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AMERIKA DIENST

^

#

^7-ioN ^

39

4 . November 1987

I N H A L T

Dokumentation
Gipfeltreffen am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten
- Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite

Reagan fuhrt INF-Fortschritte auf "Zusammenhalt* des
Bündnisses zurück
- Rede des Präsidenten in West Point -

Wissenschaft und Technik
Drogen:

Der Konsument macht sich strafbar

- Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
"VON

^

Dokumentation

39

4. November 1987

GIPFELTREFFEN AM 7. DEZEMBER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite -

WASHINGTON - (AD) - Einer am 30. Oktober 1987 in Washington veröffentlichten gemeinsamen Erklärung zufolge werden sich Präsident Reagan und der
sowjetische Staatschef Gorbatschow am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten
treffen.
Der Erklärung ist zu entnehmen, daß beide Spitzenpolitiker die "gesamte
Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen" behandeln und "den Vertrag
über die vollständige Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittel- und
Kurzstreckenraketen unterzeichnen".
Nachfolgend veröffentlichen wir diese Erklärung im Wortlaut:
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow bauen auf den in
den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
erzielten
Fortschritt, einschließlich des Austauschs auf höchster
Ebene
und
den
Diskussionen
zwischen
den
Außenministern
Schewardnadse
und
Shultz
in
Washington vom 30. Oktober sowie auf
ihre Gespräche in Moskau, und sie haben vereinbart, ab dem 7. Dezember
1987 in Washington zusammenzutreffen.
Der Präsident und der Generalsekretär messen der Abhaltung eines be-

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deutsamen Treffens größte Bedeutung
bei, das die gesamte Bandbreite von
den zwischen beiden Ländern bestehenden Problemen behandelt - Rüstungsreduzierungen, Menschenrechte und humanitäre
Angelegenheiten,
Beilegung
regionaler Konflikte und bilaterale
Beziehungen - und beim gesamten Spektrum dieser Probleme Fortschritte erzielt.
Beide Seiten haben sich auf einen
Aktionsplan für die weitere Entwicklung
des
amerikanisch-sowjetischen
Dialogs geeinigt, der die nachfolgend

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�genannten Punkte umfaßt.
Sie haben vereinbart, so bald wie
möglich den Vertrag über die vollständige
Abschaffung
amerikanischer
und
sowjetischer Mittel- und Kurzstreckenraketen zu schließen.
Bei ihrer Zusammenkunft in den
Vereinigten Staaten werden der Präsident und der Generalsekretär zusätzlich zur Überarbeitung der gesamten
Bandbreite
amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen, den Vertrag über die
vollständige
Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer Mittel- und
Kurzstreckenraketen
unterzeichnen;
das Programm für künftige Kontakte
zwischen den Spitzenpolitikern beider
Länder festlegen und eingehend die
Erarbeitung von Instruktionen an Delegationen erwägen - für einen zukünftigen Vertrag über den 50prozentigen Abbau amerikanischer und sowjetischer Offensivwaffen und die Beachtung und Beibehaltung vom ABM-Vertrages während eines vereinbarten Zeitraums.
Der Präsident und der Generalsekretär planen ein weiteres gemeinsames
Treffen in der ersten Hälfte des Jahres 1988 in der Sowjetunion, bei dem
ebenfalls Fortschritte bei der gesamten
Bandbreite
amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen
erzielt
werden
sollen.
Aus diesem Grunde werden
beide Seiten am baldigen Abschluß eines Vertrages arbeiten, der die Vereinbarung
zum
50prozentigen
Abbau
strategischer Offensivwaffen verwirklicht und beim Besuch des Präsidenten
in Moskau unterzeichnet werden könnte.
Die Außenminister
Schewardnadse
und Shultz werden eng zusammenarbeiten, um eingehende und schnelle Vorbereitungen des bevorstehenden Gipfeltreffens in Washington sicherzustellen.
* * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

39

4. November 1987
REAGAN FÜHRT INF-FORTSCHRITTE AUF "ZUSAMMENHALT" DES BÜNDNISSES ZURÜCK
- Rede des Präsidenten in West Point -

WEST POINT - (AD) In einer Ansprache vor Kadetten der amerikanischen Militärakademie in West Point hat Präsident Reagan am 28. Oktober 1987 die "bedeutenden positiven Schritte" in Richtung auf ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Mittelstreckenwaffen (INF) als unmittelbares Ergebnis des "Zusammenhalts" innerhalb der NATO bezeichnet. Reagan erklärte darüber hinaus, er
sei bereit, die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen "fortzusetzen und zu
intensivieren", fügte aber gleichzeitig hinzu, ein Gipfeltreffen sei "keine
Voraussetzung für Fortschritte bei der vorliegenden Tagesordnung".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache des Präsidenten in ihren wesentlichen Auszügen:

Von Anbeginn hat unsere Administration darauf bestanden, die Beziehungen dieses Landes zur Sowjetunion
auf Realismus, nicht auf Illusionen
zu gründen. Dies mag wie eine Binsenwahrheit klingen, aber bei unserem
Amtsantritt bedurfte der historische
Hintergrund
einer
Neuformulierung.
Und diese Neuformulierung nahmen wir
vor.
Wir sagten die Wahrheit über die
massive sowjetische Aufrüstung.
Wir
sagten die Wahrheit über Afghanistan
und Polen. Wir sagten die Wahrheit

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über Wirtschaftswachstum und Lebensstandards - daß nicht die Demokratien
von
rückständigen
Volkswirtschaften
geprägt sind und daß nicht der Westen
tatsächlich von einem Rückgang der
Lebenserwartung betroffen ist.
Wir
sagten die Wahrheit über den moralischen Unterschied zwischen ihrem System und unserem.
Beim Amtsantritt meiner Administration waren die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten im Verfall begriffen.
Heute ist die Situation
eine gänzlich andere. Besoldung und

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�Ausbildung unserer Streitkräfte sind
beträchtlich verbessert.
Die Marine
wurde ausgebaut. Waffensysteme aller
Art wurden
aufgrund
der
neuesten
technologischen Erkenntnisse modernisiert. Als Ergebnis unserer Bemühungen werden Sie die Einführung von
über
400
neuen
Systemen
erleben.
Außerdem haben wir mit den Arbeiten
für einen dramatischen Neuanfang bei
militärischer
Strategie
wie
auch
Technologie begonnen. Unsere Strategische Verteidigungsinitiative bietet
die Hoffnung, ballistische Raketen
überflüssig zu machen und gleichzeitig die Abschreckung sicherzustellen,
indem sie unser Leben schützt, nicht
bedroht.
Kurz gesagt: wir
haben
Schwäche durch Stärke ersetzt.
Vor diesem Hintergrund möchte ich
mich nun der speziellen Thematik zuwenden. Die Tagesordnung unserer Beziehungen zur Sowjetunion hat sich
auf vier entscheidende Bereiche konzentriert: Erstens, die Menschenrechte, weil wir als Amerikaner uns der
Freiheit verpflichtet fühlen; zweitens, auf dem Verhandlungsweg herbeigeführte Lösungen regionaler Konflikte; drittens, Ausbau der Kontakte
zwischen unseren Völkern und viertens, die Rüstungskontrolle.
In einigen Bereichen dieses vierteiligen Programms haben wir Fortschritte
erzielt.
Auf
kultureller
und wissenschaftlicher Ebene sowie in
anderen Bereichen hat der bilaterale
Austausch seit meinem Genfer Treffen
mit Herrn Gorbatschow im Jahr 1985
einen dramatischen Aufschwung erfahren.
Bei den Menschenrechten waren
ebenfalls
positive
Entwicklungen
wahrzunehmen.
Einige politische Gefangene
sind
freigelassen
worden.
Die Zahl der Ausreisenden ist etwas
angestiegen. Und natürlich redet man
in der Sowjetunion über Reformen über eine zunehmend großzügige Ausle-

gung sowjetischer Gesetze und Wirtschaftsreformen, die der Initiative
des Einzelnen größeren Auftrieb verleihen könnten.
Wir hegen keine Illusionen. obwohl im sowjetischen System ein Wandel
stattgefunden
hat, bleibt das
nicht von demokratischen Institutionen
kontrollierte
Einparteiensystem
intakt. Dennoch begrüßen wir die erfolgten Veränderungen.
Und wir fordern sie auf, noch mehr Veränderungen
vorzunehmen.
Bei den regionalen Konflikten ist
die sowjetische Haltung hingegen besorgniserregend.
Wer nach Beweisen
für den anhaltenden Expansionismus ja Imperialismus - der Sowjets sucht,
braucht nicht weiter als nach Nicaragua oder Afghanistan zu blicken. Wir
verfolgen bei diesen regionalen Konflikten eine gradlinige Politik. Wir
werden weiterhin gemeinsam mit den
Sowjets versuchen, politische Lösungen für regionale Konflikte zu erarbeiten - Lösungen, mit denen ausländische Truppen abgeschafft und das
Schicksal von Nationen in die Hände
ihrer
eigenen Völker
zurückgegeben
wird.
In Nicaragua unterstützen wir
den Friedensplan, wie er im vergangenen August von den Präsidenten Mittelamerikas vereinbart wurde und der
auf der Einführung einer vollständigen und echten Demokratie in Nicaragua besteht.
Darüber hinaus müssen
die Streitkräfte des Ostblocks und
Kubas dieses Land verlassen: das ist
zur Sicherung unserer eigenen Sicherheit unerläßlich.
Was den demokratischen Widerstand
in Nicaragua betrifft, so hat er
jetzt seit sieben Jahren Jahr für
Jahr gekämpft, Opfer gebracht und gelitten. Es sind die Widerstandskämpfer - tapfere, vielfach noch jugendliche Mitglieder des Widerstandes -

- 2 -

�die verhindert haben, daß die kommunistischen
Sandinisten
ihre
Macht
festigen konnten und die sie zum gegenwärtigen
Friedensplan
gezwungen
haben. Es sind, kurz gesagt, die Widerstandskämpfer, die Nicaragua wenigstens eine Chance für echte Freiheit gegeben haben.
Ich weiß, daß Sie, meine Freunde,
mir zustimmen werden, wenn ich sage,
daß wir diese tapferen Männer und
Frauen, diese Soldaten, nicht aufgeben dürfen.
Ich möchte Ihnen versprechen, daß Nicaragua seine Freiheit erhalten wird, und wir werden
dem Widerstand bei der Fortführung
seines tapferen Kampfes helfen, bis
die Freiheit sicher ist.
Damit komme ich zum letzten Punkt
unseres Programms amerikanisch-sowjetischer Beziehungen und Rüstungskontrolle. In diesem Bereich stehen wir
mit unserem Realismus und unserem
Einsatz kurz vor der Hervorbringung
historischer
Ergebnisse.
Im
Jahr
1977 haben die Sowjets zum ersten Mal
ihre SS-20 stationiert.
Die „SS-20
stellte eine qualitativ neue und unprovozierte Bedrohung gegenüber unseren Freunden und Verbündeten dar, sie
ist eine Nuklearrakete mit drei Gefechtsköpfen, die binnen Minuten nach
ihrem Abschuß Westeuropa und einen
Großteil Asiens erreichen kann. Sie
erinnern sich, daß die NATO über keine vergleichbare Waffe in ihrem Arsenal verfügte, mit der dieser neuen
Streitmacht begegnet werden konnte.
Bis 1979 hatten die Sowjets etwa
130 INF-Raketen mit 390 Gefechtsköpfen
stationiert.
Generalsekretär
Breschnew erklärte, "jetzt besteht
ein Gleichgewicht".
Im März 1982
verkündeten sie ein "Moratorium" für
die Stationierung neuer INF-Raketen
in Europa.
Aber dabei handelte es
sich nur um ein Täuschungsmanöver,

und bis August 1982 war die Zahl sowjetischer INF-Raketen auf über 300
mit mehr als 900 Gefechtsköpfen angestiegen.
Wie reagierte nun der Westen darauf?
1977
nahm
Bundeskanzler
Schmidt eine Führungsrolle bei der
Forderung
nach
der
Stationierung
NATO-eigener INF-Raketen ein, um dieser neuerlichen sowjetischen Bedrohung entgegenzutreten. Und im Dezember 1979 traf die NATO ihren Doppelbeschluß.
Erstens würden die Vereinigten Staaten mit den Sowjets verhandeln und versuchen, sie zum Abzug
ihrer SS-20 zu bewegen.
Zweitens würden die Vereinigten
Staaten, solange die Sowjets dies
verweigerten, eine begrenzte Anzahl
ihrer eigenen INF-Raketen - Pershing
II und landgestützte Marschflugkörper
- in Europa stationieren.
Es ist muß betont werden, daß das
Ziel dieser Entscheidung nicht die
Stationierung amerikanischer Raketen
an sich war. Sie war nur ein Mittel
zum Zweck. Um den zur Zeit des NATODoppelbschlusses amtierenden französischen
Präsidenten Valery Giscard
d'Estaing zu zitieren, war " ... die
Stationierung der Pershing II in Europa ... eine taktische Übung mit dem
wünschenswerten Ziel, die Sowjets zum
Abbau ihrer SS-20 zu zwingen".
Ohne Zweifel wollten die Sowjets
die Entschlossenheit der NATO testen.
Und wahrhaftig mußte die Stationierung unserer INF-Raketen trotz scharfer politischer Proteste und sogar
Massendemonstrationen erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Bonner
Rede von 1982. Tausende von Demonstranten marschierten mit Sprechchören auf. Und ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren: Welche Iro-

- 3 -

�nie.
Dies alles, die Stationierung
der Raketen, gegen die sie demonstrierten, geschah doch zur Sicherung
des Friedens, nach dem sie strebten
und der Freiheit, in der sie lebten.
Dennoch hielt die NATO fest zusammen.
Angesichts der von uns demonstrierten stärke, mit der wir,
wenn dies erforderlich werden sollte,
die Glaubwürdigkeit unserer Abschrekkungshaltung
sichern würden, indem
wir auf Gewalt mit Gewalt reagieren,
kehrten die Sowjets schließlich an
den - zuvor verlassenen - Verhandlungstisch zurück und nahmen ernsthafte Gespräche über die Möglichkeit
des Abzugs ihrer eigenen INF-Raketen
auf.
Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß das in greifbare Nähe gerückte Abkommen auf dem Vorschlag basiert, den die Vereinigten Staaten in
Konsultation mit ihren Verbündeten im
Jahr 1981 vorgelegt haben - der NullLösung.
Mit der Null-Lösung wird
ganz einfach die Abschaffung dieser
gesamten Kategorie amerikanischer und
sowjetischer INF-Raketen gefordert.
Diesem
Abkommen zufolge werden
die Sowjets viermal soviele nukleare
Gefechtsköpfe abbauen müssen wie die
Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
müssen die Sowjets nicht nur ihr gesamtes Arsenal an SS-20 und SS-4,
sondern auch ihre Kurzstreckenraketen
der Typen SS-12 und SS-23 verschrotten. Wie ich bereits sagte, werden
all diese Raketen abgeschafft. Aber
wie werden wir wissen, daß die Sowjets ihre Raketen wirklich verschrottet haben? Wie Sie wissen, haben die
Sowjets bereits ein langes Register
von Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen.
Offen
gesagt,
zweifeln wir an ihren Worten.
Ich stimme zu, daß jeder Vertrag

eine wirksame Verifizierung vorsehen
muß,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen von Einrichtungen vor und während der Reduzierungen sowie kurzfristig anberaumte Inspektionen im Anschluß daran. Insgesamt gesehen sind
die von uns vorgelegten Verifizierungsmaßnahmen die einschneidendsten
in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen.
Ich werde mich
nicht mit weniger zufrieden geben.
Gleichzeitig mit den Fortschritten bei INF haben wir einschneidenden
Reduzierungen bei amerikanischen und
sowjetischen
strategischen
Waffen
höchste
Priorität
beigemessen.
Selbst Herr Gorbatschow hat strategische Waffen als die "Wurzel des Problems"
der
Rüstungskontrolle
beschrieben und wir stimmen mit ihm
überein. Aus diesem Grund haben wir
die Verhandlungen über strategische
Waffen in Genf vorangetrieben.
Bei
unserem Vorschlag, die strategischen
Arsenale um die Hälfte zu reduzieren,
sind große Fortschritte erzielt worden. Die Sowjets müssen jedoch aufhören, Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen als Faustpfand
für Maßnahmen einzusetzen, die unser
SDI-Programm zunichte machen würden insbesondere, da die Sowjets bereits
Milliarden für ein eigenes strategisches Verteidigungsprogramm ausgeben.
Und das bringt mich zu den Ereignissen der letzten Woche in Moskau.
wie Außenminister shultz berichtete, hat er mit Außenminister Schewardnadse
und
Generalsekretär
Gorbatschow lebhafte, zum Teil sogar
erhitzte Diskussionen geführt.
Das
war keine Überraschung.
Die ganze
Bandbreite der Themen auf unserer Tagesordnung wurde abgedeckt.
Es wurden wichtige Schritte in Richtung auf
ein
INF-Abkommen
unternommen
und
Fortschritte auch in anderen Berei-

- 4 -

'

�chen erzielt, nicht nur bei der Rüstungskontrolle.
Wie ich heute bereits bekanntgegeben habe, wird Aussenminister Schewardnadse am 30. Oktober nach Washington kommen und zur
Fortsetzung dieser Gespräche mit mir
und Außenminister
Shultz zusammentreffen.
Lassen Sie mich wiederholen, was
ich bereits gesagt habe. Für die politisch Verantwortlichen und für Nationen können Gipfeltreffen nützlich
sein - Gelegenheiten zu offenen Gesprächen und eine Brücke für bessere
Beziehungen. Es wäre gut, wenn Herr
Gorbatshow unser Land einmal selbst
sehen könnte. Ich bin zu einer Fortführung
und Intensivierung
unserer
Verhandlungen bereit, aber ein Gipfeltreffen ist nicht die Voraussetzung für Fortschritte bei der vorliegenden Tagesordnung.
Wenn der Generalsekretär zu einem
Besuch der Vereinigten Staaten bereit
ist, werden ich und das amerikanische
Volk ihn willkommen heißen.
Wir dürfen nicht vergessen, daß
wir an diesem Punkt nur als stabiles
Bündnis angelangt sind - ein Bündnis,
das sich aus der NATO, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk zusammensetzt. Wenn wir weiterhin echte Ergebnisse sehen und die Sowjets von
ernsthaften Verhandlungen überzeugen
wollen, muß dieser Zusammenhalt fortbestehen.
Einige haben das Argument vorgebracht, wenn die INF-Raketen abgebaut
sind, hätte sich unsere Verpflichtung
gegenüber Europa abgeschwächt.
Dies
ist jedoch schlicht unrichtig.
Wir halten unsere uneingeschränkte Verpflichtung gegenüber der NATOStrategie aufrecht, Aggressionen auf
jeder Ebene abzublocken.
In Europa

selbst werden wir eine große Anzahl
von Nuklearwaffen unterschiedlichster
Kategorien
stationiert
lassen, bis
hin zu landgestützten Systemen - sowie Flugzeugen
und
Unterseebooten,
die als Trägersysteme für Nuklearwaffen eingesetzt werden können. Und in
Konsultationen mit unseren NATO-Partnern sind wir übereingekommen, daß
weitere Reduzierungen von Nuklearwaffen nur im Zusammenhang mit erheblichen Fortschritten im Kräfteverhältnis bei den chemischen und konventionellen Streitkräften stattfinden können.
Im
Verlauf
dieser
jahrelangen
Verhandlungen
sind neue Realitäten
ins Spiel gekommen - neue Realitäten,
die
neue
Möglichkeiten
eröffnen.
Insbesondere konnten wir in jüngster
Zeit
das
Entstehen
einer
Bereitschaft, ja sogar eines gewissen Eifers unter einigen unserer europäischen Verbündeten beobachten, bei der
Bereitstellung ihrer eigenen Verteidigung eine größere und besser koordinierte Rolle zu spielen. Wir Amerikaner begrüßen dies.
In den vergangenen vier Jahrzehnten hat 3ie NATO in der Tat ein Bündnis zwischen einer Vielzahl von Partnern und einem sehr überlegenen Partner verkörpert.
Heute jedoch haben
unsere europäischen Verbündeten sich
aus den Ruinen des Krieges zu neuer
Lebensfähigkeit, Wohlstand und wachsender Einheit als ein Kontinent erhoben.
Und deswegen möchte ich unterstreichen, daß das Bündnis jetzt
mehr und mehr zu einem Bündnis zwischen gleichen Partnern und tatsächlich
zwischen
Kontinenten
werden
sollte. Um die Worte des ehemaligen
Außenministers Henry Kissinger zu zitieren, ist es an der Zeit für unser
Land, " ... den Gedanken einer europäischen Identität bei der Verteidung
zu begrüßen, der letztlich die atlan-

- 5 -

�tische Zusammenarbeit anspornen muß".
Dies also ist die Abrechnung, die
ich
Ihnen
heute
vorlegen
wollte.
Denn, meine Damen und Herren in West
Point, ich glaube, das ist es - eine
Abrechnung - die wir, die politisch
Verantwortlichen im zivilen Bereich
Ihnen, die die Last unserer Entcheidungen zu tragen haben, von Zeit zu
Zeit schulden.
Aber ich bin nicht nur hierhergekommen, um Ihnen Informationen zu geben. Ich bin auch gekommen, um Hilfe
von Ihnen zu erbitten.
Wenn wir ein INF-Abkommen mit den
Sowjets erzielen, wenn seine Bestimmungen erfüllt und die INF-Raketen
vernichtet worden sind, werden Sie
Ihren Posten als Zugführer und Truppenkommandeure einnehmen - und selbst
dann, wenn ich und die anderen Mitglieder
der Administration
bereits
für einige Jahre ihr Amt niedergelegt
haben werden, steht
Ihre Karriere
erst am Anfang.
ich bitte Sie daher, die Zukunft
der Republik zu bewahren. Setzen Sie
den Mut und die Festigkeit ein, die
diese Akademie Sie beim Umgang mit
Ihren Gegnern lehrt.
Benutzen Sie
all Ihre Gechicklichkeit als Soldaten
und Ihren guten willen als Amerikaner, um die wachsende Beziehung mit
unseren Freunden und Verbündeten zu
erhalten und zu fördern.
Und verleugnen Sie nie - niemals - die Werte, für die diese Akademie und unser
Land stehen: Pflicht. Ehre. Vaterland.
Als Oberbefehlshaber war ich in
den vergangenen sieben Jahren immer
wieder von der hohen beruflichen Qualifikation unserer Offiziere und dem
Pflichtbewußtsein der Soldaten beeindruckt, die ich bei Geländeübungen

getroffen habe. Aber derjenige, der
mich am tiefsten beeindruckt hat, ist
ein
Angehöriger
des
amerikanischen
Heeres, den ich nie persönlich kennengelernt habe.
Er hieß Sean Luketina und war 23
Jahre alt. Er hatte nicht das Privileg, diese Akademie besuchen zu dürfen. Er war ein Feldwebel, ein Soldat, wie diejenigen, über die Sie das
Kommando führen werden.
In diesem Monat, im Oktober vor
vier Jahren, kämpfte Sean Luketina
bei der Invasion von Grenada.
Er
wurde verwundet - schwer verwundet.
Er wurde in ein Krankenhaus in Puerto
Rico evakuiert, wo sein Vater, ein
Heeresoffizier im Ruhestand, ihn besuchte.
Immer wieder verlor er das
Bewußtsein.
In einem Moment, in dem
er bei Bewußtsein war, fragte ihn
sein Vater: "Sean, war es das wert?"
"Ja, Vater," antwortete er.
Und dann fragte sein Vater ihn:
"Würdest Du es wieder tun, mein Sohn?"
Feldwebel Luketina sah seinem Vater in die Augen und sagte nur: "Zum
Teufel, ja, Vater."
Pflicht.
Ehre.
Vaterland.
Sean Luketina starb für die Sache, der die Armee dieser Republik
stets gedient hat, vom Hunger und
blutgetränkten Schnee in Valley Forge
bis hin zu der schweren Bürde der
Wachsamkeit an den Grenzen Deutschlands und Koreas. Es ist die Sache
des Lebens, wie Gott das Leben vor bestimmt hat.
Es ist die Sache der
menschlichen Freiheit.
Und so erklingen noch heute die
stolzen Worte wie vor 25 Jahren,
ebenso wie sie in dieser Akademie
noch in 25 Jahren erklingen werden,

�und 25 Jahre danach.
Vaterland.

Pflicht.

Ehre.

Erlauben sie mir die Bemerkung,
daß ich heute etwas empfinde, das
auch General MacArthur empfunden haben muß. Ihre Jugend, ihr Optimismus
geben mir Stärke. Und wenn ich auf
Ihre jungen Gesichter blicke, fühle
ich mich wie jemand, der von der Bühne abtritt, noch fast bevor Sie Ihren
ersten Auftritt hatten - in meinem
Herzen hege ich großes Vertrauen in
die Zukunft unseres Landes. Denn ich
weiß, daß Sie die Zukunft verteidigen
werden.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Wissenschaft und Technik

&lt;&amp;

04. November 1987

39

DROGEN:

DER KONSUMENT MACHT SICH STRAFBAR

Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze
WASHINGTON - (AD) - Immer mehr amerikanische Bundesstaaten gehen dazu
über, den Gebrauch von Rauschgiften ebenso unter Strafe zu stellen wie den
Handel mit Drogen. In drei Staaten sind bereits Gesetze in Kraft, denenzufolge z.B. bei Personen unter 21 Jahren der Besitz von Alkohol oder illegalen
Drogen automatisch zum Entzug des Führerscheins für ein Jahr führt. Die Gerichte von New York gehen dazu über, Kraftfahrzeuge von Personen zu beschlagnahmen, die beim Kauf von Kokain in allen seinen Handelsformen erwischt werden.
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen müsse in der Öffentlichkeit klipp
und klar gesagt werden, daß die Konsumenten für ihr Handeln selbst verantwortlich seien, erklärte Dr. Ian Macdonald, der Sonderberater Präsident Reagans
für Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs.
Dr. Macdonald erörterte die erweiterte Offensive der Vereinigten
Staaten im Kampf gegen Rauschgift mit
Experten aus juristischen, medizinischen und sozialen Berufen sowie mit
Journalisten im Rahmen einer Fernsehsatellitenübertragung des USIA-Worldnet-Programms
(Washington).
Angeschlossen waren Stationen in Bogota,
Caracas, Mexico City und Santo Domingo.
Während bei Personen, die keine
Drogen
nehmen, Vorbeugungsund Aufklärungsmaßnahmen am wirksamsten zu
sein
scheinen, dürften Konsumenten

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von Rauschgift eher auf persönliche
Verluste, Strafverfolgung und Kritik
im sozialen Umfeld reagieren.
Immer
deutlicher zeige sich, daß "wir es
uns nicht länger leisten können, bei
anderen Drogenkonsum zu dulden", sagte Macdonald.
Und immer mehr setze
sich die Erkenntnis durch, daß man
selbst Verantwortung mittrage, wenn
man einem anderen weiterhin
freie
Hand lasse, durch sein Verhalten sich
selbst oder seine Familie, seine Firma oder sein Land zu gefährden.
Umfragen

aus

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jüngster

Zeit

in

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�amerikanischen Familien und bei Oberschlülern deuten auf eine abflachende
Kurve für Einsteiger in den Kokainkonsum hin. Jedoch gebe es auch Anzeichen dafür, daß unter den schätzungsweise 12 Millionen Menschen, die
innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten Kokain nahmen, mehr als früher
dies regelmäßig und unter Gebrauch
größerer Mengen tun. Auch werde, so
Macdonald, über ernstere Folgen für
die Gesundheit berichtet - Notaufnahmen in Krankenhäuser, Eingliederung
in Therapieprogramme, bis hin zu Todesfällen.

großer Erfolg beschieden sein", meinte Dr. Macdonald.

Aus
dieser
Entwicklung
ergebe
sich - zumindest in den Vereinigten
Staaten - die Botschaft an alle, daß
"Kokain gefährlich ist und süchtig
macht", sagts Macdonald. "Leider machen aber die bereits Abhängigen die
Erfahrung, wie schwer es ist, den
Konsum dieser Droge zu beherrschen und sie sehen sich im Dilemma."
Eine härtere Haltung inbezug auf
Drogenkonsum ist auch aus neuen Gesetzen erkennbar, die im Hinblick auf
die Produktion von Drogen mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung wie
illegale
Drogen
erlassen
werden.
Diese Art synthetischer Drogen ("designer drugs") sind mittels legaler
chemischer
Reagenzien
herstellbar.
Wie Macdonald erklärte, werden die
Gesetze so geändert, daß synthetisch
hergestellte Drogen, die verbotenen
Rauschmitteln sehr ähnlich sind, bis
zum Beweis des Gegenteils vom ersten
Tag an als illegal.gelten. Notwendig
sei auf jeden Fall eine umfassende
Strategie, die sowohl den Rechtsvollzug als auch die Drosselung des Konsums einbeziehe. Wenn man die Menschen nicht davon überzeugen könne,
gar nicht erst in den Drogenkonsum
einzusteigen oder die Abhängigen zum
Aussteigen
zu
veranlassen,
dürfte
"unseren anderen Anstrengungen kein
- 2 -

* * * * *

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I

4

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fuhrt INF-Fortschritte auf "Zusammenhalt" des&lt;br /&gt;Bündnisses zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in West Point&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogen: Der Konsument macht sich strafbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST
Sonderdienst
4. November 1987
DIE WELTWIRTSCHAFT:

PERSPEKTIVEN FÜR EINE GETEILTE VERANTWORTUNG

Ansprache des amerikanischen Botschafters,
Richard R. Burt
vor der
Amerikanischen Handelskammer in der Bundesrepublik,
Atlantik-Brücke,
Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar
Weißer Saal, Neues Schloß
Stuttgart
am 4. November 1987

Sperrfrist:

Mittwoch, 4. November 1987, 18.00 Uhr (MEZ)

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Herr Ministerpräsident Späth,
Herr Oberbürgermeister Rommel,
Generalbundesanwalt Rebmann,
Herr General Crowell,
General Child,
Herr Leibinger,
Professor Dr. Thümmel,
Herr Dr. Bechtle,
meine Damen und Herren.

Ich danke Herrn Ministerpräsident
Späth für seine freundlichen Begrüssungsworte. Ferner danke ich der Industrie- und Handelskammer Mittlerer
Neckar, der Repräsentanz
Stuttgart
der Amerikanischen Handelskammer in
Deutschland
sowie
der
Außenstelle
Baden-Württemberg der Atlantik-Brücke
für die Möglichkeit, heute abend hier
sein zu können.
Ich freue mich immer wieder über
einen Besuch in dem von Dynamik geprägten
Südwesten Deutschlands und
besonders in dieser schönen Stadt,

die in den deutsch-amerikanischen Beziehungen nach dem Kriege solch einen
besonderen Stellenwert einnimmt. Bei
den Zusammentreffen mit Ihrem tatkräftigen
Ministerpräsidenten
und
zahlreichen
anderen Vertretern
des
politischen, kulturellen
und wirtschaftlichen Lebens in Baden-Württemberg habe ich einen nachhaltigen Eindruck von der Intensität und Ernsthaftigkeit
deutsch-amerikanischer
Partnerschaft in dieser Region gewonnen.
Baden-Württemberg

zählt

zu

den

�wohlhabendsten und produktivsten Regionen der Bundesrepublik und pflegt
im Handels- und
Investitionsbereich
enge Verbindungen mit den Vereinigten
Staaten und vielen anderen Ländern
der Welt.
Der Handel zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Südwesten
der Bundesrepublik beläuft sich jährlich auf
mehr
als
20 Milliarden
D-Mark.
Angesichts
einer
solchen
Außenhandelstätigkeit
liegt es auf
der Hand, daß internationale wirtschaftliche Entwicklungen für BadenWürttemberg von existentiellem Interesse sind.
Meine Damen und Herren, die jüngsten Turbulenzen auf den Wertpapiermärkten
hielten die Aufmerksamkeit
der Welt gefangen.
Es ist unerläßlich, daß wir das
Geschehene prüfen und versuchen, unsere Lehren daraus zu ziehen.
Aber
es ist wichtig, daß wir dabei ruhig
und analytisch vorgehen und uns nicht
von Emotionen leiten lassen. Insbesondere aber sollten wir wirtschaftlichen Nationalismus und gegenseitige
Schuldzuweisungen vermeiden.
Die Ereignisse der
vergangenen
drei Wochen haben eindeutig gezeigt,
daß die Weltwirtschaft noch stärker
verflochten ist, als wir dies bisher
angenommen hatten.
Auf sehr plastische Weise sehen wir uns mit den
Konsequenzen
der
Interdependenz in
der Weltwirtschaft konfrontiert.
Es
ist daher an der Zeit, nicht länger
anklagend den Zeigefinger zu erheben.
Statt dessen müssen wir jetzt die
Lehren aus dieser Krise ziehen - nämlich, daß die Weltwirtschaft dringend
ein
System geteilter
Verantwortung
benötigt. Es gibt keinen Ersatz für
die gemeinsame Führungsrolle der maßgeblichen Handelsländer.
Bundesbankpräsident Pohl hat sich zu Beginn
dieser Wochen in New York ähnlich ge-

äußert. Gegenüber dem American Council on Germany erklärte Herr Pohl:
"Es gibt keine Alternative zur engen
Zusammenarbeit von Politikern in einer Welt, in der die Märkte so eng
verflochten
sind
und
Schockwellen
nicht auf ein Land beschränkt werden
können."
Ich stimme voll und ganz
mit ihm überein.
Im Verlauf der letzten 40 Jahre
sind wir Zeugen eines tiefgreifenden
Wandels in der Weltwirtschaft geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis
in die fünfziger und sechziger Jahre,
als Europa und Japan sich allmählich
von der Verwüstung und den Erschütterungen des Krieges erholten, waren
die Vereinigten Staaten dem Rest der
Welt wirtschaftlich überlegen.
Aber
in den vergangenen 15 Jahren hat das
Kräfteverhältnis
in
der
Weltwirtschaft einen bemerkenswerten Wandel
erfahren. Heute treten Japan und Europa, angeführt von der Bundesrepublik Deutschland, als gleichwertige
Wirtschaftspartner
der
Vereinigten
Staaten in Erscheinung.
Japan und
die Bundesrepublik allein sind für
nahezu ein Fünftel des Welthandels
verantwortlich, so daß eine in Tokio
oder Bonn eingeschlagene Politik bedeutende weltweite Auswirkungen hat.
Aber haben sich politische Entscheidungsprozesse in der Weltwirtschaft
diesen Realitäten
angepaßt?
Die effektive Organisation der heutigen mehrpoligen Weltwirtschaft erfordert eine neue Art der Zusammenarbeit. Sie verlangt, daß die Bundesrepublik, Japan und die anderen führenden Industrieländer ihre Rolle und
ihre Verantwortung neu überdenken und
demgemäß handeln.
Es ist ernüchternd, wenn man sich
vor Augen führt, daß die internationale Gemeinschaft sich bereits in der
Vergangenheit dieser Herausforderung

- 2 -

�gegenübersah und an ihr versagte. Im
19. und frühen 20. Jahrhundert hatte
Großbritannien die Vorherrschaft in
der Weltwirtschaft inne.
Der Welthandel wurde von London aus beherrscht, Großbritannien
belieferte
den Markt und stellte die zur Führung
der
Weltwirtschaft
erforderlichen
Mittel bereit. Nach dem Ersten Weltkrieg begann dieses System zu brökkeln. Gegenüber Großbritannien stieg
die
wirtschaftliche
Macht
anderer
Länder - insbesondere der Vereinigten
Staaten - an, und es wurde immer komplizierter, eine Führungsrolle in der
Weltwirtschaft zu übernehmen.
Großbritannien suchte die Unterstützung
und Kooperation der Vereinigten Staaten.
Aber bei uns war die Stimmung
von Isolationismus und die Außenpolitik von Protektionismus geprägt. Der
Kongreß
verfügte
die
berüchtigten
Smoot-Hawley-Zölle,
mit
denen
die
Weltwirtschaft praktisch zum Stillstand kam und die Große Depression
der dreißiger
Jahre noch vertieft
wurde.
In den letzten drei Wochen haben
wir eine dringende Warnung erhalten:
die Weltmärkte erfordern eine koordinierte
und effektive
Führungsrolle
der Regierungen.
Es ist zwingend
notwendig, daß die führenden Industrieländer
die
Bundesrepublik,
Japan und die Vereinigten Staaten bei der Kontrolle der Kräfte auf den
Weltmärkten
zusammenarbeiten.
Und
den geeignetsten Ausgangspunkt hierfür bietet der Handel.

II. Handel
Der Handel bildet den Grundstein
der heutigen integrierten Weltwirtschaft.
Gegenwärtig befinden sich Welthandel und Zahlungsverkehr nicht im

Gleichgewicht. Bei den beiden größten Handelsländern - den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik - besteht im Handel ein erhebliches Ungleichgewicht. Die Vereinigten Staaten importieren für 150 Milliarden
Dollar mehr im Jahr als sie exportieren.
Bei der Bundesrepublik übertrifft der Export den Import um 110
Milliarden D-Mark.
In einem dynamischen
multilateralen
System
herrscht bei den Handelsbilanzen selten ein vollständiges Gleichgewicht.
Aber das erhebliche Ungleichgewicht
im Handel der Vereinigten Staaten,
der Bundesrepublik, Japans und anderer Haupthandelsländer ist nicht normal, nicht erträglich und kaum vereinbar mit einer langfristigen Stabilität im internationalen Handel und
Zahlungsverkehr.
Ich möchte mich jetzt dem amerikanischen
Handelsdefizit
zuwenden.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nahezu jeder der Meinung, daß das starke
amerikanische Wachstum die Attraktivität unserer Währung erheblich erhöhte. Das Ergebnis war ein überbewerteter Dollarkurs, der die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produkte im In- und Ausland
untergraben
hat.
Angegriffen
vom Wechselkurs,
der schwindenden Inlandsnachfrage in
hochverschuldeten Entwicklungsländern
und relativ geringem Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten stagnierten unsere Exporte, während die
Importe
ins Unermeßliche
gestiegen
sind.
Manche behaupten, das Handelsdefizit spiegele die minderwertige Qualität amerikanischer Produkte wider
oder
den Niedergang
amerikanischer
Produktivität oder irgendein anderes
grundsätzliches
Problem der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit.
Aber
die Tatsachen leisten dieser Meinung
keinen Vorschub.

- 3 -

�Bis zum Jahr 1981, das heißt, bis
der Dollar eine Wertsteigerung erfuhr, hatten die Vereinigten Staaten
einen
erheblichen
Handelsüberschuß.
Es scheint schwer vorstellbar, daß
die Qualität amerikanischer Produkte
in so kurzer Zeit so rapide abgenommen haben soll.
Vielmehr hat das
amerikanische
Management
unter dem
Druck preiswerter Importe seine Kosten auf ein Minimum zurückgeschraubt
und somit im Hinblick auf Produktivität und Effizienz erhebliche Verbesserungen erzielt. Das ist nicht ohne
erhebliche Kosten und Anpassungen im
Inland erreicht worden. Der Wert der
Betriebsvermögen
ist gefallen, und
Unternehmen,
Banken
und
landwirtschaftliche
Betriebe
mußten
ihre
Pforten schließen. Aber als Ergebnis
stehen amerikanische Geschäftsbetriebe heute besser da als in vielen Jahren zuvor, um den Herausforderungen
des in- und ausländischen Wettbewerbs
zu begegnen.
Wie die Verbraucher in der Bundesrepublik bevorzugen auch die Amerikaner
Fernsehgeräte,
Fotokopierer
und Videorecorder aus Japan.
Aber
auch wir stellen Produkte her, für
die in der Welt Nachfrage besteht.
Im vergangenen Jahr erreichten die
amerikanischen Exporte in die Bundesrepublik Deutschland einen Gesamtwert
von 27 Milliarden D-Mark.
Für die
Bundesrepublik sind die Vereinigten
Staaten
der
führende
ausländische
Lieferant für Computer-Hardware and
Software. Die amerikanischen Exporte
von Maschinen, Transportausrüstungen
und
Präzisionsinstrumenten
beliefen
sich auf nahezu elf Milliarden D-Mark.
Makroökonomische
Faktoren
haben
heute den größten Einfluß auf den
amerikanischen Handel.
Die Beweise
für diese Behauptung treten gerade
jetzt zutage.
Aufgrund der augenblicklichen
hohen
Dollarabwertung

zeigen die Handelsdaten nach heutigem
Dollarkurs weiterhin ein erhebliches
Defizit der Vereinigten Staaten an.
Zieht man den Schleier des Geldes jedoch einmal beiseite, dann erkennen
wir einen schnellen Anstieg amerikanischer Exporte: im August um 15
Prozent jährlich, während unsere Importe real weder fallen noch steigen.
Dies bedeutet nicht, daß wir unsere Exportleistungen nicht noch verbessern könnten. Die Größe des amerikanischen
Binnenmarktes macht es
vielen Firmen immer noch leicht, die
Komplexität
des
Welthandels
außer
acht zu lassen. In unserem Land bestehen Gesetze und Vorschriften, die
Exporte sogar abschrecken.
Und im
Hinblick auf die für Erfolge auf Auslandsmärkten notwendigen langfristigen und geduldigen Anstrengungen müssen wir noch viel von Europa und
Japan lernen.
Wir müssen Sprachen
lernen und uns mit fremden Kulturen
vertraut machen; wir müssen lernen,
unsere Produkte ausländischen Normen
und Geschmacksrichtungen besser anzupassen.
Was wir jedoch nicht benötigen,
sind die Rezepte der Protektionisten.
Leider ist es für die Befürworter
des Protektionismus nur allzu leicht,
ihre Ansichten zu rechtfertigen. Sie
können anführen, daß amerikanischen
Herstellern ausländische Märkte nicht
in demselben Maß offenstehen, wie der
amerikanische Markt ausländischen Anbietern zugänglich ist. Zu viele europäische Regierungen subventionieren
und schützen zu viele heimische Industrien.
In der Bundesrepublik sind
Subventionen
ein solch
anerkannter
Bestandteil
des
Wirtschaftslebens,
daß man über deren verzerrende Wirkungen erst jetzt ernsthaft zu diskutieren beginnt.

- 4 -

�Allein
in
der
Bundesrepublik
Deutschland sind fast 10 Milliarden
D-Mark an Subventionen in das AirbusProgramm geflossen.
Ein Teil davon
wird zurückgezahlt werden, das meiste
jedoch nicht. Die Schaffung und Erhaltung
einer
Luftfahrtindustrie
durch Subventionen fördert im In- und
Ausland eine ineffiziente internationale Verteilung von Mitteln. Letztlich zahlen die Verbraucher in der
ganzen Welt mehr für weniger. In der
vorigen Woche haben sich amerikanische und europäische Unterhändler
erfolgreich darum bemüht, einen Rahmen zu erstellen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in bezug auf den
Airbus beizulegen.
Eine meiner Meinung nach annehmbare Lösung wird jedoch den Abbau von Subventionen und
mehr Transparenz der Unterstützungsprogramme für den Airbus erfordern.
Auch die Politik im Telekommunikationswesen
muß überdacht werden.
Hier erleben wir schnelle Veränderungen sowohl bei den Technologien wie
auch bei den institutionellen Organisationsformen.
Auch in diesem Bereich stellen wir fest, daß der Markt
die treibende Kraft des technologischen Wandels ist.
Der internationale Wettbewerb auf
dem
Telekommunikationssektor
drängt
die Unternehmen nicht nur dazu, in
schnellerem Tempo billigere und bessere Geräte und Dienstleistungen zu
erfinden. Die umfangreiche Einbeziehung von Wettbewerbskräften hat das
Telekommunikationswesen in den Vereinigten
Staaten,
Großbritannien,
Japan und Frankreich gestärkt.
Auch
die Bundesrepublik Deutschland wird
endlich von diesem Wandel erfaßt.
Die von Professor Witte geleitete Regierungskommission für die Neuordnung
des Fernmeldewesens hat vor kurzem
ihren Bericht vorgelegt. Die Kommission hat sorgfältige und durchdachte

Arbeit
geleistet.
Unserer
Meinung
nach
verdienen
ihre
Empfehlungen
ernsthafte, schnelle und wohlwollende
Beachtung, denn auch hier kann eine
ängstliche und starre Haltung uns allen nur Schaden zufügen.
Das
schwerwiegendste
und
vordringlichste
Problem
des
heutigen
Welthandels ist jedoch die Landwirtschaft. Ganz offen gesagt, haben wir
es mit einer Krise zu tun. Die Kosten landwirtschaftlicher Unterstützungsprogramme sind außer Kontrolle
geraten.
Die Steuerzahler in der Europäischen
Gemeinschaft
werden
dieses
Jahr 26 Milliarden Dollar und die
Verbraucher zusätzlich 40 Milliarden
Dollar ausgeben, um die Gemeinsame
Agrarpolitik
zu unterstützen.
Der
Großteil dieser Gelder wird die Bauern noch nicht einmal erreichen! Dem
EG-System zufolge kostet es den Steuerzahler eine Mark fünfzig, um dem
Erzeuger eine Mark zukommen zu lassen. Es wäre sehr viel billiger, dem
Produzenten direkt die eine Mark zu
geben.
Innerhalb von wenigen Jahren ist
die Europäische Gemeinschaft vom Importeur von Agrarprodukten zu einem
Hauptexporteur geworden.
Die EG ist
heute der Welt größter Exporteur von
Butter,
Geflügel,
Rindfleisch
und
raffiniertem Zucker.
Die
Überschüsse
sind
riesig.
Eine Bonner Verbrauchergruppe berichtete kürzlich, daß die Europäische
Gemeinschaft im vergangenen Jahr über
zweieinhalb Millionen Tonnen Früchte
und Gemüse vernichtet hat.
Sie erklärte weiter, daß dieses Vernichtungsprogramm Kosten von 500 Millionen
D-Mark
verschlang, wovon
ein
Drittel auf den deutschen Steuerzahler entfiel. Die Menge vernichteter

- 5 -

�Tomaten, Pfirsiche, Spfel und anderer
Erzeugnisse war so hoch wie die halbe
Jahresproduktion
der
Bundesrepublik
Deutschland.
Aber im Agrarbereich sieht unsere
Bilanz nicht viel besser aus als Ihre. Auch uns bedrücken Subventionen
und Überproduktion.
Auf beiden Seiten des Atlantiks
ruinieren wir nicht nur uns selbst,
sondern wir fügen auch Freunden und
Verbündeten
in Industrie- und Entwicklungsländern Schaden zu.
Zur Bewältigung dieser Krise haben die Vereinigten Staaten bei der
gegenwärtig in Genf tagenden UruguayRunde multilateraler Handelsgespräche
einen
umfassenden
Reformvorschlag
vorgelegt.
Wir schlagen vor, praktisch alle Agrarsubventionen und Handelsschranken innerhalb einer Zehnjahresfrist auslaufen zu lassen.
Kritiker haben unseren Vorschlag
utopisch, naiv oder noch schlimmer
genannt. Aber da so viele unter uns
für eine so geringe Gegenleistung so
viel bezahlen, ist eindeutig die Zeit
des Handelns gekommen. Kein Land allein kann die heutigen Praktiken abschaffen, ohne durch die Maßnahmen
anderer schwer geschädigt zu werden.
Die einzige Hoffnung bietet ein umfassendes
internationales
Abkommen,
mit dem jeder zu einheitlichem Vorgehen und einem einheitlichen Zeitplan
verpflichtet wird.
Wir wissen, daß
dies ein sehr ehrgeiziges Unterfangen
ist und
daß eine
Einigung
nicht
schmerzlos sein wird.
Wenn wir jedoch Erfolg haben, werden die Vorteile für die Landwirtschaft der Welt,
den Welthandel und eine gesunde Weltwirtschaft alle Mühen und Anstrengungen wert sein.

III. Makroökonomische Politik und
Wachstum
Dies sind jedoch Ziele für die
Zukunft. Lassen Sie mich zur Gegenwart zurückkehren.
Heute befürchten
viele eine Rezession. Manchmal vergessen wir, daß sich die führenden
Industrieländer vor sechs Jahren in
einer solchen befanden. Die Arbeitslosigkeit stieg jährlich um fünf Millionen, und die Inflationsrate betrug
nahezu zehn Prozent. Es gab Spekulationen über einen Anstieg des ölpreises auf über 50 Dollar pro Faß und
Sorgen wurden laut, einige der großen
Schuldnerländer der Dritten Welt seien der Zahlungsunfähigkeit nahe.
Heute sind die meisten OECD-Länder
von
Wohlstand
geprägt.
Die
durchschnittliche Inflationsrate ist
noch nicht einmal halb so hoch wie
vor fünf Jahren.
Die Verschuldung
der Dritten Welt ist weiterhin ein
Problem, aber die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit ist erheblich geringer geworden.
Die amerikanische Wirtschaft war
die treibende Kraft hinter dieser bemerkenswerten Kehrtwendung. Wir sind
im Begriff, die längste Periode anhaltenden Wirtschaftswachstums in unserer modernen Geschichte zu verzeichnen. In den letzten drei Jahren
stieg
das Bruttosozialprodukt
real
jährlich
um
durchschnittlich
fast
vier
Prozent.
Die
Inflationsrate
fiel von über zehn Prozent in den
frühen achtziger Jahren auf ein Niveau von nur ein Prozent im vergangenen Jahr, und auch dieses Jahr bleibt
der Preisanstieg
gering.
Fast 14
Millionen neuer Arbeitsplätze wurden
in den vergangenen fünf Jahren in den
Vereinigten Staaten geschaffen.
Professor
Lester
schaftswissenschaftler

- 6

Thurow, Wirtam
Massachu-

�setts Institute of Technology, hat
geschätzt, daß das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten zusätzlich zu neuen Arbeitsplätzen in
der amerikanischen Wirtschaft sechs
Millionen Arbeitsplätze in Europa und
Japan geschaffen hat. Ohne das amerikanische Wirtschaftswachstum in den
achtziger
Jahren wären Europa und
Japan heute damit beschäftigt, sich
von einer Rezession zu erholen, anstatt sie zu verhindern.
Wie Sie sicherlich wissen, hat
das amerikanische Wirtschaftswachstum
der letzten Jahre jedoch auch seinen
Preis
gefordert.
Die
Vereinigten
Staaten verzeichnen heute sehr hohe
Defizite
in Haushalt
und Handel.
Wirtschaftswissenschaftler
sind
bekannt dafür, daß sie über fast alles
unterschiedlicher Meinung sind. Über
einen Punkt sind sich jedoch fast alle einig:
Diese in der Weltwirtschaft
bestehenden
Ungleichgewichte
in Finanzwesen und Handel - einschließlich der amerikanischen Haushalts- und Handelsdefizite - lassen
sich nicht aufrechterhalten.
Langfristig werden die Wirtschaftskräfte
uns wieder ins Gleichgewicht zurückdrängen.
Die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten könnten uns jedoch zum Teil
die Botschaft vermitteln, daß langfristige
Perspektiven
ungemütlich
kurz werden. Anpassung - eine Rückkehr zum Gleichgewicht - wird stattfinden, gleichgültig, ob wir uns dagegen wehren oder sie fördern.
Die
Wahl vor der wir stehen - und es ist
unsere einzige Wahl - ist, ob wir uns
auf einem hohen Handelsniveau durch
Wachstum oder auf einem niedrigen
durch Rezession anpassen.

IV.

Anpassung

Welchen Weg könnte die Anpassung
einschlagen?
Einige vertreten die
Auffassung, daß Protektionismus der
Weg zur Wiederherstellung des Gleichgewichts ist. Sie glauben, daß verminderter Zugang ausländischer Produkte zu den amerikanischen Märkten
der einfachste und logischste Weg zur
Verringerung des Handelsdefizits der
Vereinigten Staaten ist.
Eine Verlangsamung
der amerikanischen Konjunktur wäre eine weitere Möglichkeit.
Wenn wir in den Vereinigten
Staaten die Bremse anziehen, würden
sich die Importe verringern und das
Handelsdefizit sinken. Ein Zusammenbruch des Dollar würde ein Gleichgewicht erzwingen, jedoch auf Kosten
höherer
Zinssätze.
Ist
dies
das
Gleichgewicht,
das
wir
anstreben?
Eindeutig nicht.
Dies würde verlangsamtes Weltwirtschaftswachstum, höhere Arbeitslosigkeit und schlechtere Aussichten
für die hochverschuldeten
Entwicklungsländer
zur Folge haben.
Die
Welt würde in eine Rezession gestürzt.
Die Herausforderung, mit der wir
uns konfrontiert sehen, ist der notwendige Abbau der Ungleichgewichte,
während gleichzeitig ein hohes Niveau
der Wirtschafts- und Handelstätigkeit
aufrechterhalten wird. Die Ereignisse der vergangenen drei Wochen bestätigen, daß dies am besten - und in
der Tat ausschließlich - auf gemeinsamer Basis erreicht werden kann.
Die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und andere führende Wirtschaftsnationen müssen gemeinsam einen Prozeß der Anpassung
einleiten, durch den Ungleichgewichte
bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung
einer gesunden Weltwirtschaft verringert werden.

- 7 -

�Die erforderliche Anpassung hat
unterschiedliche, sich jedoch gegenseitig
verstärkende Bemühungen zur
Folge.
Mit anderen Worten, es muß
eine
Arbeitsteilung
zwischen
den
Uberschußländern
und den defizitär
wirtschaftenden
Ländern geben.
Im
Handelsbereich wird von den Vereingten Staaten die Ablehnung protektionistischer Maßnahmen gefordert sowie
die kontinuierliche Anpassung an die
Mechanismen
ausländischen
Wettbewerbs.
Von der Bundesrepublik wird
die Lockerung von Verkrustungen des
Markts durch Deregulierung, Liberalisierung und Kürzung von Subventionen
verlangt.
Bei der Steuer- und Währungspolitik
kommt den Vereinigten
Staaten die Aufgabe zu, weiterhin
energisch eine Politik zu verfolgen,
die auf eine Verringerung des Haushaltsdefizits ausgerichtet ist. Die
Aufgabe der Bundesrepublik Deutschland
ist
es,
nichtinf lationärr.s
Wachstum im Inland zu fördern.
In den vergangenen Jahren konnte
das
Wirtschaftswachstum
in
Europa
bestenfalls als mäßig bezeichnet werden. In den Ländern der Europäischen
Gemeinschaft sind 16 Millionen Menschen ohne Arbeit und seit den siebziger Jahren wurden unter dem Strich
gesehen so gut wie keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Die Europäer
- einschließlich zahlreicher Bundesbürger - scheinen der Auffassung zu
sein, wenn Europa bereit ist, mit hoher
Arbeitslosigkeit
und
relativer
Stagnation zu leben, so sei dies Europas Sache und zwar ausschließlich.
Heute abend habe ich keine wichtigere
Botschaft zu übermitteln, als ihnen
folgendes zu sagen: Alles, was Europa im Bereich des Wachstums unternimmt, ist entscheidend für die Gesundung der Weltwirtschaft.
Gleichgültigkeit
und
Selbstzufriedenheit
könnten die Welt in eine Rezession
treiben.

Der entscheidende Punkt ist nämlich, daß die Vereinigten Staaten es
sich nicht länger leisten können, für
die Welt der Konsument zu sein, auf
den man in letzter Minute zurückgreift.
Wir können nicht weiterhin
für anhaltendes Weltwirtschaftswachstum sorgen und gleichzeitig unser eigenes Ungleichgewicht beheben.
Angesichts der gegenwärtigen Situation vernimmt man in der Bundesrepublik Deutschland häufig das Argument, eine drohende Inflation verhindere entschiedenere Bestrebungen zur
Stimulierung des Wachstums. Mit einem weit unterhalb seinen Möglichkeiten liegendem Wirtschaftswachstum und
einer - in diesem Jahr - höchstwahrscheinlich weniger als ein Prozent
ausmachenden Inflationsrate erscheint
mir die Furcht vor diesem Gespenst
der Inflation unbegründet.
Die fünf
führenden
deutschen
Wirtschaftsforschungsinstitute scheinen meine Meinung zu teilen und haben in dieser
Woche eine auf größere Expansion ausgerichtete Politik gefordert.
Seien Sie versichert, ich bin mir
des Beitrags voll und ganz bewußt,
den die Vereingten Staaten zu diesem
Anpassungsprozeß leisten müssen. Die
Hand in Hand gehenden Handels- und
Haushaltsdefizite
müssen
verringert
werden.
Und sie verringern sich.
Wie ich bereits erwähnte, steigen die
amerikanischen Exporte drastisch an.
Das Bundeshaushaltsdefizit, das sich
im Fiskaljahr 1986 auf 220 Milliarden
Dollar belief, ging im Jahr 1987 um
70 Milliarden zurück.
Ein weiter Weg liegt noch vor
uns, aber echte Fortschritte sind bereits erzielt worden.
Es mag Sie
überraschen, daß das Haushaltsdefizit
der Vereingten Staaten, wenn die sehr
hohen Haushaltsüberschüsse der Bundesstaaten und Gemeinden hinzugerech-

- 8 -

�net werden, insgesamt gesehen niedriger ist als das der OECD-Länder im
Durchschnitt.
Diskussionen zwischen
dem Präsidenten und dem Kongreß über
eine weitere Reduzierung des Defizits
sind mit erneuter Dringlichkeit aufgenommen worden, und zusätzliche einschneidende Kürzungen stehen in Aussicht. Die Vereinigten Staaten bemühen sich intensiv, die von ihnen geforderten
Anpassungen
vorzunehmen.
Es ist von vorrangiger Bedeutung, daß
sie im Einklang mit den deutschen
stehen.
Lassen Sie mich dies eindeutig
klarstellen:
Ich spreche nicht über
die inzwischen angezweifelte Lokomotiv-Theorie der siebziger Jahre. ich
spreche vielmehr von einer koordinierten
Strategie
des
stabilen,
nichtinflationären Wachstums der führenden Industrienationen.
Nur wenn
die Bundesrepublik bereit ist, eine
Strategie zugunsten des Wachstums zu
verabschieden, wird es möglich sein,
ein hohes Niveau im Welthandel und
bei der Wirtschaftstätigkeit zu erzielen.

V.

Schlußbemerkung

Inmitten der Aufregung über die
jüngsten Ereignisse ist es von vorrangiger Bedeutung, die Dinge in ihrer richtigen Perspektive zu belassen.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg
gegründeten
internationalen
Wirtschaftsinstitutionen haben uns gute
Dienste geleistet. Es ist nicht zuviel gesagt, daß sie hervorragend
funktioniert haben.
Sie haben uns
Stabilität
und Wohlstand gebracht,
die in der Geschichte ihresgleichen
suchen.

sich

Vor
25 Jahren stellte mancher
noch ernsthaft die Frage, ob

zentral
gelenkte Wirtschaften
oder
freies
Unternehmertum
größere
Aussichten
für
die
Befriedigung
der
wirtschaftlichen Bedürfnisse der Welt
hätten.
Diese Diskussion ist beendet. Heute sind die Marktkräfte und
Marktinstitutionen weltweit als die
mächtige
Antriebskraft
für
wirtschaftlichen Wohlstand anerkannt, die
sie tatsächlich sind. Diese Tatsache
wird von den Entwicklungen in China
und der Sowjetunion noch untermauert.
Die Vereinigten Staaten spielen
in der Weltwirtschaft immer noch eine
bedeutende Rolle.
Aus gutem Grund
blicken die freien Menschen - ebenso
wie die unfreien - auf die Vereinigten Staaten als politische, wirtschaftliche und moralische Führungskraft.
Und wir sind immer noch bereit und in der Lage, diese Rolle zu
übernehmen.
Aber die Welt kann sich nicht
länger auf die Vereinigten Staaten
allein verlassen, wenn es um die in
der Weltwirtschaft notwendige Führung
geht.
Der beispiellose wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit
war so durchgreifend und so erfolgreich, daß die relative Wirtschaftsmacht anderer - besonders Japans und
der Bundesrepublik - sich erheblich
verbessert hat.
Mit dieser
Macht
entsteht Verantwortung.
Die Wirtschaftsmächte der Welt müssen über
engstirnige
Anliegen
hinausschauen.
Jeder von uns sollte seine Handlungen
in einer weiteren Perspektive betrachten. Wir müssen die Auswirkungen unserer politischen Maßnahmen und
die Untätigkeit der anderen auf das
Wohlergehen und das gesamte Erscheinungsbild der Weltwirtschaft abwägen.
Die Vereinigten Staaten akzeptieren ihre Verantwortung.
Wir müssen
das Handels- und Haushaltsdefizit abbauen und gleichzeitig ein Wachstum

- 9 -

�ohne
Inflation hervorbringen.
Die
Pflicht, die der Bundesrepublik und
ihren europäischen Partnern zukommt,
besteht darin, größere Märkte für ihre eigenen sowie die Produkte der
Welt
bereitzustellen.
Die Bundesrepublik muß das Wirtschaftswachstum
mit einer angemessenen Mischung aus
Währungspolitik, steuerlichen Maßnahmen und Strukturpolitik ankurbeln.
Bei unserem Zusammentreffen heute
abend können wir uns eines Gefühls
der Besorgnis über die Solidität der
Weltwirtschaft nicht erwehren.
Ich
wiederhole nochmals: Die Märkte haben gerade eine ernstliche Warnung
möglicher
Konseguenzen
des
wirtschaftlichen
Nationalismus,
wirtschaftlicher
Engstirnigkeit
und
Selbstzufriedenheit abgegeben.
Gleichzeitig ist dies ein Augenblick
historischer
Chancen.
Mit
Weitblick und politischem Mut können
wir ein System geteilter Verantwortung hervorbringen.
Dies muß unser
Ziel sein.

* * * * * *

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                <text>Die Weltwirtschaft: Perspektiven für eine geteilte Verantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des amerikanischen Botschafters, Richard R. Burt&lt;/em&gt;</text>
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^7

AMERIKA DIENST

&lt;#

1 2 . November 1987

40

I N H A L T

INFORMATIONEN
Präsident Reagans neuer Verteidigungsminister
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci Neuer Nationaler Sicherheitsberater mit 'Entschlußkraft*
- Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell -

DOKUMENTATION
Reagan: INF-Vertrag muß langfristig im Interesse der NATO liegen
- Worldnet-Ansprache des amerikanischen Präsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
UN-Resolution: Gemeinsam gegen AIDS
- Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit - Experten und
Politiker sind gefordert NASA-Starttermine bis 1995
- Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und
Wetterbeobachtung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Information
12. November 1987

40

PRÄSIDENT REAGANS NEUER VERTEIDIGUNGSMINISTER
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge, der seinen jetzigen nationalen Sicherheitsberater für das Amt des Verteidigungsministers nominiert hat,
ist Frank Carlucci "der am besten qualifizierte Mann in den Vereinigten Staaten, um die Arbeit von Cap (Weinberger) weiterzuführen".

Im Lauf seiner langen und hervorragenden
Laufbahn
im
öffentlichen
Dienst erwarb Carlucci sich den Ruf
eines "guten Zuhörers und Mitarbeiters, der politische Entscheidungen
umzusetzen versteht".
Im Falle seiner Bestätigung d m c h
den Senat wird er in das Pentagon als
Nachfolger Caspar Weinbergers zurückkehren, zu dessen Mitarbeitern er als
Stellvertretender Minister schon früher gehörte. Weinberger hatte am 5.
November 1987 seinen Rücktritt angekündigt .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bekannt
als Verwaltungsfachmann
und Krisenmanager der Reagan-Administration ist Carlucci seit elf Monaten Berater des Präsidenten in Angelegenheiten
der nationalen
Sicherheit. Er hatte diesen Posten während
der
Iran-Contra-Ermittlungen
übernommen .
Außerdem
hatte
Carlucci
schon
hochrangige Positionen beim Geheimdienst
CIA, im Gesundheitsministerium, Amt für Haushaltsplanung (OMB),
dem Büro für wirtschaftliche Chancengleichheit (OEO) und dem auswärtigen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dienst inne, wobei er sowohl republikanischen wie auch demokratischen Administrationen diente.
Carlucci wurde im Jahr 1930 in
Scranton,
Pennsylvania,
geboren.
Nach dem Besuch der Wyoming Seminary
College
Preparatory
School
in
Kingston, Pennsylvania, ging er zur
Universität Princeton, wo er im Jahr
1952 den Grad
eines Bachelor
in
Business Administration erwarb.
Nach dem Besuch des College diente er als Geschützoffizier in der Marine auf der USS Rombach. Er wurde
im Jahr 1955 im Rang eines Leutnants
entlassen. Danach führte er im Jahr
1956 weiterführende Studien im Fach
Business Administration an der Universität Harvard durch.
Nach seinem Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten im Jahr 1956 diente Carlucci als
Vize-Konsul und Wirtschaftsattache in
Johannesburg.
Im Jahr 1960 wurde er
nach Zaire (der damaligen Demokratischen Republik Kongo) versetzt, wo
er
zunächst
Vize-Konsul
und
anschließend zweiter Sekretär zuständig
für politische Angelegenheiten war.
Nach
einer
Dienstzeit
im
Washingtoner Außenministerium als zuständiger Referent für den Kongo im
Jahr 1962 diente Carlucci kurzzeitig
in Tansania. Von 1965 bis 1969 hatte
er verschiedene Verwaltungsposten an
der amerikanischen Botschaft in Brasilien inne.
Während
seiner
diplomatischen
Laufbahn wurde er mit dem Superior
Service
Award
ausgezeichnet,
der
höchsten Auszeichnung des auswärtigen
Dienstes. Für seinen Dienst in Brasilien erhielt er außerdem den Superior Honor Award.

Auf Initiative des damaligen Direktors des Büros für wirtschaftliche
Chancengleichheit
(OEO),
Donald
Rumsfeld, eines alten Freundes, beschäftigte sich Carlucci anschließend
mit dem Kampf gegen die Armut.
In
den Jahren 1969 und
1970 war er
Rumsfelds Nachfolger als Direktor des
OEO.
1971 wurde Carluci von Präsident
Nixon zum beigeordneten Direktor des
Amtes für Haushaltsplanung berufen.
Dessen
damaliger
Direktor,
Caspar
Weinberger, beförderte ihn nach einem
Jahr zu seinem Stellvertreter.
Von
1972 bis 1974 war er Unterstaatssekretär für Gesundheit, Bildung und Sozialwesen.
Von 1975 bis 1978 diente Carlucci
unter den Präsidenten Ford und Carter
als Botschafter der Vereinigten Staaten in Portugal. Im Jahr 1978 wurde
er zum Stellvertretenden Direktor der
Central intelligence Agency ernannt.
Er übte diese Funktion bis 1981 aus,
als er nach der Wahl Reagans zum
Stellvertretenden
Verteidigungsminister unter Caspar Weinberger berufen wurde.
1983 wechselte Carlucci in die
Privatwirtschaft über und wurde Präsident von Sears World Trade Inc.,
einer in Washington ansässigen Firma,
die sich mit dem weltweiten Ankauf
und Vertrieb von Rohstoffen und Fertigprodukten beschäftigt. Als Reagan
ihn zum Nationalen Sicherheitsberater
ernannte, war er Aufsichtsratsvorsitzender dieses Unternehmens.
Carlucci
drei Kinder.

ist verheiratet

* * * * *

und

hat

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

12. November 1987

40

NEUER NATIONALER SICHERHEITSBERATER MIT "ENTSCHLUSSKRAFT"
- Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Reagan am 5. November 1987 zum neuen
Sicherheitsberater ernannte Generalleutnant Colin Powell wird von seinen Kollegen für seinen "scharfen Intellekt" und seine "pragmatische Entschlußkraft"
geschätzt.

Der 50jährige Powell war seit Januar 1987 stellvertretender Berater
des Präsidenten zu Fragen der nationalen Sicherheit und im Nationalen
Sicherheitsrat
(NSC)
direkt
Frank
Carlucci unterstellt, der von Präsident Reagan am 5. November zum neuen
Verteidigungsminister ernannt wurde.

zu, daß Powell und Carlucci bei der
"Umstrukturierung und Leitung des Nationalen Sicherheitsstabes" eng zusammengearbeitet
hätten
und
"mit
Powell an der Spitze des Nationalen
Sicherheitsrates wird ein nahtloser
Übergang geschaffen und das gute Team
bleibt bestehen".

"General Powell hat eine hervorragende Laufbahn im militärischen Bereich sowie auf der höchsten Ebene
unserer Regierung absolviert", sagte
der Präsident bei Bekanntgabe der Ernennung. Präsident Reagan fügte hin-

Vor seiner Tätigkeit beim NSC war
Powell von 1986-1987 Kommandierender
General des 5. Korps der U.S. Army in
der Bundesrepublik Deutschland.
Von
1983-1986 war er der ranghöchste Militärberater
von
Verteidigungsmi-

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�nister Weinberger und brachte sein
Fachwissen und seinen Rat in militärische Operationen wie den Luftangriff
auf Libyen im Jahr 1986 ein.
Powell wird aufgrund seiner langjährigen militärischen Erfahrung im
Gelände als "echter Soldat" angesehen. Er hatte unter anderem in Fort
Leavenworth, Kansas, und Fort Carson,
Colorado, Schlüsselpositionen
inne.
Für eine im Jahr 1963 in Vietnam erlittene Verwundung wurde er mit dem
"Purple Heart" ausgezeichnet.
Powell, der als erster Schwarzer
den höchsten nationalen Sicherheitsposten übernimmt, machte im Jahr 1958
seinen Studienabschluß am City College in New York und wurde damals zum
Leutnannt ernannt. Er durchlief die
Ränge im Heer in rascher Folge. Zusätzlich zum Purple Heart erhielt er
zahlreiche militärische Auszeichnungen wie die Distinguished
Service
Medal und den Bronze Star.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. November 1987

40

REAGAN: INF-VERTRAG MÜSS LANGFRISTIG IM INTERESSE DER NATO LIEGEN
- Worldnet-Ansprache des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 4. November 1987 über "Worldnet", den Satellitenfernsehsender des US-Informationsamts, übertragenen Ansprache zu den
gegenwärtigen Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen (INF) hat Präsident
Reagan erklärt, jeder Vertrag über Atomwaffen mit der Sowjetunion werde "realistisch sein und langfristig im Interesse aller Mitgliedsstaaten des Bündnisses liegen, ansonsten wird kein Vertrag unterzeichnet". Ein solcher Vertrag
"wird strengste Vorschriften für die effektive Verifizierung enthalten, einschließlich Vor-Ort-Inspektionen von Einrichtungen vor und nach den Reduzierungen sowie kurzfristig anberaumte Inspektionen danach".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Ich grüße Sie.
Ich spreche zu
Ihnen hier aus Washington über die
Satellitenkanäle von "Worldnet" und
"Stimme Amerikas". Dies ist wiederum
ein anschauliches Beispiel für die
dramatischen Auswirkungen der Technologie auf unser Leben.
Die Wissenschaft verkürzt Entfernungen, überwindet Hindernisse und öffnet Grenzen. Heute arbeiten Menschen miteinander in weit voneinander entfernten
Ländern, sie treiben Handel, ja sie
spielen sogar miteinander über diese
Entfernungen.
Wie man es noch vor
einem Jahrhundert kaum für möglich

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Embassy of the United States of America

gehalten hätte, stehen wir im Begriff,
eine
echte
Gemeinschaft
vielleicht sogar eine Familie - freier Menschen zu werden, die verbunden
sind durch menschliche Werte und demokratische
Ideale
und
die
einen
Wohlstand teilen, der eng mit unserem
gemeinsam Handel und unserer Wirtschaftstätigkeit verflochten ist.
In einer früheren Epoche dieses
Jahrhunderts, als Faschismus und Kommunismus auf dem Vormarsch waren,
glaubten manche, das Licht der Demokratie könne ausgelöscht werden.
Es

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Telex: 8-85432

�wurde befürchtet, die Xra der parlamentarischen
Regierungssysteme,
der
politischen
und
wirtschaftlichen
Freiheit, könnte sich als kurzes Zwischenspiel
der Geschichte
erweisen
und genauso verschwinden, wie die
griechische Demokratie und die Römische Republik untergegangen sind.
Nun, ohne die in großspurigen
Truppenaufmärschen
und
politischen
Massenspektakeln zur Schau gestellte
Macht mag unsere Sache außergewöhnlich gefährdet und zerbrechlich erschienen sein.
Heute sollte jedoch
klar sein, daß der Mut und der Elan
freier
Menschen
zu
leicht
unterschätzt werden. Dies gilt ebenso für
unsere Entschlossenheit zur Zusammenarbeit, zur Bestimmung
gemeinsamer
Ziele und zum gemeinsamen Handeln zu
unserer Verteidigung.
Victor Hugo hat einmal geschrieben:
"Die Menschen entbehren nicht
der Stärke; sie entbehren des Willens." Nun, in meinem Leben habe ich
immer wieder Beweise gesehen, die
mich in der Überzeugung bestärkt haben, daß diejenigen, die in Freiheit
leben, ganz bestimmt den Willen haben, selbst unter enormem Druck und
selbst in fast aussichtslosen Situationen frei zu bleiben.
Diejenigen
unter uns, die den Zweiten Weltkrieg
erlebten, haben diesen Willen bei den
Briten
gesehen,
deren
unbeugsamer
Geist selbst unter schwersten Bombardements nicht gebrochen wurde.
Wir
sahen ihn bei den französischen Truppen und der Resistance, die für die
Befreiung ihrer Heimat kämpften, bei
den Soldaten der polnischen Heimatarmee in Warschau, bei den moralischen Helden auf dem gesamten Kontinent, auch in Deutschland selbst,
die oft unter Aufopferung des eigenen
Lebens Widerstand gegen den Nazismus
leisteten.
wir sahen ihn auch bei
denen, die alles riskierten, um Ju- 2

den, oft wildfremde Menschen, vor den
Todeslagern zu retten. Wir sahen ihn
in der Normandie, wo Amerikaner sich
mit Menschen aus ganz Europa vereinten, um den Atlantikwall zu durchbrechen und in das Landesinnere vorzustoßen. Sie vereinigten sich in einem gewaltigen Kreuzzug, um den Kontinent von Hitlers Nationalsozialismus und all den mit ihm verbundenen
Schrecken zu befreien.
Ja, und in den vier Jahrzehnten
seit dem Ende des zweiten Weltkriegs
haben die freien Völker der Welt weiterhin ihren Mut bewiesen und, was
ebenso wichtig ist, wie nie zuvor ihre Solidarität untereinander demonstriert.
Das Nordatlantische Bündnis, ein dauerhafter Triumph der Einheit und Zusammenarbeit freier Völker, hat den Frieden auf dem europäischen Kontinent über vier Jahrzehnte bewahrt.
Es ist ein Schild
der Demokratie und das großartigste
Abschreckungsmittel gegen Kriege in
der Geschichte.
Vier Jahrzehnte Frieden in Europa
sind kein Zufall gewesen. Diejenigen
haben sie verdient, die in Uniform
Wache hielten, und diejenigen von uns
haben sie bezahlt, mit deren Steuern
unsere verbündeten Streitkräfte bemannt, ausgerüstet und mit den konventionellen und atomaren Waffen versorgt werden, die zur Abschreckung
einer Aggression notwendig sind. Wir
alle mußten unser Teil dazu beitragen, sonst hätte es nicht funktioniert.
Aber
es hat funktioniert.
Das Bündnis wurde vorbereitet, um jeder Herausforderung entgegenzutreten.
Die Botschaft an jeden, der den Frieden bedrohen könnte, war schlicht und
direkt:
"Daran dürft ihr nicht einmal denken."
Und als unser Wille auf die Probe
gestellt wurde, haben wir uns als

�Verbündete zusammengefunden, als Menschen, deren Schicksale unlösbar miteinander verknüpft sind, und wir ha.ben als Einheit gehandelt, um der
Herausforderung
zu begegnen.
Dies
war nicht leicht, aber wir haben getan, was notwendig war, um unseren
Ländern die Freiheit zu erhalten und
den Frieden zu bewahren.
Dies gilt
sicherlich für die Reaktion des Bündnisses auf die ungeheure Ausdehnung
der sowjetischen Militärmacht in den
späten siebziger Jahren, insbesondere
die Einführung der neuen SS-20 Mittelstreckenraketen.
Die Sowjets stationierten
ihre
ersten SS-20 im Jahr 1977. Diese mit
drei Gefechtsköpfen ausgerüstete Waffe könnte jeden Punkt in Westeuropa
und einen Großteil Asiens erreichen.
Obwohl die NATO keine vergleichbare
Waffe als Gegenmittel besaß, hatte
sich bis August 1982 die Zahl der sowjetischen INF-Raketen auf über 300
mit über 900 Gefechtsköpfen erhöht.
Was wir damals erlebten, war ein
Versuch, das militärische Kräfteverhältnis in Europa aus dem Gleichgewicht zu bringen und die Sicherheitsbindungen
zwischen Europa und den
Vereinigten Staaten zu untergraben.
Unser Zusammenhalt wurde auf die Probe gestellt, und hätte das Bündnis
nicht entschlossen
gehandelt, dann
wären daraus langfristig ernsthatte
und sogar katastrophale Konsequenzen
entstanden.
Aber wir haben gehandelt. Im Dezember 1979 beschlossen die führenden
Politiker des Westens, "zweigleisig"
vorzugehen:
Erstens würden die Vereinigten
Staaten mit den Sowjets verhandeln,
um sie zu überzeugen, ihre neuen Raketen wieder abzubauen.

Zweitens würde die NATO - solange
die Sowjets ihren Kurs weiterverfolgten und die Stationierung ihrer Raketen aufrechterhielten - in Europa eine begrenzte Anzahl von Pershing II
und bodengestützten Marschflugkörpern
dislozieren. Das Ziel des Bündnisses
waren jedoch weniger Raketen anstatt
mehr.
Unser Plan hing von unerschütterlicher
Solidarität
und
Festigkeit
selbst angesichts immensen Drucks ab,
und
dieser
Druck
wurde
ausgeübt.
Hätten diejenigen, die mit dem Ziel
des Einfrierens der Atomwaffen und
einseitiger Abrüstung protestierten,
die Oberhand gewonnen, so wäre Europa
heute dazu verdammt, im Schatten sowjetischer atomar bewaffneter INF-Raketen zu leben. Es muß der Demokratie zugute gehalten werden, daß der
politische Mut und Weitblick der verantwortlichen europäischen Politiker
obsiegte. Diese Entschlossenheit ermöglichte die Erlangung eines historischen Abkommens - eines Abkommens,
durch das eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF-Systeme von der Erde verbannt wird.
Das bevorstehende Abkommen basiert auf dem Vorschlag, den die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit
den Spitzenpolitikern der Verbündeten
im Jahr 1981 vorgelegt haben - der
"Null-Lösung".
Der Planung zufolge
sollen die Sowjets viermal soviele
Gefechtsköpfe beseitigen wie die Vereinigten Staaten. Nicht nur das gesamte Arsenal sowjetischer
Raketen
der Typen SS-20 und SS-4 wird vernichtet, sondern auch die SS-12 und
SS-23 Kurzstreckenraketen.
Das wird
die erste beiderseitige Reduzierung
von Nukleararsenalen in der Geschichte der Welt sein.
Darüber
schaffenden

- 3 -

hinaus können die abzusowjetischen
Kurzstrek-

�kenraketen nicht nur nukleare, sondern auch chemische und konventionelle Gefechtsköpfe tragen.
So machen
wir im Hinblick auf den Abbau dieser
Bedrohung Europas einen vielversprechenden Anfang.
Solche Errungenschaften sind weder das Ergebnis von Wunschdenken
noch werden sie durch laute Xußerung
des Verlangens nach Frieden wahrscheinlicher.
Anhaltender
Fortschritt entsteht aus nüchternem Realismus, energischen Anstrengungen und
Prinzipientreue. Ich kann Ihnen versichern, daß jeder von mir unterzeichnete Vertrag entweder realistisch sein und im langfristigen Interesse aller Mitglieder des Bündnisses
liegen wird, oder es wird überhaupt
kein Abkommen unterzeichnet.
Zum Beispiel hat die Sowjetunion
ein langes Register der Nicht-Einhaltung
bisheriger
Rüstungskontrollabkommen.
Somit wird jeder neue Vertrag unanfechtbare Bestimmungen für
eine wirksame Verifizierung enthalten, einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen der Einrichtungen vor und während der Reduzierungen und kurzfristige Inspektionen im Anschluß daran.
Die von uns vorgelegten Verifizierungsmaßnahmen
sind die einschneidensten in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen.
Niemar
von uns im Bündnis darf sich mit weniger zufriedengeben.
Rüstungskontrolle - wenn sie mit
Sorgfalt, zur Sicherstellung der anhaltenden Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung, sowohl auf nuklearer als
auch auf konventioneller Ebene durchgeführt wird - liegt im Interesse aller westlichen Länder.
Und jedes
INF-Abkommen sollte nicht als Ende
eines Prozesses, sondern als dessen
Beginn, als erster großer Schritt,
betrachtet werden.

Wir haben mit den Sowjets über
mögliche Reduzierungen der Arsenale
unserer strategischen Waffen verhandelt, denen wir höchste Priorität
beimessen. Es ist wiederum ein amerikanischer Vorschlag, der das Kernstück der Verhandlungen bildet - ein
ernsthaftes Angebot zur Reduzierung
der Arsenale
unserer
strategischen
Waffen um die Hälfte.
Erhebliche
Fortschritte sind erzielt worden, und
eine weitere Bewegung ist zu erwarten, wenn seitens der Sowjets Fexibilität erkennbar ist.
Völlig unannehmbar ist jedoch die
sowjetische Taktik, diesen Abbau der
Offensivwaffen
als
Faustpfand
für
Maßnahmen
einzusetzen,
die
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative
zunichte machen.
Wir wollen nicht
ohne jegliche Gegenleistung auf SDI
verzichten, das Hoffnung auf eine
sicherere Welt bietet, in der beide
Seiten stärker auf ihre Verteidigung
- die niemanden bedroht - vertrauen
als
auf
Offensivstreitkräfte.
Es
sollte unserer Aufmerksamkeit nicht
entgangen
sein,
daß
die
Sowjets
selbst Milliarden in ein eigenes Programm zur strategischen Verteidigung
investiert haben.
In jüngster Zeit war viel über
Reformen zu vernehmen, die jetzt in
der
Sowjetunion
eingeführt
worden
sind.
Man sagt, Glasnost habe eine
neue
Sra
eingeleitet.
Wer
würde
nicht hoffen wollen, daß diese Berichte der Wahrheit entsprechen und
der Optimismus gerechtfertigt
ist?
Ein wacher Verstand gebietet uns jedoch, daß wir bei der Entscheidung
darüber, was Wirklichkeit oder Illusion ist, nach greifbaren Verhaltensänderungen - nach Taten, nicht nach
Worten - Ausschau halten.
Wir werden zum Beispiel die Menschenrechtslage
in der
Sowjetunion

�eingehend
beobachten.
Es ist nur
schwer vorstellbar, daß man einer Regierung, die Freiheit im eigenen Land
weiterhin unterdrückt und das Vertrauen
ihres
eigenen
Volkes
mißbraucht, trauen kann, wenn es darum
geht, Abkommen mit anderen einzuhalten.
In diesem Jahr wurde es in der
Tat einigen sehr prominenten Persönlichkeiten gestattet, die Sowjetunion
zu verlassen.
Das ist eine bessere
Bilanz als die vergangenen Jahre,
dennoch gibt es immer noch viele weitere Fälle von Auswanderungswilligen
oder geteilten
Familien.
Und wir
sollten uns vor Augen führen, daß eine Verweigerung des Rechts auf Auswanderung nur einen geringen Teil der
Probleme im repressiven sowjetischen
System
ausmacht.
Ein
Zugeständnis
der Rede-, Religions- und Pressefreiheit, die Freilassung aller Gefangenen aus Gewissensgründen und eine Beendigung der Praxis, geistig völlig
gesunde
politische
Dissidenten
in
psychiatrische Kliniken einzuweisen,
ferner die Zulassung einer wahren Opposition und Freiheit der politischen
Wahl: diese Dinge - die wir alle als
selbstverständlich betrachten - würden das Zeichen setzen, daß ein wahrer Wendepunkt erreicht worden ist
und auch auf internationaler Ebene
Hoffnung auf einen positiven Wan lel
wecken.
Wenn es eine Beobachtung
gibt, die in der heutigen Welt Bedeutung hat, dann, daß Frieden und Freiheit Hand in Hand gehen. Je mehr die
sowjetische Führung ihr System öffnet
und ihr Volk befreit, umso wahrscheinlicher wird es, daß die Spannnungen zwischen Ost und West abnehmen.
Wenn wir uns das vor Augen führen, hoffen wir auch, in der sowjetischen
Außenpolitik
Veränderungen
wahrnehmen zu können. Mit der Besetzung Afghanistans haben sich die So-

wjets ganz klar in eine höchst prekäre Situation manövriert. Das afghanische Volk hat sich als das tapferste überhaupt erwiesen. Es kann sich
bei seinem Kampf um Unabhängigkeit
der Sympathie und Unterstützung aller
freien
Nationen
weiterhin
sicher
sein.
Die sowjetische Führung kann
die Anerkennung aller Menschen guten
Willens auf der Welt dadurch gewinnen, daß sie ihr Land aus einer Situation befreit, in der sie nicht gewinnen können, indem sie ihre Kampfhubschrauber am Boden lassen, sofort
ihre Truppen abziehen und es dem afghanischen Volk gestatten, sein eigenes Schicksal zu wählen. Solche Maßnahmen würden nicht als Rückzug, sondern als ein mutiger und positiver
Schritt gewertet.
Ein weiteres Zeichen - näher bei
Ihnen zu Hause und auf Ihrer Seite
des Atlantiks - wäre eine Lockerung
des sowjetischen Zugriffs auf Osteuropa. Warum sollten die Völker Europas wie jetzt mit Stacheldraht, Wachtürmen und Maschinengewehren geteilt
bleiben?
Warum sollten nicht alle
Europäer frei reisen, sich gegenseitig besuchen oder miteinander in Geschäftsbeziehungen
treten
dürfen?
Sollte
nicht die
Breschnew-Doktrin
letztlich aufgegeben werden?
Warum
sollten, vier Jahrzehnte nach dem
Krieg, noch 17 Millionen Deutsche wie
Gefangene in ihrem eigenen Land behandelt werden?
Eine wirkliche Öffnung und Anerkennung ihrer souveränen
Unabhängigkeit würde von allen Völkern Ost- und Mitteleuropas begrüßt
und keineswegs die Sicherheit der Sowjetunion oder eines anderen Landes
bedrohen.
Vor einigen Monaten habe ich Berlin
besucht.
Ich
stand
an
der
furchtbaren Mauer, die so mächtig die
Narbe symbolisiert, die den europäischen Kontinent teilt.
Es ist an

- 5 -

�der Zeit, daß diese Wunde heilt und
diese Narbe verschwindet.
wäre das
keine wunderbare Aussicht für die
Welt, wenn sich eines Tages Herr
Gorbatschow und ich in Berlin treffen
und gemeinsam die ersten Steine dieser Mauer abtragen könnten - und wir
könnten weitere Mauern einreißen, bis
das Mißtrauen zwischen unseren Völkern und die Narben der Vergangenheit
vergessen sind.
Vor einigen Monaten habe ich mir
den mutigen Kampf vor 40 Jahren ins
Gedächtnis zurückgerufen, mit dem der
europäische Kontinent befreit wurde.
Wir müssen zugeben, daß die Völker
der Sowjetunion in diesem heldenhaften Kampf tapfer gefochten und so immense Opfer gebracht haben, um den
gemeinsamen Feind zu besiegen. Nach
dem Krieg wurden wir zu Gegnern und
manchmal sogar erbitterten Feinden.
Das hätte nicht geschehen müssen unc
braucht nicht weiter so zu bleiben.
Jede Doktrin, die lehrt, oder jeder
Politiker, der behauptet, die Geschichte ginge ihren vorgezeichneten
Weg und Konflikte zwischen Völkern
und
Systemen seien
unausweichlich,
hat unrecht.
wir unterliegen nicht
etwa Kräften, die sich außerhalb unserer Kontrolle befinden. Wir, alle
Menschen in jedem Land, können die
Welt, in der wir leben, gestalten und
die Zukunft bestimmen.
Wir in d&lt; i
westlichen
Demokratien
haben gene )
das getan. Gemeinsam haben wir einen
freieren und wohlhabenderen Lebensstil und eine Gemeinschaft
freier
Menschen geschaffen. Ich bin sicher,
daß Sie mir zustimmen - die Tür steht
all denen offen, die den Weg mit uns
zusammen gehen wollen.
Der
deutsche
Dichter
Heinrich
Heine hat geschrieben, "Macht Euch
nicht über unsere Träumer lustig...
Ihre Worte werden als Samen der Freiheit aufgehen". Heute scheint unsere

Vision nicht nur einer friedlicheren
Welt, sondern einer Welt, in der demokratische Rechte in jedem Land genossen werden, noch mehr in den Mittelpunkt und fast in greifbare Nähe
gerückt zu sein. Wir werden weiterhin danach Ausschau halten und Hoffnungen
hegen, dennoch
müssen
wir
wachsam sein.
Stärke und Lebensfähigkeit des Bündnisses bleiben wesentliche Faktoren, auch wenn ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion neue Chancen
für den Frieden eröffnet. Genau diese von der NATO demonstrierte Stärke
ist eine Voraussetzung für einen solchen Fortschritt. Schwäche, Verwundbarkeit und Wunschdenken können zunichte machen, was durch Entschlossenheit erreicht worden ist.
Dennoch kann dies eine Zeit tiefgreifenden Wandels sein. Wie Ihnen
sicherlich bekannt sein wird, hat Generalsekretär Gorbatschow meine Einladung angenommen, Anfang Dezember zu
einem Gipfeltreffen nach Washington
zu kommen. wir werden dann persönlich das breite Spektrum der Themenkomplexe erörtern, von denen ich heute zu ihnen gesprochen habe. In der
Tat erwarte ich, daß wir im Verlauf
unserer
Besprechungen das Abkommen
über
amerikanische und
sowjetische
INF-Raketen unterzeichnen werden.
Unsererseits
bleibt
die
Verpflichtung
der Vereinigten
Staaten
gegenüber dem Bündnis und der Sicherheit Europas uneingeschränkt bestehen
- unabhängig davon, ob wir ein INFAbkommen
unterzeichnen oder nicht.
Mehr als 300 000 amerikanische Soldaten bei Ihnen auf dem Kontinent sowie
unsere unerschütterliche Garantie der
nuklearen
Abschreckung
untermauern
dieses
Gelöbnis.
Diejenigen,
die
voll Sorge darüber
sind, daß wir
vielleicht
davon abweichen
könnten
oder die Abschreckung geschwächt wür-

�de, haben in beiden Punkten unrecht.
Durch diesen Erfolg werden unsere
Bande eher gestärkt denn geschwächt.
Solch ein historischer Abbau von Nuklearwaffen, wie er jetzt in unmittelbare Nähe gerückt zu sein scheint,
wird greifbarer Widerhall der Einheit, Stärke und Entschlossenheit des
Bündnisses sein.
Was unsere Fähigkeit zur Wahrung
des Friedens anbetrifft, wird die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
weiterhin gewährleisten, daß Aggressionen auf jeder Ebene unterbunden
werden.
Eine auf Nuklearwaffen unterschiedlichster Kategorie gegründete wirksame Abschreckung, bis hin zu
landgestützten und Trägersystemen auf
Flugzeugen und Unterseebooten, dient
immer noch dem Schutz Europas und
bleibt dort stationiert.
Und wir
sind mit unseren Verbündeten übereingekommen, daß Fortschritte im Kräfteverhältnis bei den chemischen und
konventionellen
Streitkräften
vor
jeglichem
weiteren Abbau
nuklearer
Streitkräfte
in Europa
stattfinden
müssen.

,

»

Das Bündnis hatte bereits seit
einiger Zeit ein Modernisierungsprogramm für unsere Streitkräfte in die
Wege geleitet, so daß eine glaubwürdige Abschreckung
langfristig ai!'rechterhalten werden kann. Aus diesem
Grund
konzentrieren
sich
die
wichtigsten Initiativen auf die Verbesserung der konventionellen Stärke
der NATO. Und nachdem 18 Jahre lang
einseitig
von jeglicher
Produktion
chemischer
Waffen Abstand
genommen
wurde, werden bei unseren bescheidenen chemischen Waffenbeständen jetzt
Fortschritte
erzielt.
Die Sowjetunion besitzt allerdings das bei weitem umfassendste Arsenal chemischer
Waffen der Welt.

Aber ebenso wie wir bei den INFVerhandlungen vorgehen, versuchen wir
auch im chemischen und konventionellen Bereich die Diskrepanzen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, auf
dem
Verhandlungswege
zu
beheben.
Tatsächlich
haben
die
Vereinigten
Staaten mit Unterstützung der Verbündeten im Jahr 1984 ein durchgreifendes Verbot chemischer Waffen vorgeschlagen.
Im Hinblick auf die konventionellen Streitkräfte ist das Bündnis bereit - sofern der Osten uns auf halbem Wege entgegenkommt - mit gegenseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, den sogenannten
MBFR,
einen Truppenabbau
in Mitteleuropa
vorzunehmen.
Gleichzeitig wird
in
Wien ein Abkommen zwischen Ost und
West angestrebt, das erneute Verhandlungen über konventionelle Stabilität
vom Atlantischen Ozean bis zum Ural
zwingend erforderlich macht.
Wie Sie sehen können, ist unsere
gemeinsame Tagensordnung im Sicherheitsbereich breitgefächert und ehrgeizig. Ein INF-Abkommen ist ein bedeutender erster Schritt, jedoch nur
der erste, in Richtung auf unser umfassenderes Ziel.
Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß die Bürger der Vereinigten
Staaten voll und ganz verstehen und
zu würdigen wissen, daß wir in der
Sache des Friedens Partner mit Ihnen,
den Völkern der uns verbundenen westlichen Demokratien, sind. Aus diesem
Grund
begrüßen
wir
die
jüngsten
Schritte, die wir als neue Bereitschaft, ja sogar als gewissen Eifer
unter
einigen unserer
europäischen
Verbündeten
betrachten, im Bereich
der europäischen Verteidigung die Kooperation und Koordinierung untereinander zu intensivieren. Die wachsende Kooperation
zwischen
Frankreich

�und der Bundesrepublik
Deutschland
ist ein positives Zeichen, ebenso wie
die Modernisierung der unabhängigen
nuklearen
Abschreckung
in
Großbritannien und Frankreich, die beide
lebenswichtige Bestandtile des westlichen Sicherheitssystems sind.
In
der vergangenen Woche haben die Aussen- und
Verteidigungsminister
der
Westeuropäischen
Union eine beeindruckende
Erklärung
veröffentlicht.
In ihr wurde erneut die Bedeutung der
Aufrechterhaltung
unserer
nuklearen
und konventionellen Abschreckung bekräftigt und eine positive westeuropäische Identität für den Bereich der
Verteidigung
im Rahmen des Atlantischen
Bündnisses bestätigt.
wir
begrüßen diese Entwicklungen.
Im Verlauf der vergangenen vier
Jahrzehnte
wurden
die
Vereinigten
Staaten allzu häufig als überlegener
Partner im Bündnis gesehen.
Heute,
da die Wirtschaftsmacht Westeuropas
mit der der Vereinigten Staaten absolut vergleichbar ist, ist schon seit
langem die Zeit gekommen, in der wir
uns
selbst
als
gleichberechtigte
Partner
einschätzen.
Und
eine
gleichberechtigte Partnerschaft sollte unsere Bindungen nicht schwächen,
sondern stärken.
Sie sollte unsere
Möglichkeiten nicht begrenzen, sondern erweitern.
In den vergangenen vier Jahrzehn ten waren die Menschen in den Vereinigten Staaten und Europa die Antriebskraft für Fortschritt und Freiheit auf diesem Erdball. Und in einigen
wenigen
Jahren,
wenn
die
Menschheit buchstäblich in ein neues
Jahrtausend eintritt, werden wir den
Grundstein für eine Zukunft in Wohlstand und Freiheit gelegt haben. Die
Prophezeiungen
derjenigen
Zweifler
und Despoten haben sich als falsch
erwiesen
- und
zwar
als
absolut
falsch -, die in frühen Epochen die-

ses Jahrhunderts dachten, Demokratie
würde bald ausgestorben sein.
Wir
haben sichergestellt, daß es in den
vor uns liegenden Jahrhunderten die
freien Menschen sein werden, die die
Geschicke der Menschheit lenken werden, und lassen Sie mich prophezeien, daß eines Tages Freiheit und Gerechtigkeit diesen Planeten beherrschen werden. Freiheit ist nicht nur
das Geburtsrecht einiger weniger, sie
ist das von Gott gegebene Recht aller
seiner Kinder in jedem Land.
Sie
läßt sich nicht erzwingen.
Es wird
Freiheit geben, weil die Freiheit das
einzig wahre ist und weil Freiheit
funktioniert.
Es wird Freiheit geben, weil Kooperation und guter Wille
unter den freien Menschen obsiegen
werden.
Vor einigen Jahren vernahm ich
die Geschichte eines älteren Ehepaares - Natalia und Nels Mortensen das in der kleinen Stadt Marstal auf
der Insel Aerö in Dänemark lebt. In
den letzten 40 Jahren haben sie das
Grab eines jungen Mannes gepflegt,
den sie nie kennengelernt haben. Sie
jäten das Unkraut und pflanzen Blumen
und immer weht eine kleine amerikanische Fahne. Wenn sie verschlissen
ist, wird sie durch eine neue ersetzt.
Sie wachen über die letzte Ruhestätte des Feldwebels der amerikanischen Luftwaffe Jack Wagner, der
den Tod fand, als sein Flugzeug am
20. Juni 1944 in der Nähe von Aero
abgeschossen wurde, das damals besetztes Gebiet war.
Jack Wagners
Körper wurde einige Tage später ans
Ufer gespült, und die Nachricht darüber verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der kleinen Gemeinde.
Als
die Besatzungstruppen der Nationalsozialisten den jungen Amerikaner beerdigen wollten, sahen sie, daß nahezu
die ganze 2 000 Einwohner zählende
Gemeinde sich seit den frühen Morgen-

�stunden an seinem Grab versammelt
hatte, um dem jungen Piloten ihre
letzte Ehre zu erweisen. Der Weg war
von Blumen gesäumt.
Und als die
Truppen den jungen Jack Wagner seiner
Ruhestätte übergaben, hielt die Bevölkerung einen Trauergottesdienst ab
und legte rote, weiße und blaue Blumen auf sein Grab, zusammen mit einer
Schleife, auf der zu lesen stand:
"Wir danken Dir für das, was Du getan
hast."
Jack war ein 19 Jahre alter Amerikaner aus snyder County in Pennsylvania. Die dänischen Einwohner hatten ihn nie persönlich kennengelernt,
aber sie wußten, daß dieser junge
Mann sein Leben für sie gelassen hatte.
Er war genug um das Schicksal
anderer Menschen besorgt, denen er
niemals begegnet war, um das höchste
Opfer für ihre Freiheit zu erbringen.
Die Mortensens haben das nie vergessen. Sie kümmern sich immer noch um
sein Grab, als sei er ein Familienmitglied gewesen.
und in gewisser
Weise war er das. Ebenso wie wir alle Teil der Familie freier Menschen
sind.
Viele junge Menschen aus all unseren Ländern haben ihr Leben zur
Wahrung der Freiheit gelassen, die
wir heute genießen.
Viele unserer
Kinder
leisten noch ihren Die r ?t.
Sie stehen gemeinsam an den Bastionen
der Freiheit. Wir sorgen uns um jeden einzelnen von ihnen, als sei er
oder sie unser eigen Fleisch und
Blut.
Laßt uns soviel Mut aufbringen, wie sie aufbringen; laßt uns von
eben dem Stolz erfüllt sein, von dem
sie erfüllt sind.
Ich danke Ihnen, daß sie
Augenblick mit mir gemeinsam
haben. Gott schütze Sie.

diesen
erlebt

* * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
VON

^

Wissenschaft und Technik
12. November 1987

40

UN-RESOLUTION:

GEMEINSAM GEGEN AIDS

Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit
Politiker sind gefordert -

Experten und

WASHINGTON - (AD) - Eine "historische Resolution" nannte Charles Redman,
Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, den Beschluß der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom 26. Oktober 1987, weltweit alles zu tun, um
die Immunschwächekrankheit AIDS zu bekämpfen und geeignete Vorbeugungsmaßnahmen durchzusetzen.
Staaten aller politischen Systeme hätten sich bereit erklärt, das AIDS-Sonderprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO), einer
Organisation der Vereinten Nationen, nach Kräften zu unterstützen.

WHO-Generaldirektor Dr. Halfdan
Mahler verwies darauf, daß der Kampf
gegen AIDS und mit AIDS in Zusammenhang stehende Probleme "sowohl von
jeder einzelnen Regierung als auch
von der internationalen Gemeinschaft
vordringlich behandelt werden muß...
AIDS ist nicht nur eine Krankheit,
ein medizinischer Zustand, ein Gesundheitsproblem.
AIDS ist eine Bedrohung für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, für Menschen
in der produktivsten Phase ihres Lebens, für Familien und das Leben in
der Familie, für Mütter und ihre Kin-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der - für ganze Kulturen und Bevölkerungsgruppen".
Im
November
1986
hatten
Dr.
Mahler und Dr. Jonathan Mann, der Direktor des AIDS-Sonderprogramms der
WHO, eine weltweite Kampagne zur Förderung von Information und Zusammenarbeit eröffnet.
Als ein wichtiges
erstes Ergebnis sei, so Dr. Mahler,
die Bereitschaft von bisher 91 Ländern (40 in Afrika, 30 im Mittleren
Osten, in Asien und Ozeanien, 15 in
Nord- und Südamerika und sechs in Europa) zu werten, mit der WHO bei der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Einrichtung, Verbesserung und straffung nationaler Programme zusammenzuarbeiten.
Insgesamt 149 Länder verfügten nunmehr über nationale AIDSKomitees. An der offiziellen Meldung
von AIDS-Fällen an die WHO beteiligen
sich inzwischen 126 Länder (Stand vom
21. Oktober 1987: 62 445 Fälle weltweit). Auf Betreiben der WHO wird in
nächster
Zeit eine
"Weltkommission
für AIDS" gebildet, der Wissenschaftler, Politiker, Pädagogen, Sozialwissenschaftler sowie Vertreter der verschiedenen Fachgebiete der sozialen
Berufe und der Medien angehören sollten, "um alles zu beobachten und zu
überwachen, was auf internationaler
Ebene in bezug auf AIDS vor sich
geht".
Epidemiologen, Laborfachleute, Experten für Planung sowie für
Informations- und Fortbildungsprojekte haben sich bisher in 250 Arbeitseinsätzen mit den Problemen in einzelnen
Regionen
befaßt.
Die
WHO
richtete eine Virusbank ein, über die
internationale Wissenschaftler im Interesse der Forschung Studienmaterial
und Proben austauschen können.

ben, in Krankenhäusern, Schulen, im
öffentlichen Dienst und in vielen anderen wichtigen Bereichen tätig seien.
Die Inlandsmärkte der Entwicklungsländer, aber auch ihre Arbeitsmärkte erlitten Einbußen, was u.a. zu
einem Rückgang von Investitionen aus
dem Ausland
führen könne.
Kinder
fallen der Seuche zum Opfer, Zukunftshoffnungen
werden
zunichte.
Mühsam errungene Erfolge der WHO und
anderer Organisationen in der Eindämmung
der Kindersterblichkeit
seien
gefährdet, sagte Kopp. Darüber hinaus reduzierten die Aufwendungen für
AIDS zwangsläufig Gelder und Personal
für andere Programme im Gesundheitsund Erziehungswesen, aber auch für
Programme auf vielen anderen Gebieten.
Projekte
der
Auslandshilfe
durch internationale Banken und Industrieländer seien, so werde befürchtet, in der Durchführung nicht mehr
gesichert.

Dr. C. Everett Koop, ranghöchster
Arzt der Vereinigten Staaten ("Surgeon General"), gab in seiner Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu bedenken, daß AIDS
eine Gefahr für die Gesellschaft als
Ganzes, nicht nur für eine oder mehrere abgrenzbare Gruppen darstelle.
Aus diesem Grund seien alle verfügbaren Informationen offenzulegen, damit
sie erfolgreich als Arbeitsbasis genutzt werden könnten.

Aber auch in den Industrieländern
zeichneten sich, wie Dr. Koop unterstrich, schlimme Konsequenzen ab. So
wurden in den USA bislang 43 000
AIDS-Fälle
gemeldet,
25 000
AIDSKranke verstarben.
Man befürchte,
daß
schätzungsweise
1,5
Millionen
Amerikaner
infiziert
seien.
Sie
könnten
das HIV-Virus weitergeben,
ohne selbst Krankheitssymptome zu haben. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen sei zu erwarten, daß bei 30
bis 50 Prozent der Virusträger innerhalb von sieben Jahren nach der Infektion die Krankheit zum Ausbruch
komme.

Für die Entwicklungsländer wirke
sich die AIDS-Seuche noch katastrophaler aus als für die Industrieländer.
Denn sie treffe Menschen im
besten Alter, die normalerweise für
die Kinder, die Alten, die Kranken
sorgten, die in ihrem Lande in der
Landwirtschaft,
in
Industriebetrie-

AIDS
verursache
"astronomische
Kosten", sagte Dr. Koop. Die Behandlung eines einzigen Patienten könne
50 000 Dollar
und mehr erfordern.
"Wir schätzen, daß bis 1991 die Therapiekosten für AIDS allein in den
USA acht bis 16 Milliarden Dollar pro
Jahr erreichen". Wohl gebe es bemer-

- 2

�kenswerte Fortschritte in der Forschung - man habe in sechs Jahren
über AIDS mehr gelernt als in 40 Jahren über Poliomyelitis (spinale Kinderlähmung) oder in noch längerer
Zeit über Keuchhusten. Aber die Wissenschaft könne keine Wunder vollbringen. Und selbst wenn es gelänge,
einen Impfstoff zu entwickeln, dauere
es wegen der langen Inkubationszeit
Jahre, bis man definitiv sagen könne,
ob er wirksam sei oder nicht.
Deshalb müsse man mit gleicher
Intensität auch andere Aufgaben anpacken, die im AIDS-Umfeld gestellt
sind.
Eine davon sei sogar schon in
kurzer Zeit zu lösen - nämlich die
Gewährleistung HIV-freier Blutkonserven.
"Könnten wir dies, wenn alle
zusammenarbeiten,
bis
etwa
1991
schaffen?",
fragte
Dr. Koop fordernd...
"Die Technologie und die
Mittel dafür haben wir."

Neue Forschungsergebnisse
Seit der Einführung von Bluttests
zum Nachweis von HIV-fnfektionen im
Jahr 1985 ist in den Vereinigten
Staaten die Gefahr einer AIDS-Infektion durch Spenderblut drastisch zurückgegangen. Dennoch kann unter Umständen
ein
Virusträger
unerkannt
bleiben.
Wie Dr. Gerald
Sand" r,
(Präsidium des Amerikanischen Rc en
Kreuzes) erklärte, könne dies vielleicht bei einem unter 10 000 Blutspendern der Fall sein.
Unbekannt ist nach wie vor, bei
welcher Virenkonzentration mit einer
Infektion zu rechnen ist.
Wissenschaftler des amerikanischen Nationalen
Krebsforschungsinstituts
(NCI)
halten jedenfalls bei Spenderblut die
Anwendung neuer Tests für erforderlich, die bereits eine Antigen-Produktion als frühen Hinweis auf be-

stimmte Proteine aus dem AIDS-Virus
erkennen lassen. Die Forscher fanden
mit solchen Tests in einer Studie an
Homosexuellen Zeitdifferenzen bis zu
14 Monaten zwischen einer ersten positiven Reaktion, d.h. Bildung von
Antigenen, und dem späteren Nachweis
der Bildung von Antikörpern gegen die
AIDS-Viren.
Für den letztgenannten
Prozeß hatte man bisher eine Latenzzeit von nur drei bis 12 Wochen angenommen. Die neuen Antigen-Tests sind
allerdings
komplizierter
und kostspieliger als die Bluttests auf Antikörper. Leider sagen auch sie nichts
darüber aus, wie groß die Wahrscheinlichkeit
ist, daß eine
infizierte
Person AIDS überträgt, oder ab welcher
Antigen-Konzentration
im Blut
mit einer Weitergabe der Infektion
gerechnet werden muß.
Unterschiede in der Inkubationszeit, d.h. der Zeit von der Infektion
bis zum ersten Auftreten von Krankheitssymptomen, entdeckte eine amerikanische Forschergruppe von der Universität Georgia (Athens, Georgia) in
Zusammenarbeit mit englischen Kollegen. Während diese Periode bei Kindern bis zum vierten Lebensjahr im
Durchschnitt nur knapp zwei Jahre betrug und auch bei Personen über 60 vermutlich u.a. beeinflußt von deren
gesundheitlichem Gesamtzustand - wenig länger war, zeigten sich bei den
übrigen Altersgruppen auffallende Unterschiede
zwischen den Geschlechtern:
Männliche Personen erkrankten
nach etwa fünf bis sechs Jahren,
weibliche Personen dagegen erst nach
ca. neun Jahren. Worauf diese unterschiedliche Inkubationszeiten zurückgehen könnten, wird gegenwärtig untersucht .
Bei der Durchführung verschiedener anderer Studien in Kliniken von
New York, Florida und Kalifornien
fiel auf, daß Frauen der Krankheit

- 3 -

�nach ihrem massiven Ausbruch offenbar
früher erliegen als Männer. Während
bei letzteren eine durchschnittliche
Uberlebenszeit von 12 bis 14 Monaten
ermittelt wurde, betrug diese bei
Frauen nur knapp sieben Monate. Hier
könnte allerdings der Umstand eine
Rolle spielen, daß weibliche Patienten meist aus der Drogenszene kamen,
ihre körperliche Widerstandsfähigkeit
schon seit längerer Zeit beeinträchtigt war, und daß die Mehrzahl erst
sehr spät einen Arzt aufsuchte. Einer Erhebung des Gesundheitsamtes der
Stadt New York zufolge starben dort
seit 1982 mehr Personen aus der Gruppe der Fixer an AIDS (53 Prozent) als
aus der Gruppe der homo- und bisexuellen Männer (38 Prozent).
inzwischen liegen auch Beobachtungen über die längerfristige Wirkung
des
Medikaments
"Retrovir"
(AZT-Azidothymidin) vor. Wie Mediziner der Universität Miami berichten,
setzten gegen Ende des ersten Behandlungsjahres
nach
anfänglicher
Gewichtszunahme
und Verbesserung der
Immunlage bei den mei-ten Patienten
erneut Gewichtsverlust und Ausbreitung
opportunistischer
Infektionen
ein. Bei fast 70 Prozent mußte wegen
schwerer Nebenwirkungen, insbesondere
Anämie, die eigentlich notwendig Dosis reduziert werden. Zur Bekämpfung
einer der häufigsten Begleiterkr. kungen, der parasitären Lungenentzi•*•düng "Pneumocystis carinii", erproben
gegenwärtig Wissenschaftler der Universität Kalifornien (San Francisco)
und
des
Sloan-Kettering-Krebsforschungszentrums in New York eine Behandlung mit dem Präparat "Pentamidinisothionat" in Aerosolform.
Die
Toxizität wird durch diese ARt der
Applikation verringert, die Wirksamkeit gegen die Infektion erhöht.

Pflege
Amerikanische Gesundheitsexperten
beklagen einen schwerwiegenden Mangel
an Einrichtungen
zur Pflege AIDSKranker. Auch gebe es zu wenig Fachpersonal für Diagnose, Therapie und
Beratung von Personen mit AIDS. Die
medizinischen
Hochschulen
sollten
mehr
Ausbildungsmöglichkeiten
für
Xrzte, Zahnärzte, Krankenschwestern,
andere Assistenzberufe und Sozialarbeiter
schaffen, damit AIDS-Kranke
und ihre Familien besser betreut werden können.
Und gerade im Hinblick
auf AIDS sollte dem Drogenproblem
noch mehr Aufmerksamkeit zugewendet
werden, als dies bisher schon der
Fall sei. Dies gelte vor allem für
jene Gruppe von Drogenabhängigen, die
sich Rauschgifte intravenös spritzen.
Dr. C. Everett Koop äußerte sich
besorgt über Berichte, daß sich hier
und dort Xrzte, Schwestern oder anderes im Gesundheitswesen tätiges Personal weigere, sich mit AIDS-Patienten oder Personen, die ihrer Ansicht
nach
AIDS-infiziert
sein
könnten,
überhaupt zu befassen.
"Dieses Verhalten
einer
fehlinformierten
und
ängstlichen Minderheit könnte das Gefüge der traditionellen, auf den hippokratischen Eid gegründeten Medizin
zerstören", sagte Koop.
"So etwas
dürfen wir nicht geschehen lassen.
Wir dürfen uns nicht von jenen abwenden, die unsere Hilfe brauchen. Genau so wichtig ist es, daß wir selbst
die Hoffnung nicht aufgeben oder unsere Länder und deren Volkswirtschaften dem Wüten dieser Pandemie einfach
überlassen.
Sicherlich gibt es Menschen, die wir nicht retten können.
Aber ich bin überzeugt, daß unsere
wissenschaftlichen
Anstrengungen
im
Verein mit Sachkenntnis und Erziehung
zu richtigem Verhalten dieser schrekklichen Krankheit schließlich 'Einhalt' gebieten werden."
* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. November 1987

40

NASA-STARTTERMINE BIS 1995
- Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und
Wetterbeobachtung -

WASHINGTON - (AD) - In einem offiziellen Manifest gab die amerikanische
Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) am 22. Oktober 1987 ihr Programm für
bemannte und unbemannte Missionen für die nächsten Jahre bekannt. Demnach ist
der erste Start des Raumtransporters DISCOVERY, mit dem nach dem CHALLENGERUnglück vom Januar 1986 der bemannte Raumflug wiederaufgenommen werden soll,
für den 26. Juni 1988 vorgesehen. Die vier Astronauten an Bord werden u.a.
die Aufgabe haben, einen TDRS-Satelliten der NASA, der wichtige Funktionen für
Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung erfüllt, im Orbit abzusetzen. Noch im
gleichen Jahr sollen zwei, 1989 und 1990 insgesamt sieben militärische Nutzlasten mit Raumtransportern in den Weltraum gebracht werden.

Für 1989 sind vier seit langem
vorbereitete
wissenschaftliche
Missionen
in
Verbindung
mit
"Space
Shuttle"-Einsätzen geplant.
So soll
im April das Projekt MAGELLAN beginnen. Es hat zum Ziel, mit Radar hoher Bildauflösung die Oberfläche des
Planeten Venus möglichst genau zu
kartieren.
Im Juni folgen entsprechend dem Terminplan ASTRO-1, ein Observatorium für Beobachtungen im ultravioletten Spektralbereich, und das
Weltraumteleskop.
Gemeinsam mit der
Europäischen Weltraumorganisation ESA
mit einem Kostenaufwand von 1,3 Mil-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

liarden Dollar entwickelt, soll das
"Hubble-Teleskop" der Forschung sehr
viel detailliertere und weiter reichende Einblicke in die Tiefe des
Universums geben, als dies mit allen
anderen Instrumenten möglich ist.
Im Oktober 1989 will die NASA den
GALILEO-Satelliten starten. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesrepublik Deutschland geht es um
die erste umfassende Beobachtung bzw.
Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner
Monde
über
einen
längeren
Zeitraum.
12 Monate
später
soll

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�ULYSSES in den Weltraum gebracht werden.
Das Forschungsgerät, von NASA
und ESA gemeinsam entwickelt, wird
die nördliche Polregion der Sonne unter die Lupe nehmen.
Dies ist ein
Gebiet, das noch nie direkt beobachtet werden konnte, weil sich alle
bisher gestarteten Satelliten in der
Umlaufebene der Planeten um die Sonne
bewegen.

nisch-kanadischen
Radar-Satelliten
für die Beobachtung und Fernerkundung
von Festland, Meeresgebieten und Eismassen auf der Erdoberfläche.

Der Raumtransporter wird im Jahr
1990 außerdem
dazu benutzt, einen
englischen Nachrichtensatelliten, eine europäische Plattform für Langzeitexperimente im Weltraum und ein
Observatorium zur Erfassung von Gammastrahlung sowie zur Lokalisierung
von Gammastrahlen-Quellen in der Erdumlaufbahn
abzusetzen.
Über
1990
hinaus liegen noch keine Terminangaben für bemannte Raumflüge vor.
Bis Ende 1995 sind von der NASA
48 Starts unbemannter Raketen mit militärischen Nutzlasten, Wettersatelliten und einigen Forschungssatelliten vorgesehen. Mit einer DELTA-Rakete will man im Februar 1989 einen
EXPLORER-Satelliten für die Untersuchung
der
kosmischen
Hintergrundstrahlung in den Weltraum bringen.
Ein Jahr später folgt ein Satellit
zur Beobachtung von Röntgenstrahlung
und im August 1991 ein Forschungsgerät für den Bereich extrem kurzwelliger Ultraviolettstrahlung.
So wird
es möglich, einen "Himmelsatlas" für
das elektromagnetische
Spektrum zu
erstellen und die Strahlungsquellen
zu katalogisieren.
Vorläufig nur geplant sind für
Februar 1993 eine Mission, die zu einem
Redezvous
mit
einem
Kometen
führt, im März 1993 der Start eines
Mondsatelliten für geologische Beobachtungen und die Untersuchung des
Mondmagnetfeldes, und schließlich im
Juni 1994 der Start eines amerika- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Informationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans neuer Verteidigungsminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Kurzporträt von Frank Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Nationaler Sicherheitsberater mit "Entschlußkraft"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: INF-Vertrag muß langfristig im Interesse der NATO liegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet-Ansprache des amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Resolution: Gemeinsam gegen AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit - Experten und Politiker sind gefordert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Starttermine bis 1995&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und Wetterbeobachtung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

^

41

1 9 . November 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ist die NATO noch zettgemäß?
- Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt -

Shultz:

USA müssen Frieden in Nicaragua 'jede Chance* geben

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WIRTSCHAFT
Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der
Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Frühbehandlung mit Interferon
- Neue Therapien in der Erprobung -

* * * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
r/

L?

""*•"

Dokumentation

\A

19. November 1987

41

IST DIE NATO NOCH ZEITGEMXSS?

MÜNCHEN - (AD) - In einer Ansprache am 16. November 1987 vor. der HannsSeidel-Stiftung in München bekräftigte Botschafter Richard Burt, daß zahlreiche Bundesbürger sowohl auf der linken wie der rechte Seite des politischen
Spektrums bedauerlicherweise die falsche Lehre aus dem bevorstehenden amerikanisch-sowjetischen Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) ziehen.
"In
Wahrheit aber ist diese Übereinkunft nicht ein Sieg für Gorbatschow, sondern
für die NATO. Sie ist zustande gekommen, weil das Bündnis den Mut hatte, den
Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb und angesichts sowjetischer Drohungen
fest zusammenhielt.
Die richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet,
Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für den Umgang mit den
Sowjets."
Nochfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Kaum eine Institution der Gegenwart ist je so eingehend untersucht
worden wie die NATO. Zeit ihres Bestehens wurden unter Politikern, Wissenschaftlern und Kommentatoren immer
wieder Themen wie "Befindet sich die
NATO in einer Krise" oder "Ist die
NATO in Auflösung begriffen?" diskutiert.
Die Kritik scheint in den
letzten Jahren an Umfang zugenommen
zu haben. Viele behaupten, der Nutzen der NATO als Instrument kollektiver Sicherheit habe sich überlebt und
sie könne keinen Beitrag mehr zur Lösung der Art von Problemen leisten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit denen sich die meisten ihrer Mitgliedsstaaten in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen werden.
Gedanken, die NATO liege in den
letzten Zügen oder etwa, sie sei
nicht mehr zeitgemäß, möchte ich entschieden entgegentreten.
Ich kann
innerhalb des Bündnisses weder bedeutende strukturelle Probleme ausmachen
noch erkenne ich irgendwelche tragfähigen Alternativen. Damit möchte ich
natürlich nicht bestreiten, daß es
Probleme
gibt.
Tatsächlich
sieht
sich die NATO gegenwärtig einer Reihe

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�großer Herausforderungen ausgesetzt,
die teils von innen, teils von außen
an sie gestellt werden.
Die bedeutendste Herausforderung
von außen besteht in der geschickten
sowjetischen
Diplomatie.
Unter
Gorbatschow decken sich die Grundzüge
sowjetischer
Strategie
mit
der
Breschnews, insbesondere die Ausdehnung sowjetischer politischer Hegemonie auf ganz Europa durch die Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten. Was sich hingegen verändert hat, ist die sowjetische Taktik. In einer Zeit, in der Rüstungskontrolle in praktisch allen westlichen Staaten einen wichtigen innenpolitischen Stellenwert einnimmt, ist
die neue sowjetische Führung darum
bemüht, ihre Ziele jetzt durch Rüstungskontrolle zu erreichen, statt
durch die fortgesetzte Aufrüstung ihrer Streitkräfte.
Durch die Denuklearisierung
Europas
meinen
Gorbatschow und seine Berater, diese
Abkoppelung mit Hilfe ihrer konventionellen Überlegenheit erzielen zu
können.
Eine große Herausforderung, die
von innen an das Bündnis gestellt
wird, liegt im zunehmenden Kirchturmdenken in Europa und dem Unilateralismus in den Vereinigten Staaten.
In Europa befürwortet manch einer die
"Europäisierung"
dieses
Kontinents,
die eine verringerte Rolle der Vereinigten Staaten, atomwaffenfreie Zonen und Denuklearisierung impliziert.
Es werden Argumente vorgebracht wie
etwa, Europa dürfe nicht Gefahr laufen, zum Schlachtfeld der Supermächte
zu werden.
Das Spiegelbild dieses
Trends ist die wachsende Frustration
über die Europäer in den Vereinigten
Staaten, die wiederum Vorschläge zum
Abzug amerikanischer Truppen und Diskussionen über die Reduzierung der
amerikanischen Nuklearpräsenz in Eu-

ropa zur Folge hat. Weitere Herausforderungen lassen sich in der wachsenden Popularität der Rüstungskontrollrhetorik und in dem - besonders
in Europa - weitverbreiteten Glauben
erkennen, Rüstungskontrolle sei ein
Allheilmittel für Sicherheitsprobleme.
Kurzum: der in den fünfziger und
sechziger Jahren erarbeitete und in
den siebziger Jahren zunehmenden Belastungen
ausgesetzte
atlantische
Konsens ist nun in den achtziger Jahren in Gefahr. Von beiden Enden des
politischen Spektrums wird Druck auf
ihn ausgeübt.
Dies ist aus der gegenwärtigen
Debatte über den bevorstehenden INFVertrag klar ersichtlich.
Die von
vielen Europäern zum Ausdruck gebrachten Ansichten und Befürchtungen
haben, so scheint mir, weniger mit
dem Vertrag an sich zu tun als mit
den Lehren, die aus ihm zu ziehen
sind. viele Deutsche, sowohl aus dem
linken wie dem rechten Lager, ziehen
leider die falschen Lehren.
Erstens sind viele der Ansicht,
wir verdankten dieses Abkommen Generalsekretär Gorbatschow, und Glasnost
und Perestroika
trügen hier erste
Früchte. In Wahrheit aber ist diese
Übereinkunft
nicht
ein
Sieg
für
Gorbatschow, sondern für die NATO.
Sie ist zustande gekommen, weil das
Bündnis den Mut hatte, den Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb
und
angesichts
sowjetischer
Drohungen
fest
zusammenhielt.
Die
richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet, Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für
den Umgang mit den Sowjets.
in der Tat ist das vielleicht
wichtigste Resultat der INF-Verhand-

- 2 -

�lungen, daß der einseitigen Abrüstung
des Westens damit ein Ende bereitet
werden sollte. Wie sich die meisten
von Ihnen erinnern werden, gab es Anfang der achtziger Jahre eine ausgedehnte Debatte in den NATO-Ländern,
ob das Bündnis pershing II-Raketen
und Marschflugkörper stationieren und
damit eine glaubwürdige Verhandlungsposition in Genf schaffen solle, oder
ob wir die Bedrohung durch die SS-20
außer acht lassen, einseitig auf die
Stationierung verzichten und hoffen
sollten, daß die Sowjets auf die
gleiche Weise reagierten.
Der verlauf der INF-Verhandlungen hat eindeutig die Gültigkeit des ersten Arguments bestätigt. Es ist jetzt erwiesen, daß der wirksame Weg zur Rüstungskontrolle am Verhandlungstisch
zu finden ist und daß wir, um bei
Verhandlungen
mit
der
Sowjetunion
Fortschritte zu erzielen, starke und
energische Verteidigungsanstrengungen
aufrechterhalten müssen.
Der zweiten, oft im linken Lager
aus der Erfahrung mit INF gezogenen
falschen Lehre zufolge bedeutet dieses Abkommen einen Wendepunkt in der
Entwicklung
westlicher
Strategien,
einen ersten Schritt auf dem Weg zum
atomwaffenfreien Europa und zum Verzicht auf nukleare Abschreckung. ich
möchte eindeutig klarstellen, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht
hegen, diesen Weg einzuschlagen.
In
absehbarer Zukunft wird das Bündnis
weiterhin auf seine Strategie der
flexiblen Reaktion bauen, deren wesentlicher Bestandteil die nukleare
Abschreckung bleibt.
Nach dem Abschluß eines Vertrages über Mittelstreckenraketen
bleibt
immer
noch
eine erhebliche Anzahl und Vielfalt
nuklearer Trägersysteme der vereinigten Staaten - Flugzeuge, Raketen und
Schiffe - für die Verteidigung Europas erhalten.

Die dritte falsche Lehre, die
häufig im rechten Lager aus den Erfahrungen mit INF gezogen wird, besagt, die Abschaffung amerikanischer
LRINF sei der erste Schritt zu einem
Rückzug der Amerikaner aus Europa.
Nichts könnte weniger der Wahrheit
entsprechen. Die Vereinigten Staaten
werden ihre Truppen nicht aus Europa
abziehen. Trotz der Vorschläge einiger Politiker in Washington unterstützt die amerikanische Öffentlichkeit - wie jüngste Meinungsumfragen
bestätigt haben - einhellig unser Engagement und die starke amerikanische
Präsenz in Europa. Wichtig ist, daß
durch europäische Furcht vor einem
amerikanischen
Truppenabzug
nicht
Geister gerufen werden, die man nicht
wieder los wird.
Die
Christlich
Soziale
Union
tritt seit langem für ein starkes
Bündnis
und
gesunde
amerikanischdeutsche Beziehungen ein.
Sie sind
in
der
Vergangenheit
stets
gute
Freunde Amerikas gewesen und werden
dies, wie ich glaube, auch weiterhin
sein. In den vor uns liegenden Monaten müssen wir gemeinsam eine Aufgabe
angehen, die für die künftige Solidität des Bündnisses von existentieller
Bedeutung ist, das heißt, wir müssen
sicherstellen, daß die Öffentlichkeit
aus den Erfahrungen mit INF die richtigen Lehren zieht.
Nur wenn wir
dieses ziel mit Erfolg erreichen,
können wir eine feste Grundlage für
weitere Bemühungen zur Stärkung des
Bündnisses errichten.
Kritiker
des
Bündnisses
von
rechts und von links verweisen auf
einige
anhaltende
reale
Probleme.
Europäische Kritiker äußern zu Recht,
die Vereinigten Staaten hätten manchmal versäumt, Konsultationen mit ihren europäischen Partnern abzuhalten
und auch nicht immer die Ansichten
der Europäer in ihrer ganzen Band-

�breite berücksichtigt.
Amerikanische
Kritiker haben wiederum recht mit ihrem Hinweis darauf, die Europäer hätten es unterlassen, die weltweite
Verantwortung zu übernehmen, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht.

Abzug von 100 000 amerikanischen Soldaten aus Europa in andere Gebiete
läßt sich nicht verwirklichen.
Dieser Ansatz würde keinesfalls die Europäer zu vermehrten Verteidigungsanstrengungen
anregen, sondern genau
das Gegenteil bewirken.

Trotzdem sollten wir uns bei der
Beurteilung der Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die NATO
heute konfrontiert
sieht, folgende
Schlüsselfrage stellen: Gibt es als
tragfähige Alternative eine übergreifende Struktur, mit der die Sicherheit des Westens gleichermaßen garantiert werden kann?
Meine Antwort
darauf ist ein klares "Nein".

Was kann und soll nun unternommen
werden, um den wahren Herausforderungen entgegenzutreten, die sich der
NATO stellen?
Die Lösung liegt meiner Ansicht nach nicht in der Erfindung eines großartigen neuen Modells.
Vielmehr sollten wir unseren Völkern
gewisse
Grundprinzipien
vor
Augen
führen, die das Bündnis untermauern
und uns dieser Prinzipien - so kraftvoll und überzeugend wir dies vermögen - versichern.
Ich würde diese
fünf Grundsätze folgendermaßen definieren:

Es sind in der Tat von verschiedenen Seiten Alternativen zur gegenwärtigen Struktur gefordert worden.
Aber diese sind entweder politisch
unrealistisch oder nicht funktionsfähig, wenn es darum geht, die Sicherheit Europas zu garantieren.
Zum
Beispiel könnte die Alternative einer
völlig unabhängigen europäischen Verteidigungsgemeinschaft - deren Kernstück
die europäische
Abschreckung
und eine politische Struktur zur Kontrolle
dieser
Abschreckung
bilden
würde
- langfristig machbar sein,
aber sicherlich nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Desgleichen würde ein
entmilitarisiertes
Europa
Traum
manches
europäischen
Linken
- im
Schatten
sowjetischer
Militärmacht
nicht lange überleben. Aus ähnlichen
Gründen würde eine politische Verständigung mit der Sowjetunion nicht
die Sicherheit Europas garantieren.
Eine
Variante
wie
etwa
Helmut
Schmidts Vorschlag, in Europa die
Rolle der Amerikaner von Frankreich
übernehmen zu lassen, ist ebensowenig
durchführbar.
Frankreich ist weder
bereit noch in der Lage, solch eine
Verantwortung
zu
tragen.
Auch
Zbigniew
Brzezinskis Vorschlag zum

- Erstens ist das Engagement der
Vereinigten Staaten auf dem Kontinent
sowohl
im Hinblick auf
Truppen als auch
Nuklearwaffen
jetzt und in Zukunft entscheidend.
Für die Glaubwürdigkeit
der Strategie des Bündnisses muß
dieses
Engagement
ein
wesentlicher Bestandteil sein und nicht
nur Zeichen setzen.
- Zweitens wird nukleare Abschrekkung
stets unverzichtbarer
Bestandteil der Strategie des Bündnisses sein.
Das bedeutet, daß
die Präsenz amerikanischer Nuklearwaffen auf europäischem Boden
ebenso
wie
die
Beibehaltung
schlagkräftiger
strategischer
Streitkräfte
in
Mitteleuropa
durch
die
Vereinigten
Staaten
weiterhin ein wesentliches Element der westlichen
Sicherheit
bilden, auch bei unseren gegenwärtigen Bestrebungen zum Abbau
von Nuklearwaffen durch ausgehandelte Abkommen.

�- Drittens muß sich das Bündnis zur
Aufrechterhaltung
der
Strategie
der flexiblen Reaktion auf ausreichende konventionelle Streitkräfte
stützen
können.
Angesichts des derzeitigen Kräfteverhältnisses
ist eine gemeinsame
Anstrengung zur Behebung des bestehenden
konventionellen
Ungleichgewichts - sei es durch
Verstärkung der Streitkräfte oder
Rüstungskontrolle oder eine Kombination der beiden - unerläßlich.
- viertens muß es innerhalb des
Bündnisses
zu
einer
gerechten
Verteilung der Lasten kommen, die
nicht einfach in Zahlen gegeneinander aufgerechnet werden können.
Lasten nichtfinanzieller Art, wie
zum Beispiel die Dichte der stationierten
Streitkräfte
sowie
Häufigkeit und Umfang von Übungen
sollten ebenfalls berücksichtigt
werden.
Auch in bezug auf Verantwortlichkeiten
außerhalb
des
Bündnisgebietes muß in der NATO
eine
Lastenverteilung
erfolgen.
In
diesem
Zusammenhang
sollte
nicht unerwähnt bleiben, wie sehr
die amerikanische Regierung die
Entscheidung der Bundesregierung
zu schätzen weiß, als Ausgleich
für die Aktivitäten der Amerikaner und der anderen Bündnispartner im Persischen Golf Schiffe
der Bundesmarine ins Mittelmeer
zu entsenden.
- Fünftens und letztens muß das
Prinzip des gleichmäßig verteilten Risikos innerhalb des Bündnisses
aufrechterhalten
werden.
Von keinem Mitglied des Bündnisses oder einer Gruppe von Bündnispartnern
kann die Übernahme
erheblich größerer Risiken verlangt werden, als sie die anderen
NATO-Partner erwartungsgemäß tragen müssen.
Das Territorium der

europäischen Verbündeten darf weder als ausschließlicher Kriegsschauplatz
für einen nuklearen
oder konventionellen Konflikt in
Erwägung
gezogen
werden,
noch
darf es einen Automatismus geben,
der zur raschen und unvermeidlichen Eskalation eines strategischen Krieges in Mitteleuropa
führen würde.
Die Lösung besteht meiner Meinung
nach daher nicht darin, die bestehende Struktur der NATO zu ersetzen,
sondern sie vielmehr zu verstärken,
indem
diese
fünf
Grundsätze
als
Richtlinien Anwendung finden.
Wenn
wir in eine Welt nach INF eintreten,
werden wir unser besonderes Augenmerk
darauf richten müssen, daß uns die
zur Durchführung dieser Strategie erforderlichen Streitkräfte garantiert
zur Verfügung stehen.
Von
vordringlichster
Bedeutung
könnte sein, daß wir zu einer Zeit,
in der ein Abkommen über die Beseitigung nuklearer Waffen in greifbare
Nähe gerückt zu sein scheint, sicherstellen müssen, daß das Bündnis über
ausreichende
konventionelle
Streitkräfte verfügt.
Der Verstärkung der
konventionellen
Streitkräfte
sollte
höchste Priorität beigemessen werden.
Gleichzeitig müssen wir die Gewähr
dafür bieten, daß das Bündnis im Einklang mit dem Beschluß von Montebello
ein angemessenes Arsenal moderner nuklearer Fähigkeiten kürzerer, mittlerer und längerer Reichweite beibehält.
Der zur Verhandlung stehende
INF-Vertrag enthält keinerlei Verfügungen, die uns von der Aufrechterhaltung eines solchen Arsenals abhalten würden.
Ferner müssen wir einen umfassenden und einheitlichen Ansatz zur Rüstungskontrolle erarbeiten, der sich
mit den von mir formulierten fünf

- 5 -

�Grundsätzen deckt.
insbesondere im
Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle sollten sich die Bestrebungen des Bündnisses auf die Hauptursache der Unsicherheit auf dem europäischen Kontinent - die Invasionsfähigkeit des Warschauer Pakts - konzentrieren.
Dieser Ansatz hat drei
eindeutige
Implikationen.
Erstens
müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf
die bedrohlichsten Elemente der Militärmacht des warschauer Pakts lenken,
das heißt, die gepanzerten Streitkräfte
der
Sowjetunion.
Zweitens
müssen die Reduzierungen einschneidend und stark asymmetrisch vorgenommen werden. Und drittens dürfen Reduzierungen
des Westens nicht auf
amerikanische
Streitkräfte
konzentriert sein, da die anhaltende Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden für die Verteidigung
Europas ebenso entscheidend ist wie
die Präsenz der amerikanischen Nuklearwaffen hier.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß uns die NATO in den etwas mehr
als 40 Jahren seit ihrer Gründung gute Dienste geleistet hat und von einer alternativen Sicherheitsstruktur
für den Westen keine Rede sein kann.
Die vor uns liegende Aufgabe besteht
daher vielmehr in der Stärkung der
uns zur Verfügung stehenden Struktur
und in der Verbesserung unserer Strategie.
Unter den Teilnehmern dieser
Konferenz befinden sich einige der
engagiertesten Verfechter des Atlantischen Bündnisses und der deutschamerikanischen Beziehungen im besonderen. Wir freuen uns, daß Sie uns
in der vor uns liegenden Zeit mit Rat
und Unterstützung zur Seite stehen
werden.

* * * * *

�18. November 1987

41

SHULTZ:

USA MÜSSEN FRIEDEN IN NICARAGUA "JEDE CHANCE" GEBEN

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Vor der Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erklärte Außenminister Shultz am 10. November 1987, die
Reagan Administration stelle bis nächstes Jahr keine weitere Unterstützung für
die Widerstandskämpfer in Nicaragua bereit.
"Das heißt nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen, wenn die Sandinisten den militärischen Sieg zu erlangen suchen", fuhr Shultz fort.
"Wir
werden die Widerstandskämpfer angesichts hochentwickelter sowjetischer Waffen
und kubanischer Berater nicht ohne die erforderlichen Mittel sich selbst überlassen" .
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Außenminister shultz im Wortlaut.
Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen, Delegationsleiter, Herr Generalsekretär,
Herr
stellvertretender
Generalsekretär, meine Damen und Herren.
Der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten zufolge ist es
der
"historische Auftrag Amerikas,
allen Menschen ein freies Land zu
bieten".
Der
demokratische
Wandel, der
sich
jetzt
in unserer
Hemisphäre
vollzieht, verleiht unserem gemeinsa-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

men Auftrag neues Leben. Der brasilianische Präsident Sarney hat diesen
Wandel als das "erstaunlichste und
bewegendste politische Ereignis der
jüngsten Jahre bezeichnet".
Präsident Reagan zitiert es als "eines des
stolzesten Kapitel in der Geschichte
der Menschheit".
Zweifelsohne sollte dieser demokratische Wandel auch ein Augenblick
des Triumphes für unsere regionalen
Organisationen sein.
So sollte es sein, aber

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D 5300 Bonn 2

dem

ist

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht so. Oder zumindest noch nicht.
Viele
unserer Mitgliedsländer
sind
demokratischer als je zuvor.
Aber
einige sind noch immer undemokratisch, und einige wenige sind mit System undemokratisch. Und überall auf
der Welt versuchen wir immer noch,
den durch geringes Wirtschaftswachstum und ungleich verteilte Entwicklungen entstandenen menschlichen Problemen Herr zu werden.
Beide Probleme - die politischen
wie die wirtschaftlichen - sind gravierend.
Beide tragen zu Spannungen
bei, die Einfluß auf die internationale
Sicherheit
haben.
In meinen
heutigen Ausführungen möchte ich diese beiden Problemkreise ansprechen.

Ankurbelung von Wirtschaftswachstum
und sozialer Entwicklung
Ich setze großes Vertrauen in eine bessere wirtschaftliche
Zukunft
für Lateinamerika. Die von uns seit
1982 gemeinsam unternommenen Anstrengungen stärken mein Vertrauen.
Dieses ist die fünfte Generalversammlung, an der ich als Außenminister
teilnehme. Seit den Tagen der Krise
im Jahr 1982 haben sich die Wirtschaftsstatistiken
über
die . Jahre
hinweg konstant verbessert.
Seit dem im Jahr 1985 in Seoul
ins Leben gerufenen Programm für anhaltendes Wachstum haben wir große
Anstrengungen unternommen.
Das Gesamtwirtschaftswachstum beläuft sich
jetzt ohne Unterbrechungen im dritten
Jahr auf über 3 Prozent - im Jahr
1986 erreichte es fast 4 Prozent.
Die Interamerikanische Entwicklungsbank berichtet, daß das Jahr 1986 für
zwei
Drittel ihrer
Mitgliedsländer
einen besseren Verlauf nahm als 1985.
Andere Indikatoren sind ebenfalls positiv: Die Exporterlöse steiqen wei- 2

terhin an, die Importe erholen sich,
die Lage auf dem Rohstoffmarkt verbessert sich, das reale Pro-Kopf-Einkommen ist angestiegen, es gibt Anzeichen für eine Erholung der Kapitalflucht, und die
Inflationsraten
sind niedrig.
Erneute Kreditvergabe und Hilfsleistungen an die Region seitens der
internationalen Finanz- und Entwicklungsinstitutionen beliefen sich im
Jahr 1986 auf mehr als 9 Milliarden
Dollar.
Im Verlauf der vergangenen
zwei Jahre sind über 9 Milliarden
Dollar an ausstehenden Handelsschulden
zurückgeflossen.
Das amerikanische Defizit im Handel mit Lateinamerika und der Karibik beläuft sich
weiterhin auf 15 Milliarden Dollar
jährlich. Auch dadurch ist ein wichtiger Beitrag zu den Wachstumsaussichten für Lateinamerika insgesamt
geleistet worden.
Als Antwort auf die besonderen
Probleme im Karibischen Becken haben
die Vereinigten
Staaten seit 1981
mehr als 7 Milliarden Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe zur Verfügung gestellt.
Dies ist fünf mal
mehr als die 1,4 Milliarden Dollar an
militärischer Hilfe, die wir zur Wahrung
lebenswichtiger
Sicherheitsinteressen ausgegeben haben. Selbst in
Fällen, in denen wir uns auf verfügbare offizielle Hilfsleistungen konzentriert haben, bleiben wir tragfähigen
Entwicklungen
verpflichtet.
Wir sind uns bewußt, daß solche Entwicklungen sich nur auf einen starken
Privatsektor gründen können und nicht
auf
langfristige
Abhängigkeit
von
ausländischer
Hilfe.
Entsprechend
haben wir versucht, einen Anreiz für
Investitionen zu schaffen, indem wir
im Rahmen der Initiative Karibisches
Becken eine Lockerung des Handels bewirkt haben. Das fruchtbare Ergebnis
war eine mehr als 30prozentiqe Zu-

�wachsrate bei amerikanischen Importen
nicht herkömmlicher Produkte aus den
Ländern des Karibischen Beckens in
den vergangenen drei Jahren bis 1986.
Weltweit liegt das Pro-Kopf-Einkommen jedoch noch weit unter dem Niveau, das erreicht worden war, bevor
die Finanzflüsse im Jahr 1982 zum
Problem wurden.
zusätzlich
trüben
die
derzeitigen
Entwicklungen
das
wirtschaftliche Bild. Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um
dies zu beheben. Der starke Abwärtstrend der Zinssätze hatte die lateinamerikanischen Forderungen für geleistete Dienste um ca. 5 Milliarden
Dollar pro Jahr verringert, aber die
Zinssätze sind wieder im Ansteigen
begriffen.
In den vereinigten Staaten unternehmen wir vermehrte Anstrengungen, um unserer Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen.
Unter Präsident Reagan haben wir protektionistischen
Maßnahmen
vehement
widerstanden, dennoch üben die Verfechter des Protektionismus weiterhin
starken Druck aus.
Wir sind entschlossen, ein offenes Handelssystem
aufrechtzuerhalten.
Wir werden uns
weiterhin gegen solche Maßnahmen wehren und dafür benötigen wir Ihre Hilfe.
Wir sind der Überzeugung, daß die
internationalen
FinanzInstitutionen
der Weltbank und des Internationalen
Währungsfonds eine Schlüsselrolle bei
der Förderung des Wachstums übernehmen müssen.
Daher haben wir unsere
Zustimmung zur Teilnahme an den Verhandlungen über eine Kapitalaufstokkung der Weltbank gegeben.
Darüber
hinaus haben wir einen neuen ausländischen Reservefonds für den internationalen Währungsfonds vorgeschlagen, durch den unvorhergesehene Entwicklungen
wie geringere Rohstoffpreise, ein vermindertes Exportvolumen und höhere Zinssätze aufgefangen

werden.
Eine starke Weltwirtschaft erfordert anhaltende Wirtschaftsreformen.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein
wird, haben wir von den führenden
Überschußländern verstärkte Maßnahmen
erwartet.
Die Märkte geben einen
Hinweis darauf, daß die Vereinigten
Staaten zu lange die Lokomotive des
Weltwirtschaftswachstums
waren
und
sich in Wirklichkeit etwas übernommen
haben.
Auch hier ist Ihre aktive
Teilnahme vonnöten. sie können dazu
beitragen, unsere Handelspartner, von
der Bedeutung einer Verringerung ihrer Handelsüberschüsse zu überzeugen.
Sie können auch helfen, indem Sie mit
stärkerer Entschlossenheit die Wirtschaftsreformen durchführen, die für
zukünftiges
Wachstum
erforderlich
sind.
Wir alle, die wir in dieser
Hemisphäre leben, müssen an der Ankurbelung unserer Sparraten und der
Investitionstätigkeit
arbeiten
und
uns vor allem zu vermehrter Zusammenarbeit verpflichten, um die notwendigen Bedingungen zu schaffen, die bis
in die neunziger Jahre und darüber
hinaus anhaltendes Wachstum und den
Aufschwung
der Demokratie
sichern,
von dem Lateinamerika in den achtziger Jahren gekennzeichnet war.

Die Übereinkunft von Guatemala
Ich möchte mich jetzt der von
fünf unserer Mitgliedsstaaten ergriffenen Initiative zuwenden, in Mittelamerika Frieden durch Demokratie zu
schaffen.
Meine Regierung ist der
festen Überzeugung, daß das Guatemala-Abkommen entschiedenen Fortschritt
herbeiführen kann.
Unsere Organisation sollte keine Mühe scheuen, den
mittelamerikanischen Mitgliedsstaaten
bei ihren Bestrebungen zur Erlangung
des Friedens behilflich zu sein.

- 3 -

�Die Hand in Hand gehenden Forderungen der Übereinkunft von Guatemala
- Demokratie und nationale Aussöhnung
- fügen sich zu dem einzigen Weg zusammen, durch den dem Blutvergießen
ein Ende bereitet, uneingeschränkte
Teilnahme
am politischen Geschehen
und der Abbau des Ost-West-Konflikts
in der Region gewährleistet werden
können.
Die Verleihung des diesjährigen
Friedensnobelpreises an den Präsidenten
eines
unserer
Mitgliedsländer
spiegelt diese Realität wider.
Wir
beglückwünschen
Präsident
Arias.
Seine Auszeichnung ist gleichzeitig
die Anerkennung seiner fortgesetzten
Bemühungen, den demokratischen Wandel
der Region und den jahrelangen Kampf
des mittelamerikanischen Volkes und
der demokratischen Führung zu Ende zu
bringen.
Die Durchführung des GuatemalaAbkommens erweist sich als relativ
kompliziert, aber die ihm zugrunde
liegende Vision ist in Wirklichkeit
sehr einfach. Es ist die Vision eines auf Freiheit und Demokratie gegründeten regionalen Friedens.
Der
Demokratisierungsprozeß
muß
Pressefreiheit,
uneingeschränkten
politischen Pluralismus sowie freie Wahlen und die Aufhebung des Ausnahmezustands
beinhalten.
Wie
Präsident
Reagan vor dem Ständigen Rat der OAS
formulierte,
ist
"Demokratie
der
Grundpfeiler" der Übereinkunft von
Guatemala.
Parallel zu diesem Demokratisierungsprozeß muß ein Prozeß der nationalen Aussöhnung einhergehen.
jede
Regierung sollte alle eforderlichen
Schritte unternehmen, um einen wirksamen,
ausgehandelten
Waffenstillstand mit den bewaffneten Oppositionsgruppen zu erzielen und in einen
fruchtbaren Dialog mit ihren poli-

tischen
Gegener
einzutreten.
Zur
weiteren
Förderung
des
nationalen
Aussöhnungsprozesses muß jede Regierung außerdem ein Amnestiegesetz zur
"Gewährleistung der Unverletzlichkeit
des Lebens und der Freiheit in allen
ihren Formen" verabschieden.
Gleichzeitig mit der Einhaltung
dieser Verpflichtung zur Demokratisierung
und
nationalen
Aussöhnung
verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, Streitkräften, die
andere
Staaten destabilisieren, die Benutzung
ihres nationalen
Territoriums
für militärische Zwecke zu verweigern.
Ferner werden dritte Parteien
aufgerufen, ihre Unterstützung irregulärer Truppen aufzugeben, mit Ausnahme der Fälle, in denen sie für die
Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge
erforderlich ist.
Schließlich, und dies ist von
vorrangiger Bedeutung, ist die Übereinkunft von Guatemala nicht eine
Reihe
isolierter
unilateraler
Verpflichtungen:
Sie ist, wie in der
Übereinkunft
zu lesen steht, "ein
harmonisches und unteilbares Ganzes".
Sie ist ein Ganzes, das vollständig
von der gleichzeitigen Verwirklichung
gegenseitiger
Verpflichtungen
abhängt.
Damit das Abkommen Wirkung
zeitigen kann, müssen alle Seiten ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Erfolg fordert einen ernstzunehmenden
Zeitplan für den Fortschritt und das
Bewußtsein darüber, welcher Preis für
ein Scheitern zu zahlen ist.

Sicherheitsbelange
Die Übereinkunft von Guatemala
behandelt strategische Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich. Die sowjetischen und kubanischen militärischen
Verbindungen mit Nicaragua - mili-

�tärische Einrichtungen, Berater, unterschiedliche Hilfsleistungen, hochentwickelte Waffengattungen
- sind
Themen von lebenswichtigem und unmittelbarem
Interesse
für
uns.
Der
Frieden erfordert, daß wir uns mit
diesen Themen befassen. Ein vernünftiges Gleichgewicht unter den Streitkräften Mittelamerikas ist unabdingbar für anhaltenden Frieden.
Diese grundlegenden Sicherheitsziele in Mittelamerika erfahren in
den Vereinigten Staaten starke Unterstützung durch beide Parteien. Unsere beiden großen Parteien wünschen
ein demokratisches Nicaragua, das weder eine militärische Bedrohung für
seine Nachbarn noch eine Plattform
für der Sicherheit der Hemisphäre abträgliche, feindliche sowjetische und
kubanische Aktivitäten darstellt.
Politische Demokratie in Nicaragua würde sich größtenteils mit diesen Sicherheitsbelangen befassen, da
keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn angreifen oder die
Benutzung ihres Territoriums für militärische zwecke durch die Sowjetunion gestatten würde.
Wir sind also wieder bei der
grundlegenden Frage angelangt, die in
der Übereinkunft von Guatemala ausdrücklich
angesprochen
wird:
Wie
kann Demokratie in Nicaragua erzielt
werden?

Gebrochene Verprechen
Der Kampf für Demokratie in Nicargua ist nicht neu.
Im Jahr 1979
stimmte die Organisation Amerikanischer
Staaten
mit
überwältigender
Mehrheit - in eben diesem Saal - für
die Ablösung der Somoza-Diktatur und
forderte die "Wahrung der Menschenrechte aller Nicaraguaner ohne Aus-

nahme" sowie
wie möglich".

"freie

Wahlen

so

bald

Diese Forderung war Bestandteil
langwieriger
Verhandlungen
zwischen
den Regierungen auf unserem Kontinent
und der politischen Koalition, die
das Somoza-Regime bekämpfte.
In Besprechungen, Dokumenten und selbst in
vor dieser Organisation abgegebenen
Erklärungen bekräftigten die im Exil
lebenden
Juntamitglieder
und
ihre
Vertreter die Verpflichtung zu einer
pluralistischen Demokratie, gemischten Wirtschaft und einer blockfreien
Außenpolitik.
Einige
der
Regierungsvertreter
des heutigen Nicaragua trugen dazu
bei, diese politische
Vereinbarung
auszuhandeln.
Dennoch
bestätigen
eben diese politisch Verantwortlich
jetzt ihr absolutes Recht zur Gründung eines leninistischen Parteienstaates,
der
die
Wirtschaft
beherrscht und eine Verbindung mit dem
sowjetischen Block eingegangen ist.
Vor dem Sturz des Somoza-Regimes
haben die Sandinisten den Nicaraguanern wiederholt versichert, sie würden die Grundrechte und -freiheiten
aller
Nicaraguaner
schützen.
Die
wichtigsten dieser Zusagen finden ihren Niederschlag in einem Dokument
namens
"Gesetzesentwurf
über
die
Rechte und Sicherheiten der Nicaraguaner", das zum Grundgesetz der neuen nicaraguanischen Regierung werden
sollte.
Der Entwurf wurde noch zur
Amtszeit Somozas verbreitet, erhielt
dann am 21. August 1979 als Dekret
Nr. 52 Gesetzeskraft und stellt ein
umfassendes und feierliches versprechen der FSLN an das nicaraguanische
Volk dar.
Artikel 1 des Gesetzes garantiert
dem Volk von Nicaragua das "Recht auf
freie und vollständige Selbstbestim-

- 5 -

�mung zur Schaffung seiner politischen
Bedingungen".
Artikel
4 erklärt,
"Ausländer dürfen sich nicht in die
politischen Angelegenheiten des Landes einmischen". Es hat sich jedoch
gezeigt, daß das heute bestehende politische System von der kleinen, zur
Elite der sandinistischen Partei zählenden Minderheit und mit Hilfe Tausender Kubaner und anderer Ausländer
aus dem Ostblock bestimmt wird.
Den Artikeln 22, 23 und 25 des
Gesetzes kommt im Hinblick auf die
Aussichten einer Einhaltung der Übereinkunft von Guatemala besondere Bedeutung zu. Sie gewähren das Recht
auf
friedliche
Zusammenkünfte
und
Versammlungsfreiheit,
ferner
das
Recht, sich zu organisieren und politischen Parteien beizutreten, an öffentlichen Aktivitäten teilzunehmen,
Gesuche für die Abschaffung von Mißständen einzureichen, zu wählen und
bei Wahlen zu kandidieren.
Es hat
sich jedoch gezeigt, daß die Sandinisten noch fünf Jahre nach der Entmachtung Somozas keine Wahlen zuließen, und wenn, dann nur unter Bedingungen, die dazu angetan waren,
ein vorgefertigtes Ergebnis hervorzubringen.
Diese Tatsachen
liefern erheblichen Grund zur Skepsis darüber, ob
die Regierung von Nicaragua unter dem
Friedensvertrag die Absicht hegt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Es
bedeutet, daß die Leistungen der nicaraguanischen Regierung zur Erfüllung ihrer jüngst eingegangenen Verpflichtungen zur Freiheit nicht an
dem gemessen werden können, was einzelnen Bürgern - wie bekannt diese
auch sein mögen - widerfährt.
Es
müssen weitreichende und dauerhafte
Reformen
durchgeführt
werden,
um
sicherzustellen, daß dieses Mal Fortschritte für die Demokratie echt und
unwiderruflich sind.

Nationale Aussöhnung
Am Tag, an dem 'La Prensa' die
Wiederaufnahme ihres Erscheinens gestattet wurde (1. Oktober), forderte
sie in ihrem Leitartikel "völlige Amnestie, Aussöhnung durch einen Dialog
mit den bewaffneten Rebellen und uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustandes, unter dem sich das Land
seit 1982 befindet".
Diese drei Maßnahmen - ein ausgehandelter Waffenstillstand, vollständige Amnestie und die Aufhebung des
Ausnahmezustandes - sind unabdingbar,
wenn die heute bewaffneten Feinde ihre Differenzen als politische Rivalen
beilegen wollen. Diese Schritte würden möglicherweise die meisten Nicaraguaner - Flüchtlinge und politische
Exilanten,
junge
Widerstandskämpfer
und junge Männer, die für die Armee
der Sandinisten verpflichtet wurden davon überzeugen, daß sie wirklich in
ihre Heimat zurückkehren und an der
demokratischen Politik ihrer Länder
teilnehmen können.
Vollständig
und
gerecht
angewandt, könnten diese Maßnahmen einen
Teil der Skepsis darüber abbauen, ob
Präsident Ortega wirklich die Widerstandsbewegung und die Oppositionsparteien an einem Prozeß beteiligen
will, der zu Aussöhnung und unwiderruflicher
demokratischer
Öffnung
führt. Das ist die grundlegende Prüfung.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, er werde
sich zu indirekten Gesprächen mit der
Widerstandsbewegung
bereiterklären,
ist ein begrüßenswerter Fortschritt.
Wir begrüßen jeden noch so zaghaften
Schritt der nicaraguanischen Regierung, der darauf abzielt, die Kampfhandlungen und die ihnen zugrundliegenden Konflikte zu beenden. je direkter die Verhandlungen, umso größer
die Wahrscheinlichkeit eines Fort6 -

�Schritts.
Die Präsidenten Duarte und Cerezo
haben bereits in ihren jeweiligen
Ländern mit den Führern der Rebellen
direkte
Verhandlungen
aufgenommen.
Die Mitte Oktober in Spanien abgehaltenen Verhandlungen stellen seit mehr
als einer Generation die ersten offiziellen Kontakte zwischen der guatemaltekischen Regierung und den Guerillas dar.
In El Salvador fanden
häufiger - wenn auch mit Unterbrechungen - Dialoge statt, und die Regierung hat mit den Guerillas zwei
gemischte
Kommissionen
gebildet.
Eine von ihnen soll einen Waffenstillstand aushandeln, die andere Gespräche über Anmestie und nationale
Ausöhnung führen.
Die bis heute erzielten Ergebnisse lassen vermuten, daß die marxistisch-leninistischen Kräfte möglicherweise noch nicht bereit sind, Frieden
zu schließen. Bei der Eröffnungsversammlung der salvadorianischen Kommission für den Abschluß eines Waffenstillstands verweigerten die Guerilla-Führer Diskussionen über die
Bedingungen eines Waffenstillstandes.
Zu einem späteren Zeitpunkt lehnten
sie es ab, an Gesprächen zur Aussöhnung teilzunehmen, die für den 30.
Oktober in Mexiko City angesetzt waren,
in ähnlicher Weise wiesen die
guatemaltekischen Rebellen die Einladung der Regierung Cerezo zur Teilnahme am politischen Prozeß zurück.
Um die Übereinkunft von Guatemala
in Wort und Tat zu verwirklichen,
müssen Präsident Ortega und die Widerstandsbewegung auf eine Art und
Weise miteinander verhandeln, bei der
diese Bereiche direkt
angesprochen
werden.
Ein wirksamer Waffenstillstand kann nicht nur von einer Seite
ausgerufen
werden; diejenigen, die
auf beiden Seiten kämpfen, müssen

sich darüber einigen, was geschehen
soll. Dadurch würden die politischen
Führer in die Lage versetzt, vertrauensbildende Maßnahmen auszuarbeiten,
mit deren Hilfe der vollständigen und
friedlichen
politischen
Wiedereingliederung aller Nicaraguaner in ein
freies Nicaragua der Weg bereitet
werden könnte.
Eine vollständige Amnestie
ist
für einen jeden solchen Prozeß unabdingbar. Im September hat die Nationale
Konferenz der
(römisch-katholischer) Bischöfe Nicaraguas Amnestie
als Maßnahme definiert, mit der "beiden Seiten (geholfen werden soll),
die in der Vergangenheit an ihren
Brüdern begangenen Vergehen zu vergessen". Jede Amnestie muß auch auf
politische Gefangene, aktive Mitglieder der Widerstandsbewegung und jene,
die lieber aus ihrer Heimat geflohen
sind als daß sie unter einem totalitären Regime leben wollten, anwendbar
sein.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, daß die Sandinisten bereit seien, etwa 1 000 politische
Gefangene
zu
begnadigen,
während Tausende hinter Gittern bleiben müssen, ist kaum ein Anfang.
Die Führer des demokratischen Widerstands
in Nicaragua
haben
die
Übereinkunft
von Guatemala
begrüßt
und Schritte zu deren Einhaltung unternommen.
Sie haben ihre Bereitschaft
erklärt, einen Waffenstillstand auszuhandeln und die jüngsten
Vorschläge aus Managua als nützlichen
Ansatzpunkt begrüßt. Wir alle müssen
hoffen, daß Präsident Ortegas jüngster Vorschlag sich als aufrichtig
erweisen und zum logischen nächsten
Schritt führen wird - direkten Verhandlungen von genau der Art, wie sie
die Präsidenten Cerezo und Duarte geführt haben.

- 7 -

�Amerikanische Unterstützung für den
Frieden
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten ist davon überzeugt, daß die
militärischen und politischen Erfolge
der nicaraguanischen Widerstandsbewegung
dazu
beigetragen
haben, dem
Frieden eine Chance einzuräumen. Wir
sind ferner der Überzeugung, daß die
Sandinisten ohne diesen Druck nicht
die von ihnen am 5. November angekündigten Schritte unternommen hätten.
Wir haben auch Verständnis dafür, daß
Frieden ein Prozeß ist. Als wir also
gebeten wurden, uns bis zum 5. November nicht um erneute Hilfe für die
Widerstandsbewegung zu bemühen - und
dem "Frieden eine Chance zu geben" haben wir unsere aktiven diplomatischen Bemühungen fortgeführt, diesen Forderungen aber Beachtung geschenkt.
Heute kann ich Ihnen mitteilen,
daß wir bis zum nächsten Jahr keine
weitere Militärhilfe für die Widerstandsbewegung fordern werden.
Das
heißt nicht, daß wir die Hände in den
Schoß legen, wenn die Sandinisten einen militärischen Sieg zu erlangen
suchen. Wir werden die Widerstandskämpfer
angesichts
hochentwickelter
sowjetischer Waffen und kubanischer
Berater nicht ohne die erforderlichen
Mittel sich selbst überlassen.
Wir
werden nicht zulassen, daß der Friedensprozeß zu einem Schutzschild für
die physische Ausrottung des nicaraguanischen Widerstandes wird.
Wir
werden
vielmehr
dem
Frieden
jede
Chance geben.
Wie
Präsident
Reagan
vor
dem
Ständigen Rat erklärte, wird die Hilfe der Vereinigten Staaten "weitergeführt, bis die Sandinisten in ihren
Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern ein Abkommen über einen Waffenstillstand schließen und die Demokra-

tie vollständig in Nicaragua verankert ist".
Die Form unserer Hilfe
wird von den Gegebenheiten bei der
Durchführung
der
Übereinkunft
von
Guatemala abhängen. Wenn es unseren
Hoffnungen gemäß funktioniert, werden
die Hilfsleistungen der friedlichen
Wiedereingliederung des Widerstandes
in ein freies Nicaragua zufließen;
wenn nicht, werden sie zur Weiterführung des Kampfes bis zu seinem Erfolg
Verwendung finden.
in den vor uns liegenden Wochen
und Monaten werden die Vereinigten
Staaten das Abkommen von Guatemala
auch auf andere Art und Weise unterstützen.
Präsident Reagan hat die
Delegationsleiter dieser Versammlung
gestern davon informiert, daß ich zu
gemeinsamen Gesprächen mit den Außenministern aller fünf Staaten Mittelamerikas, einschließlich des Vertreters der Sandinisten, bereit sein
werde, wenn unter der Vermittlung
Kardinal Obandos ernsthafte Verhandlungen zwischen den Sandinisten und
den Freiheitskämpfern geführt werden.
Vor und während eines solchen
Treffens werden wir natürlich weiterhin enge Konsultationen mit den mittelamerikanischen Demokratien und dem
nicaraguanischen
Widerstand
darüber
weiterführen, wie diese multilateralen Verhandlungen am besten zur nationalen Aussöhnung in Nicaragua beitragen könnten.

Die Rolle der OAS
Der OAS und ihren Mitgliedern
fällt im Hinblick auf Nicaragua eine
besondere Verantwortung zu.
Dieses Mal müssen wir im Gegensatz zu 1979 sicherstellen, daß die
für die Demokratie eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden. Die

�Menschen in Mittelamerika müssen weiterhin die Hauptrolle spielen.
Die
Übereinkunft von Guatemala ist ihr
Werk. Sie sind näher mit dem Problem
konfrontiert und auf direktere Art
und Weise beteiligt. Aber diese Organisation, die sich mit den Jahren
große Sachkenntnis über die Region
erworben hat, sollte eine wichtige
Quelle der Unterstützung sein.
Die Erhaltung des Friedens erfordert Beteiligung und Sachkenntnis in
der Region selbst.
Dieses Prinzip
einer
Vormachtstellung
der
Region
wird ausdrücklich in Artikel 23 der
OAS-Charta erwähnt, in dem die Mitgliedsstaaten
aufgefordert
werden,
Maßnahmen innerhalb der Region zu ergreifen, ehe sie sich mit strittigen
Fragen an die Vereinten Nationen wenden.
Es findet seinen Niederschlag
ebenfalls in Artikel 52 der Charta
der vereinten Nationen, in dem alle
Mitglieder
aufgerufen werden, jede
nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um Streitigkeiten mittels regionaler Organisationen zu lösen, bevor
sie dem Sicherheitsrat zur Kenntnis
gebracht werden.
Der Generalsekretär dieser Organisation ist Mitglied der durch die
Übereinkunft von Guatemala eingesetzten Kommission für Verifizierung und
Folgemaßnahmen.
Es werden große Anstrengungen und ein ernsthaftes Engagement aller Mitglieder der Organisation und auch des Generalsekretärs
und seiner Mitarbeiter nötig sein,
wenn sich diese Kommission an einem
gerechten und strukturierten Prozeß
beteiligen will, mit dessen Hilfe im
Rahmen
der
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte gemessen werden sollen.
Mir ist bewußt, daß manche Beobachter sich fragen, ob multilaterale
Organisationen in der Lage sind, bei
den Problemen der Hemisphäre, denen

höchste
Priorität
zukommt,
eine
Schlüsselrolle zu spielen. wir sind
der Ansicht, daß die OAS dies unter
Beweis gestellt hat. Die OAS hat bei
der
Überwachung der
Menschenrechte
Hervorragendes geleistet, am offensichtlichsten durch ihre Aktivitäten
und eindrucksvollen Berichte der Interamerikanischen
Menschenrechtskommission. Sie hat den demokratischen
Prozessen durch die Beobachtung von
Wahlen und andere technische Hilfsleistungen große Unterstützung erwiesen.
Sie hat versucht, den Ländern
zu helfen, die ihre Rechtssysteme
verbessern wollten.
Sie ist neue
Verpflichtungen im Kampf gegen den
Drogenmißbrauch
und
den
illegalen
Rauschgifthandel in dieser Hemisphäre
eingegangen,
insbesondere
mit
dem
erst letztes Jahr in Rio de Janeiro
vereinbarten Anti-Drogen Aktionsprogramm.
Und natürlich kann die OAS
zahlreiche Erfolge bei ihren Aktivitäten zur Friedenssicherung vorweisen, von denen viele in Mittelamerika
stattfanden.
Es trifft zu, daß die finanzielle
Lage der OAS nicht gut ist.
Das
spiegelt
zum Teil die umfassenden
wirtschaftlichen
und
finanziellen
Schwierigkeiten der Mitgliedsstaaten
wider. Wir haben dieses Problem bei
unserem Zusammentreffen in Cartagena
im Jahr 1985 besprochen. Nach diesem
Treffen habe ich Präsident Reagan empfohlen, wir sollten die Zustimmung
des Kongresses einholen, um unseren
vollen Anteil an diese Organisation
zu zahlen, was die Vereinigten Staaten seit mehreren Jahren unterlassen
haben.
Der Präsident hat dem zugestimmt.
Dann hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, konnte aber angesichts der angespannten Haushaltslage
keine Mittel bereitstellen. Wir werden es weiter versuchen.

- 9 -

�Das amerikanische
Außenministerium hat in den vergangenen drei Jahren einschneidende Haushaltskürzungen
erfahren. Im vergangenen Jahr mußten
wir schwierige Anpassungen vornehmen,
die im Vergleich zu dem, was uns bevorsteht,
geringfügig
erscheinen
könnten.
Im kommenden Jahr müssen
wir noch größere Anpassungen vornehmen.
Diese drastische Kürzung der
finanziellen
Mittel
für auswärtige
Angelegenheiten hat uns unter anderem
dazu gezwungen, unser Angebot, bei
dieser Generalversammlung als Gastgeber
zu
fungieren,
zurückzuziehen.
Ich möchte wiederholen, was ich dem
Generalsekretär damals erklärt habe.
Diese Entscheidung ändert nichts an
unserem entschlossenen Engagement für
die Organisation amerikanischer Staaten.
Ich habe bereits in Cartagena
auf unseren Wunsch hingewiesen, daß
diese Organisation eine Kraft von
entscheidender Bedeutung sein muß.

Die neue Solidarität
Mit dem Erstarken der Demokratie
in dieser Hemispäre ist ein neues
Phänomen zutage getreten, eine neue
Solidarität unter den demokratischen
Staaten sowie unter Gruppen und Einzelpersonen, die der Demokratie verpflichtet sind. Die Zunahme bei der
Anzahl demokratisch gewählter Staatsund Regierungschefs in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik hat
auch zu einer verbesserten Kommunikation und Kooperation zwischen diesen
geführt. Wenn die Demokratie in einem Land unter Druck gerät, dann beeilen sich die demokratischen Politiker in der ganzen Hemisphäre, ihre
demokratischen Kollegen zu unterstützen.
Diese neue demokratische Solidarität tritt ebenso offensichtlich unter einfachen Bürgern zutage. Mit- 10

glieder politischer Parteien, Gewerkschafter, Bürgerrechtler und andere
vereinen sich über die Grenzen hinweg, um Erfahrungen auszutauschen und
sich gegenseitig
in ihrem Streben
nach demokratischen Regierungsformen
zu unterstützen. Wir haben ihnen gegenüber eine feierliche Verpflichtung
zur Bereitstellung des von ihnen geforderten politischen und wirtschaftlichen Rahmens - einer verantwortlichen, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtigen
Regierung
und
wirtschaftlichen Chancen für alle.
Zusätzlich hat die Geschichte der
letzten 25 Jahre eindeutig gezeigt,
daß unsere Sicherheit und die Sicherheit aller freien Länder in ganz Amerika durch die Konsolidierung solcher
Regierungen gestärkt wird, die auf
ein demokratisches Mandat gegründet
sind, die Pflichten und schwierige
Entscheidungen
anerkennen,
denen
freie und souveräne Nationen unterworfen sind und die frei sind, ihre
eigenen Interessen zu verfolgen. Da
wir ebenfalls Demokratien sind, deckt
sich die Mehrzahl unserer Interessen;
wenn dies nicht der Fall ist, dann
können wir unserer Meinung nach die
Reife, den politischen Willen und die
Differenziertheit aufbringen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in befriedigender Weise zu lösen.
Die vielversprechenden Aussichten
einer durch gemeinsame demokratische
Überzeugungen und Praktiken verbundenen Hemisphäre werden von uns hoch
eingeschätzt. Deshalb werden wir unermüdlich an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten. Wir werden durch
das ermutigt, was wir sehen.
Mehr
und mehr sprechen die Premierminister
der Karibik und die Präsidenten Lateinamerikas miteinander und mit uns
in Nordamerika die gleiche Sprache.
Es ist die Sprache der Demokratie.
Wir alle werden die gegen Monatsende

�in Haiti und Surinam stattfindenden
Wahlen genau beobachten, um festzustellen, daß sie wirklich den Willen
des Volkes widerspiegeln.
Und wir
werden weiterhin die Bemühungen zum
Wiederaufbau demokratischer Ordnungen
in Chile, Panama und Paraguay beobachten.
Heute befindet sich Mittelamerika
an einem besonders wichtigen Scheideweg.
Ein regionaler Rahmen für die
Verwirklichung der Demokratie ist von
den politischen Führern Mittelamerikas selbst entwickelt und vereinbart
worden.
Sie sind nicht davon überzeugt, daß das nicaraguanische Volk
zu einem Leben unter einer totalitären Regierung
verdammt
ist.
Wir
stimmen ihnen zu.
Sie sehen keinen
Grund für die Bevölkerung der mittelamerikanischen Demokratien, eine Zukunft dauernder Unsicherheit hinzunehmen. Wir stimmen ihnen zu.
Sie
sehen keinen Grund für Mittelamerika,
eine Zukunft großer, die spärlichen
Mittel aufsaugender Armeen hinzunehmen, eine Zukunft ständiger Wachsamkeit an den Staatsgrenzen, dauernder
Furcht, Überwachung und Zweifel. Wir
stimmen ihnen zu.

nen helfen, nur um zu gestatten, daß
sie gleich wieder zugeschlagen würde.
Wir müssen unsere vereinte Macht einsetzen, um die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua zu unterstützen,
denn
unsere
Sicherheitsinteressen,
unsere moralischen Werte und unsere
politischen Ziele werden alle Teil
dieses Ergebnisses sein.
So wie wir uns dem 500. Jahrestag
der Entdeckung der neuen Welt durch
die alte nähern, haben wir eine historische Chance, eine Erklärung zur
Zukunft dieser Hemisphäre abzugeben,
eine Warnung an die Diktatoren auszusprechen, daß sie in diesem Teil der
Welt nicht willkommen sind und daß
sie in der Tat auf verlorenem Posten
stehen werden.
Nur dann werden wir behaupten
können, daß wir unserer Verpflichtung
als Mitglieder dieser großen Organisation Genüge getan haben, den Menschen ein Land der Freiheit zu bieten: der Freiheit für alle Menschen
in all unseren Ländern.

In dem Kampf, der heute diejenigen Nicaraguaner, die an die Demokratie glauben, von denen scheidet, die
von Totalitarismus und Diktatur überzeugt sind - nicht nur in Nicaragua,
sondern als Ideal für die gesamte Hemisphäre -, müssen wir an der Seite
der Demokraten stehen.
Die Sicherheit Mittelamerikas - und letztlich
die Sicherheit aller Demokratien
hängt davon ab.
Wir in der Organisation Amerikanischer Staaten tragen eine ganz besondere Verantwortung.
Nach den Ereignissen des Jahres 1979 wäre es
doppelt verantwortungslos, wenn wir
die Tür der Demokratisierung zu öff- 11 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
19. November 1987

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LXNDERBERICHT ÜBER DAS VORAUSSICHTLICHE VOLUMEN DES HANDELS
MIT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND IM JAHR 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Handeslbeauftragten der Vereinigten Staaten hat kürzlich den Länderbericht 1987 über das voraussichtliche Volumen des
Handels mit der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht.
Dieser Bericht
soll wesentliche, im Ausland bestehende Handelshemmnisse für amerikanische Exporte aufdecken sowie bisherige und zukünftige Maßnahmen zum Abbau dieser
Hemmnisse und zur Verbesserung des Handelsumfelds erläutern.
Im Rahmen der Bemühungen, das Bewußtsein für Handelshemmnisse zu schärfen,
aufgrund derer amerikanische Exporteure in bestimmten Bereichen der deutschen
Wirtschaft nur schwer konkurrieren können, erscheint uns die Veröffentlichung
des nachfolgenden Berichts nützlich.

Die Vereinigten Staaten sind der
größte, nicht zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zählende Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahr
1986 mehr als 10 Prozent des gesamten
Exportvolumens
der
Bundesrepublik
aufgenommen, und stellen 6,5 Prozent
der Gesamtimporte.

ist
der
teil
mit

Die
Bundesrepublik
Deutschland
der drittgrößte
Handelspartner
vereinigten Staaten und ihr Anam gesamten bilateralen Handels
den vereinigten Staaten beträgt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mehr als 6 Prozent. Der Handel zwischen beiden Ländern belief sich im
Jahr 1986 auf 36,5 Milliarden Dollar.
Das amerikanische Handelsdefizit
mit der Bundesrepublik ist seit 1981
stetig angestiegen. Im Jahr 1986 betrug es 15,7 Milliarden Dollar, gegenüber 12,3 Milliarden im Jahr 1985.
Das Volumen amerikanischer Exporte in
die
Bundesrepublik
Deutschland erreichte im Jahr 1980 mit 10,6 Milliarden Dollar seinen Höchststand und
stagnierte 1985 bei etwa 9 Milliarden
Dollar.

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�Im Jahr 1986 erhöhten sich die
amerikanischen
Exporte
jedoch
auf
10,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig
nahmen die Importe in die Vereinigten
Staaten stetig zu.
Sie stiegen im
Jahr 1986 auf 26,1 Milliarden Dollar,
gegenüber
21,2 Milliarden im Jahr
1985.
Zu den wichtigsten Exportgütern der Vereinigten Staaten für die
Bundesrepublik
Deutschland
zählten
1986
Büromaschinen,
Flugzeuge
und
Computer.
Hauptimportwaren
in die
Vereinigten Staaten waren Fahrzeuge,
Industriemaschinen und Motoren.
Amerikanische Direktinvestitionen
in der Bundesrepublik Deutschland beliefen sich zum Ende des Jahres 1986
auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hatten deutsche Investitionen in den Vereinigten Staaten
einen Gesamtumfang von 17,4 Milliarden Dollar.

1. Normen, Prüfung, Kennzeichnung
und Zulassung
A.

Beschreibung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat in den Jahren 1986 und 1987 jeweils eine überarbeitete Verordnung
für medizinische Geräte herausgegeben,
über diese Verordnungen wurden
Hersteller und andere Interessenten
nicht gemäß dem Normenkodex des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT) unterrichtet.
Eine der überarbeiteten Bestimmungen bezieht sich
auf mehr als 100 private bundesdeutsche Normen, die auf ähnliche Weise
ohne
Berücksichtigung
nicht-bundesdeutscher Interessen erarbeitet wurden.
B.

nische Exporte medizinischer Geräte
(einschließlich
Bildgeräte) in die
Bundesrepublik Deutschland auswirken.
Die
Exporte amerikanischer medizinischer Ausrüstung in die Bundesrepublik erreichten 1986 einen Gesamtumfang von 263 Millionen Dollar.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben in
diesem Bereich eng mit der heimischen
Industrie
zusammengearbeitet.
Sie
erheben weiterhin Einspruch dagegen,
daß es die Bundesrepublik Deutschland
unterlassen hat, das GATT von der
Veröffentlichung von Richtlinien für
medizinische Geräte zu unterrichten.
Im Juni 1986 haben die Vereinigten
Staaten
der
Bundesrepublik
Deutschland einen Fragenkatalog mit
der Bitte um Klärung der Verordnungen
über medizinische Geräte übermittelt.
Die Antwort der Bundesrepublik vom
Oktober 1986 warf zusätzliche Fragen
des Verbandes der Hersteller von Gütern
für
die
Gesundheitsfürsorge
(Health Industry Manufacturers Association - HIMA) und des Verbandes der
Hersteller von elektrischen Geräten
(National
Electrical
Manufacturers
Association - NEMA) auf.
Im Juni
1987 wurde ein weiterer Fragenkatalog
an
die
Bundesrepublik
Deutschland
übersandt.
Amerikanische Firmen bewerten gegenwärtig
die
Auswirkungen
neuer
deutscher
Vorschriften,
die
sich
nachteilig auf die Exporte einiger
Geräte auswirken könnten. Diese Bewertung wird in Abstimmung mit amerikanischen Durchführungs- und Handelsbehörden vorgenommen.

Voraussichtliche Auswirkungen
2.

Die
überarbeiteten
könnten sich nachteilig

Verordnungen
auf amerika-

Staatliche Beschaffung

Beschaffung gemäß staatlichen Rieht-

�ternehmen.
Diese Unternehmen haben
keine großen
Dampfgeneratoren
oder
Stromtransformatoren
aus
den
Vereinigten Staten bezogen.

linien
A.

Beschreibung

Eine erhebliche Anzahl bundesdeutscher Ausschreibungen, die unter
den
staatlichen
Beschaffungskodex
fallen, entsprechen nicht den Anforderungen des Kodex, von minidestens
30 Tagen Frist zwischen Veröffentlichung
und endgültigem
Abgabetermin
des Angebots. Im Jahr 1986 entsprachen 65 von 370 Ausschreibungen (18
Prozent)
nicht
den
Anforderungen.
Von verkürzten Abgabeterminen waren
eine große Bandbreite von Produkten
betroffen, einschließlich Zubehör für
LebensmittelVerpackungen,
Industriekühlschränke, Dieselkraftstoff, Magnetplatten, Druckund Verpackungsmaschinen.
B.

Voraussichtliche Auswirkungen

Amerikanische
Unternehmen
sind
bei diesen Produkten weltweit führend. Wenn sie am Wettbewerb beteiligt werden, könnte Ihnen ein bedeutender
Marktanteil
der
staatlichen
Beschaffung zukommen. Dennoch liegen
die
voraussichtlichen
Auswirkungen
unter 5 Millionen Dollar pro Jahr.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Sofern erforderlich, tragen die
Vereinigten Staaten dem Bundesministerium für Wirtschaft die Probleme
der verkürzten Abgabefrist bei Ausschreibungen vor.

Elektrisches Großgerät
A.

Beschreibung

Regierungsstellen
(auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene) sind zu etwa 66 Prozent Kapitaleigner deutscher Stromversorgungsun-

Deutsche Versorgungsbetriebe nehmen ihre Beschaffung im allgemeinen
aus einer Liste "in Frage kommender
Lieferanten" für bestimmte Ausschreibungen vor. Ausländische Firmen kommen weder für Dampfturbinen noch für
große
Stromtransformatoren
in
Betracht.
B.

voraussichtliche Auswirkungen

Die genaue Einschätzung der Gesamtauswirkungen
dieser
Handelsschranke
bereitet
Schwierigkeiten.
Dennoch könnten amerikanische Lieferanten in diesem Sektor Zuschläge erhalten, wenn ihnen der Wettbewerb erlaubt wäre. Der Umfang des deutschen
Marktes
für
Turbogeneratoren
und
Transformatoren wird auf etwa 350
Millionen Dollar im Jahr geschätzt.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten versuchen
jetzt
die
Bevozugung
inländischer
Produkte abzubauen und verhandeln erneut über den GATT-Kodex zur staatlichen Beschaffung. Die zweite Phase
dieser Verhandlungen über eine Erweiterung des Kodex auf neue Bereiche
wurde zu Beginn des Jahres 1987 aufgenommen.
Die Vereinigten Staaten drängen
die Bundesrepublik weiterhin, Behörden, die in beträchtlichenm Umfang
elektrisches Großgerät erwerben, in
den Kodex aufzunehmen. Vom Kodex erfaßten Behörden ist es nicht erlaubt,
Produkte
anderer Unterzeichner
des
Kodex zu benachteiligen.
Die Sonderkommission des Präsidenten hat Einlassungen der amerika-

- 3 -

�nischen Industrie über unfaire Handelspraktiken in diesem Sektor geprüft.
Die Regierung wertet gegenwärtig diese Vorwürfe unterstützendes
statistisches Material der Industrie
aus, um herauszufinden, wie dieser
Problemkreis mit den westeuropäischen
Ländern und Japan in Zukunft behandelt werden soll. Die Regierung wird
im Herbst 1987 weitere Maßnahmen in
Erwägung ziehen.

3.

Andere Handelhemmnisse

Staatliche Unterstützung für Verkehrsflugzeuge:
Subventionen
für
Entwicklung und Produktion, Kaufanreize, übermäßiger Druck auf die Auswahl der Verkäufer und die Beschaffung bei den nationalen Fluggesellschaften.

A.

Beschreibung

Im Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland, sie würde 1,65
Milliarden Dollar zur Förderung der
Programme für die Verkehrsflugzeuge
Airbus A 330 und A 340 bereitstellen.
Dieser Betrag wurde zusätzlich zu den
früher bereits für Luftfahrtprogramme
des Airbus-Konsortiums aufgewendeten
Milliarden Dollar gewährt.
Die mit diesen Programmen geförderten Flugzeuge stehen in direktem
Wettbewerb mit Flugzeugen von Boeing
und McDonnell Douglas.
Der Airbus
A 330 und A 340 konkurrieren mit der
Boeing 767 und anderen Typen sowie
mit der MD-11 von McDonnell Douglas.
Unzureichende Informationen über
die wirtschaftliche Analyse hinter
diesen Entscheidungen zur Förderung,
die Bedingungen für die Bereitstellung dieser Starthilfe und ihre Rückzahlung an die Regierung erschweren

Schätzungen, ob bei der Vergabe der
Subventionen eine Rückzahlung ernsthaft erwartet wurde. Die Vereinigten
Staaten stellen in Frage, daß diese
Programme auf der Grundlage normaler
Kriterien wirtschaftlich existenzfähig sind und im Einklang mit den Verpflichtungen
des
GATT-Luftffahrtabkommens stehen.
Bisher gewährte finanzielle Förderung
der
Bundesrepublik
an
den
deutschen Partner von Airbus Industries, die
Deutsche
Airbus
(eine
Tochtergesellschaft
von
Messerschmidt-Boelkow-Blohm oder MBB, die
ganz in deren Eigentum steht) konzentrierte sich auf die Entwicklungsphase einzelner Luftfahrtprogramme.
Am
3. Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland jedoch, sie würde
die Garantieleistungen für Schulden
im Gegenwert
von
1,06
Milliarden
Dollar nachkommen, die MBB bei der
Finanzierung der Produktionsphase für
den Airbus A 300 und A 310 gemacht
hatte.
Die Tilgung der durch Produktionskosten
entstandenen
Schulden
mittels
Subventionen
bedeutet
eine
eindeutige Abkehr von in der Vergangenheit üblichen Praktiken.
Obwohl
die Bundesrepublik erklärte, MBB würde die Schulden durch die Verkäufe
des Airbus A 300 und A 310 zurückzahlen, ist es höchst zweifelhaft, ob es
überhaupt zu genügend Verkäufen kommt.
Zusätzlich zu diesen Subventionen
für den Airbus besteht Grund zu der
Annahme,
daß
die
Bundesrepublik
Deutschland und andere Ländervertreter des Airbus-Konsortiums unter Zuhilfenahme
politischer
und
wirtschaftlicher Anreize Einfluß auf Verkäufe an Drittländer genommen haben,
um
dem
Airbus
gegenüber
amerikanischen Flugzeugen einen Vorteil zu
verschaffen.

- 4 -

�Die amerikanische Luftfahrtindustrie hat ferner die Beschuldigung
vorgebracht, daß staatliche Interventionen bezüglich der Entscheidungen
über die Auswahl der Anbieter von
Airbus-Bauteilen sowie Entscheidungen
über die Beschaffung von Triebwerken
und Flugzeugen durch nationale und
andere europäische Fluggesellschaften
amerikanische Exporte geschädigt hätten.
Die vereinigten Staaten
daß solche Praktiken nicht
GATT-Luftfahrtabkommen
im
stehen.
B.

glauben,
mit dem
Einklang

Voraussichtliche Auswirkungen

Schätzungen
der
amerikanischen
Flugzeugindustrie
zufolge
hat
die
Einführung des A 320 sie den Verkauf
von mehr als 150 Verkehrsflugzeugen
gekostet.
Geht man davon aus, daß
die amerikanischen Hersteller diese
Verkäufe getätigt hätten und unter
Berücksichtigung
des
von
amerikanischen Lieferanten zum A 320 beigesteuerten Wertanteils, hatten diese
Subventionen bis zum heutigen Tage
Auswirkungen im Umfang von ca. 3 Milliarden
Dollar
möglicher
amerikanischer Verkäufe.
Obwohl Berechnungen über die Auswirkungen
der Airbus-Programme auf
den
amerikanischen
Beschäftigungsmarkt
im einzelnen
nicht
möglich
sind, werden ca. 50 000 amerikanische
Arbeitsplätze
verloren gehen, wenn
die Airbus-Industries ihr Ziel von
600 Verkaufseinheiten des A 320 bis
1998 erreichen.
Zuverlässige Schätzungen über den durch andere AirbusProgramme verursachten Verlust amerikanischer Arbeitsplätze stehen nicht
zur Verfügung.
Das offensichtliche
Erlassen der staatlich garantierten
Darlehen für den A 300 und A 310
führt jedoch zu einer Erhöhung jedes

einzelnen Elements bei den Subventionen
dieser
Unterstützungsprogramme
und ihrer handelsverzerrenden Auswirkungen.
Ferner scheinen die aggressiven
Verkaufspraktiken
der
Airbus-Industrie bei zahlreichen Verkaufswettbewerben zu einem Druck auf die Preise
geführt zu haben.
Eine anhaltende
Gewinnspannenerosion könnte langfristig einschneidende Auswirkungen auf
die amerikanische Industrie haben.
Es gibt Beweise dafür, daß staatliche Interventionen für den Airbus
seitens der Bundesrepublik und anderer Länder bei Verkaufswettbewerben
in Drittländern und Europa und bei
Entscheidungen im Hinblick auf Bezugsquellen
für
Einzelteile
und
Triebwerke
beträchtliche
Umsatzverluste der amerikanischen Flugzeugindustrie ausgelöst haben. Fortgesetzte politische und wirtschaftliche Interventionen
zugunsten
des
Airbus
könnten weitere Umsatzverluste amerikanischer Flugzeughersteller, Exportrückgänge sowie Importerhöhungen zur
Folge haben.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben die
besonderen Praktiken der Airbus-partnerregierungen zum ersten Mal im Oktober 1984 im GATT-Flugzeugausschuß
angesprochen.
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin gefordert, daß
Flugzeugsubventionen dem GATT-Subventionsausschuß zur Kenntnis gebracht
werden, wie dies in den generellen
Vereinbarungen und dem Subventionskodex vorgesehen ist.
Als Konsequenz
der
zunehmenden
Besorgnis über Aktionen, die aus der
Sicht der Administration nicht im
Einklang
mit
den
Verfügungen
des
Flugzeugabkommens
stehen,
beraumte

- 5 -

�die Sonderkommission des Präsidenten
im Herbst 1985 eine Überprüfung zum
Thema Airbus an. Der Rat für Wirtschaftpolitik (EPC) leitete auf Empfehlung
der Sonderkommission
eine
Reihe von Maßnahmen zur Behebung der
Situation in die Wege.
Als Ergebnis wurden im Frühjahr
1986 informelle Gespräche auf höchster Ebene zwischen den vereinigten
Staaten
und
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich
und
Großbritannien aufgenommen. Das Ziel war
die
Erarbeitung
einer
gemeinsamen
Auslegung der einzelnen Artikel des
Flugzeugabkommens,
insbesondere
von
Artikel 4, der staatlichen Druck und
staatliche
Anreize behandelt
sowie
von Artikel 6 über staatliche Subventionen und Fördermittel. Obwohl diese Gespräche auch nützlich waren, war
das Ergebnis aus der Sicht der Vereinigten
Staaten
unbefriedigend.
Daraufhin besuchte eine amerikanische
Delegation auf politischer Ebene die
Hauptstädte der drei Airbus-Partnerländer im Februar 1987 zur Erörterung
der einzelnen Regierungsinterventionen, die zu einer Verzerrung des
Markts
für kommerzielle Transportflugzeuge führen könnten.
Im Anschluß daran traf der Rat
für Wirtschaftspolitik folgende Entscheidungen: 1.) Den amerikanischen
Handelsvertreter durch die Einberufung einer Sondersitzung des Flugzeugausschusses unverzüglich zur Klärung und Unterstützung der Schlüsselverfügungen
des
Flugzeugabkommens
aufzufordern;
2.) Das amerikanische
Handelsministerium
zur
Durchführung
einer Studie über die Unternehmen des
Airbus-Industriekonsortiums
anzuweisen, einschließlich erhaltener Unterstützungen,
Programmkosten,
Preisfestsetzung der Airbus-Produkte sowie
deren Auswirkungen auf die amerikanische Industrie und 3.) die Handels- 6

behörden zur Überwachung derzeitiger
Airbus-Verkaufskampagnen auf unfaire
Praktiken aufzufordern.
Im Einklang mit dem Kabinettsbeschluß berief der amerikanische Handelsbeauftragte
im März 1986 eine
Sondersitzung
des GATT-Flugzeugausschusses zur Erörterung der amerikanischen Besorgnis über Artikel 4 und
6 ein. Seit damals sind eine Reihe
intensiver informeller Gespräche und
Konsultationen mit der EG-Kommission
und den Airbus-Partnerländern anberaumt worden.
Am 23. Juli 1987 überprüfte der
GATT-Flugzeugausschuß den Stand dieser Bemühungen offiziell. Obwohl im
Hinblick auf die Auslegung des Wortlauts von Artikel 4 im großen und
ganzen
Übereinstimmung
herrschte,
konnten bei der Auslegung der Verfügungen von Artikel 6 nur geringe
Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
mit den anderen Parteien weiterhin
zur Erarbeitung einer ausgehandelten
Beilegung ihrer Differenzen in Verbindung.
Der Rat für Wirtschaftspolitik wird das Ergebnis dieser Bemühungen, die Studie des Handelsministeriums sowie die jüngsten Marktentwicklungen daraufhin überprüfen, ob
weitere
Schritte
zur
Verringerung
oder Beseitigung der handelsverzerrenden Auswirkungen der von den Airbus-Partner regier ungen
ergriffenen
Maßnahmen erforderlich sind.
Zugang zum Telekommunikationsmarkt
A.

Beschreibung

1.)

Beschaffung

Die Deutsche Bundespost erwirbt
ca. 60 Prozent des Fernmeldegeräts
für die Bundesrepublik.
Die Bundes-

�post legt bei allen Ausschreibungen,
die
technische Sachkenntnis erfordern, ein selektives Ausschreibungsverfahren zugrunde.
Nur gut eingeführte Unternehmen können an der Ausschreibung teilnehmen.
Die vorgehensweise der Bundespost
benachteiligt ausländische Unternehmen
ohne
Herstellungseinrichtungen
oder sonstige bedeutende technische
Repräsentanz in der Bundesrepublik.
Solche Unternehmen sind von der Teilnahme an der Entwicklung neuer Gerätespezifikationen ausgeschlossen oder
kommen nicht als Gerätelieferanten,
insbesondere
für Schalt- und Ubertragungsgeräte, in Frage.
Die
Bundespost
hat
sich
verpflichtet, ab 1985 10 Prozent der Beschaffung von Endgeräten dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Die deutschen Bestimmungen über
den Anschluß von Geräten an das Netz
sind sehr viel strenger als die in
den vereinigten Staaten angewandten.
Zahlreiche deutsche Normen und Vorschriften erstrecken sich bis auf das
Design und schließen Spezifikationen
ein, die über diejenigen hinausgehen,
die zur Verhinderung einer "Beschädigung des Netzes" erforderlich sind.

kanischen System ist das Verfahren
der Bundespost wie folgt:
1.)
im
Ausland
erstellte Prüfdaten
werden
nicht anerkannt; 2.)
Eigenzulassung
durch den Hersteller ist nicht gestattet;
3.)
erfordert die erneute
Zulassung nach geringfügigen Veränderungen am zugelassenen Gerät und 4.)
erlegt
unnötige
Wartungs- und
Installationsbestimmungen auf.
3.)

Dienstleistungen

Privatunternehmen können über das
öffentlich geschaltete Netz erweiterte Dienstleistungen anbieten, dürfen
diese
erweiterten
Dienstleistungen
jedoch ohne vorherige Genehmigung der
Bundespost nicht über geleaste Leitungen anbieten.
Der Weiterverkauf
geleaster Leitungskapazität ist nicht
gestattet.
Privatunternehmen können
erweiterte Dienstleistungen im Rahmen
des
öffentlich
geschalteten
Netzes
über
geleaste
Leitungen
anbieten.
Dies erhöht jedoch die Kosten des Anbieters
dieser
Dienstleistung
beträchtlich (verglichen mit den Kosten
von zum Pauschalpreis geleasten Leitungen) und können die angebotene
Dienstleistung unrentabel machen.

Dem von der Bundespost angewandten Verfahren zur Normenfestsetzung
mangelt es an Transparenz.
Anbieter
haben wenig Möglichkeiten, auf den
Entwurf der Normen und Vorschriften
Einfluß zu nehmen.

Privatunternehmen
beschweren
sich, daß sie der Bundespost eine detaillierte Beschreibung der jeweils
angebotenen
Dienstleistung
vorlegen
müssen.
Sie haben die Befürchtung,
die Bundespost könnte sich entscheiden,
eine
solche
Dienstleistung
selbst anzubieten und damit privaten
Wettbewerb ausschalten.
Die Bundespost bietet bereits bestimmte Dienstleistungen an, die Privatunternehmen
nicht auch anbieten dürfen.

Die Verfahrensweisen der Bundespost zur Prüfung, Zulassung sowie den
Anschluß von Endgeräten beschränken
den amerikanischen Zugang zum deutschen Markt. Im Gegensatz zum ameri-

Obwohl die Bundespost mengenabhängige Tarife für geleaste Leitungen
eingeführt hat, bevorzugen amerikanische
Unternehmen
kostenabhängige
Pauschaltarife.
Durch mengenabhängi-

- 7 -

�ge Tarife werden privater Initiativen
zur
Einführung
neuer
verbesserter
Dienstleistungen beträchtlich verringert.
In Zusammenhang mit der für das
Jahr 1988 geplanten Einführung des
neuen ISDN-Systems (integrated Services Digital Network) entwickelt die
Deutsche Bundespost gegenwärtig eine
neue Tarifstruktur.
Die neue Regelung bietet keine Garantie dafür, daß
die Bundespost sich selbst die gleichen Tarife in Rechnung stellen wird
wie ihren privaten Wettbewerbern.

B.

sich
Telekommunikationsexperten
aus
beiden Ländern zu informellen technischen Gesprächen mit dem ziel, in
Zusammenhang mit dem Marktzugang stehende Belange anzusprechen.
Diese
Gespräche
konzentrierten
sich vor allem auf drei Gebiete: 1)
Einweisung in die spezifischen Kriterien des bundesdeutschen Telekommunikationssystems; 2) Vorbringen amerikanischer
Sorgen
über
fehlenden
Marktzugang;
3)
Erläuterung
des
durch Deregulierung in den Vereinigten Staaten geschaffenen flexibleren
und wettbewerbsfähigeren Telekommunikationssystems.

Voraussichtliche Auswirkungen

Der Markt für Telekommunikationsausrüstungen
in der
Bundesrepublik
Deutschland wurde im Jahr 1986 auf
ein Gesamtvolumen von 4,9 Milliarden
Dollar geschätzt. Bis 1988 wird ein
Umfang von 5,7 Milliarden Dollar erwartet.
Im Jahr 1986 erreichten die
Exporte der Vereinigten Staaten in
die Bundesrepublik ein Gesamtvolumen
von
109
Millionen
Dollar.
Eine
durchgreifende
Liberalisierung
der
Haltung der Bundespost im Hinblick
auf Beschaffung, Normen und Dienstleistungen würde den größten Telekommunikationsmarkt Europas für amerikanische Unternehmen öffnen.

Insbesondere haben die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik dringend ersucht, bei der Öffnung ihres
Marktes in sechs wichtigen, vom amerikanischen
Wirtschaftsminister
im
Juli 1986 definierten Bereichen Fortschritte zu machen. Die Vereinigten
Staaten sind gegenwärtig damit befaßt, die Marktzugangsgespräche vom
Juni 1987 auszuwerten, um die nächsten Schritte zu erwägen.
Im Rahmen dieser Gespräche erklärte die Bundesrepublik ihre Absicht, in folgenden Einzelbereichen
eine Lockerung durchzuführen:
1.)

C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben mit
Vertretern
der
Bundesrepublik
Deutschland vier Gesprächsrunden über
das Problem des Marktzugangs abgehalten - die letzte fand im Juni 1987
statt.
Im Juni 1986 fanden außerdem
Konsultationen mit deutschen Vertretern über die zum 1. Januar 1988 zusammen mit der Einführung von ISDN in
Kraft tretende Telekommunikationsordnung (TKO) statt. Zusätzlich trafen

Beschaffung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat sich verpflichtet, seit 1985 10
Prozent der Beschaffungen im Fernmeldebereich dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
internationale Ausschreibungen
werden
im offiziellen
Mitteilungsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht.
Einer Erklärung der Bundesrepublik Deutschland zufolge "haben alle
potentiellen und qualifizierten Lieferanten Zugang zu (mit der Ausarbei-

�tung von Spezifikationen beschäftigten) Arbeitsgruppen".
Die Bundesrepublik hat die EG außerdem aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer Ausdehnung
der
GATT-Richtlinien
für
staatliche Beschaffungen auf die Beschaffung
von Fernmeldegerät durch
die
Post- und
Fernmeldeverwaltungen
zu geben.
Inzwischen ist die Deutsche Bundespost dabei, ihre Spezifikationen
für
Nebenstellenvermittlungsanlagen zu überarbeiten, um Beschränkungen bezüglich der Zahl von
Anschlüssen pro Anlage aufzuheben.

2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Durch bilaterale Kontakte ermutigen die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, ihre Prüfund zulassungsverfahren für Endgeräte
zu lockern.
Die Bundesrepublik ist
gegenwärtig damit befaßt, ihre Zulassungsverfahren
in
einer
einzigen
Richtlinie zusammenzufassen, mit der
ein Recht auf Zulassung geschaffen
und
ein Einspruchsverfahren
eingeführt wird.

schlag über die Anerkennung von Prüfdaten, die Straffung der Zulassungsverfahren und Transparenz bilateraler
oder
regionaler
Normenabkommen
für
die
mögliche
Zustimmung
in
der
Uruguay-Runde berücksichtigen wird.
3.)

Dienstleistungen

Mitte des Jahres 1986 hat die
Bundesrepublik ihre Forderung aufgehoben, wonach 50 Prozent der Informationsverarbeitung
dem
Binnenmarkt
vorbehalten sein sollen. Die Bundespost
hat
bereits
mengenabhängige
Preise für geleaste Leitungen eingeführt.
Die Vereinigten Staaten fordern die Bundespost auf, zu einem
kostenabhängigen Tarifsystem zurückzukehren und Beschränkungen für geleaste Leitungen aufzuheben, die an
das
geschaltete Netz
angeschlossen
sind.

Die Bundesrepublik hat ferner ihre Bereitschaft
zum
Ausdruck
gebracht, die Anerkennung von in den
Vereinigten Staaten erstellten Prüfdaten für die Typenzulassung in Erwägung zu ziehen.
Dies gilt für bestimmte, in einer Typenzulassungsdirektive der EG aufgeführte Produkte.
Die Bundespost hat außerdem angeboten, für amerikanische Anbieter ein
Seminar
über deutsche Vorschriften
für das Fernmeldewesen und durchgeführte Liberalisierungsmaßnahmen abzuhalten.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
ist ferner im Normenausschuß des GATT
vertreten, der einen von den Vereinigten
Staaten
vorgelegten
Vor- 9 -

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Wissenschaft und Technik
18. November 1987

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AIDS-FRÜHBEHANDLUNG MIT INTERFERON
- Neue Therapien in der Erprobung -

WASHINGTON - (AD) - Der natürliche Wirkstoff Interferon, der versuchsweise
in der Krebstherapie angewandt wird, könnte auch für die Behandlung von AIDSKranken Bedeutung gewinnen. Diese Ansicht vertrat Dr. Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen
Instituts für Allergie
und
Infektionskrankheiten
(Bethesda, Maryland), auf der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Interferonforschung Anfang November 1987 in Washington.
Interferon ist
ein in der menschlichen Zelle gebildetes Glykoprotein, das die Vermehrung von
Viren, aber auch von einer Anzahl anderer Krankheitserreger, im Organismus
hemmt. Dank biotechnischer Verfahren kann Interferon inzwischen synthetisiert
werden, so daß es in ausreichenden Mengen verfügbar wäre.

Wie Fauci berichtete, habe man
sowohl bei AIDS-infizierten Personen,
die
noch
keine
Krankheitssymptome
zeigten, als auch bei AIDS-Patienten
mit
Kaposi-Sarkom
beobachtet,
daß
Alpha-Interferon
die
HIV-Vermehrung
hemmt (HIV - "Human Immunodeficiency
Virus", d.h. immunschwäche auslösendes Virus).
Bei
50 Prozent der
asymptomatischen Probanden, also Patienten
ohne
Krankheitssymptomen,
seien nach 12wöchiger Behandlung keine HIV-Viren mehr nachweisbar gewesen.
Bei Patienten mit den für das
Kaposi-Sarkom typischen Hautgeschwü-

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Embassy of the United States of America

ren brachten Injektionen mit AlphaInterferon
die
Oberflächenläsionen
zum Verschwinden.
Auch kam es bei
mindestens 50 Prozent der mit Interferon behandelten Personen zu einer
Rückbildung von Tumoren.
Nach bisherigen Erfahrungen sei
aber nur dann mit der Rückbildung der
häufig in Verbindung mit AIDS auftretenden
Kaposi-Tumoren
zu
rechnen,
wenn noch ein hoher T-Lymphozytenspiegel vorhanden sei, sich die AIDSInfektion somit noch in den ersten
Stadien befinde. Personen mit einem

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�niedrigen
T-Lymphozytenspiegel
reagierten wenig oder gar nicht auf die
Behandlung, sagte Fauci. Deshalb sei
der frühzeitige Beginn der Therapie
auf jeden Fall vor dem Zusammenbruch
des Immunsystems des Körpers überaus
wichtig.
Die Zerstörung der T-Lymphozyten
(spezielle
Gruppe
weißer
Blutkörperchen) durch AIDS-Viren sei
einer der Vorgänge, die zur Schwächung der Abwehrkraft gegen Krankheitskeime aller Art führten.
Laborstudien hatten bereits gezeigt, daß Interferon die Vermehrung
von AIDS-Viren und deren Fähigkeit
zur Zellzerstörung zu hemmen vermag.
Beim Vergleich der Zellkulturen von
Patienten mit Kaposi-Sarkom aus Gruppen, die nach verschiedenen Verfahren
behandelt wurden, wurde festgestell,
daß im etwa gleichen Infektionsstadium bei Personen unter InterferonTherapie die Virusaktivität wesentlich geringer war als bei Patienten,
die kein Interferon erhielten.

sich noch in der Erprobung. Es habe
den Anschein, so Fauci, daß Trimetrexat das Leben vieler AIDS-Opfer um
Jahre verlängern könne.
Und im Gegensatz zu den beiden anderen Medikamenten, die derzeit zur Behandlung
von Pneumocystis
carinii
angewandt
werden, sei seine Toxizität sehr viel
geringer und durch Änderung der Dosierung
leicht
regulierbar.
Nach
Meinung von Dr. Carmen Allegra, unter
deren Leitung die NCI-Studie durchgeführt wird, eignet sich das Präparat
zur Behandlung praktisch aller AIDSPatienten, was man von den übrigen
bisher verfügbaren Medikamenten nicht
sagen könne.

Körpereigene Auslösersubstanzen für
Virusaktivität?

Allerdings ist auch Alpha-Interferon nicht frei von Nebenwirkungen.
Es kann Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit
hervorrufen.
Jedoch
halten die Wissenschaftler angesichts
des Allgemeinzustandes von AIDS-Kranken Auswirkungen dieser Art für nicht
allzu besorgniserregend.

Neben Interferon, das in allen
Körperzellen gebildet wird und von
allen sogenannten Zytokinen bisher am
besten erforscht ist, gibt es noch
zahlreiche ähnliche Stoffe. Sie werden von speziellen Zellgruppen abgesondert. Bei immunologischen Prozessen verschiedenster Art treten sie in
Erscheinung, geben stimulierende oder
dämpfende Signale an andere Zellen
weiter. Allerdings tappt die Wissenschaft in bezug auf ihre Wirkungsmechanismen noch weitgehend im Dunkeln.

Dr. Fauci referierte ferner über
die
versuchsweise
Anwendung
von
Trimetrexat zur Bekämpfung einer der
häufigsten
opportunistischen
Infektionen bei AIDS-Kranken, nämlich der
parasitären
Lungenentzündung
Pneumocystis carinii.
Auf sie entfällt
der weitaus größte Anteil der Todesursachen bei Menschen, die an der unheilbaren Krankheit leiden. Das Präparat wurde von Forschern des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten
Staaten (NCI) ursprünglich für die
Krebstherapie entwickelt und befindet

Dr. James curran, der Direktor
für AIDS-Programme bei den Zentren
für Krankheitsüberwachung in Atlanta
(Georgia), vermutet, daß eines dieser
Zytokine eine Schlüsselrolle bei der
Aktivierung
von AIDS-Viren
spielen
könnte. Denn eine schlüssige Antwort
auf die Frage, weshalb AIDS-Viren
fünf bis sieben oder noch mehr Jahre
latent im menschlichen Körper verbleiben, ohne aktiv zu werden, gebe
es bisher nicht.
Auf einer Tagung
der "Association of American Medical
Colleges" in Washington berichtete er

- 2 -

�am 9. November 1987 über Laborversuche, die erstmals hätten erkennen
lassen, wie Zytokine (Proteinsubstanzen) aus dem Immunsystem des Körpers
die Ausbreitung von Viren in Gang
setzen können, die zur AIDS-Erkrankung führen.

ner tatsächlichen Infektion sei die
Gefahr größer, daß latente AIDS-Viren
aktiviert werden.

So wurde durch in vitro-Experimente
("im
Reagenzglas")
demonstriert, daß z.B. andere Virusinfektionen wie Hepatitis und Herpes das
AIDS-Virus
zu aktivieren vermögen.
Dies
lasse
vermuten,
daß
es
im
menschlichen Organismus - falls ein
ähnliches Phänomen existiert - vielleicht Faktoren gäbe, die das Tempo
der
virenvermehrung
gegenüber
der
Zerstörung des Immunsystems regulieren können. Jedoch sei noch keineswegs klar, ob einer der Faktoren, die
als Aktiviator der AIDS-Viren in frage kommen, in irgendeiner Weise besser kontrollierbar wäre als das AIDSVirus selbst. Auf jeden Fall sollte
man sich mit diesem Forschungsgebiet
gründlich befassen, meinte Curran.

* * * * * *

Dr. Fauci, der an den Studien und
der Abfassung des Berichtes selbst
beteiligt war, hatte bereits früher
gefordert,
HlV-infizierte
Personen
gegen andere Infektionen so gut wie
nur irgend möglich zu schützen. Denn
Neuinfektionen wären gleichbedeutend
mit weiteren Reizfaktoren für ihr Immunsystem und könnten die Produktion
von Zytokinen auslösen.
Er hob jedoch
hervor, daß
nach
bisherigem
Kenntnisstand gewöhnliche Infektionen
wie Schnupfen oder Erkältungskrankheiten AIDS nicht zum Ausbruch brächten, da sie normalerweise keine massive Reaktion des Immunsystems verursachten. Auch sollte niemand vor einer Schutzimpfung, z.B. gegen Hepatitis, zurückschrecken, da eine Hepatitis-Infektion vermutlich gravierendere Folgen hätte als immunologische
Prozesse nach einer Impfung. Bei ei- 3 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 19.11.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist die NATO noch zeitgemäß?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: USA müssen Frieden in Nicaragua "jede Chance" geben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Frühbehandlung mit Interferon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Therapien in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

Sonderdienst

4

25. November 1987

DIE REVOLUTION IM INFORMATIONSWESEN
UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Botschafter Richard R. Burt hat auf dem BertelsmannForum am 24. November die deutschen und amerikanischen Massenmedien dazu aufgerufen, sich intensiver darum zu bemühen, die breite Öffentlichkeit besser
über die drängenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit zu unterrichten.
Im Zusammenhang mit den revolutionären Entwicklungen im Bereich der Massenkommunikation verwies Burt auf das Paradoxon, daß "es mehr Informationen
gibt, aber weniger Verständnis".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Die
Bemerkung, wir
lebten
im
Zeitalter einer Revolution im Informationswesen, ist zu einem Gemeinplatz geworden. Aber selbst wenn es
sich hierbei um einen Gemeinplatz
handelt, ist es doch eine unbestreitbare Tatsache.
Diese Revolution hat zwei Dimensionen, die beide in den Auswirkungen
moderner Technik auf die Kommunikation begründet sind. Erstens ist die
Fülle der uns heute zur Verfügung
stehenden Informationen im wahrsten
Sinne des Wortes überwältigend.

In den Vereinigten Staaten erscheinen zum Beispiel etwa 1 700 Tagesund
9 000 Wochenzeitungen.
Der
Leser kann unter mehr als 11 300
Zeitschriften wählen, die nahezu alle
Interessengebiete abdecken. Amerikaner haben über einen der 7 000 Kabelfernsehsender Zugang zu insgesamt 150
Fernsehkanälen, von denen viele 24
Stunden täglich senden.
Das Radionetz ist mit seinen mehr als 9 000
Stationen in den Vereinigten Staaten
ebenso weitverzweigt.
Bei den gedruckten Medien können sich Amerika-

�ner zum Beispiel einem der 50 000
neuen Bücher zuwenden, die jedes Jahr
von über 350 verschiedenen Verlagshäusern herausgegeben werden.
Die Zahlen sind in Europa gleichermaßen beeindruckend.
Allein in
der Bundesrepublik
werden
jährlich
etwa ebensoviele Bücher veröffentlicht wie in den Vereinigten Staaten,
5 000 davon als Übersetzungen aus dem
Englischen.
Das
Verlagswesen
hat
seit
dem
zweiten Weltkrieg
einen
ebenso großen Aufschwung erfahren wie
das Fernsehen. Im Jahr 1950 stellten
auf der Frankfurter Buchmesse lediglich 460 Verlage aus. In diesem Jahr
waren es 7 147.
Deutsche Verleger
bringen inzwischen 6 900 verschiedene
Publikationen auf den Markt. In der
Bundesrepublik werden über 1 300 Tages- und Wochenzeitungen herausgegeben, und die Gesamtzahl der Zeitungsleser ist sicher größer als in den
Vereinigten
Staaten.
Rundfunk
und
Fernsehen sind in der Bundesrepublik
in geringerem Umfang ausgebaut als in
meinem Land, dennoch gibt es neun
Rundfunkstationen und 10 Kabelsender,
die täglich mehr als 60 Stunden Fernseh- und 700 Stunden Rundfunkübertragungen senden - wenn man die zahlreichen deutschen Haushalten zugänglichen Sendungen aus dem Ausland unberücksichtigt läßt.
Die zweite Dimension dieser Revolution im Kommunikationswesen ist Geschwindigkeit.
Heute arbeiten wir
weltweit
mit
"Echtzeit"-Informationen. Rundfunk und Fernsehen ermöglichen uns mehr denn je die unmittelbare Teilnahme an überall stattfindenden Ereignissen. Wir können das Geschehen im Augenblick seines Geschehens miterleben. Spätestens am nächsten Tag liefert uns die Morgenzeitung ein breites Spektrum von Analysen und Hintergrundberichten.

All dies ist möglich, weil in den
vergangenen vier Jahrzehnten im Kommunikationswesen wahrhaft spektakuläre Fortschritte stattgefunden haben.
Die Massenmedien, Vertreter aus Wirtschaft und Regierung, Forscher und
Büroangestellte können auf elektronischem Wege Informationen
austauschen, sich von Satelliten abgegebene
oder durch Glasfaserkabel verbreitete
Signale zunutze machen und damit in
Bruchteilen von Sekunden Kontinente
verbinden.
Von jedem Computerterminal hier haben Sie zum Beispiel sofortigen Zugang zu Hunderten von Datenbanken in den Vereinigten Staaten
und
anderswo.
Für
Dokumente
und
graphische Darstellungen gibt es Telefax, mit dem Vorlagen bildgetreu
übermittelt werden können. Nachrichtenagenturen
können auf elektronischem Wege Berichte weltweit übermitteln, während ihre Kunden denselben
Computer, mit dem sie einen Bericht
empfangen, zu dessen Weitergabe zum
Druck und zur Übermittlung der Informationen
an
den
Leser
benutzen.
Fernsehzuschauer können an jedem mit
einer Videokamera erreichbaren Schauplatz dabeisein.
Aber diese Umwälzungen im Informationswesen enthalten ein Paradoxon.
Es gibt mehr Informationen, aber weniger Verständnis.
Zumindest was die westliche Welt
betrifft, sind sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Öffentlichkeit ohne Frage besser informiert
als noch vor einem Jahrhundert oder
auch nur vor einem Jahrzehnt.
Aber
das heißt nicht, daß wir einander
besser verstehen.
Die Informationen
haben nicht etwa Vorurteile und engstirniges Denken abgebaut, die - mehr
noch als schlichte Ignoranz - die Zusammenarbeit erschweren.
Zum Teil

- 2

ergibt

sich

unser

Pro-

�blem aus der Revolution im Informationswesen selbst. Wie die von mir
angeführten wenigen Beispiele zeigen,
ertrinken wir buchstäblich in Informationen.
Und diese
Informationen
stürzen so schnell auf uns ein, daß
ein Bemühen um Verständnis der Ereignisse in der Welt dem Versuch gleichkommt, einen Film im Zeitraffer zu
verstehen.
Aber das reicht als Erklärung dafür nicht aus, warum sich Europäer
und Amerikaner in einer zunehmend integrierten und interdependenten Welt
politisch und psychologisch einigeln.
Das ist keine Erklärung dafür, warum
wir mehr denn je zu Mißverständnissen
neigen als jemals zuvor, warum wir an
überholten,
unvollständigen,
stark
vereinfachten oder ganz einfach falschen Bildern und Klischeevorstellungen festhalten und sie dazu benutzen,
eigennützige und kurzsichtige politische Maßnahmen zu rechtfertigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schien
es, als ob wir die Lektionen der
zwanziger und dreißiger Jahre gelernt
hätten - daß eine Politik, die sich
auf
Kirchturmdenken
und nationalen
Egoismus stützt, langfristig destruktiv und sinnlos ist. In der unmittelbaren Nachkriegszeit hat eine begabte Generation von Amerikanern und
Europäern optimistisch
und erfolgreich an der Sicherheit und dem Wohlstand des Westens gearbeitet.
Wir
haben gemeinsam Sicherheitsvereinbarungen getroffen und Bündnisse zu unserem Schutz geschaffen.
Wir haben
destruktiven
Protektionismus
durch
ein offenes internationales Handelssystem ersetzt. Wir haben neue pädagogische Austauschprogramme erarbeitet, die Wissenschaftler und Studenten aus der gesamten westlichen Welt
zusammengeführt haben.
Aber

in

den

vergangenen

Jahren

ist meiner Ansicht nach unsere Fähigkeit zur Erarbeitung gemeinsamer Ziele stetig unterhöhlt worden. Mit dem
Heranwachsen einer neuen Generation
ohne persönliche Erinnerung an die
Kriegsjahre haben westliche Politiker
zu erkennen versäumt, daß das internationale System den Erfordernissen
eines neuen Zeitalters angepaßt werden mußte. Die wirtschaftlichen und
politischen Schockwellen der späten
sechziger und siebziger Jahre haben
daher die alte Mentalität des Einzelkämpf ertums wiederbelebt.
Ich erkenne insbesondere die zunehmende Hinwendung zum wirtschaftlichen Kirchturmdenken.
Amerikaner,
Europäer und Japaner stimmen überein,
daß freier Handel uns mehr Wohlstand
und
Sicherheit
bringt.
Aber
wir
scheinen alle unsere eigenen Entschuldigungen für eben die Entscheidungen zu haben, die weltweit das
Wirtschaftswachstum
lähmen und das
offene
Welthandelssystem
aushöhlen.
Als Ergebnis davon befinden wir uns
in einem Teufelskreis, der - wenn er
nicht unterbrochen wird - unsere Kassen
leeren, unseren
Lebensstandard
verringern und in einen neuen Handelskrieg münden wird.
Und
Kirchturmdenken
beschränkt
sich bei weitem nicht nur auf den
Handel.
in den Vereinigten Staaten
tendieren wir zunehmend zum Unilateralismus, der mit einer Reihe von
Verzerrungen und falschen Vorstellungen gerechtfertigt wird. von meinen
Landsleuten sind Vorwürfe zu vernehmen, die Europäer seien zu sehr geneigt, sich sowjetischem Einfluß anzupassen. Andere vertreten die Ansicht, die Europäer seien in bezug
auf ihre Verteidigung Schmarotzer und
nicht bereit, die zu ihrem Schutz
notwendigen Opfer
zu bringen; sie
ließen sich von Terroristen erpressen
und zeigten selten Bereitschaft, die

- 3 -

�Vereinigten
Staaten bei
regionalen
Konflikten in der Dritten Welt zu unterstützen.
Auf der anderen Seite scheinen zu
viele Europäer der Ansicht zu sein,
die Amerikaner hielten an der starren
Ideologie
des
Kalten
Krieges
der
fünfziger Jahre fest, die eine mögliche Entwicklung besserer Ost-West-Beziehungen
nicht zuläßt; Amerikaner
seien hoffnungslose
Waffenfanatiker
und nur allzu leicht zu deren Gebrauch bereit.
Ferner besteht die
Meinung, eine amerikanische Bereitschaft, in regionale Konflikte einzugreifen oder gegen Terroristen vorzugehen, sei unberechenbar, nicht vorherzusehen und gefährlich.
Wir nehmen auf beiden Seiten des
Atlantiks einen Auftrieb engstirniger
Vorschläge
und
Denkschemata
wahr.
Sie haben ihren Ursprung vornehmlich
an den beiden extremen Enden des politischen Spektrums, die (wenn auch
aus sehr unterschiedlichen Gründen)
Europa und Amerika voneinander abgekoppelt
sehen möchten.
Unglücklicherweise finden diese Schemata immer
mehr Eingang ins allgemeine öffentliche
Denken.
Auf
amerikanischer
Seite gibt es protektionistische Gesetzesentwürfe, die sich durchaus mit
Smoot-Hawley messen können; kurzsichtige Vorschläge zur Einsparung von
Milliarden Dollar durch den Abzug unserer Truppen aus Europa; sogar Vorschläge zur Wiedergewinnung unseres
"Handlungsspielraumes" durch Austritt
aus der NATO.
In Europa hören wir intellektuelle Rechtfertigungen der "Xquidistanz"
zwischen den "Supermächten", begründet in ihrer sogenannten "moralischen
Gleichwertigkeit".
Es gibt zunehmend
Forderungen
nach
Denuklearisierung,
"defensiver
Verteidigung"
und
der
"Europäisierung Europas".
- 4

Nahezu all diesen Vorschläge ist
eines gemein - sie sind extrem engstirnig.
Viele
ihrer
Befürworter
streben nach einer einfachen Lösung
für schwierige Probleme in der Wirtschaft und im Haushalt, einer Lösung,
die uns nicht zwingt, die Vorzüge der
amerikanischen
Konsumgesellschaft
oder des europäischen Wohlfahrtsstaates
aufzugeben.
Manche
Politiker
hoffen auf Stimmen bei den nächsten
Wahlen.
Andere
sind
einfach
bestrebt, Sicherheit um jeden Preis zu
erlangen - koste es, was es wolle.
Aber
solche Ideen wären lediglich
leicht zu verwerfende Hirngespinste
extremistischer Außenseiter, wenn sie
nicht ihren Widerhall im Bewußtsein
der Öffentlichkeit fänden.
Und die
Öffentlichkeit
wird meiner
Ansicht
nach nicht von simplem Egoismus getrieben. In der Tat denken die Menschen überall, sie brächten Opfer und
zeigten Flexibilität, Kreativität und
ihre Bereitschaft zur Übernahme von
Risiken, ausländische "Freunde" täten
jedoch genau das Gegenteil.
Kurzum, zahlreiche Probleme entstehen aus Fehleinschätzungen, die
trotz der Revolution im Informationswesen weiterhin gedeihen.
Und wenn
wir nicht daran arbeiten, diese Fehleinschätzungen aus der Welt zu schaffen,
könnten
wir
in
ernsthafte
Schwierigkeiten geraten.
Meiner Ansicht nach gibt es nur eine Lösung
für das Problem der Fehleinschätzungen - größeres Verständnis. Wie ich
bereits angedeutet habe, führen mehr
Informationen und bessere Technik im
Kommunikationswesen
nicht
notwendigerweise zu besserem Verständnis. Im
Falle der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland können wir dieses bessere Verständnis nur erreichen, wenn wir sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern erkennen

�- und uns diese auch bewußt machen.
Meiner Meinung nach hat das Amerikabild
der
Deutschen
und
das
Deutschlandbild der Amerikaner in der
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg drei
Stadien durchlaufen.
Das erste Stadium dauerte von
Kriegsende bis in die sechziger Jahre.
Die schreckliche Erfahrung der
Jahre 1933 bis 45, die offene amerikanische Politik nach dem Krieg und
die Großzügigkeit einzelner Amerikaner führten dazu, daß zahlreiche, vor
allem junge Deutsche den Vereinigten
Staaten
Modellcharakter
beimaßen.
Das traf auf ein breites
Spektrum
der deutschen Gesellschaft und sogar
auf viele Intellektuelle zu.
Somit
hatten die Vereinigten Staaten in der
Zeit des Wiederaufbaus, den fünfziger
Jahren, diesem Land ihren Stempel
aufgedrückt. Die oberflächlichen Gemeinsamkeiten wurden so beträchtlich,
daß ein Besucher nahezu jeder deutschen Stadt sich vorstellen konnte,
in den Vereinigten Staaten zu sein.
Auf beiden Seiten entwickelte sich
ein Mythos über unsere Beziehungen der Mythos gleicher Identität.
Aber die deutsche Hinwendung zu
Amerika in den fünfziger Jahren war
zu unkritisch und die deutsche Betrachtungsweise nahezu aller Aspekte
des amerikanischen Lebens zu idealistisch.
Der amerikanische Blickwinkel war das Spiegelbild der deutschen Betrachtungsweise - angesichts
so großer Ähnlichkeit mit den Vereinigten Staaten sahen Amerikaner die
Bundesrepublik zunehmend als "KleinAmerika", das zufällig in Europa beheimatet war.
Diese Ansichten brachten Erwartungen mit sich, die am Ende nicht
aufrechterhalten werden konnten. Das
führte zum zweiten Stadium unserer

Beziehungen
in der
Nachkriegszeit.
Als die Bundesrepublik sich dem Ende
ihrer erfolgreichen Wiederaufbauphase
näherte, begannen die Deutschen wiederum
über
ihre
eigene
Identität
nachzudenken, darüber, was es heißt und was es heißen sollte - Deutscher
zu sein. Weil die Deutschen ihre Gesellschaft der Nachkriegszeit so sehr
nach amerikanischem Muster ausgerichtet hatten, wurde die Diskussion über
die deutsche Identität ironischerweise vornehmlich über amerikanische Lebensqualität und amerikanische Politik geführt. Der in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren vor
allem durch den Vietnamkrieg entfachte Aufruhr teilte Amerika. Aber er
hatte hier vielleicht noch größere
Auswirkungen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen Krieg verloren.
Viele, vor allem junge Deutsche, haben ihr Ideal verloren.
Die Vereinigten Staaten, denen in den fünfziger Jahren Modellcharakter zugekommen war, hatten für viele junge Deutsche in den siebziger Jahren ein Negativ-Image.
Amerikaner, die der Fehleinschätzung einer Amerikanisierung der Bundesrepublik unterlagen, fühlten sich
durch
die
scheinbar
schonungslose
Kritik der Deutschen verunsichert und
betroffen. Viele betrachteten Kritik
an den Vereinigten Staaten als Zeichen eines virulenten Antiamerikanismus in der Bundesrepublik.
Auf beiden Seiten bekamen viele das Gefühl,
unser gesamtes Verhältnis sei in Gefahr.
In den achtziger Jahren haben wir
begonnen, uns dem dritten Stadium in
unserem Verhältnis
anzunähern, das
weder romantisch verbrämt noch desillusioniert
ist
sondern
auf
einer
realistischeren Einschätzung unserer
Unterschiede und Gemeinsamkeiten beruht.

- 5 -

�Dieses neue Stadium wird von der
Tatsache geprägt, daß die Deutschen
jetzt gegenüber den Vereinigten Staaten ihre eigene Identität zu finden
und zu behaupten suchen.
Ein neues
Interesse an deutscher Geschichte ist
erwacht, ein neuer Stolz auf deutsche
Kultur
und die neue Bereitschaft,
einem gewissen Bewußtsein deutscher
Leistungen in einer Reihe von Lebensbereichen offen Ausdruck zu verleihen. Kurzum: es gibt zunehmend Beweise dafür, daß sich eine deutsche
Identität herausbildet - eine Identität, die sich weder als Imitation
noch als Ablehnung der Vereinigten
Staaten versteht.
Manch einer auf beiden Seiten des
Atlantiks empfindet diese Entwicklung
als beunruhigend.
Einige Beobachter
stellen Spekulationen über die Bedeutung
des Wiederauflebens
deutscher
Kultur und deutschen Stolzes an; dies
heiße, daß beide Gesellschaften auseinanderdriften und daß die enge Kooperation, die bis heute unsere Nachkriegsbeziehungen geprägt hat, unvermeidlich zum Scheitern verurteilt sei.
Ich kann solch eine düstere Prophezeiung nicht hinnehmen.
Es ist
nicht schlecht, daß die Deutschen den
Stolz auf ihre Kultur und Geschichte
wiedergewinnen - dies ist ein notwendiger Schritt auf der Suche nach
Identität. Es sollte uns nicht beunruhigen, daß wir in so vielen Dingen
verschieden sind. unsere Unterschiede sind einfach eine Tatsache, ein
Faktum,
das
auf
unterschiedlichen
geographischen Gegebenheiten und geschichtlichen
Erfahrungen beruht
und die Auswirkungen unserer Unterschiede sind genau das Gegenteil von
dem, was die Pessimisten behaupten.
Die wichtigen und interessanten Bereiche, in denen sich unsere Länder
voneinander unterscheiden, akzentuieren die sich gegenseitig ergänzenden

Starken, die meiner Meinung nach lohnende Chancen für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit eröffnen.
Erstens unterscheiden wir uns der
Größe nach. Die Vereinigten Staaten
sind ein Kontinent mit nur wenigen
Nachbarn und geschützt durch zwei
Ozeane.
Die Bundesrepublik ist geographisch kompakt und von zahlreichen
Nachbarstaaten umgeben.
Während die
Vereinigten Staaten aufgrund dieser
Situation eher zum Alleingang neigen,
wird die Bundesrepublik von den Erfordernissen der internationalen Zusammenarbeit geleitet.
Zweitens unterscheiden wir uns,
wiewohl beide von Vielfalt geprägt,
eben in unserer Vielfalt.
Das auf
einer komplexen, sich ständig verändernden ethnischen Mischung beruhende
Gefüge
der
amerikanischen
Gesellschaft hat zu einem Reichtum an Sprache, Küche, Kunst, Lebensstilen und
Ansätzen zur Problemlösung geführt,
der in der Welt einzigartig ist. Die
Bundesrepublik Deutschland ist ethnisch viel homogener.
Ihre Vielfalt
hat ihre Wurzeln in Geschichte und
geschichtlichem Erinnerungsvermögen und das Ausmaß dieser Vielfalt spiegelt die Tatsache wider, daß die Bundesrepublik
- nahezu als einziges
Land in Europa - nicht eine Hauptstadt besitzt sondern deren mehrere,
eine für die Politik, eine für das
Finanzwesen, eine für den Handel und
eine für die Medien. Jede bedeutende
Stadt der Bundesrepublik spielt in
einem bestimmten Lebensbereich eine
nationale Führungsrolle.
Drittens:
Obwohl wir viele gemeinsame demokratische Institutionen
teilen, funktionieren
unsere politischen Systeme auf verschiedene Art
und Weise. Das System der Bundesrepublik beruht auf relativ zentralisierten und vergleichsweise diszipli-

�nierten politischen Parteien.
Deutsche Politiker machen Karriere, wenn
sie in ihrer Partei Karriere machen.
Dieses System dient dazu, die politischen Debatten einander
näherzubringen,
indem
es
nationalen
und
langfristig
angelegten
politischen
Maßnahmen hohe Priorität in der Innen- wie auch
in der Außenpolitik
einräumt.
Das politische System der
Vereinigten Staaten hingegen ist von
schwachen Parteien und dezentral organisierter
Macht
gekennzeichnet.
Amerikanische
Politiker haben eine
individuelle Machtbasis auf lokaler
Ebene.
Die
amerikanische
Politik
spiegelt die Vielfalt der Vereinigten
Staaten wider und projiziert diese
Vielfalt auf die Gestaltung ihrer Innen- und Außenpolitik.
Viertens sind unsere Wirtschaftsstrukturen in wichtigen Bereichen unterschiedlicher
Art.
Die deutsche
Gesellschaft ist wirtschaftlich homogener und bietet nahezu all ihren
Bürgern einen hohen Lebensstandard,
ein bemerkenswertes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und ein verläßliches
soziales Netz.
Deutsche Unternehmen
sind auf langfristigen Erfolg angelegt, auf Sicherheit und - darüber
läßt sich streiten - auf das Erzielen
einer "annehmbaren" statt einer maximalen Gewinnmarge.
in den Vereinigten Staaten ist der Wohlstand weniger
gleichmäßig verteilt, jedoch ermutigt
die größere soziale Mobilität Innovationen, bietet immense Möglichkeiten
und erlaubt unserem Land, eine erhebliche Zahl von Einwanderern schneller
in die Gesellschaft zu integrieren.
Geschichten des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär sind immer noch
ein normaler Bestandteil amerikanischen Lebens. Natürlich besteht neben der Möglichkeit des Erfolgs auch
die des Scheiterns; und Scheitern
kann in der amerikanischen Gesellschaft mit großen Risiken verbunden
- 7

sein, insbesondere, weil unser soziales Netz bei weitem nicht so engmaschig geknüpft ist wie das deutsche.
Risiken einzugehen ist jedoch ein anerkannter Teil des amerikanischen Systems.
Geschäftsleute
können
mit
einem
Unternehmen
scheitern
und
trotzdem in der Lage sein, mit einem
anderen Erfolg zu haben.
Im Unterschied dazu scheinen die Deutschen
eher risikofeindlich zu sein.
Fünftens ist die Bundesrepublik
Deutschland
grundsätzlich
eine beständige und gefestigte Gesellschaft.
Demgegenüber
sind
die
Vereinigten
Staaten weiterhin ein Land ruheloser
Einwanderer. Die geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten ist
legendär.
Nahezu ein Fünftel der
amerikanischen Bevölkerung zieht jedes Jahr um - eine Statistik, die für
viele Deutsche schwer faßbar
ist.
Die Deutschen sind weniger mobil, und
diese Tatsache bringt Probleme für
Unternehmer und Regionen mit sich,
die aus den durch den technologischen
Wandel
geschaffenen
Möglichkeiten
Vorteile zu ziehen suchen. Natürlich
sind mit der amerikanischen Mobilität
auch Kosten verbunden.
Es ermangelt
uns oft an einem gewachsenen Sinn für
Tradition und Lokalpatriotismus, wie
er in der Bundesrepublik so offen
sichtbar ist.
Sechstens und letztens ist die
geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten gepaart mit einem
fast ebensolchen Ausmaß an sozialer
Mobilität, sowohl vertikal als auch
horizontal.
Diese einmalige amerikanische Qualität führt zu gesellschaftlichen Spannungen und gelegentlichen Auseinandersetzungen, aber sie
bedeutet auch größere Möglichkeiten
und mehr Innovation. Die gegenseitige Befruchtung unterschiedlicher Berufsgruppen ist in den Vereinigten
Staaten
besonders
ausgeprägt.

�Rechtsanwälte
werden
Unternehmer.
Unternehmer
werden Präsidenten von
Universitäten.
Professoren
gründen
Unternehmen.
Filmschauspieler werden
Politiker - und sogar Staatsmänner.
Es scheint mir, daß die Deutschen im
Gegensatz
dazu
neigen, früh
eine
Laufbahn
einzuschlagen
und
dieser
treu zu bleiben. Natürlich hat auch
dies vorteile - der erfahrene deutsche Beamte, Politiker oder Unternehmer wird in seine Tätigkeit ein Maß
an Professionalismus, eine Reihe von
Fähigkeiten und eine historische Perspektive einbringen, die ihn befähigen, die sich entwickelnden Veränderungen in ihrer "langfristigen Perspektive" zu sehen. Deshalb besteht
bei der Entscheidungsfindung in der
Bundesrepublik ein größeres Maß an
Kontinuität als in den Vereinigten
Staaten, wo in der Regierung ein Kommen und Gehen herrscht und Führungskräfte in der Wirtschaft häufiger ihren Arbeitsplatz wechseln.
Man ist
deshalb eher kurzfristigem Denken und
schnellen Entschlüssen bei Problemlösungen zugeneigt.
Ich kann unsere grundlegenden Unterschiede am besten zusammenfassen,
indem ich sage, daß die geordnetere
und weniger mobile deutsche Gesellschaft ein Gefühl der Gemeinschaft
und der Zusammengehörigkeit fördert.
Wenn man dieser Gleichung noch den
Wohlfahrtsstaat hinzufügt, dann bekommt man als Ergebnis ein hochentwickeltes Gefühl dafür, daß das Resultat
jeglicher
gesellschaftlicher
Interaktion
letzlich
"fair"
sein
sollte.
Sozial, wirtschaftlich und politisch herrscht
in den Vereinigten
Staaten ein wesentlich rauheres Klima.
Nicht alle Beteiligten werden
zum gleichen Ergebnis kommen.
Aber
unsere Gesellschaft schafft jedem die
Möglichkeit, einen Versuch zu unter- 8

nehmen.
Kurzgesagt: wo die Gesellschaft der Bundesrepublik das Bedürfnis nach Fairneß betont, legt die
amerikanische Gesellschaft die Betonung auf die Möglichkeiten.
Die Erkenntnis, daß wir nicht
gleich sind, ist wichtig, wenn wir
verstehen sollen, warum wir von Zeit
zu Zeit auf gleiche Entwicklungen unterschiedlich
reagieren.
Und
was
ebenso wichtig ist: dies ist meiner
Meinung nach der beste Grund für uns,
unsere Beziehungen zu erhalten und zu
stärken.
Unser gemeinsames strategisches Interesse macht deutsch-amerikanische
Zusammenarbeit
erforderlich. Unsere gemeinsamen politischen
Werte ermöglichen diese Zusammenarbeit.
Es sind jedoch unsere unterschiedlichen Stärken und Schwächen,
die diese Zusammenarbeit so lohnend
machen können. Jeder bringt in unser
Verhältnis Dinge ein, von denen der
andere lernen und profitieren kann.
Während wir uns also auf die
neunziger Jahre vorbereiten, sollten
wir jetzt in ein neues Stadium unserer Beziehungen eintreten, eine Phase, in der sowohl Deutsche wie auch
Amerikaner realistischere Erwartungen
aneinander haben. Wir sollten in der
Lage sein, unsere Unterschiede zu erkennen, ohne von ihnen beunruhigt zu
werden und sowohl aus den Bereichen,
in denen wir uns unterscheiden, als
auch aus unseren Gemeinsamkeiten Nutzen zu ziehen.
Wir müssen uns vor Augen führen,
daß wir unveräußerliche Werte teilen,
die es gestatten, daß die zwischen
uns bestehenden Unterschiede Möglichkeiten
anstatt
Gefahren
bedeuten.
Das amerikanische Unternehmertum kann
von deutscher Stabilität, Kontinuität
und der Fähigkeit, langfristige strategische Planungen
vorzunehmen und
hochwertige
Waren
zu
produzieren,

�lernen. Die Deutschen können lernen,
indem sie beobachten - den amerikanischen Unternehmergeist, die Bereitschaft zum Risiko und die Vitalität
im Bereich der kleineren Unternehmen.
Die Amerikaner können von den Deutschen eine Menge in bezug auf Haushaltsdisziplin
und
Spargewohnheiten
lernen - aber den Deutschen würde es
gut anstehen, herauszufinden, wie die
Vereinigten Staaten ein solch schnelles Wirtschaftswachstum erreicht und
so viele Arbeitsplätze geschaffen haben.
Der
Lernprozeß
ist
mindestens
ebenso wichtig in anderen Bereichen
der Politik. Die Vereinigten Staaten
müssen zum Beispiel ihre Neigung zum
Unilateralismus
kontrollieren,
den
Entschluß fassen, sich nicht von der
Verteidigung Europas zurückzuziehen während die Deutschen und andere Europäer bereit sein sollten, außerhalb
Europas eine umfassendere Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.
Kurzum:
wir können viel voneinander lernen und uns somit gegenseitig ergänzen - aber nur, wenn wir
einander verstehen.
Das neue Bewußtsein einer nationalen deutschen Identität auf beiden
Seiten des Atlantiks kann unter diesen Bedingungen in der Tat zur Stärkung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses beitragen. Umgekehrt können amerikanische und deutsche Fehleinschätzungen
äußerst
entzweiend
wirken.
Beispielsweise
sind viele
Deutsche immer noch davon überzeugt,
sie lebten in einem kleinen, schwachen Land, das zwischen zwei Supermächten eingekeilt
und unfähig zu
entscheidender
Einflußnahme
ist.
Diese deutsche Selbsteinschätzung ist
für viele Amerikaner schwer begreiflich. Sie betrachten die Bundesrepublik als eines der stabilsten, wohl- 9

habendsten,
demokratischsten
und
mächtigsten Länder der Welt - die
größte Handelsnation der Welt, die
wirtschaftlich den vierten und vom
Verteidigungsaufwand her den dritten
Platz in der Welt einnimmt.
Setzt
man diese Gegebenheiten voraus, dann
können die Amerikaner unschwer zu der
Schlußfolgerung
gelangen,
daß
die
Deutschen zusammen mit den Japanern
darauf bedacht sind, einen möglichst
großen Anteil des Weltmarktes zu erobern und gleichzeitig die Kosten und
Risiken der Bewahrung des Friedens
und eines stabilen Weltwirtschaftssystems
den
Vereinigten
Staaten
zu
überlassen.
Diese
Fehleinschätzung
erleichtert die Rechtfertigung egoistischer, unilateralistischer amerikanischer Maßnahmen - welche wiederum
in diesem Land Neigungen zu einer Inselmentalität verstärken.
Wie können wir es bewerkstelligen, daß wir einander besser verstehen? Wie ich schon festgestellt habe,
besitzen wir viele Wege, um uns zu
verständigen, um Informationen
und
Ideen
auszutauschen.
Bisweilen
scheinen die Institutionen, durch die
wir kommunizieren, uns jedoch daran
zu hindern, einander wirklich zu verstehen.
So spielt zum Beispiel an
amerikanischen Schulen und Universitäten
der
Deutschunterricht
eine
solch untergeordnete Rolle, daß die
meisten Amerikaner von dem reichen
Vermächtnis deutscher Geschichte und
Kultur ausgeschlossen sind. Deutsche
Bildungsstätten leisten Hervorragendes auf dem Gebiet des Englischunterrichts, präsentieren
jedoch
häufig
ein solch verzerrtes Bild der amerikanischen Gesellschaft und Politik,
daß der Lernende kaum verstehen kann,
was er in dieser Sprache sieht und
hört. Um nur ein einziges typisches
Beispiel zu nennen:
in einem Text
über Minderheiten in den Vereinigten
Staaten wird erklärt: "Spricht man

�von den Negern und den Puertorikanern, dann meint man nichtorganisierte
und
ungelernte
Arbeiter,
die
schlecht
bezahlte Arbeitsplätze in
Hotels, Restaurants, kleinen Fabriken
innehaben
oder
Sozialhilfeempfänger
sind". Der Autor, dem offensichtlich
völlig entgangen ist, daß Millionen
von schwarzen und puertorikanischen
Amerikanern hochgebildet und wohlhabend sind, macht sich der Verleumdung
Amerikas als rassistischer Gesellschaft schuldig.
Austauschprogramme tragen, unabhängig davon, ob sie aus öffentlichen
oder privaten Mitteln gefördert werden, in hohem Maße dazu bei, die Menschen einander näher zu bringen und
das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Die Einfühlungsvermögen und
Verständnis für eine andere Kultur
hervorbringende persönliche Erfahrung
ist noch immer unersetzlich.
Bedauerlicherweise ist jedoch die Zahl der
Teilnehmer an solchen Programmen begrenzt.
Die Vereinigten Staaten und
die Bundesrepublik Deutschland führen
eine
Vielzahl
unterschiedlichster
Austauschprogramme
durch, aber die
sich jährlich auf einige tausend belaufende
Teilnehmerzahl
entspricht
nur einem Bruchteil der Bevölkerung
beider Länder.
Die Buchindustrie ist ein weiterer großer Kommunikator der Gesellschaft, mit dessen Hilfe eine Fülle
von Informationen von einem Land ins
andere getragen und vermittelt werden. Dennoch ist auch sie einer Reihe harter wirtschaftlicher Zwänge unterworfen - es reicht nicht aus, ein
gutes Buch zu veröffentlichen - es
muß auch verkauft werden. Die Ergebnisse sind vorhersehbar.
Eine kürzlich vom US-Informationsamt
(United
States Information Agency - USIA) erstellte Studie kam zum Beispiel zu
dem Ergebnis, daß es, trotz der in

jedem Jahr von deutschen Verlegern
übersetzten und auf den Markt gebrachten Vielzahl amerikanischer Titel schwierig ist, von Amerikanern
geschriebene
Bücher
über
amerikanische Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft in deutschen Bücherregalen
zu finden. Sachbücher verkaufen sich
in der Bundesrepublik nur in Ausnahmefällen so gut wie etwa Lee Iacoccas
Autobiographie. Die Anzahl wichtiger
deutscher Bücher, die übersetzt und
in Amerika herausgegeben werden, ist
natürlich noch geringer.
in der Welt von heute sind die
wichtigsten Kommunikationsinstitutionen
zweifelsohne
die Massenmedien,
worunter ich Zeitungen, Zeitschriften, Radio und natürlich vor allem
das Fernsehen verstehe.
Die meisten
Menschen beziehen das Gros ihrer Informationen
aus
den
Medien.
Abschließend möchte ich daher gerne einige Anmerkungen über den Journalismus und die Medien machen, weniger
aus theoretischer Sicht als aus meiner eigenen Erfahrung als Journalist.
Paradoxerweise führen die bloße
Fülle der von den Medien verarbeiteten Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Verbreitung und ihr intensiver Wettbewerb allzu häufig zu einer Berichterstattung, die trivial,
oberflächlich und sogar konformistisch ist.
Dies gilt in besonderem
Maße für das Fernsehen, zweifelsohne
das spektakulärste Produkt der Revolution in der Kommunikationstechnologie. Erst vor 50 Jahren verließen
die ersten Fernsehgeräte die Forschungslabors.
Der Preis war unerschwinglich, das Bild
schrecklich,
und es gab sowieso wenig, was man
sich ansehen konnte.
Heute ist das
Fernsehen sowohl in Amerika und - in
zunehmendem Maße - in Europa einer
der größten Industriezweige.

�Meinungsumfragen
belegen,
daß
sich die Menschen immer mehr auf das
Fernsehen als erste Informationsquelle über Ereignisse in der Welt verlassen.
Die
Aufmerksamkeit
der
"Fernsehgeneration"
ist von kurzer
Dauer, über die internationalen Themenkomplexe erfährt sie zumeist aus
den nur 30 bis 60 Sekunden dauernden
Sequenzen
in den Abendnachrichten.
Der Bürger von heute, der häufig unter zeitdruck steht, ist meist glücklich darüber, daß das Fernsehen die
scheinbar
wichtigsten
Fakten
so
schnell zur Verfügung stellen kann.
Meine
eigenen
Erfahrungen
als
Journalist haben mir zu der Überzeugung verholfen, daß das Fernsehen die
traditionelle Schwäche des Journalismus noch verschärft - um so mehr als
die gedruckten Medien, die zwangsläufig
zur Bereitstellung
eingehender
Informationen
besser
ausgerüstet
sind, beim Wetteifern um die begrenzte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
den Stil des Fernsehens zu imitieren
suchen.
Zum Beispiel zwingt das Fernsehen
den Journalisten mehr denn je, möglichst der erste mit einer Nachricht
zu sein. Einen anderen Fersehsender
um nur ein paar Minuten "auszustechen" könnte bedeuten, man kommt in
die Abendnachrichten und der andere
nicht.
Sie heimsen die Lorbeeren
ein, und er bekommt Xrger.
Für
ernsthafte
Analysen
bleibt
keine
Zeit.
Das Ergebnis des "Sensationsjournalismus" ist, daß Journalismus
als Beruf nicht diejenigen anzieht,
die komplexe Themenbereiche im einzelnen untersuchen wollen.
Der ständige Zwang zu einer Erstmeldung führt auch zu "Herden Journalismus" und dem Problem unzusammenhängender Nachrichten.
Die Journalisten versuchen sich vor dem Ausste-

chen durch eine Erstmeldung zu schützen, indem sie sich jeden Tag oder
jede Woche
untereinander
für
ein
Leitthema entscheiden. Jeder konzentriert sich in höchstem Maße auf dieses Thema - bis zur nächsten Woche,
wenn ein anderes Thema herausgegriffen wird. Wir können aus einer Vielzahl von Fernsehkanälen
auswählen,
aber nur allzu häufig wird über diesselben Nachrichten - und wenig anderes - auf jedem Kanal berichtet. Als
Ergebnis dessen ist das welterschütternde Problem von heute morgen bereits vergessen.
Der Öffentlichkeit
wird keine Gelegenheit gegeben - erst
recht nicht durch die Darstellung im
Fernsehen
- sich zu umfassenderen
Themenkomplexen eine Meinung zu bilden. Die Diskussion über die Mittelstreckenraketen ist hierfür ein anschauliches Beispiel. Vor vier Jahren konzentrierten sich alle Nachrichten über INF auf die Stationierung
der
amerikanischen
Raketen.
Heute ist ihre Beseitigung, zusammen
mit den entsprechenden sowjetischen
Waffen, das Hauptthema. Aber die Medien stellen keine Verbindung zwischen diesen beiden Themen her - tragen nichts zum Verständnis der Öffentlickeit bei, daß die Stationierung von gestern die unabdingbare
Voraussetzung für das historische Abkommen von heute war.
Das Fernsehen verschärft auch den
traditionellen Hang der Journalisten
zur Übertreibung. Die Reporter haben
immer gewußt, daß es Geschichten von
"menschlichem Interesse" bedarf, um
Zeitungen und Zeitschriften zu verkaufen. Aber das Fernsehen trägt die
Nachrichten mit nie dagewesener Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend
für Abend leben wir mit den Schrecken
von Vietnam oder Beirut, dem Terror
des jüngsten Geiseldramas, mit apokalyptischen Visionen dessen, was mit
Tschernobyl, dem Einleiten von chemi-

- 11 -

�kalien in den Rhein, der explosiven
Lage am Persischen Golf auf uns zukommen wird. Die Fähigkeit des Fernsehens, jede einzelne Nachricht zu
dramatisieren, wirft zwangsläufig die
Frage auf, ob der Zuschauer dadurch
besser informiert wird - oder einfach
zu einer emotionaleren Betrachtungsweise gelangt und häufig komplexe Ereignisse nur als Zusammenprall von
Gut und Böse versteht, die sich in
nichts von den jüngsten HollywoodProdukten unterscheiden.
Was heute nicht fotografiert und
im Fernsehen übertragen werden kann,
hat
keinen
Nachrichtenwert.
Der
Krieg zwischen Iran und Irak ist
einer der blutigsten und zerstörerischsten Konflikte der jüngsten Geschichte - und dennoch besteht, weil
die Kombattanten das Fernsehen vom
Kriegsschauplatz ferngehalten haben,
in der westlichen Öffentlichkeit wenig Sorge darüber, was mit den Menschen dieser beiden Länder geschieht
- und wenig Bereitschaft, eine Politik zur Beendigung des Krieges zu unterstützen.
Natürlich ist das Fernsehen nicht
der alleinige Sündenbock.
unter den
Journalisten herrscht auch ein gewisser "Standesdünkel", der einer Entfaltung echter Sachkenntnis zuwiderläuft.
Von jedem Journalisten wird
erwartet, ein Allroundgenie zu sein,
das mit der gleichen Gewandtheit über
jede Geschichte berichten kann, sei
es die Hochzeit im Lokalteil oder
komplexe
RüstungskontrollVerhandlungen. Das Ergebnis ist allzu häufig,
daß der Leser oder Zuschauer nur eine
entsprechend oberflächliche Berichterstattung über jede Geschichte erhält. Die meisten Journalisten, die
sich mit komplizierten
politischen
Fragen auseinandersetzen, sind intelligent und haben ihr Metier von der
Pike auf gelernt, aber vielen mangelt
- 1

es an der Sachkenntnis, über diese
Sachverhalte im Zusammenhang zu berichten.
Es ist offenkundig, daß die Probleme der Medien in Europa und Amerika nicht identisch sind. In den Vereinigten Staaten machen kommerzielle
Interessen und der Medienwettbewerb
die Nachrichtenberichterstattung häufig zu einer Art Unterhaltungssendung. Dies führt notwendigerweise zu
Oberflächlichkeit.
Aber während unsere Nachrichtenmedien vielleicht zu
sehr
auf
Wettbewerb
ausgerichtet
sind, trifft dies für Ihre nicht in
ausreichendem
Maße zu.
Staatliche
Einflußnahme und Subventionen führen
zu Konformität der Medien und Politisierung der Nachrichten - die Öffentlichkeit erhält gelegentlich nur einen Aspekt einer Geschichte und nur
einen Teil der Fakten.
Dies gilt
wiederum insbesondere für das Fernsehen. Die Zunahme der privaten Kabelund Satellitenfernsehsender
in der
Bundesrepublik ist daher, denke ich,
eine positive Entwicklung, die ermutigt werden sollte. im weiteren Sinne würde sogar eine Lockerung des Telekommunikationsmarktes in der Bundesrepublik in starkem Maße zu einer
Vielfalt - und damit Qualität - der
jedermann zur Verfügung stehenden Informationen beitragen.
In diesem Zeitalter der Information müssen wir uns bewußt sein, daß
die Medien zum wichtigsten Teilnehmer
am politischen Prozeß geworden sind.
Sie haben aufgehört, bloße Beobachter
zu sein - wenn sie das je waren. Hohe Regierungsvertreter und leitende
Geschäftsführer verbringen viel zeit
damit, sich Gedanken zu machen, wie
sie und ihre Entscheidungen in der
Presse
dargestellt werden.
Häufig
sind es die Medien, von denen die Tagesordnung des öffentlichen Interesses bestimmt wird, indem sie die Auf-

t

\

'

�merksamkeit auf ein bestimmtes Thema
lenken. Ebenso häufig setzen die Medien die Handlungsparameter,
indem
sie bestimmte politische Ansätze als
gut und andere als schlecht bezeichnen.
Sollten ihnen meine Ausführungen
kritisch erschienen sein, so hoffe
ich doch, daß ich auch dem schwierigen Auftrag der Medien gerecht geworden bin.
Dennoch
haben wir
das
Recht, zu fordern, daß die Medien
sich selbst verbessern.
Die Medien
sind eine der mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft.
Wie jede
andere mächtige
Institution müssen
sie der übrigen Gesellschaft gegenüber verantwortlich sein. Die Medien
sollten zur Lösung unseres Problems
gegenseitiger
Fehleinschätzung
beitragen, und nicht Teil des Problems
sein.
Aber wir können nicht die ganze
Schuld den Medien anlasten oder ihnen
die gesamte Verantwortung dafür aufbürden, uns zu besser informierten
Menschen zu machen. Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß politische
Entscheidungsträger, insbesondere die
Experten auf dem Gebiet der Außenpolitik, aktiv an der Unterrichtung der
Öffentlichkeit über komplexe Sachverhalte mitwirken. In diesem Zusammenhang habe ich mich besonders gefreut,
kürzlich
durch
Herrn
Professor
Biedenkopf
von
den
Plänen
des
Bertelsmann-Unternehmens zu erfahren,
regelmäßig stattfindende Treffen in
unseren beiden Ländern ins Leben zu
rufen, bei denen Experten und politische Entscheidungsträger mit Journalisten
zu eingehenden
Gesprächen
über die Hauptprobleme deutsch-amerikanischer Beziehungen zusammenkommen
werden.
Das ist genau die Art von
Unterstützung, die wir dem ernsthaften Journalisten gewähren müssen, der
zum besseren Verständnis zwischen un-

seren beiden Ländern beiträgt.
Es reicht nicht aus, Lippenbekenntnisse zum Recht der Öffentlichkeit auf wissen abzulegen - wir müssen auch der Tatsache Rechnung tragen, daß eine verantwortungsbewußte
Öffentlichkeit verstehen muß - denn
in einer Demokratie kann der Mangel
an Verständnis seitens der Öffentlichkeit effektives Regieren unmöglich machen. Angesichts der Wirkung
der Medien auf den Entscheidungsprozeß
kann
die
Trivialisierung
der
Nachrichten auch die Trivialisierung
der Regierungspolitik bedeuten.
Der
politische Entscheidungsträger sollte
erkennen, daß die Medien für das Verständnis unabdingbar sind, und daß
Journalismus - ebenso wie Politik,
Diplomatie, Handel oder wissenschaftliche Forschung - einer der entscheidenden Berufe des öffentlichen Lebens
ist. Wir müssen die Journalisten wie
unseresgleichen behandeln.
Für diejenigen unter uns, die mit
der Verbesserung des europäisch-amerikanischen Verständnisses beauftragt
sind, ist es frustrierend, daß so
viele Fehleinschätzungen anscheinend
unzugänglich
für Korrekturen durch
die Fülle von Informationen sind, die
über den Atlantik hin und her geschickt werden.
Unsere gemeinsamen Werte und Interessen sind jedoch ungleich größer
als unsere Unterschiede - und selbst
unsere Unterschiede bergen - wie ich
versucht habe, herauszuarbeiten - in
sich den Keim der fruchtbaren Zusammenarbeit. Wenn wir unsere Sensibilität
für Unterschiede entwickeln,
dann glaube
ich, daß
die
"reife
deutsch-amerikanische Partnerschaft",
von der ich so häufig gesprochen habe, Realität wird und nicht länger
nur eine Zielvorstellung bleibt.
* * * * * *

- 1

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2 . Dezember 1987

42

I N H A L T

DOKUMENTATION

Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache

HINTERGRUUNDHATERIAL

Die Bedeutung von SDI
- Ein Überblick -

Die Reduzierung der strategischen Waffen
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Antarktisches "Ozonloch* hat weltweite Auswirkungen
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritt

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

^

at

Dokumentation

42

2. Dezember 1987

REGIONALE KONFLIKTE BEIM GIPFEL IM BRENNPUNKT
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation bekundete Präsident Reagan am 28. November die Absicht, dem sowjetischen
Verhalten in regionalen Konflikten auf der Tagesordnung des Gipfels erste
Priorität einräumen zu wollen.
Der Präsident erklärte, sein Appell an
Gorbatschow werde lauten, "wo auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen gewaltsam ihre Interessen durchzusetzen suchen - in Nicaragua, Afghanistan,
Angola, Kambodscha oder anderswo - sollten sie dem Einhalt gebieten und die
Völker in diesen Ländern ihr eigenes Schicksal wählen lassen". "...das Verhalten der Sowjets in diesen Regionen bleibt ein Haupthindernis für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache im Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich möchte mit Ihnen über mein bevorstehendes Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow sprechen.
Aber zunächst
hoffe ich, daß Sie gemeinsam mit mir
das tun werden, was viele von uns gemeinsam mit ihren Familien erst vor
zwei Tagen getan haben - innehalten,
um das zu betrachten, wofür wir dankbar sein müssen.
Amerika befindet sich heute im
Frieden. Trotz mancher Höhen und Tiefen ist unsere Wirtschaft immer noch
stark und steigerungsfähig. Und wenn

United States Information Service
Embassy of the United States of America

das Erntedankfest immer noch die Zeit
ist, in der wir besonders der vom
Glück weniger Begünstigten gedenken
sollten, dann müssen wir in diesen
Zeiten wirtschaftlichen Wachstums sicherlich dafür danken, daß die Zahl
der in Armut lebenden Amerikaner auf
ihren niedrigsten Stand der letzten
fünf Jahre gefallen ist.
Mit dem Wirtschaftswachstum hat
auch die private Wohltätigkeit zugenommen. Private Spenden für wohltätige Zwecke haben in jedem der vergangenen vier Jahre neue Rekordzahlen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

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�erreicht. Wer würde daran zweifeln,
daß wir unserem Schöpfer gegenüber
eine
große Dankesschuld
abzutragen
haben?
Nach 200 Jahren herrschen in
unserem Land immer noch Freiheit und
- Güte.
Wie Sie wissen, werde ich mich in
zehn Tagen in Washington mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wenn
alles klappt, werden wir gemeinsam
ein Abkommen unterzeichnen, mit dem
zu ersten Mal in der Geschichte eine
gesamte Kategorie amerikanischer und
sowjetischer
Raketen
abgeschafft
wird.
Aber dieses Abkommen muß im
Zusammenhang mit unseren umfassenderen Beziehungen zur Sowjetunion gesehen werden.
Unsere Regierung hat seit ihren
Anfängen darauf bestanden, daß vier
wesentliche Bereiche mit den Sowjets
behandelt werden. Die Menschenrechte
sind
einer
davon.
Menschenrechte
charakterisieren
schließlich
unsere
Nation.
In diesem Bereich haben wir
gewisse Fortschritte erzielt. In der
Sowjetunion
sind einige politische
Gefangene
freigelassen worden; die
Zahl der Auswanderer ist leicht angestiegen, und es wird über die Gewährung
beschränkter
wirtschaftlicher
Freiheiten für die Völker der Sowjetunion gesprochen.
Dennoch ist all
dies viel zu wenig.
Und Menschenrechte werden ein Punkt auf der Tagesordnung bleiben, wenn ich Herrn
Gorbatschow treffe.
Die Erweiterung bilateraler Beziehungen,
besonders
menschlicher
Kontakte, ist der zweite von uns hervorgehobene Bereich. Auch hier haben
wir nach meinem ersten Genfer Gipfeltreffen mit Herrn Gorbatschow gewisse
Fortschritte, insbesondere beim Kulturaustausch,
verzeichnet.
Das
Bolschoi-Ballett
hat
eine
Tournee
durch die Vereinigten Staaten unter-

nommen.
Und
viele
amerikanische
Künstler wiederum haben die Sowjetunion besucht.
ich denke besonders
an die historische Rückkehr des Pianisten Wladimir Horowitz nach Moskau
im vergangenen Jahr, seinen ersten
Besuch in Rußland nach mehr als 60
Jahren.
Regionale
Konflikte bilden den
dritten wesentlichen
Punkt in den
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, und die amerikanische Haltung
ist ganz einfach zu erklären:
Wo
auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen
gewaltsam
ihre
Interessen
durchzusetzen suchen - in Nicaragua,
Afghanistan, Angola, Kambodscha oder
anderswo - sollten sie dem Einhalt
gebieten und die Völker in diesen
Ländern ihr eigenes Schicksal wählen
lassen.
Und ich versichere Ihnen,
daß ich diesem Thema auf der Tagesordnung des Gipfels erste Priorität
einräumen werde. ich werde daran erinnern, daß das Verhalten der Sowjets
in diesen Regionen ein Haupthindernis
für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bleibt.
Damit
komme
ich
zum
vierten
Hauptpunkt unseres Programms - meinem
Streben nach einer besseren Möglichkeit zur Abschreckung von Agression
und dauerhaften Erhaltung der Sicherheit statt der Drohung mit Vergeltung
durch nukleare Offensivwaffen.
Eine
Antwort darauf
ist unsere Strategische
Verteidigungsintiative
oder
SDI, unsere Arbeit an einem Verteidigungssystem, das uns und unseren Verbündeten
einen Schutzschild
bietet
und dabei niemanden bedroht.
Eine
zweite Antwort waren die Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets
- Verhandlungen, die das INF-Abkommen
hervorgebracht
haben,
das
Herr
Gorbatschow
und
ich
unterzeichnen
wollen.
Mit diesem Abkommen wird,
wie ich bereits sagte, eine gesamte

- 2 -

�Kategorie sowjetischer und amerikanischer
Mittelstreckenwaffen
abgeschafft. Für jeden auf unserer Seite
abgebauten Gefechtskopf werden die
Sowjets nahezu vier abschaffen.
Da die Sowjets ein Register der
Verletzung von Rüstungskontrollabkommen vorzuweisen haben, bestehen wir
auf dem strengsten System zur Verifizierung in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Und wir werden weiterhin die Sowjets zu Fortschritten
bei den START-Gesprächen drängen, in
deren Rahmen wir einen SOprozentigen
Abbau der strategischen Waffenarsenale beider Seiten vorgeschlagen haben.
Aber die Sowjets müssen ihre Taktik
aufgeben,
den
Abbau
strategischer
Waffen als Pfand für ihre Bemühungen
zur Lähmung unseres SDI-Programms zu
betrachten.
Lassen Sie mich Ihnen versichern,
daß SDI kein Faustpfand ist. Es ist
der Weg zu einer sichereren Zukunft.
Wir müssen uns darüber
im klaren
sein, daß die Sowjets unsere Gegner
sind und unsere Gegner bleiben werden
- die Gegner all derer, die an die
Freiheit des Menschen glauben. Dennoch müssen wir in unseren Bemühungen, die Sache der Freiheit voranzutreiben, mit den Sowjets sachlich,
aus einer Position der Stärke heraus
und im Namen des Friedens verhandeln.
Vielen Dank
fürs Zuhören, bis
nächste Woche, und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE BEDEUTUNG VON SDI
- Ein Überblick -

"Völlig unannehmbar ist die sowjetische Taktik, Reduzierungen als Faustpfand für Maßnahmen einzusetzen, die unsere Strategische Verteidigungsinitiative zunichte machen ... Wir werden SDI nicht zum Tauschobjekt machen."
Präsident Reagan am 4. November 1987

Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) Präsident
Reagans
verkörpert unsere größten Hoffnungen
auf eine sicherere Welt - eine Welt,
in der unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nicht länger auf
Abschreckung durch die Androhung von
Massenvernichtung gegründet ist.
Die
Reagan-Administration
hat
stets über eine klar umrissene Strategie verfügt, um der Bedrohung durch
die sowjetische Aufrüstung mit offensiven
Atomwaffen
entgegenzutreten.
Unser Ziel besteht darin, den Frieden
sicherer zu machen und ein stabiles

United States Information Service
Embassy of the United States of Amerii

strategisches Gleichgewicht
stig zu gewährleisten.
Diese
Strategie
wichtige Bestandteile:

langfri-

enthält

drei

- Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials, da
wir uns zur Erhaltung des Friedens weiterhin auf die Androhung
von
Vergeltung
mit
Atomwaffen
stützen.
- Das streben nach einschneidenden,
gleichgewichtigen und wirksam ve-

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�'

rifizierbaren
Reduzierungen
der
amerikanischen
und
sowjetischen
Atomwaffen.

- SDI hat dazu beigetragen, daß die
Sowjets Anfang 1985 zu den Verhandlungen
über Atomwaffen zurückkehrten, die sie Ende 1983
abgebrochen hatten.

- Mit
Hilfe
der
amerikanischen
Strategischen
Verteidigungsinitiative die Suche nach einem sichereren und moralisch vorzuziehenden
Mittel zur Abschreckung
des Krieges voranzutreiben, indem
wir zur Verbesserung unserer Sicherheit zunehmend auf Verteidigungssysteme vertrauen.
SDI ist ein Forschungs- und Technologieprogramm mit dem Ziel, bis zu
den frühen neunziger Jahren zu zeigen, ob wirksame Verteidigungssysteme
gegen ballistische Raketen für die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten machbar sind.
Die aussichtsreichsten Konzepte stützen sich auf
gestaffelte Verteidigungssysteme für
das Abfangen der Raketen des Angreifers in jeder Flugphase - in der Antriebsphase, mitten im Flug und in
der Endphase.

- SDI unterstreicht die Integrität
jeglichen neuen Rüstungskontrollabkommens, indem es für die Sowjets die Anreize zum Betrug verringert.
Das Register sowjetischer Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen macht diesen Aspekt besonders bedeutungsvoll.
- SDI bietet
den
Sowjets
einen
starken Anreiz, auf den Vorschlag
des Präsidenten zur 50prozentigen
Reduzierung
der
strategischen
Waffen einzugehen.
Selbst wenn eine 50prozentige Reduzierung
der strategischen Waffen
erreicht ist, wird SDI weiterhin unerläßlich sein, um die Sowjets zu
weiteren Reduzierungen zu bewegen.

- unser Engagement für SDI ist unerschütterlich.
Der
Präsident
hat erklärt:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand.
Es ist ein
Eckpfeiler
unserer
Sicherheitsstrategie für die neunziger Jahre
und darüber hinaus.
Wir werden
es erforschen.
Wir werden es
entwickeln. Und wenn es fertiggestellt ist, werden wir es stationieren. "
SDI dient
dender Ziele:

einer

Reihe

entschei-

- Mit SDI suchen wir nach einen defensiven Mittel zur Abschreckung
von Aggressionen, das auf Systemen beruht, mit denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten vor einem Angriff mit ballistischen Raketen geschützt werden.
- 2 -

- Schließlich bildet SDI eine Versicherung gegen einen versehentlichen Raketenabschuß oder künftige Drohungen mit ballistischen
Raketen - seien sie atomar, konventionell oder chemisch bewaffnet - durch Länder, die alle Gesetze
der
Staatengemeinschaft
mißachten.
- Die möglichen Vorteile von SDI
wiegen die Kosten bei weitem auf.
Die Ausgaben für SDI vom Haushaltsjahr 1984 bis einschließlich
1988 werden sich auf etwa 12 Milliarden Dollar oder annähernd 13
Dollar jährlich pro Kopf der amerikanischen Bevölkerung belaufen
- ein geringer Preis für eine sicherere Zukunft.

�Die Bedeutung von SDI wird durch
die seit langem bestehenden, umfangreichen Programme der Sowjets zur
strategischen Verteidigung noch betont.

Abschreckung untergraben würden,
Dies hätte verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit des Westens,

- Im Unterschied zu unseren eigenen
bescheidenen Ausgaben haben die
Sowjets
in den vergangenen 10
Jahren etwa 200 Milliarden Dollar
für ihre strategischen Verteidigungsprogramme aufgewendet, ungefähr ebenso viel wie für ihre
strategischen Offensivstreitkräfte.
Zu den Programmen der Sowjets gehören:
- Das
einzige
Verteidigungssystem
gegen ballistische Raketen der
Welt, das um Moskau herum stationiert ist und von den Sowjets
ständig verbessert wird.
- Der Bau eines großen phasengesteuerten
Radars
nahe
Krasnojarsk, das den ABM-Vertrag von
1972 verletzt.
- Forschung, Entwicklung und Erprobung, einschließlich eines mit 1
Milliarde Dollar pro Jahr ausgestatteten
Programms
für LaserWaffen -, das 10 000 erfahrene
Wissenschaftler und Techniker beschäftigt.
Wir können den Sowjets kein Monopol auf strategische Verteidigungssysteme einräumen.
- Wenn beide Seiten sie besitzen,
können
strategische
Verteidigungssysteme stabilisierend wirken und die Drohung des Krieges
verringern. Wenn die Sowjets sie
allein
besitzen, werden
solche
Systeme den Frieden bedrohen, da
sie die Glaubwürdigkeit unserer
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE REDUZIERUNG DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten messen den Bemühungen zur Erlangung eines
ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens mit der Sowjetunion über
einschneidende Reduzierungen der strategischen Atomwaffen höchste Priorität
bei. insbesondere liegt unsererseits die Betonung auf den gefährlichsten Waffen - den schnell fliegenden ballistischen Raketen, darunter besonders die
großen Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen.

Als einen konkreten Schritt zu
diesem
Ziel haben die Vereinigten
Staaten bei den Verhandlungen über
nuklear-strategische
Waffen
(START)
in Genf am 8. Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt.
Dieser Entwurf
spiegelt
die
von
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Oktober in
Reykjavik erzielten Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung wider und
sieht eine Reduzierung der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um
ca. 50 Prozent vor.

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Embassy of the United States of America

Der amerikanische Vertragsentwurf
liefert eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften START-Abkommens.
Er sieht unter
anderem vor:
- Amerikanische und sowjetische Reduzierungen auf ein Maximum von
1 600 stationierten ballistischen
Raketen und schweren Bombern mit
höchstens
6 000
Gefechtsköpfen
innerhalb einer Frist von sieben
Jahren
nach
Inkrafttreten
des
Vertrages.

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�- Untergrenzen
für
Gefechtsköpfe
auf schnell fliegenden ballistischen Raketen, insbesondere derjenigen
auf
ICBMs,
denjenigen
Nuklearsystemen mit der destabilisierendsten und gefährlichsten
Wirkung.
- Eine 50prozentige Reduzierung des
heutigen Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen auf
eine für beide Parteien gültige
Höchstgrenze.
- Ein Verbot mobiler ICBMs, das auf
von diesen hervorgerufenen Bedenken bezüglich Verifizierung und
Stabilität beruht.
- Eine ausführliche Verifizierungsregelung mit dem ziel, die beiderseitige Einhaltung des Abkommens so umfassend wie möglich sicherzustellen.
Der von den Sowjets am 31. Juli
vorgelegte Vertragsentwurf
bedeutet
eine willkommene Abkehr von der sowjetischen Praxis der Vergangenheit,
sehr allgemein abgefaßte Dokumente zu
präsentieren, die lediglich grundlegende Prinzipien enthielten. in seinem Aufbau ähnelt er dem amerikanischen Entwurf, und er enthält einige gemeinsame Sprachregelungen. Dies
hat die Erstellung eines gemeinsamen
Vertragsentwurfs, der die noch ungelösten Probleme umreißt, erleichtert.
Der sowjetische Entwurf hat jedoch bei den wichtigsten noch zu lösenden Fragen, einschließlich der Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme, keinerlei Bewegung signalisiert.
Zusätzlich hat er Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen
von
Begrenzungen
der
strategischen
Verteidigung
abhängig
gemacht, die über die bereits im ABMVertrag vereinbarten hinausgehen und
- 2

unserer Meinung nach eine Fortführung
sowjetischer Bemühungen zur Lähmung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bedeuten.
Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß er keinerlei Maßnahmen
hinnehmen kann und will, die zur Beseitigung oder Lähmung von SDI führen
würden - eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms, das für die Stärkung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten in der
Zukunft sowie die Sicherung des langfristigen
strategischen
Gleichgewichts großartige Aussichten enthält.
Im
Rahmen
ihres
Washingtoner
Treffens im September haben die Aussenminister Shultz und Schewardnadse
vereinbart, bei den Genfer Verhandlungen die Bemühungen zur Erlangung
eines Abkommens zur 50prozentigen Reduzierung der strategischen Offensivwaffen zu intensivieren. Während des
Ministertreffens - und seither bei
den Genfer Verhandlungen - wurden
Fortschritte bei noch ungelösten Fragen erzielt.
Zum Beispiel schlugen
die Sowjets eine Begrenzung auf 1 540
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs vor,
obwohl dieser Ansatz die Entwicklungen neuer, noch bedrohlicher, schwerer
ICBMs keinerlei
Beschränkungen
unterwirft.
Während ihrer Treffen im Oktober
(22. bis 23. Oktober in Moskau und
30. Oktober in Washington) hielten
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse intensive Gespräche zu
START ab. Die Sowjets schlugen folgende neue Untergrenzen vor:
3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
(ICBMs), 1 800 bis
2 000 Gefechtsköpfe auf seegestützten
ballistischen Raketen (SLBMs) sowie
800 bis 900 Gefechtsköpfe auf luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs).
Dieser Vorschlag
stellt nicht die

�notwendige Freiheit für eine Mischung
bereit, die die
stabilisierenderen
Systeme begünstigen würde, und er
würde von den Vereinigten Staaten
verlangen, ihre SLBMs und ALCMs um
über 50 Prozent zu verringern und
gleichzeitig
bei den ICBMs aufzurüsten.
Wenn jedoch die im sowjetischen Vorschlag enthaltenen Zahlen
auf die Struktur hindeuten sollen,
die die Sowjets für ihre eigenen
Streitkräfte wünschen, dann sollten
die Sowjets in der Lage sein, die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen zu akzeptieren.

te, wenn die Sowjets nun dazu bereit
sind, sich diesem Ziel mit dem gleichen Ernst zu widmen wie die Vereinigten Staaten und wenn sie ihr Beharren auf Maßnahmen aufgeben, die
SDI lähmen würden.

Beim Washingtoner Treffen verabredeten beide Seiten, daß Generalsekretär Gorbatschow
im Dezember die
Vereinigten Staaten besuchen wolle,
um ein INF-Abkommen zu unterzeichnen
und daß Präsident Reagan in der ersten Hälfte des Jahres 1988 die Sowjetunion besuchen werde, unter anderem mit der Absicht, ein START-Abkommen zu unterzeichnen.
Beide Seiten
vereinbarten, intensiv auf solch einen
Vertrag
hinzuarbeiten.
START
wird in den Gesprächen mit Generalsekretär Gorbatschow bei dessen Besuch im Dezember einen hohen Stellenwert einnehmen.
Trotzdem
bleiben wichtige Meinungsverschiedenheiten bestehen, einschließlich der Untergrenzen bei bestimmten Arten von Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen, einer vertraglich
festgelegten
Begrenzung
des
Wurfgewichts und dem Verbot mobiler
ICBMs.
Ein weiterer Streitpunkt ist
das sowjetische Beharren auf einem
Junktim zwischen den START-Reduzierungen
und weiteren
Beschränkungen
der Verteidigung gegen ballistische
Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag nächstes Jahr fertiggestellt werden könn- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2. Dezember 1987

42

ANTARKTISCHES "OZONLOCH" HAT WELTWEITE AUSWIRKUNGEN
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritte -

WASHINGTON - (AD) - Die Meßergebnisse für die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre über der Antarktis zwischen August und Oktober 1987 waren alarmierend.
Dr. Peter Wilkniss, der Direktor für die Polarforschungsprogramme
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten, erklärte
bei Anhörungen vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats, er fürchte
um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter in dieser Region.

Die durchschnittliche Dichte der
Ozonschicht
in
den
antarktischen
Luftmassen betrug kaum mehr die Hälfte des Normalwertes, der in Höhen
zwischen 12 und ca. 35 km zu erwarten
wäre.
In diesem Bereich der Atmosphäre
sammeln
sich
Ozonmoleküle
(dreiatomiger
Sauerstoff), die für
den Schutz von Menschen, Tieren und
Pflanzen auf der Erde - einschließlich des Planktons im Meer - gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlen
von der Sonne eine wichtige Rolle
spielen.
Wird die stratosphärische
Ozonschicht zu dünn, dringt zu viel
UV-Licht bis zur Erdoberfläche durch.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Mehr Fälle von Hautkrebs, grauem Star
und Schädigung des Immunsystems beim
Menschen sind nur einige der Folgen.
Die Entdeckung des in der antarktischen Frühlingszeit besonders auffälligen "Ozonlochs" durch britische
Forscher im Jahr 1979, die 1985 in
einer wissenschaftlichen Zeitschrift
darüber
berichteten, wurde anfangs
mit
zweifeln
begegnet.
Aber
die
Nachprüfung von Meßdaten aller Art,
auch solcher von Instrumenten in Forschungssatelliten,
bestätigte,
daß
diese Entwicklung
sogar schon gut

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�zehn Jahre lang erfaßt, aber zunächst
als Meßfehler mißdeutet und in ihrer
Bedeutung nicht erkannt worden war.
Amerikanische Forschergruppen befassen sich seit 1985 mit dem Ozonschwund über dem Südkontinent.
in
diesem Jahr wurde diesem Problem von
weltweiter Bedeutung besonders intensiv
nachgegangen.
Meßstationen am
Boden, Wetterballons, Daten aus Satelliten
und
"fliegende
Laboratorien", zu denen ein Flugzeug vom Typ
DC-8 und ein Höhenforschungsflugzeug
vom Typ ER-2 umgebaut wurden, dienten
wissenschaftlichen Beobachtungen speziell im Hinblick auf den Ozonabbau.
Nicht nur Forschergruppen amerikanischer Universitäten und anderer
Institute, sondern auch Laboratorien
in Chile, Argentinien, Frankreich,
Großbritannien und Neuseeland beteiligten sich an den Studien, die die
US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt
(NASA)
koordinierte.
Vom
chilenischen Punta Arenas, der südlichsten
Stadt der Erde aus, flogen die beiden
Flugzeuge
insgesamt
25
Einsätze.
Dreizehn entfielen auf die DC-8 mit
jeweils etwa 40 Wissenschaftlern an
Bord. Mit der ER-2 dagegen war der
Pilot allein unterwegs.
Es wurden
Höhen bis 22 000 Meter erreicht. Im
Vergleich dazu wurde die DC-8 relativ
niedrig geflogen.
Nur gelegentlich
stieg sie bis ca. 15 000 Meter. Sie
sondierte die Atmosphäre über der
Antarktis in allen Himmelsrichtungen
bis zum Südpol - in einem Bereich,
der wegen der gefährlichen Winde von
militärischen und kommerziellen Flugzeugen stets gemieden wird.
Die oft riskanten Einsätze der
ER-2 brachten die wichtige Erkenntnis, daß sich im Gegensatz zu anderen
Gebieten der Erde, wo die Luft in so
großer Höhe klar ist, über der Antarktis in extremer Kälte Wolken aus

feinsten Eispartikeln bis weit in die
Stratosphäre hinauf halten.
Selbst
in 22 000 Meter Höhe gibt es keine
freie Sicht.
Erst seit kurzem weiß
man, daß die Eispartikel wegen ihrer
Oberflächen geeignet sind, chemische
Reaktionen, die u.a. Ozon zerstören,
um ein vielfaches zu beschleunigen.
Das mag einer der Gründe sein, weshalb in Verbindung mit weltweiten meteorologischen Vorgängen die stratosphärische Ozonkonzentration über der
Antarktis im Winter und am Frühlingsanfang so drastisch zurückgeht.
Zu den Hauptfeinden des Ozons in
der Stratosphäre zählen die Chlorfluorkohlenwasserstoffe (FCKW).
Nach
ihrer Freisetzung - etwa als Treibgas, aus Kühlmitteln oder aus Schaummaterial - bewegen sie sich zunächst
völlig reaktionsträge und somit unbehelligt durch die Troposphäre langsam
aufwärts.
Erst unter den besonderen
Bedingungen der Stratosphäre beginnen
sie mit anderen Gasen, Molekülen und
freien Atomen zu reagieren.
Allmählich gelingt es der Forschung, die komplizierten Reaktionen
im Zusammenhang mit dem Abbau des
Ozons in der Stratosphäre zu entschlüsseln.
Nach Ansicht von Prof.
Michael McElroy, der die Abteilung
für Geo- und Planetenforschung an der
Harvard-Universität
(Cambridge,
Massachusetts) leitet, versteht man
heute die Vorgänge unter den besonders extremen Bedingungen
für die
Ozonschicht über der Antarktis zu etwa 80 Prozent. "Es gibt keinen Zweifel mehr, daß chlorhaltige Industriegase für eine dramatische großräumige
Veränderung in der Stratosphäre verantwortlich sind", sagte er.
Aber
man könne nicht einfach darüber hinweggehen, wenn die Ozonschicht etwa
zwei Monate lang über fast zehn Prozent einer Hemisphäre stark verdünnt
bleibe. Und es gebe keinen Grund für

- 2 -

*

&lt;

,

?

�die Annahme, daß diese Ozonverluste
in absehbarer Zeit wettgemacht würden.
Dr. Wilkniss berichtete, daß die
Wissenschaftler in der Antarktis atmosphärische
Konzentrationen
von
Chlormonoxyd (einer aus CFKW-Verbindungen abgespaltenen Substanz) gefunden hätten, die etwa das Hundertfache
der Konzentrationen betragen, die in
der übrigen Welt gemessen werden.
(Dies ist ein wichtiger Hinweis auf
spezielle atmosphärische Bedingungen
für chemische Reaktionen in dieser
Region.) Besonders starken Ozonabbau
beobachtete man in ca. 15 000 Meter
Höhe, wo nur noch drei Prozent der
als normal angesehenen Werte zu ermitteln waren. im Durchschnitt habe,
so Dr. Robert Watson (Leitender Wissenschaftler für das Ozonprojekt der
NASA), im September 1987 die Ozonkonzentration
in
stratosphärischen
Schichten über der Antarktis nicht
einmal mehr 50 Prozent der vor etwa
zehn Jahren geltenden "Normalwerte"
betragen.
im Jahr 1985 wurde nach
Winterende ein Rückgang um 4 0 Prozent, im Jahr 1986 um 35 Prozent verzeichnet. Daß ungewöhnliche Vorgänge
im Spiel
sein müssen, sieht Dr.
Watson beispielsweise in dem Rückgang
der Ozondichte um zehn Prozent über
einem drei Millionen Quadratkilometer
großen Gebiet an einem einzigen Tag.
Chemische Substanzen allein könnten
dies niemals bewirken, meinte er.
Die Auswertung der Daten dürfte
mindestens noch ein halbes Jahr in
Anspruch nehmen.
Dann werden erste
wissenschaftliche Berichte in Fachzeitschriften erscheinen.
Die Forscher sind sich darüber einig, daß es
falsch wäre, anzunehmen, die über der
Antarktis beobachteten chemischen Reaktionen könnten sich andernorts, etwa in der Atmosphäre über den gemässigten Zonen, nicht ereignen. Dr. F.
Sherwood Rowland (Universität Kali-

fornien), der 1974 zusammen mit Dr.
Mario J. Molina zum ersten Mal vor
den Halogenverbindungen gewarnt hatte, verwies u.a. auf Beobachtungen in
Europa und den Vereinigten Staaten:
In der Schweiz, wo im Raum von Arosa
seit 1931 Ozonmessungen durchgeführt
werden, zeigte sich, daß jedes Jahr
im März die Werte um etwa neun Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Und von Meßstationen in Norddakota
und Maine im Norden der USA werden
jeden Winter bemerkenswerte Ozonverluste registriert.
Das im September 1987 von 46 Nationen in Montreal (Kanada^ unterzeichnete Protokoll der Vereinten Nationen über die Kontrolle von Chlorfluorkohlenwasserstoffen
bezeichnet
Rowland als einen wichtigen ersten
Schritt, der aber vor dem Jahr 2000
relativ geringe Auswirkungen auf die
Chlormengen in der Atmosphäre haben
werde.
Das Protokoll sieht vor, daß
die meisten Signatarstaaten, insbesondere
die
Industrieländer,
die
CFKW-Produktion
bzw. den Verbrauch
bis 1990 auf dem jetzigen Stand einfrieren und im nächsten Jahrzehnt um
50 Prozent verringern.
Dagegen wird
Entwicklungsländern
eine
Weiterführung des Verbrauchs für ein Jahrzehnt
zugestanden, damit sie Lücken in bestimmten Technologien, z.B. in der
Kühltechnik, schließen können. Wegen
der langen Lebensdauer der CFKW-Verbindungen in der Atmosphäre, für die
bis zu 110 Jahre angesetzt werden,
müßten
jedoch Rowland
zufolge die
Emissionen vollständig aufhören, um
den gegenwärtigen Stand der Chlorkonzentrationen in etwa zu halten.

Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Im Rahmen der am 2. November 1987
bekanntgegebenen
Zusammenarbeit
der
Vereinigten Staaten mit der Sowjet-

- 3 -

�union in der Klimaforschung über 30
gemeinsame Projekte spielen auch der
Abbau
des
stratosphärischen
Ozons
über der Antarktis und die amerikanischen
Satellitenbeobachtungen
zur
weltweiten Überwachung der Ozondichte
eine wichtige Rolle. Die Ozonmessungen über der Antarktis werden koordiniert, ermittelte Daten ausgetauscht;
für ein- und zweidimensionale Modelle
für Ozon und andere Spurengase sowie
Messungen der CFKW-Aufnahme wurde Zusammenarbeit
vereinbart.
Außerdem
ist ein gemeinsames Experiment auf
der &gt; Heiss-Insel
(Franz-Josef-Land)
zum Studium der Beziehungen zwischen
stratosphärischen
Aerosolen in der
Arktis und
ihrer Auswirkungen auf
Ozon in der Stratosphäre vorgesehen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 02.12.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reduzierung der strategischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisches "Ozonloch" hat weltweite Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutzabkommen von Montreal nur &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ein erster Schritt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

3. Dezember 1987

CHRONOLOGIE DER ENTWICKLUNG IM BEREICH DER MITTELSTRECKENWAFFEN (INF)
- 1977 bis 1987 -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Anfang 1977

28. Oktober 1977

Die Sowjetunion beginnt mit der
Stationierung von Mittelstreckenraketen des Typs ss-20 im europäischen
Teil der UdSSR.

In einer Rede vor dem internationalen Institut für Strategische Studien in London lenkt Bundeskanzler
Helmut Schmidt die Aufmerksamkeit der
NATO auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.

Die SS-20 ist eine moderne mobile
ballistische Rakete mit drei unabhängig
steuerbaren Gefechtsköpfen und
einer Reichweite, die von Stützpunkten tief in der UdSSR ganz Westeuropa
erfaßt.

Er verweist darauf, Parität bei
den strategischen Atomwaffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
bedeute "die Vergrößerung der Bedeutung
des Ungleichgewichts
zwischen
Ost und West bei taktischen und kon-

�ventionellen Waffen". Die Stationierung der SS-20 verstärke dieses Ungleichgewicht zwischen NATO und Warschauer Pakt.

zende
Unterstützungsprogramme
Streitkräftemodernisierung
und
stungskontrolle.

von
Rü-

6. Oktober 1979
Ende 1977
Die Nukleare Planungsgruppe (NPG)
der NATO beschließt die Bildung der
Hochrangigen Beratergruppe (HLG), deren Aufgabe in der Untersuchung der
langfristigen Erfordernisse zur Nachrüstung des Bündnisses im INF-Bereich
im Einklang mit seiner Doktrin der
flexiblen Reaktion besteht.
Es wird zwischen zwei Kategorien
von INF unterschieden: solche längerer Reichweite
(LRINF) und solche
kürzerer Reichweite (SRINF).

Generalsekretär Breschnew schlägt
das Einfrieren der Zahl stationierter
sowjetischer SS-20-Raketen vor, falls
die NATO keine gleichgearteten Systeme
stationiert,
weil
"jetzt
ein
Gleichgewicht besteht".
Zu diesem Zeitpunkt sind 130 SS20-Raketen
mit
390
Gefechtsköpfen
stationiert.
Keinerlei amerikanische
ten sind stationiert.

INF-Rake-

12. Dezember 1979
Frühjahr 1979
Die NATO ruft einen Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und damit
zusammenhängende Angelegenheiten (SG)
ins Leben, um die Leitlinien zukünftiger
Rüstungskontrollbemühungen
in
bezug auf INF zu formulieren.
(Der
SG wurde nach dem NATO-Doppelbeschluß
von Dezember 1979 in Besondere Beratungsgruppe [SCG] umbenannt).

Sommer 1979
Die Arbeit von HLG und SG wird in
der integrierten Entscheidungsvorlage
zusammengefaßt, in der die Grundziele
der INF-Politik des Bündnisses als
"Abschreckung und Stabilität auf der
Grundlage einer Triade von Streitkräften, die Koppelung dieser Streitkräfte und das wichtige politische
Prinzip der strategischen Einheit des
Bündnisses" definiert werden.
Das Dokument

fordert

sich ergän-

Die NATO verabschiedet einstimmig
eine "zweigleisige" Strategie, um der
Stationierung von SS-20-Raketen durch
die Sowjets entgegenzutreten.
Zum
einen
werden
Rüstungskontrollverhandlungen mit der UdSSR angestrebt, um das Gleichgewicht
im
INF-Bereich
auf
dem
niedrigstmöglichen Niveau wiederherzustellen.
In Ermangelung
eines Rüstungskontrollabkommens wird die NATO andererseits mit der im Dezember 1983 beginnenden Stationierung von 464 amerikanischen
landgestützten
Marschflugkörpern (GLCM) und 108 ballistischen Pershing II-Raketen eine INFNachrüstung in Westeuropa durchführen.

Anfang 1980
Die Vereinigten Staaten
bieten
Verhandlungen über INF an, die von
den Sowjets abgelehnt werden.

�Juli 1980

18. November 1981

Während des Besuchs von Bundeskanzler Schmidt in Moskau verkünden
die Sowjets ihre prinzipielle Einwilligung, an INF-Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten teilzunehmen.

In einer Grundsatzrede, in der er
einen Rahmen für Verhandlungen über
Reduzierungen in allen Waffenkategorien
fordert,
schlägt
Präsident
Reagan
die
"Null-Lösung"
vor
und
stimmt der Aufhebung der geplanten
Stationierung amerikanischer INF-Raketen zu, falls sich die Sowjetunion
bereiterklärt, alle ihre SS-4, SS-5
und SS-20-Raketen zu beseitigen.

Oktober 1980
Die Sowjetunion
behauptet, bei
den INF-Raketen "besteht jetzt ein
Gleichgewicht.
Annähernd 200 sowjetische
SS-20-Raketen
mit
600 Gefechtsköpfen sind zu diesem Zeitpunkt
stationiert.
Keine
amerikanischen
INF-Raketen sind stationiert.

Oktober - November 1980
In Vorgesprächen wird keine Einigung über den Schwerpunkt der INFVerhandlungen zwischen amerikanischen
und
sowjetischen Unterhändlern erzielt.

30. November 1981
In Genf werden formelle Verhandlungen über
INF aufgenommen.
Die
Vereinigten Staaten streben die weltweite
Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen LRINF-Raketen sowie damit einhergehenden Beschränkungen für SRINF-Raketen an.

11. Dezember 1981
Die Vereinigton Staaten legen den
Sowjets in Genf formell den Vorschlag
einer "Null-Lösung" vor.

Januar 1981
Die
Reagan-Administration
übernimmt
die
Regierungsgeschäfte
und
leitet eine Überprüfung der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ein.

Frühjahr 1981
Bei einem Treffen des Nordatlantikrats
der
NATO
bekräftigen
die
Außenminister den Doppelbeschluß von
1979.
In Vorbereitung auf Verhandlungen, die zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres stattfinden sollen, werden die Konsultationen der
Verbündeten fortgeführt.

- 3-

Dezember 1981
Die Sowjets schlagen eine Übereinkunft vor, mit der für jede Seite
eine Obergenze von 300 "Mittelstrekken"-Raketen und nuklearfähigen Flugzeugen in Europa festgelegt würde.
Dabei sollen die unabhängigen britischen
und
französischen Nuklearstreitkräfte auf amerikanischer Seite
verbucht werden.

März 1982
Die Sowjets verkünden ein "Moratorium" für die Stationierung ihrer
-SS-20-Raketen
in
der
europäischen

�UdSSR.
im Zuge der Fertigstellung
ihrer im Bau befindlichen Raketenstiitzpunkte im europäischen Teil der
UdSSR werden weitere Raketen stationiert.
Außerdem wird mit dem Bau
neuer Stützpunkte im asiatischen Teil
der UdSSR begonnen; mit den dort stationierten Raketen können NATO-Ziele
erreicht werden.

Juni 1982
Amerikanische und sowjetische Unterhändler entwickeln ein informelles
Paket von Elementen, die in ein mögliches INF-Abkommen einbezogen werden
sollten, das unter dem Namen "Waldspaziergang" bekannt wird.
Dieser Plan würde:
1.

Eine gleiche Anzahl von
schußvorrichtungen
in
festsetzen.

2.

Die Stationierung amerikanischer
Pershing H-Raketen ausschließen.

3.

INF-AbEuropa

Die zahl der im asiatischen Teil
der UdSSR stationierten SS-20-Raketen einfrieren.

Dieses Paket wird
abgelehnt.

später

von

Moskau

Keine amerikanischen
sind stationiert.

INF-Raketen

Dezember 1982
Die UdSSR schlägt öffentlich eine
Untergrenze für INF-Raketen in Europa
vor, die ausdrücklich mit dem Niveau
britischer und französischer Raketen
verbunden sein und dazu dienen soll,
die Stationierung amerikanischer INFRaketen in Europa zu verhindern.
Die
sowjetische
Forderung
nach
Einbeziehung der unabhängigen nuklearen Abschreckungsstreitkräfte
Großbritanniens und Frankreichs würde der
UdSSR
ein
rechtlich
sanktioniertes
"Recht"
auf
nukleare
Streitkräfte
einräumen, die denjenigen aller anderen
Nuklearmächte
zusammengenommen
entsprechen.
Dies käme einer sowjetischen Forderung nach weltweiter militärischer Überlegenheit und politischer Hegemonie gleich.
Die UdSSR leitet außerdem eine
Propagandakampagne ein, die sich auf
ein angebliches "Moratorium" bei der
Stationierung ihrer SS-20-Raketen im
europäischen
Teil
der
Sowjetunion
konzentriert.
Der sowjetische Vorschlag würde die unbegrenzte Stationierung von SS-20 im asiatischen Teil
der UdSSR gestatten.

August 1982
31. Januar 1983
Der sowjetische Verteidigungsminister Dimitri Ustinow erklärt: "Heute besteht weiterhin ... ein annäherndes
Gleichgewicht
der
Streitkräfte."
über 300 sowjetische SS-20 mit
über 900 Gefechtsköpfe sind bis zu
diesem Zeitpunkt stationiert.

&gt;

Während eines Besuchs in Berlin
verliest Vizepräsident George Bush
einen
"offenen
Brief"
Präsident
Reagans an die Europäer, in dem dieser ein Treffen mit dem sowjetischen
Generalsekretär Juri Andropow und die
Unterzeichnung eines Abkommens vorschlägt, das alle landgestützten amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vom Erdball verbannt.

*

�Februar 1983
Die Vereinigten Staaten wiederholen die im November 1981 nach Konsultationen mit den Verbündeten und mit
deren Zustimmung für die Erlangung
eines Abkommens mit den Sowjets in
den
INF-Verhandlungen
beschlossenen
Kriterien:
1.

Gleiche Rechte und
für die Vereinigten
die UdSSR.

Begrenzungen
Staaten und

2.

Ausschluß unabhängiger nuklearer
Abschreckungsstreitkräfte
von
Drittstaaten,
d.h.
Großbritanniens und Frankreichs, von jeglichem Abkommen.

3.

Verabredete
Begrenzungen
müssen
weltweit angewandt werden; keine
Verlagerung sowjetischer INF-Raketen längerer Reichweite von der
europäischen UdSSR in deren asiatischen Teil.

4.

Keine Schwächung des konventionellen
Abschreckungspotentials
der NATO.

5.

Wirksame Verifizierungsmaßnahmen.

29. März 1983
Die Vereinigten Staaten präsentieren bei den INF-Gesprächen in Genf
einen formellen Vorschlag für ein
Zwischenabkommen.

Gefechtsköpfe auf INF-Abschußvorrichtungen festsetzen würde, und zwar eine möglichst niedrige Anzahl, wobei
Null weiterhin das Endziel sein soll.

April 1983
Der
sowjetische
Außenminister
Andrej Gromyko nennt die "Zwischenlösung" der Vereinigten Staaten unannehmbar.
Er bekräftigt die sowjetische Position, derzufolge keinerlei
amerikanische Stationierungen stattfinden dürfen und die sowjetischen
Stationierungen
an
die
zahl
britischer
und
französischer
strategischer Systeme gekoppelt sein müssen.

3. Mai 1983
Generalsekretär
Andropow
deutet
die Bereitschaft an, INF-Gefechtsköpfe wie auch Raketen bei den INF-Gesprächen zu zählen.
Er wiederholt,
daß die Zahl sowjetischer SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR an
die von den Sowjets
festgestellte
Zahl der britischen und französischen
strategischen Systeme gekoppelt würde.
Er weigert sich, die im asiatischen Teil der UdSSR stationierten
Systeme zu berücksichtigen, wohin aus
der europäischen UdSSR abgezogene sowjetische
Raketen
verlegt
werden
könnten, die dann die Freunde und
Verbündeten der Amerikaner in Asien
und Europa bedrohen würden und potentiell
schnell
in die
europäische
UdSSR zurückverlegt werden könnten.

30. März 1983
19. Mai 1983
Präsident
Reagan verkündet öffentlich, die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten seien bereit, ein
"zwischenabkommen"
über
INF-Raketen
anzunehmen, das weltweit gleiche Niveaus amerikanischer und sowjetischer

Die Vereinigten Staaten legen einen Vertragsentwurf auf den Verhandlungstisch, der den Vorschlag eines
Zwischenabkommens vom 29. März enthält.

- 5 -

�August 1983

Oktober 1983

Generalsekretär Andropow schlägt
die Reduzierung von INF-Raketen und
Abschußvorrichtungen auf das von den
Sowjets definierte Niveau der britischen und französischen Kräfte vor,
falls die Vereinigten Staaten auf die
Stationierung ihrer Pershing II und
Marschflugkörper verzichten.

Generalsekretär Andropow schlägt
eine modifizierte Fassung seines Vorschlags vom Dezember 1982 vor, indem
er verkündet, daß die "UdSSR bereit
ist, die Zahl ihrer SS-20 im europäischen Teil der UdSSR auf 40 mit 120
Gefechtsköpfen zu reduzieren, um die
von den Sowjets festgestellte zahl
britischer
und
französischer
Gefechtsköpfe wettzumachen".

22. September 1983
Bei den Genfer Verhandlungen bieten die Vereinigten Staaten drei neue
Elemente ihres vorgeschlagenen Zwischenabkommens an:
1.

2.

3.

Die Vereinigten
Staaten würden
den Gedanken ernsthaft erwägen,
nicht die Gesamtzahl aller von
den Sowjets weltweit stationierten
INF-Systeme durch amerikanische Stationierungen in Europa
wettzumachen.
Die
Vereinigten
Staaten würden sich jedoch das
Recht
vorbehalten,
andernorts
Stationierungen
vorzunehmen, um
eine gleiche weltweite Obergrenze
zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihre
Reduzierungen
von
Pershing II und GLCMs in angemessener Weise zu verteilen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Vorschläge zur Einbeziehung
landgestützter Flugzeuge in Erwägung zu ziehen.

26. September 1983
Präsident Reagan bekräftigt die
drei neuen Elemente des vorgeschlagenen Zwischenabkommens in einer Rede
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen.
- 6

Generalsekretär
Andropow
bietet
das Einfrieren der im asiatischen
Teil der UdSSR stationierten SS-20
an, nachdem ein INF-Abkommen zur Begrenzung der in Europa stationierten
Systeme durchgeführt ist - solange
die vereinigten Staaten keine ähnlichen Systeme in dieser Region stationieren. Andropow verkündet außerdem "zusätzliche Flexibilität" in der
Frage der zählweise von atomwaffentragenden Flugzeugen mittlerer Reichweite, gibt aber keine Einzelheiten
an.

*

Andropow verkündet, daß der Beginn der Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
"es
unmöglich
machen
wird,
die
INF-Gespräche
weiterzuführen".
Das sowjetische Verteidigungsministerium erklärt, die UdSSR bereite
sich darauf vor, als Teil "geplanter
Gegenmaßnahmen" gegen die Stationierung amerikanischer Raketen "operativ-taktische" Raketen in der Deutsehen Demokratischen Republik und der
Tschechoslowakei zu dislozieren.
Die Vereinigten Staaten erklären,
der Andropow-Vorschlag enthalte Mängel, weil er weiterhin darauf bestehe, daß die UdSSR für britische und
französische strategische Streitkräfte durch die Stationierung ihrer eigenen INF-Systeme kompensiert werden

(

�müsse und daß es keinerlei amerikanische Stationierungen geben dürfe.
Der
sowjetische
Vorschlag,
im
asiatischen Teil der UdSSR stationierte
INF-Raketen
einzufrieren,
scheint der Sichtweise der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, dergemäß die INF-Raketen weltweit in Betracht gezogen werden müssen.
Die
Vereinigten Staaten bitten um Einzelheiten für den sowjetischen Vorschlag
zu den Flugzeugen.

•

Die Vereinigten Staaten stellen
fest, daß die sowjetische Drohung einer
Beendigung
der
Verhandlungen,
falls die Vereinigten Staaten Raketen
in Europa stationieren, ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten
zwei Jahre
lang verhandelt haben,
während die Zahl der sowjetischen
SS-20 drastisch anstieg.

420 Gefechtsköpfen
zustimmen.

auf

INF-Raketen

23. November 1983
Die Anlieferung der ersten Komponenten amerikanischer landgestützter Marschflugkörper läuft in Großbritannien
und
der
Bundesrepublik
Deutschland an.
Damit beginnt die
Durchführung
der
INF-Stationierung
gemäß dem zweiten Teil des NATO-Doppelbeschlusses von 1979.
Die sowjetische Delegation bricht
die Genfer Verhandlungen ab.
Die Vereinigten
Staaten
bieten
die Wiederaufnahme der Gespräche an,
wann immer die Sowjets zur Rückkehr
bereit sind.

30. November 1983
27. Oktober 1983
Im kanadischen Montebello verständigen sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darauf, die
nuklearen Fähigkeiten der NATO auf
dem niedrigstmöglichen Niveau zu erhalten, das mit Sicherheit und Abschreckung vereinbar ist. Dazu würde
der Abzug von 1 400 amerikanischen
nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa
innerhalb von mehreren Jahren gehören.
Dies zusätzlich zu den 1 000
Gefechtsköpfen, die nach dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979
abgezogen wurden.

15. November 1983
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
weiterhin der "Null-Lösung" den Vorzug geben, schlagen die Vereinigten
Staaten vor, daß beide Seiten einer
gleichen
weltweiten Obergrenze von

360 sowjetische
Gefechtsköpfen sind
punkt stationiert.

SS-20 mit
zu diesem

1 080
Zeit-

November 1983
Die
formellen
INF-Verhandlungen
werden
in Abwesenheit
der
sowjetischen Delegation vertagt.

24. November 1984
Am Tag des amerikanischen Erntedankfestes kündigt Präsident Reagan
an, daß sich die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf erneute Verhandlungen verständigt haben, bekannt
als Gespräche über Kern- und Weltraumwaffen (NST), die sich mit offensiven Atomwaffen sowie Fragen der
Weltraumverteidigung befassen sollen.

- 7 -

�7 . - 8 . Januar 1985
Außenminister George Shultz und
sein
sowjetischer
Kollege
Andrej
Gromyko treffen sich in Genf, um eine
Tagesordnung für neue umfassende Rüstungskontrollverhandlungen festzulegen, die sich auf strategische Atomwaffen (START), INF sowie die Weltraumverteidigung erstrecken.

gleichem Niveau mit den britischen
und französischen Systemen zulassen
würden.
Generalsekretär Gorbatschow verkündet außerdem ein einseitiges sowjetisches Moratorium für die Stationierung von INF-Raketen in der UdSSR.
Trotzdem geht die Stationierung von
Raketen in bereits im Bau befindlichen Stützpunkten weiter.

12. März 1985
Mai - Juli 1985
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR nehmen in Genf die NST-Gespräche auf.
Die Vereinigten Staaten
streben die Beseitigung oder Reduzierung der INF auf die niedrigstmögliche zahl mit gleichen weltweit gültigen Begrenzungen an.

März - April 1985

Die Vereinigten Staaten bemühen
sich weiterhin, die Sowjetunion fest
und konstruktiv in die Verantwortung
zu nehmen und weisen auf ihre Flexibilität im Hinblick auf jeglichges
Ergebnis hin, durch das gleiche weltweite INF-Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielt werden.

Zu Beginn der neuen INF-Verhandlungen bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Haltung und ihre Vertragsentwürfe von 1982 zur weltweiten
Beseitigung der INF-Raketen und von
1983 für ein Zwischenabkommen über
gleiche
INF-Begrenzungen
auf niedrigstmöglichem Niveau.

Die UdSSR beharrt auf einer Beendigung
der
Stationierung
und
dem
Rückzug bereits stationierter amerikanischer INF sowie der Forderung,
daß INF-Begrenzungen für sowjetische
Systeme die britischen und französischen Streitkräfte berücksichtigen.

In den neuen NST-Gesprächen hält
die UdSSR ihre Position von 1983 aufrecht, indem sie die amerikanische
Stationierung von INF ablehnt und auf
einem Junktim
zwischen den sowjetischen SS-20 und den britischen und
französischen strategischen Systemen
besteht.

3. Oktober 1985

Die sowjetische Delegation legt
einen Vorschlag für ein bilaterales
Moratorium der Stationierung von INF
sowie einen Vorschlag für nachfolgende "Reduzierungen" vor, die zu Null
amerikanischen
INF
führen
würden,
aber
sowjetische
INF-Raketen
auf

Während eines Besuchs in Paris
verkündet Generalsekretär Gorbatschow
Bestandteile eines Gegenvorschlags zu
dem im März 1985 bei NST unterbreiteten
amerikanischen
Vorschlag.
Er
fordert ein Einfrieren der stationierten
amerikanischen
und
sowjetischen INF, gefolgt von "den einschneidendsten"
Reduzierungen
und
kündigt
an, daß
die
sowjetischen
SS-4-Raketen
beseitigt
und
einige
SS-20-Raketen
gefechtsuntüchtig
gemacht werden.

- 8 -

»

'

�31. Oktober 1985
Präsident Reagan verkündet, daß
die Vereinigten Staaten bei den Genfer Gesprächen einen neuen Rüstungskontrollvorschlag
vorlegen
werden.
Dieser Vorschlag schließt INF ein und
baut auf "positiven Elementen" des
sowjetischen Gegenvorschlags von 3.
Oktober 1985 auf, insbesondere der
Möglichkeit eines separaten INF-Abkommens unabhängig von strategischen
Fragen oder Problemen der Weltraumverteidigung.

1. November 1985
Die Antwort der Vereinigten Staaten auf den sowjetischen Gegenvorschlag enthält die folgenden Punkte
zu INF:
1.

2.

obwohl sie der vollständigen Beseitigung der amerikanischen und
sowjetischen INF den Vorzug geben,
schlagen
die
Vereinigten
Staaten - als zwischenschritt die Begrenzung der Stationierung
von
amerikanischen
INF-Abschußvorrichtungen in Europa auf 140
Pershing
II
und
landgestützte
Marschflugkörper
(GLCMs)
vor.
(Jedes GLCM hat vier Raketen.)
Diese zahl soll bis zum 31. Dezember 1985 stationiert werden.
Dieser Vorschlag fordert ferner
Reduzierungen
der
sowjetischen
Anzahl von SS-20-Raketenabschußvorrichtungen in Reichweite der
NATO auf 140. (Jede SS-20-Rakete
besitzt drei Gefechtsköpfe.)
Innerhalb dieser Begrenzung für
Abschußvorrichtungen, könnten die
Vereinigten Staaten und die UdSSR
über eine vereinbarte Zahl von
420 bis 450 Gefechtsköpfen in Europa verfügen.

3.

Um gleiche weltweit gültige Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
INF-Gefechtsköpfe
zu
erreichen, müssen die Sowjets die
SS-20-Abschußvorrichtungen
in
Asien (die außerhalb der Reichweite der NATO in Europa liegen)
im gleichen Verhältnis reduzieren, wie die Anzahl der Abschußvorrichtungen
innerhalb
der
Reichweite der NATO in Europa.

4.

Für SRINF sollten angemessene Beschränkungen
vereinbart
werden,
damit die Sowjets ein Abkommen
über LRINF nicht durch Aufrüstung
mit SRINF umgehen können.

21. November 1985
Auf dem Genfer Gipfeltreffen vereinbaren Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow,
sich
auf
mehrere Probleme der Rüstungskontrolle zu konzentrieren, einschließlich
der
"Idee eines
INF-Zwischenabkommens".

15. Januar 1986
In einem Schreiben an Präsident
Reagan
unterbreitet
Generalsekretär
Gorbatschow
einen
Rüstungskontrollvorschlag, der in Zusammenhang mit
einer vollständigen Beseitigung der
Atomwaffen innerhalb von 15 Jahren
die Forderung beinhaltet, die amerikanischen und sowjetischen LRINF in
Europa in den nächsten 5 bis 8 Jahren
zu beseitigen.
In Gorbatschows Schreiben wird
weiter vorgeschlagen, die britischen
und
französischen
Atomstreitkräfte
nicht gegen die amerikanischen LRINF
in Europa aufzurechnen, sondern sie
auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren.
Außerdem soll die Weitergabe

�amerikanischer
Atomwaffensysteme
an
Drittstaaten untersagt werden.
Der
sowjetische Vorschlag
eines Abbaus
der in Europa stationierten SS-20-Raketen spricht weder die östlich des
Urals
stationierten
sowjetischen
LRINF-Raketen an noch beschränkt er
die sowjetischen SRINF.

24. Februar 1986
In
einer
Erklärung
Präsident
Reagans wird verkündet, daß gewisse
Aspekte
des sowjetischen Rüstungskontrollvorschlags von Januar 1986 zu
diesem
Zeitpunkt
nicht
angemessen
sind. Ein Bereich, in dem er hoffe,
"unmittelbare Fortschritte" zu erzielen,
seien
die
INF-Verhandlungen.
Der Präsident stellt fest, daß die
Vereinigten Staaten in Genf schon einen konkreten Plan vorgelegt haben,
der
die Beseitigung
amerikanischer
Pershing II und GLCM sowie der sowjetischen SS-20-Raketen sowohl in Europa als auch in Asien vorsieht.

2. März 1986
Die sowjetischen Vorschläge zur
Einbeziehung unabhängiger britischer
und französischer Nuklearsysteme in
ein
bilaterales
amerikanisch-sowjetisches Abkommen werden vom Sonderberater des Präsidenten zu Rüstungskontrollangelegenheiten, Paul Nitze,
öffentlich kritisiert und zurückgewiesen.
Er bekräftigt die Hauptelemente des amerikanischen Vorschlags
für
gleiche weltweite
Begrenzungen
für LRINF und damit einhergehende Beschränkungen für SRINF.

30. September 1986
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR
kündigen
an, daß
Präsident

Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik treffen werden.

11. - 12. Oktober 1986
In Reykjavik
verständigen
sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf gleiche weltweite Obergrenzen von 100 LRINF-Gefechtsköpfen
für jede Seite, von denen keine in
Europa stationiert werden dürfen.
Die Sowjets bieten außerdem ein
Einfrieren ihrer SRINF-Systeme während der Dauer der Verhandlungen zu
deren Reduzierung an.
Gleichzeitig
verlangen sie jedoch, daß die amerikanischen SRINF-Systeme auf dem gegenwärtigen Niveau, d.h. Null, "eingefroren" werden.
Prinzipiell stimmen sie ebenfalls einigen wichtigen
Verifizierungselementen zu.
Die Sowjets stellen jedoch ein Junktim zwischen einem INF-Abkommen und der amerikanischen Zustimmung von Begrenzungen
ihrer
Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) her. Diese Begrenzungen gehen über die im ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 vorgesehenen
hinaus.

23. Oktober 1986
Die Vereinigten Staaten legen einen Vorschlag vor, in dem die in
Reykjavik
erzielten
Bereiche
der
Übereinstimmung
ihren
Niederschlag
finden.
7. November 1986
Die
UdSSR
unterbreitet
einen
neuen INF-Vorschlag, in dem sie die
Verpflichtung vom Genfer Gipfel des
Jahres 1985 zum Abschluß eines INFZwischenabkommens
zurückzieht.
Der
Vorschlag enthält außerdem die Weige-

�rung, die in Reykjavik erzielte Übereinstimmung zu akzeptieren, daß INF
von Fragen der Rüstungskontrolle im
strategischen
Bereicht
zu
trennen
ist. Die Sowjets beharren ferner auf
dem Junktim zwischen einem INF-Abkommen und Begrenzungen für SDI.

kanische
und sowjetische
SRINF
innerhalb der Reichweite sowjetischer SS-23 bis SS-12 (Scaleboard) Raketen auf dem bestehenden sowjetischen Niveau.
5.

Verbot der Entwicklung und Stationierung von SRINF-Raketen mit
einer
Reichweite, die
zwischen
der der amerikanischen Pershing
II (der LRINF-Rakete mit der kürzesten Reichweite) und der sowjetischen Scaleboard (der SRINF-Rakete mit der längsten Reichweite)
liegt.

6.

Folgeverhandlungen
über
zusätzliche Begrenzungen für SRINF. Ansonsten würden die Reduzierungen
sechs Monate nach Erzielung eines
ersten INF-Abkommens beginnen.

7.

Austausch von Daten vor und nach
der Durchführung der Reduzierungen.

8.

Vor-Ort-Beobachtung der Beseitigung von Waffen und ein wirksames
Überwachungsverfahren
für
Einrichtungen,
einschließlich
Inspektionen vor Ort im Anschluß an
die Beseitigung der Waffen.

9.

Verhandlungen über die Einzelheiten der Verifizierung, die parallel zu den Verhandlungen über die
Reduzierung der Waffen stattfinden sollen.

15. - 16. November 1986
in Camp David erzielen Präsident
Reagan und Premierministerin Thatcher
Übereinstimmung, daß einem INF-Abkommen mit Begrenzungen für SRINF - mit
wirksamer Verifizierung - Priorität
eingeräumt werden sollte.

15. Januar 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
unterbreiten die Vereinigten Staaten
folgenden Vorschlag:
1.

2.

Stufenweise
Reduzierung
der
LRINF-Gefechtsköpfe auf weltweit
100 LRINF-Gefechtsköpfe für jede
Seite bis Ende 1991.
Die verbleibenden sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe
dürfen demgemäß im
asiatischen Teil der Sowjetunion,
die der Vereinigten Staaten auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaskas, stationiert
werden.
Reduzierung
der
amerikanischen
und sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe in Europa auf Null bis Ende
1991.

3.

Das Abkommen über die Reduzierung
der INF darf nicht von der Lösung
anderer
Probleme außerhalb der
INF-Verhandlungen
abhängen, wie
beim Genfer Gipfel im November
1985 verabredet.

4.

Weltweite Begrenzungen für ameri-

28. Februar 1987
Generalsekretär
Gorbatschow
erklärt
die sowjetische
Bereitschaft
zur
Unterzeichnung
eines separaten
Abkommens
zur
Beseitigung
sowjetischer und amerikanischer INF-Raketen in Europa in einem Zeitraum von
fünf Jahren und verzichtet damit erneut auf die sowjetische Forderung,

- 11 -

�daß jene Raketen Teil eines umfassenden
Rüstungskontrollpakets
sein
müßten.
Diese
sowjetischen
Bedingungen
scheinen mit den in Reykjavik vereinbarten nahezu identisch zu sein. Jeder Seite würde die Beibehaltung von
100 Gefechtsköpfen außerhalb Europas
gestattet - der Sowjetunion im sowjetischen Teil Asiens und den Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium.

3. März 1987
Präsident
Reagan
erklärt,
Gorbatschows Erklärung vom 28. Februar, in der die sowjetische Bereitschaft zum Abschluß eines Abkommens
über Reduzierungen der
INF-Systeme
getrennt von Vereinbarungen in den
beiden anderen Bereichen der NST-Verhandlungen
verkündet wurde, "räumt
ernsthafte
Hindernisse
für
Fortschritte auf dem Weg zu INF-Reduzierungen beiseite".
Er fügt hinzu:
"Um diese neue
Möglichkeit voll auszuschöpfen, habe
ich unsere Unterhändler angewiesen,
morgen in Genf mit der Vorlage unseres INF-Vertragsentwurfs zu beginnen.
Ich hoffe, daß die Sowjets dann gemeinsam mit uns ernsthafte Diskussionen über die Einzelheiten aufnehmen
werden, die für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen unerläßlich sind.
Und ich
möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung das wichtigste der noch
zu lösenden Probleme ist. Weil wir
einem
wahren
und
dauerhaften
Rüstungsabbau verpflichtet sind und die
vollständige Einhaltung sicherstellen
wollen, werden wir weiterhin darauf
bestehen, daß jedes Abkommen wirksam
verifizierbar ist."

4. März 1987
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten ihren Entwurf eines amerikanisch-sowjetischen
INF-Verträges,
der die Reduzierung der LRINF-Gefechtsköpfe jeder Seite auf 100 weltweit vorsieht, mit Null in Europa,
wie von den beiden führenden Politikern in Reykjavik vereinbart.
Die
Vereinigten
Staaten
machen
jedoch
deutlich, daß sie weiterhin der vollständigen
Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
den Vorzug geben.

12. März 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die Vereinigten Staaten einen
Vertragsartikel vor, der einen umfassenden Ansatz für die Verifizierung
eines
INF-Abkommens vorsieht.
Die
Grundelemente des amerikanischen Ansatzes zur Verifizierung sind:
1.

Eine Vorschrift für die Nutzung
und
Nichtbehinderung
Nationaler
Technischer Mittel (NTM), die Bedingung
der
Übertragung
technischer Meßdaten von Raketenflügen, ein Verbot der Verschlüsselung und ein Verbot von Verschleierungsmaßnahmen zur Behinderung der Verifizierung.

2.

Spezifizierung von Bereichen und
Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag begrenzte Systeme lokalisiert sein müssen und Verbot ihrer Stationierung an anderen Orten.

3.

Gegenseitiger
Austausch
einer
festgelegten
umfassenden
Reihe
von Daten zu damit verbundenen,
vertraglich
begrenzten
Systemen
sowie
ihren
Unterstützungseinrichtungen und -ausrüstungen.

�4.

Gegenseitige
ser Daten.

Fortschreibung

die-

5.

Spezielle Verfahren zur Vernichtung, Zerlegung und Umrüstung der
LRINF-Systeme, einschließlich Inspektionen vor Ort.

6.

Vor-Ort-lnspektion
und
Überwachung bei Inkrafttreten des Vertrages und im Anschluß, um die
Einhaltung der vertraglich festgelegten
Begrenzungen
sicherzustellen.

dieser Vereinbarung würde zunächst in
der Formel von Reykjavik bestehen,
wonach je 100 Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien
und auf amerikanischer Seite in den
Vereinigten Staaten stationiert würden. "
Beide
Seiten stimmten
überein,
daß die Reduzierungen der INF-Systeme
in ungefähr
vier bis fünf Jahren
durchgeführt
und daß ein Abkommen
"Vorschriften für sehr strenge und
peinlich genaue Verifizierung beinhalten muß".

26. März 1987
Die
verlängerte
Sitzungsperiode
der
amerikanisch-sowjetischen
NSTVerhandlungen wird beendet. Die Vereinigten Staaten widersprechen einem
sowjetischen Vorschlag, die Verhandlungen über SRINF von einem ersten
INF-Abkommen zu trennen und erklären
dazu, dies sei ein Rückschritt gegenüber den Vereinbarungen, die im Prinzip während der amerikanisch-sowjetischen INF-Verhandlungen der Jahre
1981-83 erzielt und in Reykjavik bekräftigt
wurden.
Der
sowjetische
Vorschlag würde der UdSSR praktisch
ein Monopol auf diese Systeme zubilligen und es den Sowjets freistellen,
ihre schon bestehende SRINF-Streitmacht auszubauen und damit jegliches
INF-Abkommen zu umgehen.

Zu
den
SRINF-Systemen
erklärt
Shultz, beide Seiten stimmten darin
überein, daß es weltweite Begrenzungen geben müsse.
Nach Ansicht der
Vereinigten Staaten müßten alle Beschränkungen dem "Prinzip der Gleichheit" folgen.
Shultz stellt fest, die Sowjets
hätten ihre Absicht erklärt, nach der
Unterzeichnung
eines
INF-Abkommens,
die gegenwärtig in der DDR und der
Tschechoslowakei stationierten SRINFSysteme abzuziehen und zu vernichten
und daß die UdSSR in den Verhandlungen über die verbleibenden Raketen
die Reduzierung der SRINF auf Null
innerhalb
eines Jahres
vorschlagen
werde.

23. April 1987
15. April 1987
Außenminister George Shultz beendet dreitägige Gespräche mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister Schewardnadse in Moskau.
Shultz erklärt, daß durch harte
Verhandlungen die Aussicht auf Erlangung eines INF-Abkommens in greifbare
Nähe gerückt ist: "Die Grundstruktur

Präsident
Reagan appelliert
an
die Sowjetunion, die Fortschritte bei
den INF-Verhandlungen durch eine Reaktion auf die amerikanischen Vorschläge
zur
Verifizierung
zu beschleunigen.
Der Präsident erklärt,
die sowjetische Zustimmung zu einer
vollständigen Beseitigung der INF-Systeme würde die Verifizierung der
Vertragseinhaltung vereinfachen.

- 13 -

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stimmen beide Seiten überein, die landgestützten LRINF-Systeme auf 100 Gefechtsköpfe für jede Seite zu reduzieren, von denen keine in Europa
stationiert
sind.
Reagan erklärt,
"ein Ergebnis von Null LRINF - die
Beseitigung dieser ganzen Kategorie
von Raketen -" bleibe die bevorzugte
Lösung für die vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten.

27. April 1987
Die Sowjetunion legt einen Vertragsentwurf für INF vor, in dem die
in
Reykjavik
erzielten
grundsätzlichen Vereinbarungen zu den landgestützten LRINF-Raketen ihren Niederschlag finden.
Durch den sowjetischen Vorschlag
würden die LRINF auf jeder Seite nach
fünf Jahren in Europa auf einen stand
von Null abgebaut sein, und im sowjetischen Teil Asiens würde die Anzahl
der
Gefechtsköpfe auf
sowjetischen
LRINF auf 100 Gefechtsköpfe begrenzt
werden, die außerhalb der Reichweite
der Vereinigten Staaten stationiert
sind. Ferner würden damit auf amerikanischem
Territorium
stationierte
amerikanische Gefechtsköpfe auf LRINF
auf
100 solcher Gefechtsköpfe begrenzt, die außerhalb der Recihweite
der Sowjetunion disloziert sind und
somit Stationierungen in Alaska verhindert.

12. Juni 1987
in einem im Anschluß an das Treffen des Nordatlantik-Rates der NATO
in Reykjavik veröffentlichten Kommunique erklären die Außenminister ihre
Unterstützung für die weltweite und
wirkungsvoll verifizierbare Beseitigung aller amerikanischen und sowje- 14

tischen landgestützten SRINF mit einer Reichweite von 500 bis 1 000 km
zum integralen Bestandteil eines I N F Abkommens.
Das Kommunique verlangt von der
Sowjetunion, ihre Forderung nach der
Beibehaltung eines Teils ihrer SS-20
aufzugeben und verleiht dem Wunsch
erneut Ausdruck, alle amerikanischen
und sowjetischen landgestützten INF
längerer Reichweite im Einklang mit
der
traditionellen
Zielsetzung der
NATO abzuschaffen.
Den Außenministern zufolge stellt
das INF-Abkommen einen wichtigen Bestandteil in einem stimmigen und umfassenden
Konzept der Rüstungskontrolle und Abrüstung dar, das in
Übereinstimmung mit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion folgende
Punkte umfassen würde:
1.

Einen
im Rahmen der
laufenden
Genfer Verhandlungen zu erzielenden 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion;

2.

weltweite
Waffen;

3.

die Errichtung eines stabilen und
gesicherten Niveaus konventioneller Streitkräfte durch Behebung
der Ungleichgewichte in ganz Europa;

4.

greifbare und verifizierbare Reduzierungen
amerikanischer
und
sowjetischer landgestützter atomarer
Raketensysteme
kürzerer
Reichweite, die zu gleichen obergrenzen führen, im Einklang mit
der
Schaffung
eines
Gleichgewichts im konventionellen Bereich
und
der weltweiten
Beseitigung
chemischer Waffen,

Beseitigung

chemischer

�16. Juni 1987
Die vereinigten Staaten legen bei
den Genfer INF-Gesprächen formell ihre Haltung zu SRINF dar. Diese Haltung fordert die weltweite Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen SRINF-Raketensysteme.

Zwei
unverzichtbare
Elemente
sind
ebenfalls darin enthalten: die Vernichtung der von diesem vertrag erfaßten Raketen und ihrer Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung dieser System und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten".

3. August 1987
23. Juni 1987

)

Generalsekretär Gorbatschow verkündet einen Wandel der sowjetischen
Haltung zu INF. Die Sowjets akzeptieren im wesentlichen die "weltweite
doppelte Null-Lösung" und verkünden
ihrerseits
1.

2.

die Bereitschaft, als Teil eines
Abkommens
mit
den
Vereinigten
Staaten alle "Mittelstreckenraketen" im sowjetischen Teil Asiens
zu beseitigen, einschließlich der
100 LRINF-Gefechtsköpfe auf diesen Raketen, wenn auch die Vereinigten Staaten diese Raketen
und Gefechtsköpfe aufgeben;
die Bereitschaft zur Beseitigung
"einsatzfähiger taktischer Raketen (SRINF)", wenn die Vereinigten Staaten dasselbe tun.

28. Juli 1987
Als Reaktion auf die Erklärung,
die Sowjetunion sei nunmehr bereit,
die ursprünglich von den Vereinigten
Staaten vorgelegte weltweite Null-Lösung bei INF zu akzeptieren, bemerkt
Präsident Reagan: "Der heute (von unseren Genfer Unterhändlern) unterbreitete Vorschlag würde peinlich genaue und wirksame Verifizierungsmaßnahmen vorsehen und die Weitergabe
vorhandener amerikanischer und sowjetischer INF und ihrer Abschußvorrichtungen an Drittstaaten verhindern.

Der
sowjetische
Unterhändler
Alexej A. Obukow erklärt, die UdSSR
ziehe einen Kompromiß bei der Lösung
amerikanisch-sowjetischer
Meinungsverschiedenheiten über die bundesdeutschen Pershing 1A in Erwägung.
Die Sowjets hatten diese Raketen als
"Haupthindernis" für ein INF-Abkommen
bezeichnet und ihre Beseitigung gefordert.
Der
amerikanische
Unterhändler
Max Kampelman erklärt, "wir werden im
Rahmen der bilateralen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion keine Verfügung in
dieses Abkommen aufnehmen, die unsere
Verbündeten betrifft".

7. August 1987
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse beschuldigt in seiner
Rede vor der Abrüstungskonferenz (mit
40 Teilnehmerstaaten) die Vereinigten
Staaten
und
die
Bundesrepublik
Deutschland, ein INF-Abkommen durch
"juristische
Täuschungsmanöver"
zu
blockieren, um die Ausnahme der 72
Pershing 1A aus einem solchen Abkommen zu rechtfertigen.

26. August 1987
Aufgrundder
Zustimmung der Sowjets zu dem amerikanischen Vorschlag, beide Seiten sollten alle ih-

�re landgestützten LRINF und SRINF beseitigen, legen amerikanische Unterhändler in Genf einen überarbeiteten
Vorschlag
zur
Verifizierung
eines
INF-Abkommens vor.
Der neue amerikanische Plan unterscheidet sich in folgenden Punkten
von dem früheren Vorschlag:
1.

Die Bestimmung entfällt, der zufolge Inspektoren sich außerhalb
der Einrichtungen zur Raketenproduktion
und -montage
aufhalten,
um die Produktionsstätte verlassende Raketen zu zählen.
Diese
Bestimmung ist nicht länger erforderlich, da Produktion, Flugerprobung und Modernisierung der
weltweiten doppelten Null-Lösung
zufolge verboten wären.

2.

Der neue Vorschlag begrenzt ferner
Ad-hoc-lnspektionen
solcher
Einrichtungen, in denen Mittelund Kurzstreckenraketen gelagert
werden, um sicherzustellen, daß
sie wie vorgesehen verschrottet
werden.

3.

Ferner
könnten
Uberraschungsinspektionen von Einrichtungen für
landegestützte
Raketen
längerer
Reichweite
in
den
Vereinigten
Staaten
und
der
Sowjetunion
durchgeführt werden, um sicherzustellen, daß dort keine Mitteloder
Kurzstreckenraketen
versteckt sind.

1. alle ihre LRINF und SRINF gemäß
dem vorgesehenen INF-Vertrag verschrotten,

2.

sich bei der Verschrottung ihrer
Raketen an den noch zu vereinbarenden Zeitplan halten,

3.

die Vertragsbestimmungen
ten.

einhal-

27. August 1987
Die Sowjetunion begrüßt die Erklärung
Bundeskanzler
Kohls.
Ein
Sprecher
des sowjetischen Außenministeriums erklärt, die Möglichkeit
zum Abschluß eines neuen Abkommens
zwischen den Supermächten sei nun
"realistisch" und begrüßt den jüngsten amerikanischen Vorschlag zur Verifizierung eines solchen Vertrages.
Er fügt hinzu, die Sowjetunion sehe
gegenwärtig "keine Probleme" bei der
Gewährleistung der Vertragseinhaltung
durch beide Seiten.

14. September 1987

26. August 1987
Bundeskanzler Kohl erklärt, die
Bundesrepublik Deutschland werde ihre
72
Kurzstreckenraketen
vom
Typ
Pershing 1A abbauen und sie nicht
durch modernere Waffen ersetzen, wenn
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die vereinigten Staaten ein Inspektionsprotokoll vor, das im einzelnen die Verfahrensweisen niederlegt, die zur wirksamen Verifizierung
der Einhaltung des INF-Vertrages
der die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
vorsieht - notwendig erachtet werden.
Die
neuen
amerikanischen
Vorschläge fordern die einschneidendsten
Verifizierungsmaßnahmen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Folgenden Bestandteilen des Vorschlags
kommt eine Schlüsselrolle zu:
1.

- 16 -

Die Bedingung, daß alle INF-Raketen und ihre Abschußvorrichtungen

�geographisch auf vereinbarte Gebiete beschränkt werden oder während der Abbauphase ein vorher
bekanntgegebener
Transfer
zwischen diesen Gebieten stattfindet;
Ein detaillierter, und falls erforderlich,
auf
den
neuesten
Stand
gebrachter
Datenaustausch
über Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen und Raketenstützpunkten, die Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in
diesen Einrichtungen und Stützpunkten sowie technische Parameter solcher Raketensysteme;
Benachrichtigung über die Bewegung von Raketen und Abschußvorrichtungen zwischen bekanntgegebenen Einrichtungen;
Eine grundlegende Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen bei bekannten Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen
und Raketenstützpunkten vor deren
Beseitigung.
Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Verschrottung von Raketen und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Nachfolgeinspektion bekanntgegebener Einrichtungen während der Abbauphase
zur Verifizierung der Restbestände, bis zur Verschrottung aller
Raketen;
Kurzfristig
anberaumte
obligatorische
Ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, bei denen vertragswidrige Aktivitäten im Zusammenhang
mit Raketen durchgeführt werden
könnten.

8.

Die
Bedingung
einer
separaten
"Abschluß"-Inspektion, um sicherzustellen, daß in einer Einrichtung die mit INF in Zusammenhang
stehenden Aktivitäten tatsächlich
beendet sind, wenn eine Einrichtung außer Betrieb und von der
Liste bekannter Einrichtungen gestrichen ist.

18. September 1987
Nach
einer
Zusammenkunft
in
Washington erklären die beiden Außenminister
Shultz und
Schewardnadse,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätten eine Grundsatzvereinbarung
über
den Abschluß eines
INF-Vertrages erzielt.
Die amerikanische und die sowjetische Delegation in Genf werden angewiesen, eingehend
an der Lösung
noch ausstehender technischer Probleme zu arbeiten und baldmöglichst den
Entwurf für einen Vertragstext zum
Abschluß zu bringen.
Es wird eine Erklärung abgegeben,
derzufolge - zur Unterzeichnung eines
Vertrages über Mittel- und Kurzstrekkenraketen und Behandlung der gesamten Bandbreite der Beziehungen zwischen beiden Ländern - im Herbst 1987
ein Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
stattfinden
wird.
Der
endgültige Termin soll bei den Gesprächen im Oktober festgelegt werden

22. - 24. Oktober 1987
Bei einer in Moskau stattfindenden Zusammenkunft zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen
Regierungsvertretern werden für den
Abschluß
eines INF-Vertrages Fortschritte
erzielt.
Generalsekretär

- 17 -

�Gorbatschow weigert sich, den Termin
für
einen
amerikanisch-sowjetischen
Gipfel festzulegen.

29. Oktober 1987
Die Sowjetunion ändert ihre Haltung und erklärt, sie habe sich mit
den Vereinigten Staaten auf die Modalitäten eines noch vor Jahresende
stattfindenden
Gipfeltreffens
geeinigt.
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse
trifft zu Gesprächen
mit Präsident Reagan und Außenminister Shultz in Washington ein.

30. Oktober 1987
Während der Zusammenkünfte zwischen den Außenministern Shultz und
Schewardnadse kommen die Vereinigten
Staaten und Sowjetunion uberein, daß
Generalsekretär Gorbatschow am 7. Dezember 1987 die Vereinigen Staaten
besuchen und gemeinsam mit Präsident
Reagan einen Vertrag zur Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer INF-Raketen
unterzeichnen wird.
Shultz und Schewardnadse vereinbarten ferner, engen Kontakt mit ihren jeweiligen Genfer Delegation zu
halten, um so baldige Fortschritte
zum Abschluß des INF-Vertrages sicherzustellen.

* * * * *

- 18

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

Sonderdienst

7. Dezember 1987

HINTERGRUNDMATERIAL ZUM GIPFELTREFFEN ZWISCHEN
PRÄSIDENT REAGAN UND GENERALSEKRETÄR GORBATSCHOW IN WASHINGTON
- 7. BIS 10. DEZEMBER 1987 -

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�7 . Dezember

I N H A L T

INF "Erster Schritt* zu einer sichereren Welt
- Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

Die Konsultationen im atlantischen Bündnis
- Eine Übersicht -

Die Initiative des Präsidenten zu regionalen Konflikten
- Eine Übersicht -

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

* * * * * *

1987

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"V,oN^

7. Dezember 1987

INF "ERSTER SCHRITT" ZU EINER SICHEREREN WELT
Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

JACKSONVILLE, FLORIDA - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist die bevorstehende Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstreckenraketen (INF) ein "erster Schritt über die offene Grenze hin zu einer sichereren Welt ...".
In seinen am 1. Dezember 1987 vor Schülern der Duval county High School
und deren Eltern gemachten Ausführungen betonte der Präsident ferner, daß
"wahrer Frieden" Gespräche mit der Sowjetunion in den Bereichen der Übereinstimmung wie denen der Meinungsverschiedenheiten erfordere bis hin zur Lage in
Afghanistan und Mittelamerika.
Nachfolgend bringen wir Auszüge der Ansprache Präsident Reagans

In nur wenigen Tagen werde ich
mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenkommen.
Wir werden das erste
Rüstungskontrollabkommen in der Geschichte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern unterzeichnen.
Jahrelang haben die Kritiker auf
der ganzen Welt beharrlich wiederholt, daß es unmöglich sein würde,
ein Abkommen des Inhalts zu erzielen,
wie wir es jetzt erarbeitet haben.
Vor sechs jähren, als ich die Beseitigung einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittel-

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streckenraketen vorschlug, spotteten
sie, daß dies doch wohl nicht mein
Ernst sein könne. Ihrer Meinung nach
war es ein sicheres Anzeichen dafür,
daß ich von vorneherein gegen jegliche Abrüstung eingestellt sei. Und
sie fügten hinzu, ich solle etwas anbieten, dem die Sowjets zustimmen
könnten - selbst wenn ich nicht der
Überzeugung wäre, daß dies im besten
Interesse Amerikas läge. Und dennoch
haben wir - und unter wir verstehe
ich Sie und all die Amerikaner, die
am Wiederaufbau
unserer
nationalen
Verteidigung mitgewirkt und uns in

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�unserem Entschluß unterstützt haben,
daß kein Rüstungsabkommen immer noch
besser ist als ein schlechtes Rüstungsabkommen - alle zusammengehalten.
Wir haben Ziele gesetzt. Wir
haben Pläne gemacht. Wir haben hart
gearbeitet.
Viele eben dieser Kritiker haben
auch vorgebracht, es sei provokativ,
die Wahrheit über Repression in der
Sowjetunion zu sagen, über die sowjetischen Abenteuer in Übersee, über
die sowjetischen Vertragsbrüche der
Vergangenheit. Wir haben dem entgegengehalten,
daß
die
Vereinigten
Staaten von Amerika niemals davor zurückschrecken dürften, die Wahrheit
über jeden zu sagen.
Als Ergebnis der harten Arbeit
und der unendlichen Geduld stehen wir
jetzt kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens, das genau die von mir
vor sechs Jahren gemachten Vorschläge
verwirklichen wird, von denen die
Kritiker behaupteten, sie seien unmöglich,
zum ersten Mal in der Geschichte werden wir eine gesamte Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer Nuklearwaffen von der Erdoberfläche verbannen.
Im Anschluß an das Gipfeltreffen
werden unsere Unterhändler die Arbeit
an einem Abkommen fortsetzen, das zu
einer 50prozentigen Reduzierung der
amerikanischen und sowjetischen atomaren Langstreckenarsenale
und der
Wiederherstellung des Kräftegleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften
führen könnte - das
heißt, der Armeen, die sich in Europa
gegenüberstehen.
Es besteht ein Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Mit dem Abkommen über atomare Mittelstreckenwaffen machen wir einen ersten Schritte über die offene Grenze
hin zu einer sichereren Welt für Sie
und Ihre Kinder. Und mein Plan - un-

ser Plan - sollte darin bestehen, auf
diesem Weg weiter voranzuschreiten.
In all der Aufregung über den
Gipfel, die Unterzeichnung des Vertrages u.s.w. dürfen wir nicht vergessen, daß Frieden mehr bedeutet,
als den Abbau von Waffen. Vor über
einem Jahrzehnt gab es in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine
Annäherung, die wir als "Detente" bezeichneten.
Während sie jedoch von
Freundschaft sprachen, arbeiteten die
Sowjets intensiver denn je am umfangreichsten militärischen Aufrüstungsprogramm
der
Weltgeschichte.
Sie
verstärkten ihre Aggression in der
gesamten Welt. Und ihre Innenpolitik
wurde immer repressiver. Wir wollen
keine bloßen Worte. Dieses Mal wollen wir wahren Frieden.
Ein osteuropäischer Dissident hat
einmal geschrieben: "... die Wahrung
der Menschenrechte ist die grundlegende Bedingung und alleinige Garantie für wahren Frieden." Ich glaube,
er hat Recht.
wahrer Frieden und
Freiheit sind unteilbar.
Aus diesem
Grund ist es für uns alle so wichtig,
daß die Sowjets im vergangenen Jahr
über 200 politische Gefangene freigelassen und anscheinend die Zensur in
Kunst und Medien etwas gelockert haben.
Deshalb sind wir auch so besorgt
darüber, daß sich noch viel mehr politische Gefangene im Gefängnis, in
der Verbannung und in psychiatrischen
Anstalten befinden.
Etwa 10 000 Juden warten auf die Genehmigung zur
Ausreise. Die Verfolgung von Gläubigen dauert an.
Einige, wie etwa
Ludmilla
Andruschenko
und
Pater
Alsonas Swarinskas sind inhaftiert ihr einziges Verbrechen bestand darin, daß sie ihre Religion ausüben
und Gott huldigen wollten. Nun, Herr
Gorbatschow und ich werden auch dar-

�über sprechen.

men.

Wir werden auch über den sowjetischen Expansionismus in der ganzen
Welt, wie etwa in Afghanistan, sprechen.
Seit der Invasion der Roten
Armee vor acht Jahren hat das afghanische Volk eine Million Opfer zu beklagen gehabt. Mindestens vier Millionen wurden zur Flucht ins Exil getrieben, während Freiheitskämpfer gegen die Invasoren zu den Waffen griffen.

Ich werde ihm ebenso sagen, daß
es für die Sowjets an der Zeit ist,
Kambodscha, Äthiopien, Angola und Nicaragua zu verlassen.

Wer sind diese Freiheitskämpfer?
Viele würden zu Ihren Mitschülern gehören, lebten sie hier in Jacksonville - so jung sind sie. Sie haben
gegen eine der größten und bestgerüsteten Armeen der Welt zu den Waffen
gegriffen, weil sie gesehen haben,
was kommunistische Unterdrückung bedeutet. Für einige von ihnen bedeutet sie, daß sie gehindert werden,
nach den Geboten ihrer Religion zu
leben.
Für andere, daß ihre Eltern
ermordet und die Ernte sowie selbst
ganze Dörfer
in willkürlichen und
wiederholten Überfällen der Sowjets
zerstört wurden. Oder, daß ein kleiner Bruder oder eine Schwester durch
als Spielzeug getarnte
sowjetische
Minen eine Hand verlor.
Die Unterdrückung hat viele Gesichter.
Es
gibt viele Gründe, für die Freiheit
zu kämpfen.
Die einfachen Menschen Afghanistans stellen keine Bedrohung sowjetischen Territoriums dar.
Sie tun
dies heute nicht. Sie haben dies nie
getan. Die Sowjetunion hat in diesem
Krieg kein legitimes Ziel. ich werde
Herrn Gorbatschow sagen, daß es für
die Sowjets an der Zeit ist, ein endgültiges Datum für den Rückzug festzulegen, Gespräche mit den Freiheitskämpfern zu führen und dem Volk von
Afghanistan
zu
gestatten,
sein
Schicksal selbst in die Hand zu neh-

Selbst während die fünf mittelamerikanischen Länder nach Wegen zum
Frieden suchen, fließt ein Strom von
Kanonen, Flugzeugen, Geschossen, Panzern und anderen Hilfsmitteln im Wert
von Milliarden von Dollar nach Nicaragua. Warum? Um einen unserer führenden nationalen Strategen, zbigniew
Brzezinski, zu zitieren: "Im Mittelamerika steht potentiell die Fähigkeit der Vereinigten Staaten auf dem
Spiel, westliche Interessen in der
ganzen Welt zu verteidigen."
Und er
fügt hinzu: "Wenn die sowjetisch-kubanische Präsenz in Nicaragua die gesamte Region destabilisiert, ... werden sich die Vereinigten Staaten unweigerlich (aus Europa und dem Pazifik) zurückziehen", um ihre eigene
Grenze zu verteidigen.
Ich möchte, daß mein Treffen mit
Generalsekretär Gorbatschow dazu beiträgt, wahren Frieden zu schaffen,
der Ihr Leben lang andauert, während
des Lebens Ihrer Kinder und Ihrer
Kindeskinder. Deshalb werden wir die
Bereiche der Übereinstimmung zwischen
uns behandeln und ebenso die Streitpunkte zwischen uns betonen.
Manch
einer meint, es werde den Sowjets unmöglich sein, zuzuhören.
Aber wir
haben schon einen weiten Weg zurückgelegt, indem wir stark, beständig
und entschlossen waren.

- 3 -

�x^° S ^

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION ^

7. Dezember 1987

DIE KONSULTATIONEN IM ATLANTISCHEN BÜNDNIS
- Eine Übersicht -

- (AD) - Die Organisation des Nordatlantikvertrags hält auf politischer
und militärischer Ebene eingehende und forlaufende Konsultationen ab.
Die
Konsultationen unter den Mitgliedstaaten der NATO finden in einer Vielzahl von
Foren und auf zahlreichen Ebenen sowohl multilateral wie bilateral statt, vor
Beginn jedes amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens und im Anschluß daran
werden üblicherweise Beratungen auf höchster Ebene durchgeführt. Einzelne Unterorganisationen der NATO kommen in regelmäßigen Sitzungen zur ständigen Beratung zusammen. Nachfolgend geben wir einen kurzen Abriß einiger Gremien.

I.

Der Nordatlantikrat - NAC

Der Nordatlantikrat und der Verteidigungs-Planungsausschuß
(DPC)
sind die höchsten Gremien für Entscheidungen und Foren für Konsultationen im Bündnis und setzen sich aus
Vertretern der 16 Mitgliedstaaten zusammen. Der Rat kommt auf der Ebene
der Ständigen Vertreter (Botschafter)
mindestens einmal in der Woche zusammen.
Die Tagungen der Außenminister
finden zweimal jährlich statt. Gelegentlich tritt der Rat auch mit Vertretern aus den Hauptstädten oder -

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sofern erforderlich - auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs zusammen.

II. Der Verteidigungs-Planungsausschuß - DPC
Der
Verteidigungs-planungsausschuß besteht aus den Vertretern der
Mitgliedstaaten und behandelt Fragen,
die spezifisch mit der Verteidigung
zusammenhängen. Wie der Rat tagt er
sowohl in ständiger Sitzung auf der
Ebene der Botschafter als auch zwei-

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�mal im Jahr auf der Ebene der Verteidigungsminister.

III.
pe - NPG

Die Nukleare Planungsgrup-

Die Nukleare Planungsgruppe wurde
aus der Notwendigkeit gegründet, die
Mitgliedstaaten der NATO ohne Nuklearwaffen an der nuklearen Planung des
Bündnisses zu beteiligen. An den Tagungen nehmen 14 Staaten teil (alle
NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von
Frankreich und Island, wobei letzteres
derzeit
Beobachterstatus
einnimmt).
Die Nukleare Planungsgruppe
tritt unter Vorsitz des Generalsekretärs der NATO zusammen, ebenso wie
dies auch bei Treffen auf der Ebene
der Ständigen Vertreter und zweimal
jährlich auf der Ebene der Verteidigungsminister eforderlich ist.

IV.

Der Militärausschuß

Der Militärausschuß ist die höchste Instanz des Bündnisses und erteilt dem Rat und dem Ausschuß Empfehlungen.
Er
besteht
aus
den
Stabschefs der Mitgliedsländer außer
Frankreich und Island.
(Frankreich
ist durch den Chef der französischen
Militärmission
im
Militärausschuß
vertreten.
Island unterhält keine
Streitkräfte, kann aber mit einem zivilen
Vertreter
an
den
Sitzungen
teilnehmen).
Der
Militärausschuß
kommt zweimal im Jahr zusammen und
tagt in ständiger Sitzung mit den von
jedem Stabschef ernannten und delegierten ständigen militärischen Vertretern.

wurde im Jahr 1979 zur Unterstützung
der Verhandlungen im Zusammenhang mit
dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 eingesetzt, insbesondere für die amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über
Mittelstreckensysteme
(INF).
Alle NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Frankreich und Island sind in
der Besonderen Beratungsgruppe vertreten.
Den Vorsitz haben die Vereinigten Staaten inne und hochrangige
Vertreter
der Außenministerien
der
verbündeten Staaten nehmen an den
Sitzungen teil.
Die Besondere Beratungsruppe tritt zusammen, wenn es
der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

VI. Die Hochrangige Beratergruppe - HLG
Die
Hochrangige
Beratergruppe
wurde zur Unterstützung der Stationierungsentscheidung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 gegründet und
ist ein Gremium der Nuklearen Planungsgruppe.
Sie
setzt
sich
aus
hochrangigen Vertretern der Verteidigunsministerien
der
NATO-Mitgliedstaaten außer Frankreich und Island
zusammen und steht unter dem Vorsitz
der Vereinigten Staaten.
Die Hochrangige
Beratergruppe
beschäftigt
sich mit von der Nuklearen Planungsgruppe
gestellten
Sonderprojekten.
Sie tritt zusammen, wenn es der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

* * * * * *
V.
Die
pe - SCG
Die

Besondere

Besondere

Beratungsgrup-

Beratungsgruppe

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^ r I O N *&gt;

7. Dezember 1987

DIE INITIATIVE DES PRÄSIDENTEN ZU REGIONALEN KONFLIKTEN
- Eine Übersicht -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - In einer Rede vor den Vereinten Nationen hat Präsident Reagan am 24. Oktober 1985 eine tiefgreifende Initiative
zur Erlangung von Frieden und innerer Aussöhnung, Beendigung ausländischen militärischen Engagements und Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in
den Konfliktherden Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und Äthiopien
angekündigt. Der Präsident erklärte damals:
"... das durchgängige Muster,
das wir bei diesen fünf Konflikten feststellen, sollte so bald wie möglich
durchbrochen werden." Bis heute hat es keinerlei formelle Reaktion der Sowjetunion auf diesen Vorschlag gegeben. Sie steht der Politik der Vereinigten
Staaten in der Dritten Welt weiterhin sehr kritisch gegenüber.

Trotzdem haben die Sowjets in
jüngeren Verlautbarungen zu einigen
regionalen
Konflikten, z.B. Afghanistan
und
Kambodscha,
begonnen,
teilweise
die
Sprache, wenn
auch
nicht die Substanz, dieser Initiative
zu übernehmen.
Die regionale Initiative baut auf
dem im Jahr 1985 aufgenommenen Zyklus
jährlicher
amerikanisch-sowjetischer
Regionalgespräche
auf, der Treffen
zwischen hochrangigen amerikanischen
und sowjetischen Experten zu Afghanistan, dem Mittleren Osten, dem Süd-

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lichen Afrika, Ostasien und dem Pazifik sowie Mittelamerika und der Karibik vorsieht. Im Jahr 1986 wurde der
Dialog auf allgemeine regionale Übersichten
auf
Abteilungsleiterebene
ausgedehnt. Der dritte Zyklus dieses
Dialogs, der zur Klarstellung von Positionen beigetragen und beiden Seiten gestattet hat, Möglichkeiten der
Zusammenarbeit beim Abbau regionaler
Spannungen zu sondieren, ist nun nahezu beendet, im Jahr 1987 wurden im
Juli der Mittlere Osten und das Südliche Afrika behandelt, die Experten
zu Afghanistan und Ostasien trafen

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�sich im September, und Gespräche zu
Mittelamerika wurden Ende Oktober geführt, in seinen Treffen mit führenden sowjetischen Politikern hat der
Präsident die Sowjetunion gedrängt,
sich über das Gesprächsstadium hinaus
zu Handlungen bereitzuerklären, die
der Lösung regionaler Probleme dienen.
Der Plan des Präsidenten aus dem
Jahr 1985 enthält einen umfassenden
und flexiblen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den kriegführenden
Parteien, zwischen den Vereinigten
Staaten und der UdSSR sowie zwischen
anderen interessierten Parteien. Der
Plan, der bestehende Friedensbemühungen ergänzen und fördern würde, sieht
Handlungen auf drei Ebenen vor:
- Den Ausgangspunkt bildet ein Verhandlungsprozeß
zwischen
den
kriegführenden
Parteien
selbst.
"Die Form dieser Gespräche kann
und soll variieren", erklärte der
Präsident, "aber Verhandlungen und eine Verbesserung der innenpolitischen
Bedingungen - sind
unerläßlich
für die Beendigung
der Gewalt, den Rückzug der ausländischen Truppen und die nationale Aussöhnung."
- Die zweite Ebene sieht amerikanisch-sowjetische Gespräche darüber vor, wie die zwischen den
kriegführenden Parteien stattfindenden Gespräche am besten gefördert werden können, wenn echte
Fortschritte bei diesen Verhandlungen erzielt werden. "In jedem
Fall", so sagte der Präsident,
"besteht die primäre Aufgabe darin, dieses Ziel zu fördern: die
überprüfbare Beseitigung der ausländischen Militärpräsenz und Zurückhaltung
bei
Waffenlieferungen."
- Die

dritte

Ebene

beinhaltet

in- 2

ternationale Bemühungen, um diese
Länder wieder in die Weltwirtschaft
einzugliedern.
"Trotz
vergangener
Meinungsverschiedenheiten", versprach der Präsident,
"würden die Vereinigten Staaten
großzügig auf eine demokratische
Aussöhnung mit dem Volk, die Wahrung der Menschenrechte und Rückkehr in die Familie der freien
Nationen reagieren."
Der Plan erlegt die Hauptlast zur
Erzielung einer gütlichen Einigung den kriegführenden Parteien
auf, nicht den Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion, um Lösungen zu erzwingen.
Wie der
Präsident feststellte, bietet der
Plan
jedoch
"der
sowjetischen
Seite eine außergewöhnliche Chance, einen Beitrag zu regionalem
Frieden zu leisten, der widerum
den künftigen Dialog und Verhandlungen über andere ernste Probleme fördern kann."

Die fünf Konfliktherde
Die fünf Kriege bilden den Kern
internationaler
Spannungen.
obwohl
ihnen allen lokale Streitigkeiten zugrunde liegen, besitzen sie gemeinsame Merkmale. Der Präsident beschrieb
diese Kriege folgendermaßen:
- "... (sie) sind das Ergebnis einer von außen aufgezwungenen Ideologie, die die Nationen entzweit
und Regime schafft, die sich nahezu seit dem Tage ihrer Machtergreifung im Kriegszustand mit dem
eigenen Volk befinden."
- "... (sie) fordern enorme Opfer
an Menschen und drohen, sich über
die Grenzen auszubreiten und gefährliche Konfrontationen auszulösen."

�- "... (sie haben) eine große Rolle
bei der Bildung von Argwohn und
Spannungen ... im Hinblick auf
den zweck der sowjetischen Politik gespielt."
Die sowjetisch geprägten Regime
wurden in allen fünf Fällen durch eine direkte militärische Intervention
erzwungen oder durch sowjetische Hilfe an der Macht gehalten. Ihre Politik hat zur Bildung einer inneren Opposition geführt, die danach trachtet, sie zu liberalisieren oder zu
stürzen. "Bis diese Verhandlungen zu
definitiven
Fortschritten
führen",
bekräftigte der Präsident, "darf und
wird die Unterstützung der Vereinigten Staaten für den Kampf der demokratischen
Widerstandskräfte
nicht
aufhören."

* * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

7. Dezember 1987

DIE SOWJETISCHE NICHTEINHALTUNG VON RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN

- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

- (AD) - (Die folgenden Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten über die
sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen enthalten Erkenntnisse auf dem stand vom 2. Dezember 1987.)

Der ABM-Vertrag

chen Verpflichtung dar.

Vertragsstatus
1.
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierung von ABM-Systemen, ausgenommen
ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners oder,
alternativ dazu, um ein Stationierungsgebiet von ICBMs. Der ABM-Vertrag ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertrag stellen
deshalb Verletzungen einer rechtli-

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Das Radar von Krasnojarsk

Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radarsysteme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen

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�und daß sie nach außen orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder
Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung
zum zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
nationales
technisches
Mittel
zur
Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen.
Fragestellung:
Der Bericht des
Präsidenten vom März 1987 untersuchte
die Frage, ob das Radar von Krasnojarsk den Bestimmungen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung entspricht. Wir
haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung bestätigt den Schluß des Berichts vom März 1987, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasengesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist. Die Bautätigkeit
hielt im Jahr 1987 an. Die Abwesenheit glaubwürdiger anderweitiger Erklärungen
haben unsere
Beurteilung
seines zwecks erhä'rtet.
Trotz amerikanischer Aufforderungen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen
getroffen
worden. Diese und andere sowjetische
Aktivitäten bezüglich ABM deuten an,
daß die UdSSR mit Arbeiten an einer
ABM-Verteidigung
ihres
nationalen
Territoriums befaßt sein könnte.

die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten für
ein solches System entwickelt hat.
Wir haben diese Frage erneut untersucht und dabei die Auswirkungen der
sowjetischen Arbeiten in Gomel einbezogen.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die
Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, wonach
die Beweislage im Hinblick auf sowjetische Aktivitäten bezüglich der Mobilität von Komponenten eines ABM-Systems unklar ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötigt werden, eine potentielle Verletzung der Verpflichtungen gemäß dem ABM-Vertrag darstellen.
Die kürzlich vorgenommene Verlegung von Teilen eines Systems der
Typen FLAT TWIN und PAWN SHOP verstärkt unsere Bedenken gegenüber der
Mobilität von ABM-Systemkomponenten.
Diese
sowie
weitere
ABM-relevante
sowjetische Aktivitäten deuten darauf
hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur
Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

3.
Gleichzeitige
Erprobung
von
ABM- und Luftverteidigungskomponenten
2. Die Mobilität von
ponenten

ABM-Systemkom-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersagt

Verpflichtung:
Durch den ABMVertrag und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsgebiet
auferlegt.

�Zusätzlich zu den ABM-Systemen und -Komponenten in diesem einen Stationierungsgebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den vereinbarten
Erprobungsgebieten
befinden. Der Vertrag untersagt außerdem,
Komponenten, die nicht zum ABM-System
gehören, die Fähigkeit zu verleihen,
"strategische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitige Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion gleichzeitig Elemente
der
SAM- und
ABM-Systeme
getestet
hat, was eine Verletzung ihrer gegenteiligen
rechtlichen
Verpflichtung
von 1978 darstellt. Diese Verpflichtung hatte zum Ziel, die Erprobung
von Luftverteidigungssystemen in ABMForm weiter zu begrenzen. Wir haben
diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, daß die
Beweise für sowjetische Aktivitäten
im Bereich gleichzeitiger Operationen
unzureichend sind, um die Einhaltung
der sowjetischen Verpflichtungen im
Rahmen des ABM-Vertrags umfassend bewerten zu können.
Die Sowjetunion
hat jedoch Versuche unter Einbeziehung
von
Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und
anhaltenden Vorfälle des gleichzeitigen Betriebs von ABM- und SAM-Komponenten sowie die mangelhafte sowjetische Berücksichtigung der amerikanischen Bedenken sind Zeichen dafür,
daß die UdSSR wahrscheinlich das Ver-

bot der Erprobung von SAM-Komponenten
in ABM-Form verletzt hat. In mehreren Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten
deuten
darauf
hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

4.
ABM-Fähigkeit
steme

moderner

SAM-Sy-

Verpflichtung:
Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des
ABM-Vertrags
verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertrag definierte Abfangraketen,
Abschußvorrichtungen
oder
Radarsysteme auch nicht mit
"Fähigkeiten
auszustatten, um strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren und diese nicht in
ABM-Form zu testen..."
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen
des ABM-Vertrags ein SAM-System oder
eine Komponente in ABM-Form getestet
oder sie mit Fähigkeiten ausgestattet
hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente im Flug abzuwehren. Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen
zur Verbesserung
von SAM unzureichend sind, um die
Einhaltung
der
sowjetischen
Verpflichtung im Rahmen des ABM-Vertrags
zu bewerten.
Diese und andere ABMrelevante
Aktivitäten
der
Sowjets
deuten darauf hin, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

- 3 -

�5.
Schnelles Nachladen
schußvorrichtungen

von

ABM-Ab-

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen und von
dislozierten Abfangraketen auf 100.
Er begrenzt nicht die Anzahl der Abfangraketen, die gebaut und gelagert
werden können. Paragraph 2, Artikel
V des Vertrags verbietet die Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung
von "automatischen oder halbautomatischen oder anderen ähnlichen Systemen
zum schnellen Nachladen" der erlaubten Abschußvorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag automatische, halbautomatische
oder
ähnliche
Systeme
zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen entwickelt, erprobt und
disloziert hat. Wir haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bekräftigt die Erkenntnisse
des Berichts
vom
März
1987, wonach auf der Grundlage des
zur Verfügung stehenden Beweismaterials die Handlungen der UdSSR in bezug
auf das schnelle Nachladen von ABMAbschußvorrichtungen
gemäß
ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben. Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit
ernster Besorgnis. Diese und andere
ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

6.

ABM-Komponeneten in Gomel
- 4

Verpflichtung:
Zur Verhinderung
der Stationierung einer territorialen
Verteidigung oder der Bereitstellung
einer
Grundlage
zur
territorialen
Verteidigung enthält der ABM-Vertrag
die Verfügung, daß ABM-Komponenten
nicht außerhalb des zulässigen Stationierungsgebiets
für
ABM-Systeme
oder eines bestimmten ABM-Erprobungsgeländes für welchen Zweck auch immer
disloziert werden dürfen.
Fragestellung:
im März 1987 wurde von der amerikanischen Regierung
in einer Elekronikfirma im ca. 550
Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Gomel das Auftauchen größerer
Teile des ursprünglichen FLAT TWIN
Radars einschließlich aller Modularsektionen
des
Radargehäuses
sowie
eines PAWN SHOP Transporters beobachtet . Der Zeitpunkt der Ankunft der
Teile des FLAT TWIN und des PAWN SHOP
deuten darauf hin, daß sie von den
Radars stammten, die vom Raketenerprobungszentrum von Sary Shagan abgezogen worden waren, wo die Sowjets im
Januar 1987 beim Abbau einer Vielzahl
dieser
ABM-Komponenten
beobachtet
werden konnten.
Die Besorgnis der
Vereinigten Staaten über das Problem
der mobilen ABM-Komponenten, das bereits mit den Sowjets erörtet wurde,
könnte durch dieses Vorgehen der sowjetischen Seite noch verschärft werden.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten kommt zu der Schlußfolgerung, daß die Handlungen der
Sowjets
im
Zusammenhang
mit
dem
Transfer eines FLAT TWIN ABM-Radars
und eines PAWN SHOP Transporters, die
Komponenten eines ABM-Systems sind,
von einem Erprobungsgelände und dem
Beginn der Stationierung auf einem
Gelände außerhalb des ABM-Stationierungsgebiets
oder
einem ABM-Erprobungsgelände eine Verletzung des ABM-

�Vertrages darstellt.
Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, daß die Aktionen in Gomel zur Unterstützung der
ABM-Verteidigung in diesem Gebiet gedacht sind, steht die Stationierung
solcher Radars in Gomel unabhängig
von ihrer Funktion nicht im Einklang
mit den Verpflichtungen des ABM-Vertrags. Diese und andere ABM-relevante Aktivitäten der Sowjetunion legen
die Vermutung nahe, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

(z. B. Bau von Radaranlagen, gleichzeitige Erprobung, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM,
ABM-Mobilität und die Stationierung
von ABM-Komponenten in Gomel) darauf
hindeuten, daß die UdSSR mit Arbeiten
zur Schaffung einer landesweiten ABMVerteidigung befaßt sein könnte.

7.

Vertragsstatus:
Die
Konvention
über biologische und toxische Waffen
aus dem jähr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträge, bei denen sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertragsparteien
sind.
Sowjetische Handlungen, die nicht im
Einklang mit diesen Verträgen und dem
völkerrechtlichen
Brauch
gemäß dem
Genfer
Protokoll von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher
Verpflichtungen.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobungsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet
jedoch die Dislozierung eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen
Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjets ein ABM-System zur Verteidigung ihres Staatsgebiets disloziert oder einen Stützpunkt für solch
eine Verteidigung zur Verfügung gestellt haben.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, daß im ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick
auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische,
sche Waffen

biologische

und

toxi-

Verpflichtungen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklung, Produktion, Lagerung oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen biologischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Mengen zu prophylaktischen, Verteidigungs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
Sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhang
stehenden Regeln des völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieg sowie von allen entsprechenden Flüssigkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakteriologischer Methoden der Kriegführung.

- 5 -

�Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die Sowjets
Bestimmungen verletzt haben, die Entwicklung, Produktion, Transfer, Besitz und Verwendung biologischer und
toxischer Waffen verbieten und ob sie
für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser
Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1987 in vermuteten Einrichtungen für biologische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Programm jetzt die Prüfung
neuer Arten von Wirkstoffen zur biologischen
Verteidigung
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom März 1987 bestätigen, wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der biologischen Kriegführung
aufrechterhält.
Beschuldigungen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kambodscha, Laos oder Afghanistan im Jahr 1987 konnten gemäß der
strengen Richtlinien unserer Beweisführung nicht bestätigt werden. Daher gibt es keine Grundlage für eine
Erweiterung der Schlußfolgerung vom
März 1987, wonach die Sowjetunion in
Verletzung
ihrer
rechtlichen
Verpflichtung gemäß dem Völkerrecht, wie
dies im Genfer Protokoll von 1925 und
in der Konvention über biologische
und toxische Waffen aus dem Jahr 1972
kodifiziert ist, Produktion, Transfer
und Einsatz von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen . Zwecken in
Laos, Kambodscha und Afghanistan betrieben hat.

Vertrag
über
suchsverbot

ein

begrenztes

Ver-

Vertragsstatus: Der Vertrag über
ein begrenztes Verbot von Atomversuchen (LTBT) in der Atmosphäre, im
Weltraum und unter Wasser ist ein
multilateraler Vertrag, der für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Jahr 1963 in Kraft trat.
Sowjetische Schritte, die nicht mit
diesem Vertrag in Einklang stehen,
sind Verletzungen einer rechtlichen
Verpflichtung.

*

»

Verpflichtung:
Dieser
Vertrag
verbietet speziell Atomexplosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umgebung,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesgrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzgebung oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchgeführt wird".
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR dazu
führten, daß radioaktive Rückstände
außerhalb ihrer Landesgrenze anfielen.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, nach denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Gelegenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen
gemäß dem begrenzten Teststoppvertrag
auch außerhalb des Territoriums der
Sowjetunion gelangten.
Die Sowjetunion traf nicht die notwendigen Vor-

*

�kehrungen, um die Verseuchung der Umwelt durch radioaktive Substanzen so
gering wie möglich zu halten und dies
trotz
zahlreicher
amerikanischer
Schritte und Forderungen nach Korrektivmaßnahmen. Diese Praktiken dauern
an. Seit der Wiederaufnahme der sowjetischen unterirdischen Atomversuche
im Februar 1987 haben die Vereinigten
Staaten der Sowjetunion bei zwei verschiedenen
Gelegenheiten
Demarchen
überbracht, bei denen den Sowjets
eindeutig die Freisetzung radioaktiver Rückstände nachgewiesen
werden
konnte.

* * * * *

- 7

�</text>
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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Amerikadienst 07.12.1987 - Sonderdienst</text>
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                <text>Hintergrundmaterial zum Gipfeltreffen zwischen Präsident Regan und Generalsekretär Gorbatschow in Wasington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;7. bis 10. Dezember 1987&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^is^&lt;

AMERIKA DIENST

"V, "^ &lt;&amp;

9 . Dezember 1987

43

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Aus Vision wurde Realität
- Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens Reagan: Amerikaner und Sowjets teilen "Gemeinsamen Traum vom
Frieden
- Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bei INF-Vertrag keine "Auszeit" nötig
- Von Paul H. Nitze KSZE-Bilanz des Warschauer Pakts noch "voller Mängel"
- Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur Anwendung der KSZEVerpflichtungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hoffnung auf Ausrottung der Flußblindheit
- Neues Medikament könnte Infektionskette blockieren -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

9. Dezember 1987

43
REAGAN:

AUS VISION WURDE REALITXT

- Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge "bestehen weiterhin tiefgreifende und grundsätzliche moralische Unterschiede" zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, aber mit Blick auf das entscheidende Thema des
Mittelstreckenabkommens "sehen wir heute, was erreicht werden kann, wenn wir
alle am selben Strang ziehen". In seiner Ansprache aus Anlaß der feierlichen
Unterzeichnung des INFVertrages am 8. Dezember 1987 in Washington verlieh der
Präsident seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Abkommen "den Beginn einer Arbeitsbeziehung darstellt, die uns zur Bewältigung auch anderer Probleme befähigt . .. " .
Generalsekretär Gorbatschow erklärte, der Vertrag "bietet eine einmalige
Gelegenheit, endlich auf den Weg zu finden, der von der drohenden Katastrophe
wegführt... und gemeinsam in eine atomwaffenfreie Welt aufzubrechen".
Nachfolgend bringen wir die Ausführ ungen Reagans und Gorbatschows im Wortlaut.
Rede davon, den Rüstungswettlauf zu
Präsident
Reagan:
Diese Zerekontrollieren. Zum ersten Mal in der
monie und der Vertrag, den wir heute
Geschichte wurde die Sprachregelung
unterzeichnen, bieten ein ausgezeich"Rüstungskontrolle" durch "Abrüstung"
netes Beispiel für die Belohnung von
ersetzt - in diesem Fall die vollGeduld.
Vor mehr als sechs Jahren,
ständige Vernichtung einer ganzen Kaam 18. November 1981, habe ich zum
tegorie
amerikanischer
und
sowjeersten Mal den Vorschlag unterbreitischer Atomraketen.
tet, der später als Null-Option bekannt wurde.
Es war ein einfacher
Vorschlag, fast könnte man sagen,
Dies hat natürlich eine grundentwaffnend einfach.
Anders als bei
sätzliche Änderung der Denkweise erfordert und gelegentlich benötigten
bisherigen Verträgen schrieb dieser
traditionelle Denkschemata ein gutes
Vorschlag nicht einfach den Status
Maß an Zeit, um sich mit der neuen
quo oder eine neue militärische AufSituation vertraut zu machen.
Die
rüstung fest. Es war nicht nur die

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�Reaktion war - milde gesagt - gemischt. Für einige war die Null-Option eine unmögliche Vision und unrealistisch,
für
andere
war
sie
schlicht und einfach ein Propagandaschachzug.
Mit Geduld, Entschlußkraft und Engagement haben wir diese
unglaubliche Vision Realität werden
lassen.
Herr Generalsekretär Gorbatschow,
ich
bin
sicher,
Ihnen
ist
Iwan
Krylows berühmte Fabel vom Schwan,
dem Krebs und dem Hecht bekannt. Vor
langer Zeit versuchten diese drei
wohl einmal, einen beladenen Wagen in
Gang zu setzen.
sie spannten sich
vor den Wagen.
Auch wenn er nicht
allzu schwer war, gelang es ihnen
doch nicht, ihn von der Stelle zu bewegen.
Denn der Schwan flog in die
Höhe, der Krebs kroch rückwärts und
der Hecht suchte das Wasser. Das Ergebnis war, daß sie nirgendwohin gelangten und der Wagen noch bis zum
heutigen Tage dort steht.
Zwischen unseren Nationen bestehen
weiterhin
tiefgreifende
und
grundsätzliche moralische Unterschiede, aber heute sehen wir zumindest in
dieser entscheidenden Frage, was erreicht werden kann, wenn wir alle am
selben Strang ziehen.
Die zahlen allein belegen den
Wert dieses Abkommens.
Auf sowjetischer Seite werden über 1 500 stationierte Gefechtsköpfe beseitigt und
alle bodengestützten Mittelstreckenraketen einschließlich der SS-20 werden vernichtet.
Auf unserer Seite
wird
unser
gesamtes
Arsenal
von
Pershing
II
und
bodengestützten
Marschflugkörpern mit mehr als 400
stationierten Gefechtsköpfen vernichtet. Zusätzliche Nachladeraketen auf
beiden Seiten werden ebenfalls verschrottet .

Aber die Bedeutung dieses Vertrages geht über die bloßen Zahlen hinaus, wir haben die Lehre eines alten
russischen Sprichworts befolgt, das
Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte,
Herr Generalsekretär, auch wenn Ihnen
meine Aussprache gewisse Schwierigkeiten bereiten dürfte. Das Sprichwort lautet: "Dowerjai no prowerjai"
- "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist
besserJ"
Generalsekretär
Gorbatschow:
Das sagen Sie bei jedem Treffen.
Präsident
mir.

Reagan:

Es

gefällt

Dieses Abkommen enthält die einschneidendsten Verifizierungsregelungen in der Geschichte bis hin zu Bestimmungen für Inspektorenteams, die
sich tatsächlich auf dem Territorium
des anderen Staates aufhalten sowie
zahlreiche andere Formen von Inspektionen
vor
Ort.
Dieser
Vertrag
schützt die Interessen der Freunde
und Verbündeten Amerikas. Er verkörpert auch einen weitereren unerläßlichen Grundsatz:
Die Notwendigkeit
von Glasnost - also größere Offenheit
auch in militärischen Programmen
und bei den Streitkräften.
Wir können nur hoffen, daß dieses
geschichtemachende
Abkommen
nicht
reiner
Selbstzweck bleibt, sondern
den
Beginn
einer
Arbeitsbeziehung
darstellt, die uns zur Bewältigung
auch anderer dringlicher Probleme befähigt - Problemen bei strategischen
nuklearen Offensivwaffen, dem Gleichgewicht konventioneller Streitkräfte
in Europa, den zerstörerischen und
tragischen regionalen Konflikten, von
denen so viele Teile unseres Erdballs
heimgesucht werden sowie der Wahrung
der menschlichen und gottgegebenen
Rechte, die Er allen Menschen verliehen hat.

�Allen
heute hier Versammelten,
die so hart an der Verwirklichung
dieser Vision gearbeitet haben, möchte ich meinen herzlichen Dank und
Glückwünsche übermitteln - insbesondere den Botschaftern Glitman und
Obukow.
Um ein anderes russisches
Sprichwort zu zitieren - wie Sie sehen, werde ich noch zum Experten in
russischen Sprichwörtern - "Die Ernte
ist mehr das Ergebnis von Schweiß als
von Tau." Ich möchte also Herrn Generalsekretär
Gorbatschow
vorschlagen, daß wir ihm eine letzte Instruktion mit auf den Weg geben: Gönnen
Sie sich die wohlverdiente Ruhe.
Generalsekretär
Gorbatschow:
Das werden wir nicht tun.
Präsident
Reagan:
Nun,
Herr
Generalsekretär, möchten Sie vor der
Unterzeichnung des Vertrages einige
Worte sagen?
Generalsekretär
Gorbatschow:
Herr Präsident, meine Damen und Herren, Genossen.
Nachfolgende Generationen werden ihr Urteil über die Bedeutung des Ereignisses fällen, dessen Zeuge wir in Kürze werden. Aber
ich möchte doch das Wort ergreifen,
um zum Ausdruck zu bringen, was vor
uns liegt - die Unterzeichnung des
ersten Abkommens in der Geschichte
über die Beseitung von Nuklearwaffen,
das
umfassende
Bedeutung
für
die
Menschheit hat, sowohl aus der Sicht
der Weltpolitik als auch aus der
Sicht des Humanismus.

aufzubrechen, die für unsere Kinder
und Kindeskinder sowie deren Kinder
und Kindeskinder die Verheißung eines
erfüllten und glücklichen Lebens ohne
Furcht und ohne die sinnlose Verschwendung von Mitteln für Vernichtungswaffen in sich birgt.
Wir
können
stolz darauf sein,
diesen Schößling gepflanzt zu haben,
der eines Tages zu einem mächtigen
Baum des Friedens heranwachsen könnte.
Es ist jedoch wahrscheinlich
verfrüht, uns gegenseitig mit Lorbeer
zu bekränzen.
Wie der große amerikanische Dichter und Philosoph Ralph
Waldo Emersein einmal gesagt hat:
"Der Lohn einer gut verrichteten Tat
ist, sie getan zu haben."
Wir sollten uns also dadurch belohnen, daß wir uns an die Arbeit machen. Wir sind sieben Jahre lang einen Weg voll intensiver Arbeit und
Debatten
gegangen.
Ein
letzter
Schritt an diesen Tisch, und der Vertrag wird unterzeichnet werden.
Möge der 8. Dezember 1987 zu einem Datum werden, das in die Geschichtsbücher eingeht - ein Tag, der
den Wendepunkt markiert, an dem sich
die Epoche eines steigenden Atomkriegsrisikos in eine Epoche der Entmilitarisierung des menschlichen Lebens umkehrt.

Für jeden von uns und insbesondere für unsere beiden Länder bietet
der Vertrag, dessen Text nun hier auf
dem Tisch liegt, eine große Chance,
endlich auf den Weg zu finden, der
von der drohenden Katastrophe wegführt. Es ist unsere Pflicht, diese
Chance umfassend zu nutzen und gemeinsam in eine atomwaffenfreie Welt
- 3 -

(Der Vertrag wird unterzeichnet.)

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

9. Dezember 1987

43
REAGAN:

AMERIKANER UND SOWJETS TEILEN "GEMEINSAMEN TRAUM VOM FRIEDEN'

- Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge "ist der gemeinsame Traum vom
Frieden" ein "starkes Bindeglied", das die Völker der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zusammenführt.
In einer im Anschluß an die Unterzeichnung des INF-Vertrages übertragenen
Ansprache an das amerikanische und das sowjetische Volk erklärte der Präsident, daß die Amerikaner "einen Frieden wollen, der den Traum aller Völker erfüllt, ihre Familien in Frieden und Sicherheit heranwachsen zu sehen. Und ich
glaube, daß wir einen solchen Frieden schaffen werden, wenn unsere beiden Länder Mut und Geduld aufbringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:
Ich möchte mich zunächst bei Ihnen allen bedanken.
Herr Generalsekretär Gorbatschow,
sehr geehrte Gäste, liebe Mitbürger
und Bürger der Sowjetunion. Der amerikanische
Philosoph
Ralph
Waldo
Emerson hat einmal geschrieben, daß
"es in Wirkllichkeit keine Geschichte
gibt, sondern nur eine Biographie".
Damit meinte er, es sei nicht ausreichend, Geschichte lediglich als Ansammlung von Kräften und Faktoren zu
verstehen.
Geschichte ist letztlich
eine Bilanz des menschlichen Willens,

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des menschlichen Geistes, des in den
Männern und Frauen dieser Erde verkörperten menschlichen Strebens, denen Gott die kostbare Seele und den
freien Willen verliehen hat.
Heute haben ich für die Vereinigten Staaten und der Generalsekretär
für die Sowjetunion das erste Abkommen in der Geschichte zur Beseitigung
einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen unterzeichnet.
Wir haben
Geschichte
gemacht. Und doch haben viele sogenannte Weise einmal vorausgesagt, daß

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�dieses Abkommen unmöglich zu erreichen sei - zu viele Kräfte und Faktoren stünden ihm entgegen.
Nun, wir
haben trotzdem auf unserem Standpunkt
beharrt. Wir sind ihm treu geblieben.
Und ich hoffe, der Generalsekretär wird mir verzeihen, wenn ich
enthülle, daß ich mich in den düstersten Zeiten, in denen es wirklich so
schien, als ob ein Abkommen unmöglich
sei, an den Worten eines großen Russen, Leo Tolstoi, aufrichtete, der
einmal geschrieben hat:
"Die stärksten Krieger sind diese beiden - zeit
und Geduld."
In den kommenden Tagen werden wir
weitere Waffenreduzierungen und andere Probleme diskutieren - und wieder
werden Zeit und Geduld nötig sein, um
Vereinbarungen zu erzielen. Wenn wir
jedoch
diese
Gespräche
aufnehmen,
sollten wir uns daran erinnern, daß
wahres internationales Vertrauen und
Sicherheit ohne offene Gesellschaften
mit Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, Pressefreiheit und Freizügigkeit undenkbar sind.
Wir werden
also die Menschenrechte und regionale
Konflikte ansprechen, denn die Rettung der gesamten Menschheit liegt
einzig und allein darin, daß alles zu
jedermanns
Anliegen
gemacht
wird.
Mit Zeit, Geduld und Willenskraft
werden wir meiner Überzeugung nach
diese Fragen lösen. Wir müssen sie
lösen, wenn wir wahren, sicheren und
dauerhaften Frieden erlangen wollen.
So
verschieden
unsere
Systeme
sind, so gibt es doch ein starkes
Bindeglied, das die Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
zusammenführt. Es ist der gemeinsame
Traum vom Frieden. Vor über 40 Jahren kämpften wir als Verbündete in
einem großen Krieg. Am Tage, als die
Nachricht von der Kapitulation des
Feindes in Moskau eintraf, versammelte sich eine Menschenmenge vor der

amerikanischen Botschaft.
Dort applaudierten sie der Freundschaft einer Nation, die eine zweite Front eröffnet und den Völkern der Sowjetunion Nahrungsmittel, Munition und
Lastwagen geschickt hatte, als diese
bei der Zurückwerfung des Invasoren
unglaublichen Mut und Willen zeigten.
Ein
junger amerikanischer
Diplomat
erzählte
später
von
einem
sowjetischen Soldaten in der Menschenmenge, der immer wieder rief:
"Jetzt
ist es Zeit zu leben."
Zu oft wurde in den seiher vergangenen Jahrzehnten der Traum dieses
Soldaten - von einer Zeit zu leben ausgelöscht,
zumindest
was
wahren
Frieden zwischen unseren Ländern angeht. Und doch haben wir Amerikaner
nie aufgehört, für den Frieden zu beten.
In jedem Teil der Welt wollen
wir, daß dies eine Zeit zu leben ist.
Nur diejenigen, die uns nicht
kennen,
glauben,
die
Vereinigten
Staaten seien ein materialistisches
Land. Aber das wahre Amerika besteht
nicht aus mit Fleisch, Milch und allen Arten von Gütern angefüllten Supermärkten.
Es besteht nicht aus
Highways voller
Autos.
Nein, das
wahre Amerika ist ein Land des Glaubens und der Familie. Sie können es
in unseren Kirchen, Synagogen und
Moscheen finden - in unseren Häusern
und Schulen. Wie ein großer Schriftsteller es einmal ausgedrückt hat Amerika ist die Bereitschaft des Herzens, des universellen menschlichen
Herzens, denn Amerikaner kommen aus
allen Teilen der Erde, auch aus der
Sowjetunion. Wir möchten einen Frieden, der den Traum aller Völker erfüllt, ihre Familien in Frieden und
Sicherheit
heranwachsen
zu
sehen.
Und ich glaube, daß wir einen solchen
Frieden aufbauen werden, wenn unsere
Länder Mut und Geduld aufbringen.

�In den nächsten beiden Monaten
werden Menschen in der ganzen Welt
zwei große Glaubensfeste feiern
Chanukka und Weihnachten.
Eines ist
ein Fest der Freiheit, das andere das
Fest des Friedens auf der Welt und
des guten Willens den Mitmenschen gegenüber.
Meine große Hoffnung besteht darin, daß die Biographien unserer Zeit verzeichnen werden, daß
wir den Willen besaßen, dies als die
rechte zeit für diesen Gipfel gewählt
zu haben.
Vielen Dank und Gott segne Sie.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VoN^

9. Dezember 1987

43

BEI INF-VERTRAG KEINE "AUSZEIT" NÖTIG
- Von Paul H. Nitze -

- (AD) - (Der Autor des folgenden, am 7. Dezember 1987 in der Washington
Post veröffentlichten Artikels, ist Sonderberater des Präsidenten und des
Außenministers für Rüstungskontrolle.)

Mein
ehemaliger
Kollege
Frank
Gaffney hat in einem Zeitungsartikel
vorgeschlagen,
die
Administration
solle "beim INF-Vertrag eine 'Auszeit1 nehmen", um sich vier Fragen
bezüglich der Wirksamkeit dieses Vertrags zu widmen.
Eine Auszeit ist
nicht nötig; wir haben diese Fragen
immer bedacht, und die Antworten darauf sind positiv:
Beseitigt der Vertrag tatsächlich
die INF-Infrastruktur und -Fähigkeit der Sowjetunion?
Mit einem
Wort:
Ja. Der Vertrag verlangt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von der Sowjetunion, alle INF-Raketen und Abschußvorrichtungen in
Gegenwart von amerikanischen Inspektoren zu beseitigen.
Ebenso
müssen bestimmte Unterstützungsgebäude und -einrichtungen gemäß
den vereinbarten Verfahrensweisen
beseitigt oder modifiziert werden, so daß sie für eine künftige
Unterstützung
von
INF-Systemen
unbrauchbar werden.
Nach der Beendigung der Raketenvernichtung werden Vertreter der Vereinigten Staaten in jeder ehemaligen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sowjetischen Stationierungs- oder Unterstützungseinrichtung für INF eine
Abschlußinspektion durchführen, um zu
gewährleisten, daß keinerlei iNF-relevante Handlungen mehr stattfinden.
Gewisse
Unterstützungsgebäude,
wie
etwa früher zum Abstellen von SS-20Transportfahrzeugen benutzte Garagen
oder gehärtete Silos, die zur Lagerung amerikanischer
GLCMs dienten,
können für andere Zwecke beibehalten
werden. Jede Seite wird jedoch während der nächsten 13 Jahre das Recht
auf kurzfristig anberaumte Inspektionen vor Ort besitzen, um sicherzustellen, daß diese Gebäude und alle
früher benutzten Einrichtungen keine
INF-relevanten Aufgaben erfüllen.
- Sind die von den Sowjets gelieferten Daten vollständig, folgerichtig und im Einklang mit den
von unserer Aufklärung erbrachten
Schätzungen in bezug auf die vertraglich begrenzten Systeme und
Aktivitäten?
Wiederum
ist die
Antwort ja.
Zusätzlich gewährt
uns der Vertrag das Recht, Grundinspektionen
in
allen
sowjetischen
Stationierungs- und
Unterstützungsei nrichtungen
durchzuführen, um die Richtigkeit dieser Daten zu verifizieren.
- Bestehen in der Vertragssprache
erhebliche
Doppeldeutigkeiten,
Lücken oder andere Regelungen,
die in Zukunft zu Debatten über
Bedeutung
und Auslegung
führen
könnten?
Notwendigerweise
ist
der INF-Vertrag lang und komplex
und umfaßt viele Einzelvorschriften. Es ist uns heute unmöglich,
alle
zukünftigen
Eventualitäten
vorauszusehen.
Aus diesem Grund
enthalten alle Rüstungskontrollverträge Regelungen für künftige
Konsultationen, um möglicherweise
auftauchende
Unstimmigkeiten
zu
klären.
In den Jahren der Ver-

tragserstellung wurden jedoch erhebliche Bemühungen unternommen,
um den Text so präzise und frei
von Vertragslücken zu gestalten
wie möglich.
- Besteht
eine wirksame
Regelung
für vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Einrichtungen?
Ja, zwar
keine perfekte, aber eine wirksame. Eine perfekte Regelung würde
jederzeitige und sofortige vorOrt-Inspektionen
überall
erfordern, ohne daß die Inspektion vom
Inspektionsort
abgelehnt
werden
kann. Wie Gaffney weiß, hat die
Administration
eine
solche Art
von Regelung während des vergangenen
Jahres eingehend
geprüft
und dann entschieden, daß es für
das vorliegende Abkommen unnötig
und sogar den amerikanischen Sicherheitsinteressen
abträglich
wäre,
sowjetischen
Inspektoren
solch unbegrenzten Zugang zu unseren
sicherheitsempfindlichsten
Einrichtungen zu gestatten.
Wir haben also kurzfristige vorOrt-Inspektionen ehemaliger INF-Stationierungs- und
Unterstützungseinrichtungen angestrebt und erreicht,
darunter die dauernde Beobachtung der
Ausgänge der Einrichtung, in der die
Montage der SS-20 stattfand, sowie
besondere Maßnahmen zur Verbesserung
unserer Fähigkeit, mit Aufklärungssatelliten die SS-25-Stützpunkte zu
überwachen, in denen illegale Aktivitäten
am
leichtesten
durchgeführt
werden könnten.
Wenn wir vermuten,
daß illegale Aktivitäten andernorts
stattfinden, so können wir die Sowjets in der vertraglich eingerichteten Besonderen Verifizierungskommission zur Rede stellen und Beweise dafür verlangen, daß unser Verdacht unbegründet ist.
Ist

dies

für

uns

eine Garantie,

�daß die Sowjets nicht an einem anderen Ort ihres Territoriums eine INFRakete verbergen können? Nein. Aber
sie können solche Raketen nicht erproben, sie können kein Betriebspersonal ausbilden oder die StützpunktInfrastruktur
unterhalten, die für
ihre Unterstützung benötigt wird, da
wir all dies mit hoher Wahrscheinlichkeit entdecken würden, ohne diese Mittel könnten die Sowjets jedoch
keine militärisch bedeutsame Fähigkeit aufrechterhalten.
Dies ist die
Definition wirksamer Verifizierung.
Noch ein letzter Punkt.
Gaffney
behauptet, aufgrund des durch einen
willkürlich
festgesetzten
Stichtag
entstandenen Zeitdrucks gefährde die
Administration ihre Bemühungen. Tatsächlich ist die von mir soeben geschilderte Verifizierungsregelung das
Ergebnis
sorgfältig
erwogener Vorschläge der Vereinigten Staaten, die
innerhalb der amerikanischen Regierung eingehend geprüft und mit den
Sowjets in den vergangenen Monaten
ausgehandelt wurden.
Die erhebliche
Bewegung, die in den letzten Wochen
in der Verifizierungsfrage stattfand,
bestand in der sowjetischen Annahme
unseres Vorschlags von Abschlußinspektionen, der sowjetischen Annahme
unserer Quote für kurzfristig anberaumte vor-Ort-Inspektionen und der
sowjetischen Zustimmung zu der von
uns vorgeschlagenen Methode der Überwachung ihrer ehemaligen Einrichtung
zur Endmontage der SS-20.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

9. Dezember 1987

43

KSZE-BILANZ DES WARSCHAUER PAKTS NOCH "VOLLER MÄNGEL"
- Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur
Anwendung der KSZE-Verpflichtungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem HalbJahresbericht der amerikanischen Regierung
über die Einhaltung der von der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) auferlegten Verpflichtungen zufolge weist die Akte des
Warschauer Pakts über Menschenrechte und wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz
einiger "positiver Tendenzen" insgesamt gesehen noch "zahlreiche Unzulänglichkeiten" auf.

Der Bericht stellte fest, daß sowjetischen Bürgern heute aufgrund von
"Glasnost" - der von der sowjetischen
Führung eingeleiteten Politik der Offenheit - bessere Möglichkeiten eingeräumt werden, ihrer Meinung über
offizielle wie auch inoffizielle Kanäle Ausdruck zu verleihen.
Ferner
wurde hervorgehoben, daß dem Ostblock
die
Sicherheitsverpflichtungen
der
KSZE zwar verwirkliche, sich dabei
jedoch buchstabengetreu an "den Wortlaut des Stockholmer Dokuments von
1986" hielt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der
23. Halbjahresbericht, den
der Präsident der amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vorlegte, enthält
eine Übersicht über die Durchführung
der KSZE-Grundsätze vom 1. April 1987
bis zum 1. Oktober 1987.
Der Zweck des Berichts ist, der
Kommission
bei ihrer
Aufgabe der
Überwachung und Ermutigung der Einhaltung der Schlußakte von Helsinki
und des Schlußdokuments von Madrid
behilflich
zu sein.
Die Berichte
sind zentraler Bestandteil der Bemü-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hungen der amerikanischen Regierung,
Fortschritte wie auch Unzulänglichkeiten bei der Verwirklichung der
KSZE-Zielsetzungen zu bewerten, die
in Verbesserung der Sicherheit, Erweiterung der Zusammenarbeit, Bildung
gegenseitigen Vertrauens und der Förderung der Menschenrechte bestehen.
Der
Halbjahresbericht
stellt
fest, daß die Schlußakte von Helsinki
ein "dauerhaftes Gefüge für die 35
Mitgliedstaaten darstellt, in dessen
Rahmen sie an der Lösung der humanitären, wirtschaftlichen, politischen,
wissenschaftlichen und militärischen
Probleme arbeiten, die Europa teilen.
Die Schlußakte mißt der Tatsache besondere Betonung bei, daß jeder Bereich den gleichen Stellenwert bei
der Verwirklichung des Ziels echter
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einnimmt".
"Das Ziel der westlichen Welt bestand stets in der Erhaltung und Verstärkung dieses Prozesses durch eine
gründliche Überprüfung der Anwendung
der Schlußakte von Helsinki und des
Schlußdokuments
von
Madrid
sowie
durch die Erarbeitung eines Konsens
über
ausgewogene
und
konstruktive
Schritte nach vorne."
In seiner Ansprache vor der KSZEPlenarsitzung am 23. Juni 1987 unterstrich der amerikanische Stellvertretende Außenminister John C. Whitehead
die Position der Vereinigten Staaten,
daß Sicherheit mehr als nur eine Frage des militärischen Gleichgewichts
bedeute.
Menschenrechte und Grundfreiheiten seien ebenso unerläßliche
Bestandteile
der
Sicherheitsgleichung.
Whitehead stellte besonders
die sowjetische Bereitschaft zur Einhaltung all ihrer Verpflichtungen aus
der Schlußakte von Helsinki in Frage.
Nachdem er eine Analyse der von Fortschritten und Mängeln gekennzeichne-

ten
Bereiche
vorgenommen
hatte,
schloß er mit der Feststellung, daß
die Bilanz unter dem Strich noch immer nicht zufriedenstellend sei.
Nachfolgend geben wir Kapitel
des Berichts im Wortlaut wieder:

1

Die Schlußakte der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stellt ein dauerhaftes
Gefüge für die 35 Mitgliedstaaten
dar, in dessen Rahmen sie an der Lösung der humanitären, wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen
und militärischen Probleme arbeiten,
die Europa teilen.
Die Schlußakte
mißt der Tatsache besondere Bedeutung
bei, daß jeder Bereich den gleichen
Stellenwert
bei der
Verwirklichung
des Ziels echter Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einnimmt. Das
Ziel
der
westlichen
Welt
bestand
stets in der Erhaltung und Verstärkung
dieses
Prozesses
durch
eine
gründliche Überprüfung der Anwendung
der Schlußakte von Helsinki und des
Schlußdokuments
von
Madrid
sowie
durch die Erarbeitung eines Konsens
über
ausgewogene
und
konstruktive
Schritte nach vorne.
Die Schlußakte trägt der Tatsache
Rechnung, daß Folgetreffen für die
Aufrechterhaltung der Verfügungen von
Helsinki als nachdrückliches Mittel
zur Bewältigung der Probleme in Europa unerläßlich sind. Die dritte dieser
Uberprüfungskonferenzen,
das
KSZE-Folgetreffen in Wien, begann am
4. November 1986.
Bei dem zweiten Folgetreffen, das
vom 11. November 1980 bis zum 9. September 1983 in Madrid stattfand, wurde ein Schlußdokument verabschiedet,
mit dem die ursprüngliche Schlußakte
von Helsinki aus dem Jahr 1975 bestätigt und weiter erläutert wurde. In
den Bereichen Menschenrechte, Gewerk-

- 2 -

�zu diplomatischen Missionen und Konsulaten sowie Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung wurden entscheidende
neue Verfügungen aufgenommen.
Der vorliegende ist der 23. Halbjahresbericht, den der Präsident der
amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gemäß den Verfügungen des Öffentlichen
Rechts 94 - 304 vom 3. Juni 1976 vorgelegt hat.
Er enthält eine Übersicht über die Anwendung der KSZEGrundsätze vom 1. April 1987 bis zum
1. Oktober 1987. Die Berichte sind
zentraler Bestandteil der Bemühungen
der amerikanischen Regierung, Fortschritte wie auch Unzulänglichkeiten
bei der Verwirklichung der KSZE-Zielsetzungen zu bewerten, die in Verbesserung
der Sicherheit, Erweiterung
di-r Zusammenarbeit, Bildung gegenseitigen Ver'-.rauens und der Förderung
der Menschenrechte bestehen.

Übersicht über die Anwendung
Obwohl die Warschauer-Pakt-Staaton einige entscheidende Schritte unternahmen und positive Tendenzen vorherrschten, weist die Bilanz dieser
Regierungen im Hinblick auf die Einhaltung ihrer KSZE-Verpflichtungen in
den
Bereichen
Menschenrechte
und
wirtschaftliche
Zusammenarbeit
noch
gravierende Mängel auf. Der Ostblock
führte die von der KSZE auferlegten
Sicherheitsverpflichtungen
zwar
durch, hielt sich dabei jedoch buchstabengetreu an den Wortlaut des Dokuments von Stockholm aus dem Jahr
1986.
im internationalen Bereich stellte die Fortführung des Krieges gegen
das Volk von Afghanistan eine offene
Verletzung der Grundprinzipien dar,

den.
(Obwohl die Sowjets zu verstchenen gegeben haben, daß eine grundsätzliche Entscheidung zum Abzug sowjetischer
Truppen aus Afghanistan
getroffen worden ist, haben sie bei
den Annäherungsgesprächen der Vereinten Nationen bisher keinen annehmbaren Zeitplan für den Rückzug vorgelegt).
Die Sowjetunion hat diese
Grundsätze ferner durch die anhaltende
Unterstützung
der
Besetzung
Kamputscheas durch Vietnam und den
vietnamesischen Krieg gegen den Widerstand in Kamputschea untergraben.
Im Inland befand sich die Menschenrechtspolitik
im Zeitraum der
Berichterstattung im Fluß.
Während
sich die Situation in einigen Bereichen entscheidend verbesserte, hielten die Menschenrechtsverletzungen an
und der strukturelle und rechtliche
Apparat, durch den offizielle Repression erst möglich gemacht wird, bestand unverändert fort.
Die
Kampagne
der
sowjetischen
Führung für mehr Offenheit (Glasnost)
und eine "Demokratisierung" der sowjetischen
Gesellschaft
schuf neue
Möglichkeiten für die Bürger der Sowjetunion, ihrer Meinung über offizielle und inoffizielle Kanäle Ausdruck zu verleihen und gab den Anstoß
zu einer möglichen zukünftigen Lockerung der Gesetzgebung und anderen Reformen.
Es wurden weiterhin einige
politische
Gefangene
freigelassen.
Dennoch war diese Zeit auch von anhaltender Mißhandlung politischer Gefangener
und Unterdrückung
weniger
bekannter Nationalisten und religiöser
Aktivisten gekennzeichnet.
Da
die sowjetischen Behörden scheinbar
eher geneigt waren, einige Formen abweichender Meinungen zu tolerieren,
nahm die Zahl von Demonstrationen,
Petitionen und Protestschreiben zu.

- 3 -

�Während einige Demonstrationen friedlich vonstatten gehen konnten, wurden
andere gewaltsam aufgelöst, die Demonstrationsteilnehmer
festgenommen,
zum Teil geschlagen und häufig einem
Verhör unterzogen.
Entscheidende
Verbesserungen
in
der sowjetischen Politik konnten im
Bereich
der
Familienzusammenführung
beobachtet werden, obwohl Problembereiche weiterhin bestanden. Die Zahl
jüdischer
Auswanderer
erhöhte sich
beträchtlich und einigen schon seit
langem vergeblich um Ausreise nachsuchenden Juden wurde die Ausreise gestattet.
Dennoch warten auch heute
noch zahlreiche sowjetische Juden auf
die Ausreisegenehmigung. Auch im Bereich der Fälle amerikanisch-sowjetischer "getrennter Familien" wurden
Fortschritte erzielt
und ein entscheidender Sinneswandel konnte der
Tatsache entnommen werden, daß die
Mehrzahl der von der amerikanischen
Botschaft in Moskau bearbeiteten Einreiseanträge nicht auf der amerikanischen Liste stand, da den Antragstellern die Ausreisegenehmigung bereits bei ihrem ersten Antrag bei den
sowjetischen Behörden erteilt wurde.
Im Verlauf der vergangenen sechs Monate erhöhte sich die zahl der Personen, die Einreisevisa in die Vereinigten Staaten erhielten, um 200 Prozent und die Zahl derjenigen, denen
von
der
Amerikanischen
Botschaft
Flüchtlingsstatus
zuerkannt
wurde
(von denen 90 Prozent Armenier waren)
um nahezu 1 000 Prozent.
Die sowjetischen Behörden unterwarfen Reisen außerhalb des Landes
weiterhin strengen Beschränkungen, in
zwei Bereichen konnte während dieser
Zeit jedoch eine bemerkenswerte Lokkerung
beobachtet werden:
einigen
Sowjetbürgern wurde die Reise ins
Ausland
zum Besuch von Verwandten
nicht nur ersten Grades sondern auch

entfernterer Verwandter gestattet und
einigen wurde die Reise in die Vereinigten Staaten erlaubt, um Verwandte zu besuchen, die aus der Sowjetunion mit der Genehmigung ausgereist
waren, nach
Israel zu emigrieren,
beim Verlassen der UdSSR jedoch die
Vereinigten Staaten als Ziel wählten.
In den sowjetischen Medien wurden
zunehmend Informationen aus dem Ausland veröffentlicht bis hin zu Artikeln von amerikanischen Kommentatoren
und amerikanisch-sowjetischen Konferenzschaltungen
im
Fernsehen,
die
Diskussionen zwischen Amerikanern und
Sowjets zum Inhalt hatten.
Die sowjetischen Medien brachten auch Interviews sowie Meinungsumfragen amerikanischer
Regierungsvertreter
und
veranstalteten Pressekonferenzen für
sie.
Unter den übrigen Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts war die Anwendung der von der KSZE verfügten Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte unterschiedlich.
In einigen
Ländern konnten Verbesserungen beobachtet werden, aber die Lage ist insgesamt gesehen noch immer nicht zufriedenstellend.
Die Errungenschaften
der rumänischen Regierung im Bereich der Menschenrechte
blieben
hinter
ihren
KSZE-Verpflichtungen
zurück, obwohl
sich die Gesamtzahl der in die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik
Deutschland
und Israel
emigrierten
Rumänen erhöhte. Reisen aus dienstlichen Gründen waren weiterhin erschwert.
Einige
wissenschaftliche
Experten erhielten die Ausreisegenehmigung nur unter größten Schwierigkeiten und die rumänische Regierung
hielt die Zahl der Teilnehmer an mit
Reisen verbundenen kulturellen Austauchprogrammen nach wie vor begrenzt.

- 4 -

�In dieser Zeit gab die Behandlung
der Gläubigen in Rumänien für die
Vereinigten Staaten Anlaß zu größten
Bedenken.
Besonders
besorgniserregend waren die fortgesetzte Zerstörung von Kirchen und nicht erfüllte
Verpflichtungen zum Wiederaufbau oder
zur Renovierung von Kirchen. Angehörige
"nicht anerkannter" Glaubensrichtungen meiden weiterhin die Öffentlichkeit
und
so blieben ihnen
außergewöhnliche Verfolgung und Benachteiligungen erspart.
Veröffentlichungen antisemitischen Inhalts in
der Presse wurden nicht festgestellt.
Die baptistische Generalunion erhielt
5 000 anstelle der 10 000 versprochenen Cornilescu-Bibeln.
Es wurden zwar keine neuen politischen Gerichtsverfahren beobachtet,
aber dennoch gab es einige Fälle, in
denen Rumänen aus politischen Gründen
verhaftet wurden. Ion Puiu, der ehemalige Leiter der verbotenen rumänischen nationalen Bauernpartei, wurde vor dem Besuch von Generalsekretär
Gorbatschow
festgenommen und mußte
anscheinend
vor seiner
Freilassung
einige Wochen
in Haft verbringen.
Ein rumänischer Bürger wurde festgenommen und anschließend inhaftiert,
weil er versucht hatte, vor der Amerikanischen Botschaft für verstärkte
Wahrung der Menschenrechte zu demonstrieren.
Rumänien setzte seine Bestrebungen zur Kontrolle und Einflußnahme
auf die Medien fort, bis hin zu den
Schriften kurzfristig im Lande weilender westlicher Journalisten.
Die
Regierung reagierte auf Kritik von
außen höchst empfindlich, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der
ungarischen Minderheit. Einigen amerikanischen und europäischen Korrespondenten wurde die Einreise nach Rumänien während des Besuchs von Generalsekretär Gorbatschow verweigert.

Obwohl in Polen keine Abkehr von
den Zeiten der Amnestie des Jahres
1986 bekannt wurde, blieb das unsichere Patt zwischen Regierung und Opposition bestehen.
Oppositionsgruppen waren geteilter Meinung darüber,
ob politische Gefangene weiterhin in
Haft seien.
Es lagen jedoch keine
Berichte vor, daß Personen länger als
48 Stunden aus politisch motivierten
Gründen
festgehalten
wurden.
Die
Verfolgung führender Oppositioneller
durch die Regierung wurde in Form von
beträchtlichen Geldstrafen und Festnahmen bis zu 48 Stunden fortgesetzt.
"Warngespräche", in denen man die Anführer vor den Konsequenzen der Teilnahme
an
kontroversen
Aktivitäten
warnte, wurden ein zunehmend verbreitetes Mittel, Widerspruch im Keim zu
ersticken. Viele der Oppositionellen
blieben
als
Ergebnis
ihrer
politischen Aktivitäten un- oder unterbeschäftigt.
Während des Papstbesuchs im Juni,
an den Feiertagen 1. und 3. Mai sowie
am 31. August, dem Jahrestag der Unterzeichnung der Gdansker Vereinbarungen, veranstaltete die Opposition
große Demonstrationen.
Das vorgehen
gegen diese Demonstrationen seitens
der Behörden unterschied sich beträchtlich von Stadt zu Stadt. Viele
Aktivisten behaupten, die Polizei habe besonders in kleinen Städten, die
westlichen
Beobachtern
nicht
so
leicht zugänglich waren, unverhältnismäßige Gewalt angewendet.
Der
Konsultativrat
des Staatsratsvorsitzenden trat während des Berichtszeitraums
zweimal
zusammen.
Obwohl es schwierig ist, eine direkte
Verbindung zwischen seinen Debatten
und staatlichen Handlungen herzustellen, haben die Behörden doch einige
Schritte
unternommen, um
von
den
Ratsmitgliedern angesprochene Bedenken zu behandeln.
Im Januar 1988

- 5 -

�wird ein Gesetz in Kraft treten,
durch das ein Vertrauensmann, genannt
"Sprecher für die Rechte der Bürger",
eingesetzt
wird.
Dieser Ombudsman
soll angeblich die Macht besitzen,
juristische Verfahren zu überprüfen
und die Verfassungsmäßigkeit polnischer Gesetze anzufechten.
Die
katholische
Kirche
bildet
weiterhin die einzige große und mächtige unabhängige Institution in Polen
und handelt als energischer Anwalt
der Menschenrechte und der Assoziationsfreiheit.
Kirche und Behörden
arbeiteten bei der Vorbereitung des
Papstbesuchs im Juni eng zusammen.
Im Vergleich zu den anderen Staaten des Warschauer Pakts ist die Menschenrechtslage in Ungarn weiterhin
von einem relativ geringen Ausmaß an
Repression
gekennzeichnet.
Im Berichtszeitraum wurde eine große Zahl
freier Stellen in kirchlichen Hierarchien mit staatlicher Zustimmung umgehend neu besetzt.
Einige Problembereiche blieben jedoch bestehen. So
wurden
einigen Oppositionellen
die
Pässe zunächst verweigert und dann,
nach Einsprüchen, für wesentlich kürzere Auslandsaufenthalte
als beantragt gewährt.
In einem Fall wurde
ein Bürger durch die Verweigerung eines passes und die spätere Genehmigung mit einer Gültigkeit von nur
drei Monaten daran gehindert, einer
Einladung zu einer einjährigen Lehrtätigkeit
an
einer
amerikanischen
Universität nachzukommen.
Einige
Untergrundzeitungen
(Samisdat) konnten weiterhin mit geringfügigen
Behinderungen
arbeiten,
während
Herausgeber
und Vertreiber
anderer Samisdat-Schriften in regelmäßigen Abständen Hausdurchsuchungen,
Geldstrafen und der Beschlagnahme von
Druckpressen, Material und Druckerzeugnissen ausgesetzt waren.
- 6

In der Deutschen Demokratischen
Republik wurde positive Bewegung in
bezug auf die Freiheit von Bürgern,
in den Westen zu reisen, sowie bei
den Beziehungen zwischen Staat und
Kirche festgestellt.
Die Gesamtsituation bei den Menschenrechten, den
Grundfreiheiten und humanitärer Zusammenarbeit
blieb eindeutig unbefriedigend.
Kontakte
mit
Bürgern
westlicher Staaten, die Familienzusammenführung, binationale Ehen, Auswanderung und Reisen in den Westen
bleiben für die meisten DDR-Bürger
schwierige Unterfangen.
Die in den vergangenen beiden
Jahren
feststellbaren
Erleichterung
bei Reisebeschränkungen durch die DDR
gestatteten einer Rekordzahl von DDRBürgern im Jahr 1986 Reisen in den
Westen.
Gleichzeitig ist die Zahl
derjenigen, denen die Auswanderung
gestattet wurde, beträchtlich gesunken.
Sollte der gegenwärtige Trend
anhalten, wird
die Gesamtzahl der
Auswanderer im Jahr 1987 nicht einmal
die Hälfte des Standes vom Vorjahr
erreichen.
Das Auswanderungsverfahren bleibt willkürlich; nur einem
Bruchteil
der
Auswanderungswilligen
ist dies gestattet worden, und viele
Antragsteller
sind
Strafmaßnahmen
ausgesetzt, die von Schikanierung bis
Inhaftierung reichen.
Bei der Bewachung der streng gesicherten Grenze seitens der DDR wurde keine Lockerung beobachtet. Trotz
der Errichtung eines ausgeklügelten
Frühwarnsystems, wie schon im vorigen
Halbjahresbericht
erwähnt, gibt es
immer noch vereinzelte Fälle einer
gelungenen Flucht. Die Zahl erfolgloser Fluchtversuche unterliegt der
Mutmaßung.
Im Licht der Feiern zum
750jährigen Bestehen Berlins und des
Honecker-Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland schien es, als ob
die Behörden die Grenztruppen ange-

�wiesen hätten, nicht mehr das Feuer
auf Flüchtlinge zu eröffnen, ausgenommen bei Flüchtlingen aus Militär
und Polizei oder im Fall eines bewaffneten Angriffs.
Der letzte bekannte Gebrauch von Schußwaffen ereignete sich am 29. Juli.
In bezug auf die freie Religionsausübung
konnten
mehrere
positive
Entwicklungen
beobachtet
werden.
Große Versammlungen von Protestanten
und Katholiken fanden im Berichtszeitraum in Berlin und Dresden statt.
Nicht nur unternahmen die Behörden
keinerlei Versuch zur Störung dieser
Veranstaltungen, sie stellten dafür
sogar logistische Unterstützung bereit.
Beiden Veranstaltungen wurde
sowohl in der Berichterstattung der
staatlichen Medien als auch in der
ausländischen Presse breiter Raum gegeben.
Zum ersten Mal seit 1967 hat
die jüdische Gemeinde der DDR einen
eigenen Rabbi.
Im Juli verkündete die DDR aus
Anlaß des 38. Jahrestags ihrer Gründung am 7. Oktober 1949 die Freilassung nahezu aller inhaftierten in einer allgemeinen Amnestie, die vom 12.
Oktober bis 12. Dezember 1987 durchgeführt werde. Es wird erwartet, daß
praktisch alle politischen Gefangenen
in diesem Herbst freigelassen werden.
Es ist unklar, ob einer bedeutenden
Zahl von ihnen die baldige Ausreise
in die Bundesrepublik Deutschland gestattet werden wird. Bei vielen war
die Inhaftierung aufgrund von Ausreisebemühungen erfolgt.
Die Anwendung der KSZE-Bestimmungen durch die Tschechoslowakei war in
den vergangenen sechs Monaten durch
bescheidene
Verbesserungen
gekennzeichnet,
insgesamt bleiben jedoch
ernste Mängel bestehen.
Die Gewissensfreiheit ist weiterhin stark eingeschränkt, und die Verfolgung poli-

tischer, religiöser und kultureller
Aktivisten dauert an. Die Regierung
hielt offen am Verbot der Mitgliederwerbung für bestimmte Gruppen fest
(z. B. die Zeugen Jehovas) und intervenierte willkürlich in das Wirken
aller anderen religiösen Vereinigungen.
Obwohl den theologischen Seminaren weiterhin eine größere Zahl von
Einschreibungen gestattet wurde, werden sie nicht in der Lage sein, mit
der Zahl ausscheidender Priester mithalten zu können.
Die Genehmigung
eines Priesters kann jederzeit und
ohne
Erklärung
widerrufen
werden.
Das Angebot religiöser Literatur ist
unzureichend, und die Regierung bekämpft
aktiv
alle
Bemühungen,
es
durch Drucken
im "Untergrund" und
nichtgenehmigte Einfuhren aufzustokken.
Die politische und kulturelle Unterdrückung
hielt an.
Das Prager
Stadtgericht hat z. B. die Urteile
gegen die Führung der Jazz-Sektion
vom 10. - 11. März bestätigt.
Von
den fünf Verurteilten ist der Vorsitzende der Sektion, Karel Srp, weiterhin in Haft. Vladimir Kouril wurde
nach Verbüßung seiner Strafe Anfang
Juli entlassen. Die Urteile der anderen
Vorstandsmitglieder
Josef
Skalnik, Tomas Kriwanek und cestmir
Hunat - wurden zur Bewährung ausgesetzt.
Die harte Linie des Staates
gegen
unabhängige
Kulturinitiativen
ist in diesem Zeitraum nicht konseguent durchgeführt worden. Bestimmte
unabhängige Kulturveranstaltungen und
Kunstausstellungen
fanden
ungestört
statt; andere wurden von der Polizei
aufgelöst.
Im Fall der Jazz-Sektion
nahmen Vertreter des Kultusministeriums Verhandlungen mit Vertretern der
Jazz-Sektion im Hinblick auf die Möglichkeit der Gründung einer neuen,
beiderseits annehmbaren Organisation
auf, um sie zu ersetzen.

- 7 -

�In den Handlungen der bulgarischen Regierung zur Durchführung ihrer Verpflichtungen
im Rahmen der
KSZE wurde kein wesentlicher Wandel
festgestellt.
Sie
hielt
an
der
Praxis politischer Maßnahmen zur Verweigerung und Unterdrückung der ethnischen Identität der türkischen Minderheit in diesem Land fest, durch
die die freie Religionsausübung gehemmt und regimefeindliche Meinungen
mißbilligt und unter Strafe gestellt
werden.
Mehrere Fälle von Familientreffen
und -zusammenführung
wurden
positiv gelöst, obwohl in einigen anderen Fällen erhebliche Verzögerungen
bei der Ausstellung von Reisedokumenten auftraten, nachdem im Prinzip positive
Entscheidungen
angekündigt
worden waren.
Mehrmals wurde von
amerikanischen
Bürgern
bulgarischer
Abstammung berichtet, denen das Visum
zum Besuch Bulgariens verweigert wurde, obwohl vielen ehemaligen Bulgaren
gestattet
worden
ist, besuchsweise
zurückzukehren.
Trotz vermehrten Redens über und
einigen Beispielen von Glasnost dauerte die strenge Kontrolle der Medien
und
des
Informationsflusses
durch
Partei und Staat großenteils unvermindert an.
Die Arbeitsbedingungen
ausländischer
Journalisten
waren
schwierig, im Vergleich zum vorigen
Berichtszeitraum
waren
sie
jedoch
durch geringfügige Verbesserungen gekennzeichnet. Fortschritte wurden im
Bereich der bilateralen Kulturbeziehungen erzielt. Dies wird durch ein
amerikanisch-bulgarisches
Abkommen
zum Kulturaustausch betont, in dessen
Rahmen der Austausch einer amerikanischen Design-Ausstellung und einer
Ausstellung bulgarischer Grafik Ende
1987 stattfinden wird.
Die Bilanz der Sowjetunion und
der Staaten Osteuropas bei der Anwendung von Korb II blieb weiterhin un-

zureichend.
Die andauernde unterdurchschnittliche Wirtschaftsleistung
führte zu Bemühungen, die Produktivität zu verbessern.
Die Sowjets und
einige osteuropäische Staaten zeigten
großes Interesse an wirtschaftlicher
Umstrukturierung.
Die sich daraus
ergebenden Veränderungen zielten darauf
ab,
westliche
Investitionen,
Technologie und Managementfähigkeiten
zu erlangen und nicht darauf, die
allgemeinen
wirtschaftlichen
Bedingungen zu verbessern.
Die Bilanz bei wirtschaftlichen
Kontakten und Einrichtungen war uneinheitlich.
Die verschiedenen Reorganisationen
in Handels- und Wirtschaftsministerien führten zu einer
Verwirrung
von
Verantwortlichkeiten
und behinderten dadurch den Zugang zu
Endverbrauchern. Die zahl und Qualität von Hotelunterkünften und anderen
Einrichtungen erhöhte sich allgemein,
allerdings entsprachen die geforderten Preise denen in bedeutenden Industriestädten
der wichtigsten westlichen Länder.
Bei der Verfügbarkeit und Qualität von Wirtschafts- und Handelsinformationen
war
keine Verbesserung
festzustellen, und die
Forderungen
nach Gegengeschäften
wurden
weiter
hochgeschraubt. Diese Forderung wurde durch die Förderung von Gemeinschaftsunternehmen
begleitet.
Vom
Osten als Weg zur Erlangung westlicher
Investitionen und
Technologie
ohne die Verpflichtung zur Zahlung in
Hartwährungen angesehen, bieten die
Gemeinschaftsunternehmen
westlichen
Firmen immer noch nicht die Sicherheit, Möglichkeit zum Gewinntransfer
oder andere wirtschaftliche Anreize,
die notwendig sind, um diese Unternehmen attraktiv zu machen.
Das Interesse
sammenarbeit
in

- 8 -

an verstärkter
Wissenschaft

Zuund

�Technik blieb groß, und die Zahl bilateraler Abkommen erhöhte sich weiter. Obwohl die Sowjets und Osteuropäer ein wachsendes Bewußtsein für
Umweltprobleme demonstrierten, trugen
sie selbst sehr wenig zur Verbesserung der sich rapide verschlechternden Situation bei.
Im Bereich der Sicherheit war die
anfängliche Bilanz der Durchführung
der
detaillierten
Regelungen
des
Stockholmer Dokuments durch den Osten
ermutigend.
Obwohl
in dieser Anfangsphase der Anwendung von allen
Teilnehmerstaaten
einige
technische
Schwierigkeiten festgestellt wurden,
entsprach die östliche Praxis dem
Wortlaut und in einigen Fällen auch
dem Geist des Stockholmer Dokuments.
Im Berichtszeitraum wurden alle Vorschriften des Dokuments, einschließlich des Rechts auf Inspektion vor
Ort, erfüllt.

Das Wiener KSZE-Folgetreffen
Das dritte Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, das am 4. November
1986 in Wien eröffnet wurde, dauerte
auch nach dem vorgesehenen Abschlußtermin am 31. Juli 1987 noch an.
Die
bedeutendsten
Entwicklungen
des Wiener Treffens im Berichtszeitraum fanden während der dritten Runde
vom 5. Mai bis 31. Juli statt. Die
teilnehmenden Staaten unterbreiteten
weiterhin Vorschläge, und es wurden
Anstrengungen
unternommen, mit der
Erstellung eines Entwurfs für das
Schlußdokument zu beginnen. Bis zum
1. Oktober wurden
im Verlauf des
Treffens 152 Vorschläge auf den Verhandlungstisch gelegt.
Ein wichtiger Schritt wurde unternommen, als der Westen am 10. Juli

seinen Vorschlag für Sicherheitsverhandlungen vorlegte.
Der westliche
Vorschlag sieht zwei unterschiedliche
Verhandlungen im Rahmen des KSZE-Prozesses vor:
1) Die Wiederaufnahme
von Verhandlungen zwischen allen 35
Teilnehmerstaaten, die auf den Ergebnissen der Stockholmer Konferenz über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen aufbauen und diese erweitern soll; 2) davon unabhängige Verhandlungen zwischen den 23 Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer
Pakts mit dem Ziel, konventionelle
Stabilität in Europa auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau
zu
erreichen,
informelle Gespräche über
ein Mandat
für autonome Gespräche
über konventionelle Stabilität zwischen den Mitgliedern von NATO und
Warschauer Pakt finden gegenwärtig in
Wien statt und haben schon Fortschritte erbracht.
Fortschritte bei Korb II (Wirtschaftsfragen) wurden in der dritten
Runde nur schleppend erzielt. Obwohl
die formellen Sitzungen in Wien von
Forderungen der Staaten des Warschauer Pakts durchsetzt waren, man solle
mit der Ausarbeitung eines Entwurfs
für
das
Schlußdokument
beginnen,
blieben
bedeutende
Meinungsunterschiede zu Handel und industrieller
Kooperation bestehen.
Man hatte gehofft, daß der Osten
mit der Unterbreitung des westlichen
Sicherheitsvorschlags beginnen würde,
sich ernsthaft den westlichen Vorschlägen zum menschlichen Aspekt zu
widmen.
Bedauerlicherweise war dies
nicht der Fall. In der dritten Runde
blieben die Positionen von Ost und
West
beim
gesamten
Spektrum
von
Schlüsselfragen weit voneinander entfernt, insbesondere im Hinblick auf
menschliche
Begegnungen und
Fragen
der Menschenrechte.
Die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner haben -

- 9 -

�mit erheblicher Unterstützung einiger
neutraler und blockfreier Staaten weiterhin Probleme der Vertragseinhaltung betont und die Notwendigkeit
positiver Handlungen zu deren Beseitigung hervorgehoben, einschließlich
eines glaubwürdigen Mechanismus zur
Institutionalisierung notwendiger Reformen.
Die Diskussion über den sowjetischen Vorschlag zur Veranstaltung
einer Konferenz über humanitäre Zusammenarbeit in Moskau als Teil der
Folgeveranstaltungen nach Wien wurde
weitergeführt.
Die NATO-Länder einschließlich der Vereinigten Staaten
bekräftigten ihre Forderung an die
Sowjets, glaubwürdige Garantien des
Zugangs und der Offenheit für jeden
anzubieten, der an der Teilnahme an
einem solchen Treffen Interesse bekundet, darunter auch Einzelpersonen,
Vertreter nichtstaatlicher Organisationen und der Presse.
Der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter Warren Zimmermann, stellte eine Reihe sehr präziser Fragen zu Zugang und Offenheit,
insbesondere zu den folgenden Bereichen:
Freizügigkeit
innerhalb der
UdSSR für sowjetische Bürger, die an
dem Treffen teilzunehmen wünschen;
Teilnahme der sowjetischen HelsinkiBeobachter; Teilnahme
ausländischer
Menschenrechtler, darunter auch ehemalige sowjetische Bürger; Organisierung öffentlicher und privater Treffen und Aktivitäten; Zugang sowjetischer
Bürger
zu
Delegationen,
nichtstaatlichen
Organisationen
und
Journalisten sowie Gewährung von Unterkunft, Büroräumen, Kommunikationseinrichtungen
usw. für nichtstaatliche Organisationen und die Presse.
Am
Ende
des
Berichtszeitraums
hatte die sowjetische Delegation noch
keine
detaillierten
Antworten
auf
- 10

diese Fragen erteilt.
Die Vereinigten Staaten bekräftigten außerdem das
Kriterium, daß die Sowjets ihr Verhalten im Bereich der Menschenrechte
erheblich verbessern muß, bevor Moskau als glaubwürdiger Bewerber um die
Ausrichtung eines solchen Treffens in
Betracht gezogen werden kann.
Der
stellvertretende
Außenminister Whitehead war der ranghöchste
amerikanische Besucher des Treffens
im Berichtszeitraum. Er hielt am 23.
Juni eine Ansprache vor dem Plenum.
Whitehead betonte den Standpunkt der
Vereinigten Staaten, daß Sicherheit
wesentlich umfassender ist als lediglich
die
Frage
des
militärischen
Gleichgewichts;
die
Menschenrechte
und
Grundfreiheiten
bilden
ebenso
wichtige
Bestandteile
des
Sicherheitsproblems.
Insbesondere stellte
Whitehead
die
sowjetische
Bereitschaft zur Einhaltung all ihrer in
Helsinki eingegangenen Verpflichtungen in Frage.
In einer kritischen
Würdigung der von Fortschritten und
Mängeln gekennzeichneten Bereiche gelangte er zu dem Schluß, daß die Bilanz insgesamt nocht unbefriedigend
sei.
Nach einer Sommerpause begann die
vierte Runde am 22. September in der
Hoffnung, daß ernsthafte Bemühungen
für den Entwurf eines Schlußdokuments
zu Anfang dieser Runde die Beendigung
des Wiener Treffens bis Jahresende
erlauben würde.
Von neutralen und
blockfreien Koordinatoren vorgelegte
Kompromißpapiere
lieferten
zusammen
mit noch nicht endgültig ausformulierten Entwürfen und Vorschlägen eine solide Grundlage für ernsthafte
Verhandlungen
über
den
Text
des
Schlußdokuments. Aufgrund der östlichen Hinhaltetaktik wurden jedoch in
Menschenrechtsfragen
praktisch
keinerlei Fortschritte erzielt, obwohl
Sprachregelungen zu Sicherheitsfragen

�erarbeitet wurden.
Dem amerikanischen
Standpunkt
zufolge
muß
das
Schlußdokument ein Gleichgewicht in
jeder Dimension widerspiegeln - in
der sicherheitspolitischen, der wirtschaftlichen
und der menschlichen.
Die vereinigten Staaten sind darauf
eingerichtet, solange zu bleiben, wie
es nötig ist, um von den Staaten des
Ostens im Bereich der Menschenrechte
und Grundfreiheiten eine verbesserte
Vertragseinhaltung
und
erweiterte
Verpflichtungen zu erlangen.

- 11 -

�;£D S&gt;

%

'**" &lt;£

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

9. Dezember 1987

43

HOFFNUNG AUF AUSROTTUNG DER FLUSSBLINDHEIT
Neues Medikament könnte Infektionskette blockieren -

WASHINGTON - (AD) - Mit dem Medikament Ivermectin (Handelsname: Mectizan)
hofft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die zweite und zugleich wichtigste
Front zur Bekämpfung der Onchozerkose, der sogenannten Flußblindheit, aufbauen
zu können. Wie WHO-Generalsekretär Dr. Halfdan Mahler kürzlich bekanntgab,
werde Ivermectin, nachdem es offiziell zugelassen wurde, jetzt von der Herstellerfirma für geeignete WHO-Programme weltweit kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das amerikanische Arzneimittelunternehmen Merck, Sharpe &amp; Dohme in
Rahway (New Jersey) entschloß sich
angesichts der wirtschaftlichen und
geographischen Gegebenheiten für die
ca. 30 Länder der Dritten Welt, unter
deren Bevölkerung die Wurmkrankheit
Onchozerkose endemisch ist, zu diesem
spektakulären Schritt. In seinen Labors wurde 1975 die wirksame Verbindung entdeckt und in der Zwischenzeit
zum anwendungsreifen Präparat weiterentwickelt; es lähmt die im menschlichen Körper vagabundierenden Parasiten, tötet die Larven ab und unter-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bindet weitgehend die Fortpflanzung
der Knäuelfilarien.
Nach erfolgreicher
klinischer
Erprobung
im Jahr
1986 wurden in diesem Jahr erste
größere Feldversuche in einigen Gebieten Afrikas durchgeführt.
Schon seit 13 Jahren bemüht sich
die WHO, unterstützt vor allem durch
die Vereinigten Staaten, mit Insekten- und Larvenvernichtungsprogrammen
um die Ausrottung der Überträger der
Parasiten, die die verheerende Krankheit
beim
Menschen
hervorrufen.
"Schwarze Fliege" nennen die Bewohner

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Flußniederungen in den am meisten
betroffenen
Gebieten
Afrikas
die
Kriebelmücke (Simulium), die zur Regenzeit das Unheil bringt. Mit dem
Stich blutsaugender Weibchen gelangen
die Larven der Onchozerken in den
menschlichen Körper. In mehreren Monaten wachsen die Larven zu Fadenwürmern (Filarien) heran, die zunächst
das Bindegewebe und später auch Muskeln befallen.
Männliche und weibliche Würmer (letztere werden bis zu
50 cm lang) sammeln sich zu Knäueln
und bilden Knoten unterschiedlicher
Größe insbesondere in der Haut. Die
millionenfachen
Nachkommen
(Mikrofilarien) suchen vorzugsweise das unterhautgewebe auf, wo sie stark jukkende Entzündungen verursachen.
sie
sind dort nach ca. 18 Monaten nachweisbar.
Auf dem Lymphwege gelangen
die Filarien in die Augen.
So kann
es schon bei Kindern zu Bindehautund Hornhautentzündungen kommen. Mit
der Zeit bilden sich im Auge Vernarbungen und Wucherungen, als sekundäre
Folgen ergeben sich Glaukom und grauer Star.
Die Erblindung im frühen
Erwachsenenalter ist dann nicht mehr
aufzuhalten.
An dieser "Krankheit des armen
Mannes", wie Flußblindheit in Afrika
auch genannt wird, leiden - in verschiedenen Stadien - 18 bis 20 Millionen Menschen auf der Welt.
Auf
etwa 340 000 wird die Zahl der unheilbar Erblindeten, auf fast ebenso
viele die Zahl der jährlichen Neuinfektionen geschätzt. Nach Erhebungen
der WHO sind in Gebieten mit starkem
Befall im Durchschnitt 15 Prozent der
Dorfbewohner
blind.
Gefährdet
ist
vor allem die Bevölkerung in tropischen und tropennahen Regionen Westund Zentralafrikas, Mittel- und Südamerikas und des Mittleren Ostens.
Mancherorts ist es noch immer ein gewohntes Bild, daß sich ausgemergelte
Gestalten, von einem Kind geführt und

mit langen Stöcken eine Kette bildend, zur Arbeit auf die Felder tasten.
Fruchtbare Flußniedrungen sind
in einigen Gebieten entvölkert, die
Dörfer verlassen, weil ihre Bewohner
sich vor der schwarzen Fliege in Sicherheit zu bringen suchten.
Verständlich, daß Senator Edward
Kenney, der die Entwicklung von Ivermectin seit Jahren mit besonderem Interesse verfolgte, das inzwischen Erreichte als "Erhörung eines Gebetes
für die Dritte Welt" bezeichnete.
Denn im Gegensatz zu den beiden anderen bisher eingesetzten Medikamenten
(Diäthylcarbamazin und Suramin) mit
ihren oft äußerst schwerwiegenden Nebenwirkungen, die ohnehin eine Anwendung
vielerorts unmöglich machten,
sind solche Probleme bei Ivermectin
ausgeschaltet.
Das Medikament wird
eingenommen, im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Präparaten genügen
zwei Dosen pro Jahr.
Ein wichtiges
Ergebnis der Feldversuche:
innerhalb
weniger Tage kann sich die zahl der
im Hautgewebe festgestellten Mikrofilarien auf weniger als zehn Prozent
verringern.
Erkrankte vermag ivermectin nicht
zu heilen, aber es dünnt zum mindesten die Infektionskette aus, könnte
sie vielleicht sogar
unterbrechen.
Diese ergibt sich aus dem Umstand,
daß Kriebelmücken beim Blutsaugen am
Menschen auch Mikrofilarien aufnehmen.
Die Insektenbekämpfungsaktionen
erweisen sich, wie bei der Malariabekämpfung
auch, als
immer
weniger
wirksam, weil die Parasitenüberträger
in vielen Gebieten Resistenz gegen
die Insektizide entwickelten.
Dr. Mahler hofft, daß bis zum
Jahr 2000 die Flußblindheit durch die
Kombination von Pestiziden und dem
neuen Medikament weitgehend ausgerottet werden kann. "Meist sind es ex-

�trem arme und oft ganz abgelegene Gebiete, wo die Krankheit
endemisch
ist", sagte Merck-Vorstandsvorsitzender Dr. P. Roy Vagelos. "Das erfordert besondere Initiativen und Großaktionen im öffentlichen Gesundheitswesen." Während sein Unternehmen das
Medikament zur Verfügung stelle, hätten sich internationale Gesundheitsorganisationen
und die
Regierungen
der einzelnen Länder um die Verteilung zu kümmern.
Letztere würden
aufgefordert, bei einer unabhängigen
Uberprüfungskommission
Vorschläge
über die Einrichtung von Verteilungssystemen und die Anwendung von Iver, mectin in ihren Gesundheitsprogrammen
• einzureichen.
Bei der Durchführung
seien sie der Unterstützung durch die
WHO sicher. In den USA wurden im August 1987 für die AID (US-Behörde für
Internationale
Entwicklung)
bereits
vier Millionen Dollar zur Ausarbeitung eines Verteilersystems für die
bedürftigsten Gebiete bewilligt.
Wie Dr. Mahler berichtete, werden
Feldversuche mit Ivermectin im großen
Maßstab in 12 Ländern West- und Zentralafrikas sowie Mittelamerikas in
Zusammenarbeit mit Merck fortgesetzt.
Sie sollen u.a. mögliche Nebenwirkungen erfassen helfen, wofür 2,5 Millionen Dollar bereitgestellt werden.
Besonderes Augenmerk gelte dabei der
Anwendung bei Schwangeren und bei
stillenden Müttern sowie bei Kindern
unter 12 Jahren. An den Ergebnissen
orientierten
sich die
Empfehlungen
der WHO an ihre Mitgliedstaaten für
den wirksamsten
Einsatz des Medikaments.

* * * * * *
- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: aus Vision wurde Realität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerikaner und Sowjets teilen "Gemeinsamen Traum vom Frieden"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bei INF-Vertrag keine "Auszeit" nötig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul H. Nitze &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KSZE-Bilanz des Warschauer Pakts noch "voller Mängel"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur Anwendung der KSZEVerpflichtungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoffnung auf Ausrottung der Flußblindheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Medikament könnte Infektionskette &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;blockieren&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7-oN

1 6 . Dezember 1987

44

I N H A L T
DOKUMENTATION
Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden
- Gemeinsame AbSchlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reagan: 'Fortschritte* bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt
- Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des
Gipfeltreffens Enge Konsultationen mit den Europäern über INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag
- Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technische Vorvereinbarungen über Raumstation
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST y
VON

*

Dokumentation
16.

44

. '87

VERHANDLUNGEN ÜBER STRATEGISCHE WAFFEN SOLLEN INTENSIVIERT WERDEN
Gemeinsame ^bsch'ußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow -

WASHINGTON - (AD) Präsident Reagan und Generalsekretär Gc
Ihr Washingtoner Gipfeltreffen mit einem Appell an ihre unterhandlet in Genf
abgeschlossen, die Arbeiten an einem Vertrag zur 50prozentige i Reduzierung
strategischer Raketen "zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen, am best-n
zeitig genug, um den Vertrag in der ersten Hälfte des Jahres 198(3 "u unt\e\zeichnen".
lachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Schlußerklärung

Der
Präsident
der
Vereinigten
Staa'-.en
von
Amerika,
Ronald
w.
Reagan, und der Generalsekretär des
Zentralkomitees
der
Kommunistischen
Partei der Sowjetunion, Michail S.
Gorbatschow, haben sich vom 7. bis
10. Dezember 1987 in Washington getroffen.
Teilnehmer an diesem Treffen waren auf amerikanischer Seite Vizepräsident George Bush; Außenminister
George
P. Shultz; Verteidigungsminister Frank c. carlucci; Stabschef
Howard H. Baker; Präsidentenberater

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in fori lau :

General Colin L. Powell; d-sr E i
des
Außenminist&lt;:. riums ,
Bouschaf t*.-1
Max M. Kampelman,- der Botschafter Z'.r
besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in
Riistungskontrollf ragen,
Paul H. Nitze; der Sonderberater d' s
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontroi 1fragen,
Botschaft-t
Edward L. Rowny; der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe, Jr. ; der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Ja;:k
F. Matlock; die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Angelegenheiten im
Rozanne L. Ridgway.

Außenministerium,

Auf
sowjetischer
Seite
nahmen
teil:
Das Mitglied des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister Eduard A. Schewardnadse; das
Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
jakowlew;
Sekretär
des
Zentralkomitees der KPdSU Anatoli F. Dobrynin;
der Stellvertretende Vorsitzende des
Ministerrates der UdSSR, Wladimir M.
Kamenzew; der Chef des Generalstabs
der Streitkräfte der UdSSR und Erste
Stellvertretende Minister für Verteidigung der UdSSR, Marschall Sergej F.
Achromejew; der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatoli S. Tschernajew; der
Leiter der Allgemeinen Abteilung des
Zentralkomitees der KPdSU, Waleri I.
Boldin; der Stellvertretende Außenminister
der
UdSSR,
Alexander
A.
Bessmertnich;
der
Botschafter
der
UdSSR in den Vereinigten Staaten von
Amerika, Juri V. Dubinin; das Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR, Viktor P. Karpow;
der Botschafter zur besonderen Verwendung, Alexei A. Obukov.
In Verlauf des offiziellen Besuchs, der während des Genfer Treffens der beiden Staatsmänner im November 1985 vereinbart worden war,
hielten der Präsident und der Generalsekretär
umfassende
und detaillierte Gespräche über das gesamte
Spektrum der beide Länder betreffenden Fragen ab, darunter die Reduzierung von Waffen, Menschenrechte und
humanitäre Fragen, die Beilegung regionaler Konflikte und die bilateralen Beziehungen. Die Gespräche waren
offen und konstruktiv und spiegelten
sowohl
die
fortbestehenden
Unterschiede zwischen beiden Seiten wider
als auch ihr Verständnis dafür, daß

diese Unterschiede keine unüberwindlichen Hindernisse für Fortschritte
in Bereichen beiderseitigen Interesses darstellen.
Sie bekräftigten ihr starkes Engagement für einen aktiven, die ganze
Bandbreite des Verhältnisses umfassenden Dialog.
Beide Staatsmänner unterzogen die
bis jetzt bei der Verwirklichung der
in Genf und Reykjavik vereinbarten
breitgefächerten Tagesordnung erzielten Fortschritte einer Überprüfung.
Sie waren besonders zufrieden über
den Abschluß bedeutender Vereinbarungen in einigen Bereichen dieser Tagesordnung in den vergangenen zwei
Jahren.
Der Präsident und der Generalsekretär bekräftigten die grundsätzliche
Bedeutung ihrer Treffen in Genf und
Reykjavik, bei denen das Fundament
für konkrete Schritte in einem Prozeß
gelegt wurde, durch den die strategische Sicherheit verbessert und das
Konfliktrisiko
verringert
werden
soll. Sie werden sich weiterhin von
ihrer ernsthaften Überzeugung leiten
lassen, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.
Sie sind entschlossen, jeden Krieg zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, ob nuklear oder konventionell,
zu verhindern. Sie werden nicht nach
militärischer Überlegenheit streben.
Beide Staatsmänner erkannten die
besondere Verantwortung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an,
nach realistischen Wegen zur Verhinderung einer Konfrontation zu suchen
und ein dauerhafteres und stabileres
Verhältnis zwischen ihren Ländern zu
fördern. zu diesem zweck vereinbarten sie, den Dialog zu intensivieren
und aufkommende Tendenzen zu kon-

�struktiver
Zusammenarbeit
in allen
Bereichen ihrer Beziehungen zu ermutigen, sie sind davon überzeugt, daß
sie damit auch, gemeinsam mit anderen
Nationen, zu einer Zeit zum Aufbau
einer sichereren Welt beitragen werden, in der die Menschheit in das
dritte Jahrtausend eintritt.

I.

RÜSTUNGSKONTROLLE

Der INF-Vertrag
Die
beiden Staatsmänner
unterzeichneten den Vertrag über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer Reichweite zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.
Dieser vertrag ist von historischer Bedeutung sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer ganzen Kategorie amerikanischer
und sowjetischer
Atomwaffen
- als
auch wegen des innovativen Charakters
und Umfangs seiner Verifizierungsbestimmungen.
Diese gemeinsame Errungenschaft leistet einen erheblichen
Beitrag zu größerer Stabilität.

Die Verhandlungen über Nuklear- und
Weltraumwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär diskutierten die Verhandlungen
über Reduzierungen der strategischen
Offensivwaffen.
Sie nahmen die erheblichen Fortschritte zur Kenntnis,
die im Hinblick auf den Abschluß eines Vertrages zur Durchführung des
Prinzips einer 50prozentigen Reduzierung erzielt wurden.
Sie vereinbarten, ihre Verhandlungsführer in Genf
zu instruieren, auf die Fertigstellung des Vertrages zur Reduzierung
und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen und aller damit verbundenen Dokumente zum frühestmöglichen

Zeitpunkt
hinzuarbeiten, am
besten
zeitig genug, um den Vertrag während
des
nächsten
Treffens
der
beiden
Staatschefs in der ersten Hälfte des
Jahres 1988 zu unterzeichnen. In Anerkennung der Tatsache, daß Bereiche
der Übereinstimmung wie auch unterschiedlicher Meinungen detailliert im
gemeinsamen Vertragstext-Entwurf enthalten sind, vereinbarten sie, ihre
Unterhändler anzuweisen, die Lösung
dieser Fragen innerhalb des gemeinsamen
Vertragstext-Entwurfs
zu
beschleunigen, darunter die frühzeitige
Übereinkunft
über Vorschriften
für
die wirksame Verifizierung.
Dabei
sollten
die
Unterhändler
auf den Vereinbarungen über eine 50prozentige Reduzierung aufbauen, die
in Reykjavik erzielt und anschließend
weiterentwickelt
wurden
und
sich
jetzt in den vereinbarten Teilen des
gemeinsamen
START-Vertragstext-Entwurfs widerspiegeln, der in Genf entwickelt wird, darunter die Übereinkunft über Obergrenzen von maximal
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen,
6 000
Gefechtsköpfen,
1 540 Gefechtsköpfen auf 154 schweren
Raketen; darunter die vereinbarte Regel über den Nachweis für schwere
Bomber und deren nukleare Bewaffnung
sowie eine Vereinbarung, daß als Ergebnis der Reduzierungen das gesamte
Wurfgewicht der ICBMs und SLBMs der
UdSSR auf ein Niveau verringert wird,
das etwa 50 Prozent unter dem derzeitigen Stand liegt und daß dieses Niveau von keiner Seite überschritten
wird.
Eine solche Vereinbarung wird
in beiderseitig befriedigender Weise
festgehalten.
Die folgenden Fragen sollten
vordringlich behandelt werden:

als

(a) Die zusätzlichen
Schritte,
die notwendig sind, um sicherzustellen, daß die Reduzierungen die stra3 -

�tagische Stabilität verbessern werden.
Dazu wird eine Obergrenze von
zusammengenommen 4 900 Gefechtsköpfen
auf ICBMs und SLBMs innerhalb der Gesamtobergrenze von 6 000 gehören.
(b) Die Regeln zur Ermittlung der
Zahl von atomar bewaffneten luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs)
langer
Reichweite, die
jedem
Typ
schwerer
Bomber
zugeordnet
werden
kann.
Die Delegationen sollen konkrete Regeln in diesem Bereich definieren.
(c) Die Regeln zur Ermittlung der
Anzahl
existierender
ballistischer
Raketen.
Die Seiten gehen von der
Annahme aus, daß die bestehenden Typen ballistischer Raketen mit der
folgenden
Zahl
von
Gefechtsköpfen
stationiert sind. In den Vereinigten
Staaten:
Peacekeeper
(MX):
10;
Minuteman III: 3; Minuteman II: 1;
Trident I: 8; Trident II: 8; Poseidon: 10. In der Sowjetunion: SS-17:
4; SS-19: 6; SS-18: 10; T.S-24: 10;
SS-25: 1; SS-11: 1; SS-13: 1; SS-N-6:
1; SS-N-8: 1; SS-N-17: 1; SS-N-18: 7;
SS-N-20: 10 und SS-N-23: 4. Es werden Verfahren entwickelt werden, um
die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe
auf stationierten
ballistischen Raketen jedes Typs sicherzustellen. Falls eine der Seiten die
Anzahl der für einen Typ ballistischer Raketen gemeldeten Gefechtsköpfe ändert, werden beide Seiten
sich gegenseitig vorab informieren.
Es soll außerdem eine Übereinkunft
darüber geben, wie Gefechtsköpfe auf
künftigen Typen ballistischer Raketen, die von dem Vertrag über die Reduzierung und Begrenzung der Strateyischen Offensivwaffen erfaßt werden,
gezahlt werden.
(d) Die Parteien sollen eine beiderseitig annehmbare Lösung in der
Frage der Begrenzung der Stationie-

rung von weitreichenden atomar bewaffneten SLCMs finden.
Solche Begrenzungen werden nicht die Zählung
der weitreichenden nuklear bewaffneten SLCMs innerhalb der Grenzen von
6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen
offensiven
Trägersystemen
berühren.
Beide Parteien verpflichteten sich, obergrenzen für solche
Raketen festzusetzen und beiderseitig
annehmbare und wirksame Methoden zur
Verifizierung solcher Grenzen anzustreben, zu denen die Verwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen und Inspektionen vor
Ort gehören könnten.
(e) Aufbauend auf den Bestimmungen des Vertrags über die Beseitigung
ihrer Raketen mittlerer und kürzerer
Reichweite sollen zu den Maßnahmen,
mit deren Hilfe die Vorschriften des
Vertrags über die Reduzierung und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen
verifiziert
werden
können,
mindestens gehören:
1. Austausch von Daten, darunter
Erklärungen jeder Seite über zahl
und Standort der vertraglich begrenzten Waffensysteme
und der
Einrichtungen,
in denen
solche
Systeme sich befinden sowie Benachrichtigungen in angemessener
Form.
Zu diesen
Einrichtungen
gehören Standorte und Einrichtungen zur Produktion und Endmontage, Lagerung, Erprobung und Stationierung von durch diesen Vertrag erfaßten Systemen.
Solche
Erklärungen werden zwischen beiden Seiten vor der Vertragsunterzeichnung ausgetauscht und nach
seinem
Inkrafttreten
in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben.
2. Grundinspektionen, um diese
Angaben sofort nach Inkrafttreten
des Vertrages zu verifizieren.

�8. Maßnahmen zur verbesserten Beobachtung von Aktivitäten zur Reduzierung und Beschränkung strategischer
Offensivwaffen
durch
Nationale Technische Mittel. Dazu würden die Offenlegung von
vertraglich beschränkten Objekten
auf
Raketenbasen,
Bomberstützpunkten und U-Boothäfen an Orten
und zu Zeiten, die von der inspizierenden Partei gewählt werden
können, zählen.

3. Vor-Ort-Beobachtung
der zur
Erreichung der vereinbarten Grenzen notwendigen Vernichtung strategischer Systeme.
4.
Ständige
Vor-Ort-Uberwachung
der
unmittelbaren Umgebung
und
der Ein- und Ausgänge wichtiger
Produktions- und
Unterstützungseinrichtungen,
um
den
Ausstoß
dieser Anlagen zu bestätigen.
5. kurzfristig anberaumte Inspektion vor Ort von:
(i) bekanntgegebenen
Standorten
während des Prozesses der Reduzierung auf vereinbarte Grenzen;
(ii) Standorten, in denen von
diesem Vertrag betroffene Systeme
nach Erreichung der vereinbarten
Grenzen verbleiben;
(iii) Standorte, in denen sich
solche
Systeme
früher
befanden
(bekanntgegebene ehemalige Standorte) .
6. In Einklang mit vereinbarten
Verfahrensweisen
das Recht zur
Durchführung
kurzfristig
anberaumter Inspektionen von Standorten, an denen von einer Seite die
potentielle verdeckte Stationierung, Produktion, Lagerung oder
Instandsetzung strategischer Offensivwaffen vermutet wird.
7. Regelungen für das Verbot der
Tarnung oder anderer Handlungen,
durch die die Verifizierung durch
nationale technische Mittel
behindert wird.
Solche Vorschriften würden ein verbot der Verschlüsselung telemetrischer Daten
beinhalten
sowie
vollständigen
Zugang zu allen während eines Raketenfluges
gesendeten
telemetrischen Daten gewährleisten.

Die
Staatsmänner
beider
Länder
trugen den Vorbereitungen des Vertrages über Strategische Offensivwaffen Rechnung und wiesen ihre Delegationen in Genf an, ein Abkommen auszuarbeiten, mit dem beide Seiten sich
verpflichten, den ABM-Vertrag, so wie
er im Jahr 1972 unterzeichnet wurde,
einzuhalten und gleichzeitig ihre erforderliche
Forschung,
Entwicklung
und Erprobung fortzuführen, wie sie
der ABM-Vertrag gestattet und sich
für einen bestimmten Zeitraums nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.
intensive Diskussionen über die Stabilität im strategischen Bereich sollen
nicht später als drei Jahre vor Ende
des zu bestimmenden Zeitraum beginnen, und danach wird jede Seite vorbehaltlich anderslautender beiderseitiger Vereinbarungen - den weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten frei
bestimmen können.
Eine solche Vereinbarung muß denselben rechtlichen
Status haben wie der Vertrag über
Strategische Offensivwaffen, der ABMVertrag und ähnliche, rechtsverbindliche Abkommen. Dieses Abkommen wird
auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Art und Weise aufgezeichnet
werden.
Deshalb weisen beide Seiten
jetzt
ihre Delegationen an, diese
Fragen vorrangig zu behandeln.
Beide Seiten sollen bei der Entwicklung
der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen

- 5 -

�Bereich Möglichkeiten zur Sicherstellung der Berechenbarkeit unter der
Bedingung
strategischer
Stabilität
diskutieren, um das Risiko eines Nuklearkrieges zu verringern.

Andere Rüstungskontrollfragen
Der Präsident und der Generalsekretär haben eine große Bandbreite anderer Fragen der Rüstungsbegrenzung
und -reduzierung
besprochen.
Beide
Seiten betonten die Bedeutung produktiver Verhandlungen zu Fragen der Sicherheit und von Fortschritten in den
wichtigsten Bereichen der Rüstungsbegrenzung und -reduzierung durch beiderseitige, verifizierbare Abkommen,
die Sicherheit und Stabilität verbessern.
Atomtests
Beide Statsmänner begrüßten die
am 9. November 1987 erfolgte Aufnahme
umfassender,
stugfenweiser
Verhandlungen im Einklang mit der am 17.
September 1987 in Washington abgegebenen gemeinsamen Erklärung der Aussenminister der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.
Die amerikanische und die sowjetische Seite sind
übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
schrittweise Verhandlungen aufzunehmen, die in einem einzigen Forum
durchgeführt werden. Bei diesen Verhandlungen werden sich beide Seiten
als ersten Schritt auf wirkungsvolle
Verifizierungsmaßnahmen einigen, die
eine Ratifizierung des amerikanischsowjetischen
Schwellenvertrages
von
1974 und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 ermöglichen werden, weitere Verhandlungen
über
unmittelbare
Beschränkungen bei Atomtests vorantreiben, die schließlich zum Endziel ei-

ner
vollständigen
Einstellung
von
Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Rüstungskontrollprozesses führen
werden. Mit diesem Prozeß würde unter anderem als erste Priorität das
Ziel einer Reduzierung von Nuklearwaffen und letztlich deren Abschaffung verfolgt. zum Zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die amerikanisch-sowjetischen Verträge von 1974 und 1976
beabsichtigen beide Seiten die Planung
und
Durchführung
gemeinsamer
Versuche zur Verifizierung auf dem
Testgelände der jeweils anderen Seite.
Diese
Verifizierungsmaßnahmen
werden
in angemessenem Umfang bei
weiteren Beschränkungen von Atomtests
verwendet werden, die in Zukunft erzielt werden können.
Die beiden Staatsmänner begrüßten
ebenfalls
die prompte Vereinbarung
beider Seiten für einen Austausch von
Experten zum Besuch des Testgeländes
der jeweils anderen Seite im Januar
1988 und zur Ausarbeitung und späteren Durchführung
eines Gemeinsamen
Versuchs zur Verifizierung auf dem
jeweils
anderen
Testgelände.
Die
Richtlinien für das Experiment sind
in der Erklärung des amerikanischen
und des sowjetischen Außenministers
vom 9. Dezember 1987 niedergelegt.
Beide Staatsmänner verwiesen auf die
Bedeutung dieser Vereinbarungen für
die Entwicklung wirkungsvollerer Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken von 1976.

Nichtverbreitung von Kernwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär
bestätigten das
fortdauernde
Engagement
der vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion für die Nichtver-

�breitung nuklearer Waffen und insbesondere für die Stärkung des Atomwaffensperrvertrages.
Beide
Politiker
drückten
ihre Befriedigung
darüber
aus, daß sich sei" ihrer letzten Zusammenkunft auch andere Parteien an
den Vertrag gehalten haben und bekräftigten erneut ihre Absicht, gemeinsam mit anderen Staaten zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen,
um eine allseitige Einhaltung des
Vertrages herbeizuführen.
Der Präsident und der Generalsekretär bekundeten ihre Unterstützung
der internationalen Zusammenarbeit im
Bereich der nuklearen Sicherheit und
der
Bemühungen
zur
Förderung
der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
unter verstärktem schütz der IAEO und
angemessener
Exportkontrollen
für
nukleare
Materialien,
Geräte
und
Technologie.
Die
Politiker
sind
übereingekommen, daß bilaterale Konsu L1-. itionen über die Nichtverbreitung
konstruktiv und nützlich waren und
fortgeführt werden sollten.

Zentren
gerung

zur

nuklearen

Risikoverrin-

Beide Politiker begrüßten die am
15. September 198 7 in Washington erfolgte Unterzeichnung des Abkommens
zur Errichtung von Zentren zur nuklearen Risikoverringerung in ihren
Hauptstädten.
Das Abkommen wird unverzüglich verwirklicht werden.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner bekundeten ihr
Engagement für die Aushandlung einer
ver ifizierbaren, umfassenden und wirkungsvollen
internationalen
Konvention über das Verbot und die Zerstör m g chemischer Waffen.
Sie begrüßten den bisher erzielten Fortschritt

und bestätigten erneut die Notwendigkeit zu eingehenderen Verhandlungen
für den Abschluß einer wahrhaft weltweiten
und
verifizierbaren Konvention, an der alle Staaten, die chemische
Waffen
besitzen,
beteiligt
sind.
Die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion sprechen sich im Hinblick auf chemische Waffen sowohl auf
bilateraler als auch auf multilateraler Basis für größere Offenheit und
eingehendere
Vertrauensbildung
aus.
Sie haben vereinbart, regelmäßige Expertengespräche
über das wachsende
Problem der Verbreitung und Nutzung
chemischer Waffen fortzusetzen.

Konventionelle Streitkräfte
Der Präsident und der Generalsekretär haben die Bedeutung diskutiert,
die der Aufgabe zukommt, den Grad der
militärischen Konfrontation in Europa
im Bereich der Streitkräfte und d-^r
konventionellen
Waffen
abzubauen.
Beide Politiker sprachen sich für den
baldigen Abschluß der Arbeit in Wien
über das Mandat für Verhandlungen zu
diesem Thema aus, so daß zum frühestmöglichen
Zeitpunkt
substantielle
Verhandlungen im Hinblick auf die Erarbeitung konkreter Maßnahmen aufgenommen werden können.
Sie erkennen
ferner die Anwendung der Bestimmungen
der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa als
wichtigen Faktor zur Förderung der
gegenseitigen Verständigung und Verbesserung der Stabilität an und sprachen sich für die Fortführung und
Konsolidierung dieses Prozesses aus.
Der Präsident und der Generalsekretär
haben
vereinbart,
ihre
jeweiligen
Vertreter anzuweisen, die Anstrengungen zur Erlangung von Lösungen für
noch anstehende Probleme zu intensivieren.

- 7 -

�Ferner wären die wiener Verhandlungen (über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mitteleuropa) Gegenstand der Diskussion.

Folgetreffen der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa
Es wurde von beiden Seiten Entschlossenheit bekundet, gemeinsam mit
den anderen 33 Teilnehmerstaaten der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in
Europa
(KSZE),
die
Wiener KSZE-Folgekonferenz zu einem
erfolgreichen
Abschluß zu bringen,
der sich auf ausgewogene Fortschritte
in allen wichtigen Teilen der Schlußakte von Helsinki und des Madrider
Schlußdokuments gründet.

II. MENSCHENRECHTE UND
HUMANITXRE FRAGEN
Die Politiker führten eine eingehende und lebhafte Diskussion über
Menschenrechte und humanitäre Frage
und deren Stellenwert im amerikanischen-sowjetischen Dialog.

III. REGIONALE FRAGEN
Der Präsident und der Generalsekretär führten eine umfassende, offene
und sachliche Diskussion über regionale Fragen, wie etwa Afghanistan,
den
iranisch-irakischen
Krieg, den
Mittleren Osten, Kambodscha, den Süden Afrikas, Mittelamerika und andere
Bereiche.
Sie
bekannten
sich
zu
ernsthaften Unterschieden, waren sich
jedoch über die Bedeutung ihres regelmäßigen Meinungsaustausches einig.
Beide Politiker gingen auf die zunehmende Bedeutung einer Beilegung regionaler Konflikte ein, um internationale Spannungen abzubauen und die

Ost-West-Beziehungen
zu
verbessern.
Sie vereinbarten, es solle das ziel
des Dialogs zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in diesen
Bereichen sein, die an diesen regionalen Konflikten beteiligten Parteien
bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen, die ihre Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit
fördern.
Beide Politiker
betonten
die Bedeutung einer Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen und anderer
internationaler Institutionen, um ZUi
Lösung
regionaler
Konflikte beizutragen.

IV. BILATERALE ANGELEGENHEITEN
Der Präsident und der Generalsekretär haben den Stand der bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in seinen
Einzelheiten besprochen. Sie erkannten den Nutzen einer fortgesetzten
Erweiterung und Stärkung von Kontakten, Austausch und Zusammenarbeit auf
bilateraler Ebene an.

Bilaterale Verhandlungen
Nach Prüfung des Standes der laufenden
Verhandlungen
zwischen
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bei einer Reihe besonderer bilateraler Fragen forderten beide Politiker zu eingehenderen Anstrengungen ihrer Vertreter auf, die darauf
abzielen, für beide Seiten vorteilhafte Abkommen in folgenden Bereichen
zu erlangen: Handelsschiffahrt, Fischerei, Seenotrettung, Radionavigationssysteme,
amerikanisch-sowjetische Seegrenzen und Zusammenarbeit
im Transportwesen
und anderen Bereichen.
Mit
Befriedigung
verzeichneten
sie ihre Übereinstimmung über den im

�Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Luftverkehrsabkommens erfolgten Ausbau
des
direkten
Passagierflugdienstes, einschließlich der gemeinsamen Bedienung der Linie New YorkMoskau durch pan American Airways und
Aeroflot sowie über Erneuerung des
amerikanisch-sowjetischen
Abkommens
über die Weltmeere.

Menschliche
programme

Kontakte

und

Austausch-

Beide
Politiker
verzeichneten
Fortschritte bei der Durchführung des
amerikanisch-sowjetischen Allgemeinen
Austauschabkommens in den Bereichen
Erziehung, Wissenschaft, Kultur und
Sport, das bei ihrem Genfer Treffen
im November 1985 unterzeichnet wurde,
und sie vereinbarten die Weiterführung von Bemühungen, um Hindernisse
für weitere Fortschritte in diesen
Bereichen zu beseitigen.
Sie drückten ihre Befriedigung darüber aus und
bekundeten ihre Absicht, im Januar
1988 gemeinsam den 30. Jahrestag des
ersten Austauschabkommens zu begehen.
Beide Politiker bestätigten die
Bedeutung
von
Kontakten
und
Austauschprogrammen zur Erweiterung der
Verständigung zwischen ihren Völkern.
Sie verzeichneten mit besonderer Befriedigung Fortschritte bei der Entwicklung menschlicher Kontakte, wie
sie im Rahmen der bei ihrem Genfer
Treffen von 1985 ins Leben gerufenen
Initiative erfolgten - ein Prozeß, an
dem in den vergangenen zwei Jahren
Zehntausende amerikanischer und sowjetischer
Bürger
beteiligt waren.
Die
Staatsmänner
bestätigten
ihren
anhaltenden Einsatz für den Ausbau
dieser Kontakte, auch im Bereich des
Jugendaustauschs.

Initiative zu weltweiten Klima- und
UmweltVeränderungen
Unter Bezugnahme auf die im November 1985 in Genf erzielte Übereinkunft zur Zusammenarbeit bei der Erhaltung der Umwelt haben beide Politiker eine bilaterale Initiative gebilligt, deren Rahmen gemeinsame Studien zu weltweiten Klima- und Umweltveränderungen mittels einer Zusammenarbeit in beide Seiten betreffenden
Bereichen unternommen werden sollten.
Darunter
Schutz
und Erhaltung des
stratosphärischen
Ozons
und
durch
verstärkten Datenaustausch gemäß dem
amerikanisch-sowjetischen
Umweltschutzabkommen und dem Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union Sozialistischer
Sowjetrepubliken über eine Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. in diesem Zusammenhang wird
eine eingehende Studie über das Klima
der Zukunft erstellt werden.
Beide
Seiten
werden weiterhin
umfassende
internationale und bilaterale Zusammenarbeit im zunehmend wichtigen Bereich
weltweiter
Veränderungen
von
Klima und Umwelt fördern.

Bereiche der Zusammenarbeit
Der Präsident und der Generalsekretär haben die weitere Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern
der
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion
und anderer Länder zur Nutzung der
kontrollierten thermonuklearen Fusion
zu friedlichen Zwecken unterstützt.
Sie bekräftigen die Absicht der Vereinigten Staaten und der UdSSR, unter
der Schirmherrschaft der internationalen Atomenergiebehörde mit der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM)
und Japan zusammenzuarbeiten, um im
Viererverbund das Konzept für einen
Test-Fusionsreaktor zu erarbeiten.

- 9 -

�Beide Politiker verzeichneten mit
Befriedigung die im Rahmen des bilateralen Abkommens über die friedliche
Nutzung
von
Kernenergie
erzielten
Portschritte
zur
Errichtung
einer
ständigen
Arbeitsgruppe
im Bereich
Sicherheit von Kernreaktoren, und
sie erklärten ihre Bereitschaft zur
Entwicklung einer weiteren Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Handel
Beide Seiten erklärten ihre einhellige Unterstützung für die Erweiterung
beiderseitig
vorteilhafter
Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen.
Sie haben ihre Handelsminister angewiesen, die amerikanisch-sowjetische
gemeinsame Wirtschaftskommission einzuberufen, um konkrete Vorschläge zur
Verwirklichung dieser Zielsetzung zu
entwickeln, auch im Rahmen des Langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union sozialistischer Sowjetrepubliken zur Förderung wirtschaftlicher,
industrieller und technischer Zusammenarbeit.
Beide Seiten kamen üborein, daß wirtschaftlich lebensfähige
Joint Ventures, die sich im Einklang
mit den Gesetzen und Verordnungen
beider Länder befinden, bei der weiteren Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle spielen könnten.

Der Präsident und der Generalsekretär
vereinbarten
die
Entwicklung
bilateraler
Zusammenarbeit
bei der
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels.
Sie kamen überein, daß
EU diesem Zweck zu Beginn des Jahres
1988 erste Konsultationen in angemessenem Rahmen stattfinden sollten.
Sie
vereinbarten
ferner,
auf
jüngsten Kontakten aufzubauen und eine wirkungsvollere Zusammenarbeit zu
entwickeln, um die Sicherheit des
Luft- und
Seeverkehrs
zu
gewährleisten.

Diplomatische Vertretungen
Beide
Politiker
tauschten
ihre
bnaiichten über Wege zur Förderung umFauaendei Kontakte und einer zusamiiMuuibftit in Beieichen aus, die die
aik'ischen Regionen betreffen.
Sie
erklärten ihre Unterstützung für die
Entwicklung einer bilateralen und regionalen Zusammenarbeit zwischen den
Ländern der arktischen Regionen in
Ji^sen Bereichen, einschließlich der
Koordination
der
wissenschaftlichen
Forschung und des Umweltschutzes in
der Region.

Beide Seiten waren sich über die
Bedeutung angemessener, sicherer Einrichtungen für ihre jeweiligen diplomatischen und konsularischen Vertretungen einig und betonten die Notwendigkeit, Probleme über die Funktionsweise von Botschaften und Generalkonsulaten konstruktiv und auf der Basis
der Gegenseitigkeit anzugehen.

V. WEITERE ZUSAMMENKÜNFTE

Beide Politiker begrüßten den Abschluß von Verhandlungen zur Instituilisieiung des von den Vereinig»•&lt;:!". Städten, der Sowjetunion, Franke n uud Kanada gemeinsam betriebe. ii we! Lraiimgeötützten weltweiten Bf—
kundungs- und
Rettungssystems

Der Präsident und der Generalsekretär kamen überein, daß offizielle
Kontakte auf allen Ebenen weiter ausgebaut und intensiviert werden sollten, mit dem Ziel der Herbeiführung
praktischer und konkreter Ergebnisse
in allen Bereichen des amerikanischsowjetischen Verhältnisses.

10 -

�Generalsekrtär
Gorbatschow
erneuerte die von ihm bereits beim
Genfer
Gipfeltreffen
an
Präsident
Reagan
ausgesprochene
Einladung
zu
einem Besuch der Sowjetunion.
Der
Präsident nahm dankend an.
Der Besuch wird in der ersten Hälfte dos
Jahres 1988 stattfinden.

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

16. Dezember 1987

44

REAGAN:

"FORTSCHRITTE" BEI GESPRXCHEN ÜBER START-VERTRAG ERZIELT

Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung vor der Abreise von Generalsekretär Gorbatschow aus Washington am 10. Dezember 1987 erklärt, das mit der Sowjetunion unterzeichnete INF-Abkommen "sollte als ein Anfang betrachtet werden, nicht als Ende". "Auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über strategische Waffen (START) sind einige Fortschritte erzielt worden. "
Bei derselben Gelegenheit erklärte Gorbatschow:
"Heute sind die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler Sicherheit nähergekommen.
Aber dieses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun."
Die Ansprachen Reagans und Gorbatschows haben folgenden Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Herr
Generalsekretär.
Die letzten Tage waren
in der Tat ereignisreich für uns beide wie auch für unsere Landsleute,
die dem Verlauf unserer Gespräche gefolgt sind.
Ich freue mich nach Erledigung unserer Tagesordnung berichten zu können, daß dieser Gipfel ein
klarer Erfolg gewesen ist. Wie der
Stern auf der Spitze des Weihnachtsbaums der Nation, dessen Licht seit
dem Abend Ihrer Ankunft, Herr Generalsekretär, leuchtet, so hat dieser
Gipfel den Horizont mit Hoffnung für
alle Menschen guten Willens erhellt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Es ist nun, da wir auseinandergehen,
die Aufgabe beider Seiten, sicherzustellen, daß der Glanz nicht verblaßt
und wir unsere Verpflichtungen weiterhin erfüllen, wenn wir die nächsten Schritte zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen unseren Ländern
und Völkern einleiten.
Ich bin überzeugt, daß sowohl der
Generalsekretär wie auch ich selbst
auf unsere Treffen mit dem Gefühl zurückblicken können, etwas erreicht zu
haben. Wir haben bewiesen, daß Gegner selbst angesichts grundsätzlicher

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�philosophischer
Unterschiede
offen
und
respektvoll
miteinander
reden
und, wenn sie ausdauernd genug sind,
Bereiche
der
Gemeinsamkeit
finden
können.
Wir haben die gewichtigen
Unterschiede, die zwischen uns stehen, nicht außer acht gelassen; viele
davon bleiben selbstverständlich weiterhin bestehen.
Einer meiner Vorgänger,
Präsident
Franklin
Roosevelt, hat einmal gesagt: "Geschichte kann nicht durch Wunschdenken umgeschrieben werden."
in diesem Geist
waren unsere Gespräche freimütig und
dazu
angetan,
einen
gedankenvolle
Meinungsaustausch über die entscheidenden uns bedrängenden Fragen zwischen unseren Regierungen zu eröffnen.
Unsere Gespräche über das Themas
Menschenrechte
haben
unterstrichen,
welchen Stellenwert wir in den westlichen Demokratien der Wahrung der
Grundfreiheiten beimessen.
Ich bin
befriedigt darüber, daß wir bei diesem Gipfel diesen Bereich tiefempfundener Bedeutung diskutiert und die
Fortführung des Dialogs über die Menschenrechte auf höchster Regierungsebene sichergestellt haben.
Unsere Diskussion der regionalen
Konflikte war nicht minder aufrichtig.
Diese Konflikte fordern immer
noch einen hohen Zoll an Menschenleben und bilden eine schwere Belastung
der Ost-West-Beziehungen.
Der Generalsekretär und ich nahmen dabei verschiedene Standpunkte ein - und zwar
unverblümt -, und allein aus diesem
Grund waren unsere Gespräche in diesem
Bereich
nützlich.
überdies
stimmten wir darin überein, daß es
notwendig ist, wahre politische Lösungen für diese Konflikte anzustreben. Bis jetzt können wir uns jedoch
nicht mit dem Erreichten zufrieden
geben. Wir müssen nun bei der Suche
nach politischen Lösungen vorwärtsdrängen, mit denen die Sache des

Friedens und der Freiheit für die unter diesen Kriegen leidenden Menschen
gefördert wird. Die Tür ist geöffnet
worden, und sie wird für ernsthafte
Gespräche über die Beendigung dieser
regionalen Konflikte offenbleiben.
Was
offene
Türen
angeht,
so
stimmten Herr Gorbatschow und ich darin überein, daß freiere und umfangreichere persönliche Begegnungen sowie der Abbau künstlicher Schranken
zwischen den Völkern der Sowjetunion
und
der
Vereinigten
Staaten
wünschenswert sind.
Wie ich in meiner
Begrüßungsansprache sagte, sollte die
Tatsache, daß zwischen unseren beiden
Regierungen Meinungsverschiedenheiten
bestehen, unsere Völker nicht davon
abhalten, Freunde zu sein.
Natürlich war die größte Errungenschaft dieses dreitägigen Treffens
die Unterzeichnung eines Vertrags zur
Beseitigung
einer
ganzen
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen.
Ein anderer meiner Vorgänger, ein Präsident, den ich seit meiner Jugend bewundere, nämlich Calvin
Coolidge, hat einmal gesagt:
"Geschichte wird nur durch Taten gemacht." Nun, es bedurfte enormer Anstrengungen und fast übermenschlicher
Ausdauer
seitens
der
Unterhändler
beider Parteien, aber das Endprodukt
ist ein Vertrag, der wirklich Geschichte machen wird.
Er liegt im
Interesse unserer beiden Völker, aber
ich kann nicht umhin, zu glauben, daß
die Menschheit insgesamt der große
Gewinner ist. Endlich haben wir damit begonnen, diese tödlichen Waffen
wirklich zu beseitigen, statt lediglich ihr Anwachsen zu begrenzen.
So stolz wir auf den INF-Vertrag
auch sind, sollte er als ein Anfang
betrachtet werden, nicht als Ende.
Weitere Reduzierungen von Waffen sind
jetzt möglich.
Ich freue mich, daß

�auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über die Reduzierung strategischer Waffen
in den vergangenen
drei Tagen einige Fortschritte erzielt wurden.
Einzelne Abkommen werden für sich
genommen nicht zu dauerhaftem Fortschritt führen.
Wir benötigen ein
realistisches Verständnis unserer gegenseitigen Absichten und Ziele, ein
Verfahren für die Behandlung von Meinungsverschiedenheiten in praktischer
und aufrichtiger Art und Weise, und
es erfordert Geduld, Kreativität und
Ausdauer, um das zu erreichen, wofür
wir uns auf den Weg gemacht haben.
Als ein Ergebnis dieses Gipfels wurde
der Rahmen für den Aufbau einer solchen Beziehung gestärkt.
Ich bin fest entschlossen, von
diesem Rahmen Gebrauch zu machen.
Mein Ziel - das meiner Meinung nach
auch das Ihre ist - liegt in einer
konstruktiveren
Beziehung
zwischen
unseren Regierungen - und zwar eher
in langfristigen denn in vorübergehenden
Verbesserungen.
Gemeinsam
können wir eine Zukunft für unsere
Völker schaffen, die von mehr Sicherheit und Wohlstand, und eine Welt,
die von mehr Frieden gekennzeichnet
ist. Wir sind uns beide der schwierigen Herausforderungen und der besonderen
Verantwortung
bewußt, die
diese Aufgabe mit sich bringt.
Während des Zweiten Weltkriegs,
als so viele junge Russen an der
Front
dienten, wurde
das
Gedicht
"Warte auf mich" zu einem Gebet auf
den Lippen der russischen Familien,
die den Tag herbeisehnten, an dem die
Familie glücklich wiedervereint wäre.
Die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt ist noch immer offen, Herr Generalsekretär.
Sie war
lange genug offen.

Herr Generalsekretär Gorbatschow,
Frau Gorbatschow.
Es war gut, daß
Sie nach Amerika gekommen sind.
Es
war eine Freude für meine Gattin und
für mich, Sie hier empfangen zu dürfen.
Ihr Besuch war von kurzer Dauer, aber ich hoffe doch, daß Sie ein
besseres Verständnis des Geistes und
Wesens der Vereinigten Staaten mit
nach Hause nehmen und wenn sie nach
Moskau zurückkehren, wäre ich Ihnen
dankbar, wenn Sie dem sowjetischen
Volk
die
besten
Wünsche
für
ein
friedliches
und erfolreiches
neues
Jahr
von unserem Volk
übermitteln
würden.
Vielen Dank und gute Reise.

Generalsekretär
Gorbatschow:
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Mrs. Reagan, meine Damen und Herren,
in diesen letzten Stunden vor
unserer Abreise stellen wir mit Zufriedenheit fest, daß der Besuch in
Washington, insgesamt gesehen, unsere
Hoffnungen erfüllt hat.
Hinter uns
liegen drei Tage intensiver Arbeit,
nüchterner und offener Diskussionen
über die herausragenden Probleme der
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
sowie über die bedeutenden Aspekte
der
gegenwärtigen
internationalen
Lage.
Es
ist
viel
erreicht
worden.
Insbesondere möchte ich nochmals den
Schritt hervorheben, der in der Geschichte des Nuklearzeitalters seinesgleichen sucht:
Die Unterzeichnung des Vertrags, in dessen Rahmen
die beiden militärisch und strategisch größten Mächte die Verantwortung zur tatsächlichen Zerstörung eines Teils ihrer Nuklearawaffen übernommen haben. Wir hoffen, auf diese
Weise den Prozeß der nuklearen Abrüstung in Gang zu setzen.

- 3 -

�In unseren Gesprächen mit Präsident Ronald Reagan haben wir bei den
Kernfragen
dieses
Prozesses
Fortschritte erzielt, indem wir uns auf
substantielle Reduzierungen bei den
strategischen Offensivwaffen der Welt
geeinigt haben, obwohl noch ein gutes
Stück Arbeit vor uns liegt. Wir hatten einen
fruchtbaren Gedankenaustausch, der zu einer Klärung der jeweiligen Position im Hinblick auf regionale Konflikte, Verbesserung unserer bilateralen Kontakte und Menschenrechte beigetragen hat.
in einigen dieser Bereiche werden wir aller Voraussicht nach schon bald definitive Lösungen ausarbeiten können,
die sowohl unseren Vorstellungen als
auch denen •'er anderen Länder gerecht
werden.
Ein nützliches Ergebnis der
Washingtoner Gespräche war, daß es
uns gelungen ist, eine Art Tagesordnung für gemeinsame zukünftige Bemühungen zu formulieren.
Dadurch wird
der Dialog zwischen unseren beiden
Ländern auf eine Grundlage gestellt,
die besser einzuschätzen und zweifellos konstruktiv ist.
Während dieser Besuch sich auf
meine Gespräche mit dem Präsidenten
der Vereinigten Staaten konzentrierte, möchte ich in keiner Weise die
Bedeutung der Zusammenkünfte mit Mitgliedern des Kongresses, anderen politischen Entscheidungsträgern, Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens, Vertretern des Geschäftslebens,
aus Wissenschaft und Kultur sowie der
Medien
schmälern.
Solche Kontakte
tragen dazu bei, zu einem besseren
und tiefergehenden Verständnis voneinander zu gelangen und sie bieten
vielfältige Möglichkeiten, die eigenen
Ansichten,
Beurteilungen
und
selbst
vorherrschende
Klischeevorstellungen zu überprüfen.
Alles dies ist von Bedeutung, sowohl in der Politik an sich als auch

in dem Prozeß, unsere Völker und Lander einander näher zu bringen. Diese
Treffen haben den Eindruck noch verstärkt, daß sich in der amerikanischen
Gesellschaft
zunehmend
der
Wunsch nach besseren sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
abzeichnet.
Mit anderen Worten, wir konnten hier
eine Bewegung
beobachten, die der
Einstellung entspricht, die im sowjetischen Volk sein langem vorherrscht.
Indem ich Abschied von Amerika
nehme, freue ich mich gleichzeitig
auf ein erneutes Wiedersehen, in der
Hoffnung, dann nicht nur die Hauptstadt zu sehen, sondern auch von
Angesicht
zu Angesicht mit diesem
außergewöhnlichen
Volk
zusammenzutreffen, um mit einfachen Amerikanern plaudern
und einen
lebhaften
Gedankenaustausch vornehmen zu können.
Meiner Überzeugung nach wird alles, was wir im Verlauf unserer Zusammenkünfte und Gespräche erreicht
haben, mit der Zeit beträchtlich zu
einer Verbesserung des Klimas in der
ganzen Welt und in Amerika beitragen,
in dem Sinne, daß es zu einer richtigeren und toleranteren Einschätzung
meines Landes - der Sowjetunion - geführt hat.
Heute sind die Sowjetunion und
die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler
Aber dieSicherheit nä'hergekommen.
ses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun und wir
müssen uns ohne weitere Verzögerungen
an &lt;3ie Arbeit machen.
Herr Präsident, verehrte Bürger
der Vereinigten Staaten. Wir danken
für Ihre Gastfreundschaft und wünschen allen Amerikanern Erfolg, Gesundheit und Frieden.
Ich danke Ihnen. Auf Wiedersehen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

16. Dezember 1987

44

ENGE KONSULTATIONEN MIT DEN EUROPÄERN OBER INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Bei den Verhandlungen, die zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über Mittelstreckenwaffen (INF) führten, haben die europäischen Außen- und Verteidigungsminister
die Anstrengungen der Vereinigten
Staaten einhellig unterstützt, einschließlich "unserer Vorlage der Null-Lösung", die letztlich akzeptiert wurde, erklärte Präsident Reagan am 14. Dezember 1987 in seiner Rede vor dem Institut für Strategische und Internationale
Studien in Washington.
"Unsere Verbündeten haben uns beigestanden, und wir
haben ihnen beigestanden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre, hier vor dem Institut für Strategische
und
internationale
Studien
(CSIS) zu sprechen, und erst recht zu
diesem Zeitpunkt, im 25. Jahr seines
Bestehens.
In den vergangenen 25
Jahren hat das CSIS einen außergewöhnlichen Umfang an Intelligenz und
Scharfblick in unsere nationale Sicherheitpolitik eingebracht, der seine Wurzeln gleichermaßen
im Hochschulbereich, der Diplomatie und dem
Geschäftsleben hat. Sie haben - intellektuell und moralisch - immer die
höchsten Ansprüche gestellt. sie ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben immer das Prinzip der Überparteilichkeit
hervorgehoben
und betont,
daß sich jede erfolgreiche Außenpolitik nicht auf einen Konsens der Republikaner oder Demokraten, sondern auf
einen Konsens aller Amerikaner stützen muß.
Daß ich heute hierher gekommen
bin, um mit Ihnen, den Fachleuten auf
diesem Gebiet, über Rüstungsreduzierungen zu sprechen - würde es Sie
überraschen, zu erfahren, daß es mich
an eine Anekdote erinnert?
Die Geschichte handelt von einem Mann, der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nach seinem Tod zum Himmelstor kommt,
wo Petrus ihn willkommen heißt und zu
ihm sagt: "Sie sind der jüngste Neuzugang von der Erde. Die Leute, die
schon einige zeit hier sind, möchte
gern hören, was dort unten passiert.
Können Sie dazu etwas erzählen?"
"Vielleicht", antwortete der Mann.
"Ich bin der einzige überlebende des
Hochwassers von johnstown. in dieser
Eigenschaft bin ich herumgereist und
habe bei vielen Gelegenheiten im ganzen Land Reden gehalten, in denen ich
die Schrecken und den Umfang der Katastrophe
beschrieben
habe.
Vielleicht würde sie das interessieren".
"Ich glaube schon", antwortete Petrus.
So erhielt er sein Publikum und
Petrus erklärte, ohne etwas über das
Thema zu sagen, es würden interessante Geschehnisse auf der Erde beschrieben, stellte ihn dann vor, und
als er zum Rednerpult ging, trat
Petrus zurück
und sagte:
"Dieser
Mann mit dem Bart in der zweiten Reihe außen heißt - Noah".
Aber es versteht sich von selbst,
daß unsere Nation bei jedem von Ihnen
eine große Dankesschuld
abzutragen
hat. Und ich würde gern einige Worte
des Dankes an jemanden richten, der
während seiner Amtszeit als Ihr Präsident dieser Institution und dieser
Nation unermüdlich gedient hat: Joe
Jordan, würden Sie sich bitte erheben?
Und auch an ein weiteres Mitglied, eines, dem wir als dem Gründer
dieser
Institution
unseren
Dank
schulden und dem wir bei seinen Vorbereitungen für seine Tätigkeit als
Ihr zukünftiger Präsident alles Gute
wünschen. Der frühere NATO-Botschafter und mein ehemaliger Sonderberater, David Abshire, soll sich bitte
erheben. Und ich freue mich auch, im
Publikum meinen ehemaligen Nationalen
Sicherheitsberater, Bud McFarlane, zu

erblicken.
Gerade habe ich von der Notwendigkeit
gesprochen, unsere
Politik
auf einen amerikanischen Konsens zu
stützen, weder auf eine einseitige
noch auf eine parteiliche Übereinkunft über die Ziele unserer Nation
in der Welt, sondern auf einen Konsens, der wahrhaft in dem Willen und
den Werten des amerikanischen Volkes
selbst verwurzelt ist. Bestimmte Aspekte dieses Konsens wurden uns von
unseren Gründervätern übergeben - vor
allem unsere Liebe zum Frieden und
unsere enge Bindung an die Freiheit,
Freiheit nicht nur für uns allein,
sondern, um mit Lincoln zu sprechen:
"Auch die Hoffnung, daß eine Zeit
kommen wird, in der die Bürde von den
Schultern
aller
Menschen
genommen
wird".
Was jedoch den Konsens über einen
besonderen politischen Weg betrifft,
mit dem diese amerikanischen Werte in
die Tat umgesetzt werden - diesen politischen Konsens müssen wir mit jeder wichtigen Entwicklung in unserer
Außenpolitik
selbst
hervorbringen.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Der von mir und Generalsekretär
Gorbatschow vergangene Woche unterzeichnete Vertrag bedeutet, wie Sie
wissen, eine historische Errungenschaft und einen wichtigen Schritt
hin zu einer sichereren Welt.
Aber
es besteht die Hoffnung auf noch
größere Fortschritte, die unsere Sicherheit stärken und die Ost-West-Beziehungen auf eine solidere Grundlage
stellen können. Und ich möchte Ihnen
dazu einige meiner Gedanken mitteilen.
Zunächst einmal zum historischen
INF-Vertrag selbst. Jeder von Ihnen
kennt natürlich den Hintergrund, wie
er sich im vergangenen Jahrzehnt ent-

�wickelt hat.
Aber erlauben Sie mir
dazu einige Ausführungen, da es wichtige punkte hervorzuheben gilt.
Im Jahr 1977 haben die Sowjets
erstmalig
ihre
SS-20
stationiert.
Dabei handelte es sich nicht um eine
weitere
taktische
Waffe
kürzerer
Reichweite, ähnlich denen, die sich
bereits in den Waffenarsenalen befanden und die zum beschränkten Gebrauch
auf dem Gefechtsfeld bestimmt waren.
Dabei handelte es sich auch nicht um
eine
weitere
Interkontinentalwaffe
längerer Reichweite wie die bereits
im Besitz der Vereinigten staten und
der
Sowjetunion
befindlichen.
Die
SS-20 war eine neue bedrohliche nukleare Mittelstreckenrakete
und in
der Lage, Ziele in Asien und überall
in Westeuropa zu treffen - Minuten
nach dem Start. Sie ist fähiger und
ausgereifter als ihre Vorgänger.
Die NATO hat auf dem Gebiet keine
vergleichbare Waffe als Gegengewicht
zu dieser neuen Bedrohung.
Trotzdem
haben die Sowjets diese neuen Waffen
kontinuierlich stationiert. Bis 1979
hatten sie etwa 130 INF-Raketen mit
etwa 390 Gefechtsköpfen disloziert,
im Jahr 1982 waren es bereits 300 Raketen mit mehr als 900 Gefechtsköpfen. Für unsere Freunde und Verbündeten in Europa und Asien stellten
diese Raketen eine massive und völlig
neue Dimension der Bedrohung dar
und damit komme ich zu meinem ersten
Punkt.
Mit
dem
von
mir
und
Herrn
Gorbatschow unterzeichneten INF-Vertrag wird nicht beabsichtigt, oberflächliche Verschiebungen in den Arsenalen der Supermächte vorzunehmen,
im Sinne von Zügen auf einem Schachbrett. All das jüngst vernommene Gerede über Zahlen, zahlen und nochmals
Zahlen könnte viele zu dieser Annahme
veranlaßt haben. Dennoch sollten wir

uns vor Augen führen, daß der Vertrag
etwas wirklich Greifbares hervorbringen will:
nicht die Neuordnung von
Zahlen, sondern die Abschaffung einer
ernsthaften Gefahr für unsere NATOVerbündeten und unsere eigenen Truppen in Europa sowie auch für unsere
Freunde und Verbündeten in Asien.
Wir erinnern uns alle daran, daß
es Bundeskanzler Helmut Schmidt war,
der in der NATO eine Führungsrolle
übernahm, als es darum ging, dieser
neuen Bedrohung zu begegnen. Bei einer Zusammenkunft im Jahr 1979 verabschiedete die NATO ihren berühmt gewordenen Doppelbeschluß.
Der erste
Schritt: die Stationierung einer begrenzten Anzahl unserer eigenen INFRaketen.
Der zweite Schritt:
die
Nutzung der mit den NATO-eigenen Stationierungen
demonstrierten
Einheit
und Stärke, um die Sowjets wieder an
den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Das ziel dieser Entscheidung der
NATO war niemals die ständige Stationierung amerikanischer INF-Raketen.
Die amerikanischen Stationierungen wurden immer als Mittel zum Zweck
betrachtet. Der zur Zeit des Doppelbeschlusses von 1979 amtierende französische Präsident Giscard d'Estaing
schrieb kürzlich, "die Stationierung
war eine taktische Übung mit dem bevorzugten ziel, die Sowjets zur Abschaffung ihrer SS-20 zu zwingen".
Zweifellos beabsichtigten die Sowjets, die Entschlossenheit der NATO
auf eine Probe zu stellen.
Und natürlich mußte die Stationierung unserer Pershing II und landgestützten
Marschflugkörper unter scharfem Protest und sogar Massendemonstrationen
erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Rede
in Bonn im Jahr 1982. Tausende von

- 3 -

�Demonstranten
marschierten
singend
über einen Fluß.
Und ich mußte unwillkürlich denken: Was für eine Ironie. Genau für die Sicherung des von
ihnen gewünschten Friedens hat sich
die NATO zur Stationierung der Raketen entschlossen, gegen die sie jetzt
protestieren, und eben diese von ihnen bekämpften Raketen helfen dabei,
ihre Freiheit zum Protest zu sichern.
Dennoch stand die NATO fest zusammen. Es wurde mit der Stationierung unserer Raketen begonnen.
Und
als wir Stärke zeigten und als klar
wurde, daß wir nicht einzuschüchtern
waren - erst danach nahmen die Sowjets ernsthafte Verhandlungen auf.
Der INF-Vertrag stellt den Höhepunkt
- den historischen Höhepunkt - dieses
langen und mühseligen Prozesses dar.
Einen
ersten
und
wichtigen
Schritt zum Aufbau eines dauerhafteren Friedens. zwei abschließende Bemerkungen über den Prozeß selbst.
Erstens ergibt sich aus dem, was
ich gerade beschrieben habe (...) daß
dies nicht allein eine Anstrengung
der Amerikaner, sondern ganz eindeutig eine Anstrengung des Westens war.
Von Anbeginn hatte die NATO erklärt,
daß wir bereit sein sollten, die Stationierungen der NATO auszusetzen, zu
verändern oder rückgängig zu machen,
wenn die Sowjets die Bedrohung durch
ihre SS-20 abschaffen würden.
Bei
allen Außenministertreffen der NATO
seit 1980 haben europäische Außenund
Verteidigungsminister
die
Anstrengungen der Vereinigten Staaten
zum Abschluß eines Vertrages einhellig unterstützt, einschließlich unserer Vorlage der Null-Lösung. Und bei
einer Reihe von Punkten in diesem
Prozeß haben unsere Verbündeten um
Veränderung oder Neugestaltung unserer Position bei den Verhandlungen
gebeten.
Unsere Verbündeten
haben
uns beigestanden, und wir haben ihnen

beigestanden.
Zweitens wird der Vertrag der
NATO eine wirksame nukleare Abschrekkung belassen, wie dies bereits vor
der ersten Stationierung sowjetischer
SS-20 im Jahr 1977 der Fall war. In
ihrem Abschlußkommunique des Treffens
vom vergangenen Monat haben die NATOVerteidigungsminister - eben die mit
der Absicherung der Sicherheit der
Verbündeten betrauten Regierungsvertreter - erklärt, der Vertrag "ist
durch die im Verlauf der letzten Jahre demonstrierte Entschlossenheit und
Solidarität der verbündeten Regierungen ermöglicht worden. Wir sind zuversichtlich, daß der INF-Vertrag in
naher Zukunft unterzeichnet und ratifiziert werden wird".
Und Premierministerin Thatcher nannte den Vertrag - und ich zitiere hier ihre unnachahmlichen Worte - "ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, ein zusätzliches Zeiches guten Willens und eine
schöne Art und Weise, das Jahr zu beenden". Angesichts der Tatsache, daß
mit dem Vertrag Ziele der NATO erreicht werden und daß er die einhellige Unterstützung unserer NATO-Verbündeten hat, aber, was noch wichtiger ist, angesichts unserer Pflicht
zur Erlangung eines sichereren Friedens durch unsere Arbeit zur Verbreitung der Freiheit, müssen wir am Ende
diesen Vertrag als Errungenschaft von
historischer
Bedeutung
würdigen.
Niemand hat vor dieser ersten Stationierung gedacht, die NATO sei "entnuklearisiert" worden.
Niemand hat
geglaubt, daß die Vereinigten Staaten
und Westeuropa auf irgendeine Art und
Weise voneinander abgekoppelt worden
seien. Ebensowenig können diese Vorwürfe gegen den Vertrag vorgebracht
werden.
Ich weiß, daß manche in Europa
und in den Vereinigten Staaten
vielleicht sogar einige der hier An-

- 4 _

�wesenden - diesen Vertrag skeptisch
betrachten. ich begrüße die Anhörungen zu seiner Ratifizierung im Senat
als ein Forum, in dem jedes mit dem
Vertrag
verbundene
Anliegen untersucht werden kann. Ich bin überzeugt
davon, daß die Anhörungen durch ihren
Verlauf
selbst Besorgnis
ausräumen
und zum erforderlichen Konsens beitragen werden. Erlauben Sie mir, Ihnen in der Zwischenzeit einige Beobachtungen darzulegen, die meiner Ansicht nach einen wichtigen Teil dieses Dialogs ausmachen sollten.
Innerhalb von drei Jahren werden
wir gemeinsam mit den Sowjets all unsere
INF-Raketen
vollständig
verschrotten.
Dabei werden die Sowjets
etwa viermal soviele stationierte Gefechtsköpfe vernichten wie die Vereinigten Staaten. Die Sowjets werden
nicht nur ihre SS-20 und SS-4 abbauen, sondern ebenfalls ihre ballistischen Kurzstreckenraketen der Typen
SS-12 und SS-23. Diese Kurzstreckenraketen
können mit chemischen und
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückt und gegen militärische Ziele
innerhalb der NATO eingesetzt werden
- besonders gegen solche Häfen, Depots und Landebahnen, die für den
Nachschubplan der NATO wichtig sind.
Damit wird es in drei Jahren keine
amerikanischen oder sowjetischen INFRaketen in Europa, in Asien und auf
der ganzen Welt mehr geben. Eine gesamte Kategorie nuklearer Waffen wird
abgeschafft sein.
Das System der Verifizierung wird
das strengste in der Geschichte der
RüstungskontrollVerhandlungen
sein
und weitreichende Auswirkungen haben.
Zum ersten Mal werden die Sowjets
Vor-Ort-lnspektionen
zulassen, einschließlich
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen. Wir werden die Fähigkeit erlangen, auf Verdacht hin sofort zu Ihnen zu gehen. Und sie kön- 5

nen bei uns dasselbe tun.
Das
ein bemerkenswerter Durchbruch.

ist

Was wir hier vor uns sehen, ist
ein neuer Ansatz in den Ost-West-Beziehungen - ein wirkungsvoller, verifizierbarer Vertrag, der nicht nur zu
einer Rüstungskontrolle führt, sondern zu den ersten Reduzierungen von
Nuklearwaffen
in
der
Geschichte.
Bundeskanzler Kohl hat den INF-Vertrag - und ich zitiere hier seine
Worte "einen großen Erfolg für das
Atlantische Bündnis" genannt.
Wir sollten jedoch gemeinsam über
den Vertrag hinausschauen um unsere
Strategie für die Zukunft zu betrachten.
Es ist
jedoch zunächst
einmal
klar, daß es unerläßlich ist, die
Stärke des Bündnisses zu erhalten.
Lassen Sie mich Ihnen von unserer
Seite versichern, daß unsere amerikanischen Soldaten in Westeuropa stationiert
bleiben
werden.
Und
ich
frage
mich,
welche
überzeugendere
Form
einer
"Ankopplung"
es
geben
könnte als diese Hunderttausende von
Amerikanern und ihre Familien, die
unter unseren europäischen Verbündeten leben und arbeiten?
Lassen wir weiterhin keinen Zweifel darüber aufkommen, daß unser Engagement für die NATO-Strategie der
flexiblen
Reaktion
fest
bestehen
bleiben und sicherstellen wird, daß
eine Aggression auf keinem Niveau erfolgreich sein kann. wir werden insbesondere in der Luft und zur See eine moderne nukleare Abschreckung aufrechterhalten.
Unser Engagement für
die ständige Bereitschaft der NATO,
wenn dies notwendig wird, auf jedwede
Form der Aggression zu reagieren,
bleibt ebenfalls bestehen.
Wie Sie wissen, tun wir, was wir

�können, um die nukleare Bedrohung zu
verringern.
Darüber
hinaus dränge
ich auf einen wirksam verifizierbaren
START-Vertrag, mit dem amerikanische
und sowjetische strategische Waffen
um 50 Prozent abgebaut werden.
und
während
des gerade
abgeschlossenen
Gipfels wurden in diesem Bereich weitere Fortschritte erzielt.

diesem Jahr in West Point erklärt habe, schien die NATO in den vergangenen 40 Jahren ein Bündnis zwischen
einzelnen
Partnern
und einem viel
stärkeren Partner zu sein. Die NATO
muß jedoch zunehmend ein Bündnis zwischen Gleichgestellten werden, vielmehr noch ein Bündnis zwischen zwni
Kontinenten.

Als
weiteren
wesentlichen
Bestandteil unserer Strategie für eine
sichere Zukunft werden wir unser SDIProgramm
weiter
vorantreiben.
Wie
ich vergangenen Donnerstag (10. Dezember) in meiner Rede an die Nation
erklärt habe, werden wir eine strategische
Verteidigung
stationieren,
wenn diese zur Stationierung bereit
ist.

Mit den Worten eines Mitglieds
unseres Kuratoriums, Henry, Kissinger,
müssen die Vereinigten Staaten - und
ich zitiere hier - "im Verteidigungsbereich
eine europäische
Id^nti t.xt'.
begrüßen, die letztlich dte Kooperation im Atlantischen Bündnis beflügeln wird.

Das ist die amerikanische Position. Im Hinblick auf unsere Verbündeten haben wir in den vergangenen
Jahren zunehmend die Bereitschaft erlebt, innerhalb des weiter gesteckten
Rahmens des Bündnisses für Westeuropa
eine größere, enger koordinierte Rolle anzustreben.
Wir haben zum Beispiel die Veröffentlichung einer Erklärung
der Westeuropäischen
Union
zur europäischen Sicherheit erlebt,
eine französisch-deutsche Zusammenarbeit
im
Verteidigungsbereich
und
Schritte Großbritanniens und Frankreichs zur Modernisierung ihrer unabhängigen nuklearen Abschreckung.
All dies begrüßen wir. Ich. möchte gerade darauf hinweisen, daß es
die Sowjets von 1981 bis zum Beginn
des Jahres 1986 für einen, jeden INFVertrag zur Bedingung gemacht haben,,
daß französische und britische Nuklearstreitkräfte
einbezogen
werden.
Wir haben uns dieser Forderung vehement und erfolgreich widersetzt. Wir
haben erklärt, unter keinen Umständen
für unsere Verbündeten verhandeln zu
können.
Wie ich bereits früher in

In diesem Sinne werden wir und
unsere Verbündeten bald Verhandlungen
mit dem Osten über eine Behebung des
Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften in Europa aufnehmen, während wir natürlich alle
notwendigen Schritte unternehmen, um
unsere
eigenen
konventionellen
Streitkräfte
zu stärken.
Und wir
messen der Beseitigung des gegenwärtig' zugunsten der Sowjets bestehenden
Ungleichgewichts bei den chemischen
Waffen, eine gleichermaßen hohe Priorität bei, sowohl bei den Verhandlungen als auch im Hinblick auf die Modernisierung unserer eigenen Streitkräfte, und wir handeln hier in dem
Verständnis, daß dieses Ungleichgewicht vor weiteren Reduzierungen bei
den nuklearen Streitkräften der NATO
behandelt werden muß.
Obwohl ich heute fast ausnahmslos
über Rüstungskontrolle gesprochen habe, möchte ich betonen, daß unser
Verhältnis mit den Sowjets viel mehr
umfaßt. Rüstungskontrolle stellt nur
einen Punkt auf der in vier Teile gegliederten Tagesordnung dar, der wir
uns in Genf, Reykjavik und Washington
gewidmet haben und auf der wir auch

- 6 -

�in Moskau bestehen werden. Die anderen drei Punkte lauten: echte Kooperation in bilateralen Angelegenheiten, solide und dauerhafte Verbesserungen bei den Menschenrechten, und,
was regionale Konflikte angeht, eine
Beendigung
weltweiter
sowjetischer
Anstrengungen,
gewaltsam
totalitäre
Regime zu errichten.
Einheit,
Stärke,
Beharrlichkeit
und Einmütigkeit - dies sind die Lektionen der INF-Verhandlungen, und sie
müssen die Grundlage bilden, auf der
wir und unsere Verbündeten neue Verhandlungen aufnehmen.
Dennoch sollten wir zur gleichen
Zeit, in der wir auf Offenheit und
Realismus bestehen - darauf, wenn Sie
so wollen, daß wir mit den Füßen fest
auf dem Boden bleiben - keine Angst
davor haben, zu träumen und unsere
Herzen beflügeln zu lassen.
"Verspottet
nicht
unsere
Träumer",
schreibt Heinrich Heine, "Ihre Worte
sähen die Freiheit".
Wer hätte in
der schwierigen Zeit der späten siebziger und frühen achtziger Jahre - in
der Zeit der Demonstrationen für einen Atomwaffenstopp hier und Massendemonstrationen in Europa - gedacht,
daß
ein
Vertrag,
wie
ihn
Herr
Gorbatschow und ich vergangene Woche
unterzeichnet haben, jemals erzielt
würde.
Wir
wollen dennoch
realistisch
sein, aber auch große Träume träumen.
Und wir wollen uns daran erinnern,
daß vielleicht das wichtigste Anliegen für die Rolle unserer Nation auf
der Welt dieses ist: als Amerikaner
ist es unsere Pflicht, den Frieden zu
sichern und gleichzeitig unermüdlich
für die Freiheit zu arbeiten.
Vielen Dank.

Gott schütze Sie.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

4

16. Dezember 1987

44

AMERIKANER UND SOWJETS VEREINBAREN GEMEINSAMES VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz und sein sowjetischer Kollege
Schewardnadse veröffentlichten am 9. Dezember 1987 eine gemeinsame Erklärung,
derzufolge die beiden Supermächte ein gemeinsames Experiment zur Verifizierung
von Atomtests durchführen werden. Dieses Experiment soll der Verbesserung der
Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von 1974 und den Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von 1976 dienen.
Die Erklärung der Außenminister hat folgenden Wortlaut:

Im Einklang mit der am 17. September 1987 in Washington verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zu den
Problemen in Zusammenhang mit Atomtests sind die Vereinigten Staaten
und die UdSSR damit befaßt, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment zu
entwerfen. Dieses Experiment soll so
bald wie möglich auf dem Versuchsgelände des jeweiligen Vertragspartners
(in Semipalatinsk bzw. in Nevada) zum
Zweck der Ausarbeitung verbesserter
Verifizierungsmaßnahmen
für
den
Schwellenvertrag
von 1974 und den
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

friedlichen Zwecken von 1976 durchgeführt werden.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Ausmaß
für
zukünftige
Vereinbarungen
über die Begrenzung von Atomtests Anwendung finden, die in der Folgezeit
erzielt werden könnten.
Für
das
gemeinsame
Verifizierungsexperiment wird jede Seite der
anderen die Gelegenheit bieten, die
Sprengkraft von einer oder zwei Explosionen auf dem Versuchsgelände jeder Seite zu messen. Die Sprengkraft
soll nicht unter 100 Kilotonnen und

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nahe bei 150 Kilotonnen liegen.
Zum Zweck des gemeinsamen Verifizierungsexperiments wird jede Seite auf der Grundlage strikter Gegenseitigkeit - die Gelegenheit haben, die
Sprengkraft der Explosionen zu Verifizierungszwecken zu messen, und zwar
unter
Anwendung
folgender
Mittel:
teleseismischer Methoden sowie, auf
dem Versuchsgelände des Partners, hydrodynamischer Methoden zur Messung
der Sprengkraft durch einen stationären Satelliten.
Zur Bestimmung der
Sprengkraftnorm sieht das Experiment
die Messung der Sprengkraft auf hydrodynamischem Wege im Sprengschacht
vor.
Das gemeinsame Verifizierungsexperiment ist nicht dazu ausgelegt,
statistisch relevante Ergebnisse zu
liefern. Vielmehr wird es so durchgeführt werden, daß alle anderen von
beiden Seiten ausgesprochenen Bedenken im Hinblick auf die Methoden behandelt werden, die von der jeweils
anderen Seite zur Verifizierung des
Schwellenvertrags von 1974 und des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken von 1976 vorgeschlagen wurden. Beide Seiten haben
außerdem vereinbart, daß das Experiment ausreichende Informationen ergeben wird, um diese Bedenken zu zerstreuen, indem ein Beispiel für die
Wirksamkeit der in dem gemeinsamen
Ver ifizierungsexperiment
angewandten
Verifizierungsmethoden geliefert sowie ihre Durchführbarkeit und Unaufdringlichkeit
veranschaulicht
wird.
Das Experiment wird somit die Grundlage für die Vereinbarung solcher Verifizierungsmaßnahmen
liefern,
die
von jeder Seite zur Verifizierung der
Einhaltung der Bestimmungen der Verträge von 1974 und 1976 angewandt
werden könnten.
Es wurde Einverständnis darüber erzielt, daß in Zukunft
jede
Seite
berechtigt
sein
- 2

wird, jede einzelne oder alle dieser
vereinbarten
Verifizierungsmaßnahmen
anzuwenden.
Um eine Vereinbarung über besondere technische und organisatorische
Parameter des gemeinsamen Verifizierungsexperiments zu entwickeln und zu
erlangen, sind beide Seiten übereingekommen, Ad-hoc-Arbeitsgruppen
für
ihre Verhandlungen zu bilden.
Um sich
auf
die
Planung
und
Durchführung des gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vorbereiten
zu
können, haben beide Seiten verabredet, Delegationen auszutauschen, die
das Testgelände der jeweils anderen
Seite besuchen. Diese Besuche, - in
der UdSSR auf dem Versuchsgelände von
Semipalatinsk und in den Vereinigten
Staaten auf dem Versuchsgelände von
Nevada, werden im Januar 1988 als
Vorbereitung auf die nächste Genfer
Verhandlungsrunde stattfinden.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,DN &amp;

16. Dezember 1987

44

DER INF-VERTRAG
Ein kurzer Abriß des US-Amts für Rüstungskontrolle -

- (AD) - (Die folgende Übersicht wurde am 8. Dezember 1987, dem Tag der
Unterzeichnung des Vertrags zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Sowjetunion über die Beseitigung der Mittelstreckenraketen kürzerer und
längerer Reichweite durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow,
vom US-Amt für Rüstungskontrolle (ACDA) veröffentlicht.)

Der INF-Vertrag verpflichtet die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Beseitigung aller landgestützten
ballistischen
Systeme und
Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5 500 Kilometern und
gibt beiden Seiten das Recht, Verifizierungsmaßnahmen
durchzuführen, um
die Einhaltung des Vertrages zu überwachen.
Der INF-Vertrag besteht aus vier
Hauptdokumenten, in denen die grundsätzlichen
Verpflichtungen
und die
Mittel zur Durchführung dieser Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

pflichtungen definiert werden.
Dies sind:
- Die Vertragsartikel, denen zufolge die Vereinigten Staaten und
die
UdSSR verpflichtet
werden,
innerhalb von drei Jahren alle
ihre Systeme mittlerer und kürzerer Reichweite abzuschaffen und
solche Systeme von diesem Zeitpunkt
verboten
sind.
Außerdem
sind diesen Artikeln gemäß Regelungen für die Vereinfachung einer wirksamen Verifizierung der

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vertragseinhaltung zu akzeptieren.
- Die Regierungsvereinbarung (Memorandum of Understanding) über die
Daten, das die Daten mit Stand
vom 1. November 1987 enthält, die
vor Unterzeichnung durch die Parteien im Hinblick auf Orte, Zahlen und Charakteristika der Raketensysteme mittlerer und kürzerer
Reichweite beider Seiten ausgetauscht wurden.
- Das Inspektionsprotokoll, in dem
die Verfahren für die Durchführung der vereinbarten Inspektionen vor Ort, darunter kurzfristig
anberaumte Inspektionen und die
ständige Überwachung von Ein- und
Ausgängen, festgelegt werden.
- Das
Beseitigungsprotokoll,
das
eine
detaillierte
Beschreibung
der vertraglich geregelten Verfahren zur Vernichtung von Raketen, Abschußvorrichtungen, Unterstützungseinrichtungen,
Unterstützungsgebäuden und Unterstützungsgerät enthält.

Die grundsätzlichen Vertragsverpflichtungen
Der Vertrag sieht vor, daß die
Parteien
alle
ihre
Raketensysteme
mittlerer und kürzerer Reichweite beseitigen und verbietet den Parteien,
nach diesem Zeitpunkt solche Systeme
herzustellen.
Er gebietet zusätzlich
die Beseitigung der mit diesen Raketen in Zusammenhang stehenden Einrichtungen.
Die Mittelstreckensysteme sind in zwei Phasen innerhalb von
drei Jahren zu beseitigen; die Kurzstreckenraketen müssen innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten beseitigt werden.
Die im vertrag

genannten Mittel-

streckensysteme
sind
die
amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper (GLCM) sowie die
sowjetischen SS-20, SS-4 und SS-5.
Die im Vertrag genannten Systeme kürzerer Reichweite sind die amerikanische Pershing IA und die sowjetischen SS-12 und SS-23. Die Regierungsvereinbarung zu den Daten unterteilt diese Systeme in zwei Kategorien:
stationierte und nichtstationierte Systeme. Jede Seite hat mit
Stand vom 1. November 1987 Daten zu
Zahl, Orten und technischen Charakteristika ihrer INF-Raketensysteme geliefert.
Wenn diese Daten nach Inkrafttreten
des Vertrages auf den
neuesten Stand gebracht worden sind,
werden sie durch Inspektion verifiziert.
über die besonders aufgelisteten
zu vernichtenden amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketensysteme hinaus definiert der Vertrag diese Kategorie von Systemen allgemeiner durch
ihre Reichweite (d. h. 500 - 5 500
Kilometer) und verpflichtet jede Seite, solche Systeme während der - unbegrenzten - Vertragsdauer weder herzustellen noch zu besitzen.
Nach Inkrafttreten des INF-Vertrags darf keine Seite Raketen mittlerer oder kürzerer Reichweite herstellen oder im Flug erproben oder
Abschußvorrichtungen für sie herstellen. Während es beiden Seiten jedoch
verboten ist, Raketen kürzerer Reichweite
überhaupt
abzuschießen, wird
ihnen innerhalb der ersten sechs Monate der Vertragsdauer gestattet, bis
zu
100 Mittelstreckenraketen
abzuschießen, allerdings nur zum Zwecke
ihrer Vernichtung.
Solche Abschüsse
zu Vernichtungszwecken dürfen nicht
auf eine Art und Weise durchgeführt
werden, die nützliche
Erkenntnisse
für die Entwicklung von Raketen hervorbringt. Außerdem unterliegen die-

- 2 -

�ten
und
nichtstationierten
Abschußvorrichtungen
zu den Vernichtungseinrichtungen zu transportieren.
Die
verbleibenden
nichtstationierten Raketen kürzerer Reichweite müssen innerhalb
eines Jahres zu den Vernichtungseinrichtungen transportiert werden.

se Abschüsse der Inspektion vor Ort.
Der Vertrag gibt beiden Parteien
das Recht, ein System einzurichten,
das die ständige Anwesenheit von Inspektoren zur Überwachung von Raketeneinrichtungen auf dem Territorium
des Vertragspartners vorsieht.
Die
Vereinigten
Staaten werden in dem
Fall das Recht haben, solch eine Inspektion
einer
sowjetischen
SS-20Einrichtung in Wotkinsk durchzuführen, während den Sowjets gestattet
wird, eine amerikanische Einrichtung
für Pershing
II-Raketen
in Magna,
Utah, zu inspizieren.

Der dreijährige Reduzierungszeitraum

- Der Transfer von INF-Raketen zwischen ihren genehmigten Standorten hat innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erfolgen.
Der Vertrag fordert ferner, daß
die Vereinigten Staaten und die UdSSR
die Benachrichtigung von vertragsrelevanten Handlungen vornehmen. Diese
umfassen:

Um die Verifizierung zu vereinfachen, sieht der Vertrag eine Reihe
von Verpflichtungen
zur
Begrenzung
der
INF-Aktivitäten
innerhalb
des
dreijährigen
Reduzierungszeitraums
vor, darunter die folgenden:
- Mittelstreckensysteme
und
ihre
Abschußvorrichtungen
dürfen
nur
in ihren festgelegten Stationierungsgebieten
oder
Unterstützungseinrichtungen, wie etwa Lagerungs-,
Instandsetzungs- oder
Beseitigungseinrichtungen
untergebracht sein oder zwischen diesen
in der vereinbarten Weise
verlegt werden.
Alle zugelassenen Orte sind durch geographische
Lage und Größe im Datenaustausch
benannt und definiert.
Befindet
sich
irgendein
vertraglich begrenzter Gegenstand an einem vertraglich nicht zugelassenen Ort,
so bedeutet dies eine Verletzung
des Vertrags.
- Innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Vertrags sind alle stationierten Raketen kürzerer
Reichweite sowie alle stationier-

- Ursprungs- und Bestimmungsort von
im Transfer befindlichen Raketen
und
Abschußvorrichtungen,
einschließlich
von
in
bestimmten
Zeitabständen zu liefernden Informationen über ihren Standort.
- Daten über die Eliminierung von
Stationierungsgebieten,
Stützpunkten
und
Unterstützungseinrichtungen.
- Datum, Ort, Anzahl und Typ von
Raketen und Abschußvorrichtungen,
die auf einem dafür bestimmten
Gelände vernichtet werden sollen.
- Datum, Ort und Typ von Raketen,
die durch Abschuß vernichtet werden sollen.
Nachdem
der
Vertrag
in Kraft
tritt, werden die Daten auf den neuesten stand gebracht.
Im Anschluß
daran
erfolgt
die Benachrichtigung
über Änderungen dieser Daten in vorgeschriebenen Zeitabständen.

- 3 -

Alle

diese

Benachrichtigungen,

�einschließlich der fortgeschriebenen
Daten und Inspektionen werden durch
die Zentren zur nuklearen Risikoverminderung übermittelt.

Beseitigungsverfahren
Der Vertrag
und das Protokoll
über die Beseitigung enthalten die
allgemeinen
Richtlinien
und spezifischen Verfahren für die Beseitigung
von
Raketen,
Abschußvorrichtungen,
Unterstützungseinrichtungen und -gerät.
- Raketensysteme
werden
in vollständigen
Organisationseinheiten
abgebaut, um die Aufgabe der Verifizierung zu erleichtern.
- Die
Vernichtung
erfolgt
schließlich in beiderseitig
einbarten Einrichtungen.

ausver-

- im Einklang mit den oben genannten Bestimmungen können maximal
100 Mittelstreckenraketen
durch
Abschuß vernichtet werden.
- Die
wichtigsten
Unterstützungseinrichtungen
werden an ihrem
Standort vernichtet.

Verifizierungsverpflichtungen
Während die Vereinigten Staaten
zur Überwachung des Vertrags weiterhin ihre Nationalen Technischen Mittel (NTM) anwenden, besteht ein zusätzliches wichtiges Mittel zur Erleichterung der Verifizierung in dem
neu
in
den
Vertrag
aufgenommenen
Recht auf Inspektionen vor Ort.
Die Inspektionen vor Ort umfassen
folgende Typen:
- Grundinspektionen

-

Sie

tragen

zur
Verifizierung
des
anfänglichen Austauschs fortgeschriebener Daten bei und enthalten das
Recht
auf
vor-Ort-lnspektionen
vereinbarter und in der Regierungsvereinbarung
aufgeführter
Standorte innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Vertrags. Dies erstreckt sich - zusätzlich zu den Standorten in der
Sowjetunion - auch auf Einrichtungen
und
Stützpunkte in der
Deutschen Demokratischen Republik
und der Tschechoslowakei, wo die
Sowjetunion Raketensysteme kürzerer Reichweite stationiert hat.

,

- Abschlußinspektionen - Nach Beseitigung der Stützpunkte und Raketenunter stützungsei nri cht ungen, ha
ben die Vereinigten Staaten das
Recht zur Durchführung von Inspektionen, um festzustellen, daß
vertraglich verbotene Handlungen
beendet worden sind.
Falls die
Vereinigten
Staaten
dies
wünschen, können sie in allen diesen
Standorten
eine
Abschlußinspektion durchführen.
- Beseitigungsinspektionen
Die
Vereinigten
Staaten
haben
das
Recht, die Vernichtung von Raketen und Abschußvorrichtungen am
Ort der Beseitigung zu beobachten.
Das Verfahren zur Beseitigung ist im Protokoll über die
Beseitigung
vorgeschrieben
und
die
Vereinigten
Staaten
sind
durch die Inspektionen in der Lage, die Durchführung dieser Verfahren
zu
beobachten.
Dieses
Recht zur Beobachtung der Beseitigung von Raketen und Abschußvorrichtungen ist nicht durch irgendeine Quote begrenzt.
- Kurzfristig anberaumte Inspektionen - Nach Inkrafttreten des Vertrags haben die Vereinigten Staa-

.

�ten und die UdSSR 13 Jahre lang
das Recht, eine bestimmte Anzahl
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen vereinbarter Standorte pro
Jahr durchzuführen.
Damit haben
die Vereinigten Staaten in den
ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages - das heißt,
bevor alle Systeme beseitigt worden sind - das Recht auf jährlich
20 kurzfristige Inspektionen von
gegenwärtig noch in Betrieb befindlichen Stützpunkten und Einrichtungen, sowie derjenigen, die
bis dahin beseitigt sein werden.
In den ersten fünf Jahren nach
der vollständigen Beseitigung von
INF-Raketensystemen
können
die
Vereinigten Staaten 15 vor-OrtInspektionen pro Jahr durchführen.
Im Verlauf der nächsten
fünf Jahre können die Vereinigten
Staaten
zehn entsprechende Inspektionen pro Jahr durchführen.
Überwachung der Ein- und Ausgänge
von Produktionsstätten - Im speziellen
Fall
der
sowjetischen
SS-25 ICBMs, die in einer Einrichtung zusammengebaut wird, in
der früher SS-20-Raketen montiert
wurden, hat die Sowjetunion ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben, den Vereinigten
Staaten
den Bau eines permanenten Uberwachungssystems in den Einrichtungen zur Endmontage der SS-25
in Wotkinsk in der Nähe des Urals
zu gestatten oder in jeder anderen Einrichtung, in der in Zukunft die Endmontage der SS-25
vorgenommen werden könnte.

spektionen vor Ort zur Verifizierung der Einhaltung des INF-Vertrags haben sich die Parteien dazu verpflichtet, keinen Einfluß
auf die NTM der anderen Seite zu
nehmen sowie spezifische Schritte
zur
Verbesserung
der
Fähigkeit
der anderen Seite zu unternehmen,
Überwachungen mittels NTM durchzuführen.
Die besondere Verifizierungskommission - Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR haben sich ferner
darauf geeinigt, eine besondere
Verifizierungskommission zu gründen, die auf Bitte jeder Seite
zur Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Einhaltung des
Vertrags einberufen werden kann.

Ratifizierung und Dauer des Vertrags
Alle
Vertragsdokumente
einschließlich
der
Regierungsvereinbarung über den Datenaustausch, das Inspektionsprotokoll sowie das Beseitigungsprotokoll unterliegen der Ratifizierung.
Der
INF-Vertrag
ist von unbegrenzter
Dauer.
Jede Partei kann
sich vom Vertrag zurückziehen, sollte
sie zu dem Schluß gelangen, daß aussergewöhnliche, im Zusammenhang mit
dem Inhalt des Vertrags stehende Ereignisse ihre vornehmsten Interessen
gefährden.

Detaillierte Verfahren zur Durchführung aller der oben genannten Inspektionen sind im Inspektionsprotokoll enthalten.
- Nationale Technische Mittel - Zusätzlich zur Genehmigung von In- 5 -

* * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

16.Dezember 1987

44

TECHNISCHE VORVEREINBARUNGEN ÜBER RAUMSTATION
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

WASHINGTON - (AD) - Die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) hat
jetzt Vorverträge an vier amerikanische Firmen zum Bau einer Raumstation vergeben. Die Anfang Dezember von NASA-Administrator Dr. James C. Fletcher bekanntgegebenen Vereinbarungen mit der Boeing Aerospace Company, McDonnell
Douglas Astronautics Company, General Electric Company und Rockwell International (Rocketdyne Division) bilden die Vorstufe zu offiziellen Verträgen,
die eine Laufzeit von ca. zehn Jahren hätten und Aufwendungen von ca. fünf
Milliarden Dollar erforderten. Einzelheiten werden noch ausgehandelt.

Gegenüber
Journalisten
verwies
Fletcher jedoch darauf, daß der Bau
einer Raumstation, der auf der Basis
vorliegender Pläne auf 14 Milliarden
Dollar veranschlagt wird, von Budgetbewilligungen abhänge, die der amerikanische Kongreß erst nach den Gesprächen
und Abmachungen
mit dem
Weißen Haus zum Abbau des Haushaltsdefizits
verabschieden
könne.
Die
jetzt vorgesehene Station, die Mitte
der
neunziger
Jahre
betriebsbereit
sein soll, ist erheblich kleiner als
die ursprüngliche Version.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Gerüstkonstruktion, Kontrollsysteme und Vorrichtungen zur Aufnahme von Nutzlasten und anderer Untersysteme würden von einer Firmengruppe
unter Führung von McDonnell Douglas
entwickelt (Kosten: ca. 1,9 Milliarden Dollar).
Boeing erhielt den Zuschlag für den Bau von zwei Druckmodulen, in denen Astronauten leben und
arbeiten können (Kosten: 750 Millionen Dollar).
General Electric hatte
als einziger Anbieter Pläne für die
Konstruktion
einer
freifliegenden,
unbemannten
Forschungsplattform
zum
Einsteuern in eine polare Umlaufbahn

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�vorgelegt
(Kosten:
800
Millionen
Dollar).
Und Rocketdyne machte das
Angebot, die Systeme zur Stromversorgung zu entwickeln und herzustellen
(Kosten:
1,6
Milliarden
Dollar).
Die erste Stufe der Errichtung einer
Raumstation, die sich über insgesamt
elf Jahre erstreckt, wäre damit technisch gesichert. in der zweiten stufe würden einige Erweiterungsbauten
vorgenommen (Kosten: ca. 1,5 Milliarden Dollar).
Den jetzt vorliegenden Plänen zufolge soll die Raumstation der Forschung für wissenschaftliche und kommerzielle
Zwecke
dienen
und
als
Startplattform für künftige Flüge zum
Mond und Mars benutzt werden. In die
Gerüststruktur, die an beiden Enden
mit Solarzellen bestückte Stromkollektoren trägt, sind im Zentrum vier
Druckmodule eingefügt.
zwei liefern
die USA, die beiden anderen Japan und
die Europäische Raumfahrtbehörde ESA.
Mit der Montage der Station im Orbit
soll 1994 begonnen werden. Die Teile
werden in ca. 19 Raumtransporterflügen in die Erdumlaufbahn gebracht.
Die Raumstation bietet acht Personen
Unterkunft.

Die Verhandlungen mit Kanada hinsichtlich einer Beteiligung sind bisher am weitesten gediehen.
Kanada
wird den mechanischen Arm beisteuern,
der für die Montagearbeiten erforderlich ist.
Mit Japan und Westeuropa
wird derzeit noch über den Zugang zu
Stationselementen und zu Forschungsdaten verhandelt.
Wie NASA-Administrator Fletcher erklärte, würden die
Vereinigten
Staaten ungeachtet
des
Fortgangs der Gespräche mit den internationalen Partnern die Raumstation in Angriff nehmen.
Er zweifle
aber nicht daran, daß "sie an Bord
kommen werden".

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Abschlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: "Fortschritte" bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enge Konsultationen mit den Europäern über INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans vor dem CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der INF-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technische Vorvereinbarungen über Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA wählte die Vertragsfirmen aus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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