<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=69&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T08:38:50+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>69</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2001" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2012">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8fb8b1dcd047ccb1cce47c694a959bbe.pdf</src>
        <authentication>cdc36c4ea091b32d0ddbf9a885e3a6e4</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9979">
                    <text>&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Sonderdienst&#13;
&#13;
&#13;
14. August 1987&#13;
&#13;
REAGAN OPTIMISTISCH ÜBER ABSCHLUSS EINES ABRÜSTUNGSABKOMMENS&#13;
&#13;
- Fernsehansprache des Präsidenten -&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan ist "optimistisch", daß die Welt&#13;
"bald Zeuge" der Vernichtung einiger amerikanischer und sowjetischer Kernwaffen sein wird.&#13;
In einet am 12. August 1987 landesweit übertragenenen Fernsehansprache&#13;
setzte der Präsident die Prioritäten für seine noch verbleibende Amtszeit und&#13;
erklärte, das bevorstehende Abkommen über den Abbau aller Mittelstreckenwaffen&#13;
unterscheide sich insofern erheblich von früheren Rüstungskontrollvereinbarungen, als bisher "lediglich obergrenzen für Waffensysteme festgelegt wurden".&#13;
Die Ansprache Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:&#13;
Liebe Mitbürger, ich habe bei&#13;
verschiedenen&#13;
Gelegenheiten&#13;
darauf&#13;
hingewiesen, daß ich vor Beendigung&#13;
der Anhörungen im Kongreß zur iranContra-Affäre keinen Kommentar dazu&#13;
abgeben würde. Diese Zeit ist jetzt&#13;
gekommen, und ich möchte heute abend&#13;
mit Ihnen über die Lehren sprechen,&#13;
die wir daraus gezogen haben.&#13;
&#13;
Diese vergangenen neun Monate waren&#13;
für&#13;
das Land&#13;
verwirrend&#13;
und&#13;
schmerzlich.&#13;
Ich weiß von ihren ureigensten Zweifeln an dem, was hier&#13;
geschehen ist. Ich hoffe jedoch, Sie&#13;
hegen keine Zweifel an meinem Engagement bei den Untersuchungen selbst.&#13;
&#13;
Seien Sie jedoch versichert, daß&#13;
dies heute abend nicht mein einziges&#13;
Thema sein wird. Ich möchte mit Ihnen auch über die Zukunft und unsere&#13;
Pläne sprechen, weil die Menschen&#13;
jetzt darauf warten.&#13;
&#13;
Bis jetzt hat es vier Untersuchungen gegeben - vom Justizministerium, der Tower-Kommission, der unabhängigen Beratergruppe und dem Kongreß. Ich habe drei dieser Untersuchungen gefordert, und die vierte -&#13;
&#13;
�die Anhörungen im Kongreß - voll und&#13;
ganz befürwortet und unterstützt, indem ich mehr als 250 000 Seiten der&#13;
Akten des Weißen Hauses zur Verfügung&#13;
gestellt habe, darunter meine eigenen&#13;
Terminkalender. Als mir bewußt wurde, daß ich nicht ausreichend informiert worden war, habe ich mich um&#13;
Aufklärung bemüht.&#13;
Einige&#13;
Antworten&#13;
gefallen&#13;
mir&#13;
nicht.&#13;
Berichten der Tower-Kommission und auch meinen Bemerkungen vom&#13;
vergangenen März zufolge hat sich unsere ursprüngliche Initiative mit den&#13;
Waffenverkäufen verkettet, und darauf&#13;
folgte die Verwicklung der Waffenverkäufe mit den Geiseln. Außenminister&#13;
Shultz&#13;
und&#13;
Verteidigungsminister&#13;
Weinberger haben beide vorausgesagt,&#13;
das amerikanische Volk würde sofort&#13;
annehmen, bei diesem gesamten Plan&#13;
handle es sich um ein Geschäft von&#13;
Waffen gegen Geiseln und um nichts&#13;
weiter. Leider sind ihre Vorhersagen&#13;
eingetroffen-.&#13;
Wie ich ihnen bereits im März&#13;
sagte, hat meine Sorge um die Geiseln&#13;
auf Bereiche übergegriffen, die davon&#13;
hätten unberührt bleiben sollen. Die&#13;
Vorstellung - das heißt, die Realität&#13;
- von gefangengehaltenen Amerikanern,&#13;
die ihrer Freiheit beraubt und ihren&#13;
Familien entrissen sind, hat meine&#13;
Gedanken belastet. Das war ein Fehler.&#13;
Liebe Mitbürger, ich habe lange&#13;
und oft darüber nachgedacht, wie ich&#13;
Ihnen erklären kann, welches Ziel ich&#13;
vor Augen hatte, aber ich habe zu&#13;
großen Respekt vor Ihnen, um Ausflüchte zu suchen. Tatsache ist, daß&#13;
ich nichts sagen kann, was die Situation zurechtrücken könnte.&#13;
Ich habe&#13;
eigensinnig&#13;
eine Politik verfolgt,&#13;
die fehlgeschlagen ist.&#13;
Das andere wichtige Thema der An-&#13;
&#13;
hörungen war natürlich die Umleitung&#13;
von Geldern für die Contras in Nicarauga.&#13;
Oberstleutnant North und Admiral&#13;
Poindexter glaubten, in meinem Sinne&#13;
zu handeln - und die demokratiche Widerstandsbewegung in Nicaragua am Leben zu erhalten. Ich war damals wie&#13;
heute der Überzeugung, daß die Sowjets daran gehindert werden müssen,&#13;
in Mittelamerika einen Brückenkopf zu&#13;
errichten.&#13;
Da ich mir die Sache der Contras&#13;
so sehr zu eigen gemacht hatte, war&#13;
die große Frage bei den Anhörungen,&#13;
ob ich von der Umleitung der Gelder&#13;
Kenntnis hatte.&#13;
Es war mir bewußt,&#13;
daß&#13;
die&#13;
Widerstandsbewegung&#13;
von&#13;
Drittländern und über Privatinitiativen direkt Gelder erhielt, und ich&#13;
befürwortete&#13;
diese&#13;
Bemühungen&#13;
von&#13;
ganzem Herzen, aber - und das möchte&#13;
ich ganz klar und deutlich sagen ich wußte nichts von der Umleitung&#13;
der Gelder.&#13;
Ich wußte noch nicht&#13;
einmal von der Existenz überschüssiger Gelder.&#13;
Aber&#13;
der&#13;
Schwarze&#13;
Peter&#13;
darf&#13;
nicht Admiral Poindexter zugeschoben&#13;
werden, wie er das in seiner Zeugenaussage vorschlug: er geht an mich.&#13;
Ich bin derjenige, der dem amerikanischen Volk gegenüber letztlich Rechenschaft ablegen muß. Der Admiral&#13;
hat bezeugt, mich schützen zu wollen,&#13;
aber kein Präsident sollte jemals vor&#13;
der Wahrheit geschützt werden.&#13;
Kein&#13;
Unternehmen ist so geheim, daß es dem&#13;
Obersten&#13;
Befehlshaber&#13;
vorenthalten&#13;
werden muß. Ich hatte das Recht und&#13;
die Pflicht, meine eigene Entscheidung zu treffen.&#13;
Kürzlich hat jemand gefragt, warum ich nicht entrüstet war. Manchmal war ich natürlich sehr verärgert.&#13;
Das wäre jeder - angesichts des ange-&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�richteten Schadens und der verlorenen&#13;
Zeit.&#13;
Aber ich war immer der Ansicht, das beste Mittel gegen Wut und&#13;
Arger seien Taten.&#13;
Ich habe versucht, Maßnahmen zu&#13;
ergreifen, so daß sich diese Ereignisse weder in meiner noch in einer&#13;
zukünftigen Administration wiederholen können. Aber ich kann mich sehr&#13;
gut an den im vergangenen Februar&#13;
veröffentlichten Bericht der TowerKommission erinnern, demzufolge der&#13;
Fehler eher bei den Menschen als bei&#13;
den Verfahrensweisen lag.&#13;
Wir können jede der Welt bekannte&#13;
Vorsichtsmaßnahme ergreifen, das beste jemals von Menschen geschaffene&#13;
System aufbauen, aber am Ende sind es&#13;
die Menschen, die es in Betrieb nehmen müssen. Und wir werden nie frei&#13;
sein&#13;
von&#13;
Hoffnungen,&#13;
Eifer&#13;
und&#13;
menschlichen Schwächen.&#13;
Ich möchte Ihnen sagen, was ich&#13;
getan habe, um sowohl das System als&#13;
auch die damit arbeitenden Menschen&#13;
zu verändern.&#13;
Erstens habe ich eine neue erfahrene Arbeitsgruppe eingesetzt.&#13;
Ich&#13;
habe einen neuen Nationalen Sicherheitsberater, einen neuen CIA-Direktor und einen neuen Stabschef im&#13;
Weißen Haus.&#13;
Und diesen habe ich&#13;
mitgeteilt, daß&#13;
ich&#13;
informiert&#13;
vollständig informiert - werden muß.&#13;
Darüber hinaus habe ich das von&#13;
der&#13;
Tower-Kommission&#13;
vorgeschlagene&#13;
Modell übernommen, wie im Nationalen&#13;
Sicherheitsrat (NSC) die Organisation&#13;
ablaufen und das Personal arbeiten&#13;
soll, und ich habe jede aktive Beteiligung des NSC-Personals an verdeckten Aktivitäten untersagt.&#13;
Der von mir in Auftrag gegebene&#13;
Bericht über die geheimen Operationen&#13;
- 3&#13;
&#13;
unserer&#13;
Nation&#13;
ist&#13;
fertiggestellt&#13;
worden.&#13;
Es gab darin keine Überraschungen.&#13;
Einige Operationen werden weitergeführt und andere wegen&#13;
mangelder&#13;
Zweckdienlichkeit&#13;
eingestellt.&#13;
Ich&#13;
werde&#13;
ebenfalls&#13;
neue&#13;
und&#13;
strengere vorgehensweisen einführen,&#13;
wenn es um Beratungen mit dem Kongreß&#13;
und dessen Unterrichtung&#13;
über Erkenntnisse&#13;
künftiger&#13;
Geheimoperationen geht.&#13;
Wir werden, falls notwendig, weiterhin verdeckte Operationen durchführen, die jedoch alle legal und einem bestimmten politischen Ziel dienlich sein müssen.&#13;
Das Problem geht jedoch über Politik und Personalfragen hinaus. Die&#13;
wahrscheinlich&#13;
wichtigste&#13;
Lektion,&#13;
die wir aus den Anhörungen ziehen&#13;
können, besteht darin, daß Exekutive&#13;
und Legislative das gegenseitige Vertrauen aufbauen müssen.&#13;
Die Folgen&#13;
des Mißtrauens sind in Form von Lügen, Indiskretionen, Uneinigkeit und&#13;
Fehlern offen zutage getreten.&#13;
Wir&#13;
müssen Wege zur Zusammenarbeit finden&#13;
und uns darüber&#13;
klar werden, daß&#13;
Außenpolitik nicht in Ausschüssen gemacht werden kann.&#13;
Und meiner Ansicht nach kann man jetzt das zunehmende Bewußtsein beobachten, daß man&#13;
gemeinsam mehr erreichen kann.&#13;
Und darin könnte schließlich der&#13;
mögliche Segen der Iran-Contra-Verwicklungen bestehen.&#13;
Ich möchte mich jetzt jedoch dem&#13;
anderen Thema zuwenden, auf das ich&#13;
heute abend hier eingehen möchte die&#13;
Zukunft.&#13;
Diese Administration&#13;
hat noch 17 Monate vor sich, von denen ich möchte, daß es glückliche und&#13;
produktive Monate für das amerikanische Volk werden.&#13;
&#13;
�f&#13;
*&#13;
&#13;
Als Sie mich zum ersten Mal in&#13;
dieses Amt wählten, taten Sie das,&#13;
damit Amerika eine neue und andere&#13;
Richtung einschlagen sollte. Als Sie&#13;
mich zum zweiten Mal wählten, haben&#13;
Sie damit Ihren Wunsch nach einer&#13;
Fortsetzung dieses Kurses bestätigt.&#13;
Ich hege heute so leidenschaftliche&#13;
Hoffnungen für dieses Land wie 1981.&#13;
Bis zu dem Tag, an dem ich das Weiße&#13;
Haus verlasse, werde ich das tun, zu&#13;
dem Sie mich gewählt haben - die Nation zu den bei meiner Wahl vereinbarten Zielen zu führen.&#13;
Ich möchte Ihnen erklären, worauf&#13;
ich mich und meine Energie für den&#13;
Rest meiner Amtszeit konzentrieren&#13;
werde.&#13;
In meiner gesamten politischen&#13;
Laufbahn habe ich betont, wie notwendig es ist, daß der Oberste Gerichtshof das Gesetz interpretiert, nicht&#13;
aber das Gesetz macht. Während meiner Präsidentschaft habe ich mit&#13;
Stolz zwei neue Richter ernannt, die&#13;
diesen wichtigen Grundsatz verstehen,&#13;
Richterin Sandra Day O'Connor und&#13;
Richter Antonin Scalia.&#13;
Ich habe jetzt einen dritten&#13;
Richter ernannt - Robert Bork. Als&#13;
ich ihn für das Berufungsgericht der&#13;
Vereinigten Staaten benannt habe, hat&#13;
die amerikanische Anwaltskammer nur&#13;
die allerbesten Beurteilungen über&#13;
Richter Bork, einen hervorragenden&#13;
Wissenschaftler und Juristen, abgegeben.&#13;
Als Mitglied dieses Gerichts&#13;
hat Richter Bork mehr als 100 herrschende Meinungen begründet und an&#13;
weiteren 300 mitgewirkt. Der Oberste&#13;
Gerichtshof hat keiner einzigen dieser 400 Meinungen jemals widersprochen.&#13;
Es gibt einigen Widerstand gegen&#13;
seine Ernennung, da er juristische&#13;
&#13;
Zurückhaltung übt.&#13;
Das heißt, er&#13;
stellt weder eigene noch andere Meinungen über das Gesetz. Und so sollte es sein. Richter Bork wäre eine&#13;
bedeutende&#13;
intellektuelle Bereicherung für das Gericht, und ich werde&#13;
mich für ihn einsetzen, weil ich an&#13;
das glaube, was er vertritt.&#13;
Sobald der Senat im nächsten Monat aus der Sommerpause zurückkehrt,&#13;
sollte er Richter Borks Qualifikation&#13;
erwägen und dann über seine Bewerbung&#13;
abstimmen.&#13;
Diese Nation und ihre&#13;
Bürger verdienen eine mit neun Richtern vollbesetzte Richterbank, wenn&#13;
das Gericht sich im Oktober wieder&#13;
versammelt.&#13;
In den kommenden Monaten hoffe&#13;
ich ferner, ein umfassendes und verifizierbares Abkommen mit der Sowjetunion über die Reduzierung der Nuklearwaffen zu erreichen.&#13;
wir machen&#13;
echte Fortschritte beim weltweiten&#13;
Abbau einer ganzen Kategorie nuklearer Waffen - nämlich der amerikanischen und der sowjetischen Mittelstreckenraketen (INF).&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
den&#13;
Sowjets&#13;
diese&#13;
Absicht erstmals im Jahr 1981 vorgetragen. Sie sind nicht weiter darauf&#13;
eingegangen und haben an einem Punkt&#13;
sogar den Verhandlungstisch verlassen. Aber wir haben uns nicht beirren lassen. Bis vor kurzem hat die&#13;
Sowjetunion darauf bestanden, einige&#13;
ihrer INF-Raketen zu behalten. Aber&#13;
Mitte Juli erklärte Generalsekretär&#13;
Gorbatschow seine Bereitschaft zum&#13;
Verzicht auf diese Forderung. Diese&#13;
Nachricht war uns in der Tat sehr&#13;
willkommen.&#13;
Wir sind so weit gekommen, weil&#13;
Sie mir im Jahr 1980 den Auftrag gegeben haben, unsere Streitkräfte wieder aufzubauen.&#13;
Ich habe dies getan. Heute sehen wir die Resultate.&#13;
&#13;
�Die Sowjets verhandeln jetzt mit uns,&#13;
weil wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln.&#13;
&#13;
r&#13;
&#13;
Dies wäre ein historisches Abkommen.&#13;
Bisherige&#13;
Rüstungskontrollabkommen haben nur eine Obergrenze für&#13;
Waffen festgelegt und sogar einen Zuwachs erlaubt; dieses Abkommen würde&#13;
die Anzahl nuklearer Waffen verrringern. Ich bin optimistisch, daß wir&#13;
bald Zeugen einer weltgeschichtlichen&#13;
Premiere werden - des Anblicks zweier&#13;
Länder, die tatsächlich Nuklearwaffen&#13;
in ihren Arsenalen zerstören.&#13;
Stellen sie sich vor, wohin das führen&#13;
könnte.&#13;
Wir sind auch bereit zu Fortschritten bei einem START-Abkommen,&#13;
das die interkontinentalen nuklearen&#13;
Streitkräfte um 50 Prozent reduzieren&#13;
und damit Tausende von Nuklearraketen&#13;
beseitigen würde.&#13;
Ich fordere die&#13;
Sowjets dringend auf, mit uns vorwärts zu gehen. Und ich sage zu Generalsekretär&#13;
Gorbatschow:&#13;
unsere&#13;
beiden Nationen könnten neue Beziehungen einleiten, indem sie umfassene&#13;
Abkommen über den Abbau nuklearer und&#13;
konventioneller Waffen unterzeichnen.&#13;
Was wir in unserem Verhältnis mit&#13;
der Sowjetunion suchen, sind Frieden&#13;
und Stabilität. Das ist es auch, was&#13;
wir im Persischen Golf und im Nahen&#13;
Osten insgesamt anstreben.&#13;
Stabilität in diese unruhige Region zu bringen, bleibt eines der wichtigsten&#13;
Ziele meiner Präsidentschaft.&#13;
&#13;
s&#13;
&#13;
In den vor uns liegenden 17 Monaten werde ich ferner eine verbindliche Gesetzgebung zur wirtschaftlichen&#13;
Gesundung empfehlen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach hat das amerikanische Volk ein&#13;
Recht darauf, daß die Finanzen der&#13;
Nation verantwortungsbewußt verwaltet&#13;
werden.&#13;
Und dennoch herrscht bei&#13;
Vergabe&#13;
der&#13;
Haushaltshaltsmittel&#13;
&#13;
Chaos vor.&#13;
In den vergangenen Monaten gab es&#13;
zahlreiche Diskussionen darüber, daß&#13;
unsere Finanzen in Ordnung gebracht&#13;
werden müssen, aber gleichwohl war&#13;
das Ergebnis wie immer Untätigkeit.&#13;
Die Etatfestsetzung durch den Kongreß&#13;
ist weder zuverlässig noch glaubwürdig - mit anderen Worten - sie muß&#13;
korrigiert werden.&#13;
Wir müssen uns der Realität stellen - das einzige Mittel, diesen massiv defizitären Haushalt in den Griff&#13;
zu bekommen, ist die Verfassung. Nur&#13;
die Verfassung - das Dokument, aus&#13;
dem alle Regierungsgewalt entstammt,&#13;
das Dokument, das uns die moralische&#13;
Autorität als Nation verleiht - nur&#13;
die Verfassung kann Verantwortungsbewußtsein hervorbringen.&#13;
Wir benötigen dringend die Ermächtigung durch einen Zusatzartikel&#13;
zur Verfassung, der uns beim Ausgleich des Haushalts behilflich ist.&#13;
Mehr als 70 Prozent des amerikanischen Volkes wünschen diesen Zusatzartikel. Sie wollen damit der amerikanischen&#13;
Regierung&#13;
das verleihen,&#13;
was die 44 Regierungen der Bundesstaaten bereits besitzen - Disziplin.&#13;
Um geeignete Schritte in die Wege&#13;
leiten zu können, möchte ich Ihnen&#13;
heute abend folgenden Vorschlag unterbreiten:&#13;
Wenn der Kongreß einer&#13;
Abstimmung über unseren Haushaltsausgleich noch in diesem Jahr zustimmt,&#13;
erkläre ich mich bereit, jeden Punkt&#13;
auf der Liste der Ausgaben einzeln&#13;
auszuhandeln.&#13;
Wenn der Kongreß weiterhin den&#13;
Wünschen des Volkes zuwiderhandelt,&#13;
indem er eine Abstimmung über den Zusatzartikel&#13;
für&#13;
den&#13;
Haushaltsausgleich verhindert, dann wird der Ruf&#13;
nach&#13;
einer&#13;
verfassunggebenden&#13;
Ver-&#13;
&#13;
�Sammlung lauter werden. Für die Genehmigung zur Einberufung der verfassunggebenden Versammlung fehlen uns&#13;
nur noch die Stimmen zweier Staaten,&#13;
und in jedem Fall wird es der Wille&#13;
des Volkes sein, der ausschlaggebend&#13;
ist.&#13;
Und es gibt ein weiteres Gebiet,&#13;
dem ich mich und meine Zeit voll und&#13;
ganz widmen werde - die Sache der Demokratie.&#13;
Es gibt Amerikaner, die&#13;
immer&#13;
noch brennend nach Freiheit&#13;
verlangen&#13;
Mittelamerikaner,&#13;
das&#13;
Volk von Nicaragua. Seit zehn Jahren&#13;
sind überall auf der Welt Demokratien&#13;
im Entstehen begriffen.&#13;
Allein in&#13;
Mittel- und Südamerika sind zehn Länder hinzugekommen.&#13;
Die Frage ist wird Nicaragua je auf dieser Ehrenliste stehen?&#13;
Wie Sie wissen, bin ich dem demokratischen Widerstand - den Freiheitskämpfern&#13;
- und ihrem Streben&#13;
nach Demokratie in Nicaragua voll und&#13;
ganz verpflichtet.&#13;
Kürzlich hat es&#13;
wichtige Fortschritte an der diplomatischen Front gegeben - sowohl hier&#13;
in Washington als auch in der Region&#13;
selbst.&#13;
Meine Administration und die Vorsitzenden im Kongreß haben eine Initiative der beiden im Kongreß vertretenen Parteien vorgelegt, mit der&#13;
Schritte zur Beendigung des Konfliktes in dieser Region vorgeschlagen&#13;
werden. unser Hauptargument war, daß&#13;
das kommunistische Regime in Nicaragua endlich das tun sollte, zu dem es&#13;
sich im Jahr 1979 formell verpflichtet hatte - die Grundrechte des nicaraguanischen Volkes auf freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, freie&#13;
Wahlen und freie Wahl der Religionszugehörigkeit&#13;
zu&#13;
respektieren.&#13;
Stattdessen haben es die Machthaber&#13;
in Nicaragua vorgezogen, ihr Land der&#13;
Sowjetunion als Stützpunkt kommunist-&#13;
&#13;
ischer Expansion auf dem amerikanischen Festland zu überlassen.&#13;
Die Notwendigkeit für Demokratie&#13;
in Nicaragua wurde auch in dem Abkommen betont, das die fünf mittelamerikanischen Präsidenten am vergangenen&#13;
Freitag in Guatemala unterzeichneten.&#13;
Wir begrüßen diese Entwicklung und&#13;
versprechen der Demokratie und jenen,&#13;
die für diese Freiheit kämpfen, unsere Unterstützung.&#13;
Wir waren stets&#13;
bereit zu verhandeln - wir waren niemals bereit, jene im Stich zu lassen,&#13;
die für Demokratie und Freiheit kämpfen.&#13;
Es erfüllt mich mit besonderer&#13;
Freude, daß die diplomatische Initiative der Vereinigten Staaten wiederum&#13;
die Anfänge, gleich mit welchem Ausgang, einer auf zwei Parteien gegründeten&#13;
Außenpolitik&#13;
widerspiegelt.&#13;
Die jüngsten Anhörungen haben die&#13;
Notwendigkeit einer solchen Zweiparteienlandschaft&#13;
unterstrichen,&#13;
und&#13;
ich hoffe, daß dieser vorsichtige Anfang wachsen und gedeihen wird.&#13;
Dies sind einige der von mir gesteckten Ziele für meine noch verbleibende Amtsperiode als Präsident.&#13;
Ich bin der festen Überzeugung, daß&#13;
diese Zielsetzungen Sicherheit, Wohlstand und die Zukunft unseres Volkes&#13;
verbessern werden. Ich beschwöre den&#13;
Kongreß, bei der Verwirklichung dieser Ziele ebenso gründlich und energisch vorzugehen, wie er bei den&#13;
jüngsten&#13;
Untersuchungen&#13;
vorgegangen&#13;
ist.&#13;
Meine lieben Mitbürger, mir verbleiben noch anderthalb Jahre, bevor&#13;
ich diesen Schreibtisch räumen muß.&#13;
Ich werde nicht zulassen, daß sich&#13;
auf den Möbeln dieses Büros oder gar&#13;
an mir Staub und Spinnweben ausbreiten.&#13;
Es gibt noch viel zu tun, und&#13;
mit Ihrer Hilfe wird es uns gelingen.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9974">
                <text>14.08.1987</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9975">
                <text>Amerikadienst 14.08.1987 - Sonderdienst</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9976">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9977">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9978">
                <text>Reagan optimistisch über Abschluss eines Abrüstungsabkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2208" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2219">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/a453c62a90311dde7565c72567b3dc6a.pdf</src>
        <authentication>a1b37ff41768e1595b44b60f58e104b5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11230">
                    <text>amcrika
dienet

a,
U.S. Information Service
Jr + Embassy of the United States of America

r#-*£

14. August 1991

32

NATIONALE SICHERHEIT

BERICHT ZUR
NATIONALEN SICHERHEIT
Eine Übersicht des Weißen Hauses

RAKETENABWEHR

NEUORIENTIERUNG DER PLÄNE
FÜR RAKETENABWEHRSYSTEM
Schutz vor begrenzten Schlägen
soll gewährleistet werden

GESELLSCHAFT

ZAHL DER EINPERSONENHAUSHALTE WÄCHST
Auswirkungen auf Gesellschaft,
Kultur, Wirtschaft

NACH DEM SCHMELZTIEGEL
von William A. Henry IM

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NATIONALE

SICHERHEIT
14. August 1991

BERICHT ZUR NATIONALEN SICHERHEITSSTRATEGIE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht über den von Präsident Bush dem Kongreß zugeleiteten Bericht zur nationalen Sicherheitsstrategie 1991 wurde am 13. August 1991 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Der Präsident hat heute gemäß dem Goldwater-Nichols-Zusatz des Nationalen Sicherheitsgesetzes von
1986 dem Kongreß den Bericht zur nationalen Sicherheit 1991 übermittelt. Der Bericht trägt den jüngsten
dramatischen Veränderungen im internationalen Umfeld
Rechnung und umreißt die amerikanischen Maßnahmen, um auf diese Veränderungen zu reagieren und
sie zu steuern. Es wird festgestellt, daß wir an einem
Zeitpunkt historischer Chancen angelangt sind, an
dem wir und die Welt ein neues internationales System
aufbauen können, das mit unseren Werten und Idealen in Einklang steht. Zu den wichtigsten Punkten des
Berichts gehören:
Die Erkenntnis, daß die amerikanische Strategie des
Containment, die sich 40 Jahre lang bewährt hat,
heute modifiziert werden muß, um den geostrategischen Realitäten gerecht zu werden.
Die Ermutigung der konstruktiven Evolution der Sowjetunion.
Die Erkenntnis, daß die amerikanischen Bündnisse
von der Hinwendung der Sowjetunion zu innenpolitischen Problemen grundlegend beeinflußt werden.
Die Anerkennung der Tatsache, daß die Welt politisch,
wirtschaftlich, technologisch und militärisch zunehmend interdependent ist und gleichzeitig die Führungsrolle der Vereinigten Staaten insgesamt unerläßlich bleibt.
Die Betonung kleinerer, beweglicherer Streitkräfte, um
regionale Anliegen und Engagement in Friedenszeiten
zu berücksichtigen. Diese Streitkräfte könnten jedoch
gegebenenfalls die Grundlage für die Auffüllung einer
größeren Streitmacht bilden.

AMERIKA DIENST 32

Die anhaltende amerikanische Unterstützung eines so
offenen und umfassenden Weltwirtschaftssystems wie
möglich sowie der NATO als unerläßliche Grundlage
der transatlantischen Zusammenarbeit mit einem kürzlich
vereinigten und freien Europa.
Energische Vertretung der amerikanischen Politik
gegenüber dem Nahen Osten in Anerkennung der
neuen Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich
aus unserem Sieg im Golfkrieg ergeben.
Anerkennung der andauernden Bedeutung Ostasiens
und des Pazifiks sowie der entscheidenden Rolle
unserer Sicherheitsbeziehungen mit dieser Region.
Verstärkte Unterstützung für eine gekräftigte UNO, die
zur Friedenssicherung beiträgt, das Los der Menschen
verbessert und menschliches Leid mildert.
Die Anerkennung eines unerschütterlichen Engagements für Rüstungskontrolle als Mittel zur Festigung
weltweiter Stabilität durch die KSE- und START-Verträge.
Erneuerter Eintritt für die Prinzipien politischer und
wirtschaftlicher Freiheit als den sichersten Garanten
für Fortschritte in den Beziehungen der Menschen und
weltweiten Frieden.
Eine neue weltweite Tagesordnung für den Umgang
mit Flüchtlingsströmen, Drogenmißbrauch und Zerstörung der Umwelt.
Der Bericht unterstreicht den dauerhaften Charakter
unserer grundlegenden Interessen und Ziele in den
neunziger Jahren.

Seite 1

�Das Überleben der Vereinigten Staaten als freie und
unabhängige Nation mit intakten Grundwerten und
Sicherheit für ihre Institutionen und Menschen.

die von außerordentlich positiven Veränderungen
geprägt ist, in der aber immer noch Herausforderungen und Bedrohungen für unsere Sicherheit - und die
unserer Verbündeten und Freunde - lauern. Die VerEine gesunde und wachstumsorientierte US-Wirtschaft, einigten Staaten engagieren sich weiterhin voll und
die dem einzelnen Chancen für Wohlstand bietet und ganz in der größer werdenden Welt, und sie werden
Ressourcen für nationale Unternehmungen im In- und nach wie vor ihre Ziele gemeinsam mit denjenigen
Ausland gewährleistet.
verfolgen, die ihre Werte und Sorgen teilen. Unser
Ansatz
für die Sicherheit wird auch in Zukunft von der
Stabile, kooperative und politisch dynamische BezieTatsache
geprägt sein, daß wir eine Nation sind, die
hungen mit Verbündeten und freundlich gesinnten
von
vielen
ihrer wichtigsten Freunde und Interessen
Ländern.
durch Ozeane getrennt ist. Deren Verteidigung wird
Eine stabile und sichere Welt, die von politischer und weiterhin die Präsenz von US-Truppen in Übersee
wirtschaftlicher Freiheit, Menschenrechten und demo- erfordern, unterstützt von der Fähigheit der Vereinigten Staaten, Macht zu übertragen. Der Strategiebekratischen Institutionen geprägt ist.
richt schließt mit einer Forderung nach anhaltendem
Der Bericht erläutert, daß unsere grundsätzliche Her- Dialog, enger Zusammenarbeit und engen Konsultaausforderung darin besteht, alle verfügbaren politi- tionen mit dem Kongreß, um eine Sicherheitsstruktur
schen, wirtschaftlichen und militärischen Mittel für zu schaffen, die den Chancen von heute und den
diese dauerhaften Ziele in einer Welt bereitzustellen, Herausforderungen von morgen gerecht wird.
*

*

*

*

AMERIKA DIENST 32

�RAKETENABWEHR
14. August 1991

NEUORIENTIERUNG DER PLÄNE FÜR
RAKETENABWEHRSYSTEM
Schutz vor begrenzten Schlägen soll gewährleistet werden

WASHINGTON - (AD) - Die Notwendigkeit weltweiter
Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen hat
erheblich zugenommen, da solche Raketen immer
zahlreicher, weitreichender und technisch ausgereifter
werden.
Diese Realität hat die Bush-Administration dazu veranlaßt, die politischen Ziele für die von der ReaganAdministration im Jahr 1983 zunächst als Programm
zur Verteidigung gegen einen Angriff mit strategischen
Atomwaffen gedachte Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) zu überprüfen. Das Ergebnis dieser
Überprüfung war ein neuorientiertes Programm mit
dem Ziel, Schutz "gegen begrenzte Schläge mit ballistischen Raketen jeglichen Ursprungs" zu gewähren.
Die neue von Präsident Bush im Januar angekündigte
defensive Strategie trägt den Namen "weltweiter Schutz
gegen begrenzte Schläge" (Global Protection Against
Limited Strikes - GPALS). Ohne einen Beschluß über
die Stationierung zu treffen, hat der Präsident das
Verteidigungsministerium angewiesen, im Rahmen des
SDI-Programms der Erforschung und Entwicklung von
Fähigkeiten Vorrang einzuräumen, die den Vereinigten Staaten sowie ihren Freunden und Verbündeten in
der ganzen Welt umfassenden Schutz vor begrenzten
Schlägen mit ballistischen Raketen gewähren würden.
GPALS hätte nicht einmal den halben Umfang der
ersten Phase des früher geplanten SDI. Die neue
Strategie würde sich folgendermaßen zusammensetzen:
Boden- und weltraumgestützte Sensoren zur
lückenlosen weltweiten Überwachung und Aufspürung ballistischer Raketen jeglicher Reichweite vom Zeitpunkt des Abschusses an. Die
Sensoren würden ferner den amerikanischen
AMERIKA DIENST 32

Streitkräften sowie potentiell den Verbündeten
der Vereinigten Staaten Informationen liefern.
Boden- und weltraumgestützte Abfangsysteme,
die allen angegriffenen Zielen einen sehr hohen
Schutz gewähren würden. Die bodengestützten Abfangsysteme wären zum Abfangen aller
Arten von Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen in der Lage: atomar, chemisch oder
biologisch. Die weltraumgestützten Abfangsysteme würden eine kontinuierliche weltweite
Abriegelung gegen Raketen mit Reichweiten
von über 400 Kilometern bereitstellen.
Hintergrund
Das SDI-Programm war ursprünglich als Verteidigung
gegen sowjetische Interkontinentalraketen gedacht.
Eine geschwächte Sowjetunion und der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa sowie der
Struktur des Warschauer Pakts haben einen tiefgreifenden Wandel in der Welt bewirkt.
SDI sollte ursprünglich der Verteidigung gegen einen
von der Sowjetunion ausgelösten Großangriff mit vielleicht Tausenden von Wiedereintrittsflugkörpem (RVs)
dienen. Bei GPALS besteht das Ziel in der Abwehr
eines begrenzten Angriffs jeglichen Ursprungs mit
Raketen, die zwischen 100 und 200 RVs tragen.
Obwohl für die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit
zur Abschreckung eines möglichen massiven und
beabsichtigten sowjetischen Offensivschlags mit Atomwaffen wohl für den Rest dieses Jahrhunderts bestehen bleibt, deuten weltweite Entwicklungen darauf hin,
daß sich regionale Bedrohungen amerikanischer Interessen weiter verschärfen werden.

Seite 1

�Ein Faktor, der das neuorientierte SDI-Programm
zwingend erforderlich machte, war der anhaltende
weltweite Trend hin zu technisch immer anspruchsvolleren ballistischen Raketensystemen mit größerer
Reichweite und Wirkung. Amerikanischen Nachrichtendiensten zufolge werden bis zum Jahr 2000 24
Entwicklungsländer ballistische Raketen besitzen, und
von diesen werden neun atomare Fähigkeiten haben
oder kurz vor deren Beschaffung stehen.
Während einige Länder der dritten Welt versuchen,
Kurz- und Mittelstreckenraketen zu beschaffen oder
entwickeln, könnten andere auch die Vereinigten Staaten bedrohen, indem sie Weltraumraketen für interkontinentale Reichweiten umrüsten.
Experten der Nachrichtendienste nehmen ferner an,
daß bis zum Ende des Jahrhunderts 30 Staaten chemische und 10 möglicherweise biologische Waffen
besitzen werden, die auf ballistischen Raketen stationiert werden könnten. Tatsächlich entdeckten UNOInspektoren kürzlich bei einem Besuch im Irak einige
auf SCUD-Raketen montierte chemische Gefechtsköpfe, die jedoch nie zum Einsatz kamen.
Aufgrund dieser Entwicklungen geht die Administration davon aus, daß wir uns nicht mehr ausschließlich
auf die Strategie der Abschreckung stützen können.
Im Golfkrieg, zum Beispiel, hat der Irak selbst angesichts sicherer Vergeltung SCUD Boden-Boden-Raketen abgefeuert.
Wie die Patriot-Luftabwehr gegen auf Saudi-Arabien
und Israel abgefeuerte SCUD-Raketen gezeigt hat,
können Verteidigungssysteme gegen ballistische
Raketen Menschenleben retten und massive Opfer
unter der Bevölkerung vermeiden. Präsident Bush
zufolge werden die Bedrohungen durch ballistische
Raketen in Zukunft "technisch noch ausgeklügelter
sein als die SCUD, und wir werden modernere und
fähigere Verteidigungssysteme benötigen, um sie zu
bekämpfen".
Ein kürzlich von der SDI-Organisation (SDIO) veröffentlichter Bericht über GPALS stellt fest, daß die
Vereinigten Staaten keine Situation akzeptieren können, in der es den Fähigkeiten ballistischer Systeme
"gestattet wird, die Flexibilität eines amerikanischen
Präsidenten bei der Vertretung der weltweiten Interessen und Pflichten des Landes zu beschneiden".
Wirksame Verteidigungssysteme verringern potentiell
die Notwendigkeit eines Präventivschlages gegen
Länder, die mit einem ballistischen Raketenangriff
drohen. Verteidigungssysteme reduzieren ferner den
Druck auf die politisch Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten, bei Verwicklungen in regionale Konflikte ihre Pläne aufgrund der Androhung oder des Einsatzes ballistischer Raketen zu ändern.
Das Raketenabwehrsystem GPALS zielt darauf ab,
kontinuierlichen Schutz gegen zufällige, unbefugte
Seite 2

oder vorsätzliche begrenzte Angriffe mit ballistischen
Raketen von Ländern der dritten Welt oder der Sowjetunion zu bieten, die gegen vorne stationierte USStreitkräfte, Freunde oder Verbündete der Vereinigten
Staaten oder die Vereinigten Staaten selbst gerichtet
sind.
Das System hat vor allem folgende Aufgaben: Peilung, um Objekte aufzuspüren, zu erfassen, verfolgen
und zu unterscheiden; es fängt bedrohliche Objekte ab
und zerstört sie und erfüllt Aufgaben der Gefechtsführung wie Führung und Kommunikation.
GPALS besteht aus drei eng verbundenen Elementen:
Verteidigung gegen örtlich begrenzte ballistische Raketen mit angeschlossenen weltraumgestützten Sensoren, um US-Streitkräfte im
Ausland sowie Verbündete zu schützen;
etwa 750 bis 1.000 landgestützte Abfangraketen (mit Weltraumsensoren) zum Schutz des
gesamten Territoriums der Vereinigten Staaten
gegen ballistische Raketen längerer Reichweite
und
etwa 1.000 weltraumgestützte kleine Abfangraketen (Brilliant Pebbles) zur weltweiten Abwehr
von ballistischen Raketen mit Reichweiten über
400 Kilometern.
Die Verteidigungselemente von GPALS könnten den
Planern zufolge nach ihrer jeweiligen Fertigstellung
bereits phasenweise stationiert werden und nicht erst,
wenn alle Elemente fertig sind.
Der gegenwärtige Plan sieht im Haushaltsjahr 1993 die
Stationierung einer verbesserten Patriot-Verteidigung
vor, im Haushaltsjahr 1994 soll die Abfangrakete mit
vergrößerter Reichweite (Extended-Range Interceptor - ERINT) stationiert werden, im Haushaltsjahr 1996
die amerikanisch-israelische Abfangrakete Arrow und
bis zum Haushaltsjahr 1996 die Verteidigung in großer
Höhe über dem Gefechtsfeld (THAAD - Theater High
Attitüde Area Defense).
Die Stationierung von Brilliant Pebbles, Brilliant
Eyes (Sensoren) und landgestützten US-Verteidigungselementen könnte noch vor der Jahrtausendwende
beginnen.
Alle GPALS-Abfangraketen würden Gefechtsköpfe
durch ihre Aufschlagkraft zerstören, ohne daß Sprengstoff benutzt oder Atomexplosionen ausgelöst würden.
Eine lOOprozentige Verteidigung der Vereinigten Staaten gegen eine Bandbreite von Bedrohungen würde
sechs landgestützte Abfangorte erfordern, einschließlich Alaska und Hawaii. Eine Verteidigung gegen UBootgestützte ballistische Raketen könnte SDIO zufolge zusätzliche Orte erfordern. Zur Verteidigung gegen
eine große Bandbreite möglicher Bedrohungen wäre
AMERIKA DIENST 32

�die Stationierung von mehreren hundert landgestützten Abfangraketen pro Ort nötig.
Zusammenarbeit der Verbündeten
Die Verbündeten der Vereinigten Staaten haben technische Beiträge zu den Verteidigungsbestrebungen im
Bereich der strategischen ballistischen und Gefechtsfeldraketen geleistet. Durch multinationale Zusammenarbeit können weiterhin technische Fortschritte
erzielt werden.
Als Beweis des bereits bestehenden funktionsfähigen
Programms der Zusammenarbeit haben die Vereinigten Staaten mit Großbritannien, der Bundesrepublik,
Israel, Italien und Japan Regierungsvereinbarungen
zurSDI-Forschung unterzeichnet. Firmen in Ländern,
mit denen keine Regierungsvereinbarungen bestehen, wie Belgien, Kanada, Frankreich, Dänemark und
die Niederlande, haben sich erfolgreich um SDI-Verträge beworben.

und Japan an den Aspekten der örtlich begrenzten
Raketenabwehr im Zusammenhang mit GPALS interessiert sein werden.
Vertreter der Vereinigten Staaten stellen sich vor, daß
GPALS die Sicherheit ihrer Freunde und Verbündeten
verbessern soll und die Regierung deren aktive Mitarbeit anstrebt. Der gegenwärtige Schwerpunkt der
Beteiligung von Verbündeten lag auf der örtlich begrenzten Raketenabwehr, Versuchsträgern, technischen Experimenten und anderen Bereichen gemeinsamen Interesses.
Kosten des Programms
Das gesamte GPALS-System soll über einen Zeitraum von 14 Jahren 46 Milliarden Dollar (zu Preisen
von 1991) kosten:
10 Milliarden für Verteidigung gegen Gefechtsfeldraketen,
11 Milliarden Dollar für Brilliant Pebbles und

Die Vereinigten Staaten erwarten, daß angesichts der
Verbreitung ballistischer Raketen in der dritten Welt
eine Reihe freundlich gesinnter Länder in der NATO

*

AMERIKA DIENST 32

* * *

25 Milliarden für landgestützte Abfangraketen
(einschließlich weltraumgestützter Sensorunterstützung)

*

Seite 3

�GESELLSCHAFT
14. August 1991

ZAHL DER EINPERSONENHAUSHALTE WÄCHST
Auswirkungen auf Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft
von Paul Malamud, USIA

Die Lebensverhältnisse in den Vereinigten Staaten
ändern sich. Die Amerikaner heiraten später, eine
zunehmende Zahl lebt "zwischen" Ehen als Singles
oder heiratet überhaupt nicht und eine erhebliche Zahl
der Senioren lebt gezwungenermaßen allein oder zieht
das Singledasein vor.
Die Experten sind sich über die langfristigen Auswirkungen dieses Trends uneinig, aber es steht fest, daß
er sich heute bereits auf Gesellschaft, Kultur und
Wirtschaft auswirkt - und daß sich diese Auswirkungen
weiter vertiefen werden.
Den Zahlen der letzten Volkszählung zufolge besteht
bereits jeder vierte Haushalt in den Vereinigten Staaten aus nur einer Person. Einigen Schätzungen zufolge könnte dies in einigen großen Städten bereits für45
Prozent der Erwachsenenbevölkerung zutreffen.
Darüber hinaus gilt:
Im Jahr 1989 betrug das geschätzte mittlere
Alter bei der ersten Eheschließung 26,2 Jahre
für Männer und 23,8 Jahre für Frauen. Im Jahr
1970 hatten diese Zahlen noch bei 23,2 Jahren
für Männer und 20,8 Jahren für Frauen gelegen.
Dies ist das höchste mittlere Heiratsalter für
Männer seit 1890 und das höchste jemals für
Frauen ermittelte.
Seit 1970 hat sich der Anteil der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren, die noch nicht verheiratet waren, nahezu verdreifacht (von 10,5 auf
29,4 Prozent), während er bei Männern um
mehr als das doppelte anstieg (von 19,1 auf
45,9 Prozent).
AMERIKA DIENST 32

Der Prozentsatz der nie zuvor verheirateten
Personen zwischen 30 und 34 Jahren erhöhte
sich bei Frauen von 6,2 auf 16,9 Prozent und bei
Männern von 9,4 auf 25,8 Prozent.
Der Anteil von Kindern unter 18 Jahren, die in
Familien mit beiden Elternteilen leben, fiel von
85 Prozent im Jahr 1970 auf etwa 73 Prozent im
Jahr 1989. (54 Prozent der schwarzen Kinder
leben mit einem Elternteil, im Vergleich zu 19
Prozent bei den weißen und 30 Prozent bei den
hispanischen Kindern.)
Bei etwa 50 Prozent der Amerikaner wird die
Ehe voraussichtlich mit einer Scheidung enden.
Nach einer Studie des amerikanischen Statistischen Bundesamts wird dies auf das Verhalten
der nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen
geburtenstarken Jahrgänge zurückgeführt, deren kulturelle und soziale Lebensweise Veränderungen in den traditionellen amerikanischen
Konventionen bewirkt haben. Etwa drei Viertel
der Geschiedenen heiraten wieder.
"Obwohl das Leben als Single für gewöhnlich Übergangscharakter hat", schreibt Arlene F. Saluter, Statistikerin im Statistischen Bundesamt, "verbringt ein
zunehmender Prozentsatz der Erwachsenen einen
größeren Teil ihres Lebens als Singles. Bei jungen
Männern und Frauen kann heute mit gutem Grund
angenommen werden, daß etwa 10 Prozent nie heiraten werden. Von denen, die heiraten, werden sich
etwa 50 Prozent scheiden lassen, während bei den
verbleibenden Ehen am Ende die Witwenschaft stehen wird." Im Jahr 1986 betrug die durchschnittliche
Seite 1

�Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten für Männer
71,3 Jahre und für Frauen 78,3 Jahre - und die verbesserte medizinische Versorgung könnte dazu führen,
daß mehr alte Menschen alleine leben.

Ehen scheitern wie bei Teenagerehepaaren. Ob sie in
Wohnheimen, mit Freunden, allein leben oder zu ihren
Eltern zurückkehren - all dies fällt unter die Rubrik
Experimente."

Der am häufigsten diskutierte Aspekt des SinglesPhänomens ist die Zunahme relativ wohlhabender
junger Leute, die spät oder niemals heiraten. Der
Soziologe Neil Bennett von der Universität Yale bemerkt, daß "die Menschen heute länger allein leben als
früher. Das gilt insbesondere für Frauen, weil sie
häufiger als bisher berufstätig sind und Hochschulen
besuchen. Daher ist es nur logisch, daß sie ihre Heirat
aufschieben bis sie ihre Ausbildung abgeschlossen
und im Berufsleben Fuß gefaßt haben."

Riche zufolge führt das Singles-Phänomen nicht unbedingt zu dem vielbeschworeren "Geburtenrückgang"
bei der amerikanischen Mittelklasse. "Etwa 50 Prozent der jungen Menschen gehen aufs College", erklärt
Riche. "Frauen warten bis Ende zwanzig oder Anfang
dreißig - aber sie bekommen dann Kinder. Es dauerte
lange, bis sich diese Entwicklung etablierte." Darüber
hinaus bleiben aufgrund der veränderten sozialen
Normen viele junge Frauen freiwillig ledig, auch wenn
sie Kinder bekommen und aufziehen.

Eine umstrittene Untersuchung von Bennett und dem
Wirtschaftswissenschaftler David E. Bloom aus Harvard kommt zu dem Schluß, daß 20 Prozent aller
Frauen über 30 voraussichtlich, noch heiraten werden,
bei den über 40jährigen sind es lediglich 2,6 Prozent.
Wird es das Phänomen der jungen Singles weiterhin
geben? Bennett erklärt, die demographische Entwicklung deute auf einen Stillstand hin. Er fügte jedoch
hinzu, "auch andere Dinge beinflussen diesen Prozeß,
vor allem Einstellungen."

"Was die wirtschaftlichen Auswirkungen betrifft", erläutert Riche, "bedeutet es, daß Einzelpersonen im
Vergleich zu Familien mehr konsumieren. Für Unternehmen und Marketingstrategen heißt das, sie müssen überlegen, wer Zielgruppe ihrer Produkte ist- man
kann nicht mehr für die "Durchschnittshausfrau" planen. Im Gegensatz zu traditionellen Strukturen ergibt
sich jetzt, daß alleinlebende Männer zu einer wichtigen
Verbrauchergruppe werden - obwohl die Auswirkungen noch nicht eindeutig sind."

"In der Hauptsache findet allgemein eine Aufschiebung dessen statt, was die Demographen als Eintritt in
die Welt der Erwachsenen bezeichnen", konstatiert
Martha Farnsworth Riche, Redakteurin der Zeitschrift
American Demographie«. "Meiner Ansicht nach sind
in der heutigen Zeit die 18- bis 24jährigen noch nicht
erwachsen - das Erwachsenenleben beginnt eigentlich nicht vor dem 25. Lebensjahr. Die Menschen
bleiben länger in der Schule. Sogar High SchoolAbbrecher treten erst mit etwa 25 Jahren in das
Erwerbsleben ein." Sie fügt jedoch hinzu: "Sie handeln
nicht etwa unverantwortlich sondern verhalten sich
vernünftig. Weil unsere Gesellschaft immer komplexer wird und es mehr Gelegenheit für Erfolg und
Mißerfolg gibt, verbringen junge Menschen mehr Zeit
mit dem Sammeln von Informationen und mit Experimenten. Das gilt sowohl für Karrieren als auch für
Ehen - und das ist gut so, weil bei Menschen, die mit
Anfang zwanzig heiraten, inzwischen genauso viele

Allein zu leben bedeutet keinen entwurzelten Lebensstil. 1983 kam eine Untersuchung des amerikanischen
Verbands der Immobilienmarkler (National Association of Realtors) zu dem Schluß, daß Singles 25
Prozent aller Käufer stellen, die erstmals ein Haus
erwerben und einen großen Anteil der Käufer, die zum
zweiten oder dritten Mal ein Haus kaufen. 41 Prozent
der alleinlebenden Frauen und 29 Prozent der ledigen
Männer besitzen ein eigenes Haus.

*

Seite 2

Für die steigende Zahl älterer Menschen, die gesund
und finanziell abgesichert genug sind, ist das Alleinleben ebenfalls eine bessere und oftmals wünschenswertere Option. Untersuchungen zeigen, daß etwa 80
Prozent der älteren Mitbürger - die Mehrheit aller
Singles in Amerika - Kinder haben, die nur eine Autostunde entfernt leben. Ein Psychologe erklärt dazu:
"Viele ältere Leute möchte in der Nähe ihrer Familien,
aber dennoch unabhängig leben."

* * *

*

AMERIKA DIENST 32

�GESELLSCHAFT
14. August 1991

NACH DEM SCHMELZTIEGEL
von William A. Henry III
Der nachfolgende Artikel, den wir leicht gekürzt veröffentlichen, erschien erstmalig 1990 im Nachrichtenmagazin
Time . Der Autor ist langjähriger Mitarbeiter dieser Zeitschrift, (c) 1990 The Time Inc. Magazine Company.

In nicht allzu ferner Zukunft - und zweifelsohne sehr
viel früher als den meisten bewußt, die im Jahr 1990
die Formulare für die Volkszählung ausgefüllt haben werden weiße Amerikaner eine Minderheit sein. Lange bevor dieser Tag kommt, wird die Annahme, daß
der "typische" Bürger der Vereinigten Staaten seine
Wurzeln direkt in Europa hat, ein Relikt der Vergangenheit sein. Bis die Schüler an der Kester Elementar/
School in Los Angeles (Kalifornien) die Mitte ihres
Lebens erreicht haben, werden die vielfältigen mit Angehörigen anderer ethnischer Gruppen im Klassenzimmer gemachten Erfahrungen landesweit in den
Wohnvierteln und an Arbeitsplätzen in den Vereinigten
Staaten ihren Niederschlag finden.
Einer von vier Amerikanern bezeichnet sich bereits als
Hispanier oder Nichtweißer. Wenn der derzeitige
Trend bei den Einwanderungs- und Geburtenraten
anhält, wird bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die hispanische Bevölkerung schätzungsweise um weitere
21 Prozent zunehmen, die asiatische um rund 22 Prozent, die schwarze um nahezu 12 Prozent und die
wei ße um nur wenig mehr als 2 Prozent. Bis zum Jahr
2020 wird sich die Zahl der hispanischen oder nichtweißen Einwohner der Vereinigten Staaten mit 115
Millionen mehr als verdoppelt haben, während sich die
wei ße Bevölkerung überhaupt nicht vermehrt. Im Jahr
2056, wenn ein heute Geborener 65 Jahre alt sein wird,
stammt der vom amerikanischen Statistischen Bundesamt als solcher definierte "Durchschnittsamerikaner" aus Afrika, Asien, der hispanischen Welt, den
Pazifischen Inseln, der arabischen Welt - praktisch
jedem Kontinent außer Europa.
Auch wenn es noch Städte oder Enklaven geben wird,
in denen selbst eine schwarze Familie eher etwas
Ungewöhnliches ist, wo englische, irische und deutAMERIKA DIENST 32

sche Nachnamen vorherrschen, wo man noch immer
an fast jeder Straßenecke das traditionelle ...Amerika
vorfindet, wird dies nur ein Relikt einer früheren Nation
sein. Die ehemalige Mehrheit wird als Teil des täglichen Lebens die Bedeutung der auf amerikanischen
Münzen eingravierten lateinischen Worte E pluribus
unum begreifen lernen - Einer von Vielen.
Unter der jüngeren Bevölkerung, die zur Schule geht
und ins Erwerbsleben eintritt, wird sich der Wandel
rascher vollziehen. An einigen Orten ist bereits ein
Amerika nach dem Schmelztiegel entstanden. Im
Staat New York gehören rund 40 Prozent der Schüler
an Grund- und weiterführenden Schulen einer ethnischen Minderheit an. In einem Jahrzehnt wird dieser
Anteil voraussichtlich 50 Prozent betragen. In Kalifornien sind weiße Schüler bereits in der Minderheit.
Hispanier (die sich unabhängig von ihrer Hautfarbe im
allgemeinen von Schwarzen und Weißen unterscheiden) machen 31,4 Prozent der Zugänge an öffentlichen Schulen aus, Schwarze 8,9 Prozent, Asiaten und
andere Nationalitäten 11 Prozent - insgesamt also
51,3 Prozent Nichtweiße. Diese Zahl spiegelt nicht nur
die Flucht der Weißen aus nicht mehr nach Rassen
getrennten Schulen wider. Weiße aller Altersstufen
machen nur 58 Prozent der kalifornischen Bevölkerung aus. In San Jose ist der vietnamesische Nachname Nguyen sehr viel öfter im Telephonbuch zu finden
als Jones (Jones ist einer der am häufigsten vertretenen amerikanischen Nachnamen) - vierzehn Spalten
im Gegensatz zu acht.
Dieser Wandel ist nicht nur auf die Küsten begrenzt.
Rund 12.000 Hmong-Flüchtlinge aus Laos haben sich
in St. Paul (Minnesota) niedergelassen. In einigen
billigen Appartmenthäusern in Atlanta (Georgia), die
praktisch nur von Schwarzen bewohnt waren, müssen
Seite 1

�die Sozialarbeiter heute Spanisch sprechen können.
Im Sesame Hut Restaurant in Houston (Texas) bildet
der aus Korea eingewanderte Besitzer hispanische
Einwanderer in der Zubereitung chinesischer Speisen
für eine vorwiegend schwarze Kundschaft aus. Im
Gebiet von Detroit (Michigan) leben rund 200.000
Menschen aus dem Nahen Osten, ungefähr 1.500
kleine Gemüse- und Gemischtwarenläden werden von
einer Subkultur chaldäischer Christen mit Wurzeln im
Irak geführt. "Einstmals war Amerikaein Mikrokosmos
europäischer Nationalitäten" erläutert der Leiter der
Abteilung für afro-amerikanische Studien an der Temple
University in Philadelphia (Pennsylvania), Molefi Asante. "Heute ist Amerika ein Mikrokosmos der Welt."
Die Geschichte lehrt, daß die Aufrechterhaltung einer
wirklich multirassischen Gesellschaft schwierig oder
zumindest ungewöhnlich ist. Nur einer Handvoll der
großen Mächte der Frühzeit - vor allem dem Ägypten
der Pharaonen oder dem römischen Imperium - ist es
gelungen, eine eindeutige nationale Identität zu bewahren und gleichzeitig eine ethnische Melange zu
vereinigen und von ihr regiert zu werden... Solche
Vergleiche hinken jedoch, weil diese Imperien durch
Eroberungen entstanden und durch eine aggressive
Militärpräsenz aufrechterhalten wurden. Die Vereinigten Staaten wurden vornehmlich durch freiwillige Einwanderer geschaffen und werden nach wie vor durch
sie definiert. In diesem Prozeß liegt eine der großen
Stärken des Landes, die es mit Talent und Energie
versorgt. Die "Bräunung Amerikas" bietet enorme
Möglichkeiten, erneut von den Leistungen vieler
Menschen aus zahlreichen Ländern zu profitieren.
Dieser grundlegende Wandel in der ethnischen Zusammensetzung der Vereinigten Staaten birgt jedoch
auch Risiken. Der amerikanische Charakter ist flexibel
und dürstet nach Veränderungen. Die vergangenen
Perioden rascher Evolution haben allerdings leider
auch die tieferen, erschreckenderen Aspekte der Volksseele aufgedeckt.
Eine wirklich multirassische Gesellschaft wird sich
zweifelsohne als sehr viel schwieriger zu regieren erweisen. Selbst anscheinend nicht durch Rassengegensätze hervorgerufene Konflikte werden durch ethnische Spannungen zunehmend kompliziert. Beispielsweise wird die erwartete Kraftprobe Anfang des
21. Jahrhunderts zwischen der wachsenden Zahl von
Rentnern und der schwindenen Anzahl von Arbeitnehmern, die für die Sozialleistungen der Älteren aufkommen müssen, durch die Tatsache erschwert, daß eine
gro ße Mehrheit der Nutznie ßer wei ß sind, wohingegen
die Mehrheit der Arbeitnehmer, die für sie bezahlen,
Nichtweiße sind.
Während frühere Generationen von Einwanderern der
Überzeugung waren, sie müßten schnell Englisch
lernen um zu überleben, vertreten viele Hispanier die
Auffassung, die spanische Sprache sei untrennbar mit
ihrer ethnischen und kulturellen Identität verbunden
und versuchen, zeitlebens beide Sprachen, wenn nicht
Seite 2

sogar vorwiegend nur Spanisch zu sprechen. Sie
sehen in Gesetzesvorlagen, Englisch zur einzigen
Amtssprache zu machen, die sich in mindestens 16
Staaten durchgesetzt haben, einen politischen Peitschenhieb. [Vergleiche "Americäs Official Language?" in ASN, 22 (September 1990), S. 25-38]. Arturo
Vargas vom Mexican American Legal Defense and
Educational Fund erklärt: "Genau darum ist es bei der
Diskussion um Englisch als ausschlie ßliche Amtssprache gegangen - es war eine Reaktion auf die wachsende Bevölkerung und den zunehmenden Einfluß der
Hispanier. Es liegt in der menschlichen Natur begründet, Veränderungen gegenüber skeptisch zu sein.
Das war der Zweck der Volkszählung - die Veränderungen zu dokumentieren und sicherzustellen, daß
Amerika Schritt hält."
Rassische und ethnische Konflikte sind nach wie vor in
allen Schichten des amerikanischen Lebens eine
häßliche Tatsache, vom Ghetto der Arbeiterklasse bis
hin zum College-Campus, und diejenigen, die nicht
ihre Faust erheben, erheben häufig ihre Stimme zu
Themen wie Gleichstellung und anderen Formen der
Teilung von Macht. Als die aus staatlichen Mitteln
finanzierte Atlantic University in Florida unter Druck
geriet, die niedrige Zahl ihrer schwarzen Studenten zu
erhöhen und das Angebot machte,... jedem qualifizierten schwarzen Erstsemester kostenlose Ausbildung
zu gewähren, wurde die Universität mit Beschwerden
überschüttet, in denen einige protestierten, für "echte"
Amerikaner würde nichts getan. In dem Maße, in dem
die Zahl der Minderheiten ansteigt, intensivieren sich
zwangsläufig ihre Forderungen nach einem Anteil an
nationalen Fördermitteln, während die Weißen unweigerlich noch mehr auf die Barrikaden gehen. Unternehmer fühlen sich häufig hin und her gerissen zwischen Einwanderungsgesetzen, die sie für die Anstellung illegal eingereister Ausländer bestrafen und Antidiskriminierungsgesetzen, die sie mit Geldstrafen
belegen, weil sie von ausländisch aussehenden Arbeitsplatzbewerbern zuviele Ausweispapiere verlangen. Selbst Firmen, die ständig versuchen, das richtige zu tun, können von dem Problem überwältigt
werden, eine vorwiegend weiße Geschäftsführung
schnell genug umzuerziehen, um eine Belegschaft zu
leiten, die zunehmend aus Nichtweißen besteht und
potentiell ablehnend eingestellt ist.
Diese Spannungen beschränken sich auch nicht schlicht
auf den diametralen Gegensatz zwischen weiß und
nichtweiß. Trotz all der... aufrührerischen Rufe nach
gemeinsamen Zielen fühlen sich die Minoritätengruppen häufig außerordentlich wettbewerbsfähig. Hispanische Politiker haben in Chicago (Illinois) Klimmzüge
veranstaltet, um den weißen und schwarzen Fraktionen jeweils dort Unterstützung anzubieten, wo sie sich
den besten Nutzen für ihre Gemeinde versprachen.
Um Dan Solis von der hispanisch orientierten Nachbarschaftshilfeorganisation United Neighborhood zu
zitieren: "Wenn Sie an Macht denken, dann setzen Sie
nicht alles auf eine Karte."
AMERIKA DIENST 32

�Schwarzen, die von sich sagen, daß sie am längsten
gewartet und im Kampf um Gleichberechtigung am
meisten erduldet hätten, wird beim Gedanken, von
Hispaniern oder in einigen Gegenden von Asiaten - der
zahlenmäßig größten und einflußreichsten Minderheit
- verdrängt zu werden, unbehaglich zumute. Das gilt
umso mehr, wenn sie von diesen Gruppen noch bei
Wohlstand und gesellschaftlichem Status ausgestochen werden. Weil Hispanier so zahlreich und Asiaten
eine solch rasch wachsende Gruppe sind, wurden sie
zu den "gefragtesten" Minderheiten, während die
Schwarzen der Meinung sind, daß ihren Bedürfnisse
ein geringerer Stellenwert eingeräumt wird. Mit der
Erweiterung von Gleichstellungsprogrammen auf andere
Gruppen, von denen weiße Frauen vielleicht am stärksten begünstigt werden, haben sie für Schwarze viel
von ihrem Wert verloren.
Politischer Druck hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits tiefgreifende Veränderungen in Schulbüchern hervorgebracht und beginnt, die geisteswissenschaftlichen Lehrpläne solcher Eliteuniversitäten
wie Stanford in Kalifornien zu beeinflussen. Auf der
College-Ebene geht es um die Frage, ob der traditionelle "Fächerkanon" mit Griechisch, Latein und europäisch geprägter Geisteswissenschaft erweitert werden sollte, um auch die Kulturen Afrikas, Asiens und
anderer Erdteile zu berücksichtigen. Viele von früheren Generationen als Klassiker betrachtete Bücher
gelten heute als Werkzeuge eines kulturellen Imperialismus. In seiner extremen Form wird diese Art des
Denkens zu einem aller Werte beraubten Neutralismus, der alle Kulturen unabhängig von Größe oder
Dürftigkeit ihrer Leistungen grundsätzlich gleichstellt.
Noch besorgniserregender ist ein revisionistischer Ansatz
zur Geschichte, demzufolge Gruppen, die in der
Gegenwart an Macht gewonnen haben, die Geschichte neu schreiben, um ein Bild nach ihren Wünschen zu
erhalten. Wenn die Gesellschaft des 18., 19. und
frühen 20. Jahrhunderts nicht so stark von weißen,
christlichen Männern westeuropäischer Herkunft beherrscht hätte sein sollen, so argumentieren sie, dann
sollte die Gesellschaft der Vergangenheit als pluralistisch und demokratisch noch einmal erfunden werden. Alternativ dazu werden Rassismus und Sexismus der Vergangenheit als untrennbar mit traditionellen Lehren und Werten verbunden dargestellt, die
somit auf immer und ewig diskreditiert seien.
Obwohl College-Lehrpläne heftig diskutiert werden,
können Professoren für gewöhnlich die schlimmsten
Verirrungen abwenden oder unterlaufen, und die Studenten sind normalerweise in ihrem Urteilsvermögen
reif genug, um die Argumente abzuwägen. Die Lehrpläne der Grund- und weiterführenden Schulen erreichen jedoch eine wesentlich größere Gruppe in einem
Beeinflussungsversuchen weit zugänglicheren Alter,
und politische Berechnung gewinnt hier häufiger die
Oberhand über intellektuelle Redlichkeit. In New York
kam es zu einer erbitterten Auseinandersetzung, nachAMERIKA DIENST 32

dem eine staatliche Expertengruppe zu dem Schluß
gekommen war, daß "Afro-Amerikaner, Amerikaner
asiatischer Herkunft, Puertoricaner und amerikanische Ureinwohner gemeinsam Opfer einer geistigen
und bildungspolitischen Unterdrückung geworden sind,
die Kultur und Institutionen der Vereinigten Staaten
und der europäisch-amerikanischen Welt seit Jahrhunderten geprägt hat... Negative Charakterisierungen oder das Nichtvorhandensein positiver Bezüge
haben furchtbare Auswirkungen auf die Psyche der
jungen Menschen gehabt." Die Gruppe begründete ihr
Eintreten für überarbeitete Lehrpläne folgendermaßen: "Kinder aus der europäischen Kultur werden als
Angehörige einer Gruppe, die 'an allem schuld war',
eine weniger arrogante Haltung einnehmen." Darüber
sind viele Intellektuelle empört. Der Politologe Andrew
Hacker vom Queens College in New York etwa fällt ein
vernichtendes Urteil über den Vorschlag der Expertengruppe, den Kindern beizubringen, wie "die amerikanischen Ureinwohner die Siedler aus Holland, dem
Senegal, England, Indonesien, Frankreich, dem Kongo, Italien, China und der iberischen Halbinsel hier
willkommen hießen". Hacker: "Haben die Indianer all
diese Gruppen wirklich willkommen gehei ßen ? Waren
sie auf Ellis Island, als die ersten Italiener eintrafen?
Das ist nicht Geschichte sondern ein Mythos mit dem
Ziel, das Selbstwertgefühl bestimmter Kinder zu stärken, und - möglicherweise - eine Plattform für Verfechter verschiedener ethnischer Interessen."
Sosehr wirtschaftliche und politische Fragen die Gemüter
auch in Wallung bringen mögen, sind sie grundsätzlich
doch praktischen Lösungen zugänglich. Die tiefere
Bedeutung der Entwicklung Amerikas zu einer mehrheitlich nichtweißen Gesellschaft liegt jedoch darin,
was dies für die nationale Psyche, für das Gefühl des
einzelnen im Hinblick auf sich selbst und sein Land
bedeutet - seine Einschätzung dessen, was es bedeutet, Amerikaner zu sein. Farbige hatten häufig das
Gefühl, daß Weiße die Gleichberechtigung eher als
den Minderheiten gewährtes Almosen denn als unveräußerliches natürliches Recht betrachteten. Diese
herablassende Haltung wird sicherlich verschwinden.
Anstatt die amerikanische Geschichte und ihre Bedeutung als geklärt zu betrachten, werden sich die Bürger
in zunehmendem Maße bemüßigt fühlen, darüber zu
diskutieren, worauf die Erfolge dieses Landes beruhten und welches seine unveränderlichen Credos sind.
Sie werden darüber streiten, welche Mythen und Bilder
im Bildungswesen, in der Volkskultur, in zeremoniellen
Reden von Wahlkämpfen bis zum jährlichen Bericht
des Präsidenten zur Lage der Nation zitiert werden
sollen. Welche Art von Heldentum ist verehrungswürdiger: das mutige Aushalten einiger weniger, nach
Eroberung trachtender Weißer gegenüber den Mexikanern am Alamo oder der anonyme Ausdruck von
Hoffnung durch Millionen von Einwanderern, die über
Ellis Island ins Land strömten? Symbole, die für die
eine Gruppe von tiefer Bedeutung sind, können bei
einer anderen auf völlige Gleichgültigkeit stoßen. Dazu
Seite 3

�erklärt die Kanzlerin der University of Wisconsin, Donna
Shalala: "Meine Großeltern kamen aus dem Libanon.
Mit den Pilgervätern kann ich mich nicht persönlich
identifizieren."
Christopher Jencks, Soziologieprofessor an der Northwestern University in Illinois, stellt die Frage: "Ist an
Truthähnen und Pilgervätern irgendetwas Wichtigeres
als an Martin Luther King und (dem Marsch auf) Selma,
Alabama? Für mich haben sie den gleichen Stellenwert, wenn Kinder verstehen, was es heißt, einer
Minderheit Andersdenkender anzugehören. Weil uns
der Kampf um die Bürgerrechte zeitlich näher steht,
wird er wahrscheinlich von Personen vermittelt, die
daran wirklich Anteil nehmen."
Die Traditionalisten unterscheiden zunehmend zwischen einer "multirassischen" Gesellschaft, die ihrer
Meinung nach in Ordnung wäre, und einer "multikulturellen" Gesellschaft, die sie mißbilligen. Sie erklären,
jede Gesellschaft benötige ein allgemein anerkanntes
Wertgefüge, und Neuankömmlinge sollten deshalb
gedrängt werden, sich der Mentalität anzupassen, auf
der Wohlstand und Freiheit der Vereinigten Staaten
errichtet worden seien. So stellt Allan Bloom in seinem
Bestseller The Closing of the American Mind fest:
"Offenkundig kann die Zukunft Amerikas nicht gestärkt
werden, wenn die Menschen an ihren eigenen Gebräuchen festhalten und für immer Außenseiter bleiben.
Die Gesellschaft mu ß sie zu Amerikanern machen. Es
gibt natürliche Befürchtungen, daß die Einwanderer
von heute für eine auf westliche Werte gegründete
Nation eine Art kultureller Überdehnung hervorrufen
werden."
Das von Gelehrten wie dem Historiker Thomas Bender
von der New York University vorgetragene Gegenargument lautet, daß man, wenn das Zentrum nicht
standhalten kann, das Zentrum eben neu definieren
muß. Bender zufolge sollte es "das sich ständig
verändernde Ergebnis eines fortwährenden Wettbewerbs zwischen gesellschaftlichen Gruppen und Ideen
um die Macht zur Definition der öffentlichen Kultur"
sein. Außerdem, so fügt er hinzu, engagieren sich
viele Einwanderer bereits bei ihrer Ankunft für amerikanische Werte, denn teilweise waren es diese Werte,
die sie angezogen haben. Julian Simon, Professor für
Betriebswirtschaft an der University of Maryland, meint
dazu: "Das Leben und die Institutionen hier formen die
Einwanderer und nicht umgekehrt. Dieses Gerede
über Immigranten, die unsere Institutionen und unsere
grundlegende Lebensweise verändern, ist Unsinn. Es
dient einigen Einheimischen dazu, Angst zu schüren."
Von Historikern wurde festgestellt, daß bereits in der
Vergangenheit Amerikaner dachten, ihre historisch
gewachsene Kultur werde von Einwanderern erdrückt,
aber Konflikte zwischen früher eingewanderten Engländern, Deutschen und Iren und später gekommenen

Seite 4

Italienern und Juden enthielten nicht das offenkundige
und bleibende Element der Hautfarbe. Daneben ist es
nie der Fall gewesen, daß Elemente außerhalb der
Hauptströmung allein durch ihre Zahl die Möglichkeit
für sich in Anspruch nehmen konnten, sich zu vereinen
und politische Dominanz auszuüben. Bender: "Die
wahre Frage lautet, ob unser Begriff von Vielfalt die
Trennungslinie der Hautfarbe überwinden kann."
Für Weiße, besonders diejenigen, die ihre Herkunft bis
auf die frühen Jahre der Vereinigten Staaten zurückführen, ist das amerikanische Erbe eine Quelle des
Stolzes. Für Menschen anderer Hautfarbe wird es
eher ein Gefühl des Zorns und bisweilen der Scham
erzeugen. Der Platz, an dem die Hoffnung geteilt wird,
liegt in der Zukunft. Der Demograph Ben Wattenberg,
vormals als Gegner sozialen Wandels bekannt, räumt
ein: "Es besteht gute Aussicht, daß der amerikanische
Mythos in den neunziger Jahren und danach einen
weiteren Schritt zur Verwirklichung dieser Idee leisten
wird, daß wir eine Gesellschaft universeller Prägung
sind. Das erinnert an die manifest destiny. Wir sind
ein Volk mit einer Mission und Zielbewußtsein, und wir
glauben, daß wir der Welt etwas zu bieten haben."
Nicht jeder ehemalige Prophet des Unheils kann sich
zu solchem Optimismus zwingen. So stellt Norman
Podhoretz, Herausgeber der Zeitschrift Commentary, fest: "Eine Menge Leute versuchen, die Grundlagen der amerikanischen Erfahrung zu unterminieren
und drängen auf eine Balkanisierung der Gesellschaft.
Das wäre meines Erachtens eine Katastrophe, nicht
nur, weil es ein kostbares gesellschaftliches Erbe
zerstören sondern auch, weil es zu enormem Unfrieden, vielleicht sogar zu Gewalt führen würde."
Obwohl sich der "Know-Nothingism" (eine kurzlebige
politische Partei um die Mitte des 19. Jahrhunderts,
deren Mitglieder sich geheim trafen, gegen die Einwanderung sowie die Wahl oder Berufung im Ausland
Geborener protestierten und auf Befragungen zu ihren
politischen Vorstellungen behaupteten, sie wüßten
von nichts,) im allgemeinen auf die trostloseren Winkel
der amerikanischen Psyche beschränkt, scheint es
doch allzu wahrscheinlich, daß eine wachsende Zahl
der politischen Mitte zuzurechnender wei ßer Amerikaner in den nächsten Jahrzehnten offen von der Nation
sprechen werden, die zu verlieren sie im Begriff seien... Weiße Amerikaner sind gewohnt, sich selbst für
das Ebenbild ihrer Nation zu halten. So anregend dies
für den Rest der Welt, so bedeutend es für die Rolle der
Vereinigten Staaten in der Weltpolitik, im Welthandel
und beim Streben nach Frieden sein mag: die Entstehung einer offenkundig multirassischen Gesellschaft
wird für viele Durchschnittsbürger zwangsläufig eine
Erfahrung mit Höhen und Tiefen sein. Älteren Amerikanern, die in einer Welt aufwuchsen, in der die Zahl
der Weißen größer war und die Sichtbarkeit Nichtwei-

AMERIKA DIENST 32

�ßer sorgfältig begrenzt wurde, wird die neue Welt noch zimmern des ganzen Landes zunehmend feststellen:
fremder erscheinen. Aber wie die Kinder der Kester die Welt ist hier. Sie ist es heute, und dies ist
Elementary School und ihre Mitschüler in den Klassen- unwiderruflich das Amerika der Zukunft.

* * * * *

V

AMERIKA DIENST 32

Seite 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11225">
                <text>14.08.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11226">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11227">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11228">
                <text>Amerikadienst 14.08.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11229">
                <text>&lt;strong&gt;1. Nationale Sicherheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht zur nationalen Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Raketenabwehr&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuorientierung der Pläne für Raketenabwehrsystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutz vor begrenzten Schlägen soll gewährleistet werden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zahl der Einpersonenhaushalte wächst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auswirkungen auf Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dem Schmelztiegel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William A. Henry III&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2642" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2614">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2ef1c29f087a733acba87de3dbd9ae16.pdf</src>
        <authentication>274187462b45c0b36c525190ae5d3861</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14727">
                <text>Amerikadienst 14.09.1955</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14728">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20080">
                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist Amerika (VII)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwanzig amerikanische Dichter und Schriftsteller schreiben über "ihre" Stadt und über "ihr" Land&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Land der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Upton Sinclair&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wüstenleben 1955 (II und Schluß)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Industrien enstehen in der Wüste&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beton ragt in den Himmel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eero Saarinen entwarf das neue Auditorium des Technologischen Instituts von Massachusetts, eines der schönsten Beispiele moderner Architektur&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20081">
                <text>Herausgeben U.S. Information  Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="47">
            <name>Rights</name>
            <description>Information about rights held in and over the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20082">
                <text>14.09.1955</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="3058" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2898">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/b8c4e806defd1b6cbc790e3ca086eaf6.pdf</src>
        <authentication>78978032a2429172cc223f59c74c5f0e</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16235">
                <text>Amerikadienst 14.09.1962</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16236">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16237">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16238">
                <text>14.09.1962</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16239">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20554">
                <text>&lt;strong&gt;1. Zum Deutschland-Gastspiel des New York City Ballet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ballett in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Tanz als Bestandteil der amerikanischen Kultur - kurzer Abriss über die Entwicklung des Bühnentanzes zu einer eigenständigen Tanzform&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Meilensteine&lt;br /&gt;Hundert Jahre Befreiungsproklamation&lt;br /&gt;Am 22. September 1962 verlas Präsident Lincoln vor seinem Kabinett den Entwurf der "Befreiungsproklamation" zur Beendigung des Sklaventums in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kriminologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Identifizierungsmethode&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verbrecherfang durch "Stimmabdruck"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Biologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wer stellt den Pflanzen die Uhr?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wissenschaftler auf der Jagd nach einem geheimnisvollen Pigment&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Fredric Appel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Medizin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirkungsmechanismus von Thalidomid noch immer ein Rätsel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Orthopädische Spezialklinik für Arthritiker&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Röntgenstrahlen bei chronischer Sinusitis und Asthma&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Radiojod - zuverlässiges und ungefährliches Hilfsmittel der Medizin&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1579" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1590">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0bc38cc8f5a6e0d96e9866f013a97b58.pdf</src>
        <authentication>5deb29711b401f4a0028e4b9d43e1cdc</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8185">
                    <text>Information
und
Dokumentation

31

I

United States Information Service

14. September 1977

25
INHALT

DOKUMENTATION
Vertrag über die ständige Neutralität und den Betrieb des Panamakanals
mit Anhang A und Protokoll
- Wortlaut Carter: Panamakanal-Vertrag bekundet Fairness der USA
- Wortlaut der Ansprache Carters INFORMATION
Eröffnung des Welthandelszentrums in Baltimore
- Welthandelswoche bietet eine Fülle von Kontaktmöglichkeiten HINTERGRUNDMATERIAL
Die Menschenrechte: Ein Anliegen des amerikanischen Kongresses
- Von Professor Robert F Buckhorn 15 Jahre Abrüstungsverhandlungen in Genf
- USA hoffen auf Fortschritte Von Michael O'Mara
US-Bundesamt für Meeresforschung mit neuen Kompetenzen
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Auf der Suche nach neuen Uranvorkommen
- Computer und "Pfadfinderelemente" beschleunigen die Prospektion Superhartes Material synthetisiert

Um Ubcr/cndung von
ßelcgcKcmplarcn wird
gcbcccn

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�I
»

Dokumentation
United States Information Service

25

14. September 1977

VERTRAG ÜBER DIE STÄNDIGE NEUTRALITÄT UND DEN BETRIEB DES PANAMAKANALS
MIT ANHANG A UND PROTOKOLL
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Jimmy Carter und dem Regierungschef Panamas, Omar Torrijos, am 7. September 1977 unterzeichnete Vertrag über
die ständige Neutralität und den Betrieb des Panamakanals hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik Panama sind wie
folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Republik Panama erklärt, daß der Kanal in Einklang mit dem in diesem
Vertrag festgelegten Statut für immer neutral bleiben soll. Das gleiche Neutralitätsstatut soll für alle anderen internationalen Wasserstraßen gelten,
die sei es zum Teil oder gänzlich auf dem Territorium der Republik Panama
gebaut werden mögen.
Artikel II

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�•

Artikel II
Die Republik Panama erklärt die Neutralität des Kanals, damit sowohl
in Friedenszeiten wie auch in Kriegszeiten der Kanal eine sichere und offene
Durchfahrt für die Schiffe aller Nationen bleiben soll, und zwar unter Bedingungen völliger Gleichberechtigung ohne irgendeine

Diskriminierung gegen

irgendeinen Staat oder dessen Bürger oder Untertanen in bezug auf die Bedingungen oder Gebühren für die Durchfahrt oder aus irgendeinem anderen Grund,
und damit der Kanal - und daher auch der Isthmus von Panama - nicht zum Ziel
von Repressalien bei irgendeinem bewaffneten Konflikt zwischen anderen Staaten
der Welt werden kann.

Besagtes soll folgenden Bestimmungen unterliegen:

a) Der Bezahlung von Gebühren und anderen Abgaben für die Durchfahrt und
Hilfsdienste, vorausgesetzt, daß sie in Einklang mit den Bestimmungen des Artikels III c) festgelegt wurden;
b) der Befolgung der einschlägigen Regeln und Verordnungen, vorausgesetzt datJ diese Regeln und Verordnungen in Einklang mit den Bestimmungen des
Artikels III angewandt werden;
c) der Forderung, daß alle den Kanal durchfahrenden Schiffe sich jeglicher feindseliger Akte enthalten, während sie sich im Kanal befinden; und
•

d) anderen Bedingungen und Einschränkungen der Art, wie sie durch diesen
Vertrag festgelegt sind.
,

'

•

•

Artikel III
1. Zum Zwecke der Sicherheit, Leistungsfähigkeit und angemessenen Instandhaltung des Kanals sollen die folgenden Verordnungen gelten:
a) Der Kanal soll in wirksamer Weise betrieben werden in Einklang mit
den Bedingungen für die Durchfahrt durch den Kanal und Verordnungen und Re- 2 -

4

�Regeln, die gerecht, fair und vernünftig sein sollen und die sich auf das beschränken sollen, was für eine sichere Navigation und eine wirksame und sanitäre Inbetriebhaltung des Kanals notwendig ist.
b) Hilfsdienste, die für die Kanal durchfahrt notwendig sind, sollen geleistet werden.
c) Gebühren und andere Abgaben für die Durchfahrt und Hilfsdienste sollen
juristisch gerecht, vernünftig und fair sein und mit den Grundsätzen des Völkerrechts in Einklang stehen.
d) Als eine Vorbedingung für die Durchfahrt kann von Schiffen ein klarer
Nachweis sowie eine Garantie gefordert werden, daß sie in der Lage sind, einen
vernünftigen und angemessenen Schadenersatz entsprechend den internationalen
Praktiken und Normen zu leisten für Schäden, die aus bestimmten Handlungen
oder Unterlassungen solcher durch den Kanal fahrenden Schiffe entstehen. Bei
Schiffen, die Eigentum eines Staates sind oder im Dienste eines Staates fahren
oder für die ein Staat die Verantwortung übernommen hat, soll ein von diesem
Staat ausgestelltes Zertifikat, daß er seinen Verpflichtungen gemäß dem Völkerrecht zur Zahlung von Schadenersatz nachkommen wird, der aus Handlungen oder
Unterlassungen solcher den Kanal durchfahrenden Schiffe entstehen, als ausreichend angesehen werden, um eine solche Zahlungsfähigkeit anzuerkennen.
e) Kriegsschiffe und Hilfsschiffe aller Nationen sollen zu allen Zeiten
berechtigt sein, den Kanal zu durchfahren, ungeachtet ihres Bordbetriebs,
ihres Antriebes, ihres Heimathafens, ihres Bestimmungsortes oder ihrer Bewaffnung, und zwar ohne daß sie als Bedingung für eine Durchfahrt einer Inspektion,
einer Durchsuchung oder einer Überwachung unterworfen werden.

Bei solchen

Schiffen darf jedoch verlangt werden, daß sie nachweisen, daß sie den einschlägigen Gesundheits-, sanitären und Quarantänebestimmungen entsprechen.

Ferner

soll solchen Schiffen das Recht zustehen, Angaben über ihren Bordbetrieb, ihren
Heimathafen, ihre Bewaffnung, ihre Ladung oder ihren Bestimmungsort zu verweigern.

Von Hilfsschiffen kann jedoch verlangt werden, daß sie schriftliche
- 3 -

�schriftliche Bescheinigungen, die von einem Beamten auf hoher Regierungsebene des Staates bestätigt sind, der um die Befreiung ersucht, darüber vorlegen, daß sie im Besitze jener Regierung sind oder von ihr betrieben werden
und in diesem Falle im staatlichen nichtkommerziellen Dienst benutzt werden.
2. Im Sinne dieses Vertrages sollen die Begriffe "Kanal", "Kriegsschiff",
"Hilfsschiff", "Bordbetrieb", "Bewaffnung" und "Inspektion" die Bedeutung haben, die ihnen im Anhang zu diesem Vertrag zugeschrieben werden.

Artikel IV
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik Panama stimmen darin
überein, den Rechtsstatus der Neutralität, der mit diesem Vertrag geschaffen
wird, zu wahren, der aufrechterhalten werden soll, damit der Kanal auf alle
Zeiten neutral bleibt, ungeachtet des Auslaufens irgendwelcher anderen Verträge, die die beiden Vertragsparteien eingegangen sind.

Artikel V
Nach dem Auslaufen des Panamakanal-Vertrages soll nur die Republik Panama
den Kanal betreiben und innerhalb ihres nationalen Territoriums Streitkräfte,
Verteidigungsanlagen und militärische Installationen aufrechterhalten.

Artikel VI
1. In Anbetracht der wichtigen Beiträge der Vereinigten Staaten von Amerika
und der Republik Panama zum Bau, zum Betrieb, zur Instandhaltung zum Schutz
und zur Verteidigung des Kanals sollen Kriegsschiffe und Hilfskriegsschiffe
dieser Staaten - ungeachtet irgendwelcher anderer Bestimmungen dieses Vertrages - das Recht haben, den Kanal ohne Rücksicht auf ihren Bordbetrieb,
ihren Antrieb, ihren Heimathafen,

ihren Bestimmungsort,

oder ihre

Solchen Kriegsschiffen und Hilfskriegs-

Ladung zu durchfahren.

ihre

Bewaffnung

�Hilfskriegsschiffen steht das Recht zu, den Kanal unverzüglich zu passieren.
2. Solange die Vereinigten Staaten von Amerika für den Betrieb des Kanals
verantwortlich sind, können sie der Republik Kolumbien weiterhin gebührenfreien
Transit durch den Kanal für deren Truppen, Schiffe und Kriegsmaterial gewähren.
Danach kann die Republik Panama der Republik Kolumbien und der Republik Costa
Rica das Recht des gebührenfreien Transit gewähren.

Artikel VII
1. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik Panama werden gemeinsam in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eine Resolution einbringen, durch die alle Staaten der Welt dem Protokoll zu diesem Vertrag beitreten können, somit alle Signatarstaaten die Ziele dieses Vertrages befolgen
werden und darin übereinstimmen, den hierin festgelegten Rechtsstatus der Neutralität zu respektieren.
2. Die Organisation Amerikanischer Staaten soll als Hinterlegungsstelle
für diesen Vertrag und die damit zusammenhängenden Urkunden fungieren.

Artikel VIII
Dieser Vertrag soll Gegenstand der Ratifizierung gemäß den verfassungsmäßigen Verfahren der beiden Vertragschließenden sein.

Die Ratifizierungsur-

kunden dieses Vertrages sollen in Panama zur gleichen Zeit ausgetauscht werden,
wie die Ratifizierungsurkunden des an diesem Tage unterzeichneten Panamakanal-Vertrages ausgetauscht werden.

Dieser Vertrag soll gleichzeitig mit dem

Panamakanal-Vertrag sechs Kalendermonate nach dem Datum des Austausches der
Ratifizierungsurkunden in Kraft treten.
Gegeben zu Washington am 7. September 1977 in doppelter Ausfertigung, in
der englischen und der spanischen Sprache, deren beide Texte in gleicher Weise
authentisch sind.
. .
.
Anhang A
- 5 -

�Anhang A
1. Der Begriff "Kanal" umfaßt den derzeit bestehenden Panamakanal, die
Einfahrten in diesen und die hieran angrenzenden territorialen Gewässer der
Republik Panama, wie sie in der hierzu beigefügten Karte umrissen sind (Anhang B ) , sowie jede andere interozeanische Wasserstraße, an der die Vereinigten Staaten von Amerika beteiligt sind oder an der die Vereinigten Staaten
von Amerika im Zusammenhang mit dem Bau oder der Finanzierung beteiligt waren,
die gänzlich oder teilweise innerhalb des Territoriums der Republik Panama,
den Einfahrten hierzu und den daran angrenzenden territorialen Gewässern betrieben werden mögen.
2. "Kriegsschiff" bedeutet ein Schiff, das den Seestreitkräften eines
Staates angehört und die äußeren Kennzeichen trägt, die die Nationalität von
Kriegsschiffen bezeichnen, und das unter dem Kommando eines von der Regierung
ordnungsgemäß bestallten Offiziers steht, dessen Name auf der Marineliste erscheint und das eine Mannschaft hat, die der regulären Marinedienstordnung
untersteht.
3. "Hilfsschiff" bedeutet ein jedes Schiff - jedoch kein Kriegsschiff das einem Staat

gehört

oder von ihm betrieben wird und für die fragliche

Zeit ausschließlich im nicht-kommerziellen Dienst der Regierung steht.
4. "Bordbetrieb" umfaßt alle Maschinenanlagen und Antriebssysteme sowie
die Führung und Kontrolle des Schiffs und seiner Mannschaft.

Darunter fallen

nicht die für die Durchfahrt notwendigen Maßnahmen unter der Leitung von Lotsen, während diese Schiffe sich im Kanal befinden.
5. "Bewaffnung" bedeutet Waffen, Munition, Kriegsgerät und andere Ausrüstungen eines Schiffes, die für kriegerische Zwecke geeignete Charakteristika
besitzen.
6. "Inspektion"
- 6 -

�6. "Inspektion" umfaßt eine "an Bord -Untersuchung der Struktur, der
Ladung, der Bewaffnung und des Bordbetriebs des Schiffes.

Darunter fallen

jedoch nicht solche Maßnahmen, die für die Größenabmessung des Schiffs unbedingt erforderlich sind und auch nicht die Maßnahmen, die zur Gewährleistung
einer sicheren und sanitären Durchfahrt und Navigation unbedingt notwendig
sind, wozu auch die Untersuchung des Decks und der visuellen Navigationsgeräte gehören noch wie im Falle von lebender Ladung - wie Rindern oder anderen
Tieren - die ansteckende Krankheiten haben können, solche Maßnahmen, die notwendig sind, um die Gewähr zu geben, daß die gesundheitlichen und sanitären
Erfordernisse erfüllt sind.

+ + +

PROTOKOLL ZU DEM VERTRAG OBER DIE STÄNDIGE NEUTRALITÄT UND DEN BETRIEB DES
PANAMAKANALS.
In Anbetracht der Tatsache,
daß die Aufrechterhaltung der Neutralität des Panamakanals nicht nur
für den Handel und die Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika und der
Republik Panama, sondern auch für den Frieden und die Sicherheit der westlichen
Hemisphäre und für die Interessen des Welthandels von Wichtigkeit sind;
daß der Status der Neutralität, den aufrechtzuerhalten die Vereinigten
Staaten von Amerika und die Republik Panama übereingekommen sind, den ständigen
Zugang zu dem Kanal durch Schiffe aller Nationen auf der Basis völliger Gleichberechtigung sicherstellen wird;
daß besagter Status einer effektiven Neutralität den besten Schutz für den
Kanal bilden und das Ausbleiben jeglicher feindseliger Akte gegen ihn gewährleisten wird;
haben

�haben sich die Vertragschließenden für dieses Protokoll auf Folgendes
geeinigt:

Artikel I
Die vertragschließenden Parteien anerkennen hiermit den Status der
ständigen Neutralität für den Kanal, wie festgelegt in dem Vertrag über die
ständige Neutralität und den Betrieb des Panamakanals und assoziieren sich
ihrerseits mit seinen Zielen.

Artikel II
Die Vertragschließenden kommen überein, den Status der ständigen Neutralität des Kanals in Friedenszeiten wie in Kriegszeiten einzuhalten und
zu respektieren und sicherzustellen, daß die bei ihnen registrierten Schiffe
sich strikt an die gültigen Bestimmungen halten.

Artikel III
Dieses Protokoll soll allen Staaten der Welt zum Beitritt offenstehen
und soll für einen jeden Staat in Kraft treten sobald er seine Beitrittsurkunden bei dem Generalsekretär der Organisation der Amerikanischen Staaten
hinterlegt hat.

+ + + + +

- 8 -

�1

1
I

&amp;

Dokumentation
United States Information Service

14. September 1977

25

CARTER: PANAMAKANAL-VERTRAG BEKUNDET FAIRNESS DER USA
- Wortlaut der Ansprache Carters -

WASHINGTON - (AD) - Die Unterzeichnung des Panamakanal-Vertragswerks
unterstreicht nach den Worten Präsident Carters die Überzeugung der USA, daß
Fairness und nicht Gewalt das Handeln der Vereinigten Staaten gegenüber den
anderen Nationen der Welt bestimmen sollte.
Die Verträge, so sagte Carter
am 7. September 1977 anläßlich der Unterzeichnung in Washington, würden eine
friedliche und sichere Zukunft für einen internationalen Wasserweg sicherstellen, der "von großer Bedeutung für uns alle ist." Sie dienten den besten
Interessen sowohl der USA als auch Panamas, und mit der Garantie der Neutralität des Wasserweges sei auch den besten Interessen aller Länder gedient, die
den Kanal benutzen.
Die Unterzeichnung der Verträge durch Präsident Jimmy Carter und den
panamaischen Regierungschef Omar Torrijos fand im Beisein zahlreicher Staatsoberhäupter der westlichen Hemisphäre statt. Das Vertragswerk umfaßt zwei
Dokumente: einen Grundvertrag, der die schrittweise Übernahme der Kanalzone
und des Kanals durch Panama bis zum 31. Dezember 1999 vorsieht, sowie einen
Vertrag, der die Neutralität des Wasserweges sicherstellen soll und Bestimmungen für seinen Betrieb enthält.
Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Die Ansprache Carters hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte den führenden Staatsmännern, die aus diesem historischen Anlaß aus 27 Ländern unserer westlichen Hemisphäre hierher gekommen sind, meinen
Dank aussprechen.
•

Ich bin stolz darauf, hier zu sein - als Teil der größten Gruppe von
Staatsoberhäuptern, die sich jemals hier in der "Hall of the Americas" versammelt hat.

Wir sind hier, um an der Unterzeichnung von Verträgen teilzu-

nehmen, die eine friedliche, gedeihliche und sichere Zukunft für einen internationalen Wasserweg sichern, der für uns alle von großer Bedeutung ist.
Aber die Verträge bedeuten mehr als das.
Sie bedeuten, daß die Vereinigten Staaten für die Überzeugung eintreten,
daß Fairness und nicht Gewalt unser Handeln gegenüber den Nationen der Welt
bestimmen soll.
Wenn ein Abkommen zwischen zwei Ländern von Dauer sein soll, dann muß es
den besten Interessen beider Partner dienen. Die neuen Verträge tun das; und
durch die Garantie der Neutralität des Panamakanals dienen die Verträge auch
den besten Interessen jedes Landes, das den Kanal benutzt. Diese Übereinkunft
formt also eine neue Partnerschaft, die sicherstellen soll, daß dieser lebenswichtige Wasserweg jetzt und in der Zukunft sorgfältig betrieben wird, sicher
ist und der Schiffahrt aller Länder offensteht.
Aufgrund dieser Abkommen wird Panama beim Betrieb und bei der Verteidigung des Kanals während der nächsten 23 Jahre eine immer wichtigere Rolle
spielen.

Und in der Zeit danach werden die USA immer noch in der Lage sein,

jeder Bedrohung der Neutralität des Kanals entgegenzutreten.
nun i,

•
Die Mitglieder der Organisation Amerikanischer Staaten sowie alle Mitglieder der Vereinten Nationen werden die Möglichkeit haben, mit ihrer Unter-

�Unterschrift für die ständige Neutralität des Kanals einzutreten.
Durch die Übereinkommen erhält Panama ferner eine wichtige Rolle in dem
kontinuierlichen, sicheren und wirksamen Betrieb des Kanals und wird Panama
zu einem starken und interessierten Partner hinsichtlich des zukünftigen Erfolges des Wasserweges.
Im Geiste der Gegenseitigkeit, wie er von den führenden Politikern auf
dem Gipfeltreffen von Bogota empfohlen wurde, sind die Vereinigten Staaten und
Panama übereingekommen, daß irgendein zukünftiger Kanal auf Meereshöhe in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten in Panama gebaut wird.

Auf diese

Weise werden die besten Interessen unserer beiden Länder verknüpft und für die
Zukunft gewahrt.
Viele von Ihnen haben seit vielen Jahren mit Nachdruck wissen lassen,
was sie von dem Panamakanal-Vertrag aus dem Jahre 1903 halten. Dieser Vertrag,
der in einer Zeit ausgearbeitet wurde, die sich so sehr von der heutigen unterscheidet, ist zu einem Hindernis für bessere Beziehungen zu Lateinamerika
geworden.
Ich danke jedem von Ihnen für die Hilfe und Unterstützung, die Sie und
Ihre Länder während des langen Verhandlungsprozesses, der sich jetzt seinem
Ende nähert, gewährt haben.
Dieses Abkommen ist ein Symbol des gegenseitigen Respektes und der Zusammenarbeit. Es öffnet ein neues Kapitel in unseren Beziehungen; es legt
Zeugnis ab für die Reife und das gute Urteil und für den Anstand unserer
Menschen.

+ + + + +

- 3 -

�Information
United States Information Service

14. September 1977

25

ERÖFFNUNG DES WELTHANDELSZENTRUMS BALTIMORE
Welthandelswoche bietet eine Fülle von Kontaktmöglichkeiten

BALTIMORE - (AD) - Ein neues Welthandelszentrum - ein 30 Stockwerke hohes
Gebäude - wird am 25. September 1977 im Rahmen der Nationalen Hafenwoche in
Baltimore eröffnet. Die Eröffnungsfeier leitet eine Reihe von Sonderveranstaltungen ein, die die Bedeutung Baltimores als Hafen- und Handelsplatz von weltweiter Bedeutung demonstrieren sollen.
Das Welthandelszentrum, das in vier Jahren Bauzeit mit einem Kostenaufwand von 22 Millionen Dollar errichtet wurde, vereint die Büros der wichtigsten
Schiffahrtslinien, Handelshäuser, Banken sowie Ausste'Hungsräume und alle anderen für die Abwicklung von Handelsgeschäften wichtigen Einrichtungen und
Dienstleistungen unter einem Dach.
Die Internationale Hafenwoche gipfelt am 1. und 2. Oktober im Welthandel swochenende.

Davor veranstaltet die Hafenverwaltung gemeinsam mit der Johns

Hopkins University am 26. September ein Seminar zu dem Thema "Die Stellung
Baltimores in der Weltwirtschaft", an dem rund 500 Wirtschaftler und Wirtschaftstheoretiker teilnehmen werden.

Veranstaltungsort ist selbstverständ-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�selbstverständlich das neue Welthandelszentrum, in dem am 30. September auch
der "Erste Internationale Hafenbau" stattfinden wird.
Das World Trade Weekend, eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt
Baltimore und der Hafenverwaltung, ist als eine Art Volksfest gedacht, das im
Handelszentrum, auf den Straßen und Plätzen und am Binnenhafen stattfindet.
Am frühen Nachmittag des Samstags und Sonntags wird das Welthandelszentrum
seine Pforten für jedermann zu einer gewaltigen "open house party" öffnen.
An den Kais des Binnenhafen»musizieren die Dunbar High School Band und die
Peabody Big Band, beides Schulorchester.

Vor dem World Trade Center bietet

an beiden Tagen ein Seafood Festival Feinschmeckern Gelegenheit, Fischdelikatessen aller Art zu kosten.

Und am Sonntag schließlich werden sich bei der

Welthandelsparade, einer Schiffsparade, im Binnenhafen Feuerlöschboote,
Schlepper und andere Nutzfahrzeuge der Binnenschiffahrt dem Publikum in voller
Aktion vorstellen.
Die Stadt Baltimore erwartet einen großen Zustrom von Interessenten
und Schaulustigen nicht nur aus allen Teilen der Vereinigten Staaten, sondern
auch aus zahlreichen am Welthandel partizipierenden Ländern. Geschäftsleuten
bietet die Welthandelswoche in Baltimore zahlreiche Möglichkeiten zur Pflege
alter und Anknüpfung neuer Kontakte mit Geschäftspartnern der Stadt und
aus ganz Amerika.

+ + + + +

- 2 -

�14. September 1977

25

DIE MENSCHENRECHTE: EIN ANLIEGEN DES AMERIKANISCHEN KONGRESSES
- Von Professor Robert F. Buckhorn -

Das amerikanische Eintreten für die Menschenrechte wird von politischen Beobachtern in der ganzen Welt vor allem der neuen
Administration von Präsident Jimmy Carter
zugeschrieben. Der Autor dieses Artikels,
Professor für Zeitungswissenschaften an
der Amerikanischen Universität in Washington,
zeigt auf, daß die Menschenrechte schon
seit langem ein Anliegen des amerikanischen
Kongresses waren und in der Gesetzgebung
ihren Niederschlag gefunden haben. Der
Kongreß, so schreibt Buckhorn, habe schon
vor dem Amtsantritt von Präsident Carter
das Weiße Haus zunehmend zu einem stärkeren
Einsatz für die Menschenrechte gedrängt.
Professor Buckhorn hat vor seiner Lehrtätigkeit in Washington lange Jahre als Journalist
für die bekannten Zeitschriften TIME und
FORTUNE sowie für die Rundfunk- und Fernsehgesellschaft American Broadcasting Company
gearbeitet.
Präsident Carter hat die Frage der Menschenrechte zu einem integralen Bestandteil seines diplomatischen Dialogs mit anderen Staaten gemacht, aber es
war der amerikanische Kongreß, der als erster und am lautesten seine Stimme in

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�in dieser Frage erhoben hat.
In den letzten Jahren, vor allem in den letzten vier Jahren, hat der
Kongreß einen immer stärkeren Druck auf das Weiße Haus ausgeübt, sich noch
mehr für die Menschenrechte einzusetzen.

Zeitweilig gelang es den Gesetz-

gebern und dem Weißen Haus, gleichlaufend zu arbeiten, aber die beiden Zweige
der Regierung waren nicht frei von Streit.
Im Mittelpunkt der Kontroverse stand vor allem die Forderung amerikanischer Präsidenten nach einer flexiblen Haltung gegenüber anderen Staaten
in der Frage der Menschenrechte zu einer Zeit, da der Kongreß mit wachsendem
Erfolg bindende Menschenrechtsbestimmungen in die Gesetze über militärische
und wirtschaftliche Auslandshilfe eingearbeitet hatte.
"Wenn die Vereinigten Staaten in ihrer Diplomatie und bei internationalen Verhandlungen nicht für die Sache der Menschenrechte eintreten, dann
besteht wenig Aussicht, daß Staaten, die auf der Verweigerung der fundamentalen Rechte begründet sind, auch nur die geringsten Anstrengungen machen werden, um ihren Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten nachzukommen."
Mit diesen Worten beschreibt Senator Henry M. Jackson seine Einstellung zu
dem Problem.
Jackson zählt zu den entschiedensten Verfechtern der Sache der Menschenrechte im amerikanischen Senat. Seiner Ansicht nach sind die "Amerikaner
als Volk seit jeher mit Nachdruck für die Menschenrechte eingetreten. Als Regierung aber waren wir oft zu schüchtern, um dies auszusprechen."
Die Verabschiedung des umstrittenen Jackson-Vanik-Zusatzes zu dem Handelsgesetz von 1974 (Trade Reform Act 1974) kann wohl als ein Markstein in
dem Eintreten des amerikanischen Kongresses für die Sache der Menschenrechte
angesehen werden. Im wesentlichen läuft dieser Gesetzeszusatz darauf hinaus,
daß die Sowjets und die Ostblockstaaten, wenn sie amerikanische Handelsvorteile
und besondere Subventionen zu erhalten wünschen, ihre restriktive Politik in

�in der Frage der Auswanderung ändern müssen.
Der Senat stimmte mit 88 zu null Stimmen für diesen Gesetzeszusatz,
die Sowjetunion lehnte die Handelsvorteile jedoch mit der Behauptung ab, der
Jackson-Vanik-Zusatz sei der Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten
anderer Staaten einzumischen.

Jackson hat diesen von der Sowjetunion bezo-

genen Standpunkt als "Unsinn" bezeichnet.

Nach seiner Auffassung ist "das

Recht zur Auswanderung von den Regierungen in der ganzen Welt zu einer Angelegenheit berechtigten internationalen Interesses gemacht worden."
Die von den Vereinten Nationen im Jahre 1948 angenommene Allgemeine Erklärung der Menschenrechte habe das Recht zum Verlassen eines jeden Landes
ausdrücklich bekräftigt, und in jüngster Zeit seien die 35 Unterzeichner der
Schlußakte von Helsinki - zu denen auch die Sowjetunion gehört - übereingekommen, in Einklang mit den Bestimmungen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu handeln, so argumentiert Senator Jackson.
Die Kontroverse über den Jackson-Vanik-Zusatz hat jedenfalls dazu beigetragen, daß für viele Kongreßabgeordnete nunmehr das eigentliche Problem
klarer geworden ist: Soll die Frage, wie eine andere Regierung ihr eigenes
Volk behandelt, zu einem entscheidend wichtigen Faktor in der amerikanischen
Außenpolitik werden? Falls die Antwort "Ja" lautet, welche Rolle soll dann
der Kongreß spielen?
Bislang sah diese Rolle sehr vielfältig aus.

Sie erstreckte sich in

den vergangenen drei Jahren von der Einsetzung eines Koordinators für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium bis
zur Einstellung der Wirtschaftshilfe an einige Nationen, die des Verstoßes
gegen die Menschenrechte beschuldigt wurden.

Während der letzten beiden

Sitzungsperioden des Kongresses wurden vom Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Internationale Organisationen - einen* in der Sache der Menschenrechte aktivsten aller Gremien des Kongresses - insgesamt 40 Anhörungen veranstaltet, bei denen man sich mit den Problemen der Menschenrechte in 18 verschiedenen Staaten befaßte.

�Der Abgeordnete Donald M. Fräser, als Vorsitzender dieses Ausschusses,
erklärte: "Es gibt eine weltweite wachsende Mißachtung der Menschenrechte,
mit Verletzungen der internationalen Normen, die so weitverbreitet sind, daß
wir uns einer Menschenrechtskrise von globalem Ausmaß gegenübersehen."
Es ist nach Ansicht Fräsers nicht schwer, den Grund für diese Menschenrechtskrise zu finden.

"Die kommunistischen Regierungen, die auf hochgradig

ideologisch ausgerichteten Massenbewegungen basieren, erweisen den Menschenrechten bloßen Lippendienst, üben aber weiterhin über alles eine harte Kontrolle
aus.

In den neuerdings unabhängig gewordenen Staaten Afrikas wird die be-

herrschende Macht einer Einzelpartei begleitet von Beschränkungen der politischen Aktivitäten der anderen Parteien und Organisationen.

In Lateinamerika

hat die zunehmende Polarisierung zwischen der Rechten und der Linken zu einem
höheren Grad von Gewalttätigkeiten geführt, wobei von Rechtsregierungen Folter
und Mord sanktioniert werden.

In einigen Ländern kommt es zu immer weiter

greifenden Beeinträchtigungen der Menschenrechte, weil die dortigen Machthaber
ihre Herrschaft zu verewigen suchen.

In anderen Ländern führen rassische,

religiöse oder sprachliche Unterschiede zu immer stärkeren Repressionen von
Seiten der Regierungen", so schreibt Fräser in einem in der Frühjahrsausgabe
der Zeitschrift Foreign Policy erschienenen Artikel.
Präsident Carter selbst hat durch seine in dieser Frage eingenommene
entschiedene Haltung der Menschenrechtsbewegung im amerikanischen Kongreß
einen weiteren Impuls gegeben. Noch vor seiner Wahl, aber nach seiner Nominierung sandte er an Senator Jackson einen Brief in dem er schrieb: "Ich
teile Ihre tiefe Besorgnis über den Schutz der Menschenrechte." Schon in den
ersten Monaten nach seinem Amtsantritt, wandte sich Carter offen gegen Menschenrechtsverletzungen in der Sowjetunion und der Tschechoslowakei. Er
sandte an den sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow einen Brief und empfing den ausgewiesenen sowjetischen Systemkritiker Wladimir Bukowski im
Weißen Haus. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 17. März forderte
er die Stärkung der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen und die
Einsetzung eines unabhängigen UN-Beauftragten für Menschenrechte, Menschen- 4 -

�Menschenrechtsberichte über 82 Staaten wurden vom Außenministerium dem
Kongreß vorgelegt.

Aus Protest gegen diese Berichte lehnten fünf latein-

amerikanische Staaten - El Salvador, Argentinien, Brasilien, Guatemala und
Uruguay - jede weitere amerikanische Militärhilfe ab.
Im Mai dieses Jahres sprach Präsident Carter vor einer Gruppe europäischer Fernsehjournalisten von einem "unverbrüchlichen Eintreten für die
Menschenrechte überall auf der Welt". Seine Politik, so sagte er, beziehe
sich nicht nur auf die Sowjetunion, sondern auch auf das eigene Land sowie
auf all diejenigen, mit denen die USA Handel trieben oder in anderer Verbindung stünden. Im Juni veröffentlichte die Carter-Administration eine Erklärung, in der es hieß, daß sie sich von ihrer öffentlichen Kampagne für
die Menschenrechte auch nicht durch die Verfolgung einzelner Dissidenten in
anderen Ländern abbringen lasse.
Der Kongreß hat jedoch seine Forderung nach einer noch nachdrücklicheren
Menschenrechtspolitik beibehalten.

Seit 1973 wird die Liste der in diesem

Sinne vom Kongreß verabschiedenten Gesetze immer länger, und mit jeder Sitzungsperiode verstärkt sich dieser Druck.
Im Auslandshilfegesetz des Jahres 1973 erklärte der Kongreß, es sei
seine Auffassung, "daß der Präsident allen Regierungen anderer Länder, die
die Inhaftierung von Bürgern dieses Landes aus politischen Gründen vornehmen,
jede wirtschaftliche oder militärische Unterstützung verweigern soll".
Ein Jahr später wurde diesem Gesetz ein weiterer Passus hinzugefügt,
in dem der Präsident aufgefordert wurde, die Sicherheitsunterstützung für
solche Regierungen zu kürzen oder völlig einzustellen, die beständig die international anerkannten Menschenrechte verletzten.

Das Gesetz für Inter-

nationale Entwicklung und Lebensmittelhilfe aus dem Jahre 1975 sieht ebenfalls
vor, daß allen Ländern, die beständig die international anerkannten Menschenrechte verletzen, keine Wirtschaftshilfe gewährt werden darf.

Und im Juni

1976 billigte der Kongreß die Einsetzung eines Koordinators für Menschen- 5 -

�Menschenrechte im State Department, der vom Präsidenten ernannt werden muß„
Darüber hinaus hat der Kongreß Gesetze verabschiedet, die sich auf die
Probleme in bestimmten Ländern beziehen.

So begrenzte er beispielsweise 1974

die Militärhilfe für Südkorea für das Haushaltsjahr 1975 solange, "bis der
Präsident dem Kongreß einen Bericht unterbreitet ..., in dem erklärt wird,
daß die Regierung von Südkorea bei der Einhaltung der international anerkannten Normen der Menschenrechte wesentliche Fortschritte macht". Und im Jahre
1976 wurde in dem Gesetz für Internationale Sicherheitsunterstützung und
Rüstungsexportkontrollen die Besorgnis des Kongresses über die Untergrabung
der bürgerlichen Freiheiten in Südkorea zum Ausdruck gebracht und der Präsident aufgefordert, diese Besorgnis mit allem Nachdruck der koreanischen Regierung zur Kenntnis zu bringen.
Auch Chile wurde wiederholt von den Befürwortern der Menschenrechte im
Kongreß ins Visier genommen.

Im Jahre 1973 fügte der Kongreß dem Auslands-

hilfegesetz einen Passus an, der vorsah, daß der Präsident Chile auffordern
sollte, mit der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zusammenzuarbeiten, die die Situation in Chile untersuchte.
untersagte der Kongreß alle Militärhilfe für Chile.

Im darauffolgenden Jahr
Im Jahr 1975 begrenzte

der Kongreß die Wirtschaftshilfe für Chile für das Finanzjahr 1976 auf 90
Millionen Dollar.
Andere Gesetze zielten auf die Menschenrechtsprobleme in der Sowjetunion
und Osteuropa ab. So billigte der Kongreß beispielsweise im Juni 1976 die
Einsetzung der Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Die
Kommission hatte den Auftrag, sich ein Bild über die Maßnahmen der Signatarstaaten der Schlußakte von Helsinki zu machen. Die Kommission, die von dem
Kongreßabgeordneten Dante B. Fascell und dem Senator Claiborne Pell geleitet
wurde, hat kürzlich einen 254 Seiten umfassenden Bericht veröffentlicht, in
dem die Menschenrechte als die wesentlichste Frage zwischen Ost und West hervorgehoben werden und in dem es heißt, daß die Sowjetunion eine systematische
Mißachtung der bürgerlichen und politischen Rechte an den Tag gelegt habe
Im

�Im Jahre 1976 stellte der Kongreß ebenfalls einen Zusammenhang zwischen
Finanzierungsvorhaben mit anderen Ländern und der Menschenrechtsfrage her.
Die Gesetzgeber wiesen die amerikanischen Vertreter der Interamerikanischen
Entwicklungsbank und des Afrikanischen Entwicklungsfonds an, "gegen jede Anleihe, jede Gewährung finanzieller Unterstützung oder gegen jede technische
Unterstützung für ein Land zu stimmen, das sich beständig grober Verletzungen
international anerkannter Menschenrechte, einschließlich der Folterung oder
der grausamen, unmenschlichen oder erniedrigen Behandlung oder Bestrafung, der
verlängerten Inhaftierung ohne Anklageerhebung oder anderer flagranter Verweigerungen des Rechtes auf Leben, Freiheit und die Sicherheit von Personen
schuldig macht - es sei denn, eine solche Unterstützung wird direkt den bedürftigen Menschen eines solchen Landes zugute kommen".
In diesem Jahr ging das Repräsentantenhaus sogar noch einen Schritt weiter, indem es einen Gesetzeszusatz billigte, der von den ameriknaisehen Regierungsvertretern in allen internationalen Finanzinstitutionen verlangt, gegen jede Gewährung finanzieller Unterstützung für ein Land zu stimmen, das
ständig die Menschenrechte in grober Weise verletzt.

Der Senat wies diesen

Zusatz allerdings zurück, und ein Vermittlungsausschuß beider Häuser des
Kongresses, der eingesetzt wurde, um diese und andere Unterschiede des Gesetzes zu bereinigen, hat nun eine Kompromißfassung erarbeitet, die zwar
weiterhin die Besorgnis über Verletzungen der Menschenrechte zum Ausdruck
bringt, es den Vereinigten Staaten jedoch gestattet, Anleihen zu unterstützen,
falls humanitäre oder nationale Sicherheitsüberlegungen überwiegen.
Das Weiße Haus hat immer die Ansicht vertreten, daß der Kongreß es den
amerikanischen Regierungsvertretern gestatten solle, ihre Stimme bei internationalen Finanzinstituten als Hebel dafür zu benutzen, Länder, die die Menschenrechte verletzen, zur Einhaltung der international anerkannten Menschenrechtskriterien zu bewegen, und solchen Ländern, die die Menschenrechtspolitik fördern, bevorzugt Hilfe zukommen zu lassen.
Die
- 7 -

�Die unterschiedliche Haltung gegenüber der Frage einer finanziellen
Unterstützung für Länder, in denen die Menschenrechte mißachtet werden, ist
gleichsam symbolisch für das Problem Präsident Carters mit dem amerikanischen
Kongreß.

Im Grunde hat er zu verhindern versucht, daß der Kongreß in dieser

Frage eine unbeugsame Haltung einnimmt.
Der Kongreßabgeordnete Fräser räumt ein, daß Präsident Carter hier vor
einer äußerst schwierigen Aufgabe steht, meint jedoch, daß der Präsident mit
seiner verpflichteten Erklärung, er werde Sorge dafür tragen, daß die amerikanische Außenpolitik die Frage der Menschenrechte mehr denn je zu ihrem Anliegen mache, eine starke Position einnehmen kann.

Fräser weist jedoch zugleich

warnend darauf hin, daß die Vereinigten Staaten bedacht sein müßten, bei der
Kampagne zur Förderung der Menschenrechte anderen nicht ihre spezifisch amerikanischen Werte aufzudrängen und "alle moralistischen Impulse vermeiden
müssen, die uns zu einer direkten Verwicklung in die Angelegenheiten anderer
Gesellschaftsformen treiben könnten."
Es gibt nach Auffassung Fräsers kein Patentrezept für eine amerikanische
Menschenrechtspolitik, aber es bieten sich eine ganze Reihe eindeutiger Entscheidungen an.

Eine der wichtigsten besteht nach Ansicht Fräsers darin, ein

jedes gegen die Menschenrechte verstoßendes Land wissen zu lassen, daß solche
"Verletzungen der Menschenrechte mit Sicherheit zu Nachteilen in seinen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten führen werden."

Dabei könne es sich um

eine Kürzung der Hilfsprogramme, um einen Protest bei internationalen Organisationen oder um den Abzug gewisser Kontingente amerikanischer Truppen - oder
um eine Kombination dieser Maßnahmen handeln.
Die Frage der Menschenrechte als Ganzes mag äußerst verwickelt sein, sie
ist jedoch für Amerikaner nichts Neues. Sowohl die Unabhängigkeitserklärung
wie die amerikanische Verfassung sprechen von den Menschenrechten. Die Vereinigten Staaten haben außerdem die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
unterstützt - eine in weitesten Teilen der Welt akzeptierte Erklärung, in
der die grundlegenden Menschenrechte festgelegt werden. Darüber hinaus sind

�sind die Vereinigten Staaten gemäß der Charta der Vereinten Nationen verpflichtet, die Menschenrechte zu fördern und zu schützen.
Außenminister Cyrus Vance hat auf diesen langen geschichtlichen Weg des
amerikanischen Eintretens für die Menschenrechte bei seiner Erläuterung der
Menschenrechtspolitik der Carter-Administration verwiesen.
"Die Frage der Menschenrechte ist wahrhaft in den fundamentalen Werten
verankert, die an der Wurzel der Gründung dieses Landes liegen," so erklärte
Vance und betonte, daß "die Würde des Einzelnen und der Schutz seiner Rechte
ein geheiligtes Recht ist, das für Amerikaner größte Bedeutung hat."

- 9 -

�14. September 1977

25

15 JAHRE ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN IN GENF
- USA hoffen auf Fortschritte Von Michael O'Mara

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die Genfer Abrüstungskonferenz im nächsten Jahr aktiv in die Verhandlungen über zwei
außerordentlich wichtige Probleme - ein völliges Verbot von Kernwaffenversuchen und ein Verbot chemischer Waffen - eintreten kann. Die Konferenz
des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen (CCD), die sich am 30. August auf den 31. Januar 1978 vertagte, dauert nun schon 15 Jahre. Auf der
Abschlußsitzung brachten die beiden Ko-Vorsitzenden, Adrian S. Fisher von
den Vereinigten Staaten und Viktor I. Likatschew von der Sowjetunion, die
Hoffnung zum Ausdruck, im kommenden Jahr einen Fortschritt zur Lösung der
beiden genannten Fragen und anderer Probleme zu erreichen.
Im Mai und Juni nächsten Jahres ist auch eine Vollversammlung der Vereinten Nationen zu dem Thema Abrüstung angesetzt.
Während natürlich alle an den Verhandlungen beteiligten Staaten an baldigen Verhandlungen über die Schlüsselthemen interessiert sind, haben die USA

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�USA und die UdSSR, teilweise unter Einschluß Grobritanniens zeitweilig
die Initiative übernommen.

Versuchsverbot
— — — — — — — —

Seit Inkrafttreten des Vertrages über das Verbot von Versuchen mit
Nuklearwaffen im Weltraum, unter Wasser und in der Atmosphäre von 1963
haben die an der Abrüstungskonferenz beteiligten Staaten versucht, ein Abkommen über ein völliges Verbot von Nuklearwaffenversuchen - auch unter der
Erde - zu erreichen.

Bisher ist ein solches umfassendes Abkommen an der

dornigen Frage der Verifizierung - vor allem kleiner Explosionen - gescheitert.
Zwischenzeitlich haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bilateral einen Vertrag ausgehandelt, der die unterirdischen Waffenversuche
auf einen Wirkungsgrad von maximal 150 Kilotonnen des herkömmlichen Sprengstoffes TNT begrenzen soll. Verbunden damit ist ein Vertrag, der auch für
friedliche Nuklearversuche die gleiche Begrenzung vorsieht. Diese beiden
Verträge stehen beim amerikanischen Senat zur Ratifizierung an.
Weiter haben die USA, die UdSSR und Großbritannien - die drei bei den
Genfer Verhandlungen vertretenen Nuklearmächte - Gespräche begonnen. Die
erste Runde fand vom 13. bis 27. Juli in Genf statt, und die Fortsetzung
ist für den 3. Oktober vorgesehen. Präsident Carter hat seiner Hoffnung
Ausdruck verliehen, daß eine ausreichende Basis der Übereinkunft gefunden
werden kann, damit "alle anderen Nationen der Welt sich in einem endgültigen
Verbot von Nuklearversuchen anschließen werden."
Alle Beteiligten an den Dreimächtegesprächen haben den Wunsch geäußert,
diese Gespräche in die Genfer Abrüstungskonferenz einmünden zu lassen, sobald ein genügendes Maß an Übereinstimmung erreicht ist.
Der
- 2 -

�Der Leiter der amerikanischen Delegation bei diesen Dreimächtekonsultationen, Paul Warnke, hat auf die beiden Hauptpunkte hingewiesen:
des Vertrages und Verifizierung.

Umfang

Warnke, als Direktor der Amerikanischen

Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (ACDA) mit diesen Dingen bestens
vertraut, tritt im Namen seiner Regierung für ein umfassendes Verbot ein,
d.h. für die Einbeziehung militärischer wie friedlicher Versuche.
beiden besteht nämlich kein technologischer Unterschied.

Zwischen

Die Sowjets zeig-

ten sich bisher darüber nicht begeistert, stimmten jedoch zu, daß "friedliche" Versuche keine militärischen Vorteile erbringen dürften.
Was die Verifizierung anbetrifft, so sind die USA nach wie vor der Meinung, daß Inspektionen an Ort und Stelle eine nützliche Ergänzung zu anderen
Verifizierungsmaßnahmen darstellen. Warnke räumte jedoch ein, daß viel davon abhängen werde, auf welche anderen Verifizierungsmethoden man sich einigen
könne.

Chemische Waffen
Zu diesem zweiten wichtigen Thema haben die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion ebenfalls schon vor über einem Jahr bilaterale Gespräche aufgenommen.

Diese bilateralen Konsultationen gehen auf ein Übereinkommen auf

dem Gipfeltreffen 1974 in Moskau zurück, wo man sich darauf einigte, Gespräche
mit dem Ziel eines Verbotes der Entwicklung, Herstellung und Lagerung von
chemischen Waffen und der Vernichtung bestehender Lager aufzunehmen.
Die Genfer Abrüstungskonferenz hat zu diesem Punkt Vertragsentwürfe
der Sowjetunion, Japans und Großbritanniens vorliegen und wartet jetzt auf
die versprochene "gemeinsame" Initiative der USA und der UdSSR.

Die Vereinig-

ten Staaten haben kürzlich erklärt, daß in der vorgesehenen Konvention neben
den tödlichen auch die kampfunfähig machenden Mittel einbezogen werden sollten, und die Sowjets scheinen sich wohl oder übel mit einer Diskussion über
die Inspektion an Ort und Stelle als Mittel der Verifizierung einverstanden
zu erklären.
, ,
££
c.
Strahlenwaffen

�Strahlenwaffen
Ein weiteres Thema bilateraler Gespräche der beiden Supermächte sind
die Strahlenwaffen - Waffen, die ohne eine nukleare Explosion tödliche radioaktive Strahlung aussenden.
Diese Gespräche standen in einem Zusammenhang mit einem Meinungsaustausch auf der Genfer Konferenz selbst, wo die Sowjets eine revidierte Fassung ihres Vertragesentwurfes von 1976 vorlegten, in dem das Verbot von neuen
Massenvernichtungswaffen und ihren Trägersystemen gefordert wird.

Das we-

sentlich neue an dem am 9. August vorgelegten revidierten Vertragsentwurf
ist, daß an ein allgemeines Verbot neuer Massenvernichtungswaffen eine Liste
bisher noch nicht entwickelter Waffen angehängt werden soll.
Die Vereinigten Staaten haben am 11. August darauf geantwortet, daß sie
eine weitere Prüfung dieses Themas und die Ausarbeitung einzelner Verträge
für jede neue identifizierte Waffe vorziehen.

Dieses Verfahren würde die

Ausarbeitung genau zugeschnittener Verifizierungsmethoden und -maßnahmen erlauben.

Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Fisher, erklärte, es

sei noch zu früh, über die in dem sowjetischen Anhang genannten Waffen zu
sprechen, betonte jedoch, daß über eine Art dieser Waffen - nämlich die
Strahlenwaffen - ein entsprechendes Abkommen geschlossen werden sollte.
Die bilateralen Gespräche über Strahlenwaffen gehen weiter.
Einige der blockfreien Länder, die an der Genfer Abrüstungskonferenz
beteiligt sind, haben ihrer Beunruhigung darüber Ausdruck verliehen, daß
die Großmächte die Verhandlungen dominieren. Diese Stimmung wurde am 28.
Juli von dem jugoslawischen Delegierten, Botschafter Mi los Lalovic, angesprochen, als er erklärte, daß alle Konferenzmitglieder aktiv an allen Phasen
der Verhandlungen beteiligt sein sollten.

�Für Schweden brachte Staatsminister Inga Thorsson einen Entwurf für
einen Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot ein - den dritten
schwedischen Entwurf seit 1969. Auch von schwedischer Seite wurde Ungeduld über den langsamen Gang der Verhandlungen laut.
Der mexikanische Delegierte Alfonso Garcia Robles wiederholte am 16.
August seine frühere Forderung, daß die USA und die UdSSR den Ko-Vorsitz
abgeben sollten, den sie seit 1962 innehaben.

Botschafter Garcia Robles

argumentiert, das gegenwärtige System schließe eine Beteiligung der beiden
nicht vertretenen Nuklearmächte - China und Frankreich - aus, wie auch der
Ko-Vorsitz von China und Frankreich eine Beteiligung der USA und der Sowjetunion ausschließen würde. Stattdessen solle der Vorsitz in monatlichem
Turnus zwischen den Nichtnuklearstaaten der Konferenz wechseln.
Im Laufe des Jahres fanden drei weitere wichtige Ereignisse außerhalb
des Rahmens der Konferenz statt, die eine direkte Auswirkung auf ihre Arbeit hatten:
Am 18. Mai unterzeichneten Außenminister Cyrus Vance, der sowjetische
Außenminister Andrei Gromyko und die Vertreter von 31 weiteren Staaten einen
Vertrag, der die Verwendung von Techniken zur Umweltveränderung zu kriegerischen Zwecken verbietet. Dieser Vertrag wurde von der Genfer Konferenz
im Jahre 1976 ausgearbeitet und wird in Kraft treten, wenn er von 20 Nationen
ratifiziert ist.
Am 26. Mai unterzeichnete Präsident Carter das Protokoll I des Vertrages
von Tlatelolco von 1967, der die Schaffung einer kernwaffenfreien Zone in
Lateinamerika vorsieht.
Vom 20. Juni bis 1. Juli fand in Genf die erste Oberprüfungskonferenz
für die Durchführung des Vertrages über das Verbot der Stationierung von
Nuklearwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden
außerhalb der 12 Meilen-Zone statt. An der Konferenz nahmen 46 Staaten
- 5 -

�Staaten teil. Den Vertrag selbst haben 1972 fast 100 Staaten unterzeichnet.
Es wurde mit Befriedigung festgestellt, daß kein vertragschließendes Land
eine Beschwerde wegen Vertragsbruches durch ein anderes Land vorzubringen
hatte. Eine zweite ÜberprUfungskonferenz wurde für einen Zeitpunkt nicht
später als 1984 angesetzt.

+ + + + +

�14. September 1977

25

US-BUNDESAMT FÜR MEERESFORSCHUNG MIT NEUEN KOMPETENZEN

- (AD) - Im Hinblick auf die Bedeutung der Meere und die weitgesteckten
Pläne zu ihrer Nutzbarmachung unter einem künftigen Seerechtsvertrag im Rahmen
der Vereinten Nationen hat die amerikanische Regierung die Reorganisation der
US-Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (National Oceanic and
Atmospheric Administration - NOAA) in Angriff genommen. Denn gemeinsam mit
der dem amerikanischen Verkehrsministerium unterstehenden Küstenwacht ist die
NOAA für den Vollzug des Gesetzes zum Schutz und zur Bewirtschaftung der Fischbestände verantwortlich, mit dem die Vereinigten Staaten für die Küsten- und
Hochseefischerei im April 1977 die 200-Meilen-Zone einführten. Die NOAA untersteht dem amerikanischen Handelsministerium; ihr Administrator ist Richard
Frank.
In Kürze werden die neuen Fischfangquoten für die In- und ausländischen
Fischereiflotten bekanntgegeben, die innerhalb der 200-Meilen-Zone tätig sind.
Dafür ist der Nationale Dienst für Hochseefischerei (National Marine Fisheries
Service) in der NOAA zuständig, dessen Aufgabenbereiche und Befugnisse erweitert werden.

Sein Leiter erhält den Titel eines "Assistant Administrator" und

ist künftig Mitglied des Direktoriums der NOAA.

Wie ein Sprecher der Behörde

erklärte, entfällt derzeit etwa ein Sechstel des gesamten Weltfischfangs auf

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�auf die 200-Meilen-Zone entlang den Küsten der Vereinigten Staaten.
Die von der NOAA betriebene Forschung und Entwicklung wird ausgebaut,
die zuständige Abteilung zu einem Amt für Forschung und Entwicklung erhoben.
Ihr Leiter ist ebenfalls im NOAA-Direktorium vertreten.

Zur Zeit unterhält

die NOAA eine Flotte von 26 Forschungsschiffen, die für Projekte auf den verschiedensten Gebieten von Ozeanographie, Atmosphärenforschung und Meeresbiologie eingesetzt werden.

Das neu geschaffene Amt wird auch technische Ent-

wicklungen fördern, die zur Lösung von Problemen der Meeresnutzung sowie
klimatischer Gegebenheiten beitragen sollen.

Außerdem ist es federführend

für die USA bei internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten und
bei der Koordinierung weltweiter meteorologischer Forschungsprogramme.
Dem Forschungsamt wird eine Abteilung für Klimatologie angegliedert.
Deren Mitarbeiter befassen sich vor allem mit Problemen zu geringer Niederschlagstätigkeit und von Trockengebieten, mit Vorschlägen zur Wetterbeeinflussung und der Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Klimaveränderungen
und Meer.

So weisen beispielsweise jüngste Forschungsergebnisse darauf hin,

daß eine Kenntnis der Veränderungen von Meerwassertemperaturen eine Vorhersage von Klimaänderungen ermöglichen könnte.
Die neuzuschaffende Abteilung "Meeresmineralien" wird die Grundlagen für
die nationale Politik erarbeiten, die die Rolle der USA beim Abbau von Erzen
im Meer, bei der Erschließung von Meeresrohstoffquellen und beim Umweltschutz
in Küstenzonen und auf hoher See bestimmt. Allerdings haben Senat und Repräsentantenhaus noch keine Einigung darüber erzielt, ob die amerikanischen
Firmenkonsortien, die im Meeresbergbau tätig sind, an Weisungen des Innenministeriums oder des Handelsministeriums gebunden sein sollen. Entsprechende
Anhörungen im US-Kongreß sind noch im Gange.
Alles in allem ist die Neuorganisation der NOAA darauf abgestellt, die
Beteiligung amtlicher und privater amerikanischer Stellen an Meeresprojekten
effektiver zu gestalten und den administrativen Übergang zur Eingliederung in
einen künftigen UN-Seerechtsvertrag zu erleichtern.
+ + + + +
- 2 -

�Uli/zen/chofl
und Technik

I 31

United States Information Service

14

25

September 1977

Ulhfnu i'rm sierd
AUF DER SUCHE NACH NEUEN URANVORKOMMEN
!

Computer und "Pfadfinderelemente" beschleunigen
die Prospektion

i

- (AD) - Angesichts des rapide wachsenden Bedarfs an Uran für den Betrieb von Kraftwerksreaktoren wird in den Vereinigten Staaten nach Mitteln
und Wegen gesucht, um die Prospektion zu beschleunigen und neue, wenn auch
weniger ergiebige Lagerstätten zu erkunden und für den Abbau zu erschließen.
In jüngster Zeit spielen dabei Computermodelle, die die geologischen Merkmale von Gebieten mit uran-"höffigem" Gestein berücksichtigen, und chemische
Analysen nach den modernsten Methoden auf sog. PfadfInderelemente in Bodenproben, die auf uranhaltige Gesteine hinweisen könnten, eine immer wichtigere
Rolle.
Einige Prospektoren des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Boston stützen sich nunmehr in erster Linie auf geologische Karten un4 einen
auf geologische Datenverarbeitung programmierten Computer, um in unwegsamem
Gelände geeignete Stellen für Probebohrungen zu finden. Das Verfahren beruht
auf einer Art Mustererkennung geologischer Merkmale durch den Computer, wie
sie erstmals sowjetische Wissenschaftler bei Versuchen zur Vorhersage von
Erdbeben anwandten. Peter C. Briggs vom MIT-Department für Geowissenschaften

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Gpdesberg 1

�Geowissenschaften und Planetenforschung, und Dr. Frank Press, der frühere
Leiter des Departments und jetzige Wissenschaftsberater Präsident Carters,
haben dieses Verfahren so modifiziert, daß es für die Uranprospektion anwendbar wurde.

Es dürfte sich vor allem bei der Lagerstättenforschung in

Alaska, wo ausgedehnte neue Vorkommen vermutet werden, als nützlich erweisen.
Als "Modellfall" diente zunächst einmal das Colorado-Hochplateau mit
seinen sehr genau erforschten Erzvorkommen.

Alle geologischen Daten der Ge-

biete mit uranführenden und uranfreien Gesteinen wurden zu Gruppen mit 1,
2 oder 3 speziellen Merkmalen zusammengefaßt und in den Speicher eingegeben.
Von der südlichen Hälfte suchten Biggs und Dr. Press 14 spezifische geologische Merkmale uranhöffiger Gebiete aus, wobei sie sich auch auf die - teilweise noch sehr lückenhaften - Theorien über die Bildung von Erzen stützten.
Der Computer verglich daraufhin alle möglichen Merkmalsgruppen mit den Daten
von der Südhälfte des Colorado-Plateaus und identifizierte sowohl jene DatenGruppen, die auf uranführendes Gestein hinwiesen, als auch die Merkmale, die
für uranfreie Gebiete charakteristisch waren.

Aus Tausenden möglicher Merk-

malsgruppen fand die Maschine 14 heraus, die für die meisten uranführenden
Gebiete typisch sind, und 12 für solche Gebiete, wo keine Uranerze erwartet
werden.
Auf der Basis dieses Informationsmusters ließ man den Computer nun die
Nordhälfte des Colorado-Plateaus analysieren. Ergebnis: Die Gebiete mit uranführenden Gesteinen wurden zu 83 Prozent, Gebiete ohne Uranlagerstätten zu
74 Prozent identifiziert. Die Treffsicherheit dieses neuen Verfahrens, das
in erster Linie der Vorerkundung dienen soll, will Peter Briggs aufgrund der
vielen zusätzlichen Daten verbessern, die er durch seine Teilnahme an der
gegenwärtig laufenden landesweiten Bestandsaufnahme von Uranvorkommen in den
Vereinigten Staaten sammelt.
Die Methode der "Mustererkennung" eröffnet allgemein neue Einsichten in
die geologischen Prozesse der Erzbildung.
- 2 -

Inzwischen hat sich nämlich her-

�herausgestellt, daß manche Merkmalsgruppen, die für uranführendes Gestein
typisch sind, auch geologische Phänomene einbeziehen, die man bisher als
nicht zusammengehörig betrachtet hat.
Mit Verfahren der chemischen Analyse, die bisher nur zur Auffindung
von schwach konzentriertem1 Uran in Sedimenten, Wasserläufen und Seen angewandt wurde, wollen Dr. William Furbish und Dr. Edward Schrader von der DukeUniversität (Durham, North Carolina) nun auch Granite bzw. Ergußgesteine
untersuchen. Ihre Methode stützt sich auf die Lokalisierung von "Pfadfindern"
wie Kupfer und Kobalt, die häufig in Gesteinen zu finden sind, welche auch
Uran-235 und Uran-238 enthalten. Zwar ist die Anwesenheit der beiden Elemente keine absolute Garantie dafür, daß man auf Uran stoßen wird, aber sie
stellen doch recht zuverlässige Indikatoren dar, wenn man sie quantitativ
bestimmt. Dies geschieht am besten im Laboratorium. Jedoch sind auch schon
am Ort der Probebohrung überschlägige chemische Untersuchungen möglich. Sie
sind vor allem dort angebracht, wo beispielsweise Hunderte von Metern dickes
uranfreies Deckgestein verhindert, daß der Geigerzähler auf radioaktive,
uranhaltige Erze in der Tiefe noch anspricht.
Die beiden Geologen von der Duke-Universität halten ihr Verfahren vor
allem zur Auffindung von Erzlagerstätten geeignet, die Uran nur in relativ
schwacher Konzentration enthalten, aber schon in den nächsten 20 Jahren
immer mehr an Bedeutung gewinnen dürften.

+ + + + +

- 3 -

�1

Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

25

14. September 1977

SUPERHARTES MATERIAL SYNTHETISIERT

- (AD) - Ein Verfahren zur Herstellung eines superharten Verbundwerkstoffes aus Graphit und Tantal haben zwei Mitarbeiter der Wissenschaftlichen
Laboratorien Los Alamos (New Mexico) entwickelt, die von der Universität
Kalifornien im Auftrag der amerikanischen Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA betrieben werden. Das Material eignet sich besonders gut für
Hochgeschwindigkeitswerkzeuge, Guß- und Preßformen und andere Ausrüstungen der
Industrie sowie für zahlreiche Zwecke der Raumfahrttechnik. Es hat einen sehr
hohen Schmelzpunkt - ca. 3740°C - und ist außerordentlich beständig gegen Verschleiß und plötzliche extreme Temperaturänderung.
Wie die beiden Erfinder, Robert E. Riley und Dr. Terry Wallace, erklären,
werden durch Aufdampfung in exakt kontrollierter Atmosphäre Graphitfäden in
einheitlicher Dicke mit metallischem Tantal ummantelt.

Unter Hitze und hohem

Druck (2980°C, 210 kg/qcm) verwandelt sich bei der weiteren Behandlung des
Materials das metallische Tantal in superhartes Tantalkarbid.

Die beiden

Wissenschaftler werden auf der 6. Internationalen Konferenz über Aufdampftechnik, die im Oktober 1977 in Atlanta (Georgia) stattfindet, ausführlich
über das von ihnen entwickelte Verfahren berichten.
+ + + + +

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8182">
                <text>14.09.1977</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8183">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8184">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14191">
                <text>Amerikadienst 14.09.1977</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14192">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertrag über die ständige Neutralität und den Betrieb des Panamakanals mit Anhang A und Protokoll&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter: Panamakanal-Vertrag bekundet Fairness der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache Carters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eröffnung des Welthandelszentrums in Baltimore&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Welthandelswoche bietet eine Fülle von Kontaktmöglichkeiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Menschenrechte: Ein Anliegen des amerikanischen Kongresses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Professor Robert F. Buckhorn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;15 Jahre Abrüstungsverhandlungen in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA hoffen auf Fortschritte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Michael O'Mara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Bundesamt für Meeresforschung mit neuen Kompetenzen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf der Suche nach neuen Uranvorkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Computer und "Pfadfinderelemente" beschleunigen die Prospektion -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Superhartes Material snythetisiert&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1823" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1834">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/21b92309db782fb9da5ca82f817ab6e9.pdf</src>
        <authentication>09138760f3cd761b751e7381708446a6</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9225">
                    <text>• M

nrormocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan ordnet Schließung der AEROFLOT-Büros in den USA an
- Erklärung des Weißen Hauses Rede des US-Außenministers vor der KSZE-Folgekonferenz in Madrid
- Wortlaut Shultz: Antwort Gromykos völlig unannehmbar
- Erklärung nach dem Treffen in Madrid Kirkpatrick: Flugzeugtragödie Auswuchs der "Herrschaft der Gewalt"
- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vor dem
Sicherheitsrat HINTERGRUNDMATERIAL
Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelamerika
- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe Deutsches Genie in Amerika
- Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste
hiotorisierte Flug in der Luftfahrtgeschichte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Smog schmälert Ernteertrag
- Simulation in Klimakammern -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 IH W28-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

14. September 1983

REAGAN ORDNET SCHLIESSUNG DER AEROFLOT-BÜROS IN DEN USA AN
- Erklärung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat als Antwort auf den brutalen
sowjetischen Angriff auf eine südkoreanische Passagiermaschine, bei dem 269 Menschen
ums Leben kamen, angeordnet, daß die Büros der sowjetischen Luftlinie Aeroflot ab
dem 15. September 1983 geschlossen werden müssen.

Der Sprecher des Weißen Hauses,

Larry Speakes, verlas dazu am 8. September folgende Erklärung vor der Presse:
Als Antwort auf den brut'Jen und nicht provöz-'erten sowjetischen Angriff auf
eine koreanische Linienmaschine des Fluges 007 am "1. September 1983 hat der
Präsident die Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt (Civil Aeronautics Board)
angewiesen, nachhaltige Maßnahmen gegen die sowjetische Luftlinie Aeroflot zu
unternehmen.

In einem Schreiben von heute morgen an den Leiter der Behörde, Dan

McKinnon, hat der Präsident ersucht, folgende Maßnahmen zu ergreifen:
1. Das Recht der Aeroflot auszusetzen, Flugscheine in den Vereinigten Staaten
zu verkaufen;
2. amerikanischen Fluggesellschaften zu verbieten, in den Vereinigten Staaten
Flugscheine für Flüge mit der Aeroflot zu verkaufen;
3. zu unterbinden, daß amerikanische Fluggesellschaften Flugverkehr von,
nach oder innerhalb der Vereinigten Staaten durchführen, wenn der Flugschein auf

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Flugschein auf die Aeroflot ausgestellt ist;
4. amerikanische Fluggesellschaften anzuweisen, alle Zwischen!iniendienstvereinbarungen mit Aeroflot auszusetzen;
5. amerikanischen Fluggesellschaften zu verbieten, von der Aeroflot ausgestellte Flugscheine für Flugreisen von, nach oder innerhalb der Vereinigten
Staaten anzunehmen.
Der Präsident hat ferner die Aussetzung der Aeroflot-Flüge von und nach den
Vereinigten Staaten bekräftigt, die seit dem 5. Januar 1983 gilt.

Die anstehende

Entscheidung der Behörde würde die Aeroflot daran hindern, ihre Dienstleistungen
durch amerikanische Fluggesellschaften oder ihre amerikanischen Vertreter anzubieten.
Der Präsident ersucht alle amerikanischen Fluggesellschaften und Reisebüros,
sich an den Geist und den Buchstaben dieser Maßnahmen zu halten.
Die Dauer dieser Maßnahmen auf dem Bereich der Zivilluftfahrt wird in ihrer
Bemessung zum Teil davon abhängen, in welchem Maße die UdSSR ihre Bereitschaft
zeigt, wesentliche Normen der Zivilluftfahrt zu respektieren, eine volle Darstellung des Abschusses des Zivilflugzeuges gibt und eine Entschuldigung und einen
Schadensersatz für die Betroffenen anbietet.
Im Zuge einer weiteren Maßnahme hat der amtierende amerikanische Außenminister,
Lawrence S. Eagleburger, auf Anweisung des Präsidenten den sowjetischen Botschafter
Dobrynin heute davon in Kenntnis gesetzt, daß die sowjetische Fluglinie Aeroflot
ab 15. September ihre Büros in den Vereinigten Staaten schließen muß. Die Bediensteten von Aeroflot müssen bis zu diesem Zeitpunkt die Vereinigten Staaten
verlassen haben.
Die Vereinigten Staaten werden mit den Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft weiter in ihren Bemühungen zusammenarbeiten, die Sicherheit des Luftverkehrs
zu fördern und zu verhindern, daß solche sowjetische Aktionen erneut geschehen.
+ + + + +

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

REDE DES US-AUSSENMINISTERS VOR DER KSZE-FOLGEKONFERENZ IN MADRID
- Wortlaut -

MADRID - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat auf der
Abschlußsitzung der KSZE-Folgekonferenz in Madrid am 9. September 1983 hervorgehoben, daß der Abschuß einer koreanischen Passagiermaschine durch die Sowjets
ein Beispiel für die Mißachtung der Prinzipien der Schlußakte von Helsinki sei.
Der durch die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in
Gang gesetzte Prozeß müsse jedoch trotz aller offenen Verletzungen durch den
Ostblock weitergehen.
Die Rede von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:
Spanien, unser Gastland, hat einen erfolgreichen - und begeisternden - Wandel
zur Demokratie durchgemacht. Dieser Erfolg erinnert uns durch sein Beispiel, daßdas
Licht der Freiheit niemals ausgelöscht werden kann und daß die Hoffnung auf Menschenwürde in allen Menschen ruht. Darum geht es bei dem Helsinki-Prozeß. Das
ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten die Absicht haben, für eine Fortsetzung des Prozesses zu sorgen - gestärkt durch das, was hier in Madrid erreicht
worden ist.
Wir kommen aber auch in einer Zeit zusammen, in der diese Rechte weiterhin
in großem Umfang verweigert werden, und in unmittelbarem Gefolge einer brutalen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einer brutalen Tragödie, die für das Gewissen der Menschheit schockierend ist.
Das Massaker an der koreanischen Linienmaschine erinnert uns alle an das Ausmaß,
in dem die Ziele des KSZE-Prozesses noch erreicht werden müssen.

Unsere Konferenz

hier muß einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu diesen universalen Zielen darstellen.
Der Helsinki-Prozeß wurde vor zehn Jahren mit großen Hoffnungen ins Leben
gerufen.

Er wurde aus einem, wie es damals schien, ermutigenden Augenblick in

den Ost-West-Beziehungen geboren: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
hatten gerade die ersten Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen
erreicht.
arbeit.

Es eröffneten sich neue Ausblicke auf eine wirtschaftliche ZusammenAuf dem Gebiet der Menschenrechte schienen Fortschritte möglich.

Es

herrschte ein Bewußtsein, daß ein dauerhafter Frieden von uns verlangte, die
Gesamtheit unserer Beziehungen ins Auge zu fassen.

Und so war Helsinki ein Versuch,

umfassend die Probleme der Sicherheit, der wirtschaftlichen Beziehungen, der
Kontakte zwischen unseren Völkern, ihrer Grundfreiheiten und der Normen des internationalen Verhaltens in den Griff zu bekommen.
Die Schlußakte von Helsinki ist ein beredtes Dokument der Hoffnungen und
Erwartungen, das die Vereinigten Staaten gerne unterzeichnet haben, weil wir hinter
jedem seiner Prinzipien stehen:
- Sie bekräftigt die fundamentalsten Menschenrechte: Gedankenfreiheit,
Gewissensfreiheit und Glaubensfreiheit, die Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte, die Rechte von Minderheiten.
- Sie fordert einen freieren Fluß von Informationen, Ideen und Menschen,
größere Betätigungsmöglichkeiten für die Presse, Kultur- und Bildungsaustausch,
Familienzusammenführung, das Recht zu reisen und Angehörige anderer Staaten zu
heiraten, Schutz des kostbaren Erbes unserer verschiedenen Kulturen.
- Und sie bekräftigt die Grundprinzipien der Beziehungen unter Staaten:

�unter Staaten: Nichteinmischung, souveräne Gleichheit, Selbstbestimmung, territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Grenzen anderer außer durch
friedliche Änderungen.
Die Vereinigten Staaten waren hinsichtlich des Helsinki-Prozesses immer
realistisch.

Wir haben nicht erwartet, daß er alle schwierigen Sicherheitsfragen,

vor denen wir in einer Aera des ideologischen Konflikts und des militärischen
Wettstreits stehen, lösen würde.

''ir wußten von Anfang an, daß manche Leute

ihn benutzen würden, um die Spaltung des Kontinents zu vertiefen und die Beherrschung Osteuropas durch die Sowjetunion zu stärken - trotz der klaren Bekräftigung
der Freiheit, der politischen Unabhängigkeit, Souveränität, Selbstbestimmung und
Nichteinmischung in der Schlußakte.
Als nun die Staats- und Regierungschefs 1975 in Helsinki zusammenkamen, um
die erste Konferenz abzuschließen und die Schlußakte zu unterzeichnen, nahmen die
Vereinigten Staaten den Standpunkt ein, daß die Hoffnung durch Realismus auf das
richtige Maß gebracht und durch Taten untermauert werden müsse. Präsident Ford
hat das damals gut ausgedrückt:
"Die Geschichte wird diese Konferenz nicht nach dem beurteilen, was wir heute
hier sagen, sondern nach dem, was wir morgen tun - nicht nach den Versprechungen,
die wir machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten".
Wenn wir an die Erfahrungen der letzten acht Jahre denken, dann müssen wir
enttäuscht sein - aber wir können nicht überrascht sein, daß wir in den Jahren seither viele Rückschläge in unseren Bemühungen erlebt haben, die Sicherheit zu stärken,
Zusammenarbeit auszuweiten, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und die Menschenrechte zu schützen.
Die Tatsachen sprechen für sich selbst:
- Es gibt im Osten Regierungen, die ihre Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten im Rahmen der Schlußakte von Anfang an offen mißachtet haben. Die Helsinki-

- 3 -

�Die Helsinki-Gruppen, die Bürger gründeten, um das Verhalten ihrer Regierung
bezüglich der Einhaltung zu beobachten, wurden systematisch unterdrückt.
wanderung, die zunächst stieg, ist dramatisch zurückgegangen.
einer immer brutaleren Behandlung ausgesetzt.

Die Aus-

Dissidenten wurden

Und mutige Männer und Frauen, die

ihre Menschenrechte geltend zu machen wagten - oder für Frieden und Rüstungskontrolle demonstrierten - schmachten in Gefängnissen oder Nervenheilanstalten.

Und

ebenso begann die Sowjetunion zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Dokuments, das
eine Verpflichtung zum Streben nach Frieden enthält, mit der Aufstellung von nuklearen Mittelstreckenraketen des Typs SS-20 mit Mehrfachgefechtsköpfen, die auf die
Völker Europas und Asiens gerichtet sind, das Gleichgewicht der Kräfte gefährden
und ein gewaltiges Sicherheitsproblem schaffen.
Sechs Jahre nach Unterzeichnung eines Dokuments, das eine Verpflichtung zur
Souveränität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung enthält, zwang die Sowjetunion
die Polen zur Unterdrückung einer freien Gewerkschaftsbewegung, deren einziges
Verbrechen darin bestand, daß sie die Rechte der Arbeiter in einem Staat ernst
nahm, der vorgibt ein Arbeiterstaat zu sein.
- Und erst in jüngster Zeit, erst wenige Tage, nachdem hier ein neues Dokument
mit noch viel stärkeren Verpflichtungen als in der Schlußakte angenommen wurde,
hat die Sowjetunion in grausamer Weise das Leben von 269 unschuldigen Menschen an
Bord eines wehrlosen Zivilflugzeuges vernichtet, und von diesem Rednerpult aus
hat der sowjetische Außenminister in schamloser Weise darauf beharrt, daß die
Sowjetunion so etwas wieder tun würde, und damit seine gefühllose Mißachtung des
menschlichen Lebens bewiesen.
Diese flagranten Akte sowjetischer Mißachtung des Geistes und des Buchstabens
der Schlußakte von Helsinki haben die eigentliche Herausforderung dieser Folgekonferenz in Madrid dargestellt. Indem wir diese Herausforderung annahmen und
darauf bestanden, dem Prozeß ein Element der Berechenbarkeit zu verleihen, hat
Madrid dazu gedient, die Schlußakte davor zu retten, geschichtlich bedeutungslos
zu werden.
Betrachten wir

- 4 -

�Betrachten wir einmal die Ideale von Helsinki, wie sie sich zu den Realitäten
von heute verhalten.
Auf dem Gebiet der Sicherheit streben wir und unsere Verbündeten danach, die
europäische Sicherheit auf niedrigstmöglicher Ebene der Bewaffnung zu fördern.
Wir treiben alle laufenden Verhandlungen energisch voran.

Wir begrüßen die neu

angesetzte Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung.
ist.

Wir wissen, daß das Wesen der Sicherheit die beiderseitige Sicherheit

Leider definiert die Sowjetunion, wie das Schicksal des koreanischen Fluges 007

wieder einmal gezeigt hat, ihre Sicherheit in einer so absoluten, egozentrischen
und zynischen Weise, daß dies eine Gefahr für alle anderen Länder darstellt.
Die auf Westeuropa und Asien gerichteten SS-20-Raketen stellen die Gefahr für
uns alle in dramatischer Weise dar. Diese Raketen bedrohen das internationale
Vertrauen und die internationale Stabilität. Sie sind Teil eines stetigen und
anhaltenden Strebens der Sowjets nach globaler militärischer Macht, die weit über
alle vorstellbaren Verteidigungserfordernisse hinausgeht. Ihre Dislozierung
begann 1977. Am 2. November 1977 erklärte der sowjetische Parteichef Leonid
Breschnew, nachdem etwa ein Dutzend dieser Waffen disloziert waren: Wir wollen
das derzeit herrschende annähernde Gleichgewicht zwischen Ost und West in Mitteleuropa oder zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten nicht stören. Ob man
sich über den genauen Stand des militärischen Kräfteverhältnisses zu jenem Zeitpunkt einig ist oder nicht, es entsteht doch die natürliche Frage, warum die
Sowjetunion nicht nachgelassen hat, seit 1977 in fieberhaftem Tempo immer mehr
SS-20 zu dislozieren bis zum heutigen Stand von über 350 Trägerwaffen mit über
1050 Gefechtsköpfen. Nachdem es damals also mit etwa einem Dutzend Waffen Gleichgewicht gab, so kann man nur schwer leugnen, daß es heute ein Ungleichgewicht
geben muß, um das man sich zu kümmern hat.
Dieses Gleichgewicht wird vom Atlantischen Bündnis wiederhergestellt werden,
wenn es nicht zu einem ausgewogenen, verifizierbaren Abkommen zu ihrer Begrenzung
kommt.

Die sowjetische Antwort hierauf war leider bislang weniger echte Verhandlung

- 5 -

�echte Verhandlung als vielmehr einseitige Drohung.

Die demokratischen Staaten

werden solchen Drohungen widerstehen, die die Atmosphäre vergiften und unvereinbar
sind mit einem wirklichen Verfolg von Sicherheit und Zusammenarbeit.

Wenn es bis

Ende dieses Jahres zu keinem Abkommen kommt, sind wir unsererseits bereit, den
Versuch weiter fortzuführen, zu einem Abkommen mit der Sowjetunion zu gelangen sogar dann, wenn die Ausgleichsdislozierungen der NATO schon begonnen haben.
Zusätzlich zur Störung des militärischen Gleichgewichts schlugen die Sowjetunion und ihre Verbündeten - unmittelbar nach der Schlußakte von Helsinki - einen
Kurs der geopolitischen Aggression in Afrika, im Mittleren Osten und in Südostasien
ein.

Kubanische Armeen intervenierten unter sowjetischer Leitung in Angola,

Äthiopien und im Südjemen, vietnamesische Armeen fielen in Kamputschea ein, wobei
sie zu Pionieren in der Technologie des chemischen und toxischen Krieges gegen
Zivilisten wurden, und die sowjetische Armee begann ihre Invasion Afghanistans.
Die Vereinigten Staaten sind sich voll der Tatsache bewußt, daß die Schlußakte die enge Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und in der
Welt insgesamt unterstreicht. Wir werden mit denjenigen zusammenarbeiten, die sich
um friedliche Lösungen regionaler Konflikte bemühen - Lösungen, die in Einklang
stehen mit den Wünschen und den Interessen der betroffenen Völker in Südost- und
Südwestasien, im südlichen Afrika sowie in Mittelamerika und der Karibik.
Wir unterstützen jene Bestimmung der Schlußakte, die die wirtschaftlichen
Beziehungen als einen wesentlichen Sektor der Zusammenarbeit behandelt. Aber
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet - so sagt die Schlußakte - sollte stattfinden in
voller Achtung der Grundsätze, die die Beziehungen zwischen den Teilnehmerstaaten
leiten. Das stetige Anwachsen des Ost-West-Handels, das ein Merkmal der frühen
siebziger Jahre war, hat sich verlangsamt und nach unten ausgeglichen. Die geopoli tischen Entwicklungen, von denen ich gerade gesprochen habe, haben zu diesem
Rückgang beigetragen. Zum Teil ist dies jedoch auch ein Ergebnis der Ölkrise
und der Rezession der Weltwirtschaft wie auch der strukturellen Unzulänglichkeiten
der zentralen Planwirtschaft des Ostens.
Es liegt
- 6 -

�Es liegt Ironie darin, daß ein System, das den Anspruch erhebt, die Prinzipien
der einzig wirklich wissenschaftlichen Wirtschaftstheorie der Welt exemplarisch
in die Tat umzusetzen, auf die Nachahmung westlicher Methoden zurückgreifen muß im Westen Gelder borgen muß, Nahrungsmittel und Technologie im Westen kaufen muß -,
um weitermachen zu können.

Dennoch hoffen wir auch weiterhin, daß Handel mit

nichtstrategischen Gütern, zu soliden kommerziellen Bedingungen, zumindest einen
gewissen Beitrag zu konstruktiven Ost-West-Beziehungen leisten kann.
Wenn man auf die entscheidende Frage der Menschenrechte zu sprechen kommt,
so geht es doch vor allem darum, daß sie nicht einfach nur ein separater Korb von
Themenkreisen sind, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Problems der
Sicherheit und Zusammenarbeit. Wie die Schlußakte formuliert, ist die Achtung vor
den Menschenrechten und den Grundfreiheiten ein entscheidender Faktor für den
Frieden, die Gerechtigkeit und das Wohlergehen und notwendig, um die Entwicklung
freundschaftlicher Beziehungen und der Zusammenarbeit sicherzustellen.
Hier sind wir bei der zentralen Frage angelangt. Was ist der wirkliche Grund
dafür, daß Fortschritt beim Helsinki-Prozeß ein so schwieriges Anliegen ist?
Wovon hängen die Sicherheit und die Zusammenarbeit in Europa denn grundsätzlich
ab? Und welche sind die wirklichen, grundlegenden Hindernisse für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa?
Es reduziert sich alles auf die Frage: Warum ist Europa geteilt?
Wir alle kennen die Antwort.

Europa wurde mit Gewalt geteilt - und es bleibt

durch Gewalt geteilt - die Gewalt eines Systems, das aus seinen Prinzipien und
seiner Praxis heraus sich gegen den freien Austausch von Menschen und Gedanken
stellt.

Es ist dies ein System, das eine Mauer baute, um die Gedanken draußen

und die Menschen drinnen zu halten.

Es ist ein System, das ausländische Radio-

sendungen vielleicht noch mehr als Raketen fürchtet.
Aber die Erfahrung zeigt, daß keine Mauer hoch genug ist, kein Störsender
stark genug ist, um Ideen abzuhalten oder die Hoffnungen von Männern und Frauen
- 7 -

�und Frauen zu unterdrücken, die sich nach Freiheit sehnen.

Die Teilung Europas

ist auch heute - wie sie dies immer war - unnatürlich und unmenschlich.

Daher

ist der Versuch, Europa durch rohe Gewalt geteilt zu halten, unvermeidlich eine
Quelle der Instabilität.

Es kann so lange keine dauerhafte Sicherheit und

Zusammenarbeit in Europa geben, wie eine Regierung Angst vor ihrem eigenen Volk
hat und dadurch Sicherheit sucht, daß sie ihrem eigenen Volk - und ihren

Nachbarn -

ein System der Gewalt auferlegt.
Es wird immer wieder Helden geben, die uns dies nicht vergessen lassen und
die ihren selbsternannten Herren keine Ruhe geben werden: polnische Arbeiter,
tschechoslovakische Intellektuelle, ostdeutsche Kirchenvertreter und Friedensdemonstranten, sowjetische Dissidenten aller Glaubensrichtungen und aus allen
gesellschaftlichen Schichten, die ihr Leben und ihren Lebensunterhalt für die
Sache der Freiheit riskieren.

Die Sowjetunion würde im Geist von Helsinki eine

ganze Menge Vertrauen gewinnen, wenn sie es einigen dieser Helden, die die Sowjetunion verlassen wollen, erlauben würde, dies auch zu tun.

Das Recht auf Emigration

ist ein Grundprinzip, das auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anerkannt wird.

Hoffen wir bei Beginn des Neujahrs der Juden, daß dieses kommende

Jahr größere Fortschritte im Hinblick auf ungehindertere Auswanderung erlebt.
Aber wir sorgen uns nicht nur für jene, die gehen wollen, sondern auch für jene,
die bleiben.

Ihre Lebensbedingungen sind ein wichtiges Barometer für die wahren

Bedingungen von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Im tiefsten Sinn stellt der Helsinki-Prozeß einen historischen Versuch dar,
die grausame Teilung zwischen Ost und West in Europa abzubauen. Es ist ein Bemühen,
das fortdauern muß, weil es die grundlegensten Interessen, die tiefsten Überzeugungen und die größten Hoffnungen aller Menschen in Europa umfaßt. Obgleich diese
Konferenz nun zu einem Ende kommt, dauert unser Bemühen um die Menschenrechte an,
und wir werden auch weiterhin dieses Anliegen in jedem angemessenen Forum vorbringen. Wir werden auch weiterhin die Wahrheit sagen. Der Kampf um die Menschenrechte ist nicht aufzuhalten, und er bleibt eine Priorität der amerikanischen
Außenpolitik.
Während der

�Während der letzten Stunden dieser Madrider Folgekonferenz möchte ich der
fähigen Führung unseres Delegationsleiters, Botschafter Max Kampelman, meinen
Tribut zollen. Wenn er vor dieser Versammlung sprach, sprach er für ein geeintes
Land - für ein amerikanisches Volk, das geeint ist in seiner Unterstützung für
den Frieden und geeint in seiner Verpflichtung gegenüber der Menschenwürde. Und
er trug dazu bei, Einigkeit unter den Demokratien des Westens zu schaffen, ohne
die sogar der bescheidenste Fortschritt, den wir erzielt haben, nicht möglich
gewesen wäre.
Nach fast drei Jahren der geduldigen Verhandlungen liegt vor uns ein Dokument,
das - wenn es Zustimmung findet - auf der Schlußakte des Jahres 1975 aufbauen und
diese verbessern wird. Es bringt wichtige neue Verpflichtungen hinsichtlich der
Menschenrechte, der gewerkschaftlichen Freiheiten, der Religionsfreiheit, der
Zusammenführung von Familien, des freien Informationsflusses und der Maßnahmen
gegen den Terrorismus. Bedeutsam ist, daß es auch Folgetreffen in den Bereichen
der Menschenrechte und der Sicherheit vorsieht.
Ein Menschenrechtstreffen ist 1985 in Ottawa geplant, ein Treffen über menschliche Kontakte für Anfang 1986 in Bern und eine umfassende Überprüfungskonferenz
in Wien Ende 1986. Wir hoffen, daß die Sowjetunion endlich die Bedenken beachten
wird, die immer wieder von vielen von uns in Madrid zum Ausdruck gebracht wurden,
und auf diese Bedenken eingeht.
Eine Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung
wird Anfang 1984 in Stockholm stattfinden. Die Vereinigten Staaten werden ernsthaft
verhandeln, um ein Abkommen über militärisch bedeutsame, politisch verbindliche
und verifizierbare Maßnahmen zu erreichen, das für ganz Europa seine Anwendung
findet. Wir sehen zugleich erwartungsvoll einem Expertentreffen über die friedliche Regelung von Streitigkeiten entgegen, das für 1984 in Athen geplant ist.
Die Anwesenheit einer distinguierten Kongreßdelegation unterstreicht die Bedeutung, die mein Land dem Helsinki-Prozeß und dem Streben nach Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa beimißt.

Wir fordern die Sowjetunion auf, einen ernsthaften
- 9 -

�einen ernsthaften Dialog über die ganze Bandbreite der anstehenden Probleme zu
führen mit dem Ziel, diese Probleme zu lösen und die Spannungen zu verringern.
Was uns anbelangt, so werden wir auch weiterhin in gutem Glauben verhandeln und
werden alle Vorschläge in Erwägung ziehen, die unserem grundlegenden Ziel gerecht
werden, echte Sicherheit und Zusammenarbeit zu erhöhen.
Als nüchterne Realisten sind wir bereit - und müssen dies sein - zu weiterem
und of mühsamem Wettstreit.

Aber wir glauben auch, daß dieser Wettst eit auf eine

Weise geführt werden kann - und muß -, der Raum für praktische Abkommen läßt, die
das Gespenst eines größeren Konfliktes zurückdrängen.
die beiderseitige Verantwortung.

Im Atomzeitalter ist dies

Und es ist die heilige Verpflichtung meiner

Regierung.
Präsident Reagan umriß dies am 15. Juli so:
"Wir werden in unserer anhaltenden Entschlossenheit nicht nachlassen, mit
allen Regierungen und Völkern zusammenzuarbeiten, deren Ziel die Stärkung des
Friedens in Freiheit ist. Wie Madrid gezeigt hat, kann der Dialog - wenn er sich
auf realistische Erwartungen stützt und mit Geduld geführt wird - Resultate
zeitigen. Solche Resultate können oft nur allmählic1 und mit Anstrengungen
erreicht werden, aber sie sind die notwendigen Bausteine für eine sicherere
und stabiliere Welt".

+ + + + +

�d

1111 J

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

SHULTZ. ANTWORT GROMYKOS VÖLLIG UNANNEHMBAR
- Erklärung nach dem Treffen in Madrid -

MADRID - (AD) - Nach den Worten des amerikanischen Außenministers George
Shultz war die Antwort des sowjetischen Außenministers Gromyko zum Abschuß der
koreanischen Verkehrsmaschine "völlig unannehmbar". Der amerikanische Außenminister gab diese Erklärung am 8. September 1983 ab, nachdem er am Rande der
KSZE-Folgekonferenz in Madrid mit dem sowjetischen Außenminister zusammengetroffen
war. Die Unterredung dauerte mehr als zwei Stunden.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Die unprovozierte Vernichtung eines schutzlosen, unbewaffneten koreanischen
Verkehrsflugzeuges hat uns die grundlegende Thematik dieser Konferenz in höchst
schmerzlicher Weise vor Augen geführt. Bei dieser Madrider Konferenz ging es um
den fundamentalen Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Sicherheit. Diese
brutale sowjetische Handlung hat allen das Fehlen eines jeglichen Interesses an den
betroffenen Menschenleben seitens der Sowjetunion deutlich gemacht. Und die absurde
Erklärung, die die Sowjets einer Welt, die dies einfach nicht glauben kann, angeboten haben und immer noch anbieten, hat das Problem nur noch kompliziert.
In seiner

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In seiner gestrigen formellen Erklärung vor der Konferenz hat Außenminister
Gromyko die Dinge dann sogar noch verschlimmert, indem er behauptete, sein Land
habe das Recht, so etwas noch einmal zu tun. Meine Feststellungen während unserer
Unterredung heute nachmittag konzentrierten sich natürlich auf die Menschenrechte
und insbesondere auf das Recht der Menschen in aller Welt, für ihr Leben und für
ihre Sicherheit auf Flugreisen Rücksicht und Achtung erwarten zu können.
Die Antwort, die Außenminister Gromyko mir heute gab, war sogar noch unbefriedigender als die gestrige öffentliche Antwort vor der KSZE-Konferenz.

Ich

finde sie völlig unannehmbar.
Dies ist nicht das Ende der Angelegenheit.

Und in den vor uns liegenden Tagen

und Wochen werden die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen überall in der
Völkergemeinschaft mit allem Nachdruck auf Gerechtigkeit gegenüber den Familien
der Ermordeten und auf Sicherheit für unschuldige Reisende pochen.

•

.

+ + + + +
*
:.
,
'

.
••

:
:

.
:

2 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

KIRKPATRICK: FLUGZEUGTRAGÖDIE AUSWUCHS DER "HERRSCHAFT DER GEWALT"
- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen
vor dem Sicherheitsrat -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die amerikanische Chefdelegierte bei
den Vereinten Nationen, Botschafterin Jeane Kirkpatrick, erklärte am 6. September
1983 auf einer Sitzung dos Weltsicherheitsrites in New York, die Wurzel der
Tragödie des Abschusses eines südkoreanischen Passagierflugzeuges durch die
Sowjets liege in der "Herrschaft der Gewalt" in der UdSSR.

Botschafterin

Kirkpatrick hob hervor, daß die Sowjets mit den Abschuß der Maschine, bei dem
269 unschuldige Menschen starben, alle Normen des internationalen Luftverkehrs
verletzt und dazu noch gelogen hätten.
Die Ansprache der amerikanischen Chefdelegierten hat folgenden Wortlaut:
Fast die ganze Welt außerhalb der Sowjetunion weiß heute von dem koreanischen Flug 007 zwischen New York und Seoul mit 269 Personen an Bord, der vom
Kurs abkam und in sowjetischen Luftraun geriet, mit Hilfe von Radar verfolgt
wurde, von einer sowjetischen Militärmaschine des Typs SU-15 ins Visier genommen
wurde, deren Pilot kaltblutig und nach eingehender Rücksprache zwei Luft-LuftRaketen abfeuerte, die das Flugzeug zerstörten und damit offensichtlich den
269 Passagieren und Besatzungsmitgliec-

den Tod brachten.
Dieser wohlüberlegte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dieser wohlüberlegte Angriff auf ein ziviles Linienflugzeug - unbewaffnet
und ohne Verteidigung, wie Zivilflugzeuge das immer sind - hat die Welt schockiert.
Nur das sowjetische Volk hat noch immer nichts von diesem Angriff auf KAL-007
und dem Tod der Menschen an Bord gehört, weil die sowjetische Regierung nicht
zugegeben hat, auf das koreanische Linienflugzeug geschossen zu haben. Ja, es
dauerte bis zum 5„ September, daß sowjetische Regierungsvertreter einräumten, daß
Flug KAL-007 in den eisigen Gewässern verschwunden sei.
Die sowjetische Regierung hat zu dem Flugzeugzwischenfall nicht geschwiegen,
sondern sie hat einfach gelogen.
Am 1. September teilte Außenminister Gromyko mit, daß "ein nicht identifiziertes Flugzeug aus Richtung Pazifischer Ozean kommend über der Halbinsel
Kamtschatka in den Luftraum der Sowjetunion eingedrungen ist und ein zweites Mal
den sowjetischen Luftraum über der Insel Sachalin verletzt hat. Das Flugzeug
hat keine Navigationslichter gesetzt, hat auf Anfragen nicht geantwortet und ist
nicht in Verbindung mit dem Funküberwachungsdienst getreten,
Kampfflugzeuge der Luftverteidigung, die gegen das eindringende Flugzeug
ausgesandt wurden, versuchten, dem Flugzeug zu helfen, den nächsten Flugplatz
anzufliegen. Aber das eindringende Flugzeug reagierte nicht auf die Signale und
Warnungen der sowjetischen Kampfflugzeuge und setzte seinen Flug in Richtung
Japanische See fort",
Am nächsten Tag, am 2. September, wiederholte TASS die Beschuldigung Gromykos,
daß der sowjetische Luftraum durch ein "nicht identifizierbares Flugzeug" grob
verletzt worden sei, das "unter Verletzung internationaler Bestimmungen ...
ohne Navigationslichter geflogen" sei. Auch TASS berichtete von Bemühungen,
"mit Hilfe allgemein akzeptierter Signale Verbindung mit dem Flugzeug aufzunehmen
und es zum nächsten Flugplatz auf sowjetischem Territorium zu eskortieren. Ober der

�über der Insel Sachalin feuerte ein sowjetisches Flugzeug Warnschüsse mit Leuchtspurmunition längs des Flugkurses der Maschine ab.

Kurz darauf verließ das ein-

dringende Flugzeug den Bereich des sowjetischen Luftraums und setzte seinen Flug
in Richtung Japanische See fort.

Etwa zehn Minuten lang befand es sich im

Beobachtungsbereich der Funkortung und wurde nachher nicht mehr gesehen..."
Gestern, als der sowjetische General Romanow schließlich zugab, daß das
koreanische Flugzeug abgestürzt sei und "zahlreiche" Menschen umgekommen seien,
versicherte er: "Das Düsenflugzeug flog ohne Lichter..."
Das ist die Version von TASS, aber wir brauchen uns nicht zu fragen, was
wirklich mit dem Flugzeug geschah oder wann es geschah oder was sowjetische
RegierungsVertreter über sein Schicksal wußten. Wir wissen es, weil wir wissen,
was die sowjetischen Piloten, die das koreanische Linienflugzeug über Sachalin
abfingen, während der 50 Minuten in der Zeit von 1756 bis 1846 (GMT) am 31. August
ihren Bodenstationen sagten, als sie das koreanische Flugzeug verfolgten, über es
sprachen und es schließlich mit seinen 269 Passagieren vernichteten.
Die amerikanische Regierung hat sich in Zusammenarbeit mit der japanischen
Regierung entschlossen, diesem Rat hier und der Welt die Beweise vorzulegen. Sie
sind auf Video-Band gespeichert, das ich abspielen werde. Auf diesem Band werden
Sie die Stimmen der Piloten der sowjetischen Abfangjäger vernehmen - zu denen
drei SU-15 (Flagon) und eine MIG-23 (Flogger) gehörten - einschließlich der Stimme
des SU-15-Piloten, der auf den Knopf drückte, durch den die Raketen ausgelöst
wurden, die das koreanische Flugzeug auf dem Flug KAL-007 vernichteten.
Es ist zwar zu erkennen, daß die Piloten Befehle der Bodenkontroll stelle
bestätigten, die Befehle sind jedoch nicht hörbar. Was ich Ihnen jetzt vorspiele,
ist das aufgenommene Band des tatsächlichen Luft-Boden-Sprechverkehrs; natürlich
in russischer Sprache. Auf den Bildschirmen werden sie gleichzeitig die original
russische Mitschrift und die englische Übersetzung sehen; über Ihre Kopfhörer
werden sie eine Übersetzung dieser Stimmen in alle Amtsprachen der Vereinten
Nationen vernehmen.
Unmittelbar nach

�Unmittelbar nach meiner Darstellung wird die russisch-englische Mitschrift
allen jenen zur Verfügung stehen, die sie gerne lesen möchten.

Am Ende dieser

Sitzung des Sicherheitsrates wird jeder interessierten Botschaft eine Tonbandkassette ausgehändigt werden, auf denen die Stimmen noch klarer zu verstehen sind.
Aus diesem Band wurde nichts herausgeschnitten.

Die Aufnahmen wurden durch

ein Aufnahmegerät vorgenommen, das sich automatisch einschaltet, sobald gesprochen
wird, und deshalb sind nur die Zeiträume aufgezeichnet, in denen Sprechverkehr
stattfand.
(An dieser Stelle wurde das Band abgespielt)
Die Mitschrift, die wir gerade gehört haben, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Sie hat ganz einfach bewiesen, daß die Sowjets beschlossen, dieses Zivil-

flugzeug abzuschießen, es abschössen, 269 Menschen an Bord ermordeten und noch
dazu logen.
Was der Pilot im Cockpit sagte, macht mehrere entscheidende Punkte deutlich.
- Der Abfangjäger, der KAL-007 abschoß, hatte das Linienflugzeug 20 Minuten
lang in Sicht, ehe er seine Raketen abfeuerte.
- Im Gegensatz zu den wiederholten Behauptungen der Sowjets hat der Pilot des
Abfangjägers gesehen, daß die Navigationslichter des Linienflugzeuges brannten
und hat das seiner Bodenstelle dreimal mitgeteilt.
- Im Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen erwähnt der Pilot nichts über das
Abfeuern von Warnschüssen, sondern nur den Abschuß der Raketen, die, wie er sagte,
das "Ziel" trafen.
- Im Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen gibt es keinerlei Hinweise, daß
der Pilot des Abfangjägers irgendwelche Versuche unternommen hat, mit dem Flugzeug
in Verbindung zu treten oder es in Übereinstimmung mit der anerkannten internationalen

�anerkannten internationalen Praxis zur Landung aufzufordern.

Die sowjetischen

Abfangjäger sind wahrscheinlich technisch gar nicht in der Lage, Funkverbindung
mit einem Zivilflugzeug aufzunehmen, weil man befürchtet, das könnte ein überlaufen
sowjetischer Piloten erleichtern.
Die vielleicht schockierendste Tatsache, die aus der Mitschrift hervorgeht

ist die

daß die Piloten zu keinem Zeitpunkt die Frage der Identität des

"Ziei"-Flugzeuges anschneiden und daß die Piloten der Abfangjäger zu keinem
Zeitpunkt von etwas anderem sprechen als von dem "Ziel".

Das Einzige, was sich

auf die Identität des Flugzeuges bezog, war eine Mitteilung des Piloten des
angreifenden Abfangjägers, daß "das Ziel nichtauf IFF reagiert».

Das bedeutet,

daß das Flugzeug nicht auf die elektronische Abfragung reagierte, mit deren
Hilfe Militärflugzeuge Freund oder Feind identifizieren (IFF).

Aber die korea-

nische Linienmaschine konnte natürlich nicht auf IFF reagieren, denn Zivilflugzeuge sind nicht entsprechend ausgerüstet.

Wir wissen, daß der Abfangjäger,

der KAL-007 abschoß, hinter, neben und vor der Linienmaschine flog und sich dabei
bis auf mindestens zwei Kilometer näherte, bevor er sich wieder hinter das Flugzeug setzte und seine Raketen abfeuerte.

Bei einem Abstand von zwei Kilometern -

und unter den zu dieser Zeit herrschenden Bedingungen - war es leicht möglich,
pin Passagierflugzeug vom Typ 747 zu identifizieren.
nicht

Entweder wußten die Sowjets

daß das koreanische Flugzeug ein Verkehrsflugzeug war, auf das sie schössen,

oder er wußte nicht, daß sein "Ziel" ein ziviles Passagierflugzeug war.
Im letzteren Fall feuerten sie ihre tödlichen Geschosse ohne zu wissen oder
sich darüber Gedanken zu machen, was getroffen werden würde. Man hätte sich
jedoch leicht dem Flugzeug bis auf eine bestimmte Zahl von Metern nähern können,
um sich dessen Identität zu versichern; doch dies geschah nicht. So oder so
zeigt sich eine erschreckende Mißachtung menschlichen Lebens und internationaler
Normen.
In den Tagen nach der Vernichtung von KAL-007 erklärten die sowjetische

- 5 -

�die sowjetische Führung und die sowjetische Presse, sie verstünden die Aufregung
nicht, die deswegen entstanden sei. Sie begannen, den Vereinigten Staaten zu
unterstellen, ein "Geschrei" um nichts zu machen; danach beschuldigten sie uns
einer "Provokation" und unterstellten damit - auch wenn sie es nicht ganz so
ausdrückten -, wir hätten sie dazu provoziert, ein Flugzeug abzuschießen, das
sich in ihren Luftraum verirrt hatte, dazu provoziert, Maßstäbe und Verhaltensweisen zu verletzen, die internationale Geltung haben,.
Ihren Worten zufolge war das Abkommen eines Flugzeuges von seinem Kurs
praktisch ein Verbrechen, das mit dem Tod zu bestrafen war. Sie erklären, daß
"(sie) - wie in jedem Staat, der Selbstachtung hat - nichts weiter tun als auf
(ihre) Souveränität zu achten, die zu verletzen (sie) niemandem erlauben werden".
(So in der Nachrichtensendung im Inlandsprogramm einer Moskauer Fernsehstation,
vom 4. September 1983).
Die Sowjets erklärten - noch immer, ohne zuzugeben, daß sie das koreanische
Flugzeug abschössen - , daß "unsere Luftabwehr ihre Pflicht zur Verteidigung der
Sicherheit unseres Vaterlandes erfüllt hat". Sie erklärten, daß sie vielleicht
das koreanische Flugzeug für ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug gehalten
hätten, gaben aber immer noch nicht zu. daß sie es angegriffen und zerstört hatten.
Aber keine dieser Lügen, dieser Halbwahrheiten und Entschuldigungen kann der
Prüfung standhalten. Das Abkommen eines Flugzeuges von seinem Kurs wird von
zivilisierten Staaten nicht als ein Kapitalverbrechen betrachtet. Und kein Staat
hat das souveräne Recht, einen Menschen zu erschießen, der in Friedenszeiten versehentlich über seine Grenzen gerät - und das gilt auch für Flugzeuge. Es gibt
international anerkannte Regeln, unwillkommene Flugzeuge abzufangen. Dabei sind
ernsthafte Bemühungen zur Identifizierung, Verifizierung, und Warnung gefordert.
Wenn es sich um einen ernsten Fall handelt, so gibt es Regeln, den Eindringling
zu stellen und ihn zur Landung oder zum Verlassen des eigenen Luftraums zu zwingen.
Die Souveränität erfordert und erlaubt es nicht, in Friedenszeiten Flugzeuge abzuschießen.
Zuletzt haben

�Zuletzt haben die Sowjets unterstellt, Flug KAL-007 könnte für ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug gehalten worden sein. Aber auch das überzeugt
nicht.

Die koreanische Boeing 747 befand sich auf einem planmäßigen Routineflug.

Zur Zeit ihres Abschusses war das amerikanische Aufklärungsflugzeug, auf das sich
die Sowjets bezogen, bereits seit über einer Stunde gelandet - und das 2400 Kilometer weit weg.
Zudem unternehmen die Vereinigten Staaten keine Aufklärungsflüge im sowjetischen Luftraum.

Wir haben regelmäßig Flugzeuge im internationalen Luftraum,

um die sowjetische Einhaltung von SALT und anderen Rüstungskontrollabkommen zu
überwachen.

Die Sowjets kennen die Regeln dieser Flüge und können solche

Missionen leicht identifizieren.
Schließlich machen weder die Vereinigten Staaten noch alle anderen Staaten,
die über die Ermordung von 269 Passagieren des Flugzeugs KAL-007 erregt sind,
ein Gezeter, noch übertreiben sie die Bedeutung der Ereignisse. Wir protestieren
gegen sehr bedeutsame Verletzungen der Normen zivilisierten Verhaltens, auf
denen sich die internationale Luftfahrt gründet und ohne die es nicht möglich
wäre, daß wir uns in Flugzeuge setzen, über Kontinente und Ozeane fliegen, frei
von der Angst, Ziel eines mörderischen Angriffs zu werden.
In einem Maß, das wir uns kaum vorstellen können, hängt die internationale
Luftfahrt von einem Netzwerk gegenseitigen Vertrauens ab, daß wir nicht gegenseitig Flugzeuge abschießen, sie entführen, oder Passagiere und Besatzung einsperren oder vergiften.
Warum hat die Sowjetunion diese Normen verletzt - und warum hat sie deswegen
gelogen? Meistens werden zwei Gründe genannt, um zu erklären, warum der sowjetische Pilot das Flugzeug abschoß. Der eine ist, daß es ein Irrtum war - der
Irrtum eines schießfreudigen Piloten, der zusammen mit seiner Bodenstelle der
Einstellung folgte: Erst schießen, dann identifizieren.
Aber wenn

�Aber wenn der Irrtum des Piloten für diesen tragischen Fehler verantwortlich
war: Warum hat die sowjetische Regierung das nicht gesagt?

Warum hat sie gelogen

und warum verbindet sie den mörderischen Angriff auf KAL-007 mit einem lügnerischen Angriff auf die Vereinigten Staaten wegen angeblicher Provokation und
Aggression?
Als ich mich

mit dieser Frage beschäftigte, erinnerte ich mich an eine

Debatte, die in diesem Sicherheitsrat vor 21 Jahren stattfand, als mein Vorgänger,
Adlai Stevenson, die Aufmerksamkeit des Rates auf die "unmißverständliche Beweislage" lenkte, daß in der westlichen Hemisphäre eine Reihe von Anlagen zum Abschuß
offensiver Atomraketen installiert wurden.
Der sowjetische Vertreter Sorin wies diese Behauptung entrüstet zurück und
verband, wie dies sowjetische Vertreter oft tun, sein lügnerisches Abstreiten
mit einer bösartigen Attacke auf die Vereinigten Staaten.

Die Tatsache, daß wir

die Aufmerksamkeit auf ein bedrohliches sowjetisches Verhalten lenkten, so Sorin,
verschleiere nur die eigene

Aggression und Piraterie der Vereinigten Staaten.

Aber auch Adlai Stevenson hatte die Beweise, um seine Behauptungen zu belegen genauso unwiderleglich wie die Aufzeichnungen,die wir heute haben.
Tatsache ist, daß Gewalt und Lügen reguläre Instrumente der sowjetischen
Politik sind. Sowjetische Regierungsvertreter verhalten sich immer wieder so,
als wäre die Wahrheit lediglich eine Funktion von Gewalt und Wollen, als wäre
die Wahrheit nur so, wie sie es darstellen, als wäre die Gewalt ein Instrument,
auf das man in außenpolitischen Angelegenheiten zuerst zurückgreift. Die Sowjets
besetzen Afghanistan und beschuldigen die Vereinigten Staaten der Einmischung in
innere Angelegenheiten eines anderen Landes. Sie schaffen mit ihren SS-20 eine
massive neue Verwundbarkeit in Europa und beschuldigen die NATO des Versuchs,
das Gleichgewicht der Kräfte zu stören.
Wir sehen die Dinge anders. Wir glauben, daß die Wahrheit für Zusammenarbeit und Frieden zwischen Ländern genauso lebenswichtig ist wie zwischen
Menschen. Es ist deprimierend, ernsthaft unsere globalen Aussichten zu erwägen,
- 8 -

�zu erwägen, wenn sie sich auf Beziehungen stützen müssen, bei denen es keine
Wahrheit und kein Vertrauen gibt.

Es ist deprimierend, sich eine Welt vorzu-

stellen, in der ein großes Land, ausgerüstet mit den mächtigsten modernen Waffen,
glaubt, es habe ein souveränes Recht, auf ein Linienflugzeug zu feuern, das sich
auf sein Territorium verirrt hat. Diese sowjetischen Handlungen und Ansprüche
werfen ein Licht auf die sowjetische Konzeption von angemessenen Beziehungen
zwischen Staaten in Friedenszeiten.

Sie werfen ein Licht auf die Welt, in der

wir leben, arbeiten und Politik treiben.
Einige Kenner der Szene glauben, daß die Zerstörung der Verkehrsmaschine
nicht das Werk eines einzelnen Bösewichtes ist, den Menschenleben nicht interessieren, sondern daß der Abschuß ein wohlüberlegter Schlag war, der einschüchtern
sollte - ein brutaler, entschlossener Akt, um Furcht und Zögern bei all denen
hervorzurufen, die sich ein Bild von der rücksichtslosen sowjetischen Gewalt
gemacht haben, genauso wie die Ermordung afghanischer Dorfbewohner oder die
Inhaftierung der Helsinki-Gruppen bewirken sollen, daß Willfährigkeit durch
Terror sichergestellt wird.
Wie dem auch immer ist - ob der Abschuß der Linienmaschine und der Tod der
Passagiere nur auf absolute Gleichgültigkeit zurückzuführen ist oder ob dies
ein Mittel der Einschüchterung war - wir haben es hier nicht mit dem Irrtum eines
Piloten zu tun, sondern mit Entscheidungen und Prioritäten, die charakteristisch
für ein System sind.

Die sowjetischen Stellen haben nicht nur ein vom Kurs ab-

gekommenes Verkehrsflugzeug abschießen lassen und dann darüber Lüge,, verbreitet,
sie haben auch in gefühlloser Weise alle Angebote für eine internationale Beteiligung an Such- und Rettungsaktionen zurückgewiesen - und das trotz der klar definierten "internationalen Normen und empfohlenen Praktiken" der Internationalen
Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO), durch die alle Länder aufgefordert werden,
"jede notwendige Erlaubnis zu geben, damit derartige Flugzeuge, Schiffe, Personal
oder Ausrüstung auf das Territorium des jeweiligen Landes gelangen können ....
und zwar unter dem Gesichtspunkt, ein solches Vorhaben zu beschleunigen".
Wieder einmal

�Wieder einmal wird uns vor Augen geführt, daß die Sowjetunion ein Staat ist,
der sich auf das Doppelprinzip Gefühllosigkeit und Lügenhaftigkeit stützt.
hat sich der Herrschaft der Gewalt verschrieben.

Sie

Lenin hat die "Diktatur des

Proletariats" im Jahre 1920 definiert, als er schrieb, daß die wissenschaftliche
Konzeption der Diktatur nichts anderes bedeute als unbeschränkte Macht, in keiner
Weise durch Gesetz oder Bestimmungen behindert und direkt auf der Gewalt beruhend.
Es ist dieses Prinzip der Gewalt - diese Mentalität der Gewalt -, auf die
die Tragödie der koreanischen Verkehrsmaschine zurückzuführen ist. Dies ist die
Realität, die der Welt durch dieses schreckliche Ereignis vor Augen geführt wurde.
Es ist eine Realität, über die wir alle nachdenken müssen, wenn wir die Gefahren
für den Frieden und die Menschenrechte abwägen, Henen wir uns heute alle gegenübersehen.
Die Vereinigten Staaten sind zutiefst davon überzeugt, daß hier in den Vereinten Nationen sofortige Maßnahmen ergriffen werden sollten, damit die Möglichkeit einer Wiederholung der Tragödie dieser koreanischen Verkehrsmaschine verringert wird. Wir fordern unsere Kollegen hier auf, sich uns in den kommenden
Tagen bei dem Bemühen anzuschließen, aus dieser Tragödie mit Nachdruck neue
Klarheit über die Veränderungen unserer Welt zu erlangen, und neue Anstrengungen
zu unternehmen, die uns alle sicherer machen.

+ + + + +

- 10 -

�14. September 1983

37

DIE HILFE DER VEREINIGTEN STAATEN FÜR MITTELAMERIKA
- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe -

WASHINGTON - (AD) - Die Ansicht, die Vereinigten Staaten strebten lediglich
eine militärische Lösung der Probleme in Mittelamerika an, kann durch die entsprechenden Zahlen der letzten vier Jahrzehnte nicht belegt werden.
Von 1946 bis 1982 stellten die Vereinigten Staaten an Wirtschaftshilfe für
Mittelamerika 2,3 Milliarden Dollar zur Verfügung - im Vergleich zu 296 Millionen
Dollar an Militärhilfe.

Im Jahre 1983 sind über 75 Prozent der amerikanischen

Hilfe für die Region wirtschaftlicher Natur.
Außerdem ist Präsident Reagans Initiative

fi

'r das Karibische Becken seiner

Natur nach völlig wirtschaftlich ausgerichtet. Seine Handelsbestimmungen zielen
darauf ab, die Grundlage für ein langfristiges Wirtschaftswachstum oer karibischen
Länder mittels neuer Exportindustrien zu schaffen.
Ein solches wirtschaftliches Wachstum ist jedoch - genau wie politischer und
sozialer Fortschritt - ohne militärischen Schutz unmöglich. Präsident Reagan
erklärte zurecht, daß keine noch so große Menge an Wirtschaftshilfe ausreichen würde,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausreichen würde, solange die Guerilla Straßen, Brücken, Elektrizitätswerke und
Ernten immer wieder ungestraft zerstören und vernichten kann.
Aus diesem Grund wurde die Militä'rhilfe an El Salvador 1980 beträchtlich
erhöht, als die Carter-Administration vor den unwiderleglichen Beweisen stand,
daß große Mengen Waffen aus Nicaragua die salvadorianische Guerilla erreichten.
Nachstehend eine Übersicht über die amerikanische Wirtschafts- und Sicherheitshilfe für Mittelamerika in den Haushaltsjahren 1982, 1983 und 1984:
Wirtschaftshilfe (in Millionen Dollar)
Haushaltsjahr 1982
El Salvador

Belize
Summe

Haushaltsjahr 1984
(vorgeschlagen)

178,5

227,1

195,5

75,0

93,1

86,2

119,5

145,1

106,3

14,0

44,0

64,5

10,0

6,7

4,0

397,0

516,0

456,5

Honduras
Costa Rica
Guatemala

Haushaltsjahr 1983

Sicherheitshilfe (in Millionen Dollar)
El Salvador
Honduras
Costa Rica
•

Guatemala
Summe

!

•. •

'

82,0
20,3
0,1
0,0
102,4

•

'

•

.

:

.

+ + + + +

136,3

86,3

49,3
4,6

41,0
2,2

0,0
190,2

10,0
139,5

�14. September 1983

37

DEUTSCHES GENIE IN AMERIKA
Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste motorv
sierte Flug in der Luftfahrtgeschichte.

Dies ist der vierte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300 Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Deutsch-Amerikaner haben in allen Bereichen des amerikanischen
Lebens große Leistungen vollbracht: Im Handel, in der Kunst, auf dem Gebiet der
Sozialwissenschaften und der Literatur traf deutscher Erfindergeist in Amerika
auf fruchtbaren Boden, in dem er sich entfalten konnte. Auf dem Gebiet der
Naturwissenschaften und der Technologie haben Deutsch-Amerikaner immer wieder
internationale Anerkennung gefunden.
Das wohl bekannteste Mitglied dieser Gruppe der Deutsch-Amerikaner war
natürlich der Physiker Albert Einstein, ein Mann, dessen Name allein heute als
Synonym für den Begriff "Genie" steht. 1879 in Ulm geboren, war seine außerordentliche Begabung auf wissenschaftlichem Gebiet erst in späteren Jahren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�späteren Jahren deutlich, doch sicherte er sich mit der Entwicklung der "Relativitätstheorie" 1905 seinen Platz in der Geschichte der Wissenschaft,

Im Jahre 1933

immigrierte Einstein in die Vereinigten Staaten und mit ihm und anderen Auswanderern
dieser Zeit verlagerte sich die naturwissenschaftliche Elite nach Amerika.
Ein Jahrhundert vor Einsteins Wirken gelangte ein anderer deutschstämmiger
Amerikaner in Amerika zu Ruhm: John Augustus Roebling, der seine Begabung einem
Unternehmen widmete, das auch heute noch als eines der Wunder der modernen Architektur angesehen wird — der Bau der Brooklyn-Brücke von New York.

Roebling, der

ein Verfahren zur Herstellung von Drahtseilen entwickelt hatte, begann, diese
Technologie auf den Entwurf eines neuen Brückentyps anzuwenden.

Der Bau der

Brooklyn-Brücke, Roeblings größtem Projekt, begann im Jahre 1869 und dauerte
14 Jahre. Roebling selbst starb an den Folgen einer Verletzung, die er sich
während der Überwachung der Arbeiten auf einem Baugerüst zugezogen hatte. Es
blieb somit seinem Sohn Washington überlassen, die Brücke zu beenden.

Bei Fertig-

stellung der Brooklyn-Brücke im Jahre 1883, wurde der Bau als 8. Weltwunder angesehen, ein Attribut, daß nach Meinung vieler auch heute noch zutrifft.
Deutsch-stämmige Amerikaner, deren Fähigkeiten besonders auf technologischem
Gebiet lagen, waren in Amerika besonders um die Jahrhundertwende aktiv. Die
Geschichte zweier solcher Personen beleuchtet ein wenig die verschiedenen Schicksale, die das Glück den Begabten schenkt. Gustave Whitehead, der am 1. Januar 1874
im fränkischen Leutershausen als Gustav Albin Weisskopf geboren wurde, war ein
Kesselflicker mit einer Leidenschaft für die Konstruktion von Flugmaschinen.
Whitehead, der 1895 nach Boston emigrierte, nahm Verbindung mit einer Gesellschaft
für Fliegerei auf, stand aber auch mit dem großen deutschen Luftfahrtpionier
Otto Lilienthal in brieflichem Kontakt. Whitehead gelang die Herstellung einer
Reihe von motorisierten Versuchsmodellen, und nach heutigen Dokumentationen
besteht Grund zur Annahme, daß am Morgen des 14. August 1901 ein 90 Sekunden
dauernder Flug in einem motorbetriebenen Flugzeug stattfand, bei dem eine Strecke
von über 850 Metern zurückgelegt worden war.
Da sich

�Da sich Whiteheads Flug ganze zwei Jahre vor einem ähnlichen Flug der
Gebrüder Wright ereignete, für den den Brüdern das Verdienst zugesprochen wird,
den ersten motorisierten Flug durchgeführt zu haben, ist im Grunde Whitehead der
"rechtmäßige" Vater des modernen Flugwesens.
Ein anderer deutsch-stämmiger Amerikaner war Charles Proteus Steinmetz, der
seine Begabung auf dem Gebiet der Elektrizität einsetzte und der ein weniger
anonymes Schicksal erfahren mußte. 1865 in Breslau geboren, wanderte Steinmetz
im Alter von 24 Jahren nach Amerika aus und erreichte New York im Jahre 1889.
Bereits als Jugendlicher zeigte Steinmetz seine Begabung auf dem Gebiet der Naturwissenschaft und errichtete bald darauf sein eigenes Forschungslabor, in dem er
bemerkenswerte Erfolge im Studium elektrischer Ströme erzielte. Einige Jahre
später bekam er einen Auftrag der General Electric Company und setzte seine
Forschungsarbeit bei der Hauptgeschäftsstelle der Firma in Schenectady, New York
fort. Bis zu seinem Tode im Jahre 1923, nach einer glänzenden Karriere, hatte
Steinmetz mehr als 200 Erfindungen patentiert und war als "Zauberer von Schenectady"
bekannt geworden.

+++++

�Ufi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

14. September 1983

SMOG SCHMÄLERT ERNTEERTRAG
Simulation in Klimakammern

- (AD) - Bis zu 20 Prozent verringert Smog, die oft über Städten und Industriezentren liegende Dunstglocke, den Anbauertrag bei Baumwolle. Dies ist das vorläufige Ergebnis von Beobachtungen vor allem im "Central Valley" in Kalifornien,
die 0. Clifton Taylor, Pflanzenphysiologe an der Universität Kalifornien in Riverside, über einen Zeitraum von drei Jahren machte. Er leitet eine der fünf Regionalstudien, die das Umweltbundesamt der Vereinigten Staaten (EPA) im Rahmen seiner
landesweiten Erhebungen über Ausmaß und Ursachen von Ernteausfällen durchführt.
Der Smog-Schaden bei Baumwolle allein bedeutete für die Farmer in Central
Vallez im Jahr 1982 einen Verlust von 200 Millionen Dollar. Ähnliches gelte, wie
Taylor betont, für eine ganze Anzahl der 150 verschiedenen Agrarprodukte aus Südkalifornien und dem Central Valley - einschneidende Auswirkungen auf eine "Industrie,
die im Bundesstaat Kalifornien immerhin den Umfang von 14 Milliarden Dollar erreicht",
Wohl sind Smog-Schäden an Pflanzen bereits eindeutig nachgewiesen worden.
Jedoch hatte man die entsprechenden Untersuchungen in Klimakammern, also im
Laboratorium durchgeführt.

Dabei können jedoch, so Taylor, echte Wetterbedingungen

und Smog in seiner tatsächlichen Zusammensetzung nicht simuliert werden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Außerdem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außerdem seien die Ergebnisse auch deshalb nicht zuverlässig, weil im Gewächshaus
bzw. in der Klimakammer gezogene Pflanzen von vornherein weniger Widerstand gegen
Smog entwickeln als Pflanzen auf freiem Feld. Man sei jetzt überzeugt, erklärt
Taylor, daß eine exakte Erforschung und Analyse der Wirkungen von Luftverschmutzung
nur auf freiem Feld möglich ist. "Smog-Schäden variieren beispielsweise mit der
Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft". Offenbar werden dabei u.a. die
Effekte von Ozon gefördert oder auch gehemmt. Auch Art und Ausmaß der photochemi- •
sehen Prozesse dürften entsprechend den jeweiligen Umweltbedingungen unterschiedlich sein.
Die von Taylor geleiteten Feldstudien werden im Südwesten der USA durchgeführt in Kalifornien, Arizona, New Mexico, Nevada und Utah. Im Rahmen des gegenwärtigen
Programms interessieren vor allem Beobachtungen zu den Auswirkungen von Smog auf
Erträge an Salat, Alfalfa und Gerste, weil diese Feldprodukte für die betreffenden
Bundesstaaten von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind.

•

+ + + + +
•

&gt;

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9222">
                <text>14.09.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9223">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9224">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13769">
                <text>Amerikadienst 14.09.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13770">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan ordnet Schließung der AEROFLOT-Büros in den USA an&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Außenministers vor der KSZE-Folgekonferenz in Madrid&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Antwort Gromykos völlig unannehmbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung nach dem Treffen in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirkpatrick: Flugzeugtragödie Auswuchs der "Herrschaft der Gewalt"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vor dem Sicherheitsrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsches Genie in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste motorisierte Flug in der Luftfahrtgeschichte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Smog schmälert Ernteertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Simulation in Klimakammern -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2059" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2070">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4c4771fed338a0af6645e336db632ed6.pdf</src>
        <authentication>fbbef3334e24a26cceb3cf58c1c8aa18</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10327">
                    <text>AMERIKA DIENST

14. September 1988

33

INHALT
DOKUMENTATION
Vernachlässigung der Lastenverteilung wäre schlechter Dienst am
Bündnis
- Rede von John Kornblum -

HINTERGRUNDMATERIAL
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist allgemeingültig
- Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Haltung der Kandidaten zu Verteidigungsfragen
- Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Galaktosämie; Fehlerhaftes Gen kloniert
- Ein wichtiger Schritt auf dem weiten Weg zur Gentherapie -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

33

14. September 1988

VERNACHLÄSSIGUNG DER LASTENVERTEILUNG WÄRE SCHLECHTER DIENST AM BÜNDNIS
- Rede von John Kornblum in Den Haag -

DEN HAAG - (AD) - "Ein anhaltendes Gefühl der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten" im Bereich der Verteidigung "wird nicht zu der Art von gesundem Selbstvertrauen führen, die Europa zur Bewältigung der vor ihm liegenden Aufgaben benötigt," erklärte der Stellvertreter des amerikanischen Ständigen Vertreters bei der NATO, John Kornblum, während einer Rede in Den Haag am
2. September 1988. "Wenn unsere Verbündeten die europäischen Aspekte der Debatte über die Lastenverteilung außer acht lassen, erweisen sie unserem Bündnis und vor allem sich selbst einen schlechten Dienst," sagte er weiter.
Nachfolgend bringen wir Kornblums Rede im Wortlaut:

Wenn man bei einem Treffen von
Experten zu solch entscheidenden Problemen Stellung nimmt, ist man gezwungen, an einen berühmten Witz zu
erinnern, der schon in unzähligen
Versionen erzählt worden ist.
Er betrifft zumeist ein kompliziertes und bedrückendes Thema. Dem
Erzähler zufolge gibt es nur drei
Menschen auf der Welt, die das Problem verstehen. Einer von ihnen ist
tot, der andere ist verrückt geworden
und der Dritte hat es vergessen.
Die meisten unter Ihnen haben
schon viele Versionen gehört. Das
Thema ist im allgemeinen internationales Finanzwesen, der Goldmarkt, die
Schleswig-Holstein-Frage oder die Baseballmeisterschaft in der American
League.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich möchte schon im voraus klarstellen, daß ich zu keinem der Themen
unserer Tagesordnung
ein Fachmann
bin. Ich versuche, beide zu verstehen, aber beruflich befasse ich mich
mit anderen Dingen. Die US-Mission
bei der NATO ist Mitveranstalter dieser Konferenz. Wir haben uns mit dem
Thema befaßt, weil wir in unserer Tätigkeit zunehmend mit den ökonomischen Auswirkungen der Sicherheitspolitik konfrontiert werden.
Bei unserer Arbeit mit Freunden
in der Niederländischen Atlantikkommission haben wir versucht, die besten Köpfe für diese komplizierte Anhäufung von Problemen zusammenzuführen. Ich hoffe, Sie werden in der
Lage sein, uns einige Ideen zur Wechselbeziehung dieser beiden "trostlo-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sen Wissenschaften" zu liefern. Im
Gegenzug werde ich heute abend versuchen, Ihnen einige Perspektiven aus
dem NATO-Hauptquartier vorzutragen.
Bismarck wird das Zitat zugeschrieben, daß jeder, der erfahren
würde, wie Gesetze und Wurst wirklich
gemacht werden, nie wieder friedlich
schlafen könnte.
Zugegebenermaßen
verlaufen
die
Prozesse innerhalb der NATO nicht
ganz so chaotisch , aber die Konsensfindung zwischen 16 souveränen Nationen fixiert unsere Tätigkeit eher auf
das Machbare als auf die bestmöglichen Lösungen.
Ich kann Ihnen heute abend keine
kühnen neuen Programme enthüllen.
Das Bündnis funktioniert nicht auf
diese Weise.
Ich kann jedoch ein
Bild unseres Bündnisses aus der Perspektive eines amerikanischen Regierungsvertreters geben, der mit der
Herstellung dieser Wurst, die wir als
NATO bezeichnen, beauftragt ist.

Kontinuität und Wandel
Dean Acheson pflegte jungen Attaches beim Verfassen von Telegrammen
für gewöhnlich zu sagen:
"Junger
Mann, das amerikanische Außenministerium MEINT nicht und es DENKT auch
niemals." Dieser einfache Rat gilt
auch für die NATO.

oft wie von selbst vor sich hin zu
tuckern scheint.
Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen. Unser Konsens ist
hart umkämpft und steht häufig auf
schwachen Füßen. Die Diskussionen im
Atlantikrat in Brüssel sind meines
Erachtens eine atlantische Version,
die den in unseren nationalen Parlamenten geführten ziemlich nahe kommen. Würde jemand die Tagesordnung
der vergangenen zehn Jahre untersuchen, so würde er feststellen, daß
die NATO über nahezu jedes wichtige
Anliegen unserer Nationen debattiert
hat.
Der
Verantwortungsbereich
der
NATO erstreckt sich hauptsächlich auf
die Sicherheit und damit auf das
Überleben unserer Gesellschaften und
unseres Lebensstils. Nimmt es wunder, daß im Falle einer Bedrohung der
Gesellschaft - sei sie militärisch
oder nicht - unser Bündnis zu den ersten gehörte, die die Auswirkungen zu
spüren bekämen?
Und ist es nicht unerläßlich, daß
die Politik des Bündnisses auf diesem
hart erkämpften demokratischen Konsens beruht?
So langwierig dieser
Prozeß auch sein mag, es gibt keinen
besseren Weg, um sicherzustellen, daß
die Interessen aller Mitgliedstaaten
- großer und kleiner - geschützt werden.

Während wir uns einem neuen JahrDie NATO meint nicht, sie denkt •'•' hundert nähern, scheint der Westen
sich an der Schwelle zu einer Xra
nicht und kann deshalb auch nicht
noch größeren Wohlstandes zu befinverwirrt
sein.
Wenn
überhaupt
den. Der Weg bis hierhin ist jedoch
Schritte unternommen werden, dann
schwierig und häufig erschöpfend gekommen sie durch den Konsens zwischen
wesen.
Grundsätzliche
Fragen und
den von uns vertretenen Staaten und
Richtungen sind heftig umstritten.
Regierungen zustande.
Ich stelle diese einfache Tatsache klar, weil es häufig leichter
ist, die NATO als Organismus zu betrachten, der wirklich etwas entscheiden kann. In der Tat ist es uns
unter dem Dach der NATO gemeinsam gelungen, in den vergangenen 40 Jahren
so viel zu erreichen, daß das Bündnis

Was auch immer der Standpunkt
sein mag, es besteht auf beiden Seiten des Atlantiks ein Gefühl, daß wir
vor neuen Herausforderungen stehen.
Es liegt eine Erwartung von Veränderungen in der Luft.

- 2 -

Im Jahr 1969, als die NATO kurz

�vor ihrem 20. Jahrestag stand, bestand in unserem Bündnis das gleiche
Gefühl des Wandels. Nur waren damals
viele Kommentatoren der Meinung, daß
sich die Nützlichkeit der NATO überlebt habe. Heute wird dies praktisch
von niemandem behauptet.
Die Tatsache, daß sie auch weit nach ihrem
40. Geburtstag fortbestehen sollte,
scheint außer Frage zu stehen.
Ebenso dauerhaft ist das amerikanische Engagement in Europa. Wir
debattieren ständig über Bedeutung
und Richtung unseres Engagements. Im
Gegensatz zu den späten sechziger
Jahren gibt es jedoch gegenwärtig in
den Vereinigten Staaten keine verantwortliche Gruppe, die unseren Austritt aus der NATO oder den Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa befürwortet.
Die Grundlage ist auf die Probe
gestellt worden und hat sich als für
die Interessen unserer Völker notwendig erwiesen. Zahlreiche bedeutende
Einflüsse auf unsere Zusammenarbeit
scheinen sich jedoch zu verändern.
Unter solchen Umständen erscheint es
mir besonders wichtig, zwei Extreme
zu vermeiden, und zwar den Widerstand
gegen Veränderungen unter dem Motto
"wenn etwas nicht kaputt ist, dann
sollte man nicht daran herumreparieren" oder das andere Extrem, das in
der Annahme besteht, unsere Strategie
bedürfe - gerade weil sie so lange
gut funktioniert hat - einer Überholung.
Im Hauptquartier der NATO schütteln wir oft die Köpfe über die Verfechter
beider
Lager.
Es
wäre
selbstzerstörerisch, die Folgen neuer
Probleme außer acht zu lassen. Andererseits fragen wir uns, warum einige
Leute der Meinung sind, unsere Strategie sei nicht mehr gültig, wenn sie
so gut zu funktionieren scheint.
Erfüllung unseres Auftrags bedeutet für uns, die Grundlage unseres
Erfolgs zu bewahren.
Wir können
nicht wissen, wohin die Dinge sich
entwickeln, aber wir können bestim-

men, wo wir stehen. Das sollte unsere erste wichtige Aufgabe sein.
Wenn man den Prozeß des Wandels
untersucht, sollte man sich vielleicht jener großen Neuerung im Denken der NATO zuwenden - dem HarmelBericht. Dieses Dokument entstand in
einer Epoche, die nicht weniger kompliziert als die unsrige war. Die
sechziger Jahre waren ein Zeitalter
tiefgreifender und häufig entzweiender Debatten im Westen. Der HarmelBericht stellte eine demokratische
Synthese dar, die nach - nicht vor dieser emotionalen Periode zustande
kam.
Meines Erachtens sollten wir die
heutige Debatte im selben Licht betrachten.
Zweifellos sollten wir
viele unserer Annahmen überdenken.
Schon bald wird sich ein Konsens ergeben, der die veränderten Haltungen
der neunziger Jahre widerspiegelt.
Und genau das ist der Punkt.
Dieser Konsens sollte das Ergebnis
einer demokratischen Debatte in allen
BUndnisstaaten sein. Bei allem gebotenem Respekt vor dem hier versammelten Fachwissen bezweifle ich, daß es
heute selbst den besten Köpfen im Westen möglich wäre, einfach eine Strategie zu entwerfen, die in allen
Bündnisstaaten politisch akzeptabel
wäre.
Hätte das Bündnis im Jahr 1962
eine Gruppe von Weisen berufen, was
wäre das Ergebnis gewesen? Wäre die
wunderbare Symmetrie des Harmel-Berichts im Jahr 1964 oder 1965 zu erzielen gewesen? Ich bezweifle es.
Dasselbe gilt für unsere gegenwärtige Diskussion.
Viele der im
Verlauf dieser Konferenz erörterten
Ereignisse sind Gegenstand tiefgreifender
Kontroversen
zwischen
den
BUndnisstaaten. Demokratisch gewählte Regierungen müssen sich mit diesen
Kontroversen befassen. Bis wir die
Auswirkungen von Rüstungskontrolle,
Gorbatschow, neuer wirtschaftlicher
Herausforderungen und zahlreicher an-

- 3 -

�derer vordringlicher Fragen durchdacht haben, ist die beste Grundlage
die auf der wir stehen.

Die Rolle der Wirtschaft
Sie leitet zu einem der hier erörterten Theraenkomplexe über.
Wenn
wir ehrlich mit uns selbst sind,
sollten wir zugestehen, daß die Wirtschaft in der gesamten Geschichte der
NATO praktisch nur eine zweirangige
Rolle in unseren politischen Diskussionen gespielt hat.
Verteidigungshaushalte waren natürlich stets von Bedeutung, ebenso
wie die Kosten der Streitkräfte, für
deren Stationierung wir uns entschieden hatten. In den ersten 30 Jahren
der Geschichte der NATO konnten wir
jedoch ein nahezu ungebremstes Wachstum beobachten. Der Wohlstand in allen Teilen Europas - einschließlich
des Ostblocks - erreichte ein nie zuvor gekanntes Niveau.
Wissenschaft
und Technologie wurden als Retter der
Menschheit angesehen.
Unser
Bündnis wurde auf der
Grundlage von Wachstum und wirtschaftlicher Dominanz der Vereinigten
Staaten geschaffen. Es handelte sich
nicht um eine gleich mächtige und
gleich wohlhabende Staatengruppe, die
sich zum gegenseitigen Nutzen zusammengefunden hatte. Ein Hauptziel bestand im Schutz der Vereinigten Staaten für ein Europa, das sich in einem
Prozeß des Wiederaufbaus und der
wirtschaftlichen
Gesundung
befand.
Auf der Grundlage dieser entscheidenden Divergenz der wirtschaftlichen
und politischen
Stärke entwickelt
sich ein bestimmtes Muster an Beziehungen.
Diese einfache Tatsache sollte
man sich bei der Erörterung der Tagesordnungspunkte vor Augen halten.
Sie bildet auch den Hintergrund der
immer wieder aufflammenden Debatte
über die Lastenverteilung, die erneut
unserer Aufmerksamkeit bedarf.

Ich beziehe mich nicht nur auf
die Frage der Verteidigungsausgaben.
Die Vereinigten Staaten haben Verständnis dafür, daß die Verteidigungsbeiträge der Europäer variieren
und von beträchtlicher Höhe sind.
Wie Staatssekretär Taft kürzlich ausführte, sind wir auch der Überzeugung, daß weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen den Beiträgen der Vereinigten Staaten und denen unserer
Verbündeten besteht.
Von ebensolcher Bedeutung ist jedoch die Rolle, die der Debatte über
die Lastenverteilung als Spiegel des
psychologischen Zustands des Bündnisses zukommt. Hier sind wir wieder
bei der alten Frage angelangt: Wer
war zuerst - die Henne oder das Ei?
Nahezu 45 Jahre nach dem Zweiten
Weltkrieg sind die europäischen Nationen häufig zu Recht verärgert über
eine den Vereinigten Staaten untergeordnete Rolle in der NATO.
Die
jüngere Generation in vielen europäischen Ländern ist über ein Gefühl
der Ohnmacht aufgebracht, das sich
aus einer scheinbar nicht ebenbürtigen Partnerschaft ergibt.
Ebenso fragen sich viele Amerikaner, warum die europäischen Verbündeten uns in Handel und Wirtschaft herausfordern
können,
während
sie
gleichzeitig zögern, den vollen Anteil der Risiken und Verantwortung zu
übernehmen, die ihre wirtschaftliche
Stärke erst ermöglicht haben.
Was immer wir über die Höhe unserer Verteidigungshaushalte denken mögen - ich bin sicher, wir stimmen
auch dahingehend überein, daß dieses
Bild der Partnerschaft angesichts der
wirtschaftlichen und politischen Realitäten der heutigen Welt aus den Fugen geraten ist.
Als der Seniorpartner in diesem
Unternehmen müssen die Vereinigten
Staaten selbst intensiv über die Auswirkungen ihrer Rolle als führende
Weltmacht
nachdenken.
Auf
wirtschaftlichen Wettbewerb durch Kürzung

�unserer Ausgaben in der NATO zu realeren, deckt sich nicht mit den ReaItäten dieser Rolle.

f

Die Aufgabe innerhalb Europas ist
ebenso kompliziert.
Die Bewahrung
der amerikanischen Führungsrolle
selbst auf die intelligenteste und
weitsichtigste Art - wird nicht notwendigerweise das zunehmende Gefühl
der Frustration unter den jungen
Nachkriegsgenerationen
wettmachen,
die jetzt erwachsen werden.
Ein anhaltendes Gefühl der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten
wird nicht zu der Art von gesundem
Selbstbewußtsein führen, die Europa
zur Bewältigung der vor ihm liegenden
Aufgaben benötigt. Weder die westliche Einigung noch die Überwindung
der Teilung dieses Kontinents werden
ohne d ieses Gefühl des Vertrauens und
der Weitsicht möglich sein.
Die Entwicklung dieses neuen Bewußtseins ist nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten. Es wird als Folge
eines schwierigen Prozesses innerhalb
Europas entstehen. Es ist nicht angebracht, daß ich hier Vorschriften
mache. Aber ich kann soviel sagen:
Wenn unsere Verbündeten die europäischen Aspekten der Debatte über die
Lastenverteilung außer acht lassen,
erweisen sie unserem Bündnis und vor
allen sich selbst einen schlechten
Dienst.

Eine Grundlage für den Wandel
Ich habe von Kontinuität und Wandel und der Rolle der neuen Herausforderungen - wie beispielsweise der
Wirtschaft - gesprochen, mit denen
wir uns in den kommenden Jahren konfrontiert sehen. Aber keine unserer
Nationen wird bereit sein, für die
Kosten dieser neuen Probleme ohne
eine Vision der Zukunft aufzukommen.
Trotz großer Fortschritte sind
die zugrundeliegenden Probleme nicht
behoben worden. Der Westen ist nach
wie vor durch die Projektion sowje-

tischer Militärmacht nach Mitteleuropa bedroht. Der Frieden ist weiterhin durch die wirtschaftliche und politische Instabilität im Ostblock* in
Gefahr.
Am schmerzlichsten jedoch
ist vielleicht die Begrenzung unseres
eigenen Bildes der Menschheit auf die
westliche Hälfte dieses Kontinents.
Die Unterdrückung der Freiheit in
einem Teil Europas hat auch Auswirkungen auf die Qualität der Freiheit
in unseren Ländern. Unsere Reaktion
auf die Hoffnungen der Völker im Ostblock werden viel über unser eigenes
Engagement für die Werte aussagen,
die wir so laut predigen.
Wir bemerken Zeichen des Wandels.
Und wir sollten uns darüber im Klaren
sein, daß das Modell, das zu Hoffnungen im Ostblock Anlaß gibt, sich auf
unsere Ideale gründet - Freiheit, Offenheit, Demokratie.
Die sowjetische Führung räumt öffentlich ein, daß ihre Wirtschaft
stagniert. Beobachtern in Moskau zufolge ist die Nahrungsmittelversorgung seit Jahren nicht so schlecht
gewesen.
Demographen stellen fest,
daß die Lebenserwartung in der Sowjetunion abnimmt.
Plötzlich sehen wir uns mit einer
neuen Herausforderung konfrontiert einem gefährlichen Gegner, dessen
wirtschaftliche Grundlage zerbricht.
Diese Entwicklung könnte zu einer
ebenso tiefgreifenden Diskussion über
die Ziele des Westens führen. Werden
wir genug Geduld für den Erhalt unserer Stärke aufbringen, während sich
die komplizierten Prozesse im Ostblock von selbst lösen?
Oder werden wir die Werte, von
denen wir so lange geleitet waren, in
dem Maße in Frage stellen, wie sie
von der anderen Seite übernommen werden? Niemand kann diese Frage beantworten, aber ich kann eine Folgerung
vorhersehen.
In meiner Vorstellung wäre die
schlimmste Entwicklung für die west-

- 5 -

�liehen Demokratien, in Generalsekretär Gorbatschow den Vorkämpfer des
demokratischen Wandels in Europa zu
sehen. Wir müssen uns vor Augen halten, wie das "Friedenskonzept" durch
sowjetische Rhetorik pervertiert wurde.
Wenn wir uns nicht vorsehen,
könnten unsere Grundwerte durch einen
Politiker gegen uns gerichtet werden,
der keinerlei Absicht hegt, sie zu
übernehmen.

einzige Art und Weise, den uns im
NATO-Hauptquartier
konfrontierenden
Problemen einen Sinn zu geben, darin
besteht, sich diese vornehmsten Ziele
vor Augen zu halten. Eine ähnliche
Sicht der Dinge kann meiner Ansicht
nach auch Ihnen behilflich sein.

* * * * * *

Für mich bedeutet dies, daß unsere erste Reaktion auf den Wandel im
Ostblock besseres Verständnis dafür
sein muß, wie wir den Wandel im Westen angehen wollen. Die Rolle von
Offenheit und Demokratie in unseren
Beziehungen zu kommunistischen Staaten muß eindeutiger definiert werden.
Letztlich bedeutet dies, unsere
Haltung gegenüber dem Ostblock auf
diese demokratischen Werte zu gründen. Dies ist nicht der Ruf nach einer neuen Politik des Rollback. Es
ist die Erkenntnis, daß die bloße
Aufrechterhaltung guter Beziehungen
mit kommunistischen Ländern nicht
notwendigerweise die Art des Wandels
unterstützt, die wir als vordringlich
erachten. Vor allem sollten wir uns
nicht von Anschuldigungen vom Kurs
abbringen lassen, das Streben nach
Verwirklichung westlicher Werte berge
das Risiko einer Unterminierung der
Reformen im Ostblock.
Ich gebe zu, daß diese Gedanken
nicht eine Vision als solche ergeben.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß
solche Erwägungen von besonderer Bedeutung sind, wenn man die Art von
komplexen Themen erörtert, mit denen
wir uns hier befassen.
Der Westen betreibt Rüstungskontrolle nicht vornehmlich zur Einsparung von Kosten. Und unsere wirtschaftliche Stärke ist nicht die einzige Determinante bei unserem Wettbewerb mit dem Ostblock. Sie alle stehen im Zusammenhang mit den bei der
Gründung der NATO festgelegten vornehmsten Zielen unserer Gesellschaften. Ich habe festgestellt, daß die

•

�AMERIKA DIENST
'VON**

33

Hintergrundmaterial

14. September 1988
ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE IST ALLGEMEINGÜLTIG
- Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop -

MAILAND - (AD) - Dem Leiter der Abteilung für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard Schifter, zufolge sind
die Ziele der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wahrhaft allgemeingültig und nicht nur auf die reichen Länder des Westens anwendbar. In einer Ansprache beim europäischen Workshop über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verabschiedeten Erklärung
stellte Schifter am 7. September 1988 ferner fest, daß "der menschlichen Erfahrung zufolge die Wechselwirkung zwischen Demokratie und Achtung der Rechte
des Einzelnen sowie zwischen Diktatur und Nichtachtung dieser Rechte ziemlich
ausgeprägt ist".
Nachfolgend bringen wir Schifters Ansprache im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort):
"...daß
zur
Sicherung
dieser
Rechte Regierungen unter den Menschen
eingesetzt werden, die ihre Macht aus
der Zustimmung der Regierten herleiten," ist in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten niedergelegt. Die Rechte, auf die Bezug
genommen wird, sind die Rechte auf
Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück.
Die Erklärung hat damit der so
lange Zeit gültigen grundsätzlichen
Vorstellung vom Gottesgnadentum der
Könige eine Absage erteilt, derzufolge der Herrscher durch Geburt das
Recht zur Ausübung der Macht und die
Untertanen die Pflicht des Gehorchens
hatten. Sie kehrte dieses Verhältnis
um, indem sie das Recht des Bürgers
als Hauptgrund
für die Existenz

United States Information Service
Embassy of the United States of America

staatlicher Autorität definierte.
Die Verfasser der amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776
waren nicht die Schöpfer dieser Idee.
In die Erklärung sind Gedanken eingeflossen, über die schon über ein
Jahrhundert lang diskutiert und geschrieben wurde - die Gedanken der
Aufklärung.
Dreizehn Jahre später,
im Jahr 1789, spiegelte die französische Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers dieselben Gedanken wider. Und fast zur gleichen
Zeit vervollständigten die Vereinigten Staaten ihre Erklärung mit der
Bill of Rights.
Jeder, der diese Dokumente des
späten 18. Jahrhunderts mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vergleicht, wird natürlich ihre starke Ähnlichkeit erkennen.
Die Leistung der Allgemeinen Erklärung besteht sicherlich darin, daß sie die
von den Schriftstellern und Denkern
des Zeitalters der Aufklärung formulierten Prinzipien des Staatswesens
auf eine internationale Ebene gestellt hat.
Unterstütze ich mit diesen Beobachtungen die Kritiker der Allgemeinen Erklärung, denen zufolge sie
einer bestimmten Kultur zugehörig ist
und nur Haltung und Denken dessen widerspiegelt, was gemeinhin als westliche Zivilisation bezeichnet wird
und das sich wirklich nicht auf Gesellschaften mit anderen kulturellen
Wurzeln anwenden läßt? Mit anderen
Worten: Habe ich die Behauptung unterstützt, die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte sei nicht wahrhaft
allgemeingültig?
Um das hier zutagetretende Problem zu behandeln, schlage ich vor,
daß wir uns daran erinnern, wie ein
britischer Beobachter der politischen
Entwicklungen im Frankreich des Jahres 1789 auf die Nachricht von der
Verkündung der Erklärung der Rechte
des Menschen und der Bürger reagiert
haben könnte. Der Zeitpunkt lag etwas über 100 Jahre nach der Glorious
Revolution und viele Jahrzehnte nachdem die Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie in Großbritannien
begonnen hatte. Hätte es nicht nahegelegen, daß zahlreiche Beobachter in
London ausgerufen hätten:
"Rechte
des Bürgers in Frankreich?
Alles,
was diese Leute je gekannt haben, ist
die absolute Monarchie. Was versteht
der Durchschnittsfranzose von Bürgerrechten?"
Lassen Sie uns auch die amerikanische Erfahrung betrachten. Natürlich repräsentierten die Verfasser
der Unabhängigkeitserklärung und der
Bill of Rights ein aufstrebendes neues Land, in dem Regierung mit Zustimmung der Regierten und die Achtung
der Rechte des Einzelnen anerkannte
Vorstellungen waren. Hieß dies je-

doch Regierung mit Zustimmung aller
Regierten? Und wurden die Rechte jedes Einzelnen respektiert? Die Antwort auf beide Fragen lautete "Nein".
Die ungeheuerlichste Form der Unterdrückung, die Sklaverei, wurde in
vielen der Staaten praktiziert, aus
denen sich jenes neue Land zusammensetzte, das im Jahr 1776 durch die
Unabhängigkeitserklärung
entstanden
war. Die Sklaverei war eine Institution, die, nachdem die Gründer des
Landes stolz erklärt hatten, "alle
Menschen sind gleich geschaffen",
noch 87 Jahre Bestand hatte. Und es
mußte erst ein Bürgerkrieg geführt
werden - der schlimmste Krieg in der
amerikanischen Geschichte -, um die
Sklaverei aus dem Leben Amerikas zu
tilgen.
Ich will damit sagen, daß die in
Dokumenten wie der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung oder der französischen Erklärung der Rechte des
Menschen und der Bürger niedergelegten Prinzipien nicht in der Praxis
dieser Länder verwurzelt waren. Es
waren Aussagen über ein Ideal, das
genügend Unterstützung besaß, um eine
nationale Bestrebung zu bilden, auf
deren
Verwirklichung
hinzuarbeiten
sich beide Länder und andere, von
diesem Ideal in ähnlicher Weise erfaßte, verpflichteten.
Die in den Dokumenten des 18.
Jahrhunderts enthaltenen und von mir
genannten Vorstellungen waren nicht
gänzlich neu.
Die Staatstheorien,
auf denen sie fußten, reichten über
2 000 Jahre bis zu Schriftstücken und
Praktiken in einigen Stadtstaaten des
antiken Griechenlands zurück.
Ich
möchte in diesem Zusammenhang darauf
verweisen, daß, wenn wir vom philosophischen Erbe des antiken Griechenlands sprechen, wir natürlich vom Erbe des antiken Athen und nicht vom
antiken Sparta reden. Die Schriftsteller und Denker des Zeitalters der
Aufklärung hatten einige ihrer bemerkenswerten Inspirationen vom Athen
vor zwei Jahrtausenden erhalten.
Man

könnte

sagen,

daß

dieses

�Band, das die Aufklärung mit dem antiken Athen verbindet, einen lebendigen Beweis für die Tatsache darstellt, daß wir es hier mit einem
kulturspezifischen Phänomen zu tun
haben. Aber ist dies wirklich so?
Welche kulturellen Bande haben die
alten Athener mit den Barbaren verknüpft, die im Zeitalter des Aristoteles die Wälder Nord- und Mitteleuropas bevölkerten? Warum sollten die
Nachfahren dieser Barbaren dem mehr
Aufmerksamkeit gewidmet haben, was
sie über die griechische Demokratie
gelernt hatten als anderen Lehren und
Traditionen, die ihnen überliefert
wurden? Könnte es sein, daß sie nach
reiflichem Nachdenken über die verschiedenen Modelle politischer Organisation zu dem Schluß gelangten, daß
das demokratische Modell am besten
taugt, um die Bedürfnisse und Bestrebungen der Menschen zu erfüllen? Und
ist das der Grund, warum es Wurzeln
schlug? Könnte es sein, um Winston
Churchill zu zitieren, daß die Demokratie wirklich die schlechteste Regierungsform ist, abgesehen von allen
anderen?
Dies - so scheint mir - sind die
Fragen, die wir uns stellen müssen,
wenn wir heute über die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte nachdenken.
In diesem Vortrag habe ich unter
dem Terminus "Menschenrechte" zwei
verschiedene Konzepte zusammengefaßt:
Erstens, das der Regierung mit Zustimmung der Regierten und - zweitens
- das der Achtung der Rechte, Integrität und Würde des Einzelnen. Es
ist denkbar, daß eine demokratisch
gewählte Regierung einige Menschen
ihrer individuellen Rechte beraubt.
Ebenso ist es vorstellbar, daß eine
Diktatur, die nicht frei vom Volk gewählt ist, die meisten Rechte des
Einzelnen
wohlwollend
respektiert,
natürlich außer dem Recht, seine Regierung zu wählen. Zu diesem Thema
läßt sich sagen, daß der menschlichen
Erfahrung zufolge die Wechselwirkung
zwischen Demokratie und Wahrung der
Rechte des Einzelnen einerseits sowie

zwischen Diktatur und Nichtachtung
dieser Rechte ziemlich stark ist.
Wir können es als Tatsache hinnehmen,
daß ein gutes Mittel, um die Wahrung
der Rechte des Einzelnen durch staatliche Institutionen sicherzustellen,
darin besteht, diese Institutionen
dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu machen.
Ein weiteres Problem verdient in
diesem Zusammenhang unsere Beachtung.
Es ist die Frage der Beziehung zwischen dem, was wir als Bürger- und
politische
Bürgerrechte
bezeichnen
einerseits und den ökonomischen und
sozialen Rechten andererseits. Analytiker der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte werden der Tatsache
Aufmerksamkeit schenken, daß, während
22 Artikel ausdrücklich eine Reihe
bürgerlicher und politischer Rechte
beschreiben, fünf weitere eine Reihe
von Rechten aufzählen, die wir als
ökonomische und soziale Rechte bezeichnen.
Meiner Ansicht nach haben wir im
Lauf der Jahrzehnte eine ziemlich
sterile Debatte darüber beobachtet,
was ein "Recht" ist und was nicht.
Wir können diese Debatte abkürzen,
indem wir den fraglichen Themen verschiedene Kennzeichen zuordnen. Wenn
wir uns auf die unter dem Begriff
"bürgerliche und politische Rechte"
zusammengefaßten
Fragen
beziehen,
können wir von den Grenzen staatlicher Gewalt sprechen.
"Ökonomische
und soziale Rechte" können hingegen
als Aufgaben des Staates gekennzeichnet werden.
Ein bedeutender Unterschied zwischen den beiden Kategorien besteht
darin, daß erstere relativ leicht zu
verwirklichen ist. Alles, was vom
Staat zur Erfüllung seiner Verpflichtungen in diesem Bereich getan werden
muß, ist, etwas zu unterlassen. Gute
Leistungen im zweiten Bereich zu erbringen erfordert Geschick, Überlegung und Ressourcen. Fortschritte in
diesem Bereich erfordert Entscheidungen über den grundsätzlichen Ansatz
in der Wirtschaftspolitik, was häufig

- 3-

�erst nach der Überwindung erheblicher
Meinungsverschiedenheiten über geeignete Analysen und Abhilfemaßnahmen
möglich ist.
Denn die Leistungen
eines Staates auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet werden letztlich
nicht aufgrund gemachter Versprechungen beurteilt, sondern aufgrund dessen, wieviele dieser Versprechungen
erfüllt werden.
Das umfassende Problem der wirtschaftlichen und sozialen Programme
des Staates ist ein bedeutendes - ein
Problem, das des Nachdenkens, der
Analyse und Diskussion bedarf.
Es
verdient eine solche Diskussion in
geeignetem Rahmen, die Diskussion unter Experten mit praktischer Erfahrung, die Diskussion durch Wirtschaftswissenschaftler, durch Experten in den Bereichen Gesundheitswesen,
Wohnungswirtschaft,
landwirtschaftliche
Produktion,
Vertrieb
u.s.w.
Diese Diskussionen unterscheiden sich jedoch von jenen, die
sich mit den Grenzen staatlicher Gewalt befassen, die am zweckmäßigsten
von Fachleuten zu staatlicher Struktur und Gesetzen zu führen sind.
Um zur Erklärung zurückzukehren:
Sie wurde vor dem Höhepunkt der Welle
der Dekolonialisierung verabschiedet.
Sie wurde verabschiedet, als die
Mehrheit der Stimmen in den Vereinten
Nationen von den Ländern Süd-, West-

und Nordeuropas sowie des amerikanischen Kontinents abgegeben wurde.
Und, wie ich schon festgestellt habe,
spiegelte der Text die Vorstellungen
vom Staat und von den Rechten des
Einzelnen wider, die sich schon zweihundert Jahre zuvor in Westeuropa und
Nordamerika
herauszukristallisieren
begonnen hatten.
Aber bedeutet die Tatsache, daß
Menschen französischer und englischer
Herkunft die führende Rolle bei der
Formulierung des Konzepts der Freiheit des Einzelnen - und des Staates
als Diener anstatt als Herr des Bürgers - spielten, daß sie nur für
Franzosen und Engländer und deren
Nachfahren in Nordamerika sprachen?

Könnte es nicht vielmehr so sein, daß
sie Prinzipien des Staatswesens von
universeller
Gültigkeit
erkannten,
daß sie eine Sprache sprachen, die an
die Logik und die innersten Sehnsüchte aller Männer und Frauen jeglicher
kultureller Strömung appellierte?
Wie ich schon feststellte, waren
zu jener Zeit, als die Schriftsteller
und Denker der Aufklärung ihre Gedanken zu Papier brachten, die Erfahrungen ihrer Gesellschaften mit den Konzepten, die diese zu erklären versuchten, entweder begrenzt oder nicht
vorhanden.
Ich behaupte, daß das,
was die Denker der Aufklärung taten
und was auch die Verfasser der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anstrebten darin bestand, eine Reihe
von Idealen zu formulieren, allgemeingültige
Ideale der Begrenzung
staatlicher Gewalt, eine Reihe erstrebenswerter Ziele und vor allem,
die Achtung vor dem Menschen als
einem von Gott geschaffenem Wesen und
ein Leben frei von Furcht zu garantieren.
Von manchen wird behauptet, daß
ein Festhalten an den Prinzipien der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein Luxus sei, den sich die
reichen Industriegesellschaften leisten können, der jedoch in Staaten,
die sich zunächst auf die grundlegenden Elemente der Aufrechterhaltung
eines minimalen Lebensstandards konzentrieren, nicht funktioniert. "Wir
können uns nicht den Kopf über Pressefreiheit zerbrechen, wenn Menschen
verhungern," lautet ein häufig vernommener Kommentar.
Dem läßt sich einiges entgegenhalten.
Erstens schlugen die Vorstellungen von der Freiheit des Einzelnen, über die wir heute sprechen,
in Ländern wie dem meinigen zu einer
Zeit Wurzeln, die vorwiegend von der
Landwirtschaft geprägt war und in der
die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung nach heutigen Begriffen
"arm" war. Tatsächlich wurden diese
Vorstellungen am hartnäckigsten in
jenen Regionen des Landes vertreten,

�die fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt und fast ausschließlich "arm" waren.
Und was die Pressefreiheit und
den Bedarf an Nahrungsmitteln anbelangt: Wir sollten uns überlegen, ob
Länder, in denen Menschen hungern,
den verhängnisvollen politischen Maßnahmen im Agrarbereich gefolgt wären,
die zu einer drastischen Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion führten,
wenn sie eine freie Presse gehabt
hätten, eine Presse, die höchstwahrscheinlich diese Maßnahmen kritisiert
und die unvermeidlichen Konsequenzen
solch tiefgreifender politischer Fehler aufgezeigt hätte.
Lassen Sie uns nun einige der
Einzelbestimmungen
der
Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte betrachten. Wir sollten uns fragen, ob diese wirklich das exklusive Eigentum
einer einzigen Zivilisation sind oder
als allgemein gültig angesehen werden
sollten.
Was sollen wir von dem
Prinzip halten, daß jeder "das Recht
auf Leben, Freiheit und Sicherheit
der Person hat?" Was sollen wir von
dem Verbot der Sklaverei, der Folter
sowie grausamer, unmenschlicher und
entwürdigender Behandlung oder Bestrafung halten?
Und was von der
Vorstellung, daß alle vor dem Gesetz
gleich sind und ohne Diskriminierung
Anspruch auf Gleichbehandlung vor dem
Gesetz haben? Und wie ist es mit der
Vorschrift gegen willkürliche Eingriffe in Privatleben, Familie, Wohnung oder Schriftverkehr eines Menschen?
Und wie mit dem Recht auf
Freizügigkeit innerhalb eines Landes
und über Staatsgrenzen hinweg? Und
wie mit der Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit sowie mit der Redefreiheit? Und wie - als letztes mit dem Recht, die Regierung in freien Wahlen zu wählen?
Ist es nicht
eine wahrhaft verabscheuungswürdige
Art von Rassismus, die Auffassung zu
vertreten, dies sollten allein die
Ziele der westlichen Zivilisation
sein, ohne Einfluß oder Relevanz für
den Rest der Welt?

-5

Wir sollten uns deshalb wirklich
Gedanken machen, was wir alle als Angehörige der menschlichen Rasse gemeinsam haben; wie wir uns am besten
organisieren können, um zusammen zu
arbeiten und die Probleme zu lösen,
vor denen unsere Gemeinschaften und
unsere Gesellschaften stehen und wie
wir es am besten anstellen können,
uns selbst zu regieren. Wir sollten
uns vor Augen halten, daß wir bei der
Benutzung des Rades, beim Rechnen mit
arabischen Ziffern, beim Einschalten
einer Lampe, um uns Licht zu geben,
bei der Verabreichung von Penicillin
zur Heilung Kranker uns nicht damit
aufhalten, zu fragen, welche Kultur
den Erfinder oder Entdecker hervorgebracht hat. Das gleiche sollte auch
für die weltweite Anwendung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
gelten.

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

^

14. September 1988

33

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE HALTUNG DER KANDIDATEN ZU VERTEIDIGUNGSFRAGEN
Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen -

WASHINGTON - (AD) - Was das Thema
Verteidigung angeht, so sind sich die
beiden Präsidentschaftskandidaten der
großen Parteien in einem Punkt einig
- daß eine starke Verteidigung für
die Sicherheit der Nation unerläßlich
ist.
Scharfe Unterschiede bestehen jedoch zur Strategie und zur Verwendung
von Mitteln für die Verteidigung.
Dem Gouverneur von Massachussetts, Michael Dukakis, zufolge möchte dessen republikanischer Gegenspieler jedes irgend denkbare Waffensystem weiterentwickeln und beschaffen.
Sein Kommentar: "Man kann nicht alles haben, weder, wenn man es ernst
mit der Bereitstellung der für unsere
konventionellen Streitkräfte erfor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

derlichen Mittel meint, noch, wenn
man ernsthaft die Reduzierung des
Haushaltsdefizits anstrebt."
Vizepräsident George Bush nimmt
seinen demokratischen Opponenten mit
dessen Vorstellungen zu den Verteidigungsausgaben beim Wort: "Es ist naiv, zu denken, wenn man selbst kein
Geld für Verteidigung ausgibt, dann
würde der Gegner es auch nicht tun,"
erklärt er. Unter Hinweis auf die
anhaltende Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte vertritt der Vizepräsident die Auffassung, die Unterschiede zwischen Bush und Dukakis
zu Fragen der nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten seien "groß
und tiefgreifend".
Nachfolgend

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

stellen

wir

einige

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Positionen der Kandidaten zu Fragen
der Verteidigung gegenüber:
Ausgabenpolitik
Dukakis: "Wir müssen unsere Mittel für die Verteidigung dort
einsetzen, wo der Bedarf am größten ist, wir müssen diese Mittel
zur Beschaffung von Waffen verwenden, die funktionieren, und
wir müssen diese Mittel so verwalten, daß sie unsere Streitkräfte stärken, und nicht, um die
Taschen betrügerischer RUstungsunternehmen zu füllen."
Bush:
"Wir geben heute sechs
Prozent unseres Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aus;
das sind 25 Prozent weniger als
zu Zeiten Eisenhowers und Kennedys. Wir müssen den Bewilligungsprozeß im Kongreß verbessern
und die Mittelvergabe auf eine
stabilere Grundlage stellen. Der
Kongreß muß bereit sein, unsere
strategischen Programme beständig
und langfristig zu unterstützen."
Chemische Waffen
Dukakis: "Wir müssen die Unterstützung möglichst vieler Staaten
für die Bemühungen zum Verbot von
Giftgas und die Verhängung harter
Sanktionen gegen jedes Land gewinnen, das so dumm und brutal
ist, diese Waffen gegen Menschen
einzusetzen."
Bush:
"Ich werde chemische und
biologische Waffen von dieser
Welt tilgen."

Reagan-Administration
begonnen
Ausbau der Marine auf 600 Schiffe
und tritt für die Beibehaltung
des gegenwärtigen Umfangs der
Flugzeugträgereinsatzverbände ein.
Strategische
(SDI)

Verteidigungsinitiative

Dukakis:
"Wir
brauchen
SDI
nicht; wir brauchen CDI.
Wir
sollten die von den führenden Politikern im Kongreß eingeleitete
Konventionelle
Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um mit
dem Einsatz moderner Technologien
die Herausforderung zu bewältigen, einen konventionellen Krieg
führen - und gewinnen - zu können." Er würde die Mittel für
das SDI-Forschungsprogramm einschneidend kürzen.
Bush: Ein energischer Befürworter des Programms der Reagan-Administration, der die Auffassung
vertritt, ein ausgefeiltes SDI
würde "Waffen anstatt Menschen
gefährden" und "die Gefahr eines
Angriffs aus Versehen reduzieren".
Er würde auf "intensive
Forschung" drängen, um herauszufinden, ob eine SDI-Verteidigung
funktioniert, und er würde SDI
stationieren, "wenn es funktioniert".
START-Verhandlungen
Beide Kandidaten treten für den
in den START-Verhandlungen angestrebten 50prozentigen Abbau der
strategischen Waffen ein.
Atomwaffensperrvertrag

Ausbau der Marine
Dukakis:
Befürwortet eine Verringerung der Marine und die Ausserdienststellung
zweier
Flugzeugträgergruppen.
Er
spricht
sich gegen die kurzfristige Ausweitung der US-Marinepräsenz im
Persischen Golf aus.

Dukakis:
"Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um
der Verbreitung von Kernwaffen
Einhalt zu gebieten." Er hat zu
verstehen gegeben, daß es aufgrund dieses Themas zu einer Einschränkung amerikanischer Hilfen
für Pakistan kommen könnte.

Bush:

Bush:

Unterstützte den von der

"Die Ära der Verbreitung

�von Atomwaffen muß aufhören,"
sagt er und fügt hinzu, es sei
"unsere moralische Verpflichtung,
alles menschenmögliche zu tun, um
nukleare Erpressung durch Verrückte wie Gadhafi in Libyen oder
Chomeini im Iran auszuschließen.
Er würde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um "Islamabad und Neu
Delhi zu einem bilateralen Abkommen zu bewegen," das die weitere
Entwicklung von Atomwaffen in den
beiden Ländern "nachprüfbar einschränken" würde.
Landgestützte
ten (ICBM)

len, daß die Vereinigten Staaten
ihre Führungsposition im Weltraum
wiedererlangen.
Bush
zufolge
sind die Sowjets "seit Jahren aktiv bemüht, die militärische Vorherrschaft im Weltraum zu erringen," und es sei verhängnisvoll,
wenn Amerikaner "naive Ansichten
über diese Bedrohung hätten."
Truppen in Europa
Keiner der beiden Kandidaten würde amerikanische Truppen aus Europa abziehen.

InterkontinentalrakeDer Nahe Osten
Dukakis: Die Vereinigten Staaten
müssen ihre fortdauernde Verpflichtung zur "Stärke, Sicherheit und Verteidigung des Staates
Israel" erneuern.
Dukakis fügt
hinzu:
"Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, dem Nahen
Osten bleibenden Frieden zu bringen, der Israel sichere Grenzen
und genauso dem palestinensischen
Volk eine Zukunft garantiert."

Dukakis: Mit den Argumenten, die
Vereinigten Staaten sollten die
Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV)
einzuschränken versuchen und weil
die kleineren Interkontinentalraketen zu teuer seien, befürwortet
er weder das MXnoch das Midgetman
ICBM-Programm. Er hat jedoch die
Möglichkeit einer neuen Interkontinentalrakete als Alternative zu
den beiden anderen Programmen
nicht ausgeschlossen.
Bush: Er ist der Auffassung, daß
der ' Peacekeeper' und die 'Midgetman'
unbedingt
erforderlich
sind, um eine glaubwürdige Abschreckung der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Wörtlich
fügt er hinzu: "Meines Erachtens
müssen wir sie beide am Leben
halten."

Bush:
"Israel bleibt das Bollwerk der Demokratie im Nahen
Osten, ein treuer Verbündeter,
ein Wirtschaftspartner und ein
Licht der Hoffnung. Wir werden
sein Volk niemals im Stich lassen."
Der Persische Golf

Der Weltraum

t

Dukakis:
Er
befürwortet
die
Gründung eines Weltraumrates und
würde
seinen
Vizepräsidentschaftskandidaten zu dessen Vorsitzenden ernennen. Er betrachtet die Entwicklung einer ständig
bemannten Raumstation als "eine
unserer wichtigsten Prioritäten."
Bush:
Er unterstützt das Programm einer amerikanischen Weltraumstation. Er will sicherstel- 3 -

Dukakis: Er trat nicht für die
amerikanische Politik der Umflaggung kuwaitischer
Öltanker im
Persischen Golf ein und wollte
keine
einseitig
durchgeführte
Verlegung der amerikanischen Marine in den Golf. Er war gegen
jede wahrnehmbare Parteinahme für
den Irak, und verwies dabei auf
das irakische Regime als Kriegsauslöser, auf dessen Angriffe gegen ausländische Öltanker und den
versehentlichen Angriff gegen die
•U.S.S. Stark' im Jahr 1987.
Bush:

Er unterstützt die ameri-

�kanische Golfpolitik der freien
Schiffahrt in internationalen Gewässern und die Resolution der
Vereinten Nationen zur Beendigung
des Krieges. Er unterstützte das
Programm zur Umflaggung der Tanker und wies darauf hin, daß die
Vereinigten Staaten Marineaktivitäten im Golf ergreifen mußten,
um multilateralen Verpflichtungen
für die Region den Weg zu ebnen.
"Da wir uns an die Spitze gestellt haben, unterstützen uns
derzeit fünf europäische Marineverbände beim Abbau der Bedrohung
für die Schiffahrt. Hätten wir
uns nicht an die Spitze gestellt,
wären Ohnmacht und Rückzug die
Folge gewesen," fügt er hinzu.
Lateinamerika und die Karibik
Dukakis:
Er hat Einheiten der
Nationalgarde in seinem Heimatstaat die Genehmigung verweigert,
an Übungen in Panama oder Honduras teilzunehmen, weil er unbeirrbar gegen eine Unterstützung
für die nicaraguanischen antisandinistischen
Widerstandskämpfer, die Contras, eintrat. Die
amerikanische
Entscheidung,
in
Grenada einzumarschieren, hat er
ebenfalls kritisiert.
Bush: Unterstützt Hilfe für die
Contras und andere Freiheitskämpfer in der ganzen Welt. Er war
für die Bemühungen, Versuche der
Kubaner zu unterbinden, "die winzige Insel Grenada zu zersetzen".

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

14. September 1988

33

GALAKTOSÄMIE:

FEHLERHAFTES GEN KLONIERT

Ein wichtiger Schritt auf dem weiten Weg zur Gentherapie

(AD) - Seitdem Jürgen Reichardt,
ein Doktorand am Institut von Nobelpreisträger Dr. Paul Berg (Stanford
University, Kalifornien), in der amerikanischen Fachzeitschrift "Molecular Biology and Medicine" die Ergebnisse seiner dreijährigen Suche nach
jenem Gen veröffentlichte, das für
die
Stoffwechselstörung
"Galaktosämie" verantwortlich ist, steht das
Telefon nicht mehr still. Kollegen
aus dem Inund Ausland wollen mit ihm
sprechen.
Mit Briefen melden sich
viele Eltern von Kindern, die an der
Krankheit leiden, um ihm für seine
gründliche Ursachenforschung zu danken.
"Vielleicht ist doch noch zu
Lebzeiten unseres Sohnes - jetzt vier
Monate alt - auf eine Heilung zu hoffen", schrieb ein Ehepaar aus Texas.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reichardt ist es gelungen, das
Gen zu isolieren und zu klonieren
(d.h., auf gentechnischem Wege zu
vermehren), das normalerweise für die
Produktion des Enzyms Galaktose-1Phosphat-Uridyltransferase
zuständig
ist. Bei Galakosämie, einer rezessiv
vererbbaren
StoffWechselstörung,
fehlt das Enzym, so daß der Metabolit
Galaktose
nicht
umgesetzt
werden
kann. Zu große Mengen davon verbleiben im Blut und werden mit dem Urin
ausgeschieden. Man spricht auch von
"Galaktosediabetes".
Galaktose ist ein Bestandteil von
Laktose, die als Hydrat (Anlagerung
von Wassermolekülen) unter der Bezeichnung Milchzucker bekannt ist.
In Verbindung mit Glukose und einem
weiteren Molekül bildet dieses Disac-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�charid ein spezifisches Produkt der
Milchdrüsen.
Zwar ist schon seit
vielen Jahren bekannt, daß der erwähnte Enzymmangel die Ursache für
die Unverträglichkeit von Muttermilch
oder Kuhmilch und deren Produkten bei
manchen Säuglingen und Kleinkindern
ist. Galaktit bzw. Galaktose-1-Phosphat kann nicht abgebaut werden und
staut sich vor allem in der Leber und
im Gehirn. Schon bald nach der Geburt verweigern diese Babies die herkömmliche Nahrung. Ständiges Erbrechen und Gelbsucht sind erste Anzeichen der Stoffwechselkrankheit.

netisch aufgepfropft wurde, um ihren
Verlauf im Detail zu erforschen. So
beabsichtigt Reichardt zunächst einen
Gen-Austausch bei ursprünglich gesunden Mäusen mit dem Enzymmangel-Gen,
um an diesen Tieren die Gewebeveränderungen bis hin zu molekularen Vorgängen zu studieren. "Meine Hoffnung
ist, daß wir dann endlich herausfinden, warum die Probleme infolge des
Anstauens der Stoffe auftreten, von
denen die Galaktosämie-Symptome verursacht werden," meint der Biochemiker. Dann erst könne man Strategien
entwickeln, um den Problemen von
Grund auf entgegenzuwirken.

Für Säuglinge wurde eine spezielle milchfreie Nahrung aus Sojamehl,
Olivenöl, Reismehl und Calciumphosphat entwickelt.
Denn eine sofort
einsetzende und während der ersten
Lebensjahre konsequent weitergeführte
Diät kann schwere gesundheitliche
Schädigungen verhindern.
Zu diesen
zählen in erster Linie chronische Erkrankungen
der
Leber,
Anämie,
Schwachsinn und Trübung der Augenlinsen.
In manchen Fällen wird beim
Kleinkind anhand dieses dem Grauen
Star ähnlichen Symptoms der Enzymmangel überhaupt erst erkannt. Unter
günstigen Umständen ist jedoch die
Linsentrübung durch Diät noch rückgängig zu machen, lassen sich weitere
Gesundheitsschäden abwenden oder zumindest mildern.

Die Isolierung des Gens gibt den
Biochemikern außerdem die Möglichkeit, seine verschiedenen Mutationsformen zu analysieren.
Denn der
Schweregrad der Erkrankung ist unterschiedlich, und das bedeutet, daß
auch in bezug auf die Genveränderungen, die zum Enzymmangel führten, Unterschiede vorhanden sind. Ein weiterer Grund für das Interesse der
Forscher an Galakosämie ist darin zu
sehen, daß mit dem Studium dieser
Krankheit vielleicht ein Weg zu einer
Gen-Therapie
erkennbar wird.
Von
Gen-Therapie wird zwar viel geredet,
aber es ist noch nicht gelungen, defekte Gene durch gesunde zu ersetzen.

Die Häufigkeit von Galaktosämie
ist regional unterschiedlich. In den
Vereinigten Staaten tritt ein Fall
unter ca. 50 000 Einwohnern auf.
Weshalb sich aber die Medizin bisher
mit der Behandlung von Galaktosämie
relativ schwer tat, ist darauf zurückzuführen, daß die Krankheit nicht
am Tiermodell studiert werden konnte
und man die Prozesse zum Teil nicht
verstand, die die verschiedenartigen
Schädigungen - bei Frauen beispielsweise Funktionsstörungen der Eierstöcke - verursachten.
Dank der Arbeitsergebnisse von
Jürgen Reichardt eröffnet sich jetzt
aber ein Weg, Versuche mit Tieren zu
unternehmen, denen die Krankheit ge- 2 -

* * * * *

\

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10322">
                <text>14.09.1988</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10323">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10324">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10325">
                <text>Amerikadienst 14.09.1988</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10326">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vernachlässigung der Lastenverteilung wäre schlechter Dienst am Bündnis &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von John Kornblum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrungmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist allgemeingültig &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988 - Die Haltung der Kandidaten zu Verteidigungsfragen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Galaktosämie: fehlerhaftes Gen kloniert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gentherapie&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2369" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2380">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/cf53894ee15437829d7ed4f936317be4.pdf</src>
        <authentication>83905332350e8f1c0bae43ab69a25242</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12198">
                    <text>cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

14. September 1994

36

USA-DEUTSCHLAND

GORE BETONT AMERIKANISCHES
ENGAGEMENT FÜR DEUTSCHLAND UND
EUROPA
Rede des Vizepräsidenten

DER ABSCHIED

CHRISTOPHER ERINNERT AN DIE BERLINER
LUFTBRÜCKE VON 1948
Ansprache vor dem Luftbrückendenkmal

CHRISTOPHER WÜRDIGT LEISTUNGEN DER
ALLIIERTEN STREITKRÄFTE IN
DEUTSCHLAND
Rede im Berliner Schauspielhaus

BEVÖLKERUNG

KAIRO ERÖRTERT NORD-SÜD-PROBLEME
UND ETHIK-FRAGEN
Überwindung letzter Hindernisse

AMERIKANER FÜR EINDÄMMUNG DES
BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
Die öffentliche Meinung in den USA

NORDKOREA

USA DRINGEN AUF DIALOG ZWISCHEN
NORD- UND SÜDKOREA
Gespräche zwischen Christopher und Han

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�KRIEGSVERBRECHEN

EIN TRIBUNAL FÜR DIE GERECHTIGKEIT
von John Shattuck

AMERIKAS STÄDTE

DER NEW YORKER STADTTEIL HARLEM
von Guy Halverson

�USA-DEUTSCHLAND
14. September 1994

GORE BETONT AMERIKANISCHES ENGAGEMENT
FÜR DEUTSCHLAND UND EUROPA
Rede des Vizepräsidenten
WASHINGTON - (AD) - Aus Anlaß des Abzugs der alliierten Truppen aus Deutschland unterstrich
Vizepräsident AI Gore das dauerhafte Engagement der Vereinigten Staaten für Deutschland und Europa. Gore
verwies auf den Verbleib von 100.000 Soldaten in Europa und erinnerte daran, daß sein Land der Sicherheit
und dem Wohlstand Europas unvermindert verpflichtet ist.
Der Vizepräsident sprach am 9. September 1994 über WorldNet, dem Satellitenfernsehsender des USInformationsamts (United States Information Agency - USIA), bei einer Konferenz hochrangiger Vertreter aus
Politik und Wirtschaft in Berlin.

Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Vizepräsidenten in wesentlichen Auszügen.

Ich möchte den Veranstaltern dieser wichtigen
Konferenz sowie den hochrangigen Vertretern aus
Wirtschaft und Politik meinen Dank aussprechen,
insbesondere Bundeskanzler Kohl, den ich sehr
bewundere und für dessen Freundschaft ich außerordentlich dankbar bin. Seine Rede war äußerst
beeindruckend. Ich weiß sein Verständnis dafür zu
schätzen, daß ich nicht persönlich in Berlin anwesend sein kann und bedauere sehr, daß ich nicht bei
dem großen Zapfenstreich gestern abend dabei sein
konnte. Offen gesagt, ich wünschte, das Basketballspiel, bei dem ich mir diese Verletzung zugezogen
habe, wäre verschoben worden.

p

Die Wunder der Technologie - Wunder, die wir
inzwischen als selbstverständlich hinnehmen erlauben es mir, zu Ihnen über Satellit zu sprechen.
Natürlich ist dies kein Ersatz dafür, persönlich bei
diesem besonderen Anlaß anwesend sein zu können. Heute morgen ging die Sonne über einem
neuen Zeitalter der deutschen Geschichte auf.
Gestern sind die alliierten Truppen nach nahezu 50
Jahren abgezogen. Sie kommen also in einem
Berlin zusammen, das wieder sich selbst und
Deutschland gehört. Die Tragweite dieses Augenblicks gebietet uns, innezuhalten und gemeinsam
über seine Bedeutung für Berlin, für Deutschland, für
Europa und das atlantische Bündnis nachzudenken.
Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Der
Abzug unserer Truppen aus Berlin bedeutet nicht,
daß die Vereinigten Staaten in irgendeiner Weise
der Sicherheit und dem Wohlstand Europas und der
strategischen Partnerschaft mit unseren europä-

AMERIKA DIENST 36

ischen Verbündeten weniger verpflichtet sind als zu
Zeiten der Berliner Luftbrücke oder als unsere
Soldaten unerschrocken in die Gewehre der Soldaten
des Warschauer Pakts am Checkpoint Charlie
blickten.
Amerikanische, britische und französische Truppen
haben Berlin gestern von Stolz erfüllt über ihre
beendete Mission verlassen. Sie hinterließen bessere Chancen für ein großartiges Zeitalter des
Friedens als zu jeder anderen Zeit in diesem Jahrhundert. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat
uns nicht eine freundliche neue Weltordnung präsentiert, die man nur annehmen mußte. Dieser Zerfall
hat vielmehr eine Periode tiefgreifender Umgestaltung
bewirkt, aus der entweder die Welt hervorgeht, für
deren Sicherstellung wir so hart gekämpft haben,
oder eine Welt neuer Alpträume. Wir befinden uns
inmitten eines Kampfes zu gewährleisten, daß die
Zukunft gut wird. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin
sicherzustellen, daß der von uns aufzubauende neue
Rahmen eine dauerhafte internationale Ordnung auf
der Grundlage von Demokratie, freien Märkten und
gegenseitiger Sicherheit aufrechterhalten kann.
Das Ausmaß der uns konfrontierenden Probleme ist
proportional zu dem enormen Ausmaß unserer
Chancen. Heute haben wir die Möglichkeit, nicht nur
unsere Streitkräfte abzuspecken, sondern auch unser
Bündnis neu zu definieren und am Ende die Definition der kollektiven militärischen Sicherheit an sich
neu zu formulieren. Gleichzeitig sehen wir uns der
Herausforderung gegenüber, Millionen Menschen in

Seite 1

�die wirtschaftlichen und politischen Strukturen zu
integrieren, die ihnen bisher verwehrt waren. In
dieser Situation ist es unmöglich, unsere Interessen
zu schützen, wenn wir eine Veränderung unserer
grundlegenden Institutionen ablehnen. Jeder ist sich
bewußt, daß ein mit einer tiefgreifenden Veränderung der Bedrohung konfrontiertes Bündnis - der
Ursache seiner Gründung - entweder eine überzeugende neue Logik definieren muß oder überholt
ist. Jeder weiß, daß auf einen geteilten Kontinent
zugeschnittene wirtschaftliche und politische Organisationen sich jetzt an neue Gegebenheiten anpassen müssen, einschließlich der Aufnahme neuer
Mitglieder, oder sich als Bastion der Privilegien
darstellt.
Wir alle wissen, daß eine Generation junger Menschen, die keine Ziele findet, an die zu glauben es
wert ist, von Zynismus oder rassischem und ethnischem Haß geleitet, auf jeden Fall aber verloren
sein wird. Wir können also nicht so bleiben wie wir
waren. Diese Welt war vertraut, aber sie ist vergangen. Wir sollten ihrem Ende jedoch keinen
Augenblick lang nachtrauern. Die Sicherheiten, auf
die sie gegründet war, hingen letztlich von der
Unterdrückung und dem Leid der Menschen in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion ab. Ihre
Befreiung schafft das Potential für etwas Beispielloses. Für die Amerikaner ist es eben die Welt, für die
wir in Europa gekämpft haben - eine demokratische
Welt, die Platz für Vielfalt schafft, in der die Staaten
ihre Beziehungen zueinander durch Verhandlungen
und Arrangements regeln, in denen die Menschen
sicher innerhalb der durch gewohnheitsmäßige
Toleranz geschaffenen und durch das Gesetz
untermauerten Regeln leben. Wir haben uns an
zwei Weltkriegen beteiligt, weil wir an die Möglichkeit
dieser Dinge glaubten. Wir wurden während des
Kalten Krieges ein Pfeiler der europäischen Verteidigung, um diese Möglichkeit zu schützen.
Glauben Sie mir, wir werden unsere Partnerschaft zu
Europa mit unvermindertem Engagement pflegen
und unterstützen, nun, da unsere beste Chance zur
Verwirklichung unserer Hoffnungen gekommen ist.
Der Abzug unserer Streitkräfte aus Berlin ist natürlich nicht das Ende der amerikanischen Präsenz in
Europa oder Deutschland. Präsident Clinton hat
eindeutig klargestellt, daß er 100.000 Soldaten in
Europa stationiert lassen will - den Großteil davon in
Deutschland. Sie besiegeln unser Engagement für
die NATO, sie sind das Symbol für unsere Entschlossenheit zur Unterstützung von Frieden und
Freiheit auf diesem Kontinent, eine Entschlossenheit,
die sich nie verringert hat, seit unsere Soldaten zur
Bekämpfung der Tyrannei im Zweiten Weltkrieg
entsandt wurden.

Seite 2

Obwohl unser Engagement für Europa ebenso wie
das unserer Bündnispartner ungeschmälert ist,
mußten wir die Bedeutung der europäischen Sicherheit an sich im Kontext völlig veränderter Gegebenheiten überdenken. Wo einmal ein mächtiges
gegnerisches Bündnis war, ist heute nichts mehr. Im
Gegenteil, die Staaten Mittel- und Osteuropas sahen
die NATO großenteils als die beste Hoffnung für
militärische Stabilität und Sicherheit in Europa an,
und einige von ihnen haben die Mitgliedschaft in der
NATO buchstäblich an oberste Stelle ihrer Prioritätenliste gesetzt.
Inzwischen erachtet die Russische Föderation,
obwohl ihre Haltung gegenüber der NATO sehr viel
komplexer ist, die NATO nicht länger als Organisation
von Gegnern. Rußland ist der Partnerschaft für den
Frieden beigetreten, und in dieser Woche fanden die
ersten amerikanisch-russischen Militärübungen auf
russischem Boden statt. Wir wollen, daß Rußland die
NATO zunehmend als Partner, nicht als Feind
ansieht. Wir wollen, daß alle Länder die NATO als
Instrument für kontinuierliche Stabilität und Sicherheit
auf dem Kontinent und vielleicht auch als Ressource
zur Bewältigung der Probleme außerhalb des herkömmlichen Rahmens der europäischen Sicherheit
sehen, wie der Friedenssicherung.
Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar in Brüssel
entschieden sich die Staats- und Regierungschefs
des Bündnisses zur Erweiterung der Beiträge der
NATO zu diesen neuen Kooperationsmustern in
Europa. Diese erweiterte Kooperation wird viele
Formen annehmen. Die Partnerschaft für den
Frieden und der Nordatlantische Kooperationsrat
(NAKR) sind ein Forum für Konsultationen und
praktische Zusammenarbeit mit 22 Ländern, die zur
Zeit nicht Mitglied des Bündnisses sind. In diesem
Monat werden in Polen die ersten multilateralen
Übungen im Rahmen der Partnerschaft für den
Frieden abgehalten. Mehrere Länder haben neben
dem Beitritt zur Partnerschaft für den Frieden und
zum NAKR bereits ihren Wunsch auf Vollmitgliedschaft im Bündnis zum Ausdruck gebracht. Wir
werden unsere Gespräche über diese wichtige Frage
im Herbst aufnehmen.
Obwohl ich keinen Zeitplan für die Erweiterung der
NATO anbieten kann - diese Angelegenheit muß erst
in der NATO entschieden werden - möchte ich Sie an
Präsident Clintons Worte in Warschau vor wenigen
Monaten erinnern. Die Aufnahme neuer Mitglieder in
die NATO ist nicht länger eine Frage des Ob, sondern des Wann und Wie. Die Erweiterung der NATO,
wenn sie vorgenommen wird, ist sogar für die Länder
von Nutzen, die nicht als erste beitreten werden. Ich
möchte betonen, daß die erweiterte NATO-Mitgliedschaft insbesondere die Sicherheit aller europäischen

AMERIKA DIENST 36

�Nationen verbessern wird - der neuen NATO-Mitglieder, der alten und der Nichtmitglieder gleichermaßen.
Instabilität in Zentraleuropa, der Ursprungsregion
europäischer Kriege, hat zweimal in diesem Jahrhundert Tragödien über den Kontinent gebracht.
Aus diesem Grund sollte Stabilität in Zentraleuropa ein entscheidendes Ziel der erweiterten NATO nicht als eine gegen irgend jemanden gerichtete
Aktion, sondern als wichtige Komponente der
regionalen Sicherheit angesehen werden. Daher
wird die Erweiterung der NATO ein transparenter
Prozeß sein, begleitet von umfassenden Konsultationen mit allen interessierten Parteien und ohne
Überraschungen.
Seit Beginn des westlichen
Bündnisses haben die Vereinigten Staaten die
Bedeutung des Aufbaus von Friedensstrukturen auf
der Grundlage der europäischen Einheit unterstrichen. Wir waren stets der Auffassung, daß Europa
am besten durch Integration und Einheit prosperieren könnte und würde. Die Europäische Union ist
unabdingbar für die Außenpolitik eines demokratischen Europa, ebenso wie für die wirtschaftliche
Kooperation. Wir begrüßen den Wunsch der europäischen Union, im kommenden Jahr vier neue
Mitglieder aufzunehmen. Wir hoffen, daß sich alle
vier für den Beitritt entscheiden und auch andere
folgen werden.
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa hat mehr als zwei Jahrzehnte lang bei
dem Bemühen um europäische Sicherheit eine
Sonderrolle gespielt. Anstatt Verträge abzuschließen
und Organisationspläne aufzustellen, begann die
KSZE ihre Arbeit mit einer ausführlichen Erklärung
zu den Werten der westlichen Zivilisation, den
Grundsätzen zwischenstaatlicher Beziehungen sowie
der Behandlung des einzelnen durch die Regierung.
Wie in der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr
1975 formuliert, umfassen diese Grundsätze den
Verzicht auf die Androhung oder den Einsatz von
Gewalt, die Unverletzlichkeit der Grenzen, die
territoriale Integrität der Staaten, die friedliche
Beilegung von Streitigkeiten, Nichteinmischung in
innere Angelegenheiten, Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschließlich der
Meinungs-, Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit. Die KSZE muß weiterhin Betonung auf die
Werte legen - sie definieren, kritisieren, testen,
lehren - wenn sie ihre Sonderrolle beibehalten will.
Als ich meine heutige Rede vorbereitete, war ich
beeindruckt von den Bildern zweier Städte, von
denen jede ein Symbol für das vergangene europäische Zeitalter der Konfrontation ist - Berlin und
Sarajevo. In Berlin herrscht, nachdem die dort
gekreuzten Schwerter jahrelang Schlagzeilen mach-

AMERIKA DIENST 36

ten, endlich Frieden. Sarajevo ist, nachdem es
jahrelang unbekannt und friedlich war, jetzt in Aufruhr. Eine 80 Jahre währende Konfrontation in
Europa hat gezeigt, daß die Menschheit technologische Fertigkeiten, einschließlich der Mittel zur Herstellung von immer zerstörerischeren Waffen, von
Generation zu Generation weitergeben kann. Jetzt
müssen wir von der Fremdenfeindlichkeit, den
Konflikten und Leiden in Europa während dieser 80
Jahre lernen, dauerhafte Gewohnheiten der Zusammenarbeit und des Friedens weiterzugeben.
Bosnien zeigt uns, wieviel Macht die Ideologien von
Haß und Angst noch haben, und wie gefährlich diese
Macht für den Frieden ist - nicht nur für einen bestimmten Teil Europas, sondern für Europa als
Ganzes. Es ist ein Warnsignal für jedes Land in
Osteuropa, da in jedem dieser Länder ethnische
Minderheiten leben. Wenn der Konflikt nicht gelöst
wird, stellt er eine fortgesetzte Bedrohung für Frieden
und Stabilität in der Region dar. Wenn er jedoch
nicht auf eine Art und Weise beigelegt wird, die im
Einklang mit den unseres Erachtens in Europa
anzuwendenden allgemeinen Grundsätzen steht, ist
der Frieden vielleicht nicht mehr als eine Pause vor
einem erneuten und erweiterten Konflikt.
Während Sarajevo die Macht der Ideologien von Haß
und Angst zeigt, demonstrieren die Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands sowie die Ausbreitung
der Demokratie in Osteuropa und der ehemaligen
Sowjetunion, daß keine Regierung auf Dauer ihre
Bürger unterdrücken, einschüchtern und zu Schweigen und Unterwürfigkeit zwingen kann. Heute ist
Deutschland frei von der Bedrohung von außen, die
die Haltung und Aktionen des Landes gegenüber
seinen Nachbarn stark beeinflußte. Der Erfolg des
Engagements der Alliierten für Berlin und für die
demokratische Entwicklung in ganz Europa bedeutet,
daß Deutschland erstmals in der neueren Geschichte
von Freunden umgeben ist anstatt von Ländern, die
für Gegner gehalten werden. Deutschland und seine
Nachbarn sind geeint in ihrer Unterstützung von
Freiheit, Gerechtigkeit, freien Märkten und Demokratie.

All dies unterstreicht eindeutig eine zentrale Tatsache: Europa prüft die Behauptung, die Nationen
müßten nicht auf immer an ihre Vergangenheit
gebunden und im Bann der Anziehungskraft alter
Feindseligkeiten und Denkweisen sein. Vielmehr
können sich die Nationen von den alten Konfliktmustern befreien, um in neuen Formen der Zusammenarbeit sowie einer neuen, klaren Vision ihrer wahren
Aufgaben ein höheres Geschick zu finden. Wie Sie
wissen, bin ich fest davon überzeugt, daß ein Teil
dieses übergeordneten Geschicks darin liegt, die
Pflichten zu akzeptieren und zu erfüllen, die diese

Seite 3

�Generation ihren Nachfahren im Hinblick auf die
weltweite Umweltkrise schuldet - eine Frage, bei der
Bundeskanzler Kohl weltweit eine wertvolle Führungsrolle übernommen hat. Der Zufall will es, daß
gerade diese Woche in Kairo bei der Konferenz der
Vereinten Nationen über Bevölkerung und Entwicklung Fragen erörtert werden, die für die Zukunft der
Welt von fundamentaler Bedeutung sind.
Die
einzelnen europäischen Nationen sowie die Europäische Union leisteten einen entscheidenden Beitrag
zur intellektuellen Tragfähigkeit und politischen
Effektivität dieser Konferenz. Europa muß eine
bedeutende Rolle bei unseren gemeinsamen Bestrebungen spielen, die möglicherweise katastrophalen
Konsequenzen eines radikalen Wandels in den
Beziehungen zwischen der Menschheit und dem
Ökosystem der Erde zu beheben, einem Wandel,
der durch das schnelle Bevölkerungswachstum, die
Entwicklung extrem wirkungsvoller neuer Technologien sowie - am wichtigsten - dem Unwillen vieler
verursacht wurde, die Auswirkungen der von uns
getroffenen Entscheidungen zu akzeptieren.
Um diese neue Art von Problemen zu lösen, müssen
wir eine Entscheidung für den Frieden und gegen
den Krieg treffen, für umweltverträgliche Entwicklung
und gegen Armut und Verzweiflung. Es gibt guten
Grund zur Zuversicht, daß wir Erfolg haben können.
Heute strebt ganz Europa nach demokratischen
Regierungen und freier Marktwirtschaft - ein auf
diesem Kontinent einmaliger Vorgang. Berlin und
das demokratische und vereinigte Deutschland,
dessen Hauptstadt es wieder ist, liegen im Mittelpunkt dieser neuen, hoffnungsvollen Ära. Deutschlands stabile Grundlage in Europa und dem atlantischen Bündnis ist ein wichtiger Ausgangspunkt für
eine noch produktivere internationale Rolle dieses
Landes. Deutschland ist zum Motor des europäischen Integrationsprozesses geworden.
Die
deutsch-französische Freundschaft, die enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Großbritannien und die Beziehungen Deutschlands zu
ganz Europa werden jetzt fest verankert. Dieses
Engagement hat starke Einheit und Zusammenarbeit
hervorgebracht, die strategische Stabilität in Westeuropa sicherstellt und hoffentlich das übrige Europa
- insbesondere Zentraleuropa - inspiriert.
Aus
diesem Grund sind die deutsch-amerikanischen
Beziehungen von so überragender Bedeutung, und
aus diesem Grund sind die heutigen Gespräche
zwischen Amerikanern und Deutschen so wichtig.
Sicherheit, politische und wirtschaftliche Freiheit sind
von entscheidender Bedeutung für die Zukunft'
Europas in Selbstbestimmung. Wir müssen uns
jedoch bewußt sein, daß ihr Schutz von unserer
Fähigkeit abhängt, die sich bietenden Chancen für
die Verbesserung des Lebens der Bürger zu nutzen.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die neuen

Seite 4

Demokratien müssen unter Beweis stellen, daß sie
ihren Bürgern ein besseres Leben bieten können.
Obwohl Regierungen bei diesem Prozeß von Bedeutung sind, stellen Privatinvestitionen die wichtigste
Voraussetzung umweltverträglicher Wirtschaftsentwicklung dar, denn durch sie wird das für Wohlstand
erforderliche inländische und ausländische Kapital
bereitgestellt. Als Wirtschaftsvertreter sind Sie in
diesem Prozeß die Akteure. Innen- und Außenpolitik
sind eine Ergänzung privater Interessen bei Wirtschaft, Handel und Investitionen. Unsere Bestrebungen zur Integration der neugeschaffenen nationalen
Märkte Europas in das Weltwirtschaftssystem sowie
die Notwendigkeit, unsere eigene Wirtschaftsentwicklung voranzutreiben, werden nur solange von Erfolg
gekrönt sein, wie Kapital produktiv eingesetzt wird.
Aus dieser Perspektive sind die hochrangigen deutschen und amerikanischen Wirtschaftsvertreter nur
aus einem zwingenden Grund in Berlin: In diesem
vielversprechenden und kühnen neuen Zeitalter ist
die Wirtschaft für die Sicherheit aller in gewisser
Hinsicht ebenso wichtig wie die Regierung.
Bei dem Streben nach Frieden und Freiheit sind
Handel und Investitionen die neuen Grenzen und die
deutsch-amerikanischen Wirtschaftspartner die
Pioniere, die diese neuen Grenzen erforschen und
erweitem. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen gedeihen. Amerikanische Unternehmen
in Deutschland beschäftigen 600.000 Arbeitnehmer.
In den Vereinigten Staaten arbeiten bereits 500.000
Menschen bei deutschen Unternehmen. Deutsche
Guthaben in Amerika und amerikanische Guthaben in
Deutschland werden jeweils auf über 25 Milliarden
Dollar geschätzt.
So bemerkenswert diese Zahlen sind - unsere
Partnerschaft geht darüber hinaus. Ich bin stolz
darauf sagen zu können, daß wir die Amerikanische
Akademie zu Berlin gründen, was morgen offiziell
bekanntgegeben wird.
Dieses privat finanzierte
Unternehmen wird die Tradition der über 300jährigen
deutsch-amerikanischen Freundschaft fortsetzen. Die
Vereinigten Staaten stehen für eine Zukunft, die auf
der Unabhängigkeit der Nationen und der Würde des
Menschen basiert. Das war der Hauptgrund für die
Anwesenheit der alliierten Streitkräfte in Berlin. Als
sie 1945 kamen, erwartete niemand, daß sie nahezu
ein halbes Jahrhundert bleiben würdem. Da Berlin
jedoch so oft das ideologische Schlachtfeld des
Kalten Krieges war, blieben die Amerikaner und ihre
Verbündeten dort. Wir waren 1948 zur Stelle und
versorgten durch die großangelegte Luftbrücke die
Berliner Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, als Stalin
die Westalliierten durch die Blockade aus der Stadt
zu verdrängen suchte. Wir waren 1961 zur Stelle,
um zu zeigen, daß Demokratie und der Wille des

AMERIKA DIENST 36

�Volkes jede Mauer, ungeachtet ihrer Größe, umgehen können. Wir waren 1987 zur Stelle, als Präsident Reagan forderte, die Mauer niederzureißen.
Und wir waren zur Stelle, als die Mauer endlich fiel.
Gestern verließen unsere Soldaten Berlin. Aber um
mit den vor drei Jahrzehnten geäußerten Worten
eines jungen Präsidenten zu sprechen, sind wir alle

immer noch Berliner. Unser Engagement bleibt so
stark wie zuvor. Und ich wiederhole heute die Worte
eines anderen jungen Präsidenten, der dieses Jahr in
Berlin erklärte: "Amerika steht an Ihrer Seite -jetzt
und für immer!"
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 36

Seite 5

�DER

ABSCHIED
14. September 1994

CHRISTOPHER ERINNERT AN DIE
BERLINER LUFTBRÜCKE VON 1948
Ansprache vor dem Luftbrückendenkmal
WASHINGTON - (AD) - Am 8. September 1994 würdigte US-Außenminister Christopher in einer Ansprache
vor dem Luftbrückendenkmal am Flughafen Tempelhof die Berliner Luftbrücke und die dadurch geschmiedeten
Bande zwischen Amerikanern und Deutschen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Außenministers im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre, heute hier sein zu
dürfen. Wir sind zusammengekommen, um die
Berliner Luftbrücke zu würdigen, unsere Erinnerungen an dieses großartige Ereignis auszutauschen
und uns erneut seinem Geist zu verschreiben.
Wir alle kennen die Geschichte der Berliner Luftbrücke. Im Frühjahr 1948 begann Stalin seine
Kampagne, die Alliierten aus Berlin zu verdrängen.
Er wollte die Stadt unter kommunistische Kontrolle
bringen, indem er den Willen ihrer Bewohner zu
brechen versuchte. Am 24. Juni 1948 verhängte er
eine Blockade gegen Berlin.
Stalin hatte jedoch den Willen der Berliner, sich der
Einschüchterung zu widersetzen, sowie die Entschlossenheit der Alliierten, ihnen beizustehen,
unterschätzt. Am 25. Juni bat der amerikanische
General Lucius Clay den Bürgermeister von Berlin,
Ernst Reuter, in sein Büro. Zum Erstaunen aller
Anwesenden unterbreitete er den Vorschlag, die
Stadt durch die Luft mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Antwort des Bürgermeisters war eindeutig: Berlin war bereit, um der Freiheit willen
Opfer zu bringen.
Diese beiden mutigen führenden Persönlichkeiten
waren sich bewußt, was auf dem Spiel stand.
Andernorts waren die Meinungen jedoch geteilt. In
Washington empfahlen hochrangige Regierungsberater Vorsicht und Zurückhaltung. Die einzigen,
der amerikanischen Luftwaffe in Europa zur Verfügung stehenden Transportflugzeuge waren zweimotorige C-47, als "Gooney Birds" bekannte Maschinen, von denen wenige glaubten, sie könnten diese
Leistung erbringen. Präsident Truman verstand
jedoch ebenso wie Reuter und Clay die Bedeutung
dieser Aktion. Seiner Meinung nach würde die

AMERIKA DIENST 36

Luftbrücke funktionieren, weil sie erforderlich war. Er
gab die Anweisung zu ihrer großangelegten Durchführung.
Innerhalb weniger Tage kamen neue Flugzeuge aus
Alaska, Hawaii und der Karibik an, um sich an
diesem heroischen Unterfangen zu beteiligen. Mit
Hilfe der britischen Luftwaffe waren Hunderte von
Flugzeugen rund um die Uhr im Einsatz. Ihr allgegenwärtiges Dröhnen wurde Teil des täglichen
Lebens, eine Erinnerung daran, daß Berlin nicht allein
gelassen wurde. Tausende von Arbeitern - Alliierte
und Deutsche - unterstützten die Luftbrücke am
Boden. Als sich die beiden Flughäfen als unzureichend erwiesen, sprangen Berliner aus allen Lebensbereichen ein, um den Bau eines dritten Flughafens
zu beschleunigen. Arbeiter, Wissenschaftler, Lehrer
und Hausfrauen stellten den Flughafen Tegel zwei
Monate früher als geplant fertig.
Die technische Leistung der Luftbrücke war gewaltig.
Am 16. April 1949 wurde durch die "Osterparade", die
einen Rekord darstellte, genug Kohle bereitgestellt,
um 600 Eisenbahnwaggons zu füllen. Während der
gesamten Dauer der Luftbrücke wurden über zwei
Millionen Tonnen an Versorgungsgütern nach Berlin
transportiert.
Ebenso beeindruckend waren in den Augen der Welt
jedoch auch der Mut und die Widerstandskraft der
Berliner, die Hunger, Kälte und Dunkelheit trotzten,
um der Freiheit zum Sieg zu verhelfen.
Durch diese gemeinsam ertragenen Zeiten der Not
und des Triumphs regte die Berliner Luftbrücke den
Versöhnungsprozeß zwischen dem deutschen und
dem amerikanischen Volk an. Die Partnerschaft
zwischen den Alliierten und den Berlinern war nicht

Seite 1

�nur auf den Flugplätzen sichtbar, sondern auch bei
zahllosen Gesten der Solidarität. Trotz der Entbehrungen gaben die Berliner den Piloten das Beste,
was sie hatten: Bücher, Feuerzeuge, Blumen und
Gebete. Und dieses ehrwürdige Denkmal zeugt
davon, daß die Piloten den Berlinern ihr Bestes
gaben.
Anfang 1952 fragte eine Berliner Zeitung ihre Leser:
"Woran erinnern Sie sich im Zusammenhang mit der
Luftbrücke?" Hunderte eingegangener Antworten
erzählen eine inhaltsreiche und ergreifende Geschichte. Viele erinnerten sich an die Großartigkeit
der Luftbrücke, das Donnergetöse der Maschinen,
die "Symphonie der Freiheit" am Himmel. Anderen
zufolge "sprachen" die Flugzeuge zu den Menschen
am Boden, die dröhnenden Maschinen "sprachen"
von Hoffnung und Beistand. Kinder hatten nicht die
winzigen Fallschirme vergessen, die mit Süßigkeiten
auf die Erde niedergingen - das Geschenk eines
Leutnants der Luftwaffe. Und viele Berliner erwähnten das neuentstandene Gefühl der Verbundenheit
mit den Alliierten.
Eine Fünfzehnjährige schrieb über die bei der
Luftbrücke Umgekommenen: "Ihr Opfer erinnert uns
daran, daß es auf dieser Welt Dinge gibt, die größer
sind als nationaler Egoismus, nämlich Menschlichkeit
und das Leben aller Menschen in Würde."

Als Bürgermeister Reuter am Ende der Blockade
General Clay seinen Dank aussprach, bekannte er
sich zu dieser gemeinsamen Sache: "Sie sind nicht
mehr als Feinde, sondern als Freunde zu uns gekommen", erklärte er. "Die Erfahrung dieser Monate hat
uns enger an Ihr Volk gebunden und Ihr Volk stärker
an uns. Das Denkmal, das wir ihm zu Ehren bauen,
wird bescheiden sein, aber es wird ein Denkmal für
den Frieden und nicht zur Verherrlichung der Leistungen im Krieg sein."
Amerikaner erinnern die Luftbrücke als die Brücke,
die uns als gleichgesinnte Nationen verband, die
bereit waren, der Tyrannei die Stirn zu bieten und die
mit der Verteidigung der Freiheit einhergehenden
Härten zu erdulden. Dieses Vermächtnis überdauerte
die Luftbrücke, die Teilung Deutschlands und schließlich den Kalten Krieg.
Freiheitsliebe und Menschenwürde sind keine nationalen Charakteristika, sondern der ganzen Menschheit eigen. Wir müssen den bei der Luftbrücke
gezeigten Geist der Entschlossenheit aufrechterhalten, während wir an der Überwindung alter Trennungen in Europa arbeiten und ehemalige Gegner in die
transatlantische Interessen- und Wertegemeinschaft
einbinden. Wir haben eindeutig Fortschritte erzielt,
aber es bleibt noch viel zu tun. Unsere auf den
Tragflächen der Luftbrücke geborene Partnerschaft
wird uns nicht scheitern lassen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 36

�DER

ABSCHIED
14. September 1994

CHRISTOPHER WÜRDIGT LEISTUNGEN DER
ALLIIERTEN STREITKRÄFTE IN DEUTSCHLAND
Rede im Berliner Schauspielhaus
WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Warren Christopher hob am 8. September 1994 den von den
Streitkräften der Alliierten in Deutschland geleisteten Beitrag hervor.
Bei dem offiziellen Festakt im Berliner Schauspielhaus aus Anlaß der Verabschiedung der alliierten Truppen
betonte er jedoch auch die Notwendigkeit, sich den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas zu
öffnen und in den dortigen jungen Demokratien Freiheit und Stabilität zu fördern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Christopher im Schauspielhaus gehaltene Rede im Wortlaut.
Es ist für mich eine große Ehre, Präsident Clinton
und die Vereinigten Staaten bei diesem historischen
und freudigen Ereignis vertreten zu dürfen.

Bundeskanzler eine Botschaft zu übermitteln. Gestatten Sie mir, aus seinem Brief an den Kanzler zu
zitieren:

Ich bin hier, um gemeinsam mit Ihnen die alliierten

"Nahezu 45 Jahre lang dienten unsere alliierten
Streitkräfte an den Frontlinien der Demokratie mit
der Entschlossenheit, für Europa eine Zukunft in
Sicherheit und Wohlstand innerhalb freier und
offener Gesellschaften sicherzustellen. Obwohl
seit dem wunderbaren Moment, als die Europa
spaltende Mauer fiel, immer mehr Zeit verstreicht,
dürfen wir nicht vergessen, was die alliierten
Streitkräfte für uns und unsere Kinder getan
haben. Sie waren die Garanten der Freiheit in
Europa. Sie verdienen unseren Dank."

Streitkräfte der Berlin Brigade zu ehren, die in dieser
Stadt während ihrer Teilung und Bedrohung Wache
standen. Nahezu ein halbes Jahrhundert lang
bildeten die Vereinigten Staaten, Frankreich, Großbritannien und Deutschland in Berlin eine besondere
Einheit. Gemeinsam bewahrten wir dort, auf diesem
Testgelände westlicher Entschlossenheit, die Freiheit
- wohl wissend, daß unser Mißerfolg dort die Freiheit
überall gefährden würde.
Vor 45 Jahren ging Amerika die Verpflichtung ein,
gemeinsam mit Ihnen den Widrigkeiten zu trotzen.
Vier Jahrzehnte lang hielten wir unter Administrationen der Demokraten und Republikaner gleichermaßen dieses Versprechen. Auch heute bleibt unser
Engagement für ein stabiles, sicheres und wohlhabendes Europa unvermindert. Selbst nach Abzug
unserer Truppen aus Berlin bleiben 100.000 amerikanische Soldaten in Europa.
Als Präsident Clinton dieser Stadt vor zwei Monaten
einen Besuch abstattete, sprach er von seiner Vision
eines integrierten Europa, in dem unsere Sicherheit
"auf dem Aufbau von Brücken, nicht von Mauern
beruht". Der Präsident bekräftigte das Engagement
Amerikas, das Beispiel Berlin als Grundlage dieser
Vision anzusehen und bat mich, Ihnen und dem

AMERIKA DIENST 36

Im Namen des amerikanischen Volkes möchte ich
auch die Berliner ehren, deren Durchhaltevermögen
und Mut diejenigen inspirierte, die sich für die Freiheit
auf der ganzen Welt einsetzten. Und ich möchte
heute den Millionen von Europäern in Leipzig, Dresden und zahllosen Städten und Dörfern in Ostdeutschland meine Hochachtung bezeigen, deren
beharrlicher Ruf "Wir sind das Volk" zum Fall der
grausamen Berliner Mauer beitrug.
Die Amerikaner wissen: Als Sie Ihre Freiheit erlangten, halfen Sie, unsere zu festigen. Wenn wir nicht
länger einen Dritten Weltkrieg fürchten, wenn wir ein
nicht länger von Unterdrückung oder Konflikten
zerrissenes Europa für möglich halten, dann ver-

Seite 1

�danken wir das Ihrem Kampf sowie dem Ihrer Nachbarn in Gdansk, Vilnius und Prag.
Einst befahlen die kommunistischen Diktatoren
Europas ihren Bürgern, die Vergangenheit zu vergessen. Jetzt sind wir hier zusammengekommen,
um ihrer zu gedenken. Wir erinnern das Heldentum
und die Entschlossenheit zu Zeiten der Berliner Luftbrücke. Wir denken an die Berliner, die auf den
Trümmern des Krieges eine demokratische und
prosperierende Gesellschaft aufbauten.
Wir erinnern uns auch noch gut an die Tragödien.
Wir erinnern uns, wie die Mauer anwuchs - von einer
Reihe bewaffneter Männer und Stacheldraht zu einer
häßlichen Zementsperre, die Familien, eine Nation
und einen Kontinent teilte. Wir erinnern uns an das
erste Opfer, Rudolf Urban, der bei dem Versuch, in
die Freiheit zu gelangen, ums Leben kam - und wir
erinnern uns an das letzte Opfer, einen 20jährigen
Deutschen namens Chris Gueffroy. Diese Erinnerungen werden nicht verblassen.
Zu einem früheren Zeitpunkt war das Unglück
Berlins das Symbol für das Unglück Europas. Heute
ist die Stadt das Symbol für die sich Europa eröffnenden neuen Möglichkeiten. Wir sind hier Zeuge,
wie die aus der Zeit des Kalten Krieges stammende
Spaltung überwunden wurde. Und das geschieht
nicht nur hier: Vergangene Woche hielten amerikanische und russische Soldaten ihre ersten gemeinsamen Manöver auf russischem Boden ab. Und die
russischen Truppen sind aus den baltischen Staaten
abgezogen - ein Ziel, für das sich die Vereinigten
Staaten seit vielen Jahren eingesetzt haben.
Wir sind dankbar, daß wir jetzt in weniger gefährlichen Zeiten leben. Wir haben die wichtigste
Bedrohung unserer Freiheit überwunden. Als
Ergebnis unserer gemeinsamen Bestrebungen
brauchen diese Truppen in dieser Stadt nicht länger
unsere Sicherheit und unseren Wohlstand verteidigen. Wir haben jedoch noch große Pflichten. Was
uns hier beschert wurde, muß jetzt nach Osten
weitergetragen werden - zu den jungen Demokratien, die sich von 50 Jahren Diktatur und wirtschaftlichem Ruin erholen.
Während der vergangenen 50 Jahre haben mein
Land und Ihre Länder am Aufbau zahlreicher
Institutionen mitgewirkt, die unsere Sicherheit und

wirtschaftliche Stärke bewahrten: die NATO, das
GATT, die OECD und schließlich die Europäische
Union. Diese Institutionen trugen in Westeuropa zur
Schaffung der politischen und wirtschaftlichen Bedingungen bei, unter denen freie Institutionen prosperieren können. Sie verliehen dem gemeinsamen
Unternehmen aller westlichen Demokratien - der
Förderung von Frieden und weltweitem Wirtschaftswachstum - Struktur, Legitimität und Stärke.
Unsere Aufgabe ist die Stärkung dieser grundlegenden Institutionen und ihre Öffnung für die neuen
demokratischen Nationen Mittel- und Osteuropas
sowie der ehemaligen Sowjetunion. Diesen Prozeß
haben wir mit der Partnerschaft für den Frieden, der
Uruguay-Runde des GATT und den neuen Partnerschaftsabkommen der Europäischen Union begonnen. Dies ist der beste Weg sicherzustellen, daß die
von uns während dieser Jahre genossene Stabilität
auch in einem erweiterten Europa Bestand hat.
Damit können wir gewährleisten, daß das von unseren Vorgängern - der Generation von Truman,
Churchill, Monnet und Adenauer - begonnene Werk
fortgesetzt wird.
Es erfordert Zeit, Institutionen wie die NATO und die
Europäische Union neuen Erfordernissen anzupassen
und gleichzeitig ihre Effektivität zu bewahren. Wir
müssen sichergehen können, daß unsere neuen
Partner die Fähigkeit zur Erfüllung der mit ihrer
Aufnahme einhergehenden Pflichten haben.
Gleichzeitig dürfen unsere Institutionen und Bestrebungen nicht an den veralteten Grenzen des Kalten
Krieges haltmachen. Es liegt nicht in unserem
Interesse, wenn irgendeine Nation in Europa isoliert
ist, denn Isolation ist die Brutstätte für Instabilität und Instabilität, nicht Invasion, ist die größte verbleibende Bedrohung der europäischen Sicherheit.
Aus diesem Grund müssen wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um unseren ehemaligen
Gegnern zu helfen, in sicherheits- und handelspolitischer Hinsicht verläßliche Partner zu werden.
Wir müssen dem Ideal eine neue Bedeutung geben,
das die Architekten der europäischen Integration
inspirierte: In einem ungeteilten Europa darf es
überhaupt keine Mauern geben.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 36

�BEVÖLKERUNG
14. September 1994

KAIRO ERÖRTERT NORD-SÜD-PROBLEME
UND ETHIK-FRAGEN
Überwindung letzter Hindernisse
KAIRO - (AD) - Einige der wenigen Fragen, die bei
der Konferenz der Vereinten Nationen über Bevölkerung und Entwicklung die Industriestaaten von den
Entwicklungsländern trennten, wurden in letzter
Minute durch einen geschickten Kompromiß gelöst.

unter Einbeziehung Algeriens als Vertreter der
Entwicklungsländer am 10. September zusammen
und legte einen Kompromiß vor.

Die Übereinkünfte über diese und andere ausstehende Angelegenheiten wurden am 12. September 1994
von einem aus Vertretern von 180 Ländern bestehenden Ausschuß angenommen.

Dieser besagte, daß die Staaten "die lebenswichtige
Bedeutung der Familienzusammenführung" anerkennen sollten, indem sie Gesetze verabschiedeten, die
legalen Wanderarbeitern das Mitbringen ihrer Familien gestatten. Einer Vielzahl von Entwicklungsländern reichte das jedoch nicht aus.

Es wird daher erwartet, daß die von den Vereinten
Nationen innerhalb von 20 Jahren veranstaltete dritte
Bevölkerungskonferenz die Arbeit des Ausschusses
offiziell billigt und sich termingerecht am 13. September, acht Tage nach Aufnahme ihrer Arbeit, vertagt.

Die Delegierten machten am Sonntag, den 11.
September einen Tag Pause. Als sie am Tag darauf
zusammenkamen, unterbreiteten Simbabwe und
Australien einen anderen Kompromißvorschlag, dem
die Vereinigten Staaten sofort zustimmten.

Die wichtigste, Industriestaaten und Entwicklungsländer spaltende Frage, lautete, ob Wanderarbeiter
ein grundlegendes "Recht" darauf haben, ihre
"Familie" in ihre Wahlheimat zu bringen.

Dieser Vorschlag stellt eine Ergänzung des vorigen
Kompromisses dar, da er sich auf einen Absatz der
Konvention über die Rechte des Kindes bezieht, der
jungen Menschen das Recht auf Zusammenführung
mit ihren Eltern einräumt.

Die Türkei war eines der führenden Entwicklungsländer, das die Verwendung des Begriffs "Recht"
forderte. Obwohl das von der Konferenz aufgestellte
"Aktionsprogramm" kein Vertrag und daher juristisch
nicht bindend ist, könnte dieser Terminus einen
Präzedenzfall schaffen, auf den Länder mit einer
großen Zahl von Emigranten bauen könnten.
Die zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Union,
die Vereinigten Staaten, Kanada und andere Industriestaaten vertraten die Ansicht, die Regierungen
des Gastlandes sollten das "Prinzip" der Familienzusammenführung anerkennen.
Als die Frage der Familienzusammenführung zu
Beginn der Konferenz erstmals auftauchte, konnte
hierüber keine Einigung erzielt werden, und die
Diskussion wurde vom 5. auf den 8. September
verschoben. Als eine Einigung immer noch in weiter
Ferne zu liegen schien, traf ein kleiner Ausschuß

AMERIKA DIENST 36

Dieser Kompromißvorschlag wurde schließlich von
der Arbeitsgruppe angenommen und dem Hauptausschuß der Konferenz übermittelt. "Der Unterausschuß gab seine Zustimmung, es bleibt jedoch
abzuwarten, was der Hauptausschuß unternehmen
wird", so ein Vertreter Australiens über den Ausschuß, in dem jede Delegation vertreten ist.
Der Hauptausschuß nahm tatsächlich vor Annahme
der Sprachregelung einige Ergänzungen vor, die
keine substantiellen Auswirkungen hatten.
Von Anfang an vermied die Konferenz jedoch eine
Definition des Begriffs "Familie", um einen noch
größeren Kampf darüber zu verhindern, welchen
Verwandten welche "Rechte" zustehen.
Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge schließt
das amerikanische Einwanderungsgesetz eine

Seite 1

�umfassende Definition der Familienzusammenführungsrechte aus, aber die Regierung hat sich zur
Familienzusammenführung verpflichtet.
Aus diesem Grund befürworteten die amerikanischen
Regierungsvertreter den Begriff "Prinzip" statt des
Begriffs "Recht" und verwiesen darauf, daß Einwanderer in die Vereinigten Staaten ihre Ehefrauen
und Kinder mitbringen können. Darüber hinaus
wurden 1993 über 530.000 Einwanderer aufgrund
familiärer Bande zu amerikanischen Staatsbürgern
und Bürgern mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung
aufgenommen.
Die Frage der "Ethik" wurde erneut vom Vatikan und
seiner Handvoll Anhänger unter den streng römischkatholischen Ländern angeschnitten. Das Ergebnis
der diplomatischen Offensive ähnelte dieses Mal
jedoch stark derjenigen in der vergangenen Woche
im Hinblick auf die Sprachregelung zum Schwangerschaftsabbruch: Änderung' der Formulierungen,
inhaltlich jedoch praktisch unverändert.
"Dem Vatikan wurden alle möglichen Konzessionen
gemacht", erklärte Nicolaas Biegman, der Ständige
Vertreter der Niederlande bei den Vereinten Nationen und Stellvertretender Vorsitzender des Hauptausschusses bei einer Pressekonferenz am 12.
September 1994.
"Ich glaube nicht ... daß sie den Geist des Dokuments verändern konnten. Das Dokument legt
Betonung auf die Entscheidungsfreiheit des einzelnen sowie das Recht von Paaren und Einzelpersonen auf die Entscheidung über die Anzahl der
gewünschten Kinder und den Zeitpunkt der Geburt",
so Biegman.
Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz stellte er
fest: "Die Frauenbewegung könnte diesem Dokument eine ziemlich gute Note geben."
Biegman räumte bereitwillig ein, daß Doppeldeutigkeiten und unpräzise Formulierungen zu den angewandten Techniken gehörten, damit der Geist des
Dokuments erhalten blieb und gleichzeitig das
vorgeschlagene "Aktionsprogramm" abgeschwächt
wurde, um es dem Vatikan schmackhafter zu machen.

Seite 2

Er führte folgendes Beispiel an: Die Delegierten des
Vatikans fragten wiederholt, was unter der Formulierung "Fruchtbarkeitsregulierung" in Kapitel 7 des
Aktionsprogrammentwurfs zu verstehen sei, der in
den drei Jahren vor der Kairoer Konferenz ausgehandelt worden war. Der Entwurf stellte beispielsweise fest, daß Männer und Frauen das Recht auf
Zugang zu finanzierbaren Fruchtbarkeitsregulierungsmethoden haben. Dieser Satz könnte Schwangerschaftsabbruch beinhalten, so die Argumentation
des Vatikans.
Bei dem Versuch, einen Kompromiß zu erzielen,
entschied sich die Mehrheit der Delegierten, die
Formulierung "Fruchtbarkeitsregulierung" durch "die
Regulierung der Fruchtbarkeit" zu ersetzen, erläuterte
Biegman. Seiner Ansicht nach bestehe kein Unterschied in der Bedeutung der beiden Formulierungen.
Und was ist die Bedeutung?, so die rhetorische
Frage. "Was immer Sie wollen."
Auf die Frage eines Journalisten, ob er damit zum
Ausdruck bringen wolle, die Konferenz "umgeht
dieses Problem, indem sie bewußt einen doppeldeutigen Begriff verwendet", antwortete er mit Ja.
Die Reaktion des Vatikans auf die geänderte Sprachregelung wurde nicht unmittelbar bekannt.
Obwohl der Vatikan zahlenmäßig wenige Anhänger
hatte und bei dieser Frage leicht hätte überstimmt
werden können, haben Vertreter der Vereinigten
Staaten und der Vereinten Nationen erklärt, daß
große internationale Konferenzen traditionell versuchen, einen Konsens zu erzielen. Jeder Konferenzteilnehmer, der mit dem Endergebnis nicht
einverstanden ist, könnte seine Unterschrift unter das
Aktionsprogramm verweigern oder es mit Vorbehalten
unterschreiben.
Der Vatikan verweigerte seine Unterschrift unter das
Bevölkerungsprogramm der Konferenzen von 1974
und 1984.
Nachdem die wichtigsten strittigen Punkte gelöst
waren, arbeiteten die Delegierten am 12. September
bis spät abends, um das Aktionsprogramm fertigzustellen.

AMERIKA DIENST 36

�BEVÖLKERUNG
14. September 1994

AMERIKANER FÜR EINDÄMMUNG DES
BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
Die öffentliche Meinung in den USA
WASHINGTON - (AD) - Eine von Time-CNN am Vorabend der Kairoer Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung durchgeführte Meinungsumfrage ermittelte erste Angaben über die Sichtweise der Amerikaner zu
Bevölkerungsfragen.
Obwohl 55 Prozent der Amerikaner zusätzliche Ausgaben der Vereinigten Staaten zur Eindämmung des
Bevölkerungswachstums in anderen Ländern befürworten, ist die Öffentlichkeit nicht geneigt, eine Führungsrolle
bei der Bewältigung des Problems zu übernehmen. Nachfolgend veröffentlichen wir die wichtigsten Ergebnisse
der Umfrage.

Meinungsspektrums sind nur 17 Prozent der Ansicht,
die Vereinigten Staaten sollten überhaupt keine Rolle
spielen. Diese Umfrageergebnisse stimmen mit der
Umfrage von Times Mirror vom vergangenen Jahr
überein, die eine Präferenz der amerikanischen

Zustimmung zu Hilfe für Familienplanung
Eine beträchtliche Mehrheit der Amerikaner (72
Prozent) stimmt im Prinzip staatlicher Unterstützung
der Vereinigten Staaten zu, "um Geburtenkontrolle
und Familienplanung" im Ausland leichter zugänglich

Öffentlichkeit für eine gemeinsame Führungsrolle der

zu machen. Eine kleinere Mehrheit (54 Prozent)
befürwortet die "maßgebliche Aufstockung" staatlicher Aufwendungen für diese Zwecke, die seit den
achtziger Jahren vorgenommen wurde.

Vereinigten Staaten mit anderen führenden Ländern
bei Fragen der Außenpolitik ermittelte. Im Gegensatz
dazu stand die Meinung der amerikanischen Führungsschicht, die eine ausgesprochen aktive Rolle
der Vereinigten Staaten in dieser Frage befürwortete.

Überbevölkerung als wichtiges Anliegen
Schwangerschaftsabbruch
Eine Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung (55
Prozent) beurteilt "Überbevölkerung" als "sehr
ernsthaftes Problem". Weitere 31 Prozent sehen
das Problem als "ziemlich gravierend". 79 Prozent
vertreten die Auffassung, das Problem werde eines
Tages auch die Vereinigten Staaten betreffen.

Die amerikanische Öffentlichkeit ist in zwei ziemlich
gleichgroße Lager bezüglich "Schwangerschaftsabbruch auf Wunsch" (46 Prozent) gegenüber
"Schwangerschaftsabbruch nur unter bestimmten
Umständen" (39 Prozent) gespalten. 13 Prozent sind
unter allen Umständen gegen Schwangerschaftsabbruch.

Gemäßigte Rolle der Vereinigten Staaten befürwortet

Empfängnisverhütung
68 Prozent der Öffentlichkeit möchte, daß die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit anderen Ländern die Bewältigung des Problems der Überbevölkerung angehen, statt eine Führungsrolle zu übernehmen. Nur 12 Prozent sind der Meinung, die
Vereinigten Staaten sollten bei dieser Frage die
Führungsrolle übernehmen. Am anderen Ende des

*

AMERIKA DIENST 36

*

Eine beträchtliche Mehrheit der Öffentlichkeit (74
Prozent, einschließlich 70 Prozent der Katholiken)
stimmt nicht mit der Erklärung überein, "die Anwendung künstlicher Mittel zur Geburtenkontrolle ist
falsch".

*

*

*

Seite 1

�NORD KOREA
14. September 1994

USA DRINGEN AUF DIALOG ZWISCHEN
NORD- UND SÜDKOREA
Gespräche zwischen Christopher und Han
WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Warren
Christopher warnte am 7. September 1994, die
nordkoreanische Nuklearfrage könne erst gelöst
werden, "wenn Nordkorea einen substantiellen
Dialog mit der Republik Korea aufnimmt".
"Wir werden weiter mit der südkoreanischen Regierung an der Beilegung des Nuklearproblems zusammenarbeiten", erklärte Christopher im Beisein
des südkoreanischen Außenministers Han Sung Joo
vor Journalisten. Die beiden Minister führten im USAußenministerium ein über einstündiges Gespräch.
Anschließend ließ ein hochrangiger amerikanischer
Regierungsvertreter verlauten, die Gespräche hätten
das Ziel gehabt, im Hinblick auf diesen Monat
zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea
anberaumte Gespräche "die jeweilige Haltung der
beiden Länder zu sondieren und zu koordinieren".
Christopher bezeichnete das Nuklearprogramm
Nordkoreas als "die dringlichste Sicherheitsfrage in
der asiatisch-pazifischen Region" und stellte fest, sie
bedrohe die Sicherheit der wichtigsten amerikanischen Verbündeten, angefangen mit Südkorea.
"Dieses Nuklearproblem erhöht die Wahrscheinlichkeit eines destabilisierenden Rüstungswettlaufs in
Asien und unterminiert unser starkes Interesse an
der Beibehaltung wirksamer weltweiter Regime
gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Folglich ist es eine der obersten
Prioritäten der Clinton-Administration, diese Situation
unter Kontrolle zu bringen", teilte er mit.
Christopher und andere hochrangige Mitglieder der
Administration bemühten sich, den Besuch von
Außenminister Han zu einer Beschwichtigung der in
Seoul bestehenden Ängste vor einer Fortsetzung
des amerikanischen Dialogs mit Pjöngjang zu
nutzen.

AMERIKA DIENST 36

"Die Vereinigten Staaten und Südkorea stehen seit
über 40 Jahren Seite an Seite in einem Bündnis, das
sich im Laufe der Jahre noch vertieft hat", so der
amerikanische Außenminister. "Enge Beziehungen
zu Südkorea sind für die Förderung der großen und
dauerhaften Interessen der Vereinigten Staaten im
asiatisch-pazifischen Raum von essentieller Bedeutung."
Amerikanische und nordkoreanische Regierungsvertreter sollen am 10. September in Pjöngjang und
Berlin Fachgespräche zur Vorbereitung der Wiederaufnahme des hochrangigen Dialogs in Genf am 23.
September führen.
Christopher stellte fest, die Vereinigten Staaten und
Nordkorea hätten bei den Genfer Gesprächen im
vergangenen Monat "gewisse Fortschritte bei der
Lösung der Nuklearfrage" erzielt, jedoch noch einen
weiten Weg vor sich. "Wir müssen unsere Erklärungen in Aktionen umwandeln, die zu einer Lösung des
Problems führen."
Im Mittelpunkt der amerikanisch-nordkoreanischen
Gespräche in Berlin soll der vorgeschlagene Übergang zu Leichtwasserreaktoren stehen, während es
in Pjöngjang um Fragen im Zusammenhang mit der
Einrichtung von Verbindungsbüros in der Hauptstadt
des jeweils anderen Landes geht.
"Als Teil des von uns und unseren südkoreanischen
Verbündeten verfolgten umfassenden und gründlichen Ansatzes zu der Nuklearfrage haben sich die
Vereinigten Staaten und Nordkorea auf das Streben
nach normalisierteren politischen und wirtschaftlichen
Beziehungen geeinigt", erklärte Christopher. "Zu
diesem Zweck sind jedoch Fortschritte bei der
Nuklearfrage sowie Offenheit zur Verbesserung des
Verhältnisses zwischen Nord- und Südkorea erforderlich." Die Vereinigten Staaten werden dem Minister
zufolge weiterhin absolut starkes Engagement für die
Sicherheit Südkoreas zeigen.

Seite 1

�Außenminister Han teilte mit, er sei nach Washington gekommen, um als Vorbereitung der bevorstehenden Treffen zwischen den Vereinigten Staaten
und Nordkorea "unsere Strategie und Pläne zu
entwerfen. Wir haben die Bedeutung von Transparenz beim nordkoreanischen Nuklearprogramm
bekräftigt, nicht nur jetzt und in Zukunft, sondern
auch bei entsprechenden Aktivitäten in der Vergangenheit."
Han bekräftigte die Bereitschaft Südkoreas, nach der
Lösung der Nuklearfrage an dem Projekt zur Bereitstellung von Leichtwasserreaktortechnologie für
Nordkorea teilzunehmen und einen bedeutenden
Beitrag zu leisten.
Dem Außenminister zufolge hält Südkorea alle Türen
für Gespräche zwischen Nord- und Südkorea offen.
Er stellte jedoch fest, die Pläne für einen Gipfel am
25. Juli seien durch den Tod des nordkoreanischen
Präsidenten Kim Il-Sung zerschlagen worden.
"Jetzt besteht das Problem darin, daß die wichtigsten Ämter in der Partei und der Regierung Nordkoreas offiziell nicht besetzt sind", äußerte Han und
fügte hinzu, die hochrangigen Gespräche zwischen
Nord- und Südkorea müßten bis zur offiziellen
Übernahme der Macht durch Kims Sohn ausgesetzt
werden. "Wir wissen nicht, wann das sein wird",
teilte er mit.

Christopher wies auf die Bedeutung von "Sonderinspektionen" durch die Internationale AtomenergieOrganisation (IAEO) als Teil des Sicherheitsabkommens mit Nordkorea hin. Diese würden essentielle
Informationen über Pjöngjangs frühere Nuklearaktivitäten liefern.
Der amerikanische Außenminister wird Ende des
Jahres nach Seoul reisen, "um unsere gemeinsamen
Interessen zu fördern und die Gespräche mit unserem engen Verbündeten, der Republik Korea, fortzusetzen". Der Sprecher im US-Außenministerium,
Michael McCurry, teilte später bei einer Pressekonferenz mit, der Minister würde Korea wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Treffen des Forums
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum APEC) einen Besuch abstatten. Der APEC-Gipfel ist
für November in Indonesien anberaumt.
Der Sprecher teilte auf Anfrage mit, Han hätte "keine
Bedenken gegen die derzeit laufenden Gespräche"
zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea
geäußert. McCurry zufolge würden die USA "ohne
Zweifel jegliche Bestrebung Nord- und Südkoreas in
der Frage einer dauerhaften Friedensvereinbarung
unterstützen".

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 36

�KRIEGSVERBRECHEN
14. September 1994

EIN TRIBUNAL FÜR DIE GERECHTIGKEIT
von John Shattuck
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel erschien auf Deutsch erstmals im Rheinischer Merkur vom
9. September 1994.
Der Verfasser ist Abteilungsleiter für Demokratie, Menschenrechte und Arbeitsfragen im US-Außenministerium.
Er kehrte vor kurzem von einer Reise nach Ruanda und Burundi zurück.

Eine der größten Herausforderungen, die sich der
Welt durch das Leiden in Ruanda stellt, ist die
Unterbrechung des Circulus vitiosus von Tod und
Vergeltung, die Milderung der demoralisierenden
Last kollektiver Schuld, die der ruandischen Gesellschaft auferlegt wurde, und das Aufzeigen von
Wegen zur Bestrafung dieses Genozids, um weitere
Genozide zu verhindern. Aus diesem Grund muß
die internationale Staatengemeinschaft unverzüglich
ein Kriegsverbrechertribunal für Ruanda einrichten,
das die für den Völkermord und andere Greueltaten
Verantwortlichen gegenüber ihren Opfern und der
internationalen Staatengemeinschaft zur Rechenschaft zieht.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
zusammen mit anderen Nationen energisch auf die
Gründung eines solchen Tribunals hin.
Die dem Morden in Ruanda und ähnlichen Konflikten
zugrundeliegenden ethnischen Spaltungen haben
einige zu der Fehleinschätzung verleitet, es handele
sich um Stammesfehden, deren tiefe historische
Wurzeln außerhalb der Reichweite von Justiz und
Diplomatie liegen. Der Genozid in Ruanda wurde in
der Tat von politischen Akteuren aus politischen
Gründen ausgelöst und ausgeführt. Ihrem Zynismus
und ihrer Brutalität muß jetzt mit den Prinzipien der
Rechenschaftspflicht und Gesetze begegnet werden.
Ein ermutigender Schritt war das jüngste Schreiben
der ruandischen Regierung an UN-Generalsekretär
Boutros Boutros-Ghali, in dem sie auf die unverzügliche Einrichtung eines internationalen Kriegsverbrechertribunals drängte. Die ruandischen Behörden
haben ihre Absicht bekräftigt, die Verfolgung von
Kriegsverbrechern auf absehbare Zeit dem internationalen Tribunal zu unterstellen.

AMERIKA DIENST 36

Es muß rasch gehandelt werden. Die erfolgreiche
Strafverfolgung wird die Anstifter des Völkermords
vom Schauplatz verbannen, Selbstjustiz und Racheakte abschrecken sowie den Ruandern - und ihren
Nachbarn in Burundi - das Vertrauen zum Wiederaufbau geschundener Gesellschaften geben.
Der UNO-Sicherheitsrat hat bereits ein internationales
Tribunal für das ehemalige Jugoslawien eingerichtet,
das Hunderte von Zeugenaussagen sammelt und den
Prozeß vorbereitet. Das Kriegsverbrechertribunal für
das ehemalige Jugoslawien kann den Lauf der
Gerechtigkeit in Ruanda fördern, indem es administrative Ressourcen und Personal sowie die Fähigkeiten der bereits eingerichteten Ermittlungs- und
Berufungskammern zur Verfügung stellt.
Wenn
solche Strukturen bereits vorhanden sind, könnte das
Tribunal für Ruanda zügig arbeiten. Sowohl das
jugoslawische als auch das ruandische Tribunal
benötigen zur Durchführung ihrer Arbeit eine angemessene Finanzierung.
Im vergangenen Monat
berief der Sicherheitsrat ein Expertengremium ein,
um den Völkermord in Ruanda zu untersuchen.
Während der Ausschuß seine Ermittlungen fortsetzt,
sollte der Rat offiziell ein Tribunal ins Leben rufen.
Obwohl die diplomatischen Schritte in den Hauptstädten von der Realität der Schlachtfelder Ruandas
und der Flüchtlingslager Zaires weit entfernt scheinen, sind sie für die Überlebenden von großem und
direktem Belang. Die Flüchtlinge werden nur nach
Hause zurückkehren und ihr zerrüttetes Leben wieder
aufbauen, wenn sie das ohne Angst vor Vergeltung
tun können. Den Einschüchterungskampagnen und
falschen Informationen in den Flüchtlingslagern über
unrechtmäßige Racheakte kann nur mit verläßlichen
Rechenschaftsberichten über die Situation in Ruanda
begegnet werden sowie einer glaubwürdigen Ver-

Seite 1

�pflichtung zu unparteiischer Gerechtigkeit, die
militärische Extremisten davon abhält, Gewalt zu
säen oder die leidenden Flüchtlingsmassen zu
terrorisieren.
Inzwischen muß die internationale Staatengemeinschaft Maßnahmen ergreifen, um in den ihrer Kontrolle unterstehenden Gebieten Beweismittel zu
sammeln und diejenigen festzunehmen, denen
glaubhaft eine Beteiligung am Völkermord nachgewiesen werden kann. Ferner besteht ein dringender Bedarf an Menschenrechtsbeobachtem. Die
US-Regierung hat bereits ihre Unterstützung zugesichert und fordert andere Nationen auf, ebenso
zu handeln.

Die größte Hoffnung auf eine Durchbrechung des
Teufelskreises von Genozid und Gewalt in Ruanda
liegt darin sicherzustellen, daß die Planer und Anführer dieses Gemetzels identifiziert, vor Gericht
gestellt und im Falle ihrer Verurteilung bestraft
werden. In einem Land so stark gespaltenen Land
wie Ruanda wird jedoch die Gerechtigkeit einer
Gemeinde wahrscheinlich als die Rache einer anderen betrachtet. Aus diesem Grund ist es die Aufgabe
der internationalen Staatengemeinschaft, unparteiische Urteile über Schuld und Unschuld der Hauptverantwortlichen des Völkermords zu sprechen, damit
das ruandische Justizwesen die Versöhnungsarbeit
fortsetzen kann.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 36

�AMERIKAS

STÄDTE
14. September 1994

DER NEW YORKER STADTTEIL HARLEM
von Guy Halverson
Der zum Bezirk Manhattan gehörende New Yorker Stadtteil Harlem war im Verlauf seiner Geschichte eine
Enklave für verschiedene ethnische Gruppen und Rassen. Heute befindet sich Harlem in einem Prozeß der
Erneuerung, und Geschäfte, das kulturelle Leben und die Gesellschaft florieren. Der nachfolgende Artikel blickt
auf drei Jahrhunderte der Geschichte Harlems zurück.
Der Verfasser ist Journalist beim Christian Science Monitor.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Christian Science Monitor.
Copyright (c) 1993 The Christian Science Publishing Society. Alle Rechte vorbehalten.

Harlem verändert sich - schon wieder!
Die Gemeinde Nordmanhattan (Bezirk New York
City) - während eines Großteils dieses Jahrhunderts
das intellektuelle und kulturelle Zentrum des schwarzen Amerika - erlebt einen Zustrom von Hispanoamerikanern und einigen Weißen, die sich in den
Randbezirken niederlassen.
Die Kriminalität ist zurückgegangen. Im vergangenen Jahrzehnt haben sowohl die Schwarzen als
auch die Weißen ihren Wohlstand ausreichend
vermehrt, so daß amerikanische Unternehmen in der
Gegend Geschäfte eröffnet haben oder entsprechende Möglichkeiten sondieren. Neue Kultur- und
Kunstprogramme erleben eine Hochblüte.
Gemeindevertretern zufolge vollzieht sich in Harlem
ein tiefgreifenderer Wandel als je zuvor in der
jüngeren Geschichte, vielleicht seit den zwanziger
Jahren. Anwohner und Demographen stellen fest,
daß sich in den Außenbezirken von Harlem eine
Mehrheit von Hispanoamerikanern angesiedelt hat,
obwohl das Zentrum weiterhin schwarz ist. Auch
wenn sie nicht die Mehrheit bildet, ist die hispanoamerikanische Gemeinde groß genug, um die
politische und kulturelle Identität Harlems zu verändern. Auch einige Weiße ziehen wieder in die
Gegend.
An den Grenzen des Bezirks werden einige Appartmenthäuser in Eigentumswohnungen umgewandelt
oder von Eigentümerzusammenschlüssen aufgekauft.

AMERIKA DIENST 36

Die sich in Harlem vollziehenden dramatischen
Veränderungen "sind vielleicht keine Renaissance wie
in den zwanziger Jahren und Anfang der dreißiger
Jahre, aber es handelt sich zweifelsohne um eine
größere Umstrukturierung", erklärt Walter Stafford,
Professor für Stadtplanung an der Wagner School of
Public Policy der New York University. "Es gibt eine
neue Erkenntnis, was getan werden kann."
Im vergangenen Jahr haben beispielsweise Ben &amp;
Jerry's Ice Cream und die britische Kosmetikkette
The Body Shop Geschäfte auf der 125. Straße,
Harlems von Osten nach Westen verlaufender
Hauptgeschäftsstraße, eröffnet.
"Durch den Verkauf bauen wir etwas auf", erläutert
Robert Triefus, Sprecher von The Body Shop. Im
Rahmen einer speziellen Vereinbarung gehen 50
Prozent des von dem Geschäft in der 125. Straße
erzielten Gewinns an die Gemeinde. Der verbleibende Gewinn wird zur Eröffnung neuer Geschäfte in
Gegenden mit niedrigen Einkommen verwendet.
Zu den amerikanischen Unternehmen, die in Hartem
Geschäfte aufmachen oder Berichten zufolge eine
solche Möglichkeit sondieren, zählen die Supermarktkette Pathmark, die Kaufhäuser Caldor and K-mart
Corporation und das Schiffa.hrtsunternehmen CIrcle
Line Tours.
"Wir konzentrieren uns jetzt auf zunehmende Geschäftsaktivitäten" anhand der strategischen Nähe
Harlems zum Zentrum Manhattans sowie aufgrund
der neuen Betonung der Stadtverwaltung des New

Seite 1

�Yorker Bürgermeisters David Dinkins (der im Januar
1994 durch Rudolph Giuliani abgelöst wurde), die
Gegenden in den Innenstädten zu entwickeln, erklärt
Wallace Ford, Kommissar für Geschäftsdienstleistungen von New York.
"Im vergangenen Jahr war eine Zunahme kleinerer
Geschäfte und einiger Ketten zu verzeichnen. Wir
sehen das als sehr vielversprechend an", stellt ein
Sprecher der Handelskammer von Großharlem fest.
Für Millionen Amerikaner beschwört das Wort
"Harlem" ein Gefühl der Geschichte herauf sowie die
enormen Herausforderungen der Armut in zahlreichen städtischen Zentren.
Trotz seiner Geschichte hat Harlem immer noch
keine offiziellen Grenzen. Einigen Stadtplanem
zufolge beginnt Großharlem - und die angrenzende
Nachbarschaft - ungefähr bei der 96. Straße.
Andere sagen, an der 110. Straße. Die meisten
Experten stimmen jedoch überein, daß sich Harlem
von der 125. Straße nordwärts zwischen den Flüssen Hudson und Harlem bis in die Nähe der George
Washington-Brücke bei der 178. Straße erstreckt.
Viele der größten Bauprojekte hier werden von der
Stadtentwicklungsgesellschaft Harlem (Harlem Urban
Development Corporation - HUDC) ausgeführt, einer
Behörde des Bundesstaates New York. Mehrere
Komplexe schießen in ganz Harlem in die Höhe,
darunter Harlem-on-the-Hudson und das Gatewayto-Harlem-Projekt im Norden des Central Park. Für
Donald Cogsville von der HUDC steht die Erneuerung Harlems in direkter Verbindung zu der Zunahme neuer, multifunktionaler Erschließungsprojekte,
bei denen Wohnungen, Geschäfte und Büroräume
unter einem Dach untergebracht sind. Und die
Projekte und Arbeitsplätze bedeuten einen Zustrom
neuer Familien, von denen viele entschieden wohlhabender sind als die bisherigen Anwohner. Angesichts dieser Anhebung des Lebensstandards
unterstreicht Stafford die Notwendigkeit sicherzustellen, daß die seit Jahren in Harlem lebenden Menschen Zugang zu ordentlichen Wohnungen haben.
Die Geschäftsmieten entlang der 125. Straße
"steigen und steigen", äußert Chaesoo Kim, Direktor
des koreanisch-amerikanischen Wirtschaftsverbands
von Harlem. (Es befinden sich 40 bis 50 koreanische Geschäfte in der Gegend).
"Für die meisten Afroamerikaner ist es fast unmöglich, ein Haus in Harlem zu kaufen", stellt Horace
Carter fest, Präsident und Gründer der Emanuel
Pieterson Historischen Gesellschaft, einer Vereinigung zur Gebietserhaltung. Trotz all seiner Herausforderungen ist Harlem ein interessanter und aufre-

Seite 2

gender Wohnort, so der seit langem ansässige
Carter.
Ursprünglich war "New Harlem" ein um 1600 von
Peter Stuyvesant, dem Gouverneur von New Amsterdam, gegründetes Dorf, das später New York
wurde. Nachdem die Briten Ende 1600 die Kontrolle
übernommen hatten, wurde Harlem eine Ansiedlung
von Bauernhöfen. Anfang des 20. Jahrhunderts war
Harlem vornehmlich von Deutschen und deutschen
Juden bewohnt, obwohl es einige Iren, Skandinavier
und, weiter im Osten, Italiener gab. In Ostharlem
hatte sich die größte Gemeinde von Italoamerikanem
in Nordamerika niedergelassen, die bis ungefähr
1930 dort ansässig blieb. Tausende Italoamerikaner
leben immer noch in Enklaven in der Nähe der 116.
Straße, Tür an Tür mit puertoricanischen und anderen hispanoamerikanischen Gemeinden.
Nach dem Ersten Weltkrieg zogen viele Afroamerikaner erstmals in nördlich des Central Park gelegene
Gebiete, teilweise "wegen der großen Zahl zur
Verfügung stehender Wohnungen", so Frank Vardy,
Demograph in der Bevölkerungsabteilung der Stadtverwaltung von New York. (In Harlem gibt es immer
noch den meisten freien Wohnraum Manhattans). Zu
Beginn dieses Jahrhunderts war die Gemeinde der
Schwarzen in New York Vardy zufolge vorwiegend
auf der Westseite Manhattans angesiedelt. Die
Bewegung schwarzer Familien nach Norden wurde
zu einem Strom, als die wichtigen Kirchen für
Schwarze sich im Norden niederließen.
Die zwanziger Jahre waren für die in Harlem lebenden Afroamerikaner das Goldene Zeitalter, symbolisiert von Jazzstars wie Duke Ellington, Fletcher
Henderson und Cab Calloway. Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler wie Längsten Hughes, W. E. B.
DuBois und Paul Robeson lebten hier. Zu dieser Zeit
war die 125. Straße in rassischer und ethnischer
Hinsicht integriert.
"Die Straße war von Kinos und Varietötheatern
gesäumt, die vor allem von jüdischen Familien
besucht wurden, von guten Restaurants und zahlreichen Läden; die Nachtclubs wurden von vielen
Weißen aufgesucht", erinnert sich ein in den zwanziger Jahren in der 125. Straße wohnender Mann.
"Fast alle kamen gut miteinander aus. Die 125.
Straße war voller Leben."
Als die Afroamerikaner kamen, verließen die Weißen
die Gegend. "Das jüdische Harlem" verschwand
praktisch. Aber noch 1950 hatte Großharlem, einschließlich des Gebiets um die Columbia University,
eine 52prozentige Mehrheit weißer Einwohner. 1960
hatte sich das Blatt gewendet: In Harlem lebten 53
Prozent Schwarze sowie eine vorwiegend im Osten

AMERIKA DIENST 36

�Harlems angesiedelte hispanoamerikanische Minderheit von 18 Prozent. Die Gesamtbevölkerung
Harlems nahm stetig ab. Aber nicht nur die Weißen
gingen; Tausende von afroamerikanischen Familien
der Mittelschicht und akademischen Berufe zogen
aus Harlem weg, und die größte Gemeinde von
Schwarzen in New York ist jetzt in Brooklyn zu
finden.
"In den letzten 20 Jahren hat die Bevölkerung von
Harlem immer stärker abgenommen", so David
Reimers, Historiker an der New York University.
Inzwischen kommen aber Menschen jedes ethnischen Hintergrunds wieder zurück.
"Die Volkszählung von 1990 weist erstmals seit 1950
wieder einen Bevölkerungsanstieg in Harlem und
Umgebung aus", erklärt Cogsville von der HUDC. In
Teilen der oberen Westseite von Manhattan und in
Ostharlem ist der Anteil der Afroamerikaner auf 42
Prozent gesunken, der der Weißen von 14,5 Prozent
im Jahr 1980 auf 15 Prozent angestiegen, die
Asiaten ziehen fort. Die Wachstumsrate der Hispanoamerikaner schnellt jedoch in die Höhe.
"In einigen Jahren werden die Hispanoamerikaner in
Harlem und Umgebung eindeutig die Mehrheit
ausmachen", so Carter.
Einflußreiche Schwarze sind davon überzeugt, daß
Harlem auch in Zukunft hauptsächlich von Af roameri-

*

AMERIKA DIENST 36

*

kanem bewohnt sein wird. Die demographische
Entwicklung läßt darauf schließen, daß das vielleicht
nur im innersten Kern von Harlem der Fall sein wird.
Selbst im Zentrum Harlems, wo die Schwarzen seit
den dreißiger Jahren die Mehrheit ausmachen, lassen
sich die Hispanoamerikaner in beträchtlicher Zahl
nieder.
Der Anstieg der hispanoamerikanischen Bevölkerung,
der auch viele Einwanderer aus der Karibik angehören, ist ein Faktor für den jüngsten Anstieg der Armut.
Ungefähr 30 Prozent aller in Harlem lebenden
Familien erhalten staatliche Unterstützung, so James
Davis von der HUDC. Dennoch ist das Einkommen
insgesamt angestiegen, was teilweise den allgemeinen Anstieg des Lebensstandards widerspiegelt. Im
Zentrum von Harlem erhöhte sich die Zahl der
Haushalte mit einem Einkommen zwischen 20.000
und 50.000 Dollar von 11,6 Prozent im Jahr 1980 auf
über 32 Prozent 1990; die Zahl der Familien mit
einem Einkommen über 50.000 Dollar nahm einem
Bericht der HUDC zufolge von einem Prozent 1980
auf 10 Prozent 1990 zu.
Die Verbrechensrate sinkt ebenfalls, insbesondere in
den von den Haupteinkaufszentren entfernt gelegenen Gebieten. Im 30. Polizeirevier an der 151.
Straße West fiel die Anzahl der Morde von 46 im
Jahr 1991 auf 26 im Jahr 1992. Raubüberfalle,
tätliche Angriffe und Autodiebstähle nahmen ebenfalls
ab.

*

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12193">
                <text>14.09.1994</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12194">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12195">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12196">
                <text>Amerikadienst 14.09.1994</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12197">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gore betont amerikanisches Engagement für Deutschland und Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Vizepräsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Der Abschied&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Christopher erinnert an die Berliner Luftbrücke von 1948&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache vo dem Luftbrückendenkmal&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Christopher würdigt Leistungen der alliierten Streitkräfte in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede im Berliner Schauspielhaus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Bevölkerung&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Kairo erörtert Nord-Süd-Probleme und Ethik-Fragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überwindung letzter Hindernisse&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Amerikaner für Eindämmung des Bevölkerungswachstums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die öffentliche Meinung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;4. Nordkorea&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;USA dringen auf Dialog zwischen Nord- und Südkorea&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gespräche zwischen Christopher und Han&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;5. Kriegsverbrechen&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ein Tribunal für die Gerechtigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Shattuck&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2966" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2806">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ce8e8a886b6ebc6d296ee49f654e8779.pdf</src>
        <authentication>04d377ea3934a58059741c29044abec4</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15775">
                <text>Amerikadienst 14.10.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15776">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15777">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15778">
                <text>14.10.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15779">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20416">
                <text>&lt;strong&gt;1. Medizin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Erfolge im Krieg gegen die Malaria&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Beiträge der UdSSR zu den UN-Hilfeprogrammen sind nach wie vor gering&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Architektur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Glashaus und Schirmdach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der New Yorker Flughafen Idlewild besitzt ein neues modernes Abfertigungsgebäude&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kulturnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Museum of Modern Art zeigt "visionäre Architektur"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Film und Fernsehen werden Partner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Theatertournee für Europa geplant</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="4153" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="3611">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/620c9eee8e14a6f98930a4e6a9fed21e.pdf</src>
        <authentication>a5ee13e3c69b89ada7e0f047dd7f4411</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19917">
                <text>Amerikadienst 14.10.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19918">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19919">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19920">
                <text>14.10.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19921">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20253">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Präsidenten zum strategischen Programm der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA planen "Revitalisierung" der strategischen Streitkräfte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden kein Versiegen des saudi-arabischen Ölflusses zulassen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 1. Oktober 1981 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger erläutert Dokumentation über sowjetische Militärmacht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers am 29. September -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Botschafter Burns erläutert die Wirtschaftspolitik der Reagan-Administration&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, am 1. Oktober 1981 vor der Atlantik Brücke in Düsseldorf -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
