präsidentschaft
"wieder im Rennen ist" und fügte hinzu:
"Ich habe die Macht der Ideen
und ich kann dieses Land regieren."
Er gab an, sich verkalkuliert zu haben und zuvor besser nicht aus dem
Rennen gegangen zu sein.
Hart erklärte, er sei zur Rückkehr in den Wahlkampf 1988 veranlaßt
worden, weil die für Amerika benötigten "neuen Ideen" und die "neue Richtung" von keinem anderen die demokratische Nominierung anstrebenden Kandidaten geliefert würden.
"Laßt das
Volk über das Schicksal meiner Kandidatur entscheiden," erklärte er.
Hart, der vor seinem Ausstieg aus
dem Rennen der am meisten bekannte
Kandidat der Demokraten war, gehörte
nach seinem Wiedereintritt
in den
Meinungsumfragen zu den führenden Bewerbern. Seitdem hat sich seine Position verschlechtert. Einer im späten Januar durchgeführten Meinungsumfrage zufolge liegt er unter den sieben
demokratischen
Kandidaten
auf
Platz vier.
Harts
Wahlkampagne
ist
durch
jüngste
Anschuldigungen
beeinträchtigt worden, wonach sein Wahlkampf
ein Bundeswahlgesetz verletzt hätte,
das Beitragszahlungen von Unternehmen
und Einzelpersonen über 1 000 Dollar
verbietet. Harts Wahlkampfleiter erklärte hierzu, Hart habe keine Kenntnis über Beitragszahlungen, die über
die gesetzlich zulässige Summe hinausgingen.
Hart wurde als Mann des Mittleren
Westens in Ottawa, Kansas, im Jahr
1936
geboren.
Er
besuchte
das
Bethany Nazarene College (mittlerwei-

le als Southern Nazarene University
akkreditiert) in Oklahoma, wo er zum
Pfarrer in der Nazarene Kirche ausgebildet wurde, einer protestantischen
Konfession. Hart traf seine Frau Lee
in Bethany, und sie heirateten im
Jahr 1958.
Im gleichen Jahr schrieb er sich
in der Yale Divinity School ein, wo
er
als
freiwilliger
studentischer
Mitarbeiter während
des Präsidentschaf tswahlkampfs John F. Kennedys im
Jahr 1960 tätig war. Später schrieb
er sich an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Yale Universität
ein und legte 1964 sein Examen ab.
Beim amerikanischen Justizministerium
war er zunächst als Anwalt tätig und
danach als Assistent von Innenminister Steward Udall.
Hart kehrte 1967 nach Denver zurück, um seinem Beruf als Rechtsanwalt nachzugehen.
Er war ebenfalls
beim Präsidentschaftswahlkampf Robert
Kennedys 1968 tätig.
1970 wurde er zum Leiter des Präsidentschaftswahlkampfes des demokratischen
Herausforderers
George
McGovern im Jahr 1972 bestellt. Nach
dem erfolglosen Wahlkampf McGoverns
kehrte Hart nach Colorado zurück, wo
er bis zur Wahl in den amerikanischen
Senat im Jahr 1974 seinem Beruf nachging. Dort war er über zwei Amtsperioden von je sechs Jahren tätig,
während derer er aktiv in den Ausschüssen für Haushalts-, Umwelt- und
Arbeitsbeschaffungsfragen mitarbeitete.
Hart trat im Alter von 44 Jahren
als Oberleutnant zur See in die Marine-Reserve ein.
Er hat fünf Bücher geschrieben,
darunter auch zwei Romane.

- 3 -

�Die Harts haben zwei Kinder, John
(21) und Andrea (22). Beide haben
ihr Collegestudium unterbrochen, um
beim Wahlkampf des Vaters mitzuhelfen.
Lee war als Englischlehrerin an
der High School und als Grundstücksmaklerin tätig.
Sie hat das berufliche Streben ihres Mannes sehr stark
unterstützt und war während seiner
politischen Karriere tatkräftig für
ihn im Einsatz.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist Harts
Wahlkampf im Jahr 1988 ein gewagtes
Unterfangen. Der Vorsitzende der Demokraten in Colorado, Floyd Ciruli,
glaubt, Hart würde nun seine Bestimmung erfüllen.
Ciruli erklärt, seiner Meinung nach werde "es seine Karriere entweder beenden oder ihr eine
neue Starthilfe verleihen".

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"VON**

10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
JESSE JACKSON: WAHLKAMPF MIT CHARISMA UND POPULISTISCHEM IMAGE
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten -

WASHINGTON - (AD) - Der ordinierte Baptistenpfarrer und führende Bürgerrechtler Jesae Jackson, zur Zeit einziger schwarzer Bewerber um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat einer großen Partei, bringt das Charisma und
die rhetorischen Fähigkeiten eines erfahrenen Predigers in seinen Wahlkampf
ein.

Als führender Sprecher der amerikanischen Schwarzen stellt Jackson
eine Kraft dar, mit der In der demokratischen Partei und in der nationalen Politik zu rechnen ist.
Zu öffentlichen Problemen vertritt er Positionen, die im Vergleich
zu den meisten Amerikanern auf der
linken Seite des politischen Spektrums und auch verglichen mit den Liberalen in der Demokratischen Partei
etwas weiter links angesiedelt sind.
Er genießt aber Unterstützung sowohl
unter Schwarzen als auch Weißen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Jacksons
innenpolitisches
Programm sieht die Stärkung der Sozialhilf eprogramme vor, darunter eine erhebliche Entlastung der Kleinbauern,
erhöhte Staatsausgaben für Ernährung,
eine
nationale
Krankenversicherung
und ein umfangreiches, aus Bundesmitteln bestrittenes Programm zur Aufklärung der Bevölkerung über AIDS.
Jackson
befürwortet
außerdem
steuerliche Anreize, um amerikanische
Firmen zur Expansion Innerhalb der
Vereinigten Staaten zu ermutigen
anstatt Arbeitsplätze ins Ausland zu

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�verlagern - sowie gesetzgeberische
Maßnahmen, die es Arbeitnehmern erleichtern würden, ineffiziente Fabriken aufzukaufen und zu versuchen, sie
wieder profitabel zu machen.
In der Außenpolitik unterstützt
Jackson ein Moratorium für Atomtests,
Truppenreduzierungen in Europa und
weniger militärische Einflußnahme der
Vereinigten
Staaten
in
Übersee.
Jackson lehnt die weitere Finanzierung der Strategischen Verteidigungsinitiative von Präsident Reagan ab.
Jackson unterstützt die Souveränität und sichere Grenzen für Israel,
befürwortet andererseits jedoch einen
unabhängigen Staat für die Palästinenser. Er ist für eine internationale Friedenskonferenz über den Mittleren Osten, an der auch Anhänger von
Jassir Arafats PLO teilnehmen sollen.
Der im Jahr 1941 geborene Jackson
wuchs im von Rassentrennung geprägten
Süden auf, bevor dieser durch die
Bürgerrechtsgesetzgebung der fünfziger und sechziger Jahre umgestaltet
wurde.
Obwohl die Rassentrennungsgesetze
aus Jesse Jacksons Kindheit und ein
großer Teil der Gesellschaft, die
sich darin widerspiegelte, nicht mehr
existieren, haben diese Erfahrungen
seinen Charakter geprägt.
Nachdem man in seiner Kindheit
versucht hatte, ihn zur Bedeutungslosigkeit
zu
verurteilen,
suchte
Jackson während seiner Karriere im
öffentlichen Leben das Rampenlicht.
In ihrem Verlauf erweckte er bei einigen seiner Mitstreiter und bei Beobachtern den Eindruck, daß sich seine Karriere sowohl auf rhetorischen
Fähigkeiten als auch auf Realitätssinn gründete.
Jackson hat jedenfalls eindeutig die Fähigkeit demon-

striert, bei einer breitgefächerten
populistischen
Wählerschaft
anzukommen.
Jackson hat seine Kindheit als
arm bezeichnet. Die Presse zitierte
ihn einmal folgendermaßen: "Ich mußte stehlen, um zu überleben."
In einem Interview erklärte sein
Stiefvater Charles Jackson jedoch,
die Familie habe seinerzeit ein relativ angenehmes Leben im Umfeld der
schwarzen Gemeinde geführt. "Wir waren nie arm," sagte er. "Wir mußten
nie von der Sozialhilfe leben, weil
ich nie arbeitslos war... Meine Familie mußte keinen Tag hungern."
In der Oberschule tat Jackson
sich beim Football-Spiel hervor und
wurde als Führernatur angesehen. In
den frühen sechziger Jahren besuchte
Jackson ein College für Schwarze in
Greensboro, North Carolina und engagierte sich neben seinem Studium bei
Protesten gegen die Rassentrennung In
der Stadt Greensboro.
Nach Abschluß des Soziologiestudiums
studierte
er Theologie am
Chicago Theological Seminary.
Im Jahr 1965 wurde die von Martin
Luther King Jr. geleitete Southern
Christian
Leadership
Conference
(SCLC) auf ihn aufmerksam. Diese Organisation kämpfte damals erfolgreich
gegen die Rassentrennung und andere
Formen rassischer Diskriminierung.
Bei seinem raschen Aufstieg in
den Reihen dieser Organisation befaßte Jackson sich vornehmlich mit Wirtschaftsboykotts als Methode, um Unternehmen
dazu
zu zwingen, mehr
schwarze
Arbeitnehmer
einzustellen
und
verstärkt
Geschäftsbeziehungen
mit von Schwarzen betriebenen Firmen
anzuknüpfen.

�Landesweit bekannt wurde Jackson
am Tag von Kings Ermordung, dem 4.
April 1968.
Unmittelbar nach dem
Mord hielt Jackson in blutbefleckter
Kleidung eine Pressekonferenz ab und
erklärte, er sei der Letzte gewesen,
mit dem King vor den tödlichen Schüssen gesprochen habe.
Einige der dort anwesenden Mitarbeiter Kings bestritten jedoch, daß
Jackson als Letzter mit King gesprochen hatte oder daß er nahe genug gestanden hätte, um das Blut des Märtyrers auf seinem Hemd zu haben. Andere
Zeugen
unterstützten
jedoch
Jacksons Behauptungen.
Während andere Mitarbeiter Kings
nach dessen Ermordung noch in Memphis
weilten, reiste Jackson nach Chicago
und trat in mehreren Fernsehprogrammen auf, womit er bei manchen den
Eindruck erweckte, als sei er der Erbe Dr. Kings. Die Episode bleibt umstritten und wirft immer noch einen
Schatten auf sein öffentliches Wirken.
Im Jahr 1971 verließ Jackson die
Southern
Christian Leadership Conference und gründete die People United to Save Humanity (PUSH - etwa
Vereinigtes
Volk
zur Rettung
der
Menschheit), eine Organisation, die
sich der Verbesserung der Bildung und
wirtschaftlichen Lage der amerikanischen Schwarzen verschrieben hatte.
Als Anführer von PUSH und anerkannter Sprecher der Schwarzen trug
Jackson zur Beendigung des Lehrerstreiks in St. Louis im Jahr 1978 und
zu Verhandlungen zur Beilegung eines
Ausstands
der
Feuerwehrleute
in
Chicago im Jahr 1980 bei.
Außerdem
führte
er
eine
originelle,
auf
schwarze
Jugendliche
ausgerichtete
Antidrogenkampagne durch.

Jackson wurde auch international
bekannt. So reiste er 1984 nach Kuba
und erreichte durch diesen Besuch die
Freilassung einer Gruppe politischer
Gefangener Castros.
Im salben Jahr
reiste er nach Syrien, um sich für
die Freilassung eines amerikanischen
Luftwaffenangehörigen
einzusetzen,
der von den Syrern gefangengehalten
wurde.
Im Jahr 1984 bewarb sich Jackson
um die Präsidentschaft.
Seine Wahlkampagne wurde nicht von Erfolg gekrönt, aber viele Beobachter schreiben ihr einen enormen Einfluß auf den
demokratische Wahlkampf und die Wahlplattform der Partei zu, in der die
Sache der Minderheiten energisch vertreten wurde.
Jackson bezeichnet seine potentielle Wählerschaft als "Regenbogenkoalition". Damit spielt er auf die
Tatsache an, daß er nicht nur die Unterstützung der Schwarzen sucht, sondern die aller rassischen und ethnischen Gruppen - Hispano-Amerikaner,
Weiße, Asiaten, Indianer und anderer
Gruppen -, Arbeitnehmern mit geringem
Einkommen, Behinderten - all jener,
die seiner Meinung nach vom Amerika
des Wohlstands und der weißen Mittelklasse vernachlässigt werden.
Jacksons
politische
Stärke besteht in der Bereitschaft, die Nöte
der Benachteiligten anzusprechen sowie in seiner charismatischen Persönlichkeit.
Seine politische Schwäche
kommt in der weitverbreiteten Haltung
zum Ausdruck, er habe nicht genug Regierungserfahrung, um Präsident zu
sein - und in dem Eindruck unter vielen seiner möglichen Anhänger, ein
Schwarzer könne 1988 nicht zum Präsidenten gewählt werden.

ner
- 3 -

Die Schwarzen, die den Kern seiStärke in einer Wahl ausmachen,

�stellen nur 12 Prozent
nischen Bevölkerung.

der amerika-

In einer Zeit, in der viele Großstädte der Vereinigten Staaten von
schwarzen Bürgermeistern regiert werden und in der Schwarze, wie etwa der
Abgeordnete William Gray, einflußreiche Stellungen im Kongreß einnehmen,
hat Jesse Jackson nie ein öffentliches Amt innegehabt.
Jacksons öffentliche Rhetorik ist
bisweilen etwas vage und hochtrabend
und eher dem Stil der Kanzel angemessen als einer politischen Kampagne,
die
auf
Probleme
eingehen
muß.
Trotzdem kann das Charisma seiner
Persönlichkeit und der emotionale Widerhall seiner Sympathien für die zu
kurz Gekommenen nicht geleugnet werden.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

10. Februar 1888

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

ROBERTSON BETONT MORALISCHE UND RELIGIÖSE WERTE
Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pat Robertson -

WASHINGTON - (AD) - Bei seinem als Außenseiter aufgenommenen Präsidentschaft swahlkampf rechnet der ehemalige Fernsehprediger Pat Robertson, der ein
von moralischen Werten geleitetes Amerika in Aussicht stellt, mit der Unterstützung der engagierten und tatkräftigen amerikanischen Minderheit fundamentalistischer Christen.

Der
57jährige
Marion
"Pat"
Robertson - vormals Oberleutnant beim
Marinecorps, Verfasser von fünf Büchern
und
Gründer
der
Christian
Broadcast Network, Inc., zu der auch
die CBN Universität gehört - vereint
seine leidenschaftliche Religiosität
und den politischen Hintergrund seiner Familie zu einem Wahlkampf, der
die tief verwurzelte Moralität der
Amerikaner hervorhebt.
"Wenn von Amerika die Rede ist,"
erklärt Robertson, "geht es nicht darum, wieviel die Bundesregierung aus-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gibt oder nicht...
Wir haben es
nicht mit Hilfe einer gewaltigen Bürokratie in Washington geschafft, eine Nation aus dem Nichts zu schaffen,
sondern mit Hilfe von Menschen und
Werten, wie Familie und Unternehmergeist und eines tief
verwurzelten
Glaubens an Gott.
Darum ist diese
Nation so großartig."
Ein
von
Robertson
geführtes
Weißes Haus würde nicht für eine höhere Besteuerung eintreten.
An den
amerikanischen
Bundeshaushalt
würde
er die "Axt" anlegen. Robertson zu-

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�folge sollte die Regierung nicht von
der Kirche beinflußt werden, aber er
fordert in der Regierung eine Rückkehr zur "jüdisch-christlichen Lehre". Er verlangt die Einführung des
Schulgebets und die Unterweisung in
einer "religiös fundierten Moral".
Er tritt gegen die Abtreibung
ein, befürwortet ein hartes Vorgehen
gegen die Pornographie und spricht
sich beim Kampf gegen die AIDS-Epidemie - über die Betonung des Bürgerschutzes gegenüber Privatrechten hinaus - für eine Ausweitung von AIDSTests und
sexuelle Enthaltsamkeit
aus. Er würde eine höhere Geburtenrate befürworten, teilweise um die
erwerbstätige Bevölkerung zu vergrössern.
Robertson zufolge sollte Amerikas
Politik gegenüber anderen Nationen
von zwei Hauptprinzipien geleitet
sein:
"Das erste Prinzip ist der Schutz
von Leben, Freiheit und dem Streben
nach Glück für amerikanische Bürger. .. Das zweite ist Amerikas Engagement für die Freiheit jenseits seiner unmittelbaren Grenzen, für seine
Verbündeten und sogar für all jene
Menschen, die sich nach Frieden sehnen und bereit sind, dafür zu kämpfen
und ihren Preis dafür zu zahlen..."
Des weiteren würde er im Kampf
gegen den internationalen Terrorismus
für "bessere Geheimdienstoperationen
zur Informationsbeschaffung" eintreten und Libyens Häfen völlig isolieren, "von denen aus die Instrumente
des Terrorismus exportiert und importiert werden".
Er würde eine "offene Kampagne
für die Freiheit" gegen das sandinistische Regime in Nicaragua führen.
Seinen schriftlichen Ausführungen zu-

folge sollte "unsere Unterstützung
für die Vereinigte Nicaraguanische
Opposition (UNO) in Anerkennung der
hohen
moralischen
Grundsätze
der
Truman Doktrin öffentlich verbreitet
und offiziell verwirklicht werden."
Er würde die Vertreter der UNO zum
Beitritt der Vereinten Nationen auffordern.
Die amerikanischen Beziehungen zu
China würde Robertson "stärker in Aspekte des fairen Handels, regionaler
Sicherheit und Menschenrechte einbinden."
Die iranische Ölverladeinsel
Kharg im Persischen Golf würde er
zerstören.
Um sicherzustellen, daß Regierungen "in Übereinstimmung mit dem Willen ihrer Völker handeln", würde
Robertsons Weißes Haus Wahlen als den
besten - "wenn nicht sogar den einzigen Weg" - befürworten. Er glaubt,
das Vertrauen in die amerikanische
Außenpolitik könne wiederhergestellt
werden, "wenn wir nicht von den feinen Unterschieden zwischen Diktaturen
von links oder rechts vereinnahmt
werden." Er würde Präsident Reagans
Engagement fortsetzen und "Demokratie
und Freiheit aussähen, wo immer es
einen Boden gibt, der beackert werden
muß".
Robertson strebt zum ersten Mal
nach einem politischen Amt, aber Politik ist in seiner Familie nicht unbekannt . Sein Vorbild in bezug auf
die Bedeutung eines öffentlichen Amtes war sein Vater, der ehemalige
amerikanische Senator aus Virginia,
A. Willis Robertson. 20 Jahre war
Robertsons Vater im amerikanischen
Senat und 14 Jahre im Repräsentantenhaus tätig.
Robertson erklärt:
"Es ist mir
in Fleisch und Blut übergegangen, daß
wir Staatsdiener waren.
Und damit

- 2 -

�ist genau das gemeint, was es bedeuten sollte: zu dienen. Ich bin stolz
auf ihn, daß er mir das beigebracht
hat."

hat später behauptet:
"Ich hatte
vergessen, daß Ich der Sohn eines Senators war.
Jetzt war ich Gottes
Sohn."

Nachdem er an den Universitäten
Washington und Lee ein B.A. magna cum
laude abgelegt und seine Jurapromotion von der rechtswissenschaftlichen
Fakultät der Yale Universität erhalten hat, erwarb er ein M.A. in Theologie am Theologischen Seminar der
Stadt New York.

Er brach seine
ab, schrieb sich
Priesterseminar in
wurde der Assistent
Kirche
in
dem
Brooklyner Bezirk
in New York.

1954 heiratete Robertson, dessen
Familie Baptisten waren, die römischkatholische Adelia (Dede) Eimer aus
Columbus, Ohio. Danach beendete er
ein Sommerpraktikum bei einer New
Yorker Firma; Dede war eine angehende Krankenschwester in Yale. Beide
haben inzwischen vier Kinder.
Robertsons Ehefrau soll gesagt
haben, am Anfang ihrer 33jährigen Ehe
habe für sie eine "schwierige Anpassungsphase"
gestanden.
Robertson
fiel durch das Anwaltsexamen, versuchte sich als Managementpraktikant
bei der Firma Grace und trat dann gemeinsam mit zwei weiteren Absolventen
der Yale Universität einer Firma bei,
die versuchte, einen High-Fidelity
Lautsprecher auf den Markt zu bringen.

Geschäftskontakte
in einem kleinen
Manhattan ein und
des Pastors einer
heruntergekommenen
Bedford-Stuyvesant

Nachdem er in Bedford-Stuyvesant
mit "Ratten, Küchenschaben und Wanzen" gelebt hatte, zog Robertson In
Virginias Tidewater Region um und
kaufte für 70 Dollar eine verlassene
Fernsehstation.
Als Fernsehprediger
begann er eine neue Karriere und
führte eine erfolgreiche Spendenkampagne durch, die ihm schließlich zur
Gründung eines Fernsehimperiums und
eines philantrophischen Zentrums verhalf, zu dem eine Satellitenstation,
eine Schule für das Studium höherer
Fachsemester und ein Verlagszentrura
gehören.
Dieses Hauptquartier an den Ufern
Virginias wurde zum Sprungbrett für
Robertsons Präsidentschaftswahlkampf.

Er behauptet, er wollte "eine
Menge Geld verdienen".
In seiner
Autobiographie
ist
jedoch
weiter
nachzulesen, daß - nach dem Motto
"Laßt es von den Dächern erschallen"
"all das
inhaltslos
zu sein
schien." Seine Leere wurde bald danach durch eine religiöse, sein Leben
beinflussende Erfahrung abgelöst, die
seiner Meinung nach von der Mutter
gefördert wurde. Es geschah in einem
Restaurant in Philadelphia, wo er einen
niederländisch-amerikanischen
Prediger traf.
Die beiden beteten
auf dem Bürgersteig, und Robertson
- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^VoN^

10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

SIMON FOLGT ALTHERGEBRACHTER LIBERAL-DEMOKRATISCHER TRADITION
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Paul Simon -

WASHINGTON - (AD) - Paul Simon ist ein Demokrat der alten Schule und aus
demselben politischen Holz geschnitzt wie Franklin Roosevelt, Harry Truman und
Robert Humprey. Trotz der Bedenken der vergangenen Jahre über das wachsende
amerikanische Haushaltsdefizit bezeichnet Simon sich selbst noch als einen Liberalen, der vermehrte Ausgaben im Inland, vernünftigere Verteidigungsausgaben
und höhere Steuern als Haushaltsausgleich und zur Finanzierung von Programmen
befürwortet.

"Ich stehe hier als Demokrat",
erklärte er in einer Wahlkampf rede im
vergangenen Jahr.
"Ich reihe mich
nicht unter denjenigen ein, die von
der Demokratischen Partei die Verleugnung ihres Vermächtnisses verlangen, damit sie für die Wohlhabenden
und Mächtigen annehmbarer wird".
"Eine republikanische
genug", stellte er fest.

erschienenes Buch - sein elftes
trägt den Titel "Let's Put America
Back to Work". Seit 1950 hat er seine Ansichten über Verteidigungsausgaben beibehalten, als er erklärte,
"Eine gesunde Wirtschaft wird mehr
für die Bekämpfung des Kommunismus
tun als eine von Atombomben übersäte
Nation."

Partei ist

Er kündigt acht Milliarden Dollar
für ein staatliches Arbeitsbeschaffungsprogramm an. Sein im Jahr 1987

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dennoch nimmt Simon für sich in
Anspruch, ein Konservativer in Sachen
Steuern zu sein. Er warnt, das Haushaltsdefizit sei eine Hypothek für
die Zukunft Amerikas und befürwortet

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�sowohl einen Verfassungszusatz, der
einen ausgeglichenen Haushalt fordert
als auch die Amtsbefugnis des Präsidenten, bestimmte Posten der Bewilligungsgesetze zu streichen.
Simon, bekräftigt
eindringlich,
daß die von ihm verfochteten Positionen in sich konsistent sind. Seiner
Ansicht nach gehen Zahlungen zugunsten des Defizits eher zu Lasten der
Wohlhabenden als der Arbeitnehmer.
Eine Verringerung des Defizits würde
die Zinszahlungen kürzen und damit
Mittel zur Finanzierung von Arbeitsund Beschäftigungsprogrammen freisetzen, erklärt er.
Paul Simon wurde im Jahr 1928 in
Eugene, Oregon geboren. Er studierte
an der Universität von Oregon und am
Blair College in Nebraska. Bereits
als Student war er ein Verfechter der
Menschenrechte - ein Thema, das zu
jener Zeit von den meisten noch nicht
beachtet wurde. Seine Laufbahn begann
er als Zeitungsverleger in
Illinois, dem Staat, den er jetzt im
Senat der Vereinigten Staaten repräsentiert. Im Jahr 1948 nahm er die
Tätigkeit als Verleger auf, unterbrach sie jedoch vorübergehend, um
von 1951 bis 1953 in der US-Army zu
dienen.
Eine weitere Unterbrechung
seiner Verlegerlauf bahn erfolgte, als
er sich zur Wahl für das Repräsentantenhaus von Illinois stellte
und im Jahr 1955 gewählt wurde.
Im
Repräsentantenhaus
dieses
Staates saß er neben Jeanne Hurley,
einer
anderen
Volksvertreterin.
"Paul und ich waren ziemlich auf derselben Wellenlänge", äußerte sie über
ihre politischen Ansichten. Im Jahr
1960 heirateten die beiden. Sie haben einen Sohn und eine Tochter.
1963 wurde Simon in den Senat des
Staates Illinois gewählt.
Er ver-

kaufte seine Kette von Wochenzeitungen im Jahr 1966 und stellte sich
1969 erfolgreich der- Kandidatur als
Vizegouverneur.
Simon mußte seine einzige Wahlniederlage hinnehmen, als er sich
1973 mit Unterstützung der mächtigen
politischen Maschinerie der Demokratischen Partei Chicagos um das Amt
des Gouverneurs bewarb. Von seinen
Gegenern wurde er beschuldigt, eine
Marionette
dieser
Maschinerie
zu
sein. Es gelang ihm nicht, diese Anschuldigung zu widerlegen und er mußte bei der Abstimmung eine vernichtendene Niederlage hinnehmen. Später
erklärte er, seine große Unterstützung durch die Öffentlichkeit habe
der Maschinerie keine Wahl gelassen,
als ihn zu unterstützen; sie habe
ihm zu folgen, sagte er, nicht umgekehrt.
Simon legte in jenem Jahr sein
Amt nieder und unterrichtete an der
Sangamon State Universität, bis er im
Jahr 1975 für einen freien Sitz im
amerikanischen Repräsentantenhaus gewählt wurde. Bei allen Parlamentswahlen konnte er diesen Sitz behaupten, zog es jedoch vor, im Jahr 1985
gegen Charles Percy um dessen Sitz im
amerikanischen
Senat
anzutreten.
Simon gewann knapp.
Im Senat wie auch in jedem Amt,
in das er gewählt wurde, schrieb
Simon die Belange des Volkes auf sein
Banner. Er ist ein Verfechter von
Gesetzen zugunsten des Bildungswesens, vermißter Kinder, Behinderter,
älterer
Menschen
und
politischer
Flüchtlinge aus Ländern mit totalitärem Regime.
Er ist, was in politischen Kreisen häufig als "Populist" bezeichnet
wird. Er gesteht ein, daß er wenig
Charisma besitzt, seiner Auffassung

�nach wird jedoch die Kraft seiner
Überzeugung durch die Wähler kommen.
Ein Beobachter bei einer von Simons
Wahlkampfreden
sagte kürzlich, die
Rede des Kandidaten sei "geradeheraus, er nimmt kein Blatt vor den Mund
und sagt, wie es ist".

kann als das Weiße Haus , erklärte er.

Der Meinung eines anderen Beobachters nach "legt er die Karten offen auf den Tisch".
"Dieser Mann
hält meine Aufmerksamkeit gefangen".
Ein weiterer Beobachter bemerkte, "Er
spricht im Stil eines altmodischen
Liberalen und entschuldigt sich nicht
dafür - ich finde, das ist erfrischend" .
Aber Simons Besorgnis über innenpolitsche Belange hat zu Beschuldigungen geführt, er sei nicht geeignet, außenpolitische Angelegenheiten
in den Griff zu bekommen. Seine Positionspapiere
konzentrierten
sich
angeblich hauptsächlich auf innenpolitische Themen und ignorieren Probleme der Außenpolitik und der Verteidigung.
Simon ist der Überzeugung, dies
sei eine Frage der Betonung.
"Ich
will eine Regierung, die sich um die
Menschen kümmert", sagt er.
Seine Fliege und die dicken Brillengläser sind zum Markenzeichen seiner Präsidentschaftskandidatur geworden. Einige sagen, damit sähe er wie
ein Präsident aus. Andere behaupten
das Gegenteil.
Auf die Frage, warum er Präsident
werden wolle, antwortete Simon: "Ich
konnte Veränderungen beobachten, die
ich herbeigeführt habe - zum Beispiel
bei behinderten Kindern. Es ist mir
gelungen, Menschen zu helfen.
"Und es gibt keinen Ort, an dem
man mehr Dinge dieser Art vollbringen

- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci: Nukleargarantie In Europa wird aufrechterhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz umreißt vorrangige Ziele der US-Außenpolitik im Jahr 1988&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Babbitts Vision in seiner Heimatstadt und ihren Werten verwurzelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Biographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten B. Babbitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis favorisiert Liberalismus und vorsichtige Steuerpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hart: Mann der Ideen strebt energisch nach demokratischer Nominierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jesse Jackson: Wahlkampf mit Charisma und populistischem Image&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robertson betont moralische und religiöse Werte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Pat Robertson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Simon folgt althergebrachter liberal-demokratischer Tradition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Paul Simon&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'V, D N #

17. Februar 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Shultz umreißt Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Ansprache von Außenminister Shultz -

INFORMATION
"Thomas A. Edlson-Prels" für Erfinder
- P r ä s i d e n t Reagan s c h l ä g t Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Aspirin senkt Herzinfarkt-Risiko
- Ergebnis e i n e r F ü n f - J a h r e s s t u d i e an 22 000 Personen

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

17. Februar 1988

SHULTZ UMREISST STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN

BEZIEHUNGEN

- Ansprache von Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge stellt die jüngste Bewegung im Verhältnis zur Sowjetunion "einen hoffnungsvollen Auftakt langfristig
angelegter und zielstrebiger Bemühungen zur Schaffung eines neuen Musters konstruktiverer Beziehungen dar".
In seiner am 5. Februar 1988 vor der Henry M. Jackson Schule für Internationale Studien in Seattle gehaltenen Ansprache erklärte Shultz, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen "werden stets einzigartig sein" und es sei
unwahrscheinlich, daß sie "jemals dessen verlustig gehen, was nach wie vor ein
von starkem Argwohn und großen Gegesätzen geprägtes Element ist".
Nachfolgend bringen wir die Rede von Außenminister Shultz in wesentlichen
Auszügen.

Scoop Jackson war der Überzeugung, der Westen müsse bezüglich der
Sowjetunion eine realistische Haltung
einnehmen.
Er setzte Vertrauen in
die Fähigkeit des Westens, die Stärke
zur Bewältigung dieser Realität aufzubringen.
Wenn wir unsere Stärke
und
unseren Realismus
beibehielten
und geradeheraus die Unstimmigkeiten
zwischen Ost und West angingen, könnten wir seiner Auffassung nach letztlich die Bedingungen für neue amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
schaffen, die sowohl Frieden als auch
Freiheit sicherstellten.

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Diese Sicht des Problems und seine Lösung hat sich als gut erwiesen.
Amerika hat seine Stärke wiedergewonnen und ist realistisch geblieben.
Dies wiederum hatte
einschneidende
Auswirkungen auf den Gang, umfang und
die Produktivität der amerikanischsowjetischen Beziehungen. Der Tempowechsel im Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion findet auch als Teil eines umfassenderen
Wandels
unserer
Welt
statt.

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�Diese Veränderungen
sind gelegentlich
unauffällig,
gelegentlich
drastisch.
Die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben Einfluß auf
diese Veränderungen und sind in hohem
Maße davon betroffen.
Die sich abzeichnenden Merkmale
des weltweiten Wandels sind überall
um uns herum auszumachen:
- Die
Geschwindigkeit
technologischer Innovationen und der Mittel zur Verbreitung dieser Technologien in weltweitem Umfang.
Wissenschaftliche,
wirtschaftliche und politische Belange haben jetzt eine weltweite Dimension erhalten.
- Wachsende wirtschaftliche Interdependenz zusammen mit dem Entstehen neuer Zentren wirtschaftlichen Wohlstands,
insbesondere
in Asien.
- Die Verteilung politischer Macht,
obwohl Schlüsselelemente der bipolaren Welt der Nachkriegszeit
fortbestehen.
- Und der gemeinsame Nenner aller
dieser Veränderungen:
Das Gebot
des Wissens - seine Entdeckung,
Weitergabe als Information sowie
die für seine Anwendung erforderliche Bildung.
Die Geschwindigkeit menschlicher
Transaktionen
wird beschleunigt. Offenheit und
Kommunikation sind der Schlüssel
zur Schaffung und
Beherrschung
dieses Wandels.
Das Ergebnis unter dem Strich ist
eine starke und ermutigende Tendenz
zu Demokratie, Offenheit und Freiheit, sowohl in als auch unter den
Nationen. Die Länder, die in diesen
Tagen wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Fortschritt zu verzeich-

nen haben, sind diejenigen, die grössere Freiheit der Märkte und innerhalb ihrer politischen Institutionen
auf ihr Banner geschrieben haben. In
einer Welt, in der Information und
Innovation die Triebfeder der heutigen Zeit sind, fallen Gesellschaften,
die Innovation unterdrücken und den
freien Informationsfluß beschränken,
mehr und mehr zurück.
Die Veränderungen, die zur Zeit
in der Sowjetunion stattfinden, sind
in diesem Sinne außerordentlich reaktiv, ein zögerlicher und banger Versuch, mit der Dynamik und Kreativität
des Westens Schritt zu halten.
In
diesen Tagen hören wir viel vom "neuen Denken". Wir sollten uns jedoch
vergegenwärtigen, was dies bedeutet.
Es ist das Bestreben, die Realität
einer Welt in den Griff zu bekommen,
die nicht von der Sowjetunion und ihren Verbündeten gestaltet wird, sondern der Gemeinschaft freier Nationen
- und der Macht der Freiheit.
Eine Konsequenz dieses Wandels
birgt neue Hoffnung auf ein mögliches
Ende des bitteren Experiments mit dem
Totalitarismus, das für weite Teile
des 20. Jahrhunderts die Hoffnungen
der Menschheit für eine auf Frieden
und Freiheit gegründete menschliche
Gemeinschaft
zunichte gemacht hat.
Aber dieses Experiment ist noch nicht
beendet
und muß bewältigt werden.
Das bedeutet, daß die amerikanischsowjetischen Beziehungen in den vor
uns liegenden Jahrzehnten eines unserer Hauptanliegen bleiben werden.
Die Frage, mit der wir uns konfrontiert sehen ist, ob wir ein amerikanisch-sowjetisches Verhältnis gestalten können, das uns beiden gestattet, unsere Energien weniger auf
gegenseitige Konfrontationen zu verschwenden, sondern auf die Bewältigung der Herausforderungen des weit-

�weiten Wandels, und zwar in unseren
Ländern
sowie auch als bedeutende
Mächte in einem komplexen internationalen Umfeld auszurichten.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg
entstanden Welt war bipolar.
Die
Gravitation, die durch die Konzentration wirtschaftlicher
und militärischer Macht in zwei so unterschiedlichen Systemen wie denen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ausgeübt wurde, war unerhört stark.
Die Macht beider dieser ehemaligen
Verbündeten bestand vornehmlich darin, die Handlungsfreiheit des anderen einzuschränken.

und Verbesserungen des Lebensstandards in der unmittelbaren Nachkriegszeit haben gemeinsam mit dem Eindruck
amerikanischer Schwäche nach unserem
Abzug aus Vietnam vorübergehend die
wachsenden Probleme des Systems und
ihre Bedeutungslosigkeit als Modell
für die sich entwickelnde Welt verschleiert.
Die politisch
der Sowjetunion
einer Verlagerung
tion" und gingen
aggressiv vor:

- Die
Sowjets
legten
weiterhin
übermäßige Betonung auf militärische Stärke, mit einer militärischen
Aufrüstung,
die
selbst
nach der Erlangung strategischer
Parität keinerlei Anzeichen eines
Nachlassens sichtbar werden ließ
und die offensichtlich auf sowjetische Expansion zu Lasten der
Sicherheit anderer Nationen ausgerichtet war.

Der zentrale Punkt der amerikanischen Außenpolitik nach 1945 war
die Begrenzung des Mißbrauchs sowjetischer Militärmacht.
Die Eindämmungspolitik
versuchte das Problem
direkt in den Griff zu bekommen und
führte zur Gründung der NATO und eines weltweiten Systems von Bündnisbeziehungen.
Amerikanische Bestrebungen, das Weltwirtschaftssystem wiederzubeleben trugen dazu bei, Moskau
Expansionsoptionen zu verweigern.

- Moskau verließ sich weiterhin auf
Macht - oder die Bereitstellung
der Machtmittel - um ihren Einfluß im Ausland zu vergrößern.
Die Tendenz erreichte mit der Invasion in Afghanistan im Jahr
1979 ihren Höhepunkt, aber keinesfalls ihr Ende.

Aber die in der Nachkriegszeit
entstandene bipolare Welt wurde durch
die auf weltweiter Ebene sich beschleunigenden Veränderungen ständig
unterhöhlt - Veränderungen, durch die
politische, wirtschaftliche und militärische Macht breit gestreut wurde.
Das strikt zentralisierte sowjetische
System mit seinem Beharren auf der
Aufrechterhaltung eines Informationsmonopols konnte mit vielen der wichtigsten Tendenzen nicht zur Deckung
gebracht werden.
Dennoch hat die Sowjetunion im
großen und ganzen bis vor kurzem die
Augen vor der Bedeutung dieser Tendenzen verschlossen. Die sowjetische
Errungenschaft strategischer Parität

Verantwortlichen in
sprachen daher von
der "Kräftekorrelaim In- und Ausland

- In der Zeit nach Stalin und den
letzten Jahren der Breschnew-Führung erreichte die Unterdrückung
von Dissidenten im Inland ihren
Gipfel, entgegen der feierlichen
internationalen
Unterfangen
der
Sowjetunion und trotz der wachsenden Tendenz zu Demokratie und
Offenheit überall auf der Welt.
Ende der siebziger Jahre begannen
die Sowjets jedoch, sich den im Umbruch
befindlichen
Realitäten
zu

- 3 -

�stellen.
Selbst
die
Sowjets beschreiben diesen Zeitraum jetzt als
einen der Stagnation und des Irregeleitetseins.
Die Vereinigten Staaten versuchten ihrerseits zunächst, die eindimensionale Entspannung aufrechtzuerhalten, die nicht als Hemmschuh für
sowjetischen Unilateralismus gedient
hatte.
Aber im Anschluß an diese
Phase des Zögerns reagierte Amerika.
Mit der Wahl Ronald Regans verliehen die Amerikaner im Jahr 1980
ihrer Bereitschaft Ausdruck, alles
Erforderliche zu tun, um sowjetischen
Expansion!smus einzudämmen, selbst in
einer Welt, die sich in hohem Maße
von der unterschied, wie sie nach den
Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges
entstanden war.
Vom ersten Tage an hat Präsident
Reagan eine dreigliedrige Strategie
verfolgt.
Von entscheidender Bedeutung war
die Wiederherstellung amerikanischer
Stärke
Modernisierung
unserer
Streitkräfte, Bildung von Vertrauen
und Einheit unserer Blindnisse, Ankurbelung unserer Wirtschaft, Ermutigung
der Verbreitung von Demokratie und
Freiheit auf der ganzen Welt. Dafür
waren und sind die Entschlußkraft und
Wachsamkeit des Westens erforderlich
und dies wird auch in Zukunft so
bleiben.
Wir versuchten, die neugewonnene
Stärke Amerikas im Einklang mit einer
realistischen Würdigung
des Wesens
der sowjetischen Gesellschaft und ihrcv
Politik zum Tragen zu bringen.
Statt sich nur auf die militärische
Aufrüstung zu konzentrieren, die ein
Symptom des Ost-West-Konfllktes ist,
versuchte
die
Reagan-Administration
vielmehr, die gesamte Bandbreite von

Themen in Angriff zu nehmen, die das
Verhältnis belasteten.
- Wir begnügten uns nicht mit halben Schritten bei der Rüstungskontrolle, sondern setzten uns
die Erlangung von Abkommen zum
Ziel, mit denen die Arsenale tatsächlich verringert, die Sicherheit verbessert und die wirksam
verfizierbar sein würden.
- Statt erfolglos über die Intervention sowjetischer Streitkräfte
und sowjetischer Vasallen in Entwicklungsländer zu schimpfen, arbeiteten wir mit denjenigen zusammen, die zur Verteidigung ihrer Freiheit und der Beweisführung bereit sind, daß der Preis
für Abenteurertum hoch und nachhaltig ist.
- Statt Menschenrechte als unangenehmen, nachträglichen
Gedanken
abzutun, erkannten wir an, daß
diese
Probleme beständiger und
positiver
Teil
internationaler
Beziehungen sind, denen wir in
unserer Sicht der Welt und für
unsere Sicherheit zentrale Bedeutung beimessen.
Wir haben sie
zum
integralen Bestandteil des
Dialogs gemacht, dem der ihm gebührende Stellenwert in Diskussionen auf allen Ebenen zukommt.
Statt bilaterale Beziehungen als
Anreiz oder Vergünstigung für sowjetische Schritte in anderen Bereichen
anzusehen, haben unsere Begegnungen
ein hohes Maß gegenseitigen Nutzens
erreicht.
Unsere Betonung von Stärke und
Realismus haben den Dialog mit Moskau
nicht verhindert.
Tatsächlich versuchten wir, diesen Dialog produktiv
zu gestalten, indem wir die Sowjets
von der Bedeutung eines Wandels in

�ihrem Verhalten bei Themen überzeugen
wollten, an denen die Vereinigten
Staaten - und die Welt insgesamt ein legitimes Interesse haben.
Wir
haben darauf bestanden, daß der Dialog das gesamte Spektrum solche Interessen abdeckt, von Rüstungskontrolle und regionalen Konflikten bis
hin zu Menschenrechten und bilateralen Angelegenheiten, und wir haben
die amerikanischen Ziele in jedem
dieser Bereiche klar umrissen.
Wir
haben betont, daß alle der umfassenden Themenkomplexe dieser Tagensordnung in engem Zusammenhang stehen, in
der Überzeugung, daß stabile und konstruktive
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen erzielt und aufrechterhalten werden können, wenn Moskau zu
konkreten Schritten zur Lösung der
kritischen Probleme bereit ist. Die
Sowjets scheinen diese Realität in
zunehmendem Maße zu begreifen.
Wir sind uns der Tatsache bewußt,
daß sich ungewöhnliche Umstände ergeben können, in denen Fortschritte in
einem Bereich von denen in anderen
Bereichen
abhängig
gemacht
werden
müssen, insbesondere angesichts sowjetischer Handlungen, von denen die
Grundlage eines stabilen Friedens untergraben wird.
Dennoch können wir unmöglich erwarten, mit einer Politik, die gebietet, daß kein Problem gelöst werden
kann, solange nicht alle gelöst sind,
irgend etwas zu erreichen. Die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
sind zu schwierig und komplex, als
daß dies zu einer praktischen Option
gemacht werden könnte.
Die Mängel eines undifferenzierten Junktims als Instrument der Politik sind über die Jahre offensichtlich geworden.
Eine solche Politik
beraubt uns der Möglichkeit, realistische Vereinbarungen anzustreben, die
- 5

westlichen
Interessen
dient.
Sie
überläßt den Sowjets die Initiative,
das Tempo und den Umfang der Beziehungen zu uns und unse:cn Verbündeten
zu bestimmen.
Sie durchbricht die
Beständigkeit und Disziplin, die für
die
erfolgreiche
Verfolgung
einer
langfristigen
Strategie
für
eine
friedlichere und demokratischere Welt
unentbehrlich sind.
Und was am wichtigsten ist: So,
wie es in der Vergangenheit gehandhabt wurde, hat das Junktim nie funktioniert. Wenn sich die Sowjetunion
zum Beispiel aus Afghanistan zurückzieht, wird sie dies nicht tun, weil
die Vereinigten Staaten ein Getreideembargo verhängten oder Rüstungskontrollvereinbarungen
blockieren, die
der westlichen Sicherheit
dienlich
sind.
Stattdessen wird die Sowjetunion das Schicksal Afghanistans zurück in die Hände des afghanischen
Volkes legen, weil die Afghanen mutig
und entschlossen gekämpft haben und
weil die Weltgemeinschaft unter Führung der Vereinigten Staaten letztlich dort reagiert hat, wo eine Reaktion wirksam ist - unmittelbar auf
dem Boden, mit materieller und politischer Unterstützung.
Trotz solcher Untaten wie des sowjetischen Abschusses eines koreanischen Verkehrsflugzeuges
im Jahr
1983 und sowjetischer Spionageaktivitäten
gegen
unsere
Botschaft
in
Moskau hat Präsident Reagan auf unserer Tagesordnung beharrt, unsere Abrüstungsunterhändler in Genf belassen
und unseren Dialog mit Moskau auf
höchster Ebene weiterverfolgt.
Ein
Ergebnis dessen ist der INF-Vertrag,
der unsere Verhandlungsziele erfüllt
und einen eindrucksvollen Beitrag zur
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten
und der Verbündeten leisten wird.
Am

Ende

der

ersten

Amtsperiode

�des Präsidenten hatten die Vereinigten Staaten und der Westen damit begonnen, neue Bedingungen auszuarbeiten.
Noch bevor Mikhail Gorbatschow
Generalsekretär wurde, hatte die Sowjetunion begonnen, auf diese zu reagieren. Nachdem der Versuch, den Westen durch Drohungen und Boykott zu
RUstungskontrollverhandlungen zu den
sowjetischen Bedingungen zu zwingen,
fehlgeschlagen war, kehrten die Sowjets im Jahr 1985 zu den Gesprächen
Über
Nuklear- und
Weltraumwaffen
(NST) an den Verhandlungstisch zurück.
Innerhalb
der
Sowjetunion
selbst hatten die Realitäten der im
Wiederaufstieg begriffenen, selbstbewußten Vereinigten Staaten, eines Umschwungs zugunsten von Demokratie und
freiem Unternehmertum in den Entwicklungsländern, der Unfähigkeit sowjetischer Vasallenregime, ihren Zugriff
zur Macht zu konsolidieren und des
anschwellenden Chors internationaler
Verurteilung
sowjetischer
Menschenrechtspraktiken zu einer Vertrauenskrise geführt.
Zunehmend
wurde es den sowjetischen Bürgern - und endlich auch
den politisch Verantwortlichen - bewußt, daß das
sowjetische
System
nicht mehr funktionierte und daß die
Sowjetunion Gefahr lief, noch mehr
ins Hintertreffen zu geraten.
Der
Prozeß, sich den heutigen Realitäten
anzupassen, beschleunigte sich noch
mit dem Amtsantritt von Generalsekretär Gorbatschow.
Was konkrete Resultate auf der
umfassenden Tagesordnung, die von der
Reagan-Administration verfolgt wurde,
anbetrifft, so ist die Bilanz zunehmend stattlich.
- Die Sowjetunion hat unseren realistischen und umfassenden Rahmen
zur praktischen Behandlung der
Ost und West trennenden Probleme
- 6

akzeptiert.
Durch
Einbeziehung
des gesamten Spektrums der Probleme in die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, hat dieser
Rahmen unserem Dialog
Struktur
und Richtung - eine Tagesordnung
- geliefert.
Sicherlich reicht
der Dialog allein nicht aus; was
zählt, ist ein Wandel im sowjetischen Verhalten. Die Schaffung
des Rahmens war jedoch ein bedeutender Schritt zu den in der Folgezeit erzielten Fortschritten.
- Wir haben den INF-Vertrag abgeschlossen, der sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer
Raketen - als auch aufgrund seiner beispiellosen Verifizierungsmaßnahmen bemerkenswert ist.
-

Wir haben bedeutende Fortschritte
auf dem Weg zum Abschluß eines
Vertrages erzielt, der die strategischen Atomwaffenarsenale der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion halbieren würde.
- Wir haben die Kommunikation zwischen den Regierungen verbessert,
indem wir dem Heißen Draht eine
neue Dimension gegeben und eine
Vereinbarung über die Errichtung
von Zentren zur Verringerung des
Nuklearen Risikos in Washington
und Moskau abgeschlossen haben.
- Wir sind Zeugen eines bescheidenen Fortschritts
bei Menschenrechten
und humanitären Fragen
geworden, und wir haben einen regelmäßigen Meinungsaustausch über
regionale Konflikte eingerichtet,
Themen, die die Sowjets früher
als Tabus oder als für die Rüstungskontrolle
zweitrangig
zurückwiesen.

�- Wir haben dem Projekt zu bilateralen,
kooperativen
Programmen
neues Leben eingehaucht, die von
menschlichen
Kontakten
zwischen
jungen Leuten bis hin zu verbesserten Flugverbindungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der
UdSSR
und
wissenschaftlichen,
kulturellen und Lehreraustauschprogrammen reichen.
Diese Programme tragen dazu bei, die von
den Sowjets seit langem aufrechterhaltenen künstlichen Schranken
abzubauen und können auf beide
Länder befruchtend wirken.
Dies ist ein hoffnungsvoller Auftakt zu langfristig angelegten und
zielstrebigen Bemühungen zur Schaffung eines neuen Musters konstruktiverer Beziehungen.
Die in der jüngeren Vergangenheit
erzielten
Vereinbarungen
sowie die
Aussichten auf künftige Fortschritte
beruhen in Wahrheit auf dem amerikanischen "neuen Denken" und auf Neuerungen sowohl in unserer breitangelegten Strategie sowie in unseren Lösungen für spezielle Probleme.
Alle die von mir gerade aufgeführten
Vereinbarungen
rühren
von
amerikanischen Initiativen und Ideen
her.
Und es gibt noch viele mehr,
wie etwa einschneidende Reduzierungen
der
strategischen
Atomwaffen,
die
Aussichten
für
Verhandlungslösungen
regionaler Konflikte und Veränderungen der sowjetischen Praktiken im Bereich der Menschenrechte, die den
westlichen
Interessen gute Dienste
erwiesen haben.
Überdies ist der gegenwärtig in
den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen stattfindende Prozeß in Gang
gekommen, weil er beim amerikanischen
Volk auf breite Unterstützung stößt.
Zum ersten Mal seit Jahren herrscht

über die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion ein starker innenpolitischer Konsens.
Wenn dieser
Konsens bewahrt werdeu kann - und
dies sollte der Fall sein -, wird die
amerikanische Politik gegenüber der
Sowjetunion durch eine fast beispiellose Kontinuität und Stabilität gestärkt werden und sich weiterhin als
dynamisch und schöpferisch bei der
Suche nach Problemlösungen erweisen.
Ein besseres Verhältnis zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
liegt sicherlich im Bereich des Möglichen. Ein solches Verhältnis würde
von der Offenheit gekennzeichnet, unsere Unterschiede anzuerkennen, der
Initiative, sie zu lösen, wo wir dies
können und der Fähigkeit, unsere Differenzen friedlich zu behandeln, wo
der Wettbewerb andauert, wie dies sicherlich der Fall sein wird. Während
eines seiner Besuche in Washington im
vergangenen Herbst mag der sowjetische
Außenminister
möglicherweise
Ähnliches gedacht haben. Er brachte
ein Argument vor, das mich tief beeindruckte.
Er stellte fest, daß in den letzten Jahren die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion in verschiedenen
Bereichen eine bemerkenswerte Anzahl
von Schritten unternommen hätten. Er
kam zu dem Schluß, wir seien an einem
Punkt angelangt, an dem unsere quantitativen Fortschritte einen qualitativen Wandel im Charakter unseres
Verhältnisses
ermöglichten.
Wir
schienen uns in Richtung auf ein normaleres Verhältnis zu bewegen, erklärte er.
Ich habe seither viel über die
Worte des Außenministers nachgedacht
und bin zu dem Ergebnis gekommen, daß
ich ihm zustimme und gleichzeitig widerspreche.

- 7 -

�Es fällt mir schwer, zu glauben,
daß unsere Beziehungen zur Sowjetunion jemals "normal" in dem Sinne
sein werden, in dem wir normale Beziehungen
zu den meisten
anderen
Staaten unterhalten.
Es gibt nur
zwei Supermächte auf der Welt.
Wir
unterscheiden uns enorm in unserer
Einstellung zur Rolle des einzelnen
in unseren Gesellschaftssystemen sowie in unseren Beziehungen zu anderen
Ländern. Das Verhältnis zwischen uns
wird immer einzigartig sein. Es erscheint
unwahrscheinlich,
daß
das
amerikani sch-sowjeti sehe
Verhältnis
jemals dessen verlustig gehen wird,
was nach wie vor ein von starkem Argwohn und großen Gegensätzen geprägtes
Element ist.
Auch denke ich nicht, daß die Akkumulation
einzelner Abkommen oder
kooperativer Vereinbarungen an sich
einen Quantensprung zu einem qualitativ verschiedenen Verhältnis erbringen werden.
Die
Verschiedenheiten
zwischen uns und das von diesen hervorgerufene Mißtrauen sind zu tief
verwurzelt.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß Abkommen allein einen solchen Abgrund nicht überbrücken können.
Ich bin jedoch davon überzeugt,
daß der Außenminister in einem Sinne
recht hatte. Man kann sagen, daß wir
an der Schwelle eines dauerhafteren
amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses stehen. Auf amerikanischer Seite
besteht zum ersten Mal seit vielen
Jahren ein starker Konsens in der
Frage, wie wir mit der Sowjetunion
umgehen
sollten.
Auf
sowjetischer
Seite mag - zum ersten Mal überhaupt
und aus Notwendigkeit - eine Bereitschaft vorhanden
sein, die sowjetische Sicherheit und andere Interessen auf eine Art und Weise zu überprüfen, die internationalen Normen
eher gerecht wird.

So interessant die gegenwärtig in
der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen sein mögen, müssen wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie
diese Veränderungen konkret die in
unserer breitgefächerten Tagesordnung
verankerten Interessen beeinflussen.
Wir müssen mit der Sowjetunion so umgehen, wie sie ist und nicht, wie wir
sie uns wünschen.
Das sowjetische
System beginnt gerade mit Versuchen,
die Wirtschaft zu reformieren.
Es
hat die Oberfläche struktureller politischer Reformen kaum angekratzt.
Wir haben noch keinerlei Veränderungen festgestellt, die darauf hindeuten, daß die Sowjetunion von ihrem
historischen
Ziel
abgerückt
sein
könnte, das internationale System zu
ihrem Vorteil zu verändern.
Deshalb sollten wir in genau dem
Maß den Wandel in der Sowjetunion begrüßen - und dem sowjetischen Volk
dabei Erfolg wünschen -, wie sich die
sowjetischen Anstrengungen zur Modernisierung
mit
den
amerikanischen
Hoffnungen auf eine sicherere Welt
und ein produktiveres amerikanischsowjetisches Verhältnis decken.
Wir
sind überdies davon überzeugt, daß
Fortschritte in den Bereichen, die
von größtem Interesse für die Vereinigten Staaten und die Welt sind,
auch den Menschen in der Sowjetunion
am meisten dienen würden.
Was also können wir realistisch
in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während dieser Periode des
Wandels in der Sowjetunion und weltweit erwarten?
Unser Endziel hat sich nicht geändert - eine Sowjetunion, die mit
anderen Staaten und ihrem eigenen
Volk durch Dialog anstatt Einschüchterung
umgeht.
Dies
würde
eine
durchgreifende
Veränderung
darstellen, die einen guten Teil der ge-

- 8 -

�schlchtltchen Entwicklung der Weltpolitik. In diesem Jahrhundert umkehren
würde.
Dieses Ziel liegt noch in
weiter Ferne, und auf dem Weg zu seiner Realisierung werden wir mit vielen Unsicherheiten in bezug auf Umfang, Dauerhaftigkeit und Bedeutung
des Wandels in der Sowjetunion und im
internationalen
Umfeld
konfrontiert
sein.
Es wäre deshalb falsch und unrealistisch, wenn wir die Ablösung
des
internationalen
Sicherheitssystems in absehbarer Zukunft erwarten
würden.
Unsere Sicherheit, Freiheit
und unser Wohlstand werden weiterhin
auf atomarer Abschreckung, unserem
System der Bündnisse, unseren Bemühungen zur Ausdehnung und Stärkung
der Demokratie und einer freien Weltwirtschaft, vor allem aber auf unserer eigenen Stärke und unserem Willen
zur Verteidigung unserer Interessen
und Werte beruhen.

gungshaushalt - ebenso wie entschiedene Unterstützung der Bereiche Sicherheit und Wirtschaft - sind unerläßlich, wenn wir auch in Zukunft andere Optionen Moskaus verhindern wollen.
Gleichzeitig sehen wir bessere
Möglichkeiten denn je zuvor, ausgeglichene, wirkungsvolle und nachprüfbare Rüstungskontrollabkommen zu erzielen, die vorhandene Ungleichgewichte abbauen und größere Stabilität
und
Vorhersehbarkeit
der
militärischen Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen mit sich bringen würden.

Wir können jedoch am Aufbau eines
Verhältnisses zur Sowjetunion arbeiten, das auch bei andauerndem Wettstreit weniger gefährlich sein wird.
Gleichmäßiger Fortschritt auf unserer
gesamten
vierteiligen
Tagesordnung
mit der Sowjetunion liefert einen
Plan zur Verwirklichung dieses Ziels,
einen Rahmen für Maßnahmen, mit denen
die
Internationale
Stabilität
gestärkt und die Bedingungen für künftige Fortschritte verbessert werden.
Auf militärischer Ebene haben wir
uns für die kommenden Jahre zum Ziel
gesetzt, uns den Konsequenzen der
massiven sowjetischen Aufrüstung seit
Mitte der siebziger Jahre zu stellen.
Dazu sind anhaltende und energische
Bemühungen
der Vereinigten
Staaten
und unserer Verbündeten bei der Modernisierung und Stärkung der konventionellen und nuklearen Abschreckung
erforderlich. Ein gesunder Verteidi- 9 -

- Das
INF-Abkommen
würde
einen
wichtigen Teil der sowjetischen
militärischen
Aufrüstung
der
siebziger Jahre vollständig beseitigen, die In der Stationierung von SS-20-Raketen und der
älteren
SS-4-Raketen
sowie der
Bedrohung durch sowjetische Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite bestand.
Die Ratifizierung und vollständige Durchführung des Vertrages wird ganz
erheblich zur westlichen Sicherheit beitragen.
- Der nächste Schritt ist ein nachprüfbares Abkommen zum 50prozentigen Abbau amerikanischer und
sowjetischer strategischer Offensivwaffen und die Schaffung eines
stabilen Gleichgewichts bei strategischen
Nuklearwaffen.
Wir
werden hart arbeiten, einen solchen Vertrag bis zum diesjährigen
Besuch
Präsident
Reagans
in
Moskau fertigzustellen.
Die Sowjetunion hat sich zu ähnlichen
Anstrengungen
verpflichtet.
Zahlreiche entscheidende Bestandteile des Vertrages sind bereits
in greifbare Nähe gerückt, doch
es bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf Fragen
der Verifizierung.
In den kom-

�menden Monaten wird die Erarbeitung eines Vertrages in hohem
Maße von der Bereitschaft der Sowjetunion abhängen, bei der Lösung dieser vielschichtigen Probleme kooperativ und kreativ mit
uns zusammenzuarbeiten.
Um herauszufinden, ob sich das
strategische
Gleichgewicht
möglicherweise zunehmend auf einer
auf
Vertetdigungssystemen
beruhenden Abschreckung
statt ausschließlich auf die Androhung nuklearer Vergeltung gründen könnte, werden wir SDI auch weiterhin
energisch verfolgen.
Da sowjetische
strategische
Verteidigungsprogramme bereits existieren
und SDI in Zukunft das Fundament
für einen sichereren Weg zur Gewährleistung des internationalen
Friedens
bereiten
könnte, ist
dieses Programm unerläßlich.
- Wir und unsere Verbündeten werden
unsere Bestrebungen zur Schaffung
größerer Stabilität und Offenheit
bei den konventionellen militärischen
Streitkräften in Europa
unbeirrt fortsetzen.
Wir werden
uns auch weiter darum bemühen,
ein wirklich weltweites und verifizierbares
Verbot
chemischer
Waffen zu erreichen, die Weiterverbreitung nuklearer Waffen zu
verhindern
und
Schritt
für
Schritt realistische Fortschritte
im Hinblick auf Atomversuche anzustreben, wobei mit den erforderlichen Verbesserungen bei der
Verifizierung bestehender Begrenzungen des Schwellenvertrages und
des Vertrages über Nuklearsprengungen zu friedlichen Zwecken begonnen werden muß.
Nach wie vor werden wir auf konkrete sowjetische Schritte zum freieren Fluß von Menschen, Informationen

und Ideen drängen, wie er in der
Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr
1975 und den nachfolgenden Dokumenten
im Rahmen des Helsinki-Prozesses niedergelegt wurde.
Ohne die in den
vergangenen
Monaten
unternommenen
Schritte schmälern zu wollen, werden
wir beharrlich darauf bestehen, daß
immer noch getrennt lebenden Familien
die Zusammenführung mit ihren Angehörigen gestattet werden muß, daß Ausreisewilligen die Genehmigung erteilt
wird, daß Gläubige bei der Ausübung
ihrer Religion nicht behindert und
ihre Rechte durch entsprechende Institutionen geschützt werden sollten.
Die Menschenrechtsfrage wird für
die Amerikaner erst gelöst sein, wenn
frühere Verstöße behoben sind und
keine neuen vorkommen. In Anbetracht
des Wesens des sowjetischen Systems
mag diese Situation noch entfernt
sein, aber es kann und muß kontinuierliche Schritte in diese Richtung
geben. Osteuropa ist - wie Präsident
Reagan in seiner Berlin-Initiative im
vergangenen Juni festgestellt hat ein Ort, an dem wir einen wirklichen
Wandel der Politik erwarten.
Auf dem Gebiet regionaler Konflikte können wir nicht davon ausgehen, daß die Sowjetunion ihre traditionelle Neigung zur Erweiterung ihrer
politischen Einflußsphären
und
zur Ausdehnung ihrer militärischen
Macht auf andere Regionen der Welt
aufgegeben hat.
Daher müssen die
Vereinigten Staaten bereit sein, diejenigen zu unterstützen, die für ihre
Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen
wollen. Wenn die Sowjetunion jedoch
zum Überdenken ihrer in der Vergangenheit
bezogenen
Position
bereit
ist, werden wir dazu beitragen, Frieden und nationale Aussöhnung für Regionen herbeizuführen, die derzeit
noch von Konflikten zerrissen sind.

- 10 -

�- Im Hinblick auf die zentrale Frage Afghanistan haben die Sowjets
die Vordringlichkeit des unverzüglichen Abzugs ihrer Truppen
und die Notwendigkeit der Gewährung der Selbstbestimmung fllr das
afghanische
Volk
eingestanden.
Wir erwarten von der sowjetischen
Führung, daß sie dieser Einsicht
Taten folgen läßt und unverzüglich einen Plan für den raschen,
vollständigen
und
unwiderruflichen Abzug ihrer Streitkräfte
bis zum Jahresende vorlegt.
- Ebenso werden wir die Sowjetunion
zur Mitarbeit bei konkreten Bemühungen drängen, ausgehandelte politische Lösungen in andere Regionen der Welt hineinzutragen,
wo sowjetische Vasallen gegen ihr
eigenes Volk und gegen ihre Nachbarn kämpfen.
Auf der Ebene der bilateralen Beziehungen haben wir durch Vereinbarungen
schon Rahmenbedingungen geschaffen, die konkreten amerikanischen Interessen dienen: bei der zivilen Luftfahrt, der Zusammenarbeit
im All und Austauschprojekten in den
Bereichen Kultur und Wissenschaft.
Im Verlauf des Washingtoner Gipfels
haben der Präsident und Generalsekretär Gorbatschow weitere Gebiete umrissen, auf denen beide Seiten einander viel zu geben haben. Hierzu gehören auch möglicherweise unschätzbare Maßnahmen
bei
der
Bewältigung
weltweiter
Veränderungen, zum Beispiel bilaterale
und multilaterale
Bemühungen bei der Erforschung der
Auswirkungen
globaler
Klimaveränderungen und der Umwelt, oder bei der
Erkundung der Aussichten von Kernfusion als unbegrenzte
Energiequelle
und bei der Nutzbarmachung von Gebieten wachsender Bedeutung, wie etwa
der Antarktis.

Was können wir tun, um unsere
Aussichten auf eine Verwirklichung
dieser Ziele zu maximieren?
Unsere Hauptaufgabe ist nach wie
vor Bedingungen zu schaffen, die Einfluß auf das sowjetische Verhalten
haben. Der Schlüssel hierzu ist die
Stärke und Wachsamkeit des Westens.
Wenn es uns gelingt, diese Bedingungen zu schaffen, werden die bereits
erstellten
Rahmenbedingungen
weiterhin ein bedeutendes Mittel zur
Verwirklichung dieses Ziels sein. Es
war nie zuvor so wichtig, daß beide
Seiten einen bestimmten gemeinsamen
Ansatz entwickeln, wenn wir jene qualitativ
neuen Beziehungen
schaffen
wollen, nach denen wir streben.
Während dem Besuch von Generalsekretär
Gorbatschow in Washington
habe ich bei einer Tischrede eine
Reihe von Richtlinier, angesprochen,
die beim Ausbau unserer bisherigen
Leistungen auf beide Seiten Anwendung
finden könnten.
Sie sind es wert,
wiederholt zu werden.

- 11 -

- Erstens: Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sind so bedeutend
wie einzigartig.
Sind
sind bedeutend, weil wir beide
aufgrund unserer Führungsrolle in
der Welt eine ungeheure Last tragen.
Sie sind einzigartig, weil
wir im Nuklearzeitalter trotz unserer fundamentalen Gegensätze zu
beiderseitigen
Verpflichtungen
aufgerufen sind. Wie Generalsekretär Gorbatschow in seinem Buch
geschrieben hat:
"Es gibt keine
Möglichkeit, voneinander
loszukommen."
- Zweitens:
Unsere Beziehung wird
auch weiterhin schwierig gestaltet sein. Wir haben entgegengesetzte
Philosophien,
politische

�Systeme und nationale Interessen.
Unsere
Grundwerte, Systeme und
Interessen
werden
fortbestehen,
auch wenn die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit wächst.

heutigen
unterscheiden,
ebenso
wie von der Nachkriegswelt der
vergangenen 40 Jahre, die unser
Denken so sehr geprägt hat.
- Damit kommen wir zum
sechsten
Punkt:
Die Erkenntnis, daß Offenheit für Ideen, Informationen
und Kontakte der Schlüssel zu
künftigen Erfolgen ist. Die konzeptionellen Durchbrüche in den
Bestimmungen
des
INF-Vertrages
zur Verifizierung und Inspektion
vor Ort sind nur ein Beispiel für
die
gewaltige
Anziehungskraft,
die die Offenheit bereits in einem
zentralen Bereich amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen
ausübt.

- Drittens: Wir müssen realistisch
bleiben und angesichts der Höhen
und Tiefen unserer Beziehung Extreme vermeiden, sei es durch
Feindseligkeit
oder
Euphorie.
Der beste Ansatz im Umgang miteinander ist Nlichernheit, Pragmatismus
und
Sachlichkeit
beim
Streben nach der Lösung konkreter
Probleme.
- Viertens:
Über
unsere
Unterschiede müssen wir deutlich und
offen miteinander reden.
Daher
haben wir den Sowjets gegenüber
immer wieder die zentrale Bedeutung betont, die wir den Menschenrechten beimessen, wie sie
in der Allgemeinen Erklärung und
der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind.
Die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft stellten am 5. Dezember
fest: "Die Wahrung der Menschenrechte und der Freiheit ist unabdingbare Voraussetzung für Vertrauen, Verständnis und Zusammenarbeit." Wir haben auch in aller
Offenheit regionale Probleme angesprochen. Auch die Sowjets haben mit ihrer Meinung nicht zurückgehalten.
Und
wir
haben
Fortschritte erzielt. Wie Präsident Reagan erklärt hat, schulden
wir uns gegenseitig den Tribut
der
Aufrichtigkeit,
und
diese
Aufrichtigkeit wird Lösungen zeitigen.
- Fünftens: Wir müssen in die Zukunft schauen, ohne die Lehren
der Vergangenheit zu vergessen.
In fünf oder zehn Jahren wird die
Welt
sich grundlegend von der

•

Meine Tischrede schloß ich mit
dem Appell an die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion, dauerhafte Fortschritte für Beziehungen anzustreben,
die von mehr Offenheit, Vorhersehbarkeit, Stabilität und Konstruktiv!tat
geprägt sind.
In dieser Zeit des
Wandels bieten neue Muster der Beziehungen meiner Ansicht nach auch neue
Möglichkeiten zu Zusammenarbeit und
Fortschritten, und wir sollten uns
solche Gelegenheiten zunutze machen.
Der
Generalsekretär
hat
sich
nicht dazu geäußert, ob er mit mir
übereinstimmt oder nicht.
Ich bin
aber davon überzeugt, daß - wie die
Erfahrung gelehrt hat - ein nicht so
realistischer, unflexibler, und weniger zukunftsweisender Ansatz der Aufgabe nicht gewachsen ist.
Ich bin ferner der Auffassung,
daß wir für unseren Teil die Herausforderungen und die uns durch den
derzeitigen Elan in den amerikanischsowjetischen
Beziehungen
gegebenen
Möglichkeiten mit der gleichen Führungskraft, dem gleichen
Vertrauen
und den gleichen Neuerungen angehen

- 12 -

t

�können, die auch unsere nationale
Haltung zu Veränderungen auf anderen
Gebieten, von der Politik zur Technologie, bestimmt haben.
Wir erkennen heute an, daß in der
Sowjetunion ein möglicherweise wichtiges Experiment in die Wege geleitet
wird. Es beinhaltet die Möglichkeit
zu weit zufriedenstellenderen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen als
wir sie in der Nachkriegszeit gekannt
haben - Beziehungen, die ein konstruktives Element in einer sich verändernden Welt sein können.
Amerikaner sind bereit, engagiert
und mit schöpferischer Kraft an der
Gestaltung dieser Beziehungen zu arbeiten. Dieses Ziel ist erreichbar,
wenn die sowjetische Führung bereit
ist, mit uns gemeinsam aus dem Wandel
zum Besseren eine fortdauernde Realität zu machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

17. Februar 1988

"THOMAS A. EDISON-PREIS" FÜR ERFINDER
- Präsident Reagan schlägt Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor -

WASHINGTON - (AD) - Auf Wunsch Präsident Reagans soll ein Fonds mit zehn
Millionen Dollar eingerichtet werden, aus dem zehn Jahre lang Preise für die
Entwicklung von Technologien und Geräten gezahlt werden, die die Lebensqualität generell verbessern. Der Preis, nach dem Erfinder Thomas A. Edison benannt, könnte beispielsweise für Methoden vergeben werden, die die Vorhersage
von Naturkatastrophen erleichtern und aufzeigen, wie deren Auswirkungen zu
mildern wären. Weitere Schwerpunkte könnten die Verwertung und Beseitigung
von Müll und Abfall aller Art sowie die Entwicklung von Vorrichtungen sein,
die Behinderungen überwinden helfen.

Die Verlautbarung des Weißen Hauses vom 27. Januar 1988 besagt u.a.,
daß mit dem Preis humanitäre Ziele
gefördert und Fortschritte für das
"Allgemeinwohl" erreicht werden sollen.
Der Vorschlag wird im Rahmen
des Haushalts 1989 dem amerikanischen
Kongreß unterbreitet.
Im Besonderen
ist beabsichtigt,

- den Ideenaustausch unter den wissenschaftlichen
Disziplinen
zu
fördern;

- Erfinder
anzuspornen, sich auf
Gebieten zu betätigen, die der
Allgemeinheit
Nutzen
bringen
könnten,
kommerziell
aber zunächst wenig lohnend erscheinen;

Ein Gremium von 15 hervorragenden
Persönlichkeiten
aus
Wissenschaft,
Technik,
Kunst,
Regierungsbehörden
und Bürgerschaft, dessen Mitglieder
auf jeweils fünf Jahre, aber mit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

das Interesse junger Menschen an
Wissenschaft
und Technik, aber
auch an den Möglichkeiten zu fördern, die Innovationen und Technik bieten.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Überlappender Amtszeit ernannt werden, soll einmal jährlich bis zu drei
preiswürdige Ziele nennen und die Höhe des dafür jeweils vorgesehenen
Geldpreises bestimmen.
Dieser kann
einige Millionen oder einige Hunderttausend Dollar betragen. Über einen
Zeitraum von vier Jahren können bis
zu sieben Projekte gleichzeitig laufen. Federführend werde das amerikanische Handelsministerium sein, erklärte Marlin Fitzwater als Sprecher
des Weißen Hauses.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Februar 1988

ASPIRIN SENKT HERZINFARKT-RISIKO
- Ergebnis einer Fünf-Jahresstudie an 22 000 Personen WASHINGTON - (AD) - Daß Aspirin, seit Jahrzehnten als Schmerz- und Rheumamittel bekannt, unter Umständen auch eine vorbeugende Wirkung gegen Herzattakken haben könnte, wurde seit Ende der sechziger Jahre vermutet. Die seinerzeit in Angriff genommenen Studien waren jedoch, was Dauer und Personenkreis
betraf, nicht umfassend genug, um sichere Schlußfolgerungen zuzulassen. Dies
aber erlaubt eine kürzlich beendete Fünf Jahresstudie mit mehr als 22 000 Probanden, über die in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" am
28. Januar 1988 berichtet wurde. Am Tag zuvor gaben amerikanische Wissenschaftler, unter ihnen Dr. Claude Lenfant, Direktor des Nationalen Herz-, Lungen- und Blutinstituts der "National Institutes of Health" (NIH), und Dr.
Lawrence Cohen, Professor für Innere Medizin am Klinikum der Yale-Universität,
auf einer Pressekonferenz in Washington bereits die wichtigsten Details bekannt .

Alle Teilnehmer an der Studie waren Arzte im Alter zwischen 40 und 84
Jahren (da Frauen allgemein weniger
infarktgefährdet sind, wurden weibliche Kollegen nicht einbezogen).
Alle Probanden mußten gesund sein;
frühere
Herz-Kreislauferkrankungen,
Gicht, Magengeschwüre und Störungen
der
Nieren- oder
Leberfunktionen
schlössen eine Teilnahme aus. So
blieben schließlich von mehr als
59 000 Ärzten, die sich gemeldet hatten, 22 071 übrig.
Sie wurden in
zwei Gruppen unterteilt. Die eine
mit 11 034 Probanden nahm seit 1981

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jeden zweiten Tag eine Tablette mit
325 mg Azetylsalizylsäure (Aspirin)
ein, die zweite Gruppe erhielt ein
Placebo-Präparat ohne Medikamenteninhaltsstoff . Die Leitung der Studie
hatte
Dr. Charles
H. Hennekens
(Harvard-Universität und "Brigham and
Women's Hospital") in Boston; der
sich ebenfalls als Proband zur Verfügung stellte. Die gewählte Dosierung
stellt die niedrigst mögliche Konzentration für Gaben von Azytylsalizylsäure dar, um als Aggregationshemmer
für die Thrombozyten zu wirken.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dieser Effekt wurde ganz offensichtlich erreicht: Bei der erstgenannten Gruppe kam es im Verlauf der
fünf Jahre in 104 Fälle zu Herzattakken (fünf mit tödlichem Ausgang). In
der Placebogruppe wurden 189 Infarktfälle registriert, davon 18 mit tödlichem Ausgang. Das Medikament vermag also das Verklumpen von Blutplättchen und damit das Verstopfen
der für die Blut Versorgung des Herzmuskels so wichtigen Herzkranzarterien zu reduzieren. Das Herzinfarktrisiko verringerte sich um 47 Prozent . Noch nicht geklärt ist die
Frage, weshalb die Zahl der Schlaganfälle infolge von Gehirnblutungen in
der Aspirin-Gruppe mit 80 um zehn höher lag als in der Kontrollgruppe.
Die Wissenschaftler warnten auf
der Pressekonferenz dringend davor,
daß Laien nun ohne ärztliche Empfehlung und ärztliche Kontrolle Aspirin
einnehmen, um gegen einen Herzinfarkt
vorzubeugen.
"Ich hoffe, daß dies
jetzt nicht als Wundermittel für ein
ewiges Leben angesehen wird", sagte
Dr. Lenfant. Ärzte sollten das Präparat in erster Linie für Patienten
in Erwägung ziehen, bei denen Hochdruck,
hohe
Blutcholesterinwerte,
Diabetes oder die Häufung von Herzattacken in der Familie festgestellt
werden. Das gelte nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen mit bestimmten
Risikofaktoren.
Vorsicht
sei jedoch in jedem Fall geboten,
weil, wie die Schlaganfall-Statistik
aus der Studie zeige, bei manchen
Personen Aspirin möglicherweise die
Gefahr einer Gehirnblutung erhöhe.
Und dies könne katastrophale Folgen
haben. Auch rektale Blutungen oder
Reizungen der Magenschleimhaut werden
unter Aspirin-Medikation beobachtet.
Aus allen diesen Gründen sei ärztliche Kontrolle bei regelmäßiger Einnahme notwendig. Dann sei allerdings
in Verbindung mit der Ausschaltung

anderer Risikofaktoren wie Rauchen,
falscher Ernährung und Bewegungsmangel denkbar, daß in den USA pro Jahr
bis zu 100 000 Menschen weniger Opfer
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden. Diese machen derzeit 48 Prozent
der Todesursachen aus.

* * * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz umreißt Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Thomas A. Edison-Preis" für Erfinder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan schlägt Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aspirin senkt Herzinfarkt-Risiko&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnis einer Fünf-Jahresstudie an 22.000 &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Personen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

reo• s ^

VON

4

24. Februar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Singularisierung:

Ein Produkt der Phantasie

- Von Botschafter Richard R. Burt -

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan legt Haushalt für 1988/89 vor
- Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits Reagan; Nichtinflationäres Wachstum hält an
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsident Reagans Initiative zur Raumfahrtpolitik
- Privatwirtschaft als Partner - "Projekt Pfadfinder" für Entwicklung
neuer Technologien für bemannte Fernexpeditionen zu Mond und Mars -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r

^w

Dokumentation

^

24. Februar 1988

SINGULARISIERUNG:

EIN PRODUKT DER PHANTASIE

- Von Botschafter Richard R. Burt -

BONN - (AD) - In einem Artikel für das Wochenmagazin Der Spiegel erklärte Botschafter Burt, die Vereinigten Staaten würden "allen Konzepten eine Absage erteilen, die auf die Begrenzung eines Nuklearkrieges auf Europa hinauslaufen". Bei dem nach Abschluß des INF-Vertrags vielfach vernommenen Argument
der "Singularisierung" handele es sich daher um ein reines Phantasieprodukt.
Burt betonte in diesem Zusammenhang jedoch die Bedeutung der Bereitschaft
aller Seiten, ihren "gerechten Anteil am nuklearen Risiko zu tragen, um die
Sicherheit des Westens zu garantieren".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel im Wortlaut:
Nach dem INF-Vertrag hat in der
Bundesrepublik eine neue Abrüstungsdebatte begonnen.
Mich überrascht,
daß sich zahlreiche Stimmen aus dem
rechten politischen Spektrum dem Argument der Linken anschließen, die
Bundesrepublik
Deutschland
gerate
jetzt in eine einzigartige, exponierte Stellung. Sie sei nach dem Abzug
der Pershing II und Marschflugkörper
nicht nur potentielles Hauptziel der
restlichen sowjetischen Atomwaffen,
sondern auch das Land, in dem der Löwenanteil der verbleibenden amerikanischen Waffen stationiert ist.

United States Information Service
Embassy of the United States of Ar

Wenn das Bündnis ein fundiertes
Abrüstungskonzept formulieren soll,
muß zunächst Klarheit geschaffen werden. Der Begriff "Singularisierung"
der Bundesrepublik ist ein Produkt
der Phantasie.
- Erstens: Die Bundesrepublik ist
nicht das einzige Land, in dem
Atomwaffen stehen. Auch künftig
wird die überwiegende Zahl der
verbleibenden Atomwaffen weiterhin auf amerikanischem Boden oder
amerikanischen
Kriegsschiffen
sein.
Neben Frankreich werden

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Telex: 8-85432

�acht NATO-Staaten weiterhin nuklearfähige
Raketen,
Flugzeuge
oder
Artillerie
stationieren.
Großbritannien modernisiert seine
eigenen
Atomstreitkräfte
und
nimmt amerikanische Atomwaffen in
einem Umfang auf, der dem der
Bundesrepublik Deutschland zumindest ebenbürtig ist.

wjetische
Kurzstreckenraketen
verwundbar bleiben. Ihre Zahl hat sich
im Lauf der letzten 20 Jahre nicht
wesentlich geändert.
Selbst diese
Kurzstreckenraketen
können
einen
Schlag gegen andere Verbündete führen, zum Beispiel Norwegen, die
Türkei und Dänemark.

Zweitens
ist
das
Territorium
Deutschlands nicht das einzige
mögliche Gefechtsfeld für amerikanische
Nuklearwaffen.
Auch
nach dem INF-Abkommen werden die
USA in Westeuropa und auf See
noch eine Vielzahl nuklearer Trägersysteme besitzen, zum Beispiel
die in Großbritannien stationierten F-111-Bomber, die jedes Land
des
Warschauer
Paktes,
einschließlich der Sowjetunion, erreichen können.

Die Sicherheitsprobleme der Bundesrepublik sind nur in zwei Punkten
einzigartig: durch die geographische
Lage und den Verzicht auf eigene
Atomwaffen. Das Bündnis schafft hier
aber einen Ausgleich. Die NATO sichert die nukleare Abschreckung der
Bundesrepublik durch amerikanische,
britische und französische Atomwaffen;
sie kompensiert die geographische Gefährdung durch Vornestationierung amerikanischer Nuklearwaffen
und die konventionellen Streitkräfte
von sechs Nationen.

- Drittens: Es stimmt nicht, daß
die Bundesrepublik allein Ziel
sowjetischer Nuklearwaffen ist.
Ein Großteil der sowjetischen
Waffen wird weiterhin auf die USA
gerichtet sein. Auch alle anderen NATO-Partner werden nicht nur
durch die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion verwundbar
sein, sondern auch durch nuklearfähige sowjetische Flugzeuge.
Für die sowjetischen Militärplaner sind jene Nuklearwaffen der NATO
von vorrangiger Bedeutung, die sowjetisches Territorium erreichen können.
Auch nach dem INF-Abkommen werden einige der Verbündeten, einschließlich
Großbritanniens, solche Systeme beherbergen.
In der Bundesrepublik
aber werden keine solchen Systeme
bleiben.
Die Bundesrepublik wird, wie in
den sechziger und siebziger Jahren,
auch nach dem INF-Vertrag durch so-

Das Wort von der "Singularisierung" ist zwar ein Produkt der Phantasie. Es besteht aber die Gefahr,
daß es sich verselbständigt. Es kann
zu einem Geist werden, den man nicht
mehr los wird. Die bei Rechten und
Linken gleichermaßen verbreitete Sorge über eine "Singularisierung" könnte in der Bundesrepublik einen politischen Konsens zugunsten der Entnuklearisierung fördern. Damit - und
nicht etwa durch den INF-Vertrag würden die Bedingungen für eine tatsächliche und gefährliche deutsche
Singularisierung geschaffen.
Das NATO-Bündnis wurde geschaffen, um das Risiko wie die finanziellen Lasten der Verteidigung zu teilen
und einen Ausgleich für die historischen und geographischen Faktoren
zu schaffen. Der Abschluß eines INFAbkommens hat naturgemäß zu einer
Überprüfung dieser Absprachen zur Risikoverteilung geführt.

- 2 -

�Der von einer unabhängigen Beratergruppe verfaßte Bericht zur Integrierten Langzeitstrategie der NATO
("Differenzierende Abschreckung") hat
weder offiziellen Charakter, noch ist
er eine Stellungnahme der amerikanischen Regierung. Ebensowenig sollten Teile, die im Widerspruch zur Politik der USA stehen, als Indikator
für unseren zukünftigen Kurs gewertet
werden.

liere die Bundesrepublik strategisch.
Singularisierung ist ein reines Phantasieprodukt.

In der Bundesrepublik ist dieser
Bericht als Versuch betrachtet worden, die Bindungen zwischen den konventionellen und nuklearen Streitkräften in Europa auf der einen und
dem amerikanischen Abschreckungspotential auf der anderen Seite zu
schwächen.
In der Tat wäre jede
Strategie, die darauf hinausliefe,
einen Nuklearkrieg auf Europa zu begrenzen, für die Europäer unannehmbar. Sie würde das Konzept der Teilung des Risikos erschüttern. Aber
Risikoteilung darf keine einseitige
Sache sein.
Den USA ist nicht zuzumuten, daß
sie ein Ziel für Nuklearwaffen bleiben, während Europa von der Last einer Stationierung von Nuklearwaffen
befreit wird. Für die Bundesrepublik
heißt dies: es werden auch weiterhin
amerikanische Nuklearwaffen auf deutschem Boden bleiben.
Die Debatte über die Risikoverteilung muß zu dem Ergebnis kommen,
daß jeder bereit ist, seinen gerechten Anteil am nuklearen Risiko zu
tragen, um die Sicherheit des Westens
zu garantieren.
Für die USA bedeutet dies, allen
Konzepten eine Absage zu erteilen,
die auf die Begrenzung eines Nuklearkrieges auf Europa hinauslaufen. Die
Deutschen müssen Abschied nehmen von
dem Gedanken, der INF-Vertrag iso- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'4?

Wirtschaft

Ä&lt;

24. Februar 1988

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT FÜR 1988/89 VOR
- Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 18. Februar 1988 dem amerikanischen Kongreß seinen Entwurf für den Bundeshaushalt 1988/89 vorgelegt (das
Haushaltsjahr dauert vom 1. Oktober 1988 bis zum 30. September 1989).
Die Begleitbotschaft des Präsidenten zur Haushaltsvorlage hat folgenden
Wortlaut:

An den Kongreß
Staaten:

der Vereinigten

Wenn wir heute den Zustand unseres Landes betrachten, haben wir guten Grund zur Zufriedenheit.
Dank
einer in den vergangenen sieben Jahren unbeirrt verfolgten soliden Politik befindet sich Amerika im Frieden,
und unser Volk genießt den längsten
Zeitraum wirtschaftlicher Expansion
in der Geschichte unseres Landes.
Bei der Neuordnung von Prioritäten, im Rahmen derer wir mehr für die

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nationale Sicherheit und weniger für
verschwenderische und unnötige Bundesprogramme ausgeben, haben wir in
stärkerem Maße den Frieden auf der
ganzen Welt gewährleistet und sind in
der Lage gewesen, mit unseren Gegnern
aus einer Position der Stärke heraus
zu verhandeln.
Durch die von uns
eingeschlagene marktorientierte Wirtschaftspolitik haben wir den Geist
des
amerikanischen
Unternehmertums
freigesetzt,
Unternehmensgründungen
gefördert, neue Arbeitsplätze geschaffen sowie die Produktion und
Verbreitung des Wohlstands angekur-

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�belt. Und wir haben all dies getan,
ohne die Armen, die Älteren, die
Schwachen und weniger Begünstigten
unter uns zu vernachlässigen.
Die Bilanz der vergangenen sieben
Jahre
Ich möchte Ihnen einige Höhepunkte aus der Bilanz unserer Administration nennen:
- Die nunmehr in ihr drittes Jahr
gehende
gegenwärtige
Expansion
hat alle vorherigen Perioden der
Expansion in Friedenszeiten überdauert. Betriebliche Investitionen und Exporte steigen in realen
Zahlen an und weisen auf anhaltendes
Wirtschaftswachstum
in
diesem und im nächsten Jahr hin.
- Seit Beginn der Expansion sind 15
Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen worden, während die Arbeitslosenquote um fünf Prozentpunkte auf 5,7 Prozent - ihren
niedrigsten Stand in nahezu zehn
Jahren - zurückgegangen ist. Im
Vergleich dazu ist die Beschäftigtenrate In anderen Industrieländern nicht maßgeblich gestiegen und die Arbeitslosenquote
hoch geblieben.

Prozent gefallen.
Seit 1981 ist die vom Bürger für
das Ausfüllen von Formularen für
die Bundesregierung aufgewandte
Zeit jährlich um einige Millionen
Stunden verkürzt worden, und die
Anzahl der Seiten von jährlich im
Bundesanzeiger
veröffentlichten
Verfügungen ist um mehr als 45
Prozent verringert worden.
Zwischen 1981 und 1987 sind die
Steuergesetze
durch
Änderungen
der
Bundessteuergesetzgebung,
einschließlich ihrer generellen
Überarbeitung im Jahr 1986, gerechter und die Einkommenssteueraätze für zahlreiche Personen und
Unternehmen erheblich verringert
worden.
Für 4,3 Millionen einkommensschwache Familien ist die
Abgabe
von
Steuererklärungen
nicht mehr notwendig.
Gleichzeitig sind die Realeinkommen nach Steuerabzug in den vergangenen fünf Jahren um 15 Prozent gestiegen und mit ihnen unser Lebensstandard insgesamt.

Die in den vier Jahren vor meiner
Amtszeit
durchschnittlich
10,4
Prozent betragende Inflation ist
im Verlauf der vergangenen fünf
Jahre auf durchschnittlich weniger als ein Drittel dieses Wertes
zurückgefallen.

Die Ausgabenexplosion, wie sie in
den siebziger Jahren bei vermögensabhängigen
Bewilligungsprogrammen bestand, ist eingedämmt
worden. Bestimmungen für die Inanspruchnahme wurden verschärft,
um wieder den wirklich Bedürftigen Leistungen zufließen zu lassen, und bei der Verbesserung der
Wirksamkeit und Effektivität dieser Programme
sind erhebliche
Fortschritte erzielt worden.

- Der Leitzinssatz betrug unmittelbar vor Beginn meiner Amtsperiode
21,5 Prozent - gegenwärtig liegt
er bei 8,5 Prozent. Der Hypothekenzins, der sich auf 14,9 Prozent belief, ist jetzt auf 10,2

Wir haben Schritte eingeleitet,
um andere Bewilligungsprogramme
auf eine vernünftigere Grundlage
zu stellen. Dazu zählt Medicare,
das von einem Zuschußprojekt in
ein System umgewandelt wurde, mit

- 2 -

�der Bundesstaaten und Kommunen
zurückgegeben worden. In anderen
Fällen - wie etwa bei Wasserversorgung - tragen Regierungen der
Bundesstaaten und Kommunen einen
größeren Kostenanteil, was in
diesen Bereichen zu vernünftigeren EntScheidungsprozessen führt.

dem Wettbewerb gefördert und Kosten niedrig gehalten werden.
.- Mit Ausnahme der Bewilligungsprogramme sind die Bundesausgaben
für andere Programme im Inland in
den vergangenen fünf Jahren im
wesentlichen konstant geblieben,
während grundsätzliche Leistungen
für die Armen, Älteren und andere, die der Hilfe des Bundes bedürfen, aufrechterhalten werden
konnten. Gegenüber der unhaltbaren, drastischen Jahreswachstumsrate dieser Programme, wie sie
vor 1981 bestand, stellt dies eine erhebliche Verbesserung dar.

- Schließlich haben wir bei der
Privatisierung solcher Einrichtungen des Bundes echte Fortschritte erzielt, die eher dem
Privatsektor angemessen sind als
der Bundesregierung.
Bemerkenswerte Bespiele sind der Verkauf
von Conrail, die langfristige
Verpachtung
von
National
und
Dulles Airport und die Versteigerung von Anleiheanteilen in Mil1^arden-Dollar-Höhe.

- Das System der Sozialversicherung
ist von seiner drohenden Zahlungsunfähigkeit befreit worden.
- Unsere Verteidigungsfähigkeit ist
gestärkt und Waffensysteme sind
modernisiert und verbessert worden. Wir rekrutieren und halten
höher
qualifiziertes
Personal.
Bereitschaft, Ausbildung und Moral unserer Truppen sind entschieden gesteigert worden. Aufgrund unserer verbesserten Stärke
sind bei den RUstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets enorme
Fortschritte erzielt worden.
- Die
Bundesbehörden
haben
ein
wichtiges Programm zum Abbau der
Verwaltungsbürokratie - "Reform
88" - eingeleitet. Dieses Programm verfolgt zwei Hauptzielsetzungen:
Bundesbehörden
sollen
rationeller
geführt
und
Verschwendung, Betrug und Mißbrauch
bei Regierungsprogrammen beseitigt werden.
Einige Aufgaben der Bundesregierung - wie etwa die Finanzierung
von Abfallbeseitigungsanlagen
sind wieder an die Regierungen

- In Zusammenhang mit diesen Privatisierungstendenzen stehen unsere
Errungenschaften hei Kostenteilung und Nutzergebühren, mit denen die Kosten für Projekte und
Programme anderen Quellen als denen des Bundes entnommen werden.
Obwohl wir Grund haben, auf diese
Leistungsbilanz stolz zu sein, müssen
wir
Gefährdungen
des
anhaltenden
Wohlstands aufmerksam im Auge behalten. Das Defizit im Bundeshaushalt
stellt eine große Gefahr dar.

Defizitabbau, Haushaltsvereinbarung
und Gramm-Rudman-Holllngs
Wenn dem Defizit nicht Einhalt
geboten wird, indem wir der Regierung
Zügel anlegen, gefährden wir das, woran wir so hart gearbeitet haben.
Durch unmäßige Ausgaben verursachte
größere Defizite können steigende Inflation, Zinssätze und Arbeitslosenzahlen beschleunigen. Das können und
werden wir nicht zulassen.

- 3 -

�Der Kongreß hat die dringende
Notwendigkeit zum Abbau des Defizits
erkannt, als er im Dezember 1985 das
Gesetz über einen ausgewogenen Haushalt und Defizitabbau erließ, das
nach seinen Initiatoren auch als
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
(GRH)
bekannt ist. Dieses Gesetz hat sowohl dem Präsidenten als auch dem
Kongreß einen festen Zeitplan für
Fortschritte beim Ausgleich des Defizits auferlegt.
Im Jahr 1987 betrug das Haushaltsdefizit 150 Milliarden Dollar was einen Rückgang von 71 Milliarden
Dollar gegenüber dem Rekordstand von
221 Milliarden Dollar im Jahr 1986
bedeutet. Damit wurde auch ein Rekordabbau des Defizits erzielt. In
mancher Hinsicht war diese Verbesserung auch auf einmalige Faktoren zurückzuführen, wie etwa die große Zahl
der Eingänge im Ubergangsjahr der
Steuerreform.
Wirtschaftsbeobachter
haben prognostiziert, daß die Defizite ohne staatliche Intervention in
den Jahren 1988 und 1989 höher liegen
würden als nach dem Stand von 1987.
Um dies zu verhindern und um in realistischer Weise auf den 1987 erzielten Fortschritten bei der Verringerung des Defizits aufzubauen, hat der
Kongreß im vergangenen Herbst Modifizierungen beim GRH vorgenommen.
Insbesondere wurde gefordert, die
Defizitvorgabe solle für 1988 bei 144
Milliarden Dollar und für 1989 bei
136 Milliarden Dollar liegen.
Im vergangenen Jahr haben Mitarbeiter meiner Administration gemeinsam mit führenden Kongreßabgeordneten
an der Entwicklung eines Zweijahresplans zum Defizitabbau gearbeitet der Überparteilichen Haushaltsvereinbarung. Eine der Hauptzielsetzungen
der heute von mir unterbreiteten
Haushaltsvorlage ist die Einhaltung

dieser Vereinbarung - um einen stetigen Abbau des Defizits zu gewährleisten, bis hin zum Haushaltsausgleich
zu gewährleisten.
Die überparteiliche Haushaltsvereinbarung spiegelt ein Geben und Nehmen auf allen Seiten wider. Ich habe
zusätzlichen Einnahmen im Umfang von
29 Milliarden Dollar zugestimmt und
mich mit 13 Milliarden Dollar weniger
zufriedengegeben als ich für die Finanzierung der Verteidigung für einen
Zeitraum von zwei Jahren angefordert
hatte. Aufgrund der Kompromißbereitschaft aller Seiten wurde jedoch eine
Vereinbarung erzielt, die 30 Milliarden Dollar des für 1988 vorgesehenen
Defizits und 46 Milliarden Dollar des
für 1989 veranschlagten Defizits ausmachte.
Mit dieser Haushaltsvorlage halte
ich mich an die überparteiliche Haushaltsvereinbarung und erfülle meine
diesbezüglichen Verpflichtungen. Ich
bitte den Kongreß, dasselbe zu tun.
Dieser Haushalt spiegelt weder meine
noch vermutlich die Prioritäten einzelner Kongreßabgeordneter vollständig wider. Aber das Ziel eines Defizitabbaus durch Ausgabenkürzungen ist
vorrangig.
Eine Abkehr von diesem
Kompromiß zum Abbau des Defizits würde unseren wirtschaftlichen Fortschritt bedrohen und zukünftige Generationen belasten.
Diese Haushaltsvorlage zeigt, daß
ein schrittweiser Abbau des Defizits
ohne Aufgabe der Steuerreform möglich
ist - ohne Kürzung berechtigter Sozialprogramme, ohne Eingriffe in die
Verteidigung und ohne Vernachlässigung anderer innenpolitischer Prioritäten.
Der überparteilichen Haushaltsvereinbarung zufolge wird der Fortschritt hin zu einem geringeren Defi-

- 4 -

�zit und einem letztlich ausgeglichenen Haushalt andauern, aber dieser
vorgesehene Abbau stützt sich auf
zwei Annahmen:
anhaltendes Wirtschaftswachstum und Durchführung der
Vereinbarung. Wenn die Wirtschaftsleistung die Erwartungen erfüllt und
die sich in dieser Haushaltsvorlage
widerspiegelnde Überparteiliche Haushaltsvereinbarung Anwendung findet,
sollte das Defizit im Jahr 1989 auf
weniger als drei Prozent des Bruttosozialprodukts
zurückgehen.
Nach
mehreren Jahren wird sich die nationale Schuldenlast als Prozentsatz des
Bruttosozialproduktes erstmalig tatsächlich verringern. Ein auf diese
Weise vorgenommener Abbau des Defizits und der Verschuldung würde uns
unserem Ziel eines ausgeglichenen
Haushalts und einer geringeren Last
für zukünftige Generationen sehr viel
näher bringen.

ten. Im wesentlichen beschränkt die
Vereinbarung die Zuwachsrate im Zeitraum 1988/1989 bei der Hausiialtsermächtigung frei verfugbarer inländischer Programme mit Ermessensspielraum auf zwei Prozent. Um dringliche
nationale Prioritäten im Rahmen dieser Zwei-Prozent-Marge behandeln zu
können, zielt meine Haushaltsvorlage
darauf ab, daß einige Programme - wie
etwa im Bildungswesen, zur Bekämpfung
des Drogenmißbrauchs und zur technischen Entwicklung - in stärkerem Maße
finanziert werden, während andere abgebaut, modifiziert oder - in einigen
Fällen auch - beendet werden.
Programm, denen eine hohe Priorität eineräumt wird, müssen angemessen
finanziert werden. Eine unserer ersten Prioritäten besteht in der Förderung
des
individuellen
Erfolgs
durch bessere Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Zum Beispiel:

Darüber hinaus wird die Einhaltung dieser Vereinbarung, wie sie
sich in dieser Haushaltsvorlage widerspiegelt, in den kommenden Jahren
eine zusätzliche Herabsetzung des Defizits gewährleisten, weil in vielen
Fällen die in diesem Jahr mittels
staatlicher
Intervention
erzielten
Einsparungen in den darauffolgenden
Jahren eine Verringerung des Defizits
zur Folge haben werden. Angesichts
des guten Starts im Jahr 1987 haben
wir dieses Jahr die Möglichkeit, den
schlimmsten Teil des Defizitproblems
hinter uns zu lassen.

Verwirklichung
ten

nationaler

Prioritä-

Bei der Ausarbeitung dieser Haushaltsvorlage habe ich versucht, nationalen Prioritäten gerecht zu werden und mich gleichzeitig an die Bestimmungen der Überparteilichen Haushalts Vereinbarung und des GRH zu hal- 5 -

- Ich schlage einen Zuwachs von 656
Millionen Dollar zusätzlich zu
den für 1988 gewährten 16,2 Milliarden Dollar für Programme vor,
über die das Erziehungsministerium frei verfügen kann.
Obgleich die Regierungen der Einzelstaaten und Kommunen einen
Großteil der Aktivitäten im Bildungswesen finanzieren, gewähren
Bundesprogramme den Armen, Behinderten und bildungsmäßig Benachteiligten
entscheidende
Unterstützung.
- Ich habe die Reform unseres zu
stark zentralisierten Sozialhilfesystems angeregt. Die einzelnen Bundesstaaten sollten innovativ mit Alternativen experimentieren.
Zusätzlich würden im
Rahmen meiner Initiative die gegenwärtigen
Beschäftigungs- und
Ausbildungsprogramme für Sozialhilf eempfänger grundlegend über-

�arbeitet und unser nationales
Kinderförderungsprogramm
aufgestockt.
Durch
verstärkte
Vergabe
von
Wohnberechtigungsscheinen
würde
ich im Jahr 1989 zusätzlich
135 000 einkommensschwachen Haushalten Wohngeld gewähren - das
sind acht Prozent mehr als die
weiteren 125 000 Haushalte, die
im Jahr 1988 Wohngeld erhalten.
Unwirksame Programme zur Umsetzung von Beschäftigten würden
durch ein erweitertes Wiedereingliederungsprogramm für Arbeitnehmer (Worker Readjustment Program - WRAP) im Umfang von einer
Milliarde Dollar ersetzt, das darauf abzielt, den von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern beim Wechsel in eine neue
Laufbahn rasch und unbürokratisch
zu helfen.
Darüber hinaus schlage ich finanzielle Mittel vor, mit deren Hilfe
die Technologie der Vereinigten Staaten verbessert und Amerika wettbewerbsfähiger
gemacht werden kann.
Zum Beispiel:
- schlage ich eine kontinuierliche
Aufstockung der mit Bundesmitteln
unterstützten Grundlagenforschung
vor, die auf eine längerfristige
Verbesserung
der
Produktivität
unseres Landes und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit abzielt. Mit dieser Haushaltsvorlage würde die Unterstützung der
National Science Foundation für
die wissenschaftliche Grundlagenforschung verdoppelt, die Unterstützung zur Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler und Ingenieure und der Technologietransfer
von staatlich geförderter Forschung an die Industrie erhöht.

- würde ich 11,5 Milliarden Dollar
für Weltraumprogramme zur Verfügung stellen, unter ihnen: maßgebliche Finanzierung
für die
Weiterentwicklung der ersten permanent bemannten amerikanischen
Weltraumstation; erhöhte Unterstützung für die Verbesserung der
Leistung und Zuverlässigkeit der
Raumfähre; eine wichtige neue
Initiative, die fortschrittliche
astrophysikalische Röntgenstrahlanlage für die Weltraumwissenschaft; weitere Unterstützung der
kommerziellen Nutzung des Weltraums und neue Anstrengungen im
Bereich der Technologie, das Projekt "Pathfinder", das auf die
Entwicklung von Technologie abzielt, mit deren Hilfe künftige
Entscheidungen über die stärkere
Präsenz und Aktivität von Menschen außerhalb der Erdumlaufbahn
bis ins Sonnensystem hinein, gefördert werden können.
Für das Jahr 1989 empfehle ich
ferner 363 Millionen Dollar für den
Konstruktionsbeginn des supraleitenden
Teilchenbeschleunigers
(Superconducting Super Collider - SSC), wovon 283 Millionen Dollar auf den Bau
und 60 Millionen Dollar auf Forschung
und Entwicklung entfallen. Der SSC
wird gegenwärtigen Vorstellungen zufolge das größte rein wissenschaftliche Projekt sein, das jemals durchgeführt wurde. Mit ihm wird dieses
Land bis weit ins nächste Jahrhundert
hinein eine Vormachtstellung in der
Hochenenergiephysik innehaben.
Diese Haushaltsvorlage spiegelt
auch meine Überzeugung wider, daß die
Gesundheit all unserer Bürger eine
unserer ersten Prioritäten bleiben
muß:
- Ich dränge weiterhin auf die Bewilligung
eines
finanzierbaren

�- Um der Uberfüllung von Gefängnissen Einhalt gebieten und einer
steigenden Zahl von Insassen entsprechend unterbringen zu können,
würde ich 437 Millionen Dollar
bereitstellen - mehr als das Doppelte der 202 Millionen Dollar,
die 1988 für den Bau von Bundesgefängnissen verwendet wurden.

und sich selbst tragenden Versicherungsprogramms im Rahmen von
Medicare, mit dessen Hilfe Familien vor dem finanziellen Ruin
durch schwere Krankheiten geschützt werden.
- Zur Bekämpfung der Geisel AIDS
schlage ich für das Jahr 1989 für
zusätzliche Forschung, Aufklärung
und Behandlung zwei Milliarden
Dollar vor - ein Zuwachs von 38
Prozent gegenüber 1988 und mehr
als das Doppelte der staatlichen
Aufwendungen des Jahres 1987.
Hierzu gehören auch Mittel in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar für
das öffentliche Gesundheitswesen.

Anderen Bereichen der Zuständigkeit des Bundes kommt in dieser Haushaltsvorlage bei der Finanzierung hohe Priorität zu.

- Angesichts der Vormachtstellung
unseres Landes im Bereich der
biomedizinischen
Grundlagenforschung strebe ich einen Zuwachs
von 5,1 Prozent für die nicht an
AIDS gebundene Forschung an den
Nationalen
Gesundheitsinstituten
an.
Unser Kampf gegen Drogen muß
ebenso wie unsere Bestrebungen zum
Schutz des Individuums vor Verbrechen
fortgeführt werden:
- Für die verbesserte Anwendung von
Gesetzen, einschließlich der Anstrengungen, die auf Wirtschaftskriminalität,
das
organisierte
Verbrechen und öffentliche Korruption
abzielen,
veranschlage
ich 4,5 Milliarden Dollar, ein
Zuwachs von sechs Prozent gegenüber 1988.
- Für die Durchführung der Drogengesetzgebung sowie der Programme
zur Bekämpfung des Mißbrauchs und
der Behandlung von Süchtigen habe
ich 3,9 Milliarden Dollar für
1989 vorgesehen, 13 Prozent mehr
im Vergleich zu 1988.
- 7 -

- Zur Weiterführung des mehrjährigen Programms der Bundesluftfahrtbehörde zur Modernisierung
des Luftleitsystems des Landes
würde ich 1,6 Milliarden Dollar
bereitstellen - gegenüber dem
Stand von 1988 ein Zuwachs von 44
Prozent.
- Für die verbesserte Koordinierung
von Bundesprogrammen für die Entwicklung des ländlichen Raumes
und zur Umleitung von Mitteln in
bedürftige ländliche Bereiche und
an
Begünstigte
des
Programms
schlage ich eine Initiative zur
Entwicklung des ländlichen Raums
unter
Leitung
des
Landwirtschaftsministers vor.
- Zur Durchführung der gemeinsamen
Empfehlungen des amerikanischen
und kanadischen Sonderbeauftragten für das Problem des sauren
Regens empfehle ich Mittel im Gesamtumfang von 2,5 Milliarden
Dollar für innovative Versuche
mit Technologien für saubere Kohleverbrennung im Zeitraum 1988
bis 1992.
- Ich empfehle ferner verstärkte
Bemühungen zur Beseitigung gefährlicher Abfälle, mit einem
Ausgabenzuwachs von etwa 430 Mil-

�lionen Dollar Im Jahr 1989.
- Um die strategisch wichtigen ölreserven
(Strategie
Petroleum
Reserves - SPR) weiterhin auf dem
Stand von 50 000 Barrel pro Tag
halten zu können, würde ich 1989
334 Millionen Dollar bereitstellen.
Abhängig von der Verabschiedung des Gesetzes zur Bewilligung des Verkaufs von ölreserven der Marine (Naval Petroleum
Reserves - NPR) würde ich zusätzlich 477 Millionen Dollar veranschlagen, um die Füllquote auf
100 000 Barrel pro Tag anzuheben
und zusätzlich 208 Millionen Dollar für eine spezielle Ö'lreserve
von zehn Millionen Barrel für die
Verteidigung, um den Stand der
NPR auszugleichen.
- Um den Zeitaufwand und die Genauigkeit bei der Bearbeitung von
Steuererklärungen und die den
Steuerzahlern zur Verfügung gestellten Informationsdienste zu
verbessern, würde ich dem amerikanischen
Finanzamt
(Internal
Revenue Service - IRS) zusätzlich
241 Millionen Dollar zuteilen.
Diese Mittel zielen darauf ab,
eine
reibungslose
Durchführung
der Steuerreform von 1986 zu gewährleisten.
Die Erhaltung des Friedens in einer konfliktgeladenen Welt stellt die
wichtigste Aufgabe der Regierung dar.
Glücklicherweise hat unsere Verteidigungsfähigkeit
in den vergangenen
sieben Jahren einen Stand wiedergewonnen worden, der mit unserer Aufgabe zur Schaffung einer aggressionsfreien Umwelt im Einklang steht.
Insbesondere sind unsere Kampfbereitschaft verbessert und unsere Streitkräfte modernisiert worden.
Die

in

diesem

enthaltenen Vorschläge zur nationalen
Sicherheit sind unverzichtbares Minimalprogramm zur Aufrechterhaltung der
Sicherheit Amerikas und zur Erfüllung
der Verpflichtungen gegenüber unseren
Freunden und Verbündeten. Durch geringere Anstrengungen würde nicht nur
unsere eigene Sicherheit - und die
unserer Freunde und Verbündeten
aufs Spiel gesetzt, sondern auch die
Aussichten für weitere Abkommen mit
unseren Gegnern in Frage gestellt.
Wie in der überparteilichen Haushaltsvereinbarung
gefordert,
sieht
mein Haushaltsentwurf für die Verteidigung eine Ausgabeermächtigung über
299,5 Milliarden Dollar und Ausgaben
in Höhe von 294 Milliarden Dollar im
Jahr 1989 vor. Sie beinhaltet außerdem für die Zukunft eine reale zweiprozentige
Zuwachsrate bei diesen
Programmen.
Ebenso
fordert
mein
Haushalt der Vereinbarung gemäß eine
Ausgabenermächtigung über 18,1 Milliarden Dollar für Ausgaben zur freien Verfügung für internationale Angelegenheiten. Diese umfaßt 8,3 Milliarden Dollar für Sicherheitsbeistand an Verbündete und befreundete
Länder, in denen die Vereinigten
Staaten besondere Sicherheitsinteressen haben.

Die Notwendigkeit programmatischer
Veränderungen
Anreize
Die Struktur der Anreize für
zahlreiche inländische Bundesprogramme muß unbedingt weiter verändert
werden, um größere Beweglichkeit und
bestmögliche Rentabilität zu fördern.
Dieser Haushalt schlägt die Schaffung
solcher notweniger Anreize vor.

Haushaltsentwurf
- 8 -

Viele

Bundesprogramme

gewähren

�Mittel ohne eine ausreichende Betrachtung der Frage, wie gut das Geld
des Steuerzahlers ausgegeben wird.
Zum Beispiel sind Programme zur Stützung der Agrarpreise nach dem amerikanischen Agrargesetz von 1985 viel
zu kostenintensiv. Ich habe mir vorgenommen, auch weiter auf eine Abschaffung
einer
künstlich
hohen
Preisunterstützung zu drängen, wodurch Subventionen im Export abgebaut
werden könnten. Ich will insbesondere Änderungen zu diesem Gesetz vorschlagen, um das unkluge Förderprogramm für Zuckerpreise zu modifizieren, das derzeit erhebliche Probleme
in Bereichen der Handels-, Außen- und
Landwirtschaftspolitik schafft. Die
Bedeutung des Handels mit landwirtschaftlichen Produkten für die wirtschaftliche Gesundheit des Agrarbereichs und der ganzen Nation ver~
pflichtet zu einem wachsenden Vertrauen in freie Märkte, nicht auf die
Freigebigkeit einer Regierung.
Der Haushalt sieht bestimmte Reformen beim Medicare-Programm vor, um
die in der überparteilichen Haushaltsvereinbarung vereinbarten Einsparungen
zu
erzielen.
Zunächst
schlage ich im Einklang mit den Ergebnissen verschiedener unabhängiger
Studien einen Abbau der Zusatzzahlungen für Lehrkrankenhäuser nach dem
festgelegten Zahlungssystem (PPS) für
medizinische Ausbildung von 7,7 auf
4,05 Prozent vor. Dies ist die beste
Schätzung der traditionell von den
Lehrkrankenhäusern absorbierten zusätzlichen Kosten. Zweitens schlage
ich eine Begrenzung der fixen Medicare-Kosten für weiterführende medizinische Ausbildung
vor und die
Schaffung
zunehmend
einheitlicher
Mechanismen
zur
Zahlungsvollstrekkung.
Zur Minderung eskalierender
zusätzlicher medizinischer Versicherungskosten und zur Unterstützung einer Verlangsamung zukünftiger Steige-

rungen bei Leistungsprämien schlage
ich eine Begrenzung der Zahlungen für
bestimmte überhöhte ärztliche Maßnahmen sowie für haltbare medizinische
Ausrüstungen und Lieferungen vor.
Des weiteren beinhaltet mein Haushalt
eine Beseitigung der Gesetzeslücke
bei der Bezahlung von Nieren-Dialysen.
Insgesamt würden durch diese
Reformen die Ausgaben für Medicare um
1,2 Milliarden Dollar verringern,
wenn man von dem Niveau ausgeht, das
unter Beibehaltung der derzeitigen
Gesetzeslage entstehen würde.
Die
Ausgaben für das Medicare-Programm
würden von 1988 bis 1989 immer noch
um sieben Prozent wachsen.
Obwohl die Bereitstellung von
notwendigen gesetzlichen Dienstleistungen für diejenigen, die sie sich
nicht leisten können, ein wichtiges
Ziel in unserer Gesellschaft ist,
wird nach dem jetzigen System ein
großer Teil für die Finanzierung "Nationaler und Staatlicher Förderzentren" verwandt, die wegen ihrer politischen
Verstrickungen
kritisiert
wurden. Ich bitte den Kongreß dringend, die Verwendung von Bundesmitteln für solche "Denkfabriken" zu
verbieten und auf die direkte Unterstützung der Armen zu begrenzen, die
gesetzlicher Hilfe bedürfen.
Die Regierung schreibt häufiger
Programme auf Bundesebene fort, die
nicht mehr länger gebraucht werden.
Das trifft auf ländliche Wohnungsbauprogramme ebenso zu wie auf die Behörde zur heimischen Wirtschaftsförderung, Ermessenszuwendungen für das
städtische Verkehrswesen, Zuwendungen
für städtische Entwicklungsmaßnahmen,
Kanalisationsmaßnahmen, direkte Kredite für die Behörde zur Mittelstandsförderung,
Zuwendungen
für
Wohnungsbauentwicklungsmaßnahmen, das
Kreditprogramm für Sanierungsmaßnahmen im Wohnungsbau und Wirtschafts-

- 9 -

�entwicklungsprogramme der Tennessee
Valley Behörde. Frühere Regierungen
haben ebenso wie meine Administration
Anstrengungen zur Umkehr dieser Situation unternommen.
Die geringen
Resultate deuten jedoch darauf hin,
wie schwierig die Einschränkung von
zu starker Einflußnahme der Regierung
in diesen Bereichen ist.

Befreiung von Vorschriften
Seit sieben Jahren habe ich daran
gearbeitet, die übermäßige Belastung
von Vorschriften durch die Regierung
für alle Amerikaner abzubauen - für
männliche und weibliche Arbeitnehmer,
Konsumenten, Geschäftsleute und für
Landes- und Kommunalregierungen. Als
Ergebnis davon haben zahlreiche Ministerien und Dienststellen das Ausmaß und die Kosten von Bundesvorschriften verringert.
Das Genehmigungsverfahren des Bundes für Arzneimittel im Teststadium ist beschleunigt worden, wodurch diese zur Behandlung von ernsten und lebensbedrohenden Krankheiten oder beim Versagen
anderer Medikamente verfügbar gemacht
werden können. Die übermäßige Belastung der Regierungen von Einzelstaaten und Kommunen wurde aufgehoben.
Der Zugang zu Gütern und Dienstleistungen ist einfacher gemacht worden,
und dies bei geringeren Kosten. Die
Berichtsauflagen sind Einzelpersonen
und Geschäftsleuten vereinfacht worden, ebenso
die Belastung durch
Schreibarbeiten für diejenigen, die
mit der Bundesregierung um die Erlangung von Aufträgen konkurrieren. Unter Leitung der vom Vizepräsidenten
geleiteten Arbeitsgruppe des Präsidenten zum Abbau von Vorschriften
wird die Regierung diese und andere
Bemühungen fortsetzen, die Belastung
durch übermäßige Vorschriften der Regierung zu verringern.

Als
einschlägiges
Beispiel
schlägt mein Haushalt die Auflösung
der Zwischenstaatlichen Handelskommission vor, was vom Inkrafttreten
der Gesetzgebung zur vollständigen
Deregulierung der Motortransportindustrie abhängt. Anders als bei Sicherheitsvorschriften, gibt es keine
Rechtfertigung für eine Fortdauer von
wirtschaftlicher Reglementierung für
Transporte auf dem Landweg, und es
liegen schwerwiegende Argumente dagegen vor.
Als Ergebnis der wirtschaftlichen Deregulierung von LKWund Bahntransport können Konsumenten
mehrere Milliarden Dollar jährlich
einsparen, und die Industrie ist gesünder, innovativer, und eher In der
Lage, sich veränderten wirtschaftlichen
Gegebenheiten
anzupassen.
Dies ist nicht die Zeit, die Uhr wieder zurückzustellen.

Privatisierung
Regierung
und
Privatindustrie
sollten das tun, was beide am besten
können.
Die Bundesregierung sollte
nicht an der Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen beteiligt
sein, wo Privatfirmen diese Aufgabe
billiger und/oder sogar besser durchführen können.
In einigen Fällen
spiegelt die Tatsache, daß es keinen
privaten Anbieter gibt, eine Regierungspolitik wider, die den Wettbewerb verbietet - wie beispielsweise
bei Briefpost. In anderen Fällen reflektiert das Fehlen von privaten Anbietern eine Regierungspolitik, die
hohe Subventionen gewährt - wie zum
Beispiel bei der Anreicherung von
Uran. Es ist unvermeidbar, daß der
Steuerzahler mehr für weniger bezahlt.
Daher schlägt mein Haushalt die
Rückführung einer Vielzahl von Bunde sunt ernehmen in private Hände vor,
und zwar durch öffentliche Ausschrei-

�bungen oder Direktverkäufe. Im Anschluß an unseren erfolgreichen Verkauf von Conrail und der Versteigerung von ausgewählten Anleiheanteilen
im Wert von fünf Millionen Dollar
schlage ich nicht nur den Verkauf der
Naval Petroleum Reserves, sondern
auch der Alaska Power Administration,
des Heliumprogramms der Regierung,
von überschüssigem Landbesitz, und
weiteren 12 Millarden Dollar in Form
von Anleiheanteilen vor. Zusätzlich
habe ich gesetzgeberische Maßnahmen
zur Genehmigung einer Studie über die
mögliche
Entflechtung
der
Southeastern Power Administration vorgeschlagen und beabsichtige, die mögliche Privatisierung unserer Urananreicherungsanlagen zu prüfen, so wie
auch
Möglichkeiten,
amerikanische
Postdienstleistungen durch eine stärkere Hinwendung zur Privatindustrie
wirkungsvoller zu gestalten. Solchen
"Privatisierungsbemühungen" wird von
der derzeitigen Regierung auch weiter
eine hohe Priorität eingeräumt, und
ich freue mich darauf, im Sinne der
Abschlußempfehlungen der Privatisierungskommission zu handeln, die ich
vergangenen September ins Leben gerufen habe.
Privatisierung ist nicht gleichzusetzen mit einer Aufgabe der Regierungsverantwortung bei diesen Dienstleistungen. Es ist vielmehr die Anerkennung der Tatsache, daß die Bereitstellung der Dienstleistung im
Vordergrund steht und nicht, wer sie
erbringt. Eine Regierung hat naturgemäß die Tendenz, zu groß, schwerfällig und ineffizient zu werden; und
in einen unfairen Wettbewerb mit der
Privatindustrie zu treten.
Die Bundesregierung sollte auch
mehr auf die Privatindustrie zurückgreifen, um ergänzende und unterstützende Dienste für Maßnahmen bereitzustellen, die beim Bund verbleiben.

Ich schlage daher die Bildung einer
privaten Schlichtungsstelle vor, damit der Rückstand von Streitfällen
bei
amerikanischen
bteuergerichten
abgebaut wird. Meiner Haushaltsvorlage zufolge soll die Funktion der
Bestellung bewilligter Essensprogramme auf die Privatindustrie verlagert
werden.
Ferner ermutige ich zur
vollständigen Privatisierung der Abwässerbeseitigungsanlagen, bestimmter
Projekte im Verkehrswesen, dem Nationalen Finanzzentrum
des Landwirtschaftsministeriums und der Rural
Telephone Bank.
Unsere Regierung will zusätzlich
mit Privatisierungs- und Kommerzialisierungsbemühungen auch bei den Bundesgefängnissen beginnen. Diese Bemühungen sollen bei privaten Raumfahrtstationen für Forschungsmöglichkeiten unter Bedingungen der Schwerelosigkeit in den frühen neunziger
Jahren, kommerzieller Frachtüberprüfung, Einkaufszentren für die Streitkräfte, Wartung der Bojen der Küstenwache, und die Verwaltung von Brachland in Bundesbesitz stattfinden.
Darüber hinaus soll meinem Haushalt
zufolge die Arbeit bestimmter Bundesstellen im Hinblick darauf überprüft
werden, ob ihre Verantwortlichkeiten
an die Privatindustrie vergeben werden können. Dies wäre ein weiterer
Weg zur Steigerung der Produktivität,
Verringerung von Kosten und Verbesserung von Dienstleistungen.
Eine der besten Möglichkeiten zur
Bestimmung des Werts eines Regierungsprogramms oder eines bestimmten
Projekts ist die Übertragung eines
Teils der durch das Programm oder
Projekt entstehenden Kosten auf den
direkt Begünstigten. Dies haben wir
beispielsweise bei Entwicklungsprojekten zur Wassergewinnung getan.
Als Ergebnis davon haben sich ortsansässige Sponsoren und Benutzer dazu

- 11 -

�entschieden, nur mit den wichtigsten
und rentabelsten Projekten fortzufahren.

Verbesserung der Verwaltung
Wie wir alle wissen, hat die Bundesregierung
wichtige
Auswirkungen
auf unser tägliches Leben durch die
direkte Erbringung von Dienstleistungen, die Zahlung von finanziellen
Fördermitteln durch verschiedene Bewilligungsprogramme, die Erhebung von
Steuern und Gebühren und durch die
Vorschriften für kommerzielle Unternehmen. Die Bundesregierung muß kurz
vor Anbruch des 21. Jahrhunderts eine
veränderte Rolle in unserer Gesellschaft übernehmen, um sich den wandelnden Anforderungen stellen zu können, die aus veränderten Bedürfnissen
und Erfordernissen erwachsen. Um die
Jahrhundertwende |P&amp;ird die Bevölkerungszahl der USA 268 Millionen übersteigen, und ältere Mitbürger, deren
Anteil an der Gesamtbevölkerung grösser wird, benötigen spezialisiertere
Dienstleistungen.
Dieses Land wird
seine Aufgaben in einem viel schnelleren Maße wahrnehmen, weil uns Veränderungen in Technologie und Kommunikation in der Weltwirtschaft, im
Handel, dem Kapitalfluß und Reiseaktivitäten wie niemals zuvor miteinander verbinden.
Ich habe das Amt für Innere Angelegenheiten und das Büro für Verwaltung und Haushaltsfragen gebeten, mit
dem Rat für die Verbesserung von Verwaltungsaufgaben
zusammenzuarbeiten,
um bis zum August nach einer eingehenden Überprüfung eine Empfehlung
über weitere Veränderungen in bezug
auf die Rolle des Bundes vorzulegen,
um für die sich der Regierung im 21.
Jahrhundert stellenden Herausforderungen vorbereitet zu sein. In diesem Sommer werde ich deren Bericht
- 12

t

mit dem Titel "Regierung der Zukunft"
erhalten.
Ich will ferner das vor
sechs Jahren begonnene Verbesserungsprogramm für die Verwaltung "Reform
88" abschließen, mit dem das Verwaltungs- und Finanzsystem
sowie das
Kreditwesen unserer Bundesregierung
überprüft werden soll. Außerdem sollen in jeder Behörde Produktivitätsund Qualitätspläne eingehalten werden
und die Anforderungen an das Arbeitskräftepotential des Bundes für die
Zukunft erforscht werden. Ich will
das Vermächtnis einer guten Verwaltung der heutigen Programme hinterlassen, mit Plänen zur Bewältigung
der Herausforderungen von morgen.
Die Bemühungen zur Verbesserung
der Verwaltung der Bundesregierung
müssen fortgesetzt werden. Wir haben
alle von der schrecklichen Verschwendung gehört, die in der Bundesregierung betrieben wird. Einiges davon
ist offensichtlich - wie die Milliarden Dollar in unnützen Projekten, die
zur 1 OOOseitigen Gesetzesvorlage für
die Ausgaben im Jahr 1988 gehörten,
die mir vergangenen Dezember auf den
Tisch gelegt wurden.
Einige sind
nicht so offensichtlich - wie die
Milliarden Dollar unnötiger Zinsausgaben, die von der Regierung Jahr für
Jahr bezahlt wurden, weil es kein System der Kassenführung gab, oder die
Milliarden Dollar, die jährlich wegen
fehlenden
Kreditverwaltungsablaufs
verloren gehen, mit dem jene Anleihen
in
Billionen-Höhe
zurückgefordert
werden sollen, die der Bund ausgegeben hat.
Im Juli 1980 versprach ich dem
amerikanischen Volk: "Ich werde die
Entschuldigung nicht akzeptieren, wonach der Bundesregierung... die Kontrolle sämtlicher Präsidenten, Regierungen
oder
Kongresse
entglitten
ist... Wir werden Schluß machen mit
der Vorstellung, daß der ameri-

�kanische Steuerzahler dazu da ist,
die Bundesregierung zu finanzieren.
Die Bundesregierung ist dazu da, dem
amerikanischen Volk zu dienen... Ich
habe meine Regierung dazu verpflichtet, dies zu tun." Zu diesem Verprechen habe ich mich hier geäußert.
Einige Monate nach meiner Amtseinführung war mit der Bildung des
Rates zur Integrität und Leistungsfähigkeit des Präsidenten, der aus den
Generalinspekteuren von Bundesbehörden bestand, der erste Schritt getan.
Wenn ich mein Amt aufgebe, werden sie
Einsparungen von über 110 Milliarden
Dollar durch Abbau von Verschwendung,
Betrug und Ausnutzung des amerikanischen Volkes erbracht haben.
Im März 1982 habe ich dann das
größte Programm der Welt zur Verbesserung der Verwaltung mit den Worten
ins Leben gerufen:
"Mit Reform 88
werden wir die Abläufe zur Kontrolle
unseres Geldes, der Information, des
Personals und des Besitzes der Bundesbürokratie rationalisieren und reorganisieren." Ich berichtete meinem
Kabinett zu dieser Zeit, daß "wir
sechs Jahre Zeit haben, etwas zu verändern, was in 20 oder 30 Jahren den
heutigen Stand erreicht hat - und wir
sind schließlich nach Washington gekommen, um Veränderungen herbeizuführen."
Ich habe diese Verpflichtung
eingehalten. Der Rat des Präsidenten
zur Verbesserung der Verwaltung hat
diese Bemühungen überwacht und bringt
bedeutende Ergebnisse hervor.
In meinem gleichzeitig vorgelegten Verwaltungsbericht sind diese Anstrengungen detaillierter beschrieben.
Sie können nur erfolgreich
sein, wenn alle FUhrungskräfte und
Mitarbeiter der Bundesregierung zusammenarbeiten. Daher schlage ich in
diesem Haushalt eine neue Methode zur
Bezahlung solcher Bundesbediensteter

vor, die ihre Produktivität steigern.
Ich bitte den Kongreß, das derzeitige
System sozusagen automatischer Gehaltssteigerungen innerhalb einer Gehaltsstufe für jene ungefähr 40 Prozent der Angestellten, die jedes Jahr
hierzu berechtigt sind, in ein System
zu verwandeln, das auf der Leistung
des Angestellten aufbaut. Damit werden größere Anreize für Bundesbedienstete geschaffen, um bessere Leistungen zu erbringen und die Kosten für
den Steuerzahler zu verringern.

Verfahrensweisen zur Einbringung des
Haushalts
Wie von mir bei zahlreichen Gelegenheiten immer wieder betont, sind
die derzeit beim Haushalt angewandten
Verfahrensweisen nur schwer zu verwirklichen und bedürfen dringend einer
einschneidenden
Überarbeitung.
Im vergangenen Jahr hat der Kongreß,
wie auch im Jahr davor, den Haushalt
erst weit nach Beginn des Fiskaljahres verabschiedet. Der Kongreß hat
jeden Termin überschritten, den er
sich selbst erst neun Monate zuvor
gesetzt hatte. Schließlich hat der
Kongreß ein einjähriges, 1 057 Seiten
umfassendes
Haushaltsbewilligungsgesetz im Umfang von 605 Milliarden
Dollar verabschiedet mit einem begleitenden
Abstimmungsbericht
von
1 053 Seiten und einem 1 186 Seiten
langen Gesetzestext. Den Kongreßabgeordneten standen zur Beurteilung
aller drei Texte lediglich drei Stunden zur Verfügung. Der Kongreß sollte nicht noch einmal einen derart umfangreichen Beschluß verabschieden,
sonst werde ich ihn - wie ich bereits
in meinem Bericht zur Lage der Nation
erklärt habe - nicht unterzeichnen.
Ich fordere einen Verfassungszusatz, der einen ausgeglichenen Haushalt zwingend vorschreibt und der

- 13 -

�Bundesregierung zur Auflage macht, im
Rahmen ihrer Mittel zu leben. Ein
Verfassungszusatz zum Ausgleich des
Defizits im Bundeshaushalt - und eine
Bestimmung, die bei Steuererhöhungen
eine eindeutige Mehrheit im Kongreß
erfordert - würde bei den Verfahrensweisen zum Haushalt im Kongreß die
dringend notwendige Disziplin mit
sich bringen. 99 Prozent aller Amerikaner leben in Bundesstaaten, in
denen ein ausgeglichener Staatshaushalt vorgeschrieben ist, und insgesamt 32 Staaten haben bereits Resolutionen verschiedet, mit denen eine
gesetzgebende Versammlung gefordert
wird, die für die amerikanische Verfassung einen Zusatz für einen ausgeglichenen Haushalt vorschlagen soll.
Ferner bitte ich den Kongreß um
ein selektives Veto, so daß meine
Nachfolger in massive Haushaltsvorlagen wie etwa die letzte eingreifen,
der Verschwendung Einhalt gebieten
und Disziplin beim Haushalt durchsetzen können. 43 Gouverneure der Bundesstaaten haben solch ein selektives
Veto; dem Präsidenten sollte diese
Befugnis ebenfalls zugestanden werden.
Als Gouverneur des Staates
Kalifornien (1967-1975) habe ich 943
Mal von diesem selektiven Vetorecht
Gebrauch gemacht.
Die Legislative
des Staates Kalifornien hat jedes
dieser Vetos betätigt, obwohl in beiden Häusern die Opposition die Mehrheit hatte.
Zusätzlich dazu schlage ich bei
den Verfahrensweisen
zum Haushalt
folgende Modifizierungen vor:
1.
Gemeinsame Haushaltsresolution.
Die
Verfahrensweisen
beim
Haushalt haben in den vergangenen
Jahren eine derartige Zersetzung erfahren, daß der Haushalt des Präsidenten regelmäßig verworfen und die
Haushaltsresolution
des
Kongresses

kontinuierlich mißachtet wird.
Um
hier Abhilfe zu schaffen, schlage ich
vor, daß der Kongreß und die Exekutive weiterhin an einer gemeinsamen Resolution arbeiten, die Prioritäten
bei den Ausgaben mit den verfügbaren
Einnahmen abstimmt.
Die Notwendigkeit der Unterschrift des Präsidenten
würde beide Teile der Regierung zwingen, politische Meinungsverschiedenheiten auszuräumen, bevor die Gesetzesvorlage konkret formuliert wird.
Verfahrensweisen bei der Einbringung
des Haushalts könnten weiter verbessert werden, wenn das Haushaltsgesetz
sowohl Zuwendungen des Ausschusses
als auch Funktionen des Haushalts umfaßt.
2.
Individuelle Übergabe von
Haushaltsvorlagen.
Die gegenwärtige
Praxis der Übergabe von einjährigen
Resolutionen umgeht die zuständigen
Ausschüsse und Unterausschüsse. Noch
wichtiger ist in diesem Zusammenhang,
daß Legislative und Exekutive keine
angemessene Überprüfung der Bundesausgaben vornehmen können.
Daher
schlage ich eine Vorschrift vor, derzufolge Haushaltsvorlagen dem Präsidenten einzeln vorgelegt werden.
3. Genaue Einhaltung von Etatzuweisungen. In den achtziger Jahren
hat sich im Kongreß die nicht vertretbare Praxis eingeschlichen, vom
Kongreß bereits bewilligte, bestimmten Aufgaben zugewiesene Mittel anderweitig zu verwenden.
Regelmäßig
wurden Mittel vom Bereich Verteidigung oder internationale Angelegenheiten für Aufwendungen im Inland abgezogen. Ich dränge darauf, daß in
jedem Fiskaljahr die Etatzuweisung
für nationale Sicherheit und innenpolitische Belange getrennt werden und
durch einen Tagesordnungspunkt im
Haushaltsgesetz in Kraft treten.

- 14 -

4.

Erweitertes Recht der Anfech-

�tung. Im Rahmen des derzeitigen Gesetzes kann der Präsident die Ausgabeermächtigung anfechten, beide Häuser des Kongresses müssen jedoch "zugunsten" der Anfechtung stimmen, damit diese wirksam wird. Im Jahr 1987
trat keine einzige Anfechtung vor Ablauf der 45-Tage-Frist in Kraft, und
es wurde noch nicht einmal darüber
abgestimmt. Ich schlage eine Gesetzesänderung vor, wonach der Kongreß
mit "ja" oder "nein" über jede vom
Präsidenten vorgeschlagene Anfechtung
abstimmen muß. Dadurch wird der Kongreß von einer Umgehung des Problems
abgehalten, indem er schlicht und
einfach die vorgeschlagene Anfechtung
ignoriert und eine registriertes Abstimmungsergebnis vermeidet.
5. Zweijahresintervall zur Einbringung des Haushaltes. Das derzeitige Verfahren zur Haushaltsvorlage
kostet zuviel Zeit und Energie. Ein
zweijähriger Haushaltszyklus bietet
mehrere Möglichkeiten - unter anderem
eine Vermeidung der jährlich wiederkehrenden Aufgaben bei der Haushaltsvorlage, mehr Zeit zur Erörterung von
Ausgabenentscheidungen in Schlüsselbereichen und weniger Spielraum für
Tricks, wie die Verschiebung von Ausgaben von einem Jahr auf das nächste.
Ich fordere den Kongreß auf, einem
ZweiJahresintervall zur Einbringung
des Haushaltes zuzustimmen.
6. Korrektheit von Bundesausgaben. Im Rahmen meines für die Wirtschaft geforderten Grundsatzprogrammes werde ich in Kürze eine Gesetzesvorlage einbringen, die bei jedem zukünftigen Gesetz zur Schaffung neuer
Bundesprogramme ein Null-Defizit zur
Bedingung
macht.
Zusätzlich
zur
gleichzeitigen Durchsetzung entsprechender Beträge für Programmkürzungen
und Einnahmeerhöhungen würde mein
Vorschlag ferner die Forderung enthalten, daß alle zukünftigen Gesetze

und Vorschriften von Aussagen über
die finanziellen Auswirkungen begleitet werden, einschließlich der Auswirkungen auf die Regierungen der
Bundesstaaten und Kommunen.
Dank der Verabschiedung dieser
Reformen sollte die Bundesregierung
in der Lage sein, wohlüberlegt sachliche Entscheidungen zu treffen, die
zur Förderung vernünftiger Prioritäten beitragen.
Die vom amerikanischen Volk gewählten Vertreter sind
ihm das schuldig.

Schlußfolgerung
Wenn wir einen Rückblick über die
vergangenen sieben Jahre vornehmen,
können wir uns eines Gefühls von
Stolz über unsere Leistungen nicht
erwehren. Dennoch liegen noch bedeutende Aufgaben vor uns. Das enorme
und hartnäckig andauernde Haushaltsdefizit war die Hauptursache von Frustrationen. Es ist eine Gefährdung
unseres Wohlstandes und unserer Hoffnungen auf eine geringere Last für
zukünftige Generationen.
Vor zwei Jahren haben die Legislative und die Exekutive auf diese
Bedrohung mit der Verabschiedung des
GRH reagiert, das allmähliche, in geordneten Bahnen verlaufende Fortschritte in Richtung auf einen ausgewogenen Haushalt in den kommenden
Jahren zur Bedingung macht. Meine
Haushaltsvorlage hat das im Zusatzartikel definierte Ziel erreicht und
gleichzeitig den Fortbestand der legitimen Programme für die Älteren und
Bedürftigen
gesichert,
angemessene
nationale
Sicherheit
gewährleistet
und zusätzliche Mittel für weitere
Aktivitäten von vorrangiger Bedeutung
bereitgestellt - und dies alles ohne
Steuererhöhungen.

- 15 -

�Meine Haushaltsvorlage spiegelt
ferner die im vergangenen November
erzielte Überparteiliche Haushaltsvereinbarung wider. Mit der Unterbreitung
dieses
Haushaltsentwurfes
erfülle ich meinen Teil der Verpflichtung. Ich fordere den Kongreß
auf, seinen Teil zu übernehmen - indem er gewährleistet, daß die Bewilligungen und anderen Gesetze mit der
Vereinbarung voll und ganz In Einklang stehen. Indem wir in solchem
Maße Zurückhaltung und Selbstdiziplin
üben, können wir große Vorteile für
unsere Nation garantieren: ein niedrigeres Haushaltsdefizit, verringerte
Nachfrage auf den Kreditmärkten, stabilere Finanzmärkte, ein kontinuierlich abnehmendes Handelsdefizit und
anhaltenden Wohlstand mit nichtinflationärem Wachstum. Indem der Kongreß
das Verfahren zur Einbringung des
Haushaltes erneuert, kann er den Entscheidungsprozeß verbessern und sich
des Dankes der Öffentlichkeit gewiß
sein. Dies ist sicherlich ein geringer Preis für das, was auf dem Spiel
steht.

- 16

�Zusammenfassung der Haushaltsaufwendungen
(in Milliarden Dollar)

Einnahmen
Ausgaben
Überschuß/Defizit (-)

1987

1988

1989

854,1

909,2

964,7

1.004,6

1.055,9

1.094,2

-150,4

-146,7

-129,5

-144,0

-144,0

-136,0

6,4

2,7

-6,5

Nach Gramm-Rudman-Hollings
angestrebtes Defizit
Differenz

Die Zahlen schließen die Sozialversicherung ein, die im Haushalt nicht
berücksichtigt wird.

* * * * * *

- 17 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
24. Februar 1988

REAGAN:

NICHTINFLATIONARES WACHSTUM HALT AN

- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Trotz der nun im sechsten Jahr anhaltenden Expansion
der amerikanischen Wirtschaft erwartet Präsident Reagan seinem dem Kongreß am
19. Februar 1988 vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht zufolge einen noch stärkeren Zuwachs. "Das Wachstum kann und soll anhalten", erklärte Reagan, sieht
dadurch jedoch keine Bedrohung der Preisstabilität. Um in Zukunft Wachstum
garantieren zu können, müßten die Vereinigten Staaten ihr Haushaltsdefizit
durch Einschränkung der Ausgaben verringern, "dem Sirenengesang des Protektionismus widerstehen" und "der Regierung die Zügel anlegen, wenn sie droht, unsere Märkte zu schließen, unsere Industrie abzuschotten und unsere Wirtschaft
rigider" zu machen. Durch ihr beispielhaftes Verhalten war diese Administration, Reagan zufolge treibende Kraft für wirtschaftliche Veränderungen auf der
Welt.
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Mein
erster,
nach
einjähriger
Amtszeit
im Jahr 1982 vorgelegter
Wirtschaftsbericht war lediglich auf
ermutigende wirtschaftliche Neuigkeiten am Horizont ausgerichtet.
Der
Wiederaufbau
der Wirtschaft
wurde
erst in die Wege geleitet und schwierige Entscheidungen waren zu treffen.
Die Inflation
wies erstmals keine
zweistelligen Zahlen mehr auf, aber
Amerika steckte in einer tiefen Rezession, der zweiten in zwei Jahren.
Heute können wir jedoch auf echte und
solide Fortschritte verweisen.
Die
Politik dieser Administration hat ei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ne bisher unerreichte wirtschaftliche
Expansion angekurbelt und erhalten die längste, die Amerika in Friedenszeiten jemals erlebt hat. Im Zuge
dieser Expansion sind 15 Millionen
neuer Arbeitsplätze zum Nutzen der
Industrie
und
aller
Bevölkerungsschichten geschaffen worden. Das reale Bruttosozialprodukt ist in diesen
fünf Jahren des Wachstums um nahezu
23 Prozent gestiegen.
Und
die Errungenschaften
sind
nicht allein in der Vergangenheit erzielt worden.
Unsere Politik wird

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�auch in den kommenden Jahren weiterhin zu einem höheren Lebensstandard
beitragen.
Durch Verbesserung
der
Privatinitiative
und
Möglichkeiten
für Beschäftigung, Investitionen und
Unternehmertum haben wir für die absehbare Zukunft den Grundstein für
das Wachstum gelegt.
Um sicherzustellen, daß die neugewonnene Energie
des
Privatsektors
eine
treibende
Kraft für das Wachstum bleibt, müssen
wir weiterhin Anstrengungen unternehmen, um das Defizit des Bundes durch
Einschränkung der Ausgaben zu verringern, dem Sirenengesang des Protektionismus widerstehen, eine Politik
unterstützen, die nichtinflationäres
Wirtschaftswachstum ankurbelt und der
Regierung die Zügel anlegen, wenn sie
droht, unsere Märkte zu schließen,
unsere Industrie abzuschotten und unsere Wirtschaft rigider zu machen.

Die wirtschaftliche Expansion
Seit November 1982 hat die amerikanische Wirtschaft ohne erneut aufgetretene
Inflation
einen
stetigen
Aufschwung erfahren. Bisher hat dieses beispiellose Wirtschaftswachstum
in der Geschichte unseres Landes nur
zweimal - aber niemals in Friedenszeiten - so lange angehalten. In der
gegenwärtigen
Expansionsphase
haben
ein starker Anstieg der Beschäftigung
zusammen mit niedrigen Inflationsraten und höheren Zuwachsraten bei der
Produktivität einen höheren Lebensstandard für das amerikanische Volk
bedeutet.
Die Beschäftigung ist drastisch
angestiegen, und alle Bevölkerungsgruppen haben davon profitiert. Während die Gesamtzahl der Beschäftigten
seit November 1982 um etwa 15 Prozent
gestiegen ist, hat die Beschäftigtenrate bei Schwarzen um mehr als 25
Prozent und bei Hispano-Amerikanern

um mehr als 40 Prozent zugenommen.
Dementsprechend
sind die Arbeitslosenzahlen - besonders bei Minderheiten - rapide gesunken, obwohl die Rate immer noch untragbar ist. Meiner
Ansicht nach sollten all diejenigen,
die Arbeit suchen, eine Beschäftigung
finden, die ihrem Können und ihren
Fähigkeiten entspricht.
Mit der um nahezu die Hälfte gesunkenen Arbeitslosenzahl sind Stimmen laut geworden, denen zufolge es
sich bei den neuen Arbeitsplätzen um
minderwertige
Stellungen
ohne Aufstiegschancen handelt, während andere
argumentierten, der rapide Beschäftigungszuwachs habe uns an den Rand einer neuen Inflationsrunde gebracht.
Keine dieser Auffassungen ist korrekt.
Die Tatsachen deuten darauf
hin, daß die stärksten Zuwachsraten
bei besser bezahlten und qualifizierten Arbeitsplätzen stattgefunden haben.
Der Löwenanteil neu geschaffener Arbeitsplätze waren gutbezahlte
Vollzeitarbeitsplätze.
Obwohl es zutrifft, daß die Zahl der Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie
langsamer
angestiegen
ist
als
im
Dienstleistungssektor, spiegelt dies
die Innovation der amerikanischen Industrie und das Können amerikanischer
Arbeitnehmer wider und ist keineswegs
ein Zeichen für eine "Entindustrialisierung"
der
Vereinigten
Staaten.
Der Leistungsanteil der verarbeitenden Industrie an der Gesamtproduktion
hat sich im Laufe der Expansion tatsächlich erhöht und liegt jetzt über
dem Durchschnitt der Nachkriegszeit.
Dennoch haben rapide Zuwachsraten der
Produktivität im Fertigungssektor einen langsameren Anstieg der Beschäftigung in diesem Sektor bedeutet.
Der starke Produktivitätsanstieg hat
zusammen mit der Anpassung des Dollarkurses nach unten die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte auf den
Weltmärkten gesteigert. Auf dem gan-

- 2 -

�zen Erdball sind Produkte "Made in
USA" zunehmend verbreitet und begehrt.
Darüber hinaus glaube ich nicht,
daß unsere Wirtschaft bereits den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hat oder unser Wirtschaftswachstum die Preisstabilität bedroht.
Das Wachstum kann und sol] anhalten.
Mit einer gesunden und soliden Wirtschaftspolitik
werden
Spartätigkeit
und Investitionen ermutigt und die
nationale
Produktivität
gesteigert.
Ich engagiere mich weiterhin für das
Ziel eines stabilen Preisniveaus und
betrachte den Rückgang der Inflation
in meiner Amtsperiode als große Leistung. Ich würde die Aussicht einer
erneut auftretenden Inflation nicht
leicht nehmen. Aber das Wirtschaftswachstum selbst wird nicht zur Spirale einer sich beschleunigenden Inflation führen - das würde nur mittels
einer unverantwortlichen Wirtschaftspolitik geschehen.
Unsere Wirtschaftsprognosen weisen für die kommenden Jahre eine Verlangsamung der Inflation auf, obwohl
die Produktion im Jahresdurchschnitt
konstant 3,2 Prozent steigt.
Aber
ein stetiger wirtschaftlicher Fortschritt erfordert, daß Politiker zukunftsorientierte Prinzipien befolgen
und die besten Interessen der Nation
langfristig durch ein anhaltendes Engagement für Wachstum und Stabilität
im Auge behalten. Die Wachstumsprognosen für die unmittelbare Zukunft
sind durch die Einbrüche auf dem Aktienmarkt im vergangenen Jahr und
auch durch steigende Zinssätze und
eine restriktive Währungspolitik im
Jahr
1987
beschleunigt
werden.
Trotzdem erwarte ich, daß die amerikanische Wirtschaft im Jahr 1988, dem
sechsten fortlaufenden Jahr ihrer Expansion, weiterhin Zuwachsraten verzeichnen wird.

Die vergangenen fünf Jahre waren
eine Zeit beispiellosen Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten.
Es war eine ungewöhnliche Zeit wegen
des langanhaltenden Wirtschaftswachstums, ungewöhnlich auch wegen der
Tatsache, daß die Inflation so lange
in Schranken gehalten werden konnte
und ebenfalls ungewöhnlich im Hinblick auf die Leistungen anderer Industrieländer.
In den Jahren 1982
bis 1986 haben kleine und größere
amerikanische Betriebe zweieinhalbmal
so viele neue Arbeitsplätze geschaffen wie Japan und die führenden Industrienationen
zusammengenommen.
Im
Jahr 1987 scheint sich diese Tendenz
fortgesetzt zu haben, da die amerikanische Wirtschaft wiederum in bemerkenswertem
Umfang neue Arbeitsplätze geschaffen hat.
Die amerikanische Arbeitslosenziffer
ist um
fünf Prozentpunkte gefallen und liegt
gegenwärtig unter der Rate der meisten führenden Industrienationen, in
denen
die
Arbeitslosenzahlen
sich
noch nicht vollständig von der letzten Rezession erholt haben. Generell
haben wir aufgrund des Außenhandels
keine Arbeitsplätze verloren.
Vielmehr bedeuteten eine wachstumsorientierte Politik niedrigere, gerechtere
Steuern und weniger staatliche Eingriffe, und ein freier und offener
internationaler Handel ist eine Quelle wirtschaftlicher Stärke. Tatsächlich blüht die amerikanische Wirtschaft, und die Aussichten sind vielversprechend .

Die Rolle des Staates in der Wirtschaft
Es fällt schwer zu glauben, daß
das wirtchaftliche Klima zu Beginn
der achtziger Jahre bestenfalls mit
Verzweiflung umschrieben werden kann.
Inflation und Zinssätze sind mit jedem Konjunkturzyklus höher geschraubt

- 3 -

�Worden, und als die Wirtschaft innerhalb von zwei Jahren ihre zweite Rezession durchmachte, schien das Ziel
eines anhaltenden Wachtums in immer
weitere Ferne zu rücken. Angesichts
einer
zweistelligen
Inflations- und
Arbeitslosenzahl wurde der Ruf laut,
die Regierung solle noch mehr tun und
dadurch die fehlgeschlagene Politik
der Vergangenheit ausgleichen. Statt
dessen habe ich die Politik der Regierung auf ein Minimum beschränkt,
und die letzten fünf Jahre des Wirtschaftswachstums
legen
durch
die
Tragfähigkeit freier Märkte und Produktivität der Amerikaner davon Zeugnis ab. Staatliche Eingriffe in das
Wirtschaftsleben des Landes sind zurückgeschraubt worden, und der Privatsektor
hat
darauf
mit
einem
sprunghaften Anstieg der Aktivitäten,
Entwicklung neuer Produkte und Schaffung neuer Arbeitsplätze reagiert.
Die Bundesregierung muß in der
Wirtschaft des Landes eine wichtige,
aber dennoch
eng definierte Rolle
spielen.
Generell
sollten
wirtschaftliche Entscheidungen dem Privatsektor überlassen bleiben, der im
Laufe der Geschichte die Stütze unserer Wirtschaft war, oder den Regierungen der Einzelstaaten und Kommunen, wenn die Probleme vom Privatsektor nicht
zufriedenstellend
gelöst
werden können. Nur bei Problemen von
nationaler Tragweite spielt die Bundesregierung eine Rolle.
Wir haben Anstrengungen unternommen, um die Bundesausgaben einzudämmen und sie nur auf die unerläßlichen
Aufgaben der Regierung zu beschränken. Diese Bestrebungen haben Früchte getragen.
Im vergangenen Fiskaljahr sind die Bundesausgaben zum ersten Mal in 14 Jahren - Inflationsbereinigt - zurückgegangen. Die Regierungsausgaben für Waren und Dienstleistungen absorbieren Mittel, die im
- 4

Privatsektor
besser genutzt
werden
könnten, und jede einzelne Ausgabe
des Bundes muß letztlich durch Inflation oder Steuern finanziert werden.
Weil nichts umsonst zu haben ist,
müssen wir harte Entscheidungen treffen und dürfen nur solche Programme
finanzieren, die eindeutig im Interesse der Nation liegen und nicht diejenigen mit den einflußreichsten Befürwortern. Obwohl zum Beispiel eine
starke nationale Verteidigung richtigerweise in den Zuständigkeitsbereich
der Bundesregierung
gehört, trifft
dies nicht auf die ständige Vermehrung von bezuschußten Projekten zu.
Amerikas Gefühl für Gerechtigkeit ist
verletzt, wenn hart verdiente Steuergroschen
unnötigerweise
zugunsten
starker
Einzelinteressen
verwendet
werden.
Bei der Durchführung makroökonomischer Maßnahmen sind wir vom Zickzackkurs der Vergangenheit abgewichen.
Meine Administration vertritt
langfristig die Auffassung, daß Steuerpolitik die Verteilung wirtschaftlicher Aktivitäten zwischen öffentlicher Hand und Privatsektor bestimmt
und nicht auf jeden Auf- und Abstieg
in der Statistik reagieren darf. In
ähnlicher Weise sollte mit der Währungspolitik eine ausreichende Liquidität für anhaltendes nichtinflationäres
Wachstum
geschaffen
werden.
Zusammengenommen
garantleren
diese
Maßnahmen ein stabiles Umfeld, in dem
Personen und Geschäftsbetriebe ihre
Zukunft planen und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten bestmöglich nutzen können.
Allzulange hat die Bundesregierung
unnötigerweise in privatwirtschaftliche Entscheidungen eingegriffen.
In bestimmten Industriezweigen
spielt die Bundesregierung eine berechtigte - wenn auch beschränkte Rolle, zum Beispiel bei der Garantie

�der Sicherheit und Solidität des Banken- und Zahlungssystems der Nation.
Aber viele Regierungsverfügungen stören die Funktionsfähigkeit von Märkten, behindern den Wettbewerb, bedeuten zusätzliche Kosten für Unternehmer und erhöhen die Preise für den
Verbraucher, ohne dafür eine angemessene Gegenleistung zu erbringen. Bestimmungen, die den effizienten Einsatz von Arbeitskraft, Investitionen
und Rohstoffen beeinträchtigen, verringern letztlich unser Produktionspotential und lassen es unserem Land
schlechter gehen.
Obwohl meine Administration beim
Abbau vieler Bestimmungen und Eingriffe in den Markt erfolgreich war,
bleibt noch viel zu tun. Wir müssen
die verbleibenden Anreizblockaden beseitigen, die Last der Verordnungen
des Bundes verringern und Regierungsprogramme abschaffen, die ineffektive
Produzenten unnötig subventionieren.
Insbesondere müssen wir Finanzinstitutionen von überholten Rechtsverfügungen befreien, die bestehende Kontrolle des zwischenstaatlichen Fernverkehrs
abschaffen,
einschränkende
Bestimmungen für Erdgas aufheben und
die einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung für neue Autos außer Kraft
setzen. Wir müssen dem Ruf nach mehr
Eingriffen der Regierung widerstehen,
mit denen zusätzliche Ineffizienz gefördert würde, wie etwa mit der geforderten vorherigen Ankündigung von
Streiks
und
Betriebsschließungen.
Mit wenigen Ausnahmen ist der Privatsektor am besten in der Lage, Mittel
zu ihrem bestmöglichen Nutzen bereitzustellen, und dies sollte ihm ohne
übermäßige
Papierarbeit
und
Einschränkungen
gewährt
werden.
Aus
diesem Grunde waren Privatisierung,
Deregulierung
und
Initiativen
des
Privatsektors
wichtige
Bestandteile
meines
Wirtschaftsprogramms.
Ich
glaube an die natürliche Dynamik des

Privatsektors,
und
meiner
Ansicht
nach besteht das Beste, was die Regierung in der Regel tun kann, darin,
sich nicht einzumischen.

Das internationale Umfeld
Diese
Administration
hat
dem
wirtschaftlichen Wandel in den Vereinigten Staaten und der unserem Beispiel folgenden Welt insgesamt Auftrieb
verliehen.
Unsere
bewährte
marktorientierte
Politik
findet in
immer mehr Ländern der Welt Anwendung, denen die hohen Kosten eines
aufgeblähten Regierungsapparates und
der nachteiligen Auswirkungen unterdrückten
Unternehmergeistes
bewußt
werden.
Zur Ankurbelung des Wachstums und
einer
Verbesserung
wirtschaftlicher
Chancen sind zahlreiche Länder unserem Beispiel gefolgt und haben eine
Senkung der enorm hohen Steuersätze
vorgenommen, die der Motivation zu
Arbeit, Sparen und Produktion abträglich sind. Ferner wird die Steuerreform zu einem weltweiten Phänomen.
Ebenso wie in den Vereinigten Staaten
verspricht eine Steuerreform im Ausland einen Großteil der Verzerrung
und Ineffizienz zu beheben und versetzt dadurch Geschäftsleute und Privatpersonen in die Lage, Produktionsund
Investitionsentscheidungen
zur
Verbesserung
ihres
wirtschaftlichen
Wohlstandes zu treffen, statt nur ihre Steuersätze zu senken.
Von Kontinent zu Kontinent werden
die Vorteile von Privatisierung und
Deregulierung
zunehmend
geschätzt.
Selbst China und heute vielleicht sogar die Sowjetunion scheinen freiere
Wirtschaftssysteme
anzustreben.
Statt Privatunternehmen weiterhin als
Gegner zu betrachten, sehen viele Regierungen darin heute ihre größte

- 5 -

�Hoffnung für Fortschritt und Wohlstand.
Entwicklungs- und Industrienationen
beheben Verkrustungen und
Eingriffe in Märkte und vergrößern
somit
wirtschaftliche Freiheit und
Chancen für ihre Bürger.
In den Entwicklungsländern, die
Investitionen und privates Unternehmertum ermutigen, sollte das daraus
resultierende Wirtschaftswachstum zur
Verringerung
ihrer
Schuldenprobleme
beitragen. Die von den Entwicklungsländern getragene Schuldenlast ist
nicht allein ihr Problem;
wir alle
haben ein existentielles Interesse an
der Erarbeitung von Lösungen, die
Wachstum fördern und offene internationale Finanzmärkte schützen.
Und
wir werden weiterhin mit all denjenigen
zusammenarbeiten, die wirklich
Entschlossenheit bei der Bewältigung
dieses schwierigen Problems zeigen.
In der Weltwirtschaft sind die
Vereinigten Staaten stets eine treibende Kraft gewesen, nicht nur wenn
es darum ging, die Vorteile des Privatunternehmertums
unter Beweis zu
stellen, sondern auch bei unserem Engagement für freien Handel und internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Die enorme Importbedarf unseres Landes hat ferner dazu beigetragen, nahezu im gesamten Verlauf
dieses
Jahrzehnts die Produktionssteigerung im Ausland
zu fördern.
Die stärkere Verflechtung der Weltwirtschaft geht einher mit größerer
Vielfalt des Handels und die Finanzmärkte haben im Großen und Ganzen eine weltweite Öffnung erfahren.
Um weiterhin die Früchte eines
offenen
internationalen
Handelssys t e m ernten zu können, engagieren
wir uns für den weiteren Abbau von
Hemmnissen, die den freien Fluß von
Waren, Dienstleistungen und Kapital
behindern.
Mit dieser Zielsetzung

sind die Vereinigten Staaten bilaterale und multilaterale Abkommen eingegangen, um im internationalen Handel Schranken abzubauen. Wir werden
dies auch in Zukunft tun. Das kürzlich mit Kanada geschlossene Freihandelsabkommen ist eine historische Errungenschaft.
Sobald
entsprechende
Durchführungsbestimmungen verabschi edet sind, wird mit diesem Abkommen
die größte internationale Freihandelszone
der
Welt
geschaffen.
Gleichzeitig haben wir in der Uruguay-Runde der multilateralen Verhandlungen im Rahmen des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT)
darauf hingearbeitet, Handelshemmnisse weltweit abzubauen. In diesem Forum haben wir besondere Betonung auf
die Abschaffung der Subventionsspirale
für
Agrarprodukte
sowie
der
Schranken für Agrarimporte gelegt und
die Erarbeitung
und
Verwirklichung
angemessener Schutzmaßnahmen für geistiges Eigentum, die Liberalisierung
des Handels im Dienstleisungsbereich
und die Gewährleistung einer unparteiischen
Abwicklung
ausländischer
Investitionen bekräftigt. Mit diesen
und anderen Mitteln werden wir weiterhin das Ziel des freien und gerechten Handels verfolgen, der nur zu
einer Verbesserung von Chancen und
Wohlstand im In- und Ausland beitragen kann.

Die Herausforderungen der Zukunft
Das amerikanische Volk hat mich
mit der Vision einer wiederbelebten
Wirtschaft in dieses Amt gewählt, und
ich habe diese Vision Wirklichkeit
werden
sehen.
Der
Wiederaufstieg
Amerikas hat meinen Optimismus bestätigt.
Die Errungenschaften der vergangenen sieben Jahre sollten uns ermutigen, aber wir dürfen die Augen
nicht vor den bedeutenden Herausforderungen verschließen, die noch vor

- 6 -

�uns liegen.
An erster Stelle unter diesen
Herausforderungen stehen die fortgesetzt hohen Bundesausgaben und das
Haushaltsdefizit.
Die Einnahmen des
Bundes lagen im vergangenen Jahr um
255 Milliarden Dollar über denen des
Jahres 1981; dennoch hat sich das Defizit seitdem nahezu verdoppelt und
wurde durch einen Anstieg der Ausgaben in Höhe von 326 Milliarden Dollar
aufgebläht.
Obwohl es uns in jüngster Zeit gelungen ist, den Ausgabenzuwachs zu verlangsamen und trotz der
Verringerung des Defizits um 71 Millarden Dollar im vergangenen Fiskaljahr ist es immer noch zu hoch.
Auch
ungeachtet
der
jüngsten
Fortschritte bei der Kontrolle von
Bundesausgaben
als Prozentsatz des
Bruttosozialproduktes liegen die Ausgaben immer noch merklich über dem
Durchschnitt
der
Nachkriegsjähre.
Die Regierung gibt immer noch zuviel
aus und verschlingt Ressourcen, die
vom Privatsektor besser genutzt werden
könnten.
Der
Bundesregierung
fallen bestimmte Schlüsselfunktionen
zu, wie zum Beispiel die Bereitstellung der nationalen Verteidigung und
die Gewährleistung eines angemessenen
Sicherheitsnetzes für die Bedürftigen, aber in vielen Bereichen ist die
Einflußnahme der Regierung eher hinderlich und überflüssig.
Steuererhöhungen sind nicht der
Schlüssel
zum Abbau des Defizits.
Einige Steuern sind unvermeidbar
die unerläßlichen Aufgaben der Regierung müssen finanziert werden. Aber
die im Bereich der Einkommensteuer
vorgenommene
Steuerreform
und
die
Steuersenkungen stellen einen erfolgreichen Schritt dar, eine Finanzierung der Regierung in die Wege zu
leiten, die weniger verzerrend, erträglicher und gerechter ist.
Eine

Aufhebung
der
Steuerreform
durch
Steuererhöhungen
würde
der
Wirtschaftsaktivität zuwiderlaufen, indem
Unsicherheit über die Regierungspolitik genährt und Anreize zu Arbeit und
Produktion
geschmälert würden.
In
den vor uns liegenden Jahren sollten
wir daher vielmehr Mittel und Wege
zur Ankurbelung von Investitionsanreizen für zukünftige Produktionskapazitäten finden, einschließlich der
Senkung des Steuersatzes auf Kapitalgewinne.
Das
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
und unsere jüngste Vereinbarung mit
dem Kongreß über ein zweijähriges Paket zum Haushaltsausgleich haben den
Weg zu einem weiteren Abbau des Defizits geebnet. Dies sind Schritte in
die
lichtige
Richtung.
Aber
die
Haushaltsvorlage selbst bleibt Haupthindernis für den Abbau des Defizits.
Und ich bin nicht der Einzige, der
feststellen mußte, daß die Einbringung des Haushalts ein Desaster ist;
einer kürzlichen Umfrage unter den
Kongreßabgeordneten
zufolge ist er
die
Hauptursache
der
Frustration.
Das Verfahren funktioniert nicht und
bedarf der Reform; Disziplin und Verantwortungsbewußtsein müssen wiederhergestellt werden.
Das derzeitige Verfahren bei der
Einbringung
des Haushaltes
besteht
darin, eine Reihe von Gesetzesentwürfe enormen Umfangs vorzulegen, die
binnen Stunden verabschiedet und unterschrieben werden müssen - oder die
Regierung
wird
handlungsunfähig.
Dies ist unverantwortliches Regieren
und ich bin nicht bereit, ein weiteres dieser Mammutwerke zu unterzeichnen.
Ein solches Verfahren dient
nicht den vornehmsten Interessen der
Nation, unterbindet
die
eingehende
Überprüfung der bei den Ausgaben gesetzten
Prioritäten und
unterläuft
das in der Verfassung verankerte Sy-

�stem gegenseitiger Kontrolle und gemeinsamer Verantwortung von Kongreß
und Regierung.
Damit solche umfänglichen Bewilligungsgesetze
nicht zum Vabanquespiel werden, habe ich das selektive
Veto für mich gefordert, ein Recht,
das 43 Staatsgouverneure bereits für
sich in Anspruch nehmen.
Durch das
selektive
Veto
könnten
zukünftige
Präsidenten Unnützes im Keim erstikken und Haushaltsdisziplin durchsetzen.
Ferner würde das erweiterte
Recht der Anfechtung dem obersten
Staatsdiener gestatten, unnötige Ausgaben für Programme zu kürzen, die in
vielen Fällen ihre Berechtigung überdauert haben.
Um zu gewährleisten,
daß ein ausgeglichener Haushalt beständiger Teil unserer Steuerpolitik
wird, haben die Gesetzgeber von 32
Bundesstaaten einen - von mir unterstützten - Verfassungszusatz gefordert, mit dem die Regierung gezwungen
werden kann, im Rahmen ihrer Mittel
zu wirtschaften. Diese Schritte sind
unvermeidbar, da das derzeitige Verfahren zur Einbringung des Haushaltes
seiner Verabschiedung im Wege steht.
Seinem Wesen nach verläuft das demokratische Verfahren häufig in ungeordneten Bahnen und läßt die Konzentration auf das Wesentlich vermissen.
Wir wissen jedoch, daß die Demokratie
funktioniert und schwierige Entscheidungen getroffen werden können. Wir
müssen uns der Herausforderung erneut
stellen und beweisen, daß wir mit einem vernünftigen Verfahren einen soliden Haushalt erstellen können.
Wir müssen auch Bestrebungen widerstehen, die unser Land in den Protektionismus drängen.
Unser Außenhandelsdefizit ist enorm hoch, hat
jedoch in realen Zahlen den Zenit bereits überschritten.
Im vergangenen
Jahr trug der Außenhandel maßgeblich
zu unserem Wirtschaftswachstum bei.

-8

Außerdem sind weitere Verbesserungen
in die Wege geleitet worden. An diesem Punkt wäre es ein besonders tragischer Fehler, den Versuch zur Überwindung
des
Handelsgefälles
durch
Schließung unserer Märkte zu unternehmen.
Eine Isolierung der amerikanischen Märkte könnte bestenfalls
weltweit eine Talfahrt von Handel und
Wirtschaftsaktivität zur Folge haben.
Meine Administration hat sich der
gewissenhaften Zusammenarbeit mit dem
Kongreß verpflichtet, um ein verantwortungsvolles Handelsgesetz zu entwerfen.
Wenn dieses Gesetz jedoch
nicht frei von nachteiligen protektionistischen Maßnahmen ist, werde
ich von meinem Vetorecht Gebrauch machen.
Unser Ziel ist es, das Handelsdefizit in einem Umfeld anhaltenden Wirtschaftswachstums und niedriger Inflationsraten abzubauen.
Zur
Verwirklichung dieses Zieles werden
wir mit den anderen führenden Industri enationen bei der Koordinierung
einer Wirtschaftspolitik zusammenarbeiten, die nichtinflationäres Wirtschaftswachstum
aufrechterhält,
den
Abbau internationaler Ungleichgewichte in vorgezeichneten Bahnen ermutigt
und somit die Stabilität der Wechselkurse unterstützt.
Wir müssen das Vertrauen der Bürger im In- und Ausland in die Fähigkeit der Vereinigten Staaten bewahren,
profitable
Investitionschancen
zu eröffnen und eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik zu verfolgen.
Die Tragfähigkeit freier und
offener Märkte, die eine Fülle von
Möglichkeiten und Versprechen bergen,
ist die beste Ausgangsbasis für Investitionen. Wir müssen danach trachten, die Spar- und Investitionstätigkeit nicht durch unsere Steuerstrukturen und Bestimmungen zu entmutigen.
Wir müssen nicht nur Investitionsanreize für Unternehmen und Betriebsan-

�lagen bieten, sondern auch dem amerikanischen Volk selbst zur Seite stehen. Ausbildung, Sachkennntnis, Forschung und Entwicklung - dies sind
einige der nützlichsten Investitionsbereiche;
erweitertes Wissen vergrößert das Produktionspotential unserer wertvoclsten Ressource: unserem Volk.

Schlußfolgerung
Amerika ist mit großen Gaben gesegnet - unermeßlichem Land und natürlichen
Ressourcen,
einem
vielschichtigen und hart arbeitenden Volk
und der unerschütterlichen Tradition
demokratischer Werte. Mein Vertrauen
in Amerika hat sich in diesen vergangenen Jahren als wohl begründet erwiesen. Die Wirtschaft wurde wiederbelebt und
eine in Friedenszeiten
bisher unerreichte Wirtschaftsexpansion hat neue Möglichkeiten eröffnet
und den Wohlstand angehoben. Wir haben uns eine ernstzunehmende Aufgabe
gestellt: Die Rolle der Regierung in
der Wirtschaft einzuschränken und zu
rationalisieren.
Dieser Versuch ist
reich belohnt worden. Während unserer Amtszeit hat die amerikanische
Wirtschaft ihre Stärke erneut unter
Beweis gestellt.
Unsere Arbeit ist jedoch noch
nicht
beendet.
Der
Bundeshaushalt
muß unter Kontrolle gebracht werden,
damit wir ein solides Fundament für
zukünftiges Wirtschaftwachstum schaffen können. Und ich werde mich nicht
eher zufriedengeben, bis alle Amerikaner an diesem Wohlstand teilhaben;
noch leben zu viele unterhalb der
Armutsgrenze und sind ohne Arbeit.
Ermutigt durch unsere Triumphe und
geleitet vom Geist eines wiederaufsteigenden Amerikas müssen wir uns
den
verbleibenden
Herausforderungen
stellen.
* * * * *

- 9

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
24. Februar 1988

PRÄSIDENT REAGANS INITIATIVE ZUR RAUMFAHRTPOLITIK
- Privatwirtschaft als Partner - "Projekt Pfadfinder" für Entwicklung
neuer Technologien für bemannte Fernexpeditionen zu Mond und Mars -

WASHINGTON - (AD) - Der Ausbau der Domäne Weltraum gilt für die Regierung
der Vereinigten Staaten als eine vordringliche Zukunftsaufgabe. Mit den neuen, am 11. Februar 1988 vom Weißen Haus bekanntgegebenen Direktiven soll die
Führungsrolle der USA auf wichtigen Gebieten der Raumfahrt gefestigt und ausgebaut werden.

Dr. James C. Fletcher, Administrator der amerikanischen Luft- und
Raumfahrtbehörde (NASA), verwies darauf, daß die Direktiven des Präsidenten Voraussetzungen schaffen, um im
nächsten Jahrhundert beispielsweise
eine bemannte Station auf dem Mond zu
errichten, einen bemannten Flug zum
Mars zu unternehmen oder beides zu
kombinieren. Neben der engen Zusammenarbeit aller zuständigen Regierungsstellen bei zivilen und militärischen Missionen kommen nunmehr
kommerziellen Aspekten und der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Weltraum große Bedeutung zu. So erwartet die NASA jetzt Angebote aus
der Industrie zum Bau einer unbemannten Plattform oder Mini-Raumstation,
auf der Regierungsstellen bis etwa 70
Prozent des verfügbaren Raumes für
eigene Vorhaben anmieten können.
Die Hauptziele der Initiative
Präsident Reagans sind: Stärkung der
Sicherheit der Vereinigten Staaten,
Fortschritte in Wissenschaft, Technik
und Wirtschaft durch raumfhrtbezogene
Aktivitäten zugunsten der Allgemeinheit und einer weltweiten Verbesse-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�rung der Lebensqualität, Ermutigung
der amerikanischen Privatwirtschaft
zu weiteren Investitionen in solche
Aktivitäten, Förderung internationaler Gemeinschaftsprojekte unter Berücksichtigung amerikanischer Interessen in bezug auf nationale Sicherheit, Außenpolitik, Wissenschaft und
Wirtschaft, Zusammenarbeit mit anderen Nationen zur Erhaltung der Freiheit des Weltraums für alle Aktivitäten, die der Sicherheit und dem Wohlergehen der Menschheit dienen und
schließlich die Ausweitung des bemannten Raumfluges über den Erdorbit
hinaus ins Sonnensystem.
Souveränitätsansprüche auf Weltraum oder Himmelskörper bzw. Teile
davon oder eine Einschränkung der
Grundrechte souveräner Nationen zur
Erlangung von Weltraumdaten weisen
die Vereinigten Staaten zurück. Sie
betrachten die RaumfahrtSysteme einer
jeden Nation als deren nationales Eigentum, verbunden mit dem Recht auf
freie Passage und freies Operieren im
Weltraum.
Absichtliches
Behindern
von Raumfahrtsystemen soll als Beeinträchtigung von Souveränitätsrechten
angesehen werden.
Die zentrale Rolle der NASA bei
bemannten Missionen mit zivilen Aufgaben bleibt unangetastet. Gemäß der
Regierungsvereinbarung mit der die
Zuständigkeit von NASA und Verteidigungsministerium für die Einsätze der
Raumtransporter (STS) geregelt wird,
ist jedoch bei militärischen Missionen das amerikanische Verteidigungsministerium für die Verwaltung und
den Betrieb des Systems verantwortlich.
Der nationale Trägergeräte-Park
soll sich auf bemannte Systeme (STS),
unbemannte Startraketen (ULV) sowie
auf Transportsysteme
stützen, die
ausschließlich im Weltraum eingesetzt

werden. Die Elemente dieser gemischten Systeme sind so zu gestalten, daß
sie sowohl den Aufgaben von Missionen
für die nationale Sicherheit als auch
den Aufgaben ziviler Missionen genügen, die von staatlicher Seite durchgeführt werden. Dabei ist stets die
bestmögliche Rentabilität anzustreben. Die NASA wird neben dem Raumtransporter (STS) keine sogenannten
Verlustraketen (ELV) als Trägergeräte
unterhalten. STS-Starts für kommerzielle Zwecke oder ausländische Nutzlasten sind nur dann zulässig, wenn
die Nutzlasten menschlicher Betreuung
oder spezieller Gegebenheiten beim
Raumtransporter bedürfen, oder wenn
feststeht, daß der Start von Nutzlasten mit dem STS für die nationale
Sicherheit oder für politische Zwecke
anderer Staaten wichtig ist. Mit regierungseigenen oder von Regierungsstellen betriebenen ELV-Systemen werden kommerzielle und ausländische
Nutzlasten nur noch dann gestartet,
wenn dies aus Gründen der nationalen
Sicherheit oder ausländischer politischer Zweckmäßigkeiten geboten erscheint.
Nichtmilitärische
Regierungsbehörden werden im größtmöglichen Umfang zum Aufbau einer einheimischen
kommerziellen Startindustrie ermutigen, indem sie Verträge über die erforderlichen ELV-Dienstleistungen direkt mit der Privatwirtschaft oder
mit dem Verteidigungsministerium abschließen.
In der Entwicklung und
Nutzung militärischer und ziviler
Raumtransportsysteme werden NASA und
Verteidigungsministerium
weiterhin
zusammenarbeiten und unnötige Doppelaktivitäten vermeiden.
Sie werden
neue Konzeptionen für Trägergeräte
sowie für startbezogene Ausrüstungen
verfolgen, die auf Verbesserung des
Kostenmanagements, der Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Steuerungsund Kontrollfähigkeit, Verfügbarkeit,

- 2 -

�Flexibilität und Wartungsmöglichkeiten abzielen. Eine solche Zusammenarbeit zwischen den militärischen und
zivilen Sektoren gewährleistet die
wirksamste und umfassendste Nutzung
der nationalen Ressourcen.
Ein gesicherter Zugang zum Weltraum, der es ermöglicht, alle amerikanischen Zielsetzungen in der Raumfahrt zu erreichen, ist Schlüsselelement der nationalen Raumfahrtpolitik.
Die
amerikanischen
Weltraum-Transportsysteme müssen eine ausgewogene,
robuste und flexible Leistungskapazität haben und elastisch genug sein,
um den Fortgang von Operationen trotz
eventueller Ausfälle bei einem der
Systeme zu ermöglichen. Sie sollen
sicheren und zuverlässigen Zugang zum
Weltraum,
Transport
im
Weltraum
selbst und ebenso sichere Rückkehr
gewährleisten.
Die
Besonderheiten
bemannter und unbemannter Start- und
Rückführsysteme sollen im größtmöglichen Umfang ausgenutzt, die Entwicklung und der Einsatz privatwirtschaftlicher
Transportmittel
für
Raumfahrtmissionen ohne direkte Subventionen seitens der Bundesregierung so weit wie nur irgend möglich
unterstützt und die Kosten des Weltraumtransports und damit zusammenhängende Dienstleistungen reduziert werden.
Fortschritte
in
der
gesamten
Nachrichtentechnik sind für alle Sektoren der amerikanischen Raumfahrt
von größter Bedeutung. Um die Erfüllung der gestellten Ansprüche zu gewährleisten, wird die amerikanische
Regierung auch künftig in den Bereichen Forschung und Entwicklung Anstrengungen für noch modernere Kommunikationstechnologien
unternehmen.
Sofern diese Technologien für kommerzielle Zwecke genutzt werden, wird es
dafür keine direkte Subventionierung
durch Bundesbehörden geben.

In allen Bereichen der Raumfahrt
wird man danach trachten, Abfallprodukte im Weltraum auf ein Mindestmaß
zu beschränken.
Bei der Auslegung
und Durchführung von Weltraumtests,
bei Experimenten und Raumfahrtsystemen ist die Minimierung oder Reduzierung des sich ansammelnden Abfalls
ein wichtiger Punkt; jedoch dürfen
Missionserfordernisse und Kostenmanagement aus solchen Gründen nicht beeinträchtigt werden.

Funktionen der NASA
Innerhalb
der
Bundesbehörden
kommt der NASA die führende Rolle zu,
Weltraumwissenschaften,
Weltraumforschung und Anwendung von Raumfahrttechniken durch entsprechende Aktivitäten für Forschung, Technologie,
Entwicklung und damit zusammenhängende Tätigkeiten zu fördern. Das NOAA
(US-Bundesamt für Meere und Atmosphäre) konzentriert sich auf das
Sammeln von Daten, Forschungsprojekten und Vorhersagen zu den Umweltbedingungen der Erde.
Das amerikanische Verkehrsministerium genehmigt
und fördert kommerzielle Startoperationen, die zivilen Raumfahrtaufgaben
dienen.
Was
die
Weltraumwissenschaften
angeht, so ist es Sache der NASA, in
Zusammenarbeit mit anderen zuständigen Behörden ein ausgewogenes Programm zur Unterstützung von Forschung, Erkundung und von Experimenten durchzuführen, das dazu beiträgt,
Erkenntnisse zu astrophysikalischen
Phänomenen und kosmischen Evolutionsprozessen, zu den Erdwissenschaften
und der Erdumwelt samt der Dynamik
der Beziehungen der Erde zur Sonne,
zu Ursprung und Evolution des Sonnensystems auszuweiten. Weitere Punkte
sind grundlegende physikalische, chemische und biologische Prozesse, Aus-

- 3 -

�Wirkungen von Weltraumbedingungen auf
den Menschen sowie Faktoren, die die
Entstehung und Ausbreitung von Leben
im Universum begünstigen und steuern.
Um Phänomene und Objekte im Weltraum
innerhalb und außerhalb des Sonnensystems zu erforschen und zu sondieren,
wird die NASA ein ausgewogenes Programm bemannter und unbemannter Missionen durchführen.
Auf weitere Sicht soll die Präsenz und Aktivität von Menschen auf
Bereiche jenseits des Erdorbits ausgedehnt werden. Um dies realisieren
zu können, beginnt die NASA mit der
systematischen Entwicklung der zur
Durchführung und Versorgung einer
Vielfalt künftiger bemannter Missionen
erforderlichen
Technologien.
Dieses Technologie-Programm ("Projekt
Pfadfinder"),
für
das
Präsident
Reagan vorerst für das kommende Haushaltjahr 100 Millionen Dollar anfordert, visiert spezielle Ziele in
nächster Zukunft an: beispielsweise
weitere Erforschung der Bedingungen,
unter denen der Mensch im Weltraum
existieren kann, geschlossene Lebenserhaltungssysteme, Bahntransfer und
Lagern
bei
Tiefsttemperaturen.
Gleichzeitig ist die NASA angewiesen,
ein Programm unbemannter Sondierungen
im Weltraum fortzusetzen. Damit soll
herausgefunden werden, auf welchen
Gebieten wissenschaftliche Ziele zu
erreichen sind, wo menschliche Präsenz nicht wünschenswert oder unnötig
oder wo die Risiken oder Kosten der
Lebenserhaltung
nicht
akzeptabel
sind.
Außerdem soll das Programm
wichtige
Daten
zur
Unterstützung
künftiger bemannter Missionen erbringen.
Für die Weiterentwicklung der
Weltraumstation, die 1997 in Betrieb
gehen soll, fordert der Präsident als
Teilbetrag von 6,1 Milliarden Dollar
für die nächsten drei Jahre für 1989

eine Milliarde Dollar an. Die NASA
ist angewiesen, sich "im größtmöglichen Umfang" auf private Entwürfe,
Finanzierung, Baukonstruktionen und
Betriebsmaßnahmen zu stützen. Wichtige erste Vorteile von der Raumstation dürften sich auf den Gebieten
Material- und
Lebenswissenschaften
ergeben.
Die NASA wird versuchen, ihre
Möglichkeiten zur Durchführung ausgewählter kritischer Missionen durch
eine angemessene Mischung bewährter
Zugangswege zum Weltraum, verbesserte
Automationstechniken,
Reservehaltung
im Orbit, Redundanz und andere geeignete Maßnahmen abzusichern. Regierungsstellen dürfen gemeinsame Forschungs- und
Entwicklungsabkommen
über weltraumbezogene Anwendungstechniken mit Privatfirmen treffen, sofern die Vorhaben mit den Raumfahrtzielen der amerikanischen Regierung
vereinbar sind. Für zivile Fernerkundungsprogramme der Bundesregierung
ist das amerikanische Handelsministerium zuständig, das auch über die
Verwendung der Ergebnisse durch den
privaten Sektor oder die Bundesregierung befindet und in Zusammenarbeit
mit anderen Ministerien oder Behörden
die Anordnungen für Operationelle
Fernerkundungssysteme
des
privaten
Sektors trifft.

Entfaltungsmöglichkeiten für die
Privatwirtschaft
Getrennt von Weltraumaktivitäten
der Regierung, aber im Aufbau technisch unterstützt von staatlichen Behörden, soll die Industrie den Einstieg in Raumfahrtaktivitäten unternehmen können.
Dies gilt für die
Entwicklung und den Start von Trägerraketen, den Betrieb von Startanlagen, für raumfahrtbezogene Dienstleistungen bis hin zum Einsatz einer un-

- 4 -

�bemannten kleinen Raumstation.
Federführend für die Entwicklung,
Koordinierung und Regelung kommerzieller Startaktivitäten in den USA
ist innerhalb der amerikanischen Regierung das Verkehrsministerium, das
dabei Verteidigungsministerium, Aussenministerium, NASA und andere zuständige Behörtden konsultiert. Die
Regierung ermutigt die Benutzung ihrer Anlagen und Ausrüstungen für Raketenstarts, jedoch haben in Sonderfällen nationale Sicherheit und besonders wichtige Missionserfordernisse der amerkanischen Regierung Vorrang. Eine Subventionierung von ULVSystemen für kommerzielle Zwecke gibt
es nicht. Allerdings wird die Preisgestaltung bei Anlagen, Ausrüstungen
und Dienstleistungen mit Rücksicht
auf verstärkte kommerzielle Aktivitäten kulant gehandhabt. Die Regierung
ermutigt auf allen Gebieten weltraumbezogener kommerzieller Unternehmungen freien Wettbewerb.

schlössen, außerdem sind weitere 15
bis 20 Starts von Nutzlasten vorgemerkt.
Die Industrie erwartet, in
absehbarer Zukunft 15 bis 20 Satelliten pro Jahr starten zu können.

Regierungseigene Sektoren auf dem
Gebiet der Raumfahrt sollen ihrerseits im größtmöglichen Umfang kommerzielle Waren und Dienstleistungen
beziehen, ohne dabei in irgend einer
Form Subventionen zu gewähren. Anläßlich der Bekanntgabe der Initiative Präsident Reagans erläuterte
Verkehrsminister Jim Burley ein erstes solches Vorhaben, das sein Ministerium genehmigt habe.
Die Fa.
Conatec (Maryland) wird im Oktober
1988 vom militärischen Raketenstartplatz White Sands (New Mexico) zwei
zweistufige private Raketen zu einem
Parabolflug starten. Sie haben Forschungsinstrumente einer europäischen
Firma für Mikrogravitationsexperimente an Bord.
Amerikanische Firmen haben bereits Verträge über den Start von 13
Satelliten bis zum Jahr 1991 abge- 5 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 24.02.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Singularisierung: ein Produkt der Phantasie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Richard R. Burt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt für 1988/89 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Reagan: nichtinflationäres Wachstum hält an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Initiative zur Raumfahrtpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Privatwirtschaft als Partner - "Projekt Pfadfinder" für Entwicklung neuer Technologien für bemannte Fernexpeditionen zu Mond und Mars &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 . März 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

USA und NATO Rente ins am in die Zukunft

- Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan Carlueci:

INF bedeutet keine AbkoppelunR von Europa

- Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Remeinsame Sicherheit ist nicht teilbar - Die westliche Allianz
muß einig, und stark bleiben
- Von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RettunRsgerät für DISCOVERY-BesatzunR
Magnetisches Resonanzverfahren zum Aufspüren von GefäßverenRunR

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

9

2. März 1988
REAGAN:

USA UND NATO GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT

- Worldnet-Ansprache von Präsident Reagan WASHINGTON - (AD) - In seiner vom Fernsehsender Worldnet des US-Informationsamtes übertragenen Ansprache anläßlich des bevorstehenden NATO-Gipfels
erklärte Präsident Reagan am 23. Februar 1988, auch nach dem INF-Vertrag würden 4 000 amerikanische Nuklearwaffen und 300 000 Soldaten "als Garantie für
die enge Verflechtung unserer jeweiligen Zukunft" in Europa stationiert bleiben.
Präsident Reagan wird Anfang dieses Monats in Brüssel mit den Staats- und
Regierungschefs der NATO-Mitgliedsstaaten zusammentreffen und bekräftigte in
diesem Zusammenhang erneut, daß die NATO "das Kernstück der Außenpolitik und
eigenen Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt". Reagan betonte ferner,
"ein Angriff auf München kommt einem Angriff auf Chicago gleich".
Nachfolgend veröffentlichen wir die per Satellit übertragene Fernsehansprache Präsident Reagans im Wortlaut.

In wenigen Tagen werde ich mich
auf dem Weg nach Europa zum Treffen
der Staats- und Regierungschefs des
Nordatlantischen Bündnisses befinden.
Dies ist unsere erste Zusammenkunft
nach der Unterzeichnung des INF-Vertrages
durch
Generalsekretär
Gorbatschow und mich in Washington im
Dezember vergangenen Jahres. Dieses
Abkommen war ein Schritt in Richtung
auf Frieden und Freiheit in der Welt
und ein entscheidender Sieg für das
Atlantische Bündnis. Bei dem bevorstehenden Gipfel werden wir also den
Erfolg einer vor mehr als acht Jahren

United States Information Service
Embassy of the United States of Ar

von uns in die Wege geleiteten Politik feiern können, und wir werden uns
die Frage stellen müssen: Was ist
als nächstes zu tun? Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen einige Gedanken vortragen, die wir uns in den
Vereinigten Staaten über das Bündnis,
den INF-Vertrag und den vor uns liegenden Weg machen.
Die NATO bildet das Kernstück der
Außenpolitik und eigenen Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Bewahrung Europas in Frieden, Freiheit und
Demokratie ist für die Bewahrung der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vereinigten Staaten in Frieden, Freiheit
und
Demokratie
unabdingbar.
Wenn die uns verbündeten Demokratien
nicht sicher sind, können wir nicht
sicher sein. Wenn Sie bedroht werden, sind wir bedroht. Wenn Sie sich
nicht im Frieden befinden, können wir
nicht in Frieden leben. Ein Angriff
auf Sie ist ein Angriff auf uns.
Dies ist nicht nur eine Sache vertraglicher Formulierungen, so wichtig
diese auch sein mögen.
Dies sind
Tatsachen - ebenso wie die Tatsache
bestehen bleibt, daß eine Bedrohung
der Sicherheit der Staaten Maine, New
York oder Kalifornien gleichzeitig
eine Bedrohung aller 50 amerikanischen Bundesstaaten ist. Kurz gesagt: Ein Angriff auf München kommt
einem Angriff auf Chicago gleich.
Wir Amerikaner haben uns mit der
Erkenntnis schwer getan, wie eng
Frieden und Freiheit der Vereinigten
Staaten mit dem Schicksal Europas
verflochten sind. Eine aus der Zeit
Präsident Washingtons stammende Tradition war es, "ständige Bündnisse"
zu vermeiden. Und dennoch befanden
wir uns bereits zweimal im Verlauf
dieses Jahrhunderts, als Frieden und
Freiheit in Europa auf dem Spiel
standen, inmitten eines Kampfes.
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges hatten wir gehofft, Frieden,
Freiheit und Demokratie seien in Europa endlich für immer gewährleistet.
Obwohl die Vereinigten Staaten über
mehrere Jahre hinweg bei Nuklearwaffen eine Monopolstellung einnahmen,
lag es uns fern, von diesem Vorteil
zum territorialen oder irgendeinem
anderen Nutzen zu profitieren. Wir
kehrten nach Hause zurück, legten unsere Unifomen ab und die Zivilkleidung wieder an und nahmen das normale
Leben mit unseren Familien in unseren
Gemeinden wieder auf. Die Europäer
sagen häufig, wir Amerikaner seien

naiv. Nun, vor 40 Jahren traf dies
wahrscheinlich zu.
Wir mußten bald lernen, daß die
Welt nach dem Krieg nicht dem entsprach, worum wir während all dieser
jahrelangen Kämpfe gebetet hatten.
Mit zunehmender Besorgnis und Ohnmacht mußten wir beobachten, wie die
Sowjets der in Jalta eingegangenen
Verpflichtung zur Durchführung freier
Wahlen in Osteuropa den Rücken kehrten.
In ganz Osteuropa blieb die
Rote Armee weiterhin eine in vollem
Umfang mobilisierte Besatzungsarmee.
Es gab Versuche, die Demokratien in
Westeuropa zu unterwandern und es gab
das sowjetische Abenteuer in Griechenland, das dem heutigen Unterfangen der Sowjets in Mittelamerika
nicht unähnlich ist.
Als Westeuropa - mit Hilfe des
Marshall-Plans - den Wiederaufbau in
Angriff nahm, begannen alle unsere
Nationen, sich des Charakters der sowjetischen Bedrohung der Demokratien
bewußt zu werden. Und so kamen wir angefangen mit dem Brüsseler Vertrag
von 1948, der die Gründung der Westeuropäischen Union (WEU) zur Folge
hatte und dann, ein Jahr später, des
Nordatlantikvertrages, der sich auf
Kanada und die Vereinigten Staaten
sowie andere europäische Nationen erstreckte - für die Sache der gemeinsamen Sicherheit und des Friedens zusammen. Bei der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrages erklärte Präsident Harry Truman, durch diese Partnerschaft "versuchen wir, einen von
Aggression und Machteinsatz freien
Frieden in der nordatlantischen Gemeinschaft hervorzubringen". Und er
fügte hinzu, "Dieses Gebiet war der
Brennpunkt der letzten beiden Weltkonflikte. Dieses Gebiet vor Krieg
zu bewahren wird ein großer Schritt
in Richtung auf dauerhaften Frieden
in der ganzen Welt sein."

�Frieden war stets das Ziel des
Bündnisses
und
der Zweck seiner
Streitkräfte und Strategien. Und für
nahezu 40 Jahre ist Frieden seine Errungenschaft gewesen - ein Zeitraum
europäischen Friedens, der in der Geschichte seinesgleichen sucht, in dem
wir in den Demokratien in Freiheit
leben und Wohlstand vermehren konnten.
Die Friedensstrategie der NATO
ist stets einfach gewesen - Abwendung
der Aggression, noch vor ihrem Beginn. Genug Stärke und Entschlossenheit beweisen, so daß kein Gegner
auch nur einen Moment lang glauben
könnte, Krieg mache sich bezahlt.
Zunächst bedeutete das atomare
Monopol der NATO einen nuklearen
Schutzschild. Später wurde eine flexiblere Reaktion erforderlich - mit
der wir auf jegliche Art von Agriff
reagieren konnten. Ja, strategische
Nuklearwaffen waren und sind - ebenso
wie andere Nuklearwaffen - nach wie
vor notwendig. Dies kam auch in der
von Präsident Mitterrand im Dezember
vergangenen Jahres abgegebenen Erklärung zum Ausdruck: "zwischen Ost und
West ist der Weltfrieden gewährleistet worden...
durch das nukleare
Gleichgewicht". Aber Mitte der sechziger Jahre mußten wir feststellen,
daß das strategische nukleare Gleichgewicht allein nicht ausreicht, um
den Frieden zu bewahren. Die Gegner
des Bündnisses dürfen sich nicht dem
Glauben hingeben, unsere einzig mögliche Antwort auf einen begrenzten
Angriff sei das Auslösen eines interkontinentalen nuklearen Schlagabtauschs. Sollten sie sich jedoch diesem
Glauben hingeben,
könnten sie bezweifeln, daß wir eine solche Antwort
riskieren würden und versucht sein,
uns auf die Probe zu stellen.
Das
ist natürlich genau der
Grund, warum die in der zweiten Hälf-

te der siebziger Jahre begonnene Stationierung der SS-20 Mittelstreckenraketen mittlerer Reichweite durch
die Sowjets solch eine bedrohliche
Herausforderung
darstellte.
Die
SS-20 waren nicht nur eine neue Waffe, sondern eine völlig neue Dimension der Bedrohung, der die NATO
nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hatte.
Ohne Provokation oder
Vorwarnung erschütterte die Sowjetunion die Grundstruktur des europäischen Friedens.
Wie hat der Westen reagiert? Im
Jahr
1977
lenkte
Bundeskanzler
Schmidt unser Augenmerk auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.
Im Dezember 1979 verabschiedete die
NATO den Doppelbeschluß.
Die Vereinigten Staaten versuchten zunächst mit den Sowjets zu verhandeln, um sie zum Abzug der SS-20
oder der Zustimmung zum niedrigst
möglichen Gleichstand amerikanischer
und sowjetischer Systeme zu bewegen.
Solange die Sowjets von der Aufgabe
dieser Raketen nicht überzeugt werden
könnten, würde die NATO ebenfalls
eine begrenzte Anzahl ihrer eigenen
INF-Raketen stationieren - die amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper.
Diese Entscheidung zielte nicht
auf die Stationierung von mehr Raketen in Europa, sondern auf das genaue
Gegenteil ab.
Wie Valery Giscard
d'Estaing sagte, bestand das "bevorzugte Ziel darin, die Sowjetunion zum
Abbau der SS-20 zu zwingen".
Und dies ist uns jetzt gelungen.
Es war nicht leicht. Die Europäer
wissen das nur zu gut. Sie haben
viele Demonstrationen - viele gewalttätige Demonstrationen - gegen die
Stationierung beobachtet. Sie hörten
die zornigen Stimmen, mit denen die

- 3 -

�Vereinigten Staaten und die NATO vermeintlicher Kriegsabsichten beschuldigt wurden.
Sie haben Wahlkämpfe
miterlebt, bei denen die Stationierung zum Thema gemacht wurde. Sie
haben beobachtet, wie die Sowjets auf die pazifistische Gesinnung setzend - meinen Vorschlag zum vollständigen Abbau der INF-Raketen längerer
Reichweite von 1981 als unrealistisch
und nicht ernstgemeint ablehnten,
später den Verhandlungstisch verließen und sowohl vor als auch nach
ihrer Rückkehr ein Ultimatum nach dem
anderen stellten.
Sie konnten den
Mut Ihrer politischen Entscheidungsträger bezeugen, als sie zum Entschluß des Bündnisses standen - vor
allem die politisch Verantwortlichen
der fünf Stationierungsländer: Großbritannien, Belgien, Italien, die
Niederlande und die Bundesrepublik
Deutschland.
Viele derjenigen, die jeden einzelnen Schritt der NATO-Politik angefochten haben, nehmen jetzt deren Erfolg für sich in Anspruch. Diejenigen, die gegen eine Stationierung waren, haben gewonnen - sagen sie.
Premierministerin Thatcher hat den
Kern der Sache getroffen, als sie
kürzlich erklärte, und ich zitiere:
"Ohne die Entschlossenheit der NATO
zur Stationierung wäre das INF-Abkommen nie unterzeichnet worden". Und
sie stellte fest, "die SS-20 wären
immer noch aufgestellt, und wir hätten keinerlei Argument zur Verfügung
gehabt, die Sowjets von ihrem Abbau
zu überzeugen". Und es sind nicht
nur die SS-20, die demontiert werden,
sondern auch die SS-4 und die sowjetischen INF-Raketen kürzerer Reichweite, die SS-12 und SS-23, die an
sich schon eine wachsende Bedrohung
der Sicherheit des Bündnisses darstellten, da sie konventionelle oder
chemische - und auch nukleare - Gefechtsköpfe tragen können. Der INF-

Vertrag bedeutet tatsächlich einen
Sieg für die NATO. Und er sollte den
Kritikern der NATO eine Lektion erteilen.
Ich bin mir bewußt, daß manche
bei dem Abkommen immer noch ein ungutes Gefühl haben. Einige sind über
den konventionellen und chemischen
Vorteil der Sowjets besorgt und darüber,
daß
die
Beseitigung
der
Pershing
II
und
landgestützten
Marschflugkörper den Westen diesen
sowjetischen Streitkräften gegenüber
noch verwundbarer macht. Andere betrachten voll Sorge das Bindeglied
zwischen den amerikanischen und den
europäischen Stützpfeilern der NATO.
Ihre bange Frage lautet, ob der Frieden noch sicher ist, wenn diese Waffen verschrottet worden sind?
Ich bin froh, darauf mit einem
eindeutigen "Ja" antworten zu können.
Die ca. 4 000 in Europa verbleibenden
Nuklearwaffen bilden ein starkes Bindeglied zwischen den Stützpfeilern
der NATO - ebenso wie die mehr als
300 000 amerikanischen Soldaten und
ihre Familien, die in Europa leben
und arbeiten. Die verbleibenden Nuklearwaffen sind gleichmäßig auf das
Gebiet der NATO verteilt - und nicht
in einem Land konzentriert und setzen
somit auch kein Land einem besonderen
Risiko aus.
Um den Frieden gewährleisten zu
können, müssen diese Nuklearwaffen an
ihrem gegenwärtigen Standort verbleiben bis wir auf dem Kontinent mehr
Ausgewogenheit bei den konventionellen Streitkräften erzielen können.
Aufgrund ihrer Existenz und der sowjetischen Kenntnis darüber können
wir das Gleichgewicht beibehalten,
das den Frieden erhält.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der NATO-Strategie der flexiblen Re-

- 4 -

�aktion unerschütterlich verpflichtet,
und wir in den Vereinigten Staaten
werden unseren Teil dazu beitragen,
um sicherzustellen, daß die NATO all
jene modernen - konventionellen und
nuklearen - Streitkräfte aufrechterhält, die für die Beibehaltung dieser
Strategie notwendig sind. Schließlich ist unser Ziel nicht ein von
Atomwaffen oder Panzern und Armeen
befreites Europa, sondern ein Europa,
in dem es keine Kriege gibt. Heute
haben wir ein solches Europa, ein Europa im Frieden, das wir erhalten
wollen.
Wenn wir uns die nächsten zehn
Jahre der NATO vor Augen führen, ist
es unsere Aufgabe, all unsere Streitkräfte für den Frieden - einschließlich der nuklearen Streitkräfte - modern und effektiv zu erhalten. Das
wird kontinuierliche Arbeit erfordern,
weil
Militärmaschinerien
schnell veralten. Ferner ist es notwendig, daß wir bei Entwicklung und
Erwerb von Waffen und Material intelligent vorgehen - damit wir für
unser Geld den besten Gegenwert erhalten. Ich selbst rechne mit dem
Pfennig und bin froh, daß die NATO
Wirtschaftlichkeit ernst nimmt.
Bessere Zusammenarbeit unter den
Ländern Westeuropas wird auch der
Verteidigungsplanung und anderen Bereichen förderlich sein, wie wir bereits im Persischen Golf gesehen haben. Und ich möchte hinzufügen, daß
wir Amerikaner eine Zusammenarbeit im
Verteidigungsbereich zwischen unseren
europäischen Partnern auf multilateraler wie auch auf bilateraler Ebene
befürworten, die ihrem Wesen nach der
Kooperation gleichen sollte, wie sie
die Westeuropäische Union und die
Deutschen, Franzosen und andere Regierungen im Rahmen des Bündnisses
demonstriert haben.

Diese Kooperation und Koordination ist für die Stärkung des europäischen Pfeilers im Bündnis - und
damit des gesamten Bündnisses - unabdingbar.
Wir Amerikaner werden unseren
Beitrag zum Erhalt eines starken
Bündnisses leisten.
Unsere Streitkräfte werden in Europa als Garantie
dafür bleiben, daß unsere und Ihre
Zukunft untrennbar verknüpft sind.
Wir werden weiterhin unsere Streitkräfte und den - starken und modernen
- nuklearen Schutzschild beibehalten.
Und wir werden unsere Strategische Verteidigungsinitiative nachdrücklich weiterverfolgen.
Ich muß
noch einmal darauf eingehen, daß zu
Beginn große Verwirrung über unser
SDI-Programm bestand. Es wurde vielfach als "Krieg der Sterne" bezeichnet. Es hieß, dadurch würden amerikanische Waffen gefährlich weit in
den Weltraum eindringen. Es wird jedoch zunehmend erkannt, daß durch
diese Technologie die Bedrohung durch
Waffen nicht erhöht, sondern begrenzt
wird. Sie wird Menschen schützen und
verteidigen. SDI birgt das Versprechen, die Last des nuklearen Terrors
von der Menschheit abzuwenden und
diese Welt sicherer zu machen.
Nicht nur die Vereinigten Staaten
besitzen ein Strategisches Verteidigungsprogramm.
In den letzten zehn
Jahren haben die Sowjets 200 Milliarden Dollar für ihre strategische Verteidigung ausgegeben.
Es wäre ein
schwerwiegender Fehler, dieses Programm nicht weiter zu verfolgen.
Noch bevor es endgültig Wirkung zeitigt, wird die Strategische Verteidigung Abschreckung stärken. Wer auch
immer den Westen mit einem Erstschlag
außer Gefecht zu setzen gedenkt, wird
seine Position überdenken müssen,
weil dadurch das sowjetische Vertrau-

�en auf den militärischen Erfolg eines
solchen Angriffs erschüttert wird.
Aber die Aufrechterhaltung der
Verteidigungsbereitschaft und -fähigkeit unserer Streitkräfte ist nicht
etwa der einzige Punkt auf der Tagesordnung des Bündnisses. Wir wollen
eine sicherere Welt, eine Welt mit
Streitkräften geringeren Umfangs und
weniger Waffen und gleichzeitig das
entscheidende Gleichgewicht beibehalten, das den Frieden gewährleistet.
Das ist das Ziel der gegenwärtig in
Genf geführten START-Verhandlungen ein 50prozentiger Abbau der strategischen
Arsenale
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.
Wir streben im Bündnis schon lange nach einer Behebung des Ungleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften in Europa.
Wir wünschen ferner größere Offenheit, mehr
Vertrauen und verbesserte Sicherheit,
von denen alle Länder profitieren.
Die erste Priorität aller neuen Verhandlungen muß die Beseitigung der
konventionellen Fähigkeiten zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven
sein.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß die Warschauer Pakt-Staaten sich
gemeinsam mit den NATO-Verbündeten
auf eine Korrektur des vor allem bei
Panzern und Artillerie - den am meisten bedrohenden Landstreitkräften bestehenden Ungleichgewichts konzentrieren. Ein von mehr Sicherheit gekennzeichneter Frieden erfordert, daß
keine Seite ohne Vorwarnung mit ihren
konventionellen Streitkräften einen
massiven Schlag ausführen kann. Ein
besseres Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften von Ost
und West macht erhebliche Reduzierungen bei den Warschauer Pakt-Staaten
erforderlich - umfangreichere als die
von uns gegebenenfalls vorzunehmenden

- weil ihre Streitkräfte größer und
in stärkerem Maße bedrohend sind.
Wir müssen verifizieren können, daß
sich die Stärke ihrer Streitkräfte im
vereinbarten Rahmen befindet.
Das
mag ehrgeizig klingen, aber wir haben
aus dem Erfolg des Bündnisses mit dem
INF-Vertrag gelernt, daß hochfliegene
Träume durch Solidarität, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen Wirklichkit werden können.
Schließlich streben wir auch bei
den Genfer Rüstungskontrollverhandlungen ein wirksames, verifizierbares
und wirklich weltweites Verbot aller
chemischen Waffen an.
Strategische
Rüstungsreduzierungen, ein Gleichgewicht bei den konventionellen Waffen, ein wirksames
Verbot chemischer Waffen - dies sind
unsere Prioritäten für alle Verhandlungen nach dem INF-Vertrag.
Und dennoch vernehmen wir im Vorfeld dieser Verhandlungen Stimmen,
die uns zu einer Abkehr von unserer
Strategie der Kombination von Stärke
und Verhandlungen veranlassen wollen.
Sie sind der Ansicht, die Sowjetunion
habe sich unter ihrer neuen Führung
gewandelt, und
im Zeitalter von
Glasnost könnten wir den Sowjets eher
trauen.
Aber können wir es uns leisten,
zu vergessen, daß Glasnost noch weniger Jahre vom Zeitalter des Gulag
trennen als die NATO besteht? Tatsächlich kollidiert in der Sowjetunion heute eine Politik mit Namen
Glasnost mit der Realität politischer
Unterdrückung.
Wir können es uns
nicht leisten, zu vergessen, daß wir
es mit einem politischen System, einer politischen Kultur und einer politischen Geschichte zu tun haben,
die viele Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte zurückzuverfolgen sind. Das

- 6 -

�Pendeln zwischen Glasnost und Gulag
ist weder neu noch gilt es ausschließlich für die Sowjetunion. In
der Geschichte hat dies immer wieder
stattgefunden, wenn ein neuer Zar auf
den Thron kam oder auch während der
Regierungszeit eines einzelnen Zaren.
Wir können es uns nicht leisten, unsere Sicherheit gegen potentielle Motive Einzelner oder moderne Theorien
neuer Führungsspitzen zu verpfänden.
Wir müssen an der Strategie der Stärke und des Dialogs festhalten, die
den Frieden erhalten und für uns beim
INF-Vertrag bemerkenswerte Leistungen
hervorgebracht hat.
Wir müssen uns vergegenwärtigen,
daß für die NATO das Problem nicht im
Heute oder Morgen besteht. Es geht
darum, wie Europa in 15 Jahren aussehen wird. Die Sowjets sprechen über
Offenheit bei internationalen Angelegenheiten. Im vergangenen Jahr habe
ich an der Berliner Mauer erklärt,
daß es für die Sowjets ein einfaches
Mittel gibt, um zu beweisen, wie
ernst sie es mit der Offenheit meinen. Sie können an der Grenze von
Ost nach West beginnen. Sie können
eine Ausweitung des zivilen Luftverkehrs nach Berlin zulassen, so daß
die Stadt zum zentralen Luftkreuz in
Mitteleuropa werden kann. Sie können
zusammen mit Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten
mehr internationale Zusammenkünfte in
Berlin fördern. Sie können Jugendlichen in Ostberlin den Besuch des
Westsektors erlauben, um dort an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie könnten gemeinsam mit den
Westmächten internationale Sportveranstaltungen in der ganzen Stadt gestatten und ermutigen. Und sie können die Berliner Mauer niederreißen.
Ich kann den Sowjets heute nur
sagen, daß ich meine Vorschläge in
Berlin schon vor neun Monaten unter-

breitet habe. Die Menschen in Berlin
und ganz Europa verdienen eine Antwort. Machen Sie einen Anfang. Bestimmen Sie einen Termin - ein festes
Datum - an dem sie die Mauer niederreißen werden und tun Sie es dann
auch. Dies wäre die eindrucksvolle
Demonstration wahren Engagements für
Offenheit.
In ganz Osteuropa und auch innerhalb der Sowjetunion blicken wir auf
die sowjetische Führungsspitze, damit
sie ihre Ernsthaftigkeit der in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen
für
Menschenrechte
unter
Beweis
stellt. Wir warten darauf, daß die
Sowjetunion nicht mehr länger in regionale Konflikte eingreift und in
stärkerem Maße den Reiseverkehr zwischen Ost und West fördert.
Dies
sind die Säulen, auf denen eine dauerhafte Verbesserung der Beziehungen
ruhen muß.
Die
grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten zwischen Ost und West
haben nichts mit dem Waffenniveau zu
tun. Wir mißtrauen uns nicht, weil
wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander
mißtrauen. Das ist eine Frage von
Werten, Überzeugungen und moralischen
Grundsätzen.
Das läßt sich an zahlreichen Beispielen belegen. Wie haben die Sowjets Deutschland und das deutsche
Volk nach dem Krieg behandelt? Was
haben die Demokratien getan? Wie behandeln die Sowjets Länder der Dritten Welt wie etwa Afghanistan oder
Äthiopien heute? Was tut dagegen der
Westen? Wie sieht es heute in Osteuropa aus? Und wie in Westeuropa?
Oder noch einfacher: Was verstehen die Sowjets unter Begriffen wie
Demokratie, Freiheit und Frieden?
Ich bedaure, sagen zu müssen, daß sie

- 7 -

�darunter nicht dasselbe verstehen wie
wir.
Verhandlungen zwischen Ost und
West bedeuten keinen Einklang moralischer Grundsätze oder Lebensstile.
Wir müssen dies öffentlich und wiederholt sagen. So lange wie der Unterschied zwischen Ost und West der
Unterschied
zwischen
Unterdrückung
und Freiheit ist, so lange wie Europäer im Osten nicht frei sprechen und
beten können, so lange wie riesige
Armeen in Osteuropa gegen den Westen
in Stellung gebracht und in gleicher
Weise zum Erstschlag wie die Truppen
der NATO nur zur Verteidigung gegen
einen Angriff ausgebildet werden - so
lange diese Situation in der Welt
vorherrscht, muß die Strategie und
Daseinsberechtigung der NATO darin
bestehen, die Aggrssion zu stoppen,
noch bevor sie ausgeführt wird.

Würde des Menschen, oder, wie Abraham
Lincoln gesagt hat, den Glauben daran, daß "kein Mensch das Recht hat,
einen anderen ohne dessen Zustimmung
zu beherrschen".
Wir alle halten
dieses Motto in Ehren. Wir verteidigen es gemeinsam. Wir haben das Dach
dieser großartigen Struktur eines
Bündnisses fest gefügt, um dieses
Motto gegen alle Stürme und Angriffe
abzustützen.
Die Atlantische Gemeinschaft ist
das Haus der Demokratie. Das Atlantische Bündnis ist der Bewahrer des
größten Vermächtnisses Europas an die
Zukunft - der Freiheit des Menschen
und der Herrschaft der Demokratie.
Das ist die Herausforderung, die sich
dem Bündnis jetzt stellt - stark zu
bleiben, so daß künftige Generationen
Frieden und Freiheit erleben werden
wie wir.

Ich habe bereits auf Äußerungen
Präsident Trumans anläßlich der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages hingewiesen. Bei dieser Gelegenheit hatte er ebenfalls im Zusammenhang mit dem Bündnis bemerkt, wir
seien "wie eine Gruppe von Hausbewohnern, die am selben Ort leben, und
die Entscheidung treffen, ihren gemeinsamen Interessen dadurch Ausdruck
zu verleihen, daß sich sich zu ihrem
gegenseitigen Schutz formell in einem
Verbund zusammenschließen".
In den vergangenen 40 Jahrn sind
wir im Bündnis noch enger zusammengewachsen. Heute leben wir zwar nicht
mehr nur am selben Ort, sondern in
einem einzigen Haus, einem Haus, das
eines Tages die gesamte Menschheit zu
seinen Bewohnern zählen kann - dem
Haus der Demokratie. "Im Haus meines
Vaters gibt es viele Wohnungen". Im
Haus der Demokratie gibt es viele
Sprachen und vielfältige nationale
Traditionen, aber nur ein Ideal - die

- 8-

Vielen Dank und Gott segne Sie.

* * * * * *

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'VON

AMERIKA DIENST

^ X

Dokumentation

^

2. März 1988

CARLUCCI:

INF BEDEUTET KEINE ABKOPPELUNG VON EUROPA

- Worldnet-Interview mit dem amerikanischen Verteidigungsminister WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld des am 2. und 3. März in Brüssel stattfindenden Gipfeltreffens der NATO-Partner stellte sich Verteidigungsminister
Carlucci am 26. Februar über Worldnet - dem Fernsehsender des US-Informationsamtes - den Fragen ausländischer Journalisten. Carlucci zufolge ist das Gipfeltreffen "lohnenswert", weil es "wichtig ist, daß Staats- und Regierungschefs einander über Rüstungskontrolle, Lastenteilung und andere Bereiche konsultieren. Der Verteidigungsminister betonte ferner, der INF-Vertrag würde
"keineswegs" zur Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten führen,
und er ging auch auf das noch auszuhandelde START-Abkommen ein, daß er als
"militärisch in unserem Interesse" bezeichnete.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Fernsehinterviews in Auszügen:
Moderator:
Herr Verteidigungsminister, wird der INF-Vertrag Ihrer
Ansicht nach eine Abkoppelung der
Vereinigten Staaten von der NATO mit
sich bringen?
Carlucci:
Keineswegs.
Die
Vereinigten Staaten engagieren sich
auch weiterhin in der NATO für eine
Strategie der flexiblen Reaktion.
Wir hegen nicht die Absicht, die Zahl
unserer in NATO-Ländern stationierten
300 000 Soldaten zu verringern.
Wir

unterhalten

in

Europa

etwa

United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 000 Nuklearwaffen.
Wir sind der
NATO voll und ganz verpflichtet. Der
INF-Vertrag deutet nicht im entferntesten darauf hin, daß es möglichweise in unserem Verhältnis mit Europa
zu einer Abkoppelung kommen könnte.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, Sie haben vor einigen Wochen
in München die Modernisierung der
noch in der Bundesrepublik stationierten Nuklearwaffen gefordert. Sie
haben über Kurzstreckenraketen gesprochen, die das Modell "Lance" ersetzen sollen.
Ein weiteres Ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sprächsthema waren die taktischen Boden-Luft-Raketen, nukleare Artillerie
und Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten.
Halten Sie diese Forderung immer
noch
aufrecht,
nachdem
Präsident
Reagan und Bundeskanzler Kohl übereingekommen sind, daß im Augenblick
in dieser Angelegenheit kein Entscheidungsbedarf besteht?
Carlucci:
Es geht hier nicht
um unsere Forderung.
Im Jahr 1983
sind
die
führenden
Politiker in
Montebello
zusammengekommen.
Die
Premierminister,
Präsidenten
und
Kanzler haben gemeinsam die Entscheidung zur Modernisierung der Nuklearwaffen getroffen.
Die Entscheidung
wurde vom Obersten Allierten Befehlshaber Europa (SACEUR) angenommen und
gilt immer noch.
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert.
Unsere nukleare
Artillerie wird modernisiert. Natürlich müssen alle Streitkräfte auf dem
Kriegsschauplatz mit modernstem Gerät
ausgerüstet sein. Es ist im Hinblick
auf ein Nachfolgemodell der Lance-Raketen noch keine spezielle Entscheidung gefallen, aber auch das war Bestandteil des Montebello-Beschlusses.
Das ist ein kontinuierlicher Prozeß. Es ist keine Frage meiner Forderungen, sondern
die Frage der
Durchführung einer von den Staatsund Regierungschefs des NATO-Bündnisses getroffenen Entscheidung.
Frage:
(Tonstörungen)
...
diese von ihnen genannten Waffen...
würden höchstwahrscheinlich deutsches
Territorium treffen.
Verstehen Sie
die Besorgnis über das besondere Risiko, das unser Land zu tragen gezwungen sein könnte?

Carlucci:
Wir
stimmen
nicht
zu, daß die Bundesrepublik Deutschland im Falle eines Nuklearkrieges
das einzige Ziel wäre. Meiner Ansicht nach würde es schwierig für Sie
werden, die anderen NATO-Verbündeten
davon zu überzeugen.
Einige
unserer
Mehrzweckkampfflugzeuge - die F-lll zum Beispiel sind in Großbritannien stationiert.
Darüber hinaus befinden sich noch
weitere
Mehrzweckkampfflugzeuge
in
den Benelux-Ländern. Sie alle wären
Ziele, so daß kein Grund zu der Annahme besteht, die Bundesrepublik sei
das einzige Ziel, wenn die Abschrekkung versagt. Natürlich hoffen wir,
daß die Abschreckung nicht versagt.
Frage: Falls es zu einem konventionellen Krieg kommen sollte,
würde der erste Schritt dazu in der
Bundesrepublik vorgenommen - könnte
es sein, daß die Kurzstreckenraketen
zur Explosion gebracht werden?
Carlucci:
Ich stimme dem wiederum nicht zu. Wenn es zu einem
konventionellen Krieg kommt, wird natürlich die andere Seite versuchen,
die Angriffsfähigkeiten aus der Luft
zu neutralisieren. Einige der Luftstreitkräfte sind nicht in der Bundesrepublik, sondern in anderen Ländern stationiert.
Tatsache ist, daß ein Angriff gegen einen Verbündeten einen Angriff
gegen alle Verbündeten bedeutet. Wir
sitzen hier alle in einem Boot. Es
gibt keine "Singularität".
Frage:
Besteht
seitens Ihrer
Regierung die Absicht - ich denke
hierbei an unsere Engpässe bei der
Besoldung der von uns in der Bundesrepublik benötigten Soldaten - die
Zahl Ihrer Soldaten in unserem Land
zu reduzieren?

- 2 -

�Carlucci:
Nein,
wir
hegen
nicht die Absicht, unsere Soldaten in
der Bundesrepublik zahlenmäßig zu reduzieren.
Wir haben noch ernstere
Haushaltsprobleme als die Bundesrepublik Deutschland.
Unserer Ansicht
nach sollten unsere Verbündeten einen
größeren Beitrag leisten.
Wenn Sie unsere Verteidigungsausgaben im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt betrachten, so sind diese
entschieden höher als die Verteidigungsausgaben der anderen Verbündeten. Es muß also von seiten unserer
europäischen
Verbündeten
vermehrte
Anstrengungen geben, einen Teil dieser Last zu übernehmen.
Frage:
Wie ist Ihre Reaktion
auf das, was Sie selbst in ihrem Bericht an den Kongreß moderne sowjetische Friedensoffensive genannt haben, mit der meiner Ansicht nach ein
Keil in die NATO getrieben werden
soll? Wie reagieren Sie auf (Tonstörungen) ... nur zu sehr auf historische Rüstungskontrollabkommen drängen und Europa auf eine noch gefährlichere Weise der sowjetischen Überlegenheit
ihrer
konventionellen
Streitkräfte aussetzen?
Sollte nicht gemäß den Vorschlägen von Frau Thatcher der Reduzierung
konventioneller
Streitkräfte
erste
Priorität eingeräumt werden, nachdem
bei MBFR so geringe Fortschritte erzielt worden sind oder auch angesichts der Übereinkunft, daß es ein
breiteres Forum und einen weitergefaßten Verhandlungsgegenstand - vom
Atlantik zum Ural - geben sollte?
Carlucci:
Wir müssen der sowjetischen
Rüstungskontrolloffensive
entgegentreten.
Ich weiß nicht, ob
das der richtige Begriff ist. Es
handelt sich hierbei sicherlich um
eine Propaganda-Offensive im Bereich

der Rüstungskontrolle, weil das INFAbkommen primär auf die Initiative
der NATO und nicht auf den Anstoß der
Sowjets zurückgeht.
Dort wird viel über Rüstungskontrolle gesprochen.
Wir dürfen Rüstungskontrolle nicht als Selbstzweck
betrachten, sondern als Mittel zur
Stärkung der Sicherheit der NATO.
Wenn das Abkommen diese Probe besteht, sollten wir es ausführen. Unserer Einschätzung nach besteht der
INF-Vertrag diese Probe. In diesem
Sinne haben wir auch im Senat argumentiert.
Im Hinblick auf die bei START
vorgesehenen 50prozentigen Reduzierungen sind wir der Ansicht, daß dies
auch militärisch in unserem Interesse
liegt.
Ich denke, es hat sich an
vielen Beispielen gezeigt, daß die
Sowjetunion in der Lage ist, ballistische Offensivraketen in einem Ausmaß
zu bauen, das - offen gesagt - weit
über das des Westens hinausgeht.
Es ist wichtig, daß wir Obergrenzen für diese Waffensysteme festsetzen können.
Gleichzeitig sind wir
auch der Ansicht, daß es wichtig ist,
die sogenannten Gespräche über Stabilisierung fortzuführen - über Reduzierungen im konventionellen Bereich.
Beim im vergangenen Herbst in Reykjavik abgehaltenen Außenministertreffen fiel die Entscheidung zugunsten
eines umfassenden Rahmenwerks für die
Rüstungskontrolle aus, mit dessen
Hilfe wir vom INF-Vertrag über das
START-Abkommen bis hin zu Reduzierungen bei den chemischen Waffen und im
konventionellen Bereich gelangen würden.
Wir müssen an all diesen Dingen
arbeiten.

- 3 -

Frage:

Ich

möchte

eine

Frage

�ohne unmittelbaren Bezug zur NATO
stellen. Herr Verteidigungsminister,
liegen Ihnen Informationen über die
mögliche Stationierung sowjetischer
Truppen und Panzer in Armenien zur
Kontrolle von Aufständen vor?
Carlucci:
Nein, darüber habe
ich keine Informationen. Es hat wohl
einige Presseberichte über sowjetische Truppen in diesem Gebiet gegeben. Ich kann das zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigen.
Frage:
Herr Carlucci, hat die
italienische Regierung bereits ein
Abkommen mit den Vereinigten Staaten
über den Transfer von 72 amerikanischen F-16 von Spanien zu einem militärischen Stützpunkt in Italien unterzeichnet?
Wenn dem so ist, zu
welchen Bedingungen?
Carlucci:
Die italienische Regierung hat kein solches Abkommen unterzeichent.
Wir betrachten dies
nicht als bilaterale Angelegenheit.
Weder die italienische Regierung noch
die Vereinigten Staaten sehen dies
als bilaterale Angelegenheit.
Sie
ist Sache der NATO und darüber wird
in Brüssel diskutiert werden.
Die italienische Regierung hat
eindeutig erklärt, sie betrachte die
Fähigkeit des 401. Taktischen Geschwaders als sehr wichtig für die
Südflanke der NATO und sei bereit, zu
überprüfen, was zur Erhaltung dieser
Fähigkeit getan werden kann.
Gleichzeitig muß die NATO selbst
herausfinden, welche Ressourcen für
die Infrastruktur des Geschwaders benötgit werden, aber dazu hat die italienische Regierung noch keine Entscheidung getroffen.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, um der Klarheit willen möchte

ich nochmals auf ihren jüngsten Besuch in Lissabon zurückkommen - vor
dem Besuch unseres Premierministers
in den Vereinigten Staaten.
Nach ihren Gesprächen mit Kollegen in Lissabon gab es Presseberichte, denen zufolge unser Verteidigungsminister mit Ihnen ein Abkommen
über die Bedingungen zur Nutzung der
Azoren geschlossen hat...
Als der
Premierminister sich in Washington
aufhielt, gab es wiederum Berichte
der amerikanischen und der hiesigen
Presse, daß kein Abkommen unterzeichnet wurde.
Tatsächlich bestanden
zahlreiche Meinungsverschiedenheiten.
Könnten Sie zunächst die Gespräche erläutern und auch über das sprechen, was in Lissabon mit dem Verteidigungsminister unterzeichent wurde
und was man hier dazu sagte. Und
könnten Sie zweitens etwas über Ihre
gestrigen Diskussionen mit unserem
Premierminister in Washington sagen?
Carlucci:
Es wurde kein Abkommen zwischen mir und dem Verteidigungsminister
unterzeichnet.
Wir
sind übereingekommen, daß ich eine
hochrangige Delegation militärischer
Vertreter nach Lissabon entsenden
würde, damit sie gemeinsam mit dem
portugiesischen Militär ihren Bedarf
an Ausrüstung bestimmen und dann
festlegen, wie wir bei der Deckung
dieses Bedarfs behilflich sein können.
Das Abkommen über die Azoren ist
eine vollendete Tatsache. Das Abkommen ist existent. Er steht nicht zur
Wiederverhandlung an.
Im Zusammenhang mit diesem Abkommen hat der Premierminister
vorgestern
hier
in
Washington um Konsultationen nachgesucht. Wir werden diese Konsultationen abhalten, zu denen meiner Ansicht
nach auch solche Dinge wie Wirtschafts- und Militärhilfe zählen

- 4 -

�welche Probleme es auch sonst geben
mag.
Gleichzeitig hat der Premierminister angedeutet, es sei keine Frage, daß die amerikanische Präsenz auf
den Azoren verringert werden sollte.
Deshalb haben wir diesen Konsultationen gerne entgegengesehen. Wir werden mit der portugiesischen Regierung
zusammenarbeiten, um ihr auf jede erdenkliche Weise zu helfen, ihre sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse zu decken.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, die Verteidigung Dänemarks
ist in starkem Maße von der Unterstützung durch die NATO und die Vereinigten Staaten abhängig. Inwieweit
sind Sie und die Vereinigten Staaten
bereit, Kürzungen des dänischen Verteidigungshaushalts
zu
akzeptieren
und uns dennoch Hilfe zu leisten?
Eine Reihe dänischer Politikern
glauben augenscheinlich, sie könnten
die Verteidigungsausgaben weiterhin
beschneiden, weil ihren Aussagen zufolge die Verteidigung Dänemarks im
Interesse der NATO liegt, so daß sie
uns ungeachtet unseres eigenen Tuns
helfen werden.
Wie lauten die Vorschläge der
NATO und der Vereinigten Staaten dazu?
Carlucci:
Wir
sind natürlich
enttäuscht, daß Dänemark einen derart
geringen Beitrag zu der gemeinsamen
Verteidigung leistet, indem es seine
eigenen Streitkräfte beibehält.
Wir haben mit der dänischen Regierung Konsultationen darüber abgehalten. Wir haben die dänische Regierung gedrängt, mehr zu tun. Ich
bin sehr wohl bereit, zuzugeben, daß
das NATO-BUndnis im Interesse der
Vereinigten Staaten liegt - darauf

haben wir immer hingewiesen.
Es
liegt jedoch auch im Interesse unserer Verbündeten.
Wir sitzen hier alle in einem
Boot. Es geht nicht um die Frage,
daß einer weniger tut und die anderen
zwingt, mehr zu tun. Es geht um die
Notwendigkeit für uns alle, mehr zu
tun. Wir hoffen also, daß Dänemark
in Zukunft bereit sein wird, seine
Anstrengungen im Bereich der Verteidigung zu verstärken. Das ist für
uns alle von Bedeutung.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, kann ich Ihnen bei dieser Gelegenheit eine Frage zur derzeitigen
Lage in Panama stellen? Die Möglichkeit einer militärischen Intervention
der Vereinigten Staaten in Panama
kann im Augenblick nicht ausgeschlossen werden - wie schätzen Sie die Situation in Panama angesichts der
scheinbar
neugewonnenen
Stärke
Noriegas ein?
Senator D'Amato hat
vor zwei Stunden amerikanische Militärintervention gefordert. Wird dies
im Augenblick ernsthaft erwogen oder
vollständig ausgeschlossen?
Carlucci:
Natürlich kann angesichts einer solchen Situation nichts
vollständig
ausgeschlossen
werden.
Ebensowenig werden ernsthafte Erwägungen angestellt.
Wir sind über
diese Wende der Ereignisse natürlich
nicht erfreut, es wäre jedoch verfrüht, zu diesem Zeitpunkt Maßnahmen
zu ergreifen.
Frage:
Sie sagten, als Ergebnis des INF-Vertrages werde es keine
Abkoppelung
amerikanischer
Truppen
von der Verteidigung Europas geben.
Hier stimme ich mit Ihnen überein.
Aber besteht nicht eine Abkoppelung
im Hinblick auf die Verwundbarkeit
der Sowjetunion, wenn die amerikanischen Raketen, die sowjetisches

- 5 -

�Territorium treffen können, abgezogen
werden?
Der Abbau auf sowjetisches Territorium
gerichteter
amerikanischer
Waffen war seit den siebziger Jahren
stets
Ziel
sowjetischer
Politik.
Bisher war sie zum Scheitern verurteilt, scheint jetzt jedoch Erfolg zu
haben. Meiner Ansicht nach besteht
tatsächlich eine Abkoppelung bei der
Verwundbarkeit der Sowjetunion und
der von Europa insgesamt.
Zweitens wird Ihren Ausführungen
nach die flexible Reaktion durch den
INF-Vertrag
nicht
beeinträchtigt.
Ist es nicht so, daß die flexible Reaktion sich auf die Qualität der Abschreckung gründet - auf die Gefahr
einer Eskalation - und trifft es
nicht ebenfalls zu, daß der INF-Vertrag einige Ungleichgewichte bei einer späteren Eskalation behebt?
Nachdem ich dies alles gesagt habe, möchte ich wie bereits zu Beginn
dieses Worldnets nochmals betonen,
daß ich dennoch eine Ratifizierung
des Vertrages befürworte.
Carlucci: Wir müssen zum Zweck
der Stationierung von Pershing-Raketen zurückkommen. Als Teil des Doppelbeschlusses bestand der Zweck darin, die Sowjets zu Verhandlungen
über den Abbau der SS-20, SS-4 und
SS-5 zu bewegen.
Dieses Ziel haben wir erreicht.
Es gibt andere Waffensysteme, die zu
einem Schlag gegen die Sowjetunion
fähig sind; zum Beispiel können die
in Ihrem Land stationierten F-lllBomber die Sowjetunion treffen. Und
die Unterseeboote der Poseidon-Klasse
der NATO können die Sowjetunion treffen.
Das

sowjetische

Territorium

ist

also nicht unverwundbar. Das Kernstück der flexiblen Reaktion besteht
in unserer Fähigkeit - wie von Ihnen
ausgeführt
- durch konventionelle
Streitkräfte und kriegsschauplatzgebundene Nuklearstreitkräfte zu strategischen Streitkräften hin zu eskalieren.
Strategische Streitkräfte können
die Sowjetunion zweifelsohne treffen.
Darin besteht die Verbindung zwischen
den Vereinigten Staaten und der NATO.
Meiner Ansicht
nach sollten die
Pershings und landgestützten Marschflugkörper nicht unter dem Aspekt eines Ungleichgewichtes bei den letzteren gesehen werden.
Betrachtet man diese Ungleichgewichte, warum sollte man dann nicht
auch die 300 000 amerikanischen und
60 000 britischen in der Bundesrepublik stationierten Soldaten berücksichtigen. Auch beim Mehrzweckkampfflugzeug bis hin zur nuklearen Artillerie und den Lance-Raketensystemen
bestehen noch alle möglichen Ungleichgewichte.
Das Kernstück unserer Abschrekkung, die Strategie der flexiblen Reaktion, bleibt intakt. In diesem Zusammenhang muß festgestellt werden,
daß unsere Vereinigten Stabschefs den
INF-Vertrag militärisch als Vorteil
für die NATO eingeschätzt haben, da
die SS-20, SS-4, SS-5 und insbesondere die SS-23 die Sowjets in die Lage
versetzten, entweder mit Nuklearwaffen oder in einigen Fällen sogar mit
chemischen Waffen einen Schlag gegen
Häfen und das Schienennetz der NATO
auszuführen.
Das Kernstück der Bündnisstrategie liegt in unserer Fähigkeit zur
Stärkung Europas.
Die Beseitigung
dieser Fähigkeit
auf sowjetischer
Seite hat unsere Fähigkeit zur Stär-

- 6 -

�kung Europas verbessert.
Dies ist unserer Ansicht nach ein
gutes Ergebnis und zahlenmäßig gesehen ein asymmetrischer Abbau. Zweifelsohne können die Sowjets einen
Ausgleich mit strategischen Systemen
schaffen, jedoch nicht ohne gewisse
Schwierigkeiten. Die NATO kann natürlich im Großen und Ganzen dasselbe
tun.
Frage:
Herr Minister, in zwei
Wochen werden Sie mit Ihrem sowjetischen Kollegen Jasow zusammenkommen. Ich würde gerne wissen, was Sie
von diesem Treffen erwarten.
Betrachten Sie es vorwiegend als einen
symbolischen Akt oder denken Sie, daß
(unverständlich)
ein
militärisches
Glasnost auf beiden Seiten kurzfristig fertige Ergebnisse hervorbringen
kann und welche Art von Ergebnissen?
Carlucci:
Diese
Frage
kann
wohl am besten mit einem Blick auf
die Tagesordnung beantwortet werden.
Wir haben vor, unsere jeweilige Militärdoktrin zu erörtern.
Dieser Vorschlag wurde von Generalsekretär Gorbatschow unterbreitet,
als er hier in Washinton zu Besuch
war und die Sowjets sprechen, wie Sie
wissen, von einer neuen Strategie des
vernünftigen Mindestmaßes an Verteidigungsfähigkeit. Wir sind uns nicht
ganz sicher, was darunter zu verstehen ist und möchten gerne mehr darüber hören.
Unsere Doktrin ist relativ bekannt, aber wir erläutern sie gerne
im einzelnen und insbesondere im Hinblick auf unsere Strategische Verteidigungsinitiative, die für niemanden
eine Bedrohung darstellt.
Zweitens beabsichtigen wir, die
RUstungskontrollangelegenheiten
von

den konventionellen über START bis
hin zu den Verhandlungen über chemische Waffen zu überarbeiten, nicht
als getrennten Verhandlungsgegenstand
- das ist Sache der Außenminister -,
sondern generell unter dem Aspekt von
Verteidigung und Sicherheit.
Drittens haben wir gebeten, daß
gefährliche Vorkommnisse auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Wie Ihnen allen sicherlich bekannt sein dürfte, wurde auf einige
unserer militärischen Verbindungsleute, die von der Bundesrepublik aus
für die DDR zuständig sind, geschossen.
Ein Beauftragter wurde brutal
ermordet. Bei dem Vorfall im Schwarzen Meer wurden unsere Schiffe beschädigt.
Unsere Piloten wurden von Laserstrahlen getroffen. Solchen Vorkommnissen muß Einhalt gebeten werden und
wir müssen sie mit unseren sowjetischen Kollegen besprechen.
Schließlich möchten wir dort, wo
es im Interesse des gegenseitigen
Verständnisses liegen könnte, eine
Reihe von Kontakten zwischen unseren
Militärs in die Wege leiten. Auch
dies möchten wir erörtern.
Frage:
Beabsichtigen die
einigten Staaten, ein Junktim
schen dem Abbau konventioneller
steme und der Unterzeichnung
START-Vertrages herzustellen?

VerzwiSydes

Carlucci:
Nein, diese beiden
Verhandlungen sollten im Wesentlichen
für sich alleine betrachtet werden.
Ein START-Abkommen ist noch in ziemlich welter Ferne. Die neuen Verhandlungen über konventionelle Systeme - die sogenannten "Gespräche über
Stabilisierung" - sind noch nicht
aufgenommen worden, und es handelt

- 7 -

�sich hierbei um Verhandlungen
Bündnis zu Bündnis.

von

Im Rahmen der KSZE nehmen auf unserer Seite ungefähr 26 Nationen an
den unterschiedlichsten Verhandlungen
teil, die eigentlich nicht miteinander verbunden werden können. Gleichzeitig ist es jedoch wünschenswert,
daß beide Verhandlungen aufgrund der
großen Asymmetrien im konventionellen
Bereich so schnell wie möglich vorankommen.
Frage:
Trotz
Ihrer
früheren
Ausführungen scheint in der Bundesrepublik ein echtes Problem bei der
weiteren Modernisierung der nuklearen
Arsenale kürzerer Reichweite zu bestehen.
Werden Sie beim NATO-Gipfel und
bei dem Nachfolgetreffen in Dänemark
im April
auf
den Beschluß von
Montebello drängen, oder werden Sie
das Gewicht auf Reduzierungen im konventionellen Gleichgewicht verlagern,
was anscheinend dem Wunsch der Deutschen, Briten und anderen entspricht?
Carlucci:
Ihre Frage zielt am
Wesentlichen vorbei.
Der Beschluß
von Montebello ist bereits durchgeführt.
Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert. Wir befassen uns
jetzt mit anderen Waffensystemen, die
für die taktische Luft-Boden-Rakete
geeignet sein könnten, die Teil des
Montebello-Beschlusses ist.
Die nukleare Artillerie ist in
beträchtlichem Umfang erneuert worden. Wir erörtern jetzt Systeme, die
als Nachfolger der Lance-Raketen in
Frage kommen könnten, aber wir sprechen hier von einem System, das im
Jahr 1995 stationiert werden soll,
und bis dahin ist ja noch etwas Zeit.
Der

Modernisierungsprozeß

macht

Fortschritte. Ich weiß nicht, welche
Entscheidungen getroffen werden müssen. Im Augenblick wird alles getan.
Frage: Herr Carlucci, wäre die
amerikanische Regierung bereit, diesem Montebelloprozeß der Modernisierung taktischer Nuklearwaffen Einhalt
zu gebieten, falls Herr Gorbatschow
einen Vorschlag zum Abbau aller nuklearen Gefechtsfeldwaffen kürzerer
Reichweite (SNF) im Rahmen einer
dreifachen Null-Lösung unterbreiten
würde, der mit einem Angebot zur Aufnahme von Verhandlungen über den Abbau konventioneller Streitkräfte gekoppelt wäre?
Carlucci:
Das
ist
natürlich
eine hypothetische Frage, die nicht
unbedingt beantwortet werden sollte,
da sie der anderen Seite Anhaltspunkte über unsere Verhandlungsposition
geben könnte. Ich möchte aber dennoch sagen, daß ich den Zusammenhang
zwischen diesen beiden Punkten nicht
ganz sehe. Der Modernisierungsprozeß
findet statt, und niemand hat seine
Aufgabe gefordert.
Ich weiß also nicht, warum wir
nicht einfach so weitermachen sollten
wie bisher. Wenn ein Vorschlag über
SNF unterbreitet wird, muß er im Zusammenhang mit dem Außenministertreffen von Reykjavik gesehen werden, bei
dem das schrittweise Vorgehen für die
RüstungskontrollVerhandlungen festgelegt wurde. Diesen Rahmen habe ich
bereits beschrieben, und wir werden
im Einklang damit verfahren müssen.
Frage:
Jeder scheint für den
NATO-Gipfel die Vorhersage anzustellen, daß er praktisch nicht mehr als
eine schlichte Wiederholung der NATOPläne sein wird.
Sehen Sie einen
Gipfel zu diesem Zeitpunkt als wirklich gerechtfertigt an?

.

%

�Carlucci:
Meiner Ansicht nach
ist ein Gipfel sehr nützlich.
Zu
diesem Zeitpunkt befinden wir uns
zweifelsohne an einem Wendepunkt unserer Beziehungen mit der Sowjetunion, die Ereignisse überstürzen
sich auch innerhalb des Bündnisses,
und es ist unerläßlich, daß die politischen Entscheidungsträger einander
zu Themenkomplexen wie Rüstungskontrolle, Lastenteilung, den Aktivitäten der nuklearen und der Verteidigungsplanungsgruppe sowie zum OstWest-Handel konsultieren.

stem für die taktische Luft-Boden-Rakete, die Teil des Montebello-Beschlusses ist, und wir erörtern auch
Systeme, die als Nachfolger der
"Lance" zur Stationierung im Jahr
1995 in Frage kommen könnten.
Der Prozeß macht also Fortschritte, und zu diesem Zeitpunkt sind mir
keine Unstimmigkeiten bekannt.

Es gibt eine Unmenge von Themen,
die erörtert werden müssen. Ein Gipfeltreffen muß keine spektakulären
Ergebnisse zeitigen, um erfolgreich
zu sein. Ein Gipfel hat dann Erfolg,
wenn er zum beständigen Zusammenhalt
des Bündnisses beiträgt, und ich bin
sicher, daß dies bei diesem Gipfeltreffen der Fall sein wird.
Frage:
Nach dem Abkommen zwischen Reagan und Gorbatschow vom vergangenen Dezember waren sich Bonn und
London uneinig über die Notwendigkeit
einer Modernisierung taktischer Nuklearwaffen in Europa. Erachten Sie
diese Modernisierung für notwendig,
und denken Sie, daß sie beim NATO—
Gipfel in Brüssel in der kommenden
Woche erörtert wird?
Carlucci:
Mir sind Unstimmigkeiten über die Modernisierung unbekannt. Die Entscheidung zur Modernisierung wurde von den Staats- und Regierungschefs in Montebello im Jahr
1983 getroffen. Meiner Meinung nach
haben alle dem Montebello-Beschluß
zugestimmt.
Der Modernisierungsprozeß kommt
voran.
Mehrzweckkampfflugzeuge werden modernisiert, die nukleare Artillerie wird modernisiert. Wir alle
befassen uns mit einem geeigneten Sy-

- 9-

�v Ä ^ &lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
2. März 1988

DIE GEMEINSAME SICHERHEIT IST NICHT TEILBAR DIE WESTLICHE ALLIANZ MUSS EINIG UND STARK BLEIBEN
Von Rozanne Ridgeway, Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium für europäische und kanadische Angelegenheiten -

Copyright (c); Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 46 vom 24. Februar 1988

WASHINGTON - Während der amerikanische Senat über das Mittelstrekkenabkommen berät, können wir damit
beginnen, das letzte Kapitel einer
Erfolgsgeschichte der NATO zu schreiben.
Im letzten Jahrzehnt hat das
westliche Bündnis auf eine unerhörte
sowjetische Drohung - die Stationierung der SS-20-Raketen - mit einer
gemeinsamen Politik reagiert. Diese
Politik beruhte auf Lastenteilung,
maßvollen Stationierungen und hartnäckigen Verhandlungen. Sie hat nun
zu einer Vereinbarung geführt, aufgrund derer die SS-20-Drohung gänz-

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lich verschwinden wird. Ich möchte
zwei Faktoren hervorheben, die für
diesen Prozeß von besonderer Bedeutung waren: die grundlegende Überzeugung der NATO, daß gemeinsame Sicherheit nicht teilbar sei, und die
FUhrungsrolle
der
Bundesrepublik
Deutschland.
Das Mittelstreckenabkommen verbessert die westliche Sicherheit auf
zwei wesentliche Weisen. Erstens reduziert es die sowjetische nukleare
Drohung für die gesamte NATO, weil
schon stationierte Raketen und Ab-

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�schußrampen abgebaut werden, die mehr
als 1 600 Sprengköpfe tragen können eingeschlossen
sind
alle
SS-20-,
SS-4-, SS-5-, SS-12- und SS-23-Systeme. Im Gegenzug bauen die Vereinigten Staaten die etwa 400 landgestützten Marschflugkörper und Pershing-2Raketen ab, die sie in Europa stationiert hatten. Trotz dieser Reduzierungen bleibt die Fähigkeit der NATO
erhalten, einen Angriff mit einem
ganzen Arsenal nuklearer Kräfte abzuschrecken.
Zum zweiten hat dieser Prozeß der
Sowjetunion
klargemacht,
daß
die
westliche Allianz den politischen
Willen und den Zusammenhalt hat, bei
ihrer vereinbarten Politik zu bleiben
und
Einschüchterungsversuchen
oder
sowjetischen Propagandaoffensiven zu
widerstehen.
Die Forderung der NATO nach einer
Vereinbarung
wurde
hervorgerufen
durch die einseitige sowjetische Stationierung neuer und destabiliserender Waffen, die 1977 begann: Es handelte sich um die SS-20. Diese über
drei Sprengköpfe verfügende Rakete
hat eine größere Reichweite und ist
treffsicherer als die vorher stationierten SS-4- und SS-5-Raketen, die
nur einen Sprengkopf besitzen. Von
ihren Stationierungsorten auf sowjetischem Gebiet aus können die SS-20
Ziele in ganz Europa, im Nahen Osten,
in Nordafrika und in großen Teilen
Asiens und der pazifischen Welt erreichen. Die Transportfähigkeit der
SS-20 ermöglicht es auch, daß diese
Systeme schnell an anderen Orten stationiert werden können, um die Drohung gegenüber
irgendeinem sowjetischen Nachbarn stärker fühlbar zu
machen.
Befürchtungen angesichts dieses
Waffenaufwuchses der Sowjetunion äusserten zuerst europäische NATO-Mit-

glieder; der damalige Bundeskanzler
Helmut Schmidt drückte sie 1977 in
einer Rede in London erstmals drfentlich aus. Das führte zu Konsultationen innerhalb der NATO, die schließlich in den Doppelbeschluß des Jahres
1979 mündeten.
Der Doppelbeschluß
forderte einerseits eine begrenzte
Stationierung
amerikanischer
Pershing-2-Raketen
und
Marschflugkörper. Er rief andererseits die Sowjetunion dazu auf, Verhandlungen
über die Mittelstreckenwaffen zu führen, mit dem Ziel, ein Gleichgewicht
auf niedrigerem Niveau zu erreichen.
Viele dachten, der Doppelbeschluß
könne nie verwirklicht werden. Zuerst verweigerten die Sowjets sogar
Verhandlungen. Und Skeptiker behaupteten, daß die NATO die Stationierung
nie verwirklichen werde.
Aber die
solidarische Unterstützung für Verhandlungen und Stationierungen blieb
in der NATO trotz großen innenpolitischen Drucks erhalten - dank mutiger politischer Führung in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen Stationierungsländern.
Die Bundesrepublik spielte während der gesamten Zeit eine Schlüsselrolle, über den ganzen Konsultationsprozeß hinweg - in regelmäßigen
Treffen der NATO, in der "NATO Special Consultative Group" und "High
Level Group" sowie in Treffen der Minister und Regierungschefs - hatte
die Bundesrepublik großen Anteil an
der Bestimmung der Allianzpolitik.
Die Bundesrepublik half dabei, zu erkennen, daß man der Drohung der SS-20
begegnen müsse; sie half dabei, den
Doppelbeschluß der NATO zu entwikkeln; und sie war bei denen, die die
ursprüngliche "Null-Lösung" vorschlugen. Sie gehörte zu den fünf Verbündeten, die amerikanische Nuklearwaffen stationierten, und ging, zusammen
mit Italien und Großbritannien damit

- 2 -

�im Jahr 1983 voran, trotz innenpolitischer
Kontroversen,
sowjetischer
Drohungen und sogar angesichts des
Abbruchs der Verhandlungen durch die
Sowjetunion. Die Bundesrepublik erkannte auch die Notwendigkeit, die
sowjetische Nuklearrüstung
in den
Reichweiten von 500 bis 1 000 Kilometer zu begrenzen, und die Bundesregierung verhielt sich konstruktiv und
verantwortungsbewußt angesichts eines
sowjetischen Versuchs, der in letzter
Minute eine Vereinbarung verhindert
hätte,
nämlich
die
westdeutschen
Pershing-IA-Raketen in das Mittelstreckenabkommen einzubeziehen.
Auf diese Weise ist durch Stärke,
Einigkeit und intensive Konsultationen nicht nur das erste Abkommen in
der Geschichte erreicht worden, mit
dem nukleare Angriffswaffen reduziert
werden, sondern auch das erste Abkommen, das sich mit der sowjetischen
nuklearen Bedrohung der europäischen
NATO-Partner beschäftigt. Dieses Abkommen hat zudem das strengste Verifikationsregime in der Geschichte der
Rüstungskontrolle.
Natürlich löst das Mittelstrekkenabkommen nicht alle unsere Probleme. Dazu war es auch nie gedacht.
Im Nuklearzeitalter gibt es kein
"Sanktuarium" - weder in der NATO
noch im Warschauer Pakt. Es ist eine
unausweichliche Folge der Geographie,
daß einige NATO-Staaten der sowjetischen Drohung stärker ausgesetzt
sind als andere. Die Türkei, Norwegen und die Vereinigten Staaten haben gemeinsame völkerrechtliche Grenzen mit der Sowjetunion. Doch eine
Abschreckung, die auf dem Prinzip der
gemeinsamen Sicherheit beruht, bedeutet auch, daß der Angriff auf einen
Verbündeten ein Angriff auf alle ist.

Das Mittelstreckenabkommen stärkt
die NATO
Auf absehbare Zeit wird das strategische nukleare Arsenal der Sowjetunion weiterhin jede Nation auf der
Erde bedrohen, ob sie ein direkter
Nachbar ist oder auf der anderen Seite des Globus liegt. Das ist ein
Grund
dafür, warum Gedankenspiele
über
"atomwaffenfreie
Zonen" oder
"Korridore" in Europa sinnlos sind.
Es ist auch der Grund dafür, daß wir
die Erreichung eines überprüfbaren
Abkommens, mit dem dieses Langstrekkenarsenal halbiert werden soll, zu
unserer obersten Priorität erklärt
haben. Aber das Mittelstreckenabkommen ist besonders wichtig, weil es
die sowjetische Drohung gegen das
Territorium der europäischen NATOPartner reduziert, während es die
Drohung gegenüber den nordamerikanischen NATO-Mitgliedern nicht verändert. Von der Abrüstung der SS-12
und SS-23 haben diejenigen NATO-Verbündeten, die dem Warschauer PaktTerritorium am nächsten liegen, den
größeren Nutzen.
Indem das Mittelstreckenabkommen
die NATO stärkt, kommt es natürlich
uns allen zugute. Die Einheit des
Bündnisses
Ist
grundlegend.
Abschreckung ist unteilbar.
Deshalb
sind auf dem Territorium vieler Mitgliedstaaten der Allianz nukleare und
konventionelle Streitkräfte stationiert.
Nuklearfähige Trägersysteme
gehören zu den militärischen Kräften
vieler unserer Alliierten.
Dennoch bleiben die strategischen
Nuklearkräfte der Vereinigten Staaten
der letzte Garant der NATO-Abschrekkung. Auch nach dem Mittelstreckenabkommen werden die Vereinigten Staaten immer noch eine Schlachtordnung
nuklearer Systeme in Europa haben;
sie umfaßt luftgestützte Waffen, die

- 3 -

�in das sowjetische Territorium hineinreichen, und landgestützte Systeme. Der Oberste Alliierte Befehlshaber in Europa (SACEUR) verfügt weiterhin über seegestützte Raketen, die
der Verteidigung Europas zugeordnet
sind.
Die Abschreckungsmacht der
NATO in Europa muß und wird stark
bleiben. Mehr als 300 000 amerikanische Soldaten sind in Europa stationiert. Welch besseres Symbol der
Ankoppelung könnte es geben als diese
Amerikaner, die mit ihren Familien
unter den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland und den anderen alliierten Ländern leben und arbeiten?
Gleichzeitig hat sich die NATO
verpflichtet - und diese Verpflichtung bleibt bestehen -, nicht mehr
nukleare Waffen in Europa zu stationieren, als nötig sind, um die strategische Abschreckung aufrechtzuerhalten. Die NATO hat nie an einen
sinnlosen Aufwuchs ihrer nuklearen
Kräfte geglaubt.
Statt dessen hat
sie einseitig die amerikanischen nuklearen Kräfte in Europa wesentlich
reduziert, entsprechend der Entscheidung von Montebello aus dem Jahr
1983. Seit 1979 sind mehr als 2 400
amerikanische Nuklearwaffen zurückgezogen und nicht ersetzt worden. Der
Vorrat hat den niedrigsten Stand seit
20 Jahren erreicht. Doch die NATO
muß auch die diesem Abzug korrespondierende Verpflichtung von Montebello
ernst nehmen, die verbleibenden Nuklearkräfte zu modernisieren, damit
alles getan wird, um die Abschreckung
glaubwürdig zu halten.
Das Mittelstreckenabkommen wird
die Sicherheit der Allianz nicht nur
dadurch verbessern, daß es eine nukleare Drohung gegen Europa abbaut,
sondern auch dadurch, daß es die
wachsende Drohung entfernt, die im
Augenblick gegen unsere konventionelle
Verstärkungsfähigkeit
gerichtet

ist, nämlich die sowjetischen SS-12
und SS-23, die in der Lage sind, konventionelle, chemische oder nukleare
Sprengköpfe zu tragen. Es erübrigt
sich, hinzuzufügen, daß die gesamte
sowjetische Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit nicht auf einen
Schlag eliminiert werden kann. Wir
können auch nicht darauf vertrauen,
daß sich jenes sowjetische Verhalten,
das unsere Verteidigungsallianz in
erster Linie begründet hat, auf einmal grundlegend ändert.
Angesichts
der wachsenden sowjetischen Drohung
muß auch die NATO ihre Anstrengungen
verstärken, um das konventionelle Ungleichgewicht zu korrigieren.
Die Minister der Partnerstaaten
haben die wichtigsten Lücken unserer
konventionellen Rüstung erkannt und
unternehmen Anstrengungen, ihnen zu
begegnen. Das schließt das "Programm
zur Verbesserung der konventionellen
Verteidigung" (conventional defense
improvement program) ein. Wir müssen
diese Initiative mit Nachdruck weiterführen, denn diese Maßnahmen sind
wesentlich, wenn wir weiter darauf
vertrauen wollen, daß weder ein konventioneller noch ein nuklearer Krieg
in Europa je wieder geführt werden
kann. Gleichzeitig steht das Problem
der anhaltenden Ungleichgewichte bei
den konventionellen und chemischen
Waffen an obersten Stelle der Rüstungskontrollagenda, und wir werden
darauf achten, daß jede Verminderung
dieser Waffen nicht einem Verbündeten
zum Nachteil gereicht.
Doch die eigentliche Stärke der
NATO liegt in der Einigkeit über ihren Zweck. Unsere erfolgreiche Erfahrung mit dem Mittelstreckenabkom- .
men und die Führungsrolle, die dabei '
von der Bundesrepublik und den anderen Stationierungsländern der NATO
gespielt wurde, hat das Konzept der
gemeinsamen Sicherheit aller Allianz-

- 4 -

�mitglieder gestärkt. Die Vereinigten
Staaten bleiben diesem Konzept verpflichtet, nicht nur theoretisch,
sondern auch in der Struktur und den
Stationierungsorten
ihrer
Streitkräfte.
Weil wir die politisch schwierigen Stationierungen und ein ehrgeiziges RUstungskontrollziel seit 1979
verfolgt haben, haben die westlichen
Staaten einen historischen Vertrag
erreicht, der ihre Sicherheit verbessert. Das Mittelstreckenabkommen beweist auch den Wert jenes Ansatzes,
der im Harmel-Report vor 20 Jahren
beschlossen wurde: Verteidigung und
Dialog. Es zeigt, daß wir den Frieden in Freiheit erhalten können, wenn
wir einander vertrauen, einig und
stark bleiben, gleichzeitig aber vorsichtig und nachdrücklich verhandeln,
um die Abschreckung auf einem niedrigeren Waffenniveau zu verbessern.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

**

Wissenschaft und Technik
2. März 1988

RETTUNGSGERÄT FÜR DISCOVERY-BESATZUNG

WASHINGTON - (AD) - Der voraussichtlich im August startende Raumtransporter DISCOVERY, wird mit einem Rettungsgerät für die Astronauten ausgerüstet.
Es soll ihnen in einem Notfall die Möglichkeit geben, während der Gleitphase
vor einer Risikolandung den Orbiter rechtzeitig zu verlassen. Gegenwärtig befinden sich zwei Typen solcher Rettungsgeräte In der Erprobung.

Wie Arnold Aldrich, Direktor des
Raumtransportersystems der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt (NASA), kürzlich vor einem Senatsunterausschuß
erklärte, wäre jedoch keines der beiden Geräte in einer Notlage ähnlich
jener von Nutzen, wie sie vor zwei
Jahren mit dem CHALLENGER-Unglück
eintrat. Derzeit gibt es am Startplatz nur Rettungsmöglichkeiten für
den Fall, daß vor Beginn des Starts
eine
Gefahrensituation
eintritt.
Dann könnten sich die Astronauten in
große Körbe aus Drahtgeflecht flüchten, die auf der Ebene des Einstiegs

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in den Orbiter auf der StartturmPlattform bereitstehen und an 360 m
langen Kabeln in sicherer Entfernung
zu Boden gebracht werden. Unterirdische Bunker bieten dort den notwendigen Schutz.
Dem Bericht zufolge würden bei
dem einen der Systeme in der Erprobungsphase kleine Raketen benutzt, um
die Besatzungsmitglieder nacheinander
mit ca. 900 kp Schubkraft (bei einer
vom Körper des Astronauten weggelenkten Strahlrichtung) aus der aufgesprengten Luke in sichere Distanz zum

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�Fluggerät zu ziehen.
Beim zweiten
System dient nach dem Öffnen der Luke
ein teleskopartig verlängerter Ausleger als "Schiene", an der die Astronauten über eine Seilverbindung entlanggleiten, bis sie sich in sicherer
Entfernung lösen. In beiden Fällen
erfolgt die Landung am Fallschirm.
Der als Kommandant für den
DISCOVERY-Flug vorgesehene Astronaut
Frederick Hauck plädiert für das
zweite System, falls sich beide bei
den Tests als gleichwertig erweisen.
Es habe den Vorteil, weniger Raum im
Orbiter zu beanspruchen und keine Explosivstoffe zu benötigen. Den Raumtransporter in seiner jetzigen Konstruktion auf ein anspruchsvolleres
Rettungssystem umzurüsten, erfordere
einige Jahre. Aus diesem Grund könnten prinzipielle Verbesserungen erst
bei der nächsten Generation solcher
Fluggeräte berücksichtigt werden.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Wissenschaft und Technik

**

2. März 1988

MAGNETISCHES RESONANZVERFAHREN ZUM AUFSPÜREN VON GEFÄSSVERENGUNG

- (AD) - Zur Diagnose und Lokalisierung von Ablagerungen in Arterien und
Venen, insbesondere in der Karotis (KopfSchlagader) und in den Herzkranzgefäßen, möchte eine Forschergruppe vom Elektronik-Laboratorium der StanfordUniversität (Kalifornien) die bisher üblichen Methoden durch die Anwendung eines von der Kernspintomographie abgeleiteten Verfahrens ersetzen.

Der Hauptvorteil der von Professor
Albert
Macovski
und
Dwight
Nishimura entwickelten Technik, die
in Kürze zur klinischen Erprobung
freigegeben wird, besteht darin, daß
der Patient weder einer Belastung
durch Strahlung noch den Risiken ausgesetzt wird, die sich bei den heute
üblichen invasiven Verfahren ergeben.
Dazu zählt zum Beispiel auch das Einspritzen von Kontrastmitteln für die
Druchführung einer Angiographie oder
Phlebographie.
Macovski

zufolge

erfordern

eine

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Röntgen-Angiographie, mit der Verengungen oder Verschlüsse von Blutgefäßen ermittelt werden oder eine Sondierung von Arterien mittels Katheter
die stationäre Aufnahme des Patienten. Das trifft auch bei nuklearmedizinischen Diagnostikverfahren zu.
Außerdem werden sie erst in einem
Stadium eingesetzt, in dem Symptome
für Störungen der Durchgängigkeit von
Blutgefäßen bereits offenkundig geworden sind.
Den Wissenschaftlern in Stanford
geht es nicht nur darum, Risiken für

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�den Patienten zu vermeiden, sondern
auch
Gefäßverengungen
bereits
im
Frühstadium zu erfassen. Und das ermöglicht
die MRI-Technik
(MRI "Magnetic Resonance Imaging"), die
Nishimura inzwischen an sich selbst
schon mehr als 200 Mal erprobt hat.
Unter der Einwirkung des vom MRI-Gerät erzeugten starken Magnetfeldes,
geben die Kerne von Wasserstoffatomen
typische Signale ab. Diese Signale
werden mittels Computer normalerweise
für die Bildgebung zum Beispiel zur
Darstellung innerer Organe und Gewebeschichten genutzt.

Verfahrens für die Diagnostik wird
gegenwärtig noch durch Vergleichsverfahren nach der üblichen Angiographie-Technik überprüft. An der sehr
viel komplizierteren Sichtbarmachung
der Durchgängigkeit der Herzkranzarterien
wird
noch
gearbeitet.
Nishimura berichtete auf einem Symposium der "Society for Magnetic Resonance" Ende Februar 1988 in Boston
über die neue Methode.

Macovski und Nishimura analysieren jedoch nur das Signal des in den
Gefäßen strömenden Blutes und filtern
das Signal des umgebenden "stationären" Gewebes aus. Für die Darstellung der Karotis-Arterien am Hals
sind zwei Aufnahmeserien erforderlich:
Bei der ersten Sondierung
richten sich die Protonen der Wasserstoffatome im Blut und des Umgebungsgewebes, die wie winzige Stabmagnete
reagieren, am Magnetfeld aus. Das
gilt ebenso für die Protonen des neu
einströmenden Blutes. Bei der zweiten Serie wird durch eine kleine, am
Nacken plazierte Spule ein zusätzliches Magnetfeld angelegt, das die
Protonen des ausströmenden Blutes als Stabmagneten gesehen - in bezug
auf
das
ursprüngliche
Magnetfeld
"kippen" läßt. Knochen und übriges
Gewebe in der Region, die abgebildet
wird, geben das gleiche Signal wie
zuvor ab. Vom Blut kommt dagegen ein
entgegengesetztes Signal. Mit Ausnahme der Blutdaten sind die beiden
Aufnahmeergebnisse
identisch.
Zur
exakten Auswertung werden die Signale
von Muskel- und Knochengewebe subtrahiert. Der ganze Vorgang nimmt etwa
vier Minuten in Anspruch und kann ambulant durchgeführt werden.
Die

Zuverlässigkeit

des

neuen
- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

10

9. März 1988
I N H A L T

DOKUMENTATION
NATO unterstützt bilaterale Gespräche über strategische Waffen
- Präsident Reagans Erklärung zum Abschluß des NATO-Glpfels -

Das Ungleichgewicht In der konventionellen Rüstung Eine Herausforderung für die europäische Sicherheit
- Erklärung des Nordatlantikrates -

USA:

Bisher kaum echte Fortschritte beim KSZE-Prozeß

- Ansprache von Botschafter Robert Frowick -

WIRTSCHAFT
US-Handelspolitik:

Sorgen mit Europa

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS:

Ein Wettlauf mit der Zeit

- US-Kommission unterbreitet weitreichende Vorschläge für
:
Gesundheits- und Sozialpolitik -

* * * * * *

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�«&amp;L?T&lt;

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Dokumentation
9. März 1988

10

NATO UNTERSTÜTZT BILATERALE GESPRXCHE ÜBER STRATEGISCHE WAFFEN
- Präsident Reagans Erklärung zum Abschluß des NATO-Gipfels BRÜSSEL - (AD) - Nach zweitägigen Konsultationen mit den Staats- und Regierungschefs des Bündnisses erklärte Präsident Reagan zum Abschluß des NATOGipfels am 3. März, die Bündnispartner unterstützten sein Bemühen um Verhandlungen über einschneidende Reduzierungen strategischer Waffen mit der Sowjetunion.
Reagan verwies ferner auf den Konsens der Mitgliedstaaten über den zukünftigen Kurs der NATO.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
Die Staats- und Regierungschefs
des Bündnisses und ich haben gerade
die letzte Runde der Konsultationen
über die gesamte Bandbreite der uns
betreffenden
Problemkreise
abgeschlossen. Lassen Sie mich zunächst
darauf hinweisen, daß sich das Bündnis in einer ausgezeichneten Lage befindet. Wir sind stark, wir sind geeint und leben in Wohlstand - und wir
sind frei.
Dies ist das zweite Gipfeltreffen
des Bündnisses, an dem ich teilnehme.
Ich habe mich hier mit einigen meiner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Kollegen bereits im Anschluß an meine
erste
Zusammenkunft
mit
Herrn
Gorbatschow getroffen. Unser Treffen
ist also nicht nur ein besonderer Anlaß, sondern vor allem ein Bestandteil im größeren Gefüge enger und anhaltender Konsultationen, die der
Hauptgrund für den Erfolg dieses
Bündnisses sind.
Die NATO geht nun in ihr fünftes
Jahrzehnt. Das Nordatlantische Bündnis ist das erfolgreichste der Geschichte.
Während andere Bündnisse
geschlossen wurden, um Kriege zu ge-

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�winnen, besteht unser grundlegendes
Ziel in der Verhinderung von Kriegen
- und gleichzeitig darin, die Grenzen
der Freiheit zu erhalten und weiter
zu ziehen.
Der INF-Vertrag ist der jüngste
Erfolg der NATO. Meine Kollegen und
ich sind zu Recht stolz auf diese
Leistung. Sie war das unmittelbare
Ergebnis unserer Standfestigkeit und
Beharrlichkeit, als es darum ging,
den von uns als Bündnis vor acht Jahren getroffenen Doppelbeschluß zu
verwirklichen.
Es versteht sich von selbst, daß
unsere Verbündeten diesen Vertrag unterstützen, und jeder politisch Verantwortliche hat seinen Wert für die
sicherheitspolitischen
Belange
des
Bündnisses erneut bestätigt.
Wir
konzentrieren uns jetzt darauf, wie
wir den Herausforderungen der Zukunft
begegnen sollen.
In den vergangenen zwei Tagen haben wir die gesamte Bandbreite von
Problemen behandelt, die unsere gemeinsame Sicherheit betreffen.
Ich
habe wiederum auf die in den Vereinigten Staaten für das Bündnis bestehende starke Unterstützung beider
Parteien hingewiesen und auch auf die
Verpflichtung, daß - ungeachtet der
Regierung - amerikanische Truppen in
Europa bleiben werden, so lange die
Notwendigkeit zur Verteidigung unserer gemeinsamen Werte besteht.
Wir können und werden unseren
Frieden und unsere Freiheit, die unserer Kinder und Kindeskinder nicht
aufs Spiel setzen. Wir alle verstehen die absolute Notwendigkeit der
Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen
Abschreckung.
Wir
werden
diese
Glaubwürdigkeit niemals am Verhandlungstisch eintauschen, und wir wollen sie auch nicht durch Versäumnisse

verlieren.
Die unmittelbarste Bedrohung unserer Sicherheit und der Stabilität
in Europa liegt in der massiven militärischen Präsenz der Sowjets. Das
Bündnis hat seine Bedürfnislage gut
überdacht, weiß, was zu tun ist und
hat dazu Programme, zu deren Verwirklichung es sich verpflichtet hat.
Und zweifellos stützt sich das Bündnis auf Stärke und Einigkeit.
Das Bündnis ist die stärkste
treibende Kraft für verbesserte OstWest-Beziehungen. Aus unseren Zusammenkünften hier ergibt sich unser Engagement, weiterhin den Erfordernissen unserer Verteidigung gerecht zu
werden und gleichzeitig mit der sowjetischen Führung Gespräche über unser vier Punkte umfassendes Programm
weiterzuführen. Das Bündnis hat die
Prioritäten seiner Rüstungskontrolle
vereinbart und ist zu deren Verwirklichung bereit. Die NATO unterstützt
mein Bemühen voll und ganz, einschneidende
Reduzierungen
strategischer Waffen auszuhandeln.
Obwohl Rüstungskontrolle einen aber nur einen einzigen - Teil unserer Gespräche bildet, müssen sich
Fortschritte in diesem Bereich immer
auf die Verbesserung unserer Sicherheit stützen und dürfen diese nicht
etwa ersetzen.
Unser Bündnis hat den Frieden in
Europa und im Nordatlantischen Bündnis seit nahezu 40 Jahren gewährleistet. Ich bin nach diesem zweitägigen Treffen zuversichtlicher denn je,
daß das Bündnis auf dem richtigen Weg
ist und daß wir - wie immer - den Mut
und den Willen aufbringen, diesem Weg
zu folgen.
Ich möchte mit der Bemerkung
schließen, daß dieses Treffen eins

- 2 -

�der letzten für Generalsekretär Peter
Carrington
sein
wird.
Lord
Carrington oblag vier wichtige Jahre
lang die Führung des NATO-Bündnisses.
Er hat dieses Schiff der 16
Staaten mit einer Festigkeit gesteuert, die unsere ungeteilte Bewunderung verdient. Ich bin sicher, daß
ich hier auch im Namen meiner Kollegen spreche, wenn ich Lord Carrington
von ganzem Herzen Dank sage und Herr
Dr. Manfred Wörner, der in Zukunft
die Führung übernehmen wird, meine
besten Wünsche übermittle. Der Westen hat keine besseren Führsprecher
als diese beiden herausragenden Politiker.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'4-

"*"

Dokumentation

Ä&lt;

9. März 1988

10
DAS UNGLEICHGEWICHT IN DER KONVENTIONELLEN RÜSTUNG EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT
- Erklärung des Nordatlantikrates -

BRÜSSEL - (AD) - Am 2. März 1988 veröffentlichten die gegenwärtig an der
Sitzung des Nordatlantikrates in Brüssel teilnehmenden Staats- und Regierungschefs der 16 NATO-Staaten ihre gemeinsame Erklärung mit dem Titel "Konventionelle Rüstungskontrolle: Wege für die Zukunft". Der Erklärung ist zu entnehmen, in welchem Maße das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in
Europa "Kernpunkt" der sicherheitspolitischen Überlegungen auf dem Kontinent
bleibt. Als Zielsetzungen der NATO in den bevorstehenden Verhandlungen über
Stabilität im konventionellen Bereich wurden genannt:
- Errichtung eines sicheren und stabilen Gleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften auf niedrigerem Niveau;
- Behebung von Stabilität und Sicherheit beeinträchtigenden Ungleichgewichten;
- Abbau der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
Im Jahr 1986 haben unsere Regierungen in Halifax unmißverständlich
verbesserte Stärkung der Stabilität
in ganz Europa durch Verhandlungen
zur konventionellen Rüstungskontrolle
gefordert. Gegen Ende desselben Jahres haben sie in Brüssel die grundlegenden Ziele und Vorgehensweisen dieser Verhandlungen erarbeitet.

auf andere Weise zu überwinden suchen, streben wir darüber hinaus nach
Sicherheit und Stabilität in Europa
auf dem niedrigstmöglichen RUstungsniveau. Zu diesem Ziel können sowohl
Rüstungskontrolle als auch angemessene Verteidigungsprogramme beitragen.
A.

Die militäriche Konfrontation in
Europa ist das Ergebnis, nicht etwa
die Ursache der schmerzlichen Teilung, die auf diesem Kontinent lastet. Obwohl wir diese Teilung auch

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Embassy of the United States of America

Die gegenwärtige Lage

1.
Das über die Notwendigkeit
der Selbstverteidigung hinausgehende
Ausmaß militärischer Präsenz der Sowjetunion in Europa bedeutet sowohl

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�eine direkte Herausforderung für unsere Sicherheit als auch für unsere
Hoffnungen auf einen Wandel der politischen Lage Europas. Damit bleibt
das konventionelle Ungleichgewicht in
Europa Kernpunkt der dortigen sicherheitspolitischen
Erwägungen.
Das
Problem ist weitgehend auf die Überlegenheit des Warschauer Paktes bei
entscheidenden konventionellen Waffensystemen
zurückzuführen.
Aber
dies ist nicht nur eine Frage des
zahlenmäßigen Ungleichgewichts. Andere Asymmetrien sind ebenfalls von
Belang:
- Der Warschauer Pakt besitzt aufgrund der vorne stationierten
Streitkräfte der Sowjetunion die
Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven. Die Verbündeten haben diese Fähigkeit
nicht und streben sie auch nicht
an.
Die Warschauer Pakt-Staaten bilden eine geographische Einheit
während die Länder des Bündnisses
geographisch voneinander getrennt
sind.
- Der Warschauer Pakt kann massive
Verstärkung aus Entfernungen von
nur wenigen hundert Kilometern
heranführen - die Verstärkung der
Verbündeten muß vielfach den Atlantik überqueren.
- Das militärische Einsatzkonzept
und die Aktivitäten des Warschauer Paktes werden noch immer geheimgehalten wohingegen diese in
den Ländern der Verbündeten offengelegt und ständig durch die
Öffentlichkeit überprüft werden.
2.
Diese
Asymmetrien
werden
durch die überwältigende Präsenz konventioneller Streitkräfte der Sowjetunion in Europa noch verstärkt. Sie

stellen 50 Prozent aller aktiven Divisionen in Europa zwischen Atlantik
und Ural. Diese konventionelle Überlegenheit der Sowjets und ihre militärische Präsenz in anderen osteuropäischen Ländern hat sowohl politisch
als auch militärisch Auswirkungen.
Beides wirft einen Schatten über ganz
Europa.
3.
Konventionelle Rüstungskontrolle ist nicht nur technischer Ausgleichsfaktor eines isoliert zu betrachtenden
Problems.
Sie sollte
vielmehr zusammenhängend im Rahmen
von Politik und Sicherheit betrachtet
werden.

B. Der Rahmen für Politik und
Sicherheit
4. Wir bekräftigen unsere Überzeugung, daß Streitkräfte ausschließlich Kriege verhindern und Selbstverteidigung gewährleisten und weder eine Agression auslösen noch politische
oder militärische Einschüchterung zum
Ziel haben.
Unsere Fähigkeit zur
Verhinderung jeglicher Art von Krieg
- sei er nuklear oder konventionell beruht auf unserer Stärke und Entschlossenheit zur Abschreckung jeder
Form der Aggression.
Alle militärischen Ressourcen der Verbündeten
tragen zu dieser Zielsetzung bei.
Dieses Konzept wird sowohl von Mitgliedern als auch von Nichtmitgliedern dieser militärischen Organisation vertreten.
5. Die Wechselbeziehung zwischen
nuklearen und konventionellen Streitkräften ist komplex. Das bestehende
konventionelle
Ungleichgewicht
zugunsten des Warschauer Paktes ist
nicht der einzige Grund für die Präsenz nuklearer Waffen in Europa. Die
Länder des Bündnisses sind und bleiben der Bedrohung sowjetischer Nukle-

�arwaffen unterschiedlicher Reichweiten ausgesetzt. Obwohl ein konventionelles Gleichgewicht der Stabilität enormen Vorschub leisten würde,
kann nur das nukleare Element einen
potentiellen Aggressor mit einem unannehmbaren
Risiko
konfrontieren.
Aus diesem Grunde wird die Abschrekkung in absehbarer Zukunft eine angemessene Mischung nuklearer und konventioneller Streitkräfte erfordern.
6.
Deshalb sind unsere Länder
zur Gewährleistung ihrer Verteidigungsbereitschaft
entschlossen, um
die von uns angestrebte Stabilität zu
erlangen. Wir werden weiterhin dafür
sorgen, daß unsere Streitkräfte effektiv und auf dem gebotenen Stand
sind, insbesondere durch:
- weitere Einhaltung des Prinzips
geteilter Risiken und Pflichten
sowie Anerkennung der entscheidenden Prioritäten zur Stärkung
unserer Verteidigungsfähigkeit;
- Bereitstellung angemessener Verteidigungsausgaben,
die
den
größtmöglichen Gewinn aus unseren
Investitionen im Verteidigungsbereich bringen sollen;
- engere Kooperation mit dem Ziel,
Mängel in Schlüsselbereichen zu
beheben und in diesem Zusammenhang Unterstützung der jüngsten
gesetzgeberischen
und
anderen
Initiativen, mit deren Hilfe die
Zusammenarbeit im Bereich konventioneller Rüstungen - insbesondere Forschung, Entwicklung, Produktion und Beschaffung - gefördert werden soll;
- Hilfsmaßnahmen, um den Bedürfnissen der weniger begünstigten Verbündeten bei der Stärkung ihrer
konventionellen Verteidigung entgegenzukommen und somit ihre ent-

scheidenden Defizite
Bereich zu beheben.

in

diesem

7.
Es wird von entscheidender
Bedeutung sein, daß Verteidigungsund Rüstungskontrollpolitik in einem
ausgewogenen
Verhältnis
zueinander
stehen, um ihren sich gegenseitig ergänzenden Beitrag zur Sicherheit der
Bündnispartner zu gewährleisten. Bei
der Formulierung ihrer Verhandlungsvorschläge zur Stabilität im konventionellen Bereich werden die Verbündeten sicherstellen, daß sie dem anhaltenden Bedarf an Abschreckung und
Verteidigung abträglich sind.
Dementsprechend werden sie keine Vorschläge unterbeiten oder akzeptieren,
die eine Aushöhlung der nuklearen Abschreckungsfähigkeit des Bündnisses
zur Folge hätten.
8. Sicherheit in Europa umfaßt
nicht nur militärische, sondern auch
politische, wirtschaftliche und vor
allem humanitäre
Faktoren.
Unser
Ziel ist ein ungeteiltes Europa, in
dem die Menschen aller Länder die
Freiheit haben, Ideen und Informationen aufzunehmen, sich ihrer grundlegenden Menschenrechte zu erfreuen und
ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen zu können. Die Streitkräfte der
Verbündeten sind außerhalb ihres nationalen Territoriums stationiert, um
diese Werte zu schützen und die Solidarität unseres freien Bündnisses zu
wahren. Aus diesem Grund können sie
nicht mit den in Osteuropa stationierten
sowjetischen
Streitkräften
gleichgesetzt werden. Eine gerechte
und beständige friedliche Ordnung in
Europa erfordert, daß alle Länder ein
Vertrauensverhältnis zu ihren eigenen
Bürgern unterhalten, ihnen eigene politische oder wirtschaftliche Entscheidungen zutrauen und ihnen gestatten, von Bürgern anderer Länder
Informationen aufzunehmen und mit ihnen Gedanken auszutauschen.

- 3 -

�9. Gespräche über konventionelle
Rüstungskontrolle sollten von einer
einheitlichen politischen Vision geleitet sein, die diese Werte widerspiegelt.
Durch das Festhalten an
dieser Vision konnten die Verbündeten
ein positives Ergebnis der Stockholmer Konferenz herbeiführen. Genau
diese Überlegungen haben die Verbündeten zu der Entscheidung veranlaßt,
daß beide der von ihnen jetzt vorgeschlagenen Verhandlungen - über konventionelle Stabilität und über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen - im Rahmen des KSZE-Prozesses
aufgenommen werden.
10. An den Maßnahmen zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung werden alle 35 KSZE-Unterzeichnerstaaten
beteiligt
sein.
Ihre Zielsetzung
wird darin bestehen, auf den Ergebnissen der Stockholmer Konferenz aufzubauen und diese zu vertiefen. Das
dort erzielte Abkommen stellt einen
entscheidenden Schritt zum Abbau des
Risikos eines Krieges in Europa dar.
Bei dessen vollständiger Verwirklichung würde es in Zukunft mehr Transparenz schaffen und zu größerem Vertrauen und besserer Berechenbarkeit
militärischer Aktivitäten in ganz Europa beitragen. Die in Stockholm gegebenen Impulse müssen sich fortsetzen.
11.
Gleichzeitig sind wir uns
der besonderen Verantwortung der 23
Mitglieder beider Verteidigungsbündnisse in Europa bewußt, deren Streitkräfte auf sehr direkte Art und Weise
Einfluß auf das unentbehrliche Sicherheitsgefüge in Europa haben. Aus
diesem Grunde haben wir entschieden,
daß unter den 23 Staaten autonome
Verhandlungen
über
konventionelle
Stabilität stattfinden sollten.
12. Die Übernahme von Mandaten
für beide Verhandlungen muß Bestand-

teil ausgewogenener Ergebnisse beim
Wiener KSZE-Folgetreffen
sein und
macht auch erhebliche Fortschritte in
allen Bereichen der Schlußakte von
Helsinki erforderlich.

C.

Zielsetzungen des Bündnisses

13.
In Übereinstimmung mit den
Prinzipien unseres Konzepts zur konventionellen Rüstungskontrolle, wie
sie in der Erklärung von Brüssel niedergelegt sind, werden wir bei den
bevorstehenden
Verhandlungen
über
konventionelle
Stabilität
folgende
Ziele verfolgen:
- Errichtung
eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts bei den
konventionellen Streitkräften auf
niedrigerem Niveau;
- Behebung von Stabilität und Sicherheit beeinträchtigenden Ungleichgewichten;
- als besonders dringlich: Abbau
der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und Großoffensiven.
14. Die letztgenannte Fähigkeit
ist am besorgniserregendsten im Hinblick auf die Eroberung von Territorium durch einen Aggressor. Ihr unerläßlicher Bestandteil ist die Vornestationierung
konventioneller
Streitkräfte mit ihrer Fähigkeit zu
höchster Mobilität und Feuerkraft.
Hierbei sind Panzer und Artillerie
die entscheidenden Komponenten, obwohl sich andere Bestandteile der
Kampffähigkeit als gleichermaßen bedeutend erweisen könnten.
Ferner
darf die Truppenstärke nicht außer
acht gelassen werden. Aber nicht alles Gerät ist für eine Begrenzung wenn auch nur aus technischen Gründen
- geeignet und Truppenstärke allein
ist kein präziser Indikator für Of-

- 4 -

�fensivfähigkeit.

konzentrieren.

15.
Unser Ziel wird weiterhin
darin bestehen, in Europa eine Situation herbeizuführen, in der Einsatzkonzepte für die Streitkräfte sowie
die Anzahl und Stationierung von Waffensystemen Überraschungsangriffe und
Großoffensiven unwahrscheinlich machen. Wir werden dieses Ziel auf der
Basis folgender Kriterien verfolgen:

Unser Ziel ist die Behebung des
konventionellen Ungleichgewichts.
Das kann durch eine Reihe von
Maßnahmen erzielt werden, unter
ihnen Reduzierungen, Begrenzungen, Bestimmungen über die Verlegung von Einheiten und damit in
Zusammenhang stehende Maßnahmen
sowie die Festlegung gleichei
Obergrenzen.

- Wir müssen der Stabilität in ganz
Europa - vom Atlantik bis zum
Ural - Vorschub leisten und dies
auf eine Weise tun, mit der einerseits die Sicherheit unserer
Verbündeten gewahrt und andererseits
der
Konzentration
von
Streitkräften des Warschauer Paktes Rechnung getragen wird sowie
auch der besonderen Probleme, mit
denen sich die Mittlere, Südliche
und Nördliche Region konfrontiert
sehen.

Dieses Ergebnis wird stark asymmetrische
Reduzierungen
des
Ostens erfordern und zum Beispiel
zum Abbau tausender Waffen des
Warschauer Paktes in Europa führen, mit denen ein Überraschungsangriff ausgeführt werden könnte,
unter ihnen Panzer und Artilleriegeschütze.

- Wir sollten Bestimmungen über
stationierte
Streitkräfte
vorschlagen und dabei das Gewicht
der vorne stationierten konventionellen Streitkräfte der Sowjets berücksichtigen. Wir sollten ebenfalls Fähigkeiten zur
Heranführung und Verstärkung der
Streitkräfte in Betracht ziehen.

Die Reduzierung kampfentscheidenden Geräts und die Modifizierung
des sowjetischen Einsatzkonzepts
der Vornestationierung wird nur
einen Teil unseres Konzepts zur
Verringerung des Konfliktrisikos
ausmachen.
Als
entsprechenden
Bestandteil aller Bemühungen zur
Verbesserung von Stabilität und
Sicherheit werden wir ferner Maßnahmen vorschlagen, um bei militärischen Aktivitäten größere Offenheit in ganz Europa zu erzielen, die Erhaltung niedrigerer
Streitkräfteniveaus
zu
sichern
und eine strikte, wirksame und
zuverlässige Regelung zur Überwachung und Verifizierung zu fördern.

- Gleiche zahlenmäßige oder prozentuale Reduzierungen beider Seiten
würden das die Stabilität in Europa bedrohende Ungleichgewicht
nicht beheben. Unsere Vorschläge
werden sich statt dessen auf Ergebnisse und gleiche Reststärken

Diese Regelung zur Überwachung
und Verifizierung muß den Austausch detaillierter Daten über
Streitkräfte und deren Stationierung wie auch das Recht beinhalten, genügend Vor-Ort-Inspektionen durchzuführen, um Vertrauen

- Bei unseren Anstrengungen zur Beseitigung
der
Fähigkeit
zur
Durchführung von Großoffensiven
sollten wir uns auf Waffensysteme
konzentrieren, die eine Schlüsselrolle spielen.

- 5 -

�auf die Einhaltung der vereinbarten Bestimmungen zu schaffen.

D.

Wege für die Zukunft

16. Die frühzeitige Vereinbarung
eines Mandats für Verhandlungen über
konventionelle Stabilität als Teil
ausgewogenen Ergebnisse des Wiener
KSZE-Folgetreffens würde einen wichtigen Schritt nach vorn bedeuten.
Wir streben die Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts an, das
die Stabilität und Sicherheit Europas
in starkem Maße bedroht. Wir streben
ferner die bessere Wahrung der Menschenrechte und Grundfreiheiten an,
von denen dauerhafte Sicherheit und
Stabilität letztlich abhängen.

* * * * *

- 6

�AMERIKA DIENST
V,ON

Dokumentation

4

9. März 1988

10

USA:

BISHER KAUM ECHTE FORTSCHRITTE BEIM KSZE-PROZESS
- Ansprache von Botschafter Robert Frowick -

WIEN - (AD) - Botschafter Robert Frowick zufolge sind bis jetzt kaum Fortschritte bei der Erarbeitung des Schlußdokuments vom Wiener Folgetreffen der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu verzeichnen. Der
Botschafter gab diese Stellungnahme in seiner Funktion als Stellvertretender
Leiter der amerikanischen Delegation am 26. Februar 1988 vor der KSZE ab.
Nachstehend geben wir den Wortlaut der Erklärung des Botschafters wieder:

Für den heutigen Tag haben wir
eine Zwischenbilanz angekündigt. Die
amerikanische Delegation hätte gerne
eine positive Bilanz gezogen, dies
ist jedoch bedauerlicherweise nicht
möglich. In den bisherigen fünf Tagungswochen in Wien waren geringe
Fortschritte bei unseren Bemühungen
um den Entwurf eines Dokumentes zu
verzeichnen.
Wir
wollen
keine
Schuldzuweisungen vornehmen, insbesondere weil wir gerade seit dieser
Woche wenigstens erste Anzeichen von
Bewegung beobachten konnten. Jüngste
Entwicklungen haben uns Grund zu

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Hoffnungen und Erwartungen gegeben,
aber greifbare Ergebnisse lassen immer noch auf sich warten. Die Hauptverantwortung für das Scheitern der
derzeit laufenden Initiativen liegt
bei denjenigen, die Fortschritte aufgehalten haben. Nach wie vor wird
die amerikanische Delegation auch in
Zukunft auf allen Gebieten unserer
Arbeit zu Fortschritten bereit sein.
Und wie in der Vergangenheit sind wir
auch weiter bereit, die Koordinatoren
bei der Erarbeitung eines umfassenden
und ausgewogenen Schlußdokumentes zu
unterstützen.

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�Grundsatzfragen
Im Bereich der Grundsatzfragen
ist ein Anstoß unerläßlich. Die kreativen Bemühungen des Koordinators
verdienen eine bessere Erwiederung,
als ihnen bisher zuteil wurde. Die
wesentlichen Ziele des Westens bei
der Behandlung solcher Themen wie dem
Recht, bei Menschenrechtsverletzungen
für Abhilfe zu sorgen, dem Recht der
freien Religionsausübung, der Freizügigkeit und der Rolle der Überwachung
sind noch nicht verwirklicht, obwohl
sie alle im Text des Koordinators
vorgesehen sind. Der Osten behindert
nicht nur den Fortschritt, sondern
kehrt zu der bei früheren Verhandlungsrunden an den Tag gelegten Unnachgiebigkeit zurück.

Korb Zwei
In Korb Zwei wird die amerikanische Delegation auch weiter auf einen - leider immer noch nicht vorliegenden - Text hinarbeiten, der die
wichtige Rolle der wirtschaftlichen,
wissenschaftlichen
und
umweltpolitischen Zusammenarbeit im HelsinkiProzeß anerkennt.
Wir befürworten
ein Ergebnis, das in diesem Punkt
eine eindeutige Verpflichtung sowie
wirkungsvolle Maßnahmen im Anschluß
an die Wiener Verhandlungen umfaßt.

Korb Drei
In Korb Drei wird den tatkräftigen Bemühungen des Koordinators Rechnung getragen, durch informelle Konsultationen Bereiche der Übereinstimmung auszumachen.
Wir hoffen, daß
seine Bemühungen uns einen Schritt
weiter zu Fortschritten in jedem Kapitel von Korb Drei bringen werden.
Dies könnte den Weg zur Behandlung
weit schwierigerer Themen ebnen

einschließlich der zentralen Bestimmungen in der Vorlage des Koordinators über menschliche Kontakte.

Militärische
de8 Bündnisses

Sicherheitsinitiativen

Lassen Sie mich jetzt zum Hauptthema des heutigen Tages kommen: Die
Bilanz der Bemühungen um die Anregung
eines Entwurfs zu Fragen der militärischen Sicherheit.
Diese Bilanz
zeigt, daß die westlichen Delegationen seit der letztgenannten Phase der
3. Runde weit davon entfernt waren,
die Dinge - wie gelegentlich behauptet - schleifen zu lassen, sondern
unbeirrbar energische Schritte unternommen haben, um schließlich den Teil
von Korb Eins des Wiener Schlußdokuments zur militärischen Sicherheit zu
formulieren.

Vier Zielsetzungen
Es ist allgemein bekannt, daß
dieser Teil vier besondere Themenkomplexe beinhaltet. Er umfaßt eine
Bewertung von Stockholm, deren Vorbereitung durch die Unterhändler hier
in Wien das Madrider Schlußdokument
zwingend vorschreibt; eine Präambel,
die zukünftige Ziele der KSZE im Bereich der militärischen Sicherheit
konzeptionell skizziert; ein Abkommen
zur Aufnahme weiterer Verhandlungen
über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen; und Verständigung
über den Beginn von unabhängigen Verhandlungen über die konventionelle
Stabilität der 23 zu den Bündnissen
gehörenden Länder, die im Rahmen des
KSZE-Prozesses verhandeln werden.
Herr Vorsitzender, die Verhandlungen über diese vier Punkte waren
und sind eine außerordentlich komplexe Aufgabe, da die Vertreter unserer

- 2 -

�&lt;
•

t

35 Länder eine Vielzahl widersprüchlicher nationaler, regionaler und anderer Prioritäten miteinander in Einklang bringen müssen. Es trifft zu,
daß der grundsätzliche Vorschlag des
Bündnisses zur militärischen Sicherheit - Wt. 129 - bis zum vergangenen
Juli nicht zur Vorlage bereit war.
Als er jedoch auf den Verhandlungstisch kam, enthielt er eine besonders
ausgereifte Struktur, die nicht nur
den unterschiedlichen Belangen im Atlantischen Bündnis Rechnung trug,
sondern auch denen des Ostblocks sowie der neutralen und blockfreien
Länder, die am KSZE-Prozeß teilhaben.
Diese Struktur beinhaltete klare und
sorgfältig ausgewogene Formulierungen
für die Präambel, ein Abkommen über
die Durchführung weiterer Verhandlungen über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen (CSBM), und eine
Verständigung zur Aufnahme von Gesprächen über konventionelle Waffen,
die das Gebiet vom Atlantik bis zum
Ural abdecken. Der Vorschlag wurde
in der Absicht verfaßt, den Entwurf
eines Schlußdokumentes zu erleichtern. Die Bilanz zeigt, daß er dieser Aufgabe gerecht wurde.
Vorschlag Wt. 129 hat zur Vorlage
einer Reihe interessanter und zweckdienlicher Konzepte von anderer Seite
geführt - zum Beispiel Schweden mit
Wt. 131, Jugoslawien mit Wt. 133 und
Zypern mit Wt. 134. Seitdem haben
auch Delegationen aus dem Ostblock
schrittweise eine länger werdende
Reihe vorläufiger Dokumente unterbreitet, die aufgrund ihrer Konzeption zu einer größeren Meinungsvielfalt beigetragen haben.
In dieser
Hinsicht begrüßt meine Delegation besonders die Entwicklungen der vergangenen Woche. Aber Wt. 129 kommt bei
der in der "S"-Gruppe erarbeiteten
Reihe von Dokumenten eine Schlüsselfunktion zu.

Bewertung von Stockholm
Vor Abschluß der 3. Runde im Juli
hat der Westen - insbesondere die Delegation der Vereinigten Staaten - in
der "S"-Gruppe eine Vorlage unterbreitet, die einen Ansatz zur Bewertung von Stockholm vorstellt. Unsere
Vorlage war die wichtige - wenn nicht
die entscheidende - Grundlage für
nachfolgende Verhandlungen
der 4.
Runde, die im September im Vertragsentwurf unmittelbare Erfolge gezeitigt haben wie auch für die am 22.
Oktober ad referendum beschlossene
Bewertung von Stockholm.

Präambel
Bemühungen um den Entwurf einer
Präambel schienen zunächst zügig voranzugehen, da einige Sätze aus Wt.
129 bis zum 12. Oktober rasch beschlossen waren.
Abe1" dann mußten
die Unterhändler zentrale Problemkreise behandeln und die Gespräche
der "S"-Gruppe wurden zu einer Grundsatzdebatte über noch anstehende Themen aus der 4. Runde.

Vertrauens- und sicherheitsbildende
Maßnahmen
Es wurde zunehmend klar, daß vor
der Zustimmung einiger Delegationen
über eine Vorlage ihrer Formulierungen über die noch anstehenden Themen
der Präambel oder der CSBM für die
Unterlagen des Koordinators ein Weg
gefunden werden müßte, um im Wiener
Schlußdokument einen ausdrücklichen
Hinweis für die Wiederaufnahme der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa einzufügen. Westliche Delegationen haben häufig Formulierungen für Entwürfe der Präambel
und CSBM vorgeschlagen. Manchmal wa-

- 3 -

�ren wir dem Erfolg sehr nahe. Aber
immer wieder haben andere Rückzieher
gemacht und tatsächlich von einem
Hinausgehen über die konzeptionelle
Debatte Abstand genommen - einer Debatte, die zugegebenermaßen nützlich
und konstruktiv war, auch wenn sie
manchmal unnötig in die Länge gezogen
wurde.

Konventionelle Stabilität
Der Westen hat ferner ernsthafte
Anstrengungen unternommen, um im Wiener Schlußdokument mit dem Entwurf
des Abschnitts über konventionelle
Stabilität zu beginnen. Obwohl Wt.
129 einige Vereinbarungen vorsieht,
die sicherstellen sollen, daß die 23
Teilnehmerländer
an den automomen
konventionellen Gesprächen einen Meinungs- und Informationsaustausch mit
den 12 KSZE-Teilnehmerländern vornehmen, die nicht an diesen Gesprächen
beteiligt sind, fordern die Vertreter
der letztgenannten Länder ein klareres und umfassenderes Bild der Funktionsweise einer solchen Verbindung
im Bereich Information. Manche verweigern den Entwurf von Formulierungen im konventionellen Bereich, bis
ausreichende Klarheit geschaffen ist.
Herr Vorsitzender, diese Situation darf nicht so weiterbestehen.
Die Delegationen der Verbündeten haben aus diesem Grunde wieder einmal
die Führung übernommen und versuchen,
Differenzen abzubauen.

Jüngste Initiativen der Bündnispartner
Seit Beginn der gegenwärtigen
Runde hat der Westen zwei bedeutende
Initiativen in die Wege geleitet.
Eine ist die informelle Bemühung um
einen Weg, den ausdrücklichen Bezug

zur Wiederaufnahme der KVAE zu formulieren. Der hierbei erzielte Erfolg
wird
gleichzeitig
Hindernisse
im
Fortkommen bei der Präambel und Entwürfen zu CSBM überwinden.
Die andere, erst diese Woche eingeleitete Initiative zielt auf die
Klärung von Vorgehensweisen bei einem
künftigen Meinungs- und Informationsaustausch zwischen Vertretern der 23
Länder bei den konventionellen Gesprächen und den 12 nicht an diesen
Gesprächen teilnehmenden Staaten ab.
Wir hoffen, daß die "S"-Gruppe mit
Hilfe dieses letzten, sehr bedeutsamen Schritts des Westens in absehbarer Zukunft schließlich mit dem Entwurf von Formulierungen über konventionelle Gespräche beginnen kann.

i
I

Im Zusammenhang mit den in dieser
Richtung voranschreitenden Bemühungen
möchte ich erneut die unerschütterliche Meinung der Vereinigten Staaten
betonen, derzufolge das Konzept der
Autonomie bei den Gesprächen über
konventionelle Stabilität sowie auch
das Konzept, demzufolge diese Gespräche im Rahmen des KSZE-Prozesses
stattfinden werden, untrennbar sind.
Sie bilden eine klar erkennbare Einheit.
Jeder mögliche Konsens im
Schlußdokument von Wien im Hinblick
auf das Verhältnis der konventionellen Gespräche zu KSZE muß die Gesamtheit dieses konzeptionellen Gefüges
widerspiegeln.
Herr Vorsitzender, zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Westen
in den vergangenen Monaten erhebliche
Anstrengungen unternommen hat, um die
"S"-Gruppe zu intensivierten Entwürfen aller vier Teile des Abschnitts
zur militärischen Sicherheit hinzuführen, die im Wiener Schlußdokument
erscheinen sollen. Aber wir sind uns
der Tatsache bewußt, daß wir Endergebnisse nicht im Alleingang hervor-

- 4 -

^

�bringen können. Wir müssen bei anderen um angemessene Anstrengungen und
Flexibilität nachsuchen.
Die Problemkreise sind zu komplex und zahlreich, als daß wir sie bis zum Ende
zurückstellen könnten.
Als Ergebnis dieser jüngsten Initiativen des Bündnisses besteht die
realistische Möglichkeit für bedeutende Fortschritte bei Fragen der militärischen Sicherheit vor Ende dieser Runde. In diesem Bereich sind
die Vereinigten Staaten - wie auch in
allen anderen - bereit, baldige und
bedeutungsvolle Ergebnisse zu erarbeiten.

* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'V,QN ^

9. März 1988

10

US-HANDELSPOLITIK:

SORGEN MIT EUROPA

- (AD) - Mit Sorge betrachtet Denis Lamb, seit einigen Monaten amerikanischer Botschafter bei der OECD, die agrarpolitischen Auseinandersetzungen
zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft. Lamb äußerte sich in einem Gespräch mit der Wirtschaftswoche (Nr. 10 vom 4. März 1988) zu Fragen der

Agrarpolitik:
Die größte Gefahr auf dem Agrarsektor liegt darin,
daß sich das amerikanische System dem
europäischen annähert und das europäische die schlechten Beispiele aus
dem amerikanischen übernimmt.
Die
Überlegungen in Brüssel gehen immer
mehr in Richtung Stillegungsprämien.
Und in den USA liebäugeln die Verantwortlichen mit einem zweigleisigen
Preissystem, das die Exporte künstlich verbilligt.
Wir müssen jetzt
alle dafür sorgen, daß es so weit
nicht kommt. Sonst wird alles nur
noch schlimmer.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

COCOM-LIste:
Niemand
liebt
sie.
Die europäischen Unternehmen
nicht und die amerikanischen Unternehmen auch nicht. Die ganze Diskussion ist wieder aufgebrochen, weil
vor allem der Handel der westlichen
Länder
untereinander
durch
C0C0M
stark behindert wird, nicht etwa,
weil der Osthandel dadurch in Gefahr
geraten wäre. Es lassen sich aber
nicht im Handstreich 20 Prozent der
Liste streichen, weil darin Produktbeschreibungen, nicht Produkte, enthalten sind. Die aber müssen so ausfallen, daß sie strategisch Sinn ma-

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�chen. Soll die Liste geändert werden, dann ist immer irgendein Hersteller stärker betroffen als andere.
Deshalb ist man mit der Liste noch
nicht weitergekommen.
US-Handelsbilanz:
Die Handelsbilanz zeigt Besserung. Eine Abnahme
der Defizite war schon seit einiger
Zeit zu verzeichnen, wurde aber noch
von der Dollar-Abwertung überlagert.
In diesem Jahr wird das Defizit erst
langsam,
im
nächsten
Jahr
dann
schneller abnehmen. Danach aber, das
zeigen Berechnungen der OECD, wird
der Fehlbetrag auf dem Niveau von 100
Milliarden Dollar verharren, weil die
Wirtschaft
unserer
Handelspartner
nicht schnell genug wächst. Der Saldo richtet sich also letztlich nach
dem Wachstumstempo unserer Handelspartner. Wenn Europa nicht kräftig
zulegt, bleibt das Defizit erhalten.

US-Konjunkturaussichten:
Der
Dollar-Verfall hat die amerikanische
Industrie wieder international wettbewerbsfähig gemacht.
Ausländische
Firmen, vor allem aus Japan, investieren weiterhin kräftig in den USA.
Und selbst der Börsenkrach hat sein
Gutes gehabt. Er hat die Sparneigung
wieder anwachsen lassen. Wenn aber
mehr gespart wird, dann brauchen wir
nicht mehr soviel Auslandskapital, um
unser - mittlerweile ebenfalls sinkendes - Budgetdefizit und einen Teil
der Investitionen
zu finanzieren.
Ich bin daher zuversichtlich, daß die
Politik, wie sie zur Zeit in den USA
betrieben wird, unser Land nicht in
eine Rezession stürzen wird. Ich sehe allerdings Raum für eine leicht
ansteigende Inflation.
Wir werden
uns daher selbst an die Kandarre nehmen und Preisdisziplin üben müssen.
Wenn wir das schaffen, dann sollte
auch der einmalige Preisschub, den
die Dollar-Abwertung gebracht hat,
nicht in eine dauerhafte Inflation
münden.

* * * * * *

�v^os^

V,DN

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

^

9. März 1988

10

AIDS:

EIN WETTLAUF MIT DER ZEIT

- US-Kommission unterbreitet weitreichende Vorschläge für Gesundheitsund Sozialpolitik -

WASHINGTON - (AD) - Orientierungshilfe für die Gesetzgebung im amerikanischen Kongreß und in den Parlamenten der amerikanischen Bundesstaaten gibt
der
Ende
Februar
1988
veröffentlichte
Zwischenbericht
der
von
r
^ asident Reagan im September 1987 eingesetzten AIDS-Kommission. Unter der Lei
tung von Admiral a.D. James D. Watkins wurden in den letzten Monaten Analysen un
d Empfehlungen erarbeitet, die bedeutsame Veränderungen im Gesundheitswesen der
Vereinigten Staaten erforderlich machen. Sie basieren auf den Stellungnahmen vo
n mehr als 350 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aus Medizin und Forschu
ng sowie dem Sozialwesen zum AIDS-Problem. Nach weiteren Anhörungen wird der en
dgültige Bericht der aus 13 Mitgliedern bestehenden Kommission dem Präsidenten i
m Juni vorgelegt.
In einer Pressekonferenz am 24.
Februar warnte Admiral Watkins davor,
mit zweitrangigen Fragen - zum Beispiel Befürwortung oder Ablehnung der
Verteilung von Spritzbestecken an
Fixer oder der Abgabe von Kondomen Zeit und Energie zu vergeuden. Man
habe sich jetzt auf den Komplex AIDS
mit dem Ziel zu konzentrieren, die
Ausbreitung von HIV-Infektionen (HIV
= Human-Retrovirus, das die erworbene
Immunschwächekrankheit AIDS auslöst)
mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln einzudämmen, für die Opfer
Behandlung und Pflege zu ermöglichen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und neue Therapien zu entwicklen.
Wegen der gegenwärtig auffallend
hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit in
der Drogenszene bei Personen, die Heroin - neuerdings auch eine Kokainzubereitung - intravenös spritzen und
sich durch gemeinsamen Gebrauch infizierter Nadeln anstecken, müsse zuallererst auf diesem Gebiet mehr getan
werden. Anfang Februar waren in den
Vereinigten Staaten über 52 000 diagnostizierte AIDS-Fälle offiziell gemeldet. Etwa 66 Prozent davon entfielen auf Homosexuelle und ein klei-

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�ner Anteil auf bisexuelle Männer. In
der Risikogruppe der Homosexuellen
ist als Folge massiver Aufklärungsaktionen jetzt sogar schon ein Rückgang
von Neuinfektionen festzustellen; allerdings wird die Zahl der subchronischen und chronischen Erkrankungen
ebenso wie die Anzahl der Todesfälle
in den nächsten Jahren noch deutlich
ansteigen, weil die Inkubationszeit
bis zum Ausbruch der Krankheit neun
und mehr Jahre betragen kann.

mindestens 300 000 bereits AIDS-Virusträger
sind.
Dies
berichtete
kürzlich Dr. D. Ian Macdonald, Berater für die Drogenpolitik des Weißen
Hauses und Leiter der Behörde "Alkohol, Drogenmißbrauch und geistige Gesundheit".
Die Infektionsrate ist
jedoch regional und örtlich sehr unterschiedlich: Für New Jersey werden
39 Prozent, für die Stadt New York
bis zu 60 Prozent, für Los Angeles
dagegen nur ca. 2,8 Prozent angenommen.

Doppelproblem;
sucht

Jedenfalls hätten dem Watkins-Berieht zufolge umfassende neue Maßnahmen nicht nur den iv-Drogenabhängigen
selbst, sondern auch ihren Sexualpartnern und ihren Kindern zu gelten.
Immerhin ist Macdonald zufolge in 72
Prozent der AIDS-Infektionen bei Kindern mindestens ein Elternteil ivdrogenabhängig.
Andere
wichtige
Punkte einer "nationalen Strategie"
zur AIDS-Bekämpfung - zum Beispiel
die Epidemiologie von AIDS, Vorbeugung, Information und Erziehung, Diskriminierung, Testprogramme, Sicherheit am Arbeitsplatz, Finanzierung
von Pflege und gesundheitspolitischen
Maßnahmen, rechtliche und internationale Belange - werden bei den nächsten Expertenbefragungen der WatkinsKommission im Vordergrund stehen.
Die daraus resultierenden Empfehlungen wird der abschließende Gesamtbericht enthalten.

AIDS

und

iv-Drogen-

Unter iv-abhängigen Drogensüchtigen - mit einem Anteil von ca. 25
Prozent an der Gesamtzahl der an AIDS
Erkrankten - nehmen die Neuinfektionen derzeit aber um bis zu sieben
Prozent zu. Diese Gruppe zeigt sich
im Gegensatz zu anderen Risikogruppen
den
Appellen
zur
Anwendung
von
Schutzmaßnahmen und Änderung des persönlichen Verhaltens am wenigsten zugänglich.
So bildet sie heute das
gefährlichste Infektionsreservoir für
AIDS - nicht zuletzt deshalb, weil
auch die Weiterverbreitung der Krankheit auf heterosexuellem Wege in erster Linie von dieser Gruppe ausgeht.
(In einem Exklusiv-Interview am 12.
Februar mit dem amerikanischen Informationsamt USIA erwähnte Dr. Harry
Haverkos, Leiter der Abteilung Klinische Medizin des Nationalen Instituts für Drogenmißbrauch/NIDA, in
Westeuropa beobachte man eine ähnliche Entwicklung - außer in Spanien
und Italien, wo Heroinabhängige etwa
60 Prozent der AIDS-Fälle ausmachten,
während in Frankreich der Anteil bei
zehn Prozent und in England bei einem
Prozent liegt.)
Die Anzahl iv-Drogenabhängiger in
den USA wird auf 1,1 bis 1,3 Millionen Personen geschätzt, von denen

Unter
den
iv-Drogenabhängigen
spritzen etwa 900 000 regelmäßig, die
übrigen in Intervallen oder gelegentlieh. Einer neuen NIDA-Befragung unter Suchtkranken zufolge hatten - vor
allem im vergangenen Jahr - 93 Prozent der Heroinabhängigen häufig Nadeln gemeinsam benutzt, 26 Prozent
sogar täglich. Nur 15 Prozent befinden sich in Behandlung. In 24 großen
Städten, wo die Mehrzahl von ihnen
lebt, gibt es für Therapieprogramme

- 2 -

t

i

*

�Wartelisten. In der Regel dauert es
drei bis sechs Monate, bis ein Bewerber in ein solches Programm aufgenommen werden kann. Von den 200 000 ivDrogenabhängigen in New York beispielsweise erhalten derzeit 35 000
eine Therapie.
Laut Watkins müßten jedoch Voraussetzungen geschaffen werden, "auf
Anforderung" eine Therapie sofort in
Angriff nehmen zu können. Entsprechende Empfehlungen der AIDS-Kommission dürften allerdings Kritiker auf
den Plan rufen. Denn manche Fachleute sind der Meinung, daß die "auf Anforderung" des Heroinsüchtigen in einer Reihe von Kliniken und Einrichtungen
zur
ambulanten
Behandlung
praktizierte Umstellung auf Methadon,
die ihn vom Spritzen abbringen soll,
nur den Ersatz eines Narkotikums
durch ein anderes bedeutet.
Zwar
kommt es bei der Umstellung auf
Methadon nicht zu den sonst üblichen
Entzugserscheinungen. An der Abhängigkeit vom Narkotikum ändert sich
jedoch nichts.
Haverkos verwies darauf, daß die
Behandlung suchtkranker AIDS-Patienten besonders schwierig sei, "weil
wir viel weniger wissen als wir wissen müßten. Wir haben ja nicht einmal brauchbare Informationen darüber,
welche Art Drogen sie nehmen, wieviele von ihnen Heroin, wieviele Kokain
spritzen. Das aber wäre für die Therapieprogramme sehr wichtig."
Vermutlich tragen Drogen sogar zu einer
weiteren Schwächung des Immunsystems
bei, erleichtern also die Vermehrung
des AIDS-Virus. Interessant ist in
diesem Zusammenhang eine Beobachtung
der New Yorker Gesundheitsbehörde:
iv-Drogenabhängige Männer überlebten,
nachdem bei ihnen AIDS diagnostiziert
worden war, durchschnittlich 318 Tage, Frauen 298 Tage. Bei Homosexuellen dagegen, die keine Fixer waren,

betrug die durchschnittliche Uberlebensdauer 400 Tage, bei Patienten mit
Kaposi-Sarkom ohne andere AIDS-assoziierte schwere Erkrankungen 568 Tage.
Im Watkins-Bericht werden 3 300
über das ganze Land verteilte neue
Therapiezentren und eine Aufstockung
des in der Suchttherapie tätigen Personals um 32 000 Spezialisten gefordert. Außerdem werden Sonderprogramme für weibliche iv-Drogenabhängige
vorgeschlagen, um Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere und Mütter
besser zu betreuen. Während der Anhörungen wurde zum Beispiel berichtet, daß in einer New Yorker Entbindungsklinik im Stadtteil Bronx zwei
Prozent der
Frauen AIDS-infiziert
seien. In manchen Stadtteilen treffe
dies auf ein bis drei Prozent der
Frauen im gebärfähigen Alter zu. Bei
etwa der Hälfte von ihnen dürfte die
Ansteckung auf heterosexuellem Wege
erfolgt sein, während die andere
Hälfte Drogen nehme. Von den 1 364
AIDS-kranken Frauen in der Stadt New
York waren 60 Prozent selbst iv-drogenabhängig, 22 Prozent hingegen Sexualpartner von iv-Drogenabhängigen.
Einer in Massachusetts durchgeführten Studie zufolge betrug die
Häufigkeit einer AIDS-Infektion bei
Frauen, die kurz zuvor entbunden hatten, etwa 0,1 Prozent in ländlichen
Gebieten, aber bis zu 1 Prozent in
der Stadt. Ein bis zwei Drittel der
Babies sind ebenfalls infiziert. Die
Folgen einer heterosexuellen AIDSUbertragung treffen Frauen aus armen
Bevölkerungsschichten und ihre Kinder
besonders hart.
Experten zufolge
ist die Zahl der AIDS-Fälle bei
Schwarzen und Gruppen mexikanischer
und zentralamerikanischer Herkunft um
das Zwölf- bis Dreizehnfache höher
als bei weißen Amerikanern. 80 Prozent aller Kinder mit AIDS kommen aus
Familien, die einer ethnischen Min-

- 3 -

�derheit angehören.
Watkins fordert, vor allem die
Angehörigen von Minderheiten in Modellprogramme kommunaler Organisationen aufzunehmen.
Iv-Drogenabhängige
sollen im Rahmen ihrer Therapie AIDSTests auf freiwilliger Basis mit entsprechender Beratung angeboten werden
- Aktionen, in die ihre Sexualpartner
und Kinder einzubeziehen sind. Ausserdem sollte NIDA die Forschungen
zur
Behandlung
iv-kokainabhängiger
Suchtkranker intensivieren, weil über
dieses ständig wachsende Problem viel
zu wenig bekannt sei.

Finanzierung
Bundesregierung und Bundesstaaten
müßten, dem Bericht zufolge in den
nächsten zehn Jahren für die Behandlung von Drogenmißbrauch ca. 15 Milliarden Dollar aufwenden.
Weitere
zwei Milliarden Dollar an Bundesmitteln seien für Vorbeugung, Forschung
und Erziehung sowie 2,5 Milliarden
von den Bundesstaaten für die Betreuung Suchtkranker und ihrer Partner im
gleichen Zeitraum erforderlich. Diese Mittel müßten zusätzlich zu den
1,3 Milliarden Dollar aufgewandt werden, die Präsident Reagan für Forschung, Erziehung und Tests zur Bekämpfung der tödlichen Krankheit für
das Haushaltjähr 1989 angefordert hat.
"Unsere Untersuchungen haben erhebliche Probleme im gesamten Gesundheitsversorgungssystem unseres Landes
ans Licht gebracht", sagte Watkins.
"Viele Ärzte haben große Wissenslücken über AIDS, und es gibt Anzeichen
dafür, daß Medizinhochschulen noch
keine Ausbildungspläne für angehende
Ärzte auf dem Gebiet der AIDS-Therapie aufgestellt haben." An Krankenschwestern bestehe großer Mangel - in
den Krankenhäusern seien 13 Prozent

der Stellen nicht besetzt. Bis 1991
würden 500 000 mehr Krankenschwestern
gebraucht, als jetzt tätig seien.
Auch werde man von der pflegerischen
Seite her den Anforderungen der AIDSEpidemie bisher nicht gerecht.
Die Bundesministerien für Gesundheitswesen und Bauwesen sollten Mittel für die Unterbringung HlV-infizierter Kinder in Gruppen oder in
Ubergangsheimen bis zur Aufnahme in
Pflegeheime zur Verfügung stellen.
Auch müßte die häusliche Pflege nicht
versicherter AIDS-Kranker mit Bundesund Staatsmitteln geregelt werden.
Kommunale Krankenhäuser sollten mehr
Geld für mehr Leistungen gegenüber
AIDS-Kranke, vor allem Müttern und
Kindern erhalten. Öffentliche Krankenhäuser sollten Akutbetten in Langzeit-Pflegebetten für HIV-Patienten
und andere chronisch Kranke umwandeln.
Schließlich müßten auch die
Diagnostik- und Therapiezentren für
Bluter mit mehr Geldmitteln ausgestattet werden, um HIV-Tests, Beratung und ähnliche Dienstleistungen
durchführen zu können.
Die Bundesbehörde für Nahrungsund Arzneimittel (FDA) habe sich
Watkins zufolge darum zu kümmern, daß
so rasch wie möglich bessere HIV-Antikörpertests mit größtmöglicher Verfahrens- und
Ergebniszuverlässigkeit
zugelassen werden.
Dasselbe gelte
für die Antigen-Tests.
Sowohl FDA
als auch NIDA benötigten angesichts
ihrer Aufgaben im Zusammenhang mit
AIDS mehr Haushaltmittel, mehr Räumlichkeiten und mehr Personal.

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